67. Jahrgang Vor einer komreise Schuschniggs? Wie das sehr gut informierte christlich=soziale „Neuigkeits-Weltblatt“ mitteilt, dürfte sich Bundeskanzler Dr. Schuschnigg in allernächster Zeit nach Rom zu einem Besuch Mussolinis begeben. Vizekanzler Starhemberg wird den Bundeskanzler auf dieser Reise begleiten. Geldsummen und können Nahrungsmittel einkaufen. Nach einer weiteren Meldung sind auf der Linie Marburg—Drauburg allein 700 Oesterreicher nach Südslawien geflüchtet. Alle werden vor Gericht gestellt Die Maßnahmen gegen die Minderbeteiligten am Aufstand— Amtsenthebung Rintelens Das Bundesverfassungsgesetz, wonach Minderbeteiligte an dem Aufstand der letzten Tage unbeschadet einer gerichtlichen Strafe in ein Konzentrationslager zu schwerer Zwangsarbeit übergeführt werden können, ist Dienstag erschienen. Außerdem wird bei allen Personen, gegen die im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 25. bis 27. Juli eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet ist, auf Vermögensbeschlagnahme erkannt werden. Im Falle eines Freispruches wird das Vermögen wieder zurückgegeben. Wie weiter mitgeteilt wird, wurden der Gesandte Dr. Anton Rintelen, ferner der Hofrat der Polizei Otto Steinhäusl sowie Polizeikommissar Leo Gotzmann unter vorläufiger Kürzung ihrer Bezüge auf zwei Drittel ihres Dienstes enthoben...„ Der Landesschulrat von Kärnten hat für die Schulen der Bezirke Spittal an der Drau, St. Veit an der Glan, Völkermarkt, Wolfsberg und Feldkirchen die Einstellung aller Gehaltsauszahlungen verfügt. Gegen alle Lehrer dieser Bezirke wird eine Untersuchung eingeleitet, ob und inwieweit sie an den Aufstandsversuch vom 25. bis 27. Juli beteiligt waren. Der Wiener Landesgerichtsrat Dr. Wenger wurde wegen angeblicher hochverräterischer Bemerkungen verhaftet und im Landesgericht eingeliefert. Der Wiener Militärgerichtshof Die Erschießung des Innsbrucker Polizeileiters Am Mittwochvormittag begann die Standgerichtsverhandlung vor dem Militärgerichtshof Wien gegen die beiden Angeklagten Friedrich Wuraig und Christian Meyer, die beschuldigt wurden, am 25. Juli, gegen 15 Uhr, den Kommandanten der Innsbrucker städtischen Sicherheitswache, Stabshauptmann Franz Hickl aus Wien, auf der Straße erschossen zu haben. Die nächste Verhandlung vor dem Militärgerichtshof ist für Donnerstag, 9 Uhr vormittags, angesetzt. Es werden sich der Holzhändler Paul Hudl, der dritte Anführer des Putsches, sowie 20 weitere Aufständische zu verantworten haben. Wie holzweber und Planetta starben Amtlich wird aus Wien mitgeteilt: Holzweber und Planetta wurden nacheinander hingerichtet, zuerst Holzweber, der nach der Verkündigung der Abweisung des Gnadenantrags rief:„Ich sterbe für Deutschland! Heil Hitler!“ Auch Planetta rief vor der Hinrichtung:„Heil Hitler!“ Dazu wird noch bekannt, daß beide Angeklagten eine außerordentlich ruhige Haltung einnahmen. Sie baten um geistlichen Beistand, und bald erschienen ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher im Gefängnis, mit denen beide zum Tode Verurteilten lange sprachen. Personen, die bei der Hinrichtung anwesend waren, erzählen, daß beide wie wahre Männer gestorben sind. Holzweber wiederholte, schon den Strick um den Hals, immer wieder den Ruf:„Heil Hitler!“ Er es so lange, bis ihm sterbend der Ausruf in der Kehle erstickt wurde. Frau Dollfuß wieder in Riccione Die Witwe des verstorbenen Bundeskanzlers Dollfuß ist am Dienstagnachmittag wieder in Riccione eingetroffen. Sie wurde von ihren beiden Kindern und von Donna Nachele Mussolini empfangen und begab sich sogleich im Kraftwagen zur Villa Sant'Angelo, wo sie noch einige Zeit verbleiben wird. Nr. 178 Schwerte(Kuhr), Donnerstag, den 2. August 1934 Hindendurge Sesnden hal sich Serschimtert Adolf hitler besuchte den erkrankten Reichspräsidenten in Neudeck Das Befinden des Reichspräsidenten DRB. Neudeck, 1. August.(8.30 Uhr vorm.) Trotz ruhiger Nacht nimmt die Schwäche zu. Der Herr Reichspräsident ist bei klarem Bewußtsein und fieberfrei. Puls schwächer. Für die behandelnden Aerzte Prof. Sauerbruch. DRB. Neudeck, 1 August.(12.20 Uhr). Der körperliche Zustand des Herrn Reichspräsidenten gegenüber heute morgen unverändert. Die geistige Frische hält an. Gegen mittag geringe Nahrungsaufnahme. Für die behandelnden Aerzte Prof. Sauerbruch. DRB Neudeck, 1. Aug.(18,20 Uhr.) Ueber den Zustand des Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, wird von den behandelnden Aerzten in Neudeck um 18.20 Uhr folgendes Bulletin herausgegeben: „Der Schwächezustand des Herrn Reichspräsidenten hat weiterhin zugenommen. Benommenheit beginnt. Die Herzkraft läßt nach. Für die behandelnden Aerzte: Prof. Sauerbruch.“ haler am Krankenbett Reichskanzler Adolf Hitler hat sich Mittwoch vormittag 10.15 Uhr im Flugzeug nach Neudeck begeben. Er stattete in Neudeck dem erkrankten Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall von Hindenburg einen Besuch ab und gab an dessen Krankenlager seinen und des ganzen deutschen Volkes Wünschen für die Genesung des verehrungswürdigen Reichsoberhauptes herzlichen Ausdruck. Gesete für den Reichspräsidenten Eine Anordnung des Reichsbischofs Der Reichsbischof erließ folgende Anordnung: Das ganze deutsche Volk richtet seine Gedanken voll sorgender Anteilnahme nach Neudeck. Ich ordne an, daß in sämtlichen gottesdienstlichen Andachtsstunden, die am 2. August in Erinnerung an den Kriegsbeginn gehalten werden, fürbittend des Herrn Reichspräsidenten gedacht wird. Ferner sind die Kirchen tunlichst den ganzen Tag über offen zu halten, um den evangelischen Volksgenossen die Möglichkeit zur Sammlung und fürbittendem Gebet zu geben. Das Offenhalten der Kirchen ist in geeigneter Weise durch Abkündigung und in der Ortspresse bekanntzugeben. Auslandsdeutsche Anteilnahme Das gesamte Auslandsdeutschtum nimmt an der ernsten Erkrankung des Reichspräsidenten von Hindenburg ernsten Anteil. Als besonderer Beweis hierfür können die Ausführungen gelten, die das führende Organ der Deutschen in Polen, die „Deutsche Rundschau in Polen“, dem in Posen geborenen Generalfeldmarschall widmet. Das Blatt schreibt:„Vor zwanzig Jahren— der Jahrestag des Kriegsausbruches erinnert mit lauter Sprache daran— wurde dem deutschen Volke Hindenburg bekannt. Er ist in diesen zwei Jahrzehnten seines jugendlichen Greisenalters zu einer mythischen Gestalt geworden, der Ausdruck der höchsten Form des deutschen Menschen, den unsere Vorpäter den Platz neben den Göttern zuwiesen. Auch wir Deutschen in Polen haben ein Recht darauf, ihm mit unserer Verehrung und Liebe, auch mit unseren Gebeten in diesen Stunden der Gefahr nahe zu sein. Er hat doch mit seinen kapferen Streitern, die vor 20 Jahren ins Feld zogen, unsere Häuser und Felder vor der russischen Verwüstung bewahrt. Ist er doch unseres Volkes getreuer Eckehard in schwerer Zeit, unserer Provinz größter Sohn geworden. Wir bangen um sein Leben und wir geloben, seinem Vorbild in Treue und Pflichterfüllung an unserem Teil nachzueifern. Dänemark Die Nachrichten über die Besorgnis um das Befinden des Reichspräsidenten vor Hindenburg Neudecks Anteilnahme an der Krankheit des Gutsherrn von Neudeck Neudecker Bauern hören einen Bericht über das Befinden des kranken Reichspräsidenten von Hindenburg stehen in Dänemark im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Abendblätter, die die ersten Meldungen brachten, waren rasch vergriffen. Die Morgenblätter bringen die eingegangenen Nachrichten in großer Aufmachung. Sie veröffentlichen auch Aufnahmen des Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten aus den verschiedenen Abschnitten seines Lebens. In ausführlichen Meldungen der Berliner Berichterstatter wird der tiefe Eindruck geschildert, den die Nachricht aus Neudeck in Berlin gemacht hat. In einem Artikel der„Verlinske Tidende“ heißt es u. a.: Er ist Deutschlands gewaltiger alter Mann, der nie gegen sein fest fundamentiertes, grundehrliches durchexerziertes deutsches Gewissen handelte. Er ist selbst die Inkarnation des großen deutschen Volkes. Japan In japanischen politischen Kreisen hat die Nachricht großes Bedauern ausgelöst. Die gesamte japanische Presse bringt den ersten Bericht über die Erkrankung des Generalfeldmarschalls und hebt dabei seine großen Verdienste in der Kriegs= und Nachkriegszeit hervor. Verschiedene führende Persönlichkeiten haben beim deutschen Botschafter nach dem Gesundheitszustand des Reichspräsidenten erkundigt. Rumipse nn Kurnten Sauern an Ein Bericht der Belgrader Preme Die Belgrader Zeitung„Breme“ veröffentlicht einen telephonischen Bericht ihres Korrespondenten aus Unterdrauburg von der südslawisch=österreichischen Grenze über die Lage am Dienstag. Danach dauerten die Kämpfe zwischen Aufständischen und Bundestruppen in Kärnten auch während des ganzen Dienstags an. Es soll sich dabei um die blutigsten und verlustreichsten Kampfhandlungen gehandelt haben, die im Verlaufe des ganzen Aufstandes in Oesterreich zu verzeichnen waren. Die Aufständischen und die Bundestruppen hätten zahlreiche Tote und Verwundete zu beklagen. Das Gefecht wurde durch ein Manöver der Bundestruppen eingeleitet, die die Stellung der Aufständischen hart an der südslawischen Grenze angriffen, um sich dann in scheinbar regelloser Flucht zurückzuziehen. Die Aufständischen fielen auf dieses Manöver herein und machten sich sogleich zur Verfolgung auf. Der Zweck des Manövers bestand darin, die Aufständischen von der Grenze fortzulocken, da die Bundestruppen aus Sorge, ihre Schüsse könnten auf südslawisches Gebiet einschlagen, nicht ihre volle Feuerkraft entfalten konnten. Die Aufständischen gerieten jedoch bei der Verfolgung in einen Hinterhalt und wurden auf beiden Flanken angegriffen. Sie ergaben sich aber nicht, sondern verteidigten sich den ganzen Tag. Das Manöver der Bundestruppen scheint schließlich mißglückt zu sein, weil die Aufständischen neue Verstärkung erhielten und sich mit ihrer Hilfe aus der Umklammerung befreien konnten. Der Berichterstatter der„Vreme“ erklärt weiter, daß die Aufständischen über keinen Nachrichtendienst verfügten, was ihr größter Nachteil gegenüber dem Bundesheer sei. Abteilungen, die im Laufe des Kampfes angestrengt wurden, müßten über die Grenze nach Südslawien, um nicht in die Hände der Bundestruppen zu fallen. Im Laufe des Montags und Dienstags seien etwa 350 Aufständische in kleineren Gruppen nach Südslawien übergetreten, wo sich jetzt rund 1200 Kärntner befinden. Sie seien in Kroatien auf drei Orte aufgeteilt, nämlich auf Warasdin, Belovar und Poschega. Sie könnten sich frei bewegen, dürften aber die Orte nicht verlassen. Sie hielten gute Disziplin, so daß sich das Leben in den Lagern und der Verkehr mit der Bevölkerung reibungslos abwickele. Die„Vreme“ berichtet ferner von der Grenze, daß am Dienstag im Westen Kärntens eine große Aufstandsbewegung begonnen habe. Es seien nunmehr auch dort heftige Kämpfe entbrannt. Die Aufständischen versuchten einen konzentrischen Angriff auf Klagenfurt. 3000 österreichische Flüchtlinge in Südslawien Nach einer Belgrader Meldung der Stunde" sind bisher 3000 Aufständische auf südslawisches Gebiet übergetreten. In Warasdin ist Dienstag ein neuer Transport von 60 Flüchtlingen eingetroffen, darunter befinden sich auch zwei Frauen und fünf Kinder. Den Flüchtlingen wurden die Waffen abgenommen. In den ersten Tagen nach der Flucht befanden sich die Flüchtlinge allerdings in großer Not, doch versügen sie heute, wie die südslawischen Blätter melden, über gewisse Heimatblatt Einzige in Schwerte gedruckte Tages=Zeitung Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Seitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen S Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Texteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte.— D. A. VI/34, 1718 Massenderhastungen in Sesterreich Die Vorbereitung des Angriffs auf das Bundeskanzleramt geklärt Die Die polizeiliche Untersuchung des Putsches vom 25. Juli hat ergeben, daß die Aufständischen in Wien ihre Waffen und Uniformen auf einem Holzlagerplatz im 20. Bezirk verborgen hatten. Erst am Mittwochvormittag wurden diese Gegenstände in die Turnhalle im 7. Bezirk gebracht. Ferner wurde festgestellt, daß die Führer der fünf Kraftwagen, die zu dem Ueberfall verwendet wurden, vollkommen unschuldig sind. Sie wurden vormittags von einer unbekannten Person angerufen, sich zu einem großen Transport in die Siebensterngasse zu begeben, wobei ihnen bedeutet worden war, daß es sich um einen staatlichen Auftrag handele. Das ganze Manöver war so geschickt eingefädelt worden, daß keiner der Kraftwagenführer, noch der Kraftwagenbesitzer irgendeinen Verdacht schöpfte, zumal das bekanntgegebene Fahrtziel, Bundeskanzleramt, überhaupt dazu angetan war, jeden weiteren Zweifel zu zerstreuen. Außer den hingerichteten beiden Führern der Aufständischen wurden noch weitere 20 Anführer beim Ueberfall auf das Bundeskonzleramt ermittelt. In das Welser Kreisgericht sind 200 Personen wegen Teilnahme an dem Aufstand eingeliefert worden. Es befinden sich darunter zahlreiche Intellektuelle und Staatsbeamte. Voraussichtlich dürfte für Wels ein eigener Militärgerichtssenat bestellt werden. In Graz sind bisher 1400 Strafanzeigen eingelaufen. Bemerkenswert ist die berufsmäßige Schichtung der unter Anklage gestellten JuliPutschisten in der Provinz. Nach einer Meldung des„Neuigkeits=Weltblattes“, rekrutiert sich die überwiegende Zahl der Beschuldigten aus rein bäuerlichen Kreisen. Der Rest sind fast ausschließlich Intellektuellen wie Amtsräte, Postdirektoren, Lehrer, Zollbeamte, Aerzte und Rechtsanwälte. Da alle diese Leute ihre Posten und ihre Aemter verlieren, kann geradezu von einer Dezimierung der nationalen Beamtenschaft in Kärnten und Steiermark gesprochen werden. Um den freien Abzug Veröffentlichung eines österreichischen Ministerratsbeschlusses vom 25. Juli Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht, um offenbar Behauptungen, die österreichische Bundesregierung sei an das Abkommen zwischen den Aufständischen und den Unterhändlern der Regierung über freien Abzug gebunden und eine Hinrichtung von Aufrührern dürfe nicht stattfinden, die Spitze abzubrechen, einen Ministerratsbeschluß, der in den ersten Nachmittagsstunden am Tage des Aufruhrs von der im Landesverteidigungsministeriums versammelten Rumpfregierung gefaßt wurde. Dieser Ministerratsbeschluß, der von dem damals seitens des Bundespräsidenten mit der kommissarischen Leitung der Regierung betrauten Unterrichtsminister Dr. Schuschnigg gezeichnet ist. lautet:„Auf Befehl des Herrn Bundespräsidenten werden die Aufrührer aufgefordert, innerhalb einer Viertelstunde das Ballhausgebäude zu verlassen. Wenn kein Menschenleben auf Seiten der widerrechtlich ihrer Freiheit beraubten Mitglieder der Regierung zu beklagen ist, erklärt die Regierung, den Aufrührern freien Abzug und Ueberstellung über die Grenze zu sichern. Wenn die gestellte Frist fruchtlos verläuft, werden die Machtmittel des Staates eingesetzt werden. gez. Schuschnigg. Die Uneinigkeit der heimwehr „Evening Standard“ berichtet aus Wien über Uneinigkeit in der Heimwehr. Verzweifelte Anstrengungen würden gemacht, um den Frieden in ihren Reihen herzustellen. Es gebe Offiziere, die mit der Ernennung Schuschniggs zum Kanzler unzufrieden seien. Verschiedene dieser Offiziere seien aus der Heimwehr ausgetreten. Eine Anzahl von Heimwehroffizieren habe Wien verlassen. Der österreichische Bundeskanzler hat sein Amt übernommen Deutsch-polnisches Roggenabkommen auf ein Jahr verlängert Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wurde am 1. August die Verlängerung des Abkommens über die gemeinsame Regelung der deutsch=polnischen Roggen= und Roggenmehlausfuhr unterzeichnet. Das Abkommen wurde gleichzeitig auf Grund der guten Erfahrungen mit der bisherigen Regelung für Roggen und Roggenmehl auf Weizen= und Weizenmehl ausgedehnt. Die Verlängerung gilt für ein Jahr. Auf deutscher Seite hat das Abkommen Dr. Moritz, Ministererialdirektor für Ernährung und Landwirtschaft, und auf polnischer Seite der polnische Gesandte in Berlin, Lipski, unterzeichnet. Dr. Schuschnigg in seinem Arbeitszimmer bei Amtsbandlungen war. der Rundfunkansprache. ersten Der Charlottenburger Raubüberfall aufgektärt Der Täter im Kreis Zauch=Belzig verhaftet In der Ortschaft Damsdorf im Kreise ZauchBelzig gelang es am Mittwoch, den Raubüberfall aufzuklären, der am 24. Juli in Berlin=Charlottenburg in der Augsburger Straße auf die Frau des Tabakwarengroßhändlers Steinbrecher verübt wurde. Als Täter wurde der seit einem Jahr bei einem Siedler in Damsdorf wohnende Walter Bittermann ermittelt und verhaftet. Bittermann legte ein umfassendes Geständnis ab, sodaß seine Ueberführung in das Berliner Polizeipräsidium erfolgen konnte. Bittermann, der sich in arger Geldverlegenheit befand, war seiner Zeit am 23. Juli zusammen mit Steinbrecher, der sein Tabaklieferant war, nach Berlin gefahren, angeblich, um in der Markthalle einzukaufen. Am Abend des folgenden Tages ging er dann noch einmal in die Wohnung des Steinbrecher. Während er sich von der Frau des Händlers Tabakwaren einpacken ließ, zog er ein eigens dafür mitgebrachtes Eisenrohr hervor und schlug damit die Frau mehrere Male über den Schädel, sodaß sie blutüberströmt zusammenbrach. Er hatte damals eine Geldkassette, die er bei einem früheren Besuch bereits gesehen hatte, geraubt und war geflüchtet. Die Hursburger=kommen wierer Aufsehenerregende Erklärungen von Oesterreichs Geschäftsträger im Haag In einer Unterredung mit dem Vertreter des offiziösen Haager Korrespondenzbüros erklärte der österreichische Geschäftsträger im Haag, Dr. Alexich, der zugleich beim belgischen Hof akkreditiert ist, zur Frage der eventuellen Rückkehr der Habsburger, daß das Streben der BunAoreimen uder ven Slauisfagenetag Vereinbarungen zwischen Reichserziehungsminister und Reichsjugendführer Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Unterricht gibt ein Abkommen bekannt, in dem es u. a. heißt:„Für die Erziehung der Schuljugend im nationalsozialistischen Staate sind Schule, Reichsjugendführung(HI=Bewegung) und Elternhaus nebeneinander berufen. Um ein fruchtbares Zusammenwirken zu gewährleisten, sind der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der Jugendführer des Deutschen Reiches über folgende, in der Zukunft zu verwirklichende Maßnahmen einig: 1. Der Sonntag der Jugend gehört grundsätzlich dem Elternhaus und der 2. Für die Erziehungsarbeit der Reichsjugendführung(HI=Bewegung) wird den ihr unterstellten Schülern der Sonnabend als Schulfeiertag eingeräumt(Staatsjugendtag). Daneben steht der Reichsjugendführung(HI=Bewegung) der Mittwoch=Abend als Heimabend zur Verfügung, der von der Reichsjugendführung zentral gestaltet wird. 3. Für die übrigen Schüler findet am Sonnabend Unterricht wie üblich statt. 4. Im übrigen stehen die Werktage uneingeschränkt der Arbeit der Schule zur Verfügung. 5. Für die beruflich tätige, der Reichsjugendführung(HI=Bewegung) unterstehende Jugend wird bis zum vollendeten 18. Lebensjahre die gleiche Regelung angestrebt. In Ausführung dieses Abkommens treffe ich im Einvernehmen mit dem Herrn Jugendführer des Deutschen Reiches für alle mir unterstellten Schulen zunächst für das Jungvolk die folgenden Anordnungen, denen solche für die HitlerJugend in Bälde folgen werden. Ich bestimme: 1. Das Abkommen wird zunächst durchgeführt für alle Schüler und Schülerinnen vom 10. bis zum 14. Lebensjahre. in den höhern Lehranstalten für alle Schüler und Schülerinnen bis einschließlich Untertertia UIll, in den Mittelschulen für die entsprechenden Jahrgänge. 2. Die Beanspruchung des Jungvolks am Staatsjugendtag darf im Sommer die Zeit von 7 bis 19 Uhr, im Winter von 8 bis 18 Uhr nicht überschreiten. 4. Die aufgabenfreien Nachmittage und die Wandertage fallen insoweit weg, als nicht in Ziffer 6, letzter Satz, etwas anderes bestimmt ist. 5. An den Mittwochabenden darf das Jungvolk im Sommer nicht über 20,30 Uhr, im Winter nicht über 19,30 Uhr, die Hitler=Jugend nicht über 21 Uhr in Anspruch genommen werden. Für den Bund deutscher Mädel gelten dieselben Zeiten. 6, Die nicht der Hitler=Jugend=Bewegung angehörigen Schüler und Schülerinnen haben am Sonnabend pflichtmäßigen Unterricht. Dieser Unterricht soll nach einem festzulegenden Lehrplane in mindestens zwei Unterrichtsstunden den Schülern und Schülerinnen das nationalsozialistische Gedankengut nahebringen. Die nichtarischen Schüler sind von diesen Stunden befreit. Die Schulaussichtsbeamten haben bei ihren Besuchen der Anstalten diesem Unterricht besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wo die Möglichkeit gegeben ist, wird eine Stunde Werksunterricht erteilt. Die übrige Zeit ist den Leibesübungen gewidmet. Der aufgabenfreie Nachmittag wird für die der Hitler=Jugend=Bewegung nicht angehörenden Schüler auf den Sonnabend verlegt. Einmal im Monat wird für diese Schüler am Sonnabend eine ganztägige Wanderung veranstaltet. 7. Um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Klassen zu stärken, und um ein Sichkennenlernen von Lehrern und Schülern außerhalb der Schulmauern auch hinsichtlich der der Hitler=JugendBewegung angehörigen Schüler zu ermöglichen, findet in jedem Vierteljahr an einem Sonnabend eine gemeinsame Schulwanderung statt, an der sämtliche Lehrer, auf die Klassen verteilt, teilzunehmen haben. 8. Da im allgemeinen die Zahl der Schüler, die nicht der Hitler=Jugend angehören, gering sein wird, wird die gewöhnliche Klasseneinteilung für den Sonnabend=Unterricht nicht beibehalten werden können, es werden vielmehr Abteilungen, die etwa die Größe einer Durchschnittsklasse haben, durch Zusammenfassung nicht zu weit auseinanderliegender Jahrgänge gebildet werden müssen. 9. Diese Unterrichtsstunden werden so zu verteilen sein, daß eine möglichst gleichmäßige Belastung des Lehrkörpers eintritt. 10. Zum Schluß hebe ich noch ausdrücklich hervor, daß der Sonntag der Familie vorbehalten bleibt, daß also auch kein anderer Ingendbund berechtigt ist, am Sonntag seine schulpflichtigen Angehörigen für irgendwelche Veranstaltungen in Anspruch zu nehmen. 11. Der Erloß teitt sofort in Kraft. desregierung darauf gerichtet sei, das den Habsburger zugefügte Unrecht so weit wie möglich wieder gutzumachen. Bei der erstrebten finanziellen Regelung mit der kaiserlichen Familie müsse ein Modus gefunden werden, in dem die hervorragenden Leistungen der Habsburgischen Dynastie für Oesterreich und Europa zum Ausdruck gelange...ian zuc hinschtlich d. Dieselben Grundsatze seien auch hinsichtlich der Verbannung der Habsburger anzuwenden. Bekanntlich seien in der neuen Verfassung die gegen die Habsburger gerichteten Bestimmungen nicht mehr enthalten. Ob und inwieweit Verhandlungen zwischen der Regierung und Vertretern der Habsburger stattfänden, könne Dr. Alexich nicht sagen. Selbstverständlich handele es sich bei den Habsburger Fragen nicht allein um ein innenpolitisches Problem, sondern um ein solches von außerordentlicher internationaler Bedeutung, das die österreichische Regierung nicht ohne Verständigung mit den Großmächten lösen könne. Entgegen allen tendenziösen Nachrichten müsse mit Nachdruck erklärt werden, daß eine Rückkehr der kaiserlichen Familie nach Oesterreich nicht ohne weiteres eine Habsburgische Restauration bedeute. Die Rückkehr der kaiserlichen Familie sei lediglich eine Lösung, die der Gerechtigkeit entspreche, da man den Mitgliedern des Fürstenhauses, das so lange und so eng mit der österreichischen Geschichte verbunden sei, nicht den Aufenthalt im Vaterlande versagen könne. Motorradfahrer rasen in die Zuschauermenge Zwei Tote, 30 Verletzte Wie aus Lakewood im amerikanischen Staate New=Jersey berichtet wird, ereignete sich bei einem Kirchenfest in dem benachbarten Holmansville ein schweres Motorradunglück. Bei Vorführungen kamen zwei Motorradfahrer plötzlich ins Schleudern und fuhren in die Zuschauermenge. Zwei Personen wurden getötet und 30 verletzt. Neun von den letzteren trugen schwere Verwundungen davon. Polnisch-litanische Versöhnung? In Wilna ist, aus Litauen kommend, der polnische Botschaftsrat in Paris, Mühlstein, eingetroffen. Mühlstein hielt sich längere Zeit in Litauen auf und soll u. a. mit Staatspräsident Smetona verhandelt haben. In politischen Kreisen wird seiner Mission in Kowno sehr große Bedeutung beigelegt. Gleich nach seiner Ankunft in Wilna begab sich Mühlstein nach Pikliszka, wo Marschall Pilsudski gegenwärtig seinen Urlaub verbringt.„„ Wie die Warschauer Presse melder, son demnächst der unmittelbare Postverkehr zwischen Polen und Litauen aufgenommen werden. Der bisherige Postverkehr fand über Deutschland— Lettland statt. Durch ein Uebermittlungsversehen wurde in einem Telegramm aus Rom eine besonders gehässige Stimme gegen Deutschland zu den österreichischen Vorgängen teilweise in den deutschen Zeitungen als im„Popolo d'Italia“ enthaltend wiedergegeben. Es wird Wert auf die Feststellung gelegt, daß es sich bei der erwähnten Pressestimme nicht um das Organ Mussolinis„Popolo d'Italia“, sondern um das römische Morgenblatt„Popolo di Roma“ gehandelt hat. Der litauische Außenkommissar Litwinow empfing am Mittwoch den litauischen Außenminister Lozoraitis und hatte mit ihm eine Aussprache über die politischen Frogen. Brasilianischer Dampfer aufgelaufen Der brasilianische Dampfer„Ruy Barbosa“, der von Hamburg mit 87 Fahrgästen und 127 Mann Besatzung nach Brasilien unterwegs ist, lief am Dienstagabend nördlich des Hafens von Leixoes auf ein Felsenriff. Das Schiff sollte in Leixoes weitere 226 Passagiere an nehmen. Unter den Passagieren befanden sich auch 65 deutsche Juden, die von Belgien nach Brasilien ausreisen wollte. Sämtliche Passagiere sind an Land befördert worden. Es ist zweifelhaft, ob das Schiff wieder flottkommt, da die Maschinen des Schiffes nicht mehr einwandfrei arbeiten und das Schiff auch leck gestoßen zu sein scheint. Schwerer Gewittersturm in der Provinz Valladolid In dem Städtchen Moda del Mauquens in der Provinz Valladolid tobte ein schwerer Gewittersturm, durch den das das Städtchen durchfließende Flüßchen über die Ufer trat. Neun Häuser stürzten infolge der Ueberschwemmung ein. Die bereits eingebrachte Ernte wurde völlig vernichtet. Zahlreiches Kleinvieh ertrank. Der Schaden ist außerordentlich hoch. Zwei auf ein Hausdach geflüchtete Bauern konnten im letzten Augenblick durch Polizisten unter Lebensgefahr gerettet werden. Da die Wassermassen auch die Landstraßen aufwühlten, ist jeder Verkehr unterbrochen. Dorfbrand in Polen Im Kreise Wilun(Polen) brach in einem Gehöft Feuer aus, das sich in kurzer Zeit auf die ganze Ortschaft ausdehnte. Insgesamt wurden 15 Anwesen zerstört. Ein großer Teil des Viehbestandes und die gesamte Ernte wurden vernichtet. Schweres Kraftwagenunglück in Jütland Bei Kolding in Jütland ereignete sich am Dienstag ein Kraftwagenunglück, bei dem die deutsche Baronin Thyra von Jenisch und ihr 20jähriger Sohn schwer verletzt wurden. Sie befanden sich nach einem Besuch in Dänemark auf der Rückfahrt nach Deutschland. Auf der Kannfahrt von Kanada nach England ertrunken Der junge kanadische Seemann John Smith aus Peterborough(Ontario), der vor mehreren Wochen seine Heimatstadt verließ, um in einem fünf Meter langen Kann nach England zu fahren, ist ertrunken. Seine Leiche wurde etwa 100 Meilen vom Lande entfernt von einem Dampfer geborgen. Nr. 178(Zweites Blatt) „Schwberter=Henung Tuuh diee Gihoa Donnerstag, 2. August 1934 Schwerte(Ruhr), Donnerstag den 2. August 1934 Cagesspruch Muttersprache, Mutterlaut; Wie so wonnesam, so traut! Gutes Wort, das mir erschallet, Süßes, erstes Liebeswort, Erster Ton, den ich gelallet, Klingest ewig in mir fort. Schenkendorf. Sturmlied des Todes Von 20 Jahren. dieser Woche jährt sich der Tag zum zwanzigsten Male, an dem das große Sturmlied des Todes begann, das die brüllenden Kanonen des Weltkrieges dann über vier Jahre sangen. Eine besinnliche Woche, der Deutschland ein ernstes Gedenken schuldet. Wenn die Waffen entscheiden sollen, geht ein Erzittern durch die Nation. Nicht Furcht, sie mag den Feiglingen zu schaffen machen, aber jene tiefe Bewegtheit, die uns ergreift, wenn es um das Letzte geht, um Existenz und Leben. Nun fallen die großen Entscheidungen über Wert und Unwert, über Sein oder Nichtsein, über Leben und Tod. Und ein Geschlecht, das sich bis zur Stunde an den greifbaren Genüssen und Werten des Tages oft genug gedankenlos genügen ließ, erkennt nun auf einmal, daß es dunkle, unheimliche Hintergründe des Daseins gibt, deren es nicht Herr ist und die es zu seinem Schaden vergaß. Nun rüttelt das beginnende Sturmlied des Todes sie auf, daß sie die Flachheit des Tagestreibens erkennen und nach den ewigen Tiefen schauen. Darum wurde das Sturmlied des Todes vor zwanzig Jahren deutschen Volke zum Sturmliede Gottes. Es vernahm seinen Ruf aus Ewigkeitstiefe. Es stand auf einmal vor seinem heiligen Angesicht und längst und leichtfertig Vergessenes wurde wieder lebendig.„Was ist der Mensch, daß Du so sehr zürnst?“„Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir". Die Erfahrung, daß wir Menschen über Abgründen leben, gab jener Bitte wieder Gegenwartsnähe:„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe ist bei dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Es hat zu den ergreifendsten Erlebnissen jener Tage vor 20 Jahren gehört, als die Männer des Volkes, die für Heimat und Freiheit zum Schwertdienst gerufen waren, sich gleichzeitig von Gott gefordert wußten und von ihm sich weihen und rüsten ließen für das unbegreiflich furchtbare Werk des Todes. Tod und Gott sind ganz nah beieinander. So ist manch einer da draußen mit gefalteten Händen gestorben. Wenn aber Tod und Gott für das Herz des Menschen auseinandergetreten, dann wird der Tod ohne Gott zu einem sinnlosen Geschehen, und ebenso verblaßt das Angesicht Gottes, wenn uns der Tod fernrückt. Darum ging die Zerstörung des heilig ernsten Kriegertums der ersten Monate von der Etappe und von der Heimat aus. Da draußen sang der Tod sein Sturmlied und forderte Männer, die vor Gott ein gutes Gewissen hatten. Aber drinnen im sicheren Raum, da hieß es„leben und leben lassen“, da wurde Gottes vergessen in Gier und Lust. So mußte denn auch das große Ringen um Wert und Unwert seinen tiefen Sinn verlieren. So war der Teufel der große Gewinner des Krieges, dessen Beute alles wird, was lebt und stirbt, ohne Gottes zu sein. Sturmlied des Todes sei unserem Volk unvergessen als Sturmlied Gottes, der will, daß wir Leben und Zukunft nehmen aus ihm! Dr. W. Vom Wetter Vorhersage für Donnerstag: Mäßige, allmählich zunehmende, zwischen West und Süd schwankende Winde. Bewölkt, aber noch stundenweise aufheiternd. Warm, örtliche Gewitter möglich. Vorhersage für Freitag: Stärker auffrischende Winde südlicher Richtungen. Wieder zunehmende Bewölkung und Regenneigung. Temperaturen wenig verändert. Ehrentafel des Alters. Gestern feierte der Volksgenosse Johann Kußmann, Quickspring 23 wohnhaft, seinen 80. Geburtstag. Dem verehrten Lebensjubilar unsere herzlichsten Glückwünsche!— Ebenfalls am 1. August konnte die Ehefrau des Werkmeisters a. D. Oskar Winkelsströter, Hörder Str. 12, ihren Geburtstag begehen. Die alte Dame wurde 77 Jahre alt, erfreut sich aber noch bester Rüstigkeit. Auch unseren herzlichen Glückwunsch! X Die Bautätigkeit ist in diesem Sommer zwar nicht allzu lebhaft gewesen, doch sind immerhin eine ganze Anzahl Wohnhäuser erstellt worden, so allein an der Schützenstraße vier von Bediensteten des Reichsbahn=Ausbesserungswerkes. Im Talweg und an der Hörder Straße wurde je ein Wohnhaus errichtet, am Neubau Rinsche an der Frhr. v. Stein=Straße konnte gestern der grüne Baum aufgepflanzt werden und auch die Arbeiten am Neubau der Kreis=Molkerei an der Hohenzollernstraße nehmen rüstigen Fortgang. Am Talweg läßt der Rektor i. R. Overbeck=Schüren einen Wohnbau Zum Tag des Soidaten 2. August 1914" 2. August 1934 Schwerter Soldatenfamilien.- 8 Brüder zogen ins Feld. Der 2. August 1914 fiel auf einen Sonntag. Am Nachmittag tagte im überfüllten Saale des Hotels Ostermann eine von Pfarrer Wischnath und Pfarrer Schnurbus einberufene Versammlung aller Kreise der Einwohnerschaft. Mit einhelliger Begeisterung wurde beschlossen, sich ganz in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Ein Ausschuß wurde gebildet, dem folgende Personen angehörten: die Pfarrer Wischnath und Schnurbus, Kaplan Röseler, Bürgermeister Rohrmann, Direktor Terbrüggen, Sanitätsrat Dr. Haver, die Rektoren Lecking und Lehmkuhl, Prof. Feldhügel, Lehrer Hömberg, Dr. Uffelmann, Heinrich Burgemeister, Dr. Mester, Josef Cloidt, Lehrer Althoff, Frau C. Doert, Frl. Ufflacker, Frau Emmerich, Frl. Ludwig, Frl. Tütel, Frau Reiffenberg, Frau Terbrüggen, Frau Terberger, Frau H. Bergmann, Frau Köhnen und Frau Morgenroth. Im evangelischen Krankenhaus wurden tunge Mädchen gesucht, die bei der Pflege der „evil.“ hier eintreffenden Verwundeten helfen sollten. Der Vorsitzende der Freiw. Sanitätskolonne, Hömberg, forderte die militärfreien Mitbürger auf, sich in den Dienst des Roten Kreuzes zu stellen. " Zu einer außerordentlichen Sitzung traten Sonntagabend die Stadtverordneten zusammen, um über die Maßnahmen zu beraten, die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln sicherzustellen. Die Stadt kaufte große Quantitäten Lebensmittel auf und sicherte sich einen größeren Posten Rindvteh. Alle wehrhaften Männer eilten zu den FahVäter, Söhne und Brüder. Es gab Soldeirrszgllien, die dem Vaterlande mehr als viel Sohne gaben. Do mußten von der Familie des Bäckermeisters Schulte aus der Haselackstraße 6 Söhne zur Verteidigung der Heimat hinausziehen. Zwei von ihnen genügten gerade ihrer aktiven Militärpflicht, während die vier anderen als Unteroffiziere der Reserve einberufen wurden. Von der Familie des Hauderers Marquis aus der Kuhstraße eilten sogar alle acht Söhne zu den Fahnen. Lieb' Vaterland magst ruhig sein! Bei der Buchdruckerei Braus wirkte sich die Einberufung so aus, daß verschiedene Verfügungen der Behörden nicht rechtzeitig gesetzt werden konnten. * Am 2. August warfen französische Flieger in der Umgebung Nürnbergs Bomben ab. Da eine Kriegserklärung zwischen Frankreich und Deutschland bis dahin noch nicht erfolgt war, lag ein Völkerrechtsbruch vor. Am 2. August wurde in Frankreich die volle Mobilisierung der Streitkräfte angeordnet. In der Nacht vom 1. zum 2. August wurde ein feindliches Luftschiff bei Andernach beobachtet. In der gleichen Nacht versuchte ein Cochemer Gastwirt und sein Sohn den Cochemer Tunnel zu sprengen. Dies mißlang. Die Verräter wurden erschossen. Bei Wesel wurde ein französisches Flugzeug heruntergeschossen. Luxemburg wurde zum Schutze der dort befindlichen deutschen Eisenbahnen von Truppenteilen des 8. Armeekorps besetzt. An der russischen Grenze fanden die ersten Kavalleriegefechte statt. Johannisburg wurde von Kosaken angegriffen. Die Bahn nach Lyck wurde unterbrochen. Der Kreuzer„Augsburg" meldete von Sonntag 9 Uhr abends: Ich bombardiere Liebau, befinde mich im Gefecht mit mehreren Kreuzern, habe Minen gelegt, Liebau brennt! aufführen und an der Hermannstraße der Schmeling einen solchen; beide Bauten sollen noch zum Herbst fertig gestellt werden.— Der Umbau der alten Mühle an der Mühlenstraße ist beendet. Gegenwärtig ist der Malermeister Bucker dabei, dem prächtigen Gebäude ein farbenfrohes Gewand zu geben und die eigentliche Mühle mit passenden Inschriften schmücken. Der nach den Entwürfen des Architekten Schmitz von der Firma Dittrich aufgeführte stattliche Bau paßt sich stimmungsvoll dem Straßenbilde von Alt=Schwerte an und hat sehr zur Verschönerung desselben beigetragen. Gedächtnistafel im neuen Rathaus eingeweiht Schwerte, 2. Aug. Gestern nachmittag wurde im neuen Rathaus eine Dankesschuld abgetragen. Die Beamten und Angestellten der Stadtverwaltung, sowie die Beigeordneten und Ratsherren versammelten sich gegen 6 Uhr, um die Gedächtnistafel für die im Weltkriege gefallenen Beamten und Angestellten der Stadtverwaltung zu weihen. Es war eine schlichte, aber eindrucksvolle Stunde, die ihre besondere Weihe dadurch erhielt, daß sie am Gedächtnistage der Mobilmachung stattfand. Eingeleitet wurde die Feier durch ein Quartett, das aus Mitgliedern der Standartenkapelle bestand. Dargeboten wurde das Largo von Haydn und das Adagio aus der Sonate„Pathetique“ von L. van Beethoven. Sodann hielt Bürgermeister Dr. Guttmann die Gedächtnisrede. Es waren eindringliche und tiefempfundene Worte. Es wurde betont, daß nach 20 Jahren eine Dankespflicht erfüllt werde, indem man die Toten des Weltkrieges ehre. Das Quartett intonierte darauf das Lied vom guten Kameraden. Im Namen der Beamten= und Angestelltenschaft dankte Bürodirektor Breer und versprach, den Gefallenen nacheifern zu wollen, die ihr Höchstes für das Vaterland dahingegeben. Ein schöner, großer Lorbeerkranz wurde sodann niedergelegt. Die Tafel ist auf dem ersten Treppenpodest der Haupttreppe zwischen den Fensterpfeilern, für alle Besucher des Rathauses sichtbar, angebracht. Sie ist nach dem Entwurf des Stadtbauamtes ausgeführt und besteht aus poliertem Muschelkalk. Oben stehen die Gedächtniszahlen 1914 und 1918 und dazwischen das Eiserne Kreuz. Die Inschrift der Tafel lautet: Zum Gedächtnis an die im Weltkriege gefallenen Beamten und Angestellten der Stadt Schwerte. Dann folgen die 5 Namen. Heinrich Müller 2. 11. 14. Paul Menke 10. 10. 16. Tillmann 27. 2. 17. Heinrich Schewe 9. 12. 17. Rudolf Jung 6. 9. 18. Darunter stehen die Worte: Sie starben für ihr Vaterland! Den Abschluß bilden unten die gekreuzten Schwerter. Für die Feierstunde war die Gedächtnisstätte mit Lorbeerbäumen und den Fahnen des Reiches geschmückt. Gedächtnisandachten am 2. August. Am 2. August begeht das Deutsche Volk den Tag, an dem der Weltkrieg seinen Anfang nahm. Vor 20 Jahren zogen unsere Väter, Brüder und Söhne hinaus, um die Heimat zu schützen. Der Reichsbischof Ludwig Müller hat auf Grund dessen angeordnet, daß am 2. August von 12 bis 12,15 Uhr die Glocken aller evangelischen Kirchen zur Erinnerung an die Gefallenen geläutet werden. Außerdem ist angeordnet, daß in den Gemeinden Andachtsstunden zu veranstalten sind. In Schwerte findet diese Andachtsstunde heute abend um 8 Uhr auf dem alten Totenhof an der Bahnhofstraße für die evangelische Gemeinde statt.— Die katholische Gemeinde veranstaltet zu gleicher Stunde(abends 8 Uhr) in der kath. Pfarrkirche eine Gedenkandacht. Die Bürgerschaft Schwertes wird zu diesen Andachten herzlichst eingeladen. : Neue Kreisjugendpflegerin für Iserlohn. Die Lehrerin Aenne Witte von hier, Inselstr. 6, ist vom Regierungspräsidenten in Arnsberg mit sofortiger Wirkung zur Kreisjugendpflegerin für den Stadtkreis Iserlohn ernannt worden. : Der Deutsche Rundfunk zum Tage des Kriegsbeginns. Am 2. August jährt sich zum 20. Male der Tag des Kriegsausbruches. Der deutsche Rundfunk überträgt aus diesem Anlaß in der Zeit von 19—19,35 Uhr Ausschnitte aus der großen Friedensrede des Reichsministers Heß, gehalten am 8. Juli d. J. in Königsberg und gerichtet an die Frontsoldaten aller Länder. : Vorsichtsmaßregeln bei Gewittern. Sommergewitter pflegen besonders schwer zu sein. Die Luft nimmt durch starke elektrische Entladungen ein Reinigungsbad. Wenn aber der Donner auch noch so sehr grollt, so ist immer noch nicht gleich Grund zu Furcht und Schrekken. Trotzdem soll man aber die nötigen Vorsichtsmaßregeln doch nicht versäumen. Ein Blitzableiter auf dem Hause schützt dieses gegen jeden Wetterstrahl, doch muß der Leiter auch immer richtig in Ordnung sein, sonst wirkt er im Gegenteil: die Blitze anziehend. Innerhalb des Hauses vermeide man bei Gewittern die Nähe von Oefen, Spiegeln, Kaminen und Kronleuchtern. Auch das Feuer auf dem Herde schränke man ein. Zugluft verhindere man, sorge aber für frische Luft im Zimmer. Ist man während des Gewitters auf der Straße, so entferne man sich von allen hochtragenden Gegenständen und gehe ruhig seines Weges. Stellt man sich an einem Hause unter, so tue man das nicht in der Nähe der Dachrinne. Auf freiem Lande gehe man langsam und nicht mit hastigen Schritten, man spanne auch keinen Schirm auf. Am besten ist es, man läßt sich auf die Erde nieder. Vor allem gilt es immer, bei einem Gewitter Ruhe und Besonnenheit bewahren und jeden Kleinmut zu verbannen. Vom Schwerter Wochenmarkt Fischmarkt: Salzheringe bis 10 Stück bis 40 Pfg., grüne Heringe 25, Kabeljau 30, Schellfisch erste Sorte 60, Bückinge 35, Rotbarsch 30 und Bratschellfisch 25 Pfg. Fleisch= und Wurstwaren: Rindfleisch 55 bis 60, Hammel= und Kalbfleisch 60 bis 70 Pfg., Schweinefleisch bis 75 Pfg., Speck 95 Pfg. und die verschiedenen Wurstwaren 50 Pfg. bis 1,50 Mk. Eier=, Butter= und Käsemarkt: Butter 1,40 und 1,45 Mk., Tilsiter Käse 1,—, Emmenthaler Käse 1,— bis 1,20, Schweizer Käse 1,20 bis 1,40 Mk., Harzer 50 Pfg. Thüringer 50 Pfg., Sahnequark 20 und 25 Pfg. und Eier 7,5 bis 10 Pfg. je Stück. Obst= und Gemüsemarkt: Bananen 25, Apfelsinen bis 3 Stück 10, Kirschen 20, Pfirsiche 30, Aepfel von 10 bis 30 Pfg., Birnen von 10 bis 20 Pfg., Tomaten 12 und 13 Pfg., Johannisbeeren 5 Pfd. 75, Pflaumen 13—25, Waldbeeren 30—40, Weißkohl 4 und 5, Wirsing 8—10, Blumenkohl 10—20, Wurzeln 6, Rotkohl 10, Zwiebeln 10, Einmachzwiebeln 25 bis 35, Suppenbündchen 10 und Bohnen 18 bis 25, Pfifferlinge und Champignon 25 bis 50 Pfg.— Kartoffelmarkt: Drei Handelssorten 55, 65 und 75 Pfg. Eingesandt der für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die tedaktion nur die preßgesetzl. Verantwortung.) Vernimm, verehrte Leserschar, Was ich zu künden habe: Ich bin im deutschen Dichterkreis, Ein selten weißer Rabe. Ob ich auch schreibe dies und das, Es findet keine Gnade Vor dem gestrengen Redakteur. Er wandelt gleiche Pfade. Ob platt= ob hochdeutsch, einerlei, Er findet immer Mängel. Doch, Goethe, Schiller, bin ich nicht—. Und sicherlich kein Engel. Vielleicht ist das, was meine Stirn Dir bietet, schon veraltet. Drum werde ich als Mann der Faust Jetzt auch nicht gleichgeschaltet. Ich schrieb nicht für die weite Welt Nur für die Heimatgauen.— Und jeder las die Verse gern, Auch Männer, nicht nur Frauen Drum frag' mich fürder nicht, warum Ich mich in Schweigen hülle. Es liegt ja, nur am Redakteur, Dem Kritikus. Tageblatt für die Aemier Westhofen und Ergste Holzen, 2. August. Im Silberkranz. Die Eheleute Buchhalter Friedr. Ettling und Frau, Meta geborene Wiecken zu Holzen, feiern am 3. August das Fest der silbernen Hochzeit. Dem geschätzten Jubelpaare, das 25 Jahre ununterbrochen Abonnent der„Schwerter Zeitung“ ist, zum morgigen Ehrentage unseren aufrichtigen Glück= und Segenswunsch. Möge sich das Silber nach weiteren 25 Jahren ehelicher Gemeinschaft in Gold verwandeln! Amt für Lolkswohlfahrt Ortsgruppe Westhofen Westhofen, 2. Aug. Am vergangenen Sonntag kamen 15 deutsche Hollandkinder hier an, die sich im deutschen Vaterlande bei opferbereiten Volksgenossen erholen sollen. Den Kindern wurde am Bahnhof durch die Hitlerjugend und den BdM. ein würdiger Empfang bereitet. Kommenden Montag werden rund 30 Kinder des Amtes Westhofen ihre Reise nach Oschersleben b. Magdeburg antreten, um durch den Wechsel der Luft und in der Ernährungsweise ihre Gesundheit zu festigen. Alles dieses ist aber nur möglich, wenn alle Volksgenossen das große Werk Adolf Hitlers auf dem Gebiete der Volksgesundung nach Kräften fördern. Leider sind, es im Amte Westhofen erst wenige Volksgenossen, die durch ihren Beitritt zur NSV. die Durchführung der Aufgaben derselben fördern. Es ergeht daher hiermit nochmals der dringende Ruf an alle Volksgenossen zum Beitritt zur NSV. Sämtliche Blockwalter und Zellenwalter, sowie die Geschäftsstelle der NSV. haben Beitrittserklärungen zur Hand und sind gern bereit, solche in recht großer Anzahl entgegenzunehmen. Aus dem Nachbargebiet Hörde, 2. Aug. Uebergabe der Traditionsfahne. Auf dem Neumarkt marschierte gestern die Hörder SA erstmalig nach dem Urlaub auf. Um 20 Uhr erschien Sturmführer Lohmann und richtete herzliche Worte der Begrüßung an die SA=Männer des Sturmbanns II/98. Anschließend übergab Sturmführer Feih die Fahne des Sturms 12/98, die Traditionsfahne der Hörder SA, an den stellv. Sturmbannführer. Dieser übergab die Fahne dem neuen Sturmführer des Sturmes 13/98, Obertruppführer Albert. Die Fahne wird hinfort den Namen des verstorbenen Obertruppführers Freiberger tragen. Obertruppführer Albert übernahm die Fahne mit dem Gelöbnis steter Treue und Opferbereitschaft. Anschließend folgte ein Propagandamarsch durch Hörde, bei dem Sturmführer Lohmann den Vorbeimarsch abnahm. Letmathe, 1. Aug. Wirtschaftliches. Die Firma Walter Voos läßt einen elektrochemischen Betrieb errichten, in dem reinste Metallsalze und Metalloxyde hergestellt werden. Der neue Betrieb ist vor allem auf Export eingestellt. Gevelsberg, 1. Aug. Entartet. Wegen Blutschande wurde ein verheirateter Mann aus der oberen Milsperstraße festgenommen und dem Amtsgerichtsgefängnis in Schwelm zugeführt. Der Betreffende hat sich an seiner schulpflichtigen Tochter vergangen. Altena, 2. Aug. Ertrunken. Aus der Fuelbecker Talsperre wurde die Leiche des Elektrikers Hermann Neuhaus von hier geborgen. Der junge Mann war vor einigen Tagen aus einer Kuranstalt entlassen worden, ohne die gewünschte Heilung zu finden. Darum ist anzunehmen, das er freiwillig den Tod gesucht hat. Lüdenscheid, 1. Aug. Schwereinbrecher festgenommen. Die Polizei machte einen guten Fang. Wegen Zechprellerei wurde ein Mann festgenommen, der sich als ein gefährlicher Einbrecher entpuppte. Es konnte festgestellt werden, daß er in der letzten Zeit in Lüdenscheid und Umgebung eine Reihe von Einbruchsdiebstählen verübt hat. Der Festgenommene stammt aus Sterkrade und ist nach seinen Papieren bereits mit Zuchthaus vorbestraft. Werl, 1. Aug. Wiedersehensfeier der 55er. Vom 12. bis 13. d. M. findet in Werl eine Wiedersehensfeier der Kameraden des ehem. Res.=Reg. Nr. 55 statt. Die Stadt Werl und die dort wohnenden Kameraden haben für die Wiedersehensfeier umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Holzwickede. Schwere Schlägerei um eine Flasche Schnaps. Vorgestern abend hatten, wie die„Westf. Ldz.“ meldet, drei „Freunde“ aus Holzwickede gelegentlich einer Polterabendfeier in dem benachbarten Lichtendort ordentlich gezecht. Als sie sich nachts auf den Heimweg begaben, gerieten sie wegen einer Flasche Schnaps in Streit, die von dem St. mitgenommen war. Die beiden Begleiter forderten von ihm die Herausgabe der Flasche, die St. verweigerte. Zu Hause in der Josefstraße angekommen, wollte St. das Gartentor öffnen. Dabei bekam er von einem der Begleiter einen Fußtritt auf die Hand. St. lief daraufhin in den Stall und holte eine Mistgabel hervor. Nach einem Schlage auf seine beiden Gegner wurde sie ihm entrissen. H. und B. schlugen nun mit aller Gewalt auf den St. ein, daß er zu Boden sank. Um sich vor den Schlägen zu schützen, hielt sich St. die Hände über den Kopf. Als H. und B. den St. niedergeschlagen hatten, ergriffen sie die Flucht. Ein herbeigerufener Arzt stellte fest, daß man St. den rechten Arm vollständig zerschlagen hatte. Der Schwerverletzte wurde ins Unnaer Krankenhaus eingeliefert. Die Holzwickeder Polizei hat sich der Sache sofort angenommen. weitiger Berufung des bisherigen Inhabers eine Pfarrstelle der Kirchengemeinde HerneSodingen(Krsgm. Herne) zum 1. August und die Pfarrstelle der Kirchengemeinde Suderwich(Krsgm. Recklinghausen), ferner zum 1. Oktober die Pfarrverweserstelle der Kirchengemeinde Herlinghausen(Kreisgemeinde Paderborn) mit einem im Ruhestand befindlichen, noch rüstigen Geistlichen. Vermeidbare Offenbarungseide Die Justizpressestelle in Dortmund teilt mit: In der Oeffentlichkeit herrscht noch immer Unkenntnis darüber, daß nach Artikel 6 Abs. 2 des Gesetzes über weitere Maßnahmen auf dem Gebiete der Zwangsvollstreckung vom 26. Mai 1933 der Offenbarungseid nicht mehr geleistet zu werden braucht, wenn der Schuldner der Ladung zum Termin Folge leistet und dabei das non ihm mit aller Sorgfalt ausgefüllte Vermögensverzeichnis vorlegt mit der dem Gericht gegenüber abzugebenden Versicherung, daß er nach bestem Wissen sein Vermögen so vollständig angegeben habe, als er dazu imstande sei. Diese so abgegebene Versicherung hat die Wirkung des Offenbarungseides gegenüber dem betreibenden Gläubiger. Die Oeffentlichkeit erfährt aber nichts hiervon, weil keine Eintragung in das Schuldverzeichnis erfolgt. Anders ist es jedoch, wenn der Schuldner der Ladung zum Termin keine Folge leistet, denn in diesen Fällen ergeht antragsgemäß Haftbefehl mit der Folge, daß der säumige Schuldner in das Schuldnerverzeichnis(die sogenannte„schwarze Liste") eingetragen und erst nach fünf Jahren in dieser Liste gelöscht wird. Man sollte meinen, daß gerade Gewerbetreibende das größte Interesse daran hätten, nicht in die„schwarze Liste“ eingetragen zu werden. Die an den Amtsgerichten gemachten Beobachtungen zeigen indessen, daß ein großer Teil der Gewerbetreibenden nach wie vor der gerichtlichen Ladung keine Folge leistet. Die Justizpressestelle in Köln bezeichnet es mit Recht als unfaßbar, daß noch täglich 20—30 Haftbefehle erlassen werden müssen, obwohl der Gesetzgeber es den Offnbarungseidschuldnern so sehr leicht gemacht hat. Dieselben Beobachtungen kann man auch bei den Gerichten des Oberlandesgerichtsbezirkes Hamm machen. Wir schließen uns daher der Mahnung der Justizpressestelle in Köln an, nur ja keinen Termin zu versäumen, da bei Ausbleiben des Schuldners Haftbefehl erlassen werden muß. und wurmstichiges Obst ist standig aufzulesen. Das Beerenobst bekommt eine Düngung. Ueberflüssiges Holz wird ausgeschnitten. Ableger des Beerenobstes hält man feucht. Bei den Himbeerbüschen werden die alten Fruchtruten entsernt. Von den neuen Ruten bleiben nur vier bis fünf an jeder Pflanze. Erdbeerpflanzungen werden vorgenommen; aber nur kräftige, gutbewurzelte Ausläufer finden dahei Verwendung. Im Gemüsegarten sind nicht erledigte Arbeiten des Vormonats nachzuholen und zu beenden. Neue Aussaaten werden vorgenommen, Gemüse geerntet. Raupen vertilgen. Bleichsellerie, Endivien und Römischer Salat zum Bleichen binden, aber nicht bei regnerischem Wetter, da sie sonst leicht faulen. Die Spargelanlagen erhalten eine flüssige Jauchendüngung. Frühkartoffelernte. Im Blumengarten wird der Zierrasen gemäht; Gartenwege werden von Unkraut gesäubert. Abgeblühte Stauden abschneiden. Dahlien aufbinden. Rosen können noch okuliert werden. Bei den Rosen, die vor einigen Wochen auf das schlafende Auge okuliert worden sind, wird nachgesehen, ob der Anwuchs richtig erfolgt ist. Bewurzelte Nelkenableger werden auf vorbereitete Beete verpflanzt. Balkonschlingpflanzen anheften. Von hartholzigen Topfpflanzen macht man Stecklinge. Topfgewächse fleißig begießen. Hyazinthen kommen Ende August zum Treiben in Töpfe. Aus der Zirchenprovinz Münster, 1. August. Wie das Evangelische Konsistorium der Kirchenprovinz Westfalen bekanntgibt, wurde Konsistorialassessor Dr. Granzow, der bisher beim Evangelischen Konsistorium in Breslau beschäftigt war, dem Evangelischen Konsistorium der Kirchenprovinz Westfalen zur kommissarischen Tätigkeit zugeteilt.— Berufen wurden die Pfarrer Hans Bertelsmann in Sodingen zum Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Wiemelhausen(Krsgm. Bochum) u. Gerhard Kurras in Crumbach(Krs. Wetzlar) zum Pfarrer der Kirchengemeinde Eickel(Krsgm. Herne).— Zu besetzen sind infolge anderDer Garten im August Noch stehen wir im Sommer; aber die Tagesspanne läßt schon merklich nach. Auch im Erntemond spielt das Begießen, Hacken und Jäten — daneben das Ernten— die Hauptrolle. Im Obstgarten sind schwerbehangene Bäume zu stützen; eine durchdringende Bewässerung ist von Zeit zu Zeit geboten. Obstbäume ausputzen. Veredlungsbänder lockern. Spätes Kernobst kann noch okuliert werden. Obstfrüchte, die noch nicht baumreif sind, d. h., einem leichten Druck des Daumens auf den Stengelansatz der Frucht gehorchend, nicht abfallen, sind noch am Baum zu lassen. Fallobst Freitag, den 3. August 1934. 5.30 Morgenruf. Anschließend: Frühkonzert. 6.05 Leibesübungen. 6.25 Vom Weinbau im Ahrtal. 6.35 Morgenkonzert. 7.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.05 Frauenturnen. 10.00 Zeit, Nachrichten usw. 10.10 Für Euch daheim. 10.30 Wir und die Welt. 12.00 Musik am Mittag. 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Gl###ünsche. 14.00 Achtung! Sie hören Hausmusik! 15.10 Sind Rundfunkgeräte pfändbar? 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.45 Die bunte Viertelstunde der Frau. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.00 Wanderungen in Rheinland und Westfalen. 17.15 Kleine spanische Unterhaltung. 17.40 Der Student spricht. 18.00 Nächtlicher Ueberfall. 18.20 Englische Unterhaltung. 18.40 Vom Tage. 18.50 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmelo### Sportvorbericht. 19.00 Arbeitsschlacht im Westen. 19.30 Schwur an Adolf Hitler. 19.45 Politischer Kurzbericht. 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.15 Stunde der Nation: Lüderitzbucht(Hörspiel). Unterhaltungskonzert. Zeit, Wetter, Nachrichten. Theater im Westen. Knut Hamsun(Zum 75. Geburtstag). 20.45 22.00 22.20 23.00 Shne Tritk=Marsch Ein Roman aus den Kampfjahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 89. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ein kleiner Geschäftsmann erschien.„Tun Sie mir den Gefallen, Herr Redakteur, und erkundigen Sie sich mal bei dem Schneidermeister Keller in der Reiterstraße, wieviel neue Anzüge Justizobersekretär Stapler in Arbeit gegeben hat. Es ist mir bekannt geworden, daß Stapler für etwa fünf Anzüge teuerste Stoffe hereingereicht hat. Wie ist es möglich, daß ein Gerichtsvollzieher sich auf einmal fünf neue Anzüge bauen lassen kann?“ „Er muß wohl so viel verdienen“, meinte Stüwen spöttisch. „Dann möchte ich wissen, ob Stapler sein ganzes Einkommen beim Finanzamt besteuert?“ „Gut, wir rufen an“, sagte Stüwen und gab Oerlinghaus, der gerade in der Redaktion war, den Auftrag, die Sache zu untersuchen. Unter dem Namen Schulmann rief dieser den Schneidermeister an.„Herr Keller, ich hörte, Sie können so blendende Anzüge bauen.“ „Als Fachmann—“, tönte es bescheiden zurück. „Herr Justizobersekretär ist auch Ihr Kunde, nicht wahr?“ „Gewiß! Habe soeben noch sieben neue Anzüge von ihm in Arbeit bekommen, darunter einen Smoking, einen Frack und einen Jagdanzug.“ „Das ist ja fabelhaft, Herr Keller.“ „Ich arbeite auch für seinen Schwager Dr. Löwenstein, habe von dem auch noch mehtere Sachen bekommen. Alles echt englische Sia# natürlich——“ „Danke schön, Herr Keller, wir kommen noch darauf zurück.“ „O bitte!“ Stüwen schrieb hierüber eine Glosse:„Was sich ein Gerichtsvollzieher alles leisten kann.“ Acht Tage nach Veröffentlichung der Glosse wurde Stüwen zu zwei Sühneterminen eingeladen, um zehn Uhr in Sachen Stapler—Stüwen, eine Viertelstunde später in Sachen Löwenstein—Stüwen. Als die Sitzung eröffnet wurde, fragte der Schiedsmann, ob Stüwen etwas dagegen habe, daß beide Herren zugleich dabei seien. Stüwen hatte etwas dagegen, und Dr. Löwenstein mußte das Zimmer verlassen. Stüwen lehnte jeden Widerruf seiner Behauptungen ab. Stapler warf ihm vor, daß man sich, um die Sache herauszukriegen, am Telephon des Namens„Schulmann“ bedient habe. Mit solchen Mitteln arbeite der„Wächter.“ „Glauben Sie denn, Herr Stapler“, fragte Stüwen,„daß wir etwas erfahren hätten, wenn wir angerufen hätten: Hier ist der „Wächter'. Sagen Sie mal, Herr Schneidermeister, wieviel Anzüge läßt sich denn Gerichtsvoll. zieher Stapler und sein Kompagnon, der Makler Dr. Löwenstein, bauen?“ „Dr. Löwenstein ist mein Schwager. Als Justizobersekretär habe ich keinen Kompagnon, das sollte Ihnen eigentlich klar sein.“ „Das wird der Prozeß ergeben, dem ich mit Vergnügen entgegensehe!“ entgegnete Stüwen scharf und ließ sich auf keine weiteren Verhandlungen ein. Jetzt erschien Dr. Löwenstein, Mitglied des jüdischen Boxklubs, übertrieben elegant gekleidet. Er stellte sich breitbeinig hin und fragte: „Haben Sie den Artikel selbst verfaßt?“ „Das geht Sie gar nichts an!“ erklärte Stüwen. „Dann haben Sie es von dem Gärtner Schmullburg, das ist der richtige Mitarbeiter für Sie, der hat schon den Offenbarungseid geleistet!“ Stüwen schnitt dem Makler das Wort ab. „Machen Sie, daß Sie dahin kommen, wo Sie hergekommen sind!“ Da sprang Dr. Löwenstein auf Stüwen zu. „Was haben Sie gesagt? Was haben Sie gesagt? Nun wollen Sie mich noch beleidigen?“ „Ich unterhandle mit Juden nicht!“ schrie Stüwen. Da nahm Dr. Löwenstein Boxerstellung ein. Ehe Stüwen den Gegner durch einen JiuJitju=Griff schachmatt setzen konnte, sprang der Schiedsmann dazwischen und trennte die Parteien. Er versuchte zu schlichten. Man setzte sich. „Herr Doktor Löwenstein, welche Bedingungen stellen Sie?“ fragte der Schiedsmann. „Daß der Artikel in allen Zeitungen und auch im„Wächter' zurückgenommen wird!“ „Darauf kann ich mich nicht einlassen“, erklärte Stüwen. „Lehnen Sie jeden Antrag ab?“ fragte der Makler. „Jeden“, war Stüwens kurze Antwort. Damit war die Sitzung beendet. Stüwen verließ als erster das Zimmer. Die Beleidigten mußten noch die Kosten des Termins begleichen. Auf der Straße sausten Sie nachher im gemeinsamen Luxuswagen an ihrem Gegner vorüher, der lächelnd seines Weges ging, weiteren Terminen entgegensehend. Auch im Oktober fuhr Stüwen jeden Mittwoch nach Ossenbrügge, um den Umbruch der Zeitung zu leiten. Die Zeitungsballen wurden wieder als Expreßgut auf der Bahn aufgegeben und nur bei verspäteter Ausgabe mit dem Lastkraftwagen befördert. In solchem Fall wählte man für den Transport durch den Bergwald einen Umweg. Durch dieses Manöver gelang es, die auf der Lauer liegenden Reichsbannerleute zu täuschen. Am zweiten Mittwoch im Oktober hatten die Roten in Erwartung des Wagens ein dickes Drahtseil quer über die Straße gespannt. Ein Lastwagen kam den Berg in mäßigem Tempo herunter und stoppte, als das Seil im Scheinwerferlicht sichtbar wurde. Der Fahrer, der einen Raubüberfall vermutete, schrie entsetzt auf:„Nicht schießen! Ich habe nichts bei —aclg, handelte es sich, wie die mir!" Tatsächlich h Marxisten feststellen mußten, um den leeren Wagen einer Teutowalder Möbelfirme. Der durfte passieren. Anke, mit der sich Stüwen an diesem Mittwoch getroffen, war sehr beruhigt darüber, daß man es nicht auf einen zweiten planmäßigen Ueberfall ankommen lasse, sondern vorsichtig vorgehe. Sechsunddreißigstes Kapitel. Katzur, alias Dr. von Rabenstein, machte am zweiten Sonntag im Oktober die Bekanntschaft eines Astrologen, der sich Dr. Wunderlich nannte. Sie hatten in einer gemütlichen Ecke der„Zentralhalle" Platz genommen. Dr. Wunderlich bekannte, daß er schon vor zehn Jahren in den Gesichtskreis der Okkultisten getreten sei. Er gebe auch Kurse im Hellsehen; er sei sogar von der Polizei als Hellseher anerkannt. „Kann auch ich das Hellsehen lernen? fragte Rabenstein lächelnd. „Manche Menschen können mit der besten Methode nicht zum Hellsehen kommen, weil deren Horoskop dazu keine Veranlagung gibt. Wenn Sie pendelfähig sind, könnte man vorhandenen Anlagen ausbilden“, erklärte Dr. Wunderlich. Rabenstein bat darauf den Hellseher, ihn das Horoskop zu stellen. Dr. Wunderlich ergründete die astraten Konstellationen. Das Ergebnis war ungünstig. In der schriftlichen Aufzeichnung, die Dr. Wunderlich seinem Kunden schon am nächsten Tage zusandte, hieß es: Da haben wir den Neumond im ersten Hause! Eine sehr ungünstige Konstellation! Da haben wir die genaue Opposition Neptun=Saturn dieser rückläufig im fünften Hause für Liebesangelegenheiten—— Fortsetzung folgt. Tocss Achtung! Mitteilung der Deutschen Arbeitsfront Münster. Eine wichtige Bekanntmachung des Gau=Presse= und Propagandaamtes der Deutschen Arbeitsfront, Gau Westfalen=Nord, teilt mit: Den Einzelmitgliedern der Deutschen Arbeitsfront und den Mitgliedern der bisherigen Verbände werden in diesen Tagen durch die Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront bezw. über die Reichsbetriebsgemeinschaft ReichsHaupt=Berufsgruppe der DA und über die DHB Fragebogen der Deutschen Arbeitsfront zugestellt. Diese Bogen haben für jedes Mitglied der Deutschen Arbeitsfront besondere Bedeutung, da sie die Grundlage für Anwartschaften auf zukünftige Unterstützungsleistungen der Deutschen Arbeitsfront bilden. Werden die Fragebogen unvollständig oder sogar unrichtig ausgefüllt, so laufen die betreffenden DAF=Mitglieder, ganz gleich, ob sie als Einzelmitglied geführt werden, oder durch die Reichsbetriebsgemeinschaft Mitglied der Deutschen Arbeitsfront sind, Gefahr, im Bedürftigkeitsfalle nicht auf eine Unterstützung durch die Deutsche Arbeitsfront rechnen zu können. Die genaue Ausfüllung des Fragebogens liegt daher im ureigensten Interesse eines jeden Mitgliedes der Deutschen Arbeitsfront. Die kirchenkasse zum Teil verwettet Münster. Den Angeklagten Pietsch, den ehenaligen Rendanten der Kirchenkasse der evangelischen Gemeinde, plagte eine leichtsinnige Ader. Schon als er noch bei der Kasse Gehilfe war, unterschlug er Beträge, die eingezahlt wurden. Kein Mensch merkte etwas davon, weil Pietsch mit Tollkühnheit und Vorsicht zu Werke ging. Er buchte die eingegangenen Beträge nicht und steckte sie in seine Tasche. Als der Posten des Rendanten frei wurde, wurde Pietsch Rendant. Er begnügte sich nun nicht mehr mit kleinen Beträgen, er ging aufs Ganze. Am Ende rechneten die Revisoren einen Fehlbetrag aus, der in die Zehntausende ging. Pietsch gab vor der Großen Strafkammer die Unterschlagungen zu und erklärte, er habe die ersten Fehlbeträge, die er durch die Entnahmen aus der Kasse selbst verursachte, durch Wetten decken wollen. Er ging zu den Wettbüros verschiedener Orte und setzte hohe Summen auf Pferde, deren Aussicht im Rennen der verschiedenen Länder bewiesen waren. Aber die Nieten waren häufiger und zahlreicher als die kargen Gewinne, die bei dem Wetten von Pietsch erzielt wurden. Als nach Jahren dieser Mißwirtschaft endlich eine Revision angesetzt wurde, die den Stand der Kirchenkasse überprüfen sollte, gestand Pietsch die Unterschlagungen ein. Die Behörde traute ihren Ohren nicht, und erst als die Wettzettel gefunden wurden, war sie von der Tat des ungetreuen jungen Rendanten überzeugt. Vor der Strafkammer kamen auch die Täuschungsmanöver zur Sprache, die von Pietsch angewandt wurden, um bei den Revisionen nicht aufzufallen. Er hatte über erhebliche Fonds Verfügungsmöglichkeit. Wenn die Revisionen kamen, deckte P. aus diesen Fonds die Fehlbeträge. Die Fonds wurden nicht geprüft. Andere namhafte Fehlbeträge deckte P. auf die Weise, daß er die erheblichen Sparkonten der Kasse durch Abhebungen verkleinerte. Das tat er auch am Tage der Revision, so daß er Kontenauszüge über die vollen Beträge der Konten vom Tage vorher vorlegen konnte und das abgehobene Geld in die Kasse legte, um den Fehlbetrag zu verschleiern, was ihm auch ausgezeichnet gelang.— Die Große Strafkammer in Münster verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis.. Der Dank der Ostdeutschen Heimatverbände an den Gau Westfalen=Nord Münster. Der Beauftragte des Stellvertreters des Führers für die Ostdeutschen Heimatverbände an den Gauleiter: Anläßlich der Ostlandtreuekundgebung am 14./16. Juli 1934 in Gelsenkirchen haben sämtliche Dienststellen des dortigen Gaues zufolge Ihrer Anweisung in weitgehendstem Maße den Ostverbänden derartig weitgehende Hilfe und Unterstützung zuteil werden lassen, daß vorzugsweise dieser Unterstützung das Gelingen der Ostlandtreuekundgebung zu danken ist. Ich sage deshalb namens der mir unterstellten Verbände Ihnen und sämtlichen Parteigenossen, welche uns so bereitwillig geholfen haben, unseren herzlichsten Dank. Wir alle werden unsere westfälischen Parteigenossen, die uns soviel Verständnis und Hilfe haben zukommen lassen, in dankbarster Erinnerung behalten. Gauleiter Reichsstatthalter Dr. Meyer Mitglied der Akademie für Deutsches Recht Münster. Der Führer der Deutschen Rechtsfront, Pg. Dr. Frank, berief Gauleiter Reichsstatthalter Dr. Alfred Meyer im Auftrage des Führers„in Anerkennung des Führers und im Vertrauen auf seine gewissenhafte Mitarbeit an der Deutschen Rechtserneuerung zum Mitglied der Akademie für Deutsches Recht". Auf dem Weg zur haftzelle entflohen Gronau. Dem hiesigen Grenzkommissar wurden von der holländischen Behörde zwei junge deutsche Staatsangehörige übergeben, die in Holland eine Strafe wegen Diebstahls verbüßt hatken. Sie wurden hier ins Gefängnis gebracht, Neuer Ein römischer Silberfund aus dem Münsterland Münster. Das Opfer eines raffinierten Kunstschwindels wurde ein kunstinteressierter belgischer Großkaufmann, der vor kurzem eine Reihe römischer Silberarbeiten, und zwar Schüsseln, Amphoren und Speisegerät, zu einem sehr hohen Preis erwarb. Die Arbeiten, die manche Stilähnlichkeiten mit dem berühmten Hildesheimer Silberfund des Berliner Museums aufweisen, stammen nach Angaben des Kunsthändlers, der die Transaktion vermittelt hat, von einem emigrierten deutschen Antiquitätenhändler, der sie von einem Landwirt aus Münster, auf dessen Gehöft das Silbergerät gefunden worden sein soll, erworben haben will. Der belgische Sammler zahlte für den aus 12 Objekten bestehenden Schatz nicht weniger als 1¼ Million Fres. Einem belgischen Fachmann, der die Objekte besichtigte, tauchten Zweifel an der Echtheit der Kunstwerke auf. Bei näherer Nachprüfung durch einen hinzugezogenen französischen Sachverständigen ergab sich, daß es sich bei diesen Silberarbeiten um freie Nachbildungen des bekannten Fundes von Boscoreale in der italienischen Provinz Neapel handelt, der sich jetzt im Museum in Neapel befindet. Die Imitationen stammen von einem berüchtigten, in Neapel wohnhaft gewesenen Fälscher, der kurz vor dem Kriege gestorben ist und der bereits in eine Fälschungsaffäre verwickelt war, der der bekannte Pariser Bankier Rothschild zum Opfer fiel. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Teil derselben Objekte, die damals Rothschild als verschobene Teile des Fundes von Boscoreale angeboten worden waren. Der schwerbelastete Brüsseler Kunsthändler bestreitet mit aller Entschiedenheit jede Schuld und behauptet, die in Frage kommenden Kunstwerke im festen Glauben an ihre Echtheit und zu einem reellen Preis von dem emigrierten Antiquitätenhändler, der inzwischen nach der Levante ausgewandert sein soll, erworben zu haben. „„ Teerlog der Appischen=Fleischernnungeil Bückeburg. Aus dem Gebiete des westfälischlippischen Bezirksvereins im Deutschen Fleischerverband waren in Bückeburg die Obermeister zu einer wichtigen Beratung zusammengekommen, mit der zugleich die Weihe von 20 Innungs-, Gesangvereins= und Fachschaftsfahnen durch den Landeshandwerksführer Schmidt (Hagen i. W.) und die Weihe einer neuen Fahne der Fleischerinnung für Schaumburg=Lippe verbunden war. Aus den mehrstündigen Verhandlungen verdient erwähnt zu werden, daß vom Obermeistertag Klage darüber geführt wurde, daß Fleischerwarenindustrie und Fleischwarenverkäufer an tarifliche Abmachungen noch nicht gebunden sind, bezw. sich nicht daran gebunden fühlen. Bezirksfachschaftswart Schmidt(Düsseldorf) konnte dazu mitteilen, daß für die Fleischwarenindustrie Verhandlungen wegen eines Tarifvertrages am 7. August in Bielefeld angesetzt sind. Der Treuhänder der Arbeit für Westfalen werde binnen kürzester Frist allen den Fällen nachgehen, wo gegen die tariflichen Bestimmungen verstoßen wurde und werde. Vor allem werde im Interesse des Fleischerhandwerks streng darauf gesehen, daß von den Inhabern von Fleischwarengeschäften, die als Handwerksmeister nicht angesehen werden können, der tarifliche Lohnaufschlag von 25 Prozent tatsächlich gezahlt wird. Es werde weiter streng darauf gehalten, daß zwischen Fleischereibetrieben und Pferdeschlachtereien ein scharfer Trennungsstrich gezogen und beachtet werde. Diese Erklärung wurde von dem Obermeistertag mit Beifall aufgenommen. Bei der Erörterung der Frage der Fettverwertung kam der Wunsch zum Ausdruck, daß möglichst auch in kleinen Innungsgebieten Fettsammelstellen eingerichtet werden möchten. Auch eine rationelle Auswertung der Borstenund Blutanfälle wurde den Innungen im Interesse der deutschen Volkswirtschaft dringend empfohlen. da sich der deutsche Staatsanwalt für sie wegen mehrerer Straftaten interessierte. Einem der beiden Verhafteten gelang es aber, als er wieder in seine Zelle auf der Wache am Rathaus gebracht werden sollte, einem Polizeibeamten zu entweichen. Auf der Flucht nahm der Häftling noch ein Rad mit, das aber später gefunden wurde. Glück im Unglück Herford. Infolge Nachgebens des durch Regen weichgewordenen Erdreichs stürzte ein mit 40 Zentnern Ziegelsteinen beladener Wagen mit den Pferden und einem auf ihm stehenden Jungen in die mehrere Meter tiefe Baugrube eines Neubaues an der Scharnhorststraße. Der Vater des Jungen war Augenzeuge des Unfalls und hatte sich dann abgewendet, da er seinen Jungen erschlagen wähnte. Währenddessen kam der Junge aus einem kleinen Spalt unversehrt wieder hervorgeklettert. Eine Seitenwand des Wagens, der kopfüber unten lag, hatte sich schräg gegen die Grubenwand gestellt und den darunterliegenden Jungen so vor dem Druck der Steine bewahrt. Auch die Pferde konnten unversehrt herausgeholt werden. Vom Tode überrascht Herford. Im Straßengraben der Diebroker= straße wurde morgens eine männliche Leiche gefunden. Es handelt sich um einen Rentner aus Detmold, der hier seine Verwandten besucht hatte und auf dem Wege zur Bahn durch einen Herzschlag aus dem Leben gerissen wurde.— In einer hiesigen Kleiderfabrik fiel ein 60jähriger Arbeiter im Speiseraum plötzlich tot um. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet. 35 000 Hitlerjungen marschieren auf— Detmolds gewaltigste Kundgebung Detmold. Nur noch wenige Tage, dann werden die Mauern der schönen Stadt Detmold von den Marschtritten der jungen nationalsozialistischen Garde widerhallen. 35000 Hitlerjungen aus Ostwestfalen und Lippe kommen zum zweiten HI=Aufmarsch des Oberbannes Minden=Ravensberg. Für den An- und Abtransport stellen die Reichsbahndirektionen Hannover, Kassel und Münster nicht weniger als 24 Sonderzüge. Die Detmolder Ferien, die ursprünglich am 31. Juli zu Ende gingen, wurden verlängert. Die Schulen und alle großen Säle der Stadt werden als Quartieräume gebraucht. Richard Euringers „Deutsche Passion“, gespielt von Hitlerjungen des Unterbannes I/158, wird sinnvoll die gewaltige Jugendkundgebung einleiten. Der große Zapfenstreich beschließt den Sonnabend. Schon früh wird am Sonntagmorgen die Landsknechttrommel die Stadt wecken. Ab 7 Uhr marschieren die 35000 Hitlerjungen auf dem neuen Detmolder Flugplatz auf, wo um 9,30 Uhr die Besichtigung durch den Reichsjugendführer stattfinden soll. Gegen 11,30 Uhr beginnt der Abmarsch vom Flugplatz, der in einem Vorbeimarsch vor den Führern am Landestheater endet. Als Abschluß der großen Veranstaltung ist eine Jugendkundgebung am Denkmal Hermanns des Befreiers vorgesehen, auf der voraussichtlich der Reichsjugendführer, Reichsstatthalter und Gauleiter Dr. Meyer und Staatsminister Riecke sprechen werden. In Detmold fiebert schon alles dem Wochenende entgegen, das die größte und gewaltigste Kundgebung bringen wird, die die Lippische Landeshauptstadt je gesehen hat. Tödliches Verkehrsunglück Duisburg=Hamborn. Hier geriet die dreizehnjährige Schülerin Ruth Kade aus der Koopmannstraße in Duisburg=Meiderich mit ihrem Fahrrad unter den Trecker eines Lasttransportes. Das Mädchen erlitt so schwere innere Verletzungen, daß es wenige Stunden danach im Krankenhaus verstarb. Die Aquarien- und Terrarienfreunde tagten in Mülheim Mülheim. Der Reichsverband Deutscher Vereine für Aquarien= und Terrarienkunde, dem 400 Vereine mit über 10000 Mitgliedern angeschlossen sind, hielt in Mülheim unter Vorsitz des Bundesführers Direktor Mohnke=Berlin eine zweitägige Verbandstagung ab. Dem Leiter des Mülheimer Aquariums, Dr. Kraemer, wurde bei dieser Gelegenheit der Dank für seine langjährige Tätigkeit ausgesprochen, die aus dem Aquarium der Stadt Mülheim eine Stätte von anerkannt wissenschaftlichem Ruf geschaffen habe. Von der Kreisleitung der RSDAP wurde dem Verbande größtmöglichste Unterstützung zugesichert. So sei man in Mülheim bereits dazu übergegangen, sogenannte„Kulturstoßtrupps“ in die Fabrikbetriebe zu entsenden, um zu erreichen, daß jeder Arbeiter und jeder Angestellte an seinem Arbeitsplatz ein Blümchen oder ein Aquarium erhalte. Bundesführer Mohnke wurde mit der goldenen Verbandsehrennadel ausgezeichnet. Die Haupttagung war der Erörterung organisatorischer Fragen vorbehalten. Zunahme des Güterumschlags im Kölner hafenverkehr Köln. Im ersten Halbjahr 1934 ist im Hafenverkehr eine starke Zunahme des Güterumschlags gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres festzustellen. Die Zunahme ist um so höher zu bewerten, als der erheblich niedrigere Wasserstand in diesem Jahre die Schiffahrt nicht unerheblich erschwerte. Der Güterumschlag belief sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 1 661 000 To. gegenüber 1209000 To. im Jahre 1933. Die Zunahme betrug 37 Prozent. Die prozentual stärkste Steigerung hat die Gruppe der Erzeugnisse der Landwirtschaft und Gärtnerei mit 187000 To. gegen 116 000 To. im Vorjahre, d. s. 62 Prozent, erfahren. Generalleutnant Koch zum 1. August Köln. Der Führer des Landesverbandes Niederrhein im Deutschen Reichskriegerbund„Kyffhäuser“ veröffentlicht zur 20. Wiederkehr des Ausbruches des Weltkrieges einen Aufruf an alle deutschen Soldaten, dem wir folgendes entnehmen: In diesen Tagen jährt sich zum 20. Male der Tag, an dem Millionen deutscher Männer und Jünglinge zu den Waffen eilten, um die Grenzen des Vaterlandes zu schützen und zu verteidigen. Den Tagen hoher heiligster Begeisterung folgten Tage, Monate, ja Jahre schweren bitteren Ringens gegen eine Welt von Feinden. Millionen deutscher Männer und Jünglinge standen wie ein eherner, feldgrauer Wall um Deutschland. Ohne diese innige kameradschaftliche Verbundenheit hätte das deutsche Heer nie die Taten vollziehen können, die es vollbracht hat. Dann kam das bittere Ende, als man uns die Waffen und die Ehre nahm. Aber der Geist der Kameradschaft lebte fort. Unserem Feldmarschall und unserem Volkskanzler halten wir alte Soldaten unverbrüchliche Treue, indem wir uns geschlossen und straff zusammengehalten in den großen deutschen Soldatenorganisationen, hinter diese beiden Kameraden des Weltkrieges stellen. Rulg] der Tefahr Die der Abteilung„Schadenverhütung“ beim Amt für Volkswohlfahrt vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gestellten Aufgaben haben das große Ziel der Erhaltung der Volkskraft durch Ausschaltung aller irgendwie vermeidbaren Schäden. In den Aufgaben der RSV bildet die Monatsschrift„Kampf der Gefahr“ eine hochaktuelle Kampfschrift zur Vermeidung von Schäden aller Art. Unter dem Gesichtspunkt:„Schaden verhüten ist besser denn Schaden heilen“, bringt die Zeitschrift reich bebilderte Abhandlungen, und jeder, der dieses besonders interessante Blatt liest, sollte sich einprägen, wie er vorbeugend mithelfen kann, Gefahr und Schaden zu vermeiden. Täglich bringen die Zeitungen Berichte über Verkehrsunfälle, Flugzeugabstürze, Bergwerksunglücke, Hochwasser= und Brandkatastrophen. Wir Menschen des Alltags gehen darüber hinweg, als sei dies alles nichts und eben unvermeidbar. Wenn man die Abhandlungen beherzigt, daß man durch Vorsicht und Beachtung von Verkehrsregeln und sonstigen Unfallverhütungsvorschriften zur Erhaltung der Gesundheit unserer Volksgenossen und zur Vermeidung der Verschleuderung des Volksvermögens beiträgt, so ist die von uns als Erziehungsarbeit herausgegebene Monatsschrift„Kampf der Gefahr" schon sehr wertvoll. Wer weiß darum, daß in Deutschland in landwirtschaftlichen Betrieben jährlich allein rund 150000 entschädigungspflichtige Unfälle vorkommen, jährlich mehr als 27.000 oder täglich 60 Menschen ihr Leben durch Unfall verlieren1400 bei Feuersbrunst umkommen, 3000 jährlich ertrinken und 2 bis 3 Millionen Unfälle leichter und schwerer Art sich ereignen. Wie wichtig ist doch, wenn Leichtsinn, Rücksichtslosigkeit, Disziplinlosigkeit und sonstige verzeihliche Schwächen nicht mehr als Privatangelegenheit des einzelnen gewertet werden, sondern die öffentliche Meinung in jedem vermeidbaren Unfall, in jedem unnötigen Schadensfall eine Verlust an Werten erblickt, die der Allgemeinheit gehören und die dem gesamten Volke dienstbar gemacht werden müßten. Die Monatsschrift„Kampf der Gefahr“, die diesen Gedankengang vermittelt und sich mit einer intensiven Aufklärungsarbeit auf allen Gebieten der Schadenverhütung befaßt und die immer wieder anführt,„Nehmt Rücksicht aufeinander“, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die bisher vorkommenden Unfälle und entsprechenden Schäden wesentlich einzuschränken. Es ist daher wohl der Mühe wert, daß sich jeder Volksgenosse einmal mit dieser Arbeit und der Zeitschrift „Kampf der Gefahr“ vertraut macht. Darum ergeht an alle Volksgenossen die Aufforderung: „Lest die Monatsschrift„Kampf der Gefahr", beachtet und beherzigt ihre Ratschläge, und helft bei der Schadenverhütung.“ ORIGINAL-ROFAN CON S. SCHNEIDER-FOERSTL B (18. Fortsetzung.) „Das trifft sich gut,“ freute sich Török.„Szengeryi ist mein Schwiegersohn. Ich werde ihm Ihre Person gleich persönlich überbringen. Die halbe Nacht lag Calderon schlaflos und wälzte sich von einer Seite nach der anderen. In der Kabine nebenan wohnte sein Vater. Er strich mit sachten Händen die Wand herab, hinter der jener schlief. Wie grau er geworden war! Und wie still! Das Leid, das er erfahren hatte, sprach aus den Augen und schwang im Tonfall seiner Stimme mit. Die Nordsee benahm sich wie ein hysterisches Weib und spie giftgrünen Schaum gegen den Dampfer, daß die Wogen klatschend gegen die Blanken fuhren und hohnlachend über Deck rollten. Die Maschinen im Kesselraum fieberten und ließen ein dumpfes Summen hören. Von nebenan kam ein Stöhnen. Calderon richtete sich in den Kissen auf und lauschte. Es blieb alles ruhig. Nur die Turbinen stampften und die Wasserberge schlugen über das Schiff. Es rollte und gluckste, als dringe das gefahrbringende Element durch alle Ritzen und Fugen. Nun wieder ein Stöhnen. Der Vater war krank! Sehr krank vielleicht! Calderon fuhr in sein seidenes Pyjama, knüpfte hastenden Fingers die Verschnürung über der Brust und lief in Pantaffeln auf den schmalen Korridor, in dem matt verhangene Lichter brannten. Er klopfte und lauschte und als keine Antwort kam, trat er ohne weiteres über die Schwelle der unverriegelten Tür. Professor Török soß an dem kleinen Schreibtisch und hatte Briefschaften vor sich ausgebreitet. Er warf einen erstaunten Blick nach dem Eindringling, dann schob er die Papiere fur Seite und ging ihm einige Schritte entgegen.„Womit ann ich Ihnen dienen, Mister Calderon?“ „Ich habe Sie stöhnen gehört und dachte, Sie brauchen Hilfe. Das abbittende Lächeln, das dabei im Gesichte des jungen Mannes stand, gewann ihm Töröks Sympathie. „Es ist lieb von Ihnen, Mister Calderon, daß Sie sich deshalb herüber bemühten. Bitte!“ Er zeigte nach dem kleinen Sofa und ließ sich wieder in seinen Schreibtischstuhl nieder. „In der Tat— ich habe gestöhnt. Ich konnte nicht wissen, daß ich Sie dadurch aus Ihrer Ruhe stören würde.“ „Sie haben mich nicht gestört. Es hat mich nur geängstigt.“ „Das tut mir leid. „Ich möchte Ihnen so gerne helfen, wenn es ginge.“ Es war so knabenhaft schüchtern gesprochen, daß Töroks noch übrig gebliebene Reserve verschwand. „Ich leide nicht körperlich, Mister Calderon. Nur meine Seele ist krank. Ich sagte Ihnen bereits heute Morgen, daß ich auf dem Wege nach Göteborg bin, um dort meinen Schwiegersohn zu treffen, dem mein einziges Kind Frau gewesen ist. Gewesen ist, lieber Calderon. Denn meine Tochter fand den Tod in den Fluten des Meeres. Sie ist freiwillig gegangen. „Freiwillig, zitterte die junge Stimme nach. Erst nach einer langen Weile sprach Török weiter:„Sie hat sich von ihm vernachlässigt geglaubt. Zu wenig geliebt! Sie war erst zwanzig Jahre. Es läßt sich nichts mehr daran ändern. Aber mein Schwiegersohn ist darüber zerbrochen. Ich habe das Gefühl, daß ich ihn jetzt in Göteborg das letztemal sehen werde. Darum bin ich von London, wo ich Vorträge gehalten habe, auf das Schiff gegangen, um noch einmal mit ihm zusammen zu sein. Ein unbeherrschtes Aufschluchzen vom Diwan her ließ Török erschrocken innehalten.„Ich konnte nicht wissen, daß meine Mitteilung Sie so schwer erschüttern würde, Mister Calderon. Die Seekrankheit schwächt die Nerven ungemein und macht sie über Gebühr erregt. Sie werden das noch lange verspüren. Vergessen Sie, was ich Ihnen sagte. Jedenfalls bitte ich Sie, mit meinem Schwiegersohn nicht darüber zu reden“ Calderon schüttelte den Kopf, fuhr sich, ohne die Brille abzunehmen, mit dem Taschentuch über die Augen, stammelte ein„Gute Nacht!“ und drückte dann die Kabinentüre geräuschlos hinter sich ins Schloß. Török hörte ein leises Weinen durch die Wand herüber. Am nächsten Morgen fand er den jungen Irländer auf Deck, wie er nach einem sandkorngroßen Punkt starrte, der sich am Horizont abhob. Man näherte sich der Küste. „* * Göteborg lag in praller, gleißender Spätnachmittagssonne. Hunderte von Felsen lagerten vor der fjordartigen Mündung der Götalf und hielten die donnernden Brandungswogen auf, die der Nordost ununterbrochen heranpeitschte. Eine halbe Stunde noch, dann landete der Dampfer in dem großen Hafen mit seinen Docks, Werften, Speichern und ungezählten Lagerschuppen. Calderon, der bis zu diesem Zeitpunkt Töröks Gesellschaft auffallend gesucht hatte, war nun bestrebt, sich von ihm loszumachen. Aber wo und wie er auch unterzutauchen suchte, immer wieder wußte ihn der Professor aufzufinden. „Ich möchte nicht gerne bei der Begrüßung mit Ihrem Schwiegersohne stören,“ sagte der junge Mann bescheiden und war in der nächsten Minute tatsachlich in dem Gewühl der Passagiere verschwunden. Diesmal suchte Török vergeblich. Er fand es taktvoll von dem jungen Irländer. Am Abend würde man sich dann schon treffen. Von dem Menschenwall gedeckt, der sich bis dicht an die Steinquadern der Mole drängte, spähle Calderon, der als einer der ersten das Schiff verlassen hatte, nach Török aus. Der Profesior stand noch an Deck und überflog suchend die Gesichter der Wartenden. Dann ein Name, der Calderon zusammenschrecken ließ. „Bela!“ „Varer!" Dicht hinter ihm hatte eine Stimme es gerufen. Und nun draigte sich ein schlanker, dunkelgekleideter Herr mit abenommenem Hut durch die Menschenmassen. An beiden Schläfen leuchtete ein Streifen stark ergrauten Haares. „Das ist er ja gar nicht. Das ist ein anderer! Muß ein anderer sein!“— Calderon biß die Zähne in das Taschentuch und schluckte in Verzweiflung. Ueber die Schulter einer Dame hinweg sah er, wie Törok Szengeryi in die Arme schloß und er hörte was dieser sprach: „Ich mußte dich sehen, mein Junge! Mein Telegramm hast du doch erhalten?“ „Ja, vor etwa einer halben Stunde. Ich bin aber trotzdem noch zurecht gekommen, wie du siehst. Ich danke dir, daß du die Mühe nicht gescheut hast. Wir sind alle vollzählig bis auf einen jungen Irländer. Blitzschnell duckte sich Calderon hinter dem massigen Rücken eines Mannes, denn Török hielt mit suchenden Augen nach ihm Umschau. „Er ist mit an Bord gewesen. Ein gewisser Mister Calderon, nicht wahr?“ „Ja. Es ist mir angenehm, daß er so pünktlich ist. Ich hätte nicht auf ihn warten können. Die Abreise ist unwiderruflich für übermorgen festgesetzt.“ Dem Kraftwagen, der Török und Szengeryi zum Hotel trug, folgte ein zweiter. Der Boy riß hastig die Schläge der beiden Wagen auf. Calderon wartete etwas mit dem Aussteigen und trat dann nach den beiden Herren durch den Windfänger. Er atmete auf, als er diese eben in den Lift steigen sah. Nach Erledigung der Formalitäten mit dem Portier stieg er langsam die Treppe mit dem schweren Plüschläufer hinauf. Noch eine Stunde, dann war die Frist zu Ende. Dann——— Ein Gewirr von Stimmen surrte ihm entgegen, als er gegen acht Uhr abends in den großen Speisesaal trat. An der mächtig langen Tafel saß eine Reihe Menschen, die mit einem wahren Heißhunger Lachs und Renntierschinken aßen, Hummermayonnaise, Krebse und Eier verzehrten. Sardellen und Sardinen mit Wurst, Schinken, Butter, Käse und noch einiges Allerlei verschlangen, als wäre eine jahrelange Hungersnot im Lande gewesen und heute der erste Tag, an dem es sich wieder satt werden ließ. Dazwischen wurde Schnaps getrunken, Aquavit, Genever, Korn, Kümmel, schwedischer Punsch, seltener ein Kaffee oder Mineralwasser. Calderon wartete geduldig, bis sich ein Platz für ihn fand. Er fühlte eine Hand auf seiner Schulter und wandte das Gesicht. Török stand mit einem Lächeln hinter ihm.„Haben Sie meinen Schwiegersohn schon gesprochen? Nein? Noch keine Gelegenheit gehabt?— Kommen Sie! Wir sitzen an der Ecke dort. Ich habe ihm schon von Ihnen erzählt. Das Licht im Speisesaal war diskret gedämpft. Trotzdem erschien es Calderon, als schössen Bündel tausendkerziger Brande über ihn hin, die jede Muskel seines Gesichtes, jede Partie seines Körpers erbarmungslos freigaben und ihm die Maske vom Antlitz rissen, daß er hilflos, wie in Nacktheit vor Szengeryi stand. Aber alle Furcht war unbegründet. Der Forscher saß an einem der kleinen, runden Tische, ein halb geleertes Glas Eiswasser vor sich. Als Török mit dem jungen Manne auf ihn zutrat, unterbrach er das Gespräch, das er mit zwei anderen, bei ihm sitzenden Herren geführt hatte. Nach Töröks Vorstellung reichte er mit einem prüfenden Blick die Hand über den Tisch, fühlte, wie die Richard Calderons leise zitterte und hielt sie für einen Moment fest. „Ich hoffe, daß wir uns gut verstehen werden, Mister Calderon. Wie geht es meinem Freunde Tordy? Hat er noch sehr unter den Folgen des Sturzes zu leiden?“ Der junge Mann verharrte für eine Weile vollkommen lautlos.„Bela,“ wollte er sagen,„Bela!“ Er verspürte einen Krampf in der Herzgrube und ein Drücken und Würgen in der Kehle. Dunkle Flammen Blutes standen ihm im Gesicht und blaßten dann zu schneeiger Weiße ab.„Tordy geht es ziemlich gut.“ Nun die ersten Worte gefallen waren, hatte er das Schlimmste hinter sich. Szengeryi trug keinen Gedanken, daß jemand anderes unter der Maske Richard Calderons neben ihm saß. Er bestellte Whisky mit schwedischem Punsch, um sich etwas zu betäuben, und nahm an der Unterhaltung teil. Alles, was Szengeryi seinerzeit über seine Forschungsreise gesprochen hatte, stand wieder im Gedächtnis auf. So waren weder Calderons Fragen, noch die Antworten, die er geben mußte, irgendwie ungeschickt. Nebenbei hatte der junge Mann Muse, Vater und Gatten zu betrachten. So viel stand fest: Der Vater hatte sich in stiller, schweigender Resignation in den Verlust gefunden und der Gatte war derjenige, den das Leid am tiefsten gezeichnet hatte. Es sprach aus jeder Linie des schmalen Gesichtes, stand in tiefen Furchen um Nase und Mund und war aus dem gleichmütig erloschenen Blick der dunklen Augen zu lesen. Vielleicht hatte er sie doch über alles geliebt. Calderons Blick hing an dem breiten Goldreifen, den der Forscher an seiner Rechten trug. Török bemerkte es und bat mit den Augen um Unterlassung jeder Frage. Als man sich gegen elf Uhr getrennt hatte, vermochte Calderon nicht einzuschlafen. Neben dem seinen mußte Töröks Zimmer liegen, denn er hörte dessen Stimme und dann auch jene von Bela Szengeryi herüberkommen. Das Ohr fest gegen die dünne Wand gedrückt, lauschte er. Ab und zu verschwamm ein Wort, aber der Großteil des Gespräches war gut vernehmbar. „Es war unüberlegt von mir. Mister Calderon die Teilnahme an der Expedition zu erlauben,“ sagte Szengeryi. „Wenn es irgendwie möglich ist, werde ich versuchen, ihn davon abzubringen. „Hast du Antipathlen gegen ihn?“ Es war Töröks Stimme, die das sprach „Dus nicht. Er ist mir aber zu jung, zu feminin! Ich fürchte, er bricht mir unterwegs zusammen und dann gibt es eine Störung, die uns allen verhängnisvoll werden kann. Ich weiß nur nicht, wie ich es anpacken soll, um die Zusage, die ich ihm nun einmal gegeben habe, rückgängig zu machen. ohne ihm dabei nahe zu treten.“ „Soll ich mit ihm reden, Bela?“ „Ich wäre dir sehr verbunden, Vater.“ Dann blieb es still. Calderon drückte sich in die Kissen und lächelte. Keine Macht der Erde würde ihn von seinem Vorhaben abbringen. Er schlief trotz der Aufregung des Tages sehr gut und ließ sich am Morgen nicht eher sehen, als bis die Herren vollstandig im Speisesaal um den Kaffeetisch saßen. Török wußte es so einzurichten, daß er am Vormittag eine halbe Stunde allein mit dem Irländer blieb. Aber das Resultat seiner Bemühungen war kläglich. Szengeryi, der ihn mittags auf seinem Zimmer erwartete, war ungemein deprimiert, da Calderon durchaus auf seiner Teilnahme bestand. Die Verantwortung für den jungen Menschen war erdrückend. Allenfalls konnte man ihn ja bis zur Adventbai mitnehnten und dann zu Schiff wieder zurückschicken. Jedenfalls war das Ganze eine sehr gewagte Sache und mit viel Scherereien verbunden. Am nächsten Mittag nahm man Abschied von Török. Dee Professor drückte den Schwiegersohn wiederholt in die Arnie. „Vergiß nicht, daß du das Letzte bist, was mir blieb," hörte ihn Calderon sagen. Er mußte das Gesicht wenden, um das Flimmern seiner Augen zu verbergen. Die Fahrt ging zuerst mit dem Flugzeug nach Spitzbergen. Die sieben Personen fanden auf dem Doppeldecker genugend Platz. Er war so gebaut, daß er für Land, Waiser und Eis verwendet werden konnte. Calderons strahlende Augen versöhnten den Forscher. Das Gefühl des Unbehagens, das er noch immer empfand, weil er ihm nicht widerstandsfähig genug für die Reise dünkte, begann mehr und mehr zu schwinden. Vielleicht war der junge orländer abgehärteter als er vermutet hatte. Die Briten waren ja alle etwas überschlank, aber dafür umso sportgeübter. Wenn er in der Adventbai noch darauf bestand, mitgenommen zu werden, wollte er es riskieren. Calderon machte erschrockene Augen, als er noch einmal gefragt wurde, ob er mit nach dem Pol wolle. Er habe doch bereits„ja“ gesagt und auch die Zusage bekommen, erwiderte er. Und so ließ es Szengeryi sein. Von der Adventbai ging es nach Green Harbour, der holländischen Kohlenmine, der einzigen Schicht, in der die Riesenschätze Spitzbergens ausgebeutet wurden. Von dort drang man mit dem Doppeldecker bis zur Eisgrenze vor. wo Schlitten und Hunde auf die Expedition warteten. Calderon fror über die Maßen. Schauer um Schauer fuhren über ihn hin. Bis in das Herz ging ihm das Gefühl der Vereisung. Szengeryi sah es, bekam einen besorgten Blick und war von einer Nachsicht ohnegleichen. Wenn der junge Mann sich etwas durchwärmt fühlte, war er sofort für die Wunder der Arktis zugänglich, auf die der Forscher ihn aufmerksam machte. Die Wirkung der Lichte: war beinahe denen in der Steppe ähnlich, so traumhaft zart war der Ton, schmolzen die Schatten ineinander, verflossen die Formen zu wesenlosen und doch vorhandenen Schemen. Einmal, als Calderons Augen ganz selbstvergessen am Nordlicht hingen, das Silberschleier über den Himmel warf und in regloser Veränderung vielfältig wehende Bänder nach allen Seiten fließen ließ, schob sich Szengeryis Hand in die seine. „Wie fühlen Sie sich?“ „Ich beginne mich zu akklimatisieren, Herr Doktor.“ „Für mich ist das hier die Heimat,“ sagte der Forscher. „Ich möchte nirgend anders begraben sein als hier.“ Calderon erschrak. Von dieser Stunde an trabte er wie ein treuer Begleithund immer neben und hinter Szengeryi her. Den Forscher rührte diese Anhänglichkeit des jungen Irländers. Er ging zuweilen etwas aus sich heraus, wurde mitteilsamer und ließ hin und wieder einen Spalt offen, durch den Calderon in sein Inneres sehen konnte. Aber was er da zu erspähen vermochte, erfüllte ihn mit Angst und Unruhe, die sich mit jedem Tag steigerte. Wenn in den Nächten das Brüllen der Eiswüste wie ein fernes Erdbeben immer näher und näher kam, krallte er die Finger in den Pelz seines Schlafsackes und fühlte, wie der Atem, der aus seinem Munde strömte, zu spitzen Kristallen erstarrte, wie die schweigende Eiswelt widerhallte von Donnerrollen. Ringsumher barst und krachte gröhlte und stampfte es. Er vernahm es unter den Füßen und über dem Haupte und fühlte seinen Körper erzittern Reglos horchte er auf das Glucksen der Wasser, die über das gespaltene Eis züngelten. Und er wurde ganz klein und demütig. Die Anstrengungen der Reise waren ungeheuer. Aber Calderons dreiundzwanzig Jahre stemmten sich wie ein unbesiegbarer Wall dagegen. Manchen Tag war sein Körper so vollkommen steif gefroren, daß ihn die Kleider wund scheuerten. Aber keiner der Expeditionsteilnehmer hörte den jungen Irländer jemals eine Klage vorbringen. So ging es zwei Wochen, bis ein völlig unerwartetes Ereignis den Forscher zur Rückkehr zwang. Unter den Hunden, die die Schlitten zogen, bruch eine Seuche aus, die innerhalb vierundzwanzig Stunden zwölf der Tiere hinwegraffte. Die rätselhafte Krankheit sprang auf die Menschen über. Drei der Teilnehmer vermochten sich kaum mehr bis zu ihren Schlafsäcken zu schleppen und brachen dort zusammen. Der begleitende Arzt Dr. Böhle stand vor einem Rätsel, für das es keine Lösung gab. Am andern Morgen mußte man zweien der Erkrankten in der Eiswüste ein Grab schauseln Der dritte döste im Halbschlafe vor sich hin. Am Abend verendeten wiederum sechs Hunde. Szengeryis Gesicht trug weder Farbe noch Bewegung mehr. Es war vollkommen erstarrt. Der Rückzug gestaltete sich zu einer wahren Flucht. Der Kranke war dabet ungemein hinderlich. Sein Zustand glich einer Lähmung. (Fortsetzung folgt.) Uur ein Gedanke, nur ein Ziel: Deutschland! Der Kyffhäuserbund zum 2. August Der Deutsche Reichskriegerbund„Kyffhäuser“ veröffentlicht zum 2. August folgenden Aufruf: „Zum zwanzigsten Male jährt sich der Tag, an dem das graue Volksheer auszog, in einem uns aufgezwungenen Krieg die bedrohte deutsche Heimat zu schützen. Ungeheuere Opfer an Leben und Blut wurden gebracht. Zähe haben wir gerungen gegen eine Welt von Feinden bis zum bitteren Ende. Darum erfüllen wir alten Soldaten eine besondere Pflicht, an diesem Tage heldischer Erinnerung uns zu Worte zu melden. Wir haben den Geist von 1914—1918 aus den Trichterfeldern und Schützengräben des Weltkrieges durch 14 schwere Jahre der äußeren Schwäche und inneren Volkszerrissenheit hindurch als unverlierbares heiliges Erbe der Front treu bewahrt und gepflegt. Unser ehemaliger unbekannter Frontkamerad, der heutige Führer des deutschen Volkes, Adolf Hitler, hat unserem Soldatentum wieder Heimatrecht in deutschen Landen gegeben. Wir danken ihm hierfür und für das in uns gesetzte Vertrauen ganz besonders in dieser Stunde, da wir ehrfurchtsvoll unserer toten Kameraden gedenken, die gefallen sind, damit wir leben. Wir Kameraden des Kyffhäuserbundes, des größten Soldatenbundes der Welt, sind mit Recht stolz auf das hohe Gut unserer Tradition, deren letzte Wurzeln in die Zeit Friedrichs des Großen und der Freiheitskriege zurückreichen. Diese alte Soldatentradition mit neuem und lebendigem Geiste zu erfüllen, ist eine hohe und ehrenvolle Aufgabe. In dieser von uns leidenschaftlich vertretenen Geisteshaltung des ewigen deutschen Soldatentums fühlen wir uns aber auch besonders eng verbunden mit unserer deutschen Wehrmacht. Soldatische Pflichttreue, Opferbereitschaft und Tatgesinnung werden uns auch weiterhin stark machen, mitzuschaffen am großen Aufbauwerk und zum Schutze unseres Vaterlandes. Das Entscheidende für Deutschlands Zukunft liege im Wehrwillen und in der Wehrkraft unseres Volkes. Wir alten Frontsoldaten kennen den Krieg und wollen daher den Frieden. Wir wollen aber den Frieden, wie ihn der Führer Adolf Hitler zu wiederholten Malen freimütig und ehrlich aller Welt angeboten hat, den Frieden der Ehre und der Freiheit, der Sicherheit und Gleichberechtigung. In diesem Sinne wiederholen wir das heute vor zwanzig Juhren abgelegte zeugnisstarke Bekenntnis unserer Treue für Volk und Vaterland. Wir haben alle bis zum letzten Atemzug nur einen Gedanken, wir kennen alle nur ein Ziel: Es heißt Deutschland!“ Reinhard, Oberst a. D., Bundesführer des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser". Lebenslänglicher Kerker für die Hopfgartener Mordbrenner Am Mittwoch wurde das Urteil im Innsbrucker Schwurgerichtspozeß gegen die Hopfgartener Mordbrenner gefällt. Der Prozeß dauerte mehr als zwei Wochen. Die drei Angeklagten Bachler, Clementi und Lechner wurden zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Die Bande hatte nicht weniger als 82 schwere Straftaten, darunter drei Raubmorde, drei Raubmordversuche, dreißig vollendete und dreiunddreißig versuchte Brandstiftungen in der Zeit vom Frühjahr 1929 bis Mitte des Jahres 1932 verübt und die Bevölkerung von Tirol in größten Schrecken versetzt. Die Todesstrafe konnte nicht verhängt werden, weil sie zurzeit der Begehung der Verbrechen in Oesierreich noch nicht eingeführt war. Der Eentgerichtehef der der Arden Zwei Hochverräter abgeurteilt Der Volksgerichtshof nahm am Mittwoch seine Tätigkeit mit Verhandlungen an allen drei Senaten auf. Bei den am Mittwoch zur Verhandlung stehenden Sachen handelt es sich um Vorbereitung zum Hochverrat durch Versuche der Zersetzungspropaganda bei Angehörigen der Polizei bezw. der Reichswehr. Am Mittwochnachmittag wurden bereits zwei Urteile gefällt. Den ersten Senat des Volksgerichtshofes beschäftigte als erster Fall die Anklage gegen den 26jährigen Johannes Brinkheger aus Heeßen in Westfalen, dem die Anklage Vorbereitung zum Hochverrat durch staatsfeindliche Propaganda und kommunistische Zersetzungsarbeit vorwarf. Der Angeklagte versuchte sich damit herauszureden, daß er weder lesen noch schreiben könne und daher den Inhalt der von ihm verbreiteten Zersetzungsschriften nicht gekannt habe. Das Volksgericht verurteilte Brinkheger nach längerer Beweisaufnahme wegen fortgesetzter Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit unerlaubtem Waffenbesitz zu zwei Jahren Gefängnis, von denen sieben Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet werden. Vor dem zweiten Senat des Volksgerichtshofes hatte sich der frühere Ortsgruppenleiter der KPD in Perleberg, der 81jährige Max Theiß, wegen Zersetzung der Reichswehr zu verantworten. In dieser Verhandlung machte Oberstaatsanwalt Eichler, der Leiter der Abteilung Hochverrat bei der Reichsanwaltschaft am Volksgerichtshof, jrundsätzliche Ausführungen über die Bedeutung ser Zersetzungstätigkeit als politisches Kampfmittel der KPD. Er gelangte zu dem Ergebnis, daß auch bei den Angeklagten, auf die die schärferen Strafbestimmungen des Gesetzes vom 24. April 1934 noch nicht zur Anwendung kommen können, bei einer Bestrafung aus§ 86 St. G. B. wegen Vorbereitung zum Hochverrat der Uebergang zur Zuchthausstrafe gerechtfertigt sei, weil eine solche Zersetzungstätigkeit auf eine ehrlose Gesinnung des Täters hindeute.„Ich warne jeden,“ so erklärte der Vertreter der Reichsanwaltschaft mit erhobener Stimme,„sich in Zukunft an unserer Reichswehr und Reichsmarine sowie Schutzpolizei zu vergreifen.“ Das Gericht verurteilte den Angeklagten Theiß darauf wegen fortgesetzter Vorbereitung zum Hochverrat nach§ 86 St. G. B. zu einem Jahr neun Monaten Zuchthaus unter Anrechnung der Untersuchungshaft von sieben Monaten. Der Strafantrag hatte auf zwei Jahre drei Monate Zuchthaus gelautet. Verlängerung der Sperre für den Verkauf von Kraftfahrzeugreifen durch die Fabriken bis zum 15. August 1934 Die durch die Ueberwachungsstelle für Kautschuk am 17. Juli 1934 verhängte Sperre für den Verkauf von Kraftfahrzeugreifen durch die Fabriken ist bis zum 15. August d. J. verlängert worden. Es wird darauf hingewiesen, daß der Verkauf von Kraftfahrzeugreifen durch den Handel von dieser Sperre nicht betroffen wird. Der Kraftfahrzeugreifenhandel kann vielmehr nach wie vor frei verkaufen, und zwar gleichgültig, ob es sich um Bestände handelt, die ihm selbst gehören oder in Kommission bei ihm liegen. Sollten gleichwohl in einzelnen Fällen benötigte Reifen nicht erhältlich sein, so haben sich Interessenten nicht an das Reichswirtschaftsministerium, sondern unter Angabe der Reifengröße und des Händlers, durch den die Lieferung erfolgen soll, an die Ueberwachungsstelle für Kautschuk in Hamburg 36, Esplanade 6, zu wenden. Diese wird das weitere veranlassen. Es besteht keinerlei Veranlassung, nicht dringenden Bedarf vorzeitig zu decken, da die Preise durch das kürzlich in Kraft getretene Reifenzwangskartell stabilisiert wurden und auch Qualitätsveränderungen in der Reifenherstellung nach Aufhebung der Sperre nicht zu befürchten sind. Die henkenhagener Bluktat vor Gericht Vor dem Stettiner Sondergericht begann am Dienstag der Prozeß gegen den Stahlhelmmann Ernst Kummrow aus Quetzin, der angeschuldigt ist, den SA.=Sturmführer Molzahn aus Henkenhagen nach der Sonnenwendfeier am 23. Juni aus politischen Gründen getötet zu haben. Der Angeklagte, der 49 Jahre alt ist, den Krieg mitgemacht hat, verwundet und ausgezeichnet worden ist, gehört dem Stahlhelm seit 1932 an. Bei der Schilderung der Tat erklärt er, daß er am 23. Juni die Sonnenwendfeier als Zuschauer besucht habe. Nach der Feier sei Molzahn an ihn herangekommen und habe ihn wegen eines Dorfklatsches zur Rede gestellt und dann mit der Faust auf ihn eingeschlagen. Kummrow habe zur Abwehr seinen Stock erhoben, doch sei ihm dieser von Molzahn entwunden worden. Im gleichen Augenblick seien mehrere SA.=Männer auf ihn eingedrungen. Er habe sich, um sich zu schützen, gegen den Körper Molzahns gestemmt und ihn mit beiden Händen umklammert. Molzahn habe seinen Dolch gezogen, den er, Kummrow, ihm jedoch entwinden konnte. Beide seien dann zu Fall gekommen. Er habe nicht die Absicht gehabt zu stechen und kann sich nicht erklären, wie Molzahn die Verwundung erhalten habe. Molzahn hat dagegen bei seiner Vernehmung im Krankenhaus ausgesagt, daß politische Gründe die Ursache des Streites gewesen seien. In der Nachmittagssitzung wurden einige Tatzeugen vernommen, aus deren Aussagen sich jedoch kaum der Vorgang einwandfrei klarstellen ließ. Wer zuerst angeriffen hatte, darüber gehen die Meinungen der Zeugen stark auseinander. In wenigen Zeilen Der österreichische Bundespräsident hat dem Reichspräsidenten für dessen Beileidstelegramm ein Danktelegramm geschickt. In Bremerhaven traf am Dienstag die Kapelle der„American Legion" aus Milwaukee ein. Es ist das erstemal, daß Deutschland von der maßgebenden Vereinigung amerikanischer Frontkämpfer besucht wird. Die beiden Häuser des englischen Parlaments wurden bis zum 30. Oktober vertagt. Wenn es das öffentliche Interesse erfordern sollte, wird eine frühere Einberufung stattfinden. Baldwin wird am 8. August nach Air les Baines abreisen. Das französische Militärgericht in Toulon verurteilte einen Rekruten, von Beruf PaDas Reichskabinelt zusammengetreten Das Reichskabinett trat Mittwoch abend um 9.30 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Der Führer am Krankenbelt des Reichspräsidenten Ueber den Besuch des Reichskanzlers am Krankenlager des Reichspräsidenten bringt die RSK folgenden Bericht eines Teilnehmers der Reise: Als der Reichskanzler zuletzt— am 3. Juli d. J.— dem Reichspräsidenten in Neudeck seinen Besuch abstattete, da ahnten wir alle, die wir den Führer auf dieser Reise begleiten durften, nicht, daß schon vier Wochen später dort Adolf Hitler am Krankenbett des greisen Feldmarschalls stehen würde. Damals noch kam uns der Reichspräsident in der Halle seines Hauses in fester, aufrechter Haltung entgegen und sprach dem Führer und seinen nächsten Begleitern in markigen, unvergeßlichen Worten den Dank des Vaterlandes dafür aus, daß sie in der Stunde der Gefahr als Männer entschlossen gehandelt hätten. In Bayreuth erhielt am Dienstag der Führer die Mitteilung von der ernsthaften Erkrankung, unter der der Reichspräsident in leichterem Maße bereits seit vielen Monaten zu leiden hatte. Sofort entschloß sich der Führer, an das Krankenbett Hindenburgs zu eilen. Er flog unverzüglich nach Berlin und von dort vormittags weiter nach Ostpreußen. Auch Staatssekretär Meißner war aus Süddeutschland im Flugzeug herbeigeeilt, um den Führer von Berlin nach Neudeck zu begleiten. Bei der Landung liegt, nach vielen Regentagen strahlender Sonnenschein über den erntereichen Feldern Ostpreußens. Ohne Aufenthalt geht die Fahrt weiter nach dem stillen Neudeck. In den Städten und Ortschaften, die wir passieren, erwarten uns schon seit dem frühen Morgen die Menschen nach Hunderten, als hätten sie es geahnt, daß in schweren Stunden des Reichspräsidenten der Kanzler nicht fern sein wird. Vielleicht schwingt in der herzlichen Begrüßung ein Unterton von Sorge mit um das Schicksal des greisen Feldmarschalls, dem in diesen Tagen die Herzen aller Deutschen besonders zugewandt sind. In Neudeck ist die Familie des Generalseldmarschalls versammelt. Hervorragende Aerzte sind aufs beste um den kranken Reichspräsidenten besorgt. Der Kanzler begibt sich in das Krankenzimmer, um den Reichspräsidenten zu begrüßen. Der Reichspräsident empfing ihn im Krankenbett. Er erkennt den Führer und dankt ihm in herzlichen Worten für seinen Besuch. Nach kurzem Gespräch verläßt der Kanzler den Reichspräsidenten, der in ruhigen Schlaf sinkt. Bange Frage liegt auf aller Lippen, als wir die Wagen zur Rückfahrt besteigen. Möge ein gütiges Geschick dem deutschen Volke seinen Hinsenburg erhalten! stor, zum zweiten Male wegen Verweigerung des Militärdienstes. Nach der ersten Verurteilung. die ihm ein Jahr Gefängnis einbrachte, ist er zum zweiten Male einberufen worden. Dieses Mal sollte er sich bei einem Artillerieregiment in Toulon melden. Der Pastor verweigerte abermals den Dienst und wurde nunmehr vom Militärgericht in Toulon zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Verbüßung dieser Strafe wird er zum dritten Mole einberufen werden. Imordentlichen Haushalt betrugen im Juni die Einnahmen 473.8 und die Ausgaben 504,2 Millionen Mark. Es ergibt sich somit eine Mehrausgabe von 30.4 Millionen. Schunwelen sinle gule Shemner Seltsames aus dem Reich der Töne— Ein Ei wird ohne Temperaturerhöhung gekocht— Der könende Gleitschutz Von H. Ernst Uhde Vor einigen Jahren erregte im Varieté einer norddeutschen Großstadt eine Gruppe singender Mäuse, die im Chor quiekten, großes Aufsehen. Ein Teil der Zuschauer war begeistert, ein anderer erklärte das Ganze für ausgesprochenen Schwindel. Es stellte sich später heraus, daß diese Gruppe der Mißvergnügten nicht in der Lage war, die ganz hohen Töne zu vernehmen und so verständlicherweise keinen rechten Genuß von dem eigenartigen Konzert haben konnte. Der Spielraum im Bereich der Töne, den unser Ohr beherrscht, ist bei den einzelnen Menschen außerordentlich verschieden. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß der tiefste Ton, den wir noch vernehmen, 40 Schwingungen in der Sekunde macht, der höchste aber etwa 40000. Die Höhe des Tones hängt ab von der Zahl der Schwingungen, seine Stärke von der Wellenlänge. Wenn wir das Summen einer Hummel vernehmen, die ihre Flügel rasch auf und ab bewegt, nicht aber hören können, wenn ein Mensch mit seinen Armen das gleiche tut, so liegt das daran, daß letztere die Arme nicht schnell genug zu bevermag, um eine genügende Anzahl. von Schwingungen in der Sekunde hervorzubringen. #nter, allen Geschöpfen stehen bezüglich der Gahigrent, schwache quiekende Töne zu vernehmen, die Katzen an erster Stelle. Der englische Ziolog Sir Franeis Galion, dem die Menschheit Zic'e immerhin interessante Entdeckung verdankt, ertlärt dr: Totsache damit, daß die genannte seit unendlichen Generationen Mäuse im Durkein sagt. Bei seinen Forschungen bediente er sich eines eigenartigen, später als „Galton=Pfeife“ bekannt gewordenen Instruments. Es bestand in einem hohlen Spazierstock, der oben am Griff einen Gummiball, unten an der Spitze eine winzige Pfeife trug. Täglich trat Sir Francis hiermit an die Käfige im Londoner Zoo, schob den Stock nahe an die Insassen heran, drückte auf den Gummiball und beobachtete dann, wann die Tiere auf den seinen hohen Ton reagierten. Auch auf der Straße machte der Forscher seine Versuche und ermittelte, daß kleine Hunde auf den feinen Ton hin aufmerksam wurden, während größere ihn anscheinend nicht bemerkten. Auf ganz anderem Gebiete liegt eine Entdeckung, die ebenfalls in enger Verbindung mit hohen Tönen steht. Wie Edwin Teale in„Popular Science“ mitteilt, hat Dr. I. C. Hubbard von der bekannten Johns Hopkins Universität ein Verfahren erfunden, mittels dessen er unbekannte Flüssigkeiten durch das Hindurchschicken von Wellen mit hoher Schwingungszahl zu analysieren vermag. Die Sache erklärt sich dadurch, daß nicht zwei Stoffe die Wellen mit vollkommen gleicher Schnelligkeit hindurchgehen lassen. So kann Hubbard nicht nur feststellen, um was für eine Flüssigkeit es sich handelt, sondern auch, welche chemischen Stoffe und wie viel von jedem sie erhält und ob die Mischung durch irgendwelche Fremdstoffe verunreinigt ist. Schallwellen mit sehr hoher Schwingungszahl hat man übrigens schon vor einiger Zeit zum Entkeimen von Milch benutzt. Man ließ die weiße Flüssigkeit dabei durch einen Behälter fließen, in dem eine Nickelröhre ständig einen hohen Ton abgab. Die Wirkung war, daß 80 v. H. aller Bakterien in der Milch abstarben. Selbst solche Mikroben, die durch das Pasteurisieren nicht getötet waren, erlagen den Tonwellen aus der singenden Röhre. Daß man ein Ei mittels Tonwellen kochen kann, ohne aber dabei seine Temperatur zu erhöhen, klingt unwahrscheinlich, wurde aber vor einiger Zeit vor der Amerikanischen Gesellschaft zür Förderung der Wissenschaften“ ausgeführt. Der auch hier angewandte scharfe hohe Ton, dem das Ei ausgesetzt wurde, führte zu chemischen Reaktionen, in deren Folge das Protein gerann. Bei der gleichen Gelegenheit wurden mittels eines Horns, wie es zur Abgabe von Unterwasser=Signalen verwandt wird, aus Pflanzenölen Azetylen, aus Rohrzucker Traubenzucker gewonnen und Aethylazetet in Essigsäure verwandelt. Man erklärt sich diese ans Wunderbare grenzenden Vorgänge dadurch, daß die Schallwellen auf eine noch unbekannte Weise die Moleküle in den ihnen ausgesetzten Stoffen beschleunigen und so selbständige Reaktionen zustande bringen. Die Kenntnis akustischer Vorgänge befähigte vor kurzem einen Ingenieur in einer großen Kraftwagenfabrik zur Lösung eines Rätsels, dem alle übrigen hilflos gegenüberstanden. Man hatte einen neuen großen Wagen fertiggestellt, mußte aber die unangenehme Entdeckung machen, daß das Fahrzeug bei einer ganz bestimmten Geschwindigkeit einen abstoßenden summenden Ton von sich gab. Man untersuchte den Motor, das Getriebe, kurz, jede Einzelheit, in der man die Quelle der Störung vermuten konnte— vergebens. Run hatte zufällig einer der Ingenieure sich früher einmal mit akkustischen Studien beschäftigt. Ihm fiel auf, daß der störende Summton eine ganz bestimmte Höhe hatte; es war das F der kleinen Oktave, mit etwa 180 Schwingunin je Sekunde. Weiter siel ihm noch auf, daß i der Schnelligkeit, bei welcher der Ton auftrat, die hinteren Räder genau zwei Umdrehungen in der Sekunde machten. Er prüfte nun das Profil der Mäntel an diesen Rädern und fand, daß jedes von ihnen 90 kleine Erhöhungen als Gleitschutz aufwies. Durch Auswechseln dieser Mäntel gegen solche mit anderem Profil war die Störung beseitigt. Daß leise Musik eine angenehme, beruhigende, scharfe, schrille Töne aber eine aufreizend Empfindung bei dem Hörer auslösen, darf als bekannt gelten. Neuerdings hat man diese Empfindungen aber auch wissenschaftliche festgelegt und zu ermitteln gesucht, was in unserm Gehirn oder in unserm Magen vorgeht, wenn das Ohr von solchen unangenehmen Lönen getroffen wird. Man hat da u. a. gefunden, daß, wenn dicht neben dem Ohr eine voll Luft geblasene Papiertüte zerknallt wird, der Blutdruck im Gehirn sofort auf das Vierfache des Normalen steigt. Ein anderer Versuch zeigte, daß harte, grelle Geräusche die rhythmische Magenbewegung um ein Drittel herabsetzen. Daß endlich sogar Töne, die unser Ohr gar nicht vernimmt, unheilvollen Einfluß auf unseren Organismus haben können, zeigte ein weiterer Versuch. Mit Hilfe eines starken Wechselstroms wurde eine Quarzlampe am Grunde eines mit Wasser gefüllten Behälters in immer schnellere Umdrehungen versetzt, bis sie schließlich Wellen von 600000 Schwingungen je Sekunde hervorbrachte. Die Wirkung war erstaunlich. Im Wasser treibendes Unkraut wurde in Stücke gerissen, Fische und Frösche wurden wie von einer geheimnisvollen Lähmung befallen und starben, als sie zu schwimmen versuchten. Wer eine Fingerspitze ins Wasser tauchte, fühlte einen scharfen Schmerz den Arm durchziehen, und als jemand einen langen Glasfaden, den er zwischen den Fingern hielt, ins Wasser tauchte, wurde seine Haut versengt, als ob der Glasfaden ein der Statt besonderer Anzeige! K besser, wenn Sie mindestens 10 Pld. abnehmen. Schlank sein, heißt gesund sein. Schlank sein, heißt auch schön sein. Beginnen Sie noch heute mit der lettzehrenden„Reinin“-Kur, den unschädlichen Entletlungstabletten. RM 1.75, In allen Apotheken erhältlich. Verlaugen Sie aur-Reialn“. Heute abend 11 Uhr entschlief sanft nach kurzer, schwerer Krankheit meine liebe Frau, unsere gute, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin, Tante, Nichte und Cousine Frau Bauer Pieinrich Niederschäfte Mathilde geb. Klempt im fast vollendeten 6O. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Heinrich Niederschulte Meta Reckermann geb. Niederschulte Martha Balster geb. Niederschulte Alfred Niederschulte Ernst Balster Otto Reckermann Martha Niederschulte geb. Kümper und 4 Enkelkinder Overberge, Asseln, Fröndenberg, Wandhofen, den 31. Juli 1934. Die Beerdigung findet am Samstag, den 4. August 1934, nachmittags 3½ Uhr vom Trauerhause, nach dem Friedhof in Gelsecke stolt.— kauandacht ½ Stunde worher. billig und gut CARL BRA NeubauWohnung 3 Zimmer, Küche mit Bad, Balkon, Heizung, zum 1. September oder später zu vermieten. Näheres Sedanstraße 1 b. Dortselbst einen neuen Dauge, brenner zu verkaufen. sind das Gesicht des Unternehmens. Stets wird Ihre Ware würdig repräsentiert, wenn Sie unsere Pflegstätte des Wertdruckes mit der Herstellung Ihrer Briefbogen beauftragen.— Geschäfts- und Werbedrucksachen sauber und preiswert! Buch- u. Kunstdruckerei C. 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Ich— Wir bitte(n), mir— uns die Amtlichen Mitteilungen des Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Westfalen zum Preise von 54 Rpf. monatlich(zuzüglich 6 Rpf. Bestellgeld), Verlagsort Essen, laufend zuzustellen. K8 Straße: Der Himmel im August Schon merken wir recht deutlich, daß die Abende länger werden. Ging die Sonne am 28. Juni erst 8.27 unter, so geschah dies am 28. Juli bereits um 8 Uhr und wird wieder einen Monat später schon 7 Uhr geschehen! Am 1. August erhebt sich unser Tagesgestirn 4.18, am 31. August erst 5.07; zu Anfang d. M. ging die Conne 7.53 unter, Ende d. M. bereits 6.53. Wie lange wird es dauern, und wir stehen wieder der Tag= und Nachtgleiche gegenüber! Am 23. August tritt die Sonne in das Zeichen der Jungfrau.— Im August findet ein fünfmaliger Mondwechsel statt; letztes Viertel haben wir am 2., Neumond am 10., erstes Viertel am 18., Vollmond am 24. und letztes Viertel am 31. August.— Ueber die Erscheinungen der Planeten ist zu sagen: Der Merkur geht am 1. d. M. kurz nach ½3 Uhr auf. Bis zum 7. d. M. gewinnt er bis zu 20 Min. an Sichtbarkeitsdauer; an diesem Tage steht er nahezu genau auf der Verbindungslinie Castor=Pollux, von Pollux nahezu so weit wie von Castor, nur entgegengesetzt. Schnell verliert er wieder an Sichtbarkeitsdauer und verschwindet am 16. d. M. im Sonnenglanz.— Die Venus bewegt sich aus den Zwillingen durch den Krebs nach dem Löwen. Sie ist am Morgenhimmel zu Beginn d. M. 2 Stunden, Ende d. M. 1½ Stunden zu beobachten.— Der Mars kommt am 2. d. M. um 10 Uhr nachts in Konjunktion zur Venus und steht dabei 1 Grad nördlich von ihr. Er geht am Anfang d. M. 2½, Ende d. M. 1½ Std. nach der Sonne unter.— Der Jupiker steht am Abendhimmel, geht Mitte d. M. 2 Stunden nach der Sonne unter. Ende d. M. st er nur noch ¼ Stunde lang zu beobachten. — Der Saturn steht die Nacht über am Himmel. Am 18. d. M. st. um 12 Uhr mittags in Opposition zur Sonne. Vom westfälischen Sonnenvogel. Früher nannte man kleine Nachtschmetterlinge bei uns„Molkentoiwer“(Molkenzauber), weil sie vorzugsweise in Molken=(Milch=)Kellern vorkamen und nach damaligem Volksglauben dort allerlei Spuk verursachen sollten. Die Tagesschmetterlinge nannte man durchweg„Sounenvögel“, weil sie im Frühjahr mit der aufsteigenden Sonne kamen und bei ihrem Niedergange im Herbst wieder verschwanden. Nach alter Vorstellung kann der Alp, der das Alpdrücken verursacht, die Gestalt eines Strohhalms oder einer Bettseder annehmen; er kann aber auch als Schmetterling erscheinen, dessen Fetischeigenschaft mit dem Raupenzauber der Hexen in Verbindung steht. Als Molkentoiwer bedeutet die Molke die ablösende Spende zur Beruhigung der Geister. In Schlesien heißt der Kohlweißling Molkendieb. Ueber die Bedeutung des Namens Schmetterling sind die Meinungen verschieden. Wasserzieher und Kluge deuten den Namen als „Schmandlecker". Friedrich Woeste aus Iserlohn leitet das Wort von dem niederdeutschen „smider",„smedder“— dünn, mager ab. bliwt en smiderig Kiälken“ sagt man bei uns, wenn ein Junge in der Entwicklung nicht vorwärts kommen kann. Tiere dürsten! Von einem Tierschutzverein wird geschrieben: Die gegenwärtige Trockenheit hat zur Folge, daß die freilebenden Tiere sehr stark unter Durst zu leiden haben und gezwungener Maße aus jedem Tümpel, aus jeder Lache Erquickung suchen, die oft ganz mit Fäulnis= und Krankheitbakterien verseucht sind. Deshalb stelle jeder Tierfreund eine Schale mit Wasser vors Fenster oder in den Garten und richte sein Augenmerk auf die öffentlichen Brunnen. Besonders leiden die Amseln und Tauben, die wenig Nahrung im trockenen Erdreich finden. Aber auch die Bienen kommen in Scharen zu diesen Erfrischungsstellen; man erleichtert ihnen das Trinken, wenn man Strohhalme im Wasser schwimmen läßt. Selbstverständlich vergesse man auch die Haustiere nicht, die uns treue Mithelfer und Freunde sind. Börsen und Märkte " D o r t m u n d e r Z u c h t= u. F a s e l v i e h m a r k t v o m 1. August. Auftrieb: 421 Stück Großvieh, 149 Schweine, 53 Kälber. Der Handel war in guten Tieren mittel, sonst langsam. Es kosteten hochtragende und frischmelke Kühe 1. Quaz. 310—340 Rm., 2. Qual. 260—300 Rm., 8. Qualität 200—250 Rm., Rinder 150—270 Rm. Beste Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämtliches zum Markt aufgetrieben gewesenes Großvieh ist gegen Maul= und Klauenseuche geimpft worden.— Am Schweinemarkt war der Handel sehr langsam. Es kosteten Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen 9—12 Rm., von 8 bis 10 Wochen 13—18 Rm., von 10 bis 12 Wochen 20—30 Rm. Der nächste Markt findet am 8. August statt. K Letzte Drahtmeldung Zum Tode des Reichspräsidenten. Die Reichsregierung hat eine vierzehntägige Landestrauer, für den großen Toten angeordnet. Alle Gliederungen der NSDAP. haben ebenfalls 14 Tage Trauer anzulegen. Die Kirchen beider Konfessionen veranstalten täglich ein Trauergeläut von 8—9 Uhr abends. In den Gaststätten hat bis einschließlich des Tages nach der Beisetzung jede musikalische Unterhaltung zu unterbleiben. Die Beamten müssen Trauerflor tragen. Heute früh um 10,15 Uhr gab Reichsminister Göbbels über alle Sender die Anordnung der Reichsregierung bekannt. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortlich für den gesamterg.r Heinz Friedrich Kamecke, Schlbel4=R. Für den Anzeigenteil: ! Hans Linner, Schwerte=R. D. A. VI. /34. 1718.