CINTUF! Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Terteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte=Ruhr.— Tel. 2770 MS Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 8 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9 a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Srullerian der Teutschen=Eente Weihestunde in München- Führer und Nation gedenken der Toten der Bewegung Gedächtnisakt an der Jeldherrnhalle— Aufnahme der der h3. und des BOm. entwachsenen Jugend in den Orden der Partei 1923— 1934 DRB. München, 9. Nov. Ein frostig=klarer Vorwintertag hat das Regenund Schneetreiben des Vorabends abgelöst. Hell lugt die Sonne über dem festlich=würdigen Gewande, in das sich die Geburtsstadt der Bewegung zum Gedächtnis der gefallenen Kämpfer gekleidet hat. Auf allen öffentlichen Gebäuden sind die Flaggen auf halbmast gesetzt. Trauerfahnen und die Fahnen des neuen Reiches, zum Gedächtnis der Toten mit Flor umwallt, schmücken die Häuser bis in die entferntesten Außenbezirke hinaus. Schon Stunden vor dem Beginn des Traueraktes an der Stätte des Blutopfers von 1923 steht das Straßenbild vollkommen im Zeichen der alten Kämpfer, die im einfachen Braunhemd mit dem Blutorden des 9. November oder bescheidenen Herbstblumen am Gürtel als einzigen Schmuck zu ihrem Sammelplatz eilen. Im Umkreis der Teldherrnhalle ist der in seiner Einfachheit doppelt eindringliche Schmuck ganz auf die Trauer um die Toten abgestimmt. Von den beiden Fahnenmasten vor der monumentalen Feldherrnhalle leuchten trauerumflort die riesigen Banner der Bewegung. In der Halle selbst hebt sich im Mittelteil von schwarzem Grund im silbernen Kranze ein gigantisches Hakenkreuz, gleichfalls in Silber, plastisch ab. Das Mahnmal, zum Gedächtnis der Gefallenen am 9 November im Vorjahre feierlich enthüllt, ist mit Lorbeerkränzen geschmückt. Ueber der Stätte aber, die das Blut der 16 Gefallenen trank, leuchten weithin die Runen des Sieges zum Zeichen, daß ihr Opfer nicht vergebens war. Schon eine Stunde vor Beginn des Traueraktes sind die Gehsteige, die den alten Parteigenossen vorbehalten sind, dicht gefüllt. Ehrfürchtiges Schweigen breitet sich über den Platz, als eine Abordnung ES riesige Kränze in Lorbeer und Schwarz vorüberträgt, die bei dem Gedächtnisakt niedergelegt werden. Gedächtnisakt an der Feldherrnhalle Um die Mittagsstunde beginnt der Anmarsch der alten Kämpfer und der Formationen, die im Mittelpunkt des feierlichen Aktes stehen. Front gegen die Feldherrnhalle rückt feierlich der Zug der alten Kämpfer ein, der die Feldzeichen, die den tragischen Marsch von 1923 begleiteten, die Blutfahne der Bewegung, geleitet von zwei SSFührern, an der Spitze mitführt. Ihm folgen die Verbände der SS und der HI, deren Fahnen in der Halle selbst Aufstellung nehmen. Mit klingendem Spiel rücken die Verbände der SA von der Ludwigstraße kommend ein, an der Spitze die Standarten, die die Stirnseite der Halle einnehmen und die siegreichen Feldzeichen, die sich um die Aufgänge zur Halle gruppieren. Vor der Feldherrnhalle nehmen die 200 Angehörigen der Hitler=Jugend und des BdM Aufstellung, die am Jahrestage des Blutopfers von 1923 feierlich in die Partei, SA und SS aufgenommen werden sollen. Vor dem Mahnmal stehen ehern und unbeweglich die Ehrenposten der SS. Vor ihnen sammeln sich die führenden Männer der Bewegung und ihrer Gliederungen, die als Ehrengäste an dem feierlichen Akt teilnehmen. Wiederum sieht man alle, die schon am 9 November 1923 treu zum Führer gestanden, inmitten den Reichsleiter der Bewegung. auch mit den Spitzen des Reiches und des Staates, den Reichsführer der SS, Himmler, den Chef des Stabes der SA, Lutze, und den Stabsleiter der PO, Dr. Ley, die aus den Händen des Reichsjugendführers Baldur von Schirach die in die Gemeinschaft der Kämpfer übertretende Jugend zu übernehmen haben. Der Führer erscheint Um 12.45 Uhr hallen kurze Kommandos über den Platz. Die Formationen stehen still. Tiefstes Köster wieder bei Laval Der deutsche Botschafter in Paris, Köster, hat Freitag vormittag, wie Havas meldet, dem französischen Außenminister Laval einen Besuch abgestattet, um ihn, wie dies gleichzeitig von den deutschen Vertretern in London, Rom und Brüssel geschieht, von der Stellungnahme der deutschen Regierung zur Frage der Entsendung französischer Truppen ins Saargebiet in Kenntnis zu setzen. Außenminister Laval empfing Freitag vormittag ferner den französischen Botschafter in Berlin, Francois=Poncet, und besprach mit ihm sämtliche zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden Fragen. Botschafter Francois=Poncet hatte bisher noch keine Gelegenheit gehabt, mit Laval nach dessen Ernennung zum Außenminister persönlich Fühlung zu nehmen. Der deutsche Botschafter in England, von Hösch, erschien am Freitag, wie Reuter berichtet, im Foreign Office, um die Preleste der Srutschen Verschäfter Darstellung der Saarauffassung in Paris, London, Rom und Brüssel deutschen Vorstellungen zur Saarfrage zu überreichen. Die zweite Unterredung, die der deutsche Botschafter Roland Köster in der Saarfrage am Freitag mit dem französischen Außenminister hatte, entsprach dem gleichen Zweck wie die Schritte, die die deutschen Botschafter in London, Rom und Brüssel unternommen haben. Sowohl der deutsche Botschafter als auch der französische Außenminister gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, daß die Frage einer Verstärkung des Polizeischutzes im Saargebiet praktisch überhaupt nicht akut wird. Die fast einstündige Unterredung erstreckte sich in entgegenkommendsten Formen auf die strittige Auslegung der mehrfach herangezogenen Völkerbundratsentscheidung, über die eine Einigung nicht erfolgen konnte, da beide Teilnehmer an der Unterredung auf ihrer Auffassung beharrten. Man wir sich aber klar, daß die Entscheidung über eine solche Frage der Mächte gegebenenfalls den für die Auslegung zuständigen internationalen Organen vorbehalten bleiben müsse. Schürfee Bergehen deden Preieirewderel Erlaß des Reichsjustizministers an die Strafverfolgungsbehörden Der Reichsminister der Justiz hat an die Strafverfolgungsbehörden folgenden Erlaß zur Bekämpfung der Preistreiberei gerichtet: „Auch in diesem Jahre hat der Führer das deutsche Volk zum Kampf gegen Hunger und Kälte aufgerufen. In einer solchen Zeit, in der alle Volksgenossen Opfer bringen sollen, und in der gerade die werktätige Bevölkerung ihre Opferbereitschaft am deutlichsten beweist, muß es als die schwerste Versündigung am Geiste der Volksgemeinschaft bezeichnet werden, wenn einzelne gewissenlose Personen durch künstlich herbeigeführte Warenknappheit, durch Preissteigerungen und ähnliche Machenschaften ihren eigenen Vorteil über das allgemeine Volkswohl stellen und das Werk des Führers dadurch gefährden. Für die Strafverfolgungsbehörden erwächst daraus die unbedingte Pflicht. gegen Preissteigerungen und ähnliche Machenschaften, die durch Gesetz oder Verordnung unter Strafe gestellt sind. in enger Zusammenarbeit mit den Verwaltungsbehörden unverzüglich und mit allem Nachdruck einzuschreiten und Strafen zu beantragen, die der besonderen Gemeinschädlichkeit derartiger Verfehlungen Rechnung tragen. Soweit irgend angängig, ist von dem beschleunigten Verfahren des§ 212 Strafprozeßordnung Gebrauch zu machen. Die Einstellung auf Grund von§ 153 der Strafprozeßordnung wird grundsätzlich abzulehnen sein.“ Familie durch Gas vergiftet Durch schadhaften Gasschlauch die Wohnung nachts vergast In dem Hause Fasanenstraße 17 im Westen Berlins hat sich ein bedauerlicher Unglücksfall ereignet. durch den eine dreiköpfige Familie ums Leben kam. In der Wohnung des Hauptwachtmeisters der Landespolizei. Froehle, hatte sich der Gasschlauch des Küchenherdes, der schadhaft war, von selbst gelöst, und das Gas war durch die ganze Wohnung geströmt, da auch der Haupthahn nicht geschlossen war. Die Frau des Hauptwachtmeisters hat anscheinend in der Nacht den starken Gasgeruch wahrgenommen und versucht, den Gashahn abzustellen. jedoch ist sie in der Küche zusammengebrochen und ebenso ist ihr Mann und ihre 12jährige Tochter ums Leben gekommen. Großfeuer zerstört Getreidespeicher Fünf Tote In einem großen Getreidespeicher der Chesapeake and Ohio=Eisenbahngesellschaft in Newport=News im amerikanischen Staate brach infolge Staubexplosion Feuer aus, das allen Löschversuchen zum Trotz innerhalb kurzer Zeit das ganze riesige Gebäude in Schutt und Asche legte. Fünf Personen sollen den Tod gefunden haben; eine größere Anzahl wurde verletzt. Der Sachschaden geht in die Millionen. Der 9. November Umflorte Fahnen wehen in den Straßen von Stadt und Land. Dumpf läuten die Glocken den Tag des Gedenkens ein, der vom Trauertag der nationalsozialistischen Bewegung zum Totengedenktag des ganzen deutschen Volkes geworden ist, den 9. November. Durch stille Straßen ziehen im ersten Morgengrauen braune und schwarze Sturmkolonnen. Ohne Spiel und gemessenen Schrittes. Hunderte von Friedhöfen haben ihre Tore aufgetan. An frisch geschmückten Hügeln machen die Sturmabteilungen Halt. Die Ehrenwache zieht auf, steht unbeweglich zu Seiten des toten Kameraden, der hier den ewigen Schlaf schlummert. So stehen sie an vielen, vielen hundert Gräbern in vielen hundert Städten und Dörfern. Tausende aber, ja Zehntausende Namenloser haben ihre Gesundheit, ihr letztes Gut, ihre Stellung und damit ihr Brot während der harten Zeit der Kämpfe, jahrelang geächtet und gemieden, hingegeben. Auch ihres stillen Heldentumes gedenkt heute in Dankbarkeit ein ganzes Volk. Mit ihnen steht es an diesen Grüften, die die Heroen des neuen Deutschland bergen, ein ganzes Volk, das den tiefen Sinn des Wortes erkannt hat, das sich am 9. November 1923 erfüllte: Und setzet ihr nicht das Leben ein, Nie wird euch das Leben gewonnen sein. Den 16 Männern, die am 9. November 1929 vor der Münchener Feldherrnhalle ihr Blut vergossen, ihr Leben freudig hingegeben haben, damit wir das Leben in Freiheit und Ehre gewannen, sind Hunderte und abermals Hunderte gefolgt. Ihr Tod ist für uns ein heiliges Vermächtnis geworden, den Sinn ihres Opfertodes zu erfüllen, für die Idee zu leben und zu kämpfen, für die sie ihr blühendes Leben ließen: Das einige, freie, nationalsozialistische Deutschland. In endlosen Reihen ziehen deutsche Volksgenossen an den Gräbern der Toten vorüber. Nach nationalsozialistischer Ueberlieferung sind in diesen Tagen Hunderttausende junger deutsche Menschen darunter, die an den Gräbern der Heroen des deutschen Freiheitskampfes den gleichen Schwur leisten, den diese auf den Lippen hatten, als sie ihr Leben für die Idee ihres Führers Adolf Hitler für ein geeintes, freies und glücklicheres Deutschland hingaben. Ihr Gelöbnis der Treue, die ihre Ehre ist, wird von Millionen Lippen mitgesprochen. Es ist nicht nur die Jugend, die den Namen des Führers trägt und symbolhaft gerade an diesem Tage in die Sturmkolonnen Adolf Hitlers eingereiht wird, es ist ein ganzes Volk, das angesichts dieses Tages sich zu der gleichen Idee bekennt, für die diese Männer starben und diese Jugend zu sterben bereit ist: Deutschland. Schweigen löst fast augenblicklich die Bewegung in den Massen ab und aus den Höfen der Residenz kommend erscheint der Führer, um sich unmittelbar darauf, geleitet von seinem Stellvertreter Rudolf Heß, Reichsführer der SS Himmler, dem Chef des Stabes Lutze und dem Gauleiter des Traditionsgaues Adolf Wagner zu der Stätte vor dem Mahnmal zu begeben, die vor elf Jahren das Blutopfer der 16 Freiheitskämpfer sah. Dumpfer Trommelwirbel setzt ein, und während der erste der 16 Salutschüsse gelöst wird. die die 16 Gefallenen von 1923 ehren, legt der Führer am Mahnmal einen riesigen Lorbeerkranz mit Schleife in den Farben der Bewegung zum Zeichen des Gedenkens an die Toten nieder. Unter dem Donner des Trauersaluts widmen der Chef des Stabes und der Reichsführer der SS den toten Kämpfern ihre Kränze, während, von einem plötzlichen Windstoß angefacht, die Flammen in den Pylonen hoch zum Himmel emporlodern. Kein Laut unterbricht die weihevolle Stille, in der Tausende der Toten von 1923 gedenken. Dann klingt machtvoll, einem Gelöbnis gleich, das Horst=Wessel=Lied auf. Der Führer begibt sich, als die erste Strophe heraufklingt, mit seinen Begleitern zum Rednerpodium vor der Halle, wo der Reichsjugendführer Baldur von Schirach das Wort nimmt, um die bisher von ihm geführte Jugend dem Führer und seinem Treuhänder Rudolf Heß in die Hände zu legen, daß sie in Partei, SA und SS das Werk fortsetzen, für das die Toten der Feldherrnhalle ihr Leben gaben. Dann spricht der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, um in gleicher Weise diese Jugend, die zur gleichen Stunde in allen Städten und Dörfern des Reiches angetreten ist und durch den Rundfunk das Erlebnis dieser weihevollen Stunde teilhaftig wird, in den Orden der Partei aufzunehmen. Eindringlich hallte seine Mahnung über den weiten Raum, sich bewußt zu bleiben, daß die RSDAP Deutschland aus tiefstem Verfall in zähem, unerbittlichem Kampf gerettet hat. Sein Ruf an die Jugend, furchtlos und treu, in Treue zu dem Führer und zur Bewegung dieser Rettungswerk weiterzuführen. Das dreifache ½ Sieg=Heil auf den Führer, mit dem seine Ansprache ausklingt, nehmen Tausende und aber Tausende begeistert auf. Als Gelöbnis unerschütterlicher Treue pflanzt es sich fort in die Reihen der Tausende, die außerhalb der Sperrlinien dem feierlichen Akt folgen. Der Führer spricht Wieder breitet sich erwartungsvolle Stille über den Platz. Der Führer spricht zu den jungen und alten Kämpfern, die sich in erinnerungsschwerer Stunde um ihn geschart haben. In kurzen, aber in ihrer Knappheit doppelt inhaltschweren Worten stellt er die Synthese der Opfer von 1923 mit der Verpflichtung der jungen Kämpfer von 1934 her, gräbt der Jugend, die sich anschickt, in der Bewegung der Jugend das große Werk fortzusetzen, die Mahnung, an Deutschland, nur an Deutschland zu denken, unauslöschlich ein. Erst als der Führer geendet hat, löst sich das Schweigen, begleitet von den Heilrufen der Tausenden verläßt der Führer die Stätte der Feier, die dem Opfertod der 16 Freiheitskämpfer von 1923 die höchste Ausdeutung gab: Das, was sie gesät in Treue zu der Idee, für die sie fielen, zum Segen der Nation, zur höchsten Reife zu Unter klingendem Spiel sammeln sich die Verbände zum Vorbeimarsch an dem Mahnmal, an dem auch die Staatsregierung ihre Verbundenheit mit den Gefallenen durch die Niederlegung eines Lorbeerkranzes bekundet hat. Mit dieser Ehrung der toten Kämpfer durch die Kämpfer von heute klingt die in ihrer Schlichtheit und Würde ergreifende Feier aus. Ihe wererl Kamgpfer senn mussen! Die Ansprache des Führers vor der Jeldherrnhalle Der Führer hielt bei der Gedenkfeier vor der Feldherrnhalle folgende Ansprache: Nationalsozialisten, Nationalsozialistinnen! In tiefer Ergriffenheit stehen wir heute wieder an diesem Platze. Er ist die Mahnung an die ersten Toten unserer Bewegung, und es ist ein Symbol, daß auf diesem Platze die Vereidigung der Rekruten der Partei stattfindet. Der Platz des Todes wird damit zur Schwurstätte des Lebens. Und wir können keine schönere Erinnerungsfeier an dieser Stelle abhalten, an der unsere Kameraden einst gefallen sind, als die Vereidigung derjenigen, die sich zu ihrem Werke als deutsche Jugend wieder bekennen. Ihr werdet, ich weiß es, genau so treu sein, genau so tapfer sein, wie unsere alten Kameraden. Und Ihr werdet Kampfer sein mussen. Denn noch sind viele Gegner unserer Bewegung vorhanden. Sie wollen nicht, daß Deutschland stark sei. Sie wollen nicht, daß unser Volk einig sei. Sie wollen nicht, daß unser Volk seine Ehre vertritt. Sie wollen nicht, daß unser Volk frei sein soll. Sie wollen es nicht, aber wir wollen es und unser Wille wird sie niederzwingen. Und Euer Wille wird mit uns sein und Ihr werdet mithelfen, den Willen von damals zu erhalten und zu verewigen. Wir werden auch diese letzten beugen unter diesen Willen. Wir werden dafür sorgen, daß die Zeit. diese Opfer einst forderte, in Deutschland nach menschlichem Ermessen niemals wiederkehrt! Die Partei ist heute nicht etwa am Ende ihrer Mission, sondern erst am Anfang! Sie ist erst in ihre Jugend eingetreten. Und so kommt Ihr, meine deutsche Jugend, in nicht Fremdes hinein, sondern die Jugend stößt zur Bewegung der Jugend, und diese Bewegung der Jugend begrüßt man daher als ihresgleichen. Ihr habt die Aufgabe, mitzuhelfen an der Erfüllung dessen, was die Alten sich einst erhofften! Ich habe die Ueberzeugung von Euch, daß Ihr, die Ihr schon im Geiste dieses neuen Deutschland gewachsen und geworden seid, diese Aufgabe erfüllen werdet, daß Ihr eingedenk sein werdet unseres alten Bekenntnisses: Daß es nicht wichtig ist, daß auch nur einer von uns lebt, aber notwendig, daß Deutschland lebt! Polizeipräsident Schepmann scheidet Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident den Polizeipräsidenten in Dortmund, Schepmann, der mit der Führung der SA=Gruppe Sachsen beauftragt worden ist und infolgedessen seinen Wohnsitz nach Dresden verlegen mußte, auf seinen Antrag hin einstweilen in den Ruhestand versetzt. Der preußische Ministerpräsident Göring und der Reichs= und preußische Innenminister Dr. Frick haben aus diesem Anlaß an den Polizeipräsidenten SA=Gruppenführer Wilhelm Schepmann persönliche Schreiben gerichtet, in denen sie für die dem Staate auf dem verantwortungsvollen Posten des Polizeipräsidenten in Dortmund geleisteten wertvollen Dienste Dank und Anerkennung aussprachen. Polizeibeförderungen zum 9. November Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, ist aus Anlaß des Gedenktages der nationalsozialistischen Bewegung am 9. November 1934 in der preußischen Landespolizei und Schutzpolizei eine größere Anzahl von Beförderungen bei Wachtmeistern und Offizieren ausgesprochen worden. Die Polizei bringt auch dadurch ihre Verbundenheit mit der Bewegung zum Ausdruck. Vorbeimarsch der alten kampfer der Ges Lur Grtketäntern gemel Arbeneissenzam Wenler Verndert Das Braune Haus ist am 9. November Mittelpunkt und Ziel der Erwartung vieler Tauzende. Sie stauen sich in der Briennerstraße in dichten Reihen, und als nach Schluß der Feier auf dem Odeons=Platz die Wagen des Führers sich dem Braunen Haus nähern und in die Einfahrt einbiegen, haben wir wieder das wunderbare Bild, das in Deutschland längst Tradition ist: Die überströmende Liebe des Volkes zu seinem Führer! In der Ferne schimmert es braun heran, und der Wind trägt abgerissene Töne eines Marsches näher. Dann formt es sich zu einer Melodie und das Pflaster wird immer stärker erschüttert vom festen Tritt marschierender Kolonnen. Die Kämpser vom 9. November 1923 kommen heran, alle in einfachen Braunhemd und barhaupt, auf der rechten Brustseite den Blutorden vom 9. November. An der Spitze wieder jene Fahne, die am 9. November 1923 getränkt wurde mit dem Blut von 16 Toten. Der Führer ist auf den Balkon des Braunen Hauses hinausgetreten und grüßt seine Kameraden von einst. Kolonne um Kolonne zieht vorbei. Man sieht die alten Fahnen der damaligen Verbände, die Fahne des Freikorps Oberland, der Reichskriegsflagge, des Freikorps Roßbach und vieler anderer Formationen, die Anteil hatten am 9. November 1923. Ernst und freudig zugleich grüßt die Bevölkerung die Männer, die die Urzelle bildeten, aus der ein neues Volk wurde. Nun konzentriert sich die ganze Aufmerksamkeit der Massen auf den Balkon des Braunen Hauses, wo der Führer steht. Die Sperren werden durchbrochen, und es bietet sich ein Blick wie auf einem alten Gemälde: Von allen Seiten strecken sich die Arme zu einem Punkte empor, strecken sich die Schwrrhände dem Führer entgegen. Dann schließen sich die Türen auf dem historischen Balkon und eine kleine Wolke verwischt das helle Bild. Trauerfeiern auf den Friedhöfen Ueberaus würdig und eindrucksvoll gestalteten sich am Nachmittag des 9. November die Trauerfeiern auf den drei Münchener Friedhöfen für die Helden von der Feldherrnhalle, die durch ihren Opfertod der deutschen Freiheit eine Gasse bahnten. Die Redner schilderten an den würdig geschmückten und mit Ehrenposten besetzten Gräbern, an denen die den Namen der Gefallenen tragenden Traditionsstürme sowie Ehrenabteilungen der SS und SA angetreten waren, die Bedeutung des Opfertodes der Helden von der Feldherrnhalle, gaben der Dankbarkeit Ausdruck und wiesen darauf hin, daß des Führers Wort wahr geworden ist:„Und Ihr habt doch gesiegt“. Mächtige Lorbeerkränze mit der Aufschrift: „Durch Euren Heldentod ist Deutschland auferstanden“ wurden unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden niedergelegt. Besonders erschütternd wirkte am Grabe des Gefallenen von Stransky die Anwesenheit seiner bitterlich weinenden Kinder und am Grabe des im blühenden Alter von 19 Jahren dahingerafften Laforce die Anwesenheit seiner greisen Eltern. Am Grabe Bauriedls wurde besonders betont, daß Bauried! am 9. November 1923 Träger der Blutfahne war. So wurde die Tat und das Andenken der in der Geschichte der Bewegung unsterblich fortlebenden Männer des 9. November auch an den stillen Stätten geehrt, wo treue Kameradschaft und unvergängliche Dankbarkeit sie immer aufs neue suchen wird. Die Zahl der dei den Albensumtern gem Geten Arbeitslosen ist, wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung berichtet, im Oktober weiter, und zwar um 13.800 auf 2268000 Arbeitslose, zurückgegangen, obwohl um diese Jahreszeit erfahrungsgemäß Entlassungen aus den Außenberufen unvermeidlich nd.„ Diese Entwicklung des Arbeitseinsatzes ist bei einer im wesentlichen unverändert gebliebenen Gesamtlage durch verschiedene Bewegungen bestimmt worden. Die Berufsgruppen Landwirtschaft, Industrie der Steine und Erden, das Baugewerbe und das Gast= und Schankwirtschaftsgewerbe hatten eine Zunahme an Arbeitslosen. Dieser saisonmäßigen Verschlechterung in den Außenberufen in einer Größenordnung von insgesamt 16 200 steht jedoch eine Entlastung in Höhe von 30 000 in den übrigen für den Konjunkturverlauf wesentlichen Wirtschaftsgruppen gegenüber. Sie kommt in der weiteren Rückläufigkeit der Zahl der Arbeitslosen im Bergbau, in der Hütten= und Metallindustrie und in der Mehrzahl der Konsumgüterindustrie zum Ausdruck. Daneben machen sich Einflüsse bemerkbar, die eine Zunahme der Arbeitslosenzahl bewirken, ehne daß die Ursache in einer Verschlechterung der Wirtschaftslage und in damit begründeten Entlassungen zu suchen ist. Es verstärkt sich bei den Arbeitsämtern der Zugang an nicht unterstützten älteren Arbeitslosen, die jetzt hoffen, durch den verstärkten Einfluß der Arbeitsämter im Arbeitseinsatz Arbeit und Brot zu erhalten. Die Entwicklung der Beschäftigungslage zeigt bezirklich große Verschiedenheiten. Die Entlastung in den Unterstützungseinrichtungen, insbesondere in der öffentlichen Fürsorge und in der Krisenfürsorge hat angehalten. Trotz Ansteigens in der Arbeitslosenversicherung ist die Gesamtzahl der Arbeitslosenunterstützten gegenüber dem Vormonat um 34000 weiter zurückgegangen. In der Arbeitslosenversicherung wurden am 31. Oktober 328000 Personen betreut, das sind 30000 mehr als am Ende des Vormonats. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfürsorge betrug nach einer Abnahme von 20000 736000. Die öffentliche Fürsorge hatte wieder die stärkste Entlastung, denn bei einem Stande von 636000 anerkannten Erwerbslosen hat die Zahl der in öffentlicher Fürsorge stehenden Arbeitslosen im Berichtsmonat um 43000 abgenommen. Die Zahl der Notstandsarbeiter blieb auch im Berichtsmonat weiter leicht rückläufig. und zwar waren Ende Oktober 245 700 Notstandsarbeiter beschäftigt(minus 10 700). Wurnm Preieuderwachuug! Der Führer an Kreuzer„Emden“. Der Führer und Reichskanzler hat an den am Sonnabend in Wilhelmshaven ausfahrenden Kreuzer„Emden“ folgendes Telegramm gerichtet: „Dem Kreuzer„Emden“ wünsche ich für seine Auslandsreise glückliche Fahrt und hoffe treueste Pflichterfüllung zur Ehre Deutschlands und seiner Flotte.“ Dr. Gördeler über seine Aufgaben Der Reichskommissar für Preisüberwachung, Dr. Gördeler, hielt am Freitag vor der Presse eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Das Vertrauen des Führers hat mich in ein Amt berufen, dessen Schwierigkeiten Sie, meine Herren von der deutschen Presse, bereits mit sicherem Instinkt erkannt und zum Ausdruck gebracht haben. Meine Aufgabe ist heute, den Anlaufprozeß der deutschen Wirtschaft von Hemmungen zu befreien, die sich aus dem Tempo der Entwicklung und aus eigennützigen Beweggründen ergeben haben; dies ist der Zweck der heutigen Preisüberwachungsaktion. Der Reichskommissar legte dann im einzelnen dar, daß die Preise und die Löhne für die Sicherstellung des Erfolges der von der Reichsregierung eingeleiteten umfassenden öffentlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen einentscheidendes Gewicht hätten. Es müsse daher alles geschehen, um sie zu halten. Dies sei auf der Lohnseite durch die Deutsche Arbeitsfront mit aller Hingabe u. Disziplin geschehen. Leider könne ein Gleiches von der Preisseite nicht gesagt werden. In den letzten Monaten habe die Preissteigerung auf vielen Gebieten einen Umfang angenommen, der für die große Masse der Bevölkerung unerträglich sei. Dr. Gördeler untersuchte darauf die Frage, ob berechtigte Gründe zu Preissteigerungen vorliegen. Er stellte dabei fest, daß, während gegen eine Preissteigerung auf dem Gebiete des Luxusbedarfs nichts einzuwenden sei, die Sachlage ganz anders würde, wenn es sich um Gegenstände zur Deckung des täglichen Bedarfs handele. Hier könne das freie Spiel der Kräfte zu untragbaren sozialpolitischen Belastungen und Spannungen führen. Angesichts der Verarmung des deutschen Volkes infolge des Diktats von Versailles und der in einer Reihe von Wirtschaftsgebieten sehr niedrigen Löhne bestehe für eine kraftvolle und einsichtige Staatsführung die Notwendigkeit, das Spiel der Kräfte in geordneten, mit dem Wohle des Ganzen in Uebereinstimmung gebrachten Grenzen zu halten. Aus diesem Grunde fordert der Reichskommissar von jedem Betriebsführer, Handwerker und Kaufmann auf dem Gebiete der Preisgestaltung ein ähnliches Opfer, wie es der Arbeiter durch das Sichabfinden mit seiner hentigen Lohnhöhe bringe. Dieses Opfer sei umso mehr zu verlangen, als sich die wichtigsten preisbildenden Faktoren, wie Dr. Gördeler im einzelnen darlegte, nicht erhöht haben. Die Löhne sind nicht gestiegen, die Zinsen sind nicht gestiegen. Die Steuern sind nicht gestiegen, im Gegenteil, durch gewisse Maßnahmen erleichtert. Die Betriebskosten sind nicht gestiegen. Die Entwicklung unserer handelspolitischen Lage in den letzten Monaten macht die Nachprüfung erforderlich, ob hier etwa unausweichliche Erhöhungen der ausländischen und inländischen Rohstoffpreise vorliegen. Erhöht sind ferner gewisse Ernährungskosten aus Gründen, die die Reichsregierung in aller Offenheit und mit vorbedachtem Ziel dem deutschen Volke von Anfang an vor Augen geführt hat. Was die berechtigte Frage der Verknappung und Verteuerung der Rohstoffe betrifft, so war es meine erste Sorge, mir zu den schon bei mir vorhandenen Kenntnissen in den letzten Tagen neue und gewissere hinzu zu verschaffen. Danach möchte ich sagen, daß nach den im deutschen Vaterland vorhandenen Fertig= und Halbfabrikaten und Rohstoffen aller Art zu irgendwelcher Beunruhigung in der Richtung, daß die Deckung des täglichen Bedarfs gefährdet sein könnte, keine Veranlassung vorliegt. Es wird von allen Stellen mit größter Sorgfalt alles getan, um hier unsere Lage auch für die Zukunft durch Wiederbelebung des Warenaustausches und durch Stärkung der Erzeugung heimischer Rohstoffe zu sichern. dungsbedarfs der Bevölkerung betätigen. Denn hier scheint mir die entscheidende und im Augenblick dringendste Veranlassung vorzuliegen. Ich werde verbieten, daß neue Preisfestsetzungen ohne meine Genehmigung erfolgen. Das gilt insbesondere für die Mindestpreise. Auf gewissen Gebieten, z. B. bei Brot und Milch, kann der Festpreis, der gleichzeitig Mindest= und Höchstpreis ist, volkswirtschaftlich eine Wohltat sein. Entschieden zuwenden will ich mich den Preisbindungen. Es gibt Preisbindungen, namentlich solche auf internationaler Grundlage, an denen der deutsche Arbeiter ein sehr hohes Interesse hat. Außerhalb dieser Sphäre ist jede Nachprüfung vonnöten. Ich habe daher alle neuen Preisbindungen von meiner Zustimmung abhängig gemacht, gleichzeitig habe ich eine Anmeldepflicht eingeführt für alle diejenigen Preisbindungen, die seit dem 1. 6. 1933 neu vorgenommen sind. Viele dieser Bindungen werden auf ihre gesamtvolkswirtschaftliche Bedeutung nachgeprüft werden, und wenn diese Nachprüfungen nicht bestehen, verschwinden sie und machen dem vernünftigen freien Wettbewerb der tüchtigen Kräfte untereinander Platz. Kein großer Verwaltungsapparat Mitteilung des Reichskommissars für Preisüberwachung Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat am 7. November dieses Jahres an sämtliche Reichsministerien, die Reichsleitung der NSDAP München, den Verbindungsstab Berlin, die obersten Landesbehörden, die Oberpräsidenten, die Regierungspräsidenten in Preußen, die Kreisregierungen in Bayern und an den Deutschen Gemeindetag folgende Mitteilung gerichtet: „Das mir vom Führer und Reichskanzler übertragene Amt des Reichskommissars für Preisüberwachung habe ich heute angetreten. Ich gedenke nicht, einen neuen großen Verwaltungsapparat einzurichten, sondern mich der Sachkunde und des Verantwortungswillens der vorhandenen Stellen des Staates und der Partei zu bedienen. Ich bitte um diese Unterstützung durch Sie und alle nachgeordneten Stellen.“ Der Deutsche Gemeindetag ist gleichzeitig gebeten worden, die ihm eingeordneten Verwaltungen im gleichen Sinne zu unterrichten. Dr. Gördeler geißelte dann in treffenden Worten die Angstpsychose, die sich teilweise in die Bevölkerung eingeschlichen habe und belegte in einigen Beispielen die Unsinnigkeit des „Hamsterns“. Wenn die kaufende Bevölkerung Disziplin bewahre und die Angstpsychose aufgebe, dann würden die übertriebenen Preissteigerungen schon von selbst verschwinden. Sei dies nicht der Fall, dann würden alle unberechtigten Preissteigerungen ebenso unbarmherzig beseitigt werden, wie der sozial bescheidene und wirtschaftlich richtig gerechnete Preis gegen Angriffe geschützt werde. Auch der verantwortungsbewußte Kaufmann könne an der Beseitigung der Angstpsychose mitarbeiten, indem er jede offenbar erkennbare Ueberdeckung des Bedarfs ablehnt. Gördelers Pläue Ueber seine zunächst zu ergreifenden Maßnahmen äußerte sich Dr. Gördeler dahin: Ich werde mich zunächst auf dem Gebiete einiger wichtiger Rahrungsmittel und des BekleiIn wenigen Zeilen Der Reichsbankausweis für die erste Novemberwoche zeigt ein normales Bild. Der Goldbestand ging im Zusammenhang mit der im deutsch=englischen Abkommen vorgesehenen Bereitstellung von 400000 Pfund Sterling um 4,7 Millionen zurück, während bei den deckungsfähigen Divisen eine leichte Steigerung festzustellen ist. Anläßlich des 20. Jahrestages der Vernichtung des SM.„Emden“ bei den CocosInseln am 9. November 1914 sandte der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder, an den Kreuzer„Emden“ ein Telegramm. Auchdas deutsche Danzig trauerte am Freitag mit dem gesamten deutschen Volk um die Toten der nationalsozialistischen Bewegung. Mittags fand auf dem Langenmarkt eine Trauerkundgebung statt, bei der Gauleiter Forster die Gedenkrede hielt. Durch die Amnestie in Italien anläßlich der Geburt der Tochter des Kronprinzenpaares wurden 10782 Personen in Freiheit gesetzt. Im Fünfkirchener Kohlengebiet in Ungarn sind erneut 285 Bergarbeiter in den Streik getreten. Sie verlangen eine Lohnaufbesserung. Man hofft auf baldige Beilegung der Streitbewegung. Starkes Schneetreiben führte im oberen Erzgebirge zu großen Verkehrsstörungen, um so mehr, als die Temperatur über dem Rullpunkt lag, sodaß Pappschnee herrschte. Auch die elektrische Stromzufuhr wurde unterbrochen. Wenn die milde Witterung andauert. muß mit Hochwasser gerechnet werden. Der Fahrer PPricht um Surgerbrauteiter Antschluß 1 Ge ist teng dag=roße Wunde Vor der Alten Garde DRB. München, 9. Nov. In seiner Erinnerungsrede an die alten Kämpfer im Bürgerbräukeller wies der Führer einleitend auf die unermeßliche Arbeit und den unerschütterlichen Glauben hin, der die Bewegung in den vergangenen elf Jahren ihres Kampfes emporgetragen und zu der heutigen wunderbaren Wende des Schicksals geführt hat. Der Führer fuhr fort: Der Sinn des 8. und 9. November liegt für uns in dem, daß damals diese Bewegung ihre innere Härte und Widerstandsfähigkeit erwies. Wenn jemals das Schicksal uns ähnliches aufbürden wird, dann können wir uns erinnern an den Tag, da wir schon glaubten, die Macht in unserer Faust zu haben, und wenige Stunden später in die Gefängnisse wanderten, an dem Tage, da wir überzeugt waren, in größter Schlagfertigkeit dazustehen und am nächsten Tage nichts mehr besaßen; wie es kam, daß wir trotzdem diese Katastrophe überwunden haben? Die Bewegung hat damals einen geschichtlichen Befehl erfüllt, und den Besserwissern von heute kann man nur eines sagen: Ihr alle habt Clausewitz gelesen, oder wenn Ihr ihn gelesen habt, nicht begriffen, ihn anzuwenden auf die Gegenwart. Clausewitz schreibt, daß selbst nach einem heroischen Zusammenbruch noch immer ein Wiederaufbau möglich ist. Nur die Feiglinge geben sich selbst auf und das wirkt und pflanzt sich fort wie ein schleichender Gifttropfen. Und da wächst die Erkenntnis, daß es immer noch besser ist, wenn notwendig, ein Ende mit Schrecken auf sich zu nehmen, als einen Schrecken ohne Ende zu ertragen. Diese Erkenntnis hat unsere Bewegung im Jahre 1923 gehabt. Nicht haben sie gehabt die Parteien, die uns damals gegenüberstanden, nicht hat sie gehabt das alte System, das im Jahre 1918 ohne Kampf feige kapituliert hat. Sie hätten gesiegt, wenn sie den Mut zum Kampf besessen hätten. Dieser Mut fehlte ihnen damals. Sie zogen es vor, das zu tun, was Clousewitz als vertarnte Feigheit bezeichnet. Sie wollten damals den Kampf vermeiden, um später den Gegner niederzuzwingen. Und wenige Jahre später, da konnten sie ihn nicht mehr auf sich nehmen. Das Jahr 1933 stellte uns vor eine ähnliche Situation. Glauben Sie mir, entscheidend ist die Frage, ob man einen Gegner schlagen muß, und zweitens, ob man es erträgt, auch nicht siegreich zu bleiben. Denn Siege kann man immer ertragen. Die Frage ist nur, wie man Niederlagen trägt. Wenn die Not, wenn Katastrophen kommen, dann zeigt sich erst, ob auch wirklich Männer an der Spitze stehen. Das ist damals auch entscheidend gewesen für uns. nen Staatsstreich machen. Aber einen Entschluß hatte ich: Wenn die Gegenseite soweit kommt, daß ich weiß, sie wird schlagen, werde ich vier Tage vorher losschlagen.(Lebhafte Zustimmung.) Wenn man mir sagt:„Ja, aber die Folgen!“ so erwidere ich:„Die Folgen konnten niemals schlimmer sein, als wenn man nicht gehandelt hätte.“ Es hat damals nach unserem Aufstand Leute gegeben, die sagten: Nun ist die nationalsozialistische Bombe geplatzt. Jawohl— aber diese Bombe war gefüllt mit Samen, der dann ausgeworfen wurde und aufgegangen ist über ganz Deutschland. (Lebhafte Zustimmung.) Wir haben vor allem die Idee gerettet. Es ist nicht entscheidend, ob man siegt, sondern notwendig, daß man heroisch und mutig die Konsequenzen auf sich nimmt. Und wir haben diese Konsequenzen nach dem Kampf auf uns genommen. Als der Kapp=Putsch zu Ende war und die damaligen Putschisten vor die republikanischen Gerichte gestellt wurden, da hob jeder den Schwurfinger empor, er habe nichts gewußt, er habe nichts beabsichtigt und nichts gewollt. Das hat die bürgerliche Welt vernichtet, daß sie nicht den Mut hatte, einzustehen für ihre Tat, daß sie nicht den Mut hatte, vor den Richterterstuhl hinzutreten und zu sagen: Ja, das haben wir gewollt, wir wollten diesen Staat stürzen, wir wollten sie wegjagen, weil wir Deutschland frei machen wollten. Dieser Mut hat ihnen gefehlt und darum sind sie gescheitert.(Lebhafte Man kann es mir glauben: Unsere Partei hat sich hier gut gehalten. Nicht nur die Führer, sondern auch die Kleinen haben im Prozeß selbst die nationalsozialistische Idee und Bewegung gerettet. Jeder sagte: Das habe ich getan und ich verbitte mir, daß man mir das wegnehmen will. Das hat die Idee und die Bewegung damals gerettet.(Stürmische Zustimmung.) Dieser Wille und dieser Glaube ist gleich geblieben, auch in der Zeit, in der wir hinter Mauern saßen. Das kann ich meinen Gegnern sagen: Wir mußten uns damals schlagen! Denn was wollte denn eigentlich die nationalsozialistische Partei? Sie wollte zunächst, daß der alte Staat beseitigt werde, daß das System vom November 1918 wieder gestürzt und die Novemberverbrecher der Strafe zugeführt wurden. Sie wollte einen neuen Staat aufbauen auf nichtparlamentarischer Grundlage, sie wollte diesen Staat dann wieder zu einem Staat der nationalen Ehre machen und damit zwangsläufig zu einem Staat der nationalen Kraft und zu einem Staat der Freiheit. Wie wollte sie das? Sie wollte es, indem sie den faulen Erscheinungen des November 1918 einen neuen gesunden Staat im Staate entgegensetzte, in der Ueberzeugung, daß dieser eines Tages die Macht an sich reißen würde. Und sie konnte das nur wollen, wenn sie das beste Menschenmaterial sammelte. Mit Feiglingen kann man so etwas nicht unternehmen. Dann aber mußten wir einen Weg harter Auslese beschreiten. Man bekommt die besten Menschen nur, wenn man keinen Zweifel darüber läßt, daß hier gekämpft wird auf Leben und Tod. (Stürmische Zustimmung.) Und dann konnte man auch nicht immer nur reden. Man mußte auch einmal handeln. Denn am Ende zwingt nur die Tat die Männer in ihren Bann. Wir mußten im Jahre 1923 handeln, weil es der letzte Versuch der Separatisten in Deutschland war, der damals uns gegenüberstand. Die Not war ungeheuerlich: Die Inflation hatte die Menschen um ihr letztes Hab und Gut gebracht, der Hunger wütete. Die Menschen konnten mit keinem Tag mehr rechnen. Wer damals die Fahne aufzog, dem wurde Gefolgschaft geleistet. Es gab viele Menschen, die einfach sagten: Wer handelt, das ist gleichgültig. Entscheidend ist, daß jemand den Mut hat, zu handeln. Wenn ein anderer den Mut gehabt hätte, zu handeln, das Volk wäre ihm nachgelaufen. Es hätte gesagt: Gut ist es, einer wagt es. Wenn die Männer gehandelt hätten, die uns gegenüberstanden, dann stand höchste Gefahr vor der Tür. Es wäre dann am 12. November 1923 von den anderen gehandelt worden in dem Sinne, den man uns damals so oft als Weisheit predigte, nämlich: Norddeutschland wird ohnehin bolschewistisch, wir müssen uns daher separieren! Wir müssen den Norden ausbrennen lassen! Erst wenn das geschehen, kann man sich später wieder mit ihm vereinigen! Wie man sich trennt, hat man wohl gewußt. Wie man jemals aber wieder zusammengekommen wäre, das hat die Herren wenig beschwert. Und deshalb waren wir damals entschlossen, vorher zu handeln. Wir wollten damals keiDiese 13 Monate haben Ihnen schweren Schaden zugefügt(brausender Beifall), diese 13 Monate, die Sie mir zum Nachdenken Zeit gaben. Was Sie erlebten in diesen zwei Jahren ist damals in Landsberg geboren worden!(Lebhafter Beifall.) Dieser November 1923 hat uns aber noch etwas gegeben. Er gab mir die Möglichkeit, die neue Taktik der Partei festzulegen, Sie auf die Legalität zu verpflichten, ohne daß damit die Bewegung zur feigen Vereinsmeierei wurde. Was sonst nie möglich gewesen wäre, konnte ich damals allen in der Partei sagen: Es wird jetzt so gekämpft, wie ich es will und nicht anders. Sie brauchen mich nicht zu lehren, wie man eine Revolution machen muß, das weiß ich selbst. Wir haben dann legal gekämpft bis heute und trotzdem nicht die deutsche Jugend verloren und nicht die impulsive Kraft in unserem Volk. Wenn wir im November 1923 nicht, marschiert wären, wäre das alles nicht möglich gewesen. Es ist bann oas große wunver des deutschen Wiederaufstlegs gekoxmen, begründet in unserem Handeln an diesem ligen Abend! Von diesem Augenblick an ist die nationalsozialistische Idee aus dieser Saat und von diesem Lande aufgegangen über ganz Deutschland. Und als die Gefängnistore sich öffneten, da war das Wunder geschehen, daß in Wirklichkeit mehr Nationalsozialisten in dieser Zeit entstanden sind, als wir vorher in der Partei besaßen. Hätten wir nicht gehandelt, dann wäre uns das gleiche Schicksal zugestoßen, wie anderen Bewegungen, die redeten vom Marsch nach Berlin, um dann später zu sagen, es handele sich nicht etwa um einen physischen, sondern nur um einen geistigen Marsch nach dem Norden. Sieg ohne Kampf, das hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Wir haben gekämpft und sind geschlagen worden. Die anderen haben nicht gekämpft und sie sind damals nicht geschlagen worden. Aber diese anderen, die damals nicht geschlagen sind, sind vergangen und wir, die Geschlagenen, haben endlich über die anderen gesiegt. Das soll ein Trost zugleich sein für die kommenden Generationen. Wenn es uns je einmal schlecht gehen sollte, dann mögen Sie sich an diese Zeit zurückerinnern, an die schwerste Katastrophe, die uns jemals traf und fast vernichtete, und die uns erst recht wieder groß und stark werden ließ. Dann mag aus dieser Erkenntnis denen, die nach uns kommen, frischer Mut zuströmen, sie mag ihrem Gewissen den richtigen Rat geben, und sie wieder zur Pflicht rufen, sie hart machen, damit sie nicht unter einem Schlage zusammensinken. Die Jugend wird dies einst feiern als einen geschichtlichen Tag. Wir aber, die wir das Glück hatten, ihn mitzukämpfen, wir wollen uns heute und solange wir leben, immer an ihn zurückerinnern als an einen Tag der Wende auch für uns. Und wir haben nur einen einzigen Schmerz, daß nicht mehr alle bei uns sein können, die damals mit uns marschiert sind, daß leider eine Anzahl unserer allerbesten, treuesten und fanatischsten Kämpfer das Ziel, für das sie stritten, nicht mehr erlebt haben. Allein auch sie weilen im Geiste in unseren Reihen, im Jenseits werden sie wissen, daß ihr Kampf nicht vergeblich Bewegung, das Horst=Wessel=Lied, empor. Aus der Masse seiner alten Kämpfer wird dem Führer ein jubelnd aufgenommenes dreifaches Sieg=Heil dargebracht... Sur Haih, Dann schreitet der Führer, gleichsam unter einem Baldachin erhobener Arme, ganz langsam durch die dichten Reihen seiner alten Garde, hier einem alten Mitstreiter die Hand schüttelnd, dort mit einem anderen einige Worte tauschend überall immer wieder von dem Jubel seiner Getreuen begrüßt. Immer wieder muß der Führer die Hände schütteln, die sich ihm entgegenstrecken. Immer wieder schlägt ihm die Treue und Begeisterung seiner alten Kämpfer entgegen. Bilder von einer Eindringlichkeit, wie sie nur bei einem solchen Treffen denkbar sind, die Zeugnis für die enge Verbundenheit des Führers mit seinen Getreuen ablegen. Fast eine Stunde währt dieser Rundgang durch den Saal. Dann verläßt der Führer, immer wieder und wieder von jubelnden Heilrufen und begeisterten Kundgebungen überschüttet, das Treffen seiner alten Garde. Aber erst langsam leert sich der Saal, der wieder einmal eine der denkwürdigsten Kundgebungen gesehen hat. Rauf braußen Aus ausländischen Blättern Das Blut, das sie vergossen haben, ist Taufwasser geworden für das Reich. Und so wollen wir in diesem neuen Reich zurückblicken auf das, was hinter uns liegt, noch in fernster Zukunft. Und wir wollen uns ein Bekenntnis einprägen: Wir wollen stets entschlossen sein, zu handeln. Jederzeit bereit, wenn es notwendig ist, zu sterben! Niemals gewillt, zu kapitulieren! Stürmischer Beifall dankte dem Führer, als er geendet hat. Brausend steigt das Kampflied der „Der Burhsrikee ballert un Das Kabinekt Flandin DRB. Paris, 9. Nov. Um 0,35 Uhr französischer Zeit ist das Kabinett Flandin endgültig wie folgt gebildet worden: Ministerpräsident ohne Portefeuille: Flandin, Abgeordneter, Demokratische Allianz, Staatsminister ohne Portefeuille: Herriot, Abgeordneter, Radikalsozialist, Staatsminister ohne Portefeuille: Louis Marin, Abgeordneter, Republikanische Vereinigung, Auswärtiges: Laval, Senator, Justiz: Pernod, Abgeordneter, Rechte Mitte, Inneres: Regnier, Senator, Demokrat. Linke, Krieg: General Maurin, Kriegsminister: Pietri, Abgeordneter, Linksrepublikaner, Luftfahrt: General Demain, Handel: Marchandeau, Abgeordneter, Radikalsozialist, Finanzen: Germain=Martin, Abgeordneter, Radikale Linke, Nationale Erziehung: Mallarme, Abgeordneter, Radikale Linke, Oeffentliche Arbeiten: Noy, Senator, Radikalsozialist, Kolonien: Rollin, Abgeordneter, Republikanisches Zentrum, Handelsmarine: Vertrand, Abgeordneter, Radikalsozialist, Arbeitsminister: Jacquier, Abgeordneter, Radikalsozialist, Pensionen: Rivollet, Vertreter der Kriegsteilnehmer, Landwirtschaft: Senator Cassez, Radikalsozial. Oeffentliche Gesundheitspflege: Queuille, Abgeordneter, Radikalsozialist, Post und Telegraphenwesen: Mandel, Abgeordneter, parteilos, Unterstaatssekretär beim Ministerpräsidium: Verreau=Pradier, Abgeordneter, Radikale Linke. Hervorzuheben ist besonders, daß sich in der neuen Regierung zwei Staatsminister befinden, außer Herriot auch Louis Marin, wodurch Flaudin offensichtlich die Burgfriedensformel hat auf rechterhalten wollen, nachdem ihm die Mitwirkung Tardieus versagt worden ist. Eine Presseerklärung Flandins Der neue französische Ministerpräsident Flandin hat nach Bildung seiner Regierung der Presse folgende Erklärung abgegeben: „Der Burgfriede dauert an. Es ist mir gelungen, Persönlichkeiten um mich zu versammeln, die, wie ich überzeugt bin, mit Eifer Frankreich und der Republik dienen und es verstehen werden, die sie trennenden Parteiunterschiede zu vergessen, um nur ein Ziel zu haben: Kampf gegen das Elend und die Arbeitslosigkeit, Wiederherstellung der Wirtschaft, Aufrechterhaltung der Finanzen, Verjüngung und Reformierung des Staates. Ich hoffe, daß das Land eine Regierung, die ich in möglichst kurzer Zeit zu bilden mich bemühte und die sich sofort an die Arbeit begeben wird, mit Sympathie aufnehmen wird.“ Freundliche Aufnahme in der Presse Die beiden Ereignisse in Frankreich, der Rücktritt des Burgfrieden=Kabinetts Doumergue und die Bildung des Burgfrieden=Kabinetts Flandin, werden in der Pariser Presse ausführlich behandelt. Dem Verdienst des scheidenden Ministerpräsidenten, der nach Ansicht der Rechten durch den„Verrat der Radikalsozialisten“ gefallen ist, wird, von den sozialistischen Blättern abgesehen, Anerkennung gezollt. Der neue Ministerpräsident findet die freundliche Aufnahme, um die er in seiner kurzen programmatischen Erklärung gebeten hatte. Demonstrationszüge in Paris Auf den Straßen von Paris steht starker Ordnungsdienst bereit. In den Abendstunden war starker Zustrom von jungen Leuten aus dem lateinischen Viertel nach der Innenstadt zu bemerken, die, ohne die Ordnung zu stören, geschlossen durch die Straßen zogen und zum Teil Rufe ausstießen. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor. Bei den Verhafteten handelt es sich um verdächtige Ausländer. An gewissen Punkten der Stadt stehen Mobilgardisten mit Karabiner Posten. Stalin im Frack... Die Feierlichkeiten zu Ehren des 17. Jahrestages der bolschewistischen Revolution sind in vollem Gange. Ganz Moskau ist auf den Beinen, um von einer Festlichkeit zur anderen, und von einer Parade zur anderen zu eilen. Schließlich will man sich ja nichts entgehen lassen! Zum ersten Male wird in diesem Jahre anläßlich des Revolutionsfestes auch ein„Staatsball“ stattfinden. Zu diesem Fest sind alle Mitglieder des Diplomatenkorps in Moskau eingeladen worden, sowie die Oberbefehlshaber des roten Heeres und der roten Marine und die vielen übrigen hohen und höchsten Würdenträger des bolschewistischen Regimes. Die Einladungen sind von Stalin persönlich verschickt worden. Stalin wird auch auf dem Ball erscheinen und hat sich extra einen Frack bauen lassen. Es ist nicht nur das erste Mal, daß der„rote Zar“ an einem so „bürgerlich“ gesellschaftlichen Ereignis persönlich teilnimmt, sondern das erste Mal überhaupt in seinem Leben, daß der Diktator des roten Reiches einen Frack anhat... Mit Strahlen=Gewehren zur Schmuggler=Jagd Wie in Paris aus besonderer Quelle verlautet, sind in den letzten Tagen die ersten StrahlenGewehre zur Anwendung gekommen und zwar als Hilfsmittel im Zolldienst an der belgischfranzösischen Grenze. Der Erfolg war verblüffend. Man hat an Stellen, die sonst als Durchbruchspunkte für die Schmuggler berühmt waren, mehrere berüchtigte Gesellen gefangen. Sie konnten einfach keinen Schritt mehr weiter gehen, als sie durch das Strahlenlicht der neuen Gewehre geblendet worden waren. Das Prinzip der Strahlengewehre besteht darin, daß eine grelle Leuchtpatrone hinter einem Konkavspiegel abgeschossen wird, die bis zu 6 Kilometer Distanz wirkt. Man hat für den Zolldienst weitere Gewehre in Auftrag gegeben. Es wird damit gerechnet, daß mit ihrer Hilfe das gelingt, was durch eine große Mannschaftsverstärkung bisher nicht glückte: eine Eindämmung des täglich wachsenden Schmuggels von Belgien nach Frankreich und umgekehrt. Der verzehrte Fliegenfänger Einen tragischen Ausgang hat eine völlig unsinnige Wette genommen, die einige junge Burschen in einem Gasthof der sudetendeutschen Stadt Olbersdorf im deutsch=tschechoslowakischen Grenzgebiet abschlossen. Man war im Verlauf einer längeren Zecherei auf merkwürdige Wetten zu sprechen gekommen, von denen man in den Zeitungen gelesen hatte. Plötzlich erbot sich einer aus der Stammtischrunde einmal selbst eine seltsame Wette abzuschließen. Und zwar wolle er sich gegen mehrere Glas Bier verpflichten, den über dem Tisch hängenden Fliegenfänger zu verzehren. Man lachte zunächst und schenkte dem jungen Mann keinen Glauben. Er bestand aber hartnäckig auf den Abschluß der Wette. Dann stieg er auf dem Tisch, riß den Fliegenfänger herab und verschlang ihn tatsächlich vor den Augen der Anderen. Sein ekelerregendes Vorhaben gelang ihm tatsächlich. Wenige Stunden danach wurde er jedoch von schweren Schmerzen befallen. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte keine Hilfe mehr leisten. Der Mann mußte die Wette mit dem Tode büßen. „Fluchbeladene Gewinne" Der Brüsseler„Standaard“, das Organ der Minister Sap und van Cauwelaert, veröffentlicht auf der ersten Seite in Fettdruck das Geschäftsergebnis von Schneider=Creusot, das sich auf einen Nettoge; nn von 20,8 Millionen frs. belaufe, so daß ein Dividende von 80% ausgezahlt werden könne. In einem Kommentar spricht das Blatt von fluchbeladenen Gewinnen. Während in( opa Millionen von Menschen in bitterster Not Jahinlebten und die Arbeitslosigkeit steige, während ganze Industrien zum Absterben verurteilt seien und die internationalen Spannungen zunähmen, mache die Rüstungsindustrie glänzende Geschäfte. Schneider=Creusot gebe die Höhe der Dividende triumphierend wie eine Siegesnachricht bekannt. Wenn es Schneider-Creusot gut gehe, so stehe es um die Völker schlecht. M. G. V.„CHcilia“ 1869 Schwerte Birtsont: Ataatl. sonr. Bostichee Hornons Breststhler Sonntag, 11. November, 15 Uhr im„Freischütz“ Festkonzert anläßlich des 65jährigen Bestehens (Stuhlreihen) Mitwirkende: Emmi Schuhmacher, Bochum, Sopran Ernst Buckemüller, Schwerte, Tenor Knaben des Jungvolks, Schwerte Städt. Orchester Witten(Fliegner) Erstaufführung:„Syrphonie des Jahres Zyklus für Chor, Solo und Orchester in 5 Sätzen nach Gedichten von Josef Stollreiter komp. von Hermann Brockpähler Anschließend: Feier des 65 jährigen Bestehens und Ehrung der Jubilare. Danach: Gemütliches Beisammensein mit Tanz bei vollem Orchester. 2200 Warre den iem dorvereund an von, un der emane bühner •*)"* für Drogerie gesucht. Zu erfragen in der Geschst. dieser Zeitung. 2291 Alden hn Wegen Aufgabe der Zweigpraxis habe ich meine Sprechstunden verlängert Tagl. von 9•1 u. 3.1 Uhr außer Sonnabend nachm. u. Sonntags. Fr. Edel, staatl. gepr. Dentist Bahnhofstr. 12 Tel. 2889 Café Astoria Haben Sie schon die zwei Künstler Liebemann und Krüger Harmonika Virtuosen mit Ihren neuesten Schlagern gehört? 229. 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Hoffentlich machen die Sommerfußballer auch mal wieder mit, damit die Mannschaften nicht immer mit Ersatz spielen müssen von Westhofen hat schon manchen schönen Sieg errungen, ob es auch gegen obigen Gegner gelingt, wird das morgige Spiel zeigen. Die Schülermannschaft folgt einer Einladung nach Villigst. Warnung! Gerichtlich zur Verantwortung ziehen werde ich jeden, der die unwahren Gerüchte über meine Person welter verbreitet. Wilh. Kuhlmann 2211 Gelsecke Waschmaschinen,Wassermotore Wasserschläuche, Ersatzteile Curt zen I. Etage. Größte Auswahl Die kaulen Schlafzimmer aus erster Hand in bekannt bester Qualität direkt von A. Gemmeke, Höbelwerkstätte, Steinheim i.Westf. Verlangen Sie Angebote. Lieferung per Auto frei Haus und erfolgt Aufstellung nur durch Fachleute. Küchen in großer Auswahl. 8 E der bunters beger.% schmitt K m Buchhandlung C. 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Vor dem Hauptspiel treffen sich die beiden zweiten Mannschaften von VfL. und Menden 09, ebenfalls zum Meisterschaftsspiel. Die Schwerter sind augenblicklich groß in Form und dürften auch zu diesem Spiel mit den besten Siegesaussichten in den Kampf gehen. Jugendabteilung. Die Jugendabteilung ist mit allen Mannschaften auf den Beinen. Während zwei Mannschaften in Menden spielen, finden drei Spiele in Schwerte statt. Menden 10 Jun.— VfL. Schwerte Jun. Mit gleichen Siegesaussichten gehen die Mannschaften in den Kampf. VfL. Schwerte 1. Jgd.— Hennen 1. Jgd. Dieses Spiel wird aller Voraussicht nach vom Platzverein gewonnen werden. Reichsb. Schw. 1. Jgd.— VfL. Schw. 1. Jgd. Die Gäste werden alles aus sich herausgeben müssen, um gegen die spielstarke Reichsbahnjugend ehrenvoll zu bestehen. H Deutsche Turnerschaft Handball Turnverein„Jahn“ Schwerterheide Tv. Jahn Schwerterheide 1.— Tv. Schwitten 1. Am Sonntag kommen die Jahner einer Einladung des Tv. Schwitten nach. Beide. Vereine standen sich schon im Meisterschaftsspiel gegenüber. In diesem Spiel mußten sich die Jahner geschlagen bekennen. Auch dieses Mal werden die Jahner an einer Niederlage nicht vorbeikommen.„ Spchilten Tv. Jahn Schwerterh. 2.— Tv. Schwilten 2. Die zweite Mannschaft begleitet die erste Mannschaft nach Schwitten und tritt in vollständig neuer Aufstellung an. Wer aus diesem Spiel als Sieger hervorgeht, steht noch nicht fest, da beide Mannschaften noch nicht zusammen gespielt haben. Olumpia-Trainingsgemeinschaft Iserlohn Am morgigen Sonntag 1. Uebungsstunde in der Halle. Amtlich wird mitgeteilt: Die erste Uebungsstunde der Trainingsgemeinschaft Iserlohn in der Halle findet nunmehr bestimmt am kommenden Sonntag, dem 11. Nov. in der Turnhalle der ev. Ostschule zu Iserlohn, Mendener Straße statt. Das Training, zu dem zu erscheinen für sämtliche Gemeinschaftsmitglieder unbedingte Pflicht ist, beginnt pünktlich 10 Uhr vormittags. Das komplette Feld der 100 Klm. in der Westfalenhalle. Für das am kommenden Sonntag, den 11. November, nachm. 5 Uhr in der Westfalenhalle stattfindende 100 km.=Mannschaftsrennen, ist nunmehr die Starterliste komplett. Die Besetzung des Rennens ist ausgezeichnet und besonders interessant, da neben einer Reihe populärer Sechstage=Größen auch einige junge erfolgreiche, hier noch nicht gestartete Fahrer am Start erscheinen. Die nachfolgenden 12 Mannschaften werden am Sonntag sich dem Starter stellen: Goebel— Pützfeld(Dortmund), Schön— Lohmann(Wiesbaden=Bochum), Funda— Kroll(Berlin), Gröning— Leuer(Berlin=Köln), Ippen— Korsmeie:(Köln=Dortmund), Grohs— Weckerling(Dtmd=Magdeburg), Pijnenburg— Slaats(Holland), Siebelhoff— Kijewski(Dortmund), Engelmann— Wesenberg(Berlin), Pellenaars— Braspenninx(Holland), Siehl— Göttmann(Frankfurt). Schnitzler— Resiger(Köln=Breslau). Pferdesport M A Stets auf dem Laufenden ohne Hühneraugen durch „Leberoht!“ Blechdosen(8 Pflaster) 68 Pfg. in Apotheken und Drogerien. 2006 Mediz.-Drog. eppe. Ostenstr. 3. Central-Drog. E. Rienhöfer, Hüsingstr. 12. Sicher zu haben Türnen, Exiel und Eberl Sport-Anzeiger (Unter dieser Rubrik kostet die mm=Zeile 4 Pfa.) Handball=Plichtspiel. Sonntag, den 11. Nov. 1934: Tus 07 Holzen 1.— Tamd. Arnsberg 1. Anwurf 11 Uhr. Sportplatz Jahnstraße. Sonntag, den 11. November 1934: Schwerter Turnerschaft 1.— Schleddenh. Sch.=V. Iserlohn Sportplatz Gymnasium Anwurf 3 Uhr Fußball im Kreis Iserlohn Am Sonntag gelangt ebenfalls ein umfangreiches Programm zur Abwicklung. Nicht weniger als 22 Mannschaften sind im Kampf um die wertvollen Punkte tätig. Die einzelnen Vereine sind ziemlich gleichmäßig gut zusammen gepaart, wodurch spannende Kämpfe in Aussicht gestellt werden. Zunächst steigt in Schwerte ein wichtiges Treffen und zwar treffen sich BfL. — Spiel und Sport Menden 09. Technisch haben die Gäste etwas voraus; dieses gleicht sich aber wegen der Platzvorteile der VfLer in etwas aus. Verlieren die Einheimischen auch diesen Kampf. so ist vorläufig der Anschluß an die Spitzenführung genommen. Wir hoffen aber, daß sich jeder Spieler die Wichtigkeit dieses Spieles vor Augen führt und am Sonntag alles aus sich herausgibt, dann glauben wir bestimmt an einen knappen Sieg. Das Ortstreffen Iserlohn 05— Iserlohn 11 scheint hart zu werden. Hier den Sieger im voraus zu bestimmen, wäre abwegig. Nur Glück und Tagesform wird ausschlaggebend sein. Der SC. Menden 10 erwartet den ASSV. Letmathe 98. Die Gäste sind wieder im Kommen und werden versuchen, ihren Gegner ein gleichwertige Partie zu liefern. Bei etwas Glück sollten die 98er sogar knapp gewinnen. Warten wir mal ab: jedenfalls ist dieses Treffen für die Tabellenführung von großer Bedeutung. Tus 06 Schwerte stellt sich in Nachrodt vor. Die Schwerter werden sich bemühen, beide Punkte mit heimzubringen. An dem Gelingen wird nicht gezweifelt. VfB. Grüne stößt zu Hause auf den Sportklub Westig 08. Lendring= sen wird es verstehen, seinen Gegner Iserlohn 24 geschlagen heimzuschicken. Deilinghofen hat gegen Sümmern die besseren Aussichten. Schwarz=Weiß Holzen wird gegen Hohenlimburg=Wesselbach nichts zu bestellen haben. Obernahmer wird trotz Anstrengung gegen Dröschede verlieren. Reichsbahn Schwerte muß nach Oestrich und hat dort einen schweren 07 Holzen Tus Holzen 07 1.— Tamd. Arnsbera 1. Sonntag stehen sich wieder einmal auf dem Holzener Sportplatz diese beiden Mannschaften im Wettspiel gegenüber. Vor längerer Zeit gelang es den Holzenern, im Freundschaftsspiel den Gästen den Sieg zu nehmen, auf eigenem Gelände mußten sich die Arnsberger geschlagen bekennen. Die Gäste haben bekanntlich an Spielstärke zugenommen, durch Zugang von Reichswehrleuten ist die Mannschaft verstärkt. Werden die Rot=Weißen im Sturm ein besseres Zusammenspiel zeigen, sollten sie am Schluß voraussichtlich den Sieg für sich buchen können. Tus Holzen 07 2.— Tv. 1884 Ergste 1. Auch diese Mannschaften stehen sich im Punktespiel gegenüber. Vor dem Spiel der 1. Mannschaft wollen sie ihre Kräfte messen, der Papierform nach müßten die Gäste den Kampf für sich entscheiden, der Platzverein aber wird ihnen mit einer starken Mannschaft entgegentreten, die dem Gast das Siegen nicht leicht macht. Ein interessanter Kampf ist zu erwarten. Tus 07 Holzen 1. Jad.— Tus Reichsb. 1. Jad. Im Diplomspiel werden sich die Junioren einen flotten Kampf liefern. Beide sich gleichwertig, die bessere Stürmerleistung wird den Sieg entscheiden. Tus 07 Holzen 1. Schüler— Tv. Bürenbruch 1. Schüler. Turngemeinde Westhofen 1883 Turngemeinde Westhofen 1.— Reichsbahn Schwerte 1. Zum fälligen Meisterschaftsspiel treffen sich obige Mannschaften am Sonntag, dem 11. d. M. auf dem Sportplatz Westhofen. Beide Mannschaften verfügen augenblicklich über gute Kräfte und es wird ein heißes Ringen um die Punkte werden. Die Reichsbahner, die durch Neuaufnahmen an Spielstärke erheblich zugenommen haben, werden den Westhofenern das Siegen nicht leicht machen. Wer aus diesem Spiel als Sieger hervorgeht, ist ungewiß. Tamd. Westh. 1. Jgd.— Rb. Schw. 1b Igd. Martini=Preis. 1850 Mk. 1200 m: 1. Goldtaler(Nickel), 2. Dublette, 3. Kernpunkt. Sieg 43, Platz 25, 31, 82. Ferner: Hanshein, Mississippi, Ahnherr, Carna, Georgina, Gute Gabe. Herbst=Hürden=Rennen. 1650 Mk. 2800 m: 1. Heidekönig(Vaas), 2. Voltaire 2, 3. Sisikon. Sieg 43, Platz 15, 20, 12. Ferner: Hat, Bacchantin, Lösegeld, Medinus, Girlande, Lampade, Pieta. Tremonia=Preis. 1650 Mk. 2000 m: 1. Renpers(M. Schmidt), 2. Onkel Karl, 3. Elmar. Sieg 28, Platz 11, 12, 13. Ferner: Galsworthy, Kolbenhirsch, Sonnenzeit, Golo. Hubertus=Jagdrennen. 1850 Mk. 3700 m: 1. Utamaro(Glitsch), 2. Leithirsch, 3. Schwerthieb. Sieg 50, Platz 17, 16, 17. Ferner: Rhenus, Franziskus, Steinbruch, Fahrewohl. Abschiedsrennen. 1200 Meter: 1. Letzter Sioux(Nickel), 2. Husar, 3. Milotti. Sieg 89, Platz 24, 17, 26. Ferner: Ordensschwester, Feuerwerk, Blackberry, Perlmuschel, Siegfried, Haudegen, Gräfin Mariza, Berna. Auf Wiedersehen. 1850 Mk. 2400 m: 1. Georgette(Vaas), 2. Basadere, 3. Panorama. Sieg 56, Platz 17, 17, 18 Ferner: Eisenkönig, Jahrtausend, Losung, Geländeritt, Andreas Hofer, Emil, Spanga. Doppelwette: 604:10. WINTERHILFSWERK UiS SLeTScHEN VOLUS 19344 35 G 0 Sosrsckzekkonis OBertin 77100 Zum fälligen Diplomspiel treffen sich obige Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke, Schwerte=R. Verantwortlich für den gesamten Tertteil: Heinz Friedrich Kamecke. Schwerie=R. Für den Anzeigenteil: Haus Linner, Schwerte=R. Stand. Das Treffen VfB=Westhofen— Tus 84 Mannschaften. Die neuaufgestellte D. A. X./34, 1577. Ras JrScvurssoraore Schulhausbrand in Paderborn Paderborn. Am Freitagmorgen entstand in dem Dachstuhl der Herz=Jesu=Schule in Paderborn ein Brand, der seinen Ausgangspunkt wahrscheinlich in einer dort befindlichen Wohnung nahm. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle, jedoch gestalteten sich die Löscharbeiten sehr schwierig, da die Rauchentwicklung besonders heftig war. Nach vierstündiger Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Der entstandene Sachschaden ist sehr beträchtlich. Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Von einer Kuh getötet Ibbenbüren. Die etwa 30jährige im Kloster zum guten Hirten beschäftigte Dienstmagd Anna Braune wurde beim Einfangen einer wildgewordenen Kuh von dem wütenden Tier auf die Hörner genommen und schwer verletzt. Das Mädchen wurde ins Krankenhaus gebracht, starb aber kurz nach der Einlieferung. Unregelmäßigkeiten bei der Steuerkasse der Stadt Hagen Hagen. Seit einiger Zeit ist bei der Steuerkasse der Stadt Hagen die Beobachtung gemacht worden, daß sich gewisse Unstimmigkeiten bei der Verrechnung einzelner Konten ergaben. Die insgeheim angestellten Untersuchungen haben nunmehr die Vermutung bestätigt, daß ein treuloser Beamter bestimmte Beträge, die fast ausschließlich aus den Jahren 1931 und 1932 herrühren, falsch verbucht und diese für sich verwandt hat. Der in Frage kommende Beamte wurde festgenommen und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, so daß über die Höhe der Veruntreuungen noch keine Angaben gemacht werden können. Tödlicher Sturz mit dem Fahrrad Altenvörde. Der Sohn des Gasthausbesitzers Möller aus Milspe stieß mit seinem Fahrrad in Altenvörde mit einem Mädchen zusammen, das mit leichteren Verletzungen davonkam. Möller selbst fiel so unglücklich gegen einen Bordstein, daß er kurz nach dem Unfall starb. Der Gau Westsalen-Süd ehrte seine Loten Bochum. Für alle Gliederungen der RSDAP im Gau Westfalen=Süd fand am Freitagvormittag eine eindrucksvolle und feierliche Ehrung der 25 im Kampf für ein neues Deutschland gefallenen Helden statt. Die Bevölkerung bekundete ihre Anteilnahme an dieser Gedenkstunde durch Hissen der Fahnen auf halbmast. Um 8,30 Uhr traten die Abordnungen der Partei auf dem Kaiser=Friedrich=Platz an. In geschlossenem Zuge ging es dann zum Ehrenmal, an dem Abordnungen der SA und SS mit brennenden Fackeln die Ehrenwache hielten. Alle Gliederungen der Bewegung ließen durch ihre Vertreter prächtige Kränze niederlegen, während die SA=Kapelle das Lied vom guten Kameraden intonierte. Die Gräber der für das Dritte Reich Gefallenen waren zu Ehren des Tages besonders geschmückt. Auf dem Platz vor dem Rathaus nahmen Gauleiter Staatsrat Wagner, SA=Gruppenführer Schramme und SS=Oberführer Schleßmann den Vorbeimarsch der Formationen ab. Den Ausklang der Ehrung der toten Helden bildete am Abend eine große Totengedächtnisfeier des Kreises Bochum der RSDAP im weihevoll ausgestatteten Saale des Schützenhofes. Beim Fensterputzen abgestürzt Duisburg. Die 19jährige Tochter der Eheleute Marcek aus der Antonienstraße stürzte infolge eines Fehltritts beim Fensterputzen aus dem dritten Stockwerk auf die Straße. Das Mädchen, das sich schwere innere und äußere Verletzungen zuzog, wurde dem Bethesda=Krankenhause zugeführt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Arbeitstagung der Gesellschaft für Erwer behhyiene Bochum. In der Westfälischen Verwaltungsakademie begann am Donnerstag eine für vier Tage berechnete Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygiene, die sich mit Frage der Entstehung und Verhütung der Silikose(Staublungenerkrankung) zu befassen hat. Zu der Tagung sind aus allen Teilen des Reiches an 400 Teilnehmer, darunter führende Aerzte großer Krankenanstalten, Vertreter der Reichsministerien der Arbeit, der Wirtschaft und des Innern, zahlreicher Berufsgenossenschaften, Landesversicherungsanstalten und der Deutschen Arbeitsfront erschienen. Nach einer Begrüßungsansprache des Leiters der Arbeitstagung, des Präsidenten des Reichsgesundheitsamtes Prof. Dr. Reiter(Berlin), in der er als Sinn der Tagung die Mitarbeit an der Wiedergesundung des deutschen Volkes hinstellte, begannen die Vorträge.— Dr. Udluft (Berlin) sprach über Entstehung der Silikose vom Standpunkt des Mineralogen. Da die Silikose eine Erkrankung der Atmungsorgane sei, die auf die Einatmung von anorganischem, mineralischem Staub zurückgehe, müsse die mineralogische Forschung mit der medizinischen Hand in Hand gehen, um die Ursachen der Erkrankung und damit die Vorbeugungs= und Bekämpfungsmethoden zu erkennen.— Prof. Dr. Jötten(Münster) verbreitete sich über die wissenschaftlichen Grundlagen der quantitativen und qualitativen Steinstaubbestimmung. Er wies darauf hin, daß zu vergleichbaren Staubmessungen unbedingt die Ausarbeitung einer stets gleichmäßig arbeitenden Standard=Apparatur erforderlich sei. Eine derartige Apparatur hat der Redner in jahrelangen Versuchen ausgearbeitet. Eine einwandfreie qualitative Staubanalyse sei nur möglich durch Heranziehung eingehender Untersuchungsmethoden. In instruktiven Vorträgen ergingen sich Prof. Dr. Reichmann(Bochum) und Prof. Dr. Schürmann(Bochum) über den Verlauf der Silikose und über ärztliche Maßnahmen zu ihrer Verhütung. Beide haben gemeinsam an dem großen Material, das ihnen durch die in gewissen Abständen stattfindenden Untersuchungen der Gesteinshauer im Ruhrgebiet an die Hand gegeben worden ist, die Entwicklung der Silikose in den Jahren 1929 bis 1931 verfolgt. Die Verbreitung der Silikose bei den noch tätigen Gesteinshauern sei gering. Etwa 90% hatten keine Silikose, der Rest nur leichte Veränderungen. Bis zur Entstehung einer leichten Silikose könnten über 20 Arbeitsjahre vergehen. Die Entstehung der Krankheit ist weitgehend unabhängig vom Lebensalter. Prof. Dr. Reichmann hat an dem Material der Sektion 2 der Knappschafts=Berufsgenossenschaft die Weiterentwicklung der Silikose ins schwere Stadium verfolgt. Das Charakteristische in diesem Stadium ist, daß das Lungengewebe schrumpft und dadurch zu Verzerrungen und Verziehungen der Brustorgane führt, die eine erhebliche Belastung für die Lunge und das Herz bedeuten. Aus rund 500 Fällen von schwerer Silikose ergab sich im Durchschnitt eine Gesteinsarbeitszeit von 18 Jahren bis zum Beginn der schweren Silikose. Von etwa der gleichen Anzahl an schwerer Silikose Verstorbener waren 63,7% einer begleitenden Tuberkulose und 36,3% der Erlahmung des Herzens erlegen. Unter den Gesteinshauern, die durch ihre schwere Silikose nahezu völlig arbeitsunfähig waren, starben sogar 70% an Tuberkulose. Prof. Dr. Lehmann(Dortmund) vom KaiserWilhelm=Institut für Arbeitsphysiologie äußerte sich über die Bedeutung der Nase für die Entstehung der Staublunge. Der Vortragende ging davon aus, daß es unter den gleichen Arbeitsbedingungen bei manchen Arbeitern relativ früh, bei anderen sehr spät oder gar nicht zum Auftreten silikotischer Erscheinungen komme und fand als eine der Ursachen hierfür die Beschafsenheit bzw. die Funktion der oberen Luftwege als Staubfilter. In den jüngeren Altersklassen der von Silikose Befallenen falle auf, daß alle frühzeitig Erkrankten sich durch ein schlechtes Staubbindungsvermögen der Nase auszeichnen. Mundatmer erkrankten in der Regel, da sie von der Filterwirkung ihrer Nase keinen Gebrauch machten. Der Vortragende schlug vor, für Silikose gefährdete Betriebe Eignungsprüfungen derart einzuführen, daß nur Personen mit gutem Staubbindungsvermögen zugelassen werden.— Dr. di Biasi, Professor am Krankenhaus Bergmannsheil in Bochum, sprach über Tuberkulose und Silikose. Rundgreung eer Erzieher uousseiderf Staatsminister Schemm sprach Düsseldorf. Vor rund 10000 Erziehern aus dem Gau Düsseldorf sprach der Organisationsleiter der deutschen Erzieherschaft, Staatsminister Hans Schemm, über die Aufgaben der Jugenderziehung. Der Redner sagte u. a., in der Schule darf es keinen Unterricht mehr geben, der nicht irgendwie Bezug nimmt auf den Begriff Volk. Wir stehen auf dem Standpunkt: Herein mit der Politik in die Schule. Früher haben wir das Gegenteil vertreten, aber nur aus dem Grunde, weil jeder Lehrer eine andere Partei vertrat und die Jugend nur zersetzt und zerrissen wurde. In der Schule gibt es jetzt nur eine Politik und die heißt: Nationalsozialismus. Nicht mit Methoden müssen wir an die Erziehung herangehen, sondern mit der Persönlichkeit. Der Lehrer muß He####g hinter jedem Schüler sitzen als Kamerad. Früher war der Schüler isoliert und betrachtete den Lehrer als Feind und die Schule als Mittel zum Zweck, um die abgeschlossene Bildung zu erlangen. Wir vertreten heute andere Grundsätze. Die Erwachsenen sind verantwortlich dafür, wie die Jugend sich entwickelt. Die Jugend schrie nach Volk „Eierkönig“ Jungermann vor Gericht Diesmal wegen Devisenschiebungen Essen. Der sogenannte Eierkönig Markus Jungermann, einer der Hauptversorger des Industriegebiets mit Eiern, der schon im vergangenen Jahre wegen Betruges von der Essener Strafkammer zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden war, stand jetzt wieder vor dem Richter. Jungermann war der Devisenschiebung angeklagt. Er verstand es, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, sich Rechnungsbeträge in Höhe von 1 044 000 RM bei der Devisenstelle genehmigen zu lassen, ohne Geschäfte in dieser Höhe mit dem Ausland getätigt zu haben. Weiter wurde Jungermann zur Last gelegt, daß er entgegen den Bestimmungen der Devisenverordnungen, an das Ausland bzw. an Inländer zugunsten von Ausländern Zahlungen geleistet habe. Dann wurden dem Angeklagten noch Effektengeschäfte vorgeworfen, die ebenfalls nicht zur Genehmigung der Devisenstelle vorgelegen hatten. Jungermann wußte sich seinen Vorteil in der Weise zu verschaffen, daß er seine Lieferanten nicht bezahlte, aber mit den dafür vorgesehenen L###senbeträgen an der Amsterdamer Effektenbörse Geschäfte tätigte und die auf diese Art erworbenen Devisen unter großem Gewinn in Deutschland an den Mann zu bringen wußte. Die Höhe der auf diese Weise unrechtmäßig erlangten Devisen beträgt mehrere 100000 RM. Nach dreitägiger Verhandlung kam der Staatsanwalt zu seinem Strafantrag. Er geißelte das volksschädigende und landesverräterische Treiben des Angeklagten schwer und beantragte gegen ihn wegen schwersten Devisenverbrechens eine Gesamtzuchthausstrafe von vier Jahren, eine Geldstrafe von 165000 RM, ersatzweise 15 Monate Zuchthaus, und fünf Jahre Ehrverlust. Die Untersuchungshaft soll angerechnet werden. Gleichzeitig forderte der Staatsanwalt die Einziehung der beschlagnahmten Werte des Jungermann, darunter eines Hypothekenbriefes von 100000 Gulden und eines Scheinkontos von 21 000 Dollarbonds. Das Landesfinanzamt Düsseldorf, das als Nebenkläger auftrat, schloß sich den Ausführungen des Staatsanwalts an und beantragte das gleiche Strafmaß. Jungermann und seine beiden Verteidiger baten um eine mildere Strafe, Jungermann mit dem Hinzufügen, ihn aus der Haft für mehrere Monate zu entlassen.— Die Urteilsverkündung erfolgt am Samstagmittag. und fand Partei, sie schrie nach Gott und fand Gottlosigkeit, sie schrie nach Vaterland und fand Vaterlandsverrat. Der Wert des Menschen wird gemessen an dem, was er im Dienst für sein Volk tut. Der Verstand muß Diener des Herzens sein. Wenn wir das erkannt haben, dann werden wir zu einer richtigen Anschauung der Volksidee und der Religiosität kommen. Zur Religionsfrage übergehend, erklärte Staatsminister Schemm, daß die RSDAP nicht Gegner der Konfessionen sei. Wir deutsche Erzieher vertreten den Grundsatz, daß Gottlosigkeit, Haß und Verleumdung keinen Eingang in die deutsche Jugend finden dürfen. Wir bekennen uns zu der Parole„Volk und Gott“ und vertreten die Meinung, daß unter der Ueberschrift„Volk“ Klassen, Berufsstände, Gesellschaftsschichten sich friedlich vereinigen, und unter der Ueberschrift„Gott“ auch alle diejenigen, die Gott verehren, in Frieden miteinander leben können. Bei der kommenden Schulreform gibt es Grundschule und höhere Schule. Dem Erzieher wird es überlassen werden, den Schüler je nach Fähigkeit, Veranlagung und Leistung hierhin oder dorthin zu schicken. Es ist keine Schande, in der Grundschule zu bleiben, denn ein tüchtiger Handwerker, Kaufmann und der Wissenschaftler sind alle gleich wertvolle Volksgenossen. Die größte und schönste Aufgabe, die wir Erzieher haben, ist die, der deutschen Jugend das Gefühl und die Ueberzeugung der ewigen Jugend im Blick auf die kommenden Geschlechter zu schenken. Wenn uns das gelingt, dann schaffen wir dadurch das jüngste Volk der Welt: Deutschland. Ein rabiater hausierer Krefeld. Am Vormittag wurde einer Frau in der Süchtelner Straße von einem Hausierer Ware zum Kauf angeboten. Als die Frau weigerte, zu kaufen, fiel der Hausierer unvermittelt über die Frau her und schnitt ihr einen Teil der Haare ab. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen flüchtete der Täter und konnte entkommen. Der dreiste Bursche hatte bereits am Tage vorher in der Wohnung der überfallenen Frau Ware angeboten, war aber gleichfalls abgewiesen worden. Man nimmt an, daß er aus Rache am nächsten Tage die Tat ausführte. Der Strasprozeß gegen Dr. Brüning Köln. Am Freitag begann vor der 3. Großen Strafkammer in Köln der Strafprozeß gegen den 5Zjährigen früheren Banidirektor Dr. h. e. Anton Brüning, dem die Anklage Betrug, Betrugsversuch, Untreue, Unterschlagung und Konkursvergehen zur Last legt. Die dem Angeklagten vorgeworfenen Straftaten fallen in die Jahre 1926 bis 1933. Nach Verlesung der Anklage gab der Angeklagte zu, daß der Sachverhalt der Anklage im wesentlichen richtig sei und daß er sich auch schuldig bekennen müsse. Er müsse nur in einem Falle eine Schädigung des Gläubigers bestreiten. In keinem Falle habe er die Absicht gehabt, überhaupt jemanden zu schädigen. Er sei immer der Ueberzeugung gewesen, die ihm anvertrauten Gelder gut angelegt zu haben. Niemals sei ihm ein Zweifel gekommen, daß er die Summe nicht bei ihrer Fälligkeit hätte zahlen können. Als es aber endlich so weit gewesen sei, alles nach und nach zurückzuzahlen, sei er in dem Görreshaus=Prozeß festgenommen worden, wodurch es ihm unmöglich wurde, die Rückzahlungen vorzunehmen. 1929 seien seine Vermögensverhältnisse in Ordnung gewesen, aber dann habe er sich auf ein verunglücktes Geschäft eingelassen und dadurch sei er auch in Bedrängnis gekommen. Die Vernehmung wandte sich dann den einzelnen Punkten der Anklage zu. Rotlandung eines beigischen Miläiriagenges Köln. Am Donnerstagnachmittag landete auf dem Ausstellungsgelände im Rheinpark in KölnDeutz ein belgisches Militärflugzeug. Der Flugzeugführer hatte wegen besonders schlechten Wetkers deutsches Gebiet aufsuchen müssen. Bei der Notlandung wurde das Flugzeug leicht beschädigt, während der Führer unverletzt blieb. Seinem Wunsche entsprechend wird mit Unterstützung der Deutschen Lufthansa das Flugzeug abmontiert und voraussichtlich noch heute auf dem Bahnwege zurückbefördert werden. Hohe Preise bei Weinbergsversteigerungen Bernkastel. Bei einer in dem bekannten Weinort Uerzig an der Mosel stattgefundenen Nachlaßversteigerung von Weinbergsland wurden dieser Tage überaus hohe Preise erzielt. Die Weinberge erbrachten je nach Lage einen Preis von 4 bis 6 RM pro Rebstock. Ein an der Straße gelegener Weinberg, der 36 Ruten maß und sich auch als Bauplatz eignet, erzielte einen Versteigerungspreis von 8210 RM, d. i. für die Rute 228 RM. Furchtbarer Tod eines Kinder Güls(Kreis Koblenz). Mit furchtbaren Brandwunden wurde ein vierjähriger Junge ins Krankenhaus eingeliefert. Der Kleine war in einem unbewachten Augenblick in ein Gefäß mit kochender Waschbrühe gefallen. Der Tod erlöste jetzt den Kleinen von seinen gräßlichen Schmerzen. Brandstiftung wegen Erbhofstreitigkeiten Aachen. Durch einen Brand wurden die Stallungen auf dem Anwesen einer Witwe in Mersheim(Kreis Düren) am 1. November d. J. zum Teil vernichtet. Die Ermittlungen der Landeskriminalpolizeistelle Aachen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Beamten ergaben, daß vorsätzliche Brandstiftung in Frage kommt. Der 22jährige Sohn der Witwe wurde jetzt als Täter festgestellt; er hat auch bereits ein Geständnis abgelegt. Der Grund für die Brandstiftung ist in Erbhofstreitigkeiten zu suchen. Sicherungsverwahrung für einen Gewohnheitseinbrecher Aachen. Der ohne festen Wohnsitz sich in Deutschland umhertreibende Gewohnheitsein„Richelieu“-Uraufführung in Bochum brecher Wolter hatte sich vor der Großen Strafsectichetten ecmustnze.—.. kammer in Nachen wegen 19 Einbrüchen zu verantworten. Das Gericht verurteilte ihn zu vier Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und ordnete Sicherungsverwahrung an. Bochum. Am Freitag, 23. November, findet im Bochumer Haus der Vereinigten Stadttheater Bochum=Duisburg=Hamborn die Uraufführung eines Schauspiels von Paul Josef Cremers:„Richelieu“, Kardinalherzog von Frankreich, unter der Spielleitung des Intendanten Dr. Saladin Schmitt statt. Am Sonntag, 18. November, vormittags 11,15 Uhr, wird die Uraufführung vorbereitet durch eine Morgenveranstaltung. Hier spricht Dr. Junghans. Berlin. Der Verfasser Paul Josef Cremers liest aus seinem Werk„Die Rheinlandtragödse“, abschließend Szenen aus der „Marneschlacht". Die dramaturgische Reichsleitung der RS=Kulturgemeinde hat das neueste Werk von Paul Josef Cremers, den„Richelieu", als großes historisches Drama in den nationalen Bühnenspielplan aufgenommen. Mit weiteren Aufführungen folgen nach Bochum: Münster, Essen, Aachen, Kaclsruhe. Großfeuer in einem Siegort Rosbach(Sieg). Die Freiwillige Feuerwehr Rosbach wurde nach der Ortschaft Halscheid gerufen, wo in einem Gebäudekomplex ein Großfeuer ausgebrochen war. Als die Wehr an der Brandstätte erschien, schlugen bereits die Flammen aus einem der Häuser heraus. In Zusammenarbeit mit hilfsbereiten Nachbarn gelang es den Rosbacher Feuerwehrleuten, die Flammen bald zu ersticken, aber an der Stätte, wo das Feuer gewütet hatte, bot sich ein trauriger Anblick. Vier Familien haben ihr Obdach verloren. Zum Glück konnte ein Teil der Möbel gerettet werden. Gottesdielst-Grahung Aus der evgl. Gemeinde Schwerte Evangelische Gottesdienste. Kirche zu St. Viktor: 9.30 Uhr P. Kleinemeyer.— 11.15 Uhr Kindergottesdienst. Johanneskirche: 8 Uhr P. Ohlig. Donnerstag 8.30 Uhr Bibelstunde. Evangl. Krankenhaus: 8.30 Uhr P. Kleinemeyer. Geisecke=Lichtendorf: 9.30 Uhr P. Ohlig. * Montag 8 Uhr Evgl. Kirchenchor. Dienstag 8 Uhr Gemeindeabend im Lutherhause. Mittwoch 8 Uhr Musikalische Feierstunde in der St. Viktorkirche Donnerstag 7.45 Uhr Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Evangelisches Jungmännerwerk, Schwerte. Sonntag 2 Uhr Jugendschar. 8 Uhr Musikabend.— Dienstag 5 Uhr Basteln der Jungschar in der Jägerstraße.— Donnerstag 8 Uhr Posaunenchor— Freitag 6 Uhr Bibelstunde der Jungschar 830 Uhr Bibelabend. Vereine der Frauenhilfe. Donnerstag. 15 Nov. versammelt sich die Frauenhilfe 2. Stadtbezirk(P. Kleinemeyer) nachm. 3 Uhr im Gemeindehause. Junamädchenwerk. a) Schwerte: Dienstag 8 Uhr Bibelstunde in der Jägerstraße. b) Schwerterheide: Sonntag 3 Uhr Jugendschar. Erangl. Stadtmission Schwerte, Kuhstraße 7. Sonntag 8 Uhr früh Blaukreuzstunde. 11 Uhr Sonntagsschule. 4 Uhr Bibelstunde.— Mittwoch 8 Uhr abends Gebetsstunde.— Freitag 8 Uhr Blaukreuzverein. * Zusammenkünfte der Jungmütterkreise vom 12. bis 16. November. Montag abend 8—10 Uhr Bezirk Holzen: Bibelstunde. Dienstag abend 8—10 Uhr alle Mütterkreise Teilnahme am Elternbundvortrag: Gesunde Familien im gesunden Volk. Mittwoch nachm. 5—7 Uhr Bezirk Wandhofen: Vorbereitung für Advent. Mittwoch abend 8—10 Uhr Bezirk Grüntal: dito. Donnerstag nachm. 3—5 Uhr Bezirk Pfarrer Kleinemeyer: Teilnahme an der Frauenhülfsstunde. Donnerstag nachm. 3—5 Uhr Bezirk Schwerterheide: Bibelstunde. Donnerstag abend 8—10 Uhr Bezirk Pfarrer Ohlig: Vorbereitung für Advent. Freitag nachm. 3—5 Uhr Bezirk Villigst: Bibel; s t u n d e. Freitag abend 8—10 Uhr Bezirk Pfarrer Millard und Schwerte=Nord: Bibelstunde. Getauft: Friedrich Duisberg; Richard Alexander Artur Bischof; Ingrid Alwine Finkhaus; Friedrich Gustav Menke; Bodo Fricke; Ilse Baumöller; Ingrid Elisabeth Therese Brenne; Heinz Erich Weiher. Getraut: Kurt Junker und Elfriede Kallauch; Adolf Kühn und Luise Edelhoff; Otto Eichmann und Katharina Arnold. Gestorben: Julius Boecker; Michael Dorozalla. URCEGER-RECATSSCHUTZ: VERLAG OSKAR MEISTER„WERDAO 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Nicht alle!“ gab er zurück.„Es gibt aber auch weiche, die ich liebe!“ Nach ihrer Hand fassend, hielt er sie mit kräftigem Drucke fest. Stephanie entzog sie ihm erst, als einer der Bediensteten auf sie zukam. Ihr Eindecker rollte heraus und spiegelte mit seinen Aluminiumtragflächen in der Sonne. Gemeinsam untersuchten sie die Maschine, die sie in die Lüfte tragen sollte. Es war alles intakt. Stephanie merkte, wie sein Blick an ihr hinunterglitt und errötete. Alles, was sie nun tat, vollzog sich wie in einem Traumzustand. Als sie sich an den Führersitz setzte, nahm er ebenfalls Platz und rückte ganz nahe. Sein Blick hielt noch einmal Kontrolle.„Alles in Ordnung, Signorina! Als alter Flieger habe ich so etwas wie einen sechsten Sinn dafür. Des!“ Die Räder setzten über die Fläche, dann ein jauchzendes Aufbrüllen des Motors, ein Schaukeln— sie schwebten. Das ewige Rom lag wie ein Teppich unter ihnen hingebreitet. Die Kuppel der Peterskirche glitzerte zu ihnen herauf und schillerte wie ein riesiger Amethyst. Stumpf, einem abgesprengien Kegel gleich, lag die Engelsburg hingeduckt. Sie flogen tiberaufwärts. Fern über Dächern und schlängelnde: Straßen blaute das Meer. Das Surren des Propetlers gebot Schweigen. Nur ab und zu warf Merlin ein Wort in das Getöse, merkte, daß er nicht gehört wurde und gab es auf, zu sprechen. San Paolo leuchtete herauf. Wie ein Zug Ameisen wimmelte es dort unten auf die Kathedrale zu. Aus der kath. Gemeinde Schwerte Katholische Gottesdienste. Schwerte. Sonntag, 11. Nov. 25. Sonntag nach Pfingsten. 6 Uhr: Stille hl. Messe. 7,15 Uhr: Frühmesse mit Predigt und gem. hl. Kommunion der Jungmänner. 8.30 Uhr: Schulmesse mit Predigt; gem. hl. Kommunion der Knaben und Mädchen des 5. Schuljahres. 9.45 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11,15 Uhr: Letzte hl. Messe. 2.30 Uhr: Christenlehre und Andacht. 6 Uhr: Andacht für die Erwachsenen. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 8.15 Uhr. Nachmittags 4,30 Uhr: Andacht. An den Werktagen sind die hl. Messen um 6,30 Uhr, 710 und 7,45 Uhr. Vom 15. November ab sind die hl. Messen um 7, 7,40 und 8.10 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 6.30 Uhr. Jeden Mittwoch ist in der Krankenhauskapelle Andacht zu Ehren des hl. Josef um 4,30 Uhr. Krankenwoche hat in dieser Woche Vikar Heinemann, Neumarkt 4. Geisecke. 7 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Frauenverein Geisecke. 14. November Frauenverein Geisecke bei Schulte=Höppe. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Kirchenbauverein Holzen. Versammlung im Lokale Schneider am Sonntag, den 11. November, nachm. 5 Uhr. Alle Mitglieder der Gemeinde sind herzlich eingeladen. Arbeiter=Verein„St. Stephanus.“ Unsere Totenfeier findet am Tage Bußund Bettag, 21. Nov., Herr Präses Lubeley, Hörde Stift, wird die Totengedenkrede halten. * Lichtendorf— Sölderholz. Sonntag, 11. Nov. 25. Sonntag nach Pfingsten. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt und gem. hl. Kommunion der Jungmänner und Knaben. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt, anschl. Andacht. Ab Donnerstag ist die Schulmesse um 7,30 Uhr. Montag 8 Uhr Heimabend des Männer= vereins. Mittwoch 7,30 Uhr Heimabend der Jungmänner. Beide Stände veranstalten am 21. November eine gemeinsame Kettelerfeier. Wegen der Besprechung derselben ist vollzähliges Erscheinen der betr. Mitglieder an den Abenden notwendig. Rundsunk=Programm 6.35 8.00 8.15 8.30 9.00 9.15 10,00 10.30 11.25 11.30 12.10 13,00 13.05 13,15 14.45 15,00 15,20 15,40 16,00 16,30 18.30 19.20 19,30 19.45 21.15 21.30 Sonntag, den 11. November 1934. Hamburger Hafenkonzert. Zeit, Wetter, Nachrichten.— Heute ist Lostag! Anerbenrecht und Anerbensitte in der deutschen Bauerngeschichte. Die sonntägliche Morgenfeier. Sendepause. Der Funk ins Blaue. Musikalische Plaudereien. Märchen und Musik. Sendepause. Reichssendung: Langemarck=Feier. Musik am Mittag. Glückwünsche. Ein Wort an alle. Das Westdeutsche Kammerorchester. Sendepause. Eltern und Kinder. Folge für Flöte und Klavier. Festpreise, eine Kurzgeschichte für Bauer und Städter. Kinderstunde. Musikalische Feierstunde. In der Pause von Köln: Deutsche Erzähler der Gegenwart. Westlichster Westen. Sportvorbericht. Internationales Schwimmfest in M.Gladbach. Orchesterkonzert. An die Gefallenen des großen Krieges. Reichssendung: 4. Meisterkonzert des deutschen Rundfunks. 22,10 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,30 Nachtmusik. 24,00 Nachtmusik auf Schallplatten. Montag, den 12. November 1934. 6,00 Morgenruf. Anschließend Frühkonzert. 6,45 Leibesübungen. 7,00 Morgenruf. Zeit, Wetter, Nachrichten. 7,15 Morgenkonzert. 8,00 Wasserstandmeldungen. 8.30 Zeit, Wetter. 8.35 Frauenturnen. 8.50 Was kochen wir diese Woche. 9,00 Sendepause. 10,00 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,15 Schulfunk. 10,50 Wir und die Welt. 12,00 Musik am Mittag. 12,45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 13,00 Das Kleine Orchester(Eysoldt). 13,45 Zweite Mittagsmeldungen. 14,45 Schlachtviehmarktberichte. 15,15 Ewiges Deutschland. 15,30 Wirtschaftsmeldungen. 15,45 Stunde des Handwerks. 16,00 Nachmittagskonzert. 17,00 Leidlieb. 17,15 Schubert— Wolf. 17,45 Nach Ostland wollen wir reiten. 18,00 18.20 Französische Unterhaltung. 18,40 Vom Tage. 18,.50 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht. Westdeutsche Wochenschau. 19,30 Kleine Unterhaltung. 19.50 Momentaufnahme! 20,00 Erste Abendmeldungen und SaalRundschau. 20.15 Tiergrotesken. 21.05 Miliza Korjus singt! 21,30 Wir suchen und finden. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.20 Stipppisite. 22,30 Nachtmusik. 2,30 Kinder, wir wollen gemütlich sein! Dienstag, den 13. November 1934. 6,00 Morgenruf. Anschließend Frühkonzert. 6,45 Leibesübungen. 7,00 Morgenruf. Zeit, Wetter, Nachrichten. 7,15 Morgenkonzert. 8,00 Wasserstandmeldungen. 8.30 Zeit, Wetter. 8,35 Frauenturnen. 8.50 Sendepause. 10,00 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10.10 Schulfunk. 10.30 Allerlei Humor und zwischendurch Musik. 12,00 Musik am Mittag. 12.45 Erste Mittagsmeldungen. Glückwünsche. 13,00 Das Ruhrland=Orchester(Aus Essen). 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 14,45 Sendepause. 15,00 Handwerk und Mittelstand als Kämpfer in der Arbeitsschlacht. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15,45 Auch im November noch Gartenfreuden. 16,00 Nachmittagskonzert. 17,00 Aus unserer Heimat. 17,15 Bunte Vesperstunde. 17,45 Zur Wintersport=Werbewoche. 18.00 5J=Funk. 18,20 Amt für Schönheit der Arbeit(Gespräch zwischen Goebels— Graeve— Heikhaus) 18.40 Vom Tage. 18,50 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht. 19,00 Lieder aus dem kleinen Rosengarten von Hermann Löns. 19,50 Momentaufnahme! 20,00 Erste Abendmeldungen. 20,10 Konzert. 22,00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,20 Schachfunk. 22,30 Funkstille. Stephanie drehte in scharfem Winkel bei. Das Castell Gondolfo dräute als schwarzer Schatten. Nur Frascati lag noch ganz in der Sonne gebadet. Für Sekunden schwieg der Motor, ruhte wie ein veratmender Vogel und strebte dann mit blitzenden Schwingen in die Endlosigkeit der Campagna hinaus. Das Knattern des Motors war ein Lied, wie Stephanie noch nie ein schöneres gehört zu haben glaubte. Wo der Schienenstrang tief unten ins Tal des Arno abzweigte, machte sie kehrt. Einen Augenblick schloß sie geblendet die Lider. Sie hatte die Sonne im Rücken gehabt, und nun schüttete sie ihnen lohendes Kupfer in die Augen. Merlin blinzelte und deckte die Hand darüber. Sei es nun, daß Stephanie dadurch abgelenkt worden war oder einen falschen Hebelgriff machte— das Flugzeug schoß wie bleierner Ball der Erde zu. Knapp hundert Meter über dem Boden fing sie es wieder ab.—— Oder war es Hans=Jörg gewesen, dessen Hände jetzt neben den ihren am Steuer lagen?„Erschrocken?— Wie?“ Seine Stimme war voll Güte.„Das kann vorkommen!" Aber sie merkte, wie er aufmerksam auf das Knattern des Motors horchte. War etwas nicht in Ordnung? Da schob er auch schon ihre Hände zur Seite und ließ den Vogel in beängstigend schiefem Gleitflug auf die immer näher rückende Ebene hinabschweben.„Haben Sie gehört?“ fragte er, als sie, zwar kräftig geschüttelt, aber doch mit heilen Gliedern gelandet waren.„Irgend etwas stimmt nicht. Immerhin ist es besser, das hier unten nachzusehen. Dabei ging er rings um das Flugzeug und stand nachdenklich vor dem Motor. „Sie führen doch Weckzeug mit sich, nicht? — Es wird nicht schwer zu finden sein.“ Er legte den Rock ab und krempelte die Hemdärmeln hoch.„Geben Sie mir einmal den 19,00 Schraubenschlüsse!! Den großen, ja! Verstehen Sie überhaupt etwas von Ihrer Maschine Signorina?“ Nun war er wieder da, der Spott, den sie über alles an ihm fürchtete.„Ich denke doch!“ sagte sie verweisend.„Wenn ich allein geflogen wäre, hätte ich ja auch niemand gehabt, der mir die Arbeit abgenommen hätte!“ „Allerdings“, gab er zu.„Sehr wahrscheinlich hätten Sie dann überhaupt keine Mühe mehr gehabt. Der eine Propellerarm— sehen Sie—?“ Er faßte sie am Handgelenk und zog sie zu sich nieder.„Es war brav, daß er solange gehalten hat.“— Und als sie ihn aus tödlich erschreckten Augen ansah, nickte er, nun ebenfalls blaß geworden.„Es wäre nicht nett gewesen, Signorina, so halb gevierteilt, oder ganz zerquetscht hier unten anzukommen.— Nicht zittern!" Beruhigend strich er ihren Arm herab. „Wir sind ja da! Zu machen ist in diesem Falle natürlich nichts. Wissen Sie, wie weit die nächste Station entfernt liegt?“ Sie schüttelte den Kopf. Ihr war ganz wirr. Aller Mut hatte sie verlassen. Wenn der Himmel nicht gnädig gewesen wäre, läge sie jetzt hier zerschmettert am Boden. Aber nicht sie allein. Er mit ihr! „Nicht mehr nachgrübeln, wie es hätte sein können“, mahnte er.„Das lähmt nur den Willen.— Mir ist es jetzt darum zu tun, Sie unter ein sicheres Dach zu bringen. Ich selber bleibe die Nacht über bei dem Apparat.“ Sie hatte das Bangen abgeschüttelt und reckte sich.„Dann bleibe auch ich! Eine Nacht dauert nicht ewig.“ Er schien bereits wieder an etwas anderes zu denken, denn seine Augen wanderten suchend umher. Sie glaubte ihn verärgert, aber er war nur nachbenklich. Schließlich legte man sich als Mann auf den platten Boden und schlief nicht einmal sonderlich schlecht dabei. Aber eine Frau nachts auf der harten Erde?— Von den Hängen, die die Ebene gürteten, krochen schon die mahnenden Schatten der Nacht. Langsam schoben sie sich über das Gelände. Er schlüpfte in seinen Rock und sagte bittend:„Setzen Sie sich nun einmal brav auf die Steine hier. Es ist zwar ein bißchen hart, aber ich will sehen, ob sich nicht etwas Besseres findelt. Ich komme bald zurück.“ Aber er blieb sehr lange aus, so daß sie eine gewisse Bangigkeit erfüllte, als die Schatten allmählich näher rückten. Westwärts lag immer noch der helle Schein. Nur im Osten dräute bereits die dunkle Nacht. Ihre Glieder waren schlaff von der Aufregung der letzten Tage und dem Schrecken über ihren Sturz. Zudem die Ungewißheit, was die kommenden Stunden bringen würden. Und noch immer kam er nicht. Tau fiel und legte sich kühlend über die ausgebrannte Erde. Stephanie hatte die Lederhaube abgenommen und spürte ihr Haar feucht werden. Dunst wie von Fieber stieg vom Boden auf. Aber sie dachte nicht an sich—— nur an ihn. Sie hatte ihn gefährdet. Stechmücken surrten an ihrem Ohr vorüber. Wo blieb er nur? Da stand er plötzlich, vom Dunkel halb verschleiert, vor ihr.„Es hat ein bißchen lange gedauert.— Sie haben sich hoffentlich nicht geängstigt. Menschenleer die ganze Steppe.— Aber da vorne ist etwas wie eine Hütte. Nicht eben komfortabel, trotzdem besser als nichts. Die Maschine lassen wir hier. Die stiehlt uns keiner. Kommen Sie jetzt, es wird kühl.“ Er streckte ihr die Hände entgegen und zog sie hoch. Sie glaubte ein Lächeln um seinen Mund zu sehen. Mit einem Ruck stand sie auf den Füßen. Langsam gingen sie nebeneinander her. Als sie über einen Lavabrocken stolperte, faßte er nach ihrem Arm und zog ihn durch den seinen. W (Forlsetzung soigr. der Schwetter Seitung Nr. 265 Sonntag, 11. November Hatitker als Dichter und Meusch Es unterliegt keinem Zweifel, daß Friedrich von Schiller neben Wolfgang von Goethe der hervorragendste Vertreter unserer klassischen Literatur=Epoche und der größte dramatische Dichter Deutschlands aller Zeiten war. Wenn man über Schiller überhaupt schreiben will, so bedarf es der grundlegenden Kenntnis einmal des menschlichen Wesens dieses Dichters und zum anderen seiner drei großen klassischen Perioden der Dichtung. Und wenn man über einen großen Geistesheroen wie Schiller dazu einen Gedenkartikel schreibt, so hat man insonderheit dem Umstande Rechnung zu tragen, daß ein Genius von diesem Format der Welt seit jener Zeit nicht wieder geschenkt worden ist. In den dramatischen Arbeiten Schillers spiegeln sich Klopstocks Elan, der Goethe'sche Formensinn und die Lessing'sche Verstandesschärfe wieder. Was Schiller seiner Zeit Neues bringt, ist der klassische Aufbau, die Kenntnis der Historie und das tiefe Eindringen in die Materie. Als Sohn des Regimentsmedicus, Johann Caspar Schiller, und dessen Ehefrau, Elisabeth Dorothea genoß er eine, zwar liebevolle, doch strenge Erziehung. Als der Vater im Jahre 1765 nach Lorch a. d. Rems versetzt wurde, folgte ihm die Familie, und der junge Schiller fand hier in dem ehrwürdigen Pfarrer Ulrich Moser einen Freund und tüchtigen Lehrer, dem er ja nachmals in seinen„Räubern“ auch ein Denkmal gesetzt hatte. Die erste Entwicklung Friedrich von Schillers wurde vielfach durch Krankheit beeinträchtigt und selbst die Eltern hätten damals nicht daran geglaubt, das Friedrich zu ungeahnten Höhen in der klassischen Literatur emporsteigen würde. Selbst auch der finanzielle Kampf, den er Zeit seines Lebens zu führen hatte. hielt ihn nicht von seinem hohen geistigen Schaffen ab. Im Gegenteil, wir erleben auch bei Schiller einen Wesenszug, den viele seiner geistigen Zeitgenossen mit ihm gemein hatten: Je mißlicher seine wirtschaftliche Lage war, um so mehr schöpfte er aus dem Vollen. Aus gequältem Herzen rang sich so manches Werk empor, das in der Oeffentlichkeit Aufsehen und Begeisterung erregte. Kamen aber sorglose Tage, so vermochte er nicht mit der gleichen Intensität zu schaffen, er war dann nicht schaffender Literat, sondern eben Mensch, der auch recht häufig in zügelloser Leidenschaft zu zahlreichen Frauen entbrannte. In der ersten Periode seines geistigen Schaffens liegen eine Reihe von Abhandlungen, die im Musen=Almanach, in Fachzeitschriften und Monatsheften veröffentlicht waten, gleichfalls fallen in diese Epoche seine „Näuber“, die er auf eigene Kosten drucken ieß, wofür er sich das Geld geborgt hatte, veil sich kein Verleger für die„Räuber" and. Das Stück erschien zuerst 1781 in Frankurt a. M. und Leipzig, doch ohne Namen des Dichters. Erst der Buchhändler Schwan in Mannheim erkannte das ungewöhnliche Talent Schillers und machte den damaligen Intendanten des Mannheimer Theaters darauf aufmerksam. Der Erfolg des Stückes war glänzend und ließ Schiller an seinem Berufe zum dramatischen Dichter nicht länger zweifeln. Alles drängte ihn wieder zu erneuter poetischer Tätigkeit hin. Er entschied sich für die dramatische Bearbeitung des„Verschwörung des Fiesko“, zugleich war er darauf bedacht, sich ein eigenes Organ für die Kritik und für seine Kunstansichten zu schaffen, und so gab er mit seinem einstigen Professor Abel das Württemberger Repertorium der Literatur, eine Vierteljahresschrift, heraus, von der jedoch nur drei Nummern erschienen sind. Nach einem bösen Zwischenfall mit dem Herzog Karl, der mit Schillers poetischer Richtung unzufrieden war. übersiedelte Schiller nach Frankfurt. In der nun folgenden Zeit arbeitete er fleißig an dem bürgerlichen Trauerspiel„Luise Millerin“ das später, auf Vorschlag Ifflands,„Kubale und Liebe“ genannt wurde. Gleichfalls vollendete er hier„Fiesko“. Während der Arbeiten an„Don Carlos“, das dritte Stück, das er für das Mannheimer Theater schrieb, erkrankte er an einem hartnäckigen Fieber, er geriet in Mannheim aber auch in einen förmlichen Taumel von Zerstreuungen und Liebeshändel. Bald fesselte ihn die schwärmerische Ueberschwenglichkeit der Schauspelerin Albrecht, bald die Schönheit der Katharina Baumann, bald die Anmut der Tochter Margarete des bereits genannten Buchhändlers Schwan. Nachdem er von der Friedrich von Schiller, dessen Geburistag sich am 10. November zum 175. Male jährt Die Worte des Glaubens Drei Worte nenn' ich euch inhaltschwer/ Sie gehen von Munde zu Munde, Doch stammen sie nicht von außen her] Das Herz nur gibt davon Kunde. Dem Menschen ist aller Wert geraubt/ Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt. Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei/ Und würd' er in Ketten geboren; Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei] Ncht den Mißbrauch rasender Toren! Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht/ Vor demn freien Menschen erzittert nicht! Und die Tugend, sie ist keinleerer Schall] Der Mensch kannsie üben im Leben, Und sollt“ er auch straucheln überall 7 Er kann nach der göttlichen streben, Und was kein Verstand der Verständigen sieht Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt. Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt/ Wie auch der menschlichewanke; Hoch über der Zeit und dem Raume webt] Lebendig der höchste Gedanke, Und ob alles in ewigem Wechsel kreist/ Es behartet im Wechsel ein ruhiger Geist. Die drei Worte bewahret euch, inhaltschwer(Die pflanzet von Munde zu Munde, Undstammen sie gleich nicht von außen her Euer Inneres gibt davon Kunde. Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt/ Solang' er noch an die drei Worte glaubt. Friedrich von Schiller Kier sind die stacken Wurzeln deiner Kralt' Als im Jahre 1806, ein Jahr nach Schillers Tode, das Römische Reich deutscher Nation unter den ehernen Schritten des korsischen Eroberers elend zusammenbrach, da glaubten manche, nun sei es mit Deutschlands Zukunft für immer zu Ende; sie dachten nicht daran, daß wohl Staaten zugrundegehen können, nicht aber ein Volk, wenn es die kraftvollen Gedanken seiner großen Männer als ein unvergängliches Erbe bewahrt, denn dieses Erbe wird früher oder später hundertfältige Frucht bringen. Schillers politisches Erbe an das deutsche Volk, sein„leidenschaftlich begehrtes Ideal der Zukunft", heißt schlicht: Freiheit und Vaterland. Es waren Helden, die er auf der Bühne lebendig werden ließ, die in schwerster Notzeit das politische Gewissen wachrüttelten und zum flammenden Weckruf wurden, alle Kraft in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. In der„Jungfrau von Orleans“ gibt die Vaterlandesliebe einem Hirtenmädchen die Kraft, den Feind des Landes niederzuwerfen; in seinem„Tell“ hat er prophetisch den großen deutschen Befreiungskampf vorausgeahnt, der acht Jahre nach seinem Tode das ganze Volk ergriff. Er sah nicht nur den Fall, sondern auch die Erhebung des Volkes voraus, er wußte, daß der tiefen Demütigung der Rütlischwur folgen mußte, und mahnte: „Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen, Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft!“ Aber nicht nur das Werk, sondern auch das Leben Schillers soll uns Vorbild sein zu einer unerbittlichen Selbsterziehung. Er ist der Held, von dem er einmal sagt, daß er sich über das Schicksal erhebt, wenn ihn das Schicksal zermalmt. Sein Lebenskampf war schwer. Schon in seiner frühesten Jugend lernte er Not und Verfolgung kennen. Zu den geldlichen Sorgen, die er durch vorbildliche Sparsamkeit immer wieder zu überwinden wußte, traten bald bedrohliche Krankheitserscheinungen. Doch je höher sich die Hindernisse türmten, um so reiner und kraftvoller entfaltete sich sein Wille, er gab keines seiner Ideale preis und reifte unter den schlimmsten Idealen des Alltags zur größten Vollendung; in der schöpferischen Tat fand er allein seine Genugtuung und sein Glück. Uns erwächst die Pflicht, seinem hohen Vorbild nachzustreben, seinem großen Gedanken zu folgen:„Werft die Angst des Irdischen von euch!“ Wir alle können von ihm lernen, der in schwersten Lebensstunden sein „Lied an die Freude“ sang, der sich sein Leben neu erzwingen mußte, um es aufzuopfern für das Höchste, was er kannte, für„Vaterland und Volk“. letzteren zurückgewiesen worden war, erfüllte ihn die leidenschaftliche Glut der Charlotte von Kalb, einer geistvollen und vielseitig gebildeten Frau. Erst in Christian Gottfried Körner findet Schiller wieder einen Freund, der ihm zugleich seelischen Halt bietet. Jetzt versuchte Schiller, sein positives Wissen zu vermehren. es zogen ihn namentlich philosophische Schriften, ganz besonders aber historische Werke an. Er bereitet den„Wallenstein“ vor, er schreibt„Geschichte der Niederländischen Rebellion“, beschäftigt sich mit den alten Griechen und dachte an eine Professor in Jena. Wenngleich diese geschichtlichen Werke Schillers stofflich nur einen geringen Wert hatten, so haben sie doch ungemeinen Beifall gefunden, weil er es verstand, das Interesse für die Geschichte in Regionen zu tragen, in die der fähigste Fachhistoriker nicht gedrungen wäre. Dieser Erfolg lag in den Hauptmomenten Schillers, das poetische und ästhetische Element. Das Jahr 1787 bringt dann eine Reihe von Veränderungen im Leben des großen Dichters. Er geht nach Meiningen und von da aus nach Rudolstadt, wo er die Tochter des Landjägermeisters von Lengefeld, Charlotte von Lengefeld, kennenlernt. In ihm steigt die Sehnsucht nach einer eigenen Häuslichkeit auf, er schreibt an seinen Freund Körner:„Ich muß etwas um mich haben, das mir gehört und das ich glücklich machen kann.“ Und Charlotte von Lengefeld, die ihm zu verstehen gibt, daß sie seiner Werbung zu folgen nicht abgeneigt ist, ist Schiller der Anreiz für eine neue Serie von großen und bedeutungsvollen Schöpfungen. Seine„Geschichte des dreißigjährigen Krieges“, die zuerst im„Historischen Kalender für Damen“ erschien, war ein großer Erfolg. Am 22. Februar des Jahres 1790 verheiratet er sich mit Charlotte von Lengefeld, die Trauung fand in der Kirche des Dorfes Wenigenjena statt. Nach einer Zeit erneuter Sorge und materieller Schwierigkeiten findet Schiller eine Brücke zu der poetischen Produktion, der er mit einem Male alle seine Kräfte wieder zuwendet. Die Sehnsucht nach der Dichtung, wie nach der eigentümlichen Heimat seines Geistes, hat ihn nie verlassen. 1795=96 entsteht eine Reihe kleinerer Dichtungen, darunter das bekannte„Reich der Schatten", die„Elegie“, nachmals„Der Spaziergang“ überschrieben. Ganz außerordentlich war auf Schiller die Wirkung von Goethes„Wilhelm Meister“, ebenso groß die Wirkung von„Hermann und Dorothea“. In einem Wetteifer mit Goethe dichtet er, nachdem der„Wallenstein“ geboren ist, 1797=98 eine Reihe von Balladen,„Der Handschuh" und 1799„Das Lied von der Glocke". Die„Wallenstein"=Frilogie war 1799 auf der Weimarer Bühne zu einer triumphalen Aufführung gelangt. Dieser Erfolg hatte Schiller von seinem Berufe zum Dramatiker voll überzeugt. In rascher Folge entstehen jene großen Werke des tragischen Repertoirs der deutschen Nation:„Maria Stuart“(1800), ein Jahr später„Die Jungfrau von Orleans“, dann 1803 und 1804„Die Braut von Messina“ und„Wilhelm Tell“. Nach einer Reihe kleinerer und unbekannt gebliebener Dramen, aber immer noch mitten im Vollgefühl seiner geistigen Kraft und auf dem Höhepunkt seines dichterischen Wirkens wurde Friedrich von Schiller durch den Tod ereilt. Auf einer Abendfahrt ins Dornburger Tal war die Folge einer Erkältung ein Rückfall seiner alten Brustkrankheit, der er am 9. Mai 1815 zu Weimar erlag. Wenn in diesen Tagen nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt Friedrich von Schiller und sein Werk feiert, genau so wie die Welt einen Shakespeare ewig verehren wird, so ist das für Deutschland der erneute Beweis, das es sich seiner klassischen Geisteshelden nie zu schämen braucht, sondern daß durch Friedrich von Schiller der Ausspruch gerechtfertigt ist, daß das deutsche Volk das Volk der Dichter und Denker ist. Banster Feland Von Rerbert Güncher Auf einer felsigen Anhöhe über dem rechten Reckarufer liegt in einer der schönsten Gegenden Süddeutschlands, nahe der württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart, malerisch das Städtchen Marbach: Uralt mit krummen, steilen Gassen und hochgiebeligen Häusern, ein rechtes Schwabennest. In diesem stillen Ort von heute noch nicht 3000 Einwohnern wurde dem Wundarzt Johann Kaspar Schiller und seiner Frau Elisobetha Dorothea, einer Marbacher Bäckerstochter, am 10. November 1759 ihr einziger Sohn geschenkt, der die Namen Johann Christoph Friehrich erhielt. Ein gütiges Geschick hat den chlichten, einstöckigen Fachwerkbau des Geburtshauses bis heute erhalten. Mit dankbarer Ehrfurcht betreten wir durch die Vorhalle den sogenanten„Oehrn“, das enge Zimmer zu ebener Erde, in dem vor 175 Jahren Deutschlands volkstümlichster Dichter und einer der größten der Welt den leidensvollen, ruhmreichen Weg seines Lebens begann. Diese einfenstrige Kammer war der ganze Raum, der„Frau Lieutenant Schillerin“ mit ihren zwei Kindern gehörte, während der Vater am Main im Felde stand. Erschüttert uns hier die Kargheit, so im Schiller=Museum die Fülle der wertvollen Sammlung von Handschriften, Möbeln und Erinnerungen aller Art, die 52000 Nummern zählen. Es liegt oberhalb Marbachs auf der heutigen Schiller=Höhe, dem ehemaligen„Schelmengrüble“, von wo der Knabe einst oft in sein liebliches Heimatland schaute. Dreißigjährig, verzieht Schiller mit seiner Familie nach Ludwigsburg und bleibt hier— mit einer Unterbrechung in Lorch— ein Jahrzehnt. Im Hause Stuttgarter Straße 26 finden wir die Wohnung, von der aus er sich täglich zur Lateinschule aufmachte. Ihre strenge Zucht stach hart ab von dem verschwenderischen Treiben dieser prunkvollen Residenz, deren 18 zusammenhängende Schloßbauten mit 452 Zimmern die ausgedehnteste Anlage dieser Art in Deutschland überhaupt darstellen. In dieser Umgebung entwirft der angehende Theologe sein erstes Trauerspiel„Die Christen". Der glanzliebende Herzog Karl Eugen von Württemberg gründet eine„militärische Pflanzschule“ auf seinem Lustschlößchen Solitude bei Stuttgart. Auch der junge Schiller wird widerstrebend auf seinen Befehl ihr Zögling. Das entzückende Schlößchen, das da nicht weit von Stuttgart in grüner Waldlichtung, über einem Unterbau festlicher Arkaden und geschwungen betreppt, mit Kuppeln und Pavillons in den zierlichsten Rokokoformen vor uns erscheint, ist wie ein heiterer Traum. Weit schweift der Blick ins Land hinaus. Düster ragt am Horizont der Hohenasperg auf, dessen Festungsverließe so manchem Opfer des despotischen Herzogs zum Verhängnis wurden... 1775 kehrt der Landesfürst nach langem Zwist in seine Hauptstadt Stuttgart zurück und mit ihm die Schar seiner leibeigenen „Söhne“, jener Schüler der Akademie. Also bezog auch Schiller die noch erhaltene, hinter dem Residenzschloß liegende Kaserne, in der die Militärakademie untergebracht wurde. Hier sattelt er von der aufgezwungenen juristischen zur neu entstandenen medizinischen Fakultät um und darf 1779 für drei Preise aus der Hand ihres Stifters den Rockzipfel Seiner Durchlaucht küssen, während als hohe Gäste der Erziehungsanstalt zu dessen Rechten Herzog Karl August von Weimar steht, zur Linken der jugendliche Geheimrat Johann Wolfgang Goethe... So verlief die erste Begegnung der beiden Heroen. Seit 1780 Regimentsmedikus der Invaliden mit 18 Gulden Monatsgehalt, veröffentlicht Schiller 1781 unter übermächtigem inneren Druck seinen anklägerischen Erstling„Die Räuber". Nach Freiheit und Beifall dürstend, reist er ein Jahr darauf zur Uraufführung des Dramas am 13. 1. 1782 nach Mannheim. Mit Rührung betrachten wir dort im Nationaltheater noch heute die Dekoration, auf der das erwartungsvoll glühende Auge des 23jährigen Dichters geruht hat, als dem„berüchtigten Stück“ von einem weither hinzugeströmten Publikum der lauteste Triumph bereitet wurde, den bis dahin je ein deutsches Drama erlebt hatte. Für einen zweiten Mannheimer Aufenthalt ohne Urlaub nimmt das junge Genie sogar 2 Wochen Arrest hin, aber als ihm sein Landesherr tyrannisch jegliches weitere Schreiben verbietet, wirft Schiller die unwürdigen Fesseln ab und flieht an die Stätte seines Erfolges nach Mannheim. Enttäuschung und Elend erwarten ihn in der schönen Stadt am Rhein und Neckar. Schließlich nimmt die wohlmeinende Frau von Wolzogen den völlig Mittellosen als„Dr. Ritter“ in ihrem Haus in Bauerbach bei Meiningen an der thüringisch=fränkischen Grenze auf, dessen bescheidene Ländlichkeit ihm„ein Hafen für den Schiffbrüchigen“ war,„der sich mühsam aus den Wellen gekämpft hat". Sechs Monate später kann er für zwei Jahre nach Mannheim als festangestellter Dichter des Theaters zurückkehren, das in all seiner Enge noch genau so vor unseren Blicken liegt wie damals vor den seinen. Reibereien verleiden Schiller Tätigkeit und Ort; er siedelt nach Leipzig über und zieht sich in ein Häuschen des Vorortes Gohlis zurück: Dort, Menckestraße 42, kann man noch 1½ Jahrhunderte später in einem handschriftlichen Briefe nachlesen, wie der berühmte Dichter den Porzelanhändler Kunze„in unpoetischer Verlegenheit" um 50 Taler angeht... Freunde ziehen ihn weiter nach Dresden; in ihrem fröhlichen Kreise erhebt sich sein Gemüt zu dem auchzenden„Lied an die Freude", und wer seinen Spuren nachgehen will, muß sie in der Loschwitzer Schillerstraße suchen. Die Wirtstochter Justine aus dem gegenüberliegenden Dorfe Blasewitz aber wurde als resolute Marketenderin Gustel von Blasewitz in„Wallensteins Lager" unsterblich. Auf einer zweiten Rückreise vom winterlichen Bauerbach macht Schiller einen Umweg über die anmutige Saaleresidenz Rudolstadt. Im Hause der Landjägermeisters= und Kammerratswitwe Luise von Lengefeld steigt eine leidenschaftliche Zuneigung zu deren Tochter Charlotte in ihm auf. Das fürsorgliche Mädchen sucht ihm für den Sommer 1788 eine Wohnung im nahen Volkstedt— gegenüber der Kirche in seiner Einrichtung erhalten— und Monate glücklichster Gemeinsamkeit sind den Liebenden beschert. In der Glockengießerei(Jenaischestraße 1) verschafft Schiller sich für sein späteres„Lied von der Glocke“ Kenntnis vom Glockenguß. Geselligkeit im Lengefeldschen Haus, dem„HeisenDas Geburtshaus Schillers in Marbach hof“, oder Komödienspiel im noch heute blühenden Beulwitzschen Garten kürzen die Abende. In dessen Gartenhäuschen hatte Schiller seine Braut kennengelernt, im Hause des Herrn von Beulwitz kommt es auch am 9. 9. 1788 zum ersten persönlichen Zusammentreffen mit Goethe, aber es fällt so frostig aus, daß Goethes Eintreten für Schillers Berufung als Geschichtsprofessor nach Jena doppelt unerwartet ist. Schillers Wohnungen am Schloßaufgang und in der Schillerstraße, Schillerquelle,=höhe und die Schiller=Gedächtnisstätte auf der Terrasse der ehrwürdiggroßartigen Heidecksburg, in der die Mutter von Schillers Lotte später lange lebte, erinnern an seinen entscheidenden Rudolstädter Aufenthalt. Am 26. Mai 1789 bietet sich in Jena ein merkwürdiges Bild. Kein Saal im Alten Kollegiengebäude hatte für die Studentenmassen ausgereicht, die das„Erzgenie“ Schiller hören wollen, so entschloß man sich schnell zum Umzug in den Auditorienanbau des Griesbach= schen Hauses am anderen Ende der Stadt. Zu Hunderten stürzen die Burschen wie toll die Johannisstraße entlang, die Jenaer Philister halten den Aufruhr für Feueralarm, die Wache tritt unters Gewehr.„Was gibt's denn?" tönt es von allen Seiten.„Der neue Professor liest“ klingt es eilig zurück. Schiller folgt als Letzter, fast die ganze Universität empfängt ihn jubelnd. In diesem denkwürdigen Hause seiner Antrittsvorlesung hat er später auch gewohnt, zunächst aber in dem beliebten Studentenquartier der Jungfrau Schramm, der„Schrammei"(Jenaer Gasse) und 1794—95 an der Ecke Unterm Markt 1, dem Rathaus gegenüber. Hier war es, wo er endlich Goethe näherkommt, der im eifrigen Gespräch nach einer wissenschaftlichen Sitzung bei ihm eintritt. Sieben Jahre später erstand er seiner wachsenden Familie jenes Jenaer Gartenhaus, dessen Beschaulichkeit uns noch heute anheimelt. 1799 endlich zieht Goethes Freundschaf. Schiller nach Weimar. 1802 nimmt er„alles, was er hatte und zusammenkratzen konnte“ und erwirbt das Haus Schillerstraße 12. Das Obergeschoß, das die Familie bezog, enthält heute in drei Stuben kostbare Schiller=Reliquien. Im Dachgeschoß hauste der Dichter selber, und diese heiligen Räume sind heute noch genau so erhalten wie einst. In der Mitte ein bescheiden=behagliches Wohn= und Empfangszimmer, daneben das Arbeits= und Sterbezimmer. Da steht noch auf rohem Estrich der Schreibtisch, an dem die„Braut von Messina" entstand, Federkiel und Tintenfaß, Fidibus und Globus treulich darauf, und dicht daneben das Bett aus billigem Holz, auf dem am 9. Mai 1805 einer der innerlich reichsten Menschen verschied. Ein dürftiger Nachttisch mit Kerze wacht an seinem Platz Häupten wie damals, und durch diesen zerschlissenen Vorhang hier ist Schillers letzter Blick hinausgegangen in die Natur, als er am Abend vor seinem Hinscheiden bat, den Schein der untergehenden Sonne zu ihm zu lassen. Vor der Haustür unten haben Goethe und Schiller sich zum letzten Male die Hände gereicht, durch sie hindurch geleitete eine erlesene Schar junger Männer nächtlich seine Gebeine zum„Kassengewölbe“ an der St. Jakobskirche, bevor sie 1827 ihre würdigste Stätte in der Fürstengruft fanden, wohin ihnen 1832 Goethes Sarkophag folgte. So sind beide Dichter im Tode vereint, wie im Leben. Ihr Gedächtnis aber glüht im Herzen der Menschheit. Dec junge Ichiller und seine WeltFriedrich Schiller entstammt einem altschwäbischen Bauern= und Bürgergeschlecht, das sich im unteren Remstal bei Stuttgart bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. In seiner äußeren Erscheinung, der hohen schlanken Gestalt, der Gesichtsbildung und den rötlichen Haaren war Schiller der Sohn seiner Mutter. Der„angeborene Hang zu immerwährender Tätigkeit", den Johann Kaspar Schiller in sich fühlte, lebte auch in dem Sohn, der das vom Vater gegebene Vorbild unablässiger Arbeit an sich selbst und nie ermattenden, willensstarken Vorwärtsschreitens über alle Hindernisse hinweg auf herer Stufe wiederholt hat. Eindrücke der entgegengesetztesten Art wirken auf den Knaben Schiller in seinen Kinverjahren ein. Ueber dem zwischen Waldhügeln im gesegneten Remstal eingebetteten Lorch erhebt sich eine romantische Klosterkirche mit einer Grablege der Staufen; südlich von Lorch liegt Wäschenbeuren mit der Stammburg dieses Kaisergeschlechtes, eine Stunde weiter der Hohenstaufen. Der Vater deutete den Kindern diese Denkmäler einer großen Vergangenheit, wie er ihnen auch gern von seinen Kriegserlebnissen erzählte. Aus der ländlichen Stille dieses Kinderparadieses wurde der Knabe in eine völlig andere Welt versetzt, als der Vater 1766 wieder zu seinem Regiment nach Ludwigsburg zurückberufen wurde. In tollem Wirbel lösten sich prunkvolle Festlichkeiten jeder Art ab. Besonderer Vorliebe des Herzogs erfreute sich die italienische Oper, für die er eines der größten Opernhäuser in Deutschland erbauen ließ und an der Künstler wie Jomelli wirkten. Der Sohn des Hauptmanns Schiller kam sich„wie in einer Feenwelt“ vor, wenn er zur Belohnung seines vom Vater in eine der mit verschwenderischer Pracht gegebenen Aufführung mitgenommen wurde. Verstand er auch nichts von den italienischen Gesängen, so wurde seine Fantasie doch mächtig angeregt. Er stellte sich ein Theater zusammen mit Figuren aus Papier und ging bald dazu über, mit Schulfreunden und seiner Schwester selbst zu spielen, wobei er, wie diese berichtet, durch seine Lebendigkeit alles übertrieb. Vater und Sohn kostete es einen schweren Entschluß, den so lange gehegten Ausbildungs= und Lebensplan aufzugeben und auf das Studium der Theologie, das der Reigung des Knaben entsprach, zu verzichten. Auf des Herzogs persönliches Drängen blieb dem Hauptmann Schiller keine Wahl, als seinen Sohn der Schule des Herzogs zu übergeben. Als ein schüchternes Bürschchen kam Schiller in die Anstalt; als ein„die kühne Anlage seiner Kräfte“ fühlender junger Mann ging er von ihr ab, und mit hinaus nahm er das Manuskript eines aus dem tiefsten Innern einer Feuerseele geflossenen Trauerspiels. Schon in den ersten Akademiejahren lebte er in der Welt der Dichtung, in den Werken der Dichter, die ihm zunächst bekannt waren und die das Vorbild für seine eigenen dichterischen Versuche wurden. Klopstockische Empfindungen bewegten den Knaben; der„Messias“ regte ihn an zu einem Epos, dessen Held der Gesetzgeber Moses war. Klopstock und Haller haben Pate gestanden bei der elegischen Dichtung„Der Abend“, die 1776 als erstes seiner Gedichte gedruckt wurde. Nach und nach fanden die Hauptwerke der zeitgenössischen Dichter ihren Weg in die Akademie und gingen in einem Kreise dichterisch angeregter Freunde von Hand zu Hand. Schließlich wurde Schiller auch mit dem Vorbild der Stürmer und Dränger, mit Shakespeare bekannt. Gewaltig war die Wirkung auf den Jüngling, in dem selbst ein dramatischer Genius nach Entfaltung rang, aber noch lange hatte er zu ringen, um das Verständnis des so ganz anders als er gearteten britischen Dichters. Ein nicht minder bedeutsamer Moment war es, als er auf eine kleine Erzählung Schuberts aufmerksam gemacht wurde, deren Gegenstand das in jener Zeit so oft behandelte Thema der ungleichen und feindlichen Brüder war. Sie gab Schiller den ersten Anstoß zu seinen„Räubern". Einzelnes wird er damals sofort entworfen haben; zur Ausführung kam es jedoch erst in seinem letzten Akademiejahr. Mit welchen Gedanken mögen aber die Blicke des jungen Kandidaten der Medizin auf den bewunderten Dichter des„Götz" und des„Werther" gerichtet gewesen sein! Auch in ihm regte sich dichterische Schöpferkraft: die„Räuber" drängten nach Gestaltung; nun gab es kein Zurückhalten mehr. Es muß uns immer wieder in Erstaunen setzen, wie Schiller in der Unruhe seiner Schulkaserne und neben den Anforderungen seines Fachstudiums in abgestohlenen Stunden die innere Sammlung inden konnte, um ein solches Werk zu schaffen. Auekdoten. Von O. G. Foerster Die Zwangserziehung der Karlsschule vermochte trotz aller Strenge Eigenart und Freiheitsdrang des jungen Schiller nicht zu unterdrücken. Ungeachtet der Folgen. die sein Verhalten bei dem unbeherrschten Jähzorn des Herzogs Karl haben konnte, scheute er sich nicht. im Kreise seiner Kameraden die Sorechweise und die gelegentlichen Schimpfreden des Herzogs nachzuahmen und zu verspotten. Das gelang ihm so meisterhaft, daß schließlich auch der Herzog davon erfuhr. Eines Tages erschien Herzog Karl in der Schule, begleitet von seiner schönen Freundin Franziska von Hobenbein. Er lieb Schiller zusen und sagte:„Ich höre. Er versteht die Kunst, Personen nachzuahmen. Ich will, daß Er mir eine Probe davon vorführt. Nehme Er einmal an. Er sei der Herzog von Württemberg!" Schiller bat sich unerschrocken den Stock des Herzogs aus, stellte sich in Positur und begann. ganz nach der Art des Herzogs, diesen zu verhören:„Was hat Er heute geschrieben? Wie weit ist Er mit seinen medizinischen Studier vorgeschritten?“ Der Herzog bestand dieses Verhör schlecht. Und schließlich wurde der Pseudoherzog zornig und rief:„Sackerment. Er ist ein Esel!". nahm die Gräfin beim Arm und wollte verschwinden. „Hör Er, Schiller!" rief lachend der verblüffte Herzog.„Laß Er mir wenigstens die Franzel!" * Im Jahre 1777 schuf Schiller, dem der Herzog das Dichten verboten hatte. in aller Heimlichkeit seine„Räuber“. Seine schwache Gesundheit ausnutzend. meldete er sich häufig krank und arbeitete im Bett an seinem Drama. Wenn ein Aufseher oder der Herzog selbst ins Krankenzimmer kam, wurde das Manuskript blitzschnell unter das Bett gesteckt, und ein bereitliegendes medizinisches Werk ließ den Dichter als fleißigen Mediziner erscheinen. Die einzelnen Szenen aber las Schiller. sobald sie sertig waren. heimlich seinen Freunden vor. Eines Abends las er gerade eine Stelle aus der ersten Szene des 5. Aktes. Ganz im Bann seines Werkes, lief er im Zimmer umher und las mit erhobener Stimme die Worte Moors:„Tod. Himmel. Ewigkeit. Verdammnis schwebt auf dem Laute deines Mundes!" In diesem Augenblick trat ein Aufseher ins Zimmer und rief:„Ei. man schäme sich doch! Wer wird denn so gotteslästerlich fluchen!" Dann ging er wieder hinaus. Schiller aber rief dem Störenfried nach:„Konfiszierter widriger Ker!!“. Und 6 Jahre später erinnerte er sich dieses Vorsalles und bedachte in seinem Stück„Kabale und Liebe“ den Sekretär Wurm mit der gleichen wenig schmeichelhaften BezeichRUNS (Peeeer S URLEBER· RECHTSSCHUTZ: DURCH VERLAS · OSKAR- MIEISTER. WEROAU 11. Fortsetzung „Und was tut Fräulein Anne in dem zugeschlossenen Atelier?“ „Wahrscheinlich sitzt sie Fräulein Bratt Modell.“ „Essen die beiden heute kein Mittag?“ „Wenn ein Künstler arbeitet, fallen so prosane Sachen vie ein Mittagessen manchmal aus oder werden später nachgeholt.“ „Na, wenn ich das gewußt hätte, hätte ich kein Roastdeef gemacht, Frau Gräfin. Das wird ja zäh wie Sohlenleder.“ „Wenn Fräulein Bratt vor Müdigkeit der Pinsel aus r Hand fällt, wird sie Sohlenleder essen und es vor Befriedigung gar nicht merken.“ „Guten Appetit, kann ich da bloß sagen,“ meinte Ursel gottergeben und trollte sich davon. Die Gräfin lachte. Sie lachte noch, als Prinz Meersburg und Hans von Grottkau erschienen, die zum Essen eingeladen waren. Beide kamen, die klappernden Schlittschuhe unterm Arm und den Kopf voller Pläne für den Nachmittag. „Wir haben heute nachmittag keinen Dienst und wollen Fritzi und Fräulein Anna zum Schlittschuhlaufen abholen,“ erklärte Grottkau.„Außerdem haben wir, dank unserem vorbildlich sparsamen Lebenswandel, Kinokarten erstehen können. Sind wir nicht brave Jungens?“ „Fabelhaft,“ lobte die Gräfin,„direktemang unheimlich.“ „Was erheitert dich denn so, Tante Klara?“ wollte der Prinz wissen. „Die alte Ursel. Sie kam eben herunter, um mir mitzuteilen, daß Senta Bratt verrückt geworden sei.“ „Und die Symptome?“ erkundigte sich Grottkau sachgemäß. „Ein ausgefallenes Mittagessen und ein Atelier, hinter dessen abgesperrter Tür Senta und Anna sitzen. Wahrscheinlich arbeitet Fräulein Bratt am Porträt ihrer jungen Freundin.“ „Fabelhaft interessant,“ rief Grottkau.„Ich muß sofort hinauf und mir das schöne Modell ansehen. Kommst du mit, Durchlaucht?“ Meersburg verneinte, und ehe die Gräfin den aufgeregten jungen Mann zurückhalten konnte, war er zur Tür hinaus. „Sie wird Hans hinauswerfen, wenn sie überhaupt die Tür öffnet,“ sagte die Gräfin vergnügt.„Unter drei Stunden tut's Senta Bratt nicht, wenn sie im Zuge ist.“ „Und so lange muß das arme Fräulein Anna stockstill dasitzen, Tante?" Die Gräfin sah ihren Neffen amüsiert an. „Tut sie dir sehr leid, Ernstchen?“ „Stillsitzen ist eine ziemlich strapaziöse Sache. Ich habe alle meine Knochen gespürt, als mich einmal ein Hafenmaler auf die Leinwand bannte. Man sollte wirklich gegen Fräulein Bratts übertriebenen Arbeitseifer Einspruch erheben, Tante.“ In den Augen der Gräfin tanzten tausend vergnügte Teufelchen. Sie packte ihren Neffen bei den Schultern und drehte ihn zu sich herum. „Ernst, du bist seit einiger Zeit so sonderbar. Du ärgerst dich, wenn Grottkau dem jungen Mädchen in seiner Tolpatschmanier den Hof macht. Du wirst wütend, wenn er kurzweg„Fräulein Anna“ zu ihr sagt und vertraulich tut. Du benimmst dich—“ „Als wenn ich verliebt wäre, das willst du doch sagen, Tante?“ „Bist du in sie verliebt?“ „Ich weiß es nicht.“ „Welch eine nichtssagende Antwort, Ernst! Ich verstehe euch jungen Leute von heute nicht. Zu meiner Zeit wußte man, ob man verliebt war oder nicht. Sei nicht so pflaumenweich!" „Pflaumenweich! Der Ausdruck stammt bestimmt von Fritzi Hesterberg, Tante.“ „Stimmt, aber gib mir Antwort auf meine Frage.“ Der Prinz zögerte. Sollte er seiner Tante das Geständnis über die Unbekannte machen? „Fräulein Weber erinnert mich an eine Dame—— aber, da kommt Hans zurück.“ Grottkau trat ein. Seine Miene war niedergeschlagen. Hinter ihm folgte Fritzi Hesterberg. „Haben Sie das schöne Modell bewundert, Hans?“ neckte die Gräfin. „Er ist vollkommen abgestunken,“ erklärte Fritzt in ihrer mehr treffenden als eleganten Ausdrucksweise. „Senta hat ihn hinausgeschmissen, und ich habe ihn trostbedürftig auf der Treppe aufgelesen. Tante Gräfin, darf ich mitessen? Mein Qualonkel sitzt wie festgenagelt auf seinen Sterndeutebüchern und verweigert die Nahrungsaufnahme. Für mich allein verlohnt das Kochen nicht.“ Die Gräfin ließ für Fritzt noch ein Gedeck auflegen. Sie kannte bereits den etwas zigennerhaft geführten Haushalt bei Professors. Wenn Hesterberg über seinen Büchern saß, war er der Nahrungsaufnahme unzugänglich. Fritzi, die überhaupt wie ein Spatz herumpickte, aß dann ein weiches Ei oder schlüpfte ins Erdgeschoß hinab, wo sie bei der Gräfin immer einen gedeckten Tisch fand. Das Mittagessen war vorüber. Der Kaffee wurde im Wohnzimmer der Gräfin serviert. Senta und Anne, sonst regelmäßige Kaffeegäste, erschienen heute nicht. Der Prinz wurde nervös und sah häufig nach der Uhr „Das ist ja Freiheitsberaubung,“ sagte er schließlich ärgerlich.„Will denn Fräulein Bratt heute den ganzen Tag ohne Nahrung bleiben?“ „Oh, die hält's aus,“ meinte die Gräfin amüsiert. „Aber Fräulein Weber scheint mir weniger robust.“ „Soll ich, kühn wie'n Spanier, noch einmal hinaufgehen?“ schlug Grottkau vor.„Ich bin wirklich neugierig, wie weit das Bild ist.“ „Das bekommen Sie erst zu sehen, wenn es fertig ist, Hänschen,“ erklärte die Gräfin.„Ich kenne Senta; sie zeigt unfertige Sachen niemals.“ „Um so neugieriger bin ich.“ „Zwecklos, mein Junge. Na, ich werde mich opfern und selbst hinaufsteigen. Mich wird Senta nicht hinauswerfen und für das arme Mädchen wäre es gut, wenn die Sitzung unterbrochen wird. Das arme Ding wird schon kreuz= und lendenlahm sein.“ Das„arme Ding“ kam der Gräfin bereits auf der Treppe entgegen, begleitet von der vergnügt pfeifenden Malerin. „Ich habe Annes Porträt angefangen, Gräfin. Ich glaube, die Arbeit wird gut. Farben habe ich auf der Palette, Farben, wundervoll!" Senta Bratt schnalzte mit den Fingern. „Und Ihr armes Modell haben Sie halb verhungern lassen, Senta!“ rief die Gräfin.„Ursel hat mir bereits ein Klagelied gesungen, und Grottkau läßt über seinen Hinauswurf die Ohren hängen. Die Jugend will auf die Eisbahn. Rasch zu mir herein mit euch beiden! Mittagbrot gibt es nicht mehr, aber Kaffee könnt Ihr haben.“ „Fein, ich habe gerade Kaffeedurst. Ist Grottkau sehr wütend auf mich? Ich habe ihn einen Esel genannt, weil er an die Tür bumste. Anne, sind Sie sehr verhungert?“ Anne verneinte lachend. Grottkau war nicht nachtragend und hatte den Esel bereits verschmerzt. Der Prinz aber war wütend auf die Malerin, als er Annes blasses Gesichtchen sah. Senta Bratt merkte es nicht und aß an Stelle des ausgefallenen Mittagbrotes zum Kaffee drei Mohrenköpfe und zwei Stück Pflaumenkuchen auf. „So, ich bin satt,“ sagte sie.„Eigentlich soll man sich ja nicht so mit Kuchen vollstopfen, was? Warum sehen Sie mich so strafend an, Durchlaucht? Denken Sie daran, daß diese Kaffeemahlzeit eine Weile vorhalten muß, denn ich gehe jetzt wieder an meine Arbeit.“ „Um Gottes willen,“ schrie Grottkau empört,„Sie wollen doch die unglückliche Anna nicht wieder auf den Modellstuhl nageln? Gräfin, ich rufe den Tierschutzverein an. Wo ist das Telephon?" „Danke," lachte Anne,„wollen Sie mich als gemartertes Kalb melden?“ 4# Srärigl. „Als unschuldig duldende Taube naturlich! Fräulein Bratt, wollen Sie mich nicht als Stellvertretung sitzen lassen?" „Sie Quecksilber! Ihnen würde das Stillsitzen verflixt schwerfallen...2 J. Sugl. „Für Fräulein Anna nehme ich alle Qualen auf „Hören Sie's, Anna? Ein Ritter ohne Furcht und Tadel. Bedauere, ich kann das Anerbieten nicht annehmen, Ihr Aussehen sagt mir nicht zu!“ „Welch eine Beleidigung!“ „Sie würden auch in Ar passen, lieber Grottkau.“ „Es wird ein Kostümbild? Was für ein Kostüm? Griechisch? Römisch? Rokoko oder altdeutsche Puffärmelchen?“ Wsirh, Gente uam dem Silhenfleid Anne zitterte. Wurde Senta von dem Silberrleid sprechen? Aber die Malerin sah spöttisch auf den jungen Mann herab. Offenbar platzte dieser lebhafte Jüngling vor Neugier. Senta Bratt war nicht gesonnen, sie zu befriehigen.(eheimmis: fante fl. es Snnes E.; „Das Kostum ist Geheimnis,“ sagre sie zu Annes Erleichterung.„Es soll eine Ueberraschung für Sie werden.. K n M 9. Und was für eine, dachte Anne bei sich. Bis zur Ausstellung des Bildes muß ich auf und davon sein. Senta Bratt faltete ihre Kaffeeserviette zusammen. „Ich gehe wieder hinauf, Anna,“ sagte sie. „Aber Sie haben ja kein Licht mehr zum malen,“ rief der Prinz, dem alles daran lag, das junge Mädchen von der Sitzung frei zu bekommen. „Doch, eine Tageslichtlampe für Maler, bei der es sich famos arbeiten läßt. Aber Anna wird heute nicht noch einmal auf den Modellstuhl gebannt. Sie muß an die frische Luft. Ich werde an dem Kostüm pinseln.“ „Hoffentlich nicht den ganzen Abend. Senta,“ rief die Gräfin.„Ich habe den Justizrat und Professor Hesterberg zum Bridge gebeten.“ „Keine Sorge, ich komme herunter und mache den vierten Mann.“ Während die Malerin in das Atelier hinausstieg, machte sich das jugendliche Quartett für den Schlittschuhausflug fertig. Vom Fenster aus sah die Gräfin den beiden Paaren nach. Wie hübsch Ernst aussah, und wie gut das junge Mädchen, die Anna, zu ihm paßte. Er groß und dunkel, sie zart und biond. Sie waren wirklich ein reizendes Paar. Gräfin Altenklingen seufzte. „Ernst hat wenig Geld und sie gar keins,“ murmelte ste.„Außerdem scheint der Grottkan Feuer gefangen zu haben. Na, der kann sich wenigstens eine arme Frau leisten.“ 1: Nein, Grottkau hatte kein Feuer gefangen. Aber es machte ihm Spaß, Anna ein wenig zu hofieren. Er hätte auch Fritzi den Hof gemacht, wenn er diese junge Dame für voll genommen hätte. Aber Fritzt war für ihn ein Kind, das man neckte und mit dem man dumme Streiche machte. Allerdings ein bildhübsches Kind, wie er sich eingestand. Annas Kostüm nicht hineinDas„Kind“ Fritzi war jedoch eine sehr scharfsichtige Person mit guter Beobachtungsgabe. Sie sah, daß Seine Durchlaucht in Anna verliebt war. Davon biß keine Maus einen Faden ab! Warum schnauzte er den armen Hans immer an, wenn der sich gar zu sehr mit Anna beschäftigte? Ernstchen ist eifersüchtig, und wer eifersüchtig ist, der liebt, schloß Fritzi scharfsinnig. Sie ließ sich von Hans von Grottkau die Schlittschuhe anschnallen und trödelte solange herum, bis der Prinz mit Anne in graziösen Bogen entschwunden war. „Schnell, Fritzi,“ ärgerte sich Grottkau.„Ernst und Fräulein Weber sind schon auf und davon.“ „Nanu, warum nennen Sie Anna plötzlich„Fräulein Weber"?“ wunderte sich Fritzi. „Weil's Seine Durchlaucht nicht hört,“ grinste Grottkau.„Wenn's Meersburg hören kann, sage ich Anna, weil er dann blau vor Wut wird. Er ist ein gräßlich zeremonieller Mensch und kann es nicht ausstehen, wenn ich die junge Dame kurzweg beim Vornamen nenne.“ „Pah, glauben Sie, daß das der einzige Grund ist?“ „Natürlich. Ernst ist der personifizierte gute Ton in allen Lebenslagen.“ „Hänschen, Sie sind zu dämlich! Einfach mit dem Klammersack gepudert.“ Waaaas“:.. 9. Hip: Fanstäufige Marfa Grottkau starrte auf die kleine, krausköpfige Person, die ihn vergnügt anlahte, Pptin Mieserhatte 8. „Mit dem Klammersack gepudert!“ wiederholte sie nachdrücklich.... 84, Mir Aa: mst Griht Jn u. „Vielleicht übersetzen Sie mir das mal, Fritzi, so in richtiges, normales Deutsch. Ihre symbolischen Aussprüche sind für Normalmenschen etwas unklar.“ „Also, was ein Klammersack ist, wissen Sie doch hoffentlich?“ „Klar, so ein Ding ist mir aus meinen Jugendmaientagen und den Waschfesten auf Grottkau erinnerlich.“ „Na also. Nun stellen Sie sich einmal vor, daß Sie temand mit so'nem richtigen, umfangreichen, wohlgefüllten Klammersack pudert!" Herr des Himmels!....,, Ihr Gehimn P“ „Und dann malen Sie sich aus, wie Ihr Gehirn nach dieser Prozedur durcheinandergekommen ist!" „Phantastisch! Mir ist schon bei der bloßen Vorstellung ganz dumm zumute.“. 146 4 uns „Na also. Und so dumm, wie Ihnen zumute ist, sind Sie auch, Hänschen. Sehen Sie denn nicht, daß der Prinz in Anna verliebt ist?“ „Ausgeschlossen!" „Warum denn? Anna ist sehr schön.“ „Ernst liebt eine ganz andere.“ „Wen denn?“ „Eine Fata Morgana!“ „Quatsch! Er liebt Anna!“ Fritzi schoß im eleganten Bogen davon, in der entgegengesetzten Richtung, die Anna und Meersburg gesommen hatten.„ 46 am Uhr en. 60l. Es blieb Hans von Grottkau nur übrig, ihr zu folgen. Er gab sich Mühe, Fritzt zu überzeugen, daß Meersburg nicht in Anna verliebt sei, aber diese burschikose, junge Dame tippte nur vielsagend an seine Stirn.— „Wir haben Herrn von Grottkan und Fritzi verloren, Durchlaucht. Wir wollen die beiden suchen,“ sagte Anne. „Oh, die beiden werden ganz gut ohne uns fertig,“ lautete die Antwort.„Außerdem ist die Eisbahn nicht groß. Wir werden schon irgendwo zu ihnen stoßen.“ Die Eisbahn war aber groß genug, um einem beabsichtigten Zusammentreffen auszuweichen. „Bitte, geben Sie mir Ihre Hand, gnädiges Fräulein, Sie sind etwas unsicher." Gehorsam reichte Anne dem Prinzen die Hand. Meersburg nahm die Linke des Mädchens und legte seinen Arm um ihre Hüfte. Anne leicht stützend. Da war es wieder, dieses zauberhafte Gefühl des Hingczogenseins, das des Mädchens Nähe stets in ihm auslöste. „Ich habe meine Eislaufkünste wirklich vergessen." sagte Anne unsicher lächelnd. „Elmshorn bietet aber sehr viel Gelegenheit für den Eissport.“ „Ich hatte keine Zeit für dergleichen, Durchlaucht.“ „Sie haben sehr zurückgezogen gelebt, nicht wahr?“ „Jedenfalls habe ich keine Geselligkeiten mitgemacht.“ war die ausweichende Antwort. „Und doch werde ich das Gefühl nicht los, Ihnen bereits einmal begegnet zu sein, gnädiges Fräulein.“ „Das ist bestimmt ein Irrtum.“ „Vielleicht, aber Sie erinnern mich an eine junge Dame, die ich flüchtig kennenlernte und die auf mich—“ Ritsch—— Anne hatte den Bogen zu weit genommen. Im letzten Augenblick griff der Prinz nach der fallenden Gestalt und bewahrte sie vor einem bösen Sturz. Der Atem des jungen Mädchens ging rasch und in ihren blauen Augen stand Erschrecken. Das grelle Licht einer Bogenlampe schien in Annes blaß gewordenes Gesicht und ließ ihr Blondhaar aufleuchten. Meersburg hielt Anne an den Armen und blickte auf sie herab. 8 „Sogar Ihre Stimme gleicht ber jener Dame.= murmelte er.„Sie haben ihre Augen, ihr Haar.“ „Nur nicht ihr Gesicht,“ versuchte Anne zu scherzen. „Ich habe das Gesicht jener Unbekannten nicht gesehen. Aber es ist wohl am besten, wenn ich Ihnen die Geschichte erzähle, sonst halten Sie mich für einen Narren, der einem Phantom nachtagt Vielleicht vin ich es auch. Also hören Sie: Es war auf einem Kostümfest in Elmshorn. Grottkau und ich waren Gäste des Konsuls Eschental, der Ihnen bekannt sein wird.“ (Fortsetzung folgt.) Mntionen=Auegurk.. de Nunksunte Vorsitzende teilte in diesem Der Kundfunkprozeß Seldte an den Führer In der Vormittagssitzung am Freitag schilderte der Angeklagte Dr. Bredow die Haushaltsgestaltung der einzelnen Sendegesellschaften. Die Rindfunkleiter konnten nicht etwa im Rahmen einer behordenmäßigen Besoldungsordnung die künstlerischen Mitarbeiter bezahlen, sondern mußten freie Künstlerhonorare geben. Der Reichsfinanzhof forderte von der Reichspost die Zahlung einer Umsatzsteuer. Dr. Magnus ergänzte diese Ausführungen und gab dann einen interessanten Ueberblick über die gesamten Verwaltungs= und Programmkosten der Sendegesellschaften. Die Verwaltungskosten betrugen im Jahre 1927 insgesamt 5,3 Mill. RM., stiegen 1928 auf 6 Millionen und sanken dann 1929 wieder auf 5,4 und 1930 auf 5,1 Mitlionen., Demgegenüber zeigten die Programmkosten ständig eine aufsteigende Richtung. Wähcend sie 1927 noch 9,5 Mill. betrugen, stiegen sie 1928 auf 12,2, 1929 auf 15,8 und 1930 auf 17,3 Millionen. Diese Steigerung der Kosten für die Programmgestaltung ergaben sich aus dem immer größeren Ausbau der einzelnen Programme und hatten ihre Begründung auch in den auf Grund der steigenden Hörerzahl erheblich vermehrten Einnahmen. Trotzdem sorgte die Reichsrundfunkgesellschaft vom Jahre 1930 ab dafür, daß ein weiteres Anwachsen der Programmkosten vermieden wurde. Die Post bekam im Jahre 1926 12 Millionen, 1927 18 Mill., 1928 23,7 Mill., 1929 29,4 Mill. und 1930 38,6 Millionen RM. aus Hörergebühren. Während Magnus für diese Jahre die Unterlagen vorlegen konnte, konnte er die Einnahmen der Reichspost für die Jahre 1931/32 bloß schätzungsweise angeben. Sie betrugen seiner Auffassung nach 45 und 47 Millionen. Dabei müsse aber, wie er betonte, berücksichtigt werden, daß 1931 eine Umstellung der Verteilung der Hörergebühren zwischen Reichspost und Sendegesellschaften erfolgt war, die, wie bereits in der gestrigen Verhandlung zur Sprache kam, von dem genannten Jahre ab 57 und 43% betrug, während sie vorher 60 und 40 v. H. ausmachte. Bredow bestätigte diese Angaben von Dr. Dagnus. Auch er bezifferte die Gesamteinnahmen der Reichspost für die genannten Jahre auf über 200 Millionen Mark. Im letzten Teil der Vormittagssitzung wurde Dr. Bredow noch einmal darüber vernommen, wie er zu seiner Stellung als Rundfunkkommissar gekommen sei. Dr. Bredow hob hervor, in den ersten Besprechungen mit den Ministern Schiele und Stingl sei festgestellt worden, daß der Posten des Rundfunkkommissars ein unpolitisches Amt sein müsse. Er habe in diesem A alto keinerlei Beamteneigenschaften gehabt, sondern es immer als eine private Stellung angesehen. Der Anstellungsvertrag Bredows In der Nachmittagssitzung stellte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Rosemann, die Personalakten Bredows zur Erörterung. Bredow, der am 1. Juni 1926 die Geschäfte als Rundfunkkommissar übernommen hatte und aus dem Reichsdienst ausgeschieden war, hatte am 26. 3. 1926 mit der Reichsrundfunkgesellschaft einen Vertrag geschlossen, wonach er als Vorsitzender des Verwaltungsrates mit den Bezügen in der Höhe eines Staatssekretärs übernommen wurde und ihm gleichzeitig das entsprechende Ruhegehalt und die Hinterbliebenenversorgung zugeReichsarbeitsminister Seldte hat dem Führer und Reichskanzler zum 9. November hert worden, Der daß bei den Akten ein Ab= Frontkaneraden gedenke ich in Erinnerung der ommen, dps oen, eng, ege, das vom 1. Juni(innere und äußere Befreiung der Opfer und Stng ung beoa sestgelegt worden sei, Blutzeugen der nationalsozalstischen Lepegung 96 Bredow ul., A,Vertuter der Reichspost bei uns alen Vorbild und Veispel für letzten Einsatz der Reichsrundfunkgesellschaft als Vorsitzender zur Erreichung der hohen deutschen Ziele des Verwaltungsrates dieser Gesellschaft mit den Führer ein.“ Bezügen eines Staatssekretärs zu der Reichsrundfunkgesellschaft übertrete. In diesenr kommen ist ausdrücklich vorgesehen, daß Brevow von der Reichspost keinerlei Bezuge zu erhalten habe. Ueber den weiteren Verhandlungsgang teilte der Vorsitzende sodann mit, daß in der nächsten Sitzung am Montag die übrigen Angeklagten kurz über die Verhältnisse der von ihnen vertretenen Gesellschaften berichten sollten und daß dann am Montagnachmittag die Beweisaufnahme über die Anstellung Bredows als Rundfunkkommissar erfolgen solle. Politik auf dem Semmering Besprechungen zwischen Gömbös und Schuschnigg Die Anwesenheit des ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös auf dem Semmering gab der österreichischen Bundesregierung Gelegenheit zu einem großen politischen Treffen. Freitag vormittag um 11 Uhr trafen auf dem Semmering der Bundesminister für Auswärtiges, Freiherr von Berger=Waldenegg, Vizekanzler Fürst Starhemberg und der ungarische Gesandte Baron Apor ein, nachdem Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und der ungarische Ackerbauminister Kallay schon Donnerstag abend dorthin gereist waren. Ueber die Beratungen liegt geheimnisvolles Dunkel gebreitet. Die Wiener Blätter durften nicht einmal die Nachricht bringen, daß Ministerpräsident Gömbös auf dem Semmering Der 9. November in Berlin Den Mittelpunkt aller Veranstaltungen der Berliner Bewegung zum Gedächtnis ihrer Gefallenen bildete am Freitagabend eine große Kundgebung im Sportpalast, der ein Vorbeimarsch am Ehrenmal Unter den Linden und Kranzniederlegung durch den Chef des Stabes, Lutze, folgte. In den späten Abendstunden versammelten sich die Ehrenformationen im Lustgarten. Die Feldzeichen und Blutfahnen der Su., die Ehrenzeichen und Fahnen der SS., Blutfahnen der PO., Standarten der Motor=SA. und Blutfahnen der HI. hatten in breiter Front vor dem Ehrenmal Unter den Linden Aufstellung genommen.. Tpartinal.st 5. Die Weihestunde im Sportpatast begann mit ernster Musik. HI.=Gebietsführer Jan meldete darauf dem Obergruppenführer 600 Berliner Hitlerjungen zum Eintritt in die SA. bzw. SS. Obergruppenführer v. Jagow hieß die in die SA. eintretenden Hitlerjungen willkommen und forderte sie auf, das weiter zu tragen, was die SA. groß und stolz gemacht, ihren Geist, ihren Opferwillen, ihre Treue zum Führer. Die in die SS. eintretenden Hitlerjungen übernahm SS.= Gruppenführer Moder. Der Chef Viktor Lutze, der noch mittags der Weihestunde an der Feldherrnhalle in München beigewohnt hatte, hielt die Gedenkrede. Er schloß: Wir wollen den Ruf der Toten zum Schwur machen, und dieser Schwur ist die Parole des Führers: Immer bereit, wenn nötig zu sterben, aber nie KO h R paare G Er geht! Frankreichs bisheriger Ministerpräsident Doumergue, der durch den Konflikt mit den Radikalsozialisten zum Rücktritt gezwungen wurde. treffen und nicht wirtschaftlichen Angelegenheiten auf. gewidmet sind, da es auffällt, daß der österreichische Handelsminister Stockinger, der Donnerstag mit dem Ackerbauminister Kallay unterhandelte, nicht auf den Semmering gefahren ist. Die Vermutung liegt nahe, daß im Mittelpunkt dieser Verhandlungen die römischen Besprechungen und die bei dem Besuch von Gömbös in Rom aufgeworfenen Probleme stehen. Hollands Thronfolgerin kommt nach Westfalen Wie halbamtlich aus dem Haag mitgeteilt wird, hat die Thronfolgerin Prinzessin Juliana die Absicht, sich am kommenden Montag nach Burg=Steinfurt zu geben, um dort einige Tage bei dem mit ihr verwandten Fürstenpaar von Bentheim und Steinfurt zu verweilen. Unban=dre Semsirraungeschätzer Schutz der Mieter gegen mißbräuchliche Ausnutzung von Räumungstiteln Die Pressestelle des Reichs= und preußischen Justizministerium teilt mit: Die Erörterungen über den Fall Koeppen haben u. a. auch zu der Frage geführt, ob es in unserer heutigen Zeit noch erträglich sei, daß ein Gläubiger einen formal zu Recht bestehenden Vollstreckungstitel, wie ihn hier der Räumungsvergleich bildete— um ein Urteil handelte es sich nicht—, noch vollstrecken darf, obwohl bei der besondere Notlage des Schudners und der Geringfügigkeit seiner Schuld die Durchführung der Vollstreckung dem gesunden Volksempfinden als grausame Ungerechtigkeit erscheint. Diese Frage berührt die aus liberalistischer Zeit stammenden Tageefragen der Wirtschaftefuhrung Eine Rede des Führers der deutschen Wirtschaft Auf einer Massenkundgebung der Berliner Bankand Reichsversicherungsangestellten im Berliner Svortpalast sprach der Führer der deutschen Wirtschaft. Graf von der Goltz, über die Gegenwartsaufgaben der deutschen Wirtschaftsführung. Die Menschen und die Einrichtungen der Wirtschaft lassen sich nicht von heute auf morgen ändern. Alle Schwierigkeiten können nichts an der Tatsache ändern, daß die Wirtschaft nicht aus dem Leben des deutschen Volkes als ein weltanschauungsfreier Keim herausgeschnitten werden kann, sondern daß auch in dieser Wirtschaft die Weltanschauung des Nationalsozialismus verwirklicht werden muß.(Lebhafter Beifall.) Wir sind der Auffassung, daß bei einem entsprechenden Willen und bei der entsorechenden Uneigennützigkeit und Vernunft es möglich sein wird. Schritt für Schritt zielbewußt, aber unabwendbar in der Wirtschaft eine Gemeinschaft zu verwirklichen, die nicht auf blöder Gleichmacherei und Beschränkung beruht, sondern daß sich jedes Einzelnen Arbeit vom letzten Arbeiter bis zum größten Unternehmer in den Dienst des Volksganzen stellt. Hier liegen die Aufgaben der Arbeitsfront und der Organisation der Wirtschaft. Die Deutsche Arbeitsfront als Parteiorganisation wird die Prinzivien des Nationalsozialismus rücksichtslos durchführen. Die Wirtschaftsorganisation ist noch keine Parteiorganisation. Dennoch wird auch sie unzweifelhaft ihre Aufgabe nur erfüllen können, wenn auch in ihr nach den Methoden der Partei gearbeitet wird. Das Führerprinziv ist die Voraussetzung für jede Leistung. Darüber hinaus aber ist auch für die Wirtschaftsorgane unzweifelhaft, daß die Führung zu einem inneren Umbruch und zu einer geistigen Umkehr überall nur von Leuten Lesorgt werden kann, die in ihrem Fach Bescheid wissen. die aber auch bedingungslos und vorbehaltlos positiv und aktiv in den Gedankengängen der zationalsozialistischen Bewezung zu Hause sind und aus ihr die Wurzeln ihrer Kraft, die Wurzeln ihres Glaubens und die Wurzeln für jede Tat finden.(Lebhafter Beifall.) Us.=hago im Kampf gegen unberechtigte Preissteigerungen Die Oberste Leitung der PO., Hauptamt der NS.=Hago, gibt bekannt: In Verfolg der Durchführung der Anordnung über die Erhebungen von unberechtigten Preissteigerungen werden demnächst von allen Ortsgruppenamtsleitungen der NS.=Hago im gesamten Reichsgebiet Versammlungen für die Mitglieder der NS.=Hago und der Reichsbetriebsgemeinschaften 17 und 18 in der Deutschen Arbeitsfront veranstaltet werden. in denen die Mitglieder über den Sinn und die Durchführung der Aktion unterrichtet werden sollen. Auf diesem Wege werden noch einmal alle Mitglieder der NS.=Hago und der Reichsbetriebsgemeinschaften 17 und 18 darauf hingewiesen, daß ihr Erscheinen zu diesen Versammlungen Pilicht ist.... 864, Ferner werden im Rahmen der Aktion gegen unberechtigte Preissteigerungen von der NS.=Hago durch besondere Beauftragte Erhebungen in den Geschäften angestellt werden. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß diese Erhebungen lediglich als Materialsammlung zu werten sind. Mit der Anstellung dieser Erhebungen sind nur Politische Leiter beauftragt worden, die mit einem besonderen Ausweis versehen sind. Unsere Politischen Leiter sind darauf verwiesen worden, daß die Erhebungen nicht zu Eingriffen in die Preisgestaltung benutzt werden dürfen. Wir bitten alle Volksgenossen aus Handwerk und Handel um die Unterstützung unserer Politischen Leiter und erwarten insbesondere von allen Parteigenossen Handwerk und Handel, daß sie aus eigener Initiative aus ihrem Geschäft den zuständigen Ortsgruppen=Amtsleitungen der NS.=Hago Material über unberechtigte Preissteigerungen zur weiteren Vervendung zustellen. Grundlagen unseres Vollstreckungssystems, das auf dem Gedanken aufgebaut war, daß der Gläubiger die ihm gegen den Schuldner gewährten Rechte innerhalb der starren gesetzlichen Grenzen ohne jede Möglichkeit ausgleichenden behördlichen Eingreifens rücksichtslos geltend machen durfte. Daß dieser Grundsatz im nationalsozialistischen Staat zu beseitigen ist, bedarf keiner Ausführung. Die Gesetzgebung der letzten Jahre hat hier in ihren Vollstreckungsschutzvorschriften auch bereits wesentliche Hilfe geschaffen. Insbesondere hat die Verordnung vom 26. Mai 1933 in Verbindung mit dem Gesetz vom 24. Oktober 1934 schon die Möglichkeit gegeben, den Schuldner gegen alle unbilligen Härten, die sich auf dem Gebiete der Immobiliar= und Mobiliarvollstreckung einschließlich der Pfändung von Forderungen ergeben kön. nen, zu schützen. Bei der Räumung von Wohnungen erschienen bisher die Mieterschutzgesetze und das dem Gericht gegebene Recht der Bewilligung von Räumungsfristen als ausreichende Sicherung gegen unbillige Härten. Der Fall Köppen zeigt aber, daß bei Räumungsvergleichen noch immer Fälle entstehen können, in denen eine unkontrollierte, in die Hände des Gläubigers gelegte Vollstrekkung zu groben Unbilligkeiten führt. Um diese Lücke zu schließen, legt der Reichsminister der Justiz der Reichsregierung heute einen Gesetzentwurf vor, wonach das Gericht Zwangsvollstreckungsmaßnahmen aufheben, untersagen oder zeitweilig aussetzen kann, wenn das Vorgehen des Gläubigers gegen den Schuldner nach gesundem Volksempfinden eine unbillige und ungerechte Härte für den Schuldner bedeutet. Damit wird jede mißbräuchliche Ausnutzung der formalen Rechte aus einem Vollstreckungstitel für die Zukunft unmöglich gemacht. Es wird also hinfort nicht mehr vorkommen, daß ein Vermieter, auf seine formalen Rechte pochend, die Wohnung eines Mieters räumen läßt, wenn die Räumung dem gesunden Rechtsempfinden des Volkes geradezu ins Gesicht schlägt. Damit sind auch nach der geschriebenen Rechtsordnung Verstöße gegen das nationalsozialistische Gemeinschaftsgefühl des Volkes in Zukunft nicht mehr möglich. Im übrigen zeigt der Fall Köppen deutlich, daß das Reichsjustizministerium mit der Absicht, den noch heute bestehenden Parteibetrieb im Vollstreckungsverfahren grundsätzlich zu beseitigen und die Leitung der Vollstreckung einheitlich in die Hand des Vollstreckungsgerichtes zu legen, trotz vielfach dagegen erhobener Einwen Matuschkas„Leo“ Im Matuschka=Prozeß beantragte am Freitag der Verteidiger des Angeklagten die Vernehmung von elf Zeugen, darunter der Tochter des Angeklagten. Nach den Aussagen dieser Zeugen soll in einem Budapester Kaffeehaus ein Hypnotiseur namens Leo erklärt haben, er könne Matuschka hypnotisieren und ihn zur Sprengung von Häusern bewegen. Bei der Verlesung verschiedener Polizeiberichte u. Untersuchungsprotokolle machte Matuschka neue Angaben. Er sei mit einem Zauberkünstler„Leo“ 30 bis 40 mal in Budapest zusammengetroffen.„Leo“ sei Jahre alt; er sei ein„religiöser Mensch“. Nach den Protokollen soll Matuschka„Leo“ einmal so verprügelt haben, daß dieser ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Verteidigungsversuche des Angeklagten, der immer wieder die gleichen Erklärungen abgab, werden schließlich mit der Feststellung unterbrochen, daß seine Aussagen erlogen seien. Das Verhör des Angeklagten ist im wesentlichen abgeschlossen worden. Da Matuschka geständig ist, spielen die dem Gerichtshof vorgelegten drei bis vier Meter langen Schienenstücke, Eisenröhren und Sprengmaterialien als Beweismaterial keine weitere Rolle. Im Verhör am Freitag zeigte sich Matuschka völlig teilnahmslos und bekundete nur Interesse, wenn das Verhör auf den„Geist Leo“ zurückkam. So gab er an, daß auch Trotzki eine Verkörperung des„Geistes Leo“ sei. Auf die Frage des Präsidenten, aus welchem Grunde er die Anschläge immer an seinem Namens= oder Hochzeitstage begangen habe, antwortete Matuschka lakonisch, das sei ein Wunder. Einwendungen der Einwendungen auf dem richtigen Wege ist. Der Reichsminister der Justiz wird der Reichsregierung beschleunigt einen Vorschlag unterbreiten, das Vollstreckungsverfahren in diesem Sinne umzugestalten. Schiffsunglück an Japans Westküste 42 Mann ertrunken? Auf dem japanischen Frachtdampfer„Ranan Maru“ der Gesellschaft Chosen Yusenkaisha ist während eines Donnerstag morgen herrschenden Sturmes auf der Höhe der Insel Sado Feuer ausgebrochen. Auf die ausgesandten SOs=Ruse begaben sich die in der Nähe des Unglücksortes liegenden Schiffe auf die Suche zur Rettung des gefährdeten Dampfers. Sie mußten jedoch heute morgen ihre Nachforschungen als erfolglos aufgeben. Die einzige Hoffnung besteht noch darin, daß das Schiff in die Gegend von Wladiwostok abgetrieben worden ist. Die Besatzung, die 42 Mann betrug, hat das brennende Schiff in den Rettungsbooten verlassen. Man glaubt, daß alle 42 Mann in dem immer noch wütenden Sturm umgekommen sind. Acht Bäckereien in Kassel geschlossen Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Kassel teilt mit: Die erfolgte Prüfung in den Bäckereien Kassels ergab bei acht Bäckereien ein so erhebliches Mindergewicht des Brotes, daß die Schließung der betreffenden Läden zwecks weiterer Prüfung sofort erfolgen mußte. Das tschechoslowakische Innenministerium hat im Einvernehmen mit dem Außenministerium die Verbreitung einer Reihe deutscher Zeitungen und Zeitschriften verboten. Auf dem Haus der Industrie in Wien wurde von unbekannten Tätern am Don nerstagnachmittag eine Sowjetfahne gehißt. Das englische Oberhaus hielt eine zwölfstündige Sitzung über das„Aufruhrgesetz“ ab. Lord Allen machte Enthüllungen über einen angedlichen Putschplan