Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d.g Terteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteili, Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwertesbluhr.— Tel. 2770 geiam daust e hans ent gau, Saunsthr.. T4. gxs. Schwerter Beimatblatt.. Nr. 273 Schwerte Kuhr, Donnerstag, den 22. hovenber 1934 61. Jahrgang Preissestsehungen nur durch Preisteinmtfsür Ein neuer Erlaß des Reichskommissars Gördeler— Die Preisüberwachungsbehörden #mickolt= anderon Ländorn zu überlassen. Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9 a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir kein Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat unter Aufhebung oder Abänderung aller bisher getroffenen abweichenden Bestimmungen über die Uebertragung von Aufgaben und Befugnissen des Reichskommissars für Preisüberwachung bestimmt, daß Preise, Preisspannen oder Zuschläge aller Art in Zukunft nur noch durch den Reichskommissar für Preisüberwachung festgesetzt werden. Allen anderen Stellen wird jegliche Preisfestsetzung verboten...„umiche 9. Soweit Preise nur begrenzte räumliche Auswirkungen haben, kann die Festsetzung im Einverständnis mit dem Reichskommissar auch durch die obersten Landesbehörden, in Preußen durch die Oberpräsidenten, in Berlin durch den Staatskommissar erfolgen.„ Die Preisüberwachung wird in Preußen von den Regierungspräsidenten(in Berlin vom Polizeipräsidenten), in Sachsen von den Kreishauptleuten, sonst von den obersten Landesbehörden oder den von ihnen bestimmten Stellen der allgemeinen Landesverwaltung durchgeführt. Die Befugnisse zur Schließung von Betrieben wegen Zuwiderhandlungen oder aus sonstigen wichtigen Gründen steht auch den Regierungspräsidenten zu; selbstverständlich hat sich der Reichskommissar diese Befugnisse auch selbst vorbeIm übrigen sind künftig auch Ordnungsstrafen gegen Unternehmungen, in deren Geschäftsbetrieb eine Zuwiderhandlung gegen die allgemeinen Vorschriften begangen worden ist oder gegen die schuldigen Personen bis zu 1000 RM. für jeden Fall der Zuwiderhandlung vorgesehen. Die Preisüberwachungsbehörden sind vom Reichskommissar gebeten worden, bei der Preisüberwachung mit den Gau= und Kreisleitern der R6DAß Fühlung zu halten, g. Beiche An die Gau= und Kreisleiter hat der kommissar die Bitte gerichtet, bestimmte Amtsleiter zu bezeichnen, deren Aufgabe es ist, die bei den Gau= und Kreisleitungen etwa eingehenden Beschwerden zu sammeln und nach Sichtung der nächsten zuständigen Ueberwachungsbehörde der allgemeinen Landesverwaltung zuzuleiten. Folgende Gebiete sind zur Preisüberwachung zusammengefabt:.—. Grauim Wastele. Lippe=Detmold und Provinz Westfalen, Schaumburg=Lippe und Provinz Hannover, Kreis Birkenfeld(Oldenburg) und RheinAltona, Wandsbek, Harburg=Wilhelmsburg und Hamburg. Weitere Veränderungen der Gebietszuständigkeiten hat sich der Reichskommissar vorbehalten. * Die durch den Erlaß getroffenen Bestimmungen werden vom Reichskommissar für Preisüberwachung wie folgt begründet: Die starke Zentralisierung ist erforderlich, um zunächst einmal die in den letzten Monaten aus dem Drange der Ereignisse heraus entwickelte starke Zersplitterung in der Preisüberwachung wieder zu beseitigen. g. 8.4 zur ent. Diese Zersplitterung trug die Gesahr der Enwicklung zu wirtschaftlichen Sondergebieten in sich und könnte zu unerwünschten wirtschaftswidrigen Warenbewegungen führen. Auch in der Preisüberwachung muß die Wirtschaftseinheit des Reiches gewährleistet bleiben. Aus dem gleichen Grunde ist davon Abstand genommen, die Festsetzung von Preisen und Spannen den preußischen Regierungsbezirken und den ähnlichen Verwaltungsbezirken in den anderen Ländern zu überlassen. Die Dezentralisation an die obersten Landesbehörden und die Oberpräsidenten in Preußen(für Berlin an den Staatskommissar) ist zunächst auf diejenigen Fälle, in denen zweifellos Wirkungen über den Landes(Provinzial)bezirk hinaus nicht zu besorgen sind, beschränkt werden. Zur Sicherstellung einheitlichen Vorgehens ist eine vorherige Fühlungnahme mit dem Reichskommissar vorgesehen. Die Einrichtung von Sammelstellen für die bei den Parteidienststellen eingehenden Beschwerden entspricht einem bereits in einem Gau bewährten Verfahren. Die„Belehnungen für=Flesch Einnahmen und Uebeneinnahmen— Groß im Spesenmachen Am Dienstag wurde im Rundfunk=Prozeß zunächst der Nachfolger Dr. Fleschs auf dem Frankfurter Intendantenposten, Rechtsanwalt Schüller, als Zeuge vernommen. Ueber die Weiterzahlung von drei Monatsgehältern an Flesch sagte er, dieses Geld habe eine„Abschlußvergütung“ für Fleschs Tätigkeit in Frankfurt sein sollen und eine Anerkennung dafür, daß auch nach seinem Weggang in enger Fühlung mit der Frankfurter Gesellschaft geblieben sei. Oberstaatsanwalt Dr. Reimer stellte fest, das Gericht habe die Straftaten Fleschs vor dem 1. Juni 1929 als verjährt angesehen, da er nach seinem Ausscheiden in Frankfurt keine irgendwie geartete Tätigkeit mehr für die dortige Gesellschaft ausgeübt habe. Wenn der Zeuge Schüller nun erkläre, daß für die Zahlung der drei Monatsgehälter an Flesch eine enge, Fühlungnahme Fleichs mit der Frankfurter Gesellschaft und seine Hilfe auch nach seinem Ausscheiden erwartet worden sei, dann ergebe sich daraus, daß Flesch weiterhin für die Frankfurter Gesellschaft tätig gewesen sei und daß seine damaligen Straftaten nicht verjährt seien. Die Staatsanwaltschaft habe gegen den Eröffnungsbeschluß, der die Verjährung angenommen habe, sofort Beschwerde eingelegt, so daß noch eine Verfolgung dieser Straftaten möglich sei. In der weiteren Verhandlung kam es dann zu einer ausgedehnten Erörterung der Frage, ob Flesch für die drei Monatsgehälter wirklich eine Gegenleistung ausgeübt habe. Der Angeklagte Bredow betonte, er habe keine Bedenken gegen die Weiterzahlung des Gehalts gehabt, aber verlangt, daß Flesch für eine geordnete Ueberleitung der Geschäfte in Frankfurt sorge. Der Vorsitzende entgegnete, daß Flesch doch seine Schulden ohne weiteres von seinem neuen Berliner Gehalt in Höhe von 48000 Mark hätte bezahlen können. Bredow erwiderte: Wir wollten aber nicht, daß Flesch in Berlin mit Schulden beginnen sollte. Von Frau und Tochter erschlagen Jurchtbarer Mord in Steiermark] Leiche im Feld gefunden Entsetzliche Bluktat in Litauen In Steiermark ist ein furchtbarer Mord verübt worden, der erst am Montag entdeckt wurde. Der Besitzer Johann Bracke aus St. Anton war seit einigen Tagen auf unerklärliche Art verschwunden. Alles Suchen nach ihm war vergebens. Ein sechsjähriger Knabe fand nun am Montag in einer Talmulde zwischen den Feldern eine Leiche, die furchtbare Verletzungen aufwies und als die des vermißten Besitzers Bracke erkannt wurde. Die Untersuchung ergab, daß Bracke, der mit seiner Frau seit langem in Zwietracht gelebt hatte, von dieser mit Hilfe der 15jährigen Tochter des Ehepaares während der Nacht erschlagen und dann von beiden aufs Feld hinausgezerrt worden war, um einen Unfall oder einen Raubüberfall vorzutäuschen. Frau und Tochter haben, unter der Last des Beweismaterials zusammengebrochen, den Gatten= und Vatermord eingestanden. Sie wurden dem Gericht eingeliefert. Vier Personen wegen eines Familienzwistes ermordet Im litauischen Kreise Utena verübte, wie erst jetzt bekannt wird, am vergangenen Sonntag ein gewisser Juens eine furchtbare Bluttat. Wegen eines alten Familienzwistes geriet er mit seinen Angehörigen in einen Streit, in dessen Verlauf er seinen Bruder, dessen Frau und seine Schwester, die bei ihrem Bruder zu Besuch weilte, ermordete. Noch im Blutrausch rannte er zu seinem Schwager, dem Ehemann der ermordeten Schwester, und tötete auch diesen. Dann ergriff der Massenmörder die Flucht. Er konnte bisher noch nicht festgenommen werden. In Rizza wurde der Ungar Wladislaus Kiß verhaftet. Nach dem„Petit Journal“ soll er einen Anschlag auf den tschechischen Außenminister geplant haben Dr. Flesch, der sich an den lebhaften Verhandlungen über seine drei Monatsgehälter garnicht beteiligt hatte, erklärte auf die Frage des Staatsanwaltschaftsrates Stier, was er eigentlich zu sagen habe: Ich habe angenommen, daß diese Zahlung eine Anerkennung für meine frühere Tätigkeit und für meine weitere beratende Tätigkeit bei der Einarbeitung meines Nachfolgers in Im weiteren Verlaufe seiner Vernehnung machte der Zeuge Schüller die interessante Mitteilung, daß die Privataktionäre in der Frankfurter Gesellschaft Dr. Flesch für seine waltungen von sich aus noch ein Jahresgeha weitergezahlt hätten. Die Summe betrug monatlich rund 400 Mark und sollte eine Anerkennung für die Tätigkeit Dr. Fleschs sein. Zu Beginn der Nachmittagsverhandlung wurde die Vernehmung des Zeugen Schüller abgeschlossen. Auf Antrag des Oberstaatsanwalts Dr. Reimer beschloß das Gericht, Schüller unvereidigt zu lassen, da gegen ihn wegen der zur Verhandlung stehenden Straftaten in Frankfurt ein Ermittlungsverfahren schwebt und er hinreichend der Mittäterschaft verdächtig ist. Der Angeklagte Dr. Flesch schilderte eingehend die Verhandlungen, die seiner Uebersiedlung nach Berlin vorausgegangen sind und zu der Bewilligung der Trennungsvergütung führten. Auf Vorhalten des Vorsitzenden ergab sich sodann, daß Flesch außer seinem Gehalt als Intendant der Funkstunde AG. als Mitarheiter der Zeitschrift„Die Funkstunde“ etwa 500 Mark, dazu noch das weiterlaufende Gehalt des Funkverlages in Frankfurt, insgesamt also etwa 1000 Mark Nebeneinnahmen bezog. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie er denn zu dem Betrage von 1000 Mark monatlicher Trennungsvergütung gekommen sei, erklärte der Angeklagte Bredow, man sei ausgegangen von dem beim Rundfunk üblichen Tagesspesensatz von 50 Mark und habe dann die errechnete Gezant; summe von monatlich 1500 Mark auf 1000 Mark herabgesetzt. Zum Schluß der Nachmittagssitzung im Rundfunk=Prozeß schilderte Dr. Bredow dann sehr ausführlich die allgemeine Lage der Berliner Funkstunde, die 1929 zur Berufung Dr. Fleschs als Intendant nach Berlin geführt habe. Wenn Flesch der Vorwurf gemacht wird, so erklärte Dr. Bredow, er habe zu schlecht gewirtschaftet und zuviel Spesen liquidiert, dann muß ich moralisch einen großen Teil der Schuld auf mich nehmen. Ich habe zu Flesch ausdrücklich gesagt: Ihr Betätigungsfeld liegt vor allem außerhalb des Funkhauses. Sie müssen den Widerstand der Intellektuellen und Künstler gegen die Funkstunde beseitigen; sie müssen überall sein, man muß sie überall sehen. Das sind Imponderabilien, die kann man nicht werten als Buchsachverständiger oder Finanzsachverständiger, die mutz man aus der Zeit der Schwiexigiettg gerliner Rundfunk heraus verstehen. Flesch hat sehr viel für die Neugestaltung des Programms in Berlin getan und die in ihn gesetzten ErwartunDer Vorsitzende vertagte die Verhandlung auf Donnerstagvormittag 9½ Uhr, und kündigte an, daß dann Magnus zu der FraFleschs vernommen wird. Erzellenz von Liebert gestorben General der Infanterie a. D. Eduard von Liehert. der einstige Gouverneur der Kolonie Deutsch=Ostafrika, ist im Alter von 84 Jahren nach kurzem Krankenlager gestorben. General von Liebert, der nach seiner Verabschiedung im Jahre 1903 sich nationalpolitisch stark betätigte, stellte sich bei Kriegsausbruch sofort wieder zur Verfügung. Er wurde Gouverneur von Lodz, führte später eine an der Westfront und wurde 1916 zum General der Infanterie befördert. 1929 trat er in die RSDAP ein. Frage der Berufung Griechenland will 250 Militärflugzeuge bestellen Wie von unterrichteter Seite aus Athen verlautet, hat die griechische Regierung beschlossen, in Abständen insgesamt 250 Militärflugzeuge zu bestellen. Weiter wurde beschlossen, eine Anleihe von 200 Millionen Drachmen aufzunehmen und mehrere Flughäfen zu bauen, die dem internationalen Verkehr dienen sollen. Ergänzung des Kardinalkollegiums Die schon seit langem umlaufenden, ISgrüchte über ein noch vor Weihnachten stattfirrgegr. Konsistorium verdichten breh gezge gaßer zange Kreisen immer mehr. Wie es heißt, Pius XI. die Absicht, etwa zehn Kardinäle zu kreieren, darunter zwei, die er beim letzten Konsistorium in Aussicht genommen hatte. Das Ende eines Betrügers Am Mittwoch früh wurde in Oberaudorf am Inn ein Mann am Steuer sitzend erschossen aufgefunden. Der Tote hatte außerdem einen Strick um den Hals, der am Verdeck des Wagens befestigt war. Es handelt sich um den Direktionsrat Mutschlechner bei der Eisenbahn A.=G. Schaftlach=Gmund=Tegernsee, der, wie kürzlich gemeldet, Unterschlagungen begangen hatte. Mutschlechner hat, wie einwandfrei festgestellt wird, Selbstmord begangen. Langgesuchter Bandik verhaftel In einem Dorfe des Lemberger Kreises ist jetzt endlich der Bandit Maczuga verhaftet worden, der seit einem vollen Jahre der Schrecken ganz Galiziens war. Zwölf Monate lang entging er immer wieder den energischen Verfolaungen der Polizei, bis er schließlich in einem Versteck bei einem Bauern aufgestöbert wurde. Maczuga lebte dort in einer Höhle, die durch eine darauf gestellte Hundehütte getarnt war. In ganz Galizien wird die Verhaftung Maczugas mit großer Erleichterung begrüßt. Erdbeben in Persien Nach den gemeldeten starken Erdstößen bei Taschkent und in anderen Teilen Russisch=Mittelasiens kommen nun auch Meldungen aus Persien, die von Erdbeben berichten. In den persischen Teilen nahe der russischen Grenze sollen starke Erdstöße Zerstörungen hervorgerufen haben. Etwa 150 Häuser sollen eingestürzt sein, jedoch liegen nähere Mitteilungen darüber noch nicht vor. Auch ist noch nicht bekannt, ob dabei Menschenleben zu beklagen sind. Der englische König eröffnete am Dienstag die neue Sitzung des Parlaments mit einer Thronrede. Der wichtigste der dem Parlament zugehen wird, betrifft indische Verfassungsreform. 532 740 Abstimmungsberechtigte Die Abstimmungskommission für das Saargebiet hat dem Völkerbundssekretariat einen ausführlichen Bericht über ihre Tätigkeit im September und Oktober zugehen lassen. Darin wird u. a. mitgeteilt, daß die Gesamtzahl der in die Wählerlisten eingetragenen Personen am Stichtag des 26. September 532 740 betrug, von denen 55 794 außerhalb des Gebietes wohnen. Der Führer bei Blomberg Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg weilt bekanntlich seit einigen Wochen in Dresden in einem Sanatorium zur Kur. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler stattete ihm am Mittwoch von München kommend im Sanatorium einen Besuch ab. Konferenz der Landeskirchenführer Eine Konferenz der evangelischen Landeskirchenführer findet Freitag, 23. November, am Sitz der Reichskirchenregierung in Berlin statt. U. a. wird dabei der Fragenbereich erörtert werden, der sich mit der Bildung eines geistlichen Ministeriums befaßt. Die Tagung des Kirchensenats der Altpreußischen Union ist nunmehr endgültig auf Sonnabend, 24. November, festgesetzt. Brannschweiger Landesbischof Wie kirchenamtlich mitgeteilt wird, hat der Braunschweigische Landeskirchentag den von seinem Präsidenten Staatsrat Bertram verlesenen Antrag der Kirchenregierung, den bisherigen kommissarischen Kirchenführer Dr. Johnsen zum Landesbischof zu wählen, einstimmig angenommen. Da die kirchliche Lage es erfordere, daß der Landesbischof wichtige Entscheidungen treffen könne, ohne vorher die Stellungnahme des Landeskirchentages einholen zu müssen, übertrug der Landeskirchentag auf Antrag des Landgerichtsdirektors Gerhard mit sofortiger Wirkung widerruflich seine Befugnisse auf den Landesbischof. Nach der Wahl richtete Staatsrat Vertram eine kurze Ansprache an den Neugewählten. Landesbischof Johnsen verpflichtete sich, sein bischöfliches Amt nach den lutherischen Grundsätzen zu führen, wie sie in Artikel 28 der Augsburgischen Konfession niedergelegt seien. In der Sitzung der Kirchenregierung wurde die Ernennung des Kirchenrats Röpke zum geistlichen Oberkirchenrat beschlossen. Oberkirchenrat Röpke wird sein Pfarramt in Berlin auch weiterhin beibehalten. Emn Marschauf Gnhmo.!..“(37 Leutsche ecur,um Tnguhe Enthüllungen über angebliche Putschpläne in den Vereinigten Staaten Die„Eving Post“ hat Berichte über einen angeblichen Putschplau veröffentlicht, die in Newyork ungeheures Aufsehen erregt haben. Nach den Enthüllungen des genannten Blattes handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger als einen Militärputsch, der zur Errichtung einer Diktatur in Washington führen sollte. Danach soll der Mitinhaber einer bekannten Newyorker Maklerfirma Gerald Mac Guire im Auftrage einiger reicher Wallstreetbankiers an den früheren Oberbefehlshaber des Marinekorps, General Butler, herangetreten sein und versucht haben, den General zur Uebernahme der Leitung des Putsches zu veranlassen. Butler sollte nach dem Plan mit einem Heer von Kriegsveteranen nach Washington marschieren, die Regierung zum Rücktritt zwingen und eine faschistische Militärdiktatur errichten. General Butler hat, da er die Pläne ablehnte, sofort die zuständigen Behörden verständigt. Die Untersuchungskommission des Senats ist darauf bereits am Mittwoch zusammengetreten und hat sich eingehend mit der Angelegenheit beschäftigt. General Butler hat in zweistündigen Ausführungen über den Putschplan berichtet und dabei u. a. erklärt, daß man ihm drei Millionen Dollar versprochen habe, falls er den Marsch auf Washington durchführen würde. Der stellvertretende Vorsitzende der Untersuchungskommission, Dickstein, kündigte an, daß in den weiteren Verhandlungen, die ab Montag öffentlich sein würden, noch viel bekanntere Namen als der Butlers im Zusammenhang mit dem Putsch genannt werden würden. Gerald Mac Guire bestreitet im übrigen auf das Energischste, an Butler mit dem genannten Vorschlag herangetreten zu sein. 37 Deutsche erhalten 18 Millionen Dollar.— Amerikanische Falschung in einem westfälischen Kirchenbuch Als vor einigen Jahren in Philadelphia die Multimillionärin Edwardine Henriette Garret starb, sahen sich die Behörden vor eine äußerst schwierige Ermittlungsarbeit nach den Erben der hinterlassenen 18 Millionen Dollar gestellt. Es ergab sich, daß der Großvater der Erblasserin, ein am 8. August 1808 geborener Handwerker namens Ch. Schaefer war, der aus Deutschland nach Amerika einwanderte. Da Frau Garret in Amerika keine Erben besaß, kamen nur die deutschen Verwandten ihres Großvaters als Erben in Betracht. Sie wurden endlich in Württemberg in der Gegend vor Saulgau und Riedlingen ermittelt. Uebrigens ist offenbar von amerikanischer Seite in einem westfälischen Kirchenbuch eine Fälschung vorgenommen worden, durch die nachgewiesen werden sollte, daß es in Deutschland keine Verwandten der Frau Garret mehr gäbe. Etsenbahlunschlage in Merite Schienen im Tunnel aufgerissen und Brücken in die Luft gesprengt Heiligenbilder verbrannt Am Dienstag, der in ganz Mexiko als 24. Jahrestag der großen mexikanischen Revolution mit Kundgebungen und Feiern festlich begangen wurde, wurden zwei Eisenbahnanschläge verübt. Auf der Linie Vera Cruz— Mexiko=Stadt war im Tunnel Nr. 14 die Strecke aufgerissen worden, sodaß ein Güterzug entgleiste. Die elektrische Maschine des Zuges stürzte um und versperrte die Gleise, sodaß der Verkehr vollkommen unterbrochen ist. Auch der Bahntelegraph wurde durch den Anschlag zerstört. Die Räumungsarbeiten werden voraussichtlich 2 Tage in Anspruch nehmen. Man vermutet, daß der Anschlag dem Personenzug Vera Cruz—Mexiko=Stadt gegolten hat. Gerüchtweise verlautet, daß der Lokomotivführer des Güterzuges von den Eisenbahnattentätern verschleppt und erschossen worden ist. Von welcher Seite der Anschlag ausgegangen ist, ist noch ungeklärt. Man nimmt aber an, daß es sich bei den Tätern um Anhänger des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Villareal handelt. Der zweite Anschlag wurde auf der Staatsbahnlinie Mexiko—Laredo verübt, wo unbekannte Täter zwei Brücken in die Luft sprengten. In Tuxtla=Gutierrez im Staate Chiapas fanden am Dienstag Kundgebungen statt, die einen ausgesprochenen kirchenfeindlichen Charakter trugen. Nach zahlreichen Ansprachen, in denen die Kirche und die„Reaktion“ auf das heftigste angegriffen wurden, wurde eine große Anzahl von Heiligenbildern öffentlich verbrannt. kaubüberfall auf einen Juwelier Der Ueberfallene getötet Der Inhaber des Uhren= und Goldwarengeschäftes Max Schlingermann in Düsseldorf wurde am Dienstagabend von zwei Verbrechern in seinem Laden überfallen und niedergeschossen. Die Täter hatten vorher das Geschäft wiederholt aufgesucht und sich Uhren vorlegen lassen. Nachdem andere Käufer das Geschäft verlassen hatten, zogen die beiden Räuber mit dem Ruf: „Hände hoch!“ ihre Revolver. Einer versuchte, die im Nebenzimmer befindliche Schwester des Ueberfallenen mit der Pistole in Schach zu halten. Inzwischen fielen im Laden die tödlichen Schüsse. Trotz Bedrohung drängte die Schwester des Ermordeten den Banditen zur Seite, lief zur Tür und rief um Hilfe. Hierauf ergriffen die Verbrecher die Flucht. Sie wurden zwar verfolgt, es gelang ihnen aber, unerkannt zu entkommen. Unterseeboot„K 18 auf der Weltreise Kartoffeln und Zwiebeln im Torpedorchr Oesterreich fordert Eleichberechtigung Das Präsidium der Abrüstungskonferenz ist Dienstag morgen in Genf unter dem Vorsitz Hendersons unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zusammengetreten. Nach einer Eröffnungsansprache Hendersons brachte der amerikanische Vertreter Wilson die Vorschläge seiner Regierung zur Frage des Waffenhandels und der Waffenherstellung vor. Anschließend sprach der sowjetrussische Außenminister Litwinow. Der Vertreter Oesterreichs, Baron Pflügl, gab eine Erklärung ab, daß Oesterreich keinem Abrüstungsabkommen zustimmen könne, ehe es nicht die Gleichberechtigung wenigstens der Verteidigungswaffen erhalten habe. Gegen 13 Uhr war die Tagung bereits beendet. Die Erklärung Pflügls hat in Wiener politischen Kreisen ungeheueres Aufsehen hervorgerufen. Besonders die scharf formulierte Erklärung hat ungemein überrascht. Man weist darauf hin, daß Oesterreich noch niemals die Gleichberechtigung vor dem öffentlichen Forum in Genf verlangt hat, und mißt der Erklärung insbesondere mit Rücksicht auf den Pakt von Rom, dessen Ausweitung ja eben erst beschlossen wurde, besondere Bedeutung zu. sung der Bölkerbundsversammlung Nachrufe auf König Alexander und Barthon Die außerordentliche Völkerbundsversammlung. die zur weiteren Behandlung des Chaco=Konfliktes einberufen wurde, ist Dienstag nachmittag unter starkem Andrang von Publikum und Presse im Gebäude des Völkerbundsekretariats zusammengetreten. Der vorläufige Präsident, der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch, widmete den ersten Teil seiner Eröffnungsansprache einem Nachruf auf die beiden Opfer des Marseiller Attentates Nach Benesch sprach der südslawische Außenminister Jeftitsch nur wenige Worte des Dankes an den Präsidenten. Als dritter Redner sprach der französische Außenminister Laval. Auch er rühmte König Alexander als Soldat und gleichzeitig als Friedensfürsten. Er selbst, Laval. werde sich bemühen, dem Beispiele Barthous zu folgen, sein Werk fortzusetzen und die Zusammenarbeit mit allen hier versammelten Staaten weiter zu führen. Die ausländischen Arbeiter in Frankreich Im französischen Ministerrat am Dienstag wurde die Frage der ausländischen Arbeiter behandelt. Staatsminister Herriot betonte, daß die französischen Lieferfirmen für öffentliche Arbeiten verpflichtet sind, nur französische Arbeitnehmer zu beschäftigen bezw. keine ausländischen anzustellen.(Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer betrug im Jahre 1932 1 500 000 und ist im Jahre 1934 auf 914000 gesunken. Demgegenüber gidt es zurzeit noch 366 000 Arbeitslosenunterstützungsempfänger.) Der Ministerrat hat diese Vorschläge gebilligt. Am 14. November hat das holländische Unterseeboot„K. 18“ den Hafen von Nieuwediep verlassen, um eine Rekordfahrt um den halben Erdball anzutreten. Wenn es am 11. Juli nächsten Jahres in Surabaya eintreffen wird, hat es eine Strecke von fast 37.000 Kilometer zurückgelegt. Wenn alles glatt verläust, ist damit ein neuer Langstreckenrekord für Unterseeboote aufgestellt worden. Dieser Rekord ist allerdings nicht der Hauptzweck, den die holländische Regierung mit der Entsendung dieses Kriegsschiffes verfolgt. Nachdem erst im Luftrennen England— Australien eine holländische Maschine eine wahrhaft phantastische Leistung vollbrachte und damit bewies, daß die holländische Luftfahrt berufen ist, eine große Rolle im internationalen Flugwesen zu spielen, soll nunmehr Unterseeboot„K. 18“ zeigen, daß Holland auch auf maritimem Gebiet Großleistungen vollbringen kann. Forschung auf der einsamsten Insel der Welt Die Reise des 707 Tonnen großen Bootes führt zunächst um Afrika. Auf dieser ersten Etappe werden die Häfen von Madeira, St. Vincent und Dakar berührt. Danach soll der Südatlantik überquert werden, um Pernambuco, Rio de Janeiro, Montevideo, Buenos Aires anzulaufen. Auf der zweiten Ueberquerung des Atlantischen Ozeans wird man der Insel Tristan da Cunha und den Häfen von Kapstadt Durban, Mauritius und Fremantle einen Besuch abstatten. Am bedeutsamsten dürfte der Abstecher zu der einsamsten Insel der Welt, Tristan da Cunha, sein. Dieses Eiland hat gegenwärtig etwa 150 Einwohner, die gänzlich abgeschlossen von der übrigen Welt leben. Sie besitzen keine Telegrafenstation und auch keine Rundfunkempfänger. Vor drei Jahren hat ein Dampfer die Insel zum letzten Mal besucht. Trotzdem sollen sich die Bewohner sehr glücklich fühlen. Die Ankunft des Unter. seebootes dürfte für sie eine riesige Sensation darstellen. Die Besatzung von„K. 18“ hat die Aufgabe, die genaue geographische Lage des Eilandes festzustellen und Nachforschungen über die Nachkommen des ersten Königs von Tristan da Cunha, eines holländischen Seemannes namens Pieter Groon zu erheben, der sich dort vor etwa hundert Jahren ansiedelte. Propaganda für die Niederlande Auch sonst handelt es sich um ein durchaus friedliches Unternehmen. Ueberall, in den angelaufenen Häfen sollen holländische Filme vorgeführt werden, die das Leben in Holland zeigen. Weiter werden wissenschaftliche Messungen durchgeführt werden. Zu diesem Zweck nimmt der berühmte holländische Forscher Professor Vening Mainesz an der großen und strapazenvollen Reise teil. Die Besatzung besteht aus 35 Offizieren und Seeleuten, die besonders für diesen Zweck ausgewählt und geschult wurden. Waffen werden auf dieser friedlichen Reise nicht mitgeführt. So befinden sich beispielsweise in den Torpedorohren Kartoffeln und Zwiebeln, die der Ernährung der Mannschaft während der Fahrt dienen sollen. An die Besatzung werden die höchsten Anforderungen gestellt, da sie viele Monate lang in beschränktestem Raum leben muß und schutzlos der Kälte und der tropischen Hitze ausgesetzt ist. Von Arbeitslosen besetzt Das Rathaus in St. Quentin In St. Quentin rotteten sich Arbeitslose vor dem Rathaus zusammen und drangen trotz heftiger Gegenwehr der Ortspolizei in das Gebäude ein, in dem die Stadtväter tagten. Sie schlugen verschiedene Türen und Fenster ein, besetzten sämtliche Räume und weigerten sich, eher abzuziehen, bis gewisse Kürzungen der Arbeitslosenunterstützung aufgehoben seien. Die Stadtväter waren gewissermaßen die Gefangenen der Arbeitslosen. Die Besetzung des Rathauses wurde erst aufgehoben, nachdem der Bürgermeister einer Abordnung der Arbeitslosen versprochen hatte, ihren Wünschen bezüglich der Arbeitslosenunterstützung Rechnung zu tragen. Ein Eingreifen der Polizei ist nicht erfolgt. Vatermörder hingerichtet Vor einem Wiener Standgerichtshof hatte sich Mittwoch der Bauernsohn Alois Gaidosch aus Ried bei Wien wegen Mordes an seinem Vater zu verantworten. Gaidosch hatte im September seinen Vater mit einer Hacke ermordet, weil er nicht in die Heirat seines Sohnes mit einer Straßensängerin einwilligte. Der Mörder warf sodann die Leiche in eine Jauchegrube, wo sie erst nach drei Wochen gefunden wurde. Der Standgerichtshof erkannt Gaidosch des Vatermordes schuldig und verurteilte ihn zum Tode durch den Strang. Der Mörder wurde kurz darauf hingerichtet. In wenigen Pierackis Mörder verhaftet? Von ungarischen Gendarmen An der ungarisch=tschechoslowakischen Grenze wurde ein 20jähriger Landstreicher verhaftet, der im Verdacht steht, am 26. Mai den polnischen Innenminister Pieracki in Warschau ermordet zu haben. Die polnischen Behörden hatten damals einen Steckbrief gegen den Mörder erlassen. Auf Grund der Lichtbilder erkannte die Gendarmerie in dem Landstreicher den Warschauer Mörder und verhaftete ihn. Der Mann leugnete zunächst. Im Verhör gab er an, nur Augenzeuge des Mordes gewesen zu sein, mit dem Mord selbst aber nichts zu tun zu haben. Demgegenüber stellte die Gendarmerie fest, daß der Landstreicher unmittelbar nach der Ermordung die polnisch=tschechoslowatische Grenze überschritten und seitdem in der Slowakei geweilt hatte. Die Prager Regierung wurde sofort von der Polizei verständigt, die dem Warschauer Justizministerium von der Verhaftung Kenntnis gab. Wieder sieben Todesurteile in der Sowjetunion In Samarkand verurteilte das Gericht sieben Personen wegen nicht rechtzeitiger Einbringung der Baumwollernte, wegen Sabotage und gegenrevolutionärer Bestrebungen zum Tode. Acht Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von einem bis zu fünf Jahren verurteilt. Prinzessin Marina in London Dichtester Nebel hüllte die Straßen Londons ein, als die Prinzessin Marina von Griechenland am Mittwoch ihren Einzug in die Hauptstadt ihres neuen Heimatlandes hielt. Der König und die Königin von England hatten sich selbst auf den Bahnhof begeben, um ihre neue Schwiegertochter zu begrüßen. In Begleitung der Prinzessin befanden sich ihre Eltern Prinz und Prinzessin Nikolaus von Griechenland, ihr Verlobter, der Herzog von Kent, sowie ihre beiden Schwestern Prinzessin Paula und Gräfin Toerring. Nach herzlicher Begrüßung begaben sich die Fürstlichkeiten durch die von einer festlich bewegten Menge umsäumten Straßen zum Buckingham Palast. Ehrung von Lebensrettern Der Führer und Reichskanzler hat mit Erlaß vom 13. November 1934 die Rettungsmedaille am Bande u. a. verliehen: dem Hauer Johann Strenka in Gelsenkirchen; dem Hauer Gustav Schwarzhöfer in Wanne=Eickel; dem Monteur Heinrich Scheuten in Duisburg. Die Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr: dem Bäckermeister Emil Strötenhoff in Lüdenscheid; dem Bergmann Wilhelm Lünkermann in Ahlen i. W.; dem Lokomotivführer Karl Kramer in i. 9. Die seit einigen Tagen in Berlin zwischen einer deutschen und einer tschechoslowakischen Delegation geführten Verhandlungen sind zum Abschluß gelangt. Im Auswärtigen Amt wurde ein Protokoll über die Regelung der Zahlungen im deutsch=tschechoslowakischen Warenverkehr unterzeichnet, dessen Wortlaut demnächst veröffentlicht wird. Das Protokoll tritt am 1. Dezember 1934 in Kraft. Prof. Dr. Franz Ludwig Hoerth, Oberspielleiter der Berliner Staatsoper und Professor an der Hochschule für Musik, ist am Dienstagabend in Berlin gestorben. Die Wiener Spar= und Darlehnskasse für Bundesangestellte hat die Verhängung der Geschäftsaufsicht nachgesucht. Grund dafür ist, daß ein großer Teil der Schuldner der Sparkasse bei der„Säuberungsaktion“ unter der Staatsbeamtenschaft wegen der Ereignisse vom 12. Februar und 25. Juli seiner Stellen für verlustig erklärt worden ist. Der französische Botschafter in Rom, de Chambrun, der in diesen Tagen mit neuen Weisungen nach Rom zurückgekehrt ist, wurde von Mussolini in Audienz empfangen. Anschließend traf de Chambrun mit Bundeskanzler Schuschnigg zusammen. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg ist Mittwoch nachmittag auf dem Flugfeld in Aspern eingetroffen. Außenminister Frhr. v. BergerWaldenegg ist in Mailand geblieben, um dort Nr. 273(Zweites Blath) „Schwerter Donnerstag, 22. November 1934 F r Ginont=Tech Schwerte(Ruhr). Donnerstag den 23. Nov. 1934 Tagesspruch Die Freundschaft, die der Wein gemacht, Wirkt, wie der Wein, nur eine Nacht. -: Gesegnetes Alter. Eisenbahnschaffner i. R. Wilhelm Hirsch, Nordstraße 9, feierte am gestrigen Tage seinen 76. Geburtstag. Dem treuen Leser zu seinem Ehrentage unseren herzlichen Glück= und Segenswunsch. Möge ihm des Lebensabends goldene Sonne noch lange scheinen! Ehrenkrone des Alters. Am heutigen Donnerstag begeht die Witwe Emma Lierbeck, in den Höfen 2, bei guter Rüstigkeit ihren 71. Geburtstag. Der alten Dame zum Ehrentage auch unseren herzlichen Glück= und Segenswunsch! Bestandene Meisterprüfung. Paul Eberhardt, wohnhaft Liethstraße 19a, hat in Iserlohn die Meisterprüfung im Elektro=Installateur=Handwerk mit dem Prädikat„Gut“ bestanden.— Wir gratulieren! X Folgenschwerer Sturz. Einen bedauerlichen Unfall erlitt vorgestern der Arbeiter Aug. Sch. von der Schwerterhede. Infolge eines Fehltrittes stürzte er so unglücklich einige Stufen der zum Keller führenden Treppe hinab, daß er sich einen Bruch beider Handgelenke zuzog. + Sportunfall. Am letzten Sonntag wurde wie wir erst jetzt erfahren, der Fußballspieler P. Oe., Mitglied von VfL. Schwerte, infolge der Fahrlässigkeit eines gegnerischen Spielers durch einen schweren Sportunfall verletzt. Er erlitt durch Treten in die rechte Hüfte eine schwere Nierenquetschung, außerdem eine Gehirnerschütterung, so daß er vom Platz getragen werden mußte. Oe. befindet sich in ärztlicher Behandlung. Der Vorfall ist zur Anzeige gebracht worden. Alles Nähere wird die gerichtliche Untersuchung ergeben. Ein Sanitäter war am Sportplatz nicht zur Stelle. : Verbesserte Postzustellung nach Landorten an Feiertagen. Nach einer Anordnung des Reichspostministers werden künftig am 1. Oster=, Pfingst= und Weihnachtsfeiertag Briefsendungen und Pakete mit und ohne Nachnahme und Zeitungen nach allen Landorten zugestellt. In Orten mit Poststellen soll ebenso verfahren werden. Bekanntlich findet nach Landorten an Sonn= und Feiertagen, soweit die Zustellung dahin nicht ganz ruht, nur eine Briefzustellung statt. Durch die neue Regelung wird verhütet, daß u. U. daß der Inhalt von Paketen durch längeres Lagern während der Feiertage verdirbt; außerdem aber wird erreicht, daß die in vielen Geschenkgegenstände enthaltenden Pakete noch rechtzeitig in den Besitz der Empfänger gelangen. Unsere aktuelle Bilderschau zeigt folgende neue Photos: 2. Reichsbauerntag in Goslar: Mensch und Boden— eine untrennbare Schicksalsgemeinschaft; Reichspressetag in Berlin: „Das Schriftleitergesetz hat die Prasse 2u einem Mitarbeiter der Regierung gemaet"=Fußhall: Hamburgs 17. Sieg über Berlin: Handball: Brandenburg— Ostpreußen 15:7; Red Bank N. I.: Um den goldenen Pokal des„Monmouth County=Jagdrennens"; Deutschland gewinnt den Hockeyländerkampf gegen Belgien 4:1: Deutsche Flugzeuge auf der Pariser Luftfahrtausstellung; Doppelte Jubelfeier beim Norddeutschen Lloyd. Bremen: Zur Erinnerung an den heldenmütigen Durchbruch deutscher Divisionen bei Brezeziny. Polizeibericht. In der Zeit vom 15. Okt. bis 11. Nov. d. J. kamen zur Anzeige: 4 Fälle wegen Sachbeschädigung, 4 Fälle wegen Diebstahls, 5 Fälle wegen Betruges, 2 Fälle wegen Körperverletzung, je 1 Fall wegen staatsseindlicher Umtriebe, Hausfriedensbruch, wissentlich falscher Anschuldigung, Zuwiderhandlungen gegen das Fleischbeschaugesetz, Fundunterschlagung, Unterschlagung, Gewerbevergehens, Verübung von Selbstmord. Polizeilich bestraft wurden: 16 Personen wegen groben Unfugs, 8 Personen wegen nicht rechtzeitiger Ummeldung der Wohnung. 3 Personen wegen Veranstaltung einer Tanzlustbarkeit ohne polizeiliche Genehmigung, 2 Personen wegen Fernhaltung der Kinder vom Schulunterricht, 8 Personen wegen Ueberschreitung der Polizeistunde, 1 Person wegen Schießens an von Menschen bewohnten Orten, 1 Person wegen Verstoßes gegen das Feld= und Forstpolizeigesetzes.— 10 Personen meldeten sich obdachlos.— 16 Personen wurden in hiesigen Betrieben verletzt.— Als gefunden wurde abgegeben: ein Geldbetrag, eine Luftbüchse und mehrere Schlüssel. Große Feierstunde in der Kirche zu St. Viktor Gemischter Chor„Harmonie“ Schwerte 190s führte„Ein deutsches Requiem“ auf. ein Choral anmutenden Thema, Schwerte, 22. Nov. Mit dem chorischen Großwerk„Ein deutsches Requiem“ brachte der gemischte Chor„Harmonie“ Schwerte am Abend des Buß= und Bettages in der überfüllten Kirche zu St. Viktor die Aufführung einer Tonschöpfung, die, wie wenige, dem Gedanken des Totensonntags entgegenkommen. Das Werk macht sich frei von der traditionellen und zum Teil erstarrten Form, um als wirklich deutsches Requiem mit deutschen Worten und mit einer Musik, die jedes falsche Pathos vermeidet, die seelische Wärme und Innerlichkeit in so vollendeter Form ausspricht, Trost zu geben. Das wesentlichste Wirkungsmoment der Wiedergabe durch Otto LaugsHagen war, daß er die schlichte Schönheit dieses chorischen Werkes durch keine Effekthascherei störte, sondern die Musik, die ihr eigene Sprache sprechen ließ. Mit einem Meisterwerk deutscher Orgelkunst, der Passacaglia, C=Moll von Bach wurde die Feierstunde eingeleitet. Auf der neuen Orgel kam sie unter Gerard Bunks Meisterhänden mit ihrem wie ihrer Andante=Stimmung, zu vollendeter Wiedergabe. Hervorragend wurde die Ueberleitung zur Fuge gegeben. Und die Fuge selbst kam, thematisch rein, zu plastischer Ausarbeitung. Das Piano kam zu besonders trefflicher Wirkung. Es zeigte sich nicht nur Bunks volle Beherrschung des Musikalischen und Technischen, es offenbarte sich auch die Klangschönheit der neuen St. Viktor=Orgel. Als zweites Werk wurde die Kantate„Ach Herr, laß deine lieben Engelein“ von Franz Tunder mit Orgel- und Orchesterbealeitung gegeben. Während Orgel und Orchester(Städt. Orchester Witten) in wundervoller Harmonie erklangen, zeigte sich die Solistin Idel Dörflinger dagegen stark indisponiert. Sie besitzt aber wohl auch noch nicht die Ueberzeugungskraft und innere Wärme, die nötige Einheitlichkeit in Tonführung und Dynamik und die letzte Durchgestaltungskraft. Und dann das Hauptwerk der Feierstunde: „Ein deutsches Requiem". Der Darbietung der ersten beiden Sätze hätte man mehr innere Triebkraft gewünscht, so fand doch der 3. Satz durch das Eingreifen des hervorragenden Barttons Willi Rehkemper mit der ergreisenden Arie„Herr lehre doch mich“, eine innerlich belebte, großangelegte Wiedergabe. Im 6. Satz aber, der mit den Worten:„Der Tod ist verschlungen in den Sieg“ den Höhepunkt bringt, wuchs das Werk von der ausgeglichenen Chorund Orchesterleistung zu reiner Wirkung empor. Die Weihe des Werkes vereinte sich mit der Weihe des Raumes. Die große Linie des Requiems wuchs zusammen mit den gotischen Gewölben und Pfeilern von St. Viktor. Als die Posaunen im Fortissimo schmetterten und der Dirigent Chor und Orchester mit sich riß, fühlte man sich fern von aller Musikästhetik und konnte sich ganz der packenden Sprache dieser Musik hingeben. Auch im Schlußsatz zeigte sich Otto Laugs als ein Stabführer von tiefgründigem Stilwissen. Die Ausdeutung des Werkes war bis der letzte Ton verklang, klar. Der Otto Laugs anvertraute gemischte Chor „Harmonie“ muß klanglich und intonationsgemäß tüchtig an sich gearbeitet haben. Er verfügt über ausgezeichnetes, den einzelnen Stimmgruvven entsprechend sein ausgeglichenes Material. Der Chormeister scheint sich auch sehr um ein ausgesprochenes Chorpianissimo bemüht zu haben. Er erreichte verschiedentlich einen wunderbar schwebenden und entmateriali. sierten Chorklang, ohne die melodische Linie damit zu opfern. Für die durch ihre exponierte Lage sehr schwierige Sopranpartie war Idel Dörflinger gewonnen. Sie gab sich redliche Mühe, ohne allerdings ihre Indisvoniertheit und die noch vorhandenen stimmtechnichen Mängel ganz vergessen machen zu können. Dagegen verlieb Willi Rehkemper dem Baritonsolo eine schöne und edle Abrundung. Seine Stimme ist umfangreich, auch im Piano voll Resonnanz und voll herrlicher Wärme. Sehr angenehm berührte auch bei ihm die ausgezeichnete Textbehandlung. Die Harfe, von Aenne Schmidt=Reinecke gespielt, war für den großen Raum nicht ausreichend. Bis zum Altarraum konnte sie nicht hintragen. Gerard Bunk an der Orgel paßte sich unauffällig und unterstützend dem Gesamtklang an. Das durch das Laugsche Kammerorchester verstärkte Städt. Orchester Witten fügte sich glänzend dem Willen des temperamentvollen Dirigenten. Als der letzte Ton verklungen war, konnte man an die Worte erinnert werden, die Robert Schumann einst über den Schöpfer des„Deutschen Requiems“ schrieb:„... Und er ist gekommen, ein junges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten". ecke. Ein astronomischer Vortrag Auch in Schwerte gibt es Freunde der Sternenkunde. Bevor der Vortragende das schwierigste Gebiet der Astronomie behandelte, gab er einen historischen Rückblick. Dabei wies er u.- darSchwerte, 22. Nov. Der Astronomische Verein Dortmund hatte am letzten Dienstag eine Sitzung im Gesellschaftszimmer des Hotels„Reichshof“ zu Schwerte. Es hatten sich auch Dortmunder Freunde der Sternenkunde eingefunden. Im ganzen waren über 40 Personen erschienen, eine stattliche Anzahl, wenn man bedenkt, daß die Sitzungen in Dortmund im Durchschnitt von 15 bis 18 Sternkundigen besucht wird. Rechtsanwalt Dr. Strath= mann=Schwerte hieß die Erschienen herzlich willkommen. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Dortmunder trotz des Londoner Nebels den Weg in die Provinz gefunden hätten und wies darauf hin, daß im allgemeinen die Zahl von Menschen, die sich intensiv mit Sternkunde beschäftigen, recht klein sei. Der Vorsitzende des Dortmunder Astronomischen Vereins, Landmesser Schiller, hielt dann einen streng wissenschaftlichen Vortrag über die„Ermittlrngen von Entfernungen im Kosmos.“ Zunächst fand der Vortragende allgemeine Worte über Ziele und Bestreben der Astronomischen Vereins. Man habe das Bestreben, am Himmel Bescheid zu wissen. Der bestirnte Himmel biete doch einen schönen Anblick. Viel wüßten die Astronomen noch nicht. Aber die Astronomie sei die reinste und erhabenste Wissenschaft, weil der Mensch mit seinen Fingern nicht herankäme. Der Astronom habe auf sein Laboratorium keinen Einfluß.. Die Astronomie habe aber die Mathematik, Physik und Technik stark befruchtet. Beispielsweise rühre die Erfindung der Elektronen von den astronom. Kenntnissen her. Der Mensch, der sich an den Sternen erfreuen wolle, brauche keine großen mathematischen Kenntnisse zu besitzen. Nur wer weiter zu ar. beiten gedenke, müsse sich mit der Mathematik näher befassen. ein schwerrs Verrehrdunglau um Eht G. auf hin, daß die Alten an eine Entfernungsbestimmungen noch nicht denken konnten. Herr Schiller beschäftigte sich dann mit dem heliozentrischen System, mit den ersten Versuchen, die Fixsternparallaxe zu finden. Er berührte dabei die Verdienste des westfälischen Astronomen Bessel=Minden, der ein Heliometer baute. Der Vortragende operierte dann mit jenen Zahlen, die erst übersetzt(!) werden mußten, da sie unser Begriffsvermögen übersteigen. Der Redner ging dann auf die Lichtjahre und Sternenweite ein. Ein Lichtjahr hat 9.5 Billionen Kilometer, eine Sternenweite 30,8 Billionen Kilometer. Das Bestreben der Astronomie geht dahin, Gruppen von Fixsternen zu ermitteln. Je schwächer ein Stern erscheint, um so weiter ist er auch von uns entfernt. Der Redner ging dann auf die zehn Methoden ein, die die neuzeitliche Astronomie anwendet, um die Entfernungen zu bestimmen. Als Werbevortrag waren seine Ausführungen zu wissenschaftlich. Es war, als ob man einem neugeborenen Kinde statt Muttermilch, einen drei Männer mordenden Schnaps einverleiben wollte. Bewundernswert war es natürlich, wie hier ein Laie— Herr Schiller ist ja Landmesser von Beruf— die schwierige Matherie beherrschte. Wer sich von Schwerte und Umgebung für Sternenkunde interessiert, möge sich mit Rechtsanwalt Dr. Strathmann=Schwerte in Verbindung setzen. Die Schwerter Sterngucker werden weiterhin eine lebendige Fühlung mit dem Dortmunder Verein behalten. — Als letzte Erkenntnis stellte der Vortragende diese heraus: Der Mensch ist materiell genommen, ein absolutes Nichts, aber geistig ist er in der Lage, in die Unendlichkeit der Welträume eingebringen. Vier SA=Männer verletzt.Schwerte, 22. Nov. Die Wehr wurde am frühen Morgen gegen 10 Uhr alarmiert. Die Nachricht lautete: Ein Unglücksfall am Ohl. In kurzer Zeit, etwa 6 Minuten, war ein Trupp Feuerwehrleute, unter Leitung des Hauptbrandmeisters Hudek, zur Stelle. Auf der Straße nach Hennen(unterhalb des Ohles), direkt hinter„Haus Villigst", befand sich ein Auto=Lastzug. Dieser Lastzug stand auf dem äußersten Straßenrand und drohte die Böschung nach der Ruhr herunterzufallen. Der Anhänger des Lastzuges wurde durch einen Straßenbaum festgehalten und hielt somit den ganzen Lastzug auf der Straße fest. Die Verkehrssicherung, die durch den starken Nebel und das Glatteis weiterhin gefährdet schien, übernahm die Feuerwehr. Der Lastzug war im dichten Nebel in eine Kolonne SA gefahren. Die SA befand sich auf einem Gepäckmarsch, die Hälfte der Strecke war schon zurückgelegt. Es waren Teile des Schwerter Pionier= und Nachrichtensturms, die den 25=Klm.=Gepäckmarsch für das SA=Sportabzeichen absolvieren wollten. Infolge des Frühnebels war die Betonstraße, die bekanntlich eine leichte Wölbung aufweist, vereist. Die SA-Männer marschierten, um nicht auszugleiten, auf den beiden Fußwegen rechts und links der Betonstraße. Der Fahrdamm war völlig frei. Als die SA von Schwerte aus hinter Haus Billigst sich befand, geschah etwa 150 Meter hinter der dortigen Kurve ein Verkehrsunfall, der schreckliche Folgen hatte. Der Lastzug der Firma Max Gorig aus Balve nahte trotz des Glatteises in einem sehr hohen Tempo. Bei Billigst hat dieser Lastzug noch ein Privatauto, das 50 Klm. fuhr, überholtl als der Lastzug— der Beifahrer hat zugegeben, geschlafen zu haDie Arbeit der Feuerwehr. ben— die marschierende SA sah, bremste er. Die Folge war, daß der Anhänger ins Schleudern geriet und einen großen Teil der SA umriß und zur Böschung schleuderte. Während eine Anzahl SA=Männer sofort wieder aufstehen konnten, erlitten vier SA=Männer Verletzungen. Paul C. erlitt einen Schädelbruch, August Cö. wahrscheinlich eine Quetschung zwischen den Schultern, Heinrich K. leichtere Verletzungen im Gesicht und Gustav H. einen Armbruch. Das Privatauto, das von dem Lastzug überholt worden war, brachte die Verletzten zur Stadt. Die erste Hilfe leistete Dr. Dickehage. Dieser ordnete die Ueberführung der Verletzten in das Marienhospital an. Erst die heute vormittag vorgenommene Durchleuchtung wird ergeben, welcher Art die Verletzungen sind. Nach Aufnahme des Tatbestandes durch die Polizeibehörde, ging die Feuerwehr daran, den Anhänger wieder auf die Straße zu bringen. Ein Flaschenzug. Hebebaum und vor alten Dingen der neue große Mannschaftswagen, welcher als Vorspann diente, sorgte dafür, daß der Lastzug in kurzer Zeit wieder fahrbereit auf der Straße stand. Kaum war die Wehr wieder eingerückt, kam eine neue Nachricht: Kaminbrand im Hause Markt 3. Sofort rückte eine Abteilung aus. Die Hausbewohner hatten den Brand aber schon soweit abgelöscht. Um 18.30 Uhr wurde erneut alamiert: Im Hause Markt 3 wieder Feuer. Sofort wurde eine Abteilung Feuerwehrleute entsandt. Diese Abteilung, unter Leitung des Oberbrandmeisters Waldmann, entfernten die im Innern des Mauerwerks schwelenden Balken. Nach einstündiger Arbeit war die Gefahr behoben und konnte die Wehr wieder abrücken. Tagebkaft für die Aemter Westhosen und Ergste Wandhofen, 22. Nov. Die Finanzlage der Gemeinde. Der Haushaltsplan der Gemeinde Wandhofen für das Rechnungsjahr 1934 ist in Einnahme und Ausgabe mit 46 710 Reichsmark aufgestellt worden. Es mußten bei der Aufstellung rund 11000 RM. als Vorschüsse aus den Vorjahren übernommen werden. Um im zukünftigen Rechnungsjahre einen Ausgleich herbeiführen zu könen, sind die durch die Vorschüsse entstandenen Kassenkredite zur Umschuldung angemeldet worden. Die der Gemeinde anteilmäßig zufließende Reichswohlfahrtshilfe wurde s. Zt. mit 1740 RM. veranschlagt. Es ist hier aber ein Mindereingang zu verzeichnen. Da jedoch auf der anderen Seite eine Verringerung der Wohlfahrtsausgaben eingetreten ist, wird ein Ausgleich möglich sein. Bei den Beleuchtungskosten konnte eine Senkung von 900 auf 650 RM. erreicht werden. Bei allen Ausgaben wird größte Sparsamkeit angewandt, um eine Abwicklung im Rahmen der Haushaltssätze unbedingt sicherzustellen. Westhofen, 22. Nov. EintopfspendenErgebnisse. Die Sammlung der Eintopfspenden am letzten Sonntag hat im hiesigen Bezirk einen Betrag von 1050,13 Rm. ergeben. Davon entfallen auf Westhofen 339.75 Rm., auf Holzen 243.78 Rm., auf Villigst 113.90 Pm., auf Geisecke 97,75 Rm., auf Wandhofen 97.20 Rm., auf Lichtendorf 93,85 Rm., auf Garenfeld 63,90 Rm. Westhofen, 22. Nov. Polizeibericht. Von der hiesigen Ortspolizeibehörde sind in der Zeit vom 1. Oktober 1933 bis 30. September 1934 insgesamt 561 Strafverfügungen erlassen worden. Es entfallen davon allein 419 auf Uebertretungen verkehrspolizeilicher Bestimmungen, und zwar wurden angezeigt 345 Radfahrer, 66 Kraftwagen= und Kraftradfahrer, 7 Fuhrleute und ein Fußgänger. In 159 Fällen eifolgte Zurücknahme der Strafverfügung und Gewährung von Straffreiheit auf Grund des Straffreiheitsgesetzes, in 390 Fällen Zahlung der Geldstrafe, in 6 Fällen Verbüßung der Haftstrafe, in 6 Fällen Ermäßigung der Strafe, in 23 Fällen Gewährung von Ratenzahlung und in 6 Fällen Abgabe an die Amtsanwaltschaft zur Herbeiführung einer gerichtlichen Bestrafung. In zahlreichen leichteren Fällen erfolgten Verwarnungen. Abschließend konnte von der Polizei festgestellt werden, daß, wenn auch noch über zu bäufige Verkehrsübertretungen zu klagen ist, i allgemeinen die Uebertretungen in den letzten Monaten doch nachgelassen haben. Garenfeld, 22. Nov. Statisti, h:8. Nach dem Ergebnis der Personenstang ne beträgt die Einwohnerzahl der Ge##en Garenfeld 594(605). Sie setzt sich zusammen aus 320(309) männlichen und 274(296) weiblichen Personen. Es entfallen auf Evangelische 513, auf Katholische 75 und auf Andersgläubige und Dissidenten 6 Personen. Die eingeklammerten Zahlen sind die Ergebnisse der vorjährigen Personenstandsaufnahme. Eraste, 22. Nov. Ergebnis des Eintopssonntags. Es wurden gespendet 248 Mark gegenüber 258 Mark im Vormonat. Aus dem Nachbargebiet Holzwickede. Der Reichsverband deutscher Beamten, Ortsgruppe Holzwickede, hatte seine Mitglieder zu einer Versammlung ins Lokal Böhle geladen. Fachschaftsleiter Lotte wies darauf hin, daß die Zusammenfassung aller Lokomotivführer zu einer Fachschaftsgruppe Lokomotivführer in der Fachschaft 1 des Reichsbundes deutscher Beamten unter Aufrechterhaltung der von den Mitgliedern des Vereins Deutscher Lokomotivführer erworbenen besonderen Anwartschaften erfolgt ist. Auch die Aufnahme der Ruhestandsbeamten sei jetzt endgültig geregelt worden. Hierdurch sind die Ruhestandsbeamten, die die Aufnahme nachsucht und ihre Beiträge bis zum 1. Mai 1934 entrichtet haben, in den RDB. ausgenommen, wenn sie sich verpflichten, die rückständigen Beiträge aufzuholen. Durch die Aufnahme erlangen auch die Ruhestandsbeamten das Recht, auf das Sterbegeld in Höhe von 600 Mark. Holzwickede, 22. Nov. Der Turnverein „Jahn“ Holzwickede hatte zu einem Heimatund Volksliederabend eingeladen, der im festlich geschmückten Saale des Gasthofs Böhle stattfand. Dem außerordentlich gut besuchten Abend war ein voller Erfolg beschieden. Vereinsleiter Schwab gedachte der Volksgenossen an der Saar, für die bald die Stunde schlage, die ihnen die Wiedervereinigung mit dem deutschen Vaterlande bringen werde. Dietwart Born sprach verbindende Worte zu den treffenden Bühnenbildern„Landsknechte",„Fahrende Gesellen",„Soldaten",„Jugend und Tanz“, „Landknechtsständchen“ und„Nachtwächterruf", die eine wahre Begeisterung hervorriefen. Der zweite Teil der Veranstaltung brachte u. a. turnerische Uebungen am Reck und Barren. on. Kunsttarkrump, flegie Lohwintet Sich=Vohwinkel(früher Schwerte) in Hagen, 20. Nov. In Hagen veranstaltete am letzten Samstagabend der TSC.„Germania“ Hagen=Eilpe einen Kunstturnkampf. Starke Anziehungskraft ging von den Namen Trostheim, Sich und Hüttemann aus. Sie waren es, die vor vierzehn Tagen die Deutschen Gerätemeisterschaften mitmachten und auch einen achtbaren Platz belegten. Trostheim konnte nicht so aus sich herausgehen, da eine Handverletzung ihn hinderte. Bei den Reckübungen mußte er aufgeben. Sich aber war trotz seiner Verletzung der beste Einzelturner des Abends. Im Barrenturnen holte er sich unter starkem Beifall die volle Punktzahl, in den anderen Uebungen blieb er nur knapp darunter. Seine Haltung war vorbildlich und bei ihm war der Formenreichtum deutschen Geräteturnens am besten zu bewundern. Ein besonderer Genuß waren die Kunstfreiübungen. Die beste Leistung war die von Sich=Vohwinkel, der 29 Punkte erhielt. Trostheim bekam 27 und Hüttemann 28,5. Der Hagener Schriewer bekam 28 Punkte Sprünge am Pferd. Schöne Leistungen gab es auch beim Pferdsprung. Sicherheit und Haltung zeigten Martini und Trostheim(Dortmund), Adam und Sich(Vohwinkel) und Langenbach und Hüttemann(Hagen). Hagen und Dortmund belegten in dieser Uebung die gleiche Punktzahl von 182. Hagen wieder bester Einzelturner. Der Kampfstand nach dieser Uebung insgesamt: Vohwinkel 551, Hagen 545 und Dortmund 533,5 Punkte. Am Barren gab es auch ganz vorzügliche Leistungen. Trostheim mußte mitten in der Uebung wegen Handverletzung aufgeben. Schröter und Martini schnitten bei den Dortmundern am besten an. Bei Vohwinkel holte sich Sich die einzige volle Punktzahl des Abends. Vohwinkel hatte auch bei dieser Uebung den besten Durchschnitt. Holzwickede, 22. Nov. Der Lichtbildervortrag der Ortsgruppe Holzwickede im „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" war zahlreich besucht. Nachdem Ortsgruppenwart Wilh. Schopp die Erschienenen begrüßt hatte, widmete man eine Minute stillen Gedenkens den Gefallenen des Weltkrieges und der Braunen Armee. Fräulein Sichtermann sprach dann einen Vorspruch„Dem Unbekannten“. Nach einem weiteren Gedicht:„Für Ehre, Freiheit und Recht", das von Fräulein Paschedag vorgetragen wurde, nahm Stadtschulrat Emons aus Gelsenkirchen das Wort. Er schilderte die bisher geleistete Arbeit des BDK. An Hand von Lichtbildern zeigte er den Zustand der Heldengräber vor und nach den Instandsetzungsarbeiten durch den BDK. Dortmund, 22. Nov. Mansardeneinbrecher am Werk!— Er nimmt angeblich Reparaturen vor. Kürzlich wurden in verschiedenen Hotels, Restaurants, Privathäusern und in einem Krankenhaus Mansardendiebstähle ausgeführt. Der Täter hat die Türen mit einem Nachschlüssel geöffnet, Schränke erbrochen und hauptsächlich Bargeld entwendet. Beim Betreffen gibt der Täter an Reparaturen an Licht und Badeeinrichtungen vornehmen zu müssen. Der Dieb ist etwa 1.80 bis 1,82 Meter groß, glattrasiert, hat längliches Gesicht und spricht süddeutsche Mundart. Bekleidet war er mit grauer Schlägermütze, grauem Anzug und trug vielleicht auch eine helle Windjacke; einen Mantel trug er nicht. Das Publikum wird gebeten, den Täter im Betretungsfalle festnehmen zu lassen. Arnsberg, 21. Nov. Neuer Leiter des Gymnasiums. Zum Direktor des Staatlichen Gymnasiums in Arnsberg ist der Studienrat und Kreiskulturwart Dr. Thoma, Paderborn, ernannt worden. Er war 1913 bis 14 am Staatlichen Gymnasium in Dortmund tätig. Reckturnen. Durch die Aufgabe Trostheims waren die Dortmunder arg geschwächt. Müller, Gebrüder Klomann, Scheel, Adam und Sich holten sich eine hohe Punktzahl. Die Hagener hielten sich an zweiter Stelle. Der TV. Vohwinkel siegte mit 950,5 Punkten vor Hagen=Eilpe mit 893,5 Punkten und Turngemeinde Dortmund mit 848,5 Pkt. Die Siegerehrung nahm der Führer von AH 1860, Bettermann vor. Sich=Vohwinkel bekam als Einzelturner den Eichenkranz und die gesamte Mannschaft eine Plakette. Die As Relrurgeilerade inder USG „Kraftdurch Freude sondern der Fackelträger nat. Soz. Kulturarbeit kämpft um sein Leben ROMAN VON MANS MORGAN I. Max Leiting blieb stehen. Direkt an der Ecke des Kaiserdammes und Reichskanzlerplatzes. Knöpfte unendlich langsam seinen Trenchcoat auf... so wie ein Mensch etwas tut, der bei jeder Handlung, bei jeder Bewegung einen unauskostbaren Genuß empfindet. Entnahm der Westentasche ein Zigaretten=Etui, klappte es auf, griff mit zwei Fingern nach einer Papyros, schob sie mit genau der gleichen Langsamkeit zwischen die Lippen, knackte das Etui wieder zu und ließ aus einem kleinen, feingearbeiteten Feuerzeug eine rotgelbe Flamme aufflackern. Behaglich stieß er die erste Rauchwolke in die Luft. Mit derselben genießerischen Anteilnahme, mit die er die Zigarette in Brand gesteckt hatte. Stand noch immer und ließ seinen Blick wandern. Den Kaiserdamm hinab, über den Platz mit seinen vielen schönen Neubauten, die ein ganz neues Viertel erstehen ließen, hinüber nach der Reichsstraße. Schön ist das Leben! Besonders schön, wenn man es achtzehn Monate lang entbehrte! Achtzehn Monate lang nichts weiter hatte als die Sehnsucht nach diesem Leben, ewig wach im Traum und nicht zu unterdrücken am Tage, wenn die Hände mechanisch Tüte um Tüte klebten! Wie oft hatte er es sich in diesen achtzehn Monaten ausgemalt: Er, elegant angezogen, wie ein junger Mann aus bester Familie, die Straßen Berlins durchwandernd, hübsche, schlankbeinige Mädchen in entzückenden Sommerkleidchen an sich vorüberschreiten sehend, eine Zigarette rauchend... wieder mitten drin stehend in dem ganzen betäubenden Rausch, der Leben hieß! Nun war es so weit! Gestern hatten sich nach achtzehn endlosen Monaten die Tore von Tegel aufgetan... und er war blinzelnd die Seidelstraße hinunter=, in den neuen Tag hineingeschritten, hätte am liebsten die Arme ausgebreitet und den ersten besten Menschen umhalst, der ihm entgegenkam. Notabene, wenn dieser erste beste Mensch eins der erträumten hübschen, schlankbeinigen Mädelchen gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich für nichts garantieren können... da der erste Mensch, dem er in der Seidelstraße begegnete, nur ein altes, verhutzeltes Männchen war, hatte er seinen Umarmungstrieb unterdrückt und sich damit begnügt, dem Alten eine Mark in die Hand zu schieben. Eine ganze Reichsmark! Dafür hatte er in Tegel fünf Tage arbeiten müssen! Max Leiting machte eine Handbewegung, als wolle er die Erinnerung an den gestrigen Tag, die Erinnerung an die ganzen letzten achtzehn Monate wegwischen. Man mußte versuchen sich einzubilden, diese anderthalb Jahre überhaupt nicht erlebt zu haben. Mußte da wieder anknüpfen, wo man vor achtzehn Monaten aufhörte. Sehr leicht war das allerdings nicht. Damals, als ein so besonders forsch auftretender Kommissar vom Alexanderplatz ihn verhaftete, hatte er nahezu sechstausend Mark in der Tasche... heute stand er hier am Reichskanzlerplatz und verfügte über sage und schreibe vier Mark und siebzehn Pfennige! Mit vier Mark und siebzehn Pfennigen aber war man ein armer Schlucker, auch wenn der Anzug, den man trug, noch so elegant aussah. Max Leiting war sich völlig klar darüber, daß der winzige Betrag, den er sein eigen nannte, gerade einen Tag reichen würde.. bis dahin aber mußte er unbedingt eine Einnahmequelle gefunden haben, die es ihm ermöglichte, sich über Wasser zu halten. Daran dachten die Herren vom Strafvollzug natürlich nie! Man wurde achtzehn Monate lang eingesperrt, lebendig begraben, wurde nach der Verbüßung der Strafe mit einer „Arbeitsbelohnung“ von knapp zweiundzwanzig Mark entlassen und nicht danach gefragt, was dann kam. Nach anderthalbjährigem Ausgeschlossensein von allem aber hat man Hunger... Hunger nach dem Leben! Da drüben ragte der Funkturm in die Luft... zu seinen Füßen lagen die weitverzweigten Ausstellungshallen... und alles... alles ballte den großen Schrei unserer Zeit in sich zusammen, sandte ihn tausendfältig durch den Aether, jagte ihn durch die Straßen, den immer gleichen Schrei: Geld! Geld! Geld! Und hier stand einer und zerbrach sich den Kopf über dasselbe Thema und wußte noch nicht, wie aus Gedanken die Tat geboren werden konnte Er stäubte mit einer mißmutigen Bewegung die Asche von seiner Zigarette auf die Erde, zog den Gürtel seines Trenchcoats etwas fester zusammen und blickte nicht ohne ein Gefühl des Neides den fabelhaften Autos nach, die an ihn vorüberratterten. Vorüberbrausten im Rhythmus derselben Melodie: Wir haben Geld.. Geld. Geld! Tja, vom Hierstehen wurde es nicht anders. Er schickte sich an, die Straße zu überschreiten, als er auch schon wieder zurückspringen mußte vor einem plötzlich heransausenden Wagen, dessen Vierradbremse knirschte und ihn direkt vor Max Leiting zum Stehen brachte. Max hatte einen Fluch auf die Lippen, ärgerlich über die Rücksichtslosigkeit, mit der der Chauffeur dahergerast kam. Aber was sich nun unmittelbar darauf vor und mit ihm abspielte, erstickte Fluch und Aerger und machte einer jäherwachenden Neugier Platz. Der Schlag des Autos flog auf, ein Mann sprang heraus, schaute sich flüchtig um, sah ihn einen Augenblick lang prüfend von oben bis unten an, hielt schon eine Zigarette in der Hand und war mit zwei Schritten bei ihm. „Feuer?“ Soviel Umgangsformen wie Geld scheint der Bengel nicht zu haben, dachte Max Leiting und sah den Fremden— verschnupft durch die artlose kurze Anrede— nicht gerade freundlich an. Drückte mit absichtlicher Nachlässigkeit den glimmenden Punkt seiner Zigarette gegen die Papyros des anderen. Gleichzeitig jedoch arbeitete es in ihm. Seltsame Gepflogenheit, einen daherrasenden Wagen halten zu lassen, nur um von einem zufällig dastehenden Passanten Feuer zu verlangen. Die Zigarette brannte. Der Fremde blickte Max Leiting fest und forschend an. Unwillkürlich mußte der also Fixierte lächeln. Und wie ein Reflex übertrug sich dies Lächeln auch auf den Mund des Fremden. „Baermann?“ kam es wieder, genau so kurz und formlos, von seinen Lippen, wie vorher die Aufforderung, Feuer zu geben. Max Leiting begriff im Nu die Situation. Auf einmal wurde ihm klar, warum der andere seinen Wagen halten ließ und Feuer für seine Zigarette haben wollte. Das war wahrscheinlich eine Vereinbarung zwischen jenem und dem Manne, für den er gehalten wurde! Und ganz automatisch wurde wieder wach, was von jeher sein Leben vorwärtstrieb und beherrschte... die Lust am Unbekannten, am Abenteuer, das Ueberraschungen bringen konnte. Möglich, daß es sich um eine ganz belanglose Sache handelte. Möglich aber auch, daß eine amüsante Geschichte daraus entsprang. Fortsetzung folgt! Deus Uesraossssersvesrre Srunnig Wener schider belaste. Münster. Eine große Gedächtniswallfahrt vereinte gestern das katholische Werkvolk Westdeutschlands zu einer Feierstunde in Münster. Hier sollte der Grundstein gelegt werden für eine Gedächtniskapelle, die allen Gefallenen des Krieges und der Arbeit geweiht ist. Der Bischof von Münster nahm die Grundsteinlegung selbst vor. Eingeleitet wurde der Tag durch eine Totenmesse für alle Verstorbenen des Bundes. Am Nachmittag bewegte sich ein schweigender Zug aller Teilnehmer vom Kettelerheim zum Dom, um die Opferstätte zu weihen. Nach den Eingangsgebeten erfolgte die Segnung des Totenbuches, das auf dem Altar niedergelegt wurde. Die Gedächtnisrede hielt Dompropst Dr. Donders. Sozialismus der Tat Osnabrück. Die Werksführung des Osnabrükker Eisen= und Drahtwerkes wird in diesem Jahre zu Weihnachten ihrer Gefolgschaft eine Weihnachtsspende zahlen. 60 000 A sollen als Spende gegeben werden. Ferner hat das Werk 10000 Mark für die Winterhilfe gegeben. Eine hundertjährige Nordhausen. In Sollstedt(Kreis Grafschaft Hohenstein) konnte Frau Wilhelmine Senff ihren 100.Geburtstag feiern. Sie wurde in Obergebra 1834 als Tochter eines Landwirts geboren. 64 Jahre lang war sie mit dem Tischlermeister Seuff verheiratet. Im Jahre 1923 starb dieser im Alter von 94 Jahren. Alle sechs Kinder der Eheleute leben noch. Der älteste Sohn hat bereits die 70 überschritten. Die sechs Kinder, 19 Enkel und 16 Urenkel feierten den Geburtstag der Hundertjährigen mit. Entgleisung der Lokomotive einer Grubenbahn— Zwei Todesopfer Hameln. Im nahen Wallensen ereignete sich im Abraumbetrieb der dortigen Grube ein schweres Unglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Die Lokomotive des Zuges der Grubenbahn entgleiste aus noch ungeklärter Ursache, wobei der Lokomotivführer Heinrich Brunnenberg aus Wallensen und der Bremser August Plingenberg aus Weenzen so schwere Verbrühungen erlitten, daß sie nach kurzer Zeit starben. Tödlicher Unfall im Bergwerk Bochum. Auf der Zeche Constantin 7/9 wurde in der Nacht zum Montag der Hauer I. Michalla bei Reparaturarbeiten von einer herunterfallenden eisernen Kappschiene am Kopf getroffen. Ehe dem Verunglückten über Tage die erste Hilfe gebracht werden konnte, war der Tod schon eingetreten. Im Hochamt vom Schlage getroffen Dahlhausen(Ruhr). In der katholischen Kirche mußte das Hochamt unterbrochen werden, da plötzlich die Witwe Skotarek bewußtlos zusammenbrach. Im Pfarrhaus, wohin man die Unglückliche brachte, verschied die Frau kurz nach Empfang der heiligen Sterbesakramente. Ein Schlag hatte ihrem Leben ein Ende gesetzt. Brand in einem Pferdestall Solingen. Infolge Kurzschluß entstand in einem Pferdestall in Solingen-Gräfrath ein Brand. Das Feuer fand in den in dem Stall lagernden Mengen Stroh reichliche Nahrung, so daß Inneneinrichtung und Dachstuhl vollkommen vernichtet wurden. Der entstandene Schaden beläuft sich auf 1000 bis 1500 RM., der durch Versicherung gedeckt ist. Köln. Im Brüning=Prozeß vor der Großen Strafkammer in Köln wurde als Zeuge der inhaber des Bankhauses Levy in Köln, Dr. Robert Pferdmenges, gehört im Zusammenhang mit der Behauptung des Angeklagten, er hätte seine Gläubiger nach und nach abfinden können, wenn ihm nicht seine Verhaftung dazwischengekommen wäre. Denn er wäre doch sonst Mitinhaber des Bankhauses Levy geworden. Dazu erklärt der Zeuge, es sei zwischen ihm und dem Angeklagten dessen Eintritt in das Bankhaus Levy als Mitinhaber besprochen worden. Man habe auch einen Vertrag entworfen, der aber erst dann unterzeichnet werden sollte, wenn Brüning aus dem Görreshaus=Prozeß mit reiner Weste herauskommen würde. Davon seien sie auch alle überzeugt gewesen. Brüning hätte im Höchstfalle als Mitinhaber des Bankhauses 150000 RM in den ersten drei Jahren bezogen. Dazu wären dann noch ein Spesenzuschuß von etwa 40—50 000 RM und Tantiemen in Höhe von 25—30000 RM gekommen. Aber ein Einkommen garantieren lasse sich bei einer Bank überhaupt nicht, da man einmal mit Gewinn arbeite, das andere Mal mit Verlust. Im weiteren Verlaufe sagte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Fehr, es seien bei ihm anonyme Schreiben eingegangen mit der Mitteilung, daß Postboten laufend Tausende von Marken der Frau Brüning überbrächten. Auch werde behauptet, der Angeklagte habe durch seine Privatsekretärin große Summen ins Ausland bringen lassen. Deshalb müsse alles darangesetzt werden, um aufzuklären, wo die verschwundenen Millionen geblieben seien. Dazu führte der Sachverständige, Dipl.=Kaufmann Krumpe aus, daß sich der Verbleib einer Summe von 5,7 Millionen RM mit Sicherheit nachweisen lasse. Sodann kam die Sprache darauf, welche Beträge Dr. Brüning im Auftrage der Stadt Köln für die Stadt als Darlehen vermittelt habe. Der Angeklagte führte dazu aus, er sei von dem ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Adenauer insgesamt mit der Aufnahme von Krediten in Höhe von 40 Mill. RM beauftragt worden. Dem Oberbürgermeister sei es bekannt gewesen, daß die Beträge von seiner hinter ihm stehenden Bank nicht zu erhalten waren. Deshalb habe er ihm Kredite persönlich besorgt, und zwar insgesamt 60 Millionen RM. Dabei sei er als Privatperson bevollmächtigt gewesen, nicht als Direktor der Bank. Zum Schluß des heutigen Verhandlungstages wurde der Bruder der Frau Frangenheim, Architekt Steinmetz, gehört. Der Zeuge erklärte, die Darstellung des Angeklagten, Brüning sei zum Zwecke der Ausstellung einer Generalvollmacht an das Krankenlager seiner Schwester gerufen worden, entspreche nicht den Tatsachen. Dr. Brüning sei vielmehr von sich aus an das Krankenlager gegangen und habe auf dem Wege zum Krankenhaus mit ihm darüber gesprochen, daß es doch wohl richtig sei, daß nach dem etwaigen Tode seiner Schwester jemand für die Kinder sorgen müsse. Er persönlich sei dem verstorbenen Professor Frangenheim zu Dank verpflichtet. Deshalb wolle er auch mit der Vollmacht für dessen Kinder Sorge tragen. Dadurch sei er, der Zeuge, beeinflußt worden und habe seiner Schwester die Unterschrift abgenommen, obgleich die Kranke vollständig apathisch und benommen gewesen sei. Am Dienstagvormittag beschäftigte sich die Große Strafkammer noch einmal mit dem 10Millionen=Kredit an die Firma Neuerburg, an dem sich der Angeklagte mit 3 Millionen Mark Ein Morosun der ven Geschworenen 12 Jahre Zuchthaus und Sicherungsverwahrung für den Täter Münster. Vor dem Schwurgericht in Münster wurde über die schwere Bluttat, die sich am 6. Juni d. J. in Münster abspielte, und bei der die Gebrüder Heinrich und Karl Lichterbeck getötet wurden, verhandelt. Auf der Anklagebank saß der 26 Jahre alte Johann Kienhorst, der bereits 20mal vorbestraft ist. Sein Komplize Beerenwinkel hat inzwischen Selbstmord verübt. Eine gewisse Frau Becker, die wegen Begünstigung angeklagt war, ist durch die Amnestie außer Strafverfolgung gesetzt. Seit dem 7. Juni befindet sich Kienhorst in Untersuchungshaft. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zugrunde: Am Abend des 6. Juni hatten Kienhorst und Beerenwinkel in Begleitung der Frau Becker die Wirtschaft Lichterbeck aufgesucht, wo sie mit mehreren Gästen in Auseinandersetzungen gerieten, und dann von dem Wirt aus dem Lokal gewiesen wurden. Hierüber sehr erbost gingen Kienhorst und Beerenwinkel nach Hause, bewaffneten sich mit Pistolen und kehrten zur Wirtschaft zurück, wo es erneut zu Auseinandersetzungen kam, in deren Verlauf der Wirt Heinrich Lichterbeck und sein Bruder, der Kohlenhändler Karl Lichterbeck, erschossen wurden. Während der Angeklagte Kienhorst die Tat auf den toten Beerenwinkel schieden will, machte die Angestellte des Wirts, als Zeugin vernommen, folgende Aussagen: Kurz nachdem die beiden aus dem Lokal verwiesen waren, wollte sie die Türen schließen. Die Haupttür war schon verriegelt, und gerade als sie einen Blick zur Hoftür hinaus tat, sah sie Beerenwinkel und Kienhorst schnell ankommen. Es gelang den beiden, zusammen mit der Zeugin ins Haus zu kommen, und nun stellten sich Kienhorst und Beerenwinkel an die Theke und verlangten Bier. Mit dem einen Arm stützten sie sich auf die Theke, während sie die andere Hand in der Tasche hielten. Zum zweiten Male griffen die Brüder Lichterbeck ein. Von der Hoftüre aus sah das Mädchen dann Schüsse, der Kohlenhändler brach zusammen und fiel zur Erde. Für einen Augenblick lief die Zeugin in die Wirtschaft zurück, wo sie den Wirt Lichterbeck sterben sah. Als sie darauf in den Garten zurückkehrte, fand sie den Kohlenhändler, der sich mit den tödlichen Verletzungen noch fortgeschleppt haben muß, vor der Hoftür liegen. Auch er lag im Sterben. Diese Angaben wurden von Frau Lichterbeck bestätigt. Der Staatsanwalt legte in seiner Anklagerede dar, daß der Angeklagte Kienhorst des Totschlags in zwei Fällen schuldig sei. Bei Vermeidung mildernder Umstände sei eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren die Mindeststrafe. Diese Mindeststrafe komme für den Angeklagten nicht in Frage, denn seine Lebensführung beweise seine Eigenschaft als gemeingefährlicher Verbrecher. Er beantrage 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Anordnung der Sicherungsverwahrung. Am späten Abend fällte das Gericht folgendes Urteil: Kienhorst wird wegen Totschlages in zwei Fällen und Vergehens gegen das Schußwaffengesetz zu 12 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Sicherungsverwahrung verurteilt. beteiligt hatte. Dazu führte der Sachverständige Krumpe aus: Dem Angeklagten sei es darum zu tun gewesen, die Stadt von den Geschäften nichts merken zu lassen. Deshalb habe Dr. Brüning der Stadt im April 1930 einen Konto=Auszug vorgelegt mit dem Bestand von 5 Millionen Mark städtischer Gelder, obgleich damals überhaupt noch kein Kontoauszug„U“ bestanden habe. Einen Tag später habe der Angeklagte das Amsterdamer Bankhaus um Einrichtung eines Kontos„U“ gebeten, was überhaupt nicht möglich gewesen sei, da der Kredit Neuerburg noch ein Jahr länger, bis April 1931, lief. Am 9. Januar 1933 habe Brüning dann 100000 RM engl. Pfund mit der Amsterdamer Bank verrechnet. Das sei ein Verstoß gegen das Devisengesetz gewesen. Weiter habe Brüning von den städtischen Geldern noch über 65000 engl. Pfund entnommen, der Stadt aber falsche Kontoauszüge vorgelegt. Der Vorsitzende stellte fest, daß ein Kontoauszug von der Stadt nachgeprüft worden sei. Auf einem stünde auch der Vermerk eines städtischen Beamten „rechnerisch richtig“.(Große Heiterkeit im Saal.) Der Angeklagte gab dann auf Vorhalten zu, die städtischen Gelder gebraucht zu haben, um die 800000 für Zinsen von der Firma Neuerburg zu verdienen. Dann wurden zwei höchst merkwürdige Fälle behandelt. In dem ersten Fall hatte der Angeklagte dem früheren Oberbürgermeister Dr. Adenauer 55000 RM. überwiesen, in dem anderen dem ehemaligen Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, und dessen Frau insgesamt 95000 RM. Dazu sagte der Angeklagte, er habe sowohl Dr. Adenauer wie Dr. Fuchs an seinen Geschäften mit der Bank in Münster beteiligt. Die Ueberweisungen seien die Gewinnanteile der beiden Herren. Hierzu stellte der Vorsitzende fest, daß das Geschäft mit der Bank in Münster mißglückt sei, sodaß der Angeklagte daran kein Geld habe verdienen können. Die Ueberweisungen seien also nur Geschenke gewesen. Der an der Verhandlung teilnehmende Sachverständige Dipl.= Kaufmann Krumpe erklärte dazu u. a., daß der Angeklagte an Dr. Fuchs 30000 RM. bar nach Koblenz überwiesen habe. Die Restsumme setze sich aus kleinen Barbeträgen und aus Rechnungen zusammen, die Dr. Brüning für Dr. Fuchs und dessen Frau bezahlt habe. Darunter seien auch Schneider- und Wäscherechnungen für Dr. Fuchs und eine Weinrechnung über 504 RM., ferner eine Rechnung über 1200 RM. für drei Anzüge, die sich Fuchs habe anfertigen lassen. Der Vorsitzende stellte dazu noch fest, daß Dr. Fuchs mit den 30000 RM. die Aussteuer seiner Tochter besorgt habe. Wegen Unterschlagung in Untersuchungshaft genommen Remscheid. Ein beim Amtsgericht RemscheidLennep beschäftigter Justizbeamter hat bei der Einnahme von Gerichtskostenmarken Unterschlagungen begangen, die anscheinend Jahre zurückliegen. Die Untersuchung ist eingeleitet worden. Der Beamte wurde in Untersuchungshaft genommen. Für 44 Millionen RM. Straßenbahnaufträge in Rheinland-westsalen In Kürze ist mit der Erteilung von Straßenbauaufträgen in Höhe von rd. 44 Millionen RM. für die Provinzen Rheinland und Westfalen zu rechnen. Mit Rücksicht auf die durch das Stocken des Auslandsgeschäftes in ihrem Absatz sehr beengte Basaltindustrie soll in größerem Umfange Basaltmaterial verwendet werden. Etwa die Hälfte des bereitgestellten Betrages entfällt auf die großen Basaltunternehmen sowie die BasaltUnion in Bonn. Obwohl mit den Arbeiten in diesem Winter begonnen werden soll, steht laut „Volksparole“ der endgültige Termin der Vergebung noch nicht fest. Für die Basaltindustrie ist eine möglichst umgehende Bestellung hinsichtlich der weiteren Beschäftigung der Belegschaften den Winter hindurch von größter Bedeutung, da bereits in der letzten Zeit sehr stark auf Lager gearbeitet worden ist. Senkung der Kartoffelpreise Die Oberpräsidenten von Rheinland und Westfalen haben im Auftrage des Reichspreiskommissars folgende Anordnungen erlassen: Auf Grund von Verhandlungen mit dem Reichspreiskommissar hat der Reichsernährungsminister für die Zeit bis 15. Dezember den Einheitspreis für gelbfleischige Industriekartoffeln um 50 Pfennig je Zentner gesenkt. Um dieses Entgegenkommen des Reichsnährstandes für verbilligte Bezugsmöglichkeit von Winterkartoffeln vollauf auszunutzen, ist für die gleiche Zeit die Handelsspanne gesenkt worden. Demgemäß werden für die gesamte Rheinprovinz und Westfalen zunächst bis 15. Dezember folgende Preise festgelegt: Verbraucherpreis bei Zentnerbezug 3,50 RM., Ladenpreis bei Bezug von zehn Pfund 0,38 RM., Ladenpreis bei Bezug von einzelnen Pfunden 0,04 RM. Für nachweislich vom Oberland stammende verlesene Speisekartoffeln— sogenannte Oberländer— darf Qualitätszuschlag von 20 Prozent genommen werden. Die Anordnungen sind auf Grund eingehender Verhandlungen mit dem zuständigen Gebietsbeauftragten für die Regelung des Absatzes von Kartoffeln für Rheinland und Westfalen erfolgt. Lichtbilder=Wettbewerb als Verkehrs=Werbung Mülheim. Der von der Stadt Mülheim veranstaltete Lichtbilder=Wettbewerb, der den Zweck verfolgt, wertvolles Material für die Verkehrswerbung zu erhalten und dessen letzter Einsendungstermin am 5. November war, hat ein außergewöhnlich günstiges Ergebnis gezeitigt. Von 82 Teilnehmern aus Westdeutschland wurden 591 Bilder eingesandt. In der Hauptsache handelt es sich um Mülheimer Altbauten, die als Motive gewählt wurden. Das Preisgericht wird seine Entscheidung am 19. November treffen. Vom 26. Dezember bis zum Schluß des Jahres werden dann die Bilder in der Stadthalle zur Ausstellung gelangen. 33 300 RM Eintopfspende in Duisburg=Hamborn Duisburg=Hamborn. Die Eintopfspende im Stadtgebiet Duisburg=Hamborn am vergangenen Sonntag brachte den ansehnlichen Betrag von 33 300 RM, ohne die Sammlung in den Gaststätten, die noch aussteht. Dieser Betrag stellt sich jetzt schon um 800 RM höher als die Eintopfsammlung im Monat Oktober. Dem Starkstrom zum Opfer gefallen Hamborn. Auf der Schachtanlage Friedrich Thyssen 2=5 in Hamborn kam der 28jährige Elektriker Josef Köster aus Sterkrade dadurch zu Tode, daß er beim Anschalten eines Motors mit der elektrischen Leitung in Berührung kam. Es wurden sofort Wiederbelebungsversuche unternommen, die aber nach siebenstündiger Dauer als aussichtslos aufgegeben werden mußten. Köster war Vater von zwei Kindern. Unterschlagungen bei der Viersener Stadtverwaltung und beim Niersverband Krefeld. Bei der Stadtverwaltung Viersen wurde ein junger Mann verhaftet, der in einer Außenkasse tätig war und dort Gelder unterschlagen hat, deren genaue Höhe noch nicht feststeht. — Beim Niersverband veruntreute ein Angestellter Summen in Höhe von mehreren Tausend Mark. Die Unterschlagungen gehen bis in das Jahr 1932 zurück. Dreister kaubüberfall auf eine Frau 210 RM. erbeutet Köln. Das Opfer eines ungewöhnlich dreisten Raubüberfalles wurde am Sonntagabend eine Frau aus dem Weidenkamp in Köln=Mülheim. An das Küchenfenster ihrer Wohnung klopfte ein Unbekannter und bat sie, ihm einen 20 Markschein zu wechseln. Die Frau erklärte sich auch bereit und begab sich in ein Nebenzimmer, um das Wechselgeld zu holen. Als sie einem Holzkästchen das Geld entnehmen wollte, stand plötzlich der Unbekannte hinter ihr und richtete eine Waffe auf sie. Die erschrockene Frau rief laut um Hilfe, worauf der Bursche ihr entgegnete: „Mund halten!“ Im gleichen Augenblick entriß er ihr das Kästchen, in dem sich 210 RM. Bargeld befanden, und flüchtete durch das Küchenfenster. Er konnte mit seiner Beute unerkannt entkommen. Flüchtiger Kraftwagenfahrer Vergisch=Gladbach. Auf der Richard=ZanderStraße wurde ein des Weges gehender Mann von einem Lastwagen mit Anhänger gestreift. Der Mann trug erhebliche Armverletzungen davon. Auf der gleichen Straße fuhr der Lastwagen dann noch eine Frau an, die so schwere Verletzungen davontrug, daß sie in bedenklichem Zustande dem Evangelischen Wohlfahrtshaus zugeführt werden mußte. Der Kraftwagenführer fand es nicht für nötig, sich um die Verletzten zu kümmern, sondern zog es vor, sich durch Flucht der Verantwortung zu entziehen. Zwei„Einsiedler“ im Arenberger Wald Die Polizei nahm sie in Gewahrsam Koblenz. Der Streifendienst der Koblenzer Kriminalpolizei führte die Beamten in den Arenberger Wald, um hier nach umhertreibenden, verbrecherischen Elementen zu forschen. In einem Tannendickicht trafen sie zwei Männer an, die in einer aus Reisig, Dachpappe und Decken gebauten Schutzhütte sich einen Unterschlupf eingerichtet hatten mit der Absicht, hier zu überwintern. Bei näherer Durchsuchung der„Schutzhütte“ wurden 40 Wäscheteile bezw. Kleidungsstücke und Strümpfe vorgefunden. Die beiden Einsiedler wurden verhaftet. Es stellte sich heraus, daß es sich bei ihnen um einen 36jährigen aus Unterberg und einen 17jährigen aus Köln handelte. Sie gaben zu, die bei ihnen vorgefundenen Sachen in der Umgebung Koblenz von den Bleichen usw. gestohlen zu haben. Ihren Unterhalt bestritten sie vornehmlich durch die Verübung von Diebstählen. Der 36jährige, dessen Einsiedlerleben so plötzlich unterbrochen worden ist, wurde dem Richter vorgeführt, während der erst 17jährige aus Köln dem Städtischen Jugendamt zugewiesen wurde. COUUTUTeFTE IINTSS URHEBER-RECHTSSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER„WEROAU Der harte Atem des Spätherbstes stieß durch die Luft, wirbelte den Staub der Chaussee auf und trieb ihn den dreien in das Gesicht. „Dreck!“ knurrten zwei von ihnen und beugten den Kopf tiefer. Schritten unwilliger und lascher voran. Der dritte, der in der Mitte, wohl der jüngste von ihnen, lachte. Ein wenig frech, aber ehrlich. Steifte den Nacken zu einer harten, eigenwilligen Linie.„Bestimmt Dreck. Nehmt ihn ohne Murren. So, da kommt eine neue Ladung! Damit ihr euch daran gewöhnt. Versteht ihr? Und nicht zu üppig werdet... Was sagst du, Steinke? Ich soll keinen Blödsinn reden?“ Die Bekanntschaft der drei Wandergenossen war einen Ein Gutspächter in der Uckermark, Nähe Prenzlaus, suchte Arbeitskräfte für die Rübenernte. Einen Schub von acht Mann hatte der Albeitsnachweis Berlin=Nord gestern nach Greifenhagen auf den Heute morgen waren noch drei Nachzügler dazuDer Metalldreher Franz Steinke, augenblicklich arbeitslos, der Student der Medizin Jürgen Asmussen, dem die Kolleggelder knapp waren und der keine Möglichkeit gesunden hatte, sie anderweitig zusammenzukratzen und der Gärtner Karl Boldt aus Hinterpommern, seit drei Monaten auf der Walze. Ein nach Beruf, Landsmannschaft, Lebensauffassung und Charakterveranlagung völlig verschiedenes Trio. Auf dem Arbeitsnachweis am Wedding hatten sie sich noch etwas mißtranisch gemustert, als sie sich als Menschen mit demselben Ziel kennenlernten. Aber schon im Zuge nach Prenzlau, gleich hinter Gesundbrunnen, waren sie näher aneinandergerückt, nicht nur köxperlich, auch innerlich, von der seelischen Seite her. Das kameradschaftliche Du, die vom Schicksal derselben Art erbaute Brücke, war wie etwas Selbstverständliches zwischen ihnen gebraucht worden, ohne daran zu denken, daß sie vor vierundzwanzig Stunden noch nichts voneinander gewußt. Nun marschierten ste sett einer guten Stunde auf der Kreischaussee von Prenzlau nach Greifenhagen zu. Ein trüber Spätoktobertag. Der graue Himmel lief, wie zum Greifen nahe. Eine drückende Last zu Häupten. Geschorene Wiesen manchmal. Meist leere, kahle Aecker. Wenn die junge, blaßgrüne Saat nicht gewesen, hätte einem das Herz noch mehr weh getan. Denn dieses Wandern auf unbekannter Straße, dem Abend und einem sehnsuchtsfremden Ziel entgegen, war wie das Suchen nach der verlorenen Heimat. Die Chaussee stieg über eine bescheiden sich höhende Bodenwelle, lieh eine kleine Weile einem langgestreckten See Gemeinschaft und schlüpfte dann in einen Buchenwald mit fahlem Laube und nebliger Nässe, die zwischen den Stämmen hing. Als der zurücktretende Wald den Blick wieder freigab, fand er, wie von einer harten Plötzlichkeit überrumpelt, die Siedlung eines Dorfes. Ein unbehelmter Kirchturm in massigem Feldsteinrechteck und ein paar Schornsteine von Brennereien oder Zuckerfabriken überragten eine mäßige Anzahl von Gebäuden und halbentlaubten Baumgruppen. Karl Boldt wies hinüber.„Das wird das Nest sein. Nach dem getippelten Ende stimmt's. Also rein ins gelobte Land!“ Franz Steinke kniff den Mund ein. Sagte dann spöttisch:„Beinahe wie Berlin.“ Fühlte, daß etwas wie Sehnsucht, Furcht über ihn kam. Mußte an das Hinterhaus von Seestraße 18 in Reinickendorf denken, an seine Frau. Ein unruhiges, flackerndes Licht kam in seine Augen.„So ein Lausenest!“ sagte er halblaut, mit sich selbst nicht im klaren, ob die abfällige Bezeichnung auf Berlin oder auf Greifenhagen gehen sollte. Fürgen Asmussen schwieg. Er hatte einen müden Blick. Ein kleines, mattes Lächeln lief über sein schmales Gesicht.„Und wo mögen nun die Rübenfelder sein?" dachte er.. Wie schwer das Leben war! Und wenn... Gitt das alles gewußt hätte! August Krusemark, der Verwalter, hakte den Stock über den Arm und rückte die Mütze aus der Stirn.„So, drei Mann noch? Na, dann gebt mal eure Papiere her.“ Während er auf das Hervorsuchen wartete, musterte er die Angekommenen. Hoffentlich kein Aufsässiger und Dickselliger drunter, den man heute annahm und morgen'rausschmeißen mußte. Hatte man alles schon gehabt. Krusemark schob den Priem tiefer in die Backentasche hinein und spie einen dünnen gelblichen Strahl zur Seite. Na, Rüben hatte von den dreten sicher noch kein einziger gesehen. Ganz gewiß der mit dem schmalen Gesicht nicht, der ihm nun als erster die Papiere reichte. „Na, mal her mit!"... Da war's ja schon richtig: „Student der Medizin Jürgen Asmussen, geboren am 14. September 1908 zu Helmerslingen, Kreis Bremervörde," las er halblaut.„Hm, im Sommer hatten wir Stücker drei von der Gelehrsamkeit hier. Waren tipploppe Jungs. Immer obenauf und gearbeitet wie die Türken. Einer hat sich sogar in Amtmanns Jutta verliebt, was mit einem Rausschmiß endete, als die Sache vor den Herrn kam. Also Vorsicht mit der Jutta!“ Krusemark griente. Eine Hupe erklang. „Weg!"" Seite!“ Kurz und herrisch. „Weg. Jur Silll: befahl der Verwalter.„Das ist sie. Sie fährt wie der Satan. Es gibt Dreckspritzer. Im nächsten Augenblick sauste eine graugrüne Limousine durch die Hofeinfahrt, bog hart hinter der Gruppe nach rechts ab und fuhr zur Garage hinüber. Fürgen hatte einen musternden, wie es ihm schien, hochmütigen Blick aus zwei dunklen Mädchenaugen aufUnd mit den Rüben, Herr Doktor? Wird das gehen?“ Sollte das Hohn sein?„Doktor?" Oder nur etwas platte Gutmütigkeit? Eine leise Röte lief über Fürgens Stirn. „Ich denke, es wird gehen, sagte er nun. „So. Na, nun weiter. Und Sie?“ Franz Steinke machte ein finsteres Gesicht. War das ein langes und breites Gequatsche von allem möglichen Her und Hin. Dachte dieser Berz nicht daran, daß man müde und hungrig sein müsse und sich danach sehnte unter Dach und Fach zu kommen? Er stieß dem Frager die Papiere unwirsch zu.„Hier. Metalldreher aus Berlin. Steinke heiße ich. Rüben habe ich schon als Junge auf dem Hundewagen nach Hause gezogen. In Lüdekehme bei Luckau. Mit mir wird's also auch gehen.„.... Teim Frigm mochf. Krusemark blies die Nase auf. Sein Priem Wechselte von rechts nach links. Oha! Der Junge war keß. Das war einer von der waschechten Sorte, der man auf die Finger sehen mußte. „Immer sachte mit die jungen Pferde,“ sagte er von oben her.„Ich bin für Ordnung und Gründlichkeit.“ Sogar was Liebesgeschichten angeht, dachte Steinke spöttisch. Sackte dann plötzlich mit seinen Gedanken ab und wußte sich mit ihnen wieder im Hinterhause in Reinickendorf. Verdammt, dies Irrlichtern im Schädel! Er riß sich zurecht. Fand einen ausgleichenden Ton. „Natürlich, Herr Inspektor. Ordnung muß sein. Ich vin auch für Ordnung. Alte Soldaten sind immer für Ordnung. Krusemark nickte versohnt, gonnerhaft. Tätschelte seinen Priem mit der Zunge.„Krieg mitgemacht?“ „Und wie! Munitionsfahrer bei Arras. Verdun und vo.. Wasserg 914. 2 hen „Alle Achtung, Steinrel Bessele dicke Sachen damals, was? Weiß Bescheid. Sozusagen Kameraden wir beide. Was ihr uns da bei Verdun rangefahren habt, das haben wir aus unseren Rohren rausgepfeffert. Dritte Batterie vom 18. Feldartillerieregiment.“ „Den Frankfurtern. Kenne die Jungens.“ Eine steil hinzugeworfene Männerhand flog Steinke entgegen..„„ kein: Mefohr# Nein, das war gemacht. Da war keine Geführ. Da brauchte man in keine Papiere mehr zu gucken. Die Sache mit Verdun war Ausweis genug. Die Abfertigung des Dramburgers ging schnell vor sich.„Das ist ja sogar einer von den besseren Kollegen, lachte Krusemark in bester Stimmung.„Glänzender Zuwachs, Ersatz prima, was, Steinke? Na, denn man zu. Morgen früh um sieben Abrücken. Der Vogt stellt euch an und bringt euch jetzt unter. Da kommt er... Bindermann!"„ soritte au Ein kleines, bewegliches Kerichen sprihle auf die Gruppe du.. 66112 an de „Hier, Bindermann, orei neue Leute. In der Schnitterkaserne ist noch hinreichend Platz. Die Maika kocht heute abend für die drei mit. Von morgen ab bekommt ihr euer Deputat. Dann könnt ihr's halten, wie ihr wollt. Entweder beköstigt ihr euch selbst oder ihr einigt euch mit der Maika. Im übrigen Akkordlohn. Los, Bindermann!“„„„ „Wer ist Maika?“ fragte Karl Borot, als sie sich der Führung des Vogts anvertraut hatten. Bindermann gluckste ein verräterisches Lachen. „Re Schlimme, du. Paß Achtung! Eine von den polnischen Schnitterinnen, die vom Sommer her hängengeblieben ist. Eine Bildhübsche. Aber’ne schlechte Kanaille. Fünfe an jedem Finger, wenn's sein kann.“ dn Donnerwetter!“ sagte Karl Boldt in starker Anerkennung.„Und mit der sollen wir uns einigen? Betrügt die auch sonst?“ „Wie alle Polacken. Ihr müßt hinterher sein. Tüchtig, aber in Aas.„. W. nitterk Bindermann stieß die Tur zur Schumteriaserne auf. „Maika!“ rief er in den dämmrigen Vorraum hinein. Eine Tür flog auf. Feuerschein vom Herde her flutete in den Vorraum. Maika trat auf die Küchenschwelle. Sie lachte. Wies zwei Reihen blendend weißer Zähne. Wie ein schönes, beutellisternes Raubtier stand sie mitten im Schein des Feuers. Steinke fühlte einen kalten Schauer über seinen Rücken rieseln. Er kniff die Augen zusammen. So ein Aas, dachte er verächtlich.. Der Dramburger trat verlegen und Untisch zur Seite. Stellte seinen Karton vor sich nieder und bückte sich, an den Schnüren knüpfend, hinab. „Drei hungrige Kavaliere, Maika,“ sagte Bindermann.„Mach zu, daß du die Suppe gar kriegst.“ „Oh, ist sich bald gar und gutt. Gutte Supp, Panse Bindermann. Reissupp mit Ochsenfleisch.“ Sie machte eine einladende Handbewegung.„Bitt' schön! Nun seid hr eif im ganzen.“.., rechnet. 82ss## Also an jedem Finger zwei, kechnere Volvr. Der Uebrigbleibende bin ich. Mit der bloß keinen Ankratz. Steinkes Gedanken liefen kreuz und quer. Sprangen nach Reinickendorf zurück, sahen ein Rübenfeld, Munitionswagen, vollgepfropft mit Granaten—— ein Kino ... zum Teufel!... Er hatte Hunger. Reissuppe und Ochsenfleisch.„Na, dann los, koch zu! Wir haben Kohldampf, Marjell.“ Maika wandte sich, hell auflachend, ihren Töpfen zu. Eben trat nun auch Jürgen in den Vorraum. Er hatte, vor der Tür stehenbleibend, noch Umschau gehalten. Den Hofraum gemustert. Das Gutshaus drüben über den Rasenplatz weg betrachtet. Als er sich abwandte und ins Haus ging, folgten ihm die Augen Juttas. Sie war eben an eines der Fenster getreten. Eine kleine Neugierde lag in ihrem Blick. Ein gewöhnlicher Rübenarbeiter konnte das nicht sein. Er sah so ganz anders aus. Schon beim Vorüberfahren vorhin war ihr das aufgefallen. Wahrscheinlich wieder ein Werkstudent. Sie dachte an den Sommer, seufzte leise und sah nachdenklich in den schnell sinkenden Abend. m u( Ster Er war grau uno mube wie ein spaler Wanderer von der Landstraße.— 2. Der Lehnschulzengutsbesitzer Friedrich Kröger saß, den Kopf in die Linke gestützt, vor seinem Sekretär und rechnete. Es war schon spät. Der Regulator an der Wand mit der blaugeblümten Tapete hatte schon vor einer ganzen Weile mit schnarrendem, heiserem Schlag die Mitternacht angezeigt. Niemand außer ihm wachte mehr im Hause. Seine Frau schlief nebenan hinter der Tür mit Scheiben aus rotem und blauem Glas und den weißen Sternen dazwischen. Ueber den Flur weg war das Schlafzimmer Maries der einzigen Tochter der Krögers. Die Schlafräume für das Gesinde befanden sich über dem Hof in einem Seitengebäude. Es war eine stille, lautlose Nacht. Sie stand, von keinem Windhauch gestört, im sternenlosen Dunkel in der Welt. Es war fast unheimlich still. Das von einer großen grünen Glocke abgefangene und gedämpfte elektrische Licht der Schreibtischlampe kam nicht weit über den nächsten Umkreis des Sekretärs hinaus. Der weitaus größte Teil des Zimmers lag in ungewissem Halbdunkel. Blendend hell war die Platte des Sekretärs bestrahlt. herzig hell. Jede der auf dem großen Bogen Form. Kotzahlen. Vor alle Unbarn.,#u. Jede der au stehenden Zahlen wies yaarscharfe der stützenden und Schläfen, daß Es waren alles Sorgenzahlen, gehörte der Minusstrich. Friedrich Kröger preßte die Finger Hand so fest und hart gegen Stirn und es schmerzte. Ließ sie lange so. Dann lockerte sich der Griff. Die Finger glitten, von einem Willen nicht mehr gehalten, durch das von vielen grauen Fäden durchzogene, auf der Höhe des Schädels schon stark gelichtete Haar, durchwühlten es und sträubten es zu wirrem Durcheinander. Die Rechte zog ein schmales Buch mit vergilbten Blättern näher heran. Leise zuckende Finger schlugen es auf. Wandten die Seiten. Schriftzüge unterschiedlichster Form und Art derer, die einst über das Papier hin die Feder geführt. Das Familienbuch der Krögers. Aufzeichnungen über Geburt und Tod, Ehestand und Taufgang, Liebe und Leid aus über zwei Jahrhunderten. Der Lebensspiegel eines seßhaften, zähen Bauerngeschlechts. Und Friedrich Kröger, der Träger der sechsten Generation, konnte nun das Finale schreiben. Oder gab es noch eine Rettung aus dem Schuldenwust und war es möglich, die drohende Versteigerung zu verhülen? In immer neuen Wiederholungen tanzten Posten und Summen wie feurige Kobolde durch das zerquälte Hirn, und gleich einem Kehrreim klang es zum Schluß jedesmal:„Umsonst und vorbei. Das Ende ist da! Ja, das Ende war da— wenn man das eine, das Rettung verhieß, nicht wollte. Friedrich Krögers Stirn beginnt feucht zu werden. Kleine Schweißperlen quellten aus den Poren der Haut. Sie sind grausam kalt. Eine clend machende Uebelkeit kriecht in seinem Halse hoch. Er meint, an ihr ersticken zu müssen. Der Name seiner Tochter zuckt in seinen Gedanken auf. Es bedeutet maßlose Qual, ihn mit der Möglichkeit einer Rettung in Verbindung zu bringen. Nein— das nicht! Nein— das soll nicht sein! Er muß sich stärken in diesem Entschluß. Er braucht Hilfe in der Abwehr des Verrats an seinem Fleisch und Blut. Seine feuchtkalten Finger heben ein neues Blättern in dem Familienbuche an, das noch immer aufgeschlagen vor ihm liegt. ierte 8 Er sucht lange. Blattert vorwarts und ruckwärts. Es ist eine einzige Wirrnis in seinen sonst so wohlgeordneten Gedanken Endlich. Da! Er liest. Seltsam verglast sind seine Augen, wayreno sle über die wenigen Zeilen altmodischer, verschnörkelter Schrift gleiten. „A. D. 1803, den 15. July starb Luise Julione Kröger, zweitgeborene Tochter des Lehnschulzen Gerhard Adam Kröger und seines ehelichen Weibes Johanne Friederike, gevorene Henning, den Wassertod. Sie ertränkte sich im Lemnitzsee, weil man sie zwingen wollte, von ihrem Liebsten, einem Jägerburschen, zu lassen und des Müllers Instus Stiemen eheliches Weib zu werden. Sc zu Nutz und Frommen nachfolgender Geschleicter vermerket und geschrieben von ihrem Bruder, dem derzeitigen Lehnschulzen in Greifenhagen, Karl Johann Kröger A. D. 1812, den 15. July.“ (Fortsetzung folgt.) * Kaspuln=Agent der Bolscheldesten! Aufsehenerregende Enthüllungen eines geflüchteten Priesters— Geheimdokumente als Beweismittel Die bekannte russische Emigrantenzeitung„Sewednja“, die in Riga erscheint, veröffentlicht eine Aufsehen erregende Meldung, die ihr von ihrem amerikanischen Mitarbeiter zugegangen ist. Dieser berichtet, daß es ihm nach vielen Bemühungen endlich gelungen sei, eine Unterredung mit dem berühmten orthodoxen Priester Iliodoro, einem russischen Geistlichen, der am Hofe des Zaren eine große Rolle gespielt hat, herbeizuführen. Als dann die bolschewistische Revolution ausbrach, vermochte Iliodoro der Hinrichtung zu ent: fliehen und aus Rußland zu flüchten. Nach vielen Irrfahrten kam er schließlich nach den Vereinigten Staaten, wo er sich der erniedrigsten Arbeiten unterziehen mußte, nur um leben zu können. Der beste Posten, den er in jenen Jahren des Elends bekleidete, war der eines Wolkenkratzer=Pförtners. Durch die Vermittlung von Landsleute hat Iliodoro dann später einen Vertrag mit einem Variété erhalten. Dort tritt er noch heute allabendlich auf. um den sensationslüsternen Zuschauern allerlei Geschichten und Episoden von dem Leben am Hofe des Zaren zu erzählen. Sein Verdienst ist bescheiden— er wohnt auch heute noch in einem der ärmsten Viertel Newyorks, und in seinem Zimmer entdeckt man außer einem Bett nur noch einen Tisch und einen Stuhl— aber seine Existenz ist jetzt wenigstens so weit gesichert, daß er sich an die Abfassung seiner Memoiren machen kann Keine Erfindungen, sondern Tatsachen... Die Verleger für sein Werk sind bereits gefunden. Im übrigen werden seine Memoiren gleichzeitig in mehreren Sprachen erscheinen. Der erste Teil des Buches wird im wesentlichen eine Darstellung der inneren und äußeren Lage Rußlands, und eine Schilderung der Verhältnisse am Hofe in St. Petersburg enthalten. Dann folgen mehrere Kapitel Enthüllungen über Zustände, in die nur Eingeweihte je einen Einblick gehabt haben. Die Sensation dieses zweiten Teils der Memoiren wird ohne Zweifel der Nachweis bilden, daß der berühmte Rasputin, der Betvater der Zarin, letzten Endes nichts anderes gewesen sei, als ein Agent im Dienste der Trotzky und Lenin, der die geheime Mission hatte, die Zarenfamilie in Sicherheit zu wiegen und die Kluft zwischen der Dynastie und dem Volk durch unwürdige Vorgänge und Ereignisse immer mehr zu vertiefen, bis die Zustände eines Tages zur Revolution reif seien. Wie Iliodoro behauptet, beruhen seine Feststellungen nicht etwa auf böswilligen Erfindungen, sondern entsprechend den Tatsachen, die durch Unterlagen und Dokumente belegt werden können. Ein Teil dieser Beweismittel soll sich übrigens noch in Rußland befinden, und zwar, sorgfältig in einer Kassette verschlossen, irgendwo in Südrußland in einem Weinberg vergraben. Den genauen Ort des Verstecks will Iliodoro allerdings nicht verraten. Wo ist der Schädel des Zaren? Nicht weniger interessant ist die Geschichte, die der geflüchtete Priester Iliodoro von seinem Besuch in den Kerkern von Kasan und Moskau berichtet. Iliodoro ist im Jahre 1910 von dem Kaiser und der Kaiserin in persönlichem Auftrag dorthin geschickt worden. Es galt, ein wunderwirkendes Ikon, das Bild der„Mutter Gottes von Kasan“, das seit Jahrzehnten vermißt wurde, wieder aufzufinden. Bei dieser Gelegenheit hat dann Iliodoro, wie er erzählt, viele von den heutigen roten Machthabern kennengelernt, die damals in den finsteren Verließen in Moskau und Kasan schmachteten. Iliodoro soll auch der Einzige sein, der genau die Vorgänge kennt, die zu dem mysteriösen Tode des Generals Orloff geführt haben. Auch an dessen Tode ist Rasputin schuld, so behauptet Iliodoro, wie ja dieser verhängnisvolle Mönch Zeit seiner Anwesenheit am russischen Kaiserhof überhaupt dauernd im Kampfe gegen die hohe Generalität stand, die das Verderben, das dieser Mann bedeutete, wohl fühlte und sich daher gegen seinen zunehmenden Einfluß zur Wehr setzte. Angeblich besitzt dieser russische Priester=Emigrant auch eindeutige Beweise dafür, daß der Schädel des ermordeten Zaren noch heute als Schaustück im Krem! in Moskau aufbewahrt wird. Die Sowjetbehörden haben dies zwar wiederholt schon bestritten, aber Iliodoro bleibt dabei, daß alle diesbezüglichen Dementis nichts als Lügen seien..,„ Bsftucher uach Wie der Flüchtling seinem Besucher noch versicherte, sei er in keinem Augenblick seines Lebens sicher. Der Haß der Bolschewisten auf ihn sei unbeschreiblich. Es soll sogar ein ziemlich hoher Kopspreis ausgesetzt sein. Er habe keine Angst vor dem Tode, so erklärte er, und sei es selbst durch Mörderhand, aber vorher müsse die Welt die Wahrheit erfahren haben. En Angiauerlamlam=Terschwindel Tragödie in der Villa zur schwarzen Rose— Die diebische Eister „Ich habe soeben die Polizei verständigt.“ Die alte Frau Hedley traute sich nach dieser Ankündigung nicht, ihrer Enkelin in die Augen zu schauen. Seitdem der prachtvolle Solitär, ein vierzigkarätiger Diamant, die Zierde des Familienschmucks, aus dem Tresor spurlos verschwunden war, gab es in der Villa„Zur schwarzen Rose“ keine ruhige Minute mehr. Das gegenseitige Vertrauen zwischen den Mitgliedern der Familie wich einer gereizten, peinlichen Nervosität, jeder witterte in dem anderen den Dieb. Die alte Frau Hedley, eine millionenreiche Dame, vermutete insbesondere, daß hinter der mysteriösen Diebstahlsaffäre entweder ihre Enkelin Ethel oder deren Bräutigam, ein Herr Perlin, der die Güter der Frau Hedley verwaltete, stecken müsse. Das Verschwinden des Solitärs, den Frau Hedley vor zwei Jahren um 55 000 Dollar bei einer Versteigerung erstanden hatte, schien dem friedlichen Dasein in dem schloßartigen Gartenhaus ein für allemal ein Ende bereitet zu haben. Die Polizei rückte, drei Mann hoch, in die Villa ein und begann mit endlosen Verhören. Zum mutmaßlichen Zeitpunkt des Diebstahls waren in der Villa außer der Herrin des Hauses, Frau Hedley, nur die 24jährige Enkelin Ethel,— die von einer englischen Universität erst kürzlich heimgekehrt war— deren Bräutigam Perlin und ein Gärtner anwesend. Die zwei dienstbaren Geister der Frau Hedley hatten an jenem Tage Urlaub und kamen als Täter nicht in Betracht. shaster enertinst. Der Gärtner war von frühester Morgenstunde bis spät abends mit der Einwinterung der empfindlichen Pflanzen des Ziergartens beschäftigt und hatte auf diese Art sein sicheres Alibi. Es blieben also Fräulein Ethel und Herr Perlin. „Kalif“ und die Favoritin des Sultans „Der Diamant war in Platin eingefaßt und hatte ein gebliches Feuer", erklärte die alte Dame den Detektiven sichtlich aufgeregt.„Der Stein gehörte einst zum Familienschatz des Sultans Abdul Hamid und hatte einen eigenen Namen: Antereinen= guer durch Urira Gegenstück zum Australien-Wektflug Dem Sieger winken 150 000 Mark Wie soeben bekannt wird, plant die Regierung von Südafrika die Veranstaltung eines riesigen Autorennens quer durch Afrika. Man will damit den Automobilisten eine ebensogroße Chance geben, wie den Piloten während des Wettfluges England—Australien. Die Pläne zu diesem Autorennen, dem größten Autorennen aller Zeiten, das von Algier nach Johannesburg über eine Strecke von 13.000 Kilometer führen soll, sind bereits fertiggestellt. Ebenso soll auch die Finanzierung sicher sein. Man nimmt an, daß der südafrikanische Multimillionär Sir Abe Bailey hinter diesem Projekt steht und auch die Preise stiften wird Erst kürzlich konnte berichtet werden, daß Sir Bailey= nen Riesenwettflug England— Südafrika—England finanzieren werde. Als ersten Preis in dem Autorennen will er eine Summe von 150000 Mark zur Verfügung stellen. Der Start zu dem Rennen wird vermutlich schon im nächsten Jahre anläßlich des Regierungsjubiläums des englischen Königs erfolgen. Die Pläne zu dem Autorennen wurden von Captain John F. Duff, dem berühmten englischen Rennfahrer, ausgearbeitet. Seine Vorschläge dürften bei den Automobilisten der ganzen Welt größten Beifall finden. Man rechnet damit, daß fast alle Länder der Welt Teilnehmer zu diesem Rennen stellen werden. Seit jenem großen Autorennen Paris—Madrid. das im Jahre 1901 veranstaltet wurde, hat die Welt nicht wieder ein so strapazenreiches und schwieriges Autorennen erlebt. Die Anforderungen, die an die Konkurrenten gestellt werden. sind außerordentlich hoch. Sie müssen Tausende von Kilometern durch die tiefste Wildnis rasen, müssen glühende Hitze und grimmige Kälte ertragen, müssen Gebirge bis zu einer Höhe von 3000 Meter überwinden und Sümpfe und dicksten Urwald durchqueren. Es wird Etappen geden, auf denen die Rennfahrer ganz auf sich selbst angewiesen sind und im Falle einer Panne auch nicht die geringste Hilfe zu erwarten haben. Auf anderen Strecken dagegen wird es den Rennwagen möglich sein, ungeahnte Geschwindigkeiten zu entwickeln. Und auf diesen Strecken wird es wahrscheinlich zu atemraubenden Wettfahrten kommen, die nicht ein einziger Zuschauer beobachten kann. „Kalif II.“ Es war der schönste Stein, den ich in meinem Leben je gesehen habe: Vor dem Ankauf des Juwels hatte man mich gewarnt; der Diamant soll jedem Unglück gebracht haben. Seine erste Besitzerin war eine Marquise, die während der französischen Revolution geköpft worden sei. Eine Zeitlang zierte der Diamant den Hals der jeweiligen Favoritin des Sultans. Die letzte dieser Favoritinnen am Hofe Abdul Hamids soll durch Selbstmord ihrem Leben ein Ende bereitet haben. Dann kaufte den Stein ein amerikanischer Plantagenbesitzer, der seine Gattin bei dem Schiffbruch der„Lusitania“ auf tragische Weise verloren habe. Es wäre klüger gewesen, dem gut gemeinten Rat zu folgen und die Kaufgelegenheit vorübergehen zu lassen. Jetzt ist das Unglück da!: Selbstmord einer Millionenerbin Die drei Polizeiagenten hörten den Ausführungen der gesprächigen Dame nur halb zu. Sie durchsuchten die ganze Villa, erklärten dann Fräulein Ethel sowohl als auch Herrn Perlin des Diebstahls verdächtig und forderten die beiden auf, ihnen aufs Polizeiamt zu folgen. Ethel, am ganzen Körper zitternd, bat, sich umkleiden zu dürfen. Etwa zwei Minuten, nachdem sich das Mädchen in ihr Schlafzimmer zurückgezogen hatte, zerriß die Detonation eines Schusses die abendliche Stille in der entlegenen Villa. Der Schlafraum Ethels— von dort war die Detonation gekommen— war verschlossen, die Tür mußte aufgebrochen werden. Inmitten einer Blutlache fand man nur noch eine Leiche vor. Die Bedauernswerte hatte einige Zeilen, eilig auf einen Zettel hingekritzelt, surückgelassen... 1.6 Fu. Ling Garbrsck. „Es ist mir unertraglich, fur eine Verbrecherin gehalten zu werden und ich ziehe es vor, in den Tod zu gehen.“ 14., 4, S.iu mit Als Perlin, der seit sechs Jahren mit Ethel Hedley verlobt war, die Tote erblickte, wurde er von Tobsucht befallen, zertrümmerte eine gläferne Vitrine und drohte, gegen Frau Hedley vorzugehen. Er konnte nur mit Mühe und Not gebändigt werden. Zur Stunde befindet er sich auf einer psychiatrischen Klinik. Das Juwel im Vogelkäfig 24 Stunden nach der aufsehenerregenden Tragödie, die ein junges Menschenleben vernichtet und ein zweites in geistige Umnachtung getaucht hat, kam es in der Diebstahlsaffäre zu einer unerwarteten Wendung. Während Telegraf und Telefon an alle Polizeistationen Amerikas die Beschreibung des kostbaren Diamanten und die Diebstahlsanzeige übermittelten, während drei Detektive in dem großen Park nach einem möglichen Versteck des Steines suchten, hielt die Zose der Villenbesitzerin Nachschau in dem Raum, wo früher in einer verschlossenen Vitrine der Solitär verwahrt war. Plötzlich fiel ihr Blick auf etwas Glitzerndes in dem Käsig einer Elster, des Lieblingsvogels der Frau Hedley. Sie riß eiligst das Türchen des vergoldeten Käfigs auf; in der nächsten Sekunde funkelte in ihrer Hand das vielgesuchte Suwel!.., Gäahstahl 446 Nun war die sensationelle Diebstahlsaffäre mit einem Mal auf die harmloseste Weise aufgeklärt. Ein Mitglied der Familie dürfte für kurze Zeit die Tür der Vitrine offen gelassen haben. Einen unbewachten Augenblick hat dann der diebische Vogel benutzt, um die glitzernde Kostbarkeit in seinen Käfig zu schleppen. Als Frau Hedley von der Wiederauffindung „Kalifs II.“ erfuhr, erlitt sie einen Schlaganfall. Gekaufte Waren dürfen nach Feierabend geliefert werden Die Frage, ob bereits gekaufte Waren noch nach Ladenschluß ausgetragen werden dürfen, war lange Zeit Gegenstand auch der Rechtsprechung gewesen. Schließlich war ein Kammergerichtsurteil ergangen, das die Zulässigkeit des Austragens nach Ladenschluß bejahte, sofern nur der Gewerbebetrieb in einer offenen Verkaufsstelle über die Ladenschlußzeit hinaus nicht fortgesetzt wurde. Dennoch war weiterhin verschiedentlich Ladeninhabern von Behörden gesagt worden, daß das Austragen von Ware nach Ladenschluß nicht oder nur dann erlaubt sei, wenn es bereits vor 7 Uhr morgens begonnen worden war. Der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit hat, wie das Rdz meldet, die ganze Frage jetzt eindeutig dahin geklärt, daß das erwähnte Kammergerichtsurteil als maßgebend zu betrachten sei. Zamit wird in Zukunft das Austragen bereits gekaufter Waren nach Ladenschluß allgemein als zulässig anzusehen sein. un den Errvalt Plan amerikanischer Flieger In 101 Stunden soll der Erdball umkreist sein Als Clyde Pangborn der zusammen mit Roscoe Turner im Wettflug England—Australien den dritten Platz belegen konnte, an Bord der „Mariposa“ in Amerika eintraf, überraschte er seine Freunde mit der Mitteilung, daß er einen Non=stop=Flug rund um die Welt plane. Er ist davon überzeugt, daß er den Erdball innerhalb von 101 Stunden umkreisen kann. Selbstverständlich müssen in längeren Abständen auf der Flugstrecke Tankflugzeuge stationiert werden, damit der Brennstoff ohne Landung ergänzt werden kann. Die Pläne zu dem Flug müssen allerdings noch ausgearbeitet werden, jedoch ist Pangborn der Ansicht, daß dies nur eine Frage weniger Wochen ist. Auch auf diesem Weltflug soll ihn Roscoe Turner begleiten. Pangborn wie Turner gehören zu den berühmtesten und erfolgreichsten amerikanischen Piloten. Sie haben beide einzeln und zusammen eine ganze Reihe von Rekorden aufgestellt und machten im Juli 1932 von sich reden, als sie ebenfalls einen Flug um die Welt unternahmen. Der damalige Rekordversuch mußte jedoch nach einer Notlandung in Sibirien abgebrochen werden. Ihre größte Leistung stellt zweifellos ein Flug über den Pacifie von Japan nach Nordamerika dar, den sie unter ganz besonders widrigen Umständen durchführten. Passage durch die Antarktis entdeckt Byrds erfolgreicher Erkundungsflug— Südpolar-Region kein einheitlicher Kontinent Die große Frage. ist die Südpolarregion ein einheitlicher Kontrnent oder ist sie in mehrere große Inseln geteilt scheint nach der letzten Meldung aus Little America ihre Beantwortung gefunden zu haben. Admiral Byrd konnte nämlich be; einem geographischen Erkundungsflug feitstellen, daß die Antarktis tatsächlich zumindest aus zwei großen Inseln besteht; denn er entdeckte eine Wasserstraße quer durch das Südpolargebiet. Damit hat Admiral Byrd seinen größten wissenschaftlichen Erfolg während seiner ganzen Expedition erreicht, denn die geographische Beschaffenheit der Antarktis hat seit jeher den Wissenschaftlern arges Kopfzerbrechen bereitet. Bekanntlich hatte die Expedition von Lincoln Ellsworth die Aufgabe. dieses schwierige Problem zu lösen. Run ist ihr Admiral Byrd zuvorgekommen. General Dawes soll zahlen Das Bundesfinanzamt für die Wirtschaftsbelebung in Chikago hat eine Privatklage gegen General Dawes, den Mitbegründer des Dawes=Planes, und weitere 4000 Aktionäre der Central Republic Trust Company eingereicht, die die sofortige Rückzahlung von 14 Millionen Dollar verlangt.,#..#.,##. Dawes hatte als Prasident des Bundesfinanzamtes für die Wirtschaftsbelebung bereits unter der Regierung Hoovers 80 Millionen Dollar als„Dawes=Anleihe“ von dem Bundesfinanzamt für Wirtschaftsbelebung ohne angemessene Sicherheit erhalten. Von dieser Summe sind bisher 60 Millionen Dollar noch nicht zurückgezahlt. Das Bundesfinanzamt will nun durch Entscheidung des Bundesgerichts feststellen, ob es einen Anspruch auf sofortige Rückzahlung einer Teilsumme von 14 Millionen Dollar hat. Sollte das Bundesgericht zu Gunsten des Bundesfinanzamts entscheiden, so verlangt die Klage die Einsetzung einer Geschäftsaufsicht über das oben genannte Unternehmen, die dann die 14 Millionen Dollar einziehen soll. Die Klage führt des weiteren aus, daß die Dawes=Gruppe seit 1932 mit der Rückzahlung der vom Bundesfinanzamt gewährten Anleihen in Verzug sei. Die Bundesregierung hat die Einbringung gleicher Klagen von seiten anderer Gläubiger gegen die DawesGruppe bis zur Entscheidung der Klage des Bundesfinanzamts verboten. Der Kkirchenkonflikt in Mexiko Im Kirchenkonflikt in Mexiko ist in den letzten Tagen immerhin eine Beruhigung der Lage eingetreten, wenn es auch in einzelnen Teilen im Innern des Landes zu Ausschreitungen kam, wobei Kirchen geplündert wurden, sind dies jedoch vereinzelte Erscheinungen. Die Bundesregierung ordnete an, daß sämtliche eingezogenen, d. h. konfiszierten Kirchen, dem Finanzministerium unterstehen, um zu verhindern, daß wertvolle Kunstwerke beraubt oder gar vernichtet werden. Die Bundestruppen sind angewiesen, den Schutz besonders wertvoller Kir chen zu übernehmen. Ein Bergmann tödlich verunglückt Auf der Grube„Fromm“ der Eisenwerksgesellschaft Maximilianshütte in Sulzbach=Rosenberg ereignete sich Montag vormittag ein bedauerlicher Unglücksfall, der einem Bergmann das Leben kostete. Während der Frühschicht geriet der ledige 36 Jahre alte Hauer Josef Pilhofer aus Rosenberg unter nachrutschende Erz. und Gesteinsmassen und wurde verschüttet. Der Bedauernswerte konnte nur mehr als Leiche geborgen werden, obwohl sofort mit allen verfügbaren Mitteln die Rettungsmaßnahmen aufgenommen worden waren. 14 Todesopfer einer Sturmkatastrophe in San Franzisko Bei einem schweren Sturm. der an der Küste des Stillen Ozeans wütete, fanden in San Franzisko und Los Angeles 14 Perionen den Tod. Ein Sonderberichterstatter der „Morning Post“ berichtet von einer Bahnfahrt zwischen Irkutsk und Chabarowsk über militärische Vorbereitungen Sowjetrußlands in Asien. So habe sich die Zahl der Flugzeugschuppen in einem Jahr verdoppelt. Die Eisenbahn vom Baikal=See nach dem Amur sei jetzt zweigleisig ausgebaut worden. Die Verlobung unserer Tochter Eva mit Architekt B.D.A. Joachim Albrecht A.p.H.p. Fürsten Cantacuzène geben wir hiermit bekannt Dipl. Ing. Direktor Emil Schluck und Frau Hanna geb. Meckenstock Nleine Verlobung mit Fräulein Eva Schluck gebe ich hiermit bekannt. Architekt B. D.A. Joachim Albrecht A.p. u. v. Fürsten Cantacuzène Schwerte-Ruhr Rosenweg 30 München, Borstel Im November 1934 Lichtspiele zur Reichstrone Heute zum letzten Mai Der beste Lustspiel-Schlager des Jahres Krach-an Tolahthz mit Alarianne Hoppe In der Hauptrolle Im Beiprogramm: Feigas Fall und Aufftieg Greta Garbo In der Hauptrolle. Evgl. Gemeindeversammlung Preitau, 23. November, abds. 8 Uhr im Gemeindehaus(Lutherhaus) Thema: „Der wahre Kampf um die Kirche“ „Die Vorgänge in der Gemeinde“ Redner: Pfarrer Schönfeld, Dtmd.= Hörde u. Pfarrer Hagemann, Hlagen. Es ladet herzlich ein: 2273 Das Presbyterium. Donnerstag- Freitag Großer Fischverkauf Kochfisch Bratfisch Stücke Schellfisch Kabellau Fluß-Plötze Fluß-Barsch Fluß-Hecht Ab morgen das ganz hervorragende deutsche Spitzenfilmwerk Der Schimmerrener Nach der Novelle von Theodor Storm Karlanne Heppe, Matthias Wiemann, Wilh. Dlegelmann 1. d. Hauptroller. Pfd. nur 28 Pfg. Pfd. nur 25 Pfd. Pfd. nur 15 Pig. Pfd. nur 30 Pfg. Pfd. nur 30 Pfg. Pfd. nur 25 Pig. Pfd. nur 40 Pfg. Pfd. nur 100 Pfg. Zander und Zander-Filet, Rotbarsch und Schellfisch-Filet billigst. Scheidt, Fischhalle 2272 nur Hagenerstraße 2. Bücher finden Sie in reichhaltiger Auswahl in den Buchhandlungen Carl Braus Große Marktstraße 3 lang u. gebündelt liefert billigst 8 Sähenerk uebr. Haver Landjahr=Heim Lopau, den 1. Nov. 1934. An die Eltern unserer Iserlohner, Schwerter und Hemerer Jungen! Liebe Eltern! Nun sind Eure Jungen schon 15 Wochen im Landjahr=Heim Lopau. Alle sind sie wohlauf und kerngesund. Ihr würdet sie im Augenblick wohl kaum wiedererkennen. Alle sind sie braungebrannt von der Heidesonne, alle lachenden Auges. Man merkt in jeder Beziehung, daß sie ganz andere Kerle geworden sind: freier, frischer, fröhlicher. Alle Voraussetzungen für eine gute gesund. heitliche Verfassung sind, ja auch vorhanden. Fernab vom Getriebe der Großstadt mit all ihren schädlichen Einwirkungen können wir stundenlang in weiten Waldgebieten umherstreifen ohne einen Menschen zu treffen, nur hier und da ein Rudel Hirsche, Rehe oder Wild. schweine aufstöbernd. Das ist so recht was für Jungen! Das Heim selbst, ein ehemaliger Sommersitz eines Millionärs, liegt inmitten eines großen, wohlgepflegten Parks mit schönen Teichen. Das Wichtigste von allem, das Essen, ist einfach „sauber“ wie die Jungen sagen. Und da haben wir am Alltag pflichtbewußt unsere Arbeit getan, auf dem Feld geackert und geerntet, auf dem Sportplatz gesprungen und gelaufen, in der politischen Schulung unser Wissen bereichert, so vergessen wir am Abend bei Singen, Vorlesen und Spiel die Schweiß. tropfen des arbeitsreichen Tages oder wir spannen auch mal drei Wochen aus, um deutsche Heimat kennen zu lernen. Der fröhliche Fahrtbericht unserer Reise über Land und Meer gibt Erch Bericht über all das, was wir gesehen, gehört und erlebt haben. Voll Begeisterung über das Geschaute, voll tiefer Dankbarkeit unserem Führer gegenüber, der erst die Grundlagen geschaffen hat zu all dem, was wir jetzt erleben dürfen. sind wir wieder zurückgekommen, mit dem Willen beseelt, tatkräftig mit unseren jungen Händen am Wiederaufbau Deutschlands mitzuarbeiten, jeder an seinem Platz und scheint er noch so klein und unwichtig zu sein. Wir Führer sind uns bewußt, daß wir in Euren Jungen kostbares deutsches Gut zur Erhaltung und Gestaltung erhalten haben. Im Dienst sind wir streng und unnachsichtlich; denn es geht ig darum. Männer zu erziehen und nicht Weichlinge die nur hinter Mutters Schürze stehen. Wir brauchen Menschen die stark sind, gesund an Leib und Seele, die selbständig handelnd wissen, daß sie leben, um Pflichten zu erihrer Familie der Gemeinschaft, dem(te#se gegensiber. Ans durch Erziehung und tähliche Einwirkung konnen wir erreichen, was die Familie und im besonderen Maße der Staat von uns allen verlangt. Neben dem Dienst aber sind uns Eure Jungen Kameraden, die mit dem persönlichen„Du“ zu uns sprechen und denen unser Herz jederzeit in Freud und Leid offensteht. Wir bringen ihnen in jeder Weise Verständnis entgegen. So hat sich im Laufe unseres Zusammenseins ein herzliches Verhältnis gebildet und es ist für uns Führer eine schöne Genugtuung, daß die Jungen sich in Freud und Leid uns mitteilen. Und die Jungen wissen, daß wir Führer nur für sie leben, die Vaterstelle vertretend und in jeder Weise für sie sorgen. Sind die Schuhe oder die Kleidung zerrissen, so wird die Instandsetzung gesorgt. Vor unserer großen Fahrt haben fast alle einen neuen Hitlerjugend-Dienstanzug bekommen. Jetzt wird ein praktischer Arbeitsanzug angeschafft, sodaß das Zeug, das von uns zu Hause mitgebracht ist, nicht mehr gebraucht wird. Gute Bücher zum Lesen sind und werden noch gekauft. Große Fahrten werden gemacht, um Deutschland kennen zu lernen. Das alles kostet neben Unterbringung und Verpflegung ungeheuer viel Geld. Für jeden Jungen zahlt der Staat in der Zeit des Landjahres etwa 500 RM. Das verpflichtete natürlich stark. Aber nicht genug damit. Eure Jungen bekommen noch einen täglichen Lohn in Höhe von 5 Pfg., sodaß am Ende des Monats jeder 1.50 Reichsmark zu seiner persönlichen Verfügung hat. Da wir nur uns und unserer Ausbildung in diesen Monaten leben wollen, so haben wir freiwillig auf jedes Kaufen von Schleckereien verzichtet. Wir haben vielmehr die„selbstverdienten“ Groschen„wertbeständig“ angelegt und haben uns unsere Ausrüstung: Tornisten, Feldflasche, Brotbeutel, Kochgeschirr selbst angeschafft, sodaß, wenn wir Weihnachten nach Hause kommen, jeder sein eigenes Marschgepäck besitzt. Das gibt Freude und Selbstbewußtsein. Ich habe vorher schon mal gesagt, daß das Essen hier ausgezeichnet ist. Es ist daher nicht nötig, daß von zu Hause noch Pakete mit Schlekkereien geschickt werden. Einmal bekommen einige Jungen, weil sie nach Möglichkeit gleich alles„verputzen“, Magenschmerzen, Uebelkeit und wir Führer haben die Last mit der Behandlung. Es wäre daher für das Wohlergehen der Jungen viel besser und uns Führern, die wir sowieso schon Tag und Nacht auf dem Pesten sein müssen, mehr gedient, wenn neue Strümpfe, Turnschuhe und=zeug, Zahnbürsten und=Paste, Nähzeug, Seife, Postkarten, Briefmarken und andere Kleinigkeiten gekauft würden. Wir haben auch auf unseren Fahrten und hier im Lager so manche schöne Aufnahme gemacht, die die Jungen in ihre Tagebücher einkleben können und so für später ein bleibendes und redendes Andenken an ihre schöne Landjahrzeit zu behalten. Und wenn Ihr Eltern in irgend einer Weise Sorgen um Eure Jungen habt, so teilt sie uns Führern vertrauensvoll mit und seid gewiß, wir werden alles tun, um Euch und den Jungen in jeder Weise gerecht zu werden. Wenn wir Weihnachten wieder zurückkommen, ein jeder in seine Familie, so wollen wir Euch selbst erzählen von all dem Schönen und Großen, was wir erleben durften und das uns ein Leben lang Erinnerung und Kraftquelle sein wird. Denn was wir in der Jugend geschaut und mit der Seele aufgesogen, das können wir in der Zeit unserer Reife verarbeiten, das können wir im Mannesalter gestalten. Und wenn wir alle aufschauen zu unserm Führer, der gerade, fest und schlicht seinen Weg geht, so haben wir alle, die wir jung sind, den aufrichtigen Wunsch: Möge Gott ihn uns erhalten, daß wir ihm täglich, stündlich nachleben können, er, der— wie Baldur v. Schirach sagt — Mensch blieb so wie Du und ich. Heil Hitler! Walter Göing, Erich Hoffmann, Landjahr=Heimleiter. Landjahr=Helfer. Lärnei. Stadtmannschaft Hohenlimburg— BfL. Schwerte 5:3. Im Dienste der Winterhilfe spielte am Bußund Bettag die erste Fußballelf von BfL. Schwerte gegen die Stadtmannschaft Hohenlimburg, dessen Reinertrag der Winterhilfe überwiesen wurde. Die Hohenlimburger Mannschaft setzte sich zusammen aus Spielern der Vereine Hohenlimburg 10, Wesselbach und Obernahmer, welche durch diese Zusammenstellung den Schwertern eine spielstarke Mannschaft gegenüberstellten. Die Schwerter zeigten ihr bestes Können, mußten aber leider eine 5:3=Niederlage mit nach Hause nehmen. Reichsbahn Tus Tus 06 Schwerte— Fröndenberg'Hennen 6:2 Gleich zu Beginn begann das Spiel lebhaft zu werden. Die Schwerter zeigten sich als überlegen, und trotzdem der Platzverein mehrere gute Torchancen verpaßte, führten die Schwerter zum Schluß der ersten Halbzeit mit 2:0. Kurz nach der ersten Halbzeit konnten die Gegner(FröndenbergsHennen) durch zwei gute Treffer auf 2:2 aufholen und bewährten sich als gleichwertig. Nach hartem Endkampf aber gelang es den Schwertern, den Gastverein überlegend mit 6:2 zu schlagen. Die Verteidigungen beider Mannschaften leisteten starken Widerstand. VfB. Westhofen— Ergste 4:0. Obwohl die Westhofener Elf nicht in allerstärkster Besetzung angetreten war, da Mittelläufer, Mittelstürmer und Halblinks wegen Verletzung auf die Mitwirkung verzichten mußten, gelang es, über Ergste einen klaren 4:0=Sieg zu erzielen. Das Spiel stand bis zur Halbzeit 0:0. In der 2. Halbzeit zeigten sich jedoch die Westhofener als vollkommen überlegen. Leider mußten infolge unsportlichen Benehmens zwei Zuschauer von Ergste vom Platz gewiesen werden. SINE E PE Strenge Strafen für Preistreiber Der Regierungspräsident in Arnsberg— Preisüberwachungsstelle— hat am 17. 11. 34 auf Grund der§§ 14 und 16 der Faserstoffverordnung vom 19. Juli 1934 in der Fassung vom 6. September 1934 die Mitinhaber der Firma Gebr. Weinberg in Dortmund, Osnabrück und Bochum, 1. Adolf Weinberg zu 10000 RM., 2. Julius Weinberg zu 5000 RM., beide in Dortmund wohnhaft, 3. Otto Weinberg in Osnabrück zu 10000 RM. bestraft, weil die Genannten die auf ihren Lägern befindlichen Textilwaren in erheblichem Maße heraufgezeichnet haben. Die Geheime Staatspolizei hat Adolf und Otto Weinberg wegen volksschädigenden Verhaltens in Schutzhaft genommen. Wegen gleicher Delikte wurde der Textilwarengroß= händler Samel Löwenthal, Dortmund, Münsterstraße 53, zu 10000 RM. bestraft. Ferner wurde die Beschlagnahme der Waren bzw. des Geschäftsvermögens angeordnet. Auch Löwenthal wurde von der Geheimen Staatspolizei in Schutzhaft genommen. Eine örtliche Preisüberwachungsstelle ist bei der städt. Polizeiverwaltung in Dortmund(Stadthaus, Olpe 1) eingerichtet, von der aus die weitere strenge Ueberwachung aller Geschäfte erfolgt. Radsport Die schwere 2=Stunden=Mannschaftsprüfung in der Westfalenhalle. Den Höhepunkt der radsportlichen Veranstaltung am kommenden Sonntag in der Westfalenhalle bildet wie immer der HeldenGedenkpreis, 2- Stunden= Mannschaftsrennen. Es ist dies wohl eine der schwersten Leistungsprüfung, die auf deutschen Bahnen von den Amateuren in jedem Jahre bestritten wird und es ist daher selbstverständlich, daß hier nur die besteingefahrenen und stärksten Mannschaften zugelassen werden. Die Fahrer haben hier in den zwei Stunden nicht nur zahlreiche Wertungen und bis zu 10 Minuten Temporunden zu bewältigen, sondern die letzte halbe Stunde ist ausgefüllt mit ununterbrochenen Spurts, wie in der letzten Stunde beim Sechstagerennen, wodurch den Fahrern auch das Letzte abverlangt wird. Es war daher keine leichte Aufgabe, von den zahlreichen Bewerbern die richtigen Mannschaften auszuwählen. Als erste Mannschaft wurde Schmidt=Tertilde (Dortmund—Münster) in die Starterliste eingetragen. Schmidt=Tertilde war die erfolgreichste Mannschaft in diesem Jahre auf den Sommerbahnen und daß sie ihre ausgezeichnete Form auch in die Wintersaison herübergerettet hat, beweist ihr großer Sieg noch am letzten Sonntag im 400=Runden=Mannschaftsfahren in Stuttgart mit Rundenvorsprung über die beste deutsche Klasse wie Küster=Kleingräfe und Klöckner=Hasselberg. Eine weitere erfolgreiche Mannschaft bilden die Kölner MerkenKlöckner, die bereits in dieser Wintersaison die Mannschaftsrennen bei der Eröffnungsrennen in Köln und Stuttgart gewinnen konnten. Zu den erfolgreichsten und eingefahrensten Mannschaften zählen auch SchneiderWengler(Dortmund—Bielefeld) wovon Wengler noch kürzlich in Münster die 200 Rungewinnen konnte. Zu diesen ausgezeichneten Mannschaften werden noch zehn starke Paare hinzukommen, sodaß die Gewähr für ein scharses und jagdenreiches Rennen gegeben ist. Rundsuatt=Pregranmn Freitag, den 23. November 1934. 6,00 Morgenruf. Anschl. Frühkonzert. 6,35 Bauernfunk. 6,45 Leibesübungen. 7,00 Morgenruf. Zeit, Wetter, Nachrichten. 7,15 Morgenkonzert. 8,00 Wasserstandsmeldungen. 8.30 Zeit, Wetter. Anschl. Frauenturnen. 8.45 Arbeitsbeschaffungsfront. 9,00 Sendepause. 10,00 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,00 Schulfunk. 10,45 Kleine Musik unserer Zeit. 12,00 Musik am=Mittag. 13,00 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 14,00 Zweite Mittagsmeldungen. 14,15 Das Kammerquintett des Reichssenders 15,10 Der Kriegsblinde und sein Schicksal. 15,30 Wirtschaftsmeldungen. 15,45 Die bunte Viertelstunde der Frau. 16,00 Nachmittagskonzert. 17,30 Von deutscher Art und Kunst. 17,50 Kleine Musik. 18,00 B0M=Funk. 18,30 Englische Unterhaltung. 18,45 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht. 19,00 Unterhaltungskonzert. 19,50 Politischer Kurzbericht. 20,00 Erste Abendmeldungen. 20,15 Stunde der Nation: Totentanz. 21,15 Neue Musik auf Volksinstrumenten. 22,00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,20 Theater im Westen. 23,00 Nachtmusik. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke Schwerte=N. Verantwortlich für den gesamten Tertteil:„ Heinz Friedrich Kamecke. Schwerte=N. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D. A. X.34, 1577. Au Die Rulionulmuntschaft siegle As in Vernn Das große Winterhilfsspiel des 93B.— 40 000 im Berliner Poststadion— Czepan wurde verletzt Das Fußballwerbespiel für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes am Bußtag war ein großer Erfolg. Das Berliner Poststadion war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bei kühlem, aber trockenem Wetter mögen sich etwa 40000 Zuschauer eingefunden haben, die dem Hilfswerk zum Kampf gegen Hunger und Kälte einen nennenswerten Betrag eingebracht haben dürften. Die DFB=Elf fiegte nach einem schönen Spiel verdient mit 4:2, nachdem Brandenburg bis zum Wechsel der Seiten noch mit 1:0 geführt hatte. Das Spiel setzte sofort mit Angriffen der Nationalelf ein, aber Valinski im Brandenburger Tor ist vorzüglich auf dem Posten. Allmählich kommen aber auch die Berliner ins Spiel und warten mit schönen Kombinationszügen auf. In der 14. Minute gehen sie sogar überraschend in Führung. Ballendat hat eine Flanke gut hereingegeben, Jakobs ist aus dem Tor gelaufen, für ihn stellt sich Janes schützend zwischen die Pfosten. Er wehrt das Leder mit dem Fuße ab, aber der Nachschuß von Raddatz geht ins Netz. Dieser Erfolg des Gegners wirkt für einige Minuten etwas aufmunternd auf die Nationalen. Hüben und drüben gibt es im Feldspiel schöne Kombinationszüge. Jakobs hat weniger Arbeit als sein Gegenüber, aber von den nationalen Stürmern wird viel daneben oder darüber geschossen. Die Nationalelf übersteht einige aufregende Minuten noch mit Glück. Dann wird Szepan bei einem Zusammenstoß mit Brunke verletzt und muß für einige Minuten das Feld verlassen. Als Szepan wiederkommt, wird das Spiel der„Nationalen“ wieder flüssiger. Nach dem Wiederbeginn kann Berlin ganz unerwartet den Vorsprung erhöhen. Ballendat ist nach innen gelaufen, schießt aus 25 Meter Entfernung. Ihren ersten gefährlichen Angriff nach Halbzeit schließen die Nationalen gleich mit dem ersten Tor ab. Kobierski schießt aus sehr spitzem Winkel, der Ball fegt halbhoch, für die meisten Zuschauer gar nicht erkennbar, durch ein Loch des defekten Netzes, und es gibt einige Entrüstung, als der Schiedsrichter in der 12. Minute den Ball zum Wiederanstoß auf der Mittellinie fordert. Eine schöne Gelegenheit für Berlin arbeitet Hahn heraus, aber Raddatz köpft den Ball einmal mehr über das Tor der Reichsmannschaft. Die Berliner Mannschaft setzt etwas mehr Dampf auf, der Ball wandert rasch von Mann zu Mann, aber die Abwehr der Nationalen ist jetzt weit aufmerksamer als vorher. Bei einem Gegenangriff täuscht Conen durch einen Hakenschlag, Siffling springt zwischen beide Verteidiger Berlins und schon ist in der 25. Minute der Gleichstand erzwungen. 2:2. Nach weiteren 5 Minuten kommt bei einem Geplänkel vor dem Berliner Tor Conen zum Schuß, er nimmt den Ball direkt aus der Luft und gegen diese Bombe ist Valinfki machtlos. In der 35. Minute ist das Schicksal der Reichshauptstädter besiegelt, als Kobierski das 4. Tor für die Nationalelf erzielt. Die Reichsmannschaft ist auch weiterhin leicht überlegen, das bessere technische Können der einzelnen Spieler kommt jetzt voll zur Geltung. Die Kritik Zunächst einige kritische Worte über die Nationalmannschaft. Jakob im Tor war ausgezeichnet. Ihn trifft an den beiden Toren keine Schuld. Von den Verteidigern war Janes der Bessere. Schwarz fiel gegen den Düsseldorfer etwas ab. Spricht man von der Läuferreihe der Nationalelf, so muß gleichzeitig auch der Berliner Läufer Erwähnung getan werden, die nach Ansicht vieler denen der Nationalen eine Kleinigkeit überlegen waren. Die Nationalen kamen allerdings erst in der zweiten Halbzeit so richtig in Schwung, als die Gegenseite etwas nachließ und mehr Raum gab. Als da das Tempo gemindert wurde, erstrahlte aber das Können der Nationalen in vollster Schönheit. Im Sturm der Reichsmannschaft war Conen, der natürlich mit das meiste Interesse der Zuschauer fand, solange lahmgelegt, wie Berlins Mittelläufer noch genug Luft hatte. Erst als Bien das Tempo nicht mehr halten konnte, vermochte Conen richtig loszulegen, und da war dann auch bald ein Tor fällig. Siffling war der Schwächste der Fünf, ohne aber deshalb auszufallen. Albrecht übertrieb zeitweise die Kombination und gefiel sich oft in Schnörkeln. Dafür war der Düsseldorfer aber in anderen Fällen wieder ganz groß mit seinen haargenauen Flanken. Szepan war groß von der ersten bis zur letzten Minute. Sein Spielaufbau ist unerreicht, überlegt und ausgereift. Zusammen mit Kobierski bildete er den stärksten Flügel im stadion, zumal auch dieser Düsseldorfer glänzend aufgelegt war. Bei den Berlinern verdient vor allem die Hintermannschaft das Prädikat„ausgezeichnet"“. Die Läuferreihe gefiel von A bis 8. Im Angriff war der linke Flügel der bessere. Auf der anderen Seite war Ballendat ohne Fehler und hatte gleichfalls ausgezeichnete Momente. Makowiak, „das Wunder aus Klettwitz“, ist als Brecher sehr gut zu verwenden, ohne aber restlos zu befriedigen. 2:0 auf der Strecke blieben. Trier erzielte in beiden Spielabschnitten je einen Treifer. Eine Enttäuschung bereitete der Meisterschafts=Favorit und Tabellenführer VfR. Köln in Kreuznach, wo er sich von der dortigen Eintracht mit 6:2(1:0) schlagen ließ. Die Kölner hatten den Gegner zu leicht genommen und wurden dafür entsprechend bestraft. 7000 Zuschauer waren beim Sviel Bonner FV. gegen eine Kombination Bonn=Beuel anwesend, das die Gäste nach guten Leistungen mit 8:2 gewinnen konnten. Der Mülheimer SV. siegte über SV. Poll kombiniert 4:2. Der Kölner SC. 99 gab einer Kölner Nordstadtmannschaft mit 3:1 das Nachsehen. während der Kölner CfR. über Nipves 10=12 mit 4:2 die Oberhand behielt. Sülz 07 dagegen wurde in Frechen mit 4:3 überraschend geschlagen. Schottensieg über Wale. 3:2(1:0) in Aberdeen 25 000 Zuschauer sahen am Mittwoch in Aberdeen einen weiteren zur internationalen Meisterschaft zählenden Länderkampf zwischen Schottland und Wales. Aus dem sehr schnellen und harten Kampf gingen die Schotten mit 3:2(1:0) siegreich hervor. Die Torschützen waren Duncan und Navier für Schottland. Philips und Astley für Wales. Reder dehmderte die Opserlaßspieit Spielausfälle in den westdeutschen Gauen Das Wetter am Buß= und Bettag war alles andere als gut, um eine reibungslose Durchführung der angesetzten Spiele auszutragen. Dichter Nebel lagerte über den Plätzen und so konnte es nicht Wunder nehmen, daß viele Freunde des runden Leders es vorzogen, lieber zu Hause zu bleiben. Aber es wurde gespielt. Es ging ja um etwas Großes; es galt ein Scherflein beizutragen zum Winterhilfswerk. Unter dieser Parole standen die Spiele am Buß= und Bettag. Wenn man alle Umstände des nebligen Wetters berücksichtigt, so darf immerhin die Feststellung getroffen werden, daß sich die Akteure redlich bemühten, Fußball zu zeigen. Gau Westfalen Zu weit würde es führen, all die Spiele, die sich innerhalb der Grenzen des Gaues Westfalen abwickelten, aufzuführen. Darum die wichtigsten. Der Altmeister Schalke 04 hatte eine Kombination von Union Gelsenkirchen=Rotthausen zu Gast und kam nach verkürztem Spiel zu einem knappen 3:2=Erfolg. Ohne Czepan und Nattkämper konnte die sich tapfer wehrende Kombination zum guten Schluß noch knapp geschlagen werden. Der SV. Höntrop weilte beim MBV. Linden. Hier stand der Kampf 1:1, als kurz nach der Pause der Nebel so dicht wurde, daß der Unparteiische sich gezwungen sah, das Spiel abzubrechen. In Hagen betätigten sich die beiden Lokalrivalen DSC. und 72. Technisch waren die Clubleute überlegen und kamen auch zu einem schönen 2:0=Erfolg. Die Einheiten von Rheine und Münster trafen sich in Rheine und trennten sich nach verteilten Leistungen mit einem gerechten Unentschieden von 1:1. Die Stadtmannschaft Paderborn zeigte gegen die Arminia aus Bielefeld gute Leistungen und kam zu einem verdienten 2:0=Siege. Hüsten 09 errang in Arnsberg gegen 09 einen ebenfalls verdienten 4:2=Sieg, während die Bochumer Begegnung, Germania— TuS., mit einer Niederlage der TuS.=Einheit von 0:2 endete. Der STV. Werne mußte sich der Kombination von Langenderer 04=07 beugen und blieb mit 1:3 auf geschlagenem Felde. Die weiteren Ergebnisse: Alemannia Dortmund— 08/Merkur 1:1, PostBestag— Sportfreunde 95 Dortmund 1:1, Bövinghausen Lütgendortmund— TuB. Mengede 6:2, BfB. Gerthe— Sp. u. Sp. Hiltrop 3:0, Rot=Weiß Reichsbahn/BV. Holsterhausen— Herten 1:5, Viktoria Recklinghausen— Conc.(FV. 29/Gerta(Pr. 5:2, BfK/SpV. 26 Haltern— Union Recklinghausen 1:2, Bünde— Union Herford 2:2, Plettenberg— Eiringhausen 4:2, Hemer 08— Menden 09 3:2, Lüdenscheid 08— Stadtmannschaft Iserlohn 3:2, Borussia Lippstadt— Geseke 1:3, Sp. Vg. Hamm— PfK. Hamm 1:2, BfB. Bielefeld— SV. Schildesse 7:3, Stadtmann Gütersloh— Westfalia Wiedenbrück 3:4, Weidenau=Klafeld— Sportfr.=BC. Siegen 1:0, SC. Hassel— Buer 07 2:1 abgebr., Hansa Scholven— Schwarzgeld Gladbeck 0:5, Westfalia Buer— Erle 08 3:6 abgebr., BfB. Gelsenkirchen— Gelsenkirchen 07 2:2 abgebr., GelsengußAlemannia komb.— BfB. Gelsenkirchen 2:2 abgebr., Beckhausen 05— Horst Emscher 1:1. Daßlag Fußean un Rrich Berlins Niederlage in Stektin Im Winterhilfsspiel zwischen den Städtemannschaften von Stettin und Berlin kämpfte die Berliner Mannschaft nicht sehr glücklich und mußte den Stettinern mit 3:2 Toren den Sieg überlassen. Ein Unentschieden hätte den Leistungen beider Mannschaften besser entsprochen. Aus den Gauen... In breiter Front marschierten in allen deutschen Gauen am Bußtag die Fußballspieler auf. In Auswahlmannschaften der Gaue. Bezirke. Kreise. in Städtemannschaften. in Vereinsspielen, überall ordneten sich die Aktiven in den Kreis der ovferwilligen Gemeinschaft ein. Erfreulicherweise waren mit wenigen Ausnahmen alle Spiele durchweg sehr gut besucht, so daß der materielle Erfolg nicht unbedeutend sein wird. Im Gau Nordmark sand das Hauptspiel auf dem Hamburger Viktoriaplatz in Anwesenheit von 6000 Personen zwischen den Auswahlmannschaften von Hamburg und Schleswig=Holstein statt. Die Hamburger entschieden den Kampf durch ihre bessere Angriifsreibe mit 4:3(3:1). Für den erkrankten Rohwedder fügte sich der frühere Hamborner Besnoska als Halbrechter sehr gut ein. Der in Kiel ausgetragene Städtekampf zwischen Hamburg und Kiel wurde durch einen starken Regen beeinträchtigt. Die noch recht spielstarke Hamburger Mannschaft zog hier mit 1:4(1:1) den Kürzeren. Der denachbarte Gau Niedersachsen stand in der Zahl seiner Veranstaltungen für das Winterbilfswerk nicht zurück. Den größten Besuch hatte mit 6300 Personen das Städtespiel zwischen BraunGau Niederrhein schweig und Hannover. Eintracht vertrat mit seiner Mannschaft allein und recht erfolgreich die Farben Braunschweigs, denn die Hannoveraner, die sich auf Arminia stützten, wurden überzeugend mit 7:3(4:2) geschlagen. Im Gau Mitte stand die Niederlage des Meisters Wacker Halle, der von der Bezirksklassenelf mit 5:0(0:0) sehr empfindlich geschlagen wurde. im Vordergrund. In Schlesien gab es zwei Städtesviele zwischen Gleiwitz und Beuthen als größte Ereignisse. Einmal siegte Beuthen mit 3:1(1:0), einmal Gleiwitz mit 5:1(0:0). Die Nachwuchsmannschaft von Nordhessen mußte sich in Kassel von dem Gaumeister Borussia Fulda knapp mit 3:2(2:2) geschlagen bekennen. Aus der großen Zahl der süddeutschen Opfertagsspiele können nur die wichtigsten Begegnungen herausgegriffen werden. Die Städtemannschaften von Nürnberg=Fürth und München trennten sich in der bayerischen Hauptstadt vor 9000 Zuschauern 1:1. Das Unentschieden stand schon zur Pause fest. Eine zweite Nürnberger Stadtelf spielte in Würzburg vor 6000 Zuschauern 2:2. Auch hier war das Schlußergebnis schon zur Halbzeit erreicht. Die ersatzgeschwächten Mannschaften von Bayern und 1860 München unterlagen in. Ingolstadt und Rosenheim. Frankfurts Städtemannschaften wurden von Lffenbach mit 3:2 und Wiesbaden mit 6:1 geschlagen. Die Karlsruber Stadtelf erzwang gegen die württembergische Gaumannschaft ein 2:2. Die Stuttgarter Stadtvertretung verlor gegen Badens Auswahl mit 4:3. Im Gau Niederrhein war es nicht viel anders. Von elf angesetzten Begegnungen kamen nur fünf zum Austrag. Turn Düsseldorf wurde auf eigenem Platze von der ersatzgeschwächten Fortung Düsseldorf mit 3:0 geschlagen. VfL. Benrath weilte im Bergischen und holte gegen den SSV. Elberfeld einen verdienten 4:0=Sieg heraus. Der Rheydter Sv. V. ließ sich daheim vom klassenniedrigeren Odenkirchen 05=07 mit 4:1 schlagen, dagegen konnte Borussia Gladbach über Viktoria Rheydt mit nicht weniger als 6:1 triumphieren. Union Hamborn zeigte bei weitem die besseren Leistungen als Hamborn 07 und siegte klar mit 3:0. obwohl sie auf Zielinski verzichten mußte. Die weiteren Ergebnisse: VfL. Preußen Krefeld— Union Krefeld ausgef.: FV. 08 Duisburg— Duisburg 1900 0:0 abgebr.: Duisburg=Neudorf 88— Duisburg 99 0:0 abgebr.: Alemannia Aachen— SC. Aachen 1:1: Jugend Düren— SC. Düren 03 3:0: Germania Düren— Dürener Spielverein 3:3: Rhenania Würselen— SV. Baesweiler 1:0: Viktoria Kellersberg— Alemannia Mariadorf 7:4: Borussia Hückelhoven— Kreuzauer SC. 05 1:5: Grün=Weiß Eschweiler— ViR. Palenberg 11:0: SV. Wickrath— Viktoria Mennrath 2:2: SC. Gladbach— VfB. Hochneukirch 2:6: Grün=Weiß Viersen— Eintracht Gladbach 2:2: SC. 99 Düsseldorf—. BV. 04 Düsseldorf 1:2 abgebr.: Eintracht Düsseldorf—. Viktoria Düsseldorf 111: VfR. Obligs— Schwarz=Weiß Barmen 6:1 abgebr.: Rasensport 08 Gerresheim— SC. Gerresheim 1913 0:0 abgebr.: SSV. Velbert— VfB. Velbert 2:1: VfB. Hilden 03— Hilden 06 4:1 abgebr.: Natingen 04— Germania Ratingen 1:0 abgebr.: BV. Wald— FC. Solingen 95 1:3 abgebr.: Duisburger Sp. V.— Borussia Rheinhausen 1:0 abgebr.: Emmerich 09— Kleve 63 4:9: ViB. Kleve 03— Rhein= gold Emmerich 3:4: Meidericher Sv. V.— Oka Meiderich 0:0: Dinslaken 09— Grün=Weiß Holten 2:2: SSVag. Barmen— TSV. Eller 04 2:3: TuS Ronsdorf— SC. Barmen 4:0: Haan 06— Germania Elberfeld 0:3 abgebr.: VfB. Remscheid— SSV. Remscheid 07 2:1: VfL. Lennev— SC. Cronenberg 5:2: BV. Lüttringhausen— TusV. Vohwinkel 2:1: SSV. Mettmann— SC. Sonnborn 1:3. Dies und Das Schalke 04 in Bremen. Der Niedersachsenmeister, SV Bremen, hat den deutschen Meister Schalke 04 zu einem Gastspiel nach Bremen eingeladen. Die Begegnung wird am 16. Dezember im Bremer Weserstadion vor sich gehen. Strafe muß sein. Die erste Mannschaft des VfL Preußen Krefeld wurde wegen des unsportlichen Benehmens beim Meisterschaftsspiel gegen Schwarz=Weiß Essen verwarnt. Der Stürmer Plantzen wurde für sechs Meisterschaftssonntage ausgeschlossen, während die Spieler Wackermann, Caspers und Mathäus mit je einem Sonntag Sperre belegt wurden. Schiedsrichter HoferDüsseldorf erhält eine Verwarnung, weil er die ihm zur Verfügung stehenden Mittel(Platzverweise) nicht zur Anwendung gebracht hat. Mantel wieder bei Eintracht. Hugo Mantel, der bekannte deutsche Nationalspieler früherer Jahre, der längere Zeit in Italien und Frankreich weilte, ist in die Heimat zurückgekehrt. Er wird schon am 1. Dezember für die Frankfurter Eintracht spielberechtigt und wurde bereits in der Frankfurter Stadtmannschaft, die am Bußtag gegen Mannheim spielte, als Läufer aufgestellt. Trabrennen in Gelsenkirchen Erda I=Rennen: 1. B. Ahrens Daiso(H. Schürmann), 2. Deutscher Vater, 3. Elsbeth. Toto: Sieg 17, it. 54. Platz 12, 18. 37:10. Gisela=Preis: 1. C. Deckers Glasformer(I. Middeldorf), 2. Freda, 3. Adelfried. 4. Druien. Toto: Sieg 64. it. 115. Platz 16, 20. 25. 23:10. Artillerist=Preis: 1. J. Middeldorfs Grete Molon(I. Frömming), 2. Phädra. 3. Frieda Worthy. Toto: Sieg 13. it. 82. Platz 12. 23, 45:10. Baron=Silver=Rennen: 1. Geschw. Abels Heide(C. Pütz), 2. Edeldame, 3. Hexenmädel. Toto: Sieg 21. it. 87. Platz 12, 22, 35:10. Sardine=Preis: 1. H. Ohligs Tausendkünstler(I. Frömming), 2. Salvator, 3. Jaylina. Toto: Sieg 43. it. 40, Platz 15, 13:10. Fünf=Kilometer=Rennen: 1. F. Hellmanns Maimädel(F. Harms), 2. Alinde Lee. 3. Pitthein. Toto: Sieg 41, it. 61. Platz 12. 11. 11:10. Faun lPreis: 1. F. Wellers Neckar(Th. Böcker), 2. Freda, 3. Rheinperle. Toto: Sieg 35. it. 70. Platz 17. 21. 38:10. König=Midas=Rennen: 1. O. Schneiders Phädra, 2. Rheinsels. 3. Wiking. Toto: Sieg 16. it. 45, Platz 10, 11. 13:10. Sieg=Dopvelwette: HeideTausendkünstler 82:10. Gau Mittelrhein Im Gau Mittelrbein stand das Städtespiel zwischen Trier und Köln aus dem WestmarkPlatz im Vordergrund des Interesses. 3500 Zuschauer erlebten einen spannenden Kampf. in dem die mit drei Ersatzleuten antretenden Kölner mit Düsseldorf=Grasenberg, 21. November Ludwig=Knickmann=Rennen: 1. Sonnenzeit(H. Wenzel), 2. Selim, 3. Gassenjunge. Toto: Sieg 74, Platz 14, 12. 11:10. Dietrich=Eckhart=Hürdenrennen: 1. Sintflut(Franz Broda), 2. Baden, 3. Berng. Toto: Sieg 21. Platz 13. 26. 17:10. Horst=WesselJagdrennen: 1. Agnus(L. Sauer), 2. Fortis. 3. Birgit. Toto: Sieg 25. Platz 14. 23:10. Deutscher Siegerpreis 1934 der nationalen Verbände: 1. Angelore(Am. K. Mülfarth), 2. Erdwall. 3. Auswahl. 4. Maharadscha. Toto: Sieg 313. Platz 26. 12. 29, 60:10. Schlageter=Jagdrennen: 1. Schwerthieb(L. Broda), 2. Fahrewohl, 3. Utamaro. Toto: Sieg 46. Platz 16. 21. 30:10. Leutscher Siegerpreis 1934 der nationalen Verbände): 1. Horrido(SS. H. Vorster), 2. Rosenrot. 3. Harun, 4. Lorbeerrose. Toto: Sieg 54. Platz 19. 18. 20. 16:10. Abschiedsrennen: 1. Sonnenfalter(H. Wenzel), 2. Bajadere. 3. Segelflug. 4. Henkersknecht. Toto: Sieg 56. Platz 16. 13. 17. 15:10. Sieg=Dopvelwette: Sintslut=Schwerthieb 104:10. Engbien, 21. November Prix de Bernav: 1. Kern(Tremeau), 2. Saduceene, 3. Amour Secret. Toto: Sieg 46. Platz 16. 14. 41:10. Prir de 1’Eure: 1. Rallve Puisave(Lock). 2. La Captive. 3. La Curee. Toto: Sieg 173. Platz 44. 27. 14:10. Prix du Pays de Cauz: 1. Sultano (Niaudot), 2. Gladys. 3. Montagnac. Toto: Sieg 50. Platz 24, 17. 24:10. Prix Coureuse de Nuit: 1. Ange Piton(Lock). 2. Deucalion. 3 Lepy. Toto: Sieg 31. Platz 17. 18:10. Prix de Nouen: 1. Frutti di Mare(Bonneau), 2. Palma Christie. 3. Rumillio. Toto: Sieg 53. Platz 24. 73. 54:10. Prir de 1Aoranchin: 1. Osman(Howes), 2. Empressee. 3. Tiberiade. Toto: Sieg 48. Platz 18. 13:10. J. 18 Stünden nach, Aitlerira Dr. Eckener über den Lustverkehr der Zukunft Dr. Eckener, der sich einige Wochen in Nordamerika aufhielt und mit den interessierten Kreisen über die Schaffung eines regelmäßigen Luftdienstes zwischen Europa und Nordamerika verhandelte, ist wieder in Friedrichshafen eingetroffen. Dem Vertreter des DNB gewährte er eine längere Unterredung, in der er über seine Verhandlungen mit den maßgebenden Kreisen der amerikanischen Luftfahrt und dem Generalpostmeister der Vereinigten Staaten, Farley, berichtete. Dr. Eckener ist grundsätzlich mit den Vereinigten Staaten übereingekommen, daß das neue Luftschiff 83 129 nach Indienststellung von Mitte Juli 1935 bis Oktober 1935 alle zehn bis vierzehn Tage den Luftverkehrsdienst über dem Nordatlantik zwischen Deutschland und Lakehurst oder Miami ausführt. Diese Fahrten, die zunächst als Versuchsfahrten gelten, werden bis zur Fertigstellung der im Bau befindlichen Halle in Rio de Janeiro ausgeführt. Die Halle dürfte bis Oktober 1935 vollendet sein. Die interessierten amerikanischen Behörden haben Dr. Eckener die volle Unterstützung für die Versuchsfahrten zugesichert. Sie haben in Lakehurst bereits den Ankermast, die Gasanlage sowie die übrigen notwendigen Einrichtungen gegen Erstellung der tatsächlich entstehenden Kosten für Landungen, Material, Gasfüllung usw. zur Verfügung gestellt. 93 129 wird außer den 50 Fahrgästen noch 20 Tonnen Fracht und Post befördern können. Die Fahrtdauer über den Nordatlantik von Küste zu Küste berechnet Dr. Eckener auf der Strecke von Amerika nach Europa mit 48 Stunden in umgekehrter Richtung mit 55 Stunden. Der Fahrpreis wird etwa 300 Dollar betragen. Dieser Preis entspricht der nittleren Kabine eines Ueberseedampfers. Die Fahrtzeiten werden, wie für die bisherigen Südamerikafahrten, genau festgesetzt werden. Der nächstjährige Südamerikadienst wird bis zur Fertigstellung der Halle in Rio de Janeiro weiter mit dem Luftschiff„Graf Zeppelin“ ausgeführt werden. Anschließend kam der Vertreter des DRB auf verschiedene Pressenachrichten der letzten Tage zu sprechen. Zu einer Meldung der Presse vom 12. November sagte Dr. Eckener, daß der Plan für eine Luftschiffverbindung Europa—Holländisch= Indien nicht weitergekommen sei. Es habe sich weder eine holländische Sachverständigenkommission an den Luftschiffbau gewendet noch sich bei ihm, Eckener, angemeldet. Von einer Teilnahme der Engländer am Weltluftschiffverkehr ist Dr. Eckener ebenfalls nichts bekannt. Die Angaben über Beförderung von Heliumgas von Amerika nach Friedrichshafen entsprechen nicht den Tatsachen. L3 129 wird für den Luftpostdienst nach USA nur Wasserstoffgas verwenden. Erst nach der endgültigen Indienststellung wird das Luftschiff mit Helium gefüllt werden. Von dem Bau einer neuen Lager= und Reinigungs= anlage für Heliumgas in Friedrichshafen weiß Dr. Eckener ebenfalls nichts. Datikan und Saarabstimmung Eine Meldung des„Petit Journal“ Der Berichterstatter des Pariser„Petit Jour= nal“ in Rom meldet zu den Verhandlungen, die Außenminister Laval vor seiner Abreise aus Paris mit dem apostolischen Runtius in Paris, Maglione, und dem französischen Botschafter beim Vatikan, Roux, hatte, der Vatikan habe nach reiflicher Ueberlegung der französischen Regierung den Standpunkt zur Kenntnis gebracht, den er hinsichtlich der Saarabstimmung für den dortigen Klerus einzunehmen sich entschlossen habe. Die Saarbevölkerung würde von ihren Priestern, wenn auch nicht förmliche Ratschläge, so doch den Hinweis erhalten, daß die Stimmabgabe für die Rückkehr nach Deutschland als „Ausdruck ihrer vollkommen wohlberechtigten (legitime) Ansicht“ angesehen werden würde. Ausschöpfung der Kreditmöglichkeiten Sicherungsgesetz der Regierung Im Nahmen der vom Reichsnährstand aufgenommenen„Erzeugungsschlacht“ ist eine ausreichende Düngemittel- und Saatgutversorgung der Landwirtschaft eine unentbehrliche Voraussetzung. Die Reichsregierung hat deshalb ein besonderes Gesetz zur Sicherung der Düngemittel- und Saatgutversorgung erlassen. Dieses gibt für die Forderungen aus der Lieferung von Düngemitteln für die Ennte 1935 ein gesetzliches Pfandrecht an den Früchten der Ernte 1935 in gleicher Weise wie dies für die letzte Ernte der Fall gewesen ist. Entspeichens den abrtec“.. ordnungsmäßigen Wirtschaftsweise“, erfolgt, so daß danach ein Früchtepfandrecht auch in denjenigen Fällen gegeben ist, in denen bisher gar nicht oder nur in unzulänglichem Umfange gedüngt ist. Es wird damit der Notwendigkeit Rechnung getragen, den deutschen Boden restlos auszunutzen und die Erzeugung an landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu steigern. Im übrigen entspricht die Ausgestaltung des Früchtepfandrechts der vorjährigen Regelung. Das Pfandrecht ist von dem Vollstreckungsschutz Entsprechend ken übereinstimmenden Wünschen freigestellt, erstreckt sich aber nicht auf die under Landwirtschaft, der Düngemittellieferanten pfändbaren Gegenstände, d. h. auf diesenigen und der Kreditinstitute wird dadurch denjenigen####te, die zur Kortführ. und der Kreditinstitute wird dadurch denjenigen Bauern und Landwirten, die zu einer sofortigen Barbezahlung der Düngemittel nicht in der Lage sind, die Möglichkeit gegeben, die Düngemittel auf den bisherigen Lieferungswegen aus einem aus der nächsten Ernte abzudeckenden Kredit zu beziehen. Das Gesetz sieht das Früchtepfandrecht für die Forderungen aus der Lieferung derjenigen Düngemittel vor, die ab Dezember(bislang ab Januar) beschafft werden. Während das Früchtepfandrecht bisher an die Voraussetzung gebunden war, daß sich die Düngemittelbeschaffung und verwendung„im Rahmen der bisherigen Wirtschaftsweise“ halte, ist nunmehr im Interesse einer Steigerung der Erzeugung vorgesehen, daß das Früchtepfandrecht Platz greift, wenn die Beschaffung und Verwendung„im Rahmen einer Fruchle, die zur Fortführung der Wirtschaft bis zur nächsten Ernte, bei Erbhöfen auch zur Unterhaltung des Bauern und seiner Familie bis zur nächsten Ernte erforderlich sind. Dem von den Düngemittellieferanten gewährten Kredit ist der zur Bezahlung des Lieferanten bei einem Kreditinstitut aufgenommene Kredit wie bisher gleichgestellt. In gleicher Weise ist ein gesetzliches Früchtepfandrecht für Kredite aus der Lieferung von Hochzuchtsaatgut und von anerkannter Saatware mit Ausnahme von Rübensamen vorgesehen. Festpreise für Butter Der Reichskommissar für die Vieh=, Milch= und Fettwirtschaft hat mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft und des Reichskommissars für Preisüberwachung eine Anordnung über Festsetzung von Butterpreisen erlassen, die im Reichsanzeiger vom 20. November veröffentlicht ist. Demnach gelten vom 21. November ab bei der Abgabe von 50 Klgr. Butter seitens der Molkeret an Wiederverkäufer folgende Festpreise: Deutsche Markenbutter 130 RM., Deutsche feine Molkereibutter 127 RM., Deutsche Molkereibutter 123 RM., Deutsche Landbutter 118 RM., Deutsche Kochbutter 110 RM. Diese Preise gelten einschließlich Faß und Gebinde ab Versandstation des Erzeugers für alle vom 21. November ab am Empfangsort eintreffenden Sendungen. Zu diesen Preisen sind Zuschläge zugelassen, und zwar ein Zuschlag von höchstens 3 RM. als Frachtausgleich, ein weitererwvon höchstens 5 RM. bei Lieferungen von Molkereien an Einzelhändler mit höchstens fünf Verkaufsstellen und schließlich ein weiterer von höchstens 5 RM. bei Lieferung von ausgepfundeter Butter. Für den Verkauf noch nicht molkereimäßig hergestellter Butter gilt bei Abgabe an Wiederverläufer ein Höchstpreis von 1,15 RM. und bei unmittelbarer Abgabe an den Verbraucher ein solcher von 1.35 RM. je Pfund. Der Verbraucher wird für molkereimäßig hergestellte Butter höchstens folgende Preise zu zahlen haben: Markenbutter Feine Molkereibutter Molkereibutter Landbutter Kochbutter und zwar für deutsche 1,60 RM. je Pfd., 1,57 RM. je Pfd., 1,52 RM. je Pfd., 1,42 RM. je Pfd., 1.34 RM. je und gleichwertige Auslandbutter. Soweit Verbraucherpreise bisher niedriger lagen, dürfen sie nach dieser Anordnung nicht erhöht werden. Die Verletzung der Preisanordnungen ist unter hohe Strafe gestellt(Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 100000 RM.). Anderweit erfolgte Preisfestsetzungen für Butter verlieren durch diese Anordnung ihre Wirksamkeit. Mant un die Undelehrbaten Die Danziger Wahlen als Barometer für die Saarabstimmung Reichsgeriaft(Drau Tr. Meuter ftel Auch teilweise Aufhebung des Urteils im Essener Krankenhausprozeß Wie der Reichsgerichtsdienst des DRB meldet, verwarf der 5. Strafsenat des Reichsgerichts am Montag die Revision der Essener Staatsanwaltschaft gegen das am 26. Februar 1934 verkündete Urteil des Essener Landgerichts, durch das der ehemalige Beigeordnete der Stadt Essen Dr. Albert Meurer von der Anklage der handels= und strafrechtlichen Untreue freigesprochen war, als unbegründet. Dr. Meurer war bekanntlich beschuldigt, in den Jahren 1925 bis 1932 in seiner Tätigkeit für die Lurag(Luftverkehrsgesellschaft Ruhrgebiet AG.) und für die Essener Ausstellungs=Gesellschaft m. b. H. durch Doppelliquidierung von Reisekosten und durch unberechtigten Empfang von Aufwandsentschädigungen sich persönliche Vermögens. vorteile verschafft zu haben. * Im sogenannten Essener Krankenhaus=Prozeß war durch Urteil vom 10. März auch der frühere Verwaltungsdirektor der Essener Krankenanstalten, Kuhlmann, wegen Lebensmittelfälschung, Betruges, Amtsunterschlagung und Begünstigung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden; außerdem wurde ihm die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Gegen dieses Urteil legte sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte Kuhlmann Revision beim Reichsgericht ein. Das Reichsgericht hob nun, wie der Reichsgerichtsdienst der DRB. meldet, das angefochtene Urteil insoweit auf, als der Angeklagte wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung verurteilt ist, und hinsichtlich der Gesamtstrafe auf die weitergehende Revision des Angeklagten wurde das Urteil insoweit aufgehoben, als Kuhlmann wegen Begünstigung verurteilt wurde. Im übrigen wurde das Rechtsmittel als unbegründet verworfen. In dem angegebenen Umfange wird sich also das Essener Landgericht mit der Sache nochmals zu befassen haben. Das Urteil gegen die übrigen verurteilten Angeklagten ist rechtskräftig geworden. „Daily Mail“ sagt in einem Leitaufsatz: Der Beginn der englischen Parlamentstagung falle zusammen mit einer Zeit ernster und möglicherweise noch zunehmender Spannung auf dem europäischen Festland, die eine Folge des näherkommenden Tages der Saarabstimmung ist. Daß diese Spannung sich wieder legen möge, sei die Hoffnung aller Engländer. Aber keinen größeren Fehler könnte man begehen, als beweisen zu wollen— wie dies einige törichte englische Politiker und Journalisten täten— daß die Spannung schwinden werde, daß die nationalsozialistische Sache ihre Macht über das deutsche Volk allmählich einbüße. Die Ergebnisseder Danziger Wahlen am Sonntag zeigten das gerade Gegenteil. Die Nationalsozialisten eroberten Boden, statt ihn zu verlieren. Danzig sei bekanntlich eine Freie Stadt und stehe unter der Oberhoheit des Völkerbundes. Bis zum Jahre 1919 habe es zu Deutschland gehört. Seine Bevölkerung sei beinahe ausschließlich deutscher Nationalität. In der Danziger Niederung hätten 79.4 v. H. für die Nationalsozialisten gestimmt, gegenüber 62 v. H. bei den letzten Wahlen. Im Bezirk Danziger Werder hätten 78 v. H. der Wähler ihre Stimmen den Nationalsozialisten gegeben, statt 60 v. H. beim letzten Mal. Diese Zahlen seien von größter Wichtigkeit, da sie ankündigten, was am 13. Januar im Saargebiet geschehen werde. Wenn man auf die letzten 18 Monate zurückblicke, dann könne niemand leugnen, daß Herr Hitler immer wieder praktische Vorschläge gemacht habe, die dem Frieden dienen sollten. Vor einem Jahre habe er angeregt, das Datum der Saarabstimmung vorzuverlegen. Warum dieses Angebot damals nicht angenommen worden sei, scheine niemand erklären zu können. Die übliche Antwort sei, technische Hindernisse, die mit dem Völkerbund zusammenhängen, hätten dies unmöglich gemacht. Wenn das wahr sei, dann sei es die schwerste Anklage, die jemals gegen den Völkerbund erhoben worden sei. Das Blatt erwähnt dann noch weitere Anregungen des Führers und schließt: Es wäre ein sehr schwerer Fehler von den europäischen Außenministern, wenn sie diesen Anregungen keine Folge gäben, die ihnen Hitler im Verlaufe eines Jahres gemacht hat, um Europa vor drohenden Gefahren zu behüten. Arm in Arm den Fag eingegen Jurchtbare Liebestragödie auf der Eisenbahnstrecke Nürnberg—Regensburg Der Lutherische Weltkonvent in München An der jetzigen Münchener Tagung des Exekutiv=Komitees des Lutherischen Weltkonvents nehmen Abgeordnete der Luthexischen Kirchen aus allen Teilen der Welt teil, so auch(von links) Landesbischos Dr. Meiser=München. Professor Dr. Morehead=Newyork. Landesbischof Dr. Marahrens=Hannover, Propst Dr. Pebrsson=Göteborg. Professor Di. Boe=Minnesota und Professor Dr. JörgensenKonenbagen. Auf der Bahnstrecke Rürnberg—Regensburg spielte sich am Montagvormittag eine Liebestragödie ab. In der Nähe von Endorf gingen ein Mann und ein junges Mädchen neben dem Bahndamm her. Als sich ein Güterzug in voller Fahrt näherte, betraten beide plötzlich die Gleise und gingen Arm in Arm dem heraubrausenden Zug entgegen. Der Zug konnte nicht mehr abgebremst werden. Er fuhr über sie hinweg und verstümmelte sie bis zur Unkenntlichkeit. Wie der Bayerische Anzeiger erfährt, sind die Toten ein 28 Jahre alter Heinrich Binner aus Aichkirchen und die jugendliche Margarethe Schmid aus Aicha. Aus einem von Binner hinterlassenen Brief geht hervor, daß es sich um eine Liebestragödie handelt. Matuschka zum Tode verurteilt Das Budapester Strafgericht hat den Eisenbahnattentäter Matuschka wegen vorsätzlicher Tötung, begangen in 22 Fällen, zum Tode verurteilt. Nach über 14tägigen Verhandlungen begann Dienstag vormittag die Schlußsitzung des Matuschka=Prozesses. Der Präsident erteilte dem Angeklagten Matuschka das Wort zu einer letzten Erklärung. Der Attentäter sprach auffallend rasch, offenbar in der Befürchtung, daß der Präsident seine reichlich phantastischen, oft verworrenen Worte unterbrechen werde. Der ließ aber Matuschka gewähren. Zum Schlusse seiner Ausführungen drückte Matuschka seine tiefe Neue und sein volles Mitgefühl für die Hinterbliebenen der Opfer aus. Die Verhandlung wurde sodann geschlossen. Der Präsident ersuchte die Vertreter der Geschädigten zur Anmeldung ihrer Ansprüche. Der Vertreter der ungarischen Staatsbahnen meldete eine Schadenersatzforderung von 550000 Pengö an. Zwei Geschädigte erklärten, daß sie auf zivilrechtlichem Wege ihren Schaden anmelden würden.„ g 146 z. 8. Das Urteil im Matuschta=prozeß ist dem allgemeinen Erwarten nach ausgefallen. Die Vollstreckung der Todesstrafe kann jedoch nicht stattfinden, da Matuschka österreichischer Staatsangehöriger ist und zur Zeit der Begehung des Attentates die Todesstrafe in der österreichischen Republik nicht bestand. Nach internationalen Rechtsgrundsätzen kommt die Todesstrafe nicht in Anwendung, wenn in dem Heimatland des Verurteilten die Todesstrafe aufgehoben ist. Sechs Stunden Urteilsbegründung Die Verlesung der Urteilsbegründung im Matuschka=Prozeß durch den Senatspräsidenten nahm sechs volle Stunden, von 1 Uhr mittags bis 7 Uhr abends, in Anspruch, ohne daß eine Pause eingelegt wurde. Der Präsident erteilte sodann dem Staatsanwalt die Genehmigung, Matuschka nach Oesterreich zurückzuführen, wo er auf Grund des Wiener Urteils noch drei Jahre im Zuchthaus Stein abzubüßen hat. Nach Ablauf dieser Frist werden die österreichischen Behörden über die Auslieferung von Matuschka an Ungarn zu entscheiden haben. Der Vollzug der Todesstrafe an Matuschka ist damit von der künftigen Entscheidung der österreichischen Behörden abhängig gemacht worden.