Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechsmal. Bezugspreis wöchentl. 45 Nr(einschl. Trägerlohn). Postbezug monatl. R.K 2.—(einschl. 26.2 N# Zeitungsgebühr und 0.44 R### Postverpackungsgebühr) zuzügl. 36#### Bestellgeld. Einzelnummer 10##. Druck u. Verlag: Hans Linner, vorm. Carl Braus, Schwerte Geschäftsstelle Gr. Marktstr. 3. Fernr. 2770— Postscheckk.: Dortmund 2832 Tageblau für die Hladt Schwerte, die K— Frankes=Trappen in Santunder Eingeregen d Der Zeind konnte nicht mehr zur Besinung kommen— Flucht der Bolschewissenhäuptlinge Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4## Tertanzeigen: Millimeterzeile 20 P.e Für fernmündl. aufgegeb. Anzeigen übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen der Zeitung kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden.— Fernr. 2770 Andter Weschosen Prgste. Einzige in Hchwerte gedruckte Tageszeitung Schwerte(Kuhe), Freitag, den 21. Augus 1937 70. Jahrgang Lohmann Weltmeister der Steher Walter Lohmann erkämpfte sich in Kopenhagen durch seine kluge und überlegene Fahrweise die Weltmeisterschaft der Steher. Sautander, 26. Aug. Am Donnerstagmittag zogen die Brigaden von Navarra und die Legionärstruppen unter dem Jubel der Bevölkerung in Santander ein. Die ganze Stadt prangt im Schmuck nationaler Flaggen. Der nationale Heeresbericht schildert ausführlich und im einzelnen das Vordringen der nationalspanischen Heeressäulen auf Santander und die Ueberwindung der letzten Hindernisse vor dieser Stadt im Laufe des Mittwochs. Er erklärt dann u. a.: Die am 14. August begonnenen Operationen mit dem darauffolgenden Zusammenbruch der feindlichen Linien wurden von den Legionärstruppen in enger ZusammenKatalonien will verhandeln Bedingungslose Unterwerfung von Franeo gefordert Paris, 26. Aug. Der„Intransigeant“ läßt sich von seinem Sonderberichterstatter aus Biarritz melden, daß man dort in unterrichteten Kreisen versichere, offizielle Beauftragte des bolschewistischen Ausschusses von Katalonien seien eingetroffen, um mit Vertretern General Franeos Fühlung zu nehmen. Man versichere ferner, daß die Vertreter General Francos Anweisung hätten, sich nur mit einer bedingungslosen Unterwerfung Kataloniens einverstanden zu erklären und andernfalls die Besprechungen abzubrechen. Die schlimmsten Szenen von Räuberei und Plünderei habe man beobachten können. Das Ganze sei ein unvorstellbarer Zustand der Anarchie und des Grauens gewesen. In der Morgendämmerung habe der Kampf der Flüchtenden um Boote und Schiffe begonnen. Der britische Leutnant meinte schließlich, daß bei dem überaus schnellen Fall der Verteidigungslinie von Santander die Disziplinlosigkeit und die Unordnung der bolschewistischen Heerhaufen eine große Rolle gespielt hätten. kotes Flugzeug abgeschossen Zum Fall von Santander wird noch bekannt, daß in der Stadt eine Bevölkerung von 150000 angetroffen worden ist. Da Santander in normalen Zeiten nur 90000 Einwohner hat, beträgt der Bevölkerungszuwachs an Flüchtlingen arbeit mit den nationalen Streitkräften fortgeführt, ohne daß der Feind überhaupt zur Besinnung gekommen wäre. Seine Stellungen sind sowohl mit Asturien als auch nach dem Osten hin völlig unterbrochen, so daß den Bolschewisten jetzt keine andere Möglichkeit bleibt, als sich zu ergeben. „Unvorstellbares Grauen“ Ein britischer Leutnant, der von einem englischen Kriegsschiff in letzter Minute aus Santander mit anderen britischen Staatsangehörigen gerettet worden war, schildert dem Reuter=Vertreter in Saint Jean de Luz die letzten Stunden in Santander vor der Einnahme der Stadt durch die Truppen Francos. Der Leutnant hatte auf Seiten der Bolschewisten gekämpft. Er erklärte, daß es in der Nacht zum Mittwoch in Santander weder Wasser noch Licht gegeben habe. In jeder Straße seien Schießereien an der Tagesordnung gewesen, ohne daß auch nur eine Spur von„Ordnungsdienst" und„Polizei“ zu bemerken gewesen sei. aus der Provinz und aus Bilbao etwa 60000. Die roten Milizen, die sich noch nicht ergeben haben oder noch nicht in Gefangenschaft geraten sind, haben sich nördlich von Santander im Sardinenfischereihafen gesammelt, sich des Flughafens bemächtigt und die Flucht ihrer Häuptlinge verhindert. Ein Flugzeug mit fünf bolschewistischen Militärs wurde nach dem Aufstieg von ihnen abgeschossen. Die nationalen Wachschiffe haben ein zweites Schiff aufgebracht, auf dem sich zahlreiche bolschewistische Rädelsführer befanden. Flucht auf der ganzen Linie Im Hafen von St. Jean de Luz trafen Donnerstag früh zwei Handelsschiffe aus Santander mit 60 Marxisten ein. 20 von ihnen haben eine politische Rolle gespielt. Unter ihnen befinden Englands Botschafter in Ehina durch Mäschinengewehrseaer Verkeht hirota drückt sein tiefstes Bedauern aus ergriffenen Maßnahmen zu unterLondon, 26. Aug. Wie Reuter aus Schanghai meldet, wurde der britische Botschafter in China, Hughes Knatchbull=Hugesses, auf der Rückfahrt von Nanking nach Schanghai in seinem Kraftwagen durch Maschinengewehrgeschosse angreifender Flugzeuge schwer verletzt. Der Botschafter mußte einem Hospital zugeführt werden. Sir Hughes Knatchbull=Hugesses versieht den Posten eines britischen Botschafters in China erst seit September 1936. Der Botschafter reiste im Wagen mit dem Militärattaché Oberst Lovat=Fraser. In der Nähe des Wagens wurde von japanischen Flugzeugen eine Bombe abgeworfen. Auch wurde mit einem Maschinengewehr auf das Auto gefeuert. Der Botschafter erhielt eine Verletzung am Rückgrat. Das Rückgrat ist gebrochen, jedoch ist das Rückenmark nicht zerrissen, und es ist keine Lähmung eingetreten. Ferner wird berichtet, der Botschafter sei zu schwach, um sich einer Operation zur Beseitigung der Kugel unterziehen zu können. Die Aerzte hätten eine Blutübertragung vorgenommen. Der japanische Vizeadmiral Hasegawa habe, wird weiter mitgeteilt, eine genaue Untersuchung der Angelegenheit angeordnet. Er habe den englischen Admiral Little ersucht, ihn von den Aufsehen und Besorgnis in London über die Verwundung des britischen China-Botschafters London, 26. Aug. Die Verwundung des britischen Botschafters in China hat in London großes Aufsehen erregt. Sämtliche Zeitungen berichten in größtem Ausmaße über den Vorfall. Die Extraausgaben fanden reißenden Absatz. Die Berichte aus Schanghai, wonach die Japaner dem britischen Konsul ihr Bedauern wegen des Vorfalles ausgesprochen haben, werden Reuter zufolge in London amtlicherseits mit Dank verzeichnet. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, daß Großbritannien die Regierungen Japans und Chinas darauf aufmerksam gemacht habe, daß sie für jeden Schaden, der britischem Eigentum entstehe, und für jede Verletzung, die britischen Untertanen zugefügt werde, verantwortlich gemacht würden. Obwohl zugegeben werde, daß der britische Botschafter nur durch einen unglücklichen Zufall zum Gegenstand eines Angriffs geworden sei, so gebe doch die Tatsache, daß ein ziviler Kraftwagen mit Bomben beworfen worden sei, zu Befürchtungen Anlaß in Office veröffentlichte eine Erklärung, in der am es Das Forei Donnerstagabend heißt: „Die britische Regierung hat die Nachricht von der Verletzung des britischen Botschafters in Schanghai durch Schüsse mit großer Besorgnis aufgenommen. Nach den vorliegenden Nachrichten wurde der Wagen des Botschafters, der die britische Flagge führte, durch zwei japanische Flugzeuge mit einen. Maschinengewehr beschossen und mit Bomben belegt, und zwar ungefähr um 10.30 Uhr nachmittags (chinesischer Zeit). Der Botschafter wurde sehr schwer verletzt und befindet sich nunmehr in Schanghai im Krankenhause. Wie berichtet wird, sind der britische Militärattaché und der Finanzberater, die sich im gleichen Wagen befanden, unverletzt. Die britische Regierung erwartet zur Zeit weitere erforderliche Nachrichten. Sobald diese Nachrichten vorliegen, wird sie in der Lage sein, angemessene Schritte bei der japanischen Regierung zu unternehmen“. seinerseits richten. In japanischen Marinekreisen erklärt man, eine britische Flagge am Kühler des Wagens sei kein genügendes Erkennungszeichen. Außerdem sei der Wagen auf einer strategischen Straße in Kriegszeiten gefahren und habe leicht mit einem chinesischen Generalstabswagen verwechselt werden können. In einer späteren amtlichen Mitteilung heißt es, der Botschafter und seine Begleitung seien in zwei Kraftwagen gereist, die beide den Union Jack gezeigt hätten. Ohne vorherige Warnung habe ein japanisches Flugzeug die Kraftwagen mit Maschinengewehrfeuer bestrichen. Ein zweites Flugzeug habe sie bombardiert, nachdem sie angehalten hätten. Die Insassen hätten, als sie die sie verfolgenden Flugzeuge bemerkten, so schnell wie möglich die Autos verlassen und seien in Deckung gegangen. In diesem Augenblick sei einer der Bomber herabgestoßen und habe die Wagen mit MG.=Feuer bedeckt. Der englische Botschafter Sir Hughes Knatchbull=Hugesses hatte sich nicht so schnell wie die anderen in Deckung bringen können und sei daher getroffen worden. Als Militärattaché Oberst Lovat-Fraser herbeigeeilt sei, um dem Botschafter zu helfen, habe ein zweiter Bomber eine Bombe geworfen, die glücklicherweise nicht auf die Straße, sondern in ein Reisfeld gefallen sei. Durch den Luftdruck der Explosion sei Oberst Lovat=Fraser zu Boden geworfen worden und habe vorübergehend das Bewußtsein verloren. Nach den letzten Berichten aus Schanghai mußten dem verwundeten britischen Botschafter Knatchbull, der an starken Schmerzen litt, am Donnerstagabend mehrere Morphium=Einspritzungen gegeben werden. Kurz vor Mitternacht chinesischer Zeit wurde mitgeteilt, daß der Botschafter zur Zeit schlafe und sich so wohl befinde, wie man es erwarten könne. Die ärztliche Untersuchung habe gezeigt, daß der Einschuß sich an der rechten Seite unterhalb der Achselhöhle befinde und der Ausschüß an der linken Seite, ein ziemliches Stück unterhalb des Schulterblattes in der Nähe der Lunge. sich der baskische„Abgeordnete“ Lefzeola sowie der Häuptling der linksrepublikanischen Partei in Santander, Cordero. Mittwoch abend lief der englische Zerstörer „Keith“, aus Santander kommend, den Hafen von St. Jean de Luz an. An Bord befanden sich 38 aus den Gefängnissen von Santander befreite Gefangene mit ihren Wärtern, ferner die Vertreter des internationalen Roten Kreuzes sowie die englischen Konsuln von St. Jean de Luz und Santander. Die Gefangenen befinden sich im Gewahrsam der französischen Behörden. In Bayonne treffen unaufhörlich bewaffnete Bolschewisten aus Santander und aus den Küstenstrichen ein, die noch nicht von den Nationalen besetzt sind. Am Donnerstag gefangengenommene Flüchtlinge sagten aus, daß die östlich von Santander gelegenen Häfen mit Truppen bolschewistischer Brigaden angefüllt sind, die auf eine Gelegenheit warten, um sich nach Frankreich einzuschiffen. Rechtzeitig aus dem Staube gemacht! Der sogenannte„Präsident“ der sogenannten „baskischen Republik“ ist mit einer Reihe weiterer bolschewistischer Häuptlinge nach seiner Flucht aus Santander in Paris aufgetaucht. Am Donnerstagmorgen trafen nicht weniger als 25 Fischdampfer und Boote mit rund 1500 weiteren bolschewistischen Flüchtlingen— darunter etwa 600 Milizen— auf der Reede von La Pallice(La Rochelle) ein. Weitere Flüchtlingstransporte werden erwartet. Am Donnerstagmorgen trafen ferner zwei Fischkutter aus Santander in Arcachon ein. An Bord befand sich anscheinend der gesamte sogenannte„Generalstab“ der geschlagenen Bolschewistenhorden von Santander. □ 95 Außenminister hiroka bedauert Tokio, 26. Aug. Der japanische Außenminister Hirota hat sein tiefstes Bedauern über die Verwundung des britischen Botschafters Knatchbull ausgedrückt. Außenminister Hirota erklärte dabei, vorsätzliche Absicht der japanischen Flieger=sei absolut ausgeschlossen. Sie müßten in bedauerlichem Irrtum gehandelt haben, da der Botschafter die Gefahrenzone ohne vorherige Ankündigung durchfahren hätte. Die kaiserlich=iapanische Regierung sichert eingehendste Untersuchung des Unglücksfalles zu. Der Vormarsch der nationalen Truppen auf Santander (Weltbild— M.) Bisher 6000 Milizmänner zu den Nationalen übergegangen Santander, 26. Aug. Im Verlaufe des Donnerstags haben sich bolschewistische, Milizmänner den nationalen Siegern ergeben. Ihre Zahl beträgt bis jetzt über 6000. Die Menge des erbeuteten Kriegsmaterials ist vorläufig noch unübersehbar. Die Sichtung wird viele Tage in Anspruch nehmen. Unter anderem sind den nationalen Truppen 200 Lastkraftwagen und Autobusse und über 9000 Liter Benzin in die Hände gefallen. Italienischer Kreuzer geht nach Ostasien Genua. Der italienische leichte Kreuzer„Raimondo Montecuccoli“, dessen Besatzung 700 Mann beträgt, ist zur Verstärkung der in den chinesischen Gewässern liegenden Einheiten der italienischen Kriegsmarine von Genua nach dem Fernen Osten ausgelaufen. Freitag vormittag 11 Uhr Sitzung des Richteinmischungsausschusses London, 26. Aug. Der Unterausschuß des Vorsitzenden des Nichteinmischungsausschusfes ist für Freitag vormittag 11 Uhr zusammenberufen worden. Wie verlautet, wird dem Ausschuß der Bericht des Admirals van Dulm vorgelegt werden. Dieser Bericht enthält Vorschläge zur Verbesserung des Kontrollsystems. Das Hauptamt für die Nichteinmischung ist bekanntlich in der letzten Sitzung beauftragt worden, diesen Bericht zusammen mit dem Sekretär des Ausschusses, Hemming, zu verfassen. Weiter stehen Finanzfragen auf der Tagesordnung. Bisher 900 000 Besucher auf der Ausstellung„Entartete Kunst“ München, 26. Aug. Der rege Besuch der Ausstellung„Entartete Kunst“ nimmt noch ständig zu. Jeder Sonntag bringt fast immer über 50000 Besucher aus dem Reich und dem Auslande. Damit werden die Tendenzmeldungen gewisser Aussandsblätter, die die hier zur Schau gestellten Produkte jüdischer Zersetzung glauben verteidigen zu müssen, glänzend widerlegt. 900 000 Besucher haben bisher schon Gelegenheit gehabt, diese„Erzeugnisse“ einer überwundenen Kunstepoche zu besichtigen und sich ihre Meinung darüber zu bilden. Da das Interesse an der Ausstellung gerade auch im Auslande immer noch wächst, werden zweifellos noch zahlreiche ausländische Besucher Gelegenheit finden, die ausgestellten Machwerke zu vesichtigen und ihr Urteil mit den Berichterstattungen jener Blätter zu vergleichen. Isar=Hochwasser überflutet Landshut Landshut, 26. Aug. Am Mittwoch überflutete das Hochwasser der Isar das Gelände der landwirtschaftlichen Schaustellungen und eines Teiles der Gewerbeschau. Die Schausteller konnten ihre Buden, von denen die meisten bis zu einem halben Meter unter Wasser gesetzt wurden, nicht schnell genug räumen. Auch die große Wirtsbude wurde vom Hochwasser betroffen, und ebenso drang das Wasser in die Hallen 8, 4 und 5 der Ausstellung. In der Freilandschau wurden viele landwirtschaftliche Maschinen bis zu einem halben Meter von der Wasserflut überschwemmt. Damit erlebte Landshut das erste größere Hochwasser seit der bekannten folgenschweren Ueberflutung im Jahre 1899. Thüringens Lage gesund Weimar, 26. Aug. Anläßlich der Wiederkehr des fünften Jahrestages der Uebernahme der thüringischen Regierung durch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hatten der Reichsstatthalter und Gauleiter Fritz Sauckel und die Männer der thüringischen Staatsregierung zu einem Staatsakt im umgebauten ehemaligen Sitzungssaal des Landtages geladen. Ministerpräsident Marschler erstattete den Rechenschaftsbericht. Aus ihm geht hervor, daß die wirtschaftliche Lage des Landes Thüringen dank der kraftvollen Arbeit der thüringischen Staatsregierung und der freudigen Gefolgschaft des gesamten thüringischen Volkes in jeder Weise gesund ist. Jupan=maust=Weng Eefungene Bisher 4500 chinesische Gefangene Anwendung schärfster Kriegsgesetze Tientsin, 26. Aug. Zu der hier viel erörterten frage, wo eigentlich Gefangene bleiben, stritt der Sprecher des japanischen Oberkommandos Gerüchte ab, die von einer planmäßigen Erschießung der Gesangenen wissen wollen. Er bezifferte die Gesamtzahl der chinesischen Gefangenen seit dem Beginn der Operationen im Raum von Peking und Tientsin auf 4500. Darunter befinden sich 1500 Pauantui, eine Art chinesischer Sicherheitspolizei, die nach Entwaffnung und Abgabe ihrer Uniformen angeblich alle mit Verpflegungsgeld in ihre Heimat entlassen worden seien. Die derzeitige Kampfart schließe jedoch die Einbriugung von Gefangenen aus, da der Gegner in kritischen Augenblicken anzöge und in unübersichtlichem Gelände einen Guerilla=Krieg begänne, den jedoch Japan im Interesse eines kurzen raschen Krieges nicht wolle. Infolgedessen sei die Anwendung schärfster japanischer Kriegsgesetze erforderlich. Eine Meldung über die Lage besagt, daß die bei Tsinghai an der Tientsin—Pukau=Bahn vorgegangene chinesische 26. Brigade an Verlusten 300 Tote und 1000 Verwundete aufzuweisen habe. Die Chinesen seien in südwestlicher Richtung zurückgeschlagen worden. Die japanischen Verluste hätten an Toten sieben Offiziere und 15 Mann sowie an Verwundeten 70 Mann betragen. An der Front von Kalgan gibt es nichts Neues. Die Stadt selbst ist von Japanern eingeschlossen. Die Lage in Tsingtau ist noch ungeklärt, da die dortigen chinesischen Behörden sich sehr schlecht chinesischen militärischen Kreisen gegenüber zur Wehr setzen können. die Zusammenstöße mit japanischen Truppen provozieren wollen. Wie Meldungen von der japanischen Front besagen, hätten die japanischen Aktionen Fortschritte gemacht. Die japanischen Truppen seien an der Nordfront am Rankau=Paß an der Großen Mauer vorgestoßen, und zwar in Richtung auf die Stadt Huailai, deren Einnahme bevorstehe. Südwestlich von Kalgan hätten sie die Eisenbahnlinie überschritten, so daß der Verkehr der Suiyuan —Nankau=Bahn unterbrochen sei. Die chinestschen Truppen würden auf Grund dieser beiden Bewegungen in südwestlicher Richtung nach Schanst abgedrängt. Die Front von Schanghai wurde durch weitere Landungen von Armeetruppen nördlich außerhalb der internationalen Niederlassung ausgedehnt. Um Waffenlieferungen an China Schanghai, 26. Aug. Der Sprecher der japanischen Botschaft gibt in einer Mitteilung der Hoffnung Ausdruck, daß die ausländischen Mächte davon Abstand nehmen, während der chinesischjapanischen Feindseligkeiten Waffen an China zu liefern. Die Aeußerung erfolgte im Zusammenhang mit der Erklärung, daß die jahanische Blockade nur gegen chinesische Schiffe gerichtet sei. Einstweilen seien Schritte gegen ausländische Schiffe nicht geplant. Engländer verlassen Schanghal London, 26. Aug. Wie hier bekannt wird, sind bisher insgesamt 3500 Frauen und Kinder britischer Staatsangehörigkeit aus der internationalen Niederlassung in Schanghai abtrausportiert worden. Damit sei die Zahl der Personen britischer Staatsangehörigkeit, die Schanghai zu verlassen beabsichtigen, voraussichtlich erschöpft. Es sei nicht zu erwarten, daß noch mehr Engländer Schanghai verlassen werden. Englische Eergen un Schunghut Baldige Einberufung des englischen Kabinetts London, 26. Aug. Die Londoner Morgenblätter betonen, daß bei den Beratungen Chamberlains mit Eden und Lord Halifax über die Lage im Fernen Osten und die Schiffzwischenfälle im Mittelmeer keine neuen Beschlüsse gefaßt worden find.,.. ere u Der diplomatische Korresponoent der„Times“ erklärt, daß man in London die Lage in China jeden Tag ernster betrachte. Die Aussicht auf eine friedliche Bereinigung schwinde stündlich mehr. In britischen Regierungskreisen, in den Londoner politischen und Londoner Finanzkreisen habe man die stärksten Befürchtungen. Zum Schutz der britischen Handelsschiffahrt im Mittelmeer, so berichtet der Korrespondent weiter, würden mindestens eine Zerstörerflottille und zwei Kriegsschiffe im Mittelmeer belassen werden. Es würden also von nun ab wenigstens elf Kriegsschiffe im Mittelmeer bereit stehen, ganz abgesehen von den sich auf der Durchfahrt befindlichen britischen Kriegsschiffen. Auch„Daily Telegraph“ meint, daß die Gefahren für die internationale Niederlassung in Schanghai gestiegen seien. Der Kommandierende der britischen Truppen in Schanghai habe jetzt Artillerie aus Hongkong eingesetzt. Kommunisten nn Vorgehen Polens gegen die Streikhetzer in Galizien Warschan, 26. Aug. Eine Verlautbarung der Polnischen Telegraphen=Agentur beschäftigt sich mit dem Lebensmittel=Lieferstreik der bäuerlichen Volkspartei, der am 16. August ausbrach. Die Behörden seien bereits seit den ersten Augusttagen davon unterrichtet gewesen, daß eine Gruppe der bäuerlichen Volkspartei anläßlich des Jahrestages des Sieges über die Bolschewisten an der Weichsel am 19. August einen politischen Bauernstreik ausrufen wollte. Der Streik habe für zehn Tage die wirtschaftlichen Beziehungen jgen erzielt werden sollten. Verbrecherische Elemente hätten sich breitgemacht. Die Kommunisten wollten die durch den Streik entstandene Lage zur Verteilung von Hetzschriften ausnutzen. Die Leitung des Streiks sei denen, die ihn angezettelt hätten, aus den Händen geglitten. Die örtlichen Parteistellen seien machtlos geworden. Für die Streikforderungen seien Aufrufe charakteristisch, die über die Grenze nach Polen gebracht worden seien. In ihnen sei davon die Rede, daß „Morning Post“ schreibt, bei der gestrigen Ministerbesprechung seien lediglich die bereits getroffenen Maßnahmen bestätigt worden. Man sei übereingekommen, die Zusammenarbeit zwischen England und den Vereinigten Staaten fortzusetzen. Außenminister Eden habe jetzt die Leitung des Außenamtes wieder übernommen. Er werde zwar Ende der Woche noch einmal aufs Land gehen, aber schon Anfang der nächsten Woche nach London zurückkehren. „Daily Expreß" berichtet, daß man mit einer baldigen Einberufung des englischen Kabinetts rechnen könne. Es soll energische Maßnahmen zum Schutze der britischen Belange im Fernen Osten gutheißen. Im wesentlichen werde es sich darum handeln, sowohl Verstärkungen an Land= als auch an Seestreitkräften nach Schanghai zu entsenden und gleichzeitig die Zivilbevölkerung aufzufordern, soweit das nur eben möglich sei, die Gefahrenzone zu räumen. Zu dem Inhalt von Ministerpräsident Chamber= lains Besprechung verlautet noch, daß man zu dem Schluß gekommen sei, mit allen Mitteln britisches Leben und Eigentum in Schanghai zu chützen. Die britische Regierung ziehe keinerlei Räumung in Betracht und werde ihre Bemühungen fortsetzen, Schanghai aus der Zone der Kampfhandlungen auszuschalten. Zugleich wird daran erinnert, daß die chinesische und die japanische Regierung darauf aufmerksam gemacht worden sind, daß die britische Regierung sich vorbehält, die beiden Regierungen für jeglichen Schaden oder Verlust britischer Rechte und britischen Eigentums verantwortlich zu machen. Englischer Protest an Franco London, 26. Aug. Die britische Regierung hat gegen den Bombenabwurf auf den britischen Dampfer„Naomi Julia“ vom 23. d. M. Protest bei den Behörden in Salamanca eingelegt. Es wird, wie verlautet, gleichzeitig mitgeteilt, daß die Regierung sich nunmehr genötigt sehe, alle erforderlichen Gegenmaßnahmen zu treffen, falls solche erforderlich würden. Wie erinnerlich, war seinerzeit sofort nach dem Zwischenfall, bei dem der britische Dampfer in der Höhe von Ajaccio mit Bomben belegt worden war, von nationalspanischer Seite aus Salamanea erklärt worden, daß es sich unmöglich um nationalspanische Flugzeuge gehandelt haben könne, daß vielmehr die bolschewistischen Zwischenfall=Zentralen, die in Murcia und Cartagena gelegen sind, die Provokation unternommen haben. Diese bolschewistischen Zwischenfall=Zentralen, die nach sicher belegten Aussagen gefangener sowjetrussischer Flieger über Flugzeuge nationalspanischen Erkennungszeichen verfügen, haben bekanntlich den Zweck, Spannungen zwischen der nationalspanischen Regierung und anderen Mächten hervorzurufen. Ein Transportschiff gestrandet Die bolschewistische Flüchtlings=Jnvasion in Frankreich St. Jean de Luz, 26. Aug. Im Laufe des Donnerstags sind im Hafen von Bayonne 25 Schaluppen mit bolschewistischen Flüchtlingen aus Santander eingetroffen. An Bord befanden sich außer einer Besatzung von 400 Mann 500 bis 600 Milizangehörige, zum Teil leicht verwundet, und 900 Frauen und Kinder und kampfunfähige Männer. Da die Zahl der Flüchtlinge aus Nordspanien in den letzten Tagen in beängstigendem Umfange gestiegen ist und erst Platz für die Unterbringung geschaffen werden muß, haben die französischen Behörden noch keine Erlaubnis zum Verlassen der Schiffe; gegeben. In der Nacht zum Donnerstag strandete infolge des starken Seeganges bei La CanauOcéan(Gironde) ein aus Santander kommendes, mit 487 Flüchtlingen besetztes Schiff. Personen kamen jedoch nicht zu Schaden. zwischen Stadt und Land lahmlegen sollen. Für verwirklicht werden könne. Mit dieser Andeutung den Streikfall seien in den Wotwodschaften Lem sou offenogr.... Aungs. en I. Em; berg und Krakau Lebensmittelvorräte vereit stellt worden. Einen ernsteren Charakter habe die Streikbewegung im westlichen Teil der Wotwodschaft Lemberg, in einem Teil der Woiwodschaft Krakau sowie in zwei Kreisen der Woiwodschaft Tarnopol erhalten. Schon in den ersten Streiktagen habe sich die Demonstration durch Hetze verschiedener örtlicher Stellen der bäuerlichen Volkspartei in Sabotage und Gewalt tätigkeiten verwandett. Gewaltsam sei die ruhige Bevölkerung gehindert worden, in die Stadt zu gelangen. Lebensmittelsendungen seien auf dem Wege zur Stadt angehalten und der Verkehr auf den Chausseen gewaltsam gestört worden. In der Verlautbarung wird weiter gesagt, daß Stoßtrupps der bäuerlichen Volkspartei, die mit verbrecherischen Elementen durchsetzt sind, in einzelnen Ortschaften wie Dynow, im Kreise Erzozew, Jaroslau, Bechnia und Limanowa mit Gewalt die Durchführung der Anordnungen der Behörden zu verhindern versuchten. Gegen diesen Terror sei energisch vorgegangen worden, so daß die Ruhe überall wiederhergestellt sei. Die für die Ausschreitungen Verantwortlichen werde die ganze Strenge des Gesetzes treffen. Alle neuen Aufwiegelungsversuche würden unterdrückt werden. Eine Reihe von Blättern, die der Regierung nahestehen, beschäftigt sich heute auch in Leitaufsätzen mit den Ausschreitungen. Das Militärblatt„Zbroina“ weist darauf hin, daß durch den Streik lediglich politische Forderunder Sieg ausschließlich unter der Parteiführung verwirklicht werden könne. Mit dieser Andeutung jeu offenvar zum Ausdruck gebracht werden, daß der Hauptdrahtzieher des Streits der als Emigrant in der Tschechoslowakei lebende Parteileiter Witos ist. Zusammenstöße in Mombassa 11 Araber in Britisch-Ostafrika getötet London, 26. Aug. In Mombassa in BritischOstafrika ist es am Donnerstag zu schweren Unruhen gekommen. Im Verlauf blutiger ZusamBlutige Zusammenstöße in Sansibar London, 26. Aug. Wie„Daily Telegraph“ aus Sansibar meldet, ist es zwischen araoischen und indischen Stämmen in Majengo zu schweren Zwischenfällen gekommen. Die Eingeborenen lieferten sich eine regelrechte Schlacht. Als Waffen benutzten sie kurze Schwerter, Messer und Wurfkeulen. Ein Eingeborener wurde getötet, sieben andere wurden schwer verwundet. Die Lage ist besonders ernst in Aubetracht der Tatsache, daß zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung fast keine Polizei zur Verfügung steht. Sämtliche arabischen und indischen Läden sind geschlossen. Nach den letzten Meldungen sind Abteilungen der britischen Küstenverteidigung zur Wiederherstellung der Ordnung unterwegs. „Diebstahl für uns Kommumisten nichts Ehrenrühriges! Wien, 25. Aug. Nach einer abenteuerlichen Jagd ist es der Polizei der niederösterreichischen Stadt Krems an der Donau gelungen, zwei kommunistische Schwerverbrecher gefangen zu nehmen. Beide Marxisten— spanische Staatsangehörige— kamen von den bolschewistischen Milizen in Spanien und hatten sich nach Oesterreich durchgeschlagen, um hier von Diebstahl, Einbrüchen und Bettelei zu leben. U. a. hatten sie alle Badekabinen, die in den Kremser Donauauen aufgestellt sind, erbrochen und beraubt. Bei ihrer Festnahme erklärten die beiden entsprechend der menstöße zwischen Arabern und der Polizei wur= in Sowjetspanien verkündeten Gesetzlichkeit der den elf Araber getötet. Zwei Polizeioffiziere dort üblichen Schandtaten, daß für sie als Kombefanden sich im Kampf mit Arabern, die sich mit Schwertern und Steinen ausgerüstet hatten. Von Kenia sind polizeiliche Verstärkungen telegraphisch angefordert worden. Die Behörden haben die Bevölkerung vor den ernsten Folgen weiterer Unruhen gewarnt. Munige Gallung der Beutschen Reibungsloser Abtransport unserer Landsleute aus Schaughal Schanghai, 26. Aug. Der Abtransport von einigen hundert Deutschen und Deutschstämmigen aus Schanghai mit dem Dampfer„Gneisenau" verlief dank der vom Generalkonsulat, der Ortsparteileitung und der Gemeindeverwaltung der internationalen Niederlassung getroffenen Vorbereitungen reibungslos. Hervorragenden Anteil an der glatten Abwicklung des Abtransportes, hatten auch die SA. und das RSKK, die ungeachtet der großen Hitze für das Sammeln der Flüchtlinge und ihres Gepäcks in vorbildlicher Weise sorgten und überall selbst Hand anlegten, weil chinesische Kulis nicht zur Verfügung standen. Die Flüchtlinge wurden zuerst auf kleinere Schiffe gebracht, die ohne Zwischenfall sämtliche Fahrgäste— insgesamt etwa 650— durch die Feuerlinie auf dem Huangpu=Fluß zum Dampfer „Eneisenau“ leiteten, der auf der Außenreede von Wusung lag. Die Stimmung der Abreisenden war ruhig und zuversichtlich. Es gab keine Tränenizenen und kein Gedränge. Hervorzuheben ist das vom Parteigenossen Gröder glänzend geleitete Hilfswerk des RSRK., das während der schweren Zeit ganz hervorragend arbeitete. Das RSRK. begab sich, unbekümmert um alle Gefahren, ins Kampfgebiet, um deutsche Volksgenossen und deutsche Werte aus der TungchinUniversität und aus den bedrängten Hongkin= und Jangtsepu=Vierteln herauszuholen. Die Mitglieder des RSKK. führten ihre Bergungsarbeiten in brennenden Straßen und ohne Rücksicht auf die Gefahren, die von Luftbomben Dachschützen und Granaten drohten, durch. Ihre Leistungen werden ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Kolonie bleiben. Die zurückgebliebenen Deutschen nehmen an dem in der internationalen Niederlassung organisierten Sicherheitsdienst teil. Ihre Stimmung ist ruhig, wenn sie auch geschäftliche Sorgen um den Wiederaufbau ihrer Existenz haben. Doch herrscht unter ihnen die Neigung, auf ihrem Posten auszuharren. Infolge der Jahreszeit befinden sich viele Frauen und Kinder in Badeorten außerhalb der Gefahrenzone. Ein Großteil der Hitler=Jugend der deutschen Kolonie ist derzeit in Tsingtau in einem Jugendlager untergebracht. Das Befinden der verwundeten Deutschen Jakoby und Uhrens ist gut. munisten der Diebstahl nichts Ehrenrühriges seiVerdorbener 40 Personen an Vergiftungverscheinungen erkrantt London, 26. Aug. In dem Londoner Stadtteil Kings Croß erkrankten am Mittwoch nicht weniger als 40 Personen an Lebensmittelvergiftung. Ein Greis starb an den Folgen der Vergiftung. Mehrere Personen sind in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Ursache der Epidemie ist noch nicht geklärt. Man nimmt jedoch an, daß die Vergife tungen auf den Genuß von verdorbenem Schinken zurückzuführen sind. Waldbrände in Sowjetrußland Reval, 26. Aug. Die in Deutschland unbekannte Sorglosigkeit und Fahrlässigkeit gegenüber dem kostbaren nationalen Besitz des Waldes führt in der Sowjetunion alljährlich zu riesigen Verlusten an Waldbestand durch Feuer. sende, die Dienstag aus der Sowjetunion in Reval eintrafen, berichteten wieder von weit ausgedehnten Waldbränden in der Gegend des in den Finnischen Meerbusen mündenden Flusses Luga. Die von den Bränden herrührenden Rauchschwaden sind vom Winde bis nach Estland getrieben worden. Im estnischen Grenzgebiet sollen sie am Dienstag so dicht gewesen sein, das die Sonne von ihnen verdunkelt wurde und nut als rote schwache Scheibe zu sehen war. Schwerter Zeituung Heimatblatt Ferienende Die Reisezeit geht jetzt— wenigstens beim großen Zuge— zu Ende. Nur die, die etwas Besonderes haben wollen, beginnen vielleicht nun erst, ihre verspäteten Schritte den Bergen zulenken. Im allgemeinen steigen die Ausftügler wieder von den Bergen herab, nachdem auch die Sonne schon längst den Berg überesiten bei. Die Reise und der Sommeraufenryatt haben sicher viel Gutes für Körper, Geist und Gemüt; eins von dem Guten ist aber auch, daß sie die Sehnsucht nach dem traulichen Heim wieder erwecken. Bei dem Hinauswandern liegt der Reiz in dem Neuen und Fremden, allein ihnen hängt der Beigeschmack des Fernen, Kalten an. Dieser Reiz kommt aber dem Zauber nicht gleich, den der Gruß der Heimat und der heimatlichen Wohnung in sich birgt. Dort alles kalt und fremd, hier alles bis aufs Kleinste wohlbekannt und vertraut, gleichsam mit einem selbst verwachsen und zur eignen Person gehörig. Erst war es ein Abschied ohne Empfangsgruß, jetzt ist es für gewöhnlich kein besonderer Abschied mit dem schönsten und wahrsten Empfangsgruß. Die Heimat, die heimatliche Wohnung und meist auch die lieben Angehörigen grüßen mit der aufrichtigsten Freude. Man kehrt wieder an seinen Platz zurück. Die Menschen sind nun einmal wie das Wetter. Nachdem sie hinausgewollt, wollen sie wieder nach Hause. Der hat nicht den schlechtesten Teil von der Reise gehabt, bei dem sie das bewirkt, daß er die Heimat nur um so höher hat schätzen gelernt Vom Wetter Freundlich. Die in der Höhe aus nördlicher Richtung eingedrungenen kühleren Luftmassen haben im Laufe des heutigen Nachmittags in ganz Deutschland Gewittertätigkeit ausgelöst. Sie werden auch morgen noch die Witterung leicht gewittrig gestalten. Bei der im großen und ganzen beständigen Hochdruckwetterlage wird in der Folgezeit im ganzen Vorhersagebezirk sonniges Wetter herrschen. Aussichten für das Industrie= gebiet, Münster= und Sauerland für Sonnabend, den 28. August: Winde aus vorwiegend östlichen Richtungen, leicht dunstig in der Frühe, dann heiter, vorwiegend trocken und warm. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Keine Aenderung. Heute Abschieds=Abend der Schwerter Hitler=Urlauber. Die Bevölkerung wird noch einmal auf den öffentlichen Kameradschafts= und Abschiedsabend hingewiesen, der heute abend um 8 Uhr im Saale des„Westfälischen Hofes“ für die Kameraden der Hitler=Urlauber=Kameradschaft Schwerte und Umgebung stattfindet. Der Musiktrupp des Sturmbannes IV/259 wird konzertieren und zum frohen Tanz für alt und jung aufspielen. Auch sonst ist für Unterhaltung und Humor gesorgt. Außer den Gastgebern der Urlauber, den SA.=Kameraden aus Schwerte ist auch die Bevölkerung herzlich zu diesem Abschiedsabend eingeladen. Auch für die Gäste ist der Eintritt frei! X Englische Gäste in Schwerte. Gestern nachmittag weilten in Begleitung mehrerer Mitglieder der Reichsbahndirektion Wuppertal einige englische Eisenbahner im hiesigen Bahnhof, um eine neuartige sogen. drahtlose Signalanlage zu besichtigen. Diese Anlage ist hier schon längere Zeit mit bestem Erfolge im Betrieb. Die Gäste nahmen die ganze Anlage mit größtem Interesse in Augenschein und sprachen sich höchst lobend über das Gesehene aus. - Die Umgestaltungsarbeiten des Westwalls haben bereits ihren Anfang genommen. Am Homel'schen Grundstück, wo bisher ein alter Lattenzaun stand, wird vom Homel'schen Hause aus bis zur Hagener Straße eine geschmackvolle Mauer errichtet. Außerdem wird vom Wilhelmsplatz bis zur Hagener Straße ein Bürgersteig hergestellt. Die großen Bordsteine liegen bereits an Ort und Stelle. Der Westwall selbst erhält einen festen Damm und wird dann die Hauptverkehrsstraße für den Verkehr nach Hagen bilden. Der von Hagen kommende Verkeht wird durch die Hagener Straße am Eckey'schen Grundstück vorbei, wo später noch die Mauer zurückgesetzt werden wird, geleitet. X Armbruch. Beim fröhlichen Spiel kam gestern vormittag der achtjährige Schüler Heinr. W. aus der Beckestraße auf dem Westwall so unglücklich zu Fall, daß er sich einen Bruch des linken Unterarmes zuzog. * Wir weisen auf die Groß=Veranstaltung „Frohes Volk— wehrhaftes Volk“ der Deutschen Arbeitsfront, NSG.„Kraft durch Freude“ in der Kampfbahn„Rote Erde“ in Dortmund, am 28. August, 20 Uhr, hin. An dieser Veranstaltung wird der Reichsorganisationsleiter Pg. Dr. Nobert Ley teilnehmen. Aus dem Programm nennen wir: Marschlied der Werkscharen, sportliches Treiben, 400 bunte Trachten wirbeln im Tanz, Ballett des Stadttheaters Dortmund. Das Flakregiment 4 DortFreitag, 27. August 1937 Nr. 200(Zweites Blatt) mund führt Geschützübungen, ScheinwerferExerzieren und einen Aufmarsch mit Fackeln vor. Anschließend hieran großer Zapfenstreich und Groß=Feuerwerk. Eintrittspreis 20 Pfg. und Tribünenkarte 50 Pfg. * Zusammenschluß der ehem. 118er! Nachdem sich in vielen anderen Gauen und Städten die Angehörigen des ehem. Infanterie=Regiments 118 zu Bezirks= und Ortsgruppen zusammengeschlossen haben, wird nun auch versucht, im Ruhrgebiet die Kameraden zu einer Gruppe zusammenzuschließen. Eine Vorbesprechung zur Gründung der Bezirksgruppe„Ruhrgebiet“ fand jetzt in Herne statt, wozu sich zahlreiche Kameraden aus Bochum, Castrop, Dortmund, Herne, Wanne=Eickel, Witten und anderen Städten eingefunden hatten. Es wurde beschlossen, in allen Städten des Industriegebiets Vertrauensmänner einzusetzen, die die Gründung von Ortsgruppen vorbereiten sollen. Die Gründung der Bezirksgruppe„Ruhrgebiet", deren Sitz in Herne sein soll, wird am ersten Sonntag im September stattfinden. + Sonderpostkarte der Ausstellung„Sammeln am Feierabend". Für die vom 3. bis 5. September 1937 in den Ausstellungshallen am Zoo in Berlin stattfindende Ausstellung„Sammeln am Feierabend“ läßt die Deutsche Sammlergemeinschaft der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ eine Postkarte herstellen, die in der Reichsdruckerei mit dem Wertstempel der 5 Rpf.=Luftpostmarke bedruckt wird. Die Postkarte, auf deren linker Hälfte der Anschriftseite sich eine Abbildung befindet, wird außer in der Ausstellung— in der Zeit vom 1. bis 10. September auch bei größeren Postämtern verkauft. Der Unterschiedsbetrag zwischen dem Verkaufspreis von 20 Rpf. und dem Wertstempel soll der Deutschen Sammler= Gemeinschaft zufließen. Schriftliche Bestellungen können auch an die Versandstelle für Sammlermarken in Berlin W 30 gerichtet werden. Hier werden die Postkarten bis Ende September vorrätig gehalten und zu den üblichen Bedingungen abgegeben. Mitteilung der Kreisbauernschaft Ehrungsanträge für landwirtschaftliche Gefolgschaftsmitglieder. Schwerte, 27. Aug. Die Landesbauernschaft Westfalen, Unterabt. 1 B 2, Arbeitsgebiet Arnsberg=Iserlohn, teilt mitt Die Unterabteilung 1 B 2 der Kreisbauernschaft Arnsberg gibt bekannt, daß auch in diesem Jahre, am Erntedanktag, eine Ehrung von landwirtschaftlichen Gefolgschaftsmitgliedern erfolgen soll. Eine Ehrung für langjährige treue Dienste wird jedem deutschen Volksgenossen und jeder Volksgenossin zuteil, sobald nachstehende Voraussetzungen für die Verleihung einer Auszeichnung gegeben sind: a) ununterbrochene Dienstzeit auf einem Hofe oder in demselben Betriebe bezw. bei ein und demselben Hof= und Betriebsführer; b) Zuverlässigkeit und unbedingte Treue zum Bauerntum. Die durch die Landesbauernschaft verliehenen Auszeichnungen werden jeweils am Erntedanktag den Gefolgschaftsmitgliedern überreicht. Als Auszeichnungen für die jeweils entsprechende Beschäftigungsdauer werden Ehrenurkunden verliehen und zwar für männliche Gefolgschaftsmitglieder: nach 10jähr. Dienstzeit eine kleine Ehrenurkunde 25jähr.„„ große„ „ 40jähr.„„ große„ „ 50jähr.„„ große„ für weibliche Gefolgschaftsmitglieder: nach 5jähr. Dienstzeit eine kleine Ehrenurkunde „ 10jähr.„„ kleine„ „ 25jähr.„" große „ 40jähr.„„ große „ 50jähr.„„ große„ Anträge auf Auszeichnung durch die Landesbauernschaft müssen bis zum 30. August 1937 bei der Kreisbauernschaft Arnsberg, Unterabteilung 1 B 2, schriftlich eingereicht werden. K##S. Auiél mil: Von 8 bis 8 durchs westliche Sauerland Um denjenigen Volksgenossen, welche in diesem Sommer keine Zeit zu einer Urlaubsreise hatten, doch noch wenigstens eine schöne Sauerlandfahrt zu vermitteln, steigt am Sonntag, dem 5. September 1937, eine Omnibusfahrt ins westliche Sauerland. Abfahrt 8 Uhr vormittags vom Neuen Rathaus, Rückkehr 8 Uhr abends. Mundvorrat kann mitgenommen werden. Frühstücks= und Kaffeepause werden eingelegt. Mittagessen an der Listertalsperre.(Anmeldung hierzu bei Beginn der Fahrt.) Für rüstige Fahrtteilnehmer werden Wanderungen eingelegt, während die übrigen sich in beschaulicher Ruhe erholen können. Eine ähnliche Fahrt hat vor 2 Jahren stattgefunden. Die damaligen Teilnehmer wünschten eine Wiederholung. Die Fahrt ist erfahrungsgemäß eingeteilt und geht mit guten Wetteraussichten durch landschaftlich schöne Gebiete unserer Heimat. Anmeldefrist bis Donnerstag, den 2. September, abends, im Büro der DAF., Tel. 2107 oder 2919(A. Meyer). Der Fahrpreis beträgt pro Person 3.— RM. Amt Westhofen Westhofen, 26. Aug. Denkt an die Gemüsespende für die NSV.!— Laßt nichts verderben! In der jetzigen Zeit des Gemüsereichtums wird es manchmal vorkommen, daß die Hausfrau Gemüse im Ueberfluß hat. Auch die Kleingärten liefern stellenweise recht viel. Die Sicherung unserer Ernährung für die lange Winterzeit gebietet uns jetzt besonders, nichts umkommen zu lassen. Die Dienststelle der NS.=Volkswohlfahrt am Kirchplatz hält eine größere Menge Büchsen zum Einkochen vorrätig. Ein jeder, der dazu in der Lage ist, bringe eine Gemüsespende oder hole sich selbst Büchsen zum Einkochen, damit im Winter kranken und bedürftigen Volksgenossen geholfen werden kann. Westhofen, 27. Aug. Zugehörigkeit zum Gewerbeaufsichtsamt. Um Zweifel über die Zuständigkeit in Gewerbeangelegenheiten auszuschalten, wird darauf hingewiesen, daß der Bezirk des Amtes Westhofen seit der Auflösung des Gewerbeaufsichtsamtes in Iserlohn zum Preußischen Gewerbeaufsichtsamt in Hagen. Litzmannstraße 2, gehört. Westhofen, 27. Aug. 10 Jahre Gemeindehaus. Auf ein zehnjähriges Bestehen des Gemeindehauses in Westhofen kann die Gemeinde in diesen Tagen zurückblicken. Die Einweihung wurde s. Zt. von dem Generalsuperintendenten D. Zoellner vorgenommen, der kürzlich in Düsseldorf im Alter von 77 Jahren gestorben ist.— Für Anfang Oktober wird von dem Westhofener Kirchenchor ein Konzert im Gemeindehaus vorbereitet, an dem hervorragende Solisten aus Essen und Hagen mitwirken werden. Westhofen, 27. Aug. Achtet auf Schornsteinschäden: besonders bei Erntevorräten! In der jetzigen Zeit, wo die Dachböden mit Erntevorraten wieder dicht gefüllt werden, seien alle Bauern und Landwirte darauf hingewiesen, auf schadhafte Stellen an den Schornsteinen und elektrischen Leitungen besonders zu achten. Auch eine zu dichte Lagerung an den Schornsteinen ist zu vermeiden. Wer von Nichtbeachtung von Schäden einen Brand entstehen läßt, wird neben dem erlittenen Schaden noch wegen fahrlässiger Brandstiftung zur Verantwortung gezogen. Erst vor wenigen Tagen ist auf dem Hochsten ein Stallanbau mit Erntevorräten in Brand geraten. Auch hier soll das Feuer durch einen fehlerhaften Kamin entstanden sein. Westhofen, 27. Aug. Immer noch zahlreiche Unfälle. In der Zeit vom 10. bis 25. August sind bei der Ortspolizeibehörde insgesamt 16 Unfälle zur Anzeige gekommen, bei denen ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Angesichts der Schadenverhütungsmaßnahmen und der taglichen Warnungen an die Verkehrsteilnehmer erscheint die Unfallziffer viel zu hoch. Es entfallen davon auf industrielle Betriebe fünf. auf gewerbliche Betriebe drei und auf landwirtschaftliche Betriebe zwei Unfälle. Die übrigen sechs sind Verkehrsunfälle.— Ferner kamen zur Anzeige: Zwei Einsteigediebstahle, drei sonstige Diebstähle, in drei Fällen fahrlässige Korperverletzung, in zwei Fällen ein Fall fahrlässige Brandstiftung, Erregung öffentlichen Aergernisses und Fischereivergehen und zwei Fundanzeigen. Holzen, 27. Aug. 30 Jahre Turn= und Spielverein In diesen Tagen kann der dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen angehörende Turn= und Spielverein 07 Holzen auf ein 30jähriges Bestehen zurückblicken. Anfang September soll dieses Jubiläum durch Spiele auf dem Sportplatz und durch eine Feier mit turnerischen Darbietungen im Vereinsheim begangen werden. Bernd Rosemeyer dei=Bohenshourd Treien=Kennel. Das Craining auf der Rennstrecke hat gestern begonnen. RSG. Schwerte, 27. Aug. Wie soeben bekannt gegeben wird, wird Bernd Rosemeyer am Nachmittag des 28. August in Dortmund eintreffen, um am Sonntag beim Hohensyburg=Dreieck=Rennen, dem westfälischen Motorrenn=Ereignis des Jahres 1937, anwesend zu sein. Bernd Rosemeyer, der schon in den Jahren 1931 und 1932 bei Hohensyburg=Rennen auf dem Kraftrad die ersten motorsportlichen Erfolge erkämpfen konnte, wird am Sonntag nicht nur Gelegenheit nehmen, die Motorsportfreunde aus Rheinland und Westfalen zu begrüßen, sondern er wird vor allem auf dem schnellen Grand=Prix=Rennwagen der Auto=Union, der bereits in Chemnitz nach Westfalen verladen wurde, mehrere Runden fahren. Das Interesse, das selbst die Großen des Rennsports dem Hohensyburg=Dreieck=Rennen entgegen bringen, zeigt eindeutig, welche Bedeutung dieser Großveranstaltung zukommt, die immer mehr über den Rahmen einer rein westfälischen Angelegenheit hinauswächst. Wenn nun Bernd Rosemeyer am Sonntag seinen Grand=Prix=Rennwagen besteigen wird, dann wird ihm der Jubel der Hunderttausend entgegenschlagen, der dem sympathischen Fahrer und dem Helden am Steuer gilt, der bei den großen deutschen und ausländischen und vor wenigen Wochen noch bei dem großen amerikanischen Rennen mit einem sportlichen Wagemut und Elan sondergleichen Siege über Siege an die deutschen Fahnen heftete. * Trainingszeiten zum Hohensyburg=Dreieck=Rennen. RSG. Auf der Rennstrecke bei WesthofenGarenfeld und beim Gasthof Schürmann an der Ruhrbrücke herrscht bereits seit gestern reges Amt Leben und Treiben. Die Fahrer haben ihr Training ausgenommen und es wurden bereits außerordentlich gute Durchschnittsgeschwindigkeiten und Rundendurchschnitte erzielt. Nach den bisherigen Beobachtungen dürfte am Sonntag mit einem außerordentlich harten Rennkampf zu rechnen sein, sodaß die Zuschauer voll und ganz zufrieden gestellt werden. Das Interesse für die diesjährigen Hohensyburg=Dreieck=Rennen ist zudem ungewöhnlich groß, sodaß die Rennveranstaltung der Motorbrigade Westfalen zum westdeutschen Ereignis werden wird. Mit besonderer Spannung wird die Aukunft Bernd Rosemeyers erwartet, dem ein begeisterter Empfang zuteil werden wird. Das offizielle Training findet nunmehr noch zu folgenden Zeiten statt: Freitag, den 27. August, 15—19,30 Uhr; Sonnabend, den 28. August, 14—19,30 Uhr. * Das Programmheft zum HohensyburgDreieck=Rennen ist erschienen. RSG. Das soeben erschienene Programmheft zum Hohensyburg=Dreieck=Rennen ist inhaltlich so interessant und vielseitig ausgestaltet, daß es seinen Wert auch über das Hohensyburg=Dreieck=Rennen hinaus behalten wird. Das 48 Seiten starke Heft bringt neben den Starterlisten, Zeitangaben, Streckenplan usw. interessante Berichte über das geschichtliche Werden des Hohensyburg=Rennens, über die Organisation dieser Großveranstaliung, einen Einblick in den Dienst des RSKK. und nicht zuletzt zahlreiche Bilder, die dem Heft einen bleibenden Erinnerungswert sichern werden. Der Preis von 20 Pfg. für das Programmheft ist so billig, daß die Auflage schnell vergriffen sein wird. Hennen, 27. Aug. Die Einquartierung war da. In den Ortschaften Hennen und Drüpplingsen stand der vergangene Dienstag im Zeichen der Soldaten. Von einem Infanterie=Regiment aus Herford und Bückeburg bezogen hier 2 Kompagnien Einquartierung. Die Soldaten waren voll des Lobes von ihrer freundlichen Aufnahme bei der hiesigen Bevölkerung. In der Ortschaft Drüpplinsgen fand im Lokale Vieler zum Abschluß ein Manöverball statt. Hennen, 67. Aug. Ferienkinder kamen zurück. Die Ferienkinder. die vor einigen Wochen mit einem Ferienkindertransvort zum Erholungsaufenthalt nach Magdeburg geschickt waren, trafen am gestrigen Tage gut erholt hier an. Bei den Kindern, die eine gute Aufnahme gefunden hatten, sind erhebliche Gewichtszunahmen festzustellen. Ergste, 27. Aug. Schweinezählung. Auf Anordnung des Herrn Reichs= und Preuß. Ministers für Ernährung und Landwirtschaft findet am 3. September d. J. eine Schweinezählung statt. Gleichzeitig werden die in den Monaten Juni, Juli und August 1937 geborenen Kälber festgestellt sowie die in jedem dieser 3 Monate vorgenommenen nichtbeschauten Hausschlachtungen von Kälbern. Schafen und Ziegen ermittelt.e5 Ergste, 26. Aug. Fayrraoviebstahl. Ein bei einem hiesigen Bauer beschäftigter landwirtschaftlicher Arbeiter verließ des Nachts seine Arbeitsstelle und nahm das auf der Tenne stehende unverschlossene Fahrrad mit. Der Täter ist bisher noch nicht zurückgekehrt. Die Ermittlungen sind angestellt. Berchum, 27. Aug. Genehmigung der Haushaltssatzung für 1937. Zu der für das Rechnungsjahr 1937 erlassenen Haushaltssatzung für die Gemeinde Berchum ist von dem Herrn Landrat die Genehmigung erteilt worden. Es werden hiernach folgende Steuersätze erhoben: Grundvermögenssteuer I 290 v. Grundvermögenssteuer II 260 v. H. des staatlich veranlagten Grundbetrages, Gewerbesteuer nach dem Ertrage und Kapital 220% des staatlich veranlagten Steuermeßbetrages; Bürgersteuer 500% des Reichssatzes. Der ordentliche Haushaltsplan schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 27843,92 RM. Ein außerordentlicher Haushaltsplan wurde nicht aufgestellt. Kassenkredite dürfen nicht in Anspruch genommen werden. Die Erreichung der gesetzlichen Mindestgrenzen für die Rücklagenbildung ist bald erfolgt. Das Gemeindewegenetz, das in den letzten Jahren vernachlässigt worden war, wird auch in den kommenden Jahren noch erhebliche Aufwendungen erfordern. cen Münster in Westfalen die Stadt des Tages für Denkmalspflege und Heimatschutz 1937 Münster 26. Aug. Auf dem Wege von den großen Nordseehafen zum Industriegebiet wächst noch heute die Silhoutte aus der dunstigen Weite der Flachlandschaft beraus, nicht viel anders, als der große Hollander Terborch, der Maler des westfälischen Friedenskongresses, #e 1648 auf die Leinwand brachte. In der Tat bergen wenige deutsche Großstädte in der modernen Hülle den mittelalterlichen Korn so geschlossen, offenbaren wenige die Stammesart in Sitte und Sprache noch so kräftig=reizvoll, zeigt kaum eine andere den großen schöpferischen Dreiklang von Kirche, Adel. Bürgertum verflossener Jahrhunderte so deutlich, wie die Hauptstadt Westfalens. Der spätromanische Dom(1165—1265) mit dem gewaltigen derben Mauerwerk der Westtürme und den von gotischem Raumgefühl schon seltsam durchdrungenen Innern bedeutet ebensosehr etwas schlechthin Einmaliges. Eigenwillig=westfälisches wie der„Prinzipalmarkt“ mit dem weltberühmten gotischen Rathausgiebel(1336) und den langen Reihen der alle Formen von der Gotik bis zum Klassizismus zeigenden hochgiebeligen Laubenhäuser. Ein Architekturmuseum seltenster Arti Aber nicht abgeschnürt von Blut und Boden, sondern wie vor 800 Jahren. noch heute durchpulst vom heißesten Leben der Stadt. Nirgendwo anders erfahren Straßen und Gassen eine so anmutige und farbige Belebung wie hier durch die„Adelshöfe“, die hinter kunstvoll geschmiedeten Gittern von den glanzvoll=festlichen Tagen des Barok und des Rokoko träumen. Der„Erbdrostenhof“(1757) wie auch die mächtige Anlage des ehemalig fürstbischöflichen Schlosses(1773) sind die reichsten und feinsten Meisterwerke dieses westfälischen Backsteinbaroks... g.42 61.5 Seltsame und wichtige Ereignisse ließen einst die ganze Welt beim Namen Münster aufhorchen. 1534/35 errichteten die Wiedertäufer hier mit Blut und Gewalt das„neue Königreich Sion“. Zum warnenden Exempel schauen noch heute hoch vom Lambertiturm die drei eisernen Käfige herab, in denen die Leichname der Rädelsführer nach der Hinrichtung aufgehängt wurden. Freundlichere Erinnerungen weckt der„Friedenssaal“ im Rathaus. Dem Dreißigjährigen Kriege wurde dort am 15. Mai 1648 durch den Teilfrieden zwischen Spanien und Holland ein Ende bereitet. Der Raum ist unverändert, seit die Schritte des letzten Friedensgesandten dort verhallten. Mit der mächtigen Balkendecke, dem hohen geschnitzten Getäfel, dem figurenreichen Steinkamin, den farbigen Fenstern und den langen Reihen der Bilder der Friedensgesandten ist er einer der ehrwürdigsten und stimmungsvollsten Säle Deutschlands. Aber nicht nur das wohlverwahrte Erbe einer fast tausendjährigen Kultur bietet die Stadt dem Besucher, er findet auch in ihr den Mittelpunkt des modernen geistigen Lebens der Provinz, die fruchtbare Auseinandersetzung mit den Fragen der Gegenwart. Deswegen erscheint diese Stadt wie kaum eine andere geeignet für die Aufnahme des Tages für Denkmalpflege und Heimatschutz, der vom August bis 2. September hier stattfindet. Dr. Ernst Hövel. Laßt uns wandern! 30. Wir wandern zum SGV.=Ehrenmal. Im Hain. bergan. bergunter. Da klingts aus voller Brust So lieb, so hell, so munter Von nichts als Wanderlust. Die Hönnetalbahn bringt uns über Menden durch die engen Kalkschluchten bis nach Garbeck, 265 m. Der Bahnhof liegt 15 Min. draußen. Wir gehen in das Dorf hinein bis vor die Kirche, dann links bergan und auf der Anhöhe rechts dem Walde zu. Ein weißes Dreieck ist unser Wegezeichen bis zum Giebel. Ein schöner Waldpfad bringt uns höher und höher, bis wir nach einer Stunde auf einer Senke zwischen der Hohen Sundern und dem Küntroperberg 460 m hoch stehen. Manche hübschen Ausblicke erfreuen des Wanderers Herz. ¼ Std. darauf— immer noch umgibt uns prächtiHochwald— läuft Garbecker Wanderweg auf die Hauptwanderstrecke(Hwstr.) 1 des Sauerländischen Gebirgs Vereins aus. Mit dieser ziehen wir links in ¼ Std. zum SGV.=Ehrenmal auf dem 516 m hohen Kohlberg. Das schöne Heim liegt am Westhang geschützt gegen rauhe Winde und gewährt eine ganz prachtige Fernsicht. Für den Weiterweg haben wir die Wahl, entweder auf der Hwstr. 1 oder auf der Hwstr. 17 Altena zu erreichen. Hwstr. 1 führt bis nahe dem Gipfel des Kohlberges dann langsam bis Eineiche hinab— gut 3 Min. links entspringt die Honne— und auf einem langen Kamm, dauernd mit wechselnden Fernsichten nach rechts und links wie rückwärts, über Höllenstein, 420 m, und Nettenscheid, von hier aus steil hinab an Gehöft Anschlag und dem Ehrenmal der Stadt Altena vorbei in 2½ Std. zur Burg Altena. Ihre Besichtigung sollte niemand versäumen; das reichhaltige Hemumuse auch das neue geologische Museum lohr Besuch durchaus. ¼ Std. unterhalb de eimatmuseum wie men den der. Burg liegt der Bahnhof Altena, 160 m.— Hwstr. 17 fällt vom SGV.=Ehrenmal zunächst bis Dahle, 360 ½, ziemlich steil ab, verläuft weiter über Hochfläche, fällt dann im Kirchdorf Evingsen 1 Std., bis auf 200 m, um gleich danach ziemlich kräftig wieder anzusteigen. Gehöft Rüssenberg wird nach 20 Min., Hegenscheid. mit R PM Ausblick vom SGV.=Ehrenmal. M.: S6V. 460 m Höhe, nach weiteren 15 Min. berührt. Auch hier Süden zu. hegde nach Altena, der 1 Std. erfordert. Es verlohnt sich schon, auf halbem Wege links seitwärts zu treten, um einen wenig bekannten selten schonen Blick von oben auf das tief unten gelegene Städtchen und die darüber thronende Burg Altena zu gewinnen. Blatt 2 Iserlohn der Sauerlandkarte 1:50 000 des SauerlandVerlages zu Iserlohn läßt die ganze Wanderung bestens verfolgen. Diese Wanderung von der Honne zur Lenne ist weder anstrengend noch zu lang, daher gerade für Herbsttage besonders zu empfehlen. Aufnahme in die im Gau Westfalen=Süd Beschleunigte Bearbeitung der AufnahmeAnträge.— Die ersten roten Mitgliedskarten eingegangen. NSG. Der Reichsschatzmeister, der für die Aufnahmen in die NSDAP. zuständige Reichsleiter verfügte am 20. April 1937 die Lockerung der Mitgliedersperre. Sofort setzten in der Gauleitung Westfalen=Süd die Vorarbeiten für die Aufnahmen ein. Der Gauschatzmeister, Parteigenosse Ullrich, legte nach Rücksprache mit dem stellvertretenden Gauleiter, Parteigenossen Vetter, in Verbindung mit seinen Mitarbeitern die Richtlinien für die Bearbeitung der Aufnahmeanträge durch die Ortsgruppen und Kreisleitungen fest. In mehreren Druckereien wurden die verschiedenen Formulare in Ueberstundenarbeit hergestellt und von einem größeren Einsatzstab in der Gauleitung in einem eigens zu diesem Zweck im Gaugebäude bereitgestellten Saal für die einigen 100 Ortsgruppen des Gaues verpackt, nachdem vorher schon jede Ortsgruppe eine vom Gauschatzmeister herausgegebene vorgedruckte Meldung über die aus den Gliederungen und angeschlossenen Verbänden zu erwartende Zahl von Aufnahmeanträgen ausgefüllt hatte. Schnellastwagen beförderten die Formulare von Bochum zu den Sitzen der 21 Kreisleitungen, wo wieder Kraftwagen sofort die Pakete übernahmen, um sie den Ortsgruppen zuzustellen. Von den Ortsgruppen=Geschäftsstellen und den Politischen Leitern erhielten die Volksgenossen mit einem vom Gauschatzmeister für den Gau Westfalen=Süd herausgegebenen Merkblatt für Partei=Anwärter den Aufnahmeantrag nebst Fragebogen und einer sogenannten Bestätigung, in der der jeweilige Gliederungsführer die nationalsozialistische Betätigung bescheinigt. Nachdem die Volksgenossen die Formulare ausgefüllt hatten, setzte die verantwortungsvolle Prüfung der Aufnahmeanträge durch den Ortsgruppenleiter mit seinem Stab und durch die Block= und Zellenleiter ein, denn nach des Führers Worten soll jeder Volksgenosse ein Nationalsozialist sein und nur die besten Nationalsozialisten sollen Parteigenossen werden. Das verpflichtet jeden Politischen Leiter zur genauesten Prüfung eines jeden einzelnen Aufnahmeantrages. Und so sitzen an allen Orten im Gau seit Monaten jeden Abend, des Samstags und Sonntags— alle Freizeit opfernd— die Politischen Leiter und prüfen in vollkommen ehrenamtlicher Arbeit die Aufnahmeanträge und verrichten die vielen damit verbundenen Arbeiten, von denen die Oeffentlichkeit nur sehr wenig steht. Dank der aufopfernden Arbeit aller Politischen Leiter— teilweise benutzen sie sogar ihre Ferien für die Erledigung dieser Arbeiten— schreitet im Gau Westfalen=Süd aber auch die Prüfung dieser Aufnahmeanträge so gut fort, daß seit Wochen bereits jeden Tag größere Mengen Aufnahmeanträge im Gauschatzamt einaehen. Mit dazu beigetragen hat aber auch im Gau Westfalen=Süd, daß ein Weg gefunden wurde, der allen Dienststellen, der Ortsgruppe sowohl wie dem Kreisleiter, die Prüfung der Aufnahmeanträge gestattete, ohne die Aufnahmeanträge selbst solange in Händen halten zu müssen. Der Ortsgruppenkassenleiter gibt die Mehrzahl der Aufnahmeanträge nach Prüfung durch die Ortsgruppen an den Gauschatzmeister weiter, während er dem Kreisleiter eine Liste, die sämtliche Angaben des Aufnahmeantrages enthält, zur Prüfung einreicht, um unbedingt die Gewähr zu haben, daß nur die Volksgenossen aufgenommen werden, die einer Aufnahme in die NSDAP. auch würdig sind. In der Gauleitung Westfalen=Süd in Bochum richtete der Gauschatzmeister sofort nach Erlaß der Anordnung des Reichsschatzmeisters einen größeren Einsatzstab ein, der bereits eingangs erwähnt wurde. Mit Hilfe von modernen Büromaschinen und in Ueberstundenarbeit ist die Leistung nun dahin gebracht worden, daß für die am Morgen eingehenden Aufnahmeanträge am selben Tage abends bereits den Ortsgruppen die Partei=Anwärterkarten zugehen, während gleichzeitig an die Reichsleitung die Aufnahmeanträge mit den zugehörigen Formularen abgesandt werden. Im gleichen Arbeitsgang werden auch noch 2 Karteikarten für die Gaukartei ausgestellt. Heute konnte bereits die 25 000ste Partei=Anwärter=Karte ausgefertigt werden. Gestern erhielt der Gauschatzmeister, Parteigenosse Ullrich, von der Reichsleitung in München bereits die ersten 2000 roten Mitgliedskarten, die auch schon wieder in den nächsten Tagen nach Festlegung der Mitgliedsnummern in der Gaukartei durch besonders bereitgestellte Kräfte an die Ortsgruppen weitergeleitet werden. So werden nun zukünftig jeden Tag weitere rote Mitgliedskarten von der Reichsleitung der NSDAP., die ebenfalls besondere Vorrichtungen zur schnellsten Bearbeitung der Aufnahmeanträge getroffen hat, bei der Gauleitung Westfalen=Süd eingehen, die sie unter Einsatz aller Kräfte so schnell wie möglich den Ortsgruppen zustellt, damit sie den Partei=Anwärtern gegen Rückgabe der Partei=Anwärter=Karte in einer feierlichen Veranstaltung ausgehändigt werden können. Berechtigt doch erst die rote Mitgliedskarte den Partei=Anwärter zum Tragen des Partei=Abzeichens. Volksgenossen denkt an das Winterhilfswerke NSG. Die Zeit der Obst= und Gemüseernten ist wieder da. Spende daher ein jeder von seiner Ernte für die Hilfsbedürftigen, die im kommenden Winter betreut werden müssen. Wie im Vorjahre, so liegt auch in diesem Jahr die Sammlung und das Einwecken der abgelieferten Vorräte in den Händen der NS.=Frauenschaft. An jedem Mittwoch werden die von den Familien bereitgestellten Obst= und Gemüsevorräte abgeholt. Darüber hinaus kann auch eine Ablieferung in der ehemaligen Kochschule in der Hermann=Göring=Straße erfolgen. und zwar an jedem Mittwochnachmittag. Stelle jeder seine Spende bereit, damit das Werk des Führers gelingt! Unsere Hitler=Jugend auf dem Reichsparteitag 2600 Hitler=Jungen und 250 BdM.=Mädel fahren nach Nürnberg. NSG. Am Reichsparteitag 1937 nimmt das Gebiet Westfalen der Hitler=Jugend mit insgesamt 2600 Hitler=Jungen und 250 BdM.= Mädel teil. Außerdem sind am Adolf=Hitler= Marsch des Gebietes, der sich bereits seit vier Wochen auf dem Wege befindet. 90 Jungen. die die Bannfahnen nach Nürnberg tragen. beteiligt. Das Gebiet Westfalen stellt in diesem Jahr zum ersten Mal zusammen mit den angrenzenden Niedersachsen die gesamte Lager=Polizei für das Reichszeltlager, in dem über 45000 Hitler=Jungen untergebracht sind. 400 westfalische Hitler=Jungen gehören der Lager=Polizei an. Die Teilnehmer des Gebietes Westfalen werden in 2 Sonderzügen zur Heerschau der Bewegung in die Stadt der Reichsparteitage transportiert. Die beiden Sonderzüge fahren am 9. September nach Nürnberg, und zwar ein Zug ab Hamm und der zweite ab Münster. Am aleichen Tage verläßt ein dritter Sonderzug Dortmund, der für den BdM. bestimmt ist. In diesem Zug fahren nicht nur die 250 Teilnehmerinnen des Obergaues Westfalen, sondern die Teilnehmerinnen am Reichsparteitag aus allen Obergauen des Westens. Die Rückkehr aller Züge erfolgt am 13. September in der Frühe. Auf Anordnung des Reichsjugendführers muß jedes Gebiet im Rahmen des Großlagers einen Nachmittag von zwei Stunden Dauer ausgestalten. Alle Banne und Jungbanne des Gebietes sind an dieser Lagerstunde beteiligt und werden der Reihe nach den Kameraden aus dem Reich einen Einblick aus ihrer Arbeit geben und sie mit den im Gebiet Westfalen bevorzugten Liedern und Spielen erfreuen. Dieser Nachmittag wird westfälische Fröhlichkeit in reichem Maße atmen. ten Hocken ganz leicht angesalzen und in Eis gekühlt aufbewahrt werden. Hintereinander und nebeneinander machen die heimkehrenden Fischdampfer vor den großen Fischhallen am Kai fest. Die Hochseefischer finden jetzt einige Stunden Zeit, um sich von den Strapazen der Fangreise, die acht bis zwölf Tage dauert, ausruhen zu können. Abends um 11 Uhr herum kommen die Löschgänge, Fischereiarbeiter, die das Löschen der Fischdampfer zu besorgen haben. Keine leichte und keine saubere Arbeit. Auf den großen Dampfern arbeiten allein drei Gänge, sonst schaffen sie es nicht, denn morgens um 6 Uhr schon muß der gesamte Fang der Fischdampfer in sauberen Kisten zur Auktion in den Fischhallen bereit stehen. Tausende und Abertausende von Kisten füllen die Hallen. Pünktlich mit dem Glockenschlag setzt die Auktion ein. Die Auktion selbst spielt sich in einem unglaublichem Tempo ab, Sprechen tut nur der Auktionator, das heißt, es ist kein Sprechen, sondern mehr ein eintöniges Gemurmel und Gebrummel, das zuweilen leiser wird, zuweilen anschwillt. Die zahlreichen Käufer dagegen die sich wie ein dichter Bienenschwarm um den Auktionator ballen, reden nur in stummer Zeichensprache, nicken mit dem Kopf, zucken mit der Schulter, heben auch mal die Hand, blinkern mit den Augen und schauen dabei zur Decke oder unterhalten sich sogar mit ihrem Nebenmann. Wollte hier jeder mit lauter Stimme sein Gebot geben, dann würde daraus ein wogender, hundertstimmiger brausender Wortschwall werden, in dem niemand sein eigenes Wort verstehen könnte. Uebrigens sind die Käufer Fachleute aus der Fischwirtschaft, die sich Tag für Tag immer wieder treffen und einander wissen, was sie wollen, ohne viel Worte zu machen. Um 10 Uhr vormittags schon sind die Fischhallen geräumt. Zum großen Teil liegen die Heringe jetzt bereits in den örtlichen Löden frisch zum Verkauf aus, oder rollen gar schon auf Lastwagen und auf dem Schienenwege ins Land, um hier ebenfalls frisch verbraucht zu werden. Der weitaus größte Teil der Tagesanlandungen aber geht in die Betriebe der Fischindustrie, um hier zu Bückinge, Marinaden und Konserven verarbeitet zu werden. Heringe, die morgens noch in der Fischhalle standen, rollen nachmittags schon geräuchert als Bückinge in das Land. Die ganze Heringszeit über herrscht in der Fischindustrie ein Hochbetrieb wie sonst nicht im ganzen Jahr. In Altona, dem größten Fischheringsverarbeitungsplatz Deutschlands, werden während der Schleppnetzfischerei in der Fischindustrie allein über 5000 Arbeiter mehr beschäftigt. Tausende fleißige Hände regen sich Tag und Nacht, an Land und auf hoher See, um die Millionen und Abermillionen von Heringen heranzuschaffen, zu verarbeiten und der Ernährung des deutschen Volkes zuzuführen. Kapt. B Neues vom Film Tobis dreht in Neapel und auf Sizilien. Soeben begannen in Neapel die Aufnahmen für den Tobis=Film„Ich spucke gegen den Wind"(Florentine), den Katrin Holland nach dem Roman„Ein Mädel als May trose“ von Joan Lowell geschrieben hat und dessen Dialoge Hans Leip bearbeitete. Unter Carl Lamacs Spielleitung spielen die Hauptrollen: Geraldine Katt, Paul Hörbiger, Hans Holt, Dagny Servaes, Frit Hoopts Günther Lüders und Rudol Carl. Als Dialog=Regisseur ist Eberharl Lösser verpflichtet. Die Produktionsleitung hal Walter Zeiske. Der Film wird von der Donau=Film in Rahmen der Tobis=Herstellungsgruppe Herbers Engelsing produziert. Nach der Beendigung der Außenaufnahmen in Neapel und auf Sizilien werden die Atelieraufnahen Ende Septemt ber in Wien gedreht. * Mintionen=Pfund Herige kommnen u. verschiomden Eine Flut von Heringen ergießt sich schon seit Wochen über die drei deutschen Städte Altona, Wesermünde und Cuxhaven. Fast von Tag zu Tag steigert sich diese Flut von silberglänzenden Fischen. Gegenwärtig mögen es 4 Millionen Pfund oder 15 Millionen Stück sein, die täglich von der deutschen Fischdampferflotte gefangen und gelandet werden, um dann schon nach kurzer Zeit von der Bildfläche zu verschwinden. Man muß das selbst gesehen haben, um sich von dem ungeheuren Tempo der Heringsverarbeitung ein Bild machen und die gewaltigen Leistungen würdigen zu können, die in den Monaten Juli bis November, das ist die Heringszeit, von der Hochseefischerei, vom Fischhandel und von der deutschen Fischindustrie vollbracht werden. Die Schleppnetzheringsfischerei ist das wirtschaftliche Rückgrat der deutschen Fischdampferflotte und die deutsche Fischindustrie, die den frischen Schleppnetzhering als Rohware in ungeheuren Mengen benötigt, kann ebenfalls ohne dem nicht existieren. Im Laufe des Tages kommen die Fischdampfer von See, dreißig bis vierzig Schiffe täglich. Sie sind bis unter Deck vollgeladen voll Heringe. Schon von weitem ist das zu erkennen, denn die Dampfer liegen alle tief zu Wasser. Nicht wenige von ihnen sind sogar kopflastig, so schwer drückt der reiche Fang das Vorschiff. Hier liegt der mächtige Fischraum, wo die Heringe in den abgeteilten meterbreiVSrer Nr. 10 Zeichnung: Sten* Terra Günther Lüders, eine prachtvolle Type dem Minerva-Film der Terra Filmkunss sAlarm in Pekinge. "" io Khelttutke Gefängnis für Schwarzhörer Bielefeld. Das Bielefelder Schöffengericht verurteilte einen Angeklagten aus Avenwedde, der seine Rundfunkempfangsanlage nicht ordnungsgemäß angemeldet hatte, zu der empfindlichen Strafe von sechs Wochen Gefängnis. Der Angeklagte hatte früher ein Radioempfangsgerät besessen und ordnungsgemäß angemeldet, das er dann aber abschaffte und abmeldete. Später legte er sich einen Volksempfänger zu, dessen Anmeldung er unterließ. Auch als er im April dieses Jahres ausdrücklich darauf hingewiesen worden war, daß sein Verhalten strafbar sei, blieb es bei dem alten Zustand. Vor Gericht wollte er als Entschuldigung geltend machen, daß er nie guten Empfang gehabt habe; er mußte aber schließlich doch zugeben, daß er etwa ein Jahr lang schwarzgehört hat. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf sechs Wochen Gefängnis und Einziehung des Empfangsgerätes. Horst=Wessel=Gedenkfeier in Bielefeld Bielefeld. Zur Erinnerung an Horst Wessel, der bekanntlich in Bielefeld geboren ist, will man in diesem Jahre einen Gedenktag für den großen Sohn der Stadt veranstalten. Unter Beteiligung aller Gliederungen der Partei soll am 9. und 10. Oktober eine eindrucksvolle und würdige Gedenkfeier veranstaltet werden. Goldenes Arbeitsjubiläum Bielefeld. Der Buchbinder Oskar Hormann in der Firma Richard Dose u. Sohn feierte dieser Tage sein goldenes Arbeitsjubiläum. Hormann ist ein gebürtiger Dresdener und erlernte das Buchbinderhandwerk in einem Großbetrieb in Hannover. Nach längerer Wanderschaft kam der Jubilar schließlich nach Bielefeld, wo er noch heute in seinem Berufe tätig ist. Vor dem Tode bewahrt Bielefeld. Ein in den 80er Jahren stehendes Ehepaar hate aus Unvorsichtigkeit den Gashahn offengelassen. In den Abendstunden wurden die beiden alten Leute in der Küche bewußtlos aufgefunden. Zum Glück war die Vergiftung nicht so schwer und die Wiederbelebungsversuche hatten in kurzer Zeit Erfolg. Neue Luftverbindung Münster—Düsseldorf Münster. Der Winterflugplan der Deutschen Lufthansa hat neuerlich für das Münsterland eine wichtige Erweiterung erfahren. Neben der itzflugverbindung Münster—Berlin, die auch während des Winters aufrechterhalten bleibt, wird von nun an die Strecke Münster—Düsseldorf ständig hin und zurück beflogen. Die Flugzeiten werden mit dem Erscheinen des neuen Winterfahrplanes bekanntgegeben. 80 Zentner Brotgetreide verbrannt Coesfeld. Am Mittwoch brach in dem Wohnhaus und der Bäckerei Kentrup in Darfeld ein Feuer aus, das mit großer Schnelligkeit um sich griff. Die Bäckerei und die Stallung wurden ein Raub der Flammen, von dem Wohnhaus brannte der Dachstuhl und das obere Stockwerk aus. Neben 80 Zentner Brotgetreide und Mehlvorräten sind drei Schweine verbrannt. In voller Fahrt gegen einen Baum Minden. Zwischen Heimsen und Gut Neuhof im Kreise Minden fuhr der Kaufmann Hattenhauer aus Minden mit seinem Kraftwagen in einer scharfen Kurve gegen einen Baum. Die Ehefrau Hattenhauer wurde tödlich verletzt, während der Mann und sein ebenfalls mitfahrender Sohn schwere Verletzungen davontrugen. Ein gefährlicher Baum Rheine. Nachdem bereits in der vergangenen Woche ein Personenkraftwagen an einem Straßenbaum an der Neuenkirchener Straße zerschellt war, wobei die Insassen des Wagens wie durch ein Wunder unverletzt blieben, prallte jetzt wieder ein Personenkraftwagen bei einem Zusammenstoß mit einem Lastkraftwagen gegen denselben Baum. Auch diesmal wurde der Wagen schwer beschädigt, während die Insassen abermals so gut wie unverletzt blieben. Westfälischer in Gelsenkirchen. Runde Gelsenkirchen. Im Endturnier um die Westfalenmeisterschaft wurde die 5. Runde ausgetragen. L. Herrmann verlor wiederum, diesmal gegen Häfner. Herrmann dürfte damit aus dem engeren Wettbewerb um den Titel ausgeschieden Ein. Die beiden wichtigen Begegnungen Ernst— Teig und Hans Herrmann wurden abgebrochen. Koch verlor gegen Greis, während die Partie Schulte—Wieckowiak einen unentschiedenen Ausgang nahm. Die Abbruchstellung Hans Herrmann —Seitz aus der 3. Runde wurde von Herrmann gewonnen. Der Stand nach der 5. Runde ist kolgender: Ernst und Hans Herrmann je 4 und Hänge, Häfner 3 und Hänge, L. Herrmann 3, Koch 2 und Hänge, Bartsch 1½ und Hänge, Seitz ½ und Hänge, Greis 1, Wieckowiak ½ und Schulte ½ Punkt. 67. Juchtviehversteigerung in Köln Köln. Am Mittwoch hielt der Rheinische Verband für Tieflandrinderzucht auf dem Versteizerungsgelände in Köln=Deutz seine 67. ZuchtBauer, verwerte deine geernteten Kurisssein=ehns Verlaste. Die Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft zur Sicherstellung des Brotgetreidebedarfs des deutschen Volkes ist für die große Zahl unserer westfälischen kleinund mittelbäuerlichen Betriebe von besonderer Bedeutung, soweit sie bisher auch Brotgetreide verbrauchten, um damit Veredelungsprodukte, insbesondere Schweinefleisch, zu erzeugen. Es gilt deshalb nunmehr hier im Westen mit den wirtschaftseigenen Futtermitteln besonders sorgfältig umzugehen, sie vor Verlusten zu schützen und insbesondere in der Zusammensetzung anzuwenden, die den größten Erfolg verspricht. Auf dem Gebiete der wirtschaftlichen mittel zum Ersatz von bisher hauptsächlich an Schweine verfüttertem Brotgetreide muß die Kartoffel neben gewissen Mengen Zuckerrüben bzw. Gehaltsrüben treten. Die Kartoffel war schon immer eine der wichtigsten Kulturpflanzen der landwirtschaftlichen Betriebe. Der hohe Wassergehalt, die lebhafte Atmungstätigkeit usw. bedingen bei nicht ganz sorgfältiger Behandlung große Verluste, ganz besonders im Winterlager. Die Kartoffelernten der letzten Jahre bewegen sich um etwa 45 Millionen Tonnen. Von dieser Ernte werden: 25% für die menschliche Ernährung, 45% für Futterzwecke, 14% für Saatzwecke, 6% für industrielle Zwecke verwendet, während 10% durch Fäulnis und Schwund im Winterlager verlorengehen. Bei den heutigen Kartoffelernten, die gegenüber der Zeit vor 50 Jahren im Ertrag je Hektar um fast 100% höher liegen, stehen für Fütterungszwecke mehr als 20 Millionen Tonnen zur Verfügung. Gelingt es durch die Technik der Aufbewahrung dahin zu kommen, daß diese Mengen ohne Verluste für die Fütterung erhalten bleiben, so kann allein mit den bisherigen Verlusten(2 Mill. To.) zwei Millionen Doppelzentner Schweinefleisch Lebendgewicht erzeugt werden, vorausgesetzt, daß zu 1 Tonne Kartoffeln etwa 2,25 Ztr. Futtergetreide(Mais, Futtergerste usw.) und etwa 0,75 Zentner eines 40%igen Eiweißfutters richtig angewandt werden. Die restlose Erhaltung der in den Kartoffeln geernteten Nährstoffe, der Schutz der Kartoffeln vor Fäulnis, Schwund und Atmungsverlusten ist nur gewährleistet, wenn jeder Betrieb dazu übergeht, die Futterkartoffeln nach der Ernte mit Hilfe der hervorragend arbeitenden Dämpfkolonnen zu dämpfen, um sie in der auch in den kleinsten Betrieben bestens bewährten Kartoffeleinsäuerungsgrube einzusäuern, damit sie in absolut gleichmäßiger Beschaffenheit während des ganzen Jahres zur Verfügung stehen. Der ausreichende Bau der Kartoffeleinsäuerungsbehälter ist deshalb die wichtigste Maßnahme zur Sicherstellung der notwendigen Brotgetreidemengen. Die Einsäuerung der Kartoffeln ist heute kein Problem mehr, sondern eine zwingende Maßnahme in jedem landwirtschaftlichen Betrieb. Ueber den Bau der Behälter, die nach wie vor mit 4 RM. je Kubikmeter bezuschußt werden, sowie über sonstige Fragen der Einsäuerung gibt die Landesbauernschaft Auskunft. Gung durch die Gurken Mehr Singvögel notwendig Die Gartenbesitzer haben jetzt manche Sorgen. Wo kommen nur die unzähligen Kohlweißlinge in diesem Sommer her? Während des ganzen Tages flattern diese weißen Schmetterlinge über Gärten und Felder. Die Folge ist, daß es in vielen Gegenden an den Kohlpflanzen von Raupen wimmelt. Hier zeigt sich einmal wieder, daß hinsichtlich des Vogelschutzes noch tüchtige Arbeit zu leisten ist. Wir haben lange nicht genug Singvögel bei uns angesiedelt, sonst hätten die Raupen nicht zur Plage werden können. Trostlos stehen manche Kohlstauden da. Bis auf die Blattgerippe wurden sie kahlgefressen, und auf ein weiteres Wachstum ist bei den so befallenen Pflanzen natürlich nicht zu rechnen. Wohl versucht man hier und dort dieser Plage durch Absuchen der schädlichen Raupen zu begegnen, doch nicht immer erreicht man dieses Ziel. Die Pflaumenbäume müssen schon alle Kraft aufwenden, wenn sie nicht unter der Last des ausgezeichneten Behanges zu Bruch kommen wollen. Selten waren die Bäume so stark behangen wie in diesem Jahre. In kurzer Zeit wird es in den Dörfern nach Pflaumenmus riechen, denn Pflaumenmus ist ein wertvolles und sehr geschätztes Volksnahrungsmittel. Schon lange haben die Obstpächter, die in Obstplantagen und an den Landstraßen ihre Buden aufgestellt haben, wieder alle Hände voll zu tun. Im allgemeinen kann man auch bei dem Hartobst mit dem Behang zufrieden sein. Der Storch rüstet nun zur Reise. In wenigen Tagen wird er dem wärmeren Süden zufliegen, doch wenn wir die Bilanz ziehen bleibt festzustellen, daß Adebars hinsichtlich ihrer Nachkommen nur in beschränktem Umfange ihre Pflicht getan haben. Manches Rest blieb in diesem Jahre ohne Jungstörche. Man führt das darauf zurück, daß die Störche sich im Frühjahr sehr lange unterwegs aufgehalten haben, weil sie auf ihrer Herreise gute Futterplätze erwischten. Als sie in unserer Heimat anlangten, war es für das Brutgeschäft schon zu spät. So sind viele Storchenpaare in Deutschland nur der Futtersuche nachgegangen, und die erwünschte Vermehrung der Störche ist ausgeblieben. Hoffen wir, daß sich Adebars auf ihre Pflicht besinnen und im nächsten Jahre das Versäumte nachholen. viehversteigerung ab, die als erste Veranstaltung nach der längeren Sommerpause verhältnismäßig recht stark beschickt und auch besucht war. Alle interessierten Züchterkreise der Provinz waren vertreten. Aufgetrieben wurden 119 schwarzbunte Bullen, 31 rotbunte Bullen und einige tragende Zuchtrinder. In der Abteilung Schweine waren 54 Eber und acht tragende Sauen angeliefert. Durchschnittlich war die Qualität der Tiere gut, wobei auch in allen Abteilungen erstklassige Stücke vertreten waren. Bei der einleitenden Körung wurden mit Ausnahme von drei Bullen und vier Ebern sämtliche Tiere durch das Köramt der Landesbauernschaft Rheinland angekört. Zusammenstoß zweier Güterzüge Köln. Wie bahnamtlich mitgeteilt wird, stießen in der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr zwischen Sinzig und Remagen zwei Güterzüge, die aus der Richtung Koblenz kamen, aufeinander. Der erste Zug lag vor einem Haltesignal. Der zweite Zug fuhr auf diesen auf, wobei die Lokomotive des letzten Zuges sowie drei Wagen des haltenden Zuges entgleisten. Ein Packwagen geriet in Brand, ein Schaffner wurde leicht verletzt. Sämtliche Gleise mußten gesperrt und der gesamte Verkehr rechtsrheinisch umgeleitet werden. Fünf Personen unter den Trümmern eines einstürzenden Hauses begraben Köln. Bei Ausschachtungsarbeiten für den Ausbau eines Hauses in Sindorf bei Köln verloren plötzlich die Seitenmauern ihren Halt, stürzten ein und rissen einen Teil des Obergeschosses des nebenanstehenden Gebäudes mit in die Tiefe. Dabei wurden ein Arbeiter und vier in der Grube spielende Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren von den Trümmern begraben. Es gelang sehr bald, die Verschütteten zu bergen. Alle fünf Personen wurden in das Bergheimer Krankenhaus gebracht. Während die Verletzungen bei drei Kindern nur sehr leicht sind, liegen der Arbeiter und das vierte Kind sehr schwer danieder. An dem Aufkommen des Mannes wird gezweifelt. Angestellte begaunern den eigenen Betrieb nach Strich und Faden Köln. Zu Ende des vorigen und Anfang dieses Jahres mußte die Geschäftsführung eines Vergnügungsbetriebes feststellen, daß die Tageseinnahmen in keinem Verhältnis zur Zahl der Gäste standen. Mit Hilfe der Kriminalpolizei kam man bald dahinter, daß in der Gefolgschaft selbst sich eine Betrügerbande gebildet hatte, die ihren eigenen Betrieb nach allen Regeln der Kunst begaunerte. Nicht allein wurden in den neun Monaten vor Aufdeckung von sieben, schon seit langen Jahren im Betrieb beschäftigten Kellnern die Weinreste wieder zu Flaschen zusammengegossen— aus einem nahegelegenen Geschäft wurde billigster Flaschenwein gekauft, entsprechend etikettiert und für sündhaftes Geld den Gästen verkauft. Einige dieser treulosen Angestellten erschwindelten sich so viel Geld, daß sie Safes in Banken und einen Kraftwagen besaßen. Der Geschäftsinhaber schätzt seinen Verlust während der in Frage kommenden Zeit auf 12.000—15000 Mark. Vor der Großen Strafkammer wurden den sieben Angeklagten, die die Betrügereien bestritten, ihre verbrecherischen Taten nachgewiesen und harte Strafen ausgesprochen. Wegen fortgesetzter Untreue in Tateinheit mit Betrug und wegen Vergehens wider das Lebensmittelgesetz erhielt ein Angeklagter 2½ Jahre, zwei weitere Angeklagte je 2 Jahre, einer 1½ Jahre und drei je ein Jahr Gefängnis. Außerdem wurden Geldstrafen von 200 bis 300 RM. verhängt und Berufsausübungsverbot auf drei Jahre ausgesprochen. Achtung, Frühkarkoffelerzeuger! Vonn. Wie der Kartoffelwirtschaftsverband Rheinland mitteilt, erfolgt der Bezug von holländischem Erstlingssaatgut entsprechend dem Verfahren im Vorjahre, in diesem Jahre wiederum unter Einschaltung des Kartoffelwirtschaftsverbandes Rheinland. Frühkartoffelerzeuger, die holländisches Saatgut wünschen, fordern bei ihrem zuständigen Ortsbauernführer ein Antragsformular an, das in allen Teilen ausgefüllt dem Ortsbauernführer wieder zurückgegeben werden muß. Die Ortsbauernführer senden die Formulare nach Ausfüllung des Punktes 2 an ihre zuständige Kreisbauernschaft. Die vom Kartoffelwirtschaftsverband Rheinland herausgegebenen Antragsformulare, die mit einer Nummer versehen sind, dürfen nicht nachgedruckt werden. Andere als die vorgeschriebenen Antragsformulare werden vom Kartoffelwirtschaftsverband nicht bearbeitet. Englische Frontkämpfer in Koblenz Koblenz. Mittwochabend fand im Koblenzer Weindorf ein festlicher Begrüßungsabend anläßlich der Anwesenheit von 20 englischen Frontkämpfern der British Legion Horsham Branch, die bereits am Dienstag in der Stadt am Deutschen Eck eingetroffen waren, statt. Die Engländer waren an der fröhlichen Stätte des bekannten Weindorfes Gäste der RSKOV. und der REK. Nach humorvollen Begrüßungsworten des Weindorfbürgermeisters Jupp Flohr wechselten Rede und Gegenrede bei köstlichem Rebensaft. Am Mittwochmorgen waren die Gäste bereits durch den Oberbürgermeister der Stadt Koblenz empfangen worden. Raubzüge eines Fürsorgezöglings Koblenz. Vor dem Schöffengericht hatte sich der 1919 in Leverkusen=Wiesdorf geborene H. wegen Einbruchsdiebstahls zu verantworten. Der junge Mann, der schon eine recht bewegte Jugend hinter sich hat, und dem es offenbar an einer ordentlichen Erziehung fehlte, war vor längerer Zeit aus der Fürsorgeanstalt in Euskirchen ausgekniffen. Bald lernte er auf der Landstraße einen Mann kennen, mit dem er gemeinsam einen regelrechten Raubzug durch die Eifel und den Hunsrück machte. Sie stahlen zunächst zwei Damenfahrräder. Dann spezialisierten sie sich auf Einbrüche in Wochenendhäuser und Jagdhütten. Schuhe, Hemden, Handtücher und alles mögliche, was sich verwerten ließ, hießen die beiden mitgehen. Bei dem Versuch, in Saarbrücken einen Teil der gestohlenen Sachen zu„versilbern", wurden die beiden Uebeltäter gefaßt. Der eine von ihnen ist bereits abgeurteilt. Der Angeklagte H. wurde am Dienstag von dem Schöffengericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Sicherungsverwahrung wegen gewerbsmäßiger Abtreibung Hanau. Das Schwurgericht Hanau verurteilte die 35 Jahre alte Margarete Friedrich, eine geborene Polin, wegen gewerbsmäßiger Abtreibung zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Da die Angeklagte wegen des gleichen Verbrechens wiederholt vorbestraft ist, wurde gegen sie auch auf Sicherungsverwahrung erkannt. Schäfergruppe aus Basaltlava Mayen. Die zur Reichsfachschule erklärte Steinmetzfachschule in Mayen, die unter der Leitung des bekannten Architekten und Künstlers Prof. Burger steht, bereitet ein neues Werk vor, mit dem die Stadt Mayen geschmückt werden soll. Es handelt sich um eine Schäfergruppe aus Basaltlava, die am Brückentor Aufstellung finden wird und am Lukasmarkttag im Oktober ihre Weihe erhalten soll. Vor dem historischen Brückentor stehend, wird diese idyllische Gruppe, Sinnbild wieder aufstrebender Eifeler Schafzucht, den fremden Gast, so er das alte Mayen betritt, grüßen. Bremser unter den Zug geraten und getötet Niederplais. In der Nähe von Birlinghoven ereignete sich an der Baustelle der Reichsautobahn ein tödlicher Unfall. Ein Bremser, der mit einem Leerzug an die Baustelle fuhr, veranlaßte den Lokomotivführer durch Signal, die Geschwindigkeit zu mindern, um abspringen und eine Weiche umlegen zu können. Bevor jedoch der Zug hielt, stürzte der Bremser vom Zuge und fiel zwischen die Schienen. Er wurde vom Zuge überfahren und getötet. An einem Fliegenstich gestorben Haldern(Kr. Rees). Welche Vorsicht man bei einem Insektenstich walten lassen muß, erhellt aus dem traurigen Schicksal des 30jährigen Milchfuhrmanns Theodor Peters aus Haldern, Kreis Rees. Nach dem Stich eines fliegenartigen Insekts an der Hand stellten sich bei ihm Beschwerden ein, die so stark waren, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Der Arzt stellte eine schwere Blutvergiftung fest und ordnete die Ueberführung ins Krankenhaus an. Doch es war schon zu spät, die Vergiftung hatte bereits den ganzen Blutkreislauf ergriffen. Am Abend des Einlieferungstages ist der Bedauernswerte gestorben. 11jähriger Junge nach einem Streit tot zusammengebrochen Aachen. Einen tragischen Ausgang nahm eine Rauferei zwischen einem elfjährigen und einem dreizehnjährigen Aachener Jungen. Wegen einer nichtigen Hänselei gerieten die Jungen aneinander, wurden jedoch von Kameraden getrennt. Plötzlich ballte der elfjährige Junge die Faust Schaum trat ihm vor den Mund, und wenige Sekunden später brach er leblos zusammen. Die„Susquehannah" fuhr mit Volldampf über den Ozean. Robert und Juana führten ein vollkommenes Einzelleben unter den ausschließlich englischen und amerikanischen Passagieren des Dampfers, aber es war ihnen nur recht. Was brauchten sie Fremde in ihrer jungen Liebe! Längst hatten sie alle Zweifel über Bord geworfen, und auch wenn sie von ihren Eltern sprach, war Juana voller Zuversicht.„Ich habe ihnen so lieb geschrieben! Ich weiß, daß meine Mutter im stillen immer wünschte, daß ich einen Deutschen heirate. Sie wird glücklich sein und noch glücklicher, wenn sie dich sieht! Und Vater? Auch er ist so gut und wenn er wünscht, daß ich einen wohlhabenden Mann bekomme, so ist das doch eben nur seine väterliche Sorge. Und du bist ja reich. Du bringst ihm sogar Oelminen, die du selbst als Ingenieur erschließen wirst? Ich kann die Zeit nicht mehr erwarten, bis ich dich meinen Eltern bringe.“ Robert aber, der sich sein ganzes Leben mühselig durchgerungen, fing nun auch an, sich an den Gedanken seiner Erbschaft zu gewöhnen. Er hatte ja einen Beweis in der Hand! Einen ganz sicheren Beweis, der ihm im wahrsten Sinne des Wortes mitten auf dem Ozean zugeflogen. Innerlich war er dennoch unruhig gewesen und hatte telegraphiert.„Solicitor Woodrow Wilkins, Newyork, Broadway 267. Komme mit Frau, um Erbschaft 250000 Dollar in Empfang zu nehmen. Robert Schwarz, Dampfer Susquehannah.“ Mit Absicht hatte er sogar die Summe mittelegraphiert und schnell kam die Antwort. „Erwarte Sie spätestens 1. September. Wilkins.“ Jubelnd hatte er Juana diese Antwort gezeigt, die ihre letzten Aengste verscheuchte. Sie waren ungefähr auf der Höhe der Azoreninsel Flores. In den letzten Tagen war hohe See gewesen und Windstärke 12 brauste über das Meer. Die meisten Passagiere lagen seekrank in ihren Kabinen, und auch Juana lag blaß und elend auf ihrem Bett. Robert war seefest und es machte ihm Freude, dem wilden Kampf der aufgepeitschten Wogen hungen Frau as er neben seiner fung#n grau in der Kavine und suchte vergebens, iyr Hilfe zu bringen. Es war in der Nacht. Der Sturm heulte stärker als vorher, die Wellen schlugen dröhnend gegen die Schiffswand, und der ganze Koloß erzitterte, wenn der Bug sich tief in ein Wogental senkte und die Schraube sich wahnsinnig schnell in der Luft drehte. Juana saß mit erschrecktem Gesicht aufrecht im Bett, und Robert hielt sie umfaßt. Dann kam ein lauter, gellender Krach und gleich darauf ein dumpfer Schlag, dem ein Splittern und Brechen folgte. Die Schrauben standen still. Das Schiff bekam augenblicklich eine ruhigere, mehr schaukelnde Bewegung. Zitternd fragte Juana:„Was war das?“ „Irgendein Unglück in der Maschine, denn das Schiff steht still.“ In diesem Augenblick aber ertönte ganz laut die Sirene, und gleichzeitig rannten die Stewards durch die Gänge und pochten an die Kadinen. „Bitte, aufstehen! Bitte, alles an Deck.“ „Dann also—“ Juana war wie gelähmt, und Robert versuchte ruhig zu bleiben. „Zieh dich an, es braucht nichts Schlimmes zu sein. Lebensgefahr besteht ganz gewiß nicht. Wir sind gar nicht weit von der Insel Flores, und zudem sind hier andauernd viele Dampfer.“ „Das Schiff geht unter!“ Juana schrie laut auf. Die„Susquehannah“ begann schon ein wenig Schlagseite zu bekommen. Signale durchgellten das Schiff. „Die wasserdichten Schotten werden geschlossen. Endlich, es waren vielleicht Minuten, erschienen ihr aber Stunden, hatte Juana sich angekleidet. „Nimm auf alle Fälle den Mantel. Hast du all deinen Schmuck zu dir gesteckt?“ Robert war jetzt wirklich vollkommen ruhig. Nahm seine Papiere und steckte sie in die Taschen, in die er sonst noch verstaute, was irgend hineinging. Zog zwei Anzüge übereinander, wie es Juana mit den Kleidern getan, packte schnell die kleine Handtasche mit den notwendigsten Dingen, nahm die Mäntel und sagte: „Halt dich an mir.“ Sie traten in den Korridor hinaus. Ueberall ertönten Frauenschreie, hasteten Menschen. Immer wieder laute, befehlende Rufe: „Ruhe, es ist augenblicklich gar keine Gefahr.“ Robert packte einen der Stewards. „Was ist denn geschehen?“ „Die Schraubenwelle ist gebrochen und unter Wasser die Schiffswand durchschlagen. Schotten sind dicht.“ An Deck standen die Passagiere in Gruppen zusammen. Frauen und Kinder schrien laut, andere beteten, einige wanden sich in hysterischen Krämpfen. Die Matrosen waren an den Rettungsbooten beschäftigt. Das Schiff hatte ziemlich starke Schlagseite und als Robert über die Reling schaute, sah er, daß das Wasser viel näher war als sonst. Glücklicherweise hatte sich der Sturm ebenso rasch beruhigt, wie er dahergefegt war, aber die Wogen gingen noch hoch. Nur daß der Dampfer jetzt viel weniger schaukelte, weil verschiedene der Schotten voll Wasser gelaufen waren und als Ballast wirkten. Aus der Zelle des Funkers flogen unaufhörlich die SOs=Rufe in die Nacht hinaus. Juana stand dicht neben Robert und hielt ihn umklammert. Jetzt, in der großen Gefahr, war auch sie ruhig und schmiegte sich an ihn. Sie vermochte nicht zu denken und war in einem Zustande der Willenslähmung. Immer wieder ertönten weit über das Schiff die ruhigen Befehle des Kapitäns auf der Kommandobrücke, die durch die Megaphone weitergegeben wurden. Robert sah, daß der Dampfer, der sich jetzt wieder aufgerichtet hatte, langsam, aber unaufhaltsam sank. Das Leck, das die Schraubenwelle gerissen hatte, mußte ungeheuer groß sein.„Sieh dort!“ Juana folgte fast geistesabwesend seiner zeigenden Hand. Lichter tauchten auf. Der erste Dampfer, der, durch die SOS=Rufe gerufen, in größter Fahrt herankam. Immer deutlicher wurden die Lichter, und was die Zurufe des Kapitäns nicht vermocht, bewirkten sie. Die entsetzten Jammerrufe verstummten. Die Menschen, die über dem Unglück ihre Seekrankheit vergessen, die zum Teil halb angekleidet, nur in Mäntel gehüllt, frierend zusammendrängten, faßten Hoffnung. „Rettungsboote steuerbord klar.“ „Ladies first!“ Ergreifende Schreie, kurzer Abschied, Frauen und Kinder wurden in die Boote gebracht. Juana klammerte sich an Robert. „Ich gehe nicht ohne dich.“ „Laß uns warten, die ersten Boote sind überfüllt.“ Der fremde Dampfer schaukelte ganz nah auf den Wellen. Auch dort wurden in fiebernder Eile Boote herabgelassen und kämpften auf den Wogen. Ein zweiter Dampfer zeigte seine Lichter. Robert aber sah, wie die„Susquehannah“ noch schneller zu sinken begann. Er hatte zwei Rettungsgürtel ergriffen und sich und Juana umgeschnallt. „Binde uns beide zusammen, daß wir zusammen sterben!“ Sie schrie es ihm zu. Die Sirenen heulten, Signale wurden gegeben. Die schrillen Pfeifen der Bootsmaate ertönten. Die Boote gingen zu Wasser, aber gleich das erste kenterte, und gellende Schreie durchtönten die Nacht. Ohnmachtig brach Juana neben Robert zusammen, der sie in seine Arme preßte. Der Körper der„Susquehannah" begann zu schwanken. „Schnell! Schnell!“ Mit Juana beschäftigt, hatte Robert nicht darauf geachtet, daß das Deck leer geworden. Eine Strickleiter hing von der jetzt stark überReling herunter. Juana in dem einen geneigten Arm, mit ern, mt der anderen Hand die Strickleiter pagend, stieg Robert hinab. Fühlte sich von starken Fäusten ergriffen. Dann saß er, immer noch die ohnmächtige Juana in den Armen, in einem Boot, das von raschen Ruderschlägen fortgetrieben wurde. Die„Susquehannah“ stand nun ganz schräg. Er sah im Licht der aufsteigenden Raketen, wie zwei Männer, der Kapitän und der Funker, sich als letzte mit weitem Sprung in das Meer stürzten, dann war es, als richte sich das wunde Schiff noch einmal auf, es stand für Minuten fast senkrecht auf dem Bug, dann schoß es in die Tiefe, und die See schäumte über ihrem Opfer hoch auf. Eine Stunde später war Robert in einer kleinen, dumpfen Kabine, die allerdings nichts gemein hatte mit der der„Susquehannah“. Juana lag auf einem schmalen Bett und schlug endlich die Augen auf. „Wo sind wir?“ „Gerettet auf irgendeinem Schiff.“ Freilich, auch dieses schwankte und stampfte in der noch erregten See, aber— die Gefahr war vorüber. „Ich will sehen, auf welchem Dampfer wir sind.“ Er deckte Juana sorgfältig zu, denn ihre Kleider waren durchnäßt, und trat aus der Kabine. Sie lag ganz still da, und ihr ganzer Körper erzitterte noch unter dem überstandenen Grauen. Nach einer halben Stunde kam Robert wieder zurück und hielt in jeder Hand einen irdenen vier ist heißer Kaffee. Wir wollen trinken.“ „Wo sind wir?“ „An Bord des amerikanischen Frachtdampfers „Sunshine“, mit Kurs auf Newyork.“ „Sind alle Passagiere gerettet?“ „Das ist jetzt nicht zu sagen. Es haben sich vier verschiedene Dampfer an der Rettung beteiligt.“ „Unsere Koffer sind verloren?“ „Was liegt daran! Wir sind gerettet und wollen froh sein, daß wir das Notwendigste bei uns haben.“ Die Tür wurde geöffnet und der Kapitän trat ein. Er war ein einfacher Mann mit seehartem Gesicht, aber er drückte ihnen beiden die Hand. „Ich bin glücklich, daß ich noch zur rechten Zeit kam.“ Juana, die jetzt erst begriff, in welcher Todesgefahr sie geschwebt, weinte auf und hätte ihm am liebsten die rauhe Retterhand geküßt. Robert fragte:„Sie wollen uns mit nach Newyork nehmen?“ „Des, Sir, am 3. September setze ich Sie wohlbehalten in Hoboken an Land. Uebrigens ist das böse Wetter vorbei, und ich denke, wir werden nun gute Fahrt haben.“ Juana schob es auf die Nerven, die auch bei ihm endlich nachgaben, daß Robert jetzt totenblaß wurde. Er hatte gehört, worauf sie gar nicht geachtet hatte. Am 3. September! Bis zum 1. September mußte er in Newyork sein, sonst war es für die Erbschaft zu spät. Aber diese neue, schreckhafte Erkenntnis hielt er sorgsam vor Juana verborgen. Es war Tag geworden, und das Meer hatte sich vollkommen beruhigt. Sie hatten sich in der kleinen Kabine des Frachtdampfers eingerichtet. Außer ihnen waren nur noch sechs andere Schiffbrüchige an Bord, denn die meisten hatten die„Susquehannah" verlassen, ehe der Frachtdampfer kam. Jetzt war es herrliches Sonnenwetter. Sie hatten ihre Habseligkeiten gezählt und freuten sich jedes Gegenstandes, der ihnen geblieben war. In dem kleinen Handkoffer war etwas Wäsche. Die übereinandergezogenen Kleider und Anzüge waren zwar beschmutzt und zerknittert, aber sie waren doch da. Ebenso alle Papiere, Juanas Schmuck und das Geld. Die junge Frau hatte sehr bald ihre Laune wiedergefunden, und die große Glücksstimmung einer überwundenen Gefahr war in ihrer Seele. Sie saßen zu Tisch mit dem Käpten in der einfachen Messe, und die derbe Schiffskost schmeckte ihnen herrlich. Nur verstand Juana nicht, warum Robert noch immer so traurig und wie verstört war. Während sie am Nachmittag schlief, um nachzuholen, was sie in der Nacht des Schreckens versäumte, stand Robert grübelnd an Deck. Was nun? Das Erbe war ihm verloren! Er kam mittellos mit Juana nach Newyork! Das Erbe und damit die Viertelmillion Dollar und die Oelmutungsrechte waren wie im Winde verflogen! Wie würde Juana es aufnehmen, wenn sie es erfuhr! Wie würden ihre Eltern sich dazu stellen? Er schalt sich! Er hatte sich auf ein Abenteuer eingelassen und jetzt verspielt! Zwar, die dreihundert Pfund, die ihm Mr. Black gegeben, waren noch in seiner Tasche; aber durfte er sie behalten? Er hatte sie unter der Voraussetzung des Erbes bekommen! Seine Gedanken wurden abgelenkt. Er sah dicht neben sich zwei andere Herren stehen, die mit ihm gerettet waren. Zwei Amerikaner, die ihn gar nicht zu bemerken schienen und in lautem Gespräch waren. „Der Schiffbruch kostet mich eine halbe Million. Ich bin pleite.“ „Aber Sir!“ „Ich bin die Verpflichtung eingegangen, am 1. September in Brooklyn zu sein. Bin ich nicht da, entgeht mir das Geschäft, und wir kommen erst am zweiten nach Hoboken.“ „Ronsens, Sir! Sie haben alles getan, um am 1. September am Ziele zu sein. Ein Schiffbruch ist eben eine höhere Gewalt. Kein Gericht der ganzen Welt wird das nicht anerkennen.“ Robert hörte mit gierigen Ohren und fühlte eine Last von sich genommen; aber der andere schüttelte den Kopf. „Es müßte so sein; aber wer sagt, daß jeder Richter auch ein vernünftiger Mensch ist? Ich werde zum Käpten gehen. „Was kann der tun?“ „Es ist schließlich Sache des Kohlenverbrauchs, wie schnell ein Schiff fährt. Ich werde mich verpflichten, ihm eine hohe Prämie zu bezahlen, wenn wir am 1. September in Hoboken sind. Es kommt jetzt auf ein paar hundert Pfund nicht mehr an.“ Er eilte zur Kommandobrücke, während der andere sich auf eine Bank setzte. Noch immer schien er Robert gar nicht zu sehen. Dieser aber folgte mit den Augen dem Amerikaner, der jetzt mit dem Kapitän auf der Brücke stand und heftig auf ihn einredete. Dann zog er die Brieftasche und gab dem Käpten irgend etwas. Der Amerikaner kam wieder zurück und hatte ein etwas zuversichtlicheres Gesicht.„Viel mehr soll die alte Maschine nicht hergeben; aber er will tun, was er kann. Wir haben noch acht Tage Fahrt. Wenn wir in jeder Stunde nur eine Seemeile zusetzen. können wir vielleicht die beiden Tage noch einsparen. Es genügt schließlich, wenn ich mich am 1. September fünf Minuten vor Mitternacht noch einfinde. Ich habe ihm vorläufig hundert Pfund in die Hand gedrückt, und das hat gewirkt.“ Als Juana nach einigen Stunden erwachte, sah sie, daß Robert wieder ganz helle Augen hatte. Roberts Stimmung hatte sich wirklich gebessert. Er hatte soeben festgestellt, daß das Schiff in der letzten Stunde eine Seemeile mehr gemacht hatte. Er hätte den energischen, steifleinenen Amerikaner am liebsten umarmt, der keine Ahnung davon hatte, welchen Dienst er ihm leistete. Und dann hatte er nachgedacht. Höhere Gewalt! Ganz natürlich war ein Schiffbruch höhere Gewalt! Was denn sonst? So kam es, daß seine Sorgen wieder verflogen, und als er nun, bei wundervollem Sonnenuntergang, mit Juana an Deck stand, war auch in ihm die große Freude des neu geschenkten Lebens wach, und sie hatten fast vergessen, was diese Nacht des Schreckens ihnen gebracht hatte. Am nächsten Morgen war Roberts erster Gang zum Steuermann.„Haben wir gute Fahrt?“„Wir dampfen auf Deibel komm raus. Wenn das so weitergeht, sind wir zwei Tage zu früh in Hoboken. Was macht es, es wird uns bezahlt. An jedem Morgen wiederholte sich nun dasselbe. Immer wieder stand der Amerikaner neben dem Kapitän. „Werden wir es schaffen?"—„Vielleicht.“ Der achte Tag war gekommen. Sie glitten mit unverminderter Geschwindigkeit am SandyHook=Feuerschiff vorüber, da gab es im Maschinenraum einen Knax. Die Schraube stand, und ein Gehämmer begann.„Die alte Dame hat es übelgenommen, daß wir sie so angestrengt haben, und streikt.“ Wütend raste der Amerikaner auf dem Verdeck hin und her und packte den Kapitän. „Wann geht es weiter?“—„Hoffentlich in ein paar Stunden.“ Robert war ebenso erregt, und Juana verstand ihn nicht, weil sie vollkommen vergessen hatte, welches Datum man schrieb. Auf dem „Sunshine“ hing ein Kalender, wie im Lesesalon der seligen„Susquehannah“. Endlich, es dämmerte bereits, arbeitete die Schraube wieder. Es wurde Nacht, bis die große Fackel der Freiheitsstatue zu ihnen herüberleuchtete. Am 2. September, morgens acht Uhr, ging die „Sunshine“ im Hafen von Hoboken vor Anker. Um acht Stunden zu spät. Drittes Kapitel Robert und Juana verließen den Dampfer und bestiegen ein bereitstehendes Auto, das sie, den Hudsontunnel benutzend, in ein großes Hotel in der Nähe des Zentralparks brachte. Das war noch eine letzte Höflichkeitsgeste der Schifffahrtsgesellschaft, welcher die„Susquehannah“ gehört hatte, ihren schiffbrüchigen Passagieren gegenüber. Es waren ihnen allen für drei Tage Zimmer in diesem Hotel zur Verfügung gestellt, und dort sollte die Auseinandersetzung wegen etwaiger Ansprüche stattfinden. Eigentlich hätten die beiden allen Grund gehabt, dem Schicksal für ihre Rettung dankbar zu sein; aber Robert war nervös und verstört, und Juana, die jetzt natürlich wußte, welches Datum man schrieb, verstand seine Unruhe und fragte nicht. Sie standen in einem sehr luxuriösen Zimmer des zehnten Stocks, und der Wärter, der sie heraufgeleitet, wiederholte denselben Sermon, den er auch den anderen Passagieren, die mit den verschiedenen Rettungsschiffen, je nach deren Ankunft in Newyork, im Hotel eingetroffen waren, gesagt hatte:„Der Klerk des Modehauses Holbern and Smith läßt fragen, ob sein Besuch den Herrschaften angenehm ist. Das Haus hat den Auftrag, der Lady und dem Sir auf Kosten der Reederei die notwendige Garderobe zu liefern.“ „Bitte, in zehn Minuten.“ Um in jeder Weise die„Entgegenkommende" zu spielen, hatte die Reederei sich freiwillig bereit erklärt, den Schiffbrüchigen, die ihre Garderobe verloren hatten, je ein Kleid oder einen Anzug mit dem notwendigen Zubehör zu stellen. Juana sagte: „Es ist gut; denn so, wie wir jetzt aussehen, könnten wir nicht zu dem Notar.“— Robert nickte. „Wir müssen so schnell wie möglich zu ihm. Juana, ich habe bis jetzt vermieden, dir meine Sorgen zu zeigen. Ich fürchte, unsere ganze Reise war vergebens. Gestern war der erste September—“ Juana versuchte zuversichtlich zu sein. „Und heut ist der zweite. Es war nicht unsere Schuld, daß wir uns verspäteten. Gegen höhere Gewalt ist der Mensch hilflos.“ (Fortsetzung folgt) Gesundungsurch Produktionssteigerung Verwilderte Bolschewistenkinder nar florfroforn dor Nrosse1 versetzen das gelobte Land der Emigranten in Schrecken Erläuterungen vonnets vor bertretern der Presse Unternehmer Kredite und billiges Geld zu einem Bonnet Vertreter der Paris, 26. Aug. Finanzminister empfing am Mittwochabend die Vert Presse und gab ihnen nähere Erklärungen zu den vom Ministerrat am Nachmittag beschlossenen Finanz= und Wirtschaftsverordnungen. Der Minister betonte, daß es sich darum handele, von nun an mehr zu produzieren. Die Erzeugung in Frankreich, wiederholte der Minister, müsse gesteigert werden. In diesem Sinne habe die Regierung eine Reihe praktischer Maßobonen Wiesaniet der, Irbeit selbse steigern, oder die Rechte des Unternehmers zu opfern. Besonders in der Bauindustrie komme es darauf an, sofort praktische Maßnahmen zur Belebung dieses Wirtschaftszweiges zu ergreifen. Die beschlossenen Maßnahmen zielen in erster Linie darauf ab, nach genauer Prüfung einem Zinssatz zwischen 3 und 4 v. H. zur Verfügung rechtigkeit nach Frankreich fliehenden alten und stellen, und zwar für Neubauten, Umoauten, jungen S# zu peueg, und zwar für Neuhauten, Modernisierungen und dergleichen. Des weiteren sollen alle Neubauten zehn Jahre steuerParis, 26. Aug. Die vor der rächenden Geechtigkeit nach. Frankreich fliehenden alten und ungen Spaniengliggten geben durch ihr Unvermögen, die alten Lebensgewohnheiten zu lassen, dem Volksfront=Franzosen durchschlagenden 1.5 Lanr Rlächruc a It., Käifer 21 fürdern Auser, in dem bei Paris gelegenen Flüicht und den Abbruch alter Hauser zu fordern, äußerdem sollen die Kreditmöglichkellen im Lande erAnschauungsunterricht. So kam es in dem oei purig. gelegenen, Flichtingslgger für die Kinder spanischer Bolschewisten in Val d'Or weitert werden. Von der Bank von Frankreich gr.7 seien in diesem Zusammenhang bereits Maßnahiffen worden zm die nicht spekulotine men ergriffen worden, um die nicht spekulative Bevorschussung von Renten und Staatspapieren zu vereinfachen. Auch an die notleidende Seefischerei und die Kolonialwirtschaft sei gedacht worden. Auf diese Weise versuche die Regierung, ohne künstliche nur schaden könne, das Lan Aktivität in die Lage zu versetzen, sei pflichtungen nachzukommen, gleichzeitig aber auch die Lebensverhältnisse im Lande zu verbessern. PP“e##chrigen Fnlwever herausgerissen oder mit einem Messer abgeschnitten und auf die Gartenwege geworfen. Darauf ten und auf die Gartenwege geworfen. Darauf war er zum Uhlanddenkmal gegangen, hatte an einem Fahnenmast die Zugleine einer Hakenkreuzfahne durchschnitten, das Fahnentuch von dem Querbalken abgeschnitten, die Fahne selbst zerschnitten und dann an die Kaimauer geworfen. Seine Handlungsweise hatte in Düsseldorf Im Zeltlager der Wehrmacht 130 Mannschaftszelte in Nürnberg— Die Stadt der Soldaten Rürnberg, 26. Aug. Auch das Zeltlager der Wehrmacht, das die am Reichsparteitag mitwirkenden Truppenteile sämtlicher Waffengattungen aufnehmen wird, ist nun nahezu fertiggestellt. Es wurde im Auftrage des bei der 17. Division gebildeten Leitungsstabes Reichs. parteitag unter der Gesamtplanung des Heeresbauamtes 1 Nürnberg errichtet. Die Aufstellung der Zelte begann am 15. Juli und wurde in sechs Wochen durchgeführt. Was nun fast fertig dasteht, ist nicht ein Biwak, sondern eine bis ins kleinste durchdachte, zweckmäßig und schön aufgebaute Unterkunft. Eine Fläche von 300000 Quadratmeter ist mit 130 bestens ausgestatteten Mannschaftszelten. 70 behaglichen Offizierszelten, acht Sanitäts=, drei Pferdezelten, Hufschmieden, Wirtschaftszelten, Kommandantur= und Verwaltungszelten usw. bedeckt. 16 000 Mann werden hier untergebracht, ferner 2000 Pferde. In fünf Zuschauerzelten, die besonders bequem ausgestattet sind, finden die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront, Abteilung Wehrmacht, Unterkunft. Den Eingang zum Lager hildet ein von acht wuchtigen Holztürmen geoildetes Tor, von Fahnenmasten die Reichskriegsflagge wehen wird. Zur Linken befindet sich die Kommandantur, rechts die Wache. Dann gelangt man, der das Lager von Süden nach Norden durchschneidenden öinbernhtegg#r#g#e, zunächt an den esechsen eik. B. dann an den Straßen„Von=Blomberg=Straße „Freiherr=von=Fritsch=Straße: und„Raederstraße“ vorbei zum großen Uhrturm in der Mitte Zwischenfällen, die zu weitreichenden Abwehrmaßnahmen der französischen Regierung nötigen. Die Lagerverwaltung hatte vor einiger Zeit einen in Frankreich ansässigen arbeitslosen Spanier für verschiedene Lagerarbeiten angestellt und ihm außer seiner Arbeitslosenunterstützung einan täglichen Lohn von 20 Franken, gezahlt, seiner Arbeit nicht am Mittwochabend das Verhältnis. Der Mann begab sich darauf in den Gemeinschaftssaal der Flüchtlinge, um Die jungen Bolschewisten schlugen Lärm und nach einigen Tagen des Täters habhaft zu rzten sich schließlich mit Steinen und verschie= den. Er kam am 11. August in Untersuchungsdenen anderen Wurfgegenständen auf das vor haft, aus der er dem Sondergericht vorgeführt einiger Zeit notgedrungen hinzugezogene Auf= wurde, wo er geständig war, aber einen Grun gebot der Mobilen Garde, das ständig das Lager für seine eigenartige Handlungsweise nicht anüberwacht. Erst nach geraumer Zeit und nach= geben konnte. Ein medizinischer Sachverstä der Voldalen dem sich die Lagerverwaltung bereit erklärt hatte, führte in seinem Gutachten aus, daß er fü stischen Taugenichts wieder zu beschäfe sat voll und ganz veranwoxtich ist. Er wurde dem Mannschaftslager tigen, ließen sich die jungen Terroristen herhei, wegen Fahnenschändung zu 10 Monaten GefängRohe ohen nis, wegen öffentlicher Sachbeschädigung zu sechs 29. Juni 1911 geborenen Rudolf Richard Jäger zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis. Er war in der Nacht vom 1. zum 2. August dieses Jahres über die Umzäunung der unmittelbar am Rhein zwischen der Rheinterrasse und dem Uhlanddenkmal gelegenen, unter dem Namen Rheingarten bekannten Gartenanlage, die zu den schönsten des Düsseldorfer Stadtgebietes gehört, gestiegen und hatte dort mit geradezu unverständlicher Roheit die ganze Anlage verwüstet und etwa 800 Blumen und Ziervflanzen entweder man die drei großen, von abgezäunten Pferdezelte. Auch die hervorragenden Wasch= und Brauseanlagen und die übrigen gesundheitlichen Anla= rungen hat die franzäs ger veroienen Erwähnung, onsgesagi, oefinden 3o0 der schlimmsten Jungen am komme sich in den Zeltstraßen 65 je 12 Meter lange Sonnabend über die Grenze abzuschieben. Waschplätze. Natürlich sehlt es auch nicht an Mgniß baf don Oherhonzer Verkaufsständen usw. Für die Verpflegung sind 200000 Tagesportionen für Morgen=, Mittags= und Abendkost erforderlich, die etwa 1000 Zentner Fleisch= und Wurstwaren enthalten. Ferner werden benötigt 60 Zentner Kaffee, 160 Zentner Zucker, 400 Zentner Butter, 1300 Zentner Kartoffeln, 25.000 Liter Milch, 100 000 Soldatenbrote sowie je 2700 Zentner Hafer und Heu.„. Die Gesamtanordnung des Lagers ist als sehr glücklich zu bezeichnen. Besteigt man den Uhrso überblickt man in der Tat eine regelkleine Soldatenstadt. Die Soldaten kommen von allen Waffengattungen und aus allen Teilen unseres Vaterlandes, um vor dem Führer und Obersten Befehlshaber anzutreten. Auch ihnen wird Nürnberg wiederum zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden. Das Lager selbst wird dazu nicht unwesentlich beitragen. Auf der Autobahn zum Reichsparteitag Nürnberg. Zum ersten Male werden zahllose: Nürnberg=Fahrer auf den Straßen des Führers zum Parteitag kommen, da in wenigen Tagen der 72 Klm lange Streckenabschnitt Bayreuth—Nürn= berg der Reichsautobahn dem Verkehr übergeben wird Ruhe zu geben.„ Aa5, Eamachten E. Angesichts dieser nunmehr gemachten Erfahrungen hat die französische Regierung beschlossen, der schlimmsten Jungen am kommenven Panik dei den Voerbonzen Santander, 26. Aug. Die Nachricht von dem Einmarsch der nationalen Truppen in Santander hat in den bolschewistischen Kreisen Gijons(Astunis, wegen offentlicher Sachbeschädigung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und aus beiden Strafen die oben erwähnte Gesamtstrafe gebildet. Trauerfeier für Konteradmiral waßner im Den Haag, 26. Aug. Im Haag fand am Donnerstag die Trauerfeier für den deutschen Mahat in den bolschewistischen Kreisen Gisons(Astye nerstag die rien) eine wahre Panik ausgelöst. Viele xineattaché Konteradmiral Waßner statt. In Oberbonzen bereiten ihre Flucht nach Frankreich der reich geschmückten alten Kirche, an deren Overvonzen vereiten ihre Flucht nach Frankreich vor oder sind bereits verschwunden. Die nationalen Truppenverbände, die im Osten und Südosten noch 20 bis 40 Kilometer von Santander entfernt standen, setzten ihren Vormarsch auf die Provinzhauptstadt am Donnerstag früh fort, ohne auf Widerstand zu stoßen. In einigen Dörfern warteten bataillonsstarke Milizabteilungen des Gegners, die bei Ankunft der nationalen Truppen ohne jeden Widerstand die Waffen streckten. gir kenh Erschnlugkten alten Kirche, an deren Turm die Flagge des Reiches auf Halbmast flatterte, hatte sich eine große Trauergemeinde zusammengefunden. Außer den Angehörigen des Verstorbenen sah man u. a. den deutschen Gesandten Graf von Zech, die Vertretung des Botschafters von Ribbentrop Baron Steengracht und den Vertreter des Generaladmiralg Raeder, Kapitän z. S. Lütjens. ländischer Seite nahmen der niederländische Verteidigungsminister van Dojk mit dem Oberber Baffen streckten..,(wenig un ham kayr Laher he: Priegsmarine und dem Chef des Ein Versuch bolschewistischer Elemente, vor vem fehlshaver der Kriegsmarine und dem Chef des Einzug der nationalen Truppen in die Stadt choneralstabes und zahlreiche hochgestellte OffiEinzug der nationalen Trappen in de Stadt Generalsabes und zahlreiche, Hoßgesellte Offe den Rundfunksender zu, zergorenz, wurde von zere der Se= und Landwogt, Hernt, Hge, straße“ vorbei zum großen uorturg, In. Jgx, Witte des Lagers, wo sich auch das Postamt befindet. Weitere Zeltreihen bilden die„Göringstraße", die„Mackensenstraße" und die„Von=SeecktStraße". Dann ist man an den beiden Wirtschaftszelten angelangt. Den Abschluß des Lagers nach Norden bilden die Feldküchen, insgesamt 130. und die 16 Verpflegungszelte. Zwei kleinere Fahnentürme flankieren den Nordausgang. Wendet man sich jetzt rechts, so erreicht Optel und Operl Lohmann Weltmeister der Steher Mit einem seinen Siege krönte der junge deutsche Meisterfahrer Walter Lohmann, Bochum, seine bisherige Laufbahn als Steher. Bei dem Entscheidungslauf über 100 Kilometer in Kopenhagen erkämpfte er sich die Spitze durch seine kluge und überlegene Fahrweise und sicherte sich dadurch einen überlegenen Sieg. Ein Sviel des Zufalls wollte es, daß der Franzose Terraux, den er auch in den Vorläufen besiegte, im entscheidenden Lauf den 2. Platz vor unserem Meister Schön belegte. Leider wurde der Start durch Regen lange verkögert, aber die Zuschauer hielten tapfer aus und wurden sväter durch spannende Kämpfe belohnt. Eramm=henkel siegen weiter in U8A. Auch am zweiten Tage der amerikanischen Tenniemeisterschaften in den Doppelspielen konnte sich unser Davispokaldoppel Gottfried von Henner Henkel erfolgreich durchsetzen. Auf dem Platz des Westchester Countroclubs in Brookline im Staate Massachusetts siegten die Deutschen am Mittwoch über das amerikanische Paar Bickel=Burgeß 6•4, 6:3, 4:6, 6:3.— Die zweite Runde brachte mit dem Ausscheiden der Engländer Huabes=Hare eine Ueberraschung. Die Amerikaner Robert Higgs=Bernard Coghan schlugen das englische Paar nach hartem Kampf 4:6, 6:4, 11:9, 10·8. Weniger Mühe hatten die Amerikaner Grant=Sabin, um über die Japaner Nakano=Nishimura 7:5, 4:6, 6:3, 7:5 zu siegen während Budge=Mako ihre Landsleute Gardner=Mullev=Jarvis 6:1, 3:6, 3:6, 6:1, 6:1 schlugen. Jarr— Louis am Montag Der für Donnerstag in Newyork vorgesehene Vorkampf zwischen dem englischen Schwergewichtsmeiier Tommo Farr und Joe Louis wurde wegen des anhaltenden Regens auf Montagabend verlegt. Ilugzeugunglück in England London, 26. Aug. In der Grafschaft Hampshire stießen am Mittwochabend zwei Flugzeuge englischen Luftstreitkräfte zusammen, wobei drei Flieger den Tod fanden. Ein Flugzeuginsasse versuchte, sich durch Fallschirmabsprung zu retten, fiel aber unglücklicherweise auf einen Baum, wobei er lebensgefährliche Verletzungen erlitt. 14. Herbsekegalta in Witen Das Meldeergebnis für den 4. und 5. September Im Bootshaus des Wittener RC. fand die Auslosung für die am 4. und 5. September stattfindende 14. Herbst=Regatta statt. Das Meldeergebnis ist überraschend gut ausgefallen. Obschon von den 20 ausgeschriebenen Rennen drei ausfallen müssen, werden trotzdem 60 Boote mit 265 Ruderern an den Start gehen. Gemeldet haben insgesamt 24 Vereine. Am Sonnabend sind nicht weniger als 17 Vorrennen notwendig, um die Teilnehmer der Hauptrennen, die am Sonntag um 14 Uhr beginnen, festzustellen. Jährlinge unter dem hammer Früher als sonst, am 20. September, findet in diesem Jahre die Hoppegartener Jährlings=Versteigerung statt. Dieser Termin ist gewählt worden, da am 19. September anläßlich des neugeschaffenen Großen Preises der Reichshauptstadt voraussichtlich die am meisten an Deutschlands Rennsport und unserer Vollblutzucht interessierten Persönlichkeiten in Hoppegarten weilen. Der eigentlichen Versteigerung gebt die übliche Schau mit Prämiierung Zur Versteigerung wurden bieber 102 Pferde angemeldet. Unter den Verkäufern befinden sich alle bekannten, für den Jährlingsmarkt züchtenden Gestüte wie Römerhof, Görlsdorf, Westerberg, Nonnenhof. Bärfelde, Charlottenthal und Dambeck. Außerdem stellen bekannte Zuchten wie Zoppenbroich, Ebbesloh, Pläwitz und Waldfried einige Jährlinge zum Verkauf. Hinsichtlich der Abstammung sind fast alle erfolgreichen Vaterpferde vertreten, so Prunus, Herold. Graf Ferro, Wallenstein. Oleander, Landgraf. Alchimist, Flambopant, Aurelius, Ferro und Ladro. 7. Akademische Weltspiele Unsere Schwimmerinnen nicht zu schlagen Am dritten Tage der Schwimmwettbewerbe bei den 7. Akademischen Weltspielen in Paris kamen unsere Schwimmerinnen im vollbesetzten Schwimmstadion Tourelles wieder zu schönen Erfolgen. In ganz großer Form war erneut die Münchnerin Gerda Daumerlang im Kunstspringen, die mit Patrouillen, die aus nationalen Einwohnern gebildet worden waren, im letzten Augenblick verhindert.,„... T.p E.hastan#. Der Rundfunksender von San Sebastian, den die Bolschewisten seinerzeit mit sich geschleppt und in Santander wieder aufgebaut hatten, arbeitet bereits wieder unter nationaler Leitung in der befreiten Stadt. Donnerstag früh verließen 20 Lastautos mit Lebensmitteln Valladolid, um der befreiten Bevölkerung Santanders über die ärgsten Nahrungssorgen hinwegzuhelfen. ziere der See= und Landmacht teil, sowie Beamte des holländischen Augenmtter# Das Diplomatische Korps und die Deutsche Ger meinschaft waren sehr zahlreich vertreten. Trauergottesdienst wurde durch Pfarrer Waßner, einem Bruder des Verstorbenen, abgehalten. Eind Abteilung Marinetruppen erwies die Ehrenbeeigung, als der mit der Reichskriegsflagge bei eckte Sarkophag die Kirche verließ. Ein roher Patron Düsseldorf, 26. Aug. Wegen Fahnenschändung und Verschandelung von öffentlichen Anlagen im Sinne des§ 134a und des§ 304 StGB. verurteilte des Düsseldorfer Sondergericht den am 105.84 Punkten sich den Titel vor der Französin André und den beiden Landsfrauen Samson und Stenzler sicherte— Ebenso eindeutig war die Ueberlegenheit der Berlinerin Matthes im 200=MeterBrustschwimmen. Mit 3:20,4 verwies sie die Engländerin Wincherche und die weiteren Deutschen Meier und Berghaulst auf die Plätze. Unsere Schwimmer dagegen konnten sich gegen das auserlesene Feld der Ungarn nicht behaupten. 100=Meter=Rückenschwimmen holte sich der Ungar Lengpel in 1:04.6 vor dem Engländer Taylor, der 1:05.6 benötigte.— Im 400=Meter=Kraul= schwimmen war sein Landsmann Grof in 5:07,4 vor dem Franzosen Cavalero erfolgreich. Der Deutsche Liebich kam auf dem sechsten Rang ein.— Auch die 4X200=Meter=Kraulstaffel wurde eine Beute der Magyaren. Deutschland lag hier zunächst an zweiter Stelle, doch wurde Könnecke von dem französischen Schwimmer überholt, so daß Frankreich noch den zweiten Platz hinter Ungarn und vor land belegen konnte.— Im abschließenden Wasserballspiel standen sich Frankreich und Belgien gegenüber. Nachdem die Belgier bei der Pause mit 3:0 geführt hatten, konnten die Franzosen schließlich auf 4:4 gleichzieben. Gisela Mauermeyer holte sich den Hochsprung mit 1,52 Meter, und im Speerwurf fiel der Titel an die Berlinerin Goldmann, die 38.85 Meter erreichte. Hier belegte Deutschland durch RothausBerlin und Westphal=Marburg noch den zweiten und fünften Platz. Weltmeister im Diskuswurf wurde der Königsberger Hilbrecht, der die Scheibe 46.25 Meter weit schleuderte. Hinter dem Ungarn Yorzsa mit 45,88 Meter belegte der Hamborner Großfengels mit 43,55 Meter noch den dritten Rang, während der Berliner Schulz mit 39.39 Meter Fünfter wurde. In vier weiteren Wettbewerben wurden zum Teil stark besetzte Vorläufe ausgerichtet. Ueber 100 Meter setzte sich nur der Kölner Vogelsang für die Entscheidung durch, während Sumser ausschied. Sehr scharf war der Kampf über 400 Meter. Harry Voigt=Berlin überstand ihn nicht. Das Finale der 800 Meter erreichten DesseckerStuttgart und der Kieler Pochat, die sich in ihren Vorläufen mit Plätzen begnügten. Der Franzose Leveque lief mit 1:55,8 die beste Zeit. Gewinnauszug 5. Klasse 49. Preußisch-Süddeutsche (275. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 16. Ziehungstag 25. August 1937 In der heutigen Vormittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 20000 RM. 238847 § Gewinne zu 5000 RM. 25157 308940 322074 10 Gewinne zu 3000 RM. 70770 142448 229671 24 Geosnes 2000 NN. 42762 85799 105596 127701 159405 166668 195889 233092 256205 266102 303399 386306, .8 b.-543 4 ie e ver 1eeile 82635 B6s74 133149 12835 128646 136134 47827 169172 160537 162592 162845 163391 178100 183119 189769 194168 203198 205621 206341 222144 228959 231999 238406 246832 261810 261866 262301 263199 264609 272267 273111 280700 294158 300427 301278 805916 308304 316137 316665 32048s 321711 826933 327064 334169 335438 83616 84922 350191 357890 367730 380468 386665 214 Gewinne zu 300 RM. 209 8553 8666 8814 94377 26667 27708 29321 89166 20800 353½9 98339 53670 64365 72811 72942 74322 75878 78769 8264s 83567 86901 95901 100418 101600 1016e7 104722 106066 11864 19973 121111 122386 131629 135184 135861 133348 4402z 153991 161579 162240 173109 j3616 176654 177126 180655 182929 183117 190726 193386 197210 198690 209522 224086 325118 281420 28335s 24046) 345267 248227 248790 249378 26097] 262460 2Na096 268974 260271 263401 267246 269042 270619 271023 277664 283235 267060 289703 291435 29481s 296472 299815 304409 306159 306608 807278 309906 811188 321619 327206 328438 829720 332795 835184 838197 843541 845814 848975 360566 360811 362638 865785 872090 875060 3766is 383390 384393 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 5000 RM. 4 bewinne in 3000 RM. 121667 5937 389291 22 Gewinne zu 2000 RM.„7760i 86836 144263 1660der 93728 7er 20850 9561cd 301338 842389 2896876 263206 977216 306440 318433 342333 862636 36532) göögB, gung 49u6g Soge, 60s87 69118,192135-129429 126146. 142439 154693 16669s 189375 197257 203539 218142 222420 224474 238505 26096a 263327 26507; 319169 820325 326389 832942 355048 366516 370649 577678 379557 86779] 393507 893648 128 Gewinne zu 300 RM 6803 23946 28867 91211 85230 38040 50610 67706 60608 67741 75441 86746 92973 93509 107022 120476 123689 124897 126837 134810 148391 150837 155326 160094 161642 170726 174791 184525 188104 183341 194610 216159 217182 225735 226907 245762 253796 260170 280671 800360 305861 31095S 318321 946528 380136 36466a 366244 336855 357055 S92930 304924 79563 04148 227695 286641 86 571082 183822 206763 228778 296427 323799 37559 Stets einfach war Dein Leben Nie dachtest Du an Dich, Nur für die Deinen streben War Deine höchste Pflicht. Nach Gottes heiligem Willen entschlief heute morgen 2 Uhr nach langem Leiden, öfter versehen mit den hl. Sterbesakramenten meine liebe Frau, unsere nimmermüde, gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, meine liebe Schwester, Schwägerin und Tante PTad JOrlarht Anna geb. Busch Im Alter von fast 68 Jahren. In tiefer Trauer: lohann Weising nebst Kindern und Anverwandten. Schwerte(Ruhr), Hagen, Kamen, Münster, Düsseldorf und Sülberg. den 26. August 1937. Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. August. nachmittags 3½ Uhr vom Trauerhause, Kirschbaumweg 34, aus statt.— Das Seelenamt ist Montag, den 30. August, morgens 7.45 Uhr in der Pfarrkirche zu Schwerte. u Lichtspiele zur Reichskrone Heute bis Dienstag Luis Trenker in seinem letzten und besten Film: Wnenäse zu haben in der Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung, Gr. Marktstraße 3-5 Statt besonderer Anzeige! * Heute vormittag 10¼ Uhr wurde unsere liebe Mlutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Wirel adstaPreidmml Emma geb. Schuss im 64. Lebensjahre, nach schwerem, geduldig ertragenem Leiden, durch einen sanften Tod erlöst. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Hattingen, Siegen, Gütersloh, Unna, Methler, den 26. August 1937. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 29. August 1937, nachmittags 4 Uhr vom evangelischen Krankenhause, aus statt. Trauerfeier eine halbe Stunde vorher. 1877 Waltraut Klein, Caria Sveva Ethel Maggi, August Eichhorn in den weiteren Hauptrollen. Alpengipfel und der Zauber italienischer Städte, Reiterangriffe und das Glück einer großen Liebe, der Kampf um ein edles Ziel und der Einsatz von Blut und Leben geben diesem Film Inhalt und Gestalt.— Fast ein Jahr hat Trenker an diesem Film gearbeitet, unerhörte Anstrengungen wurden gemacht. Der Erfolg gibt ihm recht:„Condottieri“ ist ein Film, den niemand wieder vergessen wird! Wochenschau- Kulturfilm Samstag nachm. 3 Uhr: Jugend-Vorstellung mit„Condottieri“ und Beiprogramm. Eintrittspreise für Jugendliche unter 14 Jahren: 20, 30, 40 und 50 Pfg. Roland-Theater Heute bis Dienstag Das große amerikanische Filmwerk in deutscher Sprache: Die Farm AA TANMM Ein höchst spannender Film aus der Zeit der amerikanischen Bürgerkriege, der Kämpfe der Südstaaten und der Nordstaaten. Wochenschau- Kulturfilm Sonntag nachm. 2½ Uhr: Jugend-Vorstellung 7 Tanz-unterricht Beginn: Donnerstag, den 2. September 1937 im Hotel„Westfälischer Hof“(Quadbeck), Schwerte. Franz Gödde, 1955 Ratten, Mäuse, Heimchen, Kakelacken, Wanzen, Ameisen werden unter Garantie vernichtet, durch Kammerjäger Rosenstein staatl. zugel. Komme überall hin, bin diese Tage in Schwerte und erbitte Bestellung an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. 1679 Samstag, den 28. ds. Nits., vorm. 8 Uhr wird auf der Freibank Kmahelen zum Preise von 30 Pfg. pro 500 Gramm verkauft. 1675 Schlachthofverwaltung. 2 guterhaltene Federflachwagen, 1 Satz Eggen und 1 neuwert. Kultivator hat billig abzugeben: Jos. Händel, Dimd.-Berghofen Schwerterstr. 392." 1676 Vergiß die Räder nicht zu schmieren! Jonst rosten sie drum: znserieren!. RSG. Letmathe, 27. Aug. Der Führer gratulierte. Auf einer Betriebsfeier im Oventropschen Metallwerk in Oberkrüne bei Letmathe zu Ehren des Bevollmächtigten Hermann Heiermann, gab es für den Jubilar eine besondere Ueberraschung. Es traf ein Anerkennungsschreiben des Führers und Reichskanzlers ein, der dem Jubilar zu seinem 50jährigen Arbeitsiubiläum herzliche Glückwünsche aussprach. Unna, 27. Aug. Seinen schweren Verletzungen erlegen ist der 56 Jahre alte Zimmerer Heinrich Loer von hier, der am Sonnabend auf der Göringstraße mit seinem Fahrrad gegen einen Kraftwagen fuhr und sich einen Schadelbruch zuzog. Er starb im hiesigen Krankenhaus, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Kamen, 27. Aug. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich in unserer Stadt. Als Truppen der Wehrmacht durch Kamen zogen, war auch der 80jährige Invalide A. B. aus Methler zum Marktplatz geeilt, um sich an den schneidigen Soldaten zu erfreuen. Da er nun recht viel sehen wollte, war er zu nahe an die Fahrbahn des Durchgangsverkehrs geraten. Hierbei wurde er, da er dem Verkehr nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkte, von einem vorüberfahrenden Lastkraftwagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Der begeisterte alte Mann erlitt schwere Quetschungen an der rechten Körperseite, so daß seine Ueberführung in das hiesige Krankenhaus erforderlich war. Fröndenberg, 27. Aug. Schweres Kraftwagenunglück. Am Mittwoch früh gegen 7 Uhr ereignete sich einmal mehr in der scharfen Kurve an der Unnaer Straße ein schweres Lastwagenunglück, dem erfreulicherweise keine Personen zum Opfer fielen. Infolge des Frühnebels hatte der Fahrer, es handelt sich um einen Lastzug aus Dortmund, die scharfe Rechtskurve in der Nähe der Tillmann'schen Besitzung übersehen. Mit voller Fahrt fuhr der Lastzug gegen den starken Lattenzaun. Der Anhänger wurde auf den Lastwagen gedrückt. Es entstand ein größerer Sachschaden. Der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Altenbögge, 27. Aug. Nach fünf Jahren verurteilt. Damit hatten, wie der Hellw. Anz. meldet, die drei Angeklagten wohl kaum gerechnet, daß ihr Pferdediebstahl aus dem Jahre 1932 sie doch noch einmal vor das Schöfsengericht in Münster bringen würde. Heinrich Wesselmann und August Heider aus Werne sowie Alfons Smolarek aus Altenbögge hatten in einer Augustnacht 1932 dem Bauern Schulzege in Werne einen wertvollen Rotschimmel Lürnen, Spiei, Spert 4=Gaukampf im Säbel=Mannschaftsfechten. Am 5. September 1937 findet in der Eintrachthalle zu Dortmund ein 4=Gaue=Mannschaftskampf im Säbel=Mannschaftsfechten statt. An der bedeutenden sportlichen Veranstaltung, die in dieser Art erstmalig in Dortmund zur Durchführung gelangt, nehmen die besten Säbelfechter aus den Gauen VII(Nordmark), VIll (Niedersachsen), IX(Westfalen) und X(Niederrhein) teil. Der Mülheimer Tennisverein am Kahlenberg e. V., Mülheim(Ruhr) hält einer jahrelangen Uebung folgend sein 9. Allgemeines Jugend=Tennis=Turnier vom 27. bis 29. August 1937 auf den sieben schönen Plätzen am Kahlenberg ab. Es finden Einzelund Doppelspiele für Junioren und Juniorinnen sowie Trostpreise für die in der ersten Runde der Einzelspiele ausgeschiedenen Teilnehmer statt. Die Jugend=Tennis=Turniere des Mülheimer Tennisvereins am Kahlenberg haben sich immer eines starken Interesses erfreut, da hier guter Sport geboten wird. Auch in diesem Jahre sind schon zahlreiche Meldungen spielstarker Junioren und Juniorinnen eingegangen. von denen auch eine Reihe zu den deutschen Jugendmeisterschaften zugelassen war. Aus dem Nachbargebiel NSG. Hörde, 27. Aug. Schwerbeschädigte des Hörder Eisenwerkes in Erholung. Alljährlich unternehmen die Schwerbeschadigten der Dortmund=Horder Hüttenvereine AG. Werk Hörde, eine längere ErJahre, Kreis Brilon. 27. Aug. Der Kreis NSG. Dortmund, 27. Aug, Der; Hellweg in Nurnberg. Bekanntlich uno die ehemaligen Kreise Hamm. Unna u. Lünen nun zu dem großen Kreis Hellweg zusammengeschlossen. Zum ersten Mal wird auf dem diesjährigen Parteitag in Nürnberg der Kreis Hellweg unter Führung seines Kreisleiters Parteigenossen Seideneck an die Oeffentlichkeit treten. 542 Marschteilnehmer und 276 Zivilparteigenossen werden in 3 Sonderzügen nach Nürnberg fahren. scheuerte ihn auf dem Dortmunder für 250 Mk. und gab seinen Kumpanen ein paar Mark ab. Alle drei erhielten nun eine Gefängnisstrafe von je sieben Monaten. Von Berlin nach Nürnberg Die SA. rüstet für die SA.=Kampfspiele. NSG. Die ersten Reichswettkämpfe der SA. liegen hinter uns und es sei hier abschließend festgestellt, daß sie für die SA. ein unbestreitbarer Erfolg und für jeden Teilnehmer ein starkes inneres Erlebnis waren. Denn es galt ja in Berlin nicht irgendein Sportfest zu feiern und dabei nach Möglichkeit neue Rekorde aufzustellen, nein, zum ersten Male in der Geschichte der SA. standen sich die besten Mannschaften und Männer aller 21 Gruppen im edlen körperlichen Wettstreit gegenüber. Sie wußten, daß es bei den Reichswettkämpfen der SA. nicht nur gilt. die Besten zu ermitteln, sondern vor allem die Kraft der SA. und den Willen zum Sieg zu zeigen, der jedem SA.= Mann innewohnt.„., 9 Kampf war und bleibt die Losung der SA Sei es nun, daß sie einst den Gegner aus dem Saale schlug oder daß sie heute das Sportfeld zum Schauplatz ihres Kampfes macht. Und was wir in Berlin sahen, das waren Kämpfe, bei denen jeder einzelne sich bis zum letzten für den Sieg seiner Mannschaft einsetzte. Die Gruppe Westfalen kann mit dem Ergebnis der Reichswettkämpfe außerordentlich zufrieden sein. War es auch nicht in allen Wettbewerben möglich, die ersten Plätze zu erringen. so sind ihre Mannschaften doch oft unter den ersten fünf zu finden. Das Hauptamt Kampfspiele der Obersten SA.=Führung bestimmt nun darüber, welche Mannschaften und Männer bei den SA.= Kampfspielen unter den Augen des Führers um die Entscheidung ringen dürfen. In Nürnberg vertreten unsere Wettkämpfer die gesamte SA. gegen die übrigen Gliederungen und Formationen. Die Aufgabe ist nicht leicht, denn unter den Gegnern befinden sich kasernierte Formationen wie RAD. und Polizei, die selbstverständlich ihre Mannschaften ganz anders vorbereiten können. Aber die SA. nimmt auch nach Nürnberg den unerschütterlichen Willen zum Sieg mit, der sie in Berlin beseelt. Nur noch zweieinhalb Wochen liegen vor uns, bis in der Stadt der Reichsparteitage die Startschüsse fallen und Mannschaft gegen Mannschaft und Mann gegen Mann im deutschen Wettkampf ringen und aller Welt zeigen, daß Deutschland ein wehrhaftes, wehrwilliges und wehrfreudiges Land ist. Börfen und Märkte (Ohne Gewähr!) Großmarkt für Getreide und Futtermittel e. V., Dortmund. 26. August 1937. (Erzeugerpreise für die Festpreisgebiete der Provinz Westfalen). Weizen, 75/77 kg, vom 10. August bis 31. Oktober 1937. W18 205.—; do. W16 203.—“ do. W 13 200.—; do. W12 199.—: do. W11 198.— Rm.„0 Eaf: Ei. 90 Roggen, 69/71 lg. vom 10. Juli bis 30. September 1937. R 18 190.—: do. R 16 188.—; do. R 15 188.—: do. R 16 186.—; do. Rio 184—: do. R 11 182.— RM. 9 Futtergerste, 46/49 kg. per August, H 19 163.—; do. H18 162.—; do. H16 160.—: do. H 15 159.—; do. H14 158.—; do. H 13 156.— RM.„„as60 1, Mm 10 g. Futtergerste, 59000 lg. vom 10. Juli bis 31. August 1937. G14 175.—; do. G13 173.—: do. G 12 172.—; do. G11 170.—; do. G 10 169.— RM. Mehl (Grundpreise für Weizen= und Roggenmehl, Weizen= und Roggenkleie. Die Zuschläge bzw. Handelsfpannen errechnen sich nach den gesetzlichen Bestimmungen). Weizenmehl. Type 812, Vollmehl + 50 Pfg. Frachtausgleich) 16. August bis 30. September 1937, W 18 29.—; do. W 16 29.—. do. W 13 28.25: do. W 12 28.25; do. W 11 28.25 Roggenmehl, Type 1150(+ 50 Pfg. Frachtenausgleich ab 15. August 1936) R 18 23.15: do. R 16 23.—: do. R 1o 22,95: do. R 13 22.75; do. R 11 22,55 RM. Weizenkleie, ab 15. September 1936, W 18 12.05; do. W 16 11.95; do. W 13 11.75: do. W12 11.70; do. W 9 11,55 RM.„ Roggenkleie, ab 15. August 1936. R 18 10,80; do. R16 10.70; do. R 15 10.55: do. R 13 10.45: do. R 11 10,30 RM. Verantwortlicher Hauptschriftleiter Heinz Friedr. Kamecke. Schwerte(Ruhr), Verantwortl. für den gesamten Textteil: Heinz Friedr. Kamecke, Schwerte(Ruhr). Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte(Ruhr). Z. Zi. ist PreisFliste 10 gültig. D.=A. VII. 37: 1534. *** Don Hans Hermann Das Land. von dem ich hier erzähle, gehört nur im weitesten Sinn zu der großen norddeutschen Heide. Es ist ein südlicher Ausläufer, hat rische Entfaltung vergönnt gewesen war, der zehn Jahre hindurch im Frühling und im Herbst todmüde von den Enttäuschungen und zermürbenden Und auch die mächtige, kreisrunde Wacholdergruppe, an der ich durch die abendliche Heide vorbeifuhr, schien mir ein lebendiger Gruß des Dichters! Wie starke, trotzige Wächter standen die Büsche da in dem untergehenden Land. als ob sie es bis zum Letzten beschirmen wollten. Ich stieg zu ihnen ab und lauschte, wie die vielen immer grünen stacheligen Kronen sich gegeneinander wiegten. Und plötzlich verloren sie alles Düstere, sie blickten vertraut und begannen zu erzählen— von dem toten Dichter, der zu ihren Füßen gelegen und Frieden gesucht hatte, den eber. bu ee velsern, u,), eutesen Itendeg Zi. Assicte) vo.—. Spät am Abend durchsabr ich, dgs„beidnische und wenig von der landschaftsverwustenven Zivilisation erfaßt wurde, den ursprünglichen Charakter der Heide treuer bewahrt als manch anderes, bekannteres Gebiet in der Binnenheide. In diesem Land sind die wenigen zerstreuten Siedlungen kleine Welten für sich; man kennt in dem einen Dorf den Namen des anderen, aber damit sind für viele Bewohner die Beziehungen zum Nachbarort erschöpft. Vergessen und unbekannt liegen die Heidedörfer da, das eine oder das andere von dem geheimnisvollen Zwielicht der Sage oder von den trügerischen Irrlichtern unbestimmter Gerüchte umgeben, die niemand mit unerschütterlichem Entdeckungs= und Wahrheitsmut zu ergründen Zeit oder Lust hat. Zum aberhundertsten Male suchte ich in diesem Sommer, von unbezwinglichem Heimweh befallen. das Land auf. Aber es erging mir all diese Zeit her nicht anders als einem der dorfgebundenen Menschen, die nichts von dem Leben jenseits ihres täglichen Daseins wissen. Seit siebzehn Jahren bin ich in einem der verstecktesten Dörfer Gast gewesen, von dem ich einst hoffte, es würde mir ganz und gar Heimat werden Dort hatte ich gelegentlich wohl gehört, daß Jahre vor mir ein einsamer, volksuchender Dichter oft in einen Ort in der Nähe geflüchtet war. Aber wie dieser Ort hieß und was es mit ihm für eine Bewandtnis hatte, konnte mir keiner sagen. In diesem Sommer nun fuhr ich auf dem Rad mitten durch die vertraute Heide und gelangte an einen von Fuhren. Eichen, Erlen und Weiden eingefaßten Kanal. an dessen Ufer ein leidlich bequemer Sandweg zum Weiterfahren einlud. Nach kurzer Zeit wurden die Ufer hügelig; ich erkletterte eine der bewaldeten und von Heidekraut bewachsenen Anhöhen, um mir einen Ueberblick zu verschaffen, und gelangte an ein einsames Denkmal mitten in der Heide, das mich wie selten ein Anblick erschütterte. Es war ein schlichter, vuramidenförmig aufgebauter Gedenkstein aus Findlingsblöcken und einfachen Feldquadern, der nur diese Inschrift trug: Hermann Löns 1904—1914 Ich warf mich zu Füßen des Denkmals in das Heidekraut, um einer starken Erregung Herr zu werden, und dachte dabei nach, was dieser Name mir einst in tastender, suchender Zeit, da ich noch ein halber Knabe war, bedeutete. Blau und wolkenlos spannte sich der Himmel über dem Denkmal, die Heide war noch braun, begann aber schon hier und da zu erblühen und war von erstem Bienengeläut erfüllt. Die Volkslieder, die der tote Dichter zuerst gesungen hatte, strömten in mir auf, und es mag sein, daß ich sie laut gesagt habe,— ich wußte meiner Dankbarkeit keinen anderen Ausdruck zu geben. Erst nach langer Zeit fuhr ich weiter und gelangte in einen Gasthof, der so einsam war wie das ganze Land. Ein uralter Wirt und sein Sohn begrüßten mich. Sie hatten von mir gehört und wußten auch den Namen meines Dorfes. aber ich erkannte bald, daß es ihnen nicht anders ergangen war als mir: Jener nur eine Stunde entfernte Teil der Heide, zu dem ich unlöslich gehörte, war für sie von demselben Halbdunkel umgeben, in dem sie nicht mehr Bescheid wußten als ich bislang in ihrem Teil der Welt. Um so bereitwilliger begannen sie auf meine Bitte von dem toten Dichter zu erzählen, dem in seiner Zeit keine Erfüllung, keine letzte schöpfebeflüchtet war. „Er wollte, wenn überhaupt mit Menschen, nur mit Bauern umgehen", erzählte der alte Wirt. der ihn vor mehr als zwanzig Jahren bedient hatte.„Ich mußte öfters die alten Bauern im Bullerwagen aus den Nachbardörfern herholen. Er gab dann einen aus und ließ sie erzählen und erzählen, bis sie nicht mehr konnten. Wenn sie nach Mitternacht nach Hause fuhren, saß er noch bis zum Morgengrauen oben in seinem Zimmer und schrieb sich auf, was er gehört hatte.“ „Fremde konnte er nicht leiden“, sagte der junge Wirt, der damals noch ein Knabe war. sich aber gut auf den Dichter besinnen konnte.„Einmal ließ er einen ganzen Tag einen Drehorgelmann denselben Schlager spielen— für drei Mark, ich hab sie dem Leierkastenmann selbst gegeben—, um die lästigen„Kurgäste" loszuwerden.“ Der junge Wirt begleitete den Dichter oft auf die Jagd. er mußte ihm das Wild zeigen. Aber Löns schoß meistens nichts; in manchem Jahr brachte er nicht einen Bock mit nach Hause, er hatte zuviel Freude an dem Wild. Auch Briefe und Postkarten hatten die Wirtsleute früher noch, aber die sind abhanden gekommen,— selbst die Feldvostkarte aus dem August 1914, durch die der Dichter mitteilte daß er das bestellte Zimmer nicht beziehen könne, da er als Kriegsfreiwilliger in das Heer eingerückt sei. Der alte Wirt zeigte mir noch sein„Lönszimmer“.— ein kleines Museum: Bilder des Dichters hängen dort, sein alter Hut ruht unter Glas. der Bierkrug steht da aus dem Löns getrunken hatte, und der alte Stock, den er stets bei sich trug und den er selbst in der Nacht neben sein Bett legte. Man hatte in rührender Sorgfalt zusammengetragen, was nur irgend an den Dichter erinnern mochte,— freilich, der einsame Stein auf der Heide hatte mir mehr gesagt. Spät am Abend durchfuhr ich das„beidnische Dorf“, das ein anderer Dichter verannt gemacht hatte, und als ich den Weg kaum noch erkennen konnte, kam ich an dem„heiligen Berg“ vorbei, dem ich selbst diesen Namen gegeben. Die Menschen in dem Land hatten sich zuerst darüber gewundert, dann aber erlebte ich wie der Name und das Werk, das ich darum gesponnen, geheimnisvoll zu leben begann. Vielleicht würde einst eine Zeit kommen, wo man Dichtung und Wirklichkeit nicht mehr scheiden konnte, wo man selbstverständlich annahm, was in der Dichtung zuerst geschaut und ausgesprochen wurde... Ein starker Sturm hatte sich zur Nacht erhoben. gegen den ich mit Mühe anfuhr. Er zwang mich schließlich, vom Rad zu steigen und zu laufen. Aber ich war darüber nicht betrübt, nein, dies war die rechte Zeit, das Land zu erleben! Dies schloß mich mit ihm mehr als alles zusammen! Die Birken hingen zerzaust tief über meinen Weg. in den Fuhren volterte und donnerte es, und ferne war ein langes dunkles Grollen, als ob der Sturm erst mit seinem Toben begonnen hätte und mit seiner ganzen Macht aus dem Dunkel nahte. Schwarz=graue Wolken zogen gespenstisch über die Heide. Dann und wann leuchtete der Mond aus der Unendlichkeit in den nächtlichen Aufruhr. 9.. Gaus mi. Elementarkräfte barg dieses Land wie kaum ein anderes! Daß sie die Dichter anzogen und nie wieder ließen, war dafür der stärkste Beweis. Denn so verschieden alle diese Männer auch sein mochten, wie fremd sie selbst sich vielleicht empfunden hätten: dies einte sie, daß sich das Land mit seinen hellen und dunklen Urkräften in ihnen gestaltete, daß es sich in ihrem Werk erzählte, daß es ihren Seelen Menschen und Schicksale und Vorgänge aus entschwundener Zeit offenbarte, von denen die heute lebenden Bewohner kaum noch wußten. O Wenn die Ernte eingebracht ist (Weltbild— M.) Das Lasertein Erzählung von Mario Heil de Brentani Seit vierzig Jahren tut das Löserlein seine Arbeit im Werk. Als das Löserlein noch ein junges, kräftiges Weib war, starb ihm der Mann unterm großen Dampfhammer. Da ging das Löserlein in die Fabrik und stellte sich an die Stanze und zog zwei Buben groß. Die hat der Krieg geholt. Niemand im Werk weiß recht, wie das Löserlein mit Namen heißt. Nur die Kartei weiß es. Es ist eine uralte, vergilbte Kartei, und wer wissen will, wie das Löserlein als junges Weib ausgeschaut hat, der muß sich das alte Photo auf der Karteikarte ansehen. Als der Stanzhebel in des Löserleins Hand schwerer zu wiegen begann, stellte man einen jangen Burschen an die Stelle, dem Löserlein aber gab man einen breiten, hölzernen Kasten, darin Schrauben und Gewindeteile durcheinanderlagen; die soll das Löserlein sortieren. Und auch ein übriges gibt es zu tun: mit dem Magnet Eisenspäne und Stahlbrocken aus dem Rotgußabfall lesen und ähnliche Hilfsarbeit. Keiner tut sie so gewissenhaft wie das Löserlein. In der Mittagspause aber geht das Weiblein zum Tor hinaus und über den kleinen Hügel. Das ist ein Sonderrecht vom Löserlein. Die Fabrikleitung hat es so bestimmt. Hinter dem Hügel dehnt sich das stille Land, das nichts von den pochenden Kolben und den pfeifenden Riemenscheiben weiß. Da liegt das Löserlein im Gras und guckt in den Himmel, daß die Augen in dem Runzelgesicht noch kleiner werden, bis der Himmel endlich bemerkt, daß des Weibleins Augen so blau sind wie er an seinen guten Tagen. Wenn die Fabriksirene dann ihren jammernden Schrei über das Feld und über den Hügel hinab zum Löserlein schickt, dann steht das Weiblein eilends äuf und humpelt artig ins Werk zurück und nimmt an jedem Tag ein neues Stückchen Himmel in den rußigen Winkel mit, den von früh bis spät eine magere Lampe erhellen muß, dieweil die Sonne die rußigen Winkel nicht besuchen mag auf ihrem Spaziergang. Behutsam fahren die alten Hände durch den Metallstaub und lösen die blitzenden roten und gelben Stücke daraus, als seien sie Goldsucher im Sande der fernen, fremden Welt. Großer Tag ist heute im Werk! Das Backsteintor trägt grüne Gewinde mit bunten Fähnchen darin. Ein halbes Jahrhundert ist über das Werk hingegangen, in guten und bösen Tagen; oft schien es, als sollte der Enkel verlieren, was der Großvater geschaffen. Doch das Werk blieb stehen, und Ehrentag hat der Enkel heute. Auch das Löserlein hat Ehrentag. In der ersten Reihe, unter den würdigen Männern, sitzt es im altmodischen Taftkleid, das ihm viel zu weit geworden ist. Reden und Gesang rauschen ineinander, nur ein Satz bleibt im Hirne haften und läßt das Herz stillstehen und die Hände eiskalt werden. „Wir danken Ihnen, liebe Frau Ba..., liebes Löserlein, so darf ich doch wohl sagen! Wir danken Ihnen für vier Jahrzehnte teures Opfertum für die Gemeinschaft dieses Werkes und für Ihr ganzes Volk! Wir ernennen Sie zum Ehrenmitglied unserer Gefolgschaft und setzen Ihnen hiermit ein Ruhegehalt aus...“ Als das Löserlein am nächsten Morgen ins Werk kommt, faßt es der Pförtner lachend an den Schultern und schaut ihm ins Gesicht. „Feierabend, Muder! Du bist doch pensioniert.“ Aber als er das Löserlein hilflos lächeln sieht, spürt er, daß er das nicht am geschicktesten gesagt haben mag.„Ach, ich weiß schon“, sagt er leise,... du willst uns besuchen.... bitte!“ Das Löserlein geht wie auf Wolken, die Knie zittern, nur der kalte Hauch steht wieder auf Händen und Stirn. Die Kameraden nicken ihr freundlich zu. Wie man einem lieben Gast mit den Augen zuwinkt. Ich gehöre nicht mehr dazu, denkt das Löserlein, ich gehöre nicht mehr dazu... Im Maschinenraum schwingt seit Tagen eine neue Schwungscheibe ihre langen Arme im Kreise. Das Löserlein steckt den Kopf zur Tür hinein und fragt den jungen Kerl, der gerade aus einem Knister Oel in die Kanne gießt: „He, du, seit wann sind denn die Riemen weg? Geht's denn jetzt mit Zahnrädern— bei euch?“ Bei euch... denkt das Löserlein und hört gar nicht auf die Antwort, die der Junge in den Maschinenlärm schreit. Als sie in die Fräserei kommt, ist viel Glückwünschen und freundliches Necken um sie. Da muß das Löserlein mit den andern lächeln, und auch der kalte Hauch auf der Stirn fliegt wieder weg. Dann geht sie mit hastigen kleinen Schritten zum alten Winkel. Doch der ist schon ausgeräumt. Eine neue Fräsmaschine steht davor, und der Maurer kittet gerade lange Bolzen ins Fundament. Die blanken Teile sind von rotem Oelpapier umkleidet, das knistert feindselig, als das Weiblein daranfaßt. „Das ist meine Maschine!“ lacht sie ein junger Geselle an,„jetzt komme ich endlich von dem alten Klapperkasten fort. Jede Nute drei Minuten! Das soll mal einer nachmachen! Und ohne Bohrwasser...“ Er reckt die jungen Arme, daß das blaue Tuch sich zum Platzen strafft. Das Löserlein schaut ihn an, ordentlich hoch muß sie sich recken, um ihm in die Augen blitzen zu können, so groß und stark ist er, kaum reicht des Weibleins Scheitel ihm an die Brust. Da fällt die Angst vom Löserlein ab. Ganz ruhig sind ihre Hände, und ganz langsam gehen die Schritte über den steinernen Damm zum Pförtnerhaus hinüber und an dem breiten, schnauzbärtigen Mann vorbei. Das Löserlein geht in die Pause. Obschon keine Sirene erschallt. Als das Löserlein auf dem Anger liegt wie seither zur Mittagszeit und in den blauen Himmel starrt, ist ihr Herz ganz wundersam versöhnt. Sie muß an den Jungen denken, der nun in ihrem Winkel stehen wird und die reißenden Fräsmesser über das blanke Metall hinführen wird, wie sie einmal das Stanzeisen niederfahren ließ, wie sie ein junges Weib war. Die Jungen holen die Alten ein, denkt das Löserlein, es ist überall das gleiche im Leben. Und es muß wohl so sein. Von Zeit zu Zeit ist Schichtwechsel auf Erden. Und dann auch einmal Feierabend.— Nur der Herrgott bleibt bei den Maschinen... In der Hauptrolle— die Zigarette Von Christian 9## Es mag einem Rauchen mehr als anderen auffallen, wieviel im Film geraucht wird, denn die genießerische Zeremonie, mit der einer oben auf der Leinwand sich eine Zigarette ansteckt, erinnert den Raucher im Parkettsitz peinigend daran, daß ihm jetzt unten vor der Leinwand das Rauchen streng verboten ist. Etwas anderes, Schlimmeres gibt es noch, das absolut aufreizend ist: wenn der Held eben mit einer kalten Zigarette dasitzt, damit spielt, sie auf den Handrücken klopft, sie in den Mund tut— und immer noch nicht ansteckt. Ja, warum macht er das? Warum steckt der die Zigarette nicht an? Es muß wohl vom Regisseur so gedacht sein, es muß einen dramatischen Grund haben, denn der Held vergißt es nicht im Spiel, die Zigarette anzusicken: er soll nicht, er soll so damit spielen, sie so klopfen, in den Mund tun und doch nicht rauchen. Soweit ich weiß, hat noch niemand der Zigarette im Film eine Betrachtung gewidmet. Sie hat, so wenig das Nichtraucher ohne weiteres einsehen werden, seelische, sogar geistige Qualitäten und wäre es wert, in ihren Rollen einmal gewürdigt zu werden. Wie mühelos wechselt sie von einem Fach zum anderen, vom gefährlichen, kriminellen Aussehen, wenn sie, lasch im Mundwinkel des Verbrechers hängend, im Halbdunkel einer wüsten Kneipe glimmt— zum weltmännischen Gehaben in der Hand eines gutangezogenen Gentlemen, der sie raucht und sie womöglich gerade so im Mundwinkel hängen läßt, aber die Zigarette hat mit ihrem Herrn Charakter, Geist, Gesinnung und Betrachtung gewechselt. Was soll man von einem Mann erwarten, der, sonst mit nichts beschäftigt, an einem Fenster steht und hinausschaut? Es ist zumindest zweifelhaft, was er tun wird. Vielleicht dreht er sich bald danach um und tut irgend etwas absolut Gleichgültiges. Aber ein Mann, der im Film an einem Fenster steht, hinausschaut und eine Weile vor sich hin raucht— dieser Mann wird im nächsten Augenblick einen entscheidenden energischen Entschluß fassen, wird sich umdrehen, die Zigarette in einem Aschenbecher ausdrücken und den Entschluß ausführen, den er faßte. Warum es im Film so ist, weiß man nicht, aber es ist so: Schwelende Zigaretten, vor dem Fenster geraucht, bedeuten: Der Held ist in schweren inneren Kämpfen kurz vor entscheidenden Entschlüssen. Es war schon von der kalten Zigarette die Rede, die eben angeraucht werden sollte und im letzten Augenblick kein Feuer bekommt. Diese kalte Zigarette erfüllt eine Aufgabe, deren Wichtigkeit im klassischen Drama schon gut bekannt ist, sie schafft das„retardierende Moment". Eben schien eine beruhigende Lösung der Konflikte nahe, eine Lösung zumindest, nach der man sich eine Zigarette anstecken kann — und da, knapp vorher(das Streichholz war schon angerissen) geschieht etwas Unerwartetes, das die Lösung der Konflikte verzögert, das Streichholz erlischt und schwelt im Aschenbecher oder auf dem Teppich aus, die Zigarette bleibt, wie sie war: kalt. Der Held nimmt sie aus dem Mund, und jetzt beginnt jenes nervenspannende peinigende Spiel mit der Zigarette, dessen Dramatik nur ein Raucher ganz verstehen kann: der Held dreht die Zigarette in der Hand, spielt damit, legt sie auf den Tisch, nimmt sie wieder, klopft sie abwechselnd auf den Handrücken, besieht sie, während er mit jemand gewichtige Sätze wechselt, steckt sie in den Mund, wundert sich im Eifer, daß sie gar nicht brennt, langt aufgeregt nach einem Streichholz und steckt sie hastig an. Und wenn wir mit der Kamera weiterwandern, dann treffen wir sie gleich wieder in einer völlig neuen Rolle: Eine Dame in der Hand, eine Dame auf dem Hocker einer Bar. Die Dame sieht zur Tür hin und entdeckt eben jenen Hern, der aus dem Regen kommt. Sie zieht an der Zigarette, wie sie zu ihm hinsieht, und hinter dem blauen Schleier des Zigarettenrauchs blinzeln ihre Augen aus einem schmalen Spalt. Mit keiner Mühe könnte sie jemals so verführerisch blicken, wenn nicht der Rauch der Zigarette ihr beizend in die Augen stiege. Aber dann geschieht etwas Neues. Der Herr kommt auf sie zu, bleibt vor ihr stehen, nimmt ihr, wie sie eben wieder so herausfordernd rauchen will, mit raschem Griff die Zigarette auf halbem Wege aus der Hand und wirft sie weg.„Ich habe mit dir zu reden!“ sagt er. Ja, was wäre dieser Satz allein für sich, wenn seine Bedeutsamkeit nicht dramatisch mit der überraschenden Zigarettenszene vorbereitet wäre! Niemand würde ihm ohne weiteres soviel Bedeutung beimessen— aber so ist er bedingungslos und gefährlich. Einer Dame die Zigarette aus der Hand reißen, ist eine ausgezeichnete Unhöflichkeit: einem Mann, der das tut, glaubt man sofort, daß er ernsthaft mit der Dame sprechen will und sich auf keine scharmanteren Vorschläge einläßt. Es scheint unmöglich, alle Filmrollen der Zigarette aufzuzählen. Ihre dramatischen Fähigkeiten reichen von der simplen Einsamkeit eines nachdenklichen Herrn, der allein zu Hause in einem Sessel sitzt und raucht— also von der bloßen Stimmung bis zur spannendsten Dramatik. * Runst und LebenGestiie Scheikkts die Einnendes Reiens Von Dr. Rainer Schlösser, Reichsdramaturg und Präsident der Reichstheaterkammer— Zu Goethes Geburtstag am 28. August In allen jungen Herzen lebt in unserer wieder ein Name: Goethe. Er ist ja noch immer das Beispiel der Beispiele, das Reich in seiner Ganzheit. Deshalb fand sich der „Faust“ in den Tornistern so vieler deutscher Soldaten. Fragt sie, und sie werden es euch bestätigen, daß es wieder und wieder Goethe war, an dem sie sich innerlich zum äußersten steigerten. Ob im Kriege oder im Frieden, das Erlebnis Goethe ist für den Deutschen immer das gleiche gewesen. Am treffendsten hat es vielleicht Tieck umschrieben, der da sagt:„So wie Goethe nur die Augen auftat und sie anderen öffnete, war Deutschland unmittelbar auch da. Denn nicht das Talent und die Vollendung ist es allein, die Goethe charakterisiert, sondern die deutsche Gesinnung, die Verklärung des Volkes und des Vaterlandes, das durch ihn gleichsam im Bewußtsein erst entstand und entdeckt wurde.“— Durch die unvergleichliche Verdichtung der deutschen Innerlichkeit hat Goethe mit seinem Schaffen seinem Volke die Einheit des Reiches geschenkt, als Deutschland noch nicht einmal ein Staat war. Allein diese Feststellung genügt, um jede engstirnige Kritik an dem Großen von Weimar als verabscheuungswürdige Anmaßung zu kennzeichnen. Goethe ist in seiner Notwendigkeit für unser völkisches Leben heute wie ehedem gar nicht zu überschätzen. Sein„Götz“ ist in seiner kräftigen Gradheit und Gemüthaftigkeit eine unversiegbare Quelle für die ständige Wiedergeburt des Reiches aller Deutschen. Es ist unausdenkbar, wie sich unser Volk sein Bestes erhalten sollte, wenn es sich in Stunden der Weihe und Selbstbesinnung, aber auch der Ermattung und des Versagens nicht immer wieder an der vorbildlichen Mannheit solcher Dichtungen aufrichten könnte. Als der Staat in Trümmern lag und das Reich nur noch in wenigen lebte, in den Nachkriegstagen, ist uns Götzens Vision von der Zukunft Deutschlands nicht fast ein Gebet geworden.„Vielleicht, daß Gott“, so haben wir mit Goethe und Götz um das deutsche Schicksal gebangt und gehofft,„vielleicht, daß Gott den Großen die Augen über ihre Glückseligkeit auftut? Wenn sie das Ausmaß von Wonne fühlen werden in ihren Untertanen, glücklich zu sein, wenn sie menschliche Herzen genug haben werden, um zu schmecken, welche Seligkeit es ist, ein großer Mensch zu sein, wenn die volle Wange, der fröhliche Blick jedes Bauern, seine zahlreiche Familie, die Fettigkeit ihres ruhenden Landes besiegelt, und gegen diesen Anblick alle Schauspiele ihnen kalt werden: dann wird der Nachbar dem Nachbarn Ruhe gönnen, weil er selbst glücklich ist. Dann wird keiner seine Grenzen zu erweitern suchen. Er wird lieber die Sonne in seinem Kreis bleiben, als ein Komet durch viele andere seinen schröcklichen unsteten Zug führen. Der unruhigste Kopf wird zu tun genug finden. Wir wollten die Gebirge von Wölfen säubern, wollten unseren ruhig ackernden Nachbarn einen Braten aus dem Wald holen und dafür die Suppe bei ihm essen. Wäre uns das nicht genug, wir wollten uns mit unseren Brüdern gleich Cherubs mit flammenden Schwertern vor des Reiches Grenze lagern und die Ruhe des Ganzen beschützen. Das wäre ein Leben, wenn man seine Haut vor der allgemeinen Glückseligkeit setzte!" Dieser Hymnus vom deutschen Leben ist kein Staatsprogramm, aber es ist der Ausdruck einer Gesinnung, die wir das Reich nennen, und auf der ein deutscher Staat allein beruhen kann. Und so ist es immer bei Goethe. Und wenn der Schmachfrieden von Versailles uns vor die Wahl gestellt hätte: endlose Fronarbeit oder Auslöschung des„Faust“ aus unserem geistigen Besitz, so hätten wir uns für die Fronarbeit entscheiden müssen. Hätten uns in unserer Sklaverei dann doch den„Faust" erhalten und damit das geheimnisvolle völkische Lebenselixier, das zu jedem Widerstande kräftigt, das mütterliche Reich, welches die Staaten gebiert. Ich meine mit diesen Umschreibungen dasselbe wie Rosenberg, wenn er behauptet, der„Faust" stelle das Wesen von uns, dar, das Ewige, das nach jedem Umguß unserer Seele in der neuen Form wohnt. Strömt von einer Dichtung das in ihr einbeschlossene germanisch=nordische, Wesen der Weltüberwindung und des Kampfes auf Leser oder Zuschauer aus, so ist dies Werk aus dem Geiste des Reiches heraus geschaffen. Darum muß das Weihespiel der Deutschen, in dem wir Brot und Wein, so unsere Seele nährt, heiligen Rausch und letzte Lösung aller Rätsel finden, Gegenstand unserer ewigen Hingabe sein. Allein Goethe ist es zu verdanken, daß wir das Wesen unseres ganzen Volkes mit einem Worte, eben mit dem Namen Faust, auszudrücken vermögen. Es ist unendlich viel, was uns dadurch geschenkt wurde, in einem Worte die Welt, wie sie der Deutsche lebt und fühlt! Im Grunde wird hier etwas Unsagbares ausgesprochen, denn der begrifflichen Fixierung der Lebensvorgänge sind ja Grenzen gesetzt, man kann zwar das Wesen von Epochen in aller Kürze bezeichnen, indem man die Namen ihrer Stile, etwa Gotik oder Barock, nennt, man kann eben noch Weltanschauungen charakterisieren, indem man die begreiflichen Norbehelfe Idealismus und Materialismus anwendet. Es handelt sich dabei aber doch immer noch um Teilerscheinungen. Darüber hinaus bleibt unsere Sehnsucht bestehen, die Schöpfung erschöpfend zu umreißen, festzuhalten, was sich weder mit einem Wort, noch mit einem Begriff einfangen läßt, weil es zu umfassend gedacht werden muß, und was andererseits zu undeutlich ist, als daß es in einem Begriff formuliert werden könnte. Kurz, wir werden immer bemüht sein, alles das, was Geistiges und Seelisches, Haltung und Verhalten in einem enthält, das, was wir unter dem Reich verstehen, in ein Bild, oder, wenn man es will, in ein Symbol einzuprägen. Goethe ist das im Faust gelungen. Es bedarf keiner Betonung, daß solche Bilder einmalig sind., Sie haben nicht nur eine rätselvolle Beziehung zu allem, was uns umgibt, sondern auch eine rätselhafte Geltung für das, was uns bewegt. Sie sind die Springwurzeln unserer Art. Man kann sie an unserer Seele anlegen, und plötzlich enthüllt sich der tiefere Sinn und der tiefere Trieb unseres Handelns. Man kann mit ihnen unsere Fehler und unsere Vorzüge erklären. Sie lernen das: Erkenne dich selbst, damit du fähig bist, du selbst zu sein, oder anders gesagt: Sie zeigen uns den ewigen Deutschen und befähigen uns dadurch erst, selbst ganz Deutscher zu sein. Wie ein Ei dem andern, so gleichen sich die festlichen Kleider aus der Zeit der„Queen“, die diese beiden Brautjungfern zu einer Londoner Hochzeit trugen.(Weltbild M.) herrschung von Farbe, Form und Material, also aller Grundgesetze der Gestaltungsmittel führen. Dem Studium der Natur ist hierbei ein großer Einfluß eingeräumt. Durch sorgfältige Zeichnungen muß die innige Beschäftigung mit dem schier unerschöpflichen Formenreichtum der Landschaft bewiesen werden: Blumen, Blüten, Früchte, Aeste, Holzschnitte, Kohlblätter und dergleichen werden zu Gegenständen genauester Beobachtung gemacht. Nichts gilt für so unbedeutend, als daß sich nichts aus ihm lernen ließe. Neben die Zeichnung tritt die Photomontage, die dazu dienen soll, über die Grenzen der eigene Phantasie hinaus neue Muster zu entdecken. Kleinaufnahmen von Tieren und Landschaften werden ausschnittweise vervielfältigt und zu Ornamenten gefügt, die teilweise von ganz ausgezeichneter Wirkung sind. Außerdem werden die plastischen Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung von Stoffen in den unterschiedlichsten Materialzusammenstellungen erschöpfend untersucht. Die zu diesem Behelf herangezogenen Mittel sind mitunter seltsamt Brot, Stroh, Zündhölzer, Zigarrenstummel, Korkstücke, Holzsplitter und wer weiß was noch, alles muß der Anregung für neue Bemusterungen dienen. Wesentlich ist auch, daß die Farb- und Kompositionslehre eine gewissermaßen sinnbildliche Vertiefung erstrebt. Die verschiedenen Farbabstufungen werden mit Recht als Ausdrucksmittel und Stimmungselemente betrachtet. Spricht nicht auch der Laie gelegentlich rein empfindungshaft von„warmen" und„kalten" Farben und zieht hierbei bestimmte Zusammenstellungen seiner persönlichen Art entsprechend vor, um andere abzulehnen? Hier kommt en Itten auf eine genaue Analyse an, die geeignet ist, dem Studierenden klaren Aufschluß über seine Eigenart zu verschafen und ihm damit die Möglichkeit zu geben, sich vor gefährlicher Einseitigkeit zu bewahren. Alle diese Dinge sind geeignet, den Eindruck eines zielbewußten und starke Entwicklungsmöglichkeiten verheißenden Schaffens zu erschließen. Tausend Mustel an der Vand Form, Farbe und Stoff schaften neue Gestalt Reportage von Werner Fuchs=Hartmann Der Sinn des Menschen für die Schmuckwerte von Ornament und Farbe geht bis in die graue Vorzeit zurück und kommt selbst in primitiven Kulturen zum Ausdruck. Es ergab sich bei einer so alten Ueberlieferung bald von selbst, daß im Ablauf der Jahrtausende der Spielraum der Phantasie immer enger umrissen wurde und für grundsätzlich, neue Formen kaum noch eine Möglichkeit zu sein schien. Da wurde nun jetzt die Staatliche Schule für textile Flächenkunst gegründet. Sie befindet sich in Krefeld. Die Bestrebungen ihres Leiters, Johannes Itten, verdienen schon deswegen unsere Beachtung, weil er sich von ganz anders gearteten Anregungen bestimmen läßt, als man sonst in dieser Hinsicht gewöhnt ist. Die Schule will jene künstlerische und geschmackliche Ausbildung vermitteln, die für eine künftige Tätigkeit als Musterzeichner, Kolorist, Atelier= oder Betriebsleiter in der Textilindustrie so wesentliche Bedeutung hat. Der Erfolg dieser Bestrebungen kann noch nicht ganz für die Praxis übersehen werden, da für den abgeschlossenen Lehrgang sechs Semester vorgemerkt sind. Immerhin muß jedoch schon jetzt hervorgehoben werden, daß für die Art dieser Ausbildung zwei grundsätzliche Neuerungen entscheidend sind. Einmal besteht die Absicht, den Studierenden eine Kenntnis der im praktischen Betrieb verwendeten Maschinen in der Form zu vermitteln, daß ein Schüler der Anstalt einen modisch brauchbaren Stoff nicht nur entwerfen, sondern bis zum fertigen Stück auch selbständig und werkgerecht herstellen kann. Das heißt: Bindungslehre, Patronieren, Material= und Warenkunde werden neben der theoretischen Einführung auch praktisch durchgearbeitet. Zum anderen geht das Bestreben dahin, die Studierenden soweit zu bringen, daß sie nicht einfach einen gewissen Formenschatz übernehmen und hernach von ihm abhängig sind. Es geht vielmehr darum, in den Lernenden jene schöpferischen Kräfte zu wecken, die zu einer von bestimmten Tendenzen und tagfälligen Moderichtungen unabhängigen BeDas Begräbnis der„Gurrenden Taube“ Eine deutsche Indianergeschichte von Willi Schäferdiek Es war einen Sommer vor dem großen Kriege. Wir Jungens, damals alle so um die vierzehn Jahre alt, trieben uns in den großen Ferien als tapfere Sioux=Indianer in den Wäldern unserer Heimat umher. Langer Federschmuck und bunt bemalte Gesichter gaben uns ein schreckenerregendes Aussehen. Und wenn wir mit erhobenen Streitäxten und unter Absingen unserer Kriegerlieder durch die Straßen unseres Städtchens tobten, mochten sich wohl die Squaws der Bleichgesichter voller Angst verstecken. Der Sommer war sehr heiß geworden. Nach eingehender Beratung im Zelt unseres Häuptlings, des„Roten Panthers“, verlegten wir daher unseren Kriegsschauplatz aus den grünen Waldgefilden an die Ufer des Flusses, der in anmutigem Bogen unser Heimatstädtchen umfloß. Zwei Wochen führten wir so in Freiheit und Ungebundenheit unser Flußleben. Dann geschah etwas, was uns alle erzittern ließ. Um es kurz zu sagen: der Tod griff plötzlich einen aus unserer Mitte. Es geschah in einer so merkwürdigen Art, daß ich trotz der Grausamkeit davon erzählen möchte. Wie gesagt: wir hatten unseren Kriegsschauplatz an die Ufer des Flusses verlegt. Versteht sich, daß wir als gute Wald= und Fluß=Sioux schwimmen konnten wie die Delawares im amerikanischen Westen. So mochten auch wohl unsere Eltern nicht allzu große Sorgen haben, wenn wir mit lautem Uebermut in dem fließenden Wasser umhertollten. Nun aber hatte unser heimatlicher Fluß eine tückische Stelle— unterhalb eines alten Steinbruchs befanden sich einige von Zeit zu Zeit aufbrechende Strudel, die schon manches Opfer gefordert hatten. Es war den Mitgliedern unseres Stammes durch den„Roten Panther“ unter Androhung des Marterpfahls streng verboten, beim Baden und Schwimmen auch nur in die Nähe dieser Strudel zu kommen. Gewohnt, die Befehle unseres Häuptlings blind zu befolgen, wie wir es ihm bei aufgehendem Halbmond unter gekreuzten Taschenmessern geschworen, hielten wir alle uns darum von dieser gefährlichen Stelle fern. Eines Morgens— wir hatten uns gerade unterhalb des Steinbruchs zu einem kleinen Kriegsrat niedergelassen— klang plötzlich von den Strudeln her ein angstvolles Hilfegeschrei zu uns hin. Aufblickend entdeckten wir einen fremden Jungen, der vom anderen Ufer herübergeschwommen sein mochte und der nun, mit den Gefahren des Flusses nicht vertraut, in die todbringende Nähe der Strudel abgetrieben war. Der„Rote Panther“, mit der„Gurrenden Taube“ zu den besten Schwimmern unseres Stammes zählend, sprang sofort auf, stieß die„Gurrende Taube“ an und sprang. nachdem er eilig seinen Federbusch vom Kopf gerissen hatte mit kühnem Satz ins Wasser. Fast im gleichen Augenblick mit ihm die„Gurrende Taube“. Uns Zurückbleibenden stockte der Atem. Wir sahen den fremden Jungen dicht vor den Strudeln wieder auftauchen und gellend noch einmal um Hilfe rufen. Dann sackte er plötzlich vor unseren Augen ab. Gleichzeitig aber sahen wir unsere beiden Stammesgenossen mit heftigen Armstößen der gefährlichen Stelle näherkommen. An der Stelle, wo der Junge zuletzt aufgetaucht war. hielten sie an und riefen sich etwas zu was wir aber nicht verstehen konnten Wie auf Kommando tauchten sie dann in den Fluß binab. Eine Weile sahen wir nichts als strudelndes Wasser. Mit zitternden Knien standen wir und wagten nicht zu sprechen. Plötzlich tauchten prustend die Könfe unserer Freunde wieder auf. Die „Gurrende Taube“ hielt etwas im Arm— es mußte der Untergegangene sein. Inzwischen war der„Rote Panther“ dicht an die beiden herangeschwommen. Er griff den Geretteten, den die„Gurrende Taube“ an den Beinen aus der Tiefe heraufgeholt hatte, beim Kopf und schwamm mit ihm rücklings zum Ufer. Wir jubelten über das gelungene Rettungswerk, verstummten aber in jähem Erschrecken, als wir bemerkten, wie die Armstöße der„Gurrenden Taube“ müder und langsamer wurden. Plötzlich sank er vor unseren Augen. Entsetzt schrien wir auf, Der„Rote Panther", der gerade den Uferrand betrat, erfaßte sofort die Lage. Er ließ den Geretteten zu Boden gleiten, rief uns noch mit heiserer Stimme zu, wir sollten uns um den Jungen bemühen, und sprang mit einem gewaltigen Satz wieder in den Fluß. Der Gerettete spie einen Strahl schmutzigen Wassers aus und begann dann zu weinen. Wir sahen ihn außerhalb jeder Gefahr und deckten ihn mit Kleiderbündeln zu, während einer von uns zum Städtchen lief. um Hilfe herbeizuholen. Zitternd vor Aufregung sahen wir dann, wie der„Rote Panther" der Unglücksstelle immer näher kam, wie er innehielt, um sich tief voll Luft zu vumpen— dann tauchte er in die Tiefe. Nach einer Weile hob sich sein Kopf wieder aus dem Wasser empor, wieder holte er tief Luft— zum zweiten Male verschwand er vor unseren Augen. Und noch einen dritten Versuch unternahm er, die„Gurrende Taube“ der Dunkelheit des Wassers zu entreißen. Auch der blieb erfolglos. Da gab er es auf und kam mit müden, hilflosen Ruderbewegungen wieder zurück ans Ufer geschwommen. Mit zitternden Knien, immer noch nach Luft jappend, das Gesicht eingefallen und blaß wie ein Laken, stieg er an Land. Schweigend nahmen wir ihn in Empfang. Er sah uns der Reihe nach an, warf sich dann aufstöhnend nieder auf den Boden und brach plötzlich in ein schluchzendes Weinen aus. Kurz danach kam die erste Hilfe des Städtchens. Tonlos erstattete der„Rote Panther" Bericht, während zwei Feuerwehrleute mit langen Stangen die Unfallstelle abzufischen begannen. Der kurz darauf eintreffende Arzt fand den Geretteten schlafend an. Die„Gurrende Taube“, unser Freund aber der ihn dem sicheren Tode entrissen, hatte sein kühnes Nettungswerk mit dem Tode bezahlen müssen. Wie ein Häuflein Geschlagener, zum ersten Male die Gewalt des Schicksals spürend, zogen wir auf Geheiß der Rettungsmannschaft heimwärts Und es war keiner unter uns, der an diesem Abend nicht die Grausamkeit des Schicksals anklagte. Spät erst, so erfuhren wir am nächsten Morgen, war die Suche nach der„Gurrenden Taube“ erfolgreich gewesen. Das. Leben aber vermochte dem Kameraden niemand wiederzugeben. Drei Tage später wurde unser tapferer Freund zu Grabe getragen. Die ganze Stadt gab ihm das letzte Geleit. Wie bei einem in der Schlacht gefallenen Krieger schritt eine Musikkapelle vor dem Wagen einher, der unter Bergen von Blüten und Blumen seinen weißen Sarg trug. Mit schwarz umflorten Fahnen folgten ihm die Vereine. Wir aber, seine Sioux=Kameraden, erwiesen ihm eine Ehre ganz besonderer Art. Am Tage vor dem Begräbnis ließ der„Rote Panther" uns Nachricht zukommen, daß er die Erlaubnis erwirkt habe der„Gurrenden Taube“. die als ein tapferer Siour gestorben sei, mit seinem Stamm in Kriegerkleidung folgen zu dürfen. So schritten wir denn, mit unseren Federbüschen und unseren Streitärten ausgerüstet, als Erste hinter dem Leichenwagen einher. Uns voran ging der„Rote Panther“. Auf einem roten Samtkissen trug er. wie man einem toten Feldherrn Orden und Ehrenzeichen nachträgt. Tomahawk und Federschmuck unseres Freundes. Und keiner war da, der über diesen Aufzug zu lächeln gewagt hätte— überall, wo unser Zug vorüberging, entblößten sich die Häupter... Als dann der Sarg in der Tiefe versunken und eingesegnet war, traten wir in stiller Ordnung um das Grab, grüßten mit dem Gruß unseres Stammes und warfen dem Kameraden mit den Zeichen seiner eigenen Siouxwürde auch unsere Federbüsche und Streitärte auf den Sars. Dann trat— auch dies war ein letzter Freundschaftsdienst, den der„Rote Panther“ veranlaßt hatte— ein Schützenzug an das Grab und feuerto wie bei einem ruhmvoll gefallenen Krieger eine dreimalige Ehrensalve über das offene Grab. Prauenwelt und Heim Auch Kinder sind vollwertige CNas Sch##n] Vom rechten Umgang mit den Kleinen Achtung Chetr: vor ihrem Wesen und Spiel Wahrheit über alles! Manchen Menschen fällt es sehr schwer, mit Kindern umzugehen, und es gelingt ihnen fast nie, das Herz der Kleinen zu erobern. Eine allererste Regel, die man beherzigen soll, ist, daß man bei der ersten Begegnung mit dem Kinde, nicht zu freundlich ist. Man soll nicht auf das Kind losstürzen und es nicht gleich auf den Schoß nehmen. Man soll bedenken, daß Kinder, ähnlich wie scheue Vögel, sich erst ein wenig gewöhnen müssen. Sie müssen den Fremden zunächst kennenlernen, und das gelingt am besten, wenn man das Kind im ersten Augenblick unbeachtet läßt. Kinder lieben es gar nicht, in den Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit der Erwachsenen gerückt zu werden. Das macht das Kind nur verwirrt. Man soll auch nicht allerlei Fragen an das Kind richten, die es dann unter dem allgemeinen Blickfeuer beantworten muß, son. dern man soll sich ihm gegenüber so verhalten, wie gegen jeden beliebigen Erwachsenen, den man ja auch nicht sogleich mit Fragen und Freundlichkeiten bestürmt. Sehr unbeliebt macht man sich bei Kindern, wenn man in einer erkünstelt kindlichen Weise zu ihnen spricht. Auch lieben sie es gar nicht, wenn man ihren Namen durch allerlei Koseformen entstellt. Kinder wollen nicht immer„klein“ genannt werden. Sie bekommen dadurch ein Minderwertigkeitsgefühl, das ihnen unangenehm ist und um dessentwillen sie den Erwachsenen, der es ihnen beibringt, meist verabscheuen. Wenn man mit einem Kinde spricht, soll man das nicht von oben herab tun, so daß dem Kinde seine Schwäche und Kleinheit zum Bewußtsein kommt, sondern man soll mit Kindern sprechen wie mit Seinesgleichen.— nun soll auch das, was sie einem erzählen, durchaus ernst nehmen. Es geht nicht an, daß man über das, was sie sagen, lacht, nur weil sie in ihrer kindlichen Art eine andere Einstellung zu den Dingen haben als wachsenen. Man sollte auch ein Kind nicht necken, denn man soll daran denken, wie unangenehm #s einem selber ist, wenn man geneckt wird, ohne daß man die Neckerei mit gleicher Münze heimzahlen kann. Neckerei einem Kind gegenüber kann ebenso gefährlich und verletzend sein wie Ironie gegen einen Erwachsenen, der nicht imstande ist, ebenfalls ironisch zu Schelte und Tadel sino Kinvern gegenuber zwar bisweilen nötig, man sollte aber Maß damit halten. Dagegen soll man sie, wenn sie es verdient haben, loben, ohne zu übertreiben, so wie man einen Erwachsenen loben würde. Ein wenig Anerkennung tut dem Kinderherzen wohl. Kinder, über deren Einälle man aus Gedankenlosigkeit lacht, können säufig ihr ganzes Leben lang eine Furcht in h tragen, sich lächerlich zu machen, und das mit das schlimmste, was einem geschehen kann. Etwas, woran man sich im Verkehr mit Kindern gewöhnen muß ist, unbedingte Wahrheitsliebe. Man darf sie niemals belügen und auch in ihrer Gegenwart keine Lüge aussprechen. Denn die klaren Kinderaugen durchschauen einen Erwachsenen ohne weiteres und man schneidet vor dem kindlichen Richterstuhl nicht gut ab, wenn man sich nicht an die Wahrheit hält. Ganz abgesehen davon, daß man ihnen ein schlechtes Beispiel gibt. Es ist auch sehr unweise, in Gegenwart von Kindern unfreundlich über Abwesende zu sprechen. Kinder begreifen auch das nicht, aber man kann ihnen auf diese Weise die schlechte Angewohnheit des Klatschens anerziehen. Wenn man mit Kindern spielt, muß man das Spiel ebenso ernst nehmen, wie die Kinder das tun. Wenn man Kindern Spielzeug oder Süßigkeiten mitbringt, so kann man wohl verlangen, daß sie sich höflich bedanken, nicht aber daß sie auf Grund dieser Geschenke nun Anhänglichkeit und Sympathie für den Geber an den Tag legen, denn Anhänglichkeit und Sympathie lassen sich durch Geschenke nicht erkaufen,— das sollten wir wissen! Solche Geschenke müssen ohne den Gedanken an Wiedervergeltung gemacht werden. Die Liebe und Anhänglichkeit eines Kindes ist ein wundervolles Geschenk, das wir als ein solches hinnehmen sollen. Einen Anspruch darauf haben wir unter keinen Umständen, wie sich ja Liebe und Freundschaft überhaupt nicht erzwingen lassen. Das große Wunder (Löbrich— M.) Strom auf Stottern. Bequemlichkeit— ratenweise bezogen!— Der Kassierer hinter der Haustüre— Zahlen Sie lieber auf einmal oder in kleinen Beträgen? In dem sonst so friedlichen Dasein der Eheleute Müller trat allmonatlich eine ernstliche Störung auf. Sobald der unvermeidliche Bote des Elektrizitätswerkes am Monatsende erschien, um den gehabten Stromverbrauch festzustellen und die fälligen Gebühren dafür einzuziehen, gab es im häuslichen Frieden einen kleinen, deutlich vernehmbaren Knacks. Denn die Stromrechnung war„natürlich“ wieder höher als man angenommen hatte— angenommen nicht unter dem richtigen Gesichtswinkel der den Monat hindurch, genosien elektrischen Bequemlichkeit, sondern unter dem stark einseitigen Betrachtungswinkel der in diesen fortgeschrittenen Tagen des Monats chronisch herrschenden Ebbe der Wirtschaftskasse. Und es setzte eine Reihe von Ermahnungen, zuerst vom Hausherrn an die Adresse der Hausfrau, dann in umgekehrter Richtung. Bügeleisen, Staubsauger, Heizkissen, Heißwasserspeicher, Heizofen und anderes mehr ward für die unglaublich hohe Stromrechnung verantwortlich gemacht, aber auch der Tischventilator, der Rauchverzehrer, der Zigarrenanzünder, die elektrische Rasierschale wurden zu Streitobjekten. Man kann verschiedener Meinung darüber sein, ob wirklich gerade die kleinen elektrischen Bequemlichkeiten, der Brotröster, die Wärmplatte, der Zigarrenanzünder, der Rauchverzehrer und wie sie alle heißen mögen bei der äußerst kurzen Benutzungsdauer, die ihnen gemeinsam ist, wirklich den„Kohl fett machen". Eine einfache Rechnung zeigt zum Beispiel, daß ein Brotröster, täglich ein paar Minuten benutzt, im ganzen Monat vielleicht ein paar Groschen Strom kostet. Wie dem aber auch sei: die Erlegung der Stromkosten auf einen Sitz ist manchen Menschen höchst unangenehm und hat den Wunsch geweckt, den Strombezug gegen ratenweise Zahlung möglich zu machen.„Strom auf Stottern“— an sich gibt es das schon seit mehreren Jahren, aber es ist in Deutschland bisher noch wenig bekannt geworden. Die Sache ist an und für sich furchtbar einfach. An der Stelle des normalen Stromzählers sitzt ein sogenannter Münzzähler. Das ist ein Automat wie jeder andere auch. Man wirft eine Münze in ihn ein und betätigt einen Schaltergriff: nunmehr verkauft der Automat dem Verbraucher völlig selbsttätig eine bestimmte Menge elektrischer Arbeit, nicht mehr und nicht weniger. Wirft man zwei Münzen ein, so gibt der Zähler die doppelte Arbeitsmenge ab, bei drei Münzen erhält man das Dreifache. Man kann also leicht dafür sorgen, daß einem nicht plötzlich am Abend mitten im schönsten Grand mit vieren das Licht ausgeht. Der stumme RatenKassierer hinter der Haustür zeigt nämlich zugleich auch noch an, wieviel Strom man auf Grund der eingeworfenen Münzen noch guthat. Wird es knapp, so wirft man einfach ein paar neue Münzen ein, und der störungsfreie Strombezug ist weiter gesichert. Das wesentliche nun ist, daß sich bei dieser Art des Strombezugs die ganze Rechnung des Monats in lauter kleine Beträge auflöst. Man kauft nur dann Strom, wenn man ihn braucht, man bezieht ihn in kleinen Mengen und bezahlt ihn bar. Das Ankreiden hat aufgehört, der Kassierer am Monatsende bleibt fern, die Lauferei zur Werkskasse, die notwendig wurde, wenn man nicht zu Hause war als der Kassierer kam, hat ein Ende. Derartige Münzzähler haben vor allem im Ausland großen Absatz gefunden, aber auch im Reich erfreuen sich in manchen Städten hoher Beliebtheit. Natürlich muß der Wunsch nach einer solchen Einrichtung, wie sie ja auch die Gasversorgung in Form ihrer Gasmünzzähler kennt, vom Verbraucher ausgehen. Die lische aus den Verbraucherkreisen sind jedoch zahlreich und lebhaft, und sie sind es nicht nur in den verflossenen Zeiten wirtschaftlicher Nöte gewesen, sondern auch heute noch, weil die meisten Menschen einen zu zahlenden größeren Betrag lieber in kleinen Raten als auf einmal, und dann noch zu einem Zeitpunkt der Kassenebbe, entrichten. Der einzelne Groschen, der in den Automaten wandert, drückt nicht so, auch wenn er öfters geopfert werden muß, wie der höhere Rechnungsbetrag, der am Monatsende in die Geldtasche des Stromkassierers wandert. Krabben und Krebse Ratschläge für die Hausfrau Leider sind in den meisten Gegenden Krebse so teuer, daß man sie nicht recht erschwingen kann, es sei denn einmal zu einer besonders festlichen Gelegenheit. Dagegen sind die sehr wohlschmeckenden Nordseekrabben, die sogenannten Garneelen, preiswert zu haben. Man kauft am besten das schon entschälte Krabbenfleisch, das man nur in ein wenig kaltem Wasser abwäscht. Dann kann man alle möglichen netten kleinen Gerichte daraus bereiten. Ueberbackene Krabben in Muscheln. Man mischt 250 Gramm abgewaschenes Krabbenfleisch mit 2 Tassen Semmelmehl, ein wenig Salz, Pfeffer, Senf und so viel Sahne, daß sich ein dicklicher Brei ergibt. Mit diesem füllt man gut mit Fett ausgestrichene Muscheln, die man mit Semmelmehl bestreut und mit ein wenig zerlassener Butter beträufelt. In recht heißem Ofen überbackt man die Muscheln einige Minuten, bis sie eine schöne goldbraune Farbe annehmen. Fischklops mit Krabben, 1 Pfund gekochter Fisch wird durch die Hakmaschine gedreht und mit etwas Mehl, Salz, Pfeffer, einer geriebenen Zwiebel und 1 Ei zu einer festen Farce geknetet, die man zu runden Klößchen formt und in kochendem Salzwasser aufwallen läßt. Man legt diese Fischklöße auf eine flache Schale und gibt ein Krabbenragout darüber. Man bereitet zu diesem Krabbenragout eine Mehlschwitze aus ½ Eßlöffel Butter und 1½ Eßlöffeln Mehl und füllt die Schwitze mit 2½ Tasse Milch auf. Dann nimmt man die Soße vom Feuer und zieht sie mit einem Eigelb ab. Hierauf gibt man das im Wasserbade erhitzte Krabbenfleisch hinein und gibt das Ragout über die Fischklöße. Man kann dieses Gericht auch in eine feuerfeste Form tun, es dann obenauf mit Semmelmehl bestreuen, mit zerlassener Butter beträufeln und in heißem Ofen etwas bräunen lassen. Krabben und Tomaten. Ein kleiner Selleriekopf wird gekocht, geschält und in Würfel geschnitten. Diese Würfel mischt man mit der gleichen Menge Krabbenfleisch und 2 Eiern, die 12 Minuten kochen mußten und dann gehackt wurden, würzt die Masse mit Salz und Pfeffer und mischt sie mit 2 Tassen Mayonnaise. Von 6 großen Tomaten schneidet man den oberen Deckel ab und höhlt sie mit einem silbernen Löffel aus. Hierauf füllt man sie mit der Krabbenmischung und legt sie auf eine Schale, die man mit grünen Salatblättern garniert. Verbraucht man nicht alle Krabbenmayonnaise für die Füllung der Tomaten, so richtet man das übrigbleibende auf Salatblättern in der Mitte der Schale an. Krabben in Dillsoße. Man bereitet eine gute Dillsoße, aus einer Mehlschwitze, die man mit Sahne auffüllt und mit Salz und ein wenig Pfeffer abschmeckt Man gibt feingewiegten Dill hinein und läßt die Soße nochmals aufwallen. Dann fügt man auch das Krabbenfleisch hinzu und läßt auch dieses aufkochen. Zu diesem sehr wohlschmeckenden Gericht gibt man Reis, den man in reichlich Salzwasser weich gekocht hat. Man läßt ihn dann abtropfen, übersprudelt ihn mit kaltem Wasser und gibt ihn in kleine Formen, die man kreisförmig auf eine Schale stürzt. Diese Reishäufchen werden mit etwas zerlassener Butter übergossen. Krabbenmayonnaise. Krabbenfleisch wird schichtweise mit gekochtem, zerkleinerten Fisch und Scheiben von hartgekochten. Eiern in eine Glasschale gelegt, mit Mayonnaise überzogen und vorsichtig gemischt. Ueberflüssig zu sagen, daß man all diese Gerichte auch aus Krebsen bereiten kann. Das beste selbstgeschneiderte Kleid wurde ausgezeichnet Eine amerikanische Luftfahrtgesellschaft veranstaltete dieses seltsame Preisausschreiben. Die Gewinnerin des besten selbstgeschneiderten Kleides, die wir bier mit ihrem preisgekrönten Kleid hoeft: si.: Oeettsnlte mcen 701.1 GBackwerkfurden Festkaffee Wenn wir von der Sommerreise zurück sind, beginnt die Hausfrau sich wieder für die Kochkunst zu interessieren. Nach der langen Abwesenheit möchte sie ihre Bekannten zum Kaffee einladen. Da muß denn wieder einmal gebacken werden, am liebsten irgend ein Kuchen, den es noch nicht oft gegeben hat. Wie wäre es mit einer Traumtorte? Man rührt 3 Eier mit 125 Gramm Zucker schaumig, fügt dann 50 Gramm Kartoffelmehl, 1½ Teelöffel Backpulver und 2 Eßlöffel Kakaopulver zu, verrührt alles gut und streicht die Masse auf ein mit Fett bestrichenes Blatt Pergamentpapier, das man in die Bratpfanne legt. Wenn der Teig in mäßig heißem Ofen gar gebacken ist, stürzt man ihn auf ein mit Zucker bestreutes Blatt Pergamentpapier und bestreicht ihn mit der Füllung, die man inzwischen hergestellt hat. Zu dieser Füllung verrührt man 50 Gramm Butter mit 75 Gramm Puderzucker, einem Eigelb und 1½ Teelöffel Vanillezucker. Dann wird diese Füllung auf den Kuchen gestrichen und dieser rasch zusammengerollt. Man wickelt die fertige Rolle in Butterbrotpapier, beschwert sie ein wenig und läßt sie einige Stunden lieen. Dann schneidet man sie in 1 em. dicke cheiben. Gutskuchen. Man rührt 130 Gramm Butter mit 130 Gramm Streuzucker etwa 20 Minuten, dann setzt man nacheinander 3 Eier zu. Hierauf gibt man 10 geschälte, geriebene, bittere Mandeln und 130 Gramm Weizdie wir hier mit idrem preisgekrönten Rieg# 8u 8—: Wgfäffel Gachmelehen, burfte eind Luftreise machen.(Weltbild.) mehl, dem man 1 Arelossel aapalder mischt, in den Teig, verrührt alles gut und streicht die Masse recht dünn in einer gut mit Fett ausgestrichenen Bratpfanne aus. Man schlägt nun 2 Eiweiß zu festem Schaum, setzt 3 Eßlöffel Streuzucker zu und überzieht den Kuchen mit dieser Masse. Obenauf bestreut man ihn mit 100 Gramm gut gewaschenen Rosinen und 25 Gramm geschälten, in feine Scheiben geschnittenen Mandeln. Man backt den Kuchen in mittelwarmem Ofen. Wenn er erkaltet ist, wird er in viereckige Stücke geschnitten. Pariser Torte. Eine viertel Tasse Mandeln werden geschält, gehackt und mit der gleichen Menge in Scheiben geschnittenen Haselnußkernen gemengt. 3 Eier werden mit 8 Tassen Streuzucker schaumig gerührt. Dann gibt man 6 Eßlöffel zerlassene und wieder abgekühlte Butter hinein, sowie die Rüsse und Mandeln. Schließlich kommen 3 Tassen Semmelmehl dazu, die man mit 2 Teelöffeln Backpulver gut gemischt hatte, während man zugleich noch 5 Eßlöffel Sahne hinzutut. Die Torte wird in einer gut mit Fett ausgestrichenen und mit Semmelmehl ausgestreuten sogenannten altdeutschen Form oder in einer Napfkuchen= oder Springform in mittelheißem Ofen gebacken. Obstkuchen. Dieser Obstkuchen ist ebenso einfach zu backen wie wohlschmeckend. Man kann viele Obstarten dazu verwenden, auch eingemachtes Obst, vor allem aber Pflaumen und auch Aepfel. Man verrührt 3 Eier mit 125 Gramm Zucker, 90 Gramm zerlassener und wieder erkalteter Butter und 140 Gramm Mehl, dem man 1 Teelöffel Backpulver zusetzt. Man tut den Teig in eine gut mit Fett ausgestrichene Springform und belegt ihn mit Obst, also entsteinten Pflaumen oder Zwetschgen, in Scheiben geschnittenen geschälten Aepfeln oder dergleichen. Wenn man eingemachtes Obst verwendet, muß dieses gut abtropfen. Wenn man Backobst nimmt, muß es vorher gekocht und gesüßt werden und dann abtropfen. Der Kuchen wird in nicht zu heißem Ofen gar gebacken und nach dem Backen mit Puderzucker besiebt. Obsttorte. Man backt einen Tortenboden aus einem Mürbeteig, zu dem man 125 Gramm Butter zerläßt, mit 100 Gramm Zucker verrührt, 1 Ei daran gibt, 1 Prise Salz, 250 Gramm Mehl und 1 Teelöffel Rum. Alles wird gut verknetet. Man stellt den Teig dann für eine Stunde kalt, und rollt ihn darauf dünn aus. Man belegt den Boden einer gut mit Fett ausgestrichenen Springform mit dem dünn ausgerollten Teig, bestreicht den äußeren Rand der Teigplatte mit ein wenig Eiweiß und befestigt nun eine schmale, aber hohe Teigkante darauf. Aus dem etwa überbleibenden Teig sticht man kleine Kuchen aus, die auf mit Fett bestrichener Platte ganz hellgelb gebacken werden. Wenn die Tortenplatte fertig gebacken ist, läßt man sie erkalten und bestreicht sie dann mit einem dicken Vauillenereme. Hierauf legt man geschmortes Obst auf, das recht trocken abtropfen mußte. Einige Obstarten, zum Beispiel Pflaumen oder Sauerkirschen, kann man auch roh auflegen. Schließlich gibt man den mit einem Gelierpulver eingedickten Saft darüber, der sofort ershaurt. Dee telt=Vief... Nach einer Dolkssage erzählt von frieda Peltz Der Förster stand auf. und wieder, wie im Anfang, lag seine Hand auf des Jungen Schulter. „Ich bin ein Freischütz, und du sollst auch einer werden, wenn du willst—“ „Ich werde den roten Hirsch treffen, sagt ihr?“ ZU Ich kenne ein Dorf, da erzählen sich die Leute eine wundersame Geschichte. Ich habe sie aufgeschrieben: Es war ein Sonntag im Herbst. Da kam ein Jägerbursche ins Dorf, fremd und mit breiter Brust, bot den Leuten seinen Gruß und fragte nach dem Forsthaus. Man zeigte ihm den schmalen Pfad zwischen den Feldern zum Berg empor und sah ihm nach. Droben ging er durch die in roter Blüte wehende Heide, zwischen den goldschuppigen Stämmen, bis hin zu dem dunklen Haus aus Holz. Nach seinem Begehr gefragt, bat der Bursche, ihn als Forstgehilfen in die Lehre zu nehmen. Er heiße Peter Brandel und habe gehört, der Förster fehle keinen Schuß. Er wolle ein Gleiches bei ihm lernen. „Er will also ein Meisterschütze werden“, sagte der rotbärtige Mann, dabei standen seine Brauen wie Büsche. Er trat näher und legte dem jungen Mann die Hand auf die Schulter.„Laß das, mein Junge. Viel besser, du lernst dich des Schusses freuen, der dir gelingt. Das will ich dich lehren!" Der Bursche blieb also im Forsthause, darinnen außer ihm und dem Förster nur noch eine alte Magd wohnte. Am ersien Morgen begann der Dienst mit einer Streife durch den Wald. Des Försters Schritt war hart und groß und achtete des blühenden Krautes und der Erde nicht, deren Schoß zu dunkelgrünem Sammetmoose schwoll oder in starrer, silberner Krause sich lockte. Sein Blick war immer, als spüre er durch Busch und Holz im fernen Bruch ein äsend Wild. Am zweiten Tage baute der Förster ein vendelndes Ziel in die Bäume und lehrte den Burschen das Schießen. Die Leute hatten nicht zuviel gesagt. Der Förster fehlte keinen Schuß. Er traf das Blatt im Wind. Ueber Peter Brandel kam ein Rausch: doch schien das dem Förster keine Freude, denn er wandte sich und ging dem Bruche Zu. Einmal, als Peter nach besonders glücklichem Schuß wie im Fieber heimkam, blieb die Alte bei ihm stehen und hob die Hand.„Hörst du?“ Peter Brandel lauschte.„Der rote Hirsch". flüsterte sie und ging rückwärts aus der Tür. Peter sah ihr nach und schüttelte den Kopf. Die Alte kam in die Kindheit. Draußen lag wieder der Nebel, und das Zimmer war wie ein Käfig. Peter nahm seine Mütze und ging ins Dorf hinunter. Da wußten sie auch von dem roten Hirsch. Beim Beerenlesen und Holzsammeln wollten sie ihm begegnet sein und meinten, es könne niemand anders als der Teufel gewesen sein. Peter Brandel lachte. Aber seit der Zeit dachte er manchmal darüber nach, was er wohl täte, wenn plötzlich der rote Hirsch wirklich vor ihm stände, und eines Tages sprach er dem Förster davon. Der sah ihn mit Augen an, die wie Blitze standen, und ging ohne Antwort seinen Weg. Vor seinem Schritt erschreckten sich die Vögel. Der Regen, der seit dem Morgen fiel, hatte nachgelassen, und die Sonne versuchte ihr Spiel am Stamm einer breiten Kiefer. Der Förster blieb stehen und starrte auf den Baum. Er kannte ihn seit vierzig Jahren. Damals war er zu einem in die Lehre gegangen. von dem die Leute sagten, daß er sein Ziel nie verfehle, und hatte ihn gebeten, auch aus ihm einen Freischützen zu machen. Der Meister hatte ihm nach kurzem Besinnen befohlen, das Abendmahl zu nehmen, die Oblate aber unbemerkt einzustecken. So war es geschehen, und, das geweihte Brot in der Brusttasche, war er mit dem Förster in den Wald gegangen. Der alte Mann hob den Kopf. Es war alles wie damals. Dieselbe Sonne unter dem grauen Dunst, und hier, an den Baum, hatte der Meister die Oblate angenagelt und ihm befohlen, darauf zu schießen. Er wußte es noch, als wäre es gestern gewesen: wie er die Büchse von der Schulter genommen, sie gehoben und den kleinen weißen Kreis aufs Korn genommen hatte. Aber der Flintenlauf war hin und her gegangen, denn die Oblate hatte sich wie ein Rad zu drehen begonnen und seltsame Gedanken und Bilder waren ihm gekommen. Wie er mit der Mutter zur Kirche gegangen, und wie der Mutter Hände gezittert hatten, als sie mit frommem Spruch das Singbuch unter seinen Arm geschoben,— und da war auf einmal der kleine Kreis gewachsen, und es hatten sich Hände daraus erhoben und zwei Augen, und der Alte hatte geschrien, daß er endlich schießen solle, sonst wäre es vorbei mit der Freischützenkunst, und da— hätte er geschossen — auf die Hände und in die Augen hinein... Bei des Meisters Lob war er heimgegangen. aber so, als säße die Kugel in seinem Herzen. Wie der Förster so steht und den Blick nicht heben kann von dem Baum und seinem Spiel, faßt er mit langsamer Hand zur Brust. Noch immer sitzt da die Kugel, und das Herz schleppt sie hin und her. Damals, im Rausch des Jägerglücks, hat er das vergessen können, denn Wild auf Wild hat er beim ersten Schuß erlegt, aber die Büchse war ihm eine Last geworden. Was kann einem Jäger noch eine Flinte sein, der nicht er selber, sondern ein Unheimliches die unfehlbare Kugel durch den Lauf jagt! Er hatte eine andere Büchse versucht, aber es war immer dasselbe gewesen. Mit einer jeden traf er das Blatt im Sturm, und das Schießen war ihm wie eine Schande erschienen. Da, eines Tages im Sonnenlicht, war ihm der Hirsch begegnet. Ueberwältigt von dem herrlichen. Anblick hatte er in reinster Lust die Büchse hochgerissen und in zwei furchtlose Augen gesehen, so daß der Lauf ihm herabgesunken war. Er ist damals mit dem seltsamen Gefühl heimgegangen, daß es gut sei, nicht geschossen zu haben, und er hatte seither die Tage zu zählen angefangen, an denen er dem Tier begegnete. Der rote Hirsch, den er nicht schoß, war jedesmal wie eine überstandene Versuchung. Das alles konnte Peter Brandel nicht wissen, der eines Morgens, als der Wald in weißem Nebel stand, vom Förster geweckt und mitgenommen wurde. Es gälte einem Wilddieb das Handwerk zu legen. Stiller und dunkler wurde der Wald, und es konnte nicht mehr weit vom Bruche sein, da verhielt der Förster plötzlich den Schritt und suchte Deckung. Peter Brandel, dessen Herz bis zum Halse klopfte, tat es ihm nach, doch als die Büsche knackten, setzte mit breitem Sprung ein Hirsch in die Lichtung. Wie Feuer fuhr seine Decke in die Bäume, und sein hochragendes Geweih schien vergoldet. Peter war keiner Regung mächtig, als vor der Mündung seines noch immer gerichteten Laufes mit Lockrufen der Förster schritt. Der Hirsch sah ihm entgegen und ließ es geschehen. daß der Förster die Hand zu seinem mächtigen Geweib erhob. Als der rotbärtige Mann neben dem roten Wilde stand, kam Peter Brandel eine Ahnung vom Geheimnis zwischen Mensch und Tier. Sekunden nur, dann setzte der Hirsch, als hätte er sich erschreckt, mit dem gleichen wundervollen Schwung über die Lichtung. Seit dem Tage war es um Peter Brandels Ruhe geschehen. Selbst im Schlaf sah er den Hirsch, und aus den sich häufenden Vorstellungen erwuchs die Gier. Es blieb dem Förster nicht verborgen, daß der Bursche dem Hirsch auf der Spur blieb, daß er auf ihn anlegte— und ihn nicht traf. Er sah seinen Gram und seine maßlose Wut über den verfehlten Schuß, er sah seine Leidenschaft, die nicht mehr Weg und Hemmung kannte, und sah sich selber, wie er einst gewesen und geworden, sah seine Schuld und sein verfehltes Leben. In Peter Brandel, das sah er, begann der gleiche Verfall, und es überkam ihn Abscheu. Er wollte es nicht zum zweiten Male erleben und hieß den Gehilfen sein Bündel schnüren und wieder gehen. Aber da sprang ihn der Haß an.„Jetzt weiß ich, Herr Förster“, schrie Peter und sein Gesicht brannte,„warum ihr den Hirsch nicht schießt! Weil ihr kein Freischütz seid und ihn nicht trefft, wie ich ihn nicht treffe! Der Satan selber ist es, mit dem ihr Freundschaft haltet, und dem ihr ein Vorrecht im Walde gegeben!" unterbrach ihn Peter, und seine sich. Züge entstellten ae —— jener Richtung zu, in der das Tier jetzt ann mochte oder ruhen. Es war schuldlos und ein berrlich Wild.— aber gleichviel. Es mußte sich zum Dienst bereiten— wie er selbst. Zu einem Spiel um Leben oder Tod. Wie er zu Ende gedacht, wendete sich der Förster um und sagte:„Morgen. vor Sonnenaufgang, will ich dir selber am Hasenkreus das Ziel stellen, auf das du den Freischützenschuß wagen sollst.— Lange vor Sonnenaufgang steht der Bursche mit gerichtetem Flintenlauf an seinem Platz und verwünscht die Trägheit der Sekunden. Da rauschen die Büsche, und ihm stockt das Blut. Der Förster reitet auf dem Roten langsam über die Lichtung. Der Hahn ist gespannt, und es steben zwei Augen im Korn— aber er kann es nicht unterscheiden! Sind es des Försters oder des Tieres Augen? Der Hirsch setzt Schritt vor Schritt und senkt den Kopf zum Aesen— der Finger strafft sich um den Abzug— jetzt!—, aber dem Mann ist, als liefe der erregte Blutstrom seines Herzens über seine Augen— er kann nichts sehen! Ein Rauschen ist in seinen Ohren— und wird ein Lied mit seiner Mutter Stimme, die ihm längst verloren schien... Peter Brandel sinkt die Büchse aus der Hand. So findet ihn der Förster, irr fast und weinend wie ein Kind.„Das Ziel war zu schwer, Herr Förster“, sagte er. Immer nur dies. Am andern Morgen hat der Junge plötzlich Heimweh nach der Mutter bekommen.„Wer weiß. wie lange sie noch lebt“, hat er gemeint und ist heimgezogen. Er ist nicht wiedergekommen, dem Förster aber ist die Kugel aus dem Herzen gegangen. Den roten Hirsch hat niemand mehr gesehen. Nur die Wilddiebe bleiben dabei, daß sie an Nebeltagen und wenn die Brunft steigt, ihn noch gewaltig röhren gehört haben. Das Teorsdbemtener Erzählung von fosef Ulartin Bauer Susanne trug die Zöpfe leicht gesteckt, so daß sie wie zwei weiche Schlingen über ihrem Nacken spielten, und Susanne war wohl schön, sonst wären kaum die jungen Leute alle stehengeblieben vor der Schmiede, wenn beim Zwölfuhrschlag die Schule sich leerte und einen Strom von jungen Menschen auf die Straße goß. Man sprach von Susanne, wenn die Knaben mit dem leichten Hauch des Bartanfluges um die Lippen in der kurzen Stundenpause rittlings auf den Bänken saßen, man machte Susannes wegen jenen Umweg bis zur Schmiede, und man trug ihretwegen wohl die Bücher so frech und keck mit einem Riemen zusammengeschnürt durch die kleine Stadt. Zuweilen gefiel dem Mädchen dieses Werben junger Männer in der Reife, und wenn sie mit schmaler Hand den Vorhang ihres einzigen Fensters ein wenig beiseite zog, um den Knaben zuzusehen auf dem Schulweg, dann waren sie alle glücklich, die Susannes wegen diesen Weg zur Schmiede machten. Die Leute in ihrem Gerede urteilten härter über diese Dinge, als die Knaben es verdienten und Susanne es rechtfertigte. Denn sie gab keinem einmal mehr als ein Lachen, das so und so zu deuten war, sie freute sich des knabenhaften Werbens und dachte an keinen von allen mit ein wenig Liebe, weil sie alle doch noch Knaben waren. Susanne machte alle glücklich, weil sie keinem je die Antwort gab auf sein Werben. Nur Georg— einer von denen, die hier mit Kinderaugen um Erhörung aufblickten zu dem Fenster über der Schmiede— nahm dies alles ernster und bitterer. Er war so unscheinbar in allem, daß Susanne ihn nicht einmal beachtete; aber er trug seine Liebe so ernst und so schwer an der Schmiede vorbei, daß die anderen allmählich über ihn zu lachen begannen. Ihn brauchten die anderen jungen Menschen als Nebenbuhler nicht zu fürchten, darum ließ ein Uebermütiger dem Mädchen durch eine Freundin zutragen, daß Georg sie liebe und an seiner unausgesprochenen, unerfüllten, aussichtslosen Liebe leide. Dies eine war die Wahrheit, aber nur des Spottes wegen wurde diese Liebesnachricht so zugetragen, und am Ende lachte auch Susanne über diesen jungen Georg. Die Stadt war klein, und das Gerede fand leicht den Weg, wenn Susanne es mit einem mitleidigen Lachen weitergab und Georgs junge Freunde es zum Spott unter die Leute trugen. Das Gerede wurde auch dem Hufschmied zugetragen, den alle Leute um seiner handfesten Grobheit willen leise fürchteten. Man wunderte sich nebenbei, daß ein so hübsches, so zartes Mädchen die Tochter eines so groben Mannes sein konnte, und um die Dinge auf die einfachste Weise zu erklären, erzählten die Leute da und dort, daß Susannes Mutter ehedem wohl ein leichtsinniges Mädchen und eine leichtsinnige Frau gewesen sei — auch leichtsinnig, denn von Susanne wußte man selbst ja nach so viel Gerede, daß sie von mädchenhafter Tugend und von Liebe wunderliche Ansichten habe. An einem Mittag, als die Schulen ihren dunklen Knäuel junger Menschen in die Straßen der kleinen Stadt schütteten, als die Knaben ihrer Liebe wegen den gewohnten Umweg bis zur Schmiede machten, da geschah das, was nach so viel Klatsch wohl geschehen mußte. Die Knaben standen vor der Schmiede und schauten zu Susannes Fenster auf, behutsam auslugend, ob denn nicht eine Hand leise den Vorhang zurücknehmen wolle. Georg stand, bescheiden und vom Spott verschüchtert, fast allein weitab am Rinnstein, und er sah das nicht, was die anderen im ersten Augenblick gewahrten. Der Schmied stand breitspurig im Türstock, und seine Hände waren unruhig, weil sie hier wohl irgendwo in den Haufen halbreifer Menschen greifen mußten und noch nicht schlüssig waren über das Ziel des derben Zugriffs. Vor solchen Händen schatzten die Knaben ihre Tapferkeit gering ein. So kam es denn, daß der Haufen junger Burschen eilig abzubröckeln begann, daß die Nächststehenden sogleich den übrigen Platz machten, daß nach wenigen Augenblicken alle das Weite gesucht hatten, nur Georg nicht, det, auf dem Rinnstein stehend. Ausschau hielt nach dem Fenstervorhang, der sich einmal doch auch seinetMädel bei gomnastischen Vorführungen (Weltbild— M.) Aus der Vergangenheit der Stadt der Reichsparteitage Ein stimmungsvoller Winkel aus Nürnberg am Fuße der Burg.(Löhrich— M.) wegen leise bewegen mußte, um ihm irgend ein Zeichen zu geben. Da geschah es wirklich, daß der Vorhang sich bewegte, er wurde in aller Hast beiseite gezogen. und Georg konnte seine Susanne sehen, die ihn zu spät warnen wollte vor dem Zugriff des erbosten Vaters. Es war zu spät, und es war eben recht für den zornigen Schmied, daß er nicht nur Georgs atemloses Aufschauen beobachten konnte, sondern auch die Antwort, die seine Susanne ihm durch das nun halb geöffnete Fenster gab. Der Schmied bereitete der schüchternen Liebeswerbung ein heftiges Ende, als er den Knaben hin und her auf die schmalen Backen schlug und ihn schreiend über die halbe Straßenlänge bin fortjagte. Von Susanne erzählte man später, daß der Vater sie gleich herzlos behandelt habe, um ein für allemal den Leichtsinn aus dem Mädchen zu vertreiben, den er aus der Frau zu spät vertrieben hatte. Wenn die Leute so sagten, dann mußte es schon seine Richtigkeit haben, und jetzt hatte der Schmied einmal mit all dem Leichtsinn in seinem Hause Schluß gemacht. Leise. raunend, ausschmückend trug der Klatsch auch dieses Begebnis in der Stadt weiter. Er trug es am gleichen Tage zu all den jungen Leuten, die Susanne zu anderer Zeit ihre kleine Liebe bezeugt hatten. Er trug es weiter, bis die Männer der Schule in aller Form die Schlußfolgerung daraus zogen. Solche jungen Leute, die das Ansehen der Schule schädigten und mit ihren Auffassungen von Liebe einen verderblichen Einfluß auf alle anderen Schüler ausüben, sind von der Schule zu verweisen und am besten wohl von allen Schulen auszuschließen. So verfuhr man gegen den jungen Menschen, der Georg hieß und mit seinem Liebesabenteuer allen zum Aergernis geworden war. Unverstehend, empört, aber von all dem Erlebten doch wunderlich berührt, ging Georg weg von der Schule, aus der Stadt, aus der Umwelt. die von ihm ein Liebesabenteuer erzählte, zu dem seine knabenhafte Schüchternheit niemals den Mut aufgebracht hätte. Während man in der kleinen Stadt allmählich diese Geschichte vergaß. stand Georg verwundert immer noch vor den Dingen, die er erlebt und kaum verstanden hatte. * Es war eine kalte Welt, in die man den jungen Menschen stieß, aber die Welt hatte wie schützend einen warmen, wohligen Mantel um ihn gehängt, so daß alle Leute glaubten, um ihn her müsse Liebe sein, in ihm müsse das Verstehen sein für alles Leid, alles Schöne, alles Menschliche, das die Liebe ausmacht und die Liebenden geleitet. Und obgleich ihm selbst gar niemand von da weg auch nur die kleinste, ärmlichste Liebe mitgegeben hatte, so lernte er doch an dem Schein, der ihn umgab, die Wirklichkeit dessen, was man von ihm forderte. Und er legte die Schüchternheit ab. als er die Knabenzeit ablegte, er gab die Liebe mit zwei vollen Händen, als er sie verstehen gelernt hatte, und er spürte allmählich, daß das Liebenkönnen in ihm erst wuchs und sich vervielfältigte, je mehr und je reicher er davon gab. Die Schuld des Liebesabenteuers, die nie Schuld gewesen war, ging als lächelnde Erinnerung immer neben ihm her. Und der Frau, die er nahm, erzählte er die kleine Geschichte aus der Zeit, in der er die Liebe wie ein Kind erlebt hatte. Seine eigenen Kinder lehrte er mit der Vatergüte, die aus der Liebe schöpfte, bis er seines Lebens und seines Liebens langsam müde wurde und zuweilen wieder wie ein Kind die Dinge überdenken konnte. Da fand er, daß es Zeit sei, einmal noch jene Susanne in jener kleinen Stadt aufzusuchen. Aber er fand die Schmiede nicht mehr und fand Susanne nicht mehr. und die Leute schüttelten unwissend den Kopf. Als er seinen Namen nannte, da wußten sie, wer er war. Von Susanne jedoch wußten sie nichts. Und wie Georg auch suchte— er fand Susanne nie und nirgends. auch dort nicht, wo jeder Mensch sein Recht auf seinen kleinen Platz von Mannslänge und Brustbreite hat. Das betrübte den Mann, so daß er still nach Hause ging. Da wa rer zum ersten Male ungerecht gegen die Welt, als er ihr zum Vorwurf machte, daß sie mit dem kindlichen Liebesabenteuer auch die Liebe vergessen habe. Aber es war wohl nur so. daß die Susanne vergessen hatte, weil sie nach der Liebelei der Kindheit die Liebe des Lebens nicht lernte.