Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Nachlässe nach Tarif 9 a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Texteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte.— D. A. VII/34; 1700 Tücerinn für vie Eiubi Schwerke und bus Ann Westhofen S Kreisblalt für den nordiichen Leil des Landrreises Vserlehn * 06 Schwerte(Kuhr), Dienstag den 4. Heptember 1934 67. Jahrgang Gipfer=Pürter=Vererehungsrunft Pessimistische deutsche Auffassung über die Saar-Abstimmung konstruiert bei Hiller Feierlicher Empfang der Berliner Diplomaten durch den Führer und Kanzler am 12. September im Reichspräsidentenpalais Nachdem das Amt des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers vereinigt und der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler in der Volksabstimmung vom 19. August mit NeunzehntelMehrheit als Staatsoberhaupt bestätigt worden ist, werden die in Berlin akkreditierten Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger der fremden Mächte vom Führer und Reichskanzler zur Entgegennahme ihrer offiziellen Antrittsbesuche und der Glückwünsche der fremden Staatsoberhäupter und Regierungen am Mittwoch, 12. September, im Reichspräsidentenpalais feierlich empfangen werden. Die Arbeitszeit Neufassung der Vorschriften Der Reichsarbeitsminister hat von der im Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vorgesehenen Befugnis, die Arbeitszeitverordnung in der sich aus diesem Gesetz ergebenden neuen Fassung zu veröffentlichen, Gebrauch gemacht. Gleichzeitig sind die bisher in der Gewerbeordnung enthaltenen Vorschriften über Lage und Dauer der Arbeitszeit, der Pausen und der Ruhezeiten, insbesondere für Frauen und Jugendliche, mit den Bestimmungen der Arbeitszeitverordnung vereinigt worden. Eine sachliche Aenderung der Arbeitszeitvorschriften ist dadurch nicht eingetreten, aber die unter dem Namen Arbeitszeitordnung erfolgte Zusammenfassung hat eine Reihe von Unstimmigkeiten der bisherigen, aus den verschiedensten seitigt und die bis iet verstreuten Vorscet. seitigt und die bis jetzr verstreuten Vorschriften in einer einheitlichen Verordnung zusammengefaßt zu dem Zweck, ihre Anwendung in der Praxis zu vereinfachen und wesentlich zu erleichtern, Schweiz sagt„Nein“. Die schweizerische Völkerbundsabordnung gegen Aufnahme der Sowjetunion In einer Konferenz zwischen dem Ausschuß des Bundesrates für auswärtige Angelegenheiten und der schweizerischen Völkerbundsabordnung ist am Montag die Frage der Aufnahme Rußlands in den Völkerbund und die Zuteilung eines Ratssitzes an dieses Land erörtert worden. Das Ergebnis dieser Aussprache geht dahin, daß die Bundesrätliche Völkerbundsabordnung beim Gesamt=Bundesrat ein „Nein" beantragen wird. Dr. Eckener wurde vom Vorsitzenden der Königl.=Dänischen Aeronautischen Gesellschaft nach einem Vortrag die Goldene Ehrenplakette der Gesellschaft, die höchste Auszeichnung, die die dänische Lustfahrt zu vergeben hat, verlieben. Aus den Banditenklauen befreit Der dänische und der amerikanische Reisende, die nach dem furchtbaren Eisenbahnanschlag in der Mandschurei von chinesischen Banditen als Geiseln verschleppt worden waren, konnten befreit werden, nachdem japanische Truppen die Banditen umzingelt hatten. Die beiden Befreiten sind Angestellte einer amerikanischen Filmgesellschaft. Beide sind unverletzt; der Amerikaner ist aber völlig erschöpft. Die beiden haben berichtet, daß sie bei dem nächtlichen Ueberfall aus dem Zuge gezerrt und, an den Händen gefesselt, wie Vieh davongetrieben worden seien. Jedesmal, wenn sie mit ihren Entführern an japanischen Truppen vorbeigekommen seien, seien die beiden Gefangenen von den Banditen gegen etwaige Schüsse als Schutzschild benutzt worden. Sie seien dann auf eine Insel gebracht worden, wo sie von einem japanischen Erkundigungsflugzeug entdeckt worden seien. Zweckmeldung des„Paris Soir“ Der„Paris Soir“ hat in einer offensichtlichen Zweckmeldung die Behauptung aufgestellt, daß der Saarbevollmächtigte der Reichsregierung, Bürckel, dem Reichskanzler eine pessimistische Auffassung über die Abstimmungsmöglichkeiten an der Saar zum Ausdruck gebracht und in einem Bericht näher begründet habe. Hierzu erfahren wir von zuständiger Stelle, daß der Saarbevollmächtigte weder einen Bericht an den Reichskanzler gesandt hat, noch daß ein solcher angefordert worden ist. Wie im übrigen der Saarbevollmächtigte über die Saarabstimmung am 13. Januar denkt, hat er zuletzt auf der Saarlandtreuekundgebung auf dem Ehrenbreitstein mit aller wünschenswerten Deutlichkeit dargelegt. Daraus eine„pessimistische“ Auffassung herauszulesen, ist eine Gipfelleistung der üblichen propagandistischen Verdrehungskünste der Pariser Presse. Veröffentlichung der französischen Saedenschist Die Pariser„Agence Economique et Financiere“ will erfahren haben, daß die französische Regierung am Dienstag in Paris und in Genf die Denkschrift zur Saarfrage veröffentlichen wird, die die französische Abordnung dem AloisiAusschuß überreichen will. Die Denkschrift verlangt, daß die Probleme, die nach der Volksabstimmung akut werden können, möglichst bald eine Regelung erfahren. Sie behandele auch die Frage des Umlaufes der franWildwest in Ostoberschlesien In einem Wald bei Czwiklitsch im Kreise Pleß wurde ein Geldtransport des Postamtes Pleß von zwei Banditen überfallen. Die Räuber schossen den Geldbriefträger und den ihn begleitenden Polizeibeamten nieder und raubten die Geldtasche mit 7000 Zloty Inhalt. Auf der Flucht lief den Verbrechern ein Förster in den Weg, auf den sie mehrere Schüsse abgaben, durch die er auf der Stelle getötet wurde. Der durch einen Bauchschuß schwer verletzte Geldbriefträger ist nunmehr im Krankenhaus verstorben, so daß das Verbrechen bisher zwei Todesopfer gefordert hat. Der gleichfalls schwer verletzte Polizeibeamte ist noch besinnungslos und schwebt in Lebensgefahr. Trotz des Aufgebots von zahlreichen Polizeibeamten ist es noch nicht gelungen, die Verbrecher zu ermitteln und festzunehmen. Die Grenzen werden scharf überwacht. Daraufhin seien von japanischen Kanonenbooten Mannschaften gelandet worden. Dem Dänen Johansen sei es gelungen, seine Fesseln zu lösen und dann den Amerikaner Lury zu befreien. Beide seien dann zum Fluß geeilt, wo sie an Bord eines der Kanonenboote gebracht worden seien. Banditenüberfall auf Straßenbahn Drei Tote Auf der Insel Teneriffa(Kanarische Inseln) überfielen Banditen mit gezogenen Revolvern eine Straßenbahn. Als der Wagen nicht sofort hielt, eröffneten die Banditen das Feuer und töteten drei Fahrgäste, während eine Person schwer verletzt wurde. Sie entkamen mit einer Beute von 500 Peseten und konnten noch nicht gefaßt werden. zösischen Banknoten im Saargebiet und laufe darauf hinaus, daß die französische Regierung keinen Nachteil darin erblicken würde, wenn direkte deutsch=französische Verhandlungen zur Regelung aller dieser Fragen eingeleitet würden. Pirro abstimmungsberechtigt Wieder einmal eine separatistische Zwecklüge widerlegt Die Separatistenpresse des Saargebietes aller Schattierungen hat dieser Tage ihre verleumderische Hetze hauptsächlich auf den Landesleiter Pirro gerichtet und ihm seine Abstimmungsberechtigung zu bestreiten versucht. Hierzu ist festzustellen, daß Landesleiter Pirro bereits am 1. Mai 1916 in das Bezirksamt Homburg eintrat und mit Ausnahme seiner Kriegsdienstzeit ununterbrochen in Homburg wohnte. Nach dem Kriege nahm er am 1. März 1919 seine Tätigkeit auf dem Bezirksamt Homburg wieder auf, die er bis zum 1. Dezember 1933 ohne Unterbrechung ausübte. Der Landesleiter Pirro wird demnach jederzeit in der Lage sein, den unwiderlegbaren Nachweis für seine Abstimmungsberechtigung bei den zuständigen Instanzen zu führen. Die separatistische Zwecklüge dürfte damit erledigt sein. Immerhin ist es eigenartig, daß diese Kreise Pirro gerade aus seiner angeblich nicht vorhandenen Abstimmungsberechtigung einen Vorwurf zu machen versuchen, zumal bekanntlich der Führer der Separatisten, Matz Braun, unbestritten nicht abstimmungsberechtigt ist. Verkäuferin ermordet aufgefunden Ein neues Verbrechen in Semmering bei Wien Kaum hat sich die Bevölkerung von Semmering bei Wien über den kürzlichen Doppelraubmord beruhigt, als am Montag schon wieder von der Semmeringer Gendarmerie die Entdeckung einer neuen Bluttat gemeldet wird. Ein Bergwanderer bemerkte aus einem Erdhügel im sogenannten Myrten=Gras ein menschliches Bein herausragen. Als er weiter nachgrub, stieß er auf die Leiche eines jungen Mädchens. Er benachrichtigte die Gendarmerie, die die Leiche barg. Die Tote ist die seit dem 15. August vermißte Wiener Verkäuferin Margarete Dorfstetter. Mutter mit 2 Kindern in den Tod In der Nacht hat eine in Wilhelmsburg wohnende 36jährige Ehefrau sich selbst sowie ihren 15jährigen Sohn und ihre 14jährige Tochter mit Gas vergiftet. Als die 21jährige Tochter die Wohnung betrat, fand sie die Mutter und ihre Geschwister in der mit Gas angefüllten Küche bewußtlos auf. Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg. Aus einem hinterlassenen Zettel geht hervor, daß die Tat in einem Anfall von Schwermut verübt wurde. Brand von Campana erloschen Der Riesenbrand, der seit über einer Woche in der argentinischen Stadt Campana wütete und fast die ganze 15 000 Einwohner große Stadt in Asche legte, ist jetzt erloschen. Eine Gruppe von griechischen Unteroffizieren der Flugabwehrbatterien unternahm einen Aufstandsversuch, der infolge der Haltung der Mannschaften mißglückte. Die Unteroffiziere flüchteten darauf unter Mitnahme der aus den Kassenschränken der Verwaltung geraubten Gelder. Chinesische Banditen haben an der Strecke Kirin=Keschan einen Arbeitszug zur Entgleisung gebracht, wobei acht Personen getötet und zahlreiche verletzt wurden. Gefungene=Schütschus gegen Schusse Zwei den chinesischen Eisenbahnräubern entrissene Reisende erzählen in Walde verauet Drei Beamte niedergeschossen— 7000 Zloty gestohlen Appell an die Staatspolizei gegen usgziele Veleiebsücher Der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Brandenburg. Dr. Daeschner, veröffentlicht, wie das Rds meldet, eine Bekanntmachung, in der entschieden Stellung genommen wird gegen unsoziale Betriebsführer. Der Treuhänder stellt fest, daß seine beiden Tarifordnungen über die Urlaubsregelung für die Metallindustrie und das Metall verarbeitende Handwerk in erfreulicher Weise von der weitaus überwiegenden Zahl der Betriebsführer als soziale Pflicht durch die Tat anerkannt worden sind. Es mehrten sich aber die Anzeigen. daß eine immer noch viel zu große Zahl von Wstriebsführern oft unter spöttischen Bemerkungen gegen die Gesetze des nationalsozialistischen Deutschlands und den Treuhänder der Arbeit unter vollkommenem Mißverstehen ihrer Betriebsführerrechte und epflichten ihren Gefolgschaftsmitgliedern den gesetzmäßig zustehenden Urlaub vorenthielten. Er habe sich bereits veranlaßt gesehen, gegen einzelne Betriebsführer die Hilfe der Staatspolizei in Anspruch zu nehmen und gebe diese letzte Warnung heraus, um die Einsicht der Ewiggestrigen zu fördern. Von nun an werde er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Machtmittel, wie Ehrengerichtsverfahren und Inschutzhaftnahme, mit Rücksicht auf die starke Erregung einzelner Gefolgschaften seinen Verfügungen und damit dem Gesetze Geltung verschaffen. Landwirtschaftliche Zinssenkung 2prozentige Zinssenkung für landwirtschaftliche Hypotheken läuft am 30. September ab Zu der sehr wichtigen Frage des landwirtschaftlichen Hypotheken=Zinssatzes wird, wie das Ndz meldet, vom Deutschen Gemeindetage darauf hingewiesen, daß die Papen=Regierung seinerzeit den Zinssatz für langfristige landwirtschaftliche Forderungen nicht endgültig um 2 v. H. gesenkt, sondern nur auf zwei Jahre, bis zum 30. September 1934, gestundet habe. Die Hoffnung, daß das allgemeine Zinsniveau sich bis zu diesem Termin sehr stark gesenkt haben würde, habe sich nicht verwirklicht. Jedoch seien inzwischen gesetzliche Maßnahmen getroffen, die grundsätzlich die Lage der Landwirtschaft erleichterten. Die Entschuldungsgesetzgebung solle die Landwirtschaft wieder auf eine gesunde wirtschaftliche Grundlage stellen. Mit diesem Ziele wäre es aber nicht vereinbar, so heißt es in der Stellungnahme, wenn man die landwirtschaftlichen Hypothekenzinsen wieder in ihrer ursprünglichen Höhe von in der Regel 6½ Prozent in Geltung treten lassen wollte. Die weitere Zinsstundung unter Zuschlag der gestundeten Zinsen zum Kapitalbetrag sei auch nicht ohne weiteres denkbar. Bei der ganzen schwierigen Problemstellung sei es begrüßenswert, daß im Reichswirtschaftsministerium ein Mann entscheidend bei der Lösung dieser Frage mitzusprechen habe, der durch größte Sachkenntnis auf dem Gebiete des Kreditwesens auch das höchste Vertrauen zu einer im gesamtwirtschaftlichen Interesse besten Lösung dieser Frage beanspruchen dürfe. Im Segelschlepp über Deutschland Die erste Tagesetappe wegen schlechten Wetters nur von Friedland bis Hirschberg Die Fallschirmpilotin und Segelfliegerin Frau Lola Schröter startete am Montag früh von Friedland in Schlesien zu einem Segelschleppflug durch Deutschland. Der Flug soll in 10 Tagesetappen durchgeführt werden, wobei eine Strecke von rund 4000 Kilometer zurückgelegt werden soll. Ihr Segelflugzeug„Sudetenland“ wird an einem 95 Meter langen Seil von dem Motorflugzeug„D 2121“ geschleppt, dessen Pilot Ingenieur Wentorf aus Solingen ist. Die erste Tagesetappe sollte von Friedland über Görlitz, Dresden und Chemnitz nach Zwickau führen. Dichter Nebel zwang den Führer des Motorflugzeuges allerdings, bereits in Hirschberg niederzugehen. Um den sportlichen Charakter des Fluges zu betonen, war Frau Schröter am Montag früh trotz des schlechten Wetters gestartet. Als jedoch über dem Riesengebirge der Nebel immer dichter wurde, waren die Flugzeuge zur Landung gezwungen, um nicht die Durchführung des ganzen Fluges zu gefährden. Der Flug soll am Dienstag fortgesetzt werden, da mit einer Besserung der Wetterlage gerechnet wird. Nach einer Meldung aus Athen wird dort von der Möglichkeit gesprochen, daß Außenminister Barthou nach seinem Besuch in Rom auch nach Athen kommen werde. Tahrheit oder Schwindel? „Aus den Wreren dre=Erdoues nache iu Sheane ven Wenzin Vom Wundermann Albert Saheurs.— Versuche, die Interesse und Kopfschütteln erregen Es gibt bekanntlich viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt. Je größer und umwälzender sich die bedeutungsvollsten Erfindungen unserer Zeitrechnung erwiesen, desto abweisender verhielten sich meist in solchen Fällen anfangs die Vertreter der zünftigen Wissenschaft. Wer aber eine Lanze für diejenigen Erfinder und Entdecker bricht, denen erst die Nachwelt Kränze der Verehrung und Anerkennung flocht, darf nicht vergenossen, daß sich zu allen Zeiten neben dem echten Erfinder der Scharlatan auf Märkten und selbst in den Hörsälen und Kollegien der hohen Schulen breit machte. Zum Schaden der Wahrheit und des Fortschrittsl, M. Eist mme In einer Vorstadt von Rouen hielt kurzlich der französische Allerweltserfinder Albert Saheurs einen Experimentalvortrag vor einer Reihe gelehrter und höchst ehrenwerter Gäste, unter denen sich Vertreter des französischen Kriegs= und Luftfahrtministeriums, verschiedene ausländische Militärattachés, Sachverständige technischer Versuchsanstalten und führender Petroleumgesellschaften befanden. Im„Laboratorium“ seiner unansehnlichen„Benzinfabrik“, die von einem elektrisch geladenen Stacheldraht und zwei Revolverkanonen gegen unliebsame Eindringlinge gesichert wird. Saheurs brauchte lange, bis er zu seiner eigentlichen Bestimmung, der des Erfindens, gelangte. Er war Fabrikarbeiter und Angestellter eines Gaswerks, Klavierstimmer und Notariatsgehilfe, Kohlenhändler und Taxichauffeur, später Mechaniker und Techniker, kurz, ein Allerweltskerl mit zahlreichen„Raupen", im Kopf. Er ließ sich Patente für einen Doppelpropeller für Wasserslugzeuge und für ein Verfahren zur Hebung gesunkener Unterseeboote ausstellen und behauptete, einen ohne jeglichen Brennstoff arbeitenden Explosionsmotor konstruiert zu haben. Man kann es somit verstehen, wenn der Kreis der geladenen Gäste die neueste Erfindung des Unternehmungslustigen mit größter Zurückhaltung aufzunehmen beliebte, handelte es sich doch um ein geradezu verblüffend einfaches Verfahren zur Herstellung von Benzin aus— Salzwasser.„Aus einem Liter Salzwasser mache ich ein Liter Benzin, aus 10000 Liter Salzwasser 10.000 Liter Benzin, aus den Meeren des Erdballes mache ich Ozeane von Benzin!“ Mit dieser anspruchsvollen Verheißung begann Saheurs seine Vorführung. Er ließ in seinem Labor einfaches Salzwasser durch ein verwickeltes System von Rohrleitungen, Filter und Oesen laufen— der Flüssigkeitsgehalt konnte auf jeder beliebigen Etappe des Umwandlungsprozesses von den Gästen nach Belieben und genauestens untersucht werden—, und es ergab sich bei jeder Wiederholung des Versuches das gleiche Bild. Im selben Maße, wie das Salzwasser in einem großen Wassertank abnahm, vergrößerte sich die Menge des künstlich erzeugten Benzins in einem Oeltank. Sämtliche während der Versuche vorgenommenen Flüssigkeitsproben ergaben nicht den leisesten Verdacht einer Täuschung, eines wissenschaftlich getarnten Betruges. Die Flüssigkeit, die mit einer Geschwindigkeit von 500 Litern in der Stunde in den Benzintank einströmte, war und blieb Benzin. An diesem Befund ließ sich nicht rütteln. Dieses Benzin hat der Erfinder nicht ohne persönliche Eitelkeit„Sahol“ genannt. Es wurde einigen der anwesenden Gäste in die Benzinbehälter ihrer Kraftwagen gefüllt, und die Motoren arbeiteten fast ohne jede Rauchentwicklung, da nach Ansicht des Erfinders das Sahol leichter verbrennt als gewöhnliches Benzin. Kopfschüttelnd entfernten sich die Gäste. Da staunte der Fachmann, und der Laie wunderte sich. Wie ihnen Saheurs zum Schluß verriet, war er durch die Beobachtung, daß mit Petroleum zusammen stets Salzwasser gefunden werde, auf den Einfall gekommen, dieses Salzwasser zur künstlichen Herstellung von Benzin zu verwenden. Durch langwierige Versuche sei er endlich auf sein jetziges Verfahren gestoßen, das er vorerst geheim zu halten wünsche. Sein synthetisch gewonnenes Benzin koste bei der Herstellung nur einen halben Pfennig pro Liter. Das Verfahren lasse sich auch auf Schiffen mit entsprechender Anlage anwenden, die Meerwasser in Behälter pumpe und unmittelbar darauf in Petroleum verwandle. Man erfuhr weiter, daß Saheurs bereit sei, seine umwälzende Erfindung der französischen Regierung für den gewaltig hohen Kaufpreis von zwei Milliarden Franken zur Verfügung zu stellen. Er selbst denke nicht daran, die Ausbeutung seines Verfahrens in die Hand zu nehmen, da er keine Lust habe, sich von den großen Oelkonzernen der Welt boykottieren und behelligen zu lassen. Eine Regierung könne sich gegen diese mächtigen Wirtschaftsfaktoren besser behaupten als der Privatmann. Die große Frage aber bleibt vorläufig: Ist Saheurs Erfindung wirklich eine neue, weltumwälzende Geistestat oder ein fauler Zauber? Klemens Allershausen. Der Riesensirei m Alnerna Allgemein werden Befürchtungen über blutige Zusammenstöße geäußert Die Forderungen der Streikenden In der Nacht zum Sonntag begann, wie bereits kurz gemeldet, der größte Streik, der jemals von dem amerikanischen Gewerkschaftsbund ins Werk gesetzt worden ist. Annähernd eine Million Angestellte der Baumwoll-, Woll= und Kunstseiden=Industrie dürfte die Arbeit eingestellt haben. Da der Montag ein nationaler Arbeitsfeiertag ist, wird es erst am Dienstag möglich sein, sich ein klares Bild davon zu machen, in welchem Umfang in den einzelnen Staaten die Arbeit ruht. Die Arbeiterführer im Süden erklären, sie seien entschlossen, durchzuhalten, und glaubten, daß die Arbeitgeber sich gezwungen sehen würden, die von den Arbeitern gestellten Bedingungen anzunehmen. Die Forderungen der Textilarbeiter lauten wie folgt: 1. 6=stündiger Arbeitstag und fünftägige Arbeitswoche bei gleicher Bezahlung für alle Bezirke; 2. keine Verminderung der jetzigen Wochenlöhne; 3. Aufhören der Zurücksetzung in der Behandlung organisierter Arbeiter; 4. Aufhören des Brauches, die Zahl der von einem Arbeiter bedienten Webstühle zu vermehren, ohne zugleich den Lohn zu erhöhen; 5. Anerkennung des Verbandes als Vertreter der Arbeiter bei Verhandlungen; 6. Einsetzung eines Schiedsgerichts; 7. stärkere Vertretung des Bundesamtes zur Behebung der Wirtschaftskrise in den Arbeitsämtern der einzelnen Bezirke. Aus Pawtucket(Rhode Island) wird berichtet, daß die Arbeiterführer ankündigten, sie würden zu jeder Fabrik, die dem Streikbefehl nicht Folge leistet, starke Streikpostenabteilungen schicken, um die Arbeitseinstellung zu erzwingen. Die Fabrikbesitzer erklären ihrerseits, sie hätten für bewaffnete Schutzwachen gesorgt und würden den Betrieb mit nichtorganisierten Arbeitern in Gang halten. Diese beiden Erklärungen eröffnen die Aussicht auf ernste und möglicherweise blutige Zusammenstöße. Nach einer Meldung aus Georgia hoffen dort einige Fabriken, am Dienstag den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Polizei wird in Bereitschaft gehalten, um jeder Ruhestörung entgegen zu treten. Der Präsident des Baumwolltextil=Institutes, Sloan, hat am Sonnabend erklärt, die Arbeiterschaft von 12 Fabriken im Süden habe mit überwältigender Mehrheit gegen die Befolgung des Streikbefehls gestimmt. Befürchtungen, daß es zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und Arbeitswilligen kommen könnte, werden allgemein geäußert. Der Vorsitzende des Streikausschusses, der in England geborene Textilarbeiter Francis Gorman, warnte in einer Rundfunkansprache vor Nuhestörungen, die sogar„angesichts von Herausforderungen“, unterbleiben müßten. Die Streikführer haben auch Abordnungen an die Gouverneure der in Frage kommenden Staaten gesandt mit dem Ersuchen, die Ordnung im Notfalle unter Heranziehung von Truppen aufrecht zu erhalten. Sie fürchten, daß die Kommunisten die Gelegenheit benutzen werden, die Streikenden zu Gewaltätigkeiten aufzureizen. Rei Wiener Vizekanzler a. D. Winkler über die Lage vor dem 25. Juli in Oesterreich Das„Prager Montagsblatt“ veröffentlicht ein Interview mit dem ehemaligen österreichischen Vizekanzler Ingenieur Winkler, der sich zur Zeit in Egerland(Tschechoslowakei) aufhält. Zu den Ereignissen des 25. Juli erklärte Winkler: Die nationale Opposition dachte nicht an irgendeine gewaltsame Erhebung, und zwar nicht nur aus prinzipiellen Gründen, sondern auch da die Lage vor dem 25. Juli die absolute Gewißheit bot, daß bei dem fortschreitenden Zerfall der Regierungsfront und dem Erstarken der Opposition die Frucht von selbst reifen mußte. Ich habe auch die Ueberzeugung, erklärte Winkler, daß es sich um keine von der RSDAP und SA vorbereitete Aktion handelte, da ja, wie sich herausstellte, nicht einmal die SA von Wien, die trotz aller Unterdrückungen ein starker und entscheidender Faktor geblieben ist, alarmiert wurde. Es handelt sich also, nur um die Teilaktion einer kleinen Gruppe, die eine revolutionäre Entwicklung nicht abwarten wollte. Winkler erklärte weiter, daß Heimwehrführer und Heimwehrgruppen in den letzten Tagen vor dem Putsch intensivst mit den Nationalsozialisten verhandelt hätten. Fey, durch die Regierungsumbildung vom 11. Juli sehr erbittert, sei entschlossen gewesen, mit den Nationalsozialisten gemeinsame Sache zu machen, um die Regierung und vor allem Dr. Dollfuß so rasch wie möglich zu stürzen. Noch in den letzten Tagen vor dem Putsch habe Fey mit den Nationalsozialisten verhandelt. Dadurch habe er sie außerordentlich ermuntert, den Kampf gegen Dr. Dollfuß zu verschärfen.„... G.frichung O=st Auf die Frage, wie eine Befriedung Oesterreichs möglich sei, erklärte Winkler u. a.: Das außenpolitische Ränkespiel um Oesterreich muß aufhören. Es muß eine Lösung zwischen allen Nachbarstaaten gefunden werden. Oesterreich muß wieder zu demokratischen Methoden zurückkehren, wenn Friede werden soll. Die Habsburger Frage hält Winkler für ernsthafter als viele andere Fragen. Ein sehr erheblicher Teil der Oesterreicher halte die Rückkehr der Habsburger für das kleinere Uebel. Innerhalb der Regierung bestehe heute zweifellos eine legitimistische Mehrheit. Ueber 20 Millionen Hilfsbedürftige in den Vereinigten Staaten Die Zahl der Unterstützungsbedürftigen in den Vereinigten Staaten dürfte nach einem Bericht des Sekretärs des Nothilfevollzugsausschusses an Präsident Roosevelt im Februar 20 bis 23 Millionen, also etwa ein Sechstel der Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten, erreichen. Die bisherigen Gesamtausgaben für die Nothilfe seit dem Jahre 1930 werden auf 3 Milliarden Dollar geschätzt. „Isidor“ Weiß meineidsverdächtig Verfahren wegen Flucht aus Deutschland eingestellt Der einstige Berliner Vizepolizeipräsident Weiß steht nach einer Mitteilung der Justizpressestelle Berlin im dringenden Verdacht, in den Angelegenheiten der Berliner Spielklubs, deren Förderer er ungeachtet seiner Eigenschaft als Vizepolizeipräsident gewesen ist, dreimal wissentlich einen Meineid geleistet zu haben. Das von der Staatsanwaltschaft gegen ihn eingeleitete Strafverfahren wegen Beteiligung am verbotenen Glücksspiel und wegen Meineids ist eingestellt worden, da nicht damit zu rechnen ist, daß Weiß, dem die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden ist, jemals wieder deutschen Boden betreten wird. Atteilihuden wuleten Anwetter Schiffe strandeten— Ernten wurden vernichtet Stürme über Dänemark Dänemark wurde am Samstag und in der Nacht zum Sonntag von heftigem Sturm und wolkenbruchartigem Regen heimgesucht, über deren Ausmaße erst jetzt Einzelheiten vorliegen. So fielen stellenweise bis zu 68 Millimeter Regen. In Kopenhagen hatte das Rettungskorps mit der Beseitigung von Wasserschäden stark zu tun. Besonders heftig wirkte sich der Sturm in der Schiffahrt aus. Zahlreiche Dampfer erlitten erhebliche Verspätungen. In verschiedenen Häfen sind zahlreiche kleinere Fahrzeuge von den Vertauungen losgerissen worden und gesunken. Von See werden eine Reihe von Strandungen gemeldet, wobei 40 Menschenleben aus Gefahr gerettet werden mußten. Bei Bornholm, wo der Sturm am heftigsten tobte, wurden von der finnischen Bark„Carmen“, die gekentert war, Leuchtsignale gegeben. Der Hamburger Dampfer„Ursula Siemers“ eilte der Bark zur Hilfe. Nach mehrstündiger Arbeit konnte die 12 Mann starke Besatzung der„Carmen“ an Bord der„Ursula Siemers“ genommen werden. Von einem norwegischen Fischdampfer, der in der Rönne gestrandet war, mußte der Kapitän, der sein Schiff nicht verlassen wollte, mit Gewalt an Land gebracht werden. Eine weitere Strandung wurde aus Saltholm in der Nähe von Kopenhagen gemeldet. Die drei Mann starke Besatzung konnte erst nach mehreren Stunden anstrengender Arbeit in Sicherheit gebracht werden. Ferner wurden zwei Insassen eines deutschen Kutters im Kattegatt gerettet. Ueberschwemmungen in Galizien Infolge der storken Regenfälle der letzten Tage hat der Wasserstand in Galizien so stark zugenommen, daß die Flüsse an einigen Stellen erneut aus den Ufern traten. Eine größere Hochwassergefahr besteht jedoch nicht. Einige Brücken, die nach der letzten Hochwasserkatastrophe mäßig errichtet worden waren, sind weggerissen worden. Lastkraftwagen vom Zuge erfaßt Neun Verletzte In Annahütte bei Senftenberg stieß ein Zug der Zschipkau=Finsterwalder Eisenbahn mit einem mit 33 Personen meist Kindern und Jugendlichen, besetzten Lastkraftwagen zusammen. Der Lastkraftwagen wurde mit großer Gewalt in den Chausseegraben geschleudert. Neun Personen wurden verletzt und mußten dem Krankenhaus zugeführt werden. Lebensgefahr besteht bei den Verletzten nicht. Schäden im italienischen Weinbau In den oberitalienischen Gebirgen ist der erste Schnee gefallen. Das Stilfser Joch hat 30 Zentimeter Neuschnee. Im Trientiner Gebiet sind die Berge schon ab 1800 Meter Höhe schneebedeckt. In den tiefer gelegenen Gebieten Oberitaliens herrschten Stürme und Wolkenbrüche, die großen Schaden anrichteten. Das staatliche Weinbauinstitut schätzt allein den in Monferrato, einen der Hauptzentren des piemontesischen Weinbaues, angerichteten Schaden auf 15 Mill. Lire. Nicht weniger als 200000 Doppelzentner Weintrauben sind in den letzten Tagen in diesem Gebiet völlig vernichtet worden. Zwei Tote in Frankreich Die orkanartigen Stürme, die in Südwestfrankreich wüteten, haben nach den bisherigen Feststellungen viel mehr Schaden angerichtet, als man ursprünglich vermutete. Die ganze Gegend von Toulouse bis Bayonne ist von dem Unwetter heimgesucht worden. Außer zwei Todesopfern sind zahlreiche Verletzte zu beklagen. Die Wein=, Bohnen= und Maisernte ist fast vollständig vernichtet. Die Flugzeuge der Luftfahrtgesellschaft Air France in Toulouse sind vom Orkan weggerissen worden. Ihre Trümmer liegen auf dem Rollfeld. Rennwagen in die Zuschauermenge Drei Tote und 13 Verletzte Nach in Paris vorliegenden Meldungen aus Lissabon sind bei einem Kraftwagenrennen auf der Bahn von Espinho zwei Wagen zusammengestoßen, von denen einer in die Zuschauermenge geschleudert wurde. Drei Personen wurden getötet und 12 schwer verletzt. Von den Wagenführern kam der eine mit leichteren Verletzungen davon, während der andere völlig unversehrt blieb. Blutiger Streit Untermieter erschlagen und Selbstmord verübt Bewohnern des Hauses Barnimstraße 15 in Berlin fiel am Montag in den frühen Morgenstunden starker Gasgeruch auf. Als Polizei in die Wohnung des 42jährigen Johann Haase im Erdgeschoß eindrang, fand sie Haase auf einem behelfsmäßigen Lager in der Küche bewußtlos auf. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Im Nebenzimmer lag der 60jährige Untermieter Max Koller in einer großen Blutlache tot am Boden. Wie festgestellt werden konnte, war es in den Abendstunden des Sonntags zwischen den beiden Männern zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, die auf Mietsstreitigkeiten zurückzuführen sein dürften. Haase hat darauf seinen Untermieter mit einem Hammer erschlagen. Das Parteigericht des polnischen Regierungsblocks hat Senator Dobiecki im Zusammenhang mit der Zyrardow=Angelegenheit aus der Mitgliederliste gestrichen. Dobiecki hat sein Mandat niedergelegt. Kaiser Pusis Palast in Brand gesteckt Feuer im Palast des mandschurischen Kaisers Nach einer Meldung aus Tschangtschun ist im Palast der Residenz des mandschurischen Kaisers Puji Feuer ausgebrochen. Die Privatgemächer des mandschurischen Kaisers und seiner Familie sind vom Brande noch verschont geblieben, da das Feuer aber weiter wütet, ist zu befürchten, daß der ganze Palast abbrennt. Freiwillige Helfer und Truppen sind eingesetzt, um die Arbeit der Feuerwehr zu unterstützen. Der Justizminister und höhere Beamte der Geheimen Staatspolizei weilen am Brandherd, um die Ursache des Feuers zu ermitteln. Der Brand hat in Japan großes Aufsehen verursacht. Die Presse vermutet, daß Brandstiftung vorliegt. Die Polizei verhaftete 21 Personen, unter denen sich auch drei niedere Hofbeamte befinden. Ueber die Brandursache läßt sich zur Zeit noch nichts sagen. Von der polnischen Presse nimmt neben der offiziösen Gazeta Polska auch der regierungsfreundliche Kurjer Poranny gegen den volenseindlichen Feldzug der französischen Blätter Stellung, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Programmänderungen des Reichssenders Köln für den 4. September: Dienstag, 4. September 1934 bis 19.50 Uhr programmgemäß. 19.50 von München: Reichssendung. Einläuten des Parteitages durch die Glocken sämtlicher Kirchen Nürnbergs 20.00 Empfang der Spitzen von Partei und Staat im Rathaussaal. gegen 21.00 1. Fanfaren 2. Männer= und Knabenchor mit Orchesterbegleitung 3. Ansprache des Oberbürgermeisters der Stadt Nürnberg 4. Ansprache des Führers 5. Deutschland= u. Horst=Wessel=Lied anschließend von Köln: evtl. bis 22.00 Schallplatten 22.00 programmgemäß weiter. „Schwerter Zeitung“ Nr. 206(Zweites Blati) Dienstag, 4. September 1934 M Gmr-Teenm Schwerte(Ruhr), Dienstag den 4. Sept. 1934 Tagesspruch Ein Segen ruht im schweren Werke, Dir wächst, wie du's vollbringst, die Stärke; bescheiden zweifelnd fängst du's an Und stehst am Ziel, ein ganzer Mann. Der Garten im September Der Sommer neigt sich dem Ende zu, und der Maler Herbst wird der Natur bald ein farbenreiches Gepräge geben. Die Obsternte ist im vollen Gange. Das Obst ist reif, wenn sich der Stiel bei leichtem Anheben der Frucht vom Zweige ablöst. Fallobst auflesen. Junge Obstbäume. bekommen Pfähle. Schütze deinen Baumbestand gegen Hasenfraß. Obstbäume ausputzen. Leimgürtel anlegen. Beerensträucher beschneiden. Kopfobstbäume einwintern. Schlechte Rebenstöcke werden entfernt. Schwefle gegen Traubenkrankheit. Im Gemüsegarten schließen die meisten Pflanzen jetzt ihr Wachstum ab, deshalb kann mit Gießen und Bodenhearbeitung allmählich nachgelassen werden. Leergewordenes Gemüseland düngen, umgraben und evtl. neu bestellen. Winterspinat kann jetzt gesät werden. Endivien werden noch gebunden. Knollensellerie bekommt eine Jauchedüngung. Tomaten werden zur Nachreife ausgeschnitten. Sie werden nicht mehr begossen, da die Feuchtigkeit den Krautwuchs begünstigt, aber die Reife verzögert. Der Gemüsekeller ist zur Aufnahme der Ernte herzurichten, mit frischem Sand zu versehen und zu lüften. Beginn der Kartoffelnernte. Im Blumengarten sind alle empfindlichen Gewächse vorzeitig in Sicherheit zu bringen. Abgeblühte Stauden werden durch Teilung vermehrt. Leere Stellen von Buchsbaumeinfassungen ausbessern. Maiblumenbeete werden angelegt. Koniferen vermehredurch Stecklinge. Treibrosen halte trokken. Gebrauchte Blumentöpfe, in die man Zimmerpflanzen einsetzen will, werden mit einer Bürste rein ausgewaschen. Eingeernteter Samen wird sortiert. Zur Weiterbildung der gärtnerischen Kenntnisse hilft eine gute Fachzeitschrift; für die langen Abende ist eine solche ein lieber Freund. Vom Wetter Wetteraussichten für Dienstag: frische südliche bis westliche Winde, vorwiegend stark wolkig, vielfach Regen oder Regenschauer, etwas wärmer. Wetteraussichten für Mittwoch: Weiterhin frische um Südwest schwankende Winde, vorwiegend wolkig und noch einzelne Regenschauer, mäßig warm. -: Der Himmel im September. Mit Macht nehmen die lichten Tage ab und die Abende und Nächte zu. Am 27. August ging die Sonne um 5 Uhr auf, am 14. September erst 5.30, und am 2. Oktober wird sie erst um 6 Uhr erscheinen. Am 27. August ging unser Tagesgestirn um 7 Uhr, am 10. September geht es schon 6,30 und am 22. bereits punkt 6 Uhr unter. Der 23. September ist der Tag, mit dem der Herbst beginnt. 6.46 nachmittags tritt die Sonne in das Zeichen der Waage, gelangt wieder zum Aequator und macht zum zweiten Male im Jahre Tag und Nacht einander gleich.— Mondwechsel finden im September vier statt: am 9. haben wir Neumond, am 16. erstes Viertel, am 23. Vollmond, am 30. letztes Viertel.— Unsere Planeten zeigen in diesem Monat folgenden Stand: Der Merkur ist während des Monats dem freien Auge unsichtbar.— Die Venus geht zu Beginn des Monats 2, Ende des Monats 1¼ Stunden vor der Sonne auf.— Der Mars geht während des Monats nahezu immer zur selben Zeit, und zwar 1 Uhr 20 Minuten auf. Er bewegt sich aus dem Krebs in das Sternbild des Löwen. — Der Jupiter ist nur noch in der ersten Monatshälfte für wenige Minuten abends im Westen zu sehen.— Und der Saturn ist fast die ganze Nacht zu beobachten. Ende des Monats geht er wenige Minuten vor 2 Uhr morgens unter. —: Bauernregeln vom September. Für einzelne Tage: 1. September: Wer Korn schon um Aegidi sät, im nächsten Jahr viel Frucht abmäht.— Wenn Aegidius bläst ins Horn, heißt es: Bauer sä' dein Korn!— Wie es an St. Aegidius, das Wetter vier Wochen bleiben muß. — Ist Aegidi ein heller Tag, ich dir schönen Herbst ansag'.— 8. September: Zu Mariä Geburt, ziehen die Schwalben furt.— Wird Mariä Geburt gesät, so ists nicht zu früh und nicht zu spät.— Wie sichs Wetter um Mariä Geburt tut halten, so wird es sich noch vier Wochen gestalten.— 9. September: Bringt St. Georgon Regen, folgt ein Herbst auf bösen Wegen.— St. Gorgon, St. Gorgon, treibt die Lerchen flink davon.— 21. September: Mathies macht die Trauben süß.— Wenn Matthäus weint statt lacht, aus dem Wein er Essig macht.—29. September: Michael mit Nord und Ost, verkündet einen scharfen Frost.— Kommt Michaell heiter und schön, so wird es noch vier Wochen so gehn. Michaelkorn ist halb verlorn.— Auf nassen Michaeltag nasser Herbst oft folgen mag.— Wer michelt, der sichelt.— An Michaeli kauft man gut Vieh.— Sind Michael noch die Vögel da, so ist der Winter noch nicht nah.— Für den ganzen Monat: Wenn der September noch donnern kann, so setzen die Bäume viel Blätter an. — Wenn Septemberregen den Winzer trifft, so ist er so schlecht als Gift.— Viele Eichen im September, viel Schnee im Dezember.— Im September Gewitter, viel Schnee im März, ein reiches Kornjahr allerwärts.— Witterts im September noch, liegt im März der Schnee noch hoch.— Nach Septembergewittern wird man im Hornung vor Kälte zittern.— Septemberregen kommt den Saaten gelegen. . Nicht Aufstockung, sondern Auflockerung der Städte. In einem Rundschreiben des Reichssiedlungskommissars wird ausgeführt, daß im Zusammenhang mit der Arbeitsbeschaffung vielfach das Bestreben hervorgetreten sei, Grundstücke in den Städten durch Ueberschreiten der zulässigen Bebauung, z. B. Ausbau von Dachgeschossen, Aufstockung usw. über das zulässige Maß auszunutzen. Diese Bestrebungen führten oftmals zu einer Vermehrung der Wohnsitze, die ebenso wenig mit den städtebaulichen und bevölkerungspolitischen Forderungen wie mit den Interessen des zivilen Luftschutzes zu vereinbaren sei. Die obersten Landesbehörden werden ersucht, die Baupolizeibehörden anzuweisen, daß bei der Erteilung von Ausnahmen oder Befreiungen in dieser Hinsicht tunlichste Zurückhaltung geübt wird. Entsprechend dieser Anregung hat der preußische Finanzminister die Baupolizeibehörden bereits angewiesen, danach zu handeln. Wie früher Getreidediebe bestraft wur den. Mein und Dein hat in der deutschen Sprache einen guten Klang. Wir wissen sehr wohl zwischen beiden zu unterscheiden. Das Dein ist für uns unverletzlich, und das Mein gilt uns als ein von Gott anvertrautes Vätererbe, das wir zu behüten und zu bewahren haben. Eigentumsverletzungen galten den Alten als große Sünde und unsühnbarer Frevel. Wer den Grenzstein verletzt, muß an der Stätte seiner Uebeltat umgehen. Diebstahl wurde früher vielfach mit dem Tode bestraft. Bei kleineren Eigentumsvergehen hatten die Alten gar eigenartige Strafen. Vom Jahre 1530 berichteten die Soester Strafakten beispielsweise folgendes: Weihe des Ehrenmals in Berghofen Die Kyffhäuserfahnen d. Unterverbandes Hörde wurden geweiht. Wann bekommt Schwerte sein Ehrenmal? -: 71. Geburtstag. Am 4. September, also am heutigen Dienstag, kann Frau Lina Kubsch, Brückstraße 23, ihren 71. Geburtstag seiern. Wir wünschen der Jubilarin auch weiterhin Glück und Segen und ein langes Leben. : Die Kuban=Kosaken kommen! Am kommenden Samstag findet abends ein einmaliges Gastspiel der weltberühmten Kuban=Kosaken im Freischütz statt. Es wird dieses wiederum ein künstlerisches Ereignis ersten Ranges werden. Der Chor, der z. Zt. aus 25 Mitgliedern besteht, bringt in bunter Reihenfolge Gesangvorträge sowohl Chor= wie Solo=Gesänge. Das Balalaita=Orchester bringt seine russischen Weisen zu Gehör und nicht zuletzt dürften die original russischen Tänze interessieren. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Eine Mahnung an Zeitkarteninhaber. Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Wuppertal teilt uns folgendes mit: Bekanntlich ist die Anordnung der Deutschen Reichsbahn, daß Zeitkarten in einem hierfür vorgesehenen Lichtbildrahmen aufbewahrt werden müssen, vor längerer Zeit aufgehoben worden. Trotzdem werden diese Fahrkarten noch häufig an der Bahnsteigsperre im Rahmen vorgezeigt. Das hat an den für das Lochen der Zeitkarten festgesetzten Tagen— und zwar für Monats= und Schülermonatskarten am 10., 20. und 28. jedes Monats, für Teilmonats=, Arbeiterwochen= und Angestelltenwochenkarten am Mittwoch und Freitag jeder Woche— zu Unzuträglichkeiten geführt. Wenn die Zeitkarten erst an der Sperre aus dem Rahmen genommen werden, entstehen sehr oft unliebsame Stockungen, die haufig Zugversäumnisse, Beschwerden und sontige Weiterungen nach sich ziehen. Um die Reisenden an der Bahnsteigsperre schnell und reibungslos abfertigen zu können, werden sie — auch zu ihrem eigenen Nutzen— dringend gebeten, die Zeitkarten an den vorgenannten Tagen stets ohne Rahmen an den Bahnsteigsperren vorzuzeigen Berghofen, 3. Sept. Berghofen hatte am Sonntag einen Tag von besonderer Weihe. Schon am Samstagabend begannen die Feierlichkeiten des Krieger= und Landwehrvereins Berghosen anläßlich der Ehrenmalsweihe mit einem Kommers. Im großen Zelt auf dem Platz von Glück hatten sich sämtliche Vereine und nationalsozialistischen Formationen versammelt. Der Musikzug der SA=Standarte 329 Schwerte bot gehaltvolle musikalische Gaben. Die Begrüßungsworte sprach Vereinsführer Fricke. Anschließend ergriff Sturmbannführer Köhler aus Hörde das Wort zum Treuebekenntnis. Hierauf folgten musikalische Darbietungen sowie Gesangvorträge eines Massenchors. Unterverbandsführer Althoff ergriff das Wort zur Weihe der neuen Bundesfahnen und führte u. a. aus: Unverbrüchliche Treue sei immer unser Heiligtum, das Symbol unserer Fahnen, die uns voranflattern bei Sturm und Not und uns zur letzten Ruhe begleiten. Nun rauschen sie empor im Frühling, der über deutsche Lande kam. Der Kyffhäuserbund, die größte Frontsoldatenvereinigung der Welt, wird diesen Frühling begrüßen. Alte Soldatentugenden sind neuerstanden, Haß, Neid und Zwietracht sind vergessen. Im starken Glauben an Deutschland brachte unser Führer die Neugestaltung und gab uns Kyffhäusern neue Ziele, die wir mit aller Kraft zu erreichen versuchen. Wir stehen mit unserem Führer zu seinem Staat. Neue Fahnen sind uns gegeben, sie mögen uns einhämmern, daß wir ewig treu und bereit sind, das Beste zu geben. Es falle die Hülle und es flattere das Tuch im Winde. Ich weihe diese sechzehn Fahnen durch Berühren mit einer Fahne der SA und des Krieger= und Landwehrvereins. Laßt diese Fahnen das Symbol der Kampfgemeinschaft sein und setzt für sie das Beste ein! Dann wurde das Lied vom guten Kameraden gespielt. Weitere musikalische Vorträge und turnerische Vorführungen füllten den Abend aus. „Weil die Gartendiebstähle wollten überhand nehmen, so ließ der Rat durch den Kämmerer auf die Täter scharf inquirieren, und wie unter anderen ein Sageschneider darüber betreten, so wurde er gefänglich eingezogen und der Stadt und der Börde verwiesen, nachdem er vorher durch die ganze Stadt einen Kohlkranz zum Zeichen seines Verbrechens getragen und die Stockknechte mit einer Bungen(Trommel) ihm das Geleite gegeben.“ —. Hebammen und erbkranker Nachwuchs. Bei der Durchführung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses sind Zweifel darüber aufgetaucht, ob auch die Hebammen anzeigepflichtig anzusehen seien. Aus der Entstehungsgeschichte des Gesetzes ergebe sich, daß mit der Anwendung des Ausdrucks„Kranke“ nicht ein Ausschluß der Hebammen, die im allgemeinen nur gesunde Wöchnerinnen behandeln, von der Mitwirkung bei der Durchführung des Gesetzes bezweckt sei. Am Sonntag führte ein großer Festzug zum Denkmalsplatz. Der Massenchor trug das von dem heimatlichen Musikdirektor Haselhoff den toten Kameraden gewidmete Werk„Im Heldenhain voll Empfindung vor. Unterverbandsführer Althoff=Schwerte, weihte das Ehrenmal. Vereinsführer Fricke übergab es in die Obhut der Stadt. Der Vertreter des Oberbürgermeisters versprach, das Mahnmal alle Zeit zu schützen. Pfarrer Klinzing sprach für die evangelische Gemeinde die herzlichen Glückwünsche aus, Pfarrer Beyer für die katholische Gemeinde. Das Schlußwort sprach Sturmbannführer Köhler. Kränze bedeckten das Ehrenmal und der Massenchor sang„Nun schweige jeder von seinem Leid". Mit 70 Fahnen marschierten die Formationen zum Festzelt. Hier konzertierte die Schwerter Standartenkapelle unter Leitung von Musikzugführer Norbert Köppikus mit großem Erfolge. Alle im Stadtverband Schwerte vereinigten Kriegervereine(SA=R. II hatten sich am Festzug in Berghofen beteiligt, wie sie auch an der unvergeßlichen Denkmalsweihe im Dortmunder Stadtwald an der Wittbräucker Straße teilgenommen hatten. Unwillkürlich wirft man die Frage auf: Wann bekommt Schwerte ein würdiges Ehrenmal? Der Anfang zur Herbeibeschaffung von Mitteln zum Bau ist ja gemacht worden, aber die Sache scheint doch schon wieder ins Stocken gekommen zu sein. Im Frühjahr war der Wunsch ausgesprochen worden, die Grundsteinlegung solle am 2. August 1934, anläßlich der 20. Wiederkehr des Mobilmachungstages erfolgen. Dieser Termin ist inzwischen verstrichen, ja, man ist sich noch nicht einmal über die Platzfrage einig. Inzwischen sind uns unsere Nachbarorte, die mit ihrem Denkmal auch noch im Rückstand waren, zuvorgekommen. Am 16. September wird das Ehrenmal für die Dorstfelder Gefallenen enthüllt. Wann werden wir in Schwerte soweit sein? Vor 20 Jahren! 4. September. Die französische Regierung flüchtet nach Bordeaux.— Die französische Festung Reims wird besetzt. 7. September. Maubeuge kapituliert. 40 000 Kriegsgefangene, 400 Geschütze fallen in unsere Hände.— Beginn der 1. Marneschlacht. 10. September. Sieg über die NiemenArmee bei Lyck. 12. September. Die Russen, von Hindenburg in Ostpreußen geschlagen, ergreifen die Flucht. 17. September. Das 13. und 4. Armeekorps der Franzosen südlich Noyon geschlagen. 22. September. Das deutsche Unterseeboot „U 9“ schießt 20 Seemeilen nordwestlich von Hoek van Holland die englischen Panzerkreuzer „Abukir“,„Hogne“ und„Cressy“ in den Grund und läuft unversehrt in Wilhelmshaven ein. 27. September. Hermann Löns vor Reims gefallen. Aus der Umgebuug Fröndenberg, 4. Sept. Gründung einee Ortsgruppe des Reichsbundes der Kinderreichen. Im Lokal Anton Schulte, fand am Freitagabend eine gutbesuchte Werbeversammlung des Reichsbundes der Kinderreichen statt. Nach einem Vortrag des Kreiswarts E. Frieg=Unna, über Zweck und Ziele des Reichsbundes erfolgte die Gründung einer Ortsgruppe, der sofort 40 der anwesenden Familienväter beitraten. Aufgenommen kann jede erbgesunde Familie werden, die 4 Kinder und jede Witwe, die 3 Kinder besitzt. Der monatliche Beitrag beträgt 50 Pfg. Zum Ortsgruppenwart wurde Vollziehungsbeamter Eberhardt, zum Kassierer Jakob Haak und als Beraterin der Mütter, Frau Paul Prünte ernannt. Der Ortsgruppenleiter der RSDAP. Pg. Brockhaus drückte seine Freude über den Zusammenschluß der kinderreichen Eltern aus und versprach als Leiter der hiesigen NS=Volkswohlfahrt ein inniges Zusammenarbeiten mit der neugegründeten Ortsgruppe. Die nächste Versammlung ist am ersten Freitag des Oktober bei Anton Schulte. In nächsten Zeit kommen Betten an bedürftige kinderreiche Familien zur Verteilung. Kreiswart Frieg ersuchte die anwesenden Väter, ihre Frauen doch zum Beitritt zur NS=Frauenschaft zu veranlassen. Schalksmühle. Lastwagen fährt in Wassergraben. Durch Versagen der Steuerung verunglückte ein Dortmunder Lastkraftwagen mit Anhänger, der volmeaufwärts fuhr, abends in der erst vor kurzem ausgebauten Kurve am Lauenscheider Ohl, kurz vor der zweiten Eisenbahnbrücke in den Wassergraben. Der schwere Wagen kam von der Fahrbahn ab und durchbrach einen schweren Eisenzaun der Firma Peter Bune, um dann mit dem Motorwagen in dem Wassergraben zu landen, während der Anhänger auf der Volmestraße stehen blieb. Der Fahrer blieb durch ein Wunder unverletzt. Die Bergungsarbeiten an dem Motorwagen, der im Wasser stand, waren sehr schwierig, und da der Anhänger noch auf der Straße stand, war der Verkehr in der Kurve ganz besonders mit Schwierigkeiten verbunden. Schluß des redaktionellen Teils. Vereinsnachrichten Eisenbahn=Frauenverein Schwerte(Ruhr) u. Umg. Die nächste Mitgliederversammlung findet am Mittwoch, d. 5. Sept., 15 Uhr im Vereinslokal„Im Reiche des Wassers“ statt. lagen außerdem aus der Textilindustrie, der Spiegelglasindustrie und vom Weißblechmarkt vor. Zu der hoffnungsvollen Stimmung trugen außerdem der befriedigende Verlauf der Leipziger Herbstmesse und das gute Ergebnis der großen Funkausstellung bei. Taperiun fus dis Amter Westhosen und Erbste Wandhofen, 4. Sept. Junge schwer verunglückt. Vorgestern nachmittag gegen 16,30 Uhr kam es in Wandhofen, unweit des Tetampelschen Hauses, zu einem schweren Unfall. Ein in Richtung Schwerte jagendes Motorrad fuhr einen etwa 14jährigen Jungen an und schleuderte ihn zur Seite, so daß dieser mit schweren Verletzungen liegen blieb. Der Angefahrene erlitt außer erheblichen Fleischwunden eine schwere Kopfverletzung, vermutlich Schädelbruch. Der Vorfall ist besonders tragisch. Der Junge hatte bei einer Familie Gr. zu Besuch geweilt und befand sich vorgestern nachmittag mit Angehörigen auf dem Wege zum Schwerter Bahnhof, um wieder heimwärts zu den Eltern nach Castrop zu fahren. Westhofen, 1. Sept. Schulzen und Schöffen neu vereidigt. Im Amtshause waren die durch die Aussichtsbehörde berufenen Gemeindeschulzen der Gemeinden des Amtes Westhofen zu einem feierlichen Akt versammelt. In Vertretung des in Urlaub befindlichen Bürgermeisters erläuterte der Amtsbeigeordnete Schiermeyer das neue Gesetz über die Vereidigung der Beamten und der Soldaten der Wehrmacht und gab den Wortlaut des neuen Diensteides bekannt. Die Gemeindeschulzen schworen dann vor dem Beigeordneten den Eid, dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler treu und Gehorsam zu sein, die Gesetze zu beachten und die Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen. Durch die Gemeindeschulzen wurden später die Gemeindeschöffen vereidigt. Die Berufung der Gemeindeschulzen und=schöffen ist auf die Dauer von 12 Jahren erfolgt. Die Schulzen und Schöffen sind Ehrenbeamte der Gemeinde und erhielten als solche jeder eine Anstellungsurkunde. Westhofen, 1. Sept. Ortsgruppe der riegergräberfürsorge soll gewaren auf den Straßen und Plätzen hier tausende Fahrräder und Motorräder abgestellt. Dabei fand sich auch diebisches Gesindel ein. Außer verschiedenen kleineren Sachen wurden drei Motorräder gestohlen, und zwar einem Karl Schmitt aus Köln eine Imperia=Maschine mit der Erkennungsnummer 12 52816, einem Alexander Pöppe aus Bochum ein Motorrad mit der Erkennungsnummer IX 18438 und einem Wilhelm Humpert aus Düsseldorf ein Motorrad mit der Erkennungsnummer II 6381. Die Polizei hat sofort Ermittlungen eingeleitet. Westhofen, 4. Sept. Letzter Schutzhäftling entlassen. Aus dem hiesigen Amtsbezirk war seit einigen Monaten nur noch ein Schutzhaftgefangener in einem Konzentrationslager untergebracht. Auch dieser ist jetzt entlassen worden. Westhofen, 4. Sept. Versetzung. Der Gendarmeriewachtmeister Hübeler, der mit der Verwaltung der Gendarmeriestation Villigst beauftragt war, ist auf seinen Wunsch zum Polizeipräsidium Frankfurt a. M. versetzt worden, um dort eine Stelle in der inneren Verwaltung zu übernehmen. Lichtendorf, 4. Sept. Rentenzahlung. Die Auszahlung der Krankengelder, Alters=, Invaliden= und Witwenrenten der„Ruhrknapp= schaft“ für den Monat September findet am 6. September, nachmittags um 2,30 Uhr, in der Wirtschaft Wiemhoff auf dem Eichholz statt. Geisecke, 4. Sept. Gemeiner Diebstahl. Ein bei einem hiesigen Bauern beschäftigter Landwirtschaftsgehilfe gewährte einem früheren Arbeitskollegen Unterkunft auf seinem Zimmer. Zum Dank dafür stahl ihm dieser einen guten Mantel. Die Polizei konnte den Dieb ermitteln. Err- WTochenschau vum Sa merter Bauiverein, Klein& Co., KG., Das Bürsengeschäft erfuhr in der Berichtssooche zeitweise eine erhebliche Erweiterung, die sich aus die verschiedensten Marktgebiete erstreckte. Die Zahi der savorisierten Spezialwerte nahm beträchtlich zu, und die Umsätze wiesen eine ansehnliche Vergrößerung auf, da die Cffektenkundschaft sich wieder lebhafter am Geschäft beteiligte. Unter diesen Umständen war die Grundstimmung ausgesprochen freundlich. Im Vordergrund des Interesses standen weiterhin Rohstoffwerte, in denen sich zum Teil nennenswerte Kurssteigerungen ergaben. Diese Entwicklung wurde durch die wirtschaftspolitischen Vorgänge begünstigt, in deren Brennpunkt hochbedeutsame Erklärungen des mit der Führung des Reichswirtschaftsministeriums betrauten Reichsbankpräsidenten standen. In seinen großen Reden, die er auf dem Presseabend anläßlich des Beginns der Leipziger Herbstniesse und auf der internationalen Konferenz für Agracwissenschaft in Bad Eilsen hielt, behandelte Dr. Schacht das Schulden= und Kreditproblem und die Außenhandelsfrage in aller Ausführlichkeit. Seine Ausführungen sanden weit über Deutschlands Grenzen hinaus stärkste Beachtung. Ausgehend von der politis#den Verschuldung Deutschlands durch den Versailler Vertrag und den Wahnsinn der Reparationen, legte Dr Schachr überzeugend dar, wie katastrophal für die ganze Welt die Folgen sein müssen, wenn man dem drittgrößten Außenhandelsstaat die Lebensmöglichkeiten systematisch beschneidet. Anstatt den starken innerwirtschaftlichen Anstieg in Deutschland dem gesamten Welthandel zunutze zu machen, wurde das AbHerrungssystem gegenüber Deutschland verschärft, ein Netz von Verrechnungs= und Cleaeinas-Maßnahmen errichtet, das die Welt in eine Anzahl isolierter Festungen verwandelt und den Handel in unnatürliche Kanäle gelenkt bat. Go wurde Deutschland zum Schaden der Welt in eine Autarkie hineingetrieben, die es zotngt, zur Aufrechterhaltung der inneren Konjunktur inländischer Rohstoffe mit allen Mitteln zu fördern. Die Tatsache, daß diese Inlandsrohstoffe teilweise nur mit höheren Kosten gewonnen werden können, als sie vom Auslande lieferbar sind, und daß Kapitalaufwendungen gemocht werden müssen, könne Deutschland von dieser Politik nicht abhalten; denn ob wir Arbeitslose aus öffentlichen Mitteln unterstützen, oder ob wir sie beschäftigen, um mehr Inlandsrohstoffe zu produzieren, lause, finanzwirtschaftlich gesehen, auf das gleiche hinaus. Die Welt stehe heute vor der Alternative, entweder in der Schuldenfrage weiter passiv zu bleiben, Deutschland als Käufer aber auch als Schuldner abzuschreiben und die Weltwirtschaft auf einige Jahrzehnte zurückzuschrauben oder den Hebel der Kreditwictschaft herumzuwerfen, an der Bereinigung des deutschen Transferproblems mitzuarbeiten und die Bahn für einen weltwirtschaftlichen Aufstieg freizumachen. Deutschland könne zur Zeit selbst einen ermäßigten Zinsendienst nicht mehr tragen. Es werde nichts anderes übrig bleiben, als Deutschland ein mehrjähriges Vollmeratorium zur Erholung zu gewähren. Gleichzeitig werde man die Last der Auslandsverschuldung auf ein Maß zurückführen müssen, das nach Ablauf des Moratoriums auf die Dauer getragen werden könne. Wenn ein internationales Abkommen diese beiden Voraussetzungen sicherstelle, so sei das entscheidende Hemmnis für eine Welthandelsbelebung beseitigt. Diese Erklärungen, die einen außerordentlich starken Eindruck hinterließen, wurden ergänzt durch ein Interview, in dem Dr. Schacht gegenüber einem amerikanischen Journalisten betonte, man werde das Aeußerste tun, um die privaten Unternehmungen gewinnbringend zu gestalten; denn nur durch rentable Unternehmungen Lönnten Löhne gezahlt, Steuern aufgebracht und könnte der sozialen Not gesteuert werden. Die programmatischen Erklärungen, die den wirtschaftlichen Weg Deutschlands klar vorgezeichnet haben, wurden mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen. Die zuversichtliche Haltung wurde verstärkt durch eine Reihe von Feststellungen, aus denen sich ein Bild günstiger innerwirtschaftlicher Fortentwicklung ergibt. Erwähnung verdient vor allem die Erhöhung der Reichssteuereinnahmen im Juli. Insgesamt wurden im genannten Monat 684,7 Mill. Mark gegen 579,3 Mill. Mark im gleichen Monat des Vorjahres vereinnahmt. Auch die Entwicklung in den Schlüsselindustrien zeigte eine weiter aufwärts gerichtete Bewegung. Dies gilt vor allem von der Eisen= und Kohlenwirtschaft. In der G.=V. der Vereinigten Stahlwerke konnte auf das Anhalten der günstigen Durchschnittsentwicklung bei der Kohle und die weitere wesentliche Steigerung der Rohstahlerzeugung hingewiesen werden. Am Roheisenmarkt hat sich der inländische Auftragseingang weiter leicht erhöht, aus dem Auslande blieb die Nachfrage verhältnismäßig lebhaft. Insgesamt wies die Industriebeschäftigung nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes eine Erhöhung de: Zahl der beschäftigten Arbeiter von 59,6 Proz. im Juni auf 60,1 Proz. der Arbeiterplatz= kaxazität im Juli auf. Günstige Lageberichte gründet werden. Man beabsichtigt, eine Ortsgruppe der Kriegsgräberfürsorge zu gründen. Als kommissarischer Ortsgruppenleiter der Kriegergräberfürsorge für den Bezirk Stadt Westhofen und Gemeinde Garenfeld und Wandhofen wurde der Stadtobersekretär a. D. Albert Kuschmann ernannt. Die Gründungsversammlung der Ortsgruppe wird in Kürze stattfinden. Westhofen,, 3. Sept. Alterstafel. Am Sonntag vollendete der Rentner Gustav Möhle sen. in Westhofen, Wiederstraße 40, sein 85. Lebensjahr. Der Hochbetagte, ein Mann von altem Schrot und Korn und mit urwüchsigem Humor begabt, ist allen Einwohnern bekannt. Seine Ehefrau begeht in einigen Tagen den 90. Geburtstag.— 76 Jahre alt wurde am Sonntag der Weichenwärter a. D. Ludwig Rothöft, wohnhaft Bahnhofstraße 21. Den Hochbetagten auch unsere herzlichen Glück= und Segenswünsche! Westhofen, 4. Sept. Motorrad gestohlen. Dem Werkmeister K. L. von hier wurde in Dortmund sein Motorrad, ein D=Rad mit der Erkennungsnummer IX 76369, gestohlen. Er hatte das Rad für kurze Zeit vor einer Apotheke abgestellt. Westhofen, 4. Sept. Siedlungsbau. Nachdem in der Randsiedlung Garenfeld die Bauten schon soweit vorangeschritten sind, daß vor einigen Tagen an vier Doppelwohnhäusern das Richtfest gefeiert werden konnte, sind jetzt auch in der Bergmannssiedlung am„alten Limbecker Postweg“ oberhalb des Wannetals gute Fortschritte zu verzeichnen. Es werden dort zunächst sechs Doppelhäuser errichtet, die schon fast alle im Rohbau fertig sind. Trägerin dieses Unternehmens ist die Bergmannssiedlungsgesellschaft in Dortmund. Alle Siedlungshäuser erhalten eine gut durchdachte Inneneinrichtung und ein geschmackvolles Aeußere. Die Errichtung einer weiteren Siedlung ist auf dem Sommerberg dicht an der Schwerter Grenze geplant. Dort hatte die katholische Kirchengemeinde größeren Grundbesitz, der an eine Anzahl Einzelpersonen aufgeteilt worden ist. Von den Einzelpersonen liegen bereits mehrere Baugesuche vor. Im Interesse der weiteren Behebung der Erwerbslosigkeit ist die Schaffung dieser neuen Arbeitsgelegenheiten im Baugewerbe nur zu begrüßen. Westhofen, 4. Sept. Ergebnis der Obstbaumzählung. Im Amtsbezirk Westhofen sind nach dem Ergebnis der Obstbaumzählung insgesamt 25 680 Obstbäume vorhanden. Es sind hierbei erfaßt die Aepfel=, Birn=, Kirsch=, Pflaumen=, Zwetschen=, Mirabellen=, Reineklauden=, Aprikosen=, Pfirsich= und Walnußbäume. Auf die Einwohnerzahl des Amtes umgelegt entfallen auf jeden Einwohner 2,8 Obstbäume. Westhosen, 4. Sept. Drei Maschinen beim Rreieck=Rennen entwendet. Anläßlich des Hohensyburg=Dreieck=Rennens Syburg, 3. Sept. Festsetzung der Kirchensteuern. Für das Rechnungsjahr 1934 (vom 1. April 1934 bis 31. März 1935) sind die Kirchensteuern für die hiesige evangelische Kirchengemeinde wie folgt festgesetzt worden: 15 Prozent der für 1933 festgesetzten Reichseinkommensteuer und 40 Prozent der für 1933 festgesetzten Grundvermögenssteuer und 30 Proz. der Gewerbesteuer. Die Sätze sind kirchenaufsichtlich und staatlich genehmigt worden. Ein Kirchgeld wird nicht erhoben. Syburg, 4. Sept. Presbyter=Einführung. An Stelle des ausgeschiedenen Presbyteriumsmitgliedes Eckey ist der Bauer Heinrich Grieb in das Presbyterium gewählt und in sein Amt eingeführt worden. * * Hennen, 4. Sept. Die NS=Frauenschaft machte kürzlich einen Ausflug, an dem über 50 Frauen teilnahmen. Ein Autobus brachte die Teilnehmer nach Lössel, wo in der Wirtschaft Bräucker bei Kaffee und Kuchen einige gemütliche Stunden verlebt werden konnten. Aus dem Nachbargebiet Dortmund, 3. Sept. Ein Oelflecken führte zum Tode. Ein folgenschwerer Unfall ereignete sich am Sonntag um 17,35 Uhr auf dem Hindenburgdamm, wenige Meter von der Kreuzung Hohe Straße entfernt. Der Kraftfahrer Heinrich M. aus der Hansastraße befuh um die genannte Zeit mit seinem Kraftrad IX 38742 den Hindenburgdamm, als plötzliche seine Maschine schleuderte und er und die auf dem Sozius mitfahrende Antonie B. aus Dortmund in hohem Bogen auf die Straße geworfen wurden. M. war mit seinem Kraftrad in einen Oelflecken gefahren, der sich auf der Straße befand. Beide wurden bei dem Sturz auf die Straße schwer verletzt, die Beifahrerin so, daß sie nach ihrer Einlieferung in die Städtischen Krankenanstalten bald dem Tode erlag. M. trug außer äußeren Verletzungen einen Nervenschock davon. Er befindet sich außer Lebensgefahr. Die Polizei hat nach dem Unfall veranlaßt, daß der Oelfleck durch die Berufsfeuerwehr beseitigt wurde, um weitere Unfälle zu verhüten. Werther, 2. Sept. Wegen sittlicher Verfehlungen in den Tod gegangen. Im Schwarzbach wurde ein 62jähriger Mann ertrunken aufgefunden. Der Betreffende hatte sich längere Zeit an Kindern vergriffen. Er stand nach Abschluß der polizeilichen Ermittlungen vor der Festnahme. Der Mann betrank sich zunächst sinnlos, wobei er Selbstmordabsichten äußerte. Als es dunkel geworden war, ging er fort und hat sich dann in den Bach gelegt, wo dieser etwa einen Meter tief ist, so daß er ertrank. Sei Kämpfer für den Sozialismus der Tat! Reihe Dich ein in die Front der NSV. Rune sun=Pregenmnn Mittwoch, den 5. September 1934. 5.30 Morgenruf. Anschließend: Frühkonzert. 6.05 Leibesübungen. 6.25 Morgenkonzert. 6.50 Morgenruf, Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.05 Frauenturnen. 8.20 Echte und falsche Sparsamkeit. 10.00 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10.10 Wir und die Welt. 11.40 Friedrich der Große und die Landwirtschaft. 12.00 Musik am Mittag. 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 13.00 Das Kleine Orchester. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 15.00 Jugendstunde für Leibesübungen. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.50 Stimme der Zeit. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.00 Von München Reichssendung: Kulturtagung der NSDAP. im Apollotheater. Es spricht der Führer. 18.00 Von München Reichssendung: Zwischenmusik. 19.30 Feierliche Eröffnung des Parteikongresses(Wachswiedergabe). 20.30 Standkonzert. 21.30 Von Köln: Tänzerische Musik. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.15 Umschaltpause. 22.20 Von München Reichssendung: Stimmungsbericht vom Eintreffen der Sonderzüge des Arbeitsdienstes und der PO. 22.40 Fortsetzung der Tänzerischen Musik. 23.00 Von Berlin:(vom polnischen Rundfunk) Chopin=Konzert. 23.30 Schwanensee.(Schwanensee=Suite). Börsen und Märkte Dortmund, 3. Sept. Dem heutigen Schlachtviehmarkt waren zugeführt: 1078 Großvieh, darunter 53 Ochsen, 234 Bullen, 647 Kühe, 114 Färsen, 30, Fresser; 502 Kälber, 51 Schafe, 2653 Schweine. Der Marktverlauf war bei Großvieh mittel, Ueberstand, bei Kälbern mittel, geräumt, bei Schafen gefragt, geräumt. bei Schweinen flott, geräumt. Es wurden gezahlt für 50 kg. Lebendgewicht in Rm: Ochsen: a) 1. 36, a) 2. ältere 34, c) 26—28, d) 22—25; Bullen: a) 33. b) 30—32, c) 26—29, d) 20—25; Kühe: a) 34—36, b) 30—33. c) 25 bis 29, d) 16—24; Färsen: a) 34—35, b) 30—33, c) 25—29, d) 21—24; Kälber: a) 49—53, b) 44—48, c) 37—43, d) 27—36; Schafe: e) 38—40, f) 33—36, g) 20—25; Schweine: a) 1. 54, 2. 53. b) 51—53, c) 49—52, d) 46—50, g) 1. 48—50, 2. 41—47.— Zur Förderung des Fettprogramms der Reichsregierung wurden 124 fette Speckschweine aus dem Markt genommen.— Die festgesetzten Preise sind Marktpreise für nüchtern gewogene Tiere und schließen sämtliche Spesen des Handels ab Stall für Fracht, Markt und Verkaufskosten, sowie für Umsatzsteuer und Gewichtsverlust ein. Die Großeisenindustrie im August DN. Dortmund, 3. Sept. Der Zweckverband der Industrie= und Handelskammern zu Bochum, Dortmund, Essen und Münster stellt in seinem Bericht über die Lage der GroßeisenIndustrie im Monat August 1934 zusammenfassend fest: . Die Lage auf dem Eisenmarkt entsprach im allgemeinen der des Vormonats. Die sonst übliche jahreszeitliche Abschwächung des Inlandsgeschäfts machte sich nur ganz unwesentlich bemerkbar. Die Werke rechnen auch für die nächste Zeit mit verhältnismäßig guter Beschäftigung. Die arbeitstägliche Erzeugung von Roheisen und Rohstahl ist weiter gestiegen. Das Auslandsgeschäft war auf Grund der bekannten Schwierigkeiten unverändert ruhig. Briefkasten M. in Sch. Wir fassen die Sache so auf, daß der Nationalsozialismus eine weltumspannende Idee ist. Veranwwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Schwerte=R. Verantwortlich für den gesamten Texmeil: Heinz Friedrich Kamecke. Schwerie=R. Für den Anzeigenteil: Haus Linner Schwerte=R. D. A. VII. /34. 1700. SeRs Wosiaoniserbterre — Gegen unsachliche Behandlung des Kirchenstreits Münster. Die Pressestelle des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen teilt mit: Der Oberpräsient der Provinz Westfalen weist darauf hin, daß trotz der Anordnung des Reichsinnenministers vom 17. August 1934 in verschiedenen Sonntagsblättern der Provinz Westfalen der evangelische Kirchenstreit in unsachlicher Form erörtert ist. Es ist eine unsachliche Polemik, wenn von einer„Verwüstung der Kirche, Verunehrung des Wortes, Finsternis und Bedrängnis“ und dergl. mehr in einem nicht mißzuverstehenden Zusammenhang mit dem Kirchenstreit gesprochen wird. Bei Wiederholung derartiger Verstöße muß der Verleger derartiger Druckschriften nicht nur damit rechnen, daß derartige Druckschriften polizeilich beschlagnahmt und verboten werden, sondern daß auch Maßnahmen gegen den Verleger oder verantwortlichen Redakteur ergriffen werden. Solche Redakteure, die entweder den im Interesse der Sache liegenden oder den im Interesse der Staatsautorität liegenden Ton nicht finden können oder nicht finden wollen, sind ihrem Berufe nicht gewachsen oder aber ihre Tätigkeit muß als bewußte Zersetzungsarbeit bewertet werden. Tödlicher Verkehrsunfall Münster. Am Sonntag fuhr auf der Münsterstraße in Telgte in einer Kurve ein Motorrad mit Beiwagen in voller Fahrt gegen die Treppenstufe eines Hauses. Der Soziusfahrer Habekost aus Münster wurde von der Maschine geschleudert und trug einen schweren Schädelbruch und einen Bruch der Schädelbasis davon. Er ist kurze Zeit darauf an den Folgen der schweren Verletzungen gestorben. Der Beifahrer erlitt eine Schulterprellung und eine Gehirnerschütterung. Festnahme eines Schwerverbrechers Detmold. In Detmold wurde der 33 Jahre alte Gietz aus Bonn festgenommen und dem Untersuchungsgesängnis zugeführt. G., der erst vor zwei Wochen in Oldenburg eine zweijährige Gefängnisstrafe verbüßt hatte, hat die kurze Zeit seiner Freiheit zu erneuten Betrügereien benutzt. So hat er in Bielefeld, Paderborn und Detmold neue Betrügereien ausgeführt und wurde deshalb von den Staatsanwaltschaften in Bielefeld und Paderborn gesucht. In Detmold hat er eine arme Witwe um 8 RM. betrogen. Der Aufmarsch der Deutschen Arbenefrein iSeeft Soest. Am Sonntag veranstaltete die Deutsche Arbeitsfront in Soest eine große Kundgebung, zu der zehn Kreise aufmarschiert waren und auf der Gauleiter Staatsrat Wagner, Gaubetriebszellenleiter Stein und der ehemalige Gauleiter von Wien, Rentmeister, sprachen. Nach einem Vorbeimarsch an Gaubetriebszellenleiter Stein und dem Kreisbetriebszellenleiter sowie den Spitzen der Behörden und der Partei begann die große Kundgebung in der Deutschlandhalle, an der etwa 23.000 Volksgenossen teilnahmen. Nach dem Einmarsch der Fahnen und dem Willkommensgruß ergriff Gaubetriebszellenleiter Pg. Stein das Wort. Bei einem Rückblick auf die Erfolge der nationalsozialistischen Regierung sei festzustellen, daß der schleichende Verfall der Wirtschaft aufgehalten wurde und es nun wieder aufwärts gehe. Die Wirtschaft der Vergangenheit habe die soziale Not im Gefolge gehabt, die Wirtschaft der Gegenwart gelte unseren Kindern. Die Deutsche Arbeitsfront sei der Garant unserer Zukunft. Wie die große Gemeinschaft im Staate, so solle auch die Betriebsgemeinschaft in der Wirtschaft herrschen mit den Gliedern Unternehmer, Arbeiter, Angestellter. Im neuen Staat habe die Arbeit einen neuen Wert erhalten. Wir haben einen Staat der Arbeit und Millionen Menschen haben erkannt, daß uns nur ein Führer einer helleren Zukunft und der Sonne entgegenführen kann: Adolf Hitler.(Starker Beifall.) Es sprach dann, mit Beifall begrüßt, Gauleiter Staatsrat Wagner. Das Volk, so führte er aus, erkennt in seiner überwiegenden Mehrheit an, daß der Nationalsozialismus etwas Positives geschaffen hat. Heute schon ist aus dem Nichts wieder etwas geworden, wir können wieder bestimmte Ausblicke in die Zukunft tun. Glaube und Hingabe an die Gedankenwelt des Nationalsozialismus haben dies Wunder bewirkt. Nationalsozialismus ist das Leben und das Leben ist kein Rechenexempel. Das Leben ist die Zusammenfassung der Kräfte zur unerschütterlichen Einheit der Nation, das Ziel die höchste Kraftentfaltung für das Volk. Der Nationalsozialismus muß alle erfassen und in alle eindringen, denn er ist die natürlichste und die dem Leben am nächsten stehende Idee. Ohne diese Idee kann Deutschland nicht wieder aufsteigen. Der frühere Gauleiter von Wien, Pg. Rentmeister, wies in seinen Ausführungen auf das große Werk der deutschen Einigung hin und weihte im Anschluß an seine Rede etwa 30 Fahnen der Deutschen Arbeitsfront. Mahnend klang sein Ruf: Nie dem Symbol des deutschen Wesens untreu zu werden, nie die Kette der deutschen Einigkeit reißen zu lassen.— Mit einem dreifachen Sieg=Heil auf den Führer und dem Gesang des Deutschlandliedes und HorstWessel=Liedes schloß die Kundgebung. Taguns der Gorkrsgeseilschäft in Srter Eßt deutsches Obst Minden. Zurzeit ist wieder die Wahrnehmung zu machen, daß von Hausfrauen ausländische Früchte im Einkauf bevorzugt werden, obwohl nachgewiesenermaßen Gehalt und Geschmack des deutschen Obstes dem ausländischen überlegen sind. Das deutsche Obst ist überdies billiger. Manche Hausfrauen lassen sich lediglich durch die bis jetzt bessere„Aufmachung“ des ausländischen Obstes blenden. Diese Mahnung gilt vorzüglich für die beginnende deutsche Traubenernte. Es ist ein Verbrechen gegenüber den schwer wirtschaftenden und arbeitenden deutschen Winzern, wenn jetzt noch ausländische Trauben gekauft werden, wo schon die deutschen Trauben auf dem Markte sind. Neue Brücke dem Verkehr übergeben Osnabrück. Am 21. März d. I. beim Beginn der zweiten großen Arbeitsschlacht wurde auch der Bau einer neuen Düte=Brücke bei Hellern in Angriff genommen. Diese Brücke konnte nunmehr ihrer Bestimmung übergeben werden. Mit ihr und dem neuen Wehr, das für die vielen starken Ueberschwemmungen notwendig wurde, war auch eine Begradigung der Chaussee und eine Verlegung des Wasserlaufs erforderlich geworden. Ein großer See ist entstanden, da man größere Bodenmengen für die Anhöhung des Geländes benötigte. Die Verkehrsübergabe erfolgte durch den Landrat im Beisein von Vertretern der Parteistellen. 98 Jahre alt— Der älteste Einwohner im Landkreise Osnabrück Ibur. Der älteste Einwohner des Landkreises Osnabrück, der Wegewärter a. D. Heinrich Hemsath, konnte hier seinen 98. Geburtstag begehen. Sind auch seine Augen schwach geworden, so erfreut sich der Alte doch noch einer verhältnismäßig guten körperlichen Frische. Auch geistig ist er noch rege und erzählt gern aus den Tagen seiner Jugend, als er noch seinen Dienst auf der im Anfang des 19. Jahrhunderts gebauten großen Landstraße Münster—Osnabrück versah. Von allen Seiten wurden ihm Glückwünsche zuteil. 12. Westfälischer Schachkongreß in Siegen Siegen. Am Sonnabend eröffnete der Bundesleiter Jahn den 12. Westfälischen Schachkongreß in Siegen. In fünf Gruppen stellten sich die besten Schachspieler Westfalens zum Kampfe um di: Bu#desmeisterschaft. Als Favoriten gelten Rogmann und Herrmann=Bochum und SeitzBielefeld. Bemerkenswert war in der ersten Bunde die Niederlage Herrmanns gegen Klein (Gelsenkirchen) und ein Remis Rogmanns gegen Schulte. Ein schlechter Start der Favoriten, von kenen nur Seitz gegen Strehl einen Siegespunkt stoberte. Trier. Im Jahre 1925 tagte die Görresgesellschaft, die bekannte Vereinigung zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland, zum ersten Male nach ihrer Gründung vor etwa 60 Jahren in Trier. Damals wie auch in diesem Jahre, versammelte sich eine größere Anzahl katholischer Wissenschaftler und Gelehrte in der alten Bischofsstadt an der Mosel, um in ernster Tagungsarbeit Erkenntnisse neuester wissenschaftlicher Forschung entgegenzunehmen. Zur Trierer Tagung im Jahre 1934 hatten sich an die 200 Teilnehmer eingefunden, unter ihnen bedeutende katholische Gelehrte aus dem Reich, aus Holland, Spanien und Luxemburg. Nach Vorstandssitzungen am Freitag und Samstag wurden die Veranstaltungen am Sonntagmorgen mit einem feierlichen Pontifikalamt im Dom zu Trier eingeleitet. In der Aula des Hindenburg=Gymnasiums fand anschließend die Eröffnungssitzung und erste geschäftliche Mitgliederversammlung der Görresgesellschaft statt. Nach einem Orgelvorspiel nahm der Präsident der Görresgesellschaft, Geheimrat Prof. Dr. Finke=Freiburg, das Wort zu einer Ansprache. Der Redner gedachte zu Beginn in eindrucksvollen Worten des deutschen Ringens um die Saar, deren Rückkehr zum Reich er als ein hohes Ziel nationalen Kämpfertums darstellte. Sodann machte Geheimrat Finke Mitteilungen von einer Reihe Begrüßungsschreiben, die sowohl aus den Kreisen des deutschen Episkopats, wie auch von verschiedenen Reichsministerien eingegangen waren. Er führte dazu aus, daß sich die Görresgesellschaft glücklich schätze, auch von den Regierungsstellen eine Anerkennung für ihre wissenschaftliche Arbeit und deren Erfolge erhalten zu haben. In seinen programmatischen Ausführungen betonte Finke, daß die Görresgesellschaft am Aufbau des Dritten Reiches durch Hervorkehrung der christlichen Werte mitzuhelfen bereit sei, diese ihre Mitarbeit jedoch auf rein wissenschaftliche Grundlage stelle. Zum Schluß seiner Ausführungen verlas Finke zwei Telegramme an den Hl. Vater und an den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem die Görresgesellschaft eingedenk seiner Rede auf dem Ehrenbreitstein sich für das große Einigungswerk an Volk und Vaterland zur Verfügung stelle.— Regierungspräsident Dr. Sassen hieß sodann kurz die Görresgesellschaft willkommen und betonte, daß er als Repräsentant des nationalsozialistischen Staates der wissenschaftlichen Arbeit in Trier vollen Erfolg wünsche.— Der Bischof von Trier, Dr. Bornewasser, richtete zum Schluß eine längere Ansprache an die Versammelten und legte als Leitgedanken das Wort zugrunde, daß die wahre Wissenschaft keine Feindin des Glaubens sei. Glaube und Wissenschaft seien in der übernatürlichen und natürlichen Offenbarung auf Gott zurückzuführen und könnten sich demnach in ihren Ergebnissen und in ihrer absoluten Wesensschau nicht widersprechen. Die katholische Wissenschaft habe der Welt jene Wahrheit geschenkt, von der ein großer Papst einmal gesagt habe: Die Wahrheit heilt alles. Der Bischof erteilte im Anschluß an seine Ansprache der Versammlung seinen bischöflichen Segen. Nachstehend das Ergebnis, soweit die Partien beendet werden konnten. 1. Gruppe: Herrmann— Klein 0:1, Broscheit — Jürgens 1:0, Baer— Nordmann abgebrochen. 2. Gruppe: Ernst— Brake ½:½, Schrickler — Tamm 0:1, Gödde— Mues 1:0. 3. Gruppe: Schulte— Rogmann ½:½, Hain — Wessel abgebrochen, Schüßler spielfrei. 4. Gruppe: Strehl— Seitz 0:1, Rupschus— Skowroneck 0:1, Müller spielfrei. 5. Gruppe: Wiekowiack— Lechtenberg 1:0, Sündarp— Alsen 0:1, Herrmann— Petri abgebrochen. Vom elektrischen Strom getötet Siegen. Auf dem Hammerwerk(Lüttringh.) verunglückte der 20jährige Josef Heuel tödlich. Er war mit einem Arbeitskameraden in einer Wellblechbaracke beschäftigt. Als ihm sein Werksgenosse einen elektrischen Handbohrer reichte, schrie Heuel plötzlich auf und sank tot zu Boden. Er war auf unerklärliche Weise vom elektrischen Schlag getroffen worden. Wahrscheinlich hatte das Werkzeug bei der Arbeit eine schadhafte Stelle erhalten. Schweres Unglück im Walzwerk der Duisburg. In der Zurichterei des Walzwerks der August=Thyssen=Hütte in Duisburg=Hamborn ereignete sich ein schweres Betriebsunglück. Bei der in regelmäßigen Abständen erfolgenden Nachprüfung resp. Vermessung der Bewegung der Kranbahn erfolgte aus bisher noch unbekannter Ursache ein Bruch des Kranbahnträgers. Drei Kräne, die sich auf der Laufbahn befanden, stürzten ab. Der Obermeister Boländer, der sich unmittelbar unter einem der abgestürzten Kräne befand, sowie der Landmessergehilfe Ossowski, der auf einem der Kräne stand, erlitten tödliche Verletzungen. Ferner wurden zwei Werksangehörige erheblich verletzt. Sie wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Drei Kranführer konnten sich durch Abspringen in Sicherheit bringen. Schwerer Betriebsunfall Duisburg=Hamborn. Beim Aufmontieren eines Kessels stürzte auf dem Gas= und Wasserwerk der Stadt Duisburg der Monteur Heinr. Müller aus Duisburg=Ruhrort aus einer Höhe von 15 Meter vom Gerüst herab. Mit schweren Schädel=, Bein= und inneren Verletzungen wurde er dem Krankenhaus zugeführt. Todbringender Zusammenstoß Duisburg=Hamborn. Am Sonntagmorgen kam es am Schnabenhuck in Duisburg zu einem folgenschweren Zusammenstoß zwischen einem Motorradfahrer und einem Radfahrer, wobei das Motorrad mit rasender Geschwindigkeit gegen einen Bordstein fuhr. Der Soziusfahrer. SA.=Truppführer Leichtwein aus Oberhausen. war sofort tot, während der Motorradfahrer Albert Glocksin aus Oberhausen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden mußte, wo er in bedenklichem Zustande darniederliegt. Der Radfahrer Johann Lenartz aus München=Gladbach trug einen Schlüsselbeinbruch und sonstige schwere Verletzungen davon und mußte ebenfalls dem Krankenhaus zugeführt werden. Selbstmordversuch im Oberhausener Bahnhof Oberhausen. In der Sonntagnacht gegen 1 Uhr brachte sich ein etwa 25 Jahre alter Mann in den Toiletten des Bahnhofs Oberhausen mit einem Kleinkaliberrevolver in Herzhöhe einen gefährlichen Schuß bei, der allerdings nicht tödlich wirkte. Die sofort herbeigerufene Polizei stellte fest, daß der Mann keinerlei Ausweispapiere bei sich führte. Sie fand lediglich in einer Tasche einen Fahrschein der Vestischen Kleinbahn Bottrop. Der Schwerverletzte wurde einem Krankenhaus zugeführt. Ein Stromfest in Zons Zons. Die alte Stadt Zons, das niederrheinische Rothenburg, veranstaltete zum Wochenende in ihren Mauern ein Stromfest, getragen von dem Gefühl für die gestaltende und bildende Kraft der Heimat, das auf die Städte Köln und Düsseldorf eine starke Anziehungskraft ausgeübt hatte. Wirkungsvolle Einleitung fand das Heimatfest bereits am Samstagabend durch die Aufführung des Schauspiels„Treue dem Strom“ von dem Heimatdichter Michel Becker.— Im Mittelpunkt des Interesses stand am Sonntag ein bunter Festzug, der sich durch die mittelalterlichen Straßen des Städtchens bewegte, überall von begeisterten Zuschauern beifällig ausgenommen. Der Kölner Landschaftsmaler und Ehrenbürger der Stadt Zons, Theodor Blum, und Lehrer Riffel hatten den Zug hervorragend gestaltet. Den Ursprung der Stadt Zons anschaulich darstellend, führte der Zug römische Legionäre mit einem römischen Feldherrn mit; das siegreiche Germanentum fand durch einen Gaugrafen mit Fußvolk symbolischen Ausdruck. Es folgte die Zeit des Mittelalters, die bedeutendsten Landesherren des Kölner Erzstiftes, Zons als Zollstation im 15. Jahrhundert, eine alte Zolltruhe, in der das Zollgeld gesammelt wurde. Eindrucksvoll zu Gesicht gebracht wurde die Entwicklung der rheinischen Schiffahrt, vom simplen Gefährt des Einbaums bis zu den modernen Personendampfern der Köln=Düsseldorfer Rheinschiffahrtsgesellschaft. Als prächtiges Schlußbild, wirkungsvoll von Wassersportlern inszeniert, erschien Vater Rhein mit seinen Töchtern, wie er Schönheit, Freude und Erholung spendet. Den Abschluß des glänzend organisierten Festes bildete eine Stadtbeleuchtung mit Feuerwerk. Reichsehrenmal der deutschen Felbarkerte Köln. Nachdem der Samstag durch die große Veranstaltung auf dem Neumarkt und das große Feuerwerk am Abend einen herrlichen Abschluß fand, fand am Sonntagvormittag die Grundsteinlegung des Reichsehrenmals der deutschen Feldartillerie am Niederländer Ufer, unmittelbar am Ufer des Rheins, statt. Zuerst sprachen am Fuße des Denkmals der frühere Divisionspfarrer Bingel=Köln und Kaplan Jungmann Worte des Gedenkens für unsere Gefallenen. Nachdem das Lied vom guten Kameraden verklungen war. wandte sich der Schirmherr des Waffenrings, General der Artillerie von Gallwitz, an seine Kameraden. Er knüpfte an die Worte der beiden Geistlichen an, indem er ausführte, auch wir trauern um unsere Gefallenen, aber schon in der Vorkriegszeit war es Sitte, daß, wenn wir einem Kameraden das Geleite zum Friedhof gegeben hatten, in hoffnungsfroher Stimmung zurück: kehrten. Und dessen tiefster Sinn will besagen, daß dies Dasein nur vorübergehend ist, daß über dem Einzelnen die Dienstauffassung, das Bewußtsein erfüllter Pflicht steht, daß der Einzelne nur ein Teil des Ganzen ist. Hier steht nun ein Denkmal der Dankbarkeit und Erinnerung. Unseren Gefallenen soll es gewidmet sein, es soll aber auch Kraft schaffen, um das eigene Leben einzusetzen für den Boden des Vaterlandes. Wir wollen den Schwur ablegen, daß wir uns würdig erweisen wollen des Opfers unserer gefallenen Kameraden und bereit sind, unser Leben einzusetzen. Anschließend übergab der Waffenringführer Freiherr von Watter die Anlage dem Oberbürgermeister der Stadt Köln, Dr. Riesen, in Obhut. Oberbürgermeister Dr. Niesen übernahm das Denkmal mit folgendem Gedenkspruch in die Obhut der Stadt Köln: Erinnerung sei uns dies Mal an die Zeit des größten Krieges, da Deutschland als einiges Volk einer Welt von Feinden getrotzt. Gedenkstein sei es uns für alle Feldartilleristen, die gefallen im Kampf für Deutschlands Ehre und Sein. Mahnzeichen sei es zugleich für die kämpfende deutsche Jugend, wachzuhalten im Geist das Gedenken an ihre Väter, treu und einsatzbereit für Führer und Vaterland. Von der Vergangenheit weise dies Mal in die Zukunft, erinnere die Deutschen stets an die herrliche Zeit der Erhebung, da unter Hitlers Führung zum einigen Volke sie wurden. Unterschlagungen bei der Regierungskasse in Köln Köln. Bei der Regierungshauptkasse in Köln wurden, wie die Regierungspressestelle mitteilt, Unterschlagungen festgestellt, die von einem Beamten während eines schon mehrere Jahre zurückreichenden Zeitraumes vorgenommen wurden, deren Verschleierung jedoch bis jetzt durch Vornahme von Urkundenfälschungen gelungen war. Der Täter befindet sich in Untersuchungshaft. Alle Maßnahmen zur baldigen Ahndung der verbrecherischen Handlungen sind getroffen worden. I Scron 25. Fortsetzung. Die Heimfahrt verlief ohne Störung. Unterwegs machte Liese den Vorschlag, zu oreien nach Dahlem hinauszufahren und die Wohnung zu besehen. Hildebrand war einverstanden. Da konnte man ja die Angelegenheit gleich in Ordnung bringen. Es dunkelte bereits, als das Auto vor der Villa Bergius hielt. Robert stieg als erster aus und öffnete die Gartenpforte Beinahe hätte er an der Haustür den Schlüssel aus der Tasche gezogen. Liese merkte es rechtzeitig genug, um ihn durch einen gelinden Rippenstoß an seine Rolle zu erinnern. Gorgo, die von nichts wußte, öffnete ahnungslos und war nicht wenig verblüfft, als sie von Liese gefragt wurde, ob der Hausherr zu sprechen sei.„Ich möchte meinem Verlobten die Wohnung zeigen, die ich kürzlich gemietet habe.“ Wenigstens gelang es ihr, die gute Gorgo durch bedeutungsvolles Augenzwinkern soweit zu bringen, daß sie keine unbedachte Aeußerung tat. „Der Herr Geheimrat ist noch nicht nach Hause gekommen!“ sagte sie unsicher, während sie abwechselnd Liese und Robert anblickte. „Na, da können wir ja schließlich die Wohnung ohne Begleitung besichtigen!“ meinte Robert und gab der Alten durch unzweideutige Handbewegungen zu verstehen, daß sie verschwinden solle. Schon die Diele mit den antiken Skulpturen zu beiden Seiten der breiten, mit einem roten Läufer bedeckten Treppe bot einen entzückenden Anblick. Droben weitete sich die Treppe zu einem geräumigen Flur, der nach rückwärts in einen riesigen Balkon mündets. Als die drei Gäste auf den Balkon hinaustraten, schaltete Liese die Beleuchtung ein. An den Wänden und auf den Pfeilern der Brüstung erglühte gedämpftes Licht im Gehäuse schmiedeeiserner Laternen. Robert ließ sich behaglich in einen der Peddigrohrsessel fallen, die um einen ovalen Tisch gruppiert waren. „Ich finde es fabelhaft hier!" strahlte er und zündete sich eine Zigarette an. Die Einrichtung der Zimmer zeugte nicht nur von dem gediegenen Wohlstand des Besitzers, sondern auch von dessen erlesenem künstlerischen Geschmack. Ueberwältigt von dem Anblick des Heimes, das in allen Einzelheiten seinen geheimen Wünschen entsprach, ließ sich Hildebrand zu dem Bekenntnis hinreißen, daß es ihm überaus schwer falle, sich des Gedankens an diese schöne befriedete Welt zu entschlagen. Nun wurde aber Robert der Komödie müde.„Im Vertrauen, Herr Hildebrand, die Wohnung ist so billig, daß Sie sie ruhig nehmen können. Sie kostet nämlich nichts. Mehr Entgegenkommen können Sie vom Hausherrn nicht verlangen. Hildebrand glaubte nicht recht zu hören.„Aber— lassen Sie doch diese albernen Scherze!“ „Es ist kein Scherz!“ lachte Robert.„Aber die Geschichte hat immerhin einen bösen Haken. Der Hausherr hat eine Tochter und möchte die Wohnung für seinen künftigen Schwiegersohn bereithalten" „Na also!“ verzichtete Hildebrand endgültig.„Schließlich stellt sich über kurz oder lang ein Freier ein, dann würde es uns doppelt schwer fallen, wieder auszuziehen.“ Robert zuckte die Schultern.„Meinetwegen macht, was ihr wollt! Mir wird es zu dumm, Liese! Ich spiele nicht mehr mit!— Am besten, du legst deinem Fritz ein volles Geständnis ab. Ich werde Gorgo sagen, daß sie zum Abendessen ein viertes Gedeck auflegt. Die Melodie eines Schlagers pfeifend, schlenderte er die Treppe hinab. „Idiot!“ schrie ihm Liese nach. In ihrem Herzen trug sie ein jubelndes Glück. „Was redet er für verworrenes Zeug?“ fragte Hildebrand kopfschüttelnd, während er mit Liese dem Flüchtigen folgte. Das Mädchen sprühte vor Uebermut.„Ja, er gebärdet sich manchmal ganz verrückt! Run läuft er einfach fort, in steinden Wohnung, es ist schrecklich!" Indessen erklang von draußen das Geräusch der sich öffnenden Haustür. Liese nahm ihren Verlobten am Arm.„Da kommt der Hausherr, du kannst gleich wegen der Wohnung mit ihm reden! Ich will einstweilen nach Robert Umschau halten!" Schon war sie verschwunden. „Geheimrat Bergius!“ sagte der alte Herr laut, als er des Besuchers ansichtig wurde. „Sie haben hier eine Wohnung zu vermieten?“ stotterte Hildebrand und vergaß seinen Namen zu nennen. „Eine Wohnung? Der Geheimrat blickte verständnislos auf den jungen Mann. „Aber— ich verstehe nicht recht— meine Braut sagte mir, daß wir hier eine Wohnung— wir haben sie eben angesehen.“ „Du lieber Gott!“ rief Bergius, während eine Ahnung in ihm hochstieg.„Wie heißen Sie denn?" „Hildebrand!“ „Allmächtiger! Sie sind Hildebrand? Sie sind dieser Missetäter? Sie sind es also, der sich erdreistet, mein Schwiegersohn werden zu wollen?" Hildebrand hatte ein Gefühl, als gleite der Boden sanft unter seinen Füßen weg. Seine Kräfte begannen zu schwinden. Jetzt erst fiel ihm wieder ein, daß ja Liese und der Geheimrat den gleichen Namen trugen. Wie ein Keulenschlag traf ihn die Erkenntnis der Wahrheit. Der Geheimrat aber trat auf ihn zu und schüttelte ihm die Hand, daß die Knochen klirrten. Währenddem kam Liese. „Guten Abend, Papa! Ach, ihr habt euch bereits ausgesprochen, sehe ich! Aber nun rasch ins Speisezimmer! Robert sitzt längst am Tisch, er ißt uns sonst alles weg!“ Hildebrand ließ sich willenlos in den hellerleuchteten Raum führen. Wie durch Nebelschleier sah er einen gedeckten Tisch mit Sandwiches, Salaten und funkelnden Weingläsern. KA URHEBER·RECHTGGCNUTZ DURCM VERLAG OTKAR AALISTER WERDAUN Liese, die stolz und glücklich neben ihm saß und die besten Leckerbissen auf seinen Teller häufte, kniff ihn verstohlen in den Arm. „Bist du mir sehr böse, Liebster?“ fragte sie in halber Unruhe. Der arme Junge war noch ganz verdattert.„Liese, ich beschwöre dich, ist das nun wirklich alles wahr?" Aus Lieses Mund kam ein verhaltenes Lachen.„Diesmal stimmt es. Mich wundert überhaupt, daß du mir nicht längst hinter die Schliche kamst. Es kostete mir keine geringe Mühe, niemals aus der Rolle zu fallen.“ „Nein, Liese, wenn ich mir das vorstelle! Schwiegersohn von Geheimrat Bergius! Liese, so treu hast du zu mir gehalten, nun erkenne ich erst, welch lieber, guter Mensch du bist. Und ich— ich habe mich damals so häßlich———“ „Ich glaube, Papa will dich etwas fragen!" unterbrach sie ihn. Wie ihm die Wohnung gefalle, wollte der Geheimrat wissen.„Es ist zwar ein bißchen weit in die City, aber wir haben sehr gute Verbindung mit der U=Bahn!“ „Ach, Herr Geheimrat, eine wunderbare Wohnung! Ich kann es ja kaum glauben, daß Sie uns die Räume zur Verfügung stellen wollen. Um diesen Preis würde ich sogar einen täglichen Fußmarsch riskieren!" Der Geheimrat entkorkte die Weinflasche und füllte die Gläser.„Bevor ich auf Ihre Zukunft anstoße, habe ich noch eine sehr ernsthafte und schwerwiegende Gewissensfrage an Sie zu richten, um deren ehrliche und wahrheitsgetreue Beantwortung ich Sie dringend bitten muß.“ Er erhob sich, auf seinem Gesicht lag feierlicher Ernst. Hildebrand bekam es mit der Angst zu tun.„Bitte, Herr Geheimrat!“ stotterte er. Bergius blickte ihn durchdringend an.„Spielen Sie Skat, Herr Hildebrand?" Er hatte die Frage kaum ausgesprochen, da erhob sich auch Robert und trat mit gespannter Erwartung näher. Liese hatte die Gabel sinken lassen, ihre Augen richteten sich fragend auf den Geliebten. Um Hildebrands Mund glitt ein sieghaftes und überlegenes Lächeln.„Ich habe fünfzehn Siegerpreise aus Skatturnieren und bin zweifaches Ehrenmitglied des Berliner Skatklubs. Genügt Ihnen das, Herr Geheimrat?“ Der Geheimrat wäre ihm fast um den Hals gefallen. „Robert, Liese, habt ihr gehört! Er spielt Skat!“ „Herrlich!“ schrie Liese begeistert.„Endlich haben wir den vierten Mann und brauchen uns nicht mehr mit Gorgo herumzuärgern.“ Robert schlug seinem künftigen Schwager fröhlich auf die Schulter.„Wenn wir mit dem Essen fertig sind, wollen wir gleich einen dreschen!“ Der Geheimrat hob das Glas.„Nun ist alles in bester Ordnung. Auf dein ganz Spezielles, mein lieber Schwiegersohn!“ 22. Rechtsanwalt Treuner drang mit seinem Antrag auf Haftentlassung nicht durch. Es hatten sich neue Momente ergeben, die den Staatsanwalt an der Wahrscheinlichkeit eines Verbrechens festhalten ließen. Er war dahintergekommen, daß Frau Prenner sich von ihrem Mann hatte freimachen wollen, während dieser sich der Scheidung bis zum äußersten widersetzte. Solange die Tatsache eines selbstverschuldeten Unfalls nicht einwandfrei erwiesen sei, könne wegen Verdunkelungsgefahr an eine Haftentlassung nicht gedacht werden. Wendrich war verzweifelt.„Ich halte das nicht mehr aus. Wenn ich wenigstens mit Jenny sprechen dürfte! Ich werde um eine Besuchserlaubnis nachkommen!“ Auch davon riet ihm Treuner dringend ab.„Das Gericht braucht von Frau Prenners Beziehungen zu dir nichts zu wissen, und auch für euch beide ist es besser, wenn ihr euch das Wiedersehen bis zu der Zeit aufhebt, da all dies vorüber ist.“ „Nächsten Montag muß ich wieder im Büro sein, auch der längste Urlaub geht einmal zu Ende Es will mir nicht in den Sinn, daß ich nun unverrichteter Dinge nach Hause fahren soll.“ Treuner zuckte die Schultern.„Auch mir wird nichts anderes übrig bleiben. Was ich tun konnte, habe ich getan. Nun müssen wir eben abwarten. Ich reise morgen ab, mein Sekretär schreibt mir schon einen dringenden Brief nach dem andern. Du schließt dich doch an? Die letzten paar Tage möchte ich dich noch als Gast bei mir in Leipzig wissen!“ „Wenn ich dir damit eine Freude mache, mir ist es recht. Ich habe keine Sehnsucht, allein in Berlin zu sitzen. Ob aber deine Abwesenheit von Nürnberg keine Nachteile für Jenny hat?“ Treuner schüttelte den Kopf.„Ich habe einen hiesigen Kollegen mit meiner Vertretung beauftragt. Er wird mit den zuständigen Stellen in Verbindung bleiben und mich sofort unterrichten, wenn sich eine neue Wendung ergeben sollte.“ „Du glaubst also trotz allem, daß Märckl freigesprochen wird?“ fragte Wendrich, als sie in einem Abteil des München—Berliner D=Zuges nach Norden jagten. Das Gesicht des Anwalts straffte sich„Ja, ich bin davon überzeugt. Jedenfalls werde ich alle Kräfte aufbieten, das Meine zu tun. Ein solcher Fall, wie der des armen Märckl, kann einen wieder mit seinem Beruf versöhnen. Für einen Menschen eintreten, dessen Schuldlosigkeit man zu innerst fühlt, für das wirkliche, heilige Recht kämpfen, das wiegt alles auf, was man an Unsauberkeiten und Zweifelhaftigkeiten das liebe lange Jahr hindurch wohl oder übel anführen muß....„„„4 Wum. 8. „Es wird ein schöner Sieg für oich werden, wenn es dir gelingt, Paul Märckl herauszuhauen!“— In Leipzig gab es eine große Ueberraschung. Der Anwalt rief seinen Freund, der in einem Hotel Wohnung genommen hatte, telephonisch zu sich. Als Wendrich das Büro betrat, streckte ihm Treuner enthusiastisch die Hand entgegen. „Was ist denn los?“ fragte Wendrich ahnungsvoll. „Sieg, mein Teurer!“ schrie der Rechtsanwalt.„Sieg auf der ganzen Linie. Der Feind hat sich bedingungslos ergeben. Hier, lies diese Depesche aus Chikago! Dein Erbe ist freigegeben und telegraphisch an die Deutsche Bank in Berlin überwiesen. Ich habe telephonisch dort angefragt. Das Geld ist bereits eingetroffen und steht zu deiner Verfügung" Wendrich griff mit zitternden Händen nach dem Blatt. Die Buchstaben flimmerten vor seinen Augen. Treuner rieb sich fröhlich die Hände.„Von meinem ganzen weitläufigen Bekanntenkreis bist du jetzt der pumpfähigste Mann.“ Treuner hätte aber besser getan, mit dieser Nachricht noch nicht herauszurücken, denn nun konnte keine Macht der Erde mehr Wendrich in Leipzig halten. „Wo denkst du hin? Nun heißt es das Nest richten! Jenny soll wissen, wohin sie gehört, wenn diese verdammte Geschichte hinter ihr liegt.“ Solchen Gründen mußte sich Treuner beugen.„Die Honorarrechnung bringe ich dir mit, wenn ich zur Hochzeit komme.“ „Du machst es mir schwer, dich einzuladen!“ lachte Wendrich. Einige Stunden später war er in Berlin und überrumpelte Frau Krüger mit seiner unvermuteten Ankunft. Er fand sie in ziemlich bedöstem Zustand in der Küche sitzen. „Na, Mutter Krüger, was ist denn mit Ihnen los?“ fragte er teilnehmend und stellte den Koffer in die Ecke. Da begann sie zu heulen. Ein seit Tagen zurückgedämmter Katzenjammer schien sich unversehens entladen zu wollen „Ach Gott, Herr Wendrich, Sie— werden sich eine andere Wohnung besorgen müssen. Seit Sie fort sind, verfolgt mich das Unglück. Zuerst flog ich bei der Filmgesellschaft hinaus. Es war ein schrecklicher Krach. Bloß weil mir einmal die Zunge durchging. Ich hätte eine zu laute Stimme für den Film, sagen sie. Das hielte kein Mikrophon aus. Ja, und dann wurde meine Rente gekürzt. Ich kann die teuere Wohnung nicht mehr behalten, zwei Monate bin ich schon mit der Miete im Rückstand.“ „Das sind ja schreckliche Dinge!“ lächelte Wendrich.„Aber lassen Sie nur, ich habe das bestimmte Gefühl, daß sich alles zum Guten wenden wird. Wie wäre es denn, wenn wir uns zusammen ein hübsches Häuschen kaufen würden?" Frau Krüger war nahe daran, zornig zu werden.„Wenn Sie mir keinen anderen Trost wissen, als sich über mich lustig zu machen———“ Wendrich klopfte ihr begütigend auf die Schulter. Dann zog er sich um und verließ das Haus. Sein erster Weg führte in die Geschäftsstelle der Deutschen Bank. Immer noch nagte ein leiser Zweifel in ihm, ob es mit dieser märchenhaften Erbschaft tatsächlich seine Richtigkeit habe. Als er dem jungen Schalterbeamten seinen Namen genannt hatte, starrte ihn dieser einen Augenblick fassungslos an, dann versank er vor Ehrerbietung fast in den Boden. Wendrich mußte unwillkürlich lachen. Sein Glücksfall schien sich ja hier schon recht herumgesprochen zu haben. „Wünschen Sie eine Abhebung zu machen. Herr Wendrich? Welcher Betrag?" „Nein, richten Sie mir, bitte, ein Konto ein! Dreiviertel des Guthabens kann auf weite Sicht fest angelegt werden, über den Rest will ich aber jederzeit frei verfügen können.“ „Sehr wohl, Herr Wendrich!" dienerte der Angestellte. Wendrich ließ sich noch über die verschiedenen Bedingungen unterrichten, dann bestieg er aufatmend ein Taxi und ließ sich zu Kempinski fahren. Und dann stürzte er sich mit geradezu fanatischem Eifer in das neue, herrliche Leben. Er sah die verkäuflichen Villen im Grunewald an, hatte lange Unterredungen mit Häusermaklern, verhandelte mit Architekten. Auf die Art gelang es ihm tatsächlich, die heimlich nagende Sorge um Jennys Schicksal zu betäuben. Wenn er tausend Pläne schmiedete und wieder verwarf, wie seine und Jennys Zukunft am köstlichsten einzurichten sei, vergaß er fast, daß die Geliebte ihm für den Augenblick unerreichbar war. Er glaubte an die Beständigkeit seines Glückes, es erschien ihm undenkbar, daß dieses Glück ihn auf halbem Wege im Stich lassen könnte. Es war am zweiten Morgen seines Berliner Aufenthaltes, als ihn eine Maklerfirma anrief. Wendrich erfuhr, daß soeben eine sehr hübsche Villa am Ufer des Schlachtensees zur Versteigerung gelange. Man empfehle ihm, auf raschestem Wege hinzufahren. Vielleicht könne er noch zurechtkommen. Es handle sich um ein außergewöhnlich günstiges Objekt. Wendrich geriet in einen Taumel der Unternehmungsluft Er eilte aus dem Haus, erwischte ein Taxi und jagte zum Grunewald. Der Wagen wäre fast mitten in die Schar der an Ort und Stelle versammelten Interessenten hineingerannt. Wendrich achtete nicht auf die empörten Zurufe der Leute. Er verließ das Auto und drängte sich nach vorne. „Dreiundvierzigtausend zum Zweiten! Bietet niemand mehr?— Dreiundvierzigtausend zum———“ „Fünfundvierzigtausend!“ schrie Wendrich. Mit einem raschen Blick hatte er die Villa überflogen. Es war ein sehr komfortables Landhaus im englischen Stil, mit hohen Fenstern, einer prachtvollen Terrasse und einem ausgedehnten Garten, der allerdings ein ziemlich verwahrlostes Aussehen hatte. Fritz Wendrich erhielt den Zuschlag. Er betrat das Podium des Auktionators und füllte mit freudiger Erregtheit den ersten Scheck aus. öMM (Forlsetzung fbigr.) 7. Inlernationaler Straßenbaukongreß in München Die Siraße uls ein Wert dre Frirrene Kreuzer„Königsberg“ fährt nach Kurnberg „Bau der Autobahnen ist Sozialismus im besten Sinne— Wir haben eine gigantische Aufgabe groß begonnen“ Rudoi des sprau Am Montag begann in der Technischen Hochschule in München der 7. Internationale Straßenbaukongreß. Dabei hielt Reichsminister Rudolf Heß eine große Rede. Nach einleitender Begrüßung der Kongreßteilnehmer im Namen der Reichsregierung schilderte der Redner die neue deutsche Arbeitsauffassung, wobei er betonte, daß besonders diejenigen, die Deutschland vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus kennen gelernt haben, in den Gesichtern der Menschen feststellen könnten, wie auffallend sie sich gewandelt hätten, wie die frühere Bitternis und Verkrampfung auf den Gesichtern durch den Ausdruck ruhiger Zuversicht und Hoffnungsfreudigkeit abgelöst worden sei. Deutschland sei davon überzeugt, daß das, was es schaffe, nicht nur dem eigenen Volke große Dienste erweise, sondern auch beispielgebend wirken könne für die übrige Welt. Der Redner ging dann auf den der Initiative Adolf Hitlers entsprungenen deutschen Straßenbau ein. Der deutsche Straßenbau, so führte er u. a. aus, erfolgt im Großen unter zwei Gesichtspunkten. Einmal ist es ein Erfordernis des modernen Verkehrslebens, die Straßen in den bestmöglichen Zustand zu versetzen, den der Stand der Technik ermöglicht und zum anderen ist es der Gedanke der Arbeitsbeschaffung zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit, der im deutschen Straßenbau=Programm seinen Niederschlag findet. Die Planungen für unseren modernen deutschen Straßenbau sind eng verbunden mit dem Streben nach Jahrhunderte überdauernder Festigung der vom Nationalsozialismus errungenen politischen Einheit des Reiches. Das im Aufbau begriffene Verkehrsnetz, welches in Deutschland entstehen wird, erfüllt die Forderung nach Reichseinheit auch auf verkehrstechnischem Gebiete. Die Arbeit an der Verwirklichung des Straßenbauprogramms des Führers gab bisher bereits zirka 150000 Arbeitern auf den Baustellen und über 200 000 in den Lieferwerken Arbeit, Lohn und Brot. Dabei ist seit dem 23. September 1933, dem Tag der Inangriffnahme des großen Werkes der Reichsautobahnen durch den Führer noch kein volles Jahr verflossen. Bis Ende 1934 wird die Gesamtzahl der direkt und indirekt Beschäftigten allein auf den Reichsautobahnen 250 000 er reichen. Etwa 150000 finden Arbeit in dem ergänzenden Ausbau der Reichs= und Landstraßen. Die Beschäftigung wird nach fachmännischer Schätzung sechs bis sieben Jahre in gleichem Maße anhalten. Der deutschen Wirtschaft fließen aus den Arbeiten für die Reichsautobahnen und für das vorhandene Straßennetz jährlich Aufträge in Höhe von 700 bis 800 Millionen RM zu. Das Ausmaß der technischen Leistung ist an folgenden Ziffern zu ermessen: Es werden für den Bau der Reichsautobahnen 260 Millionen Kubikmeter Erde bewegt, 4,5 Millionen Kubikmeter Beton werden hergestellt und 500000 Tonnen Stahl für Brückenbauwerke müssen geliefert werden. Es ist uns vom Ausland der Vorwurf gemacht worden, wir legten unser Geld in großen innerdeutschen Projekten an, anstatt unseren Schuldverpflichtungen nachzukommen. Nach meiner Anschauung kann das Problem der deutschen Arbeitsbeschaffung mit dem der Schuldver pflichtung nicht in Zusammenhang gebracht werden. Denn mobilisieren wir die Millionen unserer Arbeitslosen nicht zu praktischer Arbeit, geben wir ihnen nicht Lohn und Brot, so liegen die Arbeitskräfte brach. So wenig wie ein anderes Volk der Erde könnten und wollten wir die arbeitslosen Volksgenossen zugrunde gehen lassen, wir müssen sie erhalten. Millionen Menschen sahen wir— als wir an die Macht kamen— zur Untätigkeit verdammt. Wir sahen auf der anderen Seite, daß alle Materialien, die wir zum Straßenbau benötigen, innerhalb unserer Grenzen erreichbar sind. Was war näherliegend, als daß wir die Frage der Mobilislerung von Menschenkraft und Materialien auf organisatorischem Wege lösten? Damit verwandelten wir vorhandene Arbeitskräfte und vorhandenes Material in Werte, die weitaus geeignet sind, im Laufe der Zeit neue Werte hervorzubringen. ist ein grundlegender Irrtum, zu glauben, man könnte etwa ebensogut mittels dieser Arbeitskräfte und dem im Inland vorhandenen Material Schulden bezahlen. Schulden bezahlen, heißt exportieren; sei es direkt in Form von Geld, sei es in Form von Waren. Geld ausführen können wir nur in Form eines Geldes, das zwischenstaatlich Geltung hat, und das sind Devisen! Politische Gesichtspunkte, Antipathien gegen unser Regierungssystem haben teilweise— wir hoffen nur vorübergehend— den Sieg davongetragen über wirtschaftliche Vernunft. Den größten Teil unseres überhaupt ins Ausland übertragbaren Volksvermögens haben wir beFeits geliefert. Die übrige Welt hat den GüterAstausch mit uns eingeschränkt und uns damit Die Möglichkeit des Schuldenzahlens genommen. Sie kann nicht erwarten, daß wir deshalb etwa darauf verzichten, die vorhandenen Arbeitskräfte und Materialien im eigenen Lande nutzbringend zu verwerten. Unsere Ware will man vielerorts in der Welt nicht haben; die Menschenkraft, die früher zu ihrer Herstellung verwandt wurde, müssen wir also anders ansetzen. Zu bedenken ist ferner, daß nur ein Bruchteil der für den Bau der Autobahnen benötigten Mittel dem Staat über die an sich für eine entsprechende Zahl Arbeitsloser notwendigen Aufwendungen zur Last fällt. Tatsächlich sind seitens des Staates nur etwa 35 bis 40 v. H. der Baukosten für den Bau über das hinaus aufzuwenden, was an sich der Staat aufzubringen hat, wenn die Bahnen nicht gebaut würden. Bau der Autobahnen ist wahrer Sozialismus im besten Sinne. Mit dem Einsatz von Hunderttausenden schaffender Hände für die Straße erkennen wir zugleich deren wieder wachsende Bedeutung an, nachdem bis in unsere Tage hinein der Glaube herrschte, die Straße verlöre gegenüber der Schiene weiter an Bedeutung. Das Problem Straße oder Schiene besteht praktisch für uns nicht mehr. Auch von einer Konkurrenz beider Verkehrswege kann in Deutschland nicht gesprochen werden, da beide in das Verhältnis organischer Ergänzung zueinander gebracht worden sind. Die Reichsautobahnen sind in erster Linie gemeint, wenn vom modernen deutschen Straßenbau gesprochen wird— sie besonders meinte auch der Führer, als er in seiner großen Rede am 1. Mai 1933 diesem das Motto gab: „Wir stellen ein Programm auf, das wir nicht der Nachwelt überlassen wollen, das Programm unseres Straßenneubaues; eine gigantische Aufgabe, die Milliarden erfordert. Wir werden die Widerstände dagegen aus dem Wege räumen und die Aufgabe groß beginnen...“ Ich glaube entsprechend diesen Worten des Führers heute sagen zu dürfen: Wir haben die Aufgabe groß begonnen. Je mehr die großen Durchgangsstraßen der Nachbarländer zueinander in Einklang gebracht werden, um so mehr wird sich über die großen Straßen der Nationen im Reiseverkehr des Alltages bei wachsendem internationalem Verkehr auch eine wachsende Anerkennung der Völker un tereinander ergeben. Wir wissen dann, daß dann ein ehrliches Urteil über unser Volk entstehen wird. Auf der Basis gegenseitiger Achtung der Völker wird dann ehestens eine Konsolidierung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen eintreten. Auch in diesem Gedanken ließ der Führer die deutschen Reichsautobahnen Gestalt werden. Erkennen Sie, meine Herren Delegierten des Auslandes, auch darin seinen Willen zum Frieden und zu friedlicher, schaffender Arbeit, den er und seine Mitarbeiter öfter als einmal zum Ausdruck brachten. Möge auch dieser internationale Kongreß einen Beitrag darstellen zur Förderung des Friedenswillens aller Völker. Wie dieser Austausch der Gedanken und des Wissens unzweifelhaft allen teilnehmenden Staaten zugute kommt, so möge auch ein auf gleicher Basis entwickelter allgemeiner Austausch der geistigen und materiellen Güter der Völker wieder erstehen. Das ist unser Wunsch für alle Nationen dieser von der Freudlosigkeit von Millionen gequälten Erde! Heneralinspektor Dr. Todt Der Generalinspektor des deutschen Straßenwesens, Dr. Todt, ging in seiner anschließenden Rede auf die Entwicklung des Straßenbaues seit den ersten Anfängen ein und wies auf den Ausbau des Straßennetzes in der jüngeren Geschichte hin. Er fuhr dann fort: Die Geschichte des deutschen Straßenbaues haben wir bei Uebernahme unserer neuen großen Aufgabe gründlich durchforscht. Wir schaffen ein geschlossenes Netz reiner Autobahnen für den Ueberlandverkehr auf weiten Strecken, in einer Gesamtlänge von rund 7000 Kilometern, das ganz Deutschland weitmaschig überspannt und die entferntesten Wirtschaftsgebiete eng miteinander verrknüpft. Neben dem Bau der Reichsautobahnen wird ein planvoller Ausbau unseres Reichsstraßennetzes zielbewußt durchgeführt. Auch wir haben den Bau einer Alpenstraße in Angriff genommn, die sich würdig an die Seite der österreichischen, italienischen, schweizerischen und französischen Alpenstraßen stellen wird. Straßen sind ein Werk des Friedens, selbst wenn sie ursprünglich zu anderen Zwecken gebaut wurden. Je mehr Länder Europas ihre haushaltsmäßig verfügbaren Mittel intensiv für den Bau von Straßen verwenden, je mehr die Industrie und die Arbeitskräfte in ganz großem Maße für eine derart friedliche Arbeit eingesetzt werden, je mehr Teile der Wirtschaft von einer derart friedlichen Arbeit leben, desto stärker wird im eigenen Land die Abneigung, diese friedliche Tätigkeit zu stören oder zu unterbrechen, desto stärker wächst im eigenen Land der Wille, die begonnenen Arbeiten bei einem lang anhaltenden Bestand des Friedens weiterzuführen und zu vollenden. Ich bin überzeugt, daß die europäischen Länder ihre Straßenbauprogramme, die meist auf ein Jahrzehnt abgestellt sind, ungestört durchführen werden. Ich bin überzeugt, daß ähnlich wie internationale Eisenbahnlinien entstanden sind, internationale Autobahnlinien entstehen werden. Ich würde es begrüßen, wenn dieser 7. Internationale Straßenkongreß den Anlaß gibt, die Schaffung von internationalen Autobahnverbindungen allerorts mit Energie zu fördern. Internationale Aufgaben für unser Arbeitsgebiet, den Straßenbau, sind in reicher Fülle vorhanden. Dann sprach der Präsident des internationalen ständigen Verbandes der Straßenkongresse, Senator Mahieu(Paris). Wir haben hier, so erklärte er, eine Atmosphäre freundschaftlichen Vertrauens und besten Zusammenarbeitens gefunden. Heute sind wir versammelt in einem Lande, welches auf dem Gebiete des Straßenbaues außerordentliche Fortschritte gemacht hat. Wir haben das vollste Vertrauen zu dem Talent und der Schaffensfreude der deutschen Ingenieure und wissen, daß, wenn sie etwas in Angriff nehmen, sie auch sicherlich Fortschritte erzielen. Anschließend übermittelten die Führer von 22 ausländischen Abordnungen dem Kongreß die herzlichsten Glückwünsche. Wehrmact venn Neichspurtenag Starke Truppenteile vereinigt— Zapfenstreich von 16 Musikeinheiten Die Wehrmacht wird am diesjährigen Reichsparteitag durch starke Abordnungen vertreten sein. Als Ehrengäste nehmen teil: der Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg, die Chefs der Heeres= und Marineleitung, General der Artillerie Freiherr von Fritsch und Admiral Dr. h. c. Raeder, die Oberbefehlshaber der Gruppen 1 und 2, die Befehlshaber der Wehrkreise, die Chefs der Marinestationen und der Flotte, der Chef des Wehrmachtamtes. Außerdem entsenden Heer und Marine aus allen Truppenteilen des Reiches 96 Offiziere als Gäste nach Nürnberg. In einem großen Zeltlager und in den Nürnberger Kasernen sind seit einigen Tagen folgende Truppenteile vereinigt: 2. Bataillon Infanterieregiment 19, 2. Bataillon Infanterieregiment 21, Reiterregiment 18, 3. Abteilung Artillerieregiment 7, Pionierbataillon 4 und Teile des Pionierbataillons 7, Fahrabteilung 7, Kraftfahrabteilung 7 und Nachrichtenabteilung 7. Am 8. 9. treffen drei Kompagnien der Marineschule Friedrichsort in Nürnberg ein. Das aus Magdeburg herangezogene Pionier= bataillon 4 baut seit einigen Tagen sechs Hochbrücken über die Straßen Nürnbergs, durch die die An- und Abmärsche der Marschformationen führen. Die Brücken haben den Zweck, den Fußgängerverkehr von einer Straßenseite zur anderen zu erleichtern. Am 10. September werden die in Nürnberg versammelten Truppenteile unter Leitung des Infanterieführers 7, Oberst Ritter von Schobert, auf der Zeppelin=Wiese militärische Vorführungen zeigen. Den Schluß des gesamten Parteitages bildet ein Großer Zapfenstreich der Wehrmacht vor der Unterkunft des Führers. Unter Das mit Blumen geschmückte Modell des Kreuzers „Königsberg", das aus der Schiffsmodell=Bauschule Potsdam hervorgegangen ist, wird zum Transport nach Nürnberg fertiggemacht, wo es während des Reichsparteitages vom Stapel laufen soll. Das Modell, ein Meisterwerk an Präzisionsarbeit, in 8½ Meter lang und wiegt 750 Kilogramm. Gewinnauszug 5. Klasse 43. Preußisch=Süddeutsche (269. Preuß.) Staats=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich bohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II der musikalischen Leitung des Heeresmusikinspizienten werden hierzu sieben Musikkorps, sieben Spielmannszüge und zwei Trompeterkorps vereint. Arbeitsdienstgruppen eingetroffen Von den Arbeitsdienstabteilungen, die am Reichsparteitag in Nürnberg teilnehmen, sind am Montag früh kurz nach 5 Uhr die ersten 1000 Mann eingetroffen. Es handelt sich um den Arbeitsdienst Berlin=Potsdam und vier Lehrabteilungen der Reichsschule Berlin=Potsdam. Die Abteilungen bezogen das Zeltlager Langwasser. Keine persönlichen Anschriften bei Briefen an Behörden! Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Privatpersonen und Privatfirmen richten häufig Eingaben an die persönliche Anschrift von leitenden Beamten, statt an die Behörde selbst. Vielfach wird die persönliche Anschrift gewählt, in der Hoffnung, eine Sonderbehandlung oder gar Vorteile zu erreichen. Demgegenüber wird darauf hingewiesen, daß persönliche Anschriften auf Briefsendungen an Behörden zwecklos sind. Denn auch diese Briefe werden von dem persönlichen Empfänger in den ordnungsmäßigen amtlichen Geschäftsgang gegeben. Wenn der persönliche Empfänger aber, wie häufig, dienstlich abwesend ist, dann bleiben solche Briefeingänge entweder ungeöffnet liegen oder werden nachgesandt. Dadurch wird ihre amtliche geschäftsmäßige Behandlung ganz erheblich verzögert. Es kann mithin nur dringend empfohlen werden, Briefe an Behörden stets nur mit der Amtsanschrift der Behörde zu versehen. 22. Ziehungstag 1. September 1934 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 836739 4 Gewinne zu 3000 M. 51738 302360 10 Gewinne zu 2000 M. 85043 106945 131140 137240 250985 30 Gewinne zu 1000 M. 2544 88218 41164 67569 71503 197922 133002 166115 182321 192049 255797 259233 259506 304397 375175 120 Gewinne zu 500 M. 4208 13087 13252 26142 29753 35824 43298 46396 57050 66418 75123 99850 110818 114105 114894 115163 119080 131580 146884 155099 165690 171608 174765 189114 201126 210487 222035 228482 233553 236954 238178 247290 253617 255639 261952 264827 268790 274047 278546 291652 293949 296140 302228 315239 316118 316466 322888 827383 329028 831577 342821 352013 352657 876021 876227 387655 388183 396053 397866 897923 410 Gewinne zu 300 M. 1533 3601 6950 9420 10320 11372 13192 16569 18848 18886 22549 23951 24299 25487 28782 80016 31536 33861 34895 35128 35711 89146 41557 42415 42779 43480 43845 45817 54178 64867 55506 57837 59293 62765 62861 63424 65511 75771 77367 77900 80330 83309 86097 86337 88657 90240 91202 93451 94358 96368 96717 97805 98014 100949 103599 106031 108510 109432 112120 113131 114006 115967 116087 117598 119290 119559 119954 121092 123093 124899 126040 127415 128597 133536 139458 142240 143262 146639 149553 151714 152619 153380 153712 154944 155253 158263 158770 162852 166145 167607 167608 173115 173603 174283 174679 175549 177256 180676 180935 182518 186788 188333 190471 193594 198226 205427 206432 207908 209370 210401 223161 225022 225126 225665 231340 231841 231950 232326 232448 232478 233584 244278 245519 249775 252366 255818 257961 258445 260717 263736 270667 278136 278955 281027 285665 288306 291294 295244 299013 301424 305449 306048 310139 311276 311781 313573 313973 314898 316674 816844 318960 319681 324607 326324 827938 327940 329626 330728 333194 334609 334701 335054 335229 835431 835754 336082 338613 339459 341776 343130 344561 345303 345386 347655 849095 352600 367527 358220 358335 358441 360635 361898 368797 369173 370794 371369 872929 374610 375342 375680 876015 876684 378195 379374 881014 383531 386178 387094 890104 395107 896957 398574 398966 399487 399549 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 6 Gewinne zu 5000 M. 65080 340822 884461 10 Gewinne zu 3000 M. 86492 214701 237397 393862 399998„„* 22 Gewinne zu 2000 M. 21026 34561 72997 79598 163930 181858 219939 234416 328219 834721 381861 42 Gewinne zu 1000 M. 92 14671 37477 45904 84015 99151 157825 163026 176448 182166 196616 222196 231977 236437 265679 268416 304777 825054 348375 361331 385813 50 Gewinne zu 500 M. 7597 8447 33741 42028 112200 119202 120508 123157 137180 166181 186467 187260 188700 204726 223713 236578 240237 258440 288080 289039 819395 820002 323163 368630 383083 304 Gewinne zu 300 M. 823 1482 6992 7600 7638 11646 13032 13224 15004 15196 16313 16985 18615 22041 23925 24542 29567 29607 31008 37593 38678 41053 42598 43959 48013 49110 49480 50016 54552 54739 55767 58855 59634 65858 68084 68356 70304 70547 73650 78040 80092 80323 81128 82592 88012 89211 95089 101980 103231 107781 108043 108350 110036 117807 118065 120318 120913 123616 127253 132762 196253 136480 137302 137411 141515 142330 144046 146041 148979 151960 162530 163268 159286 160967 167371 174228 177746 179893 182154 163569 186966 190787 199761 208947 209023 209167 209689 210766 216283 217760 221212 234564 236371 236824 239922 240867 247042 248322 253505 254652 256372 256520 269877 266376 268053 274714 275656 281703 282604 286331 296208 296595 298624 303593 303932 310484 812701 814939 819013 323297 326768 330396 331498 831567 831869 332623 335890 336281 337690 344331 846611 347554 352278 353071 356974 356984 858406 361200 963072 866254 867529 374507 874870 379792 379948 881482 884670 300770 896146 396998 807072 899264 20 Tagesprämien. Auf jede gezogene Nummer sind zwei Prämien zu se 1000 RM gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II: 879 39468 60682 111633 178899 191174 207932 834369 S52411#83299 Statt Karten. Ihre Vermählung geben bekannt: Heinz Hemeyer Martha Hemeyer geb. Wilkes Schwerte, den 4. September 1934. 1760 Freischütz Jeden Mittwoch nachmittag Monzert abends Waschmaschinen,Wassermotore Wasserschläuche, Ersatzteile Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Heimgange meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, sowie für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir allen Freunden und Bekannten, besonders Herrn Pfarrer Ohlig für die trostreichen Worte am Grabe unsern herzlichsten Dank. Peter Vetter und Kinder Geisecke, im September 1934. 1761 Zum baldigen Eintritt suchen wir ein evangelisches Mädchen achtbarer Eltern als LemfTaufenn. 1763 für Laden und Büro. Selbstgeschriebener Lebenslauf mit Zeugnisabschriften unter Nr. 1763 an die Geschäftsstelle dieses Blattes. Dienstag- Mittwoch- Donnerstag 4. September 5. September 6. September abends 8¼ Uhr findet in Lichtspiele„Zur Reichskrone“ Schwerte(Ruhr) je eine Sonder-Vorstellung der Deutschen Arbeitsopferversorgung Ortsgruppe Schwerte statt. Zur Vorführung gelangt das große nationale Tonfilmwerk Hindenburg Die Schlacht bei Tännenberg Ein Film nach Dokumenten. Der Einfall des Russenheeres. Die Bezwingung durch Hindenburg. Ein Fülm den jeder sehen muß. Ein ergreifendes Eriebnis auf deutscher Erde. Außerdem Wochenschau und Beiprogramm. Für die Nlitglieder des Verbandes finden Dienstag und Donnerstag nachm. 5 Uhr 2 Freivorstellungen statt. Die Eintrittskarten, welche zu freiem Eintritt berechtigen, werden durch die Vertrauensleute des Verbandes zugestellt. Eintrittspreise: 0.40 0.60 0.80. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Kinder-Vorstellung mit„Die Schlacht bei Tannenberg“ und Beiprogramm. Carl Fel. I. Etage. Schwerte Westhofen Größte Auswahl. Schweres Speisezimmer Eiche mit Nußbaum, elegantes Schlafzimmer und moderne Kuche, natur, fabrikneu zusammen für Mk. 885. auch einzel zu verkaufen. Off. u. 1759 a. d. Geschäftsst. ds. Stg. Zwangsversteigerung Es werden öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert, Mittwoch, dem 5. Septemb. 10 Uhr im Pfandlokal Ostenstraße 26: 2 Schreibtische, 1 Waage, 4 Hühner, 1 Registrierkasse, 1 Schreibmaschine, 1 Büfett, 1 Tisch, 20 Flaschen Wein, 1 Ladeneinrichtung, 1 Wohnzimmer, 1 Radioapparat, 3 Anrichten, 1 Kühlschrank, 1 Kredenz, 1 Waschtisch, 2 Korbsessel, 1 Aktenschrank, Faßholz für ca 130 Bierfässer verschiedener Größe. 1767 Franz, Obergerichtsvollzieher Graf Adolfstr. 5. Abgeschl. Etage Wzimiher oder auch 3 Zimmer sofort oder später zu vermieten. Schriftl. Angebote an Keßler 1768 Hagenerstraße 73 Wehtsahris Los 50 Pfg., Doppellos 1 Mk. Ziehung 5. u. 6. Oktober Lose sind zu haben in der Buchhandlung Carl Braus STUmper billig und gut CARL BRAUS Larnen, Ehiet, Exkr. Die Castroper rechtfertigen ihren guten Ruf und bleiben auch in Schwerte siegreich. VfL. Schwerte— BV. Castrop 11 6:3(3:2). Die Castroper Mannschaft hielt das, was man sich von ihr versprochen hatte. Die stets eifrige Elf zeigte ein hervorragendes Spiel, welches jederzeit gefallen konnte. Die erste Halbzeit lieferten die Schwerter ihrem Gegner eine ebenbürtige Partie, während aber die zweite Spielhälfte zum größten Teil den Castropern gehörte. Der Platzverein war wieder gezwungen, Ersatz einzustellen und mußte sogar die ersten 10 Minuten mit 10 Mann das Spiel durchführen. Die Schwerter Elf war eifrig am Ball und machte der Castroper Hintermannschaft viel Sorge. Aber zu Torerfolgen kommt es vorerst nicht. Beide Torleute haben einen guten Tag und wissen jeden gefährlichen Angriff rechtzeitig zu unterbinden. Die Schwerter Stürmer arbeiten sich schöne Torgelegenheiten heraus, aber etwas Zählbares kommt dabei nicht heraus. Der Gast kann sich noch nicht recht finden, wodurch der Gastgeber leicht im Vorteil liegt. Nach ungefähr *“ 20 Minuten Spieldauer bekommen die Schwertei einen Elfmeter zugesprochen. Aber auch diese sichere Torgelegenheit wird nicht wahrgenommen, der Ball landet im Aus. Weiterhin ist der Platzverein im Angriff und die Castroper Mannschaft muß Löwenarbeit verrichten, um den immer gefährlicher werdenden Schwerter Sturm rechtzeitig abzustoppen. Nach weiteren 10 Minuten Spieldauer abermals eine gefährliche Situation vorm Castroper Tor. In letzter Not schlägt ein Verteidiger den Ball mit der Hand und ein zweiter Elfer ist fällig. Kurz entschlossen jagt Henning den Ball für den Torwart unhaltbar zum ersten Treffer in die Maschen. Dieses Tor ist ein neuer Ansporn für die Blauweißen und zwei Minuten später muß der Castroper Torwart zum zweiten Male hinter sich greifen und das Resultat heißt 2:0 für Schwerte. Dieses ist den Gästen aber doch etwas zu viel. Die Mannschaft versucht das Resultat zu verbessern, welches schon bereits nach einigen Minuten gelingt. Ein schönes Tor des Halbrechten ist die Ausbeute dieser Drangperiode. Aber mit die torhungrigen Castroper noch nicht zufrieden. Die Mannschaft findet sich immer besser. Vor allem machen sich die Außenstürmer bemerkbar und machen dem Schwerter Torwart große Sorge. Bald darauf haben die Castroper dank ihrer eifrigen Spielweise den Ausgleich hergestellt. Jetzt sind die Schwerter wieder an der Reihe und noch kurz vor der Halbzeit stellt ein Prachtschuß von Finkhaus das Resultat auf 3•2 für seine Farben. Mit diesem Ergebnis gehen die Mannschaften zum Seitenwechsel über. Zu Beginn der zweiten Spielhälfte sieht man ein ausgeglichenes Feldspiel und nach und nach faßt die Erfahrenheit der Gästeelf immer mehr festen Fuß. Man sieht ein flüssiges Kombinationsspiel, der Ball wandert von Mann zu Mann, wodurch eine Ueberlegenheit nicht zu verkennen ist. Vor allen Dingen kann die Stürmerreihe gefallen, welche immer mit gutdurchdachten Angriffen aufs Schwerter Tor zusteuert. Schwonke leistete Hervorragendes, denn die Schüsse der Castroper, aus jeder Lage getreten, sind nicht von Pappe. Der Schwerter Läuferreihe merkt man eine leichte Müdigkeit an und fällt etwas ab, wodurch das Hinterdreieck überlastet wird. Durch ein Mißverständnis der Hintermannschaft fällt dann auch das Ausgleichstor. Jetzt drängen die Gäste auf Sieg. Zeitweise bringt man eine etwas rauhe Note ins Spiel, aber der Schiedsrichter unterbindet rechtzeitig. Einige Strafstöße der Schwerter bringen nichts ein. Durch zwei unhaltbare Tore können die Gäste das Resultat auf 5:3 stellen. Mit dem Vorsprung von 2 Toren geben sich die Schwarz=Weißen aber noch nicht zufrieden. Wegen grober Unfairnis muß der Castroper Halbrechte den Platz verlassen, wodurch die Elf einen ihrer besten Spieler für den Rest der Spielzeit verliert. Wenn man nun glaubt, die Mannschaft habe durch diesen Platzverweis einen wesentlichen Nachteil, so muß man sich doch eines anderen belehren lassen. Immer noch liegen die Gäste in Front und können durch überlegenes Spiel bis zum Schluß sogar den sechsten Treffer anbringen. Alle Anstrengungen der Schwerter, das Resultat zu ändern, sind vergebens. Die ältere und bessere Spielerfahrung der Gäste hat den Kampf entschieden. Mit 6:3 können die Castroper als verdiente Sieger den Platz verlassen. Kritik: Die Castroper zeigten eine hervorragende Spielweise und waren den Schwertern in technischer Hinsicht überlegen. Der bessere Mannschaftsteil war die Stürmerreihe, welche von Anfang an gefallen konnte. Die Stümer verstanden es, aus jeder Lage aufs Tor zu treten, wodurch sechs Torerfolge erzielt wurden. Die besten Spiele waren Halbrechts, Linksaußen und Rechtsaußen. Aber auch die Hintermannschaft tat ihre Pflicht und trägt an den drei Gegentoren nicht die geringste Schuld. Der Sieg war in voller Höhe verdient. Die Schwerter Mannschaft hatte sich in der ersten Halbzeit zu viel ausgegeben, wodurch die Castroper in der zweiten Spielhälfte ein leichteres Spiel hatten. Jeder Spieler entledigte sich seiner Aufgabe. so so gut wie in seinen Kräften stand. Jugendspiele VfL. 1. Jgd.— Holzwickede 12 1. Jgd. 4:1 VfL. 2. Jgd.— Holzwickede 12 2. Jgd. 0:0. BfL. 3. Jgd.— Holzwickede 12 3. Jgd. 1:0. VfL. Schüler— Holzwickede 12 Schüler ausgef. Lüdenscheid. Arbeitsbeschaffung durch die Stadt. Die Stadt hat eine Reihe ihrer Gebäude neu anstreichen lassen, wie Rathaus, Wohlfahtrsamt, Schlachthaus usw. Dadurch war für eine Anzahl Anstreicher wieder für längere Zeit Arbeit geschaffen. Bei der Ausschmückung der Gebäude mit Blumen geht die Stadt mit gutem Beispiel voran, denn seit einigen Tagen sind am Rathaus Blumenkästen angebracht und mit Blumen bepflanzt. Bergkamen, 3. Sept. Schwere Pilzvergiftung. Eine Tote, zwei Schwererkrankte. In das Kamener Krankenhaus wurden Samstag früh drei Opfer einer schweren Vergiftung, die sie sich nach dem Genuß von Pilzen zugezogen hatten, eingeliefert. Es handelt sich um den Bergmann Heinrich Prasuhn und seine beiden Töchter aus Bergkamen. Die Vergiftung war so schwerer Natur, daß eine 11jährige Tochter kurz nach der Einlieferung starb. Der Zustand der beiden anderen Kranken ist besorgniserregend. Werdet Mitglied der RSV. Ein Roman aus den Kampfjahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 117. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Nein", erklärte Besenbinder,„in meiner Praxis zwar noch nicht. Der Vorsitzende fragte darauf:„Hat das Jugendamt richtig gehandelt, indem es auf den Vater einwirkte: hier hast du Geld, stelle keinen Strafantrag?“ „Ja“, antwortete Besenbinder. Die Lehrerin der kleinen Waltraud Blanken, Else Sieler, sagte aus:„Das Kind ist geistig normal, körperlich sc, nächtig——.“ Der Vorsitzende stellte die Frage:„Können Sie etwas über den Charakter des Kindes sagen?“ „Das Kind war immer etwas scheu und zurückhaltend. In sittlicher Beziehung und die Wahrheitsliebe betreffend habe ich keine Beobachtungen gemacht. Ich kann dem Kinde nichts Bestimmtes zur Last legen——“ Der Rechtsbeistand des Johann Blanken sagte aus:„Der Vater des Kindes wollte strafrechtliche Sühne. Auch ich habe ihm vorgeschlagen: Die Hauptsache ist Geld. Wenn die Sache rauskommt, wird Katzur entlassen und dann kriegen wir garnichts——“ Das Kind wurde nicht in die Verhandlung mithineingezogen. Aber der Vater wurde gehört. Stüwen hatte am fünfzehnten Dezember das Gericht gebeten, den Prozeß mit Rücksicht auf den leidenden Vater zu vertagen. Das Gericht entsprach jedoch seinem Antrag nicht, son dern teilte ihm vier Tage vor dem Prozeß mit, man habe sich pflichtgemäß darüber unterrich tet, ob der Gesundheitszustand des Zeugen Blanken ein Erscheinen vor Gericht zulasse. Man habe keine Bedenken gehabt.—— Nun stand der Vater, Notstandsarbeiter Johann Blanken, als Zeuge vor dem Richtertisch. Er klagte das Jugendamt an, sodaß der Vorsitzende ihn unterbrechen zu müssen glaubte. Er verteidigte sein Kind, das hier Angrifffen ausgesetzt sei. Der Schuldige sei tot. „Aber das steht doch gar nicht zur Verhandlung“, rief der Vorsitzende. „Mein unschuldiges Kind, das das Jugendamt mir wegnehmen will———“ Wieder unterbrach der Vorsitzende den Zeugen. Da konnte Blanken nicht weiter sprechen. Weinend sank er in sich zusammen—— „Der Zeuge ist nicht vernehmungsfähig“. stellte Schreier abweisend fest. Der Gerichtsdiener führte den Zusammengebrochenen aus dem Verhandlungssaal. Jetzt kam noch gleich der zweite Fall zur Verhandlung. Zur Anklage stand die Sache Krukenhoff, in der Stüwen eine Todesanzeige mit Kommentar in den Textteil übernommen hatte. Der Vorsitzende fragte den Zeugen:„Sie haben Unglück mit Ihren Kindern gehabt?“ „Drei sind mir vom Jugendamt entrissen und dann gestorben“, gab der Zeuge zur Antwort.„Fräulein Madig hat neunzehnhundertachtundzwanzig meine Tochter Maria mit dem Beamten gegen meinen Willen weggenommen und verschleppt. Ich habe mein Kind überal! gesucht und es dann nach Monaten im Krankenhaus zu Lipphusen vorgefunden. Hier ist es nach eineinhalb Jahren gestorben. Durch dauernde Einspritzungen ist mein Kind dort vergiftet worden. Der Doktor hatte meinem Kinde Strychnin, das stärkste Gift, eingegeben.“ Der Angeklagte Stüwen fragte:„Zeuge, glauben Sie, daß Ihr Kind, wenn Sie es behalten hätten, noch weiter gelebt hätte?“ „Sicher hätte es weitergelebt!“ Der Zeuge trug dann den ganzen Vorgang sehr temperamentvoll vor und rief schließlich, zum Vorsitzen. den gekehrt:„Das ist alles Schiebung!“ Als der Führer der Teutowalder National= sozialisten, Stadtverordnetenvorsteher Hellweg, als Zeuge im Verhandlungssaal erschien, sprang Stadtrat Besenbinder mit zur Abwehr rhobener Hand hinzu:„Herr Hellweg, Sie sind ehrenamtliches Mitglied des Städtischen Jugendamtes und haben vom Herrn Oberbürgermeister und von mir nicht die Genehmigung zur Aussage eingeholt!“ Der Zeuge Hellweg erklärte in größter Ruhe:„Ich lasse mich von einem sozialdemokratischen Stadtrat nicht maßregeln! Zum Fall Krukenhoff kann ich Aussagen machen. Der Zeuge ist an mich herangetreten, ich solle ihm behilflich sein, sein Kind wieder zu bekommen, das man ihm mit Gewalt weggenommen habe. Ich verwies ihn an Fräulein Madig. Das Kind starb inzwischen. Ich fragte die Fürsorgerin: „Wissen Sie nicht, daß das Kind gestorben ist?“ Sie mußte nichts davon. Nun sollte die Leiche des Kindes von Lipphusen nach Teutowalde überführt werden. Dem Vater fehlte das Geld dazu. Ich habe deswegen verhandelt, aber das Ersuchen, hundertvierzig Mark für den Wohlfahrtsempfänger zu bewilligen, wurde vom Magistrat abgelehnt! Aus Sparsamkeitsrücksichten sollte die Leiche des Kindes nicht überführt werden. Diesen Sparwillen der Stadtverwaltung, die für unnütze Prunkbauten Hunderttausende ausgegeben hat, habe ich in einer nationalsozialistischen Versammlung gegeißelt. Stüwens Verteidiger erklärte schon im Anfang seines Plädoyers, er würde gegen das Urteil Berufung einlegen. Nach einer längeren Einleitung führte Dr. Prestow aus:„Be rein sachlicher, kalter Ueberlegung kommen zwei Momente in Frage: erstens die Tat des Katzur, zweitens die Veröffentlichung. Nach dem Selbstmord war alles gegen den Angeklag. ten. Wenn man eine solche Sache nicht bringen dürfte, dann dürfte kein Staatsanwalt einen Verbrecher verfolgen, er müßte befürch ten, der Betreffende könnte Selbstmord verüben. Dann dürfte keine Zeitung darüber etwas schreiben, sie müßte befürchten, der Täter könne sich selbst richten. Das Verfahren gegen Katzur schwebte noch, es mußte mit der Anklage gerechnet werden! Der Staatsanwalt als Ankläger hätte sagen müssen: Katzur wohnte im Nachbarhaus. Wenn er das Kind auch für älter hielt, so besteht doch durchaus die Möglichkeit, daß er wissen konnte, daß es erst dreizehn Jahre alt war. Man muß die Kehrseite der Medaille auch beachten. Die frivole Antwort, die der schwer geprüfte Vater von Herrn Katzur bekam, ist bezeichnend für diesen Fall: „Herr Blanken, mich hat die Geschichte schon achttausend Mark gekostet! Hut ab vor der Behörde! Da ist die Tür! Mit diesen Worten steht oder fällt alles! Es kommt doch darauf an, wer hat hier vermittelt? Und das ist doch das Jugendamt gewesen. Die Tatsache bleibt bestehen, daß hier ein ganz abnormer Fall vorliegt. Die finanzielle Regelung lag im Interesse des Kindes. Das Interesse des Vaters kam hinzu. Der Staat hat aber auch ein Interesse daran, den Täter strafrechtlich zu verfolgen. Denn sonst brauchten wir keinen Staatsanwalt und kein Gericht. Die Richter sind dazu da, den Täter zu bestrafen. Oder wir müssen im Strafgesetzbuch alle Paragraphen streichen, die sonst bei Sittlichkeitsvergehen und=Verbrechen in Anwendung kommen. Der Angeklagte Stüwen hat sich gegen die Art der Regelung gewandt. Tatsache ist, daß Katzur das Kind gebraucht hat, Tatsache ist, daß das Kind erst dreizehn Jahre alt war. Tatsache ist, daß das Kind dann krank war. Wenn der Angeklagte auch hier und da vielleicht über das Ziel hinausgeschossen ist, so ist die Grundtendenz der Artikel erwiesen. Denn durch die Vermittlung des Jugendamtes ist etwas zustande gekommen, was ganz aus dem Rahmen des Ueblichen fällt. Fortsetzung folgt