— vnn. Zeitung" erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentl. 45 Pfg.(einschl. Trägerlohn). Einzelnummer 10 Pfg. Geschäftsstelle Gr. MarktS.... ee e eischen eis bies Kansteites Zeriehen Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen S Kreisblatt für den norbnichsen Ten des Anzeigenpreise: Für die sechsgespaltene Millimeterzeile(46 mm breit) 6 Pfg. Familien=, Vereins= u. amtl. Anzeigen 4 Pfg. Reklame: Millimeterzeile 20 Pfg. Nachlässe nach Tarif 9a. Für telefon. aufgegeb. Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergeseh. Betriebsstörung., hervorgerufen durch höh. Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr, für pünktl. Erscheinen d. Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden. Schwerte(Kuhr), Samstag, den 9. Juni 1934 Einthungeseen. umd Hesuneli. Sbotichtruwrohth gasgereiaz. Die Rücklebe Deuschlands im Miütelpunt. Die Entschließung über das weitere Programm der Abrüstungskonferenz ist Freitag abend um 6 Uhr vom Hauptausschuß der Konferenz einstimmig, aber mit Vorbehalten von Italien, Polen und Persien angenommen worden. Die Sitzung des Präsié ums Keine Beschlüsse.— Keine Beteiligung Italiens an den Kommissionen? Am Freitag begann kurz nach 15 Uhr unter erheblicher Spannung und bei starkem Andrang des Publikums die öffentliche Sitzung des Präsidiums. Gleichzeitig wurde der Wortlaut des neuen Entschließungsentwurfs verbreitet, der doch in viel höherem Maße als man vermutete, an die ursprünglichen Vorschläge Barthous anZu Beginn der Sitzung sprach Henderson einige ziemlich resigniert klingende Worte. Sodann nahm Barthou das Wort, um die französischen Vorschläge in neuer Form dem Präsidium vorzulegen, wobei er einige scherzhafte Worte hinzufügte. Später las Barthou den Entwurf vor. Der italienische Vertreter Marchese di Soragna gab eine wichtige Erklärung ab, in der es u. a. die italienische Abordnung ist der Anscht, daß die Wiederaufnahme der Arbeiten der Konferenz nur dann Wert hat, wenn diese im richtigen Geist und in Uebereinstimmung mit den wirklichen Konferenzzielen vorgenommen wird. Dazu fehlen aber noch eine ganze Reihe wichtiger politischer Entscheidungen. Wir können zu keinem Beschluß unsere Zustimmung geben, der nicht der klare Ausdruck dieses Prinzips ist. Die italienische Abordnung wird diesem Prinzip auch im Hinblick auf die Einsetzung der vorgeschlagenen Kommissionen treu bleiben, die für Italien nicht von Interesse sind. Diese Erklärung wird in Genf so ausgelegt, daß Italien an den Arbeiten der vorgeschlagenen Kommissionen nicht teilnehmen wird. Graf Raczinski=Polen hatte Einwendungen zu machen. Er sagte, Vereinbarungen zwischen Regierungen seien keine geeignete Grundlage für die Konferenzarbeiten. Er warf dem Präsidium vor, die eigentliche Linie der Konferenzarbeiten, die bei der zweiten Lesung des Macdonald=Planes stehen geblieben seien, willkürlich abgebogen zu haben. Daraufhin schloß sich Litwinow im allgemeinen den Ausführungen Raczinskis an. Auch er habe schwere Bedenken gegen die Verhandlungen zwischen Regierungen. Diese Verhandlungsart könne unangenehme Folgen haben. Hierauf schloß Henderson die Sitzung des Präsidiums, ohne daß Beschlüsse gefaßt wurden. Entscheidung im Hauptausschuß In der sich anschließenden entscheidenden Sitzung des Hauptausschusses, der bekanntlich alle an der Konferenz teilnehmenden Staaten umfaßt, sprach zuerst Barthou. Er bezeichnete die Zusammenarbeit Englands und Frankreichs als eine wichtige Grundlage des Friedens. Er verlas dann nochmals den von Frankreich eingereichten, aber auch von den Vereinigten Staaten und England gebilligten Entschließungsentwurf. Hierbei knüpfte er an die wichtigsten Abschnitte in freier Rede Bemerkunen. Bei der Stelle, die sich mit den besonderen Besprechungen der Regierungen befaßt, die das Ziel haben sollen, den endgültigen Erfolg durch die Rückkehr Deutschlands zu erleichtern. kam Barthou ausführlich auf Frankreichs Stellung zur Rückkehr Deutschlands in die Konferenz zu sprechen. Er betonte, daß in dem ursprünglichen Text nur eine Andeutung auf Deutschland enthalten gewesen sei; sie sei aber zu deutlich gewesen, so daß man nun den Namen auch ruhig aussprechen könne. Barthou verlas dann aus dem französischen Memorandum vom 16. März den Absatz,“ der sich mit Deutschlands Rückkehr befaßt, und in dem es heißt, daß sie die beste Gewähr für das Gleichgewicht der Welt sei. Barthou fügte hinzu, Deutschland sei freiwillig ausgetreten, die Tür habe sich hinter ihm geschlossen, und nun müsse es freiwillig zurückkehren. „Wir wollen keine Politik der Einkreisung, wir wollen sie nicht, sie liegt nicht in unseren Absichten und in unseren Taten.“ Frankreich habe allein zur Sicherung des Friedens Beziehungen mit einigen Staaten angeknüpft. Beim Abschnitt „Sicherheit" beschäftigte er sich mit den Ausführungsbürgschaften, die Frankreich weiter bemüht sei zu finden. Auch die Kontrolle bleibe eine sehr wichtige, wenn auch sehr delikate Aufgabe des damit befaßten Ausschusses, Barthou betonte dann das französische Interesse an einer Verminderung der aus der Luft drohenden GeSodann begrüßte Eden=England die BeVentere 30000 Wenger Abnahme der Arbeitslosigkeit im Mai um weitere 80 000 halbmast für Buggingen Beflaggung aller Dienstgebäude während der Trauerkundgebung für Buggingen Die Reichsregierung hat angeordnet, daß während der Trauerkundgebung für die Opfer des Grubenunglücks in Buggingen am Montag, 11. Juni 1934, in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags sämtliche Dienstgebäude des Reiches, der Länder und der Gemeinden sowie die Gebäude der Körperschaften des öffentlichen Rechts und der öffentlichen Schulen halbmast flaggen. Diese Anordnung wird hiermit den Behörden amtlich mit dem Hinzufügen bekanntgegeben, daß eine schriftliche Mitteilung an sie nicht ergeht. Im Mai ist, wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung mitteilt, die Zahl der von den Arbeitsämtern betreuten Arbeitslosen weiter um rund 80.000 zurückgegangen. Am 31. Mai wurden rund 2 525 000 Arbeitslose bei den Arbeitsämtern gezählt gegen 5 039000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Vorjahreszahl ist also um fast 50 v. H. unterschritten..... GIxheites. 451 i um f. Der Rückgang der Arbeitslosenzahl ist um so beachtlicher, weil gleichzeitig durch Einschränkung der Notstandsarbeiten 100000 Notstandsarbeiter zur Entlassung gekommen sind. Ohne diesen Abbau der Notstandsarbeiten wäre die Arbeitslosenzahl auch im vergangenen Monat um über 200 000 gefallen, da außer den Notstandsarbeitern selbst auch noch Stammarbeiter, die mit ihnen zusammen beschäftigt waren, zur Entlassung gekommen sind. Diese Einschränkung der Notstandsarbeiten war planmäßig, weil nach dem erreichten hohen Beschäftigungsstand besonders im Hoch= und Tiefbau der ländlichen Bezirke der Kampf vor allem gegen die großstädtischen Zentren der Arbeitslosigkeit geführt werden muß. Während durch diese Einschränkung der Notstandsarbeiten die Landesarbeitsamtsbezirke mit hervorragend ländlicher Struktur einen gleichbleibenden Stand oder vereinzelt eine geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit hatten, trat in den großstädtischen Landesarbeitsamtsbezirken eine weitere Auflockerung der Arbeitslosigkeit ein: So hatte Berlin eine im Rahmen des Gesamtrückganges von 80000 erhebliche Abnahme von 22 000; ein erster Erfolg der Berliner ArbeitsDioc“„,axLungzeinrichtungen worde Von den Unterstützungseinrichtungen wurden vor allem die Krisenfürsorge und die öffentliche Fürsorge im Berichtsmonat weiter entlastet; und zwar ging die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger der Krisenfürsorge um rd. 19.00 am31. Mai 1934 rund 822 000) und die Zahl der arbeitslosen anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen um rund 50000(Stand am 31. Mai 1934 833 000) zurück. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung stieg um 13.000 bei rd. 232 000. Die Gesamtentlastung aller drei Unterstützungseinrichtungen beträgt im Berichtsmonat rund 56000. Bei Maßnahmen, an deren Finanzierung die Reichsanstalt beteiligt ist, werden noch 502000 Volksgenössen als Notstandsarbeiter beschäftigt. Autrians aus Einsland=Merren Eischon Jultizmipistore Korrl Ein großzügiges Projekt des Arbeit für die Strafgefangenen Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat sich der preußische Justizminister Hanns Kerrl bald nach Uebernahme seines Amtes in Erkenntnis der bestehenden Möglichkeiten für eine großzügige Kultivierung der emsländischen Moore durch Gefangenenarbeit eingesetzt. Ueber die Einzelheiten der nunmehr eingeleiteten Arbeiten führt der Ministerialrat im preußischen Justizministerium Rudolf Marx in der„Deutschen Justiz“ u. a. aus: *„Die nach einem aufgestellten Gesamtprogramm zu erfassenden Oedlandflächen betragen rund 50000 Ha. Eine Aufgabe von so gewaltigem Umfange läßt sich mit Erfolg in absehbarer Zeit nur durchführen, wenn in ausreichendem Maße Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die zwangsweise zur Arbeit angehalten werden können. Die ersten Arbeiten im Moor wurden von Schutzhäftlingen geleistet, die nunmehr in weitestem Umfange durch Strafgefangene ersetzt worden sind. Es bestehen jetzt in den verschiedenen Moorgebieten vier Lager. Die Zahl der Lager in Kürze auf S erhöht werden. Zur Turchjührung des Gesamtplanes sind im ganzen 21 Lager erforderlich. Für die Justizverwaltung bedeutet die Unterbringung einer so großen Zahl von Gefangenen gleichzeitig eine wesentliche Entlastung der stark überbelegten Zuchthäuser und Gefängnisse, und gibt ihr vor allem die Möglichkeit, der katastrophalen Arbeitslosigkeit in den Gefangenenanstalten wirksam zu begegnen, ohne preußischen Jusiizumisters Kerrl sich dem Vorwurf einer Konkurrenz des freien Handwerks oder Gewerbes auszusetzen. Die Gefangenenlager sind nach ein und demselben Muster eingerichtet. Innerhalb eines in Rechteckform errichteten Stacheldrahtzaunes sind zehn Baracken aufgestellt, von der jede Raum für 100 Gefangene hat. Jedes Lager hat ein eigenes Wasserwerk und ist mit elektrischem Licht ausgestattet. Die ärztliche Versorgung erfolgt durch Vertragsärzte. Die Arbeiten werden unter Leitung der Kultur= und Kulturbauämter und unter Zuziehung sachverständiger Moorfachleute ausgeführt. Zunächst werden Wirtschaftswege angelegt und Entwässerungsanlagen(Vorfluter) geschaffen. Die Bearbeitung des Moores selbst ist verschiedenartig, je nachdem es sich um Niederungsmoor oder Hochmoor handelt. Welche große wirtschaftliche Bedeutung der Torfgewinnung zukommt, mag man daran ermessen, daß die Moore des Emslandes annähernd 150000 Milliarden Kilowattstunden erzeugen, d. h. den ganzen Stromverbrauch des Deutschen Reiches auf 8 bis 10 Jahre decken könnten. Die Ankaufsund Kultivierungskosten zur Durchführung des Gesamtprogrammes erfordern rund 44,5 Millionen RM. In welcher Zeit sich das Gesamtprogramm verwirklichen läßt, hängt im wesentlichen davon ab, wie schnell die erforderlichen Mittel verfügbar gemacht werden können. Wenn alle 21 Lager sofort in Betrieb genommen werden könnten, wären demnach 12 Jahre nötig, um dieses Riesenwerk der Kultivierung von 50 000 Hektar emsländischen Bodens zum Abschluß zu bringen. merkungen Barthous über die Freundschaft zwischen England und Frankreich, die ein wertvolles Element des Friedens in Europa sei. Jetzt sei eine Lösung gefunden, die der Konrenz über die nächste Zukunft hinweghelfe. Die Schwierigkeiten seien in hohem Maße auf die Abwesenheit einer Großmacht zurückzuführen, deren Mitarbeit wesentlich sei. Er stellte fest, daß die britische Regierung ihre Ansichten über den Austritt Deutschlands nicht geändert habe. Die Sache der Abrüstung und der Verständigung habe durch diesen Entschluß einen Schlag erlitten. Es sei zu hoffen, daß die Aenderung der Atmosphäre auch auf die Haltung der deutschen Regierung einen Einfluß ausübe und sie zur Wiederbeteiligung an den Beratungen veranlassen werde.„ 4, Stagteums 6.28 Norman Davis(Vereinigte Staaten) fand sehr anerkennende Worte für die englisch=französische Verständigung. Die Einigung auf ein gemeinsames Arbeitsprogramm sei ein wichtiger Beitrag für den Erfolg der Konferenz und gleichzeitig für den Frieden. In der der Annahme der Einigungsformel vorhergehenden Aussprache erklärte Litwinow, man könne nicht erwarten, daß er von der Entschließung begeistert sei, ebenso wenig, daß er sie ablehnen werde. Rußland sei nicht gegen die Rückkehr Deutschlands. Die von Rußland angeregte ständige Friedenskonferenz werde man in Europa auf lange Zeit hinaus brauchen. Wenn er auch von den Militärs der roten Armee sagen könne, daß sie die friedlichsten Leute seien, so dürfe man die wichtige Rolle, die die Militärs jetzt in dem Schicksal der Völker spielten, nicht übersehen. Im Namen der sechs Neutralen sprach der schwedische Außenminister Sandler, der den Wert der Entschließung darin erblickte, daß durch ein politisches Kompromiß, das neue Möglichkeiten zur Erreichung eines Abkommens biete, der Zusammenbruch der Konferenz in diesem Augenblick verhindert worden sei. Italiens Vertreter, Marchese Soragna, wiederholte den bereits in der Sitzung des Präsidiums vorgebrachten Vorbehalt seiner Regierung. Da der Entschließungsentwurf dem Grundsatz der vorherigen Lösung gewisser politischer Fragen nicht Rechnung trage, könne ihm Italien nicht zustimmen. Abgesehen von diesen Fragen der Formeln und Methoden werde Italien aber der friedlichen und vollständigen Lösung der ernsten Probleme niemals seine Mitarbeit versagen.— Im Namen Polens wiederholte Graf Raczynski den Vorbehalt hinsichtlich der Ergebnisse der direkten Verhandlungen. Schließlich machte der Vertreter Persiens den Vorbehalt wegen des Grundsatzes der regionalen Pakte, von denen eine Schwächung des Gedankens der allgemeinen Unterstützung eines angegriffenen Staates befürchtete. Darauf stellte Henderson fest, daß die Entschließung mit den erwähnten Vorbehalten angenommen sei und berief den Hauptausschuß zu seiner nächsten Sitzung auf Montag nachmittag zusammen, damit er die weiteren Maßnahmen auf Grund des angenommenen Arbeitsprogrammes treffen könne. Der Worklaut der neuen Genfer Entschließung Die auf Grund der englisch=französisch=amerikanischen Vereinbarung von der französischen Abordnung ausgearbeitete Entschließung. die Freitagnachmittag dem Präsidium der Abrüstungskonserenz vorgelegt worden ist, hat folgenden Wortlaut: Der Hauptausschuß zieht die Entschließungen, die ihm die Abordnungen der sechs Mächte, die Abordnung der Türkei und die Abordnung der Sowjet=Union vorgelegt haben, in Erwägung: er berücksichtigt die Klarstellungen, die in seinen Arbeiten durch das französische Memorandum vom 1. Jan. 1934, das italienische Memorandum vom 4. Jan. 1934, das englische Memorandum vom 29. Jan. 1934 und die deutsche Erklärung vom 16. April 1934 vorgenommen worden sind:.... Er ist überzeugt von der Notwendigteit, daß die Konserenz ihre Arbeiten fortsetzt. um zu seinem allgemeinen Abkommen über die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen zu gelangen. Er ist entschlossen, die bereits unternommenen Studien unverzüglich fortzusetzen. I. Er fordert das Präsidium auf, mit den von ihm für geeignet gehaltenen Mitteln und zum Zweck der allgemeinen Annahme einer Abrüstungs= konvention eine Lösung der in der Schwebe gebliebenen Fragen zu suchen, unbeschadet der besonderen Besprechungen, die die Regierungen etwa einleiten wollen, um den Enderfolg durch die Rückkehr Deutschlands zur Konserenz zu erleichtern. II. Unter Feststellung der besonderen Wichtigkeit. die das Studium und die Lösung gewisser seit Anfang der allgemeinen Aussprache hervorgetretenen Probleme bieten, saßt der Hauptausschuß folgende Entschließung: 1. Sicherheit. a) Da die Ergebnisse der früheren Studien der Konferenz seit einem Jahr den Abschluß gewisser regionaler Sicherheitsabkommen in Europa ermöglicht haben, beschließt der Hauptausschuß, ein Sonderkomitee zu ernennen mit der Aufgabe. diejenigen Vorstudien fortzusetzen, die es für notwendig hält, um den Abschluß der neuen Abkommen der gleichen Art. die außerhalb der Konferenz verhandelt werden könnten, zu erleichtern. Es wird Sache des Hauptausschusses sein, die etwaigen Beziehungen dieser Abkommen zu der allgemeinen Konvention zu bestimmen:— b) Der Hauptausschuß beschließt, ein Sonderkomitee zu ernennen mit der Aufgabe. die Frage der Ausführungsgarantien zu studieren und die Arbeiten hinsichtlich der Kontrolle wieder aufzunehmen. 2. Luftfahrt. Der Hauptausschuß beauftragt sein Luftfahrt=Komitee, sofort das Studium der in seiner Entschließung vom 3. Juli 1932 unter der Rubrik„I. Luftstreitkräfte" bezeichneten Fragen wieder aufzunehmen. 3. Waffeuherstellung und Waffenhandel. Der Hauptausschuß fordert sein Sonderkomitee für die Fragen der Waffenherstellung und des Waffenhandels auf. sofort seine Arbeiten wieder aufzunehmen und ihm im Lichte der Erklärung, die der amerikanische Vertreter vom 30. Mai 1934 abgegeben hat, in kürzestmöglicher Frist über die Lösungen. die er empfiehlt, zu berichten.— Diese Ausschüsse sollen nebeneinander arbeiten. Das Büro hat die Aufgabe, die Ergebnisse zusammenzufassen. III. Der Hauptausschuß überläßt es dem Präsidenten, im geeigneten Augenblick die notwendigen Maßnahmen zu ergreisen, damit er, wenn der Präsident ihn einberuft, soweit wie möglich einen vollständigen Abkommensentwurf vorfindet. IV. In Anbetracht dessen, daß der Vorschlag der russischen Abordnung, die Konferenz unter der Bezeichnung als Friedenskonferenz in Permanenz zu erklären, ein aufmerksames Studium erfordert. bittet der Hauptausschuß den Präsidenten. die Regierungen mit diesem Vorschlag zu befassen. Weideinarue in Eefungne Wie sich der Woldemaras-Putsch entwickelte und zusammenbrach Litanischer Putsch niedergeschlagen Zu den Vorkommnissen in Kowno verlautet, daß inzwischen weitere Verhaftungen vorgenommen worden sind. Unter den Festgenommenen befinden sich etwa 20 aufständische Offiziere. Woldemaras, der zuerst in den Räumen der Staatssicherheitspolizei festgehalten worden war, ist nach den ersten Verhören Freitag morgen in das Kownoer Gefängnis eingeliefert worden. Man nimmt an, daß sein Prozeß, der am 12. Juni wegen des viel erörterten Artikels„Auf Schicksalswegen" stattfinden sollte, verlegt wird. Ferner verlautet, daß sich die verhafteten Offiziere vor dem ordentlichen Militärgericht, jedenfalls nicht vor einem Feldgericht, werden verantworten müssen. Staatspräsident Smetona hat ihnen diese Zusicherung gegeben, da sie bei dem Putsch jedes Blutvergießen vermieden haben. Wie sich der Woldemaras=Putsch entwickelte und zusammenbrach Der litauische Putsch vom 7. Juni erinnert in der äußeren Form. aber in verkleinertem Maßstabe an den Umsturz vom 17. Dezember 1926. Wie damals wurde das Regierungsgebäude unter Führung einiger junger Offiziere unter Hinzuziehung von Tanks mit Maschinengewehren in der Nacht fast ohne jeden Widerstand geräuschlos besetzt. Ganze Stadtteile wurden von Militärabteilungen abgeriegelt. Die wenigen Fußgänger wurden einer strengen Kontrolle unterzogen. Besonders Fliegeroffiziere, die auf Krafträdern und Kraftwagen durch die Straßen rasten, leiteten die Aktion. Auch vor dem Generalstab waren Tanks ausgefahren. Der Palast des Staatspräsidenten wurde nicht besetzt, da die Wache den Aufrührern Widerstand leistete. Ueberhaupt blieb die Altstadt, in der auch der Staatspräsidenten=Palast liegt, von der Besetzung unberührt. Inzwischen waren vier Flugzeuge aufgestiegen. von denen eins Woldemaras nach Kowno brachte, während die übrigen die Garnisonen in der Provinz für den Aufstand gewinnen sollten. Nach dem Eintreffen von Woldemaras in Kowno wurde der Staatspräsident sernmündlich von der Aktion in Kenntnis gesetzt. Später begab sich Woldemaras in Begleitung einiger Offiziere zum Generalstabschef Kubilonas. der angeblich versuchte. vermittelnd auf den Staatspräsidenten dahingehend einzuwirken, daß er Woldemaras zum Ministerpräsidenten ernenne. Der Staatspräsident habe dieses Anfinnen aber mit den Worten:„Ich habe mit politischen Abenteurern nichts zu verhandeln“ ganz entschieden abgelehnt. Hierauf waren die Aufständischen anscheinend nicht vorbereitet, so daß sich schon in den Morgenstunden eine leichte Enttäuschung bemerkbar machte, zumal der Generalstabschef. angeblich seine Person für die Sache nur unter der Bedingung einsetzte, daß ein Blutvergießen verhindert würde. Um 7 Uhr zogen die aufständischen Militärabteilungen mit ihren Wassen in voller Ordnung ab, worauf die Polizei den Ordnungsdienst in der Stadt wieder übernahm. Um 8 Uhr gab die litauische Telegraphenagentur eine beruhigende Meldung heraus, wonach die Stadt in der Nacht in einen Alarmzustand versetzt worden sei. wobei einige Zwischenfälle vorgekommen seien. Bis in die späten Nachmittagsstunden war man in der Stadt über die Lage völlig unterrichtet. umsomehr, als auch die amtlichen Stellen und die Presse einschließlich des halbamtlichen Lietuvos Aidas äußerst farblos berichteten, was natürlich wieder zu den wildesten Gerüchten Anlaß gab. Fest steht, daß der beauftragte Offizier ihn persönlich festnahm und dem Generalstab auslieferte. Dieser übergab ihm den Organen der Staatssicher= heitspolizei. Erst am Abend klärte sich die Lage. nachdem die Litauische Telegraphenagentur eine zweite Meldung in Form eines Extrablattes herausgegeben hatte, in dem die Vorfälle als ein Ereignis ersten Ranges bezeichnet worden war. Ueber die Gründe des geplanten Umsturzes ist ebensowenig bekannt, wie über die eigentlichen Urheber. Vermutlich handelt es sich um persönliche Anhänger von Woldemaras, die damit ans Ruder wollten. Am politischen Kurs und an der Zusammensetzung des Kabinetts dürfte sich nichts ändern. Es sind auch Gerüchte verbreitet, wonach sich die Absetzung des Generalstabschefs Kubilonas nicht bestätigen soll. Verhandlungen zwischen kleiner Entente und Rußland in Genf Das Tschechoslowakische Presse=Büro meldet aus Geuf: In Genf fanden am Freitag Beratungen der drei Staaten der Kleinen Entente— der Minister Titulesen, Jestitsch und Dr. Benesch — mit dem Vertreter Sowjet=Rußlands, dem Volkskommissar für Aeußeres Litwinow, statt. Den Hauptgegenstand dieser Beratung bildete die Frage der Herstellung normaler diplomatischer Beziehungen der Staaten der Kleinen Enteute zu Sowjet=Rußland, und zwar im Hinblick auf die plötzliche neue politische Entwicklung und die Ereignisse in Europa, hauptsächlich aber im Hinblick auf die Verhandlungen über einen regionalen Ost=Sicherheitspakt. Zu diesen Beratungen gaben auch die Verhandlungen über einen möglichen Eintritt Sowjet=Rußlands in den Bölkerbund Veraulassung. Die Ergebnisse dieser Beratungen werden in einigen Tagen bekannt gegeben werden. Barthous Londoner Besuch Wie Reuter aus Geuf meldet, ist der Besuch Barthous in London auf Anfang Juli festgesetzt worden. Brocqueville wieder beauftragt Der belgische König hat den bisherigen Ministerpräsidenten Graf de Brocqueville mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt. „Tu Schweinkruue, Du den Hafur?!“ Der Meuchelmord auf dem Berliner Bülowplatz— Zeugenvernehmung Englisches Kriegsmaterial für Rußland! Der Sonderkorrespondent des Londoner „Daily Expreß" in Dairen meldet: Offiziere und Mannschaften des britischen Frachtdampfers „Ashby“, der aus Wladiwostok in Dairen eingetroffen ist, erzählen, daß die Stadt mit Soldaten und Marinesoldaten überfüllt sei. Der Hafen sei voller Schiffe aus dem Schwarzen Meer, die Munition ausladen. Unter den Schiffen im Hafen befänden sich neun britische Fahrzeuge mit Kriegsmaterial aller Art an Bord. Am 1. Mai seien 200 Militär= und Marineflugzeuge über Wladiwostok geflogen, während Dutzende von Tanks, Panzerwagen und schweren Geschützen durch die Straßen rollten. Thälmann soll Zeuge sein? In der Freitagsverhandlung des BülowplatzProzesses wegen der Ermordung der Polizeihauptleute Anlauf und Lenk stellte zu Beginn der Verhandlung der Verteidiger des Angeklagten Kuntz einen Beweisantrag, in welchem unter anderem der frühere Reichstagsabgeordnete Thälmann als Zeuge benannt wird. Thälmann soll Bekundungen darüber machen, daß der Angeklagte Kuntz niemals irgendwelche illegale Funktionen in der Partei ausgeübt hat. Ferner soll Thälmann sich darüber äußern, daß die Parteileitung grundsätzlich den Individualterror verworfen habe. Sodann wird der Polizeileutnant Willig vernommen, der am Mordtage mit Anlauf und Lenk zusammen den Bülowplatz inspiDen Lewen nn Tiersurt zerthsk. Jurchtbares Unglück in einem englischen Tierpark Das Löwengebege des Tierparks von Whipanade. Infolge eigener Fahrlässigkeit ist am Freitag können, kletterte der Mann in dem vor einiger Zeit eröffneten, wegen seiner landschaftlichen Schönheiten berühmten Tierpark von Whipsnade bei London ein Besucher von vier Löwen des Freigeheges angefallen und vor den Augen der entsetzten Besucher in Stücke gerissen worden. Dem Betreffenden war von einem plötzlichen Windstoß der Hut vom Kopf gerissen worden. Der Hut rollke in die Löwengrotte und in der Hoffnung, ihn doch noch wieder erlangen zu Lonnen, kiekterle der Mann an dem eisernen Abschlußgitter der Grotte in die Höhle. Dabei wurde er plötzlich von vier Löwen angesprungen, die ihn mit ihren Pranken erfaßten und kopfüber ins Innere der Grotte zogen, wo sie ihn 40 Meter weit schleiften, ehe sie sich daran machten, ihn zu zerfleischen. Die Wächter, die von Zuschauern alarmiert worden waren bemühten sich vergeblich, mit großen Steinen und Verolgerschissen dr aun uin zu, deute zu vertreiven. Lus gelane erst e##zu spät kam. die Tiere von ihrer Beute zu , eis jede Rettung zierte und von den Kommunisten durch einen Bauchschuß verletzt wurde. Der Zeuge hatte in kommunistischen Kreisen den Spitznamen„Husar".„Zehn Minuten nach 8 Uhr abends“, so bekundete er u. a.,„ging ich mit den Polizeihauptmännern Anlauf und Lenk noch einmal zum Bülowplatz. Rechts von mir ging Anlauf, links Lenk und ich selbst ging in der Mitte. Am Bauzaun am Bülowplatz bemerkten wir eine große Menschenansammlung und gingen darauf zu. Polizeihauptwachtmeister Burkart, der sich Nähe befand, meldete Hauptmann Anlauf, daß die Stimmung sehr„mies“ sei. Die Kommunisten hätten die Beamten angespien und Drohrufe gegen„Schweinebacke“ ausgestoßen. Wir drei begaben uns hierauf nach der Weylinger Straße, und ich machte meinen Vorgesetzten Anlauf darauf aufmerksam, daß die Lage immer bedrohlicher erscheine. Anlauf erteilte gerade seine Zustimmung zu der Absicht, den Bürgersteig räumen zu lassen, als ich hinter mir die Rufe hörte: „Du Schweinebacke, du den Husar und du den anderen!“ Ich griff sofort in die Tasche, um meine Pistole herauszuziehen, als schon eine Salve von sechs bis zehn Schüssen aus einer Entfernung von wenigen Metern krachte und die Hülsen mir um den Kopf flogen. Hauptmann Anlauf fiel auf das Gesicht; auch Lenk stürzte zu Boden. Ich selbst sank in die Knie, kam aber wieder hoch, zog meine Waffe und schoß mein ganzes Magazin leer. Als ich die Pistole wieder laden wollte, bemerkte ich, daß ich an der linken Hand verletzt war. Ich glitt aus und kam neben Hauptmann Anlauf zu liegen, der nur noch röchelte. Ich glaubte die Worte zu verstehen:„Verletzung am Kopfe, Wiedersehen, Gruß.“ Wir wurden immer weiter beschossen und ich schleppte Anlauf in einen Hausflur. Jetzt bemerkte ich, daß durch meine Uniform Blut hindurchsickerte und stellte fest, daß ich einen Bauchschuß hatte. Andere Beamte kamen herbei und bemühten sich um Anlauf. Ich selbst wurde ins Krankenhaus gebracht und bin nach vierwöchiger Behandlung und mehrmonatiger Erholung wiederhergestellt worden.“ Sodann wurden mehrere Zeugen vernommen, die früher selbst Mitglieder des berüchtigten „Ordnerdienstes" waren. Ein Zeuge namens Lüdtke, der aus dem Konzentrationslager vorgeführt wird, trat im Jahre 1923 bereits dem „Ordnerdienst" bei. Gegen diesen Zeugen schwebt ein Hochverratsverfahren. Als der Vorsitzende ihn fragte, weshalb ein solches Verfahren gegen ihn eröffnet worden sei, erwidert der Zeuge: „Ach, wegen einer Kleinigkeit. Ich habe für einen ins Ausland Geflüchteten einige Mappen in Verwahrung genommen.“ Später stellte sich heraus, daß es sich bei der„Kleinigkeit" um 10 Kisten Munition, einen Granatwerfer, ein Maschinengewehr und eine große Menge Pistolen und Gewehre handelt, die Lüdtke im Keller seines Hauses versteckt hatte. Darauf wurden die Verhandlungen auf Montag vertagt. Dr. Goebbels spricht in Bremen Der Besuch des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels am Freitag in Bremen hatte ganz Bremen auf die Beine gebracht. Um 5 Uhr nachmittags schlossen alle Geschäfte und in langen Zügen bewegten sich die einzelnen Gefolgschaften nach dem Weserstadion, wo Dr. Goebbels eine große Rede hielt. Begeistert begrüßten ihn die Menschenmassen bei seiner Ankunft auf dem Flugplatz. Die mehrere Kilometer lange Fahrt zum Stadion glich einem Triumphzuge. Etwa 150 000 Bremer waren im Stadion zusammengekommen. In seinen fast 1½ stündigen Ausführungen rechnete Dr. Goebbels, wie schon in Gleiwitz, in allerschärfster Form mit den Miesmachern und Nörglern ab, die sich heute wieder aus ihren Mauselöchern hervorwagten. Nur an Hand dessen, was die nationalsozialistische Regierung bei ihrer Machtübernahme am 30. Januar 1933 vorgefunden, und dessen, was sie daraus gemacht habe, könne man die Erfolge erkennen, die in den vergangenen 14 Monaten erzielt worden seien. Reichspräsident von Hindenburg Schirmherr der Deutschen Kampfspiele 1934 Der Reichspräsident von Hindenburg bat die ihm übertragene Schirmberrschaft über die Deutschen Kampsspiele in Nürnberg vom 23. bis 29. Juli übernommen, und sind damit zur wirklichen„Deutschen Olympiade“ geworden. Auf das Schreiben des Kampfspiel=Ausschusses sind diesem aus dem Büro des Reichspräsidenten folgendes Telegramm zugegangen: „Der Herr Reichsprasivent bar mir grozem Interesse von der Veranstaltung und dem umfangreichen Kampfspielprogramm 1934 Kenntnis genommen. Die ihm angetragene Schirmherrschaft über dieses erste große Sportfest im Dritten Reich ist der Herr Reichspräsident gerne zu übernehmen bereit.“ Zwangsverwaltung bei Prinz von pieß Erneute Beschwerde an den Bölkerbundsrat Der Prinz von Pleß hat sich in einem dritten und vierten Telegramm nochmals an den Völkerbund gewandt, um auf die ungewöhnliche Lage hinzuweisen, die durch die Beschlagnehmungen der polnischen Regierung in seinen Betrieben entstanden ist. Tatsächlich wird die Lage immer bedrohlicher. Die Behörden setzen noch immer die Pfändungen fort. Alles Bargeld wird sofort beschlagnahmt. Der augenblickliche Zustand sieht einer Zwangsverwaltung schon sehr ähnlich. Der Prinz von Pleß beklagt sich in den Telegrammen auch über die Nichtanwendung von polnischen Gesetzen und Verordnungen in seinem Falle. Schon jetzt bestehen große Schwierigkeiten für die Zahlung der Löhne und Gehälter. Derrussische Volkskommisser Litwinow hat dem Verbot der Waffen= und nitionseinfuhr nach Bolivien und Paraguay für die Sowjetregierung sich angeschlossen. Nr. 132(Zweites Blatt) „Schirerter=heitung Samstag, 9. Juni 1934 (Nuhr), Samstag den 9. Juni 1934 Vom Wetter Aussichten für den Wetterdienstbezirk Essen. Sonnabend: Bei schwacher Luftbewegung wechselnd heiter und stärker bewölkt. Temperaturen ansteigend. Später aufkommende Gewitterneigung. Sonntag: Schwachwindig. Wechselnd wolkig und heiter. Mäßig warm. Gewitterlage bleibt bestehen. 70. Geburtstag und goldenes Jubiläum. Am heutigen Samstag, den 9. Juni, vollendet der Landwirt Niederschulte, Overberge, der schon seit rund 30 Jahren treuer Bezieher der„Schwerter Zeitung“ ist, ein 70. Lebensjahr. Gleichzeitig feiert N. sein 50jähriges Jubiläum als Landwirt. Dem geschätzten Jubilar zu seinem doppelten Ehrentage unseren aufrichtigsten Glückwunsch. Möge ihm Schaffenskraft und Gesundheit noch lange erhalten bleiben! Treue Dienste. Am heutigen Samstag vollendet der Sparkassenhauptkassierer Wilh. Schulte, genannt Spar=Wilm, vom Höchsten in erstaunlicher Frische sein 60. Lebensjahr. Diese Frische ist dadurch erreicht worden, daß Sch. täglich den Weg vom Höchsten nach Schwerte auch bei Wind und Wetter, bei Schneesturm und Eiseskälte zu Fuß zurücklegt. Seit 33 Jahren ist er an der Schwerter Sparkasse tätig, seit 38 Jahren steht er in städtischen Diensten. Den pflichttreuen und beliebten Beamten zum heutigen Ehrentage auch unseren herzlichen Glückwunsch. Möge er noch lange in alter Frische den Weg vom Höchsten nach der Ruhrstadt zurücklegen! Zu Grabe getragen. Gestern nachmittag wurde der im Alter von 82 Jahren gestorbene Schneidermeister Friedrich Noethe aus Schwerte, unter großer Anteilnahme der Vereine zu Grabe getragen. Der Verstorbene war 48 Jahre lang Wehrmann gewesen. So sah man denn im gestrigen Leichenzuge die Feuerwehr aus Schwerte mit Spielmannszug und Musikzug und die Feuerwehr von Schwerte=Ost ebenfalls mit Spielmanns= und Musikzug. Ferner sah man die Wehr von Holzen mit Musikzug, von Westhofen, Wandhofen, Villigst, Geisecke und Lichtendorf. Neben den vier Feuerwehrfahnen bemerkte man die Fahne des Bürger=Schützen=Vereins Schwerte, der ebenfalls dem Sarge vorausmarschierte, auch der „Sängerbund“ u. die Schneider=Innung gaben mit ihren Fahnen das Ehrengeleit. Der Sarg wurde von Fackel tragenden Wehrleuten begleitet, und auch von Wehrmännern zu Grabe getragen. Aus der starken Beteiligung der Wehren war der kameradschaftliche Geist zu erkennen. Die letzten Worte am Grabe sprach Pfarrer Kleinemeyer.— Noch ein zweiter Leichenzug bewegte sich gestern nachmittag durch die Straßen unserer Stadt zum evangelischen Friedhof. Eine junge Mutter, Frau Edith Müller geb. Schlue, wurde zu Grabe getragen. Um zwei Kindern das Leben zu schenken, hat sie ihr eigenes Leben opfern müssen. Sie war erst 27 Jahre alt. Eine Heldenmutter— 3 200 SA=Männer marschieren heute abend gegen 7 Uhr, wie schon gemeldet, durch die Stadt Schwerte. Es handelt sich um die Standarte 132 Hagen, die sich unter der Führung des Standartenführers Schäfer auf einem Ausmarsch befindet. Da die braunen Kameraden eine dreistündige Rast in den aufnahmefähigen Mauern unserer Ruhrstadt machen werden, und auf diese Weise, auch wirtschaftlich genommen, manches nach Schwerte hineingetragen werden wird, möge die Bevölkerung den Gästen einen freundlichen Empfang bereiten. Für heute abend also lautet die Parole: Fahnen heraus! Die Fahnen können über nacht gleich hängen bleiben, da sie morgen am Rot=Kreuz=Tag sowieso aus allen Häusern wehen müssen. Kein Autounfall. Auf dem Adolf=Hitler= Platz liegt seit heute früh ein zertrümmertes Auto. Das Vehikel ist nicht an die schlanke Mathilde gerast, sondern es handelt sich um ein Werbemittel zur ReichsverkehrserziehungsWoche: So, Autofahrer, wird es dir ergehen, wenn du die Fahrvorschriften nicht genau beobachtest! Fahre mit Ueberlegung! sich die Teilnehmer bis Mittwoch im Museum oder Rathaus Zimmer 19 melden, damit die benötigten Autobusse bestellt werden können. Sonntag ist das Museum von 10—13 Uhr geöffnet. : Der musikalische Abend, der heute abend im„Reiche des Wassers“ stattfindet, beginnt des Standartenaufmarsches wegen nicht um 20 Uhr, sondern um 20,30 Uhr. Im übrigen sind noch Programme an der Kasse käuflich. Der Besuch der Veranstaltung, die durch die NSBO.“ Deutsche Arbeitsfront, Amt Kraft durch Freude, aufgezogen ist, kann nur wärmstens empfohlen werden. Die Vortragsfolge weist Lieder von Gluck, Schubert, Loewe, Kienzl u. a. auf. Im instrumentalen Teil hören ,wir u. a. das Menuett von Mozart, Serenade von Haydn, usw. Unsere aktuelle Bilderschau in den Schaukästen der Fa. C. Braus bringt: Truppenschau in London; Eiselrennen 1934; Scapa Flow, das Grab ver deutschen Flotte; Ein Postflugzeug stößt gegen einen Funkturm. Das Programm für den morgigen Rotkreuztag in Schwerte Sportgemeinschaft Schwerte- Westhofen- Ergste Der Reichssportführer fordert für den morgigen Rot=Kreuz=Tag eine starke Beteiligung. Die Sportvereine der Sportgemeinschaft treten am Sonntag, den 10. 6. 34 um 10,45 Uhr mit Fahnen und Wimpel auf dem Marktplatz in Schwerte an. Der Sportgemeinschaftsführer. Schwerte, 9. Juni. Noch einmal machen wir das Programm für den Rotkreuztag bekannt. Die am Festzug beteiligten Vereine: NS. Kriegsopfer, Kriegervereine, NS. Frontkäpferbund, Turn= und Sportvereine, Feuerwehren und Sanitätskolonne treffen so rechtzeitig am Markt ein, daß der Abmarsch Punkt 11 Uhr erfolgen kann. Nach der Flaggenhissung am Rathaus hält Bürgermeister Dr. Guttmann dortselbst eine Ansprache. Hierauf bewegt sich der Festzug durch die Hohenzollernstraße und die Bahnhofstraße zum Kriegerdenkmal zur Kranzniederlegung. Bis zum Kinderfestzug, der gegen 12,15 Uhr beginnt, konzertiert die Standartenkapelle 329 auf dem Adolf=Hitlerplatz. Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder zahlreich und frühzeitig mit Puppenwagen, kleinen Wagen, Rollern und dgl. zu den Sammelplätzen zu schicken. Der Kinderfestzug berührt die Bahnhofstraße, Hohenzollernstraße, Hörder Str., Hüsingstr., Brückstr., und löst sich auf dem Marktplatz auf. Um 20 Uhr beginnt dann die bereits gestern bekanntgegebene Abendveranstaltung im„Reiche des Wassers", deren Besuch wir im Hinblick auf den guten Zweck bestens empfehlen können. Jeder Volksgenosse muß am Rotkreuztag das hübsche Rot=Kreuz=Abzeichen aus Glas tragen! Die Fahnen heraus! Der Lautsprecherwagen der Reichsrundfunkkammer auf dem Adolf=Hitlerplatz Mindeststrafe 1 Jahr 2 Monate Gefängnis. Richtigstellend haben wir zu unserem gestrigen Bericht über die Verurteilung der Schwerter Kommunisten zu bemerken, daß bei den Gefängnisstrafen die höchste Strafe 1 Jahr und 9 Monate Gefängnis und die Mindeststrafe 1 Jahr 2 Monate Gefängnis beträgt. Wanderung des Heimatvereins. Heute in 8 Tagen, am 16. Juni, soll die Fahrt mit Postautobus nach Oestrich stattfinden. In Oestrich wird das Museum, der Burgberg mit zwei Wallburgen, sowie die Dechenhöhle besichtigt. Die Fahrtkosten betragen etwa 1.— Nm. Es ist erwünscht, daß Schwerte, 9. Juni. Gestern mittag punkt 12 Uhr erschien auf dem Adolf=Hitler=Platz ein Lautsprecherwagen der Reichsrundfunkkammer, um für den nationalsozialistischen Rundfunk zu werben. Der Wagen war am Morgen noch in Arnsberg gewesen und hatte bei seiner Fahrt durch den Kreis Iserlohn, unsere Stadt um die Mittagszeit erreicht. Die Kundgebung wurde durch ein Schallplattenkonzert eingeleitet. Inzwischen rückten die Volksschulen heran und nahmen auf dem Adolf=Hitler=Platz Aufstellung. Neben dem örtlichen Funkwart Heistermann waren erschienen Kreisfunkwart Dahme, Iserlohn, Ortsgruppenamtleiter Hemeyer, Sturmbannführer Sprenge piel und Propagandaleiter Rau. Für den verhinderten Ortsgruppenleiter Köhne sprach der Propagandaleiter der NSV. Kamecke, über die Bedeutung des Rundfunks im neuen Staate. Anknüpfend an die Uebertragungen der Fußballspiele aus Mailand und Rom, die ein lebendiges Geschehen vermittelten, kennzeichnete der Redner die hervorragende Technik des heutigen Rundfunks. Es sei selbstverständlich, daß der nationalsozialistische Staat sich des Rundfunks als Propaganda= und Erziehungsmittel bediene. Kamecke fuhr dann ungefähr fort: Der Führer hat bekanntgegeben, daß die politische Revolution in Deutschland beendet ist, d. h., die Machtstellung der nationalsozialistischen Regierung ist so stark, daß sie durch keine Gegenmacht in ihrem Gefüge irgendwie erschüttert werden kann. Begonnen hat jetzt eine zweite Revolution, die auf der geistigen Ebene liegt. Um diese Revolution siegreich durchzuführen, um alle guten Geister für den Kampf um das Deutschtum, um deutsche Art und Wesen, zu mobilisieren, muß sich der neue Staat der Propagandamittel des Geistes bedienen. So ist die Presse, die das gesprochene Wort festhält, in den Dienst des Staates gestellt worden. Der Rundfunk übermittelt das gesprochene Wort in lebendiger Form. Rundfunk und Presse bilden eine Arbeitsgemeinschaft. Die Bedeutung des Rundfunks als politisches Instrument der Reichregierung und als Sprachrohr unseres Führers ist ja an den großen historischen Tagen des Gemeinschaftsempfanges von unseren Volksgenossen bereits erkannt worden. Der Rundfunk von ehedem verleugnete die Politik. Der nationalsozialistische Rundfunk bekennt sich zu ihr als zu seinem Lebenselement. Schon vor der Machtergreifung haben die Nationalsozialisten in tausend Versammlungen gefordert: Gebt uns den Rundfunk für Adolf Hitler frei! Die nationalsozialistischen Führer wußten, daß der Rundfunk in richtiger Anwendung ein politisches Machtmittel sein würde. Nach der Machtübernahme sprach dann der Führer durch den Rundfunk zum 65=Millionen=Volk. Und da auch die Auslandsdeutschen den unvergeßlichen Worten lauschten, kann man sagen, 100 Millionen Deutsche hörten den Führer zu gleicher Zeit sprechen. Der Rundfunk als Ausdrucksmittel des nationalsozialistischen Staates geht ins Volk hinein. Er schöpft aus dem Leben des Volkes. Kaum ein Volk der Erde ist so reich an inneren Schätzen wie das deutsche. Aus den Quellen des Volkstums schöpft der Rundfunk. So werden Heimatabende veranstaltet und Sendungen in heimatlicher Mundart übertragen. Es ist zu wünschen, daß auch die alte Ruhrstadt Schwerte mit dem Ruhrtalmuseum und dem Antwerpener Altar bei einem Hörbericht demnächst Berücksichtigung findet. Außerdem ist Schwerte die Eingangspforte zum Sauerland. Der Rundfunk ist heute volkstümlich. Er zieht die lebendigen Kräfte des Volkes heran. Während früher nur ein kleiner Kreis Rundfunk hören konnte, heißt heute, wo es auch billige Volksempfänger gibt, die Parole: Der Rundfunk dem Volke. Alle Volksgenossen von Schwerte müssen Rundfunkteilnehmer werden, um so am Aufbau des nationalsozialistischen Staates lebendigen Anteil zu haben. Propagandaleiter Kamecke fügte an seine Rede, die er in das Mikrophon sprach, noch zum Schluß eine Werbung für die NS. Volkswohlfahrt bei. Reichsverkehrserziehungswoche in Schwerte Schwerte, 8. Juni. Die Vorbereitungen für die in der Zeit vom 9. bis 16. Juni stattfindenden Reichsverkehrserziehungswoche sind vom Amt für Volkswohlfahrt und dem gebildeten Ortsausschuß, der sich aus dem Sachberater des Amtes für Volkswohlfahrt, dem Vertreter der Polizei, der SA, der RSKK, der Hitlerjugend und dem NS. Lehrerbund zusammensetzt, abgeschlossen. Die Reichverkehrserziehungswoche wird aufgezogen, um die Bevölkerung über die Gefahren des Verkehrs aufzuklären und sie zur Wahrung der Disziplin im Verkehr anzuhalten. Durch den Verkauf von Broschüren zum Preise von 10 Pfennig und durch die Verteilung von Verkehrsblättern an Fußgänger, Motorrad=, Radund Autofahrern werden diese über die Verkehrsregeln und über das Verhalten auf der Straße aufgeklärt. Auf dem Adolf=Hitler=Platz wird durch ein zertrümmertes Auto und durch wirkungsvolle Hinweise den Kraftfahrern in recht eindringlicher Weise die Mahnung rufen werden, langsam und verkehrssicher zu fahren. In den Schulen und vor der Oeffentlichkeit werden Filme vorgeführt und Vorträge gehalten.,.. g445, Kande, Bei diesem Kampf gegen die Gefahr handelt es sich zunächst um ein Werk der Aufklärung und Belehrung, das jeden Volksgenossen erfassen und durchdringen muß. Der in den letzten Monaten dauernd zunehmende Verkehr hat eine steigende Zahl von Opfern zur Folge. Nur wenn im nationalsozialistischen Geiste Pflichtgefühl und Verantwortungsbewußtsein so aufgerüttelt werden, daß jede durch Unkenntnis, Unachtsamkeit, Leichtsinn und Rücksichtslosigkeit hervorgerufene Schädigung an Leib und Leben als ein Verbrechen an der Zukunftsentwicklung des Volkes angesehen und gewertet wird, kann diese Aktion zum Erfolge führen. Zur Nachahmung empfohlen Arbeitsdank. Die Arbeitsgauleitung Westfalen=Süd(Gau 20 B) Dortmund, Prinz=Friedrich=Karlstraße 14, dankt unten aufgeführten Pg. durch Uebersendung einer Arbeitsdanknadel für die Mitgliedschaft bei dem„Arbeitsdank e. V.“ in Berlin. Es ist dies eine Einrichtung zur Unterstützung der ausscheidenden Arbeitsdienstwilligen, welche 1 Jahr dem Vaterland durch ihre Arbeitskraft gedient haben und beim Ausscheiden kein Zeug noch Arbeit haben. Der letzte Satz des Dankschreibens heißt: Heute überreiche ich Ihnen die Arbeitsnadel, die die äußere Bekundung Ihrer Hilfsbereitschaft darstellt. Die Arbeitsdanknadel erhielten: Wilhelm Doert, Lehrer. Herm. Falkenroth, Gastwirt. Heinr. Hemeyer, Ortsgruppenamtsleiter der NSV. Hans Linner, Zeitungsverleger, Paul Luck, Sturmbannführer. Fritz Rau, Propagandaleiter. Walter Spatz, Autovermietung. Karl Wilkes, Ratsherr. Die Aufnahme=Erklärungen sind beim Abteilungsführer Willy Bernshausen, des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Ergste und bei der NSV. in Schwerte, Hagener Straße 40 zu haben. Verein der ehem. 236. Inf.=Division (Mühry). Am 7., 8., 9. Juli ds. Is. feiern die ehem. Angehörigen der 236. Inf.=Div. in Bad Lippspringe ihre diesjährige Wiedersehenstagung mit Gefallenenehrung am Denkmal. Bei dieser Gelegenheit wird durch den ehem. Divisionsführer Generalleutnant a. D. Exzellens Mühry auch die Weihe einer DivisionsEiche im Kurpark Lippspringe vorgenommen. Alle ehem. Angehörigen der Division, welche an der Feier teilnehmen wollen, werden gebeten ihre Anmeldung, unter Angabe ob und eventl. was für eine Unterbringung in Frage käme, baldigst an den Kamerad I. Kersting, Essen, Savignystraße 61 einzusenden. Gebt euern Kindern viel Gemüse zu essen! Denn Gemüse enthalten die für den Aufbau des Körpers so nötigen Nährsalze. Bei Salat ist wegen der Schädlichkeit des Essigs möglichst Zitronensaft zu verwenden. Aus der Bewegung Kreisleiter Schnell spricht am Dienstag Am kommenden Dienstag, den 12. Juni, abends um 20 Uhr spricht in einer großen Kundgebung, die im Saale des Lokales„Im Reiche des Wassers“ Kreisleiter O. Schnel! aus Soest. Bekanntlich ist Otto Schnell ein Sohn der Stadt Schwerte. Er kennt noch die Schwerter Verhältnisse von früher ganz genau und wird durch seine humorvolle Art des Vortrages, die Zuhörer in seinen Bann ziehen. Er wird aber auch die Bestrebungen geißeln, die unserem Vaterlande zum Verderben reichen. Da Pg. Otto Schnell, wie gesagt, der Volkstümlich als Redner ist, wird mit einem Massenbesuch zu rechnen sein. Der Unkostenbeitrag beträgt nur 10 Pfg. Für diesen Abend muß sich jeder Volksgenosse aus Schwerte und Umgebung freimachen. Die aktuellsten Probleme der Gegenwart werden behandelt! Süddeutschlandfahrt! Der=Unterbann I/136 der Hitler=Jugend unternimmt eine Fahrt nach Süddeutschland. Beginn: Anfang Juli. Es wird alles mit dem Zuge zurückgelegt. Die Fahrt geht nach Oberstdorf, durch den Schwarzwald, über Friedrichshafen und Lindau am Bodensee. Zurück über Ulm, Stuttgart. Führer der Fahrt ist Ig. Bruno Köhler. Alles Nähere bei ihm oder im Unterbannbüro. Nordseefahrt. Zu der Nordseefahrt die aller Voraussicht nach Juist(Nordseeinsel) geht, kann sich noch ein Ig. melden. Abfahrt am 26. Juli des Mittags. Alles mit der Eisenbahn. Ganze Fahrtdauer: 10 Arbeitstage(Abfahrtstag zählt nicht mit) 8 Tage wird auf Juist geblieben; die letzten auf Helgoland. Alles Nähere bei Herm. Braus oder im Unterbannbüro. Heil Hitler! Die Unterbannführung. * Jungmädel(B9M.) Heute nachmittag 3.15 Uhr, in der Gas= und Poststraße, Antreten zur Beerdigung der Kameradin Ilse Wöste. A Tngebin für die Unter Westhofen und Ergste Holzen, 9. Juni. Wie die Anbauflächen in Holzen verteilt sind. Einen interessanten Ueberblick über die Anbauflächen in der Gemeinde Holzen bieten die Ergebnisse, der vor einigen Tagen vorgenommenen Erhebung. Es sind hiernach bebaut: 82 Hektar mit Weizen, 73 Hektar mit Roggen, 47 Hektar mit Gerste, 56 Hektar mit Hafer, 57 Hektar mit Kartoffeln, 40 Hektar mit Futterrüben, 7 Hektar mit Steckrüben, 6 Hektar mit Gemüse in feldmäßiger Bestellung, 1 Hektar mit Raps, 48 Hektar mit Klee. Es sind vorhanden: 54 Hektar Wiesen, 58 Hektar ViehII weiden, 7 Hektar Obstanlagen, 68 Hektar Gartenland, 74 Hektar Waldungen, 43 Hektar Haus= und Hofräume, 2 Hektar Oedland, 28 Hektar Wegeland. Die gesamte erfaßte Fläche beträgt 753 Hektar. Westhofen, 9. Juni. Kein Ueberfall, sondern Selbstmordversuch. Am Freitag morgen erschien in einem Hause unweit der Buschmühle ein junger Mann, der am Hals und an den Händen stark blutende Verletzungen hatte. Er gab an, er sei in der Nähe des Gutes Herbeck von einem fremden Manne überfallen worden, der ihm auch die Schnittwunden beigebracht habe. Der herbeigerufene Gendarmeriewachtmeister stellte fest, daß die Angaben des jungen Mannes nicht stimmen konnten. Schließlich gestand jener ein, daß er sich die Schnittwunden selbst mit einer Rasierklinge beigebracht habe, um aus dem Leben zu scheiden. Ein Arzt aus Westhofen legte den ersten Notverband an. Die weiteren Ermittlungen ergaben, daß es sich um einen 23jährigen Kunstgewerbeschüler aus Paderborn handelt, der sich in der Nacht vorher in Hagen in einem Hotel aufgehalten und sich in seinem Hotelzimmer schon einige Schnittwunden zugefügt hatte. Dann war er in der Nacht über Halden nach Garenfeld gelaufen, wo ihm beim Morgengrauen wohl die Erkenntnis kam, daß das Leben doch noch zu schön ist. Mit seinem Märchen von einem Ueberfall hatte er wenig Glück. Es soll sich vielmehr um eine Liebesgeschichte handeln. Westhofen, 9. Juni. Alterstafel. Gestern vollendete die Witwe Berta Althoff in Westhofen, Oststraße 2, ihr 81. Lebensjahr. Die Ehefrau L. Kockelke in Garenfeld Nr. 36 wurde gestern 72 Jahre alt. Beiden Hochbetagten, die sich allgemeiner Wertschätzung erfreuen, auch unsere herzlichen Glückwünsche. Westhofen, 9. Juni. Schulnachricht. Mit der Erteilung des katholischen Religionsunterrichts an den Schulen in Westhofen und Villigst wurde der Hilfslehrer Karl Timmerbeil aus Dortmund=Derne, der nach Schwerte versetzt worden ist, beauftragt. Garenfeld, 9. Juni. Frecher Leitungsdrahtdiebstahl. Während der Nachtzeit sind aus der Stromleitung des Kommunalen Elektrizitätswerks Mark in Garenfeld am Denkmalsweg 200 Meter Kupferdraht herausgeschnitten und gestohlen worden. Als in der Nacht kurz vor 12 Uhr das Licht in den sern in der sogen. Molle verlöschte, konnte man sich zunächst die Störung nicht erklären, bis am Tage Beauftragte des Elektrizitätswerkes feststellten, daß zwischen fünf Leitungsmasten der Draht fehlte. Ueber die Täter konnte noch nichts ermittelt werden. Da ein Verkauf des gestohlenen Drahtes bei der heutigen strengen Ueberwachung der Altmetallhändler nicht mehr möglich ist, muß man sich wundern, daß ein solcher Diebstahl noch unternommen wurde. Geisecke, 9. Juni. Meisterprüfung bestanden. Vor dem Prüfungsausschuß der Handwerkskammer in Arnsberg legte Wilhelm Gerdsmann aus Geisecke, Dorfstraße, (Lehrherr: Stellmachermeister Wilh Gerdsmann) im Praktischen und Theoretischen mit dem Prädikat„Gut“ seine Meisterprüfung ab. Wir gratulieren! * Ergste, 9. Juni. Unfall bei der Arbeit. Der zur Zeit als Holzarbeiter beschäftigte Adolf Tillmann, wohnhaft in Knapp b. Ergste, zog sich gestern beim Holzfällen eine. schwere Verletzung zu. Durch irgend einen Umstand hat der Genannte mit dem Beil einen einen unrichtigen Schlag angewandt. Das Eisenteil der Axt drang ihm tief in den rechten Oberschenkel ein. Sofort mußte ärztliche Hilfe an Ort und Stelle geleistet werden. Fast 10.000 Menschen werden jährlich dem Verkehrsunfall geopfert! Was lehrt uns diese Zahl? Armut, Elend, zerstörtes Familienglück, Leid und Schmerz, Schuld und Gewissensnot verbirgt sich hinter ihr. 10000 Menschen getötet! Welche Aufregung würde eine Katastrophe hervorrufen, bei der 10000 Menschen getötet würden? Ist es aber nicht das gleiche, wenn täglich, ja stündlich, die Einzelunfälle sich häusen, um im Laufe des Jahres zu einer Zahl anzuwachsen, die uns das Blut in den Adern erstarren läßt? OC VfL. Schw. 1. Jgd.— Jahn Werdohl 1. Jgd. Das Vorrundenspiel gegen Menden 10 konnten die wackeren Schwerter glatt mit 7:0 für sich entscheiden. Die Werdohler betrachten wir als ernsten Gegner, doch gehen die Einheimischen mit den besten Siegesaussichten in den Kampf. Reichsbahn 1. Jgd.— VfL. Schwerte 1. Jgd. Reichsb. 1. Knab.— VfL. Schwerte 1. Knab. Reichsbahn=Turn= u. Sportverein Schwerte Reichsbahn Altenhundem 1.— Reichsb. 1. Durch den Bundespokalsieg der Reichsbahner über R=Tus Remscheid mit 3:0 sicherten sie sich die weitere Teilnahme. Zum weiteren Bundesspiel empfangen sie ihren Namensvetter R.= Tus aus Altenhundem. Auch hier sind es wieder Gäste aus der ersten Kreisklasse, die über einen guten dritten Tabellen=Platz verfügen. Es ist auch hier mit einem schönen Kampf zu rechnen, da der Sieger am Endspiel um die Bezirksmeisterschaft des Bezirkes Wuppertal=Elberfeld teilnimmt. Jung.=Mannsch. BfL.—Jung=Mannsch. Reichsbahn VfL. 1. Schüler— Reichsb. 1. Schüler. BfL. 2. Jgd.— Reichsbahn 1. Igd. BfV. Westhofen Das große Fußball=Programm des BfB. Westhofen. Tus 06 Knab.— VfB. Westhofen Knab. Schon am Samstag abend spielen die Westhofener in Schwerte. Die Mannschaft trägt ihr 2. Spiel seit der Gründung aus. Sp. Cl. Hennen 1912 1. Jgd.— VfB. Westhofen 1. Jgd. Die Westhofener Jugend weilt beim Sp. Hennen zu Gast und wird dort ohne die aufgerückten Spieler einen schweren Stand haben. doch sollte ihnen immerhin ein Sieg möglich sein. VfB. Westhofen 2.— Schwarz=Weiß Holzen 2. Die Holzener weilen zum Rückspiel in Westhofen und werden versuchen, die letzte 11:0Schlappe wett zu machen. VfB. Westhofen 1.— Sp. Cl. Ergste 84 1. Der Nachbarverein aus Ergste weilt Sonntag anstelle des plötzlich verbotenen DIK.— Bölerheide=Spieles in Westhofen. Die Ergster stellen eine Kampfmannschaft ins Feld, die schon manche Ueberraschung zuwege brachte. Finden sich die Nachwuchsspieler in der Westhofener Elf, dann ist ein weiterer Sieg zu erwarten. Ergebnisse der drei letzten Spiele. Westhosen 1.— VfL. Schwerte komb. 3:1. Schwarz=Weiß Holzen 1.— Westhosen 1. 1:6 Westhofen 1.— Berghofen 1. 5:1. Schiedsrichtergruppe Schwerte Pressewart Rud. Bürger teilt folgendes mit: In letzter Zeit häufen sich die Vorfälle, daß einige Vereine es einfach nicht für nötig halten, Fußball=Wettspielen aller Stamm= und Jugendmannschaften Schiedsrichter anzufordern. Die Handlungsweise der betr. Vereine ist unverständlich. Eigentlich sollte es ihnen klar sein, daß sie zu. der Anforderung verpflichtet sind, und bei Nichtbeachtung ohne weiteres in Strafe genommen werden können. Bis heute wurde aus besonderen Gründen von einer Bestrafung abgesehen. Künftig aber wird dieses nicht mehr in Frage kommen. Wenn jetzt noch Vereine glauben, einen anderen Standpunkt vertreten zu können, das allerdings als sehr bedauerlich bezeichnet werden muß, so haben sie dann aber auch mit einer recht ernsten Strafe zu rechnen. Wichtiges öber die Hoheniyburastaffel 1934 Hohensyburg-Schwerte Sind Unfälle unabwendbar? Der Deutsche ist kein Fatalist. Wir wollen uns nicht verkriechen hinter Schicksal und Bestimmung. Wir wollen der Gefahr ins Auge schauen, ihr den Kampf ansagen. Mit Geschick, Entschlußkraft, Mut, Aufmerksamkeit, Vorsicht, Rücksicht und Hilfsbereitschaft wollen wir uns schützen gegen den Unfallteufel. Mit den technischen Erfindungen unserer Zeit muß die soziale und ethische Erziehung Scheitt halten. Gesetzliche Bestimmungen und Strafen allein sind nicht das rechte Mittel. Freier Wille zur Hilfe muß wach werden. Eine geistige und seelische Bewegung muß entstehen, die alle Kreise erfaßt. Das ist das Ziel der Verkehrs-ErziehungsWoche, die vom 9. bis 16. Juni unter Führung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda stattfindet. Sie wird durchgeführt von der Obersten Leitung der P.O. der N. S.D.A.P., Amt für Volkswohlfahrt, Sonderabteilung„Schadenverhütung“. Die Parole„Kampf dem Verkehrsunfall“ soll ein Weckruf sein aus Unkenntnis und Gedankenlosigkeit zu Wissen und Verantwortungsgefühl. Alle soll unser Ruf packen: „Verkehrsdisziplin ist Pflicht!“. Lürnen, Spiel uns Sbert Sport-Anzeiger (Unter dieser Rubrik kostet die mm=Zeile 4 Pfg.) Turn= und Spielverein 07 Holzen. Sonntag. den 10. Juni, ab 1 Uhr nachm. Faustball= und Handballspiele. Gegner: Schwerter Turnerschaft. Sportplatz Holzen, Jahnstraße. Sonntag. den 10. Juni, Anstoß 4 Uhr: VfB. Westhofen 1.— Spp. Ergste 84 1. Sportplatz Amtsstraße. Der BfL. spielt anläßlich einer Jubiläumswoche in Nemscheid! Remscheid 09 1.— VfL. Schwerte 1. Die VfL. er kommen einer Einladung von Remscheid 09 nach. Anläßlich des 25 jährigen Bestehens bestreiten obige Mannschaften das Eröffnungsspiel. Mit kompletter Elf werden die Einheimischen diesen Fußballkampf gegen Remscheid 09 zum Austrag bringen. Das s. Zt. in Schwerte stattgefundene Spiel mußten die Remscheider mit 5:1 verlieren. Aus diesem Grunde wird der Gastgeber im heutigen Spiel alles versuchen, um die damalige Niederlage in etwa wieder gutzumachen. Beide Vereine verfügen über gute Hintermannschaften, jedoch lassen die Stürmerreihen einige Wünsche offen. Die Tagesform wird den Ausschlag geben. VfL. Schwerte Res.— Gut Heil Aplerbeck 1. Die Aplerbecker kommen hier einer alten Rückspielverpflichtung nach. Durch das Einsetzen der vollen Kräfte dürfte es den Schwertern gelingen, die damalige 3:2 Niederlage wieder gutzumachen. VfL. Schwerte 2.— Gut Heil Aplerbeck 2. Die ersatzgeschwächte zweite Mannschaft steht hier vor einer schweren Aufgabe. Den damaligen 9:0=Sieg wird die Elf gegen die Gäste aus Aplerbeck wohl kaum wiederholen können. Wir betrachten den Ausgang dieses Spieles als eine offene Angelegenheit. Jugendabteilung! Die Jugend im Endspiel zur Ermittlung des Kreismeisters! In Letmathe steigt morgen das Endspiel zur Ermittlung des Jugend=Kreismeisters. Es trefsen sich Nur noch drei Wochen trennen uns von einer der größten leichtathletischen Veranstaltungen Westfalens, der Hohensyburg= Staffel(Hohensyburg—Schwerte) für 1934. Der Verein für Leibesübungen e. V. Schwerte, welcher als Durchführer dieser Staffeln von der Deutschen Sportbehörde bestimmt wurde, ist eifrig am Werk, um die Vorarbeiten für diesen großen Staffellauf störungsfrei durchzuführen. Für sämtliche Vereine des Kreises Iserlohn gilt diese Staffel als Pflichtveranstaltung, ebenfalls trifft die DT.=Vereine des Kreises Lenne=Volme die gleiche Bestimmung. Jeder Verein muß mit mindestens einer Senioren= und einer Jugendmannschaft teilnehmen. Man rechnet schon jetzt mit einer Teilnahme von etwa 100 Vereinen, außer der eingesetzten vierten Klasse, welche die Wehrverbände betreffend die SS, die SA. der FAD. usw. bestreiten. Aus diesem Grunde wird die diesjährige Hohensyburg=Staffel mit denen der Vorjahre nicht zu vergleichen sein. Auch die Anzahl der Läufer wird die Teilnahme an den Staffeln der Vorjahre bei weitem übertreffen. Man wird deshalb die Hohensyburgstaffel 1934 mit Recht eine der größten leichtathletischen Veranstaltungen Westfalens nennen dürfen. Für die Klasse 1 und 2 stehen Wanderpreise zur Verfügung, welche von den Vereinen SC. Rote Erde Iserlohn, dem Verein für Leibesübungen 1919/21 Schwerte und dem Spiel= und Sportverein von 1911 Halver, verteidigt werden. Für die Klassen 3, 4 und 5 stehen wertvolle Ehrenpreise zur Verfügung, welche am Austragungstage in den Besitz der Sieger übergehen. Den Gegenstand und den Wert dieser Ehrenpreise geben wir noch an dieser Stelle bekannt. Die Hohensyburg=Staffel findet unter Aussicht und nach den Bestimmungen der Deutschen Svortbehörde statt. Um die Vorarbeiten zu dieser Staffel unterbrechungslos durchzuführen, werden die teilnehmenden Vereine besonders aufmerksam gemacht, ihre Meldungen schon jetzt, aber spätestens bis zum 24. Juni 1934 an die bereits bekanntgegebene Adresse(Fritz Storm. Schwerte, Poststraße Nr. 4) abzugeben. Es liegt nur an der tatkräftigen Unterstützung der teilnehmenden Vereine, denn dadurch wird dem Durchführer der Hohensyburgstaffel seine bestimmt nicht leichte Arbeit wesentlich erleichtert. Nachstehend geben wir die ausführliche Ausschreibung, nebst den zu beachtenden wichtigsten Bestimmungen zur Hohensyburgstassel 1934 bekannt: Austragungstermin: 1. Juli 1934, Meldeschluß: 24. Juni 1934. Start für Senioren: Denkmal Hohensyburg. Start für die Jugend: Villa Horn, Schwerte, Hagener Straße 23. Ziel für alle Klassen: Sportplatz Schützenhof in Schwerte. Klasseneinteilung: Klasse 1: offen für alle, 14 Läufer, Laufstrecke 8.7 Klm. Klasse 2: Bezirks= und 1. Kreisklasse, 14 Läufer, Laufstrecke 8,7 Klm. Klasse 3: 2. und 3. Kreisklasse, 14 Läufer, Laufstrecke 8.7 Klm. 6. Läufer 7. Läufer 8. Läufer 9. Läufer 10. Läufer 11. Läufer 12. Läufer 13. Läufer 14. Läufer Klasse 4: Für Volkssportverbände, 14 Läufer, Laufstrecke 8,7 Klm. Klasse 5: Jugend Jahrgang 1916 und jünger, 8 Läufer, Laufstrecke 2,2 Klm. Streckeneinteilung! 1. Läufer 1500 m: Hohensyburgdenkmal, 2. Läufer 1200 m: Wirtschaft Königsfeld, Kilometerstein 04, 3. Läufer 1200 m: Kreuzung HohensyburgHengsteysee u. 40 m, 4. Läufer 1000 m: Giesberg, Westhofen 42, 5. Läufer 800 m: Eisenbahnbrücke HagenSchwerte u. 30 m, 800 m: Eisenbahnbrücke IserlohnSchwerte, 600 m: Villa Horn, Schwerte, Hagener Straße 23, gleichzeitig Start der Jugendklassen, 400 m: Wirtschaft Frank, Hagener Straße, 300 m: Metzgerei Steinweg, Hagener Straße, 300 m: Eisenwarenhandlung Landmann, Ostenstraße, 200 m: Evangelisches Krankenhaus, 200 m: Schützenstraße(zwischen Hermann= u. Lohbachstr.), 100 m: Sportplatz=Eingang, 100 m: Sportplatz Schützenhof. Die einzelnen Wechsel der Jugendklassen sind besonders gekennzeichnet. Das Ziel ist falls auf dem Svortplatz Schützenhof. Start=Zeiten: Klasse 1: 3,00 Uhr, Startkarten: blau. Klasse 2: 3,15 Uhr, Startkarten: rot. Klasse 3: 3.30 Uhr, Startkarten: grün. Klasse 4: 3,45 Uhr, Startkarten: gelb. Klasse 5: 4,00 Uhr, Startkarten: weiß. Wichtige Bestimmungen: Die Läufer haben eine halbe Stunde vor startbeginn an den Wechselstellen fertigzustehen zur Kontralle durch die DSB.=Vertreter. Die Beförderung der Läufer=um Start und zu den einzelnen Wechselstellen hat jeder Verein selbst zu besorgen. Es darf nur in Straßen= oder Turnschuhen gelaufen werden. Die Wechselstellen sind deutlich gekennzeichnet und tragen die Nummer des hier aufzustellenden Läufers. Startnummern sind auf dem Rücken zu tragen und nur in der Auskunftselle erhältlich..7, Mirischest Auskunftstelle und Umkleine#oral: Mimat Reiche des Wassers“, Schwerte, Iserlohnerstraße 2. 990 hr im gleiKampfrichtersitzung um 13,30 uhr im gl chen Lokale.. Geigt 115 Anschließend an den Staffellauf steigt auf dem Svortplatz Schützenhof ein Fußballgandaspiel zwischen den Vereinen: VfL. Schwerte— Witten 07 (Kreismeister von Hagen). Siegerverkündigung im Lokale„Im Reiche des Wassers" nach Beendigung des Fußvallspiels. Ein weiterer Vorbericht folgt in nächster Woche an dieser Stelle Aiosunk=Preurmm Sonntag, den 10. Juni 1934. 6.15 Hamburger Hafenkonzert. 8.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.10 Frühjahrsmüdigkeit. 8.30 Evangelische Morgenfeier. 9.30 Funk ins Blaue. 10.30 Männergesangverein„Amphion“, KölnEhrenfeld. 11.00 Wir bringen Jugendwerke von Richard Strauß anläßlich seines 70. Geburtstages. 12.00 Mittagskonzert. 12.55 Glückwünsche. 13.00 Ein Wort an alle. 14.00 Ballett=Suiten von P. Tschaikowsky. 15.00 Zwei wichtige Stunden im Ablauf des Tages: Vor der Schule und vor dem Schlafengehen. 15.20 Wir erzählen Märchen. 15.40 Landfreuden. 16.00 Nachmittagskonzert. 16.55 Fußball=Uebertragung: Vorschlußrunde: Um die deutsche Meisterschaft Schalke 04 gegen Mannheim=Woldhof. 18.30 Beim Bielefelder Reitturnier. 18.50 Werl, die Stadt der Erbsälzer. 19.45 Sportvorbericht. 20.00 Ein bunter Sonntagabend. 22.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.20 Hörbericht vom Kampf um den DavisPokal Frankreich—Deutschland. 22.40 Tänzerisches Vielerlei. Montag, den 11. Juni 1934. 6.00 Morgenruf. 6.05 Frühkonzert. 6.30 Leibesübungen. 6.50 Zeit, Wetter, Nachrichten. 7.00 Wiederholung des Morgenrufe 7.05 Morgenkonzert. 8.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 8.05 Gymnastik für Frauen. 8.20 Für die Frau. 10.00 Zeit, Nachrichten usw. 10.10 Alle singen mit! 10.35 Wir und die Welt. 12.00 Mittagskonzert. 12.45 Erste Mittagsmeldungen. Glückwünsche. 13.00 Die fröhlichen Fünf. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. 14.00 Querschnitte aus beliebten Opern. 14.45 Schlachtviehmarktberichte. 15.45 Kampf dem Unfall. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.50 Stimme der Zeit. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.00 Musik und Rasse. 17.30 Musik um Händel! 18.00 Jugend treibt Sport. 18.20 Französische Unterhaltung. 18.35 Wirtschaftsmeldungen, Sportbericht. 18.45 Einführung zur Oper„Der Rosenkavaier.„ 65 19.00 Der Rosenkavauer, Komooie.(Von Leipzig). 22.45 Nachrichtendienst. 23.00 Der andere Strauß(aus Operellen des Walzerkönigs). Dienstag, den 12. Juni 1934. 6.00 Morgenruf. 6.05 Frühkonzert. 6.30 Leibesübungen. 6.50 Zeit, Wetter, Nachrichten. 7.00 Wiederholung des Morgenrufs. 7.05 Morgenkonzert. 8.00 Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.05 Gymnastik für Frauen. 10.00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 10.10 Kinderturnen mit Musik. 10.30 Wir und die Welt. 12.00 Mittagskonzert. 12.45 Erste Mittagsmeldungen, Glückwünsche. 13.00 Mittagskonzert. 13.45 Zweite Mittagsmeldungen. Fortsetzung des Mittagskonzerts. 15.15 Die Aufgaben des Reichsbundes der Körperbehinderten im nationalsozialistischen Staat. 15.30 Wirtschaftsmeldungen. 15.40 16.00 17.00 17.20 18.00 18.20 18.40 18.50 19.00 19.45 20.00 20.10 22.00 22.20 Kindersegen— Segen der Kinder. Am Beispiel berühmter Familien. Nachmittagskonzert. Persönliche Erinnerungen an Theodor Storm. Orchesterkonzert. Nordische Tiergeschichten und Tierschriftsteller von Svend Fleuron. Arbeitsbeschaffungsfront. Vom Tage.. Wirtschaftsmeldungen, Sportbericht. Abendmusik. Stipppisite. Erste Abendmeldungen. Deutscher Abend. Zeit, Wetter, Nachrichten. Nachtmusik. Gottesdienst-Srur Aus der evgl. Gemeinde Schwerte Johanneskirche: 8 Uhr Pfr. Hagemann. 9.30 Uhr Pfr. Ohlig. 11.15 Uhr Kindergottesdienst. Donnerstag 8.30 Uhr Bibelstunde. Evangl. Krankenhaus: 8.30 Pfr. Ohlig. Geisecke=Lichtendorf: 9.30 Pfr. Hagemann. * Dienstag 8 Uhr Gustav=Adolf=Frauenverein. Evangl. Jungmännerwerk, Schwerte. Sonntag 2 Uhr Jungschar.— 4 Uhr Jungtrupp.— 8 Uhr Jungmannschaft.— Donnerstag 8 Uhr Posaunenchor.— Freitag 6 Uhr Bibelschar.— 8.30 Uhr Bibelabend.— Vereine der Frauenhülfe. Donnerstag 3 Uhr Frauenhilfe Lichtendorf. Donnerstag 1 Uhr Frauenhilfe SchwerteNord am Bahnhof. Evangl. weibl. Gemeindejugend. a) Schwerte: Mittwoch 8 Uhr Bibelstunde. b) Schwerterheide: Mittwoch 8 Uhr Jugendschar. c) Villigst: Freitag 8 Uhr Jugendschar. Evangl. Stadtmission Schwerte, Kuhstr. 7. Sonntag 8 Uhr früh, Blaukreuzstunde, 11 Uhr Sonntagsschule, 4 Uhr Bibelstunde.— Mittwoch 8 Uhr abends Gebetsstunde.— Donnerstag 8 Uhr abends Gemischter Chor.— Freitag 8 Uhr abends Blaukreuzverein. Zusammenkünfte der Jungmütterkreise vom 11. bis 15. Mai. Montag abend 8 bis 10 Uhr Bezirk Holzen: Bibelstunde. Dienstag nachmittag 3 bis 5 Uhr Bezirk Geisecke=Lichtendorf: Wanderlied. Dienstag abend 8 bis 10 Uhr Bezirk Pfarrer Kleinemeyer: Bibelstunde. Mittwoch nachm. 5 bis 7 Uhr Bezirk Wandhofen: Wanderlied. Mittwoch abend 8 bis 10 Uhr Bezirk Grüntal: Bibelstunde.„. 8. Mittwoch abend 8 bis 10 uhr Bezirk Pfarrer Hagemann fällt aus. Donnerstag abend 8 bis 10 Uhr Bezirk Pfarrer Ohlig: Nähen. Freitag nachm. 3 bis 5 Uhr Bezirk Villigst: Bibelstunde.„„ W 6 Freitag abend 8 bis 10 Uhr Bezill Pfarrer Millard: Wanderlied. * Die Frauenhülfe Lichtendorf kommt am Donnerstag, den 14. Juni, nachm. 3 Uhr zur Monatsversammlung zusammen. Der Gustav=Adolf=Frauenverein versammelt sich am Dienstag, abends 8 Uhr, im Gemeindehause. Die Frauenhilfe Schwerte=Nord macht am Donnerstag ihren Ausflug nach Burg Blankenstein. Die Fahrt mit dem Autobus erfolgt mittags 1 Uhr ab Bahnhofsvorplatz. Getauft: Christel Helene Röber; Günter Hugo Heinrich Hagemann; Ernst Schmeiß; Friedrich Heinrich Fischer; Engelbert Herbert Stelzer. Getraut: Julius Otto Hußmann und Theodora Pützfeld; Heinrich Potthoff und Luise Andree; Karl Schäfer und Hedwig Frank; Walter Kiesler und Hedwig Teckhaus. Gestorben: Hermann Dalchow; Ww. Karoline Hölken; Adolf Kleff; Ww. Maria Dorka. 4,30 Uhr: Andacht. An den Werktagen sind in der Pfarrtirche die hl. Messen 6,30, 7,10 und 7,45 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 6,30 Uhr. Jeden Mittwoch ist um 4,30 Uhr Andacht in der Krankenhauskapelle zu Ehren des hl. Josef. Geisecke. 7,05 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Krankenwoche hat Herr Vikar Heinemann, Neumarkt 4. Vinzenzverein. Freitag, den 8. Juni, Versammlung im Speisesaal des kath. Vereinshauses mit Einführung des neuen geistlichen Beirats, Vikar Heinemann. Elisabeth=Verein. Donnerstag, den 14. beginnen wir wieder mit unserer Nähstunde, wozu wir alle Frauen, die bereit sind, für die Armen und Bedürftigen unserer Gemeinde zu nähen, herzlichst einladen. Kath. Jungmänner=Verein. Heute, Sonntag, 10. Juni, abends 6 Uhr, Vereinsversammlung im Kasino des Vereinshauses. Gleichzeitig findet die feierliche Einführung unseres neuen Präses durch den hochw. Herrn Pfarrer statt. Gottesdienstordnung für Lichtendorf. Sonntag, 10. Juni. 3. Sonntag nach Pfingsten. Fest des hlst. Herzens Jesu. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt und gem. hl. Kommunion der Knaben und Jungmänner. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2,30 Uhr: Andacht. Aus der kath. Gemeinde Schwerte Katholische Gottesdienstordnung. Schwerte. Sonntag, 10. Juni. 3. Sonntag nach Pfingsten. 6 Uhr: Stille hl. Messe. 7,15 Uhr: Frühmesse mit Predigt; gem. hl. Kommunion der Jungmänner. 8,30 Uhr: Kindermesse mit Predigt; gem. hl. Kommunion der Knaben und Mädchen des 5. Schuljahres. 9,45 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11,15 Uhr: Letzte hl. Messe mit Predigt. 22,30 Uhr: Christenlehre und Andacht. 8 Uhr: Andacht für die Erwachsenen. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe mit Predigt um 8,15 Uhr. Scseiltrig.“ Die schütsten eure BetriebeSie brachten schwere Opfer Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Heinz Friedr. Kamecke, Schwerte=R. Verantwortlich für den gesamten Heinz Friedr. Kamecke. Schwerte=R. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D. A. V./34. 1726. Ein Roman aus den Kampfjahren 1929 bis 1932 von Heinz Friedrich Kamecke. 44. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Als ein Zeichen das Ende der Pause verkündete, schrieb Klaus noch rasch eine kleine Notiz, die er Helga zuschob:„Heute abend einhalbelf Uhr Turmstube. Auf Wiedersehen, Als zweiter Redner trat ein früherer Landgerichtsrat auf, der Dr. Hagedorn in seinen ersten Prozessen verteidigt hatte. Auch er rechnete mit dem System ab. Dr. Hagedorn wurde nach der Kundgebung von der Volksmenge unter Hochrufen auf den Schultern getragen. Das Deutschlandlied rauschte auf wie eine große Woge der Begeiste Auch Stüwen stand im Banne dieses zuschlagenden Niedersachsen— es war ihm, als sei er von einer Bewegung erfaßt. Und er nahm die Gewißheit mit sich: Wir sind auf dem richtigen Wege. Ossenbrügge und Teutowalde— das sind nur Teilgebiete— aber es gärt im ganzen Vaterlande: Neues ist im Werden! Deutschland erwacht! * Der Maiabend war von berauschender Schönheit. Im Dunkelblau des Himmels die weißen Sterne. Der Park erfüllt vom schweren Duft der Fliederbüsche. Ein Lautenlied aus dem halboffenen Fenster eines Giebelhauses in den Abend sich schwingend. Dazu das Singen einer Geige, ganz leise, ganz süß. Klaus schritt mit Anke durch den Park, den schimmernden Kiesweg entlang. der zur tebrücke führte. Nur wenige Schritte waren es bis zur Turmstube. Ziehharmonikamusik tönte ihnen entgegen, als sie die Wendeltreppe hinabstiegen. Als sie Platz genommen hatten, schaltete Klaus das rotbeschirmte Tischlämpchen ein. Da sagte Anke:„Wenn man bedenkt, daß in diesem Verlies vor vielleicht fünfhundert Jahren noch Menschen zwischen Ratten und Ungeziefer hausen mußten, ohne ein Stück Himmelblau', doch mit der Gewißheit, lebendig begraben zu sein— wie haben sich doch hierin die Zeiten geändert! Wir sitzen in einem Hungerturm und freuen uns unseres Lebens.“ Klaus erzählte nun von der Mutter, deren Kind von Ratten angefressen. Als er aber merkte, daß Anke, darüber nachdenkend, ernst und schweigsam wurde, ermunterte er sie wieder, indem er sagte:„Unsere Aufklärungsarbeit soll ja dazu dienen, derartige mittelalterliche Zustände auszurotten. Deshalb haben wir uns verschworen, den niederen Barackenwohnern zu ihrem Recht zu verhelfen, und wenn wir selbst dabei auf der Strecke bleiben sollten.“ Als der Harmonikaspieler seine Hände ruhen ließ, kam Helga die Treppe herunter. „Hier bin ich“, meldete sie sich, die blanken Zähne zeigend.. 67.18 und mi. KnsSie trug ein einfaches Kieio und wie Anke gar keinen Schmuck. Anke drückte ihr herzlich die Hano, und Klaus begrüßte sie kameradschaftlich. „Schön, daß Sie gekommen sind“, sagte Anke.„Ist Ihnen unsere Sonntagswanderung gut bekommen?“ Helga nickte.„Es wandert sich herrlich mit Ihnen— Sie kennen Baum und Strauch und alles, was das kreucht und fleucht.“ Anke lachte.„Das ist leicht übertrieben. In Botanik hatte ich meist„kaum noch genügend'.“ Die beiden Mädchen nahmen nun Klaus in die Mitte. Der Kellner brachte Maibowle, und der Harmonikaspieler gab alte liebe Weisen zum Besten. Die Musik stimmte ihre Herzen froh. Helga war sehr gesprächig. Anke zeigte sich verschlossener als sonst. Als sich Helga einmal versprach, indem sie Anke mit„Du“ anredete und sich dann selbst verbesserte, sagte Klaus: „Anke und Stüwen ergeben ein Du. Helga und Stüwen bilden ein zweites Du. Also sind Anke und Helga ein drittes Du.“ „Und wir drei zusammen, was sind wir?“ fragte Helga. „Unzertrennlich“, sagte Klaus. Die beiden Mädchen sahen sich an. Ihre Augen begegneten sich freundlich. Fünfundzwanzigstes Kapitel. An einem der ersten Junitage hielten die „Wächter" in Teutowalde ihre erste Versammlung ab. Drückende Schwüle herrschte an diesem Abend, aber der Saal der Gastwirtschaft Herrlich am Bürgerpark war so mit Gesinnungsgenossen überfüllt, daß noch eine große Zahl Volksgenossen im Seitengang stehen mußte. Vor dem Lokal und am Saaleingang standen die grünen Hüter der Ordnung. Auf der Bühne erschien als Redner des Abends Bürgervorsteher Dr. Hagedorn. Als Klaus Stüwen sich erhob, um die Versammlung zu eröffnen, erkletterte ein Kriminalbeamter die Bühne, wünschte einen guten Abend und übermittelte die Grüße der Polizei. Stüwen schüttelte dem Beamten in herzlicher Dankbarkeit die Hand, sodaß durch den Saal eine Welle der Heiterkeit Schriftleiter Stüwen erklärte einleitend, daß es sich heute abend nicht um eine parteipolitische Versamlung im üblichen Sinne handle, sondern darum, der Bevölkerung den Niedersachsen Dr. Hagedorn, den die Teutowalder Presse mit den gemeinsten Mitteln bekämpft habe, menschlich näher zu bringen. Dann fuhr Stüwen fort: „Unsere letzte hiesige Ausgabe des Stadtwächters soll auf Grund einer einstweiligen Verfügung auf Antrag des Kaufmanns Holzwurm eingezogen werden. Die Begründung der einstweiligen Verfügung beruht auf Unwahrheit. Wir haben nur im Interesse der Gewerkschaften feststellen wollen, daß die beitragzahlenden Gewerkschaftler übervorteilt wurden, denn das Grundstück für den Bau des Gewerkschaftshauses ist mit 290000 Mark angeboten worden, und die Gewerkschaften mußten 60000 Mark mehr zahlen. Nun ordne Gericht für Herrn Holzwurm an, daß Schriftleiter die erste Seite des neuen.. ters einziehen muß. Ich habe darauf Herrn Kaufmann Karl Holzwurm—“ „Der ist gar nicht Kaufmann", ertönte ein Zwischenruf. 616 8 „Aber freier Kaufmann, fuhr Stuwen fort,„so nennt sich wenigstens dieser Kohlenhändler, Häusermakler und Stadtverordneter Holzwurm. Da habe ich denn, Volksgenossen, diesen Mann fernmündlich aufgefordert, er solle mir für die Einziehung des Wächters seinen Rolls Roys zur Verfügung stellen, aber er kam nicht angerollt". Wieder setzte Heiterkeit ein. Eine kleine Opposition lärmte dazwischen. „Wir stehen für alle Behauptungen gerade!“ fuhr Stüwen in seiner Rede fort.„Hinter uns steht der größte Teil der Gewerkschaftsmitglieder. Hiinderte von Arbeitern haben uns heimlich die Hand gedrückt. Ja, ihr ehrlichen Kerls, wir kämpfen für Euch! Ihr habt die Verpflichtung, jede Woche euren Beitrag abzuführen, ihr habt aber auch ein Recht zu wissen, wie mit eurem Hungergelde gewirtschaftet wird.“ Dr. Hagedorn, mit starkem Beifall begrüßt, ergriff das Wort zu einer einstündigen Rede. Mit flammenden Sätzen lief er Sturm gegen den Schacherergeist der Zeit und deckte die Ursachen des Verfalls auf. Dann fuhr er fort: „Heute ertönt nun das:„Nie wieder Krieg' in verwirrten Köpfen. Ich bin in meiner beruflichen Eigenschaft gegen den Krieg. Jeder vernünftige Mensch muß gegen den Krieg sein. Aber solange mein Leben noch von Verbrechern bedroht wird, werfe ich den Revolver nicht in den Brunnen. Fortsetzung folgt. Aes Wsctuett Tragödie im Karneval Bielefeld. In der Frühe des Fastnachtsdienstags im Februar d. J. war es hier in der Bahnhofstraße zwischen drei Personen zu Auseinandersetzungen gekommen. Einer der Beteiligten, der Rentner Max Förster, erhielt dabei von dem Gegner einen Schlag ins Gesicht, so daß er zu Boden stürzte und dabei einen Schädelbruch erlitt. Ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, starb F. an den Folgen des Sturzes. Wegen dieses Vorkommnisses hatte sich jetzt Heinrich Schr. aus Bielefeld vor der Strafkammer zu verantworten, die ihn wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu neun Monaten Gefängnis verurteilte, aber die Untersuchungshaft in Anrechnung brachte. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, daß F. ein Mädchen geschlagen hatte und daß daraufhin Schr. in die Auseinandersetzung mit dem Faustschlag eingriff, der den tragischen Tod des Rentners zur Folge hatte. Folgenschweres Sprengstoffunglück— Ein Toter Letmathe. Aus bisher noch nicht geklärten Gründen explodierte in einem Bruch der Letmather Kalkwerke ein Sprengstofflager. Leider fiel der Explosion auch ein Volksgenosse zum Opfer. Man hofft, den Toten noch im Laufe des Freitags bergen zu können. Der Meller Raubmörder rechtskräftig zum Tode verurteilt Osnabrück. Das Reichsgericht verwarf am Donnerstag antragsgemäß die von dem 24jährigen Wilhelm Vogtschmidt aus Buer gegen das Urteil des Osnabrücker Schwurgerichts vom 21. März eingelegte Revision als unbegründet. Damit ist der Angeklagte wegen Mordes und schweren Raubes rechtskräftig zum Tode verurteilt unter Aberkennung der Ehrenrechte auf Lebenszeit. Der jugendliche Raubmörder hatte in der Nacht zum 10. Februar in Buer bei Melle(Hannover) den 21jährigen Brotkutscher Brandhorst angeschossen und dann erschlagen. Die dem Opfer abgenommene Barschaft von 15 RM. verjubelte Vogtschmidt am nächsten Tage auf dem Kölner Karneval. Durch kochende Natronlauge verbrüht Rheine. In der neu errichteten Bleicherei der Firma Hammersen AG. Rheine ereignete sich ein bedauerlicher Betriebsunfall. Der Lehrling Degel stand in der Nähe des mit Natronlauge gefüllten Kessels, als plötzlich ein Strahl der kochenden Lauge hervorschoß und Degel überschüttete. Der Bedauernswerte muißte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, wo er bald darauf gestorben ist. Eine neue SA-Führerschule in hattingen Hattingen. In Hattingen wird in der allernächsten Zeit mit der Einrichtung einer SA.= Führerschule begonnen. Die Schule wird im Adolf=Hitler=Realgymnasium untergebracht. Das Realgymnasium wird im früheren Lyzeum an der Bismarckstraße seinen Platz finden, während das Lyzeum in das seit Jahren als Volksschule benutzte Gebäude an der Schulstraße übersiedelt. Die SA.=Führerschule ist auf lange Jahre vorgesehen. Die Mindestzahl der Schüler wird laufend 150 betragen. Hattingen Sitz einer Gauschule der RS.= Volkswohlfahrt für den Gau Westfalen=Süd Hattingen. Es ist mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß die Stadt Hattingen jetzt auch eine Gauschule der NS.=Volkswohlfahrt für den Gau Westfalen=Süd erhalten wird. Die Verhandlungen sind augenblicklich noch im Gange. Als Gebäude wird die Waldschule in Frage kommen. Großfeuer in einer chemischen Fabrik Düsseldors. In einer chemischen Fabrik im Stadtteil Lierenfeld brach am Freitagmorgen gegen 7 Uhr ein Brand aus, der sich schnell zu einem Großfeuer entwickelte. Das Feuer entstand durch Kurzschluß in der Abteilung Wachskocherei, wobei der Kochkessel in Brand geriet. Im Nu stand die betreffende Abteilung in Flammen. Das Feuer griff auch auf eine anschließende andere Abteilung über. Die sofort alarmierte Feuerwehr war rechtzeitig zur Stelle. Nach zweistündiger Löscharbeit, die durch die ungeheuere Rauchentwicklung wesentlich erschwert wurde, war die Hauptgefahr beseitigt. Der entstandene große Sachschaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Aufräumungsarbeiten werden einige Tage in Anspruch nehmen, so daß mit der Wiederaufnahme der Arbeit in den betroffenen Abteilungen, in denen etwa 70—80 Arbeiter beschäftigt sind, in spätestens acht Tagen gerechnet werden kann. Der Düsseldorfer Sachlieferungsprozeß an das Valksgericht verwiesen.— Max Falk der landesverräterischen Untreue hinreichend beschuldigt Düsseldorf. Seit dem Jahre 1927 haben die Sachlieferungsschiebungen, die damals bei großen Lieferungen der Unternehmen des Max Falk aufgedeckt wurden, die Düsseldorfer Gerichte beschäftigt. Jetzt, nach sieben Jahren, fand diese endlose Kette von Zivil= und Strafprozessen einen vorläufigen Abschluß, als am Donnerstag Ochreigerte Indesinienelungten „Es war von vornherein anzunehmen“, so schreibt„Nuhr und Rhein“, das offizielle Organ der niederrheinisch=westfälischen Industrie= und Handelskammern,„daß durch angestaute Investitionsbedarf nicht zuletzt auch in einer Steigerung des Dampfkessel- und Apparatebaues auswirken würde. Wie sehr sich bereits im Laufe des vergangenen Jahres die wirtschaftliche Belebung in diesem Industriezweig durchzusetzen vermochte, geht aus dem soeben veröffentlichten Geschäftsbericht der Vereinigung der Deutschen Dampfkessel= und Apparateindustrie mit aller Deutlichkeit hervor. Schon in den ersten Monaten des Jahres 1933 setzte eine starke Erhöhung der Nachfrage ein. Verschiedene Bauvorhaben, deren Verwirklichung unter dem Druck der Krise zurückgestellt war, wurden infolge der wirtschaftsbelebenden Initiative der Reichsregierung wieder aufgegriffen und führten zu einer verstärkten Auftragserteilung. Der Bericht hebt ausdrücklich hervor, daß der Dampfkessel= und Apparatebau durch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung zwar auch eine unmittelbar beachtenswerte Förderung erfahren hat, daß aber eine weit größere Absatzbelebung durch Bestellungen seitens der privaten Wirtschaft eingetreten ist. Der geschäftliche Aufschwung ist damit in erster Linie ein Beweis für die Rückkehr von Vertrauen und Schaffensmut im deutschen Unternehmertum, eine Tatsache, die um so höher zu bewerten ist, als die Reichsregierung die Ingangsetzung des natürlichen Wirtschaftskreislaufes als den eigentlichen Gradmesser für den Erfolg ihrer Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ansieht und darauf bedacht ist, die Entfaltung der in der Wirtschaft selbst ruhenden Kräfte mit allen Mitteln zu fördern. Nicht minder bedeutsam ist die weitere Feststellung, daß sich von Ende 1932 bis Ende 1933 die Gesamtzahl der Beschäftigten um 30 Prozent erhöht hat. Der Geschäftsbericht der Vereinigung der Deutschen Dampfkessel= und Apparateindustrie e. V. geht— wie auch in früheren Jahren— sehr ausführlich auf wirtschaftspolitische Fragen ein und berücksichtigt dabei insbesondere die Kartellpolitik, die Arbeitsbeschaffung sowie die Außenhandels= und Verkehrspolitik. Die Mitgliederfirmen werden nachdrücklich darauf hingewiesen, sich nach wie vor um Auslandsgeschäfte zu bemühen und neue Wege für die Ausfuhr zu suchen. Für die innerdeutsche Absatzbelebung wirkt sich die zunehmende Verwendung gebrauchter Dampfkessel nachteilig aus. Nach den Erhebungen des Preußischen Statistischen Landesamtes wurden 1932 nur 260 werksneue Dampfkessel, dagegen 360 gebrauchte Kessel aufgestellt. Von den 360 gebrauchten Dampfkesseln sind 275 vor mehr als 20 Jahren erbaut. Einige Kessel haben sogar eine Betriebszeit von mehr als 50 Jahren hinter sich. Diese Feststellung ist um so schwerwiegender, als andererseits eine übermäßige Belastung der Betriebe durch vielfach nutzlose Projektierungsarbeiten hinzugekommen ist. Der Umfang der heute zu leistenden Leerlaufarbeit durch die Projektierung von Anlagen wird in dem Geschäftsbericht u. a. dadurch gekennzeichnet, daß beim Dampfkesselbau in der Praxis des Verkaufsgeschäftes auf hundert Angebote etwa ein Auftrag entfällt.“ in der Berufungsverhandlung vor der Großen Strafkammer der Vorsitzende nach längerer Beratung den Beschluß verkündete, die Strafkammer erkläre sich für unzuständig und gebe die Sache an das Volksgericht ab, da hinreichender Verdacht bestehe, daß der Angeklagte Falk sich nicht nur der von der Vorinstanz angenommenen Straftaten, Betrug, Urkundenfälschung und Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung schuldig gemacht habe, sondern auch gemeinschaftlich mit anderen der Beihilfe zur landesverräterischen Untreue. Der einschlägige§ 92 Abs. 3 sieht Zuchthausstrafen bis zu zwei Jahren oder Gefängnisstrafen vor für denjenigen, der — vom Deutschen Reiche mit der Durchführung von Staatsgeschäften mit anderen Regierungen betraut— Staatsgeschäfte zum Nachteil seines Auftraggebers durchführt. Es besteht also die Möglichkeit, daß das Volksgericht über die in erster Instanz über Falk verhängte Gefängnisstrafe von einem Jahr und zehn Monaten noch hinausgeht. In den Sachlieferungsgeschäften der FalkUnternehmungen, der Rheinhandelskonzern=Aktiengesellschaft, der Minerva=Handelsgesellschaft und der Wolff GmbH., spielten außer Falk im Jahre 1927 sein französischer Schwiegersohn Joseph Noblot und der Graf d’Herbemont(Paris) eine große Rolle. Riesenlieferungen in Hammeln und Zucker wurden abgeschlossen. Die Hammel wurden nur zum Teil und zu toll übersetzten Preisen, bis zum Dreifachen des normalen deutschen und bis zum Fünffachen des französischen Preises geliefert. Bei einer Zuckerlieferung stellte sich heraus, daß der Ladebrief von 1100 auf 11000 Tonnen gefälscht worden war. Der französische Käufer, Graf d’Herbemont, der inzwischen auch in Paris wegen Betruges verurteilt worden ist, verweigerte darauf weitere Annahme und verklagte Falk auf Rückzahlung von 4 Millionen Mark an den Reparationsagenten. Das Landgericht Düsseldorf gab der Klage statt und erließ Gerichtsarreste über die Millionensummen. Nur ein Bruchteil konnte eingetrieben werden, weil Falk inzwischen seine Unternehmungen liquidiert hatte. 1929 leistete er den Offenbarungseid. 1931 folgte dann der Strafprozeß. Falk und Noblot wurden wegen Betruges zum Schaden Frankreichs verurteilt, Falk zu einem Jahr zehn Monaten Gefängnis, woseph Roblot zu zwei Jahren Gefängnis. Beide wurden gegen Kautionen von 40000 RM. aus der Haft entlassen. Während Noblot seine Kaution dem Staate opferte, legte Falk Berufung ein, die wegen der umfangreichen Ermittelungen erst in diesen Tagen zur Verhandlung kommen konnte. Vor der Strafkammer beteuerte Falk seine völlige Unschuld und berief sich immer wieder darauf, er sei über die französisch geführten Verhandlungen über die Sachlieferungen gar nicht unterrichtet worden. Im übrigen legte die Verteidigung großenWert auf die Feststellung der Vorinstanz, nach der maßgebende Stellen in Frankreich von den Sachlieferungsschiebungen gewußt und sie gebilligt hätten. Das Berufungsgericht beschränkte sich auf die Feststellung, daß unlautere Elemente sich über die von der französischen Regierung zur Förderung der Sachlieferungsdurchführung ausgesetzten hohen Rabatte zunutze gemacht hätten, um zum Schaden der deutschen Belange anstelle ehrlicher Sachlieferungen verbotene Bartransfers durchzuführen und sich ohne entsprechende Sachlieferungen persönlich zu bereichern, statt ehrlich mitzuarbeiten bei der Durchführung von Abkommen, die Deutschlands furchtbare Kriegslasten erleichtern sollten. Fei Falk liege neben den übrigen Straftaten hinreichender Verdacht der landesverräterischen Untreue vor, für die das Volksgericht zuständig sei. Seinen strafrechtlichen Abschluß wird also der Fall Max Falk vor dem Volksgericht finden. Schwere Zuchthausstrafen für einen Spreugstoffanschlag Düsseldorf. Das Düsseldorfer Sondergericht verurteilte die früheren Angehörigen der KPD., Wilhelm Hildebrand, Wilhelm Ising, Hubert Deitermann, Mesenholl und Haberland, sämtlich aus Wuppertal=Barmen, wegen Verbrechens gegen das Spregstoffgesetz zu je drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die Angeklagten hatten im Januar 1932 in den Regulator einer Dampfmaschine in einem Cronenberger Fabrikbetriebe einen Sprengkörper angebracht, der zur Entzündung gelangte und den Regulator abriß, wodurch die Belegschaft zum Feiern gezwungen wurde. Historische Funde in Kaiserswerth Düsseldorf. In dem alten Rheinstädtchen Kaiserswerth— ehemals eine Festung, die häufig zerstört und wieder aufgebaut wurde— fand man dieser Tage bei Kanalisatiosarbeiten die Reste der alten, vom Kuhtor zur Lünette vorstoßenden Brücke. Man konnte genau die alten Teile feststellen, die Unterbrechungen der früheren Brücke und das gewaltige Mauerwerk. Münzen oder andere Gegenstände aus der früheren Zeit hat man leider nicht gefunden. Um die Durchführung der FrühkartoffelAbsatzregelung Köln. Wie der Gebietsbeauftragte für die Regelung des Absatzes von Frühkartoffeln(Rheinland=Westfalen) mitteilt, fand am Donnerstag auf dem Kölner Markt eine Kontrolle statt, um der Durchführung der Frühkartoffelabsatzregelung Nachdruck zu verleihen. Die Zufahrtstraßen waren abgesperrt. Auf dem offenen Markt und in der Halle fanden Untersuchungen statt. Mehrere Landwirte wurden festgestellt, die vorschviftswidrig Frühkartoffel in den Verkehr brachten. Die betreffenden werden mit einer nachdrücklichen Strafe belegt(100 RM. je Zentner). Eine Falschmünzerbande festgenommen M.=Gladbach. Durch die Festnahme eines Falschgeldausgebers in Ludwigshafen kam man einer Gladbacher Falschmünzerbande auf die Spur. Der mehrfach vorbestrafte Adam P. war in Ludwigshafen bei der Verausgabe von falschen Fünf=Mark=Stücken abgefaßt worden. Sein Bruder saß bereits wegen Falschmünzerei in Haft, weil er in Süchteln gefälschte Geldstücke in den Verkehr gebracht hatte. Damals war es dem Adam P. gelungen, zu entkommen, und er war seither flüchtig. Es stellte sich nun heraus, daß die Falschstücke in M.=Gladbach hergestellt worden waren, und zwar bei dem August T. in der Alsstraße. Bei ihm fand die Kriminalpolizei die zur Herstellung von Falschgeld notwendigen Geräte und eine Menge falscher Stücke. Mit der Verhaftung dieses Falschmünzers und seiner mitbeteiligten Ehefrau dürfte nunmehr das ganze Rest ausgehoben sein. Vom Tode ereilt Viersen. Auf der Eisenbahnstrecke von Viersen nach Dülken fand man die Leiche eines 23jährigen jungen Mannes aus Helenabrunn, dem der Kopf vom Rumpfe getrennt war. Wie die Ermittlungen ergaben, hat der Tote bei der Eisenbahnüberführung am Hohen Busch die Brücke überklettert und ist dann vom Zuge ersaßt worden. Ob ein Unglücksfall oder Freitod vorliegt, konnte noch nicht genau geklärt werden. Der Tote ist der 23jährige Willy Koenen Dülken. Der einbeinige Invalide Valentin Beurschgens, der hier im Corneliushospital wohnt, stürzte auf dem Bürgersteig so unglücklich, daß er sich eine schwere Kopfverletzung zuzog. Der Verunglückte starb kurze Zeit darauf. Geh. Bergrat Max Graßmann gestorben. Bonn. Am Mittwoch ist der Geheime Bergrat Max Graßmann in Hamburg, wo er als Aufsichtsratsmitglied an einer Sitzung des Deutschen Kohlendepots teilnehmen wollte, nach einem arbeitsreichen Leben im Alter von 80 Jahren gestorben.— Graßmann war seit 1887 bei der Bergwerksdirektion Saarbrücken beschäftigt, seit 1888 als Berginspektor und seit 1890 als Mitglied der Bergwerksdirektion. 1892 wurde er Bergrat. Im Jahre 1895 berief ihn das Rheinisch=Westfälische Kohlensyndikat zum Vorstandsmitglied. Nach dem Tode von Unkel übernahm er 1904 die Stelle des Ersten Direktors beim Rhein.=Westf. Kohlensyndikat, in der er dem Ruhrbergbau gerade in der Zeit des AufDienste leistete. Im Jahre 1918 trat Vergrat schwungs vor dem Kriege besonders wertvolle Graßmann in den Ruhestand und siedelte nach Bonn über. Im gleichen Jahre erhielt er den Titel Geh. Bergrat.— Bis zu seinem Lebensende blieb der Verstorbene in lebhafter Verbindung nicht nur mit dem Rhein.=Westf. Kohlensyndikat, sondern auch mit anderen Verkaufsgesellschaften. U. a. war er auch Mitglied des Vorstandes des Bergbau=Vereins. Seine Frau durch Messerstiche schwer verletzt Aachen. In einem Hause an der Jakobstraße trug sich eine Bluttat zu. Im Verlauf einer Auseinandersetzung brachte ein Mann seiner 34 Jahre alten Frau mit einem Brotmesser schwere Verletzungen bei. Die Frau mußte in das LuisenHospital übergeführt werden, wo sie in bedenklichem Zustand darniederliegt. Der Mann wurde verhaftet. Immer wieder Zigaretten und Kaffee Aachen. Im Walde bei Schmithof wurde eine Schmugglerkolonne gestellt, der 24000 Zigaretten und 74 Pfund gebrannten Kaffee abgenommen werden konnten. Drei der Schmuggler wurden festgenommen.— Die Zollaufsichtsstelle Grenzhof faßte zwei Aachener Berufsschmuggler mit 20 Pfund Kaffee. Neues Todesopfer auf den de Wendelschen Gruben Groß=Rosseln(Saar). Die de Wendelschen Gruben haben am Mittwoch ein neues Todesopfer gefordert. Der 25 Jahre alte Bergmann Hans Hacket war mit dem Verbauen eines Schachtes, der bereits ein halbes Jahr außer Betrieb war, beschäftigt, wobei plötzlich die Strecke zu Bruch ging. Hacket wurde unter den Gesteinsmassen begraben und fand den Tod. Ein zweiter Bergmann entging nur dadurch dem gleichen Schicksal, daß er in dem verhängnisvollen Augenblick abwesend war. Hacket ist der vierte Bergmann aus Groß=Rosseln, der innerhalb vier Wochen auf den de Wendelschen Gruben den Tod fand. Auf der Hochzeitsreise verunglückt Frankfurt am Main. Im Stadtteil Höchst rannte ein schweres Möbeltransportauto einem Personenwagen in die Flanke. Die Insassen des Personenwagens, ein junges Ehepaar aus Mülheim am Rhein, das sich auf der Hochzeitsreise nach Frankfurt am Main befand, wurden aus dem Wagen geschleudert. Die junge Frau wurde mit erheblichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, während der Ehemann mit leichten Schnittwunden davonkam. Der Personenwagen wurde vollständig zertrümmert. Aus dem fahrenden Zug gesprungen Riederlahnste'n. Auf der Bahnstraße zwischen Horchheim und Koblenz wurde die Leiche einer etwa 58 Jahre alten Frau aufgefunden. Wie aus einem bei ihr gefundenen Brief hervorgeht, hat sich die Frau in selbstmörderischer Absicht aus dem Zuge gestürzt. Sie stammt aus Dresden. Die Untersuchung der Angelegenheit ist durch die Kriminalpolizei Ehrenbreitstein eingeleitet. Kampflustige Wiesel Kassel. Ein hiesiger Gartenbesitzer sah in seinem Garten sechs kleine Wiesel. Er versuchte sie zu verscheuchen, die kampflustigen Tiere sprangen jedoch an ihm hoch und brachten ihm mehrere Bißwunden bei. Dem Mann blieb schließlich nichts anderes übrig, als zu flüchten, wobei ihn die Wiesel noch eine Strecke des Weges verfolgten. Zwei ss-Männer verunglückt Haan. An der Ecke Düsseldorfer und Schulstraße ereignete sich, wie die Polizei mitteilt, ein schwerer Verkehrsunfall. Der Sturmführer der SS, Dr. Teupel aus Leverkusen=Wiesdorf, befand sich auf seinem Motorrad mit dem Scharführer der SS, Strabley aus Opladen, der im Beiwagen saß, auf einer Dienstfahrt. An der genannten Straßenkreuzung wurden sie von einem Personenkraftwagen gerammt. Während Dr. Teupel ohne nennenswerte Verletzungen davonkam, wurde Stabley auf die Straße geschleudert. Er trug so schwere Verletzungen davon, daß er ins Haaner Krankenhaus geschafft Lartstehn i Terpfachn.. Untertarifliche Entlohnung auch nicht mit Einverständnis der Beschäftigten Zur Frage der untertariflichen Ent lohnung veröffentlicht der Abteilungsleiter im Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront, Franz Mende, eine bedeutsame Auslassung. Er weist darauf hin, daß immer noch Unternehmer oder Betriebsführer sich selbst das Recht nehmen, untertarifliche Löhne und Gehälter zu zahlen. Ein solches Verhalten lasse sich mit der durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit dem Unternehmer auferlegten Fürsorgepflicht nicht vereinbaren. Soweit in dieser Weise böswillig die Arbeitskraft der Gefolgschaftsangehörigen ausgenutzt werde, müsse darin eine erhebliche Verletzung der durch die Betriebsgemeinschaft begründeten sozialen Pflichten und damit ein Verstoß gegen die soziale Ehre erblickt werden. Der Reichsarbeitsminister habe die Weitergeltung aller am 30. April noch in Kraft gewesenen Tarifverträge als Tarifordnung angeordnet. Mende betont wie das N9Z.=Büro meldet, daß selbst ein Einverständnis des Beschäftigten im Rahmen der bisherigen Regelung nicht von der Verpflichtung ent binden könne, den Tariflohn zu zahlen. Nur die sogenannten Werk=Tarifvexträge seien in ihrer Weitergeltung bis zum Juni beschränkt und bis dahin durch eine Betriebsordnung zu ersetzen. Es brauche nicht besonders betont zu werden, so erklärt Mende, daß durch eine neue Betriebsordnung keine Lohnherabsetzung vorgenommen werden dürfe. In wiederholten Erlassen und Veröffentlichungen sei immer wieder festgestellt worden, daß, wenn auch die heutige Wirtschaftslage eine allgemeine Lohnverbesserung noch nicht vertrage, eine Lohnkürzung jedenfalls nicht statthaft sei. Es müsse ron jedem verantwortungsbewußten Betriebsführer erwartet werden, daß er seinen ganzen Ehrgeiz darin setzt, nicht nur die bisherigen Mindestsätze weiter zu gewähren, sondern, den Grundgedanken des neuen Rechtes Rechnung tragend, in möglichst weitem Umfange durch Leistungszulagen die Bezüge seiner Gefolgschaftsmitglieder aufzubessern bestrebt ist. Hestige Caulschlacht in Loneen Massenkundgebung englischer Faschisten— Mosley-Bewegung wächst Die zweite Massenversammlung der englischen Faschistenpartei des Sir Oswald Mosley fand in der Messehalle im Londoner Stadtteil Olympia statt. Das 15000 Menschen fassende Gebäude war bis auf den letzten Platz gefüllt. Während die letzte Massenversammlung in der Albert Hall völlig ruhig verlaufen war, kam es diesmal zu schweren kommunistischen Störungen. Bereits vor Beginn der Versammlung versuchten organisierte Marxisten, die Teilnehmer am Betreten der Halle zu verhindern, die von zahlreichen Polizeibeamten zu Pferd und zu Fuß umgeben war. Während der Versammlung selbst kam es öfter zu lauten Zwischenrufen von Marxisten, so daß Sir Oswald Mosley wiederholt seine Rede minutenlang unterbrechen mußte. Die glänzend organisierte Schutzstaffel der Faschisten setzte aber die Störenfriede, die teilweise in die eiserne Dachkonstruktion der Halle geklettert waren, sofort an die frische Luft. Gegen Schluß der Veranstaltung wurden mehrere Fenster des Glasdaches durch Steinwürfe von außen zertrümmert. Im Verlauf seiner Rede wandte sich Mosley gegen die Paktpläne des russischen Außenministers Litwinow. England solle sich nicht dafür hergeben, die russische Grenze zu beschützen. England wolle auch keinen einzigen Soldaten für Streitigkeiten auf dem europäischen Festlande aufopfern. Aber nur ein starkes England könne Einfluß in der Welt haben.„Das Recht gehört dem Starken und nicht dem Schwachen.“ Mosley setzte sich daher für eine sofortige Aufrüstung Englands in der Luft und für eine Modernisierung und Mechanisierung der englischen Armee ein. Die schweren Ruhestörungen dauerten bis nach Mitternacht an. Nach Blättermeldungen wurden 23 Personen, darunter zwei Frauen, verhaftet. Sieben Personen, die Verletzungen erlitten hatten, wurden im Krankenhaus verbunden; eine von ihnen, ein junger Mann, dessen Zustand sehr ernst ist, mußte im Krankenhaus bleiben. Nach Schluß der Versammlung wurden Faschisten, die in Kraftwagen abfuhren, von Kommunisten angegriffen. Es wurden zahlreiche Stinkbamben geworfen. Kurz vor Mitternacht marschierte die Hauptmasse der Faschisten, ungefähr 5000 Mann, von berittener Polizei begleitet, nach dem Hauptquartier in Chelsea. Man sah, daß viele hinkten und von ihren Gefährten gestützt wurden. Einige wiesen Verletzungen am Kopf und im Gesicht auf. Dutzenden waren die Hemden in Fetzen gerissen. Die Polizei verhinderte die Menge, ihnen zu folgen, so daß es in Chelsea keinen Zwischenfall mehr gab. Der englische abgesturzt 21 Verhaftete, meist Marxisten, wurden vom Londoner Polizeigericht zu Strafen bis zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Vor Gericht wurde festgestellt, daß die Ruhestörer die Polizei angegriffen und sogar Schutzleute niedergeschlagen oder vom Pferde gerissen hatten. Es stellte sich auch heraus, daß einige Unruhestifter mit Gummiknüppeln, Messern, Hämmern oder Rasiermessern versehen waren. Saar an Wien Eine Zurechtweisung Die Berliner„Germania" veröffentlicht eine Unterredung, in der der Führer der Deutschen Gewerkschaftsfront an der Saar, Peter Kiefer (früher Zentrum) sich gegen das Verhalten der österreichischen Regierungspresse in der Saarfrage wendet. Das Saarabkommen war z. B. von den österreichischen Blättern als deutsche Niederlage hingestellt worden. Es war ferner von dem Terror im Saargebiet gefabelt und die separatistische Presse in denkbar größtem Umfange zitiert worden. Dieses Verfahren prangerte Kiefer gegenüber einem Mitarbeiter der„Germania“ mit folgenden Ausführungen an: „Wenn die heutige Wiener Regierung und ihre Anhänger dem Auslande das Schauspiel geben, die Kluft gegenüber den Brüdern im Reich immer weiter zu vertiefen, so ist das eine Sache, die sie vor ihrem deutschen Gewissen selbst zu verantworten haben. Unerhört und unqualifizierbar aber ist es für uns katholische Saardeutsche, wenn gewisse Kreise in Oesterreich soweit gehen, gesamtdeutsche Interessen auch nach außen hin zu verraten. Denn es ist für mich unverständlich, wie, allen innerpolitischen Gegensätzen zum Trotz, Deutsche sich überhaupt freuen könnten, wenn das Gesamtdeutschtum irgendwo geschwächt werden und Schaden erleiden könnte. Im Reich und an der Saar wäre überhaupt niemand fähig, Oesterreich aus den augenblicklichen Gegensätzen heraus eine Beeinträchtigung seines Besitzstandes, an welcher Stellung auch immer zu wünschen. Auch in Oesterreich weiß jedermann ganz genau, daß Saar=Separatismus nur zur Abhängigkeit und Hörigkeit von fremdem Volkstum führen könnte. Im übrigen können wir, die wir als christliche Arbeiterschaft an der Saar im schärfsten Volkstumskampf stehen, die„Wiener Zeitung“ und ihre Hintermänner um solche Gesinnungsgemeinschaft wahrhaft nicht beneiden. Das Verbotder„Grünen Post“ ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden. Serun wulele ader Eun Zahlreiche Häuser zerstört— Ueber 500 Obdachlose Befehl des Stabschef Röhm Stabschef Röhm erläßt folgenden Befehl: Ich habe mich entschlossen, dem Rat meiner Aerzte zu folgen und meine in den letzten Wochen durch eine schmerzhafte Nervenerkrankung stark angegriffenen Körperkräfte durch einen Kurgebrauch voll wiederherzustellen. Meine Stellvertretung übernimmt der Chef des Führungsamtes, Obergruppenführer von Kraußer. Das Jahr 1934 wird die Vollkraft aller Kämpfer der SA. erheischen. Ich empfehle allen SA.= Führern gleichfalls schon im Juni mit der Verteilung des Urlaubs zu beginnen. Insbesondere sollen jene SA.=Führer und=Männer, die im Juli dienstlich erreichbar sein müssen, im Juni mit Urlaub berücksichtigt werden. Es wird daher der Monat Juni für einen bemessenen Teil der SA.= Führer und=Männer, der Monat Juli für die Masse der SA. die Zeit voller Ausspannung und Erholung sein. Ich erwarte, daß dann am 1. August die SA. wieder voll ausgeruht und gekräftigt bereit steht, um ihren ehrenvollen Aufgaben zu dienen, die Volk und Vaterland von ihr erwarten dürfen. Wenn die Feinde der SA. sich in der Hoffnung wiegen, die SA. werde aus ihrem Urlaub nicht mehr oder nur zum Teil wieder einrücken, so wollen wir ihnen diese kurze Hoffnungsfreude lassen. Sie werden zu der Zeit und in der Form, in der es notwendig erscheint, darauf die gebührende Antwort erhalten. Die SA. ist und bleibt das Schicksal Deutschlands. Auch 1934 Reichsparteitag der usdAp Die RSDAP., die im vorigen Jahre ihren Siegesparteitag in Nürnberg abhielt, wird auch dieses Jahr dort einen ordnungsmäßigen Reichsparteitag veranstalten. Von 1934 ab finden die Reichsparteitage im zweijährigen Turnus in Nürnberg statt. Der Reichsparteitag 1934 wird, wie im Vorjahre, Anfang September, und zwar am 1. und 2. September, abgehalken. Es sind in Nürnberg bereits umsangreiche Vorbereitungen für den Parteitag getroffen worden. Der Luitpolt=Hain wurde ausgebaut, die Holztribünen wurden durch Erdwälle ersetzt und Pläne für eine große Kongreßhalle sind ebenfalls in diesen Tagen fertiggestellt worden. Der nächste Parteitag findet dann im Jahre 1936, im Olympiajahr, in Nürnberg statt. Die Leitung der panamerikanischen Luftverkehrsgesellschaft erhielt von ihrem in San Salvador gelegenen Flugplatz einen Funkspruch, wonach San Salvador von einem furchtbaren Orkan mit anschließendem Wolkenbruch heimgesucht worden ist. Zahlreiche große Gedäude in der Hauptstadt sind zum Teil zerstört worden. In den Wohnvierteln wurden zahlreiche Häuser völlig vernichtet. Infolge völliger Lahmlegung aller Verkehrsmittel sowie der Licht= und Kraftanlagen hat sich die Regierung gezwungen gesehen, das Kriegsrecht zu erklären. Soweit bisher bekannt, sind bei dem Unwetter acht Meuschen umgekommen. Die Zahl der Obdachlosen beträgt 500. Der Schaden wird auf 1,5 nen Dollar geschätzt. Regenstürme nach der Dürre Gewaltige Regenstürme und Ueberschwemmungen richteten im amerikanischen Süddakota und Jowa ähnlichen Schaden an, wie die bisherige Dürre. In Yankton(Süddakota) wurden 2 Personen durch umstürzende Bäume getötet. Zahlreiche Häuser stürzten um. Hunderte von Hausdächern wurden abgetragen. Die Felder stehen meilenweit unter Wasser. In Sioux=Stadt überschwemmten Regengüsse die Gleisanlagen und mehrere Stadtteile. Feuerwehr und Polizei mußten in Booten Hilfe bringen. In den eigenen Häusern verbrannt Drei Todesopfer bei einem Dachstuhlbrand In der Nacht hat sich in Uelzen(Lüneburger Heide) ein schweres Brandunglück ereignet, dem drei Menschenleben zum Opfer gefallen sind, und zwar kamen bei einem Dachstuhlbrand eine Frau und ihre beiden Kinder in den Flammen um. Der Brand entstand in einem Haus, in sechs Familien wohnen. Bei der großen Aufregung bemerkte man nicht gleich, daß drei Hausbewohner, die Ehefrau des Kraftwagenunternehmers Luehring, ihr 13jähriger Sohn und 4jährige Tochter fehlten. Sie sind erstickt. Der Mann der Frau Luehring befand sich außerhalb von Uelzen. Wie das Feuer entstanden ist, konnte noch nicht festgestellt Dachstuhl besch werden. Der Brand blieb auf den Bachluhl beschränkt. Drei Kinder verbrannt In der Hütte einer spanischen Holzfällerfamilie bei Auderre brach nächtlicherweile ein Brand aus, der sehr schnell um sich griff. Während sich die Mutter mit dem jüngsten Kind in Sicherheit bringen konnte, kamen drei ältere Kinder in den Flammen ums Leben. Sein Haus in Brand gesteckt und verbrannt Der Chemiker Dr. Reis steckte am Freitagvormittag seine in der Erwin=Rhode=Straße in Heidelberg=Neuenheim gelegene Villa in Brand. Man fand seine Leiche auf dem völlig verkohlten Bett. Die Möbel von Dr. Reis am Freitag zwangsweise gepfändet werden. Die Angestellten der Speditionsfirma, die vor dem Haus vorgefahren waren, trafen aber auf verschlossene Türen und bemerkten erst dann den Brand. Schießerei mit Schmugglern Bei Orzegow, in der Nähe der deutsch=polnischen Grenze kam es dieser Tage zu schweren Zusammenstößen zwischen polnischen Schmugglern und Grenzpolizei, der bekannt geworden war, daß in der Nähe von Orzegow täglich aus einem von Deutschland kommenden Personenzug eine große Zahl von Schmuggelpaketen abgeworfen und von den Helfershelfern der Schmuggler gesammelt und fortgebracht wurden. Eingehende Beobachtungen ergaben, daß um eine bestimmte Zeit sich etwa 100 Personen einfanden und den Schmuggelzug erwarteten, um die Schmuggelware in Empfang zu nehmen. Als am Donnerstag die Grenzpolizei einschritt, und die Schmuggelware beschlagnahmen wollte, wurde von der Menge, die eine drohende Haltung gegen die Beamten einnahm, auf die Beamten ein Steinbombardement eröffnet. Die Aufforderung der Beamten, sich zu zerstreuen, fand bei der Menge kein Gehör. Auch einige Schreckschüsse hatten keinen Erfolg. Daraufhin feuerte die Grenzpolizei, worauf der 19 Jahre alte Joseph Roysch und der 58jährige Johann Ramisch, beide aus Orzegow, getötet wurden. Ob auch Personen verletzt wurden, steht noch nicht fest, da die Schmuggler in wilder Flucht entkamen. 39000 Vellar auf Snlnigere ner Der Kampf gegen das amerikanische Verbrechertum Dillingers haupthelfer erschossen Londonderre, Englands Luftfahrtminister, erlitt aus dem Flugblatz von peston einen Flugzeuaunfall. Kurs vor der Landung stürzte der Minister mit seiner Maschine, die er selbst Neuerte, ab. Er wurde mit schweren Koviverletzungen geborgen. Unter einer Reihe von Gesetzen zur Bekämpfung der steigenden Kriminalität in den Vereinigten Staaten unterzeichnete Präsident Roosevelt auch eine Verordnung, durch die Justizdepartement ermächtigt wird, auf die Ergreifung von notorischen Verbrechern einen Preis in Höhe von 25000 Dollar auszusetzen. Damit werden für die Ergreifung Dillingers nunmehr 25.000 Dollar Belohnung ausbezahlt. Einer von Dillingers Haupthelfern namens Lommy Carrol wurde in Waterloo(Jowa) bei einem Zusammenstoß mit Polizisten tödlich verletzt. Er starb wenige Stunden später in einem Krankenhaus. Ein mit ihm aufgegriffenes Mädchen, das sich als seine Frau bezeichnete, gab zu, daß sie und Carrol bei einer Schießerei in einer Waldschenke im Staate Wisconsin am 28. April beteiligt gewesen waren, bei der mehrere Polizeibeamte erschossen worden waren. Drei wegen eines Mordes zum Tode verurteilte Männer wurden am Donnerstag um 23 Uhr im Sing=Sing=Gefängnis auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Ein vierter mit ihnen zum Tode Berurteilter wurde im letzten Augenblick für zwei Wochen begnadigt, weil er auf seinen Geisteszustend hin untersucht werden soll. Der Ministerialratim Reichsministerium des Innern, Dr. med. Friedrich Bartels, ist aus dem Reichsdienst ausgeschieden und hat gleichzeitig sein Amt als Leiter der Reichszentrale für Gesundheitsfürsorge niedergelegt. Zum Leiter der Reichsstelle wurde der Ministerialdirektor Dr. Gütt bestellt. Die Regierung Dollfuß hat das Werk von Alfred Rosenberg„Der Mythos des 20. Jahrhunderts" durch das Landgericht Wien beschlagnahmen lassen. Das Buch darf in Oesterreich nicht mehr verbreitet werden. Gizter Sbel Eder Europameister Der Berliner Freiluftring in der Bockbrauerei hatte am Freitag abends einen Großboxkampf. in dessen Mittelpunkt des Treffen um die EurovaMeisterschaft im Weltergewicht zwischen dem Deutschen Meister Gustav Eder und dem Belgier Nestor Charlier stand. Vor über 4000 Zuschauern lieferten sich beide Anwärter einen großen Kampf. aus dem Eder in der 11. Runde durch k. o. als Sieger hervorging. Davispokalkampf Deutschland gegen Frankreich Boussus besiegt Nourney, Cramm schlägt Merlin Im Tennisstadion Roland Garros in Paris setzte am Freitag der Davispokalkampf der zweiten Runde Deutschland— Frankreich ein. Es regnete und so war der Zuspruch nur sehr gering. Das Stade Garros war nur zu einem Viertel seines Fassungsvermögens besetzt. Von den zwei ersten Einzelspielen gewann jedes Land eines. Zunächst besiegte der Franzose Boussus den Kölner Nourney in drei glatten Sätzen 6:1, 6:2, 6:2 und sicherte seiner Nation den ersten Punkt. Es spielte dann Gottfried von Cramm gegen den jungen André Merlin, den er nach Abgabe des zweiten Satzes mit 6:1, 7:9, 6:2, 7:5 hinter sich ließ. So stand der Kampf nach dem ersten Tage 1:1. Tschechei— Neuseeland 2:1 Einen unerwarteten Ausgang nahm das Dovpelspiel der Davisvokalbegegnung zwischen der Tschechoslowakei und Neuseeland am Freitag in Prag. Die Tschechen, die am Donnerstag in 2:0= Führung gegangen waren, mußten das Dovvel an die Neuseeländer abgeben, sodaß der Gastgeber nur noch mit 2:1 vorne liegt. Italien führt gegen die Schweiz 3:9 In Rom hingegen siel genau wie in Eastbourne schon am zweiten Tage die Entscheidung, und zwar siegten die Italiener Taroni=Quintavalle mit dem eigenartigen Ergebnis von 0:6, 0:6. 6:3. 6:4 über Aeschschlimann=Steiner. Ihre 3:0=Führung sichert den Italienern die Teilnahme an der Vorschlußrunde, wo sie wahrscheinlich auf die Tschechoslowakei treffen werden. Auch Australien führt 3:9 In Eastbourne hat Australien seinen Davispokalkampf der zweiten Runde gegen Javan schon am zweiten Tage gewonnen. Die Australier holten sich am Freitag auch das Dovvel mit 6:1, 610. 4:6, 9:7 über Damazishi=Nishimura und führten damit 3:90. Der Sieo von Crawford=Quist war nie in Gefahr. Wellenbad Geisecke Sonntag, den 1o. Juni, nachm. 3 Uhr Verlosungsrennen- Los 30 Pig.-4 Gewinne Mittwoch, den 13. Juni, nachm. 3 Uhr Preis von Westtalen, Ehrpr. u. 10000 Mk. Gesamtpreise 40000 Mk, KONZER! Eintritt frei Jeden Sonntag ab 4 Uhr Eintritt frei Schwerte ab. 11.48, 14.01 15.12 17.32 Uhr Gelsecke ab: 18.55 20.00 20.18 21.34 22.36 Uhr Hitzegrad u. Sohn Schwerte, Senningsweg 26 Ruf 2765 Gegr. 1896 Orthopäd. Schuhanstalt ndividuelle Antertigung v. Schuhen ür kranke Füße schmerzlindernd. Hohe Auszeichnungen. a Sämtliche Sorten 7 KOHLEN, KOKS, BRIKETTS · für Selbstabholer(Eigenverbrauch) ab meinem Lager am Bahnhof zu ermäßigten Preisen von 10 Ztr. aufwärts vorrätig. Kohlenhandlung Carl Künkler, Tel. 2702 Einlagen nach Maß u. Gipsabdruck Lieferant sämtlicher Krankenkassen Berufsgenossenschaften und des Versorgungsamts. Reparaturwerkstatt kür gute, schnelle u. billige Besohlung, Auf eilige Arbeit kann gewartet werden. Fachlich geprüfter orthopäd. Schuhmachermeister Spihenleiftung von der man sFriast... die auf 40 Seiten erweiterte Ausgabe der illustrierten Funkzeitschrift— hör mit mir— Mit dieser Erweiterung wurde die Möglichkeit einer Neugestaltung des Programmteils geschaffen, durch die in jeder Beziehung das Höchstmaß einer vollendeten Wiedergabe von über 50 Senderprogrammen(das ist sozusagen das gesamte hörbare Europa) gewährleistet ist. Ein Probebezug wird Sie zum ständigen Abonnenten machen!—hör mit mir— kostet bekanntlich nur 10 Pfg. wöchentlich. Probehefte bereitwilligst! Abonnieren Sie bei unseren Boten oder in der Geschäftsstelle. Verlag der Schwerter Zeitung. Elgene Schülfemacharet! Kriegerverband der Stadt Schwerte Zur Teilnahme am Umzug für das Rote Kreuz treten die Vereine morgen Sonntag, den 10. Juni, 10,20 Uhr in den Vereinslokalen an. 10,45 Uhr Abmarsch bereit auf dem Marktplatz. Alles Antreten! 1271 Der Verbandsführer. Soccheriraden Schwimmen, Turnen, Springen für die Schlanken Lust und Freudeauch den Dicken wird': gelingen. drum trinket Richtertee noch hei SSt,. Dr. Ernst R## T* 00 ters Frühstöck *# kräufertes, Du ½1 köstlicher wänkt R5U Fett u. Schlacke fort,erneueridet Blut und die Sät te,erhältschlank ung und leh * s t u n g s f ä h l g. P## Mik. 1.80 u. 4.25 Apotheken und - Drogerien, ver#langen Sie aber nur den echteh Richters Frühstückskräufertee Dr. Ernst Bei Katzung Hotel zur Post kann man futtern wie bei Muttern! Anerkannt erstkl. Küche. Bestgepflegte Getränke. Billige Preise. Srchttlls für Büro und Laden gesucht. Schriftliche Angebote an H. Künkler Baustoffhandlung Schwerte, Wilhelmstraße 28 Klee-Verkauf! Mittwoch, 13. Juni, nachm. 6 Uhr, verkaufe ich für Herrn Wirt Fr. Schulte-Höppe zu Geisecke ca. 2 Morgen vorzüglichen Klee nummerweise gegen bar u. Kredit. Zusammenkunft am Hofe. 1272 C. Brinckmann, Kalthof. Duts Sacher kaufen Sie billig bei Gere iskaus heute den und morgen vielleicht dich! Der Unfallteufel faßt wahllos sein Opfer. Aus dem Ansteigen der Unfallkurven im Verkehr können wir erkennen, daß wir uns in einem Stadium befinden, wo es unverantwortlich wäre, den Unfallteufel weiter wüten zu lassen. Volksgenossen in der Blüte ihrer Jahre werden vernichtet. Die Zahlen der Opfer halten stand einem Vergleiche mit den Gefallenen einer Schlacht des Weltkrieges. 934 Führung des Reichsmini(fahrt und Propaganda von Ungeheuere Verluste an Menschenmaterial. Sachschäden, die in die Milliarden gehen. eie üir Vrert Lei nerch 9. bis 16. Juni 16. ie A Aderabteilung„Schadenverhütung im Amt füir Volkzwohlfahrt bei der Obersten Leitung der P: 0. veranstaltet. Unter dem Motto: „Kampf dem Verkehrsunfall“ gilt es den Gedanken der Selbstzucht und Achtsomkeit hineinzutragen in die breitesten Massen unferer Volksgenossen. „Verkehrsdisziplin ist Pflicht", so lautet der Titel der Broschüre zum Preise von 10 Rpf., die anläßlich der Verkehrs=ErziehungsWoche der Förderung der Sicherheit dient. Die Verkehrsregeln müssen unbedingt von allen beachtet werden. Keiner darf sich als Herr der Straße fühlen. Gegenseitige Rücksichtnahme wird dazu beitragen, dem Unfallteufel das Handwerk zu legen. Erst dann, wenn alle Menschen auf der Straße die nötige Vorsicht walten lassen, werden ihre Gefahren abnehmen. Wieviele Unfälle sind durch Unkenntnis der Perkehrsbestimmungen hervorgerufen worden. Diese in Zukunft zu vermeiden, ist der Zweck des kehrreichen und interessanten Heftchens: „Verkehrsdisziplin ist Pf Der Tonfilm„Was Frauen träumen, der seit gestern abend in den„Lichtspielen zur Reichskrone“ läuft, ist ein Filmlustspiel, wie es das Publikum haben will. Idee, Regie, Darstellung und Photographie fügen sich zu einem Ganzen harmonisch zusammen und sichern dieser Kriminalkomödie einen vollen Erfolg. Nora Gregor, als Kleptomanistin, entwickelt ein Uebermaß von Mondänität, Charme und Reizen: in ihren Augen glänzt ein feuchter, betörender Schimmer, sie ist kindlich und vamphaft zugleich und von großer Intelligenz, wenn sie ihre Lieder siegt.— Peter Lore und Otto Wallburg schaffen als komische Detektive Augenblicke höchsten Vergnügens. Ein Film der Ueberraschungen. Immer wieder kommen Stellen, die neugierig machen. Wie geht die Sache weiter? Und man freut sich über jede nicht geahnte, amüsante Wendung. Mit diesem Sieg des Guten auf der ganzen Linie siegt auch der sehr flott und sauber von Geza von Bolvary gedrehte Film. „Mit Dir durch dick und dünn so heißt der zweite lustige Tonfilm, in dem Franz Seitz Regie führt.„Mit Dir durch dick und dünn“ ist die Devise zweier Künstler, des Bildhauers Kasimir Lampe(Paul Kemp) u. des Kunstmalers Rudi Specht(Adolf Gondrell), die gemeinsam ein Atelier bewohnen, im 5. Stock natürlich, das zugleich Wohnzimmer, Eßzimmer und Schlafzimmer ist. Also Bohème=Wirtschaft, aber trotzdem treue Kameradschaft, die sogar soweit geht, daß beide Freunde nur einen Ausgehanzug haben, den sie abwechselnd tragen. Geld haben sie natürlich nie, der Gerichtsvollzieher muß häufig die fünf Treppen hoch klettern, um bei ihnen Platz zu nehmen, das ist das einzige, was er dort nehmen kann, d. h. einmal erwischt er einen 50=Mark=Schein, den Rudi Specht in einem Pantoffel versteckt hat, wovon sein Kamerad nichts wußte. Darüber wäre die Freundschaft der beiden Künstler bald in die Brüche gegangen, denn mit Recht wirft der Kunstmaler dem Bildhauer Hinterlistigkeit vor. Aber auch diese Feuerprobe wird bestanden. Der Kunstmaler Rudi Specht macht die Bekanntschaft einer amerikanischen Millionärstochter, wodurch eine entscheidende Wendung in dem Schicksal der beiden Freunde eintritt. Jedoch noch oft müssen die Unzertrennlichen durch dick und dünn gehen, bis das„happy End“ da ist. Einen Helfers=Helfer finden sie in dem Dienstmann Wurmdobler(Joe Stöckel), der sich mit ihnen verbündet. Dieses lustige Terzett hält zusammen wie Pech und Schwefel und findet einen Ausweg selbst aus den ver wickelsten Situationen, und auf eine so verblüffende Art, daß auch das Schwerter Publikum nicht aus dem Lachen herauskommt. eine Strecke von 400 km. Luftlinie wird geflogen! Schwerte, 9. Juni. Ganz im Banne taubensportlicher Flugveranstaltungen stehen zur Zeit noch die zahlreichen Züchter der BrieftaubenReisevereinigung von Schwerte und Umgegend Die Reisesaison hat bald ihren Höhepunkt erreicht und die Flüge werden interessanter. In der ununterbrochenen Reihenfolge der bisher Sonntag für Sonntag veranstalteten Uebungsund Preisflüge war seit dem zuletzt am 27. Mai stattgefundenen Wettbewerb eine kurze Pause eingetreten. Diesmal geht die Reise nach Spandau, eine in der Luftlinie ca. 400 km. messende Strecke, wo am morgigen Sonntag der Auflaß der Tauben bei guter Witterung früh erfolgen wird. Je nach Lage des Witterungscharakters werden sie kämpfen müssen, um das Ziel zu erreichen. Gestern abend wurden bereits die zahlreichen Brieftauben eingesetzt. Noch am gleichen Abend sind sie in Begleitung des Reisefunktionärs aus Schwerte per Bahn zum Startplatz abgerollt. Wunder! An der Spitze des Klangkörpers steht ein Mann, der ob seines musikalischen Wirkens schon oft Deutschland aufhorchen ließ;— als tollkühner Bombengeschwaderführer des Weltkrieges ist er in Fliegerkreisen bekannt: Generalmusikdirektor Fliegerkapitän Rudolf SchulzDornburg. Wir sind gewiß, daß sein Konzert am Sonntagabend in der Westfalenhalle ein Höhepunkt in der ihrem Ende entgegengehenden Deutschen Luftfahrt=Ausstellung sein wird! Mart der Keine Deutsche Flieger musizieren! Das Flieger=Reichsorchester in Dortmund. Für die Besucher der Luftfahrt=Ausstellung freier Eintritt. Dortmund steht ein musikalisches Ereignis allerersten Ranges bevor! Am kommenden Sonntag, abends 20,30 Uhr musiziert in der Westfalenhalle das große Reichsorchester des Deutschen Luftsportverbandes, Berlin. Der auf Veranlassung des Deutschen Luftfahrtministers General Göring gebildete Klangkörper befindet sich gegenwärtig auf einer Deutschlandreise, bei der zunächst nur die größten Städte Süd= und Westdeutschlands besucht werden. Von Stuttgart geht es nach Dortmund, von Dortmund nach Hannover usw. Magdeburg, Halle, Weimar, Würzburg und München sind schon vorher die Stationen des einzigartigen Triumphzuges des Deutschen Flieger=Reichsor chesters gewesen. Ueberall wurde das Fliegerorchester von Presse und Publikum lebhaft gefeiert. Man muß allerdings wissen, daß der nahezu 80 Musiker zählende Klangkörper aus mehr als 5000 Bewerbern sorgfältigst ausgesucht wurde, um die hohe Qualität dieses einzig in seiner Art dastehenden Orchesters ermessen zu können. Bei seinem Debüt im Februar d. J. schreiben Berliner Blätter, daß seine Leistungen denen der Berliner Philharmoniker glichen. Kein Stunden köstlichen Humors wollen wir unseren verehrten Lesern wieder einmal bieten. Deshalb wird unser nächster Roman ein lustiger, amüsanter sein. „Karl der Kleine“ heißt er; einen ganzen duftenden Strauß köstlicher Blüten enthält er und der bekannte und beliebte Wolfgang Marken dieser feinsinnige Menschendarsteller, ist sein Bürgschaften genug dafür, daß unsere werten Abonnenten wieder etwas besonders Schönen, etwas, woran sie sich— ungeachtet der Gegenwart— wirklich erfreuen können, etwas für die Lachmuskeln bekommen. Bereits in der vorliegenden Nummer finden Sie den Anfang; machen Sie, bitte, auch Ihre Freunde und Bekannten darauf aufmerksam. insofern sie noch nicht unsere Abonnenten sind. Die Redaktion und der Verlag Wir beginnen am Moning mit dem Abdruck dieses Romans! MEP TU dege * 7 227 und sehr elegant, aber er soll heimtückisch, rachsüchtig und lasterhaft sein. Er ist dem Alkohol völlig verfallen. Kaxoline widerspricht. Doch der Herzog von Braunschweig und König Georg III. sind schon einig geworden. Der englische Thronfolger seinerseits ist nicht minder schwierig zu überzeugen. Es kommt zu schrecklichen szenen, in deren Verlauf der Vater des Prinzen oft handgreiflich wird. Endlich gibt auch der Prinz von Wales nach. Die Verlobung wird bekanntgemacht. die beiden Verlobten sind vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Verlobten sehen sich das erste Mal in London im St.=James=Palast. Der Etikette gemäß beugt die Prinzessin das Knie. Der Prinz hebt sie auf und umarmt sie. Aber nachdem er das getan hat, wendet er sich ab und spricht überhaupt kein Wort mehr. Der gegenseitige Eindruck ist der denkbar ungünstigste. Die Trauung wird 1795 in der St.=James=Kapelle vollzogen. Nach seiner Gewohnheit hat der Bräutigam vor der Feier wieder einige Gläser Alkohol zur Stärkung zu sich genommen. Während der Zeremonig,sößt, er bäufig, grgge,% d 1 9 7 ½ * 6 81 T Karoline von Braunschweig ist vierundzwanzig Jahre alt, als sie(1792) sich mit dem Prinzen von Wales, dem Sohn Georgs III., verloben soll. Karoline gilt für schön. Sie at sanfte blaue Augen, blonde Haare und regelmäßige Gesichtszüge. Sie hält nichts von der damals üblichen französischen Eleganz. Sie trägt wollene Strümpfe und derbe Röcke. Sie kann sich in fünf Minuten umziehen, was als ein Wunder am Hofe betrachtet wird, denn die Damen der damaligen Zeit brauchten allgemein dazu viele Stunden. Karoline ist natürlich, immer in guter Laune und nur manchmal ein bißchen gefühlvoll. Sie liebt es, zu lachen und Scherze zu treihen. Ihre besondere Neigung: die Sehnsucht nach romantischen Man hat ihre Erziehung ein wenig vernachläßsigt, Der Vater ist zu streng. Und die Mutter verzieht das Lieblingskind. Karoline ist eine verwöhnte Prinzessin. Sie ist wie alle verwöhnten Kinder: sehr selbstgerecht, oft launisch, dann Sie bätte, wie man so sagt, gute Partien machen können. Sie hätte der Reihe nach einen holländischen, einen preußischen und einen dänischen Prinzen heiraten können. Ihr Vater, Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, wollte das nicht. Er will, daß seine Tochter aus Gründen der Staatsräson den britischen Thronfolger heiratet. Karoline hat den Prinzen von ihm hört, klingt nicht schmeichelhaft. Gewiß, er ist hübsch MESN 8 8 Die Flitterwochen in Schloß Windsor... Wenn man überhaupt von Fliaterwochen im Leben der unglücklichen Prinzessin sprechen kann! Ihr brutaler Gatte läßt sie allein, um auf Jagd zu gehen oder sich bei seinen Geliebten aufzuhalten... Dit wein: die Prinzessin ganze Nächte still und verbissen in sich hinein.. man die Trauung beschleunigt. Am anderen Morger, sitzen sich die Gatten stumm und von gegenseitigem Abscheu ergriffen Die Flitterwochen in Windsor... Wenn man überhaupt von Flitterwochen im Leben der unglücklichen Prinzessin sprechen kann! Ihr Gatte läßt sie allein, um auf die Jagd zu gehen oder um sich bei seinen Geliebten aufzuhalten. Spät in der Nacht kommt er dann angetrunken nach Hause. Er wirft sich mit den Stiefeln auf ein Sofa und erwacht erst spät am Morgen in der übelsten Laune. Oft quält er der brutalsten Art, ohne Rücksicht darauf, d gte sz, F#., ind unter dem Herzen trägt. Man wartet zum Drespiel bis um die Mittagszeit, in der Karoline ihr Essen einnimmt, um das ganze Zimmer auszuräumen oder ein Feuerwerk im Nebenzimmer abzubrennen. Manchmal nimmt ihr der Prinz von Wales auch die Juwelen fort. Einige Tage darauf erkennt die Prinzessin dann das Schmuckstück am Halse einer der HofKaroline schenkt einem Mädchen das Leben. Dabei fällt seitens des Prinzen das erste Mal die Bemerkung: Wer wohl der Vater sein möchte? Diese Andeutung ist gemein und völlig unzutreffend. Karoline zwingt sich um des Kindes willen zur Nachgiebigkeit.„Wenn ich Ihnen mißfallen konnte“ schreibt sie an den Prinzen von Wales,„so seien Sie edelmütig genug, mir das zu verzeihen.“ 1. Diese Selbsterniedrigung und diese sanfte Sprache machen auf den Prinzen nicht den geringsten Eindruck. Er und seine Umgebung beginnen nun, gegenüber der wehrlosen Frau zum Angriff überzugehen. Man beschimpft, man verleumdet die Prinzessin, wo es nur geht. Man will damit ein bestimmtes Ziel erreichen: sie für eine Scheidung gefügig zu machen. Karoline beschwert sich bei ihrer Schwiegermutter. Diese hört sie an, aber greift nicht ein. Sie ist innerlich auf seiten ihres Sohnes. Sie liebt die deutsche Schwiegertochter ebenfalls nicht. Der König Georg III. verspürt eine lebhafte und wirkliche Zuneigung zu seiner Schwiegertochter. Er möchte ihr helfen. Aber er verfällt in Schwachsinn, er wird nicht für voll genommen. Erbittert, vom Hofe verbannt. völlig isoliert zieht sich die Prinzessin von Wales auf ein Schloß auf dem Lande zurück und lebt hier, völlig von ihrem Gatten getrennt. Sie will sich ganz der Erziehung ihrer Tochter widmen. Und sie beginnt, der Kunst und der Literatur Geschmack abzugewinnen. Manchmal taucht die Prinzessin ganz plötzlich in den Vororten von London auf. Die Bevölkerung jubelt ihr zu. Ihr macht das unendliches Vergnügen. Und nur ihr Gatte ist empört, wenn er von diesen Triumphzügen, pexntramt.. Er rächt sich auf niedrige Art. Er nimmt der Mutter die geliebte Tochter fort. Wie Gerechtigkeit erlangen? Der König Georg III. ist völlig geistesumnachtet geworden. Die Regentschaft ist bereits dem Prinzen von Wales anvertraut worden. Es ist unmöglich, Gerechtigkeit zu erlangen. Und Karoline tut nun den Schritt, den ihr Gatte im geheimen immer schon erwartet: sie verläßt England. Der Regent jubelt auf. Er will großzügig sein. Das Unterhaus bewilligt der Prinzessin eine jährliche Pension von 50000 Pfund. Und nun beginnt ein neuer Abschnitt im Leben der Prinzessin Karoline von Braunschweig, Zunächst reiste sie durch Deutschland. Ueber die Schweiz fährt sie nach Italien. Je nach ihrer Laune besichtigt sie diese oder jene Stadt, ganz wie es ihr der Augenblick eingibt. Sie besucht Parma, Mailand, Neapel und Genua. In Neapel veranstaltet König Murat ihr zu Ehren einen Ball. König Murat ist ein Mann, der Karoline gefallen könnte. In Genug zieht die Prinzessin mit einem Aufwand von Luxus ein, der in ganz Italien Aufsehen erregt. Mit vierzig Jahren begeht Karoline die einzige Dummheit ihres Lebens. Sie ist eine Frau, sie sehnt sich nach Liebe. Sie macht die Bekanntschaft eines Mannes namens Pergami, der angeblich von hohem Adel sein soll. ist ein Mann von dunkler Vergangenheit, aber schön und immer elegant. Wenn man ihn sprechen hört, erkennt man sofort, daß er ganz einfacher Herkunft sein muß. Seine Ausdrucksweise ist mit den gewöhnlichsten Kraftworten durchsetzt, Karoline hört das nicht: Herr Pergami sieht dem König Murat bis auf das Haar ähnlich. Er ist ein Bursche von sechs Fuß Größe, er hat die tollsten Abenteuer erlebt. Ugd na#g sein Herz der einsamen Prinzessin zu Füßen. In, Wirtlichkeit liebt Pergami sie nicht. Er hat es nur auf ihr Geld abgesehen. In Venedig residiert Karoline im Hotel Danieli. Beim Essen steht der„Kurier“ Pergami hinter Ihrer Königlichen Hoheit, um deren Befehle auszuführen. Die Prinzessin hat eine breite, kostbare goldene Kette gekauft. Sie zeigt sie dem„Kurier“. Er bewundert sie höflich. Seine Da nimmt die Prinzessin die Kette und legt sie dem Abenteurer um den Hals. Mit dieser Bewegung hat sie ihn zum Haushofmeister ernannt. Und am Abend dars Pergami an der Ehrentafel neben der Prinzessin Platz nehmen. Von sind die beiden unzertrennlich. Das Liebesidyll beginnt. Es is ein Idyll von Karolines Standpunkt. Und ein Abenteuer, ein Geschäft seitens des neuen Haushofmeisters. Die Leute vom Hofstaat sind empört. Sie machen der Prinzessin Vorwürfe. Vorwürfe darf man Karoline niemals machen. Sie tut doch immer das Gegenteil.„Da mir das Leben als Prinzessin unerträglich war“, sagt sie,„will ich nunmehr nichts anderes sein als eine Frau, eine glückliche Frau. In Zukunft Sie siedeln sch in der. S,aut hofmneister“ Sie umternimme Sie duzt sich mit ihrem pauspofmeiner. Sie unternimme stundenlange Bootsfahrten mit ihm. Sie veranstaltet kostspielige Bälle, luxuriöse Essen. Doch die Vornehmen des Die Spione des Prinzen von Wales jedoch schreiben alles genau auf. was die Prinzessin tut. Sie vergessen nichts. Der Prinz nimmt die Mitteilungen schadenfroh zur Kenntnis. Er will sich scheiden lassen. Er hat nun seine Gründe. Und er hat seine Zeugen, die alles beschwören. Er wartet nur noch Dieser Augenblick ist gekommen, als der irrsinnige. König Georg III. stirbt und der Prinz von Wales als Georg IV. den Thron besteigt. Er ist fest entschlossen, das Urteil des Gerichts Da macht Karoline selbst einen Strich durch die Rechnung. von dem Tode ihres Schwiegervaters erfährt, nimmt sie den Königinnentitel für sich selbst in Anspruchzug gibt sofort das Verhältnis zu Pergami auf. Sie wird plötzlich eine ganz andere. Sie will sich ihrer Würde bewußt zeigen. Sie reist nach Rom und verlangt, mit königlichen Ehren empzu werden. Sie stellt Schildwachen vor ihrem Hotel auf. Sie erteilt Audienzen. Sie läßt sich mit„Majestät“ anreden. Und dann meldet sie ihrem Gatten, daß sie zur feierlichen Krönung nach London kommen wolle. Der König flammt vor Wut. Er beantragt vor den Kammern ein Verfahren wegen Ehebruchs. Alle Spione werden als Zeugen vernommen. Es kommt zu solchen Skandalszenen, daß die Königin, die selbst bei der Verhandlung anwesend ist, ihren Platz verläßt. Mit ganz geringer Mehrheit sprechen sich die Pairs zugunsten einer Untersuchung aus. Mit ganz geringer Mehrheit. Der König wagt es nicht, die quenzen zu ziehen. Denn das Heer, die Marine, das Volk ist gegen ihn. Karoline wird von der Partei der Königsfeinde auf den Schild gehoben. In gewissen Augenblicken wäre es ihr ein leichtes gewesen, den Gatten zu stürzen. Sie tut das nicht. Sie will als Königin respektiert werden und in Frieden leben. Georg IV. gibt schließlich klein bei. Gi, au6# Eines Abends im Theater wird ihr schlecht. Sie ninr ohnmächtig zusammen.„Die Aufregungen haben mich getötet“, sagt Hrei Monate dauert noch der Todeskampf. Am 7. Augus 1821 endet dieses denkwürdige Leben einer unglücklichen deutund selbst nach ibrem Tode schweigt die Leidenschaft nicht. Karoline hatte den Wunsch geäußert, in Braunschweig begraben zu werden. Georg, dessen Haß stärker ist als der Tod, verlangt Kürzung der Ueberführungsfeier. Er verlangt ferner, daß der Sarg direkt nach Norwich und nicht über London transportiert Das Volk empört sich. Als die Soldaten den Sarg forttragen wollen, ergießt sich ein Steinhagel über sie. der armen Königin wird von einigen Getreuen doch durch die Stadt London gefahren. Alle Häuser haben Trauerfahnen herausgesteckt. Die Geschäfte sind geschlossen. Die Zahl der Teilnehmer geht in die Zehntausende. Es ist ein Tag mit e veinsere arme Königini= riefen die Leute.„Rieder mit den König!“ Und im Hintergrund der Masse riefen wieder andere Stimmen:„Unsere arme Königin! Man hat sie ermordet!" Bodo M. Vogel. N. 73 Die Prinzessin macht die Bekanntschaft eines Abenteurers namens Pergami, der angeblich von hohem Adel sein soll. Ge legt sein Herz der einsamen Frau zu Füßen. Es ist die erste wahre Liebe. Sie siedeln sich in der Villa Este am Comersee an. Ein Idoll beginnt... SLU Deud Andihso Serr Kleine Höflichkeiten. Es gibt eine Menge dieser kleinen Höflichkeiten, die wir anseren Nächsten erweisen können, um ihnen das Leben angenehmer zu machen. Wie oft stehen doch Leute beisammen auf einem schmalen Bürgersteig und erzählen, und sehen über all ihrem Erzählen nicht, daß ihre Mitmenschen um den Bürgersteig verlassen und den Fahrweg mit seinen Gefahren betreten müssen. Das ist eine Rücksichtslosigkeit und Mangel an Ehrsurcht vor den Rechten unserer Nächsten. Auch zu starkes Parfümieren kann als Unhöflichkeit betrachtet werden. Es ist für unsere Mitmenschen oft sehr wenn sie gezwungen sind, in der Straßenbahn, in Gesellschaft von unserem Lieblingsparfüm widerwillig zu profitieren, abgesehen von der Tatsache, daß ein aufdringliches Parfüm nicht Auch am Fernsprecher lassen es manche Leute an Rücksichtnahme und Höflichkeit fehlen. Man soll sich möglichst kurz sassen; das Telephon ist nicht nur für uns da, und es ist gewiß nicht angenehm, vor einer öffentlichen Telephonzelle warten zu müssen, bis sie oder er da drinnen alle Neuigkeiten erzählt haben. Auch müßte man sich die Zeit nehmen und sich entschuldigen, wenn man eine verkehrte Nummer angefordert hat, oder eine verkehrte Verbindung erfolgt war. Es gibt noch viele dieser kleinen Höflichkeiten; sie begegnen uns tagtäglich, aber wir sehen sie nicht, oder wollen sie nicht sehen. Zw. 66 „Aber das interessiert euch ja nicht..“ Anders der Weg, der ins Leben führt— anders der Weg, der langsam zum Ende leitet! Darum sind auch die Interessen der alten und der jungen Menschen so grundverschieden. Nirgendwo macht sich das so bemerkbar, wie im Gegensatz der Eltern zu den Kindern,. Heua fräher E.; 6. Wir alle wissen, oft aus eigener trüber Erfahrung, wie schmerzlich dieser Gegensatz sein kann. Das Alter wie auch die Jugend leiden schwer darunter. Unwillkürlich fragen wir uns: Muß das so sein? Läßt sich nicht über den Abgrund der verschiedenen Weltanschauungen eine Brücke des Verständnisses schlagen? Wie oft hören wir gerade von jungen Lippen die Klage:„Aber das interessiert ja keinem daheim!— Dafür haben ja die Meinen kein Verständnis!“ Wer einmal aufmerksam einer häuslichen Unterhaltung zwischen Eltern und Kindern gefolgt ist, der wird dies nur zu oft bestätigt finden. Kommi da so ein junges Menschenkind mit der ganzen Begeisterungsfähigkeit, die— gottlob!— Jugend zu allen Zeiten ausgezeichnet hat, von irgendeiner neuzeitlichen, sagen wir z. B. sportlichen Betätigung. Wie leicht fließt da der Die Erdbeere und ihre hauswirtschaftliche und medizinische Verwertung. Am schönsten ist die frische Erdbeere als GenußMund über, wes das Herz voll ist— und nun erst gar ein junges Herz! Kein Wunder, daß der junge Mensch begeistert von seinen Erlebnissen und Erfolgen erzählt. Wie leicht stößt er daheim, im Kreise der Seinen, auf nige Verständnis= und Interesselosigkeit. Nur zu bald merkt Die folgen mir ja doch nicht— die interessiert das ja nicht! ichselzuckend gibt er es auf, in seinem Heim Verständnis für seine Ideenwelt zu finden. Und mit der unwilligen Bemerkung:„Aber das interessiert euch ja nicht!“, wendet er sich von den Seinen ab und jenen Kreisen zu, wo er auf Verständnis für all diese Dinge rechnen kann. Hier ist die Kluft zwischen Vätern und Söhnen genau so groß wie die zwischen Müttern und Töchtern. Immer wieder begegnet man der Klage der älteren Generation:„Das war doch in unserer Jugend ganz anders, und wie anders waren unsere jungen Männer und jungen Mädchen!" Darauf folgt dann meist ein Loblied auf jene längst vergangene Jugend von ehemals, wobei nur leider die Eltern völlig vergessen, daß „Jugend von ehemals" doch dazumal ebenfalls„Jugend von heute“ gewesen ist!„„ 994 Die Kluft zwischen Eltern und Kindern ist zu allen Zeiten die gleiche gewesen. Warum hat die ältere Generation so wenig Verständnis für das, was die jüngere bewegt? Warum wendet sie sich in den meisten Fällen sogar unwillig davon ab? Wieviel wäre hier für die gegenseitige Verständigung gewonnen, zeigte das Alter der Jugend mehr Verständnis. Wie roh, wäre so manches junge Renschenkind, wenn es auch heim, im Kreise der Seinen, von den Dingen sprechen könnte, die es bewegen und fesseln! Um wieviel anregender würde sich dann eine häusliche Unterhaltung gestalten, wenn es die älteren Leute verständen, sich mehr mit den Ideen und Anschauungen der jüngeren vertraut zu machen. Wie anregend könnte solcher Gedankenaustausch sein, wenn die Aelteren nicht immer wieder jeden Satz mit ihrem ewigen:„Aber das war doch zu unserer Zeit ganz anders" beginnen würden. Da aber jedes Ding seine zwei Seiten hat, so auch diese Forderung an die ältere Generation. Sie schließt nämlich auch eine solche an die junge in sich: Wenn die Aelteren euch Interesse für eure Gedankenwelt entgegenbringen, so habt ihr nun eurerseits die Pflicht, mehr Verständnis für den Ideenkreis der älteren Generation zu zeigen, die doch im Grunde genommen die Basis eurer Entwicklung gewesen ist. Oder, um es in schlichte Worte zu fassen: Was dem einen recht ist, ist dem andern billig!„.. Mm. 5. Ein Sohn vergibt sich nichts, wenn er den Dingen, die seinen Vater interessieren, Verständnis entgegenzubringen versucht. Das gleiche gilt vom Verhältnis der Tochter zur Mutter. Es sind das alles Fragen des Taktes, des Herzens, aber auch der Lebensklugheit, die das Verständnis für verschiedenartige Weltanschauungen voraussetzen. Das Ergebnis ist für beide Teile beglückend, sowohl für die ältere als auch für die jüngere Generation; denn jeder Weg der Verständigung ist ein Weg zum Glück. Smada. Rechnungen. Vielleicht, liebe Hausfrau, sagen Sie, wenn Sie hier Ueberschrift„Rechnungen“ lesen:„Das geht mich nichts an, das erledigt mein Mann!“. Da ich aber davon überzeugt bin, daß erstens dieser Satz nicht stimmt, daß Sie sich zweitens bestimmt um jede Rechnung kümmern, die Ihr Mann bezahlt oder nicht bezahlt, daß Sie drittens als Hausfrau eine ganze Menge von Lieferungen, beim Bäcker, Metzger, Schneider, Tapezierer, Schuster, Wäschemann, Milchmann usw., doch selbst zu begleichen haben, und da ich, viertens, der Meinung bin, daß gerade die Hausfrau wesentlich zur Gesundung unserer Geschäftsmoral beitragen kann, so habe ich diesen kleinen Aufruf an die Hausfrau zu richten. Und deswegen steht„Rechnungen“ darüber. Man kann keinem Handwerker und keinem Geschäftsinhaber begegnen, ohne daß man die immer gleiche Klage hört:„Es geht kein Geld ein.“ Sie verkaufen zwar, sie erhalten Aufträge, aber die Abnehmer bezahlen erst nach vielen Wochen, halten die Fristen nicht ein, warten die zweite, dritte, vierte Rechnung ab, ehe sie sich entschließen, die Rechnungen endlich zu bezahlen. Wenn es sich dabei noch um Käufer handelte, die wirtschaftlich schwach, sind, so wäre das verständlich. Aber gerade diejenigen, u dem Pfennig rechnen müssen, sind prompte Zahler, erbitten die Sendungen mit Quittungen, lassen keinen Handwerker das Haus verlassen, ohne daß seine Arbeit bezahlt worden ist. Jedoch diejenigen, die„gut“ sind, die lassen ihre] In hygienischer Hinsicht hat sich jene Zeit einen besonders Rechnungen ablagern, lassen sich drängen, sind womöglich noch strengen Maßstab angelegt. Das lassen noch heute die gesamten beleidigt, wenn der Gläubiger geltend macht, daß er weniger Räume des Ermeler=Hauses erkennen, das verraten dem kungut dasteht wie sein Schuldner und sein Geld dringend braucht, digen Blick der Besucherin hunder: Kleinigkeiten. Das zeigt und weisen hochmütig darauf hin, daß sie doch wahrhaftig für aber auch die innere Beschaffenheit des Kupfergeschirrs, dessen den kleinen Betrag gut seien. Da liegt aber die Schlamperei Zinnüberzug tadellos erhalten ist. Die Verzinnung kupferner in unserem Geschäftsleben. Diese kleinen Rechnungen werden Geräte, wie sie zum Beispiel auch bei den gewaltigen Sudtesseln nicht bezahlt, nicht etwa weil der Schuldner sein Geld noch der Brauereien von jeher angewandt wurde, ist die Garantie anderweitig arbeiten lassen will, sondern aus Nachlässigkeit, für eine stete Sauberkeit. Mit der Erneuerung des ZinnFaulheit, Gedankenlosigkeit, manchmal sogar aus Schikane. überzugs, wie er etwa alle zwei Jahre durchgeführt werden Ist aber das Schuldenmachen erst einmal angefangen, so muß, wird auch der hartnäckigst: Speise=, Fett= oder Wassersteinkommt man nicht leicht wieder heraus. Es braucht nur einmal rest aus den Kochgeräten entfernt. Innen neu verzinnt und etwas schief zu gehen, und das Sorgenbündel wächst mit mit wenig Mühe außen blank gescheuert, wird dann das jedem Tag. kupferne Gerät auch in dem soundsovielten Jahre seines BeBesonders betroffen und schlimm deran sind die Aerzte und stehens immer wieder wie neu. Zahnärzte, die nur vierteljährlich ihre Rechnungen schicken und Man trifft es heute bereits wieder in vielen Küchen an, so dann ein Jahr und länger auf ihr Geld warten dürfen, weil wie die Hausfrau aus der Zeit des Ermeler=Hauses in ihrer der geistige Arbeiter sich noch nicht daran gewöhnt hat, daß Küche das kupferne Kochgeschirr verwandte. Aus den Küchen auch er energisch mahnen, ja, unter Umständen klagen muß. der großen Hotels war es nie verschwunden. Jeder erfahrene Vornehmheit ist aber den Nichtvornehmen, den Nichtzahlern, Koch weiß, daß er nur in Kochgeräten aus diesem edlen Werkgegenüber nicht am Platze; man leistet ihnen nur in ihrer stoff jenes langsame, sorgfältige Garwerden der Speisen erSchamlosigkeit des Schuldigbleibens Vorschub. reichen kann, das den gesteigerten Ansprüchen des wirklichen Wer Schulden macht, lebt offenbar über seine Verhältnisse. Feinschmeckers nachzukommen vermag. Und wer über seine Verhältnisse lebt, schädigt nicht nur seine! Eine Fülle von Beigerät kannte jene Zeit, das allein schon Schuldner, sondern in ihnen das gesamte Volksvermögen. um der Einheitlichkeit, aber auch um seiner Haltbarkeit willen Schuldenmacher sind keine Sparer. Aber die Sparer tun ausschließlich aus Kupfer hergestellt war Kuchen= und Puddinguns not. formen, Wassereimer und Schöpfkellen, Holzkohlenbehälter und So— und nun, liebe Hausfrau, sehen Sie einmal im Kohlenzangen, Reibeisen, Durchlaßsiebe und viele andere HilfsHaushaltungsbuch nach, wer noch etwas zu bekommen hat! mittel der Küche bestanden, wie das Ermeler=Haus heute noch Haushaltungsbuch nach, wer. PI. W. zeigt, aus Kupfer oder jedenfals aus einer von Kupfer getragenen Legierung. Und noch etwas sagt uns die Küche des 18. Jahrhunderts. Ein Uebermaß an Liebe und Sorgfalt webte und lebte in diesen Räumen, von denen aus hausfraulicher Geist und hausund frauliche Fürsorge für das Wohl der Familie waltete. Mögen Nahrungsmittel, denn jedes Konservieren raubt ihr von ihrem in den ersten drei Jahrzehnten unseres Jahrhunderts manche Naurungomtet, denn jede, gpbezevoch die Erdberernte auf wohl ausgeklugelten Worte darüber gefallen sein, die urvei in ine verhältnismäßig kurze Zeit beschränkt ist, sollte man ini der Küche biete der modernen Frau nicht genug Geist und sehr altes und gutes Verfahren anwenden, womit nicht genug Entfaltungsmöglichkeit— eine frühere Zeit wußte e Z e i t h i n a u s n o c h e i n e n V o r r a t v o n d i e s e r e s b e s s e r u n d w a r s t o l z a u f d i e s B e w u ß t s e i n, d a s a u c h i m edlen Frucht sichern kann. Das geschieht am einfachsten, wenn Leben der heutigen Frau sichtbar wieder an Raum gewonnen die auf trockenem Wege gereinigten Früchte in weiße hat: Daß am häuslichen Herd und im häuslichen Reich die Gläser bringt und Zucker dazu gibt. Werden die Gläser, leicht besten Kräfte der Frau zur Entfaltung kommen, die Kräfte, die zugebunden, an einem kühlen und luftigen Orte aufbewahrt, sie zur Hüterin und Schützerin der Familie machen. so verlieren die Erdbeeren weder Farbe noch Aroma. E. Hartung. Sehr zu empfehlen ist auch die Herstellung von Erdbeersaft,### den man, falls man über keinen sogenannten Saftapparat ver-[Mensch und Arbeit. fügt, am besten auf folgende Weise herstellt: Den Glasinhalt von den auf die vorhin erwähnte Weise zubereiteten Früchten läßt man! Die Arbeit hat außer dem materiellen noch einen ideellen nach drei Tagen durch ein reines Tuch laufen, läßt den so Lohn: das Bewußtsein, Werte zu schaffen und dadurch wertvoll gewonnenen Saft 10 bis 15 Minuten aufkochen und füllt ihn zu sein! in peinlich saubere Flaschen, die dann mit chemisch reinen] Jede Arbeit adelt: es kommt nur auf den Menschen an, iWattepfropfen verschlossen werden. Fast alle aus unserem Du###### worit; es kommt nur auf den Menschen an, in heimischen Obst gewonnenen Fruchtsäfte haben die Eigenschaft, welchem Geiste er sie verrichtet! Krankheiten, denen fehlerhafte Blutmischung und träger Stoff=] Der Mensch, der sich an einer ordentlichen Arbeit vorbeiwechsel zugrunde liegen, günstig zu beeinflussen. Alle Nährsalze drückt, verdient überhaupt nicht, Arbeit zu haben! schwer verdauliche Masse zurück, die man als Genußmittel nicht Oft würde der Mann die Arbeit verwenden sollte. Beim Konservieren der Früchte sollte man wissen, wenn auch die Frau mehr Anteilnahme für die Arbeit daher unter allen Umständen die Säfte dabei belassen und es des Mannes hätte. vermeiden, die bekannten Konservierungsmittel Salizylsäure] In der Art, wie ein Mensch sich zu seiner Arbeit— gleich oder Weinsteinsäure hinzuzufügen. Marmelade von Erdbeeren welcher— stellt, liegt der ganze Mensch! ist zwar nicht so ausgiebig wie von anderen Früchten, ihres] Die Arbeit hat wei wundersame Eigenschaften: sie beglückt hohen Nährwpertes halber aber zum Einigghesz sehr., z1 gsthe den Mensche vu sve, wundersame Eigenschaften: sie beglückt sehlen. Erdveercompott erfreut sich gleichfalls eines guten ven menschen und macht ihn zufrieden Rujes.] Wenn Müßiggang der Anfang aller Laster ist, dann liegt Der Eisengehalt der Erdbeeren wirkt ungemein blutbildend. in der Arbeit die Möglichkeit zu jeder Tugend! Veritas. Auch bei Gicht und Nierenbeschwerden zeigt sich die Erdbeere als Helferin. Der berühmte Naturforscher und Botaniker Linné behauptete, sich durch reichliches Erdbeeressen von einem heftigen Für die Küche. Gichtanfall befreit zu haben. Jedenfalls ist die Erdbeere mediFrühjahrskuren mit Erdbeeren dürften sich durch Heilungs= k. Französische Suppe. Junges Gemüse, wie Karotten, Rotwendigkeit erfreuen wie die Trauben= Sellerie= und Petersilienwurzel, Kohlrabi, junges Wirsingkraut kuren. Jedenfalls ist die Erdbeere gegen Rheuma der schwie= und eine Kartoffel werden in feine Würfelchen oder Streischen vorzuziehen, da sie die Verdauungsorgane geschnitten, nach Belieben mit einigen ausgehülsten Pflückerbsen nicht angreift. Es ist eine Tatsache, daß der Genuß von Erd= und Blumenkohlröschen vermischt, in fetter, aber sehr klarer beeren bei vielen Personen das Auftreten eines leichten Nessel= und kräftiger Fleischbrühe weichgekocht, entweder so angerichtet, ausschlages zur Folge hat. Diese Wirkung auf die Haut hat oder die Suppe nach Belieben mit einem Ei abgerührt; statt aber andererseits dazu führt, die Erdbeere als Heilmittel dessen kann auch ein Eiereinlauf in die Suppe gegeben und gegen Hauterkrankungen, besonders gegen Flechten, an= uebenbei nach Belieben noch geröstete Bröckchen dazu gereicht zuwenden. Bleichsüchtigen verordnet man die Erdbeere ihres hohen Eisen=, Kalk= und Natrongehaltes wegen. Großmutters Küche wieder modern. werden. A. E. I k. Hammelkoteletten paniert. Die Hammelkoteletten, die zu diesem Gericht wenig dick sein dürfen, werden gut vorgerichtet, mit Salz und Pfeffer bestreut, sodann in Ei und zuletzt in Weckmehl umgewendet und in heißem Fett in der flachen Pfanne in etwa 10 Minuten zu schöner Farbe gebacken; man serviert eine Tomatensoße dazu. f. Bohnensalat. Junge, zarte Salatbohnen werden gesäubert, Mitten im Herzen Berlins, dort, wo das Verkehrsbild und wenn sie sehr groß und breit sind, der Länge nach mehrseine lebhaftesten Formen annimmt, wo Hochhäuser über drei fach zerschnitten; man kocht dieselben in siedendem Salzwasser. Stockwerke tiefe Untergrundbahnschächte emporragen, träumen schüttet sie ab und läßt sie erkalten. Dann werden sie mit Salz, auch heute noch Gassen und Gäßchen ihren Traum aus ver= Pfeffer, Zwiebelchen, Essig und Oel angemacht, was mindestens sunkener Zeit. Hier gibt es Straßen, so schmal, daß selbst ein bis zwei Stunden vor dem Servieren geschehen soll. Handkarren sie nur mit Vorsicht durchfahren können. Und hier, Sellerietunke. Eine kleine Sellerie wird gesäubert, in in einer Umgebung, in der einst Patrizier der emporwachsenden Scheiben zerschnitten und in einer Würfelbrühe weichgekocht. Stadt ihr vornehmes Wohnviertel hatten, vermochte sich manch Darauf rührt man alles durch ein seines Sieb, fügt eine Tasse wertvolles Erinnerungsdenkmal zu erhalten, lebendig auch für voll Milch hinzu, rührt eine Mehlschwitze hinein und schmeckt die Generation von heute, die doch sonst nur ein Hasten und die Tunke mit Essig und etwas Muskatnuß ab. Jagen kennen will. Hier erinnert das dem Märkischen Museum zugehörige Ermeler=Haus daran, in welch hohem Maße jene Zeit die Ge. 1 f. setze einer gepflegten Wohnkultur gekannt hat. Gerade diese Medizinische Winke. Art, auch der kleinsten Einzelheit die vollste Aufmerksamkett 9 und Ueberlegung angedeihen zu lassen, übertönt so ganz das! f. Heiserkeit. Ist die Heiserkeit eine Folge der UeberWort von der„technischen Rückständigkeit", das wir von einer anstrengung der Stimmbänder, so wird Gurgeln mit lauZeit ohne Gas und ohne Elektrizität, ohne Telephon und warmem Wasser, das mit wenigen Tropfen Arnikatinktur verRadio so gern im Munde führen. Vom mechanischen Spielzeug mischt ist, von außerordentlichem Vorteil sein. Rührt das Uebel bis zum Pfeisenreinigungsapparat ist so manches da, was auch von Erkältung her, so taucht man einen großen, weichen heute noch zum Nachdenken anregt. Nachdenklich stimmt ins= Schwamm oder ein Leinenläppchen in heißes Wasser, drückt besondere aber auch die Einrichtung und Pflege, die die Haus= ihn leicht aus und legt ihn dann auf den Kehlkopf. Sind Erfrau ihrem ureigensten Wirkungskreis, der Küche, angedeihen kältung und Anstrengung zugleich die Ursachen des Halsleidens. ließ.— 18 Gahe gar#d, gese.... so sind beide Mittel anzuwenden. Außerdem ist natürlich darauf Will es nicht scheinen, als habe gerade gestern noch die zu achten, daß alles vermieden wird, was Heiserkeit und ErHausfrau gemeinsam mit ihrer Helferin die letzte Hand an mattung des Kehlkopfes hervorbringen kann. das Küchengerät gelegi? In warmen, satten Tönen blinkt und„ 1 Ame# blitzt es von den Wänden Ein kupferner Kessel hängt neben! k. Schnupfen. Ein altbewährtes, einfaches Mittel geger dem anderen. Auf den Bordbrettern stehen in langer Reihe Schnupfen ist das abendliche Einfetten der Nase mit Lanolin die Kasserollen, Töpfe und Pfannen, ausnahmslos aus Kupfer. oder Hammeltalg. Vor dem Schlafengehen reibe man die Nase Man versucht, das Alter dieses Geräts zu erraten. 150 bis mit dem Fett tüchtig ein; man kann auch das Innere der Nase 200 Jahre mögen vergangen sein, seit die Kunst deutscher einfetten. damalige Zeiz allzäglichan und f. Der normale Schlaf des Menschen. Kinder im 1. Lebensjahre benötigen etwa 20 Stunden Schlaf, " von 1—3 Jahren„„ 15—16„„ „" 3—5„„„ 12—13„ „" 5—8„„„ 11—12„„ "" 8—10„„„ 10—10½„„ „. 10—14„„„2—0„„ „„14-17 8¾—9 Von 17 Jahren und darüber sind 8 Stunden Schlaf erforderlich. Kupferschmiede diese für die damalige Zeit alltäglichen und selbstverständlichen Küchengeräte hergestellt hat. Ohne Zweifel haben die Kochgeräte dabei durch zwei Generationen hindurch ihren Dienst getan. Die Mutter vererbte an die Tochter neben einem Vorrat an Wäsche und Schmuck auch das gesamte Kupfergerät der Küche. Die Haltbarkeit des Kupfers überdauert erfahrungsgemäß eine Generation bei weitem. Dabei wäre es ohne weiteres möglich, nach einem normalen Reinigungsprozeß das Kochen in diesen nun schon so alten Töpfen und Kasserollen heute wieder aufzunehmen. Er har ticht rehatten! Von Ulrich Endemann. (Nachdruck verboten.) Als der Vater im Jahre 1923 gestorben war, übernahm Paul Schneider die Klempnerei als einziger Sohn. Ihm wäre lieber gewesen, der Vater hätte sich einige Jahre vor seinem Tode vom Geschäft zurückgezogen, denn dann hätte er den ganzen Betrieb einmal renoviert und ausgefrischt. Schließlich mußte man heutzutage etwas Reklame machen, wenn man Erfolg sehen wollte. Doch der Vater war halsstarrig gewesen und hatte von derartigen Dingen nichts wissen wollen; er legie das ganze Ersparte auf die hohe Kante, wo es denn durch die Inflation fast völlig aufgezehrt wurde, und als er tot war, verschlang die sinkende Mark den Rest, und Paul stand mit seiner Familie plötzlich da und wußte kaum, wie sich redlich durchschlagen..rn eim Anth Wir sind eben nicht meyr modern genug eingerichtet“, sagte Paul oft zu seiner Frau.„Welcher Hauswirt läßt uns noch eine Dachrinne anlegen, von Gas= und Wasserleitungen ganz abgesehen, wenn er unsere Werkstatt beiritt und sieht, daß hier seit zwanzig Jahren nichts erneuert wurde. Wenn wir den kleinen Laden nicht hätten und die paar Reparaturen in Privathäusern— wir könnten glatt verhungern.“ „Wir müssen eben an jedem Ende sparen“, sagte dann immer Frau Emilie und überlegte meist ziemlich lange, wo man eigentlich bei dieser Einschränkung überhaupt noch würde sparen können. Aber es fanden sich stets noch ein oder zwei Mark, die man zuviel ausgab. Da hatte sie doch vorgehabt, er sechsjährigen Therese zum Frühjahr einen Mantel zu laufen. Welche Verschwendung! Wenn sie ein wenig Stoff für Kragen und Manschetten kaufte, konnte sie aus ihrem alten Wintermantel sehr gut selber etwas für das Kind zurechtschneidern. Im übrigen ging man in der Woche nur noch einmal ins Kino, das letzte Vergnügen, das einem geblieben war. Es mußte auch so gehen Und es ging. Wenn man zusammenhält und fleißig ist, läßt sich vieles ertragen. Frau Emilie freute sich immer wieder darüber, daß sie einen so tüchtigen Mann hatte, der den Mut nicht verlor und mit Gottvertrauen auf bessere Zeiten hoffte. Eines Morgens, als sie auf dem Wege vom Kaufladen, wo sie selber bediente, zur Werkstatt befand, lief ihr Erwin, der Lehrling, in die Arme. „Nanu! Wohin so eilig?“ fragte sie. Er schwenkte einen grünen Zettel. „Zur Post. Was einzahlen.“ Einzahlen? Sie hielt den Jungen am Arme fest, nahm ihm den Zettel weg. Richtig, da schickte Paul doch wieder zwanzig Mark dem Lotterie=Einnehmer für sein halbes Los zu der Preußisch=Süddeutschen Klassenlotterie.— Zwanzig Mark! Welche Summe! Dafür konnte man Therese einen Mantel kaufen und noch einiges dazu. Zwanzig Mark! Wie lange hatte sie eine solche Summe nicht in der Hand gehabt! Wütend ging sie in die Werkstatt, schwenkte den grünen Zettel. „So ist's richtig“, sagte sie,„ich muß mir die Pfennige vom Munde absparen— und du wirfst das Geld einfach zum Fenster hinaus. Dein Vater hai schon drei Jahre lang gespielt, und du spielst auch schon zwei Jahre lang. Gewonnen haben wir nie etwas, und jetzt willst du wieder zwanzig Mark Aber Paul blieb fest. Von einem Hinauswerfen könnte keine Rede sein, denn jedes Los habe die gleichen Aussichten wie das andere. Eines Tages würde man auch mal gewinnen, denn nur die Beharrlichkeit führe zum Ziel. Wenn man jetz aufhöre zu spielen und die Nummer käme später einmal mit einem hohen Gewinn heraus, würde man sich sein Leben lang Vorwürfe machen. Und er nahm ihr den Zettel wieder av und schickte Erwin auf die Post. i ziuma An diesem Tage zankten sie sich so, daß sie Nihr einmal ins Kino gingen, und das taten sie doch jeden Sonnabend. Paul spielte noch ein ganzes Jahre lang, und er hatte manche heftige Fehde mit seiner Frau zu bestehen; aber seine Beharrlichkeit wurde belohnt, denn eines Tages rief ihn der LotterieEinnehmer an:„Herr Schneider, kommen Sie rasch mal her! keine Zeit und schickte Emilie. Sie blieb lange. vorfuhr, Emilie, die sonst lieber zu Fuß ging, gewonnen— wir haben gewonnen— hörst du...? Und sie packte ihre Handtasche aus und legte ihm vierzig Scheine auf den Tisch, von denen jeder mehr Geld bedeutete, als sie in den letzten Jahren jemals auf einem Haufen gesehen „Vierzigtausend Mark“ murmelte Paul, und Emilie mußte sich setzen, ihr wurde schwach, und die Tränen rollten ihr die Wangen herunter.„Das dumme Los“, schluchzte sie,„bringt so viel Glück.“ Ja, das dumme Los! Vater hatte es ausgesucht— Vater hat auch gefal. Nur wer beharrlich spielt, kann auf die Dauer gewinnen. Er hat recht behalten“, sagte Paul und nahm die Scheine in die Hand. Jetzt konnte man die Werkstatt erneuern, jetzt konnte man den Laden renovieren, die Fassade anstreichen. Sechs Wochen später der ganze Betrieb schon anders aus. Paul hatte zwei Gesellen eingestellt, Therese bekam ein Frühjahrsmäntelchen und Frau Emilie einen neuen Hut mit weißen Blümchen, und neue Aufträge waren auch schon eingegangen, denn die Beanntmachung des Gewinnes in den Zeitungen hatte auch Reklame gemacht. Und wenn Erwin jetzt auf die Post läuft, um die zwanzig Mark für das halbe Los zu bezahlen, dann hält ihn Frau Emilie nicht mehr auf. Im Gegenteil— sie ruft ihm nach:„Verliere nur das Geld nicht— es ist wichtig!“ Vom Rummel. Das Schnurrbartexperiment. Die Vogelscheuche. 1. Jupp, der mustert sein Gesicht, Die Schnurrbartform gefällt ihm nicht. 2. Nein, denkt Jupp, das geht nicht so, Ich bin doch kein Gigolo. 3. Mit'ner Bürste, wie wir sehn, Findet Jupp sich auch nicht schön. 4. Glatt rasiert ihm auch nicht steht, Vernichtet Jupp von dannen geht. Moral: Wer kein Apoll ist von Natur, Dem hilft auch keine Schnurrbartschur. E. W. Er sieht auf sein Renommee! „Solange meine Frau übt, stehe ich immer vor der Tür, damit die Nachbarn nicht etwa denken, ich schlage sie!“ Bitte, nicht durch die Blume! „Ihr Antrag, meine Tochter zu heiraten, ist für meine Familie eine Beleidigung. Wenn Sie nicht sofort verschwinden, lasse ich Sie durch einen meiner Diener hinauswerfen!“ „Soll ich das als Korb auffassen?“ Gott sei Dank! „Drei Monate Gefängnis!“ verkündet der Richter. „Gott sei Dank!“ seufzt da der Angeklagte erleichtert auf. „Die Sorge bin ich ja nun glänzend los!“ „Was wollen Sie damit sagen?“ Da schmunzelt der Mann: „Meine Frau hat mir dauernd in den Ohren gelegen:„Was machen wir im Sommer?“ „Könnt ick nich bei Ihn'n untakommen?— Ick kann mir mit beede Beene zugleich hinta de Ohren kratzen, abwechselnd nit de Ohren wackeln un rede pafekt Bauch. Von Petri Kettenfeier=Wurzinger. (Nachdruck verboten.) Dem Ingelhoferkaspar sein größter Aerger waren die Hasen, die Krähen, Spatzen und das andere Viehzeug, das sich auf seinen Weizenbreiten und den Kohlfeldern Tag und Nacht herumtrieb. Und um das Raubgesindel zu vertreiben, ging der Bauer öfter einmal mit der Flinte um die Felder, dann ab und zu auch sein Weib. Die brauchte die Flinte nicht, denn wenn die Waberl zu schimpfen ansing, da ließ sich auf Stunden hinaus nichts Lebendiges mehr auf den Feldern sehen. Der Ingelhofer hatte eine Vogelscheuche mitten auf seinen Aeckern stehen, aber vor der hatten die Viecher nicht den allergeringsten Respekt. Und da beschloß der Bauer, dem, wie auch seiner Frau, das Umeinanderrennen um die Felder zuwider war, der Vogelscheuche seinen alten grünen Anzug überzuhängen. Drunter kam ein ganz gutes Hemd, oben drauf der alte grüne Hut vom Bauer mit einem Fedeil droben. Und in die Hand bekam die Vogelscheuche einen Lattenstock, den man, wenn man nicht ein ganz gescheites Vieh war, leicht für ein Gewehr hätte halten können. So stand die Vogelscheuche da wie der Ingelhofkaspar selber, und wer auf der Landstraße daherkam, der mußte glauben, daß der Bauer sich selber da ins Feld gestellt hätte. Aber der Schwindel nützte. Die Hasen machten einen großen Bogen um die Gestalt, die Krähen verzogen sich, und die Spatzen trauten dem Frieden auch nicht so recht. Der Bauer freute sich.. e 68ce. Da kam aber eines Tages ein Hanoweltsonische oaher. Wie der von der Landstraße abwich, um in den Wald zu gelangen, wo er seinen Mittagsschlaf zu halten gedachte, da bemerkte er die blitzsaubere Vogelscheuche. Na, und man kann sich denken, daß es da nicht lange dauerte, da hatte der Handwerksbursche seine Lumpen heruntergezogen und war in den Ingelhoferkaspar seinen grünen Anzug hineingestiegen. Und so schön und elegant hatte der Handwerksbursche schon sehr lange Zeit nicht ausgeschaut. Die Lumpen hing der Tippelbruder über das Kreuz der Vogelscheuche, setzte seine Speckmütze oben drauf und ging stolz auf die Landstraße zurück. Wenn er nun weitergegangen wäre, so würde es gescheit von ihm gewesen sein. To aber stolperte der Unglücksmensch, der er sein ganzes Leben lang war, gerade beim Ingelhoferkaspar hinein und bettelte um eine Suppe. Ein Blick auf den Handwerksburschen und ein zweiter hinaus auf die Felder bekehrten den Bauern, was „Sol“ sagte er und holte einen Prügel hinter dem Osen hervor.„Jetzt hast du mir mei Vogelscheuchen auszogen, du Schlawiner du grauslicher. Und jetzt hol i den Gendarm! Und die Waberl kam gleich mit einem Kochlöffel gesprungen und schimpfte, daß im Hofe der Hund zu winseln ansing, den Schwanz einzog und in seine Hütte kroch. Der Handwerksbursche fing nun an zu bitten und zu betteln. Er erbot sich, den Anzug gleich wieder auszuziehen und aufzuhängen. Da hatte aber der Bauer eine grundgescheite Idee. „Dableibst und die Kost kriegst!“ sagte er zum Handwerksburschen.„In vierzehn Tagen ernten wir, dann kannst immer noch den schönen Anzug zurückgeben. A Wohltat will i dir erweisen. Und jetzt rennst den ganzen Tag in der neuen Kluft um die Felder umeinander und machst einen Lärm.“ Der Handwerksbursche war damit einverstanden. Zuerst haute er sich den Magen voll Knödel. Und dann stiefelte er um die Felder und machte einen Heidenlärm dabei. Der Bauer und die Bäuerin freuten sich, daß sie jetzt ihre Ruhe hatten, daß der Weizen verschont blieb von dem Malefizvogelzeug. Auch die Hasen waren verärgert zum Nachbar gezogen. Als aber der Handwerksbursche drei Tage lang wie ein Windhund um die Felder gelaufen war, da hatten sich die Krähen und Spatzen an ihn gewöhnt. Wenn er oben am Walde war, da saßen die Krähen und Spatzen an der Straße im Weizen, und die Hasen im Kohl, und umgekehrt. Da schimpfte der Bauer den Handwerksburschen einen Trottel um den anderen und schickte einmal wieder seine Waberl hinaus. Die zeigte dem Handwerksburschen erst richtig, wie er es machen sollte. Aber daran verzweifelte der Handwerksbursche. Einen solchen Krawall hatte er in der ganzen Welt nicht gehört. Für solche Anstrengungen war ihm die Kost zu mager. Acht Tage vor der Ernte wollte der Ingelhoferkaspar seine lebendige Vogelscheuche frühzeitig wecken. Aber das Strohlager war leer. Als der Bauer auf die Felder blickte, da stand die Vogelscheuche und hatte das Sonntagsgewand der Bäuerin umhängen. Das hatte der Handwerksbursche aus dem Spind geholt und war dann aus dem Fenster gestiegen. Geschwind hatte er die Vogelscheuche umgezogen und war verschwunden. Aber kein Vogel war ringsumher zu sehen. Aengstlich hatten sich die Hasen im Walde versteckt. Nicht einmal der Wind traute sich zu wehen. Ein Gewitter, das über die Berge dahergezogen kam, verzog sich geschwind, als es die Waberl mitten auf den Feldern stehen sah. 1.6, J. 9 Selscheuc Darum ist es immer besser, man zehl einer Vogerscheuche ein Weibsgewand an, weil das mehr respekteinflößend ist als Männerlumpen. Wer jetzt in die Gegend kommt, wo die Geschichte passiert ist, sieht nur weibliche Vogelscheuchen auf den Feldern stehen. So hat ein armer Handwerksbursche eine ganze Gegend auf eine gute Idee gebracht. Nehmt euch ein Beispiel! * Gegend ist Geld! Mode 1932. „Wo kommt denn diese Bonbonschachtel her?“ „Erlaube mal, das ist mein Hut=Karton!“ Für den Mitgiftjäger ein„Hauptwort“. Für manche Verlobte ein„Bindewort". Für den Fechtbruder ein„Tätigkeitswort“. Für das Steueramt ein„Zahlwort“. Für den Aufwertungsgläubiger ein„Zeitwort“. Für manchen Schuldner ein„Umstandswort“. Für den amerikanischen Milliardär ein„Nebenwort". Für den angeschossenen Treiber(das Schmerzensgeld) ein „Empfindungswort“. Für den Museumsdiener ein„Fülh)rwort“. Für viele Rentner heute ein„Fremdwort“. Für die hübsche Tänzerin ein„Verhältniswort“. J. Limbach. Die Ernährungsfrage. „Sie wollen heiraten, sunger Mann? Können Sie denn auch eine Frau ernähren?“ „Aber natürlich—— wenn sie Geld hat!“ Roman von 4 Hertha Fricke URHEBER-RECHTSSCHUTZ DURCH VERLAO OSKAR MEISTER, WEROAU Schluß. Die Antwort des Doktors war kürzer. „Ich bin weder Dein Priester, noch Dein Richter, lieber Bruder! Das sind nur die, welche durch Deine damaligen Betrug so unglücklich wurden, die arme Renate und Klaus Behrens— ein ganz famoser anständiger Kerl übrigens, der An Eva=Maries Unglück bist Du sa nur indirekt. schule,„ Die Hauptschuld trägt diese Guntermann, die vorzügraue Pflegerin, der das beste fehlt, was eine Frau haben muß, das Herz. Und wenn Du Wert darauf legst, daß ich Dich wieder einmal besuche, so sorge dafür, daß dieses Weld nicht mehr in Deinem Hause ist! Eher führt mich mein Weg nicht über Deine Schwelle. Fräulein von Diemen geht es ein wenig besser, aber wir sind noch nicht über den Deine kleine Tochter und sage ihr auch viel Grüße von Fräulein von Diemen...„. Eu Dein Brucer Heinrich. Wenige Tage später erhielt Heinrich Andresen den kurzen Bescheid, daß Fräulein Guntermann entlassen sei. Eine nette, gebildete Kriegerswitwe führte den Andresenschen Haushalt, und Gerti käme wieder nach Hause, man erwarte bald seinen Ihr könnt warten! dachte Dr. Andresen. Ich habe mehr In einer Kristallsch, lagen drei wunderschöne, rote Rosen. Die hüllte er samt der Schale in Seidenpapier und nahm sie mit, damit das Rosenhaus nicht der Blüten entbehrte. Es entbehrte sie nicht. An den Fenstern des freundlichen Zimmers, das Eva=Marie bewohnte, blühten in Schalen, in Vasen und in Töpfen Schneeglöckchen, Kätzchen, Veilchen und Krokusse, als wollte der ganze Frühling zum Fenster herein. Die Kranke sollte nur freundliche Eindrücke haben. Eva=Marie saß am Fenster und lauschte, ob sie nicht Heinrich Andresens Stimme hörte. Da knirschten seine Schritte über den Kies. Gleich darauf begrüßte er sie und sah ihr in die Augen. Die waren klar und wissend, nur eine leise Traurigkeit lag über ihnen, die der Arzt wohl verstand. Es war ihm lieb so. „Sie sagten, daß ich Vertrauen haben sollte, Herr Doktor, wenn mich etwas drückt!“. 6 Er stellte lächelnd die schone Schale mit den Rosen vor sie auf den Tisch und setzte sich zu ihr... „Langt der Mut, sich alles ein bißchen von der Seele zu reden, Eva=Mariechen? Oder bleibt immer noch das Wort in der hübschen kleinen Kehle stecken?" „Mir ist viel besser, seit ich weiß, daß Klaus Behrens Renates Vermächtnis erhalten hat, aber doch...“ „Was doch, mein liebes Mädchen?“ „Ich bin doch eine Diebin, Herr Doktor! Einmal muß es gesagt sein! Sonst ersticke ich daran! Und der Herr Protessor sagte, ich solle Vertrauen zu Ihnen haben!“ „Hatten Sie das nicht ohne den Professor?“ lächelte er. „Doch, immer, was wäre ich ohne Ihre große Güte!“ „Und warum sollten Sie eine Diebin sein? Das ist Unsinn! Klaus Behrens hat doch alle seine Kostbarkeiten bekommen. Die metallenen und die geschriebenen. „Nein, Herr Doktor, es ist kein Unsinn! Bei der Gerichtsverhandlung wurde mir klar, daß es doch Diebstahl war! Der Richter sagte, daß das Kästchen nicht mehr der Toten gehöre, sondern den Erben, also Karl Andresen und Gerti. Vielleicht hätte ich die Briefe aus dem Kästchen nehmen sollen, denn auf die hatte Herr Andresen kein Recht, die gehörten Klaus Behrens. Aber ich habe nicht daran gedacht! Ich habe nach dem Tode Renates die Kostbarkeiten an mich genommen, und das durfte ich nicht. Ich habe es zwar nicht für mich getan, sondern für Klaus Behrens. aber vor dem Gesetze ist das doch gestohlen!“ „Nein, mein liebes, liebes Mädel, nein! Du hast nichts Böses getan, glaube mir doch!“ bat Heinrich Andresen und nahm ihre Hände.„. standen nasl Fränen und Sie ließ sie ihm. Ihre Augen stunden von Tranen und sahen auf die Rosen in der Schale.„Sobald ich gesund bin, will ich fort, Herr Doktor! Ich bin doch bald gesund?“ „Gewiß sind Sie bald gesund, aber warum wollen Sie denn fort?“. Er sah bittend in die schönen, tränenfeuchten Augen. Sie schwieg, ihr Mund zitterte. „Sie wollten doch Vertrauen haben!“ bettelte er. „Warum ich fort will? Weil Sie so gut sind— so gut! Und weil Sie mich nicht lieb haben sollen! Nein, das dürfen Sie nicht!“—- 4 Fet beh „Warum nicht? Warum son ich Sie nicht lieb haben dürfen? Das ist doch mein gutes Recht!" Er ließ ihre Hände nicht los. „Weil— weil Sie ein Ehrenmann sind und kein Mädchen lieben dürfen, das niemand mehr achten kann!" Nun war es heraus! Sie seufzte tief auf, wie von einer großen Last befreit. Andresen aber wurde alles klar— so klar wie der Grund des Wassers, als er einst mit Eva=Marie von Rügen über die See fuhr am hellen Sommertag. Und wie er damals sich mit ihr darüber freute, das Leben und Sein auf dem Grunde zu sehen, jede Muschel, die spielenden Fische, jedes Steinchen— so sah er jetzt Eva=Maries Wesen, ihre Tat, ihre Krankheit, ihr sie quälendes Gewissen, die Furcht vor dem Geächtetsein— und auf dem Grunde lag ihre große ehrliche Liebe für ihn. Er nahm sie in den Arm und küßte den zarten Mund. „Eva=Marie, nun hör’ doch zu! Es ist ja alles gut! Du brauchst dich nicht vor irgend jemand zu schämen! Was du getan. mußte sein. Um Renates und Klaus Behrens willen! Es wurde ihm soviel genommen, nun hält er etwas Schönes in den Händen, etwas Wunderschönes, das ihm geblieben ist: Die reine Erinnerung an Renate und die Gewißheit, daß sie ihn geliebt hat— nur ihn! Behrens ist gestern gekommen, um dich zu besuchen.“„„„inam B.i 4 Lange saß er noch bei ihr, erzählte iyr von seinem Besuch in Bremen, von Dhruva, dem indischen Gott der Liebe und Beständigkeit, von seinem Bruder Karl, und daß dieser EvaMarie um Verzeihung bitte und ihr jede Genugtuung geben „Die gibst du mir ja, du Lieber! Du hast nicht eher geruht, bis Klaus Behrens gekommen ist und mich erlöst hat von Renates Geheimnis und meiner Schuld. Und nun zähle mir noch einmal von dem kleinen es nicht haben will, wenn zwei Menschen, die sich lieb haben, nicht beieinander bleiben! Und nachher holst du Klaus Behrens! Ich will ihm auch die Hand geben! Oh, du einziger, guter Mensch du— Heinrich— womit habe ich dich verdient!" Er hielt sie fest im Arm. „Wir machen bald eine Reise. Liebling!“ Sie lächelte.„Ach, es ist ja hier so schön! Mach doch das Er öffnete die Fensterflügel und ließ die milde Frühlingsluft herein. Es roch nach Veilchen und jungem Laub. Ein winziger grauer Vogel saß auf der Spitze einer schlanken, schimmernden Blaufichte und sang ein süßes Lied. Er sang nicht von den tausend Jahren, wie der Dhruva, er wußte nur, daß Frühling ist, und daß er glücklich war. Drüben an der Pforte stand ein großer gebräunter Mann, der lachte und winkte den beiden Glücklichen zu. Es war Klaus Behrens. Jahre gingen über die Erde. Sie gingen über den dunklen. traurigen Garten, der doch so frühlingsfroh lag zwischen den Mauern. Zwischen den trüben, tiefsinnigen Menschen blühten die Blumen und rauschten die Bäume. Ein klares Bächlein floß eilig hindurch, und die armen Menschen standen oft still und sahen dem plätschernden hellen Wasser zu. Und ganz leise und schimmernd kam manchmal ein Erinnern, dann blickten die Kranken auf, schauten verwundert zurück in ihr Leben und besannen sich, bis der Schleier von ihrem Bewußtsein fortzog, wie gleitende Nebel. Dann freuten sich die Aerzte und hofften, daß sich wieder ein kranker Geist zurück zur Klarheit fände. Das war, wenn sie den Sinn gefunden hatten, der in jedem Irrsinn wohnt. Aber oft fanden sie ihn nicht. Der#ranke Körper ließ die Nebel dichter und dunkler werden, die um den Geist zogen. und die Seele konnte den Weg nicht mehr finden. Dann gingen sie tiefer in die Nacht, die erst das Jenseits wieder hell werden läßt. Dann tröstet die junge Doktorsfrau Eva=Marie ihren Mann, den sie über alles liebt. Sie streichelt die Sorgen von seiner hohen, klugen Stirn und weiß viel lieben und sonnigen Trost. Und wenn die Sorgen gar nicht weichen wollen, dann holt sie ihr süßes, blondes Bübchen und zeigt ihm, wieviel kleine, weiße Zähnchen es schon hat, und läßt es dem Vater zeigen, wie groß es ist, oder was es sonst noch kann und weiß. Das Doktorhaus liegt draußen vor dem Tor des stillen Gartens, und seine Fenster schauen hinunter in ein schönes Tal. Nur Professor Martinik, der alte Junggeselle, wohnt noch in dem großen Hause, im mauerumstandenen Garten und will dort bleiben. Denn er hat nur eine Liebe auf dieser Welt, das ist die Wissenschaft. Aber wenn es Sonntag ist, dann geht er hinüber zu Andresens in das schöne Heim. Er bringt Eva=Marie Blumen und spielt mit dem Bübchen. Dann beneidet er seinen Assistenten und Freund ein ganz klein wenig. Ob in seinem Innern auch so ein süßes kleines Märchen gewohnt hat?— Er läßt sich gar so gern von Frau Eva=Marie das Lied singen:„Wenn ich wüßte, daß ich dich wiederseh...“ In Port Said lag ein großes weißes Haus. Es leuchtete durch die Nacht im gleißenden Mondlicht. Hoch am Himmel hing der alte Mond, groß und glänzend und schickte seine Silbergrüße in die kahle Wüste hinaus. Braune Kamele ruhten am Strande des Meeres, weißgekleidete Gestalten nahmen ihnen das Zaumzeug ab und die bunten Decken. Ueber den Palmen stand das Kreuz des Südens. Auf dem Säulenplatz vor dem flachdachigen Hause lag in einem bambusgeflochtenen Liegestuhl ein schlanker Mann im Fieber. Neben ihm saß ein alter brauner Mann. Ein weißes Tuch schlang sich um seine hohe Stirn, und ein paar große, nachtdunkle, sanfte Augen blickten sanft auf den Kranken. „Geht es dir besser, Fremdling?“ fragte er mit tiefer, weicher Stimme... g... 4.4 mir wahl 6.5 „Ich glaube nicht. Ramatsarial über es tür nilr wohl, baß ich bei dir sein und mit dir sprechen kann!" „Verlangst du nicht heim, Claude? Euer Schiff mußte reisen!“ Er nahm eine Schale mit einem kühlen Getränk und mischte etwas hinein. Der Fieberkranke legte sich auf die Seite.„Ach nein, laß das Schiff fahren! Was soll ich zu Hause, Ramatsarial Unsere Flotte ist tot! Sie liegt auf dem Meeresgrunde! Unsere schöne, tapfere, stolze deutsche Flotte!“ „England?“ fragt leise Ramatsarias dunkle Stimme. „Nein. England nicht!“ antwortete der fieberkranke Mann. „England sollte sie nicht haben. So senkte ein tapferer deutscher Held sie hinunter auf den Boden des Meeres!— Konnte die deutsche Flotte nicht retten. rettete= aber ihre Ehre! Gott sei Dank!“ Er atmete tief. „Sieh, in welchem Glanze der Stern dort strahlt!“ sprach Ramatsaria und zeigte das leuchtende Sternbild auf dem dunkelblauen Samt des tropischen Nachthimmels. Er wollte seinen kranken Gast nicht traurig sein lassen. Klaus Behrens blickte hinauf zu dem glänzenden Polarstern.„Dhruval“ flüsterte er verloren und dachte an den kleinen silbernen Gott auf dem blauen Schrein:„Tausend Jahre sind eine kurze Spanne Zeit!“ Der braune Mann nickte.„Wer das erkannte, steht über Zeit und Traurigkeit,“ sagte er Dann erzählte er die Geschichte von dem Besiegten, der vor seines Siegers Wagen gespannt ist und auf das Rad sieht und lacht und lacht. „Was lachst du, Sklave?“ fragte der Sieger. „Weil das Rad sich dreht!“ antwortete der Besiegte.„Was eben unten war, ist jetzt oben, und was jetzt oben ist, wird bald unten sein. Du bist jetzt oben, weil du gesiegt hast! Und darum lache ich, wiel das Rad sich dreht!"—„Darum sei nicht traurig, mein kranker Freund!" tröstete die sanfte Stimme. „England ist jetzt oben!— Lache nur!— Ein Volk, das sich in Hochmut und Dünkel das Herrenvolk der Erde nennt, das mit Falschheit und Geld erobert und nicht nach der Weisheit des Ewigen sieht, das zieht ja selbst mit diesem Hochmut das Gericht herab, zieht alle die bösen Kräfte an nach ewigen Gesetzen, die es vernichten müssen.— Meinst du, deutscher Mann, es macht auf Befehl Gottes die Völker zu Sklaven, über die es durch List und Falschheit gesiegt hat?— Es ist jetzt oben, Fremdling— es ist oben!—— Aber wie sagt Dhruva?— Tausend Jahre sind eine kurze Spanne Zeit!— Es währt nicht tausend Jahre, Freund, es währt nicht hundert!— Auch nicht die falschen Tiere der Wüste werden Herren der Erde sein!" „Warum bist du so gut zu mir, Ramatsaria?“ fragte der Kranke getröstet. Da wurden dessen Augen noch dunkler.„Weil von denen bist, die England trotzten, Claude!“ Er ließ ihn aus der Schale trinken und legte ein feuchtes Tuch auf sein Herz Eine Weile war es ganz still. Nur die Palmen rauschten leise. „Du sprichst so gut Deutsch wie Englisch!“ sagte Klaus Behrens bewundernd. „Ich spreche fünf Sprachen!“ antwortete der weise Mann. aber ohne jeden Stolz, so wie man einfach eine Tatsache erwähnt.„„ „Warst du in Deutschlano: fragte Klaus. „Es ist möglich— ich weiß es nicht!“ antwortete der Inder. „Das mußt du doch wissen!“ lächelte der Kranke „Ich weiß es nicht!“ wiederholte der Mann.„Vielleicht in einem früheren Leben! Denn mir ist es, als ob ich vah##hon lange liebe!“ Er legte seine schmale braune Hand auf die Stirn des Deutschen.., Weamsstag, 64s Die Nacht wurde dunkler und kuyler. Kamatsaria lien seinen kranken Gast in das Haus bringen. „Ich werde sterben!“ flüsterte Klaus matt. Er fühlte sich sehr schlecht. „Du wirst sterben, und ich werde auch sterben!“ sprach freundlich und ruhig der weise Mann.„Aber du weißt ja. daß wir in ein anderes Leben hineingeboren werden. Unt wenn du treu warst, wie Dhruva es will, dann wirst du glücklicher mit denen sein, die du geliebt hast in diesem neuen Leben! Dann wirst du auch dein Vaterland sehen, frei und ohne Ketten!“ Klaus Behrens schwieg. Rote Flecken brannten in seinem schmalen Gesichte. Er fieberte stärker, sein Herz schlug eiliger. Immer schneller, aber immer matter. Dann war ihm. als höre er ferne Stimmen. Sie sangen ein vertrautes Lied: „Wenn ich wüßte, ich könnte dich wiedersehn. An jener Küste, wo tausend Palmen stehn. Wo die Sterne uns so nahe sind. Dunkler Nachen, bring mich hin geschwino. Die Sterne wurden immer größer, kamen immer näher. Die Palmen rauschten stärker; kamen die weißen Gestalten, um ihm den dunklen Nachen zu bringen? Sie waren da!— Der Kiel rauschte durch die Fluten.— Er fuhr— fuhr hin?— Die Küste schimmerte blau und zart Lichte Schleier schwebten. Da stand Renate im weißen Kleide und breitete sehnsüchtig die Arme aus. Sie war noch schöner geworden — noch viel, viel schöner! Heller, heller glänzten die Sterne tiefer und lauter brauste die Flut, dann wurde es ganz still. Als der Morgen kam, beugte sich der Inder über seinen toten Freund. Mattsilbern glänzte noch ein Stern am Himmel. 9• und Ramatsaria lächelte voll Gute und Wissen und flüsterte etwas von tausend Jahren, die nicht lange währten. Eva=Marie ging mit ihrem kleinen Sohn im sommerlichen Garten. Die Rosen blühten. als könnten sie sich nicht genug tun in Rot und Duft. Sie ging ihrem Mann entgegen, der von seinen Patienten kam. Er küßte die Frau und nahm sein Kind auf den Arm. Dann wanderten sie fröhlich zusammen in den sauberen Wegen. „Klaus Behrens hat solange nicht geschrieben!“ meinte Heinrich Andresen nachdenklich.„Ich mußte viel an ihn denken. als du am Sonntag sein Lied sangst. Das von den Palmen am andern Ufer! Darum träumte ich auch wohl von Klaus in dieser Nacht!“ Der Postbote kam und brachte ein Paket. Es war vom Norddeutschen Lloyd. Ein Schiff hatte es von Vorz mitgebracht. Die junge Frau löste die Hülle. Ihre acc#o# Hände zitterten leise. Eine dunkle Ahnung erfüllte ihr Herz. Sie sprechen doch eben von dem Freund! Da blitzte es silbern unter ihren Händen und gab einen leisen singenden Ton. Der kleine Dhruva sah sie mit seinen schwarzen, glänzenden Augen an und lächelte. den beide ergriffen und schwiegen. Und wußten, daß Freund drüben war— bei Renate. — Ende.—