Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechsmal. Bezugspreis wöchentl. 45 Rr(einschl. Trägerlohn). Postbezug monatl. R.e 2.—(einschl. 28.2 N## Zeitungsgebühr und 0.44### Postverpackungsgebühr) zuzügl. 36#### Bestellgeld. Einzelaummer 10##. Druck u. Verlag: Hans Linuer, vorm. Corl Braus,6 Geschäftsstelle Gr. Marktstr. 3. Fernr. 2770— Postscheckk.: Dortmund 2852 Gechststel. Gr. Mortstr. 3. Ferm. 2770— Potscheckz: Dorrmund 232= Hchwerter Teimatblatt Tageblau für die Hiadt Kehwerte, die Amter Westhosen? Ergste. Einzige in Lchwerte gedruckte Tageszeitung Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 9## Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 N# Tertanzeigen: Millimeterzeile 20 J.0 Für fernmündl. aufgegeb. Anzeigen übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung, hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen der Zeitung kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden.— Fernr. 2770 Nr. 127 Schwerte(Ruhr), Sonnabend, 3. Juni 1939 71. Jahrgang Oerggern, VnPrFeiii.... Kroße Truppenpurure zu Ehren der sugestawtschen Eäfte Stolzes Schauspiel deutscher Kraft *. Innn„rrwgem etrrge er begeisterter Antennahme der; wohlgeolie volkerung sand am zweiten Tage uces des jugoslawischen Prinzes die große Parade der deutBerlin, 2. Juni. Bei idealem ParadewetFr aund Awter., bepeihsanas am etgesten Tage Berliner Bevölkeru des Staatsbesuche regententaaret, die große Parade, der heutschen Wehrmucht zu Ehren Seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten Paul von Jugoslawien vor dem Führer und Obersten Befehlshaber und seinen hohen jugoslawischen Gästen stat...7,, Gubesuce. Auf der nun schon traditionellen Paradestraße der Reichshauptstadt, der festlich geschmückten Ost=West=Achse, zog viele Stunden lang Großdeutschlands stolze Wehr. Truppen aller Wehrmachtsteile des Heeres, der Marine und der Luftwaffe, vor dem Schöpfer dieses stolzen Volksheres sowie dem Oberhaupt des befreundeten jugoslawischen Volkes und seiner Gattin vorüber— ein herrliches und stolzes militärisches Schauspiel und ein eindruckstiefes und unvergeßliches Bild von der Wehrkraft des Großdeutschen Reiches. Die vielen hunderttausend Zeugen dieser gewaltigen Heerschau gaben ihrer Begeisterung über das einzigartige Erlebnis und ihrer Freude über den Besuch des jugoslawischen Prinzregenten Paul auch an diesem Tage in unaufhörlichen Kundgebungen Ausdruck.„„„ Der Aufu sch zur Parade Mit klingendem Spiel waren die an der Parade beteiligten Truppenverbände bereits in den frühen Morgenstunden zur Paradeaufstellung aufmarschiert, begleitet von der begeisterten Jugend und den Frühaufstehern, die sich beizeiten die besten Plätze an der Paradestraße sichern wollten. Auf die Minute pünktlich standen die Einheiten zur festgesetzten Stunde auf den befoblenen Anmarschplätzen, Mannschaften und Fahrzeuge vorbildlich ausgerichtet, eine einzige wohlgegliederte Linie von der Friedrichstraße bis zur Technischen Hochschule. Die motorisierten Truppenteile haben in den Nebenstraßen Aufstellung genommen. Im weiten Umkreis ist der ganze Bezirk für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Kurz vor 10 Uhr fährt, von den Zuschauern mit erhobener Rechten begrüßt, die Prinzessin Ölga von Jugoslawien vor, die von Frau Göring vom Gästehaus des Reiches aus begleitet wurde. In den folgenden Wagen sieht man den Königlich Jugoslawischen Außenminister Cincar Markowitsch, begleitet von Reichsaußenminister von Ribbentrop, den Königlich Jugoslawischen Hofminister Antie, begleitet vom Chef des Protokolls sandten Freiherrn von Doernberg, sowie die weitere Begleitung der Königlichen Hoheiten. Vor der Ehrentribüne wurden die Gäste vom Reichsprceektor in Böhmen und Mähren, Freiherrn von Neurath, begrüßt. Sie haben ihre Plätze unmittelbar neben dem Mittel(Fortsetzung zweite Seite.). Volksgemeinschaft das Zier unseres Nampfes Von Kreisleiter Pg. Hermann Menze Kreistage sind Demonstrationen nationalsozialistischer Kraft. Nach mehreren Jahren, in denen sich die Arbeit der Partei örtlich konzentrierte, tritt am 3. und 4. Juni die Gesamtbewegung wieder einmal machtvoll an die Oeffentlichkeit. Aus allen Dörfern und Städten des politischen Kreises der NSDAP., der den Stadtund Landkreis umfaßt, kommen Tausende Angehörige der Bewegung, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände nach Iserlohn, um aus dem Erleben dieser Tage neue Kraft für ihre Arbeit zu finden. ist vielfach üblich, irgendwelche offizielle Angelegenheiten zu Rechenschaftsberichten zu benutzen. Ich möchte bewußt hiervor Abstand VerDie Pariser Kniefall vor Moskau Zwischen Entläuschung und Unsicherheit— Mololow erhält britisch=französischen Botschafterbesuch Die Besatzung verloren? Nach den letzten Meldungen aus England sind die in dem gesunkenen U-Boot eingeschlossenen 88 Mann der Besatzung wahrscheinlich verloren. Die Rettungsarbeiten werden mit äußerßer Anstrengung fortgesetzt. Ausführliche Berichte im Innern des Blattes. Flaggen heraus! Ein strahlend schöner Sonnentag ist über unserer Stadt und über den Bergen und Wäldern unserer Heimat heraufgestiegen. In den Straßen wehen die Wimpel und Fahnen lustig im Morgenwind. Der Kreistag des Kreises Iserlohn der NSDAP. nimmt seinen Anfang. Flaggen heraus! rufen wir darum noch einmal allen Schwertern zu. Die ersten Sonderzüge werden heute das Führerkorps zur Tagung auf der Alexanderhöhe nach Iserlohn bringen. Dort hat schon seit dem Mittag, als die Betriebe ihre . Tore schlossen, der Kreistag mit einem Standorakt genommen. Am Grabe Hans Bernsaus gedachten schon die Verschworenen der Bewegung ihrer Gefallenen, schon haben Kreisleiter Menze und Gauobmann Stein die ersten Reden auf der Amtswaltr=Tagung der DAF. im Iserlohner Buchenwäldchen gehalten, die neuen DAF.=Fahnen sind geweiht worden und schließlich hat die Wehrmacht am Adolf=Hitler=Platz in Iserlohn schon ihre schmissige Marschmusik erklingen lassen, wenn der Zug mit dem Gros der Teilnehmer aus Schwerte eintrifft. Morgen folgt dann der eigentliche Haupttag des Kreistages, dessen Programm wir schon im Einzelnen veröffentlicht haben. Auch Tausende Schwerter werden an diesem Tage in den Mauern der Kreisstadt weilen, um in der festlichen Gemeinschaft neue Kraft zu einsatzfrohem Kämpfen zu holen. Paris, 2. Juni. Auch am Freitag beißt die Pariser Presse noch schwer an der harten sowietrussischen Nuß, die Blätter bringen aber meist dieselben Meinungen zum Ausdruck wie gestern, d. h. sie schwanken zwischen tiefster Enttäuschung und größter Unsicherheit über die Weiterentwicklung der Verhandlungen zwischen London, Paris und Moskau. Am Quai d’Orsay wartet man noch immer auf die sowjetrussische Note, die die Einwände Moskaus fixieren soll. Im Außenministerium setzt man sich angesichts des unwilligen Echos der sowietrussischen Manöver in der französischen Oeffentlichkeit ein wenig aufs hohe Roß, wenn man erklärt, daß die Rede Molotows„nicht als eine Antwort auf die englisch=französischen Vorschläge betrachtet werden könne“, und daß daher der Diplomatie der drei Länder jetzt das Wort zukomme. Gleichzeitig läßt sich aber in französischen politischen Kreisen ein gewisses Schwanken insofern feststellen, als man zu verstehen gibt, daß die ersten beiden Einwände der Sowjets bezüglich einer Verbindung der Allianz mit dem Genfer Pakt und betreffend das Konsultationsverfahren vor dem Inkrafttreten des Paktes„schon noch geregelt werden könnte“. Während man also in diesen beiden Punkten anscheinend sich auf einen Kniefall vor den Sowjets vorbereitet, so betont man demgegenüber bezüglich der sowjetrussischen Forderung auf Garantierung der baltischen Staaten, daß diese sowjetrussischen Wünsche schwer erfüllbar sein würden. Man erklärt, daß dieses Problem weniger von dem Einfluß Englands und Frankreichs abhänge, weil die baltischen Staaten ja selbst gar keine Garantie gewünscht hätten. Abgesehen davon, daß Litauen ja gar nicht an das sowjetrussische Gebiet grenze, habe der estländische Außenminister Selter in der„Baltie Times“ jetzt erst erklärt, daß die baltischen Staaten eine solche Garantie als unvereinbar mit der Rolle neutraler Staaten betrachteten und daß diese Länder weder von Sowjetrußland noch von einer anderen Großmacht derartige Garantien erbeten wollten. Außenminister Bonnet hat mit dem britischen Botschafter eine Unterredung gehabt, die den Zweck hatte, eine gemeinsame britisch=französische Haltung gegenüber dieser neuen kalten Dusche aus dem Osten festzulegen. Desgleichen hatte Bonnet auch eine Zusammenkunkt mit dem polnischen Botschafter, mit dem er über die Stellungnahme Warschaus zur Molotow=Rede sprach. Wie sich die Westmächte nunmehr verhalten werden, steht noch nicht fest. Zunächst einmal wartet man die Formulierungen ab, mit denen Moskau auf diplomatischem Wege die von Molotow vorgebrachten Beschwerden und Forderungen präzisieren wird. Kurz und gut: In Paris spuckt man Gift und Galle, wobei das gallische Temperament über nüchterne diplomatische Ueberlegungen hinwegspringt, zumal— wie der„Temps“ selbst eingesteht— die Demokratien„auf dem Wege der Konzessionen an Moskau viel weiter gegangen seien, als sie dies ursprünglich beabsichtigten“. Wie groß die erärgerung in Paris ist, kann man wohl auch daran gut erkennen, daß das„Journal des Debats“ zornbebend und reichlich unwissend schreibt, die Sowjets wendeten fast ebensolche Methoden an, wie die Diplomatie der totalitären Staaten! Wenn man also den kommenden sowjetrussischen Bündnispartner schon mit den verhaßten autoritären Ländern in einen Topf wirft, so zeigt das treffend, wie es im Kern der demokratischen„Friedensfront“ aussieht. In diesem Zusammenhang ist es höchst interessant, daß die kommunistische Partei Frankreichs in einer Sitzung ihres Politischen Büros die Rede Molotows einhellig und mit Begeisterung begrüßt hat und sie ausdrücklich als eine treffende Antwort auf die Manöver der demokratischen Regierungen in Paris und London bezeichnet. Gleichzeitig hat der Vorstand der kommunistischen Partei beschlossen, eine neue Kampagne gegen die Regierung Daladier zu entfesseln. Angriffspunkte dieser Hetzwelle sind die Dekrete der Regierung, die der Bevölkerung beträchtliche Lasten auferlegt haben. Moskan, 2. Juni. Der britische Botschafter Sir William Seeds und der französische Botschafter Emile Naggiar suchten Freitag nachmittag den sowjetrussischen Regierungschef und Außenkommissar Molotow auf. Man nimmt an, daß den Botschaftern nunmehr die offizielle Antwort Moskaus auf die letzten britisch=französischen Vorschläge vom 27. Mai überreicht worden ist. Ueber den Inhalt der sowietrussischen Antwort verlautet von sowietrussischer Seite noch nichts. Es wird jedoch als wahrscheinlich angenommen, daß sie mit den bekannten Erklärungen Molotows vor dem Obersten Sowjetausschuß ungefähr überenstiund nehmen und nur einige Worte über das hältnis der Menschen zueinander sagen. Zeiten sind auch bei uns anders und besser geworden. Die Jahre des Niederganges liegen uns allen unendlich weit zurück, und es will mir scheinen, als ob der eine oder andere vielleicht zu schnell vergessen hat, wie er damals war. Ein gewisser Unterschied Wir haben im großen und im kleinen einen Aufstieg erlebt, wie wir ihn nicht vorher ahnen konnten. Teilweise sind wir heute geneigt, Dinge als selbstverständlich hinzunehmen, die zu erreichen wir noch vor einigen Jahren als eine Utopie bezeichnet hätten. Daß ein derartiger Umbruch und ein Aufstieg von diesen gigantischen Ausmaßen hier und da nicht ohne Spannungen abgeht, dürfte verständlich sein. Wenn ein Unternehmer z. B. früher seine Sorgen hatte, wie er seinen Betrieb überhaupt aufrecht halten konnte, so hat er auch heute Sorgen, aber nicht, weil er keine Aufträge bekommt, sondern weil er sie nicht bewältigen kann. Ich finde, daß dieses doch immer ein gewisser Unterschied ist. Und wenn früher ein tüchtiger Arbeiter seine Arbeitskraft anbieten mußte, wenn er von Betrieb zu Betrieb lief und doch abgewiesen wurde, so ist es doch so, daß die Sicherung des Arbeitsplatzes eine Selbstverständlichkeit ist. Es ist nicht zu bestreiten, daß dieser große Bedarf an Arbeitskräften für den schaffenden Menschen auch unseres Wirkungskreises die notwendige Sicherstellung seiner Existenz und eine Besserstellung auf sozialem Gebiet mit sich gebracht hat. Zu einer wahren Lebensfreude gehört Selbstbewußtsein und dieses Selbstbewußtsein auf die Leistung jedes einzelnen ist erst in unserem Staate wieder gehoben worden. Ich bin daher froh, feststellen zu können, daß sich auch in unserem Wirkungskreis, in dem früher die Gegensätze in sozialer Hinsicht oft hart aufeinander stießen, langsam aber sicher eine verständnisvolle Zusammenarbeit angebahnt hat. Ausföndigiselt Daß hier und da noch nicht alles nach Wunsch läuft, ändert nichts an der Tatsache, daß wir uns auf dem richtigen Wege befinden. Der Weg zu einem wahren deutschen Sozialismus ist ein schwerer und harter Weg, weil er von jedem Einordnung unter die gemeinsame Idee und die Interessen der Gemeinschaft verlangt. Man kann ihn nicht anordnen und befehlen, er ist eine Frage der inneren Anständigkeit und der Gesinnung. Er ist nicht zu trennen von dem Lebenskampf der ganzen Nation. Deutschland führt heute einen wahrhaft sozialistischen Kamspf gegen die Mächte der Vergangenheit, die sich seiner Entwicklung hemmend in den Weg stellen. Gegen die Herrschaft der Monopole haben wir den deutschen Geist und die deutsche Arbeitskraft mobilisiert. An diesem Kampf ist jeder beteiligt, gleich an welcher Stelle er steht. Solange wir in den Volksgenossen selbst unsere Gegner sahen, konnten wir einen derartigen Kampf nicht aufnehmen und gewinnen. Erst nachdem wir den Weg zueinander fanden, schreiten wir im Zeichen des Nationalsozialismus von Sieg zu Sieg und von Erfolg zu Erfolg. Diese Geschlossenheit zu wahren und zu fördern wird in dem mir anvertrauten Gebiet stets die schönste Aufgabe der Partei sein und bleiben. „Dir don Passchiag!“ Die Partei ist, wie der Stellvertreter des Führers einmal gesagt hat, das Ohr am Pulsschlag des Volkes. Sie kennt seine Nöte und Sorgen. Durch die Vielseitigkeit ihrer Organisation hat sie Verbindung bis in jede Familie hinein. Sie reicht jedem, der guten Willens ist, die Hand zur Mitarbeit. Aus Gegnern von gestern hat sie Freunde von heute gemacht. Sie ist die Willensbilderin der Nation und Hüterin unserer nationalsozialistischen Weltanschauung. Sie ist unsere wahre Heimat, aus der wir immer neue Kraft schöpfen für unsere Arbeit, die der Zukunft gewidmet ist. Standesdünkel und Klassenhaß haben in unserer Zeit keinen Platz. Nie kann ein großes Wrk geschaffen werden, in dem der Haß das Fundament des Baues bildet. So gesehen ist dieser Kreistag nicht nur eine Angelegenheit der Partei, sondern eine Angelgenheit der gesamten Bevölkerung. Unsere Zeit ist eine Zeit des Einsatzes. Wir bekennen uns zu ihr und zu unseren alten Idealen, die in langen Jahren des Kampfes erhärlet wurden. Ein Unmöglich hat es für die Bewegung nicht gegeben, als sie als ein kleines Häuflein den Kampf aufnahm. Unsere alte Hakenkreuzflagge ist heute die Fahne der Nation geworden. Unter ihr werden wir immer marschieren, für unseren Führer und für die Größe Deutschsands. Pressechef Wien, 2. Juni. Schuschniggs ehemaliger Pressechef und späterer Präsident der Oesterreichischen Pressekammer, Eduard Ludwig, ist jetzt wegen aktiver Bestechung und Verwicklung in einen Korruptionsskandal dem Landgericht Wien eingeliefert worden. Auch der ehemalige österreichische Finanzminister und Freund Starhembergs, Dr. Draxler, wurde wegen umfangreicher Betrügereien verhaftet. Sowjets räumen Grenzgebiet Dairen, 2. Juni. Wie das Hauptquartier der japanischen Kwangtung=Armee mitteilt, sind nunmehr alle in Mandschukuo eingefallenen sowjetrussischen und außenmongolischen Truppen über den Chahar=Fluß zurückgeschlagen worden. Damit ist das gesamte mandschurische Grenzgebiet völlig vom Feinde frei. Den Sowjettruppen hat die Grenzverletzung 300 Tote gekostet. Ferner haben die japanisch=mandschurischen Truppen 59 Flugzeuge abgeschossen und 14 Tanks erbeutet. Auf japanischer Seite ist lediglich ein Oberstleutnant gefallen. Angesichts der aus Hailar eingetroffenen Meldungen über das Auftauchen neuer Sowjetflugzeuge an der Grenze wird betont, daß die japanische Kwangtung=Armee entschlossen sei, neue Grenzverletzungen unter Einsatz aller Waffen zu verhindern. Gleichzeitig hat die Regierung von Mandschukuo zu den Ereignissen Stellung genommen und energisch die Behauptung zurückgewiesen, daß die Japaner die Verantwortung für die Kämpfe.trügen. Die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse an der Grenze hänge ausschließlich von Sowjetrußland ab. Jüdischer Mörder hingerichtet Paris, 2. Juni. Der jüdische Mörder Max Bloch, der aus der Ukraine stammt und in den Jahren nach dem Kriege in Polen und Deutschland zahlreiche Betrügereien und Diebstähle verübte und vor einiger Zeit nach Frankreich gekommen war, ist am Freitagmorgen hingerichtet worden. Der Jude hatte vor einiger Zeit in Paris ein jüdisches Ehepaar erschossen, weil ihm dieses aufbewahrtes Geld nicht mehr zurückerstatten wollte. Palästinajnden bombardieren Fünf Tote, 30 Verletzte Jernsalem, 2. Juni. In Jerusalem ist ein neuer folgenschwerer jüdischer Bombenanschlag auf Araber zu verzeichnen. An einer Haltestelle am Jaffa=Tor, in der Nähe des arabischen Gemüsemarktes, explodierte am Freitag gegen 9 Uhr unter einem arabischen Autobus eine Zeitbombe, die nachts gelegt worden war. Die Zahl der Toten, die bei diesem neuen jüdischen Terrorakt zu beklagen sind, wird, nachdem zunächst nur von einem Todesopfer gesprochen wurde, bisher mit fünf angegeben. Dazu kommen rund 30 Verletzte, von denen 12 im Hospital verbleiben mußten; einige von ihnen schweben in Lebensgefahr. Die Regierung schloß unmittelbar nach dem Anschlag das in der Nähe des Tatortes gelegene jüdische Geschäftsviertel. Halb Jerusalem ist ohne Telephon, nachdem unter drei Sammelstellen für Telephonkabel in verschievenen Stadtteilen Bomben explodierten, so daß zahlreiche Leitungen zerstört wurden. Indenschunggel nach Ein neues, aber unsicheres Geschäft London, 2. Juni. Nach einer Reutermeldung aus Jerusalem ist der griechische Dampfer „Liesl“ mit 907 jüdischen Flüchtlingen an Bord auf der Höhe von Haisa abgefaßt und in den Hafen von Haisa geschleppt worden. Die Flüchtlinge sollten auf illegalem Wege nach Palästina gebracht werden. Allein in den letzten sechs Wochen ist es gelungen, insgesamt 2000 Juden bei dem Versuch abzufassen, ohne Erlaubnis nach Palästina zu gelaugen. Die Parure der Prinz Padl und dem Zührer (Fortsetzung von der 1. Seite.) teil des Vorbaues, der für den Führer und den Prinzregenten freigehalten ist. Anfahrt des Führers und des Prinzregenten Paul Eine Begeisterung sondergleichen hat die Anfahrt des Führers, die von der Wilhelmstraße über die parallel zu den Linden führnede Behrenstraße erfolgte, begleitet, und 5 Minuten vor 10 Uhr ist der Wagen am Treffpunkt angelangt. Vom unaufhorlichen Jubel der Massen umbrandet steigt der Führer auf der Mitte der Straßenkreuzung aus. Eine knappe Minute verweilt er noch im Gespräch mit seinem Adjutanten, und schon naht vom Ehrenmal her über die Mittelparade die Fahrzeugkolonne Seiner Königlichen Hoheit des Prinzregneten Paul, an dessen Seite der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe 1, Generaloberst von Bock, Platz genommen hatte. Prinzregent Paul verläßt nun auch seinerseits den Wagen. Der Führer schreitet auf seinen Gast zu, begrüßt ihn sehr herzlich mit Handschlag und geleitet ihn dann zu seinem eigenen Wagen, in dem der Königliche Gast zur Rechten des Führers Platz nimmt. ,.„ Weiter hanten, etwa an der Einmundung der Neustädtischen Kirchstraße, sieht man auf der nördlichen Fahrbahn noch die grauschwarzen Panzerwagen. Hier erstattet der Kommandierende General des 3. Armeekorps, General der Art. Haase Meldung. Auch dieser Vorgang vollzieht sich mit militärischer Exaktheit innerhalb weniger Sekunden, und es beginnt nun im herrlichsten Sonnenschein das Abfahren der Kilometer langen Front der Paradeausstellung sämtlicher Waffengattungen der deutschen Wehrmacht. Die Ankunft an der Technischen Hochschule Das letzte der Musikkorps, das des Wachregiments„Großdeutschland", intonierte die jugoslawische Hymne. Am Vorbau steigen die Standarten des Führers und des Prinzregenten hoch, und zugleich empfängt von den hohen Tribunen her den Führer und seinen Königlichen Gast ein wahrer Begeisterungssturm. Der Prinzregent trägt die Uniform eines Divisionsgenerals der jugoslawischen Armee und dankt für die begeisterten Kundgebungen, die sich wiederholen, nachdem er den Wagen verlassen und neben dem Führer in dem Vorbau Platz genommen hatte. Luftwaffe eröffnet die Parade Während die an der Parade beteiligten Verbände zum Vorbeimarsch aufmarschieren, brausen die Geschwader der größten Luftwaffe der Welt heran, die mit dem Vorbeiflug die Parade eröffnen. Einen Begeisterungssturm löst ein großartiges lufttechnisches Manöver aus, als beim Vorbeiflug des letzten Verbandes die schnellen Jagdmaschinen unter den schweren Maschinen her in geringer Höhe über die Paradestraße hinwegbrausen, um sich dann vor den schweren Maschinen wieder in die gleiche Flughöhe einzureihen. Regiment„Großdeutschland“ marschiert Unmittelbar an die Luftparade schließt sich der große Parademarsch unter dem Befehl des Kommandierenden Generals des 3. Armeekorps, General der Art. Haase, der selbst die Parade anführt. Im schneidigen Paradeschritt marschieren die Spielleute und das Mussiké-uys des Wegiments„Großdeutschland“ ents„Gropheutschlans der Führertribüne schwenMusikkorps des Reg vorbei. Gegenüber der Führertribune schwenken sie ein, ein Manöver, das den lauten Beifau der Zuschauer findet. Dann kommt der Kommandant von Berlin, Generalleutnant Seiffert, mit dem Regiment„Großdeutschland“ heran. Es ist ein prächtiger Anblick, als die schnurgerade ausgerichteten feldgrauen Kolonnen mit einer Prazision in Haltung und Bewegung defilieren, daß sie wie ein einziger festgefugter Block wirken. Marine, Fallschirmjäger, Flak Begeisterter Beifall der Zuschauer dankt für das schöne Bild, und er wiederholt sich, als die Marine=Unteroffizierlehrabteilung in schmukken weißen Blusen und blauen Hosen vorbeimarschiert. Es folgen im Blaugrau unsere Flieger. auch sie in Paradeuniform mit aufgepflanztem Bajonett. Der Beifall steigert sich jum Sturm, als die Fallschirmjäger in ihren grünen Uniformen und umgelegten grünen Fallschirmgurten kommen, die die Berliner nun zum zweiten Male sehen. Den Fußtruppen der Luftwaffe folgen in schnellem Tempo die motorisierten Teile der Luftwaffe in Viererreihe, leichte, schwere und schwerste Flaks. Wie bei allen an der Parade beteiligten Truppenteilen, folgt dem Kommandeur und seinem Stabe jeweils die von Fahnenoffizieren begleitete und von der Truppe mitgeführte Fahne, die von den Zuschauern mit erhobener Rechten begrüßt wird. Infanterie, Radfahrschwadronen, Kavallerie Mit drei Spielmannszügen und Musikkorps zugleich marschierte dann die Infanterie heran, die ein überzeugendes Bild nicht nur von der hervorragenden Haltung jedes einzelnen Mannes, sondern auch von der Vierfalt ihrer Waffenausstattung brachte. Neben leichten und schweren bespannten MG's führte sie leichte, schwere Granat= und Minenwerfer, Flak, leichte und schwere Infanteriegeschütze mit. Dabei erlebten die Zuschauer wieder einmal, in welch außerordentlich starkem Maße das Pferd heute bei der Infanterie Verwendung findet... 84u Die Radfahrschwadronen der Kavallerie fanden für ihren schneidigen Vorbeimarsch begeisterten Beifall, der sich noch steigerte, als in gestrecktem Trab das Musikkorps eines Kavallerieregiments anritt, das mit einem alten Reitermarsch einschwenkte. Die motorisierten Verbände... Mit den Kradschützen begann dann der letzte Teil der Parade, der Vorbeimarsch der motorisierten Verbände, die in schneller Fahrt, fast unhörbar, aber wie mit dem Lineal ausgerichtet, vorüberfuhren. Dank der sorgfältigen Vorbereitung der Paradestraße vollzog sich — trotz der oft gewaltigen Fahrzeuge— auch dieser Teil der Parade ohne jede Stauventwicklung. Nach den Kradschützen kommen die Panzerabwehr und dann motorisierte Artillerieabteilungen vom kleinsten bis zum schwersten Kaliber, Nachrichtentruppen, Pioniere mit ihren großen Pontons und Gerätewagen und endlich zum Abschluß die Panzerwagen. Schon sind mehr als zwei Stunden vergangen, und immer noch rollt das grandiose militärische Schauspiel, das zu bewundern die Zuschauer nicht müde werden, vorbei. Immer wieder bricht begeisterter Beifall los. Aber auch den Trägern unserer stolzen Wehr ist die Freude darüber von den Gesichtern zu lesen, daß sie an diesem herrlichen, für die Geschichte der deutsch=jugoslawischen Beziehungen so denkwürdigen Tage vor ihrem Obersten Befehlshaber und seinem Königlichen Gast paradieren Wie immer, galt die besondere Anteilnahme der schweren Artillerie und den Panzertruppen, die von dem Chef der schnellen Truppen, General Guderian, vorbeigeführt wurden. Vom schnellen Spähwagen bis zum schwersten Kampfwagen rollte Fahrzeug um Fahrzeug donnernd und dröhnend vorüber. Es sind gewaltige Ungetüme aus Stahl und Eisen, wahre fahrbare Festungen, die einen gewaltigen Eindruck hinterlassen. Wahre Stürme des Beifalls danken für das großartige Bild. Mit diesem donnernden Schlußakkord ist die Truppenparade zu Ehren des jugoslawischen Prinzregenten beendet.. Der Führer verläßt mit dem Prinzregenten unter tosenden Kundgebungen der begeisterten Massen den Paradeplatz, um seinen Koniglichen Gast in das Gästehaus des Reiches zu begleiten, während Generalfeldmarschall Göring Prinzessin Olga auf dem Rückweg begleitet. Auf dei Meerrsgrund=Lingeschiessen Englisches A=Boot gesunken- 88 Mann wahrscheinlich verloren London, 2. Juni. Donnerstag in den späten Abendstunden wurde mitgeteilt, daß das U=Boot der englischen Kriegsmarine„Thetis“ seit mehreren Stunden überfällig sei und mit einem schweren Unfall gerechnet werden müsse. Das Boot befand sich auf einer Abnahmefahrt und hatte einschließlich Abnahmekommission und Besatzung 94 Mann an Bord. Eine Verbindung mit dem Boot während der Fahrt hat nicht bestanden und war auch nicht vorgesehen. Als jedoch das Boot zur verabredeten Zeit nicht an die Oberfläche kam, wurde der Bauwerft von der Admiralität mitgeteilt, daß ein Unglück zu vermuten sei. Zu gleicher Zeit bestätigte die Admiralität in einem Kommuniqué den zwischenfall und gab bekannt, daß das Boot an einer noch nicht bekannten Stelle in der Bucht von Liverpool liege. Die Position festgestellt Vondon, 2. Juni. Die Position des U=Bootes ist nach einer Mitteilung der Werft Cammell Laird in Birkenhead, wo das Schiff gebaut wurde, in den frühen Morgenstunden des Freitags festgestellt worden. Das U=Boot soll, Fanksprüchen von Rettungsbooten zufolge, 25 Meilen von Liverpool entfernt in 54 Meter Tiefe auf dem Meeresboden liegen. Die Feststellung der Lage wurde durch eine Boje ermöglicht, die das U=Boot hatte aufsteigen lassen. Die Rettungsschiffe„Salver“ und„Vigilant“ trafen in den frühen Morgenstunden am Unglücksort ein und begannen sofort mit den Rettungsarbeiten. Als letzte Möglichkeit bleibt der Besatzung des U=Bootes der Versuch übrig, sich mit Hilfe der an Bord befindlichen Davis=Rettungsapparate zu retten. Mit Hilfe dieser Apparate können in Abständen von 5 Minuten je zwei Mann durch eine Luke, die sehr schnell geöffnet und wieder geschlossen werden muß. das Schiff verlassen. Ueber die Ursache des Unglücks liegen nositive Feststellungen bisher nicht vor. Die Admiralität vermutet, daß das U=Boot beim Tauchen auf eines der an dieser Stelle zahlreich auf dem Meeresboden liegenden Wracks gestoßen ist und daß hierbei die gesamten elektrischen Einrichtungen des Schiffes zerstört worden sind. Die Nachricht von dem Untergang des soeben fertiggestellten U=Bootes, dessen technische Bedeutung schon aus der Teilnahme von 20 Ingenieuren an der Probefahrt hervorgeht, hat natürlich hier Bestürzung hervorgerufen, nachdem ganz kürzlich erst ein amerikanisches U=Boot neuesten Typs von demselben Schicksal betroffen wurde. Schon die Mitteilung, daß man wenigstens die Lage des Schiffes festgestellt habe, rief vor allem auch bei den Angehörigen der Vermißten, die bis spät in die Nacht das Direktionsgebäude der Werft umlagerten, eine gewisse Erleichterung hervor. Die Morgenpresse, die die ersten Seiten mit riesigen Schlagzeilen über die Katastrophe und mit Bildern des U=Bootes bringt, weist mit Bedauern darauf hin, daß Rettungsglokken, wie sie bei dem verunglückten amerikanischen U=Boot zur Rettung benutzt wurden, nicht vorhanden sind. Nach einer Verlautbarung der Admiralität von 8.30 Uhr liegt das U=Boot 14 Meilen von dem Leitschiff„Great Ormes Head“(Liverpool=Bucht) auf Grund. Das Heck ragt etwa 6 Meter aus dem Wasser. In der Erklärung der Admiralität heißt es weiter, daß bisher keine Anzeichen dafür vorliegen, die gegen das Wohlbefinden der eingeschlossenen Offiziere und Mannschaften sprächen. Amtlich wird weiter mitgeteilt, daß an Bord der„Thetis“ alles wohlauf ist. Ein Kapitän und ein Leutnant haben das U=Boot bereits verlassen können und befinden sichan Bord des Zerstörers„Brazen“, der die genaue Lage des gesunkenen Schiffes festgestellt hatte. Die Rettungsarbeiten London, 2. Juni. Wie die Admiralität mitteilt, befindet sich der Bug des gesunkenen u. Bootes„Thetis“ etwa zwölf Meter unter der Wasseroberfläche, während das Heck aus dem Wasser ragt. Vier Insassen des U=Bootes haben sich inzwischen bereits mit Hilfe der Davi"=Rettungsapparate retten können. Auch die gesamte übrige Besatzung der „Thetis“ hofft man lebend bergen zu können. Die sechste Zerstörer=Flottille der britischen Flotte, bestehend aus acht Booten, ist an der Unfallstelle eingetroffen, um die Bergungsarbeiten zu unterstützen. Die Admiralität gibt ergänzend bekannt, daß bei den Rettungsversuchen wahrscheinlich zunächst Sauerstoffazetylen=Apparate benützt werden, mit denen man eine Oeffnung in das Heck schneiden will, durch die dann die einges““ sene Mannschaft das u. Boot verlassen ke Vier Schlepp, ote sind von Liverpool aus unterwegs, um ebenfalls am Rettungswerk teilzunehmen. Drei von ihnen haben sogenannte„Kamele"(Hebesäcke) im Schlepp, mit denen sie Hebeversuche vornehmen werden; der vierte Schlepper bringt Vorräte und Lebensmittel. Der Rettungsdampfer„Ranger“ ist, mit Sauerstoffapparaten an Bord, ebenfalls nach dem Ort des Unfalls abgegangen. Ein Beamter der Rettungsgesellschaft bestätigte daß außer den an Bord des„Brazen" befindlichen Geretteten, vier weitere Männer aus der „Thetis“ gerettet worden seien. 88 Mann eingeschlossen London, 2. Juni. Wie sich aus den nunmehr veröffentlichten Listen über die an Bord des auf der Abnahmefahrt gestern in der Liverpooler Bucht gesunkenen britischen U=Bootes befindlichen Personen ergibt, befinden sich zurzeit noch 88 Mann in dem gesunkenen UBoot„Thetis“ eingeschlossen. Die„Thetis“ war zur Abnahmefahrt mit 94 Mann an Bord ausgelaufen, und zwar 62 Offizieren und Mannschaften, 26 Angestellten der Bauwerft in Cammell Laird, drei Angestellten der Vikkers=Armstrong=Werke, sowie einem Lotsen und zwei Technikern. Bei der Admiralität in London verheimlicht mi nicht, daß die Lage der in dem gesunkenen U=Boot Eingeschlossenen Grund zur Beunruhigung gebe, doch hofft man, daß die eintretende Ebbe einen größeren Teil des Hecks der„Thetis“ freilegen wird, so daß sich eine günstigere Gelegenheit bietet, mit den autogenen Schneideapparaten ein Loch in das Heck des U=Bootes zu schneiden und auf diese Weise entweder frische Luft in das Innere des U=Beotes zu pumpen, oder seine Besatzung durch eine entsprechend große Oeffnung im Heck zu retten. Stillstand erzeugt Undehagen Der Stillstand in den britisch=sowjetrussischen Verhandlungen beginnt in wachsendem Maße der englischen Oeffentlichkeit Sorge zu bereiten. Die Zeitungen reden der Moskauer Regierung gut zu, nun doch endlich die Bedenken und Zweifel aufzug den und zu begreifen, daß die Londoner Regierung bereits alles nur Denkbare getan habe und der Moskauer Regierung zwei Drittel des Weges entgegengekommen sei. Die„Times“ rechnet aus, daß von den drei Punkten der sowjetrussischen Kritik 2½ bereits angenommen seien. Im Foreign Office haben eingehende Beratungen stattgefunden, um nun eine Formel zu finden, die einerseits den sowjetrussischen Wünschen für eine Garantie der Ostseestaaten entspricht, andererseits aber den baltischen Staaten keinerlei Sicherheitsgarantie aufzwingt. Es ist allerdings schwer ersichtlich, wie eine derartig komplizierte Formel gefunden werden kann. Die mutige Erklärung des estnischen Außenministers Selter in der„Baltic Times“ hat hier sichtlichen Eindruck gemacht. Die Londoner„Times“ gibt die Erklärung im vollen Wortlaut wieder und hebt den Satz hervor, die baltischen Staaten würden mit allen Kräften jedem Versuch einer Macht Widerstand leisten, die als Vertreter eines Kollektivsystems oder im eigenen Interesse den Boden der baltischen Staaten betreten sollte. Die britische Presse betont mit einer gewissen Hartnäckigkeit, daß schließlich den baltischen Staaten gegen ihren Willen doch unmöglich eine Garantie aufgezwungen werden könnte, und zum erstenmal machen sich leise Anzeichen eines Widerstandes und einer Verärgerung über die uferlos wachsenden sowjetrussischen Forderungen bemerkbar. Der Moskauer Korrespondent der„Times“ scheint die Aussichten auf eine baldige Einigung zwischen Großbritannien und Sowjetrußland nicht allzu günstig zu beurteilen. In seinem Bericht heißt es, es liege keinerlei Veranlassung vor, anzunehmen, daß die formelle Antwort der sowjetrussischen Regierung auf die englisch=französischen Vorschläge über die Rede Molotows hinausgehen würde. Obwohl die Moskauer Regierung offiziell Mitglied der Genfer Liga sei, zeige sich doch, daß die Sowjetregierung ein tiefer wurzelndes Mißtrauen gegen die von England vorgeschlagene Einschaltung der Genfer Liga empfinde. Die Moskauer Regierung sei der Auffassung, daß die baltischen Staaten heute einen Schutz Deutschlands einer Unterstützung durch Sowjetrußland vorziehen würden. Die Moskauer Regierung wolle aber auf alle Fälle verhindern, daß die baltischen Staaten vor eine derartige Wahl gestellt würden. Die britische Regierung sei demgegenüber nicht in der Lage, der Moskauer Regierung eine Garantie für die Unterstützung in jeden Falle zu geben, besonders, wenn es sich hierum um das Gebiet von Staaten handele, mit denen Großbritannien, wenn auch nicht freundschaftlich, so doch kordiale Beziehungen unterhalte. Zum Geleit: Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht; wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht. Goetbe. Gedenktage: 1871 Elsatz=Lothringen Reichsland Wetter: Weiterhin warm und trocken. In der Großwetterlage hat sich noch wesentliches geändert. Ueber Nordosteuropa ist zwar durch Kaltluft, die über Skandinavien und die Ostsee nach Polen strömte, ein Temperatursturz von 10 Grad verursacht worden. Westdeutschland kann jedoch von derartigen Kältewellen nicht erfaßt werden, da es zu nahe am Kerngebiet des hohen Druckes liegt. Die Temperaturen können auch hier noch etwas zurückgehen, ein Wetterumschwung ist jedoch immer noch nicht möglich. Aussichten für Sonnabend und Sonntag:. Bei mäßigen östlichen Winden heiter, trocken und warm. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Noch keine Aenderung. Tageschronik Beförderungen bei der Bahn. Die beim Bahnbetriebswerk bediensteten Rersevelokführer Christian Dammeier, Sedanstraße, Karl Sander, Schillerstraße und Franz Simon, Wandhofener Dammstraße, erhielten rückwirkend vom 1. März die Ernennung zum Reichsbahnlokomotivführer. Der beim Bahnbetriebswerk beschäftigte Lokführeranwärter Herm. Gerke, Westhellweg, erhielt mit der Anstellung die Beförderung zum Reservelokführer. G. kehrte vor einigen Tagen von einer Dienstleistung aus dem Sudetengau zurück. - Ausbau der Straße nach Lichtendorf. Die Hauptverkehrsstraße Schwerte— Lichtendorf, die wegen der großen Schlaglöcher fast nicht mehr zu befahren war, ist jetzt mustergültig ausgebaut worden. Die Kurven sind entsprechend der Verkehrslage erhöht und zugleich verbreitert worden. Neben der Fahrbahn wird noch ein Radfahrweg angelegt, wofür das Ausbaumaterial inzwischen angefahren worden ist. Achtung für Pflichtjahrmädel! Für Mädel, die ihr Pflichtjahr als Hausgehilfin in einem Haushalt ableisten, besteht die Möglichkeit, einen schriftlichen Arbeitsvertrag nach den Richtlinien des Reichstreuhänders der Arbeit abzuschließen. Der Abschluß solcher Verträge ist erwünscht und behebt einen großen Teil der bisher aufgetretenen Unklarheiten. Die Vertragsvordrucke sind bei der Kreisjugendwaltung der DAF. erhältlich. Sammlung von Heilkräutern. Der NS.=Lehcerbund Gau Westfalen=Süd hat sämtliche Erzieher und Erzieherinnen aufgefordert, im Rahmen des Vierjahresplanes die Sammlung von Heilkräutern durchzuführen und zur Förderung des alten deutschen Gedankens der Volksheilkunde beizutragen. Runmehr ist man in allen Schulen wieder damit beschäftigt, Heilkräuter zu sammeln. Auch auf diesem Gebiete tut sachgemäße Aufklärung not; denn viele wirksame Heilkräuter sind im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten. Reichsbahnpersonalien. Am 1. Juni 1939 wurde der Rangier=Anwärter Joh. Wegener, Brückstraße 4, zum Rangieraufseher ernannt und gleichzeitig in das Beamtenverhältnis übernommen. Mit Rückwirkung vom 1. März 1939 wurden die Reservelokomotivführer Karl Sander, Dammeyer und Sinner zu Lokomotivführern befördert, desgleichen der Lokomotivführeranwärter Hermann Gerke, Westhellweg 16, zum Reservelokomotivführer. Eine wirtschaftskundliche Studienfahrt durch das Ruhrgebiet. Die Deutsche Arbeitsfront, Gauwaltung Westsalen=Süd, Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung, eröffnet am Montag, dem 5. Juni, vormittags 9,30 Uhr, im Saale des Schlegelbräu, Bochum, Rathausplatz, die wirtschaftskundliche Studienfahrt WS 811/814„Durch das Ruhrgebiet: Kohle und Eisen". Die Fahrt dauert vom 5. bis 10. Juni. Glückwunsch des Führers zum Goldenen Ehejubiläum. In Scwerte konnten die Eheleute Wilhelm Jansen und Karoline geb. Schäfer, das Fest der goldenenHochzeit feiern. Dem Jubelpaar ging außer einer Gabe des preußischen Staatsministeriums ein Glückwunschschreiben des Führers zu. *- Bruchstraße 5 statt„Brückstraße 5“. In der gestrigen Meldung von einem Selbstmord eines 31jährigen Mannes auf dem Vorflur eines Dachzimmers in Schwerte muß es statt Brückstraße richtig Bruchstraße heißen Der Redner des Kreistages Iserlohn, 2. Juni. Der Kreistag der RSDAP. am kommenden Samstag und Sonntag in der Stadt Iserlohn wird und soll Rechenschaft ablegen über die geleistete Aufbauarbeit seit der Machtergreifung, er wird zugleich aber auch richtunggebend und wegweisend sein für die Arbeit der Partei in der Gegenwart und Zukunft. Das wird außer auf den Tagungen des Führerkorps der NSDAP. und der Amtswalter der DAF. am Samstag besonders geschehen auf den großen Kundgebungen im festlichen Rahmen am Sonntag, auf der Kulturtagung in der Schauburg am Sonntagvormittag, die u. a. von der HJ. gestaltet wird und auf der Gauschulungsleiter Pg. Schwarzschulz (Bochum) spricht, und auf der öffentlichen Großkundgebung in der Hans=Bernsau=Kampfbahn am Sonntagnachmittag. Auf der Amtswaltertagung der D AF., die am Sonnabend, dem 3. Juni, nachmittags 16,30 Uhr, im„Buchenwäldchen“ stattfindet, spricht ein alter Kämpfer der Bewegung im Gau Westfalen=Süd, der Gauobmann der DAF., Pg. Ernst Stein, MdR., Bochum. Mit derselben Hingabe, mit der er unter unserem Gauleiter Josef Wagner in der ersten Kampfzeit in Westfalen in den Reihe der SA. gekämpft hatte, ging er schon früh daran, im industriellen Westfalen eine nationalsozialistische Bresche in die Front des Marxismus zu schlagen. Die Tagung des Führerkorps der R SDAP., die am Sonnabend, 19,30 Uhr, auf der Alexanderhöhe stattfindet, erhält ihre besondere Bedeutung durch die Mitwirkung des Reichsrendners Pg. Dr. Alfred Beck und des Reichsamtsamtsleiters Pg. Walter Thießler, des Leiters des Reichsringes für nationalsozialistische Volksaufklärung und Propaganda. Pg. Alfred Beck ist ebenfalls ein alter Kämpfer der Bewegung in Süd=Westfalen und besonders hervorgetreten als Redner und Schriftsteller. Ihm wurde vom Gauleiter die Abfassung einer Geschichte der NS.=Bewegung im Gau Westfalen=Süd übertragen, die unter dem Titel„Kampf und Sieg— eine Geschichte der NSDAP. im Gau Westfalen=Süd von ihren Anfängen bis zur Machtübernahme“ die erste ihrer Art im Reiche ist. Neuerdings hat der nationalsozialistische Kämpfer, Politiker und Friedrich Alfred Beck unter dem Titel„Die Idee im Kampf“ eine Sammlung seiner in den heftigsten Kampfjahren 1930 bis 1933 von der Machtergreifung bis zur Gegenwart veröffentlichten Aufsätze herausgegeben. Auf der öffentlichen Groß kundgebung in der Hans=Bernsau=Kampfbahn, die am Sonntagnachmittag um 16 Uhr beginnt, spricht Gauleiter und Staatsrat Pg. Florian. MdR., Düsseldorf. Wenn ihn sein Auftrag auch heute außerhalb Westfalens gestellt hat, so ist Pg. Florian doch aus Westfalen hervorgegangen. Er ist mit einer der ersten Kämpfer um Gauleiter Wagner, als dieser daranging, Westfalen und unseren Heimatgau für den Führer zu erobern. Wir erinnern daran, daß Pg. Florian es war, der im Jahre 1930 auf der ersten großen Kundgebung der NSTAP. in Iserlohn auf der Alexanderhöhe gesprochen Gauleiter Staatsrat Florian, der am Sonntag, um 16 Uhr auf der Großkundgebung in der Hans-BernsauKampfbahn in Iserlohn spricht. hat. Der Ostpreuße Friedrich Karl Florian ging als Kriegsfreiwilliger an die Front, wo er mit seiner Maschine über den englischen Linien in Flandern abgeschossen wurde und in Gefangenschaft geriet. Früh baute er nach seiner Rückkehr in die Heimat im Bergischen Land und in Düsseldorf zielbewußt die Parteiorganisation aus. Mit der Septemberwahl 1930 gelang der entscheidende Einbruch in die schwarz=rote Front. Nicht zuletzt waren es die nationalsozialistischen Beratungsstellen im Gau Düsseldorf, Florians eigene Idee und Schöpfung, die in hervorragendem Maße dazu beitragen die Fühlungnahme von Partei und Volk herzustellen. 25 Jahre Sauerländischer Gebirgs=Verein B. Schwerte, 3. Juni. Heute und morgen begeht der Sauerländische Gebirgsverein in Siegen sein diesjähriges Gebirgsfest, an dem auch viele Schwerter Wanderkameraden teilnehmen. Der Zufall hat es gewollt, daß die morgige Heerschau des SGV. mit dem 25jährigen Gründungstag der SGV.=Abteilung Schwerte zusammenfällt.„Der Gedanke", so heißt es in dem Gründungsprotokoll vom 4. Juni 1914,„auch in der Stadt Schwerte, welche so nahe vor dem Sauerlande liegt, den früher bestandenen Ortsverein des SGV. wieder ins Leben zu rufen, ließ besonders in diesem Jahre, in dem der edle Wandersport allenthalben eine so gewaltige Ausdehnung gefunden hat, in den Herzen so mancher Natur= und Wanderfreunde in Schwerte diesen Wunsch lebhafter als je zuvor rege werden. Dieser vielseitige Wunsch wurde jetzt endlich zur Tat!“ Wie aus dieser Eintragung ersichtlich, hat demnach schon vorher ein Ortsverein des SGV. in Schwerte bestanden. Tatsächlich wurde auch gleich im Gründungsjahre des Hauptvereins des SGV., im Jahre 1891, ein Ortsverein Schwerte ins Leben gerufen. Vorsitzender war damals Hüttendirektor Plentz, an den sich die alten Schwerter sicher noch erinnern werden. Er wurde später von dem bekannten Justizrat Backhausen abgelöst. Der Ortsverein wurde damals in Verbindung mit dem früheren Verschönerungsverein Schwerte gebildet. Als einziges ehemaliges Mitglied des im Jahre 1900 eingegangenen Ortsvereins gehört Lehrer i. R. Robert Jacobs heute noch der SGV.=Abteilung Schwerte an. Dieser eifrige Wanderer war es auch, der am 4. Juni 1914 in der Gründungsversammlung der wieder aufgelebten Abteilung mit der Vereinsführung betraut wurde. Sofort bei der Gründung traten der neuen Abteilung 77 Mitglieder bei, eine für die damalige Zeit sehr stattliche Zahl. Von diesen 77 Mitgliedern sind folgende 16 noch heute Mitglied der Abteilung Schwerte: Robert Jacobs, Christian Thomé, Max Mehlhose, Emil Schluck,“ Carl Roeber, Walter Pötzsch, Wilhelm Overbeck, Wilh. Möller, Adol Lethaus, Dr. Max Goecke, Carl Wolff, Josef Strüder, W. Parschmann, A. Hecker, Dr. Stüttgen, Hermann Dann“ häuser. Von den Jubilaren gehört der Prokurist Thomé ununterbrochen der Abteilungsführung an. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, daß der Wandersport schon vor dem Kriege in dem Schwerter Verein eine gute Pflegestätte hatte. Besondere Verdienste erwarb sich der Schwerter SGV. in der Vorkriegszeit um die Verbesserung des Verkehrs zum Sauerland. Während des Weltkrieges ruhte der Wanderbetrieb, da der größte Teil der Mitglieder zur Fahne einberufen wurde. Folgende neun Wanderkameraden ließen ihr Leben für das Vaterland: Hans Bondkowsky, Michael Baum, Jakob Krey, Fritz Schmalenberg, Otto Schmidt, Emil Steinberg, Ernst Trog, Otto Veller, Hugo Waldmann. Die erste Versammlung nach Kriegsende fand am 7. März 1919 statt. In ihr wurde Fabrikdirektor Cupey, heute Abteilungsführer der SGV=Abteilung Westhofen und Mitglied des Führerrats des Hauptvereins, zum Vorsitzenden gewählt. Am 16. März 1919 kam die erste Wanderung zur Durchführung. Bezeichnend für die damaligen Verhältnisse ist die Eintragung, daß die Wandertätigkeit infolge der schlechten Ernährungs= und Verkehrsverhältnisse nur in beschränktem Umfange durchgeführt werden konnte. Am 8. Dezember 1921 übernahm Prokurist Wilhelm Gathmann die Vereinsführung. Unter seiner Leitung setzte sich der Verein besonders für das Jugendwandern und für die Errichtung von Jugendherbergen ein. Am 1. Juli wurde unter der Leitung des Wanderkameraden Karl Sohlenkamp eine Jugendgruppe, der„Bund Jung=SGV., Gruppe Schwerte", ins Leben gerufen mit dem Hauptziel, wie es in der damaligen Satzung heißt,„die Kenntnis der Heimat zu erweitern, die Heimatliebe zu pflegen, den Hemiatschutz zu fördern, gute Kameradschaft zu halten, vornehmlich durch Wandern den Körper zu kräftigen und zu stählen und deutsche Sitte und Art zu schätzen und zu schützen.“ Ferner wurde im Jahre 1922 erstmalig mit der Wegezeichnung im Schwerter Bezirk begonnen. Heute hat das von der Abteilung Schwerte gezeichnete Wegenetz eine Länge von 65 Kilometern. Nach Apotheker Stauber, der die Ven einsführung am 1. Juni 1929 übernahm, trat Baumeister Wilhelm Scherff jun. am 14. Februar 1931 an die Spitze des Vereins. In den mehr als acht Jahren, in denen er jetzt die Schwerter SGV.er führt, nahm die Abteilung einen beachtlichen Aufschwung. Die Mitgliederzahl stieg in dieser Zeit von 114 auf heute 278. Besonders aber machte er sich um die Errichtung des eigenen Wanderheims der Schwerter Abteilung bei Stefanopel in den sauerländischen Bergen verdient. Dieses schmucke Wanderheim, welches am 2. August 1936 durch den Hauptvereinsführer des SGV., Regierungsvizepräsidenten Dellenbusch, in Aewesenheit von über 300 Wanderfreunden in feierlicher Form seiner Bestimmung übergeben wurde, bidlet heute infolge seiner idealen Lage und seiner praktischen Einrichtung eine überaus gern besuchte Erholungsstätte nicht nur für die Schwerter SGV.er. sondern auch für viele andere Volksgenossen von Schwerte und Umgebung. Für den regen Wanderbetrieb ni der Abteilung spricht die Tatsache, daß im vorigen Jahre 1075 Personen insgesamt 1186 Kilometer abwanderten. In einer Zeit, in der die Arbeit des Bauern, des Menschen draußen auf dem Lande als etwas Rückständiges, Ueberlebtes, bezeichnet wurde von Menschen, die wurzellos geworden waren in einer Zeit, in der man glaubte, den rückständig und als Sonderling bezeichnen zu müssen, der seine freien Stunden draußen in der Natur zubrachte, hielt auch der Schwerter SGV. die Verbindung zur Natur und zur Heimat aufrecht, und als mit dem gewaltigen seelischen Umbruch des deutschen Volkes unter der Führung Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus das große Bekenntnis zur Natur wieder laut wurde. setzte sich auch die Schwerter Abteilung des SGV. tatkräftig dafür ein, diejenigen zu bekehren, deren natürliches Empfinden durch eine falsche Erziehung und Umgebung verschüttet wurde, ihnen wieder die Augen zu öffnen für das, was es draußen zu sehen und zu hören gibt. Mit Stolz kann deshalb der SGV. Schwerte sein 25jähriges Jubelfest begehen, das am 8. Juli in einem größeren Rahmen gefeiert wird und für welchs schon seit einiger Zeit Vorbereitungen getroffen werden. Küchenzettel für die Woche vom 5.—11. Juni 1939. Montag: Grünkernsuppe, Quargauflauf mit Schinken und Salat.— Dienstag: Fisch im roten Rock, Kartofeflbrei, Rhabarberkompott.— Mittwoch: Sagomilchsuppe, Butterkohleintopf mit durchwachsenem Speck.— Donnerstag: Rhabarbersuppe mit Eierklößchen, gebratene Leberscheiben, Salzkartoffeln, Kopfsalat.— Freitag: Heringsstip mit Pellkartoffeln, Sagoquargspeise.— Rezept für Sagoquargspeise: 50 g Kartoffelsago, 1/ Liter Milch, 200 g Quarg, Abgeriebenes einer Zitrone, 100 g Zucker, 60 g Rosinen, 60 g ger. Rüsse oder Mandeln.— Den Sago läßt man in der kochen den Milch aufgullen, gibt den durchgestrichenen Quarg und die anderen Zutaten dazu. Alles gut verrühren und in eine Glasschüssel geben. Sonnabend: Graupensuppe mit Spargel unt Fleischbällchen.— Sonntag: Kräutersuppe, Schnitzel, Spargel, Salzkartoffeln, Quarggelee mit Vanilletunke. Rezept für Quarggelee: 250 g Quarg, ½ Liter Milch, 1 P. Vanillezucker, 50 g Zucker, 5 Blatt weiße Gelatine, 5 Blatt rote Gelatine, etwas Wasser. Den durchgestrichenen Quarg rührt man mit der Milch zuletzt die in Wasser aufgelöste Gelatine. Ersteift reicht man eine Vanilletunke dazu. Amt Westhofen Wer kennt den Toten? Westhofen, 3. Juni. Am Freitag, den 2. Juni, vormittags gegen 9,30 Uhr ist in einem Eichenwalde in der Gemeinde Villigst(Amt Westhofen) unweit der Eisenbahnstrecke Schwerte—Iserlohn ein unbekannter Mann erhängt aufgefunden worden. Die Beschreibung des Toten lautetz etwa 35 Jahre alt, 1,84 Meter groß, von kräftiVeranstaltungekalender DRK.=Ortsgemeinschaft Schwerte. Der Arbeitsnachmittag ist am Dienstag, dem 6. Juni. Nähzeug ist mitzubringen.— Der gemeinsame Ausflug nach Königswinter findet am Mittwoch, dem 7. Juni, statt. Anmeldungen bis spätestens Samstag, den 3. Juni, bei Fr. Alssers, Straße der SA. 13. Der Fahrpreis von 5.— RM. ist gleichzeitig mit der Anmeldung zu entrichten. ger Gestalt, dunkelblondes Haar, graue Augen, abstehende Ohren, Schneidezähne fehlen, abgearbeitete Hände; bekleidet mit dunklem Anzug (Fischgrätenmuster), hellblauem Sporthemd mit rotweißen Streifen, rotweißem Selbstbinder, schwarzen Schnürschuhen und blauer Schiffermütze. In den Anzugtaschen hatte der Tote eine billige Uhr mit Nickelkette und ein weißes Taschenmesser, aber keinerlei Papiere. Die Leiche wurde in die Leichenhalle auf dem Friedhof in Westhofen gebracht. Wer über den Toten Angaben machen kann, wird gebeten, sofort die Polizei oder Gendarmerie zu benachrichtigen. Steuererhebung in den Gemeinden des Amtes. Westhofen, 3. Juni. Um die Einzahlung der Steuern und sonstigen Abgaben zu erleichtern, werden von der Amtskassenverwaltung folgende örtlichen Hebetermine abgehalten: Für die Stadt Westhofen und die Gemeinden Garenfeld und Wandhofen am 12. Juni, von 9 bis 12 Uhr, im Amtskassenraum; für die Gemeinde Villigst am 13. Juni, von 10 bis 10,30 Uhr, in der Wirtschaft Harde; für die Gemeinde Lichtendorf am 14. Juni, von 9 bis 10 Uhr, in der Wirtschaft Wiemhoff; für die Gemeinde Geisecke am 14. Juni, von 10,30 bis 11 Uhr, in der Wirtschaft Westerhoff; für die Gemeinde Holzen am 15. Juni, und zwar von 9 bis 9.30 Uhr in der Wirtschaft Prein, von 10 bis 10,30 Uhr in der Wirtschaft Eisenberg und von 11 bis 12 Uhr in der Wirtschaft Schneider. Es empfiehlt sich, die örtlichen Termine wahrzunehmen. Aus der Polizeimappe. Westhofen, 3. Juni. In den letzten 2 Wochen sind bei der hiesigen Polizeibehörde folgende Anzeigen erstattet worden: Drei Anzeigen wegen Diebstahls, eine Anzeige wegen Betruges, eine Anzeige wegen Körperverletzung, zwei Anzeigen wegen tätlicher Beleidigung, eine Anzeige wegen eines Waldbrandes, eine Anzeige wegen Kraftfahrzeugvergehens, zwei Anzeigen wegen Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz, sieben Anzeigen wegen Ruhestörung, Ueberschreitung der Polizeistunde. Bauens ohne Genehmigung und Verstoßes gegen die Meldevorschriften, eine Fundanzeige, zwei Anzeigen wegen Verkehrsunfälle und sechs Anzeigen wegen Betriebsunfälle, bei denen ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Fertigstellung des Feuerwehrgeräteshauses. Holzen, 3. Juni. Die Arbeiten am Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses mit Uebungsturm auf dem Platze hinter der Eintracht=Schule sind jetzt bald beendet. Der Außenputz ist bereits fertig. Das Gebäude fügt sich gut in die Landschaft ein. Es soll darin auch die vom Amte Westhofen für den Löschzug Holzen neubeschaffte Motorspritze untergebracht werden. Geplant ist noch, eine Wasserleitung zu dem Gerätehaus zu legen. Die Uebergabe an die Freiwillige Feuerwehr wird in kurzer Zeit erfolgen können. Pferd und Reiter ziehen nach Quelle Quelle, 2. Juni. Quelle bei Bielefeld rüstet zum großen Reitertag der SA.=Gruppe Westfalen. Aus allen Teilen Westfalens kommend, werden hier am 3. Juni die Reiter der westfälischen SA. eintreffen, die dann am Sonnabend und Sonntag in Quelle bei Bielefeld ein großes Programm gestalten, das der Oeffentlichkeit einen Einblick in die vielgestaltige Arbeit der SA.=Reiterei tun lassen soll. Bielefeld und seine weitere Umgebung wird ganz im Zeichen dieses großen Treffens der Reiterrei der westfälischen SA. stehen. Der Organisationsstab hat in Quelle bereits seine Tätigkeit aufgenommen. Die Quartiermacher sind dabei, für die vielen an diesem Reitertag teilnehmenden Pferde in Quelle und Umgebung für gute Unterbringung zu sorgen. Auf allen Zufahrtsstraßen nach Quelle wird man am Sonnabend Reiterkolonnen begegnen. Zum Teil werden die Pferde mit der Eisenbahn nach Brakwede transWährend man in Quelle alle Vorbereitungen zum Empfang der westfälischen SA.=Reiterei trifft, bereiten sich die an diesem Reitertag beteiligten Reiterstandarten auf die großen Uebungen vor, die sie im Rahmen dieser Veranstaltung durchzuführen haben. Im Beisein von Gästen aus dem ganzen Reich wird Sonnabend und Sonntag in Quelle ein Programm abgewickelt, das in seiner Vielgestaltigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Schauplatz ist der Rennplatz in Quelle, der bei dem großen Aufgebot an Reitern und Pferden eine glatte Abwicklung des Programms gewährleistet. Eingeleitet wird der Reitertag der SA.= Gruppe Westfalen am Sonnabend mit einem Geländeritt, der an die Teilnehmer keine geringen Anforderungen stellt. Zur gleichen Zeit beginnen auf dem Rennplatz die Vorprüfung Dressur A, das Jagdspringen A mit anschl. Voltigierabteilung, die Dressurprüfung A (Hauptprüfung). Den Höhepunkt des Reitertages aber werden die Veranstaltungen am Sonntag auf dem Rennplatz bilden, wo Vorführungen aller Art die Zuschauer begeistern werden. Die SA.=Gruppe Westfalen weist die Besucher an diesem Reitertag darauf hin, daß für die Zeit dieser Veranstaltung in Quelle auf der Reichsbahn die Sonntagsrückfahrkarten gelten, so daß von allen Bahnhöfen der Deutschen Reichsbahn nach Quelle eine Fahrpreisermäßigung von 33½ Prozent gegeben wird. Die Sonntagsrückfahrkarten gelten in der Zeit vom 3. Juni, 12 Uhr, bis 4. Juni, 24 Uhr. Ferner wird mitgeteilt, daß eine Fahrpreisermäßigung von 50 Prozent gewährt wird, wenn sich 30 Personen zu einer gemeinsamen Fahrt zusammenschließen.„In diesem Fall wird außerdem bei Bezahlung von 12—20 Reisenden 1 Teilnehmer und für jede weitere angefangene Zahl von 20 Reisenden ein weiterer Teilnehmer unentgeltlich befördert. 400 m an und bei seinem enormen Spurtvermögen hate er bald vier Längen herausgeholt. Der Belgier Bonduel und unser Bautz konnten den Holländer nicht mehr erreichen. Schon in der Form Adolf Heuser und Max Schmeling begannen Am Donnerstag begannen Adolf Heuser und Max Schmeling ihre Trainingsarbeit für den Amt Ergste Sportplatzanlage durch Gemeinschaftsarbeit der RS.=Formationen. Kalthof, 2. Juni. In Kalthof hat man den Anfang gemacht, einen großzügigen Sportplatz anzulegen. Da durch die angespannte Arbeitslage keine Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, werden die erforderlichen Erdbewegungen durch de RS.=Formationen und die Sportanhänger sewältigt. Reichskrone. Man neigt oftmals dazu, alles grundsätzlich zu erörtern und in jedem Ding ein Problem zu wittern. Ein Lustspielfilm ist uns gewissermaßen„verdächtig", weil zu befürchten steht, daß das ach so ernste Leben— Ehe, Frau und Liebe— veralbert werden könnten. Dr. Fritz Schwiefert schrieb nun eine Komödie fürs Theater, Marguerite: 3“, für die scheinbar alle jene Einwände zutreffen. Und es beweist an und für sich noch nichts, daß gerade diese Komödie schon auf den Brettern des Berliner Staatsschauspiels unter Lingens Regie und dann erst recht als Film der„Bavaria“ auf der Leinwand ein großer Lacherfolg wurde. Wir wollen uns aber grundsätzlich vornehmen, nicht „grundsätzlich" zu werden: Marguerite, alias Gusti Huber, eine dreiköpfige Sirene, ein Wesen, das drei Männern in minutenschnellem Wechsel hintereinander als 1. dämonisches Weib, 2 liebes Margaretchen und als 3. überkandidelter„Vernunft“=Mensch an einem Abend, in ein und demselben hochseudalen Hause drei Heiratsmträge entlockt— Marquerite gefällt, weil Gusti Huber diese uralte Verwechslungskomik so frisch und rollig„hinlegt“, daß sie herzhaftes Lachen auslöst. Onkel Lingen, als Lebemann Lohnemut und Regisseur zugleich, hat mit feinem Witz in 24 Drehtagen eine Filmpose aus dem Theaterlustspiel gemacht, bei dem seine eigene steifhalsige Spitzbubenkomik zu voller Geltung kommt. Locker und leicht wie der Stoff ist auch die lichte Bildkomposition und der Dialog. Grete Weiser mit ihrer großen Klappe und Richard Romanowsky als Type eines herrschaftlich steisen Dieners lösen weiteres Kichern aus. Nicht jedes Lustspiel ist ein„Zerbrochener Krug“. Die Lacher kommen trotzdem auf ihre Kosten. Dr. Haus=Adolf Eding. Kommende Aufnahmen aus der vordersten Linie. Prof. Karl Ritter, der soeben die letzten Aufnahmen zu seinem neuen Ufa=Film gedreht hat, wird uns demnächst mit einem großangelegten dokumentarischen Reportagefilm vom spanischen Krieg überraschen: Es handelt sich um den Film„Deutsche Freiwillige in Spanien“, mitdem jenen tapferen Kämpfern ein Denkmal gesetzt wird, die Seite an Seite mit den italienischen Freiwilligen und den spanischen Helden an dem heroischen Befreiungskampf Spaniens teilnahmen. Professor Karl Ritter erzählte uns von den Schwierigkeiten, die der Bewältigung eines solchen Themas entgegenstanden. Erst zu Anfang dieses Jahres konnte mit den dokumentarischen Aufnahmen begonnen werden. Ritter war selbst einige Wochen in Spanien und machte sich ein Bild von den dortigen Verhältnissen und den Möglichkeiten, die ihm für einen Film über deutsche Freiwillige im Kampf gegen den Weltfeind gegeben waren. Der Film wird eine großangelegte Reportage von über zweitausend Meter Länge werden. Er enthält die letzte große Offensive Francos von Toledo bis Ciudad Real, ihre Vorbereitung, die Bereitstellung von Mensch und Material und gipfelt in Bildern, die in den vordersten Linien auf genommen wurden. Der Film ist in zwei Teile gegliedert. Die Aufnahmen für den Film„Deutsche Freiwillige in Spanien“ haben der Sohn Karl Ritters, der Kameramann Heinz Ritter, und Eberhard von der Heyden gemacht. Sie waren in den Schützengräben und in den vorgeschobensten Stellungen und waren mit die Ersten, die in die befreienden Ortschaften einzogen. * Der von Professor Karl Ritter in Spanien gedrehte Reportage=Film der Ufa vom heldenhaften Einsatz der deutschen„Legion Cordor“ an der Seite der Truppen Francos erhielt den offiziellen Titel„Im Kampf gegen den Weltfein"(Deutsche Freiwillige in Spanien). Der von Werner Beumelburg verfaßte Begleittext wird von Staatsschauspieler Paul Hartmann gesprochen. „Kadetten“— beendet. Professor Karl Ritter hat die Aufnahmen zu seinem neuen Spielfilm„Kadetten" beendet. Die Hauptrollen des neuen Karl RitterFilms der Ufa, dessen Handlung sich auf eine historische Episode aus der Zeit des siebenjährigen Krieges stützt, spielen neben Mathias Wiemann und Carsta Löck eine große Schar von Jungens aus der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Potsdam. Hohe Auszeichnung für einen Kulturfilm. Der nette Ufa=Kulturfilm„Das Wort aus Stein“ wurde ohne Ausschnitte zensiert und erhielt die Prädikate„künstlerisch wertvoll“ und„vilksbildend". Er wurde außerdem als Lehrfilm anerkannt. Der Film ist für Jugendliche und sämtliche Feiertage zugelassen. Türten, Sxlel und Sverl BfL. Schwerte in Letmathe! Letmtahe 98 1. VfL. Schwerte 1. Im heutigen Sonnabend=Abendspiel stehen sich zwei Fußballpioniere des Sportkreises Iserlohn in der Hermann=Göring=Kampfbahn in Letmathe gegenüber. Der VfL. Schwerte kommt hier einer alten Rückspielverpflichtung nach und will die bekannten sreundschaftlichen Beziehungen zwischen VfL. und Letmathe 98 durch diese spielerische Auseinandersetzung auffrischen. Von jeher lieferten sich beide Mannschaften schöne Kämpfe, welche stets reges Interesse der Sportanhänger fanden. Während sich die beiden Vexeine in den letzten Jahren in den Meisterschaftsspielen gegenüberstanden, wurde im letzten Jahr eine andere Gruppeneinteilung getrofsen, wodurch Letmathe der Lüdenscheider Gruppe zugeteilt wurde. So hatte der VfL. Schwerte keine Gelegenheit, im letzten Jahre mit den 98ern die Kräfte zu messen. Auch dieses heutige Abendspiel wird seine Anziehungskraft nicht verfehlen, da beide Vereinsleitungen dafür gesorgt haben, das allerstärkste Mannschaftsgefüge in den Kampf zu stellen. Bekanntlich gewannen die Schwerter BlauWeißen fast durchweg die bisher ausgetragenen Spiele, sodaß die Elf des Gastgebers allen Grund haben dürfte, jetzt einmal alles zu versuchen, um nach langer Zeit den Schwertern eine Niederlage beizubringen. Es wird aber kein Leichtes sein, dieses Vorhaben zu verwirklichen, da die letzten Spiele der Gäste durchweg einen schönen Erfolg zeitigten. Allein der letzte 3:2= Sieg über den Bezirksligisten Brambauer läßt deutlich erkennen, daß die VfL.er zur Zeit über ein gutes spielerisches Können verfügen. Also werden auch die 98er alle Kampftraft aufzubringen haben, um ein annehmbares Resultat herauszuspielen. Im allgemeinen erwartet man einen spannenden Fußballkampf mit knappem Ausgang. Die VfL.er Vertretung spielt in folgender Besetzung: Lauber, Kirchhoff. Hoffmann. Schütz, Eichenauer, Neurath, Becker, Haverkamp, Nolte, Dahlbüdding. Vorher spielen: Letmathe 98 Lehrmannschaft— BfL. Schwerte Lehrmannschaft. Das angesetzte Spiel VfL. Reserve gegen Sportverein Langschede 1. fällt aus, da Langschede eine Ablage ergeben lies ster aller Klassen, Max Schmeling, trainiert in dem benachbarten Stadtchen Fellbach. Schmeling machte bei seiner Arbeit einen sehr frischen Eindruck und schien schon bestens vorbereitet. Seine Schnelligkeit und Wendigkeit haben keineswegs nachgelassen, das beweisen seine Gymnastik und das Seilspringen. Schmeling sparrte zunächst insgesamt vier Runden HI.=Spiele am Sonnabend: Sportgem. Grüne 1. Jgd.— BfL. 1. Letmathe 98 2. Pimpfe— BfL. 2. Pimpfe. Wieder der Holländer Schulte Massenankunft bei der zweiten Etappe Nachdem die Deutschland=Fahrer bereits am ersten Tag den nördlichsten Punkt auf ihrer Rundfahrt durch das Großdeutsche Reich erreicht hatten, fuhren sie am Freitag von Stettin aus nach Süden. Bei herrlichem Wetter nahmen sie zum zweitenmal den Kampf nach dem 241,2 km entfernten Etappenziel Cottbus auf. Die Teilnehmer trafen durchschnittlich gute Straßen an, abgesehen von dem Kopfsteinpflaster in einigen Ortschaften. Wieder war der Holländer Gerrit Schulte der Held des Tages und verteidigte nach großartiger Leistung sein gelbes Trikot erfolgreich. Auf der Strecke bummelte der Holländer zeitweise ziemlich weit hinten, verstand es aber dann im rechten Augenblick, den Anschluß an die Spitze herzustellen und gewann im Spurt wie er wollte. Bis Frankfurt a. d. O.(149.2 km), wo eine Zwangspause von 20 Minuten eingelegt war, verlief das Rennen ergebnislos. Sofort nach dem Start unternahmen Oberbeck und Langhoff einen Vorstoß und kamen vom Felde weg, das sich nicht bemühte, den Ausreißern nachzusetzen. Auch Schulte bummelte immer noch am Schluß herum. Mit Unterstützung seines Landsmannes Middelkamp holte er einen den spielend auf und wähnte sein gelbes Trikot keinen Augenblick in Gefahr. Eine geschlossene Bahnschranke kurz vor Frankfurt a. d. O. ließ den Vorsprung der Ausreißer noch größer werden. Etwa fünf Minuten vor einer 23 Mann starken Gruppe trafen Langhoff und Oberbeck an der Kontrolle ein, nachdem sie sich noch zwei wertvolle Prämien gesichert hatten. Erst auf den letzten 100 km wurde das Rennen interessant. Langhoff fiel völlig erschöpft kark zurück, während Oberdeck nach einer glänsenden Alleinfahrt zu Scheller aufschließen konnte. Die beiden wurden jedoch vor Guben von els Verfolgern erreicht. Etwa 30 km vor dem Ziel fanden dann noch sechs oder sieben weitere Fahrer den Anschluß, darunter auch Schulte und Middelkamp. Beim Einbiegen in die Spurtstrecke am Etappenziel kam Middelkamp mit Scheller und Hauswald zu Fall, so daß sie in den direkten Endkampf nicht mehr einzugreisen vermochten. Schulte trat scvon bei wichtler Jost. Adolf Heuser bereitet sich in einem Zeltbau am Weißenhof in Stuttgart vor. Zunachst trainierte der Bonner mit dem Berliner Hinzmann(Schwergewicht), dessen körperliche Ueberlegenheit er durch geschickte Nahkampfarbeit wettmachte. Gegen seinen Bruder Hans und gegen Predel setzte er seine Schnelligkeit ein. 500 interesierte Zuschauer hatten sich in beiden Lagern eingefunden. Deutschland und In oflawien Davispokalkämpfe in Berlin und Agram In Berlin und Agram spielen sich am Wochenende die Vorschlußrundenkämpfe der Europazone um den Davispokal ab. Für die Begegnungen Deutschland—England und Jugoslawien—Belgien sind jeweils die Gastgeber Favoriten und nur sensationelle Umstände können der Papierform nach einer der Gastmannschaften den Sieg bringen. .: Pan hat es zwar im Kampf gegen Schweden erlebt, daß es nicht gut ist, haushoher Favorit zu sein und Davispokalkampfe leicht Ueberraschungen in sich bergen, doch haben die Engländer, die noch den Nachteil haben, sich von Gras auf Hartplätze umstellen zu müssen, günstigsten Falls die Aussicht, zwei Gutpunkte machen zu können. Henner Henkel und Roderich Menzel sind so starke Einzelspieler, daß sie gegen den langen Hare und den jungen Shoyes oder den ebenfolls talentierten Shaffi allein vier Punkte herausholen können. Im Doppel wird es kaum für Henkel=von Metaxa oder Henkel=Göpfert gegen die in diesem Wettbewerb immer stärkeren Briten Hare=Wilde etwas schwieriger sein— aber auch hier liegt ein deutscher Sieg näher als eine Niederlage. So darf man nicht überascht sein, wenn Deutschland gar mit 5:0 gewinnen sollte— aber England ist heute nicht mehr jene starke Tennisnation wie 1932, als es noch Perry, Austin und Pat Hughes einsetzen konnte und dann doch geschlagen wurde. Für die Agramer Begegnung chen Voraussetzungen. Die her keine schweren Gegner Jetzt aber stehen den Lacroix, de Borman und beelhand Könner und Kämpfer wie Puncec, ind Mitic gegenüber, die auf heimischem Bod.: So werder Jugoslawien das Schlußspie elin statt1 finden und das gibt uns die Hoffnung, daß auch : 1939 die deutsche Mannschaft zur Schluß= und e Herausforderungsrunde die Fahrt nach Amerika “ m a c h e n w i r d. Mit 8 Maschinen über Deutschland. Bochum, 2. Juni. Die RSFK=Gruppe 10 (Westfalen) führte einen fünftägigen Gemeinschaftsflug durch, der der Streckenerfahrung westfälischer Piloten diente. Der Start erfolgte in Dortmund und Münster mit Kurs auf Hamburg. Der erste Tag des Gemeinschaftsfluges endete in Wyk auf der Insel Föhr. Von Wyk aus wurde der Flug am zweiten Tage mit Kurs auf Kiel fortgesetzt. Nach einer Zwischenlandung in Magdeburg steuerten die Piloten nach herrlichem Flug über den Thüringer Wald Nürnberg an. Am dritten Tage wurden München, Salzburg und Prien angeflogen. Der herrliche Flug über die Alpenwelt, die trotz des wenig günstigen Wetters in hrer ganzen Pracht sichtbar war, führte dann wieder zurück nach München. Der vierte Tag sah die Strecke Nürnberg— Frankfurt— Saarbrücken— Koblenz vor. Von Koblenz aus erfolgte am fünften Flugtag der Rückflug nach Dortmund. Der Gemeinschaftsflug darf als ein hervorragender Erfolg der RSFK.=Gruppe 10(Westfalen) bezeichnet werden. Die reibungslos zurückgelegte Strecke von rund 2300 Kilometern nach dem Norden, Süden und Westen Großdeutschlands vermittelte den Teilnehmern herrliche Erlebnisse, darüber hinaus aber gibt der erfolgreiche Flug Kunde von dem bemerkenswerten fliegerischen Können westfälischer Piloten. Bann=Endspiele in Wattenscheid. Für das Endspiel der westfälischen HJ.=Banne um die Gebietsmeisterschaft im Fußball haben sich die beiden Mannschaften der Banne 300 (Wanne=Eickel=Wattenscheid) und 251(Gelsenkirchen) qualifiziert. Man hat nun vorgesehen, dieses Endspiel in Wanne=Eickel im Rahmen des vom 9. bis 11. Juni stattfindenden Kreistages Wanne=Eickel=Wattenscheid zum Austrag zu bringen. Westfalens HJ. bei den Reichsjugendmeisterschaften im Kleinkaliberschießen. Von den 36 Leistungsschützen, die sich im Ertüchtigungslager der westfälischen Hitler=Jugend am Stausee in Haltern befanden, wurden die 10 besten ausgesucht. Diese nehmen als Vertreter der westfälischen Hitler=Jugend an den vom 3. bis 5. Juni stattfindenden Reichsjugendmeisterschaften im Kleinkaliberschießen in Goslar teil. Außerdem nehmen zwei Mannschaften am Pistolenschießen in Goslar teil. Ein Rekord fand Anerkennung Die von Ruprecht Köninger(Hellas Wagde. neuer deutscher Rekord anerkannt Kunst und Leben Ims Ruiel dus Onomme Mlsmtenföstnn dui Geossn#en#ichsten T##t Wo die kleinen Heinzelmännchen wohnen, as weiß jedes Kind aus dem Märchenbuch. sie hausen in der Erde, tief unter des Menschen Straßen, in ihren Hohlen. Mit den Höhlen, so erzählt das Märchenbuch weiter, ist es sonderlich bestellt. Die meisten bleiben für immer verborgen, und nur Sonntagskinder finden zuweilen den Eingang. Das Märchen sagt Wahrheit. In weit höherem Maße, als wir es ahnen, steckt das Erdinnere noch voller Geheimnisse. Das hat neuerdings die Entdeckung einer der größten und unvorstellbar schönen Tropfsteinhöhlen in Kärnten bewiesen. Unweit von GroßDeutschlands südlichster Stadt, bei Villach mit seinen römischen Denkmälern und warmen Heilquellen, erleben wir die Erschließung dieser Märchenhöhlen. Und zwar führt uns das Sonntagskind, der Höhlenforscher Oskar Hossé, selber in die Zauberwelt, die sein Fuß als erster betreten hat. Nur in einem irrt das Denn es hat ungefähr eine halbe Million Jahre gedauert, ehe unterirdische Wasserströmungen, Aufstieg und Abstieg der Gebirge, Verdunstung und Niederschläge eine solche Höhle geschaffen haben. Da sind große Risse im Gefüge: 1348 schrieb der Mensch, als das Erdbeben wütete, das sie zum Klaffen brachte. Für die Geschichte des Erdinneren ist das wie ein Gestern....: Mestem Sit. Dann dringen wir in die weiten Klufte vor, die vor uns noch kein Auge gesehen hat. Deckenzapfen und Bodenzapfen, vom stetig tropfenden Wasser abgelagert, wachsen einander zu. Allmählich schließen sie sich zu Säulen, und zwischen ihnen türmen sich Spitzbögen zum Schiff unabsehbarer Kathedralen. Es ist auch eine gewaltige Gemeinde versammelt. In steinerner Unbeweglichkeit verharren diese Gestalten, die uns nun völlig in eine unwirklich anmutende Welt versetzen. Da hat sich eine Gruppe von Gnomen versammelt, die eine stumme Beratung abzuhalten scheint. Vorbei an einem unterirdischen Wasserfall, an phantastischen Gebilden von Baldachinen, unter hängenden Lüstern aus edelsteinblinkenden Federkielsintern hindurch, durch steile Schlote, verträumte Kapellen, in denen das Echo hallt, arbeiten wir uns bis in das Heim der Riesen vorwärts. So überwältigend ist hier der Eindruck, daß diese Halle keinen anderen Namen als den erhalten konnte, unter dem sie schnell weltberühmt geworden ist: Die Titanenhalle. So eine Riesendame hält etwas auf sich. Das beweist der herrliche Reifrock, den sie sich gewebt hat. Er ist eine einmalige SchöpMärchenhöhle der Gnomen und Titanen Die„Titanenhalle“ in den Kärntner Tropfsteinhöhlen bei Villach (Alle Bilder: Ufa) fung der großen Künstlerin Natur. Freilich hat sie fünfhunderttausend Jahre Zeit gehabt, um ihn fertigzustellen. Aber dafür hat er auch nicht seinesgleichen. Tief ergriffen suchen wir aus dem Reiche der Unterirdischen den Rückweg zum lichten Menschenland, das uns mit der lachenden Fülle des fruchtbaren Drautales empfängt. Und wir wissen nun, warum hier am Fuße der Karawanken die Sagen und Märchen von Zauberhöhlen raunen, so lange hier Menschen wohnen, voereraechern Vor Turnierbeginn nahmen sie die Helmschau ab— Aus der Blütezeit des Wappenwesens Einstieg in die Unterwelt Märchen. Eine Entdeckungstat wie diese beruht nicht auf reinem Sonntagskinderglück. Vielmehr ist sie das Ergebnis streng wissenschaftlicher Beobachtungen und harter, in etwa 2000 Arbeitsstunden vollendeter bergmännischer Minierung. Ein einzelner Stein in der benachbarten, längst bekannten Eggartshöhle führte den Gelehrten auf den rechten Weg. Er verriet ihm, daß in vergangenen Zeiten einmal eine Wetterführung, ein ständiger Luftzug aus anderen Hohlräumen, wirksam gewesen sein mußte. In vergangenen Zeiten? Hier im Lande der Unterirdischen tut der Mensch gut daran, seine Zeitbegriffe zu vergessen. Bis in die Eggartshöhle waren schon vor vielen Jahrtausenden Menschen vorgedrungen, um hier Schutz zu suchen. Das zeigt neben Funden an Geräten und Knochen eine ganz merkwürdige Erscheinung: Versteinerter Rauch! Der Ruß, der den Herdfeuern dieser Steinzeitmenschen entqualmte, hat sich auf der damaligen Höhlendecke niedergeschlagen. Darüber hat sich längst wieder Sinter in dicker Schicht niedergeschlagen. So findet sich hier im Tropfsteinkalk die ungewöhnlichste aller Versteinerungen, der flüchtige Rauch eines Feuers, für die Ewigkeit eingezeichnet. So lange Jahrtausende das schon her ist, für die Zeiträume, in denen die Natur diese Höhlen erbaut hat, spielen sie keine größere Rolle, als in einem Menschenleben flüchtige Stunden. Mit dem Wort„Heraldik“ hängt eng die Bezeichnung„Herold“ zusammen, ja, jenes ist von diesem abgeleitet. Herold bedeutet in seinem eigentlichen Sinne„Bote“. Erich Gritzner wies in seiner„Heraldik“ darauf hin, daß bereits um die Wende des 12./13. Jahrhunderts gewisse Leute die späteren Heroldsfunktionen ausübten. Man nannte sie Garzune oder Crogieräre, von denen die ersteren wohl die Höherstehenden waren. An ihre Stelle traten Endes 13. Jahrhunderts als angestellte Herrendiener die „Knappen von den Wappen“, und für diese um die Mitte des 14. Jahrhunderts die„eralds“, Ehrenholde oder Herolde. Allen diesen Leuten lag es ob, vor Beginn des Turniers die„Helmschau“ vorzunehmen, d. h. die Schilde und Helmzierden der Ritter zu prüfen, danach die Turnierfähigkeit der Kämpfer zu beurteilen und schließlich zu Unrecht geführte Abzeichen zurückzuweisen. Die Herolde schieden sich in drei Rangstufen, Wappenkönige (Könige der Wappen, Reges Heraldorum). Herolde(„Erhalde") und deren Gehilfen, die Persevanten. Sie führten eigene Amtsnamen, die sich mit dem Amte forterbten. Um etwa 1550 verschwinden allmählich diese Amtsnamen und die Herolde selbst mit dem Aufhören der Turniere. I. Gama2 L In seiner Blutezeit lug bunach vas ganze Wappenwesen in ihrer Hand. Daß sie eine besondere, in den verschiedenen Ländern auch verschiedene Kunstsprache schufen, für die Richtigkeit der präsentierten Wappen bestimmte, auf alten Ueberlieferungen fußende Regeln anwandten, bildete die Grundlage der späteren heraldischen Wissenschaft. Um die Kenntnis der Wappen auf die Nachkommen zu vermitteln, legten die Herolde außerdem Turnierbücher an, welche die wesentlichen Wappenstücke, Schild, Helm mit Kleinod, in Farben wiedergaben. Französische, speziell burgundische Herolde und Persevanten standen im Rufe, besondere Kenner des Wappenwesens zu sein, das im Mittelalter natürlich eine viel höhere Bedeutung besaß als in unseren Tagen. Gewiß verpflanzten sie, als sie an die Höfe der Großen berusen wurden, viele Worte ihrer(französischen) Kunstsprache auch auf deutschen Boden, „ohne aber“, wie H. G. Ströhl in seinem Heraldischen Atlas feststellt,„die nationale Entwicklung der deutschen Heroldskunst zu hemmen“. Die Herolde stehen in enger Beziehung zu den Wappenbüchern des Mittelalters. Es ist— auch für den Nichtfachmann— von hohem Reiz, einmal einen Blick zu werfen in das wundervolle heraldische Ueberlieferungsgut, das uns die mittelalterlichen Wappenbücher bieten. Es war daher ein glücklicher Entschluß der von Dr. phil. Kurt Mayer geleiteten Reichsstelle für Sippenforschung, die schönsten und wichtigsten Wappenbücher des deutschen Mittelalters in Band 3 ihrer„Schriftenreihe“ in wohlgeordneter Uebersicht herauszustellen. Das jeden Freund der Wappenkunde erfreuende Werk trägt den bescheidenen Titel„Beiträge zur Geschichte der Heraldik— Von E. Frh. v. Berchem, D. L. Galbreath und Otto Hupp“(Verlag für Standesamtswesen G. m. b. H. Berlin). Der erste Teil behandelt„Die Wappenbücher des deutschen Mittelalters“, der zweite Teil„Die Herolde und ihre Beziehungen zum Wappenwesen“. Der verstorbene Universitätsprofessor Dr. Felix Hauptmann hatte nun, was die Herolde und ihre Verhältnis zum Wappenwesen betrifft, Behauptungen aufgestellt, die von der bis dahin geltenden Auffassung der Wissenschaft wesentlich abwichen. Egon Frh. von Berchem tritt dieser Hauptmannschen Auffassung nun in den„Beiträgen zur Geschichte der Heraldik“ entgegen. Hauptmann schreibt z. B.: „Eine weit verbreitete Meinung glaubt, daß im Mittelalter die Pflege der Wappenkunde in den Händen der Herolde gelegen habe. Ihnen sei der tief verborgene Sinn der Wappen bekannt gewesen, ihre Kenntnisse hätten sie als Geheimlehre mündlich fortgepflanzt, und sie hätte als Aufsichtsbehörden und Richter über dem Wappenwesen gewaltet, indem sie Mißbräuche und Anmaßungen mit Strafe belegten.“ „Die Auffasung ist irrig. Weder hatten die Wappen einen verborgenen Sinn, noch hatten die Herolde besondere Kenntnisse von den Wappen, noch übten sie eine beaufsichtigende Tätigkeit aus. Sie waren vielmehr nur Boten und Ausrufer sowie Sänger und Gelegenheitsdichter, nahmen auch keine hohe Stellung ein, denn sie rangierten unter den Musikanten, dem Küchenpersonal, den Türhütern, Jägern, Hundejungen, kurz der Dienerschaft. Sowelt ihre Tätigkeit sich auf das Wappen bezieht, besteht sie, abgesehen vom Ueberbringen diesbezüglicher Botschaften oder dem Bekanntmachen von Befehlen ihres Herrn, nur im Besingen einzelner Persönlichkeiten und ihrer Wappen. Die Verpflichtung, zu loben und zu strafen, von der in der Bestallungsurkunde des Wappenkönigs Romreich, 1442, die Rede ist, bezieht sich nur auf eine derartige poetische Behandlung. Herolde sind es auch nicht, die sich zuerst mit dem Wappenwesen literarisch beschäftigen. Ueberhaupt lag es dem Mittelalter fern, eine systematische Behandlung davon zu geben, da seine Einrichtungen jedem bekannt waren.“ Das Führen von Wappen wurde, worauf in Sackens„Heraldik“ hingewiesen ist, schon frühzeitig unter eine besondere Kontrolle gestellt. Dieses Amt aber war den Herolden, den Boten des Adels und Ausrufern bei den Turnieren übertragen. Sie wachten über ihre rechtliche Anwendung.„Im Mittelalter übten die Herolde ihre Kunst bloß praktisch, nach Ueberlieferungen, die geheimgehalten wurden, aus, nach und nach faßte man sie auf.“ Das gut stilisierte Wappen aber sollte nach dem Ausspruch eines alten Herolds sein Ain lustig Ding zu aller Frist mit hohem Sinn und Wesen. Villach an der Drau, Großdeutschlands füblichste Stadt Unser Bild zeigt das Tal der Drau bei Villach. Im Hintergrunde die Kurawanten Geolde im Teinmphung des Kaisers Mazimiton(a eri, age, „ Ae Ahelttult. weitere Todesopfer der Schlagwetterexplosion aus Königsborn 34 Altenbögge. Das Schlagwetterunglück auf dem Klöcknerschacht Königsborn 3/4 hat leider noch zwei weitere Todesopfer gefordert. Nachdem bereits bei der Explosion der Bergmann Rolf getötet worden war, ist jetzt der Aufschieber Nitzsche im Krankenhaus Unna seinen schweren Verletzungen erlegen. Im Laufe des Mittwoch verstarb auch der schwerverletzte Hauer Kaiser. Von den übrigen Verletzten liegen noch vier schwer darnieder. Durch die Partei sind durchgreifende Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet worden, um den verunglückten Arbeitskameraden und ihren Familien Hilfe zuteil werden zu lassen. Tragischer Unglücksfall Westerkappeln. In der Bauerschaft Österberg ereignete sich ein tragischer Unglücksfall. Der Heuermann B., der auf einem Felde mit dem Pferde Arbeiten ausführte, setzte seinen siebenjährigen Enkel auf das Pferd. Da der Junge sich zu fest anklammerte, wurde das Tier unruhig, so daß der Junge herunterstürzte und von der eisernen Walze erfaßt wurde. Das Kind erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Der Großvater zog sich bei dem Versuch, das aufgeregte Tier zum Halten zu bringen, eine schwere Verletzung der Wirbelsäule zu. Milchviehversteigerung in Hamm Hamm. Die Westfälische Provinzial=Viehverwertungsgenossenschaft e. G. m. b. H. Münster i. W. veranstaltete in den hiesigen Städtischen Ausstellungshallen ihre 123. Versteigerung von Milchkühen und Rindern. Aufgetrieben waren 58 Kühe und 17 Rinder. Die Qualität war in beiden Klassen sehr gut. Mit wenigen Ausnahmen waren flotte Tiere mit guten Anlagen zum Verkauf gestellt, so daß bei starker Nachfrage die Versteigerung schnell verlief. Der Besuch durch Käufer und Interessenten war nicht so stark wie sonst, was zum Teil darauf zurückzuführen war, daß die Bauern und Landwirte bereits mit der Heuernte beschäftigt sind und das gute Wetter ausnutzen wollen. Die große Kauflust geht aber daraus hervor, daß fast sämtliche Tiere, nämlich 53 Kühe und sämtliche 17 Rinder, verkauft wurden. Die Polizei holte den Rehbraten Rheine. Seit vielen Jahren stand hier eine Familie im Verdacht der Wilddieberei. Eine jetzt zur rechten Zeit vorgenommene Durchsuchung bestätigte den Verdacht. Auf dem Küchenherd fand die Polizei einen Rehbraten, der bald den Mittagstisch zieren sollte. Daraus aber wurde nichts. Bei der weiteren Durchsuchung der Wohnung fand man auch noch einen Hasenbraten und zwei prächtige Sechsergehörne. Ein Sohn der Familie hatte allein in den letzten vierzehn Tagen zwei Rehböcke und zwei Hasen in einer Bentlager Jagd gewildert. Großfener in Bochum Neubau eines Kühlhauses vernichtet Bochum. Hier brach in dem kurz vor der Vollendung stehenden umfangreichen Kühlhaus der Bremerhaven Kühl= und Lagerhaus G. m. b. H. am Löbkering im Stadtteil Hamme ein Großfeuer aus. Die Bochumer Feuerlöschpolizei nahm mit sämtlichen verfügbaren Löschzügen in kurzer Zeit die Bekämpfung des Brandes auf, sie wurde verstärkt durch einen Löschzug der Dortmunder Feuerlöschpolizei. Da die Flammen an dem aus teergetränkten Korkplatten bestehenden Isolierungsstoff reiche Nahrung fanden, konnten sich die Feuerwehren nur auf den Schutz der benachbarten Gebäude beschränken. Riesige Rauchwolken stiegen aus dem brennenden Gebäude empor. An der Brandstelle hatten sich Tausende von Volksgenossen eingefunden. Der Verkehr mußte umgeleitet werden. In den Abendstunden war das Feuer auf seinen Herd beschränkt. Die Feuerwehr hatte aber noch die ganze Nacht und auch noch am Donnerstagvormittag mit dem endgültigen Ablöschen des Brandes zu tun. Die Brandursache steht noch nicht fest. Menschen kamen nicht zu Schaden. Baubeginn der Robert=Ley=Siedlung Gelsenkirchen. In der Resser Mark im Stadtteil Buer ist mit den Ausschachtungsarbeiten zum ersten Bauabschnitt der Dr.=Robert=LeySiedlung begonnen worden nachdem die vergangenen Monate ausgefüllt waren mit den erforderlichen umfangreichen Waldrodungsund Kanalisationsarbeiten. Der erste Bauabschnitt umfaßt rund 900 Wohnungen. Zug um Zug soll das auf mehrere tausend Wohnungen berechnete Projekt, mit dem die Auflockerung des zu dichten Alt=Gelsenkirchener Siedlungsbildes Hand in Hand gehen wird, leiner Fertigstellung entgegengeführt werden. Bienenschwarm vom Auto überfahren Gelsenkirchen. Ein ungewöhnlicher„Verkehrsunfall“ ereignete sich in GelsenkirchenBuer. Auf einer verkehrsreichen Straße in der Nähe der Bergeranlage hatte sich ein Bienenschwarm niedergelassen. Nach kurzer Zeit befuhr ein Kraftwagen die gleiche Stelle, so daß der Bienenschwarm buchstäblich über den Vergütungen bei Heranziehung zunn Cuftschühetenst Nach der Durchführungsvexordnung rchführungsvexordnung erhalten die Dienstpflichtigen zum Luftschutzgesetz bei Lehrgängen von mehrtägiger Dauer Tageund Uebernachtungsgeld sowie Reisekosten, bei Uebungen von mehrstündiger Dauer Fahr= und Zehrgeld usw. Der Reichsluftfahrtminister hat jetzt Ausführungsbestimmungen dazu erlassen. Bei einer Heranziehung zur Dienstleistung im Luftschutz, die keine Uebernachtung erfordert, werden gewährt die notwendigen baren Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher regelmäßig verkehrender Beförderungsmittel, jedoch grundsätzlich nicht für Wegstrecken von weniger als 2 km. Für Wegstrecken, die mit solchen öffentlichen Beförderungsmitteln nicht zurückgelegt werden können, wird für den ersten Kilometer keine Entschädigung, für jeden weiteren angefangenen Kilometer 10 Pfg. Wegegeld gewährt. Bei stärkerer Abnutzung der eigenen Kleidung wird eine Bekleidungsabnutzungsentschädigung von 50 Pfg. täglich gezahlt. Starkere Abnutzung der eigenen Kleidung ist in der Regel nicht anzunehmen, wenn Arbeitskleidung zur Verfügung gestellt wird oder wenn der Dienst hauptsächlich in theoretischer Ausbildung besteht. Bei einer Dauer der Dienstleistung von über fünf Stunden wird ein Zehrgeld von 1,50 K.u gewährt, jedoch nur dann, wenn eine mindestens dreistündige Abwesenheit von der Wohnung oder Arbeitsstätte erforderlich ist. Bei einer Tätigkeit an der Arbeitsstätte erhalten nur Gehalts= und Lohnempfänger Zehrgeld, und zwar nur, wenn die gewöhnliche Arbeitszeit um mindestens drei Stunden überschritten wird. Wird freie Verpflegung gewährt. besteht kein Anspruch auf Zehrgeld. Bei einer Heranziehung zur Dienstleistung im Luftschutz, die eine Uebernachtung erfordert, werden Fahrgeld, Tage= und Uebernachtungsgelder sowie Nebenkosten nach den Sätzen der Reisekosten für die Wehrmacht bezahlt. Für die Bekleidungsabnutzungsentschädigung gelten die gleichen Bestimmungen wie vorher. Bei Gewährung freier Unterkunft oder wenn das Erreichen der eigenen Wohnung für die Nacht möglich ist, fällt das Uebernachtungsgeld fort. Bei Gewährung freier Verpflegung wird statt des Tagegeldes ein Uebungsgeld von 0,50 bis 2,25 Ru je nach dem Dienstgrad der Luftschutzdienstpflichtigen gezahlt. Angehörige des Sicherheits= und Hilfsdienstes 1. Ordnung und des Luftschutzwarndienstes erhalten auch bei Nichtgewährung freier Verpflegung nur diese Uebungsgeldsätze sowie den Wehrmachtsvergütungssatz für Selbstverpflegung und einen Zuschuß bis zu einer Gesamthöhe von 2,00 K.k. Träger der Zahlungsverpflichtung sind im Luftschutzwarndienst, im Sicherheits= und Hilfsdienst und im Luftschutz das Reich, im Selbstschutz der öffentlichen und privaten Dienststellen und Betriebe sowie im erweiterten Selbstschutz und im Werkluftschutz die Dienststellen und Betriebe. Em Thefeige fahrte zum Der vor dem Schwurgericht Aachen. Das Schwurgericht Aachen hatte sich am Donnerstag mit einem tragischen Vorfall zu befassen, der sich am 22. März d. J. in Kirchhoven bei Heinsberg abspielte. Dort war der 41jährige P. mit dem Verwursten eines Schweines beschäftigt, als die dem Haushalt vorstehende 77jährige Witwe G., die Tante seiner Ehefrau, ihm das Weiterarbeiten am Abend untersagte. Da P. befürchten mußte, daß der größte Teil des restlichen Fleisches anderen Tages verdorben sei, was für ihn ein empfindlicher Verlust gewesen wäre, widersetzte er sich. Die alte Frau begann ihn darauf in hemmungsloser Weise zu reizen. Schließlich verlor der leicht erregbare Mann die Nerven und schlug nach der Greisin, wobei er sie an den Kopf traf. Zwei Tage später begann die alte Frau über zunehmende Kopfschmerzen zu klagen, die sie schließlich zwangen, das Bett zu hüten. Schließlich starb sie am elften Tage. Wie die Obduktion ergab, hatte eine Gehirnblutung den Tod herbeigeführt. Sie war durch äußere Einwirkung hervorgerufen worden. Die Beweisaufnahme ergab, daß die jungen Eheleute von der Verstorbenen stets sehr kurz gehalten worden waren. Vor allem der Ehemann wurde dauernd schwer beleidigt und beschimpft. Das Leben mit der alten Frau, die von den Eheleuten stets gut versorgt wurde, wurde für diese eine Qual. Selbst in die Kindererziehung mischte sie sich ein. Dennoch tat der Angeklagte alles, um einer härteren Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen, bis schließlich am 22. März die schwüle Atmosphäre sich explosionsartig entlud. Das Schwurgericht verurteilte den Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu der gesetzlichen Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis. Es führte dabei aus, daß selbst diese Strafe, wie wohl der Eindruck aller Prozeßbeteiligten sei, für den Angeklagten eine ziemliche Härte darstelle. Es handele sich hier um ein reines Erfolgsdelikt, wie es durch das aus dem Jahre 1871 stammende Strafgesetzbuch unter schwere Strafe gestellt wurde. In dem kommenden Strafgesetz. das nach dem verbrecherischen. Willen urteile, werde es für ein derartiges Delikt daher keinen Raum mehr geben. Das Schwurgericht habe daher keinen Anlaß gehabt, über die Mindeststrafe, an die es gebunden sei, hinauszugehen. Hausen gefahren wurde. Einige weitere Kraftwagen besorgten den Rest. Von dem ganzen Bienenschwarm verblieben nur noch einige Tiere, die nach allen Richtungen auseinanderstoben. Westfälisches Kriegsblindentreffen Gelsenkirchen. Unter der Schirmherrschaft von Oberpräsident Gauleiter Dr. Meyer findet am Sonntag, 2. Juli, in Gelsenkirchen=Buer ein Treffen der westfälischen Kriegsblinden in der NSKOV. statt. Am Vortag wird gleichfalls in Buer eine Arbeitstagung der kriegsblinden Handwerker aus Rheinland und Westfalen durchgeführt. Großfeuer auf Bauernhof Bottrop. Am Nachmittag wurde Haus Dringenburg von einem Schadenfeuer heimgesucht, das in dem alten Fachwerkbau reiche Nahrung fand. Glücklicherweise gelang es den Feuerwehren, die Flammen von dem Wohngebäude fernzuhalten. Die Stallungen und ein Teil der Scheunen brannten jedoch nieder. Das Vieh konnte früh genug in Sicherheit gebracht werden. Einige landwirtschaftliche Maschinen und Geräte wurden ebenfalls ein Raub der Flammen. D=Zug fuhr auf Rangiermaschine auf Minden. Am Nachmittag um 14.54 Uhr fuhr im Bahnhof Minden der einfahrende Vorzug D 24 auf eine in Fahrt befindliche Rangiermaschine auf. Der Heizer und der Führer der Rangiermaschine konnten abspringen, wurden aber doch verletzt, und zwar der Heizer leicht und der Lokomotivführer schwer. Leichte Verletzungen zogen sich zudem drei Reisende durch herabfallende Gepäckstücke zu. Beide Maschinen wurden gering beschädigt. Der Vorzug D 24 konnte nach wenigen Minuten Verspätung nach einem Maschinenwechsel weiterfahren. Die Untersuchung ist eingeleitet. Lohnende Jagdbeute Meppen(Ems). Aus einer Weide in der Nähe von Meppen waren im vorigen Herbst sieben fast zweijährige Rinder aus der Weide ausgebrochen, die trotz aller Bemühungen nicht wieder eingefangen werden konnten. Dem Förster M. gelang es bis jetzt, drei der vollkommen verwilderten Tiere auf die Decke zu legen. Das Mondlicht der letzten Nächte benutzte er zum Ansitzen auf diese sich selten bietende Jagdbeute. Ein anderer Weidgenosse erbeutete ebenfalls ein Tier, während ein weiteres mit vielen Mühen lebend überwältigt werden konnte. Das Wildbret der erlegten Tiere zeichnete sich durch besondere Güte aus, was bei dem angerichteten Kulturschaden verständlich erscheint. Für die beiden noch zu eriagenden Stücke, von denen das eine stets als Leittier angesprochen wurde, bahen sich bereits eine Anzahl von Nimroden zur Verfügung gestellt. Beim Paddeln ertrunken Essen. Auf dem Baldeney=See kam ein Paddelboot beim Umsteigen der Insassen in ein anderes Boot zum Kentern. Der 34jährige Handlungsgehilfe Hermann Albach aus EssenWest fiel ins Wasser und ertrank, während seine im Paddelboot befindliche Frau mit Kind gerettet werden konnte. „Fräulein" Briefträger in Remscheid Remscheid. Das Postamt Remscheid sah sich veranlaßt, Anfang Juni eine Reihe weiblicher Kräfte als Briefträger einzustellen, die die Urlaubsvertretungen übernehmen und die Lücken im Kräftebedarf des Zustellungsgeschäfts ausfüllen sollen.„Fräulein" Briefträger erscheint ohne Uniform, es ist allein mit der großen Posttasche ausgerüstet und wird auch vorläufig keine Uniform bekommen. Vorsicht bei Kreuzottern Hünze(Niederrh.). Wieder kommt aus den Testerbergen der dringende Warnruf, sich vor auftretenden Kreuzottern zu hüten. Nachdem in den letzten Jahren stets einige Exemplare der gefährlichen Ottern gefangen werden konnten, die so leicht mit Blindschleichen verwechselt werden, wurde jetzt von einem Radfahrer eine auf dem Weg sich sonnende Kreuzotter in der Nähe des Kasinos erlegt. Ein wohlgezielter Schlag mit der Luftpumpe tötete das gefährliche Reptil. An alle Spaziergänger ergeht die Mahnung, vor dem Rasten erst den Lagerplatz abzusuchen und niemals barfuß zu gehen. 5 Buchthausstrafe für gerissenen Betrüger. Kleve. Die Klever Große Strafkammer hatte sich in ihrer Sitzung mit einem gerissenen Betrüger zu befassen, der als Kunstmaler auftrat und es verstand, in niederrheinischen Akademikerkreisen große Abschlüsse auf von ihm zu liefernde Bilder zu tätigen. Der einschlägig vorbestrafte Täter gab sich als Schüler bekannter Münchener Porträtisten aus und zeigte auch Arbeiten vor, die er mit einem falschen Namen versehen hatte. In raffiniertester Weise verstand es der Angeklagte immer wieder von neuem, von seinem zahlreichen Kundenkreis Geld flüssig zu machen, das er dann für Aufwendungen seiner weiblichen Bekanntschaften schnell verbrauchte. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft wies nach, daß es sich im vorliegenden Falle um einen Gewohnheitsverbrecher handele, für den die Verhängung der Sicherungsverwahrung angebracht sei. Wegen vollendeten und rückfälligen Betruges in nachweislich 29 Fällen, darunter elf Fälle in Tateinheit mit Urkundenfälschung, wurde der Angeklagte zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt und zu einer Geldstrafe von 500 RM. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Von der Verhängung der Sicherungsverwahrung wurde diesmal noch Abstand genommen. Schußwaffen in Kinderhand Elfjähriger erschießt seinen Spielkameraden M.=Gladbach. Wie außerordentlich gefährlich es ist, wenn Kinder mit Schußwaffen hantieren, beweist wieder ein Vorfall, der sich am Mittwoch in M.=Gladbach=Neuwerk zutrug und einem zwölfjährigen Jungen das Leben kostete. Von drei Jungen, die mit einem Tesching spielten, entfernte sich für kurze Zeit ein elfjähriger Junge, um zu Hause eine Besorgung zu erledigen. Als er wieder zurückkehrte, hatten inzwischen seine Spielkameraden die Waffe geladen. Während er ahnungslos mit dem Tesching umging, löste sich plötzlich der Schuß und drang seinem zwölfjährigen Spielkameraden in den Kopf. Der schwerverletzte Junge starb noch auf dem Wege zum Krankenhaus. Ueble Betrügerin am Werk Köln. In den letzten Tagen ist eine Betrügerin am Werk, die sich in zahlreichen Fällen Lohnvorschüsse erschwindelte. Sie spricht bei Hausfrauen vor, die durch die Zeitungen Haus. angestellte suchen und bewirbt sich um die Stellung. Wird sie angenommen, so erbittet sie einen Lohnvorschuß mit der Begründung, daß sie ihre Papiere bei einer Verwandten holen müsse, die außerhalb Kölns wohne. Nach halt des Vorschusses verschwindet die Betri gerin und läßt sich nicht mehr sehen. Das eheliche Kind geht vor Köln. Das Kölner Arbeitsgericht hatte sich mit einer Klage zu befassen, der die Unterhaltspflicht für zwei Kinder zugrunde lag und die folgende Vorgeschichte hat: Bei einer Kölner Firma lagen zu Lasten eines bei ihr beschäftigten Arbeiters zwei Pfändungsüberweisungsbeschlüsse vor. Nach dem ersten Beschluß hatte die Firma von dem Verdienst ihres Arbeiters zum Unterhalt seiner von ihm getrennt lebenden Frau und des aus ihrer Ehe stammenden Kindes wöchentlich den Betrag zu überweisen, der über 20 RM. hinaus ging. Nach dem zweiten Beschluß mußte die Firma für das uneheliche Kind dieses Arbeiters den Betrag einhalten, der über 18 RM. je Woche lag. Die Mutter des unehelichen Kindes klagte nun gegen den Betrieb auf Zahlung eines höheren Betrages zum Unterhalt des Kindes. Sie begründete ihr Vorgehen damit, daß die frühere Frau des Arbeiters und das Kind wöchentlich durchweg 20 bis 25 RM. erhielten, während ihr für das uneheliche Kind kaum 2 RM. je Woche überwiesen wurden. Das Gericht belehrte die Klägerin dahin, daß nach den gesetzlichen Bestimmungen das eheliche Kind den Vorrang habe. Die Firma habe gemäß den Pfändungsüberweisungsbeschlüssen richtig gehandelt. Ihr stehe allerdings die Möglichkeit offen, sich an die Vollstreckungsstelle des Amtsgerichts zu wenden, um eine Aenderung der beiden Pfändungsüberweisungsbeschlüsse in der Weise zu erwirken, daß das uneheliche Kind in Zukunft günstiger gestellt werde. Ueberfall auf Autofahrer Der Niedergeschlagene schwer verletzt Trier. Auf einer Anfahrtstraße nach Irrel. wurde ein Autofahrer von zwei Wegelagerern überfallen und so schwer verletzt, daß er in bedenklichem Zustande in ein Trierer Krankenhaus gebracht werden mußte. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen befand er sich mit seinem Bruder auf der Fahrt in Richtung nach Irrel. Unterwegs hielten sie an, und als sein Bruder ausstieg und sich eine kleine Strecke von dem Wagen entfernte, tauchten plötzlich zwei fremde Burschen auf, die sich des Wagens bemächtigten und damit losfahren wollten. Der Fahrer stellte sich ihnen entgegen, und als sein Bruder dazu kam, rissen die beiden Wegelagerer aus. Bei dem Kampf erlitt der Fahrer erhebliche Verletzungen am Kopf und im Gesicht. Racfbuen nnn Heinemnfunten=Erenzen Trintsprüche bei der Abendtafel im Hause des Führers Berlin, 2. Juni. Bei der Abendtafel zu Ehren des jugoslawischen Prinzregentenpaares richtete der Führer folgenden Trinkspruch an seine hohen Gäste: „Ew. Kgl. Hoheit! Es ist mir eine große Ehre und Freude, Ew. Kgl. Hoheit, den Prinzregenten des Königreiches Jugoslawien und Ihre Kgl. Hoheit, die Frau Prinzessin Olga, in der Hauptstadt des Deutschen Reiches willkommen heißen zu können. Ich begrüße Sie aber auch im Namen des ganzen deutschen Volkes. Denn dieses ist von Gefühlen herzlicher Freundschaft für S. M. Peter II., für Ihr Vaterland und das jugoslawische Volk erfüllt. Die deutsche Freundschaft zum jugoslawischen Volk ist nicht nur eine spontane. Sie hat ihre Tiefe und Dauerhaftigkeit erhalten inmitten der tragischen Wirren des Weltkrieges. Der deutsche Soldat hat damals seinen so überaus tapferen Gegner schätzen und achten gelernt. Ich glaube, daß dies auch umgekehrt der Fall war. Diese gegenseitige Achtung findet ihre Erhärtung in gemeinsamen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen. So sehen wir auch in Ihrem jetzigen Besuch, Kgl. Hoheit, nur einen lebendigen Beweis für die Richtigkeit dieser unserer Auffassung, und wir schöpfen daraus zugleich die Hoffnung, daß sich die deutschjugoslawische Freundschaft auch in Zukunft weiter entwickeln und immer enger gestalten möge. In Ihrer Anwesenheit, Kgl. Hoheit, sehen wir aber auch eine freudige Gelegenheit zu einem offenen und freundschaftlichen Meinungsaustausch, der— davon bin ich überzeugt— für unsere beiden Völker und Staaten in diesem Sinne nur nutzbringend sein kann. Ich glaube daran um so mehr, als ein fest begründetes vertrauensvolles Verhältnis Deutschlands zu Jugoslawien nun— da wir durch die geschichtlichen Ereignisse Nachbarn mit für immer festgelegten gemeinsamen Grenzen geworden sind— nicht nur einen dauernden Frieden zwischen unseren beiden Völkern und Ländern sichern wird, sondern darüber hinaus auch ein Element der Beruhigung für unseren nervös erregten Kontinent darstellen kann. Dieser Friede aber ist das Ziel all jener, die wirklich aufbauende Arbeit zu leisten gewillt sind. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß Ew. Kgl. Hoheit während Ihres kurzen Aufenthalts in Deutschland ein anschauliches Bild von dem Aufbauwerk, dem Arbeits= und Friedenswillen des deutschen Volkes erhalten, das kein anderes Ziel hat, als unter Wahrung der Grundlagen seiner Existenz und seiner natürlichen Rechte durch unermüdliche Arbeit einer gesicherten Zukunft in einem befriedeten Europa entgegenzugehen. Seien Sie versichert, daß Deutschland und seine Regierung den Weg des Aufstieges, den das jugoslawische Volk, getreu dem Vermächtnis des Königs Alexander in gleicher Weise und so erfolgreich eingeschlagen hat, mit aufrichtiger Sympathie begleiten. Dieser Ihrer Arbeit gelten meine und des deutschen Volkes beste Wünsche. In diesem Sinne erhebe ich mein Glas auf die Gesundheit S. M. des Königs Peter II., auf das persönliche Glück Ew. Kgl. Hoheit und Ihrer Kgl. Hoheit, der Frau Prinzessin Olga, auf das Wohl der hohen Regentschaft und auf das Gedeihen des i####ssawischen Volkes.“ PrinzregentPaul erwiderte wie folgt: „Herr Reichskanzler, die sehr herzlichen Worte, die Ew. Exzellenz an die Prinzessin und an mich zu richten geruhten, haben uns tief gerührt, und wir sind Ihnen für dieselben sehr dankbar, wie auch für alle jene Beweise aufrichtiger und sehr liebenswürdiger Gastfreundschaft, die uns anläßlich dieses unseres Besuches im großen Deutschen Reich dargebracht werden. Ich bin davon überzeugt, daß die Aufmerksamkeit, welche Ew. Exzellenz, wie auch die Reichsregierung und das deutsche Volk in diesen Tagen der Prinzessin und mir bezeigen, von dem ganzen jugoslawischen Volke mit der größten Freude begrüßt sein wird, und daß sie als ein Beweis mehr von der tiefen Sympathie und der Freundschaft zwischen unserem beiden Nachbarländern dienen wird. 64 Es ist mir ebenso sehr angeneym, die offene Herzlichkeit und das Entgegenkommen festzustellen, denen ich in meinem Kontakt mit Ew. Exzellenz— unter deren entschlossener Führung und ständigen Direktiven das deutsche Volk in der heutigen Zeit eine der glänzendsten Epochen seiner Geschichte verwirklicht—, sowie bei der Berührung mit den wichtigen Staatsmännern des Reiches beseonete. 4 n Ma. Das jugoslawische Volt gar es auch in der Vergangenheit verstanden, alle jene schätzen werten Eigenschaften des deutschen Volkes zu würdigen, die es zu seiner Einigung und zu der kräftigen Entwicklung seines Geistes und seiner Kultur geführt haben. Das jugoslawische Volk hat nicht nur dies zu schätzen gewußt, sondern er hat in seinem eigenen Kampfe für die Vereinigung und in seiner Bemühung um den Aufbau seiner Kultur bei dem deutschen Volk ein herrliches Beispiel der nationalen Selbstzucht, der Ordnung, der Arbeit und der Schaffensfreude gefunden und findet es auch heutzutage. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Jugoslawien, wie auch der freundschaftliche Kontakt derselben sind dank einer richtigen Auffassung der Lebensinteressen der beiden Nachbarvölker schon seit Jahren endgültig festgesetzt. Die glückliche Erganzung der Wirtschaft beider Länder hat zweifelsohne zu der Erstarkung ihrer Freundschaft wesentlich beigetragen. Dieser mein Besuch ist ebenfalls eine Kundgebung des entschlossenen Willens des jugoslawischen Volkes, mit dem deutschen Volke in einer Atmosphäre des Friedens und der Sreundschaft zu leben und zusammenzue arbeiten. Deshalb freut es mich sehr, daß sich in den Worten Ew. Exzellenz die noch einmal ausgedrückten feierlichen Versicherungen befinden, daß auch das große Deutsche Reich ebenso die Errichtung und Befestigung der freundschaftlichen Zusammenarbeit mit Jugoslawien wünscht, indem es dessen Freiheit und Unabhängigkeit wie auch dieselben Grenzen, die uns seit dem vorigen Jahre durch dauernde Nachbarschaft verbinden, anzuerkennen gedenkt. In diesen Feststellungen sehe ich nicht nur verwirklichte Bedingungen zu der günstigen Bedingung noch engere Bande zwischen Deutschland und Jugoslawien, sondern auch einen schätzbaren Beitrag zur Konsolidierung des Friedens in diesem Teil Europas. Mit solchen solchen Gefühlen erhebe ich mein Glas auf das persönliche Glück Ew. Exzellenz und auf das Wohlergehen des freundschaftlichen und großen deutschen Volkes.“ nahm der jugoflawische Prinzregent mit Seneraloberst von Bock und Generalleutnant Seiffert den Vorbeimarsch der Truppe ab. Ehrung der Gefallenen Berlin, 2. Juni. Prinzregent Paul von Jugoslawien legte am Freitagvormittag um 9.30 Uhr am Ehrenmal Unter den Linden in Berlin einen Kranz nieder. Prinz Paul wurde vom Oberbefehlshaber der Heeresgruppe I, Generaloberst von Bock, vom Schloß Bellevue abgeholt. Im Gefolge befand sich die gesamte militärische Begleitung des Prinzregenten. Bei seiner Ankunft am Zeughause wurde er vom Kommandanten von Berlin, Generalleutnant Seiffert, begrüßt. Nachdem der Prinzregent die Front des Ehrenbataillons abgeschritten hatte, begab er sich in das Innere des Ehrenmals, um einen Kranz zum ehrenden Gedenken der deutschen Gefallenen niederzulegen. Hier verweilte Prinz Paul einige Zeit in andächtigem Schweigen. Danach Markovic bei Ribbentrop Jugoslawische Pressedelegation bei Dr. Goebbels Berlin, 2. Juni. Reichsminister des Auswärtigen v. Ribl. trop empfing tag nachmittag den Kgl.=Jugoslawischen Minister des Aeußeren Dr. Cincar Markovie zu einer längeren Aussprache. Reichsminister Dr. Goebbels empfing am Freitagnachmittag im Stucksaal des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda die jugoslawische Pressedelegation, die unter Führung des Pressechefs der jugoslawischen Regierung, Dr. Kosta Lukovic, aus Anlaß des Besuches des jugoslawischen Prinzregentenpaares zur Zeit in Berlin weilt. ließ sich die Gäste einzeln vorstellen und unterhielt sich längere Zeit angeregt mit ihnen über ihre Eindrücke in Berlin. Für ihren weiteren Aufenthalt in Deutschland gab er ihnen seine besten Wünsche mit auf den Weg. Festaufführung der Meistersinger in Anwesenheit des Führers und des Prinzregenten Paul Berlin, 2. Juni. Am Freitagabend fand zu Ehren der hohen jugoslawischen Gäste in der Staatsoper eine Festaufführung der„Meistersinger von Nürnberg" statt. Wieder umsäumten Tausende und aber Tausende die in ihrer ganzen Breite für die Durchfahrt freigehaltenen Anfahrtsstraßen vom Schloß Bellevue bzw. von der Reichskanzlei. Auf dem Schlußteil des Weges, von der Universität bis zum Ehrenmal hin, hatte die Leibstandarte Adolf Hitler im weißen Lederanzug die Absperrung übernommen 18 Mnltiurten=Bentur=Echmieen Vorah will das Kriegsschuldenproblem beim Königsbesuch aufrollen eines der höchsten Gerichtshöfe der Vereiniaten Washington, 2. Juni. Im Senat schlug Senator Borah vor, in der nächsten Woche das Kriegsschuldenproblem wieder aufzurollen. Er nannte die Anwesenheit des britischen Königspaares eine günstige Gelegenheit, England und Frankreich daran zu erinnern, daß sie noch Schulden in Höhe von 12 Milliarden Dollar zu zahlen hätten. In die gleiche Kerbe haut auch oas HearstBlatt„Newyork Daily Mirror“, das seinen Spott über England und Frankreich ausgießt, weil diese jetzt von Stalin eine Dosis von ihrer eigenen Medizin zu kosten bekämen. Wenn Sowjetrußland schlau genug sei, zwei so erfahrene diplomatische Kleptomanisten übers Ohr zu hauen, warum könne dann, so fragt das Blatt, die amerikanische Regierung nicht ebenso schlau sein? Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, die Daumenschraube etwas anzuziehen. Moseley enthüllt weiter Der Ausschuß meint:„Moseleys Protest antisemitisch“ Newyork, 2. Juni. Das weitere Verhör des Armeegenerals Horn=Moseley vor dem Dies=Ausschuß gab äußerst bezeichnende Enthüllungen über die Zustände im RooseveltStaat. Als die zwei Hauptprobleme, die Amerika heute zu lösen habe, bezeichnete Moseley einmal die Ausmerzung des internationalen Haßfeldzuges und der Kriegshetze, deren Ursprung in USA. zu suchen sei, und zum anderen den Kampf gegen die zersetzenden Machenschaften, die sich in den Vereinigten Staaten selbst bemerkbar machten. Um sich von der Richtigkeit seiner Angaben zu überzeugen, sollte der Ausschuß nur recht eingehend die Organisation der verschiedenen Bundesbehörden studieren. Dabei könne jeder leicht einsehen, wie eng verflochten die jüdische Kontrolle dieser ineinander verketteten Behörden sei, so daß tatsächlich eine kleine Judengruppe alle Zügel in der Hand habe. Das„schwerste Geschütz“ des ganzen Verhörs fuhr Moseley auf, als ihm der Ausschußvorsitzende endlich gestattete, eine schriftliche Erklärung über die Rolle des Kommunismus und des Judentums in USA vorzulesen. Bekanntlich hatte sich der Ausschuß am Vortage geweigert, das Exposé des Generals anzuhören, der sich schließlich bereit erklärte, die Erklärung auf ein Drittel ihrer ursprünglichen Länge zu verkürzen. Er schilderte die von Juden geleitete bolschewistische Revolution, beschrieb dann die Tätigkeit des gegenwärtig in USA sich aufhaltenden Bela Khun, ging dann zur früheren kommunistischen Bewegung in Deutschland über und belehrte dabei ein Ausschußmitglied, das ihn zur Sache rief, sarkastisch darüber, daß der Kommunismus eine internationale Angelegenheit sei und daher die revolutionären Bestrebungen in Amerika ohne Vorgeschichte unverständlich blieben. Moseley führte weiter aus, das Judentum bilde in den Vereinigten Staaten einen Staat im Staate, ja, es habe für sich einen Oberstaat gegründet, dessen Kontrolle in den Händen des amerikanisch=jüdischen Gewerkschaftsausschusses und der Tempelorganisation Bnat Brith liege..„... g ggeantes u un Die Hauptaufgabe dieses Overstaates sei, mit Hilfe des Kommunismus die jüdische Weltherrschaft aufzurichten und im Innern Gärung, Zersetzung und Revolution hervorzueufen. Richter Manton im Kreuzverhör 1.5 Millionen Dollar in einem Jahr„verdient“ Newyork, 2. Juni. Manton. der frühere eines der höchsten Gerichtrhose der Bereinigten Staaten, der bekanntlich unter der Anklage schwerer Korruption Male Zeugen gegenübergestellt. Während des Kreuzverhörs stellte sich die sensationelle Tatsache heraus, daß das Bankkonto Mantons, dessen Jahresgehalt 12000 Dollar betrug, allein in der Zeit von Juni 1934 bis Mai 1935 um 1½ Millionen Dollar anschwoll. Manton, der sich selbst verteidigte, konnte die Gewinne nicht erklären, dennoch weigerte er sich haotnäckig, die Korruption einzugestehen. Amerika über Kuba empört Wegen der Landungsverweigerung für 900 Juden Newyork, 2. Juni. Die Weigerung der kubanischen Regierung, 917 jüdische Emigranten von Bord der„St. Louis“ in Havanna an Land gehen zu lassen, erregt in der amerikanischen Presse stärkste Beachtung und in dem verjudeten Teil großen Unwillen. Sämtliche Blätter, die behaupten, daß die Juden im Besitz ordnungsgemäßer Visa gewesen seien, berichten auf der ersten Seite über einen Erlaß des kubanischen Präsidenten, der die„St. Louis“ angewiesen habe, sofort den Hafen zu verlassen, obwohl zahlreiche Amerikaner, darunter der Gewerkschaftsführer Lewis, Bitt=Telegramme an Oberst Bastitan geschickt hatten, die Landung zu erlauben. „Newyork Times“ berichtet aus Havanna, nicht einmal 40 jüdische Emigranten, die ein britisches Visum für Nassau, die Hauptstadt der britischen Bahama=Inseln, hatten und in Havanna lediglich auf einen Dampfer nach Nassau umsteigen wollten, hätten landen dürfen. Neues Newyork, 2. Juni. Auf dem Newyorker Flughafen Floyd Bennett traf am Freitag das größte amerikanische Passagierflugzeug, eine viermotorige Douglas=DC=4=Maschine ein, die demnächst für den transkontinentalen Schnellverkehr von Küste zu Küste von allen großen Fluggesellschaften in Dienst gestellt werDas Flugzeue nimmt 42 Passagiere auf. Die Sitzplätze können in 30 Rundbetten umgewandelt werden. Das Flug ug, dessen Flügel eine Spannweite von 41 Meter haben und das acht Meter voch und 30 m lang wickelt mit seinen vier 1450=PS=Motoren eine schine betragen 426 000 Dollar. durch Mailand, 2. Juni. Während das Hochwasser in der Ebene von Faenza langsam zurückgeht, hat sich die Lage in der hügeligen Gegend des Hinterlandes weiter verschlimmert. In der Gemeinde Brisighella hat ein mächtiger Erdrutsch die Eisenbahnlinie und die Provinzialstraße verlegt. Die Eisenbahnlinie Tgrenz Faenza wurde auf einer Strecke von 200 Mtr. erneut unterbrochen und wird Tagen wieder instand gesetzt sein. Die Wassermassen des Wildbaches Sintria, die durch einen Erdrutsch zu einem See aufgestaut wurden, brachten etwa 50 Häuser in höchste Gefahr. Im ganzen mußten in der Häuser wegen Einsturzgefahr von den Bewohnern geräumt werden. Auch aus der Gegend von Ravenna wurden neue Hauseinftiürg, germeldet. Die Landstraßen sind zum Teil unpassierbar. Bei Forli sind zwei junge Mädchen beim Einsturz eines Hauses umgeMord in 16jä viger Täter gefaßt Hamm, 2. Juni. Nachmittags wurde in dem sogenannten Krähenbusch in der Hoeveler Bauernschaft die Leiche des seit etwa 3 Wochen vermißten fünf Jahre alten Rainer Grywatz gefunden. Die Annahme, daß an dem Kind ein Verbrechen verübt worden sei, hat sich bestätigt. Von der Polizei wurde der Radfahrer festgenommen, mit dem das Kind zuletzt gesehen worden war. Es handelt sich um den 16 Jahre alten Heinz Jahrmarker aus Bockum=Hoevel. Es wird angenommen, daß der jugendliche Mörder das Kind, das er auf seinem Fahrrad entführte, durch Niederdrücken in einen Waldgraben tötete. Die Leiche ließ er in dem Graben liegen. Jahrmarker hat ein Teilgeständnis abgelegt. Die polizeilichen Ermittlungen zur völligen Aufklarung des Verbrechens sind noch nicht abgeschlossen. Millrather Aeberfall vor Gerich Anklage lautet auf Mordversuch und schweren Diebstahl Wuppertal, 2. Juni. Vor dem Schwurgericht in Wuppertal fand am Freitag die Verhandlung gegen den 35jährigen, aus EssenWerden stammenden Aug. Stiefken statt, der sich wegen Mordversuchs und schweren Diebstahls im Rückfall zu verantworten hatte. Der vielfach vorbestrafte Angeklagte hatte am 16. Januar d. J. auf einem einsam gelegenen Gehöft innerhalb der Gemeinde Millrath (Kr. Mettmann) seine Brotgeberin, die Bäuerie Baltes mit einem Hammer niedergeschlagen. Die Frau hatte dabei so schwere Verletzungen davongetragen, daß sie monatelang zwischen Tod und Leben schwebte, ehe es der Kunst der Aerzte gelang, sie zu retten. Nach den ersten Ermittlungen lag ohne weiteres klar, daß der Täter im Hause einen Diebstahl begehen wollte. Da ihm die Frau Baltes im Wege stand, wurde sie von dem Burschen niedergeschlagen. Hatte nun der Angeklagte, der schon am Tage nach der Tat gefaßt werden konnte, nach längerem Leugnen eine Schilderung der Vorgänge dahin gegeben, die sich mit den vorher getroffenen keiminalpolizeilichen Ermittlungen deckten, so bestritt er in der jetzt durchgeführten Hauptverhandlung sehr entschieden, es auf Geld seines Brotgebers abgesehen zu haben. Er blieb dabei, lediglich beabsichtigt zu haben, seine Kleider aus seinem Zimmer herauszuholen, nachdem er sich zehn Tage lang nicht mehr auf dem Hof hatte blicken lassen. Auf die verschiedensten Fragen, so u. a. warum er denn einen Hammer mitgenommen habe, reagierte der zwar psychopathisch veranlagte, jedoch keineswegs unzurechnungsfähige Angeklagte überhaupt nicht. In der Beweisaufnahme wurde zunächst die überfallene Ehefrau Baltes vernommen. Sie schilderte dem Gericht, daß ihr Mann den Angeklagten nur aus Mitleid aufgenommen habe. Am 6. Jan. habe Stiefken von ihrem Manne 15 RM. erhalten, um Einkäufe zu tätigen. Mit diesem Geld sei aber Stiefken verschwunden. Am Morgen des Tattages war Frau Baltes, nachdem ihr Mann Milch fortfuhr und alle übrigen Hausgenossen außerhalb des Hauses waren, für kurze Zeit auf den Hof gegangen. Während dieser Zeit hatte sich Stiefken durch den Stall in einen dunklen Verbindungsgang zwischen Stall und Küche eingeschlichen und hier der Frau Baltes aufgelauert. Nach zwei furchtbaren Schlägen über den Kopf, wodurch die Frau aufs schwerste verletzt wurde, war der Täter geflüchtet, in der Annahme, er habe die Frau getötet. Die Zeugin Baltes und ein früherer Arbeitgeber von Stiefken bezeichneten den Angeklagten als einen durchaus geweckten Burschen. In dieser Darstellung wurden sie unterstützt von den Kriminalbeamten, die die ersten Vernehmungen mit Stiefken nach der Tat durchgeführt hatten. Damals habe der Angeklagte schon sehr wohl zwischen Mord und Totschlag zu unterscheiden gewußt. In der Annahme, daß er die Frau Baltes getötet habe, habe er offensichtlich seine Aussagen dahin abgefaßt, seine Tat als Totschlag hinzustellen. Das Gericht nahm dann noch eine Ortsbesichtigung vor, nach der die Verhandlugg wieder im Schwurgericht Wuppertal fortgzetzt wurde. Nach kurzer Beratung verkündete das Schwurgericht das Urteil. Entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts erhielt Stiefken wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchtem schwerem Diebstahl im Rückfall 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust. Ferner wurde Stellung unter Polizeiaussicht und Verhängung der Sicherungsverwahrung verfügt. Reichskriegertag in Kassel Kassel, 2. Juni. Den festlichen Auftakt zum Ersten Großdeutschen Reichskriegertag bildete am Freitagnachmittag die Begrüßung des Reichskriegerführers 1 Gruppenführer General der Infanterie Reinhard durch den Oberbürgermeister der Stadt Kassel. Zu dem festlichen Ereignis waren je eine Ehrenkompanie der Verfügungstruppe Germania und der Landespolizei in Paradeuniform vor dem Rathaus aufmarschiert. Ihnen folgte Ehrenkameradschaft des Re.=Reichskriegerbundes. Unter den Ehrengästen bemerkte man an der Spitze Gauleiter Staatsrat Weinrich,. den Regierungspräsidenten von Molbart, sowie zahlreiche Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht. In Berlin begannen am 1. Juni die handlungen mit Italien über Sozialversicherung. Dieser Vertrag soll dazu dienen, denjenigen Arbeitern und Angestellten, die in den beiden Ländern beschäftigt waren und deren benen Rechte und Anwartschaften zu wahren. land und Dänemark wurde Freitag nachmittag vom Landtag mit allen Stimmen der 6s anwesenden Abgeordneten angenommen. Ein Uebungsflugzeug der rine stürzte Donnerstag über der PensacolaBai ab. Zwei Mirineflieger wurden getötet. Statt Karten! Für die liebevolle Teilnahme beim Hinscheiden unseres geliebten Kindes Eva-Marte sagen wir allen aufrichtigen Dank. Familie Hermann Hindersmann Schwerte, den 3. Juni 1939 C Statt Karten! Ihre Verlobung geben bekannt: Else Liesenhoff Karl Schumacher VDI Schwerte(Ruhr) Ssaniggellen 16 Villigst bei Schwerte Kleuptote 15 5. Juni 1939 Hotel Reichshof lah. Heiarich Kar Auf besonderen Wunsch einiger meiner Gäste habe ich mich entschlossen, neben dem bekömmlichen Dortmunder Union-Bier auch das weltbekannte Pllsener Urquel! aus dem bürgerlichen Bräuhaus in Pllsen zum Ausschank zu bringen Nicht lesen! wer nicht zu Darmträgheit, Stoffwechselstörungen u. Hämorrhoiden neigt! Allen andern sei gesagt, Sani=Drops sind bewährt und wirken milde aber zuverlässig. Packungen zu R 1.=,2.75 u. 7.— Drogerie E. Grasekamp, (Drogerie E. Heppe), Ostenstr. 3. Warum so nervös und müde? 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Wir begleiten in unseren Sendungen das so gewaltige politische Zeitgeschehen, wir senden das Wissenswerteste und Wertvollste aus Kunst und Literatur, Technik und Forschung, Dichtung und Lebensweisheit und sind ein Sender der allesumfassenden Musik. Wunschkonzert Besonders bewährt hat sich unter den volkstümlichen Abendmusiken die WHW.=Stunde des Reichssenders Köln. Zu einer Hauptsendezeit brachten wir hier die wirklich beliebtesten Tonwerke und Lieder. Wir legten diese WHW.=Sendung in die Stunde des Abendessens, in der die Familie beisammen ist und in der man erfahrungsgemäß eine angenehme sogenannte Tafelmusik zu schätzen weiß. Diese Kurzform des Wunschkonzertes, eben die WHW.= Stunde, trat im vorigen Herbst an die Stelle der umfangreichen, oft vierstündigen Dauersendungen, wie man sie in vergangenen Wintern auch in Köln durchgeführt hatte. Und, man darf wohl sagen, die WHW.=Stunde hat die Herzen unserer Hörer geradezu überraschend erobert. Tausende und Abertausende von Briefen und Paketen, von Geld= und Sachspenden aller Art trafen im Funkhaus ein, und oft war es gar nicht leicht, den erfreulichen Ansturm im Augenblick zu meistern. Bei der Ueberzahl von Wünschen und bei unserer immerhin begrenzten Sendezeit mußten wir einen Teil der Hörer, und oft gerade den, dessen Wunsch nicht auf Platten vorlag, in eine lange Geduldsprobe schicken. Aber diese technischen Schwierigkeiten waren dazu da, um überwunden zu werden, und wir dürfen wohl sagen, daß kein vernünftiger Wunsch bisher unerfüllt geblieben ist oder unerfüllt bleiben wird. Alle machen mit So diente unsere WHW.=Stunde, neben ihrem materiellen Ergebnis, das im Winter 1938/39 den Ertrag des Vorjahres um beinahe das Dreifache übertraf, der engsten Fühlungnahme einer musikliebenden und opferfreudigen Hörerschaft mit ihrem alt vertrauten Heimatsender. Der Rundfunkteilnehmer hat es ja hier selbst in der Hand, eine wichtige Sendestunde im Programm des Reichssenders Köln mitzubestimmen, und er kann uns zeigen, welche Art von Musik draußen in Stadt und Land besonders schätzt und gewünscht wird. Und da kann ich wohl sagen, die Auswahl, die sich hier im Laufe der Wochen und Monate aus den Kostbarkeiten volksverbundener Musik ergab, war keine schlechte, und sie bestärkt uns aufs Neue in unserer Hochachtung vor dem guten Geschmack gerade des einfachen Mannes. Denn die Einsendungen für die WHW.=Stunde setzten sich nicht allein aus Spenden der Industrie und der allgemeinen wohlsituierten, sondern im Gegenteil vor allen Dingen aus Spenden der weniger bemittelten Volksgenossen zusammen, deren Opfer— und seien es nur wenige Spargroschen gewesen— nicht geringer anzuschlagen ist, als sonst vielleicht ein zehn= und hundertfacher Betrag. Aber nicht das Materielle allein war unser Ziel, sondern in erster Linie wollte ich die herrliche Idee des Winterhilfswerkes fördern. Das ist uns glänzend gelungen. Und darum danke ich an dieser Stelle vor allen Dingen den vielen Werkschaffenden und Arbeitsmännern, den Schulklassen und Hausfrauen, den Verbänden und Innungen, den alten Mütterchen und den vielen ungenannten Spendern dafür, daß dieser Einsatz des Reichssenders Köln sich ach jeder Seite hin lohnen konnte. Zwischen 19 und 20 Uhr. Unsere kleine Feierabendstunde müßte nun eigentlich, wie in den vergangenen Sommern, ruhen und ihren neuen Termin abwarten. Aber einmal sind noch so viele Wünsche, die wir ja schließlich nicht ablehnen konnten, bei uns verbucht, die noch erfüllt werden müssen. Zum zweiten ist uns die WHW.=Stunde mit ihrem buntabwechslungsreichen Programm, mti ihren frischen Soldatenliedern, lustigen Schlagern, Tänzen und Märschen und auch den usgewählren Werken unserer großen Tonschöpfer so ans Herz gewachsen, daß wir uns nicht entschließen können, nun plötzlich abzubrechen. Ich habe daher Anweisung gegeben, vom Muttertage, dem Ehrentage der deutschen Mutter ab, die WHW.= Stunde in eine NSV.=Stunde des Reichssenders Köln zu Gunsten des Hilfswerkes Mutter und Kind umzuändern, die nach wie vor abends, in der Regel zwischen 19 und 20 Uhr, gesendet wird und bitte nun alle Hörerinnen und Hörer des Reichssenders Köln um freundliches Verständnis und aktive Mitarbeit. Uuier mit: unmmmm Das Sportamt der RS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ hat Sportstätten geschaffen, die den Schaffenden während des Urlaubs Gelegenheit bieten, sich sportlich zu betätigen. Es gibt schon heute mehrere Sportheime, die sich viele begeisterte Anhänger erworben haben. Viele südwestfälische Schaffenden haben im vergangenen Sommer ihren Urlaub in dem Sportheim Feudingen, im Ostwinkel des Hochsauerlandes, verbracht. Die Lehrgänge in den KdF.=Sportheimen laufen von Mai bis Oktober. Sie sind von einwöchigher Dauer. Der Preis beträgt pro Lehrgang 23.— RM., d. h. für Unterkunft, Verpflegung und Sportunterricht. Druck u. Verlag Hans Linner vorm. Carl Braus, Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Dr. Hans, Adolf Ebina, Schwerte(Ruhr). Verantwortlich für den gesamten Tertteil: Dr. Hans=Adol, Ebing, Schwerte(Ruhr). Verantwortlich für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte (Ruhr). Z. Zt. ist Preisliste 11 gültig. D.=A. IV./39: 1523. Sprechstunden der Schriftleitung täglich von ½10 bis ½11 Uhr außer Sonnabend. Sonst nach schriftlicher oder fernmündlicher Anmeldung. 5 Sgagg 25 BasSa 2 5 2 2 SS## 0 S S 8 6„BoNLSS SSattSg. S e 28. G— 65 TSüTSSTDSTSE —= 0— S••2 ## 5 ## SS SAESSBARSAS S S— S S 59 S S ## Merkwürdige Geschäftszweige. Wie tief bei den Bürgern der Vereinigten Staaten der Geschäftsgeist auch das Privatleben durchdringt, beweist folgende einer nordamerikanischen Tageszeitung entstammende Todesanzeige: „Am elften dieses Monats verstarb in seinem Geschäft, Greenwichstraße 20, Herr Edward Jones, tief betrauert von allen, die ihn kannten und das Glück hatten, ihm näherzutreten. Als Mensch war er äußerst liebenswürdig, als Hutmacher reell und billig. Sein Lebenswandel war über alles Lob erhaben, und seine Biberpelzkappen kosteten nur drei Dollar das Stück. Er hinterläßt nicht allein eine Witwe, die ihren Verlust aufs tiefste beklagt, sondern auch einen bedeutenden Vorrat an Kopfbedeckungen aller Art, die zugunsten seiner Familie veräußert werden sollen. : Im besten Mannesalter und im vollsten Schaffen... er hatte gerade ein ausgezeichnetes Geschäft in Filzlieferungen abgeschlossen... ward er aus dieser Zeitlichkeit in die Ewigkeit abgerufen. Und so preiswert erhielt er den Filz, “ daß seine Witwe in der Lage ist, Hüte wohlfeiler zu liefern als irgendein anderes Haus am Platze. Sein Geschäft aufs pünktlichste weiterzuführen und die verehrliche “ K u n d s c h a f t v o l l a u f z u f r i e d e n z u s t e l l e n, w i r d d a s s t e t e B e : streben seiner untröstlichen Hinterbliebenen sein.“ gan“ sechr belannter Rame. Zwei„Heren soßen in einer Eisenbahnabteil erster Klasse. Der eine war als * F r e m d e r n o c h n i e i n d e m L a n d e s t e i l, d e n d e r Z u g d u r c h 5 fuhr, gewesen. Der andere dagegen wußte über jeden Ort, durch den man kam, genau Bescheid.„Sie scheinen in dieser Gegend ziemlich bekannt zu sein“, begann der Fremde das Gespräch.„O ja“, antwortete sein Reises gefährte,„mein Name ist hier herum einem jeden geläufig. Das darf ich wohl, ohne allzu unbescheiden zu sein, behaupten!“„So?“ sagte der Fremde, dessen Neugier s erwachte.„Da sind Sie wohl Bürgermeister einer großen Stadt in der Nähe?“„O nein.“„Oder vielleicht Landgerichtspräsident?“„Auch nicht.“„Dann sind Sie wohl Reichstagsabgeordneter für diesen Kreis?“„Auch das ; n i c h t.“„ O d e r M i t g l i e d d e r R e i c h s b a h n d i r e k t i o n?“„ N e i n, i nein.“„Na“, rief der Fremde, der seine Ungeduld nicht länger zügeln konnte,„wer zum Kuckuck sind Sie denn?“ Ruhig erwiderte der andere:„Ich heiße Wilhelm Müller!“ :: Er sieht sich vor. Die berühmte französische Tragödin ; Elisa Rachel war ebenso talentvoll wie habgierig. Eines Tages war sie zu einem Pariser Bankier geladen, der zu den eifrigsten Verehrern ihrer Kunst gehörte. Bei Tisch bemerkte sie einen prächtigen Blumenstrauß, der auf der Tafel prangte, und rief:„Ach, wie reizend!“—„Madam“, sagte der Wirt galant,„gestatten Sie mir, den Strauß Ihnen zu verehren.“ Gleichzeitig nahm er die i Blumen aus der schweren Silbervase und überreichte sie ihr.„Vielen Dank, allein ich meinte die Vase", erwiderte die Rachel.„Die gehört ebenfalls Ihnen“, lautete die höfliche Antwort. Als das Mahl beendet war, bat die Schau: s p i e l e r i n d e n B a n k i e r, e r m ö g e s i e i n s e i n e m W a g e n n a c h : Hause fahren lassen, da es inzwischen angefangen hatte, zu regnen. Der Hausherr ging bereitwilligst darauf ein, doch als er sie zum Wagen geleitete, fügte er seinem Abschieds; g r u ß i n b i t t e n d e m T o n h i n z u:„ D e n W a g e n s c h i c k e n S i e mir aber wohl zurück, nicht wahr?“ Der Briefmarkensammler Vermuda. Der bisherige Wert zu 1 Schilling der Beri mudas schwarz und grün hat seine Farben gewechselt. Er ist jetzt braunschwarz und gelbgrün. Tschechoslowakei. Die Gedenkausgabe der Tschechoslo: wakei zu Ehren des Dichters Karl Ignaz Mächa ist er“ s c h i e n e n. D i e A u s g a b e u m f a ß t z w e i W e r t e: 5 0 H e l l e r g r ü n und 1 Krone rot. Beide Markenbilder zeigen eine Dartellung des Denkmals des Dichters in Prag. Anlaß zu dieser Markenausgabe war der 100. Todestag des Dichters. 5 Rumänien. Zur Erinnerung an die Thronbesteigung der regierenden Dynastie vor siebenzig Jahren erschien für Rumänien eine Sondermarke zu 6 Lei in roter Farbe. Das Markenbild zeigt ein Bildnis des Königs Karol II.; Als Zweckinschrift(in lateinischen Buchstaben) hat die: Marke die Worte: Luna Bucurestilor 1936 Romania 1866—1936. Sansibar. Nach langen Verhandlungen hat sich der; Sullan von Sansibar dazu entschlossen, für sein Land die Währung in Schilling und Cents anzunehmen. Dementsprechend erschienen auch die Freimarken von Sansibar in dieser neuen Währung. Die drei Markenbilder der postläufigen Freimarkenausgabe wurden beibehalten. Zu notieren sind die Freimarken jetzt wie folgt: 5 c.(grün), 10 c.(schwarz), 15 c.(rot), 20 c.(orange), 25 c.(dunkellila und gelb), 30 c.(ultramarin), 40 c.(graubraun), 50 c. (weinrot), 1. Sh.(gelbgrün) 2 Sh.(grauviclett), 5 Sh. (zinnober), 7½ Sh.(grün) und 10 Sh.(braungrün). Die Werte bis zu 50 Cents zeigen im Markenbild das Brustbild des Herrschers von Sansibar, die Schillingwerte zeigen das Bild mit dem Auslegersegelboot, und der höchste Wert zeigt wie bisher ein Araber=Dhau, das in den Küstengewässern segelt. Frankreich. Die Postverwaltung Frankreichs hat eine Gedächtnismarke mit dem Bildnis des Physikers Ampère erscheinen lassen. André Marie Ampère lebte von 1775 bis 1836. Die Farbe der Marke ist sepia; ihr Postwert beträgt 75 Centimes. Von großen Männern Der Astronom in Verwirrung. Der große Astronom Schubert war sehr schüchtern. Einst wurde er zu einer: Hoffestlichkeit geladen. Als man ihn an der Festtafel in ein Gespräch zog, brachte er vor Verlegenheit kaum ein Wort heraus. Den hohen Gästen fiel dies auf, und man lachte heimlich über ihn. Ein Freund Schuberts, ein Witzbold, rettete die Situation, indem er lächelnd ausrief:„Meinen lieben Freund Schubert macht es wahrscheinlich so konfus, so viele Sterne auf der Brust der Herren am unrechten Platz zu sehen!" Kleine Opernkuriosa. Wer einmal Richard Wagners; „Meistersinger“ gesehen, erinnert sich auch des lächerlichen „Merkers“. Beckmesser, aber nur wenige dürften wissen, daß ein Meistersinger dieses Namens wirklich gelebt hat. Ursprünglich wollte Wagner, um sich an seinem Feind Hanslick zu rächen, die betreffende Figur„Hans Lick“ taufen; doch seine Freunde brachten ihn davon ab, und so wählte Wagner einen wirklichen Namen aus der Nürnberger Zunft. Damit tat er aber dem wackeren Sixt Beckmesser schweres Unrecht. Der war nicht besser und nicht schlechter als die Mehrzahl seiner Zunftgenossen, und die Gedichte, die von ihm erhalten sind, rechtfertigen keineswegs den Fluch der Lächerlichkeit, der sich seit Wagners„Meistersingern“ an diesen Namen geheftet hat.— Merkwürdig ist auch die Geschichte des Soldatenchors in Gounods Oper„Margarete“(„Faust“), Wisgenphe rnger Einstudierung des„Faust" beschäftigte sich der:. mit einer neuen Oper,„Iwan der Schreckliche", die unvollendet geblieben ist. Er hatte dazu schon einen Chor komponiert, den er nach einem Diner seinen Gästen vorsang und vorspielte. Alles war entzückt, und man überredete Gounod, dies Tonstück an Stelle eines andern in den„Faust“ zu setzen. So wurde eine Melodie, die vielleicht für den Einzug des grausen Zaren bestimmt gewesen, den biedern deutschen Landsknechten in den Mund gelegt, die mit Valentin aus dem Kriege zurückkehren. Dieser Soldatenchor hat aber mehr als die schönsten Stellen der Oper zum Erfolg des Werkes beigetragen. Auflösung des Rätsels aus der vorigen Nummer: Kreuzworträtsel. Von links nach rechts: 1. Matterhorn, 7. Arras, 8. Ast, 10. Seal, 11. Art, 13. San, 14. Erz, 15. Boe, 16. Pia, 17. Lodi, 18. Rad, 19. Tor, 20. Leon, 22. Nab, 24. Dom, 25. Hut, 26. Olm, 27. Rat, 28. Hela 29. Sou, 30. Kater, 31. Reichsmark.— Von oben nach unten: 1. Maßholder, 2. Areal, 3. Tran, 4. Tal, 5. Harz, 6. Ost, 9. Steiermark, 11. Ara, 12. Tod, 14. Eid, 15. Bor, 16. Pan, 17. Lob, 18. Rom 19. Tat, 21. Eos, 22. Nut, 23. Aller, 25. Hauch, 26. Oeta, 27. Roi, 28. Ham. S E1SS 8 S 29 (D 0 #24 *T Ore oman-und Unterhaltungs-Beilage 7— KAAAAAAAAA (1. Fortsetzung.) Rolfsen lacht sie aus.„Wir sind ja nicht verwandt mit dem Zaren; von uns wollen sie sicher nichts. Sehen Sie, da stehen schon ein paar; aber sie sehen wirklich nicht angsteinflößend aus.“ Einfache, grüne Uniformen mit weichen, grünen Schirmmützen; darunter blonde, breite Bauernköpfe auf gedrungenen Körpern lehnen an den Holzwänden der Wartehalle. Gepäckträger in weißen Russenkitteln springen auf die Wagen und schleifen die Gepäckstücke nach der Zollstelle. Große Photographien der russischen Machthaber zieren überall die dunklen Wände; die Zollbeamten beginnen ihre Arbeit. Peter Rolfsen und Stackmanns sind bald abgefertigt. Als Durchreisenden wird ihnen das Geld, das sie bei sich tragen, nicht nachgezählt. Auf dem Nachbargleis wartet der russische Zug, hohe, lange Wagen auf sehr viel breiterem Profil. Ein Wagen erster, zwei Wagen zweiter und drei Wagen dritter Klasse; am Speisewagen die Tafel Miegorelojc—Moskwa—Wladiwostok. Rolfsen redet den Schaffner in tadelloser Uniform auf russisch an. Sie steigen beide ein, und nach einer Weile winkt Peter dem Ehepaar; der Träger folgt mit den Koffern. Es hat alles geklappt; zunächst sind nur drei Abteile besetzt. Stackmanns und der Konsul haben zwei nebeneinander liegende bekommen. Rasch ist mit Hilfe des Wagenwärters alles Gepäck in den oberen Hohl: r ä u m e n v e r s t a u t. F r a u I n g e s G e s i c h t h e l l t s i c h a u f:„ H i e r läßt es sich zur Not schon zehn Tage aushalten". Bequeme, blausamtene Sofas, Klapptische und noch ; ein weiteres, bequemes Sitzmöbel in Klubsesselform machen das Mobiliar dieser kleinen, rollenden Zimmer aus. Hinter einem Verschlag liegt die Waschgelegenheit, alles in tadelloser Sauberkeit. Der weißkittelige Wärter braut in der : Ecke des Wagens herrlich duftenden Tee. Auf Peters * Anruf serviert er ihn in hohen Gläsern mit zerschnittenen Ztronen. Allmählich rückt die Abfahrtzeit heran, even wird das : Zeichen gegeben, da saust noch ein grauer Kraftwagen j mit rotem Wimpel auf den Bahnhof zu. Ein Herr im elegantesten Reisezivil steigt aus und geht auf den Bahnbeamten zu. Ein leichtes Heben der Hand, und der an; f a h r e n d e Z u g m u ß w i e d e r h a l t e n. G e p ä c k w i r d a n d e n : Zug getragen und vom Wärter in das Abteil neben Peter Rolfsen gebracht. Auf die Frage des Konsuls entgegnet ; der Russe:„Ein Kommissar der Regierung“. : Der neue Reisende steigt in den Wagen; langsam fährt der Zug wieder an, und langsam kommt der Kommissar den Gang herunter auf sein Abteil zu. Die drei Deutschen sehen sich an. *„Das kann ja nett werden", flüstert Dr. Stackmann, „ein Sowjet unser nächster Nachbar im Wagen, der ist (Nachdruck verboten.) sicher irgendeinem armen Teufel der zaristischen Zeit: auf den Fersen.“ Der Konsul nickte mit dem Kopfe und erklärte:„Ich meine, wir essen jetzt ein kleines Abendbrot; dabei können; wir uns den Kommissar näher betrachten.“ Im Speisewagen brannten schon die elektrischen Lichter; draußen jagte die Landschaft vorüber im letzten Abendschein. Sandige Weiden, Kiefernwälder, dann: wieder Aecker mit Getreide und Kartoffeln und ab und; zu ein kleiner Obstgartep...meigen Sitter Kellner und Koch, aues in schneeweißen Kiltein. „Wo nur der russische Schmutz bleibt!“ verwundert: sich Frau Dr. Stackmann. 416 „Passen Sie auf. Frau Inge, der kommt auch noch, wenn nicht hier, dann sicher in Harbin. Ich nehme an, daß Sie beide dort auch Station machen, um für einige: Tage wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Ich für meinen Teil möchte dort schon die Fühler ein wenig ausstrecken und alte Verbindungen anknüpfen. Und Ihre Frau kann sich allmählich an China gewöhnen.": „Sie haben recht, lieber Freund“, stimmt ihm der; Arzt zu,„es ist eine gesunde Unterbrechung dieser ewig rollenden Tage. Wir bleiben ebenfalls in Harbin und fahren dann mit Ihnen weiter...“; Da steht wie ein schwarzer Schatten der nusse an dem deutschen Tisch und nimmt mit einer Verbeugung den vierten und leeren Platz ein. Frau Inge zieht die Brauen hoch und macht ein sehr zurückhaltendes Gesicht.: Aber der Kommissar lächelt liebenswürdig und beginnt in stockendem, sehr mangelhaftem Französisch eine Unterhaltung. Dabei hantieren seine gewalttätigen Hände, die: sicher besser mit Brechstangen umzugehen verstehen, auf: dem Teller.„„„„ Der Kellner hat abgenommen. Vor den Gasten steht nur noch der übliche Tee, in den sich Herr Popowitsch eine: große Portion Rum gießt. Dann zieht er ein goldenes: Zigarettenetui, auf dem ein Wappen in Diamanten glitzert, heraus und bietet Frau Inge eine Zigarette an. Sie entschuldigt sich dankend mit Kopfschmerzen und: steht mit leichtem Gruß auf. 6 7E. 4. 65 eh.: Dr. Stackmann und der Konsul veraoschieben such ebenfalls und gehen nach ihrem Abteil zurück. Inge schüttelt sich:„Werner, das ist ja ein Mensch: zum Fürchten! Woher der wohl das goldene Etui haben: — Und diese Hände, die reinsten Raubtierpranken!“ Der Wärter hat unterdessen die Wagenabteile in Schlafräume umgewandelt. Die Betten sind herunter; geschlagen und sehen recht einladend aus mit ihren weißen; Deten und Kisen. gerr Gopg„Ich glaube, wir ziehen uns zurück, ehe Her. Popowitsch zurückkommt. Für seine Nüchternheit möchte ich; mich nicht verbürgen“, schlägt Rolfsen vor, und mit herz; lichem„Gute Nacht" trennt man sich. Frau Inge streckt sich müde auf ihrem Lager aus. Die Anstrengungen der Reise und das in ihr nach. Ihr Mann hat sich zu ihr gesetzt ihr sanft und beruhigend über das volle, aschblonde „Werner, ich fürchte diesen Russen; an seinen Händen Bert Bot: „Das mag wohl sein, mein Herz; aber du brauchst ihn nicht zu fürchten, ich bin ja bei dir und hüte dich. Aber erst wirst du nun schlafen.“ Voll Liebe hebt die junge Frau ihre Arme und schlingt sie um den Hals des Gatten, und lächelnd nimmt sie seinen Kuß mit hinüber in den Schlaf. Durch die Nacht saust der Zug immer gen Osten, hinein in das Herz Rußlands. Der Morgen steigt herauf, ind immer gleich dehnt sich der Schienenstrang, schlugcken die Räder hunderte, tausende von Kilometern in sich Hiuein, und in immer gleiche Weiten weisen die SchienenAn der Abteiltür des Ehepaares klopft es.„Herrschaften, wenn Sie etwas von Moskau sehen müssen Sie munter werden, in einer halben Stunde sind Stackmanns haben sich verschlafen, versprechen aber Peter Rolfsen, in einer Viertelstunde bereit zu sein. Der Konsul wartet inzwischen an einem Fenster des Korridors. Die Landschaft hat sich kaum verändert. Kiefernwälder, Weiden, weiße Kuppelkirchen mit Goldkreuzen, elende Blockhütten und Windmühlen, schlechte Wege, auf denen sich abgemagerte Pferde plagen. Das ist Rußland. Jetzt mindert der Zug die rasende Fahrt. Die Sowsethauptstadt ist in Sicht. Das Ehergerzeiß, Fnnt lich zur Stelle. Man nimmt ein rasches Frühstun und beschließt, die drei Stunden Aufenthalt zu einer Besichtigung Moskaus zu benützen. Hauptstadtmäßig sieht es hier auerdings nicht aus. Vor dem Bahnhof dehnt sich ein weiter, holpriger, Platz, Baracken und niedrige Häuser umziehen ihn. an seinem einen Ende steht als letzter, jämmerlicher Zeuge einer vergangenen Zeit ein prachtvoller Triumphbogen. Ein Blick auf die verwahrlosten, überfüllten Straßenbahnen läßt Frau Inge den Fußmarsch wählen, denn Autotaxen Uui S 5ch. acs Hinter den drei Deutschen her kommt rascher,„## der Kommissar. Liebenswürdig bietet er sich als Fuyrer an. Rolfsen und das Ehepaar wünschen ihn zwar im geheimen zum Kuckuck, aber der Konsul nimmt mit höflicher Verbeugung an. Zunächst ist, wie durch ein Wunder, ein bequemes Auto zur Verfügung. Diese Zauberkraft geht einzig von dem roten Zeichen aus, das der Russe auf dem rechten Aermel trägt. Die Straße hinauf geht es in rascher Fahrt zum Roten Platz. Die Deutschen konnten ein leichtes Staunen doch nicht unterdrücken; das alles sah so gar nicht nach Aufstieg aus. Ueberall Schmutz und Verkommenheit, das Bild einer armen Fabrikstadt. Der Konsul macht eine diesbezügliche Bemerkung, worauf ihm der Russe entgegnet:„Wir stehen erst am Anfang.“ In der Mitte des Platzes stand als erdrückender Koloß das Lenindenkmal. Vor dem Torturm des Kreml steigen sie aus und wandern nach dem alten Zarenpalast. Ueberall herrscht der Verfall; nur der Raum, in dem Lenins gläserner Sarg steht, ist mit ungeheurer Pracht ausgestattet. Der Vater all der jahrelangen, blutigen Greuel liegt— wie ein Gott verehrt— in dem von Gardisten bewachten Glasschrein. Entblößten Hauptes, wie verzückt, schaut Popowitsch auf den toten Mann; Deutschen sind froh und atmen wie erlöst auf, als man wieder im Freien steht. Mit einer Stunde Verspätung fährt der Expreß am Nachmittag weiter. Die graue Stadt liegt hinter ihnen, Sand, niedrige Kiefernwälder, Sümpfe, immer die gleichen Bilder. Ein Tag nach dem anderen vergeht. Lesen, Schreiben, Plaudern und bei Tische immer die Gesellschaft des Russen. Inzwischen hat der Zug die Höhe des Ural erreicht. Zu den Fenstern weht scharfe Luft herein, und der feine Sand beizt die Augen. Die junge Frau seufzt ein wenig und beginnt die Tage zu zählen. Ein Eisenbahnwagen=Korridor und zwei schmale Abteile wirken auf die Dauer erdrückend. Die beiden Män=: ner trösten sie aber; nur noch zwei Tage, dann steigt man: in Harbin aus.„ Gugg Much. Nach der letzten Mahlzeit erklärt Frau Inge erleichtert:„Gott sei Dank, nun werden wir den Russen los!: Ich hatte in seiner Nähe immer das Gefühl des Gevürgwerdens....—. Kolfsen, Gnade G aut „Wir wollen es hoffen.“ lacht Kolssen.„Glude Golt! dem Menschen, den der Kerl auf dem Korn hat!" 3 Die fünf Stunden Entfernung von Harbin dehnten sich ins Endlose. Längst war alles Gepäck in Ordnung gebracht. Unzählige Tassen heißen Tees ließen sich die drei noch bringen, um den staubverquollenen, Aouenen; Hals frei zu spülen. Teen aitrs Der Zug, der eben noch in voller Fahrr hingerast war, ging plötzlich in langsames Tempo über. In der i Nähe blitzen die Lichter einer großen Stadt auf.„Aha,: die Brücke!“ sagte Rolfsen und trat in den Gang ans Fenster. Stackmanns folgten. Nebeltropfend schob sich der erste; Pfeiler der Sunaaribrücke dem Zug entgegen. Vorsichten: setzte die Maschine Fuß vor Fuß. Ein Pfeiler nach dem anderen, vergitterte Bogen und Querleisten strichen an den Fenstern vorüber. Man glaubte sich jeden Augenblick; auf einem anderen Aussichtsturm und hörte von unten her klatschende, brausende Wassermassen. Der gewaltige Fluß schäumte an den eisernen Gerüsten hoch und umhüllte sie mit Wolken von weißem Gischt. Wie gebannt sahen die drei Menschen in dieses unheimliche, Luirlen und Rauschen binab. Run wurde„opowzsch grschen, abteils zurückgeschoben, und Herr#####owitsch ersaten, fertig gerüstet zum aussteigen.„ sam 6i8 Der Zug fährt immer noch Schritt, so lungsum, uls; wollte er jeden Augenblick halten. Die junge Frau schlüpft in den weiten Reisemantel, drückt sich den weichen Filzhut aufs Haar und schaut stumm den unzähligen Lichtern: entgegen, die immer näber leuchten. Die Brücke ist überfahren; zwei Minuten noch, dann stoppt der Zug in der mächtigen Bahnhofshalle. Bremsen; kreischen, Türen schlagen, und nach einer halben Stunde: schließt der Liftboy im Baikalhotel die Tür hinter den: drei Deutschen.... J3 u26 8, Chrilt bes Der Aufzug saust in die Höhe. 33 und 34 schliut vas Haustelephon; gedämpfte Tritte auf roten Läufern. Das: chinesische Zimmermädchen läßt die Gäste in sehr moderne aber muffige Zimmer eintreten und fragt nach den „Nichts als ein Bad und dann nur Ruhel“ seufzt die sunge Frau, indem sie reine Wäsche uepeschlgfgnzüge auspackt und bereitlegt. Diese wenigen deutsahen Worte scheint die Chinesin zu verstehen. Sie verschwindet und: meldet in kürzester Zeit, daß die Bäder bereit seien.: Von Rolfsen sieht das Ehepaar überhaupt nichts mehr. Das letzte, was Frau Inge an diesem Abend noch bemerkt, ist das lächelnde Gesicht des Russen, der in das: obere Stockwerk fährt. Zweites Kapitel. In der großen Halle der Karawanserei war Nach=: mittagsbetrieb. Aus dem anstoßenden Kino tönte die: Musik herüber. Der Sibirenexpreß hatte eine große Zahl von Gästen gebracht, meistens Kaufleute, die zur Wiederaufnahme zerstörter Beziehungen nach Peking und den; südlichen Provinzen reisten und hier erste Station machten, um sich wieder an China zu gewöhnen. Peter Rolfsen hatte sich an dem breiten Straßenfenster einen Tisch reservieren lassen. Er bummelte be: haglich in der Halle hin und her und unterhielt sich zwischendurch mit dem Direktor, den er von seinen letzten Reisen her gut kannte. Es war ihm zwar immer noch der: Rhythmus des Fahrens im Körper zurückgeblieben, aber: er hatte doch wenigstens den Rauch= und Staubgeschmack feststehenden Bett geschlafen. (Fortsetzung folgt.) SaSRNR *5 SES SSS SDS 5 5 SSSSER RIS SSENSESS Die Gechunt der Pelosgpste. * Von Germaine Beaumont. (Nachdruck verboten.) 1 Madame Offranville rief ihren Gatten zurück, als er still durch die Wohnungstür schlüpfte: *„Hast du deinen Regenschirm, Julien?“ „Meine liebe Marie, ist es nicht schönes Wetter „Haft du deinen Regenschirm, Julien?“ *„Nein. Es ist schönes Wetter und———“ „Wenn du ihn nicht haft, werde ich ihn dir zum Büro bringen müssen. Du armer Mensch, wgceyu, Höins : Wetter nennst. Wir brauchen nur einen kleinen Wind “ und schon kommen Wolken und Regen, und was geschieht I dann mit dem Hut und dem Mantel, die gerade vom *:„Du machst mich lächerlich!“ sagte * ville wütend. Mit einem Regenschirm an einem solchen ichten— und jedermann weiß, ten Zeitschriften zu betrachten— und jevermunn weiß, daß England in allen Dingen, die Männer angehen, tonangebend ist! Aber weshalb soll ich noch etwas sagen! : Zehn Jahre lang habe ich versucht, dich zu überzeugen...“ *„Wir sind nicht in England, und ich lasse mich nicht ““„Gut, gut. Vielleicht siehst du mit einem Regenschirm “ nicht ganz aus wie ein hervorragender Ausländer, aber * auf jeden Fall doch wie ein hoher und vorsichtiger franzi sischer Regierungsbeamter. Das ist genau so gut!“ 1. Monsieur Offranville tat das, was er seit zehr : J a h r e n g e t a n h a t t e, u m F r i e d e n z u h a l t e n. E r n a h m d e n " verhaßten Gegenstand, der aus Kattun und einem imitierten Bambusknopf bestand, schlug die Wohnungstür hinter sich zu und ging schnellen Schrittes zu seinerg,## Dort hing er— unter den ironischen Blicken seiner * Kollegen, Hut und Mantel an seinem Haken auf und wollte gerade seinen Regenschirm verstauen(der einzige 1 Regenschirm an diesem schönen Morgen), als er durch “ einen jungen, fetten Mann gestört wurde, der durch seine * häufigen Beiträge an eine literarische Zeitschrift eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte. Der Rame, des, iungen Mannes— eines Kollegen— war Lepont, uver in seinen = ultra= modernen Artikeln pflegte er sich mit Pon zu unter* schreiben. Er wandte sich an Herrn Offranville mit jener unschuldigen, unwissenden Gebärde, die den Erfahrenen :„Darf'sich Sie, ehrenwerter und hochherziger Herr * Kollege mit einer Bitte besonderer Art bestürmen?“ „Stürmen Sie nur draufzu!“ grollte M. Offranpille. !„Es fragt sich nur, ob Sie eine Antwort erhalten :„Darf ich dann also fragen, weshalb Ihre rechte Hand, ehrenwertester aller Kollegen, von der Geburt des 1 Jahres bis zu seinem trüben Ende jenen geschmacklosen * Gegenstand(er deutete auf den Regenschirm) umvn Di. Offranville schwankte eine Sekunde, ob er seinem naseweisen Kollegen die Nase mit seiner Faust bügeln oder ihm die trübselige Geschichte seiner morgendlichen * Unterhaltungen mit Madame Offranville berichten.. Aber er erkannte rechtzeitig, daß er sich weder mit der einen noch der anderen Methode seines Kollegen wür entledigen können. Das Gegenteil könnte sogar eintreten. * Und dann— wie es manchmal in schweren Augenblicken des menschlichen Lebens geschieht. zuckte ein rettender Gedanke durch sein Geyr#a. Er beugte sich s vor, faßte sein Gegenüber am Arm und fragte mit „Uns kann doch niemand hörens Können wir ganz ) Pon, überrascht, blickte um sich. Seine Frechbeit war s durch Offranvilles merkwürdiges Benehmen ins Wan geraten.. un 8.3 „Nein, niemano rann uns hören!“ :„Gut“, sagte M. Offranville.„Ich trenne mich niemals von meinem Regenschirm, weil ich in diesem Objekt — das in sich selbst durchaus gewöhnlich ist— ein Mitte sehe, dem großen Uebel des modernen Zeitalters, ver Vernichtung und Verflachung großer Ideen, vorzu„Die Vernichtung und Verflachung großer Ideenk“ viederholte Von, etvos erschütte, pgen ihre Abwertung 8 „Ja, die Vernichtung großer Ideen, ihre Aowertung,„ oder, wenn Sie wollen, die Hintansetzung der wahren: menschlichen Persönlichkeit!" „Aber, was hat ein Regenschirm———“ „Nun, das ist doch klar. Ich glaube, daß, wenn man: einen Gegenstand dauernd in einer Hand hält, allen= Jahreszeiten, Wettern, Ereignissen zum, Tror, H ie g diesen Gegenstand schließlich zu einer lotor grzggigatign. einem Gegenstand der Konzentration, Kristangeno, philosophischer Stabilität macht. Welchen anderen Gegen: stand könnte ich tragen, der mir Vernunftfolgerungen ermöglicht, die mein inneres Leben so notwendig braucht? Einen Stock? Er würde an nassen Tagen zu nichts dienen, während ich einen Regenschirm aufspannen kann und vory Nachdem ich lange über bizu“hegel egergepnig, gaß ein Regenschirm, der ist, alle jene Bedingungen erfüllt, die zur Erreichung meines Zieles notwendig sind. Ich bin, weil ich denke. betrachtete bein gre hte sich um, um sein geNach Büroschlat wandte sich Von ein zweites Nal; „Wie Sie winschen Ich wil nach Harsageben und; Bescheid geben, daß ich später zum Avenvessen einDas Treffen an jenem Abend war die Ouvertüre zu; bene Die at, Kaen Gsagsile der eisce Theorie der„objektiven Konzentration“ wurde bekannt, diskutiert, versehmt, vergötert... gewpesen waren, Leute, die bis dahin unvorfichnig Regenschirnen; besen Ereigusen eimnas beiiabt und sezshenisieht aniworlich, veranwortlich für die Parigetz. Pag.e 4. Also kam die Zeit, wo site es logtg geie hand— ihr sie ihm die weiße Krawatte zu einer Schie Gatte mußte zu einem literarischen Banken—, murmelte eus gele gueign Zalien— dn glaubst mie schlieszich: „Ich glaubte——— „Entsinnst du dich nicht? Immer, wenn ich dich veranlaßte, den Regenschirm zu nehmen, sagtest du———“: Sesche e asedle e sce es hee Angelegenheit mit einer großartigen Geste und dem Satz ab: „Wenn man nichts von Philosophie versteht, muß nan eben schweigen!.. erzsschen: (Berechtigte Uebersetzung aus dem Franzosische. von Chr. H. Bauer.) KeithorenderKohl und Deutschlandsender Vom 4. bis 7. Juni 1939 Connlag 4. Juni Reichssender Köln 6.00: Hafenkonzert. 8.00: Wetter, Wasserstand. 8.05: Ein besinnliches Wort. Vom Sinn des Sonntags. 3.15: Euch zur Freude und Erbauung. Sonntägl. Musik. 9.00: Froh und heiter a. Sonntagmorgen.„# Darin: 10.00—10.10: Westfälische Dorfschwänke. 11.00: Eine Viertelstunde bildende Kunst. 11.15: Soldaten— Kameraden. Infanterie marschiert. 12.00: Musik, am Mittag 16.00: Musik am Nachmittag. In der Pause von 17.00 bis 17.15: Musik auf dem Trautonium 18.00: Ein Mützenmacher von Paris. Hörspiel.# 18.40: Preisgekrönte Orchesterwerke ostmärkischer Kompo19.30: Großdeutschlandfahrt 1939 Anschl.: Deutschland=Sportecho. 20.00: Kernspruch— Kurznachrichten und Wetterbericht, 20.15: 5 Frauen um Wittrisch. 22.00: Tages=, Wetter= und Sportnachrichten. 22.20: Eine kleine 9 22. 20.00: Nachrichten. 20.15: Nachrichten in englischer Sprache. 20.30: Die Volksliederstunde des Reichssenders Köln.„ 21.00: Die westdeutsche Wochenschau. 21.20: Beliebte Schallplatten. 22.00: Nachrichten. 22.15: Nachrichte Sprache. 22.35: Neues vom Film. 22.50—24.00: Unterhaltungsund Volksmusik. chten in englischer Musik, am Mitt 18.00: Nachrichten— Glückwünsche. 13.10: Fortsetzung der Musik am Mittag. 14.00: Melodein aus Köln am Rbein.„ 15.30: Für große u. kleine Kinder: Ein Bilderbuch wird le16.00: Gute Laune. Ein buntes Unterhaltungskonzert. 17.30: Kleines Konzert. 18.00: Von Bauern Art und Arbeit.„ 18.30: Der lustige Rätselfunk. 19.00: Der Sonntag im Rundfunkbericht. 19.20: Sportvorbericht. 19.30: Dreißig bunte Minuten. 20.00: Nachrichten. 20.15: Nachrichten in englischer Sprache.„ 20.30: Musik a. Sonntagabend. 22.00: Nachrichten. 22.15: Nachrichten in englischer Sprache.„ 22.35: Unterhaltung und Tanz. 24.00—3.00: Nachtmusik. Deutschlandsender 6.00: Hafenkonzext. 8.00: Wetterbericht. Anschl.: Kleine Melodie. 8.20: Eine Woche unterm Pflug. 8.30: Musterhöfe— Musterdörfer. 9.00: Unterhaltungskonzert. 10.00: Sonntagmorgen ohne 11.15: Deutsch. Sewetterbericht. 11.30: Fantasien auf der Wurlitzer Orgel. 12.00: Musik zum Mittag. 12.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 13.00: Glückwünsche. 13.10: Musik zum Mittag. 14.00: Prinzessin Tulipan. Märchenspiel von Wilb. Brand. 1430: Opern= und Operettenmusit.„" Sargsrah. 15.30: Am mande d. Vorfstraße. Monlag 5. Juni Reichssender Köln 6.00: Morgenlied— Wetterbericht für die Landwirtschaft. 6.05: Wiederholung der Abendnachrichten— Durchsprüche für den Bauer. 6.10: Knie—e beugt! 6.30: Freut euch des Lebens! 6.55: Morgenlied— Morgenruf. 7.00: Wetter, Nachrichten. 7.15: Frühkonzert. 8.00: Wetter— Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10: Frauenturnen. 8.30: Die Schrammeln spielen! 9.30: Ratschläge für den Küchenzettel der Woche. 9.45: Nachrichten. 10.00: Was der Bach erzahlt. 10.30: Sendepause. 11.45: Ein Besuch bei der Silberberger Weidekampgenossenschaft im Sauerland. 11.55: Wetterbericht. 12.00: Die Werkpause d. Reichssenders Köln. 13.00: Nachrichten— Glückwünsche. 13.15: Schloßkonzert. 14.00: Nachrichten. 14.10: Melodein aus Köln am Rhein. 14.45: Schaltpause. 15.00: Kundgebung der Reichstheaterkammer. 17.00: Das gute Jugendbuch: Aus Sumpf und Heide, Feld und Wald. Tierbücher. 17.15: Musik am Nachmittag. 18.00: Wir suchen und sammeln. Von alten Mark= und Grenzbräuchen. 6 6 18.10: Eine Viertelstunde Sport. 18.25: Musik unserer Zeit. 18.50: Lob d. deutschen Bauern. Gedichte aus älterer Zeit. 19.00: Denken Sie noch daran? 19.10: Die Woche fängt gut an! Deutschlandsender 6.00: Glockenspiel, Morgenruf, Nachrichten, Wetterbericht. 6.10: Kleine Melodie. 6.30: Frühkonzert. 8.00: Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine Turnstunde. 10.00: Alle Kinder singen mit! Liederblatt 3 der Zeitschrift „Schulfunk". 10.30: Sendepause. 11.00: Normalfrequenzen. 11.15: Deutsch. Seewetterbericht. 11.30: Dreißig bunte Minuten. Anschl.: Wetterbericht. 12.00: Schloßkonzert. 12.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 13.00: Glückwünsche. 13.45: Neueste Nachrichten. 14.00: Allerlei— von Zwei bis Drei! 15.00: Wetter=, Markt= u. Börsenberichte. 15.15: Erich Schneibewind spielt. 15.40: Frauenhände flechten Weidenruten. Anschl. Programmhinweise. 16.00: Musik am Nachmittag. In der Pause von 17.00 bis 17.10: Aus dem Zeitgeschehen. 18.00: Von Woche zu Woche. Berichte aus deutsch. Gauen. 19.00: Stille Wege. 20.00: Kernspruch— Kurznachrichten und Wetterbericht. 20.15:„Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn, 21.15: Heiter und bunt. 21.40: Aus dem Liedschaffen von Johann Strauß. 22.00: Tages=, Wetter= und Sportnachrichten. 22.20 bis 22.40: Weltpolitischer Monatsbericht. 22.45: Deutsch. Seewetterbericht. 23.00 bis 24.00: Unterhaltungsund Volksmusik. nachrichten— Durchsprüche für den Bauer. 6.10: Knie—e beugt! 6.30: Freut euch des Lebens! 6.55: Morgenlied— Morgenruf. 7.00: Wetter, Nachrichten. 7.15: Frühkonzert. 8.00: Wetter— Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10: Frauenturnen. 8.30: Froher Klang zur Arbeitspause. 9.30: Der Segen des Meeres kommt an Land: Vom Fischfang bis zum Küchentisch. 9.45: Nachrichten. 10.00:„Die Sonne zieht um das Frische Haff". 10.30: Kindergarten. 11.30: Sendepause.. Mzug, 11.45: Pferdezucht im Münstersterland. Darin: Der Ponnyfang bei Dülmen. 11.45: Wetterbericht. 12.00: Mittagskonzert. 13.00: Nachrichten— Glückwünsche. Mitt=# 13.15: Fortsetzung des Mittagskonzertes. 14.00: Nachrichten. 14.10: Melodein aus Köln am Rhein. 15.00: Sendepause. 16.00; übertragung vom Musikfest in Bad Salzuflen: Kurkonzert. 17.00—17.15: Der Erzähler. 12.00: Musik zum Mittag. 12.55: Zeitzeichen der Deutsch. Seewarte. 13.00: Glückwünsche. 13.45: Neueste Nachrichten. 14.00: Allerlei— von zwei bis drei!„4s„ 83, 15.00: Wetter=, Markt= u. Börsenberichte. 15.15: Kinderliedersingen. 15.40: Aus einem neuen Buch. Anschl.: Programmhinweise. 16.00: Musik am Nachmittag. 17.00—1710: Lesung. 18.00: Land unter Pflug und Bagger. 18.30: Finnische Musik. 19.00: Großdeutschlandfahrt 1939. 5 Etappe: Reichenberg— Chemnitz. 19.15: Erinnerungen. Dazwischen: Die interessante 20.00: Kernspruch, Kurznachrichten und Wetterbericht. 20.15: Musik an zwei Klavieren. 20.45: Politische Zeitungsschau. 21.00: Musik am Abend. 22.00: Tages=, Wetter= und Sportnachrichten. 22.20: Eine kleine Nachtmusik. 22.45: Deutsch. Seewetterbericht. 23.00—24.00: Musik der Jugend. Aufnahmen von den Reichsmusiktagen in Düsseldorf. 15.00: Wir treiben Familienforschung. 5.20: Mu Dienstag 6. Juni Reichssender Köln 6.00: Morgenlied— Wetterbericht für die Landwirtschaft. 6.05: Wiederholung der Abend17.45: Julius Platzak singt Wiener Lieder! 18.00: Der schöpferische Mensch. Albrecht Goes: Mörike. 18.30: Kleine Kostbarkeiten aus dem Schallplattenschrank. 19.00: Spiegel des Lebens 19.10: Die NSV.=Stunde des Reichssenders Köln. 19.55: Und heute? 20.00: Nachrichten. 20.15: Nachrichten in englischer Sprache. 20.35—24.00; übertragung aus dem„Rheinhotel Dreesen“ in Bad Godesberg: Groß. Tanzabend d. Reichssenders Köln. 22.00: Nachrichten. 22.15: Nachricht. in englischer Sprache. Deutschlandsender 6.00: Glockenspiel, Morgenruf, Nachrichten, Wetterbericht. 6.10: Kleine Melodie. 6.30: Frühkonzert.# 7.00: Nachrichten des Draytlosen Dienstes. 8.00: Sendepause. 10.00: Soumi— Land zwischen Norden und Osten. Horszenen einer finnischen Reise. 10.30: Fröhlicher Kindergarten. 11.00: Normalfrequenzen. 11.15: Deutsch. Seewetterbericht. 11.30: Dreißig bunte Minuten. 7. Juni Reichssender Köln 6.00: Morgenlied— Wetterbericht für die Landwirtschaft. 6.05: Wiederholung der Abendnachrichten— Durchsprüche für den Bauer. 6.10: Knie—e beugt! 6.30: Frühkonzert. 7.00—7.15: Wetter— Nachrichten. MR447au# 8.00: Wetter— Wasserstang— Kalenderblatt. 8.10: Frauenturnen. 8.30: Morgenmusik. 9.30: Vom gesunden Leben. 9.45: Nachrichten. 10.00:„Wartburg". Szenen aus der Geschichte einer Burg. 10.30: Sendepause. 11.45: Arbeitsmaiden helfen der Bhuerin.. un 1 11.55: Wetterbericht— Markkberichte d. Reichsnährstandes. 12.00: Die Werkpause d. Reichssenders Köln bei der Schuhfabrik Ferd. Rinne, HessischOldendorf. 13.00: Nachrichten— Glückwünsche.„ 4 13.15: Mittagsronzert aus der Reichsgartenschau, Stuttgart. 14.00: Nachrichten. 14.10: Melodein aus Köln am Rhein. 15.20: Musik von Schallplatten. 15.30: Für große und kleine Kuder. 16.00: Uebertragung aus Bao Oeynhausen: Konzert der Wehrmacht. 17.00—17.15: Meisterwerke der Weltliteratur. 18.00: Lebendige Vorzeit. Der Fürstenberg. 18.20: Mädel d. Jugendgruppen d. Deutschen Frauenwerks erzählen von ihrer Arbeit. 18.40: Drei Musikanten spielen. 18.55: Schaltpause. 19.00: Reichssendung aus Wien: Reichstheaterwoche 1939. Aus der Wiener Statsoper: Eine Nacht in Venedig. 22.15: Nachrichten in englischer Sprache. 22.35—24.00: Tanzmusik. Deutschlandsender 6.00: Glockenspiel, Morgenruf. Nachrichten, Wetterbericht. 6.10: Kleine Melodie. 6.30: Frühkonzert. 8.00: Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine Turnstunde. 10.00:„Wartburg". Szenen aus der Geschichte einer Burg. 10.30: Fröhlicher Kindergarten. 11.00: Normalfrequenzen. 11.15: Deutsch. Seewetterbericht. 11.30: Dreißig bunte Minuten. 12.00: Musik zum Mittag. 12.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 13.00: Glückwünsche. 13.15: Musik zum Mittag. 13.45: Neueste Nachrichten. 14.00: Allerlei— von zwei bis drei! 15.00: Wetter=, Markt= u. Börsenberichte. 15.15: Hausmusik. 16.00: Musik am Nachmittag. 17.00—17.10: Aus dem Zeitgeschehen. 18.00: Die ReichsnährstandsSchau 1939. 18.25: Klaviermusik. 19.00: Großdeutschlandfahrt 1933. 6. Etappe: Chemnitz—Nürnberg. 19.15: Sang und Klang. 20.00: Kernspruch— Kurznachrichten und Wetterbericht. Anschl.: 10 Tage Wettervor20.15: Festkonzert zur 130 Wie. derkehr des Todestages von Joseph Haydn. 22.00: Tages=, Wetter= und Sportnachrichten. Anschl.: 10 Tage Wettervom 22.20: Eine kleine Nachtmusik. 22.45: Deutsch Seewetterbericht 23.00—24.00: Musik aus Wien. Dolee Statne uls driegerdenemal Verrauft Durch eine Ansichtspostkarte überzeugt— Große Aeberraschung in Constanza In diesen Tagen ist in Constanza eine gewisse Fanny Volenza zu einigen Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sie ist Rumänin von Geburt, lebte aber mehrere Jahre in Amerika, wo sie offenbar die nötige geschäftliche Gewandtheit erwarb, um die rumänische Welt auf den Kopf zu stellen. Das ist ihr auch gelungen durch den Denkmalverkauf von Adamopolis. Der Fall bot mancherlei dunkle Punkte, die aber durch eine umfassende polizeiliche Ermittlungsarbeit klargestellt werden konnten. Fanny Colenza war veranlaßt worden, den Staub der amerikanischen Erde von ihren tief ausgeschnittenen Schuhen zu schütteln. Es war mancherlei dunkel in ihrem Vorleben. Sie befand sich also auf der Rückreise von Amerika nach Budapest und von dort aus auf dem Wege nach Constanza, wo sie ihr Glück versuchen wollte. Unterwegs studierte sie eingehend die rumänischen Zeitungen, als eine kleine Notiz ihre Aufmerksamkeit in hohem Maße fesselte. Es stand da zu lesen, daß ein Ort Adamopolis sich entschlossen habe, das alte Kriegerdenkmal, das den modernen Kunstbegriffen nicht mehr entspreche, abzureißen und ein neues Denkmal zu errichten. Wegen des neuen Denkmals seien noch keine Entschlüsse gefaßt. Einen Augenblick später kramte Fanny Colenza in ihrem Koffer. Sie hatte doch in Bukarest auf dem Bahnhof die Postkarte mit der Ansicht eines stark entkleideten Jünglings in Marmor erworben. Wie die Inschrift auf der Rückseite besagt, handelte es sich um den alten römischen Dichter Ovid, dem man in Constanza ein Denkmal errichtet hatte— vor langen, langen Jahren. War dieser nette junge Mann nicht das gegebene Kriegerdenkmal für Adamopolis? In raschem Entschluß zog Fanny die Notbremse und war im Dunkel der über dem Land liegenden Nacht verschwunden, ehe der Schaffner schläfrig seine Laterne gefunden hatte. Sie hatte auf der Karte ausgerechnet, daß sie ungefähr in der Nähe von Adamopolis war, wo leider dieser Zug unter normalen Umständen nicht zu halten gedachte. Am nächsten Morgen empfing der Bürgermeister von Adamopolis die„Vertreterin des Kunstausschusses von Constanza". Die Ehre des Besuches entzückte ihn nicht weniger, als die Jugendfrische der Vertreterin. Die junge Dame ging gleich auf das Ziel los. Man wisse in Constanza von der Absicht, ein neues Kriegerdenkmal zu erwerben. Die Stadt Constanza sei bereit, ein neues Denkmal abzustoßen, um auf diese Weise das gute Einvernehmen mit den Nachbargemeinden zu fördern. Man verhandelte noch ein wenig. Die junge Dame hatte ihre festen Preise— in Dollar nämlich— 5000 Dollar, weil der Bildhauer ein Amerikaner sei. Sie zeigte die Postkarte mit dem Bildwerk des braven Dichters Ovid vor. Der Burgermeister wagte nicht zu behaupten, daß ihm das Denkmal nicht so sehr gefalle, weil so wenig Kriegerisches an diesem jungen Mann sei. Er ahnte nicht, daß dieses Bildwerk nun schon seit Jahren im Park von Constanza in der heißen Sonne briet. Es wurde in aller Eile eine Konferenz einberufen. Die Stadtväter sollten ihre Zustimmung geben. Die junge Dame trug ihre Offerte noch einmal mit Schwung vor. Das Ende vom Lied: die Zustimmung wurde erteilt. Nun wollte man Fanny einen Scheck mitgeben. Aber Fanny wollte bares Geld haben. Denn sie müßte ja den Amerikaner sofort abfinden. Man rechnete nach einem günstigen Kurs die 5000 Dollar in Lei um und entließ Fanny, nachdem verabredet worden war, das Denkmal am nächsten Sonnabend abzuholen. Die genaue Adresse war von Fanny dem Stadtarchitekten ausgehändigt worden. Am dann folgenden Sonnabend fanden sich der Bürgermeister, der Stadtarchitekt und einige kräftige Männer in Constanza ein. Sie suchten lange die Adresse und landeten schließlich in einem Park. Ein wenig merkwürdig— aber immerhin: man hatte schließlich das Denkmal bezahlt. Der Architekt ging gleich daran, den Sockel zu untersuchen. Er überlegte, wie man diese Statue, die nach seiner Meinung doch nicht mehr ganz so neu war, am besten abtransportieren könne. Ein Parkwächter kam neugierig näher, um zu erfahren, was die fremden Männer dort auf dem Rasen machten, dessen Betreten außerdem verboten war. Der Bürgermeister— dem schon irgendwie ein wenig heiß geworden war— schenkte dem Parkwächter kaum Beachtung und erwähnte nach mehrmaligem Befragen nur ganz nebenbei, man habe diese Statue erworben. Der Parkwächter faßte sich an den Kopf. Morgens, als er den Dienst antrat, gehörte das Bildwerk noch der Stadt Constanza. War es möglich, daß ein solcher Verkauf stattgefunden hatte? Er lief zur nächsten Telephonstation, telephonierte herum und alarmierte die Polizei, als sich ergab, daß die Sache mit dem Verkauf nicht stimme. Fanny entdeckte man einige Tage später in Bukarest, wo sie dabei war, die 5000 Dollar zweckmäßig anzulegen. Sie wurde nach Constanza geschafft. Dort fand auch die Aburteilung statt. In Adamopolis aber hat man noch immer kein neues Kriegerdenkmal. Ovid wird jedenfalls auf dem vorgesehenen Sockel einen Platz nicht finden. aller Weit Die Rekordraucher von Menin. Wer in Westeuropa etwas vom Rauchen, speziell vom Pfeifonrauchen versteht der zient in jedem europa etwas vom Rauchen,„. 1.8.— Jah. senrauchen Verstehr, der giegr in sedem Fahr einmal im Monat April nach Menin, um dort dem großen Wettbewerb für Pfeifenrauchen beizuwohnen. Wenn jemand eine Kanone auf dem Gebiet der Pfeife ist, dann beteiligt er sich sogar an diesem Wettbewerb. Es kommt darauf an, zwei Gramm Tabak solange wie möglich in einer Pfeife zu rauchen, ohne ein neues Streichholz zu benötigen. Mit anderen Worten: man muß in geschickter Auswertung der vorhandenen Glut die Pfeife brennend erhalten, um den Siegespreis davonzutragen. Der augenblickliche Rekordhalter ist ein gewisser Leon Bostyn, der die genannte Menge über eine Stunde, 8 Minuten und 33 Sekunden brennend erhielt. Sein gefährlichster Konkurrent brachte es nur auf 50 Minuten. Jedenfalls sind die Pfeifenraucher von Menin außerordentlich stolz auf ihre Leistung gen und betrachten ihren Rekord in der Lang; samkeit als eine sportliche Tat ersten Ranges, Die Natur rächte sich. Riesige Flächen in Nordwesten der Vereinigten Staaten, ein Gez biet, das weit größer ist als ganz Schottlank, sollen jetzt mit Steppengras besät werden um zu verhindern, daß einst wertvolles Ackerland zur Wüste wird. Ein„echt amerikanischer" Rauhbau hat sich hier durch eine Naturkatastrophe gerächt. Rücksichtslos hatte man in diesen Gebieten Wälder abgeholzt— nur aus dem Profitgedanken heraus, lediglich um das Holz zu verwerten und Anbauflächen für Weizen zu gewinnen. Schon wenige Jahre später kam, wie nicht anders zu erwarten. der Rückschlag. Da der natürliche Schutz der Wälder fehlte, kan es zu der verhängnisvollen Dürre des Jahres 1934, konnten die schweren Sandstürme diesen Jahres die wertvollen oberen Schichten des Bo# dens wegfegen und mit einer Sandschicht üben. ziehen, auf der keine Nutzpflanze gedeihen konnten. Man ist sich nun auch hier darüber klargeworden, was für große Werte durch den damaligen Raubbau vernichtet worden sind. Durch die Ansiedlung einer ganz bestimmten Sort## von Steppengras hofft man nun wenigstens di weiten Ebenen in Weideland zu verwandeln und sie für die Viehzucht nutzbar machen zu können. Diese Bepflanzung mit Gras soll auf ein Gebiet von 8 Millionen Hektar ausgedehnt werden. Gangsterüberfall im Verkehrszentrum Chicagos. Auf einer der verkehrsreichsten Straßen Chicagos ereignete sich ein dreister Raubüberfall. Zwei bewaffnete Banditen hielten auf der Straße einen luxuriösen Kraftwagen an, in dem sich 4 Damen der Chicagoer Gesellschaft befanden, und zwangen sie mit vorgehaltener Pistole unter Todesdrohung, ihre Juwelen sowie Bargeld im Gesamtwert von ungefähr 20000 Dollar herauszugeben. Die Banditen entkamen unbehelligt. Uen Sacl=Eer Roman von Rudolf Stratz Urbeberrechtsschutz Central=Bureau, Berlin Sü 68 „Bis zum Abend muß ich es wissen— für—“, noch leiser—„für ihn.“ „Ich bringe Ihnen selbst die Nachricht— für ihn", sprach der Alte.„Besser für ihn das bißchen Blut als das viele, das FuadPascha und seine Ungläubigen auf ihr Gewissen bürden wollen.“— Lamba war drüben in Pera, seiner Heimat. Seinem Nährboden. Hier, neben dem Zollschuppen von Galata, hatte er vor dreißig Jahren die Stiefel geputzt. Hier rauchten jetzt riesige Dampfer, die ihm gehörten. Makler, Agenten, Geldwechsler, Kontoristen grüßten den mächtigen Mann. Palamidi Lamba nickte hochmütig. Auf dem nächsten Lohnklepper an der Straßenecke galoppierte er nach Pera empor und betrat den in diesen Morgenstunden leeren Kristallpalast. In dem großen, kahlen Saal des Tingeltangels, in dem noch der Rauchdunst der Nacht brütete, übte die Mucka Slowacek, die Kapellmeisterin, mit ihrem böhmischen Damenorchester. Lamba setzte sich. Er schaute gelangweilt auf die Slowacek. Er war nicht wegen dieser verblühten Hagebutte gekommen. Er wadte den Fes nach dem Griechen Diamandis, der hemdärmelig, verschlafen aus der Spielhölle in den hinteren Kellerräumen heranschlurfte. Leise, drohend:„Laßt mir Buddenhaus nicht aus den Augen.“ „Er wird auf Schritt und Tritt bewacht, Exzellenza!“ Der krausköpfige Bankhalter, der bis zum Morgengrauen mit Karten und Geldharke hantiert hatte, unterdrückte ein Gähnen. „Das ganze Hotel ist von unseren Leuten umstellt. Er hat gefrühstückt und dabei viele Briefe geschrieben und Besucher empfangen. Der Kellner hat es mir gemeldet.“ Hinter dem Falschspieler stand der opiumsüchtige Hautarzt Dr. Profiresco:„Eben steigt er zu Pferd!“ Buddenhaus bog um die Ecke. Er prallte auf Imme, die mit einem Korb voll Klee für die Stute Almanja aus dem Garten kam. Sie stieß einen unwillkürlichen, halblauten Ruf freudiger Ueberraschung aus. Dann wurde ihr hübsches Gesicht unter dem Blondhaar ein wenig rot. Beide schwiegen und sahen sich an. Endlich gaben sie sich etwas unsicher die Hand. „Nun, Sie sehen: Ich lebe!“ „Gott sei Dank!“ Sie stellte den Korb hin und setzte sich auf die Bank. Er nahm neben ihr Platz.„Wenn Sie ahnten, was für eine Angst ich um Sie ausgestanden habe!“ Der Deutschrusse blickte lässig über das Blau des Bospurus nach dem weißschimmernden Palais Lamba am andern Ufer.„Jetzt bei Tag ist man in Konstantinopel so sicher wie eine Bosporusauster in ihrer Schale. Erst nach Sonnenuntergang begreift die türkische Polizei nicht, daß man nicht zu Hause bleibt, und geht selber mit den Hühnern schlafen. Nun— ich bin kein Hausvater. Mich treibt es nachts unter Menschen. So geht es, wenn man keine Familie hat.“ „Und kein Vaterland!“ Das junge Mädchen sagte es mit einer hellen und ruhigen Stimme Er wandte ihr betroffen den lebhaften, energischen Kopf zu. Nach einer Weile:„Gott gab mir keines.“ „Herrgott— dann suchen Sie's! Es ist doch groß genug. Es ist doch gar nicht so weit. Deutschland liegt Ihnen doch wahrhaftig vor der Nase!" „Sie können das leicht sagen. Sie sind eine geborene Deutsche." „Ich bin eine überzeugte, ich bin eine fanatische Deutsche. Wenn ich an den alten Kaiser und Bismarck und Moltke daheim denke, wird mit das Herz weit. Ich mache auch hier wie wild Reklame für Deutschland— soweit es in meinen bescheidenen Kräften steht.“ „Ja— ihr seid neuerdings in der Türkei tüchtig am Werk“, sagte der junge Mann versonnen. „Wissen, Sie, daß ich in den letzten Tagen ganz tiessinnig bin? Ich weiß selber nicht, warum.“ „Da muß sich der Mensch irgendeine Zerstreuung ausknobeln.“ „Ich kenne nur Arbeit. Uebermorgen ist für mich ein großer Tag. Der morgige liegt leer vor mir. Nehmen Sie sich morgen ein bißchen meiner an!“ „Für morgen hab ich schon meine Tscherkessen bestellt“, sagte Imme Reyck.„Es sind greuliche Räuber und Diebe, aber die anständigsten Menschen von der Welt. Ich muß mein Wort halten und mit ihnen losziehen.“ „Auf Straßenraub?" fragte der junge Deutschrusse traurig.„Also— lassen Sie mich doch mitmachen! Es ist ja ohnedies hier eigentlich mein Handwerk.“ „Mein Bruder studiert noch drüben in Asien bei Ismid die Fortsetzung der kleinen, alten englischen Marmarabahn. Morgen fahre ich mit ihm hinaus und knalle mit den Tscherkessen im Urwald von Bujuk Derbend auf Wölfe.“ „Kann ich mich dort nicht als Treiber nützlich machen?“ „Dazu braucht man andere ortskundige Einwohner als Sie!" Das junge Mädchen lachte. „Nun— dann benutzen Sie die Pausen zwischen den Wölfen! Sie sagten, Sie machten überall für Deutschland Propaganda. Probieren Sie morgen einmal Ihr Glück bei mir.“ „Komische Idee...“ „Ich gebe zu: Es ist eine undankbare Aufgabe. Ich bin ein schwieriges Objekt.“ „Dann gerade!“ Beide wurden ernst und schweigsam. Imme überlegte. Sie nickte entschlossen.„Eigentlich wäre es ja meine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit! Also— als gute Deutsche nehme ich Sie in Gottes Namen morgen mit auf die Jagd.“ „Wenn Ihnen am Dank eines einfachen Menschen gelegen ist... Nein— verzeihen Sie! Eben fällt mir ein: Ich muß doch verzichten!" „Nun geht's auf einmal nicht?“ Imme legte die Hände zusammen. Plötzlich las er ein schmerzliches Erstaunen in ihren großen blauen Augen.„Was ist denn los?“ „Ich bin nämlich ein anständiger Mensch— so sehr das auch in Geschäften hinderlich ist. Ich nehme zwar den Wettbewerb Ihres Bruders nicht tragisch...“ „Na— davon kriegt der Eduard auch keine grauen Haare.“ „... aber ich möchte doch nicht den Anschein erwecken, als wollte ich seine Tätigkeit da draußen in Kleinasien ausspionieren.“ „Gott— wenn's weiter nichts ist! Da lacht Eduard drüber— der Gute! Wir sind ehrliche Deutsche. Wir spielen mit offenen Karten. Uns kann jeder über die Schulter gucken.“ Imme klatschte in die Hände. Aw Fenster oben erschien ein freundlich versonnener Männerkopf mit Zwicker und Vollbart, hellblond wie sie. „Du— Kerlchen! Komm mal flugs herunter. Das ist ganz interessant: Hier ist ein Feind von dir!“— „So! Da ist er!“ Sie stellte vor.„Gebt ihr euch nicht die Hände? Ich denke, das tun Duellanten immer? Na, also! Mein Bruder und ich haben voreinander keine Geheimnisse, Herr Buddenhaus. Wir gelten bei den Eingeborenen hartnäckig als ein Ehepaar. Ich nenne mich schon immer Imme Reyck=Hanum — die würdige Frau Reyck. Ich hab ihm eben schon im Hausflur gesagt, worum es sich handelt.“ „Es ist ja eigentlich komisch: Konstantinopel besitzt heute noch keine Eisenbahnverbindung nach Europa. Aber am asiatischen Ufer haben die Engländer das kurze Marmarabähnle bis Ismid schon vor gut zehn Jahren gebaut.“ Der Reichsdeutsche richtete mit einer ruhigen Sachlichkeit durch den goldenen Zwicker den blauen Blick auf den Deutschrussen.„Schauen Sie sich doch mal an, wie ich mir da die Fortsetzung durch die Sümpfe und die Sakariaklamm auf das Hochplateau hinauf denke. Es wird Sie als Fachmann interessieren.“ „Aber es ist für Sie gefährlich.“ Ein Peters burger Lächeln.„Hüten Sie sich doch vor mir!“ „Wissen Sie: Entweder taugt das Projekt was— dann guckt mir keiner was davon weg — oder es taugt nichts— dann hilft's auch nichts, wenn ich die ganze Gegend polizeilich absperre.“ Es klang eine stille, zähe, unbeirrbare Willenskraft in den Worten.„So ein Ding muß um seiner selbst willen gemacht werden und aus sich selber raus wirken. Dann wird's was. Sonst nie!“ „Das sind deutsche Grundsätze.“ „Gott sei Dank!“ „Aber wir sind im Orient. Denken Sie mal: Ich hörte gestern im Cerele d’Orient, es solle hier hinterlistige Leute geben...“ „Sie halte ich nicht dafür“, sagte Dr. Eduard Reyck offen.„Also kommen Sie nur ruhig her! Der Struwelpeter da, meine Schwester, wünscht es ja auch. Ich kenn' sie doch.“ Der junge Deutsche schaute vor sich hin und überlegte. Langsam verbreitete sich ein bestrickend liebenswürdiger Schein über sein energisches, schnurrbärtiges Gesicht.„Erschrecken Sie jetzt nicht. Herr Dr. Reyck! Aber ich will Ihnen einen Vorschlag machen!" „Bitte!" Ein freimütiges, herzliches Lächeln drüben. „Ich bin ja nach Konstantinopel gekommen, um euch alle totzumachen...“ „Totgesagte leben am längsten.“ Träumerisch= bestimmt klang die Antwort. „Aber ich bin wie Nikolaus, der Wundertäter. Ich kann auch Tote lebendig machen. Ihr totgeborenes Unternehmen zum Beispiel.“ Immes Bruder schwieg mit freundlicher Ruhe. „Das Gold der Levante wurde mir in diesen Tagen von unsauberen Händen für meine Eisenbahnpläne aufgedrängt. Ich lehnte ab. Ich will nichts mit Geschöpfen wie Herrn Lamba zu tun haben.“ „Da haben Sie recht.““ „Aber da Gott uns beide— Sie, Herr Reyck, und mich— zusammenführte, ist es ein Wink des Schicksals. Ich schätze deutsches Wissen und deutsche. Gewissenhaftigkeit und deutschen Fleiß.“ „Auf einmal entdeckt er sein deutsches Herz“, rief Imme. „Nun denn: Wir Russen sind bereit, Sie, Herr Doktor, mit Ihrem Projekt und Ihrer Arbeit an der Arbeit der Neuen Asiatischen Studiengesellschaft zu beteiligen.“ „Und ich nicht!“ „Sie entsetzen mich. Warum?“ „Weil ich weder Russe noch Asiate bin, sondern Deutscher.“ „Es sind doch auch die Franzosen bei uns.“ „Da halte ich es nun mit Bismarck.“ Dr. Reyck lächelte.„Der hat gesagt: Wenn ich einem Teufel verschrieben bin, so ist’s ein teutonischer und kein gallischer!" „Hurra! Da hören Sie's!“ schrie Imme. „Sie verspielen die große Chance, die das Schicksal nur einmal...“ „Nun— dann will. ich lieber auf deutsch irren als auf russisch recht behalten.“ „So darf ich mich empfehlen?“ Paul Buddenhaus fing einen merkwürdig traurigen und bittenden Blick aus zwei blauen Augen auf. Er blieb stehen. Er wandte sich heftig zu dem jungen Mädchen.„Wie denn— ihr Werwölfe? Wie soll ich denn jagen kommen, wenn man mich hier jagt?“ „Das tut doch kein Mensch! Der Eduard will bloß nicht. Also kommen Sie nur morgen ruhig nach Haidar Pascha hinüber. Wir fahren von dort mit dem ersten Frühzug.“ „Da kann ich noch nicht. Ich muß erst meine Morgenbriefe erledigen.“ „Dann kommen Sie mit dem Vormittagszug nach. Am Bahnhof in Ismid erwartet Sie eine kleine Räuberbande von Tscherkessen mit Pferden. Vertrauen Sie sich den Kerlen ruhig an! Es ist nur eine deutsche Meile bis zu dem Urwald.“ „Auf Wiedersehen!" Paul Buddenhaus war gegangen. Imme blickte ihm nach, bis sein Kaik im Sonnenflimmern des Bospurus verschwamm. Dann musterte sie ihren Bruder und platzte heraus. „Was machst du denn für ein Gesicht? Wie acht Tage Regenwetter.“ „Ich?“ Es klang unmutig. „Eifersüchtig? Auf die eigene Schwester?“ Sie schlug die Hände zusammen.„Aber das machst du jedesmal so. Ich soll hier nur für dich auf der Welt sein.“ „Unsinn...“ „Eigentlich bist du der reinste Pascha! Deinetwegen dürfte ich überhaupt niemanden ansehen....“ „Es kommt nur darauf an, wen!... Aber in diesem Fall...“ „Was denn: In diesem Fall?“ Imme fragte es plötzlich leise und betroffen. „Du weißt schon, was ich meine... Du kannst dich ja gar nicht verstellen.“ Imme Reyck erwiderte nichts. Sie ging in das Haus. Aus der Tür trat zwei Stunden später, nach einem beiläufigen väterlichen Schwatz mit seinen beiden Töchtern— der Perle und dem Diamanten— der armenische Gemüsegärtner Obowian. Er trat in das Haus eines Landsmanns. „Meine Esel traben zu langsam. Leih mir deine Maultierstute. Ich muß nach Stambul galoppieren.“ Dort, in dem mächtigen armenischen Handelsmagazin, dem Han Babadjan, stand er nach dreißig Minuten, staubbedeckt, ehrerbietig vor dem Herrn des Hauses in der Kontorzelle. Babadjan, der greise Wucherer von Konstantinopel, saß schlaff, weißbärtig hinter dem Rechenbrett. Er blinzelte den Mitverschworenen des Geheimbundes„Gregor, der Erleuchter" vor ihm streng fragend an, und der Gärtner Obowian murmelte:„Meinen Töchtern Indschi und Elmas hat die Deutsche vorhin erzählt: Der rothaarige Russe fährt morgen mit dem Vormittagszug von Haidar Kascha zu ihr nach Ismid!“ „Gut: Die Hammelsteuer— der Tribut von Aegypten— das Salzmonopol...“ Babadjan, der armenische Reiche, sprach es eine Stunde später drüben in Pera, im Stadtpalais Lambas, des levantinischen Goldraffers. so laut auf griechisch zu dem ihn bis zum Portal begleitenden Hausherrn, daß der christliche Dienertroß ringsum es verstehen konnte. Und leise, schon draußen am Kutschenschlag des Landauers:„Ich hielt mein Versprechen. Sie wissen jetzt, was der Russe morgen vorhat.“ „Und was ich vorhabe...“ Die beiden Festräger trennten sich. Der greise Babadjan fuhr nach Stambul zurück. Drüben in Pera verließ Palamidi Lamba sein prunkvolles italienisches Stadtpalais. Nicht weit davon, in der Grande Rue, betrat er einen der vielen Antiquitätenläden. Es waren gerade vornehme Ausländer zum Kauf darin — Herren und Damen—, und er hörte, wie ein sie begleitender Landeskundiger von irgendeiner europäischen Gesandtschaft auf französisch sagte:„Bei Papa Takkers können Sie getrost kaufen. Der alte Sonderling ist der einzige von der ganzen Bande, der nicht betrügt.“ Und gedämpfter, während der stillfreundliche, graubärtige Altertumshändler geschäftig aus dem Hintergrund byzantinische Münzen, bunte gläserne Mokaipstückchen aus der Hagia Sophia, Marmorbruch aus Troja herbeiholte:„Dieser Kram ist nämlich für den alten Takkers nur ein Vorwand. Er war früher Tütündschi, also Tabakhändler. Seit der Einführung der Staatsregie gilt er für den größten Tabakschmuggler von Konstantinopel. Man kauft jetzt die ausländischen Zigarren bei ihm billiger als früher, weil die zwar die Grenze, aber nicht mehr das Zollamt sehen!" Ein paar türkische Straßenbälge bettelten. Der Alte war kinderlieb. Er drückte ihnen schmunzelnd Fünfparastücke in die Schmutzpfoten. Er komplimentierte die Ausländer zur Tür hinaus und wandte sich mit einem fragenden Lächeln an Palamidi Lamba:„Exzellenza?“. Der Levantiner sah finster in die verwitterten, milden Züge drüben.„Mit neun Jahren kam ich na chKonstantinopel!“ sagte er.„Ich kenne Konstantinopel wie meine Tasche...“ „Und Konstantinopel kennt Exzellenza.“ „Und doch bin ich in Konstantinopel gegen Sie ein Fremder— gegen einen Europäer Gott weiß woher.“ „Ich bin aus Belgien und stehe hier in der Konsulatsliste.“ Der Alte packte friedlich seine frommen byzantinischen Münzen ein. Palamidi Lamba sah ihn schläfrig=ausdruckslos und doch durchdringend an.„Wie viele Menschen haben Sie so im Laufe Ihrer Jahre in Konstantinopel umgebracht, Tütündschi Takkers?" Ein bedauernder Blick aus klaren, alten, blauen Augen über den Ladentisch.„Exzellenza — ich weiß es wirklich nicht. Ich habe sie nicht gezählt.“ Er kam staubwischend nach vorn. Beiläufigt „Ist jemand Exzellenza lästig geworden?" „Ja. Und ich wollte ihn umsonst allein beseitigen.“ „Das muß man nie versuchen, Exzellenzal Wozu ist denn der alte Takkers das“ Der Greis folgte aufmerksam den leisen Worten des Levantiners. Er schüttelte bedenklich das Haupt.„Ein russischer Untertan? Oh. das hält schwer! Das wäre sehr teuer!“ „Ich zahle jeden Preis.“ „Er fährt morgen vormittag von Haidar Pascha? Gut, lassen Sie mich machen, lenzal“ Weame Der graubärtige Antiquitätenhändler war allein. Draußen, auf der Grande Rue, nahte die Nacht. Er verschloß sein Gewölbe. Er wandelte bedächtig durch die Straßen nach dem Hafenviertel Tophane hinab. Hier gab es kaum noch Europäer. Die Tscherkessen, die in diesen finsteren Häusern die Töchter ihrer kaukasischen Heimat für die Harems der Großen feilboten, hielten mit Hilfe der Polizei das Auge des Abendlandes von dem heimlichen Sklavenmarkt fern. Um so weniger fiel es auf, wenn aus diesen Hinterhöfen der bis an die Zähne bewaffneten Zirkassier ein vornehmer Alttürke nach sichtigung der Waren heraustrat und noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang, mit dem ein neuer Tag für die Türkei begann, den Rückweg nach Stambul einschlug. Der Tütündschi Takkers war da drinnen ein Paradiesvogel geworden. Ein golddurchwirkter Mekkaturban krönte jetzt sein graues Haupt. Ein langer grünseidener Kaftan umwallte seine hagere Gestalt. Unter weiten, himmelblauen Kniehosen schimmerte das marokkorote Pantoffelleder an seinen Füßen. Er schritt der Brücke über das Goldene Horn zu, wo jetzt, am Abend, Pera und Stambul ihre Menschenmassen austauschten. Er drängte sich in dem Geflute von zwanzig Nationen dem Strom der Christen entgegen, die für die Nacht die Türkenviertel drüben räumten. Ein niedriges Holztor tat sich auf, noch ehe der Tütündschi Takkers mit dem Eisenring klopfte. Der Hadschi Ibrahim=Efendi, tagsüber seit vielen Jahren Schreiber im Ministerium der frommen Stiftungen und Moscheegüter, trat ein. Seine vielköpfige Familie wußte, daß es in diesen geistlichen Beamtenstuben immer viel zu tun gab. Sie wartete schon auf ihn. Er kauerte sich mit seinen Familien zu Tisch— drei Frauen und dreizehn Kindern. Würdevoll, mit untergeschlagenen Beinen, hockte Ibrahim Hadschi zwischen den Seinen. Er griff als erster mit der Rechten in die Schüssel voll reisgefüllter Gurken. Mit tiefer Stimme sprach er dabei von dem Aerger, den sein hoher Vorgesetzter. der Intendant eller Moscheenpfründen der Türkei, mit den Christen habe. (Fortsetzung folgt)