* Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Markt3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Texteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte=Ruhr.— Tel. 2770 * Schwerter Zeimatblatt: Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit)# Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Amter Westhosen Prgste. Einzige in Hehwerte gedruckte Nr. 253 Schwerte(Kuhr), Montag, den 29. Oktober 1934 Der Ehhrentag dee Tratschen Humdert! Führertagung des Reichsstandes des deutschen Handwerks in Braunschweig Botschaft des Führers und Reichskanzlers:„Der Schutz und die Förderung des Reiches werden dem deutschen handwerk nicht fehlen“— Verpflichtung von 720 Kreishandwerksmeistern, 14 635 Obermeistern und 67 818 Innungswarten durch den Reichshandwerksmeister— Schacht und Ley sprachen Ehret Eure Meister... Der Auftakt Begrüßungsabend im Festsaal des alten Rathauses Das Führertreffen des deutschen Handwerks in der Stadt Heinrich des Löwen fand am Sonnabend mit einem Begrüßungsabend im Festsaal des alten Rathauses seinen eindrucksvollen Auftakt. Gauleiter Schmalz begrüßte den Führer des Handwerks und wies auf die hervorragende Rolle des Handwerks im Kampf um das neue Deutschland in Niederfachsen hin. Ministerpräsident Klagges hob nach herzlichen Begrüßungsworten die Bedeutung Braunschweigs für das gesamte deutsche Handwerk hervor. Anschließend überreichte Reichshandwerksmeister Schmidt dem Stabsleiter der PO in Anerkennung seiner Verdienste um die Schaffung des neuen Staates den Ehrenmeisterbrief des braunschweigischen Handwerks und ernannte ihn gleichzeitig damit zum Ehrenmeister des deutschen Handwerks. Mit dem goldenen Ehrenzeichen des deutschen Handwerks wurden durch den Reichshandwerksmeister Schmidt ferner ausgezeichnet: Landeshandwerksmeister Maguina=Königsberg, Schramme=Altena, Petzner=Stuttgart und Maurice=München." Dann sprach noch der Stabsleiter der PO, Dr. Ley, seinen Dank für die Ernennung zum Ehrenmeister des deutschen Handwerks aus.„Eins tragen wir in uns, so betonte Dr. Ley, den unbändigen Glauben, daß es aufwärts geht und gehen muß. Je größer die Not, desto größer ist unser Glaube und unsere Treue.“ Begrüßungsakt im Rathaus Am Sonntag leiteten bereits um 7 Uhr Böllerschüsse und das Wecken der PO=Kapelle den Tag des deutschen Handwerks ein. Vor dem Gildehaus gegenüber der Burg versammelten sich die Gruppen der verschiedenen Handwerkerzweige, Braunschweiger Meister, Gesellen und Lehrlinge in ihrer Berufskleidung zur Spalierbildung vom neuen Rathaus zur Burg Dankwarderode. Das Hauptinteresse richtete sich zunächst auf das Rathaus, wo im Festsaal die große Begrüßung stattfand. Weihevolle Stille lag über der Festversammlung, als Punkt 10.20 Uhr die Ehrengäste, an ihrer Spitze Dr. Ley, Dr. Schacht und Reichshandwerksmeister Dr. Schmidt sowie die Mitglieder der braunschweigischen Staatsregierung den prächtig ausgeschmückten Festsaal betraten. Oberbürgermeister Dr. Hesse begrüßte in einer längeren Ansprache die Anwesenden namens der Stadt Braunschweig und überreichte dann unter dem Beifall der Versammlung dem Stabsleiter der PO eine künstlerisch ausgestattete Mappe, in der das Leben des schaffenden deutschen Menschen aller Berufe Ausdruck findet. Dem Reichshandwerksmeister Schmidt übergab er als Ehrenzeichen den ältesten Innungsbrief der Stadt Sodann betrat Reichshandwerksmeister Schmidt, angetan mit der Goldenen Kette des Handwerks, das Rednerpodium. Er würdigte die Verdienste des Führers um die Einigung im deutschen Handwerk, für die ihm der Dank des gesamten schaffenden Volkes gewiß sei. Wir vom Handwerk, so schloß er, wollen in echt nationalsozialistischem Geist unserem Führer helfen und ein treues Glied der deutschen Volksgemeinschaft sein Dann ehrte der Reichshandwerksmeister den kommissarischen Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht durch Ueberreichung des Goldenen Handwerksabzeichens. Dr. Schacht nahm die Ehrung mit den Worten:„Zur gemeinsamen Arbeit für Handwerk und deutsches Volk“ an. Nachdem dann Gottesdienste in Weitere Verschärfung Der Kirchenkampf in Mexiko nimmt mit jedem Tag schärfere Formen an. Wie der„Excelsior" aus Culiacan im Staate Sinaloa berichtet, hat der Gouverneur dort das Verbot der Gottesdienste sämtlicher Konfessionen angeordnet und die städtischen Behörden im ganzen Staate angewiesen, die Kirchen behördlich zu schließen. Auch aus Acapulco liegen Nachrichten von einem völligen Verbot aller Gottesdienste vor In der Hauptstadt Mexiko ist man bisher noch nicht so weit gegangen. Am Sonnabendmorgen umlagerten jedoch tausende von Gläubigen aus allen Schichten der Bevölkerung mit ihren Kindern die Kathedrale, um Taufen, Firmungen usw. vornehmen zu lassen, da man auch in der Hauptstadt mit einer Schließung aller Kirchen rechnet. Merne berdeien des Kirchenkampfes ] Im Staate Chihuahua ist auch den dort wirkenden protestantischen Geistlichen die Amtserlaubnis entzogen worden. Bombenflugzeuge mit Panzerturm Neuerung in der englischen Luftflotte Das englische Luftfahrtministerium hat große Bombenzweidecker in Auftrag gegeben, die mit einem beweglichen Turm ausgestattet werden sollen. Mit Hilfe dieses Turmes, der wie ein Panzerturm auf Schiffen eingerichtet ist, soll es möglich sein, von dem mit rund 320 Stundenkilometern fliegenden Apparat aus ebenso genau und ebenso mühelos zu schießen, als wenn der Schütze auf dem Erdboden stände. König von Siam abgedankt? Konflikt mit dem Parlament über die königlichen Vorrechte Nach einer Reutermeldung aus Bangkok erklärte der Sekretär des Königs von Siam Sonnabend abend, der König habe der Regierung mitgeteilt, daß er den Wunsch habe, abzudanken. Man glaubt zu wissen, daß dieser Beschluß gefaßt worden ist infolge des zwischen dem König und der Nationalversammlung herrschenden Konflikts über die Frage der königlichen Vorrechte. Eine weitere Reutermeldung aus Singapore besagt, daß eine strenge Zensur in Siam eingesetzt worden sei infolge der schwierigen und ungewissen Lage. Die Armee sei in zwei Parteien geteilt, von denen die eine für, die andere gegen den König sei. Man glaubt, daß der Versuch gemacht werden wird, den König dahin umzustimmen, daß er seine Abdankung zurückziehe, aber daß man damit schwerlich Erfolg haben wird. Es ist möglich, daß ein Regentschaftsrat mit einem jungen Mitglied der königlichen Familie auf den Thron eingesetzt werden wird. Allerdings ist die größere Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, daß die Republik ausgerufen wird. Wehrmacht bei Besuchen des Führers Der Führer und Reichskanzler hat als Oberbefehlshaber der Wehrmacht grundsätzliche Anweisungen über das Verhalten der Wehrmacht bei seinen Besuchen in solchen Städten gegeben, die zugleich militärische Standorte sind. Danach sind dem Führer die zu Ehren des Staatsoberhauptes und Oberbefehlshabers üblichen militärischen Ehrenerweisungen zu bezeigen, wenn es sich um einen offiziellen Staatsbesuch handelt. Trägt der Besuch des Führers inoffiziellen oder privaten Charakter, so ist von den militärischen Dienststellen der Wehrmacht von der Anwesenheit des Führers amtlich keine Kenntnis zu nehmen. In Ausnahmefällen wird Sonderregelung durch Anweisung des Führers an den örtlich zuständigen militärischen Befehlshaber erfolgen. Doumergue verschiebt die Einberufung der Nationalversammlung? Gerüchten zufolge, die in radikalsozialistischen Parteikreisen verbreitet sind, soll der Ausgang des radikalsozialistischen Parteikongresses und der Sieg Herriots beim Ministerpräsidenten Doumergue die Neigung aufkommen lassen, auf eine sofortige Einberufung der Nationalversammlung in Versailles zum Zwecke der Verfassungsreform zu verzichten. Verschiedene Minister neigen angeblich der gleichen Ansicht zu. Nur Tardieus Meinung bleibt noch abzuwarten. noch Dr. Ley die aus dem Reich erschienenen Abordnungen des Handwerks einzeln begrüßt hatte, begaben sich die Ehrengäste, vorüber an der in tiefen Gliederungen stehenden Menschenmenge, in die Burg. In der Burg Dankwarderode Den Höhepunkt der Tagung des deutschen Handwerks brachte die Feierstunde im Saale der Burg Dankwarderode. Der Burgsaal mit seinem farbenprächtigen Ornamentschmuck und den kunstvollen Holzschnitzereien bildete ein beredtes Zeugnis mittelalterlicher deutscher Handwerkskunst. Im Halbkreis nahmen die Ehrengäste Platz. Zu beiden Seiten des Podiums postierten sich die alten Innungsfahnen des braunschweigischen Handwerks und die Abordnungen des Handwerks aus dem Reich, die zum Teil in ihren landsmannschaftlichen Trachten, zum Teil in Berufskleidung erschienen waren. Das Vorspiel zu den Meistersingern leitete die Feier ein. Dann trat Reichshandwerksmeister Schmidt vor das Mikrophon zur Eröffnungsund Begrüßungsansprache, die mit der Totenehrung schloß. Altersergraute Meister schritten zur Lade des Handwerks und entnahmen ihr das Buch des Meisters, entzündeten die Kerzen, und während sich die festliche Versammlung zu ernstem Gedenken erhob, intonierte das Orchester das Lied vom guten Kameraden. Diesem feierlichen Akt folgte als Höhepunkt der gesamten Tagung die Verkündung der Botschaft des Führers und Reichskanzlers, und in feierlicher Weise legten hier die Landeshandwerksmeister, 720 Kreishandwerksmeister, 14 635 Obermeister und 67·818 Innungswarte das feierliche Gelöbnis ab, an den vom Reichshandwerksmeister Schmidt verkündeten Aufgaben und Pflichten des deutschen Handwerks mitzuarbeiten. Reichshandwerksmeister Schmidt Nach einleitender Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste und Abgesandten aus den Gauen des Reiches— ein besonderer Gruß galt den Handwerkern an der Saar— gedachte Reichshandwerksmeister Schmidt der Toten: „So wie einst bei geöffneter Lade der Toten gedacht wurde, so wollen auch wir es halten. Wir gedenken der Toten, die da starben, auf daß Deutschland lebe. Wir gedenken der Toten, die ihr Leben gaben, auf daß das Werk des Führers sich vollende. Wir gedenken der Meister, Gesellen und Lehrlinge, denen der Tod das Werkzeug aus der Hand genommen, mit welchem sie Großes für uns geschaffen. Wir gedenken unseres verstorbenen Ehrenmeisters Paul von Beneckendorff und Hindenburg, der mit uns eng verbunden in seinen letzten Lebenstagen uns mahnte:„Seid eurer Väter eingedenk, ihr deutschen Handwerker, dient den Pflichten eures Standes, erzieht euren Nachwuchs in Gottesfurcht und Vaterlandsliebe und haltet fest zusammen als Söhne eines Volkes.“ Nach einem kurzen Rückblick auf die Zeit seit der Machtergreifung verlas der Reichshandwerksmeister die Botschaft des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler „Dem deutschen Handwerk spreche ich zum heutigen Tage meine herzlichsten Grüße und meine besten Wünsche aus. Der alljährliche„Tag des Handwerks“ soll das deutsche Volk an die Bedeutung und Aufgabe des Handwerks erinnern und dieses selbst mit Meister, Gesellen und Lehrlingen zur höchsten Pflichterfüllung für Volk und Vaterland mahnen. Der Schutz und die Förderung des Reiches werden hierbei dem deutschen Handwerk nicht fehlen.“ Neue Kraft und neuen Glauben an die Zukunft des deutschen Handwerks, so fuhr der Reichshandwerksmeister fort, hat diese Botschaft unseres Führers uns gegeben, aber uns auch die großen Aufgaben erkennen lassen, die uns im Rahmen des Ganzen gestellt werden und die wir nur lösen können durch unermüdliche Arbeit und treueste Pflichterfüllung. Die Form ist gegeben; sie mit echtem nationalsozialistischem handwerklichem Geist und Leben zu erfüllen, ist Ihre verantwortungsvolle Aufgabe. Wenn tiefstes, soziales Verantwortungsgefühl, als die Grundlage zur Entwicklung des Aufbaues, Sie erfüllt und wenn Sie entschlossen sind, noch vorhandene Schädlinge in unseren Reihen zu beseitigen, so ist an der Erreichung unserer Ziele nicht zu zweifeln. Verpflichtung der Kreishandwerksmeister, Obermeister und Innungswarte Der Reichshandwerksmeister verpflichtete dann die Kreishandwerksmeister, Obermeister und Innungswarte zu treuer Hingebung zum Dienst am Handwerk: „Sind Sie gewillt, als deutscher Handwerker Ihre ganze Kraft in den Dienst des Führers und des deutschen Vaterlandes zu stellen? Sind Sie gewillt, in und durch Ihr Amt für die Verwirklichung des hohen Zieles der Gemeinschaft zwischen Betriebsführer und Betriebsgefolgschaft zu wirken, wie es dem Sinn des alten Dreiklangs im Handwerk„Meister, Geselle und Lehrling" entspricht, und darüber hinaus die Volksgemeinschaft zu jeder Stunde zu fördern? Sind Sie gewillt, allen Berufsangehsrigen— ob Lehrling, Geselle oder Meister— ein wahrer Arbeitskamerad und treuer Helfer in allen Lebenslagen zu sein? Sind Sie gewillt, das Ihnen anvertraute Amt in Gerechtigkeit und Selbstlosigkeit zu verwalten, dem Handwerk ehrlichen Herzens zu dienen und den Anordnungen der Ihnen Vorgesetzten getreulich nachzutommen::. Giutmart: Ja s4 4s Viermal erfolgte die Antwork:„Ba, ich gewboe es!“ der die Aufforderung des Reichshandwerksmeisters folgte, ans Werk zu gehen. Er schloß: Ich melde 720 Kreishandwerksmeister, 14 635 Obermeister, 67818 Innungswarte sind verpflichtet. MI-Juru4u.. 8 Nach dem Vortrag„unsprache des Hans Sachs“ aus den Meistersingern sprach Reichsbankpräsident Dr. Schacht als stellvertretender Reichswirtschaftsminister zum deutschen Handwerk, dessen Ausführungen mit großem Beifall aufgenommen wurden. Dann überbrachte Ministeriatrat von Keudell die Grüße des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels. Grüße des Propagandaministers Ministerialrat von Keudell, Abteilungsleiter der Kunst= und Kulturabteilung im Reichspropagandaministerium überbrachte die Grüße und Wünsche des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels. In seiner Ansprache heißt es u. a.: Zugleich mit der Errichtung des Propagandaministeriums wurden auf Befehl von Dr. Goebbels besondere Haushaltsmittel zur nachdrücklichen Förderung des deutschen Handwerkes bereitgestellt. Mit Hilfe dieser Mittel ist es gelungen, die wundervollen Leistungen des deutschen Handwerkes in eindrucksvoller Weise in Leipzig und auf den anderen Messen zu zeigen. Diese Haushaltsmittel haben Hilfe und Unterstützung bis in die entlegensten Städte und Dörfer überall dort gebracht, wo der deutsche Handwerker ungebeugt durch die Schwere der Zeit seinem Handwerke tapfer und unverzagt nachging. Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen mitteilen zu können, daß Herr Dr. Goebbels für den kommenden Winter eine sehr wesentliche Verstärkung dieser Geldmittel angeordnet hat, damit— wie die Zeiten sich auch gestalten mögen— das deutsche Handwerk immer auf die starke Hilfe des Propagandaministeriums zählen kann. Ich erinnere an den richtunggebenden Erlaß des Reichsministers Dr. Goebbels, laut welchem bei allen Bauten der öffentlichen Hand, also bei den Bauten des Reiches, der Länder, der Gemeinden und der Körperschaften des öffentlichen Rechtes grundsätzlich ein angemessener Prozentsatz der Bausumme zur Erteilung von Aufträgen für das deutsche Handwerk aufgewendet werden muß. Das Reichsfinanzministerium und die Regierungen der Länder sind diesem Erlasse beigetreten. Das Propagandaministerium wird mit aller Deutlichkeit und Energie überall dort eingreifen, wo irgend ein Bauherr oder Architekt zum Schaden der Gestaltung des Bauwerkes sich dieser seiner Verpflichtung: das deutsche Handwerk ausgiebig bei der Errichtung und Einrichtung der Bauten zu beteiligen, etwa entziehen sollte. Möge, so schloß von Kendell, der Reichsstand des Handwerks seine Arbeit auffassen als einen wichtigen, unentbehrlichen Dienst am Volksganzen, als ein lebendiges Bekenntnis zu der machtvollen Kultur= und Staatspolitik unseres Führers und Kanzlers! Leistungsordnung des Volkes Die Rede Dr. Leys Verhalung den Preissteigerungen Das wesentlichste Mittel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Die Rede von Dr. Schacht Zum Schluß sprach der Stabsleiter der PO, Nr. Ke s.„ Die vergangene Zeit, erktarte Dr. vey, habe eine Gesellschaftsordnung gebracht, in der die Bewertung der Leistung einer Bewertung nach dem Geldsack habe weichen müssen. Man habe nicht mehr den Mann gesehen, der etwas leistete, sondern nur den, der Geld besaß. Die Unzufriedenheit der breiten Masse sei nicht daraus zu erklären, daß das soziale Prodlem ein Lohnproblem war, sondern ein Gesellschaftsproblem. Das Handwerk habe in seinem Dreiklang eine neue Begriffsauffassung einer Gesellschaftsordnung gelehrt, die auf Leistung aufgebaut sei. So sei denn unser Ziel, in unserem Volke die Leistungsordnung wiederum in Geltung zu bringen, wie sie im Handwerk zum Teil noch erhalten sei. Wir müßten den Dreiklang von Lehrling. Geselle und Meister wieder hineintragen in die dreitesten Massen der Industrie. Wir wollen jedem Deutschen die Möglichkeit geben, etwas lernen zu können. Der Begriff „ungelernter Arbeiter“ müsse dadurch möglichst zurückgedrängt werden. Mit Qualitätsarbeit müßten wir Deutschland wieder emporschaffen. Wenn wir aber den Lehrlingen Gelegenheit geben, so führte Dr. Ley weiter aus, etwas zu lernen, dann müßten wir auch dafür sorgen, daß der Lehrling, wenn er Geselle geworden ist, jemand findet, der sich seiner annimmt. Denn er kann die Aufgaben noch nicht allein meistern. Wir müssen ein großes Erziehungs= und Berufswesen aufdauen, denn die Fähigkeit des deutschen Menschen und seine Arbeit gehörten dem deutschen Volke und deshalb muß sich auch das Volk darum kümmern. Der Redner schloß mit dem Appell, in den Kreisen des Handwerks alles auszumerzen, was sich als Liberalismus in seine Reihen hineingeschlichen habe. Wenn das geschehe, dann werde das deutsche Volk jene Arbeit wieder in der Vollendung finden, die wir in dieser Stadt, in Nürnberg und an so vielen Orten als Zeugen echten alten Handwerkergeistes noch feststellen können. In diesem Sinne grüße er das deutsche Handwerk und fordere es auf zu einem Sieg=Heil auf den Führer. Jahnenweihe auf dem Schloßplatz Schon ehe die Kundgebung vor der Burg Dankwarderode verklungen war, bewegten sich die Nach einem einleitenden Hinweis auf die Tradition des Handwerks betonte er, daß das handwerkliche Können die Grundlage der deutschen Qualitätsarbeit ist. Gerade am Handwerk haben wir imer erfahren, daß fachliches Können Hand in Hand geht mit ehrbarer Gesinnung. Wir wollen darum die hohe sittliche Schule, die das Handwerk für unser Volk darstellt, ehren und erhalten...... am Handwerk Die Not unserer Zeil ist auch am Handur nicht spurlos vorübergegangen. Die kalte Sozialisierung, die von den immer zahlreicher auftauchenden Eigenbetrieben der öffentlichen Hand ausging, hat den Handwerksbetrieben schweren Schaden zugefügt. Die Ueberspitzung der Gewerbefreiheit mußte andererseits in einer Zeit allgemeiner wirtschaftlicher Depression unvermeidlich zu ungesunder und oft betrügerischer Konkurrenz führen.„„ Der nationalsoztalistische Umbruch hat auch hier die Wege zu einer besseren Entwicklung freigemacht. Der Nationalsozialismus hat den selbständig schaffenden, verantwortungsbewußten Menschen wieder in den Mittelpunkt der Wirtschaft gestellt. Auf keinem Gebiet des gewerblichen Lebens aber ist die Zahl selbständig schaffender und darum vor Verantwortung gestellter Menschen so groß wie im Handwerk. Auf Grund des Gesetzes über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks hat deshalb der Reichswirtschaftsminister zunächst eine vorläufige Regelung für den Aufbau des deutschen Handwerks auf der Grundlage allgemeiner Pflichtinnungen und des Führergrundsatzes getroffen. Es mußte schrittweise vorgegangen werden. Die Innung bildet die Grundlage für den ganzen künftigen Aufbau des Handwerks. Des weiteren wurde die Errichtung von Kreishandwerkerschaften angeordnet und die handwerkliche Ehrengerichtsbarkeit geschaffen, die die bedeutsame Aufgabe hat, den Handwerkerstand von unzuverlässigen und unredlichen Elementen zu säubern und die moralische Grundlage des Handwerks zu erhalten und zu befestigen. Aber außer dieser organisatorischen Neugliederung, die nur die Grundlinien aufzeigt, ihren geistigen Inhalt aber vom Handwerk selbst erwarten muß, hat die nationalsozialistische Regierung eine Reihe sehr wichtiger Maßnahmen getroffen, die dem Handwerk zugute gekommen sind. Es gehört hierher insbesondere das Verbot zur Errichtung neuer Einzelhandelsgeschäfte, was für das Handwerk deswegen bedeutsam ist, weil ein großer Teil aller handwerklichen Betriebe natürlicherweise im Nevenbetriebe auch Ladengeschäfte führt; weiter auch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit. Ferner ist die Expansionswirtschaft von Warenhäusern und Filialbetrieben unterbunden worden. Zu den wichtigsten handwerkfördernden Maßnahmen aber muß die unmitelbare und mittelbare Auswirkung des nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsprogramms gezählt werden. Im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung sind außerordentlich große Summen für die Instandsetzung von Fäusern und Wohnungen, für den Bau von Eigenheimen und für die vorstädtische Kleinsiedlung in der Form von Barzuschüssen, Darlehen oder Zinszuschüssen bewilligt worden. Auch auf dem Gebiete der Steuergesetzgebung sind die Interessen des Handwerks stark gefördert worden. Die bisher im Umfange von rund 200 Millionen RM. bewilligten Ehestandsdarlehen haben dem Handwerk einen kaufkräftigen Konsumentenkreis zugeführt. Ueberhaupt hat die Rückführung von Millionen von Arbeitslosen in Lohn und Brot durch die damit gesteigerte Kaufkraft der breiten Massen zu einer beachtlichen Steigerung des handwerklichen Absatzes geführt. Ein so starker Einsatz von Staatsgeldern, wie ihn das Arbeitsbeschaffungsprogramm gebracht hat, kann selbstverständlich nicht alljährlich wiederholt werden. Aber das wird auch nicht nötig sein, denn die Entwicklung, in der sich unser industrieller und landwirtschaftlicher Binnenmarkt befindet, kann nicht ohne belebende Rückwirkung auf das Handwerk bleiben. Auch die geldliche Wirkung, die von dieser Belebung ausgeht, wird sich dem Handwerk wohltuend mitteilen. Die Neubildung von Sparkapital, die durch diese wirtschaftliche Belebung eingesetzt hat, muß auch von der Seite des Handwerks her gefördert werden. Nur aus ihr heraus kann eine Verbilligung des langfristigen Kredits kommen. Der Umstand, daß das Sparkassen= und Genossenschaftswesen so eng mit dem Handwerk verbunden ist, wird die Aufmerksamkeit gerade bei Ihnen darauf hinlenken, daß Sparen und Zins untrennbare Dinge sind, und daß willkürliche und ungerechte Eingriffe in den Sparzins das Sparen selbst unterbinden müssen. Nach dem unendlichen Kapitalverlust Deutschlands durch Krieg und Tributleistungen ist aber die Neubildung von Sparkapital für unsere Zukunft wichtiger denn je, weil das Aufbauprogramm des Dritten Reiches selbstverständlich nicht nur an die persönlichen, sondern auch an die geldlichen Leistungen des deutschen Volkes ganz erhebliche Ansprüche stellen muß, wenn unsere wirtschaftliche Zukunft wieder sichergestellt sein soll. Zwangsmaßnahmen auf dem Gebiete des Zinses können zwar eine Aenderung bestehender Schuldverhältnisse herbeiführen, unterbinden aber ein Neuangebot von Sparkapital, und gerade das letztere ist auch für das Handwerk von großer Bedeutung, denn nur durch beständige Neuinvestition auf allen Gebieten des Bauens und sonstigen Wirtschaftens kann das Handwerk diejenigen Aufträge finden, die ihm eine gesicherte Zukunft gewährleisten. Wenn so die nationalsozialistische Regierung in stärkstem Maße das Ihrige tut, um die Belange des Handwerks zu fördern, so muß der Staat auch vom Handwerk erwarten, daß es seine Pflicht tut. Das deutsche Volk ist nicht auf Rosen gebettet und wird noch auf lange Zeit um seinen wirtschaftlichen Wiederaufstieg ringen müssen. Da muß sich jeder und jeder Beruf bewußt bleiben, daß dies Wert des Wiederaufbaues nur gelingen kann, wenn jeder an seinem Platz nicht nur das Aeußerste an Leistung einsetzt, sondern auch in seinen Forderungen an die Allgemeinheit sich bescheidet. Die Reichsregierung ist deshalb stärkstens dar. auf bedacht, daß die Preisbildung nicht zu einer untragbaren Belastung der breiten Massen der Konsumenten führt. Die Reichsregierung hat sich mit aller Schärfe gegen unberechtigte Preiserhöhungen wenden müssen, und der Reichshandwerksmeister hat auftragsgemäß entsprechende Weisungen an die Obermeister der Innungen ergehen lassen. Das erste Ziel der Reichsregierung ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und, wenn die Frage etwaiger Lohnerhöhungen zurückgestellt werden muß, bis das Problem der Arbeitslosigkeit völlig gelöst ist, so muß auf der anderen Seite darauf hingewirkt werden, daß die reale Kaufkraft des jetzigen Lohnniveaus nicht durch Preiserhöhungen untergraben wird. Handwerk ebenso wie Landwirtschaft, Handel und Gewerbe sollen sich vor Augen halten, daß die Verhütung von Preissteigerungen eines der wesentlichsten Mittel ist zur Fortsetzung des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit. Wir müssen uns alle daran gewöhnen, daß die ungeheuren Verluste des Krieges und der Nachkriegszeit nicht in wenigen Jahren wieder eingeholt werden können; nur ein Volk, das einen dauernden zähen Arbeitswillen bekundet, wird die Stellung wieder erringen, die ihm Krieg und Kriegsverluste genommen haben. Dazu bedarf es nicht nur größter Arbeitsleistung, größten Einsatzes materieller Kräfte, sondern dazu bedarf es vor allem eines starken sittlichen Willens, der nur erwachsen kann aus dem Gefühl für den Wert der eigenen Arbeit, aus dem Stolz persönlichen Strebens. Solche Empfindungen haben allzeit im deutschen Handwerk Boden gehabt. Darum ist das deutsche Handwerk weit über seine zahlenmäßige Bedeutung hinaus ein starker Faktor im Kampf um den deutschen Wiederaufbau. Ich grüße das Handwerk. mußten jetzt dem Führer beweisen, daß wir gewillt und imstande sind, auf den geschaffenen Grundlagen weiterzuarbeiten zum Segen des gesamten deutschen Volkes. Dann weihte Stabsleiter Dr. Ley die Fahnen im Gedenken an die Blutopfer des Weltkrieges und der nationalsozialistischen Bewegung. Unter andächtigem Schweigen der Zehntausende senkten sich langsam die Fahnen, und die Kapelle der PO intonierte das Niederländische Dankgebet. Dr. Ley ließ dann den Weihespruch ausklingen in die Worte:„Mögen die Fahnen ein Symbol des Lebenswillens unseres Volkes sein, denn wir glauben, daß Deutschland noch eine herrliche und große Mission zu erfüllen hat. Unsere Empfindungen wollen wir zusammenfassen in den Ruf: Unser Führer Adolf Hitler: Sieg=Heil!“ Einem Schwur gleich brausten die Heilrufe über das Feld, und dann sang die Menge mit zum Gruß erhobenem Arm das Deutschland= und das Horst=Wessel=Lied Massen zum Schloßplatz, wo Dr. Ley die Weihe von 47 Fahnen der Deutschen Arbeitsfront vornahm. Auf dem Schloßplatz, der schon so oft Zeuge gigantischer Kundgebungen der nationalsozialistischen Bewegung und ihrer Untergliederungen war, marschierten seit 11 Uhr etwa in fast ununterbrochener Folge die Kolonnen der Arbeiter der Stirn und der Faust auf. Fast alle Betriebe rückten mit ihren Belegschaften geschlossen an, mit Fahnen und Musik zogen die Gliederungen der Deutschen Arbeitsfront, der PO, der Teno und des Luftsportverbandes auf. Als die Ehrengäste, an ihrer Spitze wieder Stabsleiter Dr. Ley, Dr. Schacht, Reichshandwerksmeister Schmidt und die Mitglieder der Staatsregierung, gegen 12.40 Uhr eintrafen, war der weite Platz bis auf das letzte Fleckchen gebv.". gien Lo. Set. Nach kurzen Begrußungsworten des Kreiskeiters der DAF, Meyer, ergriff der kommissarische Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht das Wort zu einer Ansprache, in der er den Gedanken der Volksgemeinschaft einer besonderen Würdigung unterzog, die eine der größten Errungenschaften des neuen Deutschland sei. Seine Worte klangen aus in das Gelöbnis, dem Führer stets ein treuer Mitarbeiter sein und für die geschlossene Einheit des Staates und Volkes kämpfen zu wollen. Dann betrat Dr. Ley die Rednertribüne. Er sprach dem Führer den Dank dafür aus, daß er der Deutschen Arbeitsfront jetzt ihre gesetzliche Form gegeben hat. Der Wert dieser Gemeinschaft aller schaffenden Deutschen liege darin, daß sie nicht vom grünen Tisch in eine Form gepreßt wurde, sondern aus dem Volke selbst erwuchs und seinem Willen nach der Gemeinschaft sichtbaren Ausdruck verlieh. Nunmehr habe der Führer dem Werk seinen Segen gegeben, indem er es eingliederte in das organische Gefüge des Staates. Dr. Ley schloß seine Rede mit einem dringenden Appell an alle Glieder der Deutschen Arbeitsfront, die Disziplin zu wohren. Wir Der Sonntag der Familie Der Staatsjugendtag darf nicht durchbrochen werden In einem Erlaß über den Staatsjugendtag hat Reichserziehungsminister Rust seinerzeit ausdrücklich hervorgehoben, daß der Sonntag der Familie vorbehalten bleibt, daß also auch kein Jugendbund berechtigt ist, am Sonntag seine schulpflichtigen Angehörigen für irgendwelche Veranstaltungen außer den rein kirchlichen in Anspruch zu nehmen. Dem Reichserziehungsminister sind jetzt Klagen zu Gehör gekommen, daß dieser Erlaß stellenweise durchbrochen und die Jugend hier und dort auch nach Inkrafttreten des Staatsjugendtages an den darauffolgenden Sonntagen von Jugendbünden beansprucht worden ist. Der Minister verkennt nicht die Schwierigkeiten, die durch die berufliche Inanspruchnahme zahlreicher Jungvolkführer der reibungslosen Durchführung des Staatsjugendtages entgegenstehen. Eine Regelung dieser Frage wird angestrebt. Bis dahin haben aber die Bezirksjugendpfleger die Pflicht, schon jetzt dafür Sorge zu tragen, daß die in Arbeit stehenden Jungvolkführer für den Staatsjugendtag Urlaub erhalten. 17 649 Beteranen von 1866, 1870/71 Zu der in der Oeffentlichkeit aufgetauchten Frage, wieviel Beteranen der Einigungskriege (1866, 1870/71) jetzt noch in Deutschland leben, wird, wie das Rdz meldet, von zuständiger Stelle erklärt, daß eine Antwort sich höchstens aus den Zahlungen für bedürftige Angehörige des Mannschafts= und Unteroffiziersstandes(Veteranenbeihilfe) ergebe. Diese Bedürftigen erhalten nämlich als Veteranenbeihilfe zur Zeit monatlich 25 RM. gezahlt. Während nun am 1. Januar 1924 noch 106 473 Empfänger der Veteranenbeihilfe vorhanden waren, waren es zum 1. September 1928 nur noch 57.829, am 1. März 1933 nur noch 22 493. Die Zahl der Veteranen der Einigungskriege betrug nach dieser Quelle am 1. März 1934 sogar nur noch 17649. 25 Jahre Ortspfarrer im Saargebiet Glückwünsche des Führers Einer der bekanntesten Vorkämpfer des Saardeutschtums, Pfarrer Wilhelm, begeht am Sonntag, 28. dieses Monats, in seiner Gemeinde Wehrden an der Saar sein 25jähriges Ortspfarrer=Jubiläum. Dem Jubilar sprachen Staatssekretär Dr. Lammers im Auftrage des Führers und Reichskanzlers sowie Gesandter von Papen schriftlich die besten Wünsche aus. In wenigen Zeilen Der Zentralverdand deutscher Haus= und Grundbesitzer=Vereine hat am Sonnabend an den Führer und Reichskanzler ein Telegramm gesandt, in dem der Verband dem Führer das Gelöbnis unwandelbarer Treue entbietet. Der Reichskanzler hat mit einem Danktelegramm geantwortet. Auf Anregung des Führers wurde im Vorsaal zur Pädagogischen Großausstellung in München die erste deutsche Werksteinschau geschaffen. Die Schau umfaßt 251 Steinmuster aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands. Das Deutsche Reich hat das bisherige Generalkonsulat in Pretoria(Union von Südafrika) in eine Gesandtschaft erster Klasse umgewandelt. Der Führer und Reichskanzler hat dem Geheimen Regierungsrat Dr. Wiegand in Berlin anläßlich seines 70. Geburtstages am 30. Oktober 1934 den Adlerschild des Deutschen Reiches mit der Inschrift„Theodor Wiegand, dem hochverdienten deutschen Archäologen“ verliehen und ein Glückwunschschreiben an ihn gerichtet. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich steigt ständig. Am 20. Oktober wurden 339 822 Arbeitslose gezählt, was gegenüber der Vorwoche eine Steigerung um 5771 bedeutet. An der Beisetzungsfeier für den verstorbenen Ehrenstandartenführer Walter Hellvoigt wird eine Ehrenabordnung der Wehrmacht teilnehmen. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ ist Sonnabend, 20.25 Uhr, zu seiner elften diesjährigen Südamerika=Fahrt gestartet. An der Fahrt nehmen 25 Fahrgäste, darunter ein dreijähriger Knabe teil. Dr. ay smetei sag„Schwerter Zeitung" Monan. 22.tober 1934 Uns Aer umgeeent Sdut Schwerte(Ruhr). Montag den 29. Okt. 1934 Tagesspruch Wohl kann die Brust den Schmerz verschlossen halten, Doch stummes Glück erträgt die Seele nicht. Goethe. Die Kartoffeln für die Winterhilfe sind da! Schwerte, 29. Okt. Heute morgen sind fünf Waggon Kartoffeln, die durch die Winterhilfe an die bedürftigen Volksgenossen in Schwerte zur Verteilung gelangen, eingetroffen. Die Kartoffeln werden durch die Kartoffelhändler zugestellt. Die Empfänger müssen für jeden Zentner 30 Pfg., die für Zustellgebühr und Versicherung erhoben werden, bereit halten. Hierauf ist besonders zu achten, da sonst eine Verzögerung in der Belieferung eintritt. Denn bei der Menge der zur Ausgabe gelangenden Kartoffeln können sich die Händler bei den einzelnen Empfängern nicht lange aufhalten. Also 30 Pfg. pro Zentner im Hause für die Kartoffeln der Winterhilfe bereithalten. Ein Rad verloren. Heute früh m 6 Uhr verlor ein Personenkraftwagen in Huber= tusstraße ein Ersatzrad. Er rollte vo.. Wagen und trudelte horsend die Straße entlang, bis es von einem Passanten ergriffen und festgehalten wurde. Das Auto, das den Verlust gar nicht gemerkt hatte, fuhr weiter. X Frecher Diebstahl. In ganz gemeiner Weise wurde in einer der letzten Nächte ein Aussteller auf der Marktplatz bestohlen. Ein starkes Lichtleitungskabel und eine mehrere Quadratmeter große Zeltbahn wurden von unbekannten Dieben gestohlen. Von der Täterschaft fehlt noch jede Spur. Besörderung. Werksinspektor Alexander Kocks, Schillerstraße, wurde zum technischen Reichsbahnoberinspektor befördert.— Wir gratulieren! : Achtung Marktbesucher! Der nächste Wochenmarkt findet schon am morgigen Dienstag, dem 30. Oktober in Schwerte statt. Schwerte, 29. Okt. Am gestrigen Sonntag vormittag verabschiedete sich Pastor Hagemann, nachdem er nach vierjährigem segensreichem Wirken in Schwerte von der größeren Kirchenvertretung der evangelischen Gemeinde Hagan aus Pfarrer an der Johanneskirche zu Hagen gewählt wurde, von seiner hiesigen Gemeinde in einem feierlichen Gottesdienst. Die St. Johanneskirche war, obwohl die Kirchenbesucher in den Gängen und auf den Treppen standen, viel zu klein, um alle Gläubigen aufzunehmen. Zahlreich war die Jugend, für die der scheidende Pastor immer ein Herz hatte, zum Abschiedsgottesdienst erschienen. Der BdM. zog mit Wimpeln in das Gotteshaus, das Jungvolk mit der schwarzen Fahne. Die SA, für die Pastor Hagemann manchen Feldgottesdienst gehalten, war durch eine Fahnenabordnung und den Sturmbannführer vertreten. Pastor Hagemann legte seiner Abschiedspredigt das Wort aus dem Brief an die Hebräer, Kap. 13, 8 zugrunde:„Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Der Gedankengang war dann zusammengefaßt folgender: Wir werden immer wieder daran erinnert, daß es ein ewiges Kommen und Geden gibt. Hier auf Erden ist alles Stückwerk. Nur im Himmel gibt es Vollkommenes. Deszalb muß unser Weg auch himmelan gehen. Venn ich heute zum letzten Mal hier vor Euch stehe, so bewegt mich in dieser Stunde das das auf Christus weist, der gestern war, heute ist und morgen sein wird. Im März vor Dier Jahren trat ich zum ersten Mal unter Euch. Ich kam zurück in das Land an der Ruhr, wo sch von Kindheit an das Lied der Hämmer vervommen. Was ich aber damals nicht ahnen konnte, war der politische Sturm, der über unser Vaterland kam. Und es kam der mächtige Kampf gegen die dunklen Mächte des Bolschevismus, der unser Volk in den Abgrund zu füh. ren drohte. Wir banden uns dann in der Gemeinde zuimmen und bildeten einen Wall gegen die rote Sturmflut. Wir wollten unseren Kindern das bangelium erhalten. Ich habe mich bemüht, X Aus der kathol. Gemeinde. Am kommenden Sonntag bekommt die hiesige kath. Gemeinde hohen Besuch. Bei der Schlußfeier eines dreitägigen Triduums wird der hochw. Weihbischof Augustinus Baumann anwesend sein und in einer abends 8 Uhr in der Kirche stattfindenden Kundgebung eine Ansprache an die Gemeinde halten.— Wie gestern von der Kanzel mitgeteilt wurde, wird Vikar Heinemann demnächst Schwerte wieder verlassen, um einem Rufe des Erzbischofs folgend die Verwaltung einer anderen Vikarstelle in der großen Erzdiözese Paderborn zu übernehmen. Trotz seiner nur kurzen Wirksamkeit in Schwerte — er kam Ende Mai als Nachfolger des Vikar Schwerte, 29. Okt. Nach längerer Pause erlebte man gestern in Schwerte einen Mannschaftskampf im Geräteturnen. Er wurde vom „Jahn“ Schwerterheide durchgeführt. Am Kampfe nahmen teil Tus HagenEppenhausen von 1873, Mendener Turnverein„Jahn“ von 1864, T V. Unna von 1861 und Turnverein „Jahn“ Schwerterheide. Leider war der Freischützsaal, in dem die Veranstaltung gegen 4 Uhr begann, nicht so besucht, wie man es anläßlich eines solchen Kampfes hätte erwarten können. Nach einem Einleitungsmarsch, dargeboten von der unter der Leitung des Musikzugführers Köppikus stehenden kleinen, aber schwungvollen Hauskapelle, die auch das ganze weitere musikalische Rahmenprogramm ausfüllte, hielt der Vereinsvorsitzende Sonneborn die Begrüßungsansprache. Er betonte, die Veranstaltung solle eine Werbung sein für das deutsche Geräteturnen, das noch nicht veraltet sei, und für die DT. Gerade das Geräteturnen erfordere die höchste Anspannung von Muskel und Geist. Sodann stellte der Vorvom Bekenntnis der Väter nichts wegzunehmen und nichts hinzuzutun. In der Not des Herzens trat Christus, der Tröster, zu uns.— Dankbar gedenke ich der Helfer und Helferinnen, die mir treu zur Seite gestanden. Weil wir so gekämpft haben, haben wir auch Verständnis für das Neue im Reich. Es ist unmöglich so zu predigen, als wäre nichts geschehen. Es hieße sich doch an Gott, dem Herrn der Geschichte, versündigen, wollte man ihm nicht danken für das Große, das er unserem Volke gegeben. Das Hirtenamt ist das Amt des Dienstes. Mir ist das Herz warm im Blick auf Deutschland. Das Steuer der Not ist herumgeworfen. Eine neue Haltung hat unser Volk eingenommen. Der Sinn für Kameradschaft ist wach geworden. Wir sind ein Volk geworden, zusammengeschweißt in der Not und diesem Volk soll Christus verkündigt werden. Christus gestern und heute, das heißt kämpfen, daß das Reich Adolf Hitlers ein christliches Deutschland werde, das heißt, mit brennender Liebe unter die braunen Mannen des Führers treten und ihnen die Botschaft des Herrn bringen. Christus in Ewigkeit, das läßt uns gewiß sein auf unserem Wege. Die Fäden, die zerissenen, knüpft er wieder an. Nun gehe ich von Euch. Mich bewegt nichts anderes, als daß Jesus Christus gestern war, heute ist und morgen sein wird. Amen. Die Gemeinde sang zum Schluß das Lutherlied„Ein feste Burg“. * Nach dem Gottesdienst fanden sich die Mitglieder des Presbyteriums und der größeren Kirchenvertretung im Lutherhause zusammen. Hier nahmen sie von Pfarrer Hagemann offiziell Abschied. Die kirchlichen und politischen Behörden übermittelten den Dank der Gemeinde und der Stadt Schwerte.— Wie wir erfahren, wird die Abschiedspredigt von Pastor Hagemann auf Wunsch zahlreicher Gemeindemitglieder im vollständigen Text als Sonderdruck erscheinen. Schleep nach hier— hat sich Vikar Heinemann die Herzen der ganzen Pfarrgemeinde Schwerte erworben. + Schulpersonalien. Der bisher in Hagen beschäftigte Studienreferendar Heinz Brieke und der in Unna bisher tätige Studienreferendar Heinrich Stüttgen, beide aus Schwerte, wurden an zwei höhere Dortmunder Schulen überwiesen. Dem Realgymnasium in Unna wurden für das erste Jahr ihrer praktischen Ausbildung die Studienreferendare Dr. Hans Hoppe und Rudolf Weischede, beide aus Schwerte, überwiesen. Andererseits erhält das Schwerter Realgymnasium vier Referendare, die von auswärts kommen. sitzende die vier Riegen, die aus je sieben Turnern bestanden, und das Kampfgericht vor. Diesem gehörten an Schäfer=Hörde, RisseHohenlimburg und Kost=Schwerte. Als Obmann des Kampfgerichts waltete der Vertreter des Ruhr=Volme=Kreises Ring 7, Turnlehrer Grundmann=Schwerte seines Amtes. Zunächst wurde Pferd quer geturnt. Hier wurden die zum Teil schlechten Leistungen verschiedentlich zu hoch bewertet.Redlich verdient war die volle Punktzahl 30, die sich der bekannte Turner Slont„Jahn“ Schwerterheide holte. Von Wüsthoff, der noch 24 Pkt. errang, haben wir schon bedeutend bessere Leistungen gesehen. Nach dem ersten Kampf führte der Mendener Turnverein„Jahn“ 1864 mit 155.(Die schlechteste Wertung jeder Riege wurde in Abzug gebracht). Es folgte Schwerterheide mit 148 Punkten. Es folgten die Freiübungen. Aus jeder Mannschaft turnten drei Turner. Die Leistungen standen hier allgemein auf höherer Stufe. Zum Beispiel erreichte hier H. Holstein, Menden, 28 Pkt., während er im Pferd quer nur 22 Pkt. erzielt hatte; Jansen, Schwerterheide, bekam 26 Pkt.,(beim Pferd quer nur 19 Pkt.) Auch Wüsthoff=Schwerterheide schnitt besser ab, indem er 28 Pkt. erkämpfte. Beachtenswert war auch die exakte Leistung von H. Funke, Unna, die mit 28 Pkt. bewertet wurde. Willi Holstein=Menden erreichte 29 Pkt. für seine gute, keineswegs aber überragende Leistung. Slont=Schwerterheide holte 29 Pkt. Bei den Freiübungen bewährte übrigens das Kampfgericht weniger die Feinheiten als die Schwierigkeiten, die gezeigt wurden. Die volle Punktzahl 30 wurde von keinem der Turner erzielt. Auch in den Freiübungen lag Menden mit 84 Pkt. an der Spitze. Ihm folgte Schwerterheide mit 83 Pkt., Unna mit 81 und im Abstand Hagen=Eppenhausen mit 72 Pkt. Nach den beiden ersten Kämpfen führte Menden. Im Barrenturnen kam es zu mehreren Fehlentscheidungen, was dem Publikum nicht verborgen blieb. Drosack=Schwerte war sehr matt, ohne Fluß, blieb mehrmals hängen, erhielt 20 Pkt. dafür. Schultz=Hagen=Eppenhausen dagegen zeigte zwar keine Schwierigkeiten, machte seine Sache aber glatt und hatte gute Haltung, erhielt aber nur einen(!) Punkt mehr. Heinz Holstein=Menden wagte etwas und zeigte Schwierigkeiten und bekam mit 25 Pkt. nicht zuviel. Lobert=Hagen hatte seine 24 Pkt. bestimmt verdient. Unbegreiflich, daß H. Mertens, Menden, für seine z. T. mißglückte Leistung 25 Pkt. einheimste. Mit Beifall wurde aufgenommen, daß Gräwe, Unna, 28 Pkt. zugesprochen wurden. Sehr schmeichelhaft war die Bewertung für Wüsthoff, dem man 26 Pkt. gab. Karl Gericke, Menden, der die schwierige einarmige Waage zeigte, erzielte verdient 28 Pkt. Slont=Schwerterheide zeigte auf dem Barren nichts Ueberragendes(26 Pkt.) Das Ergebnis war wieder so, daß Menden mit 149 Pkt. auch hier siegte. Schwerterheide erzielte 143 Pkt., Unna 138 Pkt. und Hagen nur 133 Pkt. Dann kam Pferd lang. Es wurden zwei Sprünge ausgeführt. Bewertet wurde der beste. Man hatte nach den ersten Sprüngen den Eindruck, als ob die Schwerterheider nicht springen könnten. Tatsächlich sielen sie auch stark ab. Für Heinz Holstein=Menden waren die 29 Pkt. sehr schmeichelhaft. Als letzter Springer für Schwerte riß Slont durch einen guten Hecht die Schwerterheide mit 30 Pkt. heraus. Auch die Unnaer erreichten mit Funke verdient die Höchstzahl. Das Ergebnis: Menden 161 Pkt., Unna 156 Pkt., Schwerterheide nur 136 Pkt., Hagen 119 Pkt. Dadurch war Unna plötzlich an die zweite Stelle gerückt. Das mag für Schwerterheide eine Mahnung sein, das Pferd nicht zu vernachlässigen. In der Gesamtwertung führte Menden jetzt mit 549 Pkt., es folgte Unna mit 512 Pkt., Schwerterheide mit 510 Pkt. und Hagen mit 457 Pkt. Damit stand die Reihenfolge der Sieger noch nicht fest. Denn es war möglich, daß „Jahn“ noch im Reck diese 2 Pkt. gegen Unna wieder aufholen würde. Man hatte auch die Hoffnung, daß Schwerterheide durch Slont den Einzelsieg herausholen würde. Die Spannung war groß, als das Reckturnen begann, das Siepmann=Schwerter= heide eröffnete(19 Pkt.) Jansen=Schwerter= heide brachte es nur zu 15 Pkt. Drosack=„Jahn“ fiel angenehm auf(23 Pkt.), ebenso Broer mit der gleichen Punktzahl. Mertens=Menden bestach durch Schwierigkeiten. Resultat: 25 Pkt. Schwerterheide und Unna hielten sich die Waage. Da kam der vorletzte Kampf und Wüsthoff=„Jahn“ brachte es nur zu 20 Pkt. Damit war Schwerterheides Schicksal entschieden, zumal der 37jährige(!) Gräwe, Unna, 28 verdiente Pkt. erzielte. Slont=„Jahn“ brachte es im Reckturnen zu 26 Pkt.— Willi Holstein=Menden holte mit Salto=Abgang 27 Pkt. Auch H. Funke=Unna ging mit Salto ab und bekam mit 20 Pkt. im Reckturnen die höchste Wertung. Im Reckturnen holte insgesamt Menden 150 Pkt., Unna 143 Pkt., Schwerterheide nur 131 Pkt. und Hagen nur 106 Pkt. Das Gesamtergebnis lautete: 1. Menden 699 Pkt., 2. Unna 655 Pkt., 3. Schwerterheide 641 Pkt., 4. Hagen=Eppenhausen 563 Pkt. Einzelsieger: 1. Slout=Schwerterheide 141 Pkt., 2. Funke=Unna und Gericke, Karl=Menden 135 Pkt., 3. Holstein, Willi=Menden 132 Pkt., 4. Gräwe=Unna 130 Pkt. Die Siegerehrung nahm anstelle des verhinderten Kreisoberturnwarts Möllhoff, Obmann Grundmann vor. Er wies darauf hin, daß der Gerätekampf nur einen Zweig des vielseitigen Uebungsbetriebes der DT. gezeigt habe. In diesem Mannschaftskampf habe jeder sein bestes gegeben. Aber dadurch, daß der einzelne Turner zugleich seiner Mannschaft gedient habe, sei der Gemeinschaftssinn gefördert worden. Das Geräteturnen atme Jahnschen Geist. Es diene der Stärkung der deutschen Volkskraft und damit dem deutschen Vaterlande. Das Schlußwort klang aus in einem dreifachen Sieg=Heil auf den Führer. Die Nationallieder wurden gesungen. Dem siegreichen Turnverein Menden wurde eine Plakette mit dem alten Schwerter Rathaus übereicht. Außerdem erhielten die Sieger Kränze. Die Turnerinnen des Turnvereins„Jahn" Schwerterheide hatten als Einlage Freiübungen gezeigt, die von den Turnwarten Brieke und Napiralla sorgsam einstudiert waren. Die Uebungen verrieten beste Körperschule. Außerdem führten die Turnerinnen in dämmerig=grüner Beleuchtung eine großen Reigenszene, die sich„Brunnenzauber“ nannte, mit großem Erfolge auf. Anschließend spielte die Hauskapelle zum Tanz auf. Daß der Besuch dieser schönen Veranstaltung den Erwartungen nicht entsprach, lag auch zum großen Teil an dem kühlen regnerischen Wetter.=ce. i Aus der Bewegung Auf zur Massenkundgebung Die Deutsche Arbeitsfront hat auf der ganzen Linie gesiegt, sie ist die Organisation aller Schaffenden. Der Führer und Reichskanzler hat die Deutsche Arbeitsfront in seiner Verordnung vom 25. Oktober 1934 zur Organisation aller schaffenden Deutschen der Stirn und der Faust erhoben. Es findet daher am Dienstag abend um 6 Uhr auf dem Marktplatz in Schwerte eine gewaltige Massenkundgebung statt, die zu einem offenen Bekenntnis der gesamten Arbeiterschaft der Stirn und der Faust zum Führer werden soll. Volksgenossen, beweist auch ihr durch euer vollzähliges Erscheinen dem Führer die Treue. Deutsche Arbeitsfron: Ortsgruppe Schwerte. RS. Volkswohlfahrt Schwerte. Die Sitzung der Block= und Zellenleiterinnen der NS=Volkswohlfahrt(Schulungsabend) findet nicht am Mittwochabend bei Wilkeo statt, sondern schon am Dienstag, den 30. Okt., abends 8 Uhr im Parteilokal Wilkes. Pastor Hagemann hielt seine Abschiedspredigt Im Geiste Jahns. Sroper ulannschaftbrumpfim Geraterarnen Mendener Curnverein„Jahn“ wird Mannschaftssieger. Ringen um den zweiten Platz.- Slont,„Jahn“ Schwerterheide bester Einzelsieger. Börsen-TTochenschau vom Schwerter Baulverein, Klein& Co., K.=G. Schwerte, 27. Okt. Die Belebung des Vörsengeschästs, die sich in der vergangenen: che, vor allem am Rentenmarkt, gezeigt hatte, hielt auch in den ersten Tagen der Berichtswoche an. Später wurde die Umsatztätigkeit etwas geringeringer, zumal die Gerüchte, die von einem Umtausch der Altbesitzanleihe des Reiches in eine festverzinsliche Emission wissen wollten, wenigstens zunächst— keine Bestätigung fanden. Es ergab sich auch auf dem Markt der festverzinslichen Werte nach den kräftigen Steigerungen der letzten Ze'. etwas Realisationsneigung, so daß hier die höchsten Kurse teilweise nicht ganz behauptet blieben. Andererseits kam diese Entwicklung den letzthin etwas vernachlässigten Werten des Aktienmarktes eher zugute. Die Umsätze, besonders in den variablen Papieren, hielten sich allerdings auch hier meist in relativ engen Grenzen. Eine weiter zuversichtliche Grundstimmung war jedoch unverkennbar. Sie erhielt eine Stütze nicht nur durch eine ganze Reihe anregender allgemeinwirtschaftlicher Faktoren, sondern vor allem durch die sich mehrenden günstigen Abschlußergebnisse industrieller Gesellschaften. In zahlreichen Fällen konnten sich die Verwaltungen von Aktienunternehmen dazu entschließen, die teilweise seit Jahren unterbrochenen Dividendenzahlungen wieder aufzunehmen. Aber auch wo dies noch nicht möglich war, zeigte sich fast durchweg eine wesentliche Besserung der Ergebnisse, sei es in Form ausgewiesener und zu innerer Stärkung benutzter Gewinne, sei es durch Tilgung von Verlusten, die noch aus der Krisenzeit stammen. Diese durchgreifende Besserung in der Ertragsgestalspiegelt deutlich den wirtschaftlichen Aufschnung wider, der auch in den neuesten Konjunkturberichten und Situationsschilderungen sichtbaren Ausdruck fand. Besonders instruktiv ist der Ausweis über die industrielle Beschäftigung im September. Entgegen der saisonüblichen Abschwächung, ist der Beschäftigungsgrad der Industrie diesmal nicht nur weiter, sondern so### stärker als im Vormonat gestiegen. Nach der Berichterstattung des Statistischen Reichsamtes hat sich die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 61.0 Proz. im August auf 62,0 Proz. der Arbeitsplatzkapazität im September erhöht. Die Zahl der geleisteten Stunden ist von 55,0 Proz. gestiegen. Die durchschnittliche tägliche Arbeitseit hat sich ebenfalls erhöht und beträgt 7,4 Stunden. Von der Zunahme des Beschäftigungsgrades haben die Produktions= und Verbrauchsgüterindustrien im gleichen Umfange profitiert. Die Investitionstätigkeit hat nach dem neuesten Bericht des Instituts für Konjunkturforschung in Deutschland während der letzten Monate einen neuen Hochstand erreicht. Die Versorgung des Inlandsmarktes mit Walzeisen ist von 579000 Tonnen im Januar auf 823.000 Tonnen im August gestiegen. Gegenwärtig werden pro Monat fast 600 000 Tonnen mehr Walzeisen im Inlande verarbeitet als zur Zeit der tiefsten Krise(1932). Die von inländischen Firmen aufgegebenen Maschinenbestellungen nehmen gleichfalls zu. Besonders günstige Berichte liegen aus der Kraftfahrzeugindustrie vor. In den letzten Monaten wurden 80 Proz. mehr Wagen neu in den Verkehr gestellt als im Sommer 1933. Der Ruhrkohlenabsatz wies im September arbeitstäglich eine neue ansehnliche Zunahme auf, die gegenüber dem Vormonat 5,45 Proz. und gegenüber dem September des Vorjahres 20,09 Proz. betrug. Meldungen über eine gute Beschäftigung lagen u. a. aus der Feinblechindustrie des rheinisch=westfälschen Bezirks vor. Die Ablieferungen lagen in letzter Zeit weit höher als im ersten Halbjahr. Der Hal dus Belelal Vergeschichnnass=Teremung? Vortrag des Museumsleiters Schalksmühle. Zu den Aufgaben des Sauerländischen Gebirgsvereins zählen nicht allein die Pflege des Wanderns und die Erschließung neuer Wanderwege, sondern auch die Erforschung der älteren und jüngeren Geschichte unserer Berge und Täler. Zu diesem Zweck unternahm, wie die Berg.=Märk. Ztg. meldet, die Abteilung Schalksmühle eine Halbtagswanderung nach Linnepermühle, der auch Mitglieder der Abteilungen Dahlerbrück, Brügge und Lüdenscheid beiwohnten. Der Ausflug gewann an Bedeutung durch die Anwesenheit des Leiters des Ruhrtal=Museums für Vorgeschichte in Schwerte, Herrn Josef Spiegel, sowie des Dipl.=Ing. Herrn C. Killing, Hagen, die den Mitgliedern des SGV. Aufschluß darüber gaben, wie die Spuren unserer alten heimischen Kulturgeschichte zu finden und für unser Wissen nutzbar zu machen sind. Zunächst wurde ein mutmaßliches Gräberfeld, das einige tausend Jahre alt sein kann, aufgesucht, die Eigen“ art der Anlage soweit wie möglich besprochen und die weitere Erforschung unter sachverstänSpiegel in Schalksmühle. diger Leitung erwogen, um für die Vorgeschichte des Volmetales und der Umgebung Anhaltspunkte zu gewinnen. Anschließend kehrten die Teilnehmer nach Schalksmühle zurück und hörten dann im Hotel Zur Post“ einen uveraus lehrreichen Vortrag des Herrn Spiegel über die vorgeschichtliche Besiedlung unserer Heimat. Herr Spiegel, einer der besten Kenner der sauerländischen Vorgeschichte, hatte eine große Anzahl wertvoller Funde zur Erläuterung seiner Ausführungen mitgebracht. Sein gut verständlicher Vortrag ohne hochwissenschaftliche Beigabe führte die Zuhörer durch eine Zeitspanne von 50000 Jahren zurück in die Stein=, Bronze= und Eisenzeit. Das Leben der Neandertal=Rasse ging an unseren Augen vorüber, wir sahen die ostische Rasse nach dem Westen vordringen, wir sahen die einfachen Menschen in Tierfelle gekleidet mit Steinwaffen jagen und fischen, als noch Höhlen ihre Wohnungen waren. Stromverbrauch wies ebenfalls eine neue Steigerung auf. Trotz dieser sichtbaren Erfolge gehen die Bemühungen der zuständigen Stellen um Arbeitsbeschaffung unermüdlich weiter, und in diesem Zusammenhang begegneten neue Ausführungen des Staatssekretärs Reinhardt über die Finanzierung dieser Maßnahmen lebhaftem Interesse. Aus dem Mehraufkommen an Lohnsteuern, das im September 67,6 Mill. Mt. gegen 58,5 Mill. Mk. im Vorjahre betrug, ergibt sich ein Wachsen des Arbeitseinkommens in der entsprechenden Zeit um 15 Proz. Dies werde, so führte Staatssekretär Reinhardt aus, zwangsläufig zu erhöhtem Verbrauch und entsprechender Belebung in den Verbrauchsgüterindustrien führen. Aus dem Mehr an Umsatzsteuern in der ersten Hälfte des Rechnungsjahres 1934 ergebe sich, daß die steuerpflichtigen Umsätze von März bis August um rund 8 Mrd. Mk. höher geworden seien als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Es müsse und werde gelingen, in den nächsten Wochen und Monaten mndestens 300000 Mann in Anwendung der neuen Bestimmungen in Arbeit zu bringen. Diese Neueinstellungen würden zu einer weiteren Mehrbeschäftigung von 100000 Mann in den verschiedensten Zweigen der Wirtschaft führen. Rege Beachtung fanden die neuen Steuergesetze, die auf zahlreichen Gebieten sowohl für den einzelnen als auch für die Gesamtwirtschaft erhebliche Erleichterungen mit sich bringen. An der Börse beschäftigte man sich ferner mit der Tatsache, daß künftig auch wieder eine Festsetzung von Steuerkursen erfolgen wird, nachdem sie seit 1930 unterblieben ist. Gegenüber der früheren Praxis tritt eine Aenderung insofern ein, als für Aktien, Kuxe und sonstige Anteile an inländischen Kapitalgesellschaften vom Eigentümer nunmehr der volle Steuerkurs anzusetzen ist, während früher nur die Hälfte einzusetzen war. Darin kommt die Tatsache zum Ausdruck, daß künftig in der Bewertung für die Vermögenssteuer Aktien und Renten, die ebenfalls voll angesetzt werden müssen, gleichgestellt sind. Tügebink. für die Aemter Westhofen und Ergste Holzen, 29. Okt. 72 Jahre alt. Der Rentner Karl Wilms, Rosenweg 28, wurde gestern 72 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch. Westhofen, 29. Okt. Eigenheim der Hitlerjugend. Die hiesige Hitlerjugend, die bisher noch kein eigenes Heim hatte, hat jetzt an der Grabenstraße einen Raum zur Verfügung gestellt bekommen, den sie als Eigenheim einrichten wird. Westhofen, 29. Okt. Ladenöffnung der Backwaren=Verkaufsstellen. Nach einer in den letzten Tagen getroffenen Neuregelung ist der zulässige Arbeitsbeginn in Bäckereien und Konditoreien auf 4,30 Uhr morgens und der zulässige Beginn der Abgabe der Backwaren jeder Art aus offenen Verkaufsstellen auf 6,30 Uhr morgens festgelegt worden. Westhofen, 29. Okt. Ehrenkrone des Alters. Am Sonntag vollendete Frau Karoline Klann, wohnhaft Hindenburgstraße 6, ihr 72. Lebensjahr.— An demselben Tage wurde der Platzmeister Wilhelm Marten in Garenfeld Nr. 7 70 Jahre alt. Beiden Hochbetagten zum Geburtstage nachträglich herzlichen Glückwunsch. Der Reichssportführer im Arbeitsdienstlager Ergste Ergste, 29. Okt. Auf seiner Besichtigungsreise durch Westfalen, die zugleich einer sportlichen Werbung dienen sollte, kam der Reichssportführer von Tschammer und Osten auch durch Schwerte und Ergste. Der Reichssportführer hatte am Samstag vormittag Witten, Wetter, Herdecke(hier großer Empfang), Lüdenscheid(Aufmarsch der Sportler), Letmathe und Altena besucht. Bald nach 13 Uhr kam der Reichssportführer durch Schwerte und fuhr weiter nach Dortmund. Hier waren auf dem Hüttenplatz des Werks Hoesch=Köln=Neuessen die Gefolgschaftsmitglieder sowie Ehrenabteilungen der SA, des Arbeitsdienstes sowie der Schutzpolizei aufgestellt(siehe auch Bericht in der Sportbeilage). Von Dortmund aus begab sich der Reichssportführer gegen 3 Uhr nach Ergste. Die drei Wagen passierten wieder Schwerte. 3,15 Uhr traf der hohe Besuch im Arbeitsdienstlager in Ergste ein. Zur Begrüßung hatten sich Landrat Dr. Storck, Kreisleiter Ossenberg, Brigadeführer Escher, Bürgermeister Hidding u. a. eingefunden. Der Reichssportführer befand sich in Begleitung des Führers der SA=Gruppe Westfalen, Schramme, und des Sportgauführers Sturmbannführer Schäfer. Lagerführer Bernshausen erstattete für seine Stammabteilung Meldung. Nach kurzem Besuch starteten die Wagen, von der Jugend umringt, für die der Reichssportführer freundliche Worte fand, zur Weiterfahrt nach Iserlohn. Hier wurde die Trainingsgemeinschaft am Seilersee besucht und die Badeanstalt besichtigt, wo eine sehr große Anzahl von Schwimmern versammelt war. Weiter ging es dann nach Hagen. Am Abend fand dann das große Hallensportfest in der Westfalenhalle statt.(Siehe Sportseite.) Se 73 URMEBER-RECHTSSCHUTZ: VERLAG OSKAR MEISTER„WERDAO 16. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Danke, nein! Ich habe meinen Wagen draußen stehen. Bemühen Sie sich nicht!“ Er schien es nicht gehört zu haben. Durch die geschliffenen Glastüren der Bar sah man das flirtende Wien vorübertanzen. Stephanie wandte den Kopf und zog den Kragen des Pelzmantels hoch. Die Musik tat so weh und das Erinnern! Einmal— Gott, nur jetzt nicht daran denken, wie es einmal gewesen war— Ewigkeiten lag das nun schon zurück, und doch waren es kaum zwölf Wochen, daß sie alles hingegeben hatte. Um ein Nichts! Ihr eigenes Herz hatte sie betrogen! Und neben ihr sprach jetzt Oehme von dem Mann, dessentwegen sie all das erduldete: „Wenn Hans=Jörg wüßte, was Sie von ihm benken, gnädige Frau! Soll ich mit ihm reden? Ich fürchte eine Aussprache nicht, obwohl er gelade in der letzten Zeit furchtbar überarbeitet und darum auch über die Maßen nervös war. Ich kann ihn auch überwachen, wenn es Sie beruhigt. Er wohnt seit vier Wochen bei mir.“ „Bei Ihnen?“ „Ja!— Wußten Sie das nicht?“ Sie schüttelte den Kopf.„Was weiß ich überhaupt von ihm?“ Um ein nichts! Ihr eigenes Herz hatte sie betrogen! Und neben ihr sprach jetzt Oehme von dem Mann, dessentwegen sie all das erduldete. „Wenn Hans=Jörg wüßte, was Sie von ihm denken, gnädige Frau! Soll ich mit ihm reden? Ich fürchte eine Aussprache nicht, obwohl er gerade in der letzten Zeit furchtbar überarbeitet und darum auch über die Maßen nervös Ich kann ihn auch überwachen, wenn es Sie beruhigt. Er wohnt seit vier Wochen bei mir.“ „Bei Ihnen?“ „Ja!— Wußten Sie das nicht?“ Sie schüttelte den Kopf.„Was weiß ich überhaupt von ihm?“ Das war wieder der Ton, der ihn so in Angst versetzte. 665 „Ich sehe ihn allmorgens nach seinem Buro gehen, gnädige Frau! Des Nachmittags nach der Werft. Von dort geht er wieder nach seinem Büro.“ „Und nacht?“ Er bemerkte den erwartenden Blick, der auf dem Grund seiner Seele zu lesen schien.„Es ist schon vorgekommen“, berichtete er,„daß ich ihn, wenn ich frühmorgens von Schwerkranken kam, von seinem Schreibtisch wegholen mußte. Wo bliebe ihm da noch Zeit für eine Frau?“ Sie strich sich über die Stirne und verspürte plötzlich eine ungeheure Müdigkeit. Die erste Erregung war abgeflaut und machte einer lähmenden Teilnahmslosigkeit Platz.„In mir ist eine Wirrnis“, gestand sie und hielt mit Gewalt das Weinen zurück. „Ja, nicht wahr?“ griff er ihre Worte auf. „Eine Wirrnis. Sie sollten mit ihm sprechen, Baronin. Schon um Ihretwegen und dann auch um seinetwillen. Es ist schrecklich, einer Tat beschuldigt zu sein, und nichts darum zu wissen. Er wird Ihnen sicher die volle Wahrheit sagen, selbst wenn es ihn Kopf und Kragen kosten sollte. Sie erwiderte nichts, und der Portier sah erstaunt, wie der Herr im Frack und ohne Mantel mit der Fremden durch den Windfänger schritt, den einer der Boys in Bewegung setzte. *„* Als Stephanie endlich mit dem Wagen wieder in die Herrenstraße einbog, sah sie eine Gruppe Menschen vor dem Hause Brentano versammelt. Eine erregte Männerstimme gab sichere Sie, Herr Graf, eine Viertelstunde vor zwölf stand der Wagen noch hier. Und als dann zehn Minuten später wieder herauskam.“ Der Hupenton, der einem entgegenkommenden Wagen Vorsicht gebot, zerfetzte den Schluß der Rede. „Da kommt er ja!“ rief die vorher zorngesättigte Stimme.„Nun werden wir ja sehen, wer sich da einen Ulk erlaubt hat.— Baronin, Sie——?“ Er sah verblüfft in Stephanies leicht gerötetes Gesicht und riß den Schlag auf, ihr seine Hand zu bieten. „Sie müssen verzeihen, Graf!“ Die junge Frau verbarg ihre Angst unter einem bezaubernden Lächeln, das den schwedischen Attache beglückte.„Ich dachte, rascher zurück zu sein— und habe damit gerechnet, daß Sie nicht so bald aufbrechen würden. Da bin ich denn durch mein liebes Wien gefahren, das ich schon so lange nicht mehr zur Nacht gesehen habe.“ „Es bedarf wirklich keiner Entschuldigung, Baronin! In besseren Händen hätte der Wagen gar nicht sein können.“ „Er läuft wirklich brav“, lobte sie, während ihre Zähne vor Kälte aufeinanderschlugen. „Sie sind durchgefroren“, sorgte er sich. wird angebracht sein, wenn Sie noch ein Glas Punsch zu sich nehmen.“ Aber sie lehnte ab und gab vor, sehr müde zu sein.„ Auf der Treppe kam ihr Frau Maria entgegen.„Wo warst du?“ fragte sie besorgt. „Ich habe eine kleine Spritzfahrt gemacht. „Und dein Mann hat dich gesucht!“ Stephanie fühlte die Knie zittern und umklammerte das Gelände.„Was hast du ihm gesagt?“ „Daß du bei mir seist!" „Hat er es geglaubt?“ „Ohne weiteres. Ich habe ihm mitgeteilt, daß du dich sehr unpäßlich gefühlt hättest. Er war nur ungehalten, daß du ihn nicht geweckt hast „Ich danke dir, Mama!“ Frau Maria führte die Widerstandslose nach ihrem Zimmer und hielt den jungen zitternden Körper an sich gepreßt.„Du mußt nun selbstverständlich bei mir bleiben. Sonst ahnt er, daß ich ihn belogen habe.“ Willenlos ließ Stephanie alles mit sich schehen. Sie war wieder das Kind von einst. Es hatte keinen Sinn mehr, noch länger zu warten, bis Stephanie sich förmlich zermürbt hatte. Morgen wollte sie ein ernstes Wort mit Merlin sprechen. „„ Als Jörg am nächsten Vormittag vor der Villa Brentano aus dem Wagen stieg, kamen eben die ersten Gäste durch das Portal. Stephanie war nicht darunter. Sie mochte wohl das Wiedersehen mit ihm so weit als möglich hinauszuschieben suchen. Und als sie dann die läuferbelegte Treppe herabkam, sah er sofort, daß sie Rouge aufgelegt hatte. Etwas wie Mitleid überkam ihn. Ihre Hand an seine Lippen führend, fragte er:„Wie fühlst du dich?— Es ist bezeichnend, daß du deine Mutter weckst, wenn du unpäßlich bist. — Ich zähle wohl nicht?“ Ihren Arm durch den seinen ziehend, merkte er, wie dieser zitterte.„Ich glaube, wir sind die letzten.“ SBlick suchte durch die leergewordene Hal „Wann wollen wir überhaupt nach Hause fahren? Heute noch? Oder bist du zu müde: „Ich möchte heim, so bald es geht! „Ich auch“ meinte er gleichmütig und schritt mit ihr nach dem Wagen hinab, desseg,u der Chauffeur offen hielt. Der flier„, Samt ihres hermelinverbrämten En bauschte sich wie eine Wolke. Ihr Gesicht leuch tete trotz der Schminke wie eine weiße Blut Deue TeScoeraT elm Marten in alt. Beiden Hochnachträglich herzsführer der Groie ner Besichtigungs. gleich einer sportkam der Reichsner und Osten egste. Der Reichsag vormittag Witgroßer Empfang), Sportler), Letmathe ach 13 Uhr kam der verte und fuhr weisaren auf dem HütKöln=Neuessen" die e Ehrenabteilungen sowie der Schutzch Bericht in der und aus begab sich 3 Uhr nach Ergste. wieder Schwerte. ch im Arbeitsdienstgrüßung hatten sich iter Ossenberg, Brileister Hidding u. a. ortführer befand sich es der SA=Gruppe des Sportgauführers Lagerführer Bernsne Stammabteilung besuch starteten die imringt, für die der he Worte fand, zur Hier wurde die Seilersee besucht und vo eine sehr große versammelt war. Hagen. Am Abend lensportfest in der e Sportseite.) du ihn nicht geweckt die Widerstandslose hielt den jungen zitreßt.„Du mußt nun bleiben. Sonst ahnt be.“ nie alles mit sich gedas Kind von einst. mehr, noch länger zu ch förmlich zermürbt ein ernstes Wort mit Vormittag vor der Wagen stieg, kamen das Portal. StephaSie mochte wohl das weit als möglich hinid als sie dann die abkam, sah er sofort, hatte. erkam ihn. Ihre nd, fragte er:„Wie bezeichnend, daß du nn du unpäßlich bist. Ihren Arm durch kte er, wie dieser zitsind die letzten.“ Sein leergewordene Halle. haupt nach Hause fahbist du zu müde?“ bald es geht!“ gleichmütig und schritt in hinab, dessen Schlag ielt. Der fliederblaue inverbrämten Capes olke. Ihr Gesicht leuchwie eine weiße Blüte. (Fortsetzung folgt.) Durch Blutgruppenprobe des Meineids überführt Münster. Vor dem Schwurgericht in Münster hatte sich eine Angeklagte namens Niehuß aus Hüls wegen Meineides zu verantworten. Sie hatte in einem Alimentenprozeß einen Eid geleistet, der einen Mann der Vaterschaft an ihrem unehelichen Kinde bestimmte. Die medizinische Nachprüfung durch eine Untersuchung der Blutproben auf ihre Gruppeneinteilung ergab aber, daß die Angaben, die das Mädchen unter Eid gemacht hatte, nicht mit der Wahrheit übereinstimmten. Die medizinische Untersuchung war maßgebend und unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde nun gegen die Niehuß verhandelt. Das Schwurgericht kam nach eingehender Nachprüfung zur Bestrafung der Angeklagten, die ein Jahr und drei Monate Zuchthaus erhielt. Ferner wurden ihr die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Wegen der Höhe der Strafe und wegen Fluchtverdachtes wurde sie im Gerichtssaal verhaftet. Zuchthaus für einen heiratsschwindler Münster. Fremdenlegion und schlechte Gesellschaft hatten Wilhelm Rohmann auf die Bahn des Betrügers gebracht. Er saß in Dortmund ohne Geld und tippelte mit seinem Freunde nach Münster, wo er unter der Obhut mildtätiger Menschen eine Woche lang alles hatte, was zum Leben notwendig ist. Bei dieser Gelegenheit bändelte er mit einer Hausangestellten an und erzählte ihr von einem fabelhaften Vermögen, das auf ihn warte, zeigte ihr ein Papier, das er als „Wechsel" bezeichnete und übergab ihr daneben ein Sparbuch, das eine Sperrung aufwies bis zum Tage der Eheschließung. Natürlich war alles Schwindel. Die Dokumente waren von einem Freunde des Rohmann gefälscht worden. Das junge Mädchen fiel auf den Schwindel herein und führte Rohmann in die Familie ein. Dieser versprach nun seinem zukünftigen Schwager eine schöne Stellung und veranlaßte ihn sogar, die eigene Stellung aufzugeben. Dann ergaunerte er von seiner Braut noch über 400 Mark auf das lockere Versprechen der Eheschließung. Als rückfälliger Betrüger, der schon einmal Heiratsschwindel begangen hatte, erhielt Rohmann vom Schöffengericht in Münster eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus und 100 RM Geldstrafe. Devisenschieber vor Gericht Münster. Süßkind hatte ein flottes Exportgeschäft als Holländer gehabt und sah sich plötzlich durch die Devisenverordnung kaltgestellt. Heimlich aber hielt er das Geschäft auf gleicher Höhe und das Geld für die holländischen Hühner und dergleichen brachte er unter den schwierigsten Umständen und Tricks über die Grenze, bis ihn die Beamten erwischten. Nach dem eigenen Geständnis hatte Süßkind etwa 34.000 RM. über die Grenze gebracht. Die Große Strafkammer in Münster verurteilte ihn nun zu einem Jahr Gefängnis und 15000 RM. Geldstrafe. Neun Forderungen wurden ferner als Vermögensstücke des Juden Süßkind verlesen, die der Einziehung verfielen. Der Mitangeklagte Löwenstein und die Braut des Süßkind blieben straffrei, weil sie die Strafbarkeit ihrer Handlungsweise nach Ansicht des Gerichts nicht erkannt hätten. Der neue Befehlshaber in Minden Minden. Der neue Befehlshaber im Wehrkreis 6, Generalleutnant v. Kluge, traf zu einem kurzen Besuch in Minden ein, um die Truppen des Standortes zu begrüßen. Nachdem der Standortsälteste, Oberst Stud, dem Befehlshaber die angetretenen Truppen gemeldet hatte, schritt Generalleutnant v. Kluge die Front ab und richtete einige Begrüßungsworte an die Soldaten. Er erinnerte daran, daß nur die Pflege der alten Soldatentugenden, Gehorsam, Pflichterfüllung, Disziplin, Härte gegen sich selbst, eine leistungsfähige Armee gewährleiste. Die Soldaten der Wehrmacht seien heute auch Erzieher des Volkes. Niemals dürfe die Würde der Einzelpersönlichkeit verletzt werden.— Während die Truppen das Gewehr präsentierten, brachte Generalleutnant v. Kluge ein dreifaches Hurra auf unsere stolze Armee und ihren Oberbefehlshaber Adolf Hitler aus. Die Musik spielte das Deutschlandund das Horst=Wessel=Lied. Anschließend besichtigte der neue Befehlshaber die Unterkünfte der Soldaten. Gefährlicher Verbrecher ausgebrochen Oeynhausen. Der Untersuchungsgefangene Sundermeier, der wegen Diebstahls im Oeynhausener Gerichtsgefängnis saß, überfiel den Gefängnisaulseher, schlug ihn nieder, entriß ihm die Schlüssel und sperrte seinen Wächter in die Zelle ein. Dann flüchtete der gefährliche Verbrecher durch die Privatwohnung eines Gerichtsbeamten ins Freie. Bis zur Stunde konnte er noch nicht wieder eingefangen werden. Lippische Staatsregierung vereidigt Detmold. Reichsstatthalter und Gauleiter Dr. Meyer vereidigte in einem feierlichen Akt auf Schloß Varenholz den lippischen Staatsminister Riecke mit dessen Stellvertreter Wedderwille, den schaumburg=lippischen Landespräsidenten Dreier mit dessen Stellvertreter Schade sowie den StellReichewervestellen. Ennerhisewerte Rückhaltloser Einsatz der Partei— Versammlungswelle in den kommenden Monaten Zur Durchführung der Propaganda für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1934/35, durch die auch der letzte Volksgenosse erfaßt werden soll, ist eine Reichswerbestelle bei dem Reichsbeauftragten für das W5W gebildet worden, die unter der Leitung der Reichspropagandaleitung und unter Aufsicht des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda Das gesamte deutsche Volk soll erneut beweisen, daß die nationale Solidarität zu einem festen Begriff geworden und daß das Opfer Ehren= und Herzenssache aller ist. Wie im vorigen, so wird auch in diesem Winter erneut und mit doppelter Kraft eine große Versammlungswelle in den kommenden Monaten über ganz Deutschland gehen, die diesmal im Zeichen des Winterhilfswerks stehen wird und den einzigartigen Opferwillen eines ganzen Volkes in den Vordergrund stellen wird. g1 Um einen Austausch und eine wechselseitige Betreuung der bedürftigen Volksgenossen durch vermögendere Bevölkerungskreike zu erzielen, werden nach Möglichkeit alle Organisationen, Verbände, Vereine und Gliederungen der Partei zusammengefaßt in Straßen oder Wohnblocks zur Uebernahme gemeinsamer Patenschaften für bestimmte arme Häuser. Hierbei soll nicht nur auf Spenden, sondern auch auf eine Betreuung von Mensch zu Mensch, besonders bei schwerwiegenden Ereignissen in den betreuten Familien Wert gelegt werden. Denn um das gesteckte Ziel zu erreichen, um eine Teilnahme der Bewilligung am Werden und Wachsen des Winterhilfswerkes zu wecken, müssen die gebenden sowohl wie die empfangenden Volksgenossen in persönlicher Fühlungnahme zueinander gebracht werden, soll ein gewisser Wettbewerb zwischen den einzelnen Orten und Kreisen hervorgerufen Die Ausführung der mit der Schaffung der Patenschaften zusammenhängenden Arbeiten wird in erster Linie den Frauenschaften und dem B. d. M. übertragen. Ihre Organisation liegt in den Händen der Amtswalter der RSV, denen die politische Organisation jede Unterstützung angedeihen läßt. Wieder, wie auch im vorigen Jahre, setzt sich die RSDAP mit allen ihren Gliederungen rückhaltlos für das Winterhilfswerk und sein Gelingen ein. Der Erfolg wird nicht ausbleiben und noch größer sein als im vergangenen Winter. vertreter des Reichsstatthalters bei der lippischen Regierung, Regierungsrat Wolff, auf den Führer. Der Tod in der Regentonne Nordhorn. Das 3 Jahre alte Söhnchen des Bankdirektors Grotthaus fiel beim Spielen in eine Regentonne. Der Vorfall wurde erst nach einiger Zeit bemerkt. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Kindesentführung vor Meppen. Im März d. J. wurde in Meppen ein elfjähriger Junge entführt. Ein fremder Motorradfahrer hatte den Jungen bis nach Rheine mitgenommen, wo er ihn absetzte und seinem Schicksal überließ. Es gelang kurze Zeit später, den Motorradfahrer zu ermitteln. Es handelt sich um einen gewissen A. Siemens aus Essen=Borbeck, der schon mehrfach wegen sittlicher Verfehlungen und Verbrechen vorbestraft ist. Die Große Strafkammer in Osnabrück verurteilte den Angeklagten in Meppen zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Zuchthausstrafe für einen Schädling am Winterhilfswerk Siegen. Der 27jährige Josef Stracke aus Olpe wurde von der Ns=Volkswohlfahrt in Olpe bei der Durchführung des letztjährigen Winterhilfswerks beschäftigt. Das in ihn gesetzte Vertrauen hat Stracke in schmählicher Weise mißbraucht. Er fälschte Unterschriften auf Schecks, hob das Geld ab und verbrauchte es bei Festgelagen. Insgesamt hat er 250 Mark auf diese Weise veruntreut. Nun hatte er sich vor der Großen Strafkammer in Siegen zu verantworten, die ihn zu fünfzehn Monaten Zuchthaus verurteilte. Das Gericht brachte zum Ausdruck, daß für solche Verbrechen nach dem Willen der Reichsregierung und dem gesunden Rechtsempfinden des Volkes die Zuchthausstrafe als einzig angemessene Sühne anzusehen sei. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat vor 123 Dortmunder Kommunisten veurteilt Dortmund. Im Dortmunder Schwurgerichtssaal wurde am Samstagmorgen vom Vorsitzenden des 4. Strafsenats des Oberlandesgerichts Hamm gegen 127 wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagte Kommunisten aus Dortmund und Umgebung folgendes Urteil verkündet: Drei der Angeklagten wurden freigesprochen. Das Verfahren gegen einen Angeklagten, der inzwischen verstorben ist, ist eingestellt. Zu Zuchthausstrafen von 1 Jahr, 3 Monaten bis 2 Jahren und 8 Monaten wurden 78 Angeklagte verurteilt, während 45 Angeklagte zu Gefängnisstrafen von 1 Jahr, 1 Monat bis zu 2 Jahren und 3 Monaten verurteilt wurden. Sämtlichen Angeklagten wurde die erlittene Untersuchungshaft von fünf bis acht Monaten angerechnet. Die benutzten Abzugsapparate für Flugblätter wurden eingezogen und die dazu gebrauchten Platten vernichtet. Fritz Krause aus Hamborn wurde vom Führer und Reichskanzler die Rettungsmedaille verliehen, die ihm vom Polizeipräsidenten überreicht wurde. Krause, der erst 25 Jahre alt und stellvertretender Bezirksleiter der Deutschen Lebensrettungs=Gesellschaft ist, hat schon vor 10 Jahren seine erste Rettungstat vollbracht. In den folgenden Jahren hat er nicht weniger als ein halbes Dutzend Menschen vom Tode des Ertrinkens gerettet. Wildernde Hunde zerreißen 42 Schafe Bitburg. Von einem schweren Schaden wurde dieser Tage der Hofbesitzer Gondelinger(Elsen) in Wehrhauserhof betroffen. Zwei wildernde Hunde waren nachts in den Schafpferch eingedrungen und hatten 42 Schafe zerrissen. Der Besitzer hat einen Schaden von 1300 Mark erlitten. Das Urteil gegen die beiden Nachener Zohbeamten Oberhausen richtet Volksküchen ein Oberhausen. Wie im Vorjahre hat die Kreisführung des Oberhausener Winterhilfswerks auch in diesem Jahre beschlossen, in Volksküchen Mittagessen an ältere sowie ledige, alleinstehende Leute zu verabfolgen. Der Preis des Essens, das nur gegen Eßkarten ausgegeben wird, beträgt 10 Pfennig. Die Rettungsmedaille überreicht Quisburg=Hamborn. Dem Katastertechniker Aachen. Nach achttägiger Verhandlung vor der Ersten Großen Strafkammer in Aachen gegen die beiden Zollbeamten Schubert und Lehnert, die unter der Anklage der Begünstigung des vor kurzem verurteilten Großschmugglers Deutmann standen, wurde der Angeklagte Schubert mangels Beweises freigesprochen und der Angeklagte Lehnert wegen fortgesetzter gewinnsüchtiger Beihilfe zur Zollhinterziehung und passiver Bestechung zu 15 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 4000 RM., ersatzweise zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte gegen beide Angeklagten wegen fortgesetzter gewinnsüchtiger Beihilfe zur Zollhinterziehung und passiver Bestechung Zuchthausstrafen von je zwei Jahren beantragt, dazu noch eine Geldstrafe von je 75000 RM. und Wertersatzstrafen von je 25 000 RM. In der Urteilsbegründung wurde bezüglich des Angeklagten Schubert betont, daß das Gericht nicht die volle für„schuldig“ ausreichende Ueberzeugung habe gewinnen können. In den Ausführungen zu der Begründung des Urteils bei Lehnert heißt es, daß das Gericht nicht den geringsten Zweifel hatte, daß der Angeklagte ein bestechlicher Beamte gewesen sei. Zu den unentbehrlichen Grundlagen des Staates zähle ein sauberes, pflichtgetreues und ehrenhaftes Beamtentum. Es gehöre zu den Aufgaben der Strafgerichte, auch zu ihrem Teil dazu beizutragen, daß diese Grundlagen des Staates nicht erschüttert würden. Lehnert habe seine Beamtenpflicht schwer verletzt und gegen schnödes Geld und sonstige Vorteile eines Schiebers und Großschmugglers seine Ehre als deutscher Beamter hergegeben. Im Kampf gegen Separatisten gefallen.— Ehrung Aachener Polizeibeamten Aachen. Am 25. Oktober 1923 stürmte ein vorwiegend aus Aachener Polizeibeamten bestehendes Freiwilligenkommando das Regierungsgebäude in Aachen, um es von dem unter ihrem Häuptling Deckers dort hausenden Separatistengesindel zu säubern. Leider waren bei dieser Aktion neben 16 zum Teil schwer verwundeten Beamten auch drei Tote zu beklagen. Es fielen die Polizeioberwachtmeister Nachtigall, Bausch und Stoffels. Der frühere Vorstand der Sieg-Bank vor Gericht Neuwied. Vor der Großen Strafkammer Neuwied hatten sich die früheren Vorstandsmitglieder der Sieg=Bank in Betzdorf, Wilhelm Holl, Hugo Bauserer, Josef Hähner und der langjährige Vorsitzende des Aufsichtsrates, Peter Kiesgen, wegen genossenschaftlicher Untreue, Bauserer außerdem wegen Unterschlagung von Bankgeldern in Höhe von 24000 Mark zu verantworten. Die Sieg=Bank mußte wegen dieser Verfehlungen Anfang 1931 ein Vergleichsverfahren beantragen, wobei die Genossen der Bank, meist Mittelständler, ihre gesamten Einlagen von je 200 Mark verloren. Der Verlust wird auf etwa 200000 Mark geschätzt. Die von Bauserer unterschlagenen Bankgelder in Höhe von 24000 Mark hatte der Angeklagte nach seinem eigenen Geständnis zu verlustbringenden Effektenspekulationen benutzt. Effektenspekulationen wurden auch von den übrigen Angeklagten unter Ausnutzung nicht bewilligter Kredite betrieben. Der Angeklagte Holl war sogar soweit gegangen, Kunden zu veranlassen, über ihr Konto unter seiner Beteiligung Effektenspekulationen vorzunehmen. Auf diese Weise hat ein Handwerker aus Betzdorf sein ganzes Vermögen in Höhe von 30 000 Mark verloren. 45 Die Strafkammer verurteilte nach dreitägiger Verhandlung die Angeklagten Holl und Bauserer zu je einem Jahr acht Monaten Gefängnis. Hähner erhielt 3000 und Kiesgen 1500 Mark Geldstrafe. Bei diesen beiden Angeklagten berücksichtigte das Gericht strafmildernd ihr hohes Alter und ihre früheren Verdienste um die Bank. Brennstoffknappheit in der Sowjetunion Mit dem Eintritt der Kälte haben die städtischen Verwaltungen verschiedener sowjetrussischer Städte die Ausgabe von Brennstoffkarten wieder aufgenommen. Die städtischen Verwaltungen rufen die Bevölkerung zu allergrößter Sparsamkeit im Verbrauch von Brennstoffen auf und erklären, daß verschwenderischen Verbrauchern nicht nur die Brennstoffkarten entzogen werden, sondern daß man auch mit Geld= und Haftstrafen vorgehen werde. Personenzug fährt in eine Schafherde 60 Schafe getötet Nach Mitteilung der Reichsbahndirektion Erfurt ist am Freitagabend in der Nähe des Bahnhofs Ballstädt an der Strecke Gotha—Langensalza ein Personenzug in eine Schafherde, die aus ihrer Hürde ausgebrochen war, hineingefahren. Etwa 60 Schafe wurden getötet. Der Zugverkehr wurde weiter nicht gestört. Anläßlich der 11. Wiederkehr dieses Tages hat Regierungspräsident Reeder gemeinsam mit dem Polizeipräsidenten, SS=Standartenführer Dr. Katz und dem Kommandeur der Schutzpolizei, Polizeimajor Weichardt, an den Gräbern dieser treuen, für die rheinische Heimat gefallenen Beamten auf dem Ehrenfriedhof in Aachen, dem Friedhof in Breinig und Gmünd Lorbeerkränze niedergelegt. Explosion in polnischer Erdölraffinerie Sechs Schwerverletzte In der polnischen Erdölraffinerie in Nadworna bei Stanislau brach Feuer aus, das erheblichen Sachschaden anrichtete. Durch die Explosion eines unterirdischen Gasbehälters wurden sechs Arbeiter schwer verletzt. Lokomotive rammt Arbeiterzug 16 Verletzte Auf der im Bau befindlichen Eisenbahnlinie Warschau= Radom rammte eine Lokomotive einen Arbeiterzug. 16 Arbeiter mußten verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Unmittelbare Lebensgefahr besteht bei keinem Verletzten. Ein Newyorker Diamantenmakler ausgeraubt In Chikago überfallen Vier Räuber überfielen in Chikago einen Newyorker Diamantenmakler, schlugen ihn mit einem Pistolenkolben nieder, schleppten ihn in ihren Kraftwagen und fuhren davon. Unterwegs raubten sie ihm eine Schachtel mit ungefaßten Diamanten im Werte von 50000 Dollar und 500 Dollar Bargeld. Dann stießen sie ihn aus dem Wagen und suchten das Weite. Volksrache an einem Reger Regerfeindliche Ausschreitungen in Florida Der aus dem Gefängnis von Brewton(Alabama) mit Gewalt entfernte und verschleppte Neger, der ein weißes Mädchen vergewaltigt und erschlagen hatte, ist Sonnabend früh von einer hundertköpfigen Menschenmenge an einem Baum vor dem Gerichtsgebäude von Marianna rida) aufgehängt worden. Sein Körper war von Kugeln durchlöchert und stark verstümmelt. Der Tod war sicher schon Stunden vorher eingetreten. Die Gruppe von Männern, die den Neger hängte, erklärte, daß sie den Unhold bereits vor dem Hause der Eltern des weißen Mädchens verstümmelt vorgefunden habe. In der Nähe der Stelle wurde ein weiterer Neger nach einem kurzen Streit mit einem Weißen vom Sherif verhaftet. Es gelang, den Verhafteten ins Gefängnis zu bringen, die rasende Menge versuchte aber, das Gebäude zu stürmen. Der Sherif wandte sich an den Gouverneur des Staates Florida, der eine Kompagnie Nationalgarde sowie ein Flugzeug mit Tränengas nach Marianna in Marsch setzte. Inzwischen hat die weiße Bevölkerung Mariannas alle Reger aufgefordert, vor Sonnenuntergang die Stadt zu verlassen, da anderenfalls das Regerviertel niedergebrannt würde. W ziizizizzmmi URHEBER· RECHTSSCHU 2· DURCH VERLAG · OSKAR· MIEISTER· WEROAU 1. Auf den Steinstufen, die zur Küche des Landhauses führten, saß ein junges Maochen und schälte Erbsen aus. Ein Sonnenstreifen lag über dem blonden Haar, spielte über die blaue Küchenschürze und die derben Schuhe und einige Dutzend genäschiger Hühner und Tauben, die ihren Anteil an der Erbsenlese Erbsenpalen ist eine prosaische Beschäftigung, aber Anne von Falke sah dabei aus wie ein Bild aus st knarrte das Gartengatter, eine Stimme rief verblüfft:., Mi.., fiht und tchll „Aschenbrödel. Wie es leior und leotr Vor dem jungen Mädchen stand eine große Frauengestalt im Malerinnenkittel; auf dem ergrauenden Haar trug sie eine Baskenmütze. In dem frischen, energischen Gesicht blitzten jugendliche Augen, die vor Freude über das entzückende Jild strahlten. „Guten Tag, Fräulein Bratt,“ grüßte Anne und wollte aufspringen.... Maserin vasch Rchmin Ei. „Sitzenbleiben,“ rief die Maierin rasch.„Rehmen Ste sofort Ihre alte Stellung wieder ein, Anne. Halten Sie den Kopf nach rechts ich brauche den letzten Sonnenschimmer auf Ihrem Blondhaar. Kind, es ist ein wahres Gottesgeschenk für mich, daß ich Sie hier in Ihrer Märchenpose treffe. Sie werden sofort skizziert!“ Gehorsam hockte sich Anne wieder nieder, und die Malerin begann eifrig zu arbeiten. Ihr Stift flog so rasch über das Papier, daß man den Bewegungen der geübten Hand kaum folgen konnte. Ab und zu warf sie einen Blick auf das junge Mädchen. Vor Eifer brannten zwei rote Flecke auf ihren Wangen. „Anne, Sie sehen einfach wundervoll aus! Zart, blond und jung. So habe ich mir mein Bild geträumt!“ „Was für ein Bild, Fräulein Bratt?“ „Na, mein Märchenbild.“ Ich habe nämlich von einer großen Verlagsfirma den Auftrag bekommen, das Aschenbrödelmärchen neu zu illustrieren. Es soll zu Weihnachten in einer farbigen Prachtausgabe erscheinen. Verzweifelt habe ich nach einem passenden Modell gesucht. Aber wo nimmt man in der Zeit der Bubiköpfe ein Aschenbrödel her? Und heute wirft mir der Zufall ein leibhaftiges Aschenbrödel in den Schoß, samt Erbsenschüssel, Hühnern, Tauben und sonstigem Zubehör. Stillsitzen, Anne!“.. Moden, „Ich tu's ja, aber die gefiederten Mobeue um mich herum sind unruhig!“ „Macht nichts. Die zeichne ich zum Schluß ein. Sie sind die Hauptperson!" „Das ist mir wirklich eine ganz ungewohnte Rolle.“ Die Malerin blickte auf. Sie sah die zarte Mädchengestalt in der groben Schürze, die seinen Füße in den dicken Schuhen und die schmalen Hände mit den zarten Knöcheln. Dahinter war die von wildem Wein überwucherte Hausmauer, eine offene Küchentür, und der Anblick von dem Kupfergeschirr auf den Borden! In der Küche hantierte eine ältliche Magd, und auf einem Stuhle saß eine Katze, die sich die Pfoten putzte. Es war die vollkommenste Märchenillustration, die sich ein Malerauge wünschen konnte, und doch stockte die Hand der eifrigen Zeichperta. „Anne, die alte Ursel hat mir gesagt, oaß Sie heute Geburtstag haben?“ Anne von Falke errötete. „Einmal im Jahre hat das jeder Mensch, Fräulein Bratt.“ „Meinen Glückwunsch, Kind! Wie alt sind Sie eigentlich?“ „Einundzwanzig Jahre.“ „Was? Ich habe Sie für siebzehn gehalten. Sie sehen unglaublich sung aus, und— und—“ „Sehr wenig festlich, wollen Sie sagen, nicht wahr?“ Die Malerin kniff die Lippen zusammen und arbeitete schweigend weiter. Es war still in dem kleinen Garten. Man hörte nur das Gurren der Tauben und die Melodie eines Volksliedes, das die alte Ursel in der Küche summte. Nun verschwand die Sonne hinter der Giebelwand; der Garten tauchte in Schatten. „Schade, nun geht die Sonne weg und nimmt den Goldreflex aus Ihrem Haar mit, aber den kann ich aus dem Gedächtnis nachholen. Noch ein paar Striche und die Skizze ist fertig. Sie werden in das Märchenbuch als leibhaftiges Aschenbrödel eingehen, Kind. Kommen Sie her und sehen Sie sich die Zeichnung an, Sie kleines Märchen.“ In diesem Augenblick wurde im oberen Stockwerk ein Fenster aufgerissen. Eine schrille Madchenstimme schrie: „Anne, wo steckst du denn?! Es ist sieben Uhr und du sollst mir beim Ankleiden helfen. Komm herauf, aber sofort!“ Ueber„Aschenbrödels“ Gesicht ging ein Schatten. „Ich kann mich jetzt nicht in Ihre Skizze vertiefen, liebes Fräulein Bratt. Vera wünscht mich, und da heißt's eilen.“ 14.612 8 „Sind Sie nicht ein wenig zu nachgleoig, unne?“ „Ich habe Vera versprochen, sie zum Fest beim Konsul Eschental anzukleiden.“....###. „Das Garten- und Kostümfest, ich weiß. Ich habe auch eine Einladung erhalten.“ „Werden Sie hingehen?“ Die Malerin sah dem jungen Mädchen mit einem vergnügten Lächeln in die Augen. „Eigentlich sollte ich, denn ich kenne den Konsul von der Hauptstadt her. Ich werde aber zu Hause bleiben und mit Ihnen Geburtstag feiern.“ „Oh, Fräulein Bratt, Sie sollten meinetwegen nicht auf das Fest verzichten!:... Mit eamti a. „Fällt mir durchaus nicht schwer. Weil funszig Fahren verliert man den Geschmack am Mummenschanz. Sie haben mir so brav gesessen, daß ich Ihnen eine kleine Freude schulde. Wenn Ihre Mutter und Schwester fort sind, werden wir eine gemütliche Geburtstagsfeier machen. Gilt's?“ Anne von Falke wurde rot vor Freude. „Ich bin Ihnen so dankbar!“ „Anne, Anne, wo trödelst du herum? Komm sofort Anne stürzte ins Haus. Im Laufen band sie die häßliche Küchenschürze ab. Die Malerin sah ihr mitleidig nach.... Dimmer den Sch Anne hastete zum Zimmer der Schwester. Eine Tür wurde aufgerissen. Ein mageres, schwarzhaariges Mädchen in einem fleckigen Kimono packte Anne an der Hand und zog sie in ein Gemach, das sich durch eine geradezu phantastische Unordnung ausseichnete......ante herrschte in dem m. Ein gräßliches Durcheinander herrschte in dem Raum. Das Bett war zerwühlt. Auf dem abgeschabten Teppich lagen Schuhe, Strümpfe und Wäschestücke verstrent. Die Türen des Kleiderschrankes standen offen, Kleider, Mäntel, Röcke quollen heraus. Auf einem Sessel lag das Kostüm einer Pierrette. Anne von Falke schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „Vera, um Gottes willen, wie sieht es denn hier aus!?“ „Wenn du gekommen bist, um dich zu wundern, verzichte ich auf deine Gegenwart! Ich hatte mich ein wenig hingelegt, um für den Abend frisch zu sein. Selbstverstandlich hat die Ursel, diese dumme Person, mich nicht zur Zeit geweckt und natürlich habe ich es verschlafen. Steh' doch nicht so verdutzt herum und hilf mir endlich. Mach' meine Frisur! Hast du den Wagen bestellt? Herrgott, es geht auf acht, und wir werden zu spät kommen!“„ z6t. bestenl „Beruhige dich, Vera. Der Wagen ist besreut und du wirst pünktlich fertig sein. Setz' dich vor den Spiegel und reg' dich nicht auf.“ Vera Staniecki, Annes Stiefschwester, nahm am Frisiertisch Platz.„ 6 r41hen uneseih Der Spiegel gav die Gesichter der beiden ungleichen Schwestern wider. Annes schmales, feines Gesicht stand im krassen Gegensatz zu Veras slawischem Typ mit der breiten Stirn, der kurzen Nase und dem großen, roten Mund. Anne sah vornehm und schön aus. Vera war in den einzelnen Zügen häßlich, aber pikant. Sie bemerkte zum hundertsten Male den Unterschied zwischen sich und der Schwester, und zum hundertsten Male ärgerte sie sich, daß er zu ihren Ungunsten ausfiel. Anne jedoch hatte keine Zeit für Vergleiche. Sie frisierte Vera mit geschickten Händen, zog ihr die Ohrringe ein und wollte eben die Tüllkrause des Kostüms um des Mädchens braunen Hals legen, wurde aber unwillig fortgestoßen. „Laß das! Das Ding kannst du mir umtun, wenn ich das Kostüm anhabe. Wo habe ich nur meine Maske hingelegt? Such' sie doch und trödle nicht so!“ Anne fand die Maske. Sie half Vera in das Kostüm und zog ihr die Schuhe an. „Au, meine Schuhspange drückt! Was hast du denn damit gemacht? Sieh nach, ob die Strumpfnähte gerade sitzen!“ Anne hockte an der Erde, brachte die Spange in Ordnung und kontrollierte die Strümpfe. „Es ist alles gut, Vera.“ „Na, ich bin fertig. Gib mir noch das Eau de Cologne. Hoffentlich ist Mama auch schon so weit. Sie braucht immer gräßlich lange zum Anziehen, seit ihr Konsul Eschental den Hof macht. Ob der Wagen wohl pünktlich kommt?“ Peitschengeknall tönte herauf. Anne spähte aus dem Fenster. „Der Wagen ist da!“ „Fehlt bloß Mama,“ schrie Vera wütend.„Ich wünschte, Eschental machte endlich seinen Antrag, damit sie weniger nervös ist und nicht immer endlos für ihre Toilette braucht. Dieses Hangen und Bangen, ob der Konsul endlich anbeißt, ist gräßlich.“ „Auch ich wünsche Mama die Erfüllung ihrer Wünsche,“ sagte Anne ruhig. Vera fuhr herum und starrte die Schwester an. „Na, entweder hast du Fischblut in den Adern oder du bist ein Schaf an Güte und Bescheidenheit. Vermutlich beides. Ganz klug wird man aus dir ja nie. Da kommt Mama eines Tages zu uns und sagt kurzweg:„Eschental erweist mir viel Aufmerksamkeiten. Ich vermute, er wird mir einen Antrag machen. Ich werde natürlich annehmen. Der Konsul kennt mich nur als die verwitwete Frau Staniecki. Ich habe keine Lust, ihm einzugestehen, daß ich vor der Ehe mit Staniecki bereits einmal verheiratet war, und daß aus dieser Ehe eine Tochter existiert. Es genügt, daß er Vera kennt. Es ist keinem Manne angenehm, Ehemann Nummer drei zu werden. Ich habe Anne als Haustochter ausgegeben. Hoffentlich ist sie damit einverstanden.“ „Ich war einverstanden,“ warf Anne gelassen ein. „Seit wir in dieser Stadt wohnen, spiele ich die Rolle als Haustochter ja ohnehin.“ „Womit du ganz zufrieden zu sein scheinst. Dein Entgegenkommen Mama gegenüber hat jedenfalls zur Folge, daß du nirgends eingeladen wirst. Mich dürfte man nicht so verleugnen, meine Liebe. Und eine Gelegenheit zum Tanzen würde ich auch Mama zuliebe nicht versäumen.“ „Ich mache mir nichts daraus.“ „Scheint so! Ich will mal nachsehen, ob Mama endVera stieß die Tür auf und prallte gegen eine starke, aber noch immer hübsch und interessant aussehende Frau, die große Aehnlichkeit mit Vera hatte. Sie hatte das gleiche slawische Gesicht und die dunklen, unruhigen Augen. Von Anne war kein Zug in diesem Antlitz. Frau Olga Staniecki trug ein rotes Phantasiekostüm mit etwas gewagtem Ausschnitt. Sie hatte allen Schmuck angelegt, den sie besaß, und bewegte einen phantastischen Federfächer hin und her. „Kinder, wie findet ihr mich?“. Ainan Schman Anne sagte nichts, aber Vera brach in einen Schwall von Lobsprüchen aus. Sie wußte, daß ihre Mutter Komplimente pfundweise vertragen konnte. Die eitle Frau drehte sich wie ein Pfau beim Radschlagen. Dabei stieß sie fast an Senta Bratt, die, mit ihren Malutensilien beladen, die Treppe heraufkam. „Wie gefalle ich Ihnen, Fräulein Bratt? Ein Lob aus Künstlermunde werde ich besonders zu schätzen wissen. Sehe ich gut aus?“ „Sie funkeln wie ein Weihnachtsbaum am Christabend,“ brummte die Malerin. Frau Staniecki überhörte den Spott geflissentlich, ließ aber ihren versteckten Aerger an Anne aus. „Nur die liebe Anne hat kein Wort des Lobes für ihre Mutter," stichelte sie.„Vermutlich habe ich ihren ebenso schlichten wie hocharistokratischen Geschmack nicht getroffen „Vermutlich ist Anne zu müde, um Beifallssalven abzufeuern,“ fiel Senta Bratt scharf ein.„Sie hat den ganzen Tag gearbeitet.“ Frau Staniecki machte eine großartige Geste. „Dafür kann sie jetzt ausruhen. Anne, du hast den ganzen Abend für dich. Das heißt, räume mein Schlafzimmer auf und sieh meine Seidenstrümpfe durch. Sie sind zerrissen. Dann mache den Speisezettel für morgen; ich werde den Konsul zu Tisch bitten. Vergiß nicht mit Ursel das Silber abzureiben. Was wollen wir als Süßspeise geben? Makronenauflauf? Eiercreme? Oder kalifornischen Salat? Na, zerbrich dir mit Ursel darüber den Kopf, aber denke daran, daß es etwas Besonderes sein muß. Der Konsul hält viel auf einen guten Tisch. Und zum Kaffee kleines Gebäck. Das kannst du heute noch machen. Der Konsul liebt Süßigkeiten— oh, da knallt der Kutscher schon wieder mit der Peitsche. Rasch, Vera, rasch! Ja, Anne, du mußt noch die Filetdecke für den Kaffeetisch waschen und spannen. Der Konsul hat sie letzthin sehr bewundert und ich möchte—.—., zn 41## Leim Gamhaslent gend et Vera hatte ihre weutter deim Hanogelent gepackl und rannte mit ihr die Treppe hinunter. Dann hörte man das Fortrollen des Wagens. Senta Bratt lehnte lachend am Treppengeländer. „Von dem Programm für Ihren„geruhsamen“ Abend bin ich einigermaßen erschlagen, meine gute Anne!“ „Ich fürchte, ich werde nicht zu Ihnen kommen können, Fräulein Bratt. Vielleicht ein anderes Mal. Die Malerin schlug ärgerlich mit der Hand auf ihre Skizzenmappe.,„ 9. „Anne, Sie bringen mich in Zorn mit Ihrer Nachgiebigkeit! Sie sind einfach ein Schwachmatikus! Warum lassen Sie sich diese Tyrannei gefallen? Sie sollten sich zur Wehr setzen! Sollten mal gehörig auftrumpfen! Sie sollten——“ Da tauchte ein grauer Scheitel am Treppenkopf auf. Die robuste Gestalt der alten Ursel erschien. „Sie sind doch eine gebildete Dame, Fräulein Bratt,“ sagte die Alte,„und werden daher wissen, daß die Menschen verschieden geartet sind. Fräulein Anne gehört eben zu den feinen, wehrlosen Naturen, die die Ellenbogen nicht zu gebrauchen verstehen. Der eine kann kratzen und beißen, der andere kann's nicht. Meinem Annchen sind die Krallen nicht gegeben, aber sie soll doch wenigstens an ihrem Geburtstag Ruhe haben.“ Die alte Dienerin streichelte zärtlich die schmale Hand des Mädchens. „Feiern Sie nur Ihren Geburtstag mit Fräulein Bratt, Annchen. Die alte Ursel wird den ganzen Kram machen, den die Gnädige angeordnet hat. Bloß das Silber müssen Sie mir herausschließen." Als Anne zögerte, nahm Ursel sie einfach bei der Hand und zog sie mit sich fort. „In einer Viertelstunde schicke ich Fräulein Anne zu Ihnen hinauf,“ rief sie der Malerin zu. hatte zweimal geheiratet. der Freiherr von Falke gewesen Freu Olga Stanieckt „##erster Gatte war der Vater Annes. Ihre zweite Ehe schloß sie mit dem Operettensänger Stanieckt hatte seine Gattin in recht behaglichen Verhältnissen zurückgelassen. Dazu kam noch ein kleines Kapital, das Anne von ihrem Vater geerot hatte, und das sich in Frau Olgas Händen befand. Mit diesem Gelde hätte Olga Staniecki mit ihren beiden Töchtern sorglos leben können. Sie war aber eine unruhige Natur, der das Herumzigennern gesiel. Sie ging mit ihren Töchtern oft auf Reisen. (Fortsetzung folgt.) Ungerechtfertigte Preissteigerungen Genaue Erhebungen der Partei Verschiedene Preissteigerungen haben in den letzten Monaten und Wochen wiederholt Anlaß zu eindeutigen Erklärungen gegen diese Erscheinungen seitens des Reichswirtschaftsministeriums gegeben. Trotzdem trat beim Käuferpublikum nicht die erwartete Beruhigung ein. Einzelne Eins Seumten Herrschau 30 000 Beamte des Industriegebiets in Dortmund Ein Begrüßungsabend im Festsaal des Alten Rathauses in Dortmund leitete am Abend des Samstag die Treuekundgebung der rheinisch=westfälischen Beamtenschaft ein. Anwesend waren Reverständliche Wirtschaftsdisziplin nicht überal) Hes Landesfinanzantes, Rüßhe, und die vier Gauvorhanden war und vielfach ein gerechtes Einschreiten der staatlichen Organe erforderlich machte. Die Frage der Preissteigerung ist somit nicht auf das wirtschaftliche Gebiet begrenzt geblieben, sondern ist von politischem Interesse für die Oeffentlichkeit geworden. Die Reichsleitung der Partei hat sich daher entschlossen, eine großangelegte Aktion in die Wege zu leiten und genauestes Material über die Preisbewegungen zu sammeln, um sowohl den berechtigten Klagen als auch dem leeren Geschwätz und den Gerüchten ein Ende zu bereiten. In den Durchführungsbestimmungen, die an die Untergliederungen ergehen, wird besonders darauf hingewiesen, daß Eingriffe in die Preisgestaltung zu unterbleiben haben und daß es vielmehr der Sinn dieser Aktion sei, genauestes Zahlenmaterial und Stimmungsberichte zu sammeln. Ferner wird in den Bestimmungen den ausführenden Untergliederungen eine genaue Analyse der bisherigen Preisentwicklung übermittelt, um sie in die Lage zu versetzen, sich auch volkswirtschaftlich und wirtschaftspolitisch einwandfreie Urteile bilden und abgeben zu können. Die Aktion soll zu Beginn der zweiten November=Woche schlagartig überall im ganzen Reich einsetzen. In der Durchführung der gesamten Aktion ist die Rs=Hago als zuständiges Amt für Handel und Handwerk in der Partei beauftragt worden. Nach Abschluß der Aktion und Sichtung des Materials werden die gesammelten Erfahrungen dem Reichswirtschaftsministerium übergeben werden. Toscanini hat Streit in Wien Um ein Gedächtnis=Konzert für Dr. Dollfuß in der Wiener Staatsoper Für Sonntag war in der Staatsoper zum Gedächtnis von Bundeskanzler Dr. Dollfuß eine Aufführung von Verdis„Requiem“ unter Leitung des italienischen Dirigenten Arturo Toscanini angesagt. Diese Aufführung ist überraschenderweise auf den 1. November verschoben worden; wie es heißt, tragen daran schwere Ver stimmungen zwischen Toscanini und der Leitung der Staatsoper die Schuld. Toscanini fand, daß die Leitung der Staatsoper ihm zu wenig entgegengekommen sei, und einige Wünsche, wie z. B. den Aufbau der Bühne, nicht erfüllt habe. Außerdem soll Toscanini darüber schwer verstimmt gewesen sein, daß er, als er am Bühneneingang die Bühne betrat, von einigen Bühnenarbeitern, die ihn nicht kannten, aus dem Hause gewiesen wurde. Daß die Staatsoper nicht rechtzeitig für eine Sopran=Solistin Vorsorge getroffen hatte, verschlechterte noch die Stimmung. Wie es heißt, hat sich Toscanini beim Bundeskanzler und beim italienischen Gesandten beschwert. Man bemüht sich augenblicklich um die Beilegung des Streitfalles, so daß nach Mitteilung der Staatsopfer mit der Aufführung am 1. November bestimmt zu rechnen ist.— Nach anderen Mitteilungen sei mit einem endgültigen Bruch zwischen Toscanini und der Staatsoper zu rechnen. Gedenkfeier am 9. November in allen Ortsgruppen Auch in diesem Jahre wird der 9. November als Gedenktag für unsere Toten von allen Ortsgruppen der RSDAP feierlich begangen. In den Morgenstunden des 9. November wird in allen Orten Deutschlands an den Gräbern unserer für die nationalsozialistische Bewegung gefallenen Kameraden eine Wache aufgestellt. Diese Wache wird im Laufe des Tages mehrfach abgelöst und zieht frühestens 7 Uhr abends ein. Ebenso wird auch an den Ehrenmalen der Toten des Weltkrieges eine Wache aufziehen. Sowohl an den Gräbern unserer Toten als auch an den Ehrenmalen der Gefallenen des Weltkrieges werden Kränze niedergelegt. Bei der Kranzniederlegung spricht jedesmal der zuständige Hoheitsträger am Ort oder dessen Beauftragter. In den Abendstunden findet in allen Orten Deutschlands eine schlichte Gedenkfeier statt, die nicht länger als 1½ Stunden dauern soll. Die Räume, in denen die Gedenkfeiern stattfinden, werden mit größter Sorgfalt ausgeschmückt, damit auch schon rein äußerlich die Feier einen würdigen Rahmen erhält. des Landerfinku.gen Fethe and die dier Ganlamtsleiter der Gaue Dusseldorf, Essen, Süd= und Nordwestfalen des Amtes für Beamte der RSDAP neben zahlreichen anderen Ehrengästen. Pg. Reichsleiter Neef hielt eine längere Ansprache, in der er das Beamtenideal nach nationalsozialistischer Auffassung skizzierte als ein unablässiges Dienen in und an der Volksgemeinschaft, in Opferbereitschaft und in Hingabe an Führer, Volk und Staat. Aehnliche Gedankengänge entwickelte er Sonntag früh in der Ansprache bei den Amtswaltern im„Capitol“. Nach der Sondertagung der Amtswalter traten die inzwischen mit Sonderzügen eingetroffenen etwa 20—25000 Beamten aus dem rheinisch=westfälischen Industriegebiet gauweise nach den vier Gauen Düsseldorf, Essen, Westfalen=Nord und Westfalen=Süd auf dem Hansaplatz an, um zur Westfalenhalle zu marschieren; mit einer großen Anzahl von Fahnen und vielen Musikzügen bewegte sich der lange Zug durch die Hohestraße zur Halle, vor der ein Vorbeimarsch vor dem Reichsleiter des Reichsbundes Deutscher Beamten, Pg. Neef, stattfand, der etwa eine Stunde dauerte. Mit etwa halbstündiger Verspätung begann die große Beamten=Treue=Kundgebung in der Westfalenhalle mit dem Einmarsch der etwa 300 Fahnen. Nach Begrüßungsworten des Gauamtsleiters Pg. Bentlage erhielt der Stellvertretende Gauleiter, Pg. Emil Stürtz, das Wort. Es gebe heute noch Beamte, die aus innerer Ablehnung glaubten, den Beamten, der sich schon früher zur Bewegung bekannte, heute noch schikanieren zu können; es gebe andere, die aus konfessionellen Gründen die Anordnungen der Regierung zu sabotieren versuchten. Das mögen sich alle diese Beamten gesagt sein lassen, daß das nationalsozialistische Deutschland über sie hinweggehen werde. Der Führer habe das Ziel gesetzt und den Weg vorgezeichnet, und dieser Weg werde gegangen. Berufsidealismus sei in der SystemZeit vor die Hunde gegangen, im Beamtentum, wie in allen Ständen. Der Beruf sei lediglich eine lästig empfundene Pflicht gewesen; heute sei er wieder abgestellt auf ein höheres Ziel: auf Treue, Hingabe, Pflichterfüllung und Dienst am Volke. Es müsse dem Beamten heute doch weit leichter sein, den Anweisungen eines verantwortungsbewußten Führers zu folgen, hinter dem die Autorität eines für sein Volk sich restlos einsetzenden Mannes stehe. Der Nationalsozialismus verlange vollen Einsatz der Persönlichkeit und große Opferbereitschaft. Der Beamte müsse im Volke und mit dem Volke leben und die Gesetze und Verfügungen des Führers mit nationalsozialistischem Geist erfüllen und durchführen. Erst dann könne man sich in Opferbereitschaft und Hingabe einordnen in die Volksgemeinschaft und ihr dienen, damit der Nation und dem Vaterlande, das wieder ein heiliger Begriff geworden, mit dem Bekenntnis „Alles für Deutschland!“ Möge jeder daran denken, daß der Führer gesagt habe:„Der Idealismus ist das einzig Reale auf der Welt!“. Besitz sei vergänglich, selbst die„wohlerworbenen Rechte" des Beamten hätten nur solange Wert, wie dieser Staat, das Volk, die Nation in ihrem Bestande gesichert seien. Wer nicht nationalsozialistisch denke, könne nicht Nationalsozialismus von anderen fordern, wer nicht selbst opfere, habe kein Recht, Opfer von anderen zu fordern. Das sei nationalsozialistische Moral, und mit ihr werde die Beamtenschaft die stärkste Säule des Staates Adolf Hitlers sein. Reichsleiter Pg. Hermann Neef führte aus, auch heute sei der Beamte noch nicht auf Rosen gebettet. Er erhalte nicht mehr Gehalt als früher, aber er bekomme sein Gehalt noch, was unter dem früheren System bereits fraglich wurde, er habe auch nicht weitere Gehaltskürzungen erfahren. Die Beamten seien mit eingeschlossen in die deutsche Schicksalsgemeinschaft. Es sei auch abwegig, wenn man den führenden Männern der Bewegung aus kleinlichen Gesichtspunkten diesen oder jenen Klatsch anhänge. Niemals hätten sie behauptet, die Engel und Heiligen des 20. Jahrhunderts zu sein, sie legten keinen Wert darauf, als Vorbilder im Sinne„bürgerlicher Wohlanständigkeit" zu gelten. Wer von Devisenknappheit rede und zu Angstkäufen wegen angeblichen Warenmangels rate, stelle sich selbst außerhalb der Volksgemeinschaft. Wenn wir alle zusammenstünden, dann gebe es keine Krise, die das deutsche Volk nicht überwinden könnte. Der Nationalsozialismus lehne ganz bewußt die Gesellschaftsordnung der Vergangenheit ab, die Sieger würden sich nicht die Lebensformen von den Besiegten vorschreiben lassen. Es gebe noch keinen nationalsozialistischen Knigge, Richtschnur sei deutsches Blut, deutsches Gefühl, deutsches Herz und deutscher Charakter. Der Wert des Menschen sei abhängig von dem Geiste, in dem der Einzelne seine Pflicht tue gegenüber dem Volke. Die Beamten, früher in 900 Verbänden organisiert, seien heute in einem besonderen Verbande zusammengefaßt. Das berechtige aber nicht zur Ueberheblichkeit. In einem staatlichen oder öffentlichen Betriebe gehöre der Beamte auch mit zur Betriebsgemeinschaft. Der Staat sei nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Verwaltung und Erhaltung des Volkes. Seit der Vereinigung von Partei und Staat sei der Staat auch Mittel zu dem Zweck, die nationalsozialistische Weltanschauung überall im Volke durchzusetzen und in der Praxis durchzuführen. Die politische Beurteilung eines Beamten sei einzig und ausschließlich Aufgabe der RSDAP. Man schelte nicht über die Bürokratie des Beamtentums. Manche Behörde würde nicht arbeiten können ohne die Bürokraten. Aber das Bürokratentum dürfe nicht aus dem Dienstzimmer ins Privatleben hinübergreifen. Im Dienst müsse man dessen eingedenk sein, daß der Beamte der Volksgemeinschaft zu dienen berufen sei, nicht dem einzelnen Interessenten. Stets bleibe der Beamte der anonyme Mitarbeiter, seine Leistung Das Neueste in Kürze Am Sonntag=Nachmittag nahm Reichshandwerksführer Schmidt in Braunschweig die Einweihung und Eröffnung der Schule des deutschen Handwerks vor. In Hannover erfolgte am Sonntag die Grundsteinlegung der Paul=von-Hindenburg=Jugendher= berge, an der Reichsjugendführer Baldur von Schirach teilnahm. Die Wiedersehensfeier der Inhaber des preußischen goldenen Militär=Verdienst=Kreuzes wurde am Sonntag in Berlin begangen. In Emden fand am Sonntag die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel für die vor zwanzig Jahren untergegangene Emden, den berühmtesten Kreuzer der deutschen Marine, statt. sei die seiner Behörde. Der Beamte dürfe sich nicht vom Volke abkapseln, sondern müsse zum Arbeiter und Bauern hingehen, damit die Stände sich kennen und verstehen lernten. Die 120000 Beamten, die vor der Erhebung der RSDAP beitraten, hätten alle ihre Stellung aufs Spiel gesetzt. Preußische Pflichterfüllung und nationalsozialistische Opferbereitschaft seien die Eigenschaften, die der Beamte haben müsse, und die rechte Stellung zur Volksgemeinschaft, getreu dem Beamteneide auf den Führer Adolf Hitler. Zum Schluß sprach der Reichsleiter noch von den sozialen Einrichtungen des RDB. Mit den Erfolgen des ersten Jahres könne man zufrieden sein. Die Mitgliederzahl belaufe sich auf 1.2 Millionen. In neun Monaten seien 80 Prozent von dem Kapital hinzugetragen worden, das der alte Beamtenbund in neun Jahren aufgespeichert habe. Nehme jeder den Vorsatz mit nach Hause, Nationalsozialist zu werden, ein Vorbild für die übrigen Volksgenossen. Mit kurzem Schlußwort und dreifachem SiegHeil auf den Führer beendete der Gauamtsleiter Pg. Bentlage die Versammlung, die Hymnen erklangen und die unübersehbare Menge in der Halle grüßte mit erhobenem Arm den Ausmarsch der 300 Fahnen. Erhehle=Schlagtraft orr=Keichezenirate Dr. Frick über die Vereinheitlichung der Reichsverwaltung Der Reichs= und preußische Minister des Innern, Dr. Frick, gewährte dem„Politischen Pressedienst“— preußischer Pressedienst der RS.= DAP.— über die Vereinheitlichung der Reichsverwaltung eine Unterredung. Der Minister sagte dabei u. a.: Es ist schon heute kein Zweifel, daß die Zusammenlegung zweier Ministerien mit so ineinandergreifendem Geschäftsbereich, wie des Reichsministeriums des Innern und des preußischen Ministeriums des Innern, viel Doppelarbeit ersparen und damit in der Zukunft eine bedeutende Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung bringen wird. Ich sehe aber den größten Erfolg der Verbindung der beiden Ministerien darin, daß die Schlagkraft der Reichszentrale erhöht und der Instanzenzug wesentlich klarer und kürzer wird. Auf diese Weise kommen wir endlich zu der von allen Bevölkerungskreisen seit langem gewünschten modernen Verwaltung. Die Aufgaben des preußischen Finanzministeriums ändern sich durch die erfolgte Zusamenlegung der Reichs= und preußischen Ministerien in keiner Weise. Sie werden nach wie vor durch den preußiichen Staatshaushalt bestimmt. Es besteht natürlich auch weiterhin noch eine preußische Verwaltung. Sie hat ebenso wie die Verwaltung der anderen Länder das Ziel, zu einer einheitlichen Reichsverwaltung weiter entwickelt zu werden. Die Zusammenlegung der Reichsministerien mit den preußischen Ministerien ändert an dem Fortbestand des preußischen Kabinetts an sich nichts. Seine Zuständigkeit in Angelegenheiten der preußischen Gesetzgebung und Verwaltung bleibt hiervon unberührt. Die preußische Verwaltung wird nach Maßgabe der Iuentin Suffudeff macht Schule Ueue Beleidigungsklage gegen die Metro-Goldwyn-Jilmgesellschaft Unter dem Namen„BraunkohlenBenzin=AG.“ wurde ein Unternehmen zur Herstellung von Treibstoff und Schmieröl unter Verwendung deutscher Braunkohle gegründet. Als Zeitpunkt für die Zusammenkunft des Dreier=Ausschusses des Völkerbundsrates für die Saarabstimmung in Rom ist nunmehr der 6. November festgesetzt worden. Diechinesischen Regierungstrupden haben bei Anjuan in Südchina ein 80.000 Mann starkes Kommunistenheer vernichtend geschlagen. Der Tod Rasputins hat sehr verschiedene Folgen gehabt. Rußland hat er die Revolution und damit das Verderben gebracht, der Fürstin Jussupoff dagegen ein Vermögen, denn wenn diese russische Aristokratin in dem Prozeß gegen die amerikanische Filmgesellschaft ihre ungeheueren Entschädigungsansprüche auch nicht ganz durchgesetzt hat, so ist dennoch der Betrag, der ihr laut Urteil eines Londoner Gerichtes zuerkannt wurde, noch recht ansehnlich. Die Erfahrung, daß man aus dem furchtbaren Ereignis, das die Ermordung Rasputins letzten Endes bedeutete, auch Kapital schlagen kann, wenn man so geschickt ist wie die Fürstin Jussupoff, hat nun allem Anschein nach einen anderen russischen Fürsten, den Prinzen Zegodieff, nicht schlafen lassen. Prinz Zegodieff behauptet jedenfalls plötzlich, sich durch den von der Metro=Goldwyn=Gesellschaft herausgebrachten Film„Rasputin“ auch in seiner Ehre gekränkt zu fühlen und daher eine Entschädigung beanspruchen zu können. Wie Londoner Blätter berichten, hat dieser russische Aristokrat inzwischen den Klageweg bereits beschritten. Er hat sich, zwecks Durchführung des Prozesses, die Dienste eines der hervorragendsten englischen Anwälte gesichert. Seine Ansprüche an die amerikanische Filmfirma begründet er mit dem Hinweis darauf, daß als Mörder Rasputins in dem Filmwerk ein Prinz Zegodieff angegeben werde, womit nur er gemeint sein könne, denn er sei der Letzte seines ehemals in ganz Rußland bekannten Geschlechts. Alle Welt wisse im übrigen, daß nicht ein Prinz Zegodieff der Mörder gewesen sei, sondern der Fürst Jussupoff, der sich zu seiner Tat auch wiederholt freimütig bekannt habe. Er, Prinz Zegodieff, habe den Teufelsmönch weder gekannt, noch je gesehen, noch habe er am Hofe in Petersburg verkehrt, oder gar Verbindungen zu dem deutschen Kaiser gehabt. Aus allen diesen Gründen sei die Darstellung in dem Film unhistorisch und stelle eine persönliche Verunglimpfung dar, für die Metro=Goldwyn eben zu zahlen habe. Nun kann man dem Prinzen Zegodieff also nur noch den gleichen Erfolg wünschen, wie der Fürstin Jussupoff... bestehenden Reichs= und preußischen Gesetze forkgeführt. Nur können nunmehr Reichs= und preußische Verwaltungsgeschäfte gleichzeitig von Reichs= und preußischen Beamten, ohne Rücksicht auf ihre Eigenschaft als Reichs= und preußischer Beamter, wahrgenommen werden. Die Neugliederung des Reiches wird organisch und Schritt für Schritt nach den Erfordernissen der Zeit vor sich gehen. Der Zeitpunkt der einzelnen Entwicklungsphasen kann nicht vorher bestimmt werden. Das Ziel ist die Schaffung einer möglichst einfachen und einheitlichen Verwaltung, die den Bedürfnissen des ganzen Volkes am besten zu dienen vermag. Vier Mörder hingerichtet Im Hofe des Dessauer Gerichtsgefängnisses wurden Sonnabend früh hingerichtet: der 45jährige Paul Rolle aus Gerlebogk, der 23jährige Albert Lehmann aus Dessau, der 18jährige Fritz Gehre aus Dessau und der 19jährige Theodor Wolf aus Dessau. Rolle hatte seine Ehefrau einer anderen Liebschaft wegen im Bett erschossen und einen Selbstmord seiner Frau vorgetäuscht.— Die gemeine Mordtat an dem Diplomingenieur Wiederhold der Grube Leopold=Edderitz aus Bitterfeld wurde durch die jungen Burschen Lehmann, Gehre und Wolf im Mai ausgeführt. Kommunistenschlacht in China Sieg der chinesischen Regierungstruppen Wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur meldet, haben die chinesischen Regierungstruppen bei Anjuan an der Grenze der südchinesischen Provinzen Kiangsi und Kanton ein Kommunistenheer in Stärke von etwa 80000 Mann vernichtend geschlagen. Die Verluste an Toten und Verwundeten werden auf 10000 geschätzt. Nachdem zwischen den Regierungstruppen und den Kommunisten in Süd=China seit längerer Zeit wechselvolle und für beide Teile sehr verlustreiche Kämpfe stattgefunden hatten, haben anscheinend die Luftstreitkräfte der Regierungstruppen eine Entscheidung herbeigeführt. Chinesischen Pressemeldungen zufolge haben zwei Flugzeuggeschwader die Kommunisten angegriffen und ihnen so starke Verluste beigebracht, daß es den Regierungstruppen gelang, die ins Wanken geratene Front der roten Truppen zu durchbrechen. Explosion in polnischer Erdölraffinerie Sechs Schwerverletzte In der polnischen Erdölraffinerie in Radworna bei Stanislau brach Feuer aus, das erheblichen Sachschaden anrichtete. Durch die Explosion eines unterirdischen Gasbehälters wurden sechs Arbeiter schwer verletzt. A Beschluß Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Gustav Nierhoff, alleinigen Inhabers der Firma Gustav Nierhoff, Kaufhaus für Lebensmittel in Schwerte(Ruhr), Brückstraße 23, wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. Schwerte, den 23. Kkodter 1931. Jas Amisgerich. Nur S Tage E findet In Schwerte im„Westf. Hof“ am Bahnhof von heute, Montag, den 29. Oktober bis einschl. Preitag, den 2. Nov., täglich nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr das große Schau-Zuschneiden statt. Nach Besuch einer einzigen Vorführung kann jede Dame nach unserem System zuschnelden, wie: Mäntel, Kleider, Wäsche, selbst neueste Modeschöpfungen Antatt kreit 8ntt trat Aus evangelischer, achtbarer Familie suchen wir für baldigst ein Lehrfräulein mit besten Schulzeugnissen. Selbstgeschriebene Bewerbungsschreiben unter Nr. 2121 befördert die Geschäftsstelle ds. Zeitung. Lichtspiele zur Reichskrone Nur noch heute u. uörgen der große, selten schöne Ufa-Tonfilm Ein Mann will nach Deutschland m. Brigitte Horney, Karl L. Diehl, Hermann Speelmanns in den Hauptrollen. Außerdem das gute Belprogramm Heute nachmittag 4 Uhr Kinder- u. FamillenVorstellung mit„Ein Mann will nach Deutschland“ und Beiprogramm 2120 896. i ueeen der 1. Ziehung eingetrorten. Es ist Zeit die Erneuerung der Lose für die 2. Ziehung vorzunehmen. Buchhandlung C. Braus, Schwerte Geftepan haben fast immer ihre Ursache in ## dem Ubermaß an Magensäure. Durch Kaiser-Natron wird das Obel ##schnell behoben. Sie werden erstaunt Asein über die gute Wirkung. Verlangen Sie ausdruckllen Kelser Natron, nur echt in grüner OriginalPackung, alemale lese, in den meisten Geschäften. Rezepte gratis. Arnold Holste Wire., Bielefeld.(4) 5 ZimmerWonnung mit Bad, Heizung u. Zubehör im Neubau zum 1. Dezember zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsst. dieser Zeitung. 2113 H. Hitzegrad u. Sohn Schwerte, Senningsweg 26 Ruf 2765 Gegr. 1896 Orthopäd. Schuhanstalt Individuelle Anfertigung v. Schuhen für kranke Füße schmerzlindernd. Hohe Auszeichnungen. Eigene Schältemacharet! Einlagen nach Maß u. Gipsabdruck Lieferant sämtlicher Krankenkassen Berufsgenossenschaften und des Versorgungsamts. Reparaturwerkstatt für gute, schnelle u. billige Besohlung Auf eilige Arbeit kann gewartet werden. V Schue geprüifer orhopät. Sehuh machermeister L Zusätzliche Berufsschulung im Kreis Ierlohn! Hitler=Jugend. Bann 136 Abteilung P. Die Jungarbeiter und Jungarbeiterinnen des Kreises Iserlohn werden hiermit zur Teilnahme an den Kursen der zusätzlichen Berufsschulung aufgerufen. Du Arbeitskamerad und Du Arbeitskameradin bist selbst Schmied Deines Schicksals. Du Jungarbeiter hast es in der Hand, durch Teilnahme an den Kursen der zusätzlichen Berufsschulung Dich in Deinem Beruf weiter auszubilden. Du weißt, daß Dein Fortkommen durch Deine Leistung in Deinem Beruf bestimmt ist. Du weißt auch, daß Dich Untauglichkeit in Deinem Berufe eines Tages auf die Straße wirft und daß du damit dem Elend der Erwerbslosigkeit ausgeliefert wirst, daß Du ebenfalls kennst. Du bist es Dir selbst, aber auch dem Volkswohl schuldig, ein tüchtiger Arbeiter in Deinem Berufe zu werden. Denn mit dem Werte Deiner Arbeit bestimmmst Du den Gesamtwert der Arbeit unseres Volkes. Erweitere daher Dein berufsliches Können, wozu Dir die Gelegenheit durch zusätzliche Berufsschulung gewährt, die auch Dir unentgeltlich vermittelt wird. Und Dir, Jungarbeiterin, wird ebenfalls Gelegenheit gegeben, Dich durch zusätzliche Berufsschulung auf Deinen zukünftigen Beruf als Hausfrau und Mutter vorzubereiten. Als solche bist Du nämlich Garant für ein gesundes und starkes Geschlecht. In Koch=, Näh= und Haushaltungskursen wird Dir das Können vermittelt, das Du später brauchst. Bis Ende d. Mts. meldest Du Arbeitskamerad und Du Arbeitskameradin Dich, ganz gleich ob Du organisiert bist oder nicht, bei Deinem Jugendwalter, Zellobmann oder HJ=Führer zur Teilnahme an den Kursen der zusätzlichen Berufsschulung. Diese werden dann Deine Meldung an den Kreisjugendwalter der DAF, Zg. Bieker in Iserlohn weitergeben. Heil Hitler! gez. Kreiswalter der DAF. „ Krüger, Führer des Bannes 136. " Breer, Leiter des Sozialen=Amts des Bannes 136. " Bieker, Kreisjugendwart des DAF. Camilla Horn filmt gern in Deutschland Wir bringen einen Bericht aus einem„Plauder=Viertelstündchen“ mit Camilla Horn, die in dem in den „Roland=Lichtspielen“, augenblicklich laufenden Film„Die große Chance“ die Hauptrolle spielt. Mitten in der tollsten Atelierarbeit draußen im Marienfelder Glashaus der Terra findet die ebenso liebenswürdige wie schöne, blonde Camilla Horn noch Zeit und Ruhe zu einem„Plauder=Viertelstündchen“, wie sie es lächelnd nennt. heit, und liefert dann auch sogleich mit gewinnender Offenherzigkeit die Begründung.„Ich glaube immer, die Journalisten und mit ihnen das Publikum erwarten von uns Schauspielern irgendwelche möglichst geistreichen Aussprüche. Und dann, es ist ja auch eine wahre Unsitte geworden, jeder muß seinen„Senf“ dazugeben: über die Zukunft des Films, über diesen und jenen Regisseur und Gott weiß was.“ Aber nachdem sie sich ihren Aerger heruntergesprochen, nachdem sie das ihr unangenehme Gefühl, interviewt zu werden, überwunden hat, kommt doch sehr schnell eine nette Unterhaltung zustande. Ob Camilla Horn jetzt, nachdem die englische Filmproduktion solchen starken Auftrieb erfahren hat, dort wieder arbeiten möchte? Kleine Verlegenheitspause.— Dann:„Wissen Sie, ich bin da drüben wirklich unerhört freundlich ausgenommen worden, habe sehr viele gute Freunde gefunden,— aber daheim ist nun einmal daheim. Sie glauben ja gar nicht, wie kollegial die Zusammenarbeit jetzt hier draußen bei den Aufnahmen zu„Die große Chance“ ist. Ob es sich da nun um den Regisseur Viktor Janson, den Produktionsleiter Max Hüske, meinen Partner Hans Söhnker oder irgendwen handelt, jeder ist zu jedem gleich zuvorkommend und hilfsbereit. Dieses vorbildliche Verhältnis macht die Arbeit direkt zu einem Vergnügen!“ Ob denn das nicht immer der Fall sei?— „Sehen Sie, es ist ja gewiß sehr schön, wenn man, so wie ich, immer wieder zu anderen Aufgaben herangezogen, nicht auf einen bestimmten Typ festgelegt wird, heute in„Die große Chance“ ein junges Mädchen und im nächsten Graveure=Film eine regierende Herzogin zu spielen hat, eine herbe, bewußte Frau, die sich erst durch das Liebeserlebnis wandelt; aber was nützt das alles, wenn ich seit dem Gretchen nicht die Rolle bekommen habe, für die ich das Können und die Fähigkeit in mir spüre, wenn der Regisseur fehlt, der meine ureigenste spezifische Begabung erkennt. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich will mich nicht wichtiger machen. Ich will nur dem deutschen dienen.“ Uebrigens verrät Camilla Horn, daß sich ihr Ehrgeiz keineswegs nur auf den Film beschränkt, Sie hat bisher nur noch nicht die große Chance gehabt, Theater zu spielen.— die ersehnte ernste Rolle, die ihr aber sicher einmal werden wird. „Gnädige Frau, bitte zur Aufnahme“ ruft jetzt der herbeieilende Aufnahmeleiter Conny Carstennsen, und rasch verabschiedet sich die sympathische Künstlerin, denn die anderen, Walter Steinbeck, Paul Henckels und die singfrohe Hanst Niese, warten schon in der nächsten Szene aus Bochum, auf dem Hindenburgdamm, etwa 3 Kilometer westlich der Schnettkerbrücke. Bei dem Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge wurde der Insasse des PKW., ein Anton H. aus der Burgholzstraße, und die Begleiter des Lieferdreirads, ein Wilhelm H. und ein Ewald W. aus Bochum, schwer verletzt. Alle drei mußten sofort ins Johannishospital gebracht werden. Für H. und W. besteht Lebensgefahr. Ewald K., der Fahrer des PKW., wurde vorläufig estgenommen. Schwelm. Vermißt wird seit vorgestern nachmittag 5 Uhr der geistesschwache Hugo Drees, wohnhaft Scharwacht 12, geboren am 20. April 1906. Der Vermißte kann nicht lesen noch schreiben, auch ist er nicht in der Lage, sich zurechtzufinden. Er ist 1,80 Meter groß, schlank beim Gehen hält er den Oberkörper stark nach vorn geneigt und läßt den Kopf hängen. Er trug eine blaue Schirmmütze, eine dünne Jacke, graugestreifte Hose, weißen Kragen u. Schlips und schwarze hohe Schnürschuhe. Vorgestern nachmittag ist er zuletzt um 5 Uhr beobachtet worden, als er auf einem Lieferkraftwagen zwischen Kartoffelsäcken saß. Der Kraftwagen fuhr nach Milspe. Seitdem fehlt jede Spur. Nachrichten werden erbeten an die Polizei Schwelm, Rathaus, Zimmer 12. Haßlinghausen. Zweimal in Lebens gefahr. Doppeltes Unglück verfolgte die Familie Spratte an der Schmiedestraße. Das 2½= jährige Töchterchen war aus dem Hause auf die Provinzialstraße gelaufen. Hier lief er einem aus Wupertal herannahenden Kraftfahrer direkt vor den Wagen, doch konnte der Lenker das Fahrzeug soeben noch zum Halten bringen und das Kind retten. Nun wandte sich das Kind um und lief schnell zurück. Hierbei gerie es einem den ersten Wagen überholenden sonenwagen vor die Räder und wurde angefahren, so daß es schwere Kopfverletzungen und einen komplizierten Armbruch davontrug. Es mußte nach Anlegung von Notverbänden ins Barmer Krankenhaus eingeliefert werden. Lüdenscheid. An einem Fußtritt gestorben. Im Verlaufe einer Auseinandersetzung, die schließlich auch in Tätlichkeiten aus. artete, kam es zu einem folgenschweren Fußtritt. Während der eine den anderen mit einem Gegenstande angreifen wollte, kam dieser ihm zuvor und nach kurzem Ringen bekam der Angriffswütige einen solchen Tritt in den Unter leib, daß er ins Krankenhaus überführt werden mußte und dort gestorben ist. Die bedauer. liche Tat ereignete sich auf dem Güterverlade. bahnhof. 0 Asen euhe Aec Keiner soll frieren. Lurnen, Spiei, Eperl Pferdesport Die November=Rennen in Dortmund. Am Sonntag, den 4. und Mittwoch, den 7. November finden auf der Rennbahn des Dortmunder Rennvereins in Wambel die letzten diesjährigen Rennen statt. Es kommen an beiden Tagen zusammen 9 Flach= und 4 Hindernisrennen zur Entscheidung, die mit 1 Ehrenpreis und 23.500 Mark Geldpreisen und Prämien ausgestattet sind. Die Ausschreibungen wenden sich vornehmlich gemäß den Richtlinien der OBV. an die kleineren Ställe und Pferde, die bislang wenig gewonnen haben und denen so die Möglichkeit geboten wird, noch den Winterhafer zu verdienen. Als besseres Rennen kommt am Sonntag das Harkort=Rennen mit 2100 Mark Preisen, ein Altersgewichtsrennen über 1200 Meter, und das Frhr. Clemens v. Romberg=Erinnerungs=Jagdrennen mit einem Ehrenpreis des Frhrn. Gisbert von Romberg, und 1850 Mk. Ausgleich III über 3200 Meter zum Austrag. Am Mittwoch finden das Hubertus=Jagdrennen über 3700 Meter und das Herbst=Hürdenrennen über 2800 Meter erhöhte Beachtung.— Der Nennungsschluß ist für die 13 Rennen ganz hervorragend ausgefallen, da insgesamt 419 Unterschriften abgegeben wurden, d. s. pro Rennen 32 Pferde. Es werden also an beiden Tagen sehr starke Felder an den Ablauf kommen, die spannende und scharfe Kämpfe gewährleisten. Den Besuchern wird auch diesmal die Vergünstigung eingeräumt, auf eine vollbezahlte Eintrittskarte eine Dame oder ein Kind frei einführen zu können.— Die Rennen beginnen am Sonntag um 1,30 Uhr und am Mittwoch um 2 Uhr. drei und fünf Uhr, wenn der von nächtlichen Orgien eben heimgekehrte Newyorker grad in Schlaf fallen will, hat schon zu häufigen Beschwerden bei den Milchgesellschaften Anlaß gegeben. Nun haben diese sich endlich dazu entschlossen, die Räder der Milchwagen mit Gummireifen zu versehen und den Pferden anstatt Hufeisen„Hufgummis“ aufzunageln. Die Uniform des Toten. Als der frühere österreichische Generaloberst Albrecht Ritter von Varkonyi fühlte, daß es mit ihm zu Ende ging, zog er sich seine alte Generalsuniform an. Darin wollte er auch beerdigt werden. Der Alte, der einst Militärkommandant von Budapest und Kaschau gewesen war, hat es auf 86 Jahre gebracht. Dann wurde er zur großen Armee versammelt. Er hatte zuletzt von der Tschechoslowakei eine Rente bezogen. Als er jüngst in TrentschinTeplitz verschieden war, sah man, daß er die alte österreichische Generalsuniform angelegt hatte. Man zog sie ihm wieder aus und bestattete den toten Offizier in Zivilkleidern. Eine Ehrenrotte der tschechoslowakischen Armee gab ihm das letzte Geleit. „Eigentlich gebe ich ja nicht sonderlich gerne Interviews,“ gesteht s mit einiger Mofa sie mit einiger Befangen-rad IX 24968, gesteuert Aus dem Nachbargebiet Dortmund, 26. Okt. Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich in der Nacht gegen 1,30 Uhr zwischen dem Personenkraftwagen IX 45 741, geführt von einem Ewald K. aus der Burgholzstraße, und dem Lieferdreialler Welt Gegen den Straßenlärm in Newyork. Merkwürdigerweise richtet sich in Newyork der Kampf gegen den Lärm nicht gegen Autohupen und sonstige starke Geräusche. Was den auf diesem Gebiete schon abgestumpften Weltstädter nervös macht, daß sind die morgendlichen Milchwagen! Das Rollen der Räder, das Klappern der Huse, das Klirren der MilchKundsunk=Pregrnim Dienstag, den 30. Oktober 1934. 6,00 Morgenruf. Anschl. Frühkonzert. 6,45 Leibesübungen. 7,00 Morgenruf, Zeit, Wetter, Nachrichten. 7,15 Morgenkonzert. 8,15 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8,20 Frauenturnen. 8,35 Sendepause. 10,00 Zeit, Nachrichten Wasserstandsmeldungen. 10,10 Schulfunk. 10,30 Musik am Morgen. 11,10 Mielke möchte Seidenbauer werden. 12,00 Musik am Mittag. 12,45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 13,45 Mit„Kraft durch Freude“ WestfalenSüd nach Norwegen. 15,10 Der Norden ruft. 15,30 Wirtschaftsmeldungen. 15,45 Die Frau im Lebenskampf 16,00 Nachmittagskonzert. 17,00 Der Student spricht. 17,20 Eine Schallplatte. 17,30 Binnenschiffahrt hilft aufbauen. 18.20 Arbeitsbeschaffungsfront: Verbesserung der Installation in Altwohnungen. 18.40 Vom Tage. 18,50 Wirtschaftsmeldungen, Sportvolvericht. 19,00 Sowjetrußland am Ausgang d. 2. Fünfjahresplanes. 19,30 Unterhaltungskonzert. 19,50 Momentaufnahme! 20,00 Erste Abendmeldungen. 20,10 Unterhaltungskonzert. 20,50 Deutsche Erzähler der Gegenwart: Der gestrenge Herr Landrichter. 21,10 Musik als Bekenntnis. 22,00 Zeit, Wetter, Nachrichten 22,20 Schach. Seinz Prted### gsanen Terell Heinz Friedrich Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. Angrisse auf die Spihentener Der Fußballsonntag im Westen herten verdrängt DSC hagen SV Höntrop spielt gegen Preußen Münster 1:1 Nachdem die ganze Woche über der Höntrover 1:0=Sieg über den Deutschmeister Schalke 04 im Lande der Roten Erde besprochen wurde. stand am Sonntag das Punktespiel SV Höntrov gegen Preußen Münster im Vordergrunde des Interesses. da die Münsteraner ebenfalls gegen die„Knappen". ein ehrenvolles Unentschieden von 1:1 herausholen konnten. Die Höntrover Zuschauer wurden am Hellweg insosern enttäuscht, daß es nicht wieder zu einem Sieg kam. Die Gäste warteten mit einem Rieseneiser auf. spielten 1:1 und nahmen einen wichtigen Punkt mit nach Hause. Viktoria Recklinghausen hatte die Spielvereinigung Herten zu Gast und verlor sicher mit 0:3 Toren. Trotz der Niederlage lieferten die Platzherren ein gutes Spiel: die Stürmer müssen noch viel lernen. Zwei Gesellschaftsspiele vervollständigten das Programm. Westfalia Herne hatte Bielefeld 06=07 zu Gast und mußte sich mit einem mageren Unentschieden von 2:2 zufrieden geben. Im zweiten Privatspiel standen sich SuS Hüsten 09 und Rot=Weiß Oberhausen gegenüber. Die Elf aus dem Niederrhein enttäuschte nach der angenehmen Seite und schlugen die Südwestfalen eindeutig mit 4:1. nachdem die Begegnung noch bei der Pause 1:1 gestanden hatte. Der Deutschmeister FCSchalke 04 weilte am Wochenende in Schlesien und behielt über Beuthen 09 mit 4:1(2:1) die Oberhand. Rund 20 000 Zuschauer konnten wieder einmal die Fußballkunst der Knappen bewundern, die am Sonntag wieder ganz in ihrem Element waren. Niederrhein-Favoriten rücken vor Fortuna siegt in Gladbach 1:0— Benrath im Glück Am Niederrhein ging es auch am letzten Oktobersonntag wieder äußerst interessant zu. Die Lage ist immer noch ungeklärt. Fortuna Düsseldorf drängt sich immer mehr in den Vordergrund. Der deutsche Ex=Meister konnte auch den schweren Kampf in Gladbach mit 1:0 zu seinen Gunsten entscheiden und liegt nun relativ zusammen mit BfL Benrath in Führung, wenn auch nach Gewinnpunkten vorerst noch Borussia Gladbach die Spitze behauptet. VfL Benrath hatte schwer zu kämpfen, um Schwarz=Weiß Essen mit 2:1 aus dem Felde zu schlagen. Hamborn 07 und der Duisburger FV 08 waren im großen und ganzen gleichwertige Gegner, doch waren die Hamborner diesmal glücklicher und blieben mit 2:1 siegreich. Duisburg 08 erlitt also am Sonntag seine erste Niederlage. Der Homberger SpV zeigt sich weiterhin in bester Form und ließ Duisburg 99 mit nicht weniger als 4:0 hinter sich. Der Rheydter SpV weilte in Krefeld und kam über die dortigen Preußen mit 3:2 zu seinem ersten diesjährigen Erfolg. tere wertvolle Punkte holte. Der Kölner SC 99 schlug auf eigenem Platz Westmark Trier mit 2:1 und einen schönen Sieg feierte der Bonner über die SpVag Sülz 07 mit 2:1. Im Tabellenspiegel... Gau Westfalen SpVgg Herten DSC Hagen Preußen Münster SV Höntrop Fl Schalke 04 Germania Bochum SuS Hüsten 09 Union Recklinghausen Westfalia Herne Vikt. Recklinghausen 10•4 12•9 7•6 5:5 10:2 10:10 10:11 1:3 3:10 5:14 Gau Niederrhein Borussia Gladbach 8 4 2 2 15:10 Fortuna Düsseldorf 6 S 2 1 10:8 FV 08 Duisburg 7 2 4 1 12:10 Homberger SpV 6 3 1 2 9•4 VfL Benrath 5 3 0 2 9:5 Rot=Weiß Oberhausen 6 2 2 2 15:10 SV Hamborn 07 6 2 2 2 9:13 VfL Preußen Krefeld 6 2 1 3 6:8 Rheydter SpV 4 1 1 2 4•7 Schw.=Weiß Essen 5 0 S 2 6•9 TSV Duisburg 99 5 0 2 S 3:14 VfR Köln 6 6 0 0 21:7 C[R Köln 6 3 2 1 21:6 Mülheimer SV 6 3 1 2 8•7 Kölner SC 99 6 3 0 S 18:17 Westmark Trier 6 2 2 2 8:8 SvVg Sülz 07 6 3 0 3 12:13 Bonner FV 6 2 1 S 11:15 Eintracht Trier 6 2 1 3 8:13 1. FC Idar 6 1 2 3 6:11 Blau=Weiß Köln 6 0 1 5 4:11 Gau Mittelrhein Die sonntäglichen Spiele im Gau Mittelrhein zeichneten sich allgemein durch knappe Ergebnisse aus. Der vorjährige Meister Mülheimer SV ist gewaltig hochgerutscht. Durch den 1:0=Sieg über den Tabellenzweiten CfR Köln haben die Mülheimer sich jetzt an die dritte Stelle der Tabelle geschoben. Die Spitze hält nach wie vor ungeschlagen der VfR Köln, der sich vom 1. FC Idar zwei weiWesteratsase Eirge in Hallsrut Westfalen und Niederrhein siegen 11:8— Mittelrhein unterliegt Silberschild-Zwischenrunde Brandenburg— Nordmark 4:2: Der Verteidiger des Silberschildes, Brandenburg, traf auf dem Platz des Berliner Hockeyklubs in der Zwischenrunde des diesjährigen Wettbewerbs auf den Nordmarkgau, den er sicherer als das Ergebnis von 4:2(2:0) besagt, abfertigte. Westfalen=Niedersachsen— Sachsen=Schlesien 3:1: Während das Treffen Brandenburg— Nordmark mit dem erwarteten Siege des Silberschild=Verteidigers ausklang, endete das Leipziger Spiel mit einer Ueberraschung, als es den Westfalen=Niedersachsen gelang, die Leipziger mit 3:1(1:1) aus dem weiteren Wettbewerb auszuschalten. Der Sieg war völlig verdient, kam aber erst in den letzten Minuten zustande, als die Westfalen=Niedersachsen mit einem wundervollen Endspurt aufwarteten und den Gegner mehr und mehr in die Verteidigung drängten. Die Vorschlußrunde wird am 11. November durchgeführt. In Mannheim spielen Niederrhein=Mittelrhein gegen Baden=Württemberg und in Bremen oder Hannover treffen Brandenburg und Niedersachsen zusammen. Mit sieben Treffen wurde der Wettbewerb um den Handball=Pokal eröffnet. Die Begegnung zwischen Brandenburg und Sachsen. dem Pokalverteidiger. wird erst am nächsten Sonntag nachgeholt. Die Sieger der Vorrunde stehen am 18. November in der Zwischenrunde gegeneinander. Westfalen— Südwest 11:8(6:5) Vorweg gesagt. die Einheit der Westfalen, die sich aus der Hagen=Mindener Kombination und dem Schalker Menning zusammensetzte, hat sich tapfer geschlagen, denn in Bielefeld wurde der Gau Süd=West, der bestimmt mit keiner schlechten Elf antrat. mit 11:8 geschlagen. Der Reichssportführer hatte es sich nicht nehmen lassen, dem Spiel beizuwohnen. Leider mußte er frühzeitig wieder aufbrechen. Die Einheimischen sielen durch ihre Geschlossenheit auf. Im Sturm klappte es ausgezeichnet. Der Schalker Menning. der ursprünglich Halblinks spielen sollte, übernahm die Führung und hatte in Möller und Röttger(Minden) zwei Kämven, mit denen er sich gut verstand. Ein Versager war Küter(Minden). der nicht recht in Schwung kam. Ackermann=Hannover war dem Spiel ein jederzeit gerechter und umsichtiger Leiter. Bei den Gästen konnte vor allem die Abwehr gefallen, die im Verein mit dem Torhüter. der ganz hervorragend arbeitete, ihren Mann stellte. Die Läuferreihe kam über den Durchschnitt nicht hinaus. allerdings hatte sie gegen den WestfalenSturm einen schweren Stand. Im Angriff konnte lediglich der Mittelstürmer und Halblinks gefallen. Nordmark siegt in Köln! Der Gau Mittelrhein 5:13(2:6) geschlagen Die allgemein erwartete Niederlage des spielschwächsten westdeutschen Handball=Gaues, Mittelrhein, im Vorrundentreffen gegen den Gau Nordmark am Sonntag in Köln stellte sich mit 5:13(2:6) gleich recht eindeutig ein. Der Sieg der Gäste ist aber auch in dieser Höhe durchaus verdient. In jeder Hinsicht waren sie dem Gastgeber überlegen. Die Elf zeigte ein vorbildliches Zusammenspiel, wobei sich alle Spieler gut unterstützten. Besonders der Angriff bot ein flüssiges Kombinationssystem, gegen das die sich tapfer wehrende Mittelrhein=Hintermannschaft meist machtlos war. Die Hintermannschaft spielte zudem mit großer Härte, so daß für die Rheinischen die Aussichten nur noch geringer wurden. Niederrhein meldet Sieg Niederrhein schlägt Niedersachsen 11:8 nach Verlängerung Das Düsseldorfer Handball=Pokal=Vorrundenspiel zwischen den Gauen Niederrhein und Niedersachsen mußte bei wenig angenehmer Witterung durchgeführt werden. Der schon am frühen Morgen einsetzende Regen hielt den ganzen Vormittag über an, so daß dadurch das Spiel etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Gau Niederrhein mußte hart um den Sieg kämpfen. Er ist wohl verdient, aber etwas Glück war doch dabei. In den kritischen letzten Minuten des regulären Spielabschnitts gab es einen Strafstoß gegen den Niederrhein. Nur mit äußerster Kraftanstrengung gelang es dem gut aufgelegten Hüter Braß den Ball und damit das Remis bis zur Verlängerung zu halten. Den größten Anteil am Erfolg hat zweifellos der Mittelläufer Brinkmann, der eine große Ausdauer zeigte und besonders in der Abwehr wirkungsvoll auftrat. Im Angriff wollte es in der upen Eenenger-schwrumm=Rerore 400 Meter Brust in 6:31.6— Olympiaprüfung in Erkenschwick Im Rahmen der Jugend=Olymviaprüfung der Gaue Westfalen und Niederrhein am Sonntag in Erkenschwick unternahm die Europameisterin Magda Genenger=Kreield im Alleingang einen Rekordversuch im 400 Meter=Brustschwimmen. Die Krefelderin schwamm eine Zeit von 6:31.6 heraus. was einen neuen deutschen Rekord über diese Strecke bedeutet. Der alte Rekord wurde von der Düsseldorferin Claire Dreyer mit 6:35.5 gehalten.— Da die Vorbedingungen beachtet wurden und die Bahn rekordfähig ist, dürfte der Anerkennung des Rekordes von Magda Genenger nichts im Wege stehen. Dem Olympiaprüfungsschwimmen wurde durch die Anwesenheit des Reichssportführers am Vormittag des Sonntags eine besondere Note gegeben. Von Tschammer und Osten sprach sich über den gebotenen Sport sehr anerkennend aus. Auf der ganzen Linie wurden auch ausgezeichnete Leistungen gezeigt und es war nicht zu übersehen, daß die Nachwuchskräfte bedeutende Fortschritte gemacht haben. Neben dem Rekord von Magda Genenger schwamm besonders Rundmund=Erkenschwick im Rückenschwimmen für Knaben mit 1:24.3 eine bervotragende Zeit heraus. Weitere beachtenswerte Ergebnisse waren: 200 Meter Brust: Frowein=Iserlohn 3:01.3: 100 Meter Rücken: Ruhsuß=Witten 84 1:15; 400 Meter Kraul: Lothar Peters(Gut Naß Elberfeld) 5:33.3: Damen=Jugend: 100 Meter Kraul: Kellermann(Rote Erde Hamm) 1:18.2: 200 Meter Brust: Dick(Uedingen) 3:20: 100 Meter Brust: Flachsenberg(Gladbach) 1:39.1: 100 Meter Rücken: Holthausen(Rote Erde Hamm) 1:32.4; 400 Meter Kraul: Kellermann(Rote Erde Hamm) 6:42.6. ersten Hälfte nicht besonders klappen. Mehr Schwung in die Angriffslinie kam erst zu Beginn der Verlängerung. Besonders hervorzuheben sind Braselmann, Ortmanns und Bender, der sich wieder als äußerst wurfkräftig zeigte. Die Niedersachsen=Elf enttäuschte nach der angenehmen Seite. Sie hielt den Kampf meist offen und bot vor der Pause ein weit genaueres und ideenreicheres Angriffsspiel. In der Verlängerung zeigte sich aber, daß mehrere Spieler alle Reserven verbraucht hatten. Die Widerstandskraft brach mehr und mehr, so daß die Niederlage zum Schluß nicht mehr zu verhindern war. In Königsberg standen sich Ostpreußen und Pommern gegenüber. Das Treffen endete mit einem 14:11=(8:6) Siege der Ostvreußen. Schlesien und Mitte trafen sich in Oppeln. Diese Begegnung wurde von den Schlesiern mit 12:10(6:5) gewonnen. In Augsburg stellten sich Bayern und Württemberg zum Kampf. Die Bayern konnten dieses Treffen überlegen gestalten und mit 12:4(7:1) als verdiente Sieger den Platz verlassen. Den zahlenmäßig höchsten Sieg errang Gau Baden über Nordhessen in Siegen. Die Auseinandersetzung endete 21:6(9:2) für Baden. Sau Westfalen DSC Hagen— Preußen Paderborn 8:9 Polizei Münster— Polizei Bielefeld 17:5 Foltalt, feti in Börlmune Aus Anlaß der Anwesenheit des Reichssportführers in Dortmund wurde am Samstag in der Westfalenhalle ein Hallensportfest vom Sportführerring durchgeführt, bei dem alle Sportarten in Schauvorführungen und ernsten Kämpfen ihr Teil zum Gelingen der Veranstaltung beitrugen. Das Haus war nicht zuletzt infolge volkstümlicher Eintrittspreise bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Mittelpunkt der Wettkämpfe stand ein Sprinter=Dreikampf in drei Läufen über je 50 Meter. Jedesmal siegte der Bochumer Jonath, zweimal in 5.8. einmal in 5.7 und belegte damit den ersten Platz mit insgesamt 18 Pkt. vor Dempsky=Dortmund (13 Pkt.) und Killing=Dortmund(12 Pkt.). In einem 15=Runden=Punktefahren für Amateure kam Mühr=Dortmund zum Erfolge, während im Verfolgungsrennen die Mannschaft LindemannSüß=Schultenjohann=Gabriel als Sieger hervorging. Europameister Sperling zeigte sein großes Können im griechisch=römischen Ringen gegen Merkin=Hörde. Recht knapp verlief auch das Handballspiel, das Hindenburg Minden mit 4:3(2:1) gegen Schalke 04 gewann. Reichssportführer in Westfalen Auch der zweite Tag seiner Besichtigungsfahrt durch das Land der Roten Erde vermittelte dem Reichssportführer eindrucksvolle Bilder von dem sportlichen Schaffen der Westfalen. Ueberall, wohin er kam, wurde er begeistert begrüßt. In jeder Surutriein führ 350 Etundenrneineler heune stellt neue Motorradrekorde auf Stadt, in jedem Dorf. wurde er von den Spitzen der Behörden, der Turn= und Sportvereine. der SA. SS und HI empfangen. Von Münster aus fuhr der Reichssportführer nach Witten, wo er die Turnhalle, das städtische Lyzeum, den Sportplatz und die Turnhalle der Turngemeinde Witten in Augenschein nahm. Weiter ging die Fahrt nach Herdecke, wo die Staatliche Aufbauschule, die Kampfbahn und das Schwimmstadion besichtigt wurden. In Lüdencheid war der Empfang besonders herzlich, auch hier fanden die sportlichen Betätigungsfelder den Beifall des Gastes. Ueber Altena, wo er die alte Burg bestieg. ging dann die Fahrt zur größten Stadt des Westfalenlandes. Dortmund. die ihm zu Ehren reichen Flaggenschmuck angelegt hatte. Gegen 14 Uhr traf von Tschammer und Osten im Betrieb des Eisen= und Stahlwerks Hösch im Norden der Stadt ein. Hier sprach der Reichssportführer zu der gesamten Belegschaft. Springorum, der Generaldirektor des Werkes, begrüßte den Reichssportführer sowie die Vertreter der Partei, der Stadt. der Polizei. der SA und SS. In eindringlichen Worten legte von Tschammer und Osten die ihm vom Führer gestellte Aufgabe dar. Er betonte u. a.: Nur Leistungssport ist eine Angelegenheit für sich. Leibesübungen dagegen eine Angelegenheit des gesamten Volkes. Ich habe auf meiner Reise besonders in der Aachener Gegend gesehen. was für ein Elend unter den Kindern herrscht, die aus der Not der Arbeitslosigkeit dastehen mit mageren Gliedern und eingefallenen Wangen. Kinder, um die sich kein Mensch gekümmert hat in früherer Zeit. Auch diese Kinder können gesund gemacht werden. Man muß sich nur bemühen. In der NSGemeinschaft„Kraft durch Freude" ist jedem Volksgenossen Gelegenheit gegeben, sich körperlich zu erholen und zu stählen. Die Automobil= und Motorrad=Weltrekordversuche auf der abgesteckten neuen Betonstraße von Gyon, 43 Klm. südlich von Budapest, waren vom besten Erfolge begleitet. Rudolf Caracciola erreichte auf dem Mercedes=Benz=Rennwagen zum ersten Mal eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 300 Stdklm. Beim achten Versuch schaffte er auf einen 1 Klm. mit fliegendem Start 317,460 Stdklm. und über eine Meile 316,511 Stdklm. Seine absolut schnellste Fahrt war die Rückfahrt über einen Kilometer in 11:22 mit einem Stundenmittel von 320,855. Ebenso erfolgreich war Henne als Motorradfahrer. Auf der 1000 ccm=BMW=Beiwagenma= schine stellte er mit 207,852 Sdklm. über den Kilometer und mit 207,395 Stdklm. über die Meile neue Weltrekorde auf und entthronte den Engländer Bruce, der die beiden Bestleistungen seit dem Jahre 1932 innehatte. Auf der 750er Solomaschine übertraf der Münchener mit 246,238 Klm. bzw. 246,013 Klm. für Kilometer und Meile seine eigenen Bestleistungen und schuf ebenso wie mit der Seitenwagenmaschine absolute Weltrekorde. Mit der Halbliter=Maschine stellte er über eine Meile mit 220,112 Stdklm. einen weiteren Weltrekord auf. Die Leistungen Caracciolas bedeuten Klassenrekorde für die Kategorie bis 5000 cem. Die absoluten Rekorde hält nach wie vor der Engländer Campbell mit über 400 Stilm. Toni Merkens in Köln überlegen Die ersten Amateur=Winterbahnrennen in Köln waren ein voller Erfolg. 4000 Zuschauer erlebten spannende Kämpfe und konnten gleichzeitig die Ueberlegenheit des deutschen Fliegermeisters Toni Merkens bewundern. Der Kölner gewann das aus vier Läufen bestehende Omnium mit 43 Pkt. vor Hasselberg(34 Pkt.). Klöckner(30 Pkt.) und Gleim (20 Pkt.). Auch das Stunden=Mannschaftsrennen. das fast eine einzige Jagd war, holte sich Merkens zusammen mit seinem Landsmann Klöckner mit einer Gesamtleistung von 43.330 Kilometer und 23 Punkten. 187 50 Der Westen und der Osten des Reiches Die Besiedelung der Ostmark und die Entstehung des Ruhrgebietes Eine nicht unwesentliche blutliche wandtschaft zwischen dem Westen und dem Osten des Reiches ist eine für die Volksgeschichte entscheidende Tatsache. Ohne übertreiben zu wollen, darf man sagen, daß wohl die bestimmten Kräfte, die den Osten deutsch aufgebaut haben, im Niederdeutschtum liegen und daß dabei Westfalen einen erheblichen Anteil hatte— daneben steht auch fest, daß das Ruhrgebiet aus keinem der deutschen Stämme so große Blutzufuhr erhalten hat wie aus Ostpreußen. So ergibt sich volksgeschichtlich ein Hin= und Zurückfluten des Blutes. Nachkommen niederdeutscher Bauern und Kaufleute haben mit kleinen Rittern zusammen den Osten geschaffen, tausende von Söhnen aus dieser Landschaft, in der sich der ostpreußische als ein Neustamm entwickelt hat, sind ins Ruhrgebiet gewandert und haben hier als das bestimmende zugewanderte Element das Leben weitgehend mitgeformt. Zwar gibt es in den Industriestädten auf westfälischem Boden d der'so zachleich und so geschlosen sund Ateun gur. Schlefisch honnten se in ve, aver- Lzmmen mis de: Plosen bus Privatieven aue mitenander wie in de baues sitzen, während die meisten schließlich weiterzogen. Daß Gelsenkirchen das erste Ziel der Reise war, wird aus den verschiedensten statistischen Aufstellungen bewiesen. Besonders klar tritt sie in den Belegschaftsaufstellungen des Bergreviers Gelsenkirchen für die Zeit von 1893 bis 1906 hervor. Daß Zechen eine Belegschaft haben, die sich zur Hälfte aus Ostpreußen zusammensetzten, ist das gewöhnliche. Der Anteil wird aber noch bedeutend größer: es sind Zechen verzeichnet, auf denen er bis auf 80, ja sogar 90 Prozent stieg. Dabei ist, will man die ganze Bedeutung dieser Gruppen erfassen, zu bedenken, daß nie einer allein gezogen ist, immer sind Brüder und Freunde mitgekommen, so daß sich schon bei Beginn der Arbeit Kreise landsmannschaftlichen Charakters bildeten. Sie hatten dieselbe Heimat, oft sogar dasselbe Heimatdorf— soll man sich dann wundern, daß die Verbindung mit der Heimatprovinz so unabänderlich stark blieb?! Ebenso wenig ist es verwunderlich, daß alte Gewohnheiten, heimische Sprache lebendig geblieben sind. Schließlich konnten sie in ihrem sie alle nicht gerommen wie die zweiten und dritten Söhne der Ostpreußen. Das Hineinströmen niedersächsischen Blutes in den Raum der Ostmark ist jetzt schon leidlich bekannt, für die Rückwanderung ins Ruhrgebiet liegt jetzt die erste größere Arbeit vor. („Das Ruhrgebiet und Ostpreußen. Gedichte, Umfang und Bedeutung der Ostpreußeneinwanderung in das Ruhrgebiet".) Ich möchte für den Aufbau des Westens neue Einzelheiten bringen, deren Feststellung der Marburger Doktorarbeit von Eberhard Franke, Gelsenkirchen, zu danken ist. Von grundlegender Bedeutung ist es zu wissen, wie die Ostpreußen an die Ruhr gekommen sind. Die damals(nach 1870) gewaltig aufstrebende Industrie hatte Werber in den Osten entsandt, die Stimmung für das deutsche Klein=Amerika machten— und mit Erfolg. In den Notstandsgebieten Ostpreuhens fanden sie genug willige Hörer, und bald setzte um 1880 der Strom der jungen Leute ein, die mit großen Erwartungen zu uns kamen. In jener Zeit entwickelte sich gerade die Berg= und Hüttenindustrie im Raum der Emscher, und so zogen die Neuen zunächst alle in diese Zone, in der sie auch Arbeit bekamen. Ein Teil von ihnen aber wanderte früher oder später im Gebiet zu einer anderen Arbeitsstätte, insbesondere in das nördliche Gebiet, in dem um 1995 erstmalig neue Zechen gebaut wurden. Auf diese Weise ging von der Emscher die Ausbreitung der Ostpreußen vorwiegend aus; der größte Teil von ihnen war zunächst in Gelsenkirchen. Kennzeichnend für diese Gruppe der Zuwanderer ist, daß sie nur einmal von Werbern gerufen wurden, danach setzte sich durch die persönliche Empfehkung die Einwanderung fort. So kamen dann Bahr für Jahr aufs neue Ostpreußen ins Ruhrgebiet. Die Folge dieser persönlichen „Werbung“ war dann auch, daß sich die Leute aus einem Dorf beieinander hielten und im Westen wieder in der gleichen Gegend angesiedelt werden konnten. Schließlich kamen angesichts des lockeren Bargeldes, das hier verdient wurde, die oft von den Eltern in der Heimat ausgesuchten Mädchen als Ehefrauen nach. Die Heiratslust war damals fast hundertprozentig. So wuchs die Ostpreußenkolonie im Gebiet sehr schnell an. Dazu die wichtigsten Zahlen: Nahezu eine Million Ostpreuten hat seit 1870 die Heimat verlassen müssen. 1900 lebten in Rheinland und Westfalen— das bedeutet der Sache entsprechend: im Ruhrgebiet— 166 733 Ostpreußen. Von ihnen sind nach Frankes Untersuchungen rund 160000 durch die Gelsenkirchener Einwohnerkartei gegangen, also ziemlich sämtliche Ostpreußen. Bis zum Jahre hält die Zuwanderung, wenn auch schwächer, an, so daß im Ganzen rund 300000 Ostpreußen ins Ruhrgebiet gekommen sind. Das Wesentliche dabei ist, daß die Zuwanderung, wie gesagt, systematisch vor sich ging: Schließlich konnten sie in ihrem Privatleben alle miteinander wie in der Heimat leben. Umsomehr war dies der Fall, als der Ostpreuße kraft seines eigenen schwerbeweglichen Charakters der Industrie und den Verlockungen der Großstadt ziemlich fremd, um nicht zu sagen: immun gegenüberstand. So geschlossene Gruppen landsmannschaftlicher Natur mußten sich frisch erhalten, konnten nicht zu fadem Großstädtertum verflüchtigen, und zugleich als Gruppen eigener Art sich im Leben der städtischen Bevölkerung behaupten. Wenn feststeht, daß Gelsenkirchen in den Jahren um die Jahrhundertwende 17 Prozent an Ostpreußen beherbergt hat— soviel wie früher einmal die Städte des Ostens Westfalen gehabt haben— so kann die Zahl noch keine rechte Vorstellung von der Bedeutung der Gruppe geben, wenn man nicht berücksichtigt, daß diese Gruppe in sich das Heimische pflegte und bewahrte und sich in dem Chaos haltlos und farblos werdender Industriemenschen als Stammschaft hervorhob. Während die meisten anderen Stämme unter dem Ansturm des Industrieerlebnisses bald das Stammestümliche verloren, behielten nur die Ostpreußen es unverändert bei, sofern die neue Umwelt dafür Lebensmöglichkeiten und Anknüpfungen bot. Selbst der Westfale, von dem man sagt, er sei schwerfällig und Neuem abhold, ging leichter in die Welt der Maschinen und des Börsenapparates ein als der Ostmärker, der dafür auch keinen Ehrgeiz hatte, es zu etwas zu bringen— eben weil ihm diese ganze Welt innerlich fremd war. Sicher ist jedenfalls, daß die Ostmark als Gründung vornehmlich niederdeutscher Menschen rassenbedingte Eigenschaften erhalten hat, daß andererseits dann wieder die Westmark durch die Rückwanderung ostdeutscher Menschen Eigenschaften eigentlich ostmärkischen Ursprungs erhält. Sicher ist ferner, daß die in den letzten Jahrzehnten erneuerte und doppelt gebundene Blutsverwandtschaft zwischen Westen und Osten des Reiches diesem die Festigkeit verleiht und den deutschen Volksraum sichert. Es ist Schicksal und Fügung, daß das Reich zwei so starke Eckbastionen hat, die durch Blut miteinander verwandt sind. Dr. Brepohl. Zwei treue Kameraden Dus Haseisen in Riur und Ille Eine„unsträfliche Menwucht Es war zu der Zeit, da die Naturalabgaben noch einen wesentlichen Bestandteil der kirchlichen Beamten bildeten und erst auf Grund des Gesetzes vom 27. August 1872 nach und nach zur Ablösung kamen. Unter diesen Abgaben nahmen die für das leibliche Wohl des Pfarrers oder Küsters dienlichen Lebensmittel einen besonderen Platz ein. Während der Pfarrer Anspruch auf einen Schinken hatte, erhielt der westfälische Küster von den bäuerlichen Verpflichteten einen Schweinskopf oder einen halben Schweinskopf mit Ohr und Rüssel, drei Finger breit hinterm Ohr senkrecht abgeschnitten. Derartige Abgaben waren auf den Hausstätten der Pflichtigen im Grundbuch eingetragen, obschon der Volksmund dafür eine an das Gewohnheitsrecht erinnernde knappe Form gefunden hatte: „De Pastäuer krit'n Schinken, Dao kann hei düchtig nao drinken; De Köster krit'n Suogekopp, Dao büört hei de Nase säu häuge van op.“ In den alten kirchlichen Lagerbüchern findet sich zu derlei Abgaben vielfach die Bemerkung:„Bei jedem halben Schweinskopf wird meistens eine Wurst zugelegt“, die aber auch als selbständige Abgabe erscheint und in den Grundbüchern als„eine unsträfliche Mettwurst“ aufgeführt wird. Aus gerichtlichen Entscheidungen wissen wir auch, was man darunter versteht. Es ist eine Wurst, die aus reinem Schweinemett(Rippenfleisch) und Speck ohne Zusatz von anderem minderwertigem kem' chder hetrosckneten wer gelrbanetem Zustande ein Mindestgewicht von einem Pfunde hat. Die Entscheidung legt Zeugnis davon ab, daß auch unsere Alten nicht immer nach dem Grundsatze handelten„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" und daß es notwendig war, gegen pfiffige und böswillige Verkürzungen der Abgabenmengen sich zu schützen. Der Küster hatte unter diesem Uebel weniger zu leiden als der Pfarrer, weil er zugleich Lehrer war. Da erreichte die unsträfliche Mettwurst mitunter eine Größe, die Erstaunen hervorrief und selten ihre Wirkung verfehlte. Das war namentlich bei kinderreichen Haushaltungen der Fall, wo die liebe Mutter Ursache hatte, mit der Riesenwurst einen freundlichen Eindruck bei dem Lehrer ihrer Kinder hervorzurufen. Hinzu kamen noch Kornabgaben, Käse und Eier, allerhand Geldeinnahmen für den Kirchendienst des Küsters und für den Unterricht armer Kinder. Für jede Trauung erhielt er in einem Orte der Soester Börde 15 Silbergroschen und dazu ein sog. Traktament. Dafür mußte er Braut und Bräutigam die Türen der Kirchenbank öffnen, worauf ihm beide eine Gabe auf das auf das Gesangbuch des Küsters gelegte Taschentuch spendeten. Für jede Taufe standen ihm 3 Sgr. 9 Pfg. und 1 Sgr. Weißbrot zu. Jeder Sterbefall brachte ihm 7½ Sgr. ein. Außerdem hatte er das Recht, seine Schweine mit dem Dorfhirten austreiben zu lassen; dafür mußte er diesen aber einigemal beköstigen. In Schwefe wurden dem Küster von den 36 großen Bauern jährlich ein Pflugdienst zu je einem halben Tage geleistet, wobei diesen aber„observanzmäßig“ Essen, Tabak und Branntwein gegeben werden mußten. Zu seinem Einkommen gehörte ferner auch das Opfergeld der Kinder zu Weihnachten, einige Östereier und ein Eingangsgeschenk, wenn die Kinder zum ersten Male zur Schule kamen. „Der Küster darf in obstreichen Jahren im Kirchspiel durch seine Magd einsammeln lassen.“ Derartige Abgaben finden in den zur Zeit ihres Aufkommens bestehenden volkswirtschaftlichen Verhältnissen ihre natürliche Erklärung. Sie wurden abgelöst, als die Zeit dafür gekommen war. K. Lamprecht. Ist's nur profaner Aberglaube? Das Hufeisen soll Glück bringen? Wir finden es auf alten Bauerntruhen aufgemalt, wir Dem uralten magischen Hufeisen=Kult liegt der Glaube unserer Altvordern an„die weisen Rösser“ zugrunde. Tacitus schreibt, daß es bog v, gel sich iusarotig, Hörende(Swvo:—., daß der Raßknecht, so er em pur, eine Eigentümlichkeit der Germanen ist, die im ovten Hiten sch Igepwengeogren seglgfen esen findet.##knecht,o zät Ha: Perde zu beftagen, was sie verkünden und pen ab, die sch im wogzen evenze gassen sich esen fiurtzetz, dasselbe nicht be=ggezigez nach Pfevve I„ornen. Auf Kosten der Allgemeinwieder ansetzten. Franke sagt:„Es lassen sich dern aufhebt und wie etwas Heitiges nach wovor sie warnen. Au in Mattanscheid, die Oste= Hause trägt. Kammern sehen die Neidenburger in Wattenscheid, die Osteroder in Bochum, die Lötzener um Wanne, die Braunsberger in und um Dortmund, und die Ortelsburger, Allensteiner und Neidenburger vorzugsweise in und um Gelsenkirchen nieder.“ Dazu wenigstens für Gelsenkirchen einige Zahlen: Von 1880 bis 1904 sind in der Gelsenkirchener Kartei eingetragen aus dem Kreise Ortelsburg 6370, aus Neidenburg 3215, aus Allenstein 2162, aus Johannisburg 1073, aus Osterode 1459, aus Lyck 985, aus Sensberg 974, aus Stuhm 338 und aus Preußisch=Eylau 280 Personen; die anderen Kreise haben bei weitem nicht so große Auswanderergruppen nach Gelsenkirchen entsandt. Im Ganzen sind es also die masurischen bebiete, die den größten Teil der Ostpreußen in dieser Stadt stellen. Das ist umso bedeudungsvoller, als allein die masurischen Kreise dierstellige Ziffern aufweisen, wogegen die anderen Kreise mit meist unter hundert liegenden Zahlen nicht ins Gewicht fallen. Ueber den Weg dieser Westwanderung konnte Franke feststellen, daß er meist in Etappen zurückgelegt wurde. Vielfach machte man in einem Ort auf der Mitte Pause, arbeitete dort, einige blieben auf diese Weise in den Gebieten des mitteldeutschen ZuckerrübenIn Ställen und Kamme,# wir das Hufeisen aufgenagelt, und nicht selten ist so ein Hufeisen an dem Tor eines Hofes aufgehängt. Da und dort ist es Sitte und Brauch, vor dem Einzug in das neugebaute Haus ein Hufeisen in den Flur hineinzuwerfen. Auch Brautleute tragen beim ersten Tritt über die Schwelle ein Hufeisen in der Hand, meist wird es sogar von der Braut an der Haustüre befestigt, ehe sie in das Haus schreitet. Das Hufeisen ist ein sogenannter Abwehrschmuck wie die Hauswurz, der Donnerbesen, der Pferdekopf am Giebel, das Wacholdersträußchen am Kruzifix im Herrgottswinkel oder wie der Trudenfuß, der an der Stubentüre hängt. Der Bauer und die Bäuerin tragen ein kleines Bronzehufeisen an der Kette oder Brosche. Der Pferdeknecht hat in seiner Kammer über dem Bette mehrere Hufeisen hängen. Orte, die in ihrem Wappen und auf ihren Siegeln ein Hufeisen haben oder die einen Namen, wie Huf, Hufschlag, Roßhag usw. tragen, sind germanische Kultstätten. Unzählige Sagen gibt es, die das mythische Hufeisen umranken. ovor sie warnen. Auf K heit unterhält man in den Hainen und Wäldern der Götter schneeweiße Rosse, die durch keinen irdischen Dienst entweiht werden. Diese heiligen Pferde spielen heute noch in mancher Bauernmär eine große Rolle. Wo das Pferd hintritt und den Abdruck des Hufeisens hinterläßt, ist heiliger Boden. Auf manchem Steinkreuz sehen wir ein Huseisen. Der Hufschlag im Walde rühre von der wilden Jagd her oder aber auch von dem mystischen Einhorn. Ein Zeichen Gottes sei der Hufschlag. Manche Sage erzählt uns, daß an einem bestimmten Platze die Pferde nicht mehr weitergehen wollten und mit ihren Hufen in den Boden geschlagen haben. Mit diesem Hufschlag wollten die Götter etwas andeuten. Man baute an solchen Stellen Tempel oder Kirchen. Bekannt ist ja die Legende von den Rössern, die zur vatikanischen Basilika den Wagen zogen, darauf Reliquien aus dem Heiligen Lande geladen waren. Nicht weit von Sankt Peter entfernt wollten die Rösser nicht mehr weitertraben. Da befahl die Kaiserin Helena, an der Stelle, wo die Pferde ihre Hufe in den Boden geschlagen hätten, die Reliquien abzuladen. Der Platz heißt heute noch Scossacavalli, also Hufschlag. Die Gründungsmär von dem beReandertal Freilichtmuseum Das Neandertal, das durch den nach ihm benannten Fund des vorgeschichtlichen Menschen besondere Bedeutung für die Erforschung der Vorzeit der Menschheit besitzt, soll in einem Freilichtmuseum ein anschauliches Bild der Urgeschichte geben, wenn die von Landrat Tapolski hierzu im Naturschutzverein Neandertal gegebene Anregung verwirklicht wird. Der Vorschlag wird von dem Verein überprüft. rühmten bayerischen Kloster Ettal erzählt, daß das Roß des Kaisers Ludwig des Bayern plötzlich stehengeblieben sei. Der Kaiser habe dieses als ein Zeichen Gottes gedeutet und an dieser Stelle die Kirche erbaut. In früherer Zeit wurde der Hufschlag auch als Grenzmarkung betrachtet. Es war nämlich üblich, durch Umritt ein gerodetes Feld als Eigentum zu bezeichnen. Eine solche Grenzmarkung galt für unverletzbar. Auch bei Gerichten spielte das Hufeisen eine nicht unwesentliche Rolle. Wer ein glühendes Hufeisen halten konnte, hatte keine Schuld auf seinem Gewissen. Merkwürdig ist es, daß das Hufeisen, wie überhaupt der Hufschlag nur Gutes bedeutete. Auf diesen uralten Glauben geht diese Sitte zurück, ein gefundenes Hufeisen zu schmücken und im Heim aufzubewahren. K. P. Hceitent, ds Aus Selen Seiieter?? Der Mann mit den 86 000 Frauen Jeder kannte ihn in Prag, wo er nunmehr über siebzig Jahre lebte. Man sah ihn täglich, wenn er zur Dämmerstunde seine kleine Mansardenstube in der Vorstadt Prags verließ, um in der kleinen Kneipe einen Dämmerschoppen zu trinken. Die Kinder auf der Straße neckten den alten Mann, wenn er schnurstraks seines Weges ging. Diesen Weg legte er nun schon seit zwanzig Jahren täglich zur selben Tageszeit zurück. Er galt als der eingefleischteste Junggeselle der Stadt. Ein Bücherwurm, ein Stubenhocker, der Typus eines Eigenbrötlers, der weltfremd irgendwelchen ausgefallenen Studien nachging. Eines Tages kam der 70jährige Jungeselle nicht mehr in sein Stammlokal. In aller Stille und in stillem Hader mit seiner Mitwelt war er gestorben. Als man seine kleine Hinterlassenschaft zusammenstellte, machte man eine geradezu sensationelle Entdeckung, die das Stadtgespräch von Prag wurde. Man fand in einer Truhe verschlossen eine Sammlung von Postkarten, Photographien, Zeitungsausschnitten, Gemälden und Kupferstichen von insgesamt 86000 an der Zahl und man höre und staune, es waren ausschließlich Frauenbilder. Zu jedem einzelnen Bild hatte der seltsame Mann eine Biographie geschrieben. Es waren sehr viele bekannte Frauen in der Sammlung, die von dem seltsamen Kauz mit fanatischem Eifer gesammelt und behütet wurden. Bei der Hinterlassenschaft fand man auch ein Testament. In diesem bezeichnete sich der alte Junggeselle als der größte Liebhaber aller Zeiten. Seine Vorstellung von der wahren Liebe sei so erhaben, daß er sich seine Ideale nicht durch brutale Realität habe zerstören wollen. Nur so habe er die gefährliche Klippe der Monotonie des Lebens und der Liebe vermieden. Die Stadtväter zerbrechen sich den Kopf darüber, was sie mit dieser Sammlung, die sicherlich nur einmal in der Welt vorhanden ist, anfangen sollen. Man hofft darauf, daß das städtische Museum das Lebenswerk eines. Eigenbrötlers und Phantasten in Gnaden aufnimmt. Die modernen Sabinerinnen Bekanntlich haben die Japaner nicht nur ein platonisches Interesse an dem neuen mandschurischen Staat. Sie sind eben dabei, in der nördlichen Mandschurei eine Musterkolonie anzulegen. Sie richteten sich diesmal nicht nach kolonialpolitischen Vorbildern unserer Zeit, sondern sie gingen bis auf das Altertum zurück. Sie erinnerten sich der zwar rigorosen, aber erfolgreichen Kolonialisationsmethoden der Römer. Dabei mag ihnen der Raub der Sabinerinnen vorgeschwebt haben. Allerdings wählten die Japaner unserem, etwas empfindlichen Zeitgeist entsprechend, nicht den gewaltsamen Frauenraub, sondern sie appellierten an den natürlichen Fraueninstinkt. Zunächst einmal verpflichteten sie die Männer in die neuen Versuchskolonien. Diese richteten dort Mustersiedlungen ein und fanden bald ein solches Gefallen an ihre Pioniertätigkeit, daß sie nicht mehr in die Heimat und zu ihren Was treiben Leute mit Berühmten Namen? Eine klassische Angelegenheit Es weht seltsame Luft um die„klassischen Namen". Die Verbindung mit der Ideenwelt der vormaligen Träger will nicht abreißen. Man kann sich nicht vorstellen; daß sie auf eine Nachkommenschaft übergegangen sind, die mit der Tätigkeit des„klangvollen" Ahnen oder Vorläufers ganz und gar nichts zu tun hat. Das kommt in einer netten kleinen Anekdote zum Ausdruck. Einem Gelehrten wurde einmal ein Leutnant Goethe vorgestellt. Vor seinem geistigen Auge rückte die ganze Weimarer klassische Epoche auf— aber mit einem„Leutnant“ Goethe konnte er sich nicht abfinden.„Nein, das gibt es einfach nicht." Der Leutnant, in großer Verlegenheit, steht stramm und sagt:„Verzeihung, da muß wohl eine Verwechslung vorliegen, ich bin der bekannte Dichter nicht". Die Haltung des Professors liegt sicher allen näher als die des Leutnants und darum sei zur „Einführung" nach einigen Vorbildern eine kurze Streife angetreten durch die Welt klassischer Namen und ihre heutigen Träger. * Der Dichter Hans Sachs, profan Schuhmacher, hat einen Nachfahren, der immerhin etwas beim Handwerk geblieben ist, er handelt in Nürnberg mit Leder. Der Name Goethe ist nicht selten, aber sowohl in Frankfurt, als in Weimar ist ein Johann Wolfgang nicht mehr zu finden. Schiller s gibt es überall in Menge. Ein Friedrich Schiller lebt heute noch in Weimar, er hat eine Gaststätte, ein anderer im Westen Berlins eine„Bierquelle". Diese Kombination hat von ihrer Ungewohntheit Bräuten zurück wollten. Aber hierauf hatten die klugen Japaner nur gerechnet. Nachdem sie die Männer für ihre Kolonisationspläne gewonnen hatten gewannen sie die Frauen für sich. In großen Kolonnen, die die japanische Regierung zusammenstellt, ziehen die Bräute und Frauen der nordmandschurischen Kolonisatoren in ihre neue Heimat. Die Japaner waren nicht kleinlich. Sozusagen als Morgengabe erhielt jede der kolonisationsfreudigen Damen einen Gürtel und einen kräftigen Säbel, den sie als Brautgabe ihrem Auserwählten in die neue Heimat, vielleicht als Symbol, mitbringen. Die Frau ohne Namen Seitdem sich Spanien fortdauernd im Zustand der politischen, sozialen und kulturellen Gärung befindet, häufen sich die überraschenden Mitteilungen über die kuriofesten Vorgänge dort. Kürzlich fand in einem kleinen Provinzort unweit von Barcelona ein eigenartiger Scheidungsprozeß statt— weniger eigenartig dadurch, daß sich die Ehepartner nicht vertrugen(was ja überall in der Welt einmal vorkommen kann), als vielmehr durch den Umstand, daß der klagende Ehemann auf Befragen des Richters nicht den Namen seiner Frau wußte. Papiere von der Trauung besaßen die beiden nicht mehr, und außerdem konnten sie weder lesen noch schreiben. Es stellte sich heraus, daß der Mann seine Frau elf Jahre lang— so lange waren die beiden verheiratet— einfach mit dem Kosenamen gerufen hatte; ihren richtigen Namen kannte er gar nicht. Daraufhin lehnte das Gericht aus formalen Gründen die Scheidung ab. land zurück, wo er sich in seiner Vaterstadt ansiedelte. Eines Tages ging er mit einem Bekannten — der uns die Geschichte berichtet hatte, durch die kleine Stadt und kam an die Brücke, wo er einst den Ring verloren. Von seinen Erinnerungen überwältigt, erzählte er dem Freund die ganze Geschichte. „Ich könnte schwören“, so schloß er seine Erzählung,„daß hier die Stelle ist, wo ich ihn verlor.“ Bei diesen Worten stieß er seinen Stock in die Schlammbank unter der Brücke, um seinem Begleiter die Stelle zu zeigen. Sinnend bohrte er im Schlamm herum. Als er den Stock wieder zurückzog, steckte der Ring an der eisernen Zwinge des Stockes, und der Brillant funkelte im Sonnenlicht... Verkehrte Welt Der verkorene Rin0) Eine Geschickte von der Ironie des Lebens Das ist eine sehr unwahrscheinlich klingende Geschichte, aber sie ist dennoch buchstäblich wahr und von glaubwürdigen Männern bezeugt. Geschehen ist sie in England, und die Zeitungen, die sie berichten, fügen die Namen der Zeugen, bekannter und angesehener Männer, hinzu. Da war in einer englischen Kleinstadt ein Junge, der sich als Laufbursche sein Brot verdiente. Eines Tages wurde er mit einem kostbaren Ring zum Goldschmied geschickt. Auf einer Brücke betrachtete der Junge den Ring, hielt ihn gegen die Sonne und ließ den hellen Brillianten aufglitzern. Unversehens geschah das Unglück: der Ring entglitt den spielenden Fingern des Jungen und fiel über das Brückengeländer in eine Schlammbank des Flusses. Der Bursche überlegte nicht lange, zog sich Schuhe und Strümpfe aus, und suchte nach dem verlorenen Ring. Die Stunden vergingen im Fluge, schon brach die Dämmerung herein — den Ring hatte der Junge nicht gefunden. Schließlich gab er das Suchen auf. Und in seiner Angst lief er davon, wanderte in derselben Nacht zur nahen Hafenstadt und ging als Schiffsjunge auf ein Handelsschiff. Nach mancher abenteuerlichen Fahrt gelangte er nach Amerika, wurde durch zähen Fleiß und nach langen sorgen= und arbeitsreichen Jahren Besitzer einer Farm und gelangte zu großem Reichtum. 50 Jahre nach seiner Flucht aus Europa hielt er es vor Heimweh nicht mehr in der Fremde aus, verkaufte sein Anwesen und kehrte mit einem großen Vermögen nach Hier fühlen sich unsere Landjahrkinder wohl und glücklich Seit sechs Monaten sind die Landjahrheime das große Erlebnis von Tausenden von Jungens und Mädels, die sonst nur die endlosen Straßen der Großstadt kannten, nun aber in guter Gemeinschaft das Leben auf dem Lande kennenlernen. Man sieht, wie diese Mädchen im Landjahrheim glücklich sind und mit Geschick auch die Gänse zu füttern verstehen. Ländliche Liebesaffären enden gewöhnlich in der Weise, daß das verführte Mädchen ein Kind bekommt und von ihrem Verehrer sitzen gelassen wird. Bei Johann Berger aus Sitzendorf in Oesterreich und seiner Geliebten Adele geschah das merkwürdige, daß zwar Adele das Kind bekam, aber es sofort an Johann weitergab und diesen mit dem Säugling sitzen ließ; denn ein anderer Mann wartete bereits auf Adele. Im Verein mit seiner Mutter betreute Johann das Kind und wenn er Adele zu Gesicht bekam, bestürmte er sie, doch wieder mit ihm die Beziehungen aufzunehmen. Aber Adele hatte für Johann nur ein hohnvolles Lächeln übrig. Eines Tages überfiel sie der Bursche, warf sie zu Boden, zog ein Messer und bedrohte sie mit dem Erstechen. Wenige Tage darauf wollte er sie durch Stiche mit einer Mistgabel zur Liebe zwingen. Das Ende dieser Vorfälle war, daß Berger wegen Erpressung und versuchter schwerer Körperverletzung vor das Korneuburger Kreisgericht Angeklagter:„I hab nur das Messer zogn, es ihr zeigt und gsagt: Schau wann i's bös mit dir meinen möcht, könnt i di jetzt umbringen.“ Vorsitzender:„Eine sehr beruhigende Mitteilung. Angeklagter:„I hab sie nur fragn wolln, warum sie si net ums Kind kümmert und mi mit eahm stzu glassn hat. Und daß i's mit der Mistgabel gestochn hab, darüber bin i sanz wes.„,.„„ir misln un Adele:„Das i von ihm nix wissn wüll und jetzt mit an anderen geh, is er selber schuld. I laß mi net schlagn von eahm. Und zum * Kind geh i net, weil i mi net in sei Wohnung einitrau.“ Vors.:„Verlangen Sie etwas von ihm?“ Zeugin:„Ah Ruah.“ uu;#m, Der Angeklagte wird zu fünf Monaten schweren Kerkers verurteilt. Angeklagter:„I nimms an. Aber die fünf Monat soll jetzt sie der Vatter sein.“ Rekord aller Rekorde Vielleicht das Werkwürdigste, was je an Rekorden in dem zu immer neuen Steigerungen strebenden Amerika gegeben hat, ist das Unternehmen von zwei Freunden, die als lebender Schubkarren durch ganz Amerika wandern wollen. Soeben sind sie zu ihrer Rekordleistung aufgebrochen. Henry ist auf ein Brett geschnallt und stützt seine Hände auf das Vorderrad eines Fahrrades: Tom hält seine Füße und schiebt ihn so vorwärts. Einen Schnelligkeitsrekord werden sie mit dieser Art der Fortbewegung wohl nicht erzielen können. manches eingebüßt, hat doch der Schweizer Dichter Ernst Zahn jahrelang die Bahnhofswirtschaft in Göschenen geführt und unzähligen Reisenden beim Mittagessen selbst die Suppe aus der Terrine geschöpft. Der alte Wieland hat sich in Weimar als Rentner niedergelassen, praktischer und zeitgemäßer ist sein Kollege I. G. v. Herder, der ein Radiogeschäft in seiner Nähe unterhält. In Hamburg ist ein Gotthold Lessing Architekt geworden, der hoffentlich mehr verdient, als der„klassische" Lessing dort damals mit seiner Dramaturgie verdienen konnte. Theodor Körner ist in der Dresdner Vorstadt Schmied und Installateur, ob er aber auch„Schwerter“ schmiedet, erscheint fraglich. Ein Namensvetter in Berlin ist ebenfalls Installateur und ein anderer Sanitätsrat. Der so vornehme und gelehrte Friedrich Rückert ist in Schweinfurt Maurer, ein anderer in Berlin angesehener Maurermeister, beide sind von der„Weisheit des Brahmanen" abgerückt. Franz Schubert backt in Wien und in Berlin nach Noten, dort„Kipfel“, hier „Schrippen“, sonst ist er u. a. noch Bankvorstand und Feinkosthändler, alles„Metiers", die dem liederfrohen, so lebenshungrigen und so jung verstorbenen„Franzl“ weltenfern lagen. C. F. Gellert, der Fabeldichter ist Friseur, da kann er auch allerlei erzählen. Joh. H. Fichte ist Reisender in Pappe, wobei er wohl kaum„Reden an die deutsche Nation“ schwingen kann. Martin Luther ist Reisender in Damen= wäsche, sonst ist er auch Geheimrat in einem Vorort Berlins, zudem sind zwei evangelische Theologen mit dem Namen Martin Luther in neuester Zeit nachzuweisen, sie halten also die Tradition hoch. Der kraftgenialische Dietrich Grabbe ist am Rhein als Dentist zu finden; wehe, wenn er sich dabei auch als Kraftgenie erweisen wollte. Richard Wagner präsentiert sich in Leipzig als Inhaber einer schönen Gaststätte und in Spandau hat er einen„Hackepeter“. Fritz Reuter hat es auf die Landmesserei abgesehen, die er in Eisenach und bei Berlin ausübt. Der jüngst verstorbene prachtvolle Humorist Otto Reutter pflegte sich beziehungsvoll der„zwei!“ Reutter zu bezeichnen. Karl Löwes sind genug vorhanden, der in Kiel hat ein Uhrengeschäft. Er wünscht, daß jedermann von sich sagen könnte:„Ich trage, wo ich gehe, stets eine Uhr bei mir.“ Wilhelm Busch hat in Hannover eine Damenhut=Fabrik aufgemacht,— die Modelle nimmt er aber nicht aus seinen Zeichnungen — sonst hat er auch noch in Berlin eine BierApparate=Fabrik, wobei es auch nichts zu lachen gibt. Wilhelm Hauff, der Romantiker, wandte sich realeren Dingen zu, er betreibt in Stuttgart und Berlin Bankgeschäfte. Friedrich Spielhagen hat sich vom Bücherschreiben in Berlin auf den Vertrieb von Bürobedarf wohlweise zurückgezogen und Freiherr von Münchhausen ist dort Bücherrevisor, er kann auch dabei oft seltsame Geschichten zu hören bekommen. Ein köstlicher Treppenwitz der Weltgeschichte ist es, wenn ausgerechnet Viktor von Scheffel ein alkoholfreies Restaurant führt. Die klassischen Namen werden mit Vorliebe bei wissenschaftlichen und künstlerischen Institutionen angewandt, am ausgiebigsten jedoch bei Apotheken. Es gibt in Berlin wohl alle klassischen Namen in Verbindung mit einer Apotheke, nur eine mit Wagner nicht, und Luther hat es auch nur zu einer Drogerie gebracht. In heutiger Zeit der Rekorde kann nun einer eine interessante Rundreise antreten, bei Friedrich Schiller Bier trinken, bei Herrn von Herder seinen Akkumulator laden lassen, seine Tinte bei Spielhagen kaufen, bei Franz Schubert seine Schillerlocken genießen und sich bei Grabbe seine Zähne ziehen lassen usw.— Wer riskiert's? Ein Wunder der Medizin. Während der politischen Unruhen in Wien wurde ein Schwerverwundeter in der Nacht in das Wiener Stadtkrankenhaus eingeliefert. Eine heimtückische Kugel hatte dem Mann das Herz durchbohrt. Das Geschoß hatte aber gleichzeitig die Schlagader, die den Herzmuskel mit Blut versorgt, zerrissen. Nur durch ein Wunder konnte der Mann gerettet werden. Dem Chirurgen des Krankenhauses gelang das Wunder, denn trotz der in 99 von 100 Fällen tödlichen Verletzung konnte er den Verwundeten dem Leben erhalten. Er verschloß die blutende Wunde durch eine kunstgerechte Herznaht, eine chirurgische Tat. die bisher in der Geschichte der Medizin beispiellos dasteht. Weniger Glück hatte ein Kollege von ihm mit einer mißglückten Lachoperation. Zu einem Pariser Arzt kam ein stadtbekannter Kaufmann und bat ihn ihm auf operativem Wege das Lachvermögen wiederzugeben. Er zahlte ihm dafür eine sehr hohe Summe. Der Arzt versuchte diese Operation. sie gelang ihm nicht. Der Kaufmann lief daraufhin zum Kadi und verlangte infolge Mißlingens der Operation das Honorar zurück. Das Gericht wies allerdings die Klage ab. KOROT Buch und Nation Von Waltharl Erzieher, Berater und zugleich der beste Freund ist das Buch dem Menschen. Die Deutichen als das Volk der Dichter und Denker haben von jeher das Buch besonders geschätzt. Die erzieherischen Aufgaben des Buches. Mittler und Träger nationalsozialistischen Gedankengutes zu sein, sind im Dritten Reich größer als jemals sonst. Neben der außerordentlichen Wichtigkeit des Buches im volklichen Kulturleben darf man aber auch seine Stellung in der Nationalwirtschaft nicht übersehen. Für den doppelten Zweck des Buches, einmal seelische Nahrung der gesamten Leserschaft zu sein, zum anderen aber auch wei ten werktätigen Kreisen ausreichende Arbeit zu sichern, eignet sich kaum irgendeine Zeit so gut wie die des Herbstes. Die längeren Abende bringen Muße zum Lesen, zudem steht bald Weihnachten vor der Tür. Anvererseits aber gehört die Buchherstellung zu den Berufszweigen, die nahezu unabhängig von Witterungseinflüssen sind, während bei manchen anderen Erwerbszweigen— u. a. beim Baugewerbe— eine winterliche Stillegung notwendig ist. Das Wintergeschäft des Buchvertriebes bringt dagegen oft eine Mehreinstellung von Arbeitskräften mit sich. Im Buchhandel ist eine besonders enge geistige Verbindung zwischen Käufer und Hersteller notwendig. Der Verlagsbuchhändler muß die Wünsche seiner Käuferschicht ergründen; dann wird er die rechte Auswahl unter den zu verlegenden Werken der Schriftsteller, Bildkünstler und Tonsetzer machen können. Andererseits wird er durch Hebung des Geschmackes der Leserschaft außerordentlich viel für den geistigen Fortschritt tun können. Die Zeiten sind ja vorüber, wo, durch die gründlich verfahrene Gesamtwirtschaftslage gen, sich manche Verleger und Schriftsteller dazu hergaben, Bücher auf den Markt zu beingen, die der deutschen Nation nicht würdig waren. Die lebhafte Fühlungnahme zwischen Buchhersteller und Leserschaft bleibt immer wichtig. Die mitbestimmende Haltung des Lesers wird dann ganz besonders deutlich, wenn der Buchkäufer bewußt wählt, aus Interesse fordert oder auch nach Auflagen ihm besonders liebgewordener Werke fragt. So erziehen und unterstützen sich Hersteller und Verbraucher gegenseitig. Diese Beziehungen kommen dem deutschen Kopf= und Handurbeiter zugute! Es ist nicht möglich, auch nur annähernd die Zahl derjenigen zu nennen, die durch das Buch Arbeit und Brot finden. Man darf ja nicht nur an den Schriftsteller, Drucker, Buchhändler und ihre Helfer denken. weit ist der Rahmen der Mitarbeiter über diesen Kreis noch hinausgespannt! Ob man die Papierindustrie mit ihren Lieferanten, die Buchbinder mit ihrem Bedarf und Verbrauch an vielfältigem Material vom Leder bis zum Leinen und Leim im Sinne hat, ob man errechnet, was das Transportgewerbe einschließlich Reichsbahn und Reichspost ,iuzälangg aus dem riesigen Buchumsatz Deutschlaucs ziehen, stets gehen diese zahllosen volkswirtschaftlichen Kanäle zu dem Mittelpunkt der gesamten Nationalwirtschaft weiter— zu deutschen Menschen und zur deutschen Familie. Auch heute noch ist trotz der Weltkrise die Buchausfuhr bedeutsam und bringt manche Million ins Land. Sie wird immer von Belang sein, weil das deutsche Buch nach Inhalt und Ausstattung vorbildlich ist. Diesen Aufgaben, die vor allem durch ständige Buchkäufe zur Selbstbenutzung und zu Geschenkzweuen von jedem deutschen Leser gefördert werden können, dient die deutsche Werbewoche für das Buch! VVIOSITT „Bonner Beethoven=Quartett“ Florizel von Reuter und Ludwig Hölscher, die beiden Mitglieder des Elly=Ney=Trios. haben mit Jost Raba und Walter Trampler ein Streichquartett gebildet, das mit Zustimmung des Bonner Oberbürgermeisters und des Vereins„Beethoven“ in Bonn den Namen„Bonner BeethovenQuartett führen wird. Das Quartett wird bereits in dieser Saison auftreten und sich auch mit Elly Ney zu erweiterter Kammermusik vereinigen. Das Elly=Ney=Trio übt nach wie vor seine Tätigkeit aus und wird auch in diesem Winter viele in= und ausländische Konzertreisen durchführen. Die Raben Persönliche Erinnerung an Brahms In den siebziger, achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts scharte sich ein vornehmer, künstlerischer Freundeskreis in Leipzig um eine alte Frau, die nicht nur von äußerem, sondern vor allem von innerem Adel war. Sie, die ihren Mann, den Komponisten Franz von Holstein, früh verloren hatte, kam aus der romantischen Atmosphäre ihrer Jugendfreunde Robert Schumann und Hauptmann. In ihren Salons trafen sich bis in ihr hohes Greisenalter die bedeutendsten Künstler und Gelehrten aus aller Welt. Daneben betreute sie in wahrhaft mütterlicher Weise talentierte, aber mittellose Musikstudenten, denen sie Freistellen am Konservatorium und Freitische bei ihren Freunden bereit hielt. Diese jungen Leute hießen, weil es immer sieben waren, allgemein die „Sieben Raben". Sie bewohnten im Garten ihrer Gönnerin ein eigens als„Holsteinstift“ gebauets Heim und wurden oft zu Nachmittags= und Abendgesellschaften hinzugezogen. Mit mancherlei Größen aus den Reichen der Kunst und Wissenschaft sind wir— der Schreiber gehörte auch zu den„Raben“ damals in Berührung gekommen. Darunter waren Edvard Grieg und Frau, Reinecke, Kretschmar, Bulthaupt, Klengel, Ruthart, Max Klinger, Seffner, Trebst, die Maierin Vilma Parlaghi und andere mehr. Auch Johannes Brahms gehörte zu dem näheren Freundeskreis der hochverehrten Mäzenatin. Es war am Anfang der neunziger Jahre, als ich mich als„Rabe" und Nutznießer des Holsteinstiftes eines Freitisches bei einer Freundin von Frau von Holstein erfreute. Diese Freundin, Witwe eines der bedeutendsten Verlagsbuchhändler Leipzigs, in ihrer Jugend eine bekannte Klaviertuosin, bewohnte am Johannapark eine größere Villa, die eine ähnliche Anziehungskraft auf Künstler ausübte, wie das Haus der Frau von Holstein in der Salomonstraße. Hier bei Frau Dr. E. war Brahms stets zu Gast, wenn er von Wien aus nach Leipzig kam, um eines der Gewandkonzerte zu leiten. So weilte Brahms auch im Winter 1894 in Leipzig. Er wohnte wie immer bei Frau Dr. die ehemals seine Schülerin war. Während wir„Raben“ Brahms an einem Teeabend bei Frau v. Holstein, wobei wir ein Streichquartett des Meisters spielten, unter den glücklichsten Umständen schon ein Jahr zuvor verehren durften, brachte mich mein Freitisch nun mit Brahms noch näher zusammen. Unvergeßlich bleibt mir die lebendige Anteilnahm an meinen persönlichen Verhältnissen und die kameradschaftlich schmunzelnde Art, wie Brahms auf die überschäumende Begeisterung eines jungen Tischgenossen für den ethischen Wert eines Säbelduells reagierte. Er war äußerst aufgeräumt und zu allerlei Scherzreden bereit, erzählte auch einiges aus seiner Jugendzeit mit ungezwungener und behaglicher Heiterkeit, obwohl er sonst als verschlossen, einsilbig und weltabgewandt bekannt war. Daß Brahms in jüngeren Jahren nicht nur vergnügt, sondern sogar übermütig sein konnte, das beweist folgende Episode. Ein Deutsch=Balte, dei sich später als Diplomat verdient machte und der zu dem Kreis um Frau von Holstein gehörte, verlebte im Jahr 1865 in Baden=Baden einen unvergeßlichen Frühlingstag mit dem Maler Anselm Feuerbach und Johannes Brahms. In einem öffentlichen Garten saßen die drei beim Glase Wein. Der eben 32 Jahre alt gewordene Klaviervirtuose und schon geschätzte Komponist war bei glänzender Laune. Aus dem benachbarten Kurgarten klang gedämpft Musik herüber, in den Büschen schlugen die Nachtigallen. Aus dem offenen Fenster einer Villa aber tönte die Stimme einer Sängerin, die noch zu später Nachtstunde das Trinklied „Lucretia Borgia“ übte. „Das Tempo ist falsch!“ rief Brahms, der wegen der Wärme der Nacht seinen Rock abgeworfen hatte. Im nächsten Augenblick sprang er auf, war mit wenigen Schritten durch den Vorgarten geeilt und im Hui durch das offene Fenster in den Salon der Dame eingedrungen. Diese wich erschrocken vom Flügel zurück, an dem sich Brahms ohne Zögern niederließ und nun mit hinreißendem Schwung eine Fantasie über das Donizettische Lied spielte. Dem Gesetz der„Teufel und Gespenster“ folgend, kehrte er auf demselben Weg wieder in den Garten zurück, um unmittelbar den vorhin begonnenen Diskurs über Aufgabe und Wesen der Romantik fortzusetzen. Erst spät in der Nacht trennten sich die Freunde, um sich— so will es manchmal das grausame Schicksal— niemals wiederzusehen. Gewiß aber haben sich die drei bedeutenden Männer diese Jugenderinnerung bis ins Alter zu erhalten gewußt. Es gibt Menschen, denen die Jugend nur eine Episode bedeutet, und solche, denen sie das ganze Leben gewesen ist. Ich glaube, es sind nur die ewig Jungen, die man mit Recht Romantiker nennen kann. Eines der interessantesten Stücke der Sammlung des Geheimrats Strauß, die vom 6. bis 8. November in Köln durch das Kunsthaus Helbing versteigert wird, ist das Porträt des Carl of Westmorland aus der Hand des englischen Meisters Sir Thomas Lawrence(1769—1830). Die Versteigerung wird eine der größten und bedeutendsten europäischen Kunstauktionen der letzten Jahre sein. Die literarische Straße Von Wilhelm Heimer Der 175. Geburtstag Schillers, der im November in ganz Deutschland gefeiert werden wird(5.—10. November Reichs=Schiller=Festwoche in Weimar, 10. November Gedenkfeier in Marbach, Festspiele in Mannheim, Leipzig, Stuttgart, Rudolstadt), lenkt die Aufmerksamkeit auf das schöne Schwabenland, das die Heimat so vieler deutscher Dichter ist. Und die„literarische Straße", den Weg von Stuttgart nach Tübingen, sind sie fast alle einmal gezogen. Wenn man das buckelige Schwabenländle dergauf und bergab und kreuz und quer durchwandert, stößt man allerorten auf Erinnerungen und Denkmäler. Aber um möglichst viel zu entdecken und zu sehen, darf man nicht im Auto vorüberflitzen, sondern muß per pedes apostolorum gehen. Da gibt es zwischen Stuttgart und Tübingen eine uralte Straße, die ein wichtiges Stück des langen Verbindungsweges zwischen den reichen Kaufmannsstädten Frankfurt am Main und Zürich darstellt und deshalb die Schweizer Straße genannt wurde. Heeressäulen bewegten sich oft die breite Straße entlang, schwer beladene Kaufmannswagen knarrten über Echterdingen, Waldenbuch und Tübingen der Schweiz zu, und die Postwagen mit dem blasenden Schwager fuhren an Feldern und Wiesen vorbei durch den grünen Schönbuch nach der württembergischen Universitätsstadt. Siebenmal mußte der keuchende Schimmel den Berg hinauf und siebenmal mußte der Postillion bremsen, bis die Fahrt von Stuttgart nach Tübingen zurückgelegt war. Das Hauptkontingent an Fußgängern stellten Studenten. Sieben Stunden Marsch durch den Schönbuch und über die Filder bedeutete damals keine übermäßige Anstrengung für einen Stiftler, der seine Groschen sparen mußte. Wie herrlich war es, durch den grünen Wald zu wandern, wenn einem ein frischer Wind um die Nase blies. Und da viele von den Musensöhnen und von den Herren Professoren als echte Schwaben das Dichten und Reimen nicht lassen konnten, so mag der durchwanderte Gottesgarten manchen zu einem Gedichtlein inspiziert haben. Wir wissen ja von Uhland, daß er auf dieser Straße im Sommer 1814 die schöne Einleitung zu„Graf Eberhard der Rauschebart“ gedichtet, daß der schwermütige Lenau sein stimmungsvolles Postillonslied„Lieblich war die Maiennacht“ auf der Fahrt nach Tübingen verfaßt und daß Justinus Kerner im Herbst 1807 hier zum erstenmal sein Abschiedslied: „Wohlauf, noch getrunken“ gesungen hat. Ja, gar mancher Mann, den heute große steinerne Denkmäler in ganz Deutschland ehren, ist schon diese Straße gegangen oder gefahren. Lavater im Jahre 1782, Schiller im Sommer 1793, Goethe im September 1797, nicht zu reden von Waiblinger, von dem„V“=Vischer, von dem„F“=Fischer, von Uhland, Mayer, Hauff, Hölderlin, Mörike, Gerok, Schwab. Ein gut Stück deutscher Literaturgeschichte und vielleicht die ganze schwäbische Literaturgeschichte ist einmal diese Schweizer Straße gezogen. Der Dichter Karl Mayer schrieb noch in hohem Alter über diese Poetenstraße: „Waren es nicht noch in ihrer Art schöne Zeiten, als junge, rüstige, geisteslebendige Männer, wie der Tübinger Prokurator Schott und Uhland, es nicht verschmähten, den waldreichen siebenstündigen Weg zwischen Stuttgart und Tübingen über Echterdingen und Waldenbuch und über die famosen sieben Berge zu Fuß zu machen, und es ist zu verwundern, wenn mich, der ich dieses Wegs auf gleiche Weise so oft in meinem Leben gewandert bin, noch später nicht selten die Sehnsucht anwandelte, diese nun so verlassene Straße in derselben Art noch einmal zu durchwandern?"“ Heute flieht der Wanderer den größten Teil der Straße. Autos brausen auf der breit ausgebauten Staatsstraße vorüber, und nur die alte Strecke zwischen Echterdingen und Waldenbuch erinnert an die alte Zeit. im Jahre 1886 eine neue Straße gebaut ist, die die Steige an der tiefgelegenen malerischen Schlößlesmühle umgeht, liegt die schönste Strecke still und verträumt. Und hier singen noch die ziehenden Wanderburschen hell und glücklich wie einst:„Wohlauf, noch getrunken...“. Anekdoten um Wilhelm Leibl Zu seinem 90. Geburtstag Wilhelm Leibl wurde, als er in den Jahren 1864 bis 66 in der Malklasse des Professors Anschütz an der Münchener Akademie studierte, von seinen Mitschülern nicht nur wegen seiner künstlerischen Begabung, sondern auch seiner außerordentlichen Körperkräfte wegen sehr bewundert. Dennoch gab es wohl auch unter ihnen einige, die ihm neidisch waren, und deshalb jede Gelegenheit ergriffen, um ihn bei dem Professor anzuschwärzen. Anschütz, darüber empört, denn auch er schätzte Leibl ganz besonders hoch, wollte dem Angeber eine Lektion erteilen. Eines Tages trat er während der Malstunde zu Leibl, lobte seine Arbeit und sagte dann:„Sie haben wohl sehr viele Freunde, Leibl, aber Sie haben auch Feinde, nicht wahr?“—„Ich weiß nicht, Herr Professor“, antwortete Leibt ganz erstannt.„aber Feinde— aber Sie haben ja auch ein Paar Als der Professor die Klasse verlasen hatte, sprang Leibl auf, reckte die soeben gerühmten Fäuste in die Höhe und rief wütend:„Wer ist mein Feind?“. Von allen Seiten beeilte man sich, ihm zu versichern:„Ich nicht! Ich nicht!“ Eine andere Geschichte von Leibls körperlichem Draufgängertum pflegte Wilhelm ner zu erzählen, der im Sommer 1871 viel mit dem jungen Maler zusammen war. Es hatte sich damals um Leibl ein Kreis gleichgesinnter Kameraden gebildet, der immer bereitwillig auf seine oft recht ungewöhnlichen Einfälle einging. Er selbst war von einer unbändigen Kraft, für die es gar keine Schwierigkeiten gab, und so trieb er denn seine Freunde oft zu den gewagtesten und kühnsten Anstrengungen. An einem schönen Sonntag hatte man einen Ausflug nach Pullach in der Nähe von München unternommen. Da überkam Leibl plötzlich die Lust, zu schwimmen. Kurz entschlossen er seine Kleider aus und stürzte sich in die Isar. Mit großem Hallo taten es ihm seine Freunde nach. Glücklich kam man am andern Ufer an, und nun gings wieder zurück. Da die Isar aber ein rasch und reißend strömender Fluß ist, gelangte man an der anderen Seite einige Kilometer unterhalb der Stelle, wo die Kleider lagen, wieder am Ufer. Nun war guter Rat teuer. Wie zu den Kleidern gelangen? Denn an diesem schönen Sonntage zog ein ununterbrochener Strom von Ausflüglern an ihnen vorbei. „Ach was!“ rief Leibl,„mir nach!“ Und nackt, wie sie waren, defilierten er und seine Gefolgschaft im Laufschritt an den lachenden Männlein und den schamhaft errötenden Weiblein vorüber, um zu ihrer so notwendt