he rchruich ichr ud Brnsgaoprng nöchmnlich 4s Pleaulsg, Einseiamnmar 10 Pig. Druck u. Verlog von C. Duaus, Schwerte(Ziude), osscheckouten: Vorimund 2632 und Hannseu 21ert. Geschästostelle:„Große Marktstr. 3—3 Verantworlich füs den Ame gente! H. Lamner, Schwere. Hruws 2170 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt 9 Westhofener Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung 6 Sane ouugre e fiu de secheg sol. mm uie e Vig, Jamiien, Vereinz= und amtliche Anzeigen 4 Plg., Ziek omezenle 20 Pf, Iiu teleson, ausgegebene Iasetote udernedmen wur keme Gewodk. Bei undorber geseha. Betclebsstorungen, heroorgerusendurch böbere Gewaten, üdernehmen oir keinenei Gewade für pünkliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinertei Ausoeuch auf Schadenersat oder Nachiesering erdoden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gp; Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Zserlohn Freiheit verpflichtet Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit „Der Deutsche" veröffentlicht eine Unterredung, die der Hauptschriftleiter des Blattes, Karl Busch, mit dem Reichswirtschaftsminister hatte. Wie Hauptschriftleiter Busch zu Beginn der Unterredung feststellte, haben sich in der Arbeiterschaft und Angestelltenschaft hier und da Bedenken gezeigt, daß einzelne Unternehmer Bestimmungen des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit so auszulegen versucht sein könnten, als ob sie jetzt wieder zu dem bekannten Herr=im=Hause=Standpunkt zurückkehren könnten. Dazu erklärte der Reichswirtschaftsminister: Ganz sicher werden immer wieder Fehler gemacht werden, besonders in der Uebergangszeit. Jeder Gesetzgeber muß bei dem Aufbau des Gesetzes damit rechnen, daß es für Menschen gemacht ist. Im übrigen ist nach meinen Eindrücken die Führerschaft in unserer Wirtschaft in ihrer großen Mehrheit sich durchaus bewußt, daß ihr mit diesem Gesetz nach der nationalsozialistischen Auffassung über Führertum eine hohe Verantwortung auferlegt ist. Das Gesetz läßt daher dem Führer des Betriebes weitgehende Freiheit in der Gestaltung des Verhältnisses zu seiner Gefolgschaft. Freiheit verpflichtet aber. Für den Fall, daß die dem Unternehmer eingeräumte Freiheit mißbraucht wird, schaltete der Gesetzgeber eine Reihe von Sicherungen ein, insbesondere die Einrichtung des Treuhänders und des sozialen Ehrengerichts. Ich bin überzeugt, daß die Einrichtung des Treuhänders, die ganz auf die Persönlichkeit eingestellt ist, sich, wie schon in der Vergangenheit, auf das beste bewähren wird. Auf die Frage, ob ein Unternehmen überhaupt in der Lage sei, Löhne herabzusetzen, erinnerte der Reichsminister daran, daß zunächst durch das Gesetz die jetzigen Tarifverträge bis zum 30. April verlängert werden. Nur der Treuhänder kann in ganz besonderen Fällen andere Anordnungen treffen. Vom 1. Mai ab treten die Regelungen des neuen Gesetzes in Kraft und alsdann stehen alle Lohnbewegungen unter der Koatrolle des Treuhänders und damit des Staates. Sie wissen, fuhr der Reichsminister fort, daß die Reichsregierung die Anweisung gegeben hat, daß, solange um die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft und die Beseitigung der Arbeitslosigkeit gekämpft wird, wir keine Aenderung des Lohn= und Preisniveaus dulden können. An diesem Leitsatz wird die Reichsregierung auch nach dem 1. Mai festhalten. Auf die Frage, ob die Entlohnung in der karren Weise wie bisher für alle Zukunft bleiden solle, erwiderte der Reichsminister: Das ist keineswegs gesagt. Im Gegenteil, mir erscheint eine Auflockerung— hoffentlich im Zusammenhang mit einer ansteigenden Konjunktur— durchaus erwünscht. Der Besucher erkundigte sich dann, ob nicht Gefahr bestehe, daß die Unternehmer einzelner Gruppen, die sich ja doch alle mehr oder weniger kennen, Verabredungen über Maßnahmen in allen Betrieben der betreffenden Branche treffen. Demgegenüber verwies der Reichsminister auf die in das Gesetz eingebauten Sicherungen, insbesondere den Treuhänder, und fuhr dann fort: Wir müssen aber dazu kommen, daß wir diese Fragen von beiden Seiten aus vom Standpunkt des anständigen Menschen möglichst ohne Eingriff des Staates regeln. Es muß ein Zug von Kameradschaft und Verständnis zwischen den Männern der Wirtschaft Platz greifen. Der Unternehmer muß sich auch einmal mit den Arbeitern seines Betriebes an einen Tisch setzen, nicht nur bei deren Festen, sondern darüber hinaus zu engster kameradschaftlicher Aussprache. Die nationalsozialistische Gesinnung muß sich durchsetzen. Dann besinnt sich auch jeder auf seine Pflicht und ist bereit, am gemeinsamen Ziel freudig und ohne Hintergedanken mitzuarbeiten. Zu einer Erkundigung über das künftige Schicksal der Verbände führte der Reichsminister aus: Wenn wir wirklich in unserem Volke den Klassenkampf endgültig ausrotten wollen, so scheinen mir Arbeitgeber= und Arbeitnehmer=Verbände für die Zukunft unerträglich. Wir brauchen für die Zukunft Einrichtungen, in denen sich die schaffenden Menschen zusammenfinden, nicht um ihre materiellen Dinge im Streit auszuhandeln, sondern um das GeSieSratsche Arneente Vizekanzler von Papen zur Bestätigung ihrer Unabhängigkeit im neuen Reich Vizekanzler von Papen sprach bei der ersten der in Zukunft wöchentlich beabsichtigten Zusammenkünfte der Deutschen Akademie. Der Vizekanzler führte u. a. folgendes aus: Wir müssen heute einmal offen bekennen, zu welchem Danke wir jenen Männern in München verpflichtet sind, die vor neun Jahren in bewußtem Gegensatze zu den herrschenden Zeitströmungen eine Organisation schufen, die ein gut Teil des Gedankengutes und der völkischen Forderungen unserer Tage vorwegnahm. Zu Symbole der Deutschen Akademie, dem silbernen Eichenzweige, drängten sich vor allem die Kreise der Gelehrtenschaft, die ihre besonderen Verpflichtungen gegenüber der Volksgesamtheit auch in der stickigen Nachkriegsluft erkannt hatten. Der volksdeutsche Gedanke schlug hier kräftig Wurzeln und begann, die führenden Kreise der Wirtschaft zu bewegen, für die in den Körperschaften der Deutschen Akademie nicht nur Ehrenplätze pecunia causa geschaffen worden waren, sondern Stellen zu tätiger Mitarbeit und Beratung. Denn das war ja das Neue, was die Deutsche Akademie von der alten wissenschaftlichen Akademie unterschied: der Versuch, aus der wissenschaftlichen Arbeit um ihrer selbst willen herauszukommen, sie in ihrer volksbezogenen Verpflichtung zu bejahen und bei voller Wahrung ihrer Eigengesetzlichkeit der Nation dienstbar zu machen. Die Deutsche Akademie zog es vor, den schwierigen und entsagungsvollen Weg zu gehen und sich mit Hilfe ihrer Freunde aus allen Teilen der Bevölkerung aus eigener Kraft zu erhalten, anstatt sich durch Zugeständnisse an die herrschende Richtung im Staate jene Mittel zu verschaffen, die damals an jede gesinnungstüchtige Vereinigung mit vollen Händen ausgestreut wurden. Sie hat sich dafür das kostbare Gut ihrer geistigen Unabhängigkeit bewahrt, und dieses hat der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Heß, nicht besser anerkennen können, als durch eine erneute und freiwillige Bestätigung dieser Unabhängigkeit im neuen Reiche. Im Kreise der Deutschen Akademie sind deshalb im bewußten Gegensatze zu dem lärmenden Getue eines entwurzelten internationalen Klüngels die Methoden einer aus deutschem Geiste geborenen Kulturwerbung im Auslande entwickelt worden. Diese Auffassung der Deutschen Akademie deckt sich völlig mit den Anschauungen der Reichsregierung. Die Deutsche Akademie hat deshalb als eine der ganz wenigen Kulturorganisationen des Reiches ihre vielfältigen Arbeiten ungestört von den politischen Umwälzungen des vorigen Jahres fortführen können. Von den einzelnen Arbeitszweigen möchte ich vor allem die deutsche Sprachwerbung im Ausland erwähnen, für deren Notwendigkeit die Deutsche Akademie seit Jahren kämpft. Durch die Untersuchungen der Deutschen Akademie haben wir ein Bild von dem Umfange des deutschen Sprachunterrichts gewonnen, und ihrer Initiative verdanken wir es, daß in von Jahr zu Jahr steigendem Maße der geistige Austausch von Land zu Land gefördert wird. Spracharbeit ist die Grundlage einer gesunden Kulturpolitik im Auslande. Wir brauchen gerade heute dringend behutsame und erfahrene Hände, die fähig sind, die Fäden entwirren zu helfen, die Haß, Mißgunst und Mißverstehen verschlungen haben. Am 30. Januar Reichstag Das Hauptbüro des Reichstages teilt mit: Am Dienstag, 30. Januar, nachmittags 3 Uhr, Zusammentritt des Reichstages mit der Tagesordnung: Entgegennahmeeiner Erklärung der Reichsregierung. * Die Reichstagssitzung findet, wie das V23.= Büro meldet, wieder im Kroll=Hause statt. Es sind aber neuerdings wieder Bestrebungen im Gange, die Reichstagsverhandlungen in einen anderen geeigneten Raum zu verlegen. Vor allem dürften hierfür finanzielle Gründe bestimmend sein. Für die Benutzung der Krollräume muß das Reich eine hohe Monatspauschale zahlen. Man hat daher neuerdings den Gedanken aufgegriffen, die Reichstagsverhandlungen in dem Plenarsitzungssaal des ehemaligen Preußischen Landtages durchzuführen. Gelegentlich der Verpflichtung der Reichstagsabgeordneten auf den Führer, die ja auch in diesem Raume stattfand, hat sich ergeben, daß es nicht unmöglich ist, die erforderlichen Plätze für etwa 670 Personen zu schaffen. Im Plenarsitzungssaal des ehemaligen Landtages müßten allerdings einige Umbauarbeiten durchgeführt werden. Vor allem wäre es notwendig, an Stelle der jetzt vor allen Plätzen befindlichen Arbeitstische sich mit einfachen Platztischen zu begnügen und nur vor der ersten Sitzreihe die Tische stehen zu lassen. Die Prüfung durch die Sachverständigen über die Möglichkeiten eines Umzuges des Reichstages vom Kroll=Haus in den früheren Preußischen Landtag sind noch nicht abgeschlossen. Es könnte sich übrigens bei einem solchen Umzug voraussichtlich lediglich um ein Zwischenstadium handeln, bis zur endgültigen Entscheidung über das Schicksal bzw. den neuen Ausbau des ausgebrannten alten Reichstagsgebäudes. Engtunse=Bennähungen um die Vermittlung in der Abrüstungstrage Im englischen Kabinektsrat am Mittwoch, so berichtet der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph“, sei die Ansicht zum Ausdruck gekommen, daß England und Italien weiter Vermittlungsdienste auf diplomatischem Wege in der Abrüstungsfrage leisten sollten. Von der sofortigen Einberufung einer Viermächtekonferenz sei nicht die Rede gewesen. Der politische Korrespondent der„Morning Post“ will wissen, daß auf der Mittwochsitzung des Kabinetts Einmütigkeit über den Inhalt des neuen britischen Abrüstungsvorschlages, der die gegensätzlichen Auffassungen Frankreichs und Deutschlands versöhnen solle, erreicht worden sei. Der Korrespondent betont, daß die diplomatischen Abrüstungsverhandlungen auf englischer Seite einzig und allein in den Händen von Sir John Simon liegen,„ Htaxhetter der Oelin eng Der politische Berichterstatter der„Daily Mail“ meldet, daß das Kabinett beschlossen habe, nächste Woche beim Wiederzusammentritt des Parlaments eine endgültige Erklärung über die Abrüstungspolitik abzugeben. Die Regierung werde darin die Fortsetzung der diplomatischen Erörterungen anregen. Was sagt man in Paris dazu Der Pariser Vertreter der„Times“ meldet: Die amtlichen und nichtamtlichen Kreise in Paris scheinen überzeugt zu sein, daß durch eine Fortsetzung der unmittelbaren deutsch=französischen dankengut unserer nationalsozialtstischen Staatsauffassung in gemeinsamer Besprechung zu vertiefen. Gerade da haben die tüchtigen Mitarbeiter aus den Verbänden, die sich im letzten Jahr in nationalsozialistischen Dingen bewährt haben, Gelegenheit, sich für das ganze Volk zu betätigen. Besprechungen nichts gewonnen, aber viel verloren werden könne. Das Interesse ist jetzt beinahe vollständig auf die Möglichkeit eines britischen Eingreifens gerichtet und auf die Form, in der es erfolgen könnte. Man befürchtet, daß Frankreich aufgefordert werden würde, weitergehende Zugeständnisse zu machen, als es schon bisher zu machen bereit war. Die aus London in Paris vorliegenden halbamtlichen Meldungen über eine Vermittlung in der Abrüstungsfrage befriedigen die französische Presse keineswegs. „Gegensätze über dem Rhein“. „Popolo d'stalia“ schreibt in einem Artikel „Gegensätze über dem Rhein“, es erscheine notwendig, die sich am Horizont abzeichnenden Gefahren darzulegen, für den Fall, daß die beiden Parteien sich auf ihren Standpunkt versteiften. Mancher trete nach einem ergebnislosen Verlauf der direkten Verhandlungen für eine Entschließung in Genf in Abwesenheit Deutschlands ein. Diese Methode sei aber wirkungslos und sehr gefährlich. Sie würde nur das Versailler Verfahren wiederholen, mit neuen schweren Folgen für Europa. Rom habe demgegenüber schon klar zu verstehen gegeben, daß es diese Methode einer überlebten Zeit nicht mitmache. Eine andere Gefahr bestehe darin, daß ein neues Wettrüsten einsetze. In dieser äußerst schwierigen Lage seien es England und Italien, die handeln müßten und handelten, denn sie seien nicht direkt an den Gegensätzen in Zentraleuropa interessiert. Das Schicksal Europas hänge von den Großmächten ab. Ihr Einigsein oder Nichteinigsein entscheide über das Schicksal aller, und die kleinen Staaten sollten in ihrem eigenen Interesse nur wünschen, daß die Großmächte den von Rom aufgezeigten Weg gingen. „Minna von Barnhelen“ in Paris In Paris wurde unter dem Protektorat des Office Universitaire Allemand von einer Gruppe deutscher und französischer Studenten„Minna von Barnhelm“ aufgeführt. Zweck dieser Aufführung ist vor allem die Bekanntmachung der französischen Studenten und Schüler mit der Sprache und den geistigen Werken der deutschen Theaterliteratur. Solche Aufführungen sollen, wie bereits in den beiden letzten Jahren auch in den folgenden Jahren stattfinden. Nach der glänzenden Aufführung der„Minna von Barnhelm“ kann man der Verwirklichung dieses Gedankens mit Zuversicht entgegensehen. Der Reichsjustizkommissar an die Richter Reichsjustizkommissar Staatsminister Dr. Frank stattete am Donnerstag der Stadt Augsburg seinen ersten offiziellen Besuch ab. Vor den richterlichen Beamten hielt der Staatsminister eine bemerkenswerte Rede, in der er u. a. ausführte: Die Revolution habe uns auf dem Gebiete des Rechts endlich die Möglichkeit gegeben, das Rechtsgefüge auf den völkischen und rassischen Elementen des deutschen Volkes wieder aufzubauen. Das klare Bekenntnis zum Staat des Rechts sei ein Zeichen der Stärke der nationalsozialistischen Regierung. Nur der Staat Adolf Hitlers könne es wagen, einem unabhängigen Richter zu vertrauen. Bedauerlich sei es, wenn die Justiz zu Härten greifen müsse. In diesem Zusammenhang erinnerte der Minister an das am Vortag vom Münchener Sondergericht gegen drei katholische Geistliche ausgesprochene Urteil. Auch die katholischen Priester seien verpflichtet, von früh bis spät ausschließlich Diener dieser neuen Volksgemeinschaft zu sein. An die richterlichen Beamten gewandt, betonte der Minister, daß die Justiz auch vor dem Priestergewand nicht halt machen dürfen. Es gehe nicht an, daß die Justiz sich beugen lasse nur deshalb, weil irgendeiner einen Sonderberuf im Leben habe. Die Reichsbahn Steigende Einnahmen— Bei höheren Geschwindigkeiten Sicherung der Züge Am 23. und 24. Januar 1934 trat der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. Zum Präsidenten des Verwaltungsrats wurde einstimmig der bisherige Präsident Dr. C. F. v. Siemens wiedergewählt. Zum Vizepräsidenten wurde Dr. Freiherr von Schröder=Köln einstimmig gewählt. Der Verwaltungsrat verschaffte sich zunächst einen Ueberblick über die finanzielle Lage der Reichsbahn und konnte mit Befriedigung feststellen, daß die Entwicklung der Einnahmen im Dezember 1933 ein erfreuliches Bild zeigt. Die Steigerung der Dezembereinnahmen 1933 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres betrug im Personenverkehr 4,8 v. H., im Güterverkehr 17,3 v. H. Die günstige Entwickelung der Einnahmen hat auch, soweit sich bisher übersehen ließ, im Januar 1934 angehalten. Auf dem Gebiete des Personalwesens genehmigte der Verwaltungsrat die Aenderungen der Personalverordnung, durch die der für die Reichsbeamten angeordneten Aufhebung der Beamtenräte Rechnung getragen und die neue Eidesformel, wie sie auch für die Reichsbeamten vorgesehen ist, eingeführt wird. In seinem technischen Ausschuß beschäftigte sich der Verwaltungsrat mit den Fragen der Zugsicherung und den Maßnahmen, die schon seit Jahren zu ihrer weiteren Verbesserung getroffen worden sind. Die auf einem Teile der Strecken eingeführten neuen Einrichtungen haben sich in der Praxis so bewährt, daß der Verwaltungsrat ihrer beschleunigten weiteren Einführung seine Zustimmung geben konnte. Bei den in Aussicht genommenen höheren Eeschwindigkeiten wird diese Maßnahme besondere Bedeutung gewinnen. Auch der Fortschritt im Einsatz von Wagen, die die Unfallgefahr abschwächen, wurde eingehend erörtert. Fristverlängerung für die Instand setzungsarbeiten beantragt Der Reichsstand des deutschen Handwerks hat eine Eingabe an die Reichsregierung gerichtet, in der um eine Fristverlängerung für die Arbeitsbeschaffung im Bereiche der Instandsetzungen ersucht wird. „DiS Murkeschracht“ Enn Freunauter Das Reichswehrministerium weist Verleumdungen zurück Verbrechen Es wird betont, daß noch eine große Fülle von Arbeitsmöglichkeiten bestände, die im Interesse des Arbeitsmarkts voll ausgeschöpft werden müsse. Infolge der Witterungsverhältnisse hätten sich Verzögerungen ergeben, so daß es angezeigt erscheine, die bisher festgesetzte Frist vom 31. März 1934 für die Instandsetzung und Ergänzungsarbeiten an Gebäuden, für die Teilung von Wohnungen und den Umbau sonstiger Räume in Wohnungen um mindestens zwei Monate zu verlängern. Zugleich bittet der Reichsstand um die Fortführung der Förderungsaktionen für Kleinwohnungen und Eigenheime, durch Bereitstellung neuer Mittel und Fristenverlängerung, weil aus zahlreichen beim Reichsstand eingegangenen Mitteilungen sich ergebe, daß vorhandene Projekte teils wegen der Witterungsverhältnisse, teils wegen der Finanzierungsangelegenheiten nicht rechtzeitig begonnen werden konnten. Auch kämen täglich neue Interessenten hinzu. Schließlich beantragt der Reichsstand, die Steuererleichterung für das Gebiet des Wohnungswesens auf das ganze Jahr 1934 auszudehnen, um die begonnenen Arbeiten zur Behebung der Arbeitslosigkeit weiter zu fördern. Wieder viele Menschen in China durch Hochwasser getötet Ueberschwemmungen an der Grenze der chinesischen Provinzen Honau und Chilhi griffen weit um sich. Chinesischen Berichten zufolge sind viele Dörfer vernichtet worden. Tausende Menschen, die sich auf die Dächer geflüchtet hatten, wurden hinweggeschwemmt und ertranken. Plötzlicher Streik in einem großen Im Waldorf=Astoria=Hotel in Newyork, einem der größten der Stadt, traten am Dienstagabend plötzlich wegen der Entlassung eines Unterkochs ungefähr 600 Kellner, Köche und weiteres Küchenpersonal in den Streik. Die Streikenden hatten vorher nicht die geringste Streikabsicht merken lassen. Sie verließen Punkt 17 Uhr ihre Oefen und Tische, obwohl vorher schon Hunderte von Gästen in den Eßsälen versammelt waren und die Speisen bestellt hatten. Alles Einwirken der Hotelleitung auf das Personal blieb erfolglos, so daß die drei großen Hauptrestaurants des Hotels geschlossen werden mußten. Später konnte ein Teil des Betriebes wieder aufgenommen werden. Donnerstag früh stürzte sich der 55jährige Baron Gotthard von Osten= Sacken auf dem Untergrundbahnhof Nürnberger Platz in Berlin vor einen Zug, der nicht mehr rechtzeitig zum Halten gebracht werden konnte. Die Feuerwehr konnte nur noch den völlig verstümmelten Leichnam des Unglücklichen bergen. In der Oeffentlichkeit sind in letzter Zeit wiederholt Behauptungen über den verstorbenen Oberst Heutsch und seine Tätigkeit als Beauftragter des Chefs des Generalstabes des Feldheeres und über den Generalobersten v. Moltke selbst aufgetaucht. die geeignet sind. nicht nur die Ehre dieser beiden Männer, sondern auch das Ansehen der alten Armee und ihrer Leitung auf das schwerste zu schäSo wird in einem Aussatz im„Deutschen Textilarbeiter" Nr. 50 vom 15. 12. 1933 unter der Ueberschrift„Die Marneschlacht, ein Freimaurer=Verral“ u. a. behauptet, dem Anthroposopben Steiner hätten im Deutschen Hauptquartier in Koblenz alle Türen offen gestanden, er habe Ende August im Großen Hauptquartier in Koblenz einen Vortrag über Anthrovosophie vor Offizieren gehalten. Generaloberst v. Moltke sei— offenbar durch Steiner in den Zustand stärkster Benommenheit versetzt und ihm die Ausübung der Kommandogewalt unmöglich gemacht worden. „Der Hauptverräter. Freimaurer Oberstleutnant Hentsch“ habe als„Meldeoffizier"— gemeint ist Chef der Nachrichtenabteilung— versagt und eigenmächtige Befehle an die im Kampf stehenden Armeen geleitet. Den Höhepunkt seiner unheilvollen Rolle habe Hentsch erreicht, als er unter Berufung auf seine Vollmacht die Sieger— 1. bis 3. Armee— im Augenblick eines durchschlagenden Erfolges veranlaßt habe, das Schlachtfeld zu käumen... ,.: Barie I. Ferner wird behauptet. pentich sei in Paris als Sohn eines französischen Bankiers geboren und habe erst 1888 die deutsche Reichsangehörigkeit erworben, als sein Vater nach Köln zog. Auch wird in Zweifel gezogen, daß Hentsch im Jahre 1918 in Bukarest eines natürlichen Todes gestorben sei. Neuerdings ist an anderer Stelle sogar die Behauptung ausgestellt worden. Hentsch sei Besitzer der Aktienmehrheit der Banque de France gewesen! Der Aussatz im„Deutschen Textilarbeiter“ schließt mit den fettgedruckten Sätzen:„Volksgenossen! Das Ungeheuerliche ist Tatsache: Ein Franzose kommandierte den Rückzug an der Marne! Dieser Franzose Hentsch war Freimaurer!" und „Das Wunder an der Marne war ein schurkenhafter Freimaurerverrat!“.. 9 Gegenüber diesen aus fragwurdigen Auenlen stammenden leichtfertigen Behauptungen stellt das Reichswehrministerium auf Grund authentischer Unterlagen und Erhebungen fest: 1. Generaloberst v. Moltke hat Steiner in Koblenz überhaupt nicht gesehen. Daß Steiner im Großen Hauptquartier alle Türen offengestanden hätten. ist unwahr. Niemals hat der behauptete Vortrag im Großen Hauptauartier stattgefunden. Der körperliche und seelische Zustand des General= obersten v. Moltke während des Sommerfeldzuges 1914. der auch der Grund für seine alsbaldige Abberusung aus seiner Stellung war, erklärt sich daraus, daß Moltkes Natur sich nicht als widerstandsfähig genug erwies, die auf ihm lastende ungeheure Verantwortung zu tragen, verstärkt durch seinen ungünstigen Gesundheitszustand und die in den vorhergehenden Monaten gerade überstandene angreisende Kur. 9 Daß Dr. Steiner jemals als„behanbelnbel Arzl des Generalobersten v. Moltke ausgetreten sein soll. ist schon deswegen ausgeschlossen, weil Steiner, soweit bekannt, gar nicht Arzt, sondern von Hause aus Literarhistoriker war. 2. Daß Hentsch eigenmächtige Befehle an die Armee geleitet hätte, ist unwahr. Seine Tätigkeit als Beauftragter der Obersten Heeresleitung am 8. und 9. September 1914 ist bereits 1917 auf Veranlassung des Generals Ludendorff untersucht worden. Im Anschluß an diese Untersuchung hat General Ludendorff dem damaligen Obersten Hentsch in einer dienstlichen Zuschrift bescheinigt, daß„den Obersten Hentsch ein persönlicher Vorwurf. über seine Befugnisse hinausgegangen zu sein. nicht trifft. Er hat lediglich nach der ihm von dem damaligen Chef des Generalstabes des Feldheeres erteilten Weisung gehandelt". Seine Einwirkung auf die Entschlüsse der Oberkommandos 1 und 2 erklärt sich aus der einseitigen Auffassung seines Auftrages und seiner vessimistischen Beurteilung der Lage. Für eine verräterische Absicht auf Seiten Hentsch' fehlt es an jedem Anhaltspunkt. geschweige denn Beweis und auch an jeder psychologischen Erflärung.„„ Een 5e-312114 3. Die Unninnigkeit der Behauprungen bezuglic Geburt und Abstammung Hentsch' widerlegt am besten sein Personalbericht, aus dem hervorgeht daß Hentsch am 18. 12. 1869 zu Köln(Rhein) als Sohn des Fortifikationssekretärz Fritz Heutsch geboren wurde und evangelischer Religion war. Hentsch trat am 1. 10. 1888 als Avantageur in das Insanterie=Regt. 103 ein. Er starb am 13. 2. 1918 in Bukarest infolge Magenblutung nach Entfernung der Gallenblase.„ W. Die Familie ist rein deutschen und arischen Ursprungs. Die Behauptung. der Vater sei Pariser Bankier gewesen. ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Der Vater war 1836 in Ostrau geboren. diente als Dreijährig=Freiwilliger beim PionierBatln. 4 und nahm am Feldzug 1864 mit Auszeichnung teil. Er heiratete am 25. 10. 1866 in Magdeburg Emma Pivo und war auch dann in Köln bei der Fortifikation. Er starb als Festungsoberbaurat und char. Rechnungsrat in Gautsch bei Leivzig am 19. 12. 1909. 4. Dah Hentsch der Freimaurerloge angeyorte wird von seinen Angehörigen für ganz ausgeschlossen gehalten. Das Unglück auf der Landstraße Osterburg—Witten= berge aufgeklärt Das schwere Motorradunglück, das in der Nacht zum Dienstag auf der Chaussee Osterburg—Witten= berge zwei Todesopfer forderte, hat durch die Untersuchung der Staatsanwaltschaft Aufklärung gefunden. Bekanntlich wurde in der Nähe von Sechausen der 21jährige Sohn des Viehhändlers Beyer aus Aken(Elbe) tot neben seinem zertrümmerten Motorrad gefunden. Sein Begleiter starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß Beyer von seinem Vater beauftragt worden war, auf dem Schweinemarkt Ferkel aufzukaufen und gegen das Verbot seines Vaters seinen g'eichaltrigen Freund mitgenommen hatte. Aus bishei noch unbekannter Ursache fuhr Beyer gegen einen##um. Während sein Begleiter schwer verletzt wur#e, erlitt Beyer selbst nur leichte Verletzungen. Aus Verzweiflung über den Unfall brachte sich Beyer einen tödlichen Kopfschuß bei. Schloß Friedensburg in Flammen Aus Leutenberg(Kreis Saalseld) wird gemeldet: In den frühen Morgenstunden des Donnerstag brach im Schloß Friedensburg oberhalb von Leutenberg ein Brand aus, der sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete. Sämtliche Feuerwehren der Umgegend wurden alarmiert. Gegen 10 Uhr vormittags war das Obergeschoß vollständig ausgebrannt. In dem Schloß, einem Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert, das dem Lande Thüringen gehört, werden seit Oktober vorigen Jahres Erneuerungsarbeiten ausgeführt. Ueber die Entstehungsursache des Brandes ist noch nichts bekannt. Schwerer Unfall auf einem Grubenbahnhof— Zwei Todesopfer Auf dem Tagebau Deuben. einer Braunkohlengrube bei Weißenfels, wurden zwei Beamte der Berliner Waggonfabrik Orenstein& Kopvel. der Oberingenieur Röder und der Monteur von Mecheln. beim Ueberschreiten der Gleise des Grubenbahnhofs am Uebergangsweg von einer Lakomotive überfahren und auf der Stelle getötet. Röder und von Mecheln hatten auf dem Grubenbahnhof einen neuen Wagen vorgeführt und beim Ueberschreiten des Bahnkörvers infolge des dichten Nebels das Herannahen der Lokomotive nicht bemerkt. Explosionsunglück in Völklingen Aus Völklingen. 25. Jan., wird berichtet: Heute morgen gegen 10 Uhr ereignete sich im Frühstücksraum der Edelstahlwerke aus bis jetzt ungeklärter eine Erplosion, die das Gebäude völlig zerstörte. In dem Raum frühstückte zu dieser Zeit ein Teil der Belegschaft. Sämtliche Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben. Ueber die Ursache des Unglücks teilt die Direktion des Werkes mit. daß wahrscheinlich aus einer in der Nähe des Gebäudes im Erdboden befindlichen Lichtgasleitung infolge von Erschütterungen Gas in den Aufenthaltsraum eingedrungen sei. Wodurch die Entzündung eingetreten sei. habe bisher nicht nicht festgestellt werden können. Das Unglück hat, wie jetzt feststeht, einen Toten, zwei Schwerund sechs Leichtverletzte als Opfer gefordert. Die Opfer lagen teilweise tief unter den Trümmern vergraben, so daß sie erst durch Schneideavparate und andere Rettungswerkzeuge befreit werden konnten. Bereits in den Nachmittagsstunden waren die Trümmer wieder aufgeräumt. Dammrutsch und Eisenbahnunglck in Spanien Der Personenzug Madrid— Santander ist infolge Dammrutsches entgleist. Wie aus Madrid ergänzend mitgeteilt wird. beträgt die Zahl der Toten vier. Es handelt sich um den Lokomotivführer, den Heizer, den Zugführer und einen Gendarmen. Die Zahl der Verletzten beläuft sich auf 20. Der Sachschaden ist beträchtlich. Die„Aquitania“ vorübergebend festgelaufen Der 45000 Tonnen große Passagierdampfer „Aquitania“ lief am Mittwochnachmittag. nachdem er den Hafen von Southampton verlassen hatte. auf eine Sandbank. Nach eineinhalb Stunden wurde er wieder flott, als die Flut eingesetzt hatte und sechs Schlepver ihn ins Schlepptau genommen hatten. Die„Aquitania“ konnte ihre Reise nach Cherbourg und von dort nach Newyork fortsetzen. 175 Tote auf einem chinesischen Dampfer Auf dem Jangtsekiang ereignete sich eine schwere Katastrophe. Durch eine kleine Explosion entstand auf einem Passagierdampfer ein Brand. der sich rasch ausbreitete und dem etwa 175 Passagiere zum Opfer sielen. Einsturzunglück in einer Kirche in Ohio Wie Reuter aus Portsmouth(Ohio) meldet, ist in der dortigen Kirche während eines Gottesdienstes der Fußboden eingestürzt. Von den 400 Anwesenden stürzten zahlreiche in das Kellergewölbe. Etwa 50 Personen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Betrunkener schießt Polizeibeamten nieder Ein betrunkener 23jähriger Bursche verlangte in der Nacht zum Donnerstag in einer Gastwirtschaft im Osten Berlins einen Schoppen Bier. Als ihm der Wirt diesen verweigerte, zog der Betrunkene eine Pistole, richtete sie auf den Wirt und verlangte mit den Worten:„Dann will ich wenigstens mit Musik sterben“, daß er das Grammophon in Betrieb setzte. Ein Oberwachtmeister, der sich zufällig in Zivil in dem Lokal aufhielt, versuchte dem Betruntenen die Schußwaffe zu entreißen. Dabei ging ein Schuß los, der den Beamten so schwer verletzte, daß er sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Es steht noch nicht einwandfrei fest, ob sich der Schuß zufällig gelöst hat oder ob er bewußt abgegeben worden ist. Befreiungsversuch für einen Kommunisten in Neumünster Der in Neumünster in Schutzhaft befindliche Kommunistenführer Timm sollte am Mittwochabend von zwei Polizeibeamten vom Rathaus zum Polizeigefängnis transportiert werden. Plötzlich fielen aus dem Hinterhalt mehrere Schüsse. Timm wand sich schreiend am Erdboden und erklärte, verwundet zu sein. Die Beamten erwiderten die Schüsse. Timm wurde ins Krankenhaus gebracht, wo jedoch festgestellt wurde. daß er keinerlei Verletzungen davongetragen hatte. Von den Tätern fehlt jede Spur. * Verhaftung des Bromberger Rechtsanwaltes Dr. Kuziel Großes Aufsehen rief in Bromberg die Verhaftung eines der bekanntesten Brombergen Rechtsanwälte hervor. Am Dienstag wurde Rechtsanwalt Dr. Kuziel auf Anordnung des Untersuchungsrichters beim Bromberger Bezirksgericht in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Ueber die Gründe, die zur Verhaftung führten, wird Stillschweigen bewahrt. Dr. Kuziel war vor nicht allzulanger Zeit als Staatsanwalt beim Bromberger Bezirtsgericht tätig. Er hat sich einen besonderen Namen gemacht als Vertreter der öffentlichen Anklage in den großen Prozessen gegen die DeutschlumsOrganisationen. In den Aufsehen erregenden Deutschtums= und Pfadfinderprozessen hatte er hohe Zuchthaus=, Gefängnis= und Festungsstrafen für die angeklagten Deutschen gefordert * Raubmord Am Mittwoch wurde die Auszüglerin Pauline Gafert in Buchwald(Kreis Oels) in ihrer Wohnung tot gefunden. Nach den bisherigen Feststellungen ist sie eines gewaltsamen Todes gestorben. Die Leiche wies Strangulationsmerkmale auf. * 13000 Paar minderwertige Schuhe beschlagnahmt Wie aus Moskau gemeldet wird, wurden auf Veranlassung des obersten Staatsanwalts der Sowjet=Union die Leiter der Schuhsabrik„Ottober“ festgenommen, und zwar wegen der Produktion von schlechten Schuhen. 13000 Paar Schuhe wurden wegen minderwertiger Qualität beschlagnahmt. Die Verhafteten werden dem außerordentlichen Gericht zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Sabotage zugeführt werden Selbstmordversuch im Reichsgericht— Gerichtsvollzieher als Wohltäter Der frühere Obergerichtsvollzieher Wilhelm Kleinert aus Grünberg=Schlesien vertrat am Donnerstag eine von ihm eingelegte Revision gegen das Urteil des Landgerichtes Clogau, durch das er wegen Amtsunterschlagung und Urkundenfälschung mit zwei Jahren Gefängnis bestraft worden war. Diese Revision wurde verworfen. Alsbald nach der Verkündung dieser Entscheidung durch das Reichsgericht beging Kleinert einen Selbstmordversuch, indem er sich mit einen. Rasiermesser schwere Verletzungen am Halse beibrachte. Er wurde zunächst in die chixurgische und von dort in die Nervenklinik der Universität Leipzig gebracht. Lebensgefahr besteht nicht. Kleinert hat sich die Strafen zugezogen, weil er in vielen Fällen, wo er wirkliche Not antraf, oder die der Zwangsvollstreckung unterliegenden Schuldner ihm ihre Not klagten, zunächst aus eigenen Mitteln die durch Vollstreckung zu erlangenden Beträge vorgeschossen hat; später hat er sich dazu verleiten lassen, mit fremden Geldern, die er für andere Gläubiger eingezogen hatte, hier auszuhelfen. Kleinert hatte gehofft, daß in Anbetracht der tatsächlich nachzuweisenden Uneigennützigkeit seiner Handlungsweise das Reichsgericht die gegen ihn erkannte Strafe aufheben werde. Das Reichsgericht hat dazu aber keine gesetzliche Möglichkeit gehabt. Kommunistische Studenten überfallen die tierärztliche Hochschule in Sofia In dem am Rande Sofias gelegenen Gebäude der tierärztlichen Hochschule kam es zu kommunistischen Ausschreitungen. Eine starke Gruppe kommunistischer Studenten, die sich in dem dem Gebäude gegenüber gelegenen Wäldchen angesammelt hatte, stürmte in das Gebäude herein und besetzte die Ausgänge und das Sekretariat, um eine Herbeirufung der Polizei zu verhindern. In einem der Hörsäle hielt dann einer der Anführer eine staatsseindliche Rede. Professoren und andere Studenten, die sich den Demonstranten entgegenstellten, wurden schwer mißhandelt. Als nach längerer Zeit die Polizei herbeieilte, hatten die meisten Demonstranten, nachdem sie noch zahlreiche Fenster und wertvolle Lehrgegenstände zertrümmert hatten, bereits die Flucht ergriffen. Der Polizei gelang es. 15 Demonstranten festzunehmen, darunter auch eine Studentin. Die beiden Anführer des Ueberfalles konnten bisher nach nicht gesaßt werden — Nr. 22(Zweites Blati) „Schwerter Zeitung“ Freitag, 26. Januar 1934 Fn Gno Sochnt Schwerte(Ruhr), Freitag den 26. Jan. 1934 Die Kornblume in der Winterhüfe Die blaue Blume, wo kommt sie her? Was sagt sie uns Deutschen im Neuen Reich? Sie kommt aus dem kämpfenden volksdeutschen Der Brüder im alten Oesterreich.[Heer Sie war dort das Zeichen von Treue und Trutz, Der Führer trug selbst sie als Knabe voll Stolz. Nun ruft sie uns wieder zu Opfer und Schutz, Ein Volk, das sein Wille zusammenschmolz, Ein Volk über Grenzen geeint in der Not. So ruft es die Blume der Treue uns zu: „Gedenk auch der draußen: die Hunger und Tod Erleiden für Dich! Was opferst Du?!“ Vom Wetter Vorhersage für Freitag: Ueberwiegend wolkig bis bedeckt. Um Südwest schwankende Winde. Verbreitet dunstig bis neblig. Temperaturen tagsüber wenig über dem Gefrierpunkt. Nachts leichter Frost. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Weitere Wetterunsicherheit. : Ehrentafel des Alters. Gestern vollendete die Ehefrau Wilhelm Krick, Schillerstraße 29, ihr 75. Lebensjahr. Der verehrien Lebensjubilarin auch unseren herzlichen Glückwunsch! Ein Zusammenstoß, der noch glimpflich abgelaufen ist, ereignete sich gestern nachmittag auf der Hörderstraße an der Ecke der Dammstraße. Ein aus dieser Straße kommender Radfahrer, der anscheinend die Herrschaft über sein Stahlroß verloren hatte, stieß mit einem die Hörderstraße hinabfahrenden Kraftwagen zusammen. Der Stahlroßlenker wurde zwar in hohem Bogen auf die Straße geschleudert, seine Maschine flog noch einige Meter weiter, doch haben anscheinend beide kaum ernstlichen Schaden genommen. : Flaggenschmuck am 30. Januar. Aus Anlaß der Wiederkehr des Tages der Machtübernahme durch den Volkskanzler Adolf Hitler flaggen am Dienstag, den 30. Januar, die Reichsdienstgebäude im ganzen Reich. Die Bevölkerung wird aufgefordert, sich dem Vorgehen der Behörden anzuschließen. — Auch das preußische Staatsministerium verfügt, daß die preußischen staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts, sowie die Gebäude der öffentlichen Schulen zu beflaggen sind. Ehrliche Finder. Spaziergänger aus Schwerte fanden in Villigst eine Geldtasche mit einem-Inhalt von über 30 Mark. Die Geldtasche, die einem Bäckergesellen aus Ergste gehörte, wurde von den ehrlichen Findern dem Verlierer wieder ausgehändigt. Im Ohl und im Elsebachtal kann der Wanderer zurzeit viel Rehwild sehen. Wir hatten schon kürzlich berichtet, daß auch in unseren Jagdrevieren immer wieder Wilderer am Werk sind. Es ist in diesem Zusammenhang sehr zu begrüßen, daß die Regierung Jagdfrevler mit den schwersten Strafen belegt. - Wenn in Schwerte der Gas= und Wassermann und der Lichtonkel die Gelder einzieht, wird selten ein abgerundeter Betrag bezahlt. Die einzuziehenden Summen enthalten oft Pfennigbeträge. Selten wird der Verbraucher dem Geldeinzieher das Geld abgezählt aus. händigen. Wie die Ortsgruppe Schwerte der NS=Volkswohlfahrt mitteilt, wird der Kassierer die Pfennigbeträge künftig nicht in bar zurückreichen, sondern in Form einer Wertund Opfermarke der NS=Volkswohlfahrt. Für den einzelnen fällt es nicht so sehr ins Gewicht, ob er für seine Gas=, Wasser= oder Elektrizitätsrechnungen z. B. 1,98 Mk. oder den nach oben abgerundeten Betrag von 2.— Mk. zahlt und für die mehrgezahlten 2 Pfg. Opfermarken in Empfang nimmt, jedoch die Menge der Gas=, Wasser= u. Lichtverbraucher wird mit der Zeit durch diese Opferpfennige eine ansehnliche Summe für die Winterhilfe aufbringen. Aus Hamburg wird gemeldet, daß auf diese einfache Weise bereits in einem Monat 20000 Mk. durch die RS=Volkswohlfahrt vereinnahmt sind. Gebietsführer Lorenz Loewer, M. d. R., Führer der Hitlerjugend des Gebietes Westfalen, spricht am Sonntag in seiner Eigenschaft als Landesjugendpfleger zur gesamten Schwerter Jugend. Die Kriminalpolizei warnt! Vorsicht! Autodiebe! In der letzten Zeit mehren sich wieder Fälle, in denen aus parkenden Personenkraftwagen wertvolle Gegenstände aller Art gestohlen werden. Die Kriminalpolizei warnt daher alle Kraftfahrzeugbesitzer, Zulassungs= und andere wichtige Papiere sowie wertvolle Sachen in unbeaufsichtigten Fahrzeugen zurückzulassen. Es empfiehlt sich, das Fahrzeug auf einen bewachten Parkplatz abzustellen und die geringe Gebühr für die Unterstellung nicht zu scheuen. Auch Autodiebstähle sind in der letzten Zeit mehrfach vorgekommen. Bei der Diebstahls=Beratungsstelle im Polizei=Präsidium Dortmund können brauchbare Autosicherungen unentgeltlich besichtigt werden. Vaterl. Frauenverein vom R. K. Bei der am Dienstag, dem 30. Jan., nachmittags 3.30 Uhr im evang. Gemeindehause stattfindenden Jahreshauptversammlung kann die Gewinnliste der Rot=Kreuz=Verlosung, die vom 7.—12. Dezember stattgefunden hat, eingesehen werden. Die Mitglieder werden gebeten, ihre Lose mitzubringen. Träger des Kampfes um die Erhaltung des Deutschtums im Ausland ist der BDA.! Am heutigen Freitag, den 26. Januar, ist der Opfertag des BDA. für das Winterhilfswerk. Ganz Deutschland bekennt sich an diesem Tage zur Schicksalsgemeinschaft des deutschen Hundertmillionenvolkes! Niddy Impekoven, die berühmte Tänzerin, gibt heute im Dortmunder Stadttheater ein Gastspiel. Hitler=Jugend Schwerte Heute Eintreffen der Fahne des Bannes 136. Unter den 342 Bannfahnen, die der Reichsjugendführer Baldur von Schirach am Mittwoch in der Garnisonkirche zu Potdam an der Gruft des„Großen Königs“ weihte, befand sich auch die Fahne des Bannes 136 Iserlohn. Diese Fahne trifft heute, Freitag, den 26. Januar in Hohenlimburg ein. Zur Empfangsfeierlichkeit haben sich alle Führer und Unterführer nach Hohenlimburg zu begeben. Die Führer des Unterbannes Schwerte und Junggenossen, die teilnehmen möchten, stehen um 18 Uhr auf dem Marktplatz zur Abfahrt bereit. (Fahrtkosten 30 Pfg.) der NSDAP. ist, erkannt.— Alle Bürger der Stadt, soweit sie wirtschaftlich dazu in der Lage sind, wollen sich nunmehr der Ortsgruppe Schwerte der NS=Volkswohlfahrt anschließen. Anmeldungsformulare sind zu haben in der Geschäftsstelle Hagenerstraße 40 (Tel. 2021), bei dem Kassenwalter Sparkassendirektor Heinrich Schmidt und bei dem Organisationsleiter Dr. Goecke. Der monatliche Beitrag beträgt mindestens 50 Pfennig. NS=Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Schwerte. Hemeyer, Gruppenwalter. NS.-Volkswohlfahrt Ortsgruppe Schwerte Die einzige Feier des 30. Januar, soll nach den Anordnungen des Führers darin bestehen, daß den Volksgenossen, die noch unter den Folgen der liberalistischen Mißwirtschaft leiden, durch eine besondere Zuwendung von Lebensmitteln und Kohlen der Kameradschaftsgeist der ganzen Nation bewiesen wird. Der nationale Spendentag soll in Hilfsaktionen bestehen. Durch die Winterhilfe der NSVolkswohlfahrt gelangen, wie schon gestern bebekannt gegeben, größere Mengen Lebensmitteln und Kohlen an die hilfsbedürftigen Volksgenossen zur Verteilung. Wieder werden Lebensmittelscheine und für die Konfirmanden u. Kommunikanten Bedarfsdeckungsscheine ausgegeben. Diese kommen auch den Geschäftsleuten der Stadt zugute. Hieraus ergibt sich die Verpflichtung, der NS=Volkswohlfahrt, die das Winterhilfswerk durchführt, als Mitglied beizutreten. Fast jeden Tag fordern die Zeitungen zum Beitritt auf, aber nur wenige haben die Notwendigkeit der Stärkung dieser alles umfassenden Organisation, die zudem eine Hauptabteilung Vom Schwerter Knüppelrüen Eine Ruhrsage. In der Stadt Schwerte läßt sich, wie in manchen anderen Gegenden Westfalens, des Nachts ein großer Hund sehen, der, weil er einen großen Knüppel am Halse trägt, der Knüppelrüen genannt wird und der von des abends 10 Uhr bis zur Morgendämmerung durch alle Straßen läuft. Derselbe tut aber niemanden etwas zu Leide, so lange man ihn in Ruhe läßt. Einmal waren in der Erntezeit mehrere Leute in einem Hause des Nachts am Dreschen, als sie draußen vor der Tür etwas rasseln hörten, als wenn der Knüppelrüen langsam vorbeischliche. Einer der Drescher, der sich darauf verließ, daß die untere Scheunentür verschlossen war, rief durch das Schlüsselloch:„Knüppelhund, wo willst du hin?“— Aber da wurde das Tier wütend, sträubte sein Haar und machte sich größer und wuchs so schnell in die Höhe, daß es beinahe in demselben Augenblicke seine Vorderfüße oben auf die Scheunentür legte. Und als nun alle voll Angst davonliefen und auf eine Kammer oben im Hause flüchteten, da ward das Tier noch größer und legte seine Füße auch in das Kammerfenster hinein und blickte mit glühenden Augen durch die Scheibe. Als es aber die Angst der Leute sah, tat es niemanden etwas, sondern ging nach einer Weile ruhig seines Wegs. Generalversammlung Runternbschäftiichen Vereins„Westwachl Stiswberte Am vergangenen Samstag eröffnete der 2. Vereinsführer Kamerad August Wolf die einberufene Generalversammlung. Er begrüßte die recht zahlreich erschienenen Kameraden mit dem deutschen Gruß„Heil Hitler“. In seiner weiteren kurzen Ansprache tat er einen Rückblick auf den 18. Januar 1871 und brachte hiermit in Zusammenhang den 30. Januar 1933. Kam. Wolf forderte die anwesenden Kameraden auf, jeder an seinem Teil mitzuarbeiten an dem weiteren Aufbau unseres deutschen Vaterlandes. In das auf den Führer Adolf Hitler und dem Generalfeldmarschall von Hindenburg ausgebrachte „Sieg=Heil“ stimmte die Versammlung freudig ein. Sodann wurde der Jahresbericht bekannt gegeben. Aus ihm ergibt sich, daß der Mitgliederbestand während des vergangenen Jahres eine erfreuliche Zunahme erfahren hat. Der 2. Vereinsführer hatte die Freude, das vor kurzem ernannte Ehrenmitglied Wilh. Scherff sen. persönlich begrüßen zu können. Die Kassenabrechnung wurde mit Rücksicht auf noch vorhandene Beitragsrückstände bis zur nächsten Generalversammlung zurückgestellt. Aus einem alsdann zur Verlesung gekommenen Dankschreiben der RS. Volkswohlfahrt Schwerte ging hervor, daß der Verein gelegentlich der Novemberversammlung den Betrag von 8,13 Mt. zur Verfügung stellte. In Anbetracht dessen, daß der Verein„Westwacht“ in diesem Jahre auf ein 30 jähriges Bestehen zurückblicken kann, wurde beschlossen, hiermit eine kleine würdige Feier innerhalb des Vereins zu verbinden. Das weitere in dieser Angelegenheit wurde dem Vorstand überlassen. Unter Punkt Verschiedenes wurde darauf hingewiesen, daß zu allen Anlässen die Hakenkreuzbinde zu tragen ist. Ferner wurde bekannt gemacht, daß im Februar eine Sitzung im Ortsverbande stattfindet. Der diesjährige Korpsappell findet am 30. 6., 1. u. 2. 7. 1934 in Bielefeld statt. Der 2. Vereinsführer, als Geschäftsführer des Haeselerbundes, konnte weiter die erfreuliche Mitteilung machen, daß das bisher ausbezahlte Sterbegeld bei gleichbleibenden Beträgen bestehen bleibt. Die neue Kyffhäuserfahne ist inzwischen eingetroffen. Zu Fahnenoffizieren wurden die Kameraden Wehmeyer und Görke bestimmt. Die Lokalfrage war schnell gelöst, es ergab sich einstimmige Wie. derwahl des langjährigen Vereinslokales Klempt. Die Versammlung wurde alsdann gegen 10,30 Uhr geschlossen. Im Anschluß daran wurde der gemütliche Teil dem Kam. Otto Schulte übertragen. Bei abwechselnden Vorträgen und gemeinschaftlich gesungenen Liedern flossen die schönen Stunden allzu schnell dahin. — Zufolge einer Einladung der SA.=Reserve l. hat der Verein übrigens an der Reichsgründungsfeier im Freischütz ziemlich vollzählig teilgenonmen. Heute ist der Opfertag der 88u. für dus Winkerhitseweit Deutsche im Reich trägt die blaue Kornblume zustand ist so schlecht, daß sie den Anstrengungen des Unterrichts nicht gewachsen sind! Wir dürfen in unserem eigenen, selbsterkämpften, bescheidenen Glück des Nicht=Hungern und Frieren=Müssens nicht vergessen, daß dieses bißchen Glück an den deutschen Grenzen aufhört, daß an den deutschen Grenzen aber nicht aufhört die deutsche Volksgemeinschaft und daß deutsche Not jenseits der Grenzen unsere eigene deutsche Not ist. Auf der böhmischen Seite des Erzgebirges, im Böhmerwald, im Adlergebirge, im geschlossenen deutschen Sprachgebiet hat die Not unter den er. werbslosen Heimarbeitern einen Umfang angenommen, für den wir im Reich gar keine Vergleichsmaße haben. Auch dort werden die Schulen gesperrt, weil die Kinder zu schwach sind, den Schulweg zu gehen. Dort sind Kartoffeln und Wurzeln die einzige und letzte Nahrung deutscher Menschen. Dort schlachtet man Hunde und Katzen zum Sonntagsbraten. Dort leben kinderreiche Familien von sage und schreibe einer Mark und fünfzig Pfennigen, die der Stadt als wöchentliche Unterstützung zahlt!„.K 8. In diesen Gebieten haben von jeher die Aermsten der Armen gewohnt. Der kleine Bodenbesitz der Händler hat niemals das zum Leben Notwendigste geliefert; das Erträgnis schwerster Heimarbeit von Eltern und Kindern an Spielzeug, Spitzen, Handwebe, Schachteln und dergleichen hat immer nur gerade für's nackte Leben gereicht— jetzt ist das letzte Stück Kleinvieh längst geschlachtet, die auf Export angewiesene Heimindustrie findet keinen Absatz... Das sind Hinweise, die nicht ins Einzelne gehen in ihrer Schilderung. Aber die Berichte, die aus diesen Notgebieten nach Deutschland gelangen, enthalten Einzelheiten, die, über alle unsere Vorstellungen von Not hinausgehend, wie grausame Fantasie anmuten. Sie sind oft ebenbürtig jenen, die aus den deutschrussischen Hungergebieten kommen. * Die Zielsicherheit, mit der der neue Staat alle seine Kräfte und die der ganzen Nation zusammengefaßt hat, um zunächst und um jeden Preis die Not deutscher Volksgenossen zu beseitigen oder wenigstens zu lindern, läßt ein gedankliches Ausweichen gar nicht zu. Wir haben es verlernt, nach rückwärts zu sehen. Wir haben vergessen, um das Bild dieses Winter 1933=34 auszumalen, wie er für Millionen Volksgenossen geworden wäre, wenn— nicht dieser neue Staat und dies nicht minder erneuerte Volk ihm und seiner Not den Krieg erklärt hätten. Wir brauchen das Bild nicht, um Vergleiche zu ziehen. Die grausame Wirklichkeit steht noch vor uns. Große Teile des deutschen Volkes leben nicht mehr in Staaten eigener Prägung. nicht in Staaten, die Organe ihres eigenen Wesens und Wollens sind und also nicht in Staaten, die all ihre Macht darauf vereinen, deutscher Not zu steuern. Und sie sind in tiefer Armut außerstande, sich selber zu helfen. Was die mehr oder weniger offene Feindseligkeit des artfremden Staates noch nicht vermag, vollendet oft die Volksfeindlichkeit liberalistischer und marxistischer Parteien= gebilde, die an der Seite des Staates treten, wenn es gilt, das Werden der Volksgemeinschaft zu verhindern. Große Teile der deutschen Volksgemeinschaft leiden Not, deren Ausmaße den Deutschen des neuen Reiches kaum noch vorstellbar sind. Eine polnische Zeitung, der Deutschfreundlichkeit nicht nachzusagen ist, hat kürzlich die Lage der Polen in Polnisch=Oberschlesien mit der Lage der Polen in Deutsch=Oberschlesien verglichen und dabei gesagt, die Polen im deutschen Teil brauchten nicht Hunger zu leiden und in Erdlöchern zu hausen, es ginge ihnen unvergleichlich besser, als den Polen im polnischen Teil. Das sagte eine Zeitung, die um das Los der Polen besorgt war. Wenn sie aber schon das Los der Polen im eigenen Lande so weit unter das Los der Polen in Deutschland stellt— um wieviel schlechter muß es den Deutschen in Polnisch=Oberschlesien gehen, die ihres Deutschtums wegen besonderem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt sind! Ein Bild kennzeichnet ihre Lage: eine große Anzahl deutscher Schulklassen hat man schließen müssen, weil die Schulkinder den Unterricht nicht besuchen können; sie haben weder Kleider noch Schuhe, und ihr ErnährungsAm 26. Januar sammelt der„Volksbund für das Deutschtum im Ausland“ im ganzen Reich für die Winterhilfe des deutschen Volkes. Seine jugendlichen Helfer verkaufen an diesem Tage das alte volksdeutschen Zeichen, die blaue Kornblume. Jeder Deutsche soll sie an diesem Tage tragen und sich durch sie bekennen zur Schicksalsgemeinschaft des Hundertmillionenvolkes. Der Feierabend für die Opfer der Arbeit! ecke Das gewaltige Werk„Kraft durch Freude ist Dank des Führers Adolf Hitler und der Leitung der Deutschen Arbeitsfront für die vorbildliche Haltung der deutschen Arbeiterschaft an dem Schicksalstage des 12. November 1933. Auch die im Gesamtverband deutscher Arbeitsopfer e. V. vereinigten Opfer der Arbeit haben Anspruch auf diesen Dank erworben. Sie, die ehemals als „altes Eisen", als„Krüppel“ verbittert abseits stehen mußten, sind schon nach wenigen Monaten unter nationalsozialistischer Führung zum ten Teil für das Dritte Reich gewonnen worden. In zahlreichen Kundgebungen bestätigte es sich, daß die im Mai 1933 begonnene Erziehungsarbeit reiche Früchte getragen hatte. Am 12. November selbst gingen die Ortsgruppen zumeist geschlossen an die Wahlurne, um dem Erneuerer des Reiches und Volkes ihr Treuebekenntnis abzulegen. Hatte er doch am 1. Mai 1933 ihren Anspruch auf einen Ehrenplatz im Rahmen der Volksgemeinschaft anerkannt und einer Abordnung von Arbeitsopfern gegenüber erst am 14. Dezember 1933 zum Ausdruck gebracht, wie warm er sich denen verbunden fühlt, die im Dienst der nationalen Arbeit Blut und Leben eingesetzt haben. Von Anbeginn stand fest, daß eine der Hauptausgaben des Gesamtverbandes deutscher Arbeitsopfer sein müsse. Freude in das bislang trostlose Leben dieser Alten und Gebrechlichen zu tragen. Keine Mühe und keine Kosten wurden gescheut, um den Opfern der Arbeit in wohlgelungenen Veranstaltungen Anteil am kulturellen Leben der Nation zu geben. Die NS. Frauenschaft, die NS. Volkswohlfahrt, die Hitler=Jugend, die Musikzüge der SA, der SS oder des Stahlhelms und der NS. Kampfbund für deutsche Kultur stellten sich bereitwilligst in den Dienst der Sache, den Lebensabend der Alten zu verschönern und iihnen die schon verloren geglaubte Lebensfreude zurückzugeben. Für die Empfänger von Renten aus der Sozialversicherung kommt es ja nicht mehr darauf an, durch Freude neue Kraft für den ferneren Lebenskampf zu gewinnen. Sie sind aus dem Arbeitsprozeß ausgeschieden, ihre Kraft ist geschwunden; sie erheben nur noch Anspruch auf Ausruhen nach einem Leben voller Mühe und Arbeit, auf ihren wohlverdienten Feierabend. Die Erfahrungen, teilweise in gemeinschaftlichen Veranstaltungen mit der Deutschen Arbeitsfront, der NSBO. oder anderen Verbänden, haben gelehrt, daß die Organisation„Kraft durch Freude“, die, wie ihr Name schon sagt— im wesentlichen auf die werktätigen Volksgenossen abgestellt ist für die Opfer der Arbeit nicht ganz geeignet ist. Schon die Interessensphäre der Alten und Jungen ist eine andere. Das Alter hängt viel mehr an den Erinnerungen an die eigene Jugendzeit und findet sich nur schwer in die moderne Fortentwicklung des Kulturlebens hinein. Umgekehrt haben Jugend und Mannesalter oft wenig Verständnis für Darbietungen, an denen das Herz der Eltern und Großeltern hängt. Zudem fühlen sich Jüngere oft durch die Anwesenheit des Alters oder gar Gebrechlichen ebenso beengt, wie es naturgemäß auch umgekehrt der Fall ist. Hinzu kommt die Kostenfrage. Es ist selbstverständlich, daß die Organisation„Kraft durch Freude“ ihre Darbietungen nicht kostenlos zur Verfügung stellen kann. Arbeitsopfer haben aber nichts als ihre durch die Notverordnungen geschmälerten Renten, die ihnen eigene Ausgaben für ihre Lebensfreude und ihren Feierabend nicht gestatten. Für sie ist selbst die kleine Abgabe für Garderobe schon zu hoch. In Großstädten müssen die Veranstaltungen für die Arbeitsopfer weitgehend dezentralisiert werden. Die alten und gebrechlichen Volksgenossen können größere Wegstrecken zu Fuß nicht mehr zurücklegen und Fahrgelder für Verkehrsmittel nicht aufbringen. Der Besuch einiger größerer Veranstaltungen des Gesamtverbandes deutscher Arbeitsopfer bei freiem Kaffee und Kuchen blieb infolge des Garderoben= und Fahrgeldes hinter den Erwartungen zurück, während solche im eng begrenzten Bezirk überfüllt waren. Schließlich sind Darbietungen für das Alter ungeeignet, die in die Abendstunden fallen, da das Alter früh ermüdet und den Heimweg in der Nacht scheut. Veranstaltungen für die Arbeitsopfer müssen in die Nachmittagsstunden gelegt werden. Alle diese Erfahrungen lassen befürchten, daß die für die Werktätigen begrüßenswerte Einrichtung„Kraft durch Freude“ die aus dem Arbeitsprozeß Ausgeschiedenen schwerlich erfassen und nicht in der Lage sein wird, diesen Volksgenossen ihren wohlverdienten Feierabend zu gestalten. Daher hat sich der Reichsverbandsführer des Gesamtverbandes deutscher Arbeitsopfer e. V., Pg. Ebeling, entschlossen, im Rahmen seiner Organisation und selbstverständlich in engster Anlehnung an die Organisation „Kraft durch Freude“ eine besondere Feierabend=Einrichtung für die Opfer der Arbeit zu schaffen. Geeignete Amtswalter, möglichst selbst Opfer der Arbeit und unbedingt Träger nationalsozialistischer Weltanschauung, sollen zwecks Ausgestaltung des Feierabends in allen Landesverbänden herangezogen werden, die für völlig kostenlose Veranstaltungen und Darbietungen, Vorträge, Filme, Theater und gute Musik Sorge zu tragen haben. Da nach dem Willen des Führers für die Opfer der Arbeit wie für die des Krieges das Beste gerade gut ist, soll jeder Kitsch vermieden und nur Ausgezeichnetes geboten werden. Für ausreichende Dezentralisierung in kleinen und kleinsten Bezirken zwecks Vermeidung weiterer Wege ist zu sorgen. Die Darbietungen sollen mit dem erforderlichen Takt der Eigenart und der Psyche der Alten angepaßt sein und sie mit dem Inhalt nationalsozialistischer Weltanschauung als dem Sehnen der Väter und Urväter bekannt machen. Darüber hinaus wirkt der Gesamtverband deutscher Arbeitsopfer e. V. mit eigenen Veranstaltungen an der Ausgestaltung des Feierabends durch verbandseigene Film= und Schallplattendarbietung im oben dargelegten Sinne mit. Auch die verbandseigenen Erholungsheime, die mit rund 300 Betten jährlich 5000 Opfern der Arbeit kostenfreien Erholungsaufenthalt mit den erforderlichen leiblichen und geistigen Genüssen bieten, dienen dem Feierabendgedanken. Frühere Verbände von Arbeitsinvaliden waren Kampf= und Interessenverbände, die dem liberalistischen Zeitgeist entsprechend ohne Rücksicht auf die Volks= und Schicksalsgemeinschaft der Nation geführt vurden. An der Spitze des Gesamtverbandes deutscher Arbeitsopfer e. V. stehen Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung und Träger ihrer Weltanschauung, die sich in Treue und Dienst am Volke erschöpft. Den alten und gebrechlichen Volksgenossen, den hilfsbedürftigen Eltern und Großeltern unserer jungen nationalen Kämpfer dienen und ihnen den wohlverdienten Feierabend nach einem Leben von Mühe und Arbeit gestalten zu dürsen, ist eine hohe Aufgabe, deren sich die Amtswalter des Gesamtverbandes deutscher Arbeitsopser e. V. würdig erweisen werden. gez. Ebeling, Führer des Gesamtverbandes deutscher Arbeitsopfer e. V. Veröffentlicht durch die Ortsgruppe Schwerte Zahlstellenverbandsführer. Weber Aus dem Nachbargebiel Hengsen. Ueberschwemmung im Keller. Die Einwohner der Hengser Straße mußten feststellen, daß die Kellerräume vollständig unter Wasser standen. Der Gemeindevorsteher ließ auf eine Meldung hin sofort durch Erwerbslose eine Spritze der Feuerwehr herbeiholen, und die Keller leerpumpen. Sechs Stunden hatte man zu tun, um die Wassermengen zu beseitigen. Den Einwohnern ist durch das Wasser ein beträchtlicher Schaden entstanden. Amtssekretär Rademacher vermißt! Holzwickede, 25. Jan. Am Montagnachmittag entfernte sich, wie der„Hellw. Anz.“ meldet, der Leiter der hiesigen Steuerhebestelle, August Rademacher, von hier, Tengelmannstraße, zur gewohnten Zeit aus seiner Wohnung, um sich zum Dienst zu begeben. Er ist jedoch am fraglichen Nachmittag zum Dienst nicht erschienen. Auch ist er nicht wieder in seine Wohnung zurückgekehrt. R. wird seit dieser Zeit vermißt. Er ist 35 Jahre alt, 1,69 Meter groß, hat blasses und glattes Gesicht und hellblondes Haar. Wie mitgeteilt wird, ist der Vermißte am Montagnachmittag am Billmericher Busch gesehen worden. Seit dieser Zeit fehlt wieder jede Spur von ihm. Da er mit einem Nervenleiden behaftet ist, wird angenommen, daß er planlos umherirrt. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist seine Kassenführung in bester Ordnung. Zweckdienliche Angaben wolle man bitte an die Polizeibehörde des Amtes Unna=Kamen richten, bezw. den Rademacher in Schutzhaft nehmen. Inzwischen ist von Siegen aus eine Postkarte angekommen mit der Aufschrift:„Ich kann nicht mehr!“ Holzwickede. Der Allgemeine Kleintierzuchtverein hielt seine JahresHauptversammlung im Vereinslokal Böhle ab. Zum neuen Führer des Vereins wurde Herr Eckey gewählt. Er ernannte zu seinem Stellvertreter Herrn H. Kersenbrock, zum Schriftführer Herrn Fritz Beckmann und zum Kassierer Herrn Klockenhoff. Zum Obmann der Schweineversicherung wurde Herr Jacobs bestimmt. Die früheren Vertrauensmänner bleiben im Amt. Aus der Schweineversicherungskasse wurden für das Winterhilfswerk 100 RM. gespendet. Holzwickede. Aus der Bewegung. Die Ortsgruppe der NSDAP. hatte ihre Mitglieder zur Jahreshauptversammlung in das Lokal Böhle eingeladen, an der auch die Sektion Hengsen=Opherdicke durch eine Vertretung teilnahm. Der Ortsgruppenleiter Pg. GeldmacherHolzwickede hielt, nachdem er die Parteigenossen begrüßt hatte, einen Rückblick auf das vergangene Jahr und seine politischen Ereignisse. Sodann erteilte er dem Leiter des neuen Kreises Unna, Pg. Meinert=Unna, das Wort. Dieser richtete ebenfalls freundliche Begrüßungsworte an die Erschienenen.— Pg. Geldmacher berichtete fodann, daß Opherdicke von nun an ein eigener Stützpunkt sei. Er ernannte alsdann Pg. Fritz Nolte zum Stützpunktleiter, Pg. Karl Schulte zum Kassenwart und Pg. Josef Höber zum Schriftwart. Fröndenberg, 23. Jan. Verhaftung eines Ausbeuters. Wegen Ausbeutung seiner Arbeitskameraden wurde der Vorabeiter H. von der hiesigen Union GmbH. verhaftet. H. hatte seine Stellung benutzt, um die von ihm abhängigen Arbeitskameraden zur Geldhergabe zu veranlassen. Trotz wiederholter Erinnerungen gab er das„geliehene“ Geld nicht zurück. Dir Firma wurde dafür durch Anschreiben höherer Akkordsätze zugunsten der Geldleiher geschädigt. Den ausbeuterischen Methoden des H. kam man jetzt auf die Spur. Börfen und Märkte Notierungen der Großhandelspreise des Großmarktes für den Nährstand zu Dortmund. Dortmund, 25. Jan. Es notierten in RM.: Weizen: Westfälischer Weizen 75/76 kg. 194—195, Preisgebiet VII 190, dto. VIII 191 dto. X 194; Roggen: Westf. Roggen 71/72 kg. 166—168, Preisgebiet VI 154, dto. VII 159, dto. VIIl 161; westf. Hafer 156—157, süddeutscher Hafer 165—167,50, ostfries. Hafer 170; Wintergerste 178—180, Russengerste 186 bis 188; Platamais 195, Cinquantinomais 205 Weizenmehl: Auszugsmehl, Asche 0,405 32,50—32,75, Bäckermehl, Asche 0,79 27,50 bis 27,75; Roggenmehl: Westdeutsches, Asche 0,82 24,50 bis 24,75, ostdeutsches. Asche 0.82 23,25—23,50; Weizenkleie, feine 11.25—11.50 dto. grobe 11,75—12,25 Roggenkleie 10 bis 10,25, Trockenschnitzel 10,25—10,50, SteffenZuckerschnitzel 12 bis 12,25.— Tendenz: ruhig. Handelklassen ohne Angebot.— Die Festpreise verstehen sich frei Verladestelle des Erzeugers. Die übrigen Preise sind Großhandelspreise und verstehen sich bei Getreide per Tonne sonst per 100 kg. waggonfrei Dortmund in Ladungen von 15 000 kg.; bei Mehl zu den Mühlenkonventionsbedingungen. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: einz Friedr. Kamecke, Schwerte R. Verantwortlich für den gesamten Textteil: Heinz Friedr. Kamecke, Schwerte=N. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D.=A. XII. 33. 1750. DER TOD DES ARTHUR EHLERT ROMAN VON KOPERNIKULUS Copyright by M. Feuchtwanger, Halle a. d. S. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Und er begann: „Hochgeehrtes gnädiges Fräulein!“ Weiter kam er nicht. Und er mußte lange hin= und herüberlegen, ehe er einen Anknüpfungspunkt gefunden hatte, der ebenso solide wie gebildet wirkte. Er schrieb: „Da ich annehmen muß, daß ich wahrscheinlich zu einer Zeit zu Ihnen kommen würde, wenn Sie gerade mit Stundengeben beschäftigt sind und ich Ihnen nicht auf diese Weise störend kommen möchte, so richte ich meine Anfrage schriftlich an Sie, mein gnädiges Fräulein, ob Sie in den nächsten vier resp. acht Wochen in der Lage wären, mir Klavierunterricht zu erteilen... Nun wollte er unwillkürlich schreiben, daß diese Klavierstunden in der Mittagszeit oder abends stattfinden müßten, besann sich aber sogleich, daß die Klavierstunden nicht der eigentliche Zweck seines Schreibens waren. Wahrscheinlich war sie gerade an diesen Tageszeiten stark besetzt und schrieb ihm womöglich aus diesem Grunde ganz ahnungslos ab. So fuhr er denn fort: „Ich weiß zwar nicht, ob es sich in meinem Alter und bei meinem Beruf überhaupt lohnen wird, den Versuch zu machen, das Klavierspiel zu erlernen. Denn ich bin Geschäftsreisender und nähere mich den Vierzig. Da sind die Hände vielleicht schon zu ungelenkig geworden.“ Horneffer hielt inne und las den Satz noch einmal durch und stellte fest, daß er anfing, ein bißchen deutlich zu werden. Nein, er wollte doch den Eindruck erwecken, als ob es ihm mit dem Klavierspielen ernst sei. „Allerdings muß ich sagen, daß mir auch schon ein theoretischer Unterricht sehr wichtig wäre, da ich glaube, daß man dann auch schon vom Hören guter Musik einen größeren Genuß und ein größeres Verständnis für bedeutende Werke hat.“ Wieder überlegte er und fand, daß diese Wendung eigentlich geradezu verdächtig klinge. Theoretischer Unterricht. Bei einer Dame. Bei einer jungen Dame. Daher beugte er vor: „Nun werden Sie vielleicht fragen, gnä diges Fräulein, warum ich mich da nicht an einen Klavierlehrer wende, deren es ja in Berlin so viele gibt. Und da muß ich Ihnen, selbst auf die Gefahr hin, ausgelacht zu werden, gestehen, daß ich— abergläubisch bin.“ Lachend hielt der Schreibende inne. Vergnügt schrieb er weiter: „Als ich nämlich den Gedanken faßte, noch auf meine alten Tage Klavier spielen zu lernen, las ich zufällig in dem Fremdenbuch des Hotels„Reichshof“ in X. Ihren Namen, mit dem Zusatz Klavierlehrerin. Das war doch ein Wink... Er stockte plötzlich.„Mit dem Zaunpfahl“ wollte er schreiben, aber jäh stand mit einem Male das Bild jener geheimnisvollen Frau im schwarzen Pelzmantel vor ihm. Himmel, wohin verrannte er sich denn? Schrieb man so an einen Menschen, der solch einen Eindruck auf einen gemacht hatte? Er ergriff wieder den Federhalter und beendete den angefangenen Satz mit den Worten:„ein Wink des Schicksals.“ Dann schrieb er weiter: „Vielleicht haben auch Sie mich dort gesehen, wenn auch nicht beachtet. Ich bin Ihnen einmal auf der Treppe begegnet. Später wollte ich mich Ihnen noch vorstel. len, aber da waren Sie schon abgereist.“ Er las nun den ganzen Brief einmal durch. Sehr erbaut war er von seinem Schreiben zwar nicht und sagte sich, daß er sich einen Brief an jene Dame eigentlich anders gedacht hatte. Aber wer war diese Dame? Fräulein Schulz aus Berlin, Klavierlehrerin! Seine genaue Berliner Adresse hatte er dazu geschrieben. Und als er auch das Kuvert ausgefüllt hatte, überkam ihn eine prickelnde Stimmung. Nun war wieder etwas im Gange. Nun wurde wieder etwas. Er reckte unwillkürlich die Arme und erhob sich. Im Stehen trank er den Rest seiner Porter und griff dann nach seinem Mantel. Da kam der Ober herbei, um ihm behilflich zu ein.„ 97 Am Freitag war er wieder in Bernin. Da hatte er erst einmal viel Geschäftliches zu erledigen. Denn Herr Wittisch, der Prokurist für die Expedition, pflegte stets einen ganzen Block voll Fragen in Abwesenheit der Reisenden zu notieren. Und so kam Kurt Korneffer an diesem Freitag erst abends nach seiner Wohnung. Dort war seine erste Beschäftigung, den großen Briefkasten, der an der Innenseite der Entreetür angebracht war, zu öffnen, um nachzusehen, ob er eine Antwort auf seinen Brief erhalten hatte. Er nahm die ganze Post heraus, trat damit ins Zimmer und breitete die Briefschaften auf dem Tische aus. Er griff sofort nach einem kleinen, schmalen, bläulichen Kuvert, auf dem er die Handschrift der Klavierlehrerin, die er von dem Fremdenbuche her in guter Erinnerung hatte, erkannte. Nun war doch eine Spannung, ja fast eine Erregung in ihm. Trotzdem riß er das Papier nicht entzwei, sondern schnitt den Umschlag sorgfältig mit dem Taschenmesser auf. Und mit erzwungener Ruhe nahm er das steife Briefpapier heraus. Enttäuscht blickte er auf das Schreiben, das nur aus wenigen Zeilen bestand: „Mein Herr! Indem ich Ihnen für Ihren freundlichen Brief bestens danke, bitte ich Sie, mich Sonntag, vormittags zwischen zwölf und ein Uhr, zwecks Rücksprache zu besuchen. Ergebenst Annemarie Schulz.“ Das ist wenig, dachte Horneffer und warf einen müden Blick auf die anderen Postsachen. Es waren nur einige Drucksachen und eine Rechnung. Und dann kam die Abspannung der langen Geschäftstour und besonders des Tages der Rückkehr über ihn. Aber trotz der infolgedessen sehr herabgestimmten Gemütsverfassung sagte er sich doc gerechterweise, daß sie schließlich ja nichts weiter haben schreiben können und daß es ihn doch viel mehr enttäuscht haben würde, wenn sie sich ihm sofort brieflich„au den Hals geworfen, hätte.“ Eigentlich paßte diese Reserviertheit ganz zu ihrer Erscheinung und machte sie für ihn nur interessanter. Nun, Sonntag würde er ja sehen. Es war bereits neun Uhr, als sich Kurt Horneffer am Sonntagmorgen erhob, und er hörte schon Frau Mietzkus, die Aufwärterin, im Nebenzimmer hantieren. Im allgemeinen hielt er es so, daß Frau Mietzkus erst dann in die Wohnung kam, wenn er selber schon ausgegangen war, aber diesmal war Zahltag. Sie hatte noch für eine halbe Woche Lohn und dann dafür, daß sie in den fünf Wochen, in denen Horneffer unterwegs gewesen war, wöchentlich einmal „nachsehen“ gekommen war(das konnte der Hauswirt bestätigen; sie verlangte nichts umsonst) eine Entschädigung beanspruchen. Ferner hatte sie in der Zwischenzeit Horneffers Wäsche gewaschen. Und dann— ja, dann rechnete sie auch noch auf eine nachträgliche Weihnachtsgratifikation. Fortsetzung folgt. Die Stärke der Saarregierung: Verbote Saarbrücken. Die Knebelung der öffentlichen Meinung und die Eingriffe in das Kulturleben der Saarbevölkerung werden von der Saarkommission mit unverminderter Schärfe fortgesetzt. Jetzt hat die Abteilung des Innern der Regierungskommission die Aufführung der Theaterstücke„Heimatscholle“, preisgekröntes Drama von F Schawe,„Brüder in Ketten" von Hermann Marzellus, und„Lehrer Zessinger“, ein Südtiroler Notbild von J. Hieß untersagt. Verboten wurde gleichzeitig die Vorführung eines Filmstreifens mit Lichtbildern und der dazu gehörige Vortrag„Adolf Hitler und die Geschichte seiner Bewegung". Uniformverbot für Touristenvereine im Saargebiet aufgehoben Saarbrücken. Nachstehenden Vereinen wurde die vorläufige Genehmigung zum Tragen derjenigen einheitlichen Kleidung oder einzelner Teile einheitlicher Kleidung, die sie bis zum 14. Dezember 1933 getragen haben, erteilt: 1. Touristenverein der Naturfreunde a) ältere Gruppe: grünes Sporthemd, schwarze Baskenmütze; b) Jugendgruppe: blaues Sporthemd, schwarze Baskenmütze; 2. Germania=Wanderbund: Führer rotes Barett, grüngelber Binder, kurze schwarze Hose; Jungen: schwarzes Barett, sonst wie vor; allgemeines Abzeichen: G mit der Rune; 3. Königin=Luise=Bund: blaues Kleid. Schracksiches Ende einer kindlichen Reckerei der Lungten der Arwa 708 Geldtransporte begleitet— 17 Bahnbedienstete als Diebe entlarut Bü- Beeu.#n ae eschetelt uner uin. Kadente Mainz. Hier hat eine kindliche Neckerei einen schrecklichen Abschluß gefunden. Mehrere Schulbuben, die gerade die Schule verlassen hatten, stürzten sich auf einen aus drei Wagen bestehenden Lastkraftzug, um eine Strecke mitzufahren. Der Beifahrer, der auf dem letzten Anhänger saß und die Gefahr erkannte, wehrte die Knaben ab. Diese ließen sich aber von ihrem Vorhaben nicht adbringen und sprangen nun auf den zweiten Anhänger. Der Beifahrer kroch über die Säcke, um dem neckischen Spiel der Jungen ein Ende zu bereiten. Ein elfjähriger Knabe, der sich auf die Verbindungsstange gesetzt hatte, stolperte beim Abspringen und fiel hin. Die Räder des schwerbeladenen Anhängers gingen ihm über den rechten Unterschenkel und über den Unterleib, was seinen sofortigen Tod herbeiführte. Dieser furchtbare Unfall gibt wiederum Veranlassung, auf die immer wieder gerügte Unsitte der Jugend hinzuweisen, auf fahrende Autos aufzuspringen. Nicht nur der Eltern, sondern auch der Lehrerschaft dringendste Pflicht ist es, die Jugend vor diesem leichtsinnigen Treiben zu warnen. Feierliche Eröffnung des Anerbengerichts in Köln Köln. Im Justizgebäude am Reichensperger Platz wurde mit einer ernsten, würdigen Feier das Kölner Anerbengericht eröffnet. Amtsgerichtsrat Münch, der Vorsitzende des neuen GeKöln. Wohl selten kommt dem Reisenden auf seiner Fahrt durch die deutschen Gaue zum Bewußtsein, daß viele hundert Menschen um den Schutz seines Lebens und Gutes besorgt sind. Er weiß nichts von der aufreibenden Tätigkeit der Beamten des Reichsbahnüberwachungsdienstes, die selten in die Erscheinung treten, aber umso wirkungsvoller arbeiten, besonders da, wo man sie nicht vermutet. Er weiß auch nichts von den betrieblichen Kontrollen, die bei dem größten Verkehrsunternehmen der Welt, der Deutschen Reichsbahngesellschaft, unverhofft und energisch durchgeführt werden. Nur alle Vierteljahre, wenn die Uewa mit ihren Erfolgsübersichten an die Oeffentlichkeit tritt, wird die Aufmerksamkeit auf diese treuen Beamten gelenkt, die für Ordnung und Sauberkeit sorgen. Dann nimmt die Bevölkerung mit Befriedigung davon Kenntnis, daß mit den Spitzbuben und Betrügern in= und außerhalb des Reichsbahnbetriebes gehörig aufgeräumt wird, und daß die Erfolge der Uewa jeden abschrecken, der sich mit dem Gedanken trägt, sich an fremdem Gut zu vergreifen. 120 en Im letzten Quartal 1933 wurden im Bereich der Kölner Reichsbahndirektion insgesamt 346 Diebstähle festgestellt. Von ihnen entfielen 34 auf Gepäck= und Expreßgut, 44 auf Eilstückgut, 232 auf Frachtstückgut und 336 auf Wagenladungen. Insgesamt wurden durch die Beamten der Uewa 101 Diebe ermittelt. Privatpersonen machten auf fünf Spitzbuben aufmerksam, die gefaßt werden konnten. Von diesen 106 Dieben waren 17 Reichsbahnbedienstete und 89 Betriebsfremde. Unregelmäßigkeiten im Betriebsdienst wurden in 394 Fällen festgestellt, sonstige Unregelmäßigkeiten 91. Jm Verlehrsvienst waren 853 Beanstandungen erforderlich, die sich bei der Prüfung der Fahrkarten ergaben. Im Gepäck= und sonstigen Verkehr waren insgesamt 225 Unregelmäßigkeiten zu verzeichnen. Diebesgut im Werte von 2 668 Mark konnte den Geschädigten zurückgeschafft werden. Nachweislich wurden von den Uewa=Beamten 20 Diebstähle vereitelt. Die Aufmerksamkeit der Reichsbahnüberwachung erstreckt sich aber auch auf ein weiteres Gebiet als nur die Ermittlung von Dieben und Betrügern. So wurden in der Berichtszeit 30 entwichene Fürsorgezöglinge aufgegriffen und drei Personen wegen Diebstahls zum Nachteil von Privatpersonen der Staatspolizei zugeführt. Insgesamt 708 Geld= und Goldtransporte wurden von bewaffneten Uewa=Beamten begleitet und 79 Reisenden bei Unfällen und Erkrankungen die erste Hilfe geleistet. Daß die Kontrollbeamten „Mädchen für alles“ sind, beweist, daß sie neun Brände löschten. Weiter wurden Fundgegenstände im Werte von 1391 Mark sichergestellt. Bemerkenswert ist, daß neun Schmuggler, die der „grünen Gefahr“ an der Grenze entgangen waren, geschnappt und ihnen das Schmuggelgut im Werte von 550 Mark abgenommen wurde. Zum Schluß noch ein Wort an die Eltern und Erzieher. Die Unsitte der Jugendlichen, auf fahrende Züge mit Steinen zu werfen, hat schon mancher Familie ein böses gerichtliches Nachspiel eingetragen, da die Eltern für die Handlungen ihrer minderjährigen Kinder verantwortlich sind. Auch diesmal wieder mußten sechs Kinder zur Anzeige gebracht werden, die durch Steinwürfe den Personentransport der Reichsbahn gefährdeten. net außer Kraft treten sollten. Diese Bestimmung des Polizeiverwaltungsgesetzs, deren Inkrafttreten hinsichtlich der Bergpolizei=Verordnungen bereits wiederholt hinausgeschoben worden ist, soll nach einem jetzt vom preußischen Staatsministerium beschlossenen Gesetz auf die Bergpolizei=Verordnungen erst vom 1. April 1935 ab in Anwendung gebracht werden. Bis zu diesem Zeitpunkt bleiben also die alten Bergpolizei=Verordnungen auch in Geltung, vorausgesetzt, daß sie nicht in der Zwischenzeit durch neue bergpolizeiliche Vorschriften ersetzt werden. richts, wies in längerer Ansprache auf die Bedeutung der Anerbengerichte für den deutschen Bauernstand hin. Das Ziel des Reichserbhofgesetzes und damit das Ziel des Erbhofgerichts sei es, das Bauerntum als Blutquelle des Deutschtums zu erhalten, es vor Zersplitterung und Ueberschuldung zu bewahren und möglichst viele kleinere und kleine lebensfähige Höfe zu schaffen, die über das ganze Land verstreut sein sollen. Das Reichserbhofgesetz sei ein Gesetz des Vertrauens, da es zur tätigen Mitarbeit den Bauern selbst berse, Bosd, Vendtgztgt Münch den.——.... tag mickach neuen Kölner Anerbenrichtern ihre Bestallungs Staatsbegräbnis für halnes Alebach Verhandlung ein. Die Sitzungen sind nichtöffentlich. Bergpolizeiverordnungen bleiben vorerst in Kraft Köln. Im Preußischen Polizeiverwaltungsge: setz vom 1. Juni 1931 war bestimmt worden, daß Polizeiverordnungen, die keine Beschränkung der Geltungsdauer enthalten, automatisch nach 3 Jahren vom Zeitpunkt ihres Erlasses ab gerechKöln. Wie gemeldet, ist am 20. d. M. der bekannte Kämpfer gegen den Separatismus, Hannes Miebach, einem Flugzeugunfall bei Warnemünde zum Opfer gefallen. Mit ihm hat das deutsche Volk einen seiner aktivsten Abwehrkämpfer verloren. Als 21jähriger schlug er mit seinen Gesinnungsgenossen den von dem berüchtigten Separatistenführer Smeets entfesselten Aufstand im Rheinland nieder, wandte sich dann nach München und reihte sich in die vaterländische Front unter Oberleutnant Schultz und Major Buchdrucker ein. Am 9. Februar 1924 machte er der separatistischen Herrschaft der Landesverräter in der Pfalz ein Ende. Sein führender an der Erschießung des Hauptes dieser Bande, Heinz Orbis, im Wittelsbacher Hof in Speyer ist in diesen Tagen eingehend gewürdigt worden. Die Verdienste Miebachs um das deutsche Vaterland haben Minsterpräsidenten Hermann Görug veranlaßt, die Beisetzung in Form eines Staatsbegräbnisses vorzunehmen. Hannes Miebach wird am Donnerstag um 16 Uhr auf dem Kölner Friedhof Melaten zur letzten Ruhe gebettet. An dem Begräbnis nehmen neben der SS., SA. und HI. der Luftfahrtverband und weite Kreise des nationalen Kölns teil. SS.= Führer Himmler, Gauleiter Staatsrat und Brigadeführer Ehrhardt mit einer Ehrengarde, der Miebach seinerzeit angehört hatte, werden ebenfalls dem Toten die letzte Ehre erweisen. Das Zuchthausurteil gegen den Kommunisten Zeno Berger vom Reichsgericht bestätigt Burscheid. Das Reichsgericht in Leipzig hatte sich jetzt noch einmal mit der Erschießung des SA.=Truppführers Kehrer zu befassen. Wie erinnerlich, war wegen dieser Bluttat der ehemalige kommunistische Stadtverordnete Zeno Berger aus Hilgen am 8. November v. J. vom Schwurgericht in Düsseldorf wegen Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden, nachdem er noch unter dem alten System mangels Beweises freigesprochen worden war. Berger hatte gegen das Urteil des Düsseldorfer Schwurgerichts Revision eingelegt, die jetzt vom Reichsgericht verworfen wurde. Das Urteil ist damit rechtskräftig geworden. Schweres Kraftwagenunglück bei Siegen Ein SS.=Mann verbrannt, zwei weitere schwer verletzt Eiserfeld(Kreis Siegen). In einer scharfen Kurve auf der Landstraße zwischen Siegen und Eiserfeld geriet infolge der glatten Straßendecke ein von Siegen kommender SS.=Kraftwagen ins Schleudern und stieß mit einem Kraftomnibus zusammen. Der Wagen wurde gegen ein eisernes Schutzgeländer geschleudert: Gleich darauf entzündete sich das Benzin, das sich aus dem zerstörten Tank über Wagen und Insassen ergoß. Der Wagen war in wenigen Sekunden in eine haushohe Flammensäule gehüllt. Der Führer des Wagens, SS.=Mann Willi Schumacher aus Siegen, hatte bei dem Anprall derartige Verletzungen erlitten, daß es ihm nicht möglich war, sich aus dem brennenden Wagen herauszuarbeiten. Er verbrannte vor den Augen der entsetzten Augenzeugen. Der SS.=Mann Melner wurde bei dem Zusammenstoß aus dem Wagen geschleudert, er erlitt Verbrennungen und Schenkelbrüche. Der andere Mitfahrer, SA.=Mann Daub, wurde von dem Führer des Omnibusses mit großer Mühe aus dem brennenden Wagen gezogen. Er hat gleichfalls schwere Brandwunden und Knochenbrüche erlitten. Beide wurden in lebensgefährlichem Zustande in das Siegener Krankenhaus gebracht. Der Omnibus wurde ebenfalls erheblich beschädigt. Die Fahrgäste blieben unverletzt. Die Estpropaganda im Westen Vom En der Ostlanerehe Von Dr. Bodo Ebhardt „Naar Oostland willen wij rijden.“ Nach Ostland wollen wir fahren— ist es nicht ein wenig überheblich, wenn wandernde Jugendscharen unserer Tage oder Presseleute auf Studienreisen diesen Sang der machtvollen Jugendbewegung des deutschen Mittelalters anstimmen?— So könnte der kritische Geschichtskenner wohl fragen. Vergleichen wir doch unsere Zeit mit den Tagen, da der Rückstrom deutschen Volkstums in die während der Völkerwanderung geräumten Gebiete unserer Vorzeitsiedlungen einsetzte: Damals— hinaus in ein Land, das nach Axt und Pflugschar schrie, zum Kampf mit der Natur und mit fremden— heidnischen— Völkern, eine Reise zur Landnahme, zur Ansiedlung, auf Nimmerwiederkehr! Heute— scheinbar Vergnügungsreisen mit Rucksack und Nagelschuh, mit Fahrrad oder Faltboot, zum friedlichen Schwärmen in schöner Landschaft— und der Zeitpunkt der Rückkehr steht von vornherein fest. Elternhaus, Schule, Lehr= oder Arbeitsstelle daheim wurden nur zu kurzfristigem Urlaub verlassen. Nein— es scheint wirklich ein großer Unterschier zu sein zwischen jener gewaltigen Siedlungsbewegung von priesterlichen Rittern und arbeitsfrohen Bauern, von unternehmungskühnen hansischen Kaufleuten und wetterharten Schiffern im hohen Mittelalter einerseits und dem fröhlichen Zuge deutscher Jugendwanderer des 20. Jahrhunderts. Ja, unsere Arbeitsdienstwilligen, das ist schon was anderes! Da gilt es wirklich das Werk an heiliger Scholle; Sand, Wasser und Moor dürfen nicht schrecken; bis an die Knie im Moor arbeiten sie mit Hacke und Spaten, bereiten dem Pfluge das Land. Richt um Geld und Geldeswert arbeiten sie. Wissen sie doch um den Segen der Erde. Heilig ist ihnen die Scholle,„mögen sie selbst oft auch wenig Hoffnung haben, sie, en selbst ihr eigen zu nennen: für die Volksgesamtheit wollen sie Nahrungsfreiheit und Lebensraum erarbeiten. Auch im Landdienst, in der freiwilligen Hilfe beim Bauern, wenn die Arbeitslast der Ernte die Kräfte der schollegebundenen Hausgemeinschaft übersteigt, auch hier sehen wir tiefere seelisch=moralische, Kräfte am Wezz;„Alle diese Jugendscharen, sie drängen nach Osten! Wer in der Arbeit am Seedienst Ostpreußen oder Eisenbahndienst tiefer hineingeschaut hat in die Massen der Jugendwanderer, die seit Jahren ständig zunehmend dem deutschen Osten über Land und See zuströmen, der hat beobachtet, wie aus dieser Jugendbewegung der Landdienst erwuchs, wie es diese Jugend war, die schließlich nicht mehr befriedigt war vom bloßen Wandern, die teilnahm am Kampf um die nationale Erhebung, wie sie aus innerem Bedürfnis hindrängte zum Arbeitsdienst, zur unmittelbaren, ich möchte sagen körperlichen Berührung mit der Erde, der hat gesehen, wie das große Erlebnis der Arbeitskameradschaft, diese Erbschaft der Frontkameradschaft des großen Krieges, gerade auf dem Wege nach Osten gefunden wurde, dessen sich die Jugend im dunklen Drange schon seit Jahren bewußt war. Als dann Adolf Hitler in jenen unvergeßlichen Frühlingstagen 1933 die Fenster des Deutschen Staatsgebäudes weit aufriß und frische Luft und frohe Tatenlust das ganze deutsche Volk erfaßten, da erlebte die Jugend in der klaren Luft und herben Schönheit des Ostlandes den in der Morgenröte langer Wanderjahre geahnten Sonnenaufgang deutscher Zukunft. Rein— der Kritiker hätte Unrecht! Nicht mit gewöhnlichen Vergnügungsreisen sind die Fahrten deutscher Jugend, sind die Reisen ernster Männer in den deutschen Osten zu verwechseln: das Vergnügen wäre anderswo auch, womöglich reichlicher zu haben. Warum also fahren diese Tausende nach Osten? Alle belebt im Unterbewußtsein der tiefere Sinn jenes mittelalterlichen Wanderliedes:— Der Osten ist Zukunftsland, er bietet dem deutschen Menschenüherschuß, wenn auch wenig privatwirtschaftlichen Gewinn, so doch Arbeit im Dienst am Gesamtvolk, Arbeit im Geiste des nationalen Sozialismus. Deshalb war es schon seit den 20er Jahren Ehrensache aller großen Verbände, ihre Tagungen in den Osten zu legen, deshalb fuhren allein zum Jugendgruppentarif des Seedienstes Ostpreußen alljährlich wachsende Scharen von Tausenden nach Osten: Naar Oostland willen wij rijden! Ja! So soll die Jugend singen. Der Glaube an den Osten soll mit diesem Liede in die Herzen hineingesungen werden. Im Osten hoffen wir auf Zukunftsentwicklung. Daher auch die suggestive Kraft des großen Aufbauplanes vom Gauleiter und Oberpräsidenten Koch. Der Osten kann noch Menschen aufnehmen. Nach solchem Lande sehnen wir uns alle! Wir sehen eine aufsteigende Linie der Entwicklung von der Jugendwanderung zum Landdienst, weiter zum Freiwilligen Arbeitsdienst, zur Arbeitsdienstpflicht. Wir hoffen und glauben, daß diese Linie hinführe zur Ansiedlung scholleverbundener deutscher Menschen im Nährstand und Gewerbe auf ostpreußischem Boden. Deshalb auch weiter und immer stärker Werbung, auch Verkehrswerbung, für den deutschen Osten. Auf daß das deutsche Volk die Reinheit der Luft, die Schönheit der Landschaft zu allen Jahreszeiten, die belebende Kraft des farbenprangenden östlichen Herbstes in sich aufnehme und hoffnungsvoll in allen Gauen an einer Zukunft des neuen Deutschlands mitarbeiten möge, die im Osten liegt!„ Im Zeichen der Ostpropaganda, die in diesem Jahre besonders stark betrieben wird, traten am 22. und 23. Januar in Köln und Dortmund Vertreter der nationalsozialistischen Bewegung und alle Zweige der Wirtschaft zusammen, um mit den leitenden Männern des Seedienstes Ostpreußen, einem Vertreter der ostpreußischen Reichsbahndirektion und dem Leiter der Danziger Verkehrszentrale über Wege zur inneren Verflechtung des deutschen Ostens mit dem deutschen Westen zu beraten... gI, Gaig 4. Der Seedienst Ostpreußen und die Reichsbahn werden im Jahre 1934 durch wesentliche Fahrplanverbesserungen und Tariferleichterungen Ostpreußen mit Danzig und Memel immer enger an den Westen anschließen. So wird die Zahl der Seedienst=Fahrten von 54 auf 93 erhöht und die Seefahrtdauer über Travemünde in der Hauptreisezeit um neun Stunden verkürzt, während die Reichsbahn Reisende in einem Tage von Köln nach Königsberg befördert. Stark verbilligte Gesellschaftsreisen mit getrennter Rückreisemöglichkeit geben den großen Verbänden Gelegenheit zu Gemeinschaftsfahrten in den deutschen Osten. Die Vertreter des Rheinlandes und Westfalens stimmten den Anregungen begeisiert zu. Die Parteiorganisation, der Bund Deutscher Osten, die Standesvertretungen von Industrie, Handwerk und Landwirtschaft werden im Zusammenwirken mit den Verkehrsverbänden und Reisebüros die Veranstaltung und Pflege von Ostland=Reisen als ihre besondere Aufgabe ep pen,„den auch Di, G.strabringen pus hie Damit werden auch die Bestrebungen und die Arbeit des Rheinisch=Westfälischen Hauptverbandes der heimattreuen Ost= und Westpreußen, für die dieser Verband seit Jahren mit großem Erfolg eintritt, eine wesentliche Förderung erfahren. Schon im vergangenen Jahr konnte der Rheinisch=Westfälische Hauptverband je 30 Sonderzüge vom Westen zum Osten und vom Osten zum Westen fahren, und rund 45000 westdeutsche Volksgenossen in die Ostmark bringen. Von ganz besonderem Wert waren die im vergangenen Jahr von dem Verband veranstalteten Gesellschaftsfahrten nach dem Osten, die die Teilnehmer aus dem Westen an die landschaftlich schönsten, an die kulturell bedeutsamsten Stellen und vor allem an die Stätten brachte, wo eine unnatürliche und widersinnige Grenzziehung den deutschen Menschen des Ostens zu ständiger Pein und Qual wird: an die blutende Grenze an der Weichsel. Ber neUS P Von Gertrud Reinsch. Kennen Sie den Mädchentyp von heute? Schon wieder ein neuer Mädchentyp? Wir haben doch eben erst den Flapper beerdigt und festgestellt, daß es auch ohne Sex appeal ganz gut geht, wir haben den kurzen Rock begraben und den langen wieder hervorgeholt— und was kommt nun? „Was kommt nun?“ so fragen die Herren, und— seien wir ehrlich— auch die Damen schon seit geraumer Zeit. Die Geburt eines neuen Typs geht aber nicht von heute auf morgen vor sich. Es ist eine längere Entwicklung notwendig, die Monate, oft Jahre dauert und gewissermaßen eine fleischgewordeste Summe von Zeiterscheinungen ist. Der Mensch ist das Produkt von Erbanlage und Umgebung. Zur letzteren gehören auch alle markanten Zeitverhältnisse. So war die Sehnsüchtige mit dem Dulderkranz eine Zeiterscheinung, dann der Typ des Girls, des Flappers, des Vamps. Alle behaupteten von sich:„Ich bin für den Mann das Weiv, nach dem er verlangt, das er sich erträumt!“, und waren doch kein Typ für alle Männer. Diese Typen von einst hatten entweder den Wunsch, mehr Kind als Weib und möglichst blond zu sein; sie wußten nichts von Künsten und trugen ihr Herz zur Schau, oder sie waren Nur=Kameradin, und das peinigte sie bald. So zeigten sie unlöschbaren Durst der Sinne und waren immer unterwegs auf der Suche nach „ihm". Endlich wurde es mit Bildung, mit Erziehung zu höherer Geistigkeit und zur Mütterlichkeit versucht, und diese „entgifteten Mädchentypen“ waren ohne Leidenschaft, ganz Intellekt. Aber es zeigte sich, daß der Mann des Giftes nicht entbehren mag und seinesgleichen, die Geschlechtsfeindin, nicht mögen, selbst wenn sie mütterlich tut. Der Mädchentyp von heute ist grundverschieden von all diesen Arten, den früheren Generationen, durch ein zwar immer noch betontes Interesse am Sport in allen Formen, für Lehrgegenstände verschiedener Art, die später vielleicht praktisch verwendbar sein können, wenn man sich sein Brot doch bis zum sohen Alter selbst verdienen muß; aber er ist doch noch ganz inders! Schon im Ausdruck des Gesichts zeigt sich Einfühlung in die wechselnden Zeitverhältnisse, in den Augen ein Blick ür alle Dinge rundum: dieser neue Typ ist hellhörig, hellsichtig, niemals hilf= und wehrlos. Diese jungen Mädchen haben Rückgrat, denn sie heiraten nicht mehr, um aus dem Elternhause herauszukommen und die scheinbare Freiheit der Ehe dafür einzutauschen. Sie kennen auch keine gebrochenen Herzen, weil die Liebe nicht einziger Inhalt des Lebens ist. Findet der neue Mädchentyp aber einen gütigen, verständim, zärtlichen, besorgten Mann, so setzt er alles daran, um ihm ein sorgloses, schönes Heim zu schaffen und anstatt einer nur hauswirtschaftlichen und liebevollen Frau auch eine dankbare Frau und treusorgende Mutter zu sein. Diese Mädchen kennen keine törichten Wünsche, und wenn sie Ansprüche höherer Art hegen, verdienen sie sich irgendwie das Geld dazu selbst. Ihr Grundsatz heißt schlicht und einfach: Gleiche Rechte— gleiche Pflichten! Straff und aufrecht gehen sie durch das Leben— körperlich und seelisch. Nichts hat dieser Typ mit den bisherigen Mod##typen gemein— in nichts ist er überbetont und keine Einzelheit ist als Ideal besonders herausgestellt. Sie kann Kameradin und Geliebte und Mutter und intellektuell sein, sie treibt jeden Sport — aber sie ist nicht auf seine Ausübung erpicht—, sie kocht gern, aber sie steht keineswegs den ganzen Tag in der Küche, sie ist sauber und ordentlich— aber wie sie das ermöglicht, läßt sie niemandem merken—, sie ist eine ausgezeichnete Kameradin — aber nicht männlich betont und geht doch mit ihrem Manne durch dick und dünn—, sie kennt die Klassiker, die großen Philosophen und die neuesten Werke— aber sie prahlt nicht mit dieser Kenntnis oder betont sie—., sie kann„fünf berade gehen lassen“— aber wo es sein muß, hält sie streug auf genaue Durchführung—, sie stellt in der Liebe keine Ansprüche, Forderungen oder ist von Leidenschaft erfüllt— aber sie ist auch nicht kalt, sondern fühlt, wann ihr Zeitpunkt gekommen ist. Trotzdem ist sie eine ausgezeichnete Mutter— dem Manne und dem Kinde!—, eine ausgezeichnete Helferin, und auf “ n i c h t s a n d e r e s b e d a c h t, a l s d e m M a n n e v o l l w e r t i g e E r g ä n z u n g sein! Eines aber ist sie ganz, weil sie das andere sonst nicht sein könnte: gesund und natürlich und durch diese Eigenschaften immer schön! Dieser Typ ist nicht nur einmal vorhanden, sondern hundertmal, tausendmal; aber: er will gefunden sein! Hut oder eine Krawatte, so ist es natürlich unmöglich und salsch, sich selbst dabei auszuschalten; denn Schönheit des Gegenstandes an sich genügt noch nicht, sondern um wirklich schön zu sein, muß er eine Harmonie mit der Person bilden, die ihn trägt. Und da ist es unmöglich, nicht„eitel“ zu sein, weil man schon im Interesse des Gegenstandes, den man kauft, so wählen muß, daß er günstig zur Wirkung kommt, und das kann er wieder nur dann, wenn er uns selbst gut kleidet. Was trägt nun also der Prinz von Wales, auf den alle Augen gerichtet sind? Er hat eine ausgesprochene Reigung, der gesamten Herrengarderobe ihre Steifheit zu nehmen; darum läßt er alle seine Anzüge leger arbeiten und trägt niemals einen geschweiften Rücken oder enge Aermel. Aber er liebt zweireihige Jacken. Der Prinz trägt stets weiche Hemden mit angearbeitetem Kragen. Die sportliche Kleidung des Prinzen bei Wanderungen, beim Golf und am Steuer des Wagens besteht immer aus einer hellgrauen Flanellhose, einem ärmellosen Pullover und einer grauen Baskenmütze. Blau und grau sind überhaupt die vorherrschenden Farben seines Anzugs, dem nur durch eine Krawatte in lebhaften Farbtönen eine Phantasienote gegeben wird. Hier sei besonders bemerkt, daß der Prinz gestrickte seidene Krawatten bevorzugt. Die Schneider des Londoner Westendviertels behaupten. sehr deutlich den Einfluß des prinzlichen Geschmacks zu spüren. Da die Kleidung, die der Prinz trägt, sehr praktisch und bequem ist, findet sie desto eher Anklang. Außerdem hat der Prinz die Gabe, jeden Anzug richtig zu tragen. Er und seine Kleidung passen zueinander. Die Schneider des Londoner Westends glauben, daß die legere Kleidung für Herren sehr schnell allgemein akzeptiert wird, ferner, daß eckige Schultern getragen werden, und daß in bezug auf Hemden und Unterzeuge eine viel größere Bewegungsfreiheit herrschen wird, sowohl was das Material angeht, wie auch die Musterung. Bekanntlich stammen auch vom Prinzen von Wales die kurzärmeligen, bunten Hemden mit offenem Kragen. Was den steifen Kragen angeht, so scheint dessen Schicksal besiegelt zu sein, denn er wird nur noch bei formellen Gelegenheiten getragen. Eugénie Buchwald. Feuer, die in vielen Farben kristallisierenden Turmaline, die Aquamarine und wie sie alle heißen mögen. Was unterscheidet diese prächtigen Halbedelsteine nun von den als Edelsteine bezeichneten Brillani, Saphir, Rubin, Smaragd usw. Die Unterscheidung erstreckt sich auf Gebiete, die für den Laien eigentlich sekundäre Bedeutung haben sollten, auf Strahlenbrechung. auf Härtegrad und ähnlich wissenschaftlich begründete Mertmale. Wie nun Ernst Treusch, eine Autorität auf diesem Gebiete. berichtet, wirken sich diese Unterschiedlichketten keineswegs im Tragen aus. Ihr materieller Wert steht, wenn man gleiche Qualitäten miteinander vergleicht, hinter dem der Edelsteine allerdings zurück. Hochfeine Halbedelsteinqualitäten, besonders in den stark bevorzugten Aquamarinen hellblauer oder hellgrüner Färbung. in den grün und rot leuchtenden Alexandriten. in Turmalinen von starker rosa Farbe erreichen jedoch Preise von sehr ansehnlicher Höhe. Sehr oft werden wirklich schöne Steine dieser und gleichwertiger Arten durch besonderen Schliff. aparte Formen und eine feine Juwelenfassung im Werte erhöht. Der Farbenkontrast der Farbsteine und der kleinen Brillanten ist dann meist reizvoller als die Wirkung von nur weißen Brillanten und Perlen. Die Kategorie der Halbedelsteine bildet gewissermaßen eine Ergänzung der Edelsteine, die neben ihr existenzberechtigt ist und die außer der durch die Farbtönung der einzelnen Arten verstärkten Betonung des Schmuckcharakters materiellen Dauerwert besitzen, den man ja auch an den Edelsteinen so außerordentlich schätzt und der sich im letzten Jahrzehnt als ganz besonders wertvoll herausgestellt hat. A. E. ∆ Merkwürdigerweise herrscht in großen Kreisen eine weitverbreitete Unkenntnis über Edel= und Halbedelsteine, obwohl Schmuck heute keine Spielerei für die oberen Zehntausend mehr ist, wie es vielleicht einmal gewesen war. Der Schmuck ist in der Gegenwart eine Ergänzung der Kleidung. Aber der Begriff„Halbedelsteine“ ist denkbar unglücklich gewählt, denn kein Halbedelstein zeigt Merkmale, die auf etwas Unvollständiges, Minderwertiges, Halbes schließen lassen. Auch ist ein Halbedelstein nicht etwa ein falscher, nachgemachter oder synthetisch hergestellter Stein, sondern alle unter diese Bezeichnung fallenden Schmucksteine sind durchaus echt, d. h. sie sind, wie die Edelsteine, gewachsen und sind ebenso wie diese geschliffen. Sein Leben, seine Farbe, sein Schliff sind sehr oft von einer geradezu entzückenden Wirkung. Welch prächtige Wirkungen haben die leuchtenden spanischen Topase, der samtartig wirkende Amethyst, der indische Mondstein mit seinem verhaltenen I I.ech scher ace .— Sericerr Die Moden für die Herrenwelt kommen bekanntlich von seher aus England, und zwar scheint der jeweilige Prinz von Wales immer die tonangebende Rolle spielen zu müssen. Nach ihm richtet sich alles, was mit dem Reich der männlichen Eitelkeit zu tun hat, in allen Weltteilen und allen Ländern. Bei dem Wort Eitelkeit wird sicherlich mancher Widerspruch sich erheben und man wird sagen, daß gepflegt und sachgemäß und der Situation entsprechend angezogen sein noch lange nicht gleichbedeutend ist mit„eitel". Dies ist zum Teil richtig. Das Eitelsein fängt erst da an, wo die sachliche Erledigung des Sichanziehens aufhört und der Schönhei sinn allein ausschlaggebend wird. Wenn man aber etwas Schönes aussucht, sei es ein Anzug= oder ein Hemdenstoff, ein Vordildlicher=Liegenmantrt aus weichem, beigefarbenem Wollstoff. Der interessante Raglanschnitt des Mantels ergibt sich aus der diagonalen Aufteilung der Flächen, aus der auch die schrägen Taschen hervorgehen. Die als Garbierung dienenden, durchgezogenen Schalenden sind für die Mode typisch. Lanzstanden und Festareider. Wenn auch heutzutage dem Tanzstundenkleid nicht mehr die Bedeutung zukommt, die es früher hatte, so gibt es doch auch für die ganz jungen Mädchen von heute noch oft Gelegenheit, ein Festkleid, das häufig das erste Tanzkleid wird, zu tragen. In großen Städten hat man immer noch die sogenannten Tanzzirkel, in denen junge Männer und Mädchen der heutigen Zeit entsprechend nett und gesellig beisammen sind, wo Unterhaltung und Tanz gepflegt werden. Aber nicht nur zu solchen geselligen Abenden, auch zu Hausfestlichkeiten, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern usw. braucht der Backfisch ein seiner Jugend entsprechendes Festkleid. Daß dieses leicht und duftig, dabei aber doch praktisch und unkompliziert sein muß, versteht sich von selbst. Man wählt dazu einen leichten Seidenstoff. der oft gemustert ist und durch Falten und Rüschen den schlanken Körper unterstreicht. Besonders modern und kleidsam ist der große Kragen. In diesem Falle braucht das Kleid keine Aermel zu haben. Der Puffärmel ist auch in diesem Jahre noch sehr beliebt und wird sehr viel getragen. Der Gürtel sitzt ziemlich weit oben und darf bei Backfischkleidern aus Samt mit einer verlaufenden Schleife sein. Daß man mit Schmuck sehr sparsam sein muß, ist selbstverständlich. Ein paar frische Blumen am Kleiderausschnitt sind bei so jungen Mädchen viel schöner als schwere Halsketten. Mo. und Staat Erzbischof von Bamberg für verrauenevolles Zusammenwirken ir den Dekanen und Pfarrern der Erzdiözese berg hielt Erzbischof Dr. von Hauck eine in der er— dem Bamberger Volksblatt ge— u. a. ausführte: zterlandsfeindlichkeit könne und dürfe es under Geistlichkeit nicht geben. Die neue Staatsbesteht zu recht, das Volk habe sich dafür jeden die Kirche habe die neue Staatsirm im deutschen Vaterland anerkannt. ie katholische Geistlichkeit werde nicht nur aus vernünftigen Erwägungen dem neuen Reiche ihre Kraft und ihren Willen zur Mitarbeit am Aufbauwerk zur Verfügung stellen, sie sei durch die Lehre ihrer Kirche dazu sogar streng verpflichtet. nter Hinweis auf die letzte Rede des Staatsnisters Wagner versicherte der Oberhirte, daß die katholische Geistlichkeit in aller Aufrichtigkeit und in allem Ernst entschlossen und bereit sei, ihre Kraft dem neuen Staat zur Verfügung zu stellen um Schluß gab der Erzbischof dem Wunsche Ausdruck, daß das Zusammenwirken von Kirche und Staat immer vertrauensvoller, immer harmonischer und so auch immer wirkungsvoller und erfolgreicher für das Wohl des Volkes werden möge. Reichsbischof und Landesbischöfe beim Reichskanzler Der Reichskanzler empfing am Donnerstag den Reichsbischof und die Landesbischöfe der deutschen Evangelischen Kirche zum Vortrag. Wirtschaftshilfe für Siedlerfrauen durch den Arbeitsdienst In den amtlichen Veröffentlichungen des Deutschen Arbeitsdienstes legt die Landwirtschaftsrätin Dr. Sprergel dar, wie durch die große Arbeitsüberlastung der bäuerlichen Frauen auf dem Lande die Aufgabe des deutschen Bauerntums, Bluterneuerungsquelle des Volkes zu sein, leiden müßte. Die Frau sei oftmals in der bäuerlichen Familie nichts anderes als ein Arbeitstier. Die Folge sei z. B. für Pommern nachweisbar. Dort liege die Geburtenziffer auf dem Lande mit 19,1 pro 1000 Einwohner noch unter der der Städte und unter dem preußischen Landesdurchschnitt. Auch sei die Säuglingssterblichkeit groß. Aus diesen Feststellungen ergebe sich die Notwendigkeit, dahin zu wirken, daß das zeueingesetzte Bauerntum in den Siedlungen seine bevölkerungspolitische Aufgabe erfüllen inn, daß also die Siedlerfrauen in die Lage versetzt werden, eine ausreichende Anzahl von Kindern zu haben. Da andererseits in den neuen Bauernsiedlungen viel gearbeitet werden müsse, müßten zur Entlastung der Siedlerfrauen Helferinnen eingespannt werden, und zwar durch den Arbeitsdienst. Durch den Einsatz tüchtiger junger Mädchen, denen durch die nationalsozialistische Erziehung der Blick für die ostdeutsche Frage geöffnet wurde, könne, wie die Erfahrung des letzten Jahres in Pommern gezeigt habe, den Siedlerfrauen wirksame Hilfe geleistet werden, indem ihnen manche Arbeit in der Hauswirtschaft und Landwirtschaft abgenommen werde, so daß sie frei werden für ihre eigentliche Aufgabe als Frau und Mutter. Der nulg; in Sösterreic Wieder Zusammenstößle—Eine Ueberraschung der Geste Dollfuß“ Die Bevölkerung verhinderl Abschub politischer Schutzhäftlinge Anläßlich des bekannt gewordenen Abschubs einer größeren Anzahl von Parteigängern kam es am Mittwochabend in Freistadt(Oberösterreich) zu schweren Unrnhen. Eine vielhundertköpfige Menge, die sich auf dem Hauptplatz eingefunden hatte, empfing die Sicherheitsorgane mit Schmährufen. Sie versuchte, die Abfahrt der bereitgestellten Lastkraftwagen zu verhindern. Einige Frauen warfen sich vor die Wagen. Die Gendarmerie und die aufgebotenen Hilfspolizeiabteilungen wagten angesichts der starken Erbitterung und drohenden Haltung der Menge nicht einzuschreiten. Die Menge blieb bis in die späten Nachtstunden wie eine Mauer beisammen und sang wiederholt das Deutschland= und das Horst=Wessel=Lied. Die Abfahrt der Kraftwagen mußte auf den frühen Morgen verschoben werden. Wie verlautet, soll der Bezirksamtmann von Freistadt, Regierungsrat Mayrzedt, sowie der Gendarmeriekommandant vom Dienst enthoben werden. Freistadt liegt hart an der tschechoslowakischen Grenze und ist zum größten Teil von Landbevölkerung bewohnt. handel und Gewerbe fordern Freundschaft mit dem Reich Auf der Tagung des Reichs=Hage=Bundes, der ältesten überparteilichen Spitzenorganisation des freien Handels und Gewerbes in Oesterreich wurde eine Entschließung gefaßt, in der erklärt wird, daß die von der Regierung erlassenen Verordnungen zum wirtschaftlichen Neuaufbau Stückwerk bleiben müßten, wenn nicht die Voraussetzungen für eine wirkliche Aufbauarbeit geschaffen werden. Diese Voraussetzungen seien aber nur dann gegeben, wenn Oesterreich mit allen Nachbarstaaten in freundlichem Verhältnis lebt. „Wir fordern“, heißt es in der Entschließung,„die Wiederherstellung der Freundschaft mit dem Deutschen Reiche. Bei Zurückstellung jeder Prestigepolitik sind die Voraussetzungen hierzu gegeben. Es wird erwartet, daß kein Mittel unversucht bleibt, um diese notwendige Grundlage für einen gesicherten Wirtschaftsneuaufbau zu schaffen.“ Die Zeitungen, die die Entschließung veröffentlichten, u. a. das„Süddeutsche Tageblatt“ in Graz und die„Grazer Tagespost“, sind beschlagnahmt worden, und zwar wegen des Satzes von der Wiederherstellung des freundschaftlichen Verhältnisses mit dem Deutschen Reiche. horst-Wessel-Lied an Dollfuß' Tafel Meldungen aus Wien zufolge ertönte bei dem letzten Empfang, den der Bundeskanzler Dollfuß dem italienischen Staatssekretär Suvich gab, plötzlich in den Prunkräumen des Bundeskanzleramtes die Musik einer Spieldose, die den versammelten Diplomaten und deren Damen das Horst=Wessel=Lied in Erinnerung brachte. Der Bundeskanzler gab sofort Anweisung, bei den Gästen nach dem Besitzer der Spieluhr zu suchen. Es gelang auch, die Spieluhr zu finden, aber erst, nachdem die vier Verse des Horst=WesselLiedes abgespielt waren. Die Spieldose steckte in der großen Standuhr, die das Büfett des Spielsesaales der Bundeskanzlei ziert. Der Fall Stauisky zieht noch weitere Kreise in der französischen Jusiiz Ein Duell Fünf Personen in Paris, die wegen Erpressung oder Betruges zu Gefängnis verurteilt, aber bisher auf Grund irgendwelcher Entschuldigungen auf freiem Fuß belassen wurden, sind jetzt verhaftet und zur Verbüßung ihrer Strafe ins Gefängnis eingeliefert worden. In parlamentarischen Kreisen ist man der Ansicht, daß diese Maßnahme auf die Kritik zurückzuführen ist, die im Zusammenhang mit dem Stavisky=Skandal an der französischen Justiz wegen der Verschleppungstaktik geübt wurde. Guebin Ansäifter im Skandal? Nach einer Meldung des„Journal“ aus Bayonne soll der verhaftete Direktor der Versicherungsgesellschaft„Confiance“, Guebin, nicht nur mit Stavisky unter einer Decke gesteckt haben, sondern sogar einer der Anstifter der Betrugsangelegenheit gewesen sein. Guebin soll die Anweisung gegeben haben, in Bayonne für mehrere Millionen Franken falsche Kassengutscheine auszustellen, die er, Guebin, dann bei Banken und Versicherungsgesellschaften untergebracht habe. Guebin habe jährlich 600000 Franken (96000 RM.) als Direktor seiner Versicherungsgesellschaft verdient, aber monatlich 120000 Franken ausgegeben. mer hat seine parlamentarische Immunität bereits aufgehoben. Emigrantenschrecken im Saargebiet] Ein Taxator verhaftet Aus Saarbrücken, 25. Jan., wird gemldet: Der Landjäger Weißgeber, der bei Ausübung seines Berufes von dem steckbrieflich gesuchten Zwinger, der Emigrant ist, angeschossen worden war, ist Donnerstag früh seinen Verletzungen erlegen. Das Emigrantenunwesen hat somit wieder einmal ein Opfer gefordert. Ueberhaupt bilden im Saargebiet die Flüchtlinge aus Deutschland einen wahren Schrecken. Die Regierungskommission, die sich nicht aus ihrer sogenannten Neutralität herausbringen lassen zu dürfen glaubt, trägt einen nicht geringen Teil Schuld an diesen Zuständen, da sie sich noch immer nicht entschließen kann, die Maßnahmen zu ergreifen, die zum Schutze des nationalgesinnten deutschen Bevölkerungsteiles erforderlich sind. Vor allem aber trägt die französische Bergwerksdirektion einen großen Teil Verantwortung, denn sie ist es, die meist die Emigranten in ihren eigenen Gebäuden unterbringt und ihnen so ein willkommenes Asyl gewährt. Rücktritt des südslawischen Kabinetts Eine Erklärung der Avala in Belgrad besagt. daß Ministerpräsident Schreschkitsch im Ministerrat erklärt habe, er habe dem König den Rücktritt der Regierung angeboten, und der König habe das Angebot angenommen. Der König habe den Auftrag zur Bildung des neuen Kabinetts dem Führer der südslawischen Nationalpartei (Regierungspartei) Ueunowitsch, übertragen. Der Reichskanzler empfing den volnischen Gesandten Lipski, ferner empfing der Reichskanzler, den Präsidenten der Gemischten Kommission für Oberschlesien Felix Calon= der. Der Taxator des Bayonner Leihhauses Henri Cohen wurde verhaftet. Er soll Schmucksachen, die höchstens 39 500 Franken Wert hatten, zur Beleihung mit 1800000 Franken abgeschätzt haben. Cohen erklärt, die ihm jetzt vorgelegten Schmucksachen seien nicht mit denen identisch, die ihm seinerzeit zur Abschätzung vorgelegt worden waren. Die parlamentarische Untersuchung Die Abordnung der Linksgruppen der Kammer hat den Vorschlag des Abgeordneten Ybarnegaray auf Einsetzung eines 44köpfigen Untersuchungsausschusses in der Stavisky=Angelegenheit abgelehnt, sich aber nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag einigen können und es deshalb den einzelnen Gruppen überlassen, eigene Vorschläge zu unterbreiten, an Hand deren man nach Rücksprache mit der Regierung eine Kompromißformel zu finden hofft. Ministerpräsident Chautemps, der nicht, wie erwartet, in der Sitzung erschien, hatte sich vorher mit einigen Abgeordneten, darunter Herriot, besprochen. Chautemps bleibt Gegner eines vielköpfigen parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Er erblickt die einzige Möglichkeit in der Verabschiedung eines Gesetzes zur Schaffung eines besonderen, aus hohen, politisch unabhängigen Persönlichkeiten bestehenden Ausschusses, der eine Art Ehrengericht darstellen würde. Bonnaures aus der Partei? Der Vollzugsausschuß der radikalen Partei hat beschlossen, den Ausschluß des radikalen Abgeordneten Bonnaure zu beantragen. Bonnaure ist in den Stavisky=Skandal verwickelt. Die KamAuf einen am Montag im„Paris Midi“ erschienenen Artikel des Rechtsanwalts Joseph Beineix über die politische Tätigkeit von Rechtsonwälten hatte der frühere Minister und stellvertretende Präsident der Kammer, Andre Hesse, eine Duellforderung an den Verfasser dieses Artikels ergehen lassen. Als Waffen waren Pistolen gewählt worden. Am Donnerstagvormittag um 9.30 Uhr wurde das Duell im Parque de Prince bei Paris ausgetragen. Ohne Ergebnis wurden vier Kugeln gewechselt. Eine Versöhnung zwischen beiden Gegnern hat stattgefunden. Zwei Monate Gefängnis für einen Demonstranten Das Pariser Strafgericht verurteilte einen Teilnehmer an den Kundgebungen vor dem Kammergebäude vom 22. Januar zu zwei Monaten Gefängnis und 50 Franken Geldstrafe. Die Anklage lautete auf öffentliche Sachbeschädigung. Noch ein Strafverfahren Gegen die Leiter eines Unternehmens zur Durchführung großer öffentlicher Arbeiten in Paris ist Anklage erhoben worden. Es handelt sich um den früheren Ministerpräsidenten Francois Marsal und einen gewissen Gerard, die Vorstandsmitglieder dieser Gesellschaft sind. 2 Schüsse in der Villa von Chamonix? Für einige Pariser Blätter besteht immer noch ein Geheimnis, das über dem Tod des Hochstaplers Stavisky schweben soll. Mit besonderer Zähigkeit fahndet die nationalistische„Liberte“ nach Anhaltspunkten, durch die die Selbstmordthese widerlegt werden könnte. Jetzt fragt das Blatt, ob in der Villa von Chamonix, in der Stavisky endete, nicht zwei Schüsse gefallen seien, von denen der zweite das Signal für die vor der Villa wartenden Mitarbeiter des Polizeikommissars, der als erster das Totenzimmer betrat, gewesen sei.„Liberte“ behauptet ferner, daß der verhaftete Mitarbeiter Staviskys, Voix, seinen Herrn und Meister an die Polizei verraten habe. Sehcioev u, en Krieusvereischaft Kreditüberschreitungen bei den Laut„Petit Parisien“ hat Kriegsminister Daladier am Mittwoch vor dem Finanzausschuß der Kammer die Höhe der Kreditüberschreitungen bei den Befestigungsbauten an der Ostgrenze mit 700 Millionen Franken angegeben. Im Heeresausschuß der Kammer soll Kriegsminister Dalavier erklärt haben, daß dieser Fall vor seiner Amtszeit liege und daß er bereit sei. die einschlägigen Akten zur Verfügung zu stellen. In wenigen Zeilen Der Saarbevollmächtigte Bizekanzlei von Papen und Frau von Papes versammelten Donnerstag nachmittag die in Berlin weilenden Saarkinder um sich. Zur freudigen Ueberraschung der Kinder erschien auch der Führer, der von ihnen stürmisch begrüßt wurde. Reichspräsident von Hindenburg empfing Donnerstag vormittag den Reichskanzler Adolf Hitler zum Vortrag. Aus Anlaß der Wiederkehr des Tages der Machtübernahme durch den Volkskanzler Adolf Hitler ist für den 30. Januar allgemeine Beflaggung der Reichs=, staatlichen und kommunalen Dienstgebäude angeordnet. Die Bevölkerung wird aufgefordert, sich dem Vorgehen der Behörden anzuschließen. Die Reichsregierung hat die neue kubanische Regierung anerkannt. Reichsminister Dr. Goebbels sandte zum Abschluß des Kairoer Judenprozesses dem Führer der dortigen Nationalsozialisten, Alfred Heß, dem Bruder des Reichsministers Heß, ein Glückwunschtelegramm zum Siege der deutschen Sache. Der Reichsarbeitsminister hat angeordnet, daß ein Reichszuschuß für Instandsetzungen und Umbauten auf Anträge, die nach dem 31. Januar gestellt werden, nicht gewährt wird, sofern mit den Arbeiten vor Erteilung des Vorbescheides begonnen ist. Staatsminister a. D. Dr. h. c. von Mentig ist gestorben. Er war koburgischer Minister und hat in den Jahren 1907 bis 1914 als Vorsitzender den BDA geleitet. In seiner Amtszeit erhielt der frühere„Allgemeine deutsche Schulverein“ den Namen„Verein für das Deutschtum im Auslande“, der heute als„Volksbund für das Deutschtum im Auslande“ besonders unter der Abkürzung BDA jedem Deutschen bekannt geworden ist. Der Reichsminister des Innern hat auf Grund des S 3 Abs. 2 des Gesetzes über den Deutschen Gemeindetag vom 15. Dezember 1933 Oberbürgermeister Dr. Dr. Weidemann, Halle, zum stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Gemeindetages bestellt. In einem Dorfe in der Nähe von Coruna (Spanien) wurden Arbeiter, die mit der Verlegung einer elektrischen Hochspannungsleitung beschäftigt waren, von Gruppen streikender Bauarbeiter, unter denen sich zahlreiche Frauen befanden, tätlich angegriffen und als Streikbrecher beschimpft. Die Polizei, die bei ihrem Erscheinen von der Menge mit Steinen beworfen wurde, versuchte, die Angreifer mit Schreckschüssen zu vertreiben. Als dies nichts nützte, schoß sie auf die Menge; eine Frau wurde getötet, drei Frauen und ein Mann schwer verletzt. Es wurde ein sechsgliedriger Ausschuß eingesetzt, der diese Frage prüfen soll. Sarrant vor dem Marineausschuß— Mit dem Tyy„Deutschland“ wird gruselig gemacht Der Kriegsmarineausschuß der Kammer hat einen Bericht des Kriegsmarineministers Sarraut über den gegenwärtigen Stand der französischen Marine entgegengenommen. Sarraut hat weiter die Grundzüge der Flottenpolitik der Regierung dargelegt. Der Minister hat betont, daß für Frankreich die Notwendigkeit vorliege, über eine moderne und starke Marine zu verfügen, die in der Lage sei, die Freiheit seiner Seewege, die Sicherheit seiner Küsten und die Verteidigung seiner überseeischen Besitzungen zu sichern. Ergänzend erfährt man aus gutunterrichteter Quelle, daß der Kriegsmarineminister in seinem Bericht besonders auf die Notwendigkeit hingewiesen hat, die Zusammenarbeit der Ueberwasserkriegsschiffe mit Unterseebooten und den Wasserflugzeugen zu regeln. Er hat ferner eine vergleichende Uebersicht über die ausländischen Flotten gegeben und den Platz, den die französische Marine in der Welt einnimmt, in qualitativer und quantitativer Hinsicht gekennzeichnet. Er hat weiter wieder einmal auf die angebliche Gefahr hingewiesen, die die deutschen Kriegsschiffe des Typs„Deutschland“ für die„alten“ französischen Flotteneinheiten varstellten und dem Ausschuß persönliche Ansichten darüber geäußert, wie dieser Gefahr begegnet werden müsse. Französische Ehrenlegion und Justiz Die französische Kammer verabschiedete am Donnerstag den Abschnitt über die Strafanstalten des Justizhaushaltes und wandete sich darauf dem Haushalt der Ehrenlegion zu. Der rechtsgerichtete Abgeordnete Marin protestierte gegen den Mißbrauch mit der Verleihung der Ehrenlegion. Diese Auszeichnung dürfe die Anwendung der Justiz nicht verzögern, wie das in einer kürzlichen Skandalangelegenheit geschehen sei. Der Justizminister stimmte Marin zu und teilte mit, daß die Regierung ein Gesetz eingebracht habe, das eine Aenderung der außerordentliche Gerichtsbarkeit für hohe Würdenträger der Ehrenlegion vorsehe. Anschließend behandelte die Kammer den Haushalt für ElsaßLathringen, wobei es zu Auseinandersetzungen über den Religionsunterricht kam. nach der gleichnamigen Operette von Franz Lehar. Martha Egrert, Ery Bos, Ida Wüst, Georg Alexander, Otto Wallburg. Paul Heidemann in den Hauptrollen. Im Rahmen einer entzückenden Handlung von Liebesglück und Liebesleid bringt die blo de, liebliche Martha Eggert und der liebenswürdige Hans Söhnker die herrlichen Lieder des großen Künstlers Franz Lehar meisterhaft zu Gehör. Als 2. Großfilm Hande Ein höchst spannender Krimir alfilm nach dem Goldmann-Buch „Tumult Im 6. Stock“. Karin Hardt, Rolf van Goth. Hans Brausewetter, Max Adalbert, Julius Halkenstein in den T.auptrollen. Samstag nachm. 4 Uhr: Hinder-Vorsteilung mit„Zarewitsch“, Wochenschau und„Schiecken der Garnison“, Militär-Lustspiel in 6 Akten. 147 ungg g Das schöne machen wir darauf aufmerksam, daß ab 1. Februar 1934 der 2. Band dieser Ausgabe einzein nicht mehr erhältlich ist. 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Januar, abends 8 Uhr im Vereinslokal Kordeck, Kampstraße Tagesordnung: ahresbericht Rechnungslegung Verschiedenes Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vereinsführer. Samstag, den 27. ds. Nits., vorm. 8 Uhr wird aut der Freibank das einer Kuh zum Preise von 35 Pfg. pro Pfd. verkauft. 148 Schlachthofverwaltung. In den Spalten der kleinen Anzeigen findet Jeder Gelegenheit, überflüssige Hausgeräte erfolgreich anzubieten. Der Haus= u. Grundbesitzer=Verein Schwerte teilt uns mit: Die Vertreter der Haus= und GrundbesitzerVerein Westdeutschlands trafen sich im Hotel „Germania“ zu Düsseldorf zu einer Führerbe=. sprechung, bei der zunächst die geplante Steuerreform erörtert wurde. Anschließend erfolgte eine eingehende Aussprache zu dem Gesetz über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten vom 22. 9. 1933, das auch vom organisierten Hausbesitz voll gebilligt wird. Es müssen alle Maßnahmen, die geeignet sind, möglichst viel Volksgenossen mit der deutschen Scholle zu verbinden wärmstens gefördert werden. Die Verbundenheit mit Grund und Boden schafft und stärkt das Verantwortungsbewußtsein; damit werden auch die letzten Keime marxistischer Bestrebungen in unserem Volkskörper vernichtet. Sinn und Zweck dieses Gesetzes besteht darin, die Siedlertätigkeit besonders in der Umgebung von Großstädten gegenüber der bisher bestehenden wilden Besiedlung wesentlich zu erleichtern und der beabsichtigten Auflockerung der Großstädte den Weg zu ebnen. Es würde daher eine vollständige Verkennung des Wesens dieses Gesetzes bedeuten, wenn auch der bebaute Kern der Großstädte als Wohnsiedlungsgebiet erklärt wird, wie es einWeit über eine halbe Million Uebernachtungen im Gau Sauerland=Münsterland Als in den ersten Monaten nach dem Umsturz im vergangenen Jahre die Uebernachtungsziffern in den Jugendherbergen ungeheuer sanken, mußte man das Schwerste und Bitterste befürchten. Aber diese Besürchtungen waren vollständig grundlos, denn die Deutsche Jugend, vor allem die Hitler=Jugend, hat gezeigt, wie sehr sie von ihrem eigenen Geist durchdrungen ist. Sie, die von den Jugendherbergen das Eigentumsrecht ergrifsen hat, wußte dann im letzten halben Jahr des vergangenen Jahres auch ihr Eigentum würdig zu benutzen, sodaß trotz aller Sorgen und trotz aller geldlichen Hemmungen die Uebernachtungsziffer von 479 162 im Jahre 1932 auf 569 078 im Jahre 1933 gestiegen ist. Diese Steigerung um fast 100 000 Uebernachtungen in einem Jahre hätten sich selbst die größten Optimisten nicht träumen lassen. Die 10 bestbesuchtesten Jugendherbergen sind: (1933)(1932) Stausee b. Haltern 37036 39·091 Oer, Kr. Recklinghausen 27865 28322 Möhnesee b. Köbecke 27.560 30 189 ind und Westfalen zelne Städte des Westens versucht haben. Es wurde daher beschlossen, in der Oeffentlichkeit darüber aufklärend zu wirken, um den hohen Bestrebungen des Reichskanzlers Adolf Hitler auf diesem Gebiete zu einem vollen Erfolge zu verhelfen. Ferner wurde das Gesetz über einige Maßnahmen auf dem Gebiete des Kapitalverkehrs vom 20. 12. 1933 erläutert, daß im Wesentlichen eine Verlängerung der Hypothekenschutzbestimmungen um ein Jahr vorsieht. Der Kapitalmarkt ist leider nicht so aufgelockert, daß man auf diese Verlängerung verzichten konnte. Die viel versprechenden Bestrebungen auf organische Zinssenkung haben bereits teilweise zu einer freiwilligen Herabsetzung der Hypothekenzinsen geführt und werden bei systematischer Fortsetzung noch in stärkerem Maße dazu heitragen, daß auf dem Kapitalmarkte wieder normale, gesunde Verhältnisse eintreten, die die Beschaffung von Ersatzkapitalien zu angemessenen Bedingungen ermöglichen. Dieses Ziel wird im wesentlichen dadurch gefördert werden, daß die bestehenden Hypotheken in Tilgungshypotheken umgewandelt werden, wie es z. B. in Bayern vielfach bereits geschehen ist. ten?“„Zeigt dieses Bruchstück“, so schreibt die „Gazette de Lausanne“ dazu,„nicht besser als lange Reden den Zustand der Sitten im gegenwärtigen Rußland und die furchtbaren Folgen, die sich daraus ergeben?“ W Die Vielweiberei in Sowjet-Rußland Die„Gazette de Lausanne“ veröffentlicht darüber einen ausführlichen Aufsatz, der einen erschütternden Einblick in die Verwilderung der sitten des Sowjetstaates gibt. Der Artikel lenkt u. a. die Aufmerksamkeit auf das Verschwinden der Einehe, das weithin zu verzeichnen sei. Die bekannte Tageszeitung„Prawda“ veröffentlicht das Bekenntnis eines Sowjetbürgers, das mit den Worten beginnt:„Ich bin ein Mensch wie viele andere“. Der Verfasser rühmt sich 118 eheähnliche Verbindungen eingegangen zu sein.„Ich zähle“, so fährt er fort,„dabei nicht diejenigen Frauen mit, die ich vergessen habe. Ich erinnere mich an 118 Frauen und jetzt wird die 119. im Standesamt eingetragen. Ich kann nicht meine Frauen von einer Stadt zur anderen und einem Dorf zum anderen mit mir führen. Was würde herauskommen, wenn diese 118 Frauen ihre Rechte auf mich geltend machten und wenn sie ihre Kinder mit sich führF Ar STANZIC Der heutige Freitag, der 26. Jan. ist Opfertag des B 9A. für das Winterhilfswerk. Der BDA. als Träger des volksdeutschen Gedankens bekennt sich dadurch zur gesamtdeutschen Aufgabe des Kampfes gegen Hunger und Kälte, mit ihm das ganze deutsche Volk! Die Deutschen im Ausland haben große Beträge für das Winterhilfswerk geopfert. Am heutigen Freitag tritt auch der BDA. in die Front des Winterhilfswerkes ein durch seinen Opfertag für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes. An diesem Tage trägt jeder Deutsche im Reich die blaue Kornblume, das alte Kampfzeichen der volksdeutschen Gemeinschaft und bekennt sich durch sie zur unzerreißbaren enn Ihr mehrt des deutschen Volkes Kraft, Wenn Ihr dem Handwerk Arbeit schafft! Schicksalsverbundenheit des deutschen HundertMillionen=Volkes. Kennt Ihr das Adlergebirge? Es liegt auf der böhmischen Seite des Glatzer Berglandes und die reichsdeutschen Touristen, die hin und wieder über den Kamm auf die andere Seite gehen, wissen von seiner Schönheit zu berichten. Aber es ist heute für deutsche Menschen nicht möglich, die Schönheit der Landschaft mit freudigen Herzen zu genießen. Denn in eben dieser Landschaft ist ein deutscher Volksstamm erbarmungslos dem Hungertode ausgeliefert. Der Boden ist arm und kann die Bevölkerung nicht ernähren. Heimarbeit war von jeher die einzige Verdienstquelle. Diese Heimarbeit ist auf Export angewiesen. Die Zölle wurden immer höher. Im vergangenen Jahr war es so weit, daß eine vierköpsige Familie für 10000 Holzspanschachteln, die sie in sechszehnstündiger Tagesarbeit in einer Woche herstellen konnte, 4 Mark 24 Pfennig verdiente— 1,06 Mark je Kopf! Für diesen Bettel haben die Deutschen im Adlergebirge noch gearbeitet! Und jetzt haben sie zum größten Teil auch diese Arbeit noch verloren. Niemand kümmert sich um sie, am wenigsten der Tschechenstaat. Im Gegenteil: wenn ein paar Pfennige an öffentlichen Arbeiten zu verdienen wären, importiert der Staat tschechische Arbeiter aus dem Innern des Landes. PPenleel und opfeet K Nr. 22(Drittes Blatt) Freitag, 26. Januar 1934 Eine-rlikelfölge von Ollo R. Cervais. 1 Nachdruck verboten. Friedrich der Große und seine Mutter Elisabeth Christine von Preußen, die Gemahlin Friedrichs des Großen Wilhelmine von Baureuth, die Schwester Friedrichs des Großen Die Gräfin Orczelska Frau Oberst von Wreech Die Tänzerin Friedrichs des Großen der Große und seine Mutter. Königin Sophie Dorothee und ihr Sohn. Monbijou. Ein Traum aus Porzellan und Papageien Järtlich oft hingehaucht, erfleht, ersehnt, erbettelt und doch nur ein Schloß, ein kleines Schloß. Nicht einmal sehr schön kann man es nennen, denn es fügt sich nur schwer in das Landschaftsbild, paßt nicht in die bezopfte, brokatene, gepuderte Zeit. Es hat äußerlich wenig von Madame la comtesse Rococo. Aber innen! Was könnten diese grausilbernen Wände erzählen! Die Gemächer der Königin, die Boudoirs der berühmtschönen Hofdamen, der Spiegelsaal, die farbigen Zimmer für Besuch. Sie haben viel gesehen, gehört, erlebt! Mohrenpagen stehen wie Statuen an den Ausgängen. Nur ihre blitzenden Augen, das Weiße ihrer Pupillen leuchtet aus der Tunkelheit ihres Daseins hervor. Von den Gärten herein klingt Kinderlachen. Sommertag, Sonnentag. Der Sohn des Königs von Preußen spielt im Park von Monbijon. Das Mädchenlachen gehort der kleinen Apothekerstochter, Doris Ritter, aus Potsdam. Sie hat Ferien, kam Fritz besuchen. Der König darf es nicht wissen. Er darf überhaupt nicht wissen, was in Monbison gespielt wird. In diesem Lust= und Leidschloß seiner Königin. Ihre Majestät mischt die Karten. Es geht in irgendeiner Geduldpartie um Kasseebohnen aus Hamburg, die sehr teuer sind. Die Damen von Schwerin, von Bredow und die herrliche Charlone von Pannwitz, in deren Reize sich sogar der König versing und die wohl die einzige war, die ihm in seinem Leben eine Ohrseige gegeben hat, sie leisteten Sophie Dorothee Gesellschaft. Hier herrscht nicht der kühle, frostige Ton wie im Berliner Schloß. In Monbisou darf man kichern, über die Huldigungen lachen, die die in ihren Banden liegenden Männer den Schönen aus der Königin Hofstaat entgegenbringen. In Nonbisou ist es herrlich! 6zu Horiammt 8i. Solange der König, was sehr seinen vortommt, die köstliche Ruhe nicht stört. Hier herein dringt nichts von den Witzen und Zoten, die der tolle Dessauer oder Friedrich Wilhelm im Tabakskollegium erzählen. Kein Grölen aus rauhen Männer= kehlen, kein Alkoholgeruch vom schwedischen Bier, das seyr schnell betrunken macht. Jagdenlärm, Salutschießen, Trommel= wirbel, Kommandobrüllen— oh, wie so fern von Monbijou! * Eine nicht alltägliche Schönheit ist Friedrichs Mutter, die Königin Sophie Dorothee. Güte vereint sich mit Temperament in ihren Zügen. Sie ist ganz Weib, mit vielen Tugenden und echten Schwächen. Ein wenig mitleidig, manchmal überlegenspöttisch blickt sie auf ihren Gemahl. Wer ist denn dieser von Preußen? Dieser allem Geistigen hilflos gegenüberstehende Gatte? Nun ja, der beste Soldat Europas, der bis zum Geiz sparsame Hausvater, der fanatische Liebhaber Langer Kerls. Die aus dem welfischen Hause Hannover lachen über ihn. Er ist treu, weicht nie um eines Gedankens Länge von der Ehe ab, kennt keine Mätressenwirtschaft wie fast alle Höfe ringsum. Vielleicht ist Sophie Dorothee ihm deshalb die hingebende Gemahlin? Er hat keine Leidenschaften, falls man seine Bauwut als ästhetischen Trieb gelten lassen will. Er ist tief religiös, hat aber von seiner Mutter in verstandeskritischer Beziehung nichts geerbt. Er haßt alle Wissenschaften: sein Hofnarr, der bedauernswerte Professor Gundling, muß sich auf Befehl vollsausen und ein Hohnlied auf die Philosophie, auf Jura und Medizin anstimmen Darüber kann sich der starke Mann freuen wie ein Kind, dann kommt er in Stimmung, läßt mitten in der Nacht Alarm blasen und der wilde, betrunkene Troß rast durch Berlin zur Jagd nach Wusterhausen. Die Königin, die Kinder, die Menschen im Schloß atmen auf.. Als der König sieht, daß Fritz beim Exerzieren ein verdrießliches Gesicht aussetzt, lieber in Monbisou als in Berlin oder Potsdam weilt, beschließt er, die Mutter aus seiner Erziehung ganz auszuschalten. Oberst von Seckendorff haftet mit seinem Kopf dafür, keinen Schritt des Kronprinzen unbeobachtet zu lassen, und General Grumbkow hetzt...„ Die Jugend wird zur entsetzlichen Einöde. Dem strengen Dienst ist Friedrichs graziöser Körper nicht gewachsen. Nur abends sieht er die Geschwister und seine Mutter, die er glühend liebt. Manchmal nimmt ihn die Königin in ihre Gemächer mit. Dort liegen, vor den Blicken der Erzieher, Wächter und Diener versteckt, elegante Kleider aus Paris, weiche Stoise, feine Spitzen, in denen sich Friedrichs geschmeidiger Körper wohl fühlt, wo er erst beginnt, Mensch zu werden, in hoher Achtung vor der französischen Kultur. 44 gebt 9. Innerlich, und mit klugem Bedacht auch außerlich, steht die Königin auf seiten ihres Sohnes. Sie fühlt sich besonders zu Friedrich und der äliesten Tochter Wilhelmine hingezogen, sucht ihren Einfluß auf den Sohn noch zu verstärken. Der Zwölfjährige ist ein begabter Schüler für alles was ihn aus der militärischen Zucht herausführt. Das Hoflager spaltet sich in zwei Parteien: Hie Urpreußentum! Hie französisch=englische Geistesvasallen! Inirigen werden laut, beschwören surchtbare Gewitter heraus. Die Atmosphäre im Schloß nimmt unheimliche Färbungen an. Sophie Dorothee reizt oft den König, der rücksichtslos das französische Element, im Wesen und in den Reigungen Friedrichs, auszurotten trachtet, Strafen androht, Maßregeln grober Art ergreift, um„alle effeminierte, laszive, weibliche Okkupation, die einem Manne höchst unanständig zu Gesicht stehen", zu tilgen. Er zerstört unbewußt, ungewollt, aus Nichterkennen und aus Liebe zu seinem Sohne, aus dem er einen frommen Christen, einen tüchtigen Soldaten und einen sparsamen Haushalter machen will, alle Anlagen, die in des Knaben reicher Seele schlummern. Die Fürsten Europas beginnen auf diesen merkwürdigen Thronfolger aufmerksam zu werden. Man amüsiert sich über die Zerwurfnisse am preußischen Hof. Man spinnt bereits feinnervige Zukunftspläne, macht Heiratsvorschläge, die bei der Königin ein geneigtes Ohr finden. Sie zeigt dem Kronprinzen Bilder ihres Bruders, des Königs von England, zeigt ihm ein Bild seiner Tochter, der Prinzessin Amalie, spricht von einer Loppelheirat, die durch die Vermählung der Prinzessin Wilhelmine mit dem Prinzen von Wales und durch seine Heirat mit Amalie von England, zustande kommen soll. Friedrich ist begeistert, Wilhelmine sieht sich bereits auf Englands Thron. Der König ist den Vorschlägen nicht abgeneigt, aber er vergißt sie wieder, als Grumbkow auf die Gefahr aufmerksam macht, die durch eine solche Verbindung droht:„.. der Kaiser wird mißtrauisch werden...“(Grumbkow weiß, was er dem Kaiser schuldig ist; seiner harrt die Belohnung für Vereitelung und Durchkreuzung dieser Projekte um jeden Preis!) T ∆ Sophie Dorothea, Friedrichs Mutter. Die Königin aber züchtet diesen aufknospenden Gedanken weiter. Sie erschließt sich ganz ihren Kindern, entfremdet sie dem König immer mehr, bewirkt dadurch jenen fatalen Dualismus, der später in Wilhelmine zu offenem Haß ausartete, so daß sogar Friedrich seinen Vater gegen sie in Schutz nehmen mußte. Sein Fluchtplan wird von der Mutter unterstützt. Man korrespondiert mit dem König von England; man macht Schulden. Schwester Wilhelmine bildet die geheime Vermittlerin zwischen Friedrich und seinen Helfern. Die Mutter wiederum ist es, die sofort, als sie die Meldung vom Mißlingen der Flucht hört, alle verräterischen Briefe vernichtet, die Schuld auf sich nimmt, sie durch eine kleine Lüge harmlos zu gestalten sucht. Wie ahnungslos ist der König! So glaubt er ihr die Katastrophe, die ihn in Trauer und Wut versetzt, nicht einmal selbst melden zu können; er schreibt an die Hosvame der Königin, sie möge seiner Gattin die schreckliche Botschaft schonend beibringen, damit diese nicht erkranke. Und als er auf Strafe sinnt und alle das Schlimmste nach Kattes Enthauptung befürchten, da zerrt ihn die Liebe zu seinem Sohn und der Rachegeister Dämonie hin und her. Er läuft nachts verzweiselt, von Gewissen und Enttauschungs= schmerz gepeinigt, durch die dunklen Säle des Berliner Schlosses. Er findet keine Ruhe mehr, keinen Schlaf. * Kattes Tod traf Friedrichs Seele. Er verlor den Glauben an sich selbst, an seine menschliche Qualität, zweifelte das Gute in sich an, ließ sich von jeder Gefühlsregung treiben. Er sah nur noch die Macht seines Vaters, seine eigene Ohnmacht, hörte auf Zureden der Mutter, die zu Kompromissen mit auen Ft###, rungen des Königs riet. Er war nicht mehr er selbst, faßte keine Entschlüsse mehr. Er gewöhnte sich daran, nur noch zu gehorchen. Die Königin ist nach Friedrichs erzwungener Heirat mit Elisabeth Christine von Braunschweig=Bevern, die er nicht mag, untröstlich. Sie trägt ihren Groll der unwillkommenen Schwiegertochter ossen zur Schau. Sie meidet Rheinsberg, wo sie die Neuvermählten weiß, besucht ihren Sohn nur bei offiziellen Anlässen. Friedrich schickt ihr bei jeder Kurier=Gelegenheit einen zärtlichen Brief, Noten, neue Bücher, seltene ausländische Früchte und Delikatessen oder die begehrten KaffeeSie ruft ihn nach Monbison. Sie plaudern von der Kindheit, als Fritz noch lustig wie ein Füllen durch die Gärten 2r44 sprang; von jener ersten unschuldigen Liebe mit Doris Ritter, die der König hat auspeitschen lassen, als er von ihrem Verhältnis mit seinem Sohn erfuhr und die nun glücklich heiratet ist. Oder sie sprechen vom Schicksal der Hofdamen, derer sich die Königin oft annehmen mußte, weil schnelle Heiraten einen Skandal vermeiden sollten. Einige Geschwister Friedrichs sind früh gestorben, die anderen sind noch Kinder; Wilhelmine ist in Bayreuth verheiratet. Frieorich mit seiner unglücklichen, negierten Ehe blieb der einzige, mit dem sie über alle Dinge sprechen kann. So wird sein Verhältnis ein überaus inniges, nie getrübt durch ernsthafte Meinungsverschiedenheiten. Beim Regierungsantritt bittet der junge König seine Mutter, sich nicht mehr um Politik zu bekümmern. Er will selbst diesem geliebten Wesen keinen Einfluß in seinen Staatsgeschäften zugestehen. Er hat beobachtet, wie sein Vater oft in Entschlüssen von seiner Gattin schwankend gemacht oder zum Gegenteil seiner Maßnahmen verführt wurde. Er lehnt sich gegen alles auf, was irgendwie seine Pläne durchkreuzen kann. „Nur keine Weiberherrschaft in nichts auf Erden!“ Und Sophie Dorothee ist viel zu klug, um den Fehler zu. begehen, gegen sein Verbot zu verstoßen. Sie kennt Friedrich, weiß, daß er jetzt nicht mehr zu lenken ist, nachdem Europa staunend diesem verwandelten„Melancholiker“, der sich als drohender Monarch entpuppt, gegenübersteht. Er bleibt mit seiner Mutter in regem Briefwechsel, berichtet ihr über Siege und Schlachten, nimmt herzlichen Anteil an allem, was sie bewegt, und sucht sie häufig auf, wenn es seine Zeit erlaubt, oder er ladet sie auch zu sich nach Berlin, Potsdam oder Sanssouci ein. Stolz blickt die Mutter auf iyren# Sohn, der Unerhörtes wagte und gewann. * Die ersten verlorenen Schlachten des Siebenjährigen Krieges. bringen den König in arge Bedräggnis., Er verzweifelt g### unter den Schicksalsschlägen, befinoer sich in einer Art täubung; da meldet ihm seine Schwester Amalie den Tod der Mutter. Im Feldlager von Leitmeritz, zwischen vernichteten Bataillonen, antwortet der geprüfte Mensch: Leitmeritz, 1. Juli 1757. Liebe Schwester! Alle Unglücksfälle schlagen auf mich mit einem Male ein Oh, meine teure Mutter! Großer Gott! Ich werde nich mehr den Trost haben, sie zu sehen. O Gott, o Gott, welch Unglück über mich! Ich bin mehr tot als lebendig. Ich habe einen Brief von der regierenden Königin erhalten, die mit dies alles berichtet. Vielleicht hat der Himmel unsere teure Mutter zu sich genommen, damit sie nicht das Unglück unseret Hauses sähe. Teure Schwester! Ich bin unfähig, zu sagen. Ich umarme Sie herzlich. Friedrich. * Der Einfluß, den die Königin auf Friedrich hatte, bis zum Jahre 1728. Er läßt sich bis dahin in seiner Erziehung verfolgen. Später wirkten die großen Erlebnisse auf ihn entscheidend: seine Flucht, Kattes Tod, die erste große Liebe, EntDie verwöhnte Tochter aus dem Welsengeschlecht, die Sophig Vorothee war, sieht sich einem Manne anzgegrgzhgf, hir nicht weniger Verständnis hat als für behagliches Woylleoen. Sie kommt von einem Hof, an dem Prunk, Luxus dung, nach dem Vorbild des Sonnenrönigs, zu Hause sind und sie gesteht, daß man über die Brandenburger und ihn kümmerliches Königstum ergötzliche Geschichten erzählt hat daß aber die Wahrheit noch trostloser sei. Sie richtet sich also ihr Leben an der Seite des Soldatenkönigs nach ihrem Geschmack ein, gibt seinen Wünschen scheinbar nach, um lächelnd das zu tun, was ihr beliebt. Ihre robuste Natur erträgt das Wesen des Kriegers, den Mangel an Galanterie, Ritterlichkeit und Taktgefühl des daß sie die Härte des Königs mit ein paar weiblichen Blicken schmelzen kann Aber sie will ja nur in dies unbehagliche, nüchterne Dasein etwas Geist, Anmut, Eleganz tragen; ein wenig französische Kultur und englische Tradition. So versucht sie, das Hofleben auch nach außen hin ansehnlich zu gestalten, es vor der Verkümmerung in monotoner Spießbürgerlichkeit zu Und in diesen Neigungen trifft Friedrich, ihr Reltester, mit ihr zusammen. Sie zieht den Sohn also aus, VeranlagungsSympathien auf ihre Seite, heimlich zwar, aver um so wirkungssicherer. Als sich der Vater in die Erziehung Friedrichs mischt, da ist im Kinde schon die Anlage für verfeinerte Lebenslultur im Keime gelegt. Daß er später der König, wie wir ihn kennen, wurde, das mar sein eigenes Wollen und sein eigenstes Werk, das nur durch erlebnisschwere Wandlungen zustande kommen konnte. Der Philosoph aber, den seine Mutter, die Tochter der„philosophischen Königin“ aus ihm gemacht hatte. der ist er immer geblieben. Elisabeth Christine von Preußen, die Gemahlin Friedrichs des Großen. Ein großer Teil des deutschen Volkes weiß nichts von einer Gattin Friedrichs des Großen— so klangarm hat er diese Frau neben sich und seiner Größe gemacht. Und doch war Elisabeth Christine eine der menschlich wertvollsten Gestalten im Leben Friedrichs. Nur ihm bedeutete sie nichts, nur an ihr glitt sein Blick vorbei; wenige Strahlen seines Ruhmes und Glanzes fielen auf das freudlose Dasein seiner Gemahlin. Tage in Rheinsberg, Briefe von Voltaire, an seine Schwester Wilhelmine von Bayreuth, ein Souper à deux, die goldene Hochzeit— das sind die einzigen Zeugnisse seiner Ehe; das ist alles, was von diesem unseligen Verhältnis übrigblieb. Auf natürliche Weise wäre dieser Bund niemals zustande gekommen: Intrige, ein Machtspruch, liebefremde Menschen fügten Unvereinbares willkürlic zusammen. Ob zum Glück oder Unglück, danach war ihr Sinn nicht gerichtet: sie spielten Schicksal und schusen unendliches Leid. (Fortsetzung folgt.] Bider auss Kinfor e Uie Balbo übernimmt den Gouverneurs-Posten von Tripolis Der frühere italienische Luftmarschall Italo Balbo mit seiner Familie bei der Landung in Trivolis. Der Lustmarschall findet auf seinem neuen Posten als Gouverneur der nordafrikanischen Kolonie Trivolitanien ein reiches Arbeitsfeld vor. Gilt es doch einerseits, den friedlichen Ausbau des Landes zu fördern, um den Bevölkerungs=Ueberschuß des Mutterlandes aufzunehmen, andererseits muß noch immer die Abwehr gegen aufrührerische Ueberfälle der Berber= und Senussi=Stämme organisiert werden. Kinder bei den Stavisky-Tumulten in Paris Ein erschütterndes Bild von den letzten Tumulten, die sich aus Anlaß des Stavisky=Skandals vor der Deputierten=Kammer in Paris ereigneten: Kinder greisen die Polizei an, um sie an der Festnahme von Demonstranten zu hindern. Kaum ein Bild ist so wie dieses geeignet, die große Erregung zu zeigen, die sich des ganzen französischen Volkes über die am Stavisky=Skandal beteiligten Politiker bemächtigte. Das entsetzliche Lawinenunglück Hallestellen werden schriftlich in den Allgäuer Alpen angezeigt Rettungsmannschaften sondieren die Schnecmassen Der praktische Haltestellen=Anzeiger, der jetzt in den nach den Verschütteten Berliner Straßenbahnwagen angebracht wird. Die große Pfalz=Ausstellung in Berlin Oben: Die Reichskleinodien aus dem Domschatz zu Sneyer auf der Pfälzer=Ausstellung, Sinnbilder der deutschen Größe unter den Stauffer=Kaisern. Unten: Reichsinnenminister Frick, der selbst ein geborener Pfälzer ist, eröffnet die Ausstellung„Die Pfalz im Reich“, die eine treifliche Uebersicht über die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung dieses fruchtbaren Gebietes im Westen des Reiches gibt. Der Reichsbauernführer Darré mit einer GruppeDer thüringische Landesbauernführer Peuckert eröstvon Bauern in ihrer heimatlichen Tracht, net die Kundgebung mit einer Begrüßungsansprache Enchüllungen in einem Die kürzlich erfolgte Aushebung einer riesigen internationalen Propagandazentrale in Zoppot hatte bereits gezeigt, daß der Freien Stadt Danzig eine wichtige Stellung in den kommunistischen Weltrevolutionärplänen zugedacht war. Nun ist durch den Prozeß gegen den früheren kommunistischen Volkstagsabgeordneten Kreft und den Rotfrontführer Nystewski endgültig erwiesen, daß das scharfe Zufassen der nationalsozialistischen Danziger Staatsführung und die zühe Arbeit der Danziger politischen Polizei unter Leitung des Kriminalrates Sowa nicht nur Danzig, sondern vor allem auch die östlichen Nachbarstaaten vor dem bolschewistischen Chaos bewahrt haben. Die beiden Angeklagten, die während des Danziger Hafenarbeiterstreiks vor einem Jahr bewaffnete Banden mit Feuerwafsen gegen die Arbeitswilligen eingesetzt hatten, sind von der Danziger Strafkammer zu den höchstzulässigen Gefängnisstrafen von zwei Jahren bzw. zwei Jahren vier Monaten verurteilt worden. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus: In weiten bürgerlichen Kreisen sei man sich gar nicht recht klar darüber gewesen, was Danzig durch die KPD gedroht hatte. Festgestellt sei, daß der RFB mit Waffen versehen rorden sei. Die Mittel zur Anschaffung der Waffen seien zum Teil von der KPD hergegeben worden. Mitglieder der KPD und des RFB seien in größtem Maße mit Pistolen und anderen Vsaffen versehen worden. Die Organisation des hatte einen militärischen Charakter. Es wurden Geländeübungen und Schießübungen mit Karabinern veranstaltet. Daraus ergab sich das Delikt eines unbefugten Gebildes und bewaffneten Haufens. Bei der Strafzumessung müsse man berücksichtigen, daß die Höchststrafe von zwei Jahren wegen dieses Vergehens nicht mehr für die heutige Zeit passe. Eher wäre eine lange Zuchthausstrafe für diese Tat angebracht. In der Verhandlung selbst ergaben sich haarsträubende Einzelheiten über die Vorbereitung großer Terroraktionen durch die KPD und den RFB in Danzig. Unter Aufwendung erheblicher Geldmittel haben die Angeklagten ihre Anhänger vlanmäßig mit Schußpaffen anogerüstet, ausgebildet und zu Feuerüberfällen ausgesandt. Einzelne R. F.=B.=Leute wurden zur Ausbildung auf eine russische Kriegsschule geschickt. Ein Zeuge machte die aufsehenerregende Aussage, daß ihm ein RFB=Mann schon nor dem Reichstaasbrand reitgeteilt habe, es werde am 12. März in Deutschland losgehen. Festnahme von Werbekolonnen Die Danziger politische Polizei hat im Anschluß an die Ergebnisse der Gerichtsverhandlung eine umfassende Organisation gegen die Träger der kommunistischen Wühlarbeit eingeleitet. Als erste Maßnahme wurde im Laufe des Donnerstags eine kommunistische Bücherstube ausgehoben. Es wurde schwer belastendes Material gefunden, aus dem sich ergab, daß diese Bücherstube eine Hauptzentrale der kommunistischen Hetzarbeit gewesen ist. Es wurden Beziehungen zum RotFront=Kämpfer=Bund, eine Unterstützung seiner auf gewaltsamen Umsturz gerichteten Arbeit festgestellt. Der Verkäufer Lemke wurde verhaftet. Der politischen Polizei ist es ferner in den letzten Tagen gelungen, zwei kommunistische Werbekolonnen, die unter Führung polnischer Jnden standen, unschädlich zu machen. Die erste dieser beiden Kolonnen, die übelste Hetzschriften der KPD=Zentrale an die illegalen Unterorganisationen weiterleitete und durch fünf Untergruppen verteilen ließ, stand unter Führung des erst 17jährigen polnischen Inden Israel Mona, der von der Studentin Basia Eisenmann und dem Rassengenossen Rejnach Schatzkammer unterstützt wurde. Während die beiden letzteren festgenommen und nach Polen ausgeliefert wurden, wurde Israel Mong vom Jugendgericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen auf frischer Tot ertappten Mitglieder der Kolonne, verführte Jungarbeiter aus Ohra bei Danzig, wurden am Donnerstag wegen VerteiHommunisten-Prozeß lung der„Roten Fahne“ und der„Jungen Garde“ vom Schnellgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die zweite Kolonne, die aus 16 Kommunisten bestand, wurde bei der Ausübung ihrer Tätigkeit in der Danziger Niederung festgenommen. Schulfragen Gegen übermäßige Beanspruchung der Schuljugend durch Organisationen In den„Leitgedanken zur Schulordnung“, die auf der 11. Tagung des Ausschusses für das Unterrichtswesen beraten und inzwischen den Ländern mitgeteilt wurden, sind die Ansprüche der Schule und der Hitlerjugend auf die Schüler und die Rechte des Elternhauses auf Erhaltung des Familienlebens in der erforderlichen Weise abgegrenzt worden. Aus verschiedenen Vorstellungen entnimmt jedoch der Reichsinnenminister, daß die Schuljugend auch außerhalb von Schule und Jugendbund von den verschiedensten Organisationen und Vereinen in einer oft geradezu gesundheitsschädigenden Weise in Anspruch genommen wird. Die Schüler werden dabei zu öffentlichen Kundgebungen, Vereinsfesten, Theateraufführungen usw. bis in die späten Nachtstunden herangezogen. Wie das BD3.=Büro meldet, erklärt der Reichsinnenminister in einem Schreiben an die Landesregierungen dies für einen Raubbau an der Gesundheit der Schüler. Er bittet daher, einer solchen mißbräuchlichen Ausnutzung der Schuljugend ohne Rücksicht auf die betreffende Organisation entschieden entgegenzutreten. Der Schuldienst darf nicht leiden! Wiederholt ist darüber Klage geführt worden, daß Lehrkräfte durch den übertriebenen Zwang, Versammlungen, Besprechungen und dergleichen zu besuchen, derart in Anspruch genommen sind, daß sie selbst beim besten Willen ihren Amtspflichten nicht mehr in der gebotenen Weise nachkommen können. So sehr der preußische Kultusminister von den Lehrkräften erwartet, daß sie sich willig neben ihrem Amte dem Dienste in der Bewegung widmen, so verlangt er doch in einem Erlaß unter allen Umständen, daß die außerschulische Tätigkeit den Lehrern den vollen Einsatz ihret Kraft für die Schule nicht unmöglich macht. Sonderunterricht für Konfirmanden Beim preußischen Kultusminister ist Klage darüber geführt worden, daß die Kinder, die infolge der marxistischen Verhetzung der Eltern vom evangelischen Religionsunterricht ferngehalten sind, zum großen Teil im Konfirmandenunterricht nicht die für diesen Unterricht erforderlichen Vorkenntnisse mitbringen. Wie das BD3.= Büro meldet, hat der preußische Kultusminister deshalb die Schulbehörden ersucht, diesem Mißstand nach Möglichkeit durch Einrichtung von Sonderkursen oder durch ähnliche Einrichtungen abzuhelsen. Besondere staatliche Mittel kann er für diesen Zweck allerdings nicht zur Verfügung stellen. Der preußische Kultusminister hat erneut in einem Runderlaß auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß die Lehrerschaft die anerkennenswerten Bestrebungen des Deutschen Sprachvereins zu unterstützen habe. Die Pflege und Reinhaltung der deutschen Sprache sei vaterländische Pflicht. Die Schule sei in erster Linie berufen und dazu in der Lage, die Liebe des Deutschen zu seiner Muttersprache von Jugend auf zu wecken, das Sprachgefühl zu schärfen und die Schüler zu einem reinen und schönen Deutsch in Wort und Schrift anzuleiten. Der Deutsche Sprachverein habe sich bereiterklärt, seine Zeitschrift den Schülern zu einem ermäßigten Jahresbetrage von einer Reichsmark postfrei zu liefern. Das Heer wird umerganisiert— Die Meinung Mussclinis Der alte und der neue Kriegsminister 139 Millionen Ven für die Armee Der ehemalige japanische Kriegsminister Araki i Die jananische cklärte vor Vertretern der japanischen Presse, erklärte vor Vertretern der japanischen Presse, daß er aus Gesundheitsrücksichten gezwungen sei, das Kommando über die japanische Armee niederzulegen. Er freue sich, daß General Chajosi zu seinem Nachfolger ernannt worden sei, der einer der tüchtigsten Offiziere der japanischen Armee sei und— völlig von nationalem Geiste erfüllt— sich der Bedeutung seiner großen Mission bewußt sei. Chajosi sei einer der besten Kenner der japanischen Wehrmacht, so daß man sich ganz auf ihn verlassen könne. Der neue Kriegsminister Chajosi äußerte anschließend, seiner Meinung nach nehme Araki nicht für immer Abschied von der japanischen Armee. Nach dem Rücktritt Arakis werde sich in der japanischen Armee nichts ändern. Das Wer! Arakis werde beim Wiederaufbau der japanischen Armee fortgesetzt werden. noenwert zun 30. Wir lassen unseren gestrigen Mitzeilungen die Abbildungen der Gutscheine folgen, die am 39. Januar an die Bevölkerung verteilt werden: S 89 S S S 8 S Serie CUTSCHEIN“E gültig in der Zeit vem 1. Februar bis 28. Februar 1934. Gegen Adgade dieses Gutscheines und gegen Entrichtung einer Anerkernungsgebühr In Höhe von fünlzehn Reichspfennig verabfolgt jeder Hohlenhändler(bei Landobios des Wert) ob Lagersele 1 Zentner Braunkohlenbriketts in guter Beschaffenheit. 8 8 88 S S S 88 88 S 8 8 Mübräachiche Arsachung diclen Scheiues alht Buochamsbrie und ve.# emeteneebenelr1234 M e chcee Secsreem bue Braunkohlenbrikett gutschein verkleinert, Originalgröße 118X149 mm Blauer und roter Druck auf braunem Grunde Berie * Gutschein L Ollitig in der Zeit vom 1. bis 28. Februar 1934. Gegen Avgabe dieses Gutscheines und gegen Entrichtung einer Onerkennugegebühr in Höhe von fünf zehn Reichspfennig verabfolgt jeder Rohlen. 4 572 händler(bei Landabsag die Teche)„ a lagrctele einen Zentner Steinkohlen i guter Beschoffendels. Weitere Zahlungen sind nicht zuleitsten. zühhriegscheünnninggdluter schene gehkenpeutenteangte ulSteinkohlengutschein verkleinert, Originalgröße 118X149 mm Schwarzer u. roter Druck auf braunem Grunde. er und roter Druck auf braunem Grunde Schworzerv. Lee Echtheitsmerkmale: Wasserzeichen, braune Grundfarbe wird bei Beteuchtung neugron Die sapunische Presse veröffentlicht auszugsweise die Rede des japanischen Ministerpräsidenten Saito im Ober= und Unterhaus sowie die Rede des Finanzministers Takachasi. Saito beschäftigte sich mit der innenpolitischen Lage Japans. Die Regierung sei bestrebt gewesen, alles zur Milderung der wirtschaftlichen Krise zu tun. Vor allem habe die Regierung, um produktive Arbeit zu ermöglichen, eine Umänderung des Staatsapparates für notwendig gehalten. Die gesamte außenpolitische Lage verlange im Innern einen Zusammenschluß aller Kräfte, um dem Ausland die Einheit des japanischen Volkes zu zeigen. Der Finanzminister Takachasi wies auf die großzügige Politik der Regierung in der Förderung der japanischen Ausfuhr hin. Der Fehlbetrag von etwa 900 Millionen Yen werde durch neue innere Anleihen gedeckt werden. Die Kosten für das Vorgehen in der Mandschurei werden mit 160 Millionen Yen angegeben. Für die Umorganisation der japanischen Armee seien besondere Kredite in Höhe von 130 Millioner Yen zur Verfügung gestellt. Die Regierung habe ein Wirtschaftsprogramm aufgestellt, dessen Hauptaufgabe die Milderung der Wirtschaftskrise besonders auf dem Gebiete der Landwirtschaft sei. Die japanische Regierung gedenke hier umfassende Reformen durchzuführen, um die Lage der japanischen Landwirtschaft zu bessern. Vorwürfe gegen Japan aus Italien Der Korrespondent des„Daily Telegraph“ in Rom sagt in einem Aufsatz, in diplomatischen Kreisen werde die Frage erörtert, ob Mussolini beabsichtige, Vorschläge für die Behandlung der Fragen des Fernen Ostens zu machen. Verschiedene Anzeichen deuteten darauf hin. Vor einigen Tagen hätten viele europäische Blätter einen von einem amerikanischen Syndikat verbreiteten Aufsatz Mussolinis veröffentlicht, in dem er wiederum Unruhe über Japans Außenpolitik bekundet habe. Es verlaute, daß die japanische Regierung dieserhalb die Möglichkeit freundschaftlicher Vorstellungen in Rom erwäge. Wie eine Antwort auf die erwähnten Gerüchte sehe ein Aufsatz in der„Tribuna“ aus, den ein Mitglied des Faschistischen Großen Rates verfaßt hat. Dort werde Japan der Unehrlichkeit im Zusammenhang mit der Mandschurei und China bezichtigt. Der Völkerbund werde für seine Schlaffheit gegenüber Japan getadelt und Großbritannien werde vor der Durchdringung Indiens, Australiens und Neuseelands durch Japan gewarnt. Die Singapur=Konferenz werde auf Großbritanniens Furcht vor Japan zurückgeführt. Dieser Artikel werde als Zeichen dafür angesehen, daß Mussolini wünsche, Europa zu einem Vorgehen zu veranlassen, das China und Rußland gegen die japanische Politik zu schützen geeignet sei und gleichzeitig Schritte zu tun, um dem Eindringen japanischen Handels in Europa ein Ende zu machen. AA chen Volkes! Oeteeg Nurr scctrone Bernofe erer Süte Aeeeehe glüne de 11 Gutschein gine ail. beruer n#e Dieser Gutschein berechtigt zur unentgeltlichen Eunahme von Lebensmitteln im Werte von einer Reichsmark Lerwas an deres als Ledenomirtel darf auf diesen Gurschein nicht veradfolgt werden. Der Gutschem wird von jeder Lebenemureihandlung m Zahlung genommen Mach dem 13. Jedruar 1934 dürfen solche Gutschime von den Ledenemreihandlungen nicht mehr in Zahlung genommen werden. tieht Juchthanssraferach sch. übeprn der Derchnung der im Johlung grommanen Guscheme 6.0 dis Anordnungen auf der Rückseite dieste Scheines zu beachten. 4 60 En1 Lebenemittelgeschäfte haben die in Jahlung genommenen Gutscheine hierunter mit ihrem Firmenstempel oder mit handschriftlicher Firmeneintragung zu versehen. Die Erstattung des Gegenwertre an die Ledenomtrreigeschätte erfoigr bis spärestens 28. Februar 1934 bei jeder Jahlstelle aller Banken, Effentlichen Sparkassen, Gwokassen, Girozentralen, Stadtbanken, Rommunaldanken, landwirtsthaftlichen und gewerdlichen Genossenschaften gegen Adgade der Gutscheme Soweit mehr ale 100 Gurscheine aufgeliefert werden, sind diest zu je 100 Stück zu döndein. Zahlstellen führen die emgelösten Gurscheine an ire Zentralstelle ad, weiche die endgültige Abrechnung nut der Neuchoföhrung des Winter= Sufowerko des drurschen Doifes 1933/34 vormmmt. Badehhere in 10010 Aasandes Vorderselle Lebensmittelgutschein verkleinert, Originalgröße 114X146 mm. Nüchsele 2] Nachdruck verboten. Leonore fügte sich überraschend gut in das englische Gesellschaftsleben ein. Sie bezauberte selbst die steifen Engländer und ihre ebenso vornehmen Gattinnen, und sie hatte Verehrer in Massen. Wie ein schöner, bunter Schmetterling gaukelte sie durch diesen Londoner Gesellschaftswinter, dessen Mittelpunkt der große Hofball bildete, bei dem die deutsche Komiesse sogar dem englischen Königspaar vorgestellt wurde. Im Frühjahr kehrte Leonore nach Berlin zurück, um sich voller Vergnügen in das großstädtische Leben der Reichshauptstadt zu stürzen. So schön es in London gewesen war, hier gefiel es ihr noch viel, viel besser. Hier war sie erst recht in ihrem Element. Regina hatte ihr ein einziges Mal von der Jugendverlobung gesprochen. Leonore hatte mit dem Kopfe geschüttelt: „Wo denkst du hin! Der Altenberger hat mich sicher vergessen. Ich glaube, auf diese Verlobung brauchen wir keine Rücksicht zu nehmen. Ueberhaupt: ich denke gar nicht ans Verloben oder Heiraten. Mir gefällt es so viel besser. Ich glaube fast, wir werden immer zusammen bleiben, Gina!“ Von da an hatte man den Altenberger nicht mehr erwähnt. Die Schwestern wußten, daß Graf Rudolf von Altenberg sich zu einem Globetrotter von Passion ausgewachsen hatte. Man hatte viel von seiner großen Wettreise gesprochen und noch mehr von der Forschungsreise ins Innere Afrikas, die er zusammen mit einer Expedition unternommen hatte. Damals, als der Altenberger seinen Kondolenzbesuch bei den Schwestern gemacht hatte— einen ziemlich förmlichen und belanglosen Besuch—, damals hatte kein Wort an jene Jugendverlobung erinnert. Und Leonore war die ganze Zeit über der Meinung gewesen, daß von einer Verlobung eigentlich nicht mehr die Rede sein konnte. Das alles paßte nicht mehr in die heutige Zeit, war eine vergessene und überwundene Angelegenheit. Die Schwestern hatten wohl gehört, daß Graf Rudolf von Altenberg vor einiger Zeit von seinen großen Reisen zurückgekehrt war und jetzt auf seinem thüringischen Besitz lebte. Direkt hatten sie die ganze Zeit über keine Nachricht von ihm bekommen. Und jetzt, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, kam dieser seltsame Einschreibebrief, erinnerte er sich an seine Bräutigamspflichten. „Ein hirnverbrannter Blödsinn ist das!“ sagte Leonore vor sich hin. „Aber, Lore! Du weißt doch, daß ich diese entsetzlichen Ausdrücke nicht hören kann!" „Ja, Gina, ich weiß es. Aber was soll man anders zu dieser Geschichte sagen? Ist das nicht der größte Nonsens? Ein Baby im Steckkissen wird einem dummen Jungen anverlobt, nur weil der Bengel den kleinen Schreihals entzückend gefunden hat. Und zwei erwachsene Menschen sollen sich an diesen Unsinn halten! Ich bin überzeugt davon, daß der Graf Altenberg die ganze Geschichte bitter bereut, und daß er nur aus Anständigkeit diesen Brief geschrieben hat. Als Ehrenmann glaubt er, von seinem Wort nicht zurücktreten zu können, zumal er weiß, daß die Verlobungsgeschichte in unseren Kreisen nicht ganz unbekanni geblieben ist. Ich meinerseits halte das Ganze für einen kompletten Unsinn, mit dem ich lieber nichts zu tun haben möchte.“ „Um Gottes willen, Lore! Was sprichst du da für Sachen! Willst du diese deine Meinung vielleicht dem Altenberger mitteilen?“ „Warum nicht? Warum soll ich ihm nicht sagen, daß man ein Mädchen von heute nicht zu einer Ehe zwingen kann?" „Aber, Lore...!“ „Aber, Lore! Das ist alles, was du sagen kannst, Gina! Im Grunde genommen mußt du mir natürlich recht geben. Papa und der alte Altenberg wußten sicher nicht, was sie mit dieser Verlobungsgeschichte angefangen haben. Man soll einen Mann heiraten, den man gar nicht kennt, von dem man nicht wissen kann, ob er zu einem paßt oder nicht. Wenn ich ans Heiraten dachte, habe ich mir immer vorgestellt, daß ich den Mann, den ich mir aussuche, sehr lieb haben muß. Ich stelle mir eine Ehe ohne Liebe entsetzlich vor Wie soll ich es also über mich bringen, einem wildfremden Menschen anzugehören Ich weiß nicht, ob mir sein Charakter zusagt, seine Lebensbedingungen; ich weiß nicht einmal, ob ich es über mich bringen kann, ihm einen Kuß zu geben, von anderen Dingen ganz zu schweigen.— Sage selbst, ist das alles nicht vollkommen unmöglich?“ „Ja, Lore! Eigentlich hast du recht. Du und der Altenberger, ihr müßtet euch zuvor natürlich gründlich kennenlernen. Du sollst nicht mit offenen Augen vielleicht in dein Unglück hineinrennen. Aber ich denke, auch der Altenberger wird mit einer Prüfungszeit zufrieden sein.“ Wie du dir das vorstellst, Gina! Prüfungszeit! Man beschnuppert sich gegenseitig, immer in dem Gedanken, aneinander gebunden zu sein. Keiner wird sich dann so geben, wie er wirklich ist. Immer wird man gehemmt sein. Nein, Gina, so will ich meinen zukünftigen Mann nicht kennenlernen Dabei kann nichts herauskommen. Nie wird er mir auf diese Weise sein wahres Gesicht zeigen. Ganz anders will ich ihn prüfen.“ „Wie denn, um Gottes willen?! Wie willst du es anstellen, ihn anders kennenzulernen?“ „Ich muß ihm auf irgendeine Weise nahekommen, ohne daß er weiß, wer ich bin.„Drum prüfe, wer sich ewig bindet! heißt es bei Schiller.„Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang!: Ich will meinen Mann liebhaben, grenzenlos lieb. Sonst will ich nicht heiraten. Und er— er soll mich auch lieben, um meiner selbst willen, mich ebenso lieben wie ich ihn. Von ganz allein soll diese Liebe kommen. Graf Altenberg sieht in mir die ihm von jeher zugedachte Braut. Ein notwendiges Uebel, gewissermaßen; eine Tatsache, mit der man einfach rechnen muß. Aus Pflichtbewußtsein wird er mich heiraten. Sicher wird er mich achten, vielleicht wird er mir auch ein wenig Liebe heucheln... Aber das genügt mir nicht, das ist mit mir nicht zu machen. Auf irgendeine Weise muß es anders gehen. Ich will wissen, wie er wirklich ist; muß seinen Charakter kennenlernen, muß sehen, ob wir zueinander passen. Ich muß auch herausbekommen, ob ich sein Geschmack bin, ob ich ihm gefalle. Ich muß auch fühlen, wie ich auf ihn wirke Ich muß meine Macht über ihn erproben. Kannst du mich verstehen, Gina?“ „Ja, Lore! Verstehen kann ich dich schon. Nur— ich weiß nicht, auf welche Weise du das erreichen willst. Wie willst du dich Graf Rudolf nähern, ohne daß er erfährt, wer du bist?“ „Genau weiß ich es noch nicht, Gina. Aber es kribbelt mir schon in den Fingerspitzen vor Unternehmungslust... Und warte nur.... „Lore, Lore! Jetzt bist du wieder auf dem Wege. Dummheiten zu machen. Du darfst nie vergessen, wer du bist...!“ „Hab' keine Angst, Gina! Ich werde mir schon nichts vergeben. Ich zerbreche mir meinen Kopf! Aber... Halt! Jetzt weiß ich, was ich mache. Ich fahre nach Altenberg— unerkannt natürlich!“ „Lore! Bist du toll?" „Ach wo, Gina! Ganz normal bin ich. Paß nur mal auf! Du schreibst dem Altenberger einen lieben und netten Brief und teilst ihm mit, daß du mir die Urlaubsfreude durch nichts stören möchtest. Er möge sich mit der Antwort auf seinen Brief bis zum Herbst gedulden. Und dann werden wir abwarten, was sich bis dahin alles ereignet hat!“ „Nein, nein, Lore! Das kann ich unter keinen Umständen zugeben. Ich erlaube nicht, daß du eine Torheit begehst. Ihr werdet euch hier kennenlernen!“ „Ich muß dich darauf aufmerksam machen, Gina, daß ich demnächst vierundzwanzig Jahre alt bin und deshalb ein Recht dazu habe, mir mein Lebensglück selbst zu zimmern. Und ich denke nicht daran, mir meinen zukünftigen Mann einfach aufoktrovieren zu lassen Willst du, daß der Altenberger hierber kommt, bitte! Eine Stunde darauf wird er wieder gehen, endgültig und für immer, mit einem regelrechten Korb von mir... „Um Gottes willen, Lore! Das wäre entsetzlich! Das geht nicht!“ „Nun gut! Dann lasse mich machen! Ich weiß schon, was ich tue!“ „Und ich trage die Verantwortung für alles, was du anrichtest, wenn ich meine Zustimmung gebe. Was soll nur aus alledem werden?" „Mein Glück, Gina! Du willst doch auch nichts anderes — nicht wahr? Ich muß wissen, ob ich den Altenberger lieben kann, ob er mich gern hat, ob wir zueinander passen. Sonst mache ich einfach nicht mit!" „Lore, Lore! Wenn Vater das wüßte!" „Würde mir auch nichts ausmachen. Er selbst hat uns durch diese Verlobung so in die Tinte geritten!“ „Versprich mir nur, Lore, dich zu nichts hinreißen zu lassen, was du später bereuen müßtest. Denke immer daran, wer du bist, und was du uns schuldig bist!“ „Du brauchst keine Angst zu haben, du Gute! Du darfst alles ruhig mir überlassen, mir und meinem Herzen. Das eine verspreche ich dir: ich werde nichts tun, was du nicht auch billigen würdest Bist du nun beruhigt, Gina?“ „Ich muß es ja wohl sein. Lore. Du tust ja doch, was du dir in den Kopf gesetzt hast!" Leonore lachte übermütig auf und umschlang die Schwester. Gab ihr einen Kuß und sagte: „Komm, Gina! Jetzt wollen wir aber essen. Ich habe einen furchtbaren Hunger. Um halb vier Uhr muß ich am Kanuhaus sein. Ich will den Hanns nicht warten lassen. „Lore! Immer diese Herumpaddelei mit dem Bassewitzer! Das will mir auch nicht übermäßig gefallen. Das schickt sich doch nicht recht!“ „Du bist wirklich altmodisch, Gina. Es schickt sich nicht! Als ob es das heute noch gäbe. Heute sind sie alle draußen, solange sie noch jung sind und Freude haben am Sport und an der Natur! Man denkt gar nicht an Dummheiten, das darfst du mir glauben. Es passiert wirklich nichts, was auch die strengste Gardedame nicht sehen dürfte. Aber schön ist es, wunderschön, und man ist restlos glücklich!“ Regina sah lächelnd auf die junge Schwester. Wie sehr Leonore dem Vater glich, in ihrem Draufgängertum und ihrem Lebenshunger! Dann nahm sie Leonore unter den K Arm, und die Schwestern gingen hinüber zum Mittag. essen. Sie saßen noch bei Tisch, als Frau Siebenhühner gemeldet wurde. Das war ein altes Faktoium der Koltaus. Jahrzehntelang hatte sie auf Schloß Koltau gedient, war dann mit den Schwestern ach Berlin gezogen und bei ihnen geblieben, bis sie vor sechs Jahren geheiratet hatte. Aber auch jetzt noch war sie unentbehrlich und immer da, wenn bei den Koltaus irgend etwas los war; ob es sich um Gäste handelte oder um die Einkocherei oder um Großreinemachen. Ihr Bruder besaß große Obst=Plantagen, und Gräfin Regina war froh, durch Frau Siebenhühner frisches Obst und Gemüse zum Einmachen zu bekommen. „Herein mit der Siebenhühnerschen, Emma!“ sagte Leonore, während sie mit gutem Appetit ihren Grießpudding verzehrte. Leonore stand mit der Vertrauten ihrer Jugend immer noch auf bestem Fuße. „Denken Sie, Siebenhühnerschen, heiraten soll ich. Der Altenberger hat sich gemeldet... „Ach, Fräulein Lore, der Altenberger? Ohl, ich kann mich noch ganz gut an ihn erinnern, wie er immer an Ihrem Bettchen saß und sich von Ihnen herumzausen ließ.“ „Ja, aber ich kann mich nicht mehr an ihn erinnern und habe eigentlich keine große Lust zu der Heiraterei, Siebenhühnersche.“ „Wir werden ja alles sehen, Lore!“ sagte jetzt Regina, die eigentlich solche Vertraulichkeiten nicht besonders gern sah, obwohl auch sie bei der guten Frau Siebenhühner eine Ausnahme machte. Aber Lore ging entschieden zu weit. In ihre Familienintimitäten brauchte sie die Siebenhühner nun nicht einzuweihen. Sie stand auf. „Ich habe Spargel mitgebracht. Frau Gräfin!“ sagte Frau Siebenhühner, die vor Regina einen höllischen Respekt hatte.„Und grüne Stachelbeeren. Und wenn Sie wollen, bleibe ich gleich da und helfe beim Einmachen.“ Regina und Frau Siebenhühner verschwanden in der Küche. Leonore blieb allein zurück. Sie war sehr nachdenklich. Da kam nun mit einem Male diese Wendung, kam dieser dumme Brief des Altenbergers... Ob sie es machte wie viele andere ihrer Freundinnen? Einfach heiraten!— Graf Rudolf von Altenberger war eine gute Partie!— Man mußte abwarten, wie die Ehe verlief... Nein! Das würde sie nicht tun! Sie hatte sich ihre Ehe anders vorgestellt. Sie ließ es nicht auf den Zufall ankommen. Sie heiratete nur einen Mann, den sie liebte. Und sie wollte um ihrer selbst willen geheiratet werden und nicht wegen eines alten Familienvertrages. Es ging nicht anders, sie mußte ihren Plan durchführen. Später gelang es ihr, Frau Siebenhühner allein zu erwischen. Eifrig wisperte sie mit ihr, und sie erreichte bei der braven Seele alles, was sie wollte. Jetzt war ihr Plan fertig. Regina würde einfach überrumpelt werden. Es war schon acht Uhr abends. Regina saß bei einem Buch und wartete auf Lore. Sie fing an, unruhig zu werden. So spät war Lore noch nie nach Hause gekommen. Bei der Dunkelheit konnte sie doch nicht mehr auf dem Wasser sein? Regina stand auf, ging hinüber zum Telephon, läutete Hanns von Bassewitz an. Zuerst war Tante Agnes am Telephon, und die ungeduldige Regina mußte ihren Sermon über sich ergehen lassen. Endlich kam sie dazu, nach Hanns zu fragen, ob er schon zu Hause sei. „Ja, Gina! Schon eine ganze Weile! Soll ich ihn rufen?" Reginas Herzschlag stockte. Schon lange war er zu Hause? Und was war mit Lore? Mühselig nur konnte sie die Tante bitten, Hanns zu rufen. „Hallo... Gina „Ja, Hanns, weißt du, wo Lore geblieben ist?“ „Lore, nein! Ich bin sehr böse auf sie, hat mich einfach versetzt. Heute mittag hat sie mir noch fest versprochen, zum Bootshaus zu kommen. Und ich warte und warte— keine Lore erschien. Hat sie dir nicht gesagt, Gina, wo sie hingegangen ist?“ Keine Antwort kam. Regina konnte zuerst nicht sprechen. Das Herz saß ihr oben im Halse. „Hallo, Gina, ist was los?“ Eine tonlose Stimme antwortete:„Nichts, Hanns.“ „Gina, irgend etwas ist doch nicht in Ordnung. Was ist denn, Gina? Hörst du mich nicht?“ Hanns Bassewitz schlug auf die Gabel des Apparats; es nützte nichts. Keine Antwort. Regina hatte den Hörer aufgelegt. Saß regungslos da. Verstört sann sie vor sich hin. Was war das mit Lore? Sie war nicht mit Hanns gewesen? Was sollte sie von alledem denken? Dieser Tollkopf! Das sah ganz nach Lore aus. Ohne noch einmal mit ihr zu überlegen, ohne weiteres Zögern hatte sie ihren Plan in Angriff genommen. Und sie saß da und mußte die Hände in den Schoß legen. Wenn sie nur wüßte, ob es wirklich so war! Ob Lore nicht etwas zugestoßen war? Es war entsetzlich. Diese Ungewißheit brachte sie beinat um den Verstand. Sie wußte nicht, wie lange sie so gesessen hatte. Sie fuhr erst auf, als es draußen ungestüm läutete, als sie Hanns Bassewitz' aufgeregte Stimme hörte. Da klopfte es schon; er stand in der Tür. „Was ist nur passiert, Gina? Ich bin so erschrocken, bin gleich herübergerast. Deine Stimme klang so sonderbar. Und Lore...“ „Ja, Hanns, ich weiß nicht, was mit Lore ist. Sie wollte hinaus zu dir, zum Bootshause. Kurz nach drei Uhr ist sie weggegangen, seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört.“(Fortsetzung folgt.)