Die„Schwerter Zeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchenel. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. Marktstraße 3—5. Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Verantwortlich, Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke. Verantwortl. für d. gesamt. Texteil: Heinz Friedrich Kamecke. Für den Anzeigenteil: Hans Linner; sämtlich in Schwerte. Druck u. Verlag: Carl Braus, Schwerte.— D. A. VI/34, 1718 Heimatblatt Einzige in Schwerte gedruckte Tages=Zeitung Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Psg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9 a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen S Kreisblatt für den nördlichen Len des Landtreises Iserlohn Nr. 169 Schwerte(Kuhr), Montag, den 23. Juli 1934 67. Jahrgang Reren dee Preuße=Mnsterprustbenten=Srring 300000 Menschen lauschen ihm in Halle-„Ein Volk, ein Wille, ein Führer" Aus Anlaß des Besuches des Ministerpräsidenten Göring prangte die Stadt Halle in einem Meer von Hakenkreuz= und schwarz=weiß=roten Fahnen, Im Mittelpunkt des Empfanges auf dem Rathause stand die Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes an den Ministerpräsidenten. Nach dem Empfang trug sich Reichsminister Göring in das Goldene Buch der Stadt Halle ein. Der Ministerpräsident über das Führerprinzip in den Städten Auf die Ansprache des Oberbürgermeisters bei der Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes antwortete der Ministerpräsident mit Worten des Dankes. Anknüpfend an die Worte des Oberbürgermeisters von der Notwendigkeit der Staatsautorität sagte der Ministerpräsident: Ich glaube, daß wir noch durchzittert sind von den kurzen Tagen der Vergangenheit, in denen die Staatsautorität in einer nicht zu übertreffenden Schnelle, aber auch mit dem letzten Einsatz, sie herzustellen, durchgeführt worden ist. Eine Verwaltung, die auf der Grundlage der Treue zum Führer und seiner Idee und auf dem Können beruht, und die verbunden ist mit der Tatkraft und Verantwortungsfreudigkeit, das ist eine Verwaltung zum Segen des Volkes, und nur wenn eine Verwaltung sich selbst sieht und zum Selbstzweck geworden ist, haben wir das Recht, sie als Bürokratismus zu verdammen und zu verfluchen. Wir dürfen aber nicht darüber vergessen, daß die Verwaltung an sich etwas Segensreiches ist, daß sie Normen schafft. Deshalb habe ich mein besonderes Augenmerk den Städten zugewandt. Die Städte sind in der Vergangenheit jenes fragwürdigen Systems der Schande und der Not wahre Ausgeburten marxistischen Denkens geworden. Damit trugen sie bei zum Ruin des Volkes und des Staates. Es war deshalb notwendig, in den Gebilden der Städte jene überalterte Periode des Marxismus auszurotten, denn der bildete ja die Brutstätte jener einzigartigen Korruption, wie wir sie in den deutschen Städten leider an der Tagesordnung gesehen haben. Und dann war es notwendig, auch an die Spitze Männer zu stellen, die von Verantwortungsfreudigkeit und Pflichtbewußtsein durchdrungen waren, ihnen aber dann auch die Möglichkeit zu geben, unbehindert durch Vertreter verschieden gelagerter Interessen allein ihrer Aufgabe getreu schalten und walten zu können. Wenn später einmal die Geschichte dieser Zeit geschrieben wird, können Sie überzeugt sein, daß es auch dann noch Wissenschaftler geben wird, die dicke Bände von Pandekten vollschreiben werden über das neue Verfassungsgesetz, das ich den Städten gegeben habe, und doch ist es auf einen Nenner zu bringen. Ich wollte den Städten auch wieder das einzig gesunde Führerprinzip schaffen, das großzügig zu arbeiten vermag, und darum stellte ich an die Spitze der Städte mit außerordentlicher Vollmacht den Oberbürgermeister, daß er nun wirklich ein Führer seiner Stadt sein soll und nicht mehr ein blindes und willfähriges Werkzeug der Verschiedenheit der Parteien. Mit fester und zielsicherer Hand hat jetzt das Stadtoberhaupt die Geschicke der Bevölkerung zu führen. Die Maßnahmen müssen einzig und allein darin gipfeln, die höchsten Glücksmöglichkeiten für die einzelnen und die Allgemeinheit vorzubereiten und zu schaffen. Das Gemeindeverfassungsgesetz und das Gemeindefinanzgesetz laden große Verantwortung auf die Schultern der Führer, und als Bürgermeister der Städte können sie beweisen, daß das Gesetz richtig ist oder ob hier das Führerprinzip zum Fluch werden kann. Denn dort wird es zum höchsten Segen, wo wahrhafte Führer die Zügel geschickt in ihrer Hand festhalten. Es kann aber auch zum Fluch werden dort, wo Unverstand, Ehrgeiz und Treulosigkeit und Eigensucht herrschen, und schließlich in der anvertrauten Bevölkerung das Objekt fluchwürdiger Handlungen gesehen wird anstatt das Objekt allen Fühlens und allen Denkens. Ich sehe aber zu meiner großen Freude und zu meinem Stolz, daß fast überall die Dinge so verstanden werden, wie sie von mir gemeint waren, und daß wir in der Auswahl der Oberhäupter der Städte richtige Wege gegangen sind. Die Rede schloß der Ministerpräsident mit einem feurigen Treuebekenntnis zum Führer: „Wir alle sind nur ein Teil von ihm. Getragen von seinem Bekenntnis sind wir alles, verlassen von seinem Vertrauen sind wir nichts.“ In seiner Rede auf dem Thingplatzgelände gab Ministerpräsident Göring einen Rückblick auf jene Zeit der Not und Schande, wo die Vertreter der regierenden Parteien sich dem Volke nur zeigten, wenn irgendeine Neuwahl vor der Tür stand. Wenn wir heute, fuhr der Ministerpräsident fort, nach der Machtergreifung trotzdem nicht davon ablassen können, immer wieder in Massenversammlungen vor das Volk zu treten, wenn wir es immer wieder als unsere vornehmste Aufgabe betrachten, zum Volke zu sprechen, so deshalb, weil wir Rechenschaft darüber ablegen wollen, was gearbeitet und geschafft wurde. Wir wollen zu dem Volk sprechen von dem, was notwendig ist. Die stete Fühlungnahme mit dem Volk gibt uns jene Kraft, die wir brauchen, um die schwere Verantwortung tragen zu können. Aus dem Vertrauen der Millionen gebore.n, strömt die Kraft zum Führer, und so ist nun endlich das erreicht, was wir leidenschaftlich begehrten, daß das Volk an die Spitze alles Wirkens, Fühlens und Handelns gestellt worden ist. Wenn wir in letzter Stunde an die Macht gekommen sind und die Bewegung Deutschland vor dem Abgrund retten konnte, so nur deshalb, weil das Volk erwacht war, wachtgerüttelt durch die Männer um Adolf Hitler, die leidenschaftlich durch Deutschland eilten und dem Volke klar machten, daß sie endlich wieder nur als Deutsche fühlen mußten. Langsam wurde das Volk eins und der Begriff„deutsches Volk“ wurde wieder herrliche Wirklichkeit. Und das wird die Geschichte ewig und immer als das gewaltigste politische Ereignis feststellen: Jenes Wunder, daß ein Volk von beinahe 70 Millionen aus einer Summe von Klassen, Ständen, Konfessionen und Berufen eins geworden ist, daß aus der Summe von 66 Millionen Energien eine Kraft entstand, eine Energie, die deutsche. Von diesem Tage an konnten wir erkennen, wie plötzlich der Begriff„Deutschland“ aufgehört hatte, ein rein staatlicher Begriff zu sein. Hier stand auf einmal eine einzige Volksgemeinschaft, wie man sie einst in großen Zeiten deutscher Geschichte kannte, stand der Begriff Ehre und Freiheit wieder über allem, und die Welt mußte erkennen: Hier steht ein Volk, ein Wille und ein Führer, und darum ist das deutsche Volk wieder eine Macht. Und doch ist es das gleiche Volk, das, nachdem es heldenhaft den Weltkrieg überstanden hatte, in Schmach und Schande, Elend und Verzweiflung unterzugehen drohte, das gleiche Volk, das heute in leidenschaftlichem Enthusiasmus die größten Probleme zu lösen beginnt. Hier zeigt sich wieder die ewige historische Wahrheit: Es kommt immer nur darauf an, wie der Führer ist. Ein Volk ist immer so wie seine Führung. Darum nehme er auch diese Ehrung als Ausdruck des Dankes der Stadt Halle für den großen Führer an. Ministerpräsident Göring schloß mit einem dreifachen Sieg=Heil auf Adolf Hitler. Kundgebung auf dem Thingplatz Auf dem vor der Stadt Halle gelegenen Thingplatz harrte eine unübersehbare Menschenmenge, die den Ministerpräsidenten bei seinem Erscheinen mit brausenden Heilrufen begrüßte. Die Zahl der Teilnehmer an der Kundgebung dürfte 300 000 betragen haben. Das ist die größte Zahl von Teilnehmern an einer Kundgebung, die jemals außerhalb Berlins erreicht worden ist. Finstere Nacht lag in den vergangenen Jahren über unserem Volke, eine Nacht, in der das Gewürm der politischen Parteien hervorkroch, um an des deutschen Volkes Ehre zu nagen. In dieser Finsternis gab es nur einen Mann, der auch dann nicht verzagte, als alle anderen feige zu werden drohten. Dieser Mann entzündete die Fackel des neuen Glaubens in Deutschland, und als Millionen von dieser Fackel angezündet wurden, da wurde es heller Tag in Deutschland und die Sonne neuen Lebens leuchtete über den deutschen Gauen. Es ist das furchtbarste Verbrechen, wenn es jemand zu unternehmen wagt, an dem Werk dieses Mannes zu rütteln; wenn jemand Verrat übt und damit Deutschland in die Gefahr bringt, wieder in Nacht und Finsternis zu stürzen. Der gleiche Mann, der Deutschland das Licht geschenkt hat, wacht, daß dem deutschen Volke dieses Licht weiter strahle. Wenn jemand die heilige Flamme des deutschen Lichtes auszulöschen droht, dann zieht der Führer das Schwert, wird stahlhart, dann schlägt er zu. Diese Worte des Ministerpräsidenten gingen in dem stürmischen Jubel und der begeisternden Zustimmung der Hunderttausende unter, und erst lange Zeit, nachdem die Heilrufe abgeebbt waren, konnte Göring fortfahren: Das deutsche Volk hat selbst erkannt, daß sein Schicksal in treuer Hut liegt. Es weiß, der Führer wacht bei Tag und Nacht über sein Wohl. Für ihn heißt das oberste Gesetz: Gerechtigkeit. Und wer am Volke sündigt, der muß dieses schwerste aller Verbrechen mit dem Tode fühnen, gleichgültig, wer er ist. Richt mehr der Kleine, der Große wird jetzt gehängt. Das waren fürwahr bittere Tage, als immer deutlicher klar wurde, daß hier Verrat von geradezu gigantischem Ausmaß begangen wurde, ein Verrat, der ein dreifacher war: Verrat am Führer, der selbst die lebendige Verkörperung der Treue ist, Verrat am deutschen Volk und letzten Endes auch die schamlose Treulosigkeit gegenüber dem anvertrauten SA=Mann, gegenüber dieser vorbildlich treuen Gefolgschaft. Das war das doppelt Schamlose. Damit wurden die Verräter zu Verbrechern an der SA selbst und an den treuen SA=Männern. Klar hat jeder daraus erkannt, wohin es führt, wenn Männer auf Grund der Macht ihrer Stellung nicht mehr nach dem Führer schauen und so vermessen sind zu glauben, sie hätten diese Stellung aus sich selbst heraus errungen. Nein! Ob SA=Mann oder Ministerpräsident, alles sind wir nur vom Führer und durch den Führer! Entscheidend ist nur eins: Ob der Führer Vertrauen zu uns hat. Sein Vertrauen macht uns zum mächtigsten Mann, entzieht er es uns aber, so stürzen wir im gleichen Augenblick in Nacht und Vergessenheit zurück. Denn Adolf Hitler ist Deutschland! Jeder Tag, jede Nacht bringt für ihn Sorgen und schwerste Arbeit. Er kennt nur den einen Gedanken: Wie nütze ich meinem Volke! Wer, wie ich, den Führer seit Jahren im Kampfe begleiten durfte und mit ihm die schwersten, aber auch die schönsten Stunden miterlebt hat, wer mit ansehen durfte, wie der Führer keine Nacht ruhte in der Sorge um das Wohlergehen des Volkes, der weiß, was Adolf Hitler durchmachte. Und doch, immer wieder ist der Führer der Stärkste. Darum liebt das Volk ihn auch, weil es weiß: Hier steht ein Führer, gerecht und unsagbar gütig, aber auch eisenhart. Darum vertraut ihm das Volk. Dieses Vertrauen ist das feste Band, das Deutschland zusammenhält. Jedermann weiß: Der Führer schafft Großes aus der Größe seines Herzens und der Leidenschaft seines Willens und der Güte seiner Seele. Das Vertrauen allein ist die Basis, auf der wir leben. Wagt einer, daran zu rütteln, begeht er dieses Verbrechen niedrigsten Verrates, dann muß er ausgelöscht werden, dann hat er aufgehört, ein Deutscher zu sein. Die Größe des Vaterlandes, das Glück des Volkes, das sind die festen Säulen, auf denen Adolf Hitler baut, und darum sind wir unserem Führer verbunden. Darum wollen wir auch hier an dieser heiligen Stätte, auf jenem Boden, der in den vergangenen Jahren unseren schweren Kampf miterlebt hat, darum wollen wir diese Kundgebung damit schließen, daß wir des Führers gedenken, daß wir zum Sternenhimmel schwören: So lange Adolf Hitler lebt, stehen und kämpfen wir mit ihm! Dem Führer unsere Wünsche, dem Führer unsere Herzen, dem Führer ein dreifaches Sieg=Heil! Bei den letzten Worten des Ministerpräsidenten flammten von den Bergen die Feuer auf und warfen ihr Licht auf die Hunderttausende, die in dem weiten Rund versammelt waren. Zum heiligen Schwur erhoben sich die Hände, und aus allen Kehlen brausten die Heil=Rufe zum nächtlichen Himmel empor. Nach dem Gesang des HorstWessel=Liedes und Deutschland=Liedes schwang die nächtliche Feierstunde noch lange in den Herzen der Abmarschierenden nach. Hermann Göring, der alte Mitkämpfer des Führers und unbeirrbare Wegbereiter und Vollstrecker des Willens Adolf Hitlers, hat sich durch sein überwältigendes Bekenntnis zum Führer wieder einmal zum Sprecher der Stimme des Volkes gemacht, das in ihm mit Recht den ersten Gefolgsmann des Führers sieht. Ein Engländer über Deutschland Der Führer Gardener der 400 zur Zeit in München weilenden Engländer, hat einem ausländischen Pressevertreter gegenüber erklärt, daß die 400 Engländer über die deutsche Gastfreundschaft und über die Liebenswürdigkeit erfreut seien, mit der ihnen überall begegnet würde. Die Engländer begrüßten die Maßnahme der nnatioEngländer begrüßten die Maßnahme der nationalsozialistischen Regierung, durch die billige habe zur Folge, daß die Engländer jetzt bedeutend mehr reisen würden, als es sonst möglich wäre. Gardener betonte, daß allen in England verbreiteten Gerüchten entgegen kein Mensch in Deutschland von Krieg rede. Um den Wünschen des durch landschaftlich besonders reizvolle Gegenden reisenden Publikums entgegenzukommen, wird bei der Deutschen Reichsbahn der Versuch vorbereitet, dem Mangel guter Aussicht durch besonders eingerichtete Wagen zu begegnen. Beabsichtigt ist der Bau von Aussichtstriebwogen mit 140 m dreiten Fenstern. Auch die Stirnseiten der Wagen sollen große Glasfenster erhalten. Diese Triebwagen, die eine große Geschwindigkeit entwickeln sollen, dürften bis zum Sommer nächsten Jahres in Betrieb genommen werden. „Ein Volk ist immer so wie seine Gahrung 8 05 Die Spunnung i Frunkreich Roch immer keine Klärung— Die Entscheidung liegt bei Doumerque Die Stimmung in Paris Justizminister Cheron, der Freitag Paris im Auto verlassen hat, um sich nach dem Landsitz Doumerques zu begeben, ist nicht nur beauftragt werden, dem Ministerpräsidenten über den Zwischenfall Tardieu—Chautemps und die dadurch geschaffene Lage Bericht zu erstatten, sondern ihn auch, wenn möglich, nach Paris zurückzuholen, damit er in einem für Dienstag oder Mittwoch vorgesehenen neuen Kabinettsrat den Streit schlichte. Die Regierungsmitglieder waren in der Tat von Anfang an der Ansicht, daß nur Doumerque eine Entscheidung zustehe. Der Vorstand der radikalsozialistischen Partei war, wie man hört, dem Standpunkt Chautemps beigetreten, wonach Tardieus Vorstoß gegen die radikalsozialistische Partei gerichtet gewesen sei und daß Tardieu damit den Burgfrieden gebrochen habe. Als Genugtuung müsse man den Rücktritt Tardieus fordern, andernfalls hätten sämtliche radikalsozialistischen Regierungsmitglieder die Konsequenzen zu ziehen. Tardien soll sich indessen gegen den Vorwurf gewehrt haben, daß er die Radikalsozialisten habe angreifen wollen. Für ihn bestehe daher kein Grund, sein Amt niederzulegen, solange nicht Doumergue von sich aus dazu Stellung genommen habe. Anscheinend um Tardieu den ihm auch von Barthou nahegelegten Rücktritt zu erleichtern— Barthou soll auf die Gefahren hingewiesen haben, die seiner Außenpolitik durch eine innerpolitische Krise entstehen könnte— und damit die von seiner Partei gewünschte Genugtuung zu erlangen, hat Herriot sich zum Rücktritt bereit erklärt, die übrigen Regierungsmitglieder scheinen jedoch der Auffassung gewesen zu sein, daß vom Lande ein derartiger Schritt als die Loslösung der Radikalsozialisten von der Regierungsmehrheit ausgelegt werden könnte, selbst wenn die übrigen radikalsozialistischen Minister im Kabinett verbleiben würden. Kurzum, eine Klärung ist nicht erfolgt. Die Entscheidung liegt bei Doumergue, vor dessen Umsicht die politischen Kreise einen Schiedsspruch erwarten, der den Burgfrieden wenigstens bis zum Herbst erhalten könnte. Man verhehlt sich allerdings nicht, daß sich Doumergue, falls die Gegner zu unduldsam bleiben, entschließen könnte, zurückzutreten.„Matin“ erklärt indessen, daß die politisch Besonnenen noch nicht die Hoffnung auf eine Beruhigung der Gemüter aufgegeben hätten. Die angesichts der Lage bestehenden Möglichkeiten umreißt„Journal“ wie folgt: Aufrechterhaltung des status quo bis zum Wiederzusammentritt des Parlaments, oder Rücktritt Tardieus, der den Zorn der radikalsozialistischen Partei besänftigen und ihr gestatten würde, im November dem Burgfriedenskabinett ihre Stimme zu geben, oder weitestgehende Umbildung des Kabinetts, oder endlich Rücktritt der jetzigen Regierung und Bildung eines neuen Ministeriums, entweder unter Doumergue oder einer anderen Persönlichkeit. Daß Taudieu gerne ausscheiden wolle, um seine Handlungsfreiheit wiederzuerlangen, hält„Echo de Paris“ durchaus möglich, bemerkt aber, daß sein Rücktritt unter den gegenwärtigen Umständen als ein Sieg Chautemps angesehen werden müßte. Selbstverständlich schwirren allerhand Gerüchte herum, die hier und da ihren Niederschlag auch in der Presse finden. So weist man in einem Blatt auf die Möglichkeit eines Kabinetts Barthou und in einem anderen auf die Möglichkeit von Neuwahlen hin. Im allgemeinen vertritt aber die Presse die Auffassung, daß ein Bruch der Regierungsmehrheit um jeden Preis verhindert werden sollte. Es wird auch die Hoffnung ausgesprochen, daß es Doumerque gelingen werde, einen Ausgleich herbeizuführen. Kriegsminister Pietri, der eine Besichtigungsreise durch die französischen Kriegshäfen unternommen hatte, hat diese Reise in Chorbourg abgebrochen und ist nach Paris zurückgereist. Er gab zu, daß seine Rückkehr mit der innerpolitischen Lage zusammenhänge, glaubt aber versichern zu können, daß sich alles wieder einrenken werde. Der Fronkkämpfer Pierre Cot an Barthou Der frühere Luftfahrtminister Cot von der radikalsozialistischen Partei unterzieht im „Oeuvre“ die Außenpolitik Barthous einer scharfen Kritik. Er widerlegt vor allem die selbstgefällige Behauptung des französischen Außenministers, daß er die Politik Briands fortsetze. Barthou bleibe vielmehr dem Geist seiner berüchtigten Note vom April treu. Im einzelnen führt Pierre Cot im Anschluß an die Bayonner Rede Barthous über die Abrüstung als mögliche Folge, nicht aber als Bedingung der regionalen Pakte aus: Entweder hat Barthou nichts Bestimmtes sagen wollen oder er wollte die traditionelle Verbindung zwischen dem Sicherheitsfortschritt und der Abrüstung zerschlagen. Man müsse zunächst über diese regionalen Pakte verhandeln, meint Barthou, und werde nach ihrer Verwirklichung Verhandlungen über die Abrüstung einleiten, vorausgesetzt natürlich, daß keine neuen Gründe zur Vertagung dieser Verhandlungen zwängen und auch unter der Bedingung, daß man sich über ein Abrüstungsprogramm einige. Man kann also sicher sein, meint Cot, Verhandlungen über die Pakte zu haben, aber viel weniger sicher, solche über die Abrüstung zu erleben. Mithin wüßten wir, woran wir sind. Barthou bleibt dem Geiste seiner Note vom April treu. Diese Politik aber unterscheidet sich von derjenigen Briands, Paul=Boncours und Daladiers. Bisher hat Barthou mit Vorliebe betont, daß sich nichts an der französischen Außenpolitik geändert hat. Diese Formel stellt sich als falsch heraus. Barthou hat gewiß in anerkennenswerter Weise England und Italien für seine Ansicht gewonnen. Aber beide Länder erklären Regionalpakte ohne Deutschland für undurchführbar, und London wünscht auch nicht, daß diese Pakte als gegen eine Macht oder gegen eine Mächtegruppe gerichtet ausgelegt werden können. Daher lautet die Frage, ob Deutschlands Zustimmung erlangt werden kann ohne gleichzeitige Verhandlungen über die Abrüstung und die Sicherheit. Herriot hat Deutschland die fortschreitende Durchführung der Gleichberechtigung im Rahmen einer besser organisierten internationalen Sicherheit versprochen. Jetzt, wo man zur Durchführung der Sicherheitsorganisation Deutschlands Zustimmung verlangt, kann man nicht ernstlich daran denken, daß Deutschland dieses Versprechen vergißt. Für so„verrückt" darf man es nicht halten. Wenn andererseits die Paktpolitik mit keiner allgemein kontrollierten Rüstungsherabsetzung Hand in Hand geht, d. h. ohne Deutschland verwirklicht werden muß, dann muß man sie mit ihrem wahren Namen nennen: Allianzen=Politik. Diese Politik aber wollen wir, schließt Cot, um keinen Preis. Meine Generation war 1914 18 Jahre alt. Wir haben nicht wie gewisse berühmte Persönlichkeiten zwei Kriege erlebt, sondern nur einen. Wir haben ihn nicht geführt, um zur Politik der Allianzen und zum Rüstungswettlauf zurückzukehren. Ich sage das rundheraus an die Adresse derjenigen, die dem Schauspiel unserer hingemordeten Jugend beiwohnten, und das für diejenigen, die nicht gewisse Jahre ihrer Jugend vergessen haben. Wegen Beleidung des französischen Justizministers verurteilt Im Stavisky=Skandal ist wiederholt der Herausgeber der gegen Deutschland hetzenden Wochenschrift„Aux Ecoutes“, Paul Levy, genannt worden. Er steht auf der Liste derer, die sich vor Gericht verantworten müssen. Levy glaubte auch in diesem Falle mit Frechheit am besten durchzukommen. Er hat an den Justizminister Cheron ein Schreiben gerichtet, das von Beleidigungen des Justizministers nur so strotzte. Allein die Sache ging diesmal schief, denn der Justizminister reichte eine Beleidigungsklage ein, die am Freitag vor einem Pariser Gericht verhandelt wurde. Levy, der es vorgezogen hatte, persönlich nicht zu erscheinen, wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. „Berliner Nachtausgabe“ des„Tag“ und der „Kölnischen Zeitung“ vom Freitag beschlagnahmt. Ob auf diese Beschlagnahme hin ein Verbot der betreffenden Blätter erfolgt, ist noch nicht bekannt. Wie bekannt wird, hat man bei der Beschlagnahme auf der Landesleitung der Deutichen Front keinerlei belastendes Material gefunden. Anlachfichtige Ahneung Erlaß des Reichsjustizministers an alle deutschen Justizbehörden Der Reichsminister der Justiz Dr. Gürtner hat am 20. Juli 1934 folgenden Erlaß an alle deutschen Justizbehörden gerichtet: „Durch die Niederschlagung der hoch= und landesverräterischen Angriffe auf die Volksgemeinschaft vom 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 ist die innere Kraft des Reiches gefestigt und gesichert worden. Mehr denn je ist Voraussetzung für die weitere Arbeit der Reichsregierung am Neuaufbau des Reiches, daß die Achtung vor dem Gesetz, die der Reichskanzler als oberster Führer der SA in seinem Befehl an den Chef des Stabes der SA am 30. Juni 1934 von den SA=Führern gefordert hat, auch für jeden Volksgenossen das oberste Gesetz seines Handelns bildet. Der Rechtspflege erwächst die besondere Aufgabe, mit Nachdruck für die gewissenhafte Wahrung von Gesetz und Recht einzutreten und gegen jeden Rechtsbruch, insbesondere gegen jede strafbare Handlung, entschieden vorzugehen. Die Rechtspflege darf sich dabei von keinerlei Rücksichten auf die Person des Beschuldigten leiten lassen; sie dient allein dem Wohl des Volkes und der Gerechtigkeit. Versuche Unberufener, auf den Gang des Rechtsverfahrens Einfluß zu nehmen, sind nachdrücklich zurückzuweisen und alsbald den vorgesetzten Behörden zu melden. In keinem Falle dürfen sie den ordnungsmäßigen Fortgang des Verfahrens, insbesondere die sachgemäße Durchführung der Ermittlungen verzögern. Bei allen Maßnahmen ist eines besonders zu beachten: Der gehobenen Stellung des Trägers eines deutschen Amtes, eines Führers oder Unterführers entsprechen erhöhte Pflichten. Wer sie verletzt, wer insbesondere als Amtsträger oder Führer sich gegen das Gesetz auflehnt, Ausschreitungen begeht oder sich sonst des in ihn gesetzten Vertrauens unwürdig zeigt, ist nachdrücklich und unnachsichtig zu verfolgen. Die Volksgemeinschaft darf erwarten, daß die Strafe, die gegen ihn verhängt wird, nach Art und Höhe der gehobenen Stellung des Beschuldigten Rechnung trägt.“ Der nulg, um Eis Caur Fortsetzung der haussuchungen Nach den unglaublichen Vorfällen in der Landesleitung der Deutschen Front richtet sich am Freitag das Vorgehen der Regierungskommission gegen die deutsche Presse. Es genügte nicht, 20 Zeitungen zu verbieten. Es wurden darüber hinaus auch Haussuchungen bei einzelnen Zeitungen veranstaltet. Mehrere Kriminalbeamte versuchten, der Schriftleitung der Tageszeitung„Deutsche Front“ einen Besuch abzustatten. Da sie dort niemanden fanden, mußten sie unverrichteter Dinge abziehen. Dagegen ging man in Brebach forscher vor. Wie üblich, waren auch dort Emifranten mit der Durchführung der Haussuchung heauftragt. Kurz nach 17 Uhr erschien der Emigrantenkommissar Lehnert vor der Geschäftsstelle der Wochenzeitschrift „Der deutsche Kumpel“, um sich in Begleitung des Revolverhelden Gereke Einlaß zu verschaffen. Auch dort war niemand zu finden. Lehnert bemühte sich nun, gewaltsam einzudringen, er vermochte jedoch keinen Schlosser ausfindig zu machen, der ihm die notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stellte. Nach dreistündigem Suchen fand sich endlich ein Gesinnungsgenosse bereit, der, des Schlosserhandwerks kundig, die Geschäftsräume des„Deutschen Kumpels“ gewaltsam öffnen konnte. Nach eingehender Sichtung des dort vorliegenden Materials konnten jedoch nur drei Zettel mit völlig belanglosen Notizen beschlagnahmt werden. Unterdessen war naturgemäß die gesamte Brebacher Bevölkerung auf den Beinen. Sie stimmte spontan das Deutschlandlied und das Saarlied an. Dem Beispiel seines Kollegen Machts folgend, hielt es Herr Lehnert für angebracht, zwei Überfallkommandos von Saarbrücken nach Brebach zu zitieren. Endlich, um ½9 Uhr, zog er in Richtung Saarbrücken ab. Die ganze Siegesbeute bestand somit in drei Zetteln, zu deren Beschlagnahme dreieinhalb Stunden notwendig waren. — Zu gleicher Zeit wurde in Brebach eine Haussuchung in der Privatwohnung des Herausgebers des„Deutschen Kumpels" veranstaltet, bei der sämtliche Räume durchstöbert wurden. Der Geschäftsführer des„Deutschen Kumpels“ wird Strafanzeige wegen Einbruchs erstatten. Es bedarf kaum mehr eines Kommentars, wie befremdend dieses nunmehr schon planmäßige Vorgehen ist, ausgerechnet Machts immer wieder mit der Leitung derartiger Polizeiaktionen zu betrauen. Als wir „Aus dem Glauben verpflichtel“ Das Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher im Saargebiet befaßt sich mit der Frage: „Der katholische Saardeutsche und die Abstimmung“ und kommt dabei zu folgenden Ergebnissen: deutsche Katholiken an der Saar müssen grundsätzlich ablehnen, die Rückgliederung abhangig zu machen von Bedingungen, die das Reich vorher erfüllen müßte. Wir machen, indem wir unsere Stimme für die Rückgliederung abgeben, dem Deutschen Reiche nicht ein Geschenk, für das wir eine Gegenleistung verlangen dürften, sondern bestätigen nur eine natürliche, in Gottes Schöpfung beruhende Ordnung, die in unserem Deutschtum schon gegeben ist. Eine gewollte Abkehr von dieser Ordnung würde für das Saarvolk den Keim des Verfalls und des Niederganges in sich tragen. Wenn die deutschen Katholiken am 13. Januar 1935 ihre Stimme für die Rückgliederung des Saargebietes abgeben, dann handeln sie nicht aus Unüberlegtheit und nicht aus Zwang. Sie erfüllen in ernster und froher Verantwortung das Gebot, das in ihrem Volkstum liegt. Sie erfüllen es, weil sie im Glauben dazu verpflichtet sind. Sie wollen wahrhaft christlich und deutsch sein: Ihr Christentum verwirklichen in der Gemeinschaft des deutschen Volkes.“ Fünf weitere deutsche Saarzeitungen verboten Die Regierungskommission hat außer den bereits bekannten 20 Zeitungen noch fünf weitere deutsche Saarzeitungen auf die Dauer von drei Tagen verboten. diesmal Verbotes ohl ohne weiteres annehmen, daß die Verbote aus denselben Gründen erfolgt sind, wie die der schon vorher davon betroffenen 20 Zeitungen. Zeitungen aus dem Reich im Saargebiet beschlagnahmt Die Polizei hat Sonnabendnachmittag sämtliche im Saargebiet vorhandenen Exemplare der Die Verleihung des Ehrenkreuzes Trotz der öffentlichen Bekanntmachung, daß zur Entgegennahme der Anträge auf Verleihung des Ehrenkreuzes für die Teilnehmer am Weltkrieg ausschließlich die Ortspolizeibehörden zuständig sind und der Tag, von dem ab die vorgeschriebenen Vordrucke zur Stellung des Antrages bereitgehalten werden, in den einzelnen Gemeinden zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden wird, gehen dem Reichsministerium des Innern täglich ungezählte Verleihungsanträge zu. Es wird daher nochmals amtlich darauf hingewiesen, daß diese Anträge völlig zwecklos sind und unerledigt bleiben müssen. Jeder spare sich also diese Mühe und Portoausgabe und warte in Geduld die weiteren öffentlichen Mitteilungen ab. Es ist dafür gesorgt, daß sich das Verleihungsverfahren so rasch wie möglich abwickeln wird. Arier-Bestimmung bei Unehelichen Zur Beseitigung von Zweifeln, die sich bei der Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen ergeben haben, verweist der Reichspostminister auf die Richtlinien, die für die Feststellung der arischen Abstammung bei Unehelichen gelten. Danach gilt, wie das Rdz berichtet, das uneheliche Kind einer Arierin als nichtarisch im Sinne der Beamtengesetze, wenn sein Vater oder dessen Vater oder Mutter nichtarisch war. Geben standesamtliche Register, Gerichtsakten usw. keinen Aufschluß und ist auch sonst nicht nachzuweisen, wer der Vater war, so wird ein uneheliches Kind bei arischer Herkunft mütterlicherseits bis zum Beweise des Gegenteils oder wenn nicht die besonderen Umstände des Falles dagegen sprechen, als arisch anzusehen sein. Entwertete abgehobene Sparguthaben können noch aufgewerket werden Die gesetzlich geschaffene Möglichkeit, eine nachträglich Aufwertung von entwertet abgehobenen Sparguthaben zu erzielen, war bisher nur einem kleinen Kreise bekannt, so daß auch nur ein bescheidener Prozentsatz der Antragsberechtigten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen konnte. Aus diesem Grunde wurde die ursprünglich vorgesehene Frist kurz vor Ablauf einmalig bis zum 30. September 1934 verlängert. Mit einer weiteren Verlängerung kann, wie die „Deutsche Steuerzeitung“ mitteilt, auf keinen Fall gerechnet werden, so daß der Sparer, der auch diese letzte Frist ungenutzt verstreichen läßt, aller Ansprüche begibt. Da eine unterschiedslose Durchführung der Vorschrift, daß bereits abgehobene Guthaben nicht aufgewertet werden, für viele kleine Sparer eine rücksichtslose Härte bedeutete, hat das Gesetz die Schaffung von sogenannten Härtefonds bei den Sparkassen angeordnet, aus denen aus Billigkeitsgründen nachträglich die Sparer in solchen Fällen noch entschädigt werden können, in denen in Goldmark umgerechnet der Wert des abgehobenen Guthabens zum früher eingezahlten Betrag unverhältnismäßig gering war. Bei der Verteilung des Härtefonds sollen im allgemeinen nur die Antragsteller berücksichtigt werden, die in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Wenn die Sparkasse jedoch über ausreichende Mittel verfügt, können auch Anträge aller sonstigen früheren Sparer berücksichtigt werden. Die Höhe der Aufwertung aus dem Härtefonds richtet sich nach den vorhandenen Mitteln und nach der Zahl der eingegangenen Anträge. In keinem Falle aber darf eine Aufwertung über den für die einzelnen Provinzen Preußens zugelassenen gesetzlichen Aufwertungssatz hinaus erfolgen. Die neue Getreideordnung Um ein unbedingt zuverlässiges Arbeiten der neuen, im Aufbau begriffenen Getreidewirtschaftsversorgung von vornherein zu gewährleisten, wurden in den letzten Tagen die in Berlin zusammengerufenen Landesbauernführer einerseits und die Gauleiter der Partei bzw. ihre Vertreter andererseits eingehend über Sinn und Zweck der von der Reichsregierung zur Neuordnung der Getreidewirtschaft getroffenen Maßnahmen unterrichtet. Maßgebende Vertreter des Reichsernährungsministeriums und des Reichsnährstandes gaben in ausführlichen Vorträgen einen Ueberblick über die zu lösenden Aufgaben und die zu ihrer Bewältigung vorgesehenen Wege. Noch verbliebene Unklarheiten wurden in gemeinsamer Aussprache geklärt. So ergab sich, daß nicht nur die Landesbauernführer, sondern insbesondere auch die politische Leitung der Gaus erfüllt ist von dem Wunsche, in gemeinsamer Arbeit die größtmögliche Vollkommenheit der neuen Getreidewirtschaftsordnung sicherzustellen. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß das Handin=Hand=Arbeiten von Reichsernährungsministerium, Reichsnährstand und der politischen Leitung in den Gauen einen vollen Erfolg der neuen Getreideordnung verbürgt. „Schwerter Zeitung Nr. 169(Zweites Blatt) Montag, 23. Juli 1934 „* Schwerte(Ruhr), Montag den 23. Juli 1934 Das Gewitter Von Otto Promber, Dresden. Glühheiß der Tag! Nun schiebt von Westen her Ein schwarzer Riesenberg sich dräuend vor. Zisch! Blitz und Knall.— Aus aufgesprpengtem Ergießt zur Erde sich ein Wolkenmeer.[Tor Die alten stolzen Eichen ächzen schwer. Es brüllt der Sturm den tollsten Schreckenschor Verängstigt jagen Enten durch das Rohr. Die große Regenschale gießt sich leer. Da sieh!—Ein Riß klafft durch das Wolkengrau. Und zwischen Sturmgewölk und Donnerrollen Lacht heiter schon ein Stückchen Himmelsblau. Inbrünstig hebt sich der gebeugte Halm. Es dampft die Scholle. Wirbel=Lerchen wollen Anstimmen— horch!— den schönsten Freudenpfalm. Endlich Regen! Der Samstag brachte schon ein Gewitter mit einem kleinen Niederschlag. Der Regen schaffte jedoch noch keine Reinigung der schwülen Atmosphäre. In den Nachbarorten entluden sich die Gewitter viel stärker, zum Teil mit Hagelschlag. Der Sonntag vormittag war noch immer sehr schwül, und erst nachmittags gegen 4 Uhr brachte ein Gewitter eine kleine Abkühlung. Gegen Mitternacht setzte der Regen etwas stärker ein, und heute morgen kann man bei bewölktem Himmel feststellen: Es regnet sich so langsam ein. Dieser Regen ist viel zu spät gekommen. Immerhin kommt er noch den Wiesen und den Spätkartoffeln sowie unseren Gärten zugute. Achtung! Rundfunkhörer! Wir weisen darauf hin, daß am Montag, dem 23. Juli 34 mittags zwischen 13 Uhr und 13,45 Uhr der Gauwart der NS. Gemeinschaft„Kraft durch Freude", des Gaues Westfalen=Süd, Pg. Ernst Obst, nach seiner Rückkehr von der großen westfälischen Norwegerurlauberfahrt, über den Reichssender Köln sprechen wird. Mitteilung des Reichsluftschutzbundes. Die Landesgruppe Rheinland=Westfalen des Reichsluftschutzbundes legt Wert auf die Feststellung, daß ihr am 30. Juni in Berlin verstorbener Stabsführer Major a. D. Roskotten in Berlin auf einer Dienstreise in Angelegenheit des Luftschutzes am 23. Juni von einer schweren Magen= und Darmerkrankung befalSchwerte, 23. Juli. Die Fachschaft Reichsbahn, Schwerte, hatte am gestrigen Sonntag im Saal des Lokales„Im Reiche des Wassers“ ihre Fahnenweihe. Unter Vorantritt der Kapelle Norbert Köppikus marschierte die Fachschaft kurz vor 5 Uhr vom Bahnhofsvorplatz durch die Straßen zum Festlokal. Nach und nach fanden sich auch die Frauen der Reichsbahner ein. Die Festfolge wurde durch einen musikaliichen Teil schwungvoll eingeleitet. Unser heimische Kapellmeister Köppikus leistete mit seiner treuen Schar wieder Vorzügliches. Zu nennen wäre der schneidige Badonviller Marsch von Fürst, die bekannte Overtüre„Dichter und Bauer“ von Suppé und der liebliche Walzer „Dein gedenk ich“ von Wiggert. Da die Gauamtsleitung wegen eine Sitzung in Dortmund verhindert war, verzögerte sich der offizielle Anfang um 1 Stunde.— Die Begrüßung der Berufskameraden nahm sodann der Fachschaftsleiter der„Fachschaft Reichsbahn“, Pg. Keuchheuser vor. Er hieß ferner willkommen Kreisfachschaftsleiter Siebert aus Iserlohn, den Ortsgruppenamtsleiter der NSDAP., Amt für Beamte, Pg. Obstfeld, die Leitung der NSDAP. und RSBO. In der Beamtenschaft sei die Liebe zum Führer und damit zum Volke lebendig. Möge es nur eines geben: Alles für Deutschland! Sodann wartete unser Soloquartett unter der Leitung des beliebten Tenors Nies mit Liedervorträgen auf. Nach dem zu Herzen gehenden Gruß„Gott grüße dich“ sang das stimmbegabte Quertett das Volkslied„Am Brunnen vor der Tore“ gefühlsbetont und im Piano voll bezaubernder Innigkeit. Gern hörte man das alte Soldatenlied„Steh' ich in finstrer Mitternacht", das auf das leise Schwinzen eingestellt war. Leidenschaftlich wehmütig klang dann auf das Lied„Im Garten steht ein len worden ist, am 27. Juni in die Charité eingeliefert und dort am 30. Juni verschieden ist. (Bekanntlich hat Major a. D. Roskotten auch in Schwerte und zwar im vorigen Jahre im Saale„Im Reiche des Wassers“ in einer großen Kundgebung gesprochen. D. Red.) Drei Frattellinis und Weltstadt=Bartete=Programm Das Gastspiel der drei berühmten italienischen Clowns Fratellini(Gino, Max und Schwerte, 23. Juli. Am Samstag und Sonntag fand in Schwerte das erste Ringturnfest des Ringes 7 im Lenne=Volme=Kreis statt. Schwerte stand im Zeichen der Deutschen Turnerschaft. Die Bürgerschaft bekundete ihre Sympathie für die deutsche Turnsache dadurch, daß sie, wie bei nationalen Festen, reichlich flaggte. Unsere wackeren Altersturner eröffneten die Wettkämpfe auf dem Sportplatz am Realgymnasium am Samstag nachmittag. Hierbei machte Turnbruder Schmalz als 42jähriger den schwersten Kampf der Altersklasse, Jahrgang 1903—1896 mit, und errang mit 10 Punkten Vorsprung den ersten Sieg. Hervorgehoben verdient noch zu werden, daß Turnbruder Junker, der Inhaber des goldenen Sportabzeichens, mit seinen 56 Jahren seinen 100. Sieg errang!(Die Siegerliste veröffentlichen wir morgen). Am Samstagabend fand als eigentlicher Auftakt zum Ringfest die offizielle Begrüßungsfeier im Vereinslokal der Schwerter Turnerschaft im„Reiche des Wassers" statt. Nach einleitenden Musikstücken der Hauskapelle und nach einem Vorspruch brachte das bekannte Doppel=Quartett Holzen=Sommerberg unter der sicheren Leitung des begabten Dirigenten Eisenberg den Chor„Hebe dich auf Adlers Schwingen" zu Gehör. Vereinsführer Klaus begrüßte die Gäste und hieß insbesondere das Stadtoberhaupt, Kreiskommunalarzt Apfelbaum“, in dem der Bariton Mesekendahl die Solopartie wundervoll gestaltete. Gefühlsstark war auch die Wiedergabe des Soldaten=Liebesliedes„Laß das Weinen". Beseelt wurde schließlich das im Volkston gehaltene Lied„Heimat, liebe Heimat“ von Kahl gesungen, der Tenor Ries und der Bariton Mesekendahl waren in Hochform. Der Beifall war verdient herzlich. Zum Schluß gab's noch ein Rheinlied und einen lustigen oberösterreichischen Sang, der wiederholt werden mußte.— Im Laufe des Abends bildete das Auftreten der 12 Turnerinnen vom R=Tus eine weitere Glanznummer. In weißen langen Kleidern tanzten sie anmutsvolle Tänze. Die Leitung hatte Oberturnwart Brand, der unermüdliche Turnbruder.— Gegen 7 Uhr traf dann aus Iserlohn Kreisamtsleiter Eckardt ein. Anneliese Sander(B0M) sprach in begeisternder Weise den Prolog, der zugleich ein glühendes Bekenntnis zum Führer war: Ein Volk, eine Heimat, ein Wille! Dann erfolgte der Fahneneinmarsch mit der Fahne der NSDAP., Amt für Beamte, Schwerte. Die Weihe der Fahne wurde vorgenommen durch Kreisamtsleiter Eckhardt, der in Vertretung des Gauamtsleiters der NSDAP. Amt für Beamte Bentlage gekommen war. Was ist für die Gesamtheit des Volkes dienlich?, das müsse man sich immer vor Augen führen und bei allen Handlungen daran denken: Was würde der Führer tun? Gemeinuutz gehe vor Eigennutz.— Zum Schluß wurde ein dreifaches Siegheil auf den Führer ausgebracht und das nationalsozialistische Kampflied gesungen. Das Festprogramm bot sodann die schon erwähnten Gesangvorträge, die Reigen und Musikvorträge der bewährten Kapelle Köppikus. Die Festteilnehmer blieben dann noch in froher Gemeinsamkeit und bei deutschem Tanz beisammen. ecke. Gustavo), das am 25. Juli im Freischütz in unserer Stadt stattfindet, verspricht ein großes Fest der Fröhlichkeit, heiterster Lust und sorgloser Ausgelassenheit zu werden. Hunderttausende in allen Ländern der Erde haben schon Tränen gelacht über die drei prächtigen, zu allen frohen Streichen aufgelegten Künstler u. über ihre genialen Späße. Sie bringen alte erpropte traditionsreiche Clownerie, verbunden mit einer vollendeten Artistik, wie man sie nur sehr selten wieder auf der Varietébühne finden wird.— Der übermütige Teil der Clowns, der fast eine Stunde dauert, wird eingeleitet Dr. Marx, Sportgemeinschaftsführer Wulf, Kreisführer Ehlhaus, Kreisoberturnwart Möllhoff, sowie die alten Turnbrüder und Mitbegründer der Schwerter Turnerschaft Saatmann und Stricker, willkommen. Echter Turnergeist sei immer verbunden mit echtem Bürgergeist. Das Fest solle Zeugnis ablegen von der Arbeit im Geiste Jahn's. Ringführer Grundmann hielt, nachdem Turnbruder Klaus ein dreifaches „Sieg=Heil“ auf das Vaterland ausgebracht hatte und das Deutschlandlied gesungen war, die Festrede, in der er im wesentlichen ausführte: Wir haben uns zusammengefunden, um in echt turnerischer Gemeinschaft das 1. Ringfest feierlich zu eröffnen. Die Schwerter Turnerschaft hat das Turnfest in Schwertes Mauern geholt und ist von der Rinführung aus mit den Vorarbeiten u. mit der Durchführung betraut worden. Tagelange Arbeit erforderten die Vorbereitungen für das Turnfest, die in echt turnerischem Sinne von den Arbeitsausschüssen erledigt wurden. Allen gebührt der herzlichste Dank. Ich erledige mich dieser Dankespflicht, indem in dem Vereinsführer, Turnbruder Klaus, die Hand drücke. Dank muß auch der Stadtverwaltung gesagt sein, die in verständnisvoller Weise den Wettkampfplatz am Realgymnasium herrichten half. Alle, die vor 14 Tagen das Landesturnfest in Minden erlebten, stehen noch unter dem gewaltigen Eindruck, den das Fest hinterließ. Forscht man einmal danach, wodurch dieses tiefe, innere Erleben und das Höherschlagen der Herzen hervorgerufen wurde, so wird man feststellen können, daß es nicht so sehr das Wettturnen an sich war, als das Massen= und Gemeinschaftserleben und der Geist, der alles durchdrang. Es war Jahn'scher Geist, den wir erlebten. Das Wort Volk, Volkstum durchdringt auch heute noch die Arbeit, die wir in der DT. leisten. Wir sind die Erben Jahn's geworden. Dienst am Volk und Vaterland, Stärkung der deutschen Volkskraft war unser Ziel. Daß wir erfolgreiche Arbeit geleistet haben, beweist die große Rede unseres Führers auf dem Turnfest in Stuttgart. Alle unsere Turnfeste sollen Volksfeste sein. Volk unser Ziel, Turnerschaft unser Weg, das waren die Worte, die das gewaltige Landesturnfest ausstrahlte. Dieselben Worte mögen das Leitmotiv unseres verhältnismäßig kleinen und für Schwerte doch so großen Ringfestes sein! Der letzte Sinnn des deutschen Turnfestes liegt nicht so sehr auf körperlichem wie geistig seelischem und allgemein erzieherischem Gebiet. Wir haben in der DT. in freiwilliger, ehrenamtlicher Arbeit immer so gearbeitet, selbst in den verflossenen Jahren des Marxismus, des Verfalls und der Feigheit. Ein freudiges Aufatmen ging durch die Reihen der wahren Jünger Jahn's, als Adolf Hitler Sieger wurde. Der ganze große Bund der DT. stellte sich freiwillig voll und ganz dem nationalsozialistischen Staate zur Verfügung, mitzuhelfen die blutenden Wunden der Zwietracht, der Zerrissenheit und Befehdung zu heilen. Wir haben uns freudig zur Verfügung gestellt, konnte sich unser wahrer Geist jetzt erst richtig auswirken. Und unser Führer und Volkskanzler hat das in Stuttgart erkannt und hat uns als DT. hundertprozentig anerkannt. Die Sache der deutschen Turnerei ist von allen Fesseln befreit, hat sich zu einem wunderbaren völkischen Kraftstrom entwickelt. Wir leben, weil uns Adolf Hitler den Boden für die Wurzeln unserer Kraft wiedergegeben hat, und der Baum der DT. trägt wieder reichlich Früchte. Wir leben, weil wir leben müsdurch ein glänzendes Varietéprogramm, das einige unserer besten deutschen Artisten vereinigt. e Aus der Bewegung Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung. Heute abend 8 Uhr findet im„Reiche des Wassers“ eine Filmvorführung statt, betitelt „Deutschland von 1913—1933.“ sen, weil uns Adolf Hitler, weil uns unser Volk, weil uns Deutschland braucht. Wir deutschen Turner haben unserm Führer die Treue gehalten. In dieser Stunde gedenken wir seiner und des greisen Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Wir wollen unser Gelöbnis heute abend erneuern: Unserm Volkskanzler Adolf Hitler, unserm greisen Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, unserm deutschen Volke und unserer DT. ein dreifaches Sieg=Heil! Das Programm brachte sodann unter der Leitung von Turnbruder Kaiser das Keulenschwingen der Turnerinnen. Das DoppelQuartett erfreute durch weitere Liedvorträge. Im Mittelpunkt des Abends stand der Sprechchor„Wachstum aus deutscher Erde“, den Turnschwester Steinberg mit Sorgfalt und Verständnis eingeübt hatte. Dienst am Leib, ist Dienst am Volk, das war der Grundgedanke dieses Festspiels. Die einzelnen Bilder waren geschickt gestellt. Turnbruder Klaus nahm die Ehrung verdienstvoller Turner und Turnerinnen vor. Turnbruder Wilhelm Kötter erhielt die Ehrenmitgliedschaft, Turnschwester Emmy Schmalz wurde ebenfalls zum Ehrenmitglied ernannt, die Ehrenurkunde für 25jährige Mitgliedschaft und aufopfernde Mitarbeit erhielten die Turnbrüder Karl Fischer, Paul Schlichthaber und Fritz Henter, die Ehrenurkunde für 40jährige Mitgliedschaft erhielt Turnbruder Ernst Schriewer. Besondere Anerkennung wurde der ewig unermüdlichen Turnschwester Hilde Wessels, die auch in Minden siegreich abschnitt, zuteil. Sie erhielt eine Ehrenurkunde für treue Dienste. Turnbruder Fischer dankte im Namen der Jubilare. Der Kreisoberturnwart überbrachte die Grüße des Kreises und des Gaues, er dankte dem Vereinsführer der Schwerter Turnerschaft für den Willkommensgruß und sprach dem Ring, insbesondere dem Ringführer Grundmann, der sein Herz auf dem rechten Fleck habe, seine Anerkennung für die geleistete Arbeit aus. Die DT. marschiere im Dritten Reich und helfe mit am Wiederaufbau. Die Turnerinnen führten einen gut einstudierten Tanz in weißer Gewandung auf. Die Werberiege zeigte schwierige Uebungen am Pferd. Die Turnerinnen erfreuten dann wieder durch schöne Bewegungsformen im Tanz. Ausgezeichnete Leistungen bot dann die Ringwerberiege am Barren. Der Abend klang aus in dem Lied „O Deutschland hoch in Ehren“. Der Sonntag stand dann im Zeichen des Wettkampfes. Die Ergebnisse bringen wir, wie schon gesagt, in der morgigen Ausgabe. Nachmittags 2,15 Uhr war der Festzug. Die Vereine marschierten(ausgelost) in folgender Reihenfolge: Reichsbahn=Tus, Trüpplingsen, Westhofen, Holzen, Berchum, Bürenbruch, Ergste, Jahn Schwerterheide, Villiost, Leckingsen, Garenfeld und Schwerter Turnerschaft. Die Wetturnerinnen trugen z. T. das lange weiße Tanzkleid. Man sah die alten Fahnen der Vereine und die neuen Sturmfahnen. Die Musik wurde ausgeführt von der Kapelle Köppikus und von einem Spielmannszug von Jahn Schwerterheide. Der Festzug führte durch die ganze Siadt und dauerte weit über eine Stunde. Ra des Platz am Realgymnasium wurden die Wettkämpfe, trotz des Gewitters, ordnungsgemäß durchgeführt. Abends fand im„Schwerler Hof“ ein gemütliches Beisammensein mit Tanz statt. Die Beteiligung war erfreulich groß. Vie zu später Abendstunde herrschte frohe Festesstimmung. So nahm denn das erste Kingfest in Schwerte einen schönen Verlauf.=cse. Fahnenweihe der„Fachschaft Reichsbahn“ Schwerte Soloquartett Schwerte als Freudenbringer. Im Geiste Jahns Baversts Aing kurnsereed Aingen Fin ochwerie Der Auftakt am Samstag.- Gute Beteiligung bei den Wettkämpfen.- Der Festzug. Aus dem=Nachburgertet Folgenschwerer Unfall eines Deutschland=Fahrers bei Unna Leider ereignete sich bei der 2000=Kilometer= fahrt durch Deutschland, wie die„Westf. Landesz.“ meldet, auch in der Nähe Unnas, im nahen Lünern, gegen 4 Uhr Sonntag früh ein bedauerlicher Unglücksfall. Infolge einer Reifenpanne geriet ein DKW=Wagen, der von Polizei=Hauptmann Grothe, Potsdam und Polizei=Obermeister Emmrich, Berlin, gefahren wurde, ins Schleudern und sauste quer vor einem Baum. Der Wagen brach gleich in zwei Teile, eines lag links, das andere rechts der Straße, der Tank etwa 70 Meter weiter weg. Die beiden Fahrer wurden verletzt, jedoch sind die Verletzungen nicht ernster Natur. Schlimmer erging es dem RSKK=Mann Preuß aus Menden, der zur Absperrmannschaft gehörte. Er wurde von dem Wagen erfaßt und schwer verletzt. Neben einem Armbruch sowie einer Gehirnerschütterung erlitt er innere Verletzungen. Alle drei Verletzten wurden dem Evangl. Krankenhaus in Unna zugeführt. Gegen Mittag mußte noch ein Einzelmotorrodfahrer, Schulze, aus Magdeburg, ins Ev. Krankenhaus eingeliefert werden. Er hatte sich in der Nähe von Berlin einen Bluterguß am Knie zugezogen. Trotz der riesigen Schmerzen hielt der tapfere Fahrer durch, mußte jedoch, da die Schmerzen immer unerträglicher wurden, in Unna die Weiterfahrt aufgeben. Dortmund, 23. Juli. Vom Blitz getroffen wurde Sonnabend gegen 15,40 Uhr auf der Verbandsstraße Dortmund ein Radfahrer Joh. B. aus Annen. Im besinnungslosen Zustande wurde der Verletzte mit einem Krankenwagen in die Städtischen Krankenanstalten gebracht. Es besteht Lebensgefahr. Dortmund, 22. Juli. Schwerer Kraftwagenunfall. Erzbischof Dr. Klein, Paderborn, der heute mittag zur 1100=Jahrfeier in Castrop weilte und anschließend in Dortmund auf einer Tagung sprach, trat, wie die D. Z. meldet, nach Schluß dieser Kundgebung in seinem Kraftwagen die Heimfahrt an. Sein Chauffeur hatte das Unglück, zwischen den Dortmunder Vororten Brackel und Asseln die 4jährige Ursula Wilhelm zu überfahren. Das Kind stand an der Hand seiner 13jährigen Schwester an der Straßenseite, riß sich plötzlich los und lief vor das Auto. Der Chauffeur riß den Wagen noch zur Seite, konnte jedoch nicht verhindern, daß das Kind überfahren und getötet wurde. Das Auto geriet in en Straßengraben. Dr. Klein blieb unverletzt. Der Führer des Kraftwagens wurde bis zur Klärung der Schuldfrage in Haft genommen. Hagen, 22. Juli. Waldbrand. In der Selbecke entstand in der Mittagszeit auf dem Waldbauer Gebiet ein Waldbrand. Die Hagener Feuerwehr rückte aus und löschte den Brand nach mehrstündiger Arbeit. An den Löscharbeiten wirkte ebenfalls die Freiwillige Feuerwehr Waldbauer mit. Altena, 22. Juli. Die Kehle durchschnitten. In der Kurve der Straße Westig —Altena bei Ihmert verunglückte ein Personenwagen aus Evingsen. Der Mitfahrer Walter Bröcker wurde dabei durch die Schutzscheibe auf die Straße geschleudert. Er schlug bei dem Sturz mit dem Hals in das Glas, das ihm die Kehle durchschnitt. Lebensgefährlich verletzt brachte man ihn ins Krankenhaus nach Hemer. Vorerst hat der Verunglückte die Sprache verloren. Ob er gerettet werden kann, ist noch fraglich. Flieger Landesgruppe Westfalen nach Dortmund verlegt Wie wir erfahren, ist die Flieger=Landesgruppe Westfalen des Deutschen Luftsportverbandes, die bisher mit der Fliegerlandesgruppe Rheinland unter Leitung des Fliegerlandesgruppenführers V/VI des Deutschen Luftsportverbandes, des Pour le Merite=Fliegers Arthur Laumann=Essen, vereinigt war, wieder getrennt worden und wird nach Dortmund verlegt. Zum Führer der Fliegerlandesgruppe Westfalen in Dortmund ist der alte Kriegsflieger und zur„Alten Garde“ der NSDAP. gehörige Kreisleiter der PO. Schwarmführer Sieker=Altenkirchen(Westerwald) ernannt worden. Die Führung der Fliegerlandesgruppe Westfalen wird voraussichtlich ihre Geschäftsstelle gemeinsam mit der Flieger Untergruppe 15 Dortmund des Deutschen Luftsportverbandes im„Fliegerhorst“, Märkischestraße 57, haben. Die Fliegerlandesgruppe Westfalen umfaßt sechs Fliegeruntergruppen, von denen die größte die Fliegeruntergruppe Dortmund mit 25 Ortsgruppen ist. Kunstausstellung Dortmund Die Dortmunder Kunstausstellung wird bis zum 1. August verlängert.— Volkstümliche Eintrittspreise. Nie„Große Westsälische Kunstausstellung" im„Haus der Kunst", dem ehemaligen Prioratsgebäude des alten Katharinenklosters am Königswall, hat in den 4 Wochen ihrer bisherigen Dauer überall große Beachtung und lebhaftes Interesse gefunden. Die Ausstellung sollte ursprünglich am 22. Juli geschlossen werden. Die Ausstellungsleitung hat sich jedoch mit Rücksicht auf das anhaltende große Interesse des Publikums für die Ausstellung entschlossen, sie bis zum 1. August zu verlängern. Gleichzeitig tritt mit dem heutigen Tage; von Samstag, den 21. Juli, ab eine Ermäßigung der Eintrittspreise ein, um in den letzten Tagen der Ausstellungsdauer möglichst weiten Volkskreisen noch Gelegnheit zum Besuch der Ausstellung zu geben. Der Eintrittspreis beträgt Samstagnachmittags und den ganzen Sonntag hindurch nur 10 Pfg., an den übrigen Wochentagen 30 Pfg. Schüler zahlen an allen Tagen 10 Pfg. Rundfunk=Programm Dienstag, den 24. Juli 1934. 5.30 Morgenruf. Anschließend: Frühkonzert. 6.05 Leibesübungen. 6.25 Morgenkonzert. 7.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.00 Zeit, Nachrichten usw. 8.05 Frauenturnen. 10.00 Zeit, Nachrichten usw. 10.10 Kinderturnen mit Musik. 10.30 Deutsche Volks= und Heldensage. 10.55 Wir und die Welt. 12.00 Musik am Mittag. Hochkreuz zwischen Kameradengräbern auf der deutschen Kriegsgräberstätte Vorbruck, jetzt Labroque, in den Vogesen. Ausgebaut vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.— Nach einem Linoleumschnitt von Professor Walter Klemm, Weimar Shne Trirt Märsch Ein Roman aus den Kampfjahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 80. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Tanzfläche ist im Umsehen besetzt. Scheinwerfer leuchten auf. Schley ist wieder in seinem Element. Er läßt einen Quickstep spielen.—„Aber bitte, meine Herrschaften: style anglais!“ ruft er vom Podium. Und dann kommt die neueste Tanzsensation, ein Cocktail.. Holzwurm und Rabenstein tanzen nicht, sie trinken und schauen. Gerade im größten Vergnügen wird Holzwurm am Telephon verlangt, dringend! Reichsbannerführer Weintal meldet sich. „Na, wie steht's?“ fragt Holzwurm. „Besch....., Genosse!" tönt es zurück. „Wieso?“ „Der Transport kam eine Stunde früher durch als sonst— unsere Leute noch nicht alle zur Stelle— keine Absperrung— keine Falle— lediglich kleine Schießerei von hüben und drüben— Stüwen scheint also schon mit einer Ueberrumpelung gerechnet haben— die nachkommende Radfahrkolonne ließ ebenfalls den Wagen passieren—“ „Man kann sich eben auf Euch beide nicht verlassen. Eine Handvoll Genossen von der hätte anders mit den Hakenkreuzlern aufgeräumt.“ „Das nächste Mal——“ „Quatsch! Die vom Wächter haben doch Lunte gerochen, die werden sich hüten, die Zeitungen auf diesem Wege noch einmal zu befördern——“ „I, den„Wächter“ kriegen wir schon— ich habe zwei handfeste Genossen vor Stüwens Wohnung gestellt, die werden dem Naziwächter schon einen Denkzettel geben, daß er für diese Nacht genug hat.“ „Das soll mich wundern, Moritz!“ „Ist da übrigens was los in der„Zentralhalle?“ „Und ob! Katzur und seine Ossenbrügger Freunde in Hochforn! Weiber sind da, noch und noch. Komm doch rüber! Du kriegst auch noch was mit!" „Ich komme gleich, Jakob! Reservier' mir schon eine Dame!“ „Frei Heil!“ „Freiheit!“ Stüwen blieb noch unter der Laterne stehen. Der Unbekannte, der dem„Blauen Wilhelm“ so ähnlich sah, rührte sich kaum. Einmal schaute Klaus auf die Uhr. Dann wartete er weiter. Die Spannung in ihm wuchs. Der andere schien keine Neigung zu haben, sich zu entfernen. Da riß Stüwen seine Pistole hoch. Drüben der Mann zuckte zusammen. Aber Stüwen machte nur Zielübungen... Zuerst diente ein Baumstamm als Zielscheibe, dann rückte Stüwen mit der Mündung weiter, schließlich hielt er dahin, wo der Aufpasser stand. So, mein Junge, jetzt habe ich dich drin—, Herz aufsitzen lassen—— Noch machte Stüwen seinen Finger nicht krumm, obwohl seine Geduld schon am Ende war. Aber als der andere seinen Arm heben wollte, schrie Stüwen:„Hände hoch!“ Der Unbekannte parierte auf's Wort. Aber da kam wieder aus der entgegengesetzten Richtung das verdächtige Geräusch. Nach zwei Fronten kann ich mich nicht verteidigen, durchfuhr es Stüwen schreckhaft. Er ließ Ziel Ziel sein und drückte ab— Peng! Der Schreckschuß verfehlte seine Wirkung nicht.—— Der Unbekannte warf sich zu Boden, rutschte ins Buschwerk, raffte sich auf und polterte in wilder Flucht davon.—— Das konnte der„Blaue Wilhelm“ nicht gewesen sein, mußte sich Stüwen sagen, der wäre nicht so türmen gegangen, der hätte drauflos geknallt: Peng— peng! Stüwen näherte sich vorsichtig der Haustür. Aber hier lauerte niemand mehr im Hinterhalt. Eine Weile ging er noch vor der Tür auf und ab. Da hörte er Schritte— das schien eine Polizeipatrouille zu sein. Da schloß er die Tür hastig auf und trat ins Haus. Denn er wollte sich nicht mit der Waffe in der Hand ertappen lassen. Er besaß einen Waffenschein, aber er durfte die Pistole nur in der Redaktion oder in der Wohnung zu seinem persönlichen Schutze aufbewahren. Er wußte, daß das Polizeipräsidium ihm nie die Erlaubnis erteilen würde, die Waffe ständig bei sich zu tragen. * Am andern Tage findet der neue„Wächter“. wieder reißenden Absatz, besonders am Nachmittag in den Kaffeehäusern und Gartenlokalen. Gegen Abend erscheint in der Redaktion ein Aufgebot von Kriminalbeamten. Konradix ist wieder der Anführer. Er kann nur noch Fünfzig Exemplare beschlagnahmen, worüber er eine Bescheinigung ausstellt. Dann sprechen die Kriminalbeamten bei sämtlichen Kiosken vor. Einige Händler weigern sich,„ihr tägliches Brot“ herzugeben. „Wenn Sie alle„Wächter', die Sie noch in Ihrer Bude haben, nicht sofort rausrücken“ schreit Konradix den Händler, der am Rathaus seinen Stand hat, an,„müssen Sie Ihren Laden schließen und mit zur Wache kommen!“ Fünfhundert Exemplare werden von der Gesamtauflage erbeutet. Stapler, der mit seinem Schwager im Auto umhersausend, die Durchführung der Beschlagnahme überwacht hat, rast vor Wut über das klägliche Ergebnis. * Kaum waren acht Tage verstrichen, da ging dem„Wächter“ wieder einmal ein„Beschluß“ Ihr mehrt des deutschen Volkes Kraft, Wenn Ihr dem Handwerk Arbeit schafft! 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 13.00 Das Westdeutsche Kammerorchester. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 15.10 Rechtsschutz des Volkes. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.45 Kleine Musik. 16.15 Reichssednung: Deutsche Kampfspiele 1934(Von München). 17.00 Kostbarkeiten aus großen deutschen Sammlungen. 17.20 Brahms— Händel. Auss.: Das KlemptVokal=Terzett aus Schwerte. Erika Schütte(Cembalo). 1. Deutsche Volkslieder von Brahms mit Klavier=Begleitung): a) Es steht eine Lind' in jenem Tal; b) Ach, könnt' ich diesen Abend; c) Schönster Schatz, mein Engel.— 2. Chaconne G=Dur für Cembalo von Händel.— 3. Deutsche Volkslieder von Brahms(mit Klavierbegleitung): a) Ach Gott, wie weh tut Scheiden; b) Schwesterlein; c) Erlaube mir, sein's Mädchen. 17.50 Unter Tag.(Bergmanngeschichte). 18.00 Eifelfahrt. 18.20 Arbeitsbeschaffungsfront. 18.40 Vom Tage. 18.50 Zeit, Wetter, Wirtschaftsmeldungen. Sportvorbericht. 19.00 Aus einem alten Liederbuch. 19.50 Zur Natur= und Heimatschutzwoche des Reichssenders Köln. 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.15 Stunde der Nation: Kleine Abendmusik. 20.55 Rund ums Mittelmeer. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.20 Zehn Minuten Schach. Anschließend: Funkstille. Senta Söneland* Die bekannte Filmschauspielerin Senta Söneland hat sich infolge eines Nervenzusammenbruchs das Leben genommen. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedrich Kamecke, Schwerte=R. Verantwortlich für den gesamten Textteil: Heinz Friedrich Kamecke, Schwerte=R. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D. A. VI./34. 1718. zu. Stüwen wurde bei Androhung einer Geldstrafe bis zu eintausendfünfhundert Mark und daneben einer Haftstrafe bis zu einem Monat für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt, weitere Artikel über Justizobersekretär Stapler hinsichtlich der geschilderten Vorgänge zu veröffentlichen, insbesondere eine der in diesem Artikel aufgestellten Behauptungen zu wiederholen. Schon in der nächsten Ausgabe nahm Stüwen gegen die Beschlagnahme und gegen die„einstweilige Verfügung“ Stellung. Sofort ließ Stapler dem Landgericht durch seinen Rechtsanwalt mitteilen:„Schriftleiter Stüwen hat die einstweilige Verfügung aufs gründlichste übertreten, neben der öffentlichen Verhöhnung der Behörde selbst und aller der als Schutzmaßnahmen für Stapler von den Behörden getroffenen Anordnungen. Ich beantrage die angedrohte Strafe festzusetzen und zu vollstrecken. Die Vollstreckung hat bei der Sachlage nur Zweck, wenn sie unverzüglich angeordnet und durchgeführt wird.“ Stüwen, dem dieser Antrag mitgeteilt wurde, lachte hell auf.„Der Mann will mich einen Monat einsperren lassen und mir außerdem noch eineinhalbtausend Mark aufbrummen!“ Er diktierte einen Brief an das Landgericht: „Die beantragten Strafen können ruhig vollstreckt werden, soweit der„Wächter' gegen das durch die einstweilige Verfügung erlassene Verbot, welches inhaltlich genau festgelegt ist, tatsächlich verstoßen hat.“ Am fünfundzwanzigsten August fuhr Stüwen nach Ossenbrügge und nahm an der Wächter=Riesenkundgebung in der Stadthalle teil. Die Versammlung mußte wieder polizeilich gesperrt werden. Als erster sprach Dr. Hagedorn. (Fortsetzung folgt.) 8 DIAS Sssidonischtanc Elfriedes Sehnsucht... Münster. Elfriede hatte eine schöne Stelle in Berlin. Sie genoß das Vertrauen der Hausfrau und kannte daher bald alle Gepflogenheiten im Hause, und da Elfriedens Sehnsucht auf ein paar schöne Tage in Hamburg abgestellt war, stahl sie der Arbeitgeberin den Schmuck aus der Kassette, nahm ihren Freund an die Hand und fuhr mit ihm nach Hamburg, wo sie in wenigen Tagen den Erlös für die Schmuckstücke„verlebten". Dann wanderten die beiden Tag für Tag. Ihr Ziel war nun Düsseldorf, aber im Münsterland, in Rinkerode, wurden die beiden beim Betteln abgefaßt, und nun standen sie vor dem Schöffengericht in Münster. Während Elfriedens Freund straflos ausging, wird Elfriede in vier Monaten Gefängnis über die Freuden der schönen Reise„träumen“ dürfen. Und unter Lüften des Zylinders... Münster. Kies. hatte endlich in der ländlichen Gegend von Glandorf einen gutmütigen Mitmenschen getroffen, der ihm ein Rad lieh. Das Rad gefiel Kies. gut, aber besser behagte ihm die klingende Münze und ein kühler Trunk. Er versetzte also das Rad und zechte, solange der Wirt Kredit gab. Dann aber wollte er sich aus dem Kreis der Zechfreunde drücken. Er lüftete schon höflich den Zylinder... Die Polizei brachte ihn nach Münster, wo er mit acht Monaten Gefängnis bedacht wurde. Mißbrauchtes Vertrauen Münster. Ehling hatte bei den Feldjägern Unterkunft gefunden. Diese sorgten gut für ihn, und Ehling war ihnen zu Dank verpflichtet. Als man ihn aber beauftragte, Gelder zu kassierer, blieb gleich Geld an seinen Fingern„kleben". Für den Mißbrauch des Vertrauens schickte das Schöffengericht in Münster den vielfach vorbestraften Ehling für acht Monate ins Gefängnis. Das Gericht erkannte ferner auf drei Jahre Ehrverlust. Ehling nahm die Strafe an. Werbung für die Weine rheinischer Winzer Münster. Auf Grund einer Vereinbarung zwischen den beiden Landesbauernführern von Rheinland und Westfalen hat der Propagandaverband preußischer Weinbaugebiete kürzlich eine recht wirkungsvolle Werbung für den rheinischen Wein in Münster i. W. durchgeführt. Den beiden öffentlichen Werbetagen im Zoo ging eine fachmännische Weinprobe von Erzeugnissen aller rheinischen Weinbaugebiete vor geladenen Gästen der am Weinfach interessierten Wirtschaftskreise vorauf. Die unter dem Leitmotiv „Rheinische Winzerhilfe" durchgeführte Werbeveranstaltung, welche neben dem öffentlichen Weinausschank in volkstümlicher Form auch der breiten Oeffentlichkeit Gelegenheit bot, an besonders hergerichteten Probeständen der einzelnen Weinbaugebiete die verschiedenen Weine kennen zu lernen, war ein durchschlagender Erfolg. Die außerordentlich starke Beteiligung an allen Veranstaltungen beweise wieder einmal, so schreibt der Propagandaverband preußischer Weinbaugebiete in Bonn, daß dieser Form der Werbung durch den guten und preiswerten Wein selbst, die den Absatz mit der Werbung unmittelbar verbindet, der nachhaltigste Erfolg beschieden ist. Und noch ein Unfall mit der Mähmaschine Wasserkurl. Der Landwirt Löddemann geriet beim Versuch, die mit der Mähmaschine durchgegangenen Pferde anzuhalten, unter die Maschine und wurde übel zugerichtet. Schwerverletzt wurde er dem Krankenhaus zugeführt. Erfolgreiche Arbeitsschlacht in Kamen Kamen. Der Kamener Bezirk darf in der Arbeitslosenschlacht auf große Erfolge zurückblicken. Von Januar 1933 bis zu Beginn dieses Monats ist die Zahl der Arbeitslosen von 8803 auf 5025, das sind 43 Prozent, gesunken, während die Zahl der Unterstützungsempfänger in der gleichen Zeit von 7958 auf 4251, das sind 47 Prozent, zurückging. Ein 14jähriger Brandstifter Hampenhausen(Sauerland). In Hampenhausen brannte vor einigen Tagen ein etwa drei Morgen großes Gerstenfeld nieder. Die Polizei ermittelte als Brandstifter einen 14jährigen Jungen, der diese Tat aus Rache begangen hatte. Regelung der Frühkartoffelpreise Arnsberg. Die Regierungspressestelle teilt mit: Nachdem durch den Reichsbeauftragten für die Regelung des Frühkartoffelumsatzes der Erzeugerpreis für erste Sorte auf 6 Pfg., für zweite Sorte auf 4 Pfg. und für runde Kartoffeln auf 5 Pfg. pro Pfund herabgesetzt worden ist, mußten die bisherigen Großhandels= und Einzelhandelspreise entsprechend gesenkt werden. Die örtlichen Polizeibehörden sind durch den Regierungspräsidenten angewiesen, darauf zu achten, daß der Kleinverkaufspreis für die einzelnen Kartoffelsorten in keinem Falle mehr als 2 Pfg. über dem gegannten Erzeugerpreis liegt. Bei den mit Sicherheit zu erwartenden weiteren Herabsetzungen der Erzeugerpreise ist diese Regelung entsprechend anzuwenden. Diese Preise des Handels dürfen nicht über=, aber unterschritten werden. Neuerliche Fernbebenaufzeichnungen in Bochum Bochum. Am Samstagmorgen wurde der Seismograph der Bochumer Erdbebenwarte wieDus Arten nn Freispruch mangels ausreichender Beweise Hagen. Am Samstag fand der seit sechs Tagen vor dem Hagener Schwurgericht verhandelte Prozeß gegen Albert Plädderich, der beschuldigt war, seine Frau ermordet zu haben, seinen Abschluß. Das Urteil lautete auf Freispruch mangels ausreichender Beweise. Zunächst ergriff der Vertreter der Anklage, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Walzholz, das Wort. Er betonte, daß die Frage hier sei:„Hat Albert Plädderich seine Frau ermordet oder nicht?“ Schwer sei die Verantwortung bei der Urteilsfindung. Er ging noch einmal eingehend auf das Ergebnis der Hauptverhandlung ein. Stark belastet habe den Angeklagten die Verabredung mit seiner Frau an einsamen Stellen, und das Bestreiten dieser Tatsache werfe ein eigenartiges Licht auf ihn. Schwer belastet habe den Angeklagten besonders, daß der zur Tat gebrauchte Strick derselbe sei, wie der bei dem Angeklagten vorgefundene. Auch die Knoten= und Schlingenfrage sei belastend. Würde man nach dem Gefühl urteilen, so sei es leicht, zu urteilen. Das dürfe man aber nicht, sondern man müsse den ganzen Sachverhalt prüfen und alle Momente gegeneinander abwägen. Dann könne der Schuldbeweis aber nicht hundertprozentig geführt werden und er müsse daher die Freisprechung auf Kosten der Staatskasse beantragen. Der Verteidiger Dr. Meyer ging in seinem Plädoyer noch einmal die einzelnen Zeugenaussagen durch und widerlegte die Verdachtsmomente. Er betonte, daß ebensoviele Momente für einen Selbstmord der Frau Plädderich wie für einen Mord des Angeklagten sprächen, besonders, da ja keine Kampfspuren gefunden worden seien. Der Angeklagte könne ja leider nicht für unschuldig erklärt werden. Mit diesem Makel müsse der Angeklagte nun bis zu seinem Lebensende gehen, und es wäre eine furchtbare Tragik, wenn er die Tat nicht begangen hätte. Darauf zog sich das Gericht zurück und verkündete nach halbstündiger Beratung folgendes Urteil: Der Angeklagte wird mangels ausreichender Beweise freigesprochen, die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. der durch ein heftiges Fernbeben in Tätigkeit gesetzt. Das Beben begann um 7 Uhr, 40 Min. 35 Sek. und dauerte ungefähr drei Stunden. Die größte Bodenbewegung betrug etwa ¼ mm. Der Herd des Bebens liegt vermutlich über 13.000 Kilometer von Bochum entfernt. Nächtliche Bluttat in der Duisburger Altstadt Duisburg=Hamborn. In der Nacht wurde die Prostituierte Margarethe Stenzel in einer Verbindungsgasse zwischen der Tonhallen= und der Hohestraße von einem bisher noch unbekannten Manne erstochen. Der Stich wurde mit einem feststehenden Messer derart heftig geführt, daß sich die Schwerverletzte nur noch 100 Meter weit schleppen konnte und dann auf der Hohestraße zusammenbrach und verschied. Die Ermordete ist kurz vor der Tat mit einem Manne zusammen gesehen worden, der vermutlich der Mörder ist. Die von Seiten der Kriminalpolizei in der Mordsache der Margarethe Stenzel angestrengten Ermittlungen haben dazu geführt, daß bereits zwei der Tat verdächtige Personen festgenommen werden konnten. Wie durch Augenzeugen festgestellt wurde, hatte sich bei dem fraglichen Täter noch eine zweite Person befunden, die auf die Hilferufe der Stenzel ebenfalls die Flucht ergriff. Die beiden Verdächtigen, die angetrunken waren, hatten sich in der Gegend der Tonhallenstraße schon seit den späten Abendstunden herumgetrieben, wobei es mit zwei anderen Mädchen zu Streitigkeiten gekommen war. Die beiden Mädchen hatten sich aber, um Weiterungen aus dem Wege zu gehen, eiligst entfernt. Während am Samstagmorgen bereits einer der der Tat verdächtigen Männer festgenommen wurde, der bis jetzt aber noch hartnäckig leugnet, erfolgte im weiteren Verlauf des Tages die zweite Verhaftung. Das Duisburg=Hamborner Wappen Duisburg=Hamborn. Der Stadt DuisburgHamborn ist durch Erlaß des Preußischen Staatsministeriums das Recht zur Führung des früheren Wappens der Stadt Duisburg verliehen worden. Todessturz aus dem Fenster Langenberg. Von einem schweren Schicksalsschlag wurde hier die in der Hindenburgstraße wohnende Familie Bierkämper betroffen. Als gegen 9 Uhr morgens die in den 30er Jahren stehende Ehefrau die Fenster ihrer im dritten Stockwerk gelegenen Wohnung putzte, trat sie fehl und stürzte in die Tiefe. Die Frau fiel auf eine Starkstromleitung und dann auf die Straße. Ein schwerer Schädelbruch und innere Verletzungen hatten den sofortigen Tod der Verunglückten zur Folge. Vertrieb von Schneidwaren burch Hanserer Solingen. Die Industrie= und Handelskammer zu Solingen teilt mit: In Kreisen mancher Stahlwarenfabrikanten und des Hausierhandels ist in den letzten Wochen die Meinung vertreten worden, die Solinger Wirtschaftsführung bekämpfe grundsätzlich den Hausierhandel und spreche ihm die Daseinsberechtigung ab. Diese Auffassung ist unrichtig. Richtig ist vielmehr, daß die Bedeutung des Hausierhandels für die Schneidwarenindustrie durchaus gewürdigt wird. Es ist bekannt, daß es Hausierer gibt, die— nicht selten seit Jahrzehnten— eine feste Kundschaft, zumeist auf dem Lande, besuchen und bei ihr eine durchaus anständige Ware vertreiben. Diese Hausierer sind wertvolle Mittler und verdienen Unterstützung durch die zuständigen Stellen. Daneben aber gibt es Hausierer, die die Unerfahrenheit der Käufer ausnutzen, um ihnen— nicht selten mit unreellen Mitteln— minderwertige Waren zu ganz unangemessenen Preisen „anzuhängen“. Diese Hausierer sind Schädlinge, die im gemeinsamen Interesse des reellen Hausierhandels ausgeschaltet werden müssen. Nur sie sind es, die die Solinger Wirtschaftsführung ablehnt, während der reelle Hausierhandel bei ihr auf dem ihm volkswirtschaftlich zukommenden Gebiet stets Unterstützung finden wird. Nachspiele zum Prozeß gegen den ehemaligen Solinger Beigeordneten Vollmar Solingen. Das Städtische Presseamt teilt mit, daß der Oberstaatsanwalt in Bonn gegen das freisprechende Urteil im Prozeß gegen den früheren Beigeordneten der Stadt Solingen, Vollmar, Revision eingelegt hat.— Im übrigen erfahren wir noch, daß Oberbürgermeister Dr. Otto von Solingen gegen Dr. Vollmar Strafantrag wegen Beleidigung gestellt hat wegen einer Aeußerung, die der frühere Beigeordnete gelegentlich der Verhandlung im Gerichtssaal gegen den jetzigen Oberbürgermeister aussprach. Engültig aus mit der goldenen Freiheit Mülheim. Das Schöffengericht sprach am Samstag über den 43 Jahre alten Bernhard Schleimann aus Dortmund die Sicherungsverwahrung aus, nachdem es ihn wegen fortgesetzten Betruges mit drei Jahren Zuchthaus bestraft hatte. Scheimann war, während er in der Strafanstalt in Herford eine Gefängnisstrafe von acht Jahren verbüßte, auf einem Außenkommando im Juni vorigen Jahres ausgerissen und konnte erst im Januar dieses Jahres wieder verhaftet werden. Seine goldene Freiheit hatte er dazu benutzt, zahlreiche Logisbetrügereien zu begehen, und zwar wurden ihm allein 37 solcher Fälle nachgewiesen, die er in Mülheim, Oberhausen, Dinslaken, Steele, Gelsenkirchen, Wattenscheid, Recklinghausen, Marl, Dortmund, Herne, Holzwickede, Hamm, Minden, Datteln und Bochum begangen hatte. Die Betrogenen waren zumeist Bergleute, Invaliden oder Witwen, bei denen er ein paar Tage gewohnt hatte und denen er unter dem Versprechen, er könne ihnen Eier und Butter besorgen, da er vom Lande stamme, Beträge von 10 und 20 Mark abnötigte und dann heimlich verschwand. Dr. Binstadt Gaubeauftragter für den Radfahrwegebau Düsseldorf. Für den Bereich der Provinzen Rheinland und Westfalen und des Landes Lippe ist der Geschäftsführer des Vorbereitenden Ausschusses zur Erstellung von Radfahrwegen in den Provinzen Rheinland und Westfalen, Direktor Dr. Binstadt aus Düsseldorf zum Gau=Beauftragten für den Radfahrwegebau ernannt worden. Die Düsseldorfer Kampfausstellung bis zum 12. August verlängert Düsseldorf. Wie der Pressedienst der Stadt Düsseldorf mitteilt, ist die Ausstellung„Der Kampfder RSD AP“ in den Ausstellungshallen am Rhein, die ursprünglich am 31. Juli geschlossen werden sollte, mit Rücksicht auf den außerordentlichen Besuch der letzten Zeit bis Sonntag, 12. August, verlängert worden. 80 000 Mark für die Kölner Dombauerhaltung im Preußenetat Köln. Im preußischen Staatshaushalt 1934 sind beim Haushalt des Kultusministeriums u. a. 80000 RM. als Beihilfe zu den Kosten der baulichen Unterhaltung des Kölner Doms eingesetzt worden. Erster Spatenstich zum Reichsehrenmal der deutschen Feldartillerie Köln. Samstag vormittag wurde in Köln am Niederländer Ufer der erste Spatenstich für das große Reichsehrenmal der deutschen Feldartillerie durch Hauptmann a. D. Henke getan. In einer kurzen kernigen Ansprache führte Hauptmann Henke u. a. folgendes aus:„Der 21. Juli ist ein Markstein in der Geschichte des Waffenringes der deutschen Feldartillerie. Der heiße Wunsch, der uns seit Jahren beseelt, unseren über 200 000 gefallenen Kameraden und Helden ein Ehrenmal zu schaffen, kann nunmehr verwirklicht werden. Opferfreudigkeit und Dankbarkeit gegenüber den Toten brachten das erst unmöglich Scheinende in Erfüllung. So darf ich heute mit berechtigtem Stolz im Namen des Waffenringführers Sr. Exzellenz Generalleutnant Frhr. von Watter den ersten Spatenstich für unser Denkmal tun, das sich an den Ufern des deutschen Schicksalsstromes in Kürze erheben wird.“ Nach einer weiteren kurzen Ansprache von Generalmajor a. D. Dr. Samwer wurden dann an den Waffenringführer Exzellenz von Watter und den Schirmherrn des Waffenrings, Exzellenz von Gallwitz, telegraphische Meldungen über den erfolgreichen Spatenstich gesandt. Das Ende vom Lied Köln. Von der Polizei wurde hier ein Schüler aus Altona, der vollkommen mittellos war, aufgegriffen und in Schutzhaft genommen. Der Junge hatte sich vor etwa 14 Tagen unter Mitnahme von 150 Mark aus der elterlichen Wohnung heimlich entfernt. Er wird wohl inzwischen eingesehen haben, daß es unter den Fittichen der Eltern noch immer am besten ist.— Die Rechnung ohne den Wirt hatten auch vier Männer gemacht, die sich von einer Kraftdroschke zum Vergnügen nach Burscheid fahren ließen. Bei der Rückkehr nach Köln stellte sich dann heraus, daß sie keinen Pfennig Geld bei sich hatten. Der Droschkenfahrer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und wußte einen Vorwand zu finden, die Männer wieder zum Besteigen des Kraftwagens zu veranlassen. Dann fuhr er in schnellem Tempo zur Kriminalwache und übergab die Sünder in die Hände der Polizei. Lange gesuchte Betrüger festgenommen Köln. Der Kriminalpolizei gelang es, einen sich hier wohnungslos umhertreibenden Versicherungsvertreter aus Leverkusen dingfest zu machen, der zahlreiche Betrügereien auf dem Kerbholz hatte. Besonders hatte er hiesige und auswärtige Krankenversicherungsanstalten hereingelegt, indem er den Versicherungen fingierte Versicherungsanträge zusandte und für diese die Provision einsteckte. Außerdem hat er eine Zimmervermieterin um die Wohnungsmiete betrogen.— Ferner wurde ein 30jähriger Kaufmann aus Gießen, der sich seit Mai dieses Jahres ebenfalls in Köln wohnungslos aufhielt, festgenommen. Der Mann hatte eine Reihe hiesiger Firmen durch Hergabe gefälschter Wechsel um erhebliche Beträge geschädigt. Auch mehrere auswärtige Firmen hat der Festgenommene hereingelegt. Bischofsbesuch aus Neuguinea auf der deutschen Kolonialausstellung in Köln Köln. Die deutsche Kolonialausstellung im Staatenhaus des Kölner Rheinparks hatte am Freitagmorgen hohen Besuch. Bischof Jos. Loerks von Zentral=Deutsch=Neuguinea, der zurzeit in Deutschland im Urlaub weilt, war in Begleitung des Missionsprokurators der Steyler Missionsgesellschaft kurz vor der Rückreise in sein Missionsgebiet nach Köln gekommen, um die Ausstellung zu besichtigen. Direktor Kettniß führte den Bischof, der sich in Worten höchster Anerkennung über die Gesamtlage, Gliederung und Inhalt der Schau aussprach. Ueber die Lage der deutschen Missionen in Deutsch=Neuguinea konnte der Bischof interessante Einzelheiten berichten. Diese Missionen seien einige von den wenigen, die nach Friedensschluß weiterhin von deutschen Missionaren betreut werden konnten. Die australische Regierung hatte den Bischof von Britisch=Papua, Newtton, durch die Missionen beider Konfessionen von DeutschNeuguinea zur Begutachtung der Missionsarbeit geschickt. In seinem Bericht an die australische Regierung hatte der Bischof u. a. ausgeführt, keine Mission irgendeiner Nation leiste eine solche Kultur= und Kolonisationsarbeit wie die deutschen Missionare in Deutsch=Neuguinea. Darum wäre es ein Verbrechen am Lande, die deutschen Missionare auszuweisen. Daraufhin wurde den deutschen Missionaren das Verbleiben gestattet. Einbruch in ein Pfarrhaus Calear. In letzter Zeit treibt in der hiesigen Gegend eine Diebesbande ihr Unwesen. Der Polizei sind bereits zahlreiche Einbruchsdiebstähle gemeldet worden. In der vergangenen Nacht drangen die leider bisher noch unbekannten Täter in das Pfarrhaus von Altcalcar ein und erbrachen im Arbeitszimmer des Pfarrers einen Sekretär und mehrere Schränke. Den Burschen fiel ein Geldbetrag, der von einer Kongregation deponiert war, in die Hände. Immer noch Waldbrände... Heinsberg. Im Walde bei Arsbeck, wo schon kürzlich ein Waldbrand gewütet hatte, brach jetzt erneut Feuer aus. Die Feuerwehren der umliegenden Ortschaften erhielten tatkräftige Hilfe von zahlreichen Volksgenossen. Das Feuer, das sich über eine Fläche von 150 Morgen ausdehnte, vernichtete zum Teil hochwertigen Waldbestand. Tödliches Kraftwagenunglück Alsdorf. Hier ereignete sich in dem zwischen Alsdorf und Bardenberg gelegenen kleinen Orte Birk an einer Straßenkreuzung ein folgenschweres Unglück. Aus noch nicht geklärter Ursache sauste das Auto des früheren Alsdorfer Mühlenbesitzers Kahlen in voller Fahrt gegen die Verkehrsinsel. Der Wagen ging vollständig in Trümmer. Kahlen wurde schwer verletzt aus den Trümmern geborgen und in das Bardenberger Krankenhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen bereits erlegen ist. (9. Fortsetzung.) Er streifte die schlanke Gestalt neben sich im Wagen, die blutleeren Gesichtes nach dem Rand der Steppe schaute. Er liebte Szengeryi wie einen Sohn. Treu war der Junge gewesen, so treu, daß er mehr als einmal sein Leben für in die Schanze geschlagen hatte. Sein Kind wollte er ihm zum Lohn dafür ans Herz legen, und nun war ihm ein anderer Züvorgekommen.„„6,(Glans heiner Nugen mar Szengeryi saß schweigen. Der Glanz seiler Augen Wur abgestumpft. Kaum, daß er hörte, wenn ihn der Professor etwas fragte. Jede Antwort mußte zwei= und dreimal von ihm erbeten werden. Braun und rissig lag die Erde, vervv###, verrohlt, ausgebrannt bis ins Mark, trostlos bis zur Verzweiflung!„Wie ich, dachte Szengeryi und schloß die Lider, um nichts mehr Rosmarie warf einen raschen Blick auf ihn und fror. So also sah der Mann aus, auf dessen Kommen sie drei Jahre mit Sehnsucht gewartet hatte, mit einer Sehnsucht, die beinahe größer war, als die nach dem eigenen Vater. Wie hatte doch Janos damals gesagt?„Wenn einer so lange fort gewesen ist, bringt er vieles mit heim, was einem fremd ist. Fremd war ihr Bela Szengeryi geworden, vollkommen fremd. Der Professor begriff sein Kind nicht mehr, als plötzlich schwere Tropfen über dessen Wangen zitterten.„Was ist, Rosware? „Nichts, Vater. Ich hatte mich nur so unsinnig gefreut, das muß nun wieder verebben in mir.“ Mit einem Satz ließ sie ihr Pferd neben dem Horvaths tanzen.„Ich habe der Aga versprochen, daß ich ein Stück vorausreite und ihr Nachricht bringe, ob die Herren eingetroffen sind. Bitte, bleib du, Guido. Dann mit einem leisen Flüstern:„Laß mich ein wenig allein, ich muß erst mein Gleichgewicht wieder finden.“ Er verstand sofort.„Drüben bei den Pappeln schneide ich den Bogen ab. Dort mußt du dich wieder einholen lassen. Sie nickte. Ein Lächeln nach dem Vater hin, ein kurzes, starres Grüßen zu Szengeryi hinüber, dann ließ sie dem Hengst die Zügel locker. Török sah vorwurfsvoll zu Horvath auf, der an der rechten Seite des Wagens ritt.„Sie kann sich Hals und Bein brechen. Der Geiger sah der schlanken Gestalt mit einem stolzen Blicke nach.„Sie sitzt wie ein Mann im Sattel. Und Bela ist verlässig. Der Hengst reagiert auf den leisesten Zügelgriff. Die beiden sind unzertrennlich. „Warum hat sie gerade den Bela gewählt?“ fragte Szengeryi aus der Stumpfheit seines Brütens „Weil sie ihn liebt, sagte Horvath schlicht. Dann mit einem knappen Lüften des Hutes:„Entschuldigen Sie mich, Herr Professor, ich möchte Rosmarie einholen. Auf Wiedersehen, Bela!“ Mit einem Kosewort ließ er den Schimmel ausholen. Nichts als eine dicke, schwarze Wolke körnigen Staubes blieb zurück.„„ In Bela Szengeryi llangen die Worte nach:„Well sie ihn liebt.“ Sein Blut kreiste. War das Absicht gewesen von Horvath? Spott? Barmherzigkeit? Mitleid? Oder hatte er überhaupt nichts dabei gedacht? „Mein lieber Junge! Török legte ihm die rechte Hand auf das Knie.„Was sagst du nun zu dem Kinde? Groß ist es geworden! Und auch ein bißchen hübsch. Findest du nicht? Väter sind alle eitel, weißt du. Auch wenn sie weniger schön wäre, würde sie mir reizend erscheinen.“ Szengeryis Mund würgte an den Silben.„Sie passen gut zusammen. „Bela!" Török griff erschrocken nach dem Arm des Jungen.„Warum urteilst du, ehe du weißt, wie es um die beiden steht? Ich werde Rosmarie noch heute fragen, damit 's dir erspart bleibt, ihr Nein zu hören, falls sie ein solches für dich hat.“ Von Szengeryis Lippen kam nichts als ein unverständliches Murmeln.„ * An den Pappeln stand Horvath und sprach auf Rosmarie ein Sie hatte die Arme gegen die Flanken des Pferdes gelegt und das Gesicht hineinvergraben. „Du mußt ihn recht verstehen, mein Liebes,“ mahnte er gütig„Was hätte er tun sollen? Du hast doch gesehen, wie er außer aller Fassung war. Er hat das Kind von einst im Gedächtnis gehabt und ein junges Weib gefunden. Noch dazu ein schönes Weib! Du weißt nicht, wie das auf einen Mann wirkt. Er ist neunundzwanzig Jahre, Rosmarie, und hat in drei Jahren nichts zu sehen bekommen als die Wälder Afrikas und ihre Frauen. Ihr Gesicht fuhr auf und starrte ihn aus rotgeränderten Augen an.„Glaubst du, daß er schon einmal geliebt hat?“ Rosmarie!" „Guido!“. Das Pferd machte einen Satz nach rechts, so hart hatte sie es an der Mähne gefaßt und den Kopf darein vergraben. „Rosmarie.“ Er wartete geduldig, bis sie das Gesicht hob. „Willst du ihm deshalb Vorwürfe machen?" Sie tupfte erregt mit dem Taschentuch über die Augen. „Ich will keinen Mann, der schon einmal eine andere geliebt hat.“ Der Arm Horvaths, der um ihre Hüften gelegen hatte, fiel herab In seinem farblosen Gesicht standen zwei müde, glanzlose Augen Rosmarie sah es mit Schrecken„Guido, ich habe dir weh getan. Und als er den Kopf schüttelte, bettelte sie.„Wenn es dich verletzt hat, vergib mir, Guido.“ Sie hob seine Hand hoch und zog sie rasch an die Lippen„Ich wollte dich nicht treffen! Bei Gott, das wollte ich nicht!" „Rosmarie, was weißt du?“ Seine Wangen standen in möcherner Fahle. „Die Aga hat mir alles erzählt.“ „Was hat sie dir erzählt. Rosmarie?“ Das Zittern, das sich um seine Lippen stahl, schnitt ihr tief in die Seele. Sie sah von ihm hinweg und suchte nach M g•: Raja liebst, daß— Worten.„Daß du die Nusa lll.4, daß— daß. „Was noch, Rosmarie?" Er hatte das Gefühl, als müsse die Pappel, an die er gelehnt stand, in der nächsten Sekunde in tausend Stücke splittern. Er verspürte ihre Finger um die seinen geschmeichelt und hörte sie weiter reden.„Du hast Bosanyi aus dem Schlamm gerettet, obwohl er dich haßt. Ach, Guido, wenn Bela nur halb so gut wäre wie du!" „Er ist besser als ich, glaub mir's, er ist besser. Horvaths Brust wölbte sich unter den befreiten Atemzügen. die ihm ihre Worte gebracht hatte. Sie ahnte nichts, wußte nicht, daß das Kind, das da draußen in der Steppe in Janos Hütte schlief, seine und Rajas lebendige Schuld war. Er sah flüchtig zu Rosmarie hinüber. Wenn er ihr jetzt alles gestand? In einer krankhaften Begier der Selbstquälung und Selbsterniedrigung erwog er für eine Minute, sich ihr zu offenbaren, nur um zu wissen, was sie tun würde. Ob sie bliebe oder vor ihm floh. Dann war der gefährliche Augenblick vorüber. Er durfte die Seele der Achtzehnjährigen nicht mit solchen Dingen entweihen.„Wir wollen wieder in den Sattel steigen, Kind! Sie holen uns sonst ein,“ mahnte er. „Guido, eine Bitte noch... „Ja?“. Er nahm den Fuß wieder aus dem Steigbügel. „Glaubst du, daß er mir's gesteht, wenn ich ihn frage, die wievielte ich bin, die er liebt?“ Sein Gesicht stand in lohendem Rot.„Du gehst zu weit, Rosmarie“ 4igrn Minig.. Ihre Augen zitterten in feuchten Schleiern.„Wiust vu damit sagen, daß ich dich das nicht hätte fragen dürfen? „Nein— so nicht,“ wehrte er, nahm ihre Hand und legte sie gegen seine Wangen.„Dein Vertrauen ist für mich etwas sehr Kostbares! Vergiß das nicht! Aber siehst du, eine Antwort auf eine solche Frage wird dir ein Mann nie geben! Keiner! Oder— er belügt dich!“ „Und du, Guido? Hast du Raja auch belogen?“ Sein Gesicht sank auf die Brust. Er fühlte den flehenden Blick, der auf ihm lag.„Sie hat mich nicht danach gefragt, Rosmarie. „Aber wenn?" Er biß die Zähne in die Lippen und veratmete erst.„Ich hätte sie— belogen, Rosmarie.“ Der Hengst, auf den sie sich geschwungen hatte, machte einen Satz nach vorn. Aber Horvath streckte noch rechtzeitig die Hand nach den Zügeln aus und schwang sich in den Sattel. Wortlos ritten sie nebeneinander her. Ueber ihnen schwamm die blaue Glocke des Himmels. Nur die Ränder der Steppe waren in leichtes rauchiges Grau gehüllt. Der Boden brannte. Die Atmosphäre war zur Glut überhitzt. Verstaubt, welk bis an die Wurzeln, kauerten die Gräser auf der schwarzkruftigen Erde. Risse und Spalte klafften und schrien nach dem Labsal des Regens. Die Stunde Sturmgewitters vom Vortage war restlos geschluckt und hatte kaum die Oberfläche genetzt. Zu lange hatte die Steppe darnach dürsten müssen. Horvaths Nerven vertrugen diese Uebertemperaturen schlecht. Seine Wangen standen fahl, und die Backenknochen meißelten sich scharf aus seinem Gesicht. Rosmarie sah es und litt mit ihm.„Guido. Er schrak zusammen und mußte seinem Blick erst eine Richtung geben. Sein Körper sank halb nach vorn über. Die Augen schlossen sich.„Rosmarie, stöhnte er. Ihr Blick hing weit offen an seinem Munde.„Wenn ich wüßte, wie ich dir helfen könnte!“ Horvaths Lippen schwiegen, bis die Pferde im Hof der Tanja standen. * Die Tage schleppten sich. Noch nie waren sie Rosmarie so endlos lang erschienen. Sie suchte nach Horvath und fand iyn nicht. Bela Szengeryi aber wurde ihr mit jeder Stunde ein größeres Rätsel. „Wenn das Liebe ist!“ dachte sie verzweifelt,„dann besser nichts. Eher noch eine alte Jungfer werden, wie die Aga, dann ist man wenigstens an niemand gebunden. Sie wuchs rascher zum reifen Weibe heran, als in den letzten Monaten zuvor. Szengeryi hatte kaum einen Blick für sie, noch weniger Zeit, sich mit ihr zu befassen. Er half dem Professor beim Auspacken seiner Sammlungen, machte Nachtragungen in seine Tagebücher, präparierte Felle und konnte mit scheu liebkosenden Fingern über schillernde Schlangenhäute streicheln, daß Rosmarie Galle und Zorn darüber bekam. Gegen Abend zu machte er meilenweite Spaziergänge in die Steppe hinein, blieb auch wohl eine Nacht weg und kam am anderen Morgen mit eingefallenen Augen und schleppendem Schritte nach der Tanja zurück. Einmal stand sie am Gartenzaun und sah ihn kommen. „Guten Morgen,“ war alles, was er sagte, als er durch die Tiure trci. Wecd Sie vermochte sich nicht meyr zu beyerrschen.„Weshalb bleibst du Nächte weg?“ stieß sie hervor. Er maß sie erstaunt.„Soll das ein Vorwurf sein?“ Sie geriet immer mehr in Erregung.„Ja, ein Vorwurf. Du bist das wohl so gewöhnt. Aber man lebt hier nicht wie unten im Busch.“ „Wie meinst du das?“ Sie sah plötzlich sein verbranntes Gesicht vor sich, drohend, mit Augen, vor denen sie Furcht empfand. Mit einem Achselzucken wollte sie an ihm vorüber. Er hielt sie am Gelenk der Rechten, spürte, wie sie zusammenzuckte, und verstärkte den Griff.„Ich hoffe, daß du dir nichts weiter dabei gedacht haft, Rosmarie.“ „Rein, nichts weiter.“ Ihr Mund verschob sich zu hilflosem Weinen.„Laß mich jetzt!“ Er trat zur Seite und blickte ihr nach, bis ihr weißes Kleid nur noch als schneeiger Flecken weit draußen in der Steppe erschien. Török kam zufällig den bekiesten Weg vom Hause herab. hakte Szengeryi unter und ging mit ihm nach den Feldern. Hast du mit ihr gesprochen?“..., Görig brüchment „Nein. Es kam hart und trotz der Kurze brüchweise sope. 877 „Ihr habt doch zusammen geredet, Beia, erinnerte Tolok. Ein Kopfschütteln. „Könnt Ihr Euch nicht mehr verstehen?“ „Nein— wir verstehen uns nicht mehr. Ich werde demnächst packen und mich einer Forschungsreise nach dem Pol anschließen. 416 8u „Bedenke, meine Junge, sie ist erst achlzeyn Jähle. „Und ich bin neunundvierzig. Zwanzig Jahre bin ich älter geworden da unten, zwanzig Jahre. Sie vergleicht mich mit Horvath, das macht es. Er bleibt immer und ewig jung. „Bela, du sprichst wie ein Unzurechnungsfähiger. „Vielleicht bin ich es, Herr Professor. „Ich muß ihm helfen, dachte Torök,„der arme Mensch sermücht sich sonst. Während sie nebeneinander dahin ri##en, schwebte ihm nicht nur Belas Gesicht, sondern auch das des Geigers Horvath vor Augen. Nein, ein Horvath war Szengeryi nicht! Dazu war er zu schlank, hatte zu viel eckig ausgeprägte Rasse in den Zügen. Nur der Mund war weich geschwungen. Dieser und die großen dunklen Augen in dem schmalen Gesicht, berührten ungemein sympathisch, so daß selbst das etwas trotzige Kinn diesen Eindruck nicht zu stören vermochte.„ Töröks Blick suchte üver die Ebene. Ein flatterndes weißes Etwas tanzte wie eine Wolke darüber hin. Das war Rosmarie auf dem Rücken ihres Pferdes. Man konnte sehr deutlich die Umrisse der beiden Gestalten erkennen und wie sie plötzlich zu Boden stürzten und sich nicht wieder erhoben. Török wollte zu Bela sprechen, aber der begann schon zu laufen. Der Professor rief ihm ein„Warte!" nach, aber Szengeryi hörte es nicht mehr. In langen Sätzen hetzte er nach der Richtung, nahm im Sprunge eine Hecke, die sich ihm in den Weg stellte, verhing sich mit dem Absatz in einem Spalt der klaffenden Erde, riß ein Stück Boden mit sich und rannte weiter. Rogmarke! Von den beiden Gestalten, die noch etwa zeyn Peter von ihm ablagen, regte sich keine. Dann hatte er die Stelle erreicht. Die Arme um den Hals des Hengstes geschlungen, kauerte das Mädchen auf der Erde und preßte ihren Kopf gegen den des Tieres, dessen glasige Augen bereits brachen. „Bela! Ach Bela, das wollte ich ja nicht!“ „Rosmarie!". Der junge Mann beugte sich über die Beivende.„ Sie schrak auf und starrte iyn an.„Er hal sich das Genia gebrochen— und ich lebe.“.... Barmer Szengeryi wurde blaß.„So sehr liebst ou tyn, Rusmürte?“ „Ich möchte so gerne tot sein mit ihm. „Und ich?“ Sie erwiderte nichts, neigte nur abermals den Kopf gegen den des Hengstes und klammerte die Finger in dessen seidenglänzende Mähne. „Wäre es dir lieber, wenn ich an seiner Stelle läge?“ Er sah, wie sie zusammenzuckte. Der Schweiß rann ihm über die Stirne und seine Brust keuchte noch vom Lauf„Ich würde glücklich sein, wenn es so wäre, Rosmarie. Vielleicht würdest du dann auch ein solches Weinen für mich finden, wie für das Pferd hier. Sie richtete sich etwas auf, sah ihn an und barg das Gesicht aufschluchzend in die Hände. Er zog sie behutsam hoch und legte ihren Kopf an seine Schulter. Und als sie ihm nicht wehrte, wagte er es, seinen Mund erst auf ihren Scheitel und dann auf ihre Lippen zu drücken. Bela!“„„ „Wen rufst du, kind? Mich over vas Pferd hier? Er hielt sie mit beiden Armen an sich gepreßt, streichelte die todblassen Wangen, die an seiner Brust ruhten, fühlte, wie sie erschauerte und hörte sein Blut vom Herzen nach den Schläfen rasen.„„ „Rosmarie!" Als keine Antwort erfolgte, hob er ihr Kinn mit zartem Griffe hoch.„Und Horvath?“ Sie schüttelte den Kopf und wollte sich von ihm freimachen. Aber er hielt sie so fest, daß es kein Entrinnen gab. Erst als Török dicht vor ihnen stand, lockerte er die Arme und liebkoste Rosmaries Finger, während seine Rechte nach dem verendeten Tier am Boden zeigte.„Er mußte sein Leben lassen, damit wir beide uns finden konnten. Rosmarie hat mich lieb, Herr Professor.“ Er nahm den Arm des Mädchens in den seinen und fuchre nach ihren Augen. Aufmerksam wandte er den Blick nach der Richtung, in der der ihre ging Horvath kam quer über einen der Sturzäcker, stand einen Moment reglos und beschleunigte dann sein Tempo. Er begriff sofort. Ein Lächeln trat in sein Gesicht. Sein Glückwunsch war so ehrlichen Herzens gesprochen, daß Szengeryi vollständig irre wurde. „Du erlaubst doch, Bela, daß unsere Freundschaft weiter bestehen bleibt?“ bat Horvath. „Wieso?“ Szengeryi begriff nicht sogleich. „Er ist mein Freund, wie er auch der deine ist, erklärte Rosmarie und ließ die Augen bittend auf ihm ruhen. Szengeryis Rechte hob sich langsam und streckte sich Horvath entgegen, lag eine Sekunde ohne Druck in der des andern und fiel dann mit der Schwere eines Steines an seinem hellen Beinkleid herab. Er sah, wie ein Schatten über den Weg glitt. Es war der Schatten, der in sein Glück fiel. Rosmaries und Belas Brautzeit barg Himmelsseligkeiten in sich„ „Du wirst schreien vor Wonnen, hatte Janos gesagt war nicht mehr sie selbst Losgelöst vom eigenen Ich war sie nun ganz liebespendendes, geheimnisvoll verheißender Weib, das einen Mann wie Szengeryi um alle Vernuns brachte.ten gt Worrsezung folgt.. Was der 30. Juni für den Arbeitsdienst bedeutet Der Leiter der Unterrichtsabteilung in der Reichsleitung des Arbeitsdienstes, Gauarbeitsführer Kretzschmann, äußert sich im„Deutschen Arbeitsdienst" über die Auswirkungen des 30. Juni für den Arbeitsdienst. Er betont, daß mit der Ernennung des Staatssekretärs Hierl zum Reichskommissar des Arbeitsdienstes die Bahn für einen wahrhaft nationalsozialistischen Arbeitsdienst frei sei. Die Zeit sei endgültig vorüber, in der man den Arbeitsdienst als eine Angelegenheit der arbeitslosen Jugend ansah. Niemand wage heute mehr, der grundsätzlichen Forderung einer allgemeinen und gleichen Arbeitsdienstpflicht offen entgegenDer Referent stellt demgegenüber fest, daß es im nationalsozialistischen deutschen Arbeitsdienst keine Ausnahmen für die Söhne besitzender Stände geben wird, keinen Loskauf und kein Einjährigen=Privileg. Der RS=Arbeitsdienst sei die große Erziehungsschule der deutschen Jugend. Der Nationalsozialismus im Arbeitsdienst müsse zuerst vom Führer vorgelebt werden. Deshalb, so erklärt Kretzschmann laut Rdz, ist auch der 30. Juni 1934 ein Tag gewesen, der allen sichtbar auch für den Arbeitsdienst die Forderung des Führervorlebens wiederum herausgestellt hat. Auch hier waren für den RSAD klare Wege gewiesen und manch eine Vorgesetztennatur, die nicht jugend- und frontverbunden war, mußte den Arbeitsdienst verlassen. Was der Führer in seinen zwölf Punkten vom 30. Juni fordert, muß und wird selbstverständliches Gedankengut bei allen Führern und Unterführern des Arbeitsdienstes sein. Es war eine selbstverständliche äußere Forderung, daß der Reichsarbeitsführer am 6. Juli anordnete, daß sich sämtliche Führer im Arbeitsdienst entscheiden müssen, ob sie restlos und bedingungslos sich dem nationalsozialistischen Wollen einfügen. Kretzschmann sagt zum Schluß, daß die Voraussetzungen für einen weiteren Ausbau des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes geschaffen seien. Es sei Allgemeingut des Denkens der deutschen Jugend geworden, ein Jahr Arbeitsdienst für Volk und Staat zu leisten. Der Führer der Wirtschaft unterstützt den Hunderttagekampf Der kommissarische Führer der Wirtschaft, Graf v. d. Goltz, hat, wie das Rdz meldet, an die Gesellschaft für Organisation, in deren Händen die Durchführung des Hunderttagekampfes gegen Materialvergeudung liegt, folgendes Schreiben gerichtet: Ich begrüße den Hunderttagekampf gegen die Materialvergeudung, der betriebs= und volkswirtschaftlich dem deutschen Volke dienen soll, und wünsche vollen Erfolg für die Verbreitung der Erkenntnis, daß Sparsamkeit in der Verwendung insbesondere ausländischer Rohstoffe allgemeine Pflicht ist. Innnes=Wierer=Erepfeder Wieder ein großer Moorbrand in hannvoer Nachdem der seit Wochen in dem großen Moorgebiet von Wagenhoff(Kreis Gifhorn) wütende Moorbrand, dem auch Holzbestände zum Opfer gefallen sind, nahezu erloschen ist, brach in der Gemarkung Aldorf ein neuer Moorbrand aus, der eine Fläche von etwa 400 Morgen erfaßt hat. Bei der Tiefe und Trockenheit der Moorschicht ist an ein völliges Ersticken des Brandes ohne langandauernden Regen gar nicht zu denken. Wegen der großen Gefährdung der benachbarten Forsten wurde der Freiwillige Arbeitsdienst herangezogen. Alle Maßnahmen sind getroffen worden, um eine weitere Ausdehnung des Brandes, insbesondere nach den Wäldern, zu verhindern. Bisher ist dem Brande bereits eine erhebliche Anzahl von Birkhuhn=Gelegen und Jungwild zum Opfer gefollen. Lagerbrand in Wilhelmshaven Am Samstagmittag kurz nach 12 Uhr brach in Wilhelmshaven in einem Lagerschuppen ein Großfeuer aus, das sehr schnell um sich griff und schon weither durch gewaltige Rauchentwicklung sichtbar war. Der Schuppen ist an mehrere Firmen verpachtet, ferner befand sich darin der Bottsschuppen des Wilhelmhavener Kanuklubs mit Hunderten von Kanus und Booten. Der Brand wurde sofort bemerkt und sämtliche Feuerwehren Wilhelmshaven=Rüstringens wurden eingesetzt. Die Löscharbeiten gestalteten sich infolge der außerordentlich starken Rauchentwicklung sehr schwierig. Das Feuer bedrohte schließlich die anliegenden Wohnhäuser, die z. T. geräumt wurden, und die Verwaltungsgebäude der „Nitag"=Gesellschaft. Unter Einsatz sämtlicher Feuerwehrkräfte, der Marine und der Polizei gelang es, das Feuer bis gegen 15 Uhr auf seinen Herd zu beschränken. Die Schäden sind beträchtlich und gehen in die Hunderttausende. Bei den Löscharbeiten haben sich mehrere Feuerwehrleute Brandwunden zugezogen. Millionenschaden bei einem Großfeuer in Vergerac Am Samstag früh wütete in der Stadt Vergerac ein Brand, der das ganze Ladenviertel am Hauptmarkt in Mitleidenschaft zog. Der Einsatz einer großen Löschpumpe der Pulverfabrik neben der Ortsfeuerwehr reichte nicht aus. Deshalb wurde die Feuerwehr von Bordeaux alarmiert, die zwei Stunden nach Ausbruch des Feuers an der Brandstätte eintraf. Es gelang, die umliegenden Häuserblocks zu schützen. Der Sachschaden wird auf mehrere Millionen geschätzt. Die Explosion eines Gasbehälters während des Brandes rief eine Panik hervor, wobei einige Personen niedergetreten und verletzt wurden. Neue Waldbrände in Pommern Aus Gollnow(Pomm.), 22. Juli, wird gemeldet: Im Friedrichswalder Forst sind etwa 3500 Morgen Wald, zum größten Teil fünf= bis zehnjähriger Kiefernbestand, von mehreren Waldbränden bedroht. Die im Jagen 196 entstandenen Brände sind offenbar durch Blitzschlag in morsche Stämme zurückzuführen, während ein im Jagen 181 ausgebrochener Brand auf Brandstiftung zurückzuführen ist. Zur Bekämpfung des Feuers wurden auch die Garnisonen Stettin und Altdamm alarmiert. Ebenso beteiligten sich eine große Abteilung des Arbeitsdienstes sowie sämtliche Wehren der umliegenden Ortschaften an der Bekämpfung des Brandes. Es ist gelungen, die Brandherde durch Aufwerfen von Gräben abzudämmen. Mit Tränengas gegen streikende Bauarbeiter in Spanien Aus Madrid, 22. Juli, wird berichtet: Ein Proteststreik der 240 Arbeiter, die sich weigerten, die im Bau befindlichen unterirdischen Tresorgewölbe der Bank von Spanien zu verlassen, endete auf dramatische Weise, nachdem sie fast 60 Stunden ohne Nahrung dort zugebracht hatten. Noch in den ersten Nachmittagsstunden erklärten die Arbeiter, nur nach Zusicherung der geforderten Lohnerhöhung ihren Widerstand aufgeben zu wollen. Da schon gestern eine tumultartige Protestmanifestation von der Polizei auseinandergetrieben worden war und man von großen Sympathiestreiks für den Montag sprach, wurden gegen ½5 Uhr morgens 160 Mann der polizeilichen Sturmtruppen zu dem Neubau beordert. Die Arbeiter wurden aufgefordert, binnen einer halben Stunde die Gewölbe zu verlassen, sonst würden Tränengasbomben angewendet werden. Die Arbeiter weigerten sich nach wie vor, worauf das Gas eingelassen wurde. Nur wenige Arbeiter kamen heraus, fast alle begaben sich in noch tiefer gelegene Räume ohne Licht. Nachdem aber große Mengen Gas eingedrungen waren, mußten die Streikenden den Widerstand aufgeben. Teils sehr erschöpft und halb betäubt kamen sie einzeln nach oben, viele in beklagenswertem Zustande. Einige wurden ohnmächtig. Nach polizeilicher Namensfeststellung durften sie sich nach Hause begeben. Zuletzt durchsuchten Feuerwehrleute und Arbeiter mit Gasmasken die ausgedehnten Gewölbe, um dort vielleicht noch Bewußtlose zu finden. Auf der Straße herrschte lange Zeit hindurch große Erregung unter den dort wartenden Familienmitgliedern der Arbeiter. Doch war das Gebäude im weiten Umkreise abgesperrt. Es kam nur zu unbedeutenden Zwischenfällen. Das Urlauberschiff„Der Deutsche“ im Urteil seiner Taufgäste Vor der Abfahrt des„Kraft durch Freude"Schiffes„Der Deutsche" nach Norwegen äußerten sich einige Teilnehmer am Taufakt des Schiffes folgendermaßen: Dr. Ley:„Ein stolzes Schiff, das seinem stolzen Namen Ehre macht.“ Dr. Frauendorffer:„Der Deutsche“ ist für seinen Zweck so hervorragend und schön ausgestattet, daß er der Deutschen Arbeitsfront würdig Senator Bernhard:„Stolz, leuchtend, rein wie Dein Taufakt soll Deine Zukunft sein.“ Polizeimajor Hagemeyer=Bremerhaven:„Als ich in diesen Tagen„Den Deutschen“ zum ersten Male sah, bekam ich als alter Seefahrer Heimweh nach dem Meer.“ Günther Adam:„Jeder deutsche Arbeiter muß einmal auf unserem Schiff„Der Deutsche" gefahren sein. Er wird Eindrücke mitnehmen, an die er sein Leben denkt.“ Beschlüsse des Kirchensenats der ev.-luth. Landeskirche Hannover Unter dem Vorsitz des Rechtswalters der Deutschen Evangelischen Kirche, Ministerialdirektor Dr. Jäger, trat in Hannover ein Kirchensenat der evangelisch=lutherischen Landeskirche Hannover zusammen. Von besonderer Wichtigkeit ist der Beschluß des Kirchensenats, der sich mit der Ernennung von neuen Landespröpsten beschäftigt. Es wurden kraft der durch die Reichskirche erteilten Ermächtigung zu Landespröpsten ernannt: Für Hannover Superintendent Haller(Uslar), für Celle der Pastor und kommissarische Propst Fiedler in Beverstedt, für Harburg der Pastor und kommissarische Propst Bergholter in Harburg, für Aurich=Osnabrück der Pastor und kommissarische Propst Meyer in Aurich. Zugleich beschloß der Senat Richtsätze für die Arbeit der Landespröpste. Das Reichsgericht bestätigt den Arbeitsdienst als Erziehungsschule Das Reichsgericht hat, wie das Rdz meldet, die Feststellung getroffen, daß der Lagerleiter eines Arbeitsdienstlagers Erzieher im staatsrechtlichen Sinne sei und daß er daher bei Verfehlungen den schwerwiegenden Androhungen für Erzieher unterliege. Dabei stellt das oberste deutsche Gericht u. a. fest, daß von Anfang an dem Arbeitsdienst das Ziel gesteckt war, die Jugend durch Arbeit zur Ordnung und zum Pflichtbewußtsein wie zur Volksgemeinschaft zu erziehen. In erhöhtem Maße gelte dies, seitdem die nationalsozialistische Bewegung in der Staatsregierung durchgedrungen sei. Die volkserzieherischen Aufgaben ständen im Vordergrund, wobei die Arbeit als ein hauptsächlichstes Erziehungsmittel gelte. Die unmittelbare Verantwortung für die Erreichung des hohen ethischen Zieles liege beim Lagerführer. Nationalsozialistische Jugendgruppe auf einer keise durch Polen Eine nationalsozialistische Jugendgruppe, die unter Führung des Hauptamtswalters Dr. Kügler steht und eine Reise durch Polen unternimmt, ist in Warschau eingetroffen, nachdem sie die Karpathen und das polnische Hochwassergebiet besucht hat. Die Warschauer Ortsgruppe der NSDAP. veranstaltete für die Gäste aus dem Reich am Sonnabendabend ein geselliges Beisammensein, an dem auch Mitglieder der deutschen Gesandtschaft und Vertreter des Warschauer Deutschtums teilnahmen. Die nationalsozialistische Jugendgruppe ist seit dem 1. Juli unterwegs und wird von Warschau nach Wilna fahren. Es ist dies der erste Besuch der zu einer unmittelbaren Fühlungnahme der deutschen mit der polnischen Jugend führen soll. Der deutschen Hitlerjugend ist von den polnischen Behörden und der Bevölkerung größtes Entgegenkommen gezeigt worden. Die Entlassungen und Strafversetzungen im Memelgebiet Ueber die Entlassungen, Dienstenthebungen und Strafversetzungen von memelländischen Beamten und Angestellten während der Amtszeit des Gouverneurs Dr. Navakas wird von litauischmemelländischer Seite bekanntgegeben: Von den 400 Memelländern, die in litauischen Diensten, und zwar bei der Eisenbahn, bei der Post und im Zolldienst tätig waren, sind 175 fristlos ohne jede Entschädigung entlassen worden, 135 von ihnen wurden nach Großlitauen strafversetzt und sind dort schwersten Schikanierungen ausgesetzt. So sind Fälle bekannt, daß Schalterbeamte Aborte reinigen mußten, worauf ihnen bei Beschwerden erklärt wurde, daß sie erst einmal die litauische Sprache lernen sollten, bevor sie Ansprüche auf Ausübung ihres regulären Dienstes erheben. Von den 800 Beamten der autonomen Organe sind bis jetzt 160 entlassen bzw. gekündigt worden, und zwar vier Gerichtsräte fristlos, vier Referendare fristlos, 20 gekündigt zum 1. Oktober, drei Direktoriumsbeamte gekündigt zum 1. August. zwei zum 1. Oktober, zwölf Angestellte des Direktoriums gekündigt zum 1. Oktober, 17 Polizeibeamte gekündigt zum 1. August, 37 Justizbeamte zum 1. Oktober, drei Landräte, zwei Kreisärzte, drei Kreistierärzte und 20 Amtsvorsteher fristlos entlassen, bei 35 Forstbeamten wurde Kündigung verfügt, fünf Stadträte, Bürgermeister Brindlingen und der Direktor des Memeler Stadttheaters Halbers fristlos entlassen, 110 reichsdeutsche Lehrer und Beamte mit dem 1. Juli endgültig entlassen. Ferner ist eine weitere Liste mit Entlassungen von Lehrern und Staatsbeamten bereits vorbereitet(etwa 60 an der Zahl), ebenso eine Liste für die Entlassung von über 50 städtischen Beamten und Angestellten. Außerdem ist auf Grund von Aeußerungen des Landespräsidenten Reisgys Pressevertretern gegenüber mit zahlreichen weiteren Entlassungen zu rechnen. Anschlag auf die Donau=Ufer-Bahn von verhafteten österreichischen Marxisten gestanden Amtlich wird aus Wien mitgeteilt: Am Samstag gegen 5 Uhr früh hielt ein Polizeioberwachmann auf seinem Kontrollgang im 10. Wiener Gemeindebezirk zwei Männer an, die ihm verdächtig schienen. Die beiden ergriffen die Flucht, und einer gab auf den sie verfolgenden Wachmann drei Schüsse ab, von denen zwei trafen. Der Polizeioberwachmann erlitt eine lebensgefährliche Schußverletzung. Die beiden Flüchtenden wurden von Passanten verfolgt und konnten festgenommen werden. Bei ihrer Vernehmung gaben die beiden Festgenommenen, die sozialdemokratische Parteigänger und Mitglieder des aufgelösten Republikanischen Schutzbundes sind, an, daß sie in den Morgenstunden an den Gleisen der Donau=Ufer=Bahn nächst den Lagerhäusern der Gemeinde Wien eine Sprengung vorgenommen hatten und jetzt aus Oesterreich flüchten wollten. Wie festgestellt wurde, ist tatsächlich an den Bahngleisen diese Explosion erfolgt. 15 Fensterscheiben einer nahegelegenen Fabrik wurden außerdem durch den Luftdruck zertrümmert. Anzeige an das Standgericht wurde erstattet. In Berlin beging die bekannte Filmschauspielerin Senta Söneland in einem Hotel Selbstmord. Das Motiv der Tat dürfte auf einen Nervenzusammenbruch der Künstlerin zurückzuführen sein. Frankreichs Krise beigeirdr! Aus Paris, 22. Juli, meldet das DRB: Ueber eine einstündige Unterredung, welche am späten Nachmittag des Sonnabend zwischen Doumergue und dem Justizminister Cheron auf dem Landsitz des Ministerpräsidenten stattgefunden hat, ist strengstes Stillschweigen bewahrt worden. Cheron hat die Fahrt nach Südfrankreich— Tournefeuille, das Landhaus Doumergues, liegt in der Nähe von Toulouse— im Kraftwagen unternommen und befand sich am Sonntagmorgen bereits wieder auf dem Rückwege nach Paris. Es kann jedenfalls als feststehend angesehen werden, daß Doumergue nicht daran denkt, wie vorübergehend behauptet worden ist, den innerhalb seines Kabinetts ausgebrochenen Konflikt zu benutzen, um sich selbst wieder aus der Politik zurückzuziehen. Vielmehr rechnet man bestimmt mit der Wiederherstellung der Einigkeit im Burgfriedenskabinett Doumer= gue. Der Ministerpräsident trifft am Dienstag in Paris ein. Nach einem vorläufigen Kabinettsrat, zu dem unter Umständen noch nicht alle Minister von ihrer Reise in die Provinz zurück sein werden, wird am Mittwoch unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik der entscheidende Ministerrat stattfinden, der über die künftige Zusammensetzung des Kabinetts Klarheit schaffen wird. Durch die Parlamentsferien und das Fehlen der Aufregung in den Wandelgängen der Kammer konnte eine besonnene Beurteilung der Lage in den maßgebenden politischen Kreisen rasch Platz greifen. Man ist sich auf beiden Flügeln des Regierungslagers in dem Wunsche einig, unter allen Umständen wenigstens bis zum Herbst am Kabinett der nationalen Einigung festzuhalten. Die Sonntagspresse gibt darüber beredten Ausdruck. Keine Loslösung der britischen Zivilluftfahrt vom Luftfahrtministerium Der britische Luftfahrtminister Lord Londonderry hat in einer Denkschrift zu der Frage Stellung genommen, ob es nicht zweckmäßig sei, die Verwaltung der Zivilluftfahrt vom Luftfahrtministerium abzulösen und auf eine rein zivile Behörde zu übertragen. Die Regierung, so erklärt Lord Londonderry, habe nicht die Absicht, eine derartige Umorganisation vorzunehmen. Eine solche Maßnahme sei gar nicht erforderlich, da das Zivilflugwesen vom Luftfahrtministerium durchaus nicht in erster Linie als ein Reservoir sowohl in personeller als auch in materieller Hinsicht für militärische Zwecke betrachtet werde. Vielmehr sei das britische Verkehrsflugwesen im Gegensatz zu anderen Staaten durchweg als ein Instrument angesehen worden, das friedlichen Handelszwecken zu dienen habe. Die Hochwasserkatastrophe in Polen Aus Warschau, 21. Juli, wird gemeldet: Der Wasserstand der Weichsel ist in Warschau am Sonnabend stark über Erwarten gestiegen. Mit Rücksicht auf die große Gefahr ist von den Behörden verschärfte Alarmbereitschaft angeordnet worden. Die Bevölkerung der Vorstädte steht zur Räumung ihrer Häuser bereit, die in der Gefahrenzone liegen. Militärabteilungen werfen Notdämme auf und überwachen den Fluß. Nach vorläufigen Schätzungen wird der vom Hochwasser in Galizien angerichtete Sachschaden auf eine Milliarde Zloty geschätzt. Kraftwagenunglücke forderten Nienschenleben Bei Sauqueville bei Dieppe durchfuhr ein mit sechs Personen besetzter Kraftwagen die geschlossene Schranke eines Bahnüberganges und wurde von dem vorbeirasenden Zuge erfaßt. Die Frau des Wagenbesitzers, die mit ihrem zweijährigen Töchterchen neben ihrem am Steuer sitzenden Mann saß, erfaßte blitzschnell die Situation und sprang mit dem Kind aus dem Wagen. Sie blieben unverletzt. Ihr Mann und eine Bekannte sowie deren achtjährige Tochter wurden auf der Stelle getötet, während ein sechster Insasse lebensgefährlich verletzt in ein Krankenhaus übergeführt werden mußte. Bei Hellin in der spanischen Provinz Bacete fuhr infolge bisher ungeklärter Ursache ein Lastkraftwagen in höchster Geschwindigkeit mit einem mit Landarbeitern besetzten Kraftwagen zusammen. Vier Personen wurden getötet, vier schwer verletzt. Die französischen Sonntagsblätter berichteten, daß der deutsche Reichsaußenminister Freiherr von Neurath am gestrigen Sonntag eine Rede halten werde, in der er sich mit den Nordostpaktprojekten beschäftigen werde. Die Nachricht war verfrüht. Eine Rede des Reichsaußenministers am Sonntag war nicht vorgesehen. Der Reichspräsident hat Geheimrat Professor Dr. Adolf Schmidt in Gotha anläßlich seines 74. Geburtstages den Adlerschild des Reiches mit der Widmung„Dem verdienstvollen Forscher und Gelehrten“ verliehen. Zum Gedenken an den ersten Flug des norwegischen Majors Tryggve über die Nordsee am 30. Juli 1914 unternehmen drei norwegische Militärflieger einen europäischen Rundflug, der sie über Kopenhagen, Berlin, Paris, London führen wird. Die Flieger sind Sonntag morgen in Oslo gestartet. — A Mittwoch, 25. Juli 4 Uhr und 8 Uhr im„Freischütz“ Zum rechtzeitigen Vorsorgen für Küche und Keller Bewährte Anleitungen der Lehrmeister-Bücherei Elnmachen der Früchte. Mit 16 Abb.(Nr. 3) Marmeladen- und Musbereitung. Mit 11 Abb. Nr. 9 z z Einmachen der Gemüse. Mit 20 Abb.(Nr. 510/2 Dörren des Obstes u. der Gemüse. 25 Abb. Nr. 560fi e Ernte, Aufbewahrung u. Versand des Obstes. Von J. Schneider. Mit 60 Abb.(Nr. 55/6) Kandierte Früchte u. Konfltüren. Mit 13 Abb. (Nr. 169) Das Hausschlachten(Wurstbereitung und Fleischkonservierung). Mit 15 Abb.(400/1) Fruchtsaft- und Süßmostbereitung im Haushalt. Mit 23 Abb.(Nr. 345) Obst- u. Beerenweinbereitung. Von J. Schneider. Mit 46 Abb.(Nr. 716/20) Gebunden Das beste Buch auf dem Gebiet von einem erfahrenen Fachmann. 35 Pig. 35 Pig. 70 Ptg. M. 1.75 M. 2.40 Für die heibhen Loge Eßt viel Gemüse. Erprobte Gerichte.(Nr. 800/1) 70 Pfg. Gurken-, Melonen- und Kürbisgerichte.(Nr. 405). 35 Pfg. Tomatenbüchlein. Verwendung in der Küche. Vegetarisches Gesundheitskochbuch.(Nr. 187) 35 Pig. Pilzküche für den einfachen und feinen Tisch. (Nr. 300). 35 Pig. Getränke und Erfrischungen. Bowlen, Limonaden, Eis, Gefrorenes.(Nr. 742/3) 70 Pfg. Zu haben in der Wolfgang Markens KARL DER KLEINE S □ ist auch in Buchform erschienen! In der bekannten sorgfältigen und geschmackvollen Ausstattung der MeisterRomane(blau-roter Efnband) ist der Preis der broschierten Ausgabe 3.00 Preis der Ganzleinen-Ausgabe 4.50 Marken-Romane llest man Immer und gern wieder! Zu beziehen durch die Buchhandlung C. Braus Adolf-Hitler-Platz 3 Buckkandbung Adolf-Hitler-Platz 3 In dem Konkursverfahren über den Nachlaß des verstorbenen Kaufmanns Friedrich Heinrich Jacobs, Holzen b. Schwerte, ist durch heutigen Beschluß die Vornahme der Schlußverteilung genehmigt. Termin zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen, zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters und zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen wird auf den 22. August 1934, 10 Uhr, Zimmer 11 des unterzeichneten Gerichts, anberaumt. Schlußrechnung und Verzeichnis liegen auf Zimmer 13 daselbst auf. Allgemeine Sterbekasse„Selbsthülse“ Schwerte=Ruhr, Wandhofen, Holzen, Geisecke=Lichtendorf, Ergste Hennen, Rheinen und Billigst. Bekanntmachung In der Jahreshauptversammlung am 24. Juni 1934 wurde beschlossen, daß Personen bis zum s0. Lebensjahre im Monat Juli 1934 vollkommen eintrittsgeldfrei aufgenommen werden. Personen vom 50. bis 60. Lebensjahre werden mit Zustimmung des Vorstandes im Monat Juli 1934 mit dem halben Eintrittsgeld aufgenommen. Diese Vergünstigung gilt nur für den Monat Juli. Neuanmeldungen nehmen die Bezirksobleute zu jeder Zeit entgegen. Der Beitrag beträgt 40 Pfg. monatlich. Die Sterbebeihülfe 200 Reichsmark. Der Vorsitzende: 147 Hohenschwert, Rechtsanwalt und Notar. Bekanntmachung über die beabsichtigte Art der Jagdverpachtung und Auslegung der Pachtbedingungen. Die Jagdnutzung des gemeinschaftlichen Jagdbezirks der Gemeinde Westhofen soll öffentlich meistbietend auf neun Jahre 7 Monate und zwar vom 1. September 1934 bis 31. März 1944 am Sonnabend, den 11. August 1934, nachmittags 4 Uhr in der Gastwirtschaft Siede in Westhofen verpachtet werden. Die Pachtbedingungen und der Jagdpachtvertrag liegen vom 21. Juli 1934 bis 3. August 1934 in der Wohnung des Unterzeichneten öffentlich aus. Gegen die Art der Verpachtung und gegen diejenigen Teile der Pachtbedingungen, die nicht die Bestimmungen des Musterpachtvertrages betreffen, kann während der Auslegungsfrist bei dem Jagdvorsteher Einspruch erhoben werden, über den der Provinzialjägermeister entscheidet. Westhofen(Westf.), den 18. Juli 1934. Der Jagdvorsteher: Hillefeld. Lichtspiele zur Reichskrone Nur noch heute u. morgen unser mit großem Beitall aufgenommenes Programm der amerikan. Wunderfilm Die Fabel von King Kong nach einer ldee von Edgar Wallace. Dazu das große Schlager-Lustpiel Das verliebte Hotel Auny Ondra in der Hauptrolle Schwerte, den 19. Juli 1934. Wochenschau Amtsgericht. Stempel billig und gut CARL BRAUS Mngnederversummlung der K. S. S.1. in Getzen aller Menschen beherrschen heute die Schwimmkunst. Darum wird das Mittel zur Bekämpfung des nassen Todes, Ausbildung im Rettungsschwimmen, immer weiter gepflegt und gefördert werden müssen. Holzen, 23. Juli. Die Ortsgruppe Holzen der NSDAP. hielt im Saale Schneider eine große Mitgliederversammlung ab. Propagandaleiter Pg. Stutte eröffnete die Versammlung und erteilte dem Ortsgruppenleiter Pg. Breuker zu einem längeren Referat das Wort. Pg. Breuker betonte einleitend, daß am 30. Juni die Partei wieder einmal bewiesen habe, daß sie treu zum Führer steht. Eine kleine Gruppe von Revolutionären wollte die Macht an sich reißen. Man hatte vergessen, daß die SA. ein Teil der NSDAP. ist und als solcher die Idee des Nationalsozialismus zu verkörpern hat. Es kommt nicht darauf an, daß man marschiert, sondern darauf, daß alle wissen, wofür sie marschieren. Es geht ja nicht allein um materielle Dinge, sondern darum, für eine Weltanschauung zu kämpfen und wenn es Not tut, auch zu sterben. Eine große Idee kann nur durch einen fanatischen Glauben an diese Idee leben und sich durchsetzen. Wenn wir die Geschichte verfolgen, werden wir immer wieder sehen, daß es Krisen gegeben hat, in denen sich ein großer Reinigungsprozeß vollzieht. Mit Bestürzen hörten wir, daß man den Führer ermorden wollte. Ich brauche nicht auszumalen, wie es gekommen wäre, wenn die Verräter vom 30. Juni gesiegt hätten. Bruder hätte gegen Bruder gekämpft und niemand hätte gewußt, wo der Gegner steht. Der Führer hat uns vor diesem Unglück bewahrt. Als die Pestbeule ausgereift war, hat er sie ausgeschnitten und ohne Ansehen der Person oder des Ranges. Bei ihm gilt nur die Treue der Gesinnung. Der Nationl= sozialismus steht heute fester denn je. Ich erinnere an die Worte auf dem Koppelschloß der SS:„Unsere Ehre ist die Treue!" Die ganze Bewegung ist auf Treue aufgebaut. An der Einfachheit des Führers in seiner Lebensführung können sich alle ein Beispiel nehmen. Schlag auf Schlag werden die Programmpunkte durchgeführt werden. Und heute wollen wir abermals den Schwur auf den Führer ablegen, ihm Treue geloben und mitwirken, daß das große Werk Adolf Hitlers vollendet wird. In seinen Schlußworten führte Propagandaleiter Pg. Stutte aus, daß wir zu Adolf Hitler den größten Glauben und die unverbrüchliche Treue haben dürfen. Wir wollen zusammenhalten wie Pech und Schwefel. In der Einfachheit wollen wir von dem Führer lernen und in seiner großen Treue und seinem großen Glauben. Eine Amtswalterbesprechung ging der Versammlung voraus. Hier wurde die Teilnahme an dem Reichsparteitag in Nürnberg beraten und beschlossen, daß die künftigen Mitgliederversammlungen durch Darbietungen der Pag. ausgestaltet werden sollen. U. a. wurde Pg. Althoff mit der Bildung einer Gesangsabteilung innerhalb der Ortsgruppe betraut. Die deutsche Lebensrettungsgesellschaft Am 1. August beginnt in Schwerte der erste diesjährige Kursus. Deutsche Lebens=Rettungs=Gesellschaft(abgekürzt DLRG.)! Was ist das? wird auch heute nach mehr als 20 jährigem Bestehen der heutigen großen Geseuschaft noch mancher fragen. Wie mancher wird nicht wissen, daß zahlreiche junge und alte Menschen mit dem Tragen des Adlerabzeichens der DLRG. die Vaipflichtung übernommen haben, jederzeit ihr Leben einzusetzen für die Rettung eines Mitmenschen aus Ectrinkungsgefahr. Gerade die Kreise, die dem Schwimmsport stinstehen und die es doch gerade darum in erster Linie angehen sollte, zählen zu diesen Ur wissenden. Der Ertrinkungstod hat von jeher den größten Teil an linglücksopfern gefordert. und je größer diese Zahl wurde, um so dringender auch die Notwendigkeit ihm in irgend einer Weise Einhalt zu gebieten. Das Natürlichste wäre wohl, jedem das Schwimmen beizubringen, um selbst im Notfall sich helfen zu können. Die Erfüllung dieses Wunsches, den die DLRG. in ihrem Kampfruf„Jeder Deutsche ein Schwimmer— jeder Schwimmer ein Retter!" zum Ausdruck bringt, ist zwar heute durch den Zwang im Schulunterricht näher gerückt, Wirklichkeit kann sie aber nie werden. Erst 3 Proz. Jeder Deutsche ein Schwimmer Schwimmer ein Retter! In vielen Kursen bildet die DLRG. Schwimmer zu Rettungsschwimmern aus. Sie will ganz Deutschland mit einem Netz von Rettungsschwimmern überziehen, in das sich der nasse Tod fangen muß, wenn er auf seine Opfer ters.„ W A Und wenn für den 1. August die Aufforderung zur Teilnahme an Lehrgängen im Rettungsschwimmen erfolgt, dann sollte es keine Schwimmerin und keinen Schwimmer geben, die ihr nicht Folge leisten ToH. Amt Westhofen Das ist Zweck und Aufgabe der DLRG., die im Jahre 1913 von mutigen Schwimmern gegründet wurde. Der Krieg unterbrach die segensreiche Tätigkeit, die sich bereits in kurzer Zeit durch Zurückgehen der ungeheuren Todesziffern bemerkbar machte. Die Inflationszeit wirkte sich wie bei allen Wohltätigkeitseinrichtungen auch in der DLRG. niederschmetternd aus. Aber gerade an diesen Widerständen wuchs die Kraft der Führer, denen es im Jahre 1925 gelang, die beiden großen Verbände: Deutscher Schwimmverband und Deutsche Turnerschaft zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuführen, sie gewissermaßen zum Träger ihrer Idee zu machen. Hier, wo es galt, für das Leben des nächsten einzutreten, wo das Christuswort:„Niemand hat größere Liebe, denn daß er sein Leben läßt für seinen Bruder“ in die Tat umgesetzt werden sollte, arbeitete man in vorbildlicher Einmütigkeit. Die Früchte konnten nicht ausbleiben. Und doch, schauen wir die Unglückschroniken an, immer wieder versetzen uns die Zahlen in Schrecken. Das neue Deutschland räumt auf damit, einen großen Teil des Volksvermögens zum Schäden=ausbessern zu verwenden, es will mit diesem Geld vorbeugen, weil es besser ist als heilen. Die DLRG. hat diesen Grundsatz seit ihrem Bestehen verfolgt und beherzigt. Darum „ sie schwimmen und Schwimmern reiten; darum wird sie immer wieder deutsche Frauen und deutsche Männer mahnen: Westhofen, 23. Juli. Hohes Alter. Heute vollendet die Witwe Hulda Otten in Westhofen, Mittelstraße 8, ihr 79. Lebensjahr.— Morgen wird der Rentner Karl Herlinghaus, wohnhaft Hörderstraße 52, 76 Jahre alt. Beiden Hochbetagten, die alteingessene Westhofener sind, herzliche Glückwünsche zum Ehrentage. Werde Mitglied des Reichsluftschutzbundes! Chendbighten Die schütsten eure BetriebeSie brachten schwere Opfee Melere Trohten durch Westbrutschiune Die 2000-Kilometer-Jahrer unterwegs— Bigathe(Berlin) Erster in Baden-Baden Die größte motorsportliche Veranstaltung der Welt, die deutsche 2000=Kilometer=Fahrt, hatte auch in Westfalen ein ungeahntes Interesse gefunden. Schon viele Stunden vor Beginn der totalen Absperrung der Wegstrecke der großen Leistungsprüfung von Mensch und Maschine waren die Chausseen und Straßen in der von den Fahrern passierten Provinz Westfalen dicht umlagert. Provinz und Kreise waren Tage vorher bemüht, den Helden der Landstraße jede Erleichterung zu verschaffen. Fieberhaft wurde da gearbeitet, wo sich Reparaturen der Straßendecke für notwendig erwiesen hatten; auch das kleinste Schlagloch war verschwunden, als der Start zu dem größten motorsportlichen Ereignis erfolgt war. Dichte Menschenmauern umlagerten in allen Ortschaften und Städten die Rennstrecke, und die Stimmung war trotz des regendrohenden Wetters überall ausgezeichnet. Wenn auch Stunden vergingen, ehe das große Ereignis eintrat— das Erscheinen der ersten Fahrer— so wollte doch keiner seinen mit großer Mühe eroberten Platz vorzeitig verlassen. Alles war im Banne der knatternden Motore. Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt, als die großen Lautsprecher der Telefunken, die die neuesten Meldungen von der Strecke übermittelten und zwischendurch, wenn es die Zeit erlaubte, flotte Marschmusik ertönen ließen, das Herannahen der ersten Teilnehmer der gewaltigen Prüfung meldeten:„Achtung, Achtung“, brüllten die Lautsprecher kurz nach 22 Uhr,„die ersten Fahrzeuge haben um 21.55 Uhr westfälischen Boden erreicht“, und als erst Soest, Paderborn, Unna, Werl als von der Spitze erreicht gemeldet wurde, da reckten sich die Hälse in gespanntester Erwartung gen Osten, da herrschte eine feierliche Stille, die nur dann möglich sein kann, wenn das so sehnsüchtig Erwartete Wirklichkeit wird. An der einzigen westfälischen Hauptzeitkontrolle auf dem Westfalendamm in Dortmund und an den riesigen Ersatzteillagern und Tankstellen in der näheren und weiteren Umgebung der weltbekannten großen Dortmunder Sportstätte Westfalenhalle, wo sich Tausende und Abertausende eingefunden hatten, um Zeugen des großartigen Schauspiels zu sein, hörte man zu diesem Zeitpunkt kaum das Atemholen der Menschenmauer. Organisation und Absperrung, die übergroße Arbeit erforderten, wurden von Motor=SA, SS und Polizei glänzend gelöst. Die Disziplin der nach Hunderttausenden zählenden Zuschauer war, wie nicht anders zu erwarten, ohne Tadel. Die ersten Fahrer treffen ein Westfälischen Boden erreichte als erster Teilnehmer kurz vor 22 Uhr der Stuttgarter E. Pfisterer auf einer RSU.=Maschine(496 ccm) mit seinem Beifahrer A. Fischer, die auch als erste die Zeitkontrollstelle in Dortmund um 23.43 Uhr passierten. Mit brausendem Beifall und Heilrufen wurden sie empfangen. Der Reichssender Köln holte sich Pfisterer zum Mikrophon, aber mehr als drei Worte waren aus dem biederen Schwaben nicht herauszubringen... Es war sehr hübsch, wir liegen zweieinhalb Stunden im Vorsprung(natürlich in ihrer Wertungsklasse). würgte er heraus. Eine Tasse Kaffee heruntergeschluckt und weiter ging es in mörderischem Tempo, begleitet von starkem Beifall und gutgemeintem Hals= und Beinbruch. Der Beifall hatte sich kaum gelegt, und schon war der erste Fiat=Wagen zur Stelle. Bigalke und von Tippelskirch(Berlin) von der MotorSA auf Fiat bremsten um 23.50 Uhr direkt vor dem Tisch der Kontrolle ab. Auch sie wurden mit Beifall überschüttet. Nur wenige Sekunden Aufenthalt und weiter ging es dem Ziele zu. Dann rollte sich der Kraftfahrfilm ununterbrochen und spannend Stunde über Stunde ab. Die Begeisterung und Spannung erlahmte nie, und als die ersten Sonnenstrahlen den Schauplatz belegten, da hatte sich die Menschenmauer kaum gelichtet. Motorrad mit Beiwagen, dann wieder Wagen und wieder Beiwagenmaschinen, so ging es nach Mitternacht ununterbrochen fort. Nach Bigalke erschienen seine Landsleute Neumann und Heine ebenfalls auf Fiat und dann um 0.21 Uhr die Viktoria=Beiwagenmaschine mit Dotterweich und Wißnet(Nürnberg), dann wieder sechs Minuten später ein Fiatwagen mit Klein und Bohress folgten um 0.27 Uhr Strohmeier und Koblbauer=München auf Harley Davidson=Bei###en. 0.30 Uhr Hecht=Förster(Berlin) auf Zünpp und um 0.31 die Horex-Beiwagenfahrer ößlinger und Reich(Mannheim). Zur gleichen erste Fahrzeug der Reichswehr gemeldet, die BMW=Beiwagenmaschine mit dem Stabsgefreiten Guse und dem Obergefreiten Polff 1(Stettin), die von den anwesenden uchsmehroffizieren herzlich beglückwünscht wurSchtag auf Schlag ging es dann. Die Helfer Frau# Koutrolle mußten ernsig schaffen. Es „#tüch wohl nicht besonders betont zu werden, konnte sich nur durch schleunigste Weiterfahrt der Ovationen erwehren. Polizeigeneral DaluegeBerlin, der mit seinem 1000 ccm DKW=Wagen um 4.38 Uhr an der Kontrolle erschien, wurde von der gesamten westfälischen höheren SA=Führung begrüßt und beglückwünscht. Auf der Strecke Kassel—Paderborn bezw. Paderborn—Dortmund ereigneten sich mehrere Unglücksfälle, die jedoch glimpflich für die Fahrer verliefen, aber erhebliche Zeitverluste brachten. Wegen Zeitüberschreitung wurden in Dortmund viele Fahrzeuge aus dem Rennen genommen. Der bekannte Rennfahrer Burggaller auf Auto=Union mußte bei Kassel wegen Defektes an der Steuerung den Kampf aufstecken. Der erste Solofahrer erreichte Dortmund Sonntag morgen um 8.20 Uhr. Um 14.40 Uhr erschien der Berliner Kontrollwagen, der die Zeitkontrolle Dortmund—Schluß und die Strecke freigab. Als letzter Fahrer wurde der Berliner Borkert auf 23S um 13.50 Uhr abgefertigt. Bis um 14.40 Uhr hatten 1212 Fahrzeuge Dortmund passiert, jedoch mußten einige davon wegen Zeitüberschreitung ausscheiden. Auf Befragen erklärten die an der Spitze liegenden Fahrer, daß die nächtliche Fahrt durch den Harz die schwierigste Strecke gewesen sei. Ueber die Straßenverhältnisse von Kassel nach Dortmund sprachen sie sich sehr lobend aus. Es sei ihnen möglich gewesen, auf diesem Teil der Strecke die größten Geschwindigkeiten herauszuholen. Sie waren froh, die für den Aufgallopp entscheidende Kontrolle Dortmund erreicht zu haben. 2000=Kilometer=Fahrer in Essen. Wie allenthalben, so stand auch im Ruhrrevier, im Deutschland der Schlote und Zechen, der Welt größte kraftfahrsportliche Prüfung auf Herz und Nieren die „2000=Kilometer=Fahrt", im Brennpunkt des öffentlichen Interesses am Wochenende. Kein anderes Ereignis war stark genug, sie zu überschatten. Wie hier und dort und überall, so war es auch in Essen. Eisenfest stand der braune Wall der SA und des RSKK um die nordwestliche Ecke der Streckenführung der 2000 Kilometer. Stand unbeirrt vom späten Samstagabend bis zum späten Sonntagnachmittag. Wie eine Mauer. Nach Mitternacht kamen sie über die Verbandsstraße Dortmund—Bochum nach Essen. Droben in Bredeney, wo der DDAC und das NSKK ihr „Hauptquartier“ aufgeschlagen hatten, wurden sie sieberhaft erwartet. Die Nacht in der Beobachtungsstelle 27. einer wichtigen Zeitkontrolle, war wirklich aufschlußreich. Draußen an der Strecke saßen sie, die nimmermüden Zeitnehmer im braunen Hemd von Mitternacht bis zum späten Sonntagnachmittag. Munter und guter Dinge. durften nicht daran denken. die Nerven auch nur für ein Weilchen zu entspannen, taten treu ihre Pflicht. Nicht anders war es aber auch hinter den Kulissen, drinnen im„Kommandoraum". wo Ortsgruppenführer Ing. Irle und Polizeimajor a. D. Mock vom DDAC Essen für die sportliche Regieführung verantwortlich zeichneten. Mit Frl. Kerdels vom DDAC und dem Aufgebot von Telefunken mit Gründler an der Spitze wurde hier gründliche Arbeit geleistet. Sieben Lautsprecher längs der Strecke sollten die harrende Menge ständig über alles Wissenswerte unterrichten, zwei wichtige Kontrollstellen— Dortmund und Düsseldorf— wollten und mußten ohne Unterlaß auf dem Laufenden halten und gehalten werden. Endlich, um 0.25 Uhr, kam der erste Fahrer der 2000 Kilometer durch Essen. Es war der Stuttgarter Pfisterer aus einer NSI 496 ccm mit Seitenwagen, der bereits in Magdeburg und Dortmund die„wilde Jagd“ angeführt hatte. Im Nu war er den Blicken der harrenden Menge entrückt. 20 Minuten später, um 0.45 Uhr, raste der erste Wagen durch die Kontrolle. der Fiat(998 ccm) des Berliners Bigalke aus der Wertungsgruppe 6. Und nun meldete die Zeitkontrolle Dortmund Schlag auf Schlag neue Bewerber. Dann stellt sich der erste Ausländer ein. Es war der Italiener Cavello=Verona auf einem 1200=ccm=Lancia. Vorbildlich fuhr dann um 1.22 Uhr— einer hinter dem anderen in korrektem Abstand und sauberen Kurvenstil— das BMW=750= cem=Seitenwagen=Team mit den bekannten Rennfahrern Stelzer, Mauermeyer und Gmelch an den Lenkern durch. Dann ein weitschallendes Heulen eines Kompressors, es war Prinz zu SchaumburgLippe auf Mercedes=Benz(4000 ccm), der um 1.20 Uhr als erster Fahrer der Wertungsgruppe 2 durch die Kontrolle raste. Seitenwagenmeister MöritzMünchen auf seiner 596=ccm=Viktoria kam als 28. um 1.52 Uhr durch, um 4.44 Uhr Freiherr von Egloffstein auf BMW(1500 ccm), um 4.50 Uhr der tüchtige Nachwuchsfahrer Geyer von Mercedes=Benz (5013 ccm) als erster der„Riesen" der Wertungsgruppe, und um 5.33 Uhr kam Polizeigeneral Daluege auf seinem kleinen DKW(1000 ccm) durch die Kontrolle Essen. Natürlich war das nur ein kleiner Ausschnitt aus der Nacht.... Das erste Solo=Motorrad stellte sich um 8.55 Uhr ein. Es war der Ludwigsburger Faehler auf der kleinen Viertelliter=DKW. Und von da an betzte nun einer den anderen. Bis um 9.30 Uhr hatten schon 489 Fahrzeuge Essen passiert. Fritz Auffermann von der Essener Motor=SS, dessen Rekordfahrt mit seinem Bruder Willy durch die Sahara noch in bester Erinnerung ist, wurde ebenfalls mit Ungeduld erwartet. Er hatte mit seiner 592=ccm=Victoria in der Wertungsgruppe 9— obwohl es sich um kein Rennen handelte, so spricht doch immer ein wenig der Ehrgeiz mit— gegen „1000er und 1200er— Brocken“ zu kämpfen, gegen die schweren Harleys, die schnellen 750 ccm OHV. BMW mit zwei Vergasern und die vielen anderen Spitzenerzeugnisse der deutschen Motorindustrie. Trotzdem brauste er schon um 12.10 Uhr in alter Frische durch. In Düsseldorf hatte der Stuttgarter Seitenwagenfahrer Pfisterer noch immer die Spitze. In eiliger Fahrt kam er auf seiner 496=ccm= NSU um 0.55 Uhr durch die Stadt. Allenthalben stauten sich die sportbegeisterAinerkaner=Sperisent i Frankfurt Weinkötz springt 1,98 Meter— Dr. Peltzer schlägt Benzke die 5o####nicht besonders betont zu werden. vaß die deheimateten Fahrer den größten Beifall wechisstes: Brigadeführer Wisch, der Führer der das#on## cen Motor SA traf auf seinem Merce= der einen glänzenden Lauf. Er ging sofort in enz Sonntag morgen um 6.07 Uhr ein und Führung und bewältigte die erste Runde in Das Amerikaner=Sportfest in Frankfurt am Main nahm am Sonntag einen glänzenden Verlauf. Leider umsäumten nur 2000 Zuschauer die Kampfbahn, aber trotzdem war die Stimmung ausgezeichnet. Zunächst schaffte der Kölner Student Weinkötz im Hochsprung mit 1,98 Meter einen neuen deutschen Rekord, denn er vermochte seinen eigenen Rekord von 1,97,5 auf 1,98 Meter zu erhöhen. Die zweite Sensation gab es im 1500=Meter=Lauf, wo der ewigjunge Dr. Peltzer aus Stettin den Amerikaner Venzke in 3:58,1 auf den 2. Platz verweisen konnte. Im 100=Meter=Lauf bestätigte der Bochumer Borchmeyer wieder seine gute Form, er siegte in der guten Zeit von 10,3 Sekunden. Der Pirmasenser Hornberger verwies den Amerikaner Draper hier noch auf den 3. Platz. Leider wurde die Veranstaltung durch Gewitterregen unterbrochen und die Abwicklung erlitt dadurch eine Verzögerung. Ueber 100 Meter erzielte Borchmeyer erneut 10,3 Sekunden. Zunachst führte der Amerikaner Draper, dann schob sich Borchmeyer nach vorn und im Ziel konnte Hornberger Draper abfangen und auf den dritten Platz verweisen. Den 200=Meter=Lauf gewann der Amerikaner Fuqua in 21,2 Sekunden vor seinem Landsmann Draper(22 Sekunden) und dem Frankfurter Gerling, der 22,5 Sekunden benötigte. Ueber 400 Meter gab es einen schönen Kampf zwischen Fuqua und Metzner. Fuqua lief in der zweiten Bahn und Metzner innen. In der Zielkurve hatte Fuqua noch den Kurvenvorsprung, Metzner kam auf einen Meter heran, dann war aber der Amerikaner nicht mehr zu halten und siegte mit zwei Meter Vorsprung. Dr. Dessecker lieferte über 800 Meter wie53,4. Der Amerikaner Venzke und Linke(Frankfurt) lagen hier an zweiter und dritter Stelle. In der letzten Geraden legte Dr. Dessecker ein Sprintertempo vor und siegte mit klarem Vorsprung vor dem Amerikaner und dem Frankfurter Linde. Dr. Peltzer vollbrachte gegen den Amerikaner Venzke über 1500 Meter wieder einmal eine Prachtleistung. Er siegte in 3:58,1 vor Venzke in 3:58,4 und Paul(Stuttgart) 4:01,4. Im Hochsprung stellte der Kölner Weinkötz mit der ausgezeichneten Höhe von 1,98 Meter einen neuen deutschen Rekord auf. Der Amerikaner Spitz schied bereits bei 1,94 Meter aus, da ihm offensichtlich der Anlauf mißglückte. Auch in den technischen Uebungen gab es ausgezeichnete Leistungen. Das Kugelstoßen gewann der Amerikaner Lyman mit 15,75 Meter vor dem Berliner Dölke, der es auf 15,14 Meter brachte. Im Diskuswerfen zeigte heute der Weltrekordler Hans Heinz Sievert seine große Form. Er blieb mit 46,49 Meter diesmal über den Amerikaner Lyman, der es nur auf 42,94 Meter brachte, erfolgreich. Die 4 mal 100 Meter wurden eine reine Frankfurter Angelegenheit, da die amerikanische und deutsche Staffel verzichteten. Im Zweikampf siegte Eintracht Frankfurt in 42,9 vor I. G. Frankfurt in 42,9. Die Amerikaner auch in München Die sechs durch Deutschland reisenden amerikanischen Leichtathleten erhalten auf Grund ihrer guten Leistungen immer mehr Startgelegenheit. Jetzt hat sich auch München die Amerikaner verpflichtet, die am 1. August im Nahmen eines Abendsvort= festes gegen einen Teil der deutschen Ländermannschaft, die gegen Italien antritt, starten. Berlin scheint diesmal leer auszugehen, bis jetzt wurde von einer Startverpflichtung der Bankees in der Reichshauptstadt noch nichts bekannt. ten Massen, es war das gleiche Bild wie überall. Auch Bigalke auf Fiat hielt hier noch seine zweite Position und kam um 1.15 Uhr durch die Kontrolle. In Köln sichtete man den ersten Fahrer um 1.40 Uhr an der Kontrollstelle, die dicht hinter der Rheinüberquerung an der Mülheimer Brücke lag. Ein schwerer Unfall in Bonn stellte sich hinterher leider ein. Der Fiat (1000 ccm), der Berliner Protsch=Pahde überschlug sich am Verteilerring der Autostraße in Bonn. Die Fahrer mußten ins Krankenhaus gebracht werden: ihr Befinden ist zur Stunde noch unbekannt. Dem Ziel entgegen Nach dem Passieren von Köln hatten die Fahrer der 2000 Kilometer das Ziel immer mehr vor Augen: Baden=Baden! Der letzte Wille wurde eingesetzt, der eine oder andere von ihnen, der genügend Vorsprung herausgefahren hatte, um rechtzeitig am Ziel zu sein, nahm etwas Gas weg, wieder andere verfolgten den besonderen Ehrgeiz. so schnell wie möglich in Baden=Baden zu sein. Bigalke-Berlin Erster in Baden-Baden Mit 7 Stunden und 13 Minuten Vorsprung schaffte es der Berliner Bigalke auf seinem Fiat: um 6.08 Uhr rollte er als erster der 2000=Kilometer= Fahrer über das Zielband im Badeort an der Oos. So früh hatte man in Baden=Baden die stürmische Hatz wohl noch nicht erwartet. Es waren erst verhältnismäßig wenig Interessierte auf den Beinen, aber die Kraft des Beifalls. die sie dem Berliner spendeten, ersetzte die fehlende Zahl. Um 6.34 Uhr erschien dann als zweiter der Fiat des Berliners Neumann, der in Essen noch an vierter Stelle gelegen hatte. Auch er hatte seine Sollzeit um über sieben Stunden unterboten. Nicht viel daran fehlte bei den nächsten Wagen=Fahrern Islinger=Mannheim und dem Berliner Klein. Obgleich es nicht der Sinn der„2000 Kilometer durch Deutschland“ ist, ihm vielleicht sogar widerspricht. eine möglichst gute Zeit zu fahren, so ist die gewaltige Leistung dieser Kleinwagen doch anzuerkennen. Die eigentlich zuerst erwarteten Wagen der Klasse 2(3000 bis 4000 ccm) wurden von dem Prinzen zu Schaumburg=Lippe angeführt, der um 6.50 Uhr über das Zielband ging. Inzwischen war die Zuschauermenge stark angeschwollen und die Fahrer wurden mit stürmischen Heilrufen empfangen. Der Mercedes des Prinzen von SchaumburgLippe wurde mit einem großen Lorbeerkranz versehen. Die ersten Motorradfahrer in Baden=Baden waren die Stuttgarter Pfisterer=O. Fischer auf ihrem NSU=Gespann. Gleich dahinter folgte ein ganzes Rudel von Maschinen.: Das Abschneiden dieser Seitenwagenmaschinen bis 600 ccm ist ganz besonders erfreulich, waren doch im Vorjahr hier starke Ausfälle zu verzeichnen. Der erste Wagen der schweren Klasse mit Bernet am Steuer traf um 7.35 Uhr ein. Eine Minute nach dem Mercedes langten drei BMW=Maschinen geschlossen am Ziel an und waren damit die ersten der Wertungsgruppe 5(Kraftwagen über 1000 bis 1500 ccm). Dann liefen in bunter Reihenfolge Seitenwagenmaschinen und Fiatwagen ein. Der erste Ausländer war der Däne Dalsgard auf Ford(3200 ccm). Er lag 48 Minuten unter der Sollzeit, kann aber immerhin noch eine Bronzeplakette mit in seine Heimat nehmen. Eine schwere Fahrt war es, wie sich hinterher aus Unterhaltungen mit den Teilnehmern ergab. Der schwierigste Teil des Kurses war der Weg durch den Schwarzwald. Dort war es unmöglich, die Durchschnittsgeschwindigkeiten zu erreichen. Die ersten Regengüsse gab es in Freiburg, dann in Bayern und zum Schluß in Berlin, wo die Wolkenbrüche unglaubliche Ausmaße aufwiesen. Auf den Harzstraßen machte sich der Staub leider stark bemerkbar. Die Absperrung. vor allem in der Nacht, klappte ganz hervorragend. Auch war die Verständigung durch Blinkzeichen tadellos. Alle Fahrer lobten dann noch die begeisterte Aufnahme, besonders die in Leipzig. Die vorläufigen amtlichen Ergebnisse Von 20 gestarteten Wagen gewannen nur zwei den Preis der 2000 Kilometer in Gold und zwar H. J. Bernet(Berlin), Müller(Untertürkheim) auf Mercedes=Benz mit+ 42 Minuten und die Untertürkheimer Uhlenhaut und Wemmer aus Mercedes=Benz mit+ 34 Min. Wertungsgruppe 2(Kraftwagen über 3000 bis 4000 cem), 84 Klm.=Std.: Von den 48 gestarteten Fahrzeugen holte sich nur Prinz zu SchaumburgLippe mit Kuhn auf Mercedes=Benz 319 Min. den Preis in Gold. Wertungsgruppe 3. Kraftwagen bis 3000 ccm. 89 Klm.=Std.: Von 48 gestarteten Wagen erhielten 15 die Goldene, sieben die Silberne und einer die Bronzene Medaille. Wertungsgruppe 7. Motorräder mit Seitenwagen über 600 cem, 66 Klm.=Std.: Von 175 gestarteten Fahrern erhielten 30 die Goldene. neun die Silberne und zwei die Bronzene Medaille. Bester Fahrer war Frey=München, der 1 Std. und 41 Min. unter seiner Sollzeit blieb. Wertungsgruppe 8, Motorräder mit Seitenwanen bis 600 cem, 89 Klm.=Std.: Von 900 gestarteten Fahrern erhielten 45 die Goldene, einer die Silderne und zwei die Bronzene Medaille. Der Spitzenfahrer Pfisterer=Stuttgart, der überhaust der schnellste Motorradfahrer war, unterbet Dine Sollzeit um 2.56 Stunden. 0 Keinmäntstische abnutten ulte Kussensreriem Wenn es auch der holländischen Regierung in verhältnismäßig kurzer Zeit und ohne allzu großes Blutvergießen gelungen ist, den kommunistischen Aufstand in einigen Orten niederzuschlagen, so gibt man sich doch keinesfalls der Auffassung hin, daß die große Gefahr, die aus der stets zunehmenden kommunistischen Agitation beraufbeschworen wird. nun auch gebannt worden sei. Im Gegenteil, die Anzeichen mehren sich, daß auf Grund des Mißerfolges, den die Moskauer Drahtzieher in Amster=Kam und Rotterdam einstecken mußten, die kommu nistische Agitation nun ihren Tätigkeitsbereich nach „ dem Gebiete verlegen werde, das in jeder Ben ziehung der empfindlichste Punkt in Holland ist. Insbesondere ist es Niederländisch=Indien, das den Komintern der geeignetste Boden für ihre Wühlarbeit erscheint. Die durch die Wirtschaftskrise einerseits und das Rassenproblem andererseits bestehenden Verhältnisse dort leisten der Moskauer Arbeit einen außerordentlichen Vorschub. Seit Jahren schon sind wirtschaftliche wie politische Konflikte in der großen holländischen Kolonie an der Tagesordnung, und es bedarf nur eines geringfügigen Anlasses, damit dort wieder einmal ein offener Konilikt ausbricht. In äußerst geschickter Weise verstehen es die kommunistischen Dunkel1 männer, das Rassenproblem für ihre Ziele auszunutzen. Das zahlenmäßige Mißverhältnis zwischen Eingeborenen und Weißen kommt ihnen dabei in hohem Maße zugute. Kommen doch in dieser Kolonie. die doch flächenmäßig 40mal so groß ist als ihr Mutterland, 300 Farbige auf einen Weißen. Das bedenkliche dabei ist, daß infolge der mangelnden Kaufkraft der Welt der Export an Rohstoffen überaus stark gedrosselt wurde und auf diese Weise die Arbeits= und Stellungsmöglichkeiten für den weißen Mann einschrumpfen. Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Weißen und Farbigen muß sich demnach immer ungünstiger für den weißen Bevölkerungsanteil auswirken. Hand in Hand damit geht zwangsläufig eine Senkung der Löhne, ein willkommener Anlaß für die Moskauer Zentrale, in solchen Gebieten den Hebel anzusetzen. Dazu kommt dann noch die sich immer stärker bemerkbar machende Einwanderung nicht gerade der besten Elemente aus China. Es sollen bereits etwa 500 000 Chinesen während der letzten beiden Jahre sich in Niederländisch=Indien festgesetzt haben. Man ist sich bei den maßgebenden Stellen in Holland über die Gefahr klar, denn von jeher bildete gerade Niederländisch=Indien das eigentliche wirtschaftliche Hinterland für die Heimat. — ein Gerichtshof der Berufenen Staatsjugendtag Reichsminister Rust hat in seiner Münchener Rede vom 9. Juni den Weg vorgezeichnet, den das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung gehen wird; betonte er doch in dieser Rede, daß er als Leiter des deutschen rziehungswesens die Aufgaben nicht als velbstzweck, sondern als wesentlichstes Stück Arbeit an der Zukunft des deutschen Volkes betrachtet und daß wir am Anfang einer Neubildung des deutschen Erziehungswesens stehen. Hierzu gehört auch die Veranstaltung von Staatsjugendtagen, deren erster für Hannover vorgesehen ist. Reichsminister Rust teilte hierüber einem Vertreter der„Niedersächsischen Tageszei tung“ Näheres mit. Er betonte, daß der Staatsjugendtag in der Oeffentlichkeit überall größtem Interesse begegne und von Eltern, Lehrern und Jugend mit herzlichster Dankbarkeit begrüßt werde. Durch den Staatsjugendtag, der von grundlegender Bedeutung für die deutsche Jugend sei, werde für eine intensive ungestörte Arbeit unserer Jugend auf der Schule gesorgt, die nationalpolitische Schulung der Jugend durch die 63. gewährleistet und andererseits Familie und Kirche zu ihrem Recht voll und ganz verholfen. Der Reichsminister betonte, daß es sich bei der Einführung des Staatsjugendtages nicht mehr um einen Plan handele, sondern daß der Tag bereits zur Tatsache geworden ist und feste Termine dafür festgesetzt seien. So werde der erste Staatsjugendtag in Hannover am ersten Sonnabend nach Ablauf der großen Ferien stattfinden. Da die Sommerferien in Hannover am 31. Juli ihr Ende nehmen, fällt der Staatsjugendtag auf Sonnabend, den 4. August. Für die anderen Landesteile des Reiches, in denen ein späteres Ferienende vorgesehen ist, gilt voraussichtlich die Bestimmung, daß der erste Staatsjugendtag an dem auf das Ferienende folgenden Sonnabend stattfindet. Das Reichsgericht zu Leipzig ist seinem Wesen nach ein Revisionsgericht, d. h. es entschied in letzter Instanz über Straftaten oder bürgerlichrechtliche Streitfälle. Von diesem festumrissenen Aufgabenkreise gab es eine Ausnahme: in Hochund Landesverratsprozessen war es erste und letzte Instanz. Es handelte sich hier um eine Notlösung. Sie war im liberalistischen Staate möglich, weil hier der Staat— das Angriffsobjekt bei Hoch= und Landesverrat— als„juristische Person“ gewertet wurde, und daher als„Kläger“ gegen den Rechtsbrecher aufzutreten vermochte. Der Staat war dadurch in eine Verteidigungsstellung gegenüber dem Hoch= und Landesverräter gedrängt, der ihm seine„politische Gesinnung" als Strafausschließungsgrund entgegenhalten konnte und damit sein„Recht“ gegen das„Recht“ des Staates setzte. Wohin das führt, hat zuletzt noch der Reichstagsbrandstifterprozeß gegen van der Lubbe und Genossen erwiesen. Das Reichsgericht konnte— wollte es seinem Wesen nicht untreu werden— garnicht anders, als die„Motive“ der Täter in ihrer Berechtigung gegen das Recht des Staates abwägen. Es kam hinzu, daß das Reichsgericht seiner Natur nach apolitisch ist, und daher zur Beurteilung der politischen Hintergründe von Hochund Landesverratsprozessen einen meist sehr großen Apparat von Zeugen und Sachverständigen aufbieten muß, ohne daß damit der Zweck erreicht wird: diese politischen Vorgänge wirklich einwandfrei zu klären und— zu erkennen. Ein solcher Zustand war für den nationalsozialistischen Staat untragbar. Er schuf das Volksgericht und übertrug diesem den Schutz des Staates= vor Hochund Landesverrat. Die Richter dieses Volksgerichts sind berufen, im vollsten Sinne des Wortes: das Vertrauen des Reichskanzlers als des Führers des Volkes und als des höchsten Gerichtsherrn, wenn die Grundlagen des deutschen Volkes von Frevlerhänden angetastet werden, hat sie zu Richtern berufen; berufen sind sie aber auch durch ihre besondere Erfahrung darin, wie Staatsfeinde bekämpft werden müssen, eine Erfahrung, die ihnen selbst die unabhängige Urteilsmöglichkeit gibt, berufen aber auch, weil sie die innere Verbundenheit mit dem Volke in jahrelangem Kampfe unter Beweis gestellt haben, und weil sie als treu befunden wurden. Ein Senat des Volksgerichtes besteht aus zwei Juristen, also Berufsrichtern, und drei Laien, also berufenen Richtern. Innerlich wie äußerlich also unterscheidet sich das Volksgericht von der Verfassung des Strafsenats des Reichsgerichts, der bisher über Hoch= und Landesverrat urteilte. Das Reichsgericht wurde damit von einem ihm wesensfremden Bestandteil befreit, dem es im neuen Staat ohnehin nicht mehr gerecht werden konnte. Es zeugt daher von einer grotesken Instinktlosigkeit, wenn ein Berliner Blatt, das seine liberalistische Vergangenheit niemals verleugnen kann, dem Volks gericht die Tradition des Reichsgerichts empfiehlt, „dessen Erbschaft auf einem abgegrenzten Gebiet würdig zu verwalten seine Ehre sein wird“ Vielleicht war diese Empfehlung noch gut gemeint, denn sie wird dazu benutzt, um den Vorwurf gewisser Kreise im Ausland abzuwehren, als handle es sich bei dem neuen Volksgericht um ein„Revolutionstribunal". Aber abgesehen davon, daß das nicht einmal eine„barbarische“ Neuheit wäre— das Vorbild stammt ja doch aus dem Lande der„eulture“, aus Frankreich stimmt das schon deshalb nicht, weil das Volksgericht der Verfahrensordnung des deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes unterworfen ist, also organisch in den Gesamtbau der deutschen Rechtspflegeinstitutionen eingefügt wurde. Darin unterscheidet es sich auch von den Standge richten, die in allen Ländern der Welt in Zei ten der Staatsnotwehr errichtet werden. Kampf gegen Hoch= und Landesverräter ist aber immer Ausfluß der Notwehr des Staates gegen seine schlimmsten Feinde. Das Entscheidende in der geistigen Hal tung des neuen Volksgerichtshofs liegt aber in seinr Einstellung zu den Straftaten, die er abzuurteilen hat. Für ihn ist die Tat des Hoch= und Landesverräters nicht ein Bruch der gesetzten Rechtsordnung, sondern ein Treubruch an der Volksgemeinschaft. Die Tat gilt, nicht das Wollen des Täters. Die Tat zu werten und zu strafen, muß der Richter ganz vom Geiste der Gemeinschaft selbst erfüllt sein, muß er selbst die rassemäßige Verbundenheit aller Volksgenossen innerlich erlebt haben. Das bedingt die völlige Loslösung von einem Rechtsdenken, das auch heute noch in der Gemeinschaft nur eine Summe von Einzelwesen zu sehen vermag, eine Summe, der man besten falls einige übereinstimmende Eigenschaften zuzu billigen gewillt ist. Das bedingt aber auch die völlige Loslösung von Rechtsentscheidungen, die ein mal unter ganz anderen Voraussetzungen, unter der Herrschaft eines heute überwundenen Rechtsdenkens getroffen worden sind. Schon darum ist das Volksgericht nicht der Erbe des Reichsgerichts. An dessen frühere Entscheidungen ist es in keiner Weise gebunden. Ihm wurde eine einheitliche Rechtsgrundlage durch den Gesetzgeber dadurch geschaffen, daß gleichzeitig mit seiner Errichtung die Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens in Hochverratssachen in neuer, teilweise geänderter Fassung veröffentlicht wurden. Die Strafbestimmungen wurden verschärft, die in einer ganzen Reihe von Verordnungen verstreuten Einzeltatbestände in den neuen Hochverratsparagraphen des Strafgesetzbuches planmäßig zusammengefaßt. Es entspricht der Würde eines deutschen Volksgerichts, daß auch jede Möglichkeit ausgeschaltet wird, es als politische Tribüne auszu nutzen. Darum wird die Wahl des Verteidigers vor dem Volks gericht von der Genehmigung des Vor sitzenden abhängig gemacht. Das ist keineswegs eine Beschränkung der Verteidigungsmöglichkeit, denn im national sozialistischen Staat ist der Verteidiger„gleichberechtigtes Organ der Rechtspflege" und muß sich als solches organisch in die Gemeinschaft des Gerichtes einfügen. Sein sachliches Eintreten für den Angeklagten erfährt dadurch keinerlei Beschränkung. In seinem äußeren Aufbau wie in seiner gei stigen Haltung stellt so das Volksgericht etwas Neues dar, den ersten Schritt zu einer organischen Fortentwicklung des deutschen Gerichtswesens, der ausschlaggebend dazu beitragen wird, die innere Verbundenheit des deutschen Volkes mit seiner Rechtspflege zu fördern und zu stärken. Die Zihe in deul Bisher 188 Opfer— Riesiges Aufforstungs-Projekt zur Vermeidung neuer Dürrekatastrophen Die Gesamtzahl der bisherigen Opfer der Hitze in USA beträgt 188. Um einer Wiederholung der augenblicklichen ungeheuerlichen Dürre vorzubeugen, hat Roosevelt— wie der Landwirtschaftsminister Wallace bekanntgab— ein riesiges Aufforstungsprogramm in Höhe von 175 Mill. Dollar ausgearbeitet, das sofort in Angriff genommen wird. Dieser Plan sieht die Anlage eines 1000 Meilen langen Waldgürtels von der kanadischen Grenze durch Nord=Dakota, Rebraska, Kansas, Oklahoma und Texas bis zur mexikanischen Grenze vor. Die Forstverwaltung denkt sich die Anlage als einen aus etwa 100 je 35 Meter breiten parallel laufenden Waldgürtel, sogenannte Windbrecher, die in einem Abstand von etwa einer Meile angelegt werden sollen. Das Landwirtschaftsministerium hat bereits eine vorläufige Summe von 15 Millionen Dollar zur Aufforstung von 7284 Hektar zur Verfügung gestellt. mit der nationalsozialistischen Bewegung hin. Er erinnerte an Richard Wagner und Chamberlain. Dann hielt Dr. Robert Ley die Weiherede. Eine Bewegung, so führte er u. a. aus, sei so viel wert, wie die Menschen bereit seien, ihr Blut für sie zu opfern. Der Garant unseres Sieges seien die Blutopfer der Bewegung. Mit den Worten: „Es lebe das ewige Deutschland, es lebe Adolf Hitler!“ nahm er die Enthüllung des Denkmals vor. Gauleiter Staatsminister Schemm gab in seiner Ansprache eine symbolische Deutung des Denkmals, das aus einem riesigen Hakenkreuz besteht, aus dem sich eine eherne Faust emporhebt, die drei Schlangen zerdrückt. Rote Kreuz ein notwendiger Bestandteil des nationalsozialistischen Staates Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, hat folgenden Erlaß herausgegeben: „Nachdem durch Verfügung des Reichsministers des Innern vom 9. 7. 1934 ein Umbau in der Leitung des Deutschen Roten Kreuzes erfolgte und der notwendige Einfluß der Partei gesichert ist, ordne ich folgendes an: Das Deutsche Rote Kreuz als Träger der völkerrechtlichen Aufgaben, die das Deutsche Reich auf Grund der Genfer Konvention zu erfüllen hat, ist ein notwendiger Bestandteil des nationalsozialistischen Staates. Es ist deshalb in seinem Bestand und Ausbau zu unterstützen und zu fördern, Die Beteiligung von Parteigenossen id Parteigenossinnen an der Rotkreuzarbeit st wünschenswert und notwendig. Selbstandige Eingriffe in seine Organisation und Beschränkung seiner Tätigkeit dürfen von keiner Parteidienststelle erfolgen. Anfragen oder Beschwerden über das Deutsche Rote Kreuz sind an meinen Vertrauensmann für die Frage der Volksgesundheit, Dr. med. ugner, München, Braunes Haus, zu richten. (gez.) Rudolf Heß. 9. Wi Neuer Gauleiter in Pommern Hillergruß gegenüber Juden In Kreisen der Beamtenschaft sind Zweifel „ darüber entstanden, ob im Verkehr der Behörden mit dem Publikum der Deutsche Gruß auch gegenüber Juden anzuwenden ist. In der RSBeamtenzeitung erklärt Dr. v. Leers zu dieser Frage, daß der Hitlergruß ganz allgemein der Gruß der deutschen Behörden gegenüber allen deutschen Staatsangehörigen sei. Der Jude, der sich in Deutschland aufhält, müsse sich diesen Gruß gefallen lassen, genau so, wie es sich ein Christ in einem mohammedanischen Lande gefallen lassen müsse, daß er mit dem islamischen Friedensgruß begrüßt wird. Der Hitlergruß gelte gegenüber allen Reichsangehörigen, dagegen nicht gegenüber Ausländern. Der Jude, der die Reichsangehörigkeit besitzt, und damit auch ihre —Vorteile genießt, müsse jedenfalls amtlich den Hitlergruß nehmen und geben. Im persönlichen Gesprach mit einem Juden werde man von der Lage der Dinge und dem natürlichen Takt auszugehen haben. Jedenfalls werde hier kaum zu ###marti und zu fordern sein, daß der Jude auch im Pivatleben den Deutschen Gruß anwendet. Von den deutschen Hochschulen Die Neuordnung in der deutschen Studentenschaft Der neue deutsche Studentenführer Andreas Feickert hat nach seinem Amtsantritt sämtliche Hauptamstleiter und Amtsleiter der deutschen Studentenschaft ihrer Aemter mit sofortiger Wirkung enthoben. Sie führen ihre Aemter mit den alten Vollmachten bis zur Neubesetzung, die umgehend erfolgen wird, kommissarisch weiter. Die Führer der örtlichen Studentenschaften und ihre Hauptamtsleiter werden Ende August in Mittmarshausen bei Göttingen in einem ersten Reichsführerlager zusammengeführt werden. Auf diesem Lager werden die Richtlinien für die Arbeit der nächsten Semester bekanntgegeben werden. In der studentischen Presse ist eine Aenderung eingetreten insofern, als die„Deutsche Studentenzeitung“ aufgehört hat, amtliches Organ der in der Reichsschaft der Studierenden zusammengeschlossenen deutschen Studentenschaft und deutschen Fachschulschaft zu sein. Die bisherige Monatsschrift„Der deutsche Student“ bleibt amtliches Organ der deutschen Studentenschaft und wird in einigen Gebieten ausgestaltet werden. Einheitliches Verfahren bei der Neubesetzung von Lehrstühlen Um ein planmäßiges Verfahren nach einheitlichen Richtlinien im Sinne der nationalsozialistischen Staatsauffassung bei der Pflege von Lehre und Forschung und bei der Besetzung der Lehrstühle an allen deutschen Universitaten und dochschulen zu gewährleisten, hat der Reichsmini ... e Wissenschaft, Erziehung und ung. erffür„ und VolksbilRust, in einem an die Lander gerichteten Erlaß angeordnet, daß ihm jede freie oder freiwerdende planmäßige, ordentliche oder außerordentliche Professur unter Angabe des Faches anzuzeigen und nach Abschluß der Berufungsverhandlungen seine Zustimmung zu der bei dem zuständigen Reichsstatthalter in Vorschlag zu bringenden Ernennung einzuholen sei. In diesem Erlaß ist ferner angeordnet, daß vor Schließung bestehender oder Eröffnung neuer wissenschaftlicher Institute, wie bei jeder grundlegenden Abänderung der akademischen Lehrpläne und Prüfungsordnungen die Zustimmung des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung einzuholen ist. Das erste Denkmal der nationalsozialistischen bewegung In Bayreuth fand am Samstag die feierliche Enthüllung des ersten Denkmals der nationalsozialistischen Bewegung statt. Staatsrat Dr. Ley hatte die politischen Leiter vorher zu einem Appell zusammengerufen. In einer Ansprache führte er u. a. aus, die Partei sei eine Ganzheit, ein lebensvoller Organismus, in dem jeder nur ein Teil mit bestimmten Aufgaben sei. Jeder müsse sich bewußt sein, daß der ganze Körper krank sei, wenn nur ein Glied krank sei. Es mußten ein fache Menschen kommen, die die Not des Volkes kannten, die dem Volke wieder den Glauben an sich selbst gaben. Das waren die ersten Prediger des Nationalsozialismus, das waren die politi schen Leiter. Im Anschluß hieran nahm Dr. Ley die Enthüllung des ersten Denkmals der NS=Bewegung vor. Dr. Schlumprecht wies zuvor auf die tiefen geistigen Zusammenhänge der Stadt Bayreuth Die Reichspressestelle der RSDAP gibt bekannt: Der Gauleiter von Pommern, Wilhelm Karpenstein, wurde wegen wiederholter Nichtbefolgung von Anordnungen der Parteiführung vom Führer seines Postens enthoben. Zum neuen Gauleiter von Pommern wurde der Pg. Franz Schwede, der bisherige Oberbürgermeister von Koburg ernannt. Pg. Franz Schwede ist mit der Mitgliedsnummer 1584 eines der ältesten Mitglieder der NSDAP. Er wurde am 5. März 1888 im Memelland geboren, machte den Weltkrieg bei der Marine mit, nahm an der Versenkung der Flotte vor Scape Flow teil und kam 1921 aus englischer Gefangenschaft. Pg. Schwede wurde durch seinen erfolgreichen Kampf in Koburg bekannt, vor allem dank seiner Arbeit erreichte die RSDAP hier zum ersten Male die absolute Mehrheit und damit wurde Koburg die erste nationalsozialistisch regierte Stadt in Deutschland. In Koburg organisierte Pg. Schwede bereits 1930 den ersten freiwilligen Arbeitsdienst. Die französischen Reserveoffiziere zur Saarpolilik Die Landestagung des Verbandes französischer Reserveoffiziere hielt unter dem Vorsitz des früheren Ministers Desire Ferry in St. Malo ihre letzte Sitzung ab. Die 800 Abgeordneten der verschiedenen französischen Reserveoffiziersverbände beschäftigten sich hauptsächlich mit den verschiedenen Problemen der nationalen Verteidigung. Im Anschluß daran wurde das Saarproblem ausführlich besprochen und der bezeichnende Wunsch geäußert, daß die französische Regierung schon jetzt die notwendigen Maßnahmen ergreifen möge, um die französischen Besitzungen jenes neutralen Territoriums, dessen Schicksal durch eine kommende Abstimmung entschieden wird und auf dem sich die Deutschen schon jetzt als Herren= und Meister aufspielen(!), zu schützen. In diesem Sinne bringt die Versammlung den Wunsch zum Ausdruck, daß„die französische Regierung im Saargebiet eine rege Propaganda unternehmen möge, die den wohnern beweise, daß Frankreich sie nicht vergesse“.