Aig Verpaßter Omnibus ho Berlin, 31. Januar Von unserem dipiomatischen Mitarbeite: Im Fernen Osten hat es geblitzt: es war nur ein kleiner Blitz, vielleicht aber der Vorläufer eines kommenden Gewitters. Die Sowjetunion hat nach China die Vietminh-Regierung des Rehellenführers Ho Tschl Minh in Indochina anerkannt Ein neuer Erfolg des Kremis in seiner Taktik, durch starke Stiche die Westmächte in Aufregung zu halten, damit sie den politischen Omnibus verpassen Während die China vorgelagerten Staaten die amerikanische Hilfe vergeuden, die Angehörigen der korrupten Staatsapparate sich bereichern und die sozialen Ungerechtigkeiten ihres Regimes mit US-Waffen und Dollars verteidigen wollen, unternimmt die Sowjetunion den ersten Schritt zu einer sofortigen Entscheidung. Sie greift schnell der britischen Anerkennung des franzosenfreundlichen Bac Dais vor, indem sie seinem Gegenspieler das Diplomatenkleid der Anerkennung gibt Sie verlagert dadurch einen Teil der Auseinandersetzung Kommunismus — Antikommunismus direkt nach Südostasien und hofft, daß sie mit dem Vorzug der strategischen inneren Linie und durch eine Fesselung der amerikanischen Aufmerksamkeit auf drei Punkte an jeweils einem dieser Punkte mit wechseindem Schwergewicht Es bestett die Gefahr, daß sich in dem noch nicht kommunistischen Teil Asiens die Tragödie der amerikanischen Hilfe für Tschlangkaischek wiederholt, mit den gleichen Vorzeichen und unter den gleichen Umständen. Dollars halten eine Idee und eine Sehnsucht nicht auf, die Sehnsucht nach einer sozialen Revolution, einer Freiheit von Feudalherren und Unterdrükkung, ohne sich sofort dem Kommunismus in die Arme werfen zu wollen Schuld an dieser Entwicklung sind die USA, die Im Fernen Osten den brüchigen sozialen Stillstand mit Geld verteidigen wollen und sich nicht mit den jungen Sozialreformern dieser Länder verbanden Wenn es aber zu spät ist, dann nützt eine Reform, wie die Landreform in China sechs Wochen vor Beendigung des Krieges, auch nichts mehr. Dann ist der Omnibus endgültig verpaf“ Die Nehrheit der amerikanischen Parrlamentanier für Beginn der Arbeiten Osi Steneh Wasseisiellbemde her Truman gab Atomenergie-Kommission endgültig Auftrag Präsident Truman gab der amerikanischen Atomenergiekommission am Dienstag den Auftrag, die Arbeiten an der Wasserstoftbombe autzunehmen. Dieser Entschlußz Trumans überrascht nicht, nachdem sich in den letzten Tagen die Mehrheit der Parlamentarier für die Wasserstoftbombe ausgesprochen hat. dmt Washington, 31. Januar. Der Vorsitzende des außenpolitischen Atomenergieausschusser des Senates, Conally. begründete die Forderung nach der Wasserstoffbombe damit, daß die Sicherheit der USA die beste Waffe für die militärischen Streitkräfte erfordere, und gerade für die Erhaltung des Weltfriedens müsse Amerika stark bleiben und sich auch der neuen Bombe notfalls bedienen können. Ahnlich begründete auch Präsident Truman seinen Entschluß. Das Prinzip der Wasserstoffbombe ist dem der früheren Atombomben entgegengesetzt; diese setzen radioaktive Energie im Prozeß der Atomzertrümmerung frei; jene dagegen erzeugen Energie bei der Verschmelzung der Atome. Eine Wasserstoffbombe von 10 Kilo Gewicht würde 800mal so explosiv wirken wie die Uraniumbombe, die über Hiroshima abgeworfen wurde. Sie würde Zerstörungen in einem Umkreis von 30 Kilometern anrichten. Auf der Sonne geschieht der Atomaufbau des Helium bei einer Temperatur von 20 Millionen Grad und unter einem Druck von 160 Milliarden Atmosphären. Ahnliche, sogar größere Hitzegrade und Atmosphärendruck finden im Zentrum einer explodierenden Atombombe vom Uranium-PlutoniumTyp statt. Die Wasserstoffbombe müßte also durch eine solche Atombombe alten Stils zur Initialzündung gebracht werden. Es ist müssig, darüber zu spekulieren, ob eine solche Bombe nun genau 1000mal so Erisant sein kann wie die Hiroshima-Bombe— schon 100mal genügt. einen erschaudern zu lassen. Die Russen haben einen ausgezeichneten Physiker, Kapitza, der über Wasserstoffatome genau so viel weiß wie irgend jemand auf der Welt. Wie wird der Rüstungswettlauf mit Professor Kapitza enden? Russland will chinesische Häfen Die Möglichkeit eines bewatinelen Konfliktes mit den Westmüchten rs Stockholm, 31. Januar Von unserem Korrespondenten Zu den russisch-chinesischen Verhandlungen, in denen die russischen Forderungen nach einer Kontrolle über eine Anzahl chinesischer Häfen längs der Küste des Pazifik sowie nach Benutzung verschiedener Militärstützpunkte in China selbst eine große Rolle spielen, erfährt man aus eingeweihten Kreisen eine Reihe von Einzelhelten. Unter anderem heißt es, daß Sowjetrußland seine Forderungen gegenüber Fünfmal Vertrauenstrage gestellt Ministerpräsident Bidault seizte sich in der Nationalversammlung durch dmt Paris, 31. Januar. Pessimistische Voraussagen, Ministerpräsident Bidault werde am Dienstag schwer sagen können, ob er den Abend noch als Ministerpräsident erleben werde, sind nicht in Erfüllung gegangen. Die Nationalversammlung sprach ihm das Vertrauen aus, und zwar stimmten bei der ersten von den fünf Vertrauensfragen, die Bidault gestellt hatte, 299 Ab40000 volksdeutsche Kinder blieben in Jugoslawien zuruck Das in Salzburg gegründete„Forschungsinstitut für Fragen der Heimatlosen“ hat ein erschütterndes Dokumentarwerk über das Schicksal von 40 000 volksdeutschen Kindern in Jugoslawien herausgebracht. Die jugoslawischen Reglerungsstellen weigern sich, diese Kinder ihren Familien, die als Heimatlose in Oesterreich oder Deutschland leben, zurückzugeben. Man hat den Kindern bei der Einweisung in die Lager alles genommen, was sie irgendwie an die Vergangenheit oder das Elternhaus erinnern konnte. Es wurde nur serbisch gesprochen. Die jugoslawische Regierung hat allen Vorstellungen gegenüber ein taubes Ohr. * Die amerikanischen Boeing-Flugzeugwerke haben eine neue Superfestung entwickelt. Das Flugzeug hat eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 500 bis 650 Stundenkilometern und kann eine Flughöhe von 12000 Meter erreichen. * Der unter dem Namen„Samba-Expreß“ bekannte Sonderzug der Bundesbahn soll umgetauft werden. Nach dem Fasching soll durch ein Preisausschreiben ein passender Name gefunden werden. * Im Bayreuther Schlachthof wurde ein Ochse angeliefert, den der Wiegemeister sweimal auf die Waage stellte, weil er glaubte, sich beim Ablesen des Gewichtes getäuscht zu haben. Der Ochse wog 23 Zentner. * Ein Dakota-Flugzeug, das sich auf der Buche nach einer vermißten Skymaster befand, stürzte über dem Geblet von Nuken(Nordwestkanada) ab. Die fünf Meassen kamen mit Verletsungen davon. Die Skymaster hatte 36 Passaglere und acht Mann Besatzung an Bord. * Deutschlands höchstgelegenes Schwefelmoorbad, das Luitpold-Bad im Allgäu, ist jetzt wieder als Heilbad in Betrieb genommen worden, nachdem es sieben Jahre lang beschlagnahmt worden war. * Der 85jährige Alessandro Urbani heiratete In Florenz auf dem Krankenbett die 82jährige Tommasina Sclaver. Als der Pfarrer die Worte sprach:„... bis daß der Tod Euch scheidet“, flüsterte der greise Bräutigam kaum hörbar„Ja“— und starb. Die Braut erlitt einen Nervenzusammenbruch. * In München begann die Verhandlung gegen den 37jährigen Sport-Journalisten Johann Miller, der vor genau zwei Jahren seine Freundin, die 47jährige Elisabeth Sallen aus Paderborn, im Deisenhofener Forst bei München ermordete und beraubte. Erst nach fünf Monaten wurde die Leiche entdeckt. Miller ist noch wegen Beihilfe an der Ermordung eines SS-Mannes in Italien angeklagt. Im Jahre 1941 wurde er wegen eines äußerst gewalttätigen versuchten Notzuchtverbrechens zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Kriegsende gab sich Miller als„politischer Häftling“ und in einigen Fällen als CIC-Beamter aus. * George Bernhard Shaw hat sich bereit erklärt, die ihm vom Bürgermeister von Mölln übermittelte„Ehreneulenspiegelschaft“ anzunehmen. Die kleine Stadt Mölln in Schleswig-Holstein feiert in diesem Jahr den sechshundertsten Geburtstag von 71I1 Eulenspiegel. geordnete für und 299 gegen die Regierung. Diese Vertrauensfrage war mit dem Regierungsantrag auf eine einprozentige Erhöhung der Produktionssteuer verbunden. Bei der zweiten Vertrauensfrage erhlelt die Regierung 301 Stimmen. Es handelte sich um die Wiedereinführung der Besteuerung nicht ausgeschütteter Dividenden. Bei der dritten Abstimmung erklärten sich 294 Abgeornete für und 291 gegen die Regierung. Damit war auch eine Steuer auf Straßentransportunternehmungen gebilligt. Uber die beiden letzten Vertrauensfragen entspannen sich stundenlange Debatten, die am Spätnachmittag damit endeten, daß Bidault noch zweimal das Vertrauen ausgesprochen wurde. Bei der fünften Abstimmung sogar mit 300 gegen 284 Stimmen. Der Strom von Flüchtlingen aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet ist im Durchgangslager Uelzen-Bohldamm in den letzten Wochen wieder auf rund 270 Flüchtlinge täglich angestiegen. China mit der unbedingten Notwendigkeit begründe, die Vorbereitungen für die Möglichkeit eines bewaffneten Konfliktes mit den Westmächten im Fernen Osten schon jetzt zu treffen. Aus diesen Gründen müßten schon in Friedenszeiten eine Reihe von Häfen und Stützpunkten für die russische militärische Führung zur Verfügung stehen, denn das chinesische Heer sei viel zu schwach. Sowjetunion erkennt Ho-Tschl-Minh-Regierung an dmt Moskau, 31. Januar. Die Sowjetunion hat die Aufständischen In Indochina, die eine sogenannte demokratische Republik Vietnam unter Ho Tschi Minh bildete, anerkannt und wird diplomatische Beziehungen mit ihnen aufnehmen. Ein Vertreter Ho Tschi Minhs überreichte ein Gesuch um Anerkennung seiner Regierung. Außenminister Wyschinski hat die Anerkennunsserklärung unterzeichnet. Der Aufständischen-Führer Ho Tschl Minh kämpft seit drei Jahren gegen die Franzosen Die Franzosen unterstützen Bao Dai, der allgemein als das rechtmäßige Oberhaupt Vietnams angesehen wird. In einer Erklärung der Ho-TschiMinh-Regierung wünscht sie die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit jeder Regierung, die die Souveränität Vietnams respektiere London nicht überrascht rs London, 1. Februar. Die Anerkennung Ho Tschl Minhs durch die Sowjetunion hat in London nicht überrascht. Nach der Anerkennung durch Rot-China, die gelegentlich der Moskauer Besprechungen Mao Tse Tungs beschlossen wurde, herrschte in London kein Zweifel über die Uebereinstimmung der rotchinesischen und der russischen Stiostasien-Politik. Hilpert redet der Post das Wort Abgaben für Fernsprechanschlüsse werden als notwendig hingestellt dp Wiesbaden, 31. Januar Der hessische Finanzminister Dr. Hilpert erklärte in Wiesbaden zu dem Plan der Post, für bestehende Fernsprechanschlüsse 200 und für neue Fernsprechanschlüsse 300 Mark zu erheben, daß jedes kollektive Zwecksparen nicht schön sel. Die Abgaben seien aber erforderlich, da die deutsche Fernmeldeindustrie gegenüber dem Ausfand in kürzester Zeit wettbewerbsfähig gemacht werden müsse. Außerdem könne durch eine Vorleistung auf neue Fernsprechanschlüsse erreicht werden, daß nur dringend erforderliche Anschlüsse beantragt würden. Dr. Hilpert tellte mit, daß das rechnerische Defizit des hessischen Staatshaushaltes nach den ersten neun Monaten des laufenden Etatjahres bereite rund 127 Millionen Mark betrage. Wellere 1.3 Millionen ERP-Dollar für die Bundesrepublik dp Washingten, 31. Januar. Die Marshallplan-Verwaltung in Washington hat der Bundesrepublik Deutschland am Dienstag weitere 1.3 Millionen Dollar zum Ankauf von NE-Metallen, Erzen und Konzentraten zugeteilt. Adenauer kündigt Mahznahmen gegen Arbeitslosigkelt an 0l Bonn, 31. Januar. Bundeskanzler Dr. Adenauer kündigte am Dienstag auf einer Sitzung der CDU/CSU-Bundesfraktion in Bonn energische Maßnahmen der Bundesreglerung zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit an. Im Verlauf der Fraktionssitzung wies Dr. Adenauer darauf hin, daß in der Saarfrage eine gewisse Beruhigung eingeen sei. Die Bundesregierung err seine überstürzten Maßnahmen an der Saaz. Politik der Regie om Berlin, 31. Januar Non anderen dlblomatiechen Aättarbeiter Die Verwirrung, die durch unkontrollierte Interviews, Reden und Denkschriften in Bonn entstanden ist und die ihre Wellen in die internationalen Beziehungen schlägt, ruft die Erinnerungen wach an die„Daily Telegraph“Affaire im Jahre 1908, durch die das Verhältnis Deutschlands zu England schwer belastet und die Neigung des Kaisers zu persönlicher Polltik vor aller Welt bloßgestellt wurde In dem Londoner Blatt war eine Wiedergabe von Unterredungen erschienen, die Wilhelm II, mit einem seiner englischen Bekannten gehabt hatte, in deren Auswahl er nicht immer vors'chtig und nach englischem Geschmack war. Er beschwerte sich darin über die deutschfeindliche Stimmung in England, die seine Bemühungen um eine freundschaftliche Annäher###g verkenne Als Beispiel für diese führte er aus, er habe eine von Rußland und Frankreich beabsichtigte intervention im Burenkrieg verhindert, durch die England in die schwerste Gefahr gekommen wäre, und der Sieg über die Buren sei dadurch errungen worden, daß Lord Roberts nach den anfänglichen M’ßerfolgen schließlich nach einem Kriegsplan verfahren wäre, den er, der Kaiser. in T habe überreichen lassen Die Erregung in den angesprochenen Ländern war beispiellos, nachdem die deutsche Regierung hatte erklären müssen, daß es sich nicht um eine Fälschung handele, sondern daß das Konzept dem Auswärtigen Amt vorgelegen habe. Die Untersuchung ergab, daß der Kaiser, formell korrekt, es dem erkrankten. in Norderney befindlichen Reichskanzler von Bülow hatte zuleiten lassen, daß dieser es, wie er sagte, wegen seines leidenden Zustandes und der schweren Leserlichkeit, ohne es zu lesen, an das Auswärtige Amt zur Prüfung gegeben hatte. wo die zuständigen Beamten merkwürdigerweise den explosiven Charakter des Dokuments nicht erkannten. In Deutschland führte der Vorfall zu einer schweren Kaiserkrise, die hart an die Abdankung reichte. Sie wurde zwar durch die Geschicklichkeit Bülows überwunden, der im Reichstag einerseits den Kaiser in Schutz nahm, andererseits aber dessen Versprechen mitteilen konnte, sich künftig derartiger Eskapaden zu enthalten. Eines aber konnte nicht vermieden werden, was das spätere Schicksal Deutschlands wahrscheinlich entscheidend beeinflußte, wenn dies auch nicht beweisbar ist, sondern in das zweite Gebiet der„Wenn-Politik“ gehört: Der Kaiser hatte sich zwar äußerlich mit Bülow ausgesöhnt, aber er konnte es nicht verwinden, daß ihn dieser unter das Joch des Volkszorns gebeugt hatte. Die Gegner Bülows am Hofe und im konservativen Lager wußten dies zu nützen, und ein Jahr später mußte er seine Entlassung nehmen wegen einer innerpolitischen Komplikation, die der Vielgewandte zweifellos hätte meistern können, wenn er den Kaiser auf seiner Seite gewußt hätte. Sein Nachfolger wurde BethmannHollweg, ein bewährter Verwaltungsbeamter, aber ohne jede Erfahrung in der Außenpolitik und ohne Kenntnis des Auslands. Wie der Verfasser dieser Erinnerung von Bülow selbst weiß, war er ein unbedingter Gegner jedes Krieges, der geführt werden müsse, weil er„doch kommen“ müsse, also jener Idee des Präventivkrieges, mit der der österreichische Generalstabschef Conrad Hôtzendorff die Wiener Diplomatie vorwärts trieb. Man darf als sicher annehmen, daß Bülow sich der Führung durch Wien nicht unterworten und seine nicht geringe diplomatische Kunst eingesetzt hätte, um den Frieden zu retten, anstatt Europa in den Krieg „hineinschliddern“, zu lassen. So laufen die Fäden des deutschen und europäischen Schicksals zurück auf jenes unglückselige Interview, eine ernste Mahnung, mit solchen und ähnlichen Mitteln zur Regie der Polltik Nummer 14 SCHWERTER ZEITUNG Mittwoch, 1. Februar vorsichtig zu sein. Die Kunst ihrer Beherrschung ist schwer zu erlernen, sie liegt in dem, was die Franzosen „fair“ nennen und was auch gewiegte Politiker und Parlamentarler nur zu oft vermissen lassen. Verstöße haben nicht immer weltbewegende Folgen, aber es genügt, wenn dadurch Trübungen der internationalen Atmosphäre, Stockung in wichtigen Verhandlungen oder peinliche Rückfragen veranlaßt werden, wie wir dies in den letzten Tagen und Wochen erlebt haben. Die deutsche Oeffentlichkeit hat diese Erscheinungen mit einer zu großen Gleichgültigkeit aufgesommen, sie möge sich mit dieser bistorischen Erinnerung bewußt werden, daß der „Volkszorn“ nichts mehr nützt, wenn er zu spät kommt. Gegenwertmittel für Kohlengruben dmt Frankfurt, 31. Januar. Nach Mittellung der ECA-Sondermission für die Bundesrepublik sind 68.57 Millionen D-Mark aus den Gegenwertmitteln für den Wiederaufbau und Aufbau deutscher Kohlengruben freigegeben worden. Der Gesamtinvestitionsplan sieht für die westdeutschen Kohlengruben 150 Millionen D-Mark vor. Ein Teil der späteren Freigabe wird dem Bargarbeiter-Wohnungsbau zukommen. Für das Jahr 1953 erwartet man für den Bergbau eine Beschäftigtenzahl von 459 000. Sie beträgt jetzt 428000 gegenüber 370 000 im Jahre 1933. Dohals gogen-Arbeitslösigken Bonner Zusatzmemorandum an OEEC] Devisen durch deutsche Schifte Der Generaldirektor des NWDR hat den kommissarischen Hamburger Intendanten Herbert Blank mit der Begründung entlassen, daß er unwahre und das Ansehen des NWDR und seiner Mitarbeiter schädigende Behauptungen verbreitet habe. Hedler will kein alter Kämpfer sein Drei Tage Prozetz gegen trüheren Bundestagsabgeordneten der DP dmt Neumünster, 31. Januar. Am Dienstag begann im Sitzungssaal des Rathauses in Neumünster der auf Grei Tage berechnete Proseß gegen den früheren Bundestags-Abgeordneten der Deutschen Partei, Wolfgang Hedler, wegen seiner nationalistischen und antisemitischen Einsfelder Rede. Der 50jährige Angeklagte bezeichnet sich als unschuldig und die in der Anklage angeführten Außerungen auf der Kundgebung der DP vom 25. November vorigen Jahpes in Einsfeld als entstellt. Bei der Zuhörermenge, die der Sitzungsgaal nicht fassen konnte, meinte der Anklagevertreter, die Saalgröße stehe im umgekehrten Verhältnis zur Bedeutung des Prozesses. Uber seinen Werdegang vernommen, erklärte Hedler, er sei im Kadettenkorps erzogen worden und habe am ersten Weltkrieg als Freiwilliger teilgenommen. Im zweiten Weltkrieg sei er zuletzt Oberleutnant der Luftwaffe gewesen. Nach der Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft sei er in Rendsburg Angestellter des Evangelischen Hilfswerkes gewesen, bis er in den Bundestag gewählt worden sei. Potokopie: NSDAP-Mitglied seit 1932 Als Hedler behauptete, erst am 30. Januar 1934 in die NSDAP eingetreten zu sein, hielt ihm der Vorsitzende eine Fotokopie aus der Berliner Dokumentenzentrale vor, wonach er bereits seit dem ersten Januar 1932 Parteimitglied war. Der Angeklagte behauptete trotzdem, erst im Januar 1934 durch die Uberführung des Stahlhelms in die NSDAP in die Partei gekommen zu sein. Nach Aussage des Vorsitzenden soll dieser Widerspruch in einem neuen Entnazifizierungsverfahren geklärt werden. Vor 1933 will Hedler zunächst nationalliberal und dann Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei gewesen sein. Der Vorsitzende verlas einen von dem SPD-Landtagsabgeordneten Fischer angefertigten Auszug aus der Rede Hedlers, in dem es heißt, Schuld am derzeitigen deutschen Elend trügen allein die deutschen Widerstandskämpfer. Ferner soll Hedler ein Wiedergutmachungsgesetz für verfolgte Nationalsozialisten gefordert haben. Den Krieg habe Deutschland nicht wegen Erschöpfung, sondern durch Verrat und Sabotage verloren. Hedler bezeichnete diesen Redeauszug Fischers als zum Teil unwahr und zum Tell entstellt. KPD-Zentrale soll nach Düsseldort verlegt werden dp Frankfurt, 31. Januar. Der Parteivorstand der KPD plant, seinen Zentralsitz von Frankfurt nach Düsseldorf zu verlegen. Wie am Dienstag aus dem Parteisekretariat in Frankfurt verlautet, ist ein Termin für die Verlegung noch nicht bestimmt. dmt Bonn, 31. Januar. Das Bonner Marshallplan- Ministerium kommt in einem Zusatzmemorandum, das der in Paris tagenden Organisation für die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas(OEEC) übergeben wird, zu dem Schluß, daß es mit einer ausätslichen Dollarhilfe gelingen wird, die Arbeitslosigkeit bis zum Jahre 1952 wesentlich au verringern. Die großen Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik gegenüber den anderen Marshallplan-Ländern resultieren aus der Tatsache der völligen wirtschaftlichen Katastrophe beim Kriegsende. Bei der Eingliederung von neun Millionen Vertriebenen, durch die sich die Bevölkerungszahl pro Quadratkilometer von 184 auf 351 neben anderen Faktoren erhöhte, ergibt sich, daß selbst bei einer Produktionsleistung der Vorkriegszeit immer noch 45 Prozent Lebensmittel eingeführt werden müssen. Dazu belasten Zuschüsse in Höhe von einer Milliarde DM und Zahlungen in Höhe von 60 Millionen Dollar für die Versorgung Westberlins sowie die Unterbindung des Ost-West-Handels die Wirtschaft der Bundesrepublik. Die Abtrennung des ostdeutschen Gebietes bringt für Wetsdeutschland einen Verlust von 590 Millionen Dollar. 44 Millionen Dollar erwartet In dem Zusatzmemorandum wird darauf hingewiesen, daß eine deutsche Walfangflotte mit einen. Fangertrag von dp Neu Delhi, 31. Januar. Der neugewählte indische Staatspräsident Dr. Rajendra Prasad umriß am Dienstag im indischen Parlament die Politik der Regierung. Als Hauptziel nannte er die Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen zu allen Staaten der Welt und auf innerpolitischem Gebiet die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung. Die Politik Indiens sei auf die Sicherung des Friedens ausgerichtet, sagte Prasad. Jegliches Bündnis werde vermieden, das Gegensätze zu enderen Staaten nach sich ziehe. Als souveräne demokratische Republik habe Indien beschlossen, im britischen Commonwealth zu verbleiben Dr. Prased ging ausführlich auf die Beziehungen Indiens zum Auslande ein. Mit der Schweiz und Afghanistan habe sein Land Freundschaftsverträge geschlossen. Verhandlungen über ähnliche Verträge seien mit Persien, Nepal und den USA im Gange. Zur Anerkennung der kommunistischen Regierung Chinas durch Indien betonte der Präsident, daß Indien mit China seit mehr als 2000 Jahren freundschaftliche und kulturelle Beziehungen unterhalte. Er sei überzeugt, Gaß diese Beziehungen aufrecht erhalten and dazu beitragen werden, den Frieden in Asien und der Welt zu sichern. Die gemeinsame Geschichte und Kultur Indiens und Pakistans sowie ihre geographische Lage erforderten eine freundechaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Indien habe der pakisianischen Regierung vorgeschlagen, gemeinsam feierlich zu erklären, daß sie Dhre Meinungsverschiedenheiten auf dem Verhandlungswege, durch Vermittlung eder durch Uberweisung an ein internationales Schiedsgericht beilegen wollten. Das Hauptziel der indischen Regierung auf innerpolitischem Gebiet sei die Besserung der Lebensbedingungen der indiechen Bevölkerung So wünschenswert eine Reduzierung der Ausgaben für die Verteidigung auch sei. Indien könne jeeoch nicht das Risiko auf sich nehmen, das Land zu einem Zeitpunkt in Gefahr zu bringen, in dem böse Kräfte seine Sicherheit von innen und auch von außen bedrohen. Frankreich protestiert gegen Anerkennung Ho-Tschl Minhs dp Paris, 31. Januar. Das französische Außenministerium überreichte am Dienstagabend dem sowjetischen Botschafter 15 Tausend Tonnen Walöl jährlich mindestens vier Millionen Doilar an Devisen ersparen würde. Aus dem Einsatz deutscher Schiffe, deren Gesamttonnage am Ende des dritten Marshallplan- Jahres 780 000 BRT sein soll, wird eine Deviseneinnahme von 44 Millionen Dollar im Jahr erwartet. Vergebung öffentlicher Aufträge Zur intensiven Bekämpfung der Arbeitslosigkeit will die Bundesregierung öffentliche Aufträge vergeben. Dabei ist vornehmlich an den Bau von Schulen, Krankenhäusern und Straßen sowie an Erneuerungsarbeiten bei der Bundesbahn und an den Ausbau des Post- und Nachrichtenwesens gedacht. Im Wohnungsbauprogramm der Regierung sollen 375 000 Arbeitskräfte beschäftigt werden. Neuer Name: Nationale Rechte dp Dortmund, 31. Januar. Die Deutsche Konservative Partei/ Deutsche Rechtspartei(DKP/DRP) heißt jetzt„Nationale Rechte“. Wie der Parteivorsitzende Dr. Hermann Klingspor am Dienstag mitteilte, haben sich die Landesverbände Schleswig-Holstein, Hamburg. Nordrhein-Westfalen und sieben Ortsgruppen des DKP/DRP-Landesverbandes Niedersachsen kürzlich auf einer Versammlung ihrer Vertreter in Hamm unter diesem Namen zusammengeschlossen. In einer Verlautbarung heißt es. die„Nationale Rechte“ sehe ihre Aufgabe in der Sammlung aller Kräfte einer gesunden nationalen Opposition. „Leopeld Wird Mamniederschienen Belgiens Sozialisten möchten Leopolds Sohn auf den Thron setzen Prasad zeigte den Weg Indiens auf Als souveräne demokratische Republik im Commonwealth verbleiben Bogomolow eine Note, in der gegen die Anerkennung der aufständischen Regierung Ho-Tschi Minhs in Indochina durch die Sowjetunion„protestiert“ wird. Paris:„Ein Akt von schwerwiegender Bedeutung" dmt Paris, 31. Januar. In zuständigen fanzösischen Kreisen wird die Anerkennung des Regimes von Hi Tschi Minh in Vietnam durch die Sowjetunion als„ein Akt von schwerwiegender Bedeutung“ bezeichnet. Der Vorsitzende des Generalstabsausschusses der USA-Streitkräfte, General Bradley, und die Generalstabschefs der Armee, der See- und der Luftstreitkräfte. General Collins, Admiral Sherman und General Vandenberg, trafen am Dienstag in Tokio ein. ub Brüssel, 31. Januar. Von unserem Korrespondenten Aus den belgischen Kammerdebatten, die zur Zeit über die Rückkehr König Leopolds und über die Volksbefragung geführt werden, schält sich mehr und mehr der wahre und peinliche Kern der ganzen Anlegenheit heraus. Die Sozialisten sind geschlossen gegen die Rückkehr des Königs; der wallonische Sozialist Flevet rief aus:„Wenn der König zurückkehrt, wird man ihn niederschießen“. Die Sozialisten begründen ihren Protest mit allen möglichen staatsrechtlichen Argumenten, der letzte und eigentliche Grund liegt aber in etwas Persönlichem. Leopold ist den Sozialisten als Mensch und Person unsympathisch, und sie sagen, daß er unleidliches autoritäres Auftreten zur Schau trage. Spaak. Buset. Larock— sie alle lassen ihre rein konstitutionellen Einwände mehr und mehr fallen und richten nun ihre Angriffe auf den König direkt. Die Ehe mit Liliane Baels Als zweites und noch mehr erschwerendes Element kommt eine andere, persönliche Seite hinzu: Die Ehe des Königs mit Liliane Baels, die er zur Prinzessin Rathey erhob. War die öffentliche Meinung diesem Eheschluß Leopolds bisher einigermaßen nachsichtig gestimmt, so sieht sie sich doch nunmehr vor die Möglichkeit gestellt, daß diese„Bürgerliche“, an der Seite Leopolds zur Königin Belgiens werden kann. Würde sich König Leopold von dieser schönen Frau trennen, so ständen seine Aussichten zweifellos weit günstiger. Aus dem Schoß des Parlaments wurden der Regierung die folgenden Fragen gestellt: Betrachtet die Regierung die Ehefrau Leopolds III. als die Königin der Belgier? Wie ist der gesetzliche und verfassungsmäßige Status des Kindes, das aus dieser Ehe hervorgegangen ist? Mit diesen zwei Fragen war die belgische Kammer nach einer zehntägigen Debatte an den Punkt gelangt, den man als den neuralgischen Punkt der ganzen Angelegenheit bezeichnen könnte. Ministerpräsident Eyskens hat versprochen, die beiden Fragen durch eine Regierungserklärung zu beantworten. In Vorwegnahme einer Erklärung, die die Gesetzlichkeit der Thronfolge auch für die Kinder aus Leopolds zweiter Ehe anerkennen könnte, ermahnte Spaak die Abgeordneten:„Es ist höchste Zeit, daß wir uns eins gesinnt um den fünften König der Belgier scharen, der an unserem Beistand ein großes Bedürfnis haben wird.“ Damit zielte er auf Leopolds ersten Sohn aus der Ehe mit Astrid von Schweden, Baldein, ließ aber zugleich die Möglichkeit durchblicken, daß es zwischen diesem, den die Sozialisten auf den Thror erhoben haben möchten, und den Kindern aus der zweiten Ehe König Leopolds mit Liliane Baels einem Streit um die Thronfolge kommen könnte. Kein ausländischer Diplomat gratullerte Heutz d1 Bonn, 31. Januar.(Eigenbericht. Die Regierungsgebäude und zahlreiche Häuser in Bonn und Godesberg hatten zum Geburtstag des Bundespräsidenten Flaggenschmuck angelegt. In den Vormittagsstunden erschienen außer Bundeskanzler Adenauer die Minister des Bundeskabinetts, um Professor Heuß ihre Glückwünsche zu seinem 66. Geburtstag darzubringen. Entgegen allem diplomatischen Brauch hat keiner der ausländischen Diplomaten Bundesprásident Heuß an seinem 66. Geburtslag aufgesucht, um ihm zu gratulieren. Auch von den drei alliierten Hollen Kommissaren ist niemand auf Viktorshöhe erschienen. Selbst im Gästebuch, das für die Gratulationscour auslag, fand sich am Abend nicht eine einzige Unterschrift der ausländischen Herren. Im Bundeshaus hat man hiervon ohine Kommentar Kenntnis genommen. SPD-Memorandum zur Soartrage wird nicht diskutiert dp Straßburg, 31. Januar. Wie verlautet, wird der Europarat zu dem von der SPD geplanten Memorandum in der Saarfrage keine Stellung nehmen. Dies wird damit begründet, daß Artikel fünf des Statuts des Europarates vorsicht. daß ein europäisches Land unter besonderen Umständen vom Ministerausschuß aufgefordert werden kann, assoziiertes Mitglied zu werden. Dr. Vockel geht nach Berlin di Bonn, 31. Januar.(Eigenbericht.) Die Errichtung der Berliner Vertretung der Bundesregierung wird am Mittwoch oder Donnerstag verkündet werden, nachdem die vorbereitenden Besprechungen abgeschlossen sind. Wie ein Sprecher der Bundesregierung am Dienstag vor der Presse bekanntgab. wird mit der Berliner Vertretung Dr. Vockel beauftragt. der bisher im Direktorium der Bank Deutscher Länder tätig war. Für einheitliche KriegsopferOrganisation dp Hamburg, 31. Januar. Der Reichsbund der Zivil- und Kriegsbeschädigten, Sozialrentner und Hint. bliebenen. Sitz Hamburg, teilte Dienstag mit, daß er als zentrale Einheitsorganisation nach wie vor die Zusammenfassung aller gleichgearteten Verbände im Bundesgebiet fordere. Es entspreche nicht den Tatsachen, daß der Reichsbund einen Zusammenschluß mit dem am 29. Januar in Düsseldorf auf der Bundesebene konstituierten Verband der Kriegsbeschädigten. Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner ablehne. Der Reichsbund habe wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß er für den Zusammenschluß aller gleichgearteten Verbände eintrete. Prompfe Untallhilte dt Berlin, 31 Januar. Ein Berliner Schneidermeister legte sich auf die Straße zu einem nächtlichen Schlaf. Er war voll des guten Weines.und guter Wein muß liegend aufbewahrt werden. Er hatte Unglück, daß ihn ein Sanitätsauto überfuhr. Er hatte aber Glück, daß es ein Sanitätsauto war, denn es brachte ihn sofort ins Krankenhaus. BandesbumnientenFer Milnenen Das große Loch im Haushaltsplan beschättigt heute den Bundestag Kölllelschleber-Hrassen ins Zuehtnaus Versandmeister verschob allein aus Gewinnsucht 97 Waggons Kohle dp Gelsenkirchen, 1. Febr. Dreizehn Angeklagte— meist Angestellte und Beamte der Zeche Hugo der Harpener Bergbau-AG. und der Bundesbahn— wurden am Dienstag im Gelsenkirchener Kohlenschieber-Prozeß zu hohen Freiheitsstrafen oder Geldstrafen verurteilt. Sie hatten nachweislich vom Mai 1948 bis August vorigen Jahres 160 Waggons Kohle und Koks mit einem Wert von rund 169 000 Mark verschoben. Der Bahnhofswirt von Buer-Süd. Gerke. erhielt wegen gewerbsmäßiger Hehlerei. Urkundenfälschung und Bestechung ein Jahr Zuchthaus. Die drei Vertreter Biesenbaum. Bredenbrock und Reermann wurden wegen Urkundenfälschung und gewerbsmäßiger Hehlerei zu je einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Der Zechenversandmeister Gläser erhielt wegen Unterschlagung zwei Jahre fünf Monate Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe. Acht Angeklagte wurden außerdem wegen passiver Beamtenbestechung und Begünstigung. Untreue. Diebstahl und Urkundenfälschung zu Gefängnisstrafen von acht bis zwanzig Monaten verurteilt. Neun Angeklagte wurden ohne Urteil entlassen, weil ihr Strafmaß unter die Amnestie fällt. Dem Versandmeister Gläser wies das Gericht allein die Teilnahme an Verschiebungen von 97 Waggons Kohle und Koks nach. Die verhältnismäßig hohen Strafen begründete das Gericht mit der Feststellung, daß alle Verurteilten nicht aus Not, sondern aus reiner Gewinnsucht gehandelt haben. Deutscher Dampfer gesunken Der deutsche 743-BRT-Dampfer„Fidamus“ ist nach einer Mitteilung der Hauptfunkstelle Norddeich-Radio bei der Insel Langeoog infolge einer Kesselexplosion gesunken. Das Schiff bekam schnell schwere Schlagseite und kenterte, nachdem die aus Kalisalz bestehende Ladung verrutscht war. Der hinzueilende britische Dampfer„Romania“ nahm 8 Oberlebende des auf der Reise von Wismar nach Antwerpen befindlichen Schiffes an Bord. * Britischer Beamter erschossen autgelunden dp Berlin, 31. Januar. Der 40jährige britische Staatsangehörige Joseph Quick ist mit einer Schußwunde tot in seiner Dienstwohnung in Berlin-Wilmersdorf aufgefunden worden. Quick arbeitete als Beamter bei einer britischen Dienststelle. Nach einer britischen Meldung sind die Untersuchungen über diesen mysterlösen Todesfall noch ine Gange. Die Gattin Quicks lebt in England. di Bonn, 31. Januar. Von unserei Bonnei Redaktlon In der Plenarsitzung des Bundestages am heutigen Mittwoch wird die große Aussprache über die Lage bei der Bundesbahn stattfinden. Bereits am 21. Oktober hatte der Bundestag die Regierung ersucht, einen eingehenden Bericht über die wirtschaftliche Lage vorzulegen. Die Regierung ist diesem Ersuchen jedoch bis jetzt nicht nachgekommen, so daß sich die SPD-Fraktion veranlaßt fühlte, erneut einen Antrag einzubringen, der der Regierung eine Frist bis zum 1. Februar setzt. Nach Ansicht der SPD-Fraktion ist es höchste Zeit, daß die breite Oeffentlichkeit über die Lage der Bundesbahn eingehend unterrichtet wird. Die Fraktion verlangt ferner die baldige Vorlage des Bundesbahngesetzes, durch das die Rechtsgrundlage der Bundesbahn endlich geklärt wird. Ministerpräsident Arnold(Nordrhein-Westfalen) hatte bereits Anfang Dezember einen entsprechenden Gesetzentwurf dem Bundesrat unterbreitet, doch wurde dieser Entwurf vom Bundesverkehrsminister Seebohm mit der Begründung abgelehnt, Arnold befürworte eine„extrem selbständige“ Bundesbahn und schließe das deutsche Volk von der Verantwortung für sein Eigentum vollständig aus Der Bundesverkehrsminister hat aber von sich aus noch keinen Gesetzentwurf eingebracht, so daß die Rechtslage der Bundesbahn nach wie vor ungeklärt ist. Die Bundesbahn rechnet für das Geschäftsjahr 1950 mit einem Fehlbetrag von rund 731 Millionen DM. Popularität geführdel Gomuika rs Paris, 1. Februar. Gegen den ehemaligen Generalsekretür der polnischen kommunistischen Partei und Minister, Gomulka, hat plötzlich ein heftiger Propagandafeldzug eingesetzt, der, wie Roman Zembrowski, Vizepräsident des Parlaments und einflußreiches Mitglied des Politbüros, erklärte, das Ziel verfolgt, den„Gomulkaismus“ mit Stumpf und Stil auszurotten. Gomulka wurde bekanntlich seinerzeit, als der Konflikt zwischen dem Kreml und Tito ausbrach, viel genannt und auch des„Titoismus“ verdächtigt. Gomulko ist im ganzen Land, besonders aber unter den Bauern, zu volllstümlich geworden. Gebundene Preise für Schlachtvieh wurden aufgehoben dp Bonn. 31. Januar. Die Bundesregierung hat am Dienstag beschlossen, die Preisbindung für Schlachtrinder, Schlachtpferde. Schlachtkülber und Wild aufzuheben. Die Regierung entspricht damit einem Vorschlag des Bundesernährungsministeriums. Sie ist der Auffassung, daß diese Maßnahme nach den Erfahrungen mit der Aufhebung der Schweinefleischpreise zu rechtfertigen ist. Dieser Beschluß der Bundesregierung bedarf noch der Zustimmung des Bundesrates. Der Präsident der Reichsbahndirektion Berlin, Schmidte(SED). und der Dezernent für Reichsbahnoberbau, Lehmann, haben bis zum Abschluß einer gegen sie laufenden Untersuchung Hausarrest erhalten. Weiterbericht In den Morgenstunden Glatteisgefahr, gegen Mittag stellenweise aufklaren und Uebergang zu leichtem Tauwetter. Vereinzelt leichte Schnee-, fälle. Weitere Aussichten: Keine werentliche Aenderung. Jadt Quartetto di Roma kommt Schwerte. Für sein III. Meister-Konzert am Freitag, dem 3. Februar, im Festsaal der Industrie- und Handelskammer Dortmund hat das Konzertbüro E. Berry das weltbekannte Quartetto di Roma verpflichtet. Die Mitglieder das Quartetts sind: Professor Oscar Zuccarinl, 1. Geige, Professor Ivo Martinini, 2. Gelge, Professor Al;o Perinl, Bratsche, Professor Camillo Oblach, Cello. Im Programm stehen folgende Werke: Streichquartett d-moll von Mozart. Streichquartett F-dur von Ravel und Streichquartett e-moll von Besthoven. Nach dem großen Erfolg mit den Wisner Symphonikern unter Herbert von Karajan dürfte auch dieses Konzert zu einem besonderen musikalischen Erlebnis werden. Vorverkauf für Schwerte im Zigarrenhaus Schöttler. Justitia gibt Rechenschaft Die Jahrstatistik des Landgerichts Schwerte. Zum Bereich des Landgerichts Hagen gehören auch die Stadt Schwerte, die Aernter Westhoen und Ergste. Nun hat das Landgericht ein: Uebersicht herausgegeben, die uns daran erinnert, daß wir wieder in einenn Staate mit durchaus geordneten Rechtsverhältnissen leben. VorLei ist es mit der Zeit der Kompetenzsciwierigkeiten zwischen Besatzungsbehörde und der deutschen Behörde. Die Hoheitsrechte des deutschen Gerichtswesens sind wieder garantiert. So konnte das Landgericht im Vorjahr wieder vollkommen frei seine Geschäfte abwickeln. Hören wir im nachfolgenden, was im Jahre 1949 an Straf-, Ehe- und Kindschaftssachen usw. erledigt werden konnte. An Hauptverhandlungen vor dem Schwurgericht hatte man 23 zu verzeichnen. Im Jahre zuvor waren es nur 4, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß das Schwurgericht erst Ende Oktober 1943 seine Tätigkeit wieder aufgenommen hat. An Hauptverhandlungen vor der Strafkammer gab es in der ersten Intanz 585(1948= 534), in der Berufungsinstanz 103(432) und Voruntersuchungen 24(3). Und nun die Zivilsachen. Bei EheKindschafts- und Entmündigungssachen kamn es zu 1760 Prozessen(2100), wobei 1246(1699) Urteile ergangen sind. Allgemeine Zivilprozesse und einstweilige Verfügungen in der I. Instanz waren vor der Zivilkammer 464(529) zu verzeichnen. In diesen sind ergangen streitige Urteile 145(193). In gewöhnlichen Prozassen I. Instanz vor der Kammer für Handelssachen wurden 346(88) verbucht; streitige Urteile ergngen 77(25). In der I. Instanz der Zivilkammer und Kammer für Handelssachen standen 62(15) Urkunden-, Wechsel- und Scheckprozesse an. Berufungssachen waren bei der Zivilkammer 777(85) und streitige Urteile 359(434) zu verzeichnen. Zum Schluß erwahnen wir noch die 8 Prozesse an der Kammer für Handelssachen(1948= 3), die vier streitigen Urteile(1). Mit 722 Beschwerden in Zivilsachen hatte man sich zu beschiftigen. Die Sparte Fußball im Tus Schwerte. Am Donnerstag, dem 2. Februar, hat die Sparte Fußball im Turnund Sportverein Schwerte-Ost eine Jahreshauptversammlung. Es wird über wichtige Fragen gesprochen, so daß alle Mitglieder erwartet werden. Fußballsportler in Ergste Ergste. Der SSC Ergste 1912 führt seine Jahreshauptversammlung am 4. Februar in seinem Vereinslokal Heinrich Schneider— Auf dem Hilf durch. Freunde, Gönner und selbstverständlich alle Mitglieder des Ergster Fußballvereins sind herzlich eingeladen. Alle Sparten treten an Tus in der Jahreshauptversammlung Schwerte. Die Jahreshauptversammlung des Turn- und Sportvereins Schwerte-Ost ist am 9. Februar in der Gaststätte Kreinberg. Auf der Tagesordnung stehen Neuwahlen des Vorstandes, Tätigkeitsberichte der Sparten Pußball, Turnen, Rad- und Rollsport, Tischtennis und Schach usw. Tischtennisvereine tagten Unter der Leitung des Kreisfachwartes Strohmeyer(Menden 09) fanden sich kürzlich in Menden alle Tischtennisvereine bezw.-abteilungen zu eine Tagung zusammen. Sie diente in der Hauptsache der Regelung spieltechnischer Fragen und der Wahl von Delegierten für den Bezirkstag. Die Spruchkammer des Kreises, welche seinerzeit neu formiert wurde, setat sich aus folgenden Sportfreunden zusammen: Mast(Iserlohn 46) als Vors. und Graumann(Hemer 03) und Oeke(SC Hennen 12) als Beisitzer. Der Sehanpannt in Tah Sieml „Sladtnspektor“ mun i0 Monate brummen Schwerte. Hagen, Schwurgerichtssaal. Auf 12.30 Uhr war die Verhandlung gegen Schwertes ehemaligen Stadtinspektor Stein anberaumt. Eine Reih: von Zuhörern war erschienen— augenscheinlich ist Sciwertes Bürgerschaft an dem Schicksal dieses Betrügers recht interessiert. Man fragt sich: ist das nur Neugier und Sensationslust, oder mischt sich nicht auch Aerger darüber mit hinein, daß ausgerechnet in Schwerte solche blamablen Vorkommnisse geschehen? Die Verhandlung begann. Stein erschien; ein kleiner, unbedeutender Mann von der Art und dem Benchmen eines erwischten Hausierers. Es war offensichtlich, daß er dieses Ende seiner Laufbahn mit einigem Anstand hinter sich bringen wollte. Darum hatte er sleh zu einem umfassenden Geständnis entschlossen— soweit das für ihn, der anscheinend in dem Wirrsal seiner einander widersprechenden Angaben den Ueberblick verloren hatte, überhaupt möglich war. Die Anklage des Staatsanwaltes lautete auf Betrug, fortgesetz’en Beirug, Amtsunterschlagung und schwere Amtsunterschlagung. Landgerichtsdirektor Thierbach versuchte mit dem Angeklagten gemeinsam die unklare und bewegte Vergangenheit Steins in geordneter Abfolge zu erhellen. Dabei kam dann folgendes ans Tageslicht: Stein wurde 1897 In Waldmoor bei Homburg'Saar geboren. Von 1903 bis 1911 besuchte er die Volksschule und wurde dann Lehrling bei dem Bürgermeisteramt in Homburg, Saar. Von 1915 bis 20 gab er ein Gastspiel beim Magistrat in Ludwigchafen, war aber während dieser Zeit auch eingezogen und legte Im November 1919 die Prüfung für den mittleren Verwaltungsdienst ab. Dann wurde er auf eigenes Ansuchen als Verwaltungsoberassistent entlassen— denn er kam in Untersuchungshaft. Daß er 1921 in einer Trinkerheilanstalt war, bestritt er. Aber bei seiner damaligen Verurteilung hat es der Richter urkundlich festgelegt; also dürfte es doch wohl stimmen. Seine erste Strafe, 5 Monate Gefängnis wegen Amtsanmaßung erhielt Stein in Zwingenburg. Damals gab er sich al: Kriminalkommissar aus, veranstaltete in Gastwirtschaften Zeugenvernehmungen, die meist zu einem Umtrunk auf Kosten der Vernommenen führten. Die nächste Strafe, 1924 in Ludwigsburg. lautete wegen Amtsanmaßung und Betrug auf acht Monate Gefingnis— und dann ging es abwärts: Lörrach, Heilbronn, Lichtenfels, Kreuznach, Freiburg.. auf diesen Stationen seines Lebensweges machte er wegen Bettelei, Betruges, Zechprellerei und Beleidigung Bekanntschaft mit den schwedischen Gardinen. Zwischendurch suchte er sich Beschäftigung für jeweils 1 bis 2 Tage bei den kleinen Aemtern der Dörfer und Flecken Süddeutschlands. 1937 ging er nach Westfalen. Hier wurde er in Arnsberg, dann in Hüsten Hilfsarbeiter. Vom August 39 bis Mai 45 will Stein Soldat gewesen sein, kann aber durch keinerlei Papiere diese Angaben erhärten. Im Gegenteil, seine Aussagen stehen im Gegensatz au denen des Arbeitsbuches. 1942, auf Urlaub, heiratete er. In seinem Arbeitsbuch liest man unter Schulausbildung: Obersekundareife, unter Berufsausbildung: Rechnungsprüfer(1935—33). 11 Seine Rolle In Schiwerte begann er, nachdem ihm 1915 der Versuch, sich in Arnsberg bei der Regierung als KZHäftling und versierter Verwaltungsfachmann einzuführen, leicht gelang. Natürlich gab er seine Obersekundgreife wieder an und eine SPD-Mitgliedschaft von 1917—33. Er konnte unter vier Orten, In denen entsprechende Stellen vakant waren, wohlen. Er bescilo3, Schwerte zu„beglücken.“ Das lag nahr, denn er war hier verheiratet. Der damalige Bürgermeister, Pfarrer K’einemeyer, lehnte zunächst die Anstellung ab, gab aber nach mehreren Telephonaten mit Arnsberg dann doch seine Zustimmung.(Zeugenaussage von Stadtamtmann Börstinghaus). Stein wurde zunächst Angestellter des Wohnungsamtes, dessen Leitung er später übernahm. Als er dort untragbar wurde, übernahm er das Grundstücks- und Gabäudeamt. Auch dort war er zu„beweglich“— d. h. er war während der Dienststunden überall, nur nicht in seinem Amtszimmer. So beschloß man endlich(Mai 1947), ihn als Kassierer in die Stadtkasse zu setzen, da er dort seine Dienstzeit innezuhalten gezwungen war. Man stelle sich vor: dieser haltlose, dem Alkohol und— wie er in der Verhandlung angab—, der Wettleidens chaft verfallene Mann in ständiger unmittelbarer Nähe von Bargeld! Seine Finanzen gerleten in Unordnung. Durch seine auf eigenen Antrag erfolgte Ernennung zum Stadtinspektor(24. 8. 47) hatte er kaum einen direkten finanziellen Vorteil. Schließlich, als seine Pumpversuche keinen Erfolg mehr hatten,(es meldeten sich sieben Personen, von denen er unter Angabe von unrichtigen Gründen insgesamt 615.— DM erschwindelte), als er bereits Gehaltsvorschüsse erhalten, aber trotzdem noch Zech- und Wettschulden zu begleichen hatte, als auch evtl. private Quellen nicht mehr ergiebig genug waren und er seine finanzielle Unordnung nicht mehr meistern konnte— da unterließ er die ordnungs. mäßige Eintragung eines Schulgeldbetrages in Höhe von 18.— DM und ebenso die Eintragung eines Verrechnungsschecks in Höhe von 201.— DM. Durch ungeschickte Manipulationen versuchte er noch, die Sache wieder in die Reihe zu bringen— vergebens. Da: Maß war voll. Endlich konnte niemand mehr seine Unfähigkeit zu einer exakten und gründlichen Führung von Kassengeschäften übersehen. Der Staatsanwalt griff ein. Stein hatte am 39. November 1949 auf„eigenen Wunsch“ seine Entlassung erhalten. Die Frage aller Bürger:„Wie war so etwas möglich?“ wurde während der Verhandlung nur insoweit gestreift, als die äußeren Fakten zur Sprache kamen. Stadtdirektor Spetz und Stadtamtmann Börstinghaus sagten aus, daß ihnen an dem Strafregisterauszug Steins nichts aufgefallen sel. Bekanntlich wurde auf ihm radiert, der Name Homburg Saar in Schwerte. In der Jahreshauptversammlung der Ortsverwaltung Schwirte der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands wurde an den Hauptvorstand der Antrag auf Einführung eines Rentenzuschusses gestellt. Dieser Antrag hatte folgenden Wortlaut: „Die Versammlung beauftragt den Vorstand der Ortsverwallung, den Hauptvorstand der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands zu ersuchen die Möglichkeit der Einführung eines monatlichen Zuschusses zu den Sozialrenten zu überprüfen und gegebenenfalls dem nächsten Gewerkschaftstag zur Entscheidung vorzulegen. Voraussetzung für die Gewährung eines solchen Zuschusses an das einzelne Mitglied muß eine mindestens 10jährige Mitgliedschaft sein. Mlitgliedschaft in einer Gewerkschaft in den Jahren vor 1933 kann bei Staffelung der Unterstützungss itze hinsichtlich deren Höhe entsprechend berücksichtigt werden.“ Homburg v. d. Höhe von unbekannter Hand abgeändert. Infolgedessen, da St. in Homburg v. d. Höhe nicht ansässig war, kam er mit dem Vermerk,„nicht vorbestraft“ zurück. Von seinen Pferdewetten habe man keine, von seinem Hang zum Alkohol nur wenig Kenn:nisse gehabt. Er sei seinen dienstlichen Obisgenheiten befriedigend nachgekommen. Würde man über die Vorstrafen unterrichtet gewesen sein, so w.ra er entlassen worden. Im übrigen waren die vorliegenden Bescheinigungen und Zauznisse Steins zum größten Teil gefälscht. Der Staatsanwalt beantragte wegen Täuschung der Behörde, fortgesetzten Betruges, Unterschlagung und schwerer Amtsunterschlagung insgesamt 2 Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Als mildernden Umstand betrachtete der Staatsanwalt die Unvorsichtigkeit, die man begangen habe, indem man ihn in einer leitenden Stellung der Kommunalverwaltung arbeiten ließ. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von insgesamt einem Jahr und sechs Monaten, worauf ein Monat und drei Wochen Untersuchungshaft angerechnet werden. In seiner Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Thierbach aus, daß ganz allgemein alles getan werden müsse, um den Beamtenstand rein und unantastbar zu erhalten. Ein Satz, der nicht nur in Richtung auf den Angeklagten gesprochen wurde... Ernst Stein nahm das Urteil an.-er Sie warde dabel Schwerte. Im Kaufhause K. war wähsend des großen Andranges zum Winterschlußverkauf auf der Verkaufsthake ein Damenunterkleid entwendet worden. Das vermißßte Kleidungsstück wurd: von der Verküuferin in der Tasche einer Frau aus einem Nachbarort entdeckt, die jedoch bei der pollzeilichen Vern hmung bestritt, sich des Diebs’ah's schuldig gemacht zu haben. Sie erklärte, das Kleidungsstück habe sie einer Bekannten zeigen wollen, die sich an einem anderen Verkaufststand befunden habe. Eine Notlage kam nicht in Frage, da die Beschuldigte 130.— Das Bargeld bei sich trug. Wark. Ein reger Turnbettieb Jahreshauptversammlung der Westhofener Turngemeinde Westhefen. Die Westhofener Turngemeinde hatte ihre Mitglieder im Lokale Weiberg zur Jahreshauptversammlung eingeladen. Vereinsvorsitzender Karl Bayer erstattete den Jahresbericht und nahm sodann die Berichte der einzelnen Fachwarts entgagen. Aus diesen Berichten war die besonders rege Enwicklung des Turnsports zu erkennen. Das Vereinsleben hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr neuen Auftrieb erhalten. Die Kassenverhältnisse waren zufriedenstellend. Nach der Entlastung des alten Vorstandes durch die Versammlung wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. Es wurden gewählt zum I. Vors. Karl Bayer; II. Vors. Karl-Heinz Bochtrupp; I. Schriftführer Reinhard Sievert; 2. Schriftführer Ernst Koch; KasDie„Schwerter Zeitung“ deine Helmatzeitung! sierer Albert Wüsthoff; Oberturnwart Georg Rümer; Minner- und Jugendturnwart Josef Eisenhuth; Leiter der Schülerabteilung Helmut Schmidt und Werner Lange; Leiter der Schülerinnenabteilung Albert Wüsthoff und Ernst Koch; Damenabteilung: Frau Lange. Es wurde ferner beschlossen, am 11. Februar im Lokale Fritzenkötter eine Karnevalsfeier zu veranstalten. Am Himmelfahrtstage soll wieder die traditionelle Turnerwanderung stattfinden. Die Teilnahme am Bezirksturnfest in Milspe sowie am Bundesturnfest in Hamm wurde ebenfalls beschlossen. Garant der wirklichen Freiheit 180 Delegierte mit einer Entschließung an den DGB Froher Sang in alter Frische Rück- und Ausblick im NIGV„Sängerbund“ Schwerte. Der MGV„Sängerbund“ hatte seine Mitglieder zur Jahreshauptversammlung im Vereinslokal„Sängerheim“(Feit) eingeladen. Die Mitglieder waren ziemlich vollzühlig erschienen, als Vereinsvorsitzender Caspar Humpert einen Rückblick auf die Geschichte des im Jahre 1883 gegründeten Sängerbundes Schwerte gab. Insbesondere erwähnte der Vorsitzende die Leistungen des Chorleiters W. Tönsmann, der jetzt schon mehr als 23 Jahre lang den Verein künstlerisch betreut und diesem zu manchen schönen Erfolgen verholfen hat. Er gedachte ferner der verstorbenen Mitglieder und Gönner des Jahres 1949 und zollte ihnen eine besondere Thrung. 1949 zeigte der Verein rege Teflnahme an dem Geschehen benachbarter Vereine und konnte an deren Ehrentagen mit gutgelungenen Darbietungen mitwirken. Er selbst durfte mit einigen im Publikum großen Anklang gefundenen Veranstaltungen aufwarten. Die Kassenverhältnisse fanden die Prüfer in mustergültiger Ordnung. Die Vorstandswahl ergab in den meisten Fällen Wiederwahl des sich in selner Arbeit bewährten alten Vorstandes bis auf den I. Geschäftsführer, H. Köster, und den II. Kassierer, H. Hartenfels, die wegen Ueberbürdung mit anderen Pflichten ihr bisher mit Geschick geführtes Amt niederlegten. Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: C. Humpert, I. Vors., W. Henze, II. Vors. G. Schmidt, I. Geschäftsf., W. Schmidt, II. Geschäftsf. B. Humpert, I. Kassierer, H. Nierhoff, II. Kassierer. Notenwarte: Gutzeit, Karsten, Beisitzer: Weber, Faber, Garrold. Vor einem Wettstreitbesuch wurde mit Rücksicht auf die allgemeine wirtschaftliche Lage vorläufig noch Abstand genommen. Geplant sind für 1950 im Einvernehmen des städt. Kulturausschusses zwei große Konzertveranstaltungen, und zwar am 20. Mai 1950 am Kreinberg ein Frühjahrskonzert und am 2. Weihnachtstag das traditionelle Weihnachtskonzert am Freischüts. Die Jahreshauptversammmlung wurde mit einem beralichen Dank an die Mitglieder für geleistete Mitarbeit von dem Vorsitzenden geschlossen, Schwerte. Wir haben bereits am Montag ausführlich über die Jahrestagung der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands Ortsverwaltung Schwerte berichtet. Von den Delegierten aus Schwerte, Iserlohn, Fröndenberg und Menden wurde eine Entschließung an den Deutschen Gewerkschaftsbund folgenden Inhalts gefaßt: „Die 180 Delegierten als berufene Vertreter der rd. 3900 Mitglieder zählenden Ortsverwaltung Schwerte-Ruhr in der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands nehmen mit Entrüstung von der Absicht einer politischen Partei, unter dem Namen,„Soziale Hilfsgemeinschaft aller Schaffenden“, in nächster Zeit eine Organisation zu bilden, die, ihren organischen Aufbau entsprechend, keine andere Zweckbestimmung haben kann, als den, die Verwirklichung der gewerkschaftspolitischen Aufgaben und Ziele zu verhindern. Wenn in dieser sogenannten„Sozialen Hilfsgemeinschaft aller Schaffenden“ Arbeiter, Angestellte, Beamte und Gewerbetreibende und Unternehmer zu gemeinsamen Wollen zusammengeschlossen werden sollen, dann erinnert uns diese Absicht an die Zeit, in der unter dem Schlagwort,„Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ jeder persönliche Eigenwert — gerade der schaffenden Menschen— unterdrückt wurde. Als unter der Herrschaft der Phrase: „Du bist nichts, dein Volk ist alles“ gerade das schaffende Volk einer kleinen verbrecherischen Elique und deren Günstlingen in größter Notzeit des Volkes ein Leben in Saus und Braus zu ermöglichen hatte und den Rechtsbegriff, der allen zivilisierten Völkern der Erde heilig sein muß, unter der Herrschaft der Phrase:„Recht ist, was dem Volke dient“, von denselben Verbrechern, die Zweckbestimmung gegeben wurde, grausamste Willkür zur Herrschaft au bringen, um die heiligsten Preiheitsbegriffe zu unterdrücken. Als verantwortungsbewußte deutsche Gewerkschaftler, die das dämonische Wirken der Gewalt zutiefst erlebt haben, fühlen wir uns verpflichtet, vor der breitesten Oeffentlichkeit vor solchen Experimenten wie sie die„Soziale Hilfsgemeinschaft aller Schaffenden“ wieder durchführen will, zu warnen. Als überzeugte Verfechter des wahren Freiheitsbegriffs, der dem schaffenden Menschen die Anerkennung und Sicherung seiner Menschenwürde, das Recht auf Arbeit, die volle Mitbestimmung in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und die Sicherung einer menschenwürdigen Lebensexistenz auch im Alter sichert, sehen wir in der deutschen Gewerkschaftsbewegung, in der 5 Millionen schaffender Menschen im DeB zu gleichem Wollen und Wirken zusammengeschlossen sind, den einzig wahren Garanten der wirklichen Freiheit. Mit der Gewerkschaftsführung fühlen wir uns in der Abwehr aller gewerkschaftsschädigenden Absichten— woher sie auch immer kommen mögen pflichtgemäß verbunden. Schwerte, den 23. Januar 1950. gez. E. Jansen, I. Vorsitzender, gen. Pohlmena, Geschätisführer! Von der Industrie- und Handelskammer wird im Anzeigenteil eine längere Bekanntmachung veröffentlicht, auf die wir wegen der Wichtigkeit besondern hinweisen. Küter jeint ermitten Ergate. Anfang Dezember wurden auf einem Waldstück im Bereich der Gemeinde Ergste eif Birkenstämme entwendet. Jetzt konnte der Täter ermitteit und die Birkenstämme sichergesteilt menden. Bersungeber und alleiniger Schaber: Linner. Verlag Schwerter Zeitung Linser verm. Cart Draue. 8# Beine öchmerui#g Drrostt Prorta: Hans Linner vorm. Carl Braue Verlageleitung: Hane Linner, Schwerte. Rut arin SCHWBRTBR ZRITUNO Do ReitesoOoner Roman von Margarete Neidl 7 Münchner Roman-Verlag, München-Pasing 12. Fortsetzung Mit einem Jubelruf riß er sie In seine Arme.„Elisabeth“, flüsterte er fast heiser vor Erregung.„Elisabeth, ist es möglich, wir sollen „ ein Kindchen bekommen. Ja, Anton, ich weiß es seit einigen Tagen, da ich mit Mutter beim Arzt war, aber ich hob mir das Geheimnis auf den heutigen Tag auf, es dir zu sagen. Ich kreue mich ja so unsinnig! Anton, ich kann das Wunder noch gar nicht fassen, daß unsere Liebe zu Leben geworden sl Eng umschlungen saßen sie noch lange und sahen zu den Sternen empor. „Soviele Sterne ich sche, soviele gute Wünsche sind in meinem Herzen für unser Kind“, sagte Elisabeth traumverloren. 21. Kapitel Wenn alles eben käme, Wie du gewollt es hast, Und Gott dir gar nichts nahm Und gäb' dir keine Last, Wie wär's da um dein Sterben, 0 Menschenkind, bestellt? Du müßtest wohl verderben, So lieb wär’ dir die Welt. Diesen Spruch hatte Elisabeth auf ihrem Schreibtisch stehen und heute an diesem lachenden Sommertag sagte sie ihn immer wieder Anton vor, wenn er sie verzweifelt fragte, wie es ihr ginge. Sie hatte Schmerzen gehabt und der sofort zu Rate gezogene Gynäkologe, der ein Freund von Elisabeths Vater war, hatte vorläufig unbedingte Bettruhe verordnet. Man mußte zunächst abwarten, ob sich noch weitere Beschwerden einstellen würden: die Lage des Kindes sel etwas schwierig, aber zu akuten Besorgnissen kein Anlaß. Er versprach, am nächsten Abend wieder zu kommen, was Anton noch besorgter machte. Er wußte vom Vater Elisabeths, daß der Professor eine sehr große Praxis hatte, viel operierte, und wenn er sich da die Zeit nahm, herauszufahren, mußte das einen triftigen Grund haben. Aber auch die nächsten Tage brachten keine Aenderung im Zustande Elisabeths. Ihr Vater kam häufig mit dem Professor und Anton las aus ihren ernsten Mienen mehr, als ihr Mund verriet. Nur Ensabeth blieb stets gleichmäßig heiter, trotz der Schmerzen, die sie oft quälten. Auf die Frage Antons, was sie sich wünsche, sagte Elisabeth:„Ich habe nur einen Wunsch, daß es ein gesundes Kind wird. Ob Bub oder Mädel, ist mir ganz gleichi. Wird es ein Junge, möchte ich ihn Anton Theodor nennen.“ „Wird es ein Mädel, dann heißt es Elisabeth Franziska, darüber wird gar keine Debatte zugelassen“, sagte Anton. „Ich danke dir, Anton, denn ich bin überzeugt, daß du dabei an meine Mutter gedacht hast“, antwortete Elisabeth. „Gewiß“, erwiderte Anton.„Deine hlutter ist mir nie wie eine Schwiegermutter vorgekommen, sie war zu mir wie eine eigene Mutter und je länger ich sie kenne, desto mehr liebe und verehre ich sie.“ „Meine Mutter hat viel Leid in ihrem Leben durchgekämpft, und das hat sie hellhörig gemacht für die Gefühle ihrer Mitmenschen Sie ist meinem Vater ein wahrer Kamerad in allem und nun kommt zu ihren vielen Pflichten noch eine neue hinzu.“ „Die sie aber sehr gerne erfüllen wird“, sagte Anton lachend. „Meine. Brüder behaupteten stets, es wäre wunderschön, gleich als Enkelkind auf die Welt zu kommen, denn die Großeltern wären viel nachsichtiger und einsichtsvoller als die Eltern.“ „Das lob’ ich mir“, sagte schmunzelnd Frau Fanny, die gerade eingetreten wer und die letzten Worte gehört hatte. Sie beg:“ißte Elisabeth und Anton herzlich und nahm an der anderen Seite von Elisibeths Bett Platz. Sie überbrachte die herzlichsten Grüße vom Vader scwrie auch von den Brüdern- und Plauderte von allem, wes sie für Elisabeih besorgt hatte. Dann begab sich Frau Fanny in das zuktinftige Kinderzimmer, in dern die ganze Ausstattung bereitgelegt war, um einiges nachzurehen Anton blieb bei Elisabeth. Verwundert kragte er sie, warum sie eigentlich jetzt so wenig lese, was sie doch früher s0 gerne getan hätte. Elisabeth sagte ernst:„Du wirst mich vielleicht nicht ganz verstehen, ich spreche mit meinem Kinde, lch male mir im Geiste unzöhlige Gespräche aus und lege mir zurecht, was ich dem Kinde alles in die Seeie pflanzen möchte Die Zeit vergeht mir darüber s0 schnell, das glaubst du gar nicht Viel lese ich in dem Tagebuch meinen Vaters und ein Gedanke, der darin ist, der läßt mich nicht los. Seine Idee bei der Führung eines Tagebuches. Er geht von dem Grundsatze aus, daß schon der aufrichtige Rückblick auf jeden Tag eine Stufe zur Selbsterziehung wäre und zwei Augenblicke würden dazu an jedem Tag genügen, jeden Menschen besser zu machen. Namentlich gilt dies aber für das schwere, verantwortungsvolle Amt des Erziehers, das heißt, für Eltern und Lehrer jeder Art. Vielleicht hat es ihn tief geschmerzt, daß er seinen einzigen Sohn durch die Ungunst des Schicksals und namentlich die Lieblosigkeit seiner Frau nicht selbst erziehen konnte, vielleicht hat er sich immer wieder Vorwürfe darüber gemacht, und darum dieses Weltproblem immer wieder von neuen Seiten überdacht und beleuchtet. Ich selbst muß gestehen, daß ich viel darüber nachdachte. Viel habe ich auch über Erziehung gelesen, aber über die eigentliche Charakterbildung, die innerliche Formung des Menschen, gibt es wenig Bücher. Sie müßte meiner Meinung nach, nach einem innersten Gefühl schon vor dem Kindergarten beginnen. Aber die meisten Bücher sind angefüllt mit Beschäftigungsarten, Spielen, Arbeiten mit Schere und Nadelarbeiten, Liedern, aber es geht um das Aeußere, nicht auf das Innere im Menschen. Gut getielen mir die Bücher des Schweizer Philosophen und Pädagogen Forster. Sie gaben mir viele Anregungen. Ich meine aber“, und dabei sah Elisabeth Anton tiefernst an,„der gute Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewußt! Das Wichtigste ist daher, gute Menschen zu bilden, diese werden dann auch der Bildung aller Art aufgeschlossen sein. Ich erinnere mich aus meiner Schulzeit, daß darin sehr wenig getan wurde. Jeder Erzieher aber, ob Eltern, Kindergärtnerin, Lehrer, Lehrerin oder Hochschulprofessor, müßte sich immer wieder über die Gründe für Erfolge und Mißerfolge Rechenschaft ablegen, sonst kann er doch seine für das Wohl der Menschheit so wichtige Aufgabe nicht nur nicht erfüllen, sondern auch nicht verbessern! Findest du nicht, Anton?“ „Ich bin erstaunt, Elisabeth, wie tief du in dieses Gebiet eingedrungen bist.“ „Anton“, sagte nun Elisabeth leise, da sie seine tiefe Ergriffenheit sah,„versprich mir eines: Falls mir etwas zustoßen sollte, laß meinen Kindergarten bestehen, er ist für viele Arme eine Heimat, die kein Elternhaus haben, in dem sie, wie sie es brauchen würden, gepflegt werden. Marianne teilt völlig meine Ideen, sie ist erfüllt von dem Wert„dieser zwei Augenblicke“, willst du mir diesen ersten. Wunsch erfüllen?“ „Elisabeth“, sagte Anton mit vor Erregung heiserer Stimme,„wie kannst du nur fragen, selbstverständlich ist dein Wunsch für mich eine Verpflichtung im Leben und nach demselben dafür zu sorgen, daß es bestehen bliebe, aber ich könnte deinen Verlust nicht überwinden! Der Herrgott wird barmherzig sein und dich mir und den Kindern erhalten.“ „Auch mir würde ein Abschied von dir das Herz zerreißen. Ich habe mir darum ein ganz schweres Opfer auferlegt, damit alles gut ausgeht. Ich werde der Frau alles verzeihen, die ich haßte! Haßte, weil sie dich liebte. Vielleicht tat ich unrecht, sie zu hassen, sie konnte vielleicht auch nichts dafür, sie hatte auch ältere Rechte, oder meinte, sie zu haben. Ich will ihr verzeihen; denn ich bin glücklich mit deiner Liebe und.“ „Du bist ein Engel und der Herrgott kann nicht so grausam sein:.. dich uns zu nehmen!“ „Wie es kommt“, sagte Elisabeth, „werde ich es ertragen.“ Anton richtete sich auf und sah Elisabeth voll an;„Ich bin überzeugt, daß der Professor Hans das Möglichste tun wird, ihm schenk ich mein volistes Vertrauen und lege mein Liebstes auf dieser Welt ruhig in seine erfahrenen Hände.“ Im selben Augenblick klopfte es und der Professor trat auch schon ein. „Lupus in fabulla“, sagte Elisabeth, sich zu einem Lächeln zwingend, als sich der Professor über ihre Hand beugte. „Eben sprachen wir von Ihnen, Herr Professor“, sagte Anton und reichte ihm die Hand, während er sich über die Stirne strich, als wollte er die trüben Bilder, die vor seiner Seele standen, verscheuchen.„Ich fürchte“, sagte Anton gepreßt,„daß ich mich bald von Elisabeth trennen muß.“ Der Professor bejahte und fügt heiter hinzu, daß die Trennung weder auf lange, noch vollständig sei. da es ja im Sanatorium die Möglichkeit vieler Besuche gäbe und telefonisch jederzeit die Verbindung hergestellt werden könne. Elisabeth war vollkommen ruhig, fast schlen sie Anton für ihre Jugend zu abgeklärt. Als hätte sie seine Gedanken gefühlt, sagte sie nun herzlich:„Der Abschied vom Aynethof wird mir nicht leicht, aber ich freue mich auf die Rückkunft, wie es der liebe Till Eulenspiegel semacht hat, sich beim Bergaufgehen auf den Abstieg zu freden, sehne ich mich nach der Rückkunft. Ein schwaches Lächeln zuckte um ihren Mund, dann schickte sie Anton hinaus, um mit dem Professor alles Nähere zu besprechen. Im Sanatorium war alles auf das Liebevollste vorbereitet. Am Senntag setzte sich der Professor zu Elisabeth und ließ sich von ihr erzählen, wie sie die Zeit zubringe und wie sie zufrieden sei. Elisabeth berichtete nun dem Professor langsam, als ob sie nach innen horchen würde, von ihrer großen Freude auf ihr Kind. Wie sie diese Freude auf dieses Glück sich dadurch zu verdienen trachte, für Kinder, deren Eltern das Glück eines Kindes nicht zu schätzen wüßten, ihr Heim zu erhalten, in dem ein wahres Mutterhrz für diese armen Kinder schlug.„Ich hätte es nie gegalubt, Herr Professor“, fuhr Elisabeth fort,„wie die Liebe alles verändert. Ich liebe Wien, liebte es stets, aber jetzt wird es lebendig vor mir, es ist, als ob ich jetzt erst die Seele dieser Stadt fühlte, ihr Antlitz jetzt erkenne. Wenn ich den Kindern erzählte, vom Stock im Eisen, oder der Markgräfin Agnes, von der Entstehung des Wiener Wappens oder vom Basilisken, alles sche ich vor mir und fühle den Pulsschlag der Stadt und die Kinder fühlen es mit mir. und mein Kind wird es einmal miterleben und auf das freue ich mich und hoffe, daß ich es erleben darf.“ „Keine trüben Gedanken, gnädige Fraul ich hoffe, daß alles gut gehen wird“, sagte der Professor. Lächelnd drchte ihm Elisabeth mit dem Finger, aber da karn auch schon Anton mit Frau Fanny und das Gespräch wurde allgemein, So kam allmählich die entscheidende Stunde. Innig war Elisabeths Abschied von Anton. Obwohl sie bereits starke Schmerzen fühlte, ließ sie Anton nichts merken. Nur als er sie bei den Händen hielt und diese wieder und wieder zärtlich küßte, fühlte er, daß sie eiskalt waren, was ihn sehr beunruhigte, aber er sagte nichts. Elisabeth redete ihm immerzu, ja keine Angst zu haben. Ja, sie versuchte sogar zu scherzen, indem sie lächelnd meinte,„der Ha-Ha“ würde schon alles gut machen. Professor Hans Heidler war s0 zu einem Spitznamen gekommen, der ihm aber insoweit wohl zukam, da er in allen Kränkenzimmern heiter war und sein lachendes Gesicht mit den warmen gütigen Augen auf alle Patientinnen beruhigend wirkte. Auch Elisabeth hatte unbedingtes Vertrauen zu ihm, und das erleichterte ihre Lage. Wenn er in das Krankenzimmer trat und nach dem Befinden fragte, war allen schon leichter ums Herz. Anton konnte sich schwer von Elisabeth trennen. Er hatte einmal diesen namenlosen Schmerz erlitten, Frau und Kind in einer Nacht zu verlieren, das stand nun alles wieder klar vor seiner Seele. Er fürchtete um Elisabeth, die da so blaß und schmal in den Kissen lag. Anton wurde schließlich von Elisabeth fortgeschickt. Er sollte ins Bureau gehen, da hätte er Ablenkung und die Zeit bis zu der Entscheidung würde ihm nicht so entsetzlich lang. Elisabeth schlichen die Stunden in Schmerzen dahin, aber mit eiserner Selbstbeherrschung ertrug sie alles ohne einen Wehlaut, nur ihre Augen waren unverwandt auf den, Protessor gerichtet. Gerade zu Mittag war es leichter, als Anton wieder kam. Sie lächelte ihm ermutigend zu und sagte sinnend: „Merkwürdig, wie einem in einsamen, schlaflosen Nächten Worte einfallen, die man einst gelesen oder gehört hat. Als ich vor einigen Jahren den Roman„Die Heilige und ihr Narr“ las, blieb mir ein Wort hängen, welches das„Seeichen“ sagt, vom Ueberfreuen. Und das fürchte ich jetzt bei mir. Anton. Ich freue mich so unsagbar auf unser Kind, daß ich fürchte, mich zu überfreuen.“ Antron tröstete sie sofort und sagte: „Du bist such mein Seeichen, ich hoffe sehnlich, daß du noch viel Freude an unserem Kinde haben wirst, oder, besser gesagt, wit werden eie erieben. Gelt?“. Der Abschied von Elisabeth war kurz, denn der Professor hatte ihm ein Zeichen gemacht, nicht zu lange zu bleiben. Unten warf er sich in seinen Wagen und fuhr durch die Stadt. Das Bureau dünkte ihn zu eng und bald stand er an jenem Platz, da er Elisabeth zuerst geschen hatte. Wie groß sie dachte, als sie ihm erzählte, daß sie ein ganz groGes Opfer bringen wollte und Risa verzeihen. Er hatte Risa das Haus verwehren wollen und Elisabeth wollte ihr verzeihen! Es gab wohl wenig Frauen, die so großmütig waren! Er hatte mit Gott gehadert, als er seine erste Frau und das Kind verloren hatte. Am Tage seiner Hochzeit war er das erstemal wieder in einer Kirche gewesen. Nun stand er vor der Hitzinger Kirche und ging hinein. Er fühlte sich in seine Jugend versetzt, als er mit seiner Mutter oft diese Kirche besucht hatte. Aber heute schien ihm alles anders. Er hielt Zwiesprache mit Gott, und als er langsam aus dem mystischen Dunkel der Kirche trat, da hatte er das bestimmte Gefühl, daß Elisabeth gerettet sei. Zur selben Zeit probte Risa mit dem Komponisten die Rolle der Radegundis, aber es wollte nicht gehen.„Ich kann mich in diese sozusagen geläuterte Radegundis nicht hineinfinden! Ich kann und werde es nicht begreifen, daß man die Liebe eines Königs nicht erwidert!“ Schweigen herrschte zwischen den beiden Künstlern. Der Professor wollte um keinen Preis Risa verstimmen, aber Risa merkte dies und sagte, ihren Gedanken weiterspinnend:„Ich könnte mir nicht vorstellen, daß ich so gehandelt hätte.“ „Aber Risa“, sagte der Professor jetzt fast ungeduldig,„du mußt doch die Situation richtig erfassen— Radegundis war eine schöne, eine bildschöne Sklavin, sie hatte nicht einen Funken Recht oder eigenen Willen. Sie war aus der sonnenhellen Heimat vom König entführt worden, hatte Vater, Mutter und Geschwister im Kriege verlassen, wußte vielleicht nicht einmal, ob alle noch lebten und verstand die Sprache am Hofe nicht. Vielleicht hatte sie auch einen Geliebten ohne Abschied zurücklassen müssen und litt an namenlosem Heimweh. Der Leidenschaft des jähzornigen Königs war sie schutzlos preisgegeben. Was hätte ihr eine Weigerung gegen die Wünsche des Königs genützt? Sie hätte ihre Lage nur verschlimmert. In dieser verzweifelten Lage wird die junge Heidin durch die greise Mutter des Königs Christin. Mit Staunen erkennt sie, daß der König wohl über ihren Körper Gewalt hat, aber nicht über ihre Seele— und mit der ganzen Leidenschaft ihres Gefühls ergibt sie sich der für sie neuen Lehre. Sie erkennt, daß sie auch als Sklavin eine unsterbliche Seele hat, die nur Gott gehorchen muß. Sie wird jetzt innerlich frei und wäre sie im Kerker. In dieser Lehre findet sie ihr seelisches Gleichgewicht wieder und vor allem den Mut zur Flucht. Was sind ihr noch die Häscher des Königs— nichts, darum hilft ihr der Himmel und verbirgt sie im Aehrenfeld. Diese tiefinnerste Umkehr, das ist der Brennpunkt des Geschehens— die innere, seelische Freiheit, die sie sich erringt. Wieviele Menschen haben sie?“ „Meinst du mich?“ fragte Risa gereizt. „Ich meine viele“, fuhr der Komponist wie in einem Selbstgespräch fort, „auch mich selbst.“ „Ich bitte dich, Arthur, ich glaube du sehst zu weit.— Aber ich muß diese Rodegundis spielen“, dabei stampfte sie leidenschaftlich mit dem Fuße,„und wenn ich Tag und Nacht arbeiten muß. Koste es, was es wolle, schlaflose Nächte und stundenlanges Ueben.“ „Das ist es nicht, Risa, formal ist alles in Ordnung. Du spielst die Radegundis vollendet— aber du bist es nicht, weil du ihr innerlich ebensowenig nahekommst wie Chlodwig, der als Tyrann nur ihren Körper wollte, während ihre Seele am Heimweh fast zerbrach. Gerade in diese Seelenqual kam der göttliche Samen der ewigen Lehrel Der Glaube bahnte ihr den Weg zu inneren Freiheit, auch hätte sie der König zehnmal in Ketten geschlagen. Der Leidensweg von Golgatha, den sie in ihrem namenlosen Heimweh schritt, erhob sie turmhoch über den König, der Im Banne der Leidenschaft zu ihr schmachtete und seinem Jähzorn freie Rahn ließ. für den Radegundis nun die Worte sprach:„Herr verzib ihm, er weiß nicht, was er tut“ So hoch hinauf, in die Sphären höchster Vollkomnienheit, mußt du die Zuhörer führen, dann... denn, dann ist mein Traum von Radegundis in Erfüllung gegangen. Dann werden viele Seelen davon wachgerilttelt werdant— Lange blieb es still nach diesen Worten. Jedes hing seinen Gedanken nach. Eine Zeit herrschte Schweigen. Die kleine Bronzeuhr schlug die fünfte Stunde und es dämmerte bereits stark. Risa trat an das Fenster und sagte unruhig:„Ich rief heute den Aynethof an und erreichte endlich Anton, der in einer unglaublichen Aufregung um seine Elisabeth ist. Ich schlug ihm vor zu kommen, um die Zeit des Wartens abzukürzen. Gerade fährt er vor.“ Kurze Zeit später beugte er sich zerstreut über Risas Hand und erzählte, was er von Elisabeth wußte. Zögernd bat er den Professor, das Sanatorium anzurufen, er habe nicht den Mut dazu, er sei das erstemal in seinem Leben keig! Sofort entsprach der Professor diesem Wunsche und Risa und Anton hingen an seinen Lippen.„Mutter und Kind gerettet— Gott sei Dank— Frau Fanny war Blutspenderin für die Bluttranskusion bei Elisabeth— großartig — ich übergebe das Telefon dem glücklichen Vater.“ Der schrie nur ein glückliches„Ich komme sofort“ und rannte davon. Risa sah ihm entgeistert nach, dann murmelte sie mit blassen Lippen und vor Haß lodernden Augen:„Jede Hoffnung vernichtet“ und sank auf dem Diwan in sich zusammen. Arthur war zu ihr getreten, als wollte er sie trösten, aber er brachte kein Wort über seine Lippen. Er hielt ihre Hand und langsam ließ er sich neben ihr auf dem Diwan nieder. Leise flüsterte er:„Denke an Radegundis.“ Wie Anton zu Elisabeth gekommen war, wußte er später selbst nicht. Er trat ganz sacht zu Elisabeth, die blaß und schmal in den Kissen lag und ihm die Hand freudig entgegenstreckte. Er drückte einen innigen Kuß darauf, der mehr als Worte sprach. Ein klirer, inniger Blick traf ihn saus Eiisabeths feischten Augen, doch als sie sprechen, wollte, sagte Anton rasch:„Nicht sprechen, der Professor hat es nach allem, was du gelitten hast, verboten. Elisabeth, ich sche ein unsagbares Glück aus deinen Augen strahlen, ich...“ weiter konnte er nicht sprechen. Er hatte sich langsam neben dem Bett niedergelassen und sie strich sanft über sein Haar. Innig sah sie in seine Augen und leise kam es über ihre Lippen:„Anton— unser Kindl“ Anton und Elisabeth sahen zur Tür, durch die der Professor und Elisabeths Vater kamen. Der Professor legte den Enkel stolz in die Arme des Vaters, und der Großvater dankte glücklich Professor Heidler für die Rettung von Mutter und Kind. Etwas ganz Neues war nun in Elisabeths Leben getreten. Hatte früher ihre Liebe zu Anton ganz ihr Herz ausgefüllt, so gehörte nun ihr Herz auch Anton Theodor, der schlafend neben ihr in der Wiege lag. Sie konnte stundenlang liegen und wurde nicht müde, das Kind anzuschauen. Frau Fanny hatte das Sanatorium verlassen, aber Elisabeth lag noch blaß in den Kissen. Als sie wieder Anton Theodor in den Armen hielt, kam leise der Professor herein und blieb gebannt von dem fast andächtigen Ausdruck auf ihrem Gesicht stehen. Da wandte Elisabeth den Blick zur Tür auf ihn, I5chelte ihn glücklich an und sagte langsam:„Zum Leben erblühte Liebe! Das ist mein Anton Theodor“ Der Professor blickte Elisabeth lange an, dann sagte er:„Glückliches Kind.“ „Ja“, antwortete Elisabeth,„glückliches Kind, denn an deiner Wiege stehen Eitern, die dich lieben.“ „Damit ich aber endlich auch einmal ein Lob erhalte, kann ich die freudige Mitteilung machen, daß Frau Elisabeth bald aufstehen kann und in wenigen Tagen, wenn keine neuen Kompfikationen dazu kommen, nach Hause dart.“ Ueberglücklich dankte sie ihrem Retter. Als Anton eintrat, hörte er sofort die Freudenbotschaft, Elisabeth wünschte, auf den Aynethof zu fahren. Anton war nicht ganz einverstanden, da er in der Stadt im Augenblick sehr viel zu tun hatte und manchmal nicht auf den Avnethof am Abend noch hinausfahren konnte, aber er war andererseits viel zu glücklich über die Genesung Elisabeths, als daß er ihren Wunsch nicht erfüllt hätte. So wurde denn die Uebersiedlung auf den Aynethof besprochen, und als Elisabeths Eitern kamen, freuten sie sich mit ihnen, daß Tochter und Enkel endlich allen Gefahren entrissen waren, und man„in wenigen Tagen auf des Aynethof überziedein konnte Fortsetsung koigt SCHWERTER ZBITUNT In den debenendergen um zihhdee=Pup Pakistan hat schweres Erbe angetreten Es schützt Indien vor dem großen asiatischen Bruder: Rußland Kander Von Jo Hans Rösler Was der Balkan für Europa,: ist für Asien das zerklüftete Terrain an der Nord-West-Grenze Indiens, mit den gefährlichsten Gebirgsstraßen der Welt im Gebiet des Khyber-Passes. Dort liegt einer der Schnittpunkte der Weltpolltik, seit den Zeiten Alexanders des Großen bis auf den heutigen Tag blutig umkämpft als Einfluß-Sphäre der Großmächte. Ein amerikanischer Journalist kehrte kürzlich von einem mehrwöchigen Aufenthalt aus Pakstan zurück und berichtet über die politische, wirtschaftliche und militärische Lage des Grenzgebietes im Kampf der Weltmächte. In einer kleinen Siedlung des Khyber-Passes In Miranshah traf der Berichterstatter zum ersten Male mit den gefürchteten wilden Bergstämmen der Pathan zusammen. Es sind jene Stämme, die sich seit Jahrhunderten bis zur Erschöpfung der Volkskraft bekämpft haben, und trotz aller englischen Subsidien, die sie während der britischen Herrschaft über Indien bis 1947 erhlelten, nichts von ihrem Räubertum und ihrem Kampfgeist einbüßten. Sie leben in einer Region, die, schon landschaftlich gesehen, das Aeußerste von den Menschen fordert, sich am Leben zu erhalten Hart und unbeugsam, wie die himmelragenden Berge um sie herum, sind die Bewohner des Landes. Hier hat das letzte Wort noch immer die Kugel aus dem Gewehr eines Angehörigen der Pathan-Stämme, die dort ansässig sind. Hochgewachsene Gestallen, bis an die Zähne bewaffnet und mit Patronengürteln kreuzweise über der breiten Brust, begegnen dem Reisenden auf den Grenzpässen des Khyber-Gebietes Ste sind alle, vom 14jährigen Jungen bis zum Greise Meisterschützen und liegen ständig in blutigen Fehden mit den Nachbarstämmen. Sie trennen sich niemals vom Gewehr und ein Mann gilt, was seine Waffe wert ist. Das Tor nach Indien Diese Stämme einigermaßen In Recht und Gesetz zu halten, war seit Jahrzehnten eine Aufgabe englischer Kolonialpolitik in Indien Heute hat der neue Staat Pakistan dieses schwere Erbe übernommen. Die Garnisonen und Berg-Forts, die einst englische Truppen anlegten, sind heute verlassen Die blutigen Kämpfe mit den Strafexpeditionen der Engländer haben aufgehört. Doch die Ueberfälle auf die Karawanen dieser wichtigen Grenzpässe von Afghanistan in die fruchtbaren Gefilde Indiens gehen weiter. Die Wachtürme sind heute von den räuberischen Bergstämmen besetzt, ver deren Kugeln noch keiner eicher war. Heute zahlt Pakistan gewisse Unterhaltssummen, um die wichtigen Einfuhrwege ständig offen halten 0 diese Kinder! „ich habe heute eine Stunde Arrest bekommen, Papa, weil ich einen unanständigen Ausdruck gebrauchte. Der Lehrer hat mich gefragt: Wo hast du das gelernt? Aber ich habe dich nicht verraten, Papal ich habe gesagt, von unserem Papagei!“ zu können, und es bemüht sich, die Stammesführer auf seine Seite zu ziehen. Deuselben Versuch unternimmt die Regierung In Kabul, der Hauptstadt Afghanistans. Ja man ging so welt, vor kurzem aus den wilden Bergbewohnern einen neuen Staat zu bilden, den man„Pathanistan“ nannte. Er war jedoch nur von kurzer Lebensdauer. In den Einöden des Khyber-Passes bilden die Angehörigen dieses neuen Staates eine von den politischen Großmächten immerwährend für die eigenen Interessen ausgenutzte schwankende Masse, die ihre Vortelle wiederum rücksichtslos zu wahren weiß. Der Khyber-Paß ist das Tor von Innerasten nach Indien, Hinter diesem Tor steht der große Schatten der Sowjet-Union. Dreimal im Laufe der letzten hundert Jahre hat Rußland Afghanistan, den Staat zwischen den Grenzen Indiens und Rußlands, bekämpft, um sich den Weg zum Indischen Ozean zu bahnen. Das war 1838, 1879 und 1919. Afghanistan war und ist eines der großen Ziele russischer Expansionspolitik in Asien. England, die USA und die Sowjet-Union bemühen sich heute um Kabul. Amerikanische Ingenieure erweitern das Straßennetz und bauen Bewässerungsanlagen. Russische Propagandisten iherfluten das Land und England hat ein wachsames Auge. Der Fakir von Ipi Strategisch gesehen kommt dem KhyberPaß im Zeitalter der schnellen Bomber und der Atomwaffen keine allzu große Bedeutung mehr zu. Ein Feind von Norden könnte direkt über die Gebirgsmassen des Hindukusch Fallschirmtruppen nach Indien Eine medizinische Abnormität Das Greisenkind einfliegen, sie in Karachi, der heutigen Hauptstadt Pakistans, landen und das Mündungsgebiet des Indus erreichen. Einmal am Indischen Ozean festgesetzt, könnte ein Gegner zum Persischen Golf vorstoßen und die Oellinien, die England und die USA beliefern, in Besitz nehmen. Man hat auf der anderen Seite des KhyberPasses, In Indien und im Hintergrund in England, diese Gefahren erkannt und bemüht sich um ein freundschaftliches Verhältnis zu den Stämmen und vor allem zu dem berühmten Fakir von Ipl, dem bekannten notorischen Drahtzieber aller Aufstände in diesem Territorium. Pakistan hat in seinem Werbefeldzug um die Befriedung seiner Grenzen einen neuen Freundschaftsvertrag mit dem Fürsten Wali des kleinen Grenzstaates Swat abgeschlossen. Kulturhistorisch ist dieser Staat einer der interessantesten Gebilde dieses Gebietes. Hler wird noch neben vielen anderen hochkünstlerischen Formen des täglichen Lebens die älteste Art des Webens von Stoffen gepflegt, die heute den Wissenschaftlern bekannt ist. Die Verhandlungen zwischen Afghanistan und Pakistan über die grundsätzliche Ansiedlung und Stellung der immerhin 5 Millionen Angehörigen der PathanStämme sind in der Formung eines ZehnPunkte-Vertrages in ein neues Stadium getreten Man hat sich geeinigt, und es mit den Daumenabdrücken der Stammeshäuptlinge schwarz auf weiß nach Hause getragen, daß sie nunmehr zu Pakistan gehören wollen. Damit dürfte für die nächste Zeit in der Region der Gewehre und Rebellen eine gewisse Beruhigung eingetreten sein. von Nikolausberg Ein Mann aus Brooklyn besaß einen BrilJanten. Er wollte ihn einem Mann auf Long Island verkaufen. Der Stein war unter Brüdern— „Lieber Geschäftsfreund!“ schrieb der Mann aus Brooklyn an den Mann auf Long Island, „der Stein ist gut dretzigtausend wert. Aber ich habe ihn als Gelegenheit an der Hand. ich biete ihn dir Für zwanzigtausend an. Nur eine Bedingung: an dem Preise ist nicht mehr zu feilschen. Nimm den Stein unter die Lupe. Gefällt er dir zu diesem Preis, behalte ihn. Sonst sende ihn sofort zurück. Dein alter Geschäftsfreund aus Brooklyn.“ Der Mann auf Long Island nahm den Stein unter die Lupe. Der Stein war herrlich. Der Preis war gerecht. Trotzdem— Ein Versuch bleibt ein Versuch. Er schrieb zurück:„Lieber Geschäftsfreund! Neunzehntausend zahle ich. Mehr ist der Stein nicht wert. Erwarte deine Nachricht. Dein alter Geschäftsfreund auf Long Island.“ Die Nachricht kam. Sie war kurz und knapp. Sie lautete: „Sendet den Stein umgehend zurück!“ Da setzte sich der Mann auf Long Jsland hin, machte das Paket zurecht, verschnürte und verstegelte es und versicherte es und gandte ies nach Brooklyn zurück. Zuvor aber schrieb er einen Eilbrief: „Lieber Geschäftsfreund! Morgen sende ich Dir den Stein zurück. ich kann beim besten Willen nicht mehr wie neunzehntausend dafür anlegen. Ueberlege es Dir nochmals! E. ist mein letzes Wort: neunzehntausend. Ich überlasse Dir die Entscheidung, ob du mir zu diesem Preis den Stein verkaufen willst oder nicht. Kannst Du dich dazu entschlieBen, so verweigere die Annahme des Paketes und laß es an mich zurückgehen. Bestehst Du aber auf den zwanzigtausend, so nimm das Paket an. Dein alter Geschäftsfreund auf Long Island.“ Der Mann aus Drooklyn kennte sich nicht entschließen. Er nahm das Paket an. Er löste Siegel und Schnüre, er wickelte ein Papter nach dem anderen auseinander. Der Stein war nicht im Paket. Endlich, ganz unten, kam ein Zettel zum Vorschein. Darauf stand geschrieben:„Also gut— ich nehme ihn für zwanzigtausend! Dein alter Geschäftsfreund auf Long Island.“ Der gewissenlia#te Steuerzaller Von A. Pranke Es gab bisher nur ein Dutzend ähnlicher Fälle „Laß mich auch mal von deinem Bier trinken, Onkel Ferdinand!“ „Warte, bis du groß bist!“ „Bis dahin hast du es längst ausgetrunken!“ * „Welche Laufbahn willst du einmal einschlagen, mein Junge!“ „Gar keine! ich werde Chauffeur.“ * „Wenn ich deinem Vater dreihundert Mark leihe, und er zahlt mir jeden Monat dreißig Mark zurück wieviel schuldet er mir dann nach sieben Monaten?“ „Dreihundert Mark, Herr Lehrer.“ „Aber das ist doch Unsinn!“ „Von wegen Unsinn. Herr Lehrer! ich werde doch meinen Vater kennen!“ Die medizinische Fachpresse berichtet von dem Ableben eines vierzehnjährigen Mädchens, das in dem Dorfe Nikolausberg unweit Göttingen lebte. Dieses Mädchen war eine medizinische Abnormität ersten Ranges. Sie stellte einen Fall dar, von dem es bisher nur ein Dutzend auf der Welt gab. Denn dieses Kind war mit seinen vierzehn Jahren schon eine Greisin. Die ärztlichen Untersuchungen ergaben, daß alle Organe des Kindes denen einer siebzigjährigen Frau entsprachen. Schon in ganz jungen Jahren, also in einem Alter, in dem andere Kinder noch nicht zur Schule gehen, benahm sich das Mädchen als erwachsener Mensch. Sie war ungemein verständig und ruhig, beschäftigte sich später mit Handarbeiten und war darin wirklich geschickt. Die Arme und Beine des Kindes entwickelten sich nie über die Maße eines großen Babys hinaus, das Gesicht war sehr schmal und zeigte schon frühzeitig die bekannten Furchen des Alterns. Seitsam ist, daß sich auf der Kopfhaut keinerlei Haare entwickelten. Geistig zeigte das Mädchen ganz beachtliche Fähigkeiten. Sie hatte auch den Willen immer zu lernen und das Gelernte in die Tat umzusetzen. Die medizinische Wissenschaft erklärt das schnelle Altern aus einer Ueberfunktion der Drüsen heraus. Das gesamte Leben lief dadurch fünfmal so schnell ab wie bei einem gewöhnlichen Menschen. Es war mit seinen vierzehn Jahren also wirklich eine Siebzigjährige. Schon früher hatten die wenigen ähnlichen Fälle Aufsehen erregt. Noch heute wird über das Wunderkind von Lübeck diskutiert, das unter dem Namen„Der kluge Christian“ bekannt war. Er hieß eigentlich Christian Heinecken. Sein Geburtstag war der 26. März des Jahres 1721— nach einer anderen Chronik soll er schon im Februar geboren worden sein. Er wurde nur fünf Jahre alt. Aber schon im ersten Lebensjahr entsprach sein Benehmen dem eines Zwölfjährigen. Er soll nach den verbürgten Angaben der Chronik mit zwei Jahren nicht nur elle biblischen Geschichten auswendig gelernt haben, sondern auch die ersten Grundlagen der lateinischen Sprache. Kurz vor seinem Tode hat er sich einer Prüfung in Weltgeschichte unterzogen, die er bestand. Er pflegte sich selbst sehr ernst zu nehmen und konnte böse werden, wenn in ihm ein Besucher nur ein„überkluges Kind“ sah. Auf seine Bitte wurde er auch wie ein Erwachsener angesprochen. Es gibt noch einige solcher Fälle. Sie alle sind merkwürdig und man würde ihnen keinen Glauben schenken, wenn nicht medizinische Wissenschaft ihnen auf den Grund gegangen wäre und die meisten Ueberlieferungen bestätigte. Auch das Greisenkind von Nikolausberg gehört, nun dazu. Wußten Sie schon? Wenn alle ultravioletten Strahlen des Sonnenlichts die Erde erreichen würden, wäre alles menschliche Leben in Sekundenschnelle eine verbrannte Masse. Der Winter des Jahres 1708 war so kalt, daß das Holz nicht zum Brennen gebracht werden konnte und die Vögel in der Luft erstarrten. * Ein Paar Männerschuhe wiegt mehr als eine komplette Damenunterwäsche. „Sie sind der gewissenhafteste Mensch, der mir jemals unter die Augen kam“, sagte der Steuersekretär zu dem kleinen Herrn und lächelte ihm anerkennend zu.„Pünktlich wie die Miete kommen Sie jeden Ersten und bezahlen Ihre Steuern. Wirklich, ich bin sehr zufrieden mit Ihnen.“ „Ordnung muß sein“, sagte der kleine Herr und legte zweihundert Mark auf den Tisch.„Wer einnimmt, kann auch abgeben. — Wieviel bezahle ich das nächstemal?“ „Zweihundertachtzig“, antwortete der Steuersekretär.„Es tut mir aufrichtig leid, daß wir erhöhen müssen; aber Sie wissen ja: die Verschuldung, die vielen Neubauten etcetera etcetera. Und nehmen können wir es nur von den Lebenden, hahahal“ Am nächsten Ersten, pünktlich zur gewohnten Stunde, kam der kleine Herr und legte wortlos zweihundertachtzig Mark auf den Tisch.„Wieviel bezahle ich das nächstemal?“ fragte er dann.„Vierhundertzwanzig“, sagte der Steuersekretär und erklärte ihm genau, warum eine weitere Erhöhung notwendig geworden sei Bei sich aber dachte er: man muß es von denen holen, die sich nicht auf die Hinterbeine stellen. Am nächsten Ersten kam der kleine Herr und legte vierhundertzwanzig Mark auf den Tisch.„Wieviel bezahle ich das nächstemal, Herr Steuersekretär?“„Ober, wenn ich bitten darf, Obersteuersekretär!“„O, da kann man ja gratulieren! Ja, wenn einer in seinem Fach tüchtig ist, kommt er vorwärts. Ich kenne das von meiner Tätigkeit— Wieviel bezahle ich das nächstemal!“„Sechshundertneunzig“, sagte der Obersteuersekretär.„Sie wissen ja, der Staat braucht Geld und nochmals Geld. Woher nehmen und nicht stehlen?“„Eben, eben“, seufzte der kleine Herr.„Sechshundertneunzig. Das wird mich eine Menge Mehrarbeit kosten. Aber ich will mich nicht beklagen. Die Arbeit seht mir ja flott von der Hand.“ Am nächsten Ersten, pünktlich wie immer, kam der kleine Herr und legte sechshundertneunzig Mark auf den Tisch.„Wieviel bezahle ich das nächstemal!“„Neunhundertsiebzehn“ Aber der Obersteuersekretät hatte noch nicht ausgeredet, da war der kleine Herr schon aus der Tür. ohne ein Wort, ohne Gruß.— Zehn Minuten später polterten schwere Schritte die Treppe herauf. Dann wurde die Tür aufgestoßen und herein kam der kleine Mann. Mit einem riesigen Köffer Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Dann sagte er:„So, Herrschaften, ich habe mir die Sache anders überlegt. Wozu soll ich einen Fünfmarkschein nach dem andern fabrizieren! Ihr kassiert sie ja doch alle. Hier ist die Maschine. Macht den Dreck alleine!“ Zitronen, die man zur Hälfte zerschneidet, um den Saft zu gewinnen, trocknen bekanntlich immer sehr rasch aus. Wenn man, wie bei der Krankenpflege, immer nur ein wenig Saft braucht— zum Beispiel bei Halserkrankungen— soll man die Zitrone nicht zerschneiden, sondern nur mit einer Gabel an einem Ende hineinstechen. Drückt man die Zitrone, so tropft der Saft heraus. * Alte Rasierklingen sind zum Radlieren und Bleistiftspitzen immer sehr beliebt. Leider biegen sie sich immer im ungeeignetsten v#hugenblich. Man verhindert diesen Blegen seitgeneno undurch, daß man in die Löcher der Klinge möglichst große Druckknöpfe knipst. Sie geben dem Ganzen mehr Halt und erleichtern das Hantieren wesentlich. Gegen Schnarchen— wenn es nicht gerade eine krankhafte Erscheinung ist— hilft Einfetten der Nasenlöcher mit einer Creme vor dem. Schlafengehen. Ein weiteres Mittel ist, sich im Bett während des Einschlafens den Befehl zu geben, mit geschlossenem Munde zu atmen. Das hält dann noch eine Weile vor. * Wenn man nicht einschlafen kann, lege man die Arme bis zu den Ellbogen in eiskaltes Waster und zähle bis sechzig. Man schläft dann meist nach einer Viertelstunde fest und tief. Auf alle Fälle sollte man dieses Hausmittel versuchen, ehe man zu Schlaftabletten greift. * Selbst mittelmäßige Amateuraufnahmen wirken ganz anders, lebendiger und plastischer, wenn man sie auf hellen Karton klebt und den Rand dafür ganz wegschneidet. * Alle alten Fotos, die sich in kein Album einreihen lassen, klebe man auf leere Blätter, die„man dem Thema nach in Ringbücher ordnet. So kann man jederzeit Nachzügler oder neue Bilder einreihen und hat endlid. Ordnung in der Bilderkiste. Flüchtlinge und Millionäre auf derselben Bank Orientexpreß- gestern und heute Schicksale von Menschen und Mächten um einen internationalen Zug Kainur und die schwarze Kobra Können wilde Schlangen durch Musik angelockt werden? Der britische Forscher G. G. Cardmaster beschäftigt sich in einer naturwissenschaftlichen Zeitschrift mit der Frage, ob es den indischen Schlangenbeschwörern möglich sei, durch ihre Musik auch wilde Schlangen anzulokken und berichtet folgendes Erlebnis. Als zwei Schlangenbeschwörer zu ihm kamen, versprach er ihnen eine Belohnung, wenn es ihnen gelinge, eine wilde Schlange zu fangen. Wenige Tage zuvor hatte er in seinem Garten ein Exemplar der besonders gefährlichen schwarzen Kobra beobachtet und geschen, wie sie in einen Ameisenhügel kroch, D'e Schlangenbeschwörer hockten davor nieder und bliesen auf ihren Rohrpfeifen Nach kurzer Zeit erschien die Schlange und streckte ihren Kopf aus lem Loch. Der eine Inder stürzte sich sofort auf sie, ergriff sie mit Daumen und Zeigefinger am Hals dicht unterhalb des Kopfes, so daß sie nicht beißen konnte. Dann versuchte er, sie zum Tanzen zu bringen, indem er ihr ein kleines Stück einer weißen Wurzel über den Kopf hielt. Die Kobra versuchte, wegzukriechen, wurde aber jedesmal wieder zurückgebracht und fing endlich an, sich langsam um sich selbst zu dreben. Cardmaster fragte den Inder, was er getan hätte, wenn die Schlange ihn gebissen haben würde. Raipur antwortete, er trage stets ein sicheres Heilmittel gegen Schlangenbiß bei sich und habe nicht die geringste Angst. Mehr im Scherz als im Ernst sagte der Forscher, er gebe ihm fünf Rupien, wenn er sich beißen lasse. Im Handumdrehen steckte Raipur der Schlange einen Finger in den Rachen. Als er ihn zurückzog, waren zwei leicht blutende Punkte darauf zu sehen. Raipur gab die Schlange seinem Begleiter, der sie in einen Korb legte, nahm ein Stück verbrannten Knochens aus seinem Schurz und hielt ihn an die Wunde. Sofort schwollen die Adern dick an, glätteten sich jedoch bald wieder. Nach einiger Zeit ließ Ralpur den Stein fallen und erklärte, daß alles Gift herausgezogen sei. Nun ließ er sich eine halbe Kokosnuß voll Milch bringen und warf den„Schlangenstein“ hinein. Die Milch warf lebhafte Blasen; später zeigte sich an ihrer Oberfläche eine strohgelbe, ölige Flüseigkeit. Cardmaster holte ein junges Huhn, brachte ihm eine leichte Wunde bei und tauchte es in die Gige Flüssigkeit. Innerhalb von zehn Minuten starb das Küken unter allen Symptomen eider schweren Vergiftung. Mit Oellampen erleuchtet! Man schrieb das Jahr 1883, als im aufblühenden Europa eine neue internationale Zuglinie in Betrieb genommen wurde, die zum ersten Male in der Geschichte der Eisenbahn Ost und West miteinander verband. Der Orient-Expreß war geboren und seine Dampflokomotive raste mit einer Geschwindigkeit von fast 30 Stundenkilometern über die Strecke Paris—Straßburg—München-Wien—Budagest nach Varna am Schwarzen Meer. Hier bestiegen die Passagiere ein Schiff, das sie in 15 Stunden nach Konstantinopel brachte. Der Zug mit seinen für damalige Verhältnisse luxuriös eingerichteten zwei Schlafwagen, die mit Briketts geheizt wurden und mit Oellampen erleuchtet waren, legte die Strecke in 77 Stunden und 19 Minuten zurück. Ein neuer Rekord war geschlagen. Der Zug wurde berühmt Seit diesem ereignisreichen Jahr legte der Simplon-Orient-Expreß ungezählte Male diese Strecke zurück. Der Zug wurde berühmt und ist in so viele Filme, Kriminalromane und sonstigen Histörchen eingegangen, daß es mühevoll wäre, sie alle aufzuzühlen. Tatsachen könnte nur das Zugpersonal, das sich aus Angehörigen von sieben Nationen zusammensetzt, berichten. Aber diese Männer unter der disziplinierten Aufsicht des blauuniformierten„chef de train“, der etwa die Stelle eines Zahlmeisters auf einem Schiff einnimmt, sind an ihre: Amtspflicht des Schweigens gebunden und nur den Behörden zur Auskunft verpflichtet. Für jeden Wagen ist ein weiterer besonderer Schaffner verantwortlich. Er muß mindestens drei Sprachen fließend beherrschen und die große Kunst verstehen, such die scheinbar unmöglichsten Wünsche der Passaglere zu erfüllen. die Männer des Orient-Expresses hönnten Geschichten erzühlen, die sich wirklich abspielten und jecen Schauerroman in den Schatten stellten. Aber meist begnügen sie sich von den prominenten Gösten ein wenig zu pleudern. Natürlich nicht mehr, als auch in der Spalte„Gesellschaftliches“ der groBen Tageszeitungen stehen könnte. Ein königlicher Passagier So war vor dem Kriege der beliebteste Passagier des Orient-Expresses König Boris von Bulgarien, dessen Leidenschaft für das Eisenbahnwesen ja bekannt war Während der Reise empfing er in seirem Salon-Wagen das Zugpersonal, um mit ihnen bei einer Tasse Tee die neuesten technischen Entwicklungen der Eisenbahn in aller Welt zu diskutieren. Dann pflegte er nach vorn zur Lokomotive zu gehen und sich auf dem Führerstand neben die beiden französischen Lok-Führer zu stellen und sich an der Bedienung der gewaltigen Lokomotive zu beteiligen. Die einst luxurlösen Abtelle sahen die Berühmtheiten aus aller Welt. Greta Garbo, Toscanini, der Herzog von Windsor und Marlene Dietrich sind nur einige Passagiere, die das internationale Ansehen des Zuges weiter verstärkten. Aber auch die indischen Maharadschahs waren begeisterte Benutzer des Orient-Eupreß. Von Indten über die Türkei und durch Bulgarten erreichten sie das Ziel ihrer Wünsche. Paris. Einer von ihnen mietete einst einen ganzen Schlafwagen mit 24 Betten für sich allein, um ungestört vor neuglerigen Augen mit seinem Harem die Reise zurücklegen zu können. Dieser Wunsch kostete ihn die Kleinigkeit von rund 23 000 Mark. Jetzt kein Salonwagen mehr! Der Krieg machte auch dem Glanz des Orient-Expresses ein Ende. Erst im Jahre 1947 wurde die Strecke wieder befahren. Die. Salonwagen sind verschwunden. Es gibt keine Brausen und Bäder mehr. Jeder Raum wird eusgenutst, soviel wie möglich Reisende zu befördern. Heute sitzen östlich von Triest Millionäre mit dicken Brieftaschen und verbärmte Flüchtlinge eng gedrängt im gleichen Abtell. Der Orient-Expreß wird auf langen Strekken hinter dem eisernen Vorhang zum kleinen Lokelzug, der Mühe hat, mit seiner schlechten Kohle voranzukommen. In seiner großen Zeit war der Expreß fast zum Symbol einer Welt geworden, die sich bemühte, in Frieden und Freundschaft zu leben. Die Kriegsfurie hat das blaue Band des Zuges zerrissen und mühsam nur wird es zur Zeit wieder geknüpft. Unscheinbare Helfer Die Sicherheitsnadel als vielseitiger Gebrauchssegenstand Welch hohe Kulturstufe unsere Vorfahren erreicht hatten, bevor Roms Mauern standen, zeigt die Geschichte eines unscheinbaren und doch so wichtigen Gegenstandes, der Sicherheitsnadel oder Fibel. Sie ist eine Erfindung der Germanen in der zweiten Periode der Bronzezeit, also um 1600 v. Chr. Die vielfältigen und reichhaltigen Formen gehen auf die sogenannte nordische Urflbel zurück.(Fundort: Bollersleben, Kreis Apenrade).„Während von den westlichen und südwestlichen Nachbarn der Germanen dieser wichtigste Nutz- und Schmuckgegenstand jahrhundertelang abgelehnt wurde verbreitete er sich bald nach seiner Erfindung über das österreichische Illyrierland nach Oberitalien. Dort im Etruskerland entstand aus der zweigliedrigen nordgermanischen Fibel die eingliedrige, die je nach Schmuckform oder Fundort als Bogenflbel oder Schlangenfilbel bezeichnet wird. In den nachfolgenden Jahrhunderten der späteren Bronzezeit, bis 100 n. Chr., entwickelte sich die Fibel bei den Germanen in einer Reichhaltigkeit und Schönheit, daß wir heute noch die Schmiedekunst und den hohen Geschmack dieser frühen Zeit bewundern müssen. Viele Spangen und Nadeln wurden mit runden Bronzeplatten versehen, andere wieder zeigten eine so edle Sachlichkett, daß man meinen könnte, sie wären aus der Hand eines großen Künstlers unserer Tage entstanden. 2 SCHWERTER ZRITUNG Hiebes uies Stecchl Loses Blatt aus einem alten Tagebuch- Schönes Pommerland Von Eheleuten.. und solchen, die es werden wollen Aus dem Tagebuch einer Reise durch Pommern im Juhr 1938 lösten wir ein Blatt, das von Stettin erzählt. der Hafenstadt an der Ostsee. „Niemals hätte ich geglaubt, daß Pommern s0 schön ist Eigentlich hatte ich gar keine richtige Vorstellung davon, obwohl wir als Kinder im Liedchen oft davon gesungen haben: „Maikäter flieg. Dein Vater ist im Krieg. Die Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt. Maikäufer tlieg. Und auch später, als wir im Sprachgebrauch die Redewendung führten, daß irgendeiner wohl aus Hinterpommern käme. wußten wir nicht viel mehr von diesem deutschen Land an der Ostsee. Nun habe ich es bereist, bin kreuz und quer gefahren und habe es liebgewonnen Von den niedrigen Häusern der Fischer am Strand weiß ich, von ihrem kargen Leben, von den Seebädern, in denen die Großstädter ihre Ferien verleben, und von Stettin, der Hauptstadt Pommerns und dem größten Ostseehafen Deutschlands. Im Mittelalter schon war Stettin eine Stadt der Hanse. bis zum 17. Jahrhundert residierten hier die Herzöge von Pommern und mit der wachsenden Bedeutung Berlins erhielt auch Stettin als die der Reichshauptstadt nächstgelegene Großstadt modernes Gepräge. Der Hafen war von jeher der Umschlagplatz für Güter, die von der Nordsee. vom Mittelmeer und Uebersee den Weg nach dem Osten suchten, die Bäderdampfer versahen den Passaglerverkehr nach den Inseln Usedom, Rügen und die Ueberfahrt nach Skandlnavien Mit ihren großen Speicheranlagen sind Alter-, Reihenwerder- und Industriehafen eine eigene Welt für sich. Das alte Maikäferliedchen hat einen traurigen Kern: Stettin ist tatsächlich sehr oft von Bränden zerstört worden, so daß von dem eigentlichen allten Stadtbild, das sich steil auf dem linken Ufer der Oder hinzeg, kurz bevor sie ins Haff mündet, nicht viel erhalten blieb. Und doch ist die Stadt nicht nur eine Großstadt schlechthin, sondern sie het ihren besonderen Charnkter, der in allen Jahrhunderten weiter vertieft wurde. Um 1346 hat man das Herzogschloß gebaut, dessen riesige Uhr auf vielen Ansichtspostkarten in die Welt geschickt wurde. Nicht viel jünger als das Schloß ist die Peter- und Paulskirche, von der die Chronik um 1450 zum ersten Male erzählt. Und in der meisterhaft gebauten Jakobikirche, die ein Symbol für norddeutsche Backsteingotik sein könnte, steht die Orgel, an der 40 Jahre lang der große Balladenkomponist Carl Loewe als Organist wirkte. Sein Herz. das der Orgel gehörte blieb ihr auch Im Tode nahe. Es ruht in einer goldenen Kapsel in einem Pfeiler neben dem Spieltisch. Noch mit anderen bedeutungsvellen Namen ist die Stadt verbunden. Hier wurds Carl Ludwig Schleich geboren, die Wiege des„alten Wrangel“ stand hier und auch die spätere Kalserin Katharina II. von Rußland erblickte in Stettin im Jahre 1729 als Prinzessin von Anhalt-Zerbst das Licht der Welt...“ So erzählt das Blatt aus diem Tagebuch einer Reise. Elf Jahre sind seither vergangen. Und das Liedchen, das im Dreißigjährigen Krieg zuerst erklungen sein soll, hat wiederum eine bittere Wahrheit in sich:„Fommerland ist abgebrannt. Maikänfer flieg Lieb#s, altes Stettin! Bines Tages kam eine junge Frau zu elnem Paychlater und klagte ihm thr Leid, daß eie sich des ötteren vor ihrem Mann erschrecke, da er im Gespräch mit ihr Rauchkringel durch die Nase biase. Der Arzt beruhlgte sie und sagte:„ich kann dabei aber nichts Schreckliches finden, wenn ein Mann Rauch durch die Nase bläst.“ „Aber mein Mann raucht doch gar nicht“, war die Antwort der jungen Frau. * Wir kennen ein Ehepaar, daß schon schr lange verhetratet ist, und doch nicht in dan übliche gleichgültige Schweigen verfällt. wenn sie im Restaurant oder sonst einem öffent!ichen: Lokal sitzen. Im Gegensatz zu vielen anderen wurden sie immer im helteren Gespräch und anregender Konversation beobachtet. Eine gute Freundin fragte einmal nach dem Grund dieser Aufgeschlossenheit. Mit weisem Lächeln gab die altere Dame das Rezept bekannt.„Es ist ganz einfach, vor langen Jahren beschlossen wir, es uns nicht zur Gewohnheit werden zu lassen, stumm und gleichgüttig nebeneinander zu sitzen. Wenn ich fühle, daß einer der gefürchteten toten Punkte im Gespräch im Anzuge ist, zühle ich meinem Mann mit halblauter Stimme 1. a. 3. 6. 8 vor. Er antwortet mit 6. 7 8. 9. 19 Deraut hin müssen wir unwelgerlich über unseren kleinen Trick lachen und kinden einen neuen Anhaitspunkt zur wirklichen Unterhaltung. Viele Münner, die sich in das Cnlbch= einer Frau verlieben, begehen den ulsvorseihlichen Pehler, die ganse Frau au helraten!“ Ein junges Paar hatie seinen ersien Streit. Der Ehemann lenkte als Vernünftigerer schließlich ein und sagte:„Liebling, ich sehe ein, daß(u Recht hast, und schließe mich deiner Meinung in.“ Wie aus der Pistose geschossen kam die Antwort:„Das wird dir nicht mehr viel nützen, ich habe meine Ansichtt geündert.“ 777 Ma una onne BJart Warenkaus allle Verkäuferin „Bediene dich selbst“. Das System der Selbstbedienung gewinnt in vielen Ländern immer mehr an Bedeutung. Auch in Amerika hat sich der„Supermarkt“, wie man. Kolonialwarenhandlungen mit Selbstbedienung nennt, eingebürgert. Zu den in kleinen und großen Gemeinden bereits bestehenden Tausenden von Geschäften dieser Art kamnen in der Nachkriegszeit wieder neue hinzu. In den Geschäften mit Selbstbedienung sind den Kunden Körbe mit Gemüse und Obst, Konserven und verpackte Eßwaren fw zugänglich. Nur Lebensmittel, die e besondere Behandlung verlange vie etwa Käse und Fleisch. werden von Verkäufern abgegeben. Das System der Selbstbdienung aber soll noch weiter vervollkommnet werden. Im diplomatischen Viertel von Washington arbeitet ein Super-Betrieb bereits ohne jedes Verkaufspersonal. Sobald sich ein Kunde dem Eingang nähert, öffnet sich das Portal des Geschäftshauses automatisch durch photoelektrische Zellen. Die Lebensmittel sind in Cellophan oder Waschpapier hygienisch verpackt. Fleischscheiben und fertig zubereiteter Salat werden in Schüsselchen mit durchsichtigem Deckel verkauft. Leicht verderbliche Lebensmittel findet man auf einem Rost über Tiefkühlanlagen. Konservendosen stehen hintereinander auf einer schrägen Gleitfläche, sie rollen in Reichweite, wenn eine der Büchsen vom Kunden weggenommen wird. Die einzige menschliche Arbeit, die bei diesen Betrieben erforderlich ist, besteht darin, die Regale wieder frisch zu füllen und das Geld einzukassieren. In einem andern Warenhaus ging man in dem Bestreben, den Einkauf zu erleichtern, sogar noch weiter. Die Kunden sitzen vor einem laufenden Band, auf dem die ausgelegten Waren vor ihren Augen vorbeigeführt werden. Sie wählen, was ihnen gefällt, und legen ihre Elnkäufe auf ein zweites Fließband, das die Gegenstände direkt zur Kasse föhrt. Nicht alle Betriebe sind schon so modern eingerichtet, auf Selbstbedienung aber wird überall größeres Gewicht gelegt. Bei einer kürzlich veranstalteten Musterschau zeigten 200 Aussteller neue Apparate, mit deren Hilfe die Selbstbedienung erleichtert und so eingerichtet werden soll, daß die Kunden dabei nicht viel herumgehen müssen; nicht nur Lebensmittel, sondern auch Spielzeug, Kinderbücher, Drogen und sanitäre Bedarfsartikel wird man nach dem neuen System einkaufen können. Es wird über das„Warenhaus ohne Verkäuferin“ viel gestritten. Ein Teil der Käufer ist der Ansicht, daß gerade die persönliche Bedienung den Reiz des Einkaufens ausmache und daß sie gerade dadurch oft erst zum Kauf angeregt würden. Andere vertreten die Ansicht, daß der Einkauf eine Angelegenheit sei, die man ohne persönliche Anteilnahme rein technisch lösen sollte. Wer hat recht? Gutsverwalter zum Kutscher:„Wohin gehen Sie denn, Franz?“ Kutscher:„Wasser holen Herr Verwalter!“ Gutsverwalter:„Aber.. Aber In so schmutzigen Hosen?“ Kutscher:„Nein, Herr Verwalter, in dem Eimer hier!“ Erster Maler:„Du willst die Wahrheit? Nun, offen gestanden, ich finde das Porträt absolut unähnlich!“ Zweiter Maler:„Leider kann ich das nicht bestreiten! Aber, was meinst au, wer könnte es eventuell sein?“ * „Die Leute bringen dir ja riesige Ovationen dar! Sie klatschten in einem fort! Was hast du denn gemacht?“ „Ich habe ihnen gesagt, daß ich nicht eher weiter singen werde, bis sie sich beruhigt haben!“ „Meine Frau ist sehr wählerisch! Kann ich den Schal umtauschen, wenn er ihr nicht gefällt?“ „Selbstverständlich!“ „Wie oft?“ Arzt:„Noch eine Frage, leiden Sie an starkem Durst?“ Patient:„Nein, soweit lasse ich es niemals kommen!“ * „Mich schaudert, wenn ich an meinen vierzigsten Geburtstag denke!“ „Aber liebste Freundin, was ist denn damals so schreckliches passiert?“ * „Was hat der Arzt zu deinem kranken Magen gesagt?“ „Er müßte ihn erst eine Zeitlang beobachten!“ „Ach... und da hat er ihn gleich debehalten?“ „Ich möchte mir gern ein neu:s Kosttim machen, willst du mir nicht etwas daau geben“ „Aber natürlich, nimm dit die Löcher aus meinen Socken für die Knopflöcher.“ oeter Frühjahrsputz der Ozean-Riesen] Eine Armee von Handwerkern In den Docks von Southampton hat man in diesen Wochen mit der großen Frühjahrsreinigung der TransatlantikDampfer begonnen. Die Flotte der größten Passagierdampfer der Welt liegt in den Trockendocks, um für das viele Dollar einbringende Touristengeschäft vorbereitet zu werden. Erwartet man doch im kommenden Jahre einen Strom dollarschwerer Amerikaner, die mit diesen Schiffen England und Europa besuchen werden. Als erste liegt augenblicklich die 81000 Tonnen große „Queen Mary“ im Dock, um„auffrisiert“ zu werden. Eine Armee von Malern, Zimmerleuten, Schmieden, Ingenieuren und anderen Verschönerungskünstlern ergoß sich bis in die hintersten Winkel dieses schwimmenden PaBrielmartce rettete den Ranamakanal Nicht Lesseps, sondern ein Ingenieur gewann den Kampf um den Durchbruch „Ja, meine Dame, ihr Pelz ist bereits von dem Herrn geholt worden, mit dem Sie gelanst heben! „Um Gottes Willen—— dann ist er 1e pesichlen!“ „Hat sich denn der Herr Ihnen nicht vorgesteilk „Nein— er sagte nur, er wäre Pelzjäger Die zahlreichen politischen, wirtschaftlichen und personellen Kämpfe um den Baul des Panama-Kanais sind bekannt, weniger drang eine Tatsache an die Oeffentlichkeit, die den endgültigen Bau des großen Projektes schließlich erst ermöglichte. Der Kampf um den Panama-Kanal wurde durch eine Briefmerke beendet, die eines Tages auf die Schrelbtische der Gegner des Kanalbaues flatterte. Man schrieb das Jahr 1902. als in einem Abtell erster Klasse des Zuges von Washington nach Neu-York unter den wenigen schlafenden Reisenden ein kleiner, schwarzhaariger französischer Ingenieur in fieberhafter Arbeit einen Stoß von über 400 Briefumschlägen postfertig zu machen sich so gut es gehen wollte bemühte. Das Ziel seiner Reise war New-York. Beine Absicht, in New-Vork 400 Briefmarken aufzutreiben, sie in die Umschläge zu praktizieren und das Weitere der öffentlichen Meinung zu überlassen. Der Brietschreiber war ein Ingenteur der Kanalbau-Gesellschaft namens Varilla. Acht Jahre vorher war er Chef-ingenieur der unter Lesseps begonnenen Bauten am Kanal gewesen. Da das Projekt bekanntermaßen zuviel Menschen und Geld schluckte, wurde der Bau unterbrochen und nur Varilla wal der Einzige, der, nachdem Lesseps In Ungnade gefallen war, an die Vollendung glaubte und jahrelang einen wahren Kreuzzug zur Erreichung des gesteckten Zieles führte. Er versuchte die öffentliche Meinung und die führenden Persönlichkeiten der Polltik und Wirtschaft Amerikas zu interessieren. Es war ihm kein Erfolg beschie den: im Gegenteil, die Pläne seiner Gegne waren so weit gediehen, daß man bereit: eine neue Route durch Nicaragus festlegen wollte. Das amerikanische Repräsentanten haus hatte diese bereits gebilligt. Der eifrigste Verfechter des neuen Projcktes und der größte Gegner Varillas wai Senator Morgan. De zu dieser Zeit in der Kandlzone zahlreiche Vulkane erneut in Tätigkeit getreten waren und die Oetfentlichkeit mit Entsetzen und Schrecken von den großen Menschenopfern im weiteren Umkreis der Panama-Kanal-Zoue Kenntnie nahm, schienen die Chancen Varillas gleich Null zu sein. Da kam ihm eine Idee zu Hilfe. Ein Krater im Gebiet von Nicaragua, durch das der neue Kanal führen sollte, der „Momotombo“, hatte vor Jahren durch seinen Ausbruch ein Erdbeben verursacht, das die Gefahr einer ebensolchen Unsicherheit für den Kanalbau wie im Gebiet von Panama heraufbeschwor. Die Meldungen über den Ausbruch des Momotombo wurden in größter Aufmachung in die Presse lanciert und Varilla war ihr Schöpfer. Für ihn kam es darauf an, nachdem eine Rückfrage beim Präsidenten von Nicaragua die Falschmeldung des jüngsten Ausbruches des Momotombo erwiesen hatte, dies trotz aller gegenteiligen Meinungen zu beweisen. Als Senator Morgan kurz nach der Verötfentlichung der angeblichen Tätigkeit des Momotombo-Kraters seine Post durchlas, fiel ihm ein mit hastigen Schriftzügen bedeckter Umschlag auf, der nichts weiter als eine kleine Briefmarke des Staates Nicaragus enthielt. Ihr Bild zeigte den Momotombo als rauchenden Vulkan. So gut wie jeder andere wußte der Senator, daß Briefmarken in den meisten Fällen das charakteristische Merkmal des Staates, der sie herausgibt, darstellen. Der Senator konnte sich nun leicht zusammenreimen, daß er nicht allein der Empfänger einer solchen Post an diesem Morgen war, und ebenso erinnerte er sich an die letzte Erdbebenmeidung des kleinen Staates mit der verhängnisvollen Briefmarke. Morgan war ein kluger Mann, aber doch kein Hellseher. Er konnte nicht wissen, daß Varilia, der von seinem Projekt besessene Ingenieur des Panama- Kanals, sich vor wenigen Tagen, bevor er in den Nachtzug nach Neu-York stieg, einer Serie von Briefmarken erinnerte die aus dem Jahre 1900 tammte und das oben erwähnte Bild zeigte. Varilie war kein Dummkopf und nützte diese Entdeckung mit dem genialen Einfall der Zusendung dieser Marke im richtigen Augenblick an die richtigen Leute im gegneriechen Lager. Boreits vierzehn Dase spüter bekannte man sich im Repräsentantenhaus zum Panamaprojekt. Eine unscheinbate Brietmarke rettete den Kanalbau. lastes. Sie kommt als erste dran, da sie bald wieder den Fährdienst zwischen Amerika und England versehen soll. Die„Mauretania“ und die„Queen Elizabeth“, mit ihren 83000 t das größte von allen Schiffen, sollen in 43 Tagen überholt werden. Die Schiffe haben im Frühjahr bereits wieder den regelmäBigen Transatlantik-Dienst zu versehen, daher ist die Eile geboten, und alle technischen Mittel werden angewandt, die gewaltigen Kolosse, die hier jetzt hilflos in ihren Docks zu ruhen schelnen, wieder betriebsfertig zu machen. Ist das Wasser in rauschenden Strömen aus dem Trockendock geschossen, stürzen sich mit Bieneneifer ganze Kolonnen von Farbkratzern auf das Schiff, um die Außenwände zu säubern und für den neuen Anstrich vorzubereiten. Aberhundert andere Spezialisten, bewaffnet mit Hämmern, Sägen und tausenderlei anderen Spezialgeräten, gehen an Bord und schwärmen durch die Korridore, Decks, Luxuskabinen und Staatsräume. Dies sind die Säuberungs-, Polier- und Reparaturkolonnen. Andere Facharbeiter sind nur dazu da, alles auf dem Schiff vorhandene Lederwerk zu überprüfen. Besonders geschulte Frauen haben die über eine Million Leinenstücke der„Queen Mary“ durchzusehen und das verbrauchte vom Guten zu sondern. Hunderte von Vorhängen und Gardinen müssen gewaschen und, wenn nötig, ebenfalls erneuert werden, und über 10 Kilometer Teppiche werden gelüftet und geklopft. Die kostbaren seidenbeschlagenen Kabinenwände der Staatsräume und Gesellschaftssäle, sowie die teuren und seltenen Edelhölzer, mit denen viele Räumlichkeiten der Luxusdampfer ausgestattet sind, bedürfen einer besonDer empfindsame Hund Humoreske von Emil dert Ein Herr tra“ in das Atelier des berühmten Tiermalers.„Können Sie mir ein Bild von meinem Hund malen?“ „Gewiß, mein Herr,— Hundebilder sind meine Spezialität“ „Es ist aber ein ganz außergewöhnlicher Hund und ich liebe ihn sehr. Was wird das Bild kosten?“ „Hundertfünzig O-Mark.“ „Gut, malen Sie das Bild!“— Vierzehn Tage vergingen, da trat der Herr wieder in das Atelier des berühmten Tiermalers. „Ist das Bild fertig?“ fragte er. „Jawohl, hier ist es.“ Der Maler zeigt seinem Kunden das Bild, das er von dem Hund gemalt hat. Der Herr ist entzückt.„Das ist ganz er! Das ist sein Blick! Das ist sein Fell! Wirklich, das Bild ist ausgezeichnet gelungen. — nur mein Herr, ich muß Ihnen etwas gestehen: mein Hund hat eine Eigenart: er liebt nicht, daß man ihn betrachtet; jedesmal, wenn er merkt, daß er beobachtet wird, versteckt er sich in seine kleine Hütte. Aus diesem Grunde möchte ich, daß man auf dem Bilde auch die Hundehütte sieht. Wäre das zu machen?“ Der Maler lächelte. Eine Hundehütte ist nicht schwer zu malen,— allerdings. das Bild wird dann etwas teurer.“ „Wieviel?“ „Es kostet dann 200 D-Mark.“ „Gut. Malen Sie das Bild! Ich zahle 200 D-Mark.“— Vierzehn Tage vergingen, da trat der Herr wieder in das Atelier des berühmten Tiermalers. „Ist das Bild fertig?“ fragte er. „Jawohl, hier ist es.“ Der Maler zeigte seinem Kunden das Bild, aber auf der Leinwand sieht man nur eine Hundehütte ohne Hund. „Und der Hund? Sie haben vergessen, den Hund zu malen!“ sagte der Herr einigermaßen erstaunt. Der Maler lächelte.„Was wollen Sie, mein Herr? Wie Sie sich erinnern werden, haben wir Ihren Hund vor vierzehn Tagen gemeinsam betrachtet und weil er sich beobachtet wußte. ist er in seine Hütte getreten. Nicht wahr, mein Herr. Sie sagten mir selbst, daß es ein sehr empfindsamer Hund wäre?!“ „Allerdings“, sagte der Herr,„so ist es, — es ist wirklich ein merkwürdiges Vieh. Er bezahlte, nahm das Bild unter den Arm und verschwand. deren Behandlung durch die Fachleute der großen Firmen für innenarchitektonische Raumgestaltung. Würde man die Kosten dieser Reinigung einmal susammenrechnen, könnte man bestimmt einen kleinen neuen Hochseedampfer dafür auf Stapel legen. ist die 19 einle Engidekszahr! Entschleierte Geheimnisse einer unbeliebten Zahl Noch heute besteht die seltsame Anschauung, daß die 13 eine Unglückszahl sel. Vor dem 13. im Monat haben die Menschen eine eigentümliche Scheu, in manchen Hotels wird die Zimmernummer 13 übergangen und überall macht man einen großen Bogen um die unbeliebte Zahl. Dabei hat es Völker und Zeiten gegeben, in denen die 13 heilig war und eine große Rolle spielte. In der „Edda“ kennt man 13 Götterburgen und 13 Prinzipien, in alten nordischen Kalendern rechnet man das Vierteljahr zu 13 Wochen. Das alles ändert nichts an der Tatsache, daß sich die Menschen gegen die 13 sträuben. Der Dreizehnte an einer Tafelrunde ist eine glatte Unmöglichkeit. Allein schon der Gedanke läßt die Hausfrau erschaudern. Judas, der den Herrn verriet, war der Dreizehnte. Roland war der 13. Gast an der Tafelrunde Karls des Großen. Er büßte sein Leben ein wie Lancelot, der als Dreizehnter am Tisch des Königs Artus saß. Merkwürdig ist es, daß es aber Menschen gibt, die diese Kette 2u terbrechen scheinen und für welche die Zahl 13 zur Glücksziffer wird. Cäcilie Wagner, die Schwester des großen Komponisten, erzählt, daß Richard Wagner sich bereits als Kind mit der gehe nisvollen Zahl beschäftigt habr. Name hat 13 Buchstaben. Er ist 1913 geboren. Die Quersumme dieser Johreszahl ergibt wieder die 13. Am 13. April 1845 hat er die T:..umentation des„Tannhäuser“ beerdet. Am 13. März 1861 findet in Paris die Uraufführung statt. Im gleichen Jahre wird auf der Altenburg bei Weimar ein Fest gefeiert, und Richard Wagner ist als Gast der— Drelzehnte. Er starb am 13. Februar 1883. SCHwERTER ZEITUNG Sicherheit und Unfallverhütung im Bergbau Ein Besuch bei den Sicherheitsbeauftragten verschiedener Zechen„ scemesten di. ai mis ume ue. Keine Zechenpollzisten! Vor einigen Tagen galt unser Besuch den„Sicherheitsbeauftragten“ verschieder er Großzechen unseres Bezirks. Um es vorweg zu sagen: jene Männer des „Sicherheitsdienstes“ sind keine Zechenpolizisten, die über Tage alle Maßnahmen im Stile des satisam bekannten„Pst! Feind hört mit!“- zu ergreifen und durchzuführen haben, sondern die unter und über Tage gleichermaßen der Sicherheit des schatfenden Zechenangehörigen dienen, einer Sicherheit, die weiterhin in dem Sammelbegriff „Unfallbekämpfung und Unfallverhütung" deutlich wird. Wir begegneten erfahrenen ölteren Bergbaubeamten, denen die Aufgabe, auf dem Sektor der betrieblichen Sicherheit, der Unfallbekämpfung und Unfallverhütung tätig zu sein, zugefallen ist. Zwei von ihnen haben jahrelang als Fahrsteiger die Grube befahren, zwei andere hatten als Steiger viele Jahre hindurch eine eigene Revierabteilung. Sie kennen den Fütt nicht nur von unten, sondern auch von oben, wissen um die Gefahren des Bergbaues, kennen die Menschen, die vor Ort, im Streb oder über Tage ihr Werk verrichten und erfüllen demzufolge die Voraussetzungen, die man an sie steilt. Das erste Gebot: Sicherheit! Im Zusammenwirken mit der knappschaftlichen Sozialversicherung, vor allem der knappschaftlichen Unfallversicherung, die den Petriebsunfall zu entschädigen hat, ist es den Zechenverwaltungen, die ihrerseits das Beitragsaufkommen zur gesetzlichen Unfallversicherung trägt, ein besonderes Anliegen, alle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, der Sicherheit und der Gesundheit der arbeitenden Menschen in zweckmäßiger Weise zu dienen. Sicherheit— das ist das erste Gebot der Bergpolizeivorschrift. Unzweifelhaft hat der Bergbau in seiner modernen technischen Entwicklung auch umfassende Erkenntnisse und Erfahrungen im Hinblick auf seine Sicherheit erlangt. Aber die im Schoße der Erde verborgenen Schätze lassen sich nicht ohne weiteres bergen, sie müssen der Natur mit allen Mitteln der menschlichen Geistes- und Körperkräfte abgerungen werden. Demzufolge ist bergmännische Arbeit stets ein Kampf mit Naturkräften, wie übrigens überall ein solcher Kampf entsteht, wo die Natur mit der Allgewalt ihrer Kraft wirkt und arbeitet. Wir hörten, daß es aus diesem Grunde unrichtig sei, nur vom „gefährlichen Bergbau“ zu sprechen. Diese Gefahren, die Naturkräfte auszusloßen vermögen, sind nicht nur„unter Tage“, also im Bergwerk, sondern auch „über Tage“, unter dem Licht der Schne, gegeben. Und Sicherheitsmaßnahmen lassen sich demzufolge auch nur begrenzt ergeeifen und durchführen, soweit eben die sichtbare oder die auch vermutbare Gefahr Veranlassung geben kann, sich vor ihr zu schützen. Vor dem, was die Kraft der Natur mit Gewalt und Tücke zerschlagen will und zerschlägt, ist nichts sicher,„unten“ nicht wie„oben“. Die bergpolizeilichen Vorschriften Wir erfuhren, daß die bergpolizeilichen Vorschriften weitläufig zum Ausdruck bringen, in welcher Weise die Sicherheit der Baue, die Sicherheit des Lebens und der Gesundheit der Bergleute gewährleistet sein muß. Diese Vorschriften spiegeln sich in allen Bemühungen um jene Sicherheit nach dem Stande heutiger Erkenntnisse und Erfahrungen wider. Was im einzelnen auf diesem betrieblichen Sektor einer Zeche geleistet wurde und wird, zuingt zu der Feststellung, daß der Bergmann unter mannigfachem Sicherungsschutz arbeitet. Es kommt auf die Unfallverhütung an! In einer Richtung mit der Frage der Sicherheit im Bergbau liegt die Unfallbekämpfung und die Unfallverhütung. Daß sich selbst bei stärkstem Sicherungsschutz Unfälle im Bergbau ereignen, mag nicht verwundern. Unfälle passieren überall da, wo gearbeitet wird und wo die Menschen geschäftig und am Werke sind. Im Bergbau heißt es natürlich ganz besonders: Vorsicht! Das Feld des Sichtbaren ist unter Tage begrenzt. Unfallgefahren, so hörten wir, werden aus der Praxis heraus erkannt. Es kommt auf die Unfallverhütung an. Was in bezug auf die Unfallverhütung getan werden kann, wird im Bergbau getan. Der Bergmann hat schließlich auch ein Interesse daran, daß er keinen Unfall und damit keine wirtschaftlichen Einbußen erleidet. Jedem Aufsichtsführenden im Bergbau obliegt die Pflicht für die Sicherheit und den Unfallschutz des Arbeitenden. Den Sicherheitsbeauftragten ist es ein besonderes Anliegen, sich um die Sicherheit und die Unfallbekämpfung und Unfallverhütung zu mühen und alle Erfahrungen, Erkenntnisse und Verbesserungsvorschläge den in Frage kommenden übergeordneten Stellen zu vermitteln. Sie führen eingehende Belehrungen während der im Bergbau üblichen Ausbildungslehrgänge für Schlepper, Lehrhauer und Hauer durch. Vor allem sind die Belehrungen über Unfallgefahren und Unfallverhütung bei dem bergfremden Zuwachs ein dringendes Erfordernis. Unfallstatistiken, die uns gezeigt wurden, gaben einen Ueberblick über die Gefehrengrade bei den Arbeitsvorgängen, die inneren Ursachen der Unfälle und die wirtschaftlichen Ausfälle. Der Prossahardist Von Adalbert Zech sdienet ein nan nna: Generalmajor Brown von der Ohio Accident Assurance dehnte sich wohlig im Sessel, saugte an einer Riesenbrasil und sagte zu dem bescheiden vor ihm sitzenden Manne:„Mister Sommadossi, ich hoffe, Sie wissen es zu würdigen, wenn ich Ihnen als steliungslosem Artisten eine Chance gebe“ „Well, Signore!“ „Unser Propagandamann, Mister Clark, hat einen neuen Werbetrick erdacht, um die Leute für unsere Unfallversicherung zu begeistern. Wir brauchen dazu Ihre Mitarbeit.“ „Well, Signore!“ „Sie haben dabei nichts anderes zu tun, als jeden Tag in einem von uns bestimmten Gebäude einen Unfall vorzutäuschen. Am besten geschicht das im Treppenhaus. Sie müssen so tun— als ob— nun sagen wir“, bei diesen Worten zwinkerte Brown mit den Augenlidern, „als hätten Sie sich das Bein oder den Arm gebrochen. Als Parterreakrobat wird Ihnen das leicht gelingen.“ „Well, Signore!“ „Sie müssen ferner heftig klagen, sich mit Selbstvorwürfen überschütten und, wenn Sie auf der Krankenbahre weggetragen werden, ausrufen: Goddamm! Was war ich für ein Esel, daß ich vorige woche dem Agenten der Ohio Aceident Assurance die Türe gewiesen habe, als er mich versichern wollte. Nun sind fünfzig Dollar Tagegeld bis zur Wiederherstellung beim Teufel.“ „Well, Signore!“ „Für Ihre Leistung erhalten Sie pro Tag fünf Dollar Gage Zwei Mann RetEin Blick durchs Penster Von k. k. breslauer Otto hatte sich eine neue Krawatte gekauft, einen bunten, weichen Seidenselbstbinder. Nicht etwa deshalb, weil IIse, mit der ihn seit längerer Zeit zarte Bande verknüpften, der Ansicht war, daß ein um den Hals geschlungener ausgefranster Strick keine Zierde sei— sondern nur der schönen Unbekannten wegen, die jeden Nachmittag gegen halb fünf Uhr an dem Geschäft vorbeiging, hinter dessen Schaufenster Otto die Kunden bediente. Jawohl, nur dieser reizenden Unbekannten wegen, die nie versäumte, einen langen fragenden Blick durch das Schaufenster zu werfen, hatte er sich zu diesem Selbstbinder aufgeschwungen und war gerade mit allen seinen Gedanken bei ihr, als sie auch schon des Weges kam. Ein modellierender Griff an die Krawatte, ein Augenaufschlag, der voll zärtlicher Anbetung war— und die reizende Unbekannte, deren strahlendes Augenpaar sich förmlich in das Schaufenster bohrte, betrat— das war bis zu diesem Tag noch niemals der Fall gewesen— den Laden. Otto war förmlich heiser, als er die Eintretende begrüßte. Er brauchte eine geraume Weile, bis er seine äußerliche Ruhe wiederfand, und wenn sein Chef zugegen gewesen wäre, so hätte der seine Freude daran gehabt, zu schen, mit welch ausgesuchter Liebenswürdigkeit Otto die Kundschaft bediente. Nachdem die entzückende Unbekannte ihre Einkäufe besorgt hatte und daran ging, die Rechnung zu begleichen, fingerte Otto auf den Tasten der Registrierkasse herum, daß es klang wie ein betörendes Liebeslied. „Haben Sie die Auslage geändert?“ fragte die reizende#'pbekannte, das Wechselgeld in ihrer Handtäschchen versorgend und läche u####is eine der Grasien anläßlich der Apfelverteilung. „Jawohl“, flötete Otto. überglücklich, vom Geschäftlichen auf Privates zu kommen.„Es freut mich wirklich, daß es Ihrer Aufmerksamkeit nicht entgangen ist, meine Gnädigste!“ „Es ist mir gleich aufgefallen... Schade— Ein dicker Herr schob sich in den Laden und die entzückende Unbekannte verschwand. Schadel hat sie gesagt, überlegte Otto, während er den Herrn, der schwarze Schuhkreme und Rasierklingen verlangte, ins Pfefferland wünschte. Schade, hat sie gesagt! Wahrscheinlich hat es ihr leid getan, daß uns der Dicke störte. Nun, der Anfang ist immerhin gemacht.. Als Otto nach Geschäftsschluß mit Ilse zusammenkam, sagte sie erfreut: „Otto, was sehe ich? Ein neuer Selbstbinder! Das ist aber nett!“ „Man muß doch etwas für seine Auslage tun!“ lächelte Otto herablassend. „Uebrigens— Auslage!“ erinnerte sich IIse.„Du hast ja die Auslage neu gestaltet.“ „Woher weißt du das?“ fragte Otto, mit seinen Gedanken anderswo. „Ich habe vorhin Grete getroffen, und die hat es mir gesagt.“ „Grete?“ Otto horchte auf.„Wer ist denn das?“ „Eine Schulfreundin, die du nicht kennst; aber ich habe ihr schon viel von dir erzählt. Sie geht täglich nach Büroschluß an deinem Geschäft vorbei, und da hat sie eben gesagt: Schade, daß dein Bräutigam bei der Neugestaltung der Auslage den Spiegel herausgenommen hat, der in der Mitte stand. Frag ihn doch, ab er ihn nicht wieder hineinrteln kann; der Spiegel war so praktisch, ich habe immer, wenn lch vorbeiging. hineingesehen, ob mein Hütchen richtig sitzt!“ tungsdienst sind von uns mitengagiert und genau im Bilde, was gespielt wird. Aber bitte, strenge Geheimhaltung; denn unsere Agenten werden nach einiger Zeit die Unfallhäuser für unsere Werbung erfassen.“ „Well, Signore!“ „So— und nun begeben Sie sich auf Zimmer Hundertvierundvierzig, wo Ihnen Mister Clark genaue Anweisung erteilti Good morning!“ „Well, Signore!“ Drei Wochen später stand Sommadoss mit bandagiertem Fuß und Krückstock vor dem allmächtigen Boß. „Signore Brown, ich hatte Pech. Majedetto! Auf der frischgebohnerten Treppe im Hause Riverstreet 1313 glitt ich aus und brach mir das rechte Bein“, sagte der Artist und überreichte mit bekümmertem Gesicht ein Arztattest. „Für was habe ich einen Parterreakrobaten engagiert?“ erwiderte ürgerlich Verso. t uuns „Ist nicht so schlimm, Signore!“ sagte darauf Sommadossi. Ich habe mich vor einiger Zeit bei der Ohio Acident Assurance gegen Unfall für fünfzig Dollar Tagegeld versichern lassen. Es wird bios einige Wochen bis zur Ausheilung dauern. Bitte, unterschreiben Sie diese Kassenanweisung! Und hier ist Police und letzte Beitragsquittung.“ „Sind Sie verrückt!“ schrie Brown.„Das ist doch ein selbstverschuldeter Unfall.“ „Well, Signore! Berufsunfall im Dienste der Ohio Accident Assurance.“ „Sie unverschämter Mensch? Das ist beinahe Betrug!“ „No, Signore! Wenn Sie nicht unterschreiben, gehe ich in alle Unfallhäuser zurück und schreie:„Goddamin! Ein Esel ist jeder, der sich bei der Ohio Accident Assurance gegen Unfall versichern läßt.“ „Zum Teufel und zur Kassel“ brüllte der Manager und unterschrieb die Anweisung. „Well, Bignore!“ Einer der erfolgreichsten und beliebtesten Bürgermeister Frankreichs ist nicht etwa ein Kommunalpolitiker großen Formats oder ein tatendurstiger Beamter, sondern eine kleine bescheidene junge Dame mit dem klingenden Titel und Namen einer Grätin de Bertier de Sauvigny. Sie rettete ihre Heimatstadt Manom, die von ihrem Schloßtesitz mit einigen hundert Morgen Ackerland gekrönt wird, nicht nur allenn vor dem völligen Untergang in den Wirren der Nachkriegszeit, sonnern machte aus den Trümmern eine vorbildliche Arbeitersiedlung. Die Stadt liegt im Industriegebiet, nicht ellzuweit von der luxemburgischen Grenze entfernt. Wie so viele Schicksale ist auch das Leben der jetzigen Bürgermeisterin durch die Kriegsereignisse in vollkommen andere Bahnen gelenkt worden. Bei Ausbruch der Feindseligkeiten des zweiten Weltkrieges führte Sylvia de Bertier das Leben einer Gutsbesitzerstochter und jungen Studentin, die sich auf ihr Examen vorbereitete Nach der Flucht vor den kämpfenden Armeen wandte sie sich mit ihrer Mutter nach der Bretagne und nahm bald in der französischen Widerstandsbewegung eine führende Stellung ein. Nach Beendigung des Krieges kehrte sie in ihre He.mat zurück. Sie stand vor den Trümmera der Stadt, deren männliche Bevölkerung bis auf einen kleinen Rest zusammengeschmolzen und deren Frauen und Kinder vom Hungertode bedrcht waren Die Felder und Aecker lagen brach, zum größten Tell vermint, das Vieh war hinweggetrieben oder gestohlen. Die ratlose Bevölkerung, die noch im Ort verblieben war, sah in dem jungen, energischen Mädchen, das eine Ordensauszeichnung auf der Brust trug. ihren rettenden Engel Kurz entschlossen wählte man sie zum Bürgermeister und vertraute ihr das Schicksal der Stadt u. ihrer Bewohner an. Nun begann für den ersten weiblichen Bürgermeister Frankreichs eine Zeit schwerster Arbeit und Organisation. Ein leuchtendes Beispiel menschlicher Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftssinnes, machte sich die junge Frau daran, erst einmal die Gärten und Felder zu bestellen, um so die erste Nahrung für die Hungernden zu schaffen. Ein Traktor wurde angeschaftt, Saatgut und weitere Ackergeräte der ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft der Bauern des Ortes zur Verfügung gestellt. Man machte in Mancm seit Kriegsende alles gemeinsam, denn nur so waren die schlimmen Jahre zu überstehen. Als die erste Ernte eingebracht war, gng man daran, für Unterkunft und Bekleidung zu sorgen. Ein Kindergarten wurde eingerichtet, die Straßen und Hauser aufgebaut und der Gemeinderat zu allen Dingen bewogen, die am wichtigsten und nützlichsten zum Wohle des genzen waren. Diese Stadt Manom mit ihrer Bevölkerung von Industriearbeitern und Bauern begann wieder zu leben. Aber nicht nur leben wollte mon sondern auch es sich in all der Traurigkeit der Zeit ein wenig schön machen. Die Straßen und Gärten waren bald mit einer Fülle einfacher Blumen bepflanzt. Wer müden Schrittes von der Arbeit nach Hause gung, erfreute sich am bunten Bild, das der Ort bot. Manom war wieder zur Heimat geworden. Die jüngste Bürgermeisterin der vierten Republik arbeitet ohne ein Gehalt zu beziehen. Sie könnte ihre Winter in Paris oder an der Riviera verbringen, aber das lockt diesen wahren Menschen und Helfer der Bedrückten nicht. Ihre Amtsstube ist zum Mittelpunkt ihres Lebens und Schaffens geworden. Hier findet jeder ein offenes Ohr für seine Nöte und Sorgen. Eine Million Einwohner mehr Wie das statistische Büro der Regierung in Washington mitteilt, betrug die Einwohnerzahl der USA am 1. Oktober 1948 149 947 000 Menschen. Zur Zeit hat diese Zahl bereits die Hundertfünfzigste Million überschritten. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hat die Bevölkerung um eine Million zugenommen. Vom Sdelweiß Es blüht versteckt auf steiler Höh In lauter Schnee und Eis. Aus den heißen Tränen der Eisjungfrau, die sie über die Untreue eines geliebten Jägers weinte, ist die Sage nach dem Edelweiß entstanden. Die Jungfrau hat es, bevor sie sich verzweifelt in die Tiefe stürzte, an die Abgründe und Felsenschroffen gezaubert, um den von ihr begehrten Jäger zu Fall zu bringen und sich so für das ihr angetane Leid zu rächen Der heutige Name Edelweiß ist in der Umgebung von Salzburg- im östlichen Tirol und in Kärnten schon lange heimisch gewesen, denn der Alpinist Moll führt ihn in einem Brief von 1784 in Verbindung mit einem Volksbrauch an. In Nederösterreich ist auch die Bezeichnung Federweiß zu hören und in Ungarn heißt die Pflanze Schneepapierblume und Papierbiume mit dem Kragen. In den Allgäuer Bergen wird das Edelweiß auch Hahnetappe oder Hahnenfuß genannt und eine ältere Bezeichnung ist Löwenfuß. Im Berner Oberland heißt es Katzenpfötli, doch die alte schweizerische Bezeichnung ist Wollblume, die der Mönch Aretius schon im Jahre 1560 anführt. Das Edelweiß wächst in einer Höhe zwischen 1800 und 2300 Metern und liebt kalkreichen Boden. In Wahrheit blüht es gar nicht weiß, und die Blüte bildet auch keinen Stern. Die wirkliche Blüte besteht Der Kengs„Maestose Austcia Mit 24 Jahren in Hannover gestorben 7 Der Fernsehapparat „Den ganzen Abend Filme, Lustspiele, Nachtklub-Ubertragungen und Varietéi Mir wird das zu langweilig! Icn gehe aus. Von Julius Mette-Holzen aus den fünf bis sechs grünbräunlichen Köpfchen, die sich als Dolde auf der Spitze des Stengels erheben. Was uns täuscht, sind jene filzig behaarten schneeweißen Laubblätter, die ganz nahe an die Blüte herangerückt sind und den prächtigen Stern bilden. Ohne diesen wolligen Schutz würde die Blüte dem Alpenkuma in dieser stolzen Höhe nicht standhalten können. Während einmal auf den Bergen gewachsenes Edelweiß unten nicht fortkommt, kann man es unschwer aus Samen für Gärten auf der Ebene aufziehen. Ein leicht sandiger Boden und ein sonniger Standort sind erforderlich, doch wird die edle Schönheit nie erreicht. Der weiße Filz der strahligen Deckblätter wird von Jahr zu Jahr grüner und verliert sich schließlich fast ganz. Die eigenartige Pflanze ist schon sehr früh volkstümlich geworden. In Tirol gehört sie zu den Weihkräutern, und die Sennen des Zillertales glaubten durch den Rauch von Edelweiß ihren Ställen alle schädlichen Geister fernhalten zu können. In einem Kräuterbuch des 18. Jahrhunderts heißt es„Man glaubet, es soll dies Kraut, wenn es angehangen wird, die Liebe zu Wege bringen und Schwul; sten zerteilen“, und noch heute schreibt man ihm neben seinen auf die Verdauungsorgane wirkenden Eigenschaften auch Heilkräfte gegen Lungenschwindsucht zu Ein Tee aus Edelweißblüten erfreut sich großen Rufes bei der Bekämpfung dieser Krankheit. Julius Mette-Holzen vorm Luer. Allen Tier- und Pferdefreunden schlug das Herz höher, wenn sie den über Nacht berühmt gewordenen Roman des Reiterschriftstellers Lehmann lasen, in dem das Leben und Schicksal des Hengstes„Maestoso Austria“ beschrieben wurde. Die Art des Autors, alles möglichst einfach und unmittelbar zu schildern, brachte es mit sich, daß die meisten Leser vergaßen, die Grenze zwischen tatsächlicher Begebenheit und dichterischer Verklärung zu ziehen. Der Hengst„Maestoso Austria“ wurde zum Begrift des edlen Pferdes, das mit fast menschlicher Klugheit seinem Reiter zugetan ist. Freilich, Pferdekenner, die nach dem augenblicklichen Aufenthalt des Hengstes forschten, fanden in keinem Stall ein Pferd dieses Namens. Und doch hat Maestoso Austria wirklich gelebt; er ist erst in diesen Tagen verstorben. Unter dem Namen Maestoso verbarg sich nämlich der Hengst „Conversano Diego“, ein Lipizzianer, der jetzt 24 Jahre alt geworden würe. Er soll das Urbile des berühmten Hengstes gewesen sein, der so viele Leser begeisterte. Er gehörte dem bekannten Pferdefreund und Reiter Franz Ackerl. Das Tier, das in Braunschweig auf einer vereisten Straßenkreuzung zu Fall gekommen war, trug schwere Verletzungen an der Hinterhand davon, die auch eine langwierige Behandlung in der Tierärztlichen Hochschule zu Hannover nicht beheben konnte. Wochenlang quälte sich das edle Tier, um dessen Wohlergehen viele Freunde bangten, die um sein literarisches Geheimnis wußten. Immer wieder vertraute man darauf, daß seine gesunde Natur zum Durchbruch kommen würde, zumal 24 Jahre für einen Lipizzianer kein Alter darstellen. Leider war alle Pflege vergeblich.„Maestoso Austria“ starb. Nach seinem Tode wurde das literarische Pseudonym gelüftet, viel zu spät für die vielen Leser des Buches, von denen manche eine Reise nach Hannouer nicht gescheut hätten, um das Urbild der Pferdegesalt zu sehen, die sle im Roman so sehr begeistert hatte. Silbenrätsel Aus den Silben: ar— at— au— ba— de — de— de— del— dll do m..—" — gn— gard— gat— go— 11— im— irm— ks— kan— kas— ker— ker— ket— ho— kro— ma— me— me— me— men — nau— nou— phon— ro— ring— scm — 1a— tan— tat— te— ten— 11.— 4— tor— wart, sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Enndbuchstaben, von oben nach unten gelenen, einen kurmpruch von Eoarn ergeben. Bedeutung der Wörter: 1. europäischer Flud, 2. Anschlag, 2. Naschwerk, 4. künstlicher Wassertall, I. Negertänzerin, 6. spanische Kriexstlotte, 7. Wintersportgerät, e. Rep1, 9. Stockwerk, 10. Bienenzüchter, 11. MditGied einer Sportmannschaft, 13. Stadt in Thüringen, 13. österreichischer Gebirgepaß, 14. Gewinnbeteiligung, 13. kirchlicher wurdenträger, 16. weiblicher Vorname. 17, gesellschaftliche Sitte, 18. Sprachrohr. p oe Sopn ie egieggueg— woud ebom er somonlg r spschuunt zr uunzeg iet Smpofzu er uristuuung er ossmit 2 sscmig#i#gt er sepein Tponarze #spotr 2. sspoiuny## togent u sopegsen Jrchons 1 Spmmnpr n uurwog a Schwerte Hlagote zum Geburtstag des Bundespräsidenten Schwerte. Gestern hatte das Amtsgericht geflaggt. Die Bundesfarben schwarz-rot-gold leuchteten und erregten bei dem einen oder anderen der Vorübergehenden die Frage: Was ist los? Inzwischen dürfte es sich wohl herumgesprochen haben, daß Bundespräsident Professor Theodor Heuß am 31. Januar 1834 geboren ist, also seinen 66. Geburtstag feierte. Anläßlich eines solchen Ehrentages möchte man wohl Näheres über das Lebenswerk dieses Mannes wissen, der seiner Persönlichkeit wegen in breiten Schichten unserer Bevölkerung Achtung und Vertrauen findet. Sein Leben stand im Zeichen de Publizistik und der Politik. Er, der gebürtige Württemberger, war von 1903 bis 1912 Schriftleiter der Wochenschrift „Die Hilfe“, die von Friedrich Naumann, einem Sozialpolitiker auf christlicher Basis, herausgegeben wurde. Von 1912 bis 1918 war er Hauptschriftleiter der„Neckarzeitung“. 1920 wurde Theodor Heuß Dozent an der deutschen Hochschule für Politik, später erhielt er eine Professur. Im Jahre 1924 und wieder 1930 war er dann demokratischer Reichstagsabgeordneter. Er verfaßte die Schriften:„Schwaben Wär geken ins Kino .. und sehen im„Roland-Theater“ den Film„Akkorde der Liebe“. In den Hauptrollen: Irene Dunne und Gracy Grant. Das Thema: Eine gefährdete Ehe, in welcher der Mann im Beruf versagt und sich dem Alkchol zuwendet, eine junge Frau, die kein Kind mehr haben wird und unausgefüllt und traurig lebt. Schließlich, im Augenblick der Trennung, die Verpflichtung zur Adoption eines kleinen Waisenkindes. Hiermit sind dann alle Schwierigkeiten behoben; sie sind glücklich und wir sind glücklich, denn: Wir hören in diesem Film noch einmal die kleine, nette und ein bißchen sentimentale Penny-Serenade. und der deutsche Geist“,„Kriegssozialismus“,„Die neue Demokratie“,„Staat und Volk“,„Politik“.„Das Wesen der Demokratie“. Dann kam für diesen Mann, der eine zutiefst durchdachte Demokratie erstrebte, das große Schweigen. Und nun ist für ihn die Zeit der praktischen Demokratie gekommen. Wir aber wissen: Unsere Bundesrepublik wird reprisentiert durch einen Mann von tiefer Bildung, Charakter, Menschenliebe und Geist. Scheune und Dreschmaschine ein Raub der Flammen 8000 DuA Bachschaden Westhofen. In dem Ortstell Buchholz entstand auf der Besitzung der Witwe W. Bäcker ein Feuer, das infolge Ostwindes bald auf die Scheune übergrift und diese mit Inhalt und eine Dreschmaschine vernichtete. Die Löschzüge von Westhofen und Holzen waren schnell zur Stelle. Abgesehen von dem Wohnhaus, das in unmittelbarer Nähe der Scheune stand, war von der Scheune nichts mehr zu retten. Als Brandursache wird zwar Kurzschluß angenommen, zumal kurz vorher noch gedroschen worden war. Doch konnte die genaue Ursache noch nicht ermittelt werden. Der Sachschaden wird auf insgesamt 8000.— DM geschätzt. Heinrich Bensing in Hagen Am Sonntag, dem 5. Februar, wird in Hagen„La Boheme“ aufgeführt. In dieser Oper Puccinis singt Heinrich Bensing als Gast von der Frankfurter Oper die Rolle des Rudolf. Wir gratulieren Schwerte. 80 Jahre alt wurde am 30. Januar Witwe Karoline Duksch, Osthellweg 13. Zum hohen Alter herzlichen Glückwunsch! Schwerer Betriebsunfall Schwerte. Der Hllfsschaffner Bürgerhoff vom Bahnhof Schwerte erlitt bei Ausübung seines Dienstes in Bestwig einen schweren Unfall. Durch die offenstehende Tür eines Wagens bei einem einfahrenden Zuge wurde ihm die linke Hand abgerissen. Er verlor das Bewußtsein. Hierbei wurde der linke Arm abgefahren.— Auch der Zugführer Brenne von hier wurde von der gleichen Wagentür angestoßen, wobel er ebenfalls das Bewußtsein verlor. Doch erlitt er keine weiteren Schäden. Bürgerhoff und Brenne stammen beide aus Wandhofen. Ue Treue zu Warendort Warendorf. Eine Urabstimmung in Neuwarendorf ergab, daß 85 Prozent sich für den weiteren Verbleib bei der Stadt Warendorf entschieden. Aus Spiel wurde furchtbarer Ernst Siegen. In Eschenbach hatte der 14jährige Sohn eines Landwirts aus Scherz in der Wohnung an der Türklinge eine Schlinge angebracht. In diese Schlinge steckte er versuchsweise den Kopf. Doch diese zog sich zu und ehe jemand herbeieilte, war der Junge bereits erstickt. Altes Bett für die Möhne Neheim-Hüsten. Seit der Katastrophe an der Möhnetalsperre im Jahre 1913 hatte sich die Möhne unweit des Zusammenflusses mit der Ruhr ein neues Bett gesucht. Hierdurch sind in den letzten Jahren nicht unerhebliche Ueberflutungen eingetreten. Aus wassertechnischen und finanziellen Gründen hält man es deshalb für ratsam, die Möhne wieder in ihr altes Bett zu verlegen. Größter Reichtum: Kinder Vreden. Nach der bevölkerungspolitischen Statistik des Landes ist Vreden die kinderreichste Stadt NordrheinWestfalens. Wenig schmeichelhaft Ein bekannter Schauspieler erhielt einmal von einem jungen Dichter zwei Stücke, ein Lustspiel und ein Trauerspiel, zur Begutachtung eingesandt. Der Schauspieler prüfte die beiden Stücke gewissenhaft und sandte sie dann mit folgendem Schreiben zurück. „Ihre beiden Stücke habe ich mit groBem Vergnügen gelesen. Nur bedauere ich, daß Sie mir nicht mitgeteilt haben, welches denn nun das Lustspiel und welches das Trauerspiel ist!“ Gott dem Herrn hat es gefallen heute morgen nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unsere liebe Mutter, Großmutter, Urgroßmutter. Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin, Tante und Kusine Wwe. Käroline Bernel geb. Kuhlmann Im Alter von fast 76 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu rufen. Um ein stilles Gedenken für die liebe Verstorbene bitten in tiefer Trauer: Die Hinterbliebenen. Schwerte(Ruhr), den 30. Januar 1950 Markt 3 Die Beerdigung findet am Donnerstag, 2. Februar 1930, 15 Uhr, von der Trauerhalle des evgl. Friedhofes aus statt. Trauerfeier ½ Stunde vorher. C iabe mich als Alzt niedergelassen. Homöopathie-Naturheilverfahren Dr. med. H. Fisseler Schwerte, Hagener Str. 13 Ruf 2348 auch nachts Sprechzeit: 9—11 Uhr und nach Vereinbarung GOLDRAND-PORZELLAN Kaffee- und Tafelgeschirrserien KOTTE am Markt Me 5 LICHTSPIELE ZUR Reichskrone SCHWERTE(RUHR, Trachtwruchhe Nur noch bis einschl. Donnerstag Täglich 14,30, 17.15 und 20.00 Uhr wnnummmeumnemmmmmce Gut erhaltene Nähmaschine an kaufen gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsst. d. 22g.(123 Suche zuverlässiges Mädchen mit Kochkenntnissen. Gaststätte Illmer Mährstr. 11. Wahlen zur Vollversammlung der Industrie- und Handelskammar zu Dortmund. I. Durch Beschluß der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer vom 3. November 1940 wurde die Satzung und die Wahlsatzung der Kammer dahin geändert, daß die Zahl der Mitglieder der Vollversammlung von 46 auf 56 Mitglieder erhöht wurde. Die neu zu wählenden Mitglieder verteilen sich auf die Wahlgruppen wie folgt: Gruppe I: 1 Mitglied Gruppe II: 2 Mitglieder Gruppe III: 2 Mitglieder Gruppe IV: 4 Mitglieder Gruppe V: 1 Mitglied. II. Iach§ 16 des Gesetzes über die Industrie- und Handelskammern scheiden von den auf 6 Jahre gewühlten Mitgliedern der Vollversammlung jeweils ½ nach zweijähriger Amsdauer aus, für die Ergänzungswahlen vorzunehmen sind. Nach der am 3. November 1949 stattgefundenen Auslosung sin. am 31. Dezember 1949 die nachstehend genannten Mitglieder ausgeschieden: Wahlgruppe I: Bergwerksdirektor Bergassessor Heinrich Schmidt; Direktor Dipl.-Kaufmann Eduard Beckhäuser; Bergwerksdirektor Bergassessor Herbert Brückmann; Bergwerksdirektor Bergassessor a. D. Paul Trainer Wahlgruppe II: Dipl.-Ing. Günther Jucho; Fabrikant waiter Hövelmann Wahlgruppe III: Dr. Günter Brand; Direktor Carl Stade Wahlgruppe IV: Kaufmann Christian Ebert; Handelsvertreter Franz Gütschow; Kaufmann Heinrich Fink Wahlgruppe V: Geschäftsführer Fritz Broock; Heinrich Kern Wahlgruppe VI: Reg.-Baum. a. D. Eugen Keim; Direktor Paul Sattler Eine Wiederwahl der ausgeschiedenen Mitglieder kann erfolgen. Gleichzeitig mit den Ergänzungswahlen finden Ersatzwahlen für die durch Uebertritt in den Ruhestand und Uebergang in eine andere Wahlgruppe ausgeschiedenen Mitglieder statt. Betriebsleiter Fritz Stock(Dorstfelder Dampfziegelel H. SchulteWitten& Co., Dortmund-Dorstfeld) Wahlgruppe III Direktor Wilhelm Riedasch(Dortmunder Union-Brauerei AG.) Wahlgruppe III Dir. Dr.-Ing. Leonhard Lorenz(Vereinigte Aluminiumwerke AG. Lünen) früher Wahlgruppe II, jetzt Wahlgruppe I III. Gemäß den Bestimmungen der§§ 10 ff des Gesetzes über die Industrie- und Handelskammern werden die Ergänzungs-, Ersatz- und Neuwahlen der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund am Montag, dem 13. Februar 1950, von 10 bis 13 Uhr nach folgendem Plan vorgenommen: Wahlgruppe I(Bergbau, Eisen- und Stahlerzeugung): Ergänzungswahl(4 Mitglieder); Neuwahl(1 Mitglied). Wahlbezirk: Ganzer Kammerbezirk. Wahlort: Dortmund, Märkische Straße 120, Gebäude der Industrie- und Handelskammer Wahlgruppe II(Eisen-, Stahl- und Metallverarbeitung): Ergänzungswahl(2 Mitglieder); Ersatzwahl(1 Mitglied); Neuwahl(2 Mitglieder). Wahlbezirk: Ganzer Kammerbezirk. Wahlorte: 1. Dortmund, Märkische Straße 120, Gebäude der Industrie- und Handelskammer 2. Hamm, Wilhelmstr. 75a, Geschäftsstelle der Kammer Wahlgruppe III(Chemische Industrie, Industrie der Steine und Erden, Industrie der Nahrungs- und Genußmittel): Ergänzungswahl(2 Mitglieder); Ersatzwahl(2 Mitglieder); Neuwahl(2 Mitglieder). Wahlbezirk: Ganzer Kammerbezirk. Wahlort: wie in Gruppe I. Wahlgruppe IV(Großhandel, Banken, Vertretungen und VersichePnzent i unteliefer m. Ergänzungswahl(3 Mitglieder); Neuwani## Niltglieder). wahlbezirk: Ganzer Kammerbezirk. Wahlort: wie in Gruppe I. Wahlgruppe V(Einzelhandel): Wahlbezirke: 1. Stadtkreis Dortmund(Ergänzungswahl: 2 Mitglieder). Wahlort: Dortmund, Märkische Straße 120, Gebäude der Industrie- und Handelskammer 2. Landkreis Unna(Neuwahl: 1 Mitglied). Wahlort: Unna, „Lindenschänke“, Markt 14. Wahlgruppe VI(Alle übrigen Gewerbebetriebe, z. B. Schiffahrt. Verkehrs- und Baugewerbe, Buckdruckereien, Licht-, Kraftund Wasserwerke usw.): Ergänzungswahl:(2 Mitglieder). Wahlbezirk: Ganzer Kammerbezirk. Wahlort: wie in Gruppe I. Die Listen der Wahlberechtigten haben gemäß den gesetzlichen Bestimmungen vom 24.-29. Oktober 1949 in der Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund öffentlich aufgelegen. Die Wahlberechtigten werden hiermit zur Wahl eingeladen. Jeder Wahlberechtigte erhält durch die Kammer einen besonderen Wahlausweis. Dortmund, den 30. Januar 1950. Die Wahlkommissare: Dir. Martin Luther Dipl.-Ing. Werner Banning Carl Didier Die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund Der Präsident: Der Haupfgeschäftsführer: B. Beckhäuser Dr. Wilh. Utermann kauft man vorteilhaft. Kommen Sie bitte und besichtigen Sie unsere Ausstellung. Sie werden staunen was wir Ihnen bieten an Haushalt-, Zick-Zack-, Schneider- und Schnelderinnen-, elektrischen und Schuhmacher-Maschinen. Alles sofort lieferbar. De Raten ½ Anzahlung, Monatsrate DM 50.—. Gebrauchte Nühmaschinen nehmen wir in Zahlung. WIEET BEER Nähmaschinen u. Fahrräder Schwerte, Ecke Mähr- und Hagener Straße. Telefon 2330 Mobi. Ein. aitet für berufstätige Dame sofort gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dies. Ztg. Damen u. Herren für die Abonnentenwerbung einer Tageszeitung gesucht. Nichtfachleute werden eingearbeitet.— Angebote unter E. R. 115 a. d. Schwerter Ztg. IMMER GRO SSEI wird die Lesergemeinde der Immer noch nehmen alle unsere Zeitungsboten und Agenturen Bestellungen auf die„Schwerter Zeitung“. für Monat Februar und die folgenden Monate entgegen. Auch Sie dürfen nun nicht länger abseits etehen. Sagen Sie es unserer Zeitungsbotin, daß auch Sie vom 1. Februar „Sehnmerden Teituung“ Ins Haus zugestellt wünschen oder füllen Sie untenstehenden Bestellschein aus und senden Sie diesen bitte durch die Post oder geben Sie ihn in unserer Geschäftsstelle oder unseren Agenturen oder dem Zeitungsboten ab. Wer also ab Februar wieder seine altgewohnte Heimatzeitung lesen will, gebe die Bestellung sofort auf. „Schwerter Zeitung“. Schwerte(Ruhr), Große Morktstraße 3-3 Bestellschein Name Ort: --Straße Nr. bestellt hiermit die„Schwerter Zeitung“ lür hionat: für ein Vierteljahr ab Monat zum Preise von monatlich Dh4 2,— frei Haus 6e 1976 Votereherch der berteltern