Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Markt3—s. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich. Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Texteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte.— D. A. VI/34, 1718 Heimatblatt Einzige in Schwerte gedruckte Tages=Zeitung Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9 a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Tagerlan für die Stadt Schwerke und das Amt Westhofen S Kreisblant für den nordlichen Lei des Landtreises Iserlohn Schwerte(Kuhr), Dienstag, den 31. Juli 1934 67. Jahrgang Pgtreichtsche Unmrrroheettrs Die Hetze gegen Deutschland im Auslande treibt weiter Blüten Die MintsteritsleSchuschmisbe Amtlich wird aus Wien gemeldet: Bundespräsident Miklas hat den bisherigen Bundesminister für Unterricht Dr. Kurt Schuschnigg zum Bundeskanzler ernannt und die von dem designierten Bundeskanzler vorgelegte Liste der Mitglieder der neuen Regierung genehmigt. Die Liste der neuen Regierungsmitglieder lautet: Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg, der gleichzeitig das Bundesministerium für Landesverteidigung, für Unterricht und für Justiz führt; Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhem= berg, der gleichzeitig mit der Führung der Angelegenheiten des gesamten Sicherheitswesens betraut wird; Bundesminister Egon Berger=Waldenegg, der mit der Führung der auswärtigen Angelegenheiten betraut wird; Bundesminister Major a. D. Emil Fey übernimmt zu seiner bisherigen Kommission als Generalstabskommissär die Angelegenheiten der inneren Verwaltung; Bundesminister für Finanzen ist Dr. Karl Stürmers mit den Angelegenheiten des berufsständischen Aufbaues unterstreicht diese Tendenz. Denn der berufsständische Aufbau ist eines der Kernprobleme der neuen Regierung. Ebenso ist Starhembergs Geschäftsbereich vergrößert. Denn während er früher nur für Sport und Jugendertüchtigung zuständig war, bekommt er jetzt den ganzen Sicherheitsdienst zugewiesen. Aehnlich verhält es sich mit Fey, dem das Innenministerium zugeteilt wurde, während er im letzten Kabinett Minister ohne Portefeuille war. Da Tauschitz als Staatssekretär des Aeußern nach kurzer Zeit aus der Regierung ausscheiden soll, ist überhaupt keine andere Gesinnungsgruppe mehr als die christlichsoziale und die Heimwehrgruppe im Kabinett vertreten. Heimwehrminister im neuen Kabinett sind Starhemberg, Egon BergerWaldenegg, Fey und Odo NeustädterStürmer. Die Vereidigung Amtlich wird aus Wien, 30. Juli. mitgeteilt: „Der neuernannte Bundeskanzler Dr. SchuschHandel und Verkehr Buresch; Bundesminister für Fritz Stockinger; Bundesminister für soziale Verwaltung Odo Neustädter=Stürmer, dem überdies die Angelegenheiten der berufsständischen Neuordnung zugewiesen werden; die Besetzung des Bundesministeriums für Land= und Forstwirtschaft bleibt vorbehalten. Dem Bundeskanzler wurden für Vertretung in den Angelegenheiten des Bundesministeriums für Landesverteidigung der bisherige Staatssekretär Generalmajor Wilhelm Zehner, zur Vertretung in den Angelegenheiten des Bundesministeriums für Unterricht Sektionschef Dr. Pernter, zur Vertretung in den Angelegenheiten der Justizverwaltung der bisherige Staatssekretär Karl Karwinsky als Staatssekretär beigegeben. Dem Vizekanzler wird zur Vertretung in den Angelegenheiten des Sicherheitswesens ein Staatssekretär beigegeben, dessen Berufung unmittelbar bevorsteht. Dem noch zu ernennenden Bundesminister für Land= und Forstwirtschaft wird der bisherige Staatssekretär Ulrich Ilg als Staatssekretär beigegeben. Dem Bundesminister für soziale Verwaltung wird für die Wahrnehmung des Arbeiterschutzes ein Staatssekretär beigegeben, der aus den Kreisen der Arbeiterschaft entnommen wird. Das bereits bestehende Ministerkomitee für Cußerordentliche Sicherheitsmaßnahmen wird beibehalten. Den Vorsitz in diesem Komitee führt Vizekanzler Starhemberg, in seiner Stellvertretung Bundesminister Fey. Während einer kurzen Uebergangsfrist werden Minister Berger=Waldenegg mit der Weiterführung der Geschäfte des Bundesministeriums für Justiz und der dem Bundeskanzler beigegebene Staatssekretär für Justiz, Karwinsky, mit der Weiterführung seiner bisherigen Geschäfte als Staatssekretär für Sicherheitswesen betraut. Desgleichen wird der bisherige Staatssekretär Tauschitz noch für eine kurze Uebergangszeit die Geschäfte eines Staatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten weiterführen. Nur Christlich=Soziale und Heimwehr im neuen Kabinett Auf dem ersten Blick zeigt es sich, daß das Kabinett eine außerordentliche Stärkung des Heimwehreinflusses bringt. Besonders hervorzuheben ist die Ueberweisung des Ministeriums des Aeußeren an einen Heimwehrvertretee, nämlich Egon Berger=Waldenegg. Seit Jahren ist das Außenministerium mit dem Bundeskanzleramt vereinigt gewesen. Aut die Betreuung Neustädternigg erschien in den Nachtstunden mit den Mitgliedern des Kabinetts beim Bundespräsidenten. Bundespräsident Miklas begrüßte die Herren in einer längeren Ansprache, in der er u. a. ausführte: Sie übernehmen ein großes Erbe, das politische Erbe des verewigten Bundeskanzlers Dr. Dollfuß. Führen Sie es in Ehren weiter, in seinem Sinne und seinem Geiste. Mit anerkennenden Worten gedachte der Bundespräsident der bisherigen Leistungen des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg, die eine volle Garantie dafür böten, daß der neubestellte Regierungschef die in ihn gesetzten Erwartungen voll und ganz erfüllen werde. Desgleichen dankte der Bundespräsident dem Vizekanzler Starhemberg für die zielbewußte und energische Führung der Regierungsgeschäfte seit dem Tode des verewigten Bundeskanzlers. Hierauf legten der Bundeskanzler und die neuernannten Bundesminister und Staatssekretäre den Eid auf die Verfassung ab. Nach der Vereidigung dankte Bundeskanzler Dr. Schuschnigg dem Bundespräsidenten für das durch die Berufung bekundete Vertrauen und gelobte die Führung der Regierungsgeschäfte im Sinne des unvergeßlichen Bundeskanzlers Dr. Dollfuß zum Wohle des Vaterlandes.“ Wer hal um Walthauspiah gepalsaht! Unter der Ueberschrift„Wer hat am Ballhausplatz geputscht?“ bringen die„Münchener Neuesten Nachrichten“ einen längeren Aussatz ihres Außenvolitikers Dr. Wirsing, der davon ausgeht, daß die dunklen Geschehnisse des 25. Juli aufgehellt werden müßten so gut es gehe, ehe der Versuch unternommen werde, die wichtigsten Spuren zu verwischen. In dem Aussatz heißt es: Am 18. Juli nachts 12 Uhr lief die Frist zur Ablieferung von Sprengstoffen ab. Man darf annehmen, daß von diesem Zeitpunkt ab die gesamte österreichische Polizei in höchster Alarmstufe stand. Trotzdem gelang es, im Zentrum von Wien 140 Mann unbemerkt schwer zu bewaffnen und zu bekleiden, ohne daß sie dabei überrascht wurden. Die Bekleidung fand am Mittwoch in der Bundesturnhalle statt. Diese aber liegt in der Stiftskaserne, und die Stiftskaserne war und ist auch jetzt noch vom Bundesheer belegt. Die Bewaffnung und Verkleidung muß spätestens zwischen 11.30 und 11.45 Uhr vorgenommen worden sein. Obwohl der Generalstaatskommissar Fey seit 11.45 Uhr bereits wußte, daß sich verkleidete Aufrührer sammelten, hat er nicht einmal die Wachthabenden in der Bundeskanzlei davon verständigt, daß äußerste Vorsicht geboten sei. Auch Dollfuß hatte 1¼ Stunden lang zu seinem eigenen Schutz nichts das geringste getan. Am 27. Juli gab nun die„Reichspost“ bekannt, daß von den Aufständischen die diensttuenden Beamten im Bundeskanzleramt im Namen des Vorstandes der Bundesvolizeidirektion Wien, Polizeidirektor Steinhell. sowie im Namen des Polizeioberkommissars, Dr. Gotzmann, entwaffnet wurden. Kann man annehmen, daß sie den Besehl zur Besetzung des Bundeskanzleramtes aus eigenem Antrieb gegeben haben? Muß man nicht annehmen, daß dieser Besehl von einer übergeordneten Stelle gekommen ist? Zur Freilassung Feye schreibt der Verfasser u. a.: Die Aufständischen gaben ihre Hauptgeisel, die in diesem Augenblick ihre einzige Lebensversicherung war, den Staatskommissar Fey, frei, ehe ihnen das freie Geleit endgültig zugesichert war, ja. Fey hat sich nach den vorliegenden Meldungen wieder in das Bundeskanzleramt begeben, um dort weiter zu verhandeln. Er hätte also von den Aufständischen sofort wieder in Haft genommen werden können. Zu der Frage, wer waren die Putschisten. führt der Verfasser an, daß Bundesminister Schuschnigs am 25. Juli abende im Rundsunk erklärte. daß auch nicht einzelne Angehörige der Exekutive am Aufstand teilgenommen hätten. Am Nachmittag hat jedoch der Oberbürgermeister von Wien, Schmitz, in einer Pressekonferenz erklärt, es seien frühere Mitglieder des Bundesheeres beteiligt, und am Morgen des 26. Juli meldete das„Neue Wiener Journal“, der Kommandant der Wache des Bundeskanzleramtes habe unter den Aufständischen eine Reihe von Leuten erkannt, die noch am Vormittag im Wachdienst des Bundeskanzleramtes gestanden hätten. Wie stand es nun mit den falschen Uniformen? Die„Neue Freie Presse" teilt mit, daß die Blusen der Aufrührer nicht den Schnitt von Bundesheerblusen, sondern von solchen des Schutzkorps trugen. wobei die Kragen, Aufschläge usw. die im Bundesheer üblichen waren. Danach sind also die Aufständischen doch wohl Leute gewesen, die im Besitz von nach Bundesuniformen ausgearbeiteten Schutzkorpsuniformen gewesen seien. Bei dem ungeheuer scharfen Druck, der in den letzten Wochen von der Regierung auf jede einzelne Person, die auch nur entfernt der Sympathie mit dem Nationalsozialismus verdächtigt war, ausgeübt wurde, kann man die Annahme, daß 140 derartiger Unisormen in aller Heimlichkeit hätten beschafft werden können, wohl bezweifeln. Der Verfasser weist dann auf die Merkwürdigkeit bin, daß sich der Gesandte Rintelen nach seiner Verhaftung einen Schuß beibringen konnte, stellt als weiteres seltsames Anzeichen die Forderungen der Vaterländischen Front vom 26. Juli fest, die darauf schließen lassen, daß sich die Vaterländische Front aus einem noch nicht sichtbaren Grund ausgeschaltet fühle, und weist schließlich darauf hin, daß man bei der Beerdigung des Bundeskanzlers Dollfuß am 28. Juli unter den Ministern und Würdenträgern des seitherigen Wiens ausgerechnet den Generalstaatskommissar für Sicherheit. Minister Fey, vermißte. Am Tage zuvor hatte ein Ministerrat dem Vizekanzler Starhemberg den Vorsitz in dem sogenannten Terrorausschuß übertragen, den bis dahin Fev leitete. Die„Münchener Neuesten Nachrichten“ schreiben zum Schluß des Aussatzes: Wir enthalten uns jeder eigenen Stellungnahme und wollen eo peinlich vermeiden, irgendeine Schlußfolgerung zu ziehen, denn allzuvieles und vielleicht das Schwerwiegendste liegt noch im Dunkeln. Auf Grund der bekanntgewordenen Tatsachen aber jedenfalls kann niemand mit innerer Ueberzeugung die Behauptung aufstellen, Deutschland sei in irgendeiner Form in diese Ereignisse verstrickt. Soweit glauben wir diese Widersprüche schon aufgehellt zu haben, daß sich die Spur des Schuldigen wenigstens zeigt. Sie weist nicht nach Deutschland, sondern in das Labyrinth der Gassen von Wien. Geständnis des Dollfuß-Mörders Wie in Wien verlautet, hat der verhaftete Aufrührer Otto Planetta gestanden, den Bundeskanzler ermordet zu haben. Das Kaliber seiner Waffe stimme mit der Schußöffnung überein. Er habe angegeben, den Mord aus Rache wegen seiner Entlassung aus dem Bundesheer begangen zu haben. Standrecht für Wien bleibt vorläufig Das Standrecht für Wien bleibt bis auf weiteres aufrechterhalten. Die Haustore müssen auch weiterhin um 20 Uhr, die Gaststätten um 22 Uhr gesperrt werden. Eine Erklärung der südslawischen Gesandtschaft in Berlin Die südslawische Gesandtschaft in Berlin teilt mit: Gegenüber den Ereignissen in Oesterreich ist der Standpunkt der südslawischen Behörden vollständig korrekt. Es wird eine strenge Kontrolle an der Grenze vorgenommen und von irgendwelchen Zwischenfällen oder Provokationen kann keine Rede sein. Bisher sind 700 österreichische Flüchtlinge auf der Linie Maribor—Dragograd (Marburg—Drauburg) mit 200 Gewehren, einem Maschinengewehr und einigen Revolvern festgenommen, sofort entwaffnet und interniert worden. Es handelt sich durchweg um Leute jüngeren Alters. Die Bewegungen an der Grenze werden mit offenen Augen beobachtet, und es wird allen Stellen zur Pflicht gemacht, die Ruhe zu bewahren. Es wurde alles Notwendige veranlaßt, um die Sicherheit der Grenze zu gewährleisten und die korrekten Beziehungen zu Oesterreich aufrecht zu erhalten. Obwohl der Standpunkt eingenommen wird, daß die Vorgänge in Oesterreich streng innenpolitischen Charakters sind und während alles getan wird. um die guten nachbarlichen Beziehungen zu Oesterreich nicht zu verletzen, ist die südslawische Regierung der Ansicht, daß im Falle besonderer Verwicklungen einzig und allein der Völkerbund zuständig ist, um über die österreichische Frage als internationales Problem zu entscheiden. Jede andere einseitige Maßnahme bezw. eine Intervention wäre eine Verletzung der Friedensverträge und könnte weitere Folgen hervorrufen. Etwaige Unterstellungen bezw. Entstellungen hinsichtlich des Verhaltens südslawischer Behörden Oesterreich gegenüber werden auf das entschiedenste zurückgewiesen. Deutschland am Wiener Putsch nicht bekeiligt— Ein englisches Zugeständnis „Daily Telegraph“ beschäftigt sich in einem Leitaufsatz in tendenziöser Weise mit dem Verhältnis Deutschland—Oesterreich und stellt die unerhörte Behauptung auf, daß Deutschland sich vor dem Tode von Dr. Dollfuß in die inneren Angelegenheiten Oesterreichs eingemischt habe. Trotzdem muß sich das Blatt zu dem Zugeständnis bequemen, daß kein Grund zu der Annahme bestehe, daß die deutsche Regierung an dem Aufstand in Wien beteiligt gewesen wäre. Der ganze Aufruhr sei zu plump und dilettantisch gewesen, als daß er eine verantwortliche Leitung hätte hinter sich haben können. Auch seien seit der Ermordung von Dr. Dollfuß die Handlungen der deutschen Regierung völlig korrekt und durchaus darauf gerichtet gewesen, jeden Verdacht einer Mittäterschaft zu beseitigen. Gauleiter Schwede Oberpräsident von Vommern Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Ministerpräsident Göring den Gauleiter Schwede zum Oberpräsidenten der Provinz Pommern zu Stettin sannt Die Henn und Vriewehren Augenzeugenberichte über das Schreckensregiment Flüchtlinge, die die österreichische Greuze überschritten, wissen in Budapest davon zu melden, daß die letzten Tage in Oesterreich ein wahres Schreckensregiment der Heim= und Ortswehren gezeigt haben. In den Heimwehren befinden sich bekanntlich so viele Vorbestrafte, daß die Regierung in einem Notgesetz eine Löschung dieser Vorstrasen beschloß. Die 144 ehemaligen Bundesangehörigen und Polizeibeamten, die am 25. Juli das Bundeskanzleramt besetzt batten, und denen man in Kenntnis des Todes von Dr. Dollfuß freies Geleit zusicherte. wurden zunächst in die Marokkaner=Kasernen der Polizei=Alarmabteilungen gebracht. Von dort schaffte man sie in die Notarreste der ehemaligen Fabrik Armbruster, wo sie den schwersten Mißhandlungen ausgesetzt waren. Es handelte sich hierbei um reine Racheakte, zum Teil versuchte man, auf diese Art Geständnisse zu erpressen. Um den Leiden seiner Gefährten ein Ende zu machen, legte der ehemalige Stabsfeldwebel des Bundesbeeres, Planetta. ein 35jähriger Frontsoldat mit besten Führungszeugnissen, das Geständnis ab, er habe auf Dollfuß geschossen. Die 14 Leute, die das Gebäude der österreichischen Rundfunkgesellschaft erstürmt hatten, wurden nach Berichten ausländischer Augenzeugen so mißhandelt, daß sie blutüberströmt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt weggetragen wurden. Nur vier wurden in die Gesängnisse eingeliefert, über den Verbleib der übrigen konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Man befürchtet, daß sie ermordet wurden. Die Kämpfe, die in den letzten Tagen im ganzen österreichischen Bundesgebiet aufflammten, waren, wie die Flüchtlingsberichte ergaben, viel umfangreicher und schwerer als man ursprünglich annahm. Die Angaben sämtlicher österreichischen Stellen, die die Zahl der Toten auf beiden Seiten mit etwa 309 bezifserten, dürften durch die Ereignisse leider schon überholt sein. Die Heimwehren hausten nach den Flüchtlingsberichten im ganzen Lande barbarisch. In Nieder= österreich, wo vor zwei Tagen keine Kämpfe stattfanden, wurden mehrere tausend Personen verhaftet. Man brachte sie in Turnhallen und Sälen unter, wo sie nicht einmal Platz zum Liegen hatten. Sie erhalten nichts zu essen, ihre Notdurft müssen sie in den Ecken der Räume verrichten. Die Zahl der allein in Niederösterreich bei den Geiselaushebungen Ermordeten wird von Seiten der Flüchtlinge auf 100 geschätzt. In Wien verschleppten Rollkommandos der Heimwehr bekannte Nationalsozialisten und mißhandelten sie schwer. Auch dabei sei eine Reihe von Toten zu beklagen. Die Heimwehren stürmten Wohnungen und Büroräume und verwüsteten sie. Diese Ausschreitungen wurden, wie die Flüchtlinge weiter berichteten, in Osterreich durch mündliche Berichte allgemein bekannt. Große Erregung in der Bevölkerung rief auch die Nachricht hervor, daß Heimwehren und Sturmscharen in Steiermark ein Massaker veranstalteten, bei dem über 70 Personen ermordet sein sollen. Unter den am Pyrhn=Paß Getöteten befinden sich eine Wirtin und deren zwei Kinder. Auf Grund dieser Nachrichten kam es erneut an zahlreichen Stellen zu Zusammenstößen und der Widerstand flackerte an vielen Orten wieder auf. Meldungen aus den Alvenländern besagen, daß dort zahlreiche, bei den schweren Kämpfen Verwundete ohne Pflege und Fürsorge starben. In Kasernen wurde nach den Berichten der Flüchtlinge ein Befehl der Heimwehrführung bekannt, der lautete:„Die Nationalsozialisten sind zu dezimieren. Es gibt nur Kopf= oder Bauchschüsse.“ Tatsächlich wurden von Augenzeugen außerordentlich viele Bauchschüsse festgestellt, und es liegen zahlreiche Meldungen über Mordtaten vor. Bei Malbing in Obersteiermark wurden vier Schwerverletzte erhängt. Nach einem anderen Bericht wurden 19 Verwundete zusammengetrieben und mit Maschinengewehren erschossen. In Klagenfurt wurden die beiden Brüder Fechner. bei denen man einen Sender fand, ermordet. Nationalsozialisten und Personen, die man als solche ansah, wurden von der Heimwehr in Hösen oder Sälen zusammengetrieben, dann einzeln berausgeholt und erschossen. In einer Kaserne in Linz, wo übrigens 600 Geiseln ausgehoben wurden, wurden drei Nationalsozialisten aus Haslach ermordet. In Salzburg sollen Leute auf den Straßen angehalten worden sein, um, wenn man in ihnen Nationalsozialisten zu erkennen glaubte, an die Wand gestellt und erschossen zu werden. Aus Wien kommt die Meldung, daß die meisten Waffen der Aufständischen aus dem Bundeskanzleramt. nicht, wie der Oesterreichische Rundsunk behauptete, reichsdeutscher Herkunft sind, sondern ebenso wie die Monturen aus österreichischen staatlichen Lagern stammen und österreichischer Herkunft sind. Die Herkunft der wenigen, aus privater Quelle stammenden Wassen soll ebenfalls festgestellt worden sein. Der Waffenhändler, der sie den Aufständischen verkaufte, ist verhaftet und soll vor das Standgericht gestellt werden. In Südkärnten wurden bei den Kämpfen u. a. zwei Brücken im Drautal gesprengt. Ein Teil der Aufständischen in Stärke von etwa 1000 Mann zog sich auf die Choralve zurück, wo sie belagert wurden. 380 Mann überschritten die jugoslawische Grenze und wurden nächst Marburf interniert. Geflüchtete Reisende, die Oesterreich in dellen Scharen verließen, berichten von der Sprengung und Zerstörung von Starkstromleitungen. Bahnund Lichtanlagen im ganzen Bundesgebiet. U. a. wurde bei Steiterkreuz nahe Graz das Transformatorenhäuschen gesprengt, so daß die ganze Gegend ohne Lichtstrom ist. In Klosterneuburg bei Wien wurde der Universttätsprofessor und frühere christlich=soziale Bundesratsabgeordnete Dr. Hugelmann, dessen großdeutsche Gesinnung bekannt ist, von Heimwehren verhaftet und schwer mißhandelt. Man schlug ihm sämtliche Zähne ein. Er liegt im Spital schwer darnieder. Mehrere ehemalige nationaliozialistische Landtagsabzeordnete und Gemeinderkte wurden von Heimwehren verhaftet, man befürchtet ihre Ermordung. Die Exekutive, soweit es sich nicht um die Formationen der Heimwehren und der Sturmscharen handelt, ist übermüdet und verdrossen. Sie siebt den Grausamkeiten und den Metzeleien mit Abscheu, aber untätig zu. Die militärischen Aktionen und die geschlossenen Kampfhandlungen scheinen abgeschlossen und beendet zu sein. Hingegen flackert unter dem Eindruck der furchtbaren Grausamkeiten der Ortswehren und der Heimwehren da und dort immer wieder ein aus der Verzweiflung des gemarterten Volkes kommender Widerstand auf. so daß das ganze Land ständig in Unruhe und Bewegung ist. In Kärnten noch Kämpfe Eine uneinnehmbare Felsenstellung der Aufständischen an der südslawischen Grenze Ein sehr interessanter Bericht traf in Wien am Montag aus Kärnten ein. Während im allgemeinen die Ruhe im ganzen Bundesgebiet wiederhergestellt ist, haben sich 300 Aufständische unter Führung des gräflich Thurn'schen Försters Josef Wölz auf dem Rabenstein an einer steilen Felskuppe an der südslawischen Grenze festgesetzt. Sie weigern sich, sich zu ergeben, und haben die fast uneinnehmbare Felsstellung schwer verschanzt. Von südslawischer Seite aber, wo der Zugang leichter ist, werden sie von den Bewohnern mit Nahrung versorgt. Die Heeresgruppen haben Parlamentäre zu Wölz geschickt mit der Aufforderung, er möge sich ergeben. Wölz wies dieses Ansuchen ab und erklärte, daß er bestimmt wisse, die Sache der Aufständischen stände knapp vor dem Siege. Augenblicklich laufen Verhandlungen zwischen der österreichischen und der südslawischen Regierung, um die Einsetzung von Artillerie auf österreichischer Seite zu ermöglichen. Es besteht nämlich die Gefahr, daß abirrende Geschosse auf südslawischen Boden niedergehen. Bis jetzt scheint die Genehmigung von der südslawischen Regierung noch nicht eingegangen zu sein. Der Sicherheitsdirektor von Kärnten, Oberst Barger, hat sich mit seinem Stabe und dem Stabe der ganzen Kärntner Heeresgruppe zum Kampfplatz begeben. Die Möglichkeit einer Gefangennahme besteht überhaupt nicht, da eine Umzingelung der Aufständischen nicht durchgeführt werden kann. Man will die Aufständischen nur auf südslawisches Gebiet drängen. Weiter wird aus Kärnten gemeldet, daß die Verluste der Aufständischen bedeutend sein sollen. Ziffernmäßig lassen sie sich schwer feststellen, da sie ihre Toten und Verwundeten mitnahmen. Die Zahl der Gefangenen soll nicht sehr groß sein, da sich ein großer Teil der Aufständischen in die Berge flüchtete, um von dort auf geheimen Wegen unerkannt wieder in ihre Heimatgemeinden zurückzukehren. Ein anderer Teil der Aufständischen hat, wie gemeldet, auf der Flucht südslawisches Gebiet erreicht. Forderungen der Tiroler Die Tiroler Heimwehr fordert in einem politischen Lagebericht, der durch die amtliche politische Korrespondenz verbreitet wird, daß die Fahne des Heimatschutzes neben der rot=weißroten Fahne zur Staatsfahne erklärt werde. In dem gleichen Aufsatz werden Andeutungen gemacht, daß die Heimwehr weitgehende politische Forderungen stellen müsse und auch stellen werde. In dem Artikel wird auch gesagt, daß in der Nacht zum 26. Juli alle bekannten Innsbrucker Nationalsozialisten von der Heimwehr trotz Widerstandes einer hohen amtlichen Stelle verhaftet worden seien. Der Aufsatz schließt mit dem Aufruf: Heil Oesterreich unter grün=weißer Flagge. Allertel Einminen Zum=Elren in Wien In der tschechoslowakischen Regierungspresse beginnt sich die Besorgnis gegenüber einem wachsenden Einfluß Italiens in Oesterreich abzuzeichnen. So gibt der Leitartikler der dem Prager Außenministerium nahestehenden„Lidove Noviny“, Ripka, einen großen Teil der Schuld an der Entwicklung in Oesterreich der Tatsache, daß sich durch italienischen Einfluß das Regime Dollfuß dem Austro=Faschismus in die Arme geworfen habe. Der europäische Friede werde nicht durch Diktaturen, sondern einzig und allein durch die Kraft der Demokratie aufrecht erhalten; er werde nicht früher erkämpft und gesichert sein, bevor nicht der Kampf zwischen Demokratie und Faschismus siegreich für die Demokratie entschieden sein werde. Das„Azet Pondelnik“, das Montagsblatt der tschechisch=nationalen Sozialisten, der Partei des Außenministers äußert sich unter der Ueberschrift „Wer kann Oesterreich heilen?" über die Lage in Oesterreich und über die mögliche Entwicklung: Eine Regierung, die sich nur auf die Heimwehren stützen wollte, hätte hinter sich eine Minderheit und zwar noch dazu eine solche, die sich schwer zur Tat entschließen könne. Weiter schreibt das Blatt, Starhemberg müsse abgelehnt werden, da er kein Staatsmann sei und außerdem ständig mit den Habsburgern kokettiere. Unaufrichtigkeiten der italienischen Presse Die italienische Presse setzt ihre antideutsche Kampagne mit unverminderter Heftigkeit fort und überschlägt sich vor Zorn über die kräftige Zurechtweisung ihres Tones durch deutsche Zeitungen. In allen Zeitungen erscheint überdies der Artikel des„Giornale d'Italia“, der die Verantwortung Deutschlands am Tode Dollfuß auf Grund von„Beweismaterial“ dartun soll.„Die internationale Situation“, schreibt das Blatt, „nähert sich einer Klärung. Die Hauptgewichte sind die folgenden: 1. Die Unabhängigkeit Oesterreichs sei gesichert vor allem durch den Willen des Volkes(7!) Heer, Heimwehr und Vaterländische Front ständen hinter der Regierung. Bei den Aufständen in Tirol, Steiermark und Kärnten handele es sich um vereinzelte Versuche. 2. Wenn der Nationalsozialismus in Oesterreich wirklich die Macht erhalten hätte, die ihm von verschiedenen nachgesagt worden sei, dann würden die Rückwirkungen im Volke groß und tief gewesen sein. 3. Italien werde keine diplomatischen Schritte unternehmen und sich auch nicht an einen etwaigen Kollektivschritt beteiligen. Das sei nicht faschistischer Stil. Italien ziehe die konkreten, direkten Aktionen vor, die den Horizont geklärt hätten. 4. In der Nachkriegszeit habe Italien gegenüber Oesterreich eine Linie der Freundschaft und Zusammenarbeit verfolgt, der sich überhaupt alle besiegten Staaten seitens Italiens erfreut hätten. Italien sei der erste Nachfolgestaat des alten österreichisch=ungarischen Reiches und es sei die siegreiche Macht, die die höchsten moralischen Titel für seine Politik der Gerechtigkeit gegen Alle habe. Es sei auch die Macht, die die Kraft und den Willen habe, allen Eventualitäten entgegentreten zu können. 5. Oesterreichs Unabhängigkeit sei eine der Bedingungen des Friedens in Europa. Deutschland Iönne zutückerwerden, was es für gut und plausibel erachte, im Okzident, im Orient, im Norden und in den Kolonien, aber es könne keine Rechte, weder aus dem Kriege noch aus dem Frieden auf Oesterreich herleiten. Das sei ein unabhängiger und souveräner Staat gewesen und werde es bleiben. Es folgen dann neue schulmeisterliche Zurechtweisungen der deutschen Presse, für die das Blatt zweckmäßigerweise lieber folgende Ueberlegungen hätte anstellen sollen: Die„Unabhängigkeit" Oesterreichs ist durch niemanden bedroht: es sei denn durch Mächte, die durch ihre Einflußnahme von außen oder durch andere„Vorbeugungsmaßnahmen“ eine freie Willensentscheidung des deutschen Volkes in Oesterreich über ihr eigenes Regierungssystem zu unterdrücken gewillt sind. Die moralische Verantwortung liegt demnach ebenso klar. Ein System, das sich— wie in Italien und im Deutschen Reich— wirklich auf das Volk stützt und das diese Tatsache jeder Zeit durch eine freie Volksabstimmung zu erweisen vermag, brauchte sich weder gegen den unentwegten Aufruhr zu verteidigen noch die Hilfe des Auslandes in Anspruch zu nehmen. In der Stampa schreibt Signoretti, daß die Situation etwas klarer sei, aber es sei noch keine endgültige Klärung da, die zu erreichen man vielleicht noch einige Zeit Gewehr bei Fuß stehen bleiben müsse. Das Blatt erteilt dann Oesterreich einige Lehren. Er sagt, die letzten Ereignisse müßten ein dauerndes Monitum gegen die Sonderinteressen von Personen und Gruppen bilden, gegen die Rückkehr zu Wahlmethoden und Parlament. Gegen die italienische hete Berliner Blätter nehmen am Montag gegen die Hetze der italienischen Presse Stellung. So greift u. a. das„Berliner Tageblatt“ zwei Beispiele unerhörter Verunglimpfung der Deutschen heraus. Der„Messaggero“ schreibt:„Siehe da, wie das wilde Tier zu seiner wahren Natur zurückkehrt! Es denkt an neue Bluttaten, an Verfolgungen und Rache“, und der„Popolo d'Italia“ sagt von den Deutschen:„In ihren trüben Seelen sind die wilden Instinkte und der Blutdurst wieder erwacht, den die römische Kultur in zwei Jahrtausenden des Christentums in ihren Nomadenseelen abgedämpft hatte. Die Nationalsozialisten sind Mörder und Päderasten, nur das und nichts anderes.“ Wir verzichten darauf, so schreibt das„Berliner Tageblatt", auf dieses Niveau eines iournalistischen Tiefstandes zurückzusteigen und übergeben diese Verwilderung der italienischen Presse dem Urteil des deutschen Volkesund der Welt. Der„Deutsche“ schreibt:„Es spricht ein Haß daraus, eine Gesinnung, die so tiefstehend ist, daß die Italiener=Freunde in Deutschland wohl für lange Zeit geheilt sein dürften.“ Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" beschäftigt sich mit dem Grundsatz der italienischen Politik der sogenannten Verteidigung der Unabhängigkeit Oesterreichs und sagt, diese Politik glaube einen großen Nachbarn im Norden nicht ertragen zu können, und fragt, für welchen Fall die italienischen Truppen eigentlich marschieren sollten.„Von Deutschland— so fährt das Blatt fort— ist die staatliche Unabhängigkeit Oesterreichs erneut bestätigt worden. Es konnte sich also nicht um die„Gefahr" des Anschlusses handeln. Wären die italienischen Truppen marschiert, wenn die Aufständischen in der Provinz hätten oder wenn die österreichische Exekutive bei der Unterdrückung auf größere Schwierigkeiten gestoßen wäre! Die Art und Weise, wie durch eine maßlose Hetze die italienische Volksstimmung mobilisiert worden ist, läßt an der italienischen Entschlossenheit kaum einen Zweifel, nämlich nicht etwa nur den Anschluß zu verhindern, sondern in Oesterreich nur eine solche Regierung zu dulden, die Italien genehm ist. Das ist die gröbste Einmischung in die inneren Verhältnisse eines anderen Landes, die wohl denkbar ist.“ Französische Stimmen zur Kabinettsbildung Paris Midi äußert sich als erstes Pariser Blatt über das neue österreichische Kabinett. Im Kampfe um die Macht habe Schuschnigg über Starhemberg den Sieg davongetragen. Doch sei die Zusammensetzung der Wiener Regierung uneinheitlich. Die Hauptpersönlichkeiten des Kabinetts bekämpften sich schon jetzt aufs allerschärfste. Bisher habe die Persönlichkeit Dollfuß eine Homogenität der Regierung ermöglicht. Nachdem er verschwunden sei, beständen nur noch Ueberreste eines Ministeriums. Schuschnigg vertrete die Christlich=Sozialen und betreibe die Politik des Vatikans. Ihm gegenüber ständen Fey und Starhemberg, beide Männer der Tat, aber keine großen Politiker, die, um zur Macht zu gelangen, sich auf gefährlichste Verhandlungen einließen. Von einer 300000 Mann starken Heimwehr= armee unterstützt, beanspruchten sie die Nachfolge Dollfuß für sich und wollten eine Politik führen, die eindeutig gegen die Sozialisten und sogar gegen die Arbeiterklasse gerichtet sei. Sie würden also Unterstützung bei den Nationalsozialisten suchen müssen. Schuschnigg müsse aber mit dem linken Flügel der Christlich=Sozialen rechnen. Er könne also nicht umhin, den Bruch mit den Nationalsozialisten aufrecht zu erhalten. So ständen sich beide Richtungen in heftigem Gegensatz gegenüber. Die Spannung zwischen der Heimwehr und den regulären Truppen sei gestiegen. Am Montagfrüh erfahre man, daß die am 25. Juli verhafteten Aufständischen erst nach langer und sorgfältiger Untersuchung abgeurteilt werden würden. Was für eine plötzliche Schonung der Nationalsozialisten! „Intransigeant" stellt die Frage, ob die neue Regierung der Lage Herr werden würde. Man müsse es wünschen, aber dürfe nicht vergessen, daß keine von den Persönlichkeiten, die in der Regierung säßen, den Einfluß habe, den Dollfuß auf die österreichische Bevölkerung sowie in internationaler Hinsicht gehabt habe. Schon bei den Verhandlungen über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts seien die Heimwehren, die Starhemberg unterständen, mit den von Schuschnigg geleiteten Katholiken zusammengestoßen. Wenn man gewissen Gerüchten Glauben schenken wolle, so habe der leitende Ausschuß der Heimwehren dem Präsidenten Miklas gewissermaßen ein Ultimatum gestellt, in dem sie die Bildung eines Kabinetts Starhemberg forderten. Die Bildung des neuen Kabinetts lasse auf ein Kompromiß zwischen den beiden entgegengesetzten Gruppen schließen. Aber es sei zu befürchten, daß dieser Burgfriede nur von kurzer Dauer sein werde. Oesterreich gehe jetzt einer schweren Zeit entgegen. In den folgenden Tagen werde die Unabhängigkeit und die Zukunft Oesterreichs entschieden werden. Himon sieht keinen Anlaß zu einer Aktion wegen Oesterreich Auf weitere Unterhausfragen über Oesterreich teilte Simon mit, daß Montag früh eine neue österreichische Regierung gebildet worden sei. Die letzten Berichte deuteten an, daß vereinzelte Kämpfe weiterhin in entfernteren Bezirken im Gange sind. Auf die Frage eines Mitgliedes des Parlamentes, welche Schritte die britische Regierung unternehme und zu unternehmen beabsichtige, um die Unabhängigkeit Oesterreichs zu wahren, erklärte Simon: Die Regierung verfolgt weiterhin sorgfältig die Lage. Es ist aber von Seiten der Regierung keine Aktion erforderlich oder in Erwägung. Mißlungener Entführungsversuch Am Montag waren in ganz Wien Gerüchte von einem Versuch, Dr. Rintelen aus dem Krankenhaus zu entführen, verbreitet. Tatsächlich hat sich in der Nacht zum Montag folgender Vorfall abgespielt: Vor dem Allgemeinen Krankenhaus, in dem Dr. Rintelen liegt, fuhr ein Krankenkraftwagen vor, der mit Männern besetzt war, die die Uniform von Wachleuten trugen. Die Leute gaben vor, beauftragt zu sein, Dr. Rintelen in das landesgerichtliche Inquisitenspital zu überführen. Den diensthabenden Aerzten kam die Sache verdächtig vor. Außerdem war der Gesundheitszustand Dr. Rintelens derart, daß eine Ueberführung nicht ratsam schien. Daher wurden die Leute weggeschickt. Eine spätere Anfrage ergab, daß ein Auftrag zur Ueberführung Dr. Rintelens ins Landesgericht nicht erteilt worden war. Es liegt also zweifellos ein mißlungener Entführungsversuch vor. Selbstmord des Wiener Polizeirevierinspektors Der Sicherheitswacheinspektor Doppler, der sich am Sonntagabend aus einem Fenster des Polizeigebäudes in Wien in die Tiefe gestürzt hat und schwer verletzt ist, war der Kommandant der Sicherheitswacheabteilung, die im Bundeskanzleramt am Mittwoch voriger Woche Dienst tat, als die Putschisten eindrangen und sie überwältigten. Doppler wurde am Sonntag, um seine Rolle bei diesen Vorgängen aufzuklären, zur Staatspolizei gebracht und verhört. Während dieses Verhöre rih er sich los und stürzte sich in die Tiefe. Schwerte(Ruhr), Dienstag den 31. Juli Tagesspruch Willst du glücklich sein im Leben, Trage bei zu andrer Glück, Denn die Freude, die wir geben, Kehrt ins eigne Herz zurück. Der Saisonschlußverkauf Der Sommer=Saison=Schluß=Verkauf, der den Zweck hat, infolge herabgesetzter Preise Waren zu verkaufen, deren Saisongebundenheit eine Hinübernahme in die kommende Saison verhindert, hat gestern seinen Anfang genommen. Schon am Samstag konnte man feststellen, daß die Schaufenster umdekoriert wurden. Am Sonntag hatte das Publikum Gelegenheit, die neue Ausstellung zu besichtigen und sich von der Billigkeit der Preise zu überzeugen. Um 8,30 Uhr wurden gestern die Geschäfte eröffnet und in verschiedenen einschlägigen Geschäften setzte schon in den Morgenstunden ein lebhafter Betrieb ein. Ja, es hat sogar auf der Hüsingstraße Geschäftshäuser gegeben, die wenige Minuten nach der Eröffnung schon von Kunden vollgesüllt waren. Und das freute den Geschäftsinhaber denn ja auch. Denn seit dem letzten Inventurverkauf im Februar dieses Jahres gab es keine besondere Ankurbelung der Wirtschaft, abgesehen von den Tagen vor Ostern und Pfingsten. Von Uebervorteilungen des Kunden durch den Kaufmann kann bei den Saisonschlußverkäufen heute keine Rede mehr sein. Minderwertige Ware ist bei den Saisonkäufen nicht mehr erhältlich. Was der Kunde zum billigen Preis bekommt, ist immer noch Qualitätsware. In der gestrigen Mittagszeit war es natürlich in der Stadt sehr ruhig. Am Nachmittag wurde der Betrieb wieder stärker. Man konnte auch feststellen, daß auswärtiges Publikum erschienen war, um seinen Bedarf in der Geschäftsstadt Schwerte einzudecken. Es ist anzunehmen, daß am morgigen Monatsanfang ein lebhafter Verkehr einsetzt. Das Publikum hat im übrigen noch bis Samstag, dem 11. August Gelegenheit, die Vorteile des Saisonschlußverkaufes wahrzunehmen. Aber es gibt ja ein Sprichwort: Wer zuerst kommt.... Sprechstunde für Handwerker. Am Donaerstag, dem 2. August 1934 findet im Lokale Kordeck, Kampstraße 20, nachmittags 3,15—6 Uhr, die Sprechstunde des Handwerks= und Gewerbeamtes Iserlohn für die Handwerker der Stadt Schwerte und des Amtes Westhofen kostenlos statt. : Die Mutterberatung des Vaterländischen Frauenvereins findet am Mittwoch, dem 1. August, nachmittags 3 Uhr im Kreisgesundheitsamt, Hindenburgplatz, und am Donnerstag, nachmittags um 3 Uhr in Schwerte=Ost, Gaststätte Kreinberg statt. Luftschutz Die Broschüre„Selbstschutz im Luftschutz" ist für die Unterweisung der Luftschutzhauswarte und Haushaltungsvorstände ein unentbehrliches Lehrmittel. Sie gibt Anweisung über Schutz und Verhalten bei Fliegerangriffen und ist somit ein Wegweiser für den Selbstschutz im Luftschutz. Die Broschüre, die zum Preise von 10 Pfg. im Polizeibüro, Zimmer 7 zu haben ist, muß aber auch in jedem Haushalt vorhanden sein und von jedem Volksgenossen gelesen werden. Ohne Anleitung, wie sie in diesem Heftchen klar und übersichtlich zusammengestellt ist, ist die Durchführung des Luftschutzes nicht möglich. Herabsetzung der Rebernachtungskosten in den deutschen Jugendherbergen. Der Reichsverband für deutschen Jugendherbergen teilt mit: Die Hitlerjugend, der BDM und das Deutsche Jungvolk, sowie auch die Schulen haben sich in selbstloser Einsatzbereitchaft für den Opfertag des Jugendherbergswerkes zur Verfügung gestellt. Nur ihrer Arbeit und ihrer freudigen Hingabe ist es zu verdanken, daß der Opfertag in großzügiger Weise im ganzen Reich durchgeführt werden konnte. Als Dank und als Anerkennung für diese Leistung wird angeordnet, daß mit Wirkung vom 1. August 1934 die Uebernachtungsgebühr für jugendliche Wandergruppen der 5J., des B0M., des Jungvolkes und der Schulen(min. bestens drei Personen, die mit Führerausweis wandern) auf 20 Pfeg. herabgesetzt wird. Die Uebernachtungsgebühr für jugendliche Einzelwanderer wird mit Wirkung vom 1. August 1934 auf Pfg. festgesetzt. Trotzdem diese Herabsetzung der Uebernachtungsgebühren einen großen finanziellen Ausfall bedeutet, ist sich die Leitung des Jugendherbergsverbandes darüber klar, daß dieser Schritt mit Rücksicht auf die Hebung der Volksgesundheit notwendig war. In dieser Tat, die als wahrhaft nationalsozialistisch angesprochen werden muß, kennzeichnet sich die sozialistische Haltung der IH. Aus der Bewegung Zur Fahrt ins schöne Ahrtal. Am 11. und 12. August weilen deutsche Volksgenossen des Kreises Iserlohn im herrlichen Ahrtal. Am 11. August fahren wir nachmittags gegen 2 Uhr ab Menden mit Einsteigestellen in Hemer, Westig, Iserlohn, Letmathe, Hohenlimburg und für die Schwerter Teilnehmer in Hagen. Wir werden für die Gestellung nur guter Eisenbahnwagen Sorge tragen. Zwischen 6 und 7 Uhr kommen wir im Ahrtal an und beziehen die zugeteilten Quartiere(Hotel, Pensionen und Bürgerquartiere) die gleichzeitig als Standquartiere bis Sonntagabend zu benutzen sind, in den zugeteilten Quartieren erhalten wir ein Abendessen, und nach der Uebernachtung Frühstück und Mittagessen. Dieses Mal gibt es keine Eintopfgerichte. Samstag und Sonntag ist reichlich Gelegenheit gegeben, unter ortskundiger Führung die Schönheiten des Ahrtals kennen zu lernen. Sonntagabend gegen 7 Uhr fahren wir wieder der Heimat zu. Die Gesamtkosten für Fahrt und Verpflegung betragen nur 8,20 RM. Anmeldungen sind an der Geschäftsstelle der NSDAP. abzugeben. Meldeschluß am 5. August. Außerdem werden Meldungen für folgende Urlauberfahrten noch entgegen genommen: 19. 8.—26. 8. 34: Allgäu, 7 Tage, 35 RM. 26. 8.—2. 9.: Saßnitz Rügen, 7 Tage, 40 RM. 9. 9.—16. 9.: Schwarzwald, 7 Tage, 35 RM. Vorstehende Preise gelten für Fahrt, Verpflegung und Uebernachtung. Der Erser hat das Wort Gemeinsam gegen den Straßenlärm! Seit langen Jahren bemühen sich neben den Behörden auch Einzelpersonen um die Bekämpfung des unerträglichen Straßenlärms. Bisher ist alles vergeblich gewesen, trotzdem es wohl wenig Schwerter gibt, die nicht aufatmen würden, wenn ihre geplagten Nerven etwas mehr Ruhe bekämen. Mehr Erfolg verspricht die Gründung eines Vereins, oder besser gesagt, einer Arbeitsgmeinschaft, die systematisch das Publikum beeinflußt, ihren Mitgliedern die Kenntnis der schon vorhandenen gesetzlichen und polizeilichen Abwehrmittel vermittelt und sich die Unterstützung der in Deutschland, besonders in Berlin, schon vorhandenen Vereine zur Bekämpfung des Straßenlärms sichert. Ich bin überzeugt, daß sich viele Schwerter einer solchen Arbeitsgemeinschaft anschließen und gern die notwendigen Mitel aufbringen würden, nicht nur immer die Opfer zu sein, sondern auch einmal Sieger über den meist aus lauter Gedankenlosigkeit erzeugten Lärm werden zu können. Gestörter Abendfrieden. Endlich warme Abende, an denen man auf dem Balkon sitzen kann. Aber die Hoffnung auf Ruhe und Erholung wird gestört von Menschen, die immer noch ihren Lautsprecher bei offenen Fenstern gehen lassen. Denkt auch an Eure Mitmenschen. Könnten nicht Polizeistreifen solche Uebeltäter ermitteln? R. Die Luge der 20 Fahren Im Spiegel der„Schwerter Zeitung Am 27. Juli 1914 meldete die„Schwerter Zeitung": Die Nachrichten über den drohenden Ausbruch des Krieges zwischen Oesterreich und Serbien, der leicht zu einem Weltbrand sich entwickeln kann, haben gestern in der ganzen Stadt ungeheure Aufregung hervorgerufen. Ueberall wurden die Ereignisse besprochen und vor allen Schaufenstern, in denen unsere gestern im Laufe des Tages herausgegebenen Extrablätter angeschlagen waren, bildeten sich dichte Gruppen, und auch in den Lokalen gab es nur ein Thema: Die Kriegsgefahr! Sogar das Schützenfest trat hiergegen in den Hintergrund, unser Telephon wurde den ganzen Tag über bestürmt, jeder wollte etwas Neues wissen. Schon am nächsten Tage konnte gemeldet werden, daß die ersten Schüsse an der Donau gefallen seien. Im lokalen Teil wurde zu den „wilden Gerüchten“, folgendermaßen Stellung genommen: Es kursieren fortgesetzt die wildesten Gerüchte, hier und in der ganzen Umgebung. Hier eine kleine Blütenlese der umlausenden Gerüchte. Hat Frankreich mobilisiert? Hat die Reichsbank den Ankauf von Wechseln abgelehnt? Sind die bei den Großfirmen lagernden Getreidevorräte beschlagnahmt? Sind die Urlauber der Regimenter zurückgerufen? deutsche Botschafter in Petersburg ermordet? usw. Wie weiter mitgeteilt wird, soll das furchtsame Publikum auch hier zu übergegangen sein, Guthaben von der Sparkasse abzuheben? Wir möchten dringend vor übereilten Schritten warnen... Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß innerhalb des 7. Armeekorps bis jetzt keinerlei besondere militärische Maßnahmen getroffen u. auch nicht in Aussicht genommen sind. Der Friedensbetrieb, wie er durch den Ausbildungsplan der Truppen seit langem festgelegt ist, geht seinen gewohnten Gang. Trotz der großen Zuversicht, daß der Weltbrand vermieden werden kann, trifft die Eisenbahnbehörde jedoch alle durch den Ernst der Zeit geforderten Maßnahmen, um für alle Fälle gerüstet zu sein.— In der gleichen Ausgabe, also am 28. Juli. kündet der Kriegerverein im Anzeigenteil für den Sonntag, den 2. August 1914 ein Sommerfest am Freischütz mit Konzert und Ball an. So wenig vorbereitet war Deutschland auf einen Krieg. * Erinnerungsdaten 1. August. Mobilmachung des deutschen Heeres und der deutschen Flotte wird angeordnet. 3. August. Die deutsche Regierung veröffentlicht den Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und Zaren(Weißbuch). 4. August. Deutsche Truppen marschieren in Belgien ein.— England erklärt Deutschland den Krieg. 5. August. Erneuerung des Eisernen Kreuzes. 6. August. Der Kaiser erläßt einen Aufruf an das deutsche Volk.— Oesterreichs Kriegserklärung an Rußland. 7. August. Die Festung Lüttich wird von den Deutschen erstürmt. 11. August. Sieg bei Lagarde. 15. August. Aufruf des Landsturms. 16. August. Der Kaiser reist von Berlin in der Richtung nach Mainz ins Hauptquartier. 19. August. Japans Ultimatum an Deutschland. 20. August. Deutsche Truppen rückten in Brüssel ein. 21. August. Die zwischen Metz und den Vogesen geschlagenen Franzosen verlieren auf der Flucht mehr als 10000 Gefangene und 50 Geschütze. 22. August. Der deutsche Kronprinz wirft nördlich von Metz mit seiner Armee(zu beiden Seiten von Longwy vorgehend) den Feind siegreich zurück. 23. August. Die zu Seiten von Chäteauneuf (Belgien) vorgehende Armee des Herzogs Albrecht von Wüttemberg schlägt eine über den Semois vorgedrungene Armee vollständig und nimmt die Verfolgung auf. 25. August. Die dreitägige Schlacht bei Krasnik endet mit einem vollständigen Sieg der österreichischen Truppen. 26. August. Bei Namur fallen sämtliche Forts.— Longwy wird genommen. 27. August. Das deutsche Westheer dringt siegreich bis zu den Südvogesen vor. 28. August. Die englische Armee wird von deutschen Truppen nördlich von St. Quentin vollständig geschlagen.— Deutsche Truppen unter Generaloberst v. Hindenburg schlagen in Ortelsburg die Russen.— Bei einem Seekampf zwischen deutschen und englischen Kriegsschiffen nordwestlich Helgoland sinken drei deutsche kleine Kreuzer und ein Torpedoboot. 29. August. Die deutschen Truppen nehmen bei Ortelsburg in Ostpreußen über 30 000 Nussen(in den nächsten Tagen sind es insgesamt 90 300) und viele hohe Ofsiziere gefangen. 31. August. Die französische Festung Givet wirv von den Deutschen genommen. Meßabzeichen für die Leipziger Herbstmesse 1934. Bei der Industrie= und Handelskammer zu Dortmund, Märkischestraße 120, Telefon 20311, sind für die bevorstehende Leipziger Herbstmesse Meßabzeichen erhältlich. Der Preis beträgt bis Sonnabend, den 25. August d. J., Rm. 3.— falls Abzeichen und Ausweiskarte der Frühjahrsmesse 1934 mit übereinstimmender Kontrollnummer in Zahlung gegeben werden. Ein Eintausch der Abzeichen von der Frühjahrsmesse kommt nach dem 25. August d. J. nicht mehr in Betracht.— Falls Besucher noch nach Meßbeginn nach Leipzig fahren wollen, müssen sie das Meßabzeichen besitzen, um die Fahrpreisermäßigung zu erlangen. Zu diesem Zweck hält die Kammer für Montag und Dienstag(27. und 28. August) noch Meßabzeichen zum Preise von Rm. 5.— und ab Mittwoch, den 29. August, zum Preise von Rm. 3.— bereit.— Ueber nähere Einzelheiten erteilt die Kammer bereitwilligst Auskunft. Holzwickede, 30. Juli. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Ortsgruppe Holzwickede, Hengsen und Opherdicke wendet sich an die Oeffentlichkeit und ruft zum Beitritt als Mitglieder auf. Anmeldungen nimmt der Ortsgruppenführer, Reichsbahninspektor Baumann, entgegen. Dat olle Kriegerdenkmol Mien laiwer Fritz van Pannekauken. Me kürt sauviel vam Ehrenmal Für uese tapferen Saldoten, Dä fallen sind in grauter Tahl. Do lätt sick jo nicks tiegen seggen. Et es rächt schäun— un luowenswert, Datt me op düese Art un Wiese Däheimatlichen Helden ert. Doch siest du die dat Kriegerdenkmol Am Adolf=Hitlerplatz anseihn? Do es ne Ecke awgeschlagen, Am Fundament van äinem Stäin. Auck utgefauget möch et weren, Wat nützet do dat frisch Grein? Dat ganze päßt, du kanns et gläuwen, No miener Ansicht nit binäin. Dä Krieger, dä jähr Liäwen leiten Füör Bismarcks Riek— du wäißt Beschäld Het Anspruch auck, mien laiwer Fritze Op uese gröttste Dankbarkeit. Eck wäit, du stäihst am rächten Platze— Un riesengraut es diene Macht.— Aein Wort van Die— und ohne Murren, Es alles wier int Laut gebracht. Berti ut däm Spieckebrauck. Börsen und Märkte Dortmunder Schlachtviehmarkt. Bericht über die Preisfeststellung. Dortmund, 30. Juli. Dem heutigen Schlachtviehmarkt waren zugeführt: 903 Stück Großvieh, darunter 57 Ochsen, 183 Bullen, 586 Kühe, 77. Färsen, 658 Kälber, 13 Schafe, 2930 Schweine.— Der Marktverkauf war bei Großvieh mittel, geräumt, bei Kälbern langsam, geräumt, bei Schweinen glatt, geräumt.— Es wurden gezahlt für 50 Kg. Lebendgewicht in RM.: Rinder: Ochsen: a) 1. 35—36, 2. 32 bis 33, b) 29—31, c) 26—28, d) 22—25, Bullen: a) 33—35, b) 28—32, c) 23—27, b) 18—22; Kühe: a) 32—34, b) 28—31, c) 22—27, d) 13 bis 21; Färsen: a) 32—34, b) 29—31, c) 26 bis 28, d) 22—25.— Kälber: a) 43—47, b) 35 bis 42, c) 29—34, d) 20—28.— Schweine: a) 1. 51—53, 2. 50—51, b) 48—52, c) 46—50, d) 42—48, g) 1. 46—48, 2. 38—45. Von den heute dem Dortmunder Schlachtviehmarkt zugeführten Schweinen wurden per Zentner Lebendgewicht verkauft 5 zu 54, 44 zu 53, 214 zu 52, 180 zu 51, 708 zu 50, 264 zu 49. 493 zu 48, 302 zu 47, 186 zu 46, 101 zu 45, 66 zu 44, 34 zu 43, 41 zu 42, 4 zu 41, 9 zu 40. 3 zu 39, 9 zu 38, 8 zu 36, 1 zu 35, 1 zu 31. Für För“ derung des Fettprogramms der Reichsregierung wurden 328 fette Speckschweine aus dem Mark genommen. Schluß des redaktionellen Teils. Vereinsnachrichten Eisenbahn=Fraver=Verein mgetzung. Die Augustversammlung fällt fecien= Tagerinn für Eis Amter Westtosen und Ergste Westhofen, 31. Juli. Gemeindejagd wird verpachtet. Die Jagdnutzung des Jagdbezirks Westhofen soll in nächster Zeit öffentlich meistbietend auf einen Zeitraum von über neun Jahren verpachtet werden. Die Pachtbedingungen liegen bei dem Stadtvorsteher Hillefeld zur Einsichtnahme auf. Westhofen, 31. Juli. Wegebaupläne in Vorbereitung. In den letzten Wochen sind, wie verlautet, verschiedene Wegebaupläne für den hiesigen Bezirk vorbereitet worden. Die Veranlassung hierfür war einerseits die stetige Zunahme des Verkehrs und zum anderen das intensive Bestreben, auch denjenigen Volksgenossen, die noch erwerbslos sind, für eine längere Zeit wieder eine Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Das zuerst in Aussicht genommene Projekt ist der Ausbau des sogen. Lenneweges, der an der Holzstoff=Fabrik Buschmühle beginnt, an dem Lennegraben entlang führt und eine direkte Verbindung mit dem inneren Ortsteil von Garenfeld herstellt. Durch den Ausbau dieses Weges könnten künftig die jetzt kilometerweiten Umwege für Fahrzeuge wegfallen.— Bei einem weiteren Plane, der schon seit Jahren immer wieder aufgegriffen worden ist, handelt es sich um die Schaffung einer Parallelstraße zu der früheren Hoch= jetzt Hindenburgstraße. Diese Straße weist eine ganze Reihe von Gefahrenpunkten auf; wegen der Straßenenge ist es an mehreren Stellen die Anlage eines Bürgersteiges überhaupt nicht möglich. Viele Unfälle auf dieser Straße sind immer wieder eine Mahnung, daß hier für Abhilfe gesorgt werden muß. Wahrscheinlich wird das Gelände zwischen dem jetzigen Straßenlauf und dem Ebberg für die Parallelstraße in Frage kommen. Gedacht ist ferner noch an einen dritten, ebenfalls in den letzten Jahren mehrfach erörterten Plan, nämlich den Ausbau des durch die sogen. Bodelle nach Holzen, Buchholz und Syburg=Wanne führenden Weges. Auch durch diesen Ausbau würde es möglich sein, künftig weite Umwege abzuschneiden. Verhandlungen mit den bei diesen Projekten in Betracht kommenden Grundeigentümern sind bereits eingeleitet, und es darf erwartet werden, daß die im Allgemeininteresse sehr zu begrüßenden Pläne weitgehendste Unterstützung finden.— Mit dem angekündigten Ausbau der Feldstraße ist vor einigen Tagen begonnen worden. Westhofen, 31. Juli. Zusammenschluß der Kanarienzüchter. Die Kanarienzucht und der Vogelschutz haben auch in Westhofen gute Förderung gefunden. Der Zusammenschluß zu einem Verein ist kürzlich unter dem Namen„Edelroller“ erfolgt. Als Vereinsführer wurde der Werkmeister H. Hoffknecht gewählt. Auf einer in Hohenlimburg abgehaltenen Tagung konnte mit einstimmigem Beschluß die Aufnahme des Vereins in die Gruppe Sauerland des großen Bundes der Kanarienzüchter vollzogen werden. In Anerkennung der von den Westhofener Züchtern bereits geleisteten Arbeit wurde Westhofen als TagungsOhne Sritk Märsch Ein Roman aus den Kampfjahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 87. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Im„Altheidelberger Faß"“ im Gasthof „Zu den drei Ulmen“—— keine Spur von Stüwen. Zum Teufel noch mal! Halb ernüchtert befahl Kaiser dem Chauffeur zur„Krone“. zu fahren. Das sei das einzige Lokal, in dem ein anständiger Mensch auch am späten Abend verkehren könne. * Während Bürgermeister Kaiser sich vergeblich bemühte, den Schriftleiter des„Wächters“ in einem Lokal zu treffen, saß Stüwen in einer Wahlversammlung der Staatspartei. Als Redner hatten die Demokraten sich den preußischen Finanzminister geholt. Der systemtreue Polizeipräsdent wohnte dieser Versammlung nicht bei. Sechs beherzte SA=Männer, nur kenntlich durch ihre hohen Schnürstiefel, hatten in eine der hinteren Reihen Platz genommen. Sie wurden sofort von vierzig Jungdoleuten, die in voller Uniform erschienen waren, eingeschlossen. Stüwen saß mitten unter ihnen. Der Redner machte einen müden Eindruck. Als die ersten Zwischenrufe fielen, gerieten die Jungdos und die Nationalsozialisten in erregtem Wortwechsel heftig gegeneinander. Als aber in der Debatte dem nationalsozialistischen Redner das Wort nicht erteilt wurde und die SA=Männer darauf„Deutschland erwache!“ riefen, schlugen die Uniformierten sofort auf das kleine Häuflein ein. Mit Koppel und Schulterriemen ging es gegen die SAMänner los, die sich gegen die Uebermacht, so gut es in dem engen Saal möglich war, zur Wehr setzten. Klaus Stüwen sprang dazwischen und schrie den Angreifern zu:„Ihr Feiglinge!“ Er war. ort für eine im Monat Oktober stattfindende wichtige Tagung der Züchter des Sauerlandes bestimmt. Aus dem Nachbargebiet Hengsen. Besitzwechsel. Die frühere Besitzung der Gemeinde Hengsen(ehemalige Wohnung des in den Ruhestand versetzten und nach Radevormwalde verzogenen Polizeibeam. ten Berges) ist durch Kauf für den Preis von 10 000 Rm. in den Besitz des Rentner Otto übergegangen. Hengsen. Das goldene SA=Sportabzeichen erworben. Der Adjutant des Sturmbannes 1/465 Holzwickede, Sturmführer Am 12. August gelangt der von der DSB. ausgeschriebene Kreis=Mehrkampftag für Männer und Jugend zum Austrag und in Verbindung damit steigt auch das vom Deutschen Fußballbund und der Deutschen Sportbehörde gemeinschaftlich angesetzte Kreisjugendfest. Mit der Durchführung der Veranstaltung, die am genannten Tage in Iserlohn stattfindet, ist der SC. Rote Erde Iserlohn betraut worden. Die Jugend=Kreismeisterschaften sollen mit einer großen Jugend=Werbeveranstaltung des gesamten Sportkreises Iserlohn verbunden werden. Geplant ist— ähnlich der Veranstaltung in einem der vergangenen Jahre— eine Sternwanderung nach Iserlohn, auf der die Jugendlichen dann bereits Sonnabends in Iserlohn eintreffen und für die Nacht zu Sonntag mit geringen Kosten in der Jugendherberge und den Iserlohner Schulen untergebracht werden. Billiges Mittagessen am Sonntag aus der Gulaschkanone. Besondere Ausführungen über Anmarsch und sonstige Einzelheiten erfolgen noch. Es wird jedoch erwartet, daß die Jugendleiter sämtlicher Turn= und Sportvereine des Kreisgebietes schon heute in ihren Abteilungen auf diese Werebeveranstaltung großen Stils entsprechend hinarbeiten, damit diese großartige Gelegenheit, für die Sache der Leibesübungen neue Anhänger zu gewinnen, nicht ungenutzt vorübergeht. Und wodurch könnte wohl besser geworben werden, als durch den Aufmarsch einer großen Masse von sportfrohen Jungen u. Mädeln? Nachstehend ein Ueberblick über das Programm des Sonntags und die Ausschreibung für die Wettbewerbe dieses Tages: Vormittags 8.30 Uhr: Feldgottesdienst für die Jugendlichen beider Konfessionen auf dem Schillerplatz in Iserlohn. Von da Propagandamarsch zur Hans=Bernsau=Kampfbahn. Daselbst pünktlich 10 Uhr Beginn der Jugendwettkämpfe. Ausschreibung f. d. Igd.= u. Mädchen=Kämpfe: a) männl. Igd. 1916/17 sowie der zurückgestellte Jahrgang 1915: Dreikampf: 100=Metertete auf den ersten Schlag. Da entdeckte er unter den prügelnden Jungdos den Gerichtsassessor Grabe vom Landgericht, einen baumlangen Menschen, der sich nicht scheute, mit dem Schulterriemen dazwischen zu hauen und sich mit der ganzen Wucht seines Körpers gegen einen blutjjungen, kaum dem Knabenalter entwachsenen Nationalsozialisten zu werfen. Die Lage wurde noch verhängnisvoller, als die verhetzten Ordensbrüder zu den Stühlen griffen und gegen die Weißhemden, die den Türausgang zu erreichen versuchten, vorgingen. Im höchsten Augenblick der Gefahr spran' gen Polizeibeamte ein und trennten die Kämpfenden. Die Ueberfallenen wurden im Flur vernommen. Die Beamten stellten die Personalien fest. Stüwen, der sich als Schriftleiter des „Wächters“ gegenüber den Beamten auswies, meldete sich sofort als Zeuge und verlangte von der Polizei, daß die Namen der Angreifer festgestellt würden. Die Schützlingé der Staatspartei saßen aber schon wieder im Saal und spielten die Harmlosen. Darauf ließ Stüwen den Gerichtsassessor durch einen Wachtmeister herausholen.„Schreiben Sie den Namen auf! Der war der erste Angreifer! Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, wie er wild drauflos prügelte!“ Der Gerichtsassessor weigerte sich, seine Personalien anzugeben.„Ich werde mich morgen selbst beim. Polizeipräsidenten melden und ihm den wahren Sachverhalt darstellen“, sagte er ärgerlich. Als er sich umwenden wollte, rief Stüwen:„Notieren Sie, Herr Oberwachtmeister: Gerichtsassessor Grabe, Landgericht Teutowalde.“ Rot vor Zorn stand der Anführer der Jungdos da. Stüwen verneigte sich lächelnd. Es stellte sich heraus, daß die SA=Männer im Handgemenge nur leichte Verletzungen davongetragen hatten. Nachdem die Personalien festgestellt waren, rückte Stüwen mit den jun. Wilhelm Flunkert von hier, Talstraße wohnhaft, hat nach der Teilnahme an einem Führerlehrgang der SA=Sportschule Hamm, das goldene SA=Sportabzeichen erworben. Es ist das erste SA=Sportabzeichen, welches zum Sturmbann Holzwickede gekommen ist. Dortmund, 30. Juli. Neuer Oberbürgermeister. Wie die Regierungspressestelle in Arnsberg mitteilt, ist zum neuen Oberbürgermister der Stadt Dortmund Rechtsanwalt Dr. Banike=Bochum mit Wirkung ab 1. August ernannt worden. Der bisherige kommissarische Oberbürgermeister Bruno Schüler hatte wegen Ueberlastung mit Aemtern— er ist u. a. Führer einer Hauptgruppe des Reichsstandes des deutschen Handels— selbst um Enthebung von seinem Posten gebeten. Der neue Oberbürgermeister, der heute 34 Jahre alt ist, studierte nach Absolvierung des Realgymnasiums in Würzburg, Berlin und Münster, promovierte 1923 zum Dr. jur., war später im Staatsdienst als Richter tätig und ließ sich 1926 in Bochum als Rechtsanhalt nieder. Lauf, Hochsprung, Kugelstoßen(5 Kg.), Einzelkämpfe: 100 m, 800 m, 3000 m, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen(5 Kg.), 4 mal 100 mund 3 mal 100 m=Staffel. b) männl. Igd. 1918 und jünger: Dreikampf: 75=m=Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen(4 Kg.). Einzelkämpfe: 75 m, 1000 m, Hochsprung, Weitsprung, Schlagballweitwurf, 4 mal 50 m=Staffel. c) weibl. Igd. 1918 und jünger: Dreikampf: 75 m=Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen(4 Kg.). Einzelkämpfe: 75 m, Hochsprung, Weitsprung, Schlagballweitwurf, 4 mal 50=m=Staffel. Ausschreibung für den Mehrkampftag der Männer: Beginn der Wettkämpfe nachmittags 3 Uhr in der Hans=Bernsau=Kampfbahn(gleichzeitig Fortsetzung der Jugendwettkämpfe). Klasse I: Fünfkampf, bestehend aus: 200=mLauf, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Diskuswerfen. Einlagekämpfe: 4 mal 100 mStaffel, Schwedenstaffel(400, 300, 200, 100 m). Klasse II: Dreikampf, bestehend aus: 100 m, Weitsprung, Kugelstoßen. Einlagekampf: 4 mal 100 m=Staffel. Meldegebühren werden für männl. und weibl. Jugend nicht erhoben. Bei den Männern betragen sie für den Fünf= bzw. Dreikampf pro Teilnehmer 0,30 RM., für die Staffel 0,50 Reichsmark. Umkleideräume befinden sich in der evangel. Ostschule, Iserlohn, Mendenerstr. Garderobegebühr pro Teilnehmer 10 Pfg. Meldungen sind für sämtliche Klassen brieflich an Herrn Willy Collet, Hohenlimburg, Im Stift 21 zu richten, wobei für die Männerklassen die Meldegbühren beizufügen sind. Meldeschluß ist der 5. August. Später eintreffende Meldungen werden nicht berücksichtigt. Die Wettkämpfe finden unter Aufsicht und nach den Bestimmungen der DSB. statt. Weitere Einzelheiten folgen noch. gen Kameraden ab. Man marschierte geschlossen auf dem Damm, es war nur eine halbe Schar——— „Zwei Tage noch“ meinte der Scharführer, „zwei Tage und wir wissen, daß wir einen großen Sieg errungen haben.“ In der Nacht vom Sonnabend zum Wahlsonntag war die SA. in Zivil unterwegs. Wahlplakate wurden geklebt, Mauern und Straßen mit Kampfparolen beschriftet. Und dann kam der vierzehnte September neunzehnhundertdreißig, der Schicksalstag. Erhöhte Propaganda, wenn auch Umzüge verboten waren. Schleppdienst bis zur letzten Minute. Noch am Abend kam das Teutowalder Wahlergebnis heraus. Gegenüber neunhundert Stimmen bei der Reichstagswahl im Jahre neunzehnhundertachtundzwanzig, bekannten sich zehneinhalbtausend Volksgenossen zum Nationalsozialismus. Die Anzahl der Stimmen hatte sich verzwölffacht. In der Geschäftsstelle der Ortsgruppe und im Parteilokal kannte die Freude über den Sieg keine Grenzen. Im Lager der Marxisten herrschte große Bestürzung über das Anwachsen der Hitlerbewegung. Im Schaufenster des„Wächters“ am Wagnerplatz prangte das Wahlergebnis mit großen Lettern. Davor staute sich die debattierende Menge. „De Wahl is vorörwer, de Schlacht is schlagen——“ „Wat wät nu?“ „Ick glöwe, Holzwurm hät dat Ritkebierben kriergen.“ „Dat Putzen för de Marxisten is dürder worn.“ „Wieseu?“ „No de Wohl sind ihre Hälse länger worn.“ „Et möt endlick mol met'n isernen Bessen utfärgert warn, domet Dützkland gesundet, un dat wie nich blauß do sind, de Heerns anne Spitze een seint Liärben to bereiten.“ Im aktiven Kampf der nationalsozialisti hen Bewegung steht er bereits seit 1925. In Bochum gründete Dr. Banike 1931 die Oitsgruppe des RS=Juristenbundes. Heute bekleidet er mehrere Ehrenämter in der Bewegung Dr. Banike ist u. a. auch Mitglied des Vorstandes des Westfälischen Gemeindetages Dortmund, 30. Juli. Schlägerei. Das Ueberfallkommando wurde am Sonntag eegen 23,30 Uhr zu einer Wirtschaft an der Märtischen Straße gerufen. Dort war zwischen mehreren Personen nach voraufgegangenem Wortwechsel eine Schlägerei entstanden. Als das Ueberfallkommando anrückte, hatten sich die Gemüter der Beteiligten bereits beruhigt. Hengsen=Opherdicke, 30. Juli. Ausgeglichener Etat. Für die Gemeinde Hengsen ist der Haushaltsplan 1934 mit 41 250 Mark in Einnahme und Ausgabe festgesetzt worden. Folgende Steuerzuschläge werden erhoben: 290/260 Proz. Grundvermögenssteuer, 600 Proz. Gewerbesteuer, 1730 Proz. Lohnsummensteuer, 120 bzw. 346 Proz. Zweigstellensteuer, 500 Proz. Bürgersteuer. Der Haushaltsplan 1934 der Gemeinde Opherdicke ist mit 21020 Mark ausgeglichen. An Steuern werden folgende Zuschläge erhoben: 290/260 Proz. Grundvermögenssteuer, 560 Proz. Gewerbesteuer, 1500 Proz. Lohnsummensteuer, 112 bzw. 300 Proz. Zweigstellensteuer und 500 Proz. Bürgersteuer. Hohenlimburg, 30. 7. Vom Volksbad Henkhausen. Das in nächster Nähe von Hohenlimburg idyllisch gelegene Freibad Henkhausen hatte in diesem Jahre schon Sonntag 1700—1800 Besucher zu verzeichnen. Seit seiner Eröffnung im Jahre 1929 sind seitens des Hohenlimburger Schwimmvereins mit besonderer Liebe und stetem Fleiß immer wieder Verschönerungen und Verbesserungen vorgenommen worden. Hohenlimburg, 30. Juli. Straßenarbeiten beendet. Die schon seit Wochen dauernden Straßenarbeiten in der Nahmer sind nunmehr beendet. Fußgänger, Rad= und Kraftfahrer begrüßen dieses sehr, da bisher diese Straßen nur mit Mühe passiert werden konnten. Wetter. Verkehrstechnisches zum Harkortbergfest. Das Harkortbergfest, das nun allmählich heranrückt, will auch dementsprechend vorbereitet werden. Um eine möglichst reihungslose An= und Abfahrt der Turner und Zuschauer aus der Umgebung zu gewährleisten, wird die Hagener Straßenbahn zwischen Hagen Hauptbahnhof und Wetter einen 20=Minutenverkehr einrichten. Lüdenscheid. Die Rekordzahl von 27481 Badegästen kann das neue Freibad Nattenberg während des ersten Monats seiner Inbetriebnahme nachweisen. Damit sind die Erwartungen, die man kürzlich bei der Eröffnung hegte, weit übertroffen worden. 886 Badegäste ist eine wirklich hohe Ziffer für den täglichen Durchschnitt. Hüsten, 28. Juli. Ertrunken. Als der bei den Vereinigten Stahlwerken tätige Gustav Weber im Freibad auf der Klosfuhr sein übliches morgenliches Bad nahm, ging er plötzlich mit einem Aufschrei unter. Der Bademeister und einige Schwimmer sprangen ihm sofort nach und brachten ihn an Land. Jedoch hatten die Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg. Ein Herzschlag hatte sein Leben beendet. K „Nu kümp et drup an, dat sick de Hitlerlü nich unnerkriegen lautet.“ „Glöw man, de Kampf geiht widder.“ * Am nächsten Morgen stellte sich heraus, daß das Teutowalder Wahlergebnis weit über dem Reichsdurchschnitt lag. Stüwen kam nach dem Sieg mit den führenden Teutowalder Nationalsozialisten zusammen, und unaufgefordert gestand man: „Der Aufklärungsarbeit des„Wächters' verdanken wir mindestens fünftausend Stimmen!" Der Wächter setzte den Kampf gegen die Vertreter des Systems in der gleichen Schärfe fort. Das Landgericht hatte dem Antrage des Justizobersekretärs Stapler, die in der einstweiligen Verfügung angedrohte Strafe zu vollstrecken, überraschender Weise nicht stattgegeben. Es habe eine Uebertretung des erlassenen Verbotes nicht feststellen können. Stüwen stellte seine weitere Aufklärungsarbeit in den Dienst der Stadtverordnetenwahl, die in Teutowalde am dreißigsten November neunzehnhundertdreißig stattfinden sollte. Durch die Eingemeindung der roten Vororte, die von der S. P. D. herbeigesehnt war, sollte im Teutowalder Rathaus eine rote Mehrheit zustande kommen. Die„Völkerwacht“ gab offen zu, daß die Bedeutung der Kommunahlwahl darin liege, daß um die rote Macht im neuen Groß=Teutowalde gekämpft werde. Darüber hinweg aber wolle die SPD. zeigen, daß eine Partei, die an sich glaube, auch nach einer politischen Niederlage verstärkt vorwärts schreite. Genosse Schrecklich teilte in einer Versammlung, die vier Tage nach der Reichstagswahl stattfand, den Genossen mit, daß die Stadtverordneten Holzwurm und Kasten von sich aus zurückgetreten seien. Sie hätten aus rein persönlichen Gründen auf eine Kandidatur verzichtet. Sie glaubten, damit der Partei dienen zu können, denn ihre Namen seien zu Zielen von Angrifsen geworden. Fortsetzung folgt. une Mehrrumpftas Un. Is. Augunin Vserlehn Aus Bondetischtanc Verhinunnonikverndend in Vorlmnune In der Landhilfe zu Tode gekommen Bochum. Der im Sauerland bei einem Bauer beschäftigte 20 Jahre alte Wilhelm Lehrbruch aus Bochum=Riemke verunglückte dadurch tödlich, daß ihm ein von einer Kreissäge abspringendes Holzstück so unglücklich gegen den Kopf flog, daß er kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Im städtischen Dienstgebäude erchosen Bochum. Ein städtischer Beamter machte in dem Verwaltungsgebäude an der Trankgasse seinem Leben durch Erschießen ein Ende. Die Beweggründe der Tat sind noch unbekannt. Tödlicher Betriebsunfall Bochum. In der neuen mechanischen Werkstatt des Bochumer Vereins wurde ein 26jähriger Arbeiter von einem laufenden Kran am Kopfe erfaßt und erdrückt. Der Bedauernswerte stand nach langer Erwerbslosigkeit wieder ein halbes Jahr in Arbeit. Personalunion zwischen Stadt und Amt Haltern Haltern. Bereits in früheren Jahren war mehrfach die Absicht erörtert worden, Stadt und Amt Haltern verwaltungsmäßig durch eine Personalunion zu verbinden. Die Durchführung dieses Planes scheiterte aber nicht zuletzt an den Persönlichkeiten. Dieses Hindernis besteht heute nicht mehr. Da zudem das Amt Haltern seit einem Jahr— durch die Ernennung des ehemaligen Amtsbürgermeisters Dr. Rieth zum Landrat des Kreises Recklinghausen— verwaist war, konnte dieser Frage jetzt wieder nähergetreten werden. Es zeugt von der Einsicht der Amtsverordneten, daß sie alle Gegensätze und Sonderinteressen zwischen Stadt und Amt zurückstellten, und über eine künftige Gemeinschaftsarbeit in ihrer letzten Amtsversammlung folgenden Beschluß einstimmig faßten:„Aus Gründen der Ersparnis in der Verwaltung und im Interesse einer einheitlichen Verwaltung von Stadt und Amt Haltern wird beantragt, den Bürgermeister der Stadt Haltern zum kommissarischen Bürgermeister des Amtes Haltern zu ernennen.“ Voraussetzung soll aber sein, daß die Verwaltung des Amtes Haltern vollkonnen selbständig bleibt und daß der Bürgermeister alteingesessene Bürger des Amtes, die in einem unbedingten Treueverhältnis zum nationalsozialistischen Staat stehen, zu Beratungen heranzieht. Zusammenstoß zwischen Lastkraft= und Eilgüterzug— Kraftwagen zertrümmert, Lokomotive entgleist Rinteln. Der in Rinteln fahrplanmäßig um 11,23 Uhr eintreffende Eilgüterzug aus Löhne erfaßte zwischen Löhne und Eisbergen einen Lastkraftzug, als dieser den Bahnkörper passierte. Der Anhänger wurde zertrümmert. Die Insassen des Motorwagens kamen mit dem Schrecken davon. Die Lokomotive des Zuges entgleiste mit einer Achse. Die Ursache konnte noch nicht festgestellt werden. Zum Ankauf von volljährigen Reit= und Zugpferden sollen die nachbezeichneten öffentlichen Märkte abgehalten werden: Im Regierungsbezirk Arnsberg: am 10. Oktober 9 Uhr Hamm, Im Regierungsbezirk Minden: am 13. Oktober 9,30 Uhr Brake, Beim Ankauf werden die Anforderungen zugrundegelegt, die für den Remonteankauf maßgebend sind. Da die Pferde für den soförtigen Truppengebrauch erforderlich sind, wird allgemein ein scharfer Maßstab angelegt werden. Es werden nur Pferde angekauft im Alter von 4½ bis 14 Jahren und in einer Größe von 1,56 m bis 1,65 m Stockmaß(ohne Eisen gemessen). Füllenscheine sind erwünscht, jedoch nicht unbedingt erforderlich. Schimmel und tragende Stuten sind vom Ankauf ausgeschlossen. Die angekauften Pferde werden sofort abgeDortmund. Dem von der NS=Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ am Sonntagabend im festlich geschmückten Fredenbaumsaal veranstalteten Bergmannsliederabend, der auch zum Teil vom Reichssender Köln ausgenommen wurde, war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg beschieden. Die Bergmannstracht, die schmucke Knappenuniform, herrschte vor.— Nach dem Einmarsch der Fahnen und dem Badenweiler Marsch begrüßte zunächst Kreisbetriebszellenobmann Pg. Poganatz die Erschienenen, insbesondere den Reichsbetriebsgemeinschaftsführer„Bergbau“, Reichstagsabgeordneten Pg. Stein=Bochum. Nach Gesangsund Musikdarbietungen ergriff Reichsbetriebsgemeinschaftsführer Stein das Wort zu einer Ansprache, in der er einleitend an die Jahre der Niederbruches 1806 und 1807 erinnerte, denen die Befreiung von 1813 folgte. In den letzten Jahrzehnten habe das deutsche Volk Notzeiten erlebt wie nie zuvor, und gerade in jener Zeit seien die wichtigsten Zukunftswerte der deutschen Nation unbekümmert vernichtet worden. Die Wirtschaft, die keine Verpflichtung gegen Volk und Staat gekannt habe, sei zusammengebrochen. Erst der Nationalsozialismus habe mit dem Auf= und Neubau der Wirtschaft begonnen; er habe Schluß gemacht mit dem liberalistischen Wirtschaftsdenken und auch die Wirtschaft so orientiert, daß sie heute des deutschen Volkes Wirtschaft sei, berufen zum Dienst an Hagen. Die Pressereferenten der HI und des DI sowie die Pressereferentinnen des BDM im Gebiet Westfalen wurden hier zu einer Pressetagung zusammengerufen, die richtungweisend und zielsetzend für die zukünftige Pressearbeit in Westfalen war. Nach einer Besichtigung des technischen Betriebes der Westfälischen Landeszeitung in Dortmund fand am Samstagabend in Hagen eine Aussprache zwischen dem Abteilungsleiter P des Gebietes und den P=Referenten der Banne statt. Am Sonntag wurde die Tagung in der Stadthalle unter Teilnahme sämtlicher Referenten des Gebietes fortgesetzt. Der stellvertretende Abteilungsleiter P gab einen Ueberblick über die verschiedenartige Bedeutung einer solchen Pressetagung und stellte fest, daß sie neue Gedanken und Ideen vermitteln solle. Am Nachmittag sprach der Abteilungsleiter P des Gebietes, Unterbannführer Weistenfeld, der u. a. Richtlinien für die diesjährige Herbst= und Winterarbeit gab. Durch planmäßige Schulung wollen wir Jugendschriftleiter heranbilden, die später einmal die deutsche Presse gestalten werden. Im weiteren Verlauf sprach sodann in Vertretung des erkrankten Pressechefs der H3 der stellvertretende Abteilungsleiter P der RSF, Oberbannführer Wrede. Die wichtigste Frage für nommen und den Truppenteilen unmittelbar überwiesen. Die Bezahlung erfolgt mittels Schecks gegen Quittung. Pferde mit Hauptmängeln, die gesetzlich den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises, der Beförderungs= und sonstigen Kosten zurückzunehmen, desgleichen solche Pferde, die sich binnen 45 Tagen nach dem Ankauf als Klopfhengste erweisen, und Stuten, deren Trächtigkeit nachträglich festgestellt wird. Da dies häufig erst in vorgeschrittener Entwicklungsstufe möglich sein wird, muß vor dem Verkauf gedeckter Stuten gewarnt werden. Die gesetzliche Gewährspflicht wird für periodische Augenentzündung(innerer Augenentzündung, Mondblindheit) und Rotz auf 28 Tage, für Kehlkopfpfeifen(Rohren) auf 21 Tage verlängert. Mit Rücksicht auf die durch die Zurücknahme für den Verkäufer entstehenden Unkosten wird empfohlen, die Pferde vor dem Verkauf besonders auf Kehlkopfpfeisen eingehend zu untersuchen. Zur Anzeige eines Hauptmangels eines Pferdes an den Verkäufer nach§ 485 BGB ist nicht nur die Remontierungskommission berechtigt, die den Kauf abgeschlossen hat, sondern auch jede andere Stelle der Heeresverwaltung, also auch der Truppenteil, dem das Pferd überwiesen ist. Verkäufer, die Pferde vorführen, die nicht ihr Eigentum sind, müssen sich gehörig ausweisen können. Der Verkäufer ist verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue, starke, rindlederne Trense mit glattem, einfach gebrochenem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens 2 m langen Stricken unentgeltlich mitzugeben. Die Verkäufer werden ersucht, die Schweife der Pferde nicht übermäßig zu beschneiden und die Schwanzrübe nicht zu verkürzen. Der Reichswehrminister der Zukunft der Nation. Einst sei der Bergmannsstand geachtet gewesen. Die liberalistische und marxistische Verwirrung des Bergmannes sei jetzt überwunden, der wahre deutsche Bergmann, der, niemals international eingestellt, eine feste Stütze des Staates wurde, sei wieder führend geworden. Kameradschaft, Aufopferung und Treue seien die großen Tugenden des deutschen Bergmannes, der sich gerade jetzt wieder in Oberschlesien bei der Rettung von Kameraden glänzend bewiesen habe. Führer und Gefolgschaft müßten eine geschlossene feste Gemeinschaft sein, gemeinsam kämpfen für die Zukunft des Volkes. Arbeit und Ehre seien das Wichtigste im Leben des deutschen Volkes. In diesem Sinne, so schloß der Redner unter stärkstem Beifall der Versammlung, sei der Kumpel ein Träger der deutschen Zukunft. Die Bergmannslieder, uraltes Volksgut, gesammelt und wieder ausgegraben in allen Bergbaugebieten von Oesterreich bis zur Meeresküste, werden in den unter dem Sammelbegriff„Ruhrland“ zusammmengefaßten Bochumer Männerchören gepflegt und auf Liederabenden dem deutschen Volke näher gebracht werden. Im weiteren Verlauf des Abends sprach noch der Gauwalter der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude", Pg. Obst, der auch am Schluß der wohlgelungenen Veranstaltung das Sieg=Heil auf den Führer ausbrachte. die deutsche Presse, so führte er aus, sei die des Nachwuchses. Dieser Nachwuchs aber könne nur aus den Reihen der HI kommen. Alle, die in der HI=Presse Arbeit leisten, sollen eines Tages Führer des Volkes sein. Das sei die große Aufgabe, und auf diese große Aufgabe heiße es sich vorzubereiten. In der Aussprache wurde die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen der H3= und der nationalsozialistischen Gaupresse betont. Zum Schluß ergriff noch der Führer des Gebietes Westfalen, G. A. Langanke, das Wort. Sorgt dafür, so sagte er, daß unsere Presse wirklich das Gesicht des Volkes von morgen zeigt! Dem erkrankten Pressechef der Reichsjugendführung wurde folgendes Telegramm gesandt:„Westfälische HI=Presse tagt. Wir werden nach Deiner Anweisung an der Neugestaltung der Jugendpresse arbeiten.“ Amtswaltertagung des Gaues Westfalen=Süd der RS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude" Hagen. Am Sonntag fand in der Concordia eine Gauamtswaltertagung der RS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ statt. Sie wurde eröffnet vom Kreiswart Pg. Selter, der zunächst dem Gauwart der RS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“, Gau Westfalen=Süd, Pg. Ernst Obst, das Wort zu seinen Ausführungen über Ziele und Zwecke der RS=Gemeinschaft erteilte. Nach ihm sprachen die einzelnen Gaureferenten; zunächst der Presse= und Propagandawart, Pg. Bauwerker(Bochum) über die propagandistischen Auswirkungen der Veranstaltungen von„Kraft durch Freude", und Pg. Hähnel(Bochum) über „Volkstum und Heimat". Ueber„Reisen und Wandern“ sprach dann Pg. Wicküler, der sich insbesondere über die im Gaugebiet geleistete Arbeit verbreitete. Pg. Lahl(Bochum) sprach über „Schönheit der Arbeit" und Siedlungsfragen. Pg. Otto, der Referent des Sportamtes Dortmund, referierte über die Arbeit in körperlicher Hinsicht, wobei er u. a. betonte, daß auch die Arbeiterinnen und Arbeiter über 40 Jahren sportlich erfaßt werden müßten. Der Leiter der Abteilung für Kultur, Pg. Dr. Marquardt, legte die Neuordnung innerhalb des Kulturlebens dar, die insbesondere durch die Eingliederung der Deutschen Bühne und der Kulturgemeinde in die RS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ erreicht worden sei. Zusammenfassend sprach dann der Gauwart der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Ernst Stein, M. d. R., noch einmal über die Aufgaben von„Kraft durch Freude" und betonte, daß man den Arbeiter erst mit leichter Kost langsam dazu erziehen müsse, daß er mit Verständnis und Interesse teilnehme an den Kulturgütern. Mit einem dreifachen Sieg=Heil auf den Führer schloß Pg. Selter die Arbeitstagung. Im Anschluß an die Amtswaltertagung fand ein bunter Volkstumsnachmittag in der Friedrichslust statt. Eine interessante Entscheidung des Arbeitsgerichts Duisburg=Hamborn. Mit einem interessanten Prozeß hatte sich das Duisburger Arbeitsgericht zu befassen. Nach der vom Führer gegen die Röhmschen Sonderbestrebungen eingeleiteten Aktion fanden auch in Duisburg Treuekundgebungen der Belegschaften größerer Werke statt. Ein Arbeiter schloß sich von diesen Bekenntnissen zum Führer und seinen Maßnahmen aus und äußerte sich sogar noch in abfälliger Weise über diese„Affäre“. Die Betriebsvertretung forderte in großer Erregung die Entfernung des Regelung des Frühkartoffelabsatzes Der Gebietsbeauftragte Rheinlands und Westfalens für die Regelung des Absatzes von Frühkartoffeln gibt folgendes bekannt: 1. Neue Preise Der Preis für Frühkartoffeln beträgt für Verladung ab Montag, dem 30. Juli 1934, bis auf weiteres 5,20 Mark für Erstlinge(lange) erste Sorte; 3,20 Mark für Erstlinge(lange) zweite Sorte; 4,20 Mark für runde Kartoffeln. Die Preise verstehen sich frei Verladestation, ohne Sack, für den Empfangsgroßhandel. Für die Ausgabe der Kartoffeln gelten die Preise ab Dienstag, 31. Juli 1934. 2. Verlängerung der Absatzregelung Die Absatzregelung für Frühkartoffeln ist bis zum 15. August 1934 in der bisherigen Forw verlängert. undeutschen Arbeiters aus dem Betriebe und die Werksleitung entsprach diesem Begehren. Das Duisburger Arbeitsgericht, vor dem der entlassene Arbeiter seine Ansprüche nunmehr geltend machte, wies seine Klage kostenpflichtig ab. Sein Verhalten verrate einen Geist, der sich mit der Einstellung eines deutschbewußten Arbeiters nicht vereinbaren lasse. Gefolgschaft und Betriebsführung sei daher die weitere Duldung und Zusammenarbeit mit dem Kläger nicht zuzumuten gewesen und die Klage auf Wiedereinstellung daher abzuweisen. 8. Regimentstag des 3. oberelsässischen Infanterieregiments Nr. 172 Düsseldorf. Samstag und Sonntag feierte in Düsseldorf das 3. oberelsässische Infanterieregiment Nr. 172, dessen Angehörige hauptsächlich Rheinländer und Westfalen waren, seinen diesjährigen Regimentstag, zu dem sich zahlreiche ehemalige 172er aus Rheinland und Westfalen eingefunden hatten. Nach einem Begrüßungsabend am Samstag fand am Sonntag auf dem Ehrenfriedhof eine Gefallenenehrung statt. Hieran schloß sich eine Kranzniederlegung am Schlageter=National=Ehrenmal. Die übrige Zeit war mit Sitzungen der Bundesvertreter und des Offiziervereins ausgefüllt. Am Sonntagnachmittag marschierten die alten Soldaten in einem langen Festzuge zum Zoo, wo in den Festsälen die große Wiedersehensfeier stattfand. Der Montag wurde mit Besichtigungen der Stadt und einer Rheinfahrt nach der alten Kaiserpfalz Kaiserswerth ausgefüllt. Schwerer Verkehrsunfall Ein Toter, ein Schwerverletzter Dülken(Niederrhein). Gestern abend gegen 19 Uhr ereignete sich auf der Boisheimer Nette in der Nähe von Dülken ein schwerer Verkehrsunfall. Ein in voller Fahrt befindlicher Motorradfahrer geriet bei der Glätte des Bodens ins Schleudern und fuhr in einen entgegenkommenden Personenkraftwagen. Der Führer des Motorrades wurde auf der Stelle getötet. Der Beifahrer erlitt so schwere Körperverletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Zwei Opfer des Verkehrs in Köln Köln. Am vergangenen Wochenende ereigneten sich in Köln neun Unfälle, von denen zwei so schwerer Natur waren, daß sie Menschenleben forderten. An der Ecke Luxemburger Wall und Luxemburger Straße wurde in der Nacht ein Mann, der die Straße überqueren wollte, von einem in schneller Fahrt dahersausenden Motorradfahrer überfahren. Der Verunglückte mußte ins Krankenhaus gebracht werden, wo er bald verschied. Verwerflich ist die Tatsache, daß der Motorradfahrer ohne Führerschein war und auf dem Sozius eine Frauensperson mit sich führte, die sich in angetrunkenem Zustande befunden haben soll. Die Polizei nahm den Lenker des Fahrzeuges fest. Der zweite tödliche Verkehrsunfall trug sich auf der rechten Rheinseite auf der Ostheimer= straße zu. Ein Kind, das hinter einem Lieferwagen herlief, wurde von einem in entgegengesetzter Richtung herannahenden Personenauto erfaßt und unter die Räder des Autos geschleudert. Das Kind starb im Krankenhaus in KölnKalk noch am gleichen Abend an den sich zugezogenen Verletzungen. Gefährliche Kirchenräuber Verhassel Saarbrücken(Bez. Trier). In der Nacht zum Sonntag drangen in die Kirche des Saargaudorfes Trassem Einbrecher ein, durchwühlten sämtliche Schränke in der Sakristei und erbrachen schließlich auch das Tabernakel. Aus der Monstranz lösten sie zwei große wertvolle Edelsteine und nahmen außerdem noch mehrere Kirchengeräte mit sich. Der Kirchenraub wurde frühmorgens entdeckt. Die sofort benachrichtige Gendarmerie nahm die Verfolgung der Täter auf und es gelang ihr, die beiden Burschen hart an der Saargebietsgrenze zu fassen. Sie führten außer den geraubten Kirchengegenständen noch eine Menge Diebeswerkzeug mit sich. Die Einbrecher wurden ins Saarburger Gerichtsgefängnis eingeliefert. Es handelt sich um zwei langgesuchte, gefährliche Einbrecher die von mehreren Staatsanwaltschaften steckbrieflich verfolgt werden. Ankauf volljähriger Truppendienstun Herost 1881 Pressetagung der H3 deo Erotries Westfalen „Vater! (16. Fortsetzung) „Das ist schön von dir, mein Junge, daß du dich darauf besinnst und mich zu meinem Recht kommen läßt. Wenn du die Luft über dem großen Wasser satt hast, kommst du wieder zu uns. Komisch, daß ich in meinen alten Tagen noch Sohn und Tochter haben soll. Ist sie ein liebes Geschopf, diese kleine Frau Rosmarie?“ Statt jeder Antwort nahm Horvath ein Lichtbild aus der Tasche und reichte es ihm. „Sie kann sich sehen lassen,“ lobte Calderon. Drei Tage später trug der Lord den Abschiedskuß Horvaths und den Willkommkuß der bleichen jungen Frau auf den welken Lippen. Auf Killarney blühten die Rhododendrenhaine in weiß und fliederblau. Dazwischen mengten sich sattrote Kakteen, die wie flammende Feuerzungen vom Grün des Rasens zum Himmel loderten. Saftstrotzend klammerte sich der Efeu um die rissigen Stämme der hundertjährigen Eichen und sprang auf die Blutbuchen über, deren brennende Häupter unter feuchtblauen Schleiern lagen, die von den Seen herüberschwebten. Rosmarie, seit Monaten Gast Lord Calderons, schob dessen Fahrstuhl in die Lindenallee, die ganz voll schwerer Düfte war. Er sah sich nach ihr um, gewahrte, wie sehnsüchtig ihre Augen dem Sonnenball folgten, der in lohenden Branden den westlichen Himmel überloderte, und streichelte das schöne Frauengesicht mit seinen Blicken:„Heimweh nach der Steppe, Kind?“ Sie neigte das Gesicht herab und legte es gegen seine Wangen. „Hast du die Zeitungen gelesen, Mary?“ Ihre Hand bebte auf seiner Schulter.„Es ist doch so, wie ich immer gesagt habe. Kaum zurückgekommen, plant er schon wieder neue Reisen. Wie das geworden wäre, Onkel, wenn ich bei ihm geblieben sein würde? Ich käme mein gans Leben aus dem Weinen und Abschiednehmen nicht mehr seraus.“ „Vielleicht treibt ihn der Schmerz um dich wieder nach dem Norden.“ Ein ungläubiges Lächeln stand um ihre Lippen und ließ die schönen starken Zähne darunter aufleuchten.„Er will nur noch berühmter werden, das ist alles. Schmerz um mich ist es sicher nicht.“ „Kind, nun bist du wieder ungerecht.“ Ihre Wangen drückten sich leicht gegen seinen Hals. Mit der linken Hand zeigte sie nach dem Stück Himmel, das als großer Viereckausschnitt die Wipfel überdeckte. Zwei riesige Flügelpaare schwebten mit ausgestreckten Fängen in der reglosen Luft. „Er hat einen Motordefekt.“ Calderon starrte angestrengt zur Höhe. Ein Aufschrei der jungen Frau. Ein Krachen! Bersten! Dröhnen! Splittern! Fetzen von Stahl und Holz! Mitten in die Krone einer Rieseneiche war das Flugzeug herabgestürzt und hing mit zerklüfteten Flanken und aufgerollten Flügeln in dem Geäst, von dem das Zweigwerk in wüsten Trümmern auf dem Rasen lag. Calderons Arm hob sich hilflos. Seine Füße ruhten mit steinerner Schwere auf dem Tritt des Fahrstuhls. Rosmaries helles Kleid flatterte zwischen den Rhododendrenbüschen der Unglückzstelle. zu. Ein viulendes Männergesicht hob sich mühsam im Grase auf, und ein wundgeschlagenes Lippenpaar zitterte in unverständlichen Lauten und unzusammenhängenden Worten. Der rechte Arm hing aus den Achseln, und es schrie in dem blutüberströmten Gesicht aus tausend Schmerzen. „Ich bringe Ihnen Hilfe!“ Rosmaries Füße rannten über die große Wiesenfläche dem Hause zu, das mächtige Abendschatten warf. Zehn Minuten später war der verunglückte Pilot in sachgemäßer Behandlung des Dr. Ley.„Der Mensch muß Glück haben,“ sagte dieser und schüttelte langsam ein Morphiumpulver auf den Silberlöffel, den Rosmarie ihm entgegenhielt. „Bei so etwas bricht man sich in der Regel das Genick. Die paar Schrammen heilen wieder, wenn sie auch tief sind. Den gebrochenen Aarm werden Sie wohl für ein paar Monate, vielleicht auch für Jahre hinaus als Wetterprophet benützen können. Es hat alles seinen Vorteil.“ Der Pilot lächelte schmerzlich.„Würden Sie die Güte haben, ein Telegramm für mich zu besorgen?“ Der Doktor nickte und setzte ihm den Löffel an die Lippen. „Erst brav das Pulver nehmen. „Es hat Eile!“ klang es bittend. „Dann diktieren Sie in Gottesnamen.“ Die zerschundenen Lippen öffneten sich mühsam: „Kommen unmöglich. Sturz mit dem Flugzeug. Schicke Ersatz. Tordy. „So. nun ist es gut,“ mahnte Ley.„Jetzt schlafen Sie. Die Depesche wird besorgt. Lord Calderon wünscht, daß ich die Nacht hier bleibe. Wenn das Morphium zu wirken aufhört, rufen Sie mich. Ich schlafe nebenan.“ Der Flieger vernahm das Letzte nur mehr bruchweise. Die langbewimperten Lider deckten sich über die dunklen, fieberlichternden Augen. Dr. Ley nickte befriedigt und hielt im Treppenhause Rosmarie an ihrem Seidenschal zurück, der wie Goldgeriesel über das ärmellose Kleid fiel.„Ist es möglich, heute noch ein Telegramm besorgen zu lassen, Lady?“ „Gewiß" „Sie haben die Güte, mir einen Domestiken zu rufen, der das übernimmt?“ „Ich besorge es selbst. Sie brauchen mir den Zettel nur zu geben“ Er legte ihr das Papier in die Hand und neigte sich über ihre Finger.„Der junge Mann hat es sehr dringend gemacht.“ „Es wird prompt besorgt, lieber Doktor.“ Rosmarie ging an seiner Seite den breiten Korridor zurück und überflog die beiden Zeilen.„Und die Adresse?“ Er schlug sich an den Kopf.„Lady, ich werde alt.“ Sie blinzelte ihn schalkhaft von der Seite an.„Die berühmte Vergeßlichkeit großer Männer.“ „Hm Er hat Morphium bekommen und schläft. Was machen wir da?“ „Vielleicht hat er Briefe bei sich, die Auskunft geben. „Das ginge, verehrte Lady. Fatal bleibt es immer. Ich krame nicht gern in anderer Leute Taschen. „Ich helfe Ihnen, lieber Doktor. Sie sah, wie er aufatmete.„Das sieht dann schon weniger diebsmäßig aus, scherzte er.„Seine Brieftasche liegt auf dem Nachttisch. Als er wieder zurückkam, traten sie zusammen in den Wintergarten und nahmen auf einer der weißen Steinbänke Platz. Der Arzt legte den Inhalt des Lederbehälters in ihren Schoß und begann die einzelnen Briefschaften und Zettel einer Durchsicht zu unterziehen. Es waren nicht allzu viele. „Ich glaube, ich hab's, sagte er befriedigt und reichte ihr einen engbeschriebenen Bogen.„Durchfliegen Sie das einmal, Lady. Ich mache inzwischen einen Sprung zu Lord Calderon. In fünf Minuten bin ich zurück.“ Rosmarie benötigte beide Hände, das Papier festzuhalten. Ihre Augen flimmerten, als sie zu lesen begann: „Mein Lieber! Deine Anhänglichkeit, mich auch diesmal auf meiner Polfahrt zu begleiten, rührt mich. Ich bin wegmüde. Es ist das letztemal, daß ich diese Reise mache. In zwei Wochen geht es von Wien nach dem Norden. Vielleicht kannst Du es ermöglichen, noch einige Tage mit mir auf österreichischem Boden zu verbringen. Du würdest mir einsamem Manne eine große Freude bereiten. Dein Bela Szengeryi.“ „Bela Szengeryi!“. Das Blut war ihr vom Herzen nach den Wangen geschossen und ebbte nun wieder zurück. Die Lippen standen fahl und erstorben. Sie hätte es nicht für moglich gehalten, daß diese toten Buchstaben, die seine Schriftzüge aufwiesen, sie so zu erregen vermöchten. „Wegmüde ist er! Mit seinen zweiunddreißig Jahren und seiner Berühmtheit— wegmüde. Dr. Leys kahler Schädel tauchte hinter den Kakteen auf. „Was sagen Sie, Lady? Stimmt es?“ „Ohne allen Zweifel. Ich werde das Telegramm an die Adresse dieses Herrn abgehen lassen. Ihre Stimme zitterte so wenig, daß der Arzt vollkommen darüber hinweg hörte. „Und dann kommen Sie bitte mit zu Lord Calderon hinüber. Wir wollen eine Partie Bridge zusammen spielen. Er ist ein bißchen nervös, weil ihm der Pilot so unerwartet in den Abend fiel.“ Rosmaries Hände bebten leicht, als sie sich fünf Minuten später auf die Schulter des greisen Mannes legten. Sie spielte mit solcher Unaufmerksamkeit, daß der Doktor sich schon um elf Uhr entrüstet zurückzog. Calderon lachte hinter ihm drein.„Du hast ihm die Laune versalzen, Mary. Er wird nicht schlafen können.“ Sie holte sich einen Brokatschemel und setzte sich zu seinen Füßen.„Ich habe dir ein Geständnis zu machen, Onkel.“ „Verliebt in den Piloten, Kind? Blondheit, die liegt dir wohl im Blute.“ Sie sah nachdenklich zu ihm auf. Als sie zu sprechen begann, lauschte er weit vorgeneigt. Sie verbesserte sich, ließ Pausen einfallen und wiederholte das, von dem sie glaubte, daß es ihm nicht verständlich schien. „Mary, du hast eine Phantasie, die einem Romancier Ehre machen würde. Aber es geht nicht.“ Mitleidig fuhren seine Hände über ihr seiden knisterndes Haar und hielten dann ihre kalten Finger an die Brust gedrückt, damit sich deren Zittern verlieren sollte. „Warum soll es nicht gehen. Onkel Calderon?" Nun mußte sie sogar weinen, weinen um den Mann, für den sie gar nichts mehr fühlte und immer und ewig tot sein wollte. „Kind, wenn es nach Afrika ginge, würde ich sagen: Tu's! Versuch es wenigstens! Vielleicht glückt es. Aber nach dem Pol? Das mußt du dir aus dem Kopf schlagen, Mary, weil es zwecklos ist. Sie lehnte das Gesicht gegen seine Knie und versank in schweres Sinnen. Als er ihren Kopf zu sich emporhob, lagen die schönen Frauenaugen ganz von grünlich=blauen Lichtern übergossen.„Würdest du mir helfen, Onkel, wenn ich durchaus wollte?“ „Nein.“ Sie saß wieder schweigend. Nach einer Weile sagte sie ernst:„Ohne dich geht es nicht. Ich brauche deine Hilfe zu notwendig.“ Und wieder sprach sie langsam und sehr dringlich auf ihn ein. Er sog in tiefen Zügen den Atem in die Brust.„Schlafen wir daruber, Mary. Wenn du morgen noch der gleichen Ansicht bist, reden wir weiter.“ Sie brachte ihn bis an die Türe seines Zimmers, wo ihn der Kammerdiener in Empfang nahm. Er fühlte ein weiches Gesicht an seinen pergamentenen Wangen und nahm den Kuß, mit dem sie ihm gute Nacht sagte, in seine Träume hinüber. ** * Der Pilot lag in einem bequemen Liegestuhl in dem großen Gartensaal, das Gesicht mit Pflastern verklebt und den rechten Arm in Gips geschient. Die zerschlagenen Lippen heilten langsam. Da ihn jedes Wort schmerzte, trugen der Lord und Rosmarie für die Unterhaltung Sorge. „Mit der Polfahrt ist es natürlich Schluß.“ Calderon ließ die Augen nach den Fächern gehen, die die Palmen wie kokette Arme ausgestreckt hielten.„Aber wenn Sie einen Ersatz stellen müssen oder auch nur dürfen, hätte ich eine Bitte an Sie.“ Der Pilot wandte das verklebte Gesicht nach ihm hin und fragte mit den Augen. Lord Calderon suchte wiederum in dem Fächergewipfel. „Mein Neffe hegt schon seit langem den Wunsch, an einer solchen Expedition teilnehmen zu können. Vielleicht würde eine Empfehlung Ihrerseits ihm die Wege hierzu ebnen.“ „Gerne.“ Nur die Zunge und der Kehlkopf Tordys hatten die Antwort gegeben. Die Lippen hatten sich dabei kaum bewegt. „Es wäre sehr lieb von Ihnen. Calderon fühlte Rosmaries Hände wie Blei auf seinen Schultern liegen.„Vielleicht schreiben Sie diesem Herrn Szengeryi— der Name ist für eine englische Zunge kaum auszusprechen— ein paar erklärende Zeilen. Mein Sekretär wird sie gerne niederschreiben, um Ihnen jede Anstrengung zu ersparen. Tordy nickte zustimmend. „In finanzieller Hinsicht, auch betreffs der Ausrüstung, stellt sich mein Neffe selbstverständlich ganz auf seine eigene Börse, warf Calderon ein, fühlte Rosmaries Scheitel auf dem seinen und wandte den Kopf zurück. Eine verräterische Träne schlich ihr über die Wangen. Am Nachmittag ging ein Eilbrief an Szengeryi ab, des Inhaltes, daß Tordy bitte, einen Neffen des Lord Calderon an seiner Stelle an der Expedition teilnehmen zu lassen. Rosmarie trug brennende Flecke auf den Wangen. Es war das erstemal, daß sie Dr. Leys ärztliche Hilfe in Anspruch nahm. Er mußte ihr Brom zur Beruhigung geben. „Die Lady hat Herzaffektionen, sagte er zu Calderon und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.„Wenn ihr schon der verklebte Pilot so viel zu schaffen macht, was wird erst sein. wenn der junge Mann entpflastert und entgipst ist.“ Calderon erwiderte nichts, hob nur die Schultern, als ob sich nichts dagegen machen ließe, und wartete mit derselben Ungeduld wie die junge Frau auf das Eintreffen der Antwort von Bela Szengeryi. Erst nach fünf Tagen lief ein Telegramm ein: „Mit empfohlenem Ersatz einverstanden. Erwarte Mister Calderons Neffen in Göteborg. Abfahrt achter Mai. Dr. Szengeryi.“ Rosmarie benötigte noch einmal Brom. Calderon schüttelte besorgt den Kopf. „Mary, wenn du jetzt schon solche Anfälle bekommst, was wird erst sein, wenn du in Göteborg landest? Dann wird ein vollkommen nervenschwaches Bündel von Weib sich diesem Szengeryi an die Brust werfen und nicht mehr wissen, daß es ihn auf Herz und Nieren prüfen wollte.“ Sie versuchte sich mit aller Gewalt zu beherrschen, konnte stundenlang Abhandlungen über Forschungsreisen lesen, horchte Tordy aus, der ihren Mann auf seiner ersten Fahrt begleitet hatte, interessierte sich für alles und jedes, fragte, was man benötige, wie man sich am besten kleide, sich vor der Kälte schütze und tausenderlei anderes mehr. Tordy war wie ein Lamm. Geduldig bis zur Erschöpfung, gab er Bescheid. Es war nur ein Glück, daß seine Lippen nicht mehr aufsprangen, wenn sie auch noch bitterlich brannten, so er gezwungen war, viel zu sprechen. An einem der letzten Apriltage fuhr Rosmarie nach London, um Einkäufe zu machen. Zwei Tage später kam ein Telegramm:„Komme erst Ende der Woche.“ Calderon langweilte sich zum Sterben. Tordy horchte bei jedem Kartengruß, den ihm der Lord meldete, ob sie noch immer nicht zurückkehre. Der Doktor maulte über die Frauen mit ihren Maharadschalaunen. In den Abendstunden des Samstag fuhr ein Kraftwagen an der Rampe von Port=Rush vor. Der Chauffer riß den Schlag auf und hielt ihn zurück, bis der junge Mann über das Trittbrett gestiegen war. Der taubengraue Anzug verriet eine erste Londoner Werkstätte und unterstrich flüchtig die Eleganz der Körperlinien. Den hellen Staubmantel über dem Arm und den Hut lässig in der Rechten tragend, schritt der Fremde auf die große Doppeltüre zu, die die Empfangshalle abschloß. Der Diener stand wie ein zürnender Cherub. „Seine Lordschaft empfangen nicht.“ Der junge Mann entnahm seiner Brieftasche eine Visitenkarte, legte den Mantel über die Lehne eines brokatenen Stuhles und ließ sich selbst in den Armsessel gleiten. Die Augen des Dieners hafteten an dem Shamrock, der in der obersten Oese im Rock des Fremden steckte Diese Kleinigkeit wirkte bestechend. Die gelbe, unscheinbare Blume, eine Abart ganz gewöhnlichen Klees, war die Nationalblume des Landes. Also mußte der junge Mann ein Ire sein. Während er nach dem Wintergarten schritt, warf er einen Blick auf die Visitenkarte: „Richard Calderon.“ „Ein Verwandter?“ Dann jedenfalls einer, der sich nie auf Port=Rush hatte sehen lassen. Wenn man dreißig Jahre in ein und demselben Hause diente, wurde einem zum Schluß jedes Gesicht der Sippe geläufig. Aber das hier war noch nie auf Killarney gesehen worden. Lord Calderon nahm die Visitenkarte vom Silbertablett, stutzte, unterdrückte ein Staunen, dann ein Lächeln, sah zu dem Diener auf und forschte:„Alt?“ „Er könnte achtundzwanzig sein. Eure Lordschaft.“ „Typ?“ „Erster Londoner Zuschnitt.“ „Ich lasse bitten.“ Richard Calderon wurde höflich ersucht, dem Bedienten zu folgen. Dieser wies ihm, am Eingang des Wintergartens angelangt, die Richtung und verneigte sich. Er hörte, noch ehe er die hohen Glasturen zusammen fallen ließ, einen Ausbruch der Freude und schüttelte den grauen Kopf.„Man kann dreißig Jahre auf einem Platze sitzen und erlebt immer wieder Ueberraschungen. Der Fremde schien mit einem einzigen Blick in Lord Calderons Herz hineingesprungen zu sein. „Ich wollte doch Gewißheit haben, Onkel, ob ich es wagen darf John hat mich nicht erkannt. Du findest auch, daß es gut ist?“ Der junge Mann saß auf der Bank neben Calderons Fahrstuhl und bog sich zu dessen Händen herab, um sie an die Wangen zu schmiegen.(Fortsetzung folgt.) Die Standgerichtsverhandlung gegen die Aufständischen vom 25. Juli haben bereits am Montagnachmittag vor dem Militärgerichtshof in Wien begonnen. Vorsitz führt der Infanterieinspektor von Wien, Generalmajor Oberweger. Der Generalstaatsanwalt Dr. Truppy vertritt die Anklage. Die Verhandlungen haben mit dem Verhör der beiden als Mörder von Dr. Dollfuß angesehenen früheren Wehrmänner Planetta und Holzweber begonnen. Eine Kompagnie Infanterie bewacht das Landgericht, in dem die Verhandlung stattfindet. Nach der Aburteilung der beiden unmittelbaren Mörder soll unverzüglich die Verhandlung gegen die Aufständischen beginnen, die die Ravag am Mittwochnachmittag besetzten. Aus dem bisherigen Verhör der Aufständischen konnte noch nicht ermittelt werden, von welcher Seite der Auftrag zum Beginn des Aufstandes erteilt worden ist. Die Aufständischen erklärten in der Untersuchung, darüber nichts zu wissen. Die Herkunft der Uniformen der Aufständischen ist jedoch zum großen Teil bereits aufgeklärt worden. Teils wurden die Uniformen vom Althändler gekauft, teils gehörten sie den Aufständischen aus ihrerefrüheren aktiven Dienstzeit, teils sollen sie für den Aufstand von einem Schneider angefertigt worden sein. In unterrichteten Kreisen erwartet man, daß von den 144 verhafteten Aufständischen nur gegen die ein Todesurteil gefällt werden wird, die unmittelbar als die Mörder des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß oder als die Haupträdelsführer anzusehen sind. Es besteht der Eindruck, daß die Regierung die Absicht hat, soweit wie möglich Entlastungsmomente gelten zu lassen. Dr. Kintelen polizeilich vernommen Der Gesandte Dr. Rintelen ist am Montag zum erstenmal im Krankenhaus polizeilich vernommen worden. Der Zustand Dr. Rintelens soll sich im Laufe der Nacht soweit gebessert haben, daß seine Vernehmung möglich war. Man hofft, durch die Aussagen Dr. Rintelens, die stenogranhisch aufgezeichnet werden, weitgehend die Zuammenhänge des Aufstandes zu klären. Dr. Rintelen befindet sich weiter unter strengster Beachung. Lager für die österreichischen Aufständischen in Warasdin Die Belgrader Blätter berichten aus Warasdin in Kroatien, daß dort ein großes Lager für die österreichischen Aufständischen, die die südslawische Grenze überschritten haben, errichtet wird. Man rechnet damit, daß 800 bis 1000 Mann untergebracht werden sollen. Bisher sind etwa 500 Mann eingetroffen. Sie wohnen vorläufig in einer Schule. Sämtliche Blätter haben Berichterstatter nach Warasdin entsandt und veröffentlichen jetzt Unterredungen mit einzelnen Aufständischen. Aus den Berichten geht übereinstimmend hervor, daß die Revolte in Oesterreich nicht vorbereitet war, sondern bei den Aufständischen selbst die größte Ueberraschung auslöste. Die Flüchtlinge stammen aus dem Lavantale in Kärnten und haben an den Kämpfen um Wolfberg teilgenommen. Sie erzählen, daß sie durch ein Manöver des Bundesheeres zum Rückzug gezwungen worden seien. Nachdem das erste große Gefecht mit den Bundestruppen unentschieden verlaufen sei, habe ihnen der Kommandant einen Waffenstillstand angeboten, um Verhandlungen einzuleiten. Die Aufständischen hätten das Angebot angenommen, weil sie hofften, weiteres Blutvergießen vermeiden zu können. Als die Zeit abgelaufen war, habe sich aber herausgestellt, daß aus Wien unterdessen ein neues Bataillon des Bundesheeres auf Motorrädern herangezogen worden war, das die Aufständischen im Rücken angriff. Diese hätten sich nunmehr zurückziehen zu#ber mit der Absicht, sich hart an der substawischen Grenze zu verschanzen. Dabei sei eine Gruppe von 500 Mann aus Versehen auf südslawisches Gebiet geraten und habe die Waffen ablegen müssen. Eine andere Gruppe habe knapp an der Grenze Stellungen beziehen können und setze den Kampf fort. Berichte aus den Grenzgebieten bestätigten, daß in Kärnten tatsächlich noch gekämpft werde. Man halte aber die Lage der Aufständischen nicht für sehr aussichtsreich, da es ihnen an Lebensmitteln mangele und die südslawische Regierung die Grenze hermetisch abgesperrt habe. Lord Cecil will Lösung der osterreichischen Frage durch den Völkerbund Lord Ceeil drückte in einer Rede im Unterhaus die Hoffnung aus, der Völkerbund möge eine Hlung der österreichischen Frage anstreben. eine Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland komme jedoch nicht in Frage. Auch könne die Unabhängigkeit Oesterreichs nicht auf italienische Gewaltanwendung aufgebaut sein. Mobilmachung der Kleinen Entente bei Wiedereinsetzung der habsburger Zu aus englischer Quelle stammenden Gerüchken, daß man in gewissen österreichischen Kreisen rnstlich an die Wiederherstellung der Monarchie denke, bemerkt das„Echo de Paris“: „iefranzösische Regierung hat sich ####r Kleinet Entente vor einigen —iyen dahin verständigt, daß die WiederEnhiunre=Kaftuns Baldwin vor dem Unterhaus Im Unterhaus brachte am Montag die Arbeiteropposition einen Tadelsantrag gegen die Luftaufrüstungspolitik der Regierung ein, die, wie es in dem Antrag heißt,„sicher die Aussichten internationaler Abrüstung gefährdet und ein Wiederaufleben der Gefahren sowie einen verschwenderischen Wettbewerb zur Vorbereitung eines Krieges fördern wird“ Als erster Redner legte der stellvertretende Premierminister Baldwin die Grundsätze dar, die die Regierung in ihrer Politik geleitet haben und begründete im einzelnen die von ihr geplanten Maßnahmen. Nachdem Baldwin erneut betont hatte, daß England nicht im Rückstand bleiben, sondern dem Beispiel jener anderen Länder folgen müsse, fuhr er fort: Soweit er sehe, bestehe keine Gefahr, daß der Frieden in der unmittelbaren Zukunft gebrochen wird. Die Regierung habe keine neuen Bindungen übernommen. Ihre Politik sei, neue Binungen zu vermeiden. Sie müsse aber die Luftwaffe vermehren, wenn sie in der Lage sein soll, im Rotfall die bestehenden Bindungen zu erfüllen. Ohne die jetzt vorgeschlagene Erhöhung der britischen Luftverteidigung würde England in einigen Jahren unfähig sein, die Loearnoverpflichtung durchzuführen. Baldwin wies schließlich den Gedanken zurück, daß die Handlungsweise der britischen Regierung auch nur um ein Jota die Aussichten der Abrüstung gefährdeten. Zum Schluß bemerkte Baldwin, das englische Volk neige zu sehr zu der Annahme, daß alle Völker der Welt von denselben Idealen, die es bewege, erfüllt seien. Dies sei im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wahr. Unter Beifall erklärte Baldwin, man dürfe niemals vergessen, daß seit den Tagen der Bewingung der Luft die alten Grenzen verschwunsen seien, daß, wenn man an die Verteidigung Englands denke, man nicht mehr an die Kreidefelsen von Dover denke, sondern an den Rhein. „Dort liege heute unsere Grenze“. Die Rede Baldwins löste im Unterhaus großen Beifall aus. Der Eeziantemur in Neichnahesruns hefer, In einem Vortrag vor Vertretern der Presse sprach Dr. A. Herrmann über das Thema:„Der Sozialismus im Reichsnährstandsgesetz. Die Bodenfrage als Schlüssel zum Verständnis des sozialen Problems“. Herrmann führte u. a. aus: Gleichzeitig mit der sich vollziehenden Bauernbefreiung entstand das moderne Bodenproblem. Das 19. Jahrhundert stellte den Bauer mitten in die sich rasch entwickelnde hochkapitalistische Entwicklung. Die römisch=rechtliche Gestaltung seines Eigentumsrechtes gestattete dem Bauer, seinen Grund und Boden ganz oder teilweise zu veräußern oder aber ganz oder teilweise frei zu vererben. Die nationalsozialistische Agrar= und Bauerngesetzgebung hat im Sinne des deutschen Sozialismus nicht den Weg der Verstaatlichung des Grund und Bodens beschritten, sondern hat für das Eigentum des Erbhofbauern an Grund und Boden ein völlig neues, d. h. vom römischrechtlichen abstrakten Eigentumsbegriff des B. G. B. völlig abweichendes Eigentumsrecht entwickelt. Es wäre falsch, vom alten Eigentumsrecht des B. G. B. ausgehend, von einer Beschränkung des Eigentumes des Erbhofbauern zu sprechen. Drei grundlegende revolutionäre Bestimmungen bilden die Eckpfeiler des Reichserbhofgesetzes. 1. Der Erbhof ist nicht mehr veräußerlich. Mit dieser gesetzlichen Bestimmung hat der Boden den Charakter einer Handelsware wieder abgestreift. Die Frage, wie wir die Gesamtheit unserer Volksgenossen auf eigenem Grund und Boden ernähren können, ist heute mehr denn je Kern der sozialen Frage überhaupt. Die Voraussetzung für die Lösung dieser Aufgabe ist die Lösung der Bodenfrage. 2. Der Erbhof ist nicht mehr frei vererblich. Das Gesetz schließt sowohl eine Teilung wie eine Belastung des Erbhofes zu diesem Zwecke aus. 3. Der Erbhof ist nicht mehr belastbar. In Verbindung mit dem jetzt bestehenden Vollstreckungsschutz glauben einerseits viele Bauern, sie brauchten in Zukunft nicht für ihre Schulden einzustehen. Der Bauer muß fähig sein, seinen Hof ordnungsgemäß zu bewirtschaften. Dazu gehört auch die Bezahlung der Schulden, soweit dies bei ordnungsmäßiger Wirtschaft möglich ist. Anderenfalls kann ihm die Verwaltung und Nutznießung des Erbhofes auf eine gewisse Zeit oder auf die Dauer entzogen werden. Auf der anderen Seite ist die Auffassung, daß nach Fortfall der Möglichkeit einer hypothekarischen Sicherheit eines Darlehens der Erbhof keine Sicherheit mehr bietet, unhaltbar. Das R. E. G. sieht eine zusätzliche Kreditsicherung durchaus vor. Diese liegt teilweise in der Disziplinargewalt des Reichsnährstandes gegenüber dem Erbhofbauern und teils in der Eigenschaft des Reichsnährstandes als Körperschaft des öffentlichen Rechts. In Zukunft werden für den Agrarkredit folgende Grundsätze Geltung haben: Es entspricht der nationalsozialistischen Auffassung 1. daß das Leihkapital nur dort einen Anspruch auf Zinsen habe, wo diese aus den Erträgen gezahlt werden können. Ein zu einem bestimmten Zeitpunkt durch Kündigung fällig zu machender oder fällig werdender langfristiger Kredit darf in Zukunft zunächst im Bereich der Erbhofwirtschaft nicht mehr Verwendung finden. 2. Kredite, die nicht produktiv in landwirtschaftlichen Betrieben festgelegt werden, sind in Zukunft nicht mehr denkbar. Der künftige Erbhofkredit soll grundsätzlich ein möglichst aus den Erträgnissen eines Jahres abdeckbarer Personalkredit sein. Die Versorgung der Landwirtschaft und vor allem der Erbhöfe mit Krediten kann in Zukunft nicht mehr dem Bauer und Landwirt überlassen werden. Um einerseits den Bauer künftig vor wirtschaftlich nicht gerechtfertigter Verschuldung zu schützen und andererseits auch zum Schutze der Kreditgeber und Sparer durch eine Kreditkontrolle, die die produktive Verwendung des Kredites sichert, müsse der Reichsnährstand Organe schaffen, die zwischen Bauern und Kreditgeber die erwähnte doppelte Funktion aus. üben. Solche Organe würden eine Erleichterung des Kreditzustromes insofern bedeuten, als sie in der Lage wären, die subsidäre öffentliche Haftung des Reichsnährstandes zu realisieren. Weiterhin würden diese Organe dem Reichsnährstand die Handhabe für die Durchführung einer Kreditsteuerung geben, die darauf abzielen würde, eine möglichst rationelle Ausnutzung des gesamten bäuerlichen Grund und Bodens allmählich durchzuführen. Freiherr Ernst von Wolzogen gestorben Am Montag früh starb in München der bekannte Schriftsteller Ernst Freiherr von Wolzogen im 79. Lebensjahr. Wolzogen war seit einiger Zeit in dem kleinen Orte Puppling bei Wolfratshausen im Isartal ansässig, starb jedoch in einer Münchener Klinik. Ernst Freiherr von Wolzogen, ein gebürtiger Breslauer, hätte am 23. April 1935 seinen·80. Geburtstag feiern können. Schon in seiner Jugend erfüllte ihn größte Liebe zum Theater. Er studierte Literaturwissenschaften und wandte sich zunächst der Schriftstellerei zu. Um 1900 machte er dann den gewagten Versuch, das französische, aus der Pariser Bohéme herausgewachsene Kabarett nach Deutschland zu verpflanzen. Das von ihm gegründete„Ueberbrettl“ hatte zunächst einen großen Erfolg, zu dem seine Frau Else Laura, geb, Seemann, viel beitrug. Wolzogens Idee wurde aber von geschäftstüchtigen Leuten ins Unkünstlerische gezogen und verkümmerte bald. Als Schriftsteller, dessen völkische Einstellung und satyrische, wohlgemeinte Kritik am satten und mit sich zufriedenen Bürgertum in früherer Zeit wenig Anerkennung fand, hat sich Ernst von Wolzogen bleibenden Wert gesichert. Den Weltkrieg hat der 60jährige noch als Landsturmmann im Schützengraben mitgemacht. Damals wurden seine Bücher viel gelesen; sein Buch„Landsturm im Feuer“ erreichte 100 Auflagen. Der Zusammenbruch 1918 zerrüttete den Schriftsteller Wolzogen im Innersten. 1921 begegnete Wolzogen gemeinsam mit Dietrich Eckart Adolf Hitler und schloß sich diesem an. 1923 erschienen seine„Lebenserinnerungen“ und andere Bücher, die Anerkennung fanden. Ernst von Wolzogen hat viele Jahre bittere Not leiden müssen, bis auch ihm durch den Nationalsozialismus Unterstützung zuteil wurde. Schiffsbrand auf der oberen Havel Auf der oberen Havel unweit Hennigsdorf brach am Sonntag auf dem Gesellschafts=Motorboot„Günther“, das sich mit 20 Passagieren auf der Rückfahrt nach Berlin befand, ein Feuer aus. Das Boot stand bald in hellen Flammen, konnte jedoch rechtzeitig an Land gebracht werden, so daß sämtliche Passagiere gerettet wurden. Die Ursache des Feuers dürfte vermutlich auf einen Vergaserbrand zurückzuführen sein. Der Schaden beläuft sich auf etwa 15000 RM. Mehrtägige Schiffahrtssperre auf der Elbe Nachdem die große Schiffahrtsstockung bei Unbesandten gerade eben durch Bagger der Elbstrombauverwaltung behoben werden konnte, hat sich oberhalb dieser Stelle ein neues Hindernis gebildet. Die Schiffahrt mußte daher erneut bis Mittwoch vollständig gesperrt werden. Das neue Hindernis besteht aus Sandbänken sowie aus großen uralten Eichenstämmen, die im Flußbett liegen und für die Schiffahrt eine außerordentliche Gefahr darstellen. Weniger als drei Stunden Flugzeit von London nach Berlin Die Deutsche Lufthansa teilt mit, daß ihr auf der Strecke London—Amsterdam—Berlin eingesetztes Junkers„Ju=52“=Flugzeug am letzten Sonntag für die Reise von London nach Berlin eine reine Flugzeit von 2 Stunden 57 Minuten benötigte. Es ist das erstemal, daß auf dieser 1000 Kilometer langen Strecke die Flugzeit unter drei Stunden blieb. An Bord der Maschine, die von Flugkapitän Gutschmit, einem der 15 Luftmillionäre der Deutschen Lufthansa, geflogen wurde, befanden sich neben der dreiköpfigen Besatzung 17 Fluggäste. einsetzung der Habsburger ausgeschlossen sei. Sie würde ihre Ansicht hierüber nicht ändern können, ohne ihre Beziehungen zur Tschechoslowakei, Südslawien und Rumänien zu gefährden, die nicht zögern würden, mobil zu machen, wenn die Lösung der Frage durch Wiedereinsetzung der Habsburger Gestalt annehmen sollte. Die katholische Jugend an der Saar Mannhafte Worte des Bischofs Bornewasser Die katholische Jugend an der Saar war am Sonntag zu einer großen Tagung in Saarbrücken versammelt, zu der die beiden Bischöfe von Trier und von Speyer erschienen waren. Nach Gottesdiensten und sportlichen Veranstaltungen fand am Nachmittag eine große Kundgebung im Stadion am Kieselhumes statt, an der etwa 50000 katholische Jungmädchen und Jungmannen teilnahmen. Bischof Vornewasser von Trier ermahnte die Jugend, gläubig, wahrhaftig, mutig und treu zu bleiben. Dabei führte er mit deutlicher Anspielung auf die neugegründete katholische Zeitung„Neue Saarpost“ aus: Es geht ein Zug der Unwahrhaftigkeit durch die Welt. Die Lüge ist bei vielen Menschen Lebenspflicht geworden in Wort und Schrift, im gesellschaftlichen und im politischen Leben. Selbst an den Bischof wagt sich die Lüge heran, auch im Soargebiet. Katholische Jugend, wenn Dir einer sagt, Dein Bischof stände zu einer jüngst gegründeten neuen saarländischen Zeitung, dann sage ihm im Namen Deines Bischofs: Du bist ein Lügner. Und wenn Freunde dieser neuen Zeitung Dir sagen: Unser Bischof denkt wie wir, er sagt es nur nicht, oder gar: Er darf es nicht sagen, dann sage ihm: Du bist schlimmer als ein Lügner, Du bist ein Verleumder. Hat das mit der Politik oder gar mit Abstimmung zu tun, wenn ich so spreche? Wenn Deutschlands und Frankreichs Regierungen sich in Genf verpflichtet haben, keinerlei Druck und Einfluß auf die Abstimmung ausüben zu wollen, so gilt das auch für mich als Bischof. Der Bischof von Speyer und ich, wir sind Bischöfe für alle katholischen Saarländer, wie es auch unsere Priester sind und sein müssen. Aber ich wehre mich gegen die Lüge, die das Vertrauen zerstört, das mich mit meinen Saarländern verbindet. Der An= und Abmarsch sowie die ganze Veranstaltung vollzogen sich ohne Zwischenfälle.. Portugiesen besekzen drei chinesische Inseln Halbamtlich wird aus Schanghai mitgeteilt, daß die portugiesischen Truppen ohne jeden Grund drei chinesische Inseln bei der portugiesischen Kolonie Macao besetzt hätten. Die chinesische Regierung hat Einspruch dagegen erhoben. Nach Meldungen aus Rio de Janeiro soll in Pernambuco ein Aufstandsversuch von Regierungstruppen unterdrückt worden sein. 40 Zivilund Militärpersonen seien verhaftet worden. In der Stadt sei alles rubig. Sechs Tote beim Dreschen Auf einem Gut in der Nähe von Niort, westlich von La Rochelle, kamen infolge einer Explosion einer Dampfmaschine beim Dreschen sechs Personen ums Leben. Die Explosion entzündete das für den Drusch bestimmte Getreide. Die Flammen dehnten sich mit ungeheurer Schnelligkeit auf die Stallungen und das Wohnhaus aus. Viele Personen wurden schwer verletzt und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Acht Personen im reißenden Tessin ertrunken Ein schweres Unglück ereignete sich am Sonntag auf dem Tessin in der Nähe von Ticino bei Galliate. Eines der Außenbordmotorboote, die den starken Ausflüglerverkehr am Sonntag zu bewältigen haben, hatte an Stelle der 10 zugelassenen Fahrgäste über 20 an Bord genommen. Bei Bewegungen der Bootsinsassen floß Wasser über den infolge der Belastung unmittelbar über der Wasserfläche liegenden Bootsrand. Als in der Aufregung einige Insassen im Boot aufsprangen, schlug das Boot um und sämtliche Personen fielen in den reißenden Fluß. 10 Personen konnten lebend ans Ufer gebracht werden. Nur zwei hatten die Kraft, sich selbst zu retten. Acht Personen wurden von den Fluten mitgerissen und ertranken. Man weiß nicht, ob noch weitere Opfer zu beklagen sind. Bieher wurden fünf Leichen geborgen. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen herzensguten Mann, meinen treusorgenden Vater, meinen lieben Sohn, unsern guten Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Onkel und Vetter Brennereibesitzer Berimard Brelfer nach kurzem, schweren mit großer Geduld ertragenem Leiden, versehen mit den heil. Sterbesakramenten, im blühenden Alter von 38 Jahren, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. In tiefer Trauer: Frau Berta Druffel geb. Mleisterjahn Bernhard Druffel jun. nebst Angehörigen Gelsecke(Ruhr), Amecke, Holzwickede, Lichtendorf, Schwerte, Büderich, Calle, Dortmund, Benninghausen, den 30. Juli 1934. Die Beerdigung findet am Donnerstag nachm. ½4 Uhr vom Sterbehause in Geisecke und um ½5 Uhr in Schwerte auf dem kath. Friedhof statt. Das feierliche Levitenamt wird am selben Tage morgens ¼8 Uhr in Schwerte abgehalten. Beileidsbesuche dankend verbeten. Fur Lichtspiele Reichotrane Heute bis Donnerstag Kleine Eintrittspreise mit einem großen, hervorragendem Programm Der Traum von Schönbrunn Eine ganz entzückende und sehr lustige Wiener Liebesgeschichte mit Martha Eugert Hermann Thimig und Ernst Verebes in den Hauptrollen. Auch diesmal wieder bringt der urkomische Ernst Ver rebes die Zuschauer von einer Lachsalve zur andern. Der große Sportsfilm vom Segel-Wassersport und Segel-Flugsport Mädels von heute Nach dem Roman Hans Richter VIktor de Kowa, Lill Podien, Leni Sponholz, Auni Markart in den Hauptrollen. Jeder Kunde erhält solange der Vorrat reichtV 1 Cri-Cri-Spiel Piar sartkenss. : Ia Roggenteinbrot... 2½ nur 38 la Roggenteinbrot.. 5½ S nur 76„ Schönes hell. Casselerbrot 2½ C nur 40„ Schönes hell. Casselerbrot 4½ S nur 75„ Unser Spezialbrot 3K nur 38„ Unser Spezialbrot... 5% nur 60„ von Biro-Casselerbrot 10 besond. zu empfehl. f. Kinder u. 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Ich— Wir bitte(n), mir— uns die Amtlichen Mitteilungen des Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Westfalen zum Preise von 54 Rpf. monatlich(zuzüglich 6 Rpf. Bestellgeld), Verlagsort Essen. laufend zuzustellen. WnE Straße: Thauendnucksacken und C. Bhaus Hagenerstraße Hüsingstraße Tinde Schwerte Zur Erinnerung an den Kriegsausbruch 1914 findet am Donnerstag, dem 2. August, abends 8 Uhr, auf dem alten Totenhof an der Bahnhofstraße, hier, eine Andacht statt zu der alle Gemeindeglieder herzlichst eingeladen werden. Das Presbyterium. Aus amtlichen Bekanntmachungen Die Urliste derjenigen Personen des hiesigen Stadtbezirks, welche zu dem Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, liegt vom 1. August 1934 ab eine Woche lang im neuen Rathaus, Zimmer Nr. 2, zu Jedermanns Einsicht offen. Einsprüche gegen diese Liste sind nur während der Auslegungsfrist zulässig. Schwerte, den 25. Juli 1934. Der Bürgermeister. zu zeseltscnaften aus Taft oder Organdy wirken immer; Beyers „Mode für Alle“ zeigt im Augustheft Modelle mit neuartigen, hochstehenden Schulterfalbeln. Außerdem unter den 100 relzenden Modellen— alle auf den 3 großen beiliegenden Schnittbogen zum Selbstschneidern— neue Mäntel, Abendkleider, Wäsche, erste Herbstmodelle u. v. a. m. Für 85 Pf. frei Haus monatlich durch die Buchhandlung C. Braus, Adolf-Hitler-Platz 3 Büche. finden Sie in reichhaltiger Auswahl in den Buchhandlungen Carl Braus S Smtllehe werden von uns geliefert und durch eigene Boten zugestellt. Aus der großen Zahl der bei uns wöchentlich eingehenden deutschen Zeitschriften führen wir nachstehend an: Mode=Zeitungen Beyers Mode für Alle Beyers Modenblatt Beyers Monatsblatt für Handarbeit u. Wäsche Blatt der Hausfrau Damen= und Kindermode Deutsche Frauenkleidung Deutsche Modenzeitung Der Bazar Elegante Mode Frauenfleiß Häuslicher Ratgeber Mode und Wäsche Modenschau Neue Moden Vobachs Frauenzeitung Vobachs Kindergarderobe Vobachs Wäsche= und Handarbeitszeitung Die neue Linie Bestellungen auf d. vorstehenden und alle anderen Zeitschriften nimmt entgegen und führt pünktlich aus: Buchhandlung Carl Braus und die Geschäftsstelle der Schwerder Lothnet Rundfunl=Progrannn Mittwoch, den 1. August 1934. 5.30 Morgenruf. Anschließend Frühkonzert. 6.05 Leibesübungen. 6.25 Morgenkonzert. 7.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.05 Frauenturnen. 8.20 Sie mögen keine Pilze? 10.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 10.10 Für Euch daheim. 10.30 Wir und die Welt. 11.40 Die fünf neuen Buttersorten.— Ein hungernder Baum bringt kein Obst. 12.00 Musik am Mittag. 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. Fortsetzung des Konzerts. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 14.00 Meister ihres Fachs. 15.00 Jugendstunde für Leibesübungen. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.50 Stimme der Zeit. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.00 Stolz und Trauer.(Gedichte). 17.15 Ludwig van Beethoven. 18.00 Wilhelm Heikhaus spricht über Bücher, die man lesen muß. 18.20 Wirtschaft unter der Zeitlupe. 18.40 Vom Tage. 18.50 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht. 19.00 Sonne im Glas.(Die Mosel singt). 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.10 Unsere Saar.— Den Weg frei zur Verständigung. 20.35 Stunde der jungen Nation. 21.00 Passacaglia in c=moll von Joh. Bach. 21.15 Brigadevermittlung(Hörspiel). 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.20 Zwischenprogramm. 23.00 Lieder der Gefallenen. Aus den Nachbarstädten Hörde, 30. Juli. Drei Personen festgenommen. Ein Josef Br., ein August G. und ein Friedrich Sch., sämtlich aus Hörde, wurden in der Nacht zum Montag wegen Körververletzung vorläufig festgenommen. Sie hatten einen Eugen H. aus dem hiesigen Stadtteil überfallen und mißhandelt. Einer der an dem Ueberfall Beteiligten hatte dem Ueberfallenen einen Schimpfnamen zugerufen, den sich dieser verbat. Dieser Umstand bildete für die Täter den Anlaß, über H. herzufallen und ihn zu mißhandeln. Br., G. und Sch. wurden daraufhin von der Polizei festgenommen und der Kriminalpolizei vorgeführt. Holzwickede, 30. Juli. „Eintracht“. rigen Bestehens des „Eintracht" veranstaltete vert eine Jubelfeier. Jubelfeier des Anläßlich des 30jähMännergesangvereins der Verein bei GraVereinsführer Weber leitete die stark besuchte Veranstaltung. In der Festrede gedachte der Vereinsführer besonders der sechs Vereinsgründer, Heinrich Göcknann, Gustav Gravert, Fritz Höttemann, Otto Ihne, Karl Naust und Gustav Wilke und gab dann einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins. Chor= und Musikvorträge füllten die weiteren Feststunden aus. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke Schwerte=R. Verantwortlich für den gesamten Textteil: einz Friedrich Kamecke Schwerte=N. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D. A. VI./34. 1718