Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. Texteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte=Ruhr.— Tel. 2771 Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9a. Für telefon. aufgegeb. Inserate Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Nr. 287 Generai Stucge un Westen 10 000 alte Kämpfer in der Polizei— Eine Unterredung Die deutsche Polizei schräntt sich jedoch nicht karauf allein, den geer besehohove, gegengärtig zu einer Ve. wurden vielmehr auch tausende von Fälle nacheschngelrse de Veligengsite egne, Vekz, sehen Lehanung anzuleten die alenl. dentschland aufhält, gepöhrtg,—em Prese, denkende Veamte und Polizeiofiziere, in der vertreter über eine Anzaht grunosatzlicher Vro=) marxistischen Epoche erfahren mutten. Wo man ben eine un e zu sprechen, daß solchen Fällen auf die Spur kam, wurde die ReGeneral Daluege kam darauf du vv., gesten hahilitierung nationaler Kämpfer in der preußider Industriebezirk, der sich mit am egenen schen Polizei energisch durchgeführt.“ itionalsozialisten seit jeher besonders am Her=] General Daluege machte dann auch genauere zen liege. Im Industriegebiet müsse die Polizei Ausführungen über die Einstellung von bewähreinsatzbereiter und beweglicher sein, aber sie ten Kämpfern der nationalsozialistischen müsse hier auch ganz besond rung zu leben und zu fühlen verstehen. General Daluege machte dann Ausführungen über die preußische Polizeireform als Grundstein für den Aufbau einer„Reichspolizeiverwaltung". Es sei das Gegebene, daß die Polizeireform in Preußen die Grundlage für die Vereinheitlichung der deutschen Polizei bilde. Der Staat Preußen umfasse zwei Drittel des Reiches und von den rund 140 000 deutschen Polizeibeamten entfallen über 80000 allein auf Preußen. Deshalb war es naturgegeben, daß der nationalsozialistische Staat gerade in Preußen mit einer gründlichen Säuberung, mit einen Umbruch des gesamten Polizeiwesens einsetzte. General Daluege erklärte dazu wie folgt: „Ee umsormierte Polizeibeamte ist der sichtgung in die einzelnen Polizeidienstzweige Prei ßens. Auf die Frage, wieviel SA- und SS=Männer im ganzen in der preußischen Polizei eingestellt worden seien, um hier mit der kämpferischen Entschlossenheit ihrer Weltanschauung anfeuernd und richtunggebend zu wirken, sagte General Daluege:„Nach den im Augenblick vorliegenden Zahlen sind bisher im ganzen rund 10 000 Angehörige der nationalsozialistischen Bewegung in den Dienst der staatlichen Polizei und in den Gemeindepolizeidienst eingestellt worden. Dabei ist besonders zu berücksichtigen, daß die Landespolizei sich nahezu ausschließlich aus Mitgliedern der Partei und der hinter ihr stehenden Verbände ergänzt hat und weiterhin ergänzt. Die Anstellung alter Kämpfer wird mit besonderer. Aufmerksamkeit ständig weiterverfolgt. Das zu erreichende Ziel— der Befehl des Führers— heißt für uns: Die deutsche Polizei ist volksverbunden, ein Teil der nationalsozialistischen Bewegung. Der Befehlshaber der deutschen Polizei, General der Landespolizei Daluege, traf am Freitag, gegen 13,30 Uhr, von Wesel kommend, in Duisburg=Hamborn ein. In Duisburg besichtigte er die Unterkunft der Landespolizei und das Polizeipräsidium. Für die Nacht hatte General Daluege Wohnung im Duisburger Hof genommen. Auf seiner Besichtigungsreise durch Westdeutschland wird General Daluege auch der Landespolizei Dortmund einen Besuch abstatten. General Daluege wird am Mittwoch, 12. Dezember, 14,30 Uhr, von Mülheim kommend, in Dortmund eintreffen und sich anschließend nach der Landespolizeiunterkunft in Wambel begeben. 5000 Mann=Säurkenge. England, Italien, Holland beteiligt Aufragen an Schweiz und Schweden *“ en Jahren Militsrgttacht in BerDer Dreierausschuß für die Saar hat sich, wie in Genf weiter verlautet, am Freitagabend grundsätzlich darüber geeinigt, daß am interna„Der uniformierte Polizeibeamte ist der sicht= in Geuf weiter verlautet, am Freitagabend barste Träger der Staatsautorital und deshalb granejäßlih egrabet geeinig.,#ß am internaet der Durchführung des Berufsbeam= tionalen Kontingent für das Saargebiet Engmußte bei der Burchfuhrung des Berufsbeamtengesetzes gerade in der Polizei ein besonders strenger Maßstab angelegt werden. Dabei war es in erster Linie das Offizierkorps, das einem grundlegenden Aufbau unterworfen wurde. Denn der höhere Polizeiführer ist mit anderen, mit strengeren Maßstäben zu beurteilen als die Masse der nicht in leitender Stellung tätigen Beamten. So wurden bis zum 23. Januar 1934 in der Schutzpolizei 7•3 v. H. des Offizierbestandes, in der Landjägerei 13.5 v. H. und in der Gemeindepolizei sogar 15 v. H. des Offiziersbestandes auf Grund des Berufsbeamtengesetzes entlassen oder in den Ruhestand versetzt. Die Zahlen der übrigen Polizeibeamtenschaft sind hieran gemessen verhältnismäßig niedrig, am höchsten in der Schutzpolizei mit 1.7 v. H. Die kionuten Konlingent für das Saargebiet England, Italien und Holland beteiligt sein soulen. Nachdem England und Italien bereits in der öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates ihre Zustimmung erteilt hatten, hat nunmehr auch Holland zugesagt. Wie man weiter erfährt, ist auch die Schweiz ersucht worden, sich an dem Kontingent zu beteiligen. Der schweizerische Bundesrat wird sich, wie verlautet, noch mit der Frage befassen. Die Antwort Schwedens steht noch aus. Die Gesamtstärke der internationalen Truppe soll, wie es jetzt heißt, 5000 Mann betragen, wovon England 2000 stellen werde. Zur Verhandlung der technischen Fragen wird der ktalienische Generalmajor Visconti Brasca, 89 K W 67. Jahrgang Arbeitsdienst besetzt Vor dem 1. April keine Neueinstellungen Die Reichsleitung des Arbeitsdienstes teilt mit, daß vor dem 1. April 1935 Neueinstellungen in den Arbeitsdienst nicht möglich sind, da alle Stellen besetzt sind. Muster einer Greuellüge Als Muster einer Greuellüge kann eine Meldung gelten, die in der Nummer 272 der Saar„Volksstimme“ enthalten ist. Es wird dort behauptet, daß an die Frau des vor kurzem von seinem Amt als Oberbürgermeister zurückgetretenen Rechtsanwalts Dr. Rebitzki in Breslau von dem dortigen Regierungspräsidenten ein Schreiben gerichtet worden sei, mit der Anschrift:„Frau Witwe Rebitzki“, in dem gleichzeitig mitgeteilt wurde, daß die Beisetzung ihres Mannes nicht in Breslau stattfinden dürfe. Erst durch diese Mitteilung habe Frau Rebitzki von dem„Tode“ ihres Mannes erfahren. Mit dieser Meldung unterstellt die Saar=„Volksstimme“, daß der frühere Oberbürgermeister von Breslau ermordet vorden sei.,(grhgt.= Demgegenüber teilt uns der„Ermorvele von seinem Berliner Wohnort aus mit, daß er sich bei bestem Wohlsein befinde. Er gab dabei seiner Abscheu über diese ans Verbrecherische grenzenden Methoden der Emigrantenpresse Ausdruck. Neuer Emigrantenschwindel In einzelnen Auslandszeitungen wird ein ander Oberbesehl über die Saar=Hoizel terz Ernstzur Enischung des Beizeigsbranrde veröffentlicht. Es handelt sich bei diesem angeblichen Dokument um einen ausgemachten Schwindel, wie er uns im allgemeinen aus der Emigrantenpresse sattsam bekannt ist. Es bleibt nur bedauerlich, daß auch ernsthafte ausländische Zeitungen dieses Machwerk ihren Lesern ohne jeden Vorbehalt vorsetzen können, obwohl sie eigentlich wissen müßten, daß ähnliche„Dokumente“ schon oft in der Emigrantenpresse veröffentlicht worden sind, von denen sich dann herausgestellt hat, daß sie erfunden waren. Auch in diesem Fall handelt es sich um eine Fälschung gröbster Art, die sich in den Augen unbefangener Leser von selbst richtet. Militärische Schulausbildung Wichtige Gesetze vom italienischen Senat angenommen Der italienische Senat nahm am Freitag einige wichtige Gesetzentwürfe an, so über die Einrichtung des obligatorischen Arbeitsbuches, über die Einrichtung von Kursen zur militärischen Ausbildung an den niederen und höheren Mittelschulen, über die vormilitärische Ausbildung und über die Einrichtungen der nachmilitärischen Fortbildung. der vor einigen Jahren Militatallache in Berlin war, nach Genf kommen. Der englische General Temperly hatte Freitag vormittag in Genf eine Unterredung mit dem Präsidenten der Regierungskommission des Saargebietes über die Organisation der geplanten Polizeitruppe. Es war das Gerücht aufgetaucht, daß Italien den Oberbefehl für sich beanspruche, was jedoch von englischer Seite dementiert wurde. Für den Fall der Beteiligung eines dritten Staates scheint man auf englischer Seite diesem den Oberbefehl übertragen zu wollen. Die Entscheidung liegt formell beim Völkerbundsrat. Besuch des Führers bei Mackensen von Mackensen, bohiuver Piomherg weisiter rechte General der Artiherte von In englischen Kreisen wird erklärt, daß die englische Truppenabteilung etwa fünf Tage nach dem Beschluß des Völkerbundsrates im Saargebiet eintreffen könne. Im Zusammenhang damit wurde dann auch von unterrichteter englischer Seite die Meinung ausgesprochen, daß die Uebergangszeit im Saargebiet spätestens im April nächsten Jahres ihr Ende finden und das neue Regime in Kraft treten werde.. 7..J. S.it. Wie man hört, sind von italienischer Seite Bersaglieri für das Saargebiet in Aussicht genommen.. J4ignskan Gosiue) Die Annahme einer internationalen Ponizei im Saargebiet durch die Reichsregierung hat unbestreitbar zu einer wesentlichen Entspannung der internationalen Atmosphäre geführt. Diese Tatsache geht eindeutig aus den Kommentaren hervor, die die französische Presse Freitag morgen den Genfer Ereignissen widmet. Man hütet sich zwar, das Entgegenkommen der Reichsregierung, das allein diese Entspannung ermöglicht hat, zu stark zu unterstreichen, um im Interesse der französischen Rüstungen keinen zu großen Optimismus aufkommen zu lassen. Aber die Blätter müssen doch zugeben, daß nunmehr ein großer Schritt auf dem Wege der deutschfranzösischen Annäherung gemacht worden ist. Der deutsche Botschafter dankt Mussolini Der Chef der italienischen Regierung hat den deutschen Botschafter beim Quirinal empfangen, der ihm im Namen seiner Regierung für die Führung der Saarverhandlungen in Rom dankte. Er empfing auch den englischen Botschafter, der im Namen seiner Regierung einen gleichen Schritt unternahm. Der französische Außenminister Laval hat aus Genf an Mussolini ein Danktelegramm geschickt In Berlin=Wilmersdorf wurden 21 Lebensmittelgeschäfte wegen Ueberschreitung der Kartoffelpreise und Nichtbeachtung der Preisschilderverordnung vorübergehend geschlossen. Nach Sibirien verbannt Die Angehörigen der in Leningrad und Moskau hingerichteten 71 Personen wurden auf Veranlassung des Bundeskommissariats des Innern auf drei bis zehn Jahre nach Sibirien verbannt. Die Zahl der Verbannten beträgt gegen 200. Ihr Eigentum verfällt dem Staat. 15 Tote des Kinobrandes Im Krankenhaus von Perpignan sind in der Nacht weitere sieben Personen, darunter mehrere Kinder, die sich beim Brande des Wanderkinos verletzt hatten, ihren Wunden erlegen. Somit ist die Zahl der Toten auf 15 gestiegen. Der Stadtrat von Perpignan hat beschlossen, auf Kosten der Stadt die Verunglückten zu Grabe traden zu lassen., Ganhupalüge in 9n Die Untersuchung des Branvungtnas in dem Wanderkino bei Perpignan scheint ergeben zu haben, daß der Brand durch Kurzschluß verursacht worden ist. Es ist festgestellt worden, oaß nicht alle Sicherheitsvorschriften beachtet worden sind. Der Besitzer des Lichtspieltheatere sich voraussichtlich wegen fahrlässiger Totung vor Gericht zu verantworten haben. Dr. Fei PPrach, i Wiesburen Stellungnahme zur Kirchenfrage und zur Saar Iu einer ven Aber 5009 Vensyhezzächentizg 9. vi. Ha, Rad Ji. beiden Korderungen, von Tundsebung lprac im Bouinerhg/4.— Henen her Ralionalsozialsmus niemals abgehen Wienbaden Reichzinnenminster Dv. V“,(pich. Dag deutsche Volk ist nicht für eine Die Eroberung der Nacht durch den Rational=, mungslose Aufrüstung. Das hat auch unser sozialismus sei nicht Selbstzwea, sie sei nur Mit. Führer schon oft und deutlich genug gesagt. tel som Zuck, un dem denichen Volte aus set. wolen für mns nur die Sicherheit, hohrez uig auh ner Rat zu belsen, um Deutsclond wieder groß abe, anderen Völter für sch in umge., 4 Mebnez und kark zu nachen und um ihm im frsedlighrz Am deutlichsten hoben wir die Laasuux, bap Pettbewerb der Natonen die Stelung, boz agz,[Deutschland schon jetzt als Nacht gegertet.. sehen und die Geltung in der Welt zu verschaf, erwiesen gesehen in der Frage fen, auf die das deutsche Volk nach seiner ruhm. Wir hätten niemals diesen Erfolg reichen Vergangenheit und nach seinen unüber, Ausschuß erzielt, durch den ein friedliches Abtrossenen Leitungen derechtigten Anfpruch er kommen zwischen Deutschland und Franreig, heben könne. Er verwies auf die großen Lei= über die Saarabwicklung zustandekam, stungen, die seit dem 30. Jonuar 1933 schon voll nicht Deutschland an Achtung in der Welt geParteien, auf die Vernichtziner wahren Vollz.„Ex erwähnte die mus und die Scheztung ener wahren Volls, Mzimnung durc, ein friedsche, Abtommen Pemewigtschreitende Reichereform, schen Deutschland und prangreisch zu vermeiteiig vorthyeztenpe Aggegzg, vorgesetz den, und sagte: Dem deutschen mächtigungsgesetz uver das Reichssatthaltergesetz#### sein, wenn durch viese Stiniyer er0) die vam gr. zwischen Deutschlano und Franerennz zu vermei steiig vorthyettend, Agich= gezchgatte von vr= den, und sagte: Dem deutiggen 25ot# lann es nur mächtigungsgesez über vas Reichssatthalters=,e5 recht sein, wenn durch viese Abstimmung vor bis zur künftigen Neugliederung aller Welt das Deutschtum der Saar bescheinigt des Reiches weitergehe, die etwa 20 Goue wird. Aber es hätte doch die allgemeinen vorteden werde.... Ginister ziehungen erleichtert, wenn ohne Abstimmung Mit besonderem Nachdruck kam der Ministe, eine Einigung erzielt worden wäre. Immerhin dann auf den Streit in der Deutschen darf ich meiner großen Freude Ausdruck geben, Evangelischen Kirche zu sprechen. Es! mag sein, so sagte der Minister, daß die kirchenregierung in dem Bestreben, die 28 Landeskirchen in der Reichskirche aufgehen zu lassen, etwas zu stürmisch vorging und Anordnungen erließ, die der nötigen Rechtsgrundlage entbehrten. Dadurch entstand eine Gegenwirkung. Schließlich sah aber die Reichskirchenregierung en das dieier Deg eier besexen rrchtlichen) Bahz vioten Vin und an Fetag zu seinerscher Vehirden und damit der ungrschen. Ve. Funderung bedüre, und): Zecztmäßigteit ab mit Spanr.Prung sammen= gierung selbst feststelten. Aus einer erseuten Henuichen Coangelschen Pereten. Ausz ver 3 ühe vuren Sual und) vy), Herigs gestnd genachen Argumente 26g Jek. Bauge u wichen, üder ar belicht der leider) ende des Vou, Hesegeste, Echardt, auf der an. Poden gedalbeten verbrecherschen Untricbe fel. sehr begründete Anlos zu der Felistellung, doß der unggrso=:, ung Zefitsch Plotz genommen. Er schloß mit der Versicherung, daß es der fude duer ben Audunge, Aehhe, gfselse Veneschz ders Lepischen Begzterung feriges gast unrgerie henr. der ale möglichen stagteteindlichen und landes.) Wie vorgel=Hesegserter= Bag teon ee 1es die der zu suchen oder poltische Ziele zu verfogen. erichen Sienente lonneln, um au on,) vortugehite„äteserite Boseope,./. Der schechossonatische Ausenminister und auch Stung er vo, den Sochder utz zulgnnen der Ausenminster Ruminiens scosen, ich. ben begann mit der Feststellung, daß der Mord an König Alexander und Barthou in der Welt die größte Erregung hervorgerufen habe, besonders aber das südslawische Volk aufs schwerste erschüttert habe. Mit Recht habe sich eine starke Volksstimmung gegen diejenigen gewandt, die die Verbrecher durch ihre moralische Unterstützung bePo: Bersich hente nan 2. V gziserhung, daß durch ein vernünftiges Abkommen nun eine Einigung zwischen Frankreich und Deutschland erzielt worden ist, die durchaus annehmbar erscheint. Das ist ein so großer Erfolg, daß wir diesen Tag als einen Tag des Sieges bezeichnen dürfen, eines deutschen Sieges. Der Minister streifte noch kurz, die unsinnigen Gerüchte über einen angeblich beadsichtigten deurschen Putsch und erklärte: Wir haben gar nichts dagegen, daß eine internationale Polizel im Saargebiet eingerichtet wird, die absolut auf Ruhe und Ordnung hält und den ruhigen Verlauf der ganzen Abstimmung garantiert. Wir rufen unseren Brüdern an der Saar zu: Haltet aus! Haltet noch diese paar Wochen aus! Wir stehen an Eurer Seite und warten auf den Augenblick, wo Ihr wieder zum Mutterlande zurückkehrt. Nach einer kurzen Erwähnung des Versuches, eine neue separatistische Partei im Saargebiet mit klerikalem Einschlag zu bilden, gegen die ausdrückliche Weisung der zuständigen Bischöse, schloß Dr. Frick: Es könnte im Grunde rein größerer Schade für die katholische Kirche entstehen, als wenn man den Vertreiern der katholischen Kirche im Saargebiet den Vorwurf machen könnte, sie hätten sich im antideutschen Sinne betätigt. Zum Schluß richtete der Minister einen flammenden Appell an die Versammlung, die nationale Solidarität in tatkräftiger Teilnahme am Winterhilfswerk zu beweisen. kommen, in denen kleine Kinder von ihren Eltern getrennt worden seien. Manche Familien hätten sich erst nach einigen Tagen wieder an der südslawischen Grenzstation zusammengefunden. Die Nachricht von der Ausweisung aus Ungarn hat die gereizte Stimmung noch verschärft, obwohl man in Südslawien in ähnlicher Weise mit den Ungarn verfährt. Der ungurhaf furstawische Eiten Verhandlung vor dem Geufer Völkerbundsrat Secp, eten Au ud der(ge, Aonye, hzinge ster Betörden und danit ger ungrischen. Ve. mit Sponnung erwarteten Sitzung zuumgen, aierung beibz Vertgere zuggawpichen Denischeist hier alle möglichen staatsfeindlichen und lan verraterischen Elemente sommeln, um auf angedlich rein kirchlichem Gebiet ihre Politik zu treiben und auf diesem Wege dem Dritten Reich Schwierigkeiten zu bereiten. Unter stürmischem Beifall rief der Minister aus: Ich erkläre hierzu, daß die Reichsregierung nicht gewillt ist, dieses Treiben bis ins Endlose mitanzusehen, sondern daß sie entschlossen ist, dort, wo es die politischen Notwendigkeiten erfordern, auch gegen solche Staatsfeinde und Landesverräter durchzugreifen. Das deutsche Volk hat diesen Kirchenstreit satt. Das deutsche Volk hat diesen Kirchenstreit satt. Es hat gar kein Interesse an diesem Zank der Pastoren. Die Reichsregierung hat jedenfalls gar kein Interesse daran, Kirchen, die der inneren Erbauung des deutschen Menschen dienen sollen, die aber nur Zank und Streit ins Volk tragen, mitzufinanzieren. Sodann wandte sich der Reichsminister dem außenpolitischen Gebiet zu, auf dem der Führer Adolf Hitler und seine Regierung die größten Erfolge aufzuweisen haben. Schon jetzt können wir feststellen, fuhr er fort, daß die Stellung Deutschlands in der Welt eine ganz andere geworden ist als zur Zeit der Systemregierung, da sich das deutsche Volk zu einer Willenseinheit zusammengeschlossen hat. Das deutsche Volk will den Frieden, aber wir haben es satt, weiterhin nur Objekt und Spielball anderer Völker zu sein und eine Paria=, eine Helotenrolle weiterhin Die ungarische Erwiderung Der ungarische Delegierte Tibor von Eckhardt ergriff hierauf das Wort zu ausführlicher Erwiderung, die etwa ¼ Stunden dauerte. Er ging davon aus, daß seit Wochen ein heftiger Feldzug gegen die Ehre der ungarischen Regierung betrieben werde und stellte dem die maß** Haltung Ungarns, das sich grundlos anfähigt haben, ihre finstere Tat zu vollbringeg. rung betrieben werde und stellte dem die maßEr wende suh heute gun an den Volkerou volle Hullung, ungurns, ve.#— isag um vor ihm auf die Verantwortung hinzuwet; gegriffen führe, gegenüber. Die südstawische sen, die die ungarischen Behörden auf sich ge Presse habe sofort nach Marseille ihre Kampagne laden hatten. begonnen und die südslawische Regierung sei zur Er sei sich dabei bewußt, daß eine derartige Ausweisung ungarischer Staatsangehöriger geAnschuldigung als ungewöhnlich scharf erscheinen schritten, deren Gesamtzahl in der letzten zumal wenn sie in so bestimmten Aus sich auf 3 600 belaufen habe. Ungarn wolle keine müsse, gum; wenn sie in so bestimmten Ausdrücken vor dem höchsten Organ der internationalen Gemeinschaft erhoben wird. Deshalb habe seine Regierung sich auch nicht leichten Herzens zu diesem Schritt entschlossen. Dann ging der südslawische Außenminister auf die Einzelheiten der gegen Ungarn gerichteten Anschuldigungen ein. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte Jeftitsch, die Tatsachen, auf die sich die Anschuldigungen der südslawischen Regierung gründeten, seien derart, Was unes steurrfrei=Lietot Durchführungsbestimmungen zum Lohnsteuerabzug Geburtsbeihilfe sich auf 3 600 belaufen habe, Ungarn wolle keine Repressalien ergreifen, behalte sich aber vor, das Eingreifen des Völkerbundes zu verlangen. Eckhardt wandte sich sodann der südslawischen Anklage zu. Er erklärte, nichts halte der Prüfung stand. Nach Kenntnis der ungarischen Regierung habe kein Land so strenge Maßnahmen gegen die kroatischen Emigranten getroffen. Ungarn habe keine Verschwörung gegen Südslawien angezettelt oder unterstützt. Die südslawische Denkschrift erwähne nur die Attentate, die von Kroaten ausgeführt wurden. Das seien nicht die einzigen auf südslawischen Boden gewesen. Das Asylrecht, das Ungarn den Kroaten gewährt habe, sei nicht über die allgemein anerkannten Grundsätze hinausgegangen. Ungarn sei durch seine tausendjährige tion der Notwendigkeit überhoben, für sich Propoganda zu, machen. Es habe nicht die geringsten wahren Ursachen des Die Sozialversicherung des Saargebietes Die deutsche Erklärung Die in dem Bericht des Dreierausschusses erwähnte deutsche Erklärung über die Sozialversicherung des Saargebietes bei der Rückgliederung hat, wie wir erfahren, folgenden Wortlaut: Im Falle der Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland wird die Sozialversicherung des Saargebietes in das allgemeine deutsche Versicherungssystem eingegliedert werden. Diese Eingliederung wird um so leichter erfolgen können, als die Gesetzgebung über Sozialversicherung im Saargebiet im allgemeinen der deutschen wesetzgebung entspricht. Dergestalt werden die bei den Sozialversicherungsträgern des Saargebiets erworbenen und im Entstehen begriffenen Ansprüche im Rahmen der deutschen gesetzlichen Bestimmungen unter Berücksichtigung der etwa zweckmäßig erscheinenden Uebergangsmaßnahmen gewahrt bleiben. Dieser Grundsatz wird wie folgt erläutert: 1. nach deutschem Recht stehen sowohl hinsichtlich der Anspruchsvoraussetzungen als auch des Ausmaßes der Leistungen Ausländer, solange sie sich im Inland aushalten, den Inländern gleich; 2. nach deutschem Recht steht es den Versicher: ten ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehorigreit auch beim Aufenthalt im Auslande frei, sich die erworbenen Anwartschaften durch freiwillige Weiterversicherung zu erhalten; in der knagpschaft. lichen Pensionsversicherung konnten die schaften bis zum 31. Dezember 1933 auch durch Entrichtung von Anerkennungsgebühren erhal3a) Bei Auslandsaufenthalt unterliegen sowohl Inländer wie Ausländer gewissen Beschränkungen im Rentengenuß, sofern zwischenstaatliche Verträge nichts anderes bestimmen. 3b) Nach Artikel 4 Abs. 1 des allgemeinen deutsch=französischen Abkommens über Sozialversicherung vom 29. Juli 1932, auf dessen Zustandekommen die deutsche Regierungzgngchen# vor den größten Wert legt, gensehen, geich wog. solange sie in Deutschland oder Franrrenh wohnen, die auf Grund der Versicherungsordnungen erworbenen Renten und Pensionen, ezrschrisehlich der damit verbundenen Zuschüsse und sonstiger Vorteile, ohne jede Einschränkung. Die deutsche Regierung ist bereit, diese Bestimmung nach der Rückgliederung des Saargebietes auf Personen anzuwenden, die bei Versicherungsträgern des Saargebietes versichert sind oder waren. 3e) Insoweit die bei den Versichezuggsträgern des Saargebietes vor dessen Rückglieoerung an Deutschland erworbenen Renten und Pensionen durch die Erläuterung in Ziffer 35) nicht sein sollten, werden sie, einschließlich der damit verbundenen Zuschüsse und sonstigen Vorteile, ohne Rücksicht auf den Aufenthalt und die Staatsangehörigkeit des Berechtigten gewährt werden, soweit die Versicherungsträger des Saargebietes nach der gegenwärtig in diesem Gebiet geltenden Gesetzgebung dazu verpflichtet sind. 4) Die rechtskräftigen und vollstreckbaren Entscheidungen der Versicherungsträger und=Behörden des Saargebietes werden als rechtsgültig anerkannt, als ob sie von Versicherungsträgern oder=Behörden im übrigen Reichsgebiet erlassen wären. burksbeihilfen bleiben steuer= paganda zu machen. Es habe nicht die geringsten der Reichzinazmniter bot, vie boe. 2s(.a) ve.„ Lelschn des Arbeitnehmers Herantvorischesten. Die wahren ursochen des melbet, setzt, Verordnungen zur Durchführung) fre, venn„.4.; Eindes voraussehenden Attentats seien in der innerpolitischen Lage Süddes Steuerabzuges vom Arbeitslohn erlassen. in dem der Gevurt des Kindes vorausget, zamiang in ao Sieneradgages vom ArrrinlamPW Abgesehen von den generell im Einkommensteuergesetz enthaltenen Bestimmungen sei hervorgehoben, daß nach der Durchführungsverordnung dem Steuerabzug u. a. nicht unterliegen Jubiläumsgeschenke an Arbeitnehmer, wenn sie anläßlich eines Arbeitnehmerjubiläums gegeben werden und bei einer ununterbrochenen 25jährigen Tätigkeit sechs Monatsbezüge, höchstens aber 3000 RM. nicht übersteigen. Bei einer 40jährigen Tätigkeit i? diSteuerfreiheit gegeben, wenn neun Monatsbezüge, höchstens aber 4500 RM. nicht überstiegen werden, und bei einer 50jährigen Tätigkeit, wenn ein Jahresgehalt, höchstens aber 6000 RM. gezahlt werden. Es bleiben auch Jubiläumsgaben anläßlich eines Firmenjubiläums steuerfrei, und zwar in diesem Falle, wenn die Gabe für den einzelnen Arbeitnehmer einen Monatslohn nicht übersteigt und wenn sie gegeben wurde, weil die Firma 25, 50 oder ein sonstiges Mehrfaches von 25 Jahren bestanden. Zum steuerpflichtigen Arbeitslohn gehören weiterhin nicht u a Ehrenzulagen, die mit deutschen Kriegsorden und Ehrenzeichen verbunden sind, die versicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung, Krisenunterstützung und Kurzarbeiterunterstützung, die Vergütungen im Freiwilligen Arbeitsdienst und Heiratsbeihilfen an Arbeitnehmerinnen, wenn sie nach den bekannten Richtlinien gegeben werden. frei, wenn der Arbennp.,„fgehenden Attentars seien in der innerpolitischen Lage Süd! Der ungarische Vertreter von Eckhardt bezog wird, wenn sie auf Kosten des Arbeitnehmers Der tschechoslowakische Außenminister Dr. für einen Beruf ausgebildet werden, tritt in Benesch benutzte bereits die Freitagssitzung diesen Fällen auch ein, wenn diese volljährigen zu einer langen Rede, die die Politik der KleiKinder nicht zum Haushalt des Arbeitnehmers nen Entente rechtfertigen sollte. Im vorliegengehören. Als Berufsausbildung gilt auch die den Fall verlange er Gerechtigkeit für den klaAusbildung in der Hauswirtschoft gegen Lehr= genden Staat und Genugtuung für das beleioder Schulgeld., n„ 4.2a, Badimmn, digte Weltgewissen. Von den umfangreichen weiteren Bestimmungen ist vor allem die Festsetzung des Wertes der Sachbezüge zum Zwecke des Steuerabzuges von Interesse. Danach wird ab 1. Januar 1935 volle freie Station einschließlich Wohnung Heizung und Beleuchtung für weibliche Hausgehilfinnen, Lehrmädchen und gering bezahlte gewerbliche und landwirtschaftliche weibliche Arbeitnehmer mit 25 RM. eingesetzt, für die entsprechenden männlichen Kräfte wird ein Steuerwert von 35 RM. im Monat angenommen. Für Gewerbegehilfen usw., die eerr Angestelltenversicherung unterliegen, sowie für das In wenigen Zeilen Der, vom Obergruppenführer Hühnlein angeordnete allgemeine Urlaub für das RSRK erstreckt sich auf die Zeit vom 16. Dezember 1934 bis zum 13. Januar 1935, nicht, wie wir irrtümlich meldeten, vom 12. Dezember 1934 an. Der Präsident des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Carl Friedrich von Siemens, dessen dreijährige Amtszeit Ende dieses Jahres abläuft, hat die Reichsregierung gebeten, von seineg Wiederberufung Abstand zu nehmen. Der Reichsverkehrsminister hatte Herrn von Siemens in einem Schreiben Dank und Anerkennung der Reichsregierung ausgesprochen. Die nächste Sitzung findet am Sonnabend um 15 Uhr statt. Massenausweifung von Südslawen aus Ungarn Die Behandlung der südslawischen Völkerbundsklage in Genf geht mit einer Erschwerung der Verhältnisse im ungarischen Grenzgebiet Hand in Hand. Beide Staaten machen einander den Vorwurf, die auf ihrem Gebiet lebenden Angehörigen des anderen Staates in der rückdie der Ange= sichtslosesten Weise zu vertreiben. So meldet die die 90 As engeiehz Dr Acbaulzgsez, heitge aelgerbon, dhr Rboriger, Tegerseieis 4 den Bahnhof gebracht. Dabei seien Fälle vorgeKreuzer„Karlsruhe“ ist am Donnerstagnachmittag in Sao Franeisco do Sul(Brasilien) eingetroffen. Auf dem Flugplatz Johannisthal stürzte am Freitagvormittag em,„Sportflugzeug bei einem Kunstflug aus etwa 50 Meter Hoye ab. Der Flugzeugführer Oßten kam hierbei ums Leben. Das olympische Komitee von Großbritannien hat die deutsche Einladung, an den olympischen Spielen 1936 in BerIin und Gormish- Pgchert, gagi gete ieunehmen. angenommen, so daß sich die zuye oer teilnet den Nationen an den Spielen damit auf 48 erhöht hat. Der in Königsberg wegen Ermordung einer 80jährigen Witwe zum Tode ver urteilte Karl Struve ist hingerichtet worden. Nr. 287(Zweites 8. Dezember 1934 Tu dr Gigenr Tocht Schwerte(Ruhr), Samstag den 8. Dez. 1934 Vom Weiter Wetteraussichten für Sonnabend: Anhaltende, wsige Südwinde, stark wechselnde Bewölkung it unwesentlichen Niederschlägen, über Nacht einsetzende Abnahme der Temperatur in den unteren Schichten, geringe Eintrübung in den Morgenstunden. Wetteraussichten für Sonntag: Bei noch leichten Niederschlägen Drehen der Winde auf Südost, weiterer Temperaturrückgang. Die Wehrmacht am„Tage der nationalen Solidarität". Am„Tage der nationalen Solidarität“ veranstaltet die Wehrmacht in allen Standorten eine eigene Sammelaktion innerhalb der militärischen Verbände. Die gesammelten Beträge werden der Reichsführung des Winterhilfswerkes zugeführt. Unberührt davon bleibt die Beteiligung der Beamten des höheren Dienstes der Wehrmacht an der unter Führung des Reichsministers für Volksausklätung und Propaganda stattfindenden allgemeinen Sammelaktion. Fischsterben in der Nuhr. Wie dem Hellw. Anz. aus Wickede gemeldet wird, führt man schon seit langen Jahren lebhaft Klage darüber, daß der Fischbestand in der Ruhr außerordentlich unter den Abwässern der Industrie leidet. Das konnte man vor einigen Tagen wieder eindeutig feststellen. Die Ruhr wälzte trübe, ölige Wasser mit sich, in denen unzählige tote Fische schwammen. So sieht es in dem ganzen Abschnitt zwischen Neheim=Hüsten u Fröndenberg aus. Die Ursachen sind die Fabrikanlagen an der Ruhr und ihren Nebengewässern, die ihre Abwässer ungenügend geklärt abführen. Es wäre an der Zeit, soll nicht jeder Fischbestand verschwinden, daß endlich für die notwendige und vorschriftsmäßige Klärung gesorgt wird. : Kupferner Sonntag. Der dritte Sonntag vor Weihnachten heißt im Volksmund„der kupferne“, weil an ihm das richtige Weihnachtsgeschäft erst beginnt oder begonnen hat. Zunächst ist es vor allem die Landkundschaft, auf die in der Stadt gerechnet wird, während die Stadtkundschaft erst Schaufensterpromenaden macht und sondiert,„was“ und„wo“ sie kaufen soll. Die Auswahl ist ja so groß; das zu Kaufende ist leicht erreichbar! Nur für langwierige Weihnachtsarbeiten pflegt man sich in der Stadt schon jetzt mit allerhand Zutaten einzudecken, da notwendige Materialien leicht vergriffen sind. Zeitige Einkäufe sind aber überhaupt ratsam! Denn gerade jetzt ist noch große Auswahl, und die schönsten Artikel sind noch nicht herausgelesen; auch das Verkaufspersonal ist noch bei guten Kräften, und man hat noch die nötige Ruhe und Gelegenheit zum Aussuchen. Der kupferne Sonntag fällt in diesem Jahr sehr spät— auf den 9. Dezember. Hoffentlich ist dafür das Geschäft schon recht rege! Denn Kaufen heißt Arbeit schaffen! Die Geschäfte sind am Sonntag in Schwerte von 14 bis 19 Uhr offen. X Ein 70jähriger. Am morgigen Sonntag kann ein bekannter Bürger unserer Stadt, der Stellmachermeister Karl Halverscheidt aus der Sedanstraße, seinen 71. Geburtstag feiern. Zugleich sind in diesem Sommer 40 lange Jahre dahingegangen seit dem Tage, an dem das Geburtstagskind sein Geschäft von der Hellpothstraße in seinem Neubau an der Sedanstraße verlegte. Körperlich und geistig rüstig und frisch, ist der Meister noch täglich in seiner Werkstatt tätig, nach altüberliefertem Handwerksbrauch, ohne sich der modernen Hilfsmittel der Technik zu bedienen, ein„Handwerker“ im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sprehen dem Geburtstagskinde unsere besten Wünsche für die Zukunft aus. Silbernes Dirigentenjubiläum. Dirigent W. Peters aus Schwerte blickt nunmehr auf ein 25jähriges Dirigentenjubiläum zurück. Heute findet das Jubiläumsfest im Kath. Vereinshaus, Inh. Preising, statt. An der Feier werden sich folgende Vereine beteiligen:„Liederkranz“=Schwerterheide, MGV.„Einigkeit"= Villigst,„Eintracht"=Ergste,„Sängervereinigung Höchsten=Sommerberg" und„Ruhrtaler Sängerverein“=Schwerte. Im Silberkranz. Am morgigen Sonntag feiern die Eheleute Wilhelm Fohrmann und Frau Clara geb. Werth, Wallstraße 9, das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Wir gratulieren dem geschätzten Jubelpaare und wünschen, daß sich das Silber dereinst in Gold verwandeln möge! Bei den Arbeiten zur Wiederherstellung des Wuckenhofes für ein Jugendheim, wurde ein Stein, von einem offenen Kamin gefunden, in das Museum gebracht. Er trägt die Inschrift: Jos. Theod. von Romberg, M. F. F. und zeigt im Wappenschild eine dreilappige Blume?, darüber eine Krone. dum Fratiger. Fkag der nattonulen vondurikal Schwerte, 8. Dez. Am heutigen Sonnabend findet eine Sammlung für das Winterhilfswerk statt, die die Aufmerksamkeit der gesamten Oeffentlichkeit in besonderem Maße auf sich lenken wird. Diese Sammlung erstreckt sich auf das ganze Reich. Sie wird unter Leitung des Reichspropagandaleiters von bekannten Volksgenossen des deutschen Reiches durchgeführt. Es soll durch diese Aktion ein besonders großer Sammelerfolg erreicht werden. Außerdem wird vor der Oeffentlichkeit gezeigt werden, daß die Arbeit für das Winterhilfswerk, insbesondere die Sammeltätigkeit eine Staatsbürger. pflicht ist, für die auch die höchsten Amtsinhaber des deutschen Volkes nicht zu schade sind. Im Ortsgruppenbereich Schwerte wird die Sammlung von rund 100 im öffentlichen Leben stehenden Volksgenossen durchgeführt, die sich am Tage der nationalen Solidarität der großangelegten Hilfsaktion zur Verfügung gestellt haben. Was sagen die Sammler? Nachstehend bringen wir einige kurze Interviews, die wir mit einigen prominenten Sammlern der NSDAP hatten. Durch diese wird der Wert der Sammlung gekennzeichnet. Die Stndtsermeitung Bürgermeister i. V. Weinkauf betonte seine Solidarität durch folgenden Hinweis: „Ich begrüße den Tag der nationalen Solidaridarität“ außerordentlich. Es ist viel richtiger, von Zeit zu Zeit die im öffentlichen Leben stehenden Volksgenossen zur Sammlung für das Winterhilfswerk des Führers heranzuziehen, als die Arbeit immer den Block= und Zellenleitern und den Jugendlichen zu überlassen. Dadurch daß die Amtsleiter die Sammeltätigkeit ausüben, kommt die rechte Volksverbundenheit mit dem Schaffenden zustande. Ich würde, wenn es sein müßte und es meine Zeit mir erlaubte, jede Woche einmal als Sammler tätig sein. Es wäre jedoch zu wünschen, daß sich alle Prominenten in den Dienst stellen und tatsächlich etwas für den praktischen Nationalsozialismus tun. Ich verspreche mir von unserer Sammeltätigkeit auch in Schwerte eine wirksame Hilfe für das WHW.“ Die Ortsgrunpenleitung Ortsgruppenleiter Koehne äußerte sich u. a. folgendermaßen:„Die Spitzen der kommunalen und staatlichen Behörden sollen dadurch ihre Volksverbundenheit mit den Aermsten der Armen bekunden, daß sie am „Tage der nationalen Solidarität“ für alle, die noch nicht in Brot und Arbeit stehen, sammeln. Das schwere Los der noch unbemittelten Volksgenossen zu erleichtern, muß unser aller Aufgabe sein. Gerade von dieser Sammlung verspreche ich mir im Ortsgruppenbereich Schwerte einen großen Erfolg.“ Die SA Der Führer der Standarte 329, Obersturmbannführer Haak, äußerte zusammengefaßt: „Ich stelle mich als Sammler zur Verfügung, weil es der Wunscy des Reichspropagandaminister Dr. Goebbels ist, daß sich alle im öffentlichen Leben sie unden Volksgenossen an der Sammlung beteiligen sollen Der Reichspropagandaminister handelt im Sinne des Führers und der Wunsch des Führers muß für jeden Deutschen Befehl sein. Alle diejenigen aber, die sich bewußt oder versteckt am„Tag der nationalen Solidarität“ abseits stellen, üben nicht nur Sabotage am Winterhilfswerk, das für das Volk bestimmt ist, sondern ignorieren auch ihre eigenen Volksgenossen. Wir müssen uns tatkräftig in das WHW. hineinstellen, damit unser Volk über den Winter kommt. Ich glaube an einen durchschlagenden Erfolg der Sammlung im ganzen Reiche.“ Der Führer des Sturmbanns III/329, Sturmhauptführer Sprengepiel, gab uns seine Meinung kurz folgendermaßen bekannt:„Es ist schon immer mein Wunsch gewesen, daß im öffentlichen Leben stehende Volksgenossen eine aktive Sammeltätigkeit aufnehmen möchten. Von sich aus konnte das der einzelne nicht. Daher begrüße ich den Tag der nationalen Solidarität, der auch den SA=Führern die Möglichkeit gibt, für die unbemittelten Volksgenossen zu sammeln, von ganzem Herzen und verspreche mir von der Sammlung am 8. Dezember einen außerordentlichen Erfolg.“-Die Deutsche Arbeitstront Der stellvertretende Ortsgruppenwalter der Deutschen Arbeitsfront, Kieserling, hatte folgende Auffassung:„Vom Standpunkt der Arbeitsfront aus begrüße ich es sehr, daß auch einmal die Gefolgschaftsführer und die anderen prominenten Volksgenossen freiwillig von Haus zu Haus und auf die Straße gehen und für das Winterhilfswerk sammeln. Eine derartige Sammelaktion könnte ruhig öfter im Jahr durchgeführt werden, damit die Volksverbunden heit nicht nur innerhalb der Betriebe, sondern auch äußerlich in breiter Oeffentlichkeit zum Ausdruck kommt.“ Das Amt für Volkssrohlfahrt Der Ortsbeauftragte für das WHW. in Schwerte, Hemeyer, versicherte uns:„Den „Tag der nationalen Solidarität“ begrüßt die NS. Volkswohlfahrt auf das herzlichste. Der Tag soll zeigen, daß die Betriebsführer sich nicht scheuen, für die Aermsten der Armen auf die Straße zu gehen und zu sammeln. Der Tag soll weiter zeigen, daß sich das Wort des Führers„Unser Winterhilfswerk wird gerade in diesem Jahre ein Prüfstein sein dafür, ob und in wie weit sich der Gedanke in Deutschland weiter geläutert, erhärtet und durchgesetzt hat, auch in Schwerte bewahrheitet.“ Die Propagandastele Propagandaleiter Rau, der im Ortsbereich Schwerte den„Tag der nationalen Solidarität“ organisiert, äußerte sich folgendermaßen:„Wir sind gewohnt, unsere Pflicht zu tun,— trotz der Meckerei jener kleinen Geister, die ihre Lebensaufgabe scheinbar darin sehen, das Große herabzuwürdigen. Am„Tag der nationalen Solidarität“ werden sich die Geister scheiden. Der wahre Sozialismus marschiert. Wir fassen das Sammeln für die Aermsten der Armen unseres Volkes als Ehrendienst auf und der Erfolg kann nicht ausbleiben. Wir betteln nicht, sondern wir nehmen die Gaben der Volksgenossen entgegen, die der Allgemeinheit wieder zugute kommen. Dadurch helfen wir mit, das große Ziel zu erreichen, das sich der Nationalsozialismus geUnserer heutigen Auflage liegt ein beachtenswerter Bücherprospekt der Buchhandlung Braus bei. Vereinsnachrichten Eisenbahn=Frauenverein Schwerte=Ruhr. Die Mitglieder des Vereins werden darauf hingewiesen, daß die Dezember=Versammlung, verbunden mit Adventsfeier, am Mittwoch, den 12. Dezember, um 15 Uhr, im Lokale„Im Reiche des Wassers" stattfindet. Mitgliedskarten sind vorzuzeigen. Die Generalprobe findet am Dienstag, den 11 d. Mts., 16 Uhr im gleichen Lokale statt. Um eine Ueberfüllung des Saales am 12. Dezember zu vermeiden, werden die Eltern gebeten, die Kinder in die Generalprobe zu schicken. Evangl. Verein junger Männer, Schwerte. Die Jungmannschaft trifft sich Sonntag um 19,30 Uhr am Lutherhaus. Die Sternenkunde auf Haus Ruhr findet doch statt. Schwerter Schach=Verein Heute. Sonnabend, 20.15 Uhr, im Café Heermann, Mannschaftskampf an 15 Brettern gegen den Schachverein Hohenlimburg. Jedermann willkommen. Eintritt frei. Aerztlicher Sonntagsdienst am 81/9. Dez.: Dr. Becker, Königsplatz 11.— 2838. Dr. Dickebage. Ostbergerstr. 59. 2719. Dr. Emmerich Bahnhofstr. 7, 2200. Geöffnet ist die Neue Apotheke. □#8 . ...? Das Wädchen, dar nicht keiten Woale Deute wollen wir die Geschichte hören von einem jungen, netten Mädchen, das bei aller Reitigkeit nicht recht glücklich war. Wenn wir die Wahrheit sagen wollen: das Mädchen ...... war schrecklich verbittert! Ob zu recht oder zu nurecht, und ob §...=.“ semand überhaupt das Recht hat, so verbittert zu sein, das wollen wir lieber gar nicht untersuchen Jedenfalls, als die Weihnachtszeit herankam, da sagte sich unser liebes, junges Mädchen:„Ich plage mich tagaus, tagein, verdiene mein weniges Geld schwer genug, und wer kümmert sich schon um mich! Ich werde den Heiligen Abend für mich selber so nett wie möglich machen und damit basta!“ Gesagt, getan! Ein kleiner Weihnachtsbaum wird geschmückt, der Tisch mit den kleinen Schlemmereien nett gedeckt, aber die rechte Weihnachtsstimmung will nicht kommen] Im Gegenteil! Es ist eigentlich recht öde, und unserem Mädchen ist so wehleidig ums Herz, daß sie sich gar nicht getraut, die Lichter anzustecken Da klingelt es! Ein Dakot für sie? Ach, welche Freude! Eine Bekannte, der es bestimmt noch weniger gut geht als ihr, schickt da als Weihnachtsgabe ein kleines Geschenk. Mit einemmal ist alles verändert. Die ganze Welt sieht freundlich aus Läuten da draußen nicht Weihnachtsglocken? Klingen nicht die alten, lieben Lieder plötzlich von irgendwoher?! Da erkennt unser junges Mädchen, was ihr bisher gefehlt hat. Weihnachten feiern heißt Freude machen! Schnell packt sie ihre Sächelchen ein, den Baum nimmt sie vorsichtig unter den Arm und eilends läuft sie aus dem Haus, um irgendwo noch ein Geschäft zu finden, das nicht geschlossen ist# And als sie das Geschenk erstanden hat, bringt sie es der neuen Freundin zu.— ∆### sommen mit dem Baum und all den Dingen, die sie 8 8 3% F 7„ ganz alein für sich haben wolle. Gemeinseam seiern## die beiden den Abend, der nun durch gegenseitiges Freudemachen ein wirklicher Festabend geworden ist, wie er so schön nur unter dem brennenden Weihnachtsbaum gefeiert werden kann sellt hat: Jedem Volksgenossen Adbeit und Brot zu geben. Wenn dieses erreicht ist, sind keine Sammlungen mehr nötig.“ Die Liste der Sammler Nachstehend veröffentlichen wir eine Liste derjenigen Volksgenossen, die heute die Sammeltätigkeit in Schwerte ausüben. Wir bemerken dazu, daß einige Volksgenossen wegen Krankheit oder anderweitiger Verhinderung absagen mußten. Die Meldungen sind aber so zahlreich eingegangen, daß gestern abend schon alle Bezirke vergeben waren, und mehrere Volksgenossen, die ebenfalls im öffentlichen Leben stehen und auch sammeln wollten, unverrichteter Sache nach Hause geschickt werden mußten. Im Dienst der Winterhilfsaktion stehen heute, laut Meldung der Propagandastelle: Dr. Alffers, Amtsgerichtsrat; Aufenrodt, Abteilungsleiter der NSDAP; Baretti, H., Abteilungleiter der NSDAP; Baretti, Adjutant des Sturmbanns III/329; Bäcker, Abteilungsleiter der NSDAP; Berens, Oberinspektor; Dr. Berkenkamp, Studienrat; Pobbert, A., Dipl.=Ing.; Börstinghaus, Stadtobersekretär; L icher, Postsekretär; Diettrich, Karl jun., Bauunternehmer; Dr. Dieckerhoff, Tierarzt; Droste, Sturmführer; Eisenmenger, Kaufmann; Eucker, Eisenbahnamtmann; Feller, Abteilungsleiter der NSDAP; Franke, Fliegerortsgruppenführer; Göckmann, Geschäftsf. d. Ortsbauernstandes; Dr. Goecke, stellv. Ortsgruppenleiter; Großekemper, Rektor; Gygas, Werksdirektor; Hartmann, Angestellter; Haak, Standartenführer; Hatting, Kaufmann; Hemeyer, Ortsbeauftragter des WHW; Hemmer, Abteilungleiter der NSDAP; Heuvemann, Bankdirektor; Hömberg, Leiter der Sanitätskolonne; Hopf, Lehrer; Horstendahl, Stadtsekretär; Hundhausen, Fabrikant; Immelnkemper, Eisenbahn=Inspektor; Kamecke, Presse=, Propagandawart d. NSV; Kaulisch, Amtmann a. D.; Kieserling, stellv. Ortsgr.=Amtsl. d. DAF; Dr. Klouth, Luftschutzschriftwart; Kocks, Eis.=Oberinspektor; Kohlmann, Obertruppführer; Köhne, Ortgruppenleiter; Kraumendahl, Standartenrechnungsführer; Küster, Kaufmann; Kremer, H., Ortsgruppenkassenleiter: Kuchheuser sen., Lockführer; Kürbitz, Stadtobersekretär; Lenz, Obergeldverwalter; Lethaus, Kaufmann; Letzel, Konzertmeister; Leutert, Truppführer; Linner, Zeitungsverleger; Lohmann, Stadtobersekretär; Löscher, Studiendirektor; Lünenschloß, Gustav(RSKOV); Marquis, Verwaltungsanwärter; Meyer, Albert, Gastwirt; Morschheuser jun., Schulungsleiter der DAF: Müller, Franz, Ortgr.=Amtsl. d. NS=Hago; Obstfeld, Ortsgruppenamtsleiter; Patt, Abteilungsleiter der NSDAP; Pelz, Adjutant der Standarte 329; Poganatz, Geldverwalter; Poetzsch sen., Dipl.=Ingenieur; Prodehl, Stadtförster; Rau, Ortsgruppenpropagandaleiter; Richter, Abteilungsleiter der NSDAP; Sander, Verwaltungsanwärter; Sudhoff. Abteilungsleiter der NSDAP; Suffner, Betriebszellenobmann; Sprengepiel, Sturmbannführer; Schäfer, Straßenmeister; Scherff, L., Bauunternehmer; Scherff, Wilhelm, Bauunternehmer; Schildwächter, Kr.=Amtsl. Amt d. Technik; Schmidt, Abteilungsleiter der NS=Hago; Schmitz, Architekt; Schröder, Joh., Oberingenieur; Schröder, K., Abteilungsleiter d. RSKOV; Schulz, Sturmführer; Tennstedt, Oberinspektor; Tetzner, Ortsgruppenfilmwart; Tillmann, Abteilungsleiter der NSDAP; Wagener, F., Organisationswart der DAF; Waldmann, Abteilungsleiter der NSDAP; Walger, Truppführer; Wanderey, Postmeister; Weber, Emil, Stadtobersekretär; Weinkauf, Ortsgruppenamtsleiter d. DAF; Wendhausen, Sozialwart des NSFKB; Wilkes, Karl, Stadtrat; Wilkes, Otto, Kaufmann; Wippermann, Kreisführer des NSFKB: Witte, Stadtrentmeister; e Aus der Bewegung Rudolf Heß, der Stellvertreter des Führers spricht heute abend um 8 Uhr in Bochum in der 40 000 Personen fassenden Straßenbahndepot=Halle. Reichsminister Dr. Goebbels spricht am 11. Dezember in der Westfalenhalle. Schon jetzt sind für den Besuch Massenanmeldungen in Dortmund eingegangen! * Am Montag, den 10. Dezember 1934 findet abends 19,30 Uhr im Parteilokal Wilkes Schwerte, eine Jugendtagung der DAF. statt. Es spricht der Bezirksjugendleiter Pg. Beber Essen. Ein Zehn Feniner schwerer Mammalkep der Schiez Eundsert=gesunden Schwerte, 7. Dez. Der große Kulturfilm der NSDAP. vermittelte uns kürzlich so gewaltige Eindrücke, daß es uns nicht wunder nimmt, wenn Graf von Stosch uns mitteilt, daß bei den Ausschachtungsarbeiten bei Schloß Sandfort nach den unzähligen dort gemachten Funden nun ein vollständig erhaltener Mammutkopf von 10 Zentner Schwere ans Tageslicht gefördert worden ist. Die beiden Stoßzähne zusammen haben allein 5 Zentner Gewicht. Bekanntlich trägt der berühmte Leipziger Mammut im Museum für Völkerkunde, Stoßzähne von je 1½ Zentner Gewicht. Damit ist also gesagt, daß das Münsterländer Mammut, von dem jetzt der Kopf gefunden wurde, bedeutend größer gewesen sein muß, als das Leipziger Paradestück. Wir stellen noch einmal fest: Das Mammut(Elephas primigenius) ist eine seit etwa 20 000 Jahren in Europa ausgestorbene Elefantenart, die zur Zeit der großen Vereisung unseres Kontinents während der verflossenen Erdperiode des Diluviums bis nach den südlichen Ländern Europas hin verbreitet war und rudelweise lebte. Seine Nahrung bestand aus Zwergbirke, Rinde von Nadelhölzern und Wiesengras. Gegen die Kälte schützte das Mammut eine bis 9 Zentimeter starke Fettschicht unter einer außerordentlich dicken Haut, die einen rotbunten Pelz trug, der auch die Beine bis zu den Füßen bedeckte, und dessen Grannenhaare über das kürzere Wollhaar bis zu 50 Zentimeter Länge hinauswuchsen. Wir berichteten bereits, daß man bei Schloß in 16 Meter Tiefe, also, in derselben Schicht, in der man die Knochenteile fossiler Tiere zu Tage förderte, auch ein Steinwerkzeuggerät vorgefunden hat. Wie wir hören, hat der Leiter des Landesmuseums zu Münster eigenhändig dieses Gerät gehoben und feststellen können, daß unmittelbar daneben ein Mammutstoßzahn lag. Damit ist also erwiesen, daß das Mammut auch im Münsterlande ein Zeitgenosse des Menschen der älteren Steinzeit gewesen ist. Das riesige Tier wurde von den Menschen trotz ihrer kümmerlichen Waffen mit Erfolg gejagt und wohl auch in Fanggruben erbeutet. Auf ihren berühmten Wandmalereien haben die altfranzösischen und altspanischen Höhlenbewohner sein Bild unzählige Male wiederholt. Im Lauf der 20000 Jahre, die seit dem Aussterben des Mammut verflossen sind, war die Kenntnis von diesem ehemaligen Hauptjagdtier der alten Menschheit völlig verloren gegangen. Wenn im Altertum oder im Mittelalter ein Zufall Skeletteile dieser Tiere zutage förderte, sah man gewöhnlich in ihnen Reste von Riesenmenschen der Vorzeit. Dachte man sich doch im Mittelalter den Stammvater Adam 20 Meter hoch. Erst um 1700 dämmerte die Erkenntnis auf, daß in solchen Funden Reste ausgestorbener Elefanten vorlägen. Bis vor kurzem hingen ausgegrabene Mammutreste noch in mehreren westfälischen Kirchen. Sie waren einst als Reliquien des als Riesen gedachten heiligen Christophorus verehrt und an geweihter Stelle aufbewahrt. Bis in die allerjüngste Zeit hielt sich in einer schwäbischen Kirche eine Inschrift, die von einem Mammutbackenzahn, der daneben hing, besagt: Schaut her, schaut hier, den Backenzahn Von unserm Ur=Urahn! Jetzt blieb dem heutigen Geschlecht Der kleine kaum noch mundgerecht. Der riesige münsterländer Mammutkopf wurde, wie die anderen wertvollen Funde, nach Münster transportiert, wo er im Museum ausgestellt werden wird. Die Kette der Ausgrabungen bei Schloß Sandfort und Olfen ist noch nicht abgebrochen, da die Erdbewegungen für die zweite Fahrt des Dortmund=Ems=Kanals noch andauern. scke. Tageblatt für die Aemter Westhofen und Ergste Holzen, 8. Dez. Ein alter Leser der „Schwerter Zeitung“ ist mit dem Invaliden Karl Wilms, der am 6. Dezember nach vollendetem 72. Lebensjahre gestorben ist, dahingegangen. W. war aus der Ostbürener Heide gebürtig und kam vor 50 Jahren ins Ruhrtal. In Schwerte erlernte er das Schuhmacherhandwerk. Ueber 42 Jahre war W. treuer Leser der„Schwerter Zeitung“, die ihm zum Heimatblatt wurde. Westhofen, 8. Dez. Ausgabe der Kriegehrenkreuze. Auf mehrfache und an die Ortspolizeibehörde gerichtete Anfragen wird mitgeteilt, daß die Kriegsehrenkreuze noch nicht eingegangen sind. Sobald die Bearbeitung der bei der Verleihungsbehörde in großer Zahl vorliegenden Anträge soweit durchgeführt ist, daß mit der Ausgabe der Ehrenkreuze begonnen werden kann, wird dies bekannt gegeben. Westhofen, 8. Dez. Falsches Zweimarkstück. Im Zahlungsverkehr wurde ein falsches Zwei=Reichsmarkstück angehalten und von der Polizei beschlagnahmt. Das Falschstück trägt die Jahreszahl 1931 und das Münzzeichen D. Die Prägung ist ziemlich gut ausgeführt: doch an dem schlecht geriffelten Rand und der etwas bleiernen Färbung kann das Faischstück erkannt werden. Villigst, 8. Dez. Die Finanzlage der Gemeinde Villigst gesundet. Der für das Rechnungsjahr 1934 aufgestellte Haushaltsplan der Gemeinde Villigst schließt in Einnahme und Ausgabe mit 43770 Rm. ab. Die Finanzlage war für dieses Jahr von vornherein nicht günstig, weil aus früheren Jahren ein Vorschuß von 10 465 Rm. mit übernommen werden mußte. Um für das nächste Rechnungsjahr einen Ausgleich im Haushaltsplan sicherzustellen, ist der als Kassenkredit übernommene Vorschuß zur Umschuldung angemeldet worden. Nach dem Halbjahresbericht ist ein Ausfall bei den Einnahmen zu verzeichnen. Durch äußerste Sparsamkeit mit den Gemeindemitteln und durch die eingetretene Verringerung der Wohlfahrtsausgaben konnte jedoch erreicht werden, daß der Ausfall zum größten Teil behoben wird. Der Gemeindeschulze und der Amtsbürgermeister haben Vorsorge getroffen, daß Ueberschreitungen der Haushaltsansätze unter allen Umständen vermieden werden. Es wird so gelingen, das laufende Rechnungsjahr ohne größeren Fehlbetrag abzuschließen. * Ergste, 7. Nov. Ehrenkrone des Alters. Der Wwe. Lisette Hinkelmann geb. Finkhaus, wohnhaft Bürenbruch B 7, war es in diesen Tagen vergönnt, ihren 81. Geburtstag zu begehen. Der noch rüstigen Hochbetagten nachträglich auch unseren Glückwunsch. Ergste, 7. Dez. Im Silberkranz. Im benachbarten Bürenbruch begehen am Sonntag die Eheleute Landwirt Heinr. Selve und Frau Luise geb. Busemann das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Mit besonderer Hingabe widmet sich der silberne Bräutigam dem Vereinsleben. Dem geschätzten Jubelpaare auch unseren herzlichen Glückwunsch. Ergste, 8. Dez. Verkehrsunglück. Auf der Straße von Villigst nach Ergste ereignete sich ein Verkehrsunglück. In der Nähe des Stahlwerks Ergste geriet ein Trecker während der Fahrt in Brand. Um den Trecker zum Halten zu bringen, lenkte der Fahrer in den Straßengraben, wobei noch ein Baum umgefahren wurde. Fahrer und Beifahrer retteten sich durch Abspringen. An dem durch Brand zerstörten Trecker stellten Arbeitsdienstler die Wache. Berchum, 8. Dez. Versammlung der R SD AP. Am Mittwoch, dem 12. Dezember d. J., abends 8,15 Uhr, findet im Loka! Witwe Schulte in Berchum eine Mitgliederversammlung statt. Da sehr wichtige Punkte zur Besprechung und Durchberatung stehen, wird das Erscheinen einem jeden Pg. zur Pflicht gemacht. Stadttheater Dortmund Samstag, 8. Dezember. Anfang 15 Uhr, Ende gegen 17,30 Uhr.„Die lustigen Heinzelmännchen.“ Ein Märchenspiel vom fröhlichen Handwerk in 5 Bildern von Karl Irmler. Preise von 30 Pfg. an. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.„Egmont.“ Ein Trauerspiel in 5 Aufzügen von Goethe. Preise von 50 Pfg. an. Sonntag, 9. Dezember. Anfang 15 Uhr, Ende gegen 17,30 Uhr.„Die lustigen Heinzelmännchen.“ Preise von 30 Pfg. an. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.„Aennchen von Tharau.“ Singspiel=Operette von H. Strecker. Preise von 50 Pfg. an. Montag, 10. Dezember. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 22 Uhr. 4. Sinfonie=Konzert. Dirigent: Wilhelm Sieben. Solist: Eduard Erdmann. Preise von 75 Pfg. an. Schwerter Iulmschall Die„Lichtspiele zur Reichskrone“ zeigen zunächst den Kriminalfilm„Unsichtbare Gegner“ in dem versucht wurde, die ausgetretenen Pfade der üblichen Detektivgeschichten zu verlassen und unter Einsatz aller technischen und künstlerischen Mittel des Films die lebensechte Reportage eines aufsehenerregenden Kriminalfalles zu schaffen. Dieser aus dem wirklichen Leben gegriffene Abenteurer= und Sensationsfilm behandelt eine riesenhafte Schwindelaffäre, die um den Besitz eines südamerikanischen Oelfeldes entsteht. Ein junger deutscher Ingenieur gerät nichtsahnend in das Netz der Betrügereien, die gewissenlose Spekulanten und Schieber in die Wege leiten, um sich in den Besitz des Feldes zu setzen.— Dem Ingenieur Ugron gelingt es nach vielen Widerständen und mit Hilfe einer Frau, die ihn liebt, die Bande zu überführen und zu entlarven. Auch in der Besetzung kommt das Streben nach Niveau, das diesen Film auszeichnet, zum Ausdruck. Gerda Maurus, die reise Darstellerin, verkörpert als Sybil Herford die Frau, die erst„mit drin ist“ und dann zum rettenden Engel wird, mit packenden Mitteln. Ganz groß ist wieder Oskar Homolko, der gefährlichste der„unsichtbaren Gegner.“ Neben ihm steht der Charakterdarsteller Peter Lorre. Er bietet wieder eine Kabinettleistung. Paul Hartmann spielt den Ingenieur Ugron und erweist sich als großer Gestalter. Außerdem wären noch Ravul Aslan zu nennen, der als Demonde das Opfer der Schieber wird, ferner der komische Paul Kemp mit der blonden Eva Schmid=Kayser als Partnerin. Geheimnisvoll und fast verwirrend ranken sich abenteuerliche Geschehnisse um diese Darsteller. Technik und menschliche Verschlagenheit wetteifern im Auf und Ab rätselhafter Vorgänge, bis zum Schluß sich spannungsvoll steigernd. Ganz auf Musikalität, auf Melodien gestellt ist der nach Franz Lehars großer und weltberühmter Operette„Paganini“ gedrehte Film„Gern hab' ich die Frau'n geküßt.“ Es ist eine Filmoperette und man freut sich, daß diese Operette mit Geschmack und Heiterkeit gestaltet wurde. So fand man denn auch eine eigene filmische Form, in der vom Schema der Bühnenoprette nichts übrig blieb. Selbst die Behandlung der Musik zeigt keine Kopie, keine Nachahmung der Operette, sondern eigenen filmischen Einfal!! Dann aber ist vor allem auch die südliche Landschaft mit sehr viel Reiz in die Handlung hineinkopiert. Ivan Petrovich ist ein schöner Paganini mit edlem Kopf und weichem Tenor und spielt selber die Geige. Daß er als Paganini ale Linge absieht von dämonischem Gehabe und weniger den großen Frauenverführer im Spiel herausstellt, als den seiner Kunst verfallenen Geiger, ist ein Vorteil. Er bietet eine geschlossene, glaubhafte Leistung. Eine neue Figur im Tonfilm ist Eliza Illiard, als Herzogin wirklich Dame, elegant und energisch, überlegen auch, wenn sie liebt, mit kultivierter, in allen Registern ausgeglichener Stimme, der man die Schule der Dresdner Oper anhört. Ergötzlich das Komödiantenpaar Aribert Wäscher und Erika Gläßner.— Theo Lingen kann sich in einer Paraderolle so richtig austoben. Dieser Hofmarrschall Pimpinelli ist eine vergnügliche Figur, jedes Zieren, jedes Hüstein, jeder Griff zum Riechfläschchen löst Heiterkeit im Zuschauerraum aus. Lingen setzt seinem komischen Höfling viele kleine neue Lichterchen auf. Auch Adele Sandrock ist mit von der Partie, mit einem halben Dutzend hübscher Bonnots. Sie hat noch nie versagt, unsere wackere Adele; wenn sie auf der Leinwand erscheint, ist es, als bekäme jedesmal der Film eine belebende Spritze.— Maria Beling, die schon als„Schwarzhaldmädel“ einen großen Erfolg erringen konnte, sieht als Bela, die blonde Nichte eines Striese aus der Napoleonzeit wieder entzückend aus. Auch sie bemüht sich um Paganini. Sehr sympathisch wirkt auch die ranke Maya Feist als Hosdame der Herzogin von Lucca der Aller vr Autegun, gerorn4. 6 26 Die Galapagos-Tragödie aufgeklärt Die beiden Toten: der Deutsche Lorenz und der Norweger Auggerud— Die Baronin, der böse Geist der ggar das Fastland inzwischen Die Tragödie auf den Galapagos=Inseln. die in den letzten Wochen immer neue, Rätlel brachte, hat jetzt ihre endgültige Auftlärung gefunden. Der Expedition des kalifornischen Millionärs Captain Hancock ist es gelungen, nicht nur die beiden auf der Marchena=Insel befindlichen Leichen zu identifizieren, sondern auch Einzelheiten über die letzten Lebenstage der Toten in Erfahrung zu bringen. Weiter stellte er fest, daß der„deutsche Robinson". Dr. Karl Ritter, wahrscheinlich vor Aufregung einem Herzschlag erlegen ist. Auch über den Verbleib der Baronin Wagner= Bousquet, des bösen Geistes der Insek, ließ sich Näheres ermitteln. Ein Mensch, der sich mit der zivilisierten Welt wegen ihres Haders und ihres erbitterten Lebenskampfes verseindet, beschließt, freiwillig ein Robinsonleben auf einer fernen Insel im Pazisik zu führen. Dort findet er vorübergehend, trotz muyseliger Arbeit. Entspannung und Frieden. Plötzlich scheint der Teufel losgelassen. Eine große. lärmende Gesellschaft siedelt sich ebenfalls auf dem Eiland an und macht durch den rücksichtslosen leichtsinnigen Gebrauch ihrer Schußwaffen dem Cremiten das Leben unsicher. Furchtbare Auseinandersetzungen entstehen in dieser Zeit unter den Mitgliedern der neuen Siedlergenossenschaft, grausige Verbrechen werden verübt und schließlich verschwindet der ganze Spuk wieder. Der Einsiedler, der den Frieden gesucht hatte. mußte Aufregungen ausstehen, wie sie ihm die zivilisierte Welt vorher nicht beschert hatte. diesen Aufregungen zerbrach er.— Das ist das tragische Schicksal des„deutschen Robinson“ Dr. Karl Ritter. Der Tod auf dem„schwarzen Strandweg“ Als Kavitän Hancock auf der Insel Santa Maria landete, fand er dort lediglich das deutsche Ehepaar Wittmer aus Köln, dessen beide Kinder und Dora Karwin, die Lebensgefährtin Dr. Anters. Weinend erklärten ihm die beiden Frauen, daß Dr. Ritter am 21. November auf dem„schwarzen Strandweg“ plötzlich tot umgesunken sei. Er habe jencs entsetzliche Drama zwischen der„Kaiserin von Galapagos“ und dem deutschen Lorenz nicht überleben können. Er habe alles getan, um die mißliebigen neuen Anfiedler zu beruhigen und unter ihnen Frieden zu stiften. Die Baronin, WagnerBousquet aber, die offenbar geistesgestort war, habe Dr. Ritter ausgelacht und verhöhnt. Nach den Ermittlungen Captain Hancocks war die Baronin Wagner=Bousquet tatsächlich der böse Geist der Insel. Die Berichte von Touristen, oie über ihr„Kaiserreich aus eigenen Gnaden“, so phantastische Berichte gegeben hatten, hatten nicht übertrieben. Sie lief immer mit der geladenen Pistole herum und bedrohte jeden, der sich ihrem Willen zu widersetzen versuchte. Zunächst besaß der Deutsche Lorenz ihre Gunst, die sie ihm aber später entzog, um sie einem anderen ihrer männlichen„Untertanen". nämlich dem Berliner Phillippson, zuzuwenden. Bewußt dem Dursttod ausgesetzt Der Streit zwischen der Baronin und Lorenz nahm immer heftigere Formen an. Schließlich zwang die Frau ihren ehemaligen Geliebten, die Insel in inem kleinen offenen Boot zu verlassen. Mit voller Absicht verweigerte sie ihm die Mitnahme von Lebensmitteln und Trinkwasser. So lieferte sie ihn dem Dursttod aus. Denn die Fahrt zur nächsten Insel ist weit und kaum oon einem so kleinen Boot zu erreichen. Alle Siedler waren über das Verhalten der Baronin aufs tiefste empört, konnten aber gegen ihre Schußwaffen nichts ausrichten. Wenige Zeit danach hatte die„Kaiserin von Galapagos“ das Leben auf der Insel endgültig satt. Zusammen mit Phillippson verließ sie auf einem seetüchtigen Boot die Stätte ihres Verbrechens. Sie dürfte— so nimmt Captain Hancock wenigstens an— entweder die große Insel San Sven Hedin fliegt zu Das Geheimnis eines neuentdeckten Volkes— Anfang dieses Jahres berichtete ein namhafter amerikanischer Forscher, daß es ihm gelungen sei, in einem Teil inmitten des brasilianischen Urwalds von Mato Grosso ein bisher unbekanntes Volk zu entdecken. Es handele sich augenscheinlich um Indianer, denn die Personen, mit denen er Bekanntschaft schloß, wiesen sämtliche Merkmale der Rothäute auf, bis auf deren rote Farve. Die sei weiß wie die der Europäer und deshalb sei anzunehmen, daß die„weißen Indianer“ eine Mischlingsrasse aus Weißen und Rothäuten darstellen. Aber diese Annahme stehe in stärkstem Widerspruch zu der Tatsache der völligen Abgeschlossenheit des Tales. Es sei kaum vorstellbar, wie eine größere Anzahl weißer Menschen sich schon vor Jahrhunderten durch den dichten Urwald hierher zu den Indianern verirrt haben kann. Andererseits lasse die ausgeprägte Eigenart der Kultur des neuentdeckten Volkes darauf schließen, daß es vielleicht sogar schon seit Jahrtausenden völlig abgeschlossen von der südamerikanischen Umwelt lebt. Vielleicht ist man auf die Nachfahren jener sagenhaften Mayas gestoßen. Alle diese Fragen endgültig zu beantworten, sind namhafte Wissenschaftler aus aller Welt schon seit Monaten dabei, Expeditionen in den Mato Grosso vorzubereiten. Unter ihnen befindet sich auch der deutsche Gelehrte Vogler, dessen ExpediCristobal oder aber sogar das Fentland inzwischen erreicht haben. Eine Begegnung auf dem Meer Hancock, der durch wiederholte Besuche des Galavagos=Archivels fast alle Bewohner genau kennt. konnte die Leichen auf der Marchena=Insel einwandfrei identifizieren. Die beiden Toten sind der Deutsche Lorenz und der Norweger Nuggerud. Nuggerud versah zwischen den einzelnen GalapagosInseln einen regelmäßigen Fährdienst und dürfte Lorenz in seinem kleinen Boot begegnet sein. Lorenz stieg dann zu Nuggerud über, aber damit war er noch nicht gerettet, denn das Boot Nuggeruds mußte Motordefekt erlitten haben und in eine Strömung geraten sein, die das Boot schließlich an die Küste der Marchena=Insel warf. Dort gab es kein Trinkwasser und so mußten die beiden Männer den Dursttod erleiden. Nuggerud hatte übrigens einen Negerknaben in seiner Begleitung, von dem jede Spur fehlt. Die Juwelen der„Kaiserin" Die Baronin Wagner=Bousquet scheint den unglücklichen Ausgang ihres Siedlungsexperimentes. sie wollte bekanntlich ein Hotel auf der Insel Santa Maria errichten, vorausgesehen zu haben. Denn jetzt wird bekannt, daß sie einen Brief an die Gattin des Farmers Manuel Cohos auf San Cristobal schrieb, in dem sie von bevorstehenden surchtbaren Ereignissen Andeutungen macht und in dem sie erklärt, sie habe einen wertvollen Juwelenschatz an einer näherbezeichneten Stelle auf der Insel Santa Maria in einem Felsen versteckt. Dieser Schatz solle der Frau Cohos gehören. falls sie, die Baronin, sterben sollte. Der Schatz konnte bisher noch nicht gefunden werden. Und so ist anzunehmen, daß ihn die Baronin bei ihrer Abreise doch nicht zurückgelassen hat. Ritters Lebensgefährtin kehrt zurück Dora Karwin, wie auch das Kölner Ehepaar Wittmer, haben Captain Hancock gebeten, sie an Bord seiner Jacht zu nehmen, da das Leben der Insel nach all dem Vorgefallenen nicht mehr erträglich sei. Das tragische Schicksal Dr. Ritters wird in der ganzen Welt lebhaftes Mitgefühl hervorrufen. Er soll übrigens die Absicht gehabt Der Einsiedler der Galapagos=Inseln gestorben Dr. Karl Ritter aus Berlin und seine Gefährtin. Die Aufnahme zeigt die beiden Robinsons nach einigen Monaten Einsiedlerlebens an Bord eines amerikanischen Schisses, das sie besuchte. haben, keineswegs Zeit seines Lebens auf Insel zu bleiben. Seine Reise nach Santa Maria hatte er am 29. Juli 1929 angetreten, nachdem er seine Arztpraxis in Berlin aufgegeben hatte. Er war keineswegs ein Menschenfeind, aber er haßte die menschliche Zivilisation. Daß er ihr doch nicht entrinnen konnte, war sein Unglück. Die Auswelsungen aus Südslawien Budapester Zahlen Von zuständiger Stelle in Budapest wird mitgeteilt, daß in den letzten Tagen bis zum heutigen Abend 2314 Personen aus Südslawien ausgewiesen seien. Für Freitagabend wird ein neuer Transport von 7 Eisenbahnwagen mit rund 400 weiteren ausgewiesenen Personen angekündigt. In Szegedin seien amtlich 5—600 Protokolle aufgenommen worden, aus denen sich ergab. daß an dieser Grenzstation auch über 300 aus Südslawien ausgewiesene deutsche Bauern(Schwaben) eingetroffen seien. Das ungarische Rote Kreuz hat sich, wie verlautet, telegraphisch an das Genfer Internationale Rote Kreuz gewandt. Von amtlicher Seite werden Meldungen, nach denen die Zwangsausweisungen aus Südslawien auf ähnliche ungarische Maßnahmen zurückzuführen seien, ganz entschieden in Abrede gestellt. In einer Konferenz im Innenministerium wurde die Einleitung einer umfassenden Fürsorgeaktion beschlossen. Gleichzeitig hat man mit öffentlichen Sammlungen zur Linderung der Not der Ausgewiesenen begonnen. Die Budapester Abendblätter berichten spaltenlang im Tone der größten Empörung über die näheren Umstände der Ausweisungen und die Notlage der Vertriebenen. Am Steuer ihres Kraftwagens verbrannt Auf der Straße von Eichard nach Kloster Buch bei Döbeln geriet, wie aus Chemnitz berichtet wird, Donnerstag abend die Frau eines Händlers aus Tschoppach mit ihrem Kraftwagen in den Straßengraben, angeblich infolge einer Reifenpanne. Ohne umzustürzen, fuhr der Wagen durch den Graben auf das dahinterliegende Feld und fing dann auf bisher ungeklärte Weise Feuer. Die Frau ist dabei am Steuer des Wagens völlig verbrannt. Der Ehemann, der erst seiteinem halben Jahre mit der Frau verheiratet war, konnte sich retten. Er hat außer einer Rauchvergiftung nur leichtere Verletzungen erlitten. Die Mordkommission aus Leipzig, die an den Unfallort gerufen wurde, ist sich noch nicht völlig klar, ob Unfall oder Verbrechen vorliegt. Die Frau hatte den Führerschein erst seit 14 Tagen. vorrufen. Er soll übrigens die Warmitden Funestäner Arhen! Großer Kundfunk=Prozeß— Der Fall„Stapelfeldt“ habe im Jahre 1929 unberechtigterweise Vorstandsmitglied der Nordischen A. G.(Norag) in Hamburg, Stapelfeldt, ein Darlehen von 15000 Mark zum Zwecke Hausankaufes bewilligt..., S Dr. Magnus erklärte dazu, daß im Einvernehmen mit Dr. Bredow beschlossen worden Stapelfeldt auf seinen Antrag hin ein Darlehen von 8000 Mark zu 7½ v. H. Zinsen, bar in den Jahren 1930/31 zu bewilligen. Ein Darlehen von 15000 Mark sei nicht, trgg uer Dr Aggzs unen Ppes vo., ez, der Reosongeselscheft, Bete.S e, erser den am 2u. kprt, 1b28 an den Großattionhr..“ wüirde, Magnus haße aber dem Vorngenden des Hamburger Sendegezggschotz, Zlonk geschrieben Aufsichtsrates der Norag, Blonk, anheimgestellt, bat und in dem es heißr:„Bei dem Verlauf der Stapelfeldt noch einen Vorschuß zu geben, der Funkstundeaktien hat Rösler sich mitr gegenhygt aber bis Ende des Jahres 1929 zurückgezahlt wie ein Erpreser denommen...“, und an on werden müßte. Der Vorwurf der Anklage gegen derer Stelle:„Schließlich habe ich es zuwege ge. Magnus in diesem Punkt begründet sich daraus, bracht, daß er noch ein paar hundert Mark von) daß Magnus durch die Bewilligung des Vorder Funktunde bekomwt.. Brief uu, schusses die vorgeschriebene Darleynshöhe überMagnus:„Ich habe mich in diesem vries u.) iten habe. Der Vorschuß wird von der ungeschickt ausgekrückt. Latsächlich habe ich wit) Staatsanwaltschaft als eine Verschleierung der dem Verkauf nichts zu tun und habe mich nur satfächlichen Darlehnehöhe angesehen. gegen den Vorwurf Röslers, der ganz unberech#####ng begründete In der Freitagverhandlung des großen Rundfunkprozesses ging der Vorsitzende nochmals auf die Angelegenheit des Aktienverkaufs ein. Dr. Magnus bleibt dabei, daß er bei dem Verkauf der 437000 Mark Funkstundenaktien an eine Privatbank nicht beteiligt gewesen sei. Damit sei auch die Behauptung der Anklagebehörde tig, daß er Rösler aus der Kasse der Funkstunde insgesamt 1350 RM. Schweigegeld habe zahlen lassen. Demgegenüber hält der Vorsitzende dem Angeklagten Dr. Magnus einen Brief vor, den dieser Separatistische Enttäuschungen Das erstmalig im Verlag der„Neuen Saarpost“ erschienene Ersatzblatt für die kläglich zusammengebrochene separatistische, von dem ausgebürgerten Grafen Hubertus Löwenstein herausgegebene Wochenschrift„Westland", beschäftigt sich in seinem Leitartikel mit der Einigung in Genf. Das Blatt kann nicht umhin, die Tatsache festzustellen, daß der Dreier=Ausschuß nur einige wichtige Fragen, die für den Fall der Rückgliederung Bedeutung gewinnen, behandelt habe. Dies sei keine Ermutigung für die Status=quoBewegung. Das Blatt rügt, daß der Völkerbundsrat sich nicht die Mühe gemacht habe, eine Definition des Status quo zu geben, ohne die er der Masse der Saarländer fast unmöglich sei, eine klare und gewissenhafte Entscheidung am Abstimmungstag zu fällen. Die Vernachlässigung dieser entscheidenden Frage fördere tatsächlich die Sache des Dritten Reiches. Mag der Dreier= Ausschuß in noch so hohem Maße den Willen zur Neutralität besitzen. Die deutsche öffentliche Meinung habe also vollkommen recht, mit dem Ergebnis der römischen Besprechungen außerordentlich zufrieden zu sein. gegen den Vorwurf Ro: tigt war, zur Wehr gesetzt.“ Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde der sogenannte Fall„Stapelfeldt“ erörtert. Die Anklagebehörde wirft Dr. Magnus vor, er den weißen Indianern Letzte Expedition des schwedischen Forschers tion schon Anfang des nächsten Jahres von Rio de Janeiro aus in den Urwald vordringen will. Vogler hat nun vor einigen Tagen an den berühmten schwedischen Forscher Sven Hedin die Dr. Magnus begründete die Bewilligung des Vorschusses damit, daß seiner Auffassung nach Stapelfeldt sicher gewesen sei, da er ja ein Jahresgehalt von 30 000 Mark bezogen habe. Der Vorsitzende geht dann auf verschiedene Auslandsreisen ein, die Dr. Magnus gemeinsam mit Vorstandsmitgliedern der Norag unternommen hatte, und bei denen die Reisekosten auch für die mitreisenden Ehefrauen liquidiert worden waren. Es handelt sich dabei um eine Reise nach Kopenhagen zum Besuch der dortigen Sendegeseulschaft. Dr. wagnus bestreitet nachdrücklich, für seine Frau liquidiert zu haben. har Fstästans der Verhandlung am Montag vorEroedion beteiligen woll. Ueberraschend schnel— se de dicgasche Soslcenasgreileng die. Zleger Uim uoch nicht gefauden berühmten Schweden ein. Durch die Teilnahme Sven Hedins erlangt die deutsche Expedition überragende Bedeutung, zusie sich der modernsten technischen Hilfsmittel Eine Meldung, daß der Australienflieger Ulm euggr. eteu####..n gisgmittel wohl. Die Suche nach Um Lag und Nacht ort. mal ue nug der modernsten technischen Vitsonnt.r, gesetzt wird, ist bisher von ihm noch teine Spur bedienen wird. So ist unter anderem eine vier: gefunden worden. Der bekannte Flieger Kingszehntägige Lustreise im Flugzeng über die frog: ford Smith teilte telegraphisch aus Los Angeles liche Gegend vorgesehen...„..in mit, er sei der festen Ueberzeugung, daß sich das Uebrigens plant man, wie bereits vor einiger Flugzeug Ulms mehrere Tage über Wasser halten hmerforschten uewülder Prasiene. De Führung Um noch nicht aufzugeben. nehmen nicht ausschließlich die Aufgabe, das Volk gleiter aufgeben. Die Wetterverhältgisse, autf der weißen Indianer auf seine genaue Rassen= sind so ungünstig, daß kaum anzunehmen ist, daß zugehörigkeit zu untersuchen, wenn es auch ge sich das Flugzeug nach seiner Notwasserung mehplant ist, im Urwald mittels einer sinnreichen rere Tage auf der Wasseroberfläche halten rend des Fluges zu landen und später wieder] Die australische Bundesregierung und die Pean Bord zu nehmen. Daß sich gerade die deutsche gierung von Neusüdwales haven beschlosfen, sich Wisfenschaft um die Erforschung des unbekann= an den Hilfsmaßnahmen für den vermißten Flieten Brasiliens und seiner ungezählten Geheim=ger zu beteiligen und für seine Auffindung eine nisse verdient machen wird, erregt im Ausland Belohnung von 1250 Pfund Sterling auszubegreifliches Aufsehen. setzen. Die Romreise Lavals Die Pariser Agentur Radio läßt sich aus Genf melden, es sei nicht ausgeschlossen, daß Laval bald nach seiner Rückkehr aus Genf seine Reise nach Rom antreten werde. Die Agentur Havas bestätigte in einer Meldung aus Genf, daß Außenminister Laval wahrscheinlich sehr bald noch Rom reisen wird. Die französisch=italienischen Verhandlungen machten jetzt hinreichende Fortschritte, sodaß die Reise Lavals nach Rom, die durch den Tod Barthous aufgeschoben wurde, wieder Gegenstand von Verhandlungen werde. Mussolini habe kürzlich Laval zur Kenntnis gebracht, daß er ihn mit Vergnügen möglichst bald in der italienischen Hauptstadt begrüßen würde. Dieser Wunsch werde von Laval geteilt. Die Ereignisse in Genf und der Geist der Versöhnlichkeit, durch den sie gekennzeichnet seien, seien geeignet, eine Begegnung vorzubereiten, deren Zeitpunkt noch nicht feststehe, die aber sehr bald vonstatten gehen könnte. Vor den Landesstellenleitern des Reichspropagandaministeriums sprach Reichsminister Dr. Goebbels auf der üblichen monatlichen Arbeitstagung. Der Minister behandelte im besonderen die Bedeutung des„Tages der nationalen Solidarität“ und die geplante großzügige Weihnachtsbescherung, die zwei Tage vor dem Fest im ganzen Reich durchgeführt wird. Die mittelamerikanischen Staaten Guatemala und Honduras wurden in den letzten Tagen von andauernden heftigen Erdstößen heimgesucht. Dabei wurde der an der Grenze der beiden Länder liegende Ort Monteros vollkommen zerstört. Der englische Außenminister Stmon gab vor dem Unterhaus eine längere Erklärung über die Verhandlungen des DreierAusschusses in Rom und den letzten Erörterungen des Völkerbundsrates über die Saarfrage ab. Gottesdienst=Ordnung Aus der evgl. Gemeinde Schwerte Evangelische Gottesdienste. 2. Sonntag im Advent. Kirche zu St. Viktor: 9.30 Uhr P. Millard. 11,15 Uhr: Kindergottesdienst. Johanneskirche: 5 Uhr P. Kleinemeyer. Evangelisches Krankenhaus: 8,30 Uhr P. Vilar. g6. M. g 8. Geisecke=Lichtendorf: 9,00 Uhr P. Kreine. ... n, tache 8 Bibelstunde in der Johannestirche. Vonnerstag 8.30 Uhr. Evangelisches Jungmännerwerk Schwerte. Sonntag 2 Uhr Jugendschar, 7,30 Uhr Treffen der Jungmannschaft am Lutherhaus zur Sternenkunde auf Haus Ruhr.— Dienstag 5 Uhr Basteln der Jungschar in der Jägerstraße.— Donnerstag 8 Uhr Posaunenchor. Freitag 6 Uhr Bibelstunde der Jungschar.— 8.30 Uhr Bibelabend. Jungmädchenwerk. Schwerte=Stadt: Dienstag 8 Uhr Bibelstunde in der Jägerstraße. Schwerterheide: Sonntag 3 Uhr Jungschar. Vereine der Frauenhülfe. Frauenhilfe Holzen: Freitag, den 14. Dez. nachm. 3 Uhr Adventsfeier bei Hosang. Frauenhilfe Schwerterheide: Dienstag, den 11. Dez. nachm. 4 Uhr Adventsfeier bei Schäfer, Hörder Straße. Auch die Jungmütter sind herzlich eingeladen. Frauenhilfe Lichtendorf: Donnerstag, den 13. Dez. nachm. 4 Uhr Adventsfeier im dortigen Gemeindehause, wozu auch die Jungmütter herzlich eingeladen sind. Frauenhilfe Schwerte=Nord: Donnerstag, den 13. Dez. nachm. 4 Uhr Adventsfeier im Gemeindehause. Alle Frauen und Jungmütter sind eingeladen. Ev. Schulgemeinde: Mittwoch, den 12. Dez. Versammlung im Gemeindehaus. Alle Mitglieder und Freunde sind dringend eingeladen. Ev. Kirchenchor: Uebungsstunde am Montag abend 8 Uhr im Gemeindehaus. Ev. Stadtmission: Sonntag 8 Uhr früh Blaukreuzstunde, 11 Uhr Sonnagsschule.— Mittwoch 8 Uhr Gebetsstunde.— Freitag 8 Uhr Blaukreuzverein. Die Adventfeier findet statt am Sonntag, 5 Uhr, mit Kaffeetrinken(Zubrot mitbringen). Pfarrer Kleinemeyer hält die Ansprache. Jeder ist eingeladen. Getauft: Günter Buchgeister; Char. lotte Elfriede Lydia Nolte; Manfred Erich Wannemacher; Ursula Thiem, Ruth Bischoff; Gisela Menn; Gertrud Schröer. Getraut: Erich Wannemacher und Margarete Rosenstock. Gestorben: Ehefrau Anna Nöber; Ehefrau Karl Elsenplässer; Ehefrau Aug. Grüne. der kath. Gemeinde Schwerte Katholische Gottesdienste. Schwerte. Sonntag, 9. Dez. 2. Advents=Sonntag. 6 Uhr: Stille hl. Messe. Sonntag 7,15 Uhr für unsere gesamte Jugend Gemeinschaftsmesse mit gem. hl. munion. 8.30 Uhr: Schulmesse mit Predigt; gem. hl. Kommunion der Knaben und Mädchen des 5. Schuljahres. 9.45 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11,15 Uhr: Letzte hl. Messe mit Predigt. 2,30 Uhr: Christenlehre und Andacht. 6 Uhr: Andacht für die Erwachsenen. In der Krankenhauskapelle ist eine Messe um 8.15 Uhr. Nachmittags 4,30 Uhr: Andacht. An den Werktagen sind die hl. Messen um 7, 7,40 und 8.10 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine## Messe um 6,30 Uhr. Jeden Mittwoch ist in der Krankenhaus. kapelle Andacht zu Ehren des hl. Josef um Uhr. Krankenwoche hat in dieser Woche Vikar Kirchner, Neumarkt 4. Geisecke. 7 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Jeden Donnerstag ist um 7,45 Uhr stille hl. Messe. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Jeden Freitag ist um 7,45 Uhr stille hl. Messe. Samstag, 8. Dez. Fest der Unbefleckten Empfängnis. Hl. Messen sind wie an den Sonntagen. Freitag von 4—7 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. In Geisecke und Westhofen bleiben die hl. Messen am Fest der Unbefl. Empfängnis ebenfalls wie an den Sonntagen bestehen. Lichtendorf— Sölderholz. Sonntag, 9. Dez. 2. Advents=Sonntag. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt und gem. hl. Kommunion der Jungmänner. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2.30 Uhr: Andacht. Achtung! Kirchensteuer! An die Zahlung der bereits am 18. Novem, ber fällig gewesenen dritten Rate der Kirchensteuer wird mit dem Bemerken erinnert, daß vom 12. Dezember ab die mit Unkosten verbundene Einziehung der Rückstände durch das Finanzamt beginnt. Zahlungen können bis dahin täglich bei der Kirchenkasse, Mülmkestraße 13, geleistet werden. Rundfunk=Programm Sonntag, den 9. Dezember 1934. 6,35 Hafenkonzert. 8.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8,10 Die Verwertung des Holzes im bäuerlichen Waldbesitz. 8.30 Die sonntäglich Morgenfeier. 9,00 Sendepause. 9.15 Funk ins Blaue. 10,00 Musikalische Plaudereien. 10,30 Am Cembalo. 11,15 Neues aus Forschung und Wissenschaft: Raum und ich. 11,30 Bach=Kantate. 12,00 Musik am Mittag. 13,00 Glückwünsche. 13.05 Operettenmusik. 14,00 Szenen aus der Operette„Die Fledermaus.“ 14,45 Sendepause. 15,00 Eltern und Kinder. 15,20 Lustiger Rätselfunk des Reichssenders Bb8. Hr ir K e 15,40 Weihnachtsbäume wandern in die Stadt. 16,00 Nachmittagskonzert. 17,30 Wagner, Schmied, Töpfer und Pflasterer.(Kleine Handwerkerbildnisse. 17,50 Kammermusik. 18,25 Märchen u. Musik: Die Alte im Walde. 19,25 Kunstturn=Wettkampf Rheinland=Westfalen.(Aufnahme). 19.50 Sportvorbericht. 20,00 Heitere Sonntagsmusik. 21,25 Sendepause. 21,30 8. Meisterkonzert des deutschen Rundfunks. 22,15 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,30 Tanzmusik. 24,00 Taktvoll und bunt. Montag, den 19. Dezember 1934. 6,00 Morgenruf. Anschließend Frühkonzert. 6,45 Leibesübungen. 7,00 Morgenruf, Zeit, Wetter, Nachrichten. 7,15 Morgenkonzert. 8,00 Wasserstandsmeldungen. 8.30 Zeit, Wetter. 8.35 Frauenturnen. 8.50 Was kochen wir diese Woche? 9.00 Sendepause. 10,00 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,15 Schulfunk. 10,50 Was brachte uns der Sportsonntag? 11,00 NSO=Studentenbund und deutsche Studentenschaft. 12,00 Musik am Mittag. 13,00 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 14,00 Zweite Mittagsmeldungen. 14,15 Kino=Orgel 14,45 Schlachtviehmarktberichte. 15,00 HJ=Funk. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15,50 Stimme der Zeit. 16,00 Nachmittagskonzert. 17,30 Drei preisgekrönte Dichtungen rheinischer Schriftsteller u. zwischendurch Musik. 18,00 Naturkunde im Vorübergehen. 18.20 Kleine Musik auf Schallplatten. 18.30 Französische Unterhaltung. 18,45 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmeldungen. Sportvorbericht. 19,00 Westdeutsche Wochenschau. 19,30 Neue Musik für Harmonium. 19,50 Momentaufnahme. 20,00 Erste Abendmeldungen, Saarrundschau. 20,15 Heitere Musik am Abend. 21,40 Auf alle kommt es an. 22,00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,20 Fröhlicher Klang zur nächtlichen Stunde. Dienstag, den 11. Dezember 1934. 6,00 Morgenruf. Anschließend Frühkonzert. 6,45 Leibesübungen. 7,00 Morgenruf, Zeit, Wetter, Nachrichten. 7,15 Morgenkonzert. 8,00 Wasserstandsmeldungen. 8.30 Zeit, Wetter. 8.35 Frauenturnen. 8,50 Welchen Rundfunkempfänger schenken wir zu Weihnachten? 9,00 Sendepause. 10,00 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,30 Allerhand kleine Unterhaltung. 12,00 Musik am Mittag. 13,00 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 14,00 Zweite Mittagsmeldungen. 14,15 Lustige Anekdoten und Lieder aus dem Bergmannsleben. 14,45 Sendepause. 15,00 Praktisch schenken, ans Handwerk denken worfen. E. geriet unter die Hinterräder des 15,45 Muttertum. 16,00 Nachmittagskonzert. 17,30 Aus unserer Heimat„Das Ahrtal.“ 17,50 Kleine Musik unserer Zeit. 18,10 Junge deutsche Dichtung. 18.25 Der Kölner Frauenchor. 18,45 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht. 19,00 HJ-Funk. 19,20 Karl August Grooß, ein Volksliederkomponist. 19,50 Momentaufnahme. 20,00 Erste Abendmeldungen. 20,10 Volkstümliche Musik aus Meisteropern. 21,00 Die Münsterische Bucht(Hörfolge) 22,00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,10 10 Minuten Schach. 22,30 Funkstille. Am Sonntag sind die Geschäfte in Schwerte nachm. von 2-7 Uhr für den Verkauf geöffnet. K S 455 15155 Sch Lens 12 20 apirrzal# ece c in Mann um sein Leben ROMANVON MANS MORGAN 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Jetzt habe ich aber bald genug, Leiting! Sie erzählen mir eine große Räubergeschichte, in der Sie zufällig mit einem anderen verwechselt werden, der angeblich die Rolle Wellners bei Mrs. Aldernon übernehmen sollte. Daraus geht doch einwandfrei hervor, daß noch Helfer dagewesen sein müssen, mit denen... ach, und außerdem... der der Toten und ihrer Tochter abgenommene Schmuck ist doch verschwunden! Da er nicht bei Ihnen gefunden wurde, muß ihn der andere, also Ihr Verbündeter, mitgehen lassen haben! Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, sind Sie noch geblieben, weil Sie von der Annahme ausgingen, man würde Ihnen nichts nachweisen können, da Sie ja nicht im Besitzes des Raubes waren!“ „Sie betrachten alles von einem bestimmten Standpunkt aus, Herr Kommissar... für Sie bin ich der Mörder oder mindestens Mittäter des Mörders! Und deshalb kann ich reden, was ich will. Sie werden es immer zu meinen Ungunsten auslegen!“ „Sagen Sie mir vor allem erst einmal, wo der wirkliche Wellner geblieben ist, der ja nachweislich existiert und von Dr. Reichwald engagiert wurde. Dieser Wellner ist spurlos verschwunden, und ich neige zu der Annahme, daß Sie ihn ebenfalls aus dem Wege räumten, um die Bahn für Ihre Absichten frei zu machen!“ „Was mit Wellner geschah, weiß ich nicht. Das können Ihnen die Bewohner des Hauses Fenderstraße 3 sagen!“ „Himmelkreuz! Ich sagte Ihnen doch, das Haus ist unbewohnt!“ „Dann wurde es von jenen einfach mit Beschlag belegt, ohne daß der Besitzer etwas davon wußte!“ „Und Sie meinen, es gehe so ohne weiteres, daß fremde Leute eine leerstehende Villa in Berlin beziehen, ohne daß jemand etwas davon merkt?“ „Warum soll das nicht gehen?“ „Weil meine Nachforschungen ergeben haben, daß das Haus von einer Berliner Wach= und Schließgesellschaft kontrolliert wird" „Das können jene gewußt haben. Die Kontrolle wird doch nur in gewissen größeren Zwischenräumen ausgeführt, während der das Haus getrost einen unbewohnten Eindruck machen kann!“ „Sie sind noch raffinierter, als ich dachte, Leiting! Dann nennen Sie mir doch wenigstens einmal die Namen der rätselhaften anderen!" Einige Sekunden lang zögerte Max Leiting. Die ganze gemeine Handlungsweise seiner Verbündeten tauchte vor ihm auf, der Betrug, den Larisch an ihm beging von Anfang an. Er preßte die Handflächen ineinander, sah Weber fest an und sagte: „Sie heißen Otto Larisch und Arthur Urban!“ „Larisch? Ist das der berüchtigte Fassadenkletterer und Einbrecher Larisch?“ „Kann sein!“ „Und mit welchem von beiden haben Sie den Mord begangen?“ „Ich habe mit dem Mord nichts zu tun!“ schrie Leiting gereizt auf. Weber lächelte. „Wenn Sie schon so viel gesagt haben, können Sie doch auch den Rest eingestehen, Leiting!“ „Verflucht noch mal!“ entfuhr es Max. „Tausend und tausendmal sage ich es immer wieder: Ich habe nichts zu gestehen weiter! Ein Diebstahl war geplant und kein Mord... zu einem Mord biete ich meine Hand nicht! Larisch und Urban haben mich hinters Licht geführt. Am Tage, als der Diebstahl ausgeführt werden sollte, war ich fest entschlossen, auch ihn zu verhindern, weil... ich...“ Er stockte plötzlich. „Weil?“ „Das gehört nicht hierher!“ „Hören Sie mal, Leiting! Daß Larisch und Urban Ihre Komplicen sind, glaube ich ohne weiteres. Es wird so gewesen sein, daß Sie durch irgendeinen Zufall erfuhren von der Suche Dr. Reichwald nach einem Sekretär für Mrs. Aldernon. Sie erfuhren weiter, daß Dr. Reichwald nach München fahren mußte und so den neuen Sekretär nicht persönlich vorstellen konnte. Sie ließen Wellner also verschwinden... ermordeten ihn und versteckten seinen Leichnam irgendwo. Sie übernahmen dann seine Rolle, um auch den Mord an Mrs. Aldernon vorzubereiten. Sie müssen an dem Mord beteiligt gewesen sein, denn unsere Nachforschungen haben ergeben, daß um die Zeit, als der Mord geschehen sein kann, ein Mann verdächtig schnell das Hotel verließ. Nur ein Mann! Der zweite blieb also noch im Hotel... und dieser zweite Mann sind Sie!" Max Leiting sah ein, daß jedes weitere Reden zwecklos sein würde. Weber war von seiner aktiven Teilnahme an dem Verbrechen überzeugt und würde sich von dieser Ueberzeugung nicht abbringen lassen. Wenn es ihm selber nicht gelang, den Nachweis seiner Unschuld zu erbringen, rettete ihn keine Macht der Welt von der Anklage des Mordes und der Verurteilung! Wie aber sollte er seine Unschuld beweisen können,=wenn er hier in einer Zelle saß und sich nicht rühren konnte? Larisch und Urban mußten gefunden werden! Nicht nur gefunden, sondern auch zu einem Geständnis ihrer Tat gezwungen werden! Erfolgte ihre Verhaftung aber durch die Polizei, so würden die beiden geriebenen Gauner zur rechten Zeit alles genügend vorbereitet haben, um als Unschuldslämmer vor Gericht zu stehen und alle Schuld an dem Morde auf ihn abwälzen. And er würde sich nicht einmal dagegen wehren können. Bei gegenseitigen Bezichtigungen vor Gericht fand gewöhnlich der Glauben, der am besten zu schwindeln vermochte! Es gab nur eine Möglichkeit für ihn: Flucht! Flucht aus dem Polizeigefängnis und verbissenes, unablässiges Suchen nach Larisch und Urban. Er mußte ihnen ihre Beute wieder abjagen... mußte sie ihnen abjagen, denn er wollte nicht, daß Maud Aldernon durch sein Verschulden einen Verlust hatte. In ihren Augen wollte er kein Dieb, geschweige denn ein Mörder sein! Und wenn er die Schurken mit dem Revolper in der Hand zum Geständnis zwang... es war gleich. Nicht eher ruhen wollte er, bis es ihm gelang, nachzuweisen, daß er wohl— getrieben durch seine Notlage— seine Hand zu einem eventuellen Diebstahl bot, aber nie und nimmer mit einem Mord einverstanden gewesen wäre! „Nun, was haben Sie darauf zu sagen, Leiting?“ fragte Kriminalkommissar Weber in seine Gedanken hinein. „Nichts!“ antwortete er kurz. Der Kommissar drückte auf einen Knopf an der Seitenwand des Schreibtisches und erhob sich. „Schön... ich lasse Sie jetzt in Ihre Zelle zurückbringen. Ich gebe Ihnen den guten Rat: Ueberlegen Sie sich nochmals genau, ob es nicht besser für Sie ist, die Wahrheit einzugestehen. als dauernd mit neuen Ausflüchten zu kommen. Unsere Arbeit geht weiter... und wir werden genügend Material sammeln, vor dem Sie schließlich doch kapitulieren müssen!" Max blieb still. Fortsetzung folgt! Turnen, Spiel und Sperl Sport-Anzeiger (Unter dieser Rubrik kostet die mm=Zeile 4 Pfa.) Handball=Pflichtspiel Sonntag, den 9. Dezember 1934:„ Tus 07 Holzen 1.— Tv. Westig 1. Anwurf 11 Uhr. Sportplatz Jahnstraße Handball=Meisterschaftsspiel Schwerter Turnerschaft 1.— Turnund Spiel„Westfalla“ Billigst. Sportplatz Gymnasium. Anwurf 3 Uhr. Zum Fußball=Winterhilfsspiel in Schwerte 1. VfL. Schwerte— Freiw. Arbeitsdienst Ergste. Abermals hat der VfL. Schwerte ein Fußballspiel für die Winterhilfe arangiert. Am Sonntagnachmittag treffen sich auf dem städtischen Sportplatz„Schützenhof“ der Freiw. Arbeitsdienst Ergste und die erste Fußballmannschaft von VfL. Schwerte. Die Schwerter verfügen im Augenblick über eine vorzügliche Spielstärke, wovon die Ergebnisse der letzten Meisterschaftsspiele das beste Zeugnis ablegen. Auch im morgigen Spiel tritt der VfL. den Arbeitsdienstlern mit kompletter Elf gegenüber, weshalb man mit guten sportlichen Leistungen des Platzvereins rechnen kann. Auch der Gegner bringt eine gute Mannschaft heraus, welche talentierte Spieler in ihren Reihen hat. Spieler von Schalke, Herne usw., welche ebenfalls ihrer Arbeitsdienpflicht im Ergster Lager genügen, hat man für dieses Spiel herangezogen. Man kann deshalb mit Recht sagen, daß sich zwei ziemlich gleichwertige Gegner in diesem Treffen gegenüberstehen. Den Schwerter Ortseingesessenen ist ein Besuch dieses Spieles nur zu empfehlen; zumal der Reinertrag dieser Veranstaltung dem Winterhilfswerk zugeführt wird. Darum muß am morgigen Sonntag für jeden die Parole lauten:„Auf zum Sportplatz Schützenhof“. Jugenddiplomspiele: Junioren VfL. Schwerte— Junioren Westhofen. 1. Jgd. Tus 06 Schwerte— 1. Jgd. BfL. Schwerte. 2. Jgd. VfL. Schwerte— 2. Igd. Tura Kabel. Fortsetzung der Punktekämpfe in Kreis Iserlohn. Das sonntägliche Fußballprogramm im Kreis Iserlohn ist wieder recht umfangreich. Die Spiele der zweiten Serie setzen ein, und da sind die Vereine größtenteils tätig. Bei den Fußballfreunden wird das Interesse in erhöhtem Maße steigern. Aber auch diesmal werden sich die unliebsamen Ueberraschungen, welche besonders an den letzten Sonntagen an der Tagesordnung waren, zeigen. Dennoch aber kann mit interessantem Sport gerechnet werden. In der ersten Kreisklasse bringt zunächst Tus 06 in Fröndenberg sein letztes Spiel in der ersten Serie zum Austrag. Fröndenberg gilt auf eigenem Gelände als ein gefürchteter Gegner, warum der heimischen Mannschaft gerade bei diesem Gang größte Vorsicht geboten wird. Wollen die 06er zu einem Siege kommen, dann muß die komplette Elf zur Stelle sein. Ferner müssen alle Register des Könnens aufgezogen werden. Besonders die Stürmerreihe muß vor dem Tore entschlossener handeln. Ein zweites noch aus der ersten Serie stammendes Spiel findet in Menden zwischen Spielund Sport 09 und dem SC. Hennen seine Erledigung. Ein glatter Sieg der Mendener Mannschaft wird hier nicht in Frage gestellt. BV. Iserlohn 11 stößt zu Hause auf die gefährlichen Fußballer aus Nachrodt. Ob dem Gastgeber die Platzvorteile zu einem knappen Siege genügen, bleibt abzuwarten. ASSV. Letmathe 98 steht im Spiel gegen Menden 10 vor einer schwer zu lösenden Aufgabe. Da. Treffen Iserlohn 05— VfL. Schwerte fällt aus. Die zweite Kreisklasse sieht folgende Paarungen vor: Sportv. Hemer=Landhausen wird gegen Westig 08 an weiteren Verlustpunkten nicht vorbeikommen. BfL. Sümmern empfängt Iserlohn 24 und wird voraussichtlich den Sieg vom Vorsonntag wiederholen. Sundwig und Grüne ergeben eine gleichwertige Paarung, weshalb der Ausgang offen bleibt. Lendringsen hat gegen Deilinghofen die besseren Aussichten. Reichsbahn Schwerte sollte gegen Obernahmer ein Sieg gelingen. SchwarzWeiß Holzen wird nach den bisher gezeigten Leistungen gegen Tus 84 Ergste unterliegen. Im Spiel Hohenlimburg=Wesselbach—Borussia Dröschede haben die Gäste die besseren Chancen. Der VfB. Westhofen muß nach Oestrich und hat dort noch nicht gewonnen. In der Lüdenscheider Gruppe wird Neuenrade dem FC. Bärenstein 09 zwei wichtige Punkte abknöpfen. Ebenfalls wird Eiringhausen gegen Letmathe 30 gewinnen. VfB. Brügge empfängt den Spitzenführer Lüdenscheid 08, und hat keinerlei Aussicht auf Gewinn. RSV. Meinerzhagen wird Halver geschlagen heimschicken. Lüdenscheid=Höh wird es gegen Altena verstehen, seinen Sieg der ersten Serie zu wiederholen. Der Schuh, in dem Sie gut gehen, Der Schuh, in dem Sie gut aussehen, Aus dem Nachbargebiet Fröndenberg, 8. Dez. Vom Autobuserfaßt und getötet. In der Nähe von Niedereimer wurde der Arbeiter Empert auf der Kunststraße von einem Autobus der Westfälischen Kleinbahn erfaßt und zu Boden geworfen. E. geriet unter die Hinterräter des Wagens und wurde auf der Stelle getötet. Hamm, 8. Dez. Tödlicher Verkehrsunfall. Die Polizeiverwaltung teilt mit: Am Mittwoch, dem 5. Dezember 1934, gegen 15,30 Uhr, wurde der 13jährige Schüler Helmut Lindemann aus Berge auf der hiesigen Werler Straße von einem Lastzug überfahren und auf der Stelle getötet. Der Getötete befand sich mit einem Fahrrad auf dem Wege zur Stadt. In der Höhe des Hauses Werler Straße 217 begenete ihm ein SA=Mann, dem er den deutschen Gruß mit Hochheben der rechten Hand erwies. Hierbei verlor er auf der glitschigen Straße die Gewalt über sein Fahrrad und geriet unter den Anhänger eines zur Stadt fahrenden Lastzuges, dessen rechtes Hinterrad dem Jungen über den Kopf rollte. Nach den polizeilichen Ermittlungen trifft den Führer des Kraftwagens keine Schuld. General der Landespolizei Daluege kommt nach Dortmund. Dortmund, 8. Dez. Der Befehlshaber der deutschen Polizei, General der Landespolizei Daluege, wird am 12. Dezember 1934 der Stadt Dortmund einen Besuch abstatten, und zwar wird er die Landespolizeiunterkunft in Dortmund=Wambel besichtigen. Hier wird er 14,30 Uhr, von Essen=Mülheim kommend, eintreffen und durch eine Ehrenhundertschaft mit klingendem Spiel empfangen werden. Anschließend besichtigt er die gesamte Unterkunft, was bis etwa 16 Uhr dauern wird. Sodann wird er sich in Begleitung des Kommandeurs der Landespolizeiinspektion West, General der Landespolizei Baltzer, und des Kommandeurs der Landespolizei Dortmund, Major Noser, in die Stadt Dortmund begeben, um nige Besuche zu machen. Am Abend findet im Offizierskasino der Landespolizei=Unterkunft ein einfaches Abendessen statt, das vom Offizierskorps der Landespolizei Dortmund gegeben wird und an dem auch einige geladene Gäste teilnehmen. Dies und Das Neue Rennstrecke in Wuppertal. Auf einer neuen Rennstrecke, die in allernächster Nähe von Wuppertal liegt und 9 Kilometer lang ist, soll im nächsten Jahre ein Motorradrennen für Ausweisfahrer stattfinden, offen für alle Ausweisfahrer des Gaues Niederrhein. Es ist also damit zu rechnen, daß der„Preis der RoemrykeBerge“ im kommenden Jahre eine gute Beteiligung aufweisen wird. Pfarrer Münchmeyer am 19. Dozemhor in Schwerte 75 Torkormorhrer Der Schuh, der wenig kostet, Der Schuh, der lange hält. Witzurn Siet, Teins##n ter Am Sonntag abend kommt der Aitbraue in das A Das beliebte u. praktische Weihnachtsgeschenk in großer Auswahl und in allen Preislagen. CorzcR Durchgehend geöffnet und Märkte Amtliche Mehl=Notierung: Weizenmehl, inl. Grundtype 790 für die Preisgebiete W 15. W 14, W 13. W 12, W 27,15 RM.— Weizen=Brotmehl, 2000 7 RM. Abschlag. Roggenmehl, inl., Type 997 für 14 23,90, do. R 13 23,85, do R 12 23,70, do. R11 23.55, do. R 9 23,45 RM. 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Ruhr als eingetragenen Eigentümer der landwirtschaftlichen Grundstücke, eingetragen im Grundbuch von Ergste Band 1 Artikel 59 wird heute, den 4. Dezember 1934 um 11 Uhr das Entschuldungsverfahren gemäß Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältnisse vom 1. Juni 1933(RGBl. I. S. 331) eröffnet. Die Landesbank der Provinz Westfalen in Münster i. W. wird zur Entschuldungsstelle ernannt. Die Gläubiger werden unter Hinweis auf die Rechtsnachteile des§ 11 Absatz 2 des Entschuldungsgesetzes aufgefordert, ihre Ansprüche möglichst in doppelter Form bis zum 15. Januar 1935 bei dem unterzeichneten Amtsgericht anzumelden und die in ihren Händen befindlichen Schuldurkunden dem Gericht einzureichen. Die Unterlagen für die Eröffnung des Verfahrens können auf der Geschäftsstelle, Zimmer 13, eingesehen werden. 2403 Schwerte, den 4. Dez. 1934. Das Amtsgericht. gez. Dr. Alffers. Zum Weihnachtsfest den guten Maß-Schuh für gesunde und kranke Füße. Mäßige Preise. Elegante Ausführung. F. Mulek Schuhmachermeister, Westenstr. 9 Sehlichte und Reparaturen schnell, gut und billig. -4 genähte Sohlen in sauberer Aus Für die uns beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen bezeigte Teilnahme sagen wir hier. mit herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Carl Roeber Schwerte(Ruhr), im November 1934. Das größte Schuhhaus In Schwerte. Sonntag von 14 bis 19 Uhr geöffnet. DORTMUND-WESTENHELLWEG SONNTAG VON 14—19 UHR GEÖFFNET der Schwerter Seitung Sonntag, 9. Dezember 1934 Fata Morgana! Eine Skizze von Gerhardt v. Gottberg Vorbemerkung der Schriftleitung: Der Held dieser Erzählung hat wirklich gelebt und war während des Weltkrieges in Syrien und Palästina als der„Aleman der Wüste" weitbekannt. Der da ritt, mochte den Weg genau kennen. Er schaute nicht voraus in die weit sich wellende Sandwüste, hatte den Kopf gesenkt, wie einer, der weiß, daß sein Pferd ihn auch ohne Leitung zum Ziele führt. Es war Morgen geworden, grellglühend zuckte die Sonne über die Wüste, und dörrender Wind trocknete Auge und Kehle zu schmerzender Qual. Doch der Mann im weißen Heikh des Beduinen schien es nicht zu bemerken. Einsamkeit und Einöde spielten in erstarrenden Bildern um ihn. Die große „Fata Morgana“, die jetzt die Deutschen aus allen Winkeln und Fremden der Welt lockte, spielte auch ihm gaukelnde Bilder vor. Dort, weit hinten im Norden brandete der Verzweiflungskampf um deutsche Gaue, rissen Stahl und Blei deutsche Leiber zu Fetzen, schrie die Haßgier ihr grausiges„Stirb“. Da war auch der deutsche Kolonistensohn von den Ufern des Euphrat aufgebrochen, der „Fata Morgana“ entgegen, die in mahnendem Licht vor deutschen Herzen stand. Und nun? Zwei Jahre tobte schon der Kampf, doch Solaib Herdegen hatte die Heimat noch immer nicht erreicht, ritt als Beduine durch die Wüste Vorkämpfer, Kundschafter und Künder des„Heiligen Krieges". Tausende von Mitkämpfern für das ringende Deutschtum gewann er unter den Beni Arab, den Beduinen vom Dschebel Roala, den Wüstensöhnen von Hasin, Sauan und Howeishim. Tausendfachen Haß rief er aus englischen Herzen auf sich herab. Doch er fürchtete ihn nicht; was durfte ein Deutscher jetzt überhaupt fürchten, jetzt, wo es um das Letzte ging und der„Aleman“ dem edelsten Wilde und dem gehetztesten Rigger auf Erden glich. Durch! Dieses Durch war es auch, was ihn heute durch die Wüste trieb, trotz des glühenden Sonnenbrandes den Tag zum Ritt nutzend. Und dann hatte er sein Ziel erreicht: wellende Dünen reckten sich auf, in der Ferne blitzte das Wasser. Er warf sich von seinem Hengste, pflockte ihn an. Ein schweres Paket schleppte er in plötzlich einfallender Dunkelheit des verendeten Tages vorwärts. Der Durst plagte ihn, rief gelle Wahnideen in ihm auf. Doch in dieser Stunde zitternder Erregung spürte er nur das wütende Hämmern des Herzens. Zweihundert Meter noch, dann hatte er den Bahnstrang erreicht, der sich in schnurgerader Linie durch Sand und Einöde schlang, der für Englands Herrschaft von ungeheurer Bedeutung war. Aus der Nähe, wo die Oase lag, erklang das Singen des Dudelsacks. Am Wasser saßen dort Britanniens Vorposten, sangen das volkstümlichste aller Lieder:„It's a long way to Tipperary!“ Fünfzig Meter! Drüben die langen Schatten zweier Posten. Hin und wieder ein abgerissenes Wort. Der junge Deutsche verhielt, rutschte rückwärts, um an anderer Stelle heranzukommen. Endlich zehn Meter im Schlagschatten ... und heran! Keine Posten in der Nähe, nur von weitem die englischen Stimmen. Er begann zu graben. Der kleine Spaten, den einst ein deutscher Infanterist im Manöver getragen haben mochte, wühlte im Schotter. Eine Ewigkeit dauerte das, der Schweiß rann, die Adern schwollen an den Schläfen. Und immer wieder aufhören, aufhorchen, wenn ein Postentritt sich näherte. Solaib Herdegen wußte, daß England auf ihn, den gefürchtetsten Alemanen in der Wüste, fünfzig Pfund Kopfpreis ausgerufen und daß es nur den Tod als Lohn geben könne. Doch er dachte nicht daran, dachte überhaupt nicht, grub und grub! Endlich hatte er die nötige Tiefe. Das Paket verschwand. Eine Schnur rollte sich ab, vorsichtig in eine kleine Rinne gebettet. Dann schlug er die Zündung an. Und nun zurück! Hastig und doch jede Düne vorsichtig umgehend. Auch dieser Weg endlos in der qualerregenden Stunde. Er hatte den Hengst erreicht! Im Aufsitzen schnarrte es auf... wüst, grollend zu wirbelndem Stahl in der Wüste. Ein jähes, blitSchloß Herten i. W zendes Zucken unter donnerndem Getöse. Sekunden Stille... Sekunden, da weder Dudelsack noch Englands Lieblingslied sich hervorwagten. Im rasenden Jagen hörte er hinter sich gröhlende Stimmen, das Knallen von Flintenschüssen, die man wahllos in die Nacht sandte. Einige Meilen nur ritt Solaib Herdegen, dann wandte er sich wieder rückwärts, doch etwa 5 bis 6 Kilometer oberhalb. Ein neues Päckchen riß er vom Sattel, wissend, daß jetzt alle Posten ihr Augenmerk nach der ersten Zerstörungsstelle richten würden, wissend:„Es ist Zeit für mich!“ Und zum zweiten Male flog weiter oberhalb die Eisenbahn auseinander, just in der Minute, als der Ablösungstruppenzug zum Hauptlager die Stelle passierte. Eine Hetzjagd begann. Die Kamelreiter der Bahnfront waren strahlenförmig ausgesandt, das deutsche Wild zu hetzen. Nach allen Oasenwegen der Wüste sandte man Fangtrupps. Doch der deutsche Beduine zagte nicht ob des Entrinnens. In weiten, ruhigen Sätzen federte sein Berberhengst dorthin, von wo er gekommen. In die wasserloseste Einöde, die sonst noch kein Europäerfuß betreten. Solaib Herdegen, der Sohn eines Deutschen, war die Wüste gewohnt, er kannte sich und sein Pferd, er wußte, wo er in mühseliger Vorarbeit vor dem Ritt seine Gazellenschläuche mit Wasser verwahrte. Zwei Tage dauerte der Rückweg, zwei Tage, da Ermattung, Hitze, Endlosigkeit und dauernder Durst die Begleiter waren, da nur eines aufrecht hielt, nur eines vorwärts zwang: das Bild von der weitfern ringenden Heimat; das Wissen, ihr zu dienen auch hier in der Wüste; im Heikh des Beduinen genau solch Kämpfer zu sein, wie die grauen Kameraden im Stahlhelm an der Somme. Und endlich war es erreicht; osmanische Kamelreiter lagen in den Dünen; ein kurzes Rufen... ein Freudenschrei des Willkommens:„Sal... aleik...“ Drei Stunden später meldete Solaib Herdegen dem deutschen Führer des Vorpostenbataillons der Türken:„Ritt zu den Senussi durchgeführt; drei Scheikhs haben den „Djihad“, den Heiligen Krieg proklamiert; Italien kann sich nur an der Küste halten. Auftrag gegen Bahn befehlsmäßig erledigt, zwei Sprengungen sperren die Verbindung. Der junge Oberleutnant vor ihm, mit dem Kreuz von Eisen auf der Brust, beugte sich vor:„Was... das, was unsre Flieger zweimal vergeblich versuchten, ist Ihnen geglückt?“ „Jawohl, Herr Leutnant!“ Wortkarg, wie es des Wüstenreiters Art war, trat er zurück. In der Faust ein kleines Päckchen, ein deutsches Ehrenzeichen. Drei Tage später ritt er wieder in neuem Auftrag in die Wüste. Vergeblich wartete man auf seine Heimkehr, irgendwo im Sande der Einöde fand er sein Grab, hinter seinem Namen aber steht in der Bibel eines deutschen Kolonistenheims am Euphrat das Wort„Verschollen". Ueber seinem verblichenen Kinderbild hängt das eiserne Kreuz, das er als Lebender nicht zu tragen erhielt. Ein Deutschenschicksal... unbesungen im Millionenopfer germanischen Heldensterbens, unverzeichnet in deutschen Kriegsbüchern oder Chroniken. Und doch wert, der Erinnerung entrissen zu werden... allein schon um all derer willen, die der„Deutschen Fata Morgana“ folgten, ein Stein der Wehr zu sein in Deutschlands Heldenkampf, und die zu Tausenden verschollen sind! Wege zur Sammlung) Von G. Grau (“) Viele Menschen der Gegenwart klagen über die folgende Erscheinung: sie wollen sich am Abend dem Genuß eines Buches hingeben, aber nach wenigen Minuten befinden sich ihre Gedanken auf einem Spaziergang, während die Augen automatisch auf den Zeilen haften bleiben. Aehnlich ergeht es ihnen bei einem Vortrag, einer Unterhaltung oder einer wichtigen Verhandlung: die Gedanken biegen vom Gegenstand ab und gehen ihre eigenen Wege ins Reich der Tagträume. Es fehlt ihnen in diesen Augenblicken die nötige Sammlung; sie sind zerstreut und müssen die Erfahrung machen, daß auch der stärkste Wille ihnen zu der erwünschten geistigen Ruhe nicht verhelfen kann. Bevor wir auf diese Zusammenhänge näher eingehen, müssen wir eines wichtigen Widerspruches gedenken. Der sogenannte„zerstreute Professor“ ist durchaus nicht zerstreut, sondern in einem Uebermaß, konzentriert. Seine Gedanken sind wie der Kegel eines Scheinwerfers auf einen bestimmten Gegenstand gerichtet, so daß alles andere im Dunkel versinkt. Jener Gelehrte, der beim Ausklopfen seiner Tabakspfeife„Herein“ ruft, ist so in ein Problem vertieft, daß er den Alltag mit seinen kleinen Erfordernissen völlig übersieht. Dies mag das wichtigste Merkmal mangelhafter Sammlung sein: Unsere Gedanken schweifen umher, den Wünschen und Träumen nach, anstatt dort zu haften, wo es der Augenblick erfordert. Diese geistige Abwesenheit kann die verschiedensten Ursachen haben. Einmal können es Ermüdungserscheinungen, Ueberarbeitung oder körperliche Leiden sein, die die Gedankenkraft erlahmen lassen. Sofern hier keine veränderte Lebensweise hilft, bleibt die Sprechstunde des Arztes zuständig. Aber das wird nur in Ausnahmefällen notwendig sein. Einsicht in den seelischen und geistigen Mechanismus und das Erkennen der Ursachen können bereits Wunder wirken. Konzentration auf einen Gegenstand, sei es ein Buch, das wir lesen, auf einen Vortrag, dem wir folgen, oder auf unsere alltägliche Arbeit, die wir verrichten, setzt eine bestimmte seelische Haltung voraus, nämlich Hingabe. Ohne Hingabe, ohne mit Herz und Hand bei der Sache zu sein, werden alle unsere Bemühungen ergebnislos bleiben. Diese Binsenweisheit ist entscheidend für die geistige Sammlung; denn oft ist es so, daß der Hingabe an das Werk, an den äußeren Gegenstand die ungleich stärkere Hingabe an das eigene Ich im Wege steht. Es läßt sich immer wieder beobachten, daß Menschen, die über mangelhafte Konzentration klagen, sich allzusehr mit sich selbst beschäftigen. Freilich gibt es hier Abstufungen. Sie erstrecken sich von einer gewissen Selbstgefälligkeit bis zu hypochondrischer Grübeleien. In diesen verhängnisvollen Kreislauf gehören natürlich auch der Pessimismus, der Mißmut und die Unzufriedenheit. Das Ergebnis dieser negativen Seelenhaltung ist fast immer die Flucht in Träume und Wunschvorstellungen, die Abkehr von den Erfordernissen der Augenblicks und schließlich auch eine mangelhafte Konzentrationsfähigkeit. Wer mit der Welt böse ist(in Wirklichkeit ist man es mit sich selbst), zieht sich in sein Inneres zurück wie eine Schnecke in ihr Haus. Dieses unzweckmäßige Verhalten wird sich kaum durch den Willen bekämpfen lassen. Eine Aenderung kann vielmehr nur eintreten, wenn wir die Ursachen ändern, also unsere seelische Einstellung zur Umwelt. Von hie: aus muß dem Uebel nachgegangen werden nicht durch eine oberflächliche Willensübung Nur mit Hilfe einer bestimmten freudigen un bejahenden Seelenstimmung schaffen wir die Voraussetzung für geistige Sammlung. Wenn wir den verschiedenen Ursachen mangelhafter Konzentrationsfähigkeit nachgehen. stoßen wir noch auf eine andere Tatsache. Es ist die Abstumpfung, die durch ein Uebermaß von Eindrücken, Ablenkung und Vielseitigkeit entsteht. Viele von uns belasten ihre Aufmerksamkeit allzu stark, nehmen mehr auf. als sie innerlich verarbeiten können, und das Ergebnis ist eine Verstopfung auf dem Rangierbahnhof der Gedanken, kurz, sie werden, um einen Allerweltsbegriff zu gebrauchen, nervös. Dieser Zustand wird immer eintreten, wenn wir den ureigensten Rhythmus des Lebens vernachlässigen und die sinnvolle Einschaltung von Ruhepausen vergessen. Zur Konzentration kann man sich erziehen wie zu jeder anderen Eigenschaft, aber nicht wie schon oben betont wurde, mittels des Willens, sondern dadurch, daß wir die natürlichen Voraussetzungen schaffen. Das sind eine lebensbejahende Seelenstimmung, die innere Hingabe an das, was wir tun, und das Einschalten kurzer Entspannungspausen. Den Weg dazu muß jeder selbst finden und in sich entdecken. Hier sei nur auf ein altes, seelisches Hausmittel hingewiesen, das, mit Energie durchgeführt, nie ohne Erfolg bleibt. Gewöhnen wir uns an, bei den kleinen und kleinsten Dingen des Alltags die Gedanken stets bei der Sache zu haben. Wir sollten immer nur an das denken, was wir gerade tun, sei es beim morgendlichen Anziehen, beim Rasieren oder bei irgend einer anderen Beschäftigung. Gelingt es uns, die geistige Sammlung bei den kleinen Dingen des Alltags zu bewahren, so wird sie uns auch bei den wichtigen nicht im Stich lassen; denn schließlich kommt es bei der Konzentrationsfähigkeit nur darauf an, daß wir die Gedanken zwingen, uns zu gehorchen, anstatt daß wir von ihnen be Jasche aus rotem Jallian. von Geno Ohlischlaeger laut hinausgeschmettert hatte.— groß seine Aufregung. Er fand nämlich nicht die Kühnheit der Wellenreiterin großar (“) Günter hatte sich um halb sieben am Bahnhof Bellevue mit einem Kollegen verabredet. Nun war er früher mit der Arbeit fertiggeworden, und es blieb ihm noch eine halbe Stunde Zeit.„Bin lange nicht mehr im Tiergarten gewesen, da könnte ich mal wieder einen Blick hineinwerfen!" dachte er, und er schlenderte unter der Unterführung hindurch in den Park. Es ist immer schön, wenn man mal etwas Ungewohntes tut; Günter war es nicht gewohnt,„so für sich hinzugehen und nichts zu denken.“ Daher freute er sich jetzt doppelt über den Spaziergang in der grünen Weite des Parks. Nun wollte er noch eine Bank finden, auf der er ein wenig in den Himmel starren und träumen könnte. Doch das war nicht so leicht. Alle Bänke, an denen er vorbeikam, waren entweder vollbesetzt, oder es saß ein Paar darauf, das sich des Alleinseins freute und das Günter deshalb nicht stören wollte. Endlich entdeckte er am Ende eines Nebenweges auf einer kleinen Anhöhe eine leere Bank. Er eilte hin; hier mußte, zu Füßen einer gewaltigen Buche und mit dem Blick auf das Wasser eines der Tiergartenseen, ein angenehmer Aufenthalt sein. Als er näher kam, sah er auf der Bank eine Tasche liegen, eine kleine Damenhandtasche aus rotem Saffianleder. Er glaubte, daß die Besitzerin sich irgendwo in der Nähe aufhalte, und während er sich setzte, überlegte er, wie sie wohl aussehen werde. Doch als sich niemand zeigte, erkannte er, daß die Tasche offenbar liegen gelassen worden war. Und da niemand die Tasche obholte, bis er aufbrechen mußte, nahm er sie an sich. Er öffnete sie, um den Namen der Besitzerin zu ermitteln. Aber außer dem üblichen Inhalt einer Damentasche, Spiegel, Kämmchen, Taschentuch, Puderdose, einem Bund Schlüssel und einem Bleistift fand er nichts. Doch halt, da im Innentäschchen schien ja noch etwas zu stecken. Günter zog eine Postkarte hervor. Es war das Bild eines jungen Mädchens, unter einem Madonnenscheitel sahen ihn ein paar übermütige Augen an, und unter dem Jumper zeichnete sich eine gesunde sportliche Figur ab. Günter besah die Photographie mit Interesse; doch ein Name stand nirgends geschrieben. Er war also genau so klug wie vorher. Er schloß die Tasche und überlegte, was er tun solle. Der Fund brachte ihn in Verlegenheit. Einmal wußte er nun nicht, wem die Tasche gehörte, und dann kam er sich jetzt so komisch vor mit seiner roten Damentasche in der Hand. Alle Leute, die an ihm vorbeispazierten, sahen ihn an. Die einen lachten, andere betrachteten ihn mißtrauisch, jeder wußte natürlich, daß er eine Tasche gefunden hatte, und am liebsten hätte er sie wieder auf die Bank gebracht; aber es war zu spät, noch einmal bis dahin zurückzugehen, und dann wußte er auch nicht, ob sie einem ehrlichen Finder in die Hände fallen würde. Er hatte ja keinen Wunsch, als so schnell wie möglich die Tasche los zu werden und sie ihrer rechtmäßigen Besitzerin auszuhändigen. Er hoffte immer noch, daß er einer Damen begegnen würde, der man anmerkte, daß sie eine verlorene Tasche suche; aber die entgegenkommenden Damen waren alle schon mit Taschen bewaffnet. Schließlich steckte er, um den neugierigen Blicken der Vorübergehenden zu entgehen, die Tasche in seine Rocktasche; sie paßte zwar nicht hinein und beulte seinen Anzug auf; doch das war nicht so schlimm wie dieses Spießrutenlaufen mit der Tasche in der Hand. Am nächsten Tage setzte er eine Anzeige in die Zeitung: „Tasche aus rotem Saffian im Tiergarten gefunden“. Niemand meldete sich. Da brachte Günter die Tasche zur Polizei. Das Bild behielt er; er brauchte es, um danach vielleicht doch noch rgendwie die Besitzerin der Tasche ausfindig zu machen. Sagte er. In Wirklichkeit mußte er sich gestehen, daß das Bild ihm außerordentlich gefiel. Und es war nicht so ganz uneigennützig, wenn er hoffte, die Verliererin würde die Tasche abholen und dann nach dem Finder fragen... Ein Jahr verging. Günther ging zur Polizei. Da niemand die Tasche als sein Eigentum beansprucht hatte, händigte man sie ihm aus; denn jetzt gehörte sie ihm kraft Gesetzes. * Günter saß im Kino. Die Wochenschau lief. „Amazonen von heute" verkündete ein Titel. Dann sah man verschiedene Aufnahmen von Frauen, die„ihren Mann standen“. Die eine schlug einen hinterhältigen Angreifer mit einem Jiujitsugriff elegant zu Boden. Die nächste übte sich im schönen alten, neuen Sport des Bogenschießens. Dann flitzte eine auf einem schmalen Brett in den vor einem rusenden Motorboot aufgewirbelten Wellen über den Wannsee. „Großartig!“ rief Günter. Ringsum lachte alles. Da merkte er, daß er das„Großartig" itte. So groß war nur die Kühnheit der Wellenreiterin großartig, sondern er hatte in ihr unzweifelhaft die unge Dame erkannt, deren Tasche er gefunden hatte. Die Vorstellung interessierte ihn setzt kaum noch; er dachte immer darüber nach, wie er sie nun ermitteln könnte. Die plötzliche„Begegnung“ mit ihr hatte ihm erneut bewiesen, daß er regelrecht verliebt in sie war. Am andern Morgen nahm er die„Spur“ in der Wochenschau auf. Im Büro der Firma konnte er den Operateur ermitteln, der die Aufnahme auf dem Wannsee gedreht hatte. Doch über die Person der Wellenreiterin konnte er keine Angaben machen. Er entsann sich nur noch, daß das Motorboot „Freya“ geheißen hatte und in Cladow stationiert gewesen war. Er war eigentlich wegen anderer Aufnahmen unterwegs gewesen, und dabei hatte er die Szene mit dem Wellenreiten mitgenommen, da man so etwas immer mal verwenden konnte. Günter kam sich wie ein Detektiv vor. Die Angelegenheit gewann nun noch für ihn bedeutend an Reiz; er liebte alles, was ein wenig abseits vom Alltäglichen lag. So machte er sich am nächsten Sonntag mit Freuden auf den Weg nach Cladow. Er hatte Glück: schon in dem zweiten Bootsstand, in dem er nachfragte, kannte man die„Freya“. Zwar war sie heute auf großer Fahrt; aber der Bootswächter konnte Günter genaue Auskunft geben. Er freute sich sogar sehr über Günters Besuch; denn er war damals auf der„Freya“ mitgefahren, als die Aufnahmen gemacht wurden. Zum Dank dafür, daß Günter ihm mitteilen konnte, wo er sich nun selbst auf der Leinwand sehen konnte, teilte er ihm bereitwillig mit, was er über die Wellenreiterin wußte. Sie hatte damals mit einigen Kolleginnen in der Nähe gebadet. Der Freund des Besitzers des Motorbootes hatte die jungen Mädchen zum Wellenreiten eingeladen, und dabei waren sie dann zufällig von den Kameraleuten beobachtet und aufgenommen worden; sie hatten auch erzählt, daß sie bei der Versicherungsgesellschaft„Pallas“ angestellt seien, es war nämlich die Rede auf einen bösen Bootshausbrand gekommen, und sie hatten berichtet, daß einige der vernichteten Boote bei ihrer Gesellschaft versichert gewesen waren; den Namen der Wellenreiterin wußte der Mann allerdings auch nicht, er glaubte sich nur noch zu erinnern, daß die Freundinnen die eine, die sich auf das Brett gewagt hatte, Irene genannt hatten. Günter freute sich, seinem Ziel doch wieder ein Stück näher gekommen zu sein. Am Montag ging er um die Mittagzeit in die Straße, in der das Verwaltungsgebäude der„Pallas=Gesellschaft“ lag und suchte die umliegenden Cafés ab; er rechnete damit, daß die Angestellten in ihrer Mittagspause eine Tasse Kaffee trinken gehen würden. Und er hatte sich nicht verrechnet: im„Café Gelta“ entdeckte er plötzlich die lang Gesuchte. Ja, das mußte sie sein; so hatte er sie sich vorgestellt, nachdem er sie bisher nur von der Photographie und vom Film kannte. Es widerstrebte ihm, jetzt einfach zu ihr hinzugehen und sich ihr als Finder ihrer Tasche vorzustellen. Nein, er mußte es origineller anfangen. Während er sich noch das Wie überlegte, kam ihm der Zufall zu Hilfe. Ein guter Bekannter, Fritz Siewert, betrat das Café. Günter begrüßte ihn und bedeutete ihm, daß er sich mit ihm an den Tisch da drüben in der Ecke setzen solle; Erklärung folge später. Fritz war einverstanden, und sie setzten sich an den Tisch zu Irne und ihren Kolleginnen. Nach einer Weile nahm Günter Fritz Hand und tat, als ob er ihm daraus„wahrsage“. Durch Augenblinzeln verständigt, ging Fritz auf den Scherz ein und äußerte laut sein Erstaunen über Günters Kunst. Was er erreichen wollte, trat bald ein: die jungen Damen interessierten sich auch dafür, und Günter erbot sich, Irene aus der Hand zu lesen. Er„las aus ihren Handlinien“ nun alles, was er über sie wußte, den Verlust der Tasche, das Wellenreiten, ihre Tätigkeit in der Versicherungsgesellschaft. Irene war ebenso verblüfft wie die andern. „Wenn Sie so gut weissagen können,“ sagte sie,„dann können Sie sicher auch zaubern. Bitte zaubern Sie mir doch meine Tasche wieder herbei!“ „Heute bin ich dazu nicht disponiert,“ lachte Günter.„Aber wenn Sie sich mal wieder mit mir irgendwo zu einer Tasse Kaffee treffen wollen, verspreche ich Ihnen felsenfest, daß ich Ihre Tasche herbeizaubere.“ „Wirklich?“ „So wahr, wie ich sie jetzt schon vor Augen sehe!“ Und er gab eine genaue Beschreibung der Tasche. „Und welche Umgebung ist Ihrer Zauberei günstig?“ fragte Irene zwischen Lachen und Ced einer Rrautt Tiefe Stille im königlichen Schloß zu Berlin. Nur wenige Lichter schimmern: im Zimmer der Majestäten, im Adjutantenraum, auch im Schlafzimmer des kleinen Prinzen. Ruhelos mit fiebrig glänzenden Augen liegt das Kind im Bett, neben dem der Arzt Dr. Fließ sitzt. Er hält die Hand des Prinzen, streichelt ihm das Haar aus der heißen Stirn und läßt keine Sekunde die besorgten Augen von dem blassen gequälten Gesicht. Dr. Fließ weiß: Jetzt ist die Stunde der Krise— alles kann noch gut werden, wenn der Prinz schlafen könnte, wenn er die tiefe Ruhe fände, die die Krankheitswende begleitet. Aber das Kind kann nicht schlafen. Immer, wenn es die Augen schließt, füllt sich der halbverdunkelte Raum mit grauenvollen Tieren und Riesen. Die Lippen bewegen sich, eine feine Stimme bittet: „Onkel Doktor, erzähl’ mir doch eine Geschichte, eine ganz schöne Geschichte.“ Der Arzt beugt sich ein wenig vor, eine wunderbare Ruhe liegt auf seinem Gesicht, kein Mensch kann erkennen, was in seinem Innern vorgeht. Langsam beginnt er zu sprechen. Er erzählt von einer Wiese und einem Wald, von den Heinzelmännchen, über die man so lachen muß, und von einem weißen Kaninchen, das einen großen Streit mit einem Eichhörnchen hatte, bis der Kuckuck die beiden versöhnte. Während der Arzt noch erzählt, will es ihm scheinen, als ob das Kind ruhiger geworden ist; jetzt lächelt es sogar ein wenig. „Sag mal, Onkel Doktor, haben denn bei dem Fest die Heinzelmännchen auch das schöne Lied gesungen, das du immer singst? Ja? Bitte, sing' doch mal.“ Der Arzt streicht über die Stirn des Kleinen und singt dann mit leiser Stimme: „Schlafe, mein Prinzchen, es ruhen Schäfchen und Vögelchen nun, Garten und Wiese verstummt, auch nicht ein Bienchen mehr summt, Lung mit silbernem Schein gucket zum Fenster herein, schlafe bei silbernem Schein. Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein...“ Da— die Lider des kleinen Patienten sinken leise über die wehen Augen, der Kopf Von Friedelkeins Reddenkausen neigt sich zur Seite. Der Prinz schläft seiner Genesung entgegen. * Jahre später. Alle Lichter brennen im Schloß, Atlasschuhe trippeln die Treppe hinauf, Kleider rascheln, und aus weit geöffneten Flügeltüren verströmt glänzendes Licht. Raunen, Flüstern, leises Lachen, ununterbrochen vom Stimmen der Musikinstrumente, dann ein Klopfen; die Majestäten betreten den Saal. Tiefe Stille, ein Klopfen, und die Musik setzt ein. Ouverture zur Oper„Don Juan“. Eine Ballettmusik aus einer französischen Oper folgt, dann singt die berühmte Sopranistin des Hoftheaters die Arie der „Königin der Nacht". Als sie geendet, klingt jubelnder Beifall auf und erbittet eine Zugabe. Ein Wink zum Kapellmeister, der sich ans Clavicembalo setzt und begleitet:„Ich singe ein noch unbekanntes Lied von Wolfgang Amadeus Mozart.“ Wie ein Traum klingt es durch den hohen Saal:„Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein...“ * Als der Hofkapellmeister in einer Pause durch den Saal geht, tritt Dr. Bernhard Fließ auf ihn zu:„Einen Augenblick, das letzte Lied war wirklich von Mozart?“ „Ah, Herr Doktor, aber gewiß doch, diese Linienführung, diese Reinheit und Schönheit, es ist nicht zu verkennen. Was dachten Sie?“ „Das Lied, Herr Kapellmeister, ist von — mir." Der Arzt nimmt den Arm des Dirigenten und zieht ihn in ein stilles Vorzimmer, dann erzählt er von der schweren und glücklichen Stunde, in der das Lied erklang. Sein Lied, daß er(er war selbst begeisterter Musikfreund) an einem Abend nach einem Hauskonzert komponiert hatte. Der Herr Kapellmeister steht auf:„Aber da müssen wir doch sofort...“ Der Arzt hebt abwehrend die Hand und sagt mit seinem Lächeln: „Lassen Sie, Herr Kapellmeister, es mag so bleiben. Wenn das Lied wirklich so schön ist, dann soll es auch weiterhin von Mozart sein. Die Geschichte ereignete sich um das Jahr 1800. Mozart weilte nicht mehr unter den Lebenden und konnte daher keinen Einspruch dagegen erheben, daß man ihm das wundervolle Wiegenlied zuschrieb, und so steht dieses Wiegenlied von Vernhard Fließ heute noch in jeder Sammlung Mozartscher Lieder. Staunen, auf der Spur der Wahrheit sich langsam in Gedanken vortastend. „Vielleicht— Tiergarten!“ sagte Günter. „Wenns Ihnen recht ist.“ Geuih“ „Und zwar— auf einer Bank, sagen wir auf einer Bank in der Nähe...“ „Oh ich weiß schon, welche Bank Sie meinen!“ unterbrach Irene.„Jetzt fange ich an, hellzusehen!“ Sie begann zu ahnen, daß er auf ganz natürliche Weise um ihre Tasche wisse.„Sie brauchen die Bank gar nicht näher zu beschreiben, ich finde sie bestimmt— auf telepathischem Wege!“ „Wenn Sie glauben! Ich will Ihnen gern Gelegenheit geben, auch Ihre Fähigkeiten in den„geheimen Wissenschaften“ zu bewahren! Also gut, und wann?“ „Morgen, nach Büroschluß.“ „Um halb fünf?“ „Um fünf. Ich komme bestimmt, und ich bin sehr neugierig!“ „Ich werde Sie nicht enttäuschen. Also auf einer„gewissen“ Bank im Tiergarten!“ * An diesem Abend mußte Irene beim Einschlafen immer an das Geheimnis ihrer verlorenen Tasche denken. Daß Günter sie auf jener Bank gefunden hatte(sie war damals vergeblich hingelaufen, um sie zu suchen), stand bei ihr fest; aber wie mochte er sie als Besitzerin der Tasche ermittelt haben? Den Tag über war sie ganz zerstreut bei der Arbeit und konnte die Stunde nicht abwarten, in der sie ihn treffen wollte. Dabei mußte sie sich gestehen, daß es nicht nur die Neugier war, die sie auf das Wiedersehen brennen machte. Natürlich hätte sie sich auf jeden Fall gefreut, den Finder ihrer Tasche kennen zu lernen. Daß er gerade so aussah wie dieser, war eine doppelte Freude... * Als Irene Schlag fünf vor der bewußten Bank erschien, war Günter schon da. Er befrüßte sie freudig und bat sie, neben ihm latz zu nehmen. Dann begann er zu scherin und allerlei Hokuspokus zu treiben wie ie Zauberer im Varieté. „Und jetzt blicken Sie in die Höhe!" beendete er seine Manipulationen. Zwischen zwei Zweigen der Buche entdeckte Irene ihre Tasche. Sie mußte sich ein wenig strecken, um sie erfassen zu können. Dann hielt sie sie beglückt in ihrer Hand. Es kam ihr ganz sonderbar vor, sie jetzt wieder zu haben, und er mußte ihr erst zureden, ehe sie sie öffnete. Doch als sie auf den ersten Blick erkannt hatte, daß alles noch so darin lag wie damals, als sie sie verloren hatte, da empfand sie wieder, daß es ihre Tasche war und daß sie ihr gehörte. Sie bedankte sich ganz verlegen, und nun mußte Günter alles erzählen. „Daß Sie sich so viel Mühe gemacht haben wegen der Tasche!“ sagte Irene kopfschüttelnd. „Natürlich nur wegen der Tasche!“ lachte Günter.„Und dann selbstverständlich wegen des— Finderlohns!" „Was verlangen Sie?“ fragte Irene. Günter zog sie an sich, nahm ihre Hand und betrachtete aufmerksam ihre Linien. „Ich wünsche mir nur, daß das hier stimmt!“ sagte er.„Sehen Sie diese zwei Linien? Die hier, das sind Sie, und die hier, das ist der Mann, der die Tasche fand. Und von dem Punkt an... laufen die beiden Linien zusammen...!“ Ein Jroseß, der 27 Jahre dauerte (“) Beim„Kaiser= u. Königlichen" Bezirksgerichte Landstraße in Wien brachte im Jahre 1907 Frau Marie M. gegen Marie Sch. durch einen k. u. k. Hofadvokaten eine Ehebruchsklage ein. Dieser Prozeß währte bis heute, besser gesagt: der Akt konnte erst dieser Tage, also nach 27 Jahren, allerdings von einem anderen Gerichte, denn das kaiser- und königliche Bezirksgericht Landstraße existiert heute nicht mehr, erledigt werden. Damals, im Jahre 1907, erschien die Angeklagte nicht zur Verhandlung, da sie sich im Auslande befand. Der Richter beschloß nun, die Verhandlung auf„unbestimmte Zeit“ zu vertagen und veranlaßte die Vorladung der Angeklagten. Siebenundzwanzig Jahre vergingen, Oesterreich zerfiel, und aus dem ehemaligen Hofadvokaten wurde ein Rechtsanwalt. Aber die Vorladung gegen die Angeklagte lief weiter, und erst im Jahre 1934 gelang es, sie auszuforschen und sie ihr zuzustellen. Die Verhandlung wurde begonnen, doch jetzt war die Klägerin wieder nicht erschienen, und außerdem wußte weder der Rechtsanwalt noch die Angeklagte, um was es sich überhaupt gehandelt habe. Den Ehebruch in ihrer Jugend hatte Marie Sch. schon längst vergessen Da fand nun der Richter einen versteckten Paragraphen— es ist doch noch gut daß es auch solche gibt— der es ihm ermöglichte, den langlebigen Akt zu erlegigen. Die K'ägerin hatte es nämlich unterlassen, während der 27 Jahre dem Gericht ihren Aufenthaltsort bekannt zu geben Aber dennoch muß die Klägerin ausgeforscht werden. um von ihr die entstandenen Kosten einzutreiben, und zu diesem Behufe wurde setzt auch sie mit einer Vorladung bedacht Ob das nun wieder 27 Jahre dauern wird? Möglich ist es schon. Steinke lächelte.„Letzteres, Herr Gemeindevorsteher, ganz selbstverständlich. Das ist so was Verschiedenes wie Tag und Nacht. Bloß dahin, daß Berlin das Dunkle und Greifenhagen die Helligkeit ist. Und daß man die Helligkeit lieber hat als das Finstere. Dann, was Sie von Knecht und Metalldreher sprechen, da muß ich Ihnen sagen, daß ich schon Knecht war, ehe ich Metalldreher wurde, in Lüdekehme bei Luckau nämlich. Da habe ich vier Jahre bei einer Herrschaft gedient! Und dann kam damals die Blödsinnigkeit mit der Landflucht in schönsten Gang. Jeder dachte, in der Stadt da fliegen die gebratenen Lauben nur so rum. Und was sonst noch alles gedacht wurde von allerhand Herrlichkeit. Und wer auf dem Lande bleibe, der sei ein ausgemachter Dussel und ein Idiot. Na, und ich wollte kein Dussel sein und bin dann auch abgehauen... Aber das können Sie mir glauben, Herr Gemeindevorsteher, richtig warm hin ich nie in der Stadt geworden. In Luckau, dem kleinen Nest, nicht, und nachher in Frankfurt und in Berlin erst recht nicht.“ Steinke verschnaufte und wischte sich den Schweiß der erwartungsvollen Erregung von der Stirn. Gespannt hingen seine Augen an Krogers Gesicht und studierten den Ausdruck. „Alles schön und gut. Ich glaube ja auch, daß Sie Ihre Sache verstehen werden. Aber ich brauche Ihnen ja nicht zu sagen, wie wenig auch der Bauer heute zu lachen hat. Und wenn es irgend geht, drückt er sich ohne Knecht durch. Eigentlich wollte ich es auch vorläufig ohne Knecht versuchen.“ Steinke sackte zusammen. Da würde also wohl auch hier nichts sein. „Ich hatte ja eigentlich nicht gedacht, Herr Gemeindevorsteher, einen Korb zu kriegen. Denn wie ich gehört habe: Sechs Pferde, das ist doch schon'ne ziemliche Wirtschaft..“ „Fünf,“ berichtigte Kröger verbissen. „Auch fünf bedeuten schon was. Und da ohne Knecht? Ich weiß ja nicht. Na, und wegen Lohn wäre ja zu reden. Man ist heute schon zufrieden, wenn man sein Essen hat. Und ein paar Groschen dürften doch übrig sein. Wie gesagt, darüber ließe sich reden. Ansprüche so lang,— er weitete die Augen—„darf heute keiner machen. Schließlich wird ja auch mal wieder ne bessere Zeit kommen, und dann wird auch die Bezahlung wieder besser werden.“ „Bessere Zeit?“ höhnte Kröger.„Das soll sonst wer glauben. Ich nicht.“ „Aber ich!“ „Jeder glaubt seins, Steinke.“ Er sah noch einmal in die Papiere.„Aber Sie gefallen mir,“ sagte er dann, „und wir können sofort Kontrakt machen. Ich biete Ihnen bei freier Station wöchentlich fünfzehn Mark vorläufig. Wenn Sie damit einverstanden sind, dann wollen wir's schriftlich machen, und morgen können Sie antreten.“ Steinke ging steil in die Höhe und nahm Haltung an, als erstatte er seinem Hauptmann eine Meldung.„Ich bin gern einverstanden, Herr Lehnschulze. Und ich danke Ihnen. Und darauf gebe ich Ihnen Brief und Siegel: Auf mich können Sie sich verlassen. Und wenn es sein muß, gehe ich mit Ihnen Pferde stehlen.“ „Na, das werden Sie ja nun wohl nicht nötig haben, Steinke,“ sagte Kröger und lächelte ein wenig. Verkniffelt, zerschlissen, rätselhaft..“ Unbewußt im Ausdruck. Aus verborgener, geheimnisschwerer Seelentiefe her... „Setzen Sie sich noch ein Weilchen,“ sagte er dann leichthin, mit völlig verändertem, nun ganz geschäftsmäßigem Ton.„Wir machen gleich den Kontrakt, und dann ist die Sache persekt.“ Hatte dies letzte nicht in irgendeinem Briefe gestanden? In jenem, dessen zu winzigen Fetzchen zerrissenen Bogen die Wellen des Lemnitzsees im Schaukeltanz entführten?... Friedrich Kröger riß eine Schublade seines Sekretärs heraus, entnahm ihr einen Kanzleibogen und sagte: „So!“ Nahm den Federhalter, knallte ihn ins Tintenfaß und schrieb. Nun war das Trio, das damals an jenem stürmischen Herbsttage seinen Weg nach Greifenhagen genommen, schon seit vierzehn Tagen auseinander, gewissermaßen in seine Bestandteile aufgelöst. Asmussen war nach Berlin zurückgekehrt, ohne, nebenher gesagt, Jutta noch einmal gesehen zu haben. Boldt saß tagsüber in seinen Gewächshäusern oder war mit letzten Arbeiten im Freien beschäftigt und brachte die Abende meistens in der Junggesellenstube seines alten Kollegen Bollwig zu, um mit ihm Fachgespräche zu führen oder eine Partie Dame zu spielen. Den Krögerhof mied er seit seinem letzten Besuch trotz der Einladung Maries, bald wiederzukommen, und trotz eines oft stark in ihm aufquellenden sehnsüchtigen Verlangens nach dem Anblick dunkler, von eigenem Glanz erfüllter Augen. Das Gefühl einer merkwürdig einigenden Furcht hielt ihn fern.— Steinte war Herr über fünf Roßschweife und sonstige zu seinem Wirkungskreis gehörende Dinge, bereute den Sprung vom Asphalt der Großstadt auf das Buckelsteinpflaster des Bauernhofes nicht und erfreute sich der uneingeschränkten Anerkennung des Lehnschulzen, besonders hinsichtlich der Pferdepflege. Mit diesem Steinke hatte er wirklich einen guten Griff gemacht. Ansonsten war das Gute rar. 14. Fortsetzung Seine Frau lag seit acht Tagen zu Bett. Und es hatte fast den Anschein, als wenn es ihr letztes Krankenlager ein würde. Ein pfeifender Husten quälte sie und machte ihrer schwachen Lunge Not. Der Arzt sagte wenig Hoffnung Erweckendes. Wenn es ohne Entzündung der Lunge abginge, würde sie wohl wieder hochkommen. Man müsse abwarten. Solche alten akuten Lungenschäden brächten oft die schlimmsten Ueberraschungen. Neben dieser Sorge um das Leben seiner Frau, peinigte den Lehnschulzen all das andere. Vor allem das Schicksal seiner Tochter. Was damals zwischen John Meyerheim und ihm verhandelt und durch notariellen Vertrag festgelegt war, wußte sie noch gar nicht. Kröger hatte nicht den Mut gefunden, mit ihr darüber zu sprechen. Und Marie selbst hatte nie wieder etwas gefragt. Fast schien es, als sähe sie die Sache als erledigt an, als glaube sie, daß sich ein Ausweg gefunden habe und ihr Opfer nicht nötig sein würde. Nein, eigentlich erweckte sie mit ihrer Art nicht den Eindruck der gekauften Braut und verkauften Tochter. Sie ging ihrem Tagewerk mit dem ruhigen Gleichmaß, das ein unbeschwertes Gemüt voraussetzt, nach, war zwar nicht so heiter und lebensfroh, wie sie es früher gewesen— aber diese Herabminderung ihrer Fröhlichkeit war wohl in der Hauptsache eine Folge der Sorge um die Mutter— doch auch nicht sichtbar traurig und bedrückt. Oh, wenn Friedrich Kröger gewußt, was nur sie wußte, was als unumstößlich fester Vorsatz in ihrer Seele verkaspelt und verwahrt lag, er hätte keine ruhige Minute mehr gehabt! * Der November stand kurz vor seinem Ende. Leichtes Schneegeriesel schwebte im spielerischen Fall vom tiefhängenden grauen Himmel zur grauen Erde. Ueber Nacht war Frost gekommen. Die Dächer trugen eine dicke Reifschicht wie Zuckerguß. Am Pumpenrohr hingen kleine Eisperlen. Sie sahen aus wie gefrorene Tränen. Franz Steinke klapperte in mit Stroh ausgestopften Holzschuhen über den Hof. Er hatte die beiden schwarzen Stuten vor den Ackerwagen gespannt, um eine Fuhre Sand vom Priesterberg zu holen, weil der Hof an einer Stelle ausgehöhlt werden sollte, und war auf dem Wege, das Tor zu öffnen. Eine der Mägde kam gerade aus der Milchkammer im Kuhstallgebände, als er daran vorüberging.„Es wird Winter, Marzell,“ rief er ihr zu,„zieh einen zweiten Unterrock an und such die Handschuh'raus.“ „Du auch,“ gab sie lachend zurück. „Na, höchstens die Handschuh, du!“ Während er die Torflügel zur Seite drehte, pfiff er ein paar Schlagertakte. Es war lustig in der Welt, wenn man Arbeit hatte. Gerade, als er nach dem Zurückgehen auf den Wagen die Leinen vom Schemelbaum abgestiegen war und eir erinen eom Echrmelbaum streifte, lenkte ein Auto durch das geöffnete Tor auf den Hof. Fuhr bis zur Mitte und hielt, Steinke die glatte Ausfahrt versperrend. „Na, das Kamel muß doch sehen, daß ich runter will, warum hält es nicht mehr nach links rüber," erboste sich Steinke, sprang vom Wagen und näherte sich dem Auto, einer olivgrünen viersitzigen Limousine, deren Schlag neben dem Führersitz jetzt aufgestoßen wurde. „Da, guck an, wirklich ein Kamel,“ griente Steinke. „wenn auch man bloß’n einhöckriges,“ als er dessen ansichtig wurde, der dem Wagen unter merkwürdigen Körperverrenkungen entstieg.„Na, ist das'ne komische Rudel.“ Gleich darauf rief er ihn an:„Sie, Männeken, da kann Ihre Pneumatikkutsche aber nicht stehenbleiben. Ich will runter vom Hof und komm' nicht vorbei. Kann weder über den Misthaufen noch durch das Jauchenloch fahren.“ Der Angerufene lächelte spitzfindig.„Das ist mir egal, wie und wo Sie nicht fahren können. Uebrigens bin ich kein„Männeken“. Ich heiße John Meyerheim. Und nun hören Sie mal: Hat Herr Kröger die beiden Bleßfüchse noch?“ „Aber gewiß,“ sagte Steinke stolz, der an den beiden Tieren einen ebensolchen Narren gefressen hatte wie sein Herr. „Die möchte ich mir mal ansehen. Zeigen Sie mir die Pferde.“ Hee!“ „Oer“ „Nee, sagte ich. Nein. Ohne Herrn Krögers Erlaubnis lasse ich keinen Fremden in unseren Pferdestall. So was is bei uns nich Mode.“ „Sie denken wohl, ich könnte den Pferden was antun? Ist das albern!" „Ob albern oder nicht: Wenn es Herr Kröger nicht erlaubt, kommen Sie nicht über die Pferdestallschwelle Denn dann stehe ich druff.“ John Meverheim maß die breitschultrige, hochaufgerichtete Gestalt Steinkes mit einem Blick, der spöttisch sein sollte, aber sofort ins Aengstliche lief. „Na ja, und was denn nn. Herr? Soll ich Herrn Kröger rufen oder fahren Sie wieder ab, ohne die Bleßfüchse gesehen zu haben? Uebrigens, das kann ich Ihnen gleich vorweg sagen: Verkauft werden die nicht. Darauf brauchen Sie sich gar nicht erst zu spitzen.“ Meyerheim verzog das Gesicht zu einem Grinsen. „Das lassen Sie nur Ihre Sorge nicht sein, was ich will. Jetzt wünsche ich, daß Sie mir Herrn Kröger rufen.“ „Bitte schön, da kommt er schon,“ sagte Steinke, auf den in diesem Augenblick um die Hausecke biegenden Lehnschulzen zeigend. ... Aber der sah ja ganz fahl, ganz kalkig im Gesicht aus. Und so schleppend und stockend war sein Schritt, Was sollte das heißen? Ich werde ihn aufmuntern, dachte Steinke. Und rief dann schon:„Herr Lehnschulze, hier ist wer, der unsere Bleßfüchse sehen will... Und dann sagen Sie dem Mann doch mal, daß er seinen Wagen beiseite fährt. Ich will doch vom Hof und komme nicht vorbei. Mir hat er's schon abgeschlagen.“ John Meyerheim war dem Lehnschulzen bis auf halbem Wege entgegengegangen, begrüßte ihn und sagte dann:„Haben Sie einen großmäuligen Kerl auf Ihrem Hof, lieber Kröger. Der spielt sich ja auf wie der Herr selbst.“ „Der Mann ist gut,“ gab der Bauer mit hämischem Grinsen zurück.„Auf den lasse ich nichts kommen. Und ein großes Maul ist heutzutage eine Gottesgabe.“ „Sind Sie komisch, Herr Kröger!“ „Ja, und was wollen Sie nun eigentlich bei mir?“ „Sie hörten ja. „Und weshalb?“ „Davon später. Zuerst mal sehen.“ „Na, dann mal zuallererst den Wagen beiseite. Wir müssen arbeiten. Wir können nicht im Auto spazieren fahren.“ „Wie ich, wollen Sie sagen!“ Meyerheim hüstelte. „Ich fahre auch nicht spazieren. Ich arbeite auch. Nur anders als Sie.“ „Allerdings, ganz anders.“ Meyerheim ging mit heimlichen Verwünschungen zu seinem Wagen, ließ ihn anlaufen und brachte ihn auf die von Steinke gewünschte Stelle. „So, Steinke, nu los!“ rief Kröger, als Meyerheim wieder aus seinem Wagen herausgekrochen war.„Nu Sand'ran, immer Sand'ran! Und rein in das Jauchenloch mit ihm!“.„ r. 46 Ttging, 1cen „Jawohl, Herr Kroger. grohlte Steinle lüchend zurück, hob die Peitsche und fuhr im Galopp donnernd vom Hof. m 9124. Meyerheim schuttette seinen auf turzem Nucren sitzenden Kopf. Waren Herr und Knecht verrückt? Er hatte, aus einer Box in die andere gehend, die beiden Bleßfüchse begutachtend umschritten, trat nun auf den Stallgang zurück, wo Kröger, vor Erregung zitternd, stand und fragte lakonisch:„Preis?“ „Nicht seil.“ „Dürfte nicht Ihr letztes Wort sein.“ „Mein letztes.“ „Ich halte ein anderes als mein letztes dagegen.“ „Das Sie mir nicht zu sagen brauchen. Aber ich will Ihnen was sagen: Sie wollen mich ausmisten, ausziehen bis aufs Hemd.“. i. Wetnsiche „Nich doch, lieber Herr zeroger. Ein reinliches, reelles Geschäft. Ich zahle Ihnen, was Sie fordern. Natürlich in den Grenzen des fachmännischen Taxwertes.“ Der Lehnschulze kam sich vor wie ein hilfloses nino, das dem Weinen nahe ist, weil es sich verirrt hat, dem sein liebstes Spielzeug zerbricht, dem ein Unwesen den Weg vertritt, das irgendeiner rohen Gewalttat schutzlos ausgeliefert ist.„„ 6 4 Er stellte sich vor: Der hier neven dir ist wie ein Vampir. Er ist wie ein mitleidloser Würger. Daß er ihn in eine der leeren Boxen schleudern und mit den Füßen zertreten könnte, dieses elende Gewürm! Der Bleßfuchshengst warf den Kopf herum und wieherte seinem Herrn wie in Zustimmung leise zu. „Kommen Sie aus dem Stall raus,“ sagte Kröger mit gurgelndem Sprechen.„Die Tiere werden unruhig. Sie wittern das Fremde.“ „Und wohin? Auf den Hof?“ „Nein, in meine Stube.“ „Schön. Dann kann ich ja auch wohl meiner zukünftigen Frau guten Tag sagen.“ Kröger schwieg. Schritt schwer stakend vorans. Wie einer, der im nachsten Augenblick die Herrschaft über seine Füße verlieren wird. Sah starr geradeaus. In eine finstere Leere deuchte ihm... „So, da aus die Ofenbank, Herr.“ Menerheim nahm Platz und blickte begutachtend durch den Raum. Eine ausgesprochen typische Bauernstube. Niedrig, von altem Hausrat vollgepfercht, etwas dumpfig. Daß in solchen Käfigen Rosen von der Schönheit einer Marie Kröger ihren Ursprung haben konnten! Kröger hatte sich abgewandten Gesichts an das Fenster gestellt. Stand eine ganze Weile so und drehte sich endlich langsam zu seinem Besucher um. „Wo bleibt Ihr reelles Geschäft? Ich warte anf den Autangs „Wir könnten schon langst am Ende sein, wenn Sie entgegenkommender wären, Herr Kröger.“ „Da mag der Satan entgegenkommend sein!“ Wieso?“.„ M„. „Wieso? Wieso, fragen Sie? und wührend er vas „Wieso“ zum dritten Male sagte, begann er, sich der Ofenbank langsam zu nähern. Sein Rücken war gekrümmt. Den Kopf trug er zwischen den hochgeschobenen Schultern eingeklemmt. Die Hände hielt er krallig gekrümmt, nach vorn gestreckt. Es sah unheimlich aus. Meyerheim spürte, daß ihm ein Schauer über den Rücken rann.(Forts. Kobensbrauche und kobemsspien sänger über Land— Fröhliche Zeiten; traurige Zeiten— Ein alter Dolksbrauch, der noch lebendig ist Sternsänger Drei Jahrzehnte eilt meine Erinnerung zurück. Ich sehe mich im heimatlichen Gotteshause mit elf meiner Schulgenossen auf der schmalen Chorbank sitzen, höre das Brausen der Orgelklänge und sehe den alten Kantor an seinem Pult. An jedem Sonntag gingen wir sowohl am Vor= und Nachmittag zur Kirche, taten als Chorsänger unsere Pflicht, achteten der ernsten Worte des Predigers nicht, weil sie uns nach unserer Meinung nichts angingen. Wir waren Chorsänger von berufswegen. Ein bestimmtes Entgelt oder Gehalt bekamen wir nicht. In der Adventszeit wurde uns aber die Gelegenheit geboten, als sogenannte„Sternsänger“ von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus zu wandern, um uns einige Groschen zu verdienen. Am Abend, wenn die Sonne längst untergegangen war, versammelten wir uns an einer vorher bestimmten Straßenecke und traten dann unseren Weg an. Der Aelteste unter uns trug den„Stern von Bethlehem“. Es war ein kleines, geschnitztes Häuschen in der Form und Größe eines Starkastens, welches an einer Stange befestigt war. In diesem kleinen Häuschen brannte ein Licht, welches den Stern von Bethlehem darstellen sollte. Der verbotene Brauch So ausgerüstet wanderten wir zwölf zum Städtchen hinaus in die angrenzenden Dörfer. Kalt und eisig pfiff der Wind und der Schnee lag hoch. Wir merkten nichts davon; gab es doch an diesen Abenden so mancherlei zu erleben, und was vielleicht das Wichtigste war, wir verdienten Geld. Die Hunde bellten laut und zerrten an den Ketten, daß es rasselte. War der Besitzer des Gutes uns freundlich gesonnen, so hieß er uns in die Stube treten und wir durften mit unseren Liedern beginnen. Es waren Weihnachtslieder, die wir sangen, Weihnachtslieder, die sich auf den Stern von Bethlehem bezogen. Unterdessen klapperte mein Nachbar, der Kassierer war, so laut mit der Sammelbüchse, daß es der Bauer unbedingt hören mußte. Manchmal verstand er das Klappern, manchmal auch nicht. Wenn er es verstand, so legte er, wenn er nobel war, ein blitzendes Markstück in die Dose, wenn nicht, so nur ein paar braune Kupferpfennige. Der Kassierer hatte die Pflicht, genau aufzupassen, welche Beträge in die Sammelbüchse kamen. Wir hatten kaum die Stubentür geschlossen, so rechneten wir schon aus, wieviel Geld vorhanden sei und teilten in Gedanken bereits die vorhandene Summe. Hatte der Bauer wenig gegeben, so schimpften wir so laut oder ließen nicht gerade ergötzliche Bemerkungen fallen, die der Spender hören mußte. Die Folge davon war, daß wir im nächsten Jahre mit der Peitsche vom Gehöft getrieben wurden. Wir gingen zu den Armen und zu den Reichen. Ueberall erwarteten wir unseren Lohn, der jedoch nicht immer in Geld bestand. Vielfach erhielten wir statt der klingenden Münzen Wurst, Schinken, Kuchen oder Rüsse. Gaben, die vielleicht wertvoller waren, uns aber mit weniger Freude erfüllten, weil sie keinen beständigen Wert hatten. Diese Geschenke wurden in einen großen Sack gepackt und auf der Landstraße, so weit als möglich, schon verteilt und verzehrt. Frohe und trübe Erinnerungen knüpfen sich an jene vorweihnachtlichen Wintertage. Oft fanden wir die Türen verschlossen, wie man sie vor Bettlern verschließt. Unser Murren und Schimpfen half nichts, wir mußten weitergehen. Nicht selten kam es vor, daß wir in den Häusern wohl singen durften, aber keinen Lohn dafür bekamen. Das Klappern mit der Sammelbüchse wurde nicht verstanden. Erlaubten wir uns, unsere Bitte deutlicher zum Ausdruck zu bringen, wurden wir zum Hause hinausgeworfen. Vier lange Wochen leuchtete uns der Stern von Bethlehem auf unseren abendlichen Wanderungen. Am Heiligen Abend fand die Teilung des gesammelten Geldes statt. Jeder erhielt seine paar Märker, die vielleicht dazu ausreichten, um ein Paar Schuhe zu kaufen. In den meisten Fällen wurde das Geld jedoch den Eltern abgeliefert, die es auf die Sparkasse trugen. Heute existiert dieser Adventsbrauch nicht mehr in meiner Heimat. Immer lauter wurden die Bemerkungen der Bewohner auf den Dörfern und meines Heimatstädtchens, daß das„Sternsingen“ nur eine Bettelei sei. Darauf wurde dieser alte Adventsbrauch von einem einsichtigen Pfarrer abgeschafft. Die Adventsspiele Damit sind jedoch nicht alle Advents= und Weihnachtsbräuche im deutschen Vaterlande verschwunden. Noch heute erfreuen sich in den süddeutschen Gauen die Adventsspiele eines großen Ansehens. Vor vielen hundert Jahren begannen die Bauern die Weihnachtsgeschichte dramatisch zu gestalten. In der Adventszeit versammelte man sich in den Gasthäusern und führte die Geburt Christi in der Form eines Theaterstückes auf. Waren diese kleinen Dra4 A kr M O O e OR Ansicht von Speyer men zunächst nur ganz bescheidenen Umfangs, so gewannen sie bald durch Hinzufügung allerhand volkstümlicher, dramatischer Motive, durch lyrische Beigaben und die Hinzuziehung weiterer biblischer Geschehnisse, wie z. B. des bethlehemischen Kindermordes und der Flucht nach Aegypten, eine immer größere Ausdehnung, die ebenso wie das Ueberhandnehmen komischer und derb=realistischer Einzelheiten eine Verlegung der Spiele in das Weltliche erforderte. Die Freude des Volkes an allem Schaugepräge und die naive, anschauliche Phantasie wiesen den biblischen Charakter allmählich mehr zurück. Man benutzte die Fäden der Geschichte, um seine Empfindungen und Anschauungen in eigenvolkstümlichster Duisburger Hafen Weise zum Ausdruck zu bringen. In den verschiedensten Gegenden Deutschlands, besonders in Oberbayern und Südtirol, in Kärnten, Steiermark und Ungarn, und vor allem auch in Schlesien haben sich solche deutsche Adventsspiele erhalten und werden zum Teil noch heute von den Bewohnern kleiner Gemeinden in der Art der viel bekannteren großen Passionsspiele aufgeführt. Wohl weichen diese Spiele im einzelnen voneinander ab, bald sind sie reicher, bald ärmer an originellem Beiwerk, an Fülle der lyrischen Einlagen an überschäumender Lustigkeit und keckem Humor. Zum größten Teil wurden die Gespräche, die in dem kleinen Schauspiel vorkamen, im heimischen Dialekt geführt. Humoristisch wurden die Mühsale des Hirtenberufes, der Geiz des bäuerlichen Brotherrn und die Sorgen der Wolfsplage zum Ausdruck gebracht. Die Unterhaltung ist meist an drei Personen verteilt, die oft einer nach dem anderen auftreten und sich dann mit einem lauten: „Hallo, hallo! Ich wär bale zo der Tire rei gfolla!“ einführen. Der Aufruf des Engels an die schlafenden Hirten gibt Gelegenheit zu komischen Szenen, indem die schlaftrunkenen, täppischen Gesellen die Aufforderung nicht sogleich verstehen oder ein Schwerhöriger spaßhafte Wortverdrehungen verursacht: Der erste Hirt: Horch, horch Bruder: a Kind is geborn! Der zweite Hirt: Wos? a alt Weib hot es Stromp verlohrn? Die einfache Handlungsführung, die keine Dekoration, keinen Szenenwechsel bedingt, die geringen Anforderungen an eine sinngemäße Kostümierung, die leicht erlernbaren Verse und Melodien bieten keinerlei Schwierigkeiten für die Darstellung und haben es möglich gemacht, daß diese Spiele heute in Schulen oder im häuslichen Kreise aufgeführt werden. Zimmermannssprüche beim Richtfest Von C. Kersten Hoch oben im Dachfirst steht die kleine Tanne, lustig flattern die Papierstreifen im Winde, die bunten Eierschalen drehen sich um sich selber und gar mächtig wird das kleine Bäumchen gezaust. Heute war nach langen Jahren das erste Mal wieder Richtefest im Dorf. Wie lange war es still und ruhig auf dem Zimmermannsplatz gewesen; keine Axtschläge dröhnten, keine Lehrbuben träumten von riesigen Dachstühlen auf großen Kirchenschiffen, wie sie die alten Zimmermeister einst gebaut hatten oder gar von den Segelschiffen, die weit in die Welt fuhren; vergebens fragten die wandernden Gesellen nach Arbeit... Zünfte, Gilden, Wanderschaft, Gesellenstücke, Meisterwerke... alles ruhte, alles schien vergessen. Und dann kam der Umschwung. Eine neue Zeit begann. Die Hoffnung blühte auf. Zuerst gab es keine großen Arbeiten, aber der Meister brauchte Gesellen und mit ihnen kamen auch wieder die Lehrlinge, und endlich kam der Tag, da wurde auch das erste Haus errichtet und endlich konnte der Meister hoch vom Dachfirst seinen Spruch dem Bauherrn zurufen: „Es ist der Bau, der hier erstand, Geschaffen zwar von Menschenhand, Doch schützt ihn höh'res Walten. Bei Gottesfurcht und Schaffensdrang, Da wird er sich jahrhundertlang Zu einer Burg gestalten!“ Und wie in alten Zeiten konnte er ein dreisaches Hoch ausbringen, und das Branntweingias in hohem Bogen hinabwerfen, daß es zum Glück des Hauses klirrend in tausend Stücke flog. Dann sangen der glückliche Bauherr mit Frau und Kindern, die Nachbarn aicht zu vergessen,„Nun danket alle Gott“. Ein reichliches Mahl vereinte alles, die bis jetzt zur Ausführung des Baues mitgeholfen hatten. Auf diese Weise feierte man in den Dörfern Niederhessens das Richtefest. Dazu erhält der Zimmermeister und sein erster Geselle Stoff für ein Hemd und die andern erhalten Taschen= oder Halstücher. In der Schwalm feiert man die„Hebekirmes". Da muß die Hausfrau für einen ordentlich gepackten Hebekirmeskorb sorgen und der Bauherr stiftete den Maurern das Grundbier und den Zimmerleuten das Soosbier. Und zur richtigen Hebekirmes darf auch die Musik nicht fehlen. Da versammelt sich früh am Morgen das ganze Dorf, und auch hier steigt tder Zimmermeister mit seinen Gesellen hoch hinauf auf den Dachfirst und steckt die geschmückte Tanne an den Giebelbalken. Dann hält der Meister seine Rede: Er dankt Gott für seine Hilfe und erfleht den Segen des Himmels auf den Bauherrn und seine Familie: „Du wollest auch unserm Bauherrn geben Ein langes und gesundes Leben, Und seine Gattin wollest du bedenken: Ihr brave Söhn' und Töchter schenken. Ja, alle segne Gott in dieser Zeit Und nachmals dort in Ewigkeit.“ Auch in der Schwalm vergißt man nicht auf das Wohl zu trinken und das Glas hinabzuwerfen. Wahrscheinlich ist in dem Glaswurf ein Ueberrest eines alten Bauopfers zu erkennen. Es ist eine derartig alte Sitte, daß ihr Ursprung kaum noch festzustellen ist. Wie man in Grundsteine Goldstücke mauert, Urkunden usw., so erhielt sich das Glasopfer bis auf unsere Tage. Wie wir wissen, waren unsern Vorfahren auch Menschen= und Tieropfer nichts fremdes; manche alte Sage und Legende berichtet uns davon; Ausgrabungen gaben uns aber die Beweise, daß lange Zeiten hindurch Bauopfer eingemauert wurden. Jungverheiratete Frauen, die in einem Schwälmer Dorf zum ersten Male an einer Hebekirmes teilnehmen, müssen an dem darauffolgenden Sonntag Kaffee und Kuchen stiften. Richtscheit, Winkeleisen, Schnur, Senkblei, Setzwaage... alle Gerätschaften, die ein tüchtiger Zimmermann zum Hausbau benötigt, tragt man im Zug voran, der in den Dörfern des Kinzigtales beim Richtefest veranstaltet wird. Da haben die„Strauchjüngfer“ einen feinen Kranz gewunden, der kommt hoch oben in den Neubau. Auch hier erhält der Meister ein neues Hemd und die Gesellen ihre Taschentücher. Da wird manche„Gesundheit“ getrunken und man ist fröhlich und guter Dinge. In den oberhessischen Dörfern ist das„Bauheben“ ein Fest für die gesamte Einwohnerschaft. Da muß der Bauherr zum Bauheben einladen, aber die Gäste dürfen nicht knauserig sein; sie müssen schon ordentlich etwas zum besten geben. Außer dem Branntwein für die Männer braucht man einen guten Kaffee für die Frauen und dazu Milch; nicht zu verachten sind die Eier und der Schinken, die Wurst nicht zu vergessen. Die Musikanten voran, hinterher die Zimmerleute mit dem geschmückten Kranz: Blumen, bunte Eierschalen und die Tücher; so geht der Zug durch die Dorfstraßen. Nach Befestigung des Kranzes im Neubau singt dann die Gemeinde„Lobet den auch„Nun danket alle Gott“. In der Nähe von Marburg feiert man das Richtefest auf eine besonders sinnige, schöne Weise. Dort bringen junge Mädchen dem Meister einen schön geschmückten Kranz und dieser begrüßt sie mit den Worten: „Ihr Mädchen und Jungfrauen, was bringt Ihr mit?“ „Einen schönen Blumenkranz“, antworten die Mädchen. Und der Meister nimmt den Kranz und meint dann:„Dieser Kranz ist recht schön geschmückt, aber im Gewicht noch gar zu leicht.“ Darauf tritt der Bauherr näher und knüpft in ein Taschentuch ein Geldstück; aber noch ist der Kranz nicht recht im Gewicht; es folgen die Hausfrau, der älteste Sohn, die älteste Tochter und dann in der Reihenfolge die ganze Kinderschar, so daß auch jeder Geselle sein Geldstück erhält; dann erst ist der Meister mit dem Gewicht des Kranzes zufrieden: „Jetzt hat der Kranz sein Gleichgewicht.“ Nun steigen Meister, Gesellen und Lehrjungen hinauf in den Bau, und wenn der Kranz ängt, dann heißt es weiter: „Das neue Haus ist aufgericht!“ Ehe aber die Branntweinflasche als Opfer hinuntergeworfen wird, Pricht auch hier der Meister den Segen über das neu errichtete Gebäude, dessen Schluß lautet: .. und nimmt mit stiller Zuversicht, Indes hier jeder Amen spricht, Nach alter Sitte wohlbekannt. Den vollen Becher in die Hand. Und wer so glaubensvoll ihn leert, Der wird gewiß von Gott erhört!“ Beim darauffolgenden Essen wird dann noch mancher Trinkspruch auf den Bauherrn und seine Familie ausgebracht; ein jeder ist dankbaren Herzens und kann nun fröhlich und guter Dinge sein. Es würde viel zu schwierig sein, aus allen Hessengauen die verschiedensten Sitten und Bräuche beim Richtefest aufzuführen. Doch möge man sich gern ihrer erinnern, auch dort, wo man sie längst vergessen hatte. Denn gerade diese überlieferten Gebräuche zeigen uns, in welcher guten Gemeinschaft unsere Vorfahren lebten und wie sie Freud und Leid miteinander teilten, daß aber auch die Arbeit des Handwerkers gebührend geehrt wurde. Aber nicht nur nachahmen sollen wir die Ueberlieferungen, sondern sie aus freudigem Herzen wiederaufleben lassen und sie mit Gottvertrauen auf eine schönere Zukunft seiern.