Die„Schwerter Zeitung" erschein wöchentlich sechs mal. Bezugspreis wöchentlich es Pfennig, Einzeinumme 10 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Nuhr), Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Hernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Die Kunziertere i Mänster! WPuger. Konservative Staatsführung- Milliardenfinanzierung losen- Begrenzte Unterschreilung der Tariflohne für Einstellung von 1 bis 2 Millionen Arbeits. - Preußische Verwaltungs= und Reichsreform Reichskanzler von Papen hielt in Münster am Sonntag auf der Tagung der Westdeutschen Bauernvereine eine Rede, die über alle deutschen Sender verbreitet wurde. Der Kanzler erklärte eingangs, daß die Aufgabe der gegenwärtigen Regierung sich nicht auf wirtschaftliche oder politische Einzelarbeit beschränke, sondern daß die Regierung für einen Neubau des deutschen Staates den Grund legen wolle. Deshalb lassen Sie mich, führte der Kanzler aus, bevor ich auf die einzelnen Aufgaben der Gegenwart eingehe, einige Worte über die Grundsätze einer neuen Staatsführung sagen. Sie, die westfälischen Bauern, und ich, wir sind keine Revolutionäre, noch sind wir Reaktionäre. Wir fühlen uns innerlich gebunden an Scholle und Heimat. Wir wissen, daß der Mensch die letzten Dinge der Welt nicht der eigenen intellektuellen Entscheidung unterwerfen kann und darf. Wir erkennen vielmehr an, daß wir dienende Glieder in einer von Gott gegebenen Ordnung sind. Das nenne ich konservative Gesinnung. Eine solche Gesinnung beruht im Glauben an Gott. Die Pflege christlicher Erziehung in Familie und Schule und muß deshalb am Anfang jeder Staatspolitik stehen. Denn aus ihr entwickelt sich das Verantwortungsbewußtsein des Einzelnen gegenüber der Gesamtheit. Der konservative Mensch unterwirft sich gläubig den bleibenden Ordnungen des natürlichen Seins, wie sie in Familie, Volk und Staat gegeben sind. Kultur und Wirtschaft stehen in gleichem Maße unter den ewigen Gesetzen der Verpflichtung des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft; Eigentum verpflichtet ihn ebenso zum Dienst an der Gesamtheit des Volkes wie ein Amt im öffentlichen Leben. Wirtschaften, sei es in privater, sei es in öffentlicher Verantwortung, soll deshalb nicht dem Eigennutz, sondern dem Gemeinnutz dienen. Konservative Gesinnung fordert eine Staatsgewalt, die auf Autorität begründet ist. Sie muß stark und unabhängig sein, damit von ihr Gerechtigkeit ausgehen kann, und alle Ordnungen der Gesellschaft, der Selbstverwaltung und der Wirtschaft an ihr einen festen Halt finden. Sie darf kein Spielball sein für die Kräfte der Gesellschaft, für Parteien und Interessengruppen. Den Urteilen in Ohlau und Beuthen ist von Rechts und Links ein Sturm gegen die gleichmäßige Handhabung des Rechts gefolgt. Beide Seiten verlangen, den politischen Gegner außerhalb der Volksgemeinschaft und außerhalb des Rechts zu stellen. Im politischen Kampf sollen Totschlag und Rache erlaubt, der Gegner vogelfrei sein. Objektivität gilt als Schimpf. Solcher Verwilderung der politischen Moral entgegenzutreten, ist die Pflicht der Staatsgewalt. Ich kenne kein Recht, das nur das Kampfmittel einer Klasse oder einer Partei ist. Das ist eine marxistische Auffassung, die ich ablehne, auch wenn sie von Nationalsozialisten ausgesprochen wird, denn sie schlägt jeder deutschen und christlichen Rechtsauffassung ins Gesicht. Ich bekenne mich zu dem Glauben an ewige Rechtsnormen, aus denen auch der altpreußische Grundsatz geformt ist:„Jedem das Seine.“ Es ist die Tradition Preußens von seinen großen Königen her, daß nur der zur Führung der Nation zugelassen werden kann, der sich freiwillig in ihre Gesetze einordnet. Die Zügellosigkeit, die aus dem Aufru; des Führers der nationalsozialistischen Bewegung spricht, paßt schlecht zu den Ansprüchen auf die Staatsführung. Ich gestehe ihm nicht das Recht zu, die Minderheit in Deutschland, die seinen Fahnen folgt, allein als die deutsche Nation anzusehen und alle übrigen Volksgenossen als Freiwild zu behandeln. Wenn ich heute gegen Hitler für den Rechtsstaat, für die Volksgemeinschaft und für eine autorttäre Staatsführung eintrete, so verfolge ich, und nicht er, das Ziel, das Millionen seiner Anhänger im Kampfe gegen die Parteiherrschaft, gegen Willkür und Ungerechtigkeit jahrelang mit heißem Herzen herbeigesehnt haben. Diese Regierung hat vom ersten Tage an das Ziel verfolgt, der großen vaterländischen Freiheitsbewegung, deren historisches Verdienst um Deutschland jedermann anerkennen muß, den Weg zur positiven Mitarbeit am Neubau des Reiches vorzubereiten. Ich kann nicht glauben, daß diese deutsche Freiheitsbewegung sich auf die Dauer in bewußt schroffem Gegensatz zu den Zielen einer Regierung stellen wird, deren Gedanken nur und ausschließlich auf Deutschlands Zukunft gerichtet sind. Soll der Hader deutschen Blutes, der uns in den entscheidenden Stunden der Geschichte schon so oft um den Aufstieg und die Sammlung der Nation betrogen hat, auch heute stärker sein als unser Wille zu gemeinsamer nationaler Sammlung: Wenn man die Stimmen hört, die anläßlich der Urteile in Ohlau und Beuthen sich erhoben, müßte man es fast glauben. Ich greife der Entscheidung über das Schicksal der fünf zum Tode Verurteilten nicht vor. Die preußische Staatsregierung wird sie, unbeirrt von politischen Anwürfen, nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit treffen. Aber ich sage zugleich: Die Anerken. nung des gleichen Rechts, das für alle deutschen Staatsbürger gilt, werde ich nötigenfalls erzwingen. Ich bin fest entschlossen, die schwelende Glut des Bürgerkrieges auszutreten und den zunehmenden politischen Unruhen und politischen Gewalttaten zu begegnen, die heute noch ein so großes Hindernis für die positive Arbeit sind, in der die eigentliche Aufgabe der Regierung besteht. Damit komme ich zu den praktischen Tagesfragen, welche die ungeheure Not unserem Vaterland stellt. Selbstverständlich wird die Regierung der Landwirtschaft, die der Born ist, aus dem die Nation immer erneut sich moralisch und wirtschaftlich verjüngen muß, mit allen Kräften helfen. Sie hat vom ersten Tage ab ihre Politik nur auf dieses Ziel gerichtet. Aber die harten Erfahrungen langer Jahre haben uns gezeigt, daß einseitige Hilfe wenig nützt. Die Landwirtschaft läßt sich nicht allein von der Zollseite her beleben. Ihre Fragen sind nicht zu lösen nur und ausschließlich von der Seite der Einnahmen oder Ausgaben. Ihr Schicksal ist vielmehr mit dem der gesamten deutschen Wirtschaft untrennbar verbunden, und nur von einer Belebung unserer gesamten Wirtschaft kann eine dauernde und wirkungsvolle Belebung der Landwirtschaft kommen. Als Gesamtkörper hebt sich die deutsche Wirtschaft von der Weltwirtschaft ab. Die Reichsregierung hat es schon oft ausgesprochen, daß die Dupens Ameri un derrl Schwere Zuchthausurteile der Sondergerichte Wegen des Feuerüberfalles auf den oberwachtmeisters Kottowski am 16. August wurden von dem Berliner Sondergericht die Angeklagten Püschel und Kopper wegen Totschlags zu je 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, die Angeklagten Reichardt und Klüh zu je einem Jahr Zuchthaus. Die Angeklagten Pabst, Kurt und Holzer wurden mangels Beweises freigesprochen. Bei der Urteilsverkündung mußte die Schwester des Angeklagten Püschel, die schon bei dem Strafantrag einen Nervenzusammenbruch und Schreikrampf erlitten hatte und bei der Urteilsverkündung in laute Pfui=Rufe ausbrach, aus dem Saale geführt werden. Die Mutter des Angeklagten Püschel wurde ohnmächtig. Vor dem erstmalig zusammengetretenen Görlitzer Sondergericht standen zwei Angriffe auf Polizeibeamte im Dienst zur Verhandlung. Im ersten Falle hatte am 20. August nachts der Glasschleifer Majerowitz aus Görlitz einen Polizeibeamten, der den Schwager des Angeklagten wegen ruhestörenden Lärms zur Ruhe verwies und später verhaftete, einen Schlag ins Gesicht versetzt. Der Angeklagte wurde zu einem Jahr Zuchthaus unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Im zweiten Falle hat der der NSDAP angehörende Melker Müller aus Görlitz einen Polizeibeamten, der seine Personalien feststellen wollte, mit der Faust geschlagen und beleidigt. Das Urteil lautete ebenfalls auf ein Jahr Zuchthaus unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Rotverordnung zur Aenderung der Geschaftsordnung abgeleynt Reichskanzler von Papen hat an den Präsidenten des Preußischen Landtages, Kerrl, das nachstehende Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Präsident! Auf Ihr gefälliges Schreiben vom 26. August d. J. beehre ich mich folgendes zu erwidern: Wenn Sie der Auffassung Ausdruck geben, daß die gegenwärtige kommissarische Regierung in Preußen dem preußischen Landtage verantwortlich sei, und daß die Mitglieder dieser Regierung verpflichtet seien, vor dem Landtage zu erscheinen, so vermag ich dieser Auffassung nicht beizutreten. Die kommissarische preußische Regierung leitet ihre Befugnisse lediglich aus der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1932 her und ist daher für ihre Handlungen nur dem Reichspräsidenten, nicht dagegen dem Preußischen Landtag verantwortlich. Ich kann auch nicht Ihrer Auffassung zustimmen, daß es Pflicht der kommissarischen preußischen Regierung sei, sich lediglich auf die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände und auf die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung zu beschränken. Während der Dauer ihrer Amtsführung üben die Mitglieder der kommissarischen preußischen Regierung vielmehr alle Befugnisse aus, die dem Staatsministerium und den einzelnen Staatsministern nach der preußischen Verfassung und den preußischen Gesetzen zustehen. Ich verkenne nicht, daß das Fehlen einer dem Landtage verantwortlichen Regierung in Preußen ein höchst unerwünschter Zustand ist, dessen baldige Beendigung auch ich begrüßen würde. Zu meinem Bedauern sind die Voraussetzungen für eine Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1932 einstweilen aber noch nicht gegeben. Was ferner die bekannte Aenderung der Geschäftsordnung der Preußischen Landtages betrifft, so bin ich, wie Sie wissen, mit Ihnen in der Beurteilung dieses Beschlusses durchaus einig. Ihrem Antrage, dem Herrn Reichspräsidenten den Erlaß einer Notverordnung vorzuschlagen, durch die diese Aenderung für nichtig erklärt wird, stehen jedoch erhebliche Bedenken entgegen. Zunächst handelt es sich bei Erlaß der Aenderung der Geschäftsordnung des Preußischen Landtages um eine innere Angelegenheit des Parlaments. Da der Herr Reichspräsident bereits durch die Verordnung vom 20. Juli 1932 die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Preußen erforderlichen Maßnahmen getroffen hat, würde ein Eingreifen in diese interne Angelegenheit des preußischen Parlaments für ihn nur in Frage kommen können, wenn die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auch nach dieser Richtung hin noch weitere Maßnahmen notwendig machen würden. Das kann aber um so weniger anerkannt werden, als die beteiligten preußischen Stellen die Möglichkeit haben, für die Rechtmäßigkeit der von dem frühe. ren Preußischen Landtage beschlossenen Aenderung der Geschäftsordnung im Rahmen einer Landesverfassungsstreitigkeit die Entscheidung des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich herbeizuführen. Abgesehen hiervon würde es auch noch der Klarstellung bedürfen, ob der gegenwärtige Preußische Landtag die in Rede stehende Aenderung der Geschäftsordnung überhaupt übernommen hat und ob er hiernach an diese Aenderung gebunden ist. Ihre Auffassung, daß die Geschäftsordnung durch einen Mehrheitsbeschluß des gegenwärtigen Landtages„bestätigt“ worden sei, scheint nicht ohne weiteres zuzutreffen. Der Landtag hat es vielmehr nur abgelehnt, eine Neuregelung der Geschäftsordnung vorzunehmen, die in ihrem Ergebnis auf eine Beseitigung des Beschlusses vom 12. April 1932 hinausgelaufen wäre. Ich bedauere hiernach lebhaft, auf Ihr Schreiben, sehr geehrter Herr Präsident, Aenderungen nicht veranlassen zu können. Mit ausgezeichneter Hochachtung gez. von verständnisvolle Förderung des Binnenmarktes die erste Voraussetzung für die Gesundung der Wirtschaft bedeutet. Sie lehnt den Gedanken einer grundsätzlichen Autarkie deshalb ab, weil Deutschland nicht auf seine weltwirtschaftlichen Beziehungen verzichten kann, und weil es jede Arbeitsgelegenheit ausnutzen muß, die ihm der Auslandsmarkt auch heute noch biete. Aber die Grundlagen der Ernährung müssen im Binnenlande sichergestellt werden. Die Interessen unserer Ausfuhr und unseres Binnenmarktes werden gewiß nur mit gewissen Schwierigkeiten in Uebereinstimmung zu bringen sein, und sie beruhen nur auf der Wiederherstellung der Rentabilität. Ich kann aber versichern, daß sich die Reichsregierung grundsätzlich zu der Notwendigkeit einer weiteren maßvollen Regelung der Einfuhr bekennt, und daß sie dahingehende Beschlüsse gefaßt hat. Es ist selbstverständlich, daß wir jedes Mittel ergreifen müssen, das uns dazu verhilft, die ungeheure Not zu überwinden. Diese Not, die bei uns aus der Schrumpfung der Wirtschaft, aus der bisher unaufhaltbar fortschreitenden Deflation, wie aus dem Absinken der Preise hervorgegangen ist, findet ihren furchtbaren Ausdruck in der Arbeitslosigkeit. Wenn diese Deflation nicht beendet werden kann, so sind weitere Verluste des privaten Unternehmertums und der öffentlichen Wirtschaft, d. h. der gesamten Produktion, nicht aufzuhalten. Wir müssen deshalb den Versuch machen und ihn sofort machen, das Steuer grundsätzlich herumzuwerfen. Wenn wir jetzt den Grund zu einem Wiederaufbau unserer Wirtschaft legen wollen, so müssen wir es nach folgenden Grundsätzen tun: Unsere Währung darf nicht gefährdet werden, wir wollen auch keine Abwertung der deutschen Mark. Wir wollen keine ausgeklügelten Experimente machen, die, wie der Herr Reichsbankpräsident es kürzlich sagte, Deutschland zunächst durch eine Elendstrecke führen würden, der weitere Millionen zum Opfer fallen. Getreu unseren Grundsätzen konservativer Staatsführung nehmen wir die Verhältnisse, wie sie heute sind. um durch ein organisches Programm die in unserem Wirtschaftsleben noch lebendigen Kräfte neu zu stärken. Die wesentlichste dieser ist die persönliche private Initiative. Aus dieser Ueberzeugung heraus lehnt die Reichsregierung infolgedessen alle Eingriffe in die Sphare der Privat= wirtschaft ab. Der privaten Initiative gilt es wieder Vertrauen zur Zukunft einzuflößen, schien bisher doch jeder Versuch, der Wirtschaft Hilfe zu bringen, unnütz, weil jede wirtschaftliche Leistung doch nur in das Danaidenfaß der Reparationen geschöpft wurde. Aber heute ist dieser Druck endlich von uns genommen. Ueberall im Ausland, namentlich in Amerika, wie schon der Präsident Hoover kürzlich ausgeführt hat, hat das Ergebnis von Lausanne Hoffnung und neues Leben hervorgerufen. Es wäre wahrlich an der Zeit, daß auch wir uns daran erinnerten, daß seit der Konferenz von Lausanne wieder die Früchte unserer Arbeit uns selber zufallen. Damit ist die erste Voraussetzung für die Belebung der wirtschaftlichen Initiative gegeben. Die Reichsregierung wird darüber wachen, daß die persönliche Verantwortung der freien Wirtschaft nicht durch Vermischung mit staatlichen Wirtschaftsformen vermischt wird. Wo der Staat in den letzten Jahren Anteile an bisher privaten Betrieben übernommen hat, wird er dafür sorgen, daß klare Verhältnisse geschaffen werden, und daß der Allgemeinheit hier nicht nur die Lasten, sondern auch die Früchte der Arbeit zufallen. Für diese Unternehmungen wird daher eine besondere staatliche Beaufsichtigung zur Wahrung der staatlichen Interessen eingesetzt. Ich habe bereits angekündigt, daß die Gehälter in diesen Betrieben auf das Maß dessen herabgesetzt werden, das einem staatlichen Unternehmen entspricht. Nun zu dem Plan selbst, der den Maßnahmen zugrunde liegt, welche die Regierung dem Herrn Reichspräsidenten in dieser Woche vorschlagen wird. Deutschlands zentrales Problem ist die Arbeitslosigkeit. Die intensive Bearbeitung dieser Frage im Laufe der letzten Jahre hat gezeigt, daß Notstandsarbeiten und unmittelbare Arbeitsbeschaffung aus Steuermitteln sie bisher nicht beseitigen konnten. Die Regierung läßt selbstverständlich die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung nicht aus den Augen. Solche Notstandsmaßnahmen sind schon im Gange, z. B. auf dem Gebiet des Straßenbaues, der Wasserwirtschaft, der landwirtschaftlichen Meliorationen, der Hausreparaturen. Insgesamt sind für diesen Zweck bisher 135 Millionen RM. bereitgestellt. Die Reichsregierung hat beschlossen, auch andere Arbeitsgebiete mit Notstandsarbeiten zu versorgen. Sie handelt dabei im vollkommenen Einvernehmen mit der Reichsbank. Der freiwillige Arbeitsdienst, dem bald etwa 200000 Jugendliche angehören, wächst von selbst— ein Beweis für die werbende Kraft, die ihm innewohnt. Außerdem sind Notstandsmaßnahmen auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Siedlung, der vorstädtischen Kleinsiedlung, des Wohnungsbaues und der Hausreparaturen in Aussicht genommen. Hier ist besonders daran gedacht, den Bau von Eigenheimen durch Mobilisierung der in der freien Wirtschaft noch vorhandenen Kreditmöglichkeiten zu fördern. Dennoch sind wir uns vollkommen klar darüber, daß es niemals gelingen wird, auf diesem Wege allein das wünschenswerte Ausmaß der Arbeitslosenverminderung zu erreichen. Die Regierung ist daher entschlossen, im großen Rahmen den Versuch zu machen, durch eine Belebung der Privatwirtschaft zur Neueinstellung von Arbeitskräften und zur Verminderung der Zahl der Arbeitslosen zu gelangen. Das kann nur geschehen, wenn die Hilfe nicht von einer Seite her, etwa von der Industrie oder nur von der Landwirtschaft allein versucht wird, sondern wenn überall gleichzeitig geholfen wird. Wir gehen bei unseren Ueberlegungen davon aus, daß eine Reihe von wichtigen Anzeichen darauf hindeuten, daß das längste Stück des Wezes, der uns zum Boden der Krise führt, von dem aus der Wiederaufstieg beginnen kann, nunmehr zurückgelegt ist. In einem solchen Zeitpunkt ist es infolgedessen berechtigt, weitertragende Maßnahmen zu ergreifen, als es in einem früheren Zeitpunkt der Krise möglich gewesen wäre. Deutschlands gesamter Produktionsapparat muß zunächst einmal instand gesetzt werden, um an dieser Belebung teilzunehmen. Heute ist der Zustand vieler unserer Produktionsstätten so schlecht, daß völliger Verfall droht. Es hat sich ein ungeheurer Bedarf an Erhaltungsund Rotstandsarbeiten aufgestaut, der in die Milliarden geht. Es muß der erste Schritt sein, daß die gesamte Wirtschaft die Mittel erhält, um dieses Versäumnis nachzuholen. Das ist dann gleichzeitig der erste Schritt der neuen Belebung. Dadurch wird eine Neueinstellung von Arbeitern in größerem Umfange möglich, und es werden gerade die mittleren und kleineren Betriebe, deren ureigenste Domäne die Ausführung derartiger Arbeiten darstellt, als erste von der Belebung Nutzen ziehen. Von diesem Punkte aus soll der Versuch einzelnen und seine Finanzierung sind schon weit fortgeschritten. Insbesondere hat auch die Reichsbank ihre Mitwirkung zugesagt, wobei es sich, von der Seite der Geldbeschaffung gesehen, nicht um eine Belastung etwa der Notenbank mit großen Beträgen, sondern im wesentlichen um die Heranziehung der in der Wirtschaft ohnehin vorhandenen, z. Zt. nicht für die Arbeit ausgenutzten Liquidität auf den hierfür schon jetzt gegebenen Wegen handelt. Den Gedanken, diesen Betrag etwa über eine Zwangsanleihe zu finanzieren, haben wir abgelehnt. Beträge in solcher Höhe würde die deutsche Wirtschaft, auch wenn die Zahlung über eine längere Zeit verteilt wäre, einfach nicht aufbringen können. Das würde auch meiner Regierungserklärung widersprechen, keine neuen Lasten mehr zu bringen. Anstatt dessen beabsichtigen wir, folgenden Weg zu beschreiten: Es sollen für Teile besonders produktionshemmender Steuern, wie der Umsatzsteuer, der Realsteuer, der Gewerbesteuer— übrigens ohne jede Beeinträchtigung des Etats der Länder und Gemeinden— und der Beförderungssteuer, die in der Zeit vom 1. Oktober 1932 bis 1. Oktober 1933 fällig und gezahlt werden, Steueranrechnungsscheine gegeben werden, auf die in den Rechnungsjahren 1934=38 alle Reichssteuern, einschließlich der Zölle und Verbrauchssteuern, mit Ausnahme der Einkommensteuer, bezahlt werden können. Es wird sich hier um einen Betrag von etwa 1500 Millionen handeln. Diese Scheine werden mit einem Agio versehen werden, dadurch also den Charakter eines Darlehns des einzelnen Pflichtigen an das Reich erhalten. Diese Ausstattung der Scheine wird es ermöglichen, sie sofort als Kreditmittel zu benutzen. Sie werden daher eine Unterlage für die Hereinnahme und für die Durchführung neuer oder bisher zurückgestellter Aufträge, für den, wie ich es nannte, aufgestauten Erhaltungsbedarf sein, und dadurch die Möglichkeit schaffen, neue Arbeitskräfte— und das ist ja das Maßgebende— in den Arbeitsprozeß einzufügen. Darüber hinaus will die Reichsregierung einen Betrag von weiteren 700 Millionen Mark in Steueranrechnungsscheinen für solche Unternehmen zur Verfügung stellen, die nachweisen, daß sie mehr Arbeitskräfte als bisher beschäftigen. Für jeden Neueingestellten soll, aufs Jahr gerechnet, ein Betrag von 400 Mark in Scheinen gegeben werden. Wird dieser Betrag voll ausgenutzt, so werden 1¾ Millionen Arbeiter mehr eingestellt werden können. Wird dies gelingen, so würde das einen ganz großen vorwärtstreibenden Erfolg bedeuten. Diese Maßnahmen werden aber nur dann die Wirtschaft sofort in Gang bringen, wenn das Problem auch von der Seite der Arbeit angepackt wird. Es wird deshalb den Arbeitgebern gleichzeitig ein Anreiz zur Streckung der Arbeit durch Verteilung auf möglichst viele Arbeiter gegeben. Dieser Anreiz wird nur auf dem Gebiete der Entlohnung liegen können. Man wird den Arbeitgeber ermächtigen, wenn er mehr Arbeitskräfte einstellt, den Tariflohn in einem gewissen genau umgrenzten Umfange, der nicht unter dem Existenzminimum liegen darf, zu unterschreiten (Bewegung), und zwar werden die Tariflöhne innerhalb dieser Grenzen in einem um so größeren Prozentsatz ermäßigt, je größer die Vermehrung der Belegschaft oder der Arbeiterschaft ist. Der Lohn wird aber nicht im gleichen Ausmaß ermäßigt werden dürfen, wie die Belegschaft ansteigt, damit die in dem Betrieb bezahlte gesamte Lohnsumme nicht nur erhalten bleibt, sondern sich sogar noch erhöht. Ich bin mir bewußt, daß diese Maßnahme einem Teil, und zwar dem jetzt beschäftigten Teil der deutschen Arbeiterschaft, Opfer auferlegt, aber die Opfer gehen zugunsten der heute Arbeitslosen. Und wenn auch der einzelne eine kleine Einbuße erleidet, so wird die Gesamtlohnsumme erhöht, die allgemeine Kaufkraft also gesteigert. Auf diese Weise werden wir eine weitere erhebliche Zahl Erwerbsloser der Arbeit wieder zuführen können. werden könnten, infolge der Starrheit tariflicher Bindungen zum Erliegen kommen.(Sehr richtig) Die Reichsregierung hat den Beteiligten schon wiederholt nahegelegt, für derartige Sonderverhältnisse Ausnahmemöglichkeiten im Tarifvertrag selbst vorzusehen. Leider ist dies nicht überall im erforderlichen Umfange geschehen. Ich halte es daher für notwendig, für diese Fälle nunmehr im Verordnungswege Abhilfe zu schaffen. Alle diese Maßnahmen dienen zunächst nur einer Uebergangszeit. Sie werden deshalb auf 12 Monate befristet. Sie sollen es der Wirtschaft ermöglichen, sich aus ihrer bisherigen Erstarrung zu lösen und den eigenen wirtschaftlichen Gesetzen zu folgen. Ich weiß, daß diese Maßnahmen noch nicht alles das enthalten, was Sie vielleicht von mir erwarten, und was die Aufgabe dieser Regierung ist. Ich erwarte aber, daß der gewaltige Anstoß, den unsere gesamte Volkswirtschaft durch eine Entlastung und damit Befruchtung um etwa zwei Milliarden Mark und eine zusätzliche Beschäftigung von 1 bis 2 Millionen Arbeitsloser erfährt, auch die Lage der Landwirtschaft direkt und indirekt außerordentlich bessern wird. Die Schrumpfung der Kaufkraft des Binnenmarktes hat den Konsum gerade von Veredelungsprodukten, wie z. B. Fleisch, das wir im eigenen Lande genügend herstellen und deshalb durch Zölle nicht mehr entscheidend schützen können, außerordentlich gedrückt und damit die Preise völlig unrentabel gemacht. Die Hebung der Kaufkraft der Allgemeinheit wird den Landwirt eher dazu befähigen. Erzeugnisse zu angemessenen Preisen auch wirklich besser absetzen zu können, als dies heute der Fall ist, insbesondere bei den Erzeugnissen der bäuerlichen Veredelungswirtschaft. Ich habe Ihnen den großen Rahmen angegeben. in dem, wie ich zuversichtlich hoffe, die Gesundung unserer Wirtschaft einen neuen Anlauf nehmen wird. Es würde zu weit führen, mich heute über eine Reihe wichtiger Einzelfragen, wie vor allem das Zinsproblem, zu äußern. Daß wir diese Frage auf dem privatwirtschaftlichen Wege mit allen Kräften vorwärts treiben, ist ebenso selbstverständlich, wie daß wir Die Reichsregierung beabsichtigt, das Tarifrecht und das Schlichtungswesen in seinem wesentlichen Inhalt aufrecht zu erhalten. Was sie aber immer wieder betonen muß, ist die Erwartung, daß die Beteiligten ihre Verhältnisse mehr als bisher im Wege freiwilliger Selbstbestimmung ohne staatliche Mitwirkung und ohne Bevormundung ordnen. Es ist in erster Linie ihre Aufgabe, die Tarifverträge so auszugestalten, daß die Nachteile, die mit einem zu weit gehenden Tarifschematismus notwendig verbunden sein müssen, verschwinden. Der wertvolle Kern des Tarifgedankens, den ich in der Sicherung der Existenzgrundlage des Arbeitnehmers, in der Verhinderung unlauterer Lohnkonkurrenz und vor allem in der arbeitsgemeinschaftlichen Zusammenarbeit der beiderseitigen Verbände sehe, muß gemacht werden, den Wirtschaftsprozeß in grö= erhalten bleiben. Unsere Tarifverträge sind vielßerem Umfange zu beleben. Der Einsatz, der für fach immer noch zu starr und nehmen auf die eem age... i mush gensigand graß besonderen Verhalzige der einzelnen, Gebiete, Betriebe und Arbeitnehmergruppen nicht gebührend Rücksicht. Besonders am Herzen liegt mir die Erhaltung der Produktionsstätten. Es sollte in der heutigen Zeit nicht vorkommen, daß Betriebe, die bei vernünftiger Berücksichtigung ihrer besonderen Notlage aufrecht erhalten eine Diskontsenkung für die allgemeine Wirtschaft binnen kurzem durchsetzen werden.(Bravo!) Ferner aber sollen die zwölf Monate, in denen jene Nothilfe abläuft, dem organischen Um- und Neubau unseres Staats- und Wirtschaftsweseus dienen, der die eigentliche Aufgabe unserer Zeit ist. Für eine politische Programmrede wird im Reichstag Gelegenheit sein. Dort werde ich über die Gebiete der inneren und der äußeren Politik reden, die ich heute nicht berühren kann. Ich möchte nur auf eines eingehen, das mein Herr Vorredner betont hatte auf die Anpassung unseres gesamten Staatsund Verwaltungsapparates an die Armut der Nation. (Lebhafter Beifall.) Der Reichskanzler verwies auf die kleine Verwaltungsreform in Preußen. 50 Landkreise sind eingespart, 60 Amtsgerichte sind aufgelöst worden. Diesen ersten Maßnahmen wird eine große organisatorische Verwaltungsreform folgen.(Lebh. Beifall— Bravo!) eine Verwaltungsreform an Haupt und Gliedern, die, wie ich hoffe, vom preußischen Staatsministerium in wenigen Tagen verabschiedet wird. Diese Reform ist eine unentbehrliche und entscheidende Voraussetzung für eine Reichsreform. Sie wird die Doppelarbeit von Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten beseitigen und jedem von ihnen seine getrennte und selbständige Zuständigkeit geben. Die Sonderverhandlungen auf kulturellem, wirtschaftlichem und technischem Gebiete werden einheitlich dem Regierungspräsidenten bezw. den Landräten angegliedert werden. Diesen Maßnahmen soll eine Verkleinerung und Vereinfachung in der Zentralinstanz, eine Finanzreform und eine Reform Selbstverwaltung folgen. Die Beseitigung des Dualismus zwischen Reich und Preußen und die dadurch möglich gewordene Reform an Haupt u. Gliedern beweisen, daß die Regierung— mehr als jede andere in den letzten 14 Jahren— gewillt ist, zu handeln. Mit tiefer Sorge verfolgt die Reichsregierung eine der verhängnisvollsten Wirkungen der Einengung des deutschen Lebensraumes. Millionen der nachwachsenden Jahrgänge, junge Menschen voll Tatendrang, sind nach der Ausbildung vom Berufsleben= und damit von einer äußeren und inneren Existenzgrundlage ausgeschlossen. Mit ihnen leiden Millionen von Vätern und Müttern. Die Reichsregierung nimmt diese Sorge auf. Praktische Schritte zur Hochschulabsolventen für immer der Hoffnung beraubt sind, einen Beruf zu finden. Meine verehrten Freunde! Konservative Staatsführung kann nur geleistet werden durch eine autoritäre, unabhängige Regierung, die sich ihrer Verpflichtung gegen Gott und die Nation im Tiefsten bewußt ist. Aus dieser Ueberzeugung heraus halte ich es für meine Pflicht, Störungen dieses Werkes durch die Einflüsse der Parteien abzuwehren. Große Aufgaben im Dienste der Nation können nur von dem gelöst werden, der sich dem ganzen Volke und nicht nur einer Partei oder Klasse dienstbar glaubt. Der Grundsatz der Reichsverfassung„Die Staatsgewalt geht vom Volke aus“ kann nicht bedeuten, daß diese Staatsgewalt dem taktischen Spiel der Parteien im Parlamente ausgeliefert werden soll Und wenn heute von einer Koalition zwischen Zentrum und RSDAP. gesprochen wird, an die ich nicht glauben kann, weil sie dem ganzen antiparlamentarischen Bekenntnis der Nationalsozialisten widerspricht, so wäre der geheime Grundgedanke solcher Koalition doch nur der, daß die eine Partei die andere zu vernichten wünscht. Ich frage, ob die Not des deutschen Volkes in dieser Stunde wirklich noch ein solches Kulissenspiel erträgt? Auf der anderen Seite denken wir nicht an eine Abweichung von den Grundgesetzen der Verfassung oder gar an einen Wechsel der Staatsform. Die Verfassung selbst hat in der Institution des Reichspräsidenten dem Spiel der Parteien gegenüber den ruhenden Pol geschaffen, den Pol, an dem die einheitliche und unabhängige Führung der Staatsgeschäfte verankert ist. Von dieser zugleich autoritären und demokratischen Gewalt, die sich uns in der Person unseres Reichspräsidenten von Hindenburg darstellt, hat die Reichsregierung die Rechtfertigung und den Auftrag ihres Wirkens. Ich habe die Pläne, nach denen sie verfahren will, Ihnen in großen Zügen vorgestellt. Nun rufe ich Sie alle, meine anwesenden Freunde, ich rufe das ganze deutsche Volk auf, hinter uns zu treten und uns bei der Durchführung dieser Pläne zu helfen, die der Rettung Deutschlands dienen sollen. Möge das deutsche Volk nicht in innerpolitischem Hader und in verblendeter Selbstzerfleischung diesen Ruf überhören. Unser Glaube an die Zukunft der Nation ist so unerschütterlich, wie der jener Millionen, die einst auf den Schlachtfeldern für sie geblutet haben. Und deshalb rufe ich heute dem Lande zu:„Denkt nur an Deutschland!“ Die Rede wurde von der Versammlung an vielen Stellen mit lebhaftem Beifall aufgenommen. ßerem Umfange zu beleben. Der Einsatz, derf diesen Zwea zu machen ist, muß genugend groß gewählt werden, damit die beabsichtigte Wirkung eintritt. Dieser Einsatz wird sich auf eine Summe von mehr als 2 Milliarden Mark belaufen, und zwar über diejenigen Summen hinaus, die für Notstandsarbeiten und Arbeitsbeschaffung ausgeworfen sind. Die Verhandlungen über die Durchführung dieses Programms im Eingliederung dieser wichtigen Kräfte der jungen Generation aller Schichten werden getan werden, mögen die Opfer auch noch so schwer sein. Ganz besonders ernst ist die Lage des akademischen Nachwuchses. Hier plant die Reichsregierung, zunächst die Zwischenschaltung eines praktischen Jahres zwischen höherer Schule und Hochschule anzuregen und durchzuführen und gleichzeitig den Hochschulen die unabweisbare Pflicht nahezulegen, nach diesem Jahr auf jede nur denkbare Weise die Zahl der Studenten dem Bedarf der Berufe anzugleichen. Jedenfalls geht es nicht länger an, daß jährlich mehr als 10000 der 5. Klasse 39. Preußisch-Süddeutsche (265. Preuß.) Staats-Lotterie Gewinnauszug Shue öbeniche Lohtmd vrcoler Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abtestiungen 1 und II 16. Ziehungstag 26. Argust 1932 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne zu 10000 S. 70563 811337„ 6 Gewinne zu 5000 M. 197195 342347 367066 22 Gewinne mu 3000 a. 1073 7576 8163 42560 7R343 86274 225966 289173 346236 381516 384734 58 Gewinne zu 2000 M. 1819 2117 27166 83654 62801 108994 110484 128944 157429 172036 180410 181665 186274 213437 251856 257168 259495 286580 290884 308478 811857 337164 838489 348232 368531 369581 381656 384124 mu 1000 M. 1118 6204 12859 16456 80567 31454 31818 35561 53651 61058 74377 89251 100344 113790 134070 140063 155401 163126 167733 169846 175787 178141 203130 204502 915854 219844 220546 227752 229587 239488 263302 267574 273105 286526 304178 306418 323369 326924 835018 835206 839331 839685 784 Lepinns m 500 M. 1414 5165 12824 17044 17874 24705 35901 87498 46089 47058 52067 55203 66281 70678 77044 79930 80725 82924 85634 94401 103205 112507 114276 114547 115212 115309 126916 127273 132108 132128 135196 144145 148216 150995 156897 161192 175856 185919 168592 198881 395866 909705 210200 213500 219031 224065 232663 244002 246005 250164 254163 266177 267073 269709 269777 274140 277187 277432 290979 294295 300783 803446 306716 329731 829894 331885 338383 341047 344061 345/24 848029 348501 849194 350485 353639 363854 871058 871478 375312 878784 380325 384082 890363 392691 394526 898119 399521 399950 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Oewinne mu 10000 M. 1651 6 Gewinne zu 5000 M. 151929 222945 236057 22 Gewinne zu 3000 M. 3568 8081 35567 75264 80021 96666 159299 162111 241906 321437 398910 44 Gewinne zu 2000 M. 51156 63486 69198 75425 96214 118289 126587 134002 163189 216990 217155 231931 234112 236670 263633 269086 287108 816056 335646 341269 363733 369692 1000 an. 8538 12741 23751 33134 86096 48373 70513 84073 8945] 90567 91478 102421 111050 122107 124069 140736 142488 146052 146900 164431 165379 181526 209240 222311 225314 241856 244310 260316 295729 309416 819062 321061 324849 326954 333357 338020 845494 360645 351701 359383 B#u004 873383 380667 381845 382399 170 Gewinne zu 500 M. 2279 6053 7668 17276 26201 30014 30729 32913 38658 62048 53671 59736 70662 72124 75787 76446 76752 69575 90230 92144 9907 H91 9 37 118377 123812 126934 137366 138017 140496 142023 144892 146912 148557 156582 162070 165012 166573 171663 176780 180468 182583 192587 198715 217283 217580 220111 227517 227693 229976 242919 247131 265562 256871 258609 260585 264783 267116 388338 268837 269869 270109 27170 27373t 23336 38393 285760 289560 292191 31051; 343310 328309 331786 337921 347676 348575 366482 356124 869147 369493 872156 382270 387268 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu e 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu se 200100, 2 zu je 100000, 2 zu se 75000 4 zu se 50000, 16 zu je 25000, 90 zu je 10.00, 202 zu je 5000, 482 zu je 3000, 1242 zu je 2000, 2566 zu je 1000. 4310 zu je 300, 12972 zu je 400 M. 126309 143543 165839 598 192 Nr. 202(Zweites Blatt) Montag, 29. August 1932 D SigterrPrbcntal Schwerte(Ruhr), den 29. August 1932. Tagesspruch Was die meisten Menschen gern vergessen: Wegen wartet der Richtigstellung beir. Fehlbetrag des Landkreises Zzerlohn Die Pressestelle des Landkreises Iserlohn teilt uns mit: In einer Reihe im StadtLandkreise Iserlohn erscheinender Tageszeitungen sind irresshrende und die Oeffentlichten beanruhigende####tteilungen über die Finanzlage des Kreises und die Höhe des voraussichtlichen Etatsfehlbetrages für das Rechnungsjahr 1932 verbreitet worden. So ist insbesondere in einigen Zeitungen behauptet worden, der Haushalt für 1932 schließe mit einem Fehlbetrage von 8 Millionen Reichsmark ab. Die Haltlosigkeit dieser Behauptung ergibt sich schon daraus, daß die gesamte Etatssumme nur rund 5 Millionen Reichsmark beträgt. Allerdings ist es dem Kreise Iserlohn, der mit seiner Belastung von 50 Promille Wohlfahrtserwerblosen Einwohner mit an der Spitze der Lanvtreise der Provinz Westfalen marschiert, wie zahlreichen anderen Gemeinden und Gemeindeverbänden nicht möglich, seinen diesjährigen Haushaltsplan aus eigener Kraft zum Ausgleich zu bringen. Das Etatsdefizit, das endgültig erst nach Abschluß der noch schwebenden Etatsberatungen sich ermitteln läßt, wird aber aller Voraussicht nach höchstens bei etwa 2 Millionen Reichsmart liegen.(Es handelt sich um eine Meldung, die von einem Telegraphenbüro reitet wurde. D. Red.) Vom Wetter Da die Temperaturen in den oberen Luftschichten über ganz Europa unverändert hoch liegen, wird der sommerliche Witterungscharatter anhalten. Vorhersage für Montag: Bei schwachen östlichen Winden meist heiteres und ziemlich warmes Wetter. Wahrscheinl. Weiterentwicklung: Sommerlich warm. Schwerer Sturz mit dem Fahrrad. Der Kaminbauer August H. aus Schwerte befuhr Sonntag gegen 15,30 Uhr mit einem Fahrrad, auf dem er das fünfjährige Kind Walter N. sitzen hatte, in Höchsten die Wittbräuckerstraße in Richtung Berghofen. In der Nähe der Wirtschaft O. kam das auf der Stange sitzende Kind mit einem Bein in die Speichen des Vorderrades, wodurch der Radfahrer stürzte. Während das Kind mit leichten Verletzungen im Gesicht und am Fuß davonkam, erlitt H. anscheinend schwere innere Verletzungen und solche im Gesicht. Mit dem Krankenauto der Sanitätskolonne wurde er dem Krankenhaus in Schwerte zugeführt. Schlägerei. In der Hellpothstraße kam es am Samstag abend in einem Hause zu einer Schlägerei. Anlaß dazu soll eine fremde Person gegeben haben. Ein Mann, der sich in großer Erregung befand, begab sich freiwil#ig in Schutzhaft, um sich dort zu beruhigen. Die Beteiligten haben nur leichte Verletzungen davongetragen. Die Gerüchte, nach denen 3 Personen verhaftet worden sein sollen, treffen nicht zu. Außerdem war die Schlägerei unpolitischer Natur. —. Die Handwerkskammer zu Arnsberg teilt uns mit: Die Anmeldung zu den Herbstgesellenprüfungen hat von denjenigen Lehrlingen, deren Meister keiner Zwangsinnung angehören, bei der Handwerkskammer zu Arnsberg zu erfolgen und zwar bis zum 15. September. Einzureichen sind: Gesuch um Zulassung zur Prüfung, Lebenslauf, Lehrzeugnis, Lehrvertrag, Schul= und Fortbildungsschulzeugnis. Die Prüfungsgebühr beträgt für Handwerkerlehrlinge 7,50 RMk., für Fabriklehrlinge 15.— RMk. und ist auf Postscheckkonto Dortmund 18 886 der Handwerkskammer einzureichen. schiene. Diese wurde von 6 Herren in seinem Munde krumm gebogen. Dann ließ er sich zwei Steinblöcke von einem Gesamtgewicht von etwa 2½ Zentnern auf seine Brust legen und dort von einem echten Schmied mit einem schweren Eisenhammer zerschlagen. 8 Herren bogen schwere Eisenschiene über seinem Nacken krumm. Noch mehr: Albertini legte sich mit bloßem Rücken auf Glasscherben, ließ sich ein Brett auf seinen Leib legen und dann marschierten hintereinander 8 hilfsbereite(!) Herren auf das Brett und nahmen dort Aufstellung. Diese Belastung betrug etwa 10 Ze Man hörte das Glas knirschen unter seinem muskulösen Rücken.——— Eine 1 Zentimeter dicke und 5 cm breite Eisenstange drehte er dann ohne Hilfe zur Feder. Das Produkt reichte er herum. Sodann legte er sich mit dem Rücken auf die Schneide eines Schwertes. Als Belastung nahm er einen Steinblock und 2 Personen auf seine Brust Am, Sams: tag ließ er sich von einem 50 Zentner schweren Kohlenwagen überfahren. Bekanntlich ist hierbei sein Kollege der auch schon einmal in Schwerte auftrat. in Thüringen verunglückt. Albertini ließ das Rad des Kohlenwagens über seine Brust gehen, ohne von der Last erdrückt zu werden. Ein Herkules der Neuzeit— aber ein schweres Brot!=cke. Aus dem Nachbargebiet Hörde. Festgenommen wurde Samstag der Straßenbahnführer August C. aus Dortmund=Hörde, weil er in der Buschmühle durch schulpflichtige Kinder unzüchtige Handlungen vornehmen ließ. Die Kinder erzählten dieses dem Arbeiter Theodor St. aus Dortmund=Hörde, der C. einem Polizeibeamten Uebergab. C. hatte vorher dem St. 1.— Mk. Schweigegeld gegeben. Dieses fruchtete aber nicht, sondern C. wurde der Kriminalpolizei zugeführt. Er ist geständig. Dortmund. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Samstag auf dem Hofe der Ziegelei Neumann, Brünninghauserweg in Dortmund. Der Arbeiter Franz Sch. aus DortEi Wunsch der Kühr=Hadeler! Die Stadt Schwerte ist seit Jahren über ihre Grenzen hinaus dafür bekannt, daß in ihren Mauern alle Arten des Sports eine Stätte freudiger und fortschrittlicher Betätigung gefunden haben. Nur einen Sportzweig scheint man bei der Förderung, die die Stadt und einflußreiche Kreise dem Sport angedeihen ließen, übersehen zu haben. Nämlich den Paddelsport, das Wasserwandern auf der Ruhr. Diese gesunde Sportart hat sich in den letzten Jahren so entwickelt, daß ihre Freunde wohl bitten dürfen, auch ihrer einmal zu gedenken. In dieser Ferienzeit, besonders an den Wochenendtagen, kann man die Paddelsportler von manchen Städten am unteren Lauf der Ruhr hier ankommen sehen, um in der alten Ruhrstadt Schwerte ihre Wasserwanderung zu beginnen. Leider müssen sie hier die Erfahrung machen, daß es ihnen fast ganz unmöglich ist, an die Ruhr heranzukommen. Erst müssen sie mit ihrem schweren Bootsgepäck einen Marsch von 2—3 Kilometern auf sich nehmen um dann endlich schweißtriefend an der Ruhrbrücke bei Villigst oder an dem Ruhrufer in Wandhofen ein Plätzchen zu finden, an dem sie ihr Boot aufbauen und in den Fluß setzen können. Auch Paddelfreunde aus Westhofen klagen darüber, daß sie mit ihren Booten keinen anderen Weg zur Ruhr finden können. Ueberall seien die Zugänge durch Stacheldrahtzäune und dergleichen versperrt. Fremde Uferwiesen dürfen sie nicht betreten, um nicht mit dem Feldhüter in Konflitt zu kommen..., Iewaren K. Es wird nun die Frage ausgeworsen, ob es nicht möglich ist, vielleicht in Verlängerung der Ruhrstraße oder der Liethstraße oder neben dem Gaswerk einen Weg offen zu lassen, der als Zugang zur Ruhr benutzt werden kann. Es bedarf nur eines schmalen Pfades und eines wenige Meter breiten Streifens am Ufer, womit die Paddler vollauf zufrieden sein würden. Dieser Wunsch dürfte umso leichter zu erfüllen sein, als die Stadt an geeigneten Stellen noch Grundstücke besitzt und ohne Schaden einen kleinen Streifen überlassen kann. Die Wasserwanderer sehen an den Orten am unteren Ruhrlauf, so in Westhofen, am Hengsteysee, in Herdecke, Wetter usw., daß man dort weiter voran ist und nicht nur Zugangswege, sondern sogar bequeme Anlegestellen für die Boote geschaffen hat. Wir sind überzeugt, daß die Ruhrstadt Schwerte, die doch sonst für die Fremdenwerbung manches tut, auch in der aufgeworfenen Frage nicht hinter anderen Orten zurückstehen will und dem Wunsche der Ruhr=Paddler bald die Erfüllung folgen lassen wird. Von ausgezeichnetem Spätsommerwetter begünstigt, fand Sonntag nachmittag am Schützenhof das letzte diesjährige Kompagnie=Uebungsschießen in Anwesenheit Seiner Majestät statt. Wenn die 1. Kompagnie auch nicht in der erwarteten Stärke angetreten war, so zeigte sich doch am Scheibenstand, daß die Kameraden speziell der 1. Kompagnie fest zusammenhalten. Der stellvertretende Kompagnieführer Eichmann faßte die Sache sofort richtig an. An Oberst Köhle wurde ein Huldigungstelegramm nach Bad Neuenahr gesandt. Am Scheibenstand zeigten sich als Meisterschützen der alte Haudegen Oberst a. D. Wilhelm Balster, der Oberschießmeister Färber und der hochverehrte Oberstleutnant Honsalek. Alle drei erhielten eine Ehrenscheibe. Die jungen Schützen gingen angesichts dieses Ergebnisses in Deckung. Sie werden jedoch versuchen, beim nächsten Uebungsschießen die AltersUebungsschießen der 1. Kompagnie. riege auszuschalten. Immerhin zeigte es sich, daß die 1. Kompagnie qualitativ stark vertreten war. Bis in den sinkenden Augustabend hinein wurde geschossen. Einige Beförderungen konnten vorgenommen werden. So wurde Schütze Ernst Grürmann in Anerkennung seines guten Verhaltens zum überzähligen Gefreiten ernannt und der Kassierer Adolf Lethaus zum Oberzahlmeister des Schützenvereins. Oberleutnant Eichmann wurde zum Hauptmann der 1. Kompagnie vorgeschlagen. Mit würdigen Worten feierte Oberleutnant Eichmann das Andenken des Hauptmanns Münkel.— Als Gast nahm Oberleutnant Ellering= mann von der 3. Kompagnie am Uebungsschießen teil. Er mußte sich jedoch den Kanonen der 1. Kompagnie beugen. Horridoh! Le. mund fuhr mit einem Trecker mit Anhänger von dem Platz der Ziegelei. Der Arbeiter Rich. Voß, Missundestraße 64, der ebenfalls zu dem Lastzug gehörte, versuchte auf den fahrenden Anhänger zu springen. Hierbei wurde er von einem vorstehenden Haken erfaßt. Der Unterleib wurde ihm aufgerissen, so daß der Todauf der Stelle eintrat. Hengsen. Einen schönen Erfolg errang der Männergesangverein„Eintracht", der an dem nationalen Gesangwettstreit Westönnen, Kreis Soest, in der Volksliederklasse teilnahm. Unter sehr schwerer Konkurrenz errangen die tapferen Streiter, welche noch am 7. August dieses Jahres auf ihr goldenes Jubiläum zurückblicken konnten, unter ihrem Dirigenten Karl Branscheid den 2. Klassen=, 3. Ehren=, 2. Hauptehren=, 1. Höchst und 1. Dirigentenpreis. Ein herzliches Glückauf dem Verein und Dirigenten. Holzwickede. Radfahrer=Unfall. Auf dem Knapp hinter der„Schönen Flöte" verschob sich am Fahrrad eines Hörders K. das Schutzblech. Dadurch drehte sich das Vorderrad zur Seite. K., der gerade einen Abhang herunterfuhr, stürzte über die Lenkstange hinweg auf das Straßenschotter, wo er besinnungslos liegen blieb. Ein Sanitätsangehöriger vom Roten Kreuz war schnell zur Stelle. Herringen. Kuabe als Lebensretter. Der 13jährige Fritz Sander von der Hindenburgschule rettete die 10jährige Schülerin Charlotte Halte, die in der Nähe des Zechenhafens in den Kanal gefallen war, unter eigener Lebensgefahr aus dem Wasser. Dafür wurde dem mutigen Jungen jetzt vom Rektor die Anerkennung des Regierungspräsidenten ausgesprochen und eine Belohnung von 20 Mk. überreicht. Amt Westhosen Westhofen. Fahrraddiebstahl. Dem Angestellten Werner W. aus Aplerbeck, der in einem Flur eines Hauses an der Kreisstraße sein Fahrrad abgestellt hatte, wurde dieses Rad gestohlen. Das Rad war mit Stricken im Flur festgebunden, aber man sieht, daß man nie vorsichtig genug sein kann. Das Rad hat die Marke Opei“ Villigst. Wieder Obstdiebe gefaßt. Auf einer nächtlichen Streife gelang es der Landjägerei, wieder einmal vier Obstdiebe zu fassen. Sie führten sämtlich Fahrräder mit und hatten etwa 300 Pfund gestohlene Aepfel, die von den Bäumen an der Provinzialstraße stammten, bei sich. Zwei der Diebe ergriffen die Flucht, konnten aber mit einem Motorrade wieder eingeholt werden. Die Täter sind die 20—25jährigen Arbeiter W., B., G. und R., sämtlich aus Hörde. Villigst. Beim Fischfrevel ertappt. Trotzdem ständig Polizei= und Landjägerstreifen abgehalten werden, lassen sich die Fischdiebe nicht abschrecken. Jetzt wurde wieder ein Arbeiter W. S. aus Letmathe ertappt, als er hier unberechtigt in der Ruhr den Fischfang ausübte. Die Bedingungen für die Prüfungen Deutschen Lebens=Rettungs=Gesellschaft e. V. Aufgabe der Deutschen Lebens=Rettungs= UI. Prüfungsschein. Eisenkönig Albertini zeigie R sseche ecechicer bibenen Am Samstag und Sonntag abend gab einer der stärksten Männer der Welt,„Eisenkönig Albertini“, ein sensationelles Gastspiel auf dem Wilhelmsplatz. Zunächst zog er einen auf der Wilhelmstraße stehenden Möbelwagen der Firma Werth mit den Zähnen an und beförderte zu mit den Zähnen ziehend etwa 100 Meter weit, wobei ihm allerdings das leichte Gefälle der Straße wohl etwas zu Hilfe gekommen sein mag. Inmitten des Platzes, von einer zahlreichen schaulustigen Menge umringt, vollführte er dann Kraftleistungen, die allgemeinen Beifall fanden. Er hielt mit seinen Zähnen eine EisenGesellschaft(DLRS.) ist die Verbreitung sachgemäßer Kenntnis und Fertigkeit im Retten Ertrinkender und deren Wiederbelebung, sowie die Pflege und Vertiefung des Rettungsgedankens im allgemeinen. In die Deutsche Lebens=Rettungs=Gesellschaft werden Einzelpersonen, Behörden, Firmen, Vereinigungen usw. aufgenommen. Der Jahres=Mindestbeitrag beträgt 1 Mark. Fürdie Prüfungen gelten folgende Bestimmungen: I. Grundschein. 1. 15 Min. im stehenden oder 600 m Schwimmen im fließenden Wasser, davon 5 Min. oder 200 m in Rückenlage ohne Arme.— 2. 50 m Schwimmen in Kleidern ohne Schuhe, daran anschließend: 3. Auskleiden im Wasser (Schwimmlage oder Wassertreten).— 4. 15 m Streckentauchen mit Kopfsprung aus 1—2 m — 5. Zweimal 2—3 m Tieftauchen von der Wasserfläche und herausholen eines ungefähr 5 Pfd. schweren Gegenstandes.— 6. Vorführung der Rettungs= und Befreiungsgriffe an Land und im Wasser.— 7. 20 m Retten, Achselund Kopfgriff.— 8. Erklärung und Anwendung der Wiederbelebung nach Schäfer. 1. ½ Stunde im stehenden oder 3 km Schwimmen im fließenden Wasser.— 2. 300 m Schwimmen in Kleidern mit Schuhen, daran anschließend: Auskleiden im Wasser(Schwimmlage oder Wassertreten).— 4. 25 m Streckentauchen mit Kopfsprung aus 1-2 m Höhe.— 5. Innerhalb 2 Minuten 2—3 m Tieftauchen von der Wasserfläche aus und Heraufholen eines etwa 5 Pfd. schweren Gegenstandes.— 6. 25 m Retten, beide bekleidet(mit Schuhen), Achselgriff und ein zweiter Griff nach freier Wahl des Prüflings.— 7. Erklärung und Vorführung sämtlicher Rettungs= und Befreiungsgriffe im Wasser.— 8. Erklärung und Anwendung der Wiederbelebungsarten nach Schäfer und Sylvester=Brosch=Meyer.— 9. Erklärung der wichtigsten Hilfsmittel bei Bade=, Boots= und Eisunfällen.— 10. Kenntnis der wichtigsten Nothelfergriffe. (Bedingungen für den Lehrschein folgen morgen!) * Heute abend 6 Uhr beginnen in der Badeanstalt Schützenhof die ersten Uebungen für Rettungsschwimmer! Geisecke. Hohes Alter. Am heutigen Tage vollendet die Witwe Elisabeth Kuhlmann geb. Dierks in Geisecke, Dorfstraße 25 ihr 79. Lebensjahr. Der allseits geachteten Greisin sprechen auch wir unsern herzlichen Glückwunsch aus. Syburg. Geschützter Uferweg. Laut Beschluß des Verbandsausschusses des Sied. lungsverbandes Ruhrkohlenbezirk wurde der Uferweg entlang dem Hengsteysee vom Strandhotel bis zur Dortmunder Straße gemäß dem Gesetze zur Erhaltung des Baumbestandes und Freigabe von Uferwegen als Uferweg 2 W in das Verbandsverzeichnis ausgenommen. Syburg. Diebstahl. Aus der Garderobe des Strandbades am Stausee wurde ein Trauring gestohlen. Der Täter konnte ermittelt und vorgeführt werden. Sperinachrichten 1. Bezirksklasse: Hagener Staffel: SSC. Union Schwerte— F. C. Harkorten Hagen=Haspe 1:0. 2. Bezirksklasse: Pokalspiele der unteren Klassen: Hagen 10— Schwarz=Weiß Holzen bei Schwerte 5:0. Alemannta Schwerte— Reichsbahn TSV. Schwerte 7:6. Gesellschaftsspiele: Reichsb. TSV. Vorhalle 09— BfB. Wandhofen 2:0. SSv. 08 Schwerte— Eichlinghofen 1:3. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolittt. Feuilleton. Provinzielles. Gerichtssagl u. Sport: Haus Linner, Schwerte(Ruhr). 75 Deutsche Turnerschaft Klinger=Schwerte Zweiter im Ausscheidungszurnen des Hellweg=Märtischen Turngaues. dem Ausscheidungsturnen in der Eintrachthalle in Dortmund wurde um die Punkte erbittert gerungen. Am Barren setzte sist Trosi= heim und Schrödter von der Turngemeinde mit je 17½ Punkten an die Spitze, dicht gefolgt von Klinger(Schwerter Tsch.) und Werner(TV. Jahn), die 17 Punkte erhielten. Bei der Schwungübung am Pferd und der Kürfreiübung war Trostheim mit je 19 Punkten nicht zu schlagen. Klinger folgte mit 16½ und 17½ Punkten. Schrödter fiel bei der Pferdschwungübung sehr ab. Um die Spitze dann nur noch Trostheim und Klinger. Als sich Klinger durch einen tadellosen Hechtsprung über das 1,40 Meter hohe Pferd bis auf 2 Punkte herangearbeitet hatte, mußte das Reckturnen den Ausschlag geben. Hier konnte Trostheim noch einen halben Punkt herausholen und war damit mit 91½ Punkten Sieger vor Klinger mit 89 Punkten. Das Ausscheidungsturnen brachte also folgendes Ergebnis: 1. Trostheim(TV. Dortmund), 2. Klinger(Schwerter Tsch)., 3. Schrödter(TG. Dortmund), 4. Hellmich(Eintracht Dortmund), 5. Surmann(Eintracht Dortmund), Boxen Reichsbahn— Dorsten 15:5. Nach dem Unentschieden 8:8 in Dorsten kam dieser haushohe Sieg der Reichsbahnboxer überraschend. Es muß allerdings berücksichtigt werden, daß die beiden Dorstener Kanonen, nämlich der Schwergewichtler Löns und der Halbschwergewichtler Graupner nicht antraten, letzterer nicht wegen einer Augenverletzung. Der Saal von Peters war mit einem sportfreudigen Publikum gefüllt. In harten Kämpfen setzte sich die bessere Technik der schlagkräftigen Schwerter durch. Für den Ringrichter Schulte=Hagen gab es viel Arbeit. Erfreulicherweise war auch das Punktgericht mit den Urteilen auf der Höhe. Die Ergebnisse: 1. Jugend=Papiergewicht: Duhme(Rtus.) schlägt Esser(Dorsten) nach Punkten. Ein 2. Jgd.=Papiergewicht: Brösecke(Rtus.) besiegt Schüller(Dorsten) nach Punkten. Etwas zuviel Schlägerei.. 84s 3. Igd.=Bautamgewicht: Schuler(Rlus.) gegen Kobus(Dorstfeld). Schon am Schluß der ersten Runde muß der Dorstfelder zu Boden. Nur der Gongschlag rettet ihn. In der 2, Jande kommt Kobus wieder auf. Die enz ert Runde geht an den klar überlegenen Schwerter, der damit Sieger ist. Nach den ersten 3 Kämpfen in der Jugendklasse steht der Kampf 6:0 für Senior=Mittelgewicht: Pfeffer(Rtus.) — Thiele(Dorsten). In der ersten Runde schlägt der Dorstener genauer, in der zweiten Runde sind sich beide Kämpfer gleichwertig, in der Schlußrunde wird dem Schwerter die Lippe aufgeschlagen. Sieger nach Punkten Thiele (Dorsten). Ein erbitterter Kampf!(Der Schwerter war übrigens durch seine Haartolle, die er sich dauernd aus dem Gesicht streichen mußte, be5. Senioren=Federgewicht: Gaumeister Müller(Rtus.)— Dietrich(Dorsten). Auch dieser Schwerter ist durch sein zu langes Haar behindert. In der 2. Runde muß Müller kurz zu Boden. Der Dorstener schlägt unsauber. Er verabreicht drei Genickschläge und klammert seinen Gegner vier Mal. Obwohl der Dorstener entschieden schlagaufnehmender war und den Schwerter schwer bedrängte, wurde Müller Punktsieger. Der Dorstener hatte seine Punkte durch sein unsauberes Schlagen eingeNach Gottes unerforschlichem Ratschluß entschlief heute mittag 1 Uhr plötzlich und unerwartet meine liebe unvergeßliche Frau, meine treusorgende Mutter, meine liebe Tochter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frad Caff Wesinamper Klimi geb. Schnell im Alter von beinahe 60 jahren. Dieses zeigen tiefbetrübt mit der Bitte um stille Teilnahme im Namen der trauernden Hinterbliebenen an: Carl Westkämper Familie Ferber Schwerte, Dortmund, Asseln, Barmen, Hagen, Witten, Castrop-Rauxel, Geisecke, den 27. August 1932. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. August 1932, nachmittags 4 Uhr vom Trauerhause, Ostbergerstr. 123, aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. büßt. Bis zur Pause stand es schon 8:2 für Schwerte! 6. Jugend=Papiergewicht: Hehn(Rtus.) gegen Melcher(Dorsten). In der zweiten Runde trifft Hehn wuchtig, sobald sich ihm eine Chance bietet. In der 3. Runde kämpfen beide mit gleicher Härte, sodaß ein Unentschieden 7. Senior=Leichtgewicht: A. Groll(Rtus.) gegen Grubbert(Dorsten). In der ersten Runde ermahnt der Ringrichter beide Kämpfer, nicht immer zu ringen. Im zweiten Abschnitt wird der Dorstener von dem stets überlegenen Groll 8 Mal niedergeschlagen. Punktsieger verdientermaßen Grol!(Rtusz,..„Bus. 8. Weltergewicht: Karl Minury(Rlus.) gegen Reihmann(Dorsten). Der Dorstener ist dem 34jährigen Schwerter gegenüber klar im Vorteil durch seine Jugend, durch seine überragende Größe und seine Reichweite. Der technisch Bessere war Minuth. Aber schon in der 2. Runde brach der Ringrichter den Kampf ab, weil der tapfere Schwerter eine Verletzung über dem linken Auge davongetragen hatte. Sieger: Reihmann(Dorsten). 1 9. Halbschwergewicht: Elrsnat(mrus.)— Schienenberg(Dorsten). Der Ringrichter bricht das Treffen in der 2. Runde wegen zu großer Ueberlegenheit Elksnats ab. Sieger: Elksnat(Rtus.).„ 10. Schwergewicht: Elmerhaus(Rtus.) gegen Schmidt(Dorsten). Mit 13:5 für Schwerte geht es in den letzten Kampf. Elmer: haus, der 1 Jahr ausgesetzt hat, wird sturmisch begrüßt. Er ist mit seinen etwa 190 Pfd. dem Dorstener, der etwa 160 Pfd. hat, schon körperlich überlegen. Aber der Dorstener zeigt sich als zäher Boxer. In der 2. Runde muß der Dorstener einmal zu Boden. E. erhält eine Verwarnung wegen Nachschlagens. Sch. duckt dauernd zu tief. Der Schwerter liegt stets im Angriff. sodaß das Publikum dem Dorstener mehrmals„Nurmi!“ zuruft. E. möchte gern einen Aufwärtshaken anbringen.„Oskar aufwärts!“ ertönen Rufe. Der Kampf verläuft äußerst dramatisch. Punktsieger wird verdientermaßen Elmerhaus(Rtus.). Trauer=Drucksachen empfiehlt Carl Braus, Schwerte. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, heute abend 6½ Uhr meine liebe Mutter, Schwiegermutter, Schwester und Tante WVETEIG TRGGE geb. Vossloh im soeben vollendeten 73. Lebensjahre durch einen sanften Tod zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten: Wilhelm Knauf Emmy Knauf Meschede, den 27. August 1932. Karolingerstr. 2 Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. August, nachmittags 4½ Uhr von der Kapelle des evangelischen Friedhofes zu Schwerte, aus statt. —. b in jeder Ausführung Leichenwäsche ### auch Metallsärge ien August Müller Haselackstraße 3 Ruf 2281 Uebernahme ganzer Beerdigungen, Aufbahrungen und Stellung von Trauerdekoration. Ueberführungen von und nach auswärts per Bahn und Auto Zwungreresteigerung Am 7. September 1932, vorm. 10½ Uhr, sollen an Gerichtsstelle in Schwerte, Zimmer Nr. 14, die Grundstücke des Bäckermeisters Max Krieg in Schwerte, bestehend aus bebauter Hofraum und Gebäudefläche in Schwerte, Brückstraße 21 und Hellpothstraße 1, Gesamtgröße 5 a 20 gm, versteigert werden. 2246 Amtsgericht Schwerte. Sintrittskarten u. Programme Ia modernster Ausführung Empfehle mich zum Einschaben Menke Römerstraße 7 Statt Karten Die Geburt eines prächtigen lungen zeigen hocherfreut an Arthur Naß und Frau Meta geb. Schäfer Schwerte, den 27. August 1932. Zwungeeersteigerung Am 7. September 1932, vorm. 10 Uhr, soll an Gerichtsstelle in Schwerte, Zimmer Nr. 14, das Grundstück des Kaufmanns Gustav Nierhoff in Schwerte, bestehend aus bebauter Hofraum, Brückstraße Nr. 12, in Schwerte, Gesamtgröße 5 a 28 qm, versteigert werden, 2247 Amtsgericht Schwerte. EIsI- sub Betten Schlar gaegggerben, Bahge Zwangsversteigerung Am 7. September 1932, vorm. 10¼ Uhr, sollen an Gerichtsstelle in Schwerte, Zimmer Nr. 14, die Grundstücke des Kaufmanns Gustav Nierhoff in Schwerte, bestehend aus Acker, zwischen den Ruhren, in Schwerte, Gesamtgröße 28 a 34 qm, versteigert werden. 2248 Amtsgericht Schwerte. 5g 1Imter Tamter Roman von Margarete Ankelmann Copyright by Martin Peuchtwanger, Halle(Saale) 31. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Regungslos saß die Schwester in ihrem Sessel, wandte kaum einen Blick von dem Gesicht der Schlafenden. Ihre Gedanken gingen zurück, zu der Stunde, da man die Kranke bei ihnen eingeliefert hatte. Schiffer hatten sie gebracht, auf einer Bahre. Sie war mitten im Meere aufgefischt worden, in männlicher Kleidung. Kein Mensch wußte, wer die Fremde war, die von einem heftigen Nervenfieber geschüttelt wurde. Am dritten Tage nach der Einlieferung war dann die Polizei gekommen, hatte Beschlag gelegt auf die Kranke, die zur Gefangenen erklärt worden war. Wochenlang hatte die Frau in Lebensgefahr geschwebt, die schwache Lebensflamme drohte immer wieder zu erlöschen. Der abgezehrte Körper indes schien von einer inneren Energie zusammengehalten werden, raffte sich immer wieder auf, widerstand dem Tod. Seit gestern nun war die Krise überwunden. Die Aermste! Das neue Leben, das auf sie wartete, mußte grauenvoll sein. Sie sollte nur gesunden, um vor das Gericht gestellt zu werden. Einen Mord sollte sie begangen haben, dieses reizende, zarte Geschöpf! Man konnte es nicht glauben. Bis dahin war die Schwester in ihren Gedanken gekommen. Dann sah sie plötzlich ein paar geöffnete, blaue Augen, die matt und glanzlos auf sie gerichtet waren. Diese Augen suchten wir irr den Raum ab, blieben einen Augenblick an der Decke haften, schlossen sich müde. Gleich darauf öffneten sie sich wieder, schwer und langsam; die Kranke versuchte sich aufzurichten. Schnell sprang die Schwester dinzu. „Ganz ruhig liegenbleiben, sich nicht rühren! Vorläufig sind wir noch sehr schwach, müssen sehr vorsichtig sein.. „Wo bin ich?“ Mühsam formten die Lippen diese Worte. „Ein bißchen krank war man, aber jetzt wird alles gut.“ „Krank— krank?“ „Quälen Sie sich nicht, Kindchen! Bleiben Sie hübsch ruhig liegen. Jetzt trinken Sie ein wenig Fleischbrühe, dann werden wir weiter schlafen. Sie werden sehen, wie schnell Sie dann wieder gesund werden.“ „Ja, ja! Aber wo bin ich?“ „Das werde ich Ihnen alles später erzählen. Später, wenn Sie gesund sind. So, jetzt kommt die Brühe. Jetzt trinken Sie, langsam. So ist es schön. Jetzt werden Sie schnell wieder die Augen zu machen.“ Die Kranke lag wieder ganz still, mit geschlossenen Augen, da. Nach einigen Tagen war die Patientin so weit, daß sie sich im Bett aufsetzen konnte. Ihre Augen folgten stumm dem Arzt, der Schwester, ohne daß die Kranke irgend etwas gefragt hätte. Traurig sah die Kranke zum Fenster hinaus, die offen standen, um die warme Julisonne hereinzulassen. Scheu wich sie den Fragen des Arztes aus. Eines Tages brach sie in heftiges Weinen aus. „Kind, was haben Sie denn?“ fvagte die hinzueilende Schwester. „Schwester, sagen Sie mir— ich bin in England, ja?“ „Ja!“ Ellinor Grez schrie auf. "„Dann bin ich gesangen— oh!“ „Aber, Kind „Ja, da oben, an der Tafel, steht mein Name. Man weiß, daß ich Ellinor Grey bin, man hält mich hier gefangen. Sagen Sie mir alles Schwester, ich bin stark genug, es zu hören.“ „Wohl sind Se in England, Kind; aber nicht im Gefängnis, sondern in unserem Krankenhaus. Sie waren sehr krank.“ „So, ich bin im Krankenhause! Aber das wird nicht mehr lange dauern... dann werden sie kommen. Sagen Sie, Schwester, hat sonst noch niemand nach mir gefragt?“ „Wen meinen Sie, Kind?“ „Ach, nichts. Es war nur so ein Gedanke.“ Ellinor Grey sank in sich zusammen, starrte vor sich hin. Wollte nicht verraten, was ihre Seele bewegte, daß ihr Innerstes nach dem einen Menschen schrie, der ihr alles bedeutete. George! Oh, wie mußte er sie verdammen, jetzt, wo er sicher alles erfahren hatte! Er würde im Gerichtssaal sitzen, wenn sie auf der Anklagebank saß. Ihre Zähne schlugen aufeinander, wenn sie an da dachte, was kommen würde. Wenn sie nur nicht so allein wäre, so völlig verlassen! Wenn sie nur einen Menschen gehabt hätte, an den sie sich hätte klammern können! Aber der, auf den es ihr ankam, der hatte sie verlassen, wollte nichts mehr von ihr wissen. Es wäre ihm sicher leicht gewesen, sie zu finden, zu ihr zu kommen. Seine Verbindungen, sein Name hätten ihm alle Wege zu ihr geöffnet. Aber er hatte sich von ihr gewandt, hatte die Brücken abgerissen... Erschreckt fuhr sie hoch. Die Tür hatte sich geöffnet, der Arzt trat herein mit drei fremden Männern. Draußen hatte Ellinor für einen Augenblick die Uniform eines Polizisten gesehen. Die Schwester sah stumm auf den Arzt. Der nickte ihr zu, und man sah es seinem erregten Gesicht an, daß ei eine heftige Auseinandersetzung mit den Beamten gehabt hatte. Mit weit ausgerissenen Augen sah Ellinor Grey den Männern entgegen. Ein Schwinde wollte sie ergreisen, aber sie zwang ihn nieder. „Ellinor Grey— im Namen des Gesetzes, Sie sind unsere Gefangene.“ Die Stimme des Kommissars zerriß die Stille des Zimmers. „Jetzt, da sie wieder vernehmungsfähig sind, müssen Sie uns antworten. Sie sind beschuldigt des Mordes an Lady Wilson und des Raubes an dieser Frau. Ihr geheimnisvolles Verschwinden und Ihr späteres hochstaplerisches Treiben in Amerika lassen ihre Schuld noch bestimmter erscheinen. Sie müssen jetzt eingehend auf unsere Fragen antworten, und es wäre für Sie das Beste, wenn Sie ganz bei der Wahrheit bleiben, wenn Sie Ihre Schuld eingestehen würden. Nur durch ein ehrliches Geständnis können Sie Ihre Lage verbessern.“ Der Kommissar hatte sich an einem Tisch niedergelassen, die beiden anderen Beamten machten sich bereit, Protokolle aufzunehmen. Ellinor war wie gelähmt. Jetzt war sie gekommen, diese entsetzliche Stunde, vor der sie gezittert hatte. Ihre Zähne schlugen aufeinander; sie wäre sicher zu Boden gesunken, hätte sie nicht im Bett gelegen. So fiel sie nur haltlos in die hochgetürmten Kissen zurück. „Ellinor Grey, geboren am 13. Mai 1897 zu Norfolg als Tochter der unverehelichten Kammerfrau C, ys Grey, Vater unbekannt. Wurde bei einer Lehrerin erzogen und kam dann mit zehn Jahren nach Paris, zu ihrem Stiefvater, namens Leblay. Stimmt das?“ „Ja— aber...“ „Nun— was haben Sie zu sagen?“ „Oh— nichts! Ja, es stimmt!“ Ellinor Grey wußte, daß es sie nichts nützen würde, wenn sie die Wahrheit über ihre Herkunft berichtete. Man würde ihr nicht glauben, ihr Geburtsschein lautete so, wie der Mann dort angegeben hatte. Ihre Mutter hatte sie verleugnet, sie ihrer Kammerfrau unterschoben. Es war kein Wunder, daß ihr Leben so verlausen war. Ihre Mutter hatte das Kind von Anfang an ins Elend gestürzt, zum Leiden beFimimt. Hegune H *Fortsedung vorgr.) AuoUssbeon Aus niederrheinischen Landen Düsseldorf. Zum erstenmal Düsseldorfer Sondergericht. Das Düsseldorfer Sondergericht wird zu Beginn der Woche zum erstenmal unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Knopp tagen. Zur Anklage steht kein politischer Fall. Angeklagt sind vier Männer und zwei Frauen, die bei einer Wohnungsexmittierung im Stadtteil Oberbilk Widerstand gegen die Polizeigewalt leisteten. Die Angeklagten hetzten die Volksmenge gegen die Polizei und griffen die Beamten an. Der Verhandlungstermin wird für den Beginn der Woche festgesetzt werden Düsseldorf. Keine Ruhrepidem: Seit einigen Tagen berichtete man über eine Ruhrseuche in Düsseldorf, die einen epidemischen Charakter angenommen hätte. Diese Meldungen sind, wie der Pressedienst der Stadt Düsseldorf amtlich mitteilt, übertrieben. Nach der Feststellung der für Seuchenbekämpfung zuständigen staatlichen Stellen und in Uebereinstimmung mit den Feststellungen des städtischen Gesundheitsamtes, der städtischen Polizeiverwaltung und den städtischen Krankenanstalten haben die Ruhrerkrankungen keinen ernsten Verlauf genommen. Die Erkrankungen beschränken sich auch nicht, wie allgemein angenommen wird, auf die Siedlung Heinefeld, sondern sie verteilen sich fast gleichmäßig auf das ganze Stadtgebiet. Diese Tatsache beweist zur Genüge, daß die Erkrankungen nicht in erster Linie durch die besonderen Verhältnisse in einzelnen Stadtbezirken bedingt sind, sondern durch die anhaltende Hitzeperiode. Krefeld. In der Sandgrube erstickt. Samstag morgen geriet der Landwirt SinschSchuermes in einer am Engelsberg gelegenen Sandgrube unter abstürzende Sandmassen. Der Unfall war sofort bemerkt worden, so daß die Rettungsarbeiten unverzüglich begonnen wurden. Als man den Verschütteten freimachte, war er jedoch schon erstickt. Aachen. Frei erfunden.— Der Fal! Laura Klinkenberg. Großes Aufsehen erregte hier die Meldung des Vervierser Courrier du Soir, daß der Fall Laura Klinkenberg, die vor 25 Jahren im Aachener Wald ermordet aufgefunden wurde, jetzt seine Klärung gefunden habe. Ein 60 Jahre alter Mann aus Aachen sollte vor einigen Tagen auf seinem Sterhebett eingestanden haben, daß er den Mord begangen habe.— Wie die Kriminalpolizei hierzu mitteilt, ist diese Behauptung frei erfunden. Vom Mittel- und Oberrhein Köln. Einbrecher überrascht. Nachts wurden drei Einbrecher in einem Barbierladen in der Apostelnstraße auf frischer Tat ertappt. Beim Erscheinen eines Polizeibeamten ergriffen die Diebe mit ihrer Beute die Flucht. Einer von ihnen gab auf den verfolgenden Polizeibeamten inen Schuß aus einer Schreckschußpistole ab, den der Beamte erwiderte. Der Einbrecher wurde am Bein verletzt und konnte gefaßt werden. Bei der Weiterverfolgung wurden auch die beiden anderen gestellt und der Wache zugeführt. Die gestohlenen Sachen wurden dem Besitzer zurückgegeben. Köln. Neuordnung im Verband preußischer Weinbaugebiete. Der Verband preußischer Weinbaugebiete hat in seiner letzten Sitzung neue Satzungen herausgegeben. Danach wird Sitz des Verbandes Koblenz, wo auch die Eintragung in das Vereinsregister erfolgen soll. Die Anschrift des Verbandes ist in Zukunft: Koblenz, Hohenzollernstraße 6. Vorsitzender des Verbandes wurde Gutsbesitzer Major a. D. von Stedmann, Haus Besselich, Post Vallendar=Rhein, Geschäftsführer L. Wollring. Köln. Stadt Köln wird Staatssteuernabliefern. Nach einer Besprechung des Regierungspräsidenten mit der Stadtverwaltung Köln hat diese erklärt, daß dem Ersuchen um restlose und pünktliche Ablieferung der Staatssteuern entsprochen werden wird. Gemäß der Anordnung des Finanzministers hat der Regierungspräsident von Köln die entsprechenden Anweisungen an den verantwortlichen Kassenbeamten der Stadt Köln gegeben. Die Leistung der dringendsten Ausgaben, insbesondere der Wohlfahrtsunterstützungen, wird hierdurch nicht berührt. Köln. Aufhebung einer Schmuggelzentrale in Köln. Im Hause Karthäuserhof 52 wurde von dem Sonderdienst der Kölner Zollfahndungsstelle eine Schmuggelzentrale ausgehoben, deren Umsatz sich nach den bisherigen Feststellungen auf etwa 30 000 Zigaretten täglich stellte. Die beiden Haupttäter konnten sich durch die Flucht der Festnahme entziehen. Verschiedene in dem Hause anwesende Personen machten Anstalten, den Zollbeamten die Beute wieder abzujagen, mußten sich aber zurückziehen, als die Beamten energisch vorgingen. Die Schmuggelzentrale soll schon längere Zeit ihre Tätigkeit ausgeübt haben. Hennef. Von der eigenen Schrotladung getötet. Ein Jagdhüter von hier war mit seinem Pächter morgens auf die Jagd gegangen. Anschließend traf man sich in der Jagdhütte beim Kümpel. Als hier der Jagdhüter das Futteral über sein Gewehr ziehen wollte, ging plötzlich eine volle Schrotladung, die noch in dem Gewehr steckte, los und drang dem Jagdhüter in den Unterleib. Schon auf dem Transport zur Klinik in Bonn ist er seinen Verletzungen erlegen. Burgbrohl. Großfeuer in einer chemischen Fabrik. Nachts brach aus noch ungeklärter Ursache in der Chemischen Fabrik Brodius ein Großfeuer aus. Obwohl die Feuerwehr, verstärkt durch die Wehren der benachbarten Ortschaften, mit zwölf Schlauchleitungen an die Bekämpfung des Feuers herangingen, mußte die Andernacher Feuerwehr noch alarmiert werden. Nach fast zweistündiger Tätigkeit konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden, so daß das Hauptgebäude, das lange Zeit in höchster Gefahr schwebte, noch gerettet wurde. Dagegen ist das gesamte Hauptlager mit großen Vorräten an Chemikalien vernichtet. Der Sachschaden ist beträchtlich. Bad Neuenahr. Deutscher Obstbautag 1932. Der Deutsche Obstbautag vom 3.—5. September in Bad Neuenahr sieht in seinem reichhaltigen Programm am Samstag, den 3. Sept., einen Begrüßungsabend im großen Theatersaal des Kurhauses vor, in dessen Mittelpunkt ein Lichtbildervortrag:„Der schöne Kreis Ahrweiler“ steht. Die Hauptversammlung in demselben Saal nimmt am Sonntag, 4. Sept., den größten Raum ein. Der Montag vereinigt die Teilnehmer zu einer Besichtigungsfahrt in rund 10 Obstbaubetrieben des Rheinlandes. Mit einer Eifelrundfahrt am Dienstag, 6. Sept., wird die Tagung ausklingen. Altenkirchen(Westerwald). Gefängnis für einen betrügerischen Kassengehilfen. Vor dem Schöffengericht Kirchen wurde ein früherer Kassengehilfe der Altenkirchener Spar= und Darlehnskasse wegen fortgesetzter Unterschlagung und Urkundenfälschung zu einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten verurteilt. Der Kassengehilfe hatte im Laufe von vier Jahren insgesamt etwa 5000 Mark unterschlagen und diese Veruntreuungen so geschickt zu verbuchen gewußt, daß sie selbst den Buchprüfern nicht auffielen. Erst durch einen Zufall kam man den Unterschlagungen auf die Spur. Diez. Treue zum Beruf. In Kaltenholzhausen(Unterlahnkreis) ehrte die Handwerkskammer Wiesbaden eine Handwerkerfamilie, in der seit Generationen sich das Schuhmacherhandwerk vom Vater auf den Sohn forterbt. Nachweislich wird in dieser Familie seit 1813 die Schuhmacherei betrieben. Die Handwerkskammer überreichte dem Inhaber Carl August Scheid eine goldene Plakette nebst Besitzzeugnis. Trier. Gegen Entlassung von Reichsbahnarbeitern. Die bezirklichen Eisenbahngewerkschaften haben an den Reichskanzler ein Telegramm gerichtet, in dem sie ihn bitten, die Entlassung weiterer 350 Reichsbahnarbeiter im Grenzland Trier zu verhindern, da seit dem 1. Januar d. I. bereits 500 entlassen worden seien. Die Arbeitsmarktlage im Grenzgebiet Trier sei katastrophal, zumal die Entlassung deutscher Arbeiter— Grenzgänger— von der Saar, aus Lothringen und Luxemburg noch immer andauere. Frankfurt a. M. Vergleich im Frankfurter Theaterstreit. Der Streit zwischen dem Schauspielintendanten Dr. Kronacher und dem Mitglied des Spielkörpers, Ritter, ist durch einen Vergleich vor dem Bühnenschiedsgericht beigelegt worden. Bemerkenswert ist, daß beide Parteien erklärten, gerade mit Rücksicht auf die Goethewoche sich zum Abschluß dieses Vergleiches entschlossen zu haben. Nachdem Ritter nochmals ehrenwörtlich versichert hatte, daß die Unterredung mit Ziegellaub am 12. August nicht stattgefunden habe, daß er keinesfalls den Zeugen Ziegellaub habe verleiten wollen, Korrespondenz gegen den Intendanten zu entwenden, und daß er bedauere, gegen den Intendanten gearbeiter zu haben, erklärte sich Dr. Kronacher bereit, statt fristloser Entlassung den Vertrag im beiderseitigen Einverständnis zum 31. August zu lösen. Ritter erhält mit Rücksicht auf seine besonderen Leistungen und Erfolge während der GoetheFestspiele ein erhöhtes Urlaubsgeld von 2000 Reichsmarf....8 Kt####. Neustadt a. v. H. 38. Deutscher Weinbaukongreß. Als Auftakt des 38. Deutschen Weinbaukongresses fand eine Vorbesichtigung der Sonderausstellung„Weinwerbung" und der Weinfachausstellung statt. Unter Mitwirkung des Reichsausschusses für Weinpropaganda und der Stadtverwaltung, die Stadtbaurat Glückert als sachkundigen Berater stellte, wird dem Imperativ „Trinkt deutschen Wein“ auf gar mannigfache Art die Möglichkeit einer erfolgreichen Werbung gezeigt. Wir finden die Weinpropaganda aus dem Rheingau, von der Mosel, Saar, Ruwer und Nahe, aus Rheinhessen, Württemberg, Franken und Rheinpfalz. Neben dieser deutschen Propaganda zeigt die Ausstellung auch die Weinpropaganda des Auslandes, so der Schweiz, Italien, Frankreich und der Tschechoslowakei. Die Ausstellung zeigt auch reiches Material aus dem Gaststättenwesen, insbesondere wertvolle Weinkarten aus aller Herren Länder, Publikationen von Weinfesten und Plakate. Für den Fachmann sind besonders wertvoll die Wettbewerbe, die auf der Weinwerbeausstellung zu sehen sind. In der Weinfachausstellung wird vor allem dem Fachmann ein überaus reiches Material gezeigt, das ihm in der Praxis gute Dienste tun wird. Mehr als 70 Aussteller haben ihre Erzeugnisse zur Schau gestellt. In Anwesenheit führender Persönlichkeiten des Weinbaues, Weinhandels und der staatlichen und städtischen Behörden wurde dann am Samstagmittag, 12 Uhr, die aus Anlaß des 38. Deutschen Weinbaukongresses veranstaltete deutsche Weinfachausstellung feierch eröffnet. Anwesend waren u. a. Freiherr von Schorlemer=Lieser, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Geheimrat von BassermannJordan, der stellvertretende Präsident und Präsident des Bayerischen Weinbauverbandes u. a. m. An die Eröffnung der Deutschen Weinbaufachausstellung und an eine interne Sitzung des Vorstandes des Deutschen Weinbauverbandes schloß sich die 10. Tagung des Reichsausschusses für Reblausbekämpfung an. Neunkirchen(Saar). Schwere Motorradunfälle. Auf der Bliesbrücke stieß ein Motorradfahrer mit einem Personenwagen zusammen. Der auf dem Bürgersteig stehende Fritz Samel wurde bei dem Anprall von einem der beiden Fahrzeuge erfaßt und mit solcher Wucht gegen die Brüstung der Brücke gedrückt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Motorradfahrer und ein auf dem Sozius sitzender junger Mann wurden so schwer verletzt, daß man für ihr Leben fürchtet. Die Ursache des Unfalles ist noch ebenso ungeklärt wie die Schuldfrage.— In Niederwürzbach kam es gleichfalls zu einem schweren Verkehrsunfall. Dort wollte ein 19 Jahre alter Motorradfahrer ein Fuhrwerk überholen und rannte dabei gegen ein ihm entgegenkommendes Fahrzeug. Der Scherenbaum des Fuhrwerks drang dem Fahrer in die Brust und verletzte ihn schwer. Seine Mitfahrerin wurde vom Rade geschleudert und blieb mit einer schweren Gehirnerschütterung am Wege liegen. Bergisches Land und Südwestfalen Solingen. Noch keine Aufklärung des Nachtwächtermordes. Die Ermittlungen nach den Tätern, die in der Nacht zum 24. August den Wächter Noll durch Schüsse getötet haben, führten bisher noch zu keinem Ergebnis. Festgestellt wurde lediglich, daß einer der Täter sich schleppend vom Tatort entfernt haben soll, woraus geschlossen wird, daß er von dem Wächter bei dem Kugelwechsel angeschossen worden ist. Solingen. Ueberfall auf einen Fabrikanten. Nachts gegen 24 Uhr wurde auf der Gasstraße in Solingen=Weyer ein Fabrikant von unbekannten Tätern überfallen, die ihm „Hände hoch!“ zuriefen und ihm eine Armeepistole auf die Brust hielten. Der Angegriffene setzte sich zur Wehr und wollte die Waffe dem Täter entreißen. Hierbei entlud sich ein Schuß, der den Fabrikanten leicht am Unterleib verletzte. Die Angreifer flohen darauf und konnten noch nicht ermittelt werden. Am Tatort wurde eine Mütze gefunden. Remscheid. Arbeitszeitverkürzung statt Krümpersystem. Die Frage, wie der bei der Remscheider Straßenbahn durch den anhaltenden Verkehrsrückgang und den dadurch bedingten starken Einnahmeausfall entstandene Verlust(im ersten Vierteljahr schon rund 85 000 Mark) wettgemacht werden soll, ist durch das Eingreifen des Demobilmachungskommissars in einer auch für die Straßenbahner überraschenden Weise gelöst worden. Anstelle des Krümpersystemo wird die Arbeitszeit auf 43 Stunden pro Woche herabgesetzt und sämtliche Kündigungen werden zurückgenommen. Diese Lösung bedeutet für die Straßenbahner einen Lohnausfall von 3,80 Mk. in der Woche. Paverborn. Eine Schwarzfahrt in den Tod. Eine Schwarzfahrt, die ein Telegraphen= hilfsmechaniker vom hiesigen Postamt in einem Zweisitzer unternahm, hatte verhängnisvolle Folgen. In Bad Lippspringe raste der Wagen gegen einen Kilometerstein und darauf gegen einen Baum. Die Folge war, daß der Benzintank des Autos explodierte, wodurch der Wagen in Brand geriet. Die Insassen, die engzusammengepfercht vor der Steuerung saßen, erlitten schwere Brandwunden, an deren Folgen die Braut des einen Mitfahrers im Krankenhaus gestorben ist. Die Verletzungen der übrigen Insassen sind nicht lebensgefährlich. Aus dem Ruhrbezirk Deutschen Jorschern gelingt die Zertrümmerung des Blei=Atoms Die Die Atomforscher Dr. Lauge(links) und Dr. Brasch Zwei Berliner Privatgelehrten. Dr. Lange und Dr. der Atomsertrümmerung ein erhebliches Stück der Lösung struierten Apparaten von enormer Hochspannung war es kanntlich nächsten. Hochspannungs=Apparatur, mit dem die Atom=Zertrümmerung gelang Brasch, ist es jetzt gelungen, das Prodlem näber zu bringen. Mit besonders konmöglich, Bleiatome zu zertrümmern. Besteht das Blei in der veriodischen Reibe der Elemente den radioaktiven Stoffen am Gladbeck. Festnahme einer Schmugglerbande. Die Polizei konnte am Samstagmorgen eine langgesuchte, gewerbsmäßig vorgehende Schmugglerbande festnehmen. Es handelt sich um die Arbeiter Melcher aus Hervest=Dorsten. Wittkugel aus Gehmen, Schatullak aus Borken und Hümling aus Essen=West, die alle schon mehrfach wegen Schmuggels vorbestraft sind. Die geschmuggelte Ware wurde größtenteils mit Fahrrädern nach Gladbeck gebracht, wo sich der sogenannte Umschlagplatz befand. Hümling brachte mit dem Frühzug die Schmuggelware nach Essen, wo sie dann weiter abgesetzt wurde. Ein Teil der geschmuggelten Sachen konnte in einem geschickt angelegten Versteck am Bahnhof Gladbeck=West beschlagnahmt werden. Duisburg=Hamborn. Defraudant stellt sich der Polizei. Der nach Unterschlagung von 13000 Mark beim städtischen Grundstücksamt flüchtig gewordene Oberstadtsekretär Wienand hat sich der Polizei in Münster i. Westf. freiwillig gestellt. Dutsburg=Hamborn. Schlägerei im Gerichtssaal. Zu einer aufregenden Schlägerei kam es am Samstagmorgen im Duisburger Schöffengerichtssaal. Der Arbeiter Budinger hatte in Gemeinschaft mit seinem Schwager van Reesch einen Einbruchsdiebstahl ausgeführt. Als der Staatsanwa.l gegen Budinger eine Gefängnisstrafe von einem Jahr, gegen van Reesch aber nur von vier Monaten beantragte, bekam Budinger einen Tobsuchtsanfall. Er sprang über die Anklagebank auf van Reesch zu und, als auch noch Angehörige des Budinger aus dem Zuhörerraum hinzusprangen, war plötzlich eine schwere Schlägerei im Gange, die von den herbeigeeilten Justizwachtmeistern aber bald beendet werden konnte. Der Staatsanwalt kündete gegen die an der Schlägerei Beteiligten ein Verfahren auf Grund der neuen Notverordnung an. In der vorliegenden Sache erging das Urteil nach dem Antrag des Staatsanwalts. Duisburg=Hamborn. Selbstmord im Polizeigefängnis. Nachts erhängte sich im Polizeigefängnis Duisburg=Meiderich ein Mann, der wegen Trunkenheit eingeliefert worden war. Copyright by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Und als er am nächsten Tage die Geliebte wiedersah, da geschah, was geschehen mußte: er sank vor ihr nieder und aus seinem Herzen brach alles hervor, was er darin so lange schon nur noch mühsam zurückgehalten hatte. Er dünkte sich der Glücklichste der Sterblichen, als sie an seine Brust sank und seine Küsse duldete, nahm strahlend die Glückwünsche des Barons und den stummen Händedruck der Baronin entgegen— und am gleichen Tage noch wurde der Hochzeitstermin festgesetzt. Noch vier Wochen mußte er warten, dann— Freudestrahlend eilte Doktor Johannes Braumüller nun endlich nach der Wohnung seines Freundes Wolfram und— hörte, niedergeschmettert, die Wirtin sagen: „Herr Erkner ist bereits vor acht Tagen abgereist. Er hat sein Ziel nicht verraten, aber drin liegt ein Brief für den Herrn Doktor!“ Johannes Braumüller riß ungestüm den Umschlag auf, der in der Handschrift des Freundes seinen Namen trug, und— las auf dem Zettel nichts als die Worte eines alten geistlichen Dichters: „Gib mir nit schuld, klag' mich nit an! Das hast Du selber Dir getan!" Da stand nun der glückliche Bräutigam und starrte auf diese Worte und fragte sich, warum sie als letzter Gruß des Freundes geschrieben worden seien. „Er irrt sich, er muß sich irren! Alix ist ein Engel!“ sagte er zu sich selber. Tag für Tag ritt er hinaus nach der Viua, die auf seine Kosten von unzähligen Handwerkern wieder in den einstmaligen Zustand versetzt wurde. Er selber überwachte alles, fragte aber immer wieder Alix nach ihrer Meinung, und eines Tages entwickelte er ihr den Plan, den er für seine Zukunft entworfen hatte. „Weißt du, Alix“, sagte er,„ich sehe ein, daß ich dir nicht den Aufenthalt in diesem kleinen Nest zumuten kann. Ich habe deshalb beschlossen, mich in Heidelberg als Privatdozent niederzulassen und die akademische Laufbahn einzuschlagen. Ist es dir recht? Ich kann dir jo leider keinen Titel bieten. Du kennst nun meine Heirunft „Ich werde überau glücklich sein, Liebster, wohin du auch führst", erwiderte Alix sanft und schaute ihn mit leuchtenden Augen an. „Das wußte ich, diese Antwort hatte ich von dir erwartet!“ rief er jubelnd und wünschte nur, Wolfram hätte diese Antwort seiner Schwester hören können. Der Gedanke an seinen verschollenen Freund war der einzige Schatten, der in sein Glück fiel, und den er nicht zu bannen vermochte. wer 6n Die Eltern der Braut waren ebenfaus einverstanden mit dem Vorschlag, die Villa zu bewohnen— und einen Tag vor der Hochzeit überreichte Doktor Johannes Braumüller seiner Braut die Urkunde, durch die sie in den Besitz der hunderttausend Mark gelangte. Da küßte sie ihn stürmisch und wußte sich nicht zu lassen vor Freude, weil sie nun nicht mehr arm sein sollte. Und am gleichen Abend mußte der alte Simon einen Brief zur Post besorgen, wieder an den Freiherrn von Pernheim, und darin stand: „Ich erwarte Dich in Lugano, Schatz! Sei klug! Ich küsse dich viel tausendmal! Alix.“ Es gab eine glänzende Hochzeit, an der auch die teilnahmen, die der Baronesse die gute Partie nicht gönnten, weil sie selber mit ihr gerechnet hatten— es wurde viel geflüstert und getuschelt, aber das alles hielt den Lauf des Schicksals nicht auf. Der Priester gab die beiden als Gatten zusammen, und als Frau Doktor Braumüller reiste die bisherige Baronesse Alix von Erkner noch am gleichen Abend an der Seite ihres Gatten nach Lugano, wo eine schmucke, trauliche Villa des jungen Paares harrte, wo die Flitterwochen verbracht werden sollten. In München aber benutzte Doktor Johannes Braumüller seinen Aufenthalt dazu, eine bekannte Auskunftei aufzusuchen und zu beauftragen, den Aufenthalt eines gewissen Wolfram Erkner festzustellen, ihm nach Lugano Bescheid zu geben und weitere Weisungen abzuwarten. „Ich will ihn zu mir einladen“, nahm er sich vor.„Und sieht er mein Glück, so wird er nicht länger abseits stehen, sondern sich wieder mit seiner Schwester und seinen Eltern versöhnen. Ich aber gewinne den Freund zurück, den ich, je länger, desto schmerzlicher vermisse.“ Herrlich war die Fahrt nach dem Süden, die teilweise im Zuge, teilweise im neuen Auto zurückgelegt wurde. Immer wieder pries der junge Ehemann sein Glück und dankte insgeheim seinem Vater, daß er ihn durch das reiche Erbe dazu verholfen hatte— denn das wußte er freilich: ohne diesen Reichtum hätte er nie Aussicht gehabt, die Hand und die Liebe dieses wunderschönen jungen Weibes zu erringen; aber er sah auch ein, daß ein solches Geschöpf nicht für Armut und Niedrigkeit geboren war, sondern für Glanz und Pracht, und insgeheim überlegte er sich, wie das Haus aussehen müßte, in welches er nach seiner Heimkehr seine junge Frau führen wollte. So vergingen die ersten beiden Wochen, bis eines Tages ein Zufall fügte, daß Alix Braumüller auf einem Ausflug einen alten Bekannten ihrer Eltern traf: einen Freiherrn Robin von Pernheim, und es war selbstverständlich, daß dieser sich ihnen anschloß. Da Johannes Braumüller einen Chauffeur nur störend empfunden hätte, so steuerte er bei den Ausfahrten das Auto immer selbst. Nur hatte bisher immer seine junge Frau neben ihm gesessen, und jetzt— jetzt mußte sie sich natürlich dem Gast und alten Bekannten widmen, saß mit ihm auf dem Rücksitz und tauschte mit ihm allerhand Erinnerungen aus. Johannes Braumüller paßte das zwar durchaus nicht, aber er mußte sich fügen und achtete mehr als je auf den Weg, so daß er keine Zeit hatte, das Paar hinter sich zu beobachten. Und das war gut! Aber als der Wagen vor dem Landhause hielt, hätte auch ein sehr scharfer Beobachter nichts Verdächtiges in der Art finden können, wie Alix mit Pernheim verkehrte, und Doktor Braumüller fand es sehr rücksichtsvoll und verständig von dem Freiherrn, daß er entschieden ablehnte, mit ins Haus zu kommen. „Junge Eheleute sind meist freigebig mit ihren Einladungen“, sagte er,„und ärgern sich hinterher, wenn sie angenommen werden. Ich kenne das und werde mich hüten, der Störenfried zu werden. Später vielleicht—“ Wieder sah Johannes Braumüller den Blick nicht, den die beiden verstohlen tauschten. Er verabschiedete sich fast herzlich von Pernheim und fand, daß seine geliebte Alix an diesem Abend noch zärtlicher als sonst zu ihm war. Sie schien sich doch sehr über dieses„vollkommen unerwartete" Wiedersehen gefreut zu haben. Aber wäre der junge Ehemann wirklich der Menschenkenner gewesen, für den er sich hielt, so hätte zweierlei ihn stutzig machen müssen: einmal, daß Alix fast den ganzen Abend von Pernheim sprach und Pläne von Ausflügen entwarf, die sie mit ihm unternehmen wollte, und dann, daß sie einen so guten, alten Bekannten nicht zu ihrer Hochzeit geladen hatte. An das letztere dachte er zwar, sprach es aber nicht aus und freute sich, daß Alix ihn zum ersten Male heiß küßte. Ihm kam jedoch noch nicht die Erkenntnis, daß sie seine Küsse und Zärtlichkeiten bisher nur geduldet hatte. Alix aber lag in dieser Nacht lange wach und dachte nur an ihn, dem ihr Herz seit Jahren gehörte. Und das war nicht der Doktor Johannes Braumüller, ihr Gatte, der neben ihr fest und ahnungslos schlummerte, sondern Robin Pernheim, der nun gekommen war, den sie alle Tage sehen würde. Dieser Freiherr, der ebenso arm war, wie sie es gewesen war, den sie deswegen nicht hatte heiraten können, und dem sie nun helfen wollte zu frohem Lebensgenuß— auf Kosten dieses Tölpels von einem Arzte, der so töricht war, an ihre Liebe zu ihm zu glauben! Nicht einen Augenblick kam der schönen Alix der Gedanke, daß sie einen Betrug, ein Verbrechen begehen wollte— sie hielt es für ihr gutes Recht— für das Recht ihres heißen Herzens— den Mann zu lieben und zu beglücken, der ihr Ideal gewesen war, seit sie ihn kennenlernte.„„ 518 sei Doktor Braumüller hatte sie gelauft— sie müßle seine Frau sein. Aber seine Geliebte?! Fast hätte Alix laut aufgelacht, als sie das dachte. Und als sie endlich einschlief, träumte sie, Robin sei bei ihr und hielte sie umschlungen und flüsterte ihr wieder jene Worte ins Ohr, die ihr Blut immer zu so raschem Lauf gebracht hatten. Sie dachte die ganze Nacht an ihn, und die Aussicht auf das bevorstehende Liebesglück machte sie so schön, daß Johannes Braumüller sie bewundernd betrachtete und sich fragte, ob denn das wahr sein könnte, daß dieses herrliche Geschöpf sich ihm zu eigen gegeben „Die ganze Welt muß mich um sie beneiden!“ dachte er, und in seiner Freude erbat er sich einen kurzen Urlaub von Alix, um ein Geschäft zu erledigen, wie er sagte. Liebenswürdig gab sie ihm die Erlaubnis, geleitete ihn bis zum Gartentor und winkte ihm nach. Aber sie war nicht etwa so töricht, nun schleunigst den Freiherrn zu sich rufen zu lassen! O nein! Baron Erkner hatte recht gehabt, als er sagte, seine Alix sei ein Racker! Johannes Braumüller sah die Welt in rosenrotem Licht, als er seines Weges fuhr, und er wünschte sehnsüchtig, daß die Auskunftei in München ihm endlich die Adresse seines Freundes Wolfram mitteilen möchte. „Ich würde ihn sofort bitten, zu mir zu kommen und sich zu überzeugen, wie glücklich seine Schwester mich gemacht hat!“ dachte er, kaufte in der nahen Großstadt ein kostbares Smaragdarmband und kehrte eilig heim. Kurz vor seiner Villa überholte er den Briefträger. der ihn bereits kannte und ihm nun eine Depesche entgegenhielt. „Aus München!" dachte Johannes Braumüller und löste den Verschluß; er sah, daß er recht vermutet hatte. Ein Straßenname, eine Hausnummer und der Name der Stadt— das war alles. Die Auskunftei hatte rasch genug ihre Pflicht getan. Von Herzen froh darüber, trat Johannes Braumüller seiner jungen Frau gegenüber und schob ihr das Armband auf den linken Arm, die sich dann um seinen Nacken rankte, die ihn an eine sanft schwellende Brust zog. Wieder meinte er, noch nie so heiße Küsse auf seinen Lippen gespürt zu haben, und wieder strahlte er vor Glück, und so kam es, daß der Brief, den Wolfram Erkner am zweiten Tage nach diesem Vorfall erhielt, auf ihn wirklich den Eindruck machte, daß ein vollkommen glücklicher Mensch ihn geschrieben haben mußte— daß er aufatmete und sich noch am gleichen Tage auf den Weg machte, um sich zu überzeugen. Doktor Braumüller aber sagte seiner Alix nichts von diesem Briefe— er wollte sie überraschen— und sehnsüchtig wartete er auf eine Antwort. Er war nicht verwegen genug, zu hoffen, daß der Freund ihn gleich aufsuchen würde. Es war ein Zufall, daß das Auto des Doktors am Bahnhof hielt, als Wolfram Erkner ankam. Johannes Braumüller hatte an die Schwiegereltern ein Kistchen Veilchen gesandt. Auch sie sollten wissen, wie glücklich er war. Er hatte es selbst als Eilpaket aufgegeben, und nun stand er da und besah sich die Aussteigenden— Seine Augen weiteten sich, er glaubte, sich zu irren— Da aber hatte Wolfram ihn bereits bemerkt und kam auf ihn zu. „Hannes, mein alter, lieber Hannes!“ „Mein Wolf!“ Sie hielten sich einander umschlungen und standen lange so da, und einer schaute dem anderen in die Augen. Die des Arztes strahlten wie Sonne. Das sah Wolfram Erkner, und da begannen auch die seinen zu leuchten. „Ja, gucke mich nur an, Wolfram!“ rief Johannes Braumüller.„Ich bin glücklicher geworden als ich hoffen wagte, und wäre es nicht eine so abgebrauchte Redensart, so möchte ich sagen, ich sei der glücklichste Mensch auf der Erde!“ „Ich sehe dir an, daß du dich als solcher fühlst", erwiderte Wolfram.„Und ich freue mich darüber. Ich— Doch lassen wir die Vergangenheit ruhen. Ich bin hier. Das ist der beste Beweis dafür, daß ich mich mit Alix aussöhnen will, und von hier aus werde ich dann auch zu den Eltern fahren. „Sobald aber wird das nicht geschehen, alter Junge! Jetzt mußt du erst bei uns bleiben—!“ „Ja, ja, gern!“ versicherte Wolfram, und der Wagen führte sie rasch nach der lauschigen Villa, zu dem Liebesnest Johannes Braumüllers. Alix sah von der Veranda aus die beiden Männer durch den Vorgarten auf das Haus zuschreiten und erblaßte! 1n0 M Sie erschrak so sehr, daß sie eine Hand auf dus Herz pressen mußte, da es seinen Schlag einstellen zu wollen schien. Fassungslos starrte sie auf die beiden— auf den Gatten, auf den Bruder, und in ihr klang eine Stimme: „Jetzt bricht dein Glück in Scherben!“ Sie dachte aber nur an das Glück, das Robin Pernheim ihr hatte schenken sollen! Mit aller Gewalt nahm sie sich zusammen, daß sie den beiden entgegeneilen und sich Wolfram an die werfen konnte— mit einem kleinen Jubelschrei, der fast „Kun erst ist unser Glück vollkommen, Alixl“ sprach ihe Gatte.„Nun habe ich die beiden Menschen bei mir, die mir die liebsten auf Erden sind!“ Noch saßen die drei auf der Veranda, als abermals durch den Vorgarten ein Herr geschritten kam— ein schlanker, eleganter Herr. Wolfram Erkner sah ihn, stutzte und strich sich über die Augen. Seine Schwester aber schaute nur auf ihn, nicht auf den, der da als geladener Gast kam, und ihr klopfte das Herz vor Angst. Da aber klang durch die Stille die Frage Wolframs: „Ist das nicht Robin Pernheim? Wie kommt der hierher?“ Zugleich wandte er sich der Schwester zu und schaute sie, mißtrauisch forschend, an und sah, wie die Farbe auf ihren Wangen kam und ging. Da verfinsterte sich sein eben noch so heiter aussehendes Gesicht, aber er erhob sich mit den anderen beiden und hörte, wie aus der Ferne, die Worte des Freundes: „Wir trafen Pernheim zufällig auf einer Ausfahrt. Alix freute sich von Herzen über das Wiedersehen, und da Herr von Pernheim sowieso sich hier einige Zeit aufhalten wollte, so haben wir ihn selbstverständlich ein für allemal als Mittagsgast zu uns geladen. Ich nehme an, ihr kennt euch bereits— nicht wahr?“ Wolfram Erkner nickte schweigend. Scharf beobachtete er den Freiherrn, aber auf dessen Gesicht war nur der Ausdruck der Freude über das Wiedersehen zu lesen, und auch während des Mahles konnte Wolfram nichts feststellen, was seinen Verdacht gegen die beiden bestätigt hätte. Der Freiherr entfernte sich sogar früher, als Wolfram erwartet hatte, und da Johannes Braumüller annahm, daß den Geschwistern an einem ungestörten Alleinsein gelegen sein würde, zog er sich unter einem Vorwand ebenfalls zurück. So saßen Alix und Wolfram einander gegenüber, und nun ergriff der Bruder mit seiner rechten Hand die der Schwester.„ Tief vohrten sich seine Blicke in ihre uugen, und huto„Hätte ich gewußt, daß Pernbeim hier weilte, ich wäre nicht gekommen. Sieh mich an, Alig, und antworte mir Hast du ihn gerufen?“ (Fortsetzung folgt.) Vererngre pel! e...,. Krn19er. *. 4 Stilg kommt Wir gehen davon aus, daß eine Ens kommt. Wir gehen dadon aus, baß eine Die Reise Nuch Nrubrer soialistenr in Reich, venn es bazu kommen sollte, unter einem ähnlichen Regime erfolgt, Brüning. Die starke Po Aus Berlin wird mitgeteilt: Am Montagabend reist der Reichskanzler nach Neudeck, um dem Reichspräsidenten die Einzelheiten des Wirtschaftsprogramms vorzutragen und ihm gleichzeitig über die innerpolitische Lage Bericht zu erstatten. Ob die Notverordnung— es können übrigens auch mehrere sein— bereits jetzt in Neudeck unterzeichnet wird, steht im noch nicht fest. Mit dem Reichskanzler wird auch Staatssekretär Dr. Meißner nach Neudeck fahren, ferner die Reichsminister Freiherr von Gayl und General von Schleicher. Der Reichskanzler wird am Montagabend abfahren und frühestens am Mittwoch nach Berlin zurückkehren. Zu Gerüchten, die in Berlin im Umlauf sind und besagen, es handele sich bei der Mitreise des Reichsinnen= und des Reichswehrministers mit dem Reichskanzler nach Neudeck um Ausräumung irgendwelcher Konflikte, verlautet von unterrichteter Seite, daß davon nicht die Rede sein könne; der Reichskanzler nehme lediglich die zuständigen Ressortminister mit, die ihm bei der Berichterstattung über die innerpolitische Lage zur Seite stehen sollten. Auch ein Zentrumsvertreter nach Neudeck? Günstigerer Stand der Verhandlungen Zentrum—RSDAP.? In Berliner politischen Kreisen waren Gefüchte verbreitet, wonge) ie,4ien übewie unter Bruning. Die starke, Position, die durch die Entwicklung der letzten Jayre dem Amt des Reichspräsidenten zugewachsen ist und die auch einem Kabinett des Vertrauens zukommt, braucht nicht beseitigt zu werden, soweit nicht die unerläßlichen Rechte des Parlaments und die Vorschriften der Reichsverfassung davon berührt werden. Diese Linie wird man festhalten müssen, obwohl es unter Umständen leichter wäre, durch straffe koalitionspolitische Bindungen die Nationalsozialisten zum Einschlagen einer Politik nach den Grundsätzen der Reichsverfassung anzuhalten, was unerläßliche Voraussetzung ist. Auf der genannten Grundlage könnte also eine Zusammenarbeit zwischen Zentrum und Nationalsozialisten erfolgen, wenn die Zeit überhaupt schon reif ist dazu. Das Zentrum für Innehaltung Verfassung In einem Aufsatz des offiziellen Pressedienstes der Zentrumspartei heißt es u. a.: Das Bestreben der Zentrumspartei bleibe darauf gerichtet, auch diesen Reichstag arbeitsfähig zu machen und die lähmende radikale Mehrheit in ein vositives Fahrwasser zu lenken. Darum seien die sorgenden Besprechungen, darum sei die Fühlungnahme der Zentrumsführer mit allen anderen Führern gegnerischer, Parteien erfolgt, von denen man annehmen musse und woule, oaß sie wahrhaft national und vaterlandsliebend seien, Mitglieder der nationalsozialistischen Fraktion .... Diese Angelegenheit hat bereits den Gegenstand einer nationalsozialistischen Verleumdungsklage gebildet, der jedoch von der Staatsanwaltschaft mit der Begründung nicht stattgegeben wurde, daß stenographischen Protokollen nicht die Bedeutung öffentlicher Urkunden zukomme. Dennoch hat der„Völkische Beobachter“ den Vorwurf der Urkundenfälschung wiederholt erhoben. Dr. Stang willigte in folgenden Vergleich über die von ihm angestrengte Verleumdungsklage ein: Es wird erklärt, daß auf Grund des Ergebnisses der Hauptverhandlung die Angeklagten sich davon überzeugt haben, daß eine Antwort des Landtagspräsidenten von den Stenographen irrtümlich als Weisung aufgefaßt wurde. Der Vorwurf der intellektuellen Urkundenfälschung wird aus diesem Grunde nicht aufrecht erhalten. Die Angeklagten übernehmen die Gerichts- und Anwaltskosten Dr. Stangs. Dr. Stang seinerseits erklärt anzuerkennen, daß im guten Glauben gehandelt wurde und ist mit dieser Regelung einverstanden. Die Personalveränderungen bei der Berliner Funkstunde Das Arbeitsgericht Berlin hatte sich mit der Klage zu beschäftigen, die der bisherige Leiter der aktuellen Abteilung Funkstunde gegen die Funkstunde A.=G. wegen seiner Entlassung angestrengt hat. Dr. Kürschner war am Tage nach dem Antritt des neuen Rundfunktommissars fristgemäß entlassen worden. Er erblickte in dieser Maßnahme eine Kündigung aus politischen gründen und strengte gegen die Entlassung vei dem Arbeitsgericht Klage wegen„unbilliger Härte“ an. Für die beklagte Funkstunde erklärte Oberregierungsrat Dr. Karstensen, daß die Entlassung nicht aus politischen Gründen erfolgt sei; sie sei im Rahmen des Sparprogramms notwendig gewesen. Ueberdies wäre die Klage auch dann zurückzuweisen, wenn die Kündigung tatsächlich aus politischen Gründen erfolgt ware, denn der Rundfunk sei ein Tendenzbetrieb, der nach dem Betriebsrätegesetz Entlassungen auch aus politischen Gründen vornehmen könne. Die Verhandlung wurde vertagt. Teike=Srahtnauriustel. Das System der Stenerunrechnungesasenie ichte verbreitet, vonoch„sozalisteunger und eigene Parteinteressen, zurüicktelten,„veil woichen Hentrum und Jotion, jözlich günstiger es um Deutschland gege. Wie auch die Plane die Reoierungstunge im Jeich v.v), Fal zu sein der Reichsregierung sich noch offenbaren würden. verlaufen, seien, als das bieher der Bo., 9..,..) Zentrum und die Bayerische Volkspartei rie. schien. Es dürste zutreffen, daß sich dos Hen. fen fhr. sofort ein gebieterisches palt zu, wenn trum bei den Verhandlungen die größte Zurüo, sie den Weg der Verfafung verlasse. Dann haltung auferlegt habe. Von Zentr.geheitenf. werde man mit den schärften Mitteln zur Ab..— vur dos Ppragpt, zu. L##. Bräning wehr drohender Gefahren fa offenbar nur das Finanz= und nisterium gefordert worven, fur vie Dr. Brüning und Dr. Stegerwald in Vorschlag gebracht worden seien. In diesem Zusammenhang verlautet, daß ein Vertrauensmann des Zentrums nach Neudeck zum Reichspräsidenten entsandt worden sei, um die Ansichten des Reichspräsidenten über eine etwaige Umbildung des Reichskabinetts zu sondieren. Die parlamentarische Froutenbildung Eine Darstellung des Bayerischen Kuriers Der Bayerische Kurier“ wirft die Frage auf, welche Möglichkeiten wohl bestünden, wenn alle Bestrebungen, zu einer parlamentarischen Frontenbildung zu gelangen, scheitern sollten. Das Blatt hält es für durchaus denkbar, daß es einem Präsidialkabinett gelingen könnte, zu einer Zusammenarbeit mit dem Reichstag zu gelangen, allerdings einem Präsidialkabinett, das unter einer anderen als der gegenwärtigen Führung stehe. Was die Verhandlungen zwischen Zentrum und Rationalsozialisten anlange, so entsprächen alle optimistischen oder pessimistischen Darstellungen nicht den Tatsachen. *“ stehe jedenfalls, daß die Verhandlungen r#eitergingen. Ob sie zu einem positiven Ergebnis führten, hänge davon ab, ob sich die Nationalsozialisten zu einer tragbaren Verhandlungsgrundlage entschließen könnten. „Keine Koalitionsregierung alten Stils“ Das Stuttgarter Zentrumsorgan zu den Koalitionsgesprächen Ueber die Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum schreibt das Stuttgarter Zentrumsorgan, das„Deutsche Volksblatt": Es darf heute schon als feststehend betrachtet werden, daß es zu keiner Koalitionsregierung alten wehr drohender Gefahren schreiten, unbeugsamen Willens weiter ringen, um die wirkliche nationale Sammlung der Volkskräfte, um so doch allen Diktaturlüsternen und Parteiherrschsüchtigen zum Trotz eine Regierung für das Volk und mit dem Volke zu bilden, die dessen Rechte schütze und wahre. Frau Zekkin bereitet sich vor Aus Berlin wird gemeldet: Die kommunistische Abgeordnete Frau Klära Zetkin weilt seit einigen Tagen in Berlin, um sich auf die Uebernahme des Alterspräsidiums im Reichstage vorzubereiten. Nicht richtig ist, daß Frau Zetkin schon den Reichstagsdirektor zu diesem Zweck aufgesucht habe. Es ist auch unwahrscheinlich, daß ein solcher Besuch stattfinden wird. In Kreisen der kommunistischen Reichstagsfraktion halt man ihn für unnötig und glaubt, Frau Zetkin durch Mittelsleute auch indirekt über ihre Aufgaben als Alterspräsidentin unterrichten zu können. Einige Vertreter der kommunistischen Reichstagsfraktion hatten am Samstag eine Unterredung mit Frau Zetkin. Ueber diese Unterredung wird von der kommunistischen Reichstagsfraktion eine Mitteilung ausgegeben, wonach Frau Zetkin erklärte, daß sie trotz nationalsozialistischer Drohungen jede polizeiliche Schutzmaßnahme schärfstens ablehnen werde. Die polizeiliche Beobachtung des Reichsbanners Aus Berlin wird mitgeteilt: In den letzten Tagen sind Meldungen über eine Anweisung des Berliner Polizeipräsidenten zur Beobachtung des Reichsbanners durch die Presse gegangen. Wie von unterrichteter preußischer Seite verlautet, ist die Anweisung durch eine Indiskretion in die Oeffentlichkeit gelangt. Sie unterscheidet sich in nichts von ähnlichen Verfügungen, die in bezug auf andere Organisationen und Verbände bereits bestehen. Wie das Conti=Nachrichtenbüro erfährt, wird das System der Steueranrechnungsscheine, dessen Ankündigung das Kernstück des wirtschaftlichen und finanziellen Teiles der Kanzlerrede in Münster bildete, voraussichtlich bereits Mitte der neuen Woche durch Notverordnung in Kraft gesetzt werden, und zwar mit Wirkung vom 1. September oder 1. Oktober ab. Welcher von diesen beiden Terminen gewählt wird, steht im Augenblick noch nicht fest. Die maßgebenden Stellen haben aber den Wunsch, mit der Anwendung so schnell wie möglich zu beginnen. Die Steueranrechnungsscheine werden ausgegeben: für die Hälfte der Umsatzsteuern, zwei Fünftel der Gewerbesteuer, ein Viertel der Grundsteuer und für die Gesamtheit der Beförderungssteuer. Am klarsten wird der Plan vielleicht an einem Beispiel: Nimmt man an, daß jemand für das laufende Steuerjahr 1000 RM. Umsatzsteuer bezahlt, so erhält er einen Steuerbond in Höhe der Hälfte dieses Betrages, also 500 RM. Diesen Bond kann er in den Jahren 1934 bis 1938 bei der Entrichtung seiner Reichssteuern einschließlich der Zölle und Verbrauchssteuern mit Ausnahme der Einkommensteuer in Zahlung geben. Die Bonds haben ein Agio, das einer 4 7igen Verzinsung entspricht. In dem erwähnten Beispiel würde also der Steueranrechnungsschein von 500 RM. im Jahre 1934 mit 520 RM., im Jahre 1935 mit 540 RM. usw. eingelöst werden. In jedem der genannten fünf Jahre kann ein Fünftel der Steueranrechnungsscheine für die Steuerbegleichung verwandt werden, sodaß also auch der Rückfluß sustematisch geregelt ist. Praktisch bedeutet die Ausgabe der Steueranrechnungsscheine eine Steuerermäßigung. Mit Rücksicht auf seine augenblickliche Kassenund Finanzlage kann das Reich sie nicht sofort gewähren. Es verteilt sie deshalb auf spätere fünf Jahre, realisiert sie aber schon jetzt, indem es ein Papier schafft, das einen inneren Wert hat. Er besteht darin, daß das Reich die Scheine später in Zahlung nimmt. Auf Grund dieses inneren Wertes können die Steueranrechnungsscheine als Kreditunterlage benutzt werden. Der große Vorteil, der sich schon daraus für die Wirtschaft ergibt, liegt auf der Hand. Ein weiterer Vorteil erhellt z. B. aus folgendem: Die Bonds auf die Beförderungssteuer Arbeitsbeschaffung burch die Keichsbahn! Eine erneute Eingabe des LaugnamVereins Der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen hat, wie er mitteilt, bei den zuständigen Reichs= und Staatsministerien und bei der Reichsbahnhauptverwaltung erneut dringende Vorstellungen über die Notwendigkeit erhoben, Reichsbahnarbeiten und=aufträge in das Arbeitsbeschaffungsprogramm des Reiches einzubeziehen. Durch die seit Anfang April ds. Is. festzustellende einschneidende Auftragsdrosselung der Reichsbahn habe sich die ohnehin bedrängte Lage sowohl der eisenschaffenden als auch der eisenverarbeitenden Industrie in einem Maße zugespitzt, das zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß gebe. Es handle sich um wirklich produktive Aufwendungen, da mit verhältnismäßig geringen Kosten ein hoher sozialer Nutzaufwand erzielt werde, Tausende von Arbeitskräften wieder eingestellt werden könnten und brachliegende Stoffe aktiviert würden. Darüber hinaus sollte aber auch die Frage einer eingehenden Prüfung unterzogen werden, ob nicht wenigstens in bescheidenem Umfange auch Mittel für eine zusätzliche Auftragsvergebung freigemacht werden könnten. Die dringende Gegenwartsnot der breiten Schicht reichsbahnabhängiger Industrien lasse, nicht zuletzt im Hinblick auf die schlüsselartige Stellung dieser Gruppe, im gesamtwirtschaftlichen Interesse die Prüfung einer Uebernahme von Risiken gerechtfertigt erscheinen, die vielleicht sonst größerer Zurückhaltung begegnen würde. Eine solche Maßnahme würde aber auch insofern bis zu einem gewissen Grade im eigenen kaufmännischen Interesse der Reichsbahn liegen, als der gegenwärtig ungewöhnlich niedrige Preisstand der Bedarfsstoffe auch Käufe rechtfertige, die unter günstigeren Zeitumständen vielleicht erst nach und nach hätten getätigt werden können. Angeregt wird in der Eingabe u. a. eine beschleunigte Begebung von Ausbesserungsarbeiten für die etwa 60 000 Einheiten umfassenden reparaturbedürftigen Fahrzeuge und in gewissem Umfange auch die Vergebung von Neubestellungen. Ein politischer Beleidigungsprozeß in Bayern Gerichtliches Nachspiel zum Ausschluß der Nationalsozialisten aus dem Bayerischen Landtag Der Prozeß des bayerischen Landtagspräsidenten Dr. Stang gegen den„Völkischen Beobachter“ hat mit einem Vergleich beider Parteien seinen Abschluß gefunden. Den Hintergrund des Prozesses bildete der seinerzeitige Ausschluß der Nationalsozialisten aus dem Landtag. Es wurde behauptet, daß Präsident Dr. Stang bei dieser Gelegenheit fünf Mitglieder der nationalsozialistischen Fraktion namentlich aus dem Saale gewiesen habe, während er in das stenographische Protokoll den Satz aufnehmen ließ:„Sämtliche kommen sehr stark der Reichsbahn zugute, die dadurch in die Lage versetzt wird, zu. sätzliche Aufträge an die Wirtschaft zu erteilen. Weiter liegt es im Charakter dieser Bonds, daß sich im Laufe der Zeit ein Handel mit ihnen entwickeln wird. Sie sind freizügig, weil jeder mit ihnen seine Steuern bezahlen kann, und bieten außerdem in der vierprozentigen Verzinsung zweifellos einen Anreiz für anlagesuchende Gelder.. Higso, Teisse kur Gande Der Gesamtbetrag dieses Teites der Bonds, der bei der Zahlung von Steuern ausgegeben wird, ist vom Reichskanzler bereits auf 1,5 Milliarden Mark beziffert worden. Er hat auch angekündigt, daß weitere 700 Millionen solcher Scheine an Unternehmer ausgegeben werden sollen, die mehr Arbeiter einstellen. Pro Arbeiter und pro Jahr entfällt ein Betrag von 400 Mark, so daß also z. B. die Mehrbeschäftigung eines Arbeiters für ein halbes Jahr dem Unternehmen einen Anspruch auf einen Steueranrech= nungsschein in Höhe von 200 Mark gibt. Vor einem tariflosen Instand im Ruhrbergban? Kündigung des Lohntarifs durch den Zechenverband erwartet Aus Dortmund wird berichtet: Bekanntlich haben die tarifbeteiligten Bergarbeiterorganisationen das Mehrarbeitsabkommen für den Ruhrbergbau zu Ultimo September gekündigt. Bei den bevorstehenden Arbeitszeitverhandlungen dürften die Bergarbeiterorganisationen die generelle 40stündige Arbeitswoche fordern. Nach aller Voraussicht steht dem Ruhrbergbau ein neuer schwerer Tarifkampf bevor. Der Zechenverband wird am Montag oder Dienstag Beschluß über die Kündigung des Lohntarifs für den Ruhrbergbau am 1. September zum 30. September Wie verlautet, haben in der allerletzten Zeit Besprechungen zwischen den Reichsregierungsinstanzen, den Vertretern der Unternehmer und der Bergarbeiterverbände über die Tariflage im Ruhrbergbau stattgefunden. Im Mittelpunkt dieser Besprechungen, über die bisher nichts Näheres bekannt geworden ist, sollen nach unsern Informationen Maßnahmen zur Auflockerung der Tarife gestanden haben. Welche Absichten die Regierung verfolgt, ist bisher nicht bekannt epo roen.. Zeitung“ veröffentlicht in ihrer Die„Kölnische Zeitung, helrgsenllicht mchle. Sonntagnummer die aufsehenerregende Mitteilung, daß bei den Besprechungen im Reichsarbeitsministerium von Unternehmerseite nicht nur die schon früher verlangte Erlaubnis der Tarifunterschreitungen für besonders gelagerte Betriebe gefordert wurde, sondern noch weitergehende Wünsche geäußert worden sind. So sei von einzelnen Unternehmern vorgeschlagen worden, die Tarife für gewisse Industrien für die Zeit eines Jahres aufzuheben unter gleichzeitiger Anerkenntnis eines Mindestlohnes, der etwa in der Weise garantiert werden soll, daß für Arbeiter, die weniger als 150 Stunden monatlich verfahren, entsprechende Ausgleichszahlungen geleistet werden. Darüber hinaus sind von Arbeitgeberseite noch andere Ausgleichsmöglichkeiten in organisatorischer Hinsicht vorgeschlagen worden. Die Forderungen der Unternehmer werden mit den katastrophalen Verhältnissen auf den Kohlenmärkten begründet. Wie wir weiter hören, sind die Gewerkschaften nicht bereit, auf die Forderungen der Unternehmer in Richtung der Tarifauflockerung einzugehen. Sie bestehen nach wie vor auf der Unabdingbarkeit der Tarifregelung. Von ausschlaggebender Bedeutung für die Entwicklung der sozialpolitischen Situation ist die Haltung der Reichsregierung in der Frage der Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen. Bekanntlich vertritt die Reichsregierung den Standpunkt, Verbindlichkeitserklärungen nur noch in Ausnahmefällen auszusprechen, und zwar angeblich nur dann, wenn Ruhe und Ordnung gefährdet sind. Unter Umständen muß also angesichts der anscheinend unüberbrückbaren Gegensätze zwischen Unternehmern und Gewerkschaften und mit Hinsicht auf die grundsätzliche Abneigung des Reichsarbeitsministeriums, Anträgen auf Verbindlicherklärung von Schieossprüchen stattzugeben, mit einem tariflosen Zustand im Ruhrbergbau gerechnet werden. Ein schlechter Scherz Keine neue Spur zum Sprockhöveler Mord Wie die Presse meldete, war vor dem Bochumer Hauptbahnhof die Photographie eines in den 30er Jahren stehenden Mannes gefunden worden, die die Aufschrift trug:„Ich bin einer von den Sprockhöveler Mördern!" Wie sich inzwischen durch Meldung des Betreffenden herausgestellt hat, war das Bild von einem in Bochum beschäftigten Walzer, der seine Mutter in Duisburg besuchen und ihr sein Bild mitbringen wollte, verloren worden. Es war ihm aus der Brieftasche gefallen, als er sich von dem aushängenden Fahrplan Notizen machte. Ein Anderer hat er dann gefunden und auf die Rückseite jene Worte geschrieben. Der Finder hatte sich also einen recht schlechten Scherz erlaubt. Schreckenstat eines Gemeindevorstehers in Osloberschlesien Er erschießt seine Frau und drei Kinder steckt seinen Hof in Brand und erschießt sich selbst In Krolowka in der Nähe des Städtchens Sohrau bei Rybnik erschoß der 60 Jahre alte Gemeindevorsteher des Dorfes nacheinander seine Frau, seinen 20jährigen Sohn und seine 13 und 5 Jahre alten Töchter. Dann steckte er das Gehöft in Brand und jagte sich selbst eine Kugel in der. Kopf. Auf Westd rutschiunee Fußrunfeidern Im Westen hat am Sonntag der Punktekampf auf der ganzen Linie eingesetzt, da nunmehr auch der Berg=Mark=Bezirk sowie Westfalen und Hessen=Hannover mit den Meisterschaftskämpfen begannen. Nachstehend die Ergebnisse: Rheinbezirk Gruppe 1: CfR. Köln— Grün=Weiß Viersen 311; Blau=Weiß Lindenthal— Rhenania Würselen 1:0; Viktoria Rheydt— Jugend Bergheim 7:2; BfR. Köln— Kölner BC. 2:2; Odenkirchen — Sülz 07 5•2; Dürener SV.— Bonner FV. 2:3. Gruppe 2: Vingst 05— Borussia Gladbach 0:5; SC. Gladbach— Dürener SC. 2:2; Rhenania Köln— Rheydter Sp. Vgg. 1:1; SV. Troisdorf— Mülheimer SV. 2:1; Baesweiler — Alemannia Aachen 2:4; Tura Bonn— Kölner SC. 99 0:0. Mittelrhein FV. Engers— Sp. Vag. Andernach 0:2; Rheinland Mayen— FC. Kottenheim 2:2; Koblenz 1900— SV. Elz 3:0; BfR. Limburg— TV. Mayen 5:4; SC. Neuenahr— FV. Neuendorf 2:0. Südwestfalen Germania Mudersbach— Hüsten 09 2:2; Jahn Werdohl— SC. Lichtenplatz 2:2; Sportfreunde Siegen— SC. Brachbach 3:1; Wetter 10— Hagen 05 3:4; Milspe 11— VfB. Weidenau 3:2. Hessen=Hannover Kurhessen Kassel— Germania Marburg 8:0; SC. 03 Kassel— Göttingen 05 5:1; Kurhessen Marburg— Tura Kassel 1:1. Westfalenbezirk Gruppe West: Sp. Vgg. Herten— Sus Recklinghausen 4:1; Viktoria Recklinghausen— Gronau 09 3:0; SC. Münster 08— Union Recklinghausen 1:3; Borussia Rheine— Westfalia Scherlebeck 4:2. Gruppe Ost: Bielefeld 06=07 — Westfalia Ahlen 3:1; SC. 08 Unna— Arminia Bielefeld 1:1; Teutonia Lippstadt— Sus Ahlen 1:4; Union Herford— BfI. 08 Paderborn 4:0 Im Berg=Mark=Bezirk gab es die ersten Punktetreffen. Auch Ueberraschungen blieben nicht aus, deren größte wohl die 8:1=Niederlage von Düsseldorf 99 ist. Besonders bemerkenswert ist auch, daß Schwarz= Weiß Barmen eine 2:0=Niederlage durch den VfB. Hilden bezog. Rachstehend die Ergebnisse: Gruppe 1: SSV. Elberfeld— BC. 05 Düsseldorf 5:1; SS. Vgg. Barmen— SC. SonnLunkkerampfe uuf der gunzen Enne born 3:1; FC. Schwelm— Turn Düsseldorf 1:1; Fortung Düsseldorf— BV. 04 Düsseldorf 7:2; ##d. Oberkassel— BfR., Ohligs 1:1. Gruppe 2: Oberkassel— BfR., Ohligs 1:1. Gruppe BV. Lüttringhausen— Germania Elberfeld 3:2; PfB. Hilden— Schwarz=Weiß Barmen 2:0; Ratingen 04— Germania Küllenhahn 2:2; BfL. Benrath— Eller 04 4:1; Schwarz=Weiß— SC. 99 Düsseldorf 8:1. Der zweite Punktesonntag im Kuhrbezirk Der zweite Punktesonntag brachte schon Großkämpfe; die Paarungen interessierten stark, was schon aus dem Besuch der Spiele hervorgeht. 8000, 5000 und 4000 sind für den Anfang schon ganz nette Zahlen. Nicht weniger als 18 Mannschaften standen im Kampf um die Punkte. Größere Ueberraschungen blieben aus, vielleicht ist hie oder da das zahlenmäßige Ergebnis beachtenswert. In Gruppe A war das Hauptspiel zwischen den beiden vorjährigen Rivalen SV. Rotthausen und BfL. Sportfreunde Essen wohl der Hauptkampf. Die Rotthausener konnten auch diesmal das bessere Ende für sich behalten und siegten nach besserem Stürmerspiel verdient mit 3:1. Schwarz=Gelb Gladbeck kam über Essen 99 zu einem nicht ganz verdienten Sieg. Die Essener vollbrachten, fast die meiste Zeit mit nur 10 Mann spielend, eine große Leistung und hatten zum mindesten ein Unentschieden von 111 verdient gehabt. Das Endergebnis war 2:1 für die Gladbecker. Das Siegtor resultierte aus einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Schalke 04 trat in Hern gegen die Westfalia an und gewann 4:3. Germania Bochum lief im Spiel gegen Horst=Emscher erst im zweiten Akt zur Hochform auf und siegte mit 7:3. Preußen Bochum hatte in Hörde beim VfL. nicht viel zu bestellen und unterlag 1:4.— In Gruppe B lieferten sich Essen=West 81— Schwarz=Weiß Essen den Hauptkampf. 5000 Zuschauer waren mit den Leistungen der Mannschaften nicht zufrieden. Die Schwarz=Weißen behielten mit 3:1 die Oberhand. Union Gelsenkirchen kam mit einem 3:1=Sieg über Castrop 02 zu den ersten Punkten und der STV. Werne erkämpfte sich schon in der ersten Halbzeit über TuS. Bochum mit 2:0 den Sieg. Der MBV. Linden hatte mit Germania Herne Mühe, um die Punkte mit 5:3 an sich zu bringen. 10 T Arfür Sratschiane Deutscher Sieg beim handball-Länderkampf Deutschland gegen Oesterreich Der siebente Handballänderkampf Deutschland und Oesterreich hatte am rotz der frühen Jahi zwischen sonntag in Weißenfels trotz der fruhr. Jahreszeit eine Ueberraschungen am Niederrhein Gab es schon am Vorsonntag bei den ersten Punktespielen der neuen Saison einige dicke Ueberraschungen, die man auf die tropische Hitze nicht zum geringsten zurückzuführen müssen glaubte, so gilt diese Ausrede nicht für die zweite Serie von Punktespielen, bei denen Ergebnisse ezeigt wurden, die alle Erwartungen über den ufen warfen. Zwar konnte die favorisierte Mannschaft von Hamborn 07 Meiderich 06 auf dessen Platz bezwingen, aber immerhin nur mit 2:1. Dagegen mußte sich der Meister, der Meidericher SB, nach seiner Schlappe vor acht Tagen diesmal mit einem mageren Remis von 1:1 in Oberhausen gegen Rasensport zufriedengeben. Noch beschämender ist aber das Resultat des Gruppenmeisters VfvB Ruhrort, der in Osterfeld vom SV mit 4:2 geschlagen nach Hause geschickt wurde. Die Platzherren hatten im ersten Akt schon drei Tore vorgelegt gehabt. Eine große Sensation bedeutet der Ausgang des Treffens BfB Speldorf—. BfB Bottrop. Beide Mannschaften haben am Vorsonntage keinen Punkt erringen können, um so schmerzlicher wird den Bottropern die jetzige 6:0=Niederlage ankommen. Die Spielvereinigung Sterkrade und die von Oberhausen trennten sich mit einem 1:1=Unentschieden. Auch in der Gruppe B fehlte die dicke Ueberraschung nicht. Der Kräftevergleich der beiden Lokalrivalen Preußen Krefeld— Union Krefeld bildet einen Parallelfall zu Speldorf; die leidtragenden Jonier mußten ein 5:1 einstecken. Nur knapp holte sich der SV Duisburg die Punkte bei seinem Namensvetter aus Düssern, der 1:0 geschlagen die Heimreise antrat. Die beiden Treffen zwischen dem Homberger SV gegen Duisburg 1900 bezw. Duisburg 99 gegen Duisburg FV 08 brachten überraschender Weise auch nur zwei 1:1=Unentschieden. Der SV Kaldenkirchen, der sich am letzten Sonntag beldenhaft gegen den Homberger SV gehalten hatte, mußte von den Krefelder Sportfreunden eine 2·5=Niederlage auf eigenem Riesenzuschauermenge angelockt. Das Weißenfelser Stadion war bis auf den letzten Platz gefüllt; 15000 Zuschauer waren erschienen. Unter größter Begeisterung und bei günstigem Wetter betraten die Mannschaften den Rasen, und nach Abspielen der beiden Nationalhymnen begann der Kampf unter Leitung von Müller=Wiesbaden. Während die deutsche Mannschaft in der vorgesehenen Aufstellung spielte, mußte Oesterreich einige Umstellungen vornehmen. Das Tor hütete Maurer anstelle von Schnabel, und die Halbposten nahmen Patleych und Pfandler ein. Gleich nach dem Anpfiff nahmen die deutschen Spieler dem Gegner den Ball ab. Der Dortmunder Sievers bekommt das Leder, läuft prächtig durch und der freistehende Feigk sendet bereits in der ersten Minute zum Führungstreffer für Deutschland ein. Schon jetzt zeigt sich eine leichte Ueberlegenheit der deutschen Stürmer, die glänzend kombinieren und durch trickreiche Ballbehandlung auffallen, wogegen die Oesterreicher zu engmaschig spielen. In der 6. Minute erwischt Vossenkaul das Leder und sendet unhaltbar in die obere Ecke zum zweiten Tor ein. Gleich darauf setzt wieder Sievers einen Freiwurf unter die Latte, während ein gleicher Wurf von Meisel auf der Gegenseite knapp über das Tor geht. In kurzen Abständen erhöhen die flinken deutschen Stürmer durch Kaundynia und Feigk auf 5:0, bevor auch Oesterreich ebenfalls durch einen Freiwurf von Meisel, der unheimlich scharf geschossen von Chuchra abprallt und ins eigene Tor rollt, zum ersten Treffer kommt. Wenig später jedoch stellt Kaundynia auf einen Freiwurf von Vossenkaul hin das alte Verhältnis wieder her. Der deutsche Sturm zeigt sich überhaupt im Verwandeln von Freiwürfen als Meister, denn auch der 7. Treffer durch Sievers kam aus einem solchen zustande. Das ausgezeichnete Flügelspiel von Feigk=Sievers und die raffinierte Sturmführung eines Kaundynia schaffen immer wieder gefährliche Situationen vor dem österreichischen Wurfkreis, und in der 20. Minute stellt Kaundynia das Ergebnis auf 8:1. Chuchra erweist sich mehrmals als sicherer Torhüter, er hat aber auch vor der Pause eine vorzügliche Verteidigung vor sich Allerdings muß der Berliner in der 23. Minute einen scharfen Wurf von Patleych passieren lassen und ein Freiwurf bringt kurz darauf den Oesterreichern durch Harthum ein drittes Tor ein. Bis zur Pause holen aber Feigk und Kaundynia wieder zwei Tore auf. Nach dem Wechsel bleibt Deutschland weiter im Vorteil, ohne aber zunächst zu Erfolgen zu kommen. Die Gäste ändern jetzt auch ihre Taktik und beschäftigen ihre Außenstürmer mehr, so daß mehr Schwung in die österreichischen Angriffe kommt. Abwechselnd erzielen beide Parteien durch Patleych und Feigk je ein Tor und mit einem prächtigen Freiwurf bringt nochmals Patleych die Oesterreicher auf 11:5 heran. Feigk macht das Dutzend voll, aber Patleych erwidert mit einem verwandelten Freiwurf, dem Tauscher nach einer weiteren Minute den 7. Treffer folgen läßt. Nachdem ein gefähr licher Wurf von Kaundynia noch gerade von Daurer gemeistet wurde, findet der nächste Wurf den Weg ins Tor. Die Gäste können zwar noch durch zwei weitere Treffer von Patleych und Pfandler wieder etwas herankommen, jedoch kurz vor dem Abpfiff erzielt Vossenkaul ebenfalls zwei Tore und stellt damit das Schlußergebnis von 15:11 her. Der Sieg der deutschen Mannschaft war durchaus verdient, Zwirko Sieger im Europa-Kundflug Morzik der Schnellste Noch nie war die Frage nach dem Sieger in den bisherigen beiden Europa=Rundflügen bis zum letzten Tage so ungeklärt, wie in diesem Jahre. Nach Abschluß des Streckenfluges lag zwar der Pole Zwirko weiter mit 5 Punkten Vorsorung in Front, doch bestand immer noch die Möglichkeit. daß die dichtauf folgenden Deutschen Poß. Wolf Hirth und Morzik mit ihren schnellen HeinkelMaschinen durch die größere Geschwindigkeit im letzten Wettbewerb den Polen einholen konnten. Gefordert wurden nach der Ausschreibung Geschwindigkeiten von mindestens 200 Stundenkilometern: für je 3 Kilometer schneller gab es einen Pluspunkt. Eine riesige Menschenmenge, wie sie selbst beim Kunstfliegen und bei Massenvorführungen selten war, hatte sich am Sonntagnachmittag auf dem Flughafen in Tempelhof eingefunden. Die Ungewißheit des Ausganges und der zu erwartende erbitterte Endkampf löste nicht nur bei den beteiligten Fliegern, sondern auch bei den Zuschauern größte Spannung aus. In niedriger Höhe überflog der zuerst in Staaken abgelassene Pole Zwirko das Feld, wo er ein Fähnchen an der Kontrollstelle abwarf. Schon wenig später brauste Poß in gleicher Höhe über den Platz, und er war noch nicht über die Flugplatzgrenzen hinaus. da erschien auch schon Wolf Hirth. der nur in 15 Meter Höhe den Platz überflog. und nun folgten Schlag auf Schlag die restlichen Teilnehmer. Die Erregung auf dem Flugplatz Tempelhof stieg auf das Höchste, als man durch den Fernstecher am fernen Horizont einen Flieger auftauchen sah. Enttäuschung malte sich auf den Gesichtern, als endlich festgestellt wurde, das es immer noch der Pole Zwirko war, der als Erster auf dem Flughafen landete. Eine freudige Bewegung ging aber durch die Massen, als nur eine Minute später der zweimalige Sieger des Rundflugs, Fritz Morzik, erschien. den man so schnell nicht erwartet hatte. Morzik. der seine Maschine auf dem Streckenslu. stark geschont hatte, setzte jetzt alles auf eine Karte und hatte auch Erfolg damit. Wenn es auch nicht zum dritten Siege reichte, so hat Morzik doch immerhin gegen den Polen 10 Minuten gutgemacht und sich damit den zweiten Platz im Gesamtklassement gesichert. Mit einem Stundenmittel von 241,3 Kilometer war der Deutsche auch der Schnellste der letzten Prüfung, während der Pole nur 214,1 StdKilometer erreicht hatte. es gab keinen ausgesprochenen Versager, lediglich der linke Läufer Kopp-Berlin war etwas zu langsam. Die Nur weilmeisterschaften Der Den Auftakt der Radweltmeisterschaften 1932 in Rom bildete am Samstag der Kongreß der UCI. (Union Cycliste Internationale) des Internationalen Radsport=Verbandes. In Abwesenheit des Präsidenten Breton=Frankreich und des deutschen Vizepräsidenten Eggert=Berlin leitete der Alterspräsident der UCI., Victor Breyer=Paris, die Tagung. deren feierlicher Eröffnung auch Italiens Sportminister Arvinati beiwohnte. Als deutscher Vertreter für den Verband Deutscher Radrennbahnen und den Bund Deutscher Radfahrer war Winneckes=München=Gladbach anwesend. Die nicht sehr umfangreiche Tagesordnung mit internen Angelegenheiten war bald erledigt. Die Anträge Deutschlands auf Reform der Sechstagebestimmungen sowie Englands wurden bis zum Winterkongreß im Februar in Paris zurückgestellt. Nach den Wahlen der Sportkommissare für die Weltmeisterschaftswettbewerbe wurden die Weltmeisterschaften für 1933 nach Paris und für 1934 nach Deutschland(Leipzig) vergeben. Walter Sawall gewinnt den ersten Vorlauf Wegen der drückenden Hitze wurden die beiden Vorläufe der Steher auf die späten Abendstunden verlegt. und erst um 20.45 Uhr läutete die Glocke zum Start des ersten Laufes. Die Einweihung der durch den deutschen Architekten Schürmann erbauten Grand National=Stadionbahn mit diesem größten Ereignis im Radsport hatte nur 2000 Zuschauer angelockt. Der über 100 Kilometer führende Lauf zur Steher=Weltmeisterschaft wurde von Weltmeister Sawall. Linart, Lacquehay, Rügg. Schiebaum und Gay bestritten. Der auf eigene Kosten nach Rom gekommene Schwede Morssing mußte den Rennen als Zuschauer beiwohnen, da der Vorsitzende des schwedischen Radsportverbandes ihm die Starterlaubnis verweigerte mit der Begründung, daß der junge Rennfahrer in seinem einzigen Rennen in Paris nicht die Befähigung erbrachte, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen. Sawall fuhr einen schweren Sieg nach Hause. Im Kampf um die Plätze und damit um die Teilnahmeberechtigung am Endlauf war besonders der Holländer Schlebaum unermüdlich, der dabei aber stets ins Schwimmen geriet. Als er dann aber das Aussichtslose seiner Bemühungen einsah, gab Schlebaum in der 200. Runde entmutigt auf und auch der Italiener Gay folgte ihm elf Runden später, fünf Bahnlängen zurückliegend. In den letzten sechs Runden zeigte Weltmeister Sawall noch einen bestechenden Endspurt, dem keiner der anderen Teilnehmer folgen konnte. Das Ergebnis: 1. Lauf. 100 Kilometer: 1. Sawall=Deutsch= land 1.22.24, 2. Linart=Belgien 80 Meter zurück. 3. Lacquehay=Frankreich 90 Meter. 4. RüggSchweiz 910 Meter. Schlebaum=Holland und GapSchweiz aufgegeben. Im zweiten Vorlauf Paillard vor Möller Im zweiten Vorlauf war die Startfolge Degrave, Paillard. Möller, Thollembeek, Grant. Suter und Piano. Der französische Exweltmeister setzt sich sofort an die Spitze, stets gefolgt von dem Deutschen Meister Erich Möller. Die beiden Spitzenreiter behalten während des ganzen Rennens fast kampflos ihre Position. während sich im Hinterfelde ein heißer Kampf zwischen dem Schweizer Suter und Gran=England um den vierten Platz abspielt. Das Ergebnis: 1. Paillard=Frankreich 1:24.24.1, 2. Möller= Deutschland 250 Meter, 3. Thollembeek=Belgien 420 Meter. 4. Grant=England 420 Meter, 5. SuterSchweiz 440 Meter. 6. Degrave=Holland 1750 Meter, 7. Piano=Italien aufgegeben. Der Endlauf der Steher um 24 Stunden velegt Bei den Rad=Weltmeisterschaften in Rom mußte der Endlauf der Steher, da in Rom am Sonntag ein sehr schwerer Gewitterregen niederging, um 24 Stunden verlegt werden. Der Endlauf der Steher findet also am Montagabend statt.