O E P T T U E Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg=(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Markt3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Terteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte.— D. A. VIII/34: 1675 Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gp; Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Heimatblatt Einzige in Schwerte gedruckte Tages=Zeitung Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9 a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Nr. 210 Schwerte(Kuhr), Samstag, den 8. September 1934 64. Jahrgang Der Kurnberger Frenlag im Feichen der DS Die Amtswalter der Bewegung vor dem Führer- Die Marschrichtung für das neue Jahr 181 000 politische Leiter auf der Zeppelinwiese— Der Führer an seine Friedenssoldaten:„Was wir errungen haben im Kampf, werden wir stets im neuen Kampf bewahren— Wir denken in allem nur an Deutschland— Alle für einen und jeder für alle!“— Begeisterung umbraust den Führer Die Friedenssoldaten Bis zum Mittag des Freitag brachten rund 200 Sonderzüge aus allen Teilen Deutschlands die Politischen Leiter der Partei=Organisation, kurz PO genannt, nach Nürnberg. Vom Gauleiter bis zum Hauswart sind 180 000 Mann des gewaltigen Parteiapparates erschienen, jene Männer, deren oft unbeachtete Kleinarbeit, deren stets opferbereiten, unermüdlichen Einsatz das Werden des großen Ganzen mit zu verdanken ist, ohne die, das darf man wohl sagen, der Nationalsozialismus niemals jene, das ganze Volk umspannende Bewegung geworden wäre. Denn sie sind in vorbildlichem Pflichteifer und in unerschütterlicher Treue, getragen von dem Gedanken und geleitet von dem Willen des Führers in den langen Kampfjahren treppauf, treppab gelaufen. Sie haben in den Betrieben und in ihren Wohnbezirken, stets umlauert von marxistischem Gesindel, jene Kleinpropaganda getrieben, die das Gedankengut des Nationalsozialismus zum Gedankengut deg ganzen Volkes werden ließ. Sie haben oft“ lung und Brot verloren, und unter den Todesopfern des deutschen Freiheitskampfes ist mancher Träger der hellbraunen Uniformen, die heute dem Stadtbild Nürnbergs eine besondere Note geben. Ihre Bedeutung für die Bewegung hat der Führer auf dem vorjährigen Kongreß dadurch bestätigt, daß er in ihre Hände die gewaltige Aufgabe legte, nun nach den Jahren des Kampfes den Gegner von gestern zum Parteigenossen von heute zu machen. Die Vertrauensmänner Adolf Hitlers haben diese Aufgabe, das wissen wir heute alle und das hat der 19. August 1934 aller Welt bewiesen, gut gelöst. Nun stehen die unabsehbaren Kolonnen, nach Gauen geordnet, auf der Zeppelinwiese und erwarten ihren Führer. Die gewaltigen Ränge des Feldes sind seit Stunden Kopf an Kopf besetzt. Um 18 Uhr sollte die Veranstaltung beginnen, aber um 18¼ Uhr standen die Anmarschstraßen noch dicht gefüllt mit Teilnehmern der Kundgebung und Schaulustigen, die, so merkwürdig es scheint, auf dem wogenden Feld und den scheinbar überfüllten Rängen immer noch Platz fanden. Die große Ehrentribüne scheint ebenfalls schon überfüllt, ein Teil der Die Reichswehr konzertiert Ein Bild von dem abendlichen Standkonzert, das vom Musikkorps des Infanterie=Regiments 21 auf dem Adolf=Hitler=Platz ausgeführt wurde. Fahnen hat hier Aufstellung gefunden. 21000 Fahnen aber warten außerhalb des Feldes auf ihren Einmarsch. Das Feld bietet einen unbeschreiblichen Anblick. Der Aufmarschleitung, die zum Teil Flugzeuge benutzte, bot sich von oben ein riesiger kribbelnder Ameisenhaufen, der scheinbar ein buntes Durcheinander zeigt, in Wirklichkeit aber klappte alles wie am Schnürchen, jede Kolonne fand ihren vorher bestimmten Platz. Der Führer kommt Kurz nach 18.30 Uhr ertönt das Kommando „Männer der PO, Stillgestanden". Dr. Ley Gehässige Angriffe Mussolinis Ein überheblicher Ausfall, der eines Staatsmannes unwürdig ist Mussolini, der am Donnerstagvormittag die Philosophen, Religionen und Werke der Dichtgroße Messe von Bari feierlich eröffnet hatte, hielt, wie die Ageneia Stefani meldet, am Nachmittag vor etwa 300 000 Personen vom Balkon der Präfektur eine Ansprache, in der er zunächst die Levante=Messe als ein ausgezeichnetes Beispiel für einen zähen Willen und für einen Geist der Organisation pries. Diese Messe, so fuhr Mussolini fort, bedeute also für ihn keinerlei Ueberraschung. Ich rufe allen, so erklärte Mussolini, und besonders den Völkern des Ostens, der uns so naheliegt, und den wir kennen, allen Völkern, mit denen wir seit mehreren Jahrhunderten durch Verträge verbunden sind, zu: Glaubt an den Willen des faschistischen Italiens zur Zusammenarbeit, arbeitet mit uns zusammen, tauscht mit uns Waren und Gedanken aus und laßt uns sehen, ob es nicht durch die gemeinsame Anstrengung aller in Nah und Fern möglich ist, aus dieser Depression herauszukommen, die die Geister knebelt und das Leben zermürbt. Mussolini fuhr dann fort:„Das italienische hat in seiner dreitausendjährigen Geschichte genügend Beweise für eine rechtliche, politische und soziale Organisation gegeben. An den Ufern des Mittelländischen Meeres sind bedeutende kunst sowie ein Reich entstanden, das in der Geschichte aller zivilisierten Völker unvergängliche Spuren hinterlassen hat. 3000 Jahre Geschichte erlauben es uns, mit souveränem Mitleid auf gewisse Lehren zu schauen, die jenseits der Alpen von der Nachkommenschaft von Menschen vertreten werden, die noch keine Schrift kannten, um die Geschicke ihres Lebens zu Papier zu bringen zu einer Zeit, in der Rom einen Cäsar, einen Virgil und einen Augustus hatte.“ * Gegen den Grundgedanken dieser Worte läßt sich vieles einwenden. Beschränken wir uns darauf, zu sagen, daß es nicht darauf ankommt, ob der Beginn der Geschichte eines Volkes früher oder später liegt. Das allein Entscheidende ist, was ein Volk während der Gesamtheit seiner Geschichte leistet. Auch die 3000jährige Geschichte Italiens weist nicht nur Höhepunkte, sondern auch Tiefen auf. Hierüber zu polemisieren, ist fruchtlos. Jede große Nation wird nicht nur stolz sein auf ihre eigene Vergangenheit, sondern auch gerecht in der Anerkennung der Leistungen einer anderen Nation, wie unser Führer noch soeben in seiner Proklamation in Nürnberg zum Ausdruck gebracht hat. empfängt den Führer auf dem breiten Wall, der der Haupttribüne gegenüberliegt und meldete ihm:„181 000 politische Leiter mit 21000 Fahnen zum Appell angetreten!“ Mitten durch das gewaltige Aufgebot der politischen Leiter schreitet nun der Führer zu der von Scheinwerfern übergossenen Tribüne, auf dem ganzen Wege von Kundgebungen begeisterter Verehrung begleitet. Dann schallt ihm der Gruß der 181 000 Amtswalter entgegen, in den die etwa 250000 Menschen, die das riesige Feld umsäumen, jubelnd einstimmen. Einzug der 21 000 Jahnen Unter den Klängen des Bayerischen Fahnenmarsches ziehen die 21 000 Fahnen in 13 Säulen über den von Menschen besetzten Wall in die freigewordenen Felder zwischen den Aufmarschierten. Wie sich die Freiheitsfahnen des neuen Deutschland über dem Wall in das mit Hunderttausenden bestandene Feld ergießen, wie sich in den Spitzen der Fahnen die Abendsonne spiegelt und wie sich das Meer der Fahnen beim Gedenken an die Toten des Krieges und der Bewegung in den Reihen und auf der Tribüne senken, während die Hunderttausende stumm und ergriffen die Häupter entblößen und neigen— das ist ein Augenblick, der diese treuen Friedenssoldaten Adolf Hitlers die Mühsal dieses Tages vergessen läßt, der aber auch den 250 000, die diesem Appell beiwohnen, unvergeßlich bleibt. Der Stabsleiter der PO, Dr. Ley, bittet den Führer, seiner PO die Marschrichtung für das neue Jahr zu geben. Im Lichte gewaltiger Scheinwerfer steht nun Adolf Hitler vor den 181000 von fast einer Million Männern da, die, um mit den Worten des Führers selbst zu sprechen, nichts als der Drang ihres Herzens nach Nürnberg rief. Jeder Satz seiner großen programmatischen Rede findet ein minutenlanges, oft ohrenbetäubendes Echo der Zustimmung, das sich in Wellen über das riesige Feld fortpflanzt und erneuert. Wie Barthon den Krum=erehen wil Völkerbundsrat zusammengetreten Die 8. Tagung des Völkerbundsrats wurde Freitag vormittag unter Vorsitz des tschechoslowakischen Außenministers Benesch zunächst mit einer geheimen Sitzung eröffnet, in der eine erste Fühlungnahme der Ratsvertreter stattfand. Darauf fand eine öffentliche Sitzung statt. Auf der Tagesordnung fehlten aber noch alle wichtigen und interessanten Fragen, so daß auch das Interesse des im Völkerbundshaus versammelten zahlreichen internationalen Publikums gering blieb. Der Völkerbundsrat vertagte sich auf Sonnabend vormittag 10.30 Uhr. Schon diese nichtssagende Tagesordnung beweist, daß zwischen den Vertretern erst umfangreiche Vorbesprechungen nötig sind, ehe an die Lösung der wesentlichen Fragen herangegangen werden kann. Man spricht sogar davon, daß gewisse Fragen, darunter auch die Saarfrage, erst in der zweiten Hälfte der großen Völkerbundstagung vor dem Rat zur Entscheidung kommen werden. Auch hat sich das Gerücht bisher nicht bestätigt, daß Barthou den Rat sofort veranlassen wolle, sich für die Erteilung eines ständigen Ratssitzes an Sowjet=Rußland auszusprechen. Auch in diesem Punkt bestehen zweifellos noch Schwierigkeiten und Unklarheiten. Es verlautet übrigens, daß Argentinien sich entgegen gewissen Pressemeldungen über seine Haltung bezüglich des Eintritts Sowjet=Rußlands noch nicht endgültig klar geworden ist. Barthou versucht zu überreden Beim Auftakt der Genfer Arbeiten steht die Frage der Aufnahme Sowjetrußlands in den Vökkerbund im Vordergrund der Presseerörterungen Der Genfer Sonderberichterstatter der„Information“ will berichten können, daß die Sowjetregierung gegenwärtig kein Aufnahmegesuch stellen werde. Nach Vorverhandlungen würde der Vertreter einer Großmacht— wahrscheinlich der französische Außenminister Barthou— vor der Vollversammlung die Gründe, die zugunsten eines Eintritts Sowjetrußlands in den Völkerbund sprechen, vortragen und auf eine frühere sowjetrussische Aeußerung über die Bereitschaft Sowjetrußlands zum Eintritt in den Völkerbund hinweisen. Der Redner würde dann die Frage stellen, ob es nicht angebracht sei, der Moskauer Regierung eine Aufforderung zum Eintritt in den Völkerbund zugehen zu lassen. Diese Frage werde den Vertretern der Länder, die gegen die Aufnahme sind, Gelegenheit geben, ihre Auffassung zu begründen. Nach einer ersten Umfrage dürfte diese Vorabstimmung eine Dreiviertelmehrheit für die Aufnahme Sowjetrußlands ergeben. Am Freitagnachmittag verhandelte Barthou mit dem polnischen Außenminister Beck und mit dem argentinischen Völkerbundsvertreter. Es liegt auf der Hand, daß es sich dabei um die Stellungnahme dieser beiden Mächte zum Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund und vor allem zur Frage der Zuerteilung eines ständigen Ratssitzes an die Sowjetunion gehandelt hat. Ohne jeden Zweifel hat der französische Außenminister versucht, diese beiden Staaten für den französischen Standpunkt zu gewinnen. Es ist bezeichnend, daß sich der französische Außenminister schon jetzt an die beiden Staaten gewandt hat, die dem Vernehmen nach im Völkerbundsrat noch Widerstand gegen die französischen Pläne leisten und deren Ablehnung auch verhindert, daß der Völkerbundsrat die Vollversammlung hinsichtlich Rußlands schon vor vollendete Tatsachen stellt. Welches Ergebnis diese Unterredungen gehabt haben, steht zur Zeit noch nicht fest. 4 FM Der Neichepurteilengren um Frenag Uuter strahlend schönem Sommerwetter wurde Einrechnung der Steigerung der Verkausserlöse e### der Garteiwoche g Gesamtverbesserung in einem Jahre um fast auch der Freitag der parteiwoche, der Tag, der in Milliarden RM. ergibt. Als deutliche Anzeid erster Linie der Politischen Organisation der NSDAP gilt, eröffnet. Während die Formationen der politischen Leiter bereits in langen Marschsäulen zum Aufmarschfeld abrücken, wurde die Freitagtagung des Parteikongresses wieder in feierlicher Weise eröffnet. Wieder war die Halle bis bis auf den letzten Platz besetzt, stauten sich die Massen auf den Anmarschwegen des Führers und der führenden Persönlichkeiten der NSDAP, herrschte um die weite Kongreßhalle herum jene Stimmung, die sich nicht in Worte fassen läßt, die man eben nur auf einem Reichsparteitag der RSDAP erleben kann. Plötzlich ein Fanfarenklang. Die Menge erhebt sich wie ein Mann und starrt gebannt auf das Eingangstor: der Führer kommt! Unter den begeisterten Heilrufen von fast 30000 Kongreßteilnehmern schreitet er, umgeben von den Reichsund Gauleitern der Partei, den Obergruppenund Gruppenführern der SA und SS, sowie den Obergebietsführern der Hitler=Jugend durch den Mittelgang der Halle, um dann auf der Führertribüne Platz zu nehmen. Nach dem Einmarsch der Standarten leitet das Reichs=Sinfonieorchester unter Pg. Franz Adam den Kongreß mit der Dann spricht der Stellvertreter des Führers Verminderung der Arbeitslosigkeit Rudolf Heß die Eröffnungsworte. Einrechnung der Steigerung der Verkeusserlöse eine einem Jahre um fast 1.2 Milliarden RM. ergibt. Als deutliche Anzeichen einer beginnenden Gesundung des Bauerntums konnte Reichsleiter Darré auf den starken Rückgung der Zwangsversteigerungen landwirtschaftlicher Grundstücke und auf die Verdoppelung der Spareinlagen bei den genossenschaftlichen Dorfkassen im Jahre 1933 gegenüber dem Vorjahre verweisen. Zum Schluß wies Reichsleiter Darré darauf bin. daß die Sicherung der nationalen Unabhängigkeit des deutschen Volkes in wirtschaftlicher Beziehung keine völlige Abschließung und keine engstirnige Autarkie bedeute. Bei der gegenwärtigen Devisenlage sei der Einfuhrbedarf Deutschlands an Lebens= und Futtermitteln von ganz entscheidender Bedeutung. Selbst unter der Voraussetzung, daß der gesamte Nahrungsmittelbedarf des deutschen Volkes ausreichend sichergestellt sein muß, reiche die neue Ernte zur Versorgung des Volkes mit Brotgetreide aus. ohne daß auf das Ausland zurückgegriffen werden brauche. Die Bauernpolitik im neuen Reich erschöpfe sich nicht in der Vertretung enger Standesinteressen. sondern sei getragen von der Rücksicht auf das Gemeinwohl, getreu dem Wort des Führers in der Regierungserklärung, daß die Gesunderhaltung unserer Bauern die erste Voraussetzung für das Blühen und Gedeiben unserer Industrie, für den deutschen Binnenhandel und für die deutsche Ausfuhr ist. ters Reinhardt mit wachsendem Interesse. Seine Versicherung, daß es auch gelingen würde, den Rest der Arbeitslosigkeit zu überwinden und das Ziel der wirtschaftlichen und sozialen Gesundung zu erreichen, ging fast unter in den stürmischen Beifallskundgebungen der Menge, die erneut anstiegen, als der Führer Hauptdienstleiter Reinhardt für seine Arbeit durch einen Händedruck dankte. Im Anschluß an Hauptdienstleiter Reinhardt sprach Alfred Rosenberg. Seine große Rede über den Aufbruch der Jugend in aller Welt, über den begründeten Anspruch des jungen Deutschland auf Gleichberechtigung im Kreise der Völker und über die epochale Bedeutung der jungen nationalsozialistischen Bewegung wurde häufig von Beifallskundgebungen unterbrochen, die erneut einsetzten, als der Redner auf die Bedeutung des diesjährigen Reichsparteitages für das ganze deutsche Volk zu sprechen kam und ihn feierte als das schönste Symbol für die feste Geschlossenheit aller Gliederungen der nationalsozialistischen Bewegung. Auch sein Gruß an Deutschlands Jugend, verkörpert in der Hitler=Jugend, fand stärksten Widerhall und wuchs empor zu einer gewaltigen Verbundenheits=Kundgebung zwischen der Bewegung und der Jugend, der Bewegung von morgen. Auch ihm dankte der Führer durch einen Händedruck für seine große Rede. Dann vertagte der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, den Kongreß auf Sonntag nachmittag, auf dem bei Anwesenheit des Führers die Reichsleiter Feder, Frank und Hierl sprechen werden. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches verließ der Führer mit seinen Begleitern die Kongreßhalle, drinnen und draußen umbrandet von den stürmischen Heil=Rufen der begeisterten Nürnberger Bevölkerung, die auf dem Wege zur Stadt die Straßen dicht umsäumt hielt, um den Führer zu grüßen. Der Kongreß wurde auf Sonntagnachmittag vertagt. In Anwesenheit des Führers werden dann die Amtsleiter Feder, Frank und Hierl sprechen. „Ausbrackf der Fagens der Went Die Rede Alfred Rosenbergs Straßenbau im Dritten Reich Hauptamtsleiter Todt Hauptamtsleiter Todt, ging nach einleitenden Worten über die Vorgeschichte des Baues der Reichsautobahnen zuerst auf die gesetzlichen Maßnahmen auf dem Gebiete der Reichsautobahnen ein. Sodann berichtete er über den Stand der Arbeiten. Die Teilstrecken Frankfurt a. M.—Darmstadt und München—Holzkirchen z. B. werden schon in diesem Winter befahrbar. 1935 werden rund 300 Kilometer fertig und im Jahre 1937 werden große Fernverbindungen mit einer Gesamtlänge von 2700 Kilometer in Betrieb sein. Die Zerrissenheit im Straßenbauwesen habe zu einer Zersolitterung der Mittel geführt, so daß trotz der hohen Ausgaben kein erfolgreiches Ergebnis erreicht wurde. Die Art, wie der Führer hier eingriff, sei wieder sombolisch für das Vorgehen eines großen Führers. Der Führer hilft— aber er hilft nicht dadurch, daß er sich bei den augenblicklichen Hindernissen aufhält— ein großer Führer hilft dadurch über Schwierigkeiten hinweg, daß er das Ziel weitersteckt und die Gefolgschaft dadurch mit sich reißt. Die Reichsautobahnen, die Straßen Adolf Hitlers. werden ein bleibendes Denkmal nationalsozialistischen Wollens sein. Sie werden zum technischen Ausdruck des nationalsozialistischen Reiches und werden mit der Geschichte des nationalsozialistischen Deutschen Reiches ebenso untrennbar verbunden eein, wie die Straßen Roms mit dem Begriff des römischen Imperiums. Die Rechenschaftslegung Dr. Todts wurde häusig von Beifallskundgebungen unterbrochen. Als der Führer dem Generalinspektor durch einen Händedruck für seine wertvolle Arbeit an diesem Werk, das für Jahrhunderte bestimmt ist, dankte, wollten die Beifallsrufe kein Ende nehmen. Bauerupolitik im neuen Reich Reichsbauernführer R. Walther Darré In seiner Rede verwies Reichsleiter Walther Darré darauf, daß der Nationalsozialismus die Hauptdienstleiter Reinhardt Als nächster Redner sprach dann Hauptdienstleiter Reinhardt über den nationalsozialistischen Kampf um die Verminderung der Arbeitslosigkeit. Er wies einleitend darauf bin, daß die Arbeitslosigkeit in den ersten 18 Monaten nur noch 2.4 Millionen beträgt. Es wird gelingen, die Arbeitslosigkeit in wenigen Jahren so gut wie zu beseitigen. Die Besserung wird beschleunigt und gefestigt durch finanzpolitische, steuerpolitische und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Nach wenigen Wochen wird das neue Einkommensteuergesetz erscheinen, das bereits auf die Einkommen Anwendung findet, die im Frühjahr 1935 für 1934 zu veranlagen sein werden. Dieses neue Einkommensteuergesetz enthält eine Bestimmung, wonach Steuerfreiheit für jegliche beweglichen Gegenstände des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals. deren betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer erfahrungsgemäß 10 Jahre nicht übersteigt, erlangt werden kann. Der Erfolg aller bisherigen Maßnahmen siegelt sich in aller Eindeutigkeit in den Zahlen über das Aufkommen an Steuern. Abgaben und Sozialversicherungsabgaben. Umsätze und Volkseinkommen bewegen sich unentwegt nach oben. Die Ergiebigkeit der Steuerquellen und der Beitragsquellen wird von Monat zu Monat größer. Die Sozialvolitik im Adolf=Hitler=Staat ist nicht nur darauf abgestellt, die Arbeitslosigkeit zu vermindern, sondern auch darauf. die Kaufkraft und damit den Lebensbaltungsstand der arbeitenden Volksgenossen zu erhöben. Wir denken nicht daran, uns mit den diesjährigen Erfolgen zu bescheiden. Wenn alle Volksgenossen und Volksgenossinnen im Rahmen der Richtlinien des Führers ihre Pflicht tun, dann können wir der Zukunft frohen Mutes und voller Zuversicht entgegensehen. Die temperamentvollen Ausführungen des Hauptdienstleiters Reinhardt riefen immer wieder die begeisterte Zustimmung des Kongresses hervor. Insbesondere seine eingehende Darstellung der bisherigen Erfolge des Gesetzes über die In seiner Rede auf dem Reichsparteitagskongreß über das Thema„Der Aufbruch der Jugend in der Welt“ führte Reichsleiter Alfred Rosenberg u. a. aus: Die ganze Welt weiß heute, daß das Jahr 1914 Symbol eines furchtbaren Weltzusammenbruchs ist, zugleich aber auch überall die Neugeburt des staatlichen Lebens einleitet. Das neuangestrebte Gleichgewicht der rassischen und staatlichen Kräfte auf diesem Erdball hat gleichzeitig ein neues Gesicht des heranwachsenden Geschlechts geformt, das schon im jüngsten Alter vor die Probleme der Weltgeschichte und des Bestehens der eigenen Nation gestellt wurde. Für die Jugend ergab sich jetzt ein zweifacher Entscheidungsweg: Entweder den Ideen vor 1914 mit doppelter Energie zu folgen oder aber eine radikale Abkehr von der jüngsten Vergangenheit zu halten und den Mut zu schöpfen, aus den Forderungen unserer Zeit heraus sich kühn das Leben zu gestalten und den Staat der Zukunft mit erbauen zu helfen. Die Staaten, in denen so oder so bestimmte Folgerungen aus dem Zusammenbruch gezogen wurden, sind vor allem die Türkei, Rußland. Italien und Deutschland. Was die Jugend in der Türkei betrifft, so wächst diese in neuer Form heran und rückt dieses Land in den Kreis wichtiger weltpolitischer Betrachtungen, wenn es auch nicht unmittelbar auf Deutschland seine Kräfte ausgestrahlt hat. Bei der Betrachtung der weltanschaulichen Einstellung der Jugend in Sowjetrußland wies Rosenberg nach, daß sich Sowjetrußland zu einer immer schärfer werdenden politischen Diktatur entwickelte, in der eine kleine Herrscherschicht, ausgerüstet mit allen technischen Waffen des 20. Jahrhunderts, viele Dutzende von Millionen Menschen zu surchtbarer Fronarbeit zwingt. Bei seiner vernichtenden Abrechnung mit dieser östlichen Entwicklung kam der Redner zu dem Ergebnis, daß es sich hier um die Absage an das Individuum an sich und die Zusammenfügung dieser früher einzeln gewerteten Individuen zu Gemeinschaftsgruppen handelt. Der Redner wandte sich dann dem faschisti schen Italien zu. Im faschistischen Italien haben wir mit stärkstem Interesse verfolgt, wie eine energische große Persönlichkeit als Ausdruck eines jungen Geschlechts einen neuen Staat formte und nach der gelungenen Machtdurchsetzung bei Inangriffnahme der sozialen Neugestaltung auch die lung der bisherigen Erfolge des Gesetzes über die griffnahme der sozialen Neugestaltung auch die Rettung d deutschen Bauern als eines seiner Gewährung von Ehestanosparlehen. fanv großen herandrängende noch jüngere weneration zu tätigem veitung des detilchen Bauern als eines Veiner Beifall. Die bei dieser Geiegenheit von iym Leben zu erwecken suchte. Dem Streben nach Wiegrundlegenden Ziele aufstellte. Leitgedanke der Bauernpolitik im neuen Reich bleibt, die bereits innerhalb eines Jahres um etwa 800 Millionen Mark gesteigerten Verkaufserlöse der Landwirtschaft gegenüber ihrem Tiefstand zu halten oder weiter zu steigern, aber nur soweit eine allgemeine Erhöhung des Volkseinkommens diese Steigerung ohne zusätzliche Belastung des Verbrauchers zuläßt. Auch durch eine Senkung der Ausgaben war die Agrarpolitik des neuen Reiches bestrebt, den Bauern noch auf andere Weise eine fühlbare Entlastung zu verschaffen, die sich allein durch Steuersenkungen usw. aus 387 Mill. RM. beläuft, sodaß sich unter Thall. Die bei dieser Gelegenheit von ihm eingeschaltete Bemerkung, daß die Ehestandsdarlehen nicht zuletzt auch eine Mehrbeschäftigung in der Spielwarenindustrie nach sich ziehen würde, wurde mit stürmischer Heiterkeit aufgenommen. Das ausführliche Zahlenmaterial, mit dem Staatssekretär Reinhardt die Verminderung der Arbeitslosigkeit belegte, ließ die ungeheure Größe, aber auch die grandiosen Erfolge des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit erkennen. Der Parteikongreß folgte diesen Ausführungen des HauptdienstleiDer Führer beim Arbeitsdienst Der Kanzler fährt die Front des Arbeitsdienstes ab, der in einer Stärke von 52.000 Mann aus der Zeppelinwiele angetreten ik.. 7 Leben zu erwecken suchte. Dem Streben nach Wiedergeburt des altrömischen Wesens gemäß ist diese Volks= und Jugenderziehung vom Staate ber geleistet worden. Die Gestaltung der Jugend wurde unmittelbar aus der feststehenden staatlichen Schöpfung abgeleitet. Die erprobten politischen und militärischen Vorkämpfer des Faschismus entsandten ihre Beauftragten, um die Disziplinierung des jungen Italien durchzuführen. Der Nationalsozialismus fühlt sich stark genug, um über den Ereignissen des Tages die geschichtliche Situation. in welcher die um neue Lebensformen ringenden Völker stehen. niemals zu vergessen, und er weiß, daß die Erziehung großer Völker nicht eine Angelegenheit weniger Jahre, sondern vieler, vieler Jahrzehnte ist. Sodann wandte sich Reichsleiter Rosenberg dem nationalsozialistischen Deutschland zu. Er setzte sich mit dem Nationalsozialismus als Weltanschauung auseinander und wies dabei nach. daß im fortdauernden Kampfe deutsches Leben und deutsches Fühlen entgiftet wurde von dem jüdischmarxistischen Individualismus. Der Nationalsozialismus hat es verstanden, daß die Begriffe Individuum und Persönlichkeit entgegengesetzt sind, daß Massenhaftigkeit nichts mit Volkheit zu tun hat, und daß das von allen Bindungen gelöste Individuum der gestaltlosen Masse gehört. Das Geheimnis des nationalsozialistischen Erfolges liegt neben dem unerschütterlichen Glauben an den Führer in der Tatsache des Willens aller Deutschen begründet, sich nicht als Privatversonen zu fühlen, sondern sich überall zu bekennen als Diener bestimmter Gemeinschaften. Reichsleiter Rosenberg legte dann ein Bekenntnis ab zur deutschen Jugend. die heute unsere Hoffnung darstellt. Auf ihren jungen Schultern ruht heute schon eine Verantwortung, wie kaum ein anderes junges Geschlecht sie zu tragen hatte. Diese Jugend soll eingeführt werden in den Glauben des Nationalsozialismus als Weltanschauung und soll begreifen, daß schwere Arbeit eine Ehre und Pflicht für sie darstellt und nicht einen Mißbrauch ihrer Rechte. Unsere deutsche Jugend darf nicht ferngehalten werden von dem Schicksal unserer Zeit, sondern hat möglichst früb teilzunehmen an unserer sozialen Arbeit, an dem Kampf um Deutschlands Freiheit und Gleichberechtigung und an dem Kampf um die innere Ausgestaltung des deutschen Menschen. Wer einmal die alten Schicksalsmächte überwunden hat, der wird als erster imstande sein, die besten Grundlagen für eine neue Welt zu schaffen. Das ist unsere Hoffnung auf die Jugend gerade heute, die einst berufen sein wird, das Werk fortzusetzen, das heute schon in weltgeschichtlicher Bedeutung durch die gesamte deutsche Nation verkörpert wird. Ehre und Recht Die Tagung der RS=Kriegsopferversorgung Mit dem festlichen Kaisermarsch von Richard Wagner wurde am Nachmittag des Freitag die Tagung der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung im Kulturvereinshaus eröffnet, der neben vielen Ehrengästen auch Reichsminister Seldte beiwohnte. Der Reichskriegsopferführer, Pg. Hans Oberlindober, wies in seinem Rechenschaftsbericht über das im vergangenen Jahr Geleistete darauf hin, daß ein Soldat, der im Kriege als Held bezeichnet wurde, in sich die Verpflichtung trage, das heroische Leben des Frontsoldaten dem ganzen Volke vorzulegen. Soldatische Gesinnung dauere über Krieg und Frieden hinaus, sie äußere sich am vornehmsten in der Unterordnung des einzelnen unter die Interessen der Gesamtheit, in Disziplin und dem Dienen am Ganzen schlechthin. Das unter Adolf Hitler geeinte deutsche Volk sei sich nun auch seiner Pflichten den Kriegsopfern gegenüber bewußt geworden. Zehntausend, darunter auch Schwerverletzte, hätten wieder Brot gefunden, Heimstätten seien ihnen errichtet worden, in der Regierung und in den Parteistellen sei man an der Arbeit, dem Werk die gesetzliche Krönung zu geben. Von den zukünftigen Aufgaben der RSKOV hob der Reichskriegsopferführer den Kampf um die Ehre und das Recht Deutschlands in der Welt hervor. Die Gegner von ehedem, an deren Tapferkeit die deutschen Frontsoldaten mit Hochachtung zurückdenken, seien zweifellos mit der gleichen Achtung vor dem deutschen Soldaten zurückgekehrt. Diese Achtung müsse und werde Brücken schlagen, diese Achtung der Soldaten voreinander werde zwangsläufig die Achtung der Völker erzwingen. Wir geloben, so schloß der Reichskriegsopferführer, unserem Führer Treue und Gefolgschaft, damit das Sterben und Bluten deutscher Soldaten seinen Sinn behalten kann. von Papen in Nürnberg Der deutsche Gesandte und bevollmächtigte Minister in Wien, Franz von Papen, hat am Freitag um 10 Uhr Saarbrücken im Sonderflugzeug verlassen, um sich zum Reichsparteitag der RSDAP nach Nürnberg zu begeben. Gesandter von Papen ist um 11.22 Uhr auf dem Nürnberger Flughafen gelandet. Der Reichsparteitag der Arbeit und Freude Der Reichsparteitag 1934 ist die gewaltige Demonstration des Nationalsozialismus. Nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt muß voll Bewunderung mit uns, die wir all dies Große in Nürnberg miterleben dürfen, feststellen, daß das deutsche Volk unter Führung der NSDAP. im ersten Arbeitsabschnitt durch den Glauben Berge versetzt hat. Unmögliches wurde möglich gemacht. Ein geeintes Volk der Arbeit zeigt sich der Welt. Dazu kommt für uns alle die Freude und das Erlebnis, mit den Parteigenossen aus ganz Deutschland gemeinsame Stunden verleben zu dürfen. Daher wird es nicht nur von den Nürnbergern, sondern auch von allen Parteigenossen freudig begrüßt, daß das Volksfest des Reichsparteitages in derart großer Form durchgeführt wird. Darüber hinaus aber werden wir auch hier vollkommen Neues erleben und der Welt zeigen. Nicht nur das monumentale Feuerwerk, sondern auch die anderen Veranstaltungen des Volksfestes zeigen die Umformung des deutschen Volkes auch auf dem Gebiete der Freude. Die Größe des Nationalsozialismus gibt allen Gebieten des Volkslebens ihren Stempel. Nr. 210(Zweites Blatt) „Schwerter Zeitung“ Samstag, 8. September 1934 Aus der engeren Reimat Schwerte(Ruhr), Samstag den 8. Sept. 1934 Cagesspruch Ach, wenn in unsrer engen Zelle Die Lampe freundlich wieder brennt, Dann wird's in unserem Busen helle, Im Herzen, das sich selber kennt. Vernunft fängt wieder an zu sprechen, Und Hoffnung wieder an zu blühn: Man sehnt sich nach des Lebens Bächen, Ach, nach des Lebens Quelle hin. Goethe. Vom Wetter Die begonnene Schönwetterlage wird sich für Mitteleuropa weiter erhalten, da der Ozeanwirbel westlich von Großbritanien eine gegen das Nordmeer gerichtete Bahn eingeschlagen hat. Er füllt sich bereits auf und entsendet seine Störungsausläufer nur noch bis Großbritannien, die über Schottland und Irland bei südöstlichen bis südlichen Winden vielfach Regen bringen. Wetteraussichten für Sonnabend: Winde aus vorwiegend südlichen Richti Fortbestand des meist heiteren und warmen Wetters, strichweise Frühnebel. Wetteraussichten für Sonntag: Schönwetterlage noch nicht gefährdet. Maria Geburt.„Zu Maria Geburt, ziehen die Schwalben furt“, lautet eine alte Bauernregel. Der 8. September scheint erst seit dem 7. Jahrhundert im Sinne von nativitas Mariae zu bestehen und wird von der römischkatholischen Christenheit der verschiedensten Länder gefeiert, gilt besonders dem Landmann als Verkündigung des nahenden Herbstes. : Silberne Hochzeit. Am Sonntag, dem 9. September feiern die Eheleute Lok.=Führer Karl Eberling und Frau Hulda, geb. Sinn, Hermannstr. 15 das schöne Fest ihrer silbernen Hochzeit. Schon seit dem ersten Tage der ehelichen Gemeinschaft ist das geschätzte Jubelpaar Leser der„Schwerter Zeitung“. Zum morgigen hohen Familientage unsere herzlichsten Glückund Segenswünsche! Fräulein Agnes Tütel 70. Jahre alt. Gestern erreichte unsere wohlbekannte Mitbürgerin, die frühere Schulvorsteherin Fräulein Agnes Tütel, Große Marktstraße wohnhaft, das 70. Lebensjahr. Drei Jahrzehnte lang hat sie am Aufbau unseres Lyzeums mit außerordentlichem Erfolge gearbeitet. Unter ihrer gewissenhaften Leitung, die sie seit 1893 innegehabt, nahm die damalige höhere Töchterschule einen derartigen Aufschwung, daß sie als Lyzeum anerkannt werden konnte. Unsere Lebensjubilarin wurde 1864 als Tochter des in Schwerte ansässigen Arztes Dr. Tütel geboren. In jungen Jahren bereiste sie schon das Ausland und erst im Herbst 1892 kehrte sie von Bonn aus in ihre Heimatstadt zurück. Am 19. September 1893 trat sie ihr Amt in Schwerte an. Am 2. Februar 1920 machte die Schulvorsteherin Agnes Tütel jene denkwürdige Eingabe an den Vorsitzenden des Kuratoriums, Bürgermeister Rohrmann, in der es hieß: „Die Schule hat sich in natürlichem Wachstum so weit entwickelt, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, die Anerkennung der Schule als Lyzeum beim Provinzialschulkollegium nachzusuchen.“ Am 27. Januar 1922 kam dann vom Ministerium die Anerkennung. Der Name der früheren Vorsteherin wird auch unvergessen bleiben durch die von ihr ins Leben gerufene Agnes Tütel=Stiftung. Die nunmehr 70jährige ist noch außerordentlich beweglich und im wohltätigen Sinne besonders tätig. Die „Schwerter Zeitung“, die sich aus alter Tradition mit der Lebensjubilarin auch schon als Nachbarin besonders verbunden fühlt, spricht dem Geburtstagskinde die herzlichsten Glückwünsche aus! ** 70 Jahre alt. Morgen feiert der BergInvalide Karl Dahlbüdding in körperlicher Rüstigkeit und in geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. 5 Kinder und 7 Enkelkinder gratulieren dem Hochbetagten zu seinem Ehrentage. Als Schwerter Kind geboren, hat er auf der Scholle seiner Eltern der Heimat die Treue gehalten. Schon seit Bestehen der„Schwerter Zeitung“ ist sein Name in der Abonnementsliste zu finden. Seit 5 Jahren ist sein Besitztum durch die Eröffnung des Café Blumenhain weit und breit bekannt geworden und bis heute das Ziel vieler Tausender gewesen. Er ist stolz darauf und es macht ihm Freude, wenn die vielen Besucher die Schönheit der Aasagen bewundern. Möge ihm noch ein ager Lebensabend an der Seite seiner sregen Gattin, die ebenfalls weit und breit geschätzt wird, beschieden sein. Wir schließen uns den vielen Gratulanten an! X Folgenschwerer Sturz. Gestern nachmittag wurde eine auf der Schwerterheide(Osthellweg) wohnende ältere Frau H. von einem bedauerlichen Unfall betroffen. Infolge eines Fehltrittes auf der Treppe ihrer Wohnung kam sie so unglücklich zu Fall, daß sie sich einen Bruch des rechten Armes zuzog; außerdem war die Quetschung einiger Rippen die Folge des unglücklichen Sturzes. Die Schwerter Nürnbergfahrer(Amtswalter), unter ihnen Propagandaleiter Rau, teilen uns mit, daß sie bereits am 6. September sämtliche Führer, Adolf Hitler, Dr. Gobels, Gauleiter Streicher, den Chef des Stabes Lutze und den Reichsführer der SS. Himmler, aus nächster Nähe gesehen hätten. Ueber den Betrieb in Nürnberg heißt es:„Es ist überwältigend!" . Schwerter Musiker in Nürnberg. Vom Musikzug der SA=Standarte 329 Schwerte sindgestern mittag Musikzugführer Norbert Köppikus, Obertruppführer Willi Loos und Oberscharführer Otto Specht, nach Nürnberg abgereist. Sie werden zusammen mit den Iserlohnern während des großen Vorbeimarsches vor den Führer spielen. . Ab nach Nürnberg! Gestern am späten Nachmittag fuhren mehrere Mitglieder der SA=Reserve vom Schwerter Bahnhof nach Nürnberg ab. Am Nachmittag vorher fuhren die Fahnenträger mit ihren Begleitern und den Fahnenoffizieren nach Dortmund, wo die ganzen SA=Sturmfahnen der Gruppe Westfalen sammelten, um in einem geschlossenen Sonderzuge nach Nürnberg zu fahren. -. Der Kursus im Rettungsschwimmen wird Sonntagvormittag um 11 Uhr in der Schützenhof=Badeanstalt fortgesetzt. Die Schwerter Kinderreichen fahren zur Kundgebung des R. D. K. Am 16. September veranstaltet der Reichsbund der Kinderreichen, Gau Westfalen=Süd, seine Kundgebung in Iserlohn; der Reichsbundesleiter, Pg. Stüwe, wird anwesend sein; Staatsrat, Gauleiter Pg. Jos. Wagner wird zu den Teilnehmern sprechen.— Auch diese Tagung der Kinderreichen soll ein Mahnruf an unser liebes, teures Volk sein, den größten edelsten Reichtum in seinen gesunden, frohen Kindern zu sehen: Kinderarmut bedeutet Selbstmord des Volkes; Kinderreichtum ist das sichtbare Zeichen für Gottvertrauen, Opferbereitschaft und Pflichtbewußtsein. Auch die Schwerter Kinderreichen werden sich an der Iserlohner Kundgebung beteiligen; über die Art der Beteiligung wird die heutige Versammlung entscheiden. :: Vom Bürgerschützenverein Schwerte. Uns wird geschrieben: Unter dem Vorsitz unseres Oberstleutnants fand gestern Abend eine Offiziersversammlung statt. Die vollzählig erschienenen Herren nahmen die letzten Befehle seitens unseres Herrn Obersten in Empfang, betreffs unserer, am 16. September stattfindenden großen Herbstübung, die mit großem Biwakfeuer und Tanz verbunden sein wird. Die Mannschaften sind allabendlich damit beschäftigt, ihre Gewehre zu reinigen, damit es Sonntag in 8 Tagen oben im Schwerterwald und auf der Heide tüchtig knallen kann.— Nach der Arbeit wurde dem alten Obersten noch ein kleiner Besuch abgestattet, und in feucht=fröhlicher Stimmung und mit den besten Hoffnungen auf die große Uebung verließ man das Schützenkasino. X Aus der kath. Gemeinde. Im Anzeigenteil erinnert die Kirchenkasse noch einmal an die Zahlung der zweiten Rate der Kirchensteuer, die bereits am 19. August fällig war. Am 12. ds. Mts. beginnt das Finanzamt mit der Einziehung der Rückstände, die kostenpflich“ tig ist. Wer daher Kosten sparen und Aerger vermeiden will, zahle schleunigst seine Steuern bei der Kasse Mülmkestraße 13 ein. Unser aktueller Bilderdienst zeigt folgende neue Photos: Sie starben für uns; sie leben in uns allezeit!; Die Reichsautobahnen geben 350000 Menschen Arbeit und Brot; Letzter Appell vor dem Treffen zum Reichsparteitag 1934 in Nürnberg; 60 Maschinengewehrschützen werden in ein französisches Militärflugzeug geladen. + Achtung Flachsanbauer! Die Landesbauernschaft hat den Flachsanbauern die Abnahme des anfallenden Flachses garantiert. Um eine bestmöglichste Verwertung des Flachses vornehmen zu können, sind genaue Unterlagen über die in der Landesbauernschaft vorhandenen Mengen an Strohflachs— aus alter und aus neuer Ernte— erforderlich. Alle Flachsanbauer wollen daher umgehend auf einer Postkarte mitteilen, wieviel Flachs durch uns der Verwertung zugeführt werden soll. Nur für die uns aufgegebenen Mengen kann die Verwertung übernommen werden. Anschrift: Landesbauernschaft Westfalen, Hauptabteilung 2, Münster, Schorlemerstraße 6. - Sonntagsfahrkarten zur Hüstener Kirmes. Aus Anlaß der Hüstener Kirmes, verbunden mit Tierschaufest und der Ausstellung des Reichsnährstandes„Sauerländisches Bauerntum“ am 9. und 10. September werden von den Bahnhöfen der Strecken Fröndenberg— Bestwig, Fröndenberg— Balve und Wennemen bis Wenholthausen Sonntagsfahrkarten mit folgender Gültigkeit ausgegeben: Für die Hinfahrt vom 8. 9. 12 Uhr bis 10. 9. 24 Uhr(Beendigung der Hinfahrt).— Für die Rückfahrt vom 8. 9. 12 Uhr bis 10. 9. 24 Uhr(spätester Antritt der Rückreise). - Die Lennebrücke im Zuge der Bahnhofstraße in Letmathe wird wegen Ausführung von Teerarbeiten an der Straßenecke für jeglichen Verkehr mit Pferdefuhrwerken, gleichgültig in welcher Schwere, sowie für den Verkehr mit Lastkraftwagen über 5,5 Tonnen (Elasticbereifung) Gesamtgewicht, in der Zeit vom 10. bis 22. September 1934 gesperrt. Zugelassen werden nur Krafträder, Personen= und Lastkraftwagen unter dem angegebenen Höchstgewicht(sogenannte Schnell=Lastwagen). Die Umleitung der schweren Lastwagen u. Pferdefuhrwerke erfolgt über Grüne—Nachrodt— Stenglingsen. Vom Ruhrtalmuseum Schwerte Schwerte, 8. Sept. Nachdem die Ferien beendet, stellt sich das Ruhrtalmuseum wieder in den Dienst der Schulungsarbeit. Besonders germanische Vorgeschichte kann im Museum recht lebendig und anschaulich studiert werden. Zahlreiche Schulen, NS. L.=Gemeinschaften und und Gesellschaften von Nah und Fern machten schon einen Besuch im Museum und lernten heimatliche Kulturgüter kennen. Jetzt sind wieder eine Anzahl Schulen und Gesellschaften vorgemeldet. Sonntag nachmittag 3 Uhr kommt der Sauerländische Gebirgs=Verein von Iserlohn zu einem Besuch der Schwerter Kulturschätze. Aus diesem Anlaß ist das Museum ausnahmsweise auch nachmittags geöffnet. Sonst sind die Besuchszeiten: Sonntags von 10 bis 13 Uhr, Mittwochs und Freitags von 15 bis 18 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt nur 10 Pfg. Deutsche Volksgenossen lernt eure Heimat kennen und lieben, besucht das RuhrtalMuseum im Alten Rathaus! Vor 20 Jahren Ein Schwerter Augenzeuge berichtet über den Anterguns der Vor zwanzig Jahren, meldete die„Schwerter Zeitung“ in der Ausgabe von Montag, den 31. Aug. 1914, daß am 28. Aug., vormittags das erste Seegefecht in der deutschen Bucht in der Nordsee statgefunden habe. Bei unsichtigem Wetter seien mehrere kleinere Kreuzer und zwei Zerstörerflottillen, im ganzen 40 Zerstörer nordwestlich von Helgoland aufgefallen.„Es kam zu hartnäckigen Einzelgefechten zwischen ihnen und unseren leichten Kreuzern. Die deutschen kleinen Kreuzer wollten nach Westen durchbrechen und gerieten dabei infolge des unsichtigen Wetters in ein schweres Gefecht mit mehreren starken Panzerkreuzern. Der Kreuzer Ariadne sank von zwei Schlachtschiffen mit schwerer Artillerie beschossen, nach ehrenvollem Kampf in die Tiefe. Der größte Teil der Besatzung konnte gerettet werden. Auch das Torpedoboot V 187 sank in die Tiefe. Die Kreuzer Köln und Mainz sind nach Zeitungsmeldungen aus London gesunken—.—“ Die„Schwerter Zeitung" brachte dann Augenzeugenberichte vom Untergang des Torpedobootes und der„Ariadne". Heute sind wir in der Lage, einen Bericht von einem Mitkämpfer zu bringen, der sich auf der„Ariadne“ befand und gerettet wurde. Seit einigen Jahren ist der Augenzeuge in Schwerte ansässig. „Ich befand mich am 28. 8. 1914 als Fähnrich am Entfernungsgerät, welches an einem, besonders über die Decks ragenden Podest angebracht war, sodaß ich den ganzen Verlauf des Kampfes genau beobachten konnte. Gegen Mittag kam der Befehl zum Jagen feindlicher Torpedoboote. Die„Ariadne“ ist dann nach Westen allein vorgestoßen, um die dort bereits im Kampfe befindlichen Dampfer„Köln" und „Mainz“ zu unterstützen. Nach zweistündiger Fahrt hörten wir Geschützdonner in nordwestlicher Richtung. Es war neblig, sodaß der Horizont nicht zu erkennen war. Gegen 2 Uhr wurden wir von einem feindlichen U=Boot angegriffen, doch gelang es unserem Kommandanten, Fregattenkapitän Seebohm, durch geschicktes Ausweichen abzudrehen, sodaß das U-Boot nicht zum Schuß kommen konnte. Das Geschützfeuer wurde immer lauter. Eine halbe Stunde später zerriß die Nebelwand, und wir befanden uns zwei feindlichen Panzerkreuzern gegenüber, die uns sofort unter Feuer nahmen. Bei der geringen Entfernung von höchstens 3 Klm. war es den an Panzerung und Artillerie weit überlegenen Gegnern ein leichtes, unser Schiff in wenigen Minuten kampfunfähig zu machen. Es handelte sich um zwei Panzerkreuzer der LionKlasse, Schiffsriesen von 27000 Tonnen mit je acht 34,3 cm=Geschützen. Die„Ariadne“ dagegen war ein alter kleiner Kreuzer mit ungefähr 300 Mann Besatzung. Das Schiff war erst im Kriege wieder in Dienst genommen worden. Die erste Salve der Gegner lag ungefähr 100 Meter zu kurz, die zweite etwa 50 Meter zu weit, dann hatte sich der Engländer eingeschossen. Getreu seinem Prinzip, durch Schrapnells eine ungeheure Verwüstung an Deck anzurichten, zerstörte er erst unsere Funkanlage. Ein zweiter Volltreffer traf in das Achterschiff, dessen Aufbauten zusammenbrachen. Aus diesem gräßlichen Bild der Verwüstung tauchten mehrere Kameraden auf, um sich, zum Teil schwer verwundet, nach vorn zu begeben und zu retten. Unser Gefechtsverbandsplatz mit dem Arzt und dem Sanitätskasten waren schon ausgefallen, sodaß niemand an Bord mehr in der Lage war, den Verwundeten eine sachgemäße Hilfe zuteil werden zu lassen. Ein zweiter Volltreffer schlug unter die Kommandobrücke in den vorderen Torpedoraum und vernichtete dort die Mannschaft. Inzwischen kam Meldung von achtern, daß auch die achtere Munitionskammer in Brand geraten sei. Der Erste Offizier schickte mich zum Kommandanten und ließ ihn bitten, die Kammer voll Wasser laufen zu lassen. Die Erlaubnis wurde erteilt, da fast alle Geschütze aus der Lafette geflogen waren oder die Mannschaft ausgefallen war, sodaß wir die Munition doch nicht mehr gebrauchen konnten. Die tief im Schiff gelegenen Ventile der Munitionskammern können auch durch Gestänge vom Deck aus geöffnet werden. Diese Verbindungsstangen waren jedoch infolge der Zerstörungen an Bord verbogen, man konnte daher an diese Ventile nicht mehr herankommen. Der Erste Offizier, Korvettenkapitän Franck, ist dann unter Deck gegangen und seitdem verschollen. Vermutlich hat er versucht, die Kammer noch an Ort und Stelle zu fluten. Inzwischen hatten unsere Feinde die Beschießung eingestellt, wahrscheinlich, weil sie die Ankunft unserer Panzerkreuzer(Aufklärungsgruppe) bemerkt hatten. So trieb die„Ariadne“ hilflos und überall brennend in der Nordsee. Wegen der Gefahr, daß bei einer zu erwartenden Detonation unserer Munitionskammer die gesamte Mannschaft umkommen würde, und da in der Nordsee glücklicherweise ruhiges Wetter herrschte, gab der Kommandant den Befehl zum Verlassen des Schiffes. Unsere Rettungsboote waren so zerschossen, daß sie nicht mehr zu geSchluß des redaktionellen Teils. Vereinsnachrichten Deutsches Rotes Kreuz. V. F. V.(Vaterl. Frauen=Verein). Der erste Arbeitsnachmittag findet kommenden Dienstag, den 11. Sept. um 15.30 Uhr bei Oberschelp statt. Im kommenden Winter werden unsere Aufgaben noch umfangreicher sein als bisher. Eine regelmäßige und große Beteiligung ist daher unbedingt notwendig. Ein gemeinsamer Ausflug soll 8 Tage nach dem Arbeitsnachmittag stattfinden. Alle, die teilnehmen wollen, müssen Dienstag, den 11. ds. erscheinen. Es wird dann Näheres bekanntgegeben. * VfL. Schwerte. Am heutigen Abend hält der Verein für Leibesübungen e. V. im Vereinslokal Haselhoff eine wichtige Versammlung. Aerztlicher Sonntagsdienst am 8./9. September: Dr. Straßen. Westhosen, 2518. Dr. Dinger, Brückstr. 3, 2324. Dr. Krahe, Holzen, 2333(Stall). Geöffnet ist die Neue Apotheke. 4 brauchen waren. Auf Hängematten und allen möglichen Schwimmgegenständen versuchten sich einige Kameraden zu halten. Glücklicherweise kamen in diesem Augenblick die deutschen Kreuzer„Stralsund" und„Danzig“, welche ihre Rettungsboote aussetzten und die schwimmende Mannschaft an Bord nahmen Leider war es nicht mehr möglich, das Schiff zu bergen; denn etwa 15 Minuten nachdem der letzte Mann das Schiff verlassen hatte, erfolgte eine surchtbare Detonation. Die„Ariadne“ kenterte nach Steuerbord, trieb noch einige Minuten kieloben und versank dann. Neben dem 1. Offizier waren der Schiffarzt, Ritter von Berger, der Wachoffizier Helbing und über 70 Mann der Besatzung gefallen. Das Gefecht wird fälschlicherweise die Schlacht bei Helgoland genannt, der wahre Gefechtsplatz liegt jedoch viel weiter westlich: Genau nördlich der Westspitze von Norderney und genau westlich von der Südspitze von Helgoland. Da von den Schwerverwundeten der„Ariadne“, soweit sie überhaupt gerettet werden konnten, noch mehrere starben, so war von der ganzen Besatzung ein Drittel gefallen(bzw. verbrannt oder ertrunken), ein Drittel war verwundet und ein Drittel war unverwundet geblieben. Am 28. 8. 1934, am 20. Jahrestage dieses Gefechtes, versammelte unser alter Kommandant, Herr Konteradmiral Seebohm, den Rest seiner getreuen Mannschaft, um mit ihr noch einmal zum Gefechtsplatz zurückzukehren. Den toten Kameraden wurde eine Gedächtnisfeier auf dem Heldenfriedhof zu Wilhelmshaven gewidmet. Am 27. und 28. August fuhr der von der Reichswehr zur Versügung gestellte Dampfer„Vossklapp“ unter Führung seines braven Kapitäns Heinrich mit der Besatzung in die Nordsee. An der Stelle, wo vor 20 Jahren das Shne Trirt Marsch Ein Roman aus den Kampfjahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 121. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Blasero machte eine Pause und setzte das Glas mit dem scharfen Inhalt an die Lippen. Was der Kleine vertragen konnte, war unheimlich. Er bestellte wieder Whisky. Wie zur Rechtfertigung sagte er:„Whisky kann mir nicht das geringste anhaben— er verstärkt nur meine Gedanken bei wichtigen Unterhandlungen. Ich vertrage mehr als ein Großer. Ich werde auch feinfühliger, wenn ich trinke, und es ist wichtig, zu wissen, was andere über mich denken. Man kann sich dann richtig einstellen——“ In diesem Augenblick trat ein Zeitungshändler in die Diele, der neben den Abendzeitungen und Nachtausgaben ein Extrablatt der „Neuesten Nachrichten“ mit sich führte.„Der Fall Katzur vor Gericht— Das Gefängnis wartet auf Stüwen“, so lauteten die Schlagzeilen. Gleich als der Händler den Schriftleiter des„Wächters“ erblickte, legte er den Stoß Extrablätter hastig zu unterst. Stüwen hatte diesen Vorgang genau bemerkt. Er wunderte sich nicht mehr. Der Händler, den er nicht aus den Augen ließ, vermied es ängstlich, an Stüwens Tisch zu kommen. Da rief Blasero:„He! Zeitungsmann! Den neuesten„Wächter!““ Der Händler zuckte die Achseln.„Führe ich nicht mehr.“ Blasero fuhr auf.„Was heißt das: nicht mehr? Haben Sie die„Völkerwacht' da?“ „Gewiß“, sagte der Händler und zog ein Exemplar hervor. „Danke, tapezieren Sie damit Ihren Schafstall aus!“ rief da Blasero und kehrte dem Manne den Rücken. Gesecht stattgefunden hatte, wurde nach einer kurzen Ansprache ein Kranz versenkt.“ Schwerter Filmschau „Die Töchter Ihrer Exzellenz“, der Tonfilm, der jetzt in den„Lichtspielen zur Reichskrone“ läuft, ist ein Meisterwerk der Inszenierungs= und Schauspielkunst! Der Schauspielerregisseur Reinhold Schünzel läßt das Wiener Herz, das in der kleinen Trafik und Schwemme genau so schlägt wie im gräflichen Palais, liebesseelig und traurig, gemütlich und streng, leichtsinnig und moralisch sein! Und dafür, daß der Schlag der Wiener Herzen echt zur Geltung kommt, bürgt mit ihr ein Kranz erlesener Schauspielkräfte!— Es ist nicht zu viel gesagt: Käthe von Nagy ist in der Wandlung vom spröden Mädel zur liebenden Eva bezaubernd, Willy Fritsch mit seinem strahlenden Lächeln, seiner feschen Eleganz und männlichen Haltung bezwingend, Hansi Niese mit ihrer sorgenden Mutterliebe, dem Lächeln und der Träne auf dem gütigen Antlitz rührend, Hans Moser mit seiner schrulligen Spießigkeit, seiner gutmütigen Vertrauensseligkeit und hingebungsvollen Liebe erschütternd und erheiternd, Dagny Serves mit dem Zauber ihrer Erscheinung und ihrer temperamentvollen Natürlichkeit auf dem abwegigen Umwege zum Glück berückend, Gust. Waldau ist mit seiner selbstverständlichen Noblesse, seiner vergnügten Leichtlebigkeit und der unermüdlichen Aufnahmefähigkeit seines Herzens ergötzlich, Adele Sandrock mit der Strenge ihres Wesens, mit der Lautstärke ihres Organs und der Deutlichkeit ihrer „Handschrift", überwältigend und Lizzi In der Diele gab es Gelächter. Blasero bestellte Whisky und wandte sich noch einmal an den langen, hageren Ostpreußen:„Herr Nachbar, Sie können natürlich auch Zauberkünstler sein— Illusion ist alles— man muß es nur verstehen. Haben Sie keine Sorge, den Dreh haben Sie im Umsehen raus— Sehen Sie, unser Freund Stüwen will auch seinen Redakteur an den Nagel hängen! Hat ja auch keinen Zweck, sich einlochen zu lassen.—— Seine Braut tanzt und singt, sie geht auch mit...“ „So weit sind wir noch nicht“, fiel Stüwen heiter ein,„Sie bestimmen über uns mit einer Selbstverständlichkeit, das ist wirklich wundervoll——“ „Herr Stüwen ist mein Manager, er kann auch die Ansage machen, für die Spielleitung verantwortlich zeichnen.“ „Das ist doch nicht Ihr Ernst?“ fragte Kaluddrigkeit. Blasero preßte seine beringte Rechte auf die Brust:„In Berufssachen kenne ich keinen Spaß. An Ihnen liegt es, sich bis Februar zu entschließen! Oder haben Sie was Besseres? —— Sie riskieren nicht viel— wir beginnen in Europa, die Formalitäten lassen Sie mich erledigen... Ich habe als Fachmann internationale Beziehungen, Melita spricht, nebenbei bemerkt, sechs lebende Sprachen, ich nur vier. Nein, man soll sich nicht kleiner machen, als man ist— Das ist meine Weltanschauung. Zum Wohl!" Der Kleine leerte das Glas wieder in einem Zuge. Die Kapelle spielte einen langsamen Walzer. Klaus Stüwen tanzte mit der Ostpreußin. Schon nach den ersten Schritten fühlte er, daß eine Süßigkeit in sein Blut drang. Er wehrte sich dagegen, aber seine Handflächen wurden doch feucht—.— Großen Auges sah sie ihn an. „Sie haben jung geheiratet", fragte Stüwen unvermittelt. Holzschuh endlich ist mit ihrer unbekümmerten Respektwidrigkeit, der Zügellosigkeit ihrer Zunge und ihrer entwaffnenden Keßheit sehr belustigend!— Dazu wird ein nettes Rahmenprogramm geboten.— Heute singen die Kuban-Kosaken Das Konzert, das heute abend die KubanKosaken im Freischütz abhalten, dürfte ein musikalisches Ereignis besonderer Art sein. Dieser Kosakenchor ist aus russischen Emigranten zusammengestellt, die ihre von Natur aus mitgegebene musikalische Begabung ausnutzen, um sich im Exil ihr Brot zu verdienen. Die KubanKosaken, die unter S. Ignatjeffs Leitung im Freischütz gastieren, haben neben ihren chorischen Tugenden als besondere Anziehungskraft ein wohlbestalltes Balalaika=Orchester mit in die Wagschale des heutigen Abends zu werfen. Außerdem werden hier wieder die berühmten kaukasischen Dolchtänze auf der Bühne gezeigt.. Wilde Kuh als Amolkläufer Gestern versetzte eine dem Händler Sternberg gehörende wildgewordene Kuh die halbe Stadt in Aufregung. Sie jagte von der Stadtmitte zum Ostberger Tunnel und fiel zwei Personen an, sodaß sie verletzt wurden. Beherzte Passanten, die den Amoklauf aufhalten wollten, wurden zu Boden geschleudert. Mit Hilfe eines Polizeibeamten gelang es schließlich unter allgemeiner Anstrengung, das Tier einzufangen. Aus dem Nachbargebiet Iserlohn, 8. Sept. Prinz Oskar von Preußen am Sonntag in Iserlohn. Am Sonntag, den 9. September, findet auf der Alexanderhöhe eine Abgeordnetentagung des Sempertalis=Gaues Westfalen=Lippe statt. Es sind dies die Ehemaligen des 1. Garde=Regiments zu Fuß. Außer verschiedenen Offizieren des Regiments wird wahrscheinlich auch Prinz Oskar von Preußen daran teilnehmen. Die Vertreter marschieren am Sonntagvormittag 11 Uhr ab Schauburg zur Alexanderhöhe. Fröndenberg, 7. Sept. Schwerer Motorradunfall. Der Konditor Karl Schulte, Sohn des Gastwirts Schulte, Horst=Wesselstr. 10, verunglückte nachts mit seinem Motorrade auf dem Massener Damm bei Unna derart, daß er im Straßengraben besinnungslos liegen blieb; Fröndenberger Fahrer des Reichsbahngüter=Lastwagens fanden Schulte gegen 3,30 Uhr immer noch besinnungslos auf. Der Verunglückte wurde in die elterliche Wohnung gebracht. Schulte hat inzwischen das Bewußtsein wiedererlangt. Lürnen, Spiel, Erert BfL. Schwerte Das erste Menisterschaftsspiel. VfL. Schwerte 1.— Letmathe 98 1. Zum ersten Meisterschaftstreffen der Spielsaison 1934/35 stellt sich der alte Fußball=Favorit „Warum diese Frage?“ kam es mit dunkler Stimme. „Sie sehen so jung aus——“, sagte er unsicher. „Ich habe mit sechszehn Jahren geheiratet“, antwortete sie, und ihre Augen verdunkelten sich wie hinter einem Schleier.„Und Sie haben jetzt eine Braut?“ Bei dieser Frage zuckte Klaus leicht zusammen.„Ja“, antwortete er dann einfach. „Waren Sie damals, als wir hier zum ersten Male tanzten, schon verlobt?“ Klaus schüttelte den Kopf.„Es ist inzwischen geschehen.“ „Ich sehe auch eine Veränderung in Ihren Zügen——“ „So? Es ist vielleicht die Aufregung, die mir die drei Prozesse gebracht haben—“, antwortete Klaus betroffen. Die Musik begann leise zu verklingen. Klaus atmete freier. Aber während dieser letzten Takte streifte das duftende Haar der Frau sein Kinn. Schon fühlte er einen Rausch wie von schwerem Wein. Der Raum schien zu versinken. Da nahm die Frau ihre Hand von seiner rechten Schulter. Er riß sich zusammen und führte seine Tanzpartnerin an den Tisch zurück, ohne noch ein Wort zu sagen. Bald nach Mitternacht brach das ostpreußische Paar auf. Mr. Blasero traf mit ihm eine Verabredung, indem er feierlich erklärte, daß man sich im Hinblick auf die neue Weltreise nicht aus den Augen verlieren dürfe. Die schöne Frau zeigte ein verzeihendes Lächeln. Kurz vor ein Uhr verließ auch Stüwen mit dem Kleinen den„Teutowalder Hof“. Dem Ratskeller wurde noch vor Toresschluß ein Besuch abgestattet. Bürgermeister Kaiser saß noch am Stammtisch. Er war aber schon wieder so stark vom Alkohol mitgenommen, daß er Stüwen nicht mehr zu erkennen vermochte. Auch als die Polizeistunde schon reichlich überschritten war, stellte sich bei Blasero noch Reisevereinigung Schwerte und Umgegend Kehraus in Schwertet Mit der Austragung des am letzten Sonntag stattgefundenen Preisfluges ab Seelze schloß die diesjährige Reisesaison. Der Reiseplan 1934 ist programmgemäß abgewickelt worden. Zwar ist in Züchterkreisen von verschiedenen Seiten der Wunsch ausgesprochen, nochmals Stimmung dafür zu machen, daß in Anbetracht der augenblicklich vorherrschenden günstigen Witterungsverhältnisse ein neuer Preisflug am morgigen Sonntag in Szene gesetzt wird. Aber der Führer der R.=V. hat bestimmt, von weiteren taubensportlichen Veranstaltungen an den nächsten Sonntagen Abstand zu nehmen und die Reisezeit zu beschließen. Denn im Verhältnis zu den vorher stattgefundenen Flügen ist am letzten Sonntag ein merklicher Rückgang in der Beteiligung eingetreten. Die Reisetiere bedürfen jetzt der Ruhe und sollen zur Mauserzeit nicht angestrengt werden. Im nächsten Flugjahre werden sie es den Züchtern sicherlich wieder belohnen. Wenn wir einen kurzen Rückblick auf die verflossene Reisezeit tun, so kann mit Genugtuung gesagt werden, daß die diesjährigen Preisflugreranstaltungen wohl ausnahmslos gut verlaufen sind. Selbst Flugstrecken von 400 bis 600 Kilometern Luftlinien=Entfernung und darüber hinaus(Mohrungen 900 Klm.) legTrtestaubenstert. ten die wackeren Piloten der Lüfte in sicherer Manier zurück, wobei wiederholt Durchschnittsgeschwindigkeiten von 1000 und mehr Metern in der Minute erreicht werden konnten. Auch in diesem Jahre wurden von Züchtern der Schwerter R.=V. beachtenswerte Siege bei allen Konkurrenzen(Bezirk und Gruppe) errungen. Durch das überaus gute Abschneiden beim 900Kilometerflug ab Mohrungen(Deutschlands größter Nationalwettbewerb) hat die Schwerter R.=V. wieder einmal bewiesen, daß sie der Konkurrenz sowohl im Nordwestfalenbezirk als auch in ganz Rheinland und Westfalen nicht zu fürchten braucht, was für die Bedeutung des Sports in unserer engen Heimat nicht unwesentlich sein dürfte. Besonders in diesem Jahre hat es sich recht gezeigt, daß sich der Brieftaubensport in Schwerte und Umgegend auf einer weiteren Entwicklungslinie befindet und aus allen Schichten der Bevölkerung immer mehr neue Mitglieder den Vereinen zugeführt werden. Jedenfalls ist die berechtigte Hoffnung für das bevorstehende Flugjahr 1935 vorhanden, daß die Züchter der Schwerter Reisevereinigung noch in machem Kampf Siegeslorbeeren ernten können.„Gut Flug!“ Fielst vollenden das Wert der flächstenliche. werdet irüitglicd der As Soleswohlkahrts Letmathe 98 dem VfL. Schwerte auf dem Sportplatz Schützenhof. Das letzte Punktspiel der vorigen Serie zwischen beiden Vereinen dürfte den Sportanhängern noch in Erinnerung sein. Ein Kampf auf Biegen und Brechen, welcher den Letmathern die Meisterschaft kostete. Nur ein 4:3=Sieg anstatt eines Unentschieden von 3:3 hätte Letmathe 98 zum Meister der 1. Kreisklasse gemacht und man hätte die Gäste anstatt Hemer 08 in der neuen Meisterschaftsserie der Bezirksklasse zugeteilt gesehen. Mit frischem Mut und den besten Hoffnungen werden die Letmather in die Punktespiele hineingehen, um in dieser Saison das herauszuholen, was der Mannschaft im vorigen Jahr untersagt blieb. Der VfL. darf dieses Spiel als eines der schwersten Meisterschaftstreffen dieser Serie benennen. Hoffentlich ist sich jeder Spieler dieses schweren und vielleicht ausschlaggebenden Kampfes bewußt. Nur aufopferndes Spiel und großer Siegeswille kann die Letmather an ihrem Vorhaben hindern. Vorher spielen: VfL. Schwerte 2.— Letmathe 98 2. Auch die 2. Mannschaften beider Vereine stehen im Meisterschaftsspiel gegenüber. Die Schwerter stellen eine Elf, welche über gutes Spielermaterial verfügt. Da uns die Spielstärke der Letmather noch unbekannt ist, dürfte dieses Treffen als offene Angelegenheit angesehen werden. Die Jugendspiele! Schwarz=Gelb Unna Jungliga— VfL. Jun. Schw.=Gelb 1. Jgd.— BfL. 1. Jgd, Schw.=Gelb 2. Jgd.— BfL. 2. Jgd. In Schwerte spielen: VfL. 3. Jgd.— Tura Kabel 2. Igd. VfL. Schüler Tura Kabel Schüler. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke, Schwerte=R. Verantwortlich für den gesamten Textteil: Heinz Friedrich Kamecke, Schwerte=R. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D. A. VIIl/34. 1675. keine Müdigkeit ein. Die Rundreise endete schließlich im Bahnhof. Blasero löste zweimal Dritter nach Teutowalde=Ost. So passierten sie ungehindert die Beamtenkontrolle. Der Wartesaal zweiter Klasse diente als Warteraum für alle Fahrklassen. Die weißen Tischtücher waren allerdings schon weggenommen. Die Uhr zeigte die dritte Stunde an. Rings auf den hölzernen Tischen lagen die Köpfe schlafender Männer. Wer weiß wie viele hatten kein anderes Obdach. Pennten hier für zwanzig Pfennig. Die Fahrkarte reichte nur bis zum nächsten Ort. Dazwischen hockten geschminkte Damen vom Schlage der roten Katja. Als Stüwen, der mit Blasero noch einen günstigen Platz in der Nähe der Heizung gefunden hatte, seine Augen durch den Saal schweisen ließ, begegnete er einem giftigen Blick, der unter einem Mützenschirm herschielte. Wie ein Schlag traf es Stüwen: Wilhelm King. Wahrhaftig! Da saß der Gedungene! Die Narbe auf der Stirn war zwar verdeckt. Aber der Blick verriet viel. Das mußte auch Jack, der Bauchaufschlitzer, sein, einer jener Männer, die den Apotheker Julius Kröger mit dem Rufe „Nieder mit Stüwen“ zu Boden geschlagen hatten... Stüwen packte den Zwerg so heftig am Arm, daß dieser aufmuckte:„Junge, ich bin doch kein kleines Mädchen, daß du mich so in die Arme kneifst——! „Blasero", flüsterte Stüwen,„ich glaube, drüben sitzt mein zukünftiger Mörder——“ „Du siehst wohl Gespenster, wie?“ Blasero blinzelte nach drüben, während Stüwen heimlich seinen Revolver entsicherte. Drei Schritte vom Leib, befahl sich Klaus selber. „Der Mann da mit der Mütze soll dich umlegen?“ fragte der Kleine unauffällig über die Schulter hinweg. Stüwen gähnte absichtlich und brachte ein gedehntes„Des“ hervor. Fortsetzung folgt. DLRS Westasbsssersbestse Vielefeld. Die Regierung fördert alle, Peste, Dier Tole der einei Verrehrenn Heiltr Bielefeld. Die Regierung fördert alle Bestrebungen, die darauf hinzielen, unsere Rohstoffversorgung sicherzustellen. Zurzeit finden in den Bezirksbauernschaften Aufklärungsversammlungen über den Anbau von Flachs, Raps und Rübsen statt. Das erinnert daran, daß auch im Kriege, als die Flachslieferungen aus Rußland aufhörten, im Ravensbergischen im verstärkten Maße Flachs angebaut wurde. Man gründete damals eine Arbeitsgemeinschaft der Bielefelder Leinenindustrie zur Förderung des Flachsanbaues. Nach Oeffnung der Grenzen und dem Wiederauftreten des russischen Flachses auf dem Weltmarkt ging jedoch der heimische Anbau erneut stark zurück. Es ist zu hoffen, daß jetzt die Förderungsmaßnahmen der Regierung vollen Erfolg haben werden und Ravensberg wieder ein Flachsland wird wie vor Jahrhunderten. Ausgrabungen in Osnabrück Osnabrück. Bei Geländearbeiten auf dem „Galgenesch“ an der Ecke Klarabachstraße und Riedenbach wurden ein Tongefäß und Urnenscherben gefunden. Man benachrichtigte das Museum, das eine Untersuchung der Funde vornahm, wobei sich ergab, daß man eine alte Siedlungsstelle entdeckt hatte, die einem der letzten Jahrhunderte v. Chr. angehören dürfte. Opfer der Arbeit Duisburg=Hamborn. Auf der August=Thyssen= Hütte, die erst vor wenigen Tagen einen schweren Betriebsunfall zu verzeichnen hatte, wurde am Mittwoch der Hilfsarbeiter Wingers, Vater von fünf Kindern, tödlich überfahren. W. war zwischen den Gleisen mit dem Aufsammeln von Koks beschäftigt, als ein Zubringerwagen mit Koks heranfuhr, den Unglücklichen erfaßte und auf der Stelle tötete. Die Kripo ziehl Bilanz Duisburg=Hamborn. Die August=Statistik der Kripo im Präsidialbezirk Duisburg=Hamborn ist insofern aufschlußreich, als sie erkennen läßt, daß die Reisezeit für die Spitzbuben immer noch eine Hochkonjunktur ist, zumal bei den Bestohlenen oft ein sträflicher Leichtsinn waltet. Von den 919 Straffällen im August sind allein 444 Diebstähle und Einbrüche, also rd. 50 Prozent. Die Zunahme der Eigentumsvergehen gegenüber dem Juli beträgt etwa 33½ Prozent. Wie gesagt, sind die Diebstähle in vielen Fällen auf den Leichtsinn der Wohnungsinhaber selbst zurückzuführen. Schlecht gesicherte Schlösser, dichtverhängte Fenster und vielleicht sogar Tafeln an der Wohnungstür„Wir sind verreist“ wirken direkt einladend auf die Langfinger. Die zweitgrößte Gruppe in der Kriminalstatistik stellen die Falschmünzer, deren Vergehen sich von Juli zu August von 38 auf 83 gehäuft haben. Auch in diesem Zusammenhang muß das Publikum immer wieder zur Vorsicht gemahnt werden. Die Flucht führte in den Tod Krefeld. Bei einem Einbruch in das Pumpenhaus eines Betriebes im Rheinhafen wurden drei Diebe von einem Wächter überrascht. Die Täter flüchteten zum Rhein, wo zwei der Leute ein Paddelboot bestiegen und der anderen Rheinseite zustrebten. Der dritte Bursche, der sich im Gestrüpp versteckt hatte, wurde von dem Hund des Wächters aufgestöbert und lief, als er sich entdeckt sah, dem Rhein zu und sprang kurz entschlossen in das Wasser. Nachdem er etwa 200 Meter geschwommen war, tauchte er plötzlich unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Zwei Schmugglerbanden gestellt Rhede. Zollbeamte stellten hier 2 Schmuggler= banden, die insgesamt 130 Klgr. holländischen Feinschnittabak mit sich führten. Dazu wurden noch vier Fahrräder beschlagnahmt. Es handelt sich bei den festgenommenen Personen um zum Teil lang gesuchte und mehrfach vorbestrafte Schmuggler aus Hamborn und Dinslaken, die dem Amtsgerichtsgefängnis zugeführt wurden. Leverkusen. Am Donnerstagabend gegen 22 Uhr ereignete sich in dem zum Stadtgebiet von Leverkusen gehörenden Ortsteil Blechersiefen ein schweres Verkehrsunglück. Zwei Personenwagen stießen mit einem Lastkraftwagen aus Wuppertal zusammen, wobei vier Personen getötet und eine schwer verletzt wurde. Die zuständige Polizeiverwaltung Leverkusen hat zur Klärung der Ursache des folgenschweren Verkehrsunglücks, das sich Donnerstag abend gegen 22 Uhr auf der Straße zwischen Schlebusch und Burscheid in Blechersiefen ereignete, und bei dem vier Personen den Tod fanden, eingehende Ermittlungen eingeleitet. Wie der RWD. zu dem entsetzlichen Unglück noch erfährt, saßen in dem Personenkraftwagen, der bei dem Zusammenstoß mit dem Lastkraftwagen vollkommen zertrümmert wurde, der Fabrikbesitzer Walter Wylach und dessen beide Schwestern Fräulein Anna und Maria Wylach aus Wuppertal=Barmen, Bachstraße, sowie die Nichte des Fabrikanten Wylach, die Ehefrau Aenne Giesen, ebenfalls aus Wuppertal, Emilstraße. Den Wagen steuerte der Polizeioberwachtmeister Eduard Padberg aus Wuppertal, der an diesem Tage dienstfrei hatte. Außer Frl. Maria Wylach, die schwere Verletzungen erlitten hat und zurzeit im Krankenhaus Schlebusch untergebracht ist, fanden sämtliche Wageninsassen den Tod. Wie der Lastkraftwagenführer aussagt, ist er durch die Scheinwerfer eines ihm entgegenkommenden Kraftwagens so geblendet worden, daß er die Uebersicht über die Fahrbahn verloren habe. Der schwere mit 4 Tonnen Eisen beladene Lastwagen soll zunächst an der rechten Straßenseite einen Chausseebaum gestreift haben und dann auf die linke Straßenseite geraten sein. Nachdem auch hier angeblich mehrere Chausseebäume gestreift worden sind, ist der Wagen dann bei dem Versuch, wieder auf die Fahrbahn zu kommen, mit dem Personenkraftwagen des Fabrikbesitzers Wylach zusammengestoßen. Der Lastwagenführer, der unwesentliche Verletzungen erlitt, sowie der unverletzt gebliebene Beifahrer wurden zur eingehenden Vernehmung von der Polizei festgenommen. Wie sich nun im Einzelnen der Unfall zugetragen hat, müssen die noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen der Polizei ergeben. Die auf so tragische Weise Verunglückten befanden sich auf der Rückfahrt von Bad Ems nach Wuppertal. Lestfaltscher Siegen. In der Siegergruppe brachte der Dortmunder Gödde ein fein berechnetes Figurenopfer, das ihm einen starken Königsangriff verschaffte. Sein Gegner Petri mußte zur Abwehr des Matts zwei Figuren zurückgeben und gab auf. Wessel hatte gegen Klein zunächst eine recht gedrückte Stellung, fand aber gute Abwehrzüge und landete glücklich im Remishafen. Hermann II bekam gegen Seitz eine sehr aussichtsreiche Stellung. Seitz opferte die Dame gegen Turm und Läufer, vermochte aber das ersehnte Remis nicht zu erlangen und gab in aussichtsloser Stellung auf. Ernst verteidigte sich gegen Rogmann recht umsichtig und hielt die Partie remis. Die Partie Nordmann— Skowronek wurde abgebrochen. In der zweiten Gruppe unterlag Sundarp der feineren Operationstechnik Alsens. Mues und Schulte einigten sich in ausgeglichener Stellung auf Remis. Es siegten weiter Herrmann in guter Form über Strehl, Schüßler überzeugend über Brake. Müller und Broscheit brachen ihre Partie ab. In der dritten Gruppe holte sich Rupschus, Dortmund, gegen Schrickler seinen vierten Punkt. Hain siegte über Jürgens, während Baer und Lechtenberg schlichteten. Die Partie Tamm gegen Wiekowiak hängt noch. In der ersten Gruppe konnten Ernst und Nordmann nicht zu nennenswerten Vorteilen kommen und gaben remis. Seitz und Rogmann lieferten sich einen recht hartnäckigen Kampf. Seitz hatte bei Abbruch Springer gegen Läufer. Ob die etwas größere Beweglichkeit seiner Figur jedoch zum Siege ausreichen wird, bleibt zweifelhaft. Herrmann II verpaßte in seiner Partie gegen Klein den Gewinnzug und mußte remis geben. Wessel ließ eine Figur einstehen und mußte so den Punkt Petri überlassen. Gödde eroberte von Skowronek eine Figur und steht bei Abbruch auf Gewinn. In der zweiten Gruppe siegten Alsen über Müller und Schulte über Sundarp, der im Endspiel eine Figur einstellte. Es hängen noch die Partien Strehl— Mues, Brake— Herrmann I und Broscheit— Schüßler. In der dritten Gruppe fiegten Lechtenberg über Hain und Rupschus über Tamm, während Baer und Schrickler sich friedlich trennten. Wiekowiak und Jürgens brachen ab. Straßensperrungen das sich in holländischer Sprache über Devisenschmuggel unterhielt. Nachher sah man, wie das Paar ein Personenauto bestieg und damit zur Grenze fuhr. Ein SA.=Mann folgte dem Auto mit einem Motorrad und traf noch rechtzeitig an der Zollabfertigungsstelle ein, als man gerade dem Auto nach erfolgter Revision das Durchfahrtszeichen erteilen wollte. Man unterzog das Auto nochmals einer gründlichen Untersuchung und fand schließlich zwischen zwei aufeinander geschraubten Nummernschildern 4800 RM., die über die Grenze geschmuggelt werden sollten. Das Paar, wie auch der Kraftfahrer, wurden verhaftet und dem Gericht zugeführt. Das Auto und die 4800 RM. verfielen der Beschlagnahme. Drei Jahre Gefängnis für einen Falschmünzer M.=Gladbach. Wegen Falschmünzerei verurteilte die Große Strafkammer den August Terhoeven aus M.=Gladbach zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren. Er hatte falsche Dreiund Fünfmarkstücke hergestellt, die von den Brüdern Peters in Verkehr gebracht wurden. Einer der Verbreiter ist bereits unlängst verurteilt worden. Gegen den anderen, der jüngst in der Rheinpfalz abgefaßt wurde, als er in einer Wirtschaft seine Zeche mit einem Falschstück bezahlen wollte, mußte das Verfahren abgetrennt werden, weil er wegen Krankheit nicht verhandlungsfähig war. Bis 9.4 9.45: 9.55: 10.00: 11.30: 18.55: 19.00: 19.30: 20.00: 20.15: 20.30: 22.00: 22.15: 22.20: 22.40: Programmänderungen des Reichssenders Köln 9.45 programmgemäß. Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. Umschaltpause. Von München: Reichssendung: H3=Kundgebung aus dem Stadion in Nürnberg. Der Führer spricht; anschließend von Köln: Musik am Mittag; dann programmgemäß bis 18.55. Umschaltpause. Von München: Reichssendung: Ausschnitte aus dem Volksfest im Stadiongelände von der RS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude" und von den„Hans=SachsSpielen" im Waldtheater. Tanzmusik des westdeutschen Kammerorchesters; Leitung: Rolf Hartmann. Erste Abendmeldungen und Saarumschau. Fortsetzung der Tanzmusik des westdeutschen Kammerorchesters. Vom Deutschlandsender: Pfeif auf alle Sorgen. Zeit, Wetter, Nachrichten. Umschaltpause. Von München: Reichssendung: Zeitfunk aus Nürnberg. Für den Deutschlandsender und Frankfurt ab 23.00—1.00 das Ueberbrettl (siehe Programm). zu verschwinden. In Karlsruhe endlich ereilte das saubere Paar das Geschick, wo es sich am Dienstag vor der 5. Großen Strafkammer zu verantworten hatte. Das Gericht verurteilte Hanfbauer antragsgemäß zu zwölf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Sicherungsverwahrung. Die Grewe kam mit einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und fünf Monaten davon. Scheunenbrand in Köln-Rath Große Futtervorräte vernichtet Köln. Die Kölner Berufsfeuerwehr wurde in der Nacht zum Freitag nach der Lützerather Straße in Köln=Rath alarmiert, wo eine mit Weizen, Roggen und Gerste gefüllte Feldscheune lichterloh brannte. Mit drei Löschzügen wurde die Bekämpfung des Brandherdes in Angriff genommen, dennoch brannte die Scheune mit den untergebrachten Futtervorräten vollständig Düsseldorf. Die Regierungspressestelle teilt mit: Während der letzten acht Tage sind vom Herrn Regierungspräsidenten in Düsseldorf folgende Sperrungen von Durchgangsstraßen genehmigt worden: 1. Durchgangsstraße Düsseldorf—Wuppertal— Solingen in der Ortschaft Hilden, und zwar die Mittelstraße von Albert=Leo=Schlageter=Straße bis Kirchhofstraße. 2. Umleitung erfolgt aus Richtung Düsseldorf über Albert=Leo=Schlageter=Straße, Süßstraße, Gasstraße, Kirchhofstraße, aus Richtung Wuppertal in umgekehrter Richtung.— Dauer der Sperrzeit: 3. bis 8. 9. 1934. 3. Umgehungsstraße bei Opladen, abzweigend von der Fernverkehrsstraße Nr. 8 bis zur Wiedereinmündung in die Fernverkehrsstraße Nr. 8. Umleitung erfolgt über die Fernverkehrsstraße Nr. 8.— Dauer der Sperrzeit: Vom 1. 9. bis 15. 11. 1934, täglich von 9.30 Uhr und von 16 bis 17 Uhr. Devisenschieber gefaßt Herzogenrath. In einer Wirtschaft wurde von zwei SA.=Männern ein Liebespaar beobachtet, Der Raubmordversuch in Köln 12 Jahre Zuchthaus für den Täter Köln. Im August vorigen Jahres wurde auf dem Hohenstaufenring eine 69jährige Witwe in ihrer Wohnung von einem angeblichen Brautpaar, das sich bei ihr eingemietet hatte, überfallen und beraubt. Man hatte der alten Dame ein Tuch um den Kopf geschlungen, doch gelang es der sich verzweifelt zur Wehr setzenden Frau, das Tuch abzustreifen und um Hilfe zu rufen, worauf das Paar unter Mitnahme von Schmucksachen im Werte von ca. 3000 Mark flüchtete. Die Kölner Kriminalpolizei stellte fest, daß es sich bei den Flüchtigen um den 31jährigen Kaufmann René Hanfbauer aus München und die 22jährige frühere Hausangestellte Anna Grewe aus Flensburg handelte. In zahlreichen Städten hatten die beiden Gesuchten Betrügereien und Diebstähle ausgeführt, wobei sie auf ganz raffinierte Weise vorgegangen waren. Beide traten als Ehepaar auf und mieteten sich bei alleinstehenden Frauen, meist Witwen, ein, um dann, nachdem sie die Vermieterinnen um teilweise recht erhebliche Werte bestohlen hatten, heimlich ab. Der Schaden, der durch Versicherung gedeckt ist, beläuft sich auf 6000 RM. Die Entstehungsursache ist noch nicht bekannt. Man nimmt an, daß fremde Personen, die unbefugt in der Scheune schlafen wollten, unvorsichtig mit Feuer umgegangen sind. Wichtige Arbeiten am Kölner Sender Köln. Wegen wichtiger Veränderungen am Reichssender Köln muß in der Zeit vom 10. September bis 12. September das Programm für einige Stunden unterbrochen werden. Die Arbeiten sind in die frühen Morgenstunden verlegt worden, so daß für diese Tage bis 10 Uhr Funkstille herrscht. Von diesem Zeitpunkt ab geht es programmgemäß weiter. Autobus und Güterzug zusammengestoßen Köln. Am Donnerstagabend zwischen 21.30 und 21.40 Uhr stieß ein Omnibus der Linie 8 an der Rochusstraße mit einem Güterzug der sogenannten Gürtelbahn, einer städtischen Kleingüterbahn, zusammen. Von den bei dem Zusammenstoß verletzten Personen befinden sich noch eine Frau und fünf Männer im Krankenhaus. Bei keinem dieser Verletzten besteht Lebensgefahr. Außerdem wurden noch acht weitere Personen verletzt, die aber nach Anlegung von Verbänden wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten. Der Omnibus wurde schwer beschädigt. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Im Steinbruch tödlich verunglückt Trier. In einem Steinbruch bei Müllenborn (Kreis Prüm) an der Eisenbahnstrecke Köln— Trier löste sich aus bisher ungeklärter Ursache über dem Arbeitsplatz eines Steinhauers eine schwere Felswand, die den Arbeiter unter sich begrub. Seine Arbeitskameraden machten sich sofort an die Bergungsarbeiten, die jedoch so erschwert waren, daß der Verunglückte erst nach einiger Zeit geborgen werden konnte. Der Tod war inzwischen eingetreten. Pferde für das Reichsheer 1 Bilder von dem Ankauf von Pferden für das Reichoheer, der jetzt in Berlin stattfand Links: Die zum Ankauf gemeldeten Pferde werden der Remontierungskommission vorgeführt. Rechts: Ein Veterinärarzt bei der Untersuchung Eeer stursiPUralung 422% Aus der evgl. Gemeinde Schwerte Evangelische Gottesdienste. Johanneskirche: 8 Uhr P. Hagemann. 9,30 Uhr P. Millard. Donnerstag 8.30 Uhr Bibelstunde. Evangl. Krankenhaus: 8,30 Uhr P. Millard. Geisecke=Lichtendorf: 9,30 Uhr P. Hagemann. Kindergottesdienst kann erst nach Eröffnung der St. Victorkirche stattfinden. Evangelisches Jungmännerwerk, Schwerte. Sonntag 8 Uhr Ferienerlebnisse in Wort and Bild von P. Millard und Hansen.— Donnerstag 8 Uhr Posaunenchor.— Freitag 6 Uhr Bibelschar.— 8,30 Uhr Bibelabend. Vereine der Frauenhülfe. Donnerstag 3 Uhr Frauenhilfe Lichtendorf. Jungmädchenwerk. Dienstag 8 Uhr Villigst. Mittwoch 8 Uhr Schwerterheide. Evangl. Stadtmission Schwerte, Kuhstr. 7. Sonntag 8 Uhr früh, Blaukreuzstunde.— 11 Uhr Sonntagsschule.— 4 Uhr Bibelstunde. — Mittwoch 4 Uhr Missionsverein.— Mittwoch 8 Uhr abends Gebetsstunde.— Freitag 8 Uhr Blaukreuzverein. Donnerstag nachmittag 2 Uhr Frauenhilfe Schwerte=Nord. Treffen an der Unterführung Hörderstraße zum gemeinsamen Gang nach Schäfer am Tunnel. Evangl. weibliche Gemeindejugend. Mittwoch, abends 8,15 Uhr im Lutherhaus: Bibelstunde. Zusammenkunft der Jungmütterkreise 10. bis 14. September. Montag abend 5 bis 10 Uhr Bezirk Holzen: Wie erzähle ich meinem Kinde biblische Geschichten? Dienstag nachmittag 3 bis 5 Uhr Bezirk Geisecke=Lichtendorf: dito. Dienstag abend 8 bis 10 Uhr Bezirk Pfarrer Kleinemeyer: dito. Mittwoch nachm. 5 bis 7 Uhr Bezirk Wandhofen: dito. Mittwoch abend 8 bis 10 Uhr Bezirk Grüntal: dito. Donnerstag nachm. 3 bis 5 Uhr: Pfarrer Hagemann: Teilnahme an der Frauenhülfsstunde. Donnerstag nachm. 3 bis 5 Uhr: Lichtendorf: dito. Donnerstag abend 8 bis 10 Uhr Bezirk Pfr. Ohlig: Bibelstunde. Donnerstag abend 8 bis 10 Uhr Heide: Wie erzähle ich meinem Kinde bibl. Geschichten? Freitag nachm. 4—6 Uhr Bezirk Villigst: dito. Freitag abend 8 bis 10 Uhr Pfarrer Millard: dito. Getauft: Ingeborg Elli Breuker, Ingeborg Schulte. Getraut: Wilhelm Engel und Hildegard Jakobs; Gustav Nolte und Klara Eichmann; Wilhelm Vollberg und Martha Brand; Franz Josef Lammert und Margarete Herkelmann. Gestorben: Heinrich Witte, August Schmidt, Ehefrau Peter Vetter. Aus der kath. Gemeinde Schwerte Katholische Gottesdienste. Sonntag, 9. Sept. 16. Sonntag nach Pfingsten. 6 Uhr: Stille hl. Messe. 7,15 Uhr: Frühmesse mit Predigt; gem. hl. Kommunion der Jungmänner. 8.30 Uhr: Schulmesse mit Predigt; gem. hl. Kommunion der Knaben und Mädchen des 5. Schuljahres. 9.45 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11,15 Uhr: Letzte hl. Messe mit Predigt. 2,20 Uhr: Christenlehre und Andacht. 8 Uhr: Andacht für die Erwachsenen. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 8,15 Uhr. 4,30 Uhr: Andacht. An den Werktagen sind die hl. Messen um 6,30, 7,10 und 7,45 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 6,30 Uhr. Jeden Mittwoch ist in der Krankenhauskapelle Andacht zu Ehren des hl. Josef um 4,30 Uhr. Krankenwoche hat in dieser Woche Pastor Aufenanger. Geisecke. 7 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Marienverein Geisecke. Unsere Monatsversammlung findet am 13. September bei Schulte=Höppe statt, verbunden mit einer Kinderbelustigung, wozu alle herzlich eingeladen werden. Marienverein Westhofen. Unsere Monatsversammlung findet Mittwoch, den 12. Sept. bei Krämer in der Wanne statt. Näheres wird Sonntag bekanntgegeben. Jungmänner=Verein. Sonntag, den 9. Sept., Fahrt zu den Passionsspielen auf dem Wienkopp. * Lichtendorf=Sölderholz. Sonntag, 9. Sept. 16. Sonntag nach Pfingsten. Mariä=Geburt. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt und gem. hl. Kommunion der Jungmänner und Knaben. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2,30 Uhr: Andacht. Mittwoch Gemeinschaftsmesse. Vereine. Sonntag nach der Andacht Monatsversammlung des Männervereins. Da seit längerer Zeit eine solche nicht stattfand und wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung wird ein zahlreiches Erscheinen auch der selteneren Gäste erwartet. Montag Gemeinschaftsabend der Männer.— Dienstag Heimabend der Jungfrauen mit Vortrag als Vorbereitung aus den Kommuniontag am folgenden Sonntag.— Mittwoch Heimabend der Jungmänner. Auf Schusters Rappen durchs Sauerland Von Gevelsberg nach Schwelm auf einem schönen Umweg. Ich bin ein freier Wandersmann Und will es immer sein, Und fechten mich die Sorgen an, Ich schlage mutig drein. Vom Bahnhof Gevelsberg(180 m) aus fragen wir uns nach der Post durch. Hier finden wir nämlich das Andreaskreuz mit der Zahl 17, also die Hauptwanderstrecke des Sauerländischen Gebirgsvereins. Auf Waldwegen und durch Anlagen bringt sie uns in 20 Min. um 160 m aufwärts zur Ortschaft Meininghausen. Auf einem abwechslungsreichen Feld= und Waldweg gelangen wir weiter in ½ Std. nach Vörde(280 m). Mitten im Ort kreuzt die 17 mit der Hwstr. 20. Wir wechseln auf letztere hinüber und ziehen mit ihr südwärts in 10 Min. zum Lohernocken, hinter dessen Häusern bald der Wald beginnt. Nach etwa 40 m Steigung folgt ein steiler Abstisteg ins Ennepetal hinab. In 20 Min. sind wir hier angelangt. Die Ortschaft heißt Ahlhausen(210 m). Auf dem folgenden Waldwege genießen wir auf der Höhe hübsche Fernblicke ins Ennepetal und in ein Nebentälchen. Die 300 m hochgelegene Ortschaft Willringhausen erreichen wir schon nach 20 Min. Auch die Entfernung zu dem noch 50 m höher gelegenen Dorf Rüggeberg beträgt 20 Min., während dann der Feldweg bis Herminghausen noch ¼ Std. Höhenwanderung erfordert. Gleich hinter Herminghausen bemerken wir ein gelbes Quadrat. Sobald dieses auftaucht, verlassen wir auch Hwstr. 20 und verfolgen das gelbe Zeichen, mit dem wir nach 10 Min. zur Heilenbecker Talsperre hinabkommen. Haben wir die Sperrmauer überschritten und sind wir auf dem anderen Ufer des künstlichen Stausees 5 Min. gewandert, müssen wir rechts ein wenig nach Ebinghausen hinaufsteigen. Es geht nördlich der Höfe entlang, bald über eine breite Landstraße, dann nach 20 Min. durch die Ortschaft Bransel, unmittelbar dahinter einige hundert Meter auf der Landstraße, dann wieder rechts ab über die Gehöfte Weschenholt und Haßley zu einem breiten Fahrweg(25 Min.), auf diesem rechts 10 Min., dann wieder links aufwärts zum Dörfchen Windgarten(10 Min.) und über die Höhe in ½ Std. bis vor die Tore von Schwelm(220 m). Da der Bahnhof auf der Nordseite der Stadt liegt, bedarf es dorthin noch eines Weges quer durch die Stadt von ungefähr ¼ Std. Diese, auf Blatt 1 Hagen der Sauerlandkarte 1:50 000 des Sauerland=Verlages zu Iserlohn leicht zu verfolgende Wanderung erfordert keine große Anstrengungen. Frauen und Mädchen! Ihr gehört in die N. S. B. Werdet Mitglieder! Rundfunk=Programm Sonntag, den 9. September 1934. 6.15 Hamburger Hafenkonzert. 8.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.10 Von Webkursen und Webstühlen in der Eifel. 8.30 Die sonntägliche Morgenfeier. 9.15 Funk ins Blaue. 10.15 Musikalische Plauderei. 10.45 Deutsches Volkstum in Tanz und Lied. 11.15 Orgelmusik. 11.30 Von Nürnberg Reichssendung: Vorbeimarsch der SA und SS vor dem Führer am Adolf=Hitler=Platz. 17.00 Unterhaltungsmusik auff Schallplatten. 17.40 Die Kölner Plauderstunde. 13 Die neue Spielzeit des Hagener Stadttheaters Von Oberspielleiter Horst Hoffmann. Die Theaterfreunde sollen Freude an ihrem Theater haben— das ist der Grundsatz, der uns im kommenden Spieljahr leiten wird. Deshalb wird es ein anderes und sicherlich willkommeneres Gesicht zeigen als das vergangene. Die Hemmungen, die sich bisher manchmal störend bemerkbar machten, sind beseitigt, das darstellende Personal ist weitgehend erneuert und ergänzt und der Spielplan ist so zusammengestellt, daß er dem berechtigten Anspruch der Besucher, im Theater Freude, Erhebung und Beglückung zu finden, ebenso gerecht wird wie der besonderen Verpflichtung eines Kulturinstituts im neuen Deutschland. Das Stadttheater ist auf dem Wege, ein Volkstheater zu werden. Es wendet sich nicht mehr allein an eine kleine Schicht, es will nicht nur seine bisherigen Freunde durch bessere Leistungen an sich fesseln, es hat sich auch zur Aufgabe gemacht, aus allen Schichten des Volkes, aus Hagen sowohl wie auch aus der engeren und weiteren Umgebung, neue Freunde zu gewinnen. Um es ihnen allen recht zu machen, muß sich das Theater vor allem nach dem unverbildeten Gefühl richten, daß im Herzen eines jeden Deutschen von Natur aus lebendig ist. Und das tut das Stadttheater: Es scheidet aus seinem Spielplan alles aus, was undeutsch und künstlerisch minderwertig ist, es verzichtet darauf, durch Bluffs und Sensationen an den verbildeten Geschmack der oberflächlichen Massen zu appellieren, es vermeidet auch alle Werke, die trotz eines künstlerischen Wertes zu niederdrückend oder zu abseits sind, um heute allen Volksgenossen gefallen zu können. Es wirbt für sich durch das Beste, was es überhaupt zu bieten hat: Durch die Meisterwerke unserer großen Dichter und Komponisten, der klassischen derjenigen Modernen, die sich an Wert mit ihnen messen können. So sind für die Oper in Aussicht genommen Glucks„Orpheus", Mozarts„Zauberflöte", Webers„Freischütz“, Wagners„Tristan und Isolde" und„Siegfried"; im Schauspiel Shakespears„Sommernachtstraum", Lessings „Minna von Barnheim“, Schillers„Maria Stuart" und Kleists„Käthchen von Heilbronn.“ Von modernen Schauspielen werden solche bevorzugt, die über den Tag hinaus das zeitgebundene Geschehen in den großen Sinn unserer Volkwerdung einmünden lassen wie „Die Heimkehr des Matthias Bruck“ von Graff, Burtes„Katte“, Halbes„Strom“ und das erquickend heitere Arbeitslagerspiel„F. A. D. Kroschenen“. Aus der Weltliteratur werden nur einzelne besonders wertvolle Proben geboten, die an innerem Wert unseren deutschen Meisterwerken verwandt sind, wie die Verdi=Oper„Die Macht des Schicksals“ und die Schauspiele„Peer Gynt“ von Ibsen und „Prinzessin Turandot“ von Gozzi. Bei den genannten Werken handelt es sich um solche, die dem höchsten Kunstanspruch genügen, aus Abbild und Vorbild ein Sinnbild des Lebens zu formen, und die den Ernst ihres Inhalts durch phantastische oder humorvolle Züge so auflockern, daß er alles Quälende verliert und mitzureißen und zu erheben vermag. Die Zusammenfassung der ausgewählten Werke von Shakespeare, Lessing und Kleist unter dem Kennwort der„fröhlichen Klassiker“ zeigt besonders deutlich, auf welchem Wege wir den Widerspruch zwischen allgemeiner Gefälligkeit und künstlerischem Anspruch zu neuer, beglükkender Einheit zu binden versuchen. In dieser Absicht räumt das Stadttheater den heiteren Werken einen besonderen breiten Raum im Spielplan ein. Wir wollen gern vergnügte und lachende Gesichter im Zuschauerraum sehen, doch sind wir uns dabei bewußt, daß innerhalb des Theaters auch die Unterhaltung sich in einem künstlerischen Rahmen bewegen muß und alles Alberne, alles billige Amüsement zu meiden hat. Deshalb greifen wir vornehmlich zu solchen Werken, die aus dem Quell unseres deutschen Volkshumors schöpfen wie Lortzings„Undine“ und das Lustspiel„Wenn der Hahnl kräht" von Hinrichs. Deshalb bringen wir neben wertvollen komischen Opern(wie Don Pasquale u. a.) auch gute Operetten. Bei der Operette verzichten wir auf amerikanischen Bluffs und Sensationen, auch hier bemühen wir uns, aus dem Leben selber 18.40 Bauernkultur und Bauernrecht 19.00 Kirmeslieder in aller Welt. 19.30 Von München Reichssendung: Appell der SA und SS in der Luitpold=Arena, 21.00 Konzert des Reichssinfonie=Orchesters. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.20 Leichtathletik=Europameisterschaften in Turin.(Von Berlin). 22.50 Nachtmusik und Tanz. Montag, den 19. September 1934. 5.30 Morgenruf. Anschließend: Frühkonzert. 6.05 Leibesübungen. 6.25 Morgenkonzert. 6.50 Morgenruf, Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.05 Frauenturnen. 8.20 Was kochen wir diese Woche? 10.00 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10.10 Für Euch daheim. 10.30 Wir und die Welt. 12.00 Musik am Mittag. 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche 13.00 Das Kleine Orchester. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 15.05 Gartenarbeiten im September. 15.15 Neubildung und Ambildung von Facharbeiterberufen in der rheinisch=westfälischen Eisen= und Stahlindustrie. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.50 Stimme der Zeit. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.00 Eine vergessene rheinische Krämer= sprache. 17.15 Die Auslese. 17.40 Zum deutschen Kulturaufbau. Wesen, Aufgabe und Ziel der Reichskulturkammer. 18.00 Von München Reichssendung: Fortsetzung und Schluß des Parteikonaresses: Es spricht der Führer. 19.00 Bunte Volksmusik. 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.15 Unterhaltungskonzert. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.30 Konzertübertragung aus dem Cas„Europa“ in Bielefeld. Dienstag, den 11. September 1934. 5.30 Morgenruf. Anschließend: Frühkonzert. 6.05 Leibesübungen. 6.25 Morgenkonzert. 6.50 Morgenruf, Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.05 Frauenturnen. 10.00 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10.10 Für Euch daheim! 11.10 Der Osten ruft. Seedienst Ostpreußen im Aufbau. 12.00 Musik am Mittag. 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 13.00 Das Große Orchester. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 15.10 Ewiges Deutschland. 15.30 Wirtschaftsmeldungen 15.45 Mütterliche Frauen. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.00 Ungedruckte Dichter. 17.10 Virtuose Cellomusik. 17.40 Steine künden Geschichte. 18.00 Erntebräuche und Erntelieder. 18.20 Arbeitsbeschaffungsamt. 18.40 Vom Tage. 18.50 Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht. 19.00 Stunde der Heimat. 19.30 Kleine Musik. 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.10 Blasmusik und Streicher. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.20 Zehn Minuten Schach 22.30 Funkstille. zu schöpfen(wie in der„Goldenen Meisterin", der„Fledermaus“ und dem„Dorf ohne Glocke"). Immer sind wir bestrebt, auch in der Unterhaltung eine saubere Haltung und echte, innere Fröhlichkeit zu bewahren. Dann werden unsere Besucher nicht nur für ein paar flüchtige Stunden, sondern für Tage und Wochen erfrischt und gekräftigt aus dem Theater weggehen— und gern wiederkommen. So ist im Theater selbst alles geschehen, um die Hoffnungen und Versprechungen des Vorjahres wahrzumachen. An das Publikum, an alle Freunde der dramatischen Kunst in Stadt und Land aber ergeht die einzige Bitte: Bedient euch der großen Vorteile, die euch die Deutsche Bühne bietet, und werdet ständige Besucher unseres Theaters. Nicht der, der hier und da einmal das Theater betritt, nein, nur wer regelmäßig aus dem unvergleichbaren Quell deutscher Kunst schöpft, darf sich zu dem kulturbewegten Kern unseres Volkes zählen, daß mit neuem Mut und frischer Kraft daran arbeitet, sich einen Ehrenplatz unter den Völkern zu sichern. Der regelmäßige Theaterbesuch ist nationale Pflicht. Wir werden dafür sorgen, daß sie jeder gern ausübt. Möge Hagen und das Sauerland nicht zurückstehen, wenn die Volksgenossen der anderen Städte und Gaue miteinander wetteifern, durch rege Anteilnahme und ständigen Besuch dem deutschen Theater zu neuem Leben und zu neuer Blüte zu verhelfen. Die Cureparunesnieger unerwcge Die deutschen Flieger lagen auf der ersten Flugelappe vorn Start in Warschau Freitag früh um 5 Uhr starteten auf dem Warschauer Flugplatz 32 Flugzeuge zum Europarundflug. Der Start erfolgte in Gruppen von je fünf Flugzeugen in Abständen von 5 Minuten. Die Reihenfolge wurde durch das Los entschieden. 32 Maschinen auf der Strecke Am Freitagmorgen um 5 Uhr hat die Jagd der Sportflugzeuge durch Europa bei regnerischem Wetter in Warschau ihren Anfang genommen. Die Sicht war gut, die Windstärke gleich null. Wie vorgesehen, wurde in Gruppen gestartet, und zwar mit fünf Minuten Abstand. Zunächst machten sich Krüger=, Francke=Deutschland, Karpinski=Polen, Anderle= und Ambruz=Tschechoslo= wakei auf den Weg. Dann folgten in Gruppe 2 Stein, Eberhard und Bayer zusammen mit GodgomdPolen. In der Gruppe 3 befanden sich vorzi., Junck, Buczynski, Florjanowiez und Skrzypsiiski. Die Gruppe 4 wurde gebildet aus Hubrich, dem polnischen Spitzenreiter Bajan, Wlodarkiewicz und Balcer. Der Italiener Colombo hatte einen Schaden an seinem Motor zu beheben und ging erst mit über einhalbstündiger Verspätung auf die Reise. Gruppe 5 bestand aus Österkamp, Dudzinski, Grzeszczyk, Zacek und de Angeli, Gruppe 6 aus Seidemann, Hirth, Tessore, Francois und Plonczynski, und den Abschluß bildeten Pasewaldt und Sanzin. Königsberg: Ein trüber Morgen. Mitten auf dem Flugfeld steht das Zelt der Zielrichter. Eine Meldung aus Berlin: Sehr schlechtes Wetter, dichter Nebel, Sicht bis 80 Meter, über Wäldern nur 20 Meter. Startverbot. Da heult die Sirene, kündigt den Ersten an, es ist der deutsche Flieger Francke und sein Beobachter Ziese. Um 6,09 Uhr ist er da. Es dauert ein Weilchen, bis er landen kann. 6,17 Uhr... der Zweite. Es ist der Pole Karpinski. Um 7,10 Uhr sind alle da. Nun schimpfen sie in vier Sprachen, weils nicht weitergeht. Nach der Aufhebung des Startverbots startete um 9,37 Uhr der erste Europa=Flieger; kurz nach 10 Uhr war der Start der übrigen Maschinen beendet. dem Tempelhofer Feld landete francke auf seiner BFW=MaKöni Berlin: Auf um 11,41 Uhr schine, der um 9,38 Uhr Krnigsberg verlassen hatte. Er hat also die Strecke in 2 Stunden 8 Minuten zurückgelegt. Wenige Minuten nach dem Eintreffen Franckes, um 11,56 Uhr, überflog ebenfalls eine deutsche Maschine mit Junck am Steuer als zweite das Zielband auf dem Tempelhofer Feld. Ihr folgte in kurzen Abständen ein großer Teil der übrigen Maschinen. Der Führer der deutschen Gruppe, Osterkamp, landete um 12,05 Uhr, Morczik folgte einige Miguten später. Er hat bekanntlich schon zweimal im Europaflug gesiegt. Europaflieger am Rhein In Köln war alles in Erwartung der Bewerder. Erst um 14.30 Uhr nachmittags traf die erste Maschine ein. Es war eine BFW, gesteuert von dem Deutschen Junck. Wenige Sekunden später folgte sein Landsmann Francke ebenfalls auf einer BFW. Beide verweilten nur 20 Minuten, tankten und flogen dann in Richtung Brüssel weiter. Um 14.45 Uhr übeuflog der Deutsche Osterkamp (BFW) die Ziellinie. Auch er setzte nach einer halben Stunde den Flug fort. Dann landete um 15.05 Uhr die erste deutsche Klemm=Maschine mit Morzik am Steuer. Es folgte als nächster Deutscher Eberhard, der um 15.10 Uhr landete. Erst hinter diesen fünf Deutschen kam die polnische Fliegerstaffel. Der Pole Bajan, der bekanntlich in der Punktwertung die Spitze hält, war bis 15.30 Uhr noch nicht in Köln eingetroffen. Die deutschen Teilnehmer Bayer auf Fieseler und Eberhardt auf Klemm blieben vom Pech nicht verschont. In Köln mußten sie größere Reparaturen anmelden. Bis um 16.30 Uhr waren alle Flieger in Köln eingetroffen. Zwei Europaflieger mußten schon auf der ersten Tagesstrecke eine Notlandung vornehmen. Zunächst ereilte den Polen Karpinski das Mißgeschick, er mußte bei Gustebiese an der Oder nahe bei Writzen niedergehen.— Nahe bei Berlin mußte der Deutsche Stein herunter. Ueber Brüssel und Paris Die Flieger haben am Freitagnachmittag Brüssel passiert. An der Spitze lagen die vier deutschen Flieger. Als erster landete um 2.45 Uhr Junck, ihm folgte wenige Minuten später Francke und in weiteren kurzen Abständen Morzik und Österkamp. Die Flieger machen einen vorzüglichen Eindruck und die Maschinen befanden sich in bester Verfassung. Nach ganz kurzer Zeit starteten die Flieger in der gleichen Reihenfolge, in der sie in Brüssel gelandet waren. Am Freitagabend sind in Paris insgesamt 24 Maschinen eingetroffen. Duld Enre dee Terlutbenersikene! Die Streiklage in Amerika— Der Schlichtungsausschuß zusammengetreten Zu Beginn des vierten Streiktages werden die streikenden Textilarbeiter von unparteiischer Seite auf ungefähr die Hälfte der in Betracht kommenmenden 700000 Arbeiter geschätzt. Die Streikleitung selbst beziffert die Streikenden auf 475 000. In Unternehmerkreisen wird angesichts der immer mehr um sich greifenden Gewalttätigkeiten, die auch bei Gelegenheiten, die nicht unmittelbar mit dem Streik zusammenhängen, ausbrechen, offen Besorgnis geaußert. So kam es in Phönix (Arizona) zu mehrstündigen Kämpfen zwischen der Polizei und radikalen Elementen, die sich vor dem Gebäude der Bundesnothilfe angesammelt hatten. Es trat erst Ruhe ein, nachdem die Polizei ausgiebig von Tränengas Gebrauch gemacht hatte. Bei den Unruhen wurde eine Person schwer verletzt. Auf Veranlassung Roosevelts trat der Ausschuß zur Schlichtung des Textilarbeiterstreiks am Freitag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Ausschuß gab bekannt, daß er baldmöglichst die Beratungen mit den Streikenden und den Arbeitgebern aufnehmen werde. Gewerkschaftssekretär Perkins drückte in einer Presseunterredung die Hoffnung aus, daß der Schlichtungsausschuß eine baldige Beendigung des Streiks erreichen werde. Die Zahl der Streikenden hat am Freitag um etwa 30000 zugenommen. Auch einige weitere Textilfabriken wurden geschlossen. Andererseits wurden mehrere geschlossene Fabriken unter dem Schutz von Nationalgarde wieder geöffnet. Es liegen Anzeichen vor, daß sich verschiedene verwandte Industrien dem Ausstand anschließen werden; darunter etwa 30 000 Kunstseide= und Seidefärber im Staate New Jersey. Heasste Anstar sen mehr als 20 Fahren Viele Städte und Dörfer überschwemmt— Große Besorgnisse Wie aus Kairo gemeldet wird, erlebt Aegypten gegenwärtig die höchste Nilflut seit mehr als 40 Jahren. Der Höhepunkt der Flut passiert gegenwärtig Kairo, und der Wasserstand dürfte weitere 10 Tage lang auf der jetzigen Höhe bleiben. Die Behörden haben das Anschwellen der Flut mit Sorge beobachtet. Große Bemühungen sind unternommen worden, um eine Katastrophe zu verhindern. Eine Armee von Arbeitern war während der letzten drei Wochen mit einer Verstärkung der Dämme beschäftigt. Viele Städte und Dörfer sind teilweise überschwemmt worden. Dies gilt auch von den nördlichen und südlichen Vorstädten Kairos. Im allgemeinen dürfte aber der Schaden nicht allzu hoch sein. Alle Gebäude, bei denen Einsturzgefahr besteht, werden unter Beobachtung gehalten, um die Bewohner notfalls sofort in Sicherheit zu bringen. Deutsche Spertsirge i Turm Beginn der Europameisterschaften der Leichtathleten Bei hochsommerlichem Wetter begannen am Freitagvormittag vor der feierlichen Eröffnungsfeier am Nachmittag die ersten Europameisterschaften in der Leichtatbletik mit einigen Vorprüfungen. Zunächst hatten die elf Bewerber im Stabhochsprung die verlangte Mindesthöhe von 3.60 Meter zu überspringen, was von allen auch erreicht wurde. Am Nachmittag wurden zunächst die vier Vorläufe über die kurze Strecke erledigt. Die drei Besten kamen in die Zwischenläufe. Borchmeyer lief stark verhalten und begnügte sich mit dem zweiten Platz hinter dem in 11.1 siegenden Schweizer Hänni. Im zweiten Lauf erzielte Hollands Meister Christian Berger mit 10.6 die beste Zeit. Vor keiner schweren Aufgabe stand der Deutsche Hornberger im dritten Lauf. Schon auf halbem Wege setzte sich der Pirmasenser an die Spitze und gewann in 11.1. Im ersten Zwischenlauf lief der Ungar Sir 10.6 Sek. vor Borchmeyer 10,8 Sek. Die erste Enttäuschung setzte es für die kleine deutsche Kolonie in den Vorläufen über 110 Meter Hürden. Welscher=Frankfurt stand im dritten Rennen zwar in einem starken Felde, aber er lief weit unter Form und fiel mit seinem vierten Platz ganz aus. Den ersten Lauf hatte der Ungar Kovacs in 15,2 vor dem dichtauf folgenden Deutschen Erwin Wegner und dem Südslawen Burasovic gewonnen. Für den Endlauf qualifizierten sich aus den beiden Zwischenläufen Wegner. Valle, Albrechtsen, Kovacs. Kaan und Leitner. Wegner übernahm nach 50 Meter bereits die Spitze im sweiten Lauf und siegte mit drei Meter Vorsprung in 14.9 vor dem Italiener Valle(15). Aus den drei Vorläufen über 400 Meter kamen nur die beiden Ersten in die Entscheidung. Der Deutsche Meister Metzner lief im ersten Lauf ein überlegenes Rennen und fiegte sehr sicher in 48.3. den beiden Zwischenläufen über 100 Meter begnügten sich sowohl Borchmever als auch Hornberger mit Plätzen, die aber für die Entscheidung ausreichten. Der Ungar Sir gewann die erste Vorentscheidung in 10.6. vor Borchmever in 10.8. Den dweiten Zwischenlauf gewann der Holländer Berger n 10,7 vor dem Schweizer Hänni in 10.8 und Hornberger(10.9). Wegner=Halle Europameister. Die erste Entscheidung siel am Nachmittag im Stabbochsprung. Der beutsche Rekordmann Wegner und der Schwede Liungberg kamen beide glatt über die 4=MeterGrenze. Ihre Versuche über 4.05 Meter scheiterten aber. Im Stechen bewältigte Wegner abermals die 4 Meter ohne Schwierigkeiten, während der Schwede sich dreimal vergeblich bemühte und damit den Titel dem Deutschen überlassen mußte. Im Hochsprung fiel der Sieg an Finnland. Kotkas wurde mit 2 Meter Europameister. Die beiden Deutschen Weinkötz und Ladewig nahmen mit 1.94 und 1.85 Meter den vierten bezw. 5. Platz ein. Der Finne Mattin Järvinen konnte in der Entscheidung des Sveerwersens seinen erst in diesem Jahre aufgestellten Weltrekord von 76.10 Meter über einen halben Meter auf 76.66 Meter verbessern und damit ganz überlegen den Europatitel an sich bringen. Der Deutsche Weimann blieb unter seiner Form und kam mit 65,69 Meter nur auf den sechsten Platz. Der Titel über 1500 Meter fiel an den italienischen Weltrekordmann Luigi Beccali, der in 3:54.6 eine ausgezeichnete Zeit herauslief. Schaumburg ließ in einem plötzlichen Antritt den Franzosen Normand vorbei, so daß er den dritten Platz unnötigerweise verlor. Die 10000 Meter waren das Rennen nur dreier Läufex: der Finnen Salminen. Askola und des dänischen Rekordmannes Henry Nielsen. Syring gab das für ihn aussichtslose Rennen nach 7500 Meter auf. Eine Fußverletzung hatte Syring sichtlich behindert. Der Finne Salminen siegte in 31:02,6 knapp vor seinem Landsmann Askola in 31:03.3, während Nielsen in 31:27.4 das übrige Feld um fast eine Minute hinter sich ließ. Krötzsch aus der 9T ausgeschlossen Die Schwärzung des Turnfestsiegers von Stuttgart. Kurt Krötzsch, wegen fortgesetzten unturnerischen Verhaltens zunächst bis zum 31. März 1935 hat auch die kürzliche Gauführer=Besprechung der DT in Berlin beschäftigt. Auf Grund des dort vorgelegten Materials ist man sich einig geworden. Krötzsch aus der Deutschen Turnerschaft auszuschließen. Die DT=Führung will damit klar zum Ausdruck bringen, daß Sauberkeit in den Vereinen. Kreisen und Gauen ein oberstes Gesetz für die Deutsche Turnerschaft ist. der Neue Hochwassergefahr am Oberlauf der Weichsel Infolge des anhaltenden Regens hat Wasserstand der Weichsel in ihrem Oberlauf so erheblich zugenommen, daß neue Hochwassergefahr besteht. Mit Rücksicht darauf wurde für das gefährdete Gebiet Alarmbereitschaft angeordnet. Ein Teil der kleinen Flüsse Galiziens ist bereits aus den Ufern getreten. Bei Stanislau wurde der Eisenbahnverkehr unterbrochen. Grubenarbeiter ködlich verunglückt Auf dem Schacht St. Villemin der Kleinrosselner Gruben in Lüdenscheid verunglückte in der Frühschicht der Bergmann Peter Reichert tödlich. Reichert wurde plötzlich von herabbrechenden Gesteinsmassen verschüttet. Mit einem doppelten Bruch der Wirbelsäule, dem Bruch beider Beine und des Beckens, sowie anderen schweren Verletzungen wurde der Bedauernswerte ins Krankenhaus transportiert, wo nur mehr der Tod festgestellt werden konnte. Weitere Opfer des Glasgower Eisenbahnunglucks Das Eisenbahnunglück auf dem Glasgower Hauptbahnhof am Donnerstag hat weitere Opfer gefordert. Zwei Frauen und ein Lokomotivheizer sind Freitag früh im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Damit erhöht sich die Totenzahl auf fünf. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt. Es scheint sich um ein Versagen oder Schadhaftwerden einer Kreuzungsweiche zu handeln. Erklärung Dr. von Brehmers Regierungsrat Dr. von Brehmer läßt zu den letzten Veröffentlichungen der Tagespresse über seine wissenschaftliche Arbeit in der„Medizinischen Welt“ Nr. 34 vom 25. August d. J. über das Krebsproblem u. a. folgende Erklärung veröffentlichen: Bei der Bedeutung der Frage, ist Krebs eine Erregerkrankheit oder nicht, war vorauszusehen, daß viele Meinungen dafür und dagegen auftreten würden. Selbstverständlich halte ich die von mir in der„Medizinischen Welt“ veröffentlichten Ergebnisse meiner Forschungen in vollem Umfange aufrecht und das um so mehr, als die fast zweijährige Ueberprüfung des außerordentlich schweren Problems in der gleichen Zeitschrift niedergelegt ist und von Herrn Prof. Schilling, sowie von den bekannten Bakteriologen Dr. Börner und Dr. Janke zum Teil überprüft und bestätigt wurde. Auch bin ich jederzeit bereit, wissenschaftlich meine Forschungsergebnisse zu demonstrieren; im übrigen ist auf Grund meiner sehr eingehenden Veröffentlichungen jeder dazu berufen und in der Lage, selbst das von mir Veröffentlichte experimentell richtig nachzuprüfen und zu beurteilen. Die Internationale Büro=Ausstellung in Berlin wurde am Freitagnachmittag in den Berliner Ausstellungshallen feierlich eröffnet. In wenigen Zeilen Der Memelländische Landtag, der am Donnerstag zusammengetreten ist, ist durch Gewaltmaßnahmen des Gouverneurs gegen eine Anzahl Abgeordneter und durch Fernbleiben des litauischen Blocks erneut beschlußunfähig gemacht worden. Der in Wien zum Tode verurteilte Wachbeamte Hölzl ist zu lebenslänglichem Kerker begnadigt worden, da Hölzl nicht als unmittelbar Beteiligter an den Vorgängen bezeichnet werden kann, die zum Tode Dr. Dollfuß führten. Die Segelfliegerin Lola Schröter, die sich auf einem Fluge durch Deutschland befindet, ist am Freitag um 18.28 Uhr, von Hannover kommend, im Hamburger Flughafen glatt gelandet. Keine Winteräpfel Winteräpfel dürfen bis auf weiteres nicht verkauft werden Der Reichsbeauftragte für die Regelung des Absatzes von Gartenbauerzeugnissen hat, wie das Ndz meldet, angeordnet, daß auf Wochenmärkten, In Ladengeschäften und im Straßenhandel der Kleinverkauf von Winteräpfeln bis auf weiteres verboten ist. Ausgenommen von diesem Verbot ist das als solches deutlich gekennzeichnete Fallobst, das einen Querdurchmesser von 50 Millimeter nicht unterschreiten darf. Die Gebietsbeauftragten haben die für ihr Gebiet als Winteräpfel in Betracht kommenden Sorten bekanntzugeben und sind ermächtigt, innerhalb ihres Gebietes Termine festzusetzen, vor denen Winteräpfel bestimmter Sorten nicht geerntet werden dürfen. Gewinnauszug 5. Klasse 43. Preußisch=Süddeutsche (269. Preuß.) Staats=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Rummer in den beiden Abtellungen I und II 26. Ziehungstag 6. September 1934 On der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne . über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 300000 M. 20498 D# 2 Gewinne zu 5000 M. 113760„„41 6 Gewinne zu 8000 M. 16906 78801 211962 16 Gewinne zu 2000 M. 73459 78250 116005 181156 230600 849279 869644 887486 42 Gewinne zu 1000 M. 60455 68079 67757 75159 83173 96524 98683 116799 127465 154717 176947 196652 197026 221364 239180 261719 966274 279650 813106 844782 866789 78 Gewinne zu 500 M. 12250 18517 25701 i! 991 112203 141054 161518 170564 173486 308 181496 198648 208278 215955 226391 335 236488 248791 265509 267763 278043 23 316539 823519 842559 860593 868542 241 876525 882120 387142 390916 366 Gewinne zu 300 M. 1677 1693 3169 4026 6236 6607 6742 10880 11218 12013 14477 14657 16812 16951 20108 21430 24097 27017 27522 29402 81388 33266 83348 36389 37898 46477 45970 48169 60019 65189 65192 69788 60730 60784 64616 65758 66630 70398 71781 72699 77827 78848 81721 82870 83567 84375 85864 86762 90648 93167 94587 95162 102331 102612 104417 104728 107662 118390 118586 129963 123179 124080 124752 126895 128694 128774 130371 134776 135424 135831 136617 189797 139806 144060 145952 160001 156381 158124 159012 162935 162986 169363 170058 174112 176032 176217 183124 183702 187758 194046 194257 194679 195588 195975 199773 201239 204600 207940 208411 208796 214036 221641 222312 230735 232373 234023 235036 236999 240190 245761 246979 247616 247740 248920 249670 251261 254060 256409 257612 268072 258455 260983 262358 263320 264067 264502 264507 267781 267810 269569 271814 273261 274891 275532 277674 278328 278371 279797 283147 286312 298501 298724 302671 809683 811901 815943 820504 824128 826255 826148 830163 831236 832002 835023 835269 836652 837127 838269 339531 339839 848552 850235 855728 358156 358600 860331 367239 867432 868315 868470 870455 872748 376468 875678 876660 876971 381550 381769 382326 882829 886554 887728 396967 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 264913 8 Gewinne zu 3000 M. 78233 237464 268454 272423 26 Gewinne zu 2000 M. 49421 123727 156111 210492 222491 231349 252500 266957 267364 847709 877678 380282 892085 32 Gewinne zu 1000 M. 29536 66077 58053 96037 153461 154602 168341 172175 172429 214372 288832 805717 818003 882455 889688 899151 92 Gewinne zu 500 M. 6854 20907 35863 84331 88469 93640 93665 104005 112146 114267 127368 127647 128650 167560 173601 178833 181495 202598 208640 210137 210761 221442 223157 223236 226174 234404 240793 249380 251753 287667 288517 288623 297740 297966 817666 831331 337947 339912 344836 355250 865133 373645 381625 887970 388895 395668 312 Gewinne zu 300 M. 968 2655 3114 3656 7527 6872 11110 12960 13943 16118 17267 18661 22901 22992 28915 29621 29803 33217 83920 84783 37825 40644 42443 43971 50220 61903 61936 67159 58538 60997 61096 62926 67030 70294 72179 74406 75194 77944 80725 81305 83675 88109 91766 94837 102880 104862 111134 112770 116610 116567 123546 132972 133659 136868 139566 139634 141759 145112 145724 162699 162762 157730 162369 165697 166260 168836 169272 169884 171665 180492 187347 189962 191115 203538 210368 211184 216901 216684 216893 218236 219943 220361 221863 223171 224392 225504 228764 230352 237342 239324 239494 241930 242370 242872 244694 247101 248166 251204 255899 261517 262726 264818 278816 275814 279334 280026 282701 283934 284055 284762 287345 288378 297994 298886 302289 806565 809698 810713 817273 817926 818415 820615 820863 827433 830612 836012 337853 838703 338858 839428 840845 842637 342732 849188 361843 352979 864761 855073 856214 867720 861056 861181 869244 871196 874623 875419 875755 880796 882261 882878 884102 390449 390492 392351 394322 397956 20 Tagesprämien. ∆ 05 13133 B33. 313s. 193133 gentes 904re Auf meiner Einkaufsreise im Chemnitzer Industriegebiet kaufte ich etwa 4000 Paar Strümpfe noch zu günstigen Preisen! Diese Vorteile möchte ich meiner Kundschaft zugute kommen lassen. Einige Beispiele: Macco-Strümpfe„„ Waschs. Strümpfe Paar des oss 0.40 Paar des 0.es 0.68 Damen-Strümpfe„ Herren-Socken Waschs. plattiert Paar O.SO Paar 0.58 0.48 C. A Ä = Bitte beachten Sie mein Spezial-renster Verkehr im Reichsbahndirektionsbezirk Wuppertal im August 1934 Der Güterverkehr hielt sich ungefähr auf der Höhe des Vormonats. Der Stückgutverkehr flaute zwar leicht ab, dafür erfuhr aber der öffentliche Ladungsverkehr eine geringe Belebung. Letztere wurde hauptsächlich durch die Nachfrage nach Düngemitteln hervorgerufen, die in diesm Jahre wegen der Frühernte früher als in sonstigen Jahren zum Versand kamen. Der Ladungsverkehr hatte daher eine Zunahme von 1,0 Prozent zu verzeichnen, während die Zahl der abgefertigten Frachtbriefe blieb nur um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Die Zunahme gegenüber dem gleichen Monat der beiden Vorjahre ist teilweise noch stärker geworden. So wurden gegenüber August 1932 sogar 40,1 Proz und gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres 19,1 Proz. mehr Stückguttonnen bhandelt. Auch die Zahl der abgefertigten Frachtbriefe war im August d. J. um 27,5 Proz. höher als im August 1932 und 13,2 Proz. höher als im Vorjahre, während 31,9 Proz. mehr Wagen gestellt wurden als im August 1932 und 11,2 Proz. mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Der Personenverkehr ist gegenüber dem Vormonat um 3,4 Proz. gestiegen. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ist eine Zunahme von 0,9 Proz. zu verzeichnen. Der starke Reiseverkehr des Vormonats hat sich mithin in noch etwas erhöhtem Maße fortgesetzt. Die Steigerung ist auf den zur Ferienzeit besonders lebhaften Reise-und Ausflugverkehr und die günstige Witterung zurückzuführen. Urlaubskarten und Karten für kinderreiche Familien wurden weiterhin stark verlangt. Gegen Mitte des Monats trat ein leichter Rückgang ein. Wegen der Landestrauer wurden mehrere Sonderzüge abgesagt. Auch am 19. 8., dem Tag der Volksabstimmung, war der Reiseverkehr geringer. Es wurden im Laufe des Monats 295 Verwaltungssonderzüge und 269 Gesellschaftssonderzüge gefahren. Der Gepäck= und Expreßgutverkehr nahm ebenfalls zu, und zwar um 2.5 Prozent. Diese Steigerung bezieht sich aber nur auf den Gepäckverkehr, der wegen des Ferienverkehrs besonders stark war, während der Expreßgutverkehr wie alljährlich im August verhältnismäßig schwach blieb. Die Zunahme gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres beträgt 13,6 Prozent. Von Brot und Stuten Ihre Verlobung geben bekannt Emmy Neumann lohannes Schaefer Schwerte, Schlageterstr. 8 8. September 1934. Kölleda(Thür.) 1792 C Bin zu sämtlichen Krankenkassen wie Orts- und Landkrankenkasse, Eisenbahnbetriebskrankenkasse, Nickelwerkbetriebskrankenkasse, kaufm. Berufskrankenkassen u.s.w. zugelassen. Zahnarzt Dr. Peters 1703 Schwerte, Hüsingstraße 30 pt. Sprechzeit von 9—12 Uhr u. 3—6 Uhr, außer Samstag nachm. Geschäftsübernahme. Habe das von Herrn Stenner bisher geführte Friseur-Geschäft im Hause des Herrn Stelbrink, Bedanstraße, übernommen. Es wird mein Bestreben sein, meine Kunden durch saubere und sorgfältige Bedienung in jeder Weise zufrieden zu stellen. Ich bitte mein Unternehmen freundl. zu unterstützen. 1704 Hans Wagener. II Schwerter +4 Turnerschaft 1868 Heute abend 8½ Uhr Generalversammlung im„Reiche des Wassers". Erscheinen ist Pflicht. Der Vereinsführer Klaus Freischütz Samstag, 8. September 8½ Uhr Einmaliges Gastspiel der weltberühmten Kuban-Kosaken unter Leitung von S. Ignatjeff Gesang Balalaika-Orchester Original-Tänze nach dem konzertlichen Tell: ein Tänzchen. Karten im Vorverkauf 50 Pig. bei Schöttler, an der Kasse höher. Ernedännsert im Ichwerter 120f am Sonntag, dem 9. September abds. 8 Uhr Iusik wird ausgeführt von Kapelle Köpplkus Lanzeinlage Zum Ausschank gelangt: la Kronenbier Gutgepflegte[eine WDarme und kalte Rüche. Oeffentl. Steuermahnung An die Zahlung der bereits am 19. August fällig gewesenen 2. Rate der kath. Kirchensteuer wird noch einmal mit dem Bemerken erinnert, daß am 12. d. M. das Finanzamt mit der mit Kosten verbundenen Einziehung der Rückstände beginnt. Die Kirchenkasse. BüroLehrling für den 1. Okt. gesucht. Gat= und Wasserwerk Schwerte(Ruhr). H. Hitzegrad u. Sohn Schwerte, Senningsweg 26 Ruf 2765 Gegr. 1896 Orthopäd. Schuhanstalt Individuelle Anfertigung v. Schuhen für kranke Füße schmerzlindernd. Hohe Auszeichnungen. Lettern aus besten thüringischem Tannenholz liefert billigst sofort frei Haus. Zahlbar nach Vereinbarung. C. O. Weise, Dortmund Senidsgostr. 18 Serlöse Firma sucht für ihr Futtermittel möglichst in der Landwirtschaft bekannten oder eingeführten Vertreter. Erste Konditionen Eilzuschriften m. Bild unter H. G. 13222 an Ala, Hamburg 36 Bigene Schältemacharg! Einlagen nach Maß u. Gipsabdruck Lieferant sämtlicher Krankenkassen Berufsgenossenschaften und des Versorgungsamts. 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Diese bedeutungsvollen Worte der Bitte im „Gebet des Herrn“ wäre vor Zeiten(etwa noch vor 30 Jahren) wohl öfters gern, besonders Kritik gefallen lassen müssen, wenn nicht eine von den Kleinen, etwas abgeändert worden, und eine manchmal derbe Kritik hätte sich diese gewiss Ehrfurcht vor dem göttlichen Lehrmeister die kleine Zunge gezügelt hätte. Brot, immer nur Brot! Warum nicht zur Abwechselung mal Stuten? Es muß nämlich betont werden, daß im Münsterlande unter Brot nur das schwarze Roggenbrot verstanden wird, während Weißbrot mit dem Namen Stuten bedacht ist. Das Münsterland ist ja die bekannte, gesegnete Landschaft,„wo die Menschen Holzschuh tragen und von schwarzem Brot si chnähren“. Wenn wir das bekannte Wort unseres Reichspräsidenten von Hindenburg:„Der Patriot ißt Roggenbrot“ als Maßstab nehmen wollen, so wird man in manchen Gegenden des Münsterlandes von alten und ältesten Zeiten her die besten Patrioten zu suchen haben. Das schwarze Rogegnbrot(der Pumpernickel) ist in manchen Gegenden unserer Heimat bis vor wenigen Jahrzehnten fast ausschließlich das Hauptnährmittel des Volkes geblieben. Es gibt ja ausgedehnte Landflächen hier, die nur aus leichterem Sandboden bestehen und als Hauptfrucht Roggen tragen, während der bessere Weizen nur auf schwererem Boden (Lehm oder Kley) gedeiht. Während jetzt bei dem besseren lebhaften Verkehr ein reger Austausch der Produkte ermöglicht ist, war früher jede Gegend auf die eigenen Erzeugnisse allein hingewiesen. So war dem Sandbauern ein Wißbrot aus Weizenmehl eine Seltenheit, wir möchten sagen, ein Luxus, den er sich nach seinem Vermögen nur bei besonders wichtigen Anlässen erlauben konnte. Aber auch bei dem Kleybauern wurde mit dem„Stuten“ immer recht sparsam umgegangen. Der auf eigenem Acker erzielte Weizen litt so sehr große Ansprüche für den eigenen Haushalt nicht. Diese Frucht wurde viel gezogen, um auf den Markt gebracht zu werden; denn eine Zeitlang war der Ertrag für Weizen so ziemlich die Haupteinnahmequelle für den Bauern, da Weizen ein wichtiger Handelsartikel war und viel nach auswärts(Holland) verschickt wurde. So wurde oft der Weizen, noch auf dem Halm stehend, in größeren Flächen von auswärtigen Händlern erworben. Man hat zu der Zeit das Wort geprägt:„Midderwinter(Weihnachten) bäck jiddermann(nämlich Weißbrot), Ostern well noch kann, un to Pinxten bloß de riese Mann.“ Da das Schwarzbrot als richtiges Nährmittel für jeden Haushalt unentbehrlich wir, so mußte auf die Bereitung desselben die größte Sorgfalt verwendet werden. Das Backen wurde auf den Höfen selbst besorgt. Eine wichtige Einrichtung auf jedem Anwesen war darum das Backhaus oder kurz Backs. Das Bereiten des Schwarzbrotes war auf den größeren Bauernhöfen meistens Sache des Baumeisters(des ersten Knechtes) oder des Lieftüchters(Einwohner des zum Hofe gehörenden Kottens), während das Backen von der Hausfrau selbst oder der ersten Magd besorgt wurde. Das Schwarzbrot oder der Pumpernickel, in dem die ganze Kraft des unverfälschten Brotes steckt, wird nach einem besonderen Verfahren aus dem ganzen Korn des Roggens unter Zusatz von Sauerteig gebacken. Das Roggenmehl (grob gemahlen mit der Kleie) zum Teig muß 24 Stunden vor dem Backen zum Säuern warm angemengt werden. Der Ofen, in dem das Brot 24 Stunden bleibt, muß eine bestimmte starke Hitze ausweisen. Die dunkle Färbung dieses Brotes rührt daher, daß es in seinem eigenen Schwaden(Wasem) gar wird. Um ein Entweichen des Schwadens zu verhindern wird der Ofenmund mit angemengtem Lehm luftdicht verschmiert. Der besondere Wohlg=schmack rührt von dem in der Roggenkleie enthaltenen Aroma her. Das Brot, wie wir es haben, wird wohl so ziemlich auch in dieser Bereitung unsern alten Vorfahren bekannt gewesen sein. Es wird uns berichtet, daß in ältester geschichtlicher Zeit auch der Hafer zur Brotbereitung herangezogen wurde. Auch Wintergerste wurde wohl als Streckung dem Brotgetreide beigemengt. Der Name Pumpernickel soll aber erst vor 80 Jahren so recht in Gebrauch gekommen sein. Ueber die verschiedenen versuchten Deutungen dieses Namens will ich hier hinweggehen. Es wird versichert, daß der Pumvernickel mit dem Alter an Güte gewinnt. Bei den Bauern ist eine solche Probe schlecht zu machen, da der Vorrat meist nicht groß ist. Wohl war es früher üblich, daß der ältere Pumpernickel in Scheiben zelegt und etwas angefeuchtet auf einem eisernen Rost über glühenden Holzkohlen aufgefrischt wurde. So wurde er wieder schmackhafter und besonders für ältere Leute leichter genießbar. Wähend der Pumpernickel aus ungebeuteltem(ungesiebtem) Roggenmehl bereitet wurde, nahm man zum Backen des Weißbrotes(Stuten) nur fein gebeuteltes Mehl, zumeist von Weizen. Zum Treiben des Teiges wurde seit alters die Hefe verwandt. Einige der besten Weißbrote werden gleich nach dem Ausziehen in Brocken zerrissen und noch ein zweites Mal in den noch warmen Ofen gebracht. So erhält man die Knabbeln. In feinerer Form nennt man sie Zwieback oder Beschüt(Bisquit). Die Knabbeln spielten im bürgerlichen Haushalt immer eine wichtige Rolle. Sie waren nicht dem Verderben durch Schimmel ausgesetzt, waren sozusagen immer frisch. Darum wurden sie früher immer bei jedem Besuch zum Kassee oder zur Milch aufgesetzt. Bei verschiedenen Festen wurde das Weißbrot mit besonderer Sorgfalt unter Zusatz von Milch, Butter, Zucker usw. hergestellt und mit Korinthen und Rosinen vermengt. Als besondere Würze setzte man dem Teig auch öfters den Samen von Anis zu. Als eigenes Kaffeegebäck fand man bei den Bauern noch„Kefelnige“ und „Iserkoken". Die Krekelnige wurden aus besserem Teig gemacht. Ein kleines Stück wurde schlangenartig lang und dünn gerollt und die Enden übereinander gelegt, so daß man ungefähr die Form eines großen lateinischen. B erhielt. Die Iserkoken(Waffeln) wurden in einem eigens geformten Lisen auf dem offenen Herl feuer gebacken. Ein Kucheneisen gehörte zum nötigen Mobilar eines jeden Bauernhauses. Meist zeigen die noch vorhandenen Eisen kunstvolle Verzierungen und Bildnisse auf den nenflächen der beiden Platten, die sich beim Backen dem Kuchen einprägen. Solche koken wurden an gewissen Festen an die Kinder verteilt, die den Hof besuchten und entsprechende Sprüchlein aufsagten, z. B. zu Neujahr, zu drei Königen.„Hilge drei Koken, is 1 kin heelen, denn en Koken"(Stua). Wenn das Brot in früherer Zeit ausgegangen war, kamen die ländlichen Haushaltungen, da sie dafür keinen Ersatz hatten oft in Verdrückung; denn ein Kaufen des Brotes gab es nicht und leihen ließ sich oft auch nichts, da die Nachbarn meist unter denselben Verhältnissen litten. In einem solchen Falle mußte ein„ chen gebacken werden. Ein solches„Gebäc hatte aber mit dem Begriff„Juchen. Leckerbissen nichts weiter gemein, als nur den Namen. Es wurde ein Teig aus Roggenmehl angemengt und ungesäuert in einem großer Topf unter Wasser gar gekocht. Ein solce „Backwerk" war äußerst fade und klebrig konnte nur unter Zusatz von vieler Butter Kraut hinuntergewügt werden. Es war und blieb eben nur ein Notbehelf. B. M. * * * 0 7 25 * 7 44 Ein kühner Abenteurer gibt sich als Zarewitsch aus und ist elf Monate lang Herrscher von Rußland. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale. Am 15. Mai des Jahres 1591 wurden die Bükger des russischen Städtchens Uglitsch, das der letzten Frau Iwans des Schrecklichen, Maria Nagoi, und ihrem Söhnchen Demetrius seit dem Tode des Zaren als Witwensitz diente, um die Mittagsstunde plötzlich durch das Läuten der Sturmglocken bei der Mahlzeit aufgeschreckt. Hals über Kopf eilten alle auf die Straße in der Annahme, der Palast der Zarin stehe in Flammen. Als sie in den Hof eindrangen, enthüllte sich ihnen ein grausiger Anblick: der kleine Zarewitsch lag leblos in seinem Blute. Neben der Leiche stand die verzweifelte Mutter und rief, auf den ihr verhaßten Kanzleivorsteher Michael Bitjagowski weisend:„Das ist der Mörder!" Sofort stürzte sich die Menge auf den Bezeichneten. Dieser flüchtete, nachdem er sich vergeblich zu rechtfertigen versucht hatte, mit den andern Kanzleisekretären in ein Nachbarhaus. Doch der erregte Pöbel folgte ihm, schlug die Türen ein und tötete ihn samt den übrigen Beamten. Neun Männer fielen der Volkswut zum Opfer. Damit nicht genug. Die Hetzjagd nach dem Schuldigen wurde fortgesetzt, und jeder Bewohner von Uglitsch, auf den nur ein leiser Verdacht des Einverständnisses mit dem Mörder lastete, mußte sein Leben lassen. Wenige Tage nach diesem Blutbade traf Wassilii Schuiskij im Auftrag des Zaren in Uglitsch ein, um eine Untersuchung über das Vorgefallene anzustellen. Nach den Aussagen der Zeugen handelte es sich nicht um einen Mord, sondern um ein Unglück. Der Zarewitsch hätte mit einem scharfen Messer gespielt und wäre in einem Anfall von Epilepsie, an denen er „aufig gelitten haben soll, auf das Messer gestürzt, das sich ihm in die Kehle gebohrt habe. Merkwürdigerweise blieb auch die eigentliche Urheberin des schrecklichen Lynchgerichtes, die Zarin=Witwe, nicht bei ihren früheren Aussagen. Sie beschuldigte nicht mehr Bitjagowski der Tat und bekannte sogar dem Metropoliten Gelasius, daß sein Tod eine Sünde und ein Verbrechen sei; nunmehr behauptete sie, eine alte, verwachsene Frau, die mitunter zu ihr gekommen sei, um sie mit ihren Späßen zu belustigen, habe den Prinzen behext. Die arme Frau war zwei Tage zuvor auf ihr Geheiß getötet und in den Fluß geworfen worden. Ebenso ergab die Aussage ihrer Brüder kein belastendes Material. Kase els ascl Sehcek Sesclicheie heice sekretär zu rächen. Das Urteil fiel denn auch sehr streng aus: Die Zarin wurde gezwungen, unter dem Namen Marfa den Schleier zu nehmen; ihre Brüder ereilte das Los der Verbannung. Zweihundert Einwohner von Uglitsch wurden teils verstümmelt, teils hingerichtet, und die übrigen mußten nach Sibirien wandern, wo sie eine der ersten Ansiedlungen— das Städtchen Pelim— gründeten. Trotz dieses gerichtlichen Urteils erhielt sich im Volke unbeugsam der Glaube an den gewaltsamen Tod des Zarewitsch. Als die Uebeltäter galten ihm Bitjagowskis Sohn Daniel, dessen Vetter Nikita Katschalow und Ossip Wolochow, der Sohn der Bonne des kleinen Prinzen. Sie seien, wurde behauptet, an den spielenden Knaben herangetreten und einer der drei habe ihn gefragt, ob er ein neues Geschmeide am Halse trage; dabei habe er die Kette aufgehoben, um die Kehle zu entblößen. In diesem Augenblick sei dem unglücklichen Kinde von dem dritten Komplicen der Dolch in die Gurgel gestoßen worden. 16, u4 i Ob diese Vermutung auf Wahrheit veruyt, laßt sich nicht feststellen; denn die vermeintlichen Mörder, die allein Auskunft über den Tatbestand geben konnten, waren ja, als das Verhör stattfand, nicht mehr am Leben. Nach des Volkes Meinung sollen sie aber auch nur die Werkzeuge gewesen sein. Den wirklichen Attentäter sah man in dem allmächtigen Bojaren Boris Godunow dem Schwager des regierenden Zaren, der schon damals die Zügel der Regierung lenkte und von dem ehrgeizigen Ziel träumte, sich die Krone aufs Haupt zu setzen. Der junge Demetrius, der als Nachfolger Feodors in Betracht kam, konnte alle seine Pläne durchkreuzen. Was lag da näher, als den gefährlichen Nebenbuhler zu beseitigen? Vielleicht frohlockte Boris, als er von dem Tode der Mörder erfuhr? Denn nun blieb er allein der Hüter des Geheimnisses, mit dessen Bekanntwerden seine ehrgeizigen Pläne zerschellen mußten. Zar Feodor starb 1598. Boris Godunow wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Er blieb auch bei dieser Gelegenheit der große Schauspieler, der er sonst im Leben war. Kniefällig ließ er sich von den Bojaren und der Geistlichkeit bitten, die Regierung Rußlands zu übernehmen. Mit erheuchelten Tränen in den Augen flehte er sie an, Mitleid mit ihm zu haben und ihn nicht zu einem Opfer des Thrones zu machen. Boris wußte genau, warum er das tat. Das Volk liebte ihn nicht; es ließ sich von dem Glauben, daß er der Mörder des kleinen Demetrius sei, nicht abbringen. Es murmelte sogar, daß er das Kind seiner eigenen Schwester, der Zarin, wenige Tage nach der Geburt vergiftet hätte. In jeder Hungersnot, jeder Feuersbrunst, jeder Feindesinvasion vermutete es die rächende Hand Gottes, die den Uebeltäter strafen wollte; und durchschaute mit natürlichem Scharfblick Godunows unbändigen Ehrgeiz, der vor keiner Gewalttat zurückschreckte, wenn es galt, das ins Auge gefaßte Ziel zu erreichen. Diese Gegnerschaft des Volkes instinktiv fühlend und selbst von einem krankhaften Mißtrauen befangen, inszenierte Boris jene Komödie in der Absicht, dadurch allen Anschein gieriger Herrschsucht von sich abzuwenden. Ueberall argwöhnte er Anschläge und Verschwörungen, gegen die er ein ausgedehntes Spionagesystem als Schutzwall errichtete. Einer nach dem anderen wurde unschuldig auf bloßen Verdacht hingerichtet. So mußte einer seiner besten Freunde, Bogdan Bielskij, die schimpfliche Strafe des Bartausrupfens über sich ergehen lassen, weil er in der von ihm gegründeten Festung Borissow den unvorsichtigen Ausspruch getan hatte:„Boris ist Zar in Moskau, und ich bin Zar in Borissow.“ So wurde ferner die ganze Sippe der Romanows, zufolge der Aussage seines Dieners, daß sie dem Zaren nach dem Leben trachtete, in die Verbannung geschickt. Und nicht nur auf die nächsten Angehörigen, sondern auch auf die weiteren Verwandten erstreckte sich die Verfolgung, begleitet von Vermögenseinziehungen, Foltern und Landesverweisungen. Anderen Bojaren, die wegen ihrer Ebenbürtigkeit mit den Ruriks als Anwärter auf den Zarenthron in Frage kommen konnten, wie den Fürsten Mstislawski und Schuiskij, verbot er das Heiraten. Er mißachtete die Ratschläge ehrlich Meinender und lieh Gehör nur den Schmeichlern und Ohrenbläsern, die sich mit dem Gut der Geächteten mästeten. Mit solchen Verbrechern verscherzte Godunow sich die letzten Sympathien des Volkes. Zum allgemeinen Mißvergnügen kamen noch allerlei Unglücksfälle dazu. Eine entsetzliche Hungersnot suchte das Land heim und raffte Hunderttausende hinweg; die Menschen vertierten unter dem furchtbaren Einfluß des Elends. Die Verrohung der Sitten wurde allgemein; Mord und Totschlag nahmen überhand. Keine noch so freigebig ausgeteilten Spenden vermochten die Massen mehr zu beruhigen. Sie wiesen mit den Fingern auf den Zaren, dem sie alle Schuld an dem Ungemach zuschoben. Mit zäher Entschlossenheit bot er ihnen die Stirn, umgab sich plötzlich mit einem verschwenderischen Prunk. Gleichsam um zu zeigen, daß er sich nicht einschüchtern ließe, setzte er sein Werk, das Volk durch Wohltaten zu blenden, in gesteigertem Maße fort. Aber im Grunde genommen war es nur ein Mittel der Selbstäuschung...ntmislin a— i5ret. Als das Ereignis eintrat, um dessenrwillen er jahrelang in Bangen und Zittern gelebt hatte, als der Schatten des Demetrius aus dem Grabe stieg und Gestalt annahm, da brach dieser starke Mann, der durch Schlauheit, Hinterlistigkeit, Ränke und Verbrechen aus der Nichtigkeit eines Sklaven zur Höhe des Selbstherrschers aufgestiegen war, wie ein Schwächling zusammen. Es war im fünften Jahre der Regierung Godunows. Da drang von der litauisch=polnischen Grenze das Gerücht nach Moskau, der jüngste Rurikersproß, den man seit der Bluttat von Uglitsch für tot hielt, sei am Leben und befände sich in Polen. Das Gerücht nahm immer bestimmtere Formen an und verbreitete sich mit unglaublicher Schnelligkeit über alle Provinzen des Reiches. Die näheren Umstände dieser wunderlichen Entdeckung wurden folgendermaßen dargestellt: Bei dem Fürsten Wischnewetzky zu Brahin in Litauen versah seit einiger Zeit ein junger, etwa zwanzigjähriger Mann das Amt eines Stallmeisters und Kammerdieners. Er sprach fließend polnisch und russisch und verfügte auch über einige Kenntnisse im Lateinischen. Als er eines Tages eine Unachtsamkeit beging, strafte ihn der Fürst mit einer Ohrfeige und brauchte gegen ihn ein derbes Schimpfwort. Darüber geriet der junge Mann in große Bewegung und rief, mit Tränen in den Augen:.64.g Mar dich hahlant I mrhen „O Fürst, wenn du wußtest, wer dich bedient, so wurden du mich nicht so behandeln. Aber was kann ich tun? Ich muß alles ertragen, da ich selbst die Rolle eines Dieners übernommen habe.“.. g ,unh znaher Lammpe „Und wer bist du?“ fragte der Fürst.„Und woyer rommst du?“ „Ich bin der Zarewitsch Demetrius, der Sohn des Zaren Iwan Wassiljewitsch.“.61.1„iunt Fmratn Hierauf berichtete er die Geschichte seiner Errettung: Die Zarin=Mutter hätte, ein Attentat auf ihn befürchtend, einen ihm ähnelnden Knaben abends in sein Bett gelegt, ihn selbst jedoch einem Arzt namens Simon übergeben, der ihn in ein Kloster gebracht und mit ihm bis zu seinem Tode zusammengelebt habe. Um nicht Mönch zu werden, war er aus dem Kloster entflohen und nach Litauen gegangen, wo er zuerst eine Stellung als Hauslehrer bei einem polnischen Edelmann bekleidete, ehe er in die Dienste des Fürsten getreten sei. Zur Bekräftigung seiner Erzählung zeigte er ein prachtvolles, mit Diamanten besetztes Taufkreuz vor. Dieses Beweisstück behob Wischnewetzky seiner letzten Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Gesagten. Er bat Demetrius um Verzeihung für die Ohrfeige und das kränkende Wort, stattete ihn mit kostbarer Garderobe aus, beschenkte ihn königlich und bat ihn, über alles, was er besitze, nach freiem Ermessen zu verfügen. Die Kunde von dem entdeckten Zarewitsch flog wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund durch ganz Litauen und Polen. Der stets kriegerisch gesinnte polnische Adel, der unter dem zwischen Godunow und dem König langfristig abgeschlossenen Waffenstillstand empfindlich litt, sah sich schon in einem neuen Feldzug gegen die verhaßten Moskowiter ziehen und als Sieger in die russische Hauptstadt einrücken. Fast jeder Edelmann kam, um dem„Zaren“ seine Dienste anzubieten. Nur wenige, wie der Fürst Ostroschsky, hielten Demetrius' Angaben für unwahr und bezeichneten ihn als einen Schwindler. Durch den Bruder Wischnewetzkys, den Fürsten Konstantin, machte Demetrius die Bekanntschaft des einflußreichen Wojewoden von Sendomir: Mnischek. Diesem in stark zerrütteten Vermögensverhältnissen lebenden Magnaten eröffneten sich glänzende Aussichten, falls das kühne Abenteuer— der Zug nach Moskau— erfolgreich war. Er war darum am eifrigsten tätig, den Krakauer Hof für den angeblichen Zarewitsch zu interessieren. Da er außerdem eine schöne Tochter besaß, die von vornherein einen tiefen Eindruck auf Demetrius machte, verstieg sich seine Hoffnung zu den höchsten Zielen Inzwischen hatten sich noch andere Zeugen eingefunden, die — ob aus eigenem Antrieb oder auf Grund von Bestechung, mag dahingestellt bleiben— die Identität des Thronanwärters mit dem Zarewitsch beteuerten. Ein russischer Flüchtling namens Petrowskij behauptete, einst im Dienste des Prinzen gestanden zu haben und ihn nach dem Kreuz, das er am Halse trug, wiederzuerkennen. Ein Livländer, der früher Soldat gewesen und bei der Belagerung Pskows gefangen genommen worden war, teilte die gleiche Ansicht, daß der Genannte der Vermutete sei, gestützt auf Erinnerungen aus der Zeit seiner Gefangenschaft, die er in Uglitsch verbracht haben wollte. In der Ukraine entfaltete der ehemalige russische Mönch Grigor Otepjew unter den Kosaken eine rastlose Propaganda zugunsten des Prätendenten. Er eilte von Dorf zu Dorf. proklamierte Demetrius als den rechtmäßigen Zaren und wiegelte die Bewohner gegen Godunow auf. Das Glück schien dem jungen Abenteurer hold zu sein. Alles fügte sich zu seinem Zweck und kam ihm zu Hilfe: Die tief eingewurzelte Feindschaft zwischen Polen und Rußland, die Kriegslust der polnischen Edelleute, die Unzufriedenheit des russischen Adels mit dem Zaren, dessen Unbeliebtheit im Volke, der Haß der Kosaken gegen ihn. Kurzum, die Möglichkeit, daß es Demetrius gelingen würde, in Moskau als Zar einzuziehen, lag nicht fern. Es fehlte nur noch die Billigung des Unternehmens durch den König. Am 15. März 1604 empfing Sigismund in Krakau den Prätendenten in feierlicher Audienz, und der Eindruck, den dieser auf ihn machte, war gut Er ließ ihm eine Pension von 4000 Gulden anweisen und brachte damtt gewissermaßen zum Ausdruck, daß er ihn als Sohn Iwans anerkannte. Auch der päpstliche Legat, Graf Rangoni, bezeugte ihm seine Gewogenheit. Im Palais Mnischeks wurde mit ihm die Vereinbarung getroffen, falls er Zar würde, die Union in Rußland einzuführen. Zwei Wochen darauf trat Demetrius selbst heimlich zum Katholizismus über. Die Vorbereitungen waren getroffen. Der Feldzug gegen Rußland konnte beginnen. Zu einem offenen Bruch des Waffenstillstandes vermochte sich jedoch der polnische Staatsrat nicht zu entschließen. Was die Anhänger des Demetrius unternahmen, geschah folglich auf eigene Rechnung und Gefahr. Der Abenteurer ließ sich aber durch das Ausbleiben der staatlichen Unterstützung keineswegs entmutigen. Er glaubte fest an seinen Erfolg und baute auf seine Getreuen. Unermüdlich war er den ganzen Sommer über tätig, sie auszurüsten und ihre Schar zu vergrößern. Er kargte nicht mit Versprechungen und verschenkte ganze Provinzen, über die er noch kein Verfügungsrecht besaß. So sagte er Maria Mnischek, mit der er sich nun verlobte, als Heiratsgut die Gebiete von Nowgorod und Pskow zu, und ihrem Vater, außer einer Million Gulden, die Fürstentümer Smolensk und Seversk. Ungeachtet aller Freigebigkeit, brachte Demetrius keine nennenswerte Streitmacht zusammen. Sie bestand, als sich der Zug im Herbst in Bewegung setzte, aus 700 Reitern, ebensoviel Fußvolk und etwa 2000 Kosaken. Mit diesem unansehnlichen Heer konnte er natürlich Moskau nicht bezwingen; aber er vertraute seinem Glück, glaubte an die suggestive Macht, die sein Name überall in den russischen Landen auf die Massen ausüben müßte und rechnete mit der allgemeinen Mißstimmung, die ihm Tausende von Anhängern aus dem gegnerischen Lager beim Vordringen in seine Arme treiben würde. Und Godunow? Was tat er, um der drohenden Gefahr zu begegnen? Er schien anfangs völlig den Kopf verloren zu haben. Das Gespenst des toten und wiederauferstandenen Zarewitsch verfolgte ihn Tag und Nacht, lähmte seine Willenskraft und untergrub seine Gesundheit. Zuerst suchte er auf Schleichwegen seines furchtbaren Feindes habhaft zu werden, indem er dem Fürsten Wischnewetzky eine große Belohnung anbot, wenn er ihm seinen Schützling auslieferte. Als das nichts fruchtete, erließ er eine Proklamation, in der behauptet wurde, daß der angebliche Zarewitsch der aus dem Tschudowkloster entlaufene Mönch Otepjew sei. Godunow selbst mochte wohl an diese ihm eingeflüsterten Märchen glauben; aber das Volk glaubte ihm nicht. Zu dem einzig wirksamen Gegenmittel, dem Aufgebot einer größeren Heeresmacht, griff er erst— vielleicht, weil er seiner Truppe sich nicht mehr sicher fühlte—, als der Prätendent bereits die Grenze Rußlands überschritten hatte. Bis Nowgorod fand Demetrius keinen ernsthaften Widerstand. Die Städte öffneten ihm die Tore, und Ueberläufer und Abenteurer schlossen sich in Scharen ihm an. Schon mochte er mit dem Gedanken liebäugeln, ohne Schwertstreich nach Moskau einzurücken. Da wurde er in Nowgorod=Sewerski eines anderen belehrt. Hier befehligte Peter Basmanow, der nicht gewillt war, sich dem Betrüger zu ergeben. Er verteidigte die Festung, bis das russische Heer unter dem Fürsten Mstislawskij zum Entsatz heranrückte. Vor den Toren Nowgorods kam es am letzten Tage des Jahres zu einer Schlacht. Obwohl die Russen an Zahl die Streitmacht des Demetrius um mehr als das Doppelte übertrafen, erlitten sie eine Niederlage, die sie zum Rückzug zwang. Die Hoffnung des Prätendenten, daß der größte Teil des Feindes zu ihm übergehen würde, erfüllte sich jedoch nicht. Darum sah er sich auch gezwungen, von einer Verfolgung abzusehen und bis Ssiäwsk zurückzugehen, da seine Kräfte zur Verfolgung nicht ausreichten. Hier wurde Demetrius' Streitmacht noch weiter geschwächt, denn die meisten Polen verließen ihn, teils aus Unzufriedenheit über die Nichteinhaltung gegebener Versprechen oder über die Bevorzugung der Kosaken bei Verteilung der Beute und des mitgebrachten Geldes, teils auf den eingetroffenen Befehl des Königs hin, sofort in ihr Vaterland zurückzukehren; den Ungehorsamen drohte Beschlagnahme ihrer Güter. Nur wenige, besonders abenteuerlustige Herren, blieben bei dem Zarewitsch und ##(Schluß folat.) 44 bildeten seine Leibwache. 4 Auf der Zeppelin=Wiese Freitagabend vor den politischen gende Ansprache: Politische Leiter! Vor einem Jahre trafen wir uns zum ersten Male auf diesem Felde, zum ersten Generalappell der politischen Leiter der nationalsozialistischen Bewegung und nationalsozialistischen Partei. Ein gewaltiger Anblick und ein gewaltiger Eindruck war es damals. Seit diesen zwölf Monaten hat sich das Gefüge der Bewegung, die in Ihnen ihre Leiter sieht, mächtig gefestigt. Nicht nur zahlenmäßig ist sie gewachsen, sondern auch innerlich ist sie erhärtet worden. Ich weiß, daß dieses gewaltige Werk nur gelingen konnte dank der Mitarbeit so vieler bisher unbekannter Volksgenossen, die in ihrem Kreis denselben Lebensweg beschritten haben, den auch wir hinter uns zurücklegten. Aus dem Unbekannten, Namenlosen hinein in das Volk, zu einem Namen, der in seiner Zelle, in seinem Block, in seiner Gruppe, in seinem Gau nicht nur bekannt ist, sondern in Ehren genannt wird. Ich danke all diesen Männern für ihre Arbeit und insonderheit Ihnen, Parteigenosse Ley, für Ihre unermüdliche idealistische Tätigkeit im Dienst des Aufbaues aller wirklich das ganze deutsche Volk umfassenden und es festhaltenden Bewegung.(Stürmische Beifallsrufe.) Wenn wir die unermeßliche Arbeit überdenken, die geleistet werden mußte, um vom Nichts zu diesem heutigen Bild zu kommen, daß Sie hier vor sich sehen, dann erkennen wir die Größe der Verpflichtung, die uns die Erhaltung dieses Gewordenen, so mühsam Erkämpften auferlegt. Es würde ein Frevel sein, wenn wir semals sinken ließen, was mit soviel Arbeit, soviel Sorgen, soviel Opfern und soviel Not erkämpft und errungen werden mußte.(Stürmische Heilrufe.) Nein! Die Bewegung, sie lebt und sie steht felsenfest gegründet. Und solange auch nur einer von uns atmen kann, wird er dieser Bewegung seine Kräfte leihen und für sie eintreten, so wie in den Jahren, die hinter uns liegen. Man kann nicht dem untreu werden, was einem ganzen Leben Inhalt, Sinn und Zweck gegeben hat. (Brausende Beifallsrufe.) Es war eine große Not und ein gewaltiges Gebot, die uns ergriffen. Es wird so etwas nicht aus Nichts getan, wenn diesem Werk nicht ein großer Gedanke zugrunde liegt. Und den Befehl gab uns kein irdischer Vorgesetzter, den gab uns der Gott, der unser Volk geschaffen hat(Tosende Beifallsrufe), und der nicht wollen kann, daß sein Werk zugrunde geht, nur weil ein Geschlecht schwach geworden war. Zu sehr hängen wir alle an dieser unermeßlichen Arbeit und ihrem herrlichen Ergebnis, als daß wir in unserer Pflichterfüllung in der Zukunft wankend werden könnten. Aber es ist notwendig, daß wir in äußerster Klarheit uns immer wieder zum Bewußtsein bringen, was uns groß gemacht hat, auf daß wir nie das vergessen, was uns allein sroß erhalten kann.(Minutenlange Beifallskundgebungen.) Es war die grenzenlose Treue zu unserem Volk und aus ihr abgeleitet die Treue zu unserer Bewegung. Es war die Treue untereinander, es war eine nie zerbrechende Kameradschaft, es war Gehorsam, Folgsamkeit, Bescheidenheit, es war Aufopferung, Bereitwilligkeit für unser Ideal, denn sonst wäre dieses Wunder nie gekommen.(Heilrufe.) Wir stehen heute hier, Zweihunderttausend von der fast einer Million sind versammelt. Zweihunderttausend Männer, die nichts anderes hergerufen hat als das Gebot ihres Herzens (Stürmischer, sich immer erneuernder Beifall). Es war die große Not unseres Volkes, die uns einst ergriffen hat und die uns zusammenführte im Kampf und Ringen und uns groß werden ließ. Deher können des alle die nicht verstehen, die nicht die gleiche Not in ihrem Volke erlitten haben.(Begeisterte Zustimmungskundgebungen der Massen.) Ihnen erscheint es rätselhaft und geheimnisvoll, was diese Hunderttausende immer zusammenführt, daß sie Not, Leid und Entbehrung ertragen läßt. Sie können sich das nicht anders denken als durch einen staatlichen Befehl. Sie irren sich! Nicht der Staat befiehlt uns, sondern wir befehlen dem Staat!(Die Massen jubeln dem Führer in unbeschreiblicher Begeisterung zu.) Nicht der Staat hat uns geschaffen, sondern wir schufen uns unseren Staat.(Erneute, langanhaltende Beifallskundgebungen.) Denn wir mögen dem einen Partei sein, dem anderen Organisation, dem dritten etwas anderes, in Wahrheit sind wir das deutsche Volk!(Stürmische Heilrufe.) Es kann keine bessere Repräsentanten finden als in seinen opferbereitesten und kampfentschlossensten Männern. Wir wissen, daß dieser Kampf auch in der Zukunft nie ein Ende nehmen wird. Auch für ein Volk gilt das Gebot: Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es stets aufs neue! Und was wir errungen haben im Kampf. werden wir stets im neuen Kampf bewahren. (Stürmischer Beifall.) Denn wir wissen, daß das Werden einer Volksgemeinschaft nicht von ungefähr kommt. Wern ein Volk zerrissen ist, In Klassen zerspalten, sich gegenseitig nicht mehr versteht und nicht mehr begreift, dann genügt es nicht, daß einzelne die Einsicht der Schädlichkeit dieses Zustandes haben. Notwendig ist es dann, daß diese aus der Erkenntnis des Möglichen die richtigen Konsequenzen ziehen, das heißt, zusammenstehen aus allen Ständen, allen Berufen, allen Klassen, allen Schichten und eine Marschkolonne bilden.(Stürm. Beifall.) Dann wird Trommel zu Trommel stoßen. Fahne zu Fahne, dann wird zur Gruppe die Gruppe kommen, zum Gau der Gau und dann wird endlich dieser gewaltigen Kolonne die geeinte Nation nachfolgen, das früher zerrissene Volk. Es wird dann in diesen Kolonnen seine Führung sehen, es wird dieser Führung dann gehorchen. Und die Führung hat die Pflicht, nie zu vergessen, daß sie Führung ist, weil sich in ihr alles das verkörpert, was sie selbst im Volke sehen will.(Beifall.) So wollen wir denn in dieser Abendstunde auf diesem weiten Feld uns und dem deutschen Volk wieder das Gelöbnis ablegen, daß wir in den kommenden zwölf Monaten an uns arbeiten wollen, um uns immer noch besser zu machen, damit das deutsche Volk mit Recht in uns seine Führung sieht.(Stürm. Heil=Rufe.) Wir wollen die großen Grundsätze unseres Kampfes, die uns in den Jahren des Ringens um die Macht begleitet haben, uns erneut ins Gedächtnis zurückrufen und uns ihnen verschwören. Treue, Gehorsam, Disziplin, Opferwilligkeit, Kameradschaft, Bescheidenheit, das sollen die Prinzipien sein, die immer mehr unser Lebensgebot zu werden haben. Dann braucht uns nicht bange zu sein um die Zukunft der Bewegung, die Zukunft der Partei, die Zukunft des Deutschen Reiches.(Stürm. Beifall.) Ein Volk, das durch solche Klammern gehalten wird, kann auch nicht der böse Wille einer anderen Welt zunichte machen. Es wird seine Fahnen wie der Ritter ohne Furcht und Tadel vor sich her tragen, niemandem zu Leide, aber auch nicht dem eigenen Volke zum Schaden.(Begeisterte Beifallsstürme.) Es wird Nürnbergs Bahnhöfe stehen am Freitag im Zeichen des Abtransports des NS.=Arbeitsdienstes und der Ankunft der Hitler=Jugend. Nachdem bereits im Laufe der Nacht und am frühen Morgen die ersten Züge mit Arbeitsdienstmännern abgefertigt wurden, verließen den Bahnhof Dutzendteich in den Mittags= und Nachmittagsstunden weitere sieben Züge mit rd. 10000 Mann in Richtung Waltershausen, Marburg, Bingen, Frankfurt a. d. Oder, Koblenz, Aschaffenburg und Hamm—Münster. Dank größter Disziplin und Organisation vollzieht sich alles in musterhafter Ordnung. Mit klingendem Spiel marschieren die langen Züge an. Blumen an Brust und Mütze, Blumen an den Spaten, harren die Arbeitsmänner im Bahnhof des Zuges, der sie in ihre Heimat zurückbringen soll. In ihren Augen leuchtet die Freude über die in Nürnberg verlebten Stunden. Wohl waren es nur zwei kurze Tage, aber unvergessen werden sie ihnen bleiben. War es ihnen doch vergönnt, dem Führer in die Augen zu blicken und ihm dabei im Herzen zu geloben, daß ihm auch seine Arbeitsmänner in unerschütterlicher Treue ergeben sind. Da braust der grün geschmückte Zug herein, und kurz darauf blicken aus den Wagenfenstern frohe, lachende Gesichter. Ein letzter Kartengruß wird noch in die Heimat hinausgeschickt. Durch Lautsprecher wird verkündet, daß der Sonderzug abfahrtbereit ist. Der Sprecher wünscht im Namen der Reichsbahndirektion Nürnberg den braven Arbeitsmännern gute Fahrt und mit einem donnernden Heil Hitler danken diese. Der Befehlsstab geht in die Höhe, der Zug rollt ab. Grüßend und winkend steht Mann neben Mann an den Fenstern. Froher Gesang klingt auf. Mit flotten Marschweisen im Wagen treten die Arbeitsmänner die Rückreise an. Ueber das bisherige polizeiliche Verhör des Gesandten Dr. Rintelen wird aus Wien bekannt, daß Dr. Rintelen erklärt habe, er sei Mitte Juli zu seinem programmäßigen Urlaub in Wien eingetroffen und habe vorher die amtlichen Stellen von seinem Urlaubsantritt unterrichtet. Während seines Aufenthaltes in Wien, nach dem er sich anschließend auf seinen Sommersitz begeben wollte, habe er wiederholt versucht, von Bundeskanzler Dr. Dollfuß empfangen zu werden. Da der Bundeskanzler jedoch damals außerordentlich beschäftigt war, sei es ihm nicht gelungen, eine persönliche Unterredung mit Dr. Dollfuß zu erreichen. Für die Tage zwischen dem 23. und 25. Juli sei dann für ihn eine Unterredung mit dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß vorgesehen gewesen, die jedoch bis zum 25 Juli nicht zustandegekommen sei. Dr. Rintelen hat sodann ausdrücklich erklärt, daß er keinerlei Kenntnis von den Vorbereitungen zum Aufstand hatte und von dem Putsch erst im Hotel Imperial Kenntnis erhaljedem die Hand bereitwillig geben zum Frieden und zur friedlichen Arbeit. Es wird sich aber auch gegen jene wehren, die glauben, Freiheit und gleiches Recht einem solchen Volke absprechen zu können.(Stürm. Zuseimmungen und Heilrufe.) Diese Bewegung wird dann als die wahrhaftige Führerin des deutschen Volkes in Erscheinung treten unter dem herrlichen Begriff: Alle für einen und jeder für alle! (Minutenlange Heilrufe.) Sie wird dann, wie schon öfter in der deutschen Geschichte erwiesen, unser Volk wieder zu seiner Größe, seiner Freiheit und seinem natürlichen Wohlergehen zurückführen können. Wir alle sind nur Diener an diesem großen Werk der deutschen Nation.(Stürm. Beifall.) Wir walen unser eigenes Ich gebührlich zurücksetzen gegenüber dem, was Deutschland erfordert, wollen selbst nicht vor Deutschland stehen, sondern nur dieses Deutschland führen, solange nicht Bessere an unsere Stelle treten. Wir wollen aber auch wissen, daß heute und morgen in Deutschland nichts Besseres ist und sein wird.(Tosender, minutenlanger Beifall.) Denn mehr als sich aufopfern für sein Volk wird niemand können. Das aber soll stets unser eigenes Gelöbnis sein(die Fahnenträger heben die Fahnen, die Massen jubeln dem Führer minutenlang zu): Auch wenn wir vergehen müssen, muß Deutschland bestehen.(Brausender Beifall.) Auch wenn uns im einzelnen das Schicksal schlagen sollte, muß Deutschland leben. (Anhaltende Heil=Rufe.) Auch wenn wir Not und Sorge auf uns zu nehmen haben, Deutschland muß sein trotz Sorgen und Not. So sei unser Gelöbnis an diesem Abend, in jeder Stunde, an jedem Tag, nur zu denken an Deutschland, an Volk und Reich, an unsere große Nation. Unser deutsches Volk Sieg=Heil! Das Feld der Hunderttausende ist minutenlang erfüllt von einem brausenden Orkan des Beifalls und des Jubels. Die Organisationsleitung hat präzise Arbeit getan. Kaum haben die Züge mit den letzten Arbeitsdienstmännern die Reichsparteitagstadt wieder verlassen, rollt schon wieder Sonderzug auf Sonderzug an. Sie bringen 60000 HitlerJungen aus allen Gauen des Reiches. Im Schmuck der grünen Girlanden und der wehenden Fähnchen, unter Gesang und Heilrufen fährt ein Zug nach dem anderen ein. Kurze knappe Kommandos, die der Lautsprecher vermittelt. Dann zieht das junge Volk in großen, schier endlosen Kolonnen hinaus in das Lager, vorbei an den Straßen, deren Häuserfronten unter den Fahnen geradezu zu verschwinden scheinen. Heller erklingen lustige Lieder, Pfeifer= und Trompetenkorps, dumpf wirbelnde Landsknechtstrommeln, Fahnen, Wimpel, glänzende Augen, die so hell leuchten, wie der Himmel über der festlichen Stadt, hochschlagende Herzen, stürmische fröhliche Jugend: deutsche Jugend, Deutschlands Zukunft! In Reih und Glied marschieren sie mit der gleichen Ruhe und der gleichen Disziplin wie die, die vor ihnen angekommen sind und was das schönste ist: diese Disziplin hat gar nichts Gewaltsames oder Erzwungenes an sich, sie ist der Jugend vollkommen natürlich. Kein Wunder, daß der Jubel, mit dem die Jungen von den Fremden und Einheimischen empfangen werden, ebenso gewaltig wie herzlich ist. Mit staunenerregender Exaktheit vollzieht sich die Unterbringung der Hitler=Jugend auf dem Lagerplatz. Immer neue Scharen ziehen heran, mit ihnen immer neue Kapellen, neue Fahnen, neue Wimpel. Der Rhythmus der Anmarschierenden verklingt in dem Rauschen der Stimmen, die auf dem weiten Rund auf und niederwogen. ten habe, als der Aufstand bereits in vollem Gange war. Da die Lähmungserscheinungen bei dem Gesandten Dr. Rintelen noch nicht völlig geschwunden sind, konnte er seine Aussage bisher nur stockend und mit großer Mühe abgeben. In Wiener unterrichteten Kreisen verlautet, daß das gegen Dr. Rintelen vorliegende Material nicht genüge, um eine Anklage seitens der Staatsanwaltschaft gegen Dr. Rintelen wegen Hochverrats zu erheben. Man nimmt daher an, daß ein Strafverfahren gegen Dr. Rintelen nicht eingeleitet werden wird. Der König von England leicht erkrankt Der König von England, der sich zur Zeit auf dem Schloß Balmoral in Schottland aufhält, ist an einer leichten Halsentzündung erkrankt. Er war am Donnerstag genötigt, den Besuch eines schottischen Volksfestes abzusagen. Der Fatter rlat zur hielt der Führer am Leitern folArbeitsdienst geht- die 63 kommt Präzise Arbeit der Organisationsleitung in Nürnberg Die Hitler=Jugend kommt Kein Verführen gegen=Dr. Riikelen? Das Material reicht für eine Anklageerhebung nicht aus nach Der politisch interessierte Zeitungsleser aller Länder kann sich weiß Gott nicht über Mangel an interessantem Stoff in diesen Tagen beklagen. In Europa, in Amerika und im Fernen Osten ist das außenpolitische Leben kaum jemals so rege gewesen wie in diesem Spätsommer. Aber so bedeutsam die Ereignisse und Vorgänge in den einzelnen Gebieten auch sein mögen, wie z. B. der Konflikt zwischen Japan und Sowjetrußland im Osten, der innerpolitische Kampf. der in den Vereinigten Staaten in den allgemeinen Streiks zum Ausdruck kommt, oder schließlich die in ewigem Wechsel befindliche Gruppierung der europäischen Mächte, nichts beschäftigt die politischen Gemüter wohl im Augenblick mehr, als das Verhältnis. in welchem Sowjetrußland künftighin zum Völkerbunde stehen wird. Wochenlang sind die Diskussionen in den Blättern aller Länder über dieses Thema fortgelaufen. Bald hieß es. diese Regierung wird mit Nein stimmen. bald, jene Regierung mit Ja. Aber wer sich die Mühe gemacht hat, diese Aeußerungen über die Stimmung der einzelnen Staaten zum Thema konsequent zu verfolgen, der wird gefunden haben, daß die Oeffentlichkeit, die Volksmeinung der verschledenen Länder sehr häufig mit dem Standpunkt ihrer Regierungen durchaus nicht übereinstimmte. Ja, es gibt eine Reihe von kleineren Staaten, deren Vertreter in Genf nicht Ja und nicht Nein sagen werden, sondern die sich ihrer Stimme enthalten wollen. Man kennt zur Genüge die Gründe, die für eine solche Haltung bestimmend sind, sie liegen in der politischen Abhängigkeit dieser kleinen Staaten zu den drei Großmächten Frankreich. England und Italien, die den Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund wünschen und provagiert haben. Oft genug ist in den Blätterstimmen eigentlich aller Länder die große Sorge über eine künftige Mitgliedschaft Moskaus zum Ausdruck gekommen, eine Sorge, die in der Befürchtung erneuter kommunistischer Agitation im eigenen Lande ihre Grundlage hat. Aber selbst die bedrohte, eigene innerstaatliche Existenz ist, wie man sieht, nicht fähig gewesen, dem Eintritt des staatsfeindlichen bolschewistischen Landes in die Genfer Völkergemeinschaft mit einem Nein einen Damm entgegenzusetzen. Von den vielen Stimmen, die das für und wider erörterten, ist wohl eine der interessantesten die eines maßgebenden schwedischen. Blattes. Der entsprechende Kommentar beschäftigt sich— vielleicht auf Inspiration, um die Haltung der schwedischen Regierung in dieser Frage zu bekräftigen— mit einer möglichen Besserung und Befriedung der europäischen politischen Verhältnisse durch eine künftige Mitgliedschaft Sowjetrußlands beim Völkerbunde. Dabei wird der Gedanke zugrunde gelegt, daß einmal durch den Eintritt der Sowjetunion ihre Absicht kundgetan wird, nach den Grundsätzen und Gesetzen der Genfer Völkergemeinschaft künftighin ihre politischen Handlungen und Maßnahmen zu orientieren und zum anderen, daß der Völkerbund einem zu ihr gehörenden Staatswesen gegenüber eine leichtere Kontrolle und einen leichteren Einfluß habe als einem Sowjetrußland, das außerhalb dieser Völkergemeinschaft steht. Darüber hinaus würde sich, der schwedischen Stimme nach, durch den Beitritt Moskaus zum Völkerbunde die beste Gelegenheit bieten, diesen Bund als Gemeinschaft der Völker sozusagen auf Herz und Nieren zu prüfen. Denn als Mitglied des Bundes müsse sich Sowjetrußland nicht nur den Gesetzen dieser Institution unterwerfen und also seine internationale Wühlarbeit aufgeben, sondern der Völkerbund selber habe die Pflicht, mit allen verfügbaren Kräften ein unbotmäßiges Mitglied in seine Schranken zu verweisen. Geschieht das nicht, so würde sich der Völkerbund das Zeugnis ausstellen, daß er nichts weiter ist als ein williges Werkzeug der machtpolitischen Interessen der Elemente, die den Eintritt Sowjetrußlands in den Bund angeregt und prova giert haben. Wer kann das Ehrenkreuz des krieges beantragen! Nachdem nunmehr die Anträge auf Verleihung des Ehrenkreuzes des Weltkrieges gestellt werden können, tauchen immer wieder Fragen auf, wer dieses Ehrenkreuz für sich beantragen kann. Für einen verheirateten gefallenen Kriegsteilnehmer kann, wie wir von unterrichteter Seite erjahren, sowohl der Witwe wie den Eltern des Kriegsteilnehmers das Kreuz bewilligt werden. Daluege Ss.=Obergruppenführer Der Führer hat den Befehlshaber der gesamten deutschen Polizei, General Daluege, in Anerkennung seiner besonderen Verdienste zum SS.=Obergruppenführer ernannt. Diplomaten auf dem Obersalzberg Die in Deutschland beglaubigten Diplomaten trafen Freitag früh um 8 Uhr in einem Sonderzug in Bad Reichenhall ein und fuhren nach kurzem Aufenthalt nach Berchtesgaden weiter. Dort wurden die Diplomaten empfangen und mit 25 Kraftwagen des RSKK München nach Schwarz= bach=Wacht, Jettenberg, Schneizlreuth und Mauthäusl gebracht. Dort war Umkehr und Rückkehr nach Berchtesgaden und zum Königssee. Am Nachmittag wurde dem Hause Wachenfeld am Obersalzberg ein Besuch abgestattet. Abends 6 Uhr trafen die Diplomaten in Bad Reichenhall ein. Tagung des Amtes für volksgesundheit Im Rahmen des Parteitages hielt das Amt für Volksgesundheit am Freitagnachmittag im Katharinen=Bau eine Tagung ab, die von Pg. Dr. Wagner=München, Hauptamtsleiter, im Stabe des Stellvertreter des Führers, geleitet wurde. Ueber das Thema„Gesundheit, Rasse und Weltanschauung“ sprachen sodann Pg. Dr. Bartels=Berlin, Stellvertreter Dr. Wagner und Amtsleiter im Stabe des Stellvertreter des Führers, sowie Dr. W. Groß, der Leiter des rassenpolitischen Amtes der NSDAP. Liebeskünstlerinnen— Frauen des eleganten Zeitalters— Groß in der Liebe, aber klein in der Sauberkeit— Geliebte Frauen und galante Abenteuer. Von Liesbet Dil1 Die Frau der viktorianischen Zeit erklärt Bernard Shaw für „ein Meisterwerk sexueller Reize. Alles an ihr war— bekleidet und ein lasterhaftes Geheimnis...“ Künstliche Hilfsmittel, Aufpolsterungen einzelner Körperteile, Turnüre, Schnürleib, was uns heute abscheulich, ungesund und unhygienisch erscheint, diente der Verführung, fand man interessant, pikant und verlockend. Man trug lange, volantbesetzte Röcke, Schleppen, die den Staub in Wolken hinter der spazierengehenden Dame aufwirbelten; eine Menge seidener Unterröcke raschelten ihr um die Knöchel.„Die Wirkung war erstaunlich“, sagt Shaw.„Nicht einmal die Verwegensten würden es gewagt haben, das Knie zu zeigen oder auch nur die Wade.“ Man erfand für die Mädchen zum Fensterputzen lange wollene Hosen, damit man ihre Knöchel nicht sähe. Jetzt laufen die Frauen am Strand, auf den belebtesten Promenaden fast nackt, nur mit einem dünnen Badetrikot bekleidet, umher; sie turnen unbekleidet am Meer. In Schweden geht man nackt ins Wasser und sonnt sich nachher, ohne Kleidungsstücke und ohne schamrot zu werden. auf den Klippen In Paris erregte im Jahre 1912 eine Dame in der Oper die Emvörung des Publikums, das ihr entrüstet durch die Wandelgänge folgte. Sie trug einen Ausschnitt bis zum Gürtel. Als ich das damals in Deutschland erzählte, wollte es mir niemand glauben. Jetzt trägt man denselben Gürtelausschnitt auf den Bällen, nur daß die Rose jetzt— hinten sitzt statt vorn. Der Ausschnitt der Rokokodame war kleiner, aber der Oberkörper wurde stark zusammengeschnürt und dadurch der Busen so gehoben, daß er sich im„... a615 Gesellschaftskleid den Blicken der Kavaliere einfach unvekleidet preisgab. Diane von Poitiers, eine der elegantesten Frauen des 16. Jahrhunderts, die Geliebte Heinrichs II., mit dem sie zeitlebens die arme Katharina von Medici betrog, war eine der gepflegtesten und kultiviertesten Frauen ihrer Zeit. Ihre Porträts in den Schlössern der Loire strahlen uns an. Sie war die typische Dame von Welt, verwöhnt, geliebt, umschmeichelt, vornehm erzogen, kühl bis in die Fingerspitzen, glühend ehrgeizig, eine Siegerin auf dem Gebiete der Frau! Sie lebte nur für ihre Schönheit und verstand es, den König noch als Matrone zu fesseln. Mit sechzig Jahren erhielt sie noch glühende Liebesbriefe von ihm; er bat sie, einen Ring von ihm anzunehmen, wie man eine Gnade erflehte. Er trug ihre Farben, schwarz=weiß, auf den Ritterturnieren und blieb ihr Sklave bis zu seinem Tode. Die damalige Erotik war schwül, geheimnisvoll, verlogen und unhygienisch. Das Bad wurde als ein feierlicher Akt behandelt. Man ließ sich im Bett malen, bei der Toilette, halb entkleidet am Pudertisch, während eine alte Kammerfrau im Hintergrund das Bad rüstete. Man empfing im Bad; man gebrauchte zwar das Wasser undurchsichtig machende Beigaben, aber immerhin saß in dieser parfümierten Wanne doch eine nackte Frau. Ich hörte kürzlich von Dr. Filchner, daß es einer Chinesin, die sich nicht die Füße verkrüppeln läßt, fast unmöglich ist, einen Mann zu bekommen. Der Chinese will die Frauen so. Man zwingt sie, Schmerzen zu ertragen; der trippelnde Schritt verleiht der Chinesin die Hilflosigkeit, die der Chinese an der Frau besonders liebt. Je verkrüppelter der Fuß, desto begehrter die Frau. Im 18. Jahrhundert kannte die elegante Frau keine Beinkleider; nur ältere Frauen oder Kranke trugen sie. Bei den Französinnen spielten dann später die langen, spitzenbesetzten Batisthöschen, die kokett aus den weißen Röcken hervorschauten, eine große Rolle und wirkten ebenso verführerisch wie der kleine Fächer und die Gesichtsmaske der Spanierin. Das Mysteriöse erhöhte den Reiz der Persönlichkeit der Frau. Mancher Liebsaber bekam das Gesicht seiner Liebsten vor der Hochzeit überhaupt nicht zu sehen. Mit kleinen schwarzen Mouches beklebten ich die schönen Frauen des 18. Jahrhunderts Stirn, Wangen, Lippen und andere Körperteile. Sie wirkten überall pikant. Keine Frau wollte alt werden; es gab die unglaublichsten Liebesverhältnisse. Greise wurden von jungen Mädchen geliebt, Jünglinge verliebten sich in Matronen. Die berühmte Madame du Deffand hat mit 58 Jahren den 30 jährigen Lord Walpole so mit ihrer Unterhaltungsgabe, ihrem Geist und Charme bezaubert, daß ein lebenslängliches Verhältnis daraus entstand. Er war jung, verwöhnt und kam nur übers Meer, um mit dieser Matrone zusammenzusitzen am Kamin, in dem Tonneau ihres gelben Salons. Madame du Deffand hat ihren letzten Liebhaber nie gesehen, denn als er kam, war sie bereits erblindet. Und doch erhielt sie mit 83 Jahren, sterbend, Walpoles letzten Liebesbrief. Madame de Mailly, die Mätresse Ludwigs XV. erzählt Gertrud Aretz in„Die elegante Frau“, ließ sich, wenn sie zu Bett ging, schmücken und frisieren wie zu einer Galaoper. So geschmückt, mit Kämmen, schmuckbehangen, verbrachte sie 8- die ganze Nacht in dem spiegelglänzenden Bett ihres im Licht von tausend Kerzen strahlenden Schlafzimmers, bis der König erschien. MarieAntoinette ließ von ihrem schönen Busen einen Abguß machen und verwendete das einzigartige Kunstwerk aus Sévresporzellan als Fruchtschale im kleinen Trianon. Damals war die schlanke Linie noch nicht aktuell. Man half den Formen nach durch gebauschte Busentücher,„menteurs“ genannt, man schnürte die Taille hoch ein, unterstützte den Busen mit Drahtgestellen, Wattebauschen und Gummibüsten. Es war die Zeit der duftigen Deshabillés, die Lemoine, Watteau, Fragonard. Van Loo und Boucher gemalt haben. Reif, verführerisch, rosa, halbnackt ließen sich die Frauen malen; man mußte schön sein, man wollte verführen und schmückte sich für „Für diese raffinierte, ausschweifende Gesellschaft bildete das Vergnügen das einzige Gesetz und die Liebe die einzige Religion.“ Man richtete sich à la Pompadour ein; diese Mätresse gab den Ton an. Sie ließ einmal ihren Wagen halten, um ihre— Schnupftabakdose füllen zu lassen; das genügte, um diesen Tabakladen in Mode zu bringen. Der leichtlebige, von Frauen verwöhnte Verschwender Herzog Lauzun war sehr erstaunt, wenn ihn die Frauen auch einmal verließen und ihm eine Absage schickten. Sie wollte einen Geliebten, schrieb eine Lady an ihn, aber keinen eisersüchtigen Ebemann. Als König Ludwig XIV. der Pompadour überdrüssig zu werden begann und seine Gefühle erkalteten, griff sie zu einem damals sehr beliebten Hilfsmittel, den Liebestränken. Sie nahm„Liebespillen". von Quacksalbern bereitet, aß frische Trüffeln, mischte in ihre Speisen Aphrodisiaska, um„das nötige Temperament“ zu bekommen. Erst als alle Künste erfolglos blieben, resignierte sie ließ den Hirschpark anlegen und beschaffte junge Mädchen. Sie schminkte sich sogar, um zu sterben und ihre letzte Beichte zu empfangen. So für den Tod zurechtgemacht, starb Madame Pompadour. Die polnische Prinzessin Maria Lescinska schminkte sich nicht und machte kokette Moden nicht mit. Sie war viel zu kalt und bequem dazu und lag den ganzen Tag lesend auf ihrem Diwan. Sie erlebte auch bald, daß sich ihr Gatte von ihr abwandte und Mätressen nahm. Ludwig XIV. soll sich überhaupt nicht gewaschen haben, sondern tupfte sich morgens flüchtig Gesicht und Hände mit Eau de Cologne ab. Er badete nur einmal im Jahre, im Frühjahr. Die Hofdamen, die von weltbekannten Männern geliebt wurden, waren schon in früher Jugend zahnlos. Madame Maintenon hatte weder Haare noch Zähne, als sie der König heiratete. Man kannte keine Zahnpflege, es gab weder Zahnärzte noch Gebisse; da man sich nicht hygienischer Sauberkeit befleißigte, entstanden frühzeitig schlechte Zähne. Man suchte die Zahnlücken zu verdecken und den Mundgeruch vertrieb man mit scharfen Parfüms. Die Damen der Rokokozeit waren immer in eine betäubende Duftwolke gehüllt. Da die damalige Krankheit, die Pocken, die meisten Gesichter entstellte, bestrich man das Gesicht mit einer weißen Paste; man gab ihm eine Glasur, die zwar die Damen verschönte, aber ihre Haut bald runzlig machte. Als Marie=Antoinette, die eleganteste Frau Europas, des Schmucks überdrüssig, sich in einfache, weiße Batistroben kleidete, die ihren schönen Körper mehr zur Geltung brachten als die volantbesetzten, steifen da konnte sie flirten, sich amüsieren und dann verschwinden. Mehr wollte sie nicht. Nur entzücken, berauschen— auf den Genuß verzichtete sie. Strahlen und glänzen war das Ideal der damaligen eleganten Frauen. Man war sehr zeremoniell, kühl bis in die Fingerspitzen, ließ sich nicht gehen, spielte immer Theater. Man konnte sich der ungeheuren Turnüre wegen nicht frei bewegen, kaum hinsetzen. Die festgeschnürte Wespentaille vertrug keine freie Bewegung, die Modetöne waren„verblühte Rose“ und „Maikäferbraun". Reifröcke, war ganz Paris entrüstet. Die Königin zieht sich wie ein Dienstmädchen an, sagten die Parifer. Und die Lyoner Seidenfabrikanten sahen sich schon ruiniert. Es war die Zeit der grotesken Frisuren: man trug ellenhohe, weißgepuderte Perücken, die die Damen oft schon acht Tage vor einem Ball aufgesteckt trugen, in denen sie sitzend schliefen— Frisuren, die Terrassengärten darstellten, mit einem Vogel,„ F5 2. der über einer Rose auf und av yupfte, ooer ein Gebirge, auf dem allexlei Tiere und Jäger umherstanden. Als die Herzogin von Lauzun auf einem Hofball in weißgepuderter Perücke mit großen grünen Artischocken im Haar erschien, kam es auf, sich Obst und Gemüse ins Haar zu stecken. Das Haar wurde nur selten gewaschen und unter diesen kostbaren Haarfrisuren nistete sich, unter solchen Verhältnissen wohl eine Selbstverständlichkeit, allerlei Ungeziefer ein. Es gab keine Bedürfnisanstalten— man benutzte dazu einfach das Treppenhaus. Man empfing, auf dem„Chaispercé“ sitzend, Gesandte und Minister. Die Kammerfrau kam während eines langen Soupers und gab ihrer Dame ein Klistier hinter einem seidenen Ofenschirm— und das Diner ging ruhig weiter. Für diese Dinge hatten selbst die elegantesten Frauen jegliches Gefühl verloren. Als die an deutsche Reinlichkeit gewöhnte Königin Marie=Antoinette hygienischere Sitten einführen wollte, erregte sie Unwillen und Opposition. Lady Hamilton lebte nur ihrer Schönheit. Sie war schön, elegant, temperamentvoll, liebenswürdig und geistreich. Es war fast zu viel. Ein Kind des Volkes, aus ärmlichen Verhältnissen, durch viele Hände gegangen, bekannt geworden durch die hüllenlose Schaustellung ihres schönen Körpers als„Vestina“ auf dm„himmlischen Bett“ eines Quacksalbers, und durch Gemälde großer Maler, soll am bezauberndsten am Teetisch gewesen sein. Sie präsentierte sich bei großen Gelegenheiten meist in ihrem Lieblingskostüm: einem ganz einfachen, weißen, duftigen Seidenmusselinkleid mit stahlblauer Schärpe; die goldbraunen Haare trug sie dabei aufgelöst, in Locken herabhängend. Mit großen Schals, die sie kokett um die Schultern schlang, erzielte sie die verführerischsten Wirkungen. Sie war unendlich graziös. Ihre Liebenswürdigkeit und die Einfachheit ihrer Kleidung bildete einen ebenso großen Reiz wie Madame Recamiers schlichte, weiße Kleider und ihre reizenden, bloßen Füße, die sie gern Pauline Borghese, die leichtsinnige, verschwenderische Schwester Napoleons, badete täglich in Milch und ließ sich von einem Neger ins Bett tragen. Sie empfing ihre Freunde, während sie in der Badewanne saß. Die Damen des Empire lagen oft noch nachmittags im Bett. Im Bett brauchte man wenig Nahrung und blieb frisch und schlank. Als Pauline alt wurde und ihr Ende nahen fühlte, ließ sie sich mit Diamanten schmücken, schminken und schön frisieren, befahl, daß man ihr einen dichten Schleier über ihr Gesicht ziehe und starb so— geschmückt wie zu einem Hofball, noch jung, erst fünfundvierzig Jahre alt. Ihre Schwägerin Josefine ließ sich fast täglich vorträtieren; sie lebte nur für ihre Schönheit. Ein Heer von Modistinnen, Friseuren, Kartenlegerinnen gingen bei ihr aus und ein; Hunde lagen in ihrem Spitzenbett, auf die selbst Napoleon eifersüchtig war. Sie brachte die indischen Schals auf, kostbare, gestickte Schals, mit denen die Damen ihre heit drapierten. Ohne einen Kaschmirschal galt man nicht für mondän und elegant. Lola Montez eroberte sich den König Ludwig I. durch ein schwarzes, eng anliegendes Samtreitkleid. Sie besaß die siebenundzwanzig Reize einer Frau, die mit„weißer Haut" beginnen und mit„kleinsten Chinesen= füßchen“ enden. Sie liebte Samtkleider: den Amazonenstil. Ihre Schönheit war herausfordernd, keck, provozierend, frech, ein Teufelsweib, aber keine Lady“. Die schöne Kaiserin Eugenie war kokett, aber nicht lasterhaft. Sie liebte es, Männer en passant zu entflammen, ging aber nie weiter, wie sie es als Kaiserin durfte. Sie liebte sich im Domino und in der Maske: Frauenschönheit— Modesache! Im Mittelalter gab es ein bestimmtes Schema der Frauenschönheit. Nach Brantome wurden dreißig Forderungen gestellt, ehe eine Schönheit anerkannt werden durfte. Weiß mußten sein: Haut, Zähne und Hände. Schwarz: Augen, n und Nägel. Lang ie, Ohren füße. Breit: der Busen, die Stirn und der Raum zwischen den Brauen. Schmal aber Mund, Taille und Fußspanne. Ueber die Schönheit der deutschen Frau ist weder im Nibelungenlied, noch im Gudrunlied viel zu finden; aber viele Dichter singen ihr Lob. Ulrich von Lichtenstein rühmt an der schönsten aller Frauen den weißen Leib, braune Brauen und einen füßen, heißen Mund, der roter blühet denn die Rosen. In einer alten deutschen Chronik wird die schöne Jungfrau anschaulich geschildert: „Sie hat ein rosafarben Mund, Zwei Wänglein fein zu aller Stund. Sie hat ein schönes Goltfarb Haar, Zwei Aeuglein lauter und klar. ae ser ie ui ie eruug! zwei Brüstlein, die sind rund und klein. Ihr Seiten, die sind dünn und lang. wei Händlein schmal und dazu blank. por Füßlein schlecht und nit zu breit...“ Bei Walther von der Vogelweide heißt es, wenn er von der Liebsten singt: Ir kel, ir hende, ist weder fuoz, daz ist ze wunsche wol getän. Ob ich da enzwischen logen muoz, sö waene ich mé beschowet han. Ich hete ungerne„decke bloz“ gerüffet, do ich so nacket sach... Und: Got hät ir wengel höhen fliz, er streich sö tiure warwe dar, so reine rôt, sö reine wiz, da roeseloht, da liljenvar...“ Noch vor dreißig Jahren galt eine gewisse Fülle als unerläßlicher Bestandteil der Frauenschönheit. Es mußte„was dran sein". Und bei Maupassant heißt es von einer mageren Schönheit, daß sie mit jeder Stecknadel etwas von ihrem Reiz ablegte.,„IEMmn: 9.4#. Die Barrisons brachten den Umschwung. Nach den fetten Jahren kamen endlich die mageren zur Herrschaft. Wenn Don Juan, von dem es im Leporello=Register heißt: „Volle liebte er im Winter, Doch im Sommer schlanke Kinder", in unsere Zeit versetzt würde, müßte er sich umstellen oder während des Winters in den Hungerstreik treten. Wohingegen der Maupassantsche Novellenheld keine unliebsamen Enttäuschungen mehr zu fürchten brauchte, da bei der jetzigen Mode eine schöne Frau nicht viel anzuziehen, also auch nicht viel auszuziehen hat. Für Frauenschönheit gibt es keine ewigen Gesetze, außer dem einen, das unser tiessinniger Wilhelm Busch offenbart hat: „Häßlichkeit entstellet immer Selbst das schönste Frauenzimmer.“ 1. „Ach, Sie fahren auch nach Heemskrona?“ sagte das junge Mädchen froh erleichtert, als der Schaffner die Fahrkarten lochte. Markus Petersen runzelte die Stirn und betrachtete seine Gefährtin wenig wohlwollend. Zwar mußte sogar seine Mißlaune zugeben, daß ihr Haar sonnig leuchtete, ihre Augen in blauer Unschuld aufblickten— aber, zum Kuckuck: Reist man in geheimer Mission, so wirkt es verstimmend, wenn das Reiseziel so laut ausposaunt wird! „Ich habe vorübergehend dort zu tun,“ sagte er stei und entfaltete seine Zeitung. Die Blonde seufzte.„Schade! Ich hätte so gern jemand gesprochen, der die Stadt kennt. Oder ihre Bewohner... Sie blickte hilfesuchend nach den übrigen Insassen des Abteils. Ein alter Herr tat ihr den Gefallen, zu reagieren. „Meinen Sie, Heemskrona bei Vitelsen, wohin wir gleich kommen?“ „Ja. In Vitelsen muß man umsteigen, in die Lokalbahn. Ich kenne Heemskrona gar nicht. Und muß vielleicht immer dort bleiben. Davor ängstige ich mich.“ Sie machte große Augen, wie ein Kind, das sich im Dunkeln fürchtet. „Nun, nun, nach dem, was hier in der Zeitung steht, ist Ihre Furcht begreiflich, sagte der alte Herr. „Wie? In der Zeitung steht etwas über Heemskrona? Etwas Schreckliches?“— Die frischen Backen der Blonden erblaßten.„O— was ist es, bitte?“— Mit schauderndem Behagen las der alte Herr:„In unsere stille Stadt will der Friede nicht zurückkehren. Kaum legte sich die Aufregung über das rätselhafte Verschwinden des neuen Vikars, so reißt ein neuer Schrecken die Gemüter in des Entsetzens Wogen. Gestern früh fand der Friedhofswärter einen unbekannten Toten an der Gottesackermauer. Der zerschlissenen Kleidung, dem wirren Haar nach, glaubte man einen Landstreicher vor sich zu haben, doch die ärztliche Untersuchung ergab, daß der Verblichene höheren Ständen angehört haben muß. Sonderbarerweise ist die Leiche keine von den im Laufe der letzten drei Jahre verschwundenen Mitbürgern. Die Stadt nebst Umgebung ist aufgefordert, morgen nachmittag sich in der Friedhofskapelle einzufinden und den Toten eingehend zu besichtigen, ob sich vielleicht ein Anhalt, eventuell in den Kleidungsstücken, zur Erkennung finden läßt... „Oh!“ rief eine alte Frau, die dem Lesenden gegenüber „In diese schreckliche Stadt würde ich keinen Fuß setzen! Pas wollen Sie dort, kleines Fräulein, wo die Menschen am hellichten Tage verschwinden und andere tot aufgefunden werden?“ „Ich besitze keinen Verwandten, außer meinem Vormund, der dort wohnt," klagte die Blonde betrübt. „Wenn er nicht auch schon verschwunden ist,“ meinte die Frau trostreich „Jemine, was ist's schon Großes, wenn in einer Stadt im Laufe von drei Jahren ein paar Menschen abgängig sind!“ rief der fünfte Reisende, der seinen Musterkoffer liebevoll neben sich hatte.„Glauben Sie nicht, daß in demselben Zeitraum zwanzigmal mehr Menschen sterben?“ „Das ist nicht dasselbe, sagte der alte Herr würdevoll. „Wenn einer stirbt, so weiß man, wer er ist, während“ Der Reisende meckerte vergnügt.„So, so, das weiß man? Da sind Sie der erste, der dies von sich behaupten kann! Hähähä! Mit dieser Kenntnis könnten Sie ein schönes Geschäft machen!“ Der alte Herr winkte ärgerlich ab.„Ueber ernste Dinge soll man nicht spaßen. Ueberhaupt... hm— als ich in Ihrem Alter war, erlaubte ich mir nicht, würdige Leute in ihrer Rede zu unterbrechen. „Ja, ja, ja, zu Ihrer Zeit gab es allerlei törichte Vorurteile!" lachte der Reisende.„Aber wirklich, dies Städtchen interessiert mich. Ich reise in Fettwaren— Kunstschmalz, Kunstbutter, Kunstöle. Ob ich Heemskrona auf meine Besuchsliste setze? Fett ist gut für den Kummer und für die Unruhe, wer innerlich gut eingefettet ist, der regt sich nicht leicht auf..“ Das fand die Blonde so komisch, daß sie laut herauslachte. „Fett für Kummer! Das muß ich mir merken, ein herrliches Mittel!“ Sie vergaß ihre Zukunftsangst, so sehr lachte sie.— Markus Petersen betrachtete den Fettreisenden nachdenklich. Der alte Herr schwieg grollend, die dicke Frau schüttelte den Kopf über die Heiterkeit des jungen Mädchens.„Vielleicht brauchen Sie solch Mittel bald, Fräulein. Hat Ihr Vormund Ihnen denn nichts über die schrecklichen Vorkommnisse geschrieben?“ „Ach, er weiß ja gar nicht, daß ich komme!“ platzte die Blonde heraus und schob das Lachen beiseite. Es saß aber immer noch ein bißchen in den Mundwinkeln.„Ich kenne ihn überhaupt nicht und weiß nicht, ob er mich behalten will!“ „Nun— das muß ich sagen! Und das reist unbesehen in die Welt!“ „Ja, sehen Sie, meine Eltern starben, als ich ganz klein war, meine Großmutter zog mich auf. Sie war in den letzten Jahren gelähmt, so daß ich sie nie verlassen konnte.“ Sie seufzte und schaute zum Fenster hinaus, wo Wälder und Wiesen vorüberhuschten wie blühende Träume.„Nach ihrem Tode versuchte ich, eine Stellung zu finden, aber—“ sie zögerte und schloß hastig:„Man muß etwas gelernt haben, wenn man Geld verdienen will, nicht wahr? Ich bat meinen Vormund schriftlich um Hilfe, doch er scheint den Brief nicht erhalten zu haben. So fahre ich eben hin... ich weiß doch nirgend sonst wohin... „Vielleicht ist er nicht in der Lage, zu helfen?" zweifelte die Frau, das billige Kleidchen der Blonden musternd. „Oh, was das anlangt! Er soll ein schönes Haus in Heemskrona besitzen. Er ist der ältere Bruder meines Vaters und hat den Familiensitz geerbt.“ Sie sagte das sehr stolz. „Dann allerdings ist er verpflichtet, für Sie zu sorgen, zumal er Ihr Vormund ist. Das ist ja ein gesetzliches Amt.“ „Ja, nicht wahr?“ Die Blonde sah gleich wieder hoffnungsvoll aus.„Bisher kümmerte er sich nicht um mich, Großmutter tat alles. Und Vermögen ist nicht zu verwalten.“ Sie lachte sorglos, wie Jugend gern lacht, wenn die Geldfrage erwähnt wird. „Ist er unverheiratet? Ja?— Dann sind Sie gesetzliche Erbin,“ entschied der alte Herr. „Na, dann ist es ja gut, ihn kennenzulern,“ meinte die Frau. Sie betrachtete die Erbin respektvoll.„Halten Sie den Erbonkel hübsch warm!“ „Vitelsen! Nach Heemskrona umsteigen!“ schrie der Schaffner. Markus Petersen sprang hinaus, über die Geleise hinüber, wo das Lokalbähnchen mager und kurzatmig stand. Ja, nun würde er sehen, ob der Fettreisende mitkam. Nein, er kam nicht. Aber die Blonde mit ihrem Handköfferchen, das sie sorgsam behandelte. Wahrscheinlich enthielt es ihre gesamte Habe. Sie warf einen scheuen Blick auf Markus. Seine unfreundliche Kühle hatte sie verschüchtert. Das tat ihm nun leid. Man konnte nie wissen, ob ihre Anwesenheit in Heemskrona ihm nicht von Nutzen war... Außerdem war sie hübsch genug, um Höflichkeit zu beanspruchen. Deshalb mühte er sich, beim Einsteigen und Kofferverstauen freundlich zu sein, was sie mit verwunderter Zurückhaltung aufnahm. „Wie lange fahren wir noch, Schaffner?“ fragte sie. „Eine Stunde eigentlich. Manchmal mehr, wenn der Lokomotive die Puste ausgeht. Es ist halt ein altes Bähnchen, seit drei Jahren soll die Strecke umgebaut werden.“ „Idyllisch!“ sagte Petersen. „Ja, das ist es grade!“ meinte der Schaffner.„Da ist der Freiherr von Schjerup in Heemskrona. Der wollte die Kosten vorstrecken, vor zehn Jahren schon. Da konnten die Stadtväter sich nicht mit den Gemeinden, die es angeht, einigen, und das zog sich hin und her. Als sie sich endlich müde gezankt hatten, sagte der Freiherr, jetzt gäbe er nichts mehr, er zöge das Idyllische vor, und das ginge verloren beim Anschluß an die große Strecke. Na, so bummelt's eben weiter dahin... „Ich wollte, es führe überhaupt nicht,“ murmelte das junge Mädchen. Setzte sich in die Fensterecke und krampfte die Hände ineinander. Wie in Angst und Hoffnungslosigkeit. Ihre mutige Heiterkeit, mit der sie vorhin ihre Lebensgeschichte— wenn man es eine„Geschichte" nennen konnte! — erzählte, schien verflogen Als das Bähnchen sich ächzend in Bewegung setzte, zuckte sie zusammen und machte wirklich Miene, aufzuspringen, die Tür zu öffnen... „Was ist Ihnen? Fühlen Sie sich unwohl?“ fragte Markus. „Oh— ich—“ Sie sah mit unverhohlenem Entsetzen zum Fenster.„Mir war, als führen wir in einen Abgrund. Als sänke ich ins Bodenlose— ins Dunkel—“ Sie legte die Hand auf ihre Stirn.„Oh, ich hätte nicht fahren sollen! Nein, ich hätte nicht fahren sollen!“ Markus merkte, wie blaß sie war.„Sie sind gewiß das Eisenbahnfahren nicht gewöhnt? Manchen bekommt es schlecht. „Es ist meine erste Bahnfahrt,“ lächelte sie mühsam. „Sehen Sie! Ein bißchen Bahnfieber. Weiter nichts. Fassen Sie Mut und hoffen Sie auf eine angenehme Häuslichkeit bei Ihrem Onkel. Lassen Sie sich nicht durch irgendeinen Klatsch verschüchtern!“ „Sie haben recht. Ich bin dumm. Zu Hause erschien es mir die natürlichste Sache von der Welt, diesen Onkel aufzusuchen, den ich nicht kenne. Jetzt bangt mir.“ „Ist es indiskret, nach seinem Namen zu fragen?“ „Er heißt Schjerup. Ich glaube, es ist derselbe, von dem der Schaffner sprach. Denn es gibt nur noch diesen einen unseres Namens. „Freiherr von Schierup?“ „Ja. Aber er nennt sich wohl Professor. Er ist ein Gelehrter, sagte Großmutter. „Professor Schjerup. Das muß der Schriftsteller sein, der die psychologischen Artikel schreibt, oder vielmehr schrieb, denn ich las lange nichts mehr von ihm.— Oder waren es vielleicht Romane?“. Er besann sich. „Meinen Sie? Ich las noch niemals einen Roman,“ sagte Fräulein Schjerup.„Großmutter erlaubte es nicht. Bücher verderben die Phantasie, meinte sie, und die Zeit sei zu wertvoll, sie mit Lügen totzuschlagen. „Dann sind Sie eine Sehenswürdigkeit! Ein junges Mädchen, das keinen Roman kennt! Welch prächtige Frau muß Großmutter gewesen sein! Hat sie Ihnen geraten, Ihren Onkel aufzusuchen?“ „Nein— Sie mochte ihn durchaus nicht. Es lagen Familienstreitigkeiten vor. Großmutter war Mutters Mutter, und Onkel billigte die Heirat des Bruders nicht, glaube ich. Markus verstand. Eine unebenbürtige Heirat. Hm— wenn der alte Griesgram nur dies reizende blonde Resultat der angefeindeten Ehe gut aufnahm! „Leider kenne ich Heemskrona nicht,“ sagte Markus, als das Züglein asthmatisch in den Bahnhof fuhr.„Mir ward der Gasthof zum Holger Danske empfohlen, wo ich einige Tage bleibe. Falls nicht alles nach Wunsch geht und Sie Rat brauchen, stehe ich zu Ihrer Verfügung. Hier meine Karte.“ „Oh,“ sagte sie, mit flüchtigem Blick auf das Gedruckte: Markus Petersen.„Sie sind doch gut!“ Aber Markus bereute seine erste Schroffheit doch nicht. Ein Kleinstadtbahnhof, nun, das kennt man. Ein verschlafener Kellner bot auf umgehängtem Tablett altbackene Semmeln und staubige Schokolade an. Der Bahnvorsteher gähnte nach den Lokomotiven. Marktweiber bestiegen die Wagen. Ein Hund heulte irgendwo. Hühner scharrten zwischen den Schienen. Der einzige Packträger entriß sich mühsam seiner Döserei, als Markus ihn aufforderte, den Weg nach dem Gasthof zu zeigen.„Geben Sie dem Mann Ihre Handtasche, Fräulein Schjerup, ermunterte Markus die Blonde.„Vielleicht lassen Sie Ihr Gepäck erst im Gasthof?“ „Hm— freilich. Es macht so— hm, so bettelhaft, wenn man gleich mit Sack und Pack angezogen kommt, nicht wahr?“ Der Dienstmann trottete gemächlich voran. Eine schnurgerade Straße voll müder Häuser, alle zum Verwechseln ähnlich. Auch die Läden, ob hinter den Scheiben Hüte oder Brotlaibe, Mäntel oder Würste die Kauflust lockten, standen wie Zwillingsgeschwister nebeneinander. Eine Seitenstraße war heiterer. Mit netten Vorgärten, wo zirkelrunde BeetBlumenflor markierten und grüne, brav gestutzte Büsche Singvögel beherbergten. Hier erhob sich auch der Gasthof. Behabig, sauber, gelb gestrichen, mit runden Balkons und bunten Blumen. Die breite Einfahrt stand weit offen, gewährte Einblick in einen schattigen Garten. Doch alles war leer. Nirgends ein Mensch zu sehen. Umsonst ließ der Gepäckträger die Gastglocke ertönen. „Ja, ist die Stadt ausgestorben?“ wunderte sich Markus. „Der reinste Märchenort!“ Die Treppe herunter sauste ein kleiner Kellnerjunge. Schien auch im Begriff, das Haus zu verlassen. Als Markus ihn am Rockzipfel hielt, wurde er ärgerlich, ungeduldig. Wie ein Kind, das beim Spielen gestört wird, blieb er auf einem Bein stehen, den Oberkörper nach draußen gewendet, und blinzelte die Fremden an. „He, Per, was ist das für eine Wirtschaft!“ schrie der Träger.„Wo sind sie alle?“ „Nun, doch auf dem Friedhof, weißt ja,“ sagte der Knirps. Es klang wie: Dumme Frage! Sie sind, wo sie sein müssen. „Und du bewachst das Haus? He? So gib den Herrschaften Zimmer, hörst du? Ich muß ja wohl auch hinaus.“ Er stellte die Gepäckstücke hin, rannte davon, als ritte ihn der Teufel. „Zum Kuckuck, hiergeblieben!“ Markus hielt wenigstens den Pikkolo fest.„Erst ein Zimmer für mich. Und dann zeigst du der Dame den Weg zu Professor Schjerup, verstanden? Ist es weit?“ „Den Freiherrn meinen Sie? Dahin gehe ich gerade, Herr. Wenigstens komme ich da vorbei, Herr. Bitte, hier, Herr—“ Ein freundliches Zimmer im ersten Stock. Mit Eckbalkon voll warmroter Pelargonien. Markus riß die Glastür auf. „Wie schön!“ Die Aussicht weitete sich über tieferliegende, rotbedachte Straßen hinweg zu einem waldigen Hügel, den gelber Mittagglast vergoldete. Leuchtende Wiesen schlängelten sich vor dunklen Tannen und breitkronigen Buchen. Kornfelder öffneten ihre lebenden Wogen, Sonnenreife einzutun. Links vor dem Wald hob sich eine zerbröckelnde Kirchhofsmauer, hinter der schwankende Kreuze zum Himmel flehten. Unweit davon grüßte ein feingeschwungenes rotes Dach aus dichter, weißgruner Holunderwildnis. „Schloß Schjerup, deutete des Pikkolos dünne Hand.„Und da—“ sein Zeigefinger spießte die Luftlinie nach den Kreuzen,„da liegt die Leiche und der Magistrat hat befohlen, daß alle Einwohner sie ansehen, ob einer sie kennt. Und ich muß auch hin..“ Er war schon auf dem Weg. Markus folgte, nachdem er die Tür verschlossen und den Schlüssel eingesteckt hatte.„Laßt ihr hierzulande immer Häuser und Türen offen? Dann gibt es wohl bloß ehrliche Leute im Ort?“ Der Junge grinste.„O nein— gestohlen wird schon. Aber man weiß, von wem.“ Die Blonde tat einen schwachen Seufzer, als sie zu dritt loszogen. Sie mußten ordentlich ausschreiten, um Schritt zu halten mit dem Jungen, dessen Fuß von Neugier und Sensationsbedürfnis beflügelt war. Bald ging das Städtchen in ländliche Behäbigkeit über, dann in eine breite Lindenallee, von der sich ein ausgefahrener Feldweg links abzweigte.„Hier geht's nach dem Schloß. Gehen Sie nur geradeaus und läuten am Tor. Vielleicht wird aufgemacht. Das klang vielversprechend. Markus nickte dem jungen Mädchen ermunternd zu.„Per kann Ihr Gepäck bringen, falls wir Sie nach unserer Rückkehr nicht im Gasthof finden. Das ist dann das Zeichen, daß Sie Aufnahme fanden.“ Die Blonde bemühte sich zu lächeln. Reden konnte sie nicht, denn sie hatte die Zähne zusammengebissen. Die Angst hatte sie wieder überfallen. Aber sie ging doch. Markus konnte nach einer weiteren halben Stunde die Menschenmenge im Friedhof wie eine gleißende Schlange die alte Kapelle umwickeln sehen. Gern hätte er Näheres über den Bewohner des Schlosses erfragt, doch ließ er es sein, um jeden Schein der Zusammengehörigkeit mit der Dame zu meiden. Kleinstadt bleibt Kleinstadt. Da wächst der Klatsch zwischen den Pflastersteinen. „Was für seltsame Dinge in eurer Stadt vorkommen!“ sagte er bloß.„Hast du die Leute gekannt, die verschwunden ein sollen, Per?“ gB. t. 6 g.(all Per wurde ganz breit vor Wichtigren.„Io, sdul's wohl meinen, Herr! Der Peter Timmelsen, der vor drei Jahren wegblieb, als sei er in die Luft geflogen, das ist der Mann von meiner Mutter ihrer Schwester. Getrunken hat er freilich, der Ohm Peter, Tante Stine weinte viel drum. Aber vom Genever verschwindet keiner. Und Reisen hat er nie gemacht, wie etwa der schöne Bertel, der vor zwei Jahren wegging und nicht wiederkam. Der war Reisender, in Zigarren, Herr. Fein verdiente der, ho... der verstand sein Geschäft!“„„ 9 „So, so, um dieser beiden willen die ganze Aufregung? „Der zwei halber?" Dem Pikkolo purzelten die Worte übereinander, weil er nicht schnell genug alles auf einmal aussprechen konnte.„Bevor der schöne Bertel wegblieb, war der Invalide Matz fort, und nach Ohm Peter der Schneider Martensen und Doktor Munck, und vor acht Wochen der neue Vikar, ho, ja!“ Triumphierend sah er den Fremden an: Jetzt würde der wohl die Wichtigkeit dieser Stadt begreifen! „Ein Vikar!“ Markus markierte Unglauben, was das sicherste Mittel ist, alles zu erfahren, was der andere weiß. „Der kann nicht einfach verschwinden!" „Ist aber! Er hat doch im Holger Danske gewohnt, weil seine Stube im Pfarrhaus nicht frei war. Wissen Sie, die Pfarrerin ist nicht so ganz— seit dem Unglück mit der Tochter.— Na, wenn da alles wäre, wie es sein sollte, hätte der Pfarrer keinen Vikar verlangt, was hier auch gar nicht nötig ist!“ Aber da waren sie beim Friedhof und weg war der Jun je. Markus ließ sich von der Menge tragen, bis in die Kapelle. Da lag der Aufgefundene still, mit gekreuzten Armen, auf seinem letzten Lager und warf das Rätsel seines Todes, seiner Persönlichkeit diesen Gaffern ins Gesicht. Es war ein alter Mann, mit dünnem, weißem Haar. seltsam fahler Hautfarbe und schmerzlich verzogenen Lippen. Neben ihm, auf dem Stuhl, waren Kleider ausgestellt, eine alte, fadenscheinige Streifenhose, ein zerschlissenes Hemd, Hosenträger, Stiefel, Socken... (Fortsetzung folgt.)