Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Texteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte.— D. A. VII/34: 1700 Heimatblatt Einzige in Schwerte gedruckte Tages=Zeitung Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9 a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Tageblan für die Stadl Schwerte und bus Ann Westhofen S Kreisbinli für ven nordlichen Leil des Lanvtreises Iserlohn Nr. 186 Schwerte(Ruhr), Hamstag, den 11. August 1934 67. Jahrgang Alnnestie Wirs Geschleunigt Die Durchführungsanweisungen des Justizministers Zu dem aus Anlaß der Vereinigung des Amtes des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers beschlossenen Gesetz über die Gewährung von Straffreiheit vom 7. August 1934, das am 10. August 1934 in Kraft tritt, hat der Reichsjustizminister jetzt Durchführungsanweisungen erlassen, die sich in der Hauptsache mit Bestimmungen technischer Art für die Justizbehörden befassen. Darin wird ausgeführt, daß das Gesetz beschleunigt durchzuführen ist, nötigenfalls unter Zurückstellung minder dringender Sachen. Vorweg sind solche Sachen zu bearbeiten, in denen Freiheitsstrafen vollstreckt werden oder Untersuchungshaft besteht. Bei den anhängigen Verfahren entscheidet die Staatsanwaltschaft nach Lage der Akten. Ist die zu erwartende Strafe höher, als im ersten Teil des Gesetzes angeführt ist, so kann die Amnestie nicht eintreten. Besondere Gesuche seitens der Betroffenen sind nicht erforderlich. Die Amnestierungen erfolgen von Amts wegen. In Zweifelsfällen wird der Betroffene im übrigen von der Staatsanwaltschaft gehört werden. Bei Freiheitsstrafen bis zu drei Monaten und Ersatzfreiheitsstrafen für Geldstrafen bis zu 500 RM sind diese durch das Gesetz ohne Rücksicht auf die Art der Straftat und auf die Vorstrafe des Täters zu erlassen. Bei Verurteilten, die solche Strafen verbüßen, haben die Gefangenenanstalten die Strafen alsbald zu unterbrechen und hiervon der Vollstreckungsbehörde Anzeige zu machen. Die Vollstreckungsbehörden haben den Eintritt des Straferlasses durch Verfügung festzustellen und unabhängig von den den Gefangenenanstalten obliegenden Maßnahmen die Vollstreckung von Freiheitsstrafen sofort zu unterbrechen. In Zweifelsfällen ist umgehend die Entscheidung des Gerichts(§ 458 Strafprozeßordnung) herbeizuführen. Die Landesjustizverwaltungen werden ersucht, die Fälle des Straferlasses zu zählen und das Ergebnis bis zum 1. Oktober 1934 mitzuteilen. * Ueber das Ausmaß der von der Amnestie Betroffenen kann nichts Endgültiges gesagt werden. Man wird aber nicht fehlgehen in der Annahme, daß einschließlich der zur Entlassung kommenden Schutzhäftlinge die Zahl der von der Amnestie erfaßten Personen einige tausend betragen wird. Sesterreich nach kattenischei Master Schuschnigg will ein„unabhängig-autoritäres Oesterreich“. Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg hat vor seiner Abreise nach Ungarn dem Wiener Vertreter der Stephani=Agentur eine Erklärung über sein weiteres Regierungsprogramm gegeben, in der er u. a. folgendes ausführte: Die österreichische Regierung werde den Aufbau des ständisch gegliederten, nach christlichen Grundsätzen autoritär geführten Staates vollenden. Die Autorität solle nicht blindlings von oben her kommen, sondern im Volke verwurzelt sein, so wie auch die vollendete Autorität Mussolinis von der überwältigenden Mehrheit des italienischen Volkes getragen werde. Nur über eine Epoche des inneren Friedens könne der wirtschaftliche Wiederaufbau gelingen. Die Regierung wolle eine Regierung des ganzen Volkes, eine Regierung der Arbeiter, Bauern und Bürger sein. Das sei ein Programm des inneren Friedens. In der Außenpolitik werde die Regierung den österreichischen Kurs des Bundeskanzlers Dollfuß nicht verlassen. Die Erhaltung der vollen Selbständigkeit und Unabhängigkeit Oesterreichs übernehme die Regierung als den unverrückbaren Grundsatz ihrer Außenpolitik. Die Regierung habe nicht die geringste Sorge um den deutschen Charakter des Landes, denn niemand denke daran, dem österreichischen Volk seine Art und sein nationales Wesen zu nehmen. In diesem Zusammenhang will Schuschnigg einen scharfen Unterschied zwischen politischen und kulturellen Aufgaben machen: Es könne in Oesterreich eine nationale Frage niemals in kulturellem, sondern nur in engstem politischem Sinne— genauer gesagt, nur in parteipolitischem Sinne — geben. Unterredung mit SchönburgHatenseln Der österreichische Heeresminister Generaloberst Fürst Schönburg=Hartenstein, der aus Anlaß der Zeisetzung Hindenburgs in Berlin weilte, erklärte einem Vertreter der Essener Nationalzeitung auf eine Frage nach dem künftigen Verhältnis zwischen dem Reich und Oesterreich, es freue ihn aus ganzem Herzen, daß der Führer und Reichskanzler Herrn von Papen mit einer außerordentlichen Mission nach Wien betraut hat und daß die österreichische Regierung dieser Betrauung ihre Bestätigung erteilt hat. Zur künftigen Einstellung Oesterreichs gegenüber dem Reich demerkte der Fürst: Bundeskanzler Schuschnigg ist ein aufrichtiger und ehrlicher Deutscher, der das Gesamtdeutschtum immer und immer wieder betont hat. Fürst Schönburg=Hartenstein gab der Zuversicht Ausdruck, daß es Adolf Hitler, der so Großes geleistet habe, auch gelingen werde, den Konflikt zweier Brüdervölker beizulegen. Der englische Ministerpräsident Macdonald ist am Donnerstag an Bord eines britischen Kreuzers in Neufundland eingetroffen. Schuschnigg und Eine amtliche Verlautbarung über die Besprechung Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg ist am Freitag in Budapest eingetroffen, wo er mit Ministerpräsident Gömbös eine Aussprache hatte. Er kehrte noch am Abend wieder nach Wien zurück. Nach Abschluß der Besprechungen zwischen dem österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg und dem ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös wurde folgende amtliche Verlautbarung ausgegeben: „Gelegentlich der Unterredungen, die anläßlich des Besuches des Bundeskanzlers Schuschnigg bei dem königlich=ungarischen Ministerpäsidenten stattfanden, wurden die verschiedenen aktuellen wirtschaftlichen und politischen Fragen erörtert. Bei diesen Gesprächen kam eine volle Uebereinstimmung der Ansichten zum Ausdruck, und insbesondere waren sich beide Staatsmänner darüber einig, daß die im Sinne des verstorbenen Bundeskanzlers Dr. Dollfuß eingeleitete Politik der engsten Freundschaft und Zusammenarbeit auch weiterhin aufrechterhalten werden wird.“ Deutsch=englisches Zahlungsabkommen für kaufmännische Verbindlichkeiten Das deutsch=englische Zahlungsabkommen für kaufmännische Verbindlichkeiten ist Freitag nachmittag in Berlin unterzeichnet worden. Das Abkommen bezieht sich auf Verpflichtungen aus dem Warenverkehr, die künftig entstehen, soweit es sich um Waren handelt, die auf Grund der allgemeinen Devisengenehmigung von dem einzelnen Importeur bezahlt werden können. Der Danziger Senatspräsident Dr. Rauschning ist in den Senat der Deutschen Akademie berufen worden. Flumennrer 2o Rnlometer Wen Zusammenstoß zweier Benzin-Transportzüge in Rumänien Bei der Eisenbahnstation Necea auf der Strecke Bukarest—Craiova stießen am Freitag zwei Benzin=Transportzüge zusammen. Alle Wagen und die Lokomotiven entgleisten. In wenigen Augenblicken war, da das Benzin auslief, die Unglücksstätte in ein Flammenmeer gehüllt, aus dem kurz hintereinander die Explosionen der Benzintanks zu vernehmen waren. Das Feuer war aus eine Entfernung von 40 Kilometer zu sehen. Infolge der großen Hitze konnte sich niemand den Unglückszügen nähern. Der Betrieb auf der Strecke, der sonst sehr lebhaft ist, mußte eingestellt werden. Italienisches Kriegsschiff gerammt Drei Tote, 17 Verwundete Bei der Rückfahrt des 2. italienischen Flottengeschwaders von der römischen Küste nach Tarent ereignete sich ein schwerer Unfall. Der Torpedobootszerstörer„Usodimare“ stieß am Eingang zum Golf von Neavel mit dem Küstendampfer„Pallas“ zusammen. Von der Besatzung des Kriegsschisses sind bei dem Zusammenstoß drei tot und 17 verwundet. Der Küstendampfer erlitt sonderbarerweise keine Beschädigung. Granate im Schmelzofen Wie bereits berichtet, ereignete sich am Dienstag auf der Katharinenhütte in Sosniwitz bei Kattowitz beim Einschmelzen von Eisen eine Explosion, bei der vier Arbeiter durch das umherspritzende flüssige Eisen schwer verletzt wurden. Wie sich nun herausstellte, befand sich unter dem einzuschmelzenden Eisen eine Granate kleinen Kalibers, die zur Entzündung gelangte. Wie das Geschoß in das Eisen geraten ist, konnte noch nicht ermittelt werden. Eine Wasserhose in Frankreich In der Gegend von Charolles(Departement Saone=et=Loire) ging eine Wasserhose nieder, die ungeheuren Schaden anrichtete. In vielen Orten stand das Wasser in den Häusern 50—60 Zentimeter hoch. Mehrere Gehöfte wurden durch Blitzschläge in Brand gesteckt. Eine Menge von Rindern und Pferden ist umgekommen. Beitierm unn 183000 Mi. Bremdgen Das vergiftete Brötchen ihr Tod Wie„bedürftig“ oft Bettler sind, geht am besten aus einer Entscheidung des Newyorker Erbschaftsgerichts hervor, das das Vermögen einer Frau, die jahrelang vom Betteln gelebt hat, auf über 62 000 Dollar, gleich 155 000 RM. bei dem gegenwärtigen Kurs des Dollars, festsetzte. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Bettlerin bestimmt den größten Teil ihres Vermögens sich sicherlich in den Jahren zusammengeschachert hat, in denen der Dollar noch nicht abgewertet war. Man kommt dann zu dem Ergebnis, daß die Bettlerin es verstanden hat. sich die runde Summe von einer Viertelmillion Reichsmark zusammenzuschwindeln, indem sie die Mildtätigkeit ihrer Mitmenschen ausnutzte. Der Tod der Bettlerin ist eine der seltsamsten Tragödien des an merkwürdigen Menschenschicksalen reichen Newyorker Lebens. Vor Jahresfrist hatte sich ein Automechaniker in einem Automatenrestaurant dadurch das Leben genommen, daß er ein belegtes Brötchen vergistete und einen Teil davon aß. Er starb kurs darauf im Waschraum des Restaurants. Die Bettlerin, die sich gewohnheitsmäßig in Automatenrestaurants berumtrieb und dort Speisenreste verzehrte, ab ahnungslos von dem vergifteten Brötchen und starb gleichfalls. Bei der Leichenschau wurde festgestellt, daß die Todesursache bei beiden auf dasselbe Gist zurückzuführen ist. Weitere Nachsorschungen brachten die Ueberraschung. daß die von den Resten lebende Bettlerin in Wirklichkeit eine Frau mit sehn Bankkonten war. Außerdem wurden in ihrer Behausung einige Wertpaviere entdeckt. Aufrufe zum 19. August Aufruf des Reichskriegsopferführers Oberlindober Der Führer des deutschen Frontheeres, der Marschall des Weltkrieges, Paul von Hindenburg, ist zur großen Armee einberufen worden. An seinem Grabe stand mit trauerndem Herzen das gesamte deutsche Volk und dankte in stiller Ehrfurcht dem Nationalheros für das opferreiche Leben, daß in deutscher Treue bis ins hohe Alter hinein nur Sorge um die deutsche Zukunft gekannt hat. Die letzte Tat des in die Ewigkeit und in die Geschichte eingegangenen Feldmarschalls war tatkräftige Hilfe für seine Kameraden im Weltkrieg und eine besondere Ehrung derer, die im Weltkrieg für Deutschland gekämpft, geblutet und geopfert haben. Neben den Marschall des Weltkrieges ist im Januar 1933 unser Frontkamerad und Führer Adolf Hitler getreten. Das Bündnis dieser beiden Männer war das Bündnis einer großen Vergangenheit mit einer ebenso großen Zukunft. Wir deutschen Soldaten sind stolz darauf, daß aus den Regimentern der Einigungskriege und des Weltkrieges zwei so große Gestalter deutschen Schicksals hervorgegangen sind und wir fühlen uns beiden Männern in jener Treue verbunden, die uns über die tausend Schlachtfelder des Weltkrieges und über die bitteren Nöte der Nachkriegszeit das deutsche Schicksal hat meistern lassen. Wir sehen in der Uebertragung der höchsten Reichsgewalt an den Führer die einzig wahre Vollstreckung des letzten Willens des verewigten Reichspräsidenten. Deshalb marschieren die Soldaten des Weltkrieges und die Frauen und Kinder ihrer im Kriege gebliebenen Kameraden am 19. August in feierlichem Zuge zu den Wahlurnen, um mit dem Akte der Stimmabgabe dem toten Marschall die letzte und höchste Ehre zu erweisen und seinem einzigen würdigen Erben, dem Gefreiten des Weltkrieges, Adolf Hitler, treueste Gefolgschaft zu geloben und zu leisten. Heil dem Führer! Heil dem neuen Deutschland Der Kyffhäuserbund zur Volksabstimmung Oberst a. D. Reinhard, der Bundesführer des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser, erläßt zur Volksabstimmung am 19. August folgende Kundgebung: „Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß jede Staatsgewalt vom Volke ausgehen und von ihm in freier und geheimer Wahl bestätigt sein muß, hat der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler den Willen ausgesprochen, daß die Betrauung seiner Person und damit die des Reichskanzleramtes mit den Funktionen des verewigten Reichspräsidenten ausdrücklich vom deutschen Volke gutgeheißen wird. Niemand ist berufener, das Erbe unseres großen Marschalls Hindenburg fortzuführen, als Adolf Hitler. In seine Hände hat der getreue Ekkehard und Reichspräsident an der Gruft Friedrichs des Großen das Schicksal Deutschlands gelegt, er schlug damit die Brücke vom Gestern zum Morgen, zum einigen Deutschland. Von jedem Mann des Kyffhäuserbundes erwarte ich, daß er dieses Vermächtnis unseres Schirmherrn hochhält, und daß er deshalb gerade in diesen Tagen mit soldatischem Bekenntnis das Vertrauen aller Kreise des Volkes zu unserm Führer Adolf Hitler sichert. Es ist dies die erste große nationale Aufgabe, die jeder Mann des Kyffhäuserbundes im Gedenken an seinen Schirmherrn und Marschall zu erfüllen hat. Sie gilt dem Deutschland der Ehre, der Freiheit und des Friedens, für das Hindenburg sein Leben lang gekämpft hat. Wer sein„Ja“, nicht gibt, handelt gegen den Willen Hindenburgs. Es lebe Deutschland unter dem Führer Adolf Hitler!“ 46 Millionen zur Förderung der Viehwirtschaft Die Reichsregierung hat, wie das Rdz meldet, in Gesetzesform beschlossen, zur Ordnung des Marktes für Vieh und Schlachterzeugnisse den Reichsfinanzminister zur Uebernahme weiterer Garantien bis zur Höhe von 46 Millionen RM. zu ermächtigen. Zur Förderung der Futtermittelerzeugung aus inländischen Rohstoffen kann der Finanzminister weiter eine Garantie bis zu einer Million RM. übernehmen. Deutscher Sinn Vorgängen in deutschem Lande, in Gebieten, wo um die Rückkehr zu Deutschland gerungen wird und die uns durch den Versailler Vertrag verloren gingen, lebt unser Interesse. Vor allem haben wir alle Ursache, den Kampf der Saarländer um die Rückkehr zum Deutschen Reich in den Vordergrund zu stellen und— selbst, wenn es den Franzosen unlieb ist,— zu unterstützen. Mit großer Genugtuung verzeichneten wir die Feststellung des Untersuchungsrichters des Saargebiets, daß die letzten skandalösen Maßnahmen gegen die Landesleitung der Deutschen Front und der„Saar=Korrespondenz“ zu Unrecht erfolgt seien. Hier wird durch den untersuchenden Richter bestätigt, was Ansicht aller Deutschen im Saargebiet war und was nur die Söldlinge und Emigranten bejubelten. Selten einmal hat die deutsche Bewegung im Saargebiet von zuständigen Instanzen Recht erhalten. Dabei muß man freilich die Einschaltung machen, daß die Gerichte noch am ehesten wirklich Recht sprachen. Soweit politische Stellen in Frage kamen, war es schwer, den deutschen Standpunkt durchzusetzen und zum Siege zu verhelfen. Das aber ist die Folge der rücksichtslosen Vorarbeit einer kleinen, finanziell stark unterstützten Gruppe, die zwar ohne Aussicht, aber dennoch mit durch klingende Münze geweckten Fanatismus ihr Wesen treibt und sich gegen die Forderung des gesamten Saarvolkes auflehnt: die Saar bleibt deutsch! Die Saar bleibt deutsch, das ist eine Tatsache, an der nicht mehr zu zweifeln ist. Und weil es eine Tatsache ist, scheut man sich fast, diese Frage überhaupt zu berühren, da es wie eine Wiederholung erscheint, ein Arbeiten im selben Gleise. Doch wollte man schweigen und die Feststellung, die jetzt richterlicherseits gegen die Saarregierungskommission gemacht worden ist, ohne Kommentar lassen, so könnte es wie ein Desinteresse aussehen. Die Saarländer aber sollen sehen, daß wir im Lande mit allen Fasern unseres Herzens zu ihnen stehen und diesmal mit ihnen besonders fühlen und vielleicht diesem Gefühl besser Ausdruck geben können, weil wir ungehemmter sind und sie eine gewisse Disziplin im Interesse ihres Rechtes zeigen müssen. Wir können deutlicher und nachträglicher unsere Abscheu gegen das Emigrantentum, die Landesverräter, gegen die Menschen von der Sorte eines Machts unterstreichen, ohne in den Verdacht zu kommen, Propagandisten zu sein. Unsere Stimme ist nur Rückhalt für die unentwegten Deutschen an der Saar, für unsere Stammesgenossen, die zurück nach Deutschland wollen, zu uns, und denen wir zusichern müssen, daß wir auf sie warten, daß auf sie wartet das Reich, das mit ihnen am 13. Januar 1935 ein Fest der Freude feiern will. Nur wer das Saarland kennt, vor allem die augenblicklichen Zustände, wird ermessen können, mit welcher Disziplin die Deutschen in Reih und Glied stehen, um den Gegnern jedes Recht zum An- und Eingriff zu nehmen. Deutscher Sinn und deutsches Recht soll siegen. Deutscher Sinn und deutsches Recht. Das ist das Memelland, ein deutsches Land, ein Gebiet, urdeutsch, von Deutschen bewohnt und beherrscht, abgetrennt durch Willkür und infolge schlechter geographischer und geschichtlicher Kenntnisse einiger der Großen, die einmal in Genf zusammensaßen, um Europa neu aufzuteilen. Sie haben dabei freilich das Selbstbestimmungsrecht der Völker vergessen, denn wenn die Memelländer zu bestimmen hätten, wäre das Memelland niemals autonom geworden, und wäre es nie autonom gewesen, so hätte Litauen kein Recht, sich so intensiv des Memellandes „anzunehmen“. Diese Liebe Litauens für das Memelland entspringt, wie heute ohne Zweifel ist, dem egoistischen Gedanken, das Memelland solange zu drangsalieren und mit litauischen Ansichten zu infizieren, bis es das Deutschtum vergessen hat. Das wird schwer sein, denn auch im Memelland ist die alte deutsche Tradition so fest gewurzelt, daß sie durch Willkür nicht ausgerottet werden kann. Um so mehr ist es verwunderlich, daß die Signatarmächte, die die Aufsicht über das autonome Memelland haben und denen man die Kenntnis von Land und Leuten nachsagen müßte, nicht die Entschlußkraft finden, ihr Mandat entsprechend der tatsächlichen Aufgabe auszuüben. Sie haben bisher selten einmal, und dann nur bescheiden, ihre Stimme erhoben, in der letzten Zeit aber gegen die litauische Willkür völlig geschwiegen und die Memelländer auf den Völkerbund hingewiesen, an den sie sich wenden, an den sie Petitionen richten könnten. Wenn diese Auffassung gelten sollte, wären die Signatarmächte überhaupt überflüssig. Eine Signatarmacht ist ein alter Begriff, nicht erst geschaffen durch Versailles oder den Völkerbund, sondern lange vor dem Kriege populär. Unter Signatarmacht hat man früher etwas anderes verstanden und muß deshalb über die Haltung der Staaten, die Litauen auf die Finger zu sehen hätten, überrascht sein. Die Vorgänge in Litauen schreien zum Himmel. Wir können ganz über die letzten haarsträubenden Vorgänge hinwegsehen, über die willkürliche Absetzung deutscher Beamten, über die Ausweisung Deutscher, über die Auflösung des Landtages, es genügt, darauf hinzuweisen, daß 1237 Memelländer verhört wurden, weil die Litauer Material zu einem großen Memelprozeß suchen. Ein Prozeß soll in Szene gesetzt werden, um die Willkür zu rechtfertigen. Deutscher Sinn und angeborenes deutsches Recht stehen trotz Versailler Sprüche im Vordergrund und werden sich durchsetzen gegen alle Willkür und gegen die Verletzung der Menschheits= und Völkerrechte. Denn Deutsche, wenn sie auch zwangsweise vom Heimatlande getrennt Harchtdart Tluna einerErbfüchilgen Zwei Lote, zwei Schwerverletzte in Christburg(Ostpreußen) 1 Pferd durch Messerstiche schwer darauf in die Felder gelaufen. In der Nacht zum Freitag bekam der als barm= Pfere dalio Menzenime. verwundet. Er ist los seisteskrank bekannte Max Lübek in Christburg (Ostpreußen) einen Wahnsinnsanfall. Hierbei drang er in das Zimmer des Fleischerlehrlings Erich Borcek ein, dem er im Schlaf die Kehle durchschnitt. Seinen hinzukommenden Bruder verletzte er durch Messerstiche am Kopf und an den Armen sehr schwer. Er eignete sich dann ein im Hause befindliches Gewehr an, mit dem er auf der Straße morgens gegen 4 Uhr den in der Nachbarschaft wohnenden Landwirt August Rehm, der aufs Feld fahren wollte, durch einen Bauchschuß schwer verletzte. Rehm ist gestorben. Die in der Nachbarschaft wohnende Frau des Pfarrers Moritz, die nach der Ursache des Lärms sehen wollte, wurde durch einen Knieschuß schwer verletzt. Darauf nahm sich der Geisteskranke aus dem väterlichen Stall ein Pferd. mit dem er in Richtung Pachollen davonritt. An der Brücke kurz vor Pachollen hat er das Otto von habsburg Blutbad in einem Dorfe in Mexiko 43 Tote Das mexikanische Dorf Vista Hermosa wurde am vergangenen Sonnabend der Schauplatz eines fürchterlichen Blutbades. Eine Räuberbande fiel über das Dorf her, brannte etwa 60 Häuser nieder, raubte alles, was irgendeinen Wert haben konnte und ermordete insgesamt 43 Männer, Frauen und Kinder. Die berbeigeholten Regierungstruppen fanden an der Stelle, wo das Dorf gelegen hatte, nur noch einen rauchenden Trümmerhausen vor. Sie nahmen sofort die Verfolgung der Banditen auf. die in einem darauf folgenden Gesecht zwei Tote und einen Verwundeten verloren und sich schließlich in die Berge zurückzogen. sind, bleiben deutsch und können aus ihrem Herzen nicht reißen den jedem Deutschen eigenen Rechtsbegriff, der sie stärkt und stützt im Kampfe um die Zukunft Nur eine Art von Arbeitsdienstpaß Die Reichsleitung des Arbeitsdienstes hat eine Verordnung herausgebracht, die ihrer Wichtigkeit wegen die breite Oeffentlichkeit interessiert. Nach dieser Verordnung erhalten von jetzt ab den Arbeitsdienstpaß ausgehändigt: Nach halbjährigem Dienst, d. h. nach 26 chen, diejenigen Dienstwilligen, die vor dem 1. Januar 1915 geboren worden sind. Alle anderen, d. h. also alle Arbeitsmänner (Dienstwillige), die nach dem 31. Dezember 1914 geboren wurden, müssen eine einjährige Dienstzeit(52 Wochen) hinter sich haben, ehe sie den Arbeitspaß ausgehändigt bekommen. * Durch diese Neuregelung wird, was sehr wesentlich ist, keine Aenderung in bezug auf den Arbeitsdienstpaß selbst eintreten. Es ist nur eine Art von Arbeitsdienstpaß für die beiden Altersklassen. Irgendwelche besonderen Kennzeichen des Arbeitsdienstpasses sind streng untersagt. Auf die bereits mit dem Arbeitsdienstpaß Entlassenen hat die Verordnung keine rückwirkende Kraft. Sowjetregierung gegen „Brüder in Nol“ Die Sowjetregierung hat bekanntgegeben, daß sie Sendungen der Reichssammlung„Brüder in Not“ nach der Sowjetunion nicht mehr zuläßt. Sie hat sich hierbei darauf berufen, daß„Brüder in Not“ eine antisowjetische Organisation sei. Das deutsche Hilfswerk bedauert außerordentlich, daß seine rein karitative Tätigkeit, an der es stets festgehalten hat, auf diese Weise zum Stillstand kommen wird. Die Bemühungen, die Sowjet=Regierung zu einer Aufgabe ihrer ablehnenden Haltung zu veranlassen, sind leider erfolglos geblieben. Unter diesen Umständen besteht zur Zeit keine Garantie für die Durchführung karitativer Waren= und Geldsendungen nach der Sowjetunion. Der Sicherheitsdirektor für Kärnten hat das Standrecht für das Bundesland Kärnten aufgehoben. Weiter bestehen bleibt das Standrecht für Niederösterreich und für Wien. Neugestaltung der Danziger Wirtschaftsvertretungen bleibt vorläufig in Kopenhagen Erzherzog Otto von Habsburg, der völlig unerwartet in Kopenhagen aufgetaucht ist, wollte ursprünglich bereits Donnerstagmorgen nach Schweden weiterreisen. Inzwischen hat jedoch der Erzherzog, der von dem Grafen Heinrich von Degenfeldt und dem ungarischen Markgrafen Alexander Bellavicini begleitet wird, sich entschlossen, seinen Aufenthalt in Kopenhagen für unbestimmte Zeit zu verlängern. In der dänischen und skandinavischen Oeffentlichkeit hat der Aufenthalt des Erzherzogs in Kopenhagen großes Aufsehen erregt. Besonders interessiert man sich auch in der Presse für die Hintergründe dieser Reise. Im Zusammenhang damit wird eine Meldung aus London wiedergegeben, wonach die Reise auf den Rat der österreichischen Monarchisten und gewisser italienischer Kreise unternommen worden sei mit dem Zweck, daß der Erzherzog sich während der Erörterungen über eine Rückkehr der Habsburger auf den österreichischen Thron an einem neutralen Orte aufhalte. In dem Hotel des Erzherzogs haben sich verschiedene in Kopenhagen lebende Oesterreicher eingefunden. Unter ihnen befand sich auch der österreichische Generalkonsul in Kopenhagen. Der Danziger Senat hat durch drei besondere Rechtsverordnungen außer der bereits bestehenden Bauernkammer noch zwei weitere Kammern, nämlich eine Industrie= und Handelskammer sowie eine Handwerkskammer und ferner einen Wirtschaftsrat errichtet. Die Industrie= und Handelskammer hat die gesamten Belange von Industrie, Handel und Gewerbe mit Ausnahme des Handwerks im Rahmen der Gesamtwirtschaft nach gemeinnützigen Grundsätzen wahrzunehmen und soll aus 80 gewählten und höchstens 20 vom Senat bestellten Mitgliedern bestehen. Die gewählten Mitglieder setzen sich aus 40 Führern der Betriebe und 40 Mitgliedern der Gefolgschaft zusammen. Der Präsident wird vom Senat ernannt und abberufen. Die neue Handwerkskammer, die die Belange des Handwerks wahrzunehmen hat, setzt sich aus den Obermeistern der Innungen und Altgesellen zusammen. Der Senat kann weitere Mitglieder in einer Zahl von höchstens einem Fünftel der anderen Mitglieder in die Kammer entsenden. Der neu zu errichtende Wirtschaftsrat wird zur Beratung des Senates in Wirtschaftsangelegenheiten und zur Herstellung einer engeren Verbindung zwischen dem Senat und den Wirtschaftskreisen dienen. Er besteht aus 18 Mitgliedern. Mitglieder kraft Amtes sind die Führer der Industrieund Handelskammer, der Bauernkammer und der Handwerkskammer. Der Senat bestellt den Führer des Wirtschaftsrates und kann die jederzeitige Einberufung des Wirtschaftsrates verlangen. Amerika rüstet auf! Sensationelle Versuche mit einem neuen Flugzeugabwehrgeschütz In der amerikanischen Armee werden augenblicklich sensationelle Versuche mit einem neuen Flugzeugabwehrgeschütz unternommen, die in der militärischen Fachwelt außerordentliches Aufsehen hervorgerufen haben. Es handelt sich um Geschütze, die in der Lage sein sollen, das Projektil mehrere tausend Meter senkrecht in die Höhe zu feuern. Das Geschütz arbeitet völlig automatisch. Es ist mit einer elektrischen Spezialapparatur kombiniert, die zur Annäherung eines Flugzeuges bereits auf erhebliche Entfernungen signalisiert und gleichzeitig Flughöhe, Fluggeschwindigkeit und Position des Flugzeuges mitteilt. Das Geschütz ist mit einem sehr lichtstarken Scheinwerfer gekoppelt. Amerika verstaatlicht das Silber Präsident Roosevelt hat eine Verordnung über die Verstaatlichung der Silbervorräte in den Vereinigten Staaten bekanntgegeben. Danach muß alles Silber, das sich am 9. August in den Vereinigten Staaten befindet, innerhalb von 90 Tagen an das Schatzministerium abgeliefert werden. Die Regierung hat die Ermächtigung erhalten, Silber aufzukaufen, bis der nationale Bestand an Währungsmetall das Verhältnis 25 v. H. Silber zu 75 v. H. Gold erreicht hat. Senator Thomas, einer der Führer des„Silberblocks“ im Senat, schätzt, daß die amerikanische Regierung auf Grund ihres Silberprogramms etwa 6 Millionen Kilogramm Silber übernehmen werde. Mit diesem Schritt ist ein entscheidender Angriff auf die Währungspolitik der Goldländer unternommen worden. Die Auswirkungen für die Wirtschaft Amerikas und der Welt sind heute noch nicht zu übersehen. Das Silber übernimmt jetzt neben dem Gold die Rolle eines Währungsmetalls, eine Umwälzung, die zu einer Umwertung aller bisherigen Wirtschaftsgrundlagen führen kann. Offenbar wollen die Vereinigten Staaten die wirtschaftlich führenden Staaten der Welt zwingen, nun endlich zum Währungsproblem Stellung zu nehmen und eine Verständigung herbeizuführen. Ob das gelingt, ist eine große Frage. Ein Währungsfrieden aber ist die Voraussetzung für den Wiederaufbau des internationalen Handels. Endlich Regen im amerikanischen Dürregebiet im Mittelwesten Wolkenbruchartige Regenfälle in Colorado, Nebraska, Indiana, Kentucky erlösten am Freitag endlich einen großen Teil des Dürregebiets im amerikanischen Mittelwesten von der seit vielen Wochen andauernden Gluthitze und Trockenheit. Die gewaltigen Wassermassen verursachten an vielen Stellen größere Ueberschwemmungen, da zahlreiche Flüsse und Bäche über die Ufer getreten sind. Auf den Landstraßen steht das Wasser zum Teil bis zu einem Meter hoch. In dem von dem Beurcreck durchflossenen Canyou westlich von Denver im Staate Colorado wurden zahlreiche Personen von den reißenden Fluten erfaßt. Vier Personen sind ertrunken, mehrere andere werden noch vermißt. Ein Bild des Grauens: Rinder, die vor Hunder und Durst umgekommen sind Derartige Bilder kann man in den Teilen der Vereinigten Staaten, die von der nunmehr seit Monaten berrschenden Trockenheit beimgesucht sind, überall sehen. Täglich kommen Rindern aus Mangel an Wasser und Jutter um. Londoner Gedächtnisgottesdienst für Hindenburg Zu einer ergreifenden Kundgebung gestaltete sich die am Freitag in der deutschen evangelisch=lutherischen St. Marienkirche in London für den Reichspräsidenten veranstaltete Trauerfeier. Die außerordentlich große Zahl der an dem Gottesdienst in amtlicher und nichtamtlicher Eigenschaft teilnehmenden Engländer war ein neuer Beweis für das tiefe Mitgefühl, das das gesamte englische Volk für Hindenburg und Deutschland in seinem schweren Verlust empfindet. Anrede für den Reichskanzler: Mein Führer! In einem Heeresbefehl teilt, wie das Rdz meldet, Reichswehrminister von Blomberg mit, daß der Führer und Reichskanzler befohlen habe, die Anrede aller Soldaten der Wehrmacht an ihn solle lauten:„Mein Führer!“ In wenigen Zeilen Der Führer und Reichskanzler hat den Reichsjustizkommissar und bayerischen Staatsminister der Justiz, Dr. Hans Frank, zu dem Ehrenamt eines Präsidenten der Akademie für deutsches Recht berufen. Der Reichsminister für ErnähFrung und Landwirtschaft hat den ter der Reichshauptabteilung IV des Reichsnährstandes, Karl Vetter, zum Vorsitzenden der Hauptvereinigung der deutschen Getreidewirtschaft berufen. Durch die erneute Anordnung des Präsidenten der Reichspressekammer ist die seit Mitte Dezember vorigen Jahres verhängte Sperre für Neugründungen von Zeitungen und Zeitschriften bis zum 31. März 1935 verlängert worden. Der Reichsbund der deutschen Beamten ist der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ körperschaftlich beigetreten. Damit können alle Mitglieder des Reichsbundes von sofort ab an allen Leistungen der RSG„Kraft durch Freude" teilnehmen. Der am Freitag zusammengetretene französische Kabinettsrat beschäftigte sich mit der Landwirtschaftskrise, mit der bretonischen Frage, mit den Vorgängen in Constantine und mit den Zwischenfäßen Bergwerk Esaarpelle. Der Ministerrot zur Stützung des Getreidemarktes verschievenMaßnahmen. Schwerte(Ruhr), Samstag den 11. August 1934 Cagesspruch Wer alles will rächen, Die Kraft wird ihm gebrechen. Im Stellwerk Im Stellwerk eines Bahnhofs stand ich neulich, als der Abend dämmerte. Den ganzen Bahnhof konnte man dort überblicken mit seinen Gleisen, Weichen und Signalen. Das Stellwerk ist das Herz eines Bahnhofs. Nur dort können die Weichen gestellt, die Signale gezogen und die Züge sicher geleitet werden. Hebel wurden im Stellwerk herumgeworfen. Rote Lichter wurden grün. Die Durchfahrt für einen Zug war hergestellt. Alle Weichen, die zu dem Durchgangsgleis führen, sind gesperrt. Da braust auch schon ein Schnellzug heran, poltert über die Weichen, rast an uns vorbei und hat den Bahnhof wieder verlassen. Noch eine ganze Weile leuchten seine grünen Schlußrichter, dann verschluckt ihn die Nacht. Die Menschen, die in diesem Zuge sitzen, die haben nicht das Gefühl der Unsicherheit, der Angst, wenn er über die Weichen poltert, wenn an den Fenstern die nächtliche Landschaft vorbeifliegt. Haben sie nicht großes Vertrauen zu den Männern, die Wagen und Maschine bauten, zu denen, die den Zug führen, zu dem Mann im Stellwerk, der die Hebel bedient? Grenzenlos ist ihr Vertrauen zu anderen Menschen, so groß ist es, daß sie gar keine Bedenken haben, sich ihnen anzuvertrauen. Haben wir ein so großes Vertrugen zu dem, der nicht nur einen solchen Zug, sondern der unser ganzen Leben lenkt? Das Leben läuft nicht so leicht und glatt dahin wie ein Zug auf seinem Gleis. Da ist es gut zu wissen, daß es einer in seiner allmächtigen Hand hält. Der führt es zwar nicht immer so, wie wir es ersehnen und wünschen, weil er besser weiß als wir, was uns gut ist. Die Wege, die er uns führt, die können, menschlich gesprochen, oft sehr wunderlich aussehen, sodaß wir sie nicht begreifen. Wir müssen nur die feste Zuversicht haben, daß er uns richtig führt. Es ist schon so, wie es Paul Lerhardt in einem Liede singt: Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Vom Wetter Wetteraussichten für Sonnabend: Bei frischen südwestlichen, später nordwestlichen Winden stärkere Bewölkung und weiterer Regen oder Regenschauer, nur mäßig warm, im Laufe des Tages Temperaturabnahme und zeitweise aufklarend. Wetteraussichten für Sonntag: Abflauende Winde zwischen West und Nordwest, wolkig ohne wesentliche Temperaturänderung, noch immer nicht niederschlagsfrei. Seht die Wählerlisten ein! Die Wahlkarteien der Stadt Schwerte für die Volksabstimmung liegen am 11. u. 12. Aug. 1934 im Rathaus, Zimmer Nr. 2 zu Jeder= manns Einsicht offen. Die Wahlkarteien enthalalle Personen, die am Abstimmungstage das 20. Lebensjahr erreicht und ihren Wohnsitz in Schwerte haben. Neue Wahlausweise werden nicht ausgestellt. Die Wahlausweise für die Reichstagswahl und Volksabstimmung am 12. November 1933 haben auch jetzt Gültigkeit. Verloren gegangene Ausweise werden im neuen Rathaus, Zimmer r. 2 ersetzt. Wer sich sein Stimmrecht sichern will, der sehe die Wählerlisten ein. Opa zur Nieden 91 Jahre alt. Am morgigen Sonntag feiert der älteste Bürger unserer Stadt, der Kriegsveteran Friedrich zur Nieden, Mährstraße 12, seinen 91. Geburtstag. Der alte Herr wurde im Jahre 1843, also noch vor dem Revolutionjahr 1848 geboren. Das Geburtstagskind hat den Feldzug 1866 mitgemacht und erhielt im Krieg gegen Frankreich bei Mars=la=Tour einen Beinschuß. Zahlseiche Ehrungen wurden ihn im hohen Alter a.. Einen besonderen Platz nimmt auch Bild des verstorbenen Reichspräsidenten von Hindenburg ein, das ihm anläßlich seines I. Geburtstag vom großen Feldherrn mit eigenhändiger Unterschrift gesandt wurde. An o manchem Geburtstag hat der Ev. Posaunenhor vor dem Hause in der Mährstraße, an das * Altveteran infolge des durch die Verwunung zugezogenen Beinleidens gefesselt ist, ein Ständchen gebracht. Möge unserem allverehrten Mitbürger, der in seiner Jugend für die deutsche Einigkeit gekämpft hat, im Kreise seiner Angehörigen weiterhin ein gesegneter Lebensabend beschieden sein. Zu seinem hohen Ehrentage unsern aufrichtigen Glückwunsch! - Ehrenkrone des Alters. Am Sonntag, den 12. August kann der aus Ergste stammende Rentner Heinr. Westerfeld, Schwerte, Bismarckstraße 9, seinen 80jährigen Geburtstag feiern. W. war in Ergste Landwirt und Brennereibesitzer. Vor etwa 40 Jahren verlegte er seinen Wohnsitz nach Schwerte, wo er auf den Vereinigten Deutschen Nickelwerken lange Jahre tätig war. Der alte Herr ist als großer Heimatfreund bekannt, und weiß sehr viel aus Schwerte und seiner Umgebung zu erzählen. Aus seiner Feder stammt manch gehaltvoller Beitrag zur Heimatgeschichte, zuletzt noch die in unserer gestrigen Ausgabe erschienene Erinnerung„Ein alter Ruhrtaler erzählt“. In seinem langen Leben war mehr Leid als Freud sein Begleiter. W. ist seit Gründung unseres Heimatblattes, also seit 67 Jahren, ein treuer Leser. Wir wünschen dem noch rüstigen verehrten Lebensjubilar einen gesegneten Lebensabend! X Endlich, endlich verschwindet der große Schutt= und Ablagerungsplatz am Ostentor zwischen Lyzeum und Brennerei Potthoff. Gegenwärtig sind fleißige Hände dabei, den Platz einzuebnen und vollständig umzugestalten. Während die eine Hälfte des Platzes als Grünfläche angelegt wird, soll der vordere Teil zur Vergrößerung des Spielplatzes des Lyzeums dienen. Das ganze Straßenbild am Ostentor, welches lange Jahre durch die„Zierde“ dieses Platzes verschandelt war, erhält ein bedeutend freundlicheres Gesicht, wenn auch der weitere Ausbau der Verbandsstraße vom Ostentor bis zur Ruhrbrücke vorläufig ein frommer Wunsch bleiben wird. : Guter Schwimmernachwuchs in Schwerte. Wie sich beim diesjährigen Kursus für Rettungsschwimmer herausstellt, hat unsere Stadt einen ausgezeichneten Schwimmernachwuchs. Von den Siegen der erst 14 jährigen Ilse Köhler haben wir bereits berichtet. Am 6. August tauchte nun bei der Ablegung des Grundscheins die erst 13 jähr. Hildegard Buschkämper im Schwimmbassin 22½ Meter.(Bedingung sind für das Streckentauchen 17 Meter.) Die 17 jähr. Schülerin Gertrud Geisel bestand als erste Schwimmerin des Ruhrtals die erschwerten Bedingungen für den Leistungsschein. Die meisten Teilnehmerinnen am diesjährigen Kursus stellt der Schwimmverein 06 bzw. der BdM. Auch bei den Knaben haben wir Schwimmer, die einmal große Kanonen im Wasser zu werden versprechen. Erfreulicherweise ist das Wasser in der Schützenhofbadeanstalt nach Herstellung der Pumpanlage stets frisch. Im nächsten Jahre wird auch eine Brauseanlage eingerichtet werden. Die Hausliste soll in diesem Jahr für die Zwecke der Einheitsbewertung des bebauten Grundbesitzes mitverwertet werden. Eine solche Regelung liegt im Interesse sowohl der Steuerpflichtigen als auch der Behörden. Der Steuerpflichtige erspart hierdurch die nochmalige Aufstellung des Verzeichnisses der Wohn. und Betriebsräume(Mieter), die er bisher bei Abgabe der Vermögenserklärung in dem„Anhang Gr.(1931)“ bzw. in dem Vordruch nach Muster„Vm 5(1931)“ zu machen hatte. Für die Finanzämter fällt durch die Verwertung der Hausliste die Versendung der Anhänge Gr. bzw. der Vordrucke Vm 5 an die Steuerpflichtigen und an die Belegenheitsfinanzämter fort. Ferner wird durch diese Regelung für die Einheitsbewertung 1935 mehr Zeit gewonnen. Dies ist deswegen besonders wichtig, weil die Grundsteuer aller Länder und Gemeinden ab 1. Januar 1936 auf der Grundlage dieser Einheitswerte erhoben wird, die Grundsteuerbescheide deshalb bis zum Ende des Jahres 1935 zugestellt sein müssen sein müssen und, um dies zu ermöglichen, die Einheitsbewertung unbedingt bis Ende Juni 1935 abgeschlossen sein muß. Die Gemeinden haben die Vollständigkeit des eingesammelten Materials, wie alljährlich zu prüfen. Nach Abschluß dieser Arbeiten, möglichst noch im Laufe des Monats November 1934, haben die Gemeinden die Hauslisten 1934— nach Straßen und Hausnummern geordnet— an das(Belegenheit=) Finanzamt . Schwerte vor 60 Jahren. Am 12. August 1874 meldete die„Schwerter Zeitung": Das Schützenfest ist vorüber, und hat, von gutem Wetter begünstigt, seinen programmäßigen Verlauf genommen. Den Königsschuß tat der Gastwirt Herr W. Ostermann. Ev. Kirchensteuertermine werden abgehalten bis zum 15. August 1934 auf dem Gemeindeamt, Gr. Marktstraße 1; für den Bezirk Geisecke=Lichtendorf am Montag, dem 13. Aug. Nachmittags von 2,30—3 Uhr in der Bahnhofswirtschaft für den Bezirk Sommerberg= Höchsten am Dienstag, dem 14. August nachmittags von 2,30—3 Uhr in der Wirtschaft Prein und von 4—4,30 Uhr in der Wirtschaft Eisenberg. Katholische Kirchensteuern. Am Sonntag, dem 19. August, wird in der Handarbeitsschule ein Termin zur Zahlung der 2. Rate der Kirchensteuer für 1934 angehalten. Für die Außenbezirke sind folgende Zahltage angesetzt: Westhofen am Dienstag, 21. August, von 2—3 Uhr im Lokale Siede; Holzen am gleichen Tage von 4—5 Uhr im Lokale Ww. Schneider; Lichtendorf am Mittwoch, 21. August von 2—3 Uhr im Lokale Wiemhoff auf dem Eichholz; Geisecke am gleichen Tage von 4—5 Uhr im Lokale Schulte=Höppe; Grüntal am Freitag, 24. August von 5—6 Uhr im Lokale Sybel. In Anbetracht der äußerst angespannten Kassenlage und der vielseitigen Aufgaben der Kirchenkasse wird dringend um pünktliche Entrichtung der fälligen Beträge gebeten. + Unser aktueller Bilderdienst zeigt folgende neue Aufnahmen: Des toten Feldmarschalls letzte Fahrt nach Tannenberg; Englands Aufrüstung in der Luft schreitet fort„Toter Feldherr, geh nun ein in Walhall; Der deutsche Reichstag gedenkt des Schirmherrn der deutschen Revolution, Reichspräsidenten v. Hindenburg. : 800 000 versorgungsberechtigte Kriegsbeschädigte. Alljährlich wird bekanntlich eine Zählung der versorgungsberechtigten Kriegsbeschädigten vorgenommen. Der Stichtag der diesjährigen Zählung war der 7. Mai. Es wurden nach amtlicher Feststellung insgesamt 804 504 versorgungsberechtigte Kriegsbeschädigte gezählt. Auf die einzelnen Hauptversorgungsämter verteilten sich die Beschädigten wie folgt: Bayern 123977, Brandenburg=Pommern 110 734, Niedersachsen=Nordmark 97930, Rheinland 88 431, Sachsen 69 507, Südwestdeutschland 65 751, Mitteldeutschland 60 791, Schlesien 60293, Hessen 51 938, Westfalen 50 922 und Ostpreußen 24 230. : Stand der Tierseuchen in Westfalen. Die im Reichsgesundheitsamt zusammengestellten Berichte der beamteten Tierärzte über den Tierseuchenstand im Deutschen Reiche am 1. August 1934 lauten über den Stand der Tierseuchen in der Provinz Westfalen recht günstig. Die Proabzuliefern. Abgesehen davon, daß die Hausliste in diesem Jahre einer Steuererklärung gleichzuachten ist, hat die Gemeindebehörde die Rücklieferung der Hausliste erforderlichen falls gemäß§ 202 der Reichsabgabenordnung zu erzwingen. Bei der Weitergabe der Hauslisten an das Finanzamt hat die Gemeindebehörde zu bescheinigen, daß alle bei ihr eingelieferten Hauslisten beigefügt sind; etwa noch fehlende Hauslisten sind dabei— gegebenenfalls unter Beifügung entsprechender Erzwingungsvorgänge— zu bezeichnen. Zu dem Muster der Hausliste— Anlage 1a— und der zugehörigen Anleitung(Anlage 1b) ist folgendes zu sagen: In den Fällen, in denen die 20 Zeilen der Abteilung I(Haushaltungen bzw. Wohnräume) auf Seite 2 für die meisten Häuser nicht ausreichen, sind weitere Vordrucke zur Hausliste zu verabfolgen und zu verwenden. Die Ausfüllung der Anlage 1c soll uneingeschränkt vorgenommen werden; diese Vordrucke werden also in derselben Auflage wie die Hauslisten selbst geliefert werden und sind gleichzeitig mit diesen auszuhändigen. Zu beachten ist, daß die Anlage 1c nicht, wie die Haushaltungsliste, bis zum 12. Oktober an die Gemeindebehörden abzuliefern oder zur Abholung bereit zu halten ist, sondern dat sie bis zum 30. Oktober dem Belegenheitsfinanzamt einzusenden ist, worauf besonders hingewiesen wird. vinz Westfalen war gleich wie das Deutscho Reich überhaupt durchweg frei von Rinderpest, Lungenseuche des Rindviehs, Pockenseuche der Schafe, Beschälseuche der Pferde; dazu noch von Maul= und Klauenseuche, Rotz, Milzbrand, Tollwut und Geflügelcholera. Nur im Regierungsbezirk Münster war im Kreise Steinfurt noch ein Gehöft abgesperrt, in dem die Schweinepest noch nicht erloschen war. Der Regierungsbezirk Minden, der kurze Zeit seine Seuchenfreiheit verloren hatte, ist wieder seuchenfrei geworden. Der Regierungsbezirk Arnsberg hat seine kürzlich erlangte Seuchenfreiheit aufrechterhalten können. Sonderzugfahrt zu den Funktagungen in Berlin Da jetzt die Fahrkarten für die am 17. ds. Mts. fahrenden Sonderzüge angekommen sind, wollen die betr. Fahrtteilnehmer dieselben bei den zuständigen Ortsgruppen der NSDAP. bzw. den Funkleitern gegen Rückgabe der grünen Quittung in Empfang nehmen. Für Iserlohn werden die Fahrkarten bei der Kreisgruppe RDR„Iserlohn, Dickenturm 16 II, ausgegeben, und zwar nur Montag, den 13. 8. 34, in der Zeit von 11—1 Uhr vormittags. Aus den Fahrkarten ist ersichtlich, von wo der betr. Fahrteilnehmer abfährt. Die Gutscheinhefte für die bezahlten Veranstaltungen werden während der Fahrt ausgegeben. Gegen Vorzeigung der Sonderzugkarte erhält der Fahrtteilnehmer an seinem Heimatbahnhof die verbilligte Fahrt nach Hagen bzw. Dortmund. Diejenigen Volksgenossen, welche mit dem Sonderzug ab Hagen fahren, benutzen zur Hinfahrt den fahrplanmäßigen Zug ab Iserlohn 7.11 Uhr, diejenigen ab Dortmund den Zug 8.12 Uhr ab Iserlohn. Die Fahrtteilnehmer der übrigen Orte entsprechend. 4 Aus der “ An alle„Kraft durch Freude"=Fahrer. Zur Volksabstimmung am 19. August 1934. Wir legen hiermit allen unseren Urlaubern die Verpflichtung auf, am Abstimmungstage im Besitz des erforderlichen Stimmscheines zu sein. Wer sich auf einer Sonderfahrt der NS. Gemeinschaft„Kraft durch Freude" befindet, und an dem Tage der Volksabstimmung voraussichtlich noch nicht wieder in seinem Heimatorte angelangt ist, muß bei der Rückfahrt im Sonderzug seinen Stimmschein vorzeigen. Alle Urlauber, die am 19. August ihre Reise antreten, müssen ebenfalls bei Fahrtantritt im Besitz des Stimmscheines sein. Die Transportleiter der NS. Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ sind angewiesen worden, den an diesem Tage reisenden Volksgenossen Gelegenheit zur Abstimmung zu geben.— Allen Angehörigen unserer Ostpreußen=Fahrer wird dringend empfohlen, sich sofort in den Besitz der Stimmscheine für die in Ostpreußen weilenden Angehörigen zu setzen, um dieselben nach dem Aufenthaltsort dieser Urlauber rechtzeitig abzusenden. Auch die Oftpreußen=Fahrer müssen bei der Rückfahrt den Abstimmungsschein vorlegen. Die Deutsche Arbeitsfront, NS. Gemeinschaft„Kraft durch Freude“, Gau Westfalen=Süd Auf dem Höchsten, 11. Aug. Neubau. Das neue Pfarrhaus auf dem Höchsten ist bis auf die Innenarbeiten fertiggestellt. Die ganze Gemeinde begrüßt dies sehr, da der evangelische Pfarrer bisher eine Notwohnung in dem Anbau der neuerbauten Kirche hat, die dann wieder zu Gemeindezwecken benutzt wird. Schluß des redaktionellen Teils. Vereinsnachrichten Schiedsrichtergruppe Schwerte. Heute, Samstag abend 20 Uhr, bei Wilkes Vollversammlung. Kreis=Fachwart Goswin nimmt an der Sitzung teil. An die Einreichung der Pässe und Lichtbilder sei erinnert. Die in dieser Sitzung ihren Pflichten nicht nachkommen, erhalten keinen Paß bzw. Anwärterausweis. Der Pressewart: Rudolf Bürger. Aerztlicher Sonntagsdienst am 11./12. August: Dr. Becker, Königsplatz 11. 2838. Dr. Hannemann, Bahnhofstr. 29, 2769. Geöffnet ist die Neue Apotheke. Personenstands- und Betriebsaufnahme 1934 und Vorbereitung der Einheitsbewertung auf den 2. Januar 1533 für die Grundstüge Arbeitslage in Westfalen iin Menat Full 1981 Weiterer Rückegang der Arbeitslosenzahl.- Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft.- Günstige Beschäftigungslage in der Hütten= und Metallindustrie.- Nachfrage nach Facharbeitern. 18½ wie par zu qualifizierten Facharbeitern, Die günstige Entwicklung der Arbeitslage hat sich im Bezirk des Landesarbeitsamtes Westfalen auch im Monat Juli weiter fortgesetzt. Am Ende des Berichtsmonats wurden noch rund 193 400 Arbeitslose gezählt. Das bedeutet gegenüber dem gleichen Zeitpuntt des Vorjahres einen Rückgang von rund 45 Proz. Eine gleiche Abnahme ist bei der Zahl der unterstützten Arbeitslosen zu verzeichnen. Bei einem Rückgang von ebenfalls rund 45 Proz. gegenüber dem 31. Juli 1933 ist die Zahl am 31. Juli 1934 auf rund 175 400 gesunken. Davon entfallen 76000 auf die Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge und 99 400 auf die Wohlfahrtsfürsorge. Die Abnahme der Zahl der Wohlsahrtsempfänger im Berichtsmonat um rund 4600 Unterstützte ist besonders bemerkenswert, da es sich hier um langfristige Erwerbslose handelt, die in den Wirtschaftprozeß eingegliedert werden konnten. Da außerdem die Zahl der Notstandsarbeiter einen weiteren Rückgang gegenüber dem Vormonat aufweist, sind die aus der Unterstützung ausgeschiedenen Personen restlos von der freien Wirtschaft ausgenommen worden. Die Zahl der Notstandsarbeiter verminderte sich im Monat Juli um 1700 auf 30 600. Die geringe Zunahme der Hauptunterstützungsempfänger der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge ist aus der Einschränkung der Notstandsarbeiten zu erklären, die im Interesse der ausreichenden Versorgung der Landwirtschaft mit Erntehilfsarbeitern liegt. Im Zuge der Bestrebungen, eine Auflockerung der Arbeitslage vor allem in den dichtbevölkerten Industriebezirken herbeizuführen, wurden anstelle der für die Landwirtschaft freigemachten Kräfte z. T. Arbeiter aus dem Ruhrbezirk zu den Maßnahmen in die auswärtigen ländlichen Bezirke zugewiesen. Nach Beendigung der Erntearbeiten sollen die Notstandsmaßnahmen mit einem erhöhten Einsatz von Arbeitskräften in Angriff genommen werden. Die Landwirtschaft bot im Berichtsmonat wieder so große Unterbringungsmöglichkeiten, daß in vielen Fällen die Stellung der geforderten Kräfte nur mit Schwierigkeiten möglich war. Die stark verringerte Zahl der jugendlichen Erwerbslosen, die für Landhelferstellen infrage kommen, veranlaßte viele Landwirte, auf ältere Erwerbslose zurückzugreifen und diese als freie Arbeiter einzustellen. Der Bedarf an landwirtschaftlichen weiblichen Arbeitskräften konnte trotz aller Bemühungen der Arbeitsämter nicht voll gedeckt werden. Neben der Landwirtschaft zeigten sich die Produktionsgüterindustrien auch weiter aufnahmefähig. Im Bergbau erhöhte sich der Belegschaftsbestand gegenüber dem Vormonat leicht. Die Hüten und Walzwerksindustrie ist flott beschäftigt. Es kamen rund 1000 Arbeiter zur Neueinstellung. Der Auftragsbestand stellt auch für die kommenden Monate eine gute Beschäftigungslage sicher. Bedarf herrscht nach wie vor un hunlisizierten Facharbeitern, die durch Umschulung herangebildeten Kräfte konnten sofort mühelos untergebracht werden. In den Konsumgüterindustrien ist keine merkliche Abschwächung zu verzeichnen. Das Tabakgewerbe ist weiterhin so gut beschäftigt, daß auch ältere verheiratete Erwerbslose wieder eingestellt werden konnten. Entgegen den Erwartungen hat sich die sonst übliche sommerliche Geschäftsruhe im Bekleidungsgewerbe in diesem Monat nicht bemerkbar gemacht. Der Zugang an Arbeitslosen war nur gering. In der Textilindustrie konnten noch einige Neueinstellungen vorgenommen werden. Der im allgemeinen befriedigenden Lage im Baustoffgewerbe steht ein leichtes Abflauen der Beschäftigungslage im Baugewerbe gegenüber. Infolge Nachlassen der privaten Bautätigkeit und Beendigung der mit Reichsmitteln geförderten Instandsetzungsarbeiten kamen vorübergehend rund 1000 Arbeiter zur Entlassung. Es ist jedoch zu erwarten, daß durch die Inangriffnahme von Siedlungsbauten und größeren industriellen Bauvorhaben diese Entwicklung bald zum Stillstand kommt. Turnen, Spiel, Sport Schwerte Nach vierzehntägigem Training kann Jugendabteilung am morgigen Sonntag den besten Hoffnungen zum Jugend=Kreisfest nach Iserlohn fahren. Leider wurde die geplante Sternwanderung nach Iserlohn aus technischen Gründen wieder abgeblasen. Die Vereine sind somit gezwungen, mit der Eisenbahn zu fahren oder aber die Kosten für einen Autobus anzulegen. Die Teilnehmer unseres Vereins, welche mit 30 Mann zu den Wettkämpfen gemeldet haben, fahren schon bereits am morgigen Sonntag früh mit einem Kraftwagen nach Iserlohn. Die VfL. er starten in schwarzen Hosen und weißem Athletikhemd, wofür jeder Jugendliche zu sorgen hat. In Iserlohn liefert die Gullaschkanone das Mittagessen, was den Jüngsten eine große Freude bereiten dürfte. Eßlöffel nicht vergessen.— Möge dieser große Tag für unsere Jugendlichen ein unvergeßliches Erlebnis werden. Auch an dem Fünfkampf für Männer nehmen einige Sportler unseres Vereins teil. Kreisjugendfest und der Mehrkampftag versprechen ein Erfolg zu werden. Von den Veranstaltern des am kommenden Sonntag in Iserlohn stattfindenden Kreisjugendfestes verbunden mit Mehrkampftag für Männer, männliche und weibliche Jugend, wird uns die erfreuliche Nachricht zuteil, daß an Hand der bisher eingelaufenen Meldungen mit einer großen Beteiligung seitens der Kreisvereine gerechnet werden darf. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß ein Teil der Vereine noch mit seinen Meldungen im Rückstand ist, die aber bestimmt erwartet werden, so daß der kommende Sonntag ein erfreuliches Bild vom Stand der Leibesübungen in den DSB.= und DFB.=Vereinen des Kreises Iserlohn abgeben dürfte. Besonders zahlreich sind natürlich die Meldungen der Jugendlichen eingegangen, denen der Tag ja eigentlich gewidmet ist. Ihnen soll mit der Einrichtung solcher Kreisfeste einmal im Jahre die Gelegenheit gegeben werden, sich neben der wettkämpferischen Betätigung auch in Kameradschaft mit den sonstigen Kampfgegnern zu finden und sich in der Gemeinschaft aller schätzen zu lernen. Deshalb der gemeinschaftliche Feldgottesdienst am Snontagmorgen, deshalb auch das gemeinschaftliche Mittagessen aus der Gulaschkanone. Daneben soll sich dann die Jugend auch im Einzel= und Mehrkampf messen, um gegebenenfalls nach erfolgreich beendetem Wettbewerb auch mit dem Siegerkranz geschmückt, um ein Erlebnis reicher, nach Hause zu ziehen. Aber auch die Männerklassen haben schon jetzt eine gute Besetzung erfahren, die sich aber auch noch erhöhen dürfte.(Es wird jedoch ausdrücklich nochmal darauf hingewiesen, daß Nachmeldungen am Sonntag unter allen Umständen zurückgewiesen werden, dgl. Ummeldungen.) Besonders freudig zu begrüßen ist es, daß sich auch der Bezirksführer des Bezirks Arnsberg, Dr. Krause(Lüdenscheid) unter den Teilnehmern des Fünfkampfes der Männerklasse I befindet und so vielen Aktiven ein gutes Vorbild gibt. Hoffen wir nun, daß der Tag zu einem vollen Erfolg werden kann. Trainingsgemeinschaft Iserlohn. Die Uebungsstunden der Trainingsgemeinschaft setzen nunmehr am kommenden Sonnabend, dem 11. August, wieder voll ein. Fehlen ohne begründete Entschuldigung zieht den unvermeidlichen Ausschluß aus der Gemeinschaft nach sich. Besorgt rechtzeitig Stimmscheine! Wer sich am 19. August außerhalb seines Wohnsitzes aufhält, lasse sich rechtzeitig durch die Gemeindebehörde seines Wohnortes einen Stimmschein ausstellen. Besonders wichtig ist die Besorgung von Stimmscheinen für Seeleute, für die Besatzung der Binnenschiffe, für Angehörige der Reichsbahn, der Reichspost wie aller Verkehrsunternehmungen. Auf Grund des Stimmscheines kann in jedem Stimmbezirk des Deutschen Reiches abgestimmt werden. Der Stimmschein ermöglicht auch die Stimmabgabe im Reiseverkehr auf den größeren Durchgangsbahnhöfen sowie an Bord der für die Abstimmung in Betracht kommenden Seeschiffe. Schwerter Filmschau Der Tunnel Ein erhebendes Lied der Arbeit! Das großartige Problem— Tunnel Amerika=Europa— hat die Bavaria nach dem weltbekannten Roman von Bernhard Kellermann zu einem monumentalen Filmschauspiel gestaltet, das gestern abend zum ersten Mal in Schwerte in den„Lichtspielen zur Reichskrone“ gezeigt wurde. Wahrhaftig: dieses gewaltige Projekt bot filmische Möglichkeiten wie kaum ein zweiter Stoff, und man hat auch ein Filmwerk geschaffen von ganz außergewöhnlichem Ausmaß. Wir sehen die Welt der Milliadäre... Der Stahlkönig Lloyd hat eine Versammlung der reichsten Männer New Yorks einberufen, in der entschieden werden soll, ob das gewaltige Projekt des Ingenieurs Mac Allan, ein Tunnel Amrika—Europa, von der Großfinanz unterstützt wird. Diese Versammlung findet auf dem Dachgarten des Astoria=Hotels statt. Flankiert von einer mächtigen Mauerbrüstung, in der Mitte ein Bassin mit plätscherndem Springbrunnen, überragt von einer hohen Kuppel, macht dieser Dachgarten einen fabelhaft luxuriösen Eindruck.— Mit sportlicher Beflissenheit springen Reporter und Fotografen umher, und die reizende Mary Allan spricht mit entzückender Befangenheit ins Mikrophon der Wochenschau und schaut beglückt zu ihrem Gatten auf, dessen Riesenprojekt den Beifall der Großfinanz gefunden hat. Ein Tunnel wölbt sich unheimlich und gespenstisch über phantastischen Einträgern und es wimmelt von Männern, nackt bis zum Gürtel, triefend von öligem Schweiß, verschmiert von Ruß, und einigen sickert Blut durch Notverbände. Ihr Ziel ist der gähnende Schlund des Tunnels, der sich im breiten Bogen über dem Doppelgleis schwingt. Jetzt ein Pfiff, eine elektrische Schnellzuglokomotive modernsten Modells gleitet in den Tunnel, daran steht „Tunnel Syndicate“. Beizender Rauch schlägt aus dem brennenden Tunnel entgegen, es ist der letzte Zug, der ins Freie führt, da drinnen ist sicherer Tod. Die Tunnelarbeiter stürmen die schweren Maschinen, der Führer, Ingenieur Bärmann(Otto Wernicke), soll abfahren. Er weigert sich, will noch die Arbeiter vom Seitenstollen abwarten. In dicken Schwaden quillt der Qualm aus dem Tunnelschlund:„Abfahren! Die sind ja längst verreckt“, schreien die Arbeiter in wilder Todesangst. An einer anderen Stelle des Stollens, den Verbrecherhand, vom Spekulanten S. Woolf gedungen, gesprengt hat, fährt schon längst kein Zug mehr. Hier müssen sie laufen um ihr Leben, verfolgt vom Qualm, vom sicheren Tod, vierhundertfünfzig Kilometer vom Ausgang. Aber sie laufen verzweifelt erhofften Hilfszügen entgegen... Eine andere Szene: Wir sind in der riesigen Montagehalle, die Wühler Woolfs haben die Belegschaft aufgehetzt.„Wir erhalten fünfzig Cents die Stunde, das ist gut bezahlt, aber auch fünfzig Cents für die Todesstunde, und das ist schlecht bezahlt!“ Da ergreift der Tunnel=Erbauer, Ingenieur Mac Allan, das Wort, hinreißend wirbt seine Rede, die Vertrauen verlangt, Glauben an das große Werk. „Auch andere Schöpfungen haben Opfer gekostet, und doch hielt man durch!“ Sein Appell macht Eindruck, das Lied der Tunnelmen klingt auf, schwillt mächtig an, die Krisis ist überwunden. Paul Hartmann spielt den genialen Konstrukteur dieses kühnen Unternehmens, Mac Allan, eine zwingende und packende schauspielerische Leistung. Gustav Gründgens, der den S. Woolf spielt, ist nicht der sette Emporkömmling des Romans, sondern Rundfunk=Programm Sonntag, den 12. August. 6.15 Bremer Hafenkonzert. 8.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.10 Das rheinische Dorf. 8.30 Die sonntägliche Morgenfeier. 9.15 Funk ins Blaue! ein schlanker, skeptischer Herr. Lloyd, der im Roman aussieht wie eine Bulldogge, erhält die markanten Züge eines Max Weydner, Ethel Lloyd, von Elga Brink verkörpert, wird nicht wie im Roman Mac's zweite Gattin, denn der Film endet mit dem TunnelDurchstich. Und die reizende Maud heißt Mary, wird von Olly von Flint gespielt und nicht von der rasenden Menge erschlagen, sondern, als sie im brennenden Tunnel von Mac City verzweifelt nach ihrem Mann sucht, vom herausrasenden Zug überfahren. Hobby, eines der überlebenden Opfer der Tunnel=Katastrophe, ist Attila Hörbiger, während Otto Wernicke höchst eindrucksvoll den deutschen Ingenieur Bärmann darstellt. Wie die Typen, so hat auch die Handlung, von Regisseur Kurt Bernhardt und Reinhart Steinbicker gestaltet, noch weitere begründete Aenderungen erfahren. Der große Spekulant Woolf gefährdet das Unternehmen durch Sabotage und Gegenspekulationen in Schiffahrtsaktien, und Mac Allan muß sein Werk mit seinem Lebensglück bezahlen, ohne vorher der Gatte der exzentrischen Millionärstochter geworden zu sein, die vielleicht das Sympathische des Charakterbildes Mac Allans gefährdet hätte. Das Drehbuch trägt auch der technischen Entwicklung der letzten zwanzig Jahre Rechnung, denn als 1913 der„Tunnel“ erschien, gab es noch keinen Zeppelin=Südamerika=Dienst und keine Ozeanüberquerung in einem Tag. Der Film ist in seiner freien Gestaltung des Vorbilds sicher eines der bedeutendsten deutschen Filmwerke. * „Eine Fahrt ins Blaue“ veranstaltet von Zeit zu Zeit die Reichsbahn. Unser heimisches Lichtspieltheater, die„Lichtspiele zur Reichskrone“, arangieren in diesen Tagen(erstmalig 10.15 Aus dem großen Kriege. H. Lersch: Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen! 10.30„Die Klavier=Sonaten Mozarts“. 11.00 Auf Schwedens blauem Band von der Ostsee zur Nordsee. 11.25 Kleine Naturbilder. 12.00 Musik am Mittag. 12.55 Glückwünsche. 13.00 Ein Wort an alle. 13.10 Das Kölner Sinfonieorchester. 14.00 Eröffnung der Europameisterschaften im Schwimmen. 15.00 Eltern und Kinder. 15.20 Das neue München l. Form und Sinn der Monumentalbauten der NSDAP. 15.35 Altgermanischer und deutscher Brauch im Spiegel unseres Märchen= u. Sagenschatzes. 15.45 Ein alter niederrheinischer Wohnbrauch. 16.00 Nachmittagskonzert. 16.45 Der große Preis von Gelsenkirchen.(D. d. Trabrennbahn). 17.45 Deutsche Erzähler der Gegenwart. 18.00 Griff ins Leben oder Die bunte Stunde. 19.00 Orgelkonzert. 20.15 Alte Madrigale. 21.15 Philotas.(Trauerspiel von Lessing). 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.30 Radweltmeisterschaften— Endkampf der Flieger. 22.45 Nachtmusik. Montag, den 13. August 1934. 5.30 Morgenruf.— Anschl. Frühkonzert. 6.05 Leibesübungen. 625 Morgenkonzert. Meltr M 64. 6.50 Morgenruf.— Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.05 Frauenturnen. 8.20 Was kochen wir diese Woche! 10.00 Zeit, Nachrichten usw. 10.10 Für Euch daheim. 10.30 Wir und die Welt. 12.00 Schallplattenkonzert. 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Gluawunsche. 13.00 Mittagskonzert. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 14.45 Wirtschaftsmeldungen, Schlachtviehmarktberichte. 15.15 See=Touristik und Schiffahrt. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.50 Stimme der Zeit. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.00 Aus unserer Heimat. 17.25 Liederstunde. 18.00 Jugendstunde für Leibesübungen. 18.20 Italienisch. 18.40 Vom Tage. 18.50 Wirtschaftmeldungen, Sportvorbericht. 19.00 Westdeutsche Wochenschau. 19.30 Musik auf Schallplatten. 19.45 Europameisterschaften im Schwimmen. 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.15 Am Cembalo(Solostücke und Lieder), 21.00 Besinnliche Stunde. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.30 Unterhaltungskonzert auf Schallplatten. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke, Schwagtg. R. Verantwortlich für den gesamten Texl#### Heinz Friedrich Kamecke. Schwerte=R. Für den Anzeigenteil: Hans Linner. Schwerte=R. D. A. VII. /34. 1700. gestern abend) eine„Fahrt ins Grüne". Das ausgezeichnete Manuskript dieses ganz auf Optimismus basierenden Filmwerkes schrieb Franz Rauch, und die flotte Musik mit dem Ausflugsmarsch„Wir fahren heut' ins Grüne“, mit Foxtrott= und Tango=Liedern schuf Robert Küssel. Der Regisseur Obal hat diese„Fahrt ins Grüne“ zu einer Fahrt ins Glück gestaltet, und an dieser Fahrt nimmt teil Hermann Thimig, der den Robert Fink wahrhaft verkörpert. Es handelt sich hier um einen Zeitgenossen, dessen Unternehmen zusammenbricht, der über Nacht zum Bettler wird und dessen großes Erlebnis die Rückkehr zur Arbeit und Natur wird. Die liebe reizende Schwester eines Autoschlossers, dargestellt durch Lien Deyers, gibt ihm ein neues Zuhause. Ein echter Berliner, ein Mann, der das Herz auf den richtigen Fleck hat, ist der Bruder dieses Mädchens, der sich Willy Krause nennt und in Fritz Kampers seine herzerfrischende Verkörperung findet. Wundervoll ist die Gründung der Hühnerfarm inszeniert. Alle Tierfreunde müssen an diesen Hühnern, die nach Musik am laufenden Band die größten Eier der Welt legen, ihre Freude haben. Die Hühner und Küken zählen nach Tausenden und alle sind schneeweiß. Ein besonderes Lob verdient noch Hans Richter, den wir vom Film„Hitlerjunge Quex“ her kennen, er spielt hier den Bootsjungen Maxe, und zeigt sich wieder als ausgezeichneter Charakterdar= steller. Eine elegant raffinierte Frau gibt Berthe Ostyn in der Rolle der Lilo. Der Bund für das Leben wird mitten im glitzernden See geschlossen. Und wenn auch der Schluß ein wenig kitschig ist, so haben alle Natur=, Segel= und Wassersportfreunde auch an diesem Ausgang ihre Freude. Die„Fahrt ins Grüne“ ist ein Film, den man in seiner Tendenz 100prozentig gut heißen kann und der das Herz aller erfreuen muß. ecke. Gottesdienst Ordnung Aus der evol. Gemeinde Schwerte Evangelische Gottesdienste. Johanniskirche: 8 Uhr P. Hagemann. 9,30 Uhr P. Kleinemeyer. Donnerstag 8,30 Uhr Bibelstunde. Evangl. Krankenhaus: 8,30 Uhr P. Kleinemeyer. Geisecke=Lichtendorf: 9,30 Uhr P. Hagemann. Evangelisches Jungmännerwerk, Schwerte. Sonntag 8 Uhr Singeabend.— Donnerstag 8 Uhr Posaunenchor.— Freitag 8,30 Uhr Bibelabend. Vereine der Frauenhülfe. Donnerstag 3 Uhr Frauenhilfe 2. Stadtbezirk,(Pfr. Kleinemeyer) im Gemeindehause. Jungmädchenwerk. b) Schwerterheide: Mittwoch 8 Uhr Jugendschar. c) Villigst: Dienstag 8 Uhr Jugendschar. Evangl. Stadtmission Schwerte, Kuhstr. 7. Sonntag 8 Uhr früh, Blaukreuzstunde.— 11 Uhr Sonntagsschule.— 4 Uhr Bibelstunde. — Mittwoch 8 Uhr abends Gebetsstunde.— Freitag 8 Uhr Blaukreuzverein. Kirchensteuertermin bis zum 15. August auf dem Gemeindeamt, Gr. Marktstr.; für den Bezirk Geisecke=Lichtendorf am Montag, dem 13. August nachmittags von 2,30—3 Uhr in der Bahnhofswirtschaft und von 4—4,30 in der Wirtschaft Wiemhoff; für den Bezirk Sommerberg=Höchsten am Dienstag, dem 14. August, nachmittags von 2,30—3 Uhr in der Wirtschaft Prein und von 4—4,30 Uhr in der Wirtschaft Eisenberg. Jungmütterkreise. Bei gutem Wetter machen die Jungmütterkreise wieder in der kommenden Woche nachmittags Spaziergänge mit den Kindern. Dann fallen die Zusammenkünfte abends aus. Näheres über Treffpunkt, Ziel usw. bei den Leiterinnen. Getauft: Anneliese Emma Groenmann; Hildegard Matuszewski. Getraut: Klempner und Installateur Friedrich Dörmann und Luise Hildegard Wiemhoff. Gestorben: Witwe Henriette Imberg; Friedrich Fischer; Wilhelm Petersmann; Luise Renzing, Witwe; Ehefrau Mathilde Niederschulte. Aus der kath. Gemeinde Schwerte Katholische Gottesdienste. Schwerte. Sonntag, 12. August. 12. Sonntag nach Pfingsten. 6 Uhr: Stille hl. Messe. 7,15 Uhr: Frühmesse mit Predigt; gem. hl. Kommunion der Jungmänner. 8,30 Uhr: Schulmesse mit Predigt; gem. hl. Kommunion der Kinder des 5. Schuljahres. 9,45 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11,15 Uhr: Letzte hl. Messe mit Predigt. 2,30 Uhr: Andacht für die Kinder. 8 Uhr: Andacht für die Erwachsenen. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 8,15 Uhr mit Predigt. (Diese hl. Messe ist nur für Kranke und Schwache und für die Angestellten des Krankenhauses.) 4,30 Uhr: Andacht. An den Werktagen sind die hl. Messen um 6,30, 7,10 und 7,45 Uhr. Jeden Mittwoch ist in der Krankenhauskapelle Andacht zu Ehren des hl. Josef um 4,30 Uhr. Krankenwoche hat Vikar Münzner, Haselackstraße 16. Jungmänner=Verein. Sonntag, den 12. August(2. Sonntag im Monat), haben wir unsere gem. hl. Kommunion. Montag: Heimabend der 2. Sturmschargruppe. Donnerstag: Heimabend der gesamten Vereinsmitglieder. Freitag: Heimabend der 1. Sturmschargruppe. Lichtendorf— Sölderholz. Sonntag, 12. August. 12. Sonntag nach Pfingsten. 7.30 Uhr: Frühmesse mit Predigt und gem. hl. Kommunion der Knaben und Jungmänner. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt, danach Segensandacht. Mütterverein. Unsere Wallfahrt nach Neviges findet nunmehr bestimmt am 16. August statt. Am Mittwoch ist nachmittags von 6—7 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. In Neviges ist auf dem Marienberg um 9,30 Uhr hl. Messe. Um 14 Uhr ist auf dem Kreuzberg Kreuzwegandacht mit Predigt. Um 16 Uhr ist Sturmandacht mit sakramentalem Segen. Wir beschließen unsere Wallfahrt in unserer Kirche mit Gebet und Segen. Auf Wunsch wird auch vor der Abfahrt von hier die hl. Kommunion ausgeteilt. Auf Schusters Rappen durchs Sauerland Eine 4 tägige Ferienfahrt durchs Oberbergische bis zur Lenne. Wir wollen zu Land ausfahren, Ueber die Fluren weit, Aufwärts zu den klaren Gipfeln der Einsamkeit. Kutzleb. Ein Haltepunkt an der Volmetalbahn HagenMeinerzhagen heißt Bollwerk. Er liegt 290 Meter hoch. Dort setzen wir unseren Wanderstecken auf, um einen Vorstoß ins Oberbergische Land zu machen. Schon nach 25 Minuten sind wir auf Hwstr. 9 am Gehöft Berkenbaum(westlich der Volme) auf 360 Meter Höhe gelangt. Hier kreuzen wir Hwstr. 20, mit der wir 25 Minuten durch Wald, immer fast auf gleicher Höhe verbelibend, nach Herlinghausen kommen. Nach weiteren 40 Minuten durch Wald sind wir wieder im Volmetal, und zwar bei den Höfen Sankel(325 m). Am Westhang der Volme verläuft unsere Wanderstrecke in ½ Stunde zum Bahnhof Kierspe, weiter in ¼ Stunde ein wenig GKC aufwärts nach Schnornbach, um hier in 20 Min. auf 435 m empor zu steigen. Diese Höhe wird bei den Höfen von Hahnenbecke erreicht. Die alte Landstraße führt uns endlich in 10 Minuten nach Meinerzhagen(408 m) hinab. Am Westausgang des Ortes suchen wir an der Siegener Landstraße den Beginn der Hwstr. 19. Sie bringt uns hinter Buttmicke(20 Minuten) ein kurzes Stück durchs Aggertal, dann an Bading= hagen und Kroplenberg(420 Meter; 25 Min.) weiter Drieberhausen vorüber nach Lieberhausen(380 Meter, 40 Minuten). Letztgenannte beiden Orte liegen bereits im Oberbergischen. Dann gehts durch Feld und Wald weiter über die Gehöfte Rosental und Rosentalseifen in 25 Minuten nach Niederrengse(326 m) im Rengsetal, nun etwas bergan zum Beulberg(440 m, 25 Minuten), um südlich davon wieder hinab zu gleiten. Nach ½ Stunde sind wir in Bockemühl schon wieder auf 260 m angelangt. Gleich dahinter, nur 5 Minuten entfernt liegt der Bahnhof Wiedenest, 250 m(der kleine Ort selbst liegt 8 Minuten südwestlich). Hier rasten wir. Am 2. Tag bleiben wir nur die ersten 20 Min. auf Hwstr. 19. In Höhe von 349 m erreichen wir auf dem Kamm Hwstr. 3, die uns über Brücher, Velmicke und Benolpe in 1¾ Stunden nach Drolsagen(345 m) bringt. Auch das nächste Stück ist ebensowenig anstrengend. In 1½ Stunden sind wir über Berlinghausen und Höhe 385 in der Kreisstadt Olpe, 330 m angelangt. In der freundlichen Lindenstadt wechseln wir zum anderen Male die Nummer unseres Wanderweges. Am Marktplatz sehen wir das Andreaskreuz mit der Zahl 8. Nach ¾ stündiger schöner Landstraße bis vor Griesemert folgt ein Fußpfad durch Wald und Hauberge, bis wir nach 1 Stunde am Roten Stein 580 m hoch stehen. ¼ Std. dahinter stoßen wir auf Hwstr. 24. Da uns diese lockt, biegen wir auf sie links über und gelangen schon nach 20 Min. zum Gehöft Neuenwald, 480 m. nach weiteren ¼4 Std. bis nahe dem Hause Hofkühl, 525m. Von hier gehts dauernd bergab. Ein knappes Stündchen, und wir sind in der einstigen Hansastadt Attendorn an der Bigge, 255 m. Schon die gewaltige Tropfsteinhöle lädt uns zu einer längeren Rast ein. Als 6. Hauptwanderstrecke wählen wir am dritten Tag zuerst Haiuntwanderstrecke 6 entlang dem sehenswerten Schloß Schnellenberg(1½ Std.) auf schönem Waldweg aufwärts zum Heldener Kreuz(420 m), 20 Minuten, dann in 20 Minuten hinab nach Helden und durch Flur und prächtigen Wald über Höhe 487 zum Schloß Bilstein(340 m, 1¼ Std.), 40 m unter der Jugendburg liegt die bekannte Sommerfrische im Veischedetal. Um zur 584 m hohen Hohen Bracht zu gelangen, müssen wir gut % Std. lang steigen. Aber die Rundsicht vom Aussichtsturm lohnt die gehabte Mühe. Was gibt es hier oben nicht alles vom herrlichen Sauerland zu schauen! Haben wir uns daran satt gesehen, wandern wir auf Hwstr. 8 links über den Rüberg und die Bonschlade, dann die Hohe Schlade in 80 Min. hinab nach Maumke, 277 m. 20 Min. darauf überqueren wir die Lenne und sind in Meggen angekommen. Hier biegen wir am rechten Lennehang langsam nach Hachen auswärts(375 m, 40 Min.), um weiter in 25 Min. das im Tal des gleichnamigen Baches gelegene Dörflein Elspe(270 m), zu erreichen. Durchs freundliche Salmecketal hinauf steigen wir in ½ Std. zur Stationshöhe, 405 m, durchqueren nach 10 Min. das Gehöft OberMelmecke in einer kleinen Senke und stehen nach weiteren 10 Min. auf dem Raizebeil fast 400 m hoch. Hier wechseln wir schon wieder mal die Hwstr. Uns ziehts diesmal auf 25 westwärts. Auf dem Aussichtsreichen Höhenrücken queren wir nach 50 Min. die Ortschaft Weringhausen, stehen nach 35 Min. am luftig gelegenen Sportplatz von Finnentrop, und nach weiteren 20 Minuten setzen wir im Lennedörflein Finnentrop(230 m) unsere Hacke unter den Tisch, um zu übernachten. Auf Hwstr. 5 klettern wir mit neuem Mut am Morgen des 4. Tages jenseits der Lenne zu dem Gehöft„Auf dem Berge“. 440 m, empor, bestaunen die schöne Aussicht von hier und wandern dann über die schöne Aussicht von hier und wandern dann über den Markberg (571 m) in ½ Std. zum 584 m hohen Heiligenstuhl. Solch feine Rundblicke wie von diesem Sauerlandgipfel gibt es sobald nicht wieder, darum schauen wir uns hier in aller Ruhe um. ¼ Stunde dahinter liegt das Gehöft Bärenberg nur noch 500 m hoch, während das nach ½ stündigem Waldweg folgende Gehöft Bracht schon weitere 120 m tiefer liegt. Nach weiteren 35 Min. stehen wir in der Stadt Plettenberg(225 m). Auf der anderen Seite des Elsebachs gehts dann auf schönem Waldweg in ½ Std. aufwärts zum Schellhagen, 445 m, 10 Minuten weiter liegt der Hexentanzplatz und nach abermals 10 Minuten das Schäferplätzchen.(Welch idyllische Plätzchen gibts doch auch im Sauerland!) Aber das Schönste hinter Plettenberg ist die Hohe Molmert(575 m, 20 Min.), deren Gipfel nun folgt. Auch von ihr genießen wir hervorragend schöne Ausblicke. 50 Minuten hinter diesem Berg stoßen wir im Walde auf die Kreuzung mit der Hwstr. 12, 510 Meter. Wir halten uns zum guten Ende an sie und fallen mit ihr in 25 Minuten zum Gehöft Grimminghausen, 401 m. Nach 40 Minuten sehen wir uns in den wenigen Ueberresten des einstigen Rittergutes Pungelscheid um, aus dessen Geschlecht der berühmte König Theodor I. von Corsika stammte. Waren wir hier schon nur noch 330 m hoch, so fällt auch der Rest des Weges, 50 Minuten, bis Werdohl, 185 m, noch weiter. Hier im schönen Lennetal beenden wir unsere abwechselungsreiche Sauerlandwanderung. Wir lernten Teilstücke von 10 Hauptwanderstrecken kennen, benötigten dazu aber nur die Blätter 1 Hagen, 6 Lüdenscheid, 7 Attendorn, 8 Schmallenberg und auf kurzer Strecke noch 2 Iserlohn der Sauerlandkarte 1:50000 des Sauerland=Verlages zu Iserlohn. Ein Roman aus den Kampffahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 97. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Was da über„Selbsthilfe“ steht, damit ist doch gemeint: Schlagt Stüwen tot!“ „Die Warnung der Roten ist das Eingeständnis ihrer eigenen Schwäche.“ Stüwen nimmt ein anderes Blatt zur Hand und liest laut vor:„Die Nazis verkehren dauernd im Hökerladen dieses Kloakenblattes. Sie ziehen sich sogar zu internen Besprechungen mit dem Herrn Redakteur ins Allerheiligste zurück. Aus Furcht vor der erneuten Beschlagnahme des„Wächters“ hält man immer nur eine kleine Menge in der Geschäftsstelle vorrätig. Der Keller dient als Vorratskammer...“ „Obacht, Stüwen!" fährt Brinkmann dazwischen und schlägt mit der Faust auf den Tisch,„danach haben wir einen Spitzel im Bau, einen Verräter, einen Schuft..!“ „Allerdings muß man mißtrauisch werden", sagt Stüwen mit erzwungener Ruhe,„denn woher soll das Haupt= und Magenblatt des PoUzeipräsidenten es wissen, daß wir die für den den Handel bestimmten Exemplare vorübergehend im Keller verstaut haben?“ „Ob einer von unseren Werbern nicht dicht hält?“ fragt Brinkmann. „Teufelsmann“, ruft Stüwen,„was meinen Sie?“ „Mir ist nichts aufgefallen,“ antwortet er ünsicher.„Aber es ist schon möglich, daß ein Werber von uns——“ „Haben Sie vielleicht jemand im Verdacht, Teufelsmann?“ fragt Stüwen. „Das nicht, aber man kann nie wissen, nicht wahr——“. Da erhebt Stüwen seine Stimme:„Wenn wir den Verräter rausbekommen! Der soll Zeit seines Lebens am Pranger stehen!" „Hören Sie mal, welche Töne Moskau schalmeit!" ruft Brinkmann.„Der HakenkreuzWächter muß öffentlich gestäupt werden. Nur auf diese Weise kann die verderbliche Reportage dieser Sumpfblüte wirksam bekämpft werden. Dem Proletariat aber erwächst die Pflicht, bei der Bekämpfung selbst aktiv mitzuwirken und die Zeitung des werktätigen Volkes, die Teutowalder„Rote Tribüne“, zu bestellen. Ein solcher Kampf führt zum Ziel—-—-“ Das Telefon läutet. Stüwen nimmt selbst den Hörer von der Gabel.„Hier die Redaktion des„Wächters“. „Hier Springmann und Söhne. Ist es Tatache, daß Katzur Selbstmord verübt hat?“ „Jawohl!“ „So——, es handelt sich um den Wagen, den Katzur von uns gekauft hat. Der Bugatti ist nämlich noch nicht bezahlt.“ „Dann lassen Sie doch den Wagen sofort sicherstellen“. „Es ist für uns ein Schaden——“ „Mag sein, aber ich bin kein Gerichtsvollzieher, Herr Springmann“. Kaum hat Stüwen den Hörer aufgelegt, da schrillt es wieder. „Hallo! Herr Redakteur, sind Sie da?“ „Wer ist denn dort?“ fragt Stüwen. „Die Brüder der roten Hand—— Sie werden umgelegt, Sie Mörder!“ „Feiglinge Ihr!“ schmettert Stüwen in die Muschel und wirft den Hörer auf die Gabel. „Wer war denn da dran?“ fragt Brinkmann. „Die Selbsthilfe, was weiß ich“ antwortet Stüwen und geht in sein Redaktionszimmer. „Nicht klein kriegen lassen, Stüwen!“ ruft ihm Brinkmann nach. Kurz vor der Mittagspause meldet die Sekretärin, ein Fräulein Venner aus Ossenbrügge sei da. Eine hochgewachsene Blondine von vielleicht fünfundzwanzig Jahren tritt ein. Eine starke Erregung ist ihr sofort anzumerken. Unter den großen, bekümmert drein blickenden Augen hat sie blaue Schatten. Als Stüwen nach ihrem Begehr fragt, bricht sie in Schluchzen aus. „Aber was haben Sie denn nur, liebes Fräulein?" Der Ton seiner Frage ist dringlich. Da bricht es wild aus dem Mädchen hervor: „Mein Bräutigam, Willy Katzur, hat sich ein Leid angetan— und das hat wohl so sein müssen, aber Herr Redakteur, der Tote—— lebt weiter in mir... Mit jäher Bewegung fährt Stüwen auf: „Mein Gott—“ „Ich hab' nichts gewußt von dem, was da über ihn in der Zeitung steht... Katzur hat gesagt, im nächsten Frühjahr heiraten wir—“ Sie zögert voller Scham und fährt dann leise fort:„Da bin ich ihm zu willen gewesen—— Er hat mir auch eine Stelle besorgt... Du sollst den feinen Haushalt lernen, hat er gesagt, und da hat er mich zum ersten Oktober bei Frau Generaldirektor Meding untergebracht...“ „Bei Frau Meding?“ fragt Stüwen erstaunt. „Ja, kennen Sie meine Herrschaft?“ „Nur flüchtig", antwortet Stüwen. „Wenn es mit mir soweit ist, das arme Wurm...“ Ein Zittern durchläuft ihren Körper. „Wollen Sie denn das Kind eines Kranken——?“ flüstert Stüwen; aber er wagt es nicht, auszusprechen, was er denkt. „Sie meinen, ich soll——“ Errötend bricht sie ab. „Wann ist es denn geschehen?“ „Im September, meine ich“, stammelt sie und zieht den Kopf ein. „Das Kind wird nicht gesund zur Welt kommen—— Es rächen sich die Sünden der Väter... Fräulein Venner, sind Sie denn überhaupt gesund geblieben?“ Sie zuckt die Achseln und schweigt. „Sie müssen zum Arzt gehen“, sagt er leise und voller Anteilnahme. „Können Sie mir denn nicht helfen?“ fragt sie nach einer Pause zögernd. „Aber liebes Fräulein, wie soll ich das?“ „Dann mach' ich vorher Schluß... Ich geh' ins Wasser...“, sagt sie mit zitternden Lippen. „Aber Sie trifft doch keine Schuld! Man wirft doch nicht das Leben weg, als sei es ein altes Kleid, das einem nicht mehr paßt.“ „Sie haben leicht reden, Herr Redakteur“ „Ich will nicht in Sie dringen, aber haben Sie denn Katzur geliebt?“ „Davon weiß ich nichts zu sagen... Aber wenn er mich so beredete, mit schönen Worten, wenn er mir das süße Zeug zu trinken gab, schwanden mir die Sinne, da war mir alles gleich——“ „Hat Katzur denn auch Ihnen einen Abschiedsbrief geschrieben?“ „Heute morgen war noch keiner da“. Sie seufzt tief, als ob ein schwerer Druck auf ihr laste. Stüwen beugt sich vor. Seine Hände machen eine ermunternde Geste.„Kopf hoch und Ohren steif! Ich will sehen, was ich für Sie tun kann, Fräulein Venner——“ Sie schaut ihn mit großem Blick an und schüttelt leicht den Kopf.„Ich bin wohl überflüssig auf der Welt“ „Sie dürfen sich die Geschichte nicht so sehr zu Herzen nehmen", versucht Stüwen sie zu trösten. „Ja, wenn mein Kind nicht wäre.“ „Vielleicht ist es nur Einbildung—.—“ „Nein, nein, mir ist nicht mehr zu helfen, aber ich wollke es Ihnen nur sagen, wo nun Katzurs Verbrechen in der Zeitung steht.“ Fortsetzung folgt. A 100 Ses bcheer Grabmäler der Jamilie Hindenburg im Paderborner Dom Paderborn. Im Dom zu Paderborn befindet sich nach einem Bericht des„Westfälischen Volksblatts“ an der Ostwand der Sakramentskapelle ein künstlerisch wertvolles Grabdenkmal von zwei Brüdern aus der Familie Hindenburg, die dem Paderborner Domkapitel angehörten. Aus der lateinischen Inschrift entnehmen wir, daß Moritz Franz Adam von Asseburg=Hindenburg am 21. 9. 1664 geboren wurde und am 14. 10. 1712 starb. Ignaz Anton Friedrich von Asseburg= Hindenburg wurde geboren am 22. 12 1675 und starb am 18. 9. 1733. Die weitere Inschrift lautet in deutscher Uebersetzung:„Lebst du, hochwürdigster Herr, nur hier im marmornen Denkmal? Nein, im Himmel dort oben lebst du auf ewig; denn ein frommer Verehrer des dreieinigen Gottes warst du hinieden und Schützling der Jungfrau Maria“. Und:„Leibliche Brüder, an Frömmigkeit gleich, bedeckt dieser Grabstein; beide hat auch der gütige Gott auf ewig im Himmel vereint.“ 14 Jahre Zuchthaus für einen Räuber Detmold. Die Detmolder Erste Ferienstrafkammer verhandelte gegen den 30jährigen Anton Polney, der am 1. Dezember 1933 in Bad Pyrmont und acht Tage später in Bad Salzuflen zwei schwere Raubüberfälle verübt hatte. Beide Male drang Polney maskiert in Häuser, die von alleinstehenden älteren Frauen bewohnt wurden, ein, überfiel die Wohnungsinhaberinnen und fesselte sie, um dann die Räumlichkeiten auszuplündern. Auch in der Folgezeit verübte er in verschiedenen Orten fünf schwere Einbruchsdiebstähle und suchte dann in Lippe, Hannover, Westfalen, Braunschweig und Thüringen Landgeistliche auf, von denen er sich in raffiniertester Weise Geld erschwindelte. Schließlich wurde er gefaßt und nach Detmold transportiert. Da Polney bereits mehrfach vorbestraft ist, verurteilte das Gericht ihn zu 14 Jahren Zuchthaus, 300 Mark Geldstrafe bezw. ersatzweise zu weiteren drei Monaten Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Sicherungsverwahrung. Nach Verkündung des Urteils schrie der Angeklagte in den Saal:„Das merken Sie sich, meine Herren, dies Wahnsinnsurteil nehme ich niemals an!“ Tragischer Tod eines Knaben Detmold. Auf eigenartige Weise kam beim Baden im Post=Teich der 9jährige Schüler Huvendieck aus Pivitzheide ums Leben. Der Knabe versank beim Baden, ohne daß es von anderen bemerkt wurde. Erst als die letzten Badegäste das Wasser verließen, fand man die Kleidung des Jungen, worauf sofort der Teich abgesucht wurde. Hierbei barg man den Knaben als Leiche. Es wurde festgestellt, daß sich beim Schwimmen die Badehose gelöst und dem Jungen auf die Füße gefallen war, wo sie wie eine Fessel wirkte und das bedauernswerte Kind in die Tiefe zog. Tod in der Jauchegrube Herford. Auf dem Hofe eines Anwohners Vorm Holzschlinge fand man den eineinhalbjährigen Sohn als Leiche in der Jauchegrube auf. Die sonst mit einem eisernen Deckel versehene Grube stand offen, da sie vor einigen Tagen entleert worden war. Durch die Fahrlässigkeit, daß man die Grube nicht wieder verschloß, hat das Kind seinen Tod gefunden. Vor den Augen der Mutter totgefahren Rinteln. Auf der Straße Rinteln=Hameln ereignete sich unweit Engern ein gräßlicher Unglücksfall. Die Frau des Arbeiters Buddensiek führte auf ihrem Fahrrad ihr dreijähriges Töchterchen mit sich. Ein Trecker überholte sie und dabei streifte der Anhänger ihre Lenkstange. Frau Buddensiek kam zu Fall und mußte zusehen, wie ihr Kind, das vor die Räder gefallen war, zermalmt wurde. Ein Jahr Gefängnis und 100 000 nm. Geldstrafe Jüdischer Rechtsanwalt wegen Reichsfluchtsteuerhinterziehung vor Gericht Hamm. Vor dem Hammer Schöffengericht hatte sich der frühere in Hamm ansässige Rechtsanwalt und Notar Dr. Griesbach wegen Reichsfluchtsteuerhinterziehung zu verantworten. Gemäß§ 9 der Reichsfluchtsteuerverordnung und § 2276 der allgemeinen Prozeßvorschriften wurde gegen ihn in Abwesenheit verhandelt, da er trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen war. Dr. Griesbach hat Ende vorigen Jahres seinen inländischen Wohnsitz aufgegeben und befindet sich in Frankreich. Der Reichsfluchtsteuerbescheid wurde ihm durch Anzeige im Reichsanzeiger zugestellt, in der er zur Zahlung von 79.038 RM. Reichsfluchtsteuer(¼ des zuletzt veranlagten Gesamtvermögens) aufgefordert wurde. Die Frist betrug zwei Monate. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, daß ein Strafverfahren gegen ihn anhängig gemacht werde, wenn er in dieser die Steuer nicht entrichtet oder nicht den Nachweis erbringe, daß er seinen Aufenthalt wieder im Inland genommen habe. Beides geschah nicht. Da wurde ein Steuersteckbrief gegen ihn erlassen und das Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Die Einlassungsfrist wurde durch Aushang an der Gerichtstafel bekannt gemacht und Gesundheitszustand der Jugend der Westsultschen Inrustete Dortmund. Wie das vom Landeshauptmann der Provinz Westfalen herausgegebene Mitteilungsblatt„Westfälische Wohlfahrtspflege" berichtet, ist nach den beim Landesfürsorgeverband Westfalen vorliegenden Berichten von Gemeindeverbänden und einzelnen Heimleitungen in einer Reihe von Bezirken der Gesundheitszustand der Kinder mehr als zu einem Drittel als unterentwickelt zu bezeichnen, während er sich in anderen Industriekreisen etwas günstiger darstellt. Besonders ungünstig liegen u. a. die Verhältnisse in der Gemeinde Datteln, Landkreis Reckling= hausen. Dort wurden nach dem Bericht des Kreiskommunalarztes von den vorhandenen 3600 Schulkindern insgesamt 33,4 Prozent als schlecht ernährt festgestellt, während im Jahre 1927 nur 9,3 Prozent als unterernährt ermittelt wurden. Es bleibt allerdings zu berücksichtigen, daß von den 20 992 Einwohnern zur Zeit der lungen 5956 Personen unterstützungsberechtigt waren.. Gz7, V. stam Ai. 9. Ein gleich ungünstiges Bild bieten die Zahlen der in der Industriestadt Schwerte, Landkreis Iserlohn, vor der Einschulung untersuchten Lernanfänger. Danach wurden von den Knaben 42,6 Prozent, von den Mädchen 24,1 Prozent als „unter dem Durchschnitt des allgemeinen Kräftezustandes" bezeichnet. In den späteren Schuljahren ergab sich allerdings ein günstigeres Ergebnis. So lag der Kräftezustand unter dem Durchschnitt im 5. Schuljahr bei Knaben mit 21,5 Prozent, bei Mädchen mit 10,9 Prozent, im 8. Schuljahr bei Knaben mit 13,8 Prozent, bei Mädchen mit 10,8 Prozent. Die Ausführungen in diesem Bericht lassen im übrigen erkennen, daß der Gesundheitszustand in den Jahren 1930 bis 1932 konstant, der Abstieg für die Jahre 1933 und 1934 gegenüber den Vorjahren aber so deutlich ist, daß man unbedingt von einer erheblichen Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes sprechen kann. Es wird hieraus gefolgert, daß erst die letzten Jahre die Einwirkung des Nahrungsmangels, sei es nun quantitativer oder qualitativer Art, zur Auswirkung gebracht haben und als minderen Ernährungsund Kräftezustand beim Kinde in Erscheinung treten lassen.... Etahas###. Andererseits zeigt eine Staristir der Stadt Dortmund, daß die Zahl der unterentwickelten Schulentlassenen im Jahre 1932 insgesamt 17 Prozent mit 5,8 Prozent als„ausgesprochen Unterernährte" betrug, hingegen im Jahre 1933 nur noch 16 Prozent mit nur 1,3 Prozent ausgesprochen Unterernährten. Ein genauer Vergleich bezüglich der untersuchten Lernanfänger läßt sich leider nicht ziehen, da in den letzten Jahren nicht mehr alle Lernanfänger untersucht wurden. Bei den untersuchten Kindern blieb die Zahl der Unterentwickelten im Jahre 1932 und im Jahre 1933 mit 15,3 Prozent bezw. 15 Prozent fast auf gleicher Höhe; sie erfuhr allerdings im Jahre 1934 eine Zunahme auf 17,6 Prozent. Die Zahl der ausgesprochen unterernährten Kinder ging von 3,9 Prozent 1932 auf 1,9 Prozent im Jahre 1933 zurück, erreichte aber bei der geringeren untersuchten Schülerzahl im Jahre 1934 wieder die Höhe von 3,3 Prozent. Sehr beachtlich sind auch die in Dortmund festgestellten Zahlen betreffend Tuberkuloseinfektion, die vielfach auf den schlechten nährungszustand zurückzuführen sind. Demnach wurden als tuberkulosinfizierte im Jahre 1923= 26 Proz. der untersuchten Kinder festgestellt, im Jahre 1932= 8 Proz., im Jahre 1933= 13,7 Proz. und im Jahre 1934= 12,4 Proz. Ebenso zeigt der Bericht von Datteln, daß auch dort die Tuberkulose in den letzten Jahren wieder zunimmt. Die Tuberkulosesterblichkeit ist von 12,4 auf 10 000 Personen im Jahre 1920, von 8,6 im Jahre 1928, von 7,8 im Jahre 1930, von 5,4 im Jahre 1932, auf 11,7 im Jahre 1933 gestiegen. Der Bericht hebt ausdrücklich hervor, daß diese Tuberkulosesterblichkeit, die weit über dem Durchschnitt liege, nur darauf beruhe, daß ein großer Teil der Bevölkerung leider nicht in der Lage sei, sich fett= und eiweißreiche Nahrung in ausreichender Menge zu beschaffen. Der Bericht des leitenden Arztes eines Kindergenesungsheimes an der Nordsee, das schließlich von Kindern aus Westfalen beschickt wird, zeigt bezüglich der Unterernährung ein gleich trübes Bild. Danach waren von den entsandten Kindern während der ermittelten Kuren über 50 Prozent Mädchen unterernährt. Knaben sogar über 60 Prozent. Bei einer Sonderuntersuchung von Kindern aus den Städten Wanne und Wattenscheid und dem Amte BockumHövel mußte sogar festgestellt werden, daß nur 37 Prozent Mädchen und 36 Prozent Knaben als„normal ernährt“ zu bezeichnen waren. In letzter Zeit zeigt sich in manchen Orten eine Zunahme der Erkrankungshäufigkeit der Kinder. Ob dieses auf die Minderung des Kräftezustandes zurückzuführen ist, kann mit unbedingter Sicherheit nicht behauptet werden. Es ist aber wahrscheinlich. Besonders zu denken gibt der Umstand, daß leider in mehreren großen Bezirken des westfälischen Industriegebietes sich immer hartnäckigere Diphtherieepidemien zeigen. Es liegt nahe, anzunehmen, daß wenigstens ein Teil der Schuld an dem hartnäckigen Charakter dieser Epidemien dem Nachlassen Widerstandskraft der jungen menschlichen Körper infolge der Unterernährung zuzuschieben ist. die Handwerksrolle eingetragen sind, eine Auf forderung zur sofortigen Anmeldung der Bedarfs= und Antragsvordrucke versandt worden seien. Firmen(Kleinverarbeiter), die keine Aufforderung erhalten haben und bei denen der Monatsverbrauch die angegebene Grenze nicht übersteigt, werden aufgefordert, sich sofort an die Südwestfälische Industrie= und Handelskammer zu Hagen, Metallüberwachung, Hagen, Bahnhofstraße 18, zu wenden. Anmeldetermin ist der 11. August. Wohlfahrtsunterstützungen veruntreut Bochum. Von der Strafkammer wurde Alfred Paul aus Herne wegen schwerer Amtsunterschlagung unter Zubilligung mildernder Umstände zu zehn Monaten Gefängnis und zur Aberkennung des Rechts der Bekleidung eines öffentlichen Amtes verurteilt. Der Staatsanwalt hatte eineinhalb Jahre Zuchthaus beantragt. Paul unterschlug bei der Auszahlung der Wohlfahrtsunterstützungen in den Jahren 1933 und 1934 insgesamt über 900 Mark. nach dieser Frist die Anklage gegen Dr. Griesbach erhoben. 4 M4st, Lam Gnazm. Das Schöffengericht verurreitre den Angeklagten gemäß dem Antrag des Staatsanwalts zu einem Jahr Gefängnis und 100000 Mark Geldstrafe, ersatzweise für je 250 Mark einen Tag Gefängnis. In der Begründung wies der Vorsitzende darauf hin, daß der Angeklagte als Notar und Rechtsanwalt besonders gehalten gewesen sei, Bestimmungen und Gesetze zu beachten. Aus diesem Grunde käme auch die Mindeststrafe von drei Monaten nicht in Frage. moderne Landstreicherin Münster. Mit den Autos bereitwilliger Fahrer durchquerte Christine Hendriks das schöne deutsche Vaterland. Christine war überall, in Stuttgart, Mainz, Köln usw. Man sagte, sie ging von Hand zu Hand. Schließlich landete sie eines Tages in Telgte. Ihre Aussichten waren schlecht, da sie kein Geld besaß. Ihre Bitte bei einem Pater hatte Erfolg und sie erhielt eine Fahrkarte nach Oberhausen, wo ihre Eltern wohnten. Dem Schein nach trat sie vor den Augen des Paters die Fahrt nach Oberhausen an. Aber sie hatte schon Vorsorge getroffen und als sie in Münster die Bahn verließ, hatte sie eine Fahrkarte von Telgte nach Münster und die Karte des mitleidigen Paters blieb unbenutzt. In Münster fand Christine Anschluß. Am nächsten Tage fuhr sie schnell nach Telgte, wo sie ihren „Bräutigam“ zum Schalter vorschickte, damit er dort die Fahrkarte des Paters zu Geld mache. Aber der Pater hatte schon Vorkehrung getroffen, daß dieser Streich nicht glücken konnte. Er hatte die Karte sperren lassen und als er nun Nachricht von der versuchten Einlösung erhielt, erschien er sofort mit einem Landjäger am Bahnhof und ließ Christine festnehmen. Christine erregte mit ihrem leichtfertigen Lebenswandel bei Gericht in Münster kein Wohlgefallen und erhielt eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten wegen Betruges, den sie vorhatte auszuführen, und sechs Wochen Haft wegen Landstreichens. Christine weinte sehr, aber es half nichts, sie wurde sofort zur Strafverbüßung abgeführt. Zugehörigkeit von Nebenbetrieben von Lebensmittelgeschäften zum Reichsnährstand? Münster. Von verschiedenen Seiten aus dem Bezirk der Landesbauernschaft Westfalen treten Zweifel auf, ob sich Nebenbetriebe von Lebensmittelbetrieben zur Mitgliedschaft beim Reichsnährstand anmelden müßten. Es kann vorkommen, daß ein Lebensmittelhandelsgeschäft nebenher eine Schrotmühle oder Bäckerei oder Oelmühle usw. betreibt. Auch die Konsumvereine haben neben ihrem Handel mit Lebensmitteln häufig Schlächtereien oder Bäckereien bezw. Brotfabriken. Wenn eine solche Brotfabrik oder Schlächterei nur ein Teilbetrieb des Konsumvereins ist, genügt die Anmeldung der Mitgliedschaft des Konsumvereins, jedoch mit dem besonderen Hinweis auf die Unterhaltung einer Brotfabrik oder Schlächterei usw. Eröffnung der EmslandJugendherberge Meppen. In der herrlichen Heide= und landschaft des Emslandes, in Meppen, ist für Deutschlands wandernde Jugend ein Heim errichtet worden, das die schönste Jugendherberge des ganzen Gaues Weser=Ems darstellt. Mit Rücksicht auf die Landestrauer wurde das Haus mit einer stillen Feier eröffnet. Gaugeschäftsführer Segelken(Oldenburg) sprach zu der nationalsozialistischen Jugend und den Partei= und Behördenvertretern über die großen Schwierigkeiten, die bis zur Erstellung des Gebäudes überwunden werden mußten und drückte die Hoffnung aus, daß das Haus der deutschen Jugend frohe Stunden und Erholung für die Mühen des Alltags gewähren möge. Bedarfsanmeldung für unedle Metalle im südwestfälischen Bezirk Hagen. Die Südwestfälische Industrie= und Handelskammer zu Hagen teilt mit: Lieferungen von Blei, Kupfer, Nickel, Zink, Zinn Form von Rohmetall, raffiniertem Metall und Remelted=Metall sowie ihre Legierungen dürfen nur noch gegen Bedarfsbescheinigungen ausgeführt werden. Diese Vorschrift gilt nur für unverarbeitetes Metall(Barren, Blöcke, Kathoden, Platten usw.), nicht für gewalztes oder sonst bearbeitetes Metall. Kleinverbraucher haben ihren Bedarf bei der zuständigen Industrieund Handelskammer anzumelden. Die Südwestfälische Industrie= und Handelskammer zu Hagen teilt weiter mit, daß an alle Verarbeiter, die im Monat weniger als je 1000 Klgr. Blei=, Kupfer= oder Zinkinhalt oder je 50 Klgr. Rickeloder Zinninhalt verarbeiten, soweit sie nicht in Radfahrer ködlich verunglückt Duisburg=Hamborn. Das Opfer eines Verkehrsunfalls wurde in der Marientorstraße der Arbeiter Fritz Arenz aus Friemersheim, der mit seinem Fahrrad auf dem Wege zur Arbeitsstätte war. Bei dem Versuch, einem jugendlichen Radfahrer auszuweichen, geriet er in die Fahrbahn eines entgegenkommenden Motorradfahrers, dem es nicht mehr gelang, seine Maschine zum Halten zu bringen. Arenz stürzte vor das Motorrad und wurde am Kopf derart schwer verletzt, daß er einige Stunden später starb. Beim Spielen ertrunken Duisburg=Hamborn. Beim Spielen auf einem Holzfloß im Hochfelder Südhafen fiel das sechsjährige Söhnchen des Schiffers Zimmermann, der zurzeit mit seinem Schiff„Fortuna" dort vor Anker liegt, von dem Floß ins Wasser. Das Kind ertrank, ehe Hilfe gebracht werden konnte. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. 3jähriges Kind vom Zuge erfaßt und getötet.— Eine Mahnung an die Eltern Düsseldorf. Auf der Reichsbahnstrecke Düsseldorf=Eller bei Block Haardt kletterte ein dreijähriger Junge durch die geschlossene Bahnschranke und geriet auf den Bahnkörper. Im selben Augenblick brauste ein Personenzug heran, der das Kind überfuhr und tötete. Da die Schranke von einer entfernt gelegenen Stelle aus bedient wird. war es nicht möglich, das bedauernswerte Kind rechtzeitig vom Bahnkörper zu bringen. Sperrung von Durchgangsstraßen Düsseldorf. Die Regierungspressestelle teilt mit: Während der letzten 8 Tage ist vom Regierungspräsidenten in Düsseldorf folgende Sperrung genehmigt worden: Innerhalb der Durchgangsstraße Mülheim—Gelsenkirchen Bocholter Straße. Auf dem Abschnitt von der Jahnstraße bis Bergmühle in Essen=Bocholt. Umleitung durch die Jahnstraße, Germaniastraße, Bergmühle. Dauer der Sperrzeit 21 Tage. Schlageterforum-Wettbewerb Düsseldorf. Am 26. Mai d. I. wurde der Ideenwettbewerb für ein Schlageterforum in Düsseldorf ausgeschrieben, für den Geldpreise im Betrage von insgesamt 25000 RM. zur Verfügung gestellt wurden. Weiteste Kreise haben diesen Gedanken freudig aufgegriffen, so daß bereits heute zahlreiche Entwürfe vorliegen. Vielen Wünschen entsprechend ist die ursprünglich auf den 10. September festgelegte Einsendefrist nunmehr auf den 15. Oktober verlegt worden. Bis zu diesem Termin sind die Entwürfe im Kunstpalast Düsseldorf, Admiral=Scheer=Ufer 4, oder bei einer deutschen Postanstalt einzureichen. Die näheren Unterlagen des Wettbewerbes sind gegen Zahlung von 2 RM. von der Stadtverwaltung Düsseldorf, Amt 50, Burgplatz 2, Zimmer 56, erhältlich. Tödlicher Verkehrsunfall Krefeld. Donnerstag abend fuhr der Landwirt Kesselburg aus Helenenbrunn auf der Landstraße Viersen-Gladbach mit seinem Fahrrad in ein ihm entgegenkommendes Auto. Der Verunglückte trug bei dem Zusammenprall so schwere Verletzungen davon, daß er kurz nach der Einlieferung im Gladbacher Krankenhaus verschied. Freiherr von Schröder Bezirkswirtschaftsführer für das Rheinland Köln. Wie uns auf Anfrage mitgeteilt wird, ist der Präsident der Industrie= und Handelskammer Köln, Kurt Freiherr von Schröder, von dem mit der Führung der Geschäfte des Führers der Wirtschaft beauftragten Grafen von der Goltz zum Bezirkswirtschaftsführer für das Rheinland ernannt worden. Zehnjähriger als Lebensretter Wirges(Westerwald). Der 10jährige Schüler Zieger aus Wirges rettete seinen Mitschüler, den 12jährigen Theodor Schneider aus Wirges, unter eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens. Schneider hatte in dem Weiher einer stillgelegten Tongrube gebadet. Plötzlich muß er an eine tiefe Stelle gekommen sein, so daß er, des Schwimmens unkundig, versank. Auf die Hilferufe eilten seine Kameraden herbei, von denen Zieger den Ertrinkenden rettete. Hiattge Nirchengesche Verdrschider Deutsch-Evangelische Nationalsynode— Eröffnungsrede des Reichsbischofs Nach einem voraufgegangenen er Dreifaltigkeitskirche trat a Gottesdienst in de, zeus um Donnerstagnachmittag im Sitzungssaal des ehemaligen Preußischen Herrenhauses die Deutsche Evangelische Nationalsynode zu einer wichtigen Tagung zusammen. Reichsbischof Ludwig Müller eröffnete die Nationalsynode mit einem Gebet und einem Dankeswort an den heimgegangenen Reichspräsidenten von Hindenburg. Der Reichsbischof erklärte weiter, daß die gewaltige Aufgabe, vor der die Deutsche Evangelische Kirche stehe, dazu nötige, eine Grundlage für ihr äußeres irdisches Gewand zu schaffen. Diesem Zweck diene die Nationalsynode.„Wir müssen“, erklärte der Reichsbischof,„dem Führer für die Aufgaben der Zukunft eine wirklich geschlossene und starke evangelische Kirche bauen. Er hat sich zu uns bekannt, und er hat anerkannt, was bisher geschaffen ist, und hat seine Zustimmung zu dem gegeben, was werden soll. Die neue Geschäftsordnung der Nationalsynode:„Der Reichsbischof eröffnet, leitet und vertritt die Deutsche Evangelische Nationalsynode. Er vollzieht gemeinsam mit dem Reichswalter die Ausfertigung ihrer Beschlüsse", wurde ohne Aussprache genehmigt. Ministerialdirektor Jäger legte weiter in längeren Ausführungen dar, daß die Kirche an der Tatsache des deutschen Um= und Aufbruches nicht vorübergehen könne. Die Wandlungen im Leben unseres Volkes forderten mit innerer Notwendigkeit auch die Neuformung in der äußeren Gestaltung der evangelischen Kirche. Er ging dann ausführlich auf die Frage der Eingliederung der Landeskirchen ein. Er gab die Zusicherung, daß die volksverbundene Deutsche Evangelische Kirche nicht daran denke, die Wurzel ihrer Kraft dadurch zu zerstören, daß sie die Bedingungen einer wirklichen Entfaltung kirchlichen Lebens zerbreche. Nach längerer Aussprache wurden zunächst zwei wichtige Kirchengesetze angenommen. Das Kirchengesetz über die Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche und der Landeskirchen bestimmt im wesentlichen die kirchliche Gesetzgebung. Sie wird von der Deutschen Evangelischen Kirche allein ausgeübt. Soweit nur Bekenntnis und Kultus in Frage kommen, ordnen die Landeskirchen ihre Angelegenheiten selbst. Die Kirchengesetze der Deutschen Evangelischen Kirche und der Landeskirchen werden vom geistlichen Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche beschlossen. Das geistliche Ministerium kann die Nationalsynode, oder, wenn es sich um Kirchengesetze für die Landeskirchen handelt, die Landessynode beteiigen. zur Sicherung des Bekenntnisses beDas Kirchengesetz reformierten sagt u. a.: Ein Kirchengesetz gelisch=reformierten Hannover kann nur für das Gebiet der evanLandeskirche der Provinz auf Antrag, oder im sonstigen Einverständnis des Landeskirchenrates dieser Landeskirche erlassen werden. Soweit nur Bekenntnis und Kultus in Frage kommen, ordnet die Landeskirche ihre Angelegenheiten selbst. Macht das reformierte Mitglied im geistlichen Ministerium geltend, daß ein deutsches evangelisches Kirchengesetz nicht mit den Erfordernissen des reformierten Bekenntnisses im Einklang stehe, so ist das Gutachten der beratenden reformierten K Kammer der Deutschen Evangelischen Kirche maßgeblich einzuholen. Das Kirchengesetz ist alsdann dem geistigen Ministerium zur Beschlußfassung vorzulegen. Weiter gelangte zur Annahme das Kirchengesetz über den Diensteid der Geistlichen und der Beamten der Deutschen Evangelischen Kirche. Zustimmung fand ferner das Kirchengesetz über die Rechtmäßigkeit von gesetzlichen und Verwaltungsmaßnahmen, das u. a. bestimmt: Die gesetzlichen und Verwaltungsmaßnahmen, die der Reichsbischof oder das geistliche Ministerium oder der Reichsbischof als Landeobischof der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union bisher insbesondere zur Ordnung der Deutschen Evangelischen Kirche oder einzelner Landeskirchen und zur Regelung des Verhältnisses der Deutschen Evangelischen Kirche zu den Landeskirchen getroffen haben, werden in ihrer Rechtmäßigkeit bestätigt. Schließlich wurde noch das Kirchengesetz über die Beflaggung von Kirchen und kirchlichen Gebäuden verabschiedet. Die von der Reichskirchenleitung auf Grund eingehender theologischer Erörterung gemäß Anregung des Verfassungsausschusses vorgelegten beiden theologischen Denkschriften über Kirche und Bekenntnis und über das grundsätzliche Verhältnis von evangelischem Christentum und politischer Bewegung wurden von der Nationalsynode dankbar zur Kenntnis genommen in der Hoffnung, daß sie zur weiteren Klärung der theologischen und kirchlichen Lage beitragen werden. Aunster Feh wirder aie Feuge Der Prozeß gegen die neun Wiener Wachbeamten In dem Prozeß gegen die neun Wachleute, die *— an der Besetzung des Bundeskanzleramtes am 25. Juli teilnahmen, wurde Freitag vormittag unter allgemeiner Spannung Minister Fey vernommen. Die Vernehmung des Ministers, der in Zivil erschienen war, richtete sich ausschließlich auf die Frage, ob er einen der angeklagten Wachbeamten wiedererkenne. Fey erklärte, er könne sich der einzelnen Personen nicht genau erinnern, da damals im ganzen Hause große Verwirrung geherrscht habe. Tatsächlich sei er auf den Balkon geführt worden, um der Dolmetsch für Minister Neustädter=Stürmer zu sein. Hierbei seien einige Wachbeamte anwesend gewesen. Die Minister hätten eine zeitlang in einem Zimmer um einen Tisch herum gestanden, umgeben von Soldaten, die das Gewehr in Anschlag gehabt und den Revolver gezogen hätten. Ihm sei ferner erzählt worden, daß Wachleute dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß notdürftige Hilfe angedeihen ließen. Er wisse jedoch nicht, ob es sich hierbei um die Angeklagten gehandelt habe. In den Wiener Blättern wird erklärt, der Gerichtshof bemühe sich vor allem, das Dunkel, das noch immer über den Ereignissen des 25. Juli schwebe, zu erhellen und die wahren Verantwortlichen festzustellen. Vor allem suche man zu erfahren, wer die ganze Aktion inszeniert habe, die wie die Rollen verteilt gewesen seien, wer Aufständischen mobilisiert und sie auf die gebracht habe, wer der Führer gewesen sei, die Angeklagten auf der Straße unvermutet auf die Schulter geklopft und sie zum Putsch aufgefordert habe. Ueber diese entscheidenden Fragen hätten jedoch die Angeklagten bisher noch keinerlei aufklärende Mitteilungen gemacht. Neue schwere Kerker=Urteile Das Militärgericht in Klagenfurt verhandelte am Freitag gegen mehrere Teilnehmer an dem letzten Erhebungsversuch. Der 29jährige Leopold Suk und der 23jährige Johann Reiner wurden zu fünf bezw. zehn Jahren schweren Kerkers mit je einem Fasttag und hartem Lager am 27. Juli eines jeden Jahres verurteilt. Ferner wurden Georg Pollinger und Elias Rainer wegen entfernter Teilnahme an dem Aufstand zu je zehn Jahren schweren Kerkers mit je einem Fasttag und hartem Lager an jedem 27. Juli verurteilt. Donnerstag wurde in einer Ziegelei bei Klagenfurt durch die Gendarmerie festgestellt, daß dort Sprengkörper erzeugt wurden. Sprengröhren wurden noch vorgefunden. Außerdem wurden in der Ziegelei zwei Maschinenpistolen, acht Gewehre und ziemlich viel Munition aufgefunden. Mehrere Personen wurden verhaftet. Freiheil der Wahl gewährleistel Der Reichsminister des Innern hat angeordnet, daß bei der Abstimmung am 19. August für den Schutz der Stimmlokale und der Abstimmenden unbedingt zu sorgen ist. Die zuständigen Stellen sind, ferner angewiesen worden, jede mögliche Vorsorge zu treffen, daß die Stimmberechtigten entsprechend der ausdrücklichen Anordnung des Führers und Reichskanzlers ihren Willen in freier und geheimer Abstimmung bekunden können. Niemand darf in der Ausübung seines Stimmrechtes behindert sein. Jede Belästigung von Stimmberechtigten, namentlich auch vor den Stimmlokalen, soll mit allen Mitteln verhindert werden. Deutsch=sowjetrussisches Wirtschaftsprotokoll Im Reichswirtschaftsministerium haben auf Grund des deutsch=sowjetrussischen Wirtschaftsprotokolls vom 20. März d. I. mit Vertretern der Handelsvertretung der UdSSR. Verhandlungen über die Abnahme sowjetrussischer Waren stattgefunden. Diese Verhandlungen haben zum Abschluß eines Protokolls geführt, das am 8. August unterzeichnet worden ist. er neg es fich hul schinccen Der„Beauftragte“ des Baptisten-Rongresses in Berlin Mit einem ungewöhnlichen Gaunerstückchen, das wohl einzigartig dastehen dürfte, hat ein gerissener Betrüger etwa vierzig Berliner Hotels empfindlich geschädigt. Der 54 Jahre alte Gottfried Bartholl, der nicht weniger als 30 Jahre seines Lebens hinter Gefängnis= und Zuchthausmauern verbracht hat, machte sich die gegenwärtige Berliner Tagung des Baptistenkongresses zunutze. Er erschien in Hotels, gab sich als Beauftragter des Kongresses aus und fragte, ob man bereit sei, ein großes Festessen für 120 bis 140 Kongreßmitglieder auszurichten. Fast regelmäßig war man selbstverständlich dazu bereit. Nun verlangte Bartholl, der sehr sicher und großspurig auftrat, ihm selbst zunächst ein derartiges Festessen vorzusetzen, da er sich erst davon überzeugen müsse, ob es auch allen Ansprüchen der Kongreßteilnehmer genüge. Nach dem Essen entfernte er sich mit dem Bemerken, er werde sich mit der Kongreßleitung in Verbindung setzen und dann endgültigen Bescheid geben. So zog der Gauner Tag für Tag durch die Hotels, ließ sich nach allen Regeln der Kunst aufwarten und lebte einen guten Tag, bis ihn jetzt endlich sein Schicksal ereilte. Er wurde festgenommen und in das Polizeipräsidium gebracht, wo er sich wieder für sicherlich recht lange Zeit an einfache Kost wird gewöhnen müssen. Preissteigerungsverordnung erweitert Ausdehnung auf alle Güter und gewerblichen Leistungen Nach der Verordnung gegen Preissteigerungen vom 16. Mai 1934 dürfen bekanntlich Verbände und sonstige Zusammenschlüsse Mindestpreise und Mindesthandelsspannen nur mit Einwilligung der Preisüberwachungsstellen neu festsetzen, verabreden oder empfehlen oder gebundene Preise zum Nachteile der Abnehmer verändern. Durch eine im Reichsgesetzblatt veröffentlichte Verordnung des Reichswirtschaftsministers wird nunmehr das Anwendungsgebiet der Verordnung, das sich bisher auf lebenswichtige Gegenstände des täglichen Bedarfs und lebenswichtige Leistungen zur Befriedigung des täglichen Bedarfs beschränkte, auf alle Güter und gewerblichen Leistungen ausgedehnt. Damit sind die etwa möglichen Zweifel über das Anwendungsgebiet der Verordnung eindeutig dahin geklärt worden, daß alle verbandsmäßigen Neufestsetzungen von Preisen und die Erhöhung verbandsmäßiger Preise ohne Einwilligung der Preisüberwachungsstellen unzulässig und strafbar sind. Ausgenommen sind, wie bisher, die im§ 5 der Verordnung gegen Preissteigerungen aufgeführten Gebiete, vor allem das zur Zuständigkeit des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft gehörende Gebiet. Das Saarbrücker Sängerfest für den Saar-, Mosel= und Nahe=Gau, das für den 7. und 8. September angesetzt war, ist von der Regierungskommission des Saargebietes verboten worden. Zu dem Fest wurden einige Zehntausend Sänger aus dem Reich erwartet. Die Reichsregierung hat, wie von amtlicher polnischer Seite mitgeteilt wird, dem zentralen Hilfskomitee für die Hochwassergeschädigten mitteilen lassen, daß sie ihm 10 420 Emaillegeschirre für den Hausgebrauch, 10 000 lackierte Stahlbetten mit Federmatratzen und 2400 landwirtschaftliche Geräte zur Verfügung stellt. mitttuns Lunki denlschen Eerheiden Ein Denkual für UC 57—„Gorch Fock“ nimmt an der Feier teil Am 12. August wird in Finnland ein Denkmal zu Ehren deutscher Seehelden enthüllt. Die nachfolgenden Ausführungen stützen sich auf das authentische Material des amtlichen Schriftwechsels zwia#n#chen Helsingfors und Berlin. Funf Tage nach den großen Trauerstunden am Tannenbergdenkmal findet im Schärenkranz der finnischen Küste eine große Kundgebung der Kameradschaft und des Dankes statt, die Finnland dem befreundeten Deutschland schuldig zu sein glaubt. Am Sonntag, 12. August, nachmittags chlaltz; rollen die Ehrensalute der finnischen bei zeuuder die Wasser der finnischen Bucht, wo von samstädtchen Lovisa auf der Felsenklippe Humnskär das große Granitdenkmal für die des deutschen Unterseebotes„UC 57“ inthüllt wird. Deutschland hat zu dieser Feier das Segelschulschiff„Gorch Fock“ mit dem Komsandanten Kapitän zur See Mewis entsandt. * Das deutsche U-Boot hatte den Auftrag, acht Finnländer, die beim Preußischen Jägerbataillon fers an Jan..“ i der Nähe von Helsingsetzen. Dazu Maschinengewehre, Fprengmaterial und Waffenausrüstungen zum ampf gegen die Roten. Das Boot lief am 12. Aovember 1917 von Danzig aus und sollte am I. November zurückkehren. Der Kommandant ##“rich Wißmann hatte am 17. November Hamnskär eine Besprechung mit finnischen traß seren. Das U.=Boot hatte seinen Auftrag gefährlichen Minensperren glücklich wurde dabei mehrfach von MiGritte“ geschrammt. Nachts ging„UC 57“ auf vom zu rasten. Am Morgen des 18. Noecmder sollte die Rückfahrt in den Heimathafen angetreten werden. Seit dieser Zeit kam keine Nachricht mehr von dem deutschen Unterseeboot. Am 23. und 24. November wurde vergeblich von Libau aus FT.=Verbindung mit„UC 57“ gesucht. Ein orkanartiges Unwetter verdammte alle weiteren Nachforschungen zur Erfolglosigkeit. 27 deutsche U=Boot=Helden blieben auf dem Grunde des Meeres. Einige Tage vor der Ausfahrt des„UC 57“ war der Dampfer„Equity“ unter dem Kommando des Oberleutnants zur See Petzold mit der Durchführung eines Sonderunternehmens nach Finnland betraut worden. Der Auftrag war so geheim gehalten, daß selbst der Kommandant erst auf hoher See die versiegelten Befehle erfuhr.„Equity“ führte das Unternehmen in den Tagen vom 27. Oktober bis 6. November 1917 mit Erfolg durch. * Während des großen Krieges sind in Deutschland 2000 finnische Schüler und Studenten militärisch ausgebildet worden. Sie gaben den Stamm ab zur Durchführung des Freiheitskampfes gegen die roten Soldaten der russischen Revolution. Der„Bund der finnischen Jäger“ nennt sich die Bewegung in dem befreundeten Finnland. Ihre Ausbildung erfolgte zumeist in dem preußischen Jägerbataillon 27. Diesen finnischen Jägern verdankt das Land in erster Linie die Niederwerfung der Sowjetstreitkräfte, die über Kurelien in Ostfinnland bis in die Schärenwelt der westfinnischen Küste vorgedrungen waren. In enger Waffengemeinschaft mit den deutschen Kameraden des Infanterieregiments 255 kämpften die Finnländer in den Sturmtagen bei Lahti=Simola, bei Lovisa, Rattolo, Kovola, Perhienneni, Mörskim, Villähti, bei Okervienen und auf den Schäreninseln Korppoo und Nagu. Die Stadt Lahti hat den gefallenen Kameraden des Regiments 225 ein Denkmal aus hellgrauem Granit errichtet. * Das bemerkenswerteste Ehrenmal steht aber auf der Felsenklippe von Hamnskär, unweit der Stadt Lovisa, im Schärenkranz des Finnischen Meerbusens. Da lesen wir die in roten Granit gemeißelten Worte:„Zur Erinnerung an die deutschen Männer, die als erste ihr Leben für Finnlands Selbständigkeit gaben, ist dieses Granitmal errichtet worden, berichtend von der großen Zeit in der Geschichte des Vaterlandes und spätere Geschlechter ermahnend, die gewonnene Freiheit heilig zu halten.“— Diese Dank= und Mahnworte sind umrahmt von den Namen der 27 deutschen U-Boot=Helden. Ein Denkmalsausschuß in Helsingfors hat es sich zur Aufgabe gemacht, den gemeinsamen Kämpfern aus Deutschland und Finnland Ehrenmale zu errichten, um zu zeigen, daß man im Lande der 60 000 Seen in Dankbarkeit und Treue der Waffenkameradschaft in den Jahren des Freiheitskampfes gedenkt. Kf. L. Das Hakenkreuz in Dienststempeln Verschiedene Anfragen haben dem Reichsfinanzminister Anlaß gegeben, in einem Erlaß darauf hinzuweisen, daß mit einer Aenderung des Reichsadlerbildes für Dienststempel usw. nach Mitteilung des Reichsministeriums des Innern in absehbarer Zeit noch nicht zu rechnen ist. Bis zur endgültigen Regelung hat jedoch, wie das Ndz meldet, der Finanzminister keine Bedenken, daß bei Neubeschaffungen von Dienststempeln usw. mit dem Reichsadlerbild als Abschluß= und Schmuckzeichen anstelle der bisher vorgesehenen kleinen Sterne Hakenkreuze verwandt werden. Die Inschrift ist künftig bei Dienststempeln usw. allgemein in Fraktur auszuführen. Ein Ehrenmal für die„Emden“ S-M-S-EMDEN C KONMRNDHNT FREGRTIENKHPTTAN BB3HARL VON MULLERES NERSENHEIM INDISCHEN CZERN ZAHLREICHE HRNDELSSCHIFFE, ZERSTORTE DIETNNHANLRGE VON NIADRAS. VERNICHTETE IM HAFEN VON PENANG DEN RUSSISCHEN HREZER SCHENTTSCHUG’UND DEN FRRNZÖSSCHEN ZERSTORER. MOUS OUET“ WURDE AN2. NOVEMBERT2TE VERFOLGT VON ENER OBERMIACHN VON FEINDEN UND NHCHHEISSENI KANIPF NIIT DEM RUSTRALISCHEN KRLUZER„SYDNEY“AUF DEN KFELIAG-INSEIN AUFGESETZT, FRST DIE HALFTE DER BESATZUNC WNR FOR DRS VRTERLAND GEFRLLEN SEZRUHNIVOLLES SCHIFFaS NININIER VERGESS DEIN DIE STAOT, DEREN NANIEN DU TRUGST UN DEN EROBAII Nach dem hier gezeigten Entwurf wird eine Bronzetafel geschaffen, die am Rathause der Patenstadt des Kreuzers„Emden“ angebracht und am 28. Oktober seierlich eingeweibt werden soll. Die Tafel trägt— unter einer Darstellung des stolzen Schifses— eine Inschrift, in der die Kriegstaten der „Inden genürbtet werden. Klein Uhren=, Gold= und Silberwarengeschäft befindet sich während des Umbaues Moltkestraße 44 gegenüber dem Möbelhaus Stricker Rudolf PIümer Hndendurh Sonder Rummer der Leipziger Illustrierten Zeitung Verlag J. I. Weber erscheint in den nächsten Tagen. Bestellungen schon jetzt erbeten. Buchhandlung Carl Braus Adolf=Hitler=Platz 3 5 Jliner Wehnung Im Neubau zum 1. 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Wen mußte jedoch eine Stunde und noch länger kochen, bie die Masse endlich fest wurde; dann war aber durch das stundenlange Kochen ein Orittel bis fast die Hälfte eingekocht. Von 4 Pfund Früchten und 3 Pfund Zucker, also von zusammen 7 Pfund, erhlelt man nur etwa 4½ bis höchstens 5 Pfund Marmen lade. Soiche Kochverluste gibt es mit Opekta nicht mehr; denn die Kochzeit besrögt je heute nur noch 10 Minuten. Und Jetzt überlegen Sie einmall Man erhält; öpekta Aus Frichlenggecager Oechte 8u8 %# Plund Früchten und# Plund Zucker nur etwa#### Plund Marmelsde Mit Opekte aus% Plund Früchten und## Pfund Zucke: Pfund Marmelade Wenn man Opekte verwendet, erhält man also so viel an Marmelade mehr, dab man das Opekta nicht allein ganz umsonst hat, sondern daß außerdem noct jedes einzelne Pfund Marmelade erheblich billiget in der Herstellung wirch, Copyright by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) hart und abweisend. Der donnerte Maxi„Ich soll Mexiko Maximilians Gesicht wurde General fuhr langsam fort: „Sie möchten...“ „Sie brauchen nicht weiter zu sprechen!" milian los. Sein Gesicht zeigte hellen Zorn. verlassen? Also Flucht?“ Ja!“ „Niel Bestellen Sie das dem Kaiser der Franzesen! Nie, nie, nie! Ich bleibe auf dem Posten, selbst wennn das Schiff sinken sollte.“ „Es sinkt schon!“ „Schweigen Sie! Ich bleibe!!“ „Majestät!“ „Ich bleibe!“ „Ihr Verderben...“ „Ohne Truppen, ja. Aber ich werde das mexikanische Heer organisieren und es herrlichen Siegen entgegenführen! Napoleons Treulosigkeit ist für mich kein Vorbild!“ Castelnaus Gesicht wurde ebenfalls abweisend und kalt. „Dann, Majestät..“ Er erhob sich. „Die Unterredung ist beendet“, stieß der Kaiser zitternd hervor.„Gehen Sie! Sofort, gehen Sie!". „Ich gehe nicht allein, Majestät! Vierzigtausend Franzosen werden mit mir gehen!" Stöhnend rannte Maximilian durch seine Gemächer. Dann stürzte jemand ins Zimmer— der Adjutant. „Fliehen Sie. Danken Sie ab, Sie sitzen auf einem Vulkan, Majestät. Das österreichische Kriegsschiff„Dandalo“ liegt in Veracruz bereit— es wartet nur auf Sie!“ „Nein! Nein!“ Draußen ertönten Schritte, kamen näher, hielten vor der Tür, die aufsprang. Herein trat einer der Offiziere. „Telegramm.“ „Geben Sie her! Woher kommt es?“ „Aus Paris.“ „Von meiner Frau— von Charlotte...“ Maximilian riß es mit bebenden Händen auf. Zustand verschlechtert!:„... marimist, Der Himmel senkte sich herav, drohte Maximitian zu erdrücken, zu ersticken. Aus der Ferne Geknatter von Schüssen, endlos weit. Alles ziellos, alles sinnlos geworden vor dieser Tragödie... Maximilian krallte sich an einem Stuhl fest, drohte zu stürzen. Im Zimmer standen plötzlich Offiziere und Generäle und sein Leibarzt Doktor Basch. Er stützte ihn. Maximilians Augen weiteten sich im Erschrecken. „In Veracruz liegt das österreichische Kriegsschiff„Dandalo“ bereit, Majestät!“ klang eine ruhige, klare Stimme eindringlich, warnend.„Es wartet...“ Orizaba Der Kaiser war eingetroffen. Er hatte seinen Stab und seine Geheimakten mitgenommen. So war er dem Hafen Veracruz näher, so konnte er abwarten, noch einmal überlegen, ob ja, ob nein. Näher kam der Tag des Abrückens der Franzosen, dieser gewissenlosen Verbündeten. Näher der Tag des Schicksals! Oktober 1866. Auf der Landstraße von Orizaba nach der Stadt Mexiko rollte ein Wagen— General Marquez, dessen Bemühungen es gelungen war, Maximilian zum Bleiben und zur Rückkehr in die Hauptstadt zu bewegen; Oberst Schaffer, der gute Vertraute des Kaisers; Oberst Lamadrid; Kapitän von Gröller; ferner Fischer, der Sekretär des Kaisers, und sein Leibarzt Doktor Basch. Dem fernen Ziele Mexiko zu! „Und dann zu meinen Soldaten, an deren Spitze ich mich stellen werde, General Marquez“, sagte Maximilian mit leuchtenden Augen. „Ja, Majestät, an die Spitze Ihrer Soldaten“, nickte Marquez zu den letzten Worten Maximilians. Aber Maximilians Gesicht wurde schon wieder finster und düster, denn er dachte an seine Charlotte. „Charlotte“, murmelte er,„Charlotte, warum kehrst du nicht zu mir zurück?“ Das Schlimmste wußte er ja noch nicht: Charlotte war in unheilbaren Wahnsinn verfallen. In gänzlicher geistiger Umnachtung lebte sie in Paris. Sie sprach wirres Durcheinander, unverständliche Dinge. Der Schicksalsschlag, die bittere Enttäuschung waren zu viel für sie gewesen. Wahnsinn im schlimmsten Stadium. Unheilbar... Napoleons Werk! Der sein Wort gebrochen hatte während Maximilian eisern an seinem Versprechen und Treueid festhielt. Der Stadt Mexiko entgegen! Der 5. Februar 1867. Ein Gewimmel in den Straßen der Hauptstadt Mexiko. Die Fenster waren verhängt und kein Einwohner der Stadt zeigte sich. Hinter den Gardinen standen sie und sahen mit bitteren, verächtlichen Mienen auf dieses Schauspiel. Sie sahen, wie sich die Züge ordneten und nacheinander abzogen: die treulosen Franzosen. Und so kam es, daß die Straßen und Plätze sich in dem Moment belebten, als die letzten Kolonnen der Franzosen abmarschierten. Nur der Kaiser und sein Stab waren nicht zu sehen. Tot und schweigend, wie verlassen, lag der kaiserliche Palast im Lichte der Vormittagssonne da. Hinter dem Vorhang stand schweigend, unbeweglich. Kaiser Maximilian und sah mit finsteren und verächtlichen Blicken auf die hinausziehenden Franzosen hinab. Der Kaiser sah sinnend vor sich nieder, dann gab er sich einen Ruck: „Die Pferde— die Wagen! Morgen bereits wollen wir fort. Alle verfügbaren Truppen zusammenhalten. Dem Feinde entgegen! Nun gilt es, nun kommt's auf schnelles Handeln an. Wir wollen beweisen, daß wir auch ohne die Franzosen fertig werden!" Marquez nickte begeistert. „Bereitschaft! Majestät, wir werden zu kämpfen und zu sterben wissen!“——„ 1emm„4 Die Soldaten brachen in Begeisterungsrufe aus, als der Kaiser vor die Front ritt und eine Ansprache hielt. „Hoch— hoch— es lebe Maximilian, der Kaiser von Begeisterung lief in flammender Eile durch die Reihen der Soldaten, die Maximilians Ansprache lauschten. „Soldaten! Heute gilt es alles! Heute und morgen und übermorgen! Die nächsten Wochen und Monate heißt es: Vertrauen und Durchhalten! Dann aber— der Sieg!" Die Kanonen donnerten, die Gewehre knatterten, Messer, Bajonette und Lanzen wirbelten. Blut floß und düngte die Erde, aus der es in Dampf wieder aufstieg und zum Himmel schrie. Queretaro...! Ort blutigen Treffens, verzweifelter Schlachten gegen den übermächtigen Juarez, der über mehr als 50000 Mann verfügte. Keine Hilfe, keine Zufuhr— abgeschnitten von außen.... Mars. „Wir sind eingeschlossen, sagte Mug#milian mit erzwungener Ruhe zu den neben ihm stehenden Getreuen. Sie nickten, während vor ihnen das Kriegsgetöse weiterging, die Kanonen krachten, die Granaten donnernd platzten, Erde aufwühlend, Steine und Staub hochwerfend und damit alles überschüttend. P., 9. Mir zud Ianten mi. 9. „Rundherum liegen die Feinde, wir sind gefungen wie die Maus in der Falle“, murmelte Maximilian. Ein furchtbares Getümmel kam näher. Durch Qualm und Rauch hindurch wankten und stürzten Soldaten, sich zurückziebend, kämpfend. MM., 46 J. 761. Bem „Wir müssen die Staot verlassen; es ist die letzte Rellung. Wir sind umzingelt, Majestät. Retten Sie sich!“ „Nicht ohne Sie, meine Herren. Ich verlasse meine Getreuen nicht. Mein ganzer Stab muß bei mir sein. Es geht nicht— es geht nicht. Wir können nicht ausbrechen.“ „Wir können, Majestät!“ sagte jemand hinter ihnen. Sie fuhren herum. Der Sprecher war Lopez, der Husarenoffizier, einer der Vertrauten Maximilians. „Majestät, hier ist Ihr Pferd. Es geht um Minuten— sonst sind Sie in der Gewalt der Feinde. Wir können uns nicht länger halten!“ „Nein, ich reite nicht, wenn die anderen nicht mit mir reiten“, gab der Kaiser todmüde zurück.„Ich allein— niemals! Dann bleibe und sterbe ich lieber!“ 3 „Majestät!“. Ein Reiter— todwund, blutüberströmt— sprengte heran; er sank vom Pferde, schrie:„Mehrere unserer Bataillone sind zum Feinde übergegangen, Majestät— verloren..“ Verloren“, murmelte der Kaiser mit geisterhaftem Antlitz. Eine Granate— berstend— schlug ein, riß dicht neben dem Kaiser jemanden nieder, der blutend am Boden liegen blieb. Lopez war verschwunden. untergetaucht. Vor ihnen Soldaten. Und da— dort— Husaren! 8.4— g. m. „Hilfe! Dort ist Hilfe!“ schrie der Kaiser. Die Worte kamen gehetzt aus seinem Munde, überstürzten sich. jetzt oder nie! Ausbrechen— es gibt eine einzige Möglichkeit! Teine Gerreuen, der Rest des Stabes, beeilten sich, Marimilian zu folgen. Durch Brand und Breschen hindurch, den Husaren entgegen— dort— dort— näher— näher. „Die Hilfe“, murmelte der Kaiser.„Vorwärts, vorwärts!“ Dann das Entsetzliche: Husaren, feindliche Husaren, übergeschwenkte Husaren! Irgendwo vor ihnen leuchtete im Licht blutroten Sonnenballs eine glänzende Uniform, an der Spitze eines Reiterhaufens. „Lopez— es ist Lopez!“ schrie der Kaiser auf, während noch einmal die Hoffnung, an die er sich merte, in seiner Stimme widerklang. Er schrie es fast:„Lopez Er war angelangt. Höhnisch lächelnd sah Lopez auf der Kaiser herab: „Ergeben Sie sich, Majestät!“ Der Kaiser taumelte zurück, sah fassungslos nach rechts unt nach links. Vor ihm, neben ihm und jetzt auch hinter ihm Feinde. Völlig eingeschlossen! Durch gemeinen Verrat! Verloren— verloren! Der Kaiser sprang vom Pferde. Ei sah aus wie ein Toter. Ich— ergebe— mich!“...., 8an der#. Seine Getreuen folgten seinem Beispiel. Lopez, der wen räter, nickte hämisch: „Der Sieg ist unser!“ 15. Mai 1867. Blutigrot die Sonne am Horizont.. Das Kriegsgericht. Der Kaiser und seine Getreuen werden ver urteilt. Das Urteil lautete auf Tod. 86 Der Tag ist gekommen. Ein gleißender Junitag des Jahren 1867. Doch dann kommen Wolken und verdecken den Himmel, der sich mit blaßgrauem Tuche überzieht. Ein offenes Viereck, an einer Seite von einer Mauer begrenzt. Soldaten, ernst und mit schußbereiten Gewehren. feindliche Stab, der kommandierende General Don Jesus Diaz de Leon. Und an der Mauer der Kaiser und die wenigen Getreuen, die getreu sind bis zum Tode. Das Gesicht hat er der Stadt Queretaro zugewandt.. g.—5grt. Tansent Volk steht draußen haufenweise. Hunvelle, Tausende. Einige weinen, viele zeigen teilnahmslose Gesichter. Aber man hört das laute Schluchzen einiger Frauen. Die Soldaten treten in einer Reihe an. Ein Befehl springt auf. Der Kaiser hebt die Hand, streicht sich den vollen Bart, der sich wie etwas Fremdes unter seinem leichenblassen Gesicht hin und her bewegt, und lächelt milde und gütig. „Drei Schritte vor!“ befiehlt der Kommandeur. Dicht stehen sie vor dem Kaiser mit ihren schußbereiten Waffen in den Händen.„ A(— „Soldaten, schießt gutl sagte der Kaiser taut, ruhig und vernehmlich. Stille— eine Bewegung in den Reihen.„Ich vergebe euch allen— bitte, daß auch mir alle vergeben, und wünsche, daß mein Blut, das nun vergossen wird, dem Lande Mexiko zum Segen gereichen möge!" „Es lebe Mexiko! Es lebe die Unabhängigkeit!“ Dei General hebt die Hand. Laut weint es im Volke, das sich jet schaudernd abwendet. Die Sonne bricht kupfern durch di Wolkenvorhänge. Milde lächelt der Kaiser, winkt dem Volke zu: Es lebe Meriko!“„ 4.14 ha, hacht der# Der kommandierende Offizier kitt vor, heot den Begen, und senkt ihn. Totenstille! Und dann kracht die Salvel Kaiser Maximilian ist tot! Ende. Inseldert„Malter und Rind UUTSL e* Es war einmal ein Vater, der hatte einundvierzig Söhne. Und als er sterben mußte, teilte er sein Hab und Gut unter sie und gab einem jeden ein gutes Roß. Aber nur für den einundvierzigsten Sohn war keins mehr da; dem gab er eine alte Mähre an Stelle eines mutigen Rosses. Als der Vater tot war, sprachen die Söhne zueinander:„Laßt uns zum Freitag reiten, Brüder, und bei ihm Hochzeit halten. Der älteste Bruder aber meinte:„Der Freitag hat nur vierzig Töchter, da ist eine zu wenig. Die Brüder antworteten: „Dann laßt uns zum Mittwoch reiten, der hat einundvierzig Töchter; da bekommt jeder die seine.“ Sie ritten davon, langten an und wählten sich die Mädchen aus. Der Aelteste nahm die Aelteste, der Jüngste die Jüngste, und so nahm jeder eine für sich. Der jüngste Bruder sagte dabei:„Ich will mir die Kleine mit dem Tuch nehmen, die dort auf dem Ofen sitzt!" Dann brachten die Burschen Schnaps und die Brautwerbung wurde begossen. Als sie reichlich getrunken hatten, legten sie sich schlafen. Der Jüngste aber dachte bei sich: Ich will mein Pferd lieber in den Flur stellen. Er führte es dorthin, kehrte wieder zurück und legte sich schlafen. Sein Mädchen lag da mit ihrem Tuch, und er fing an zu bitten, sie möge es ihm geben, und schließlich bekam er es auch. Als der Mittwoch merkte, daß alles eingeschlasen war, ging er auf den Hof hinaus, um seinen Säbel zu schleifen. Das Pferd aber sprach zum jüngsten Bruder:„Ach, mein liebes Herrchen, komm heraus zu mir!" Da ging der Jüngste hinaus, und das Pferd sprach:„Nimm den schlafenden Burschen die Hemden fort und ziehe sie den Mädchen an, und der Mädchen Hemden ziehe den Burschen an, denn viel Schreckliches wird sich ereignen!“ Und der Jüngste tat, wie ihn das Pferd geheißen hatte. Der Mittwoch schärfte seinen Säbel, schlich sich in den Schlafraum, und wo er den Hemdkragen eines Burschen zu fassen kriegte, da schlug er den Kopf herunter! So schlug er allen seinen Töchtern die Köpfe ab und legte sich darauf schlafen. Das Pferd aber sprach:„Mein liebes Herrchen, wecke die Burschen auf und schau, daß wir fortmachen von hier!" Der Jüngste weckte seine Brüder und schickte sie voraus; er selbst aber setzte sich auf sein Pferd und ritt hinterher. Da sagte das Pferd:„Schau dich um, ob der Mittwoch uns nachjagt!“ Er sah sich um und sprach:„Er jagt schon heran!"— „Wink mit dem Tuch!“ befahl das Pferd. Und kaum sing er an zu winken, da entstand mit einem Male ein Meer hinter ihnen. Sie ritten weiter, und wieder sagte das Pferd:„Jagt er uns noch?" Der Bursche sah sich um und sagte:„Ja, er ist hinter uns her.“—„Dann wink mit dem Tuch zur linken Seite!“ sprach das Pferd. Er winkte und es entstand ein so dichter Wald, daß keine Maus durchkriechen konnte. Wieder ritten sie weiter und abermals fragte das Pferd:„Schau dich um; kommt der Mittwoch uns nach?" Er sah sich um: der Verfolger lief hinterher, aber war schon weit zurückgeblieben. —„Wink mit dem Tuch!“ sagte das Pferd. Er winkte und es entstand ein steiler, steiler Berg. Wieder ritten sie weiter, und das Pferd fragte:„Schau dich um; jagt der Mittwoch uns nach?“ Er sah sich um und sagte:„Jetzt ist er nicht mehr da.“ Nun ritten sie weiter und waren schon nahe von ihrem Hause. Da sprach der jüngste Bruder zum ältesten:„Reitet ihr nach Hause, ich aber will mir eine Frau suchen.“ Er machte sich nun davon und ritt lange Zeit. Plötzlich sah er eine Feder vom Feuervogel am Boden liegen.„Ich will sie einstecken“, sprach er vor sich hin. Das Pferd aber sagte:„Heb die Feder nicht auf; denn sonst wird dir Uebles begegnen. Der Bursche jedoch meinte:„Was für ein Esel wäre ich, wenn ich die Feder nicht nähme!“ Er kehrte um und hob die Feder auf. Weiter ritt er und erblickte eine Erdhütte; er ging hinein. sah dort ein Weib sitzen und bat es:„Laß mich über Nacht bei dir.“—„Ich hab' aber nichts zu essen und auch kein Licht.“ Da ging er aus der Hütte hinaus, holte die Feder und legte sie auf das Fensterbrett, und sie erleuchtete die ganze Hütte. Danach schlief er ein; die Frau jedoch lief zum Zaren und erzählte ihm:„Zu mir ist ein fremder Mann gekommen und hat eine Feder ins Fenster gelegt, die leuchtet gar hell!“ Der Zar erriet, daß es eine Feder vom Feuervogel sein müsse, und befahl seinen Soldaten:„Geht hin und ruft mir diesen Mann her.“ Da liefen die Soldaten hin und führten ihn zum Zaren. Und der Zar fragte ihn:„Willst du nicht bei mir in den Dienst treten?"—„Ich will“, antwortete er,„doch muß ich alle Schlüssel bei mir tragen.“ Der Zar gab ihm die Schlüssel und wies ihm ein eigenes Häuschen zum Wohnen an. Eines Tages befahl der Zar seinen Dienern:„Kocht mir einen Bottich Milch. Die Diener taten es. Dann nahm er einen goldenen Ring, warf ihn hinein und sprach zu dem Fremden:„Hast du die Feder vom Feuervogel erlangt, so kannst du mir auch den Ring aus der kochenden Milch herausholen.“ Da antwortete jener:„Führt mein Roß herbei; mag es mitansehen, wie ich den Tod erleide in der kochenden Milch!“ Sie führten das Pferd herbei. Doch kaum ließ sich sein Herr in die kochende Milch hinein, als es anfing stark zu prusten, daß die Milch an den Wänden hoch ging und der Boden vom Zuber sichtbar wurde. Da ergriff der Jüngste den Ring und gab ihm den Zaren; die Milch aber stand im Bottich wie vorher. Als der Zar sah, daß der Mann jung und schön aus der kochenden Milch herausgekommen war, sagte er:„Laßt mich auch versuchen, den Ring herauszuholen.“ Er warf den Ring hinein und sprang ihm nach in die Milch. Seine Leute aber wunderten sich, daß er so lange nicht herauskam, und gossen die Milch aus. Doch da war der Zar ganz verbrüht. Der Jüngste aber sprach:„Nun, Zarin, jetzt bist du meine Frau und ich bin dein Gatte!“ Und sie lebten fortan glücklich miteinander; und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch... Der ewige Kalender. Wir sammeln uns 31 Kalenderzahlen und kleben sie auf dünne Pappe. Dann kleben wir auf etwas längere und schmälere Pappen an den oberen Rand die 7 Wochentage. Schließlich noch auf ganz schmale und noch längere Pappen die 12 Monate. Die Schriften schneiden wir aus alten Kalenderzetteln. Je nach Größe der Zahlen usw. bauen wir aus Pappe das Gehäuse(Abb. 2) mit drei Fächern: a) für die Monate, b) für die Tage, c) für die Zahlen. Das Kästchen wird mit Buntpapier beklebt oder bemalt und auf ein Unterbrettchen geleimt(Abb. 1). Das ist ein hübsches Geschenk für Vaters Schreibtisch. Die Pappen werden von Fall zu Fall nur umgestellt und dieser Kalender ist von fast unbegrenzter Haltbarkeit. Tagrey. ogt ese die -ieh„uud Gröt Schöne Zeichenaufgabe. August, der Zirkusclown, bei seinem neuesten Dressurakt. Zwölf originelle Bilderrätsel. Aun rsuc 7. Mca t 12 I Jumzpg 6 Juug 8 Lopinelbeg 3usd 2. as iim 32 7m onticc 12 5 dung unuun un Auf der Insel Sumatra, dort, wo die dichten Urwälder den Orang=Utan verstecken und wo der Königstiger die spitzen Hütten der Tobas umschleicht, hatten vor sehr langer Zeit ein Tobabrüderchen und ein Tobaschwesterchen das„Tabu“ des Stammes entweiht. Und was der Medizinmann als Tabu erklärt, gehört den Göttern und Geistern: sei es eine Hütte. die ein Mädchen nicht betreten darf, oder ein Gehölz, das für einen Jüngling verbotenes Jagdgebiet ist. So waren nach dem Gesetz der Eingeborenen die Geschwister dem Tode verfallen; aber da sie nicht sterben wollten, flohen sie in den dichten Urwald. Tagelang streiften sie furchtsam durch das Dorngestrüpp, immer in Angst, der beleidigte Dämon könnte in Gestalt einer Tigerkatze oder einer Giftschlange aus einem Felsen hervorschießen. Da aber stellte sich ein ärgerer Feind ein, der Hunger. Die Geschwister bemerkten plötzlich einen hohen Baum mit schönen, saftigen Früchten aus der Dämmerung aufsteigen, und flink kletterten sie an dem Stamm empor und stärkten sich an der willkommenen Nahrung. Aber wie erschraken sie, als sie vergeblich versuchten, den Gipfel des Baumes wieder zu verlassen. Ihre Füße waren festgewachsen wie vorher die Früchte, von denen sie gegessen hatten. Inzwischen hatten die Eltern die Abwesenheit der Kinder entdeckt und zogen mit großem Gefolge auf die Suche. Nach langen Irrwegen entdeckten sie den Baum; aber, o Schreck. der Vater, der die Geschwister herunterholen wollte, wuchs auch fest, ebenso die Mutter und das ganze Gefolge. Und man schickte die Tiere des Waldes aus, die Verzauberten herunterzuholen; aber auch sie wuchsen an den Baumstamm fest. Als der große Medizinmann von der Sache hörte, zog er aus, den bösen Geist des Baumes, der die vielen Menschen festhielt, zu bannen. Er sägte den Baum ab und schnitzte daraus mitsamt den daran festsitzenden Menschen und Tieren und den Geschwistern an der Spitze einen Zauberstab. der. wie sich herausstellte, mit großen Kräften ausgestattet war. So entstand der„Bataksche Zauberstab", der später und noch heutzutage ein wichtiges Beschwörungsgerät der Bataker in Toba ist. Auf dem Bilde seht ihr einen Zauberstab, wie sie in den Händen der batakschen Medizinmänner gefunden wurden. Wir wollen jetzt einer großen Ratsversammlung in Toba beiwohnen, bei der der„Datu“, so heißt der Medizinmann, um sein Orakel befragt wird.— Auf einem Platz des Dorfes wird durch Aufstreuen von Kohle, Kalk und Rötelpulver ein magisches Quadrat gebildet. In der Mitte der Figur befindet sich ein Hühnerei als Zielscheibe. Nun werden alle guten und bösen Geister angerufen und die Geschichte erzählt, wie der Zauberstab entstand. Dieser erhält einen Hahn und ein Huhn als Opfer, über sein Holz wird gekochter Reis und Fruchtsaft gestrichen und in den Haarschopf der obersten Figur werden schöne Blüten gesteckt. Mit großem Gebrumm eröffnen die Trommeln den Tanz des Medizinmannes, dessen Körper sich immer rasender im Takte bewegt. Und schließlich beginni der Medizinmann wie besessen in der Runde zu laufen. Der Geist hat von seinem Körper Besitz ergriffen und schleudert den Zauberstab nach dem Hühnerei. Ist es getroffen? Aufgeregt blicken die Augen der Bataker nach dem weißen Punkt stab erhält wieder seinen Ehrenplatz im Heiligtum. B. L. Zusammensetzspiel. „„„* Setze die nachstehenden eile so neun Einzelte. sammen, daß sie Quadrat bilden! zuein dunigiien Der Gelboriestoager. Nicht jeder Briefträger wird Geldbriefträger.— Ein Vertrauensposten mit viel Verantwortung.— 200 Sendungen und 300 Aufgänge sind täglich zu erledigen.— Kampf mit Leuten, die nicht zahlen, und mit solchen, die kein Geld haben wollen.— Die Hälfte der Nachnahmen wird nicht eingelöst.— Urkundenfälschung durch Dienstmädchen, falsche Ausweise und sonstige Betrügereien.— Mehr als 3000 Mark werden nicht ausgezahlt.— Höchstgehalt 250,— Mark, kleine Prämien und auch Trinkgelder. Der Geldbriefträger hat immer zu tun. auch wenn er kein Geld zu überbringen hat, denn er heißt ja nicht Geld bringer, sondern Geldbrief träger. Das heißt also, daß er Geld hin und her trägt, demnach nicht nur den Leuten Geld bringt, sondern auch von ihnen welches haben will, um es bei der Post abzuliefern. Natürlich gibt es Menschen, die sich auf den Geldbriefträger etwas einseitig einstellen, indem sie immer Geld nehmen, wenn er welches bringt, aber niemals welches geben, falls er mit einer Nachnahme erscheint. Er selber ist deshalb nicht böse, denn er ist ja kein Gerichtsvollzieher, und wenn einer nicht zahlen will, dann notiert er das und läßt Schuldner und Bläubiger ihre Sache unter sich ausmachen. Ich habe einen Geldbriefträger, und zwar meinen Geldbriefträger auf seinem morgendlichen Spaziergang begleitet. Das ist mir nicht ganz leicht geworden, denn ich mußte bereits um fünf Uhr aufstehen, weil er Frühdienst hatte. Frühdienst hat von den sämtlichen Geldbriefträgern eines Postamts jeden Morgen nur einer, der von 5.30 Uhr bis 6.30 Uhr die ganze Post für seine Kollegen mitsortieren muß. „Wir haben", erklärt mir Herr Heibel,„auf unserem Postamt zweiundsechzig Reviere und demnach zweiundsechzig Briefträger. Da aber jeder Geldbriefträger sechs Reviere bestellt, nur zehn Geldbriefträger.“ Während er die Post für sich und seine Kollegen auf zehn Haufen verteilte, wurden immer mehr Säcke herangeschleppt und vor ihm ausgeleert. Ich wollte wissen, ob das immer so sei. „Nicht immer! Am schlimmsten natürlich zu Anfang des Monats, denn kurz nach dem Ersten haben wir sämtliche Pensionen und Renten auszuzahlen, und das sind heutzutage ungeheure Summen, die sich auf sehr viele Menschen verteilen. Außerdem verschicken, wie Sie wissen, die Aerzte, die Krankenkassen, die Geschäfte kurz nach dem Ersten ihre Mahnungen, darunter viele Nachnahmen, die wir wieder einzuziehen haben. Und dann die Ratenzahlungen! Das macht sich bemerkbar. Ich zum Beispiel habe jeden Tag meine hundert Sendungen zu erledigen; aber vom Ersten bis Fünften jeden Monats muß ich ungefähr täglich zweihundertunddreißig mitnehmen, so daß ich manchmal von morgens acht Uhr bis abends sechs Uhr ohne Pause auf den Beinen bin. Und dann kommt noch die Abrechnung.“ Ich wundere mich, daß die Haufen, die er auf zehn Plätze verteilt, verschieden groß sind. „Da drüben Ihr Kollege scheint aber viel weniger mitzunehmen.“ „Das ist klar“, sagt Herr Heibel.„Der hat ja einen Außenbezirk mit Villen, die in Gärten liegen. Da muß er viel mehr laufen als wir. Aber seine hundert Aufgänge hat er auch, während wir im Innern der Stadt es bis zu dreihundert Aufgängen bringen.“ Herr Heibel teilt nun seine Post in zwei Teile. Auf die eine Seite kommen die Anweisungen. Da muß er also Geld bringen. Auf die andere Seite kommen die Nachnahmen. Da will er Geld holen. Jede bekommt eine Nummer. Das macht er nicht aus Bequemlichkeit, sondern dies ist Vorschrift, weil er ja irgendwo eine Anweisung verlieren oder liegenlassen könnte. und dann kann er zu Hause feststellen, welche es gewesen ist. Denn die Anweisungen und Nachnahmen sind natürlich im Amt ebenfalls der Reihe nach verbucht. Oben wurde schon erwähnt, daß die Reviere nicht gleich groß sind. Ihre Zusammenstellung geschieht nach der Zahl der Aufgänge, nach der Länge des Weges, der zurückzulegen ist, und nach der Art der Kunden. Wer zum Beispiel mehrere größere Firmen bestellen muß, die täglich Dutzende von Wertbriefen und Einschreiben erhalten, kann nicht soviel Aufgänge erledigen wie ein anderer, der nur kleine Leute bestellt, die selten oder nur einmal im Monat Geld bekommen. Punkt 8 Uhr gehen wir los. Herr Heibel hat 120 Sendungen bei sich, darunter 58 Nachnahmen, 66 Postanweisungen, Zahlkarten und Zahlungsanweisungen vom Postscheckamt, 4 Postaufträge, 2 Wertbriefe und ein Einschreiben als Nachnahme mit inliegenden Theaterkarten. Die Postaufträge enthalten fast durchweg Wechsel, und die werden, wie mir der Geldbriefträger erklärt, fast immer eingelöst. „Aber die Nachnahmen haben's in sich“, sagt er.„Die kriege ich fast immer zurück.“ Ich frage nach dem Prozentsatz. „Theoretisch müßte ich ungefähr so viel Geld einnehmen, wie ich auszuzahlen habe. Aber nach meinen Erfahrungen wird von den Nachnahmen höchstens die Hälfte eingelöst. Viele Leute treffe ich gar nicht an, andere bitten mich wiederzukommen, der Resi verlangt eine Frist. Bekanntlich kann jeder eine Nachnahme liegenlassen und dann immer noch zahlen.“ „Und von denen, die Frist verlangen?“ „Zahlen auch nur sechzig Prozent.“ Wir sind den ersten Aufgang hinaufgeklettert. Herr Heibel klingelt, verschwindet in einer Tür, kommt aber sehr schnell wieder. „Sehen Sie“, sagt er und macht sich eine Notiz,„das war einer der seltenen Fälle, in denen jemand die Annahme von Geld verweigert.“ „Nanu?“ frage ich.„Gibt's denn sowas auch?“ „Nicht oft, aber dieser hatte seinen Grund. Er hat nämlich jemand auf tausend Mark verklagt; die Sache schwebt schon vor dem Landgericht. Jetzt schickt der Beklagte fünfzig Mark, aber der Kläger will aus bestimmten Gründen ein Urteil über die ganze Summe. Also läßt er den Betrag zurückgehen. Neulich hatte ich einen ähnlichen Fall. Da sollte einer vierhundertfünfzig Mark zahlen, hatte telephonisch versprochen, zweihundert Mark zu überweisen, schickte aber nur hundertfünfzig Mark. Darüber hat sich der Empfänger so geärgert, daß er die Annahme verweigerte.“ In einem Hause erleben wir eine erregte Szene. Das Mädchen öffnet, erklärt, die Gnädige sei im Bade, aber sie würde ihr die Quittungskarte hinbringen. Doch der Geldbriefträger wirft nur einen Blick auf das Blatt. „Hat das Frau Gerstoff geschrieben?“ „Natürlich“, sagt das Mädchen. „Nein, das ist nicht die Unterschrift von Frau Gerstoff. Das haben Sie geschrieben.“ Das Mädchen läuft rot an, bleibt aber bei seiner Aussage. Herr Heibel gibt ihr kein Geld und erklärt, er würde die Sache melden. „Das ist schon der zweite Fall in dieser Gegend. Vor einigen Monaten war's dieselbe Geschichte, aber damals hat die Hausfrau später erklärt, sie habe ihrem Mädchen Vollmacht erteilt. Wahrscheinlich um es vor einer Anklage wegen Urkundenfälschung zu bewahren. Natürlich gibt es Hausangestellte, die wirklich Vollmacht besitzen, und Sie können sich denken, daß es für unsereinen nicht leicht ist, so an die fünftausend Unterschriften im Kopf zu haben.“ Langsam bekomme ich einen Begriff von dem Beruf des Geldbriefträgers. der auch seine Schattenseiten hat. Viel Arbeit, große Verantwortung— denn der Geldbriefträger haftet für jeden Betrag— und kein hohes Einkommen. Das Gehalt erreicht nach sechs Lehrjahren und achtzehn Dienstjahren eine Höchstgrenze für unverheiratete Beamte von 250 Mark, denn der Geldbriefträger bekommt nicht mehr als der Briefträger, weil die Stellung eines Geldbriefträgers ein Vertrauensposten ist. Natürlich rechnen diese Leute mit den Trinkgeldern. „Aber mehr als zwanzig Mark im Monat habe ich noch nie zusammenbekommen.“ Außerdem erhalten die Geldbriefträger aus der sogenannten Minuskasse für jeden Umsatz von 10000 Mark eine Prämie von einer Mark, doch darf ihnen nicht mehr als 8 Mark monatlich ausgezahlt werden. Dabei ist der Beruf gefährlich, wie die ständigen Ueberfälle auf Geldbriefträger beweisen. Auch sonst passiert allerlei. „Wie oft kommt es vor, daß jemand mit einem gefälschten Ausweis vor der Haustür auf mich wartet und mir einen Betrag gegen Quittung abnehmen will.“ Wenn der Geldbriefträger den Betreffenden nicht kennt, hält er sich einfach an das Postgesetz, laut dessen„die Wohnung legitimiert“. Wenn der Briefträger die Wohnung des Adressaten betreten hat, darf er das Geld an jeden, der sich als Inhaber der Wohnung oder dessen Ehefrau ausgibt, aushändigen, auch wenn er sie nicht kennt. Natürlich kommt es vor, daß das Dienstmädchen sich als Ehefrau ausgibt und das Geld in Empfang nimmt. In diesem Falle haftet die Post nicht, sondern verweist den Betrogenen an den Betrüger. Die Ehefrau selbst durfte bis vor kurzer Zeit nur bis zur Höhe von 1000 Mark für den Ehemann quittieren. Jetzt darf sie jeden Betrag in Empfang nehmen, im Höchstfalle allerdings 3000 Mark, denn mehr als diese Summe darf der Geldbriefträger überhaupt nicht auszahlen. Beträge, die über 3000 Mark liegen, müssen vom Empfänger gegen Vorzeigung eines Ausweises auf der Post abgeholt werden. In einem großen Miethause werden wir sehr unfreundlich empfangen. Ein Mann, dem der Briefträger eine Nachnahme hinhält, knallt wortlos die Tür zu. „Macht er immer. Machen auch andere. Lauter Nachnahmen von der Steuer, und die Leute sind so wütend, weil nicht draufsteht, wofür der Betrag gezahlt werden soll. Lieber warten sie, bis der Steuererheber kommt und ihnen noch eine Extragebühr abnimmt.“ Im vierten Stock herrscht große Freude, denn seit Tagen hat man schon auf den Geldbriefträger gewartet. „Wir wollten den Betrag zuerst gar nicht zahlen, denn wenn ein armer Schuhmacher, der sich neulich erst wegen drei Mark pfänden ließ, plötzlich zweitausendsechshundert Mark bekommt, dann fällt das auf. Und da heutzutage so viele Anweisungen gefälscht werden, haben wir erst am Aufgabeort telephonisch nachgefragt, ob die Sache in Ordnung sei.“ Sechs Stunden sind wir schon unterwegs. Die Postanweisungen und Zahlkarten sind wir fast alle losgeworden, denn nur wenige Leute waren nicht zu Hause. Geld nehmen alle. Aber von den 58 Nachnahmen sind 33 nicht eingelöst. Dagegen sämtliche Wechsel. Die Nachnahmen machen die meiste Arbeit. Trifft der Geldbriefträger jemand nicht an, dann muß er mehrfach hingehen, schließlich einen Zettel durch den Briefkastenschlitz werfen und nach Ablauf der sieben Tage noch einmal erscheinen. Wenn er nach Hause kommt, muß er seinen Bericht machen und abrechnen. Hat er zu wenig Geld in der Kasse, wird ihm der Betrag vom Gehalt abgezogen, und was das bedeutet, braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Geldbriefträger müssen also sehr vorsichtige und zuverlässige Leute sein, und deshalb werden nur die besten Briefträger zu Geldbriefträgern gemacht. „Leider will man uns jetzt auch die Einziehung der Rundfunkquittungen übertragen“, sagt Herr Heibel,„weil bei den Postaushelfern soviel Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Postaushelfer haben keine Beamtenqualität und können daher jederzeit gekündigt werden. Das wird erst’ne Arbeit werden. Na, und von der Kirchensteuer will ich gar nicht reden! Gestern erst haben wir sechszehntausend Nachnahmen bekommen, weil niemand diese Steuer zahlen will. Und jetzt können wir die Sache ausbaden.“ Wir verabschieden uns kurz, denn Herr Heibel muß noch seinen Bericht machen, und ich bin todmüde von dem Treppensteigen. Mit Mübe und Not erreiche ich eine Droschke und beschließe, auf keinen Fall Geldbriefträger zu werden. Der Londmonidsuhder. Ein schwerer Beruf mit zwanzigjähriger Ausbildung.— Jeder Lokomotivführer muß Heizer gewesen sein, aber nicht jeder Heizer bekommt eine Lokomotive.— Anstrengende und unregelmäßige Arbeit.— Ständiger Kampf mit Signalen und Weichen, mit Störungen auf der Maschine und mit unvorhergesehenen Zufällen. Es ist fast mit allen Berufen das gleiche. Wer sie ausübt, der denkt ganz anders darüber als der Laie, der meist glaubt, über Berufe, die er im täglichen Leben immer wieder antrifft, gut Bescheid zu wissen, und der sofort feststellen muß, daß er im Grunde genommen keine Ahnung hat, sobald er sich mal damit beschäftigt. Als ich von der Reichsbahndirektion Berlin die Erlaubnis erhalten hatte, auf einer D=Zug=Lokomotive zu fahren, hatte ich mir den Beruf des Lokomotivführers und des Heizers auch anders vorgestellt. Man kennt den Betrieb der Eisenbahn aus der Ferne und Nähe seit der Jugend— man hat vielleicht selbst als Junge mal gewünscht, Lokomotivführer werden zu dürfen; aber was diese Leute im Grunde genommen zu tun haben, davon wissen wir herzlich wenig. Meine erste Frage an den Lokomotivführer und an den Heizer war: „Das Fahren auf einer Lokomotive ist wohl sehr anfreugend?“ Doch schon mußte ich einsehen, daß das eine sehr dumme und überflüssige Frage gewesen war. Die Antwort lautete denn auch: „Das Fahren ist ein Vergnügen gegen das Drum=und=Dran!" Ja, das Drum=und=Dran! Es ist das Wichtigste beim ganzen Eisenbahnbetrieb, denn wie sollte eine Maschine laufen, wenn sie nicht Tag für Tag und Nacht für Nacht gepflegt würde wie ein Wickelkind? Die Arbeit beginnt lange vor der Fahrt und endet lange nachdem die Reisenden den angekommenen Zug verlassen haben. Bevor die Lokomotive abfahren darf, muß sie vorbereitet werden. Diese Vorbereitung und Pflege ist Sache des Heizers, während der Lokomotivführer anderes zu tun hat. Er sieht, sobald er sich fertiggemacht hat, die Dienstbefehle ein und liest im„Lokschuppen“, wo die Maschinen der Reihe nach ausgerichtet stehen, an einer schwarzen Tafel die Dienstordnung und die Fahrordnung durch und macht sich entsprechende Notizen. Da steht zum Beispiel, daß zwischen Signal 94 und Block 44 langsam gefahren werden muß, weil dort eine Rotte Arbeiter Ausbesserungen vornimmt. Inzwischen muß der Heizer die Maschine in Ordnung bringen. Sie ist soeben aus München eingelaufen und soll in wenigen Stunden wieder nach dorthin abgehen. Der Heizer sieht zuerst nach dem Wasserstand, denn ohne Wasser kann die Maschine nicht schnaufen. Dann mißt er den Dampfdruck, sieht nach dem Feuer, wirft je nachdem ein paar Schaufeln Kohle nach und ölt dann die Maschine ab. Das liest sich sehr einfach; aber dieses Abölen ist eine eklige Arbeit, die man so leicht niemanden gönnen möchte. Man vergegenwärtige sich zuerst einmal, daß zum Abölen einer modernen D=Zug=Lokomotive 25 Kilogramm Oel gehören! Allein zum jedesmaligen Nachölen braucht der Heizer bis 8 Kilogramm Oel. Sieht man ihm bei der Arbeit zu, dann fällt einem erst auf, wie viele Teile so eine Maschine besitzt und wo sie überall Oeffnungen hat, durch die man und in die man hineinkriechen kann und muß. Solange der Heizer nur außen ölt, ist die Sache nicht weiter gefährlich; aber sobald er unter die Maschine klettert— unter den Gleisen im Lokomotiv= schuppen befinden sich mannshohe Vertiefungen—, hängt er vorher ein Schild vor die Lokomotive: „Achtung! Maschine nicht bewegen!“ Denn es ist vorgekommen, daß ein Lokomotivführer seine Maschine, die er bereits fertig glaubte, nur vorfahren wollte und dabei den Heizer totfuhr. Der Heizer hat während der Fahrt nur dafür zu sorgen, daß die Lokomotive in Schuß bleibt, während der eigentliche Fahrdienst nur in den Händen des Lokomotivführers liegt. Um die Lokomotive in Fahrt zu setzen, muß der Lokomotiv= führer den Ventilregler in Bewegung setzen, wodurch der Dampf aus den Kesseln in die Zylinder strömt. Dann lockert er die Steuerung, und nun beginnen die Kolben die Räder zu treiben— die Lokomotive fährt! Sobald die Maschine sich vor den richtigen Zug gesetzt hat, gibt einer der Stationsbeamten dem Lokomotivführer ein Zeichen, daß die Verbindung zwischen Lokomotivführer und dem ersten Wagen hergestellt ist, und nun füllt der Führer den ganzen Zug mit Luft, um die Bremsprobe purchzuführen. Zu diesem Zweck läßt er mit einem Druck von fünf Atmosphären sämtliche Bremsen der Wagen, von denen jeder mehrere besitzt, belasten. Erst wenn ein Bahnbeamter am Zuge entlanggegangen ist und festgestellt hat, daß sämtliche Bremsen anziehen, darf der Zug abfahren. Leider haben wir bei der Reichsbahn kein einheitliches Bremssystem, sondern es sind drei verschiedene Sorten von Bremsen vertreten, einmal die Westinghouse=Bremse, dann die Knorr=Bremse und die Knorr=Kunze=Bremsapparate, die allerdings alle drei ganz einwandfrei arbeiten. Der Zugführer meldet dem Lokomotivführer die Zahl der Achsen und Bremsapparate, weil jede Lokomotive nur eine bestimmte Anzahl von Achsen schleppen darf, andernfalls eine zweite Maschine vorgespannt werden muß. Der Laie wird annehmen, daß ein D=Zug, der von Berlin nach Köln oder nach München fährt, von einem und demselben Lokomotivführer und Heizer gefahren wird. Das ist ein Irrtum. Der Dienst ist so schwer und anstrengend, daß kein Personal länger als vier Stunden hintereinander auf der Maschine arbeiten darf. Im Höchstfalle dürfen auf einmal 250 bis 300 Kilometer, beim Personenzug nur 200 bis 250 Kilometer und beim Güterzug im Höchstfalle 150 Kilometer zurückgelegt werden. Dann kommt neues Personal und auch eine neue Maschine an die Reihe. Während sich aber der Heizer„nur“ darum kümmert, daß die Maschine„auf dem lausenden" bleibt, das heißt, daß die Luftpumpe arbeitet, daß das Feuer im Kessel brennt, daß der Wasserstand reguliert wird, muß der Lokomotivführer seinen Blick stets auf die Gleise und die Signale richten. Der Heizer hat an sich viel mehr Handgriffe zu erledigen und mehr Hebel zu bedienen als der Führer; aber dessen Arbeit ist doch die wichtigere. Die Zahl der Signale(rotes Licht mit Querbalken bedeutet„Halt!“, grünes Licht mit schrägem Balken heißt „Freie Fahrt!“) ist ungeheuer groß. So stehen von all diesen Signalen zwischen Berliner Anhalter Bahnhof und dem Hauptbahnhof von Halle— also bei einer Fahrzeit von nur zwei Stunden— nicht weniger als 79, von Berlin bis Erfurt sogar 146. Den Standort der Signale muß der Führer natürlich auswendig kennen; aber die Gewohnheit bringt es mit sich, daß einer, der eine Strecke oft gefahren ist, sie blind zurücklegen könnte. An der Art, wie sich der Zug dreht, an den Geräuschen, wie er über die Weichen rast, erkennt der Führer und der Heizer auch, wo man sich zur Zeit befindet, so daß auch bei Nebel, Regen und diesiger Sicht gefahren werden kann. Gleichzeitig muß der Lokomotivführer auf die Weichen achten. Obwohl anzunehmen ist, daß sie richtig stehen, hat er doch die Pflicht, jede von ihnen zu kontrollieren, denn es könnte ja mal einen der Weichensteller der Schlag treffen, und dann müßte der Lokomotivführer, nachdem er die Weiche falsch überfahren hat, sofort bremsen und zurückfahren, damit ihm kein entgegenkommender Zug in die Quere kommt. Es ist klar, daß zur Führung eines schnellfahrenden Zuges genaueste Streckenkenntnis notwendig ist; aber bis man diese Kenntnis erlangt hat, vergeht eine lange Zeit. Der Werdegang eines Lokomotivführers ist nicht sehr rosig. Im allgemeinen kommen die jungen Leute, die sich für diesen Beruf entschlossen haben, mit 14 Jahren aus der Schule und werden Lehrling. Die Lehrzeit beginnt damit, daß sie drei Jahre lang als Schlosser in der Maschinenwerkstatt arbeiten müssen. Gleichzeitig werden sie als Schmied und Kupferschmied ausgebildet, denn die Heizer und Lokomotivführer müssen sich ja zu helfen wissen, wenn auf freier Strecke etwas passiert. Nach vollendeter Lehrzeit bleibt der junge Mann, nunmehr siebzehnjährig, wiederum drei Jahre als Geselle in einer der vielen Werkstätten, die er nicht eher verlassen darf, als bis er das 21. Lebensjahr vollendet hat. Hier lernt er wirklich alle Einzelheiten der kleinen und großen Maschinen kennen, ihre Stärken und auch Schwächen, ihre Eigenheiten und die Art, wie man sie pflegen muß und reparieren kann. Taugt der junge Mann etwas und bekommt er gute Zeugnisse, dann darf er sich zum Fahrdienst melden und wird von nun an als Heizer und Lokomotivführer ausgebildet. Mindestens fünf Jahre muß er als Heizer auf kleinen Maschinen fahren, entweder auf Güterzügen auf Vorortstrecken oder auf Reservelokomotiven auf dem Güterbahnhof. Mei dauert die Fahrzeit aber sieben Jahre, und dann erst wird er Reservelokomotivführer, das heißt, jetzt kann er als Heizer auf große Strecken gehen; einen Zug fahren darf er aber nur im Notfalle. Erst nach weiteren sieben Jahren werden ihm Güterzüge oder Rangierlokomotiven anvertraut, und nur die Allerbesten kommen als Lokomotivführer auf die Schnellzüge. Ein regulärer Lokomotivführer unter 35 Jahren ist einfach eine Seltenheit; die meisten sind viel älter, ehe sie das Ziel erreicht haben. Das Gehalt beträgt im Anfang 270 Mark und steigt bis zu 363 Mark, während die Nebengebühren, wie Kilometergelder und Prämien, sich auf höchstens 70 Mark monatlich belaufen können. Sie werden aber selten erreicht. Der Dienst ist, wie man sich denken kann, sehr unregelmäßig, und die Frauen der Heizer und Lokomotivführer, die nie genau wissen, wann ihre Männer nach Hause kommen, sind nicht gerade zu beneiden. Da das Fahrpersonal, wozu auch die Zugführer, die Bremser auf den Güterzügen sowie das Dienstpersonal der Züge, also die sogenannten Schaffner gehören, größtenteils nach beendeter Fahrt in einer fremden Stadt übernachten muß, hat die Reichsbahn überall, wo solche Notwendigkeit besteht, eigene Häuser gebaut oder Räume gepachtet, die den Leuten kostenlos zur Verfügung stehen. Dort befinden sich auch Kantinen, und das ist gut so, denn die wenigsten gehen abends, wenn sie mal frei haben, noch aus, weil erstens das Gehalt nicht für derartige Vergnügungen ausreicht, und zweitens, weil der Dienst so anstrengend ist, daß Führer und Heizer nach getaner Arbeit einfach in die Betten fallen. Was ist aber auch nicht alles während einer Fahrt zu beachten! Da besteht zum Beispiel die Pflicht, jeden entgegenkommenden Zug genau zu beobachten, ob die Achsen rauchen, ob eine Tür aufsteht, oder ob— was bei Güterwagen häufig vorkommt— die Ladung verschoben ist und Menschen gefährden kann. Jede Unregelmäßigkeit wird auf einer Karte notiert und diese auf der nächsten Station während der Durchfahrt abgeworfen. Auf der eigenen Maschine können Störungen auftreten— und wer einmal mit einem Heizer gesprochen hat, wird sich sagen lassen müssen, daß man keine größere Strecke durchfahren kann, ohne daß man Störungen zu beseitigen hätte. Auch vergeht keine Fahrt, auf der nicht irgend etwas Unvorhergesehenes passiert. Der Zug saust aus einem Tunnel. hinter dem ein Bahnwärterhaus in hellen Flammen steht. Weiterfahren? Bremsen? Der Befehl lautet: Weiterfahren, wenn der Wind die Flammen vom Zuge wegtreibt, halten und Löscharbeiten leisten, wenn die Flammen dem Zuge entgegenschlagen. Jede Lokomotive kann, versehen mit Löschstutzen und Schlauch, ein dreistöckiges Haus mit 30 Kubikmeter Wasser unter 15 Atmosphären Druck löschen, daß kein Auge trocken bleibt. Was geschieht übrigens, wenn dem Lokomotivführer während der Fahrt etwas passiert— wenn er krank wird oder aus dem Zuge stürzt— wenn ihm etwas ins Auge fliegt? Dann darf der Heizer, der ja als Lokomotivführer ausgebildet ist und jeden Zug fahren kann, diesen bis zur nächsten Station bringen, wo man aber auf einen neuen Lokomotivführer warten muß. Nach jeder Fahrt ist die Maschine sofort zu untersuchen. Der Lokomotivführer schreibt die notwendigen Reparaturen in ein Buch. Einmal bläst das Abstoßventil, dann tritt das Oel aus dem Oelglas oder ein Lager ist ausgebrochen und muß ausgegossen werden. Der Heizer kippt indessen das Feuer aus in die Grube, die sich unter der Maschine im Lokomotivschuppen befindet, und läßt im Kessel selbst nur ein Reservefeuer, damit das Anfeuern nachher nicht zu lange dauert. Es ist ähnlich wie bei den Hochöfen. Dauert der Aufenthalt allerdings länger als sieben Stunden, was aber zu den Seltenheiten gehört, dann wird das Feuer ausgeblasen, also gänzlich gelöscht. Dann erst können die beiden Männer schlafen gehen. Die eigentliche Fahrzeit beträgt, wie oben erwähnt, im Höchstfalle vier Stunden, die Arbeitszeit selbst aber beträgt immer neun oder auch zehn Stunden, und nach kurzer Frist, oft nur nach wenigen Ruhestunden, muß die Maschine wieder vorbereitet werden zu neuer Fahrt. S. Fortsetzung. KA URAEBERREENTTECNUTZ DUREH VERLAP OFKTA aRTSTER BERONUN Wendrich hielt den Kopf unter die kalte Dusche. Hol's der Satan! Hatte er denn wirklich den Verstand verloren? Ja, es schien wohl so, denn auch das kalte Wasser übte keine nachhaltige Wirkung auf die Richtung seiner Gedanken aus. „Dann war also.“ grübelte er weiter,„mein eitles Vernünftigsein gestern abend, mein Besuch bei Alice, der Aufenthalt in der Oper, dann war das alles nur ein törichtes Zwischenspiel, ein mißglückter Fluchtversuch vor der hypnotischen Kraft jenes Augenblicks, da ich auf die ferne Stimme lauschte. Ich bin neugierig, was daraus noch werden mag. Unsinn! Nichts, gar nichts würde werden. Ein Schnippchen wird man ihr schlagen, dieser romantischen Gefühlsverirrung. Lächerlich, an einen Zwang des Schicksals zu glauben! Wenn man selber nichts unternahm; was sollte denn wohl bescheben?„.. g.I Irhämpfter Eicherheit k Mit dem Bewußtsein stolz errampfter Sicherheit beendete Wendrich den Brief an Doktor Treuner, den er noch gestern nach der Heimkehr begonnen hatte. Ein paarmal trat die Versuchung an ihn heran, von seinem Erlebnis zu berichten, aber er strich die Worte, mit denen er die Schilderung eingeleitet hatte, entschlossen durch. Desto gründlicher schrieb er von der winkenden Erbschaft, von seinen Gefühlen, der Abneigung gegen jene alte Dame in Chikago, von seinen Hoffnungen auf ein reiches Schlemmerleben. Er bat um gründliche Auskunft und baldige Antwort. Eine Abschrift der Chikagoer Heilsbotschaft wurde beigelegt und der Brief mit Eilvermerk versehen. Dann brachte Mutter Krüger das Frühstück. Sie stellte das Tablett auf den Tisch, ordnete umständlich die frischen Brötchen auf dem Teller und sah mehrere Male nach, ob die Butterdose gefüllt war. Wendrich sah ihr belustigt zu, er merkte schon, daß sie etwas auf dem Herzen hatte. Wahrscheinlich brauchte sie wieder einmal einen„kleinen Vorschuß“, es war ja auch weiß Gott nicht leicht für sie, sich mit Zimmervermieten durchs Leben zu schlagen. Endlich rückte sie sachte mit der Sprache heraus.„Sagen Sie mal, Herr Wendrich, was ist eigentlich eine Statistin? Ist da wohl etwas Unanständiges bei?“ Wendrich machte ein verblüfftes Gesicht.„Wie kommen Sie darauf, Frau Krüger?" Er erklärte ihr den Ausdruck und zerstreute ihre moralischen Bedenken. Frau Krüger atmete sichtlich erleichtert auf.„Ja, und dann noch etwas! Was bedeutet„repräsentatives“ Aussehen? Möchten Sie mir das noch erklären?" Wendrich hatte immer noch keine Ahnung, worauf seine brave Wirtin mit ihrer sonderbaren Wißbegier hinauswollte. „Nun ja.“ lachte er,„wenn Sie Ihr hübsches schwarzes Kleid anziehen, wissen Sie, das mit den Rüschen, dann sehen Sie repräsentativ aus, so wie eine Frau Geheimrat, wie eine richtige feine Dame.“ Frau Krüger fühlte sich geschmeichelt, und nun kam die Wahrheit in Gestalt der Morgenzeitung an den Tag. Sie faltete das Blatt geschäftig auseinander, ganz glücklich, daß sie ihre Angelegenheit so weit hatte. Mit aufgeregten Fingern wies sie auf eine Anzeige: „Aeltere Damen von repräsentativem Aussehen werden zu Filmaufnahmen als Statistinnen gesucht. Bewerberinnen wollen sich im Büro der Europa=Film A.=G., Kurfürstendamm 127, wochentags zwischen zwölf und ein Uhr vorstellen." Wendrich begann zu ahnen.„Ach, nun fange ich an, zu verstehen! Sie wollen——“ „Glauben Sie, daß es etwas für mich wäre?“ unterbrach sie ihn, glühend vor Aufregung.„Ich möchte mich melden. Man kann es ja versuchen, nicht?“ Der Redakteur beeilte sich beizustimmen.„Doch, natürlich, das wäre ja fabelhaft! Mutter Krüger als Filmstar, sieh einer an! Da gehen wir aber zusammen in die Uraufführung, wie?“ „Nun machen Sie sich über mich lustig!“ klagte Frau Krüger.„Na. aber warten Sie nur! Wenn Sie wüßten! Ich habe schon einmal als junges Mädchen Theater gespielt, auf einer Liebhaberbühne. Es liegt mir im Blut, müssen Sie wissen!" Wendrich gab sich geschlagen, er wagte es nicht mehr, Mutter Krügers Künstlerblut in Zweifer zu ziehen. Insgeheim hatte er sich bereits einen Plan zurechtgelegt. Er wollte ein wenig Vorsehung spielen Der lange Hennigs, der frühere Theaterkritiker von der„Mittagspost“, war doch jetzt Regisseur bei der„Europa“! Das traf sich großartig. Man würde ihn im Laufe des Vormittags anrufen und ihm Mutter Krüger wärmstens ans Herz legen. Hennigs war ein feiner Kerl, der brachte die Sache ohne viel Worte zum Klappen. Mutter Krüger! Was ihr alles einfiel!— Wendrich machte sich schmunzelnd auf den Weg. Er befand sich in ausgezeichneter Stimmung. In der Redaktion erwartete ihn die Arbeit des Tages. Er liebte seinen Beruf, den er sich in hartnäckiger Ausdauer erkämpft hatte. In einer Generation von Beamten war er— neben dem völlig mißratenen Onkel Albert— der einzige Abtrünnige gewesen, und es hatte aller Zielsicherheit und Begeisterung seines jungen Herzens bedurft, sich nicht zur Abiegung des Staatsexamens überreden zu lassen. Noch vor Beginn der Sprechstunde telephonierte Fritz Wendrich die„Europa“ an und ließ sich mit Regisseur Hennigs verbinden. Hennigs hatte sich seine laute Stimme natürlich immer noch nicht abgewöhnt. Sein Gebrüll machte die Hörmuschel zittern. „Ach, du bist es. Wendelin, alter Igel! Was ist los? Ich wette, du willst mich für heute abend einladen. Das ist riesig nett! Wohin gehen wir? Ich schlage das„Münchener Hofbräu“ am Wittenbergplatz vor!— Einverstanden?" Hennigs war zwar ein waschechter Preuße, was ihn aber nicht hinderte, eine Schwäche für bayrisches Bier zu haben. „Eine glatte Erpressung!“ protestierte Wendrich„Aber immerhin, wir wollen es gelten lassen— unter einer Bedingung! Du mußt mir einen Gefallen erweisen!" „Ist gemacht! Selbstverständlich! Willst du für die Wochenschau aufgenommen werden?“ „Nun sei endlich vernünftig, Hennigs! Also, ihr sucht doch ältere Damen als Statistinnen, stimmt es?“ „Stimmt auffallend, aber sag mir, willst du uns etwa deine Schwiegermutter andrehen?" „Nicht ganz, aber meine Wirtin interessiert sich dafür und will sich bewerben. Also mach ihr schon die Freude! Sie könnte den Verdienst recht notwendig brauchen. Eine frühere Schauspielerin überdies!“ „Geht in Ordnung, Wendelin! Ich werde mit dem Alten reden. Und wie heißt die Holde?" Wendrich buchstabierte den Namen und hängte schmunzelnd an, nachdem er Hennigs nochmals hatte versprechen müssen, am Abend pünktlich zur Stelle zu sein. Der Botenjunge hatte schon die ersten Anmeldungen für die Sprechstunde auf den Schreibtisch gelegt. Wendrich teilte die Abneigung vieler Kollegen gegen diesen Teil der Berufsarbeit nicht. Es gab keine bessere Gelegenheit, Menschen kennenzulernen. Junge Leute, voll Begeisterung und Ehrgeiz, würdevolle alte Herren mit abgeklärten Ansichten, die kluge und bedeutsame Worte zu sagen wußten, Frauen, die sich zäh und bewundernswert mit der Arbeit ihrer Feder durchs Leben schlugen, das Leben selbst in seiner glitzernden Buntheit und vielfachen Gestalt zog während der Sprechstunden am Redaktionsschreibtisch vorüber.— Und dann waren auch diese aufregenden zwei Stunden vorüber. Wendrich stand auf, streckte sich mit behaglichem Stöhnen und ließ sich durch den Botenjungen eine Tasse schwarzen Kaffee besorgen. Das starke Gebräu brachte die Nerven wieder in Ordnung. Während sich der Redakteur noch der Vertilgung seiner Frühstücksschnitte hingab, die ihm Mutter Krüger jeden Morgen sorgsam einzupacken pflegte, öffnete sich die Tür. Ein junger Mann mit zerzausten Haaren und in weiten, braunen Knickerbockers zeigte sein grinsendes Gesicht. „Na, Mahlzeit. Wendelin! Sind die Pharisäer und ner schon aus dem Tempel gejagt?“ Es war eine boshafte Anspielung auf die Besucher der Sprechstunde. Wendrich lachte mit vollem Munde.„Tag, Hildebrand! Bekommt man Sie auch wieder einmal zu sehen?" „Ja, mein Lieber!" lächelte Kollege Hildebrand und rieb sich genießerisch die Hände.„Ich möchte mich nur verabschieden! Morgen geht es in Urlaub. Was sagen Sie zu dem herrlichen Wetter?“ Wendrich machte ein neidisches Gesicht.„Ihr jungen Leute habt es schön!— Wohin reisen Sie denn?" „Reisen?“ spottete Hildebrand verächtlich.„Kommt nicht in Frage. Wozu habe ich denn mein Motorrad? Damit kann man so richtig losknattern— ins Blaue hinein!“ „Und wo liegt dieses„Blaue"?“ Hildebrand machte eine weitgreifende Handbewegung. „Jedenfalls Süddeutschland! Bayern! Das wollte ich lange mal kennenlernen, und auch meine Kamera freut sich schon auf die vielen schönen Aufnahmen. Nürnberg wird voraussichtlich meine erste Station sein.“ „Nürnberg,“ wiederholte Wendrich gedehnt, mit einem so deutlichen Ausdruck der Verblüffung, daß Hildebrand aufmerksam wurde. „Was ist's? Kennen Sie Nürnberg? Es soll eine der schönsten deutschen Städte sein!“ Wendrich hatte plötzlich einen Einfall, der ihn geradezu überwältigte. „Hören Sie mal, Hildebrand!“ sagte er und kratzte sich aufgeregt den Kopf.„Ich kann Ihnen Gelegenheit geben, einen hervorragenden Beweis Ihrer Tüchtigkeit als Reporter abzulegen. Hier— stecken Sie sich eine Zigarette an! Ich muß Ihnen ein interessantes Erlebnis erzählen! Ein seltsamer Zufall!— Gestern abend erst geschah es— und heute kommen Sie mit der Neuigkeit, daß Sie nach Nürnberg reisen wollen.“ Er schien die tapferen Vorsätze, die er am Morgen gefaßt hatte, völlig vergessen zu haben. In aller Ausführlichkeit berichtete er dem Kollegen von dem merkwürdigen Ferngespräch mit Nürnberg und wie sehr ihn der Einbruch jenes fremden Leides im Innersten gepackt habe. „Sie werden mich natürlich auslachen, Hildebrand, ich sehe es Ihnen an. Aber glauben Sie mir: Ich bin geradezu aus dem Gleichgewicht gerissen, ich fühle eine Art Verpflichtung gegenüber dieser Frau. Ich möchte so gern etwas für sie tun. sehe aber keine Möglichkeit, wie ich es anpacken soll, ohne aufdringlich zu erscheinen“. 6.41 S. 2.64nd Hildebrand schob seine Krawatte zurecht. er gestand sich, daß diese mystische Geschichte immerhin ihren Reiz hatte. „Aber wird denn Ihre schöne Unbekannte sich inzwischen nicht schon einen anderen Ausweg gesucht haben? Möglicherweise werden Sie gar nicht mehr benötigt.“ „Dies festzustellen wäre eben Ihre Aufgabe!“ fiel Wendrich eifrig ein.„Und wenn auch! Mögen alle Schwierigkeiten inzwischen behoben sein, schließlich interessiert mich ja nicht allein der hilfsbedürftige Mensch, sondern——“ „Sondern zu einem guten Teil auch die— Frau!“ ergänzte Hildebrand mit verständnisvollem Augenzwinkern.„Vollkommen im Bild, Herr Kollege, Sie brauchen wirklich nicht rot zu werden.“ Wendrich versuchte sich zu wehren.„Nun, ganz so schlimm wie Sie meinen, ist es nun auch wieder nicht. Die Tatsache. daß es sich um eine Frau, anscheinend sogar um eine junge. elegante und schöne Frau handelt, ist allerdings ein gewisser Anreiz, aber nicht das eigentlich Lockende. Nein, gewiß nicht ich müßte lügen“ „Na, na, Wendelin!" lachte Hildebrand.„Warum denn so hartnäckig leugnen?“ Wendrich war unversehens nachdenklich geworden. Seine Blicke glitten durch das Fenster in den Hof des Verlagshauses dessen trostlose Nüchternheit durch die hohen Mauern ringsum noch gesteigert wurde. „Ich will es Ihnen sagen, warum ich von dieser Geschichte nicht mehr loskomme. Das Abenteuer ist es— oder wenn Sie es noch genauer wissen wollen:— Die Romantik! Jawohl, Hildebrand, seien wir doch ehrlich! Uns ist es ja gar nicht so wohl in unserer nüchternen Haut, wie wir uns immer weismachen möchten. Ist ja gar nicht wahr! Inmitten unserer Maschinen, inmitten unserer verdammten Blasiertheit, unseres ganzen modernen Getues lebt die große Sehnsucht nach jener anderen verlorenen Welt, nach der blauen Insel der Romantik, des heiteren Traumdaseins. Wir haben eine brennende Sehnsucht nach all den verschütteten Wundern, an die wir einmal geglaubt, so gern geglaubt haben Und wenn dann eines Tages etwas kommt, das einem Wunder ähnlich sieht— und mag es nur ein armseliges Zerrbild sein, dann verfallen wir seiner Lockung.“ Hildebrand hatte dem Kollegen mit wachsendem Erstaunen zugehört.„Hm!“ brummte er, sich besinnend.„So wie Sie es sagen, klingt es ganz plausibel. Man kann eigentlich nichts dagegen einwenden.“ Der Redakteur blätterte in seiner Mappe.„Sehen Sie. gestern war ein junger Mann bei mir und brachte mir einen Aufsatz über dieses Thema. Ich suchte seinen Standpunkt zu widerlegen, aber nun will mir scheinen, daß der Mann gar nicht so unrecht hat. Ein armer Teufel, nichts zu beißen. aber wie dies Völkchen den Kopf hochträgt!— Wir sagen: Ein verschrobener Kauz, ein alberner Spintisierer, ein Mensch, der nicht in unsere Zeit paßt!— Ja, wieso denn? Als wenn die Sonne heute nicht ebenso schiene und der Frühling nicht ebenso blühte wie vor hundert Jahren! Wir haben uns ja nur eine andere Umwelt, andere Behausungen geschaffen— weiß der Teufel warum! Sind nicht jene Käuze die Glücklicheren?“ „Ich kenne Sie ja gar nicht mehr. Wendelin?“ staunte Hildebrand.„Und all dies hat jene fremde Frau bewirkt?— Klar, daß ich mich Ihnen mit tausend Freuden zur Verfügung stelle! Können Sie mir aber nicht wenigstens einige Anhaltspunkte geben?" „Nur die Telephonnummer, mit der ich verbunden war. und den Vornamen der Unbekannten: Jenny! Alles Weitere muß ich Ihrem Scharfsinn überlassen.“ Hildebrand machte sich die nötigen Notizen. Dann streckte er seinem Kollegen die Hand hin.„Also— verlassen Sie sich auf mich! Ich werde Ihre„blaue Insel“ bis in den letzten Winkel durchforschen und Ihnen Ihre Märchenfrau tot oder lebendig zur Stelle bringen.“ „Lebendig ist mir lieber!“ scherzte Wendrich.„Und wenn es Ihnen glückt, spende ich ein paar Flaschen Sekt! Einverstanden?“ m. „Selbstverständlich einverstanden, Wendelin!“ 6. Auf dem Nußbaum vor dem Fenster waren ein paar Spatzen in Streit geraten. Sie hüpften aufgeregt von einem Ast zum andern, verdrehten die Köpfe und sahen sich feindselig an. „Eine Unverschämtheit!“ schrie der eine, ein kleiner Dickwanst mit einem weißen Tupf auf der Brust.„Was denken Sie überhaupt? Mir den Wurm, den ich meiner Familie eben nach Hause bringen will, vor dem Schnabel wegzuschnappen!— Verkneifen Sie sich Ihr höhnisches Lachen!“ „Das wäre ja noch schöner!“ tobte der andere. ein dürres, sehr lang geratenes Kerlchen.„Sie haben wohl das Jagdrecht hier gepachtet? Sie scheinen mir ja nicht einmal ortsansässig zu sein! Glauben Sie vielleicht, Sie können hier wegen Ihres Ordens, den Sie auf dem Bauch haben. den Schnabel aufreißen?" Der Streit wurde so heftig, daß Frau Jenny davon erwachte. Eine Weile guckte sie schlaftrunken an die Zimmerdecke, streckte mit einem Gefühl wohligen Behagens den Körper und begann nachzudenken, was zu geschehen habe Ihre Barschaft reichte selbst bei sparsamster Haushaltung nur für wenige Tage. Da sie Märckls Hilfe zurückgewiesen hatte, blieb nichts anderes übrig, als den Schmuck zu verkaufen, den sie vorsorglich mit eingepackt hatte Allzulang wollte sie sich in diesem Ort keineswegs aufhalten. Nur ein wenig ausruhen, einen oder zwei Tage vielleicht. und dann weiterfahren! Die Handverletzung war am heilen, wenn sie sich nicht zu sehr anstrengte, würde sie es schaffen. Mutigen Herzens sprang sie aus dem Bett und trat im Schlafanzug ans offene Fenster. Der Sommermorgen, von Tauperlen bunt durchglitzert, sang ihr mit tausend fröhlichen Stimmen entgegen. Ein köstlicher Geruch von Blumen. Waid und Erde strömte in lauen Wellen um ihre Gestalt Die paar Häuser des Dorfes grüßten freundlich zu ihr herauf. Und dahinter, in blauen und grünen Farben aufgebaut, winkten die Berge des fränkischen Landes in ihrer schlichten Schönheit Jenny ging zum Waschbecken und ließ es bis zum Rand mit kaltem Wasser vollaufen. Während des Waschens stellte sich die Erinnerung ein. Die turchtbare Entdeckung auf der Bank, die Auseinandersetzung mit Emil— bis zu der abenteuerlichen Flucht durch die Gevitternacht, bis zu Märckls häßlichem Ueberfall. Sie hatte den jungen Menschen ganz gut leiden mögen Seine Hilfsbereitschaft, seine warme, unaufdringliche Teilzahme hatten ihr wohl getan Warum hatte er ihr diese schmerzliche Ernüchterung nicht erspart? Eine Geldsumme auf den Tisch legen und dann—! Rein. das hätte nicht geschehen dürfen! „Jenny!“ murmelte sie„Arme, einsame Frau! Du könnest Geschenk und Freude sein, wenn du den Mann fändest, der dich lieben könnte, ohne dich zu demütigen. ohne deinen Stolz zu verletzen.“ Mitten in ihrem Selbstgespräch fiel ihr der Unbekannte ein, dem sie gestern, ohne es zu wissen, ihre Not preisgegeben hatte.„" 94f. „Hier ist jemand, der Ihnen aus innerstem Beourfnis zelfen möchte. Der Name ist nicht von Bedeutung. Berachten Sie mein Dazwischenkommen als eine Fügung des Sccs GGsiechuns eiechd