BUIFVVUF Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. zexeil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte.— D. A. VIll/34; 1675 Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gp; Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Heimatblatt Einzige in Schwerte gedruckte Tages=Zeitung Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9 a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Nr. 209 Schwerte(Kuho), Felag, den I. Jeptenber 1934 67. Jahrgang Der Eay dre Arbenerienstee in Nurubery Durch den Arbeitsdienst in die Gemeinschaft des Volkes- 52000 Arbeitsmänner geloben dem Führer Treue Erhebende Feierstunde auf der Zeppelin-Wiese in Nürnberg— Symbolischer Ausdruck der großen Volksgemeinschaft— Der Führer an die Arbeitsmänner:„Durch eure Schule wird die ganze Nation gehen!“— Zweieinhalbstündiger Vorbeimarsch der Kolonnen im erdbraunen Kleid am Führer Der Arbeit Soldaten Auf der Zeppelin-Wiese Der dritte Tag des Parteitages 1934 war dem nationalsozialistischen Arbeitsdienst vorbehalten, der mit 52.000 Mann in einem großen Zeltlager in Langwasser Quartier bezogen hatte. Während in der Stadt ununterbrochen während der ganzen Nacht Sonderzüge der Politischen Organisation eintrafen, brach der Arbeitsdienst schon gegen 6.30 Uhr morgens in zwei gewaltigen Säulen mit klingendem Spiel zur ZeppelinWiese auf, wo sich der Einmarsch in mustergültiger Ordnung abwickelte. Die Spielmanns= und Musikzüge nahmen vor der großen, das gewaltige Feld beherrschenden Tribüne Aufstellung, während die Abteilungen innerhalb der Gruppen in Linien zu vier Gliedern aufmarschierten. Ein großes Vorfeld blieb für die Darbietungen der Lehrabteilungen frei. In gewaltigen Dimensionen erhebt sich über der Mitteltribüne das Hoheitsabzeichen, rechts und links von je drei Fahnen flankiert, deren mittlere die des Arbeitsdienstes ist. Kurz vor 10 Uhr ertönt das Kommando„Arbeitsdienst, stillgestanden!“ Wie aus Erz gegossen stehen in unübersehbaren Reihen die braunen Kolonnen. Die Ankunft des Führers „Spaten über! Achtung! Die Augen links!“ Heilrufe künden schon von ferne die Ankunft des Führers an, der nun in Begleitung des Reichsinnenministers Frick und seiner Adjutanten Brückner und Schaub auf den Platz fährt. Die Heilrufe steigern sich zu einem Orkan, als der Führer zur Ehrentribüne hinaufsteigt. Die Musik spielt den Bayerischen Avanciermarsch. Wie eines Messers Schneide fliegen die blinkenden Spaten der Arbeitsmänner empor. Die vier Musikzüge vor der Tribüne schlagen den Präsentiermarsch. Als der Führer auf der Rednertribüne eintrifft, meldet ihm der Reichsarbeitsführer Hierl:„52000 Arbeitsmänner zum Appell angetreten.“ Der Führer grüßt„Heil, Arbeitsmänner“. Donnernd schallt die Antwort aus 52.000 Kehlen:„Heil, mein Führer“. Gelöbnis des Arbeitsdienstes Wenige Musiktakte, wieder Trommelgedröhn, und nun tönt ein altes Landknechtslied auf: „Weit laßt die Fahnen wehen, wir wöln zum Sturme gehen, treu nach Landknechtsart laßt den verlorenen Haufen voran zum Sturme laufen, wir folgen dicht geschart“. Und zum Takte schwingen die Fahnenträger ihre Fahnen, ein wunderschönes Bild in der leuchtenden Morgensonne, die nun durch die dunklen Wolken gebrochen ist, die den ganzen Morgen den Himmel verhüllten. Aus dem gewaltigen Block der erdbraunen Arbeitsmänner löst sich eine helle klare Stimme und schwingt sich über das Feld: Ein Gelöbnis des Arbeitsdienstes an den Führer. Der Sprechchor antwortet erschütternd, aufwühlend und mitreißend seine Worte: „Hier stehen wir, wir sind bereit und tragen Deutschland in die neue Zeit“. Symbolisch bringt der Arbeitsdienst nun zum Ausdruck diese riesige Volksgemeinschaft, die er in sich selbst verkörpert. Fragend erhebt sich eine Stimme:„Kamerad, woher kommst du?“ Und aus allen Ecken des Feldes schallen nun die Antworten:„Aus Pommern, aus Bayern, von der Roten Erde, vom Rhein, aus Königsberg, von der Waterkant, aus Thüringen, aus Schlesien, von der Saar, um die wir kämpfen“. Eine zweite Stimme fragt:„Kamerad, von welcher Arbeit kommst du?“ Und wieder lösen sich die Antworten: „Vom Amboß, vom Schreibtisch, aus dem Hörsaal“ und dann anklagend„Ich war arbeitslos, und meine Hände verdorrten, mir am Leibe“. Des Führers richtunggebende Rede auf der Kulturtagung Ein Bild der Kulturtagung der NSDAP, die am Abend des 5. September im Nürnberger Apollotheater stattfand, wurde durch die richtunggebende Rede des Führers(am Rednerpult) zu einer wahren Feierstunde des deutschen Geistes gestaltet. Nun schallt ein Chor herauf zur Tribüne:„Wir standen nicht im Donner der Granaten und sind doch Soldaten". Gedämpft und getragen spielt die Kapelle nun das Lied vom guten Kameraden. Die Arme heben sich zum Gruß im Gedenken an die Toten, und die Fahnen senken sich auf den Rasen, unter dem überall in Europa und der Welt die Toten des deutschen Heeres liegen, und aus den grauen Blöcken lösen sich wieder Worte:„Flandern, Somme, Lüttich, Düna, Isonzo, Osten, Westen, Süden“, und das Gedenken an die Toten der nationalsozialistischen Revolution schließt mit dem Ruf:„Kameraden, die Rotfront und Reaktion erschossen“, und nun heben sich wieder die Fahnen und flattern im frischen Morgenwind, und ein helles Lied braust über den Platz:„Wir dienen dir mit dem Spaten, denn wir sind der Arbeit Soldaten“, und noch einmal hören wir beschwörend:„Wir werden dich niemals verraten, denn wir sind der Arbeit Soldaten". Dem nationalsozialistischen Arbeitsdienst, der die schönste Verkörperung nationalsozialistischen Geistes darstellt, blieb es vorbehalten, aus echt nationalsozialistischem und revolutionärem Geist eine Feierstunde zu gestalten, die wirklich eine Andachtsstunde an Deutschland war. Reichsarbeitsführer Hierl, der leuchtenden Auges und mit Stolz auf sein Werk sieht, nimmt nun das Wort, und der Führer, auf dessen Gesicht man die ganze Zeit die Freude über das sah, was wir alle erleben konnten, dankt ihm mit herzlich=warmem Händedruck. Der Führer spricht In atemloser Stille tritt dann der Führer an das Mikrophon. Mein Parteigenosse Hierl! Das Werk, das ich hier vor mir sehe, ist, ich weiß es, Ihr Werk. Den Dank für diese große Arbeit wird die ganze deutsche Nation abstatten, wenn der Segen und die Früchte dieser Arbeit dereinst erblühen. „Vombe auf den Genfer Scharfe englische Pressekritik an der französischen Saardenkschrift Von der Londoner Presse haben bisher nur wenige Blätter die wahre Bedeutung des neuen französischen Memorandums in der Saarfrage erfaßt. Daß es der öffentlichen Meinung jetzt allmählich zu dämmern beginnt, welche Gefahr die französischen Vorschläge in sich bergen, geht schon aus der Ueberschrift„Die Bombe“ hervor, die der Leitartikel des„Evening Standard" zu dieser Frage trägt. Frankreich, so bemerkt das Blatt, hat eine Bombe auf den Ratstisch in Genf gelegt: Das Problem der Saarkohlenbergwerke. Sie ist so gelegt, daß sie jeden Tag zwischen jetzt und dem Januar 1935 losgehen kann. Das Land, so fährt das Blatt fort, das vor Gold erstickt, verlangt mehr Gold! Es fordert es von einem Lande, das so gut wie kein Gold hat. Wenn Dr. Schachts Verlangen nach einem langen, allgemeinen Moratorium für alle Schulden Deutschlands gerechtfertigt ist, so ist Deutschland klarerweise nicht in der Lage, in der unmittelbaren Zukunft weitere Verpflichtungen zu übernehmen. Wenn die Abstimmung zugunsten Deutschlands ausgeht und Deutschland nicht nach Frankreichs Bedingungen für die Bergwerke zahlen kann, so sollen sie das Eigentum Frankreichs bleiben. Ein Gebiet, das von Deutschen bevölkert ist und von Hitler regiert wird, würde wirtschaftlich von Frankreich ausgebeutet werden. Die Bombe wird auf jeden Fall platzen und Großbritannien muß Deckung suchen. Meine Arbeitsmänner! Zum erstenmal nehmt Ihr an dem Parteitag der nationalsozialistischen, Bewegung Deutschlands teil. Zum erstenmal seid Ihr in dieser Form zum Appell vor mir und damit vor dem ganzen deutschen Volke angetreten. Ihr repräsentiert eine große Idee. Was ich gestern in der Proklamation an deutsche Volk verkünden ließ, erfährt durch Euch seine lebendige Verkörperung. Der Nationalsozialismus ist nicht eine reine Staatsauffassung, ist auch nicht eine Angelegenheit der äußeren Macht, sondern er ist als Weltanschauung eine Angelegenheit der Erziehung und damit der Zucht des ganzen Volkes. Wir sind nicht Nationalsozialisten deshalb, weil wir die Macht besitzen, sondern wir wollen, daß Deutschland nationalsozialistisch wird, weil seine Söhne Nationalsozialisten sind! Und Ihr seid nicht Nationalsozialisten deshalb, weil Ihr ein äußeres Lippenbekenntnis auf ein Programm abgelegt habt, sondern weil Ihr innerlich Euch bemühen wollt, nach diesem Programm zu leben und nach ihm zu handeln. Das, was diesem Programm aber seinen tiefsten Sinn gibt, ist die Bildung einer wahrhaften Volksgemeinschaft und der Glaube an sie. Wir alle wissen, daß diese Volksgemeinschaft nicht bestehen kann, solange nicht über die bisher trennenden Auffassungen von Beruf, Klasse und Stand hinweg eine einzige gemeinsame Auffassung unser Volk erfüllt. Und dazu ist es nötig, zuerst den Begriff der Arbeit herauszustellen gegenüber dem nur mammonistischen Denken, eigensüchtigen Zwecken und eigensüchtiger Absicht. Es ist ein großes Unterfangen, nun ein ganzes Volk zu diesem neuen Arbeitsbegriff und zu dieser neuen Arbeitsauffassung zu erziehen. Wir haben es gewagt und es wird uns gelingen und Ihr seid die ersten Zeugen dafür, daß dieses Werk nicht mißlingen kann!(Jubelnde Zustimmung!) Durch Eure Schule wird die ganze Nation gehen!(Anhaltende Beifallskundgebungen.) Die Zeit wird kommen, da kein Deutscher hineinwachsen kann in die Gemeinschaft dieses Volkes, der nicht zuerst durch Eure Gemeinschaft gegangen ist.(Brausender Beifall und stürmische Heilrufe.) Und wir wissen, daß dann für Millionen unserer Volksgenossen die Arbeit nicht mehr ein trennender Begriff sein wird, sondern ein allen gemeinsam verbindender und daß insbesondere dann keiner mehr in Deutschland leben wird, der in der Arbeit der Faust etwas Minderes sehen will als in irgendeiner anderen. Stärkster Beifall.) Wir wollen nicht Sozialisten der Theorie sein, sondern als wahrhafte Nationalsozialisten auch dieses Problem wahrhaftig anfassen und wahrhaftig lösen. Und dieses große Werk wird gelingen, weil hinter ihm nicht nur die Weltanschauung einer Deutschland beherrschenden Bewegung, sondern weil hinter ihm unser Wille steht!(Neue Beifallsstürme.) Ihr werdet heute auch zum erstenmal marschieren zu Zehntausenden hinein in die Stadt der deutschen Reichsparteitage und Ihr werdet es wissen: In diesem Augenblick sehen Euch nicht nur die Augen der Hunderttausenden in Nürnberg, sondern in diesem Augenblick sieht Euch zum erstenmal Deutschland. Und ich weiß: So wie Ihr in stolzer Ergebenheit diesem Deutschland Dienst tut, wird heute Deutschland in stolzer Freude in Euch seine Söhne marschieren sehen! Heil!(Minutenlange Beifallsstürme der begeisterten Massen.) Mit erhobener Rechten singen die Zehntausenden das Deutschland= und das Horst=Wessel=Lied, während der Führer in seinen Wagen steigt, um durch das große Spalier wieder zurückzufahren in die Stadt Erboraune Relennen ziehn derader Der Vorbeimarsch des Arbeitsdienstes am Führer Auf dem Adolf-hitler=Platz In vielen Straßenzügen der Nürnberger Innenstadt ist im Laufe des Donnerstags der Fahrzeugverkehr eingestellt worden. Diese Maßnahme war notwendig, nachdem in der ganzen Nacht und den ganzen Vormittag über Sonderzug auf Sonderzug eingetroffen war. Nach Beendigung des Appells des Arbeitsdienstes auf der Zeppelinwiese, als sich die 52.000 Arbeitsdienstmänner zum Marsch in der Stadt in Bewegung setzten, wurden die Zufahrtsstraßen zum Adolf=Hitler=Platz vollständig abgeriegelt und nur Inhaber von Tribünenkarten durchgelassen. Die Schaulustigen, die sich schon in den Vormittagsstunden eingefunden hatten, hatten auf dem prächtigen alten Platz so viel zu sehen, daß ihnen die Wartezeit wie im Fluge verstrich. Auch diesmal ist die Stätte, die in der deutschen wie in der nationalsozialistischen Bewegung eine so große Rolle gespielt hat, in der gleichen Art geschmückt worden wie es die kunstliebenden Bürger der alten Noris beim Empfang Karls IV. getan haben. Wieder hängen aus allen Fenstern rostrote und weiße Tücher, mit goldenen und filbernen Fransenketten bespannt. Wieder flattern von allen Dächern und Erkern die alten Wimpel und Fahnentücher, und wiederum prangt auch der Erker der Liebfrauenkirche in violett=braunem Baldachin. Wieder laufen auch Schlag 12 Uhr die Männlein des berühmten Uhrwerks, der Herold und die Kurfürstin, oberhalb dieses Erkers um ihren Kaiser. Man glaubt sich tatsächlich in die mittelalterliche Blütezeit Nürnbergs versetzt, denn jetzt sind die alten schönen Patrizierhäuser von allen modischen Zutaten und aller Reklame befreit und bieten sich dem Auge genau so dar wie sie vor Jahrhunderten zur Liebfrauenkirche herabfahen. Die im zur Aufmarschstraße offenen Viereck erbauten Tribünen, die fast bis zum Erker der Kirche emporsteigen, sind längst bis auf den letzten Platz besetzt. Die ersten Ehrengäste treffen ein. Kurz nach 1 Uhr wird der Frankenführer, Gauleiter Streicher, mit stürmischen Heilrufen empfangen. Leni Riefenstahl trifft ihre letzten Vorbereitungen. Besondere Bewunderung erregt dabei ein Filmoperateur, der auf einer hohen Feuerwehrleiter aus einer Rebengasse heraus direkt über der Einmarschstraße in luftiger Höhe steht, ein Platz, um den ihn viele der in drangvoller Enge stehenden Menschen beneiden. Die Mitglieder der Reichsleitung des Arbeitsdienstes haben in der Straße Aufstellung genommen, ebenso die Obergruppen= und Gruppenführer der SA. Ein immer mächtiger anschwellendes Jubeln kündet das Eintreffen des Führers an, der zunächst die Mitglieder der Reichsleitung des Arbeitsdienstes und dann die SA.=Führer begrüßt. Als er sich der Ehrentribüne zuwendet und allen weithin sichtbar wird, braust erneut der Jubel los, der kein Ende nehmen will, während der Führer zunächst die Reichs= und Staatsminister, die Staatssekretäre, die Generalität der Reichswehr und der Polizei, den Reichsbischof, den Abt Schachleitner und schließlich auch die Angehörigen der für die deutsche Freiheit in den Tod gegangenen Kämpfer begrüßt. Mit geschultertem Spaten... Punkt ½2 Uhr kommen die vier Spielmannsund Musikzüge des Arbeitsdienstes die Straße herauf und schwenken stramm vor den Tribünen ein. Hinter ihnen folgen vor den ersten Fahnen Reichsarbeitsführer Hierl und die Reichsleitung und dann zieht mit geschultertem Spaten oder Hacke in vier Gruppen zu je zwölf Mann eine endlose Kolonne vorüber. Brausender Jubel empfängt die prächtig braungebrannten Gestalten in ihren schmucken erdbraunen Uniformen, mit einem frischen Eichentruch an den schutenförmigen Mützen oder Blumensträußen an der Brust und am Koppel. Die ganze Straße ist, soweit das Auge reicht, beherrscht von den marschierenden Kolonnen aus 30 Gauen des deutschen Vaterlandes. In den blitzenden Spaten fängt sich das Sonnenlicht, das den Platz überflutet. Die Gauarbeitsführer erstatten nach dem Vorbeimarsch dem Führer Meldung und gesellen sich der Reichsleitung des Arbeitsdienstes bei. So zieht mehr als 2½ Stunden lang Trupp auf Trupp, Abteilung auf Abteilung, Arbeitsgau auf Arbeitsgau im Gleichschritt vorüber. Unermüdlich grüßt der Führer die Fahnen des Arbeitsdienstes, dankt er den 52000 jungen Menschen, die erstmals auf einem Parteitag ihren Führer aus nächster Nähe sehen dürfen. Die Freude darüber ist deutlich in ihren Mienen zu lesen. Sie sehen von dem märchenhaften Schmuck des Platzes, von dem herrlichen Bild der hohen Giebel, von den über und über in Grün und Fahnentücher gehüllten Häusern nichts; sie sehen auch nicht das farbenprächtige Bild der großen Tribünen, sie sehen nur den Mann, der Deutschland aus tiefster Rot zurück zu Freiheit und Ehre geführt hat. Mit der letzten Abteilung, der Radfahrabteilung des Gaues Thüringen, ziehen die drei Spielmanns= und Musikzüge ab. Sie machen dem Musikzug der Reichsschule Platz, der schneidig einschwenkt und das Lehrpersonal der Reichs= und Bezirksschulen und deren Lehrabteilungen vorbeiführt. Die Abteilungen, die am Vormittag bei den prachtvollen Vorführungen auf der Zeppelinwiese beteiligt waren, werden für ihr schneidiges Auftreten mit einem Sonderapplaus bedacht. Es ist eine ungetrübte Freude, diese gesunden kraftstrotzenden Prachtgestalten zu sehen, die Pioniere des Friedens, die Träger der Arbeit, die ihren Spaten mit jenem Stolze tragen, den ihnen das Bewußtsein vermittelt, daß der neue deutsche Adel der Adel der Arbeit ist. Dann schlägt das Meer des Jubels und der Verehrung erneut zusammen, als der Führer dem Reichsarbeitsführer Hierl dankt und dann durch die Straße des Triumphes zur Kongreßhalle fährt. Der Führer legt das Fronkkämpferkreuz an Ein Schreiben Dr. Fricks Der Reichsminister des Innern, Dr. Frick, hat am 4. September in Rürnberg den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler gebeten, das vom verewigten Reichspräsidenten von Hindenburg gestiftete Froutkämpferkreuz anzulegen. Reichsminister Dr. Frick überreichte dem Führer das Frontkämpferkreuz unter gleichzeitiger Uebergabe des folgenden Schreibens: „Mein Führer! Als der von dem verewigten Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindeuburg mit der Durchführung seiner Verordnung über die Stiftung eines Ehrenkreuzer beauftragte Reichsminister bitte ich Sie, als Frontkämpfer des Weltkrieges das von ihm gestiftete Frontkämpferkrenz anlegen zu wollen.“ Der Führer und Reichskanzler erklärte sich zur Annahme des Frontkämpferkreuzes bereit. Die Hertfuhrung dee=Neichesurtenengresser Die Kongreßreden künden von der kotalen Kraftanstreugung des deutschen Volkes Während noch die erdbraunen Kolonnen des Arbeitsdienstes auf dem Adolf=Hitler=Platz am Führer vorbeimarschieren, strömen die Massen der Kongreßteilnehmer bereits wieder zur riesigen Halle, die schon lange vor Beginn der Fortsetzung des Kongresses dicht gefüllt ist. Der weite Raum bildet in seiner schlichten aber äußerst harmonischen Ausschmückung, dicht besetzt von Tausenden von Teilnehmern, die, aus allen Gliederungen der nationalsozialistischen Bewegung herkommend, die Einheit des Nationalsozialismus trefflich symbolisieren, ein bereits vertrautes, aber doch immer wieder neues Bild. Bis auf den letzten Platz von einer erwartungsvollen Menge besetzt ist der Raum, die voll aufmerksamer Spannung den großen Reden der führenden Nationalsozialisten entgegensieht. Plötzlich geht Bewegung durch die Massen. Brausende Heilrufe schallen durch das weitgeöffnete Tor herein, Fanfaren schmettern durch die Luft, Scheinwerfer blitzen auf, der Badenweiler Marsch erklingt: der Führer betritt die Kongreßhalle, umbrandet von dem Jubel der Zehntausende. In seiner Begleitung befinden sich wiederum die Reichs= und Gauleiter der Bewegung, die Obergruppenführer und Gruppenführer der SA, sowie die Obergebietsführer der Hitler=Jugend, die auf der Tribüne hinter dem Rednerpult Platz nehmen. Und wieder geht Bewegung durch die Reihen: die Standarten der SS und SA, geführt von der Blutfahne des 9. November 1923, werden in die Halle getragen. Steil recken sich die Arme zum deutschen Gruß empor und die Massen erweisen dem Feldzeichen der nationalsozialistischen Bewegung die Ehrenbezeugung. Dem deutschen Arbeiter Große Rede Dr. Leys Reichsleiter Bormann eröffnet dann den Nachmittagskongreß und erteilt dem Stabsleiter der PO und Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, das Wort, der in einer groß angelegten Rede zusammenfassend darlegte, was der Nationalsozialismus bisher dem deutschen Arbeiter gebracht hat. Dr. Ley zeichnete ein Bild der Verfassung, in der sich vor der blitzschnell durchgeführten Uebernahme der Gewerkschaften der deutsche Arbeiter befand. Er ging dann auf die Aufgaben ein, die die Uebernahme und der Aufbau der Gewerkschaften und Verbände der Partei stellten. Es gelang, den endgültigen Zerfall der Organisationen zu verhindern. Das allein konnte jedoch nicht genügen, es mußte gelingen, aus den mißtrauisch abwartenden Volksgenossen Anhänger der DaF zu machen. Der völlig neuartigen Propaganda gelang es, die Zahl der Mitglieder von fünf Millionen am 2. Mai auf über neun Millionen 350000 im Dezember 1933 zu steigern, so daß nach Wiederaufhebung der Mitgliedersperre, die wegen des gewaltigen Andranges neuer Mitglieder verhängt werden mußte, eine neue Entwicklungsphase einsetzte. Ziel einer neuen Sozialordnung konnten jedoch nicht die Einheitsverbände sein, vielmehr galt es, Unternehmer und Arbeitnehmer in einer Organisation zusammenzuführen. Wie gewaltig dieser Gedanke vom Volk erfaßt wurde, beweist, daß vom 1. Dezember 1933 bis 1. März 1934 4,5 Millionen Einzelmitglieder, darunter besonders viele Unternehmer, ihren Beitritt zur Arbeitsfront erklärten. Am 1. März 1934 betrug der Mitgliederstand der Deutschen Arbeitsfront 13 Millionen Arbeiter, Angestellte und Unternehmer und vier Millionen Mitglieder aus dem Handel, Handwerk, Gewerbe und den freien Berufen. Dr. Ley verwies dann auf die Schöpfung eines Werkes, für das es bis dahin kein Vorbild gab: die NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude" und deren Organisation. Bis zum 1. September hat das Amt für Reisen und Wandern eine Million Menschen, die noch niemals ihre dumpfe Großstadt verlassen hatten, für sieben bis zehn Tage in Erholung geschickt. Eine weitere Million fuhr im Wochenende zu gemeinsamen Wanderungen. Vom Amt für Schönheit der Arbeit wurden bereits mehr als 1000 Betriebe betreut. Das Sportamt verfolgt das Ziel, die Altersgrenze, bis zu der man Sport treibt, für die Masse des Volkes von 30 auf mindestens 50 Jahre hinaufzusetzen. Dr. Ley verwies dann weiter auf die großen Erfolge der anderen Aemter der Gemeinschaft „Kraft durch Freude", insbesondere auch des Kulturamtes und des Sozialamtes. In diesem Zusammenhang verwies Dr. Ley darauf, daß ein Zusammenbruch der Konsumvereine mit einem investierten Wert von mehr als einer Milliarde einen ungeheuren Schaden für die deutsche Wirtschaft bedeutet hätte und die Arbeitslosigkeit von vielen hunderttausenden Volksgenossen nach sich gezogen haben würde. Trotz größter Schwierigkeiten gelang es, auch die Konsumvereine zu erhalten. Wie gewaltig auch alle diese Leistungen sein mögen, so liegen doch die Hauptaufgaben der DAF bei den Betriebsgemeinschaften und bei den Berufsgruppen. Dr. Ley bezeichnete es als Aufgabe der Berufsgruppen, die Leistungsaristokratie als neuen Adel der Arbeit zu schaffen. Aus der Erkenntnis der rassischen Verbundenheit der Schaffenden müsse eine Schicksalsgemeinschaft werden, die als Leistungsgemeinschaft der Kraftträger der Nation sei. Alle Arbeit müsse von einem einzigen Gedanken beherrscht werden, den deutschen Arbeiter zu einem stolzen, aufrechten und gleichwertigen Volksgenossen zu machen. Die Lösung der sozialen Frage sei kein Lohnproblem, sondern liege in der Neubildung einer Gesellschaftsordnung, für die die RSDAF allein als Vorbild in Frage komme. Lebhaft begrüßt wurde insbesondere die Mitteilung Dr. Leys, daß bei einem Ansteigen der Mitgliederzahl von fünf Millionen auf 14 Millionen die Verwaltungsunkosten der Deutschen Arbeitsfront auf die Hälfte gesenkt werden konnten. Unter jubelnden Heilrufen dankte der Führer Dr. Ley mit einem Händedruck für seine Arbeit. Als nächster Redner des Kongresses nahm dann Reichsleiter Dr. Goebbels das Wort. Die Propaganen Junttion des Stautee Die Eröffnung des Parteikongresses in der Luitvoldhalle während der Verlesung der Proklamation des Führers durch den Sprecher der Partei, Gauleiter Wagner.(Adolf Hitler in der ersten Neibe der Ebrentribüne, der Zweite von der Ecke.) Dr. Goebbels Dr. Goebbels sprach über„Die Propaganda und Aufklärung als Voraussetzung praktischer Arbeit auf zahlreichen Gebieten“. Er wies zunächst auf die Unterlassungssünden verflossener Regierungen in der Kriegszeit hin und betonte dann u. a. weiter: Propaganda muß schöpferisch sein. Sie ist keineswegs eine Sache der Bürokratie oder amtlicher Verwaltung, sondern sie ist eine Angelegenheit produktiver Phantasie. Ausschlaggebend bleibt, ob sie den Kräften das Wort verleiht, die die wahren und unverfälschten Werte eines Volkes darstellen. Wesentlich anders ist es um den Begriff der Volksaufklärung bestellt. Sie ist gemäßigter Art und sucht zu belehren. Sie wird deshalb auch häufiger vom Regime selbst als von der Opposition zur Anwendung gebracht. Es blieb dem aus der Revolution hervorgegangenen nationalsozialistischen Staat vorbehalten, Propaganda und Aufklärung, von einer Zentrale aus gelenkt, in Wirksamkeit zu bringen, somit zwei Begriffe, die zwar wesensnah, aber nicht wesensgleich sind, in eines zu verschmelzen und sie, überlegen und auf weite Sicht gestellt, Staat und Volk dienstbar zu machen. Jede Propaganda hat eine Tendenz. Es kommt auf die Qualität dieser Tendenz an, ob die Propaganda sich positiv oder negativ auswirkt. Eine gute Propaganda braucht nicht zu lügen, ja sie darf nicht lügen. Propaganda, die sich der Lüge bedient, beweist damit, daß sie für eine schlechte Sache sicht. Sie kann auf die Dauer nicht von Erfolg sein. Ohne zu übertreiben, kann man sagen, daß Deutschland heute auf dem Gebiet der Propaganda für die ganze Welt vorbildlich ist. Wir haben das Versäumte nachgeholt und es dabei in der Kunst der Massenbeherrschung zu einer Fertigkeit gebracht, dergegenüber ähnliche Versuche in anderen Ländern geradezu stümperhaft wirken. Man schaue über die Grenzen unseres Landes und beobachte mit Lächeln die Bestrebungen parlamentarisch=demokratischer Parteien, die alle auf den einen Satz hinauslaufen: Wie sage ichs meinem Kinde? Die Angst vor dem Volk ist das charakteristische Merkmal liberaler Staatsauffassung. Die Jagd nach der Popularität führt dabei meist zu nichts anderem, als die Wahrheit zu verschweigen und dem Unsinn das Wort zu reden. Man hat nicht mehr den Mut, Unpopuläres auszusprechen, geschweige denn zu tun. Die Folge davon ist, daß die großen europäischen Probleme in fruchtlosen Debatten versacken und über den Debatten politische, wirtschaftliche und soziale Krisen von ungeahnten Ausmaßen über die Völker hereinbrechen. Staatsmänner müssen zu gewissen Zeiten den Mut haben, auch Unpopuläres zu tun, aber das Unpopuläre will rechtzeitig vorbereitet werden und es muß in seiner Darstellung richtig formuliert sein, damit die Völker es verstehen. Der Mann von der Straße ist im allgemeinen nicht so unvernünftig, wie man ihn schilt. Aber er, der meistens die schwerste Last unpopulärer Politik zu tragen hat, hat damit doch mindestens ein Anrecht darauf, zu wissen, warum es so und nicht anders gemacht werden muß. Jede praktische politische Arbeit ist abhängig von ihrer Durchschlagskraft im Volke. Es ist kein Zeichen weiser Voraussicht, die Nation von heute auf morgen vor furchtbare Tatsachen zu stellen. Hier setzt die Propaganda als Schrittmacherin der praktischen Arbeit ein. Sie muß ihr aktiv und aufklärend vorangehen. Ihre Aufgabe ist es, der praktischen Arbeit den Weg zu bereiten. Die Propaganda steht am Anfang der praktischen Arbeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens.= Sie ist ihre große und sinngemäße Voraussetzung. Der Redner nannte dann eine Reihe von Beispielen aus der Arbeit der vergangenen anderthalb Jahre und schloß: Auch die Propaganda ist eine Funktion des modernen Staates. Ihre Reichweite ist der feste Grund, auf dem er stehen muß. Aus den Tiefen des Volkes stieg sie emvor, und zu den Tiefen des Volkes muß sie immer wieder herniedersteigen, um dort ihre Wurzeln zu suchen und ihre Kraft zu finden. Es mag gut sein, Macht zu besitzen, die auf Gewehren ruht. Besser aber und dauerhafter ist es. das Herz eines Volkes zu gewinnen und es auch zu Nr. 269(Zweites Blatt) Freitag, 7. September 1934 „Schswerter=hentung Aus der Anderen Schwerte(Ruhr), Freitag den 7. Sept. 1934 Tagesspruch Trifft dich ein Schmerz Verrat ihn nicht— Verbirg vor Menschen Dein Gesicht. Sei froh, wenn sie Vorübergehn Und nicht von deinen Tränen sehn. Walliy Glück. Vom Wetter Das Schönwettergebiet wird sich weiter ostwärts verlagern, so daß auch Westdeutschland mehr und mehr in sein Bereich gelangt. Wetteraussichten für Freitag: Schwache wechselnde, später auffrischende auf südwestliche Richtungen drehende Winde, in den Morgenstunden noch verbreitet dunstig oder neblig, sonst wolkig bis heiter, mäßig warm, später Bewölkungszunahme. Wetteraussichten für Sonnabend: Bei südlichen Winden wieder vielfach wolkig und aufkommende Niederschlagsneigung, Temperaturzunahme. : 82. Geburtstag. Am heutigen Tage feiert die Witwe Amalie Kohlmann, die bei ihrer verheirateten Tochter Frau Luck in der Mühlenstraße wohnt, in selten geistiger und körperlicher Frische ihren 82. Geburtstag. Das aus Ergste stammende Geburtstagskind hat noch großes Interesse an der Häuslichkeit, sie stopft, näht u. liest auch mit Vorliebe ihre Heimatzeitung. Der hochbetägten Mitbürgerin wünschen wir aufrichtigen Herzens weiterhin einen gesegneten Lebensabend! . 70. Geburtstag. Die an der Brückstraße wohnende Ww. Heinrich Wicken feierte ken 70. Geburtstag. Nachträglich unseren herzlichen Glückwunsch. Goldene Hochzeit. Gestern feierte das Ehepaar Rentner Wilhelm Hinkelmann, das schon 33 Jahre in der Bruchstraße Nr. 6 wohnt, das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Zahlreiche Gratulanten hatten sich eingefunden. Unter den Glückwunschtelegrammen befand sich auch ein Glückwunsch des Staatsoberhauptes. Dem Jubelpaar zum Ehrentage auch unseren herzlichsten Glückwunsch! X Besitzwechsel. Im Wege freihändigen Verkaufes ist die Besitzung Westenberg am Markt (die frühere Bäckerei Neveling) in das Eigentum des Konditormeister Emil vom Steeg, eines Sohnes unserer Stadt, der zuletzt in Lüdenscheid tätig war, übergegangen. X Zimmerbrand. In einem Hause am Rosenwege entstand gestern abend im Schlafzimmer ein kleiner Zimmerbrand, dem eine Tischdecke und ein Fenstervorhang zum Opfer gefallen sind. Größere Schaden konnte durch schnelles Eingreifen der Hausbewohner verhindert werden. — Berufsunfall. Bei Maurerarbeiten an einem Neubau an der Kirchstraße in Ergste erlitt der Maurerpolier Sch. aus Schwerte bei den Verschalungsarbeiten dadurch einen Unfall, daß sich ein Brett löste un dihn mit in die Tiefe riß. Außer einem Armbruch trug Sch. Quetschungen davon. X Verkehrsunfall. Unweit der Rettelmühle ereignete sich gestern nachmittag ein bedauerlicher Verkehrsunfall. Ein aus der Richtung Schwerte; kommender Radfahrer fuhr beim Ausweichen infolge Versagens der Steuerung so unglücklich gegen ein schwer beladenes Fuhrwerk, daß er von seinem Stahlroß geschleudert wurde und außer Hautverletzungen im Gesicht und am rechten Unterschenkel eine schwere Kopfverletzung erlitt. . Seltsames Verkehrsunglück. Gestern vormittag ereignete sich auf der Hagener Straße, gleich hinter der Stadtgrenze, auf dem Wandhofener Gebiet ein eigentümlicher VerkehrsIserlahn- Schwerte Laßt beim heimischen Drucker drucken Im„Iserlohner Kreisanzeiger“ lesen wir einen ausführlichen Bericht über eine„Wettbewerbsveranstaltung der Notgemeinschaft der Buchdruckereien von Iserlohn Stadt und Land“, die am 3. September im Saal bei Bintz am Ohl stattfand. Obwohl die Schlagzeile in Text fetter Fraktur darauf hinweist, daß es sich hierbei um eine Veranstaltung von Iserlohn Stadt und Land handelt, ist in diesem Bericht immer nur von den Iserlohner Druckereien und der Iserlohner Gehilfenschaft die Rede. Man hat scheinbar vergessen, daß die 18000 Einwohner zählende Stadt Schwerte auch im Landkreis Iserlohn liegt. Wenn also von den„Hiesigen“ Buchdruckereien die Rede ist, so sind also in Wirklichkeit die Buchdruckereien von Iserlohn Stadt und Land gemeint. Tatsächlich treffen ja im Buchdruckergewerbe die Iserlohner Verhältnisse auch auf Schwerte zu. Die Initiative des Iserlohner Stadtoberhauptes, der dem Buchdruckergewerbe helfen will, ist sehr zu begrüßen. Möge seine Forderung„Laßt beim heimischen Buchdrucker drucken!" auch bei den Schwerter Behörden, Industrie=Unternehmen und Geschäftsleuten Erhörung finden! In dem Bericht des„Is. Kr.=Anz.“ heißt es im wesentlichen: Die Notgemeinschaft der deutschen Buchdruckereien von Iserlohn Stadt und Land hatte zu einer großen Werbeveranstaltung in den Saal des Restaurants Binz am Ohl eingeladen. Denn im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stand die Preisverteilung an der aus dem Wettbewerb hervorgegangenen Teilnehmer um den Entwurf eines Briefkopfes für Iserlohns Oberbürgermeister. Die stattliche Anzahl von 65 Entwürfen war eingegangen, von denen 10 prämiert werden konnten. Der Vorsitzende der Ortsgruppe der Notgemeinschaft, Pritz Platzmann, eröffnete die Veranstaltung. Mit herzlichen Worten der Begrüßung hieß er alle willkommen. Insbesondere galt sein Gruß dem Oberbürgermeister Dr. Damrau, Herrn Armin Renker und Kreisleiter Loges. Propagandaleiter Böhmer eröffnete seine Ausführungen mit dem alten schönen Buchdruckergruß„Gott grüß die Kunst!" Die riesige Teilnahme an dem Wettbewerb habe bewiesen, was unser heimisches Buchdruckergewerbe zu leisten in der Lage sei. Oberbürgermeister Dr. Damrau nahm dann die Preisverteilung vor. Der Wettbewerb ist dadurch zustande gekommen, daß Oberbürgermeister Dr. Damrau in vollstem Verständnis für die Nöte der Iserlohner Buchdruckereien und Buchdrucker sich bereit erklärt hat, einen Teil der städtischen Druckerei stillzulegen und die dadurch freiwerdenden Arbeiten den heimischen Betrieben zur Verfügung zu stellen. Insbesondere wendet sich der Redner an die Vertreter der heimischen Industrien. Er bedauert es auf das lebhafteste, daß immer noch eine Reihe von Druckaufträgen nach auswärts gingen, obwohl seit Wochen schon der Ruf erschalle„Laßt beim heimischen Buchdrucker drucken!“ Gerade der Wettbewerb habe wieder einmal mit erfreulicher Deutlichkeit bewiesen, wie sehr die Iserlohner Gehilfenschaft typographisch und drucktechnisch auf der Höhe sei. Darauf betrat Dr. Damrau das Rednerpult. Der Zusammenschluß zu einer Notgemeinschaft bringe wohl am deutlichsten die schweren wirtschaftlichen Kämpfe der heimischen Buchdrucker zum Ausdruck. Not herrsche jedoch in vielen Zweigen unserer Iserlohner Industrie. Deshalb sei der Zweck dieser Veranstaltung nicht in einer fälschlich verstandenen Kirchturmspolitik der heimischen Buchdrucker zu erblicken, daß jeder Betriebsinhaber nun einen Anspruch darauf habe, alle Iserlohner Interessenten als seine Kunden zu gewinnen, ohne Ihnen vorher die Möglichkeit zu geben, seine Leistungsfähigkeit zu prüfen! Gerade der Wettbewerb habe das Gegenteil zum Ausdruck bringen wollen, daß nämlich nur gute Qualitätsarbeit verdiente Anerkennung und Absatz finden darf. Die hier gezeigte Werkkunst stelle vor allem das eine unter Beweis, ohne das hier schöpferische Schaffen und Erfolge unmöglich sind, daß Leute in den Iserlohner Betrieben arbeiten, die an ihrem Beruf mit Liebe und Idealismus hängen. Denn es herrsche leider immer noch die vollkommen falsche Vorstellung in den Kreisen der Auftraggeber, daß die hiesigen Buchdruckereien im Vergleich zu auswärtigen Betrieben nicht leistungsfähig genug seien. Daß diese Ansicht einmal gründlichst ausgerottet wird, darin sei der wahre Sinn des heutigen Abends zu verstehen. Die persönliche, schöpferische und ideelle Gestaltungskraft der vorgelegten Entwürfe habe das Gegenteil bewiesen. Und deshalb dürfe es in Zukunft für die interessierten heimischen industriellen Kreise nur den einen Grundsatz in dieser Beziehung geben: Laßt beim heimischen Buckdrucker drucken! unfall. Vor dem Hause des Bauern SchulteWandhofen, überquerten Gänse die Straße. Ein aus Richtung Westhofen kommender Lastkraftwagen wollte ausweichen, um die Tiere nicht zu überfahren. Dabei flog der Wagen zu weit nach links herüber und sauste mit voller Wucht gegen den Gartenzaun. Dadurch wurden zwei massive Pfeiler von einem Durchmesser von einem halben Meter mit samt dem Zaun umgerissen. Der Wagen wurde schwer beschädigt. Der Fahrer selbst trug keine Verletzungen davon. Schnell sammelten sich an dem Unglücksort Menschen in größerer Anzahl an. Bald fuhren lange Wagenreihen auf. Die Westhofener Polizei nahm den Tatbestand auf. Achtung Rettungsschwimmer! Nachdem gestern nachmittag in der Schützenhof=Badeanstalt noch Prüfungen für den Grundschein der DLRG. abgenommen wurden, finden am heutigen nachmittag um 4 Uhr die Abschlußprüfungen statt. Die praktischen Uebungen im Wasser haben bereits 18 Kursusteilnehmer bestanden. Einigen bereitet das Stein= und Streckentauchen noch Schwierigkeit. Aber wer diese Uebungen in diesem Jahre noch nicht kann, der wird den Grundstein bei fleißigem Training im nächsten Jahre mühelos schaffen. Uebertragbare Krankheiten. In der Woche vom 19. bis 25. August 1934 waren im Regierungsbezirk Arnsberg folgende übertragbare Krankheiten gemeldet: Diphtherie 91 Krankheitsfälle(6 Todesfälle), Fleisch=, Fisch= und Wurstvergiftung 1(—), Genickstarre 4(2), Kindbettfieber 9(3), Kinderlähmung 2(—), Körnerkrankheit 1(—), Lungen= und Kehlkopftuberkulose 31(34), Ruhr 3(—), Scharlach 81(1), Unterleibstyphus 4(—), Paratyphus 22(—), Enteritis 1(—), Tuberkulose anderer Organe—(6). Aus der Kirchenprovinz Westfalen. Wie das Evangilische Konsistorium der Kirchenprovinz Westfalen bekannt gibt, wurde der Hilfsprediger Albert Schäfer aus Gennebreck zum Pfarrer der Kirchengemeinde Holzwickede berufen.— Zu besetzen sind folgende Pfarrstellen: wegen anderweitiger Berufung des bisherigen Inhabers eine Pfarstelle der Kirchengemeinde Herringen(Krsgm. Hamm), wegen Uebertritts des bisherigen Inhabers in den Ruhestand eine Pfarrstelle der St. Marien=Kirchengemeinde in Dortmund und wegen Todes des bisherigen Inhabers eine Pfarstelle der Kirchengemeinde Bismarck(Krsgm. Gelsenkirchen). Lchiinnenentseenuug! Schwerte, 6. Sept. Wiederum kann die programmäßige Durchführung eines Brieftaubenpreisfluges am letzten Sonntag registriert werden. Diesmal erstreckte sich die Luftlinien=Flugentfernung auf etwa 175 Kilometer, die von den Reisetieren von Seelze bis Schwerte zurückgelegt werden mußte. Beteiligt waren insgesamt 1912 eingesetzte Tauben. In getrennter Konkurrenz wetteiferten diesmal 1022 Jungtiere um 205 Flugpreise und 890 Alttiere um 178 Flugpreise. Von dem Reisebegleiter war um 7,10 Uhr vormittags der Auflaß unter folgenden Witterungsverhältnissen bestens bewirkt worden: klar, leichter Südost. In der Heimat herrschte folgender Witterungscharakter vor: gute Sicht, bedeckt, kühler Südwestwind. Die Ankunft der ersten Preistaube(Jungtier) ab Seelze wurde um 10,20,10 Uhr gemeldet. Das wackere Tierchen hatte die Flugstrecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 934,2 Metern pro Minute zurückgelegt und traf im benachbarten Sommerberg ein. Das schnellste Alttier konstatierte um 10,22,06 Uhr ein Mitglied des Vereins„Heimatliebe“ Holzen. Die Preisverteilung war bereits um 10,45,24 Uhr für Tauben älteren Jahrganges und um 10,58,13 Uhr für 1934 er Jungtiere beendet. Nachstehend einen Auszug der ersten zehn Preisträger aus der Siegerliste: Junge Tauben: 1. Grüwe „Heimatliebe“ Sommerberg, 2. Thiemann„Heimatliebe“ Sommerberg, 3. Aug. Fiene„Heimatliebe“ Sommerberg, 4. Vorschütz„Auf zum Ruhrtal“ Schwerte, 5. Aug. Fiene„Heimtliebe“ Sommerberg, 6. Luke„Ruck=Zuck“ Schwerte, 7. Vogelsang„BTZV.“ Schwerte=Ost, 8. Pitzer „Auf zum Ruhrtal“ Schwerte, 9. Hoffmann „Blitz“ Schwerte, 10. Fr. Schmidt„Strebe vorwärts“ Schwerte. Alte Tauben: 1. Hörmann„Heimatliebe“, Holzen, 2. Winkhaus „Blitz“ Schwerte, 3. Blome„Vereinte Freunde" Holzen, 4. Aug. Schedel„Blitz“ Schwerte, 5. Ludw. Schedel„Blitz" Schwerte, 6. Möllmann „BTZV.“ Schwerte=Ost, 7. Plänker„Ueber Berg und Tal“ Wanne, 8. Rost„Heimatliebe“ Sommerberg, 9. Vieler„BTZV.“ Schwerte=Ost, 10. Kebekus„Heimattreu“ Schwerte. - Dreizehn Schwerter Hitlerjungen starteten heute früh 4 Uhr mit ihrem Unterbannführer auf dem Adolf=Hitler=Platz mit dem Wagen von Pierschke. Es stiegen auch die Teilnehmer des Schwerter Jungvolks ein. Die Fahrt führte zunächst bis Fröndenberg. Hier stand ein Sonderzug bereit, mit dem die Junggenossen zu dem großen Geschehen nach Nürnberg fuhren. . Eisenbahnfrauenverein. Am ersten Mittwoch im September hatte der rührige Eisenbahnfrauenverein Schwerte im Vereinslokal „Im Reiche des Wassers“ die erste Mitgliederversammlung nach den Ferien. Die Vereinsleiterin Frau Eucker hielt eine kurze Begrüßungsansprache, sodann referierte Reichsbahnbauoberinspektor Bote in seiner Eigenschaft als Beisitzer über Verbandszeitschriften. Es wurde bekanntgegeben, daß der Eisenbahnverein eine Winzerfahrt zum Drachenfels mit einem 1300 fassenden Sonderzug unternehmen wird. Im unterhaltenden Teil der Versammlung gab es viel zu hören und zu sehen. Die Schülerin Hinkelmann= Schwerte=Ost brachte sinnvoll das Gedicht„Das deutsche Mädchen“ zu Gehör. Frau Lichteiker rief als Tante„Julchen“ stürmische Heiterkeit hervor. Frau Engelmann mimte den„Kavalier“ in drastischer Art. Auch der Militärschwank„Die Soldaten Minna“ wurde von weiblichen Darstellern aufgeführt. Hier teilten sich Frau Lichteiker, Frau Stock, Frau Kramer und Fräulein Katthagen den verdienten Beifall. Aber Halt! Ein Herr war auch dabei, und zwar Herr Hartenfels. Nicht zu vergessen ist das Zwiegespräch der humoristisch begabten Mitglieder Frau Kramer und Frau Stock. Nach dem heiteren Teil wurde die Versammlung mit dem deutschen Nationallied geschlossen. Handwerk u. Einzelhandelsrolle Trotz wiederholter Veröffentlichung besteht in Handwerkskreisen immer noch Unklarheit darüber, ob ein Handwerker verpflichtet ist, der Aufforderung der Einzelhandelsvertretung der Industrie= und Handelskammer beizutreten, nachzukommen oder nicht. Die Grundlage für die Eintragung in die Einzelhandelsrolle der Industrie= und Handelskammer ist das Gesetz vom 28. 12. 33. Diesem Gesetz zur Folge kommt eine Zugehörigkeit zur Einzelhandelsvertretung(Eintragung in die Einzelhandelsrolle) sowie eine Beitragserhebung zu der Einzelhandelsvertretung für Personen, die in die Handwerksrolle eingetragen sind, nicht in Frage. Das gilt sowohl für Handwerker, die nur ihr Handwerk ausüben, als auch für solche, die neben ihrem Handwerk einen Handel mit nicht selbst hergestellten Erzeugnissen betreiben. In die Handwerksrolle eingetragene Handwerker gehören demnach auch dann nicht zur Einzelhandelsvertretung der Industrie= und Handelskammer, wenn ihr Betrieb ein gemischter ist. Erklärung Nachdem der Erlaß vom 15. Mai 1934 über die Erörterung kirchenpolitischer Dinge der evangelischen Kirche in der Presse zur Durchführung einer einheitlichen Regelung in den westlichen Provinzen des Staates aufgehoben worden ist, können wir wieder Berichte bringen, die sich mit kirchenpolitischen Dingen befassen. Jeder unsachlichen Polemik bei der Erörterung und Wiedergabe kirchenpolitischer Fragen wird jedoch in unserer Zeitung kein Raum gewährt. Die Schriftleitung. Schluß des redaktionellen Teils. Vereinsnachrichten Deutsches Rotes Kreuz. B. F. V.(Vaterl. Frauen=Verein). Der erste Arbeitsnachmittag findet kommenden Dienstag, den 11. Sept. um 15,30 Uhr bei Oberschelp statt. Im kommenden Winter werden unsere Aufgaben noch umfangreicher sein als bisher. Eine regelmäßige und große Beteiligung ist daher unbedingt notwendig. Ein gemeinsamer Ausflug soll 8 Tage nach dem Arbeitsnachmittag stattfinden. Alle, die teilnehmen wollen, müssen Dienstag, den 11. ds. erscheinen. Es wird dann Näheres bekanntgegeben. Westhosen Westhofen, 7. Sept. 90 Jahre alt. Heute vollendet Frau Mina Möhle in Westhofen, Nieverstraße 40, ihr 90. Lebensjahr.— Gestern wurde die Witwe Lina Viebahn, wohnhaft Schlageterstraße 14, 76 Jahre alt. Den Hochbetagten unsere herzlichen Glückwünsche. Westhosen, 7. Sept. Steuererhebung. Zur Erleichterung der Einzahlung der Steuern werden von der Amtskassenverwaltung folgende Hebetermine abgehalten:: Für Westhofen, Garenfeld und Wandhofen am 19. September, vormittags 9—12 Uhr, im Amtskassenlokal; für Villigst am 11. Sept., vormittags 10—10,30 Uhr bei Grave; für Lichtendorf am 12. Sept., vormittags 9—10 Uhr bei Wiemhoff; für Geisecke am 12. Sept., vormittags 10,30 Uhr bei Schulte=Höppe; für Holzen am 13. Sept., und zwar vormittags von 9—9,30 Uhr bei Prein, von 10—10,30 Uhr bei Eisenberg, und von 11 bis 12 Uhr bei Schneider. Ergste, 6. Sept. 81 Jahre alt. Gestern feierte in bester Gesundheit der Kaufmann Carl Lappe. Ruhrtalstraße, seinen 81. Geburtstag. Nachträglich herzliche Glückwünsche. Ergste, 7. Sept. Die täglichen Verkehrsunfälle. Ein Unfall ereignete sich auf der Provinzialstraße, Einmündung Ruhrtalstraße. Ein auswärtiger Motorradfahrer stieß bei der Einbiegung mit einer Radfahrerin zusammen. Während die Fahrzeuge beschädigt waren, kamen die Personen mit leichteren Verletzungen davon.— Ein weiterer Unfall ereignete sich auf der Schwerterstraße. Der Eisenbahner T. wurde von einem Radfahrer angefahren und zu Boden geworfen. Er erlitt nur Hautabschürfungen. Ergste, 7. Sept. Gutes Ergebnis der N SV.=Sammlung für„Mutter und Kind“. Die am Sonntag durchgeführte Sammlung für das Hilfswerk„Mutter und Kind“ hatte in den Gemeinden Ergste und Hennen folgendes Ergebnis: Listensammlung in der Gemeinde Ergste 166,60 Mk., Listensammlung in der Gemeinde Hennen 147,55 RM., zusammen 414,15 RM., Blumenverkauf in der Gemeinde Hennen 65,40 RM., Blumenverkauf in Ergste 44,80 RM., zusammen 110,20 RM., insgesamt 524,35 RM. Ergste, 7. Sept. Polizeibericht. Einem Bewohner, der bei dem Hohensyburgrennen Fahrräder zum Unterstellen angenommen hatte, wurde ein Fahrrad entwendet.— Gefunden wurde auf der Ruhrtalstraße eine braune Brieftasche mit Photographien und Papieren. Der Verlierer kann die Brieftasche bei der Polizei abholen.— Angehalten wurde im hiesigen Bezirk eine Person, die ein falsches Fünfmarkstück mit dem B 1931 in Verkehr brachte. Bürenbruch, 7. Sept. Verkehrsunfall. Der jugendliche Arbeiter Heinz Dunker befand sich mit seinem Fahrrad auf der abschüssigen Straße in Bürenbruch, als er die Gewalt über das Rad verlor. Der Fahrer kam zu Fall, wobei er heftig auf das Straßenpflaster aufschlug die Umter und Ergste und kurze Zeit besinnungslos liegen blieb. Außer Hautabschürfungen erlitt D. eine schwere Kopfverletzung. Hennen, 7. Sept. Goldene Hochzeit. Am gestrigen Tage feierten die Eheleute Wilhelm Römer und Frau Ida geb. Niggemann in Landhausen das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Gleichzeitig konnte Herrn Römer seinen 74. Geburtstag begehen. Den Jubilaren auch unseren herzlichen Glückwünsch! Hennen, 7. Sept. Die Amtsnebenstelle in Hennen bleibt in der Zeit vom 6. bis einschl. 12. September wegen Teilnahme einiger Sachbearbeiter am Reichsparteitag geschlossen. Aus dem Nachbargebiet Hörde, 7. Sept. Erweiterung des evangelischen Friedhofs. Bereits vor einigen Wochen teilte die„D. Z.“ mit, daß der evangelische Friedhof erweitert würde. Heute ist nun zu berichten, daß man mit dem Bau der Wege beschäftigt ist. Sobald diese Aufteilung beendet und die Wasserleitung nebst Becken fertiggestellt worden ist, wird der Friedhof eingeweiht, damit mit der Belegung begonnen werden kann. Hohenlimburg, 7. Sept. Die Jugendherberge auf dem Klippchen, die dort oben auf stolzer Vergeshöhe einem Schmuckkasten gleicht, hat im Verlauf dieses Jahres wieder so recht ihre Existenzberechtigung bewiesen, indem bis jetzt 11 000 Uebernachtungen verzeichnet werden konnten. Eine weitere Belebung erfährt der Betrieb nun im September, da die Schulungskurse wieder beginnen. Man bedenke, welche enorme Arbeit bei 11 000 Uebernachtungen und dem gewöhnlichen Tagesverkehr zu bewältigen ist, und doch ist es den allseits beliebten Herbergseltern gelungen, den Gang der Dinge zur vollen Zufriedenheit aller Besucher zu regeln. Schwelm, 7. Sept. Die Einwohnerzahl steigt. Im Monat August fand in Schwelm ein Zugang von 21 Personen statt, so daß die Einwohnerzahl auf 23 127 Personen stieg. Es fanden 21 Eheschließungen gegen 19 im Vormonat statt. Auch die Geburtenzahl stieg von 36 auf 38 im Monat August gegenüber Juli, die Zahl der Sterbefälle stieg allerdings ebenfalls, und zwar von 6 auf 12 Personen. Hattingen, 7. Sept. Am Geburtstag ertrunken. Der 20 Jahre alte Sohn des Lokomotivführers G. Krebs ertrank an seinem Geburtstag mit vier weiteren jungen Leuten in der Ostsee. Der Vater erhielt von dem Tod seines Sohnes telegraphische Nachricht. Soest, 6. Sept. Schwerers Verkehrsunglück. Auf dem Westenhellweg hinter dem Schützenhof kam es abends zu einem schweren und doppelten Unglück. An der genannten Stelle stießen zwei Personenwagen bei großer Fahrgeschwindigkeit zusammen. Beide Wagen schlugen schwer beschädigt um. Wie durch ein Wunder blieben die Insassen des einen Wagens unverletzt, während in dem anderen Wagen ein Rechtsanwalt Zaß aus Wuppertal schwere Kopfverletzungen erlitt. Schnell sammelte sich an dem Unglücksort eine größere Menschenmenge an. Die beiden Wagen versperrten die Straße, so daß auf beiden Seiten bald lange Wagenreihen auffuhren. Nun ereignete sich ein neues Unglück. Ein Wagen aus Soest, der die auf der Straße liegenden Autos übersehen hatte, fuhr, als er die Straßenversperrung im letzten Augenblick bemerkte, seitwärts in die Zuschauer hinein. Eine Frau Hellmers wurde dabei schwer verletzt. Vier weitere Personen erlitten leichtere Verletzungen. Außerdem wurden von diesem Wagen ein Motorrad und drei Fahrräder zertrümmert. Der Wagen selbst wurde leicht beschädigt. Die Polizei beschlagnahmte ihn. Rechtsanwalt Zaß und Frau Hellmers mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Du sollit kämpfen! Mit uns- fürs Volk! Werde Mitglied der NS.=Volkswohlfahrt. Arnsberg, 7. Sept. Aus dem Krankenhaus entflohen. Der im hiesigen Krankenhaus inhaftierte Hans Sawar ist in der gestrigen Nacht entflohen. Eine Krankenschwester machte zuletzt gegen 21 Uhr Besuch, ohne daß ihr bei S. Vorbereitungen zur Flucht aufgefallen waren. Morgens gegen 7 Uhr fand die Schwester die Tür von innen verschlossen. Nach gewaltsamer Oeffnung der Tür stellte man fest, daß S. durchs Fenster entflohen war, obwohl es über 15 Meter über der Erde liegt. Oedingen(Kr. Meschede), 6. Sept. Radiumquelle. Schon seit Jahren hat man sich aus einem in einem idyllischen Winkel zwischen Oedingen und Bracht der Erde entspringenden Quell das Wasser, dem im Volk Heilkraft zugeschrieben wird. Eine Untersuchung des Wassers hat ergeben, daß es radiumhaltig ist. Ein merkwürdiger Unglücksfall Gummersbach. Von einem merkwürdigen Unfall wurde ein 53jähriger Mann aus Jennecken und dessen Schwiegersohn betroffen. Beide hatten mit einem Ferntransportauto von WanneEickel Möbel abholen lassen. Auf der hinteren Wagenklappe hatte man das Sofa aufgestellt, auf dem der Schwiegersohn und der alte Herr Plätz genommen hatten. Unterwegs löste sich plötzlich die Verschnürung des Sofas und beide stürzten auf die Straße. Während der Schwiegersohn mit leichteren Verletzungen davonkam, ist der Schwiegervater kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus gestorben. Er hatte bei dem Sturz einen doppelten Schädelbruch und einen Wirbelriß davongetragen. Beim Obstpflücken verunglückt Solingen. In einem Garten an der Klingenstraße war ein noch rüstiger 75jähriger Anwohner mit Obstpflücken beschäftigt. Plötzlich brach einer der Aeste ab und der Mann stürzte aus drei Meter Höhe auf die Erde. Mit schweren Verletzungen wurde der Verunglückte dem Krankenhaus zugeführt; an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Blutige Auseinandersetzung unter Zigeunern Rheydt. Wegen einer blutigen Auseinandersetzung unter Zigeunern nahm die Polizei in Odenkirchen mehrere Verhaftungen vor. Dort wohnen in der Karlstraße seit einigen Jahren Zigenner, die als Korbflechter ihren Unterhalt bestreiten. Nach der Rückkehr eines aus dem Zuchthaus entlassenen jungen Mannes war es zu folgenschweren Streitigkeiten gekommen, bei denen er mit einem Messer so schwer verletzt wurde, daß er im Krankenhaus hoffnungslos darniederliegt. Den Messerstecher fand die Polizei unter einem Strohhaufen verborgen auf. Tragischer Tod eines vierundzwanzigjährigen jungen Mannes Leichlingen. Auf tragische Weise kam ein 24. jähriger junger Mann aus Roderbirken zu Tode. Der Verunglückte fuhr auf seinem Fahrrade freihändig die abschüssige Straße von Roderbirken nach Leichlingen hinab. In einer Kurve fuhr er auf den vorschriftsmäßig auf der rechten Seite der Straße fahrenden Wagen der Heilstätte Roderbirken auf. Der Radfahrer trug so schwere Verletzungen davon, daß sein Tod unmittelbar darauf eintrat. Das Unglück ist um so tragischer, als der auf so tragische Weise zu Tode gekommene junge Mann in der nächsten Woche beiraten wollte. Larien, VfB. Westhosen Bei der Ansetzung der Meisterschaftsspiele ist der VfB. Westhofen Sonntag noch spielfrei geblieben. Die Vereinsführung hat deshalb angeordnet, um die endgültige Auswahl der Spieler zu treffen, die den Verein in den Meisterschaftsspielen vertreten sollen. Sonntag ein Pflichtspiel 1. Mannschaft gegen Junioren, anzusetzen. 1. Mannschaft Grün=Weiß=Schwarz= Weiß, Junioren Blau=Weiß. Vorher spielt die Knaben gegen die 1. Knaben von Tus 06 Schwerte. Die Schwerter Knabenmannschaft verlor beide Spiele gegen die 1. Knabenmannschaft von Westhofen und gewann gegen die 2. Knaben, und nicht, wie irrtümlich gemeldet worden war, gegen die 1. Knaben. Die Spiele der beiderseitigen 1. Knabenmannschaften endeten einmal 3:1 und das Rückspiel 4:0 zu Gunsten Westhofens. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke, Schwerte=R. Verantwortlich für den gesamten Textteil: einz Friedrich Kamecke Schwerte=R. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D. A. VIII/34. 1675. Poddingpulver das Beste vom Besten mit Gutscheinen Nach Einsendung von 4% oder 40% überweisen wir Ihnen 50 Pfennig in bar portofrei Reese, Homela Shne Sritr Märsch Ein Roman aus den Kampfjahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 120. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Eine Taxe brachte sie zum„Hängeboden.“ Hier wurde Deutschlands größter Kellner in Augenschein genommen. Schelmisch äugelte Blasero zum Großen hinauf.„Kollege“, sagte er, das linke Auge auf seine eigenartige Weise zusammenkneifend,„ich glaube, wir beide Hand in Hand, das wäre eine Nummer!“ Der Kellner, der dreimal so groß war wie Blasero, stellte sich breitbeinig hin:„Komm, Kleiner, schreite durch die Ehrenpforte!“ Blasero tat es, die Gäste schüttelten sich vor Lachen. Als Stüwen mit ihm nach einer halben Stunde das Lokal verließ, fragte Blasero mit ernstem Aufblick:„Herr Redakteur, wollen Sie nicht mein Manager werden?“ „Aber das geht doch nicht so ohne weiteres, Herr Blasero!“ sagte Stüwen lächelnd. „Wieso denn nicht? Als Mann der werden Sie mein Presse= und Propagandachef, Sie lernen die weite, wilde Welt kennen—— Haben Sie denn in Teutowalde etwas zu verlieren? Wollen Sie warten, bis Sie Ihre Freiheitsstrafen antreten müssen?" Der Kleine sprudelte die Sätze hervor. Stüwen wehrte ab.„Ich habe doch meine Pflichten! Wenn ich hier alles im Stich lassen würde, sähe es wie Fahnenflucht aus. Wir stehen doch im Vorkampf———“ „Ich lasse Ihnen Zeit, sich die Sache zu überlegen, Herr Stüwen. Wir können auch zusammen auftreten, falls Ihnen die Rolle eines Managers nicht behagt. Jeder Mensch hat ein gewisses Geltungsbedürfnis, nicht wahr? Ich habe den Eindruck, Sie wirken auch ganz gern nach außen... Ich könnte Sie zum Beispiel als Zauberer ausbilden lassen... Wenn meine Frau von ihrer deutschen Tournee zurückkommt, machen wir eine gemeinsame Sache. Oder lockt Sie die Welt nicht? Australien, Amerika, Japan——?“ „Das schon, aber es gibt doch———“ „Ich merke schon, Sie sind irgendwie gebunden——— an einen lieben Menschen, nicht wahr? Aber Ihre Braut kann doch mitmachen! Ist sie hübsch? Ist sie musikalisch? Ist sie tänzerisch veranlagt? Kann sie singen? Hat sie ein gutes Gedächtnis? Ist sie irgendwie sportlich auf der Höhe?“ „Ihre Fragen könnte ich zwar alle mit„Ja' beantworten, aber——“ Wähend des Sprechens hatten sie eine neue Taxe erreicht.„Zentralhalle", befahl Blasero. Stüwen winkte ab. „Ist nichts, was? Also dann Teutowalder Hof!“ Der Wirt kam sofort auf Stüwen und Blasero zu.„Ach sieh da. Herr Stüwen! Und Mister Blasero! Treten Sie näher, meine Herren! Heute ist in meiner Diele keine dicke Luft. Ach, das Volk beruhigt sich auch wieder—— Ueber alles wächst Gras——“ Stüwen verzog den Mund.„Das Gericht arbeitet jetzt ganz im Sinne der Leute, die ich bekämpft habe.“ „Auch das geht vorüber! Uebrigens, Herr Stüwen, Ihre Bekannten aus Ostpreußen sind wieder da— ein nettes Völkchen da drinnen!" Kaluddrigkeit eilte den Eintretenden entgegen und lotste sie an seinen Tisch. Seine Frau streckte Stüwen ihre kleine Hand hin. Er nahm die dargebotene Rechte, hob sie langsam empor und küßte sie. Ueber ihr Gesicht ging eine leichte Bewegung. Klaus spürte, daß eine Erschütterung durch seinen Körper ging. Denn er fand die Züge dieses Frauenantlitzes noch überaschender, fast erschreckend schön erschienen ihm die großen Augen mit den langen Wimpern. Als Stüwen seinen neuen Begleiter vorstellte, lachte sie wohlwollend. Blasero wurde nicht verlegen.„Schöne Frau“, sagte er geschmeidig,„Amerika würde Ihnen zu Füßen liegen——. Sie sind der Typ der neuen Zeit——. Mein neuer Manager, Chefredakteur Stüwen, wird Sie nebst ihrem Herrn Gemahl für drüben engagieren——“ „Sie scherzen, Herr Blasero.“ Ich habe lange mit Puppen gespielt, meine größte Puppe reichte fast an Ihre Größe heran——“. Sie lachte sehr hell für ihre dunkle Stimme. „Oh, ich lasse nicht mit mir spielen! Aber trotzdem würde ich gern Ihr Spielzeug sein, wenn ich nicht verheiratet wäre——“ Die Ostpreußin zeigte ihre schönen Zähne. „Sie haben eine Frau——?“ „Denken Sie, unsereiner kriegt keine Frau? Ich hatte zehn Mädchen an der Hand, an jedem Finger eine, jawohl! Melita habe ich am 5. April 1929 in Amerika geheiratet. Es war eine Theaterhochzeit, an der sechstausend Gäste teilnahmen. Wir wurden auf der Bühne getraut, aber es ging feierlich zu wie in einer Kirche. Sie können sich in Amerika mit Ihrem Herrn Gemahl getrost noch einmal verheiraten, dann gibts vielleicht noch eine größere Hochzeit. Aufmachung muß natürlich da sein. Mein Frack hat zum Beispiel hundertzwanzig Dollar gekostet. Das Kostüm meiner Braut, von Youthsul Fashion, dem besten Schneider Neuyorks gearbeitet, kostete das Doppelte. Der Trauring meiner Frau besteht aus Platin, mit Orangeblüten verziert——. Wenn Sie nach Siam kommen, gnädige Frau, werden Sie vom Thronfolger unter Garantie ganz in Gold gesaßt——“ Stüwen kam gar nicht mehr zu Wort. Der Kleine planderte mit einer Liebenswürdigkeit, daß ihm die schöne Frau gespannt zuhörte. Stüwen ertappte sich sogar bei einer kleinen Eisersucht. Er konnte den Blick nicht von der Frau wenden. Sie trug ein schwarzes ärmelloses Kleid. Aus einem tiefen Ausschnitt leuchtete der weiße Hals. Und weiß schimmerten auch die Arme——. Das Rot des vollen Mundes war fast noch lockender als am ersten Abend. Blasero bestellte wieder Whisky. Dann fuhr er mit beschwingter Stimme fort:„Seit elf Jahren feiere ich zum ersten Mal wieder bei meinen Eltern Weihnachten. Es ist schön zu Hause. Aber im Februar geht die Reise wieder los. Bis dahin hat meine Frau ihre Tournee absolviert, bis dahin habe ich auch eine neue Truppe zusammengestellt, eine Truppe, die sich sehen lassen kann, Große und Kleine,—— Nicht wahr, schöne Frau, Sie können doch tanzen? Das Figürchen haben Sie jedenfalls dazu, musikalisch sind Sie auch, wie ich an Ihrer Stirn sehe, über Energie verfügen Sie auch, sagt mir Ihr festes Kinn, Ihre dunkle Altstimme ist schon Musik beim bloßen Sprechen——“ Wieder lachte die Frau aus Masurenland. „Aber, Herr Blasero! Sie sind ein Schelm!“ „Nein, nein, ich habe einen Blick dafür.— Ich bin doch schon zwanzig Jahre Artist, also so lange Sie auf der Welt sind, stehe ich auf den Brettern, in der Arena—— Ich sehe die Dinge, wie sie sind, und überlege mir schon, was sich daraus machen läßt—— Und Sie, Herr Karl Luddrigkeit, nicht wahr, so war doch Ihr Name——?“ Der Ostpreuße lacht hell auf.„In eins, bitte: Kaluddrigkeit!" „Also, Herr Kaluddrigkeit, Sie werden nicht nur der Begleiter und Hüter Ihrer höchst— verzeihen Sie!— höchst begehrenswerten Frau sein. Sie werden in unserem Varietee=Programm eine besondere Nummer. Sie behertschen die ostpreußische Mundart.— Sie könnten zum Veispiel als Dialektkomiker auftreten—“ Fortsetzung folgt. Betrachtungen über die Feuerschutzwoche in der Zeit vom 17. bis 23. September 1934. Er lebt noch immer, der Zeitgenosse, der es für dringend notwendig hält, beim Spaziergang im Walde Zigaretten zu rauchen. Er lebt noch immer und wirft noch immer seine Zündhölzer elegant irgendwohin ins Gras, gleichgültig, was daraus werden mag. Er streift immer noch auch dann mit großartiger Geste die Asche seiner Zigarette ab, wenn er auf somherheiß dürrem, strohtrockenem Grasboden steht, und seine Pfeife klopft er offenbar mit besonderer Vorliebe dort aus, wo altes Laub, Nadeln und ähnliches in dichten Lagen den Boden bedeckt. Aber man braucht ja gar nicht mal diese Leute draußen im Freien, im Walde zu suchen. Ueberall in Dorf und Stadt, zu Hause, im Betrieb, überall findet man sie. Wenn man sich klarmacht, daß das furchtbare Brandunglück von Oeschelsbronn, das reihenweise 200 Häuser einer unserer schönsten altdeutschen Städtchen in Schutt und Asche sinken ließ, einem achtlos ausgeklopften Pfeifenkopf zu verdanken war, so hat man wohl einen genügend großen Maßstab für die Bewertung solcher Leichtfertigkeiten. Es hat keinen Sinn, hier in langer Reihe alle jenen großen und kleinen Dinge aufzuzählen, aus denen sich Brandkatastrophen entwickeln können. Es kommt auch gar nicht darauf an, daß jeder weiß, wie und wann und wo es brennen könnte. Es kommt darauf an, und das sei hier besonders hervorgehoben, daß jeder, aber auch jeder sich dauernd seiner Pflicht bewußt bleibt, selbst mit hellen aufmerksamen Sinnen zu sehen, zu empfinden, wo Feuersgefahr droht, daß selbst jeder lernt, sein Verhalten danach einzurichten. Es ist zwecklos, und das soll hier ausdrücklich gesagt sein, wo der oder jener bereits durch Unachtsamkeit gegen die primitivsten Grundtatsachen des Feuerschutzes verstoßen hat. Jeder fange bei sich selber an, denke darüber nach, wieviel gottlob harmlos verlaufene Unachtsamkeiten er selbst schon sich hat zuschulden kommen lassen. Reißt Euch zusammen, haltet Disziplin, sorgt in erster Linie bei Euch selbst, daß keiner mehr auch nur im geringsten durch derartiges Tun oder Unterlassen der Volksgemeinschaft Schaden zufüge. Ueberall, im Betrieb bei der Arbeit, wie auch zu Hause am Feierabend oder draußen im Wochenende beim Vergnügen, kann man praktische Verhütungsarbeit leisten. Und das ist auch ein Stück echten sozialen Tuns. Denn Feuer verhüten heißt dem deutschen Volke Millionenverluste ersparen und das wieder heißt, Geld und Raum zu schaffen, um Hunderttausende von arbeitslosen Volksgenossen in Brot und Verdienst zu bringen. Denkt noch daran, daß jedes Jahr eine halbe Milliarde Brandverluste zu buchen sind, mit denen sich doch gewiß sehr viel anfangen ließe zur Linderung mancher noch immer bestehenden Not. Glaubt nicht, daß alles mit der Versicherung erledigt sei! Das Geld, das die Versicherung zahlt, muß anderswoher wieder genommen werden. Für die gesamte Volkswirtschaft bleibt der Verlust ja doch gleich groß und daher hat jeder die Pflicht, alles daran zu setzen, um Feuergefahren zu meiden. Er soll schon in seinem täglichen Leben zu Hause sich an Sorgfalt gewöhnen, etwa die so verhängnisvolle Zigarettenasche nicht in den Papierkorb, sondern in den Aschenbecher abzustreifen. Er soll, wenn er irgendein Kraftfahrzeug besitzt oder sonst damit zu tun hat, daran denken, daß Benzin oder Oel feuergefährliche Dinge sind. Aber wie oft sieht man immer noch Menschen, die jeder Schadenverhütung und Belehrung zum Trotz mit der Zigarre zwischen den Zähnen an Tankstellen herumhantieren, und in jedem Betriebe kann man immer wieder Fälle feststellen, bei denen die handgreiflichsten Vorsichtsmaßregeln beim Umgang mit derartigen Dingen vollkommen außer acht gelassen werden. Nun ist es aber damit, daß jeder seiner Pflicht, seiner Verantwortlichkeit sich bewußt bleibt, für sich und seinem Besitz jede Gefahr zu meiden, noch keineswegs getan. Man muß sich stets vor Augen halten, daß man schließlich ja auch noch Mitmenschen hat. Auch diese haben allen Anspruch darauf, ihrerseits mit ihrem Hab und Gut nicht leichtfertig einer Brandgefahr ausgesetzt zu werden. Der Kampf gegen die Brandseuche ist also letzten Endes nichts weiter als ein steter unausgesetzter Kampf gegen einen der tückischsten Feinde in unserer eigenen Gemeinschaft, gegen menschlichen Leichtsinn und Gedankenlosigkeit, gegen Mangel an Verantwortungsbewußtsein und Gemeinschaftssinn, alles Eigenschaften, die stets und immer die letzten Ursachen von Brandkatastrophen darstellen. Denn nicht etwa die sogen.„unglückliche Verkettung von Umständen“ pflegt es zu sein, sondern irgendeine unbedachte Handlung, ein nicht ganz klar beherrschter Augenblick vielleicht nur, aber doch eben ein menschliches Tun, das wie allez menschliche Wandeln von einem festen entschlossenen Willen aus gelenkt werden kann ind daher auch vermeidbar ist. Bedenkt, daß Ihr ja nicht nur materiellen Schaden stiftet, sondern daß jeder Brandsall ja womöglich auch Menschenleben und Gesundheit gefährdet. Jährlich hat Deutschland Tausende von Toten und noch unendlich mehr Verletzte zu beklagen, von denen mancher nur darum Leben und Gesundheit verlor, weil er als Feuerwehrmann, als Helfer in der Not einsprang, nachdem ein anderer verschuldeterweise einen Gefahrenzustand heraufbeschworen hatte. Solche Vorfälle sind in einem nationalsozialistischen Staate unhaltbar, es geht nicht an, daß sich die einen aus Idealismus opfern, während die anderen ihren zerstörenden Schlendrian sortietzen; jeder hat die Pflicht, einzutreten in den Kampf gegen die Gefahr, und jeder kann hier Kämpfer sein, gleichgültig ob Mann oder Frau, alt oder jung. Es gibt gewiß keine bessere Schule für den Charakter, als das bewußte Denken im Gemeinschaftssinn und den stets bereiten Kampf gegen die Gefahren, die dieser Gemeinschaft drohen; daher folgt alle der Parole, die an das soziale Gewissen des ganzen Volkes gerichtet ist: „Brandschaden ist Landschaden“. „Kampf der Feuersgefahr". NSDAP., Gau Westfalen=Süd Amt für Volkswohlfahrt — Sonderabteilung Schadenverhütung. Der Pressewart und langjährige Schiedsrichter Rud. Bürger, Wandhofen, schreibt diesmal folgendes: Voraussetzungen für das Schiedsrichteramt! Um Anerkennung zu finden, muß der junge Schiedsrichter bzw. Anwärter eine Menge guter Eigenschaften mitbringen, so soll er allen Anforderungen, die sein schweres Amt an ihn stellt, genügen. Mit kluger Absicht haben die Regeln nur eine Person bestimmt, die leiten und entscheiden soll und dessen Handlungen unanfechtbar sind. Spieler und Zuschauer sind seinen Anforderungen unterworfen, und der Platzverein hat sich ihm vollständig zur Verfügung zu stellen. Wen man nun aber mit solchen Befugnissen ausstattet, von dem darf man auch füglich verlangen, daß er ihrer würdig ist, daß er eine Autorität ist, denn nur von einer solchen übernehmen wir kritiklos Ansichten und Entscheidungen. Dieses Ansehen sich zu erwerben, diesen Einfluß auf Spieler und Zuschauer ausüben zu können, ist nicht ohne weiteres jedem Sterblichen gegeben. Der eine besitzt diese Fähigkeit vermöge seiner Eigenschaften als Mensch und sie ergibt sich aus seinem ganzen Wesen. Der andere muß sie sich in harter Arbeit erringen durch peinlich genaue Pflichterfüllung dadurch, daß er in jedem Fall sein ganzen Wissen und Können einsetzt und immer nach bestem Gewissen handelt. Im allgemeinen wird es dem ehemaligen aktiven Spieler, namentlich solchen mit großen Namen, leichter fallen, den nötigen Einfluß ausüben zu können. Er wird seine Regelkenntnisse besser anzuwenden verstehen als der, der nur in der Theorie gut beschlagen ist, aber keine spielerische Erfahrung hat. Das will natürlich nicht heißen, daß nur ehemalige Spieler gute Schiedsrichter abgeben. Außer auf die theoretischen Kenntnisse und die praktische Erfahrung kommt es doch hauptsächlich auf die Charaktereigenschaften, wie Menschenkenntnis, Takt im Verkehr mit Spielern und Zuschauern, Unanfechtbarkeit, Sachlichkeit usw. an, und ferner gehört auch die gute Kinderstube zu der notwendigen Ausrüstung des Schiedsrichters. Und es gibt Menschen, denen die Natur die Gabe, zu leiten, zu entscheiden, wie ein Geschenk in den Schoß geworfen hat, die darum auch imstande sein werden, ohne spielerisch tätig gewesen zu sein, die Theorie in die Praxis hinüberzunehmen und gute Schiedsrichter abzugeben. Die Schiedsrichter, die den Wert der Autorität erkannt haben, werden bestrebt sein, sich dieser würdig zu erweisen, indem sie unablässig an sich arbeiten und sich zu vervollkommen suchen. Sie werden immer ihr Bestes zu leisten versuchen durch gewissenhafte Vorbereitung. Ihnen wird es auch nicht zuviel sein, immer wieder die Regeln und Vorschriften usw. zu studieren, denn keiner— und wäre er noch so alt und erfahren— kann von sich behaupten, er könne alles. Je tiefer man in die Sache eindringt, desto mehr Fragen ergeben sich, um so klarer wird aber auch der Sinn und Zweck derselben. Er wird aber auch beständig dafür besorgt sein, daß seine körperliche Leistungsfähigkeit den Anforderungen entspricht, denn am meisten spricht für den Schiedsrichter, wenn er stets da ist, wo eine Entscheidung gefällt werden muß. Dazu gehört eine oft unterschätzte Schnelligkeit und Ausdauer, und die Kritik, die auf die Tatsache hinweist, daß Schiedsrichter oft nach einer guten ersten halben Stunde immer schlechter werden, infolge mangelnder körperlicher Leistungsfähigkeit, ist nur zu berechtigt. Buchstäblich kann natürlich die Forderung, stets am Ball zu sein, nicht erfüllt werden, aber vermöge feinster Kenntnis der Spielweise, die dem einen im Blute liegt, vom andern aber nur durch lange Uebung und Erfahrung erworben wird, wobei natürlich der frühere Spieler den Vorteil hat, gelingt es doch, sich so zu stellen, daß man immer dann am Ball ist, wenn es nötig ist, wenn etwas passiert. Man wird mit der Zeit soweit kommen, die einzelnen Phasen des Spieles vorauszusehen. Bei Unterbrechungen, hohen oder weiten Bällen findet man immer wieder Gelegenheit, schon bestehende Abseitsstellungen wahrzunehmen oder solche Spieler zu beobachten, die in Gefahr sind, abseits zu geraten, und sich daraufhin so aufstellen, daß die entsprechenden Entscheidungen mit Sicherheit gegeben werden können. Auch rein äußerlich muß der Schiedsrichter schon durch sein ganzes Auftreten Respekt einflößen, indem er in zweckentsprechender Kleidung antritt. Gewissermaßen soll ihm die Kleidung eine Sonderstellung geben und ermöglichen, daß er den Anforderungen des Spieles ohne Schwierigkeiten nachkommen kann und ihn nicht veranlassen, jedem Schmutzfleck und jeder Pfütze sorgfältig auszuweichen und unterdessen das Spiel Spiel sein zu lassen. Aus dem darf man natürlich nicht ableiten, daß der Schiedsrichter nun die Hauptperson auf dem Platze sei. Nein, der ist der Beste, der sein ganzes Tun und Handeln so unauffällig als möglich gestaltet, von dem man am wenigsten merkt, der aber immer dort ist, wo etwas geschieht, wo er nötig ist. Ein Schiedsrichter, der sich die Autorität und das Vertrauen einmal erworben hat, der mit einem Wort ein vorbildlicher Sportsmann ist, wird immer mehr dazu kommen, über der Sache zu stehen. Er wird sich nicht mehr pedantisch genau an die Regeln und Vorschriften klammern müssen, sondern er sieht sich die Leute an, und kann je nach Charaktereigenschaften und Umständen derselben von Fall zu Fall entscheiden, ohne in den Geruch der Parteilichkeit zu kommen. Er wird dem Spiel ein großzügiger Führer sein, der aus menschlichen Empfinden zum Zwecke der Erziehung durch den Sport leitet, und jeder wahre Sportsmann wird das begrüßen und sich freuen, wenn er Gelegenheit findet, solchen Männern zu begegnen. Lernen wir im Sport im andern immer den Sportsmann zu suchen und zu achten, nicht bloß den Gegner zu sehen, so wird es auch möglich sein, diese Denkweise auf das tägliche Leben zu übertragen und im Nächsten immer den Mitmenschen zu schätzen. Wenn wir den Sport in diesem weiteren Sinne auffassen und nicht bloß als rein körperliche Ertüchtigung, so wünschenswert diese auch ist, dann sind wir auf dem rechten Wege. berauben könne, ist mit größter Vorsicht aufzunehmen. Die Pilzvergiftungen von Castrop sind ein warnendes Beispiel für alle, die in der Verwendung von Pilzen Leichtfertigkeit walten lassen. „hör mit mir“ Je größer die Not, umso größer unser Trotz und unsere Entschlossenheit. Diese Worte sprach der Führer und Reichskanzler bei der Saarkundgebung in Koblenz, von der wir eine Reihe interessanter Augenblicksaufnahmen in der neuen Nummer von — hör mit mir— bringen: Unabsehbare Menschenmassen strömten herbei, die in den Sonderzügen in Koblenz eingetroffen waren und lauschten der Rede des Führers. Bergleute von der Saar sehen Sie in ihrer charakteristischen Tracht auf einem anderen Bild ihr Mittagsmahl einnehmen.— In der langen Reihe der nationalen Feiertage ist das nächste Glied der Reichsparteitag in Nürnberg. Bilder von der mittelalterlichen Stadt, in der die Vorbereitungen für die ereignisreichen Wochen getroffen wurden, u. Bilder von dem Parteitag 1933 beleben die Vorstellung der Daheimgebliebenen, die den Reichsparteitag am Rundfunk verfolgen.— Vom Herbst in seinen leuchtenden Farben und seinen geheimnisvollen Nebeln vermag sogar die Kamera Eindrücke festzuhalten. Halali, die Jagd geht auf: Der Jäger steht auf dem Anstand und wartet Abend für Abend auf den Bock.— In dieser Woche können wir wieder zahlreiche Gedenkstunden für große, verstorbene Deutsche illustrieren. Sie sehen Ullrich von Hutten den Kämpfer für seinen Glauben, Friedrich von Schiller nach einer zeitgenössischen Radierung und Heinrich von Treitschke, den großen deutschen Geschichtsforscher zu seinem 100. Geburtstag.— Die Frauenseite ist in dieser Woche unseren Allerkleinsten gewidmet. Sie tummeln sich in ihrem Laufstall und Bettchen und sütt rn auf einem anderen Bild ihre Tieraltersgenossen. Die neue Saison bringt neue Modemodelle.— Auf der Filmseite zeigt sich Jenny Jugo als Pechmarie in dem gleichnamigen Fox=Film, und die Ufa stellt Szenen aus ihren neuen Filmen„Der junge Baron Neuhaus" und„Wo ist das Glück“ vor.— Nun können wir Ihnen auch die Gewinner im Rundfunksprecherwettbewerb nennen. Die Reichsrundfunkgesellschaft gibt sie gleichzeitig mit einer interessanten Schilderung des Wettbewerbes bekannt. Die Kritik beschäftigt sich ausführlich mit der jungen Nation, die bei Frankfurt ihr Zeltlager aufgeschlagen hatte und anläßlich ihrer Tagung auch zahlreiche Darbietungen im Rundfunk brachte. Vom Funkdoktor können sie lernen, wie man sich selber eine Eichkurve für sein Rundfunkgerät macht.— Die pointenreichen Geschichten von Jo Hanns Rösler werden Ihnen viel Freude machen. Er ist Ihnen gewiß kein Unbekannter. Anregend und schön zeigt sich auch in dieser Woche wieder die neue Nummer— hör mit mir—. Vorsicht beim Pilze=Essen In Castrop=Rauxel erkrankten, wie gemeldet, zahlreiche Personen an Pilzvergiftung. Zwei Kinder sind inzwischen gestorben. 14 Schwerkranke befinden sich noch im Krankenhaus. Im„Bochumer Anzeiger“ wird dazu gesagt: Um Pilzvergiftungen zu vermeiden, sind hinreichende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Damit,daß man die als giftig erkannten Pilze verachtungsvoll stehen läßt, ist doch gar nichts zur Vermeidung der Pilzvergiftung getan. Das Pilzgift kann auch im guten Pilz enthalten, wenn der nicht mehr ganz frisch ist. Erstes Gebot für alle Pilzsucher ist es, nur Pilze heimzutragen, die sie unbedingt kennen; zweites Gebot: nur solche zu wählen, die wirklich frisch und gut sind. Auch passionierte Pilzsucher fallen manchmal noch den Irrtümern zum Opfer, die von den vielen einander wie aufs Haar gleichenden Gift= und Speisepilzen heraufbeschworen werden. Darum ist es immer empfehlenswert, die selbstgesammelten Pilze auch bei größter Kenntnis noch einen zweiten Pilzkenner vorzulegen. Einander besonders ähnlich sind folgende in deutschen Wäldern und Wiesen wachsende Pilze: Steinpilz(eßbar) u. Satanspilz(giftig); Feldchampignon(eßbar) und Fliegenpilz(giftig); Pfifferling— auch Gelbschwärchen genannt—(eßbar) und SchwefelRitterpilz, der nicht gerade giftig, aber ungenießbar ist; Fichtenreizker(eßbar) und Birkenreizker— oder„falscher Reizker)(ungenießbar) Der Knollenblätterschwamm ist wohl der weitest verbreitete der Giftpilze.In Form und Farbe ähnelt er dem Champignon. Das Hauptunterscheidungsmerkmal vom Champignon sitzt mit dem„Knolle“, von der er ja den Namen hat, am unteren Ende des Stieles. Andere Giftpilze, vor denen man sich ebenfalls sehr zu hüten hat, sind: Pantherpilz, Stockpilz, Speitäubling, Dickfuß. Die Meinung, daß jeder Giftpilz nur bedingt giftig sei und daß man ihn durch Auslaugen und ähnliches Verfahren seines Giftes Rundfunk=Programm Samstag, den 8. September 1934. 5.30 Morgenruf. Anschließend: Frühkonzert. 5.05 Leibesübungen. 5.25 Morgenkonzert. 5.50 Morgenruf, Zeit, Wetter, Nachrichten. 3.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 3.05 Frauenturnen. 3.20 Blumen im Heim. 9.45 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 9.45 Umschaltpause. 0.00 Von München Reichssendung: HI=Kundgebung aus dem Stadion in Nürnberg. .30 Der Führer spricht. Anschließend v. Köln: Musik am Mittag. 2.45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 3.00 Kölner Komponisten. 3.45 Zweite Mittagsmeldungen. 4.00 Wochenendkonzert auf Schallplatten. 14.45 Kleines Kunterbunt. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.45 Arbeitsbeschaffungsfront. 16.00 Frisch gespielt und froh gesungen. 17.00 Rheinische Heimatmuseen erzählen. 17.15 HJ. singt und musiziert. 17.45 Zeitwende. 18.00 Volk erzählt. 18.20 Aus der Praxis der Angestelltenversicherung. 18.55 Umschaltpause. 19.00 Von München Reichssendung: Ausschnitte aus dem Volksfest im Stadiongelände von der NS=Gemeinschaft Kraft durch Freude und von den„Hans=SachsSpielen" im Waldtheater. 19.30 Tanzmusik. 20.00 Erste Abendmeldungen und SaarUmschau. 20.15 Fortsetzung der Tanzmusik. 20.30 Vom Deutschlandsender: Pfeif auf alle Sorgen. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.15 Umschaltpause. 22.20 Von München Reichssendung: Zeitfunk aus Nürnberg. 22.40 Für den Deutschlandsender u. Frankfurt ab 23.00—1.60: das Ueberbrettl. Jamilientragödie vor Gericht Bielefeld. In der Nacht zum 14. Februar ds. Is. spielte sich in der ländlichen Gemeinde Brönninghausen bei Bielefeld ein entsetzliches Famimiliendrama ab. Die Ehefrau Auguste Kelle tötete ihren Mann und ihre 15jährige Tochter durch Hiebe mit der Axt und Schnitte mit einem Messer. Nach der furchtbaren Tat irrte die Frau eine Zeitlang auf der Landstraße umher, bis sie schließlich von Polizeibeamten aufgegriffen und in Sicherheit gebracht wurde. Schon bei der ersten Vernehmung ergab sich, daß die Frau die Tat in einem Zustand geistiger Umnachtung begangen haben mußte. Diese Annahme wurde bestätigt durch die Beobachtung der Frau in der Heil= und Pflegeanstalt Hütersloh. Nachdem einwandfrei feststand, daß die Frau strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte, wurde von der Großen Strafkammer des Landgerichtes Bielefeld das Verfahren eröffnet mit dem Ziele auf Unterbringung in eine Heil= und Pflegeanstalt. Die Grundlage für dieses Verfahren bildet die Ergänzung des Strafgesetzbuches vom 1. November 1933. Das Strafverfahren wurde in Abwesenheit der Beschuldigten durchgeführt, da das Gericht die protokollarischen Vernehmungen als ausreichend ansah. Das Gericht beschloß nach korzer Beratung die Unterbringung der Frau in eine Heil= und Pflegeanstalt, da die Beschuldigte wegen ihres Geisteszustandes eine Gefährdung der Oeffentlichkeit bedeute. Vom Tanz in den Tod Münster. Der Kriegerverein Münsterland veranstaltete im geräumigen Saale Meyer sein diesjähriges Sommerfest. Kaum hatte die Musikkapelle zum ersten Tanz aufgespielt, da erlitt eine Frau Ammertmann, die mit ihrem Gatten einmal im Saal rund gekommen war, einen Schlaganfall und sank ihrem Gatten leblos in die Arme. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Veranstaltung wurde sofort abgebrochen. Vom Lastzug erfaßt und getötet Hervest=Dorsten. An der Kreuzung Halterner und Wulfener Straße wurde der Bergmann Fritz Barzik aus Gelsenkirchen von einem Berliner Transportzug angefahren und tödlich verletzt. Barzik kam mit seinem Fahrrad die Wulfener Straße herauf und wollte an der genannten Kreuzung die Fahrtrichtung ändern. In diesem Augenblick näherte sich der Lastzug, dessen Führer noch im letzten Moment die Wagen zur Seite lenkte. B. wurde aber doch noch erfaßt und in den Straßengraben geschleudert, wo er mit schweren Kopfverletzungen tot liegen blieb. 75 Jahre Handwerksmeister Westerholt. Am Mittwoch wurde Schreinermeister Hermann Rottmann— Opa Rottmann genannt— der älteste Bürger Westerholts und vermutlich der älteste Handwerksmeister des Vestes überhaupt, 94 Jahre alt. Vor nahezu 80 Jahren trat Meister Rottmann als Lehrling in einer Schreinerwerkstatt ein. Sein Handwerk als Meister übt er nunmehr ungefähr 75 Jahre aus. Den Tod im Kanal gesucht Herne. An der Brücke an der Pöppinghausener Straße wurde eine männliche Leiche aus dem Rhein=Herne=Kanal gelandet. Wie die Feststellungen ergaben, handelt es sich bei dem Toten um einen 25jährigen Mann aus Herne. Es liegt Freitod vor. 12. Westfälischer Schachkongreß Siegen. Von den Hängepartien der ersten Runde des Meisterturniers wurde die Partie Seitz— Skowronek von dem Anziehenden gewonnen. Ebenfalls gewann Ernst gegen Gödde und Klein gegen Petri. In der zweiten Gruppe führte Hermann I seinen Mehrbauern zum Siege. In der dritten Gruppe gewann Lechtenberg gegen Tamm. Zweite Runde: In der zweiten Runde der Siegergruppe gewann Nordmann nach feinem positionellen Spiel gegen Petri. Skowronek hatte gegen Klein im Endspiel zwei Mehrbauern und gewann trotz zäher Verteidigung des Nachziehenden. Einen recht interessanten und forschen Kampf lieferten sich Gödde und Seitz. Seitz, der durch ein Läuferopfer zum Angriff zu kommen glaubte, drang nicht durch und mußte bald mehr und mehr die Spielführung an Gödde abgeben, der bald in weiteren Figurenvorteil kam und den Gegner zur Aufgabe zwang. Wessel kam gegen Ernst in ein aussichtsloses Endspiel und gab auf. Hermann II und Rogmann spielten unentschieden. In der zweiten Gruppe überspielte Schüßler seinen Gegner Schulte völlig und siegte überlegen. Ueberraschenderweise mußte Hermann I an Alsen den Punkt abgeben. Es siegten ferner Brale über Müller, Broscheit über Strehl und Sundarp über Mues. In der dritten Gruppe gewannen Wiekowiak gegen Schrickler, Rupschus gegen Hain, Tamm gegen Baer und Jürgens gezen Lechtenberg. Mit dem Trecker ins Schaufenster Mülheim=Ruhr. Am Mittwoch geriet an der Ecke Mühlenberg und Schloßstraße ein Trecker mit vier Kirmeswagen, die von der Speldorfer Kirmes kamen, infolge der Straßennässe ins Schleudern. Der hinter dem Trecker fahrende Wagen riß sich los, setzte sich quer über die Straße Von Provinzkonservator Dr. Rave Münster. Das Urteil der Gegenwart über die Baukunst des 19. Jahrhunderts lautet durchweg vernichtend. In Bausch und Bogen wird alles verdammt, was— zum wenigsten seit Schinkel— in Deutschland geschaffen worden ist. Und doch war das künstlerische Schaffen dieser Zeit nicht bloß Verwirrung. Die beiden großen westfälischen Denkmäler zum Gedächtnis Kaiser Wilhelms I., das auf der Hohensyburg und das an der Porta, sind Beispiele dafür, wie zu Ende des Jahrhunderts in deutscher Landschaft absonderliche Mißbildungen neben edleren Werken entstehen konnten. Beide sind fast zur gleichen Zeit erbaut, nur wenige Jahre nach dem Tode des großen Kaisers. Doch schon kurz nach der Jahrhundertwende, als man langsam über den Niedergang der Baukunst sich klar zu werden und nach einem zeiteigenen Ausdruck zu suchen begann, wurde manchem schon ein Wertunterschied zwischen den beiden Denkmälern inne. Es ist durchaus zu verstehen, daß alle, die in irgendeiner Form an der Errichtung des Hohensyburgdenkmals mitwirkten und die sich in den rund 40 Jahren seines Bestehens an seine Gestalt gewöhnt haben, sich ihm eng verbunden fühlen und es in seiner gegenwärtigen Form erhalten wissen möchten. Will man aber zu einem unbefangenen Urteil kommen, das frei ist von dieser im übrigen durchaus achtenswerten Gesinnung, so muß man die zahlreichen Wanderer fragen, die jahraus, jahrein die geschichtlich denkwürdige und landschaftlich reizvolle Stätte besuchen und die nach Veranlagung und Erziehung über die Dinge der Kunst zu sprechen berechtigt sind. Ich sage wohl nicht zu viel, wenn ich behaupte, daß unserem Kunstempfinden das Denkmal so wenig entspricht wie kaum ein zweites weit und breit. Neben dieser Verneinung der künstlerischen Qualität werden wir uns dann noch eines Widerstandes ideeller Art bewußt. In der Presseerörterung wurde einmal gesagt, Stier hätte„mit seinem Werk die vaterländische Empfindung seiner Zeitepoche gut zum Ausdruck gebracht". Es soll hier in keiner Weise weder an des Erbauers noch an der Bauherren großherziger Gesinnung gezweifelt werden. Jene Epoche jedoch wird in der Kunstgeschichte nicht gerade günstig als„wilhelminische Zeit" bezeichnet. Und es hat nichts mit der Wertschätzung unserer Monarchen zu tun, wenn wir sagen, daß das in dem Denkmal nur all zu laut zum Ausdruck gekommene theatralische Gepräge in innerem Widerspruch steht zu der Größe der drei Herren, deren Andenken hauptsächlich geehrt werden sollte; es widerspricht im tiefsten Grunde der stillen Vornehmheit des ersten Kaisers ebenso wie dem festen, treuen Sinn des eisernen Kanzlers und dem Genius des schweigsamen Schlachtenlenkers. Man kann weiterhin darauf vertrauen, daß unsere Baukunst, die sich auch im Ausland als „der deutsche Stil“ ihre Achtung erzwungen hat, heute fähig ist, eine neue Form zu finden, die ihrem inneren Wesen nach den ewigen Gesetzen der Kunst lebendigen Ausdruck gibt. Zwei besondere Bedingungen sind wohl in diesem Sonderfalle noch zu stellen. Das neue Mal muß, worauf schon Stadtbaurat Strobel hinwies, in Maße und Aufbau der breiten, gewaltigen Bergstraße entsprechen. Und ferner ist zu fordern, daß es sich vor anderen Denkzeichen, wie es das leider unrühmlich tat, durch eine besonders charakteristische Gestaltung hervorhebt als das weithin erkennbare Denkmal auf der Hohensyburg. eder„Miinnefunger Münster. Auf dem Marktplatz in Bocholt stand der Polizeibeamte Z. Er war fast lautlos aus einer der Nebenstraßen herangekommen und stand nun wiegend auf Gummisohlen im Schatten eines Hauses. Es war bereits 3 Uhr morgens und der Marktplatz war leer, bis plötzlich ein Schatten auf dem Marktplatz ihn eines Besseren belehrte. Da kam ein Mann direkt auf ihn zugegangen, der ebenso leise ging, wie er, der Beamte selbst. Er erkannte den Mann in den leichten Schuhen nach einigem Nachdenken. Es war Josef Isselmann. Der Beamte hielt den Atem an, denn Isselmann gehörte zu den Bekannten der Polizei, die der besonderen Aufsicht bedürfen. „Halt! Was machen Sie hier?" Isselmann stand dicht vor dem Beamten und erzählte ihm nun gleich eine Geschichte von Streit mit seiner Braut, mit der er sich gerade wieder hätte versöhnen wollen. Der weitere Weg aber führte nun zur Wache, wo man sich den späten Wandler näher besah. Er hatte Kalk und Mörtel auf dem Rücken hängen, einen Schraubenzieher unter dem Pullower, elf Mark lose in der Tasche, eine Taschenlampe mit einer matten Birne und dazu trug er Handschuhe. Gerade die Handschuhe hätten zu einem beschmutzten Anzug in auffallendem Gegensatz gestanden, wenn nicht hinzugekommen wäre, daß auch gerade diese Handschuhe stark beschmutzt waren. Die Polizei dachte sich ihr Teil und wartete den anderen Morgen ab. Am Morgen nach diesem Vorgang erschien Meister Wagner in seiner Werkstatt und stellte mit Entsetzen fest, daß ein kundiger Einbrecher seine Werkstatt heimgesucht hatte. Ohne zu suchen hatte dieser wohl sofort den Griff nach dem Geldkästchen im Versteck unter den Auslagetischen gemacht, denn dieses Geldkästchen war leer. Der Meister aber hatte sich am Abend zuvor darin einen Geldbetrag für die Einlösung einer Nachnahme zurecht gelegt. Meister Wagner beriet mit seiner Frau und beide hatten den Verdacht, daß Isselmann, der bei dem Meister ein= und ausging, der Dieb sei. Sie sagten das der Braut Isselmanns, die die Wohnung mit den Eheleuten Wagner teilte und die Braut ersetzte sofort den Schaden. Man rüstete sich nun und zog zu dem elterlichen Haus des Isselmann, um ihn zur Rede zu stellen. Man traf ihn aber nicht an, denn er saß ja schon auf der Polizeiwache. Die Polizei hielt inzwischen eine Haussuchung bei Isselmann ab und fand eine Menge Diebesgut, das aus anderen Einbrüchen stammte. Puder, Wein, Leinen, Bestecke usw. Die Menge des Diebesguts füllte eine halbe Taxe. Isselmann aber leugnete; die vorgefundenen Sachen wollte er angeblich gekauft, zum Teil in einem Paket ohne Anschrift und Absender in seinem Garten gefunden haben. Mit seiner Braut war er tatsächlich am Abend zuvor in Unfrieden auseinandergegangen, aber von dem angeblichen Versöhnungsbesuch vermochte er die Richter der Großen Strafkammer nicht zu überzeugen. Diese waren vielmehr der Meinung, daß Isselmann Meister Wagner einen Besuch abgestattet hatte, um dort die Kasse zu räubern. Da sich aber herausstellte, das noch einige andere Punkte zu klären waren, vertagte das Gericht die Fortsetzung der Verhandlung auf einen späteren Tag. Programmänderungen des Reichssenders Köln Freitag, den 7. September 1934 bis 20.10 Uhr programmgemäß. 20.10: Von München: Reichssendung: Appell der PO auf der Zeppelinwiese; anschließend gegen 21.00: Von Köln: Orchesterkonzert, Leitung: Dr. Wilh. Buschkötter. 22.00: Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.15: Umschaltpause. 22.20: Von München: Reichssendung Zeitfunk aus Nürnberg. 22.45: Von Köln: Filmecke. 23.00—24.00:(nach Leipzig, München und Deutschlandsender): Nachtmusik, d. Kleine Orchester, Leitung: Leo Eysoldt. Eine gußeiserne Versuchsstraße Duisburg. Duisburg hat sich am Nordhafen in Duisburg=Ruhrort eine Versuchsstraße angelegt, und zwar handelt es sich um eine gußeiserne Straße. Um die Haltbarkeit dieser Neuheit ausprobieren zu können, hat man abwechslungsweise auf kurzen Strecken Kleinpflaster eingefügt. Schon jetzt fallen die 200 Meter Versuchsstrecke, die mit verschiedenen gußeisernen Armierungen ausgeführt wurden, durch ihre Gleichmäßigkeit und Regelmäßigkeit auf. Die wabenförmige Durchsetzung der Straßendecke mit dem Eisenrost ergibt bei nassem Wetter einen guten Gleitschutz. Verschiedene Kommissionen von Straßenbaufachleuten haben bereits eine Besichtigung der Versuchsstraße vorgenommen. Die Colonia Trajana wird freigelegt Kanten. Unter der Leitung von Professor Oelmann vom Provinzial=Museum Bonn wurden hier die schon seit langem beabsichtigten Ausgrabungsarbeiten aufgenommen, die den Zweck haben, die Colonia Trajana freizulegen. Mit den Arbeiten wurde nördlich der Stadt vor dem Kleper Tor, das man als etwa in der Mitte des Lagers liegend vermutet, begonnen. Man nimmt an, daß die Landstraße Tanten— Marienbaum in der Längsachse des freizulegenden Lagers liegt. Schon zur Zeit des Baues der Umgehungsstraße hatte man Fundamente freigelegt, die namhafte Gelehrte einer verschütteten Stadt zuschreiben. Vorläufig sind etwa 15 Arbeiter mit den Ausgrabungsarbeiten beschäftigt. Pflicht und Mitleid Köln. Zwei junge Mädels, die in einer kleinen Filiale in einem Vorort tätig waren, wurden fristlos entlassen, als in fünf Monaten ein Fehlbetrag von 1 800 RM. entstanden war. Am Arbeitsgericht verlangten nun beide Kündigungsentschädigung. Sie seien, so behaupteten sie, keineswegs unehrlich gewesen und könnten sich nicht erklären, wie das große Manko entstanden sei. Der Vertreter der Beklagten mußte selbst zugeben, daß die beiden Klägerinnen aus guter Familie seien und daß man ihnen wohl keine Unehrlichkeiten in diesem Umfange zutrauen könne. Auch der Vorsitzende meinte, die beiden jungen Mädchen machten durchaus nicht den Eindruck, als ob sie unehrlich seien. Der Revisor, der den Fehlbetrag festgestellt hatte, sagte als Zeuge daß er die Klägerinnen für ehrlich halte; aber er habe ermittelt, das die Mädels in letzter Zeit für 600 RM. Waren an die Kundschaft verborgt hätten. Es seien dabei auch Namen angegeben worden, die keine Waren auf Kredit erhalten hätten. Dies wurde von den Klägerinnen zugegeben. Die fingierten Namen seien angegeben worden, weil ein Teil der bedürftigen Kunden schon so viel auf Kredit erhalten hätte, daß zu befürchten gewesen sei, daß die Zentrale den Kredit als zu hoch bezeichne. Jedenfalls hätten sie die betreffenden Kunden für solvent gehalten. Die Klägerinnen mußten zugeben, daß sie nur mit Genehmigung der Zentrale Waren kreditieren durften. Unter diesen Umständen konnte das Gericht den Klageanträgen nicht stattgeben. und kippte um. Der Trecker wurde gegen das Eckhaus geschleudert und zertrümmerte hierbei zwei Fensterscheiben eines Möbelgeschäfts und die darin ausgestellten Möbel; auch die Fassade des Hauses wurde stark beschädigt. Der Fahrer rettete sich durch Abspringen und blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Der gesamte Verkehr auf der Straße wurde durch den Unfall für mehrere Stunden vollkommen unterbunden. Tod auf den Schienen Oberhausen. Am Mittwochnachmittag wurde ein 57 Jahre alter Mann auf der Eisenbahnstrecke der Köln—Mindener Bahn von einem Zuge erfaßt und sofort getötet. Die Reichsautobahn rückt vor Duisburg. Mit Riesenschritten schreitet der Bau der Reichsautobahn im Duisburger Gebiet fort. Nachdem verschiedene Wohnblöcke der Dornerhofsiedlung dem Erdboden gleichgemacht wurden, haben Schüppe und Hacke nun auch dem ältesten Duisburger Bauernhof, der den Namen „Schwiesenkampshof“ führt, den Garaus gemacht. In kurzer Zeit wurde der 900 Quadratmeter große Hausgarten vollständig abgerodet und 25 Bäume fielen der Säge zum Opfer. Der Besitzer des Hofes hat sich an anderer Stelle neu angesiedelt. Westorutsche Zunrausstekrung in Koi Köln.„Volk und Funk“— unter diesem Leitgedanken steht die Westdeutsche Funk=Ausstellung, die in der Zeit vom 15. bis 23. September d. I. in den Kölner Messehallen stattfindet. Was deutsche Rundfunktechnik und deutsche Werkmannsarbeit in einem Jahr fleißiger Tätigkeit neu geschaffen haben, wird die Kölner Ausstellung in der Industrie=Abteilung zeigen. Darüber hinaus sucht sie dem Besucher einen Begriff zu geben von der Bedeutung des Rundfunks im neuen Deutschland als Bindeglied zwischen Führer und Volk, als eine Brücke zum Deutschtum in aller Welt, als friedlicher, aber zwingender Kämpfer für Deutschlands Geltung, als Waffe gegen Angriffe einer verleumderischen Umwelt, als Schöpfer und Förderer deutscher Kunst und Kultur, als bedeutsamer Faktor im deutschen Wirtschaftsleben. Alle im Rundfunk wirksamen Kräfte werden sich an der Kölner Ausstellung beteiligen. Unter dem Vorantritt der Funkwarte der nationalsozialistischen Bewegung sind alle Funkschaffenden, Sender und Hörer, Reichspost, Industrie und Handel, Künstler und Techniker bemüht, dem Besucher einen starken Eindruck zu vermitteln von allem, was zum Rundfunk gehört und was der neue deutsche Rundfunk will. Folgende Organisationen und Verbände sind an der Ausstellung beteiligt: Reichsrundfunk=Gesellschaft, Reichsfachverband der Deutschen Rundfunkindustrie, Reichsverband Deutscher Funkhändler, Deutscher Amateur=Sendedienst, Deutscher Funktechnischer Verband, Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer. Der besondere Wert der Westdeutschen FunkAusstellung liegt darin, daß sie den Besucher durch anschauliche Darstellungen, Vorführungen aller Art, Sonderausstellungen, Uebertragungen, Vorträge und sonstige Veranstaltungen in die Welt des neuen Rundfunks einführt und so für ihn wirbt. Eine Sehenswürdigkeit ist vor allem eine Lehrschau, in der die Technik des Fernsehens gezeigt wird. „Kasse und Volksgesundheit“ Der Reichsärzteführer spricht Der Reichsärzteführer Dr. G. Wagner, München, hielt im Auftrage des Führers einen Vortrag über„Rasse und Volksgesundheit". Weit über den Rahmen hinaus wird diese Rede ihre Gültigkeit behalten, weil sie in klarer Ueberschau und voller Eindringlichkeit, zugleich von großer Verantwortung getragen, darlegte, was Rasse und Volksgesundheit für unsere Nation bedeuten. Die größte Gefahr für das Bestehen der Völker, Staaten und Kulturen, so führte Dr. Wagner aus, sind durch rassischen Verfall bedingt. Es gilt nicht nur, die Geburtenzahl an sich zu erhöhen, so sagte Dr. Wagner weiter, es gilt auch, die besten, stärksten Anlagen des Volkes zu erhalten und zu mehren. Ueber die wirtschaftliche Belastung durch Erbkranke in Deutschland gab der Reichsärzteführer geradezu erschütternde Zahlen. In Deutschland werden für Erbkranke jährlich noch 1,2 Milliarden aus dem Arbeitsertrag der Nation aufgebracht und dem Gesamteinkommen des Volkes entzogen. Dr. Wagner schilderte weiterhin die Gefahren, die in der Rassenmischung eines Volkes liegen und bezeichnete die erbgesunde kinderreiche Familie als das Unterpfand unserer Zukunft. Das vorbildliche Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses hat inzwischen seine Bedeutung und Wichtigkeit erwiesen, wie aus einer Entschließung hervorgeht, die auf dem internationalen Eugenischen Kongreß in Zürich einstimmig angenommen wurde. Der Kongreß empfiehlt darin den Regierungen der Welt, die Probleme der Erbbiologie, Bevölkerungspolitik und Rassenhygiene zu studieren und deren Ergebnisse zum Wohle ihrer Völker anzuwenden. Die im Dritten Reich geförderte Siedlungs= und Bauernpolitik wurde in ihrer Wichtigkeit in Zürich gleichfalls rückhaltlos anerkannt. Dr. Wagner betont schließlich das enge Verbundensein aller dieser Probleme mit einer zukunftweisenden einheitlichen Gesundheitspolitik. Das Ausland zur Proklamation Starker Eindruck in Frankreich und England Die Bedeutung, die die französische Presse der Proklamation des Führers und Reichskanzlers beimißt, kommt schon darin zum Ausdruck, daß ihr breitester Raum gewährt wird. Das Urteil der Blätter läßt sich schwer auf eine einheitliche Formel bringen. Ein Teil der Presse will keine neuen wesentlichen Gesichtspunkte entdecken können, ein anderer Teil möchte die Erklärung als Ausfluß der Beunruhigung über die innen= und außenpolitische Lage werten. Aber der Tatsache, daß diese Erklärung den Bund zwischen Nationalsozialismus und Staat besiegelt, daß die Revolution abgeschlossen ist und daß die Ausführungen über die auswärtige Politik eine Würdigung verlangen, kann sich kein Blatt entziehen. Wenn dies auch mit den üblichen Vorbehalten geschieht, so wird der Eindruck, unter dem die Presse steht, dadurch nicht geschmälert. Die Londoner Times äußert in einem Leitaufsatz eine gewisse Befriedigung darüber, daß die Proklamation des Führers zweifellos den Fanatikern, die die Erfolgsmöglichkeiten der Gewaltanwendung für unbegrenzt hielten, eine Zurechtweisung erteilt habe. Schließlich macht Times noch eine kritische Anmerkung zur Proklamation. Was seine Aeußerung betreffe, daß die jetzige deutsche Generation Frieden und Freundschaft mit anderen Nationen suche, aber entschlossen sei, ihre Ehre, Unabhängigkeit und Freiheit zu verteidigen, so bestehe allgemeine Bereitschaft, Deutschland als Gleichgestellten in der Gemeinschaft der Nationen zu behandeln. Meinungsverschiedenheiten entständen nur, wenn diese Ausdrücke definiert würden. Anderen Ländern scheine es, daß Deutschland geneigt sei, bezüglich seiner Ehre, Unabhängigkeit und Gleichheit nur seine eigenen unmittelbaren materiellen Bedürfnisse als Maßstab zu gebrauchen und jedes Land als Feind zu betrachten, das nicht jede vorgebrachte Forderung ohne Frage gewähre. Die No nisst in Kurnerrg ein Zehntausende auf Zehntausende kommen— 175 Sonderzüge Der P9 gehört der Freitag Während die Kolonnen des Arbeitsdienstes Stunde um Stunde durch die Straßen Nürnbergs marschieren, mischen sich in die Marschweisen der schneidigen Arbeitsdienstkapellen die Klänge anderer Musikzüge: Die politischen Leiter treffen ein. Ihnen wird der Freitag gehören. Nur durch kurze Abstände voneinander getrennt, laufen während des ganzen Tages 175 Sonderzüge auf den Bahnhöfen Nürnbergs ein. Aus dem Norden, aus Ostpreußen, aus Schlesien und aus den östlichen Provinzen, aus Westfalen und dem Rheinland, aus Mitteldeutschland und dem Traditionsgau München=Ober= bayern rollen Zehntausende und Zehntausende in die Stadt ein, die nicht müde werden, das täglich wechselned Gesicht der grandiosen Tagung anzuschauen. Dicht drängen sich die Menschen am Hauptbahnhof, wo das Bild am abwechslungsreichsten ist. Eben gilt die Aufmerksamkeit noch den braunen Männern der PO, die sich zu Marschkolonnen formieren, um in ihre Quartiere abzurücken, da dröhnt von ferne brausendes Heilrufen. 17 Uhr: Die Blicke wenden sich auf die freigewordene Mitte der Straße: Der Führer begibt sich eben zur Kongreßhalle. Stehend im Wagen dankt er nach allen Seiten und entbietet den eben Ankommenden den ersten Gruß der Stadt Nürnberg. In den Nachmittagsstunden hat bereits der Abtransport eingesetzt. Elf Sonderzüg brachten vom Bahnhof Dutzendteich und vom Oft bahnhof aus einen Teil des RS=Arbeitsdienstes wieder in die Heimat zurück. Der Schauplatz des Parteitages ist frei für die politischen Leiter, nachdem ihm die erdbraunen Männer des Arbeitsdienstes am Donnerstag eine besondere Note und einen glänzenden Verlauf gegeben haben. Bachrhaus für die„Neie Wehr Der Erste Senat des Volksgerichtshofs verkündete am Donnerstagnachmittag das Urteil im Radeberger Sprengstoffprozeß. Mit dem Reichsanwalt hielt das Gericht den 31jährigen Leiter der Roten Wehr, Willi Goeder aus Radeberg, des Handgranatenanschlags auf die Gastwirtschaft„Schützenhaus“ in Radeberg für überführt und verurteilte ihn antragsgemäß zur zulässigen Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Der 27jährige Instrukteur Preller aus Königsbrück erhielt fünf Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Den am ersten Sprengstoffdiebstahl bezw. an der Handgranatenherstellung beteiligten Angeklagten Einhellinger und Vetters wurden je 3½ Jahre Zuchthaus auferlegt und die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren abgesprochen. Die übrigen Angeklagten erhielten Zuchthausstrafen von drei bis zu 1½ Jahren. Bei allen wird die Untersuchungshaft bis zur Dauer von einem Jahr fünf Monaten voll angerechnet. Die Gesamtdauer der verhängten Strafen blieb hinter dem Antrag des Reichsanwalts um 5½ Jahre zurück. Die aus Radeberg, Ottendorf und Königsbrück in Sachsen stammenden zehn Angeklagten haben sich teilweise an zwei Sprengstoffdiebstählen in einem Steinbruch bei Gräfenhain im September und Dezember 1931 beteiligt. Aus dem gestohlenen Sprengmaterial wurden unter Mitwirkung anderer Angeklagter Handgranaten und Bomben hergestellt, die zur Bewaffnung der„Roten Wehr“, einer getarnten Fortsetzung des verbotenen Rot=FrontkämpferBundes, dienen sollten. Siulige Jufumnnensteße i Alnerna Polizei und Militär mußten eingesetzt werden— Schon mehrere Tote 375 000 streiken Es häufen sich die Meldungen über schwere blutige Zusammenstöße zwischen streikenden Textilarbeitern und der Polizei. In allen Fällen beinahe mußten die Polizisten von der Schußwaffe Gebrauch machen. Am Donnerstag, dem dritten Tag des eigentlichen Streiks, war bereits frühmorgens eine Verlustliste von sechs Toten und 14 Verwundeten zu verzeichnen. In Honepath in Süd=Karolina kam es zu einem Angriff streikender Arbeiter auf die Angestellten eines Werks, die sich geweigert hatten, die Arbeit niederzulegen. Dabei wurden drei Personen getötet und mehrere verletzt. In der Ortschaft herrscht infolge der Vorfälle große Erregung. In Greenville, ebenfalls in SüdKarolina, wurde ein Streikender während eines Angriffs auf die Fabrikwache niedergeschossen. Aus Atlanta in Georgien wird gemeldet, daß einer der bei den Zusammenstößen verwundeten Streikenden seinen Verletzungen erlegen ist. Nach Marion in Nord=Karolina mußten in aller Eile drei Kompagnien Staatsmiliz entsendet werden, ebenso zwei Kompagnien nach Concord. In Warren im Staate Rhode Island versuchten die Streikenden eine Fabrik zu stürmen, deren Belegschaft die Arbeit noch nicht niedergelegt hatte. Obwohl die Polizei die Anlagen mit dem Gummiknüppel und mit Tränengas verteidigte, behaupteten die Streikenden das Feld. Die Fabrikleitung mußte den Betrieb, der 800 Mann beschäftigte, still legen. Außerdem gelang es den Streikenden, einen der Für hungrige Mägen und durstige Kehlen Ein Teil des Riesenlagers von Milchkannen, die zur Verpflegung der Tagungsteilnehmer bereitgestellt wurden. ihren, der von der Polizei festgenommen worden war, gewaltsam wieder zu befreien. Die Beilegung des mehrere Monate dauernden Streiks der Aluminiumarbeiter in Pittsburg wurde vollkommen überschattet von der raschen Ausdehnung des Textilarbeiterstreiks, der fast überall gewalttätige Formen annimmt. So wurde nachts eine Seidenfabrik in der Nähe von Philadelphia, in der weitergearbeitet wurde, von 200 Streikenden angegriffen. Die Einrichtung wurde stark beschädigt. Als die Staatspolizei eintraf, waren die Streikenden, die in Autobussen angekommen waren, bereits verschwunden. Aehnliche Gewalttaten werden auch aus anderen Staaten gemeldet. In Nord= und Süd=Karolina werden immer mehr Abteilungen der Nationalgarde zum Schutze der Fabriken eingesetzt. Am Donnerstag früh wird die Gesamtzahl der Streikenden auf 375000 geschätzt. Die Zahl der Todesopfer bei den schweren Zusammenstößen in Honepat hat sich nunmehr auf sechs erhöht. Insgesamt sind damit seit Beginn des Streikes zehn Personen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten beläuft sich auf 41. Verhaftungen sind bisher in 64 Fällen erfolgt. Man schätzt die Zahl der tatsächlich in den Streik getretenen Arbeiter nunmehr auf 340000. Einheitliche Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche Die Pressestelle der Reichskirchenregierung teilt mit: Der Rechtswalter der Deutschen Evangelischen Kirche hat auf Grund der ihm von der National=Synode erteilten Ermächtigung eine Verordnug erlassen, wonach die Vorschriften des Paragraphen 1, Absatz 1 und Absatz 3, des Kirchengesetzes vom 9. August 1934 über die Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche und der Landeskirchen in der evangelisch=lutherischen Kirche in Bayern rechts des Rheins und der evangelischen Landeskirche in Württemberg in Kraft treten. Damit sind alle Landeskirchen hinsichtlich ihrer Gesetzgebungsgewalt der Deutschen Evangelischen Kirche unterstellt und die Landesbischöfe an die Weisungen des Reichsbischofs gebunden. Das bekenntnismäßige Eigenleben und das Gebiet des Kultus bleiben von dieser zusammenfassenden, den einheitlichen Aufbau der Deutschen Evangelischen Kirche fördernden Regelung unberührt. Lola Schröter in Magdeburg Die Fliegerin Lola Schröter ist auf ihrem Segelschleppflug von Leipzig kommend Donnerstag mittag um 12.45 Uhr in Magdeburg eingetroffen. Wie sie mitteilte, hatte sie auf dem Fluge von Leipzig so schlechtes Wetter angetroffen, daß sie zeitweise nur in einer Höhe von 50 Meter über der Elbe fliegen mußte. Sie beabsichtigte am gleichen Tage nach Braunschweig und Hannover weiterzufliegen. Ob der Flug bis Berlin noch am Donnerstag durchgeführt werden kann, hängt von der weiteren Wetterlage ab. Das österreichische Braunbuch Ein Dementi der„Reichspost“. Die Wiener christlich=soziale„Reichspost“ dementiert einen Bericht des Londoner„Observer" über den Inhalt des von der österreichischen Regierung ausgearbeiteten Braunbuches über die Ereignisse des 25. Juli. Die„Reichspost“ erklärt, daß bei dem großen Umfang des Materials der Abschluß des Manuskripts nicht vor Mitte September zu erwarten sei. Die von„Observer" veröffentlichten Einzelheiten seien aus der Luft gegriffen. Zu dieser Meldung ist darauf hinzuweisen, daß gegenwärtig innerhalb der maßgebenden Wiener Kreise noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die Verwendung des vorliegenden Materials bestehen. In weiten Heimwehrkreisen wird gefordert, daß das Braunbuch noch vor Beginn der Völkerbundstagung den Großmächten in Genf als dokumentarischer Beweis für die Beteiligung bestimmter deutscher Kreise an dem Aufstand überreicht werde, doch scheinen in Regierungskreisen gewisse Bedenken gegen ein derartiges Vorgehen zu bestehen. Wie bekannt, hat Bundeskanzler Dr. Schuschnigg in seiner Innsbrucker Rede erklärt, daß ein Schritt Oesterreichs in Genf wegen der Ereignisse vom 25. Juli nicht geplant sei. Vom litauischen Feldgericht in Schaulen wurden fünf litauische Raubmörder zum Tode verurteilt. Bei vier von ihnen wurde das Todesurteil durch Erschießen vollstreckt; einer wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Gentangngung 5. Klasse 43. Preutzisch=Süddeutsche (269. Preuß.) Staats=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus sede gezogne Nummer fiad zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen I und II 25. Ziehungstag On der heutigen Vormittag über 150 5. September 1934 wurden Gewinne geiogen 2 Gewinne zu 10000 M. 817277 6 Gewinne zu 5000 M. 290759 308710 335657 63826 182031 271564 8 Gewinne zu 3000 M. 289390 6 Gewinne zu 2000 M. 34 Gewinne zu 1000 385372 271408 273706 „8217 45544 63358 78899 99017 100069 122613 129808 137804 166617 183226 197359 206059 220739 269527 863143 394702 76 Gewinne zu 500 M. 25152 26985 65099 67697 81472 68586 94538 100538 113469 146497 169679 208399 209503 216888 218960 220076 225013 225959 236251 243219 249442 252877 253851 261887 271076 290619 300082 304206 804247 305510 822659 833170 342122 846920. 854176 356712 870554 880741 426 Gewinne zu 300 M. 846 6725 6605 6722 10167 10417 10572 10682 11470 14011 14163 14915 23691 25965 26497 96702 88001 88164 88339 88393 89432 39545 39629 40272 41317 41628 41667 44498 56933 59337 60096 60304 60574 62624 62851 64293 64516 64756 64832 66089 66496 68034 68221 69277 71418 72928 73170 73527 75372 75492 80366 81221 81926 83810 85079 85495 86583 90254 91163 96367 97499 99303 101512 102872 103209 105497 107931 108744 110406 111792 113154 114513 115294 115758 122084 122311 126090 131105 131552 134666 135676 138470 141577 146152 147863 148115 151507 151911 156147 159330 160454 161375 161414 162978 163333 167449 169523 170170 176367 175568 180615 184382 184586 186868 188325 198300 200075 200435 202924 203280 208721 210332 212543 217151 217524 219055 220634 221608 221983 223286 223594 230012 230126 233484 233779 234438 234762 235650 236648 236959 243783 250455 252293 255105 257821 258524 269531 261641 263260 265547 266898 269920 270022 270581 271638 273084 274860 282607 282964 283338 283797 285217 285960 288642 288674 289302 293524 294106 296518 800666 802697 302924 303250 304071 305029 805522 306348 807204 807360 314141 814574 820913 821166 322637 324426 326836 826868 328907 330150 330511 331835 331906 340190 341706 842930 344846 847999 348522 359038 359566 361301 362481 363814 364656 367079 371516 871786 372934 873440 874046 877780 378506 379461 379774 881350 881417 387185 890710 393109 395254 896421 896656 898448 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne. über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 20000 M. 182581 12 Gewinne zu 5000 M. 30198 134494 138932 180198 267644 397176 4 Gewinne zu 3000 M. 83716 892463 22 Gewinne zu 2000 M. 47927 64494 166998 168287 230156 272242 305509 833317 834567 837453 882509 30 Gewinne zu 1000 M. 40467 41070 70064 123269 147284 188065 230286 239254 250134, 264144 275607 817887 852315 364908 880209 74 Gewinne zu 500 M. 3594 8523 9283 22591, 27730 49694 66849 90690 92947 95250 106784 111116 112210 122779 125199 130841 133500 145748 149932 160870 165444 171162 192246 218163 232866 234975 238184 267616 279992 299251 304621 822547 826596 831402 835092 354790 394095 292 Gewinne zu 300 M. 4740 6269 7887 9371 10807 12367 13267 21257 22252 26197 26448 27198 28035 32414 32441 33209 34283 86355 38867 46539 62890 56235 66770 56964 58867 62178 65792 69208 70936 73088 75622 76337 79306 81252 82598 85255 96056 101179 101434 105230 117217 119049 119840 123178 127502 127627 128428 141898 143774 147202 152304 152603 152737 155315 161301 163913 165341. 166804 166983 172960 175660 182025 188187 194306 195894 199483 200564 201646 201850 202683 208236 210277 215872 220526 223893 230080 231700 232717 235079 235161 235378 244063 246705 247119 247892 250177 251319 251628 252154 253116 253658 267113 261259 265594 273431 277099 279023 281139 281746 284383 290303 291866 294204 298952 299708 300043 300993 307670 308011 310241 812312 314374 816084 817197 824297 825183 825701 325982 328409 336118 839507 841791 845350 346402 348553 350723 351542 853897 354703 357921 858658 360196 360415 860738 361828 364752 371482 371676 876517 883415 392089 893685 894884 396115 896531 896872 20 Tagesprämien. Auf jede gezogene Nummer sind zwei Prämie. 1000 RM gesallen, und zwar je eine auf gleicher Nummer in den beiden Abteilungen 40873 80701 109266 124048 197007 242817 269477 857691 380129 895062 mien zu se die Lose I und II: Palbh b e. d e m. 300 Statt besonderer Anzeige. Nach einem arbeitsreichen Leben im hohen Alter von fast 81 Jahren ging heute mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Bauer Prieurtel-Aöcheie zur ewigen Ruhe ein. In tiefer Trauer: Lina Kockelke geb. Filthaut Otto Kockelke und Frau Martha geb. Hehmer Wilhelm Neuhaus und Frau Hermine geb. Köckelke Heinrich Hark und Frau Grete geb. Kockelke und 3 Enkelkinder Garenfeld bei Westhofen, Westhofen a. d. Ruhr und Silschede, den 6. September 1934. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. September 1934, nachm. 4 Uhr vom Trauerhause in Garenfeld aus nach dem Friedhof in Garenfeld statt. Hausandacht eine halbe Stunde vorher. Ein Ereignis, von dem man spricht Als Abschluß der großen Sommeroffensive wartet die NS. Gemeinschaft„Kraft durch Freude" des Gaues Westf.=Süd mit einem Ereignis auf, das in wenigen Tagen in ganz Westfalen zum Tagesgespräch werden wird. In Verbindung mit der Fliegeruntergruppe XV (Dortmund) des Deutschen Luftsportverbandes veranstaltet unsere„Kraft durch Freude“=Organisation am 23. September 1934, nachmittags 14,30 Uhr auf dem großen Dortmunder Flughafengelände keinen Westfälischen Volksflugtag. Aus allen Kreisen des Gaues laufen Sonderzüge ein. In straffer Disziplin werden sich unsere SA= und SS=Formationen zeigen. Zwei schneidige SA=Kapellen bestreiten den musikalischen Teil des Programms. Die„Deutsche Arbeitsfront“, läßt ihre Fahnenabordnungen aufmarschieren. In wochenlanger Vorbereitung wurde die technische Seite des Aufmarschplanes bearbeitet. Allein zwölf große Lautsprecheranlagen werden aufgebaut. Annähernd zwanzig Telefon=Anlagen müssen von dem Nachrichtensturmbann der Brigade 67 gelegt werden. An dreißig großen Tischen werden Getränke ausgeschänkt. Ueber tausend Absperrmannschaften sind erforderlich. Drei große Sanitätszelte werden aufgebaut. Also niemand braucht wegen des ungeheuren Andranges sich Sorge zu machen. Schlagartig setzt seit Mittwoch der Vorverkauf ein. Die Dortmunder Flugveranstaltung wird zum Aufmarsch der Hunderttausend. Dabei beträgt der Eintrittspreis nur 30 Pfg. In diesem Preis ist noch gleichzeitig ein Freilos enthalten für die Verlosung von 500 Freirundflügen! Die Gewinnummern werden durch Lautsprecher auf dem Flugplatz bekanntgegeben. Westfalen der Volksflugtag gehört Euch! Keine Sterilisierung von Auslandern Das Rassenpolitische teilt mit: Amt der NSDAP. Lichtipiele zur Reichskrone Heute bis Montag Der große Ulfa-Spitzenfilm, das Meisterwerk des Regisseurs R. Schünzel Die Töchter Ihrer Ersettenz Ein Wiener Volksstück nach dem Bühnenwerk„Die kleine Trafik“. Käthe von Nagy. Willy Fritsch, Dagny Servaes, Adele Sandrock, Lizzi Holzschuh in den Hauptrollen. In dem reichhaltigen Beiprogramm Ofa-Wochenschau Der Held der Steppe Ein Wild-Westfilm mit Ken Mleynard Micky-Mäuschens Hochzeitsfest Die Vöglein im Walde. Ein Ufa-Farben-Tonfilm Samstag nachmittag 3 Uhr Kinder-Vorstellung 1133 Bei der im Handelsreg. Abt. A unter Nr. 190 eingetrag. Fa. Adolf Tondok, Schwerte ist am 11. 7. 1934 vermerkt: Die Firma ist erloschen. 1782 Amtsgericht Schwerte. Bin ab 10. Sept. wieder im Damen- u. HerrenSalon meiner Mutter tätig. Empfehle mich meinen Freunden und Bekannten 177 Artur Suttmann Freischütz Samstag, 8. September 8½ Uhr Einmaliges Gastspiel der weltberühmten Kuban-Kosaken unter Leitung von S. Ignatjeff Gesang Balalaika-Orchester Original-Tänze nach dem konzertlichen Tell: ein Tänschen. Karten im Vorverkauf 50 Pig. bei Schöttler, an der Kasse höher. Samstag, den s. ds. Mts., vorm. 8 Uhr wird auf der Freibank das mn Fleisch von 2 Schweinen zum Preise von 40 Pfg. pro Pfund verkauft. Eine neue Verbindung des Sauerlandes mit dem Industriegebiet Hagen, 5. Sept. Dienstag vormittag wurde, wie der„Is. Kr.=Anz.“ meldet, die in der vorigen Woche fertiggestellte neue Verbandsstraße Vorhalle— Wetter die eine starke Wegkürzung hauptsächlich für den Verkehr Hagen— Wetter—Witten—Bochum—Essen bedeutet und das Volmetal in eine unmittelbare Verbindung mit dem Ruhrkohlengebiet und dem rheinischwestfälischen Industriegebiet setzt, feierlich eröffnet. Die Straße ist mehr als 2 Kilometer lang und führt zum Stauwehr des Harkortsees in zwei Brücken über die Ruhr. Eine außerordentlich reizvolle Landschaft mit prächtiger Fernsicht wird von ihr durchquert. Die Projektierung des Unternehmens war in der Harkortseeplanung von vornherein mit einbeschlossen. Vor 2½ Jahren wurde mit dem Bau der eigentlichen Straße begonnen. Die Straße hat eine neun Meter breite Fahrbahn. Träger des Unternehmens war der Ruhrsiedlungsverband, der die Finanzierung mit Mitteln der Oeffa bewerkstelligte. Beteiligt der Oeffa gegenüber sind der Ruhrsiedlungsverband, der Stadtkreis Hagen, die Provinz Westfalen, die Stadt Wetter und der Ennepe=Ruhrkreis. C Geschäftsübernahme. Habe das von Herrn Stenner bisher geführte Friseur-Geschäft im Hause des Herrn Stelbrink, Sedanstraße, übernommen. Es wird mein Bestreben sein, meine Freunde durch saubere und sorgfältige Bedienung in jeder Weise zufrieden zu stellen. Ich bitte mein Unternehmen freundl. zu unterstützen. 1731 Hans Wagener. böoderne Wohnung sofort zu vermieten. 3 Zimmer, Küche, Badezimmer und Mansarde, vollständig rennoviert in schöner Lage in Schwerte. Mietpreis 57 Nik. Anfragen schriftlich unter Nr. 1785 an die Gesschäftsstriie ds. Zeitung. Wik Ats 4•AH FWEFISTEN KOPPLAN Morgen beginnen wir mit dem Abdruck BLeADTT billig und gut CARL BRAUS Kartoffelversorgung für den kommenden Winter Die normale Kartoffelernte in Deutschland beträgt etwa 40 Millionen Tonnen. Für die menschliche Ernährung werden etwa 12 Millionen Tonnen gebraucht. Daraus ergibt sich der alljährliche Ueberfluß an Kartoffeln und nicht, wie in der Bevölkerung, eine Kartoffelknappheit. Für den Kartoffelverbraucher tritt eine Aenderung für die Winterversorgung eigentlich nicht ein. Es bestehen folgende drei Verforgungsmöglichkeiten: 1. Die direkte Einkellerung der Verbraucher beim Bezuge vom Bauern. Es kann also der Bauer die Kartoffeln an seine bisherige Kundschaft auch weiterhin abgeben. 2. Der Grünverkauf von Kartoffeln, ist es also das rutenweise Ausmachen durch den Verbraucher auf dem Felde nach voraufgegangenem Ankauf bei dem Bauern erlaubt. Für diese beiden Wege der Kartoffelversorgung werden Schlußscheine verausgabt, die lediglich den Zweck einer ordnungsmäßigen Versorgung haben und die vom Bauern dem Käufer vorgelegt werden müssen. 3. Für alle anderen Verbraucher sind die Kartoffeln wie üblich im Handel zu haben. Die in der Bevölkerung ausgestreuten Preise für Winterkartoffeln sind auf falsche Gerüchte zurückzuführen, die jeder Grundlage entbehren. Es wird jedem möglich sein, sich, wie bisher, ausreichend mit Kartoffeln zu versorgen. In einem großen Teil der Auslandspresse wurde kürzlich in großer Aufmachung darüber berichtet, daß in Wiesbaden die italienische Staatsangehörige Rosa Labriola gegen ihren Willen sterilisiert worden sei. Die Blätter, besonders die italienischen, nahmen diese Meldung zum Anlaß, um in schärfster Weise gegen das deutsche Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und den Nationalsozialismus überhaupt Stellung zu nehmen. Die Nachprüfung dieser Meldungen hat ergeben, daß sie eine grobe Irreführung der Oeffentlichkeit darstellen. Das zuständige Erbgesundheitsgericht Wiesbaden stellt amtlich fest, daß gegen die fragliche Italienerin allerdings ein Antrag auf Unfruchtbarmachung gestellt worden, daß das Gericht jedoch in der ordentlichen Sitzung vom 15. August— Aktenzeichen 4 VIll 108/34— abgelehnt hat. Dem zuständischen italienischen Konsul ist auf seine Anfrage dieser Sachverhalt bereits amtlich mitgeteilt worden. Damit sind diese ausländischen Tendenzmeldungen als unwahr und als bloße Stimmungsmache gegen Deutschland erwiesen. Jede deutsche Familie wird Mitglied der N. S. V. h Börsen und Märkte Notierungen der Großmarktpreise des Großmarktes für Getreide und Futtermittel e. V. zu Dortmund am 6. September 1934. Weizen: Westfälischer Weizen 76/77 Kg., gesetzlicher Erzeugerpreis: Preisgebiet W 15 200 RM., do. W 14 199 RM., do. W 13 198 RM., do. W 12 197 RM., do. W 9 194. Roggen: Westfälischer Roggen 72/73 Kg., gesetzlicher Erzeugerpreis: Preisgebiet R 14 160 RM., do. R 13 158 RM., do. R 12 157 RM., do. R 11 156 RM., do. R 9 154 RM. Hafer: 48/49 Kg. gesetzlicher Erzeugerpreis: Preisgebiet H 19 162 RM., do. H 18 161 RM., do. H 16 159 RM., do. H 15 158 RM., do. H 14 157 RM., do. H 13 155 RM., Weißhafer: Aufschlag 7 RM. Futtergerste: 59/60 Kg., gesetzlicher Erzeugerpreis: Preisgebiet G 14 165 RM., do. G 13 163 RM., do. G. 12 162 RM., do. G 11 160 RM., do. G 10 159 RM. Plata=Mais 217,50 RM., Cing. Mais 225 RM., Steffen=Schnitzel, 30 Prozent 16,75—17 RM., vollwertige Zuckerschnitzel, 55 Prozent, 17,25—17,50 RM. Die Preise verstehen sich bei Getreide per Tonne, Futtermittel per 100 Kg., waggonfrei Dortmund, in Ladungen von 15000 Kg. Die Preise für Häcksel verstehen sich per waggonfrei oder frei Fuhre Industriegebiet. * Amtliche Mehl=Notierung: Weizenmehl, inl. Grundtype 790 26,90 für alle Preisgebiete.— Weizen=Brotmehl: Type 2000 7 RM. Abschlag. Roggenmehl, inländ.: Type 997 für R 14 27,70 RM., Type 997 für R 13 23,65 RM., Type 997 für R 12 23,50 RM., Type 997 für R 11 23,35 RM., Type 997 für R 9 23,25 RM., Kommißmehl, inländ.(Roggenbackschrot) Type 1370 Abschlag auf die vorgenannten Basispreise 1,00 RM. Roggenschrot, inländ. Type 1800 Abschlag auf die vorgenannten Bastspreise 3,50 RM. Weizenkleie: für W 15 11,50 RM., für W 14 11,45 RM., für W 13 11,40 RM., für W 12 11,35 RM., für W 9 11,15 RM.— Weizenvollkleie 50 Pfennig Aufschlag. Roggenkleie: für R 14 10 RM., für R 13 9,90 RM., für R 12 9,80 RM., für R 11 9,75 RM., für R 9 9,60 RM. Zuzüglich 0,50 RM. Frachtausgleich frei Empfangsstation gemäß Anordnungen der W. V. Weizenmehl mit einer Beimischung von 20 Proz. Auslandsweizen Aufschlag 3 RM., per 100 Kg., mit einer Beimischung von 10 Proz. Aufschlag 1,50 RM. per 100 Kg., Mühlenabfälle ab Mühle. Tendenz: ruhig. Dortmunder Pferdemarkt vom 6. Sept. Auftrieb 571 Pferde und 34 Wagen aller Art. Der Handel war langsam. Es kosteten: a) Kaltblüter: beste Arbeitspferde und Stuten 750—900 Mark, zweite Arbeitspferde 600—750 Mark, dritte Arbeitspferde 400—600 Mark, einjährige Pferde 400—550 Mark; b) Warmblüter: beste Arbeitspferde und Stuten 725—875 Mark, zweite Arbeitspferde 550—600 RM., dritte Arbeitspferde 300—500 RM., c) Kreuzungen: beste Arbeitspferde 600—750 Mark, zweite Arbeitspferde 450—600 Mark, dritte Arbeitspferde 300—400 Mark. Beste Tiere wurden über Notiz bezahlt. Der nächste Markt findet am Freitag, 21. September Rente Schlagsahne, Kremtorten und=teilchen, Konfekt, Sardinen, Schokolade, Bananen, Schinken, Wurst, Speck, Likör, Bier und fetter Käse. Wer Ein Frühstück, bei dem man nicht dick wird. Eine Tasse Kaffee mit einem Eßlöffel voll Milch, ein Brötchen S mit Butter, ein Apfel. Wo bleibt meine schlanke Linie? So fragt öfters Frau Dick ihren Mann, nachdem ihr die Waage wieder einmal ihr Gewicht angezeigt hat, das immer mehr von der normalen Grenze abweicht. Heutzutage, im Zeitalter des Sports und der Emanzipation der Frau, wo es„Girls“ zwischen 16 und 56 Jahren gibt(oder geben möchte), wo man Punktroller und Mensendiecken kennt, da sollte man doch meinen, daß es allzu„Wohlbeleibte“ gar nicht mehr geben würde. Aber das Gegenteil ist der Fall. Es gibt zwar immer noch Leute, die auch jetzt noch nichts vom„Sport, der schlank macht", und„Punktrollen“ etwas wissen wollen. Liegt es daran, daß der Mensch zuviel ißt? Da sei zunächst bemerkt, daß wir, im Gegensatz zu den alten Kulturvölkern, zum Beispiel den Römern, wahre Hungerleider sind, auch wenn wir noch so schwelgen würden. So lud beispielsweise Publius Cornelius Lenttulus Spinthes im Jahre 30 u. Chr. sechzehn Freunde zu einem opulenten Mahle, anläßlich des Antritts seines Priesteramtes, zu sich. Nun die Speisekarte: Erster Gang: 1. Seeigel und frischo Austern. 2. Pelorische Gienmuscheln. 3. Lazarusklappen. 4. Weindrosseln auf Spargel. 5. Eine feiste Henne. 6. Schüssel mit zugerichteten Austern und Gienmuscheln. 7. Schwarze und weiße Meertulpen. Zweiter Gang: 1. Lazarusklappen. 2. Süße Gienmuscheln, Meernesseln, Feigenschnepfen. 3. Kotelette von Reh und Schweinswildbret. 4. Hühnerpasteten. 5. Feigenschnepfen, Stachel= und Purpurschnecken. Nun das eigentliche Mahl: 1. Schweinseuter. 2. Wilder Schweinskopf. 3. Fischragout. 4. Schweinseuterragont. Hierzu Weine. 6. Wilde Enten, frikassiert. 7. Hasenbraten. 8. Gebratene Hühner. 9. Creme aus Kraftmehl. 10. Picentische Brötchen. noch gesottene Lerchenzungen und diverse gepflegte — Nachtigallenzungen waren allein kaiserliches Vor5. Gebratene Entenbrüste. recht. Ob uns heutigen Menschen ein derartiges Mahl in allen seinen Teilen zusagen würde, ist fraglich; aber davon abgesehen, das war vor 2000 Jahren: man kann wirklich die Konstitution dieser„Fresser" bewundern. Und nun wieder zurück in das Zeitalter der Technik. Edison soll gesagt haben, daß nach seiner Ansicht 75 Prozent aller Menschen nur daran sterben, daß sie zuviel essen. Den ersten Schritt zur Gesundheit und damit auch gleichzeitig zum Schlankwerden tun wir, wenn wir morgens auf nüchternen Magen ein Glas frisches Wasser trinken, sowie regelmäßig morgens zehn Minuten Zimmergymnastik betreiben. Zum Frühstück: eine Tasse Kaffee(auch mit Zucker), nur einen Eßlöffel voll Milch, dann ein Brötchen mit etwas Butter und einen bzw. zwei große Aepfel. Das genügt für den Vormittag. wenn einem auch die erste Zeit der Vormittag zu lang erscheint; man gewöhnt sich daran. Das viele Essen ist Gewohnheit. Mittags dann mehr: Eine Tasse Brühe oder Fruchtsuppe, eine große Scheibe mageres Fleisch, drei mittlere Kartoffeln und Gemüse(je mehr, je besser), und zum Nachtisch eine Apfelsine. Wer am Nachmittag etwas genießen will— es genügt eine Tasse Tee mit Keks. Abends kann für Abwechslung gesorgt werden— man kann dann gut und reichlich essen, ohne dabei dick zu werden; wenn man eben diejenigen Speisen auswählt, die kräftig sind und dennoch unnötigen Fettansatz vermeiden. „Schön läßt sich dies alles schreiben“, werden wohl viele meinen. Aber möchten Sie es wohi auch so machen, wie Herr Schmerbauch?, der vierzehn Tage lang genau nach diesen Angaben lebte— und dann schleunigst zu seiner alten Lebensweise zurückkehrte, sich wieder alle die Sachen einverleibte, von denen er ein so schönes gepflegtes Bäuchlein hatte. Vitamine herbei! Soviel als möglich! Nicht Vegetarier sein! Eine gute Gemischtkost: zwei Teile Gemüse, einen Teil Fleisch— das ist die richtige Kost. Der tägliche Genuß einer Schale Sauermilch ist sehr zu empfehlen. Kaiser Franz Joseph nahm in den letzten Jahrzehnten seines Lebens täglich seine Portion Sauermilch zu sich. Nun noch ein Wort an die wirklich Dicken:„Sei nicht dein eigenes„Verkehrshindernis'. Im Omnibus, im Theater, nirgends ist Platz für dich. Besuchst du einen Tanztee— wem gibt Gott Amor den Vorzug: dem sportgestählten Jüngling mit tadelloser Figur, oder dir, der du schon nach dem ersten Tänzchen schnaufst und nach Luft schnappst und mit dem Taschentuch dir Kühlung zuwedelst? Deine Devise sei: Herunter mit dem unnötigen Ballast! Auf der Lebenswaage bleibt der wirklich Dicke immer unten!" K. F. uuds FEAIG Ein Mittagessen. Eine, Tasse Kaltschale oder Brühe, eine Scheibe gebratenes reisch, drei Kartoffeln, drei große Eßlöffel voll Gemüse, eine Apfelüne. T Spargel, eine Stange, groß und dick— 10 Kalorien; sech? Radieschen— 15 Kalorien; eine Scheibe mageres, gebratenes Fleisch— 180 Kalorien; ein Erdbeertörtchen— 150 Kalorien; eine Zitrone= 30 Kalorien; ein Kopf Salat— 100 Kalorien; eine Tomate= 50 Kalorien; eine Handvoll Kirschen— 100 Kalorien; ein Ei= 80 Kalorien. Schlau. ihn an die einem Heir #chel“, schreibe einen Zettel„Verreist!" und hänge Korridortür! Der Topf mit dem großen Kaktus ist u auf den Kopf gefallen!" Schnerwilichen. (Auf sächsisch nachempfunden.) Von Leue Voigt.(Nachdruck verboten.) Da saß ämal änne Geenichin im Winter am Fänster un machte Handarbeeten. Weil's Bärsonal so bleedsinnich in Ofen eingegachelt hatte, warsch färchterlich heeß in der Schtuwwe drinne, un dadrum machte de Geenichin ä häbbchen's Fänster ufs. Dadrbei schtach se sich in gleen Finger mit dr Schtickenadel, un wie nu so ä rodes Bludsdräbbchen in dn Schnee uff dr Fänsterbank'neingollerte, da fand de Geenichin die Farmzusammenschtellung fähre geschmackvoll: Weiß wie Schnee, rod wie Blud un schwarz wie's Aemholz von dn Fänsterrahm. Darum winschte se sich genau so ä schwarzweißrodes Gind. Un wärklich,'s dauerte gar nich lange, da war eens da, ä weibliches, un das nannten se Schneewiddchen. Awer's gibbd ähmd gee vollgommnes Glick uff dr Wält— ooch nich bei Geenichs —, un so mußte de junge Muddi schtärm un das arme Schneewiddchen grichte änne Schtiefmudder. Das war nu ä greiliches Subbjekt. Mer verschteht bloß nich, wo dr Babba von Schneewiddchen da seine Oochen gehabbt hatte, wir'r die nahm. Na, jedenfalls warsche ähmd nu da un bildete sich à Schtiefel uff ihr Geenichdum ein. Dreivärtel Daach schtand se vorn Schbiechel un brobbierte à Gräbbdeschiengleed nach'n andern uff'n Balch. Wenn se nu ihrn Schbiechel fraachte: „Nich wahr, ich bin de scheenste Frau, Das weeß mei Schbiechel ganz genau?“, dann antwortete där immer: „Nadierlich, deire Geenichin, „So scheen wie du gann geene sin.“ Awer eenes Daaches, als Schnecwiddchen inzwischen zu änner bildhibschen Jungfrau'rangeblieht war, da meente doch uff eemal dr Schbiechel ganz hehnisch: „De bist bloß hibsch, doch deine Gleene, Das is im Land de ärschte Scheene.“ De Schtiefmudder grichte hieruff ä Wudanfall un hätte beinah dän gostbarn Schbiechel in dausend gleene Schtickchen zerhaun. Awer weil se sich doch dann hatte ä nein goofen missen im Warenhause, da hielt se noch im lätzten Oochenblick inne un schbuickten bloß geheerich voll. Nee, saachte se sich, das gann unmeechlich so weiter gehn mit däm Ginde! Schneewiddchen, die muß schtärm. Se bimmelte nach ihrn Leibjäächer un befahl däm Manne ganz eenfach, Schneewiddchen dief in Wald'nein zu fiehrn und dort abzumorksen. Zum Beweise, dasse ooch dadsachlich dod war, wollte se's Härze un de Läwer von dr Gleen sähn. So ä rohes Fraunzimmer war de Schtiefmudder. Un so was nennt sich nu Geenichin! Dr Jäächer war awer zum Glück ä Gemietsmänsch aus dr Sächs'schen Schweiz un ließ de Gleene loofen un machte bloß à wildes Garniggel galt. Däm sei Härze und seine Läwer fraß dann de entmänschte Geenichin zum Ahmdbrode, in Balmin gebacken. Schleinichst fraachte de Schtiefmudder nu ihrn Schbiechel: „Jetz, wo Schneewiddchen futsch und hin, Bin ich doch Scheenheetsgeenichin?“ Dr Schbiechel awer meente: „Schneewiddchen bei der Zwärchenschar, Is noch viel scheener, das is glar.“ „So änne niederdrächdche Gemeenheed!“ schimpfde de Geenichin un wurde vor Wud grien un gälb um de Nase. „Also das Luder läbt noch!“ Sofort sauste se nach'n Adräßbuche un guckte nach, wo de Zwärche wohnten. Se war drbei so uffgereecht un nerwees, dasse beim Buchschtahm„A“ ansing, un da dauerte's nadierlich änne ganze Weile, bisse ändsich beim„Zädd“ angam.„ Kum t=t bel Nu beebelte se sich als alte Hausiererin an un hunwelte dei de Zwärche'naus ins Abachenvärtel. Schneewiddchen, die sich dort als Hausdame hatte anggaschiern lassen— schlicht um schlicht— butzte gerade äs Gichenfänster. „Sie, Freilein, wie wärsch denne mit ä eleganten Bistenhalter?“ So fraachte mit verschtellter Schtimme de Geenichin, un zärrte aus ihrn Gorbe so a modsches Dings'raus.„Mer wolln glei ämal anbrobiern, meine Gleene— nich wahr? Greeße zweenvärzch wärd wohl schtimm.“ Un bei där Anbrobbiererei zooch de Schtiefmudder's Gummiband so fäste in, daß Schneewiddchen halb erwärcht in Ohnmacht borzelte. „So, nu isse dod!" driumfierte das Schandweib un ging wieder heeme. De Zwärche warn nich schlecht erschrocken, als ihre hibsche Hausdame ganz schtill un schtumm uffn Aerdboden laach.„Ach, du griene Neine!“ saachte dr älteste von dän Briedern.„Wenn mer se wenichstens in dr Ordsgrankengasse angemäldet hätten! Awer wär soll denne nu dn Dokter bezahln?" Dr jingste Zwerch bastelte inzwischen à bißchen an dam Gummizuch vom Bistenhalter'rum, un gucke da, das Zeich gab nach un Schneewiddchen gonnte wieder Luft schnabben. Da war nu nadierlich de Freide groß un se dranken alle miteenander à baar Flaschen Riedesheimer uff dän Schräck. Schneewiddchen mußte verschbrechen, in Zugunft viel vorsichtcher zu sin un zu jeder Händlerin zu saachen:„Machen Se, dasse fortgomm, mir brauchen nischt!“ Wie de Schtiefmudder drheeme angegomm war, fraachte gleich ihrn Schbiechel: „Als scheenstes Weib im ganzen Land 114### Wär ich wohl wieder anergannt?“ Dr Schbiechel feixte bloß un saachte schnibbisch: „De hast gee Schwein, o Geenichin, Schneewiddchen dut viel scheener sin!“ „Also, das is doch de Hehe!“ brillte de Schtiefmudder un soif vor Wud fimf Gonjagas hinternander. Bibbernd vor Zorn, sockte se schon am nächsten Daache wieder bei de Zwärche naus un bot diesmal Borschdorfer Aebbel zum Goose an. „Nee, nee“, meente Schneewiddchen,„mir hamm geen Bedarf!“ „Awer du dummes Gind“, saachte de Geenichin,„de sollst ja gar nischt goofen— ich will dr een schänken, mei Härzchen. Siste, die eene Hälfte verschbachtle ich sälwer, damit de siehst, dasses änne gude Sorde is.“ Da gonnie Schneewiddchen nu doch nich widerschtehn und ließ sich de andre Hälfte von dän Abbel uffneetchen. Awer gaum hatte sen nuntergewärcht, da fiel se wieder wie dod um.„Aetsch, du dämliche Drine, nu biste doch'neingefall'n!“ juwelte de Geenichin un machte sich aus'n Schtaube. Se hatte nämlich in de andere Abbelhälfte Raddengift neingedan, das Scheisal. De Zwärche grichten wieder ä großen Schräck iwer das dode Schneewiddchen. Se zubbten un zärrten an dr ganzen Gleedasche rum, aber diesmal ohne Erfolch. Da war nischt mähr zu machen. So backten se denn das hibsche Mädchen in à Sarch aus Glas un schtellten se iwer Nacht in ihrn Garten nein. Dann heilten se sich alle siem in Schlaf. Am andern Morchen ganz zeitch hatte sich à Brinz uff dr Jagd verloofen un schtand blätzlich vor däm Sarche.„Nanu!“, so meenter zu sich sälwer,„das wärd doch nicht etwa änne Dode sin!" Druff nahmer änne Hasenfote, die'r immer als Dalisman uff dr Jagd bei sich druuch un gitzelte drmit Schneewidochen unter dr Nase rum. Dadrvon mußte de Gleene dreimal dichtich niesen, un dr vergiftete Abbel gam dorch die Erschidderung hoch un sauste dn Brinzen vor dn Gobb. Dr Zwärche schtaunten nich schlecht, wie se de Dode von gästern ganz gwietschvergniecht mit een bussiern sahn.„Das heeßt, mir hamm da ooch ä Wärtchen mitzureden“, meente dr älteste,„mir sin nämlich dr Arweetgäber von däm Freilein dort.“ Awer dr Brinz zeichte bloß seine Legiddimazion, un da schtanden se alle siem schtramm un riefen:„Heil!“ „Also macht geen Zimt!“ saachte dr Brinz leitdsälich.„Uff unsrer Hochzeet schtreiter alle Bliemchen un jeder darf so viel Sahnrolln nunterwärchen, wie'r will.“ „Is abgemacht!" brillten de Zwärche un danzten vor Freide Scharlsten. De beese Schtiefmudder fraachte drheeme wieder ihrn Schbiechel: „Nu saache ändlich an, mei Liewer, Daß mir an Scheenheet geene iwer.“ Dr Schbiechel feixte noch viel gemeener als bein lätzten Male un meente: „Ich saache als mei lätztes Word: Schneewiddchen schläächt doch dein Reggord.“ Das war zuviel fier de Geenichin. Se grichte à Rabbel un rammelte so lange mit'n Schädel vorn Schbiechel, bis ihr garschtcher Gobb ausenanderschbrang. Aber das gommt drvon: Wär andre deeden will, muß sälwer schtärm. Die Glatze. Vater: Sohn: skalpiert!“ „Soll ich mitspielen— großer Siouz „Nein, Vater, das geht nicht! Du st sa schon Der gute Schüler. „Nee, Herr Schulze, meine Tochter kann niemals die Ihre werden!"„„ k hen fe „Hm! Ich will sie ja auch nicht als Tochtel haben, sondern# rau!" Der junge Gärtner. ist madig!“ rden eider nich eine gute Obsternte haben!s habe schon nachgesehen. Unser Appn# Sthotungsreist. „# e, du hast immer den letzten Platz in der st du Vater:„Ich höre, du Klasse. Kanns. 2 denn nicht einen höheren Platz berommen?“ Hans:„Nein, die anderen sind alle besetzt!" Der Herr Meier ist verreist“, sagt Trina zu dem Besuchen Zur Erholung?“ Nee!— Seine Frau ist mitgefahren!“ Der gule Sonntagsbraten. Das wär' für uns ein guter Happen, Den werden wir uns gleich mal snaben. ritz, setz dich unten auf die Leiter, ist kippt sie und das Din, ng: bei tbürd ter. Fritz ist nun leider aufgesprungen. Sonst wär' die Sach' vielleicht gelungen. Die Mittelmeer=Parität Mussolini ist Donnerstag morgen in Bari eingetroffen, um die große Levante=Messe zu eröffnen. Deutschland ist in diesem Jahre nicht vertreten, dagegen ist die erstmalige französische Beteiligung Gegenstand starken Interesses in Italien. Mit besonderer Vorliebe und deswegen wohl auch mit besonderem Geschick sucht sich der italienische Ministerpräsident Mussolini für alle Veranstaltungen, die irgendwie auf sein Land Bezug haben, stets solche Orte aus, die für Italien mit stolzen Ueberlieferungen verbunden sind und an die die Weltöffentlichkeit durch irgendwelche historischen Vorgänge erinnert wird. Jetzt ist es die Hafenstadt Bari an der Südostküste Italiens, die im Mittelpunkte des italienischen Lebens steht. Die Levante=Messe wird dort vom Duce eröffnet und mit ihr eine Brücke geschlagen für den italienischen Handel nach dem näheren und fernen Osten hin. Man sollte denken, daß es sich hier um eine Angelegenheit handelt, die lediglich Italiens Handel und Wirtschaft angeht, aber wenn man sich die eingeladenen Teilnehmer näher betrachtet, so wird man bald eines Besseren belehrt und steht— mit Einschränkung gesagt— vor einem Ereignis von politischer Tragweite. Man kann es aus allen Blättern lesen, daß die willkommensten Gäste die Vertreter der französischen Delegation sind, die auf ihrer ganzen Reise durch Italien mit allseitig auffallender Betonung gefeiert wurden. Unwillkürlich erhebt sich die Frage, will denn der italienische Ministerpräsident mit oder durch diese Messe dem französischen Handel einen Impuls verleihen? Bei näherer Betrachtung aber stellen sich dem aufmerksamen Beobachter keinerlei wirtschaftliche Beziehungsmöglichkeiten besonderer Art dar, die ein so reges Interesse der französischen Gesamtwirtschaft rechtfertigte. Und so bleibt nur übrig die Levante=Messe in Bari als eine willkommene Gelegenheit anzusehen, durch welche die politischen Beziehungen zwischen Frankreich und Italien befestigt und bereinigt werden sollen. Wenn aber von einer Bereinigung politischer Beziehungen beider Länder die Rede ist, so kann es sich nur um die Lösung der beiden fundamentalen Probleme zwischen beiden Ländern handeln, die„Mittelmeerparität“ und die Kolonialfrage. Nun hat sich aus den letzten Nachrichten ergeben, daß von diesen beiden Fragen die erstere die dominierende ist. Allerhand ist auch schon in die Wege geleitet worden, um dieses Flottenverhältnis, diesen Ausgleich der Stärke zwischen den italienischen und französischen Seestreitkräften herbeizuführen. Die französische Absicht, einen Teil der französischen Mittelmeerflotte an der Atlantischen Küste zu stationieren, kann nicht anders als ein Entgegenkommen in der italienisch=französischen Flottenfrage ausgelegt werden. Es ist nur die Frage, ob diese Verlegung den Italienern schon genügt. Denn schließlich ist es bei der Schnelligkeit der heutigen Kriegsschiffe kein allzu großes Kunststück, die in Betracht kommenden Einheiten binnen kurzer Zeit vom Atlantik wieder zum Mittelmeer zurückzudirigieren. Auch wird ja wieder das französische Projekt einer Kanalverbindung vom Golf von Biskaya nach dem Golf von Toulouse diskutiert. Aber wie dem auch sei, der Anstoß einer Bereinigung dieser einst so grundlegenden Schwierigkeiten scheint gegeben zu sein, sicherlich auch im Hinblick auf die in den letzten Tagen angestrebte Einmütigkeit in der Behandlung der Donauraumfrage. Freilich stehen sich da nahezu traditionelle Ansichten gegenüber. Aber zugleich sind da eben die beiden anderen Punkte, Mittelmeerflotte und Kolonien, und das sind Gebiete, auf welchen von beiden Seiten notwendigenfalls Konzessionen gemacht werden können. Der Staatsbesuch des Königs Alexander von Südslawien in Paris ist, wie„Figaro“ meldet, auf den 5. Oktober festgesetzt worden. Der König werde im Außenministerium wohnen. Erschlagene Fraum GurtenVergraden Aufklärung eines sensationellen Verbrechens in Köln Die Kölner Kriminalpolizei beschäftigte sich seit einigen Tagen mit einem merkwürdigen Vorfall in dessen Mittelpunkt die geschiedene 22jährige Ehefrau Heinrich Wolf, Emma geborene Schwabenland aus Köln=Kalk stand. Die Frau war zuletzt am 26. August um 3 Uhr morgens gesehen worden, als sie mit dem Revisor Peter Wicharz auf dessen Motorrad von Kalk in Richtung Köln fuhr. Der in Haft befindliche Wicharz versuchte zweimal, sich das Leben zu nehmen und machte bei seinen Vernehmungen stets andere Angaben über den Verbleib der Frau Wolf. Aber schon nach wenigen Tagen hat die Kriminalpolizei Licht in dieses Dunkel gebracht. Die Beamten des Kommissariates begaben sich am Donnerstag in den Garten des Wicharz, den sie einer gründlichen Durchsuchung unterzogen. Sie rissen den Fußboden einer im Garten stehenden Bude auf und fanden hier die Leiche der Vermißten in der Erde vergraben auf. Die Leiche war entkleidet und in zusammengedrückter Stellung in die Erde eingegraben. Bei einer erneuten Vernehmung blieb Wicharz bei seinen schon früher gemachten Angaben, er habe die Frau vom Motorrad verloren und, als er sie später tot auf der Brücke liegen sah, in den Rhein geworfen. Erst als man ihm die Mitteilung machte, daß die Leiche aufgefunden sei, bequemte er sich zu folgendem Geständnis: Er sei mit der Frau Wolf nach seinem Garten gefahren und habe dort in der Bude mit ihr Streit bekommen. Im Verlaufe dieser Auseinandersetzung habe er sie mehrmals mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen. Die Frau habe daraufhin geschrien. Um nun den Wächter der Gartenkolonie von diesem Vorgang abzulenken, habe er der Wolf die Kehle durchschnitten, und die Leiche in der später festgestellten Weise vergraben. Wicharz gibt ferner zu, beabsichtigt zu haben, die Leiche wieder aus seinem Garten zu entfernen. Er wollte sie entweder an einer anderen Stelle vergraben oder in den Rhein werfen. Eirulespharenoutten=expleriert Beim Aufstieg auf dem Moskauer Flugplatz— Völlig verbrannt Der sowjetrussische Stratosphärenballon Lokomotiven zweier Personenzüge fuhren inein„USSR“ ist am Mittwoch früh auf dem Mos= ander und stürzten um. Auch die drei ersten kauer Flugplatz beim Aufstieg plötzlich explodiert Wagen der beiden Züge stürzten um und wurden und verbrannt. Menschen kamen bei dem Vorfall vollkommen zertrümmert. Vier Bahngleise sind nicht zu Schaden. Der Ballon war in der Nacht zum Mittwoch für einen neuen Aufstieg fertiggemacht worden, um den eigenen Rekord von etwa 18000 Meter zu schlagen. Nach den bisherigen amtlichen Mitteilungen scheint es, daß die Explosion technische Gründe hatte. Der Ballon war mit etwa 50 000 Kubikmeter Wasserstoffgas gefüllt. Mit diesem Unglücksfall scheidet Sowjetrußland auf längere Zeit aus dem Wettkampf um die Erforschung der Stratosphäre aus. Der zweite Ballon, der jetzt in Leningrad gebaut wird, ist noch nicht fertig. Der Ballon sollte eigentlich Anfang Oktober fertig werden, der Bau hat sich aber verzögert. Zur Zeit ist nicht zu übersehen, wann er fertig wird. Die Unglücksstätte ist sofort von Militär besetzt worden. Auch ausländische und sowjetrussische Berichterstatter werden bis zum Abschluß der Untersuchung, für die eine besondere Kommission eingesetzt wurde, nicht auf den Platz gelassen. Eisenbahnunglück in England Zwei Tote, 40 Verletzte Kurz vor dem Glasgower Hauptbahnhof ereignete sich am Donnerstag ein schweres Eisenbahnunglück, durch das ein Lokomotivführer und ein Heizer getötet und mehr als 40 Fahrgäste mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Die Oeltanks ausbrannten. durch zersplitterte Holzteile und verbogene Eisenstangen vollkommen blockiert. Sämtliche Rettungswagen der Stadt mit zahlreichen Aerzten wurden an die Unfallstelle entsandt. Taifunkatastrophe auf den Philippinen Der Nordteil der Philippinen=Insel Luzon ist von einem zweitägigen heftigen Taifun heimgesucht worden. Die leichten Bambuswohnhäuser der eingeborenen Bevölkerung wurden zu Hunderten zerstört. Aber auch Gebäude europäischer Bauart sind dem Sturm zum Opfer gefallen. Viele Tausende von Bewohnern sind infolgedessen obdachlos. Ueber Verluste an Menschenleben lagen bisher noch keine sicheren Nachrichten vor. Schwarzer Regen über Buenos Aires Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, wurde die Stadt von einem mehrstündigen schwarzen Regen heimgesucht. Das ganze Stadtgebiet war in tiefe Dunkelheit gehüllt. Eine mikroskopische Untersuchung des Regenwassers ergab eine Vermischung mit Kohleteilchen und Petroleum. Man nimmt an, daß es sich um Auswirkungen des Riesenbrandes in der Stadt Campana handelt, wo bekanntlich zahlreiche keine neugründung von Geldinstituten sowie Errichtung von Zweigstellen Angesichts der Uebersetzung im Kreditgewerbe, die zu schweren Unzuträglichkeiten für die deutsche Wirtschaft geführt hat, hat es sich als erforderlich erwiesen, Neugründungen im Bankgewerbe zu begrenzen. Zu diesem Zweck ist eine Verordnung erlassen worden, die die Neugründung von Geldinstituten sowie die Errichtung von Zweigstellen allgemein untersagt. Die Sperre ist zeitlich begrenzt; sie soll mit einer allgemeinen Regelung des Zulassungsverfahrens im Bankgewerbe, spätestens aber am 31. Dezember 1936, Das größte Schiff der Welt vor seiner Vollendung Eine Luftaufnahme des 73 000=Tonnen=Dampfers„Nr. 534“ der englischen Cunard=Linie, der in Glasgow gebaut wird und noch im September vom Stapel lausen soll. Die größten deutschen Dampfer„Bremen“ und„Eurova“ haben etwa 50 000 Tonnen enden. Ausnahmen von der Gründungssperre können in dringenden Fällen vom Reichswirtschaftsminister und, wenn es sich um landwirtschaftliche Kreditgenossenschaften handelt, vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft bewilligt werden. „Tag des NSRR“ erst im nächsten Frühjahr Die Pressestelle des RSKK teilt mit: Der für Sonntag, 23. September, in den verschiedenen Teilen des Reiches als„Tag des RSKK“ festgesetzte RSKK=Aufmarsch wird im Hinblick auf die sich durch Zusammenfassung von Motor=SA und RSKK zu einer selbständigen Gliederung der Bewegung ergebenden organisatorischen Maßnahmen abgesagt und bis zur. Frühjahr 1935 verschoben. Wirtschaftseinigung mit Belgien Bei den zwischen Vertretern der deutschen und der belgischen Regierung geführten Wirtschaftsverhandlungen ist eine Einigung erzielt worden. Im Auswärtigen Amt wurde am Donnerstag eine 6. Zusatzvereinbarung zum deutsch=belgischen Handelsvertrag vom 4. April 1925 und ein Abkommen über die Zahlungen im Warenverkehr (Verrechnungsabkommen) unterzeichnet. 300 000-Mark-Gewinn gezogen Der Westen ging leer aus In der Donnerstagvormittags=Ziehung der Preußisch=Süddeutschen Klassenlotterie wurde der 300 000=Mark=Gewinn auf die Nummer 20 498 gezogen. Das Los wird in der ersten Abteilung als Ganzes in Berlin gespielt, in der zweiten Abteilung als Achtel in Bayern. Vor einem Wiener Militärgerichtshof wurde am Donnerstag der 28jährige Polizeibeamte Hölzl wegen Hochverrats zum Tode durch den Strang verurteilt. Neue Beschwerdeschrift der„Deutschen Fronk“ Der Landesleiter der Deutschen Front, Pirro, hat gemeinsam mit der Landesratsfraktion der Deutschen Front eine neue Beschwerde an den Völkerbundsrat gerichtet. Die Beschwerde weist nach, daß die Polizeiforderung des Präsidenten Knox nicht begründet ist und setzt sich mit dem Verbot des freiwilligen Arbeitsdienstes im Saargebiet auseinander, das auf Grund nicht stichhaltigen Materials erfolgt sei, dessen Echtheit in keiner Weise feststehe. Die Deutsche Front erhebt in der Denkschrift wiederum Beschwerde gegen Knox, vor allem wegen seiner parteilichen Berichterstattung. Nicht nur dem Völkerbundsrat habe er falsche Darstellungen gegeben; auch die Weltpresse benutze er, um über das Saargebiet und seine Bewohner unzutreffende Auffassungen zu verbreiten. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß der Rat den Präsidenten auf den Weg einer objektiven Berichterstattung und zu einer neutralen Handhabung seines Amtes bringen werde. Die jetzt mehr als 95 v. H. umfassende Deutsche Front bringt in der Denkschrift zum Ausdruck, daß sie auf die wenigen Rechte des Versailler Vertrages nicht verzichten könne. Ebenfalls hätten die außerhalb des Saargebiets wohnenden Abstimmungsberechtigten einen Anspruch darauf, daß die Bestimmungen des Versailler Vertrages auch bei der Volksabstimmung beachtet würden. Das Saarstatut besage:„Es wird nur eine örtliche Gendarmerie zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingerichtet". Hiernach sei alfo die Verwendung einer internationalen Gendarmerie unzulässig, selbst für die Zeit der Volksabstimmung. Der Verfailler Vertrag sehe keine Ausnahme für diesen Zeitabschnitt vor. Die Denkschrift verweist dann auf den Beschluß des Völkerbundsrates, der eine Rekrutierung der Saarpolizei in erster Linie aus saarländischen Bewerbern vorschlug. Die Regierungskommission habe jedoch den Eintritt von Saarländern in die saarländische Gendarmerie an die Bedingung geknüpft, daß sie keiner Partei angehören dürften, die sich bereits für die eine oder andere der drei bei der Volksabstimmung zur Entscheidung stehenden Fragen erklärt habe. Hierdurch habe die Regierungskommission sämtliche Mitglieder der Deutschen Front von der Rekrutierung praktisch ausgeschlossen. Sie habe daher kein Recht, sich darauf zu berufen, daß sie für die örtliche Gendarmerie nicht die nötigen Anwärter im Saargebiet habe finden können. Zu den Versuchen des Präsidenten, die Notwendigkeit einer internationalen Polizei mit der Tatsache in Zusammenhang zu bringen, daß 16000 junge Saardeutsche, die im deutschen freiwilligen Arbeitsdienst tätig seien, im Reich eine militärische Ausbildung erhielten, verweist die Denkschrift auf die Erklärung der Reichsleitung des freiwilligen Arbeitsdienstes. Hiernach entspricht die Behauptung der militärischen Ausbildung nicht den Tatsachen, zumal Aufbau und Ziele des FAD eine militärische Ausbildung überhaupt nicht zulassen. Knox werde also den Beweis für seine Behauptung, die Tätigkeit des FAD„bilde eine große und schwere Gefahr für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Saargebiet“ nicht durchführen können. Gewaltstreich Barthous? Genfer Gerüchte über die Aufnahme SowjetRußlands In Genfer internationalen Völkerbundskreisen behauptet sich das Gerücht, daß Barthou bald nach Beginn der Ratssitzung einen Ratsbeschluß herbeiführen wolle, wonach Sowjet=Rußland ein ständiger Ratssitz zugeteilt werden soll. Damit wolle man die Vollversammlung vor eine vollendete Tatsache stellen und der Sowjetunion eine Brücke bauen damit sie nun den formellen Zulassungsantrag stellen könne. Die Großmächte würden durch eine derartige Haltung ihre eigene Unsicherheit zeigen und die kleineren und nicht im Rat vertretenen Staaten vor den Kopf stoßen. In Japan glaubt man im Zusammenhang mit den Nachrichten, daß die Schweiz aus dem Völkerbund austreten wolle, die Möglichkeit einer ernsten Krise für den Völkerbund zu sehen. Der schwedische Außenminister erklärte am Donnerstag, daß Schweden eine Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund bei der nächsten Tagung befürworten werde. Unruhen in Tunis Der französische Generalresident von Tunis hat sich im Einvernehmen mit dem Bey von Tunis veranlaßt gesehen, mehreren Personen, die der nordfranzösischen Unabhängigkeitbewegung bezw. der Kommunistischen Partei angehörten und franzosenfeindliche Propaganda betrieben, Zwangssitze in Süd=Tunis zuzuweisen. Bei der Durchführung dieser Maßnahme ist es in Meknin bei Sousa zu schweren Zusammenstößen gekommen, in deren Verlauf drei Eingeborene und ein Eingeborener=Polizist getötet und zahlreiche Personen verwundet wurden. Das Rathaus von Meknin wurde in Brand gesetzt. Ein Truppenaufgebot stellte die Ordnung wieder her. K URHEBER·RECHTTSCMUTZ OURCM VERLAO OTKAR MAEISTER WEROAU „Eine frohe Botschaft, liebe Frau Prenner! Ich bringe Ihnen die Freiheit. Sie sind vollkommen rehabilitiert. Der Herr Untersuchungsrichter konnte sich endlich davon überzeugen, daß die gegen Sie erhobenen Beschuldigungen nicht länger aufrechtzuhalten waren. Wollen Sie mir zur Erledigung der Formalitäten ins Amtszimmer folgen! Nehmen Sie aber Ihre Sachen gleich mit, denn Sie werden nicht mehr hierher zurückkehren!" Er rieb sich aufgeregt die Hände und war nicht wenig verblüfft, als Jenny Prenner keinerlei Freude oder Begeisterung zeigte. Sie holte ihren Koffer aus der Ecke, legte den Pyjama, die Seife und die Zahnbürste hinein, schloß ihn ab und folgte dem verlegenen Mann mit gleichgültigem Gesicht. Im Büro wurde ihr ein Schriftstück vorgelesen, sie mußte etwas unterschreiben, irgend jemand sprach auf sie ein— und dann befand sie sich plötzlich im Freien.„ Sie atmete auf, wischte sich mit dem Hanorucen über die Stirn und ging langsam die Straße hinab. „Warum bin ich nur so müde?“ grübelte sie, während sie sich scheu an den Menschen vorbeidrückte, die ihr begegneten. Ihre Rechte umfaßte krampfhaft den kleinen Handkoffer. „Ist jetzt nicht alles wieder wie vorher?“ Eine Weile dachte sie über diese Frage nach, aber sie wußte keine Antwort. Sie wußte nur, daß sie müde war. Warum war er nicht gekommen? Warum hatte er sie nicht in seine starken, lieben Arme genommen?— Vielleicht war auch er müde geworden! Alle Menschen waren müde von ihren Torheiten und Irrtümern und von dem langen Warten aufs Glück! Sie gelangte in die Roedernstraße und betrat den Park der Villa Prenner. Mit langsamen, schleppenden Schritten und schlaff herabhängenden Armen bewegte sie sich auf das Haus zu. Vor der Freitreppe blieb sie stehen, von einem Anfall des Ekels geschüttelt. Nie mehr würde sie dieses Haus betreten, von dem alles Unglück ihres Lebens ausgegangen war. Oh. wenn man diese ganze Zeit möchte verlöschen können. Und plötzlich empfand sie eine bohrende, ziehende Sehnsucht nach den Tagen des Kindseins und nach der Stadt, in welcher alle Menschen gut und freundlich zu ihr gewesen waren. München! Dort war die Wärme, dort war die Heimat, dort strömten die reinen Quellen, aus denen sie das Leben getrunken hatte! Sie zog die Klingel an der Haustür. Nach einer Zeit öffnete sie sich. Anne kam zum Vorschein. Jenny lächelte über das fassungslose Gesicht das Mädchens. „Wollen Sie mir helfen, Anne? Ich muß nach München ahren, aber Sie dürfen mich nicht verraten. Niemand darf es wissen, sonst verfolgen sie mich wieder. Wissen Sie, man will mir keine Ruhe lassen!" Anne nickte aufschluchzend mit dem Kopf. „Ist mein Wagen hier? Ja? Gott sei Dank! Geben Sie mir den Garagenschlüssel! Rasch, helfen Sie mir! Ich fürchte mich, jeden Augenblick kann jemand kommen!“ Anne eilte hastig ins Haus und kam gleich darauf mit dem Schlüssel zurück.„Aber gnädige Frau, wollen Sie nicht erst mal ein Frühstück nehmen? Sie sehen so blaß aus!“ „Nein, nein, es ist keine Zeit dazu!“ Sie hatte das Garagentor aufgesperrt und eilte mit einem glücklichen Ausruf auf die blaue Limousine zu. Anne gab keine Ruhe.„Dann will ich Ihnen wenigstens etwas für die Reise zurechtmachen.“ Sie verschwand mit fliegenden Röcken in der Richtung zum Haus. Jenny prüfte den Benzinvorrat und untersuchte den Motor mit einer Sorgfalt, die bei ihrem Zustand erstaunlich war. Als sie sich überzeugt hatte, daß alles in Ordnung war, kletterte sie in den Wagen und gab Gas. Sie hätte Anne, die gerade mit einem Paket auf das Garagentor zulief, beinahe überfahren.„Hier, Frau Prenner, damit Sie für unterwegs etwas haben! Ich habe auch eine Tafel Schokolade von mir dazu getan. „Sie sind so gut zu mir, Anne! Ich danke Ihnen sehr! Leben Sie recht wohl und— verraten Sie mich nicht!" Annes Tränenstrom versiegte erst, als der Wagen längst zußer Sehweite war.— Es muß ein Wunder genannt werden, daß die blaue Limousine ohne Unfall in München eintraf. Jenny achtete kaum auf die Straße. Ihre Hände hielten mechanisch und lässig das Steuerrad. Zwischen Wachen und Schlafen fuhr sie dahin. Als die Frauentürme in der Ferne auftauchten, wurde sie lebendig. Ihre Augen begannen fiebrig zu glänzen.„Nun fahren wir heim, nun fahren wir heim!“ Sie hielt vor einem Haus in der Theresienstraße, nahe der Technischen Hochschule, stieg aus und schleppte sich drei Treppen empor. Vor einer Tür klingelte sie. Ein Mann in weißem Malerkittel öffnete.„Was wünschen Sie?“ Jenny Prenner schwankte auf ihn zu. „Werner!" Dann brach sie ohnmächtig zusammen. Werner Soenken war bei ihrem Anruf überrascht und erschreckt zusammengezuckt.„Jenny, Kind! Um Gottes willen!" Er trug die Bewußtlose ins Atelier, bettete sie auf eine breite Ottomane und strich mit einer leidvollen, verhaltenen Bewegung über ihr Haar. Dann rief er seine Frau, die in der Wohnküche für ihr Töchterchen ein Puppenkleid nähte. * * Während in Herrn Busses Vorzimmer zwei glückliche Menschen sich umschlungen hielten, herrschte innerhalb der genolsterten Doppeltür Ratlosigkeit und Verzweiflung. „Sie kann doch nicht vom Erdboden verschwunden sein!"“ eief Wendrich und eilte händeringend im Zimmer auf und ab. Liese Bergius saß mit verängstigten Augen in der Ecke. Es wird ihr doch nichts zugestoßen sein!“ jammerte sie. „Unsinn!“, sagte Busse, der naturgemäß von allen der uuhigste war. „Wir hätten bereits gestern kommen sollen!“ meinte Wendrich.„Aber wer konnte denn ahnen, daß man sie acht Stunden vor der vereinbarten Zeit entlassen würde. Paul Märckl ist ja auch erst seit einer halben Stunde hier!" Liese hatte inzwischen angestrengt nachgedacht— und plötzlich schien ihr der rettende Einfall zu kommen.„Warten Sie einen Augenblick! Ich will mal zu Anne hinüberlaufen.“ Während ihrer Abwesenheit meldete sich das Polizeipräsidium. Der Beamte teilte mit, daß nach einer telephonischen Meldung aus München Frau Jenny Prenner soeben dort eingetroffen sei. Ein Herr Werner Soenken, Kunstmaler, Theresienstraße 23, habe mitgeteilt, daß die Frau bewußtlos in seiner Wohnung liege und habe um nähere Auskünfte gebeten. Es sei ihm, so habe er sich ausgedrückt, als seine Pflicht erschienen, die zuständige Behörde von dem derzeitigen Aufenthalt der Dame zu unterrichten. Busse schrieb sich hastig die Adresse auf und legte den Hörer weg.„Sie ist gefunden!“ rief er. Er berichtete, was er soeben erfahren hatte. Wendrich wurde vor Freude ganz kopflos. Er umarmte Herrn Busse und vollführte groteske Sprünge. Am liebsten hätte er einen Purzelbaum geschlagen. Liese kam mit ihrer Neuigkeit zu spät.„Jenny ist mit ihrem Auto nach München gefahren!“ wollte sie sagen, aber Wendrich hatte sie schon gepackt und ihr einen Kuß gegeben. „Auf nach München!“ rief er.„Nun soll sie uns nicht mehr entwischen!"„„ * Der Arzt war gegangen. Als Werner Soenken zu den Wartenden eintrat, lag ein beruhigendes Lächeln auf seinem Gesicht. „Es ist nichts Ernstes, lediglich ein Erschöpfungszustand. Der Arzt denkt, sie wird morgen früh wieder vollkommen hergestellt sein.“ Wendrich und Liese atmeten auf und zögerten nicht länger, Frau Soenkens Einladung zum Essen Folge zu leisten. Auch Soenken setzte sich an den Tisch.„Die arme Frau muß in einer sehr verzweifelten Verfassung gewesen sein, daß sie ausgerechnet zu mir den Weg fand.“ Er blickte eine kurze Zeit nachdenklich vor sich hin.„Als sie noch ein junges Mädel war, haben wir uns sehr gut verstanden. Ich— liebte sie wohl, aber dann lernte sie Emil Prenner kennen. Und ich— fand meine Frau!“ Die Augen des Ehepaares begegneten sich in einem verstehenden Blick. Liese Bergius bestand darauf, die Nacht bei Jenny verbringen zu dürfen. Soenken wußte gegen ihre Gründe schließlich nichts mehr einzuwenden. Wendrich wurde spät in der Nacht mit herzlichem Händedruck verabschiedet und von Frau Soenken ins Fremdenzimmer geleitet. Er konnte aber vor Glück und Freude keinen Schlaf finden.— Lieses Sorge war unbegründet, denn Jenny schlief fest und traumlos bis zum Morgen. Als sie endlich erwachte, schien bereits die Frühsonne durch das geöffnete Fenster und erfüllte den freundlichen, mit bunten Tapeten ausstaffierten Raum mit dem Glanz des Herbsttages. Jenny öffnete die Augen— und sah Lieses liebes leuchtendes Gesicht über sich gebeugt. Erst glaubte sie zu träumen, sie schien das holde Wunder nicht fassen zu können. Als aber Liese mit halbgeöffnetem Mund die Hände um Jennys Wangen wölbte, fühlte sie sich plötzlich von zwei Armen umschlungen. „Liese? Du?— Du bist da?“ schluchzte Jenny zwischen Lachen und Weinen, während sie die Freundin ein ums andere Mal an sich preßte. Als sich der erste Ueberschwang gelegt hatte, rückte Liese langsam mit ihren Neuigkeiten heraus. „Wir wollen dich einholen Jenny! Wir wollen dich in die Sonne geleiten! Du sollst alles vergessen, was die Vergangenheit dir Böses und Bitteres bescherte. Wir wollen dich wieder lachen lehren!“ Jenny bekam große, gläubige Augen.„Lachen? Ich glaube, ich kann es schon wieder! Aber bist du denn nicht allein hier?“ Liese lächelte geheimnisvoll. Dann schüttelte sie den Kopf. Jennys Gesicht überzog sich mit einem zarten Rot. Es gab wiederum eine stürmische und leidenschaftliche Umarmung. „Wie ist es denn, Jenny? Bist du wieder bei Kräften?“ Jenny sprang unternehmungslustig aus dem Bett.„Ach Liese, ich bin ja so glücklich!“ Und dann stand sie in Soenkens Atelier dem geliebten Mann gegenüber. Liese hatte sie durch die Tür geschoben und war leise wieder hinausgegangen. Die beiden Liebenden waren allein. Ein paar Sekunden blickten sie sich bewegungslos in die Augen. Dann aber hoben sich die Hände einander entgegen. Ihre Lippen fanden sich, preßten sich aneinander und tranken das neugeschenkte Wunder ihrer Gemeinschaft. „Jenny, liebe süße Jenny, endlich hab ich dich wieder— und jetzt laß ich dich nimmer von mir!— Willst du bei mir bleiben, Jenny, für immer? Willst du— meine Frau werden?" Sie blickte ihn mit großen, leuchtenden Augen an.„Ich habe niemand als dich allein!"— Liese Bergius mußte dreimal klopfen, bis sie endlich gehört wurde.„Das Frühstück wartet!“ rief sie vorwurfsvoll. Frau Soenken hatte einen mächtigen Blumenstrauß auf den Tisch gestellt und wetteiferte mit ihrem Mann, die Gäste zu verwöhnen. Dann wurde es Zeit zum Aufbruch. Wendrich hatte die Absicht fallen lassen, das Auto zur Heimreise zu benutzen. Es bestand die Gefahr, daß Jenny den Strapazen einer solchen Reise noch nicht gewachsen war. So hatte er kurzentschlossen drei Plätze in dem Flugzeug belegt, das am Mittag nach Berlin startete. Das Auto war einer Firma zum Transport übergeben. Soenken ließ es sich nicht nehmen, seine Gäste auf der Fahrt zum Flughafen Oberwiesenfeld zu begleiten. Man entließ ihn erst an der Kabinentür und nicht ohne ihm das Versprechen abgenommen zu haben, daß er sich mit Frau und Kind demnachst zum Besuch in Berlin einfinden würde. Der Flug verlief ohne Zwischenfälle. Während des Aufenthaltes in Nürnberg gab Wendrich ein Telegramm an Wieland auf. Jenny erlebte den Flug nach Berlin als eine glückhafte Verwirklichung ihrer Träume und Sehnsüchte. Nürnberg versank in der Ferne— und mit ihm versank alles, was sie dort hatte erleben müssen. Gegen Abend landete die Maschine auf dem Tempelhofer Feld. Und dann kam endlich der Augenblick, den sich Wendrich in hundert Träumen ausgemalt, den er mit allen Fasern seines Herzens herbeigesehnt hatte. Seine Hände zitterten, als er Jenny die Treppe seines Hauses emporführte.„Deine neue Heimat, Jenny!“ flüsterte er ihr zu, während seine Hand die ihre umklammerte.„Möge sie dir alles Glück des Lebens schenken!" Wielands Verbeugung war mustergültig. Und als er vor Frau Jenny die Doppeltür zur Diele aufstieß, konnte selbst Wendrich einen Ausruf freudiger Ueberraschung nicht unterdrücken Die Diele war herrlich ausgeschmückt. Wieland schien sämtliche Gärtnereien der Reichshauptstadt geplündert zu haben. Das war ein Prangen und Blühen und Duften, daß einem der Atem vergehen konnte. Dann preßte Wendrich den Arm der Geliebten fester an sich.„Als wir uns in Malepart trennen mußten. Liebste, verriet ich dir, daß ich noch ein Geheimnis für dich bereit habe!“ Jenny blickte ihn an. Irgend etwas unfaßbar Schönes schien auf sie einstürzen zu wollen. Da führte Wendrich sie zu der Tür des Raumes, den der frühere Besitzer die„Kapelle“ genannt hatte. Jenny trat über die Schwelle— und blieb fassungslos stehen. Ihre Augen starrten auf ein großes Bild an der Wand, das von den Strahlen der Abendsonne phantastisch beleuchtet war. Es war das Porträt aus der Nürnberger Wohnung. Jenny erkannte es sofort, obgleich es in einen anderen Rahmen gefaßt war. „Ich habe mir das Bild von Herrn Busse erbeten, weil ich glaubte, es würde für dich mit einer schönen Erinnerung verbunden sein.“ Seine Stimme war leise, von geheimer Erregung durchzittert. Jenny trat näher— und plötzlich weiteten sich ihre Augen. Sie hatte die Inschrift entdeckt, die in altertümlichen Schnörkeln auf dem neuen Rahmen angebracht war. Ihre Lippen formten mechanisch und fassungslos die wenigen Worte nach.„Die blaue Insel.“ „Ja, Jenny, das Bild soll dich an— die blaue Insel erinnern und an den Mann, der dich seit dem Tag liebte, da er aus unbekannter Ferne deine Stimme vernahm— und der dich immer lieben wird.“ „Du— bist——?“ Im nächsten Augenblick hing sie aufschluchzend an seinem Hals.„Oh, daß du dieser Mensch bist! Alles, alles danke ich dir!— Die blaue Insel! Ich hatte es für ein Märchen gehalten, aber ich habe doch daran geglaubt, immer!" Dann führte er sie in ihre Zimmer.— Zum festlichen Abendessen war natürlich auch Hildebrand geladen worden. Wendrich begrüßte ihn feierlich. „Betrachten Sie sich als mein Ehrengast! Auch Sie haben ja Ihr Teil dazu beigetragen, daß ich den heutigen Tag erleben durfte" Hildebrand wehrte lächelnd ab.„Ich glaube aber, daß noch jemand anderes mit einem bescheidenen Dank zu beschenken wäre. Ein junger Mann, der mit seinem Artikel Ihr Herz aufpflügte und für das Erlebnis erst bereit und empfänglich machte Vielleicht hätte jener Anruf von Frau Prenner damals Sie gar nicht beruhrt, gar nichts in Ihnen lebendig gemacht, wenn Sie nicht ein paar Stunden vorher den Aufsatz des braven Niklas gelesen hätten!“ Wendrich blickte überrascht auf.„Wahrhaftig, Sie haben nicht unrecht! Ich werde———“ Hildebrand unterbrach ihn.„Ich habe Herrn Niklas als festbesoldeten Mitarbeiter engagiert.“ Dann kam Jenny. Sie begrüßte Hildebrand mit freudiger Ueberraschung.„Ah. Herr Hildebrand! Wie freue ich mich, Sie zu sehen! Gott, wenn ich noch daran denke, wie Sie mich damals im Schaufenster mit Ihren Blicken durchbohrten!“ Hildebrand blinzelte ihr warnend zu, aber Liese war bereits aufmerksam geworden.„Davon weiß ich ja gar nichts!“ mischte sie sich ein.„Sollte ich mein Herz an einen Unwürdigen weggeworfen haben?" Jenny machte große Augen.„So ist es also wirklich Ernst geworden? Nein, Liese, laß nur, er wird sich schon bessern. Du hättest an einen Schlimmeren geraten können!“ Bei Tisch gab es natürlich eine Menge zu erzählen. Nun erst erfuhr Jenny alle Einzelheiten der Verschwörung, die gegen sie angezettelt worden war. Sie drohte Hildebrand mit dem Finger.„Und ich ahnungslose Frau hielt Sie für einen selbstlosen Freund Wenn ich gewußt hätte, daß Sie sich Ihre Dienste mit Sekt bezahlen ließen!“ Hildebrand verzog das Gesicht.„Den ich übrigens bis heute noch nicht zu sehen kriegte! Was meinen Sie, Wendrich, es wäre nun endlich an der Zeit! Sie haben sicher ein paar Flaschen im Keller!“ „Nur Geduld, lieber Freund! Die Getränke kommen später: Als Frau Krüger den Nachtisch servierte, beugte sie sich mit vielsagender Miene über Wendrichs Schulter. Ihre Stimme dämpfte sich zu einem vorsichtigen Flüstern: „Daß sich mit Ihnen und der jungen Dame was anspinnen würde, hab ich damals bei Ihrer Abreise geahnt. Für solche Sachen habe ich einen guten Riecher, mussen Sie wissen!“ — Ende.—