Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechsmal. Bezugspreis wöchentl. 4s Ne(einschl. Trägerlohn). Postbezug monatl. R.K 2.—(einschl. 28.2 R## Zeitungsgebühr und 0.44 R### Postverpackungsgebühr) zuzügl. 36### Bestellgeld. Einzelnummer 10####. Druck u. Verlag: Haus Linner, vorm. Carl Braus, Schwerte Geschäftostelle Gr. Marktstr. 3. Fermr. 2770— postscheckk.: Dortmund 2832 Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 9## Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4## Tertanzeigen: Millimeterzeile 20 B.6 Für fernmündl. aufgegeb. Anzeigen übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung, hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen der Zeitung kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden.— Fernr. 2770 Hadun hat=ei=Snruuee=Prpennen Die internationalen Konzessionen rücksichtslos abgeriegelt- Was tut England? Müssenauswanderung der Shinesen Tientsin, 14. Juni. Die Blockade der ausländischen Konzessionen von Tientsin hat Mittwoch früh um 5 Uhr ostasiatischer Zeit begonnen. Die nach den Konzessionen führenden Straßen sind derart besetzt, daß je eine dem Zugangsund dem Ausgangsverkehr dient. Die Sperre und Kontrolle werden gegenüber den Briten und Franzosen unnachsichtlich durchgeführt, während die Angehörigen einiger anderer Konzessionen größere Freiheit genießen. Tientsin, 14. Juni. Mit fieberhafter Spannung sah die Millionenstadt Tientsin in den letzten Stunden der Blockade der französischen und englischen Niederlassungen seitens der sapanischen Truppen entgegen, die geeignet erscheint, eine neue Phase im Fernostkrieg einzuleiten. Der bisherige englische Standpunkt des Gewalt=gegen=Gewalt"=Grundsatzes läßt ernste Zwischenfälle befürchten, die die Beziehungen Japan=England neuerdings verschärfen müssen, obwohl die japanischen Behörden die Uebergabe der Konzession auf„trockenem Wege“ erstreben. Seit mehreren Stunden waren alle in Konzessionen führende Straßen militärisch besetzt und durch spanische Reiter sowie durch Stacheldraht abgeriegelt, hinter denen englisches Miltär und englische Polizei Verteidigungsstellungen bezogen haben. Nur drei Straßen sind für den Ein= und Ausgangsverkehr freigegeben, deren Passieren nur mit japanischen Pässen möglich ist. Gleichzeitig wurde die schärfste Kontrolle über alle Fahrzeuge und Wagen angeordnet. Die englischen Familienangehörigen wurden bereits nach dem bekannten Meerbadeort Peiteiho abgeschoben. Sämtliche Lebensmittel stiegen im Preise um 20 v. H an. Die Massenauswanderung der in den Konzessionen zu Hunderttausenden lebenden Chinesen dauert an. Die Geschäftstätigkeit ruht, zumal die große Zufuhrader, der Peiho=Fluß, praktisch gesperrt ist Es ist anzunehmen, daß chinesische nationale Terroristen durch neue Attentate die bestehende Spannung zur Siedehitze bringen werden. Tokio zum Konflikt Die Blockade eine Selbstschutzmaßnahme Tokio, 14. Juni. Zur Blockade der britischen Niederlassung in Tientsin erklärte der Sprecher des japanischen Außenamtes, daß es sich um Entscheidungen und Maßnahmen der örtlichen Behörden in Tientsin handele, also des Besehlshabers der Truppen und des japanischen Generalkonsuls, selbstverständlich werde Tokio laufend unterrichtet. Der Sprecher bestätigte auf Anfragen, die Haltung der Armee habe zum Ausdruck gebracht, daß es sich jetzt nicht mehr allein um die Frage der Auslieferung der Terroristen in Tientsin handele, sondern um Garantien für die Zukunft. Man erwarte von den örtlichen englischen Behörden, daß sie den störenden Elementen in der Politik und Wirtschaft Nordchinas nicht Vorschub leisten. Der Sprecher erklärte ferner, daß es sich bei der Blockade nicht um die Anwendung von Gewalt handele, sondern um eine klare Selbstschutzmaßnahme. Die britische Konzession würde nicht besetzt, sondern nur der Verkehr zwischen der Konzession und dem übrigen Tientsin überwacht werden. In politischen Kreisen glaubt man vorläufig nicht, daß England„Gegenmaßnahmen“ ergreifen werde, weil hierzu kein Grund vorläge. Die britischen Behörden in Tientsin hätten anscheinend vollkommen übersehen, daß Nordchina eine militärische Operationszone sei. Infolgedessen sei es notwendig, daß sich die sogen. fremden Konzessionen aller Eingriffe in die politischen oder wirtschaftlichen Verhältnisse des besetzten Gebietes enthielten, anderenfalls, so läßt auch die Presse durchblicken, gäbe es keinen anderen Ausweg als eine grundsätzliche Revision der mit den Niederlassungen verbundenen exterritorialen Sonderbestimmungen. Paris ist besorgt Paris, 14. Juni. Das politische Interesse in Paris ist mit einemmal aus dem europäischen Feld in das ostasiatische gerückt, nachdem es sich erwiesen hat, daß die Japaner mit ihrem Ultimatum gegen die britische und französische Konzession in Tientsin Ernst machen und damit die Absperrungsmaßnahmen gegen die beiden Niederlassungen begannen. Die Pariser Presse veröffentlicht ausführliche Meldungen über diesen Komplex, besondere Berichte aus London, Tokio und Tientsin schildern alle Einzelheiten über die Spannung in Tientsin. Man teilt dabei die britische Auffassung, daß England und Frankreich von diesem Vorgehen der Japaner empfindlich getroffen werden. Die französische Konzession in Tientsin ist übrigens nach der in Schanghai die älteste französische Niederlassung in China, sie datiert vom Jahre 1861 und wird als wesentlicher Stützpunkt für die Entwicklung des französischen Handels angesehen, sie umfaßt mehr als tausend französische Staatsangehörige, die dort neben rund 60000 Chinesen leben. Washington zur Lage Blockade trifft den amerikanischen Handel schwer Washington, 14. Juni. Im Staatsdeparte= ment sieht man die Lage in Tientsin als sehr ernst an. Zivarne die Regierung dort keine abgegrenzte Niederlassung, aber eine Blockade werde, wie hier betont wird, den amerikanischen Handel schwer treffen. In Tientsin selbst wohnen 400, im Tientsiner Konsularbezirk etwa 1200 amerikanische Firmen, u. a. zwei Banken, sowie Wollspinnereien, Färbereien, Pelzfabriken und Petroleumfirmen. Das gesamte dort angelegte amerikanische Kapital soll über 12 Millionen Dollar in chinesischer Währung betragen, während sich der jährliche Umsatz auf über 200 Millionen Dollar belaufe. Im übrigen nimmt man in Washington eine abwartende Stellung ein, wartet weitere Nachrichten aus Tientsin ab, sowie Informationen darüber, was die Engländer und die Franzosen zu tun gedenken. Blockade=Problem Tokio, 14. Juni. Der japanische Ministerpräsident, der Kriegsminister und der Außenminister besprachen am Mittwoch die Lage in Tientsin und die Fragen der Internationalen Niederlassung in China. Den Berichten japanischer Zeitungen zufolge stimmt die Regierung darüber überein, daß die Blockade in Tientsin solange aufrechtzuerhalten sei, bis die Niederlassungen sich vorbehaltlos in die durch den Chinakonflikt bestimmte Lage in Nordchina einfügten. Nach den Ministerbesprechungen erstattete der Kriegsminister dem Kaiser über Tientsin Bericht. „Tokio Asahi Schimbun“ meldet hierzu, die Regierung werde zu gegebener Zeit grundsätzliche Erklärungen über das Problem der Internationalen Niederlassungen und das Recht der Exterritorialität in China abgeben. Japanisches Geblet Unter japanischer Oberhohelt 1 Vondenlspanern eeit Begiun des S# Konflikdts beseizte Gebietn ∆ ∆ Beimgnks (Honan Seuumu EMEER FRANZG MooCR9 Schanghoi-Putung ##atrne#— formese (latuees) SUDCHINESISCHES MEER Meßistab 220 400 800 Sr e 8 Weltbild=Gliese(M). der zu energischem Zu den Spannungen im Fernen Osten Ie Tientsg in Norching st, ein neuer ernster Zwischenfal eptstgubern. ssamute Bertehn; gegen die dortige,englische und franzäsisch gesamte, Verrehr, al Stadtteil Schanghais, ist es englischen. Spinngxeien ehenfalls zu ernsten Zusammenstößen gekgmmen, internationalen Nieverlassung von Amov, lienen zehn fremde Krieasschi schen„Eingrit in Perzsclgze. gersärfen ihre Truppensendungen, um die durch den kremden Terroristen niederhalten zu können. Außerhalb der Zwölfmeilenzone von Hongkong britische Handelsdampfer„Ranpura“ von einem japanischen Kriegsschiff angehalten: worauf ein neuer Protest Englands gegen diese„Blockade“ erfolgte. Japans Kampf gegen die fremde Einmischung in China rollt nunmehr das ganze System der ausländischen Konzessionen auf. Nardchina ist ein neuer ernster Zwischenfall entstanden, der ans gegen die dortige englische und französische Niederlassung geführt hat: der hr. auch auf dem Wasser, wurde stillgelegt. In Putung, einem chinesischen inghais, ist es im Anschluß an einen Streik der chinesischen Arbeiter in den nnereien ebenfalls zu ernsten Zusammenstößen gekommen. Vor Kulangsu, der n Niederlassung von Amov, liegen zehn fremde Kriegsschiffe, um den japaniin die Rechte des Internationalen, Settlements“ zu bezeitigen., Die Japaner Truppensendungen, um die durch den fremden Eingriff gestärkten chinesischen iederhalten zu können. Außerhalb der Zwölfmeilenzone von Hongkong wurde der Ausgeladene Frühstücksgäste Dr. E. Die Amerikaner uund die Europäer sind in China, um ihr Frühstück zu verdienen. Sie verkaufen dort einen Teil ihrer Fabrikate. Japans Interesse an China ist ein Interesse auf Leben und Tod. Es hat eine Bevölkerung, die es nicht aus den eigenen häuslichen Quellen unterhalten kann. Es vermehrt sich um nahezu eine Million Babies im Jahr. Das japanische Volk kann nur leben, wenn es die Rohstoffe verarbeitet, die es von draußen hereinholen muß und dann die Fertigfabrikate auch wieder auf ausländischen Märkten verkauft. Japan muß Industriestaat sein oder untergehen. In China findet es seinen nächsten und größten Markt, während ihm die Mandschurei die Rohstoffe: Kohle, Oel, Eisen und Soja liefert.. Diese Sätze hat weder ein Japaner, noch ein Amerikaner, nein, ausgerechnet ein Engländer, Mr. Hugh Byas, im Jahre 1933 in einem Aufsatz des„Contemporary Japan“ geschrieben. Ironie des Schicksals und der besseren Erkenntnis. Wiederum England ist es, das Japan bei seinem Vorgehen in China die größten Schwierigkeiten macht. Und England ist es, das nach seiner ganzen Insellage vor den Küsten Europas als Industriestaat mit der großen Seespinne Japan vor dem asiatischen Riesenkontinent die ausgeprägteste Aehnlichkeit besitzt. Man hat an der Themse im Verlauf des am 7. Juli Lesen Sie heute: Baby 2 hats geschafft Schwerter Mecker=Ecke Seite 3 Welche Ansprüche stelist Du ans Leven? Seite 4 ins dritte Jahr gehenden China=Krieges alle Register angelsächsischer Kattunpolitik gezogen. Man erinnert sich noch eines Artikels der „Times“, in dem sie die„armen Japaner" bedauerte, weil sie doch in einem so langen Feldzug ihre Mittel völlig erschöpfen würden und schließlich zu Grunde gehen müßten. Nun, Japan ist bisher trotz des ins Riesenhafte gehenden Einsatzes nicht zu Grunde gegangen und hat noch jetzt in seiner Denkschrift zum dritten Kriegsjahr den unerschütterlichen Willen bekundet, für fernere drei oder mehr Jahre die Kampagne durchzufechten. Denn das Ziel, das man sich in Tokio gesteckt hat, ist vielleicht mehr und zugleich auch weniger als man in London wahr haben will. Es geht hier tatsächlich um die völlige Neuordnung des asiatischen Kontinents. Diese Neuordnung, die mit englischem Krämergeist nichts zu tun hat— das stellt sich in den letzten Vorgängen ganz deutlich heraus— bedeutet aber auch zugleich das Ende einer Nutznießerei gewisser Völker, die ihr Vorrecht von einem uralten Vertrage aus dem Jahre 1842 herleiten, Konzessionen in Chinas wichtigsten Handelsplätzen zu unterhalten und mit einem Wort dort„den Rahm von der Milch zu schöpfen“. Unser eingangs zitierter Engländer hat es so schön mit den Worten:„Ihr Frühstück verdienen" bezeichnet. Und die Japaner sind tatsächlich drauf und dran, die ungebetenen Frühstücksgäste aus den Konzessionen wieder auszuladen. Die lange schon schwelende Glut brach zur offenen Flamme aus duech die jüngste Weigerung Englands, vier des Mordes verdächtige Chinesen auszuliefern, die in der englischen Konzession in Tientsin Unterschlupf gesucht hatten. Die üblichen Noten wurden gewechselt. Dann merkt man schon bald, wie hart in dieser Frage die Forderungen beider Seiten auseinanderstießen. Hier witterte John Bull Morgen aft: Asien den Asiaten. Die dicke Freundschaft plötzlich die Chinesen für die früher garnicht sehr geliebten Engländer an den Tag legen, ist kehr eindeutig zu erklären: der große Wafsenhieserant und stille Gegner des eigenen Feindes wird im gleichen Augenblick nicht mehr als Blutlauger empfunden, wo man sich gegenüber dem Nächtigeren an ihn klammern kann. Es ist aber zurch diese chinesische Freundschaft nun amtlich bescheinigt, daß man auf Seiten der Tschiang= kischekregierung in England den Verbündeten sieht. Japan hat die Warnung und Androhung der Blockade der ausländischen Konzessionen sofort in die Tat umgesetzt. Noch bestehen in China, dessen ganzer Küstenstreifen heute in apanischer Hand ist, elf solche internationale Niederlassungen, die im Verlause des Krieges immer wieder als Zufluchtsorte für den chinesischen Widerstand benutzt worden sind. Es scheint nun, daß die Geschäftslage für diese Handelsonzesisonen nicht sehr rosig ist und daß der Augenblick gekommen ist, in dem man den ungeeetenen Gast aus Asien heraussetzt, mag er gutwillig gehen oder nicht. Zwischenfall oder Konflikt? Das englische Kabinett zur Lage im Fernen Osten London, 14. Juni. Das Kabinett trat zu seiner üblichen Mittwochsitzung zusammen, bei der die ernste Lage in Tientsin erörtert wurde, die durch die Verhängung der Blokkade über die internationale Niederlassung seitens der Japaner entstanden ist. Das Kabinett beschäftigte sich dabei mit dem Vorschlag, eine Kommission, bestehend aus einem Engländer und einem Japaner unter neutralem Vorsitz, einzusetzen, die entscheiden soll, ob der von den Japanern geforderten Freigabe der zurzeit in der internationalen Niederlassung befindlichen Chinesen entsprochen werden soll. Für England ist die Lage im Fernen Osten durch die Verhaftung englischer Offiziere und die Tötung eines englischen Staatsangehörigen bei Schanghai noch schwieriger geworden. Nach einem Bericht des„Daily Telegraph“ aus Schanghai soll die japanische Regierung die Absicht haben, jetzt die Kontrolle nicht nur über Tientsin, sondern über sämtliche ausländischen Konzessionsgebiete in China in die Hand zu nehmen, um eine endgültige Regelung der Konzessionsfrage durchzusetzen Samlliche Londoner Blätter geben ferner die Erklärung eines Sprechers der japanischen Regierung wieder, die außerordentlich ernst klingt. Die Geduld Japans, heißt es darin, ist am Ende, Japan legt auf Verhandlungen mit Großbritannien keinen Wert mehr. Die japanische Armee wird das Kriegsbeil nicht eher begraben, als bis nicht Großbritannien eine völlige Schwenkung seiner bisherigen fernöstlichen Politik vorgenommen hat, mit Japan am Aufbau einer neuen Ordnung im Fernen Osten zusammenarbeitet und die bisherige Politik der Unterstützung Tschiangkaischeks aufgibt. In spaltenlangen Berichten der Londoner Presse aus dem Fernen Osten wird überall hervorgehoben, daß die Japaner bei der Vorbereitung der Blockade auffallenderweise die Straßen zu den amerikanischen Besitzungen frei gelassen hätten. Es besteht hier der Eindruck, daß die japanische Regierung nach Möglichkeit die japanisch=amerikanischen Beziehungen gegenwärtig nicht belasten will. Die amtlichen Londoner Stellen behandeln den Zwischenfall von Tientsin zunächst mit großer Zurückhaltung. Die Berichte der Londoner Presse aus Tientsin klingen gedrückt. teils sogar hoffnungslos. Dennoch hofft man in den hiesigen maßgebenden Stellen noch immer, den Konflikt lokalisieren zu können. Daß mit diesem Zwischenfall unvermeidlich das gesamte Problem der fernöstlichen Konzessionsgebiete und damit die jahrzehntelang privilegierte Stellung Großbritanniens und Frankreichs im Fernen Osten aufgerollt wird, will man hier noch immer nicht einsehen. Man glaubt, daß Japan schließlich doch nachgeben und vor durchgreifenden Maßnahmen zurückschrecken wird und daß alles beim alten bleibt. Ebenso wie in Europa suchen die beiden westlichen Demokratien auch im Fernen Osten sich einer Entwicklung entgegenzustellen, deren geschichtlich zwangsläufig gegebener Verlauf nicht mehr aufzuhalten ist. Japan kämpft heute wie Deutschland um seinen Lebensraum, den ihm Großbritannien und Frankreich streitig zu machen suchen. auf britische Insel Paris, 14. Juni. Neben den großen politischen Sorgen, die man sich am Quaid'Orsay und im Foreign Office macht, beschäftigt ein kleiner Zwischenfall, der sich wegen einer im Kanal gelegenen ziemlich unbekannten britischen Insel ereignete, die Diplomatie. Vor St. Malo liegt die Insel Minquiers, die britisches Eigentum ist. Ein französischer Mäler, der sich offenbar an einstige wechselseitige Eroberungszüge über den Aermelkanal erinnerte, setzte sich kürzlich an die Spitze von 50 bretonischen Matrosen und nahm von der Insel Besitz. Die englische Flagge wurde eingezogen und das Bild des Präsidenten der Republik aufgestellt. Dann baute man eine kleine Hütte als Unterkunft für die Fischer. Ein englischer Beamter bemerkte die Veränderung auf der Insel und erstattete Anzeige. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Man glaubt, daß der Zwischenfall— im Zeitalter der „traditionellen französisch=britischen Freundschaft“— eine befriedigende Lösung finden wird. Auf der Großgkockner=Hochalpenstraße ist bis aus 1000 Meter herab starker Schneefall eingetreten, die Schneeräummaschinen mußten in Tätigkeit treten, und der Verkehr über die Scheitelstrecke ist vorläufig gesperrt. Der Außenausschuß des Abgeordnetenhauses hieß die Neutralitätsvorlage der USA=Regierung gut, die in erster Linie die Aufhebung des Verbotes der Waffenausfuhr an Kriegfühunde vorsiebt Schlaßurnger Eatenseit zug Jehen=Seutschiane „Einmarsch in Polen und die Glowakei“- Gemeinsame britisch=franz. Aktion London, 14. Juni. In der Londoner Presse tauchen plötzlich die verschiedensten Meldungen über deutsche Truppenbewegungen oder Schützengräbenbauten an der polnischen Grenze, vor allem in der Slowakei auf. Die erstaunlichste Meldung veröffentlicht in großer Aufmachung der diplomatische Korrespondent des„Daily Herald", der unter den Riesenüberschriften„Hitler ist für seinen nächsten großen Schlag vorbereitet— nämlich die baldige Besetzung der Slowakei“ meldet, er glaube, daß Hitlers Coup nahe bevorstehe. In den nächsten Tagen würden deutsche Truppen die Slowakei besetzen und aus ihr ein Protektorat machen. Deutsche Truppen seien bereits in den verschiedensten Teilen des Landes. Das Blatt berichtet von dramatischen ungarisch=deutschen Verhandlungen, die negativ verlaufen seien. Der diplomatische Korrespondent der„Times“ schreibt ebenfalls, verschiedene Regierungen hegten Befürchtungen wegen des Standes der Dinge in der Slowakei. Deutschland schicke verstärkt Truppen in die slowakischen Nordgrenzgebiete. Man spreche von einer Teilung der Slowakei zwischen Deutschland und Ungarn. Schlechten Gewissens fügt das Blatt hinzu: Diese Gerüchte könnten aber nicht bestätigt werden. darf nicht fehlen Paris, 14. Juni. Mit dem berüchtigten Deutschenhasser Henry de Kerillis an der Spitze unternehmen verschiedene Pariser Zeitungen aus allen Lagern schlagartig einen neuen Verleumdungs= und Hetzfeldzug gegen Deutschland und nehmen hierzu das gespannte deutsch=polnische Verhältnis zum Anlaß. Epoque schreibt, daß ein Zusammenstoß Deutschland— Polen vom Reich vorbereitet sei.„Gewissen merkwürdigen und übereinstimmenden Informationen zufolge, die aus verschiedenen Sphären, wo oft ein getreues Echo seiner Absichten durchdringe, gekommen sind“, solle Adolf Hitler den Plan gefaßt haben, seine Aktion gegen Polen mit einer sensationellen Kundgebung zu begleiten. Jour berichtet ähnliches und bemerkt: Die Haltung Polens dagegen sei bewundernswert. Man müsse vor diesem Lande den Hut ziehen, das bei dieser Prüfung so würdig und selbstsicher sei. Es sei offensichtlich, daß Deutschland versuche, den mit der Sudetenangelegenheit begonnenen Schlag zu wiederholen. Ordre behauptet, die Warschauer Kreise seien der Ansicht, daß die Stunde einer brutalen deutsch=italienischen Offensive sich nähere. Aus diesem Grunde wünschten sie mehr denn je den raschen Abschluß des Dreierabkommens. Die Polen seien überzeugt, daß Moskau bei weitem nicht so gefährlich sei, wie die„Hitler=Gefahr". Der Jour und der Figaro veröffentlichen Meldungen aus London, denen zufolge starke deutsche Truppenbewegungen in der Slowakei und in Schlesien in Richtung auf die polnische Grenze hin gemeldet werden. Die unglaublichsten Lügen, die von London aus verbreitet werden, kennzeichnen kraß und grotesk jene britische„Fairneß“, von der uns kürzlich erst maßgebliche Londoner Regierungsmänner überzeugen wollten. Zum soundsovielten Male gießt ein gewisser Agitationsausschuß eine Pandorabüchse gemeinster und gefährlichster Deutschenhetze über die Welt aus, und prompt greift man überall danach. Die Regie klappt jedoch zu gut, zudem nennt man in Paris und Amsterdam unvorsichtigerweise die englische Quelle— so wissen wir denn Bescheid! Diese Lügen, die haargenau berühmten Enten vergangener Zeit gleichen, sind so albern, daß zudem ein Teil der Blätter, darunter die zu Unrecht oft als seriös angesprochene Times, unter augenscheinlichen Beklemmungen vielverratende Einschränkungen macht. Aber der eine Zweck wird zunächst erreicht: gewisse Kirchturmpolitiker, von denen es in Europa wimmelt, ins Bockshorn zu jagen. Ob der augenscheinliche Hauptzweck, nämlich Druck auf das zaudernde Moskau, erreicht wird, ist bei der Erfahrung und Pfiffigkeit des Kremls zweifelhaft, es sei denn, daß er nun in den Besitz einer Entschuldigung gesetzt ist denen gegenüber, die ein Bündnis mit dem Kapitalismus als Verrat ansehen. Lügen, das steht nun fest, schaden immer noch dem Lügner selbst am meisten. Das Ansehen jener Politik, welche sich solch beschämender Mittel bedient, um aus einer Sackgasse herauszukommen, dürfte um so tiefer sinken, als bereits die halbe Welt mit dem Finger auf die jämmerlichen englischen Rückfälle in die Panikmacherei und Psychose der ersten Einkreisung und der darauf gefolgten Katastrophe zeigt. Und eine solche Politik möchte Europa und uns von ihrer Lauterkeit und Verständigungsbereitschaft überzeugen! Oft genug haben wir London zu Taten eingeladen. Zu solchen positiven Beweisen anständigen und verantwortungsbewußten Europäertums gehört vor allem auch die vom Führer und der deutschen Presse oft genug nachdrücklich erhobene Forderung nach Abstellung der Presselüge. Man hat uns in London zu oft ein Beispiel boshafter Regie gegeben, um nun noch länger die Unmöglichkeit positiver Führung einer mehr und mehr entartenden Zeitungswelt ableugnen zu können. Nrung ksi in Widerau Eingeiressen Moskau, 14. Juni. Mittwochmorgen tra der Direktor im Foreign Office, Strang, in Moskau ein. Er wurde am Bahnhof von einigen Beamten der englischen Botschaft empjangen; von Sowjetseite hatten sich zwei Vertreter des Außenkommissariats eingefunden. Wie verlautet, sind heute noch keine Besprehungen vorgesehen. Die Moskauer Presse nimmt nach wie vor von der Reise Strangs keinerlei Notiz. In hiesigen politischen Kreisen wird allerdings der Prawda=Artikel, der noch einmal den mtransigenten Standpunkt Moskaus bezüglich der baltischen„Garantien“ vorbrachte, als eine Art Prolog für die Strang bevorstebenden dornenvollen Verhandlungen aufgefaßt. Es herrscht dabei der Eindruck vor, daß die Sowjetregierung sich wohl kaum auf ein Kompromiß in den noch umstrittenen Punkten der Paktvorschläge einlassen, sondern an ihren Bedingungen festhalten wird. Warschauer Hoffnungen Warschau, 14. Juni. Durch die Reise des Beauftragten des Foreign Office nach Moskau ist die Frage der englisch=sowjetischen Verhandlungen wieder in den Vordergrund des Interesses der polnischen Oeffentlichkeit gerückt. „Expreß Poranny“ meint, der Beauftragte des Foreign Office, Strang, bringe in seinem diplomatischen Gepäck das Einverständnis Chamberlains zur automatischen Wirksamkeit des Bündnisses für den Fall nach Moskau daß einer der drei Partner, also entweder England, Frankreich oder die Sowjetunion angegriffen worden sind, oder sie sich durch den Angriff auf einen ihrer Nachbarn, bedroht fühlen. Das Warschauer Blatt gibt der Hoffnungen Ausdruck, daß diesmal die diplomatische Aktion Londons von Erfolg gekrönt wird. „Kurjer Warszawski“ will wissen, vaß Strang mit sehr weitgehenden Vollmachten ausgestattet ist, die es ihm möglich machen, im Auftrage Englands und auch Frankreichs in Moskau die Verhandlungen zu führen. Aber, so meint das Warschauer Blatt resigniert, niemand wisse mehr, der wievielte Vorschlag Englands Moskau vorgeleg wird, aber vielleicht werde dieser Vorschlag wirklich der letzte sein. Aus den Stimmen, die aus den Hauptstädten Westeuropas vernehmbar seien. könne man den Schluß ziehen, daß die Besprechungen überhaupt abgebrochen werden, wenn diese Vorschläge in Moskau eine negative Aufnahme finden oder ausweichend beantwortet werden. In Paris und London beginne man ungeduldig zu werden. Man könne immer schwieriger verstehen, was die Sowjets eigentlich wollen. Die größten Vorbehalte wecke das Verhältnis der Sowjets zu den Baltischen Staaten. Im Augenblick gebe es keine Konzession, die diele Schwierigkeiten wirklich lösen könnte. Aus der letzten Pyase der sowjetisch=englischen Verhandlungen könne man den Schluß ziehen, daß die Sowjets sich die Ausschließlichkeit der Entscheidung über die Bedrohung der Baltischen Staaten, denen sie ihre Hilfe anbieten wollen, vorbehalten. Mit einer solchen Lösung könnten sich aber weder die interessierten Baltischen Staaten noch die Großmächte einverstanden erklären. Anregungen erörtern „Daily Expreß“ kündigt Erklärung der Entente über eine deutsche Stadt an London, 14. Juni.„Daily Expreß“ meldet aus Warschau, Strang habe während seines Aufenthaltes in Warschau mit dem dortigen britischen Botschafter ausschließlich über Danzig gesprochen, und man berichte jetzt, daß England, Frankreich und Polen in Kürze eine gemeinsame Erklärung über den Status der Freien Stadt abgeben würden. Man hält es für möglich, daß die drei Mächte sich bereit erklärten, jegliche Anregung für einen Wechsel im Status Danzigs zu erörtern mit Ausnahme der Einverleibung Danzigs ins Reich. Vernon Bartlett schreibt in der„News Chroniele" unter Bezugnahme auf beunruhigende Gerüchte und Hetzartikel führender englischer Blätter, in gut unterrichteten Londoner Kreisen habe man anscheinend jedoch den Eindruck, daß keine sensationellen Ereignisse zu erwarten seien. Deutscher Osten— deutsche Kultur Danzig, 14. Juni. Auf einer Kundgebung für Schrifttum, Presse und Wissenschaft sprach am Mittwochnachmittag im Altstädter Rathaus in Danzig im Rahmen der Gaukulturwoche der Leiter der Abteilung Schrifttum im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Ministerialdirigent Berndt, über das Thema„Der deutsche Osten und die deutsche Kultur“. Wir Deutsche der alten preußisch=deutschen Ostmark sind stolz auf die Kultur unserer Heimat, und wir können ohne Ueberheblichkeit feststellen, daß unsere Ostgaue sich sowohl hinsichtlich ihrer kulturellen Gestalt als auch ganz besonders im Hinblick auf ihren Beitrag zur Kultur des ganzen deutschen Volkes und Raumes mit jedem Gau des Reiches mit Stolz und ohne Minderwertigkeitsgefühle messen können. Ja, es hat Zeiten gegeben, in denen Deutschlands Kulturleben gerade aus diesen Ostgauen die Gestalten. Ideen und Kräfte empfing, die preußisch=deutsche Ostmark zum Kulturbollwerk der ganzen deutschen Nation wurde. Wir haben es dabei nicht nötig. Anleihen bei anderen zu machen, wie etwa bestimmte polnische Kreise heute bei uns, die, nachdem sie den Nürnberger Meister Veit Stoß und den aus der deutschen Ordensstadt Thorn gebürtigen Kovernikus vergeblich für sich zu reklamieren versuchten, nunmehr beginnen, jeden für sich in Anspruch zu nehmen, der niemals auf dem Boden geboren wurde oder wirkte, den sie als„historischen“ betrachteten und der täglich wächst, bis er ganz Europa umfaßt. Sollten wir von„historischen" Gebieten sprechen, so könnten wir daran erinnern, daß hier die Urheimat zahlreicher edler germanischer Stämme war und zahlreiche Funde und Ausgrabungen beweisen, daß Goten. Vandalen, Burgunder und andere diesen Boden besiedelten, längst, ehe die Slawen hereinfluteten, bis dann wieder vor 700 Jahren Deutsche das Land in Besitz nahmen und es zu einem blühenden Kulturlande entwickelten. Solange noch Steine reden, wird niemand die deutsche Kulturleistung im Osten diesseits und jenseits der Grenzen hinwegdeuteln und hinwegdisputieren können, es sei denn, man würde die stolzen Städte und die meisten kulturellen Leistungen und zivilisatorischen Errungenschaften jenseits der Grenzen abdrängen und vernichten. Warnung an Polen Es wäre klug, Deutschland nicht heraus. zufordern Mailand, 14. Juni. Die italienischen Blätter beginnen, sich wieder eingehender mit der gefährlichen Haltung Polens gegenüber der deutschen Volksgruppe und vor allem auch gegenüber Danzig zu beschäftigen. So schreibt das„Regime Faseista“, die Warschauer Politik sei die Folge der von London und Paris inspirierten Richtlinien. Es scheine, daß Polen von den Ereignissen der letzten Zeit in Europa nicht viel gelernt hat. Alle jene, die sich auf die französisch=englische Solidarität verließen, hätten ein bitteres Ende genommen: Der Negus, Dr. Benesch und Negrin könnten darüber Aufschlüsse geben Die Annahme, daß in England und Frankreich Leute bereit seien, sich für den polnischen Standpunkt in der Danziger Frage hinschlachten zu lassen, sei höchst unsinnig. Das hätten selbst Pariser Zeitungen erklart, die nicht faschistenfreundlich seien. Es wäre daher klug, Deutschland nicht herauszufordern Aber man müsse an vernünftigen Entschlüssen in Warschau zweifeln, weil Polen schon dem jüdischen Spiel ausgeliefert sei. Gafenen in Aukara Ankara, 14. Juni. Außenminister Gafenen gab Pressevertretern Erklärungen über seine Verhandlungen in Ankara ab, wobei er den Abschluß eines Abkommens mitteilte. Am Donnerstag werde er ein Zusammentreffen mit dem türkischen Staatspräsidenten haben. Die Verhandlungen hätten sich zunächst au die türkisch=rumänischen Beziehungen erstreckt, was gestatte, die gemeinsamen Interessen und Gefühle festzustellen. Als diesjähriger Vorsitzender der Balkanentente liege ihm daran, über die Einigkeit, die politische Unabhängigkeit und den Frieden in deren Ländern zu wachen. Es sei dies das Bestreben aller Vertreter dieser Länder. Er habe darin die völlige Uebereinstimmung des türkischen Außenministers feststellen können. Die Balkanentente umfasse nicht alle Balkanstaaten, schließe jedoch niemanden aus und sei gegen niemanden gerichtet. Die Politik der offenen Tür werde ohne jedes Zaudern, aber auch ohne Schwäche befolgt. * Der Besuch des rumänischen Außenministers Gafeneu in der türkischen Hauptstadt wird in Bukarest vor allem als Gelegenheit zur Vertiefung der rumänisch=türkischen Freundschaftsbeziehungen bezeichnet. In Erörterungen über die in Ankara gewechselten Trinksprüche glaubt man, daß erneut völliges Einverständnis über die lebenswichtigen Interessen beider Staaten zustande gekommen bezw. das vorhandene vertieft worden sei. Gerade diese Tatsache sei besonders wichtig, da die Türkei die Einfahrt in das Schwarze Meer mittelmeerseits und Rumänien landseits durch sein Interesse am Donaustrom beherrsche. Dazu seien beide Länder gleicherweise Schwarz=Meer=Staaten. Gafeneu habe dies durch seine Antwort auf die Tischrede des türkischen Außenministers Saracoglu zum Ausdruck gebracht, indem er sagte, daß die Türkei Wache halte über die Sicherheit der Meerengen und Rumänien über die Sicherheit im Donaubecken. Besondere Beachtung findet in Bukarest die Aeußerung des türkischen Außenministers über die Balkan=Entente als Sammelpunkt der Balkan=Staaten. Sie sei ein im Frieden erdachtes Friedensinstrument. Inmitten der in der Welt herrschenden Unsicherheit sei die Balkan=Entente um das gleiche Ideal vereint, das sie vor fünf Jahren zusammengeschlossen habe. Man bleibe auch in Zukunft der gleichen heiligen Sache ergeben. Politische Kreise sehen hierin eine beabsichtigte Betonung des Balkan=Status=quo. Türkei im Sandschak endgültig türkisch— Pariser Schacher um„Beistand“ Ankara, 14. Juni. Ministerpräsident Refil Saydam gab in einer Sitzung der Parlamentsgruppe der Republikanischen Volkspartei bekannt, daß in den französisch=türkischen Verhandlungen über die Abtretung des Sandschaks Alexandrette eine Einigung erzielt worden sei und der Sandschak der Türkei endgültig abgetreten werde. Wie Havas meldet, habe der Text des Abkommens, abgesehen von noch nicht geklärten kleineren Fragen bereits Form erhalten. Das Abkommen werde aus zwei Teilen bestehen, der erste betreffe nur den Sandschak, er soll in Ankara vom türkischen Außenminister und dem französischen Botschafter unterzeichnet werden, der zweite Teil enthalte eine gemeinsame Beistandserklärung für das östliche Mittelmeer und werde in Paris von Außenminister Bonnet und dem türktschen Botschafter in Paris unterzeichne werden. Donnerstag, den 15. Juni 1939 Schwerter Zeitung Aus Nr. 137(Zweites Blatt) DONNERSTAG JUNT Zum Geleit: Bring' schon dem Knaben das„Kämpfen bei, damit er einmal ein Sieger sei. Otto Promber. Gedenktage: 1905 Kolonialvionier v. Wißmann gest. Wetter: Kühl und unbeständig. Nordströmung, die uns zu Beginn der Woche einen empfindlichen Temperaturrückgang brachte, ist jetzt zur Ruhe gekommen. Im Bezirk eines Zwischenhochs, das sich unter dem Einfluß der Kaltluft über Mitteleuropa aufbauen bauen konte, kam es zu einer vorübergehenden Wetterberuhigung. Von Westen her dringt jedoch feuchtwarme Meeresluft vor, so daß erneut mit Eintrübung und leichten Niederschlägen gerechnet werden muß. Aussichten für Donnerstag: Bei mäßigen südwestlichen Winden Eintrübung und später auch Regenfälle. Die Temperaturen steigen leicht an. Aussichten für Freitag: Frische westliche Winde, wechselnd bewölkt und einzelne Regenschauer. Temperaturen für die Jahrszeit zu tief. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Unbeständig und zu kühl. Tageschronit Zerstörer am Werk. In der vergangenen Nacht ist in der Mährstraße anscheinend von rauflustigen Burschen ein Verkehrsschild abgerissen und verschleppt worden. Personen, die über den oder die Täter Auskunft geben können, werden gebeten, dieses der Polizeibehörde, Neues Rathaus, Zimmer 6, zu melden. Mitteilungen werden vertraulich behandelt. Deutsches Rotes Kreuz, Schwerte. Die frühere Synagoge in der Großen Marktstraße ist durch Kauf in den Besitz des Roten Kreuzes übergegangen und wird demnächst zu einem Rottreuzheim umgebaut. : Rückkehr von Norderney. Die aus dem Landkreise Iserlohn im Kindergenesungsheim auf Norderney weilenden Kinder haben ihren Erholungsaufenthalt bald beendet. Ihre Rückkehr ist auf den 23. Juni festgesetzt. Mit dem Zuge 16,39 Uhr an Schwerte werden die Eltern sie hier erwarten. Die Schwerter Bäcker= und KonditorenInnung fuhr am Mittwoch mit zwei Omnibussen zur Gruga in Essen. Schwerter Eine nicht unwesentliche Rolle im Leben spielt der Papierkorb, in den man hineintut, was störend ist. Zufrieden mit diesem Ereignis menschlicher Erfindungsgabe pflegt man in solchen Fällen zu sagen: Erledigt— Papierkorb! Womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß Papierkörbe unfehlbar sind. Sie sind es nicht und beweisen dies in den Anlagen des Schwerter alten Friedhofes, wo sie es überhaupt nicht für nötig hielten, zu erscheinen. Diesen Irrtum aber sollten die Papierkörbe baldmöglichst wiedergutmachen. Sie werden dort bessere Jagdgründe finden, als sie vielleicht annahmen. Die städtischen Reinigungskommandos wissen hiervon ein lied zu singen. Die Bimmel ist eine Erfindung des Satans. Sie stört uns am Telefon, wir hassen sie beim Mittagsschläschen, wir können sie beim Wecker nur mit verhaltener Wut ansehen. Auch Fahrräder haben laut polizeilicher Vorschrift eine Bimmel, die allerdings in der Polizeivorschrift „Schelle“ genannt wird. Wenn man als harmloser Spaziergänger nun naturgenießend über Wald= und Wiesenpfade einherlustwandelt, dann fährt das Trrriting der Fahrradbimmel einem wie Dolchstoß in den Rücken. Dies aber umso mehr, wenn kurz zuvor noch ein Schild„Radfahren verboten“ am Wegesrande unsere Wachsamkeit einschläferte. So geht es auf dem Mühlenweg zur Badeanstalt. Rasend gewordene Bimmelvirtuosen rempeln dort trotz Verbots immer wieder Badegäste und Kinder an. Ein Vorschlag: Beschlagnahme aller Bimmeln auf dem Mühlenweg, worauf das Auge des Gesetzes die solcherart bimmellos Gewordenen bestimmt um die vorgeschriebene Mark erleichtert. Antwort auf die Mecker=Ecke Grundsätzliche Bemerkung: Meckern ist eine schöne Sache, wenn eine Anregung dahinter steckt, die viele Menschen brauchen, wie das Rad, das in Bewegung kommen soll, den Anstoß. So soll denn auch die Meckerecke nicht nur das Wort haben, sondern auch die Antwort angebracht sein. Laßt Blumen sprechen! Wer durch die Straden der Stadt geht, der sieht, daß die Werbungen Budh'8 hals geschäfft in Verlinghausen Die Schwerter Segeiflieger holen große Preise 369 km und 2000 im Starlüberhöhung Vom 1. bis 11. Juni fand, wie auch im Vorjahre, in Oerlinghausen am Teutoburger Wald der Ausscheidungskampf der besten Segelflieger von Westfalen statt. Wir können nun unsern Lesern den Bildbericht eines Schwerter Fliegers bringen, der von den hervorragenden Leistungen unserer Mannschaft stolzes Zeugnis ablegt. Nachdem Gruppenführer Sieler nach einer kernigen Ansprache den Wettbewerb freigegeben hatte, wurden alle Segelflugzeuge, 29 an der Zahl, von den 60 Piloten und den Startmanndie Segelgeschicklichkeitsflüge des RSFK.=Ober= sturmführers Fulda ein ausgezeichneter Fallschirmabsprung des NSFK.=Truppführers Kordival, aus einem Doppelsitzer=Segelflugzeug, der Dreierschlepp von Segelflugzeugen und die Geschicklichkeitsflüge einer Motorflugkette großen Beifall fanden. Helle Begeisterung wurde aber ausgelöst, als zum Schluß der durch seine Kunstflüge in Schwerte wohlbekannte NSFK.=Ober= sturmbannführer Förster mit seinem„Stieglitz" erschien, und sein ausgesuchtes, vollendetes Kunstflugprogramm vorführte. Dann erfolgte Oben: Bau des erfolgreichen Segelflugzeuges„Baby lI“.— Unten: Das Flugzeug im Rohbau. schaften zum Startplatz gebracht und nun begann der Kampf gegen Wind und Wetter, um unter Beweis zu stellen, welche Fortschritte die Segelflieger nach der harten Arbeit des Jahres aufzuweisen hatten. Tag für Tag wurden die Segelmaschinen von Motorflugzeugen 400 bis 500 Meter hochgeschleppt, dann ausgeklinkt und nun war der Segelpilot auf eigenes Können angewiesen, durch Aufsuchen von ThermikAufwind große Höhe zu gewinnen und so den Streckenflug zu wagen... Wettbewerth Die Gesamtleistungen in diesem Wenlbewerb waren durchweg doppelt so hoch wie im Vorjahre, ein Beweis für die eifrige Arbeit im RSFK. Es wurden insgesamt 526 Starts ausgeführt und zusammen 10 655 km Entfernung erreicht. Die größte Strecke erzielte Pilot Bock, Borkenberge, mit 296 km bis Würzburg und die größte Zielstrecke mit 204 km nach Hamburg: Franke, Herford. Der Höhepunkt der Veranstaltung war am Sonntag, dem 11. Juni. Vormittags waren noch Tagespreise für die Umkreisung des Hermannsdenkmals mit Rückkehr zur Startstelle ausgesetzt, die auch von vier Fliegern gewonnen wurden. Nachmittags wurden die vielen Zuschauer durch ein ausgesuchtes Flugprogramm erfreut, wovon besonders die Preisverteilung und die Schlußansprache des NSFK.=Gruppenführers Sieler. Nach Begrüßung zahlreicher Vertreter von Partei. Staat Abrader wälcht Hände Mnmsoittenn Selbst Farbe, Harz u. Teer,) Obst-und Gemüseflecken, Nikotinspuren bei starken Rauchern verschwinden mit ABRADOR im Nu. und Wehrmacht, sowie der vielen Gäste hob er in begeisterten Worten die Bedeutung der Veranstaltung hervor und ermahnte die Teilnehmer des Wettbewerbs, weiter zu arbeiten an den großen, dem RSFK. gestellten Aufgaben (Fortsetzung siehe Seite 4!) des Heimatvereins und der Stadt, die seit Jahren betrieben werden, schon besten Erfolg gehabt haben. Hunderte kleine Bücher„Blumen vors Fenster“, die Anleitung in Wort und Bild zur Schaffung von Blumenkästen, Auswahl der Blumen und Pflege derselben, sind unentgeltlich verteilt worden und können noch kostenlos im Ruhrtalmuseum abgeholt werden. Ein gewisser Sinn für Schönheit und auch guter Wille ist bei mehreren Hausbesitzern, die in den letzten Jahren Mauern errichteten, zum verputzen derselben vorhanden gewesen. Höhere Gewalt, der Vierjahresplan, Westbefestigung waren wichtiger: daher unschöne, unverputzte, neue Mauern im Stadtbild. Badeanstalt. Auch hier liegt es nicht an fehlendem guten Willen der maßgeblichen Stellen, sondern an der Tücke des Objektes und den vorhandenen Mitteln. Jeder Bewohner unserer Stadt, auch wenn er selbst kein Wasserfreund ist, wird sich schon aus Gründen der Jugendertüchtigung und der Volksgesundung, riesig freuen, wenn endlich eine Frei=Badeanstalt geschaffen werden könnte, die auch den auswärtigen Wasserfreund herbeilocken würde. Unsere Alleebäume sind oft bemeckert worden. In der Schlageterstraße sind im Frühjahr die Platanen gründlich geschnitten worden, was die älteren Anwohner der Straße begrüßen. Gemeckert wird meist von solchen Zeitgenossen, die nicht wissen, daß so eine Radikalkur von Zeit zu Zeit erforderlich ist. Hand auf Herz, wer hat im vergangenen Jahr nicht alle geschimpft, als die Linden der Bahnhofstraße in Fasson gesetzt wurden? Und was für Namen erhielt die Straße: Kahlbaumallee, Kakteenstraße usw. Schon heute, im zweiten Jahr, freut sich jeder, daß die seit Jahren verkommenen Bäume nunmehr durch den Eingriff der Stadt zu einer schönen Allee werden, die ein vorteilhaftes Bild der Bahnhofstraße vermitteln. Man sall keinen jungen Hund versäupen, man weit nit, wat drut wären kann. Aus der Bewegung RSDAP. Ortsgruppe Schwerte(Ruhr)=Nord. Am Freitag, dem 16. Juni 1939, abends 8 Uhr, findet im Westf. Hof ein Dienstappell sämtlicher Politischen Leiter und Walter und Warte der Gliederungen ete. statt. Teilnahme ist Pflicht. Entschuldigungen sind vorher schriftlich einzuretchen. Verhinderte Zellenleiter haben einen geeigneten Vertreter zu stellen. DAF.: Der nächste Schulungsabend aller Amtswalter der Deutschen Arbeitfront findet heute, Donnerstag, den 15. Juni, 20 Uhr, in der Aula der Oberschule für Jungen statt. Es spricht Pg. Aßmann, Iserlohn. RSDAP. Ortsgruppe Schwerte=Ost. Am Sonnabend, den 17. d. M. ist wieder bei Feldmann die Gaufilmstelle mit dem Film Heiratsschwindler“ nach dem Roman „Die rote Mütze“. Ein spannender Film, der die Pflichttreue eines Eisenbahnbeamten zeigt. Der Film wurde mit dem Prädikat„künstlerisch wertvoll“ ausgezeichnet. Karten bei den Blockund Zellenleitern und beim Pg. Feldmann. Amt Westhosen Alterstafel. Westhofen. Gestern vollendete der Rentner Karl Schulte, wohnhaft Hindenburgstraße, sein 73. Lebensjahr.— Gleichfalls 73 Jahre alt wurde vor einigen Tagen der Fabrikant Friedrich Fritzenkötter, wohnhaft Niederstraße. Nachträglich auch unsere herzlichen Geburtstagsglückwünsche. Politische Leiter betreiben Sport. Westhofen. Um Körper und Geist gesund zu erhalten, werden die Politischen Leiter der RSDAP. künftig regelmäßig Sport betreiben. Der erste Sportappell für die hiesige Ortsgruppe (umfassend Westhofen, Garenfeld und Wandhofen) findet am 15. Juni um 19.30 Uhr auf dem Sportplatz der Turngemeinde Westhofen an der Bruchstraße statt. Neuzeitliche Sportgeräte sind bereits beschafft worden. Verlegung eines Kolonialabends. Westhofen. Der für Freitag, den 16. Juni, in Saale Fritzenkötter geplante Kolonialabend muß aus technischen Gründen auf einen späteren Tag, der noch bekanntgegeben wird, verlegt werden. Eierpreise waren zu hoch. Westhofen. Von der Preisbehörde wurde ein Landwirt aus dem hiesigen Bezirk mit einer Geldstrafe bestraft und für die Zukunft streng verwarnt, weil er in mehreren Fällen ungekennzeichnete Hühnereier zum Preise von 11 Pfg. je Stück verkauft hatte, obwohl schon der Höchstpreis für ungekennzeichnete Hühnereier seit dem 1. April d. J. auf 9 Pfg. je Stück festgesetzt ist. Angeblich aus Unkenntnis sollen noch mehrere Hühnerhalter gegen diese Preisfestsetzung verstoßen haben. Auszeichnung für treue Dienste. Westhofen. Das vom Führer und Reichskanzlere verliehene Treudienst=Ehrenzeichen in Silber wurde dem Amtsinzvektor Ewald Ortmann und dem Amtsinspektor Walter Bäcker bei der hiesigen Amtsverwaltung überreicht. Beide Beamte sind schon seit vor dem Kriege im Amte Westhofen tätig. Heute findet eine Ruhr=Schau statt. Westhofen. Von der Flußschaukommission des Landkreises Iserlohn wird heute, Donnerstag, die Ruhr auf der Strecke von der Langscheder Brücke bis zur Westhofener Brücke besichtigt. Es soll hierbei festgestellt werden, ob Mängel am Flußbett, wie Uferunterspülungen, Kiesanlandungen, Auskolkungen oder sonstige Mängel, die die Vorflut hemmen, vorhanden sind. An der Besichtigung können die Uferanlieger teilnehmen. Sie beginnt im Bezirk des Amtes Westhofen am Wellenbad Geisecke. Mütterberatung. Westhofen. Am Freitag, den 16. Juni, um 15 Uhr wird vom Kreisgesundheitsamt Iserlohn in Westhofen im Amtshause, Zimmer Nr. 15, eine Beratungsstunde für Mütter mit ihren Säuglingen abgehalten. Die Beratung, die unter ärztlicher Leitung erfolgt, ist kostenfrei. Unfall. Lichtendorf. Bei Nietarbeiten in der Fabrik wurde der Hilfsarbeiter H. W. durch einen unglücklichen Umstand mit einem Niethammer im Gesicht getroffen und am Mund verletzt. Es mußte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Der Führer an die Alte Garde Dr. Ley meldéte den Beginn der Fahrt. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley richtete von Bielefeld, dem Ausgangspunkt der diesjährigen Fahrt der Alten Garde, folgendes Telegramm an den Führer: „Mein Führer! Ich melde Ihnen den Beginn der diesjährigen Fahrt der Alten Garde. 700 alte Kämpfer aus allen Gauen Großdeutschlands danken Ihnen, mein Führer, an dieser wundervollen Westfalenfahrt teilnehmen zu können und grüßen Sie, mein Führer, in Liebe und Verehrung.“ 1.24 M.(. 8. Der Führer antwortete jehr wie solgt:„An Dr. Robert Ley, zur Zeit Bielefeld. Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre Grüße, die ich auf das herzlichste erwidere. Ich wünsche Ihnen und den alten Kämpfern alles Schöne zu ihre: Fohrt. Weiche sinsprachs fteast Va und Erden! Ein Kapitel von Egoismus und Verantwortung Die Versuche, ziffernmäßig ein Existenzminimum zu ermitteln, haben praktisch bisher ebensowenig Erfolg gehabt, wie die verwandten Versuche, die Lebenshaltung in ein starkes Rechensystem zu fassen. Gewiß hat man solche Versuche seit langem betrieben, man hat sogar in der Zeit der Erwerbsnot gewisse Sätze praktische verwendet, die als„Existenzminimum“ angenommen wurden, aber diese Ergebnisse waren doch allzu sehr von den„verfügbaren Mitteln“ abhängig. Leben konnte man von diesen Beträgen nicht, mindestens nicht auf die Dauer. Und die Forschungen, die sich auf Haushaltsstatistiken aufbauten, führten auch nicht zum Ziel. Auch denen geht es nicht besser, die statt Geldkosten den Naturalbedarf an Nahrung, Kleidung, Wohnung usw. zugrunde legen. Man kommt der Wirklichkeit ganz erheblich näher, wenn man sich zu der Erkenntnis entschließt: Lebenshaltung ist: wie die anderen Leben! Lebenshaltung ist etwas durchaus Schwankendes. Wie die Höhe des Grundwassers die Feuchtigkeit des Bodens bestimmt, so richtet sich der Lebensbedarf nach dem allgemeinen Niveau der Lebenshaltung, die in einem Lande, ja in einem Kreis, in einer Stadt herrscht. Steigender Wohlstand Unsere Vorfahren— welche Zeit man auch nimmt— entbehrten, ohne sich notleidend zu fühlen, eine Unmenge Dinge, ohne die wir heute nicht mehr leben zu können glauben. Was die andern auch nicht haben, geht einem nämlich nicht ab. Das gilt, sobald man über den allernötigsten Bedarf gegen Hunger und Kälte hinausgeht,— ein Bedarf, der nebenbei auch nach Umfang und Wert recht schwankend ist. Wir sehen heute mit Befriedigung aus der Statistik, daß der Verbrauch pro Kopf an besseren Nahrungsmitteln seit Jahren im Steigen ist, ein Zeichen für steigenden Wohlstand, gerade in den breiten Massen. Aber die Lebenshaltung wird auch nie bei allen Volksgenossen die gleiche sein. Der nationalsozialistische Staat lehnt eine Gleichmacherei der Einkommen ab, sein Ausleseprinzip bedingt eine Besserstellung nach Leistung, und er arbeitet demgemäß daran, allen Menschen den Weg zu den Arbeitsplätzen zu ebnen, die ihrer Leistungsfähigkeit entsprechen. Im Gegensatz dazu hält der Marxismus an der Gleichmacherei fest, führt sie aber nicht durch. Das ist der Unterschied, wenn man es so nennen will. Brot, Badereisen, Parfüm, Rennstal! Gehen wir nun der Frage der Lebenshaltung weiter nach, so wird sie sich— unbeschadet eines das ganze Volk umfassenden Durchschnittstandes — im einzelnen nach den Einkommensstufen abstufen. Der Direktor wird innerhalb des Gesamtniveaus stets besser leben als der ungelernte Arbeiter, in dem einen Hause wird man sich mehr mit den Aussichten des Rennstalles, mit den künftigen Badereisen, der Strandmode oder Fragen des Parfüms, im andern mehr damit befassen, wie man heute das nötige Brot für die Kinder herbringt und was die Margarine kostet! Im übrigen hat sich die untere Grenze der Lebenshaltung in Deutschland schon ganz bedeutend gehoben und liegt wesentlich oberhalb der englischen oder der amerikanischen. Aber wenn einschneidende Aenderungen der Wirtschaftslage eintreten, dann wird sich das ganze in sich abgestufte Gefüge heben oder senken, genau wie beim Schiff auf den Wogen sich Kiel und Mastspitze gleichzeitig nach oben oder unten bewegen. Der einzelne aber fragt sich immer: wie weit bin ich über dem Kiel, wie weit bin ich unter der Mastspitze? Ueber die Verhältnisse Soweit wäre das so einigermaßen vorstellbar, wenn es nicht Mittel und Wege gäbe, sich über die vom eigenen Verdienst bedingte Lebenshaltung zu erheben. Wer möchte das nicht? Wer hätte nicht das Bestreben, sich's besser gehen zu lassen, sein Kind in eine höhere Schicht hinaufzusteuern, zuweilen auch: mehr zu scheinen, als er ist? Man sieht schon, da sind ganz verschiedene Beweggründe am Werk: Lebensgenuß, Liebe zum Kind, äußerlicher Ehrgeiz. Man müßte diese Regungen einmal am Maßstab des Gemeinnutzes messen, und es gäbe dann sehr viel dazu zu sagen. Ueberlassen wir das dem Leser und tun wir einen Blick in die Wirklichkeit, so müssen wir leider sehen, daß vielfach über die Verhältnisse gelebt wird,— ein ungesunder Zustand, daß falscher Ehrgeiz, der nicht mit erhöhter Leistung geparrt ist, viel Schaden anrichtet, daß aber eine Liebe zum Enkelkind, die den Weg der Geburteneinschränkung geht, um dem Einzigen vorwärtszuhelfen, auf Kosten des Volksbestandes handelt. Noch viel schlimmer ist gewollte Kinderlosigkeit. In der Vermeidung des Kindes— erst recht der Ehe— liegt eines der bequemsten, aber auch der gebräuchlichsten Mittel, die eigene Lebenshaltung ohne Erhöhung des Einkommens zu verbessern. Wir haben deshalb doppelt so viel kinderlose Ehen als durch naturgegebene Unfruchtbarkeit veranlaßt ist, und haben nur ein Drittel des Bestandes an Vollfamilien gegenüber dem Stande in der Vorkriegszeit! Genußsucht schafft Kinderscheu Fragen wir nun— nachdem wir uns schon einmal mit dem Thema„Lebenshaltung“ befassen — wie steht es denn mit der Lebenshaltung der kinderreichen Familien? Ihre Lebenshaltung weicht von der, die ihrem Einkommen entspräche, je nach Kinderzahl ganz erheblich nach unten ab. Man muß nun gegenüberstellen, daß innerhalb der einzelnen Einkommensschicht die einen ihre Lebenshaltung durch Vermeidung des Kindes erhöhen, die Kinderreichen aber durch ihre Treue zum Leben in der Lebenshaltung absinken. Während die einen also innerhalb des Schiffes nach oben klettern, gehen die andern hinunter. Der Abstand der beiden nimmt also in doppeltem Maße zu. Und wenn wir oben sagten, Lebenshaltung ist: wie die anderen leben, so können wir nun mit Recht folgern: Die Lebenshaltung der Kinderreichen wird im gleichen Maße wie durch die eigene Verknappung auch dadurch verschlechtert, daß sich die anderen durch Vermeidung der Kinder Lebenshaltung gewissenlos verbessern. Also ein doppelter Vorgang, der nur durch doppelte Maßnahmen in seiner Wirkung ausgeglichen werden kann. Die Ordnung wird für das Kind wieder hergestellt: Durch solche nähere Betrachtung dringt man dann tiefer in die Frage des Lastenausgleiches ein. Man muß sich nämlich auch einmal bewußt werden, daß es auf die Gesamtlebenshaltung eines Volkes nicht ohne Wirkung bleibt, wenn gleich drei Viertel aller Familien sich an ungeborenen Kindern bereichern, die Ledigen auch noch an nichtgeheirateten Frauen, und dadurch ihre Lebenshaltung höher stellen, als es dem verdienten Einkommen entspräche. Damit hebt sich das Gesamt=Niveau der angemessenen Lebenshaltung um so viel, als an den Nichtgeborenen und Nichtgeheirateten laufend eingespart wird. Und so kommt die Lebenshaltung auch aller einzelnen aus dem geordneten Gefüge heraus. Wir sprechen von doppelten Maßnahmen. Das ist nun sehr einfach zu verstehen: Es gilt nicht nur, die kinderreiche Familie auf die Lebenshaltung zu heben, die ihrem Einkommen, also der Lebenshaltung des Ernährers entspricht: Es gilt auch, die Kinderarmen, Kinderlosen und Ledigen auf die Lebenshaltung herabzuholen, die ihrer Lebensleistung entspricht. Dann wird man das natürliche Gleichgewicht wieder herstellen. Verantwortung vor der Zukunft Das ist eine bittere Wahrheit, aber auch ein erzieherische Notwendigkeit, die der drohende Volksschwund gebieterisch fordert, aber nicht nur das: die Gerechtigkeit in der Abstufung der Lebenshaltung nach Leistung hat zur Voraussetzung, daß die Menschen nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit aufsteigen, daß also die Einkommen sich dann nach der Tüchtigkeit abstufen. Dieser Auslese=Vorgang wird verfälscht, wenn die Erübrigungen an Nichtgeborenen dazu führen würden, daß das Einzelkind als solches eine teurere Ausbildung mit auf den Weg bekäme als die Kinder der Vollfamilie. Wir wissen, daß hier bereits beachtliche Gegenmaßnahmen in der Begabtenförderung in Angriff genommen sind. Aber auch sie müssen, um einen Ausgleich zu erzielen, nach zwei Seiten wirken, also die Begabten fördern und den Vorsprung der Einzelkinder, soweit sie nicht den gleichen Auslesebedingungen unterliegen, abbauen, indem man die Methode beschneidet, daß die Zahlungsfähigkeit des Vaters Begabung und Fleiß ergänzt. Man sieht, ein Ausgleich, der in kommenden Generationen führen soll, bedarf einer wesentlichen weiteren Ausdehnung, als dies noch viele von uns sich vorstellen. Die Lebenshaltung ist eben nicht nur eine materielle Angelegenheit, sondern wirkt sich weit über die Lebensverhältnisse des einzelnen hinaus auf den Aufbau des Volkes auf, nicht nur auf die Lebenserneuerung, sondern auch auf die Gesamtleistung der kommenden Generation. Auch für diese Frage kann nur das Volkswohl oberstes Gesetz sein. Dir Schwerter Ergeistleger in Geriinghäusen (Fortsetzung von Seite 3!) Ein Schwerter holt„das Silberne“. Daß die Schwerter Segelflieger bei allen bedeutenden Wettbewerben beteiligt sind, ist schon Tradition und so durften sie auch bei diesem Kampf nicht fehlen. Mit dem im RAW. Schwerte selbstgebauten Segelflugzeug „Baby II“, Autos, Anhängern und Geräten fuhr die aus 10 Mann bestehende Gruppe, alle Angehörigen des RAW. Schwerte mit frohen Hoffnungen am 30. Mai nach Oerlinghausen. Die 19jährigen Segelflieger Stüber und Vogelsang waren für den Sturm 7/57 von 2300 m und 1900 m Startüberhöhung. Die Gesamtstrecke des bewährten Schwerter„Baby II“ betrug somit die beachtliche Leistung von 369 km Entfernung und 2 Startüberhöhungen über 1000 Meter. Stüber hat mit seinem letzten Fluge die beiden Bedingungen für das silberne Segelflugleistungsabzeichen, 50 km Entfernung und 1000 m Ueberhöhung erreicht und da er schon einen 5=Stundenflug erledigt hat. kommt er nun in den Besitz dieser hohen Auszeichnung. Vogelsang hat die gleichen Bedingungen erfüllt, muß jedoch noch seinen 51 se Gleitflugübung im Sturmlehrgang in Schüren bei Meschede mit einem„Zögling" als Piloten ausersehen. Und ihre Leistungen? Stüber erössnete mit dem ersten Start den Wettbewerb, landete wieder auf dem Startplatz und flog dann am gleichen Tage 11 km über Land. Vogelsang erzielte vom 5. bis 9. Juni 16 km nach Hövelhoven, 34 km nach Arode bei Werder, 26 km nach Halle(Westfalen), 18 km nach Wieschen bei Lemgo, 38 km nach Sudhagen und schließlich 58 km mit 1080 Meter Startüberhöhung nach Ellingsen bei Werl. Stüber flog dann am 10. Juni 48 km nach Isenstädt und am letzten Tage, den 11. Juni, mit dem letzten Start des Wettbewerbes 120 km nach Berden an der Aller. Stüber erzielte eine Höhe Stundenflug erledigen. Stüber erhält als zweiter Schwerter nach Maurer, der es im vergangenen Jahre erwarb, das silberne Leistungsabzeichen, von dem bis jetzt in allen Ländern zusammen 1160, davon in Deutschland 845 verliehen worden sind. Auf diese Leistungen kann der Sturm 7/57 stolz sein, reihen sie sich doch würdig den bisherigen an. Die schönen Erfolge sind aber nicht nur den Piloten zuzuschreiben, sondern die Arbeit aller Kameraden im Bau von Flugzeugen, Herrichtung von Fahrzeugen und Flugzeuggeräten, Mithilfe beim Transport und Start. also innige Kameradschaft ermöglichen erst die Leistungen Einzelner. In Anbetracht dieser Arbeiten wurde auch der Schwerter Mannschaft ein Preis für unermüdlichen Einsatz und Entwicklung von Flugzeugtransportwagen zuerkannt. Erwähnenswert ist noch, daß die Schwerter Flieger auch heute noch, trotz wiederholter Gegenangriffe die Zeitrekorde von Wittland in Schüren mit 3½ Stunden, Krämer in Hemer mit 48 Minuten und Krämer in Garenfeld mit 10 Stunden 10 Minuten besitzen. Letzterer ist überhaupt der längste, bis jetzt in Westfalen erreichte Segelflug. Daß aber neben der Pflege von Hochleistungen die Ausbildung im Gleitflug nicht vernachlässigt wird, ist selbstverständlich. Schon im März ds. Is. fand in Schüren ein Sturmlehrgang statt, in dem viele A=Prüfungen abgelege werden konnten. Sonntag für Sonntag wird auf dem Flugplatz bei Opherdicke geschult und auch hier sind in diesem Jahre schon viele Gleitflugprüfungen erflogen worden. Außerdem werden auch noch die vom NSFK. veranstalteten Segelflugkurse reichlich beschickt. So wird dafür Sorge getragen, daß die flugbegeisterte Jugend Gelegenheit hat, sich die Vorbildung für den Leistungs=Segelflug und den Motorflug anzueignen, um später ein würdiger Nachwuchs für unsere Luftwaffe zu werden. Unser neuer Roman Tag und Nacht flitzen die S= und U=Bahnen über und unter der Erde durch Berlin. Niemals kommt die 4½=Millionen=Stadt völlig zur Ruhe. Und doch liegen in ihrem Lichtkreis draußen in Westend noch alte einsame Patriziersitze, vor deren großen Gittertoren man verwundert verweilt, wenn man plötzlich aus dem Getriebe in eine fast unheimlich wirkende Abgeschlossenheit versetzt wird. Unser neuer Roman „Geheimnis um haus Grothe“. von Baronin Margarete von Saß, führt uns in diese Wechselstimmung zwischen verkehrsbrausender City und einsamem Herrensitz zwischen Ulmen, Eschen und Tannen. Vor Jahren ist hier ein Mord geschehen. Immer noch liegt über dem Hause der Schatten dieser Tat, die ungeklärt und ungesühnt geblieben ist. Und nun beginnt eines Tages das unheimliche Wirken des an den Tatort zurückgekehrten Mörders in diesem Hause. Immer neue Personen geraten in den Kreis der Verdächtigen: wer ist zum Beispiel jener seriös aussehende Reeder Schimeck aus Stettin, der plötzlich verschwindet? Nehmen Sie Dr. Oetker Gelier Ttülfe zur schnellen Vereitung Ihrer Marmeladen und Gelees. Besondere Vorzüge: Einfache Kandhabung volle Erhaltung des Ruchtaromas und der Färbe, Seld-und Zeitersparnis, weniger Einkochverlust.— Gebrauchsanweisung bei jedem Räckchen. Etgaus Jch-Tzeugias.— "(Arelt unld Leheltttult! Anfälle im Haushalt Die Haftpflicht der Hausfrau— Rechtzeitige Unfallverhütung ist wichtig Die Hausgehilfinnen, die meist im jugendlichen Alter stehen, sind bei der häuslichen Arbeit und den damit verbundenen Dienstwegen gewissen Arbeitsgefahren ausgesetzt. die durch Umsicht der Hausfrau und Verständnis der Hausgehilfin eingeschränkt und vielleicht vermieden werden können Man kann von einer sechzehnjährigen Hausgehilfin nicht die Umsicht verlangen, die die Hausfrau als Autorität im Haushalt besitzen muß. Es entsteht bei Unfällen daher immer wieder die Frage, welche Haftpflicht der Haushaltungsvorstand dem Mädchen gegenüber hat. Bei der täglichen Arbeit des Aufräumens der Wäschebehandlung und des Einkaufes ergeben sich eine Menge von Pflichten der Hausfrau die damit beginnen. daß der Hausgehilfin nur sichere elektrische Hausgeräte mit vorschriftsmäßigen Anschlüssen übergeben werden dürfen, daß das Tragen von Lasten im richtigen Verhältnis zur Körperkraft steht usw. Für Sonderaufträge. z. B. beim Putzen sehr hoher Fenster muß die Hausfrau die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen treffen bzw. selbst Hilfe leisten Unfälle auf der Straße die durch das Verschulden der Hausfrau hervorgerufen werden, fallen unter die Haftpflicht Es würde z. B ein Fahrradunfall zu Lasten der Hausfrau gehen wenn sie das Mädchen mit dem Rad zur Beschleunigung der Arbeit auf den Markt geschickt hätte. Das fachliche Schulungsblatt„Der deutsche Haushalt" teilt die Entscheidung eines Hamburger Gerichtes mit, das eine Hausfrau verurteilte, weil durch einen von ihr erteilten Auftrag zum Putzen eines Fensters ein Unfall die Arbeitsfähigkeit des Mädchens schwer beeinträchtigte. Ohtiereversach un der Ehefrau Prozeß vor dem Schwurgericht Kleve berg zugeführt, werden mußte. ekla Kleve. Am zweiten Verhandlungstag der dritten diesjährigen Tagungsperiode hatte sich vor dem Klever Schwurgericht der Angeklagte Ernst Schmitz aus Kamp=Lintfort wegen dreifachen Giftmordversuchs begangen in den Jahren 1937 und 1938 an seiner Frau zu verantworten. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, daß er wegen seiner Geliebten, der geschiedenen Ehefrau Helene Schroers aus NeukirchenVluyn, die am Vortage wie bereits berichtet, vom gleichen Gericht wegen Meineids zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, seine Frau aus dem Wege habe räumen wollen. ein Tatbestand, der ebenso wie jede ehewidrigen Beziehungen zu der Schroers von dem Angeklagten strikte bestritten wird. Die Verlesung der Anklageschrift und die spätere Vernehmung des Angeklagten bringt indessen schwerwiegendes Belastungsmaterial. das durch die Vernehmung von 18 Zeugen sehr wahrscheinlich noch an Stichhältigkeit gewinnen dürfte. Danach hatte sich der Angeklagte zur Beseitigung von gelegentlichen Seitenstichen und Unterleibsbeschwerden bei seiner Frau angeblich von einem Homöopathen ein Rezept geben lassen das seiner Frau Linderung bringen sollte In Wirklichkeit stellte er aber nachgewiesenermaßen aus noch nicht näher genannten Bestandsteilen eine Mixtur her die seine Frau trotz heftigen Sträubens trinken mußte. Nach jeder Einflößung der nur dem Angeklagten bekannten Flüssigkeit traten bei der Frau heftige Erbrechen auf. ferner eigenartige Schwellungen am Körver und Haarausfall, so daß sie mehrmals dem Krankenhaus in Rheinzugeführt, werden, mußte. Die zvnisch Gewissenlosigteit, des Angeklagten, gebt scho daraus hervor, daß er bei einer dieser Einlieferungen die Notwendiakeit des Krankenhausaufenthaltes mit den Worten bestritt:„Du kannst auch hier sterben“ und nach der Gesundschreibung seiner Frau äußerte„Ich kriege Dich doch kaputt". Bei seiner Vernehmung schwächt Schmitz diese Aeußerungen dahingehend ab daß er seine Frau nur habe„krank machen wollen“. daß sie ans Haus gebunden gewesen sei, sicherlich, um sich dann selbst besser seiner Geliebten widmen zu können. Bei der Vernehmung der Ehefrau, die noch sichtbar an Vergiftungserscheinungen leidet, wird erhärtet, daß sie niemandem, vor allen Dingen keinem Arzt, etwas von der heilsamen Mixtur ihres Mannes habe sagen dürfen. Diese sei so scharf gewesen, daß einmal der Inhalt eines Eßlöffels auf ein Mundtuch gefallen sei. das sofort zerfressen und dann von ihrem Mann im Herd verbrannt worden sei Erst ganz zuletzt sei sie durch die brutalen Aeußerungen ihres Mannes an dessen„Heilversuchen" irre geworden und auf Anraten ihrer Schwägerin und von Nachbarn sei es zur Sicherstellung der von ihrem Mann verschlossen aufgehobenen Flasche mit dem Rest der Mixtur gekommen. Erschütternd gab die Frau heute ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß ihr Mann sie durch Gift aus dem Wege habe räumen wollen.— Die Sitzung wurde hierauf vertagt. Die Sachverständigen werden am Mittwoch über den Befund des Flascheninhalts berichten. Die Zeugenvernehmung wird etwa zwei Tage in Anspruch nehmen. Beileidstelegramm Dr. Leys zu dem Bergwerksunglück in Castrop=Rauxes Sofortmaßnahmen verfügt Berlin. Reichsorganisationsleiter Dr Ley hat an die Schachtanlage Erin in Castrop= Rauxel folgendes Beileidstelegramm gesandt: „Soeben erfahre ich von dem furchtbaren Unglück auf der Zeche Erin, Revier 1, bei dem 6 brave Bergmänner ihr Leben lassen mußten. Ich spreche den Hinterbliebenen der Betriebsführung und Gefolgschaft meine wärmste Anteilnahme zu dieser Katastrophe aus Sofortige finanzielle Hilfe wurde bereits veranlaßt.“ Auch in diesem Falle hat die Deutsche Arbeitsfront auf Veranlassung von Reichsleiten Dr. Ley sofort aus dem Sonderfonds erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt. Meineid vor dem Schwurgericht Münster. Ein großer Prozentsatz aller Meineide wird in Unterhalts= und Ehescheidungsprozessen geschworen. Das bewies wieder einmal die letzte Sitzung des Schwurgerichts in Münster. Der am 8. 8. 1914 in Hövel geborene Heinrich Gretenkord, jetzt in Bockum wohnhaft, war angeklagt, im Termin am 7. 4. 1938 im Ehescheidungsprozeß einer gewissen Frau L. wissentlich einen Falscheid geleistet zu haben. Der Angeklagte gab zu. daß er zwar im Jahre 1933 intime Beziehungen zu der Frau L unterhalten habe, da ihm aber das Gewissen geschlagen habe, seien diese Beziehungen gänzlich abgebrochen worden. Es wurde ihm nun in der Hauptverhandlung vorgehalten. daß er sich doch 3 Wochen nach der Scheidung mit Frau L. verlobt habe, seine Angaben. er habe mit Frau L. später keine Beziehungen unterhalten und sie nur„zufällig“ auf der Straße einige Male gesehen seien daher sehr unglaubwürdig Erst als die Beweisaufnahme mit verschiedenen Zeugenaussagen erbrachte. daß er die L öfter in ihrer Wohnung besucht habe daß überhaupt intime Beziehungen bestanden hätten. legte er ein Geständnis ab und gab zu. im Termin am 7. 4. 1938 falsche Angaben gemacht zu haben. Da er sich durch eine wahrheitsgemäße Aussage in dem betreffenden Termin allerdings strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt hätte, ließ das Gericht weitgehende Milde walten und verurteilte G. zu einer Gefangnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten, wobei ihm noch zwei Monate der Untersuchungshaft angerechnet wurden. Möbelfabrik niedergebrannt Bad Oeynhausen. In der Nacht brannte ein großer Teil der unmittelbar an der Nordbahn gelegenen Möbelfabrik Böker nieder. Das Feuer fand in den reichlichen Holzvorräten immer wieder neue Nahrung, so daß die Bekämpfung sehr erschwert wurde Es darf als ein Erfolg bezeichnet werden, daß die angrenzenden Gebäude vor dem Uebergreifen des Feuers geschützt werden konnten. Der Schaden wird auf 60000 bis 70000 RM geschatzt. Spezialbeamte der hannoverschen Kriminalpolizei=Leitstelle nahmen die Ermittlungen am Brandort auf. Das Feuer brach kurz nach Schluß einer Betriebsfeier aus, die in einem Raum der Fabrik. der mit vom Feuer berührt wurde, stattfand. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung. Mühle mit Vorräten niebergebrannt Meppen. In der vor den Toren der Stadt Meppen gelegenen Gemeinde Vermen brach in der mit reichen Vorräten an Getreide aufgefüllten Windmühle in den frühen Morgenstunden ein Brand aus, der das Gebäude vollständig in Asche legte. Sämtliche Vorräte an Mehl und Getreide wurden ebenfalls ein Raub der Flammen. Der dem Volksvermögen zugefügte Schaden ist beträchtlich. 1200 Morgen Moor und Heide vernichtet Bremervörde. Im Karlshöfener Moor wütet schon seit 14 Tagen ein riesiger Moor= und Heidebrand, der insgesamt 1200 Morgen vernichtete. Die Löscharbeiten im brennenden Gebiet waren bisher vergeblich, doch wurden rund um die riesige Brandfläche tiefe Gräben gezogen und Brandwachen aufgestellt. Eine weitere Ausdehnung des Feuers ist dadurch unmöglich gemacht. Infolge der ausgetrockSsiheff zum Eddr verurtenl Münster. Im Prozeß gegen den Schwerverbrecher Fritz Osthoff wurde am Dienstag abend vom Sondergericht Dortmund das Urteil gesprochen. Am Nachmittag begann die Sitzung mit dem Plädoyer des Staatsanwalts der zunachst den Lebenslauf und Werdegang des Osthoff schilderte Der Staatsanwalt kennzeichnete nochmals die Kette von Verbrechen die Osthoff nach der Flucht aus dem Zuchthaus in Wiesmoor begangen hat Was die rechtliche Würdigung der Straftaten anlange so liege in der Drensteinfurter Tat ein Verbrechen gegen das Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens in Tateinheit mit versuchtem Mord vor für das er die Todesstrafe und dauernden Verlust der Ehrenrechte beantrage. Die Straftat in Ahlen sei ein versuchter schwerer Raubüberfall in Tateinheit mit versuchtem Mord Im übrigen stünden 28 vollendete und fünf versuchte schwere Einbrüche von den vielleicht über hundert Fällen, die Osthoff begangen habe zur Anklage Hierfür beantrage er 15 Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust Sicherungsverwahrung und Stellung unter Polizeiaussicht Das Sondergericht verurteilte den Angeklagten wegen Verbrechens gegen§ 1 Abs 1. Ziffer 1 des Heimtückegesetzes zum Tode Darüber hinaus wurde der dauernde Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ausgesprochen. Auch im übrigen wurde gegen Osthoff gemäß dem Antrag des Statsanwalt erkannt. Bei Osthoff handelt es sich um einen Schwerverbrecher, der im Dezember vergangenen Jahres aus dem Zuchthaus entsprang. Bis zu seiner Verhaftung am 14 Mai d. I hatte er nicht weniger als 90 Fälle von versuchten und vollendeten schweren Einbrüchen, einen versuchten Raubüberfall und einen Mord auf dem Gewissen. Berüchtigt wurde Osthoff durch den frechen Raubüberfall, den er auf den Kassenboten einer Fabrik in Ahlen am hellichten Tage ausführte. Er lauerte dem Kassenboten auf und versuchte diesem die Aktentasche zu entreißen; der Raub mißlang aber Am 12 Mai brach er in Drensteinfurt zweimal am gleichen Tage ein. In Sendenhorst hatte er für die gleiche Nacht einen weiteren Einbruch geplant Als Osthoff mit dem Rade Drensteinfurt passierte, wurde er von einem Gendarmen angerufen. Osthoff streckte den Beamten durch einen Schuß in den Unterleib zu Boden und konnte flüchten, obwohl der Beamte noch Schüsse hinter ihm herjagte. Am 14 Mai unternahm er einen erneuten Einbruch. doch wurde er von einem Gendarmen verscheucht. Am anderen Tage wurde er in der Nähe von Lippborg von drei Arbeitsdienstmännern die zur Unterstützung der Gendarmerie bei der Fahndung nach dem nächtlichen Einbrecher eingesetzt worden waren, aufgefunden als er seine Kleider zum Trocknen ausgebreitet hatte und selbst in tiefem Schlaf am Feldrande lag Man nahm ihm seine Waffe ab und brachte ihn zu einem Bauernhof wo er später von der Polizei in Empfang genommen und nun für immer unschädlich gemacht wurde. neten Gräben war die Wasserbeschaffung für die Löscharbeiten sehr schwer. Die Schläuche mußten nach weiter abgelegenen Moorkuhlen gelegt werden. Außerdem mußte Wasser aus einem 500 Meter entfernten Schiffsgraben beschafft werden. Besonders gefährdet waren die Häuser vom Karlshöfener Moor. Unter Einsatz aller verfügbaren Kräfte konnte man jedoch die Gefahr abwenden. Todessturz in den Brunnen Papenburg. Als ein etwa 40jähriger Mann aus einem offenen Brunnen mit einem Haken einen Eimer Wasser holen wollte, verlor er das Gleichgewicht und stürzte in den Brunnen. Man konnte ihn nur noch als Leiche aus dem 8 Meter tiefen Brunnen ziehen. Geschwisterpaar in der Sauer ertrunken Biesdorf. Zwei Kinder der Familie Georg Müller, ein siebenjähriger Junge und ein 10jähriges Mädchen, badeten am Dienstagnachmittag in der Sauer. Am Spätnachmittag wurden am Ufer der Sauer Kinderkleider gefunden. Nichts Gutes ahnend, suchte man die Sauer ab und fand die Leichen der Kinder. Zwei Schwerverletzte Wuppertal. Zwei Schwerverletzte gab es bei einem Unfall, der sich kurz nach 22 Uhr in der Briefstraße zutrug. Beim Abkoppeln eines Lastkraftwagenanhängers wurden durch die plötzlich herumschwenkende Anhängergabel der Fahrer des Lastkraftwagens und der Beifahrer erfaßt und mit aller Wucht zur Seite geschleudert. Beide erlitten äußere und innere Verletzungen und mußten in bedenklichem Zustande dem Krankenhaus zugeführt werden. Eine diebische Elster gesaßt Wuppertal. Die Kriminalpolizei nahm eine 36jährige Verkäuferin fest, die in der Barmer Filiale eines Kunstgewerbehauses fortgesetzt Ladendiebstähle begangen hatte. Eine Haussuchung in der Wobnung der diebischen Elster förderte Diebesgut im Gesamtwert von mehreren tausend Mark zutage. Schlechte Aussichten der Erdbeerernte im Honnef=Erpeler Anbaugebiet Neuwied. Die diesjährige Erdbeerernte im Anbaugebiet von Erpel. Unkel. Rheinbreitbach und Honnef. das zu den bedeutendsten des Rheinlandes gehört, wird die von 1938 bei weitem nicht erreichen. Das Wetter des Frühjahrs das zunächst recht kalt und unfreundlich war und dann in den letzten Wochen plötzlich zu sommerlicher Hitze umschlug, hat die Fruchtentwicklung stark gehemmt Der Regen der letzten Tage kann auch nicht mehr viel nützen, da bereits zu viele Erdbeeren vertrocknet abgefallen sind und die augenblickliche kühle Witterung weiteren Entwicklungen der restlichen Früchte nur abträglich ist. Der Erdbeerkäfer hat außerdem, besonders in Rheinbreitbach, schwer geschadet. Heldenhafte Rettungstat eines Arbeitsdienstmannes Homberg. Bei einem Großbrand in dem Eifelort Winterspelt setzten sich auch die Männer des RAD.=Lagers Habscheid erfolgreich ein. Ein aus Homberg stammender Arbeitsdienstmann bahnte sich einen Weg in das lichterloh brennende Haus und konnte unter Einsatz seines eigenen Lebens eine Frau, die ans Bett gefesselt war. und ihr vierjähriges Kind aus den Flammen retten. Eine verdiente Anerkennung dürfte dieser mutigen und einsatzbereiten Tat sicher ein. Kraftfahrer Köln. Der 30jährige Kraftfahrer Karl Sevenich aus Köln stieß mit seinem Lieferwagen mit Anhänger am 24 April d. J. auf der Kreuzung Militärringstraße—Brühler Straße mit einem Auto zusammen. Dieses Auto hatte Vorfahrtsrecht, was jedoch von dem Angeklagten nicht beachtet wurde. Anstatt an der Kreuzung anzuhalten, gab der rücksichtslose Angeklagte Gas und suchte noch vor dem Auto über die Kreuzung zu kommen. Dabei kam es dann zu dem Zusammenstoß, der verhängnisvolle Folgen hatte. Ein Insasse des angefahrenen Autos war sofort tot, einer liegt heute noch, nicht vernehmungsfähig im Krankenhaus. Zwei weitere Mitfahrer kamen mit leichteren Verletzungen davon. Das Verkehrsschöffengericht verurteilte den rücksichtslosen Kraftfahrer wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu einem Jahr Gefängnis. 1000 Kameraden das Leben Gerectet Gedenkseier am Grabe Wilhelm Heidkamps Bensberg. Zu Ehren des bergischen Seebelden Wilhelm Heidkamp, der während des Krieges unter Einsatz seines eigenen Lebens 1000 seiner Kameraden vor dem Tode bewahrte, wurde auf dem schlichten Friedhof der bergischen Gemeinde Immekeppel eine würdige Gedenkfeier abgehalten. Anlaß dazu war die zur gleichen Zeit in Bremen erfolgende Taufe eines neuen Zerstörers auf dem Namen Wilhelm Heidkamp. In Gegenwart von Vertretern der Partei, der Behörden, der Marine= und Kriegskameradschaften, der Bevölkerung und der Angehörigen des Helden legte Korvettenkapitän Hespe im Auftrag des Kommandanten. der Offiziere und Mannschaften des neuen Zerstörers„Wilhelm Heidkamp“ einen prachtvollen Kranz an der letzten Ruhestätte des unvergeßlichen bergischen Seehelden nieder. Verkettung unglücklicher Umstände Walsum. Durch eine eigenartige Verkettung unglücklicher Umstände kam es im benachbarten Vierlinden zu einem schweren Unglücksfall. Durch eine defekte Starkstromleitung wurde ein mit heißer Lauge gefüllter Waschkessel unter Strom gesetzt. Ein Kind, das den Waschkessel anfaßte, blieb an ihm hängen. ebenso auch die Mutter, die dem Kind zu Hilfe eilte. Bei den Versuchen, von dem Kessel loszukommen wurde dieser schließlich umgezogen, wobei sich die heiße Lauge über das Kind ergoß, das mit Verbrennungen dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. Schüler stiehlt aus einer Gartenlaube acht Kaninchen Aachen. Daß es auch unter Kindern schon ganz gerissene Diebe gibt, zeigt ein Fall, der sich dieser Tage in Aachen ereignete. Die Polizei ermittelte einen neunjährigen Schüler, der zwei Tage hintereinander in einer Gartenlaube eingebrochen war, wobei er das Vorhängeschloß mit einem Eisen aufbrach und insgesamt sechs wertvolle Zuchtkaninchen und zwei Jungtiere entwendete. Der raffinierte Junge bot diese Tiere drei verschiedenen Familien zum Kauf an unter dem Vorwand, er sei von seinem Vater geschickt, der darum bitten ließe, ihm die Tiere abzukaufen, weil das nötige Futter nicht mehr zu beschaffen sei. Vater und Sohn bei einem Verkehrsunfall getötet Westerburg(Westerwald). Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es in Eppenrod. Der 21jährige Motorradfahrer Roth aus Eppenrod. der seinen Vater auf dem Sozius hatte, rannte mit der Maschine auf einen Leiterwagen auf. Dabei wurde der Sohn als Führer auf der Stelle getötet, während der Vater einige Stunden später seinen schweren Verletzungen erlag. Vier Finger von einer Hand abgerissen Hachenburg. In einem hiesigen holzverarbeitenden Betrieb geriet ein 69jähriger Arbeiter mit der Hand in die Transportkette einer Maschine. Dem Bedauernswerten wurden vier Finger einer Hand glatt abgerissen. Der Schwerverletzte wurde in die Gießener Klinik gebracht. Brandstiftung durch einen Lehrjungen Siegen. Die Untersuchungen nach dem Brandunglück in Rhode, bei dem das Anwesen des Bäckers Hupperz zum Teil vernichtet wurde, ergaben, daß der Bäckerlehrjunge den Brand vorsätzlich angelegt hat. Der Junge hat nach hartnäckigem Leugnen eingestanden. den Brand angelegt zu haben, um— wie er angab— einmal ein Großfeuer zu sehen EDer Sact=ElcEr. Foman von Rudalt Sinat Urheberrechtsschutz Central=Bureau, Berlin SD 68 17 Furcht— das war etwas, was Palamidi Lamba verstand. Die beiden Gatten sahen sich an. Auf einmal fühlten sie sich in der Angst eins.„Ich werde mich mit dir ins Wasser wersen! Es ist doch alles verloren!“ stammelte er. Sie waren in dem Geringe landeinwärts getaumelt. Charis folgte willenlos der Führung ihres Mannes die paar Schritte zum Ufer zurück. Es war, als ob sie wüßte, daß ihm dort doch der Mut mangeln würde. Palamidi Lamba blieb stehen. Er fand nicht den Entschluß zum Sprung. Er fing vor Kummer an zu weinen. „Was hast du mir getan?“ schluchzte er. Nun kamen auch Charis die Tränen. Sie hielten sich immer noch halb umkrallt, halb umschlungen. Sie wollten sich töten, und sie wollten leben. Nur leben— nur fliehen— anderswo von vorn anfangen...“ „Ich trage mein bares Vermögen bei mir!" sagte Lamba ruhig und trotzig.„Ich habe den größten Teil meiner Kapitalien aus Vorsicht schon in den letzten Wochen nach Griechenland und Frankreich übertragen. Es handelt sich nur darum, daß wir in einem Segelschiff so rasch wie möglich Zypern erreichen! Landen wir erst im Hafen von Famagusta, so sind wir als politische Flüchtlinge bei den Engländern in Sicherheit! Der Tütündschi Takkers muß uns dorthin helfen!" Der Laden des Tütündschi Takkers war fest verschlossen. Aber es gibt ein geheimes Klopfzeichen. Auf das hin öffnet sich ein Spalt. Durch ihn lugt treuherzig der verwitterte Kopf des Alten. „Ich danke der Heiligen Dreifaltigkeit, daß ich Sie treffe, Takkers!“ „Ich nicht!“ Peer Takkers räuspert sich grämlich. Eine lächelnde Grimasse Palamidis. Einschmeichelnd seine Stimme:„Wir hatten neulich einen kleinen Wortwechsel unter Freunden, Vater Takkers! Ich gestehe mit Reue gegen Gott: Ich ließ mich zu Zorn gegen Ihr graues Haupt hinreißen, weil es Ihnen nicht geglückt war, diesem rothaarigen Russen einen Grabstein auf dem lutherischen Kirchhof zu setzen.“ „Wie Gott will!“ Der Greis zuckte mißtrauisch die Achseln. „Lassen wir diesen Kosaken! Ich habe Wichtigeres vor! Dringende Geschäfte rufen mich ohne Zeitverlust nach Zypern. Der britische Oberkommissar dort erwartet mich mit Ungeduld!“ Ein rasch prüfender Blick des alten Takkers. Seine Augen blieben an den vollgestopften Taschen des Levantiners hängen. „Sie erhalten das Zehnfache dessen, was Sie ie von mir bekamen, Takkers, wenn ich in einer Stunde nach Famagusta unter Segel bin!“ Nun öffnete sich die Tür. Der Tütündschi trat heraus. Er hüstelte in seiner trockenen Art. „Es läßt sich gerade heute nacht machen! Heute ist eine große Nacht. Heute kreuzt kein Zollkutter draußen im Marmarameer. Es schwimmen Boote genug zwischen Asien und Turopa und nehmen euch mit! Kommen Siel“ Der Tütündschi war in dem Gewirr der krummen dunklen Hafengassen verschwunden. Undeutlich sah Palamidi Lamba auf ihnen im Zwielicht einzelne hohe Pelzmützen. Plötzlich weiteten sich Lambas Augen in abergläubischem Schrecken. Seine Rechte wies zitternd in das nächtige Dunkel des Viertels der Mädchenhändler.„Da kommt ein Gespenst! Der Tütündschi hat sich in einen Türken verwandelt!" Ehrwürdig wandelte der Hadschi Ibrahim, der Schreiber im Stambuler Ministerium der frommen Islamstiftungen, heran. Der golddurchwirkte Turban des Mekkapilgers krönte sein mildes Haupt. Der Levantiner und die Levantinerin starrte ihn, Hand in Hand, wie geängstigte Kinder an. „Tütündschi Takkers...“ Lamba lallte. Eine strenge Handbewegung drüben.„Schweigt, ihr Christen, und folgt mir! Diese Nacht ist hell von Allahs Zorn. Ohne das Geleit eines Mekkavaters kommt ihr nicht durch Stambul.“ Weiter— nur weiter.... An den beiden Levantinern vergreift sich keiner. Ein Hadschi schreitet väterlich schützend vor ihnen. Weiter geht der Weg— zu den alten Zypressenmauern am Meer. Zwischen den Trümmern der eingestürzten Molen aus Bozantinerzeit schaukeln da die Nachen der Takakschmuggler. „Diese Boote rudern leer in der Nacht nach Anatolien zurück und bringen euch auf eine Segelbarke nach Zypern!" tröstete der Tütündschi das Paar.„Ich selbst fahre bis zu dem griechischen Schiff mit und übergebe euch wie meine Augäpfel dem Steuermann, damit ihr sicher in Allahs Schutz reist. Steig nur hinaus bis an das Ende des Steindammes, da, wo der Kahn liegt!“ Der Tütündschi selber blieb noch am Ufer stehen.„Die Taschen dieses ungläubigen Hundes platzen vor Banknoten und Juwelen, die er mit auf die Flucht nimmt!“ sprach er zu einem wilden, einäugigen Hafenkerl, der neben ihm aus der Finsternis auftauchte.„Wir müssen warten, bis wir mitten auf der See sind. Ich gebe euch dann das Zeichen...“ „Und wenn morgen ihre Landsleute nach ihnen fragen, Herr Mekkavater?“ „Man wird nie wissen, wo die beiden geblieben sind! Das Marmarameer ist tief...“ „Und wir Hungerleider des Herrn, die dir helfen, sie ins Meer zu stürzen?“ „Ihr bekommt euren Teil an der Beute! Seid getrost!“ Vorn im Kahn saßen zähneklappernd Palamidi Lamba und Charis Lamba und warteten. Das schwache Fahrzeug tanzte im Wellenschlag an der Kette. Die dunkle Luft stürmte. Die beiden spähten geängstigt nach den wild schwankenden Zypressentürmen am Ufer, ob die Doppelgestalt des Tütündschi und des Hadschi nicht bald käme. Aber nur der unheimliche Einäugige stieg langsam über die Blöcke heran. „Wenn du uns nicht mehr auf dem Meere siehst“, sprach er halblaut zu dem Burschen, der die Bootskette hielt,„so lauf nach Stambul zurück und schreie, die Armenier hätten den Hadschi Ibrahim, den gottseligen Schreiber beim Intendanten der geistlichen Stiftungen, getötet!“ „Ist er auch wirklich tot?“ „Ich habe den schwersten Stein genommen, der zur Hand lag, und ihn erschlagen! Was brauchen wir Bettler Allahs die Schätze im Boot mit ihm zu teilen? Der Reichtum des Levantiners gehört uns allein!“ „Wo ist der Hadschi?“ keuchte Lamba aus dem Nachen. „Er fährt nicht mit!" Der Einäugige sprang in das Boot.„Er hat sich anders besonnen und jetzt eben am Ufer zur Ruhe gelegt!“ „Dann will ich aussteigen...“ Palamidi Lamba war aufgestanden. Er hielt sich mühsam breitbeinig auf den schwankenden Planken aufrecht. Um ihn gurgelte schon freies Wasser.„An Land...“ schrie er in Todesangst.„.. Hörst du... an Land...“ „Beruhige dich, Efendi!" Die Ruderschläge klatschten. Das Ufer verschwamm. Der Levantiner fiel kraftlos auf die Bank zurück.„Kehrt um!" Er rang die Hände. „Die Nacht ist zu stürmisch!“ „Nein, Herr!" Der Einäugige stand schattenhaft am Steuer und lenkte in das freie Meer hinaus.„Das ist die rechte Nacht!" * Das ist die Nacht, in der in seinem kleinen Dienstkonak neben dem Jildiskiosk der zarte, schmächtige Kammerherr Izzet Bei seine Frauen küßt, seine Kinder segnet, noch einmal auf dem Teppich kniend, das Antlitz gegen Mekka gewandt, betet, ehe er sich im Vorraum seiner Badekuppel an einem der zum Trocknen der Tücher ausgespannten Stricke aufhängt. Gerade noch, ehe die Henker kommen. Das ist die Nacht, in der bis zu dem ersten blutroten Morgenstreifen immer und immer wieder menschengefüllte Säcke durch den Jildispark von kräftigen Negern nach dem Bosporus getragen werden und in den eiligen Wellen verGurgeln.„ g k. I. En im Aaumt TLii Das ist die Nacht, in der im Konak Schükri der Major Hünif vom Regiment Ertogrul seinem Oheim, dem Marschall Schükri, die Kasernenrapporte bringt. Die murrenden Truppenteile sind nach dem Mißlingen des Anschlages wieder in orientalischer Ergebenheit in den Willen des Schicksals und des Sultans versunken. Man hat ihnen für morgen fette Hammel in ganzen Herden und, aus beschlagnahmten armenischen Vermögen, mit Silberbeuteln bepackte Eselkarawanen für den rückständigen Sold versprochen. Durch die drei Städte Konstantinopels in Asien und Europa, durch Skutari, Stambul und Pera, braust der alte Paraderuf des Gehorsams:„Dem Padischah tausend Jahre!" Der freiwillige Gefangene im Jildiskiosk, der Großsultan Abdul Hamid, regiert wieder einmal— noch einmal— mit fester Hand in drei Erdteilen des Osmanenreiches. Das ist die Nacht, in der. nachdem der Major und einstige Berliner Gardeulan gegangen war, der Marschall Schükri sich in unerschütterlicher Ruhe, aber sehr ernst an den dicken Pariser Finanzmann Mayer Rappaport wendet, der sich schnaufend den Schweiß von der Glatze wischt. Dröhnend und drohend klingt, trotz des weltmännischen Französisch, der Baß des türkischen Würdenträgers. „Mein Leben lang war ich ein Freund Frankreichs. Ihr habt mir zum Dank eine Spionin ins Haus gebracht.“ „Exzellenz... ein Irrtum... Wie soll ich mich in Eile erklären...“ „Dies Mädchen hat auch euch betrogen! Sie war hinter eurem Rücken mit den Schuldigen dieser Nacht im Bund. Nur daß der Allerbarmer mir aus der Nacht heraus eine andere Frau mit der Fackel der Aufklärung sandte, hat uns gerettet!“ „Exzellenz... Diese artige, kleine Froidure — ein Kinderfräulein— selbst fast noch ein Kind „Sie floh, wie sie eben war. Sie ist auf einem Schiff ihrer Nation in Sicherheit. Sie hatte keine Zeit, etwas an Schriftstücken mitzunehmen oder zu verbrennen. Es fanden sich in ihrer Schublade hohe Gutschriften der Credit Lyonnais, unvorsichtige Briefe ihrer Eltern aus Paris, Chiffreschlüssel in türkisch und französisch genug!“ „Exzellenz... Beim blauen Himmel... Mein Gott— Hm— Exzellenz...“ Ein prüfender Blick des Marschalls.„Im Mai ist der Nordwind vom Bosporus oft noch für Europäer, die an das milde Klima Frankreichs gewöhnt sind, gesundheitsschädlich....“ „Je nun— je nun... Ich finde es sogar sehr heiß hier im Raum!“ „Selbst die rauhe Körperbeschaffenheit mancher Russen ist der hiesigen Abendkühle nicht gewachsen. Melden Sie, wenn es Ihnen beliebt, meine Besorgnis allen diesen Herren! Die Pässe liegen von morgen ab bereit!“ „Ha...“ „Eine Wiederkehr in die Türkei wage ich, Ihr Diener, nicht zu empfehlen. Der Sommer ist in Konstantinopel zu heiß, der Winter zu kalt. Möge Allah Sie künftig in Ihrem schönen Paris unter seinen Schutz nehmen, mein Herr! Einige meiner Arnauten werden Sie in Ihr Hotel zurückgeleiten!“ Grimme, weißgewandete Albanesen ritten vor und hinter dem Landauer des Pariser Mannes der großen Affären. Scharlachrote, goldgestickte Botschaftskawassen saßen, bis an die Zähne bewaffnet, auf dem Bock. Ungefährdet erreichte der Ritter der Ehrenlegion, Henri Mayer Rappaport, das fest verrammelte Hotel Thotfalusssy und trat im oberen Stockwerk in ein großes Zimmer, in dem seine französischen und russischen Geschäftsfreunde schweigend und unruhig saßen, standen, rauchten, gähnten. „Alles verloren, meine Teuren! Wir sind auf dem vollen Rückzug von Moskau. Die Schakale werden in Anatolien auf den Steppen heulen, durch die wir unsere Schienen legen wollten.“ „Nichts mehr zu machen?" „Nichts! Uebermorgen schaukeln wir alle auf Nimmerwiedersehen seekrank nach Konstanza!“ „Das kommt davon, wenn man sich mit Deutschen einläßt! Wir haben diesen Buddenhaus vorgeschoben...“ „Wir brauchen ihn nicht mehr— ich werde uns Franzosen und Russen von ihm befreien!“ sprach Rappaport. Er lief geschäftig über den Gang. Er klopfte an Paul Buddenhaus' Tür und trat ein. Der junge Mann saß hinter einer Lampe am Tisch und schrieb gerade seinen Namenszug unter einen kurzen, noch tintenfeuchten Brief. „Sie kommen wie gerufen!“ sagte er.„Eben wollte ich dieses Staatsdokument versiegeln und Ihnen hinüberschicken. Hier! Bitte!“ Der Finanzmann überflog die Zeilen. Er riß ungläubig die Augen auf. Er sprudelte: „Was... Sie wollen sich von uns trennen?“ „Sie lesen es!“ „Ja— woher wissen Sie denn schon, was passiert ist?“ „Ich weiß von nichts. Ich wünsche Ihrem Unternehmen guten Fortgang.“ „Wir waren im Begriff, Ihnen aufzusagen.“ „Um so besser! Dann kam ich Ihnen zuvor!“ Paul Buddenhaus geleitete verbindlich seinen Besucher zur Tür, hinter der eine Straßengestalt des Morgenlandes stand.„Erschrecken Sie nicht! Der Mann tut Ihnen nichts!“ Paul Buddenhaus ließ den mohammedanischen Bulgaren Kumani zu sich ins Zimmer. „Was hast du da für einen Brief in der Hand?“ „Efendi— am Kai von Galata ist ein Brausen, wie wenn die Heuschrecken wandern. Eine Dame auf dem Deck des„Herzog Karl“ ließ mich aus dem Gedränge am Land auf das Schiff holen, weil man ihr sagte, daß ich dein Stiefelputzer sei, und drohte: Der Erzengel Gabriel wird dich an deiner sündigen Stirnlocke der Höllenmutter zuwerfen, wenn du nicht dieses Papier in die Hände BuddenhausEfendi legst!" Paul Buddenhaus hörte nicht mehr. Er riß den Umschlag auf. Er las. „Also eigentlich wollte ich einfach mit dem „Erzherzog Karl“ abfahren. Er lichtet schon die Anker. Aber ich kann doch nicht ohne Abschied von Dir weg. Ich fahre nach Deutschland. Mein Bruder kann Dir genau sagen, wo ich bin. Da kann man mich bolen. Aber nur, wenn es danach ist! Ich bitte Dich: sei vorsichtig bei dem Geschieße! In großer Traurigkeit Imme.“ Das braune Volk, das unten im Hotelflur von innen das Tor bewachte, flatterte aus seiner beschaulichen Hockstellung in die Höhe. Der rotblonde, die Treppen hinaufstürmende Efendi warf ihnen Backschisch in die Handteller, in die Gesichter— wohin es traf. Hinaus in die wilde Jagd des Islams auf die Armenier. Da, schon dicht am Abfall der Gassen gen Galata, leuchtete tagheller Schein über dem Gewoge und Gebrüll. Da flammten die Dächer fünfstöckiger Häuser. Menschen standen auf den Balkonen und schrien. Im schwarzen Rauch und roten Funkenstieben vor dem Sternenhimmel kreisen verängstigte weiße Taubenschwärme. Unbeirrt singt nebenan vom hohen Turm der Muezzin den Ruf zum zweiten, zum Nachtgebet:„Kommt zur Tscha! Allah ist der Höchste!“ Unten prügeln sich die halbnackten türkischen Spritzenmänner mit der uniformierten ungarischen Feuerwehr, die sie nicht zur Plünderung in die brennenden Gebäude läßt. Die grünen Gendarmen hauen ordnungstiftend mit den Säbeln in das Handgemenge der Feuerhaken und Aexte. Ketten von Taschendieben haben sich reihenweise unterfaßt und stürmen unter Kriegsgeheul die Menschenmauern nieder. Hinterherspringende Bengel entreißen blitzschnell den Gestürzten Uhr und Börse. Ein paar von den Kerlen taumeln. Paul Buddenhaus hatte sich mit der Faust Platz gemacht. Weiter! Weiter! Die Reede von Galata mit vielen Lichtern, Ein Geschaukel letzter Boote vor der hochragenden schwarzen Schiffswand. Gleich wird das Fallreep eingezogen. Dr. Eduard Reyck kletterte vom Verdeck die steilen Stufen hinab. Er winkte zur Reling empor.„Gute Reise, Immel Grüße Deutschland!" Matrosen halfen ihm unten in sein tanzendes Boot und wehrten einem ungestümen jungen Mann, der aus einem daneben anlegenden Kahn noch an Bord strebte. Paul Buddenhaus stand in dem Fahrzeug. Er hielt mühsam sein Gleichgewicht. Er schrie hinauf:„Imme! Ich komme!“ Und mit aller Lungenkraft durch Wogenklatsch, Dampfzischen, Ankerspill, Gerassel:„Ich komm' zu euch und bleib’ von jetzt ab bei euch!“ „Signora!“ rief es von oben.„Sie dürfen nicht mehr auf das Fallreep. Es hängt schon hoch über dem Wasser!“ „Imme! Willst du gleich auf Deck bleiben!“ schrie von unten ihr Bruder.„Du darfst nicht nach Konstantinopel zurück! Sieh doch die Brände überall— die Gefahr...“ „Signora...“ Auf italienisch, im Heraneilen, der österreichische Lloydkapitän.„Es ist zu spät! Ich verbiete!“ Und stehenbleibend: „Da springt doch das verrückte Frauenzimmer durch die Luft ins Boot!“ „So. Da bin ich!“ Imme hielt sich unten im Nachen an Buddenhaus fest.„Und nun baust du mit uns die Bahn!" Ende. Storchenhistörchen Liebe und Appetit— Die allzu spröbe Umworbene Man erzählt sich oft die eigenartigsten Kuriosa über die langbeinigen, gefiederten Freunde des alten Strohdachhauses. Unerschöpflich scheinen die Storchengeschichten aber auch tatsächlich zu sein, denn immer wieder liefert der Storch, den wir so nahe beobachten können, neuen Stoff, wie zwei Beispiele aus jüngster Zeit— eines aus der Slowakei, ein anderes aus dem lieben deutschen Vaterlande— beweisen. Es war eine nicht alltägliche Liebestragödie. die sich hoch über den Köpfen der Einwohner des mittelslowakischen Ortes Topol abspielte. Die Hauptrollen hatten ein Storchenpaar und ein junger Nebenbuhler des„Storchgatten“. Das schon allen Einwohnern gutbekannte alte Storchenpaar auf dem höchsten Giebel der Gemeinde kehrte in diesem Jahre vom„Winterurlaub“ nicht allein zurück. In seiner Begleitung befand sich ein junger Storch, der der „legitimen“. Gattin des alten Storches eifrig den Hof machte. Mehrere Tage verbrachte er in ständigem Kampf mit dem alten Storch, doch dann mußte er dem rechtmäßigen Gatten das Feld räumen, da er auch bei der Störchin in Ungunst gefallen war. Der alte Storch war nämlich mit der Gegend besser vertraut als der junge Nebenbuhler und brachte seiner Gattin stets die fetteren Bissen heim. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, konnte der junge Storch nicht mitkonkurrieren und mußte verzichten... In Gassen, unweit Kottbus, hatte ein Garten= und Tierfreund in seinem Gärtchen einen künstlichen Storch in natürlicher Größe aufgestellt, der so gut nachgemacht war, daß er selbst einen wirklichen Langschnabel täuschte. Der lebende Adebar nämlich glaubte wohl, die passende Gefährtin für ein Sommerglück gefunden zu haben, er ließ sich bei der Attrappe nieder und bemühte sich eifrig um ihre Gunst. Als diese aber verständlicherweise keine Miene zeigte, auf das Liebeswerben zu reagieren. flog Adebar fort, um sein Glück am nächsten Mov gen zu wiederholen. So stellte sich der Ver liebte drei Tage lang im Garten ein und umgirrte zärtlich die vermeintliche Braut. Erst als er so gar kein Entgegenkommen fand stellte er enttäuscht und gekränkt seine weiteren Besuche ein. Keitler Garf schaeuer Nahren Führer: Keine Ausnahmen von der Geschwindigkeitsbegrenzung Berlin, 14. Juni. Zu der Verfügung des Führers über die Geschwindigkeitsbegrenzung für Kraftfahrzeuge wird ergänzend mitgeteilt, daß von dieser Verfügung im öffent. lichen Verkehr keinerlei Ausnahmen zulässig sind Bei kraftfahrtechnischen und kraftfahrsportlichen Erprobungsfahrten hat sich der Führer in Einzelfällen eine Ausnahmegenehmigung selbst vorbehalten. „Infanterieregiment Großdeutschland“ Feierlicher Namenswechsel des bisherigen Wachregiments Berlin Berlin, 14. Juni. Auf dem Kasernengelände des bisherigen Wachregiments Berlin in Moabit fand am Mittwoch vormittag in feierlicher Form die Umbenennung des Regiments in den ihm vom Führer kürzlich verliehenen Namen „Infanterieregiment Großdeutschland“ statt. Als der Kommandant von Berlin, Generalleutnant Seifert, auf dem Kasernenhof eintraf, war das Regiment in Paradeaufstellung angetreten. Der neue Regimentskommandeur Oberstleutnant von Steckhausen erstattete Meldung. Unter den Klängen des Präsentiermarsches schritt Generalleutnant Seifert die Front ab, um dann in einer kurz. nsprache den Namenswechsel zu vollziehen:„Auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres hat der Fuhrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht befohlen, daß das bisherige Wachregiment Berlin ab heute den Namen Infanterieregiment Großdeutschland führt.“ Zeppelin=Halle wandert Ein 24000=Zentner=Gebäube um 30 Meter verschoben Friedrichshafen, 14. Juni. Schon seit längerer Zeit trug sich der Luftschiffbau Zeppelin mit dem Gedanken, die Luftschiffhalle 1, die eine Länge von 250 Meter, eine Breite und eine Höhe von je 50 Meter besitzt, um 30 Meter zu verlängern. Aus Gründen der Zweckmäßigkeit, nicht zuletzt der Materialersparnis, entschloß man sich, den gesamten Hallenkopf an der Ostseite abzutrennen und um die vorgesehenen 30 Meter zu verschieben. Es war für die Zuschauer ein hochinteressanter Anblick, wie dieses Riesengebäude langsam seinen alten Platz verließ und an seinen neuen Bestimmungsort wanderte. Man kann sich einen Begriff von der ungeheuren Last machen, die hier fortbewegt wurde, wenn man erfährt, daß das Gesamtgewicht 1200 Tonnen, also 24000 Zentner, betrug. Rund sechs Stunden dauerte es, bis die Verschiebung beendet war. Fettverbilligung bis September Berlin, 14. Juni. Wie ein Erlaß des Reichsarbeits= und des Reichsernährungsministers mitteilt, werden die von der Reichsregierung zur Verbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung und zur Sicherung des Bezugs von Konsummargarine getroffenen Maßnahmen für die Monate Juli, August und September 1939 im bisherigen Umfange fortgeführt. Damit die von den Empfängern der Fettverbilligungsscheine nicht in Anspruch genommene Margarinemenge rechtzeitig dem freien Verkehr zugeführt werden kann, sind die Bestimmungen über das Abtrennen der entsprechenden Bestellscheine genauestens zu beachten. Die Minister weisen ferner darauf hin, daß auch bei Personen, die schon bisher Fettverbilligungs= oder Margarinebezugsscheine erhalten haben, bei jeder neuen Ausgabe von Scheinen zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für den Bezug noch vorliegen. Technik der Landwirtschaft aber sie soll nicht den Menschen ersetzen Berlin, 14. Juni. Der Staatssekretär im Reichsernährungsministerium, Herbert Backe, außert sich in der Zeitschrift des Reichskuratoriums für Technik in der Landwirtschaft grundsätzlich über Zweck und Ziel der Landtechnik. Die Landtechnik, so führt der Staatssekretär aus, ist weder eine vorübergehende Mode. noch ein unfehlbares Zaubermittel; sie ist ein Betriebsmittel, und zwar ein unentbehrliches. Landtechnische Kenntnisse und Verständnis für Maschinen gehören heute genau so zum tüchtigen Bauern wie Erfahrung in der Ackerwirtschaft und Verständnis für die Viehzucht, und niemand kann heute mehr Dienstleistungen erzielen, der nicht jedes brauchbare technische Mittel einsetzt. Eines aber kann sie nicht und soll sie nicht: den Menschen in der Landwirtschaft ersetzen! Der Franke Tefach, i Feichrn Err Die ttalienisch=spanischen Beziehungen herzlicher denn je Seumtenduzcherigren zu=Ergen Neuer Erlaß des Reichsinnenministers zur Beförderungsfrage Berlin, 14. Juni. Im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers hat der Reichsinnenminister unter Zusammenfassung aller bisher bestehenden Vorschriften einen neuen Erlaß über die Zugehörigkeit von Beamten zu Freimaurerlogen, anderen Logen oder logenähnlichen Organisationen herausgegeben. Ohne Aenderung der grundsätzlichen Einstellung verfügt er gewisse, eingeschränkte Erleichterungen. Wahrend bisher jede Anstellung und Beförderung von Beamten unmöglich war, die nach dem 30. Januar 1933 erst aus der Loge usw. ausgetreten waren, können in der durch den Erlaß im einzelnen geregelten Weise solche Beamte dennoch angestellt oder befördert werden. Zur Feststellung. ob Beamte Freimaurerlogen. anderen Logen oder logenähnlichen Organisationen oder deren Ersatzorganisationen angehört haben, hat jeder vor dem 1. August 1917 geborene Beamte, soweit nicht bereits geschehen, eine Erklärung nach einem vorgeschriebenen Muster abzugeben, wobei auf den Diensteid Bezug genommen wird. Personen, die in der Loge usw. einen höheren als den dritten Grad nicht erreicht, eine führende Stellung oder ein Amt nicht bekleidet haben, sollen aus ihrer Logenzugehörigkeit keine Nachteile erleiden. Soweit sie nicht vor dem 30. Januar 1933 aus. der Loge ausgetreten und nicht vor diesem Zeitpunkt in die NSDAP eingetreten sind, dürfen sie jedoch weder als Behördenvorstände berufen noch als Sachbearbeiter in Personalangelegenheiten beschäftigt werden. Ausnahmen sind zulässig. Die Entscheidung über die Ansteltung und Beförderung von Personen. die vor dem 30. Januar 1933 aus einer Freimaurerloge usw. ausgeschieden sind und in der Loge einen höheren als den dritten Grad. eine führende Stelle oder ein Amt bekleidet haben, ist von Fall zu Fall zu treffen. Personen, die erst nach dem 30. 1. 33 aus einer Freimaurerloge usw. ausgeschieden sind, und während ihrer Logenzugehorigkeit einen höheren als den dritten Grad. führende Stellen oder Logenämter bekleidet haben sind grundsätzlich von der Anstellung und Beförderung ausgetreter des Führers, bei den übrigen Beamten das mit der zuständigen Gauleitung der NSDAP herzustellen ist. Ohne Zustimmung des Stellvertreters des Führers sind frühere Angehörige von Freimaurerlogen usw. nicht mehr zu verwenden als Behördenvorstände und deren ständige Vertreter, allgemein als Personalsachbearbeiter, als geschäftsleitende Beamte und deren regelmäßige Vertreter und als Mitglieder von Dienststrafgerichten. Maßnahmen auf Erund der bisherigen Vorschriften bleiben unberührt. des Beschäftigungsgrades Die Entwicklung des Arbeitseinsatzes im Mai Berlin, 14. Juni. Ende April 1939 wurden im Altreich rund 21 570000 beschäftigte Arbeiter und Angestellte(einschließlich Kranke) gezählt. Im Mai ist eine weitere Steigerung des Beschäftigungsgrades um 370000 eingetreten, so daß Ende des Berichtsmonats mit 21940000 ein neuer Höchststand erreicht wurde. Gegenüber dem vorausgeangenen winterlich bedingten Tief beträgt die Beschäftigungszahl 1/6 Millionen gegenüber Ende Mai des Vorjahres 1,25 die Zahl der Beschäftigten um nicht weniger als 8.1 Millionen vermehrt. Trotz der in den letzten Monaten und Jahren eingetretenen starken Erhöhung des Beschäftigungsstandes ist keine Entspannung im Arbeitseinsatz eingetreten, da das Arbeitsvolumen in noch stärkerem Mazze als die Zahl der Arbeitskrafte gewachsen ist. In einzelnen Gebieten des Reiches waren in der Landwirtschaft die Frühjahrsarbeiten durch die regnerische Witterung behindert und drängten sich infolgedessen am Monatsende stark zusammen. Trotz des Einsatzes von Arbeitsmännern, Soldaten Landdienst, Pflichtjahrmädchen und ausländischen Sonderarbeitern bestand noch ein erheblicher Bedarf an Arbeitskräften, der nicht gedeckt werden konnte. Insbesondere fehlten gesunde Kräfte, geübte Jugendliche und Melker.— Auch in der Beuwirtschaft und den Produktionsgüterindustrien gestaltete sich die ausreichende Versorgung mit Arbeitern und Angestellten immer schwieriger. Die notwendigen Arbeitskräfte für staats= und wirtschaftspolitisch wichtige Aufgaben müssen zum Teil im Wege der Dienstverpflichtung gestellt werden. Auch in den meisten Verbrauchsgüterindustrien hat sich im Mai der Arbeitermangel noch verschärft, doch besteht hier noch eher die Moglichkeit, bisher nicht erwerbstätige Frauen einzustellen. In der Ostmark und im Sudetenland hat der Anstieg der Beschäftigung, der seit der Eingliederung ins Reich eingesetzt hat, im Berichtsmonat besonders starke Fortschritte gemacht. Ein Inde hingerichtet Wegen Vorbereitung zum Hochverrat Berlin, 14. Juni. Die Justizpressestelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Der vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat unter erschwerenden Umständen zum Tode verurteilte Herbert Israel Michaelis aus Hamburg ist heute morgen hingerichtet worden. Der wegen Betruges vorbestrafte Jude Michaelis hat es im Dienste der kommunistischen Internationale unternommen, in einigen norddeutschen Städten eine illegale Organisation zu schaffen. geheimhaltungsbedürftige Angelegenheiten der deutschen Wehrmacht auszuspahen und Anschläge auf lebens= und kriegswichtige Betriebe vorzubereiten. Emigranten sollen arbeiten! Die Stockholmer Polizei empfiehlt besondere Arbeitsdienstlager Stockholm, 14. Juni. Die hiesige Polizeibehörde verlangt in einem Schreiben an das Oberstatthalteramt von Stockholm eine strengere Ueberwachung von Emigranten. Zu diesem Zweck wird vorgeschlagen, Arbeitslager vor allem für solche Emigranten einzurichten, deren Verbleib im Lande unerwünscht ist, die aber aus gewissen Gründen nicht ausgewiesen werden können. Diese Emigranten sollen sich, wie es heißt, durch ihre Arbeit ihren Aufenthalt verdienen. Die Polizei glaubt ferner, daß die Errichtung solcher Arbeitslager die Kontrolle der Emigranten erleichtern werde. Kinder als Vrandstifter Lunden(Dithmarschen), 14. Juni. Die beiden fünf= und dreijährigen Jungen eines Bauern im Lundener Koog spielten mit Streichhölzern auf dem Boden eines in der Nähe des Wohnhauses gelegenen Heuschuppens. Dabei geriet das dort lagernde Heu in Brand, und dieser vernichtete den Heuschuppen. Während es dem älteren Jungen gelang, sich in Sicherheit zu bringen, fand man die verkohlte Leiche des jüngeren Bruders auf dem Boden des niedergebrannten Schuuppene Rom, 14. Juni. Die spanisch=italienischen Beziehungen sind entgegen den Hoffnungen Englands und Frankreichs, es werde nach dem Endsieg Francos und der Anerkennung des neuen Nationalspaniens bald eine gewisse Erschlaffung in den Beziehungen zwischen Burgos und Rom eintreten, seitdem nur noch freundschaftlicher und enger geworden. In völliger Verkennung der politischen und psychologischen Lag in Spanien habe man in London und Paris, glaubt, jederzeit auf die finanzielle Hilfe gegenüber Franco pochen und damit Italien und Deutschland rasch aus ihren wirtschaftlichen Positionen im nationalen Spanien verdrängen zu können. Die politische Realität mußte schließlich auch in der spanischen Frage England und Frankreich eines Besseren belehren und das ist, wie man beim Abschluß der Italienreise des spanischen Innenministers Suner in italienischen politischen Kreisen betont, das interessanteste Ergebnis der ersten außenpolitischen Stellungnahme des neuen nationalen Spaniens. Den wiederholten langen Unterredungen des spanischen Innenministers mit dem Duce und Außenminister Graf Ciano wird in Rom allgemein größte Bedeutung beigemessen, und zwar nicht nur in bezug auf die italienisch=spanische Schicksalsgemeinschaft im westlichen Mittelmeer, sondern auch in bezug auf die Stellung Spaniens zu den beiden Achsenmächten. In italienischen wie in spanischen Regierungskreisen läßt man die größte Zufriedenheit über den Verlauf dieser Besprechungen erkennen. Mit besonderer Genugtuung wird dabei auf die starke Beachtung hingewiesen, die man bereits heute in Paris und London vor allem auf Grund der im Palazzo Venezia gewechselten Trinksprüche der steten und sicheren Vertiefung der italienisch=spanischen Beziehungen schenkt. Zweifellos legt man in unterrichteten italienischen Kreisen der bevorstehenden Reise des italienischen Außenministers nach Spanien und dem für den Herbst angekündigten Besuch Francos in Rom besondere Bedeutung bei. Sie seien auf jeden Fall ein klares Zeichen dafür, daß Rom wie Burgos entschlossen seien, die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern immer enger zu gestalten, ohne damit jedoch irgendwelche hegemonistischen Interessen zu verfolgen, oder die natürlichen Interessen anderer Mittelmeerstaaten zu verletzen. Ein weiteres deutliches Zeichen in dieser Richtung darf man schließlich auch in dem Besuch erkennen, den die beiden spanischen Militärmissionen vor ihrer Rückkehr nach Burgos wichtigen Rüstungszentren, Verften und anderen Industriewerken Oberitaliens gemacht haben. Es sei übrigens in diesem Zusammenhang von besonderem Interesse, daß Chamberlain in der letzten Woche im Unterhaus ausdrücklich festgestellt habe, daß Spanien in der Wahl seiner Waffenlieferanten vollkommen frei und souverän sei und daß Waffenlieferungen aus Italien in keiner Weise mit dem englisch=italienischen Mittelmeerabkommen in Widerspruch stünden. Italien greift durch Zwangsverschickung einer Industriellenfamilie wegen Wirtschaftssabotage Mailand, 14. Juni. Lebhaftes Aufsehen erregt in der italienischen Industriewelt die scharfe Maßregelung einer Industriellenfamie lie wegen Sabotierung der Autarltebestrebungen der Regierung. Der Industrielle Silvio Ceretti und seine beiden Söhne haben in betrügerischer Weise die Vorschriften der Eisenkontingentierung in ihrem Stahlwerk zu gewinnsüchtigen Zwecken hintergangen und wure den daher jetzt zu zwei Millionen Lire Buße und je fünf Jahren Zwangsverschickung verurteilt. Angarischer Reichstag Feierliche Eröffnung durch den Reichsverweser Budapest, 14. Juni. Der neue ungarische Reichstag wurde am Mittwoch mit einer gemeinsamen Sitzung des Oberhauses und des Abgeordnetenhauses durch Reichsverweser von Horthy feierlich eröffnet. Horthy dankte in seiner Eröffnungsrede zuerst der Vorsehung dafür, daß Teile der vom Vaterland abgetretenen Gebiete nach 20 Jahren nicht durch einen mörderischen Krieg, sondern infolge eines Triumphes der Gerechtigkeit zu Ungarn zurückgekehrt seien. „Mit Dank und Zufriedenheit denken wir an jene großen Ergebnisse, die wir, gestützt auf die Freundschaft Italiens und auf die Freundschaft des alten treuen Waffenbruders Deutschland, erreichen konnten. Wie bisher, so wollen wir auch in Zukunft mit beiden mächtigen, miteinander verbündeten, befreundeten Staaten im Interesse des großen Werkes eines gerechten Friedens gemeinsame Wege gehen.“ Zu Polen, das wieder Ungarns Nachbarland geworden sei, knüpften Ungarn ungeschriebene Gesetze auf Grund einer aus historischen Traditionen entstandenen aufrichtigen Freundschaft. Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolge Ungarn alles, was zwischen Ungarn und Jugoslawien eine Atmosphäre des Vertrauens schaffen könne. Darüber hinaus reiche Ungarn freundschaftlich die Hand jeder Nation, die beweise, daß sie gutwillig sei. England bricht Abkommen Rom, 14. Juni. Die Besetzung von Shabva. einem strategischen Punkt im Grenzgebiet zwischen dem englischen Protektorat Aden und dem Königreich Jemen durch englische Truppen wird hier mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. In unterrichteten italienischen Kreisen erklärt man, die englische Presse versuche die im Ausland schon bekanntgewordenen Nachrichten als Falschmeldungen abzutun, gebe aber, wie die„Times“, im gleichen Atemzuge zu, daß die Besetzung schon vor einigen Monaten erfolgte. Diese Besetzung, so betont man in den gleichen Kreisen, sei gegen den Willen und trotz des Protestes des Imam vom Jemen unter offener Verletzung des englisch=jemenitischen Abkommens erfolgt. Nach diesem Abkommen sollen die noch offenen Grenzfragen im beiderseitigen Einvernehmen geregelt werden, während die Besetzung von Shabva durch eine einseitige Maßnahme eines englischen Offiziers erfolgte. Ob durch dieses einseitige Vorgehen auch eine Verletzung der englisch=italienischen Abmachungen betreffend das Rote Meer vorliege, werde von Rom, das bekanntlich mit dem Jemen einen Freundschafts vertrag hat, noch geprüft werden müssen. Hurchtburee Anglau in Sberath Zwei mit Baumstämmen beladene Craktor=Anhänger keippten um Personen getötet Köln, 14. Juni. Ein furchtbares Unglück, bei dem vier Personen ums Leben kamen, trug sich am Mittwoch mittag in dem Ort Overath im Oberbergischen zu. Auf der vom Heilighauser Berg in den Ort führenden abschüssigen Straße war ein Traktor mit zwei Anhängern, die mit schweren Baumstämmen beladen waren, aus bisher noch nicht geklärter Ursache in ein immer schnelleres Tempo geraten. Beim Nehmen einer Linkskurve kippten beide Anhänger um. Von den mit ungeheurer Wucht fortgeschleuderten Baumstämmen wurden vier Fußgänger getroffen. Zwei von ihnen wurden auf der Stelle getötet. Eine dritte Verunglückte starb kurz nach dem Unfall, während eine Schwerverletzte nach zwei Stunden im Krankenhaus verschied. Bei den auf so tragische Weise ums Leben Gekommenen handelt es sich um zwei im Alter von 59 und 60 Jahren stehende Frauen aus Duisburg, die sich in Overath besuchsweise aufhielten, ferner um einen 27jährigen jungen Mann aus Overath. Der Fahrer des Traktors sowie ker Beifahrer kamen mit dem Schrecken davon. Bei dem Unglück wurde auch die Front eines Hauses erheblich in Mitleidenschaft gezogen; u. a. ging eine große Schaufensterscheibe vollständig in Trümmer. Erst in den späten Nachmittagsstunden konnte der Verkehr auf der Straße wieder freigegeben werden. Polizei und Staatsanwaltschaft haben sofort eingehende Feststellungen getroffen, um die Ursache des folgenschweren ungluas aufzuklären. Direktor der Junkers=Flugzeugwerke abgestürzt Das Beileid Görings Berlin, 14. Juni. Montag vormittag mußte bei Angermünde ein Privatflugzeug eine Notlandung vornehmen, wobei infolge vorzeitiger Bodenberührung das Flugzeug zu Bruch ging. Von den zwei Insassen wurde einer leicht verletzt, während der andere, Direktor Achterbeig der Junkers=Flugzeug= und Motorenwerke AG, so schwer verietzt wurde, daß er am späten Nachmittag im Krankenhaus zu Angermünde verstarb Die ganze deutsche Luftfaort verniert in ihm einen ihrer fähigsten und aktivsten Pioniere. Achterberg besaß nicht nug die Gaben eines vortrefflichen Ingenieurs, sondern auch einen vorbildlichen Menschenführers. Auf welchen Posten er auch gestellt wurde, überall gelang es ihm, sich seine Mitarbeiter zu Kameraden und Freunden zu machen. In kür 15 Motorenwerken beim Aufbau der deutschen Luftwaffe gestellten Aufgaben zu erfüllen und damit überhaupt der ganzen deutschen Luftfahrt unschatzbare Dienste zu leisten. Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring hat aus Anlaß des Fliegertodes von Direktor Achterberg an den Betriebsführer des Junkers=Konzerns Dr. Koppenberg fol'9 SJJegramm gerichtet: die Nachricht von dem enve- erschittert über die „Tief erschütter:## die Nachricht von dem tragischen Tod des Herrn Direktor Achterberg übermittle ich Ihnen und den Junkerswerken meine tiefempfundene Anteilnahme Sie selbst wissen wie unersetzlich dieser Verlust nicht nur für Sie, sondern auch für mich und die ganze deutsche Luftfahrt ist. Ich werde diesem so überaus verdienten und wertvollen Mitarbeiter stets ein ehrendes Andenken bewahren. Göring, Generalfeldmarschall.“ Katastrophale Dürre in ASA. Millionenschaden erwartet Newyork, 14. Juni. Weite Gebiete im Osten der Vereinigten Staaten leiden zurzeit unter einer Dürre, die den größten Til der Getreideund Gemüseernte zu vernichten droht. Im Staat New Jersey und im Süden des Staates Newyork, wo seit April nur etwa ein Sechstel der normalen Regenmenge niederging. berechnet man, daß eine ähnliche gefahrvolle Dürrezeit seit 1903 nicht mehr zu verzeichnen war. Die voraussichtlichen Ernteschäden werden heute schon auf acht Millionen Dollar geschätzt. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbeis hat 14 betagten Filmkünstlern in Anerkennung ihrer jahrelangen erfolgreichen künstlerischen Tatigkeit zur Linderung ihrer wirtschaftlichen Notlage einen monatlichen Ehrensold ausgesetzt und hierfür einen größeren Betrag zur Verfügung gestellt. Ihre Vermählung geben bekannt: Adolf von Ohle Paula von Ohle geb. Rück Schwerte, den 15. Juni 1939 1933 Fulbeschwerden! Tragen Sie richtige orthopädisch gearbeitete Maßschuhe? Gut sitzende Maßeinlagen gegen Senk-, Spreiz- u. Knickfuß. 42 Jahre lange Ersehrungen!.—Hiohe Auszeichnungen! 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Je 11 Spieler bereiten sich in der Weltstadt Wien und in dem kleinen Ort Schalke bei Gelsenkirchen auf den Kampf vor, und Hunderttausende greisen mit mehr oder weniger Sachverstand die alten Themen auf, in denen Mannschaftsaufstellung und System, Wiener Stil und Schalkes Kreiseln und nicht zuletzt auch fromme Wünsche und Sympathie ihre Rolle spielen. Mag der Sieger am Sonntag Schalle oder Admira heißen, mag der oder jener die Tore schießen— es ist nicht allein das Können der Spieler, das eine hunderttausendköpfige Menge am Sonntag anzieht und fasziniert, es ist das Fluidum der Deutschen Fußballmeisterschaft, die Atmosphäre eines Kampfes, der einen dicken schwarzen Schlußstrich unter Erfolg und Versagen, Arbeit und Freude eines ganzen langen Jahres setzt. 30 000 Fußballmannschaften kämpfen nach einem wohlgeordneten Spielplan um den Titel. 11000 erste Mannschaften treten an. Ueber 350 000 Spieler, Schiedsrichter und Linienrichter sind Sonntag für Sonntag auf den Fußballfeldern. 12 Millionen Aktive kämpfen bei einem Durchschnitt von 40 Spielsonntagen um den braunen Lederball, um Torerfolge, um Punkte. 30 000 Bälle für eine halbe Million Reichsmark werden in einem Jahre gebraucht. Für drei Millionen Reichsmark kausen die deutschen Fußballspieler 200 000 Paar Fußballschuhe. 12 weitere Millionen werden für Sportkleidung ausgegeben. 40000 Unparteiische leiten die Spiele. Hunderttausende von Kilometern reisen die Mannschaften, in Hunderttausenden von Trainingsstunden bereiten sie sich vor... Unendlich ist die Kette, unendlich die Arbeitsleistung in allen Mannschaften, bis es heißen kann:„Alles fertig zur Deutschen Fußball=Meisterschaft 1938/39.“ Seit drei Jahrzehnten ist der Juni der Monat der Deutschen Fußballmeisterschaft, die früher zugleich Bundesfest des damaligen Deutschen Hußball=Bundes war, Treffpunkt aller maßgebchen Männer, die sich im Anschluß an die Sie##r##eier sofort wieder mutig in Arbeit und Platung der neuen Saison stürzten. Diese Männer, deren Herz damals wie heute noch dem Fußballsport gehört, werden auch am kommenden Sonntag ihren Platz im Stadion haben. Und wenn der Schiedsrich= ter das Spiel anpseift, das den Kampf um den Titel entscheidet, dann werden sie vielleicht zurückdenken an die früheren Meisterschaften, an das Jahr 1903, als die Ersten Deutschen Fußballmeisterschaften„nur für solche Verbände ausgeschrieben wurden, die mehr als vier Vereine hatten“, an das gefälschte Telegramm, das den Karlsruher Fußballverein um Meisterehren brachte und an die Sportplätze, die mit den unseren oft wirklich nur den Namen gemeinsam hatten. Die Namen der bisherigen Deutschen Fußballmeister werden noch einmal in ihrer Erinnerung wach werden. Da ist der VfB. Leipzig, der dreimal Deutscher Meister wurde, da ist der 1. FC. Nürnberg mit seinen sechs Endspielsiegen, da sind die Deutschen Meister, die Berlin stellte, die Union 92, Viktoria 89 und Hertha BSC. Sie denken zurück an die Spiele, in denen sich die Karlsruher den Titel holten, die Phönix=Elf und der FV=Karlsruhe, an die Glanzjahre des 5SB 1923 und 1928 und an die Erfolge der Spielvereinigung Fürth in den Junimonaten der Jahre 1914, 1926 und 1929. Sie vergessen auch nicht die Mannschaften, die bis jetzt nur einmal das Ziel erreichten, der FC. Freiburg, der Fußballverein Holstein=Kiel, FC. BayernMünchen, Fortuna=Düsseldorf und der vorjährige Meister Hannover 96. Schließlich aber werden ihre Gedanken bei den Meisterschaftsspielen 1934, 1935 und 1937 steben bleiben, und die Kämpfe, in denen Schalke den begehrten Titel eroberte, werden an ihren Augen vorüberziehen. Nun hat Schalke zum vierten Male die Chance. Sieg oder Niederlage— Schalke 04 oder Admira Wien— der Kampf ist offen. Nach dem Meisterschaftsspiel wird die Kurve der Spannungen und Ereignisse steil nach unten abfallen. Die große Spielpause beginnt. Unsere Nationalmannschaft hat zwar gegen Norwegen am 22. Juni in Oslo und gegen Dänemark am 25. in Kopenhagen noch zwei Spiele auszutragen, weil die nordischen Staaten wegen des langen. Winters nur im Sommer Länderspiele austragen können. Im allgemeinen aber herrscht bis zum 15. August Spielruhe. In dieser Pause von zwei Monaten heißt es, die Mannschaften für die neuen Kämpfe fit zumachen, heißt es, die Elf in ihrer Kameradschaft zusammenzuhalten, heißt es, Atem zu holen für das sich ewig drehende Karussell des deutschen Fußballsports. Während der Deutsche Meister 1938/39 noch nicht feststeht, beginnt vielleicht im Schatten des großen Spiels um den Titel schon der junge Meister des nächsten Jahres sich zu entwickeln. Ewig ist das Auf und Ab im Sport, das Kommen und Gehen der Meister, der Sieg und die Niederlage. * Tus 1884 Ergste 1.— VfL. Aplerbeck 1. 5:3. Die Aplerbecker waren bei den Ergstern zwecks Austragung eines Freundschaftsspieles zu Gast. Die Ergster Mannschaft zeigte ein schönes Zusammenspiel. Der Ergster Sturm, der eine außergewöhnliche Schußfreudigkeit an den Tag legte, konnte bis zur Halbzeit bereits dreimal erfolgreich sein. In der 2. Halbzeit erzielten die Aplerbecker bis zum Spielschluß drei Treffer, während die Ergster noch zweimal erfolgreich waren. Beim Stande von 5•3 wurde der jederzeit spannende Kampf beendet. * Der Handballspielplan für die Reichswettkämpfe der SA. steht fest. Am 17. und 18. Juni werden die Ausscheidungsspiele zu den Reichswettkämpfen der SA. im Handballspiel in Angriff genommen. Die Sieger treffen am 25. Juni in der zweiten Runde zusammen. Die Spielansetzung für den 17. bzw. 18. Juni sieht in Gruppe IV ein Spiel Niederrhein gegen Westfalen in Krefeld vor. Schilds zweiter Etappensieg Massenankunft der Deutschlandfahrer in Singen Die Großdeutschland=Fahrer scheinen es gründlich mit dem Wettergott verdorben zu haben. Wie an einem Novembertag war es in Augsburg, dem Start zur 12. Tagesstrecke nach Singen am Bodensee(250,2 km) bitter kalt. Dafur blieb es aber wenigstens trocken und auch die Straßen durch das schöne württembergische Land waren gut. In Singen gab es nach einem überaus schnellen Rennen eine Massenankunft von 42 Fahrern, so daß sich sowohl in der Gesamt= als auch in der Mannschaftswertung nicht viel geändert hat. Der Chemnitzer Schild erwies sich auf der Asphaltstrecke am nicht besetzten Ziel in Singen als der Schnellere. Schon bei der letzten Kilometermarke hatte der Vorjahrssieger der Deutschlandfahrt seinen größten Gang eingeschaltet und erkämpfte sich verbissen gegen die stark angreifenden ehemaligen Schweizer Fliegermeister Waegelin: sowie Wendel und Wengler seinen zweiten Etappensieg. Kampf der Europameister Mellors vor Ewald Kluge in der Leichtgewichts=TT In strömendem Regen und bei dichtem Nebel spielte sich am Mittwoch auf der Insel Man der Kampf der Leichtgewichts=TT der Klasse bis 250 ccm ab. Nach einem harten Kampf siegte der Engländer Mellors auf Tonelli mit 3¾ Minuten Vorsprung gegen unseren Europameister Ewald Kluge auf AutoUnion=DKW. Erst hinter den beiden festländischen Maschinen kam die von Tyrell Smith gesteuerte Excelsior, die lange Jahre hindurch diese Klasse beherrscht hatte, auf den dritten Platz. Ausgezeichnet schlug sich wieder Siegfried Wünsche(Auto=Union=DKW), der in prächtiger Fahrt sich zum Schluß noch den fünften Platz eroberte, während sein englischer Markengefährte Thomas nur 8. werden kennte. Die Härte des Rennens kennzeichnet am besten die Tatsache, daß von 26 gestarteten Fahrern nur die Hälfte das Ziel erreichten. Die beiden italienischen Guzzi schieden ganz aus, während von der Auto=Union=Mannschaft nur Fleischmann das Ziel nicht mehr erreichte. Vor dem Rennen hatte NSKK.=Gruppenführer Kraus am Gefallenen=Denkmal zu Douglas einen Kranz niedergelegt, eine Gedenkminute war unserem so jäh dahingegangenen Karl Gall gewidmet. Schon in der ersten Runde trafen die Fahrer auf dichten Nebel, der oft nur eine Sicht auf etwa 25 Meter zuließ. Dazu gesellte sich noch ein unangenehmer Regen, der während der Dauer des Rennens stärker und stärker wurde. Auf der glatten Strecke konnten natürlich keine Rekordzeiten gefahren werden und dennoch verlief das Rennen äußerst schnell. Besondere Beachtung wurde der neuesten italienischen Konstruktion, den Guzzi=Kompressormaschinen, aber auch den vorjährigen zweizylindrigen DKW=Maschinen geschenkt. Viel versprach man sich natürlich von dem Zusammentreffen der beiden Europameister der 350er und 250er Klasse, Mellors(England) und Ewald Kluge. Der Deutsche war aber insofern im Nachteil, als den Engländern bei den schlechten Witterungsverhältnissen die Kenntnis der Strecke natürlich sehr zustatten kam. Außerdem hatte Kluge zweimal, Mellors aber nur einmal Betriebsstoff nachfüllen müssen. Nach der ersten Runde führte Tenni, der Vorjahrssieger mit seiner roten Guzzi vor Stanley Wood, Mellors, Kluge und Fleischmann das Feld an. Fleischmann kam nicht bis zur dritten Runde, in der auch Tenni das Schicksal ereilte. Der durch einen Kerzenwechsel etwas zurückgefallene Stanley Wood fuhr dann mit 28:28 Min.— 125,69 Stdllm. die schnellste Runde des Rennens, ohne jedoch an die Rekordzeit von Kluge(28:11 Min. 129.20 Stdklm.) heranzukommen. In der Folge wurde aber keine Runde mehr unter 29 Minuten gefahren. Mellors lag in der fünften Runde fast 4 Minuten vor Kluge, der einen 2.=Win.= Abstand gegen Smith hatte. Dahinter folgte mit weiteren 10 Minuten Rückstand der Engländer Martin, den Wünsche bis zum Schluß stark bedrängte. Stanley Wood hatte die Waffen gestreckt. Bergsteigersieg München, 14. Juni. Deutsche Bergsteiger feierten im Himalaja einen neuen Sieg über die Naturgewalten. Die drei Münchener Bergsteiger Ernst Grob, Herbert Paidar und Ludwig Schmaderer konnten im SikkimHimalaja nach siebentägigem Ringen am 29. Mai den Gipfel des 7363 Meter hohen Tent Peak ersteigen, der als der schönste Siebentausender im Gebiet des„Kantsch“ gilt und bisher noch nicht erstiegen werden konnte. Alle früheren Angriffe auf den Tent Peak waren weit unterhalb des Gipfels gescheitert. Genau vier Wochen nach ihrer Abreise von Darjeeling haben die drei Deutschen ihr Ziel erreicht, sie haben damit zu den fünf bisher von deutschen Bergsteigern im Himalaja und im Karakorum erstiegenen Siebentausendern einen sechsten erobert. 200 Südwestfalen in Northeim Die Reichsarbeitstagung der NS.=Kriegsopferversorgung An der Großdeutschen Reichsarbeitstagung der NS.=Kriegsopferversorgung, die vom 15. bis 18. Juni 1939 in Northeim(Hannover) stattfindet, werden 200 Amtswalter(der Gauamtsleiter mit seinen Abteilungsleitern der Gaudienststelle und Kameradschaftsführer der NSKOV.) aus Westfalen=Süd teilnehmen. Sie fahren mit einem Sonderzug am 16. Juni ab Bochum um 8,51 Uhr über Dortmund=Süd. Die Reichsarbeitstagung wird am Donnerstag, dem 15. Juni, mit einem großen Presseempfang und mit einem Richtfest der NSKOV.= Siedlung durch Reichskriegsopferführer, SA.= Gruppenführer Oberlindober, eröffnet. Wie alljährlich, so werden auch in diesem Jahre alle Arbeitstagungen der einzelnen Abteilungen unter dem Gesetz schlichter frontsoldatischer Arbeit und Kameradschaft stehen. Während der Tagung findet auch ein großes Preisschießen der besten NSKOV.=Schützen im Reiche um den Wanderpreis des Korpsführers des NS.=Fliegerkorps, General der Flieger Christiansen, und Die neue gebietliche Gliederung des RSRL. Nachdem der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen vor einigen Monaten durch den Erlaß des Führers eine von der Partei betreute Organisation wurde, mußte auch die gebietliche Organisation des RSRL. einer Revision unterzogen werden, das heißt, die gebietliche Gliederung des RSRL. mußte auf die gebietliche Organisationsform der Partei abgestimmt werden. Ohne sich mit der neuen Oorganisationsform im einzelnen zu befassen, kann im Prinzip folgendes herausgestellt werden. Die bisherige Organisationsform des NSRL. war auch schon früher weitgehend mit der gebietlichen Gliederung der Partei in Einklang gebracht worden. Diese Tatsache ermöglicht es, daß die Organisation des RSRL. weder umgestoßen noch vollkommen neu aufgebaut werden muß. Die verschiedenen Sprachregelungen für bestimmte Gebietseinteilungen in dem NSRL. und in der Partei können in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle spielen. So wird auch nach der neuen Gebietseinteilung des RSRL. die 18teilige Hauptgliederung beibehalten. Diese 18 Teile heißen aber nicht mehr Gaue, sondern in Zukunft Sportbereiche. Eine Untergliederung der Sportbereiche mit dem Sportbereichsführer sind die Sportgaue, die sich mit den Parteigauen decken. An der Spitze steht der Sportgauführer. Dann kommt die Gliederung der Bezirke, die im großen und ganzen die Rolle der früheren Sportkreise einnehmen. Weiterhin gibt es RSRL.=Kreise, die räumlich mit den Parteikreisen zusammenfallen. Wir unterscheiden also in Zukunft: Sportbereich, Sportgau, Sportbezirk und Sportkreis. Die Amtsträger heißen: Sportbereichsführer, Sportgauführer, Sportbezirksführer und Sportkreisführer. Wir haben also im RSRL. statt der bisherigen zweifachen Gliederung Gau und Kreis nunmehr eine vierfache Gliederung, nämlich Bereich, Gau, Bezirk und Kreis, das heißt aber nicht, daß damit auch die Bürokratie größer werden soll; die Arbeitszentralen sind die Sportbereiche und die Sportbezirke, während die Sportgauführer und Sportkreisführer im wesentlichen nur Aufgaben der Aufsicht haben und Verbindungsmänner zur Partei und zu den Behörden sind. * In der ersten Nummer der vom Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen neu herausgegebenen Sportzeitung„NS.=Sport“ wendet sich zunächst der Reichssportführer von Tschammer und Osten in einem herzhaften Wort an seine Kameraden vom NSRL. Der Stabsleiter des NSRL. G. von Mengden, erläutert in seiner Arbeit:„Bote der Kamerad= schaft“ den Sinn und den Weg der neuen Sportzeitschrift. Ueber„Politik im Sport“ hat Prof. Dr. Heinz Wetzel einen grundlegenden Beitrag verfaßt, und Werner Gärtner hat seinen„Wir verquicken...“(nämlich Sport und Politik) eine Absage an die grundsätzlichen Meckerer des Auslandes geschrieben. Von den übrigen Mitarbeitern an der ersten Nummer des „NS.=Sport“ erwähnen wir u. a. noch Hermann Ohnesorge(„Vom Spielen und Turnen der Kinder“), H. Warninghoff(„Und wir Frauen?“), Heinrich Meuse?(„Das geht alle an!"), G. von Mengden(„Die neuen Strafbestimmungen"), R. Hagelstange („Die Jünglinge") und eine von dem mit G. von Mengden verantwortlich zeichnenden Schriftleiter Fritz Haeffs stammende köstliche Seite „Darüber kann man ruhig einmal sprechen!" Von aktuellen Dingen werden das DavisCup=Spiel Deutschland— England behandelt, die Vorendspiele um die deutsche Fußballmeisterschaft, das Hockey=Endspiel und die Kreismeisterschaften der Leichtathleten; hier will der NS.=Sport sich bewußt von einer allgemeinen Sportberichterstattung fernhalten, vielmehr die Ereignisse kritisch unter dem Gesichtspunkt der allgemeinen Leistungssteigerung behandeln.— Die Beilage„Der Sportwart“, für die Meusel, Busch und Ohnesorge sich einsetzen, bringt Abhandlungen über die Turnhallen=„Not“, den Hürdenlauf, den Dreisprung und den Sprung im allaemeinen um den besten Schützen des Gaues Westfalen Süd statt. Eine besondere Bedeutung erhält die diesjährige Reichsarbeitstagung dadurch, daß in ihrem Rahmen von Seiten der Stadt Northeim in der herrlichen Weihestätte das Festspiel„Die Fahne ruft", von Dr. Fritz Braak, uraufgeführt wird. Die Reichsarbeitstagung wird am Sonntag mit einer Großkundgebung, auf der außer dem Reichskriegsopferführer auch der Reichsjugendführer Baldur von Schirach und Reichsleiter Alfred Rosenberg sprechen werden, und einem Vorbeimarsch auf dem Platz der SA. abgeschlossen. Jugendgruppenmädel erhielten eine Einladung des Kameradschaftsgaues Steiermark. Einer Einladung der Gaufrauenschaftsleitung Steiermark, unseres Kameradschaftshauses, folgend, wird Anfang August eine Schar von etwa 30 Jugendgruppenmädeln des Gaues Westfalen=Süd an einer Fahrt nach der Steiermark teilnehmen. Um einen besonders schönen Teil der steirischen Landschaft und ihrer Bewohner kennenzulernen, soll u. a. mit dem Rucksack eine sechstägige Wanderung von Admont bis zum Semmering— mit einem Abstecher nach Graz— unternommen werden. Diese in Aussicht genommene Reise soll den Jugendgruppenmitgliedern nicht nur eine Erholung und Ausspannung sein, sondern mehr noch wird sie ein festes kameradschaftliches Band schließen zwischen den Jugendgruppen der beiden Kameradschaftsgaue. wehrgeistige Erziehung Tagung der Pressewalter des RS2B. in Lüdenscheid. In dem Gauschulungsheim des RS.=Lehrerbundes auf der Wislade fand wiederum eine Tagung der Gauamtsleitung der Erzieher im Gau Westfalen=Süd statt. Es waren diesmal die Kreisabteilungsleiter für Presse und Propaganda, die mit etwa 30 Teilnehmern am Freitagnachmittag eintrafen. Am ersten Tage sprach Gauredner Dr. Schmidt über Ostmarkfragen und am Sonnabend Reichshauptstellenleiter Arnold aus Bayreuth über die Aufgaben der RSLB.= Presse sowie über die wehrgeistige Erziehung. Parteigenosse Woelbing, der diese Tagung leitete, sprach Sonntag über Presse= und Propagandafragen innerhalb des RSLB. im Gau Westfalen=Süd. Druck u. Verlag Hans Linner vorm. Carl Braus. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Dr. HansAdolf Ebing, Schwerte(Ruhr). Verantwortlich für den gesamten Textteil: Dr. Hans=Adolf Ebing, Schwerte(Ruhr). Verantwortlich für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte (Ruhr). Z. Zt. ist Preisliste 11 gültig. D.=A. V./39: 1517. Sprechstunden der Schriftleitung täglich ½10 bis ½11 Uhr außer Sonnabend. Sonst nach schriftlicher oder sernmündlicher Anmeldung. Der Briefmarkensammler Vereinigte Staaten von Nordamerika. Die Postverwaltung der Vereinigten Staaten ließ zur Jahrhundertseier des Staates Texas einen Gelegenheitswert erscheinen. Das Markenbild zeigt eine Ansicht des Klosters Alano, einer der Kampfstätten im Kampf des Staates gegen Mexiko. In zwei Medaillons finden sich die Bildnisse von Austin und von Sam Houston, den beiden Gründern des Staates Texas. Der Wert dieser neuen Marke beträgt 3. C. Brasilien. Brasilien ließ aus Anlaß der Dreihundertjahrfeier der Stadt Cameta in Nordbrasilien zwei Erinnerungsmarken erscheinen. Beide Marken haben großes Querformat. Die Markenbilder zeigen die Ansicht der Stadt Cameta. Zu melden sind folgende Werte: 200 Reis orangebraun und 300 Reis grün. Neue Luftpostmarke für die Schweiz. Die seit längerer Zeit erwartete Schweizer Luftpostmarke zu 50 Rappen ist in neuen Farben erschienen. Ihre Farben sind jetzt schwarzgrün und rot. Die Marke zeigt wie bisher großes Querrechteckformat. Es handelt sich um zweifarbigen Druck auf weißem Faserpapier mit dem Wasserzeichen Kreuz mehrfach. Die Zähnung beträgt wie bisher 11½. Erinnerungsmarke für Schweden. Schweden ließ eine Luftposterinnerungsmarke zu 50 Oere, Farbe ultramarin, erscheinen. Das Markenbild zeigt ein großes Verkehrsflugzeug im Flug über Südschweden, das landkartenähnlich dargestellt ist. Auch die Nachbarländer Deutschland, England, Norwegen, Dänemark und Finnland sind zu sehen. Die Wertangabe steht oben im Markenbild. Die Landesangabe läuft über die ganze Marke in ihrem unteren Teil. Die beiden Orte Bromma Aerodrom, aus Anlaß der Einweihung eines Flughafens ist die neue Marke herausgekommen, und Stockholm sind im Kartenbild verzeichnet. Die Druckerei der schwedischen Postverwaltung stellte diese im großen Querrechteckformat erschienene Marke im farbigen Tiefdruck her. Das Papier ist weiß. Der Entwurf der Marke stammt von Pros. Olle Hjortzberg, Lehrer an der Akademie der Schönen Künste in Stockholm. Die Zähnung beträgt 10; waagegerecht ungezähnt. Die Stempelsammler wird es interessieren, daß am Tage der Einweihung des neuen Flughafens ein besonderer Stempel benutzt wurde, der im Kreis beide oben genannten Ortsnamen, ein Flugzeug und Datumzahlen zeigt. Neuer Wert für Persien. Für Persien erschien ein neuer Wert zu 1,50 Rial im bekannten Schahmuster der kursierenden Marken. Die Farbe des neuen Wertes ist violettblau. Es handelt sich um farbigen Druck der Staatsdruckerei in Teheran. Das Papier ist weiß. Die Zähnung beträgt 11. Kanada— keine neue Kriegserinnerungsmarke. Wie bekannt wird, ist durch die kanadische Regierung die Herausgabe einer Vimy=Gedenkmarke anläßlich der Kriegserinnerungsfeiern kanadischer Frontkämpfer auf den Schlachtfeldern Frankreichs abgelehnt worden. Ursprünglich war die Herausgabe einer besonderen Erinnerungsmarke angekündigt worden. Dieser Entschluß ist um so bemerkenswerter, als der englische König voraussichtlich als Frontkämpfer an einer der Erinnerungsfeiern teilnehmen wird. Dienstmarken für Neuseeland. Neuseeland kündigt, nachdem die bisherigen Dienstmarken aufgebraucht sind, neue Aufdruck=Dienstmarken an. Mohrrüben mit Sahnentunke. Ein Kilo Mohrrüben werden gereinigt, in Scheiben geschnitten und in wenig Fleischbrühe unter Zusatz von 50 Gramm Butter weich gedünstet. Dann verquirlt man ein ganzes Ei mit 1/4 Liter Sahne, schmeckt mit Salz und Pfeffer ab, gießt die Tunke über die Mohrrüben und läßt alles noch einmal warm werden, nicht kochen. Das Gemüse wird mit Petersilie bestreut und mit Salzkartoffeln aufgetragen. Selleriecreme, sehr gut als Nachtisch. 300 Gramm recht schöne Selleriescheiben werden mit 100 Gramm Butter. und einem halben Liter Milch ganz weich gedämpft, wor; auf man die Mitte durch einen Durchschlag passiert. Dann löst man in einen halben Liter klarer, heißer Würfelbrühe zwölf Blatt in kaltem Wasser eingeweichte und wieder ausgedrückte Gelatine auf, gibt das Selleriemus darunter und schmeckt mit Salz und Paprika pikant ab. Kurz vor dem Stocken unterzieht man noch einen halben Liter fest ausgeschlagene ungesüßte Sahne und läßt die Speise in: Slaschalen erkarren. Haster i Rührei wird bedeutend ergiebiger und herzhuftr# im Geschmack, wenn man beim Einquirlen der Eier geriebenen Parmesankäse zufügt, und zwar auf je ein Ei eine: große Messerspitze voll. 5 Korinthen säubert man am besten von dem Staub und den feinen Stengelchen, wenn man sie dick mit Mehl bestreut und zwischen den Händen reibt. Dann legt man: sie auf ein Sieb, setzt dieses in eine Schüssel und spült; tüchtig mit Wasser nach. Die Korinthen darf man nicht im Ofen trocknen, da sie dadurch hart werden. Man legt sie zwischen saubere Tücher und läßt sie an der Luft nachtrocknen. Auch vom frischgebackenen Brot kann man feine Scheiben schneiden, wenn man sich eines heißen Messers bedient. Rinderbraten erhält einen sehr pikanten Geschmack, wenn man ihn am Abend vorher mit seinem Speisesenf messerrückendick bestreicht und, ohne ihn abzuwaschen, am andern Tage brät. Saure Kalbshaxen: Die Haxe wird gespalten, gewaschen und in einen Kochtopf gebracht. Hierauf setzt man sie mit leichter Fleischbrühe, einem Schuß Weinessig, einem Glas Weißwein, reichlich in Streifen geschnittenem Wurzelwerk, Zwiebeln, Pfefferkorn, Lorbeerblatt, etwas Zitronenschale, dem nötigen Salz auf und kocht sie weich. Dann hebt man die Haxe heraus, richtet sie in einer tiefen Schüssel an, gibt das Wurzelwerk und die gedickte Tunke darüber und reicht Salzkartoffeln dazu. Von links nach rechts: 1. Leuchtturm an der oftpreußischen Bernsteinküste, 9. Landhäuschen, 10. Benediktinerabtei in Oberbayern, 12. französisches Zuchthaus, 14. Fluß zur Wolga, 16. flüssiges Fett, 18. Stadt an der Etsch, 20. Turngerät, 21. Bühnenaufzug, 22. Getränk, 24. Stadt in Württemberg, 27. Soldat, 30. Tageszeit, 33. weiblicher Vorname, 34. Alpenkette in Südtirol. Von oben nach unten: 1. alkoholisches Getränk, 2. Beamtentitel, 3. weiblicher Vorname, 4. Hafenspeicher, 5. Insel im Mittelmeer, 6. Schiffsteil, 7. Hirschart, 8. Futternapf, 11. Edelstein, 13. mittelalterliches Kriegsschiff, 15. geometrischer Körper, 16. Wort aus der Kindersprache, 17. südiranische Salzwüste, 18. Gattung, 19. nordische Göttin, 23. Stadt in der Schweiz, 24. seltenes Metall, 25. Pampashase, 26. Paradiesgarten, 28. männlicher Vorname, 29. englisches Getränk, 31. Trinkraum, 32. Wort der Absage. (Auflösung des Rätsels in der nächsten Nummer.) se m Staonen amerigen....... Culssung des Rüsels in der nüchten Nunmer) oman-und Unterhaltungs-Beilage C a e : In kürzester Zeit kam Rolfsen zurück. Glücklich hatte : er den Wagen eingehandelt, drei struppige, braune Pferdchen waren vorgespannt. Man packte um und brachte : alles glücklich unter. Aus den Polstern des Kraftwagens ; wurde für Janka ein bequemer Sitz gemacht, dann stiegen Die bet er. Rolfsen hatte bis Tientsin einen kleinen mongolischen * Kutscher gemietet, dem er Wagen und Pferde als Geschenk versprach, wenn sie in einer Woche dort wären; die Nacht über wurde auf der Oase gerastet. Am anderen Morgen stellte sich der Bursche ein, setzte i sich auf das vordere, schmale Querbrett und schrillte den Pferden etwas zu. Die Peitsche sauste über den Köpfen der Tiere, und in rasendem Galopp sauste der Karren davon. Natürlich kamen die Flüchtlinge langsamer vor; wärts als mit dem Kraftwagen. Nur beim Pferdewechsel murde kurzer Halt gemacht und ein paar Stunden geschlafen. Rolfsen wählte dazu immer solche Plätze, die : möglichst versteckt lagen; so war man meistens in ziem: licher Sicherheit. Drei Tagereisen von Tientsien entfernt, mußte aber die große Straße benutzt werden. Den Tag über verbarg sich Janka unter dem Dach des : Karrens, nur des Nachts durfte sie absteigen und frische * Luft schöpfen, aber allmählich ließen die aufs äußerste angespannten Kräfte des Mädchen nach, und nur mit Mühe ; hielt sie sich noch aufrecht. : Hans Ritter sah mit Schrecken dieses Schwinden der Kräfte und trieb immer mehr zur Eile. Ein Tag nach dem anderen verging, und schon hofften s die Männer, Tientsin mit heiler Haut erreichen zu können, “ als sie in der kleinen Stadt Fuksha eine Bande trafen, deren Anführer Rotgardisten waren. Der Karren wurde umringt, und die Kerle machten Miene, den Weg zu i sperren. * Der Konsul riß die Pistole heraus und feuerte. Dr. Ritter löste ihn ab, während er frisch lud. Vier der Gardisten wälzten sich schon stöhnend am Boden, der Mongole peitschte auf seine Pferde und feuerte sie mit schrillen Rufen an. Um den Wagen pfiffen die Kugeln der Ver1 folger, die den Flüchtenden doch nicht zu folgen ver: mochten. . Janka, die sich während des Kampfes unter Decken verbergen mußte, richtete sich hoch und stieß einen Schreckensruf aus, als sie von der Stirn Hans Ritters ? B l u t t r o p f e n s a h. E r h a t t e e i n e n S t r e i f s c h u ß b e k o m m e n, den er erst merkte, als ihm das Blut in die Augen lief. Das Mädchen suchte die kleine Verbandtasche und “ wusch die tiefe Fleischwunde sorgfältig mit Wein aus; * dann legte sie einen kunstvollen Verband darum. Der lachte, swar. und meinte: der Aderlaßz habe ihm — (Nachdruck verboten.!) nichts geschadet, aber Janka bestand darauf, daß er sich, so gut es ginge, im Wagen etwas legte. Sie selbst drückte sich in der Ecke ganz zusammen, nahm ein Kissen und bettete den schmerzenden Kopf sanft auf ihren Schoß, um ihn vor den Stößen zu schützen. Etwas unbeschreiblich: Wohltuendes ging von den weichen Frauenhänden aus, die Hans Ritters Haupt umfaßt hielten; lächelnd schloß er die Augen und gab sich willenlos dem holden Zauber hin.: Kurz vor Tientsin stiegen alle ab. Der Wagen samt Kutscher wurden verabschiedet. Dr. Ritters Verband war abgenommen und durch ein Pflaster ersetzt worden. So wanderten die Flüchtlinge wie harmlose Spaziergänger: durch die Tore der Stadt dem Fremdenviertel zu. Ein helles, freundliches Gastzimmer im Hause des Ritterschen Geschäftsführers hatte. Janka Kowolsk aufgenommen. Nun lag sie in einem weichen Bett und schlief: den traumlosen Schlaf der Erschöpfung. Der Konsul und Dr. Ritter hatten sich nur schnell erfrischt und waren dann in die Geschäftsräume der Firma: Füßli u. Co. gefahren. Der alte Geschäftsführer hatte erzählt, daß er erst vor Stunden den Besuch eines Herren erhalten habe, der sich sehr eingehend nach Dr. Haus: Ritter erkundigt hatte; er wollte wissen, wo sich der junge; Chef befinde und bat, ihm nach dem Hotel„Zentral“ Nachricht zu geben, wenn er wieder eingetroffen sei. Rolfsen lachte:„Das werden Sie aber hübsch bleiben; lassen, Herr Rein; der Kerl hat es nur auf unseren Schütz; ling abgesehen.“ Hans Ritter dachte nach. Dann trat er zum Fern=: sprecher und ließ sich mit dem amerikanischen Konsulat; verbinden. „Hallo Mr. Goltry, haben Sie ein Schiff im Hafen? — Nein?— Ja, ich muß ein Schiff haben, unbedingt.—; Ah, das ist gut, thank vou, good bve.“ Er legte den Hörer fort.„Mr. Goltry, der amerikanische Konsul wird nachher zu einer Besprechung kom: men“, wandte er sich an den alten Rein.„Sehen Sie; nach, daß nirgends gehorcht werden kann. Rolfsen, Sie gehen jetzt, bitte, und sehen nach Janka Kowolsk und ersuchen Frau Rein, die nötigsten Kleider für das Mädchen: zu kaufen. Hier, nehmen Sie meine Brieftasche.": Der Konsul schaute feinen Freund zweifelnd an: „Haben Sie immer noch die Absicht, das Mädchen zu! heiraten?“ „Ja, die habe ich“, erklärte ihm Dr. Ritter mit ruhiger Stimme.„Trägt sie erst meinen Namen, dann ist sie in Sicherheit.“ Rolfsen ging, und Hans Ritter durchmaß mit unruhigen Schritten sein Privatkontor. Aus Fenster tretend, S 9 0 1S 2— 5 8 G 22— S 5 9 9 g, B56 3•5 B E — — ## OSS5SEB 555 S S HOg 33 E□ ##9 0 Snn" — WH# S#E FGISECPCODEE ü Sgg n SHöE S TPOSDER* — 3 6 URn bemerkte er vor dem Hause einen elegant gekleideten : Herrn, der zwei Kulis nach etwas zu fragen schien. *„Aha, der Spion des Herrn Popowitsch!“. Er öffnete die Tür des nebenan liegenden Laboratoriums, warf sich einen weißen Arbeitskittel über und öffnete das Fenster, ; i n d e m e r d e n u n t e n b e s c h ä f t i g t e n A r b e i t e r n e i n e n B e f e h l zurief. Die beiden deuteten hinauf und nickten mit dem Kopfe. Darauf verschwand der Kundschafter mit eiligen Schritten.— : Ritter hatte sich vor den Schreibtisch gesetzt und legte einen Briefbogen zurecht. Nachdenklich stützte er den Kopf in die Hand. Das Bild der Mutter stand vor ihm, mit s den klaren, gütigen Augen; und er meinte ihre Stimme zu hören:„Mein alter, törichter Junge!“. Und dann glitt die Feder in flüchtigen Zügen über das Papier und füllte Seite um Seite. Lautlose Stille herrschte in dem einfachen Arbeitsraum. Ueber dem Schreibtisch hing als einziger Schmuck ein herrliches Bild aus den Alpen. Das Schreiben war postfertig gemacht. Gedankens versunken saß der Mann da und schaute auf das Bild : seiner Heimat.„Wird sie mit mir gehen? Wird es mir gelingen, ihre Liebe zu erringen...?“ Ein Klopfen an der Tür scheuchte ihn aus seinem Brüten auf. Ein Boy erschien und meldete Mr. Goltry, s den amerikanischen Konsul. Dem anmeldenden Tiener auf dem Fuße folgte eine s vierschrötige Gestalt, die eigentlich viel eher als Meisterringer in eine amerikanische Sportarena gepaßt hätte. Aber auf dem kolossalen Körper saß ein feiner Diplomatenkopf mit vollen, schneeweißen Haaren und darunter hervor schauten wasserhelle Augen, deren prüfender Blick ; d u r c h u n d d u r c h s c h a u t e. schen Kainz..." Direktor der vereinigten amerikanischel. Bunten in Ostasien, war wohl der einflußreichste Ausländer im Reich der Mitte und der einzige, der den ver; g a n g e n e n K r i e g a l s d i e g r ö ß t e T o r h e i t ö f f e n t l i c h b e geschästsich it Lonsul Rolsen und Dr. Ritter stand er ges##tlich und persönlich auf vestem Fuße. Beide Männer ; s c h a t z t e e r a l s V e r t r e t e r i h r e r S t a a t e n s e h r h o c h, u n d s o ; hatten sie an ihm immer einen festen Hinterhalt. —. Hans Ritter war aufgesprungen und seinem Besucher entgegengegangen. : Goltry streckte ihm eine rassige, sportgewöhnte Hand entgegen und schüttelte die mit großer Herzlichkeit. Die Herren ließen sich dann in den breiten, kissenbelegten Korbstühlen nieder, und der Diener stellte eisgekühlte : Limonade und Rauchzeug auf den kleinen Messingtisch; dann verschwand er auf einen Wink seines Herrn. Mit behaglicher Umständlichkeit entzündete sich der Konsul eine schwere Importe, tat ein paar prüfende Züge und fragte:„Möchten Sie mir jetzt ohne alle Umschweife erzählen, wozu Sie so dringend ein Schiff gebrauchen, lieber Freund?“ : Hans Ritter berichtete ihm in Kürze die Erlebnisse ; d e r l e t z t e n W o c h e n u n d v e r s c h w i e g a u c h n i c h t s e i n e B e sorgnisse um die Rettung Janka Kowolfks. Der Amerikaner hatte schweigend zugehört:„Wer ist ; d e n n d a s M ä d c h e n i n W i r k l i c h k e i t?“ :„Ich weiß es nicht, vermute aber, nach allen ihren Reden, daß ihr Vater zum Hofstaat irgendeines Großfürsten gehörte", erwiderte Dr. Ritter,„und sobald wir ; erst glücklich in Schanghai sind, wird Janka meine Frau. Nur so ist sie zu retten.“ Goltry lächelte:„Und an Ihre eigene Gefahr denken : Sie nicht, Sie deutscher Träumer und Idealist?“ :„Gefahr?" fragte Hans Ritter verwundert zurück. „Ich denke, der Russe wird sich hüten, einen politischen Fall aus der Sache zu machen. Ich bin Schweizer und kann mit meiner Frau hinreisen, wo es mir beliebt.“ „Zunächst, mein Lieber“, lachte der Konsul,„werden wir uns hüten, einen politischen Fall abzugeben. Wozu Sie das Schiff brauchen, errate ich jetzt, und Sie hatten : Glück, ich trete morgen eine kleine Erholungsreise auf meiner Jacht an. Die„Trafalgar liegt klar zur Fahrt aden Lacht, Heute naczt gesen Sie mit Kössen r und Ihrem Schützling an Bord; Sie werden von meinem Chauffeur am Hause Mr. Reins abgeholt. Good bye, Mr. Ritter; keinen Dank.“ Im Aufbrechen wiederholte er allerlei geschäftliche Dinge und verabschiedete sich dann laut und förmlich für vier Wochen. Sechstes Kapitel. Weit draußen vor dem schmutzigen Tientsiner Hafen schaukelt die schlanke Jacht Mr. Goltrys. Alles schimmert sauber gewaschen an ihr; die Bedienungsmannschaft läuft hin und her und tut da und dort letzte Handgriffe. Die Sonne sinkt wie eine feurige Kugel ins Meer, und ihre Strahlen spielen als glutrote Bänder über den stumpfen Wassern des Golfs. Aus der Richtung der großen Fremdenniederlassung mit ihren europäischen Villen und Landhäusern kommt in rascher Fahrt ein Kraftwagen und hält an der Quaimauer. Ein kleines Motorboot macht klar zur Fahrt und hißt die Flagge. Konsul Goltry ist ausgestiegen und erteilt einige kurze Befehle. Eine Unmenge von Koffern wird von dem nachfolgenden, kleinen Gepäckwagen abgeladen und ins Boot geschafft. Kopfschüttelnd schaut der alte Oberarbeiter zu:„Master Goltry pflegte doch sonst nicht mit so großem Gepäck zu reisen?“ Unsicher schaut er seinen Herrn an. Der lacht und klopft ihm auf die Schulter.„Des Jang=Tai, man braucht nicht alles zu wissen. Aber nun höre, was du zu tun hast: Du wirst heute nacht 11 Uhr mit dem geschlossenen Wagen vor der Bank warten. Drei Herren werden einsteigen, die du im schnellsten Tempo hierher führst. Das Motorboot muß hier bereit liegen. Du steigst mit meinen Gästen ein, und gegen 12 Uhr könnt ihr an der Schiffstreppe anlegen, Revolver einstecken und schweigen!“ Jang=Tai hört aufmerksam zu. Er war seit Jahren des Konsuls Faktotum und zu allen schwierigen Aufträgen zu gebrauchen; und seit Krieg und Aufruhr im heiligen China wüteten, hatte er schon manchen geheimen Auftrag erhalten. Sein Herr pflegte von ihm zu sagen: „Er ist zuverlässiger als ein Europäer und kann, was sonst den Chinesen schwer fällt: schweigen.“ Jang=Tai half seinem Herrn beim Einsteigen; dann lungerte er an der Quaimauer umher, als ginge ihn die ganze Welt nichts an. Am Hafen wurden die Lichter angezündet. Kleine Dampfer und Segler kamen und fuhren wieder ab, und Jang=Tai schlenderte immer noch hin und her. Weit draußen im grauen Wasser sah er einen leuchtenden Punkt wie einen Glühwurm hin= und hertanzen. Er kam näher und näher, schob sich zwischen den Fahrzeugen durch und machte fest. Ein paar Worte wechselte der Diener mit dem Führer; dann verschwand er. Aus dem Schatten eines Lagerhauses trat ein Mann und fragte den Bootsführer, der kauend und spuckend auf Deck saß, wem das Boot gehöre. „Amerika!“ war die wenig ausführliche Antwort. Vor dem hübschen, weißen Landhause des Prokuristen Rein standen drei Herren in weißen Tropenanzügen und weichen, breiten Hüten, die in der Dunkelheit leuchteten; leise Dankesworte wurden gewechselt. Dr. Ritter mahnte zur Eile, ein letztes Grüßen und Händewinken, dann schnappte das Tor ein, und die drei Gestalten eilten die breite Straße hinunter, an wundervollen Gartenanlagen vorüber, die noch in voller Blüte standen. Eine Welle von Duft schickte der Nachtwind den Dahineilenden nach. Janka hatte sich von den überstandenen Strapazen etwas erholt und sah in dem eleganten Männeranzug, den sie zur Vorsicht wieder trug, vollkommen unkenntlich aus. Rolfsen hatte ihr noch eine große, dunkle Brille aufgesetzt: dazu konnte sie sogar scherzen:„Herr Konsul, nun können Sie mich als Ihren Schreiber überall einführen.“ „Wer weiß“, lachte Rolfsen,„vielleicht werde ich dies auch noch tun müssen.“ (Fortsetzung folgt.) an. Die„Trafalgart liegt klar zur Fahrt en in der Bucht. Heute nacht gehen Sie mit Raltsen mn mes me. aus ians ieaesne * R S S 8 BSEEF E 5 ####5E B 5 55 EERLR SEgs 25g Bo-ögs TSEEE 58V * 88980 E5 S. 2.8 uET P 9s REEHDT ERUEZ SSEPSLSTTESSESSEES SGEESLLSSSAEEE“„E-OSSSESE SOS DROSESSEUSSSHSOG SBMESS. S G C 8 . 5.S#ESE Wie der Simerding Hansl sterben sollte. Von Peter Josef Kiendl. (Nachdruck verboten.) Also, der Hans war im März 1920 in Werchne Udinst — von den Roten, als versprengter Weißer gegriffen worden. Er war eigentlich schon im Mai 1919 ein Pechvogel — bei einem kleinen Unternehmen gegen die Roten— war der Freischärler Hans Simerding, als Patrouillenführer von den Rotarmisten bei Placanen— unweit Riga geschnappt worden— in monatelangen Transporten— nach Sibirien verschleppt— landete er zuletzt auf einem Holzlagerplatz in der Nähe von Werchne Udinsk— wo er vom September 1919 bis März 1920 als stämmiger Holzfuhrknecht und Gefangener der Trotzkiarmee arbeitete, in verbissener Wut sein Tagewerk herunterschuftete— wie er's ehedem— Anno 1913 gewohnt war als Holzfäller, drunten in seiner Heimat— in Schweizerhof am Tegernsee. Am 12. März 1920 packte den Hans ein verdammt ernstes Heimweh— und er türmte. Am 18. März schnappten ihn die Roten in Werchne Winsk— in einem Güterschuppen. Im selbigen Schuppen fand sein Verhör statt— und das raffinierte Theater— das die Roten mit ihm anstellten, um ihn, den Hans, das Sterben zu lehren. Und so erzähle ich hier also knapp, wie's weiterging mit ihm, als er im Schuppen in Werchne Winsk von den Roten als vermeintlich weißer Spion verhört wurde. Der Simerding Hansl erzählte mir das alles ungefähr so:„Kreizteifi! War dös langweilig, die Haar' lantst dabei wachsen hören und dein eig'ns Bluat kunntst riachn— aber wia g'sagt, langweilig war’s! Feuchtkalt war’s in dem Holzschuppen— bei den roten Teif'n. Viere war’ns! Ein Deutschbalte— ein Czech— ein Russ’— und noch ein Russ’.—“ Auf ein' Stuhl hab'ns ihn festbunden, den Hansl, daß die Adern zwickt hab'n— und die Schläfen pocht. Der Deutsch=Balte machte den Dolmetscher und stellte in feinstem Hochdeutsch saudumme Fragen— zu denen der Simerding Hansl nur blinzelte und knurrte. Der Czech grinste nur— die zwei Russen redeten Zeichensprache und eine ganz damische Sprach: Der Simerding Hansl soll sagen— wo die Weißen stehen, wie stark sie seien— und vieles, vieles mehr soll er wissen. Die vier roten„Teifi“ bemühen sich, ihn, den Hansl, mürbe zu machen, nicht ganz roh, nur raffiniert. Nutzt nichts— alles nichts! Er weiß nichts— gar nichts. Also dann nicht! Man legt eine Taschenuhr vor ihm auf einen Stapel gerollter Druckpappe. Genau 2.30 Uhr zeigt die Uhr an. Fünfzehn Minuten Bedenkzeit— schnarrt ihn der Balte hochdeutsch an— sonst Schuß hinters linke Ohr! Ein frostkalter Gegenstand wird dabei aufgesetzt— einen Finger breit senkrecht unter dem rechten Ohrläppchen vom Hansl.— So fest eisigkalt angepreßt, so daß der Hansl, haargenau den winzig kleinen Kreis spürt, den die Pistolenmündung auf seiner Halsschlagader abzeichnen muß. Vor ihm niemand! Seitwärts— rechts niemand! Seitwärts links die fatale Laufmündung. Der Hans blinzelt über die Verlängerung des Schattens, der links von seinem schiefgequälten Blick sich abhob— aber er kann den Kerl nicht feststellen— oder doch— der Balte! Seine langen Saffianstiefel knarren— die andern haben ja Filzstiefel an— wie die„Kalmuken“— also der Balte ist's! Fader Kerl! Und die Stricke schmerzen— der Hans kann sich auf dem miserablen, eisenharten Stuhl nicht bewegen. Wenn er doch den Hals drehen könnte! 2.35 Uhr! Er soll nachdenken! Aussagen? Was denn? Der Hansl denkt aber nicht nach— es gibt nichts nachzudenken— nur ärgern tut er sich über das Pech seiner mißglückten Flucht vom Holzlagerplatz— aus der Gefangenschaft! Die vier Rotarmisten blasen ihm den Rauch ihrer ekelhaft beißenden Zigaretten um seinen pulsenden Kopf.— Schweigen — atmen pfeifend— 2.40 Uhr! Dann denkt plötzlich der Hans an zu Hause— gedankenlos flüstert er halblaut: „Nach Haus will i!“— Da wieder Zigarettenqualm— halblautes Lachen— 2.43 Uhr pendelt der Uhrzeiger.— „Teifi, ich woaß nix— gar nix woaß i— Himmelherr= gottsakrament“, schimpt der Hansl.—„Laßt mi los!“ Dann wird er traurig— neugierig— und zuletzt gleichgültig— nur die Taschenuhr glotzt er an, auf die von hinten, über seine rechte Schulter, der lichtkalte Kegel einer elektrischen Signallaterne fällt— die einer von den Roten hält. 2.44 Uhr!„Dann also nichts! Freundchen— schade — Munition ist teuer— schade— also— nichts! Gar nichts?! Willst du sagen, weißer Teufel! Fertig!“ Noch ein unverstandenes russisches, näselndes Wort— ein vielfaches Lachen— Zigarettenqualm— ein ganz leises rutschen der Laufmündung— und— Teifi im Nacken dasselbe metallkalte Anpressen— Abgleiten.— Dann ein ohrenzerreißender Schlag— links— rechts auf die Tromemlfelle— schmerzhaft— instinktiv preßt der Hans die Augen zusammen— die Zähne— spannt die Halsmuskeln— er sieht mit den starr zusammengepreßten, brennenden Augen innerlich— viele kleine, rote, langsam sich drehende, vielzackige, feingeaderte, blaßrote Räderchen und Kreise und Punkte— Lichttupfen. Er spürt, daß sein Herz jetzt genau an der Stelle schlägt, wo sonst der Kehlkopf ist— sein Atem geht stoßweise, im gleichen Tempo, wie das Blut in ihm pulst— wirbelnd. Er lebt also noch! Kein Schmerz— nichts— gar nichts! Nur ein klein wenig flau ist ihm in der Magengrube— er spürt nichts Nasses— kein Blut? Er hört das Atmen und Pfeisen der Roten nicht mehr— er merkt, wie seine Augenlider sich von selbst auseinanderpressen— er sieht den grellen Lichtkegel, wie den, bevor er die Augen zusammengepreßt hatte— wie ein Totenfinger— weist er auf die— Taschenuhr— vor seinem leeren Blick. 2.48— 2.50— 2.51— 2.52— der kleine Sekundenzeiger hüpft kreiselnd —neckisch— in seiner winzig runden Kreisbahn! Da! Zigarettenqualm umwirbelt ihn— eine haarige Hand steckt ihm eine Zigarette zwischen seine brennenden— staunenden— halb geöffneten Lippen— ein Streichholz; flammt lichtflackernd auf, tastet an das Ende seiner ihm zwischen den Lippen zitternden Zigarette— eine andere, glatte Hand nimmt die Taschenuhr aus seinem Blickfeld — instinktiv zieht— der Hans— an der Zigarette— spürt den Rauch am fiebertrockenen Kehlkopf kratzen— stößt den Rauch wieder durch die Nase aus. Staunend bewegt er seinen glotzenden Kopf— links— rechts— ganz langsam— schmerzend langsam— rückwärts. Er — der Hans— sieht vier grinsende Gesichter— Menschengesichter— er kennt die 1— 2— 3— 4 Kerle— den Balten— den Böhmaken— die zwei Russen— sieht, wie sie lachen—„schallend“ lachen müssen— an den weitlachenden Mundöffnungen— das alles sieht er, der Hans. ihre Zeichensprache, die ihm bedeutet, aufzustehen, sich zu erheben! Da! Jetzt ebbt das Brausen im Trommelfell ab — ein Gurgeln im Ohr, wie ein winzig kleiner Wasserwirbel— er hört— hört wieder— blitzschnell und gewiß — weiß der Simerding Hans jetzt—„ich lebe— lebe noch— lebe wieder!"— „Dummer Kerl— weißt wirklich nichts, geh— jetzt schlafen— dummer Kerl— bleib hier bei uns— morgen mittag sprechen wir weiter darüber. Der Deutsch=Balte spricht gutmütig zu ihm— jeden Buchstaben hört der Hans.— Er lebt, lebt, lebt! Tastend, taumelnd stand er dann mit einem flauen Gefühl hoch mit taubgewordenen, leis schmerzenden, schweren, schlafmüden Gliedern. Er stand! Schritt auf die Tür zu— lebte!— Zehn Minuten später schlief er in einem Pferdestall neben einem mongolischen Pony, das ihn beim Hivlegen zutraulich beschnupperte. Er schlief einen traumlosen— uferlosen Schlaf. Als der Hansl wach wurde— stand der Deutschbalte wieder vor ihm— lächelte gutmütig— es wird gleich dunkel werden— hast arg lang g'schlafen „Kamerad!“ Zwei Stunden später schritten Simerding Hansl und der Deutschbalte hinaus in die sternarme Steppennacht— hinter ihnen flimmerten lustig ein paar Lichter— dort war Werchne Winsk— vor ihnen lag die Flucht, und diesmal glückte sie dem Simerding Hausl. Sein Fluchtkamerad hatte ihn gegen 16½ Stunden vorher das„Sterben“ lehren wollen. So ungefähr erzählte mir der Simerding Hansl, mein alter Feldkamerad— sein„Sterbenwollen“.— Und jetzt ist er einen Alltagstod gestorben, den er sich sicherlich nicht gewünscht hat— und den er sich nicht so langweilig gedacht hatte.— Und das ärgert mich!—