Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 43 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich, Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Texteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte.— D. A. VI/34, 1718 Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pig. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen S Kreisblatt für den nördlichen Lei des Landtreises Zserlohn Nr. 172 Schwerte(Kuhr), Donnerstag, den 26. Juli 1934 67. Jahrgang Dus Voll desehl dus Landerrunzterun in Wien Kämpfe- Dr. Dollfuß tot- Verhandlungen über Regierungsneubildung Wie es losging Eine Zusammenstellung aus Oesterreich kommende Meldungen ergibt Mittwoch abend nach dem DRB. folgendes Bild der Lage: Kurz nach 13 Uhr fuhr vor dem Gebäude der Ravag, der österreichischen Sende=Gesellschaft in der Johannisgasse in Wien, ein Trupp Bewaffneter in BundesheerUniform vor und besetzte das Gebäude. Ein Teilnehmer an dieser Unternehmung gab eine Rundfunkmeldung des Inhalts durch, daß die Regierung Dollfuß zuzückgetreten sei. Unmittelbar danach wurden die Sendungen unterbrochen. Etwa zur gleichen Zeit besetzte eine mit Bundesheer stark untermischte Polksmenge das Bundeskanzleramt, schloß die Tore und sicherte das Gebäude durch Aufstellen von Maschinengewehren. In dem Gebäude selbst befanden sich zurzeit des Ueberfalls nach sicheren Meldungen Bundeskanzler Dr. Dollfuß, Bundesminister Fey, der Staatssekretär für das Sicherheitswesen, Jofrat Karwinsky, die von den Aufständischen gefangen genommen wurden. Um das Gebäude der Ravag entspann sich ein Kampf, der nach dreistündiger Dauer mit der Kapitulation und Gefangennahme der Aufständischen endete. Das Bundeskanzleramt selbst, ebenso der Bundeskanzler und die beiden genannten Minister, befinden sich nach wie vor in den Länden der Aufständischen. Ueber das Schicksal der übrigen Regierungsmitglieder ist noch nichts zu erfahren. In den Vororten Wiens, ebenso wie in verschiedenen Teilen der Provinz sollen sich starke Ansammlungen regierungsfeindlicher Massen zusammenziehen. Ueber die Hintergründe des Aufstands verlautet bis jetzt, daß in der Bevölkerung eine unirhörte Erregung darüber entstanden sei, daß die vor das Standgericht gebrachten Rationalsozialisten in geradezu mittelalterliche Weise gefoltert würden, um aus ihnen Geständnisse oder Selbstbeschuldigungen herauszupressen. Die Erregung im Bundesheer und dessen Beteiligung an dem Aufstand soll in letzter Linie ausgelöst worden sein durch die am Montag in Niederösterreich stattgefundene Erschießung eines Offiziersanwärters durch einen Schutzkorpsverteidiger. Der österreichische Großsender durch Inamit zersber Im Laufe des Nachmittags wurde der Wiener Großsender Bisamberg besetzt und mit Dynamit gesprengt. Radio Wien sendet über den kleineren bisher stillgelegten Rosenhügel=Sender. Ein Aufruf des Justizministers Um 17.30 Uhr sendete Ravag=Wien einen Aufruf des Justizministers Berger=Waldenegg, aus dem hervorzugehen scheint, daß er der einzige noch in Freiheit befindliche Minister des ehemaligen Kabinetts Dollfuß war. Eine zentrale Rezierungsgewalt scheine in Oesterreich zu der anzegebenen Zeit nicht mehr zu existieren. Es war doch kein Anzeichen erkennbar, daß irgendein Teil des Bundesheeres den von der Volksmenge ergriffenen Ministern zu Hilfe eilte. Der Aufruf des Justizministers Berger=Waldenegg nimmt bemerkenswerterweise nur auf die Besetzung des Ravag=Gebäudes Bezug, unterschlägt jedoch die Xatsache der Besetzung des Bundeskanzleramtes durch das Volk und unterschlägt ebenso die Verhaftung der bisherigen österreichischen Regierung. Auf dem Balkon des BundesKanserantes erschien im Laufe des Nachmittags mehrmals Minister Fey, bewacht von einem Mann in Kaiser=Jäger=Uniform und anderen Solduten. Er forderte den Höchstkommandierenden der auf dem Platz stehenden Sicherheitsformationen auf, hinaufzukommen. Dann zog er diesen Auftrag wieder zurück und erteilte später wieder denselben Befehl, in das Bundeskanzleramt zu kommen. Darauf begaben sich der Stabschef der Heimwehr, Bodenstedt, Sicherheitsinspektor Eibl und ein Heimwehrmann namens Priner in das Bundeskanzleramt. Nach Meldungen von Personen, die ein Telefongespräch des Sicherheitsinspektors Eibl mitangehört haben wollen, soll Minister Fey mitgeteilt haben, Bundeskanzler Dr. Dollfuß sei sehr schwer verletzt. Er sei zurückgetreten. Gleichzeitig bat der bisherige Minister Fey um einen Priester, der Dr. Dollfuß die Sterbesakramente geben soll. Die Haltung der um das Regierungsviertel zusammengeballten Volksmassen wird immer drohender gegen die Heimwehr. Der militärische Leiter der Wiener Heimwehr, Major Baar, teilt mit, daß die umliegenden Häuser des Bundeskanzleramts von Heimwehrleuten besetzt und in Verteidigungszustand gebracht worden sind. Die Jestgehaltenen Im Hof des Bundeskanzleramts sind etwa 150 vom Volk verhaftete Beamte versammelt und befinden sich in strengem Gewahrsam. Nach einer weiteren Meldung sind im Bundeskanzleramt neben dem schwerverletzten Dr. Dollfuß, dem Sicherheitsminister Fey, Staatssekretär Karwinsky auch eine ganze Anzahl höherer Heimwehrfunktionäre festgehalten, die beim Volk im Rufe besonderer Brutalität stehen. kintelen verhandelt über Neubildung des Kabinetts Der in einer Sendung des Radio Wien um 13 Uhr als neuer Bundeskanzler genannte österreichische Gesandte in Rom, Dr. Rintelen, ist bereits in Wien eingetroffen. Er hat sich sofort in das Heeresministerium begeben, wo er mit dem bisherigen Unterrichtsminister Schuschnigg und den Vertretern des Bundesheeres sowie Abgesandten des Volkes über die Neubildung der österreichischen Regierung verhandelt. Es steht nicht fest, ob Dr. Dollfuß nur für seine Person oder für das Gesamtkabinett den Rücktritt erklärt hat. Dr. Dollfuß seinen Verletzungen erlegen Der Wiener Rundfunk gibt amtlich bekannt, daß Bundeskanzler Dollfuß seinen Verletzungen erlegen ist. Der Leiter der staatlichen Polizei in Innsbruck erschossen Der Leiter der staatlichen Polizei in Innsbruck, Polizeistabshauptmann Hickl, der gegen verhaftete Nationalsozialisten mittelalterliche Folter in Anwendung brachte, wurde von einer erbitterten Volksmenge aus dem Stadthaltereigebäude gezerrt und erschossen. Aus privaten Quellen kommen aus anderen Städten ähnliche Meldungen, die darauf schließen lassen, daß die Wilh Merkis Doo bestungt Ein hohes Lied der Kameradschaft Die in schwerer Bergnot kämpfende deutsche Himalaja=Expedition hat nunmehr die traurige Bestätigung gegeben, daß auch ihr Führer, Willi Merkl, nicht mehr am Leben ist. Dem drahtlosen Dienst gingen zwei durch Boten von dem Berg des Unglücks zur Kabelstation in Astor gebrachte Telegramme zu. Sie sind ein hohes Lied der Kameradschaft. Sie schildern die geradezu übermenschlichen Kraftanstrengungen, die zur Rettung der Spitzengruppe der deutschen Himalaja=Expedition, zur Rettung von Merkl, Wieland und Welzenbach unternommen wurden. Das erste Kabel, das am 17. Juli am Nanga Parbat aufgegeben wurde, lautet: Der Träger Angtsering, der die Spitzengruppe Merkl, Wieland und Welzenbach begleitete, schlug sich am 14. Juli nach Lager IV am Nanga Parbat zu 6200 Meter Höhe herab durch. Er berichtete: Am 9. Juli sind die drei deutschen Bergsteiger mit sieben Trägern bei andauerndem Schneesturm von Lager VIII am Silbersattel, also aus 7600 Meter Höhe, in das Gradlager VIl in 7500 Meter Höhe abgestiegen, also einen Tag später als Schneider und Aschenbrenner, die vorher oben weilten. In diesem Lager VII starben Wieland und Welzenbach. Vier Tage später, also am 13. Juli, wurde Merkl von den eingeborenen Trägern Angtsering und Gaylay in die Nähe des ehemaligen Lagers VI auf 7000 Meter gebracht, wo er seitdem in einer Schneehöhle blieb. Am folgenden Tage, am 14. Juli, schlug sich dann der Träger Angtsering mit übermenschlicher Anstrengung nach Lager IV in 6200 Meter Höhe durch. Dort kam er mit erfrorenen Händen und Füßen an. Inzwischen wurden von diesem Lager IV aus verzweifelte Rettungsversuche unternommen. Am 12. Juli spurten in meterhohem Neuschnee Schneider, Müllritter und fünf eingeborene Träger 5 Stunden lang den Weg nach Lager V. Sie fanden fünf Meter vor einem Zelt den erfrorenen Träger Pinzonurbu. Gleichzeitig sehen sie am Rakiot=Peak zwei weitere tote Träger am Seil. Es sind insgesamt fünf Darjeeling=Leute tot. Ein wieder einsetzender Schneesturm verhindert den Bergungsversuch und erzwingt die Rückkehr nach Lager IV. Schon am nächsten Tage, am 13. Juli, bringt Müllritter sieben kranke Träger herab ins Hauptlager in 3600 Meter Höhe. Weitere Rettungsversuche von Lager IV aus in der Richtung zur Höhe des Berges werden immer wiederholt, aber steks vom Schneesturm zurückgeschlagen. Auch am 14. Juli werden wiederum alle Versuche zur Rettung im Schnee erstickt. Am 15. Juli ist das Hauptlager in 3600 Meter Höhe ohne jede Nachricht aus den Hochlagern. Auch die Sicht vom Hauptlager ist ständig durch Wolken verdeckt. Am 16. Juli versuchen Schneider, Aschenbrenner und der letzte gesunde Kuli erneut, das Lager V zu erreichen. Sie müssen des Wetters wegen die Arbeit abbrechen und umkehren. In der nächsten Nacht brechen dann Bechthold und Müllritter, die den allerersten Teil der Rettungsexpedition bestritten hatten, mit elf durchweg kranken Trägern vom Hauptlager nach Lager IV auf, um weitere Rettungsaktionen einzuleiten. Die Proviantbeförderung gestaltet sich immer schwieriger, weil alle Träger krank oder erschöpft sind. Das Lager VI in 6200 Meter Höhe ist ohne Feuerung. Die Lebensmittel sind naß. Die Kräfte der Sahibs sind durch die ungeheuren Anstrengungen nahezu erschöpft. Dennoch beobachtet man vom Hauptlager aus, daß am 17. erneut Schneider und Aschenbrenner nach Lager V spurten. Mittags ist das Wetter wiederum ganz schlecht. Das erste Kabel schließt mit dem Satz: Die Kameraden setzen alles daran, Willi Merkl und seinen treuen Gefährten Gaylay zu retten, bleiben aber in schwerster Sorge, da Merkl seit acht Tagen ohne Nahrung ist. Die 6S durch Verfügung des Führers selbständige Organisation Die Reichspressestelle der RSDAP. gibt durch die NSK. folgende Verfügung des Führers bekannt: Im Hinblick auf die großen Verdienste der S S., besonders im Zusammenhang mit den Ereignissen des 30. Juni 1934, erhebe ich dieselbe zu einer selbständigen Organisation im Rahmen der RSD A P. Der Reichsführer der SS. untersteht daher gleich dem Chef des Stabes dem Obersten SA.=Führer direkt. Der Chef des Stabes und der Reichsführer der SS. bekleiden beide den parteimäßigen Rang eines Reichsleiters. München, den 20. Juli 1934. gez. Adolf Hitler. Volksbewegung gegen Dollfuß sich auf das ganze Land Oesterreich ausdehnt. Revolverauschlag auf österreichische Legltimistenführer In Linz wurde auf den Führer des oberösterreichischen Heimatschutzes, den bekannten Legitimistenführer Graf Coreth, ein Revolveranschlag ausgeführt. Wie das Linzer Volksblatt meldet, soll Graf Coreth bei dem Attentat mit dem Leben davongekommen sein. Sperrung der Grenze nach Oesterreich Amtlich wird aus Berlin mitgeteilt: Die deutsche Reichsregierung hat bei Bekanntwerden der Unruhen in Oesterreich die deutschen Grenzen nach dorthin gesperrt, um zu verhindern, daß Reichsdeutsche oder in Deutschland weilende österreichische Flüchtlinge die Grenze überschreiten, um während der Unruhen dorthin zurückzukehren. Die Vorgänge in Saarbrücken Aus Saarbrücken, 25. Juli, kommt die Meldung: Die Versiegelung der Bürohäuser der Deutschen Front und die Beschlagnahme des dortigen Aktenmaterials haben den Landesleiter Pirro veranlaßt, durch seinen Rechtsberater bei dem zuständigen Amtsgericht um eine richterliche Entscheidung über die Zulässigkeit eines derartigen Vorgehens der hiesigen Polizeibehörde nachzusuchen. Die Deutsche Front kann den ungeheuren Verdacht der Beteiligung an einem Mordversuch nicht unwidersprochen und unwiderlegt auf sich beruhen lassen, und sie verlangt deswegen sofortige Aufhebung der vorgenommenen Beschlagnahme. In gleicher Weise haben sich die Leitung des DRB und der Saarkorrespondenz beschwerdeführend an das Amtsgericht mit der Forderung gewandt, auch ihre beschlagnahmten Akten unverzüglich freizugeben. Seit einigen Tagen ist mit der Ausgabe der neuen Fünf=Reichsmark=Stücke begonnen worden. Diese unterscheiden sich von den zur Erinnerung an den Tag von Potsdam geprägten Fünf=Reichsmark=Stücken dadurch, daß das bei diesen Münzen auf beiden Seiten des Turmes der Garnisonkirche angebrachte Datum„21. März 1933“ und die als Einrahmung dienenden Hakenkreuze fehlen. Neben den beiden Reichsmark=Stücken mit der Garnisonkirche bleiben die großen Fünf=Reichsmark=Stücke mit dem Eichbaum und die zur Erinnerung an besondere Begebenheiten geprägten Fünf=ReichsmarkStücke weiter kursfähig. Ein Reuter=Vertreter hatte Gelegenheit, sich mit einer deutschen privaten Persönlichkeit, die den offiziellen Kreisen in Berlin nahesteht und die sich einige Tage in London aufhält, über den Nordostpakt zu unterhalten. Die Unterhaltung ergab etwa folgendes Bild von den in Berlin herrschenden Ansichten: Während Westlocarno für Deutschland und Europa einen nicht fortdenkbaren Faktor im Wiederaufbau Europas bedeutet, fragt sich jeder Deutsche heute besorgt, ob nicht der Nordostpakt die segensreichen Auswirkungen von Locarno schwer beeinträchtigt. Die gegenseitige bewaffnete Hilfeleistung, die der neue Vertragsentwurf sogar unbekümmert vor die Konziliation setzt, bedeutet das Umherspazieren von acht Armeen im Herzen Europas, und im Herzen Europas liegt Deutscland. Mehr als 20 Konfliktsfälle sind zwischen den acht Staaten des Vertrages leicht errechenbar, und in all' diesen Fällen soll Deutschland Etappe, wenn nicht Kriegsschauplatz werden. Wenn heute die Vorkriegs=Diplomatie nicht hoch im Kurse steht, so hat sie doch eine These hochgehalten: Es muß in jedem Fall versucht werden, einen Streitfall zu lokalisieren. Hier wird das Gegenteil erstrebt. Im Falle kleinsten Konfliktes— und den Streit zum Beispiel zwischen zwei baltischen Staaten kann man unmöglich einen europäischen Konflikt nennen— da sollen sich die schwer bewaffneten, modernst ausgerüsteten Riesenheere von Großmächten in Bewegung setzen können, eine Vorstellung, die auch einen beherzten Europäer schandern läßt. Wie soll das abgerüstete Deutschland einen solchen Vorschlag seiner hochgerüsteten Abrüstungsschuldner mit Begeisterung aufnehmen können? Wie ferner Deutschland an der Mehrzahl der möglichen Streitfälle, für die der Vertrag Vorsorge treffen soll, uninteressiert ist und sein wird, so werden hier künstlich durch die Garantien Interessen geschaffen, die bisher zum Segen Europas nicht bestanden. Hatte Rußland bisher glücklicherweise keine Interessen im Westen Europas, so wird hier künstlich ein Russie prolongee au bord du rhin geschaffen. Wäre aber Rußland Garant im Westen, dann dürfte seine Interessennahme nicht an der deutsch=französischen Grenze Halt machen, sondern würde logisch und zwangsläufig darüber hinaus verstoßen bis an die Nordsee und deren Anlieger unmittelbar berühren. Und Frankreich östlicher Garant? Gemeinhin verbindet man mit dem Begriff Garant eine neutrale, nicht unmittelbar interessierte Macht, die sich im Dienste der großen Idee des Friedens in einen ihr an si fremden Interessenkreis hineinbegibt, um neutraler, objektiver Sachwalter im Interesse der Staaten zu werden, die eine nach allen Seiten sich gleichmäßig auswirkende Stütze suchen. Die französischen Militärbündnisse mit einigen der vom Ostpakt zu erfassenden Staaten verhinderten aber selbstverDie Verbindung mit Admiral Byrd unterbrochen Wie aus Little American, dem Hauptquartier der Byrdschen Expedition im Südpolar=Gebiet, gemeldet wird, ist man dort wegen des Schicksals des Leiters der Expedition, des Admirals R. Byrd, in großer Sorge. Byrd befindet sich seit vier Monaten in einer 200 Kilometer vom Hauptlager entfernten einsamen Schneehütte, wo er Wetterbeobachtungen durchführen will. Seit einiger Zeit ist jede Verbindung mit Byrd unterrochen, nachdem zunächst sein Rundfunksender und später auch der Ersatzsender unbrauchbar geworden sind. Eine fünfköpfige Expedition, die sich in einem Schneetraktor auf den n machte, um Admiral Byrd abzulösen, war gezwungen, nach 75 Kilometer umzukehren, weil die Wegkennzeichen durch Schneestürme unkenntlich geworden waren. Trotz ungünstiger Eisverhältnisse wird eine neue Expebition ausgerüstet, um den Admiral aus der Eiswüste zu erretten. ständlich, daß Frankreich die Rolle eines parteilosen Garanten übernehmen könnte. Von vornherein Partei, durch derartige Bündnisse einseitig orientiert, müßte Frankreich logischerweise von sich aus ablehnen, eine Rolle zu übernehmen, deren Durchführung die Aufgabe aller seiner Sonderbindungen gebieterisch verlangen sollte. Sie fragen mich, wie ich Englands Rolle bei der jüngsten Entwicklung der Dinge ansehe. Der soeben von England beschlossene Fünfjahresplan der Luftaufrüstung bedeutet, daß England zu der schmerzlichen Erkenntnis gekommen ist, daß die sehr starke Zunahme der Reichweite von Artillerie und Flugzeugen ihm den insularen Charakter endgültig genommen hat, und daß es den Schutz seines Landes nicht mehr allein Flotte und Heer anvertrauen kann. Ist aber England Kontinentalmacht geworden, dann fragt man sich, wie kann dann England glauben, daß es sich künftig aus einem der zahlreichen möglichen Streitfälle, die der Nordostpakt vorsieht, heraushalten könnte, zumal die Tendenz des Vertrages gerade au eine Generalisierung, anstatt auf eine Lokalisierung der Konflikte ausgeht? Angesichts der Tatsache, daß durch das Losbrechen der Assistence mutuelle in jedem Falle englische Interessen berührt werden müssen, ist es dann wohl folgerichtiger, wenn England gleichfalls als Garant des Nordostpaktes auftritt und Europa gegenüber eine Bürgschaft übernimmt, die es nicht nur als sein Recht ansehen kann, sondern als seine Pflicht gefordert werden müßte. Wie England im Westen Garant von Locarno ist, so ist es im Osten Garant des Memelstatuts. Aber unabhängig von der Garantiefrage: Die deutsche öffentliche Meinung sieht mit Sorge, wie England, das angesichts seiner Weltinteressen Politik auf lange Sicht treiben sollte, auf einer nur vorübergehenden Auffassung über die Entwicklung eines anderen Landes heraus Europa den Weg ebnet für eine Masse unübersehbarer Abentener, die der Nordostpakt wie das trojanische Pferd in seinem Innern birgt. Beim„gefährlichsten Maln Caredus Ein Berichterstatter hat Bengt Berg um eine Unterredung anläßlich seines Besuches beim Ministerpräsidenten Göring gebeten. Der immer schlagfertige Schwede antwortete sofort kurz und knapp:„Ja, weiß schon, was Sie wollen. Es ist natürlich interessant, daß ich den „gefährlichsten Mann Europas“ besucht habe. Denn so ungefähr lautet ja der alltägliche Jammer der schwedischen Judenzeitungen, und gar nicht mit Unrecht. Bedenken Sie nur, daß, seitdem Hermann Göring das Ruder in Preußen in seine festen Hände nahm, die Raubmorde in seinem Lande für das ganze Jahr auf eine Zahl heruntergegangen sind, die vorher die Stadt Berlin allein in einem einzigen Monat aufwies. Gewiß ist also der Ministerpräsident„ein sehr gefährlicher Mann“ Nicht deswegen aber habe ich mich in erster Linie gefreut, den starken Mann Preußens kennenzulernen, sondern weil sein vorbildliches neues Jagd= und Wildschutzgesetz, zweifellos das beste der Gegenwart überhaupt, verrät, daß dort ein Mann ist, der endlich die bedrohte Tierwelt unseres so unglücklich übervölkerten Erdteils in tatkräftigen Schutz nimmt. Wer Hermann Göring sieht, wenn er seine jungen Löwen in die Arme nimmt und hätschelt, der weiß sofort, daß hinter dem stahlharten, hellen Blick dieses blonden Teutonen heiße Liebe zur Natur und Herzensgüte zu den Tieren zu finden sind. Andere mögen Menschen nach ihrer „politischen Einstellung“ beurteilen. Für mich ist ihre Einstellung zur Natur der zuverlässigste Maßstab. Es ist ja übrigens bezeichnend für die bedeutendsten Männer unseres nordischen Stammes, daß sie nach und neben ihrer ernsten täglichen Arbeit so gern Erquickung unter Blumen und Tieren suchen. Der große Held Deutschlands, Generalfeldmarschall von Hindenburg, findet ja noch im hohen Alter seine liebste Erholung beim Weidwerk. Als der Nationalheld Englands, Feldmarschall Allenby, mich auf seiner Inspektionsfahrt durch den Sudan am oberen Nil traf, sprach er nicht über seine Eroberung Palästinas— möge der Besitz ihm gern gegönnt sein— sondern über wilde Elefanten und Vögel, die er, selbst kein Jäger, in Stunden der Muße zu beobachten liebt. Und als ich einmal in London dem englischen Außenminister Lord Grey begegnete, verriet er mir, daß seine liebsten Freunde die nordischen Zugvögel seien, die ihn zur Winterszeit auf seinem Gut Fallodon besuchten. Er schenkte mir eines seiner Bücher mit dem Titel„The charm of birds“(Der Liebreiz der Vögel). Diese Liebe zur Natur ist vielleicht die allerwertvollste seelische Habe des nordischen Menschen, und Hermann Göring besitzt gewißlich ein großes Kapital davon. Ich freue mich außerordentlich, daß der Ministerpräsident an meinem Vorschlag, auf dem Darß einen nordischen Urwildpark zu schaffen, Interesse gefunden hat. Einmal, als ich zuerst vor drei Jahren für meine Idee in der deutschen Presse eintrat, uchte ich bei einem damaligen Machthaber in Preußen Stütze für die Ausführung dieses im wahrsten Sinne völkischen Gedankens, aber ohne Erfolg. Jetzt wurde ich gerufen. Und als der deutsche Reichsjägermeister in seiner entschlossenen, schlichten Art nur sagte:„Das ist gut. Das mache ich" wußte ich, daß der nordische Urwildpark Wirklichkeit werden wird. Denn unter den Männern, denen ich begegnet bin, ist Hermann Göring sicherlich vor allem der Mann, von dem man denkt:„Ein Mann, ein Wort!“ Störung der öffentlichen Ordnung in Danzig vor Gericht Vor dem Landgericht in Danzig hatten sich sieben Personen zu verantworten, die am 13. Juni ds. Jahres vor der katholischen Kirche in Brösen bei Danzig nach dem Gottesdienst sich der Beleidigung von Amtspersonen und des Widerstandes schuldig gemacht hatten. An dem fraglichen Tage, so berichtet das DRB, hatte sich die Hitler=Jugend nach dem Gottesdienst auf dem Platz vor der katholischen Kirche in Brösen versammelt. Ein Sprechchor forderte die katholischen Jugendgenossen zum Eintritt in die Hitler=Jugend auf. Ein Teil der Kirchenbesucher hatte darauf in einer Weise gegen die Hitler=Jugend Stellung genommen, die ein Einschreiten der Polizei notwendig machte. Bei der Festnahme eines besonders wild sich gebärdenden Führers der katholischen Christusjugend machte sich dieser des Widerstandes und der Beleidigung des Führers schuldig. Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme wurden drei Angeklagte, die sämtlich Funktionäre der Zentrumspartei bezw. der Zentrumsjugend sind, zu Gefängnisstrafen von mehreren Monaten verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende, daß bei diesem Kampf der Weltanschauungen, in dem das Gericht nicht als Mittler aufzutreten habe, der Fanatismus der Anhänger der Zentrumspartei klar zutage getreten sei. Das Gericht habe sich jedoch für eine milde Strafe entschieden, in der Hoffnung, daß sie als Warnung dienen werde. Der Verhandlung wohnte ein Vertreter des Danziger katholischen Bischofs O'Nourke sowie ein Vertreter des Völkerbundskommissars bei. Tuc Inmpes heamn Zwei Anordnungen des stellvertretenden Präsidenten der Reichsfilmkammer Der stellvertretende Präsident der Reichsfilmkammer hat unter dem 18. Juli 1934 folgende Anordnungen erlassen, denen die erste allgemein, die zweite für Rheinland=Westfalen gilt. I. Allgemeine Anordnung: Auf Grund des§ 25 der ersten Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammergesetz vom 1. November 1933(RGBl. 1 S. 797) ordne ich an: 1. Mit dem 31. August 1934 tritt meine Anordnung über die vorübergehende Zulassung von 1600 Meter Beifilmen außer Kraft. 2. Es ist vom 1. September 1934 an nur noch gestattet, 1. Wochenschau, 2. einen anerkannten Kulturbeifalm im Sinne meiner Anordnung vom 17. Juli 1934, 3. bis zu drei Akten und höchstens insgesamt 900 Meter sonstiges Beiprogramm (z. B. Lustspiele, Grotesken usw.) neben einem abendfüllenden Spiel= oder Kulturfilm zu zeigen. II. Programmgestaltung in Rheinland=Westfalen: Die Geltungsdauer meiner Anordnung vom 3. Januar 1934 in der Fassung der Anordnung vom 8. Februar 1934 wird bis zum 31. August 1935 mit folgenden Maßgaben verlängert: 1. Von dem Recht, zwei Schlager zu spielen, darf nur Gebrauch gemacht werden, wenn das Programm mindestens eine Woche lang gezeigt wird. 2. Filme, die bei der Filmprüfung das Prädikat staatspolitisch wertvoll, künstlerisch wertvoll oder volksbildend erhalten haben, dürfen nur im Einschlagerprogramm gezeigt werden.— Wer gegen diese Anordnung und die zu ihrer Durchführung erlassenen Vorschriften verstößt, wird in Ordnungsstrafe genommen und im Falle wiederholter Zuwiderhandlung wegen Unzuverlässigkeit aus der Reichsfilmkammer ausgeschlossen. Zu diesen Anordnungen wird erläuternd das folgende bemerkt: Durch die nunmehr vorliegende Anordnung des stellv. Präsidenten der Reichsfilmkammer wird die künftige Programmgestaltung der Filmtheater geregelt. Der 1600 Meter Beifilm, welcher als Uebergangsregelung zum vollen Einschlagerprogramm zur Vermeidung der Erschütterung der kleinen Filmverleihbetriebe von der ant Die neue Verordnung des Reichswirtschaftsministers zur Durchführung des Gesetzes zum Schutz des Einzelhandels liegt jetzt vor. Danach sollen, wie das NDZ. meldet, Ausnahmen von dem Verbot der Errichtung neuer Verkaufsstellen nur zugelassen werden, wenn für den Unternehmer oder die für die Leitung des Unternehmens vorgesehene Person die für den Betrieb der Verkaufsstelle erforderliche Sachkunde nachgewiesen wird und keine Tatsachen vorliegen, aus denen sich der Mangel der erforderlichen persönlichen Zuverlässigkeit ergibt. Die Zulassung einer Ausnahme kann auch bei Vorliegen dieser Voraussetzungen versagt werden, wenn die Errichtung der Verkaufsstelle in der in Aussicht genommenen Gegend zu einer außergewöhnlichen Uebersetzung innerhalb des gleichen Handelszweiges führen würde. Für die Errichtung eines Warenhauses, Kleinpreisgeschäftes oder einer ähnlichen Verkaufsstelle darf eine Ausnahme von dem gesetzlichen Verbot nur dann zugelassen werden, wenn außer der Voraussetzung der erforderlichen Sachkunde und Zuverlässigkeit ein Bedürfnis für die Errichtung einer solchen Verkaufsstelle nachgewiesen wird. Auf die Zulassung von Ausnahmen von dem Verbot der Geschäftserweiterung finden die genannten Bestimmungen keine Anwendung, wenn die räumliche Erweiterung nicht mehr als ein Viertel beträgt und der neue Verkaufdraum Reichsfilmkammer für die jetzt zu Ende gehende Verleihsaison noch zugelassen worden war, von dem aber Filmtheater, die auf kulturelle Pflege ihres Programms Wert legten, kaum Gebrauch gemacht haben, wird mit dem 31. August d. I. beseitigt. Dafür wird neben dem Hauptfilm als Programmergänzung zugelassen ein oder mehrere Kurzfilme bis zur Länge von 900 Meter vorzuführen und dadurch die Möglichkeit und der vermehrte Anreiz zur Herstellung guter deutscher Kurztonfilme insbesondere auch kurzer Lustspiele geschaffen, welche auch für die Heranbildung filmischen Nachwuchses so bedeutsam sind. Für das rheinisch=westfälische Industriegebiet ist im Hinblick auf die dortigen besonderen Verhältnisse, nachdem das dort aus der Besatzungszeit herrührende Zweischlagerprogramm in der vergangenen Saison bereits Einschränkungen erfahren hatte, für die Zeit bis zum 31. August 1935 eine der Durchführung der Angleichung der Programmgestaltung im übrigen Reichsgebiet zum 1. September 1935 dienende Uebergangsregelung geschaffen worden. Danach können in diesem beschränkten Gebiet außer Wochenschau und Kulturfilm bis zu 4800 Meter weitere Filmprogramme gezeigt werden. Es ist aber nunmehr Vorsorge getroffen, daß eine Verschleuderung wertvollen Kulturgutes unterbleibt. Es müssen alle mit Prädikat versehenen Filme im Einschlagerprogramm gezeigt werden. Dadurch ist der Theaterbesitzer in die Lage versetzt, sein Publikum zu einer Würdigung des guten Filmes zu erziehen und für die sonst allgemein übliche künstlerisch und kulturell allein befriedigende, im Interesse der deutschen Filmherstellung unbedingt notwendige Programmgestaltung zu gewinnen. Ein Theaterbesitzer, welcher seine sich hieraus ergebenden Pflichten nicht erfüllt, ist ungeeignet, an der Verbreitung des deutschen Kulturgutes Film mitzuwirken und wird von der Reichsfilmkammer ausgeschlossen werden. Dadurch, daß die künstlerisch und kulturell wertvollsten Filme allein gezeigt werden, wird auch der noch zweifelnde Theaterbesitzer die Ueberzeugung gewinnen, daß auch für ihn und sein Theater die Vorführung nur eines abendfüllenden Films kulturell und wirtschaftlich befriedigend ist. in unmittelbarem Zusammenhang mit den bisherigen Verkaufsräumen steht. Die Verordnung bestimmt schließlich, daß vor der Entscheidung über die Zulassung einer Ausnahme die Stellungnahme der zuständigen gesetzlichen Berufsvertretung einzuholen ist. Die Zusatzvereinbarung zum deutschspanischen handeksubkommen gekündigt Die spanische Regierung hat am 24. Juli die am 18. Februar 1933 unterzeichnete Zusatzvereinbarung zum deutsch=spanischen Handelsabkommen(Reichsgesetzblatt 2, S. 103 u. f.) gekündigt. Die Zusatzvereinbarung mit dem dazu gehörigen Zeichnungsprotokoll und Notenwechsel treten hierach am 24. August 1934 außer Kraft. Rücktritt Pacellis Nach einer Meldung des„Algemeen Handelsblad“ aus Rom werden in vatikanischen Kreisen die Verlautbarungen über den Rücktritt des Kardinalstaatssekretärs Pacelli bestätigt. Anlaß zu der Demission Pacellis soll sein unbefriedigender Gesundheitszustand geben. Als Nachfolger Pacellis wird Monsignore Marchetti Selvaggiani, Generalvikar der römischen Diözese, genannt. Voraussichtlich werde Monsignore Pizarro interimistisch bis zur endgültigen Ernennung des Nachfolgers Pacellis das Amt des Staatssekretärs übernehmen. „Schwerter=Henluug Nr. 172(Zweites Blatt) Donnerstag, 26. Juli 1934 ssssssesr Schwerte(Ruhr), Donnerstag den 26. Juli 1934 Tagesspruch Glücklich, glücklich nenn' ich den, Dem des Daseins letzte Stunde Schlägt in seiner Kinder Mitte. Fr. Grillparzer. Sommerferien. Heute beginnen offiziell die Sommerferien. Schon am 2. Juli wurden 90 Schwerter Kinder zum Ferienaufenthalt nach der Ostmark entsandt. Das war ein Auftakt. Jetzt hat aber die gesamte Schuljugend Freizeit. Es herrschte in den letzten Wochen, in denen es ab und zu auch hitzifrei gab, ein verständlicher Neid darüber, daß die andere Schuljugend, die ost= und norddeutsche, es mit ihrem Ferienwetter so günstig getroffen hatte. Die Frage war: Wird es im August sommerschön bleiben? Es kamen die Regentage, und der Regen war bitter notwendig. Mag auch der Himmel noch trübe erscheinen, mag es an diesen. letzten Julitagen auch einzelne Schauer geben, warum soll der Wettergott es im August, im schönen Ernting, nicht auch mit den westdeutschen Kindern und ihren Eltern gut meinen? Allerdings mit solcher Hitze, wie wir sie erlebt haben, wird wohl kaum wieder zu rechnen sein. Und die Ferien sind ja auch nicht zu Schwitzen da. Unser Wunsch ist jedenfalls, daß der Wettergott allein schon aus Rücksicht auf die Urlauber und Ferienkinder nicht nur Regen und Kühle schickt, sondern auch Sonnenschein. Allen Kindern eine gute Erholung! Sprechstunden der Regierung. Wie die Regierungspressestelle Arnsberg mitteilt, fallen die öffentlichen Sprechstunden(Freitags von 10 bis 12 Uhr) des Herrn Regierungspräsidenten von Stockhausen bis auf weiteres aus. Der nächste Sprechtag wird in der Tagespresse bekanntgegeben. Unser aktueller Bilderdienst zeigt folgende neue Photos:„Der Deutsche“, das neue Urlauberschiff für„Kraft durch Freude"=Reisen ist vom Norddeutschen Lloyd in Dienst gestellt; Die Stadt der Wagnerfestspiele, Bayreuth, weiht das erste Denkmal der nationalsozialistischen Bewegung; Die 2000=Kilometer=Fahrer unterwegs;„Gregorovius“, Sieger im Lehndorff=Rennen, dem längsten Flachrennen Deutschlands(4000 Meter); Internationales Offiziersjagdrennen in Berlin=Karlshorst; „Wir beginnen die neue Zeit nach Ueberwindung von Not und Schmach im Zeichen der Ehre und Freiheit": Gesetzwidrige Haussuchung bei der Deutschen Front des Saargebiets; Deutsche Kampfspiele 1934: Krückel, München, Kampfspielmeister im Einer=Straßenfahren. Luft= und Seepostbeförderung nach und von Amerika. Zur Beschleunigung des Postverkehrs mit Amerika(Neuyork) finden in der nächsten Zeit folgende Flüge statt: Reichspostflüge von Köln nach Cherbourg, die den Dampfern „Bremen“ und„Europa“ Spätlingspost für Amerika nachbringen, am 4. 8., 18. 8. und 25. 8., ferner Vorausflüge(Schleuderflüge) von den beiden Dampfer nach Neuyork am 8/9. 8., 22/23. 8. und 29/30. 8., in Richtung Southampton am 9. 8., 16. 8., 30. 8. und 5. 9.— Mit den Nachbringe= und Vorausflügen, die bisher alle gut gelungen sind, werden gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen und kleinere Pakete Nachlrer. zum Schwerte, 25. Juli. Das erste Ringfest des Turnringes 7 am Samstag und Sonntag hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei allen Freunden der edlen Turnsache. Die„Schwerterschaft 1868“ und seine rührigen Führer Turngenossen Klaus und Pötzsch haben sich ein großes Verdienst mit der wohlgelungenen Veranstaltung erworben. Damit den Jahnjüngern des Turnens ungemischte Freude nicht völlig zuteil wurde, versuchte Jupiter plurius Sonntag nachmittag den Schlußakt mit nassen Segen unter die Wettkämpfe zu machen, aber das focht den turnerischen Geist nicht an, nach der Abkühlung ging es frisch weiter in der Turnarbeit, die„Schwerter Zeitung" berichtete schon eingehend über sie und das schöne Fest. Hoffentlich hat es zuwege gebracht, daß die Eltern ihre Jungen und Mädels noch mehr wie bisher zum Turnverein schicken, der Beitrag ist ja so gering. Für schwächliche Konstitution ist nichts besser wie geregelte Körperschulung; die kräftigende Wirkung des Turnens und Schwimmens kann zu Nutz und Frommen aller an einem Beispiel unter vielen gezeigt befördert. Bei Benutzung der Flüge wird gegenüber der gewöhnlichen Beförderung nach Amerika ein Zeitgewinn bis zu 4 Tagen erzielt. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten. Alle mit den Vorausflügen beförderten Luftpostsendungen erhalten einen Sonderstempel. Endlich den Vogel abgeschossen! Schwerte wird Sitz der Landkreis-Krankenkasse Schwerte, 26. Juli. Mit Wirkung vom 1. Januar 1935 werden die Krankenkassen Letmahte, Menden, Hemer, Oestrich, Ergste, Westhofen und Hohenlimburg ausgelöst und mit der Schwerter Ortskrankenkasse zusammengelegt. Der Sitz der neuen Krankenkasse, die sich Allgemeine Ortskrankenkasse des Landkreises Iserlohn in Schwerte nennen wird, ist Schwerte a. d. Ruhr. Damit ist der Plan, der im vorigen Jahre auftauchte, die Landkreiskrankenkasse nach Hemer zu verlegen, ins Wasser gefallen. Dieses Mal hat Schwerte den Vogel abgeschossen! Wer der Leiter dieser Landkreiskrankenkasse wird, ist noch unbestimmt. Wie wir erfahren, wurde die Schwerter Ortskrankenkasse besichtigt, und das Ergebnis ist der erfreuliche Beschluß, Schwerte zum Sitz der Landkreiskrankenkasse zu erheben. Schwerte hat ja den Vorzug, nicht nur an der Hauptstrecke zu liegen und günstige Bahnverbindungen zu haben, es besitzt auch ein vorbildlich Schwerte, 26. Juli. Gestern gab es wieder einmal einen heiteren Mittwoch im„Freischütz". Diesmal war es der weltberühmte Name der 3 Fratellinis, der in die Wagschale geworfen wurde. Er hatte seine Zugkraft nicht verfehlt. War am Nachmittag der Freischütz ungefähr halb besetzt, so herrschte am Abend eine Fülle, wie wir sie bei den Bunten Abenden der NS=Volkswohlfahrt Schwerte im Frühjahr erlebt haben. Die einleitenden Musikstücke bot die Tanzsportkapelle Norbert Köppikus. Dem Auftreten der italienischen Clowns ging noch ein großstädtisches Varieteeprogramm vorauf. Es wurde von einem Rolf Röder angesagt. Dieser Ansager hatte ja eine Menge netter Witze auf Lager, er verstand es auch, sie in gefälliger Form vorzutragen, aber sein Organ(Fistelstimme) war sehr unsympathisch und nur in der vorderen Hälfte des Saales verständlich. Da verfehlten die Einfälle auch nicht ihre Wirkung. Der Konferencier erschien dann mit seiner Partnerin Lya Tänzer, einer Kohlrabiratursängerin größten Formats. Ihre I=Laute waren unbezahlbar und auch das, was sie auf die Bühne„machte". Der Sketsch nannte sich„es geht vorüber.“ Drei Beltors zeigten einen tollkühnen Perche=Balance=Akt, ehrlichste Arbeit, bestes Artistentum! Großen Beifall holte sich auch der jugendliche Meisterjongleur Andree. Mühelos und fehlerlos arbeitete er mit Bällen, Reifen und Hölzern auf Gesicht, Armen, Beinen, Rücken und Kopf, ein deutscher Junge, der schon jetzt ein Meister seines Faches ist. Hervorragend großen Turnfest werden: Ein neunjähriger schwächlicher Junge wurde einem berühmten Orthopäden zur Untersuchung vorgeführt, die Prognose des Arztes lautete: nichts zu machen, der Junge wird keine 20 Jahre alt. Diese halblaute Bemerkung zum Vater hörte der Junge, gab sich mit fast fanatischem Eifer ans Turnen und Schwimmen Jahrzehnte hindurch, wurde trotz der wenig ermutigenden Vorhersage des Arztes viermal so alt, was er nur dem Turnen zuschreibt. Darum, Eltern, sei die Mahnung gestattet: Laßt Eure Kinder turnen und schwimmen! Man sage nicht, der Junge ist zu schwach, oder das Kind ist ja gesund, im Turnverein lernt der Junge nicht allein, seine Glieder richtig zu gebrauchen, auch der Wille wird gestählt, und Disziplin läßt etwa vorhandene ungünstige Anlagen nicht aufkommen. Im Lebenskampf kann nur gesunder Geist in gesundem Körper weiterhelfen, und das„Neue Reich“. fördert Turnen, Sport und Volksgemeinschaft in erfreulichem wie vorhergesehenem Maße! Also: Hinein in den Turnverein! Gut Heil und Heil Hitler! eingerichtetes neues Gebäude für eine Krankenkasse, die sich auf einen ganzen Landkreis erstreckt. Schachspiel in Schwerte Die Schachgemeinschaft wurde Samstag aus der Taufe gehoben. Leider war die Beteiligung eine nicht sehr starke. Die Schächer des ehemaligen Schachvereins hatten sich bis auf wenige Ausnahmen in die Liste eintragen lassen. Wir weisen nochmals darauf hin, daß ein jeder Volksgenosse, ob er das Schachspiel beherrscht oder nicht, kostenlos in der Schachgemeinschaft spielen bzw. es lernen kann. Im Interesse des Schachspiels verzichtet Cafébesitzer Herr Heermann auf jeden Verzehrzwang, sodaß auch jeder Erwerbslose der Schachgemeinschaft beitreten kann. Ebenso werden auch Jugendliche herzlich eingeladen. Das Schachspiel ist das älteste Spiel, es erzieht zur Konzentration der Gedanken, zur vollendeten Entschlußkraft. Es ist das königliche Spiel, von der Regierung als Nationalspiel proklamiert, dessen Protektorat Herr Minister Dr. Goebbels ist. In unserem Programm sind folgende Punkte aufgestellt worden: 1. Schulung, 2. Turniere innerhalb der Gemeinschaft und gegen fremde, starke Vereine, 3. Simultan= und Blindpartien hervorragender Schachspieler. Die Eintragungsliste liegt zu jeder Zeit im Café Heermann aus, ebenso können Anfragen an A. Westram, Schwerte=Ost, Quickspring 13a, gerichtet werden. war das Antipoden=Spiel des Frank Grigory. Fabelhaft, wie er den Riesenwürfel auf seinen Füßen tanzen ließ, glänzend, mit welcher Schnelligkeit er die beiden durch eine Achse verbundenen Räder bewegte. Als sympathische Kraftmenschen produzierten sich schließlich die beiden Volbertis, die man schon vorher als Beltors erlebt hatte. Mit herrlicher Schwungkraft zeigten sie 40 akrobatische Tricks in 6 Minuten. Die Begleitmusik lag in den Händen der Schwerter Tanzsportkapelle. Und dann kamen die drei„Berühmten": Gustavo, Max und Gino. Soll unsere Kritik ehrlich sein, so müssen wir bekennen, daß sowohl das Publikum als auch wir in mancher Hinsicht enttäuscht waren. Es gibt in Deutschland so hervorragende musikalische Clowns, die auch in kleineren Varietees auftreten, daß man kaum verstehen kann, daß Grock in den drei Fratellinis ein„vollkommenes Clowntrio“ sehen will. Er hat sein Urteil wohl als wohlwollender Kollege gefällt. Denn, als Akrobaten leisten die Fratellinis, jedenfalls nach der gestern gezeigten Leistung zu urteilen, absolut nichts. Jeder ausgebildeter Sportler unserer Schwerter Turnund Sportvereine ist in de Lage, den Fratellinis etwas zu zeigen. Hervorragend dagegen ist das äußerliche Bild, die Ausstattung und die Mimik. Ihre Witze sind trocken, keineswegs neuartig oder aktuell. Als Italiener sprechen sie zwar ein ganz gutes Deutsch, aber ihre Stimme ist auf den Kammerton eingestellt. Gustavo verfügt über eine recht beachtliche musikalische Begabung. Er spielt Saxophon, Geige, Glocke, Akkordeon und sogar auf der E=Saite auf Besenstiel und Schweinsblase klassische Serenaden. Aber überwältigend ist seine Musikalität auch nicht. Die„Drei“ arbeiteten 35 Minuten. Nach dem offiziellen Programm spielte unsere ausgezeichnete Tanzsportkapelle zum Tanz auf. Das Publikum machte reichlich Gebrauch davon und obwohl es ein Alltag war, leerte sich erst nach 1 Uhr allmählich der Saal.=cke. Vom Schwerter Wochenmarkt Obst= und Gemüsemarkt: Kirschen 20, Pflaumen 18—22, Pfirsiche 20—25, Tomaten 12—14, Bananen 25, Zitronen 3 St. 10 und 20, Apfelsinen St. 12, Aepfel und Birnen 15—25, Kohlrabi 5, Wurzeln 10, Zwiebeln 10, Wirsing 8 bis 10, Weißkohl 5, Rotkohl 10—15, Blumenkohl 20—30, Böhnchen 20—25, Schlangengurken 20, Salat 10, Kartoffeln 10 Pfg. 70 und 80 Pfg. Fischmarkt: Kabeljau 30, Bratschellfisch 25 bis 30, Schellfisch 40, Salzheringe 10 St. 30 bis 35, Bückinge 25—30 Pfg. Fleischmarkt: Rindfleisch 60, Hammel= und Kalbfleisch 60—70, Schweinefleisch 65—75 Pfg. Butter= und Eiermarkt: Butter 1,35—1,50 Mark, Eier 8½ bis 9½ Pfg. je Stück. Wählt deutsche Rufnamen Als eine erfreuliche Erscheinung ist es zu betrachten, daß in neuerer Zeit bei der Wahl der Rufnamen für junge Erdenbürger die deutsche Abstammung der Namen wieder mehr berücksichtigt wird als früher. Altdeutsche Knabennamen, wie Alfred, Bernhard, Edgar, Ernst, Erwin, Frank, Hermann, Hugo, Otto, Richard, Siegfried, Walter, Werner und Wilhelm bürgern sich mehr und mehr ein; auch für Mädchen wählt man jetzt mit Vorliebe unsere schönen, urdeutschen Namen, wie Ada, Frieda, Gerda, Gisela, Hedwig, Hildegard usw. Immerhin gibt es noch viele Eltern, die vollständig wahllos diesen oder jenen Rufnamen aus dem großen Namensschatze, den wir besitzen, herausgreifen und ihrem deutschen Kinde für die Länge seines Lebens einen Namen anhängen, der es als Hebräer, Griechen, Lateiner, Franzosen, Engländer, Russen, Italiener, Spanier erscheinen läßt. Wären dabei besondete Gründe(eine besondere Vorliebe der Namengeber für den und jenen Namen) ausschlaggebend, so wäre sicherlich nichts dagegen einzuwenden. Denn die Eltern haben ein volles Recht darauf, zu wählen, wie es ihnen beliebt. Oft sind aber keinerlei Gründe vorhanden, welche die Wahl eines fremden Namens rechtfertigen könnten; viele Väter und Mütter kümmern sich weder um die Abstammung des Rufnamens, noch um dessen Bedeutung.„Ach was“, heißt es da,„je größer die Wahl, desto größer die Qual; wir nennen das Kind so— und punktum! Praktische Leute wählen kurzerhand den kürzesten Namen, und wer vielleicht ganz ratlos ist, rettet einen Namen von einem Urgroßvater herüber, oder von einer Muhme, die er vielleicht nur ganz weitläufig gekannt hat. In früheren Zeiten verfuhr man bei Namenwahl geradezu frivol. So ist es bezeichnend, daß es in den Freiheitskriegen Kanonien, Bombardinen, Gneisenauetten usw gab; ein im Jahre 1813 geborenes Mädchen hieß sogar: „Achtzehnhundertdreizehn“. In damaliger Zeit schien die Wahl eines altdeutschen Namens eine Selbsterniedrigung zu bedeuten, und die Eltern zeigten bei der Namenwahl oft eine Willkür, die uns heute unverständlich erscheint. Besser ist es jedenfalls, ein Knabe hat nur einen, aber einen kerndeutschen Namen(wie etwa Klaus, Dieter, Wolfgang, Eberhard, Horst, Heinrich), als daß er Georg, Fedor, David, Felix und Kaspar heißt und damit einen griechischen, russischen, hebräischen, lateinischen und persischen Vornamen besitzt! Dr. Elzuer. Aus der Bewegung Hitler- Jugend Die Hitler=Jugend veranstaltet vom 28. Juli bis zum 19. August ein Zeltlager in Bestwig. In der Woche vom 4. bis 11. August können 30 Jgg. teilnehmen. In der nächsten Woche 15 Igg. Unterkunft und Verpflegung kostenlos. Jeder Igg. kann also 8 oder 14 Tage im Zeltlager verbringen. Meldungen müssen bis zum 28. Juli beim Unterbann abgegeben sein. Die Führung des Unterbanns. Deutsches Jungvolk i. d. HJ. Stamm 1 Syburg(Schwerte). Zeltlager in Bestwig! Der Oberbann veranstaltet vom 4.—9. 8. 34 ein Großzeltlager in Bestwig, an dem aus unserem Stamm 70 Jungen teilnehmen können. Die Teilnahme ist kostenlos. Nur der Fahrpreis muß selbst aufgebracht werden.(Unter Umständen kann auch mit dem Rade nach Bestwig gefahren werden). Sämtliche Pimpfe und Führer, die an dem Großzeltlager teilnehmen wollen, müssen sich unbedingt heute in der Zeit von 18—20 Uhr auf dem Büro, Märkischestraße, melden. * Samstag, den 28. 7., abends 8,30 Uhr im Lokale Eichmann Kundgebung: Redner: Kreisleiter Pg. Flach. Ab 7,30 Uhr Konzert der Standartenkapelle 329 Schwerte. NSDAP. Stützpunkt Geisecke. Schluß des redaktionellen Teils. Vereinsnachrichten Schachabend: Freitag, den 27. Juli 1934, sbends 8 Uhr im koitt heermann. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke, Schwerte=R. Verantwortlich für den gesamten Textteil: Heinz Friedrich Kamecke, Schwerte=R. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D. A. VI./34. 1718. Gastspiel der Fratellinis in Schwerte Die drei komischen Italiener im Freischütz. Das Rahmenprogramm war das Bestel Schiebsrichtergruppe Schwerte Schwerte, 26. Juli. Im Lokal Wilkes hielt die Schiedsrichtergruppe eine gutbesuchte Versammlung ab. Für den dienstlich verhinderten Obmann Poggenpohl führte Kollege Hennemann den Vorsitz. Dieser begrüßte eingangs die neu hinzugekommenen Anwärter und hieß sie herzlich willkommen. Zugleich gab er ihnen allerlei Anweisungen und Ermahnungen auf. Was er ihnen besonders aufgab, war, stets pünktlich zu sein u. ihr Amt mit vollem Pflichtbewußtsein auszuführen. Es folgte sodann die Bekanntgabe der Tagesordnung, die vier Punkte umfaßte. Nach Verlesung der Niederschrift der letzten Sitzung vom 7. Juli, wo gegen Inhalt und Fassung kein Einspruch gemacht wurde, schritt man zur Regelbesprechung. Die Regel 12 und 13 wurden eingehend behandelt. Einige Fälle aus der Praxis für die Praxis kamen zur Sprache. Sämtliche Kollegen boten größte Aufmerksamkeit auf. Im weiteren Verlauf führte der stellvertretende Obmann Hennemann folgendes aus: Alle länger bestätigten Kollegen haben unverzüglich ihre Pässe zwecks Abstempelung dem Führer Poggenpohl sofort einzureichen. Ebenso haben die Anwärter Krell, Mischwesky, Kropp, Kresmann, Märtin, Städtler und Hilger je ein Paßbild in der Größe von 586 Ztm. dem Leiter bis zur nächsten Sitzung vorzulegen. Dieser Termin ist endgültig der letzte. Danach wird kein Anwärterpaß mehr ausgestellt. Bei der am 7. Juli stattgefundenen Schiedsrichterprüfung haben die Kollegen Meißner. Brand und Grothe ihre Sache gut gemacht. Mit den Leistungen war sogar der Kreisfußballfachwart von Iserlohn sehr zufrieden. Die Bestätigung soll ihnen in der kommenden Versammlung übergeben werden. Ferner haben sich sämtliche Kollegen nach Möglichkeit eine einheitliche schwarze Kleidung zuzulegen. Die neuen Flötpfeisen sind bestellt worden und werden voraussichtlich in der kommenden Versammlung vorliegen. Es hat sich keiner in der Zwischenzeit eine andere Pfeise zuzulegen. Wegen Interessenlosigkeit wird der Schieri=Anwärter LippsHennen von der Liste gestrichen. Achtung! Achtung! Ein Katzenaug' Du stets verwend', Das Auto Dich sonst überrennt! Und hänge niemals Dich sodann Bei einem andern Fahrzeug an! Reichsbahn Kunstradfahrer radeln erfolgreich im Siegerland Ehrenpreise sind verdienter Lohn der wackeren Schwerter. In unmittelbarer Nähe der Siegquelle in Dreis Tiefenbach war anläßlich eines Jubelfestes des dortigen Radfahrvereins Bezirks=Radfahrertreffen des Bezirkes Siegerland. An die Kunstradfahrer des Reischbahn=Turn= und Sportvereins war die ehrenvolle Einladung zur Teilnahme und Verschönerung des Festes ergangen, der die Schwerter Folge leisteten. Die Senioren=Fahrer Schuhmacher u. Strätgen fuhren im Zweier=Kunstfahren und zeigten auf ihren Stahlrossen wahre Kunst. Kreisführer Flender=Siegen überreichte den Schwertern je einen Ehrenpreis. Auch die Schwerter Jugendfahrer Stüttgen und Mais fuhren im Zweier=Kunstfahren ebenfalls erfolgreich, so daß sie auch mit je einen Preis bedacht wurden. Mais fuhr erstmalig auf einer großen Veranstaltung. Fachwart Schuhmacher dankte im Namen der Schwerter Rtus=Fahrer für die überaus freundliche Aufnahme im Siegerland. Die Schwerter Rtus=Fahrer haben ihre Vereins= und Stadtfarben an der Siegquelle tapfer verteidigt. Undrrechtigts Kenik um Feupialt Es gibt Menschen, die immer wieder aus mangelnder Einsicht in die wirklichen Zusammenhänge und in die Tragweite der in ihrem und im Interesse des Volksganzen getroffenen Maßnahmen an einzelnen Werken der nationalsozialistischen Agrarpolitik etwas auszusetzen haben. Von dieser Kritikkasterei ist natürlich auch der Fettplan nicht verschont geblieben. Daher ist es auch am Platze, sich mit einigen Behauptungen dieser Nörgler auseinanderzusetzen, die hier und da zu hören sind. So begegnet man mal in bäuerlichen Kreisen dem Einwand, daß die erwartete Erhöhung der Schweinepreise ausgeblieben ist. Es ist ohne weiteres klar, daß darin nicht der Fettplan, sondern gewisse spekulative Machenschaften schuld sind. Es ist durchaus ungesund, den Schweinebestand im Hinblick auf den eingeführten Beimischungszwang für Neutralschmalz, für Margarine zu erhöhen und damit auf einmal alle Verluste einholen zu wollen, die man in vergangenen Jahren erlitten hat. Enttäuschungen wären so manchen Bauern erspart geblieben, wenn er die Richtlinien des Reichsnährstandes befolgt und wichtiger disponiert hätte. Es ist daher angebracht, daß diesen Richtlinien in Zukunft mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, wenn man bessere Preise haben will. In den Kreisen der städtischen Bevölkerung wiederum kann man manchmal die Klage hören, daß eine übermäßige Verknappung an Speisefetten infolge der Durchführung des Fettplanes eingetreten ist. Demgegenüber muß mit allen Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die Margarineerzeugung und auch der Verbrauch von Fetten in den letzten Jahren unbedingt übersteigert waren. Es wird immer wieder zu wenig beachtet, daß die Kontingentierung der Margarineproduktion von dem höchsten Erzeugungsstand im Jahre 1932 ausgegangen ist und daß nach Durchführung der Kontingentierung in Deutschland beinahe noch doppelt so viele Margarine und Kunstspeisefette verbraucht werden, als im Jahre 1914. Wenn dann weiter so mancher Städter darüber klagt, daß die Margarine jetzt zu teuer ist, so kann mit vollem Recht darauf verwiesen werden, daß die Preise der Komsummargarine nicht höher sind, als im Jahre 1931 und in den vorhergehenden Jahren und daß die Preise für Haushaltsmargarine unter den damaligen Preisen liegen. Es wird auch vergessen, daß im Jahre 1931 und 1932 ein ganz gewaltiger Preissturz für die beiden wichtigsten Margarinestoffe, den Waltran und die Soyabohne, eintrat und nur dank diesen normalen Preisen eine weitere Margarineverbilligung und Ausweitung des Margarinekonsums möglich wurde. Hätte die nationalsozialistische Regierung nicht die Margarineherstellung und die Einfuhr der Margarinestoffe gedrosselt und die Margarinepreise durch Einführung der Fettsteuer erhöht, so wäre die deutsche Bauernwirtschaft ohne jeden Zweifel vernichtet worden und die Abhängigkeit Deutschlands von ausländischen Fetten eine vollständige geworden, was im Hinblick auf die Sicherheit unserer nationalen Existenz, auf die Notwendigkeit das Ziel der Nahrungsfreiheit zu erreichen und dn Bezug von wichtigen industriellen Rohstoffen aus dem Ausland zu sichern, absolut untragbar gewesen wäre. Es ist auch zu beachten, daß die Belastung eines Zköpfigen Arbeitshaushalts durch die Fettsteuer, die der Preisangleichung der ausländischen Fette an die deutsche dient, ein wirklich sehr bescheidene ist. Es handelt sich um eine jährliche Mehrausgabe von 15 Reichsmark. Im Jahre 1924 verbrauchte nämlich eine dreiköpfige Arbeiterfamilie durchschnittlich für Fett 120 Reichsmark. Nun sanken die Fettpreise infolge der geschilderten anormalen Umstände sehr viel stärker als die Kaufkraft der großen Masse der Bevölkerung, so daß im Jahre 1933 für dieselbe Menge nur noch 60 Reichsmark aufgewandt zu werden brauchten. Der nach Einführung der Fettsteuer jährlich aufzuwendende Betrag von 77 Reichsmark bleibt, selbst wenn man den Einkommensrüßgang berücksichtigt, weit unter den Betrag von 120 Reichsmark zurück. Ueberdies kommt die billige Haushaltsmargarine, die auf Fettbezugsscheine zu 38 Pfennig das Pfund beziehen. Die Fettsteuer aber dient nicht nur der Umlenkung des Konsums von der Margarine zur Butter, sondern gerade auch der Finanzierung der Margarineverbilligung. Im Ernst kann also von einer übermäßigen Verteuerung der Margarine und einer unsozialen Belastung der minderbemittelten Volkskreise nicht gesprochen werden. Schließlich wird in der Stadt darüber geklagt, daß die Konsummargarine oft nicht zu erhalten ist. Die Ursache für diese Erscheinung lag einmal darin, daß die Margarinefabriken dem Handel bei Bestellungen von Konsummargarine die Verpflichtung auferlegten, dieselbe Menge der beiden teueren Margarinesorten abzunehmen, einer Geschäftspraxis, die heute nicht mehr angewendet werden kann. Daraus entwickelt sich vielfach bei den Einzelhandel das Bestreben, nur dann billig Margarine zu verkaufen, wenn gleichzeitig die teuere Margarine abgenommen wird. Dieser Mißstand ist aber auch ebenso leicht zu beheben, wie die geringe Rücksichtnahme besser gestellter Hausfrauen auf minderbemittelte Volksgenossen. Denn es ist ein Zeichen für das mangelnde Bewußtsein der Volksgemeinschaft, wenn besser situierter Hausfrauen immer wieder bemüht waren, möglichst viel billige Konsummargarine zu kaufen. Es ist eine Ehrenpflicht der kausträstigen Hausfrauen, die nicht bezugsberechtigt sind, den Kauf von Konsummargarine den ärmeren Bevölkerungsschichten zu überlassen. Vor allen Dingen sollen sich das auch die gewerblichen Betriebe, die Gastwirtschaften, Bäckereien und Konditoreien gesagt lassen! Schließlich muß auch der Bauer darauf verzichten, Margarine zu verwenden und es den ärmeren Städtern überlassen, diese zu konsumieren. Hier haben die Berufsvertretungen der Wirtschaft und sieht auch der Reichsnährstand die große Pflicht, aufklärend zu wirken, um die zweckentsprechende Durchführung des Fettplans zu ermöglichen. Seine Gesamtkonzeption ist so klar und seine Durchführung liegt so sehr in dem Interesse des deutschen Volkes, daß es unbedingt notwendig ist, zur Erzielung der von der nationalsozialistischen Regierung beabsichtigten segensreichen Wirkung, im Geiste der Volksgemeinschaft zusammenstehen und den Eigennutz zurückzustellen. Nur so wird es möglich sein, hier und da auftretende kleinere Mängel und Unzuträglichkeiten zu beseitigen und das reibungslose Funktionieren dieses großen. Aufbauwerkes zum Besten des deutschen Volkes zu gewährleisten. Aus dem Nachbargebiet Holzwickede, 25. Juli. Der Haushaltsplan für 1934 mit 340000.— Rm. in Einnahme und Ausgabe ist nunmehr festgestellt worden, desgleichen der außerordentliche Etat mit 19000.—, Rm. Am Steuerzuschlägen ommen folgende Sätze zur Erhebung: Grundvermögenssteuer 290 bzw. 260 Proz., Gewerbesteuer vom Ertrag 540 Proz., von der Lohnsumme 1800 Proz., Bürgersteuer 500 Proz. Einen Kassenkredit benötigt die Verwaltung nicht.— Die Haushaltspläne für Hengsen und Opherdicke liegen bis zum 27. d. M. im Dienstzimmer des Gemeindeschulzen auf. Holzwickede, 25. Juli. Die Militärrenten für August werden Samstag, den 28. d. M. von 8—12 Uhr bei der Post ausgezahlt. Die Auszahlung der Unfall=, Invaliden=, Witwenund Waisenrenten erfolgt am 1. August. Für Hengsen und Opherdicke werden die Renten zu denselben Terminen durch die Postagentur gezahlt. Börsen und Märkte Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt vom 25. Juli. Auftrieb: 447 Stück Großvieh, 84 Schweine, 72 Kälber. Der Handel war bei Großvieh in guten Tieren mittel, sonst sehr langsam. Es kosteten hochtragende und frischmelke Kühe 1. Qualität 300—330 Rm., 2. Qualität 250—290 Rm., 3. Qualität 190—240 Rm., Rinder 150—270 Rm. Beste Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämtliches zum Markt aufgetrieben gewesenes Großvieh ist gegen Maulund Klauenseuche geimpft worden. Am Schweinemarkt war der Handel sehr langsam. Es kosteten Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen 9 bis 12 Rm., von 8 bis 10 Wochen 13—18 Rm., von 10 bis 12 Wochen 20—30 Rm. Der nächste Markt findet am 1. August statt. ∆ 0 Ehn=Srirr Märsch Ein Rowan aus den Kampfjahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 83. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Frau des Bürgermeisters machte noch immer einen ziemlich verschlafenen Eindruck, aber ihr Gesicht hellte sich auf, als sie die beiden Herren zu Tisch bat. Das Mahl war nicht üppig. Die Bouillon schmeckte außerdem versalzen, der Braten war zäh, der Salat knirschte zwischen den Zähnen, das Gemüse war kalt, die Kartoffeln waren nicht gedämpft. Trotzdem überschüttete Katzur die Hausfrau mit Komplimenten. „Nach unserer Früharbeit, gnädige Frau, schmeckt es mir einfach fabelhaft——“ „Wir— wir haben nämlich schon schwer gearbeitet", stammelte Kaiser und griff zur Weinflasche.„Eine vertrauliche Sitzung—— Das muß begossen werden. Also, Herr Katzur, was trinken Sie?— Roten Bordeaux? Einen sonnegetränkten Hermitage? Einen Richebourg? Oder einen wilden Pommard? Oder den rubinroten Beaujolais?— Sie staunen vielleicht, aber ich habe neben diesen französischen Weinen auch noch Rhein= und Moselweine im Keller. Sie können übrigens auch Champagner haben aus der Gegend von Reims.“ Katzur gab dem roten Bordeaux den Vorzug. Er gurgelte ihn in langen Schlucken. Dann gestand er:„Frau Bürgermeister, wenn ich eine Frau wüßte, die halb so gut das Mahl zubereiten könnte wie Sie, ich würde sie sofort heiraten.“ Frau Kaiser blickte überrascht auf und liebäugelte nun unter der Nase ihres Mannes mit dem Gast. Katzurs Zunge löste sich. Vom Wein befeuert, schwatzte er das Blaue vom Himmel. Er schwärmte von Paris und schlanken Beinchen. Kaiser, dessen Kopf noch vom Vortage schwer war, wurde durch den Wein in eine ganz andere, in eine einschläfernde Sphäre gezogen. Er konnte seine Augen nur mit Mühe offen halten. Als das Mahl beendet war, lud Kaiser seinen Gast zum üblichen Nachmittagsschlaf ein. Katzur jedoch verabschiedete sich mit verbindlichelm Lächeln dringender geschäftlicher Angelegenheiten wegen. In Wirklichkeit fuhr er zum Fünf=Uhr=Tee nach Bad Pyrmont. Bürgermeister Kaiser schlief bis fünf Uhr. Dann erhob er sich gähnend, schlurrte einmal durch die Büros des Rathauses. Auch der jüngste Lehrling merkte, daß der Magistratsdirigent noch nicht ganz sicher auf den Beinen war. Die jüngeren Angestellten feixten hinter seinem Rücken. Eine Wolke von Alkohol schwebte vor ihm——— Nach dem Rundgang begab sich der Bürgermeister wieder zur„Krone". Dort blieb er auf seinem Stammplatz bis acht Uhr abends sitzen. Zum Abendbrot ging er nach Hause, dann wechselte er wieder herüber zur Wirtschaft. Auf der Kegelbahn vergnügte sich der Damenkegelklub„Unter uns“. Ab Mitternacht blieben die Kegelschwestern nicht mehr für sich allein. Eine bunte Reihe wurde gebildet. Die Polizeistunde wurde überschritten. Ein Landjäger stellte sich mit gewichtiger Amtsmiene ein. Er bekam einen Steinhäger und ein kleines Helles. Darauf wurde die Polizeistunde verlängert. Um drei Uhr früh wurde aufgebrochen. Der Bürgermeister torkelte über den Marktplatz. An einem Laternenmast suchte er Halt. Da nahmen ihn zwei Kegelschwestern in die Mitte, hatten sich bei ihm ein und fragten:„Bist du der Bürgermeister von Leinenfelde oder was bist du hier?“ Er murmelte unverständliche Worte. Untergeärmelt gings zum Haus des Bürgermeisters. Kaiser legte sich mit den Kleidern zu Bett. Am andern Vormittag klingelte es an der Haustür. Fräulein Ottilie öffnete vorsichtig, nahm von einem Amtsgehilfen mehrere Urkunden entgegen, begab sich tänzelnden Schrittes mit den amtlichen Akten in das eheliche Schlafgemach des Bürgermeisters und legte die Urkunden dem Stadtoberhaupt zur Unterschrift vor. Der Bürgermeister rieb sich den Schlaf aus den Augen und unterschrieb mit Tintenstift auf der Bettdecke die Schriftstücke, ohne sie auf ihren Inhalt nachzuprüfen. Gegen halbzwölf klingelte es wieder beim Bürgermeister. Fräulein Ottilie öffnete. Ein Bauer trat ein und fragte:„Is Kaiser voll wier inne„Krone' oder schlöppt he noch?“ „Herr Bürgermeister ist augenblicklich nicht zu sprechen“, sagte sie,„kommen Sie doch am Nachmittag gegen fünf Uhr wieder“——— Am nächsten Tage, es war der erste September, strich Bürgermeister Kaiser sein Monatsgehalt ein— tausend Mark waren wie im Schlafe verdient.—— * Drei Tage später saß Jakob Holzwurm in der„Zentralhalle“ beim Dämmerschoppen. Ein Zeitungshändler bot den neuesten„Wächter" an. Holzwurm kaufte„der Kontrolle halber“ eine Nummer. Die Schlagzeile auf der ersten Seite„So hat Holzwurm sich das Leben vorgestellt“ sprang ihm sofort ins Gesicht. Er kniff die Augen zusammen. Das Papier knisterte zwischen seinen groben Händen. Finster starrte er die Ueberschrift an. Und als er den Artikel überslog, tanzten ihm die einzelnen Sätze vor den Augen: Herr Holzwurm verwaltet das Hotel„Desideria"—— der sogenannte Arbeiterführer—— er hatte die kleinste Forderung von etwa achtzig Mark —— hat sich als Vorsitzender des Gläubigerausschusses fünftausend Mark bewilligt—— Stadt hat hunderttausend Mark Hypotheken vorgestreckt—— Holzwurm hat seinen lieben Schwager als Geschäftsführer in den Betrieb eingeschoben——. Die anderen Leute Schachfiguren in der Hand des„freien Kaufmanns“ —— Was hat Stadtverordneter Holzwurm mit dem Hotel vor?——— Holzwurm tobte innerlich vor Wut. Zunächst versuchte er es, seinen Aerger mit einigen Steinhägern herunterzuspülen. Dann läutete er seine Freunde an. Es dauerte kaum eine Stunde, da saßen sie zusammen. Weintal, Schrecklich, Mondschein, Katzur, Müller, Dr. Löwenstein, Frohbier und Bürgermeister Kaiser. „Was soll ich tun gegen diese neue Provakation?“ fragte Holzwurm. „Gib dem„Wächter' eins auf die Schnauze", schlug Schrecklich vor. „Antworte mit einem Gegenartikel in der „Völkerwacht' rief Moritz Weintal, der Reichsbannerführer. „Sie als Sprecher in der S. P. D. können das doch“, sagte „Dieser Hakenkreuzritter hätte schon längst einer öffentliche Abreibung in der zuständigen Presse verdient!“ meinte Privatdetektiv Mondschein. Alle stimmten diesem Vorschlag zu. Bürgermeister Kaiser meinte, man habe doch geung Spiritus in sich, um Geist verspritzen zu können. „Na, da wollen wir mal etwas gemeinsam aussetzen", erklärte Holzwurm.„Genosse Weintal, ich diktiere, du schreibst, und wer von Euch etwas zu verbessern hat, der klopfe auf den Tisch. Also los!“ Bürgermeister Kaiser bestellte eine runde Schnäpse, damit die Sache richtig in Gang komme. Holzwurm nahm den„Wächter" zur Hand und begann mit seinem Diktat. (Fortsetzung folgt.) Sess Sestaorserrtarc Auto fährt gegen Zug Der Führer verbrannt Münster. Ein gräßliches Verkehrsunglück ereignete sich auf der Chaussee von Rhede nach Borken. Ein aus der Richtung Rhede kommendes Auto, das aus Münster stammte, wollte an der Hemeindegrenze Rhedebrügge=Altrhede die Eisenbahnstrecke überqueren, hatte aber nicht den mit Verspätung aus der Richtung Rhede herankommenden Zug bemerkt. Die Zugsignale scheint der Wagenführer überhört zu haben, denn er fuhr, da die Strecke sehr unübersichtlich und nicht mit den sehr nötigen Eisenbahnschranken versehen ist, direkt vor den Zug. Durch die starke Wucht des Anpralls explodierte der Motor des Wagens, der im Nu in hellen Flammen stand. Der Kotflügel des Wagens wurde vom Zuge abgerissen und etwa 40 Meter weit mitgeschleift, während das Trittbrett des Wagens etwa zehn Meter weiter gesunden wurde. In der nahegelegenen Wirtschaft wurde man auf den starken Knall aufmerksam und kam dem unglücklichen Lenker zu Hilfe. Dieser war aber in dem zertrümmerten Wagen so eingeklemmt, daß man ihn nicht befreien konnte, so daß er in den Flammen umkam. Bei dem Verunglückten handelt es sich um den Kaufmann Schlottmann aus Münster. Es wird angenommen, daß er schon beim Anprall gegen die Lokomotive tödlich verletzt wurde. Die Untersuchung ergab, daß er einen starken Schädelbruch und sonstige schwere Verletzungen erlitten hatte. Zollbeamte zu Zuchthausstrafen verurteilt Unehrliche Händler erhielten Gefängnis Münster. Die Beamten der Zollfahndungsstelle in Borken hatten wachsame Augen auf zwei Beamte, die, wie sich herausstellte, mit zwei Händlern, die Ware von Holland nach Deutschland einführten, ein Spiel trieben, um den Staat um die Zolleinnahmen zu bringen. Und zwar vergingen sich die Beamten der Zollgrenze bei Burlo, wenn die Händler kamen und die zollpflichtigen Waren abwiegen ließen. Klein fing die Geschichte an und hier und da ließen die Händler wegen des genossenen Vorteils ein Huhn auf dem Zollamt. Später wuchs sich das Vergehen der Zollbeamten zu einer ständigen Gewohnheit aus. Bei den beiden Knuf und Seebrecht wurde einfach das Gewicht der Zollware zu leicht notiert und Zoll zu wenig vereinnahmt. Als die Fahndungsstelle eingriff, entschuldigten sich die Beamten, die Waage beim Zollamt müsse gehakt haben. Die Waage der Justiz wurde in Gang gebracht. sie hakte nicht und die Beamten, im Dienst sonst tauglich, wurden zu leicht befunden. Die Große Strafkammer in Münster sprach ein vernichtendes Urteil. Br. und E. wurden je zu einem Jahr und einem Monat Zuchthaus verurteilt, weiter ein jeder zu 1 700 Mark Geldstrafe und 519 Mark Wertersatz. Es braucht nicht erwähnt werden, daß die beiden ihre Aemter verloren und sofort vom Gerichtssaal aus in die Haftzelle überführt wurden. Die schuldigen Händler wurden zu je einem halben Jahr Gefängnis und 700 bezw. 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. Obendrein wurden sie zur Leistung von Wertersatz verpflichtet. Von der Mähmaschine der Juß abgeschnitten Minden. Durch ein vorbeifahrendes Motorrad gerieten in Nordhemmern die vor eine Mähmaschine gespannten Pferde des Landwirts Wullbrandt in Unruhe und gingen durch. Der 19jährige Sohn des Bauern stürzte von der Maschine und kam gerade vor die scharfen Messer zu liegen. Unterhalb der Wade wurde ihm der Fuß sast abgeschnitten, so daß er im Mindener Krankenhaus amputiert werden mußte. Von einem„Sargdeckel“ erschlagen Bochum. Der Hauer Emil Wietrek war auf einer Bochumer Zeche mit bergmännischen Arbeiten beschäftigt, als sich plötzlich infolge Gesteinsschießens ein zentnerschwerer Steinblock löste und Wietrek unter sich begrub. Er konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Ein Richard=Wetz=Abend in Oberhausen Oberhausen. Der Städtische Musikverein OberHeien veranstaltet am 25. Oktober in seinem Winterprogramm einen Abend zu Ehren des bisher sehr vernachlässigten deutschen Komponisten Richard Wetz. Der Komponist, der im Februar 1935 60 Jahre alt wird, wird seine 3. Sinfonie an diesen Abend selbst dirigieren, Robert Reitz wird das ihm zugeeignete Violinkonzert spielen, und Werner Trenkner wird die Kleist=Ouvertüre interpretieren.— Außerdem stellt der Städtische Musikverein im Konzert am 4. April 1935 der 9. Sinfonie von Beethoven Richard Wetz'„Hyperion“, Dichtung von Hölderlin für Bariton(Fred Drißen), gemischten Chor und Orchester, voraus. Flüchtender Verbrecher erschossen Duisburg=Hamborn. Ein Polizeibeamter stellte in den Ruhranlagen den seit langem wegen mehrerer Vergehen gesuchten Gelegenheitsarbeiter Josef Esser. Als der Beamte Esser aufforderte, mitzugehen, ergriff dieser die Flucht. Da der Verbrecher auch auf die wiederholten Aufforderungen, stehen zu bleiben und die Hände hoch zu halten, nicht hörte, sondern in die Tasche griff, um sich zur Wehr zu setzen, machte der BeDentschiunds Etandreumer meiden! Geburtenüberschuß in den Großstädten auf der Steinkohle am größten Zunahme der Heiratshäufigkeit um 23,7 Prozent im Jahre 1933 Nach den kürzlich von den westdeutschen statistischen Aemtern veröffentlichten Zahlen hat sich der Geburtenüberschuß über die Sterbefälle in den im Ruhrbezirk gelegenen Großstädten recht günstig entwickelt. Danach betrug im ersten Vierteljahr 1934 der Geburtenüberschuß auf je 1000 Einwohner in Essen 6,5(gegenüber 1,9 im ersten Vierteljahr 1933), in Bochum 7,1(2,0), in Dortmund 5,1(1,5), in Gelsenkirchen 9,8(3,1), in Duisburg=Hamborn 7,7(3,0), in Mülheim 5,9(0,2) und in Oberhausen 9,5(6,7). Damit ist die Tatsache erneut unter Beweis gestellt, daß in den Großstädten auf der Kohle der Geburtenüberschuß nunmehr wieder erheblich über dem Durchschnitt der preußischen Großstädte liegt, der in der gleichen Zeit 4,5 auf 1000(Sterbeüberschuß— 0,4 im ersten Vierteljahr 1933) betrug. Auch im gesamten deutschen Reich entwickelte sich nach Feststellungen des Statistischen Reichsamtes die Geburtenhäufigkeit bereits 1933 günstiger als im Vorjahre. Während das Deutsche Reich 1932 infolge der Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit neben Italien und Polen den stärksten Geburtenrückgang zeigte, verlangsamte sich der Geburtenrückgang mit dem Nachlassen der Wirtschaftsdepression 1933 in Deutschland erheblich, während er in den ost= und südosteuropäischen Staaten sich stark beschleunigte. Der Geburtenrückgang kam im Deutschen Reich in der zweiten Jahreshälfte 1933 sogar schon zum Stillstand, so daß sich für das ganze Jahr 1933 nur eine Abnahme um 2,2 Prozent der vorjährigen Lebendgeburten ergab. Im Vergleich zu Deutschland hatten 1933 die Niederlande einen zweimal, Großbritannien und Frankreich einen zweieinhalbmal und die ost= und südosteuropäischen Staaten einen drei= bis viermal so großen Geburtenrückgang. So erfreulich die Verlangsamung des Geburtenrückganges ist, so ist dadurch in 1933 leider eine weitere Abnahme des Geburtenüberschusses über die Sterbefälle nicht vermieden worden, der von 4,3 auf 1000 Einwohner in 1932 auf 3.5 in 1933 zurückging. In der gleichen Zeit ging der Geburtenüberschuß in Frankreich von 1,5 auf 0.5 und in England von 3,5 auf 2,4 je 1000 Einwohner zurück. Im laufenden Jahre ist jedoch in Deutschland eine günstige Entwicklung des Geburtenüberschusses zu erwarten, weil infolge der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik die Heiratshäufigkeit in Deutschland im Jahre 1933 bereits um 23,7 Prozent gegenüber dem Vorjahre gestiegen ist. Sie lag um mehr als dreieinhalbmal höher als im Irischen Freistaat, der mit 7,2 Prozent mehr Ehen an zweiter Stelle steht. Damit hat Deutschland unter den europäischen Ländern mit 9,7 auf 1000 Einwohner auch die absolut höchste Heiratshäufigkeit in Europa. Verlegung der Ferndertehrestraße Düsseldorf. Die Fernverkehrsstraße 1(Aachen —Düsseldorf—Hannover—Berlin) verlief bisher vom Krummen Weg nach Essen über den Esel, Kettwig und die Meisenburg. Diese Linienführung bot eine Reihe von Gefahrenpunkten einmal durch die sogenannte Todeskurve am Esel, sodann durch die Verkehrsschwierigkeiten in Kettwig(Eisenbahnübergang und verengte Ruhrbrücke) sowie durch die Schmalheit und die Art der Anlage der Meisenburgstraße, die sich vor allem bei nasser Witterung als gefährlich auswirkte. Von Essen nach Wattenscheid verlief die Fernverkehrsstraße I durch den Stadtteil Steele hindurch, Bochumer Straße bis zur Grenze Wattenscheid=Höntrop. Diese Linienführung hatte den Nachteil, daß sie zunächst ins Ruhrtal hinabführte und von da mit verhältnismäßiger Steilheit wieder auf die Höhe ging und bei der Berührung des Stadtteils Steele durch sehr enge Straßen geleitet werden mußte, so daß sie im Einbahnverkehr weitergeführt werden mußte. Auf Antrag des Landrats in Düsseldorf sowie der Polizeipräsidenten in Oberhausen und Essen hat nunmehr der Regierungspräsident in Düsseldorf folgende Aenderung der Linienführung ab Krummen Weg genehmigt: Die neue Linie verläuft am Krummen Weg zunächst durch die Ortschaft Breitscheid, dann anschließend im Bereich des Polizeipräsidiums Oberhausen über Mülheim=Selbeck, MülheimSaarn, Mülheim=Heißen bis zur Stadtgrenze Essen. Der weitere Verlauf im Bezirk des Polizeipräsidiums Essen geht über Krupp=, Friedrich=, Hohenzollern=, Kaiser=, Kronprinzen=, Kurfürsten=, Markgrafen=, Felgendreherstraße und Dortmunder Straße, in Essen=Kray bis zur Provinzialgrenze Wattenscheid. Die neue Verkehrsstraße ist ohne besondere Gefahrenpunkte. Insbesondere vermeidet sie das Hinab= und Hinauffahren im Ruhrtal. Sie hat keine Steigungen über 50 Prozent, befindet sich fast durchweg in einem Neubauzustand, so daß die Leitung des Fernverkehrs über die neue Linie im Verkehrsinteresse nur begrüßt werden kann. Sie wird mit der Fernverkehrsstraße 60(Aldekerk — Essen) in Zukunft zusammengelegt innerhalb des Bezirks des Polizeipräsidiums Essen ebenfolls im Zuge der Kruppstraße bis zur Friedrichstraße. Im weiteren Verlauf hat die neue Linie den Vorteil, daß sie enge Straßen vermeidet, ohne Steigungen bleibt und den Verkehr in gerader östlicher Richtung weiterleitet. Der Polizeipräsident in Bochum beabsichtigt, die entsprechende Fortführung der Fernverkehrsstraße vorzunehmen. Die Beschilderung der neuen Fernverkehrsstraße wird in allernächster Zeit durchgeführt werden. Die bisherige Fernverkehrsstraße Krummer Weg— Kettwig— Essen bleibt als Durchgangsstraße für den Verkehr Düsseldorf— Essen bestehen. amte schließlich von der Schußwaffe Gebrauch und streckte den Verbrecher nieder. Schwerverletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht, wo er am Abend seinen Verletzungen erlag. Massenschutzimpfung gegen Diphtherie Duisburg=Hamborn. Die Stadt DuisburgHamborn, die den traurigen Ruhm genießt, in bezug auf die Diphtherie=Erkrankungen führend zu sein, unternimmt einen großen Feldzug gegen diese Volksseuche. Die Stadtverwaltung hat nach Einvernehmen mit dem Reichsgesundheitsamt und der Medizinalabteilung des Preußischen Justizministeriums für den Herbst eine Massenschutzimpfung gegen dieses Volksübel vorgesehen. Die Reichsleitung der RS=Volkswohlfahrt hat sich, da die Stadt die hohen Kosten für diese Impfung nicht allein tragen kann, bereit erklärt, die Kosten für den Impfstoff zu übernehmen. Mit der Durchführung der Impfungen ist Prof. Dr. Grundel vom Robert=Koch=Institut in Berlin beauftragt worden. Ein neuer Tanzmeister für das Duisburger Stadttheater Duisburg. Anstelle des nach Frankfurt verpflichteten Tanzmeisters Karl Funk wird in der nächsten Spielzeit Ernst Uthoff dessen Platz am Duisburger Stadttheater einnehmen. Uthoff ist geborener Duisburger und war längere Zeit an der Folkwangschule in Essen tätig. Straßensperrungen nur in den dringendsten Fällen Düsseldorf. Die Pressestelle der Regierung teilt mit: Nach der neuesten Straßenverordnung St. V. O. sollen Straßensperrungen nur in wirklich notwendigen Fällen ausgesprochen werden. Straßensperrungen bei Bauarbeiten sind grundsätzlich nur einseitig vorzunehmen, wobei der Verkehr durchgeschleust werden muß. Ist nach pflichtmäßiger Prüfung durch die Kreispolizeibehörde eine völlige Sperrung unvermeidlich, so muß auf gute und kurze Umleitung Bedacht genommen werden. Befugt zur Anordnung einer Straßensperrung sind nur die Kreispolizeibehörden(Landräte und Polizeipräsidenten und die Oberbürgermeister in Krefeld, Neuß und Viersen), nicht aber die ordentlichen Gemeindebehörden, Baubehörden und noch weniger die Unternehmer. Bei Durchgangsstraßen bedarf die Kreispolizeibehörde der Zustimmung des Regierungspräsidenten, bei Fernverkehrsstraßen Regierungspräsidenten. Jede Straßensperrung setzt eine schriftliche polizeiliche Anordnung voraus, die ortsüblich— mindestens durch Aushang— bekannt gemacht werden muß. Es ist daher jedermann in der Lage, sich von der Rechtmäßigkeit der Straßensperrung zu überzeugen. Von August ab wird die Regierung in Düsseldorf wöchentlich die von ihr und dem Oberpräsidenten genehmigten Sperrungen von Durchgangs= und Fernverkehrsstraßen— falls die Sperrzeit über acht Tage dauert— durch eine Pressenotiz bekanntgeben. Große Solinger Stahlwarenwoche Solingen. Das allgemeine Interesse an der Stahlwarenwoche, die am 28. Juli d. J. in Solingen beginnen wird, macht sich in immer weiteren Kreisen bemerkbar. Die Wichtigkeit dieses ersten Stahlwarenkongresses wird dadurch noch unterstrichen, daß der stellvertretende Führer der deutschen Wirtschaft, Graf v. d. Goltz, am Eröffnungstage sprechen wird. Auf der am Sonntag, 28. Juli, stattfindenden großen Außenhandelstagung werden der Führer des deutschen Handels, Präsident Dr. Lüer, und der Führer der Wirtschaftsgruppe III, Präsident Erich Hartkopf, das Wort ergreifen. Die Verbundenheit der Solinger Industrie mit der Weltwirtschaft und dem Ausland, aus dem bereits zahlreiche Meldungen zur Stahlwarenwoche eingegangen sind, zeigt sich erneut in dieser erstmaligen Veranstaltung der großen Solinger Stahlwarenwoche. Verhängnisvolle Folgen einer Kündigung Am Montagnachmittag wurde am Mühlenplatz in Solingen ein Schornsteinfegermeister von einem seiner Gehilfen, dem er gekündigt hatte, zur Rede gestellt. Als der Meister sich nicht um den Gehilfen kümmerte und seinen Weg fortsetzen wollte, zog der Gehilfe plötzlich einen Revolver und gab auf den Meister einen Schuß ab, der jedoch glücklicherweise sein Ziel verfehlte. Daraufhin richtete der Täter die Waffe gegen sich selbst und brachte sich einen Schuß in den Kopf bei. Die Verletzungen waren so schwer, daß der junge Mann am Dienstag im Krankenhause verstarb. Das siamesische Königspaar in Leverkusen Leverkusen. Auf seiner Besichtigungsfahrt westdeutscher Industrieunternehmen stattetete das siamesische Königspaar mit größerem Gefolge dem Leverkusener Werk der I. G. Farben am Mittwochmorgen einen kurzen Besuch ab. Werksführer Direktor Kuehne begrüßte das Königspaar am Portal des I. G. Gebäudes(Verwaltung). Nach einem Filmvortrag über erfolgreiche Malaria=Bekämpfung im Hörsaal des Verwaltungsgebäudes wurden verschiedene Betriebe des I. G. Werkes besichtigt, wobei der König und seine Begleitung mit großem Interesse den Produktionsgang verfolgten. Nach eineinhalbstündiger Besichtigung kehrte die Autokolonne des Königs gegen 12,15 Uhr nach Köln zurück. Ein Dummerjungenstreich Grevenbroich. Einen Dummenjungenstreich, der leicht verheerende Folgen hätte haben können, leisteten sich mehrere Schuljungen aus Elsen am hinter Fürth gelegenen„Kitzberg". Sie legten an einem Weizenfeld Feuer an und suchten dann das Weite. Nachbarn, die dieses sofort bemerkten, konnten durch schnelles Eingreifen das Feuer niederschlagen und so größeren Schaden verhindern. In diesem Zusammenhang macht die Behörde die Eltern darauf aufmerksam, daß diese ihre Kinder darauf hinweisen sollen, in den bevorstehenden großen Herbstferien in den Feldern keine Schäden anzurichten und vor allem nicht mit Streichhölzern usw. in Wäldern zu hantieren. Diebe in einem Geschäftshaus Köln. In der Nacht statteten Diebe einem Geschäftshaus an der Maximinenstraße einen Besuch ab. Nach Uebersteigen eines Zaunes gelang es ihnen, durch Zertümmerung einer Fensterscheibe in das Lager einer Firma einzudringen. Hier erbrachen die Burschen sämtliche Schubladen und brachen den Geldschrank auf. Etwa 1000 Mark in Silber und zwei Barschecks fielen ihnen in die Hände. Hierauf verließen die Diebe ihr„Arbeitsfeld" und konnten unerkannt entkommen. Die Firma ist deshalb hoch geschädigt, da gegen Einbruchsdiebstahl nicht versichert war. Wieder ein Opfer des Rheines Köln. Spielende Kinder fanden in den Abendstunden auf den Poller Rheinwiesen die Kleider eines Mannes, der dort am Nachmittag gebadet hatte. Die in den Kleidern vorgefundenen Ausweispapiere ergaben, daß es sich um die Kleider eines 19jährigen kaufmännischen Angestellten aus der Drachenfelsstraße handelt. Mit Recht nimmt man an, daß er beim Baden im Rhein ertrunken ist. Unfall auf dem Kirmesplatz Köln. Auf dem Kirmesplatz in Köln=Zollstock trug sich ein schwerer Unfall zu. Infolge zu starken Bremsens der Schaukel stürzte ein 21jähriger junger Mann aus der Ueberschlagschaukel. Mit schweren Verletzungen wurde er dem Antoniushospital in Köln=Bayenthal zugeführt. Schwierigkeiten für die Rheinschiffahrt noch nicht behoben Köln. Das leichte Ansteigen des Rheinstroms in der letzten Woche(15. Juli: 1,08 m, 23. Juli: 1,30 m) vermochte die Schwierigkeiten, die für die Rheinschiffahrt schon seit Monaten durch das Kleinwasser bestehen, noch nicht zu beseitigen. Die Verkehrsverhältnisse der Kölner Häfen sind gegenüber der Vorwoche unverändert. In einer Woche: 158 Eheschließungen in Köln Köln. Aus dem Bericht des Statistischen und Einwohneramtes für die Woche vom 8. bis 14. Juli geht hervor, daß in Köln 316 Personen die Ehe schlossen. Das sind im Jahr etwa 11 Ehen auf 1000 Einwohner. Die Zahl der Geburten betrug 225. Die Zahl der einlaufenden Anträge auf Ehestandsdarlehen ist ebenfalls beträchtlich. In der Zeit vom 1. Juli bis 12. Juli wurden weitere 84 Anträge auf Bewilligung von Ehestandsdarlehen mit einer Gesamtsumme von 39100 Mark den Finanzämtern befürwortend weitergeleitet. Bis einschließlich 12. Juli d. J. sind bei den Verwaltungsstellen insgesamt 5459 Anträge auf Bewilligung von Ehestandsdarlehen eingereicht worden. Hiervon wurden 4356 mit einem Gesamtbetrage von 2538900 Mark befürwortend weitergeleitet. (12. Fortsetzung.) Rosmarie, ein Brief von deinem Mann! Der zwanzigste, glaube ich. Aga lachte und knüpfte die Schurzbander über den breiten Hüften. Sie blieb stehen, bis die junge Frau die Hülle aufgeschnitten hatte, die Zeilen las und dann, ohne ein Wort zu verlieren, die Blätter auf den Tisch zurücklegte. „Geht es ihm gut?“ Aga verspürte seit kurzem, daß sie Nerven hatte und daß diese zappelig zu werden begannen. Rosmarie nickte gleichmütig.„Was sollte ihm fehlen? Sie nahm den Brief, riß ihn in kleine Stücke und ließ sie in die Glut des Herdes fallen.„„ Mit einem Kopfschütteln sah die Alte ihr nuch, wie sie nach dem Garten ging. Wenn das ein gutes Ende nahm! Rosmaries Vater war auch gegangen, sogar dreimal. Nie hatte die Mutter gezürnt. Und als er das drittemal zurückkehrte, war sie tot gewesen, gestorben an der Sehnsucht nach ihm. Rosmarie würde nicht an der Sehnsucht nach ihrem Manne sterben. Sie würde ihren Weg allein gehen, auch ohne ihn. Und wenn er wiederkehrte? Sie spähte durch das Fenster und sah die junge Frau im Schatten der Obstbäume sitzen und in den Himmel starren, so weit das Geäst ihn freigab. Schwalbenpaare schwirrten über sie hinweg, und ein Kranich strebte dem Süden zu. Am Haus vorüber eilte ein Schritt. Horvathl“. 24 4m m Die Alte fuyr mit dem Hanbrucken nach dem Munve, der den Namen gesprochen hatte.. i6 6 Rosmarie sah erst auf, als der Geiger dicht vor ihr stand. „Noch immer in Trauer, Kind?“ Er nahm ihr dunkles Kleid sorgsam zur Seite, um neben ihr Platz zu finden.„Schreibt er auch fleißig, der böse Mann? Wieviel Schwüre der Treue hast du ihm schon geschickt?“... g. „Keinen! Ich habe kaum zwei seiner Briefe beantwortet. Er wurde ernst.„Das darfst du nicht tun! Du weißt nicht, wie hart man wartet. Denn quälen, nicht wahr, ihn mit Absicht quälen, das willst du doch nicht!“ Statt einer Antwort kam ein tiefes Atemholen.„Guido, ich möchte so gerne wieder frei sein! Ganz frei von ihm!" Rosmariel“....„..„ eunen M. „Ich möchte die Fesseln wieder abschutteln konnen, einem Manne Weib sein zu müssen, einem Manne, Guido, dem die Berühmtheit mehr gilt als all die Liebe, mit der ich ihn überschüttet habe. „Du bist ungerecht, Rosmarie!" „Ich habe geglaubt, ich sei ihm alles!“ „Das bist du auch! Glaub mir's doch! Wir Männer sind nur anderer Art. Versuche dich in seine Lage zu denken.“ „Ich will nicht. Wenn ich dich geheiratet hätte, Guido, würdest du mich auch nach so kurzer Zeit schon allein zurückgelassen haben und über mich hinweggegangen sein?“ In Horvaths Gesicht kamen und gingen die Farben.„Rosmarie, bedenke.“„ 4 „Ach so.“ Sie sah mit muden Augen nuch dem feinen Nebelstreifen, der den Horizont umrandete.„Das ist wieder eine Frage, auf die ein Mann lügen muß. Nein, sprich nicht! Ich schenke dir die Antwort.“ Er sah die aufeinandergepreßten Lippen und die Härte in ihrem Blick und neigte sich über ihre Hande.„Sein Beruf ist doch auch so ganz ein anderer als der meine,“ verteidigte er den abwesenden Freund.„Ich hätte dich selbstverständlich überallhin mitgenommen, wohin. du mir hättest folgen wollen. „Durch die ganze Welt, Guido!“ Seine Hände hingen zwischen den Knien zu Boden, und sein Rücken war tief nach vorn geneigt, damit sie sein Gesicht, aus dem jede Farbe gewichen war, nicht zu sehen vermochte. Nach einer Weile erhob er sich.„Kommst du mit? Ich gehe zu Janos!“ Sie schloß sich ihm an. Schweigend gingen sie zusammen über die Sturzäcker, den Rain entlang, nach der Hütte des Rinderhirten. Als sie vor dem Alten standen, hielt er die Augen zu einem Spalt geöffnet und blinzelte zu ihnen auf. „Es geht allen gleich. Allen! Erst schreien sie vor Wonnen, dann kriechen sie vor Leid.“ Rosmarie nickte, lehnte neben ihm an einem Pfosten des Zeltes und horchte auf Horvaths Stimme, der drinnen mit dem Kinde sprach.„So groß ist mein Junge schon! So groß! Aah!— Und einen Kuß kann er geben! Noch einen, Udo! Noch einen, ja!“ Janos sah zu ihr auf. In dem pergamentenen Gesicht spielte ein Lächeln.„Wenn du ein Kind hättest, Rosmarie! Ueber einem Kinde vergißt man den Mann.“ Sie schauerte zusammen.„Um Gott, nur das nicht!“ Sie fühlte, wie eine sengende Hitze ihren Körper durchjagte, und dann kam ein Frost, der sie gleichzeitig zu schütteln begann. „Nur das nicht!“ Horvath kam aus der Hütte, den Kleinen an der Hand. „Wie ähnlich er dir ist,“ sagte Rosmarie ahnungslos, setzte sich neben Janos auf ein Bündel Heu und nahm den Knaben auf den Schoß.„Ueberlaß ihn mir, Janos, er soll es gut bei mir haben. „Es geht ihm nicht schlecht,“ war die Erwiderung.„Wenn es kalt wird, schläft er bei Raja Bosanyi, und wenn er groß ist, kommt er zu seinem Vater in die Stadt.“ „Er hat einen Vater?“ fragte die junge Frau und errötete. als der Hirte ein leises Lachen anhub. Guido neigte sich zu dem Kinde herab und streichelte sein und Rosmaries Haar. Der Kleine strebte von ihrem Schoß und trabte mit dem Hunde, der den Pferch umkreiste. Der Künstler sah jeder seiner Bewegungen nach, verfolgte die dicken festen Beinchen. die mit dem Tier Schritt zu halten trachteten und horchte auf das Jauchzen, das herüberklang, als er ein Füllen einzuholen suchte. Er hatte wahrhaftig nichts von seiner Mutter. Alles von ihm! Die Aehnlichkeit wurde mit jedem Sommer wahrnehmbarer. Auch Rhythmus und Sinn für alles Schöne war dem Jungen angeboren. Vielleicht würde Raja diesmal seinen Bitten zugänglicher sein und das Kind seiner Obhut überlassen.„„ Er sah auf Rosmarie herav und erwog blißzschneu, od er sich ihr anvertrauen sollte. Aber sie würde sich vielleicht dann von ihm zurückziehen und es peinlich empfinden, oft mit ihm allein zu sein. Trotz ihres Weibtumes und des Leides, das sie jetzt erfuhr, war sie doch noch eine Frauenblüte, die behütet ein wollte. Er hatte auch Furcht, ihr Vertrauen zu verlieren. Am Abend wartete er, bis Raja zu Janos heraus kam, um dem Jungen gute Nacht zu sagen. Raja und Horvath sahen sich selten, oft vergingen Tage, bis sie sich zu Gesicht bekamen. Sie begrüßten sich mit einem schweigenden Nicken und hatten denselben knappen Gruß, wenn sie sich verabschiedeten. Niemals gingen sie gemeinsam nach Hause. In Rajas Ohr trompetete das Wort des Vaters:„Für einen Horvath und eine Bosanyi gibt es keine Brücke.“ Aber auch der Geiger hatte mit aller Macht gegen das Erinnern anzukämpfen, daß sein Kind der Enkel des Mannes war, der ihm den Vater gemordet, noch ehe er ihn kennen gelernt hatte. Was der Tote einst an ihm verschuldet, das hatte der Sohn wettgemacht, indem er ihm das Leben rettete, als ihn der Schlamm des Hortobagy zu ersticken drohte. Bosanyis Verhalten aber blieb sich immer gleich. Für ihn gab es keine Genugtuung. Raja kniete am Boden und nahm das Gesicht des Kindes zwischen ihre feingliedrigen Hände. Als Horvath zu reden begann, lehnte sie den Kopf etwas zurück und hielt den Knaben gegen die Brust gedrückt. Während er sprach, verblaßte sie und preßte das Kind nur noch fester an sich, bis es zu weinen begann. „Guido! Du willst das Kind haben, das nicht einmal das deine ist?“ Er fuhr auf, sah Janos warnenden Blick und den angstvol. weit geöffneten des Knaben und zwang sich zur Ruhe.„Du hast das schon einmal behauptet, Raja. Aber das Gesicht des Kindes straft dich Lügen! Es ist das meine. Kein Richter würde dir glauben, wenn du anders sagtest.“ „Guido!“ „Kein Mensch kann darüber hinweg, zu bejahen, daß wir uns ähnlich sehen. Und wie ähnlich! Gib mir das Kind!“ Sie vergrub das Gesicht am Hals des Kleinen, der mit einem Lächeln zu Horvath emporsah. „Nur jetzt kein Erinnern,“ schrie es in ihm. In dieser Minute mußte alles ausgeschaltet werden, was der Vergangenheit angehörte.„Gib mir das Kind! Oder werde meine Frau, dann kannst du es immer haben. Sie starrte halb geöffneten Mundes zu ihm auf.„Deine Frau?“ „Ja. „Trotz allem?“ „Trotz allem.“ „Und mein Vater?“ „Laß deinen Vater aus dem Spiel.“ „Ich kann nicht.“ Sie vergrub das Antlitz in den Händen und schluchzte so unbeherrscht auf, daß der Knabe eilig von ihr weg zu Horvath flüchtete, der ihn rasch auf den Arm hob und geduldig wartete, bis sie sich beruhigt hatte... 4. Snatti. „Deine Liebe, Raja, er suchte vergevlich den Spon in seinem Ton fernzuhalten,„ist rasch verlodert! Ein Steppenfrühling! Nichts weiter! Sie sei über alle Maßen, wolltest du mich einmal Glauben machen! Aber das war gelogen.“ „Guido!“. Sie klammerte ihre Hände um seine Knie. „Quäl sie nicht so zwecklos, mahnte der Hirte.„Macht ein Ende zusammen— so oder so!“ „Willst du also, daß alles zu Ende ist, Raja? Er fühlte, wie ihre Finger ihn umklammerten und festptelten...„.. min v. marger Achend „Uebermorgen reise ich. Kannst vu mir bis morgen Abeno Bescheid sagen? Du hast nichts zu fürchten. Wenn du mir den Jungen überläßt, wirst du immer von uns beiden hören. Immer, Raja. Wenn du meine Frau werden willst, schaffe ich uns irgendwo ein Heim. Lehnst du beides ab, bin ich tot für dich und das Kind. Ich werde nie wieder nach der Steppe kommen. Nie wieder! Auch nicht, wenn du mich rufen solltest. Für den Kleinen will ich dann eine größere Summe auf einer Bank hinterlegen, die du nach Belieben verwenden kannst. Wenn er groß ist, magst du ihm sagen, wer sein Vater ist, du kannst auch einen andern nennen. Vielleicht führen seine und meine Wege im Leben wieder einmal zusammen, wenn deine und meine sich längst getrennt haben. „Guido!" Er hatte sich von ihren Händen freigemacht, ließ sich von dem Knaben küssen und stellte ihn dann zu Boden. „Gute Nacht! Janos, vielleicht bist du so lieb und begleitest Raja ein Stück nach der Tanja hin, oder du gibst ihr einen der Hunde mit. Es dunkelt schon. Sein helles Beinkleid und das weiße Hemd leuchtete noch eine Strecke Weges, dann verschwand es hinter einem Acker klobigen Maises.,„, 87anf Otne Gins Zwei Tage später fuhr er ab. Oyne Fraur Ohne Kinor Raja hatte es nicht über sich gebracht, sich von dem Knaben zu trennen und sich auch nicht entschließen können, aus dem Hause des Vaters zu flüchten. Als der Mann ihrer Liebe über die Steppe nach der Station ritt, stand sie mit dem Kinde weit draußen an einem der Raine und hielt es ihm entgegen. Er warf dem Kleinen eine Kußhand zu. Für sie selbst aber hatte er keinen Blick gehabt, für sie, die ihm den Knaben geboren hatte und zugrunde ging über die Maßlosigkeit ihrer Liebe. Janos fand sie in Weinkrämpfen auf dem Boden kauern, das Gesicht in die schwarzen Schollen gedrückt. Als sie es hob, sah der Alte, daß sie vom Leid gezeichnet war, vom Leid, für das es kein Wort und nimmermehr ein Ende gab. der Jugend ihrer zwanzig Jahre und der Würde ihres jungen Frauentums so sehr gefreut hatte, ging sie auf Reisen. „Allein?“ hatte Aga gesagt und keinen Ton mehr laut werden lassen, als Rosmarie fragte, ob sie besser täte, sich von jemand begleiten zu lassen. Gott, dieser Szengeryi! Wenn der wüßte, was aus Rosmarie geworden ist. Kamen Briefe von ihm, blieben sie meist tagelang ungeöffnet auf dem Schreibtisch liegen, um dann flüchtig gelesen und nicht weiter mehr beachtet zu werden. Nur selten wurde einer erwidert. Und dann waren es dünne Hüllen, die nur wenige Zeilen enthielten, während die seinen nie unter sechzehn Seiten zählten und gespickten Brieftaschen glichen. Er bat so dringend um ein Bild. Das seine sei vergilbt und unkenntlich geworden unter seinen Küssen. Rosmarie zuckte die Achseln:„Ich habe keins.“ „Es gibt so viele Lichtbildner in Wien,“ erinnerte Aga und ließ ihr Lachen schon im ersten Laut ersterben, denn Rosmarie trat an Szengeryis Schreibtisch, nahm dort ihr Bild, das in einem kostbaren Rahmen stand, heraus und riß es in zwei Teile, die sie in die Glut des Kamins warf. „Rosmarie!" Die Alte starrte entsetzt nach der Flamme, die gierig aufzüngelte.„Wenn es fehlt, wenn er nach Hause kommt!“ „Es wird manches fehlen, wenn er zurückkehrt.“ Mit einem Kopfschütteln ging Aga aus dem Zimmer. Rosmarie überkam eine fiebernde Hast, alle Schubladen= und Albums zu durchsuchen, ob nicht irgendwo ein Bild von ihr steckte. Wo sich ein solches fand, nahm sie es heraus und warf es in die Glut zu den anderen. Ein ganzes Dutzend verschiedenster Aufnahmen war schon dahin gewandert. Zum Schlusse fand sich kein einziges mehr, so sehr sie auch danach Umschau hielt. In einem tiefen Stuhl vor dem Kachelofen des Eßzimmers sitzend, träumte sie vor sich hin und hielt einen Brief des Gatten im Schoße. Immer wieder lasen ihre Augen die eine Stelle:„Meine Tage sind ein einziges Sehnen— meine Nächte ein einziges Begehren nach dir! Dein Bild ist unkenntlich von meinen Küssen, und wenn ich zurückkomme, wird Dein Mund es sein. Sie legte den Kopf zurück und lächelte.„Wenn er zurückkommt...“„„„ M4#c Tags darauf reiste sie ab. Aga soute immer Nachricht von ihr haben, versprach sie.„Und die Briefe von deinem Mann?“ fragte die Alte und hielt die jungen zitternden Hände fest. „Die schickst du mir nach.“ Rosmarie sah Agas Aufatmen und strich ihr über die Wangen.„Küß mich nochmals, du Gute! Ich muß mich nicht sorgen um dich? Nein? Von dem Gehalte Belas nimmst du monatlich, was du für dich und für sonstige Ausgaben brauchst. Das andere deponierst du alles auf seinen Namen, nicht auf den meinen. Aga. Du hast mich doch verstanden?" Aga nickte. Ach Gott, wie das Sprechen für den Augenblick doch über die Maßen schwer war! „Was ich benötige, habe ich von meinem Vermögen abgehoben, sprach Rosmarie weiter. „Warum willst du nichts vom Gelde deines Mannes?“ Nun schossen der Alten Tränen über die Wangen. „Du mußt das verstehen,“ beruhigte die junge Frau.„Er wird sehr froh sein, wenn sein Gehalt zurückgelegt ist. Menschen, die berühmt werden und rasch emporsteigen wollen, müssen Kapital in der Hand haben. Nur deswegen. Aga. Begreifst du auch?“... J—3 Bam2 Die Alte nickte. Sie war doch gut, ihle Kosmäriel Zwei Stunden später stand sie allein in der großen Wohnung und wurde ein Gefühl unsäglicher Verlassenheit nicht los, das sich wie ein unbestimmtes Ahnen von etwas Gräßlichem, das sich ereignen würde, in ihre Seele einbohrte. Sie träumte nachts von Eisbären und wilden Männern, die Török und Szengeryi zerfleischten und fand erst nach Tagen ihr Gleichgewicht wieder, als sowohl von Norden als auch von Süden her, wo Rosmarie jetzt weilte, gute Nachricht eintraf. Den Herbst und die ersten Wintermonate verbrachte Rosmarie in Wien. Als die Bälle begannen, auf die sie sich mit Horvath hatte einen Abend in Venedig konzertiert und rekelte sich am andern Morgen schlaftrunken auf dem unbequemen Kissen zurecht, das wie ein Sack unter seinem hämmernden Kopfe lag. Er hatte gestern Abend dem Boy zehn Lire in die Hand gedrückt, damit er ihm ein anderes Kissen verschaffe. Der Junge hatte das ganze Hotel auf die Füße gestellt und war bis in die letzte Dachluke geklettert, aber der Wunsch des deutschen Künstlers war nicht erfüllbar. „Etwas Weicheres gibt es in ganz Venedig nicht," berichtete er mitleidig. Es war eine Tortur für Horvath gewesen, darauf zu liegen. Seine Koffer waren nicht rechtzeitig eingetroffen. Heute würde er hoffentlich auf seinen eigenen Kissen schlafen können. Auf ein diskretes Klopfen gab er keine Antwort und drehte sich wieder nach der anderen Seite. Was sollte er jetzt schon? Er sah nach der Uhr auf dem Nachttisch. Ein halb zehn! Wenn jemand etwas von ihm wünschte, dann konnte er Eine Hand drückte auf die Klinke.„Fatal!“ Er hatte nicht versperrt. Nur gut, daß der kleine Salon dazwischen lag, so konnte er wenigstens aus den Laken kommen, ohne gesehen zu werden.(prech „Bitte, Signora!“ hörte er eine Stimmie sprechen„Vergessen Sie nicht Herrn Horvath zu bestätigen, daß Sie nicht gemeldet sein wollten Ich möchte für keinen Fall die Ungnade Signor Horvaths auf mich laden.“ Eine Erwiderung unterblieb Nur die Türe draußen klappte ins Schloß, und ein leiser Schritt glitt über den sppe(Forsetzung folgt.) Die beigelegte Krise n. Frankreich Dramatischer Verlauf der Kabinektssitzung Aus den Berichten der Pariser Presse gewinnt man den Eindruck, daß in dem Kabinettsrat am Dienstagnachmittag, der den Konflikt Tardien—Chautemps beilegte, die Entscheidung auf des Messers Schneide stand. Ministerpräsident Doumergue war entweder für unveränderte Beibehaltung des Ministeriums oder für den Gesamtrücktritt. Nachdem Doumergue dies gesagt hatte, soll Staatsminister Herriot im Kabinettsrat erklärt haben, er müsse erst seine Parteifreunde befragen. Doumergue habe ihm daraufhin das Wort abgeschnitten und Anstalten gemacht, das Rücktrittsschreiben aufzusetzen. Diesen Augenblick benutzte Kolonialminister Laval, der schon im Februar die größten Anstrengungen gemacht hatte, damit das Kabinett Doumerque zustande kam, um vermittelnd einzugreifen. Es wurde eine Sitzungspause eingelegt, und die fünf radikalsozialistischen Regierungsmitglieder besprachen sich über eine Stunde lang unter sich und kamen dann mit einer kurzen Erklärung zurück, die ein Weiterbestehen des Ministeriums in der bisherigen Gestalt erlaubt. Doumergue war so gerührt, daß er mit Tränen in den Augen Tardien und Herriot umarmte. Die Staatsmänner schüttelten sich dann herzlich die Hände. In der französischen Presse ist man zufrieden, daß eine Regierungskrise vermieden werden konnte. Es wird allgemein hervorgehoben, daß die persönliche Stellung Doumerques durch den Gang der Ereignisse verstärkt worden ist. Der „Petit Parisien“ weist darauf hin, daß es der gunzen Autorität des Regierungschefs bedurft ##be, um das unveränderte Weiterbestehen des Kabinetts durchzusetzen.„Journal“ erklärt, das Weiterbestehen der Waffenstillstandsregierung werde nahezu einmütig die Billigung des Landes finden. In den Zeitungen, die der radikalsozialistischen Partei nahestehen, wird selbstverständlich auf Vorbehalte der radikalsozialistischen Minister hingedeutet, die den Fall selbst auf dem Parteitag im Oktober zur Sprache bringen werden. Umwandlung von Todesstrafen Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident die gegen die Eheleute Franz und Margarete Stöhr von dem Schwurgericht in Landsberg a. d. W. wegen Kindesmordes erkannten Todesstrafen im Gnadenwege in eine lebenslängliche bzw. in eine achtjährige Zuchthausstrafe umgewandelt. Der preußische Ministerpräsident hat sich zur Begnadigung entschlossen, weil seit der Tat mehr als sieben Jahre vergangen sind, der verurteilte Ehemann in dieser Zeit ein arbeitsreiches Leben geführt hat und seinen später geborenen Kindern ein ordentlicher Vater gewesen ist und weil die Ehefrau bei der Tat unter dem Einfluß ihres Mannes gestanden hat. Böllige Uebereinstimmung zwischen Polen und Estland Eine Warschauer Meldung berichtet: Wie die halbamtliche Askra=Agentur aus Reval meldet, haben die bisherigen Verhandlungen des Außenministers Beck mit den Staatsmannern Estlands eine völlige Uebereinstimmung der politischen Ziele ergeben. Sie bestätigen erneut den Willen zur engsten Zusammenarbeit der beiden Regierungen. Das Zusammengehen Polens und Estlands auf internationalem Boden wird fortgesetzt, zumal sich beide Regierungen dahin einigten, daß diese Methode den Interessen der beiden Völker am meisten entspricht und konkrete Ergebnisse zur Festigung des Friedens zeitigt. Aus den Unterredungen Becks mit den führenden Staatsmännern Estlands hat sich weiter ergeben, daß weder die estnische Regierung noch das Volk bereit sind, die bisherige Methode der zweiseitigen Negelung der zwischenstaatlichen Beziehungen zu verlassen. In der Frage der Pakte wartet Estland in Ruhe die Ergebnisse der schwebenden zwischenstaatlichen Verhandlungen ab, die zu einer Klärung der Frage führen sollen. Eile scheint nicht geboten und die leichtfertige Unterzeichnung der Pakte erachtet man als unzulässig; deshalb nimmt Estland zusammen mit Polen zu en neuen Paktvorschlägen eine abwartende Haltung ein. regierungsfreundliche„Kurjer Poranny“ versfientlicht in diesem Zusammenhang bemerkenswerte Unterredungen seines nach Reval entsandten Sonderberichterstatters mit dem estnischen Außenminister Seljamag und dem General Laioner. außenminister Seljamag erklärte, Estland und werde mit Polen zusammen vorgehen. Eine Annäherung der baltischen Staaten an Poten erachte### als dringende Notwendigkeit. General Laidoner wiederum erklärte; Polen und Estland müssen auf allen Gebieten aufs engste zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit ist notwendig, zeil unsere geopolitische Lage übereinstimmt. Uus trennen nicht die geringsten Streitftagen, die die Zusammenarbeit trüben könnten. gab der General folgende VersicheDiss 9b:. J. zpeifle an der Möglichkeit und Tnrchfuhrdurteit der Pakte. Srepe Welterschuren Trockenheit— Ilul— Sturm— Gewitter Neue Schiffahrtsstockungen auf der Elbe Der ungewöhnlich niedrige Wasserstand der Elbe hat bei Unbesandten eine neue Sandbank aus dem Strom auftauchen lassen, die den Schifffahrtsverkehr fast völlig lahmlegt. Auf einer Strecke von 10 Kilometer warten fast 200 Fahrzeuge auf die Durchfahrt. Oft schleppen Passagierdampfer oder Motorkähne ein einziges Fahrzeug, um es wieder flott zu machen. Ein bei Unbesandten auf Grund gegangener Kahn aus Hamburg mit Schwefelkies ist vollständig verloren. Er ist mehrmals gebrochen. Vier Todesopfer des Sturmes am Bodensee Wie sich jetzt herausstellt, hat der furchtbare Gewittersturm vom letzten Sonntag in der Nähe von Lindau noch ein zweites Todesopfer gefordert. Es handelt sich um den Paddler Oskar Meule aus St. Gallen. Dieser hatte zusammen mit einem Kameraden in einem Faltboot eine Fahrt nach Lindau unternommen. Bei der Rückkehr gerieten sie in den Sturm, der das Boot zum Kentern brachte. Der zweite Insasse konnte das österreichische Ufer erreichen. Meule hielt sich anfangs am Boot fest, ging dann aber infolge Uebermüdung unter und ertrank. Zwei weitere Todesopfer forderte der Sturm am Untersee. Von Konstanz aus hatte sich der Maler Hans Manz mit einem Freunde im Paddelboot auf den See begeben, um nach der Insel Reichenau zu rudern. Unterwegs wurden sie vom Sturm überrascht, der das leichte Boot umriß. Während sich der Begleiter retten konnte, ist Manz ertrunken. Bei Eschenz ertrank der Schreiner Jakob Müller. Hochwasserkatastrophe in Pommerellen Aus Bromberg, 25. Juli, kommt die Meldung: Die Hochwasserwelle, die vor wenigen Tagen den nördlichen Teil Galiziens und das Krakauer Gebiet heimgesucht hat, hat am Dienstagabend und Mittwochvormittag den nördlichen Teil der Wojwodschaft Posen und Pommerellen erreicht. Die Weichsel und ihre Nebenflüsse führen ungeheure Wassermassen mit sich. An vielen Orten Pommerellens ist die Weichsel über die Ufer getreten. Sie hat stellenweise die Dämme durchbrochen. Besonders gefährdet sind die Ortschaften Fordon, Schwetz und Kulm. Die Landwirtschaft der gesamten Weichselniederung ist aufs schwerste betroffen, da der größte Teil der Ernte als vernichtet anzusehen ist. In den Ortschaften der Weichselniederung Pommerellens ist der Verkehr unterbrochen. Die Gefahr wird dadurch noch erhöht, daß über Pommerellen und Nordposen seit zwei Tagen starke Regengüsse niedergehen. Gewittersturm über London Das von lang andauernder Trockenheit ausgedörrte London erlebte Dienstagnachmittag einen Gewittersturm von ungewöhnlicher Stärke, der großen Schaden anrichtete. Starke Regenfälle verwandelten die Straßen und Plätze in Flüsse und Seen. Zahlreiche Blitzschläge trafen in Gebäude. Am schwersten wurden die südlichen Stadtteile Londons von dem Unwetter heimgesucht. Bei Acton mußte die Untergrundbahn den Verkehr einstellen, und auch der Eisenbahn= und Straßenbahnverkehr erlitten erhebliche Störunge7. Waldbrand bei Toulouse Das bewaldete Berggelände Les Maures unweit von Toulouse steht in Flammen. Es sind bis jetzt 10 000 Hektar Eichen= und Pinienbestand dem Brande zum Opfer gefallen. Die Ortschaft Bornes, ein beliebter Sommeraufenthalt, mußte von der Bevölkerung geräumt werden. Starke Hitze und Stürme in Ankara Aus Istambul wird gemeldet: Die Hitzewelle breitet sich unter Ansteigen der Temperaturen immer weiter aus. In Ankara ging am Dienstag ein Sandsturm nieder, der die Stadt in eine dichte Wolke glühendheißen Sandes einhüllte und zahlreichen Sachschaden anrichtete. Eine Viertelstunde lang ruhte jeder Verkehr. Wenig später wurde die Stadt von einem wolkenbruchartigen Regen heimgesucht. Unwetter in Texas Aus Eaglepaß(Texas) wird berichtet: Bei einem schweren Unwetter, das die Stadt heimsuchte, wurden acht Personen getötet und 20 schwer verletzt. Zahlreiche Bewohner sind obdachlos. an die Polizei verraten hatte, und nahm dort eine Durchsuchung vor. Dabei wurde das rote Kleid gefunden, das bei Dillingers Erschießung als Signal gedient hatte. Der Bundespolizei waren diese Einzelheiten bereits längst bekannt. Sie war bestrebt, die beiden Frauen, die bei Dillingers Erschießung behilflich gewesen waren, zu schützen und hat sich daher der Oeffentlichkeit gegenüber bezüglich der Einzelheiten nicht geäußert. Die Stadtpolizei behauptet, Dillinger habe sich seine eigene Falle gestellt, indem er sich mit einer Frau anzufreunden suchte, deren Geliebter ein früherer Sträfling sei. Diese Frau habe sich mehr für den Preis interessiert, der auf Dillingers Kopf ausgesetzt war, als für diesen selber. Sie setzte sich mit der Bundespolizei in Verbindung, um Dillinger vor dem Lichtspieltheater, das er fast täglich besuchte, festnehmen zu lassen. Zusammen mit einer Freundin begleitete sie Dillinger am entscheidenden Sonntag in das Kino, wo die Festnahme Dillingers auch gelungen wäre, wenn nicht ein Stadtpolizist die Bundesagenten für Gangster gehalten hätte. Seine Frage an die Dillinger umstellenden Beamten ließ diesen Verdacht schöpfen, so daß die Bundesagenten den nach seinem Revolver greifenden Banditen durch dessen Erschießung zuvorkommen mußten. Habotage auf einem holländischen Zischereischutzvoot Aus Amsterdam wird gemeldet: Auf dem Fischereischutzboot„Nautilus“, dessen Maschinen durch einen Sabotageakt unbrauchbar gemacht worden waren, ist ein Mitglied der Besatzung unter dem Verdacht der Haupttäterschaft verhaftet worden. Er soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Sämtliche Besatzungsangehörige sind einem scharfen Verhör unterzogen worden. Die militärische Ueberwachung des Marinehafens den Helder ist verschärft worden. Bei der„Nautilus“ handelt es sich um ein Motorfahrzeug mit einer Wasserverdrängung von 800 Tonnen. Die Besatzung ist 50 Mann stark. Das Fahrzeug ist mit 4 Kanonen und 2 Maschinengewehren ausgerüstet. Das Programm der englischen Arbeiterpartel Der nationale Vollzugsausschuß der englischen Arbeitervartei hat den Bericht veröffentlicht. der im Oktober in Southvort der Jahreskonferenz der Partei unterbreitet werden wird. Der Bericht umfaßt alles, was sich in marxistischen Programmen zu finden pflegt, wie Nationalisierung der wichtigsten Industrien, der öffentlichen Unternehmungen, der Banken usw. Ferner spricht der Bericht von der Möglichkeit der Abschaffung des Oberhauses. Schließlich sieht er die allgemeine Abrüstung. Abschaffung der Luftstreitkräfte aller Länder, Internationalisierung der Zivilluftfahrt und die Bildung einer internationalen Luftstreitmacht vor. * Erneute Vorschläge der Kommunistischen Partei Großbritanniens zur Bildung einer Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg wurden am Dienstag vom gemeinsamen nationalen Ausschuß des Gewerkschaftsrates, des Gewerkschaftskongresses, des Vollzugsausschusses der Arbeiterpartei und des Vollzugsausschusses der parlamentarischen Arbeiterpartei abgelehnt. Es wurde erklärt, es bestehe kein Anlaß, die bisherige Haltung zu ändern. Der Dillinger-Rummel Das geht schon über Geschmacklosigkeit Begleitet von sechs Automobilen mit Pressevertretern und mehreren hundert Autos mit Neugierigen wurde die Leiche des erschossenen Banditen John Dillinger von seiner Familie aus Chicago abgeholt, um bei Indianopolis begraben zu werden. Dillingers Gesicht war von Spezialisten so gut wie möglich zusammengeflickt worden, um die Kugelspuren zu verbergen. Für Dillingers blutbeflecktes Hemd wurden bereits 1000 Dollar geboten. Dillingers Vater äußerte die Hoffnung, daß sein Sohn noch irgendwo Geld verborgen habe, das noch gefunden werden könne. Als die Leiche in der Nähe des Friedhofs ankam, durchbrach eine mehrtausendköpfige Menge die Polizeiketten, um noch einen letzten Blick auf den Weidenkorb wersen zu können, der die Ueberreste des Banditen barg. Die Leichenträger brachten jedoch den Korb so schnell in die Leichenhalle, daß die Menge um diese letzte Sensation gebracht wurde. Die Polizei trifft umfassende Vorbereitungen für die Beerdigung des Banditen, da ein Riesenandrang von Neugierigen erwartet wird. Bereits jetzt besorgten sich geschäftstüchtige Leute Erde von der zukünftigen Grabstätte Dillingers und verkauften sie als Andenken. Die Chicagoer städtische Polizei drang mit Gewalt in die Wohnung der Frau ein, die Dillinger Die 46jährige Ehefrau des Tabakwarengroßhändlers Steinbrecher in der Augsburger Straße 24 in Berlin=Charlottenburg wurde am Dienstagabend von einem angeblichen Kunden, der vorgab, Tabakwaren abholen zu wollen, überfallen und durch mehrere wuchtige Schläge auf den Kopf schwer verletzt. Der Täter raubte die auf dem Packtisch des Verkaufsraumes stehende Geldkassette, in der sich 400 Mark befanden, und konnte unerkannt entkommen. Im Anschluß an das gesetzliche Sammelverbot für die Sommermonate stellt, wie das Rdz melt, der Reichspostminister in einer Verfügung fest, daß die an den Postschaltern stehenden Sammelbüchsen, die zunächst für den Winterpfennig sammelten und dann zur Aufnahme von Spenden für die Hilfswerke der NS.=Volkswohlkhrt dienten, zurückgezogen werden müssen. #h Leerung der Büchsen durch die Amtsleitungen der Ne.=Volkswohlfayrt sollen die Büchen bis auf weiteres bei den Postanstalten gesuhert aufbewahrt werden. Im Puttkamer Prozeß hat die vom Schwurgericht in Breslau am 4. Mai dieses Jahres wegen Meineid, Konkursverbrechens, Vollstreckungsvereitelung und Beihilfe zur Untreue zu Jahren, neun Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilte Frau Maria Agnes von Puttkamer ihre Revision durch ihren Verteidiger zurückgezogen. Da die Staatsanwaltschaft die von ihr gegen die Freisprechung der Schwestern der Frau Puttkamer, Olga und Elisabeth Kum, eingelegte Revision ebenfalls zurückgezogen hat, ist das Urteil des Schwurgerichts in vollem Umfange rechtskräftig geworden. „Die dem=Kiererryent un Deu, Jußball-Vorfinale: Südwest— Niederrhein 2:1 u. Verl. Das erste Vorrundenspiel der Fußballer um den Kampfspielpokal ist entschieden. Südwest vermochte sich gegen den Niederrhein mit einem knappen 2:1=Siege in der Verlängerung ins Finale zu spielen, aber„Die vom Niederrhein“. wehrten sich tapfer. Sie lagen bei der Pause noch durch einen Kopfball Hohmanns mit 1:0 in Front. In der zweiten Halbzeit konnte der Linksaußen der Südwestdeutschen, Fath von Worms, ausgleichen, und in der Verlängerung war dann der Halblinke Möbs der glückliche Torschütze der Südwestdeutschen. Vorweg ist zu sagen, daß das Spiel der beiden Einheiten, die in der vorgesehenen stärksten Besetzung antraten, auch die hochgespanntesten Erwartungen erfüllte. Es war ein des Sportfestes aller Deutschen würdiger und wirklicher Propagandakampf, dem die zahlreichen Zuschauer mit Begeisterung bis zum Abpfiff folgten. 25000 Zuschauer hatten sich etwa in der Hauptkampfbahn eingefunden, als der Unparteiische Maul(Nürnberg), der den Kampf mit großer Umsicht leitete, den Ball freigab. Das Kampfspielturnier in München Es gab eine Reihe recht interessanter Kämpfe zu sehen. Am meisten Bedeutung kam dem Treffen zwischen Frl. Außem und Frau Richter, Köln, zu, das auf dem Meisterschaftsplatz den Abschluß des zweiten Turniertages bildete. Im ersten Satz siegte„Cilly“ mit 6:1 sicher, wobei erst beim Stande von 5:0 die Kölnerin ihr einziges Spiel gewann. Der zweite Satz gestaltete sich dann zu einem ganz erbitterten Kampfe, bei dem Frau Richter schon 2:0 führte, bis Frl. Außem ein Spiel für sich buchte. Noch einmal kam Frau Richter mit 3:1 in Front, dann übernahm Frl. Außem das Kommando, konnte aber erst nach Kampf den Satz mit 6:3 für sich entscheiden. Bis zum Eintritt der Dunkelheit wurde schließlich gekämpft. Das Matsch zwischen Frau Schneider=Peitz(Düsseldorf) und Frl. v. Ende (Berlin), das zur zweiten Runde zählte, mußte beim Stande von 7:5, 3•5 abgebrochen werden, weil kein Ball mehr zu sehen war. Letzte Ergebnisse im Schwimmen Die 3mal 200 Meter Brust der Damen wurden geradezu ein Triumph für die Berlinerinnen. Drei Rixenstaffeln trat nur der 1. g0 Nürnberg gegenüber, der nichts zu bestellen hatte. Die Charlottenburgerinnen Suchardt, Matthes und Engelmann schwammen mit 10:02,2 einen überlegenen Sieg heraus. Hellas 4mal=200-Meter=Brust=Meister Recht knapp war das Ergebnis der 4mal 200Meter=Bruststaffel der Herren. Die von Rückewoldt für Hellas herausgeholte Führung wurde von den famos schwimmenden Frankfurtern Hennirch und Minnich wieder wettgemacht. So hatte Heins als Schlußmann der Hellenen Mühe, noch einen Handschlagsieg herauszuholen. Deiters 400=Meter=Kraul=Meister Einen prächtigen Kampf gab es über 400 Meter Kraul, wo die robuste Kraft des früheren Kölners im Endspurt den Ausschlag gab. Deiters siegte mit 5 Meter Vorsprung in 5:16,2 vor Nüßke, Schrader und dem sich ausgezeichnet haltenden Elberfelder Peter. Um den dritten Platz im Schlagball Im Schlagball wurde der dritte Platz des Turniers vergeben. Der südostdeutsche Meister, ATV Mikultschütz, siegte über Einigkeit Jöllenbeck mit 40:38 Läufen. Amerikanischer Tennissieg am letzten Tag Die amerikanische Davispokalmannschaft, die am ersten Tage des Interzonenfinals gegen Australien mit 0:2 im Rückstand lag, hat nach dem Gewinn des Doppels am Mittwoch die beiden Einzelspiele an sich gerissen und damit die Berechtigung erkämpft. am Samstag, Montag und Dienstag. wieder in Wimbledon, gegen den Pokalverteidiger England anzutreten. Wood schlug Crawford 6:3. 9:7, 4:6. 4:6, 6:2 und Shields triumphierte mit 6:4, 6:2, 6:4 über Me Gratb. Massenankuuft bei der Tour de France Die Tour de France scheint zugunsten des Franzosen A. Magne entschieden zu sein. So verlief die 19. Etappe von Pau nach Vordeaux über 215 Kilometer ziemlich eintönig. Im Endspurt siegte nach einer Fahrzeit von 7.07:33 der italienische Tourist Meini vor Ghyssels. Louviot, Martana. 28 Fadrer wurden auf den 11. Rang gesetzt, dazunter die vier noch im Rennen befindlichen Deutschen Stöoel. Sever, Risch und Kutschdack. Türnen, Exiel und Sper. Der Mittwoch bei den Deutschen Kampfspielen Wieder lebhafter Beir seb in allen Lagern Die Wettkämpfe werden nun mit wenigen Ausnahmen auf den weiten Anlagen des Hauptstadions ausgetragen. Auf den Nebenplätzen waren bereits zur frühen Morgenstunde die Faustballer und Schlagballspieler sowie die Hockeyspieler angetreten. Die modernen Fünfkämpfer begannen ihre schwere Meisterschaft am Mittwoch mit dem Geländeritt im entfernten Gelände des Chmausenbucks. Die Schützen begannen ihre Kämpfe auf dem Schießplatz in der Werderau. Das meiste Interesse beanspruchen wieder besser und nach der regulären Spielzeit stand der Kampf 31:31. In der Verlängerung von zweimal fünf Minuten entschieden die Braunschweiger mit 42:38 das Spiel zu ihren Gunsten.— Bei den Frauen gab es ein gleichwertiges Endspiel zwischen dem Tunverband Eimsbüttel und dem Turnerbund Unterbarmen. Bei Halbzeit stand der Kampf 12:12. dann wurden die Norddeutschen besser und siegten mit 24:17. Degen-Einzelmeisterschaften begonnen Im Tiergartensaal wurde am Mittwochvormittag die Degenmeisterschaft in Angriff genommen. Es traten 72 Fechter an, die in 12 Gruppen zu je 6 Teilnehmern kämpften. Die Gefechte wurden überraschend schnell abgewickelt. In etwa 4 Stunden wurden 180 Einzelgefechte erledigt. die Schwimmwettkämpfe im schönen Schwimmstadion, wo ein recht buntes Leben und Treiben herrschte. Der zweite Tag brachte bereits eine Entscheidung, die 4X100=MeterKraulstaffelmeisterschaft für Vereine ohne Winterbad. Die Staffel wurde ganz überlegen vom Schwimm=Verein Nossen in 4:59.5 gewonnen.— Im ersten Vorlauf zur 100=Meter=Kraulmeisterschaft für Damen siegte Frl. Ohliger=Solingen vor Frl. Arend=Charlottenburg.— Im zweiten Vorlauf gewann Frl. Salbert=Charlottenburg vor Reni Küppers=Bremen.— Als schnellste Vierte kam Frl. Geerken=Ottensen in die Entscheidung.— Im gleichen Wettbewerb der Herren wurden drei Vorläufe ausgetragen.— Hier erzielte Rekordmann Fischer=Bremen mit 1:01.8 gleich im ersten Lauf die schnellste Zeit. Im zweiten Vorlauf gewann der Gleiwitzer Wille in 1:04,1. Im dritten Vorlauf belegte Heiko Schwartz=Magdeburg 96 in 1:02.5 den ersten Platz. Als schnellster Vierter kommt der Nürnberger Lemp in die Entscheidung.— Eine prachtvolle Ankunft gab es in der nicht zur Meisterschaft zählenden 3X50=Meter=Bruststaffel für Herren über 32 Jahre. Ete Rademacher und Erber von Bayern 07 wechselten als letzte Leute fast gleichzeitig. Der Nürnberger bot Ete Rademacher harten Widerstand und der Altmeister mußte alles aufbieten, um gerade noch die Staffel mit Anschlag für Magdeburg zu entscheiden.— In der Mehrkampfmeisterschaft führt mit großem Vorsprung Leo Esser, dem die Meisterschaft kaum noch zu nehmen sein wird. Anschließend wurde das Turmspringen der Damen entschieden. Es traten 10 Bewerberinnen an. darunter auch die Titelverteidigerin Hertha Schieche, die in allen vier Sprüngen famose Haltung ###gte. Sie siegte sicher vor Frl. Bingel=Dortmund. Die nächste Entscheidung fiel im 400=Meter=Kraul= schwimmen der Damen. Der Wettbewerb war von Anfang an eine sichere Sache für die Charlotten= burgerin Ruth Halbsguth. die ihre Klubkameradin Hilde Salbert auf den zweiten Platz verwies. Mit 6:02.8 Minuten erzielte die Siegerin einen neuen deutschen Rekord. Sehr spannend verlief die 4X200= Meter=Kraul=Meisterschaft der Herren. Vom Start weg brachte Aki Rademacher die zweite Mannschaft von Hellas Magdeburg in Front, doch schon nach dem Wechsel setzte sich Magdeburg 96 durch Heiko Schwartz an die Spitze. Hans Schulze vergrößerte den Vorsprung und als Deiters, der Schlußmann. Ins Wasser ging. war der Sieg von Magdeburg 96 sicher. Gleiwitz 1900 und Hellas Magdeburg II. endeten im toten Rennen an zweiter Stelle. Charlottenburger Niren vor Düsseldorf in der Lagenstaffel Die Lagenstaffel=Meisterschaften der Frauen, die die Nachmittagsereignisse bei den Schwimmern einleitete, brachte einen interessanten Kampf. Gisela Ahrendt konnte ihren Verein im Rückenschwimmen leicht in Front bringen, doch verlor Traute Engelman gegen Claire Dreyer nicht nur den knappen Vorsprung, sondern wurde von der Düsseldorferin noch überholt. Das Kraulschwimmen mußte also die Entscheidung bringen. Hier zeigte Hilde Salbert ihr ausgezeichnetes Können, ging in Front und erreichte als erste das Ziel. Hinter diesen beiden Vereinen sicherte sich die zweite Staffel der Charlottenburger Nixen den dritten Platz vor Germania Dortmund. Wille=Gleiwitz 100=Meter=Kraul=Kampfspielsieger Ein famoses Rennen wurde die 100=MeterKraulmeisterschaft der Herren. Kopf an Kopf eilten die Bewerber der ersten Wende zu, die der Gleiwitzer Wille knapp vor dem Titelverteidiger Fischer=Bremen, Heiko Schwartz=Magdeburg und Leisewitz=Hannover erreichte. Auf der zweiten Bahn arbeitete sich Wille weiter vor und errang den Meistertitel in der diesjährigen besten Freiwasserzeit von 1:01,3. Marauhn=Poseidon Berlin siegt im Kunstspringen Das Kunstspringen wurde zu einem schönen Erfolg für Fritz Marauhn=Poseidon Berlin. Die Entscheidung fiel erst beim letzten Gang. Ein 1½=Salto rückwärts brachte Esser nur 13.86 Punkte. Als darauf Marauhn einen 1½=Salto Horwärts mit Schraube ganz wundervoll drehte, stand sein Sieg sicher. Er erhielt auch die höchste Rote mit 16.33 Punkten. Viebahn sicherte sich durch Zinen 2½=Salto, der ihm 14.91 Punkte einbrachte, den dritten Platz. Schwarz=Hamburg Meister über 100 Meter Rücke Im Rückenschwimmen über 100 Meter der Herrei entwickelte sich gleichfalls ein spannender Kampf Küppers hatte bis zur Wende einen winzigen Vor sprung vor Schwarz=Hamburg und Simon=Gladbedk Rußte aber auf der zweiten Bahn den Hamburge horbeilassen. Mit gut einem Meter siegte Schwar in 1:13.5 vor dem Europameister Küppers. Rugby=Werbung Nord— Süd 19:11 Neben den Fußball=, Hockey= und Handballspieler kamen auch die Rugbyspieler bei den Deutsche Kampfspielen zu Wort. In einem Werbespiel stan den sich die Mannschaften von Nord= und Süd deutschland am Mittwochnachmittag gegenüber Nach einem sportlich wertvollen Kampf siegten die norddeutschen erwartungsgemäß mit 19.11(13:3) Braunschweig und Eimsbüttel Faustballsieger Die Nachmittagsveranstaltungen in der Hauptkampfbahn wurden mit den Entscheidungen im Faustball der Männer und Frauen eingeleitet. Bei den Männern Janden sich Lichtlustbad Franksur M. und per M4V Braunschweig gegenüber. Die Frankfurter führten bald 8:1 und bei der Pause 1:15. Nach dem Wechsel wurde Braunschweig Die ersten hockeyspiele Auf der Liegewiese des Schwimmstadions wurden die ersten Hockeyspiele ausgetragen. Den Anfang machten die Nachwuchsmannschaften von West und Süddeutschland vor zahlreichen Zuschauern. Die Westdeutschen schienen das Spiel klar zu verlieren. als beim 4:0=Stande für den Süden plötzlich ein Umschwung eintrat. Die Westdeutschen, die sich anscheinend bis zur Pause Zurückhaltung auferlegt hatten, legten in der zweiten Hälfte ein scharfes Tempo vor, dem der Gegner nicht mehr gewachsen war. Norddeutschland— Brandenburg 3:2 Auch im zweiten Spiel gab es eine Ueberraschungda die favorisierten Brandenburger von den Norddeutschen mit 3:2 geschlagen wurden. Die Nieder= lage der Berliner war durchaus verdient, da der Sturm sich in Ueberkombination erschöpfte und vor dem gegnerischen Tor recht schwach overierte. Geländerikt des modernen Fünfkampfes 1. Oblt. Einwächter=AR 6 11:32.2; 2. Lt. WickerWürtt. Landespolizei Stuttgart 12:18.8; 3. Oblt. Radtke=J.=R. 2 und Obwm. Remer=Polizeischule Spandau je 12:25,1. Ergebnisse des Regelns Dreier=Klubmeisterschaft auf Asphaltbahn: 1, Kegelsportklub Fortuna=Main 1697 Holz, 2. Kegelsportklub Dernburg 1672 Holz. Dreier=Klub=Bundesmeisterschaft auf Asphalt für Frauen: 1. Klub Deutsche Frauen Chemnitz 1481 Holz, 2. Treu dem Sport Pirna 1458 Holz. Dreier=Klub=Bundesmeisterschaft auf Bohle für Frauen: 1. Helios Hamburg 2182 Holz. 2. Deutsche Frauen Hannover 2099 Holz. Städtemannschaftskampf auf Bohle für alte Herren(Meisterschaft): 1. Bremen 3714 Holz. 2. Berlin 3704 Holz. Riethdorf siegt in Bukarest Etwas später als ursprünglich vorgesehen, kam der deutsche Bantamgewichtsmeister Werner RiethdorfBerlin in Bukarest seiner Startverpflichtung gegen den rumänischen Landesmeister Corun nach. Bis zur neunten Runde waren sich die beiden Gegner fast gleichwertig, denn Corun ging mühelos das von dem Deutschen vorgelgte Tempo mit. In der Schlußrunde landete aber Riethdorf einen Volltreffer an das Kinn des Rumänen, so daß dieser bis „9“ zu Boden mußte. Der Berliner setzte sofort energisch nach und schlug seinen Gegner im Hochkommen mit einem Aufwärtshaken endgültig aus. Spannagel ringmüde Der deutsche Amateur=Fliegengewichtsmeister Spannagel=Barmen trägt sich mit der Absicht, den Boxsport ganz aufzugeben. Infolge Krankheit beteiligt er sich nicht an den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg und da er das Fliegengewicht nicht mehr bringen kann, will sich der Westdeutsche überhaupt nicht mehr aktiv betätigen. holländische Schwimmer in Magdeburg Der holländische Schwimm=Verband, der ursprüng“ lich wegen seiner letzten Mißerfolge im Wasserball die Europameisterschaften im Schwimmen in Magdeburg im Wasserball nicht beschicken konnte, hat sich nunmehr doch entschlossen, eine Wasserballsieben zu entsenden, da die Spiele bekanntlich nach dem Punktesystem ausgetragen werden. Weiterhin will man alle Damenkonkurrenzen mit je zwei Vertreterinnen bestreiten. Für die Wettbewerbe der Herren wurden bereits folgende Schwimmer nominiert: 100 Meter Kraul: Mooi, 100 Meter Rücken: Scheffer, Kunstspringen: Stotym. Nielsen läuft 3000-Meter-Weltrekord Amerikaner in Stockholm ungeschlagen Der erste Start der im Norden Eurovas reisenden amerikanischen Leichtathleten gestaltete sich zu einem ganz großen Erfolg. Der Höhepunkt des Abends war der 3000=Meter=Lauf. Der Däne Henri Nielsen und Weltrekordmann Kusoczinski=Polen wechselten sich bis zur letzten Runde ständig in der Führung ab, dann setzte der Däne zum Endspurt an und 100 Meter vor dem Ziel mußte sich der verzweifelt kämpfende Pole geschlagen bekennen. Mit seiner Zeit von 8:18.3 verbesserte Nielsen den bestehenden Weltrekord des Polen von 8:18.8.— Ebenfalls großes Interesse löste der 800=MeterLauf aus Bis zur letzten Kurve ließ sich Eastman von dem Schweden Ny führen und ging dann leicht vorbei, um in 1:50 überlegen vor Ny(1:52.9) siegreich zu bleiben. Die Amerikaner blieben auch in allen übrigen Wettkämpfen erfolgreich 1000 km. Geldstrafe für Fortung Lusseldorf Nachtigall und Graffmann auf je drei Jahre ausgeschlossen Wegen Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen sind im Gau Niederrhein mehrere Bestrafungen erfolgt. Sie treffen vor allem zwei sehr bekannte Spieler, und zwar Nachtigall und Graffmann, die beide schon verschiedentlich repräsentativ tätia waren. Die landwirtschaftliche Schuldemepelung Auf Grund des Schuldenregelungsgesetzes vom 1. Juni 1933 sind eine sehr große von Entschuldungsverfahren eröffnet. Zum Abschluß konnten bisher indes nur einige wenige Verfahren gebracht werden. Dies lag einmal daran, daß die mit der Durchführung der Entschuldigung betreuten Stellen sich mit der nicht einfachen gesetzlichen Regelung erst vertraut werden mußten. Der Haupthinderungsgrund für die Durchführung der Verfahren war aber, daß die Verhandlungen zwischen dem Reichsfinanzministerium, der Rentenbank— Kreditanstalt und den Entschuldungsstellen über die Bereitstellung der für die Entschuldung erforderlichen Mittel(vorgesehen sind 300 Millionen RM) und den Haftungsausgleich erst vor kurzem zum Abschluß gebracht werden konnten. Es muß nunmehr dafür gesorgt werden, daß die anhängigen Verfahren mit aller Beschleunigung durchgeführt werden. Zur weiteren Erleichterung der Durchführung ist jetzt, nachdem bereits im vorigen Monat eingehende Richtlinien erschienen waren, die Sechste Durchführungsverordnung erlassen. Die Sechste Durchführungsverordnung verlängert die Frist, innerhalb der die Eröffnung einen Entschuldigungsverfahrens beim Amtsgericht beantragt werden kann, bis zum 30. September 1934. Da mit einer weiteren Frist nicht gerechnet werden kann, müssen bis dahin alle Bauern und Landwirte, welche die mit der Durchführung der Entschuldigung verbundenen Vorteile erhalten wollen, den Antrag stellen. Diese Vorteile beschränken sich nicht, wie vielfach angenommen wird, auf die Möglichkeit einer Kapitalskürzung der nicht mündelsicheren Forderungen bis auf die Hälfte und auf die Festschreibung kurzfristiger Forderungen. Mit der Eröffnung des Entschuldungsverfahrens ist vielmehr auch noch eine sofortige Herabsetzung des Zinses aller Schulden bis auf 4 oder 4½ Prozent verbunden. Da eine allgemeine Zinssenkung sich bisher nicht hat durchführen lassen, und da mit einer Verlängerung der durch die Notverordnung vom 27. September 1932 vorübergehend bis zum 30. September 1934 für die Landwirtschaft verordneten Zinserleichterung nicht zu rechnen ist, müssen alle Bauern und Landwirte den Antrag auf Eröffnung des Entschuldungsverfahrens stellen, wenn sie nicht am 1. Oktober ab wieder erhöhte Zinsen zahlen wollen. Die Sechste Durchführungsverordnung enthält wichtige Vorschriften für Erbhöfe. Das Schuldenregelungsgesetz vom 1. Juni 1933 findet auf alle landwirtschaftlichen Betriebe Anwendung, gleichgültig, ob es sich um Erbhöfe handelt oder nicht. Das konnte schon bisher nicht zweifelhaft sein. Nachdem das Reichserbhofgesetz in Kraft getreten war, ergab sich jedoch die Notwendigkeit, gewisse Vorschriften des Schuldenregelungsgesetzs der veränderten Sach= und Rechtslage anzupassen. Da der Bauer ehrbar sein muß, muß er auch in jedem Fall als entschuldungswürdig angesehen werden. Das Entschuldungsgericht kann daher aus diesem Grunde die Eröffnung des Verfahrens nicht ablehnen. Die Durchführung des Entschuldungsverfahrens ist für Erbhöfe insofern bedeutend erleichtert worden, als der Zwangsvergleich durch das Gericht auch dann bestätigt werden kann, wenn er von allen oder von den meisten Gläubigern abgelehnt wird. Damit ist die Gewähr gegeben, daß das Verfahren für alle Erbhöfe, bei denen die Entschuldung mit einer Zinssenkung auf 4 oder 4½ Prozent und einer Kapitalskürzung der nichtmündelsicheren Forderungen auf die Hälfte erreicht werden kann, auch wirklich erfolgreich und schnell durchgeführt wird. Diejenigen Erbhöfe, bei denen die Maßnahmen wegen der zu großen Höhe der Schulden nicht ausreichen, dürfen nicht etwa aus dem Entschuldungsverfahren herausgeworfen werden. Vielmehr bleibt das Verfahren, nachdem der Schuldenbestand aufgenommen ist, anhängig. Für diese Fälle bleibt eine besondere abschließende Regelung vorbehalten, die aber erst getroffen werden kann, wenn sich übersehen läßt, um welche Beträge es sich im ganzen handelt. Damit das Entschuldungsverfahren für Erbhöfe in allen Fällen, in denen ein Bedürfnis besteht, auch wirklich eingeleitet wird, ist auch den Kreisbauernführern das Recht gegeben, den Antrag auf Eröffnung des Verfahrens zu stellen, wenn er von einem Gläubiger darum ersucht wird. Auf weitere Einzelheiten der Sechsten Durchführungsverordnung kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Die hier und da verbreitete Auffassung, daß sie ein Erbhofentschuldungsgesetz überflüssig mache oder endgültig erledige, ist jedoch nicht richtig. Ein Erbhofentschuldungsgesetz hat immer zur Voraussetzung, daß zunächst die Schuldenlage des einzelnen Bauern geklärt und bereinigt wird. Erst wenn der Schuldenstand jedes einzelnen endgültig feststeht, wenn Schornsteinforderungen auf ihrem wahren Wert wenigstens etwas entsprechendes Maß gekürzt sind, kann eine Neuordnung aller dieser Schulden mit Hilfe der gesamten Bauernschaft in Erwägung gezogen werden. Erst dann auch werden die Gläubiger vielleicht die notwendige Einsicht haben, die Größe und Bedeutung eines solchen Opfers voll zu erkennen. In dem auf Antrag der Spog. Eller 04 gegen ihr ehemaliges Mitglied Josef Nachtigall(jetzt Fortung Düsseldorf) eingeleiteten und spater auf Fortuna Düsseldorf ausgedehnten Verfahren ergeht folgendes Urteil: Nachtigall wird wegen Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen auf die Dauer von drei Jahren(Beginn 15. April 1934, Ende 14. April 1937) aus dem DFB. ausgeschlossen. Fortuna wird wegen Zieherei und unerlaubter Arbeitsbeschaffung zu einer Geldstrafe von 1000 RM., zahlbar in monatl. Raten von 100 RM., beginnend am 15. August 1934, verurteilt. Das Verfahren wegen Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen auf Antrag des Meideriher SpV. gegen die Spieler Graffmann und Frochte(jetzt Hamborn 07) zieht folgendes Urteil nach sich: Der Spieler Graffmann wird auf die Dauer von drei Jahren aus dem DFB. ausgeschlossen(Beginn 19. April 1934, Ende 18. April 1937). Das Verfahren gegen den Spieler Frochte wird eingestellt. In dem auf Antrag des TBV. Duisburg 88 zegen den Spieler Heinrich Schmitz(jetzt Duisdurger FV. 08) wegen Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen eingeleiteten Verfahren erzeht das Urteil dahin: Der Spieler Schmitz wird für dauernd aus dem DFB. ausgeschlossen. Rundfunk=Programm Freitag, den 27. Juli 1934. 5.30 Morgenruf. Anschließend: Frühkonzert 6.05 Leibesübungen. 6.25 Praktiker sprechen. 6.40 Morgenkonzert. 7.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.05 Frauenturnen. 10.00 Zeit, Nachrichten usw. 10.10 Für euch daheim! 10.45 Wir und die Welt. 12.00 Musik am Mittag. 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 13.00 Das kleine Orchester. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 14.00 Das große Orchester. 15.15 Sprechererziehung. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.45 Die bunte Viertelstunde der Frau. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.00 Bilder aus der deutschen Vergangenheit. 17.20 Kleine Musik von Ludwig van Beethoven. 17.45 Wanderungen in Rheinland und Westfalen. 18.00 Reichssendung: Deutsche Kampfspiele Nürnberg 1934. 18.30 Englische Unterhaltung. 18.40 Vom Tage. 18.50 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht. 19.00 Aus Robert Schumanns Kinderzeit. 19.45 Politischer Kurzbericht. 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.15 Stunde der Nation: Lanten, SiegfriedsStadt und Viktors Dom. 21.00 Vor eigener Partitur.(Schallplatten). 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.20 Filmecke. 23.00 Nachtmusik. Berghofen, 26. Juli. Autounfall. In vergangener Nacht verunglückte in Berghofen auf der Straße Schürufer, die zwischen Hörde und Schüren liegt, ein Personenauto dadurch, daß der Führer die auf dem dort hochgelegenen Wege befindliche, aber kenntlich gemachte SKurve nicht beachtete und das vor dem Graben schützende Gelände umrannte. Das mit drei Personen besetzte Auto sauste in die Tiefe, wobei es sich überschlug. Außer geringfügigen Verletzungen bzw. Verstauchungen haben die Abgestürzten nichts davongetragen. Suche ein Kdol. Frillmer zu mieten, m. Koch= u. Badegelegenheit, Kellerbenutzung. Offerten unter 1529 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Inserieren bringt Gewinn 1