miOHE““ Die Schomin Zetuns uicheimr michentich Sehtenal. Boosteret wichenn. 45 A##(einschl. Trägerlohn). Postbezug monatl. R.4 2.—(einschl. 23.2 R## Zeitungsgebühr und 0.44 R### Postverpackungsgebühr) zuzügl. 36 R### Bestellgeld. Einzelnummer 10####. Druck u. Verlag: Hans Linner, vorm. Carl Braus, Schwerte Geschäftsstelle Gr. Marktstr. 3. Ferur. 2770— Postscheckk.: Dortmund 2852 Seigzstutel, Gr. Ratsk. i. Herur. 3779—. Holtstheck: Dormud 233, 8 Hchwerter Beimasblatt=( neden####, esteus eanet ean s saue une e an. Saunen. Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 N. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4## Tertanzeigen: Millimeterzeile 20 N.“ Für fernmündl. aufgegeb. Anzeigen übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewäh, fiür pünktl. Erscheinen der Zeitung kann auch, keiner#ei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden.— Fernr. 2770 Kriegsverbrecher W. C. wieder am Werk Churchits EAlnmuschinen=espirrictel!. Geheimmisvolle Expiosion auf einem Schwesterschiff der„Athenia“.- Der Kapnan weigert sich, Anpaden über den Vorsalt zu müchen Newyork, 2. Nov. Folgende auf eine Assoziated=Preß=Information aus San Pedro in Kalifornien zurückgehende Meldung wirkt neues Licht auf den Fall„Athenia“: Das seit vier Wochen überfüllige Motorschif „Moveria" aus Liverpool, ein Schwesterschiff der im Auftrage Churchills versenkten„Athenia“, traf am Mittwoch in San Pedro ein. Mitglieder der Mannschaft berich. ten, daß sich am 23. September im Maschigenraum eine Explosion ereignete, die die„Moveria“ zwang, nach Balbos(Panama. Kanal) zur Reparatur zurückzukehren. Der Kapitän der„Moveria“, Me Kecham, weigerte sich, einen Bericht über die Explosion mit Vertretern der USA.=Presse zu besprechen Wenn der britische Marineminister und Erste Lord der Admiralität den Versuch unternimmt. die dem Ziel der endgültigen Aufklärung dienenden deutschen Anklagen zum Fall„Athenia“ als lächerlich abzutun und durch Aktenveröffentlichungen über die Aussagen seiner sogenannten Zeugen die Wahrheit auch weiterhin zu verschleiern, so hat er die Rechnung bestimmt ohne den Wirt gemacht. Mit der bekannten deutschen Gründlichkeit haben wir den ungeheuerlichen Schwindel, der mit der„Athenia“ versucht worden ist, aufgeklärt und festgestellt, daß nach Lage der Dinge als Urheber des Verbrechens kein anderer als dieser selbe Herr Churchill in Frage kommt Die bekanntgewordenen Einzelheiten über den Hergang dieses einzigartigen politischen Attentates zeigen eindeutig, daß ein deutscher Torpedoschuß— darüber braucht man sich heute unter vernünftigen Menschen gar nicht mehr zu verbreiten— überhaupt nicht in Frage kommt. Berücksichtigt man nun die Umstände des Geschehens, vor allem die von vielen Zeugen wahrgenommenen mehrfachen Explosionen, die auffällige Nähe hilfebringender Schiffe, das nach Andersons eidlicher Aussage ungewöhnlich aufgeregte und darum höchst verdächtige Verhalten der Besatzung, das Verbot für die Passagiere, offenes Feuer zu verwenden, und schließlich die mutwillige Versenkung des nach 14 Stunden noch schwimmfähigen Schiffes ohne triftigen Grund durch Geschütze, so versteht man, daß selbst im neutralen Ausland vielfach die Meinung vertreten wird, an Bord der„Athenia“ hat sich eine Höllenmaschine befunden, die den Torpedoschuß eines deutschen U=Bootes ersetzen sollte und auf Geheiß Churchills— ob mittelbar oder unmittelbar wird sich noch herausstellen— in Tätigkeit gesetzt worden ist. Man sagt: Ein Unglück kommt selten allein. Wir neigen jedenfalls auf Grund einer soeben eingelaufenen Meldung der Associated Preß aus San Pedro in Kalifornien sehr zu der Ansicht, daß der Erste Lord der britischen Admiralität oder ein ihm gesinnungsverwandter, ebenso tüchtiger aLndsmann, nach dem Mißlingen des ersten Versuches ein neues Opfer zugunsten des Eintritts der ten Staaten in den Krieg gesucht hat. Es gibt doch wahrlich genug zu denken daß ausgerechnet ein Schwesterschiff der„Athenia“. der Passagierdampfer„Moveria“, der seit vier Wochen überfällig war, jetzt beschädigt in den kalifornischen Hafen eingelaufen ist, und daß sich vor allem der Kapitän des Schiffes, Me Kecham, beharrlich geweigert hat, den ihn bestürmenden Pressevertretern auch nur die geringste Auskunft über Ursache und Verlauf der Explosion zu geben. Der Meldung der Associated Preß zufolge hat die aus Liverpool kommende Mannschaft berichtet, es habe sich am 23. September im Maschinenraum eine geheimnisvolle Explosion ereignet, die es nötig gemacht habe, zwecks Reparatur den Hafen Balboa am Panama=Kanal anzulaufen. Der Kapitän selbst verweigert jede Aussage vor der Presse. Warum wohl? Das Wort hat wiederum: der Erste Lord der Admiralität! Repräsentant des Führers Dr. Fria führte Reichsnatthalter Greiser in sein Amt ein Posen, 2. Nov. Bei der Amtseinführung des Reichsstatthalters Greiser im Reichsgau Posen hielt Reichsinnenminister Dr. Frick in Posen eine Ansprache. Er umriß die Aufgaben der Verwaltung, die in vorderster Front steht, und als deren Grundlage die Vorschriften des Sudetengaugesetzes gelten.„Damit ist die organisatorische Gestalt auf den größten Teil der mit dem Reich vereinigten Ostgebiete übertragen worden.“ Die Verwaltung ist daher eine Reichsverwaltung, und im Mittelpunkt der Neuordnung steht die Reichsgaugesetzgebung. der Reichsstatthalter, dem eine neuartige, im hohen Maße veranwortliche Stellung übertragen worden ist. Der Reichsstatthalter, der die staatliche Verwaltung in der Stufe des Reichsgaues als Repräsentant des Führers und im Auftrage der Reichsregierung führt, ist andererseits nach unten, innerhalb seines eigenen Verwaltungsbereiches, mit starken Vollmachten ausgestattet. Da nun gerade in den östlichen Gebieten die Stellung des Reichsstatthalters besonders straff und einheitlich sein muß, wird die gesamte Verwaltung in den Reichsgauen Posen und Westpreußen den Reichsstatthaltern unterstellt. Nach mehr als zwanzigjähriger Knechtschaft und einer unermeßlichen Leidenszeit, die besonders in den vergangenen Wochen Tausende deutscher Blutopfer kostete, ist nun auch für die treuen Volksdeutschen des Posener Gebietes endgültig der Tag der Freiheit und die Morgenröte einer neuen schönen Zukunft angebrochen. Die Erhebung zum Reichsgau Warthe und die feierliche Amtseinführung von Reichsstatthalter Gauleiter Greiser durch Reichsminister Dr. Frick im altehrwürdigen Thronsaal des Posener Schlosses bedeutet den symbolischen Abschluß und die herrliche Krönung eines Kampfes. Schwaches Artilleriefener Berlin, 2. Nov. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:„ 846 Im Westen nur an einzelnen Stellen schwaches Artilleriefener. Proteste durch Flugblätter Brüssel, 2. Nov. In Frankreich sind Flugschriften im Umlauf, in denen die Kriegspolitik Englands und der im britischen Schlepptau segelnden Regierung Daladier au das schärfste kritisiert wird. In diesen Flugschriften heißt es u. a.:„Keinen Krieg für das reaktionäre Polen! Die französischen Arbeiter und Bauern wollen nicht als Kanonenfutter dienen, um die von den Bankiers in Polen investierten Milliarden zu retten. Sie wollen auch nicht dazu dienen, das Regime der polnischen Arbeitermörder und Volkshenker zu retten. Die französischen Arbeiter und Bauern wollen kein Kanonenfutter für die englische Finanz sein. Nieder mit dem imperialistischen Krieg! Man hat genug von dem Krieg Daladier=Blum!“ Beschliner d hen 2. Nov. In Ankara verlautet, es würden dort dreiseitige Verhandlungen zwischen Rußland, der Türkei und Rumänien stattfinden. Man erwartet dieser Tage die Rückkehr des rumänischen Botschafters, der in den letzten Tagen wiederholt in Bukarest längere Unterredungen mit dem König hatte. Der Botschafter gilt als Bevollmächtigter für die kommenden Verhandlungen in Ankara. Panische Auterhüabler in Moskau Moskau, 2. Nov. Die finnische Regierungsdelegation mit Staatsrat Paasikivi und Staatsminister Tanner an der Spitze ist am Donnerstagvormittag wieder in Moskau einSis eacis Cesäcer sahe schr beieheichet en finnischen Außenministerium Hakkarainen. Man nahm an, daß die seit dem 23. Oktober unterbrochenen Besprechungen der finnischen Unterhändler mit den sowietrussischen Staatsmännern noch im Laufe des Donnerstag wieder aufgenommen würden. Kriegshetzer entlarbt „Alle Freunde des Friedens begrüßen deutschrussischen Pakt“ Amtseinsuhrung des Reichsstatthalters Gauleiter Forster durch Dr. Frick Dr. Stuckart. Moskau, 2. Nov. In der fünften außerordentlichen Sitzung des Obersten Sowjets erklärte der Abgeordnete Kuznezow, das ganze russische Volk und alle Freunde des Friedens in der ganzen Welt begrüßten den deutschrussischen Freundschaftspakt und die Beistandspakte, die Rußland kürzlich mit anderen Ländern abgeschlossen hat. Die Außenpolitik Rußlands habe die imperialistischen Kriegshetzer entlarvt, die aus selbstsüchtigen Gründen einen Zusammenstoß zwischen Rußland und Deutschland verursachen wollten. „Die Kriegshetzer Englands und Frankreichs“, so sagte der Abgeordnete,„wollten uns an ihrer Seite auch in diesen Krieg ziehen, den sie im Interesse ihrer eigenen Welthegemonie führen!„ 4e2e Kreiten uind In hiesigen politischen Kreisen wird die große außenpolitische Rede Molotows vor dem Obersten Sowjet lebhaft erörtert. Es wird allgemein hervorgehoben, daß Molotow mit absoluter Klarheit die Freundschaft mit Deutschland als beherrschende Grundlage der neuen Außenpolitik der Sowjetunion dargestellt hat, und daß andernteils ein großer Teil der Rede eine scharfe und ironische Auseinandersetzung mit der englisch=französischen Kriegspolitik enthielt. In ähnlicher Weise hat man sich zwar schon seit einiger Zeit in offiziösen Moskauer Kreisen geäußert, aus dem Mund des russischen Regierungschefs selbst erhielt die Verurteilung der westlichen Kriegspolitik jedoch ein ganz neues Gesicht. Dazu kommt die scharfe Ablehnung der britischen Konterbandebestimmungen und die klare Stellungnahme gegen die Aufhebung des amerikanischen Waffenembargos, die Molotow am Schluß seiner Rede nachdrücklich vorbrachte. Die sarkastische Abrechnung mit den britischen und französischen Politikern, die angeblich als Kreuzritter der„Demokratien" zur Stärkt die Innere Front! Aufruf der Kampfformationen zur zweiten Reichsstraßensammlung Berlin, 2. Nov. Die Führer der Kampfformationen der RSDAP haben zu der am nächsten Sonntag stattfindenden zweiten Reichsstraßensammlung für das Kriegswinterund in der Luft haben unsere Soldaten mit höchstem Einsatz gekämpft und sich unsterblichen Lorbeer errungen. Es ist daher nur selbstverständliche Pflicht, wenn die Heimat den Männern der Front in ihrem Kampf um deutschlande Freihzelt um wicht, Vurhcfhgie, Mägug der ga und 6f, Jp, Gung uid Au Wenn am Sonnabend und Sonntag die Munner der Eu und yy, des RSRK und des RSFK, deren Kameraden zum größten Teil an der Front stehen, zu dir kommen, so beweise durch dein Opfer, daß du ebenso wie die Männer an der Frout zu deinem Teil mithelfen wilsit, die Heimat gegen Englands Machtgelüste zu verteidigen. Sorge dr. dafär, das die Heimat sich der Taten der Front würdig erweist. Stärke die„innere Frour“, gio mehr füe din Artsoseintehteue! a, It, Simalen. denr Berunläihes uu Der Stabschef der SA: Lutze. Der Reichsführer Jy. Himuler. Der Norpofüleet des RSRR: Hühnlein. Der Korpsführer des RSFR: Christiansen. Vernichtung des„Hitlerismus“ zu Felde ziehen, dürfte in London und Paris, so glaubt man hier, ihren Eindruck nicht verfehlen. Molotow habe überzeugend nachgewiesen, daß das ganze Geschrei über die Vernichtung des„Hitlerismus“ nur dem Zweck diene, die imperialistischen Ziele der englisch=französischen Kriegshetzer zu verschleiern, die auf Weltherrschaft und ungenierte Ausbeutung ihres ungeheuren Kolonialbesitzes hinauslaufen. Bei der Erwähnung der sogenannten „Garantien“, die England und Frankreich dem früheren polnischen Staat—„dieser Mißgeburt des Versailler Vertrages“— gegeben hatten, brach die Versammlung in ein schallendes Gelächter aus, das den englischen und französischen Diplomaten, die in ihren Logen der Sitzung des Obersten Sowjets beiwohnten, sicherlich noch lange in ihren Ohren klingen wird. Sie wollen italienisch=griechischen Ausgleich als ihr Verdienst buchen Brüssel, 2. Nov. Maßgebende englische Kreise tuchen die angekündigte Unterzeichnung eines griechisch=italienischen Abkommens als einen „Erfolg der britischen Mittelmeerpolitik“ hinstellen. Während die italienische Regierung bereits gleich nach der Eingliederung Albaniens Schritte unternahm, um gewisse damals auftauchende Besorgnisse der griechischen Regierung zu beseitigen und freundschaftliche Beziehungen zwischen Italien und Griechenland herzustellen, ist die britische Regierung jetzt wieder einmal bestrebt, aus internationalen Vorgängen, die in keinem Zusammenhang mit der britischen Polttik stehen. Kavital für sich zu schlagen. Das italienisch=griechische Abkommen, das in den nächsten Tagen unterzeichnet werden soll, liegt tatsächlich völlig außerhalb der britischen Interessen. Um aber für alle Fälle den Schein einer britischen Einflußnahme aufrechtzuerhalten, unterstreicht die Londoner Presse mit betontem Nachdruck, daß die britische Regierung in Rom um die Genehmigung für die Ernennung eines britischen Generalkonsuls in Tirana nachgesucht habe. Man beeilt sich zugleich in London, die uferlose Hetze. die im April bei der Besetzung Albaniens durch italienische Truppen seitens der englischen Presse betrieben wurde vergessen zu machen Eine derartige Berschlagenheit ist in der britischen Politik nicht fremd und gehört zu den normalen Mitteln der britischen Diplomatie. Die Italiener, die seit der Auszäunung der Sanktionen ein recht gutes Gedächtnis haben. werden britischen Taschenspielerkunststücken gegenüber die Antwort vermutlich auch diesmal nicht schufsig bleiben. „Soweit es möglich ist“ merliche Erklärung im Unterhaus Brugel," Nov. Die verhängnisvolle Preisschraube, die bei zunehmender Teuerung die Gestellungskosten der englischen Verbrauchsgüter immer mehr in die Höhe treibt, ist jetzt auch in der Bekleidungsindustrie und anderen Zweigen der englischen Ta#tilwirtschaft angezogen worden Da über ou Kreise der Wirtschaftssachverkändigen hinaus bereits die breitere Oeffentlichkeit die Gefahr zu erkennen beginnt, sah sich der Wirtschaftssachverständige der„Times“ genötigt, in einem Artikel das Publikum zu beruhigen und„das zunehmende Vertrauen“ in die britische Wirtschaft, wenigstens auf dem geduldigen Papier nachzuweisen. Im Parlament kommen ebenfalls immer wieder die Schwierigkeiten, den britischen Exvort trotz der Verteuerung aufrechtzuerhalten, zur Sprache. So richtete man an den britischen Minister für den Wirtschaftskrieg die Frage, wie es denn mit den britischen Wirtschaftsinteressen in den baltischen Ländern bestellt sei. Der Minister mußte auf diese Frage achselzuckend antworten, daß man den Handel mit Estland, Lettland und Litauen zwar gerne aufrechterhalten wolle, dies aber nur tun könne,„soweit es möglich ist". Wieweit angesichts der Erfolge des deutschen Seekrieges dies in Wirklichkeit möglich ist, werden die sehr ehrenwerten Lords sich in 54#72######n Fönnen. Gadentungen des sranzsfischen Fiuanzministers Bern, 2. Nov. Finanzminister Reynaud hat am Sitze der Großkanzlei der französischen Ehrenlegion ein„Nationalkomitee“ gegründet, das„mit der Förderung der geistigen, intellektuellen und wirtschaftlichen Kräfte der Nation“ beauftragt ist, also eine Art innenpolitisches Propagandakomitee. Bei der Eröffnungsrede machte der Finanzminister eine erste Andentung über den Staatshaushalt 1940, der am 14. November dem Finanzausschuß der Kammer zur Prüfung zugeleitet wird. Reynaud beschränkte sich darauf, mitzuteilen, daß der ordentliche Haushalt für das neue Jahr auf die Summe von etwa 65 Milliarden Fre. erhöht werden wird. Ueber die hierbei nicht einbegriffenen militärischen Ausgaben machte Reynaud keine Angaben. brückungskredit fordern werde, nachdem die 70 Milliarden, die das Parlament wenige Tage vor Kriegsausbruch für Rüstungszwecke bewilligt hatte, schon jetzt fast erschöpft sind. Der einzig mögliche Ausweg für die Regierung, durch Anleihen flüssige Mittel zu beschaffen, hat bald seine natürliche Grenze erreicht und bezeichnenderweise mehren sich nunmehr in der kranzösischen Presse die Stimmen, die die Regierung warnen, den eigentlichen Kriegsschatz Frankreichs das in den Kellern der Bank von Frankreich lagernde Gold, nicht„unbedacht" und „vorzeitig“ anzugreifen. kr „der lüdserbischen Hauptstadt Skoplie (Uesküb) hatten sechs Bauarbeiter in einem Neubau ein offenes Kohlenfeuer angezündet und sich daneben schlafen gelegt. Am Morgen sand man sie alle ohnmächtig auf. Zwei waren bereits an Kohlenoxydgasvergiftung gestorben. Die anderen wurden in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Der Führer hat seine Anteilnahme an dem Tode des ehemaligen Kgl. Ungarischen Ministerpräsidenten Daranyi durch ein Beileidstelegramm an die Witwe zum Ausdruck gebracht. Auch der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop hat an Frau von Daranvi ein Beileidstelegramm gerichtet. Schute un dirte se Neuer dokumentarischer Beweis für die Allein chuld- Eden, einer der Hauptkriegshetzer Berlin, 2. Nov. Amtlich wird verlaut. dart: Der Reichsaußenminister hat in seiner großen Danziger Rede in unwiderleglicher Form nachgewiesen, daß der englische Krieg gegen Deutschland von der jetzigen englischen Regierung seit Jahren heimlich und planmäßig vorbereitet worden ist. Er hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß Chamberlain im September 1938 nicht nach München gekommen ist, um den Krieg zu verhindern und der Welt den Frieden zu bringen, sondern um den von der britischen Regierung beschlossenen Krieg nur zu verschieben, weil England rüstungsmäßig noch nicht fertig war. Diese Feststellung des deutschen Reichsaußenministers erfährt eine schlagende Bestätigung durch ein in dem Archiv des ehemaligen Außenministeriums der früheren TschechoSlowakischen Republik aufgefundenes Geheimdokument, das einen Bericht der Gesandtschaft der Tschecho=Slowakischen Republik in Paris vom 5. 8. 1938, Zahl 1075, enthält. Wegen seiner sensationellen Bedeutung setzen wir das Dokument im Wortlaut hierher: „Gesandtschaft der Eingangsstempel: Tschecho=Slowak. Republik Min des Aeußern In Paris Kabinett des Ministers G. Z. 3124 Zahl 1075 vertrl. 38 Paris, 5. 8. 1938 0—2 Betrifft: Sinn und Zweck der Mission Lord Runcimans in Prag. Geheim. Paragraphen Dr. Jina, Krofta. Herr Minister Massigli hält die Entsendung Lord Runcimans nach Prag für eine gute Sache. Anthony Eden äußerte sich in einem Gespräch mit Botschafter Corbin, daß nach gutem Ueberlegen die Entsendung Lord Runeimans nach Prag einen guten Schritt bedeutet, denn er wird angeblich England in Mitteleuropa mehr engagieren, als es bisher der Fall war. Massigli sagt, daß die Engländer wissen, daß Krieg sein wird und daß sie sich mit allen Mitteln bemühen, ihn hinzuhalten. Er anerkennt vollkommen, daß die Entsendung Lord Runcimans nach Prag zu dem Zwecke der Beseitigung des Konfliktes an sich für die Tschecho=Slowakei Gefahren birgt, denn angeblich im Interesse des Zeitgewinnes würde Lord Runeiman etwas vorschlagen können, was der Tschecho=Slowakei ungeheuer schädlich sein könnte. Zu diesem Urtei Massiglis führe ich weitere Informationen an die ungeheuer lehrreich sind. Auf der kürzlich stattgefundenen Getreidekonferenz, die in London tagte, hatten die Engländer, die Dominien, Amerika und Frankreich eigene getrennte Besprechungen. Der französische Delegierte sprach mit den Ministern Elliott und Morrison sowie mit dem hervorragenden Sachkenner Six Arthur Street, der im Landwirtschaftsministerium war und der mit einer leitenden Aufgabe im Luftfahrtministerium betraut wurde. Aus den Reden, dem Verhalten und den Verhandlungen der englischen Faktorei gewann der französische Delegierte den positiven Eindruck, daß die Engländer sich für die Organisierung der Getreideversorgung, nicht wegen der Verhütung des Konfliktes interessieren, sondern deshalb, um den Konflikt zu gewinnen. Die Minister Elliott und Morrison sollen beide an die Eventualität des Konfliktes dlauben. P1rr, 7ecn. 82— in I.A Sir Arthur Street sagte, daß er in sechs Monaten die englische Luftschiffahrt in Ordnung haben wird. Daher legt man in England eine solche Wichtigkeit dem Gewinnen von Zeit bei. Ich führe diese Informationen an dieser Stelle in Verbindung mit der Entsendung Lord Runeimans nach Prag an, denn, wie ich schon gesagt habe, die Frage der Gewinnung von Zeit spielt eine bedeutsame, wenn nicht entscheidende Rolle in der Entsendung Lord Runeimans nach Prag. Herzlich begrüßt Sie Ihr ergebener Ofusky, E. e. h. Herr Dr. Emil Krofta, Minister der Auswärtigen Angelegenheit in Prag. Die Folgen des Dokuments Was ergibt sich aus diesem interessanten Dokument? 1. Während das wahre britische Interesse nur darin liegen konnte, in wachsendem Maße aus den Verwicklungen des europäischen Kontinents. in die England durch die törichte Außenpolitik des Jahres 1919 hineingeraten war. mehr und mehr wieder herauszukommen, legt es Eden als Wortführer und Machinator der kriegshetzerischen Cliqne in England darauf an, erst recht England in diese Verwicklungen des Kontinents zu ziehen, ja immer neue solcher Verwicklungen zu schaffen. Deshalb wird in Edens Augen„die Entsendung Lord Runcimans nach Prag einen guten Schritt bedeuten, denn er wird angeblich England in Mitteleuropa mehr engagieren, als das bisher der Fall war". 2. England lag gar nichts an einer wirklichen friedlichen Regelung des Konfliktes. Sie interessierten sich„nicht wegen der Verhütung des Konfliktes, sondern deshalb, um den Konflikt zu gewinnen“. Nur den Zeitpunkt wollten sie sich ausersehen. Englands Rüstungen waren lange vernachlässigt worden, da man sich allzulange auf das traditionelle Prestige Großbritanniens verlassen und gemeint hatte, man könne es sich leisten, mit der bloßen Drohung der britischen Macht zu bluffen. Als sich seit der Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Deutschen Reich herausgestellt hatte, daß das Großdeutsche Reich in der Durchsetzung seiner legitimen Lebensinteressen sich nicht bluffen lasse, da setzte auf englischer Seite ein fieberhaftes Rüstungstempo ein.„Sir Arthur Street sagte, daß er in sechs Monaten die englische Luftschiffahrt in Ordnung haben wird. Daher legte man in England eine solche Wichtigkeit dem Gewinnen von Zeit bei.“ Nach Englands Auffassung sollte schon die tschecho=slowakische Frage die Möglichkeit bieten, nicht nur die Beseitigung der Unruheherde in Europa zu verhindern, sondern auch sich jedem Anwachsen deutscher Macht mit Gewalt entgegenzustellen und die englische Weltherrschaft gewaltsam aufrechtzuerhalten. Dank der Entschlossenheit des Führers und seines eisernen Zugreifens ist dies den Engländern in der tschecho=slowakischen Krise nicht geglückt. Um so zäher und verbissener haben sie sich infolgedessen in der polnischen Angelegenheit, die sie im Grunde nicht das geringste anging, und bei der englische vitale Interessen überhaupt nicht auf dem Spiele standen, festgelegt, um durch die Verpfändung des Wortes der britischen Regierung das englische Volk zu zwingen, dem deutschen Volk in den Weg zu treten. Die englische Kriegsschuld, die systematische englische Vorbereitung des Krieges, der systematische englische Wille zum Kriege schon im Jahre 1938, hat durch dieses tschechische Dokument einen neuen schlagenden Beweis erfahren. Ansere Etsendahner=Tesengen=Pelntschre Au bauarbeiten im Diten- Eisenbai nnetze wiederhergestellt- Unterredung mit Dr. Vorpmüller Berlin, 2. Nov. Zerstörte Brücken, aufgerissene Gleise, das waren die immer wiederkehrenden Eindrucke auf der Besichtigungsreise des Reichsverkehrsministers Dr. Dorpmüller durch das befreite und besetzte Ostgebiet. Die Polen hatten in ihrem primitiven Zerstörungsdrange die wichtigsten technischen Einrichtungen fast aller Bahnhöfe zertrümmert und die Dienstgebäude ausgeplündert. In diesem verwahrlosten Zustande übernahmen die deutschen Eisenbahner, die der vorrückenden deutschen Truppe folgten, das polnische Schienennetz. Der gewaltige Einsatz der deutschen Eisenbahn ist belohnt worden: Auf fast allen Strecken des früheren polnischen Schienennetzes konnte der Zugverkehr wieder ausgenommen und alle notwendigen Transporte durchgeführt werden. Diese Tatsachen unterstrich Reichsverkehrsminister Dr. Dorpmüller in einem Gespräch mit dem an seiner vierzehntägigen Besichtigungsfahrt teilnehmenden Schriftleiter des Deutschen Nachrichtenbüros„Was meine ins befreite und besetzte Ostgebiet entsandten Eisenbahner vorfanden" so erklärte der Minister, „war eine völliges Chaos. Nicht weniger als 600 Brücken, davon allein 11 große Weichselbrücken, waren zerstört. Mit einem raffiniert ausgeklügelten Apparat batten die Polen viele hundert Kilometer Schienen so gründlich aufgerissen, daß sie vollkommen neu gelegt werden mußten."“ Aehnliche Zustände herrschten bei allen anderen Bahnanlagen. Mit Freude und Stolz sprach Dr. Dorpmüller dann über die bereits weitgehend vollzogene Wiederherstellung des zerstörten Verkehrsnetzes und die Wiederaufnahme des Zugbetriebes auf den meisten Strecken. Was das bedeutet, so führte er aus, kann eigentlich nur der ermessen, der sich an Ort und Stelle das furchtbare Zerstörungswerk der Polen angesehen hat. Der technische Betrieb mußte unter den schwierigsten Umständen ausgenommen werden. Ein Signalverkehr war und ist teilweise heute noch ausgeschlossen. Die Bahntelephonanlage, ohne die heute ein normaler Bahnverkehr undenkbar erscheint, war zunächst vollkommen unbrauchbar. Lokomotivwasser mußte infolge der Zerstörungen an Wasserleitungen oft kilometerweit herangeholt und auf die verschiedensten Stationen verteilt werden. „Ich habe auf meiner Besichtigungsfahrt“, so berichtete der Minister,„immer wieder das alte preußische und österreichische Eisenbahnmaterial wieder gefunden, das uns die Polen vor 20 Jahren geraubt hatten. Dies trifft vor allem auf die Waggons und die „Die geheiigien Freihenereufie der Benen Unterhaus=Opposition stößt vor— Bemerkenswertes Eingeständnis Brüssel, 2. Nov. Im Unterhaus kam es zu einer stürmischen Auseinandersetzung zwischen der Regierung und der Opposition. Die liberale Partei hat, von einzelnen Labourabgeordneten unterstützt, gegen die Regierung den unverhohlenen Vorwurf erhoben, daß sie auf dem Wege der ihr nach Ausbruch des Krieges eingeräumten außerordentlichen Vollmachten eine Art verschleierter Diktatur schaffen und die„geheiligten Freiheitsrechte der englischen Bürger" beseitigen wolle. Von fortgesetzten Zwischenrusen unterbrochen, suchte Innenminister Sir John Anderson in einer fast einstündigen Rede die von der Opposition heftig kritisierten Ausnahmeverordnungen der Regierung zu verteidigen. Der Kampf ging zunächst um eine Verordnung, nach der die Regierung das Recht erhält, in einzelnen Bezirken Sperrstunden zu erlassen, während deren den Bewohnern des Bezirks das Verlassen der Häuser verboten ist! Die Opposition bezeichnete bereits diese Maßnahme als Anzeichen von Diktaturgelüsten der Regierung. Ihr Hauptangriff richtete sich aber gegen eine Verordnung des Innenministers, in der die strafrechtliche Verfolgung solcher Personen angeordnet wird, die durch regierungsfeindliche Aeußerungen„die Landessicherheit gefährden". Diese Verordnung läßt interessante Rückschlüsse auf die Stimmung des englischen Volkes zu Im Lause der bewetten Auseinandersetzung gab der Innenminister die sehr bemerkenswerte Tatsache zu, daß in England eine„antisemitische Organisation“ bestehe, die die von der Regierung erlassenen Maßnahmen kritisiere. Der Innenminister unterließ es jedoch. näher mitzuteilen, um was für eine„Organisation“ es sich hierbei eigentlich handeln soll, und wer ihre Leiter seien. Infolgedessen verstärkt sich der Verdacht, daß sie nur vorgeschoben wird, um die wahre Volksmeinung zu bemänteln. Als die Opposition sich ihrem Hauptthema. den Diktaturgelüsten der Regierung, zuwandte. gab der Lordsiegelbewahrer Sir Samnel oare dem Hause das Versprechen, die Anfang September erlassenen Ausnahmegesetze einer Ueberprüfung zu unterziehen, jedoch könne die Bestimmung über die Sperrstunden unter keinen Umständen aufgehoben werden. Die Opposition war mit dieser Erklärung der Regierung, die auf eine Beruhigung der erregten Gemüter abgestellt war, jedoch keineswegs zufrieden. Der Labourabgeordnete Morrison erklärte, nach der Ausnahmeverordnung könne der Innenminister jeden britischen Staatsbürger, der ihm nicht gefalle, hängen oder sogar vierteilen lassen, ohne daß dieser die Möglichkeit einer Verteidigung habe. Das Mißtrauen der Opposition gegen die Regierung ist gegenwärtig jedenfalls groß und scheint durch die Zusicherungen der Regierung auch noch keineswegs behoben zu sein. Lokomotiven zu. Auch die alten Feldbahnen, die wir im Weltkriege in Polen gebaut hatten, haben wir wiedergesehen. Ihnen kommt bei der Abfuhr landwirtschaftlicher Produkte, insbesondere von Zuckerrüben. von den Feldern große Bedeutung zu. Bis auf einige Ausnahmen haben die Polen zu den früheren deutschen Eisenbahnanlagen und dem rollenden Material nichts von sich aus hinzugefügt. Die vorhandenen Güterwagen werden, wie sich schon jetzt voraussehen läßt, nicht ausreichen. Aber auch für Personenwagen und Lokomotiven wird das frühere polnische Gebiet ein Zuschußgebiet sein.“ Der Reichsverkehrsminister ging dann auf die große. Bedeutung der Wasserstraßen im befreiten und besetzten Gebiet ein, die von den Polen in geradezu unerhörtem Maße vernachlässigt wurden. Es sei ein großer Vorteil, daß nunmehr die Verwaltung des ganzen Weichselstromes von der Quelle bis zur Mündung in einer Hand liege. In Zukunft werde die Wasserstraßenbaudirektion in Danzig für die geordnete Stromführung der Weichsel verantwortlich sein. Von großer Bedeutung seien der Bromberger Kanal, der eine wichtige Verbindung der Weichsel, Netze und Warthe mit dem Oderkanal schafse, und der Adolf=Hitler=Kanal, der die Verbindung zur Donau ermögliche. Mißverstandene Freiheit Zwetkowitsch gegen anonyme Flugblattschreibee Belgrad, 2. Nov. Ministerpräsident Zwetkowitsch wendet sich entschlossen gegen anonyme Flugblattschreiher, die„mehr Freiheit“ verlangten. Er beront, daß die Freiheit der Meinungsäußerung nicht zu schweren Auswüchsen und persönlichen Verleumdungen führen dürfe. Wahlen in der Radikaldemokraten stärkste Gruppe Bern, 2. Nov. Nach den nun vorliegenden Meldungen über die Verteilung der Sitze im neu gewählten Nationalrat werden die Parteien folgende Stärke aufweisen: Radikaldemokraten 50 Mandate(bisher 48), Kath. Konservative Fraktion 44(42). Sozialdemokratische Partei der Schweiz 45, sozialdemokratische Richtung Nicole 4(vor der Trennung beide zusammen 50), Bauern=, Gewerbe= und Bürgerfraktion 21(21). Liberal=Demokraten 6 (7). Jungbauern und Freie Demokraten 6(7), Landesring der Unabhangigen 9(7), ohne Fraktionszugehörigkeit 2(5). B.4 Eetmm I. Keine Vertretung im neuen Rat haben die Kommunisten, die ihre bisherigen beiden Mandate(je 1 in Basel=Stadt und in Zürich) verloren haben, sowie die Nationale Front, die im alten Rat ein Mandat in Zürich hatte, für die Neuwahlen aber nicht mehr kandidierte. Andererseits tritt in den neuen Rat ein Vertreter der Freiwirtschaftler ein. Die radikaldemokratische Fraktion ist von der zweitstärksten Gruppe im alten Rat wieder zur stärksten Gruppe im neuen Rat geworden. rungen an Jugoslawien außer durch einen Devisenanteil noch durch Rohstofflieferungen(in erster Linie von Eisenerzen und Kupfer) bezahlt bekommen möchte. Nr. 258(Zweites Blatt) Preitag, den 3. November 1939 Das deutsche Volk wird in diesem Kampf nicht aufgesplittert, sondern immer fester und fester werden. Wenn sich etwas aufsplittert, werden es die Staaten sein, die so unhomogen zusammengesetzt sind wie die plutokratischen Weltdemokratien, diese sogenannten Weltimperien, die aus Völkerunterdrükkung und Völkerbeherrschung bestehen. Wir kämpsen für unser nationales Dasein! Adolf Hitler. Ein Beispiel soldatischer Kameradschaft. Soldaten machen über Kameradschaft nicht viel Worte. An der Front und in der Heimat haudeln sie als Kameraden. Ein schönes Beispiel soldatischer Kameradschaft spielte sich in diesen Tagen auf einer Dienststelle ab. Ein junger Bergmann, der als Soldat den Feldzug in Polen mitmachte und für einige Tage auf Urlaub weilte, meldete bei der Dienststelle die Geburt eines Zwillingspaares, das während seiner Abwesenheit geboren war, an. Zufällig hörte ein anderer Soldat das Gespräch, und als er erfuhr, daß das schon das zweite Zwillingspaar in der Ehe seines feldgrauen Kameraden war, zückte er mit den Worten:„Da muß etwas geschehen“ seine Brieftasche und drückte dem Ueberraschten einen Fünfzigmarkschein in die Hand.— Eine nationalsozialistische Tat, zu der sich jeder Kommentar erübrigt. Großeinsatz bei der morgigen Reichsstraßensammlung für das Kriegs=WhW. kommende Wochenende wird ganz im Zeichen; die der Soldat an der Front Tag für Tag auf eichsstraßensammlung des Kriegswinterhilfs= nimmt und mit jenen Entbehrungen, die im Felde 39/40 stehen. Diesmal sind die Männer der zur selbstverständlichen Pflichterfüllung gehören. Die RSKK, des RSFK und der“ aufgerufen] Bevölkerung der Stadt Schwerte und darüber hinaus um mit der Sammelbüchse in der Hand vor l des Kreises Iserlohn wird unseren Kameraden an der Alksgenossen hinzutreten und ihn um seine Front beweisen, daß sie zu ihnen steht in unverbrüchzu bitten. Jeder SA=Mann, der nicht mit der licher Treue. Heimat und Front sind eine fest zusamder Hand an der Front steht, wird an diesen i mengeschweißte Gemeinschaft, nicht nur im Kampf um gewohnter Opferbereitschaft an der inneren Deutschlands Größe und Freiheit, sondern auch eudig seine Pflicht erfüllen. Auch im Bereich] Opfern für den ewigen Bestand unseres Reiches. Standarte 259 werden alle SA=Führer und] Schon die früheren Straßensammlungen haben aufgeboten, um die große Sammelaktion I von der Bereitwilligkeit und Opferfreudigkeit der heisCCeetet mischen Bevölkerung, ein schönes, und beglückendes um Verkauf gelangenden Abzeichen, die in! Zeugnis abgelegt. Der heutige Appell wird darum schöner Ausführung hergestellt wurden, nicht vergebens sein und wenn am kommenden Halbedelsteinen aus den Edelsteinschleifereien Sonnabend und Sonntag die Männer der SA mit Oberstein versehen. Sie stellen germanische der Sammelbüchse durch die Straßen gehen, er und Dolche dar. Es besteht kein Zweifelj jeder freudig und gern sein Opfer bringen. Spender daß diese schönen Abzeichen von allen Volks=] und Sammler werden ihre ganze Kraft einsetzen, um gern gekauft und getragen werden. Am kom= das Ergebnis früherer Sammlungen zu übertreffen, Wochenende darf kein Volksgenosse ohne diese damit dem Kriegswinterhilfswerk die Erfüllung seier und Dolche sein, die von den Sammlern ner großen Aufgaben ermöglicht wird. Jeder Schwercheinfrei“ abgegeben werden. ter Volksgenosse und jeder Kreiseingesessene trägt ig ist das Opfer, das in diesen Tagen von darum am Sonnabend und Sonntag das WHW=Ablksgenossen in der Heimat gefordert wird, zeichen als Zeichen seiner aktiven Mitarbeit in der ir es mit den gewaltigen Opfern vergleichen, I großen Opfergemeinschaft unseres Volkes! Jeder kennt ihn, denn er ist überall daheim: in den Städten, in den Dörfern. Er hat überall das Neueste erfahren, er ist immer im Bilde. Kein politisches Geheimnis ist ihm fremd.„Wissen Sie schon, daß...?“ Das ist doch ganz klar, er hat das ja schon immer gesagt. Mit einer Geste des Geheimnisvollen zieht er uns in die nächste Ecke und flüstert uns seine billigen Enthüllungen zu. Jedes neue politische Ereignis ist ihm eine willkommene Gelegenheit, seine „messerscharfen Erkenntnisse“ an den Mann zu bringen. Lächerliche Figur? Aber es soll schon vorgekommen sein, daß ein solcher„Hans=Dampf=in=allen Gassen“ ganze Städte durch sein Geschwätz in Aufregung gebracht hat! Aus unserem Einsatz macht er einen Jahrmarkt mit viel Bum=Bum und Trara. Mit seinem Scheinwissen zieht er hausierend als politischer Aufschneider und Seifensieder ständig im Gelände herum. Wo man ihn auch trifft: man stelle ihn, lasse ihm eine Abfuhr zuteil werden, daß er sich schamvoll in das dunkelste Mauseloch verkriechen muß. Diese schleimigen kriechenden Subjekte mögen sich hüten— der politische Instinkt unserer Volksgenossen wird sie schnell entlarven und der verdienten Lächerlichkeit preisgeben. Wenn ihre„Geheimnisse" aber gefährlich sind, dann wird diesen Herrschaften auch die entsprechende „Anerkennung“ von den entsprechend dazu berufenen Stellen nicht versagt bleiben. Diese Art der politischen Geheimniskrämer und Alleswisser soll man sich nicht nur drei, sondern zehn Schritte vom Leibe halten! Sie sind nicht nur für sich selbst eine Gefahr, sondern auch für jeden, der sich mit ihnen abgibt! Jugendfilmstunde am 5. November 1939 Am Sonntag, 5. November, finden in den Lichtspielhäusern Großdeutschlands Jugendfilmstunden statt. Vom Ufa=Palast am Zoo in Berlin wird Reichsminister Dr. Goebbels zur deutschen Jugend sprechen. Nach der Ansprache des Ministers für Volksaufklärung und Propaganda wird der Hitlerjugend das Wochenprogramm des betreffenden Theaters vorgeführt. Auch im Bann Iserlohn(136) wird die Hitlerjugend, das Deutsche Jungvolk und der BDM in Gemeinschaft mit Großdeutschlands Jugend zu einem Tag und zu einer Stunde im Gebietsbereich Westfalen und darüber hinaus im ganzen Deutschen Reich versamelt sein. In allen Orten, in denen Lichtspielhäuser sind, wird die Hitlerjugend des Bannes Iserlohn zum Gemeinschaftsempfang antreten. Beginn der Jugendfilmstunde ist 9 Uhr. Die Einheiten der HI, des DJ und des BDM treten Sonntag vormittag an den von den betreffenden Einheitsführern bestimmten Plätzen an. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Eine neue Tarifordnung des Reichsarbeitsministers Da auch die Kriegswirtschaft das Baugewerbe von der Vergünstigung betro stärkstens in Anspruch nimmt und viele Zehntausende der Heimfahrt=Ansprüche mu von Bauarbeitern von auswärts herangezogen wer= der Reichsbahn Rücksicht ger den müssen, war es trotz der Verkehrseinschränkungen j auch jetzt noch wird dem Ver notwendig, die Verbindung dieser Arbeiter mit ihren s jahre der Besuch seiner Fami Angehörigen sicherzustellen. Deshalb hat der Reichs=] ledige Arbeiter kann im Hal arbeitsminister den Sondertreuhänder für das Bau=] letzten Wohnort oder den Wo gewerbe beauftragt, die Bestimmungen über die l auf Kosten des Betriebes fah Wochenend=Heimfahrten für die Bauvorhaben der) Die Zahl der für die F öffentlichen Hand in einer den Kriegsverhältnissen gesehenen Tage werden der angepaßten Form wieder in Kraft zu setzen. ort angepaßt. Bei einer Entfe Die neue Tarifordnung, die am 25. Oktober in meter werden zwei Kalender Kraft tritt, gibt den bisherigen Begriff der Wochen Kilometer vier Kalendertage end=Heimfahrt zugunsten der Familien=Heimfahrt währt und bei besonders u auf. Die Tarifordnung erfaßt im ganzen Reich alle können es bis zu sechs Tager Betriebe des Baugewerbes, soweit sie auf Baustellen Angehörige des Protektorats der öffentlichen Hand Arbeiten ausführen. Sehr sprüche auf Familien=Heimf wesentlich ist die Erweiterung des persönlichen Gel- heiter tungsbereiches durch Erstreckung auf alle Arbeiter, die so weit von der Baustelle entfernt wohnen, daß 1 Wie Ministerialrat Dr. 9 sie nicht täglich an ihren Wohnort zurückkehren arbeitsblatt“ mitteilt, wird Buchspenden tragen die Grüße der Heimat ins Was das Buch im Kriege bedeutet, weiß nier mand besser zu schätzen als der Soldat. Ob es die Langeweile im Fliegerhorst oder im Bunker zu vertreiben hilft, ob es in sorgenvollen Stunden Vergessen schenkt oder im Lazarett über Schmerzen hinweghilft, immer naht es als guter Freund. Dieser Freund bringt den Soldaten Erholung, gibt ihnen aber auch neue Kraft zum Einsatz. Im Gau Westfalen=Süd wird in diesen Tagen die Büchersammlung der Partei für die Wehrmacht durchgeführt. Jeder Volksgenosse wurde bereits aufgerufen, durch eine Bücherspende an der Errichtung von Front= und Lazarettbüchereien mitzuhelfen. Das Buch, das aus dem Bücherschrank herauswandert zu unseren Soldaten, soll diesen künden, daß wir eng mit ihnen verbunden sind. Wenn die Block= und Zellenleiter der Partei jetzt in den Haushaltungen vorsprechen, dann muß jeder die Verpflichtung in sich fühlen, ihnen seine Buchspende in die Hand zu drücken. Sie trägt die Grüße der Heimat hinaus nach Osten und Westen, auf die hohe See oder in die stille Lazarettstube. Tageschronik * Bestandene Prüfung. Vor der Prüfungskommission der Industrie= und Handelskammer in Dortmund bestanden Elisabeth Dröppelmann (Lehrherr Jos. Küster) und Irmtraud Peters (Lehrherr Hildegard Meier) ihre schriftliche Handlungsgehilfenprüfung mit„Gut“ und wurden von der mündlichen Prüfung befreit. Wir gratulieren. : Praktische Volksgemeinschaft. Ein 75jähriger Kleinbauer und seine Frau hatte Kartoffeln zu ernten. Die Zellenfrauenschaftsleiterin, die in der Nähe wohnte, stellte für zwei Nachmittage eine Kolonne zusammen, bestehend aus Mitgliedern der NS.=Frauenschaft, des B9M., mehreren Parteigenossen, darunter der Kreisschulungsleiter der NSDAP. An zwei Nachmittagen wurden so 400 Zentner Kartoffeln geerntet. Vergütungen im Luftschutz. Nach einer Verordnung des Reichsluftschutzministers und Oberbefehlshabers der Luftwaffe erhalten die Kräfte des Luftschutzwarndienstes und des Sicherheits= und Hilfsdienstes beim Aufruf des Luftschutzes Vergütungen nach den Vorschriften für Notdienstpflichtige. Die Vergütungssätze werden durch den örtlichen Luftschutzleiter ausgezahlt. Die Neuregelung gilt mit Wirkung vom 26. August 1939. Was beachtet werden muß! Bei den Ernährungsämtern häufen sich die Anträge auf Ersatz verlorengegangener Lebensmittelkarten. Da die Beschaffung von Ersatzkarten sehr schwierig ist, dürfen die Ernährungämter nur in besonders nachgeprüften Fällen Ersatz leisten. Anträge an die Kartenstellen sind zwecklos. Wer verlorengegangene Karten findet, hat diese dem Verlierer oder der nächsten Kartenstelle abzuliefern. Jeder Versuch, sich auf fremde Karten Lebensmittel zu verschaffen, wird bestraft. sundheit eines Gefolgschaftsmitgliedes dient und auch dann, wenn der Urlaub zwecks Vermeidung gesundheitlicher Schädigung erforderlich ist. Kurzer Urlaub kann den Gefolgschaftsmitgliedern bei Todesfällen in der engeren Familie, bei Niederkunft der Ehefrau, bei Eheschließungen und sonstigen dringenden Anlässen gewährt werden. Die Beurlaubung einer Gruppe von Gefolgschaftsmitgliedern als Folge einer Betriebseinschränkung oder Betriebsstillegung ist nur mit Zustimmung des Reichstreuhänders der Arbeit zulässig. Der freie Sonnaben nachmittag Neue Bestimmungen für Jugendliche des Jugendschutzgesetzes Die Vorschriften###r Juge über den Frühschluß vor Sonn= und Feiertagen sind für Jugendliche über 16 Jahre, die in dringenden Fällen mit Mehrarbeit beschäftigt werden, außer Kraft gesetzt. Sie gelten jedoch weiterhin für die nicht mit Mehrarbeit beschäftigten Jugendlichen über 16 Jahre und für alle Jugendlichen unter 16 Jahren mit der Einschränkung, daß an Stelle des freien Nachmittags an Sonnabenden jeder Woche ein Nachmittag an einem anderen Werktag von 14 Uhr ab oder ein Vormittag bis 14 Uhr freigegeben werden kann. Die Ausstellung jetzt im Dezember Die„Große Westfälische Kunstausstellung 1939“ war für Ende September geplant, mußte dann aber wegen der Kriegsverhältnisse zunächst abgesagt werden. Wie wir jetzt erfahren, wird die Ausstellung, die sich als ständige Einrichtung einen guten Ruf zu sichern gewußt hat, nun doch durchgeführt. Am 3. Dezember wird sie im „Haus der Kunst“ in Dortmund eröffnet und bleibt dort bis zum 14. Januar 1940. Sie umfaßt Malerei, Plastik und freie Graphik und wird, das kann man schon heute sagen, recht gut beschickt sein. Vom 15. Februar bis zum 10. März 1940 wandert die Ausstellung dann in einer besonderen Zusammenstellung auch in die Reichshauptstadt, um in den Ausstellungsräumen des Zum Nachdenken! Wenn es uns gelänge, die Zahl der vorhandenen Kaninchenhäsinnen zu verdoppeln, so könnten wir im Reich jährlich 150 Millionen Kilogramm Fleisch und 80 Millionen Felle aus diesem Zweig der Kleintierzucht gewinnen. Sonst geltende Bestimmungen außer Kraft gesetzt Entsprechend der Kriegswirtschafts=Verordnung sind vorläufig auch die sonst geltenden Bestimmungen über den Urlaub außer Kraft gesetzt worden. Aus gegebener Veranlassung hat der Reichsarbeitsminister in einem Erlaß zu der Urlaubsfrage Stellung genommen. Urlaub kann danach nur in dringenden Ausnahmefällen gewährt werden; desgleichen eine Urlaubsabgeltung. Die Gewährung von Urlaub bzw. eine Abfindung in bar ist möglich, wenn wegen der Beranstaltungskalender Heiterer Nachmittag im Freischütz Am Sonntag, 5. November, veranstaltet die RSGemeinschaft„Kraft durch Freude" wieder einen Heiteren Nachmittag, der um 16 Uhr im„Freischütz“ beginnt und der viele fröhliche Darbietungen vorsieht. Die Ansage liegt bei Richard Kautz in bewährten Händen. Jeder wird fröhliche Stunden erleben. Und nachher wird getanzt! derzeitigen Verhältnisse die Gefolgschaft nicht mehr weiter oder nicht voll beschäftigt werden kann. In Einzelfällen kann Urlaub gewährt werden, wenn dieser zur Wiederherstellung der GeVereins Berliner Künstler gezeigt zu werden. Aellltöttent=Kalk werden ausgespielt! * Sie haben noch kein Los? Z. Beutsche Keichsloiterie 3.500000 Llommene 3.500000 Llmionen 3.300000 900000 3.200000 600000 6.100000 600000 12.50000 600000 15.40000 600000 21.30000 630000 39.20000 780000 amtlichen Spielbedingungen) Können Sie 3 Millionen Reichsmark gewinnen. Die Ziehung der ersten Klasse beginnt am F. Nlov. 1939. Ein Rchtellos koftet nur Rm 3.—. ein Diertellos nur RI 6.— je Klasse. Sichern Hie sich ein solches Los und bedenken Sie: Nur rechtzeitig vor Jiehung bezahlte cose begründen Gewinnanspruch. Jetzt wird es höchste Zeit, daß Sie zur nächn Staatlichen Lotterie-Einnahme gehen und 1 Ihr Los sowie den ausführlichen amtlchen Gewinnplan besorgen. 490 000 Gewinne und 3 Prämien im Gesamtbetrage von um 102899760.— werden wieder in 5 Klassen ausgespielt. Alle Gewinne sind einkommensteuerfrei. Im günstigsten Falle I§ 2. 111 der E. BeütfeltRetenste! „" Gli Beiie Roman von Hendrik Oyen 24 Niemand bezweifelte Barts Mut und Selbstvertrauen. Er hatte sich stets bewährt und war in vielen verzweifelten Kämpfen Sieger geblieben. Da John ihn nun lächerlich gemacht hatte, gab’s nur eine Lösung der Angelegenheit, und das war ein Zusammenstoß zwischen den beiden, sobald die Trift beendet war und alle alten Fehden der Winterszeit Erledigung verlangten. Seine Drohung machte die Runde durch die Wälder. Auch Nels auf seinem Krankenbett im Hause des Doktors in Body=Station hörte davon. Er war beunruhigt. Sobald es ihm Dr. Dean erlaubte, fuhr er mit dem Proviantschlitten ins Lager zurück. John fluchte, aber Nels setzte sich hin und wartete, bis sich der erste Sturm gelegt hatte. „Der Kampf ist noch nicht zu Ende, Boß“, sagte er, als John ruhiger geworden war. „Was hat es für einen Sinn, die Trift herunterzubringen, wenn Sie nachher Bart nicht für immer erledigen? Am Ende wäre der dann doch Sieger, trotz allem, was Sie schon getan haben. Sie sind uns allen schuldig, auf der Hut zu sein. Und meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß Sie es sind. Glauben Sie, daß Sie schon so weit sind? Ahl Bart könnte Ihnen plötzlich gegenübertreten und Sie niederknallen, bevor Sie überhaupt begriffen haben, worum es sich handelt. Glauben Sie, daß es fair wäre, gegenüber den Jungens, die Ihnen bisher geholfen haben, ihn zu guter Letzt triumphieren zu lassen? Nein, Boß, Sie müssen daran denken, daß Bart ein Bär mit langen Klauen ist, und da müssen auch Sie Ihre Klauen schärfen.“ Schließlich brachte er John so weit, sich mit seinem sechsschüssigen Revolver in den wenigen freien Augenblicken, die ihm die Arbeit schenkte, einzuschießen. „Achtung auf Barts Hände, wenn Sie ihm begegnen“, sagte Nels immer wieder.„Erinnern Sie sich daran, daß er ebenso gut mit der Rechten wie mit der Linken umgeht, daß er rasch wie eine Katze ist. Schauen Sie ihm nicht ins Gesicht— dort werden Sie nichts lesen können. Schauen Sie auf seine Hände, und in dem Augenblick, wo Sie sehen, daß sich seine Finger nach dem Gürtel krümmen, müssen Sie ziehen und von der Hüfte aus schießen. Niedrig zielen! Sie dürfen die Augen nicht von seinem Gürtel lassen! Aber vor allem — passen Sie auf seine Hände auf! Er ist schnell wie eine Katze!" Der Februar verging, und das Winterwetter hielt weiter an. Die Eiswege waren hartgefroren. In den Wäldern lag genug Schnee. um Schlittenfahren zu erlauben. Die Sägen bissen mit maschinenmäßiger Gleichförmigkeit in die Kiefern. Jeder Tag brachte die Linie der Sägeleute näher an den Fluß heran, während das schneebedeckte Eis des Brulé unter dem Teppich der Stämme verschwand. Es kam der März. und das kalte Wetter hielt noch immer an. Als die Arbeit sich dem Ende näherte, begann John, ein wenig müde zu werden. Das Lager war ihm zum Gefängnis geworden, die Wälder zu einem mächtigen Zaun, der ihn von der Welt abschloß. Er sah sich zu einer Aufgabe verdammt, die endlos schien. Die Stimmung der Leute war ähnlich. Einige der jungen Leute, die ihren ersten Winter in den Wäldern verbrachten, hielten diese Eintönigkeit nicht länger aus. Sie verlagten ihre Abrechnung, eilten nach Spirit Lake hinunter, wo sie in einigen Nächten ihr Geld loswurden. Die älteren Leute wurden nur mürrisch und schweigsam. Im Schlafhaus gab es nun keinen Gesang mehr. Die meisten taumelten in ihre Schlafkojen gleich nach dem Abendessen. Einige nur blieben auf, spielten Poker und stritten sich dann nach kurzer Zeit. John begann jetzt, jede Nacht vor dem Schlasengehen den Himmel zu beobachten. „In dieser Nacht gibt es Tauwetter“, sagte er sich pessimistisch jede Nacht. Aber das Tauwetter kam nicht. Und die Arbeit konnte weitergehen. Die Schlittentransporte währten bis in den März hinein. Dann blieb nur ein schmaler Rand von Kiefern den Fluß entlang stehen. Dort konnte man sie auch durch Schlamm und Matsch abrutschen lassen. Eines Nachmittags kamen die Sägeleute ins Lager zurückgewandert, während die Sonne noch hoch über dem Wald stand. Sie hatten ihre Sägen und Aexte auf den Schultern und lachten und scherzten, wie es Leute tun, die sich plötzlich von einem Druck befreit fühlen. Dugan war gerade damit beschäftigt, einen Brief an seine Hulda mühsam zu verfertigen. Er lief überrascht aus der Kantine. „Was ist los mit euch, Kerle?“ fragte er. Als Antwort hoben sie ihn vom Boden auf und schwangen ihn lachend herum. Sie stießen ihn von einem zum anderen. Sie hüpften und tanzten, boxten, pfiffen und schrien durcheinander. Sie mußten ihren Gefühlen freien Lauf lassen. „Was los ist, du rothaariger Knirps? Alles ist los! Wir haben den Fluß erreicht. Dieser Copyright by Prometheus-Verlag Dr. Sichacker- Gröbenzell bei München verdammten ewigen Arbeit ist ein Ende bereitet.“ Dann kam wieder eine Zeit aufreibenden Wartens, als die Mannschaft, welche unter Führung Whitey Jacks die Trift flußabwärts zu besorgen hatte, mit den Händen im Schoß herumsaß und auf den Abgang des Eises wartete. John blieb bei ihnen, seine Anspannung hatte nicht nachgelassen. Jetzt kam noch die wichtigste Arbeit: die Trift war klaglos zu erledigen. Es war allerdings eine kurze und leichte Trift. Aber solange sie nicht vorüber war, konnte sich John seines Erfolges nicht sicher fühlen. Endlich kam ein Morgen, an dem die entblößten feuchten Wälder von den Düften erwachenden Lebens erfüllt waren. Die Sonne wärmte lau, als sie aus dem Schlafhaus kamen. John stand im Eingang zum Büro, lächelte und streckte zum erstenmal seit Wochen behaglich seinen Körper. „Was für ein prächtiger Tag!“ gähnte er. Die Männer lachten, als sie zum Frühstück gingen. Unten in den Ställen wieherten die Pferde freudig. Und in der Stille des Morgens kam vom Flusse her ein plötzliches knatterndes Donnern, das jeden Mann im Lager aufhorchen ließ. Ein zweites Donnern folgte. Die Mannschaft brach in ein gellendes Geschrei aus: „Hipp. hipp. hurra! Es ist soweit! Vorwärts! Los! Hurra!“ Sie rasten wild dem Ufer zu. John erreichte als erster den Fluß. Ein willkommenes Schauspiel erwartete ihn. In der Mitte des Flusses spaltete ein Band raschen schwarzen Wassers das schmelzende graue Eis. Flußabwärts, so weit das Auge reichte, taute es. Auch die Ufer entlang hatte das Eis seinen Halt aufgegeben. Die Mitte des Stromes war mit verstreuten Stämmen gefüllt. Und dahinter setzte sich die große Masse der Trift laut brummend in Bewegung. als wollte sie dagegen protestieren, daß man sie gestört habe. Knirschend wurden die Eisstücke zwischen den Stämmen zermalmt. John stand schweigend da, während Whitey Widerhaken und Kanthaken die braune Masse Jack und seine Mannschaft sich über die Stämme verteilten und mit Spitzhaken, Lanzen, mit aus dem Durcheinander schlichtete und langsam auf den Weg brachte. Er fühlte kein Gefühl der Erleichterung in seiner Brust. Die Trift hatte begonnen, die Arbeit war also erfolgreich beendet. Und er hatte sich bewährt. Aber jetzt, da die Zeit war, nach Body=Station zurückzukehren, dachte er an Belle und fühlte sich unbehaglich. 36. Er stimmte auch nicht in die Freudenrufe seiner Leute ein, als sie an einem hellen Montagmorgen am Rande des Sägewerkes in BodyStation standen und auf die Millionen Kubikfuß Holz blickten, die wie Schiffe in ihrem Dock aneinandergepreßt hinter der großen Gatter lagen. Weder Wolf Johns Handschlag noch der bewundernde Blick aus den Augen des alten Mannes konnten ihn für die langen. monotonen Wochen entschädigen, die er im Lager zugebracht hatte. Dann trat Belle auf ihn zu. Sie gab ihm die Hand und sagte herzlich: „Das ist wundervoll, wundervoll! Aber ich wußte. Sie würden's bewältigen, ich wußte es die ganze Zeit!“ Nein, auch das half nicht. Denn er durchforschte sorgfältig ihre Augen, aber er konnte jenen Blick nicht darin finden, den er als Begrüßung erhofft hatte. Und dafür hatte er doch gekämpft und sich geplagt! Das war der Grund, warum er sich gefürchtet hatte, nach Body=Station zurückzukommen, bevor er als Sieger aus dem Kampf hervorgegangen war. Jene Nacht auf dem schneebedeckten Fluß, als sie ihm so ruhig gesagt hatte: Ich fürchte mich vor Bart! Sie. ja?— und der Sonntag, da sie ihm nach dem Besuch bei Gavin gesagt hatte: Bart würde die Arbeit durchführen, und dasselbe können Sie auch— wenn Sie nur an sich selbst glauben — diese Begegnungen hatten ihm Angst eingejagt. Denn konnte ein Mann hoffen, die Liebe eines Mädchens zu erringen, bevor er sich bewährt und bevor er den Glauben an sich selbst gewonnen hatte? John verließ das Haus auf dem Hügel und ging in sein Quartier in das Zimmer, das für ihn in Dr. Deans kleinem weißen Haus in der Nähe des Damms vorbereitet war. Die beiden nächsten Tage war er damit beschäftigt, die Leute auszuzahlen und die verwickelten Abrechnungen der Arbeit abzuschließen. Jeden Abend stieg er zum Diner den Hügel hinauf, wo Bodys Haus stand. und jedesmal suchte er in Belles Augen vergeblich den Blick, nach welchem er sich so sehr sehnte, viel stärker sehnte als nach irgendeiner Anerkennung. Jedesmal, da er es tat, sank seine Hoffnung einige Grade tiefer. Bewunderung, Vertrauen und Sympathie lagen in ihren Augen. Aber das war alles. Und John mußte voll Bitterkeit erkennen, daß Bewunderung, Vertrauen und Sympathie einem Mann, der Liebe wollte, nichts bedeuten konnten. Am dritten Abend blieb er aus. Der Wunsch, mit Belle über alles, was er am Herzen hatte, zu sprechen, quälte ihn zu heftig, und diese Qual wurde nur gesteigert, wenn er mit ihr allein war und es ihm an Mut fehlte zu sprechen. Später am Abend saß er auf der Bank vor dem Haus des Doktors und dachte über seine Mutlosigkeit nach. Er war allein. Dr. Dean war auf dem Weg zu einem Patienten, der draußen irgendwo wartete. Es war warm, so warm, daß die Tür offenstand und das Ticken der Uhr klar zu hören war. Ein Frühlingsvollmond versilberte die Welt, und der leidenschaftliche nordische Frühling, leidenschaftlich, weil er nur so kurz dauerte, erfüllte die Nacht mit Leben und Unruhe. Traumversunken saß John, als Belle den Hügel herabkam und ihn fragte, warum er nicht zum Essen gekommen sei. Er sah sie an und kehrte seinen Blick wieder ab. „Ich weiß nicht, warum ich nicht kann“, sagte er dann zögernd.„Ich— ich wollte nur zu Haus bleiben.“ Einen Augenblick war Stille. „Onkel John hat mich hergeschickt“, sagte sie sanft.„Er fühlt sich nicht sehr wohl und will mit Ihnen sprechen.“ Er stand auf und folgte ihr. Er fand seinen Onkel verdrossen, weil das Schicksal ihn zur Untätigkeit verdammte, der an das Leben im Freien gewöhnt war. Er redete, ohne darauf zu achten, was er eigentlich sagte. Der Stolz seines Onkels, seine Freude über den Neffen. der ihm nachgeraten war, das alles berührte ihn nicht sehr. Als Wolf John schläfrig wurde, erhob er sich und ging hinaus. Er merkte nicht, daß auch Belle aufgestanden war und ihm folgte, und er war erschrocken, als sie ihn vom Eingang her anrief, schon als er im Begriff war, den Hügel hinunterzugehen. „Was ist los, Vetter John?“ fragte sie besorgt.„Irgendwas muß passiert sein, das sehe ich. Sie sehen unglücklich aus. Wollen Sie mir's nicht sagen?“ „Unglücklich?“ sagte er.„Warum sollte ich unglücklich sein?" „Deshalb wundere ich mich ja“, sagte sie erstaunt.„Sie haben Großes geleistet. Sie haben sich bewährt, und ich bin stolz darauf, ich war die ganze Zeit über stolz auf Sie. Freut Sie das nicht? Und sind Sie nicht auch stolz? Ist das Leben hier nicht schöner als das frühere Leben? Sie haben einen großen, unerwarteten Erfolg erzielt. Und doch sehen Sie nicht aus. als würden Sie sich darüber freuen.“ „Das ist's eben.“ „Aber wie können Sie...“ „Das, was ich wirklich gewinnen wollte, bedeutet mir mehr— soviel mehr— ist weit notwendiger für mein Glück— für mein Leben.— Und daher kann mir alles andere— nicht viel bedeuten.“ Sie zuckte ein wenig zurück, als hätte sie erraten, was nun kommen würde. „Es bedeutet Ihnen nichts?“ wiederholte sie. „Der Erfolg bedeutet mir nichts im Vergleich zu dem, was ich wirklich gewinnen möchte.“ „Was ist das?“ „Sie, Belle.“ Sie stand ihm gegenüber, sah ihn an, ihre Augen weiteten sich langsam, als könne sie vorerst den Sinn der Worte nicht begreifen, als wäre ihre Ueberraschung zu groß. „Haben Sie es nicht erraten, Belle? Haben Sie es-nicht kommen sehen? Sie müssen es doch gemerkt haben! Wofür, glauben Sie, habe ich in den Wäldern gearbeitet? Weshalb. glauben Sie, habe ich eine Wandlung durchgemacht? Um Onkel John zu gefallen? Um Karriere zu machen? Nein, ich tat es— ich tat alles, weil ich an jenem ersten Nachmittag im vergangenen Winter, als ich Ihnen begegnete und Sie mir den Weg nach Body=Station zeigten— weil ich an jenem Tage wußte, daß ich der Frau begegnet bin, auf die ich immer gewartet habe — der Frau, der einzigen Frau in der Welt. die für mich existiert.— und ich wollte eines Tages das Recht haben, Sie zu fragen, ob Sie mich auch lieben. Aber ich konnte doch dieses Recht nicht haben, bevor ich nicht gezeigt hatte, daß ich ein Mann bin, Belle! Haben Sie das nicht gesehen? Ja— ich habe alles nur getan, um Sie für mich zu gewinnen!“ „John!“ sagte sie. Sie wandte sich ab, und ihre Stimme war wie von Schluchzen erstickt. John war erstarrt. Er verstand, was das bedeutete. Es war ihm plötzlich, als hielte jemand seine Kehle umklammert und wollte ihn erwürgen. Er fenkte den Kopf. Aber dann biß er die Zähne zusammen und unterdrückte das Stöhnen, das in ihm aufsteigen wollte. „Ich dachse. Sie wüßten es, Belle“, sagte er ganz ruhig.„Ich dachte, Sie würden verstehen, was ich für Sie empfand. Bitte, weinen Sie nicht.“ Sie hob ihren Kopf und blickte ihn an, während noch Tränen in ihren Augen schimmerten. „John— John— ich dachte, Sie haben mich nur gerne— ich glaubte, wir sind nur Kameraden. Ich dachte keinen Augenblick lang an etwas anderes. Wollen Sie mir das glauben, John?“ „Ich werde an alles glauben, was Sie von mir verlangen, Belle. Und jetzt machen Sie ein frohes Gesicht. Es ist schon alles gut.“ Belle war jetzt ruhig.„Wir waren doch gute Freunde“, sagte sie.„Sie waren so nett— ich hatte nie einen wirklichen Kameraden— bis Sie kamen. Es war doch so schön, einen Freund zu haben. Ich dachte, das wäre der Grund, warum Sie mich auch gern haben. Sie müssen mir glauben, John. Bart wollte mich heiraten. Er sagte— daß er mich liebe. Das jagte mir Schrecken ein. Sie aber waren so nett zu mir. Warum können wir nicht weiter Freunde sein? Gute, aufrichtige Freunde!“ „Ja. Belle— es ist schon gut!“ Sie sah scharf auf, als sie die Hoffnungslosigkeit in seiner Stimme hörte.„John! Was wollen Sie tun? Sie werden— Sie werden doch nicht— fortgehen?“ Er wandte sich ab. Er hatte nicht den Mut, ihr zu antworten. „Sie werden mich doch nicht verlassen?" fragte sie jetzt furchtsam. „Belle! Darf ich keine Hoffnung haben? Fühlen Sie nichts für mich? Oder— kann ich warten? Können Sie mir nicht sagen, daß ich warten darf? Wenigstens das eine?“ Sie hatte sich gefaßt. Sie sah ihn ruhig an. „Wir waren doch immer ehrlich zueinander, John. Ich will jetzt auch ehrlich sein. Ich weiß nicht, ob irgendein anderes Gefühl für Sie in meinem Herzen ist als Freundschaft.“ „Dann ist es nicht da“, sagte er.„Sie müßten es doch wissen, ob Sie mich liebhaben.“ Er nahm ihre Hand.„Es tut mir leid, daß ich gesprochen habe. Belle. Aber Sie dürfen sich deshalb keine Sorgen machen. Versprechen Sie mir das? Das könnten Sie doch Ihrem Kameraden tun, nicht. Belle?“ „Aber— ich verliere ja— meinen Kameraden“, sagte sie traurig.„Ich verdiene es.“ „Nein, das tun Sie nicht. Ich bin an allem schuld. Ich ganz allein. Ich hätte sehen sollen, daß Sie mich nicht liebhaben, auf diese Weise, meine ich. Wollen Sie mir versprechen, alles zu vergessen?" bat John. „Nein!“ sagte sie.„Ich weiß nur, daß Sie jetzt unglücklich sind— ich, ich fühle, ich sollte jetzt lügen und Ihnen sagen, daß ich Sie liebe Aber ich kann es nicht.“ Sie sah, wie er mit sich kämpfte, und gab ihm gerührt ihre Hände. „John, ich habe mich geirrt. Ich war blind— so blind.“ John wollte sprechen. Aber er wußte, daß da nichts mehr zu sagen blieb. Sie wußten beide jetzt mehr voneinander, als sie sich gesagt hatten. „Wir wollen weiter gute Freunde bleiben“, sagte er nach langem Schweigen und hielt ihre Hände. Er sagte es so matt, daß es fast ironisch klang. „Gute Nacht, Belle!“ Er machte sich los und ging mit schnellen Schritten den Hügel hinunter, während sie ihm mit verwunderten Augen nachstarrte. 37. John ging direkt in sein Zimmer im Hause des Doktors. Ohne die Lampe anzuzünden oder sich auszuziehen, warf er sich aufs Bett. Durch das offene Fenster kam das Lachen eines Mädchens, irgendwer ruderte über den See. Alles schien seine Pein noch zu steigern. Er sprang auf und schloß das Fenster. Als er sich wieder hinlegte, war der Raum ganz still. Er war endlich allein. Er hatte also versagt— trotz allem. Die Pläne, die er geschmiedet hatte, erwiesen sich als hoffnungslose Träume. Nichts blieb mehr davon übrig. Alles war aus— wie nicht anders zu erwarten war. Er hatte geglaubt, in den großen Wäldern. fern von den Käfigen der Zivilisation, habe er sich endlich gefunden. Es war ihm zwar gelungen, sich zum Führer eines ganzen Lagers über Holzfäller emporzuarbeiten. Doch jetzt wußte er, weshalb es ihm geglückt war. Nicht weil er hierher gehörte, nicht weil der strenge Norden das Beste aus ihm herausgeholt hatte. Alles war ihm nur geglückt, weil er gehofft hatte, Belle zu gewinnen. Ihretwegen hatte er Dinge vollbracht. die seine normalen Kräfte weit überstiegen. Aber das war nun vorüber. Wenn er ein Mann war, dann mußte er vergessen können! Natürlich mußte er fort. Er sprang auf. Seine Stirne brannte. Hatte er Fieber? Der kleine Raum legte sich beängstigend auf seine Brust. Draußen, wieder im Freien vor dem Sägewerk, war das Mondlicht unerträglich grell. Es wurde vom Teich widergespiegelt und ließ alles ringsum nicht weniger deutlich erscheinen als am hellen Tag. John zog den Hut tief über die Augen und eilte in den Wald hinaus. (Schluß kolat) Am Eigensinn und gestrandet Empfindliche Strafe für ungehorsame Tochter Paderborn. Wenn es schon keine normale Erscheinung ist, daß Mädchen mit dem Strafgesetz in Konflikt kommen, so hatten Staatsanwalt und Gericht um so mehr recht, wenn sie die 23 Jahre alte Hilde Nasse aus Höxter als ein psychologisches Rätsel bezeichneten. Das Mädchen hat in einem ordentlichen Elternhause eine gute Erziehung genossen und eine gediegene Bildung erfahren. Nach einem Zerwürfnis mit ihren Eltern verließ sie aus Trotz das Elternhaus und versicherte beim Fortgang, das Leben selbständig meistern zu können. Und wie sie es meisterte! Schon im Juni 1937 erlebte sie ihre erste Bestrafung wegen Betruges in sieben Fällen. Wenig später folgte eine neue Bestrafung wegen Diebstahls, beide Strafen wurden zu 10 Monaten Gefängnis zusammengezogen. Und noch im Frühjahr dieses Jahres stieg wieder eine neue Betrugsserie. Dafür bezog sie neue 4 Monate Gefängnis und eine energische Warnung des Gerichtsvorsitzenden, der ihr die Aussicht, beim Rückfall ins Zuchthaus geschickt zu werden, deutlich vor Augen stelte. Ttre.-81 Am 29. Juli wurde sie aus der Strafanstalt entlassen, und am gleichen 29. Juli beging sie neue Hochstapeleien. In Paderborner Privatpensionen mietete sie sich unter dem Vorgeben ein, als Arzthilfe bzw. als Assistentin beim Gesundheitsamt tätig zu sein. Sie bekam Wohnung und Essen, besuchte viele Paderborner Modewarengeschäfte,„erwarb" teure Kleider, versuchte Schuhe zu erschwindeln, ergaunerte sich eine feudale Lederhandtasche, einen Reisekoffer, einen Manikürekasten, Trachtenschürzen, Hauskleider, zwei Paar Lederhandschuhe und nicht zu vergessen auch zwei ganz vornehme Kleider zum Preise von 89 RM. Immer hatte sie Vorwände, um die Stücke ohne Münze ausgehändigt zu bekommen. Am 18. August saß sie wieder im Gefängnis in Paderborn Daß diesmal die Strafe nur ganz empfindlich sein konnte, wurde ihr recht bald klar. Und sie hatte es ihrer großen Jugend zu verdanken, daß das Gericht und der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe für die Rückfallbetrügereien als ausreichende Sühne ansahen. Die Strafe von zwei Jahren Gefängnis aber wird sie sicherlich endgültig kurieren. Selbstmord aus Verärgerung Siegen. Zu einem unseligen Ende führte eine häusliche Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn in Krefeld, in deren Verlauf der Vater seinen 19jährigen Sohn bestrafte. Gekränkt und aus Verärgerung rannte der junge Mann fort,„um sich den Kopf abfahren zu lassen.“ Er begab sich sofort zur Bahnanlage, und hier fand man später, daß er sein Wort wahrgemacht hatte. Die Handlungsweise des 19jährigen läßt sich nur deshalb erklären, weil er schwermütig veranlagt war und so diese Nichtigkeit zum Anlaß nehmen konnte, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Ein Jahr Gefängnis für Mansardendieb Düsseldorf. Das Düsseldorfer Amtsgericht verurteilte den 22jährigen, bereits viermal vorbestraften Karl Hummerich wegen eines vollendeten schweren, drei versuchter schwerer und eines einfachen Diebstahls zu einem Jahr Gesängnis. Er hatte in Bremerhaven einem Zimmer= und Arbeitskameraden eine Armbanduhr, einen Anzug, Mantel und Schuhe gestohlen, war dann nach Düsseldorf entwischt und versuchte, sich hier als Mansardendieb zu betätigen. Es gelang ihm, eine Mansarde aufzubrechen und einer Hausangestellten Schmuckgegenstände und bares Geld zu entwenden. In drei weiteren Fällen hatte der Bursche jedoch kein Glück, da er die Türen nicht aufbrechen konnte oder während seiner Arbeit gestört wurde. Die Matter fahrläffig erschessen Die Waffe während der Haft einem Beamten gestohlen Wiesbaden. Vor einiger Zeit war ein Mann aus Wiesbaden wegen Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Durch gute Führung erwarb er sich in dem auswärtigen Gefängnis das Vertrauen der Beamten, die ihm dadurch größere Freiheit gewährten. Bei Arbeiten im Haus und einem Nachbargrundstück sah der Mann in einem Keller Fleischkonserven stehen, wovon er sich in gewissen Abständen mehrere Dosen aneignete und sie mit der Post seiner in Wiesbaden wohnenden Mutter sandte. Eines Tages stahl er einem Beamten den Dienstrevolver, versteckte ihn und nahm ihn bei seiner Entlassung mit. Wegen häuslicher Differenzen mit seinem Vater mietete er sich ein Zimmer, doch besuchte er des öfteren seine Mutter in der Abwesenheit des Vaters. Bei einem solchen Besuch hantierte er mit der gestohlenen Pistole. und plötzlich löste sich ein Schuß, der die Mutter schwer verletzte. Die Frau, die den Tod herannahen fühlte und die Tragweite der Handlung ihres Sohnes erkannte, verzieh ihm und erklärte:„Ich sage nichts, sage Du auch nichts!" Der Sohn begab sich sofort zu einem Arzt. Währenddessen versuchte die Schwerverletzte aus der Wohnung zu gelangen, brach aber hinter der Flurtür zusammen. Die Mutter wurde später sterbend ins Krankenhaus gebracht. Bei seiner Vernehmung erklärte der Sohn, er habe seine Mutter besuchen wollen, hätte aber die Tür nicht öffnen können, da seine Mutter dahinter gelegen habe. Schließlich legte er aber doch ein umfassendes Geständnis ab. Wegen fortgesetzten Diebstahls im Rückfalle und wegen Diebstahls sowie Führung einer Schußwaffe ohne Waffenschein und fahrlässiger Tötung hatte sich der Mann jetzt vor der Strafkammer zu verantworten. Der Staatsanwalt bemerkte, daß die Vorstrafen auf den Angeklagten wohl keinen Eindruck gemacht hätten, sonst würde er nicht die Frechheit besessen haben, während seiner Strafverbüßung neue Diebstähle zu begehen. Er beantragte unter Versagung mildernder Umstände eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. sowie drei Jahre Ehrverlust. Das Gericht jedoch nahm an daß der Angeklagte durch den selbstverschuldeten Tod seiner Mutter hart gestraft sei, billigte ihm deshalb mildernde Umstände zu und verurteilte ihn unter Anrech= nung der Untersuchungshaft zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Emn Lils fntteicher Verkommenhell 19jähriges Mädchen wegen versuchter Kindestötung vor Gericht Köln. Ein furchtbares Bild sittlicher Verkommenheit entrollte am Mittwoch eine Verhandlung vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Köln, vor der sich die erst 19jährige Hilde B. wegen versuchter Kindestötung zu verantworten hatte. Die eigentlich Schuldige an dieser furchtbaren Tragödie eines jungen Mädchens saß leider nicht auf der Anklagebank, sondern konnte nur als Zeugin geladen werden. Es war die Mutter der Angeklagten, die in Dirnen= und Zuhälterkreisen zu Hause ist und selbst nicht davor zurückscheute, ihre Tochter, kaum daß sie der Schulbank entwachsen war mit in dieses Mitieu zu nehmen, es auch nicht hinderte, daß das junge Mädchen mit den zweifelhaftesten Elementen sowohl in der elterlichen, als auch in anderen Wohnungen in wilder Ehe zusammenlebte. Während dieser Zeit, es war im Jahre 1937, gebar das Mädchen sein jetzt zweijähriges Kind. In naher Zukunft sieht es bereits erneut seiner Niederkunft entgegen. Die Ursache der versuchten Kindestötung war ein Streit der Angeklagten mit ihrer Mutter wegen einer Mark Krankengeld. Der Wortwechsel artete derart aus, daß die Mutter ihre Tochter schließlich in ihrer Wut mehrmals schlug, sie an den Haaren riß und schließlich aus ihrer Wohnung hinauswarf. Selbst auf die Bitte des Mädchens, ihm mit dem Kind wenigstens noch für eine Nacht Unterkunft zu gewähren, ließ sie sich nicht ein. Das Mädchen begab sich dann zur Kriminalpolizei. zum Jugendamt und zum Wohlfahrtsamt, um das kleine Kind in ein Waisenhaus einweisen zu lassen. Da aber die zuständige Fürsorgerin im Augenblick nicht zu erreichen war, kam es nicht zum Ziel. In seiner Angst um eine Bleibe für das Kind ging das Mädchen zu seiner Arbeitsstelle und erbat sich dort einen Vorschuß von zwei Mark, den es auch erhielt, um durch Ueberreichung dieses Geldes seine Mutter versöhnlich zu stimmen. Da auch das infolge Grausamkeit der Mutter des Mädchens ohne Erfolg blieb, suchte es die benachbarte elterliche Wohnung seines Bräutigams auf, in der das kleine Kind vorübergehend untergebracht war, und versuchte dieses zu erwürgen. Da jedoch die Mutter des Bräutigams sofort hinzusprang, wurde das Schlimmste vermieden, das Mädchen jedoch auf Anzeige seines Vaters, der inzwischen aus Gram über die Verkommenheit seiner Frau und seiner Tochter Selbstmord beging, festgenommen.„.. 4463, Vor Gericht war das Mädchen geständig. Da das kleine Kind bei der versuchten Tötung keinen Schaden davongetragen hat, ließ die Strafkammer Milde walten. Dennoch aber lag der Urteilsspruch mit acht Monaten Gefängnis über der gesetzlichen Mindeststrafe von sechs Monaten, da. so sagte der Vorsitzende, hierdurch der Angeklagten die Grausamkeit ihres Verbrechens nachdrücklich zum Bewußtsein gebracht und zum anderen ein abschrekkendes Beispiel gegeben werden solle. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet. Ein leichtsinniger Schütze Nideggen. In dem Nideggen benachbarten Eifeldorf Thuir legte ein 18jähriger Bursche im Scherz seine Flobertbüchse auf seinen Kameraden, den 14jährigen einzigen Sohn eines Landwirtes. an. Plötzlich löste sich ein Schuß, und der Knabe sank. ins Herz getroffen, zu Boden. Trotz aller Bemühungen starb der Unglückliche nach kurzer Zeit. 17 Jahre Wilddieberei gefühnt Sechsköpfige Wildererbande abgeurteilt 1 ganzes Arsenal auf einem besonderen Tisch im Dillenburg. Vor dem Amtsgericht in Her= Gerichtssaal ausgebreitet lag. Hentreis hattan bich 3.213] Die Verhandlung brachte noch eine erstaunvorn im Westerwälder Dilltreis hatten sich sechs Wilderer zu verantworten, deren gemeine Tätigkeit bis in das Jahr 1919 zurückreicht und die durch ihre frevelhaften Raubzüge in mehr als 17 Jahren eine ehedem sehr gute Jagd fast völlig lahm legten. Dieser Strafprozeß war der größte gegen Wilderer, der bisher im Dillgebiet zur Aburteilung stand Die Wilderer versahen ihr Gewerbe gewerbsmäßig, einzeln oder in Banden, wie es für sie gerade am günstigsten schien. Dabei gingen sie vornehmlich auch mit dem gemeinsten Mittel, dem Schlingenstellen, vor, um zu ihrem Ziel zu kommen. Im Laufe der vielen Jahre wurden im Forstgebiet Herbornseelbach und in umliegenden Forsten viele hunderte Stück usw durch die Bande zur Strecke gebracht. Das erbeutete Fleisch wurde zum Teil selbst verdraucht, zum anderen Teil aber Verwandten und Bekannten abgelassen. Ein Mitglied der Bande veriertiate die Waffen. von denen ein liche Angelegenheit ans Tageslicht. Es stellte sich heraus, daß einer der Wilderer vor Jahren noch als junger Bursche, auf einen Forstbeamten, der plötzlich im Revier auftauchte. schoß. Glücklicherweise ging der Schuß damals fehl. Sämtliche Angeklagten verfolgten, nachdem sie vorher ihr Treiben bis zum Jahre 1936 eingestanden hatten, vor Gericht eine andere Taktik: Sie gaben vor, ihr schmutziges Handwerk nur bis 1931 oder 1932 getrieben zu haben und widerriefen ihre früheren Geständnisse, da sie glaubten. auf diese Weise straffrei— wegen Verjährung— auszugehen. Das Gericht glaubte ihnen jedoch hier nicht. und außerdem bewiesen die Aussagen der Kriminalbeamten. die die Untersuchung durchgeführt hatten, das Gegenteil. Die Gefängnisstrafen lauteten gegen die 6 Wildfrevler auf neun Monate bis zwei Jahre. Gegen vier Mitglieder der Bande wurde Haftbefehl erlassen. Schachttiefbau im Essen. Im Anfang des Ruhrkohlenbergbaues wurde die Kohle nur im Tagebau gewonnen, d. h. die Kohle wurde nur da abgebaut, wo die Flöze zutagetraten. Das war im südlichen Ruhrgebiet. Die Stollen wurde damals horizontal in die Berge getrieben und die Kohle so gefördert. Weiter nach Norden zu gehen aber die Flöze in stets größere Tiefe, die Kohle kann hier im Tagebau nicht abgebaut werden. So versuchte man es schon 1832 bei Essen mit der Gewinnung der tiefer liegenden Kohle durch Schachtbau. Den kostspieligen Versuchen blieb aber der klingende Erfolg versagt. Der Ruhrorter Bergbaupionier Franz Haniel durchstach als erster die über der Kohle liegende Mergelschicht auf der Zeche„Kronprinz von Preußen" bei Borbeck und erreichte 1837 das Steinkohlengebirge in 99 Meter Tiefe. Die Kohle eignete sich aber nicht für industrielle Zwecke. und nachdem Haniel bis Ende 1841 schon 95675 Reichstaler Zubuße für dieses Unternehmen gezahlt hatte, stellte er Anfang 1842 den Betrieb ein. Matthias Stinnes begann als Zweiter am 12. März 1839 mit Bohrungen am Sessenbern bei Essen, aber erst Ende 1840 stieß er auf Kohlen. Der erste durchschlagende Erfolg wurde erzielt am 1. November 1839. also heute vor 100 Jahren. beim Schacht„Ver. Helene und Amalie“ im Westen Essens(heute Fried. Krupp AG.) und führte bald zu regelmäßiger Förderung. Nach diesem Erfolg wurde Schacht um Schacht in die Tiefe getrieben. Nachdem man die Kohle so auch in großer Tiefe gewinnen konnte, breitete sich der Ruhrkohlenbergbau auch rasch nach Norden zu weiter aus und stieß ins Emschergebiet und darüber hinaus vor. Mit Tübbings und Gefrierverfahren wurde der dem Niederdringen der Schächte in dortiger Gegend hinderliche Fließsand überwunden, und jetzt wird die Kohle im Ruhrgediet sogar aus 1000 und mehr Meter Tiefe gefördert. Die mutige Pionierarbeit der Männer von vor 100 Jahren hat reichen Erfolg gezeitigt Ein Paket Gedankensplitter ... 2. 11.„Müller“, rief der Feldwebel bei der Postausgabe an der Front,„für Sie ist wieder ein Paket Gedankensplitter angekommen!" und händigte dem Gefreiten Müller schmunzelnd eine ansehnliche Büchersendung aus. Das war während des Weltkrieges, irgendwo im zerwühlten Frankreich. Was steckte denn hinter den„Gedankensplittern"? Der Gefreite Müller war ein Bücherwurm und ließ sich deshalb regelmäßig gedruckte Liebesgaben ins Feld schicken, die er sich freilich sorgsam ausgesucht und bestellt hatte. Und wer bei ihm im Unterstand oder in Ruhestellung lag und Lesehunger verspürte, kam sich ein Buch ausborgen. So versorgte der Gefreite Müller auf seine Weise die halbe Kompanie mit guter Literatur und hat manchen Kameraden mit Gottfried Keller, Wilhelm Raabe, Adalbert Stifter, Theodor Storm und vielen anderen angefreundet, die sonst vielleicht nie etwas von diesen Dichtern vernommen hätten. Als die Soldaten des Weltkrieges längst wieder im zivilen Leben standen, da schrieb Ende August 1921 der Feldwebel, der das Wort von dem„Paket Gedankensplitter“ geprägt hatte, an den Gefreiten Müller einen Brief, der voll Trauer war über den Tod unseres Dichters Ludwig Thoma, dessen Werke uns einmal so viel Helle und Humor hinaus in den Schützengraben getragen haben. Hätte man manchmal in den Tornister unserer Feldgrauen hineinblicken können, dann würde man gar viele„Gefreite Müller“ erkannt und gefunden haben, daß der eine Goethes„Faust“, der andere Nietzsches„Zarathustra“, wieder ein anderer Dantes„Göttliche Komödie" durch dick und dünn des Weltkrieges geschleppt hat, daß die Helden von 1914=18 die deutschen und griechischen Heldensagen bei sich trugen, daß Klassiker und Philosophen mitten im größten„Schlamassel“ ein herrliches Dasein feierten. WBicker Gunaarn umae. Wieder ist Krieg. Wieder hungern unzählige Soldaten draußen im Feld nach dem Labsal des Buches, das gerade jetzt, wo die Abende wieder lang geworden sind, heiß begehrt wird. Wir wollen nicht vergessen, unsere Bücherspende zu geben, wenn in diesen Tagen die Sammler zu uns kommen. Wir wollen aber ebensowenig vergessen, in unsere Liebesgabensendung regelmäßig auch ein Büchlein einzupacken. Es gibt so viele billige, gute Buchausgaben im leichtgewichtigen Taschenformat, die bequem in das 250=Gramm=Päckchen hineinpassen. Wir nennen nur die reichhaltige Reclams Universalbibliothek, die billigen Wiesbadener Volksbücher, die handlichen InselBücher, die kleine Bücherei des Verlages Albert Langen=Georg Müller, die Bändchen des Verlages Gerhard Stalling usw. usw., die eine große Auswahl aus klassischem, modernem und nationalem Schrifttum bieten. Wie aber Leser nicht gleich Leser sind, so ist Buch nicht gleich Buch. Deshalb wollen wir uns vorher bei unserem Soldaten doch genau erkundigen, was er gerne hätte. Es jetzt ja nicht mehr bei dem 250=Gramm=Päckchen zu bleiben. Ab 1. November können wir bekanntlich ein volles Kilo ins Feld schicken, und in einem solchen Paket lassen sich bequem auch größere Romane unterbringen. Nach guter Unterhaltungsliteratur wird ja in erster Linie der Sinn stehen. Aber sie soll, wie gesagt, gut sein. Mit dem nächstbesten Schmöker erweisen wir unseren Soldaten keinen Dienst. Wenn wir uns selbst nicht ganz sicher fühlen, was wir schicken können, dann weiß uns jeder Buchhändler jederzeit Rat, denn er hat nicht nur die Aufgabe, uns Bücher zu verkaufen, sondern soll uns auch zum rechten Buch hinführen. Darauf kommt es an, ganz besonders auch beim„Paket Gedankensplitter". 40jähriges Dienstjubiläum einer Hebamme Solingen. Dieser Tage beging die Hebamme Witwe Emma Melcher in Solingen=Ohligs ihr 40jähriges Dienstjubiläum. In den vier Jahrzehnten ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit hat Frau Melcher bei nicht weniger als 7000 jungen Erdenbürgern die erste Hilfe geleistet und ihnen die ersten Windeln angelegt. Die verdienten Glückwünsche und Anerkennungen gingen der Jubilarin an diesem Ehrentage in reichem Maße zu Verkehrsunfall fordert zwei Tote Duisburg. Dienstag gegen 22 Uhr stieß an der Reichsautobahn in Höhe des Duisburger Waldes ein Kraftdreirad auf einen dort stehenden Lastkraftwagen. Durch den heftigen Anprall wurden die beiden Insassen des Dreirades so schwer verletzt, daß sie am Mittwochmorgen im Krankenhaus starben. Der Fahrer wurde ebenfalls verletzt. Wie die Ermittlungen ergaben, befand sich in Höhe des verunglückten Wagens ein weiteres Fahrzeug, das den Ueberholungsstreifen benutzte. Es ist anzunehmen, daß die Fahrer der Wagen ein Wettrennen veranstaltet haben und der Fahrer des verunglückten Wagens hierbei der Fahrbahn nicht seine Aufmerksamkeit geschenkt hat und so von hinten auf den Lastkraftwagen auffuhr. * Lichtspiele zur Reichskrone Freitag bis Sonntag— Ab Montag im Roland=Theater: Emil Jannings als AoUert der Bekämpfer des Todes. Das Lebensbild eines großen Arztes, eines unsterblichen Wohltäters der Menschheit. Beginn am Sonnabend um 5½, am Sonntag um 1½ Uhr. Wir bitten, am Sonntag möglichst die erste Vorstellung zu besuchen. Roland=Theater Freitag bis Sonntag: O••) 3 Ein Bavaria=Film mit Karin Hardt Hilde Körber Hans Nielsen E. F. Fürbringer Gustav Waldau. Von Höhepunkt zu Höhepunkt ziehen sich die Schicksale der Menschen dieses Films, dessen Mittelpunkt der prunkvolle Münchener Fasching bildet. Zutze Gnld gmoinunn d#c# din Verdunklungspapier 100 cm 150 cm breit wieder eingetrotfen Hans Linner vorm. C. Braus Große Marktstraße 3-5 Reiielosebei DX 19066 K Dortmund, Ostenhellwen 27 Versand nach auswärts Sonnabend, den 4. November, vormittags 8 Uhr, wird auf der Freibank Rindfleisch zum Preise von 40 Pfg. pro 500 Gramm verkauft. Schlachthofverwaltung. Büro= und Geschäfts-Artikel Geschäftsbücher Büroleim Stempelfarbe und=Kissen Blockhefte Quittungen Geldrollenpapiere Schreibwarengeschäft Hans vorm. Carl Braus Große Marktstraße 3—5. Mittier=Zwischen Front uns Helnal Die Feldpost hat eine lanze Geschichte Der Beraubung eines Postfelleisens verdanken woir die Kenntnis von zahlreichen Feldpostbriefen aus den Jahren 1584 und 1585. Diese waren größtenteils in italienischer, französischer und deutscher Sprache abgefaßt und an die Angehörigen der spanischen Besatzung in Flandern(Al campo in Flandra) im sogenannten Kölnischen Kriege gerichtet. Lange Zeit haben sie auf dem Boden eines Amtsgerichts in Frankfurt a. M. geruht, bis sie nach etwa 500 Jahren 1889 entdeckt und der öffentlichkeit im Reichspostmuseum in Berlin zugänglich gemacht wurden. Ihr Inhalt läßt interessante Einblicke in die damaligen politischen und kulturellen Verhältnisse zu. Von nur kurzer Dauer war die vom Großen Kurfürsten gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges eingerichtete Dragoner= oder Trabantenpost. Diese feldpostähnliche Reiterpost wurde vom Jahre 1646 bis zum Februar 1649 unterhalten und diente als ständige Verbindung zwischen der Regierung in Berlin und dem Gesandten in Osnabrück Münster, der an den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden teilnahm. Sie unterstand der Militär= und Postverwaltung zugleich. Jeden Mittwoch und Sonnabend früh um 8 Uhr wurde sie vom kurbrandenburgischen Botenmeister in Cleve abgefertigt. Die Verwaltung und der Betrieb des Postwesens in Preußen wurden dann im Jahre 1649 als Staatsbetrieb übernommen. In Preußen entwickelte sich die Feldpost im 18. Jahrhundert mit den zahlreichen Kriegen in großem Umfang. Hatte schon Friedrich Wilhelm I., der Vater Friedrichs des Großen, am 25. April 1715 die Feldpostdienstordnung des Preußischen Staates erlassen und im Vorpommerschen Krieg 1716 eine Feldpost geschaffen, so baute sein Sohn diese Einrichtungen weiter aus. Er befahl während des Siebenjährigen Krieges die Einsetzung eigener Feldpostämter und Feldpostexpeditionen. Persönlichkeiten der deutschen Geschichte haben ihr Urteil über die Bedeutung der Feldpost abgegeben. So äußerte sich Generalfeldmarschall von Hindenburg:„Ich kann hier nicht im einzelnen alle Verdienste der Feldpost hervorheben, die eine Organisation schaffen mußte, wie sie nicht annähernd vorauszusehen war. Ich will nur dankbar die Tatsache betonen, daß die aufopfernde Pflichterfüllung aller Angehörigen der Feldpost, die vielfach im feindlichen Feuer ihren schweren Dienst verrichteten, wesentlich dazu beigetragen hat, die Schlagfertigkeit des Heeres zu stärken, indem sie unter den schwierigsten Verhältnissen die Verbindung mit der Heimat aufrechterhielt.“ Der Generalfeldmarschall hat hiermit die hohe politische und kulturelle Aufgabe dieser Verbindung zwischen Front und Heimat unterstrichen. Die seelischen Werte, die so vermittelt werden, lassen sich nicht in Worten und Zahlen erfassen. Ermessen kann sie aber der, der selbst einen Angehörigen im Felde stehen hatte oder hat. Die im Deutsch=Französischen Krieg(1870/71) erprobten Feldposteinrichtungen hatte im Auftrage Bismarcks der Generalpostmeister von Stephan ausgearbeitet. Im Weltkrieg vermehrte man die auf den Erfahrungen der Post aufbauenden Nachrichtentruppen von 25800 auf 191700 Mann(ohne Truppennachrichtenverbände). Für das Große Hauptquartier und jedes Armeekorps wurden je ein Feldpostamt aufgestellt, je eine Feldpostexpedition für jedes Armeeoberkommando und jede Division, je ein Postpferde= und Wagendepot für jede Armee und eine Rovert Koch's Leben und Wirken: aumdilleuz ee buseuee 00 Hsstl Mosaott! II. Die großen Gegenspieler Auf der ersten Sprosse des Ruhms Unschlüssig wiegt der Direktor des Pflanzenphysiologischen Instituts der Universität Breslau den dicken Einschreibebrief in der Hand, den ihm ein Amtsdiener soeben gebracht hat. Er trägt den Poststempel vom 22. April 1876 und als Absender den Namen Robert Koch, Kreisphysikus in Wollstein. Nachdenklich betrachtet der greise Gelehrte die schwer leserlichen Schriftzüge. Was kann aus dem weltentlegenen Posener Erdenwinkel schon Gutes kommen? Sicherlich sitzt da irgendein junger Arzt, der in seiner Freizeit nichts Besseres zu tun hat, als der exakten Forschung ins Handwerk zu pfuschen. Man hat ja schließlich schon oft genug trübe Erfahrungen mit den angeblichen Krankheitspilzen gemacht, die dieser und jener Medikus entdeckt haben wollte. Aber dann siegt doch die Neugierde über alle Zweifel, der berühmte Botaniker öffnet das sorgfältig versiegelte Schreiben und studiert aufmerksam die engbeschriebenen Blätter. Und je mehr er sich in ihren Inhalt vertieft, desto größer wird sein fachliches Interesse. Das ist ja gar keine oberflächliche medizinische Abhandlung, wie sie täglich zu Dutzenden einlaufen, sondern eine wissenschaftliche Offenbarung! Ein einfacher Landarzt im Posenschen hat eine ganz neue Welt entdeckt, in der es von Kleinlebewesen wimmelt. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, hat man in ihnen die Urheber der Infektionskrankheiten entlarvt, nach denen die größten Geister der Medizin seit Jahrhunderten vergeblich suchten! Bald darauf flattert Dr. Koch eine Einladung nach Breslau auf den Schreibtisch. Der junge Arzt nimmt sie an und sitzt schon am 30. April seinem Gönner im Pflanzenphysiologischen Institut gegenüber. Die bereits in Wollstein unternommenen bakteriologischen Versuche werden nun wiederholt und überzeugen den greisen Gelehrten alsbald von der Richtigkeit der Theorten. Reihe von Feldpoststationen für das Etappen= und Operationsgebiet. Die Feldpost hatte von 1914 bis 1918 täglich im Durchschnitt 9,9 Millionen Postsendungen von der Heimat ins Feld und 6,8 Millionen Postsendungen vom Feld in die Heimat zu befördern. An der Spitze der Feldpost stand der Feldoberpostmeister; die zu Anfang des Krieges bestehenden 8 Armeepostdirektionen und 141 Feldpostanstalten wurden mit der Ausweitung der Kriegsschauplätze bis auf das Fünffache vermehrt. Die Feldpost von heute unterscheidet sich von der des Weltkrieges erheblich. Auf Grund der Weltkriegserfahrungen hat man die Anschriften geändert, um Verwechslungen zu vermeiden. Außerdem ist die Post von heute zum größten Teil motorisiert; fahrEin Mann kämpft für die bienschheit: Schicksale und Abenteuer um Bazillen Ein Tatsacheabericht von I. Mayne bare Feldpostämter folgen den Truppen bei ihrem Vormarsch. Die Postämter werden in möglichster Nähe der Truppenunterkünfte untergebracht. So ist dem Feldsoldaten die Möglichkeit gegeben Post nach Hause zu schicken und solche von dort zu empfangen. Die Voraussetzungen für eine möglichst schnelle Beförderung der Feldpostsendungen sind geschaffen. Bei schnellem Vormarsch, zerstörten Verkehrsanlagen und Straßen kann natürlich die Beförderung nicht mit der bei der Post gewohnten Pünktlichkeit erfolgen. Daß sich aber die Beamten und Gefolgschaftsmitglieder der Post um eine möglichst pünktliche Abfertigung der Sendungen bemühen, ist für sie eine Ehrenpflicht gegenüber den Soldaten der Wehrmacht und ihren Angehörigen. Eilends wird ein Bote mit der Nachricht, einer der Forscher möge herüberkommen und sich die Ergebnisse ansehen, in das Pathologische Institut entsandt. Dessen Direktor läßt es sich nicht nehmen, selbst die Bakterienkulturen zu besichtigen, und als er von seinem Gang zurückkommt, sagt er zu seinen Assistenten:„Nun lassen Sie alles stehen und liegen und gehen Sie zu Koch; dieser Mann hat eine einzigartige Entdeckung gemacht, die in ihrer Einfachheit und Exaktheit der Methode um so mehr Bewunderung verdient, als Koch von aller wissenschaftlicher Verbindung abgeschlossen ist und dies alles aus sich heraus geschaffen hat. Es ist gar nichts mehr daran zu verbessern. Ich halte dies für die größte Entdeckung auf dem Gebiet der Mikroorganismen und glaube, daß Koch uns alle noch einmal mit epochalen Entdeckungen überraschen und beschämen wird.“ Duell der Meinungen Die Breslauer Gelehrten verständigen nun sofort den Direktor des Pathologischen Instituts Berlin, Rudolf Virchow, von den aufsehenerregenden Experimenten, mit denen ein gänzlich unbekannter Landarzt ein neues medizinisches Weltbild geschaffen hat. Doch Virchow, von seiner eigenen Unfehlbarkeit überzeugt, ist von ihrem Bericht keineswegs entzückt. Er erinnert sich wohl noch des kleinen Studenten, der früher einmal unter ihm gearbeitet hat, sich aber seiner Ansicht nach nicht durch überragende Geistesgaben auszeichnete. Fleißig und peinlich genau— das ist alles, was Virchow über Robert Kochs Begabung zu sagen hat. Trotzdem läßt der große Mediziner, dem in seinem Amtsbereich niemand zu widersprechen wagt, den kleinen Kreisphysikus auf die Befürwortung der Breslauer Gelehrten hin notgedrungen nach Berlin kommen. Sein Machtspruch allein hat über die Zukunft des Wollsteiner Landarztes zu entscheiden. Es ist eine Stunde äußerster Dramatik, als sich der alte und der junge Mediziner endlich gegenüberstehen. Beide fühlen, daß es jetzt hart auf hart geht und nicht zwei Gelehrte, sondern zwei wissenschaftliche Weltanschauungen zum Entscheidungskampf ankraten. „Womit kann ich Ihnen dienen, Herr Kollege?“ u Rein=Schiff auf der„Schleswig=Holstein“ Kadetten beim Rein=Schiff unter den Rohren des achteren Turms des Schulschiffes der deutschen Kriegsmarine„Schleswig=Holstein“, das bekanntlich an den Kämpfen um die Westerplatte, Gdingen und Hela einen hervorragenden Anteil hatte.(Presse=Bild=Zentrale=Autoflex) „„„ Ein guter Rat Berechtigte Wünsche der Post Täglich können über 100 000 Briefsendungen bei den großen Postämtern des Reiches wegen mangelhafter Anschrift zunächst nicht zugestellt werden. Mehr als ein Viertel hiervon muß die Post zurücksenden, weil die Wohnung in Einwohnerverzeichnissen und durch Nachfragen trotz aller Mühen nicht festzustellen ist. Viele Sendungen müssen sogar wegen Fehlens von Angaben über den Absender vernichtet werden. Im Jahresdurchschnitt waren nahezu fünf Millionen Postsendungen unanbringlich. Wieviel Hunderttausende von Absendern mögen geglaubt haben, die Sendungen seien bei der Post verlorengegangen; derweil haben sie selbst der Post die Erfüllung ihrer Aufgabe unmöglich gemacht. Bei einigem guten Willen läßt sich dem Uebelstand leicht abhelfen, wenn jeder die Wohnung des Empfängers nach Straße, Hausnummer, Gebäudeteil, Stockwerk und bei Sendungen nach Städten mit mehreren Zustellpostanstalten dazu noch die Nummer der Zustellpostanstalt und außerdem den Absender angibt, damit unzustellbare Sendungen wenigstens dem Absender zurückgegeben werden. Virchow ist Ablehnung und Kühle bis in die Fingerspitzen. Doch Robert Koch läßt sich nicht aus der Fassung bringen. „Mein Bericht über die Aetiologie des Milzbrandes hat den Nachweis erbracht, daß nicht nur diese Seuche, sondern alle Infektionskrankheiten überhaupt auf bisher unbekannte Kleinlebewesen zurückzuführen sind. Darf ich mir gestatten, Herr Geheimrat, Ihnen hier die diesbezüglichen Experimente vorzuführen.....: Gerr Grsienkuftung ah „Das ist nicht notig, Herr Kreisphysitus. Ihre Theorien stehen zu den meinigen in direktem Widerspruch und sind darum unhaltbar. Wären sie richtig, so hätten die größten Forscher dieses Jahrhunderts ihr ganzes Lehrgebäude auf Sand gebaut.“ Virchow ist nun ganz Autorität und Machtbewußtsein— unerschütterlich in seinem Unglauben wie der Fels in der wogenden Brandung. Trotzdem wagt der bescheidene Landarzt noch einen Einwand: „Aber die Breslauer Pathologen haben doch selbst im Mikroskop die Bakterien gesehen, die den Milzbrand und die Wundinfektionen hervorrufen. Könnte man denn nicht...“ Mitten im Satz schneidet Virchow mit einer schroffen Handbewegung seinem Gegner den Gesprächsfaden ab. „Ich glaube, jede weitere Unterhaltung zwischen uns ist zwecklos. Ihren Bericht habe ich genau studiert. Sein Inhalt hat an meiner Anschauung nichts zu ändern vermocht.“ Robert Koch greift nach seinem Hut. „Dann bedauere ich, Ihre kostbare Zeit über Gebühr in Anspruch genommen zu haben.“ Zwei kühle Verbeugungen— dann schließt sich die Tür hinter dem Mann, der in froher Zuversicht gekommen war und mit tiefster Verbitterung im Herzen von Berlin Abschied nimmt. Robert Koch kämpft um sein Werk Der junge Gelehrte kehrt nun wieder nach Wollstein zurück, um von dort aus und später auch in Breslau, wo er vorübergehend als Gerichtsarzt wirkt, den Federkrieg mit den Leuchten der Wissenschaft weiterzuführen. Jahrelang wird er von beiden Seiten — auch der berühmte Franzose Pasteur und der Hygieniker Max von Pettenkofer greifen in den Kampf ein— mit größter Erbitterung ausgefochten. „Hie pathologische Anatomie!“—„Hie Bakteriolo= gie!“— lauten die Schlachtrufe, mit denen die Gegner und ihr Anhang die Klingen kreuzen. Selbst als Koch als Gelehrter und Wohltäter der Menschheit längst anerkannt ist, muß er sich immer wieder gegen seine Widersacher zur Wehr setzen. „An der Pasteurschen Lehre von der Milzbrandätiologie“, urteilt er einmal,„ist nur weniges neu Lauterer Wettbewerb der Geschäfte Die Wünsche des Verbrauchers werden berücksichtigt Die Fachgruppe Nahrungs= und Genußmittel der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, die Wirtschaftsgruppe Ambulantes Gewerbe und die Reichsinnungsverbände des Fleischer= und Bäckerhandwerks haben in einem Aufruf an alle Mitgliedsbetriebe zu einem lauteren Wettbewerb von Geschäft zu Geschäft verpflichtet, um alle Schwierigkeiten zu überwinden, die sich aus der Bezugscheinpflicht in der ersten Zeit ergeben können. Im einzelnen wird gefordert, daß jede Beeinflussung des Kunden zur Abgabe von Bestellscheinen und Teilabschnitten zu unterbleiben hat. Zu Unrecht abgeschnittene Bestellscheine sind dem Verbraucher unverzüglich wieder zurückzugeben. Es dürfen jeweils nur die Felder der Teilabschnitte entwertet werden, für die der Kunde die Ware empfangen hat. Ferner wird erwartet, daß der Geschäftsinhaber die Warenmenge, die dem Verbraucher auf Grund der Bestellscheine zusteht, nicht auf einmal oder in größeren Mengen aushändigt, sondern sie den bisherigen Gewohnheiten des Verbrauchers entsprechend abgibt. s Druck und Verlag: Hans Linner vorm. Carl Braus. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Rudolf Emil Eichmann, Schwerte(Ruhr). Verantwortlich für den gesamten Textteil: Rudolf Emil Eichmann, Schwerte(Ruhr). Verantwortlich für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte(Ruhr). Zur Zeit ist Preisliste 11 gültig und dieses neue beruht auf Irrtümern.“ Der französische Forscher behauptet nämlich, daß durch— Regenwürmer die Krankheitskeime aus dem Boden an die Erdoberfläche gebracht würden und auf diese Weise eine Übertragung zustande käme. Kochs eigene langwierigen und sorgfältigen Versuche führen dagegen zu dem Ergebnis, daß nur in Ausnahmefällen verscharrte Tierkadaver zur Entstehung von Bakteriensporen Veranlassung geben können, im übrigen aber eine Sporenbildung nur in oberflächlichen Bodenschichten möglich ist, da nur diese die erforderliche Wärmemenge von mindestens 15 Grad besitzen. Außerdem weist der deutsche Gelehrte nach, daß Milzbrandsporen im Darm der Regenwürmer überhaupt nicht vorkommen. Pasteur tritt daraufhin prompt mit einer neuen Theorie an die öffentlichkeit.„Verletzungen der Mundschleimhaut infolge stacheligen Viehfutters“, erklärt er jetzt,„sind die Eingangspforten, durch die die Seuchenerreger in den Tierkörper gelangen.“ Robert Koch hat für diese wissenschaftliche Offenbarung nur ein Lächeln übrig.„Warum“, widerlegt er seinen großen Gegenspieler,„konnte ich dann auch bei Tieren, die mit in Kartoffeln weich eingebettetem Sporenmaterial und völlig stachelfreiem Heu gefüttert wurden, denselben Darm=Milzbrand künstlich erzeugen, der angeblich nur durch Verletzungen der Mundschleimhaut hervorgerufen wird?“ Doch Pasteur gibt sich noch nicht geschlagen. Bei einem in Genf vor wissenschaftlichen Kapazitäten gehaltenen Vortrag richtet er den dritten großen Angriff gegen den deutschen Bakteriologen und greift dabei sämtliche Meinungsverschiedenheiten auf, die die beiden Wissenschaftler voneinander trennen. Die Abfertigung des gelehrten Franzosen durch den deutschen Forscher ist diesmal ungemein gründlich und nachhaltig.„So sehr ich Pasteurs große Verdienste um die Wissenschaft im allgemeinen und das Milzbrandstudium im besonderen anerkenne", erklärt Robert Koch,„so entschieden muß ich auch die Unterschiede in den beiderseitigen Methoden der Bakterienforschung betonen. Während mein französischer Kollege auf den Nachweis eines bestimmten Parasiten und die Orientierung über sein Vorkommen weniger Gewicht legt, hat meines Erachtens jede Infektionskrankheit ihren eigenen, ganz bestimmten Erreger, dessen Form, Größe und Lebensbedingungen genau bekannt sein müssen, bevor Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet werden können...“ * Lesen Sie morgen: Großangriff auf den Tod— Ein Vortrag begeistert die Welt— Ehrungen und Ablehnung— Der Propbet im eigenen Lande..