uun„Somtinr Pulung ur cen vichenlic lics ucl. Bezugageits wöchenlich 43 Pfennig, Einzeinummer 10 pfg. Druck u. Venag von C. Tials, Schwerte(Ruhe), Loischetkonten: Vortmund 2632 und Hamnoer 21874. Geschästestelle Große Markstr. 3—3 Verantwortich für den Ame gentei H. Linner, Schwerte. Hernrus 2r7o Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung eitung wpren fü de secdeg spol. mmes e Dia, Samilien, Vereing= und amtliche Aggeigen 4 Plg, Lick ans: ene 20(Pf, Fün teleson ausgegedene Inserate udernedmen wir keine Gewädt. Bei unvorbergesehn. Betriedsstbruagen, heroorgerusen durch bödere Gewaten, übernedmen wir heinertei Gewäde für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kam auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen amp; Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Können sich die Vereinigten-Sradlen=Holleren! Derjenige Teil der amerikanischen Presse, der den kühnen Experimenten des Präsidenten Roosevelt mit mehr oder minder offener Skepsis gegenübersteht, leistet sich gern und häufig Scherze, zu betonen, daß alles, was der Präsident bisher vollbracht habe, zwar nie ein volles „Miraele", aber doch zum mindesten ein„Niraele“ geworden sei, ein Wortwitz mit der auf „RRA.“ abgekürzten Bezeichnung National Recovery Act. Die gleichen Zeitschriften, die an der Politik des Präsidenten die heftigste Kritik üben, überbieten sich gegenseitig in Versicherungen, wie notwendig es sei, die Politik der Vereinigten Staaten von jedem Zusammenhang mit der europäischen Politik zu trennen. Schon seit wenigen Jahren seit Kriegsende kann man in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten einen merkwürdigen Gedankengang feststellen, dessen letzte Folge diese Beschwörungen zur Erhaltung der Isolierung Amerikas sind. Mit Verwunderung stellt der Europäer fest, daß in Amerika ernst denkende Leute der Ansicht sind, Amerika habe doch durch sein Eingreifen in den Weltkrieg in Europa Ordnung geschaffen, und es sei ausschließlich Schuld der europäischen Völker, wenn sie jetzt mit den Problemen der Nachkriegszeit nicht allein fertig würden. Diese seltsamen Politiker glauben nicht nur vor der Tatsache die Augen verschließen zu können, daß ein Zusammenleben unter den Völkern dieser Erde nur möglich ist, wenn jedes Volk das Seine dazu beiträgt, um dieses Zusammenleben möglich de machen. Sie glauben sogar, daß das Eingreiden der Vereinigten Staaten in den Weltkrieg mit der Tatsache des Aufhörens der tatsächlichen Kriegshandlungen liquidiert worden sei. Daß es etwas sonderbar anmuten muß, wenn man eine Tat begeht, ohne für die Folgen dieser Tat einstehen zu wollen— selbst wenn diese Tat aufrichtig gut gemeint sein sollte—, scheint solchen politischen Geistern nicht weiter aufzufallen. Daß über allen diesen Versuchen, Amerika vor den Folgen der Weltkrise dadurch zu bewahren, daß man es soweit als möglich von der übrigen Welt abschließt, die schwebende Schuld ungeheuer angewachsen ist, hat in den Augen dieser Politiker keinerlei Zusammenhang. Ob aber das kühne Experiment, den Staat von seiner Verschuldung gegenüber seinen Bürgern durch eine gesteuerte Inflation zu entlasten, sich so erfolgreich entwickeln wird, wie man dies angenommen hat, muß noch die Zukunft lehren. Vorläufig ist die erstaunliche Ruhe, mit der das große Publikum die Inflationserscheinungen verfolgt, geradezu bewunderungswert. Allerdings muß man feststellen, daß die Lebenshaltungskosten nicht entfernt mit der Entwertung des Dollars Schritt halten. Es ist tatsächlich nicht ausgeschlossen, daß, vielleicht zum erstenmal in der Weltgeschichte, das Experiment der gesteuerten Geldentwertung sich als möglich erweist. Denn obgleich zur Erhaltung des herabgedrückten Goldwertes an den Weltbörsen nur verhältnismäßig geringe Goldkäufe bisher nötig gewesen sind— in Monaten ist der Wert des gekauften Metalles geringer als der Tagesumsatz einer amerikan:schen Großbank an einem einzigen lebhaften Geschäftstag gewesen— würde jedes Aufhören dieser Goldkäufe sofort zu einer kräftigen Befestigung des Dollars am Weltmarkt führen. Bisher ist also nicht, wie bei anderen Inflationen, die Entwicklung des Goldwertes den Dispositionen der amerikanischen Wirtschaftsführer entglitten, sondern fest in ihrer Hand geblieben. Wie lange es möglich sein wird, eine Politik der Isolierung ohne schwerwiegende Folgen durchzuführen oder diese Folgen vor der Oeffentlichkeit zu verbergen, ist eine andere Frage. Reuter meldet, daß seit dem Beginn von Roosevelts Wiederaufbauwerk nach einem Bericht der amerikanischen Gewerkschaften 1 800 000 Erwerbslose wieder Arbeit und Brot gefunden haben. Weitere 4.600000 Erwerbslose werden vorübergehend mit öffentlichen Arbeiten und Aufforstungsarbeiten beschäftigt. Die Arbeitswoche wurde im Durchschnitt um 4½ Stunden gekürzt. Die Löhne erhöhen sich um 5½ v. H. Der Bericht der Gewerkschaften beurteilt die geschäftlichen Aussichten günstiger als im Vorjahr. Es wird jedoch festgestellt, daß alle bisher gemachten Fortschritte durch eine Inflation zunicht; gemacht werden können. Ke Seit, 180 Wilwdenf 181 Rinder Die Opfer der Katastrophe auf„Relson“- Die leitenden Beamten verhaftet Die Verwaltung der Relson=Grube in Osseg gibt als endgültige Zahl der Todesopfer der Katastrophe 142 an. In der Grube haben 140 Bergleute den Tod gefunden, zwei starben übertage. Der leitende Betriebsingenieur der Relson=Grube, Dr. Beißer, ist verhaftet worden. Blättermeldungen zufolge wird gegen Dr. Beißer der Vorwurf allzu großer Sparsamkeit in der Betriebsverwaltung erhoben. Die Untersuchungskommission, die an der Klärung der Schuldfrage des Unglücks auf der Nelsongrube arbeitet, hat am Sonntag eine große Anzahl von Bergleuten, Betriebsleitern und Angestellten vernommen. Der am Sonntagabend verhaftete Betriebsingenieur Beißer wurde in das Kreisgerichtsgefängnis eingeliefert. Gegen Beißer waren aus Kreisen der Arbeiterschaft schwere Anschuldigungen erhoben worden. Er soll nicht nur ein harter Vorgesetzter gewesen sein, sondern er wird vor allem für die den Betrieb gefährdenden Sparmaßnahmen verantwortlich gemacht. Generaldirettor Löcker erklärte Pressevertretern, Beißer versah viele Jahre zur vollsten Zufriedenheit den Dienst. Daß er streng gegen die Arbeiterschaft war, haben wir gewußt. Gegen Beißer werden jetzt begreiflicherweise große Vorwürfe erhoben. So wird behauptet, er habe 16 Personen, die nur mit der Entfernung von Kohlenstaub beschäftigt waren, entlassen. Beißer hat mir gegenüber die Anschuldigungen als Märchen erklärt. Die Berieselungsanlagen waren in OrdAufer nung. Von außerordentlichen Rationalisierungsmaßnahmen in der Grube ist uns nichts bekannt. * Der Schaden, den die Brüxer Kohlenanlagen durch das Unglück erleiden, geht in die Millionen und läßt sich nicht annähernd abschätzen. Bei dem Unglück ist auch das Sprengmittellager explodiert. Zur Zeit der Katastrophe befanden sich Schacht etwa 1400 Dynamitpatronen. * Die Kommunisten versuchen aus Anlaß der Verhaftung des Betriebsingenieurs Beißer die Ausgabe von Streikparolen. Für den Sonntag hatten sie eine Revierversammlung nach Bruch einberufen. Die Gendarmerie hatte den Ort umstellt. Als trotzdem eine Versammlung zustandekam, wurde sie aufgelöst. Darauf fand in dem benachbarten Ort Herrlich ohne Kenntnis der Behörden später eine zweite Versammlung statt. Es hatten sich etwa 300 Delegierte von 35 Schächten eingefunden. Auch Mitglieder nicht kommunistischer Gewerkschaften hatten sich eingefunden. In einer Entschließung wurde Entlassung und strenge Bestrafung aller am Unglück verantwortlichen Personen, vor allem des Betriebsleiters Beißer, und die Abberufung der Gendarmerie und des Militärs aus den Kohlenrevieren gefordert. Anläßlich der Beerdigung wurde zu einer Kundgebung aufgerufen. Es wurden daher aus der Umgebung weitere 150 Mann Gendarmerie zusammengezogen. * Am Montagnachmittag wurden unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung, der Behörden und verschiedener Verbände die 13 geborgenen Toten des entsetzlichen Grubenunglücks in Ossegg zu Grabe getrage. Die Särge waren auf dem Marktplatz aufgebahrt worden. Von dort bewegte sich der Trauerzug durch das Spalier der Vereine von Ossegg nach dem Friedhof. Nach Ossegg waren Sonderzüge eingelegt worden, die Tausende zur den Trauerfeierlichkeiten heranbeförderten. Zum Zeichen der Trauer waren alle Geschäfte geschlossen. Als sich der lange Trauerzug in Bewegung setzte, ertönten für eine volle Stunde die Sirenen der Fabriken und Zechen. Die Laternen auf Straßen und Plätzen wurden entzündet. Die Särge wurden nicht in einem Massengrabe, sondern in acht einzelnen Gräbern und in fünf Familiengräbern beigesetzt. Am offenen Grabe sprach für die Stadtgemeinde Ossegg der deutsche Bürgermeister Bürger und sein tschechischer Vertreter, Sipl, sowie Vertreter der Arbeiterverbände. In Prag wurde ebenfalls zum Zeichen der Trauer für eine Stunde die Straßenbeleuchtung entzündet und der Verkehr um 15 Uhr für eine Minute stillgelegt. Die Fußgänger blieben entblößten Hauptes stehen. Sämtliche Gruben des nordwestböhmischen Kohlenreviers haben am Montag wegen der Trauerfeierlichkeiten nicht gearbeitet. * Die Zahl der Hinterbliebenen der 142 verunglückten Bergleute der Nelson=Schächte beträgt 126 Witwen und 194 Kinder. Das jüngste Todesopfer war 21, das älteste 55 Jahre alt. Ledig waren 13, verwitwet 3, verheiratet 126. Eines der Opfer hinterließ sechs, eines sieben Kinder. Bisher sind an Stiftungen zwei Millionen tschechischer Kronen eingelaufen. * Montagabend wird noch gemeldet: Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurden Montag nachmittag außer Generaldirektor Löcker der Betriebsdirektor Dr.=Ing. Karlik sowie drei Ingenteure, ein Obersteiger und ein Steiger verhaftet. Husschaltung der Erbkranken— Förderung der erbgesunden Familien Das Gesetz zur verhütung erbkranken Nachwuchses ist bekanntlich am 1. Januar in Kraft getreten. Ein Kommentar zu diesem Gesetz, an dem der zuständige Referent im Reichsministerium des Innern, Ministerialrat Dr. Gütt, sowie Professor Rüding=München und juristische Sachverständige mitgearbeitet haben, wird in den nächsten Tagen erscheinen. In einer Pressebesprechung im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda sprach am Montag Dr. Gütt über die Durchführung des Gesetzes, besonders über das Gerichtsverfahren. Die Rechtsprechung soll aufgebaut sein auf biologischem Denken, wobei es unmöglich ist, alles in juristische Formeln zu fässen. Das neue Recht soll nicht formalistisch oder losgelöst vom Menschen sein, sondern es soll der Erhaltung des Lebens und der Erhaltung unserer Art und Rasse dienen. Bei der Beurteilung des Einzelfalles werden Richter und Aerzte verantwortungsbewußt immer von zwei Voraussetzungen ausgehen: 1. die Sterilisierung ist nur zulässig, wenn die Krankheit ärztlich einwandfrei festgestellt ist, und wenn 2. das Erbgesundheitsgericht nach freier Beweiswürdigung zu dem Ergebnis kommt, daß die Nachkommen mit großer Wahrscheinlichkeit erbkrank sein werden. Dabei ist die ethische Grundlage einer solchen Entscheidung eindeutig und klar: Es soll in der Zukunft erbkranker Nachwuchs nicht mehr entstehen, die Familie vor unendlichem Leid, die Allgemeinheit aber vor neuer Belastung bewahrt werden. Sofern dieses Ziel auf andere Weise nicht erreichbar ist, hält der Gesetzgeber die Anwendung des Eingriffs für unbedingt notwendig. Es sollen darum Personen, die sowieso als dauernd anstaltsbedürftig bewahrt werden, nicht sterilisiert werden, wie es auch unbedenklich erscheint, von Eingriffen abzusehen, wenn Erbkranke sich freiwillig in einer Anstalt verwahren lassen. Wenn Gefahr für das Leben besteht, kann der Eingriff unterbleiben. Grundsätzlich finden auf das Verfahren vor dem Erbgesundheitsgericht die Vorschriften der freiwilligen Gerichtsbarkeit Anwendung. Es sind eine ganze Reihe von Bestimmungen geschaffen worden, um jeden Mißgriff auszuschließen. Besonders hervorzuheben ist, daß das Gesamturteil immer nur nach sachlichen medizinischen Grundsätzen und nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaften zu fällen ist. Die Amtsärzte und Gerichte werden die Fälle nach der Dringlichkeit zu behandeln haben. So wäre es z. B. nicht sinngemäß, jetzt schon sofort Anstaltsinsassen zu sterilisieren, die vielleicht erst nach einem Jahr aus der Anstalt entlassen werden, oder mit Schulkindern zu beginnen, bei denen die Gefahr der Erzeugung erbkranker Nachkommen dringend zu befürchten ist. Dr. Gütt erklärte zum Schluß, daß mit der Ausschaltung der erbkranken Personen allein der Fortbestand unseres Volkes nicht zu sichern sei, wenn es nicht gelinge, die erbgesunden Familien zu fördern und die für die Erhaltung unseres Bestander notwendige Zahl gesunder Kinder zu gewährleisten. Diesbezügliche positive Maßnahmen der Reichsregierung seien in Vorbereitung. Volkstumsaufgaben der Arbenssront Unter den Aemtern des neu geschaffenen Werkes„Kraft durch Freude“ der Deutschen Arbeitsfront befindet sich ein Amt im Aufbau, dessen Aufgabe und Bedeutung durch seinen Namen gegeben ist: Das„Amt für Volkstum und Heimat“. Ueber die Aufgaben dieses neuen Amtes äußert sich sein Leiter Werner Haverbeck, wie das V93= Büro meldet, in einer Veröffentlichung der Arbeitsfront. Für das Entscheidende hält er, daß der einfache Volksgenosse aus Arbeiter= und Bauerntum in den ihm gegebenen Möglichkeiten und Formen ein echtes, weil völlig durchdringendes Leben führt und selbst mitgestaltet, anstatt irgendwelche Kultur aufzunehmen, vielleicht zu verstehen, günstigenfalls immer jedoch nur nachzuerleben. Das Amt ist eingeteilt worden in mehrere Abteilungen, in Fachgebiete, die den großen Gesamtbereich vertreten. Es sind vor allem die drei großen Arbeitsgruppen zusammengefaßt worden: das Erbe (Heimatschutz, Naturschutz, Denkmalspflege), das Leben(Volkslied, Volkstanz, Laienspiel), die Formengestaltung(Volkskunst, Trachtenpflege), dann u. a. die Abteilungen für Volksmusik, Volkstumskunde, Volksbildungsarbeit, Brauchtumspflege, Handwerkskultur. Mit der Durchführung dieser Aufgabe wird vom Amt„Volkstum und Heimat“ eine umfassende Schulung im Verlauf dieses Jahres durchgeführt werden. In den Heimen der Arbeitsfront werden mehrwöchige Schulungskurse für die Lehrkräfte abgehalten werden, die dann wiederum in der Schulungsarbeit der Arbeitsfront wie in der praktischen Arbeit der NS=Gemeinschaft zum Einsatz gelangen kann. Völkerbunds. Vergebiume. Vorzeitige Abreise Beeks nach Geuf Aus Warschau, 8. Jan., wird berichtet: Das Büro des Senats gab mittags bekannt, daß die für Dienstag 16 Uhr anberaumte Sitzung des Hauptausschusses, in der Außenminister Beek über die außenpolitische Lage Bericht erstatten sollte, auf unbestimmte Zeit vertagt worden ist. Als Grund wird die Notwendigkeit einer früheren Abreise des Außenministers nach Genf angegeben. Die beschleunigte Abreise steht, wie es heißt, mit der Uebernahme des Vorsitzes im Völkenbundsrat durch Beek im Zusammenhang. Die Sitzung des Ausschusses des Auswärtigen dürfte unmittelbar nach der Rückkehr Beeks aus Gens, ilso etwa Ende des Monats, stattfinden. Der Außenminister dürfte spätestens am Dienstag abreisen. Besprechungen über Beitritt Rußlands zum Völkerbund Ein Sonderberichterstatter des Daily Herald glaubt berichten zu können, daß zwischen Paris und Moskau darüber verhandelt werde, unter welchen Bedingungen die Sowjetunion bereit sein würde, die engere Verbindung mit dem Völkerbund einzugehen. Den Anstoß zu dieser Aussprache habe Stalins Aeußerung gegeben, daß Sowjetrußland vielleicht den Völkerbund unterstützen werde, wenn er für den Frieden und gegen den Krieg sei. Mussolini habe auf die Nachricht eine Einladung nach Moskau ergehen lassen, während des Aufenthalts Simons in Rom einen russischen Vertreter dorthin zu entsenden. Aber Moskau habe sich auf diese Dreimächtebesprechungen nicht eingelassen. Die Ueuordnung des eyangelischen Jugendwerkes Der Jugendpfarrer der Deutschen Evangelischen Kirche, Zahn, hat folgende Bevollmächtigte zur Durchführung der Neuordnung des evangelischen Jugendwerkes und der Eingliederung in die H3. ernannt: für das Obergebiet West (im besonderen die Gebiete Ruhr=Niederrhein, Mittelrhein und Westmark) den Provinzialjugendpfarrer Dr. Voß, Düsseldorf; für das Gebiet Mittelland, Provinzialjugendpfarrer Bergmann, Magdeburg; für das Gebiet Ostland: Provinzialjugendpfarrer Engelbrecht, Königsberg; für das Gebiet Kurhessen: Landesjugendpfarrer von der Au, Darmstadt; für das Gebiet Hannover(insbesondere Braunschweig): Pfarrer Minkner, Braunschweig; für das Gebiet Ostsee: Pfarrer Richnow, Finkenwalde bei Stettin. „Das erste Urteil mit Sicherungsverwahrung Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Die am 6. Januar d. J. vom B03=Büro veröffentlichte und von zahlreichen Zeitungen wiedergegebene Meldung, nach der eine große Strafkammer des Berliner Landgerichts als Berufungsinstanz am Freitag, 5. Januar 1934, das erste Urteil gefällt hat, in dem gegen einen Angeklagten außer der Strafe auch Sicherungsverwahrung ausgesprochen sei, ist unrichtig. Der Gerichtsvorsitzende hat in der Urteilsbegründung u. a. lediglich ausgeführt, die Frage einer Anordnung der Sicherungsverwahrung solle gegebenenfalls in besonderem Verfahren geprüft werden. Auch dieses Ergebnis kann nicht als erstmalige Auswirkung des Gesetzes über die Sicherungsverwahrung von Gewohnheitsverbrechern angesehen werden, da derartige Schlüsse schon wiederholt von den Gerichten gezogen worden sind. r s Krurster Zoungseutt... Der„Begnadigungsausschuß“ hinter Schloß und Riegel— Das Festmahl des gnadig bestraften Kaffeehausbesitzers Die Untersuchung des neuesten Justizskandals in Belgien hat weitere Klarheit gebracht. Danach hat Unterdirektor van Egeren ein Geständnis abgelegt, nach dem an der Begnadigung von zu Gefängnisstrafen verurteilten Personen„gegen Tarif“ auch noch der Beamte v. Hecken sowie ein ehemaliger Polizeibeamter und jetziger Buchhändler, Rendriks, beteiligt waren. Dem Buchhändler wurde mitgeteilt, welche Gefangenen für eine Begnadigung, für eine Strafherabsetzung oder eine vorläufige Haftentlassung in Frage kamen. Buchhändler Rendriks begab sich dann zu den betreffenden Familien und gab ihnen„Empfehlungen" an einen gewissen Vereecke, der dann unter Hinweis auf seinen Einfluß möglichst viel Geld los machte. Unterdirektor van Egeren machte in seinem Geständnis interessante Angaben über die Arbeitsweise bei der„Begnadigung“. In Konferenzen zwischen van Egeren und Vereecke wurde die Höhe des zu zahlenden trages festgesetzt. Ein„fester Tarif“ habe jedoch nicht bestanden. Es habe sich durchweg um Beträge von 200 bis 9000 Franken gehandelt, meistens um solche über 1000 Franken. Diese Beträge wurden unter den„Begnadigungs= ausschuß“ verteilt. Ban Egeren will als höchsten Anteil„nur“ 3000 Franken erhalten haben. Vereeckes Personalien sind noch nicht einwandfrei ermittelt. Die Polizei nimmt an, daß es sich bei ihm um einen berüchtigten Abenteurer handelt, der als der eigentliche Urheber angesehen werden müsse. Vereecke hatte u. a. eine Liste von etwa 100 Personen angefertigt, die alle, bevor sie ihre Freiheitsstrafen verbüßt hatten, freigelassen worden sind. Diese Liste wurde noch bei ihm vorgefunden. Auch der dreiste Schwindel in Charleroi ziehe weitere Kreise. Der Pseudostaatsanwalt Leblane ging darauf aus, Personen, gegen die wegen irgendwelcher Vergehen und Uebertretungen Anzeige erstattet worden war, dadurch zu schröpfen, daß er ihnen in Aussicht stellte, das Verfahren würde gegen Zahlung einer entsprechenden Geldbuße eingestellt. Die entsprechenden Beträge wurden sofort einkassiert. Wenn dann später doch noch die Vorladung vor Gericht kam, merkten die Betreffenden, daß sie einem Schwindler ins Garn gegangen waren. Leblanc wurde bei seinen betrügerischen Machenschaften unterstützt durch ein gewisses Fräulein Carriere, die ebenfalls verhaftet werden konnte. Das Schwindlerpaar trat je nach der jeweiligen Situation als Staatsanwalt und Sekretärin,„Prokureur des Königs" und Gehilfin oder als Vertreter des Steuerfiskus auf. In den einzelnen Fällen fielen ihnen Beträge von 700 bis 1500 Franken in die Hände. Leblanc und Fräulein Carriere setzten ihrer Dreistigkeit die Krone auf, als sie der Einladung eines Cafebesitzers, dem sie wegen Uebertretung des Schankgesetzes eine„gnädige“ Strafe auferlegt hatten, zu einem Festessen folgten, das ihnen zu Ehren gegeben wurde. Sowohl Leblanc als auch die Carriere sind beide verschiedentlich einschlägig vorbestraft. Die Zahl der Geschädigten steht noch nicht fest, da sich täglich neue Opfer melden. Die Gegensahr in hungerstreik im Konzentrationslager Wöllersdorf Sämtliche Insassen des Wöllersdorfer Konzentrationslagers sind in den Hungerstreik getreten. Diese Tatsache wurde dadurch bekannt, daß von dem Krankenhaus in Wiener Neustadt an die Wiener Psychiatrische Klinik das Ersuchen gerichtet wurde, 90 Plätze freizumachen. Es wurden jedoch nur sechs Personen auf dem Umweg über das Krankenhaus in die Klinik eingeliefert, und zwar drei Nationalsozialisten und drei Kommunisten. Nur diese Klinik hat Praxis in der Zwangsernährung. Es verlautet, daß die in die Klinik eingelieferten Insassen des Konzentrationslagers unter dem Zureden der Aerzte den Hungerstreik aufgegeben hätten. Sie werden von vier Polizeibeamten bewacht, die, um die Sache weniger auffällig zu machen, Zivilkleider tragen. Aufreundlicher Empfang des Bundeskanzlers Wie erst jetzt bekannt wird, war am Freitagabend Bundeskanzler Dr. Dollfuß mit seiner Familie in Gaming(Niederösterreich) eingetroffen. Während des Aufenthalts Dr. Dollfuß' wurde die Lichtleitung unbrauchbar gemacht und die Wasserleitung in die Luft gesprengt. Zu gleicher Zeit explodierten zahlreiche Papterböller. Als es schließlich nach mehreren Stunden gelungen war, eine Notbeleuchtung einzurichten, sah man, daß in sämtlichen Straßen gestanzte Hakenkreuze ausgeschüttet waren. Der Bundeskanzler verließ bald darauf den Ort. Sonderbefchlüsse der DollfußRegierung Das österreichische Kabinett trat unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers Dollfuß zu einem außerordentlichen Kabinettsrat zusammen, in dem ausschließlich neue Abwehrmaßnahmen gegen die anwachsende nationalsozialistische Bewegung in Oesterreich erörtert wurden. Es wurde der Erlaß eines Aufrufs der Bundesregierung an das österreichische Volk beschlossen, der der Presse als„Pflicht=Nachricht" zum Abdruck übermittelt wird. Das Kabinett hat in der Sitzung, wie es in der amtlichen Mitteilung heißt,„einen Bericht über die an den letzten Tagen besonders verschärfte und offensichtlich organisierte nationalsozialistische Agitationstätigkeit entgegengenommen, die mit zahlreichen Terrorakten verbunden war". Die hierdurch notwendig gewordenen Maßnahmen hätten die einhellige Billigung des Ministerrats gefunden. Der Aufruf„An Oesterreichs Volk“ spricht davon, daß sich die Bundesregierung bisher auf eine maßvolle Abwehr beschränkt habe, in der Hoffnung, es werde endlich„Vernunft über Wahnsinn den Sieg davon tragen". Aus dieser Erwägung sei in den Weihnachts= und Neujahrstagen auch eine Reihe von Gnadenakten vorgenommen worden. Die daran geknüpften Hoffnungen seien vergeblich gewesen. In den letzten Tagen seien nicht weniger als 140„Sprengstoffanschläge“ in allen Teilen des Bundesgebietes verübt worden. Die Bundesregierung sei entschlossen, nunmehr mit allen, auch den schärfsten Mitteln, diesen Akten des Terrors und der Demonstration ein für allemal ein Ende zu setzen. Mit dem heutigen Tage seien daher starke Abteilungen des freiwilligen Schutzkorps aufgeboten worden, die gemeinsam mit der Polizei und Gendarmerie alle Versuche, dieses„verbrecherische Treiben“ fortzusetzen, zunichte machen würden. Dem Aufruf ist außerdem ein entsprechender Kommentar der„Politischen Korrespondenz", gleichfalls als Pflicht=Nachricht beigefügt. Die Vorbesprechungen der Rotenbankleiter in Basel Die üblichen Vorbesprechungen der Notenbankleiter aus Anlaß der 38. Verwaltungsratssitzung der B33, bei der deutscherseits Reichsbankpräsident Dr. Schacht und Geheimer Finanz= rat Bocke zugegen sein werden, beanspruchten nur eineinhalb Stunden. An diesen Besprechungen nahm auch der ehemalige Präsident der B33, Mae Garrah teil, der am Freitag, von Amerika kommend, in Basel eingetroffen war. Mac Garrah, der drei Jahre lang Präsident der B33 war, dürfte wohl die Absicht haben, auf Grund seiner besonderen Kenntnisse der europäischen Finanzfragen die zwischen Amerika und Europa schwebenden Probleme, insbesondere die durch die amerikanischen Währungsverhältnisse aufgeworfenen, zu erörtern. Wie es heißt, werden zwischen den Notenbankgouverneuren verschiedene Sonderbesprechungen stattfinden, in denen vor allem die Aktivierung der Geschäftstätigkeit der Bank für internationalen Zahlungsausgleich behandelt werden soll. Kabinettsrat übet Doch kein Ministerrücktritt? Ministerpräsident Chautemps gab im Kabinettsrat, der am Montagnachmittag zusammentrat, eine Uebersicht über den Krach von Bayonne und der bisher ergriffenen Maßnahmen. Er wiederholte, daß er volle Klarheit über diesen Fall schaffen und darüber wachen werde, daß die Untersuchung mit ungeminderter Energie fortgesetzt und durch nichts gehindert werde. Kolonialminister Dalimier erläuterte darauf seine Rolle in der Angelegenheit und verwies auf die von ihm der Presse übergebenen Erklärungen. Er habe an Hand von Dokumenten des Arbeitsministeriums(das er früher leitete) den Beweis für die Gutgläubigkeit seiner Haltung erbracht. Der jetzige Arbeitsminister Lamoureug, der innerhalb seines Ministeriums Untersuchungen angestellt hatte, bestätigte die Erklärungen Dalimiers. Ministerpräsident Chautemps erinnerte daran, er habe selbst nach Prüfung der Akten öffentlich erklärt, daß Minister Dalimier in gutem Glauben gehandelt habe. Der Kabinettsrat schloß sich dieser Erklärung einmütig an, die, wie in gewissen Kreisen vermutet wird, dem Kolonialminister Dalimier nunmehr seine Demission vielleicht nach dem morgen stattfindenden Ministerrat erleichtern soll. Masserrunk in Kleio 70 Tole, 56 Verletzte Bei der Verabschiedung von zum Frontdienst eingezogenen Marinerekruten ereignete sich auf dem Bahnhof von Kioto eine furchtbare Massenpanik, bei der 70 Menschen getötet und 56 verletzt wurden. In dem ungeheuren Gedräuge der auf dem Bahnhof versammelten Menschen wurde ein ganzer Hause von Personen zu Boden geworfen und von nachflutenden Massen die nicht auszuweichen vermochten, erdrückt. die durch die Ermordung Ducas ausgelöst wurde, endgültig beigelegt. Die Uebernahme des Außenministeriums durch Titulescu bedeutet, daß der bisherige außenpolitische Kurs Rumäniens weiter gesteuert wird. Da Titulescu außerdem der Vertreter jener Richtung im Kabinett war, die von jeher ein scharfes Vorgehen gegen die Eiserne Garde und andere rechtsradikale Strömungen gefordert hatte, und auch Ministerpräsident Tatareseu selbst mehrmals zum Ausdruck gebracht hat, daß er mit allen Mitteln gegen den Radikalismus vorgehen werde, ist nunmehr auch der innenpolitische Kurs der Regierung eindeutig festgelegt. Paraguay lehnt die Verlängerung des Waffenstillstandes ab Wie Reuter aus Asuncion meldet, hat Paraguay die Verlängerung des Waffenstill standes mit Bolivien abgelehnt. Die Regierung der Vereinigten Staaten soll versucht haben, die Verlängerung sicherzustellen, hatte jedoch keinen Erfolg. Nach einer Agenturmeldung aus Asuncion haben die paraguayanischen Truppen an der Chacofront, nachdem Paraguay die Verlängerung des Waffenstillstandes mit Bolivien abgelehnt hat, ihren Vormarsch wieder aufgenommen. Die Völkerbundskommission hofft immer noch, neue kriegerische Verwicklungen verhindern zu können. Sie habe in ihrer Note an die quayanische Regierung jedoch erklärt, daß sie im Falle weiterer Feindseligkeiten jeden Vermittlungsversuch einstellen werde. Ein Pfarrer verhaftet Die Staatspolizei Dortmund teilt mit: „Auf Anordnung des Geheimen Staatspolizeiamtes wurde der evangelische Pfarrer Bültemeter in Dortmund=Marten in Schutzhaft genommen. Pfarrer Bültemeier hatte sich schon im Sommer des Vorjahres durch beleidigende Aeußerungen gegen den Kultusminister Rust recht unangenehm bemerkbar gemacht. Damals entging er nur einer empfindlichen Bestrafung, weil der Minister so großzügig war, keinen Strafantrag zu stellen. Diese Großzügigkeit hat Pfarrer Bültemeier schlecht belohnt. Schon während des kirchenpolitischen Streites mit den„Deutschen Christen" gehörte er zu den Pfarrern, die durch die Art und Weise der Behandlung des Streites die mühsam geschaffene Willenseinheit des Volkes geführdeten. Ein Einschreiten der Behörde ließ sich nicht mehr vermeiden, als der Pfarrer den ihm auvertrauten Konfirmanden die Anwendung des Deutschen Grußes beim Betreten der Unterrichtsräume untersagte und durch Rundschreiben das vom Reichsbischof und dem Führer der HitlerJugend durchgeführte Einigungswerk der Juzend zu sabotiereneversuchte. Die Maßnahme der Behörde soll eine ernste Warnung sein. Wer da glaubt, die Lebensfragen des deutschen Volkes mißachten zu können, darf sich nicht wundern, wenn Sachwalter der Rechte des Volkes diesem Treiben ein jähes Ende bereiten.“ Gistmordversuch Keine Verständigung über Englands Alkeholeinfuhr nach Die zurzeit in Washington stattfindenden Verhandlungen über die englische Alkoholeinfuhr nach Amerika sind auf einem teten Punkt angelangt. England hat bereits eine Erhöhung des Einfuhrkontingents für amerikanisches Schweinefleiich von 63 auf 7,6 v. H. angeboten. Von amerikanischer Seite wird jedoch ein höheres Kontingents verlangt, bevor Amerika zu einer Erhöhung seines Einfuhrkontingents für englischen Alkohol bereit ist, das bereits, wie gemeldet, schon Ende März erschöpft ist. Titulescu bleibt rumänischer Außenminister Außenminister Tituleden hat sich, so wird aus Bukarest berichtet, bereit erklärt, das Außenministerium im Kabinett Tataresen beizubehalten. Damit E die rumänische Reaierungskrise, Unter dem Verdacht des versuchten Giftmordes ist in Hamburg ein ansässiger Händler festgenommen worden. Im März vorigen Jahres bekam der Schwager des Verhafteten, der im Krankenhaus lag, von unbekannter Seite ein Paket mit Kuchen. Er aß den Kuchen und verlor zwei Tage später die Haare. Bier Wochen später wurde er blind. Die Untersuchung ergab, daß sich in dem Kuchen Rattengift befunden hatte. Vor einigen Wochen erhielt er dann eine Postkarte ohne Absender. Sie war mit Druckbuchstaben geschrieben, und der Schreiber bedauerte, daß es zu wenig Gift gewesen sei, so daß der Empfänger am Leben geblieben sei. Die Ermittlungen lenkten den Verdacht auf den Händler, in dessen Besitz sich bei seiner Festnahme noch mehr Rattengift und auch einige weitere mit verstellter Hand geschriebene Postkarten befanden. Am 29. Januar 1934 veranstalten die im Alkgemeinen deutschen Waffenring zusammengeschlossenen Verbände in allen deutschen Hochschulstädten eine gemeinsame Weihestunde, die dem Gedenken an die vor einem Jahr erfolgte Machtübernahme durch den Führer der nationalsozialistischen Bewegung gewidmet ist. Diese große Kundgebung wird in ihrer Geschlossenheit dem nunmehr einmütigen Wollen und Handeln des gesamten deutschen Waffenstudententums Ausdruck geben. Nr. 7(Zweites Blatt) „Schwerter henn T s Dienstag, 9. Januar 1934 Bigbe. Preenat Schwerte(Ruhr), Dienstag den 9. Januar 1934 Vom Wetter Vorhersage für Dienstag: Wolkig bis bedeckt mit strichweisen Niederschlägen. Zwischen Süd und West schwankende Winde. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Noch immer unbeständiges Wetter. Im Silberkranz. Die wohlbekannten Eheleute Bäcker= und Konditormeister Gustav Seuthe und Frau Aenne, geb. Haape, feierten am letzten Freitag das schöne Fest ihrer silbernen Hochzeit. Am Samstagabend brachte die Standartenkapelle 329 dem geschätzten Jubelpaar, in dessen Hause der Nationalsozialismus früh eine Keimzelle fand, ein Ständchen, das sie mit dem Choral„Lobe den Herrn“ eröffnete. Zu den Gratulanten zählte auch Obermeister Filbrich mit der BackerInnung. Schwerter Eintopf=Sonntag wieder ein großer Erfolg. Zu unserer Freude können wir mitteilen, daß der 4. Eintopf=Sonntag, der am 7. Januar zur Durchführung gelangte, erfolggekrönt war. Das Ergebnis liegt sogar noch höher als beim DezemberEintopf=Sonntag. Die nun zum zweiten Male verwandten Haushaltungslisten haben sich durchaus bewährt. Die Eintopssammlung ergab 2239,49 Mt. Das Dezember=Ergebnis vor Weihnachten betrug 2034,57 Mk. Die Sammin den Gaststätten erzielte den Betrag von 19,40 Mk.(Dezember 4,80 Mk.) Der Verkauf der Ansteckundeln erbrachte einen Erlös von 315,92 Mark, obwohl schon am Sylvestertag das Winterhilfsabzeichen reichlich verkauft worden war. Der Abzeichenverkauf am Dezember=Eintopftag ergab 445,40 Mk. Das Gesamtergebnis des 7. Jan. beträgt 2574, 81 Mk., gegenüber einer Summe von 2484,77 Mk. im Dezember. Es sind also rund 90 Mk. mehr vereinnahmt worden als am 1. Senntag des Vormonats. Den Verkauf der Anstecknndeln hatte am letzten Sonntag der Stahlhelm(SA=Res. 1) übernommen, der kein leichtes Arbeiten hatte, weil das Publikum noch die am 31. Dezember gekauften Anstecknadeln trug. Der Verkauf wurde aber von den feldgrauen Kameraden unverdrossen getätigt. Durch die Spende hat die Bevölkerung unserer Stadt erneut den Sozialismus der Tat bewiesen! Die NS. Volkswohlfahrt weiß das wohl zu würdigen. In diesem Zusammenhang seien die gebefreudigen Volksgenossen auf den 4. Februar aufmerksam gemacht, an dem der große Bunte Abend zugunsten der Schwerter Winterhilfe, veranstaltet von der Ortsgruppe Schwerte der NS. Volkswohlfahrt stattfindet. Der Vorverkauf der Karten beginnt schon Ende der Woche. Der Bürgermeister veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil einen Nachtrag zur Marktpolizeiverordnung für die Stadt Schwerte. X Marien=Verein. Im überfüllten Saale des Vereinshauses war vorgestern der Marienverein(kathol. Frauen= und Mütterverein) unter dem hellstrahlenden Christbaum zur Weihnachtsfeier versammelt. Die Eröffnungsansprache von Frau Gördes leitete über zu der Festrede des Präses, Pfr. Aufenanger, der über die großen und heiligen Aufgaben der Frau und Mutter in der heutigen Zeit sprach, und seiner großen Freude über das ständige Erstarken und Aufblühen des Vereins Ausdruck gab; die Mitgliederzahl des Müttervereins ist bereits auf über 700 angewachsen. Musik und Gesang, Gedichtvorträge und zwei sinnige Krippenspiele bildeten das Programm der schönen Feier, die ungemeinen Anklang gefunden hat. Die Krippenspiele sollen am kommenden Sonntag für die Kinder wiederholt werden. X Kathol. Kirchenchor. Die Jahresversammlung des kath. Kirchenchores, die im Vereinshause abgehalten wurde, hatte hohen Besuch. U a. waren auch die Hl. Drei Könige aus dem Morgenlande erschienen und erfreuten die Versammlung durch den Vortrag eines uralten schönen Dreikönigsliedes. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache durch den Vorsitzenden nahm Pfr. Aufenanger Veranlassung, dem Chor für die vielseitige Tätigkeit im Laufe des letzten Jahres, insbesondere für die mustergültigen Aufführungen am Weihnachtstage, im Namen der Gemeinde herzlich zu danken. Die Kenntnis der kirchlichen Liturgie soll im Laufe des Jahres durch mehrere Vorträge weiter gefördert werden. Der Chorleiter Rektor Großekemper umriß dann den Jahresarbeitsplan des Chores, ein Plan, der kühn aufgebaut, an alle Chormitglieder gewaltige Anforderungen stellt. Durch den Umbruch der Zeit und die endliche Beseitigung einer falschen Demokratie, so führte er weiter aus, sei auch der Weg für ein neues Wirken der Kirchenmusik frei und sichergestellt. Universalität der kathol. Kirche und deutsch=völkisches Denken und Wollen bildeten nicht nur keine Gegensätze, sondern Ergänzungen im besten Sinne bei einigermaßen gutem Willen. An den mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vorträgen schloß sich die schnelle Erledigung des geschäftlichen Teiles. Dann blieben die Teilnehmer der Versammlung bei Musik und Gesang, sowie Vorträgen mancherlei Art noch einige Zeit gemütlich beisammen. Den Führern von Kraftfahrzeugen und Fuhrwerken wird wiederholt die größte Vorsicht beim Passieren der Bahnübergänge zur besonderen Pflicht gemacht. Unachtsame Führer gefährden nicht nur ihrer und ihrer Mitmenschen Leben, sondern setzen sich auch einer erheblichen Bestrafung auf Grund des§ 316 des Strafgesetzbuches aus. Reichszuschüsse. Der Herr Reichsarbeitsminister hat sich auf Anregung einer Handelskammer damit einverstanden erklärt, daß zur weiteren Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten die Anträge auf Zuschußbewilligung— soweit es sich um elektrische, bezw. Gas. oder Wasserversorgung handelt— auch durch sogenannte Elektro=, Gas= oder Wassergemeinschaften gestellt werden. Die Aufträge können von den Gemeinschaften gesammelt und die Anträge gleichfalls von ihnen gestellt werden. Die einzelnen Installationsarbeiten werden im Rahmen der Sammelbestellungen bereits von 32.— RM. ab bezuschußt. Die Vorbescheide werden den vorgenannten Gemeinschaften erteilt, an die auch die Reichszuschüsse ausgezahlt werden. - Das Winterhilfswerk für Februar aus Plauener Spitzen. Vom Winterhilfswerk sind für Februar fünf Millionen Ansteckabzeichen aus Plauener Spitzen im Gesamtwerte von 300000 RM. bestellt worden. Durch diesen Antrag bekommt die darniederliegende Plauener Spitzenindustrie einen beachtenswerten Auftrieb. Das Abzeichen ist eine Rosette aus Luft= und Tüllspitze. Etwa 100 Spitzenhersteller wurden mit Aufträgen bedacht. Automatenmaschinen dürfen bei der Herstellung nicht verwendet werden. Deonig Einen Westhofen, 9. Jan. Im großen Saale der Wirtschaft Fritzenkötter hielt der Motorsturm 13 der Motorstandarte 166 einen Kameradschafts=Abend ab. Es war ein sehr starker Besuch zu verzeichnen. Schon das äußere Bild ließ erkennen, daß im Motorsturm, der sich unter der Führung des Sturmführers Westerhoff recht gut entwickelt hat und fast sämtliche Motorfahrer aus den Bezirken Stadt Schwerte und Amt Westhofen in sich vereinigt, ein Geist wahrer Volksgemeinschaft und Kameradschaft gepflegt wird. Unter den Gästen sah man den Motorstandartenführer Haneforth aus Werdohl, den Staffelführer Ossenberg aus Iserlohn und Ortsgruppenleiter Scholtis. *„„ der roungeiischen Fradenhaffe=Scherie=Rahr Der Jahresbericht des evangelischen Jugend- und Wohlfahrtsdienstes (Schluß). Volksküche. In den Anfang des Berichtsjahres fällt noch der letzte Teil der Winterhilfe des Vorjahres. So wurden in unserer Volksküche im Januar 438, im Februar 1337, im März 2156, im April 3154 und im Mai 1095 Portionen verteilt. Im Sommer wurden dann schon die Vorbereitungen für die nächste Winterhilfe getroffen. Bevor die Wohlfahrtspflege durch das Winterhilfswerk neu geregelt war, sammelten unsere treuen Bezirksfrauen der evgl. Frauenhülfe Lebensmittel auf dem Lande. Die Bezirksfrauen haben trotz mancher Unannehmlichkeiten und trotz der großen Unsicherheit, die durch die Neuregelung anfangs bestand, mit Stolz und Freude und nieversagender Treue 17 Zentner Schneidebohnen und 10 Zentner Stilmus für die Volksküche eingemacht. Nach dieser Vorarbeit wurde die NSVolkswohlfahrt der Träger des gesamten Winterhilfswerkes und somit auch der Volksküche. Der evgl. Frauenhülfe lag aber nach wie vor die praktische Durchführung der Volksküche ob. Die Innere Mission, der auch die Frauenhülfe angehört, gliederte sich mit den andern Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege unter Bewahrung ihrer Selbständigkeit in die NS=Volkswohlfahrt ein und unterstellte sich deren Führung in der Winterhilfe. Die evgl. Frauenhülfe hat sich durch Uebernahme der Volksküchenarbeit gern in den Dienst des Winterhilfswerks gestellt und trägt dadurch neben vielerlei anderen Aufgaben an ihrem Teil zum Gelingen des Winterhilfswerkes bei. Freiwilliger weibl. Arbeitsdienst. In den Anfang des Berichtsjahres fällt auch noch die Arbeit des freiwilligen weiblichen Arbeitsdienstes(FAD), der 1. 12. 32 begonnen hatte und bis 24. 4. 33 dauerte. Es nahmen durchschnittlich 20 erwerbslose junge Mädchen teil, die mit Nähen für die evgl. Winterhilfe und Hausarbeiten(die Mädchen kochten selbst) beschäftigt wurden. Der Tageslauf war nach einem festen Stundenplan eingeteilt und begann morgens regelmäßig mit Gymnastik. Täglich wurden 2 theoretische Stunden von Fachkräften erteilt, wie: Bibelbesprechung, Staatsbürgerkunde, Heimatkunde, Geschichte, Deutsch, Volkswirtschaft, Anatomie, Kranken= und Säuglingspflege, Lebenskunde, Singen. Das Augenmerk wurde in der Hauptsache auf die Erziehung zur Gemeinschaft, zur späteren christlichen Frau und Mutter gelegt. Es wurden täglich 7 Stunden gearbeitet, und es war eine Freude zu sehen, mit welchem Eifer die Jugend sich in den Dienst der Allgemeinheit stellte und ihre bisher brachliegende Kraft einsetzen konnte, indem sie für andere aus den Beständen der Kleidersammlung neue Kleidungs= und Wäschestücke anfertigte. Den Abschluß bildete die Besichtigung der Krüppelanstalten in Volmarstein. Es wurde von allen Teilnehmerinnen bedauert, daß unser FAD. geschlossen, weil er ein offenes Lager war, d. h. weil die Teilnehmerinnen abends nach Hause gingen. Wir hoffen nur. daß etwas von dem Samen, der in guter Absicht in die jungen Seelen gelegt wurde, aufgehen möchte. Volksmission. Nachdem im Herbst durch die Neuregelung der Wohlfahrtspflege Mittel für kirchliche Arbeiten frei wurden, nahmen wir die Arbeit der Volksmission, die bisher auch schon von der evgl. Frauenhülfe betrieben worden war, stärker in Angriff Wir verteilten Schriften an die Bezirksfrauen und Jungmütter von mehreren Tausend Exemplaren. Nach der Verlesung des Jahresberichts hielt Fräulein Brenne einen Vortrag über die Vertiefung der Jungmütterarbeit. Sie knüpfte an den im Oktober gehaltenen Einführungsvortrag an und freute sich über den Anklang, den diese Arbeit in Schwerte gefunden hat und führte kurz folgendes aus: Im Blick auf das Jahr, das vor uns liegt, ist das Hinführen zum Letzten und Tiefsten besonders wichtig. Bei uns ist die Freude groß, daß Gott uns aus der Not herausgeführt hat. Wir wollen aber bei aller Freude und bei allem Dank uns darin nicht beirren lassen, daß es auf den Geist ankommt, der bei uns herrscht. Hitler sagt selbst:„Die neue Staatsform haben wir, die neuen Menschen werden uns nur durch die Kräfte der Religion gegeben.“ Nun sehen wir plötzlich die Gefahr vor uns, daß viele Volksgenossen nicht wissen, welches religiöse Gift sich in einer heidnischen Religion zusammenballt. Man will heute unserer Jugend dieses religiöse Gift einflößen. Da kommt es auf die Mütter, auf die Bezirksfrauen an, daß wir nicht nur Mütter haben, die kochen, putzen und flicken können, sondern die den Kindern künden können von dem, der über uns ist. Das muß auch der Geist unseres Jungmütterdienstes sein. Dazu müssen die Bezirksfrauen helfen. Das kann die Bezirksfrau nur dann, wenn sie selbst in dem Besitz dieses Geistes ist, der neue Menschen aus uns schafft. Gott kommt bis auf den heutigen Tag in der Gestalt des anderen Menschen zu uns und redet zu uns durch das Wort und wartet, daß wir auf dieses Wort hören. Gott redet aber nicht zu uns Menschen, daß wir darauf hören, sondern er wartet auch, daß wir Menschen ihm antworten. Worin soll unsere Antwort bestehen? In einem Ja zum göttlichen Gericht und zur göttlichen Gnade. Im Blick auf die Jungmütterarbeit müssen wir persönlich wissen, worum es geht, was evgl. Vertiefung heißt. Es ist für die Arbeit dreierlei wichtig: 1. Gebetsdienst, 2. Beispiel, Vorleben, 3. Liebestat. Mütter mit dieser Einstellung braucht unser Volk. Wir sollten Gott täglich bitten. daß er uns das Herz zu diesem Dienst auftnen möchte zum Segen der Kirche, des Volkes und des Staates Durch Trompeten= und Hupensignale wurden die Darbietungen des Abends eingelettet. Den musikalischen Teil des reichhaltigen Programms bestritt die verstärkte Musikabteilung des Motorsturmes unter Leitung des MSA=Mannes Sippel=Holzen. Ein mit ganz hervorragendem Ausdrucksvermögen von dem MSA=Mann Dellmann=Schwerte gesprochener Prolog leitete über zu den verschiedenen Vorträgen der unter der Leitung des MSA=Mannes Westermann= Schwerte stehenden Singeschar des Motorsturmes. Am Flügel begleitete in exakter Weise MSADellmann. Die Begrüßungsansprache wurde von dem Standartenführer Haneforth gehalten, der seine besondere Freude darüber zum Ausdruck brachte, daß in dem hiesigen Motorsturm ein so herzlicher Kameradschaftsgeist gepflegt werde, der allen anderen Motorstürmen ein Vorbild sein könne. Er wünschte, daß auf diesem Wege weiter gewirkt werde zur Festigung der großen Volksgemeinschaft, die das Ziel unseres Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler sei. In der weiteren Programmfolge wurden Musikstücke eines aus den MSA. Männern Klostermann, Baumkötter und Sievert gebildeten Zither=Trios und Sologesänge des MSA=Mannes Westermann dargeboten. Alle Leistungen fanden verdienten Beifall. Besondere Freude erweckte ein vom MSATruppführer Leutert=Schwerte ausgedachtes lebendes Bild:„Unseres Führers Garant“. Zum heiteren Gelingen des Abends trug vor allem auch der Ansager der einzelnen Darbietungen, der MSA=Mann Sievert, bei, der durch immer neue Einfälle die nötige Stimmung vorzubereiten wußte. Viel Heiterkeit rief auch eine von dem MSA=Mann Pöhler inszenierte Teilübertragung von dem Kameradschaftsabend durch den Westdeutschen Rundfunk hervor. Mit humorvollen Stichworten wurde mancher im Saale bedacht. Einen Höhepunkt erreichte der heitere Teil des Programms bei den vom MSA=Mann Sievert gezeigten spiritistischen Attraktionen. In verblüffender Weise gelang die Nummer, bei der auf offener Bühne ein lebender Hahn in Hypnose versetzt wurde und das tat, was ihm vom Vorführer anbefohlen wurde. Der„Hypnotiseur“ verpflichtete sich, dasselbe Kunststück auch mit jedem beliebigen fremden Hahne vorzuführen. Nicht minder Erstaunen rief die weitere Nummer hervor. Hier wurde auf der Bühne eine Dame gefesselt und die Fessel sorgfältig mit den Händen auf dem Rücken versiegelt. In einem vollständig leeren Verschlag geführt, spielte die Dame Mandoline, zog einem hineingeführten Herrn den Rock aus und... kam dann, mit der Weste des Herrn bekleidet, aus dem Verschlag wieder heraus. Ein jeder konnte sich davon überzeugen, daß die Fesselung der Hände nicht gelöst worden und die Versiegelung unbeschädigt war. Beifallsstürme belohnten diese Darbietungen. Gerade das hat bei dem Kameradschaftsabend besonders gut gefallen, daß alle Darbietungen von Mitgliedern des Motorsturms ausgedacht waren und von ihnen selbst vorgeführt wurden. Nach der Programmfolge schloß sich noch ein gemütliches Beisammensein an, das dem in jeder Richtung vortzafflich verlaufenen Abend den Abschluß gab. Turnen, Spiel, Sport Turn= u. Spielvereinigung von 1884 Eroste Tus 1884 Ergste 1.— 2JK. Alemannia Menden 2. 0:9. Die Gäste traten mit einer äußerst flinken Mannschaft an, und zu Beginn des Spieles mußte man annehmen, daß den Ergstern der Sieg nicht so leicht gemacht würde. Aber ehe 10 Minuten verstrichen waren, hatte der Platzverein sich gefunden und das erste Tor war fällig. Bis zur Pause wurde der Mendener Torwart sechsmal bezwungen.„Wenn guch„Zeiner mehr an einen Sieg ver Gaste dachle, so versuchten sie in der zweiten Spielhälfte doch immer wieder, das Ergebnis zu verbessern. Dieses scheiterte doch an der Unentschlossenheit der Stürmerreihe, die vor dem Tore des das Wersen vergaßen. Dagegen klappte bei den Ergstern das Torwersen besser, und Pe.grzzzzien bis zum Schluß die Torzahl auf blieb sogar das Ehrentor versagt, das sie aber verdient hatten. Der Schiedsrichter leitete sehr zufriedenstellend. Tus 1884 Eegste 2.— Tv. Grüne Eiche Bürenbruch 2. 1:8. Wie bereits aus dem Endergebnis zu ersehen ist, war der Gastgeber der Bürenbrucher Mannschaft in jeder Hinsicht überlegen. In der ersten Spielhälfte führten die Ergster schon 3:0. Auch nach der Pause kämpften die Gäste unentmutigt und mit großem Eiser weiter und versuchten Tore zu erzielen. Es gelingt ihnen aber nur ein Strafwurf, denn größtenteils befindet sich der Ball im Spielfelde der Bürenbrucher, was auch durch die weiteren 6 Torerfolge des Gastgebers zum Ausdruck kommt. Radsport Amateur=Städtekampf Dortmund— Köln. Die Vorrennen zum 9. Dortmunder Sechstagerennen. Der traditionelle Amateur=Städtekampf Dortmund— Köln, den bisher beide Städte mit wechselndem Glück ausgetragen haben, wird in diesem Jahr als Einleitung zum 9. Dortmunder Sechstagerennen in der Westfalenhalle wieder abgewickelt werden. Dieser interessante Wettbewerb besteht aus drei Konkurrenzen. In einem Fliegerkampf der drei Vor=, zwei Zwischen=, zwei Vorentscheidungs= und zwei Entscheidungsläufe enthält, treffen sich die bekanntesten Sprinter der beiden Radsport=Metropole: Köln entsendet: Merkens, Klöckner, Horn, Wollenschläger, Küster und Lener, während Dortmund auf Ungethüm, Schneider, Lindemann, Gerdes Nimptsch und Mühr stützt.— In einem Verfolgungsrennen bis zu 20 Runden wird es die Kölner Mannschaft Kleinsorg, Kolvenbach, Ber, Kleinegrefe, Kerp und Maupert nicht leicht haben. gegen die Dortmunder StraßenfahrerElite Siebelhoff, Kisewski, Schmidt, Süß, Kamp und Lang anzukommen.— Ein 1=StundenMannschaftsrennen bildet den Beschluß des Städtekampfes. Es weist 12 Mannschaften, unter denen sich wohl die bekanntesten deutschen Amateur=Mannschaften befinden, auf. Die beiden Vertretungen, die hier den Entscheidungskampf um den Endsieg ausfahren, setzen sich aus folgenden Mannschaften zusammen: Merkens=Horn Köln— Ungethüm=Lindemann Dortmund: BerKleinegrese Köln— Gerdes=Lange Dortmund: Kleinsorg=Kolvenbach Köln—. Siebelhoff=Kijewski Dortmund; Leuer=Küster Köln— Schmidt=Süß Dortmund; Naupert=Kerp Köln— Kamp=Schneider Dortmund; Klöckner=Wollschläger Köln— Nimptsch=Mühr Doretmund; Ersatz: Schlösser, Köln und Kretschmer, Dortmund. Tagertun fub dis Aner und Ergste Westhofen, 8. Jan. Statistik des Standesamtes. Nach den Aufzeichnungen des hiesigen Standesamtes, das die Stadt Westhofen und die Gemeinden Garenfeld und Wandhofen umfaßt, betrug der Ueberschuß der Geburten gegenüber den Sterbefällen im Kalenderjahre 1933 40 Prozent. Es wurden in diesem Jahre(in Klammern die Zahlen des Vorjahres) beurkundet: 49(45) Geburten, davon 29(18) Knaben und 20(27) Mädchen, 35(29) Sterbefälle, davon 17(19) männlich und 18(10) weiblich, und 32(31) Eheschließungen. Garenfeld, 9. Jan. Freiwillig aus dem Leben geschieden. Am Sonntag nachmittag wurde der 75 Jahre alte Invalide Friedrich H., in Garenfeld Nr. 59 wohnhaft, in einem Stallgebäude erhängt aufgefunden. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Der Tod war etwa eine Viertelstunde vorher eingetreten. Was den alten Mann in den Tod getrieben hat, ist nicht bekannt. „Fidelio“, Oper.— Samstag, den 13. Jan., 15—17,15 Uhr:„Schneeweißchen und Rosenrot“, Märchenspiel.— 19,30—23 Uhr: „Die Hochzeit des Figaro". Kom. Oper.— Sonntag, den 14. Jan., 14.30—16.45 Uhr: „Schneeweißchen und Rosenrot“, Märchensp el. 18,30—22,15 Uhr:„Tannhäuser und der Süngerkrieg auf der Wartburg“, Handlung in drei Aufzügen. Briefkasten Hennen, 6. Jan. Geflügeldiebe machten sich in der letzten Zeit in unserem Dorfe bemerkbar. Es ist eine Iltisfamilie, die in einer der letzten Nächte beim Bauer Julius Risse fünf Enten durch Aussaugen des Blutes tötete. Auch dem Bauer Ewald Gustrau sind auf diese Weise mehrere Hühner getötet worden. Dem letzteren ist es bereits gelungen, drei Iltisse und einen Marder zu fangen. Die Geflügelhalter tun gut, ihre Ställe fest zu verschließen. 5 Das Enee der„Rauikunnk auf der 50=Pfennigwiese Das Wanderheim auf dem Ebberg zu Gunsten des Landes Preußen enteignet. Westhofen, 8. Jan. Vor mehreren Monaten berichteten wir, daß das von dem Touristenverein„Die Naturfreunde“, Ortsgruppe Dortmund, auf dem Ebberg bei Westhofen errichtete Ferien= und Wanderheim geschlossen und polizeilich versiegelt worden war. Diese Maßnahme stand im Zusammenhang mit einer Aktion, die über ganz Preußen sich ausdehnte. In fast allen Landesteilen wurden ähnliche Heime derselben Organisation ebenfalls beschlagnahmt. Das aus diesen Heimen und dem Schriftmaterial der Organisation zusammengetragene Material hat dem Preußischen Innenministerium vorgelegen und den einwandsreien Nachweis erbracht, daß es sich bei dem sogenannten Touristenverein um eine Verhindung handelt, die neben den vorgegebenen Zwecken auch staatsfeindliche Ziele verfolgte. Es bestanden nebenher internationale Beziehungen. Was das hiesige Heim anbetrifft, waren seit seinem Bestehen schon mehrfach Klagen laut geworden über die Auswüchse auf dem Gebiete der Nacktkultur, die auf der Wiese und in den Waldungen bei dem Heim vorgekommen sein sollen. Die Benutzer des Stadttheater Hagen Dienstag, den 9. Jan., 20—23 15 Uhr: „Venus in Seide“, Operette.— Mittwoch, den 10. Jan., 20—23 Uhr:„Alle gegen Einen, Einer für Alle“, Schauspiel.— Donnerstag, den 11. Jan., 20 Uhr: 3. Sinfonie=Konzert.— Freitag, den 12. Jan., 20—23 15 Uhr:„Venus in Seide“, Operette.— Samstag, den 13. Jan., 16—20,30 Uhr: Ring 1h Deutsche Jugendbühne:„Die Meistersinger von Nürnberg“, Oper.— Sonntag; den 14. Januar, 15—17,30 Uhr: Volksvorstellung: Heimes waren durchweg Männer, Frauen und Kinder, die von auswärts nach hier kamen und hauptsächlich die Wochenendtage in und bei dem Heim verbrachten. Seitens der früheren marxistischen Regierungen sind dem Touristenverein zum Bau solcher Heime erhebliche Geldmittel zur Verfügung gestellt worden. Ueber größere Beträge besteht noch eine Rückzahlungsverpflichtung. Da der genannte Verein inzwischen aufcelöst worden ist und nach mehrmonatiger Prüfung die volks= und staatsfeindlichen Ziele dieses Vereins einwandfrei feststehen, ist nunmehr die Enteignung des Heimes zu Gunsten des Landes Preußen ausgesprochen worden. Das Heim, in dem jetzt schon etwas 30 Personen untergebracht werden können, kann noch in größerem Umfange ausgebaut werden. Der Anfang mit diesem Ausbau war bereits gemacht. Ob das Heim künftig für ein Arbeitsdienstlager, für eine Führerschule der SA. oder ein Erholungsheim der Jugend verwendet werden wird, steht noch nicht fest. Die verschiedenen Pläne werden zur Zeit geprüft. Zum letzten Mal:„Die Frühlingsfee“, Singspiel.— 19,30—22,45 Uhr:„Venus in Seide", Operette. Stadttheaer Dortmund Dienstag, den 9. Jan., 10—22,15 Uhr: „Die Junggesellensteuer“, Schwank.— Mittwoch, den 10. Jan., 20—22,15 Uhr:„Tosca“, Musikdrama.— Donnerstag; den 11. Jan., 20—23 Uhr:„Der Traktor“, Schauspiel. — Freitag, den 12 Jan., 20—23 Uhr: K. K. H. Sie können Ihre Nähmaschine unseres Erachtens die ganze Nacht lausen lassen, besonders, wenn sie ihr Brot damit verdienen. Voraussetzung ist natürlich, daß die Mitbewohner des Hauses ab 10 Uhr abends in ihrer Ruhe, die gesetzt. festgelegt ist, nicht gestört werden. Auch wenn Sie Ihre Maschine mit Filz unterlegt haben, wie Sie schreiben, so ist doch anzunehmen, daß das Surren der Maschine für die Zimmernachbarn hörbar ist. Sonderbestimmungen über den Gebrauch einer Nähmaschine sind uns nicht bekannt. Entscheidend ist wohl auch die Frage, ob Sie ihr Gewerbe angemeldet haben oder ob eine Bedüfnisfrage vorliegt. In unserem Betrieb könnten wir z. B. wenn das Bedürfnis vorläge, die Rotationsmaschine mitten in der Nacht laufen lassen. Es ist Ihnen anzuraten, sich mit Ihren Mitbewohnern zu verständigen. Und wenn Sie von 7 Uhr früh bis 10 Uhr abends unter Einlegung einer Mittagspause arbeiten, so werden Sie Ihr Tagewerk getan haben. Wir wollen hoffen, daß sich Zeiten so bessern, daß Sie bald einen frühen Feierabend haben, wie er allen Volksgenossen zugedacht ist. Börsen und Märkte Dortmunder Schlachtviehmarkt vom 8. Jan. Dem heutigen Schlachtviehmarkte waren zuger führt: 643 St. Großvieh, darunter 50 Ochsen; 85 Bullen, 453 Kühe, 55 Färsen; 389 Kälber, 22 Schafe, 1653 Schweine. Der Marktverlaus war bei Großvieh mittel, geräumt, bei Kälbern langsam, geräumt, bei Schweinen a##t geräumt. Es wurden gezahlt für 50!F Lebendgewicht in RM.: Ochsen: a) 1. 31 bis 33, b) 28—36, c) 24—27; Bullen: a) 33, b) 30—32, c) 26—29, d) 19—25; Kühe: a) 31—34, b) 26—30, c) 22—25, d) 14—21; Färsen: a) 34—36, b) 31—33, b) 26—30; Kälber: a) 52—55, b) 45—50, c) 35—44, d) 21—34; Schweine: a) 52—55, b) 52 bis 54, c) 50—54, d) 48—52, g) 40—50. Von den heute dem Dortmunder Schlachtviehmarkt zugeführten Schweinen wurden verkauft pro Zentner Lebendgewicht(in RM): 68 zu 55, 403 zu 54, 324 zu 53, 397 zu 52, 159 zu 51, 147 zu 50, 32 zu 49, 53 zu 48, 16 zu 47, 15 zu 46, 8 zu 45, 1 zu 44, 1 zu 43, 14 zu 42, 2 zu 40, 1 zu 39, 2 zu 38, 2 zu 36. 2 zu 35, 4 zu 33, 3 zu 32. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: Hans Linner, Schwerte=Ruhr. Vertreter des Hauptschriftleiters: einz Friedr. Kamecke, Schwerte=R. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles. Gerichtssaal u. Sport: Heinz Friederich Kamecke. Schwerte“. Für den Anzeigenteil: Hans Linner, Schwerte=R. D.=A. XII. 33. 177##9. Prediger Hofrat Dr. phil. Dr. med. Johann Christoph Friedrich Bährens P Asbramiest und Roter Erda. Ein Pfarrer, Arzt, Alchtmist und neimatchronist auf Von Dr. Adolf Sellmann. Nachtrag. sonderen Anstalten junge Männer, die sich in Unterricht an Land= und Industrieschulen betätigen wollten, für ihr Amt besonders vorbereitete Bährens war für diese Gedanken schon an den Franckeschen Stiftungen gewonnen. Schon 1696 hatte August Hermann Francke das Seminarium praeceptorum errichtet. Allerdings, als Bährens an den Franckeschen Anstalten war, war die Schulungsmöglichkeit für junge Theologen stark zurückgegangen. Der jüngere Freylinghaus(gest. 1785) mußte sich sogar gegen Ende seines Direktorats entschließen, das Seminar aufzulösen. Aber diese Gedanken waren an den Franckeschen Stiftungen lebendig geblieben, und eine Ausbildung für den praktischen Unterricht sand auch zu der Zeit statt, als Bährens die Anstalt besuchte. In unserem Falle handelte es sich indessen nicht um Theologen, sondern um Volksschullehrer. Die Gedanken der Volksschullehrerbildung waren besonders durch Friedrich Eberhard von Rochow damals lebendig geworden. Auch die Philanthropen Basedow, Salzmann und Campe traten für Volksschullehrerbildung ein. Von all diesen Männern hatte Bährens nicht nur gehört, er hatte au.h ihre Schriften gelesen. Kein Wunder, daß er, in die Heimat zurückgekehrt, an die Errichtung eines„Schulmeisterseminariums für die Grafschaft Mark“ dachte. Wir müssen auch bedenken, daß damals die verschiedenen Territorien nicht nur auf dem Gebiete der Wirtschaft und der Industrie sich gegenseitig Konkurrer; zu machen suchten. Das war auch auf dem Gebiete der Schulen und Bildungsanstalten der Fall. Man wollte es verhüten, daß die Landeskinder, um sich weiterzu3. Fortsetzung. Dr. Bährens plant ein Schullehrerseminar in der Grafschaft Mark Mit großen Plänen und mit reichem Wissen war Dr. Bährens 1886 in seinen Heimatsort Meinerzhagen zurückgekehrt. Vor allen Dingen wollte er auf dem Gebiete der Volkserziehung große Taten tun. Durch seinen Aufenthalt in den Franckeschen Stiftungen und an der Universität Halle war er mit führenden Geistern der Zeit zusammengewesen und hatte sich anregen lassen. In seiner Heimat erblickte er sofort große Aufgaben, die er nicht nur durch sein Pädagogium erfüllen konnte. Die Grasschaft Mark unterschied sich von anderen Teilen des preußischen Königreichs durch seine rege und mannigfaltige Industrie. Diese besonderen Verhältnisse machten besondere Mittel nötig. Er sah mit Bedauern, daß die Jugend weithin in Untätigkeit verlotterte. Daß hier eine bessere Schulbildung einsetzen mußte, war ihm klar, aber wie konnte man eine bessere Schulbildung erreichen, wenn keine entsprechenden Lehrer vorhanden waren. So kamen seine Gedanken auch auf die Lehrerbildung und ihre Besserung. König Friedrich II. hatte die Idee gehabt, Invalide Soldaten zu Schuliehrern zu bestimmen. Das war nicht gerade eine glückliche Idre wenn es auch im Einzelfalle einmal gelingen kann, aus einem ehemaligen guten Unteroffizier einen tüchtigen Schulmeister zu machen. Aber besser schien es Bährens och, wenn man in bebilden, ins„Ausland“ gingen. Das Geld sollte im Lande bleiben, und wenn es möglich war, wollte man sogar umgekehrt„Ausländer“ heranholen. Der„Vater“ der Grafschaft Mark war damals Minister von Heinitz. Ihm schrieb Bährens am 12. Januar 1789 einen Brief, der folgendermaßen lautete: „Eur Reichsfreiherrl. Erzellenz gnädigstes Antwortschreiben(vom 18. November 1788) war mir der lebhafteste Beweis, wie sehr Eur Erzellenz das Wohl der Grafschaft Mark befördern. Es war dieses zugleich der stärkste Bewegarund für mich. den gehabten Aussichten, außer Land mein Glück zu machen, zu entsagen. indem Ew. Erzellenz darin zu versprechen geruhen, nir baldige Unterstützung gnädigst angedeihen zu lassen. Gestärkt durch diese Versicherung will ich von nun an keine Gelegenheit vorbeilassen, den Geist der Erziehung in unserer Grafschaft Mark von einer Seite rege zu machen, welche so sehr Bedürfnis ist, nämlich auf Mittel zu sinnen, wodurch jene zahlreiche Jugend der niederen Stände zur Industrie geleitet wird und durch Kenntnis der Naturprodukte und ihrer Bearbeitung fähig ist, an Fabriken und Manufakturen zu helsen, um alle Stände nützlich zu beschäftigen und dem einreißenden Müßiggang und der Betteley Einhalt zu thun. Ich wage es, einen Theil dieses Entwurfs (den ich in mehreren Zeitschriften einrücken lasse!), Eur Exc. Unterwürfigst vorzulegen, in der für mich schmeichelhaften Hoffnung, daß, wenn er den Beifall hoher Kenner erhalten sollte, unter denen Euer Exzellen billig der Erste sind, ich zugleich an Hochdenselben den thätigsten Beförderer des Wohls meiner Nation finden würde. Ich ersterbe in tiefster Veneration Hochgeboren Reichsfreiherr usw. gehorsamster Knecht Diesem Brief legte Bährens eine Programmschrift von 32 enabeschriebenen Quart= seiten bei, die die Ueberschrift trug:„Projelt eines Schulmeisterseminariums für die Grafschaft Mark. Den Freunden der Menschheit gewidmet.“ Bährens nennt auch sofort als Reformer deutscher Jugenderziehung Männer wie Basedow, Salzmann, Campe, Rochow, die ernsthaft darauf bedacht sind, daß„wahre Veredlung des Menschen, Anweisung zur Pflichterfüllung und Nutzbarkeit für sie selbst auch in die niedern Stände eindringen.“ Er kommt dann auch auf die Verhältnisse in der Grasschaft Mark zu sprechen:„Wer weiß es wohl nicht, wie sehr unsere westfälische Mark in diesem Stück zurück ist? Und wie traurig ist nicht der Anblick, in volkreichen Oertern eine zahlreiche, unbeschäftigte Jugend zu sehen.“ Nach seiner Ansicht genügen nicht allein die höheren Schulen. Es müßten Bildungsanstalten für Volksschullehrer geschaffen werden, die die Fähigkeit besäßen, Aufklärung und Bildung in die breite Masse des werktätigen Volkes zu tragen. Deshalb müsse auch für die Grafschaft Mark ein„Märkisches Seminar“ geschaffen werden. Gerade die Grafschaft Mark in ihrer Eigenart erfordere Sondermaßnahmen. Er sagt von der Grasschaft Mark:„In ihr blühen Künste und Manufakturen aller Art und ihr Verkehr mit anderen Landen ist so groß und der Handel so ausgebreitet, daß man wenig andere Provinzen mit gleich großem Recht mit ihr vergleichen kann. Durch Aufnahme der Fabriken und Handwerker ist zugleich die Bevölkerung ansehnlich vermehret. Die Zahl derjenigen Personen, welche sich damit beschäftigen könnten, steht in gar keinem proportionirten Verhältnis. Man findet Oerter in Menge, denen es an Fabriken gar nicht fehlet, wo aber nicht blos eine große Anzahl Müßiggänger gefunden wird, sondern, wo der Kern des Volkes noch gar außer Landes Fortsetzung folgt. CiEs Uosraobossorsvesdres Jetzt versucht man's andersrum Am 3. Februar Bernfungsverhandlung im Röchling=Prozeß Saarbrücken. Für die Berufungsverhandlung gegen den Landesratabgeordneten Kommerzienrat Röchling und Genossen ist neuer Termin auf den 3. Februar vor dem Strafsenat des Internationalem Gerichtshofes in Saarlouis festgesetzt worden. Verhandlung wegen der Tötung des Nationalsozialisten Hemmer Saarbrücken. Wie wir erfahren, wird die Verhandlung gegen den Sozialdemokraten Lang, der ii September v. J. den Nationalsozialisten Hemmer getötet hat, am Freitag, 12., und Samssag, 13. Januar, stattfinden. Folgen der Witterung Große Verheerungen im Eifeler Lichtnetz durch Rauhreif Daun. In der vergangenen Woche hatten Nebel und Rauhreif an zahlreichen Stellen der Eifel große Schäden und Störungen der Lichtzufuhr zu Folge. Besonders hart betroffen wurden die Eifeler Höhengebiete. Durch starke Rauhreifbildungen rissen die Leitungen, so daß z. B. am 27. Dezember bei Anbruch der Dunkelheit der ganze Kreis Daun ohne Strom war. Selbst die 34 000=Volt=Zuleitung in der Nähe von Frauenkron konnte der auf ihr ruhenden Eislast nicht standhalten. Da auch im Kreise Adenau die Ueberlandleitungen zerstört waren, war auch von dort kein Ersatzstrom zu beschaffen. Noch bis zum 2. Januar waren Störungen durch Leitungsbrüche an der Tagesordnung. In der Nacht vom 1. zum 2. Januar brach infolge der starken Vereisung fast das gesamte Ortsnetz von Boxberg zusammen. Starke Leitungsmaste knickten wie Streichhölzer unter der schweren Eislast, die sich an den Drähten gebildet hatten, zusammen. Auch in der Höhe von Dockweiler waren die Folgen des Rauhreises verheerend. Fast sämtliche über diese Höhe führenden Ueberlandleitungen und Telegraphenverbindungen wurden zerstört und die Maste z. T. umgeknickt. Auch zahlreiche schwere Bäume sind stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Oelbehälter explodiert Zwei Personen erheblich verletzt Köln. In einem Kaffee auf dem Hohenzollernring explodierte plötzlich ein Transformator(Oelschalter). Zwei Personen. ein Angestellter des Kaffees sowie eine zur Aushilfe angenommene Frau, trugen erhebliche Brandverletzungen an Gesicht und Händen davon. Beide wurden dem Krankenhaus zugeführt; besonders die Verletzungen der Frau sind schwerer Art, doch besteht glücklicherweise keine Lebensgefahr. Die Feuerwehr, die bald nach dem Unglück zur Stelle war, hatte angestrengt zu arbeiten, da das ganze Haus vollständig verqualmt war. Das Feuer, das keine weitere Ausdehnung annehmen konnte, wurde durch Schaumgeneratoren gelöscht. Wahrscheinlich ist das Unglück durch Kurzschluß verursacht worden. Tragisches Fährunglück Vater und Sohn ertrunken Wus wird aus den Aonturtenten! Interessante Darlegungen des Landesarbeitsamtes Rheinland Emmerich. An der Fähre Doernenburg(Holland) ereignete sich ein tragisches Unglück. Ein Personenkraftwagen wollte von der Fähre bereits an Land fahren, als das Fährboot noch nicht festgemacht worden war. Der Wagen fiel ins Wasser. Beide Insassen, Vater und Sohn, ertranken. Köln. Die Nachrichten über die Beschränkung der Zahl derjenigen Abiturienten, die zum Hochschulstudium zugelassen werden sollen, bewegen Schul- und Elternkreise, nicht zuletzt aber unsere Oberprimaner auf das stärkste. Wie sich nun im Rheinland die Lage gestaltet, darüber gibt in eingehenden Darlegungen ein Artikel des Pressedienstes des Landesarbeitsamtes Rheinland Auskunft. Wir entnehmen ihm u. a. folgendes: In den rheinischen männlichen höheren Lehranstalten stehen zurzeit rd. 3880 Oberprimaner vor dem Abiturientenexamen. Die Berufswünsche dieser jungen Leute verteilen sich so, daß fast genau die Hälfte studieren will(1937= 50 Prozent); die übrigen haben bereits von vornherein einen nichtakademischen Beruf ins Auge gefaßt; ein kleiner Teil davon war sich zurzeit der Erhebung noch unklar. Die Tatsache, daß nur 50 v. H. der Abiturienten ein Studium zu ergreifen beabsichtigen, spiegelt eine an sich erfreuliche Entwicklung wieder: noch vor wenigen Jahren sah das Bild ganz anders aus. Vom Jahrgang Ostern 1928 z. B. wollten von 3200 noch 2500 studieren, also 78,6 Prozent. Dieser Anteilsatz nahm von Jahr zu Jahr ab, um für den diesjährigen Jahrgang Östern 1934 den Stand von 50 v. H. zu erreichen. Wenn auch diese Entwicklung in erfreulichem Maße zeigt, daß sich die Berufswünsche unserer Abiturienten den gegebenen praktischen Möglichkeiten schon in etwa anzupassen suchen, so darf doch nicht verkannt werden, daß 50 v. H. im Verhältnis zu der jetzigen Beschränkung der Zulassung zum Studium noch zu hoch ist. Es werden sich also — rein zahlenmäßig betrachtet— eine ganze Reihe von Abiturienten; die ursprünglich studieren wollten, nach einem nichtakademischen Berufszweig umsehen müssen. Es ist deshalb von Interesse zu betrachten, welche Wege die Abiturienten einzuschlagen beabsichtigen, die von vornherein nicht studieren wollten. Die Berufswünsche dieser Abiturienten verteilen sich auf folgende nichtakademischen Berufsziele: Handel und Gewerbe 390= 28,5 Proz., Beamtenberufe 428= 31,3 Proz., Wehrberuse 319= 23,3 Proz., Landwirt, Gärtner 62— 4,5 Proz., Handwerk, Kunstgewerbe 10= 0.7 Proz., sonstige praktische Berufe 146= 107 Proz., freie künstlerische Berufe 14= 1 Proz. Hier stehen also die Berufe der mittleren Beamtenlaufbahn an erster Stelle, Handel und Gewerbe und Wehrberufe folgen. Diese drei Gruppen heben sich mit großem Abstand von den übrigen ab. Der Andrang zu der mittleren Beamtenlaufbahn ist, gemessen an den tatsächlichen Aufnahmemöglichkeiten, entschieden zu stark. Dasselbe trifft in noch verstärkterem Maße für die Wehrberufe zu, wobei wohl in erster Linie an die Offizierslaufbahn in Reichsheer, Reichsmarine und Polizei gedacht ist. Die Abiturienten, die sich also diesen beiden Berufsgruppen— Beamten= und Wehrberufe— zuwenden wollten, werden in weitem Maße noch andere Berufsziele mit in Betracht ziehen müssen. Sehr hoch sind auch die Zahlen, die sich der Gruppe Handel und Gewerbe zuwenden, und zwar fast ausschließlich den rein kaufmännischen Berufen; in geringerem Umfange wird an Bankwesen und Versicherungen gedacht. Zweifellos bieten die kaufmännischen Berufe den Abiturienten zahlreiche Möglichkeiten. Sie alle setzen voraus, was manchem Abiturienten wohl unter seiner Würde scheinen könnte: eine praktische Lehre. Es kommt immer im Leben nicht nur auf das Wissen, sondern weit mehr noch auf das Können an. Die Vielseitigkeit der Handelsbetriebe kommt den verschiedensten Interesseneinrichtungen der jungen Berufsanwärter entgegen. Es werden sodann die einzelnen Möglichkeiten aufgeführt. Ueberraschend gering, so heißt es dann weiter, ist die Zahl der Abiturienten, die sich dem Handwerk zuwenden wollen, und doch bieten sich gerade hier nicht nur Aufnahmemöglichkeiten, sondern aus der Praxis heraus gute Aufstiegsmöglichkeiten. Wer seine besondere praktisch=künstlerische Neigung im Kunstgewerbe betätigen will, muß sich klar sein, daß sein Weg unbedingt über die praktische Lehre gehen muß. Gerade der Kunstgewerbler muß mit der Praxis des Handwerks, in dem er Künstler sein will, auf das engste vertraut sein. Doch auch dem Abiturienten, des nicht durch künstlerischen Ehrgeiz auf diese Bahn gelockt wird, bietet das Handwerk einen guten Boden, sofern die Möglichkeit besteht, später in dem Berufe selbständig zu werden. Der selbständige Handwerker steht heute in einem so harten Konkurrenzkampfe, daß seine Vorbildung nicht umfassend genug sein kann. Nachdem auch in dieser Beziehung die verschiedensten Möglichkeiten einer Betrachtung unterzogen werden, wendet sich der Artikel den Berufswünschen zu, die sich auf Landwirtschaft und Gärtnerei richten und die, wie es heißt, den tatsächlichen Möglichkeiten in etwa zu entsprechen scheinen. Aus der Praxis in Industrie und Gewerbe entwickeln sich auch die Wege zu den mittleren technischen Berufen. Nach zweibis zweieinhalbjähriger Praktikantenzeit(noch empfehlenswerter ist eine volle Lehrzeit mit abschließender Gesellen= oder Gehilfenprüfung) in einem entsprechenden industriellen Betrieb oder im Baugewerbe folgt der Besuch einer höheren technischen Staatslehranstalt, mit dem Ziel des Maschinenbautechnikers, des Elektrotechnikers, des Bautechnikers. Von hier aus geht auch weiter der Weg in den mittleren technischen Staatsdienst. Neu und in bezug auf die Ausbildung auch noch verhältnismäßig wenig ausgebaut ist der Weg in den sozialen Beruf, der Tätigkeiten bei den Arbeitsämtern, Wohlfahrtsämtern, Jugendämtern und ähnlichen Einrichtungen sowie auch in der freien Wohlfahrtspflege in Verbänden eröffnet. Berufsmöglichkeiten, die der gehobenen mittleren Beamtenlaufbahn ähnlich sind, findet man außerhalb des öffentlichen Dienstes auch in den halböffentlichen und privaten Organisationen der Wirtschaft: Handelskammern, Industrie= und Handelskammer, Landwirtschaftskammer, Berufsgenossenschaften, Rechtsanwalts= und Notariatsbüros u. a. m. Diese ganzen Fragen sind ausführlich von dem Sachbearbeiter des Landesarbeitsamtes Rheinland, Regierungsrat Dr. Stets, behandelt in dem Ratgeber zur Berufswahl der Abiturien= ten„Wohin“, der in seiner letzten Auflage 1933 vom Deutschen Studentenwerk herausgegeben ist (Verlag Walter de Gruyter u. Co., Berlin und Leipzig). Ueber die Einzelheiten erkundige man sich in persönlicher Aussprache mit einem erfahrenen Berufsberater. Im Rheinland befinden sich bei fast allen Arbeitsämtern Persönlichkeiten, die dieses Gebiet beherrschen. Insbesondere wende man sich an die folgenden: Aachen, Düren, Eschweiler; Düsseldorf, Duisburg, Essen, Krefeld, Moers, Gladbach=Rheydt, Opladen, Remscheid, Solingen, Velbert, Wuppertal; Koblenz, Kreuznach; Köln, Bergisch=Gladbach, Bonn; Trier, Gerolstein. Wie zum Schluß noch angekündigt, wird in Kürze ein entsprechender Artikel, der die Abiturientinnen betrifft, folgen. der Kölner Schröder mit Geschick versucht und ist dabei neue Bahnen gegangen. Zwischen den Chören kamen Meister der Orgel zu Gehör, und zwar der Westfale Kirchhelle und der Schweizer Jenny, wobei Jenny in seiner Phantasie besonders glänzte. Sämtliche Komponisten, deren Werke an diesem Abend aufgeführt wurden, konnten den Dank der begeisterten Hörer persönlich entgegennehmen. Der Nachener Lehrer= und LehrerinnenGesangverein unter Leitung Weinbergs gestaltete die Aufführungen glänzend. Köln. 800 Führerinnen und Referentinnen aus dem Obergau Mittelrhein des BDM. versammelten sich zu einer von der Obergauführerin Liesel Rohlfing eingeberufenen Führerinnentagung in der Nordhalle der Messe. Eine durch Klaviervortrag, Darbietungen einer Spielschar und eines Sprechchors sinnvoll gestaltete Morgenfeier leitete die Tagung ein. Nach der Begrüßung des stellvertretenden Gauleiters und ersten Bürgermeisters, Pa. Schaller, sprach die Obergauführerin zu ihren Mädels. In ihren Ausführungen dankte sie für das ihr entgegengebrachte Vertrauen, für die Arbeit im vergangenen Jahr, das uneingeschränkte Einstehen für die H3. und somit für das deutsche Volk. Klar beleuchtete sie die wertvolle Bedeutung der ganweisen Kurzschulung der Führerinnen und ihrer Referentinnen in Form von monatlichen Führerinnentagungen in den einzelnen Gauen. Mitteilungen organisatorischer Art über Mädel=Versicherungen, Feiergestaltung u. a. gaben die Richtlinien für die Arbeit des neuen Jahres. Bürgermeister Schaller sprach sodann über Rasse und Volk. Der Kampf der Bewegung war der Kampf des wertvollsten Teiles der Rasse im deutschen Volk um die Führung des Staates, der Appell an die einsatzbereiten Menschen in unserem Volke, an die seelisch innerlich Geeigneten. Es sei die Pflicht eines deutschen Mädels, bei allem zu fragen, welchen Wert hat mein Landeln für mein Volk. Aus reinem Seelenleben heraus solle das Mädel kämpfen um die reine deutsche Seele des Volkes. Nach der Ansprache des Bürgermeisters Schaller berichtete die Obergaureferentin für soziales Amt, Franka v. d. Mark über die Kinderlandverschickung. Sie machte u. a. davon Mitteilung, daß der Obergan Mittelrhein 15,000 Großstadtkinder auf deutsches Land verschicke, um ihnen bei den Bauern auf deutscher Scholle ein Stück übersonnter Jugend zu vermitteln und sie gesund und gekräftigt in die Stadt zurückkehren zu lassen. Gauverbandsführerin Marta Voß führte in ihrer Ansprache u. a. aus: Denkt daran, daß der Führer uns auserwählt hat, um mitzubelfen am Wiederaufbau des Vaterlandes. Wir wollen, das ganze Mädel. Die Seele unserer Mädels steht an erster Stelle. Wir gebrauchen eine Auslese von Führerinnen, nicht finanziell oder gesellschaftlich bedingt, sondern durch ihre Fähigkeit. 1934 ist das Jahr der Schulung, vielleicht ist es schwerer als das Jahr 1933. Wir wollen kämpfen mit unserem Führer, uns immer einsetzen für unser Volk und Vaterland. für unser eigenes Deutschland, voran unser Führer. Nach einigen musikalischen Vorträgen und dem Lied„Vorwärts, vorwärts...“ fand der erste Teil der Tagung seinen Abschluß. Nachmittags fanden eine Reihe von Sondertagungen für Volkslied, Laienspiel und Volkstanz, für Pressefragen, Propaganda und Photoarbeiten, für Handfertigkeit, für Sprechchor, für medizinische und technische Fragen statt. Die insernetionale Tagung für der zweite Tag Aachen. Am zweiten Tage der internationalen Tagung für neue katholische Kirchenmusik kamen beim Pontifikalamt, in einem Orgelkonzert und in einem großen Abendkonzert weitere Werke deutscher und ausländischer Meister zu Gehör. Im Pontifikalamt wurde die Messe„Dona pacem“ des Italieners Desderi aufgeführt, der als der bekannteste Wegbereiter der neuen italienischen Kirchenmusik gilt. Im Orgelkonzert dominierten die Holländer, an erster Stelle Flor Peeters. Das große Abendkonzert brachte wiederum eine Reihe ausgewählter großer Chorwerke. Am Anfang stand die Uraufführung„Der 150. Psalm“ des Aacheners I. Eiden, ein durch die Bläserbesetzung und die markanten Themen brillierendes Stück. Einfache, aber wirkungsvolle Chöre sind„Memento mori“, Gesänge von Rüdinger, eines Reger=Schülers. Das wertvollste und reichste Werk war unstreitig die„Cantica eucharistica“, eine Uraufführung des Holländers I. Vranken, der vielleicht einer der begabtesten Meister der neuen Kirchenmusik ist. Sehr gehaltvoll erschien auch„Panis vitge“ des Nordfranzosen Dierick, das in eigentümlicher Mischung von Choral, Solo und Chor das katholische Dogma gestaltet. Am„Tedeum“ hat sich wieder Ehrung für Gruppenführer Knickmann Duisburg=Hamborn. In Anerkennung seiner Verdienste um die nationalsozialistische Bewegung ließ Stabschef Röhm dem SA.=Gruppenführer und Polizeipräsidenten Knickmann einen Ehrezdolch sowie ein Bild mit eigenhändiger Unterschrift überweisen. Verbrechertrio auf frischer Tat ertappt Herne. Hier waren drei Männer in diebischer Absicht in eine im ersten Stock des Hauses Heinrichstraße 25 gelegene Wohnung über den Balkon eingedrungen. Als sie entdeckt wurden, hatten sie bereits verschiedene Bekleidungsstücke, Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände durch das Fenster in den Garten geworfen und zum Mitnehmen bereitgelegt. Einer der Täter wurde von dem Ueberfallkommando in der Wohnung hinter einem Flügel versteckt vorgefunden und festgenommen. Die beiden anderen hatten bereits durch ein Fenster das Weite gesucht. Sie konnten noch in der gleichen Nacht ebenfalls ermittelt werden. Bei den Tätern handelt es sich um drei Männer aus Bochum=Gerthe. Montagearbeiter tödlich verunglückt Herne. Auf einer Schachtanlage in Herne verunglückte der Montagearbeiter Ernst W. aus Recklinghausen tödlich. Von der Dachhalle eines Schachtes sollten Eisenträger abgetragen werden. Die Seilrolle mit den Eisenträgern löste sich plötzlich und W. stürzte mit den Eisenstücken aus 18 Meter Höhe in die Tiefe. Der Bedauernswerte erlitt einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen, denen er kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus„Bergmannsheil“. Bochum erlegen ist. Drei Kinder in hilflosem Zustande Relsesche Von Dortmund nach Recklinghausen zu Fuß Recklinghausen. In den späten Abendstunden des Sonntags wurden drei 11, 12 und 13 Jahre alte Geschwister aus Dortmund in Recklinghausen in hilflosem Zustande von der Polizei aufgegriffen. Wie die Kinder angaben, waren sie in der Frühe des Sonntags von ihrem Vater nach ihrer in Recklinghausen wohnenden Großmutter geschickt worden. Sie hatten den Weg von Brambauer zu Fuß zurückgelegt, waren vollständig ermattet, nur notdürftig bekleidet und vollkommen ausgehungert. Da auch die Großmutter die Kinder nicht annehmen wollte, wurden sie, nachdem sie sich vorher auf der Polizeiwache gestärkt hatten, in das Waisenhaus gebracht. Sozialismus der Tai Münster. Schon seit längerer Zeit findet in den Schulen Westfalens ein durch die Abteilung III(Soziales Amt) der Gebietsführung Westfalen der Hitler=Jugend in die Wege geleiteter regelmäßiger Austausch von Butterbroten statt. Allmorgentlich werden die Butterbrote der besser gestellten Schüler an den Schulen eingesammelt und solchen Schülern und Schülerinnen gegeben, die durch die wirtschaftliche Notlage der Eltern kein Butterbrot mit zur Schule bekommen können. Auf diese Weise werden in der Woche 36 000 Butterbrote verteilt. Westfälische Milch„sehr gut“ Münster. Die Molkerei=Lehr= und Versuchsanstalt hatte bei ihrer letzten Prüfung von den ihr von den westfälischen und lippischen Molkereien übersandten Proben 59 zugelassen. Das Gesamtergebnis fiel sehr erfreulich aus, denn nicht weniger als 44 Proben, also fast drei Viertel, erhielten das Prädikat„sehr gut". Weitere sechs Proben waren„gut“ und der Rest konnte mit dem Prädikat„ausreichend“ belegt werden. Der goldene Ring Kaiser Heinrichs IV. Neue Sehenswürdigkeit im Speyerer Domschatz Speyer. Bei der Besichtigung des Domschatzes im berühmten Kaiserdom zu Speyer wird jetzt als besondere Kostbarkeit auch der goldene Ring Kaiser Heinrichs IV. gezeigt, der im Jahre 1900 bei der Oeffnung und Umbettung der Kaisergräber im Speyerer Dom als einziges Wertstuck gefunden wurde. Das steinerne Grab mit seinem Inhalt entging den Franzosen, die nach der Zerstörung des Domes und der Stadt Speyer im Jahre 1689 die Grabstätten der deutschen Kaiser nach Schätzen durchwühlten. Der Ring ist ein einzigartiges romantisches Kunstwerk von außerordentlicher Schönheit. Heinrich IV erhirtt dieses Kleinod von seinem Freunde und Erzieher, dem Erzbischof Adalbert von Bremen, vermutlich bei der Feier seiner Schwertumgürtung zu Worms im Jahre 1064.„Adelbere Episcopus“ ist auf der Außenseite des Ringes eingraviert; auf der reich in goldenem Filigran ausgebildeten Platte sitzt zwischen drei mittelgroßen Perlen ein großer blasser Saphir. 7] Nachdruck verboten. „Wieso?“ „Dann nehmen wir es eben für uns in Anspruch!“ „Ohne Benzin? Hat doch keinen Sinn!“ „Wir lösen die Visitenkarte des Wagens ab...“ „Die Visitenkarte?“ „Per, sei nicht so begriffsstutzig! Hinten die Nummer. Und leihen uns daraufhin irgendwo ein paar Mark. Da und da liegt unser Wagen— etwas lädiert, aber noch brauchbar. Geben Sie uns fünf Mark... Mit fünf Mark kommen wir bis Stralsund. Und da habe ich Kapitalien!" Per wehrte sich mit viel mehr Leidenschaft als nötig gegen diesen Plan. Das Empfinden, mit einer gewerbsmäßigen Einbrecherin und Diebin unterwegs zu sein, ließ seine selbstverständliche Ehrlichkeit in eine hysterische Ueberreiztheit geraten. Der Sinn für den Humor der Sache ging ihm verloren, besonders wegen der Tatsache des entführten Bootes. Wenn sie... Aber er verbot sich in dieser Richtung weiterzudenken. Er fühlte nur noch die Verpflichtung, eine Seele zu retten, und die menschliche Gesellschaft, der er die reizende Sünderin nicht ausliefern wollte, auf andere Weise von ihr zu befreien— eben indem er sie auf den Pfad der Tugend zurückführte. Er zweifelte nicht, daß ihm das gelingen würde. „Na, denn nich“, sagte Luzie ärgerlich.„Mit deiner Pedanterie bringst du uns in die schönste Verlegenheit. In einer Stunde spätestens haben wir ein gehöriges Gewitter. Dann laß uns wenigstens für die Nacht eine Bleibe finden. Da drüben liegt ja ein Dorf. Los also!“ „Mein Boot ist nach Osten gefahren. Ich denke, Luzie, wir gehen auch in die Richtung. Vielleicht legen sie irgendwo an— und man kann sie schnappen!“ „So dumm könntest du sein, Per— die nicht“, sagte Luzie mit der ihr eigenen Offenherzigkeit.„Aber man los! Bis Arkona ist es auch nicht weit. Und dort können wir gegen Singen und Spielen— ich kann auch tanzen!— vielleicht am ehesten Unterkunft finden. Da sind Kurgäste. Die wollen unterhalten sein!" So unpraktisch, wie die Geheimrätin Giseler dachte, war Luzie gar nicht. Sie überlegte sehr genau, was in ihrer recht verzwickten Lage praktisch und vernünftig sei. Eine Acht=Pfennig=Postkarte würde sie ja wohl irgendwo bekommen. Dann ließ ste sich einfach Geld überweisen. Komisch: Was Geld wert ist— und wie man ohne es gradezu der Gefangene der Verhältnisse ist, das merkt man erst, wenn man einmal gar keins hat, dachte sie besinnlich. Der Weg zog sich. Sie waren auch, trotzdem der Leuchtturm von Arkona wie ein Wegweiser vor ihnen lag, auf Umwege geraten. Die Felder, größtenteils bereits abgeerntet, waren menschenleer. Feierabend war ja längst! Es dämmerte. Die heraufziehenden Gewitterwolken taten ihr Teil, das Abenddunkel zu beschleunigen. Und dann setzte plötzlich der Sturm ein— und der Regen! Blitz und Donner umzuckten sie. Sogar die kühne Luzie war im Begriff. die Nerven zu verlieren. Und wohlig und schützend empfand sie die warme Nähe des neuen Freundes, dessen Phlegma sich in dieser Stunde bewährte und nützlich erwies. Quer über die kahlen Felder waren sie auf Arkona zugeschritten. Plötzlich tauchten die dunklen Umrisse kleiner Häuser vor ihnen auf. Ein Dorf! Gott sei Dank! Rasten und einkehren! Wo? Ein Haus erwies sich durch mehrere erhellte Fenster als Gaststätte. „Da hinein!“ sagte atemlos Luzie. Ohne Gelds, dachte Per. Aber was half's? Man würde sie schon nicht hinausjagen! In der Gaststube saßen ein paar Sommergäste. Die niedliche Wirtstochter spielte lustige Melodien, die neuesten Schlager, auf einem nur leicht verstimmten Klavier. Augenscheinlich wollte sie damit über die ein wenig gedrückte Gewitterstimmung hinweghelfen. Der Wirt trat den beiden Ankommenden mit herrischem Mißtrauen entgegen. „Sie wünschen?“ „Schauern!“ sagte Per lakonisch.„Bei dem Wetter ist es unmöglich, draußen zu bleiben!“ „Noch dazu mit Damen!“ sagte einer der Gäste. „Ihre Frau!“ fragte der Wirt. „Wandergenossin!" erklärte wortkarg Per. Der Wirt zog eine Miene. Aber die Gäste zeigten Verständnis. „Wandervögel!“ sagte ein alter Herr mit langem Vollbart entschuldigend. Luzie warf sich auf eine Bank und streckte die Beine von sich. Mit dem nassen Aermel ihres durchfeuchteten, triefenden Segelanzuges versuchte sie, sich das Gesicht zu trocknen. Ihre lockigen Haare klebten naß an ihrer Stirn. Sie sah krank und elend aus. „Kaffee— recht heiß!“ befahl sie kategorisch. „Sie sind ja völlig naß!“ sagte die Wirtstochter, die ihr Spiel unterbrochen hatte.„Darf ich Ihnen mit etwas Garderobe aushelfen?“ „Gern“, erwiderte leutselig Luzie.„Aber: einen Augenblick! Ich muß mich ein wenig verschnaufen. Denken Gästen nicht. Die sind niemals mit einem Segelboot gekommen. Auf dem Nordstrand liegt kein Boot. Die Kleine ist niedlich. Aber sie flunkert. Die wollen die Zeche prellen!" Mißtrauisch und verdrossen kam der Wirt ins Zimmer zurück. Luzie war schon in ihrer Küche. Per streckte sich auf der Bank. Der Wirt streifte ihn mit einem drohenden Blick. Aber Per war viel zu müde. „Gute Nacht!“ sagte er schläfrig. „Ja, bis morgen!“ erwiderte der Wirt. Es klang wie: „Warte man!" Früh um sechs Uhr schon kam die alte Magd, weckte Luzie, die noch im tiefsten Schlaf lag, und machte Feuer. „Kriegen wir gleich Kaffee?“ schmeichelte Luzie und huschte in ihren Strandanzug, der zwar zerknittert und beschmutzt, aber doch trocken war. Sie klopfte bei Per an. Es dauerte, ehe er antwortete. Sonor und regelmäßig waren seine Schnarchtöne. Dann erschien er, ebenfalls in seinen eigenen, dürftigen, schäbig gewordenen Kleidungsstücken. „Das Mädchen gibt uns eine Tasse Kaffee“, raunte ihm Luzie zu.„Und dann los. Ehe sie den Betrug merken...“ Aber der Wirt kam schon die Treppe herunter. „So. nun wollen wir mal an den Strand und und das Boot besehen!“ Per warf Luzie einen verzweifelten Blick zu. „Ja“, begann er in seiner langsamen Weise. „Ja“, sagte der Wirt.„Ich weiß schon Bescheid!“ Er schloß die Haustür auf. Draußen standen zwei handfeste junge Burschen.„Ihr sollt euch wundern! Entweder arbeitet Ihr das ab— oder... „Oder?“ fragte Per, und das Blut stieg ihm dunkelrot zu Kopf.„Daß wir euch verkohlt haben, das war dumm. Siehst du, Luzie! Lügen haben kurze Beine. Uns ist das Boot gestohlen, jawoll! Und wenn Sie schlau sind, geben Sie uns die paar Groschen bis nach Stralsund. Sie kriegen alles richtig wieder— doppelt und dreifach!“ „Sie kriegen alles richtig wieder, doppelt und dreifach!“ machte höhnisch der Wirt.„Drauf, Jungens!" Die Rügener Jungknechte hatten Kraft, Gottverdort! Aber leider Gottes war Per geschulter Boxer Ehe es sich die beiden versahen, lagen sie auf dem Pflaster— und der Wirt riß Mund und Augen auf. „So!“ sagte Per.„Die Arbeit wäre getan!“ „Großartig!" jubelte Luzie.„Mensch, wie du das kannst!" „Die Polizei kann noch mehr!“ sagte gelassen der Wirt Seine Hilfskräfte trollten sich, auf ihn schimpfend, davon. Er rief ihnen nach, die Belohnung gäbe es heute abend. Die schleppten ihre Knochen die Dorfstraße entlang Per und Luzie hatten sich durch Blicke verständigt. „Schließlich“, sagte die kleine Katze Luzie geschmeidig, „habe ich doch auch gesungen und getanzt. Das ist doch auch was wert!" „Ein bißchen Holz will ich ja woll spalten“, meinte Per,„trotzdem...“ Aber ihm graute vor der Polizei. Die arme Luzie! Freilich schien sie sehr ruhig. Aber er sorgte sich statt ihrer. Der Haufen Holz war nicht grade klein; Per kam sich vor wie Herkules, dem man ja auch mit allerlei an sich unsinnigen Aufgaben das Leben schwergemacht hatte. Seine ganze Wut bekam das arme Holz zu spüren. Luzie half. Sie schichtete die Scheite sehr schön ordentlich auf. Es machte ihr Spaß. Sie lachte und neckte schon wieder. Per spürte so etwas wie Scham, fand sich geschändet Ihm, ihm das— dem Fehmarner Großhändlers Sohn, der ersten einer in dem Heimatsort! Er war weidlich böse auf Luzie. „Warum lügst du eigentlich immer?“ sagte er wütend, in der Arbeit innehaltend.„Du siehst doch, es bringt nichts wie Unangenehmes?“ „Lügen?“ sagte sie verwundert.„Erstens lüge ich nicht. Ich schneide bloß auf. Und dann: ist das nicht einfach ein wundervolles Erlebnis? Das Ganze ist wie ein Film! Schade, daß ich dich nicht drehen kann— mit deinem finsteren Gesicht— und wie du draufhaust!“ „Und unser Boot geht auf diese Weise endgültig für uns verloren!“ „Ach. Per— wozu mag's gut sein? Wer weiß, ob die, die es gestohlen haben, diese Nacht überlebten? Es war doch zeitweise ein furchtbarer Sturm!“ „Wenn sie segeln konnten! Das Boot ist fest!“ Die Sonne hatte zwar am Morgen in strahlender Pracht geschienen. Aber jetzt bezog sich der Himmel von neuem. Es war kühl geworden. Das gute Wetter schien vorbei zu sein. Gegen neun kamen auch die Gäste herunter. Der Wirt erzählte, was es für eine Bewandtnis habe mit den jungen Leuten, die gestern abend eingetroffen. Einige, schadenfroh und moralinsauer, gingen ostentativ über den Hof, um die Arbeitenden, wie sie hofften, zu beschämen. Aber Luzie lachte sie so boshaft=vergnügt an, daß sie nicht auf ihre Rechnung kamen. Eine ältere Dame, alleinstehend und gütig, bot an, die Zeche für die beiden zu bezahlen. Aber man wies es allgemein ab. Nein, Strafe müsse sein! Zu Mittag aber ließ sie ihnen denn doch ein gutes Essen reichen Sie bekamen es auf den Hof gebracht. Es schmeckte ihnen indessen sehr gut. „Fräulein“, sagte der vollbärtige Kurgast,„lassen Sie das Holz liegen und singen Sie uns was vor!“ „Richt unter fünf Mark das Lied— und mein Freund muß begleiten!“ „Frechdachs!“ hieß es empört. Erst spät am Nachmittag war die Arbeit getan. (Forts. folgt.) Sie, wir kommen mit einem Segelboot. Wir haben es grade noch auf den Sand ziehen können— und sind dann gelaufen, was das Zeug halten soll. Sie müssen schon entschuldigen, wenn wir Ihnen Zeche und Quartier bis morgen früh schuldig bleiben. Wir haben in der Eile alles an Bord gelassen!" Per riß die Augen auf. Lügen konnte dies kleine Scheusal! Na ja, eine gewohnheitsmäßige Verbrecherin! Und dabei: wie unschuldig und treuherzig sie aussah! Wirt und Wirtin beteuerten, daß das gar nichts ausmache. Man brachte heißen Kaffee. Luzie bestellte Eier und Schinken. Aber man bedeutete sie, daß das Abendbrot sogleich serviert würde. Ob sie nicht daran teilnehmen wollten? O ja! Sie wollten... Das junge Fräulein winkte Luzie. Auf ihrem Zimmer wechselte sie ihren nassen Anzug gegen Wäsche und Kleid der Wirtstochter; sie waren ungefähr von einer Größe, nur ein bißchen zu weit waren die Sachen der rundlichen Dorfschönheit für die überzierliche Luzie. Was machte das? Der nasse Anzug wurde zum Trocknen in der Küche aufgehängt. Per hatte ebenfalls ein trockenes Hemd bekommen und eine warme Jacke. Draußen heulte der Sturm. Drinnen war es höchst gemütlich. Es duftete ganz zart nach Abenteuern und Ungewöhnlichkeiten. Luzie genoß das. Per war besorgt. Was sollte morgen werden? „Unserem Boot kann doch nichts geschehen?“ fragte ein paarmal Luzie mit gut gespielter Besorgnis. Man tröstete sie. Wenn sie es weit genug aufs Land gezogen.. Nach Tisch nahm Per die Klampfe vor. Die Haustochter setzte sich wieder ans Klavier. Luzie sang. Keine Schlager! „Pfui, nein!“ sagte sie einfach. Es gab kein Auflehnen dagegen.„Volkslieder!“ Schelmenlieder! Sie trug sie wundervoll vor, und ihre Stimme erregte allgemeine Bewunderung. Dann aber erklärte sie, mehr nicht vortragen zu dürfen. Sie müsse sich schonen. Ihr Lehrer in Berlin würde sofort hören, wenn sie sich übernommen hätte. So? Sie würde im Gesang ausgebildet? Natürlich, bei der Anlage! Konzert? Wahrscheinlich Oper! „Wenn die Oper man nicht am Kinderwagen endet!“ meinte einer der Gäste. Er warf einen ausdrucksvollen Blick auf Per. Luzie zog eine verächtliche Fratze. Gott, derk, sagte die. Per, wütend, begann mit der Wirtstochter zu flirten. Wahrhaftig, er brachte es fertig. Sonft war ihm das unmöglich! Aber die Wut vermag, Talente zu wecken. Luzie sah es und freute sich! Je mehr Eisen im Feuer, desto besser! Man mußte sich auch in das Fremdenbuch eintragen. Per hatte ja nichts zu verbergen! Und Luzie schrieb mit der Miene höchster Kühnheit und Unverfrorenheit ihren richtigen Namen! Per fand das empörend. Für ihn bedeutete es den Namen eines unangenehmen Mädchens, mit dem ihn eine unbekannte Dame verkuppeln wollte, um den eigenen Sohn davor zu bewahren. Aber gewiß, dies Mädel da hatte Grund, zu verschweigen, wer sie war und klaute einfach den Namen, den er ihr sorglos verraten hatte, ehe er wußte... Zimmer waren nicht mehr frei! Aber Per schlief, mit einigen Decken umhüllt, auf der Bank im Gastzimmer. Luzie bekam eine Matratze in der Küche. Da war es noch dazu herrlich warm. Sie war sehr zufrieden. Man wollte sich grade schlafen legen— obwohl es noch nicht halb zehn Uhr war, aber die schwere Gewitterluft hatte sie alle müde gemacht—, als es an die Fensterläden klopfte. Ein paar der auf Arkona stationierten Matrosen... Sie lachten, als sie hörten, daß man schon„in die Kose“ schlüpfen wollte. Jetzt sollte es erst anfangen, gemütlich zu werden. Ein bißchen Tanz, ein bißchen Radau. Luzie zog ihre Blicke auf sich. Forsches Ding, die Kleine. Und konnte tanzen wie eine Elfe. Der Wirt erzählte das Abenteuer der beiden— laut, behaglich und zufrieden, etwas Neues zu wissen an dem kleinen Ort, an dem so selten Neues geschah. Die Matrosen wunderten sich. „Im Segelboot? Wir haben seit sechs Uhr nur ein Segelboot gesichtet. Und das zog ostwärts, schien nach Lohme zu wollen...“ „Dann macht die Augen besser auf“, sagte sie patzig. „Meint ihr etwa, wir verkohlen euch?“ Per begann ihre unverfrorene Frechheit zu bewundern. Sie schien auch hier damit durchzukommen. Die Matrosen lachten und schwiegen. Als man aber um elf Uhr nun wirklich zur Ruhe ging und der Wirt den Matrosen hinausleuchtete, sagte der eine von ihnen leise:„Trauen Sie den beiden neuen Arbeiter und Sozialpolitik Ueber die Stellung des Arbeiters zur Sozialpolitik und über die Folgerungen, die sich daraus für den Beamten der öffentlichen Versicherungsträger ergeben, äußert sich in einer Veröffentlichung des Amtes für Beamte der NSDAP. der Staatssekretär des Reichsarbeitsministeriums, Dr. Krohn. Er weist darauf hin, daß die sozialdemokratischen Arbeiterführer die großen sozialpolitischen Hesetze Bismarcks ablehnten. In der Nachkriegszeit sei zwar das Verhältnis der Arbeiterschaft zur Sozialpolitik anders gewesen, denn nach der Umwälzung von 1918 hätten ja gerade die Führer der Arbeiterschaft das Reich gelenkt und beeinflußt. Die Arbeiterführer hätten auch die Sozialpolitik sogar in der Staatspolitik an die erste Stelle rücken wollen und immer neue sozialpolitische Geschenke gefordert. Aber die Masse der in der Vorkriegszeit gegen den Staat erzogenen Arbeiterschaft habe auch in der Republik noch nicht ihren Staat sehen können. Gewiß habe die Arbeiterschaft die sozialen Einrichtungen als ihr gehörig betrachtet, aber die Auffassung, daß man sein Eigentum auch pfleglich behandeln müsse, sei noch nicht Allgemeingut geworden. Viele hätten in der Zugehörigkeit zur sozialen Versicherung nur den Zwang zur Beitragszahlung gefühlt und sich demgemäß von dem Wunsche leiten lassen, möglichst viel auch wieder herauszubekommen. Staatssekretär Krohn folgert dann aus dem Abstimmungsergebnis vom 12. November, daß die Arbeiterschaft sich mit den übrigen Volksgenossen hinter die heutige Regierung stelle und in dem von Adolf Hitler geführten Reich ihr Reich stehe. Die Arbeiterschaft werde daher heute die sozialen Einrichtungen auch als ihr Eigentum betrachten, aber nicht als freies Eigentum, mit dem nach Belieben geschaltet werden dürfe, sondern als Lehen vom Staate, das pfleglich behandelt werden müsse und für dessen Verwaltung die Verwaltenden nicht nur den Mitgliedern, sondern in erster Linie auch dem Staate verantwortlich seien. Daraus zieht Dr. Krohn den Schluß, daß auch die Beamten und Angestellten der Sozialversicherung nicht mehr Teil einer vom Versicherten als fremd oder gar als Gegner empfundenen Bürokratie seien. Sie fühlten sich gewiß als Beauftragte des Versicherten, aber auch in erster Linie als Verwalter von Staatsaufgaben und als solche dem Staate verantwortlich. So erwachse auch für die Sozialversicherungsbeamten aus der veränderten Stellung des Arbeiters zum Reich und zur Sozialpolitik des Reiches ein neuer Inhalt ihres Berufes, auch in ihre Arbeit strahle die Einheit des Staates. Sturtsrce Cnre Im Schwindel von Bayonne noch mehr Mitschuldige? Die Verhaftung des Bürgermeisters von Bahonne Die vom Untersuchungsrichter in Bayonne angeordnete Verhaftung des Bürgermeisters von Bayonne, des Abgeordneten Garat, erfolgte nach einem Verhör Garats am Sonntagnachmittag. Der Untersuchungsrichter hat gegen Garat folgende Anschuldigungen erhoben: Diebstahl, Fälschung, Verwendung gefälschter Dokumente, Betrug oder Mithilfe, Unterschlagung von Schriftstücken, Vertrauensmißbrauch und Hehlerei. Bürgermeister Garat ist Sonntagabend bereits ins städtische Gefängnis eingeliefert worden. Eine Liste mit 180 Namen kompromittierter Personlichkeiten: Die royalistische„Action francaise" will von einem Gerücht wissen, wonach Ministerpräsident Chautemps am Samstag von einem Verbindungsmann Staviskys aufgesucht worden sein soll. Es handele sich um einen bekannten Rechtsanwalt und Politiker, der mit dem Direktor der „Volonte", Dubarry, eng befreundet sei. Durch diesen Mittelsmann habe Stavisky dem Ministerpräsidenten mitteilen lassen, daß er bereit sei, sich gegen gewisse Zusicherungen dem Gericht zu stellen. Aber er habe gleichzeitig andeuten lassen, daß er im Besitze einer Liste kompromittierter Persönlichkeiten sei, die nicht weniger als 180 Ramen enthalte. Stavisky hat sich erschossen Der Riesenbetrüger Stavisky hat am Montag in einer von ihm gemieteten Villa in Chamonig einen Selbstmordversuch unternommen, indem er sich eine Kugel durch den Kopf jagte. Sein Zustand ist hoffnungslos. Stavisky, dessen Spur man Sonntag in der Gegend von Chamonix aufgenommen hatte, hatte sich in dem Wintersportort eine Villa gemietet, die am Montag von den Pariser Polizeikommissaren ausfindig gemacht werden sollte. Am Montagmittag stellten sich Beamte in der Villa ein und versuchten vergebens, sich Einlaß zu verschaffen. Auf mehrmaliges Klopfen hörten sie in einem der Zimmer einen Schuß fallen. Als sie die Tür aufbrachen, fanden sie Stavisky mit einer Kopfwunde bewußtlos auf dem Fußboden liegend. Ein gutes Geschäft Waffenlieferungen nach dem Fernen Osten Die„China Weekly Nevue" befaßt sich in einem Artikel mit den Absatzmöglichkeiten für Waffen im Fernen Osten und schreibt, für England, Amerika, Frankreich und die Tschechoslowakei seien die Wirren in China ein gutes Geschäft. Von August 1932 bis August 1113 habe England 46 Millionen Patronen, ungezählte Maschinengewehre und Kampfwagen geliefert. In der letzten Zeit habe Ranking in den Vereinigten Staaten für 200 000 Pfund Maschinengewehre und Kriegsmunition bestellt. Man erwarte die Lieferung von 36 Tanks und zwei Flugzeugen mit je zwei Maschinengewehren. Auch Japan sei gut mit chinesischen Aufträgen versehen und führe jährlich für etwa 400 Millionen Yen Waffen und Munition nach China ein. A.Kuwlchten... Die Eingliederung der Lehrerschaft in den n58B. Wie der Nationalsozialistische Lehrerbund, der neun Zehntel aller deutschen Erzieher als Einzelmitglieder umfaßt, mitteilt, ist zur Klärung und Vermeidung von Mißverständnissen endgültig von der PO. folgende Verfügung getrofsen worden: 1. Der RS2B. ist die parteiamtliche Organisation des deutschen Erzieherlebens. Er umfaßt alle als Mitglieder im RS2B. organisierten Erzieher. 2. Die in ihm befindlichen eingeschriebenen Mitglieder der NSDAP. sind im Amt für Erzieher(NSLF.) zusammengefaßt und erhalten ihren gesonderten Ausweis.(Mitgliedsbuch.) 3. Die vom RSLB. getroffene Gliederung der Gaue, Kreise und Ortsgruppen sowie die entsprechend gegliederte Facharbeit der Abteilung„Erziehung und Unterricht" gelten als zuständig. 4. Nochmals wird die Rückbildung aufgelöster oder in Auflösung befindlicher Verbände strengstens verboten. 5. Selbständige, in den RSLB. als Fachschaften nicht eingegliederte wissenschaftliche Fachverbände können mit den gleichlaufenden Fachschaften des RSLB. zum Zwecke der Verwertung ihrer Leistungen in Verbindung treten. künchen, 4. Januar 1934. gez. Dr. Robert Ley. * Der Reichsführer des RSLB., Haus Schemm, gibt bekannt: Auf Grund einer Vereinbarung mit dem Führer der Beamtenorganisation, Neef, gilt im Hinblick auf die organisatorische Verankerung von Erziehern innerhalb des Reichsbundes Deutscher Beamten die Bestimmung, daß Erzieher Deutschlands, die gewillt sind, innerhalb des Reichsbundes Deutscher Beamten irgendeine Aufgabe oder ein Amt zu übernehmen, Mitglieder des RSLB. sein müssen. Der Reichsbund Deutscher Beamten lehnt mit Rücksicht auf die in München getroffenen Abmachungen jeden deutschen Erzieher als Mitglied ab, der nicht Mitglied des RSLB. ist. Daraus ergibt sich, daß jeder deutsche Erzieher in erster Linie die Aufgabe hat, seine Mitgliedschaft beim RSLB. zu erwerben. Ein Zugführer bei einem Zuggetötet In den Anlagen des Güterbahnhofs Falkenberg fuhren am Montag um 9.30 Uhr ein auf Richtung Kohlfurt einfahrender Güterzug und ein in Richtung Kohlfurt ausfahrender Güterzug auf einen stehenden Zugteil auf. Die Maschine des aus Kohlfurt kommenden Zuges wurde aus dem Geleise gedrückt. Das Fahrpersonal kam mit dem Schrecken davon. Mehrere Wagen schoben sich meinander und übereinander. Der Zugführer, der sich in seinem Dienstabteil im Postwagen befand, wurde eingequetscht und getötet. Der Sachschaden ist sehr groß. Die Geleise sind teilweise zerstört. Nach einer weiteren Meldung sind 12 Güterwagen umgestürzt und zertrümmert worden. Bei dem Unfall wurde noch ein Schaffner leicht verletzt. Der Betrieb wird durch Umleitung innerhalb des Bahnhofs geregelt. Der Winter fordert Menschenleben in den Bergen Der Kaufmann Beirer aus Wiener Neustadt unternahm mit fünf Personen und dem elfjährigen Sohn des Landgerichtsrates Dr. Baerth eine Tour auf den etwa 1000 Meter hohen Hochwechsel. Infolge eines plötzlichen Schneesturmes, verbunden mit großer Kälte, mußte der Knabe den Aufstieg aufgeben. Während die anderen zum Schutzhaus eilten, um eine Rettungskolonne herbeizurufen, bettete der Kaufmann, der selbst am Ende seiner Kräfte war, den Knaben in den Schnee und legte sich selbst völlig erschöpft daneben. Die Schutzkolonne fand den Knaben tot auf. Der Kaufmann wurde mit schweren Frostschäden ins Krankenhaus eingeliefert. * In der Nähe von St. Ettenne wurden zwei Gymnafiasten beim Skilauf von einer Lawine überrascht. Der eine fand den Tod, dem anderen sind Hände und Füße erfroren. Große Brände In einem Fabrikgebäude der Kämmerei und Spinnerei Schachenmeyer, Mann& Co. in Saalach(Oberamt Göppingen) brach am Montag früh ein Brand aus, der sich rasch ausbreitete. An der Bekämpfung des Brandes nahmen viele Feuerwehren, darunter auch Löschzüge aus Göppingen und Stuttgart, teil. Das Uebergreifen des Feuers auf andere Gebäude konnte verhindert werden. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Der Betrieb, in dem mehrere 1000 Arbeiter beschäftigt sind, erleidet keine Unterbrechung. * In dem Wintersportort Damules im Gebiete des Bregenzer Waldes ist Sonntag das Hotel Adler niedergebrannt. Ein Tonfilmauko im Eis eingebrochen Aus Murnau(Oberbayern) wird berichtet: Das Auto der Fox-Film=Gesellschaft fuhr am Montag mit vollständiger Aufnahmeausrüstung auf den Staffelsee, um den Eislauf=Olympiakurs zu photographieren. Dicht am Ufer brach das Auto ein. Dem Chauffeur gelang es im letzten Augenblick, sich durch das Wagenfenster zu retten. Der Wagen versank innerhalb weniger Sekunden und liegt in einer Tiefe von 13 Metern. Der Wert, der mit dem Auto in die Tiefe sank, beträgt 16 000 Mark, da sich die gesamte Tonfilmapparatur im Auto befindet. In der Regel wird bei den Volks=, Besuchsund Betriebszählugen mit derartigen Maschinen gearbeitet. Der Bedarf an diesen Zählmaschinen ist stark gestiegen, da künftig die Regierung im Rahmen ihrer großen Aufbaupläne bestimmte statistische Zählungen schneller benötigt, als sie bisher durchgeführt werden konnten. Als Vertreter des Führers der Arbeitsfront wies Rudelf Schmeer u. a. auf die wirtschaftliche Bed ig des neuen Werkes hin, in dem über 600.ksgenossen ihre Arbeit fänden. Es sei zu hofsen, daß sich ihre Zahl in absehbarer Zeit verdoppeln werde. Im übrigen ist der Betrieb auch in sozialpolitischer Beziehung bedeutsam, da für die Arbeiter ein Kündigungsschutz auf die Dauer von 24 Tagen festgelegt ist. Außerdem ist den Arbeitern ein mindestens 18tägiger Urlaub bewilligt worden. Partesamtliches Aufklärungsmaterial Reichsminister Dr. Goebbels veröffentlicht, dem„Angriff“ zufolge, in seiner Eigenschaft als Reichspropagandaleiter der RSDAP. eine Bekanntmachung über die Herausgabe von parteiamtlichem Auf'sprungs= und Redner=Informationsmaterial, das vom 1. Januar ab in monatlichen Folgen im Parteiverlag erscheinen soll. K Das Material soll auf 16 losen, gelochten, doppelseitig bedruckten Blättern ausführliche, in einer gemeinverständlichen Sprache geschriebene Aufsätze über die verschiedensten Gebiete, Angaben über die Wirtschaftsentwicklung in allen Zweigen der Industrie, Handel, Landwirtschaft usw. und Berichte über die wichtigsten Ereignisse in aller Welt enthalten. Der Preis für die umfangreiche Lieferung beträgt monatlich 20 Pfg. Das Material kann von jedem Volksgenossen bezogen werden. Der hilfszug„Bayern“ der ns.-Volkswohlfahrt Der„Hilfszug Bayern“ der RS=Volkswohlfahrt, nach den Plänen des Sturmbannführers Seidler erbaut, wurde fertiggestellt. Ueber den vielseitigen Wert dieser Einrichtung teilte Sturmbannführer Seidler einem Redaktionsmitglied des„Völkischen Beobachters" u. a. mit: Der Hilfszug besteht aus einer kompletten Anlage für gemischte Verpflegung(Suppe, Fleisch, Gemüse und Getränke). Diese Anlage ist imstande, innerhalb 23 Stunden 30000 Liter heißen Tee oder Kaffee herzustellen. Die Anlage findet ihre sinngemäße Ergänzung durch einen modern ausgestatteten sanitären Zugteil, bestehend aus Operationsabteilung, Leichtkrankenstation und darüber hinaus einem fliegenden Aerzterevier, das wiederum selbst mit zerlegbarem Operationstisch und sämtlichen Instrumenten ausgestattet ist. Die letzte Ergänzung hat der Zug durch seine Werkstattwagen gefunden, die in der Lage sind, nicht nur sämtliche Reparaturen bei Zugunfällen durchzuführen, sondern darüber hinaus bei Naturkatastrophen, großen Unglücksfällen, wie Großbränden, Grubenunglücken usw, wirksame Hilfe zu bringen. Der„Hilfszug Bayern“ ist frei beweglich und entwickelt eine Geschwindigkeit von 60 bis 85 Kilometer. Er erreicht damit jedes Ziel in kürzester Frist und schon während der Fahrt kann alles vorbereitet werden, so daß z. B. auch gleich nach dem Eintreffen Tausende verpflegt werden können. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, besichtigte in München in Begleitung führender Persönlichkeiten der RSDAP, darunter den Führer der Arbeitsfront Dr. Ley, das neue Werk und sprach seinen Schöpfern Dank und Anerkennung für die bahnbrechende Tat aus. 12 deutsche Nationalsozialisten in Apenrade wegen Tragens der Uniform verurteilt Das Gericht in Apenrade verurteilte am Montag wegen Uebertretung des Uniformverbotgesetzes 12 deutsche Nationalsozialisten. Zehn von ihnen erhielten Geldstrafen von 10 bis 20 Kronen(6.20 bis 12.40 RM.) oder zwei bis drei Tagen Haft. Ein Angeklagter, der deutscher Staatsbürger ist, erhielt eine Geldstrafe von 30 Kronen und der nationalsozialistische Führer Jens Lorentzen eine Geldstrafe von 50 Kronen oder sieben Tagen Haft. Die Verurteilten waren am 7. und 15. Dezember zu Mitgliederversammlungen in ihrem Versammlungslokal„Stadttheater“ in Apenrade in Uniform erschienen. Die Angeklagten gaben zu, die Uniform getragen zu haben, sie machten jedoch geltend, daß das Uniformverbot für geschlossene Versammlungen keine Gültigkeit habe. und akademische Prüfungen Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Zur Klärung von Zwifeln, die darüber entstanden sind, ob die zum weiteren Studium zugelassenen Studierenden nichtarischer Abstammung ohne besondere Bedingungen auch zu den akademischen Prüfungen(Diplom=, DoktorPrüfungen usw.) zugelassen werden dürfen, hat der preußische Kultusminister Rust einen Erlaß herausgegeben, der ebenfalls auch über andere mit den Prüfungen nichtarischer Studierender zusammenhängenden Fragen Bestimmungen trifft. Nach diesen Bestimmungen wird zukünftig folgendermaßen verfahren werden: Zu den Prüfungen sind diejenigen Reichsdeutschen nichtarischer Abstammung unbeschränkt zugelassen, deren Väter im Weltkriege an der Front für das Deutsche Reich oder seine Verbündeten gekämpft haben, sowie Abkömmlinge aus Ehen, die vor Inkrafttreten des Reichsgesetzes gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April 1933 geschlossen sind, wenn ein Elternteil oder zwei Großeltern arischer Abkunft sind. Ferner sind zu den Prüfungen zugelassen diejenigen Studierenden nichtarischer Abstammung, die entweder zum Studium selbst zugelassen sind, oder denen das weitere Studium gestattet ist, und zwar auf Grund des Ausführungserlasses des preußischen Kultusministers vom 16. Juni 1933 zur Ausführung des Gesetzes gegen die Ueberfüllung der deutschen Schulen und Hochschulen vom 23. April 1933. Weiter trifft der Erlaß die Bestimmung, daß diejenigen Studierenden nichtarischer Abstammung, die bei Durchführung des erwähnten Ausführungserlasses vom 16. Juni 1933 bereits exmatrikuliert waren und die sonstigen Voraussetzungen zu einer Zulassung erfüllen, auf Antrag mit Genehmigung des preußischen Kultusministers zu den Prüfungen zugelassen werden können. Allgemein ausgeschlossen bei der Ablegung von Prüfungen sind alle diejenigen Studierenden arischer oder nichtarischer Abstammung, die aus der Liste der Studierenden gestrichen werden mußten. Die erste Fabrikeinweihung 1934 In der Reichshauptstadt wurde am Montagmittag eine neue Fabrik feierlich eingeweiht— wohl die erste größere Fabrikeinweihung im neuen Jahr— die in vieler Hinsicht von besonderer Bedeutung ist. Bei der neuen Fabrik handelt es sich um ein Werk der Hollerith=Maschinen= gesellschaft, die nach ihrem besonderen System vor allem Maschinen für die moderne Massenstatistik herstellt. Simon berichtet Macdonald Ministerpräsident Macdonald ist aus Schottland nach London zurückgekehrt. Er hatte eine lange Besprechung mit Sir John Simon über den gegenwärtigen Stand der Abrüstungsfrage. Der britische Außenminister hat Macdonald ausführlich über seine Besprechungen in Rom und Paris Bericht erstattet. Entgegen den bisherigen Erwartungen ist, wie Reuter meldet, für die nächsten Tage weder mit einer Kabinettssitzung noch mit einer Sitzung des Abrüstungsausschusses des Kabinetts zu rechnen, die speziell die Abrüstungsfrage zu beraten hätten. Diese Verschiebung sei nicht etwa so aufzufassen, als ob man die Abrüstungsfrage weniger tatkräftig weiterbehandelte, sondern weil man der Ansicht sei, daß die Zeit der Verhandlungen zur gegenseitigen Unterrichtung der Regierungen noch nicht abgeschlossen sei. Diese Verhandlungen wären aber noch nicht so weit gediehen, daß die geplanten Sitzungen des Kabinettsausschusses nützliche Ergebnisse bringen könnten. Abrüstung und politische Entspannung blieben Endziel der britischen Politik. Nachtrag zur Marktpolizeiverordnung für die Stadt Schwerte vom 12. Juni 1930 Auf Grund der Verordnung vom 15. Juli 1933 Pr. G. S. S. 270 betr. Erhebung einer Ausgleichsabgabe auf frisches Fleisch, welches einer Schlachthausgemeinde aus einer Schlachtung außerhalb des Gemeindebezirks zugeführt wird, und des Beschlusses des Magistrats vom 18. Dezember 1933 wird folgender Nachtrag erlassen: Artikel I. § 3 Zisser 3 erhält folgenden Wortlaut: „3. Frische Lebensmittel aller Art. Ausgeschlossen sind insbesondere Fleischwaren und Würste, welche durch Pöckeln, Trocknen oder Räuchern eine Haltbarmachung erfahren haben und nicht nach Ziffer 2 zugelassen sind.“ § 4 erhält folgenden Absatz 4: „Frisches Fleisch darf nur in Stücken eingeführt werden, die durch Anbringung eines Fleischbeschaustempels(T.U.) kenntlich gemacht sind und dadurch die ordnungsmäßige Untersuchung erkennen lassen.“ Artikel II. Der Nachtrag tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Schwerte, den 2. Januar 1934. Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde. (L.S.) gez. Dr. Guttmann Verding Die Ausführung von Anstreicherarbeiten(Innen= und Außenanstrich soll in öffentlichem Verding in mehreren Losen vergeben werden. Angebote sind verschlossen, postfrei mit der Aufschrift: „Angebot auf Herstellung von Anstreicherarbeiten" bis zum Eröffnungstermin, Montag, den 15. Fanuar 1934, vormittags 10 Uhr, an das Baubüre des unterzeichneten Bauvereins Schwerte, Behnesstraße 2, einzureichen. Zuschlagsfrist 10 Tage. Verdingshefte sind, soweit der Vorrat reicht zum Preise von 0,20 RM. je Angebotsheft von hier zu beziehen. Schwerte, den 8. Januar 1934. Eisenbahn=Bauverein Schwerte e. G. m. b. H. Wir stellen noch 2 bis 3 geeignete Vertreter zum Verkauf unserer Singer Nähmaschinen ein Einwandfreie und unbescholtene Herren wollen sich schriftlich oder persönlich bei uns anmelden. Singer Nähmaschinen Aktiengesellschaft 5 Iserlohn, Wermingser Straße 11 Schirach Die Fühne der Berseigten Musik=Verein Schwerte Dienstag, den 16. Januar, 20 Uhr,„Im Reiche des Wassers": Orchester=Konzert Musik aus deutschen Opern Eintritt 50 Pfg. Schüler 25 Pfg. Flehung Aihsern der Arbeitsbeschaflungs-Lotterle eingetroffen. Buchhandlung Carl Braus 4 ZimmerWohnung (Altbau) an ruhigen Nlieter zum 1. Februar 1934 zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung. 53 Zwangsversteigerung Es werden öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert: Am Mittwoch, den 10. Januar, 10 Uhr, im Plandlokal, Ostenstr. 26, 2 Spülsteine, 1 Wohnzimmer, 1 Spiegel mit Konsole, 1 Schreibtisch, 1 Speismaschine, 1 Speisezimmer, 1 Ladeneinrichtung, 1 Schreibmaschine und 1 Klavier. 58 Franz, Obergerichtsvollzieher Graf Adolf-Straße 5 Plarute ein= und mehrfarbig nach eigenen oder fremden Entwürfen schnell und preiswer Aus dem Nachbargeblei Hagen, 9. Jan. Eine Kindesleiche aus der Ruhr geborgen. In der Nähe der Eisenbahnbrücke, Herdecker Straße, wurde gestern nachmittag eine Kindesleiche aus der Ruhr geborgen. Hagen, 9. Jan. Betrüger festgenommen. Die Polizei verhaftete einen Monteur, der von der Amtsanwaltschaft wegen Betruges gesucht wurde. Holzwickede. Falschgeld im Umlauf. In einer Wirtschaft bezahlte ein auswärtiger unger Mann seine Zeche mit einem falschen Fünfmarkstück. Es wurde sofort nach dem Fortgehen des Gastes als falsch erkannt und der Polizei übergeben. Da der Gast erkannt und der Polizei übergeben. Da der Gast erkannt wurde, dürfte die Angelegenheit schon bald ihre Aufklärung finden. Holzwickede. Mehr Licht! Die Anlieger der Köln=Berliner Straße fühlen sich gegenüber den anderen Eingesessenen hinsichtlich der Straßenbeleuchtung benachteiligt. Der starke Verkehr, der besonders in den Abendstunden sehr gefahrbringend ist, verlangt im Interesse der vielen Anlieger eine baldige durchgreifende Maßnahme. Uelzen, 6. Jan. Durch Hufschlag schwer verletzt. Der Landwirtschaftsgehilfe Emil W., der auf einem Bauernhof in Uelzen tätig ist, wollte ein Pferd anschirren. Das Tier scheute aber plötzlich und schlug aus. W. erhielt einen heftigen Hufschlag gegen den Unterleib und brach infolge innerer Verletzungen sofort zusammen. ul Fe Verschrottung der steuerfrei ersetzten Maschinen Sachbradere. Sart Traus In Ausführung des Gesetzes über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen ist die Verschrottung alter Gegenstände durch eine Durchführungsverordnung vom 13. Dezember 1933 (Reichsgesetzbl. 1 S. 1071), die sogenannte Verschrottungsverordnung, geregelt. Grundsätzlich müssen die alten Gegenstände außer Betrieb gesetzt und vernichtet oder verschrottet werden. Eine Außerbetriebsetzung und Vernichtung oder Verschrottung ist nicht erforderlich, wenn der Steuerpflichtige den alten Gegenstand im Betrieb als Aushilfsgegenstand beläßt, um ihn in Notfällen einzusetzen. Die Belassung der alten Gegenstände im Betrieb als Aushilfegegenstände muß dem Finanzamt angezeigt werden. Werden die alten Gegenstände nicht im Betrieb belassen, sondern außer Betrieb gesetzt, so kann sie der Steuerpflichtige entweder selber vernichten, oder er muß sie an einen vom Reichswirtschaftsministerium zugelassenen und der Fachschaft „Deutscher Schrottverband“ angehörigen Schrotthändler zur Verschrottung veräußern. Die Liste der zugelassenen Schrotthändler wird demnächst im Reichsanzeiger veröffentlicht werden. Die Vernichtung der alten Gegenstände durch den Steuerpflichtigen und ebenso die Veräußerung an den Schrotthändler muß dem Finanzamt gemeldet werden. Der Meldung über die Veräußerung alter Gegenstände an den Schrotthändler muß eine Verschrottungserklärung des Schrotthändlers beigefügt werden. Die erforderlichen Anzeigen an das Finanz= amt müssen innerhalb bestimmter Fristen erstattet werden, und zwar die Anzeige über die Belassung alter Gegenstände im Betrieb als Aushilfegegenstände und die Anzeige über die Vernichtung alter Gegenstände innerhalb einer Woche nach Inbetriebnahme des neuen Gegenstandes und die Anzeige über Veräußerung alter Gegenstände zur Verschrottung an Schrotthändler spätestens eine Woche nach Veräußerung. Für die Fälle, in denen die Inbetriebnahme des neuen Gegenstandes vor dem 31. Jan. 1933 erfolgt ist, müssen die Erklärungen bis zum 31. Januar 1934 abgegeben werden. Soweit Gegenstände vor dem 20. Dezember 1933 zum Zweck der Verschrottung veräußert worden sind, genügt Glaubhaftmachung, und zwar muß die Verschrottung in diesen Fällen bis zum 15. Februas 1934 glaubhaft gemacht werden. Die erforderlichen Anzeigenformulare von den Finanzämtern werden kostenlos abgegeben. Aufruf des Winterhilfswerks an die deutschen Stiftungen Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes 1933/34 bittet die Verwaltungen aller deutschen Stiftungen, die im Jahre 1933 und in den vorigen Jahren Ausschüttungen nicht vorgenommen haben, die Erträgnisse ihrer Stiftungen der Reichsführung des Winterhilfswerkes, Berlin, Reichstag, bekanntzugeben. Soweit dies möglich ist, sollen die gesamten Erträgnisse dieser Stiftungen dem Winterhilfswerk zur Verfügung gestellt werden, damit auf diese Weise brachliegendes Volksvermögen zum Kampf gegen Hunger und Kälte eingesetzt werden kann. Gedichte 1.50 Mark Buch= und Kunsthandlung Carl Sraus MAGGIS Fleisc — Die Nand Roman von Liesbeth Dill 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die ungarische Dame durchblätterte ein Buch und reichte es ihrem Nachbar hin. Der Engländer warf einen Blick durch seine Brille darauf.„O, I see“, dampfte seine Shagpfeife und er gab es Erni. Ihre Hände begannen zu zittern. Sie sah das schreckliche Bild des Unglücks am Mont Cervin, den Augenblick, als das Seil riß und die vier vorderen Männer an der steilen Felswand hinab in den Abgrund taumelten. Steine und Hüte rollten vor ihnen her. Der letzte reckte hilfeschreiend die Hand nach oben— und auf der Felsspitze stemmte der obere Führer mit letzter Kraft seinen Stock in das Felsengeröll. Das gerissene Seil hatte die oberen von den unteren abgetrennt— und gerettet. Sie schlug das Buch zu. Sie fröstelte. „Das ist ja alles übertrieben!“ Wenstedt zündete sich eine Zigarette an.„Auf wieviel Jahre kommt ein einziger solcher Unglücksfall!“ „Und nun wollen wir endlich von etwas anderem reden“, rief die dicke Ungarin.„Dort steht ein Grammophon. Lassen Sie es spielen!“ Wenstedt schob eine Platte ein— und bald darauf ertönte ein flotter Foxtrott. „Was hast du nur, Erni?“ fragte Wenstedt, als sie in der Nacht plötzlich auffuhr und Licht machte. Es war gerade zwei Uhr. „Ich dachte, es regnete!“ „Unsinn— das ist nur der Wind!“ „Sieh doch, wie die Vorhänge flattern!“ Wie unheimlich das aussah! Sie erhob sich und schloß das Fenster. Es regnete nicht— die Straße lag verödet in der Dunkelheit. Vor dem Eingang des Schweizerhofes flackerte die Nachtlaterne im Winde. Erni legte sich wieder hin; aber ihre Gedanken waren aufgescheucht. Sie sammelten sich um einen Traum, von dem sie erwacht war. Sie ging über ein weites, steinbestreutes, kahles, unfruchtbares Gelände, dicht an einem Abgrund hin, als sie plötzlich eine alte Frau auf sich zukommen sah, die eine blaue Brille trug und in der Hand vorsichtig etwas mit einem roten Taschentuch Verhülltes trug. Sie kam näher, nahm ihre Brille ab und sah sie mit ihren eisgrauen Augen an; sie erkannte die Astrologin. Der Wind fegte das Tuch fort, und sie sah, daß das Verhüllte ein Eichhörnchen war.„Das habe ich eben gefangen“, sagte die alte Frau.„Ich werde es ausstopfen lassen— es bringt Glück!“ Sie reichte ihr die blaue Brille.„Nehmen Sie nur— sie schützt vor Schwindel“, sagte sie. Und sie ging weiter, so dicht am Abgrund, daß Erni ihr nachrufen wollte; aber es saß ihr wie ein Stein in der Kehle— sie konnte nicht schreien, sie erstickte fast, vor ihren Augen wurde es ihr schwarz. Die Erde schwankte unter ihr; sie griff in die Luft, stürzte, und nun schrie sie hellauf... „Was ist dir nur heute?“ fuhr Wenstedt in die Höhe.„Kannst du nicht schlafen?“ „Nein!“ „Versuche es doch wenigstens, sonst bist du morgen nicht frisch. Wir müssen um halb fünf Uhr heraus. Sie schloß die Augen und lauschte wieder auf den Wind. Nur noch einen Tag!, betete sie. Ich habe mein Wort gegeben— ich kann nicht mehr zurück. Einmal mußte es sein. Wenn nur der Himmel sich verfinstern würde! Vielleicht kamen doch noch Wolken? Gestern abend stand der lange Engländer im Flur, schüttelte am Barometer und machte ein unzufriedenes Gesicht. Er wollte am nächsten Tage auf das Breithorn. Wie konnte man vom Eichhörnchen träumen? Diese alte Frau hatte sonderbare Augen, grau wie Eis, wie verstaubte GletWind die Straßen hinabjagte: unmöglich würde es morgen schön sein! Hier schlug das Wetter so rasch um, man sah nichts als Lodenmäntel auf der Straße. Wie schön war's in Interlaken, im Kurgarten bei der Orchestermusik des Nachmittags. Wären wir dort geblieben! Oder in Engelberg, dort war's so friedlich und auch so still. Weshalb Frauen überhaupt auf diese Berggipfel mitnehmen? Die Herren gestern abend waren alle ohne ihre Frauen hier, und nur die ungarische Witwe trippelte in koketten weißen Schuhen zwischen den Matten umher und ritt die steilen Wege auf dem Esel hinauf. Erni überlegte. Was hatte sie von dieser Reise bisher gehabt? Immer stand ein Berg vor ihr, der sie drohend ansah. Und ihr Mann zürnte ihr, daß sie nicht mit ihm hinaufging. Ich bin nun trainiert, es macht mir keine Mühe mehr, acht Stunden täglich zu laufen, aber es macht mir auch keine Freude! Die Schönheit der wildumbrandeten Nordsee=Inseln stieg vor ihr auf: die weiße, zischende Brandung, die Gischtsäulen, die sich an den Klippen hochwarfen, die grünen Wassergebirge, das Zucken der Leuchttürme des Abends, die ihre Lichtgarben über das Wasser schleuderten und wie glitzernde Schlangen über das Meer liefen. Immer war das Meer schön, bei Sonne und bei Sturm. Aber Horst langweilte sich am Meer. Er sehnte sich dort nach den Bergen. Nun war sie mit ihm hierhergegangen— nun war er glücklich, und sie war es nicht. Die Angst saß ihr wie ein Schüttelfrost im Nacken. Weshalb hatte die Astrologin so still und ernst in ihre Hand geblickt? Und was mochte sie darin gelesen haben? Was kann sie nur in meiner Hand gesehen haben? Sie betrachtete ihre Handflächen mit der Taschenlaterne.— Meine Hand ist ganz leer, so wenig Linien— und alle sind ganz kurz! Sollte doch etwas daran sein? Beten— ja— aber „Schläfst du immer noch nicht, Erni?“ fragte Wenstedt.„Was ist denn das heute mit dir? Du bist so unruhig! Fehlt dir etwas?“ Sie hätte gern gesagt: Ja, ich habe Angst, daß morgen die Sonne scheint!— Sie sah das Matterhorn vor sich und das schreckliche Bild, das ihr die Ungarin gezeigt. „Du mußt versuchen zu schlafen, sonst wirst du morgen schlapp. „Ich möchte etwas lesen— vielleicht hilft das.“ „Was ist es denn, was du liest?“ fragte er. „Es handelt von einem Mann, der bei einem Autosturz verunglückte, den Verstand verlor, nach sechszehn Jahren wieder gesund wurde— der zwei Leben führte. Man mußte nicht, wer er war, und er selbst wußte es auch nicht mehr; man gab ihm irgendeinen anderen Namen und wies ihn in eine Schneiderwerkstatt. In Wirklichkeit war er ein Klaviervirtuose, aber das hatte er ganz vergessen.“ „Was für ein Unsinn!“ sagte Wenstedt und drehte sich nach der Wand. Als sie merkte, daß das Lesen nichts half. löschte sie das Licht und versuchte es mit Zählen, ohne daß der Schlaf kam. Sie dachte an wogende Aehrenfelder, an. fließendes Wasser; aber die Bilder beruhigten sie nicht. Sie versuchte Gedichte zu flüstern, Balladen: Der Erlkönig, Der blinde König— es half nichts. Käthe hatte ihr gestern aus Westerland geschrieben. Sie beneidete sie; das Meer schläferte so gut ein. In den Bergen konnte sie nie tief schlafen wie sonst, besonders hier oben nicht. „Wie hoch mag Zermatt liegen?“ fragte sie. „Ueber zweitausend Meter. Ich bitte dich, schlaf nun wirklich, Erni!“ Fortsetzung folgt.