„Schwerter Jeiung“ erscheiat wöchenlich sche mol Bezugspreis halbmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), roschecttonten: Dormund 2632 und Hannover 21674 Geschästsstelle: Große Marktstr. 3—5 Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Hernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Inziagprete fir die odigespot. mm uie e Pig, Auwer. üige, sinanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., Rek amezeile 40 Pf, Lun ieleson, ausgegebene Inserate übernehmen wir keine Gewäbr. Bei unvorbergeschr. Beiriebskörungen, herootgerusen durch böhere Gewalten, übernebmen wir beinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboden werden sageblatt für die Stadt Schwert und das Amt Westhofen Gp Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 227(Erstes Blatt) Schwerte,(Nuhr), Montag, den 28. September 1931 64. Jahrgang um die„Nolwendigten gleichverechtigter Ichummenurden Dis Frunzestschei. Anster in Sern Laval sagt: Unsere Verständigung muß doch endlich kommen!- Hoffnungsvolter Verhanblungsanfang n„ aga uie Aaemn hant Heiant baie er iche den Verliner Belich Der Reichskanzler über Zukunftsmöglichkeiten Reichskanzler Dr. Brüning hat dem Berliner Vertreter der Agence Havas folgende Erklärung gegben: Als ich vor einigen Wochen der Einladung nach Paris folgte, war ich mir bewußt, daß nur vertrauensvolle Zusammenarbeit, insbesondere zwischen den beiden Nachbarvölkern Deutschland und Frankreich, den drohenden Gefahren der schweren Krise begegnen könne. In weit größerem Maße ist dies heute der Fall. Die Weltkrise, die in allen Ländern das Gefüge unseres staatlichen Lebens zu erschüttern droht, verlangt schnelles solidarisches Handeln. So kann diese schwere Zeit sogar zum Gewinn werden, wenn sie diese Erkenntnis der Notwendigkeit gleichberechtigter.„Zu; sammenarbeit verstärkt und Wirklichkeit werden läßt. In Paris hatten wir Gelegenheit. in offener, direkter Aussprache mit den beiden hervorragenden französischen Staatsmännern, die uns jetzt die Ehre ihres Besuches erweisen werden, die Grundlagen für eine aufrichtige Verständigung zu suchen. Wir werden in diesen Tagen diesen unmittelbaren Gedankenaustausch fortsetzen und, auf dem bereits Bestehenden aufbauend, neue Wege und praktische Formen der Zusammenarbeit suchen. Deutschland und Frankreich haben sich auf so vielen Gebieten, z. B. der Wirtschaft und der Technik, der Kunst und der Wissenschaft, stets reich ergänzt und beschenkt, und doch haben sie bisher nur so selten versucht, den ihnen nach ihrer Lage. ihrer Struktur und ihrer inneren Verbundenheit vorgezeichneten Weg vollen gegenseitigen Verständnisses zu beschreiten. Viele hrzehnte sind vergangen, seitdem ein französischer Minister in offizieller Mission in Berlin weilte. Die heutigen Umstände und der gegenwärtige Rahmen haben nicht den Glanz der damaligen Zeit, unsere Tage stehen unter dem Zeichen harter Arbeit und nüchterner Abwägung der Realitäten. Aber sie brauchen nicht minder fruchtbar zu sein Wenn die kommende Aussprache von gegenseitigem Vertrauen getragen wird, so können sie für unsere beiden Länder neue Zukunftsmöglichkeit eröffnen. In diesem Sinne begrüßen wir aufs aufrichtigste unsere französischen Gäste in Berlin. Der Empfang Ministerpräsident Laval und Außenminister Briand trafen Sonntag vormittag um 8.40 Uhr mit ihrer Begleitung auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Bahnsteig Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsaußenminister Dr. Curtius und die Staatssekretäre Dr. Pünder und von Bülow, ferner Staatssekretär Dr. Weismann, Ministerialdirektor Dr. Köpke, Ministerialdirigent von Friedberg, der Chef des Protokolls Graf Tattenbach und die Herren der französischen Botschaft, sowie der französische Generalkonsul in Berlin eingefunden. Auch eine Abordnung der französischen Kolonie hatte sich zur Bewillkommnung auf dem Bahnsteige eingestellt Durch das Empfangszimmer wurden die Gäste nach dem Vorplatz des Bahnhofs geleitet, wo sich eine große Menschenmenge zusammengefunden hatte, die beim Erscheinen von Laval und Briand in lebhafte Hochrufe ausbrach. Wenige Minuten später trafen die französischen Staatsmänner im Hotel Adlon ein. Das wundervolle Herbstwetter hatte Tauende von Menschen auf die Straße gelockt, die Unter den Linden die Anfahrt der französischen Gäste erleben wollten Außenminister Briand zeigte sich unmittelbar, nachdem er seine Räume betreten hatte, an einem geöffneten Fenster. In diesem Augenblick durchbrachen Hunderte von Menschen die Polizeikette und liefen auf den Bürgersteig vor dem Hotel, wo sie unter Hochrufen und Händeklatschen Briand zuriefen: „Geben Sie der Welt den Frieden!“ Briand, so berichtet das Wolffbüro war durch diese spontane Huldigung sichtlich bewegt. Die Ovationen wiederholten sich, als dann auch Ministerpräsident Laval am Feuster erschien. Welche große Bedeutung man in Frankreich selbst der Anwesenheit der französischen Staatsmänner in Berlin beilegt, geht aus der großen Zahl von französischen Journalisten hervor, die nach Berlin gekommen sind. Empfänge Eine halbe Stunde nach seiner Ankunft empfing Ministerpräsident Laval in Anwesenheit des Außenministers Briand die Mitglieder der französischen Kolonie, ferner Präsidium und Vorstand der französischen Gesellschaft sowie die Vertreter der deutschen und ausländischen Presse. Kurz nach elf Uhr richtete der französische Ministerpräsident durch den Rundfunk einige Worte des Grußes an das deutsche Volk und sprach die Hoffnung aus, daß sein Berliner Aufenthalt die Annäherung zwischen dem deutschen und dem französischen Volke fördern und daß die Besprechungen mit den deutschen Staatsmännern fruchtbar sein würden. Vor den Vertretern der deutschen und ausländischen Presse gab dann der französische kinisterpräsident eine Erklärung ab, in der er u. a. sagte: Unser Besuch in Berlin soll ein wichtiges Datum bedeuten in der Geschichte der deutschfranzösischen Beziehungen. Um das Vertrauen wiederzubeleben, um den Glauben wiederherzustellen, ist eine aufrichtige Zusammenarbeit unentbehrlich. Wenn wir noch nicht den Ehrgeiz haben können, alle Mißverständnisse zu beseitigen, die uns noch trennen, wenn wir uns heute die Zurückhaltung auferlegen müssen, gewisse schwierige Probleme nicht zu berühren, so haben wir doch den Willen, alle möglichen Lösungen ins Auge zu fassen, um eine bessere Zukunft für unsere gegenseitigen Beziehungen möglichst bald vorzubereiten. Auf wirtschaftlichem Gebiete können wir sofort zur Tat schreiten. Wir werden handeln! Ich habe der deutschen Regierung eine Methode vorgeschlagen. Wir wollen zusammen das Werkzeug schmieden in der Gestalt eines deutsch=französischen Ausschusses, der die Prüfung aller wirtschaftlichen Fragen, für die unsere beiden Länder Interesse haben, ermöglichen soll. Unsere heutige Aufgabe mag bescheiden aussehen; aber wenn wir sie lösen, werden wir der Sache der Annäherung am besten gedient haben. Die Welt ist unruhig; eine noch nie dagewesene wirtschaftliche Krise ist über sie hereingebrochen Alle Blicke sind auf uns gerichtet. Unsere Verständigung muß doch endlich kommen; denn sie zu allererst soll uns das Heil bringen. mit einer blau=weiß=roten Schleife und einem Strauß roter Nelken auf dem Sandsteinsarkophag niedergelegt hatte, traten alle Anwesenden zurück, und Briand schritt allein die wenigen Stufen zu dem Grabmal empor, um hier wenige Minuten in tiefer Ergriffenheit zu verweilen. Besuche Im Anschluß hieran stattete Ministerpräsident Laval dem Reichskanzler Dr. Brüning einen Besuch ab. während zu gleicher Zeit Reichsaußenminister Dr. Curtius den französischen Außenminister empfing. Das Frühstück beim Reichsaußenminister Reichsaußenminister Dr. Curtius gab tag vormittag zu Ehren des französischen Ministerpräsidenten Laval und des französischen Außenministers Briand ein Frühstück, an dem neben den Herren der Begleitung der französischen Staatsmänner, dem französischen Botschafter und anderen Reichskanzler Dr. Brüning, Staatssekretär von Bülow, der deutsche Botschafter in Paris, von Hoesch, Botschafter a. D. Dr. Solf, der frühere Staatssekretär von Kühlmann, Staatssekretär a. D. Bergmann und Reichsminister a. D. von Raumer teilnahmen. Briand am Grabe Stresemanns Während der französische Ministerpräsident im Palais der französischen Botschaft die Pressevertreter empfing, begab sich Außenminister Briand im Automobil nach dem Luisenstädtischen Friedhof in der Bergmann=Straße, um dem Grabe Stresemanns einen Besuch abzustatten. In seiner Begleitung befanden sich der französische Botschafter Francois Poneet und der Chef des Protokolls Graf Tattenbach. Nachdem der kranzösische Botschafter einen wundervollen Kranz aus weißen Chrysanthemen Die Besprechungen Um 16.30 Uhr begannen Sonntag nachmittag in der Reichskanzlei die Verhandlungen. Sie dauerten bis 18.45 Uhr. Gegenstand der Verhandlungen in der Reichskanzlei waren die deutsch=französischen Wirtschaftsfragen in ihrer Gesamtheit, soweit sie Deutschland und Frankreich unmittelbar berühren. Die vier Industrien, die vor allem behandelt wurden, waren Kohle und Eisen, Elektrizität und Chemie. Im ganzen bewegten sich die Verhandlungen im Rahmen der Empfehlungen des Layton=Berichtes unter dem Gesichtspunkt: Kooperation. Das Ergebnis der Konferenz ist eine grundsätzliche Einigung über die Bildung eines unpolitischen beratenden deutsch=französischen Ausschusses aus Regierungsvertretern und Vertretern der Industrie, sowie Arbeitgebern wie Arbeitnehmern, der Mittel und Wege suchen soll, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern. Die Verhandlungen, die einen sehr zufriedenstellenden Verlauf nehmen, werden Montag vormittag fortgesetzt. Religiöse Friedenskundgebung französischer und deutscher Katholiken Aus Anlaß des Besuches der französischen Minister in Berlin wurde durch Bischof Dr. Schreiber der Sonntagsgottesdienst der französischen Katholiken zu einer allgemeinen religiösen Kundgebung der Katholiken Berlins für die Versöhnung unter den Völkern ausgestaltet Die Maria=Vietoria=Kapelle der Dominikaner in der Karlstraße war überfüllt. Die französische Botschaft war durch Botschaftsrat Guerlet vertreten. Generalvikar Dr. Steinmann hielt zu Beginn des Gottesdienstes eine Ansprache, in der er u. a. ausführte, daß der Besuch der französischen Staatsmänner in Berlin ein vielversprechendes Friedenszeichen sei. Er rufe die französische Nation auf, sich mit der deutschen zum Gebet zu vereinen, damit Gott den Bemühungen der Staatsmänner seinen Segen gebe. Der Weg zum Frieden führe nur durch den Glauben und die Liebe zum göttlichen Friedensfürsten. Nicht bloße Höflichkeitsgeste In den fran:*“'chen Blättern wird besonders unterstrichen, daß der französische Ministerpräsident betont habe, er sehe den Berliner Besuch nicht als eine bloße Höflichkeitsgeste an. Der Besuch Dr. Brünings und Dr. Curtius in Paris sei, so schreibt„Journal“, die erste Stappe auf dem Wege einer aufrichtigen Annäherung und einer loyalen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich gewesen. Die Reise Briands und Lavals nach Berlin sei die zweite Anstrengung in diesem Sinne, und sie müsse zum Ziele führen, wenn man sich im Rahmen des Möglichen halte, nämlich, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Die vernünftigen und beharrlichen Anstrengungen, so schreibt„Petit Parisien“, könnten Rettung bringen. Wenn der realistische Geist Lavals und der idealistische Briands sich in Berlin bewährten, dann sei die Reise nicht vergeblich. Die französischen Minister erwarten keine Wunder, auch Briand nicht. Man möge also nichts überschätzen oder unterschätzen, dann werde man auch nicht enttäuscht werden. Reichsregierung und Bergbau Zwischen Reichsregierung und führenden Persönlichkeiten des deutschen Kohlenbergbaues hat, der„Börsenzeitung“ zufolge, eine Fühlungnahme stattgefunden. Der Reichsarbeitsminister habe es abgelehnt, im Kohlenbergbau einen tariflosen Zustand eintreten zu lassen. Der Reichskanzler habe seine persönliche Meinung dahingehend ausgesprochen, daß mit Rücksicht auf die Unübersichtlichkeit der englischen Währungsentwicklung die Tarifverträge kurzfristig, etwa bis zum 31. Oktober, verlängert werden sollten, und daß es erst dann an der Zeit sei, grundsätzliche Entschlüsse zu fassen. Briand wieder Vorsitzender des Studienausschusses für die europäische Union Der Studienausschuß für die europäische Union hat für das zweite Jahr seines Bestehens wieder den französischen Außenminister Briand zu seinem Vorsitzenden und den schweizerischen Bundesrat Motta sowie den griechischen Gesandten Politis zu seinen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Außerdem beschloß der Ausschuß die Einsetzung eines Sonderkomitees für die von der Sowjet=Union angeregte Frage eines wirtschaftlichen Nichtangriffpaktes und eines Sonderkomitees für Vorprüfung der Frage der Ausdehnung der Präserenzbehandlung auf andere landwirtschaftliche Erzeugnisse als Getreide, insbesondere auf Tabak und Rosinen. Die beiden Komitees, in denen auch Deutschand vertreten ist, treten am 2. November bezw. 5 Oktober zusammen. Der Eurovaausschuß selbst wird seine nächste Tagung im Zusammenhang mit dem Völkerbundsrat im Januar abhalten. Die Grundartikel der spanischen Versasaug Die spanische Kammer hat eine ganze Reihe von grundlegenden Artikeln der Verfassung verabschiedet, darunter die Artikel 1 und 4, die in der angenommenen Form lauten: Artikel 1: Spanien ist eine demokratische Republik von Arbeitern aller Art, die unter einem Regime der Freiheit und Gerechtigkeit organisiert ist. Die Befugnisse ihrer Organe gehen vom Volke aus. Die spanische Republik bildet einen Staat mit förderativer Tendenz, der die Autonomie der Gemeinden und Bezirke ermöglicht. Artikel 4: Die kastilianische Sprache ist die offizielle Sprache der Republik. Jeder Spanier hat die Pflicht, kastilianisch zu können und das Recht, diese Sprache zu gebrauchen, ungeachtet der Rechte, die die Gesetze des Staates den Mundarten der Provinzen oder Bezirke einräumen können Niemand kann. außer wenn gesetze dies festsetzen. Kenntnis r Gebrauch einer Rozirkomundart verlongen. Der neue Präsident des Reichsverhandog der deutschen Industrie Guntav Klupp von Bohlen und Halbach wurde zum Vorsitzenden des Präsidiums des Reichsverbandes der Deutschen Industrie in Nachfolge Geheimrat Duisbergs gewählt. Pfundkrise und Reichsmark Die Bemerkungen des Reichskanzlers in seiner Rede auf dem Empfang zu Ehren des Geheimrats Duisberg über geplante Maßnahmen der Regierung im Zusammenhang mit der Pfundkrise sollen, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, keineswegs etwa bedeuten, die Reichsregierung wolle die Mark an das englische Pfund anhängen. Im Gegenteil bleibt die Regierung fest in ihrem Willen, keinerlei inflatorische Tendenzen aufkommen zu lassen. Jahresbrennrecht und Uebernahmepreise für Monopolsprit In der Beiratssitzung der Reichsmonovolverwaltung für Branntwein ist das Jahresbrennrecht für das Betriebsjahr 1931=32 auf 70 Hundertteile des regelmäßigen Brennrechtes festgesetzt worden, ferner für den vom 1. Oktober 1931 ab hergestellten Branntwein der Grundpreis für die ersten 65 Hundertteile des Jahresbrennrechtes auf 56 RM.. für die weiteren 35 Hundertteile des Jahresbrennrechtes auf 37 RM. Das entspricht also einem Durchschnittsvreis von 49.35 RM für einen Hektoliter Weingeist. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1931 ab wird der Treibstoffspiritus auf 50 RM. für das Hektoliter Weingeist festgesetzt. Dieser Preis gilt für Bezüge von Treibstoffspiritus auf Grund von Bezugsscheinen. die vom 1. Oktober 1931 ab ausgestellt sind und bei denen der Beginn der Gültigkeitsfrist nicht auf einen vor diesem Tage liegenden Zeitpunkt vordatiert. Ruhrgebietstreffen der Kommunisten in Essen Am Sonntag veranstalteten die Kommunisten in Essen ein Treffen, zu dem aus allen Orten des Ruhrgebiets und der weiter entfernt liegenden Gebiete viele tausende ihrer Parteimitglieder und Anhänger erschienen waren. Mehrere Kolonnen und zahlreiche Einzelne rückten zu Fuß an, manche hatten einige Tagemärsche hinter sich. Nachmittags versammelten sich die Massen auf dem Burgplatz, dem Republikplatz und anderen Plätzen. Ueberall wurden kurze Ansprachen gehalten. Die Teilnehmer marschierten gegen 17 Uhr zum Rüttenscheider Marktplatz. Den Hauptteil der Demonstranten stellten die kommunistischen Sportvereine, die in zahlreichen Schildern die ihnen entzogenen Sportplätze und Turnhallen zurückforderten und für die Einheitsfront der roten Sportler warben. Andere Schilder trugen Inschriften, die zum Kampfe gegen den Faschismus und zur Verteidigung der Sowjetunion aufforderten. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Verleumdungen in der Berliner Schutzpolizei Der Berliner Polizeipräsident teilt mit: Vereinzelt sind in der Berliner Oeffentlichkeit in den letzten Tagen Gerüchte verbreitet worden, die von Gehorsamsverweigerungen innerhalb der Schutzsolizei in Berlin wissen wollen. An diesen Getüchten ist kein wahres Wort. Es handelt sich vielmehr um bösartige Verleumdungen der Berliner Schutzpolizeibeamtenschaft, deren politische Absicht allzu deutlich ist. An einigen Stellen der Stadt wurden auch Flugblätter verbreitet, in denen die erwähnten falschen und beleidigenden Behauptungen sowie Aufforderungen zum Ungehorsam enthalten waren. Verbreiter dieser Flugblätter und Behauptungen sind verschiedentlicht festgenommen worden und werden dem Oberreichsanwalt wegen Vorbereitung zum Hochverrat zugeführt werden. Die für ste Durchführungsverordnung zur Devisenverordnung stellt zunächst fest, daß die den Gegenstand des Stillhalteabkommens bildenden Rechtsbeziehungen zwischen inländischen Banken und inländischen Schuldnern, ausländischen Bankgläubigern und ausländischen Schuldnern durch die Reichsbank zu überwachen sind. Ferner wird verordnet, daß im Inlande ansässige Personen Wertpapiere in die Depots von Ausländern nur mit schriftlicher Genehmigung der Stelle für DevisenbeDchhte STchenelt.,.. Temtsprachse er. Sruntge und Lubule venn Einpfung un Keicheranzterhache Reichskanzler Dr. Brüning gab zu Ehren der französischen Gäste ein Abendessen, an das sich ein Empfang schloß. Zu dem Abendessen waren neben der Begleitung der französischen Gäste die Mitglieder des Reichskabinetts, das Präsidium des Reichstags, Vertreter des Reichsrats sowie einige Mitglieder des Reichstags und der höheren Beamtenschaft geladen. Während des Essens wurden zwischen dem Reichskanzler und dem französischen Ministerpräsidenten Trinksprüche gewechselt. Reichskanzler Dr. Brüning sagte u. a.: In Ihnen, Herr Ministerpräsident, begrüße ich den Chef der französischen Regierung, der in besonders schwerer und ernster Zeit berufen ist, die Geschicke des französischen Volkes zu leiten, es in kurzer Zeit verstanden hat, sich roßes Ansehen und höchste Achtung unter den Völkern Europas und der Welt zu erwerben. In Ihnen, Herr Minister Briand, sehen wir den erfahrenen Staatsmann, der an der Spitze zahlreicher französischer Kabinette gestanden hat und seit nunmehr fast sieben Jahren ununterbrochen die Außenpolitik der französischen Republik leitet. Für uns wird Ihr Name eng verbunden bleiben mit der Erinnerung an den leider so früh dahingeschiedenen Minister Stresemann, dessen ich auch in dieser Stunde gedenken darf. Mit ihm sind Sie erstmalig in Locarno zusammengetroffen und haben die gemeinsame Arbeit in häufigen Zusammenkünften in Genf fortgesetzt, wobei ich die Pariser Zusammenkunft aus Anlaß der Unterzeichnung des Kellogg=Paktes nicht gessen darf. Während dieser Paktabschluß einen bleibenden Erfolg auf politischem Gebiet erbracht hat, ist die wirtschaftliche Lage der Welt mehr und mehr zum Mittelpunkt aller Sorgen geworden. Sie bildete den Hauptgegenstand unserer Besprechungen anläßlich des Besuchs, den Reichsminister Dr. Curtius und ich Ihnen in Ihrer schönen Hauptstadt abstatteten. Seit unserem Besuch hat sich die Lage Europas verschlechtert. Die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten einzelner Länder haben sich zu einer solchen Krise verdichtet, deren Ausmaße wohl niemand vorausahnte und zu deren Ueberwindung außerordentliche Anstrengungen geboten erscheinen. Allenthalben quälen Not und Sorge, Unsicherheit und Verzweiflung die Völker, die erwartungsvoll auf ihre Regierungen schauen und von ihnen Befreiung aus der Krise erhoffen. In dieser sorgenvollen Zeit ist längst die Erkenntnis Allgemeingut geworden, daß Europa nur durch zielbewußte und verständnisvolle Zufammenarbeit aller Nationen, nur durch schnelle und gegenseitige Hilfe vor dem schlimmsten Elend und dauernden Zusammenbruch gerettet werden kann. Die Bedeutung der deutsch=französischen Verhältnisse für die Geschicke der leidenden Nationen bedarf keiner Beweisführung mehr; sie ist aller Welt offenkundig. Heute kann ich unter Zustimmung der gesamten Weltöffentlichkeit der Ueberzeugung erneut Ausdruck geben, die ich vor wenigen Monaten dahin zusammenfaßte, daß eine wirklich ausgeglichene und fruchtbare Zusammenarbeit unter den Völkern Europas und die für den lebendigen Wirtschaftsaustausch mit der neuen Welt notwendige Stabilisierung des europäischen Friedens erst an dem Tage gesichert erscheint, wo bei den beiden großen Nachbarvölkern Deutschland und Frankreich das Vergangene seelisch überwunden ist und der Blick sich gemeinsam der Zukunft und ihrer geistigen, wirtschaftlichen und politischen Gestaltung zu. wendet. Wir wissen, daß die Erinnerung an die Vergangenheit zwischen Deutschland und Frankreich unendlich viel Trennendes enthält. Aber diese Erinnerung dürfe kein Hindernis sein, aus der Erkenntnis, die notwendigen Folgen zu ziehen, daß eine deutsch=französische Zusammenarbeit unentbehrlich ist, wenn die Wirtschaftsordnung Europas und der Welt vor dem sie bedrohenden Zusammenbruch gerettet werden soll. Wir werden uns von dem Willen leiten lassen, Trennendes beiseite zu lassen und das Gebiet zu suchen und auszubauen, auf dem eine Gemeinsamkeit der Interessen besteht und eine Uebereinstimmung gefunden werden kann. Angesichts des Ernstes und der Bedeutung der gemeinschaftlich in Angriff genommenen Aufgaben dürfen wir uns aber nicht verhehlen, daß bis zur Erreichung des beiderseits erstrebten Zieles noch ein weiter und schwieriger Weg vor uns liegt. Manches aus der Vergangenheit muß noch beiseite geräumt werden, aber auch das wird die Vollendung des gemeinsam in Angriff genommenen Werkes nicht aufhalten dürfen. Ministerpräsident Laval führte u. a. aus: Sie können davon überzeugt sein, daß wir uns der Bedeutung unserer Anwesenheit in Berlin voll und ganz bewußt sind. Nichts kann dies besser charakterisieren als die Tatsache, daß wir heute abend in demselben Saal versammelt sind, in dem vor mehr als einem halben Jahrhundert der Berliner Kongreß getagt hat, und daß seit der Zeit, als Herr Waddington uns in Berlin vertrat, kein französischer Ministerpräsident in amtlicher Eigenschaft nach Berlin gekommen ist. Wir freuen uns, Sie, Herr Reichskanzler, sowie den Herrn Reichsaußenminister Dr. Curtius heute begrüßen zu können. Sie, Herr Reichskanzler, gehören zu jener geistiger Elite, deren hohe und seltene Eigenschaften die Welt anerkennt und die in den schwierigsten Zeiten ihren Gleichmut voll und ganz zu erhalten wissen. Herr Briand und ich sind nach Berlin gekommen mit den gleichen Bestrebungen, von denen der Herr Reichskanzler soeben gesprochen hat. Wir haben nicht nur einen Akt der Höflichkeit vollziehen und der freundlichen Einladung, die an uns ergangen war, Folge leisten wollen. Wir wollten in dieser großen und schönen Hauptstadt des Reiches die Fäden der Besprechungen von Paris und London wieder aufnehmen und fortsetzen. Seit zwei Monaten hat sich die wirtschaftliche Lage der Welt nicht gebessert; sie erfordert von allen Staatsmännern, die in der gegenwärtigen Zeit die schwere Aufgabe haben, die Völker zu führen, eine Anstrengung des guten Willens und der gegenseitigen Zusammenarbeit. Nur dann wird das Gefühl des Vertrauens, ohne welches es keinen Kredit, keinen Warenaustausch, keine fruchtbare Arbeit und keine Hilfe in der jetzigen Krisis gibt, allmählich wiederhergestellt werden. Das Beispiel, das Deutschland und Frankreich in dieser Hinsicht geben können, ist sicher dazu angetan, den günstigsten Einfluß auszuüben. In den wirtschaftlichen Fragen und in dem Rahmen, der erst kürzlich in Genf aufgestellt worden ist, wollen wir versuchen, zwischen den beiden Völkern eine engere Zusammenarbeit und vertrauensvolle Beziehungen herzustellen. Wir hoffen, daß aus unseren Besprechungen mit den deutschen Ministern, deren Weitblick wir bereits Gelegenheit hatten, zu würdigen, nicht ein ständiger Organismus, sondern auch eine Methode hervorgehen, aus denen sich sehr bald vollständige, praktische Resultate ergeben werden. Indem wir so handeln, sind wir der Ueberzeugung, nicht nur für das Wohl unserer beiden Länder, sondern auch für die Ordnung und den Frieden der ganzen Welt zu arbeiten. Die hamburger Bürgerschaftswahlen Aus Hamburg, 27. Sept., wird gemeldet: Um 22.45 Uhr lagen die Ergebnisse aus 600 von insgesamt 746 städtischen und ländlichen Wahlbezirken vor. Danach erhielten: SPD. 167 849(in den gleichen Bezirken bei den letzten Reichstagswahlen 196 237). KPD. 137 240(111 561). DRVP. 32876(25.065). Staatspartei 54312(52 925). 9VP. 29134(55 208). Wirtschaftspartei 8981(13 493). Nationalsozialisten 158988(116 435). Zentrum 8675(9058). Christlich=Soziale 8921(9 842). Kunstflieger stürzt in die Zuschauermenge— 3 Tote und 20 Verletzte Im Verlauf eines in Luzern veranstalteten Flugtages ereignete sich am Sonntagnachmittag ein schwerer Unglücksfall. Der Oberleutnant Gerber=Zürich zeigte kurz vor der Landung dicht über den Köpfen des Publikums noch einige schwierige Figuren. Dabei kam er so tief, daß das Flugzeug einen Teil der Zuschauer streifte. Drei Personen wur. den auf der Stelle getötet und etwa 20 verletzt, davon vier schwer. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der Chinesische Banditen bringen einen Zug zur Entgleisung— 30 Tote Wie Reuter aus Peking meldet, wurde der Mukden=Peking=Zug 55 Meilen westlich Mukdens durch eine Räuberbande zum Entgleisen gebracht. 30 Personen den getötet, darunter der Lokomotivführer, der Heizer und zwei andere Postbeamte. Außerdem wurden viele Personen schwer verletzt. Der Zug wurde dadurch zum Entgleisen gebracht, daß man die Schienen aufgerissen hatte. Die Banditen plünderten den Zug vollkommen aus, bevor sie das Weite suchten. Hilfszüge sind von Tientsin entsandt worden, und chinesische Truppen versuchen, die Bauditen zu umzingeln. wirtschaftung einlegen dürfen und daß inländische Banken gleichfalls eine solche Genehmigung benötigen, um Wertpapiere, die Ausländern gehören, zu verkaufen, es sei denn, die Besitzer versichern, daß diese Wertpapiere nicht einem Inländer gehören. Dies deshalb, um zu verhindern, daß Inländer sich die den Ausländern zugestandene Freigabe des Erlöses aus Effektenverkäufen zunutze machen. Die Schwierigkeiten der Bauque Nationale de Credit Aus Paris, 26. Sept., wird gemeldet: Die gestrige Besprechung des Finanzministers Flandin mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich und anderen führenden Persönlichkeiten der Finanzwelt galt, wie berichtet, der schwierigen Lage der Banque Nationale de Credit.„Humanite" behauptet, daß die Bank sehr große Verluste bei gewissen Finanzgeschäften und auch infolge des Zusammenbruches gewisser ausländischer Banken erlitten habe. Es soll sich um 100 Millionen handeln. Ein Verwaltungsrat sei schleunigst eingesetzt und vom Ministerrat bestätigt worden. Die Credit Lyonnais soll sich angeblich bereit erklärt haben, die Banque Nationale de Credit zu übernehmen. Zurückziehung der sapanischen Truppen in die mandschurische Eisenbahnzone Aus Tokio, 26. Sept., wird gemeldet: Der Kriegsminister erklärte, nach Rücksprache mit dem Großen Generalstab sei beschlossen worden, keine Entsendung von Truppen zum Schutze der Japaner außerhalb der mandschurischen Eisenbahnzone mehr vorzunehmen, und die Truppen, die sich gegenwärtig außerhalb dieser Zone befinden, zurückzuziehen. Diese Operation werde wahrscheinlich innerhalb zweier Tage beendet werden, worauf die aus Korea kommenden Kräfte dorthin zurückkehren werden, sowie die Lage es erlauben werde. Kleinte voin. Rachriasten Beimischungszwang für deutsche Wolle? Das Landvolk hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, der die Regierung ersucht, für jeglichen amtlichen und halbamtlichen Textilbedarf, also besonders die Bekleidung der Angehörigen der Wehrmacht, die Bearbeitung von mindestens 40 bis 70 Prozent deutscher Wolle vorzuschreiben. Die Länderregierungen sollen aufgefordert werden, gleiche Vorschriften zu erlassen. In der Begründung sagt das Landvolk, daß mit diesen Schutzvorschriften für den Verbrauch deutscher Wolle bereits in Württemberg gute Erfahrungen gemacht worden seien und daß man auch im Auslande auf diese Weise den Schutz der einheimischen Wolle betreibe. Die italienischen Zuschlagszölle Die römischen Zeitungen veröffentlichen den Wortlaut des Dekrets über die Erhebung von Zuschlagszöllen in Italien Das Dekret besteht aus fünf Artikeln. Die Ausführungsbestimmungen bleiben dem Finanzminister vorbehalten. In den Kommentaren wird betont, daß bei den zahlreichen handelsvertraglich gebundenen Positionen nur der kleinere Teil der italienischen Einfuhr von den Zollerhöhungen betroffen werde. Der Mehrertrag aus den Zollerhöhungen wird für das laufende Rechnungsjahr auf 800 Millionen Lire geschätzt. Gandhi studiert die Verhältnisse der englischen Baumwollindustrie Gandhi traf in Darwen in der Grafschaft Lancashire ein, wo er die Verhältnisse in der englischen Baumwollindustrie studieren will. Er wurde von zahlreichen Arbeitern erwartet, die ihm einen herzlichen Empfang bereiteten. Generalstreik in Santander In Santander ist Generalstreik. Sämtliche Geschäfte sind geschlossen, die Brotversorgung und die Versorgung mit Milch ist unterbrochen. Ruhe in Srinagar Aus Srinagar(Kaschmir), 26. Sept., wird berichtet: Die 18000 Aufständischen, die gestern ihr Lager in Srinagar aufgeschlagen hatten, könnten heute durch ein größeres Truppenaufgebot zerstreut werden. Um den Ursprung für die gegenwärtigen Unruhen zu finden, muß man bis etwa Juli zurückgehen; damals setzte eine Agitation der Mohammedaner gegen den hindostanischen Maharadschah Hari Singh ein. Dampferbrand im Hamburger hafen Aus Hamburg, 26. Sept., wird gemeldet: Im Hafen ist kurz vor Mitternacht auf dem Dampfer „Neumark" der Hapag ein Großfeuer ausgebrochen. Auf dem Dampfer kam das Feuer aus bisher noch unbekannter Ursache auf und breitete sich sogleich mit großer Schnelligkeit aus. Die Feuerwehr eilte mit fünf Zügen und Löschbooten herbei. Mit sieben Schläuchen wurde Wasser gegeben, mit dem Erfolg, daß nach der ersten halben Stunde das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Das Feuer auf dem 5000=Brutto=Register=Tonnen großen Dampfer hat am meisten im Mittelteil des Schiffes gewütet und sich von hier aus über das Oberdeck ausgebreitet. Die Flammen fanden hier in den Holzteilen reiche Nahrung und konnten sich zu heller Glut entwickeln, ehe die Feuerwehr eintraf. Der Dampfer„Neumark" hatte den ganzen Freitag unter Blausäuregas zum Zwecke der Ungeziefervertilgung gestanden. Die das Schiff durchziehenden Gase erschwerten die Löscharbeiten erheblichlich, da es den Feuerwehrleuten selbst unter Zuhilfenahme der Rauchschutzgeräte nicht möglich war, in das Innere des Schiffes einzudringen. Zu einem überaus spannenden Rennen gestaltete sich der erstmalig ausgetragene * Das norwegische Motorschift„Larviksjord“ geriet in den Stockholmer Schären in Brand. Das ganze Schiff, das bald in hellen Flammen stand. wurde völlig zerstört. Die 33 Mann starke Besatzung, die in Rettungsboote gegangen war, wurde von einem sinnischen Dampfer ausgenommen. K anser Wunsch int ersunt! Deutschruns schlugr die Sallen T. 5 19 7 5) den vierten— 30 000 erleben einen großen deutschen Sieg. ende wollten ihn sehen“ eten u. un eieten eue un us gusian umn umn ain und een. Endlich scheint für Fußball=Deutschland wieder die Sonne: Wir haben die Dänen haben sie sicher bezwungen. Eif deutsche Spieler fuhren nach Hannover; sie fuhren mit Hemmungen, denn zwei schwere Verlustspiele gegen Oesterreich lagen hinter ihnen und sie standen vor großen Verantwortung, im Kampfe gegen die größte Fußballnation Skandinaviens das Verhängnis abzuwenden, daß ein Lies, ipien, famnpf: tichtigen nordischen Gegners, beg. gthalg in der dentenden Geltung des dentschen J.-g- Boken uich Welt ein Ende setzen würde. Und sie haben sich tapfer geschlagen unsere elf Internationalen, denn sie wußten, daß sie die Träger unserer allerletzten Hoffnung waren. Sie siegten in einem großen Kampfe mit einer noch größeren Energieleistung. Und unsere Anerkennung für ihre grandiose Tat muß die tiefe Befriedigung teilen, daß vier Mannen aus dem Westen des Zeiche in der deutschen Fünferlinie standen, Pe. diesen herrlichen Triumph erkämpfte, wewiß, Kuzorra, Czepau, Tibulski und Kobierski haben sich nicht in jeder Phase des Kampfes so zusammengefunden, wie man es füglich erwarten durfte, aber wer den Tanz der Nerven, dem sich keiner, aber auch nicht der willensstächste Akteur entziehen kann, wenn die kritischen Ptuur aus über einem halben Hunderttausend Augen auf ihm ruhen und Zehntausende mit Hoffen und Bangen sein Spiel verfolgen, kennt, der wird diese unabwendbaren Hemmungen nicht als ein Minus in ihrer prächtigen Leistung werten. Alle, wie sie spielten, verdienen unseren wärmsten Dank, denn sie haben einen Gegner geschlagen, der voller Zuversicht schon vor dem Kampfe von seinem Siege sprach und dessen Ramen einen genden Klang im internationalen Fußbesitzt Wir haben gesiegt und wir dürfen und wollen wieder hoffen, denn mit den Däuen erlag auch der Pesstmismus, der uns so lange, lange Zeit das Vertrauen nahm!... Im Stadion zu Haunover lich aus, denn der ausgezeichnere dänische pielt hatt, gaod mnserem Schaustrio xunche Buh Die Fußballbegeisterung hatte die sonst, so, kich, len Norddeutschen in vollstem Maße erfaßt. wanz Hannover stand im Zeichen des Länderspiels, das schon seit Tagen alle Stadtgespräche ausfüllte. Schon frühzeitig begann der Aufmarsch der Massen nach dem Hindenburg=Stadion. Leider hielt sich am Nachmittag die Sonne hinter grauen Wolken verborgen. Lange vor Beginn des Kampfes waren alle Plätze der an und für sich kleinen Anlage, die durch behelfsmäßige Nottribünen auf ein Fassungsvermögen von 30000 Zuschauern gebracht worden war, restlos besetzt. Da sämtliche Karten schon im Vorverkauf umgesetzt waren, brauchten die Kassen nicht mehr geöffnet zu werden. Um so mehr blühte vor den Toren ein schwunghafter Schleichhandel mit den im Vorverkauf erworbenen Karten. Die dänische Mannschaft im roten Dreß betrat, herzlich empfangen, zuerst den Platz. Bald folgte die deutsche Elf, die bei ihrem Erscheinen ebenfalls rauschenden Beifall einheimsen konnte. Es ergab sich das übliche Bild: die beiden Nationalhymnen wurden gespielt, Kreuzfeuer der graphen und Begrüßung der Mannschaftsführer, bis der Pfiff des österreichischen Schiedsrichters Miesz zur Wahl pfiff. Leinberger entschied sich, mit dem Wind zu spielen. Es wurde Ernst. Der Kampf begann. Es staffelten sich: Deutschland: Kreß Schütz Stubb Gramlich Leinberger Knöpfle Tibulski Czepan Kuzorra Hofmann Kobierski Dänemark:. Gaöhe Gams Rilson Uldall Jörgensen Rohde Hansen Lasthein Sören Jensen Zoelck Einar Hansen" Fritz Tarp Svend Jensen Wie wir siegten... Dänemarks Anstoß endet im Aus, während Deutschland mit einem zugesprochenen Freistoß keine Chance herauszuarheiten vermochte. Schon gleich bei Beginn fiel im Sturm die exakte Zusammenarbeit der Schalker Kuzorra und Czepan angenehm auf. Vorerst brachten sich aber die Dänen, die sich sofort gefunden hatten, besser zur Geltung und stifteten in der deutschen Hintermannschaft starke Verwirrung an. Eine Flanke von Nielsoon wehrte Stubb recht unglücklich ab und mit Schwung landete inader 5. Minute der halb nach hinten gezogene Ball im deutschen Netz. Der Auftakt war also wenig verheißungsvoll, denn durch ein Eigentor waren die Dänen zu einer billigen Führung gekommen. Noch mehrmals sah es vor dem deutschen Tore recht bedrohpteze hatte, gab unseren. Schlußtrio manche zu knacken. Durch außerordentlich freißige beit schickte aber die deutsche Läuferreihe den Angriff immer wieder ins Feuer, und Richard Hofmann, der mit einem Rieseneifer bei der Sache war, ließ bald einen unerhört scharfen Schuß knapp über Ablauf der ersten Hepet, Ezepe, ereseh Hnichtz, land hintereinander zuer Enen, oie jedoch Pir# einbringen. Leinvergers gut gemeinier Schuß aus dem Hinterhalt wird gehalten. Dann kommt Dänemark zum ersten Eckball, deren Seite umgeht Kuzorra in eleganter Manier drei feindliche Spieler und schließt seine Soloaktion mit einem unhaltbaren Torschuß ab. Es steht 1:1. Vorübergehend kommen wieder die Dänen stärker in das Spiel, und noch mehrere gute Aktionen klärt Kreß, doch in der 22. Minute muß er vor einem Schuß von Pauti Jorgensen kapitulieren,.„Gngr 9. Die Dänen fuhren 2:1. Wieder liegen die Dänen mit 2:1 in Führung. Der Erfolg des Gegners wirkt wie eine Ermunterung auf unsere Vertreter. Das Zusammenspiel wird immer flüssiger, die Kombinationen planvoller und die Schüsse auf das dänische Tor immer gewaltiger. Besonders sich in einer ausgezeichneten Spiellaune. Die Verständigung mit seinen Rebenteuten, die, recht nach seinem Geschmack sind, ist ganz vervorragend, aber einen nicht minder großen Anteil an dem vorzüglichen Spiel hat auch die deutsche Läuferreihe, in der Gramlich von Eintracht Frankfurt eine große Entdeckung bedeutet. Deutschlano hat längst wieder das Kommando übernommen, Zu: nächst schoß Hofmann knapp vorbei. Die dritte Ecke blieb erfolglos, aber in der 40. Minute kann abermals Hofmann aus kurzer Entfernung die deutsche Mannschaft wieder 2:2 heraubringen. Fast mit dem Pausenpfiff zusammen schlägt eine Hofmann=Bombe aus weiter Entfernung zum dritten Male im dänischen Tore ein. Deutschland liegt mit 3:2 Toren in Führung. Der Halbzeitpfiff des Schiedsrichters geht in dem Orkan des begeisterten Publikums vollkommen unter. (ume wieder cumal chlete. Shen, Minuten gezahlt und bald ertont das Schlußzeichen. Die Zuschauer strömen auf feld, und im Triumph wird die siegreiche deutsche Mannschaft zu den Kabinen geleitet. Worte der Kritik Der deutsche Sieg ist nicht nur verdient, er hätte, an den Leistungen gemessen, sogar noch höher ausfallen müssen. Schon zur Pause wäre das Schlußergebnis für Deutschland angebracht gewesen. Das Schlußdreieck Kreß, Stubb und Schütz war ohne Tadel, und das Eigentor ein unglücklicher Zufall. Das Hauptverdienst an dem deutschen Erfolg hat jedoch die rauferreihe, in deren Mitte Leinberger als Routinier mit Umsicht und Geschick waltete. Gramlich paßte sich gut ein und Knöpfle war das bekannte Arbeitspferd. So bekam der Sturm Zusammenhalt und Gelegenheit, sich zu entfalten. Recht gut führten sich die neuen Außenstürmer Tibulski und Kobiersti ein. Kuzorra war der gegebene auch seine Absichten durch seinen sonst so eleganten, diesmal aber hier und da schwerfälligen Ver; einskameraden Czepan mehrmals durchkreuzt wurden. Nach der Pause liegen, wie zu Beginn, zunächst die Dänen im Angriff. Die deutsche Hintermannschaft erhielt tüchtig Arbeit, aber es gelingt, das Tor rein zu halten. Auf beiden Seiten werden mehrere gute Torgelegenheiten ausgelassen. Auf dem deutschen Flügel will es nicht ganz klappen, da Czepan zu langsam ist und oft mehr stört als nützt. Die Dänen können mit nicht viel anfangen, und der alte Rhode verschießt freistehend dicht vor dem deutschen Tor. Auf der anderen Seite unterbindet Czepan eine gute Situation durch Abseits. Zwei hintereinander folgende Ecken für Deutschland bringen nichts ein, ebensowenig die zweite für Dänemark. Kreß hebt das Leder knapp über die Latte, und Jörgensen schießt Kreß in die Hände. Die Situationen wechseln blitzschnell vor beiden Toren. Zwischendurch enlädt sich über den Schiedsrichter wegen einer kleinen Benachteiligung der deutschen Mannschaft ein kleines Ungewitter, das aber durch die versöhnliche Geste der Spieler bald wieder abzieht. Kuzorra trifft einmal tnapp daneben. Der dänische Durchreißer Jörgensen wird dem deutschen Tor mehrmals gefährlich. Hofmann hat eine kleine Atempause eingelegt und steht einige Meter hinter der deutschen Angriffslinie, bald ist aber der Dresdner wieder mitten im wildesten Schlachtengetümmel, und in der 32. Minute holt er aus großer Entfernung zum entscheidenden Stoß aus. Der aus gut 40 Meter Entfernung getretene Ball hat solche Schärfe, daß der dänische Torhüter das zwar noch berühren, aber nicht in seinem Fluge aufhalten kann. Die Deutschen führen 4:2. Der deutsche Sieg scheint sichergestellt zu sein. Die Zuschauer rasen, während die sehr zahlreiche dänische Kolonie noch einmal durch mitgebrachte Autohupen, Klingeln und Sprechchöre ihre Landsleute zu einem Endspurt anzupeitschen sucht. Den einmal errungenen Erfolg versteht aber die deutsche Mannschaft auch festzuhalten. Kuzorra hat wieder Schußpech. Kreß erhält Gelegenheit, sich auszuzeichnen, als er einem dänischen Stürmer das Leder vom Kopfe herunterholt. Die Aktionen auf beiden Seiten sind noch flüssig und lebendig. Czepan steht zur AbwechseRecht in seinem Element war Richard Hofmann, der sich noch zur richtigen Zeit auf sein vorhandenes Schußvermögen besann. Bei den Dänen ist trotz der Niederlage die Hintermannschaft zu loben. Die Deckung hielt im Vergleich mit der deutschen Läuferreihe nicht ganz Schritt. Im Sturm zeigte sich Pauli Jörgensen als begabter Führer, der jedoch zu oft versuchte, auf eigene Faust Erfolge zu erzwingen. Abgesehen von einigen kleinen Fehlentscheidungen war der Schiedsrichter Miesz recht gut. Westdeutsches. Pulkicfagen Die tapferen Neulinge Wenn auch die große deutsche Fußballgemeinde am letzten Septembersonntag restlos mit Hoffen und Bangen den Kampf ihrer Internationalen gegen Dänemarks Auserwählte in Hannover verfolgte, so vergaß sie dennoch ob dieses Großereignisses nicht, dem Ringen in der Versterermittlung des heimischen Bezirks ihre u nahme zu widmen. Mehr und mehr entrückt dieses dem Stadium der Vorentscheidungen. Das erste Suchen und Tasten liegt hinter uns und allgemach ergibt sich eine Basis, auf der wohl eine kritische Wertung der Erfolgsmöglichkeiten dieser oder jener Gemeinschaft sich vollziehen lassen wird.. I., Gameine Ji. 6a Zahlreich, wie das Heer der Vereine, die sich in dieser Saison mühen, die Berechtigung zum Verbleib in der„Sonnenliga" zu erkämpfen, waren auch diesmal wieder die Leistungsvergleiche. Und erneut ergab sich in manchem Spiel, in dem die reifere Spielkultur einer„alteingesessenen“ Einheit gegen den ungestümen Siegeswillen eines Neulings im Kampfe stand, ein zahlenmäßiges Ende, das vordem kaum erwartet wurde. Bullus siegt auf der Avus Zum zweiten Male in diesem Jahre war am Sonntag die Berliner Avus das Ziel Tausender. Diesmal waren es nicht die Wagen, sondern die Motorräder, die eine Riesenanziehungskraft auf die Massen ausübten. Schon die ersten Rennen der Seitenwagenmaschinen brachten spannende Kämpfe, und besonders in den Kurven bekamen die Zuschauer aufregende Kunststücke der Beifahrer zu sehen. Allen bisherigen Rekordzeiten wurde der Garaus gemacht und in einem bewundernswerten Tempo rasten die Maschinen um die Bahn. Daß hierbei auch der Maschinenverschleiß wieder enorm war, läßt sich denken. In der ersten Runde gab es einen bösen Zwischenfall. Der Seitenwagenfahrer Dotterweich=Berlin wurde von der Fahrfläche gedrängt fuhr in die entgegengesetzte Fahrbahn und dort gegen die Umzäunung. Beide Fahrer wurden fortgetragen, scheinen jedoch nur leichter verletzt zu sein. Das Rennen der großen Maschinen verlor MöritzMünchen nur durch Maschinenschaden an den Berliner Schoth, und in der Kategorie bis 600 cem. schlug Heyer=Krefeld, der mit 120,1 Std.= Klm. die schnellste Zeit der Beiwagenmaschinen erzielte, den Schweizer Stärkle nur um 2 Meter. Bei den Kleinen kam der Düsseldorfer Schneider zu einem Erfolge vor Kohfink=Bietingsheim. Noch wesentlich schneller waren die Ausweisfahrer in der Kategorie der Solomaschinen, wo Nagel=Berlin auf RSU. nach einer schneidigen Fahrt mit einem Stundenmittel von 143,9 Klm. Sieger blieb. „Große Preis von Berlin“. Der Favorit Bullus setzte sich auf seiner 1000=ccmRSU. sofort an die Spitze, hart bedrängt von Wiese auf BMW., dem er in der 6. Runde für ganz kurze Zeit den Vortritt lassen mußte, als er am Ersatzteillager 32 Sekunden tankte. Wiese wurde aus dem gleichen Grunde aufgehalten und verlor dabei nicht weniger als vier Minuten, da seine Maschine nicht ansprang: Bullus erlangte damit über eine Runde Vorsorung und beendete das Neunen als überlegener Sieger mit einem Stundendurchschnitt von 159.2 Kilometern, der allo genau seiner Trainingsleistung gleichkommt. Den zweiten Platz sicherte sich Wiese vor Bauhofer, dem Sieger der Halbliterklasse. Ein Rennen für sich allein fuhr in der 350=ccmKlasse der Engländer Davenvort auf Norton, der nie in Gefahr kam, während bei den kleinen Maschinen die Entscheidung zu Gunsten von Kahrmann=Fulda erst in der letzten Runde fiel. dem Klein=Hanau bis dahin knaov geführt hatte. Die Ergebnisse: Sroher Preis von Berlin(235.707 Kilometer) bis 1000 ccm: 1. Bullus=Neckarsulm auf RSu 1:28.523(159.2 Std.=Klm.), 2. Wiese=Hannoper aus BMW. 1:36.24.3. 3. Röse=Düsseldort aus BmW. bis 509 ccm: 1. Bauboser=München auf DKM 1:36.12.1(146.9 Std.=Klm.), 2. Trägner=Chemnit auf DKW. 1:41:51,3. 3. Riese=Freiburg auf Rudge 1:44:01.1: bis 350 ccm: 1. Davenport auf Norton 1:41:27 (139.8 Std.=Klm.), 2. Schneider=Düsseldorf auf Belocette, 3. Köhler=Leipzig auf Motosaccoche: bis 250 ccm(196.561 Klm.): 1. Kahrmann auf Herkules=Jag 1240:232(1173 St,= Klm.), 2. KleinHanau auf Horer. 3. H. Noll=Verlin auf Blacksvrr.— Die Revue der Zahlen... Ruhrbezirk: Schwarz=Weiß Essen— Essener SV. 99 6:0; Essen=West 81— BB. Altenessen 2:1; Rot=Weiß Essen— Werden 08 8:1; Schwarz=Gelb Gladbeck— Sportfr. Essen 1:2; Germania Bochum— MBV. Linden 3:3; Alemannia Dortmund— Mengede 08 0:0; BfL. Hörde— Sportfr. Dortmund 1:0; Preußen Bochum— Tus Bochum 1:1; SV. Höntrop— Gelsenkirchen 07 2:1; Westfalia Herne— Castrop 02 3:0; Schalke 96— Rotthausen 0:1; Castrop 11— Germania Herne 3:2. Westfalenbezirk: Bielefeld 06=07— BfB. Bielefeld 2:0; SpVgg. Gütersloh— Hammer Sp.= Vgg. 1:2; Paderborn 08— Unna 08 4:0; Westfalia Ahlen— Teutonia Lippstadt 3:0; Preußen Münster— SC. Münster 08 2:5; Sparta Nordhorn— Westfalia Scherlebeck 0:1; SpVgg. Herten— FC. Gronau 09 6:1; Union Reckling= hausen— PfL. Osnabrück 4:3. Südwestfalenbezirk: Hagen 05— Wetter 08 3:3; Gevelsberg 08— SC. Lichtenplatz 1:0; Reheim 08— Hagen 72 1:2; Milspe 11— Hagen 11 3:3; SC. Siegen— Jahn Werdohl 0:2; Niederschelden— Sportfr. Siegen 2:2; Germania Mudersbach— Plettenberg 11 1:0; Hemer 08— Brachbach 09 8:4. Bezirk Hessen=Hannover(Süd): Hessen 09 Kassel— Borussia„Fulda 3:2; FV. Horas Kurhessen Kassel 3:5; FI. Ockershausen— Germania Fulda 0:1; BfB. Gießen— Germania Marburg 1:4;(Nord): Hermannia Kassel— FC. Grone 4:0; FC. Großalmerode— Tura Rheinbezirk: SV. Baesweiler— Alemannia Aachen 2:4; Grün=Weiß Viersen— BC. 5:1; Preußen Dellbrück— Rhenania Köln 0:2; SV. Waldhausen— CfR. Köln 1:1; Kölner SC. 99— Bonner FV. 4:2; Viktoria Rheydt — SV. Wickrath 6:1; Blau=Weiß Köln— SV. Troisdorf 4:0; SC. M.=Gladbach— SpVgg. Sülz 07 1:1; Odenkirchen 05— Rheydter SV. 5•4; Dürener SV.— Mülheimer SB. 2:1; Vingst 05— BfR. Köln 0:3; VfL. Siegburg— Rhenania Würselen 4:5; Tura Bonn— Berg.= Gladbach 6.1.. gg. Limbura- G. Mittelrheinbezirk: Pfo#. vimvurg— Germania Metternich 7:1; SC. Niederlahnstein— Koblenz 1900 0:1; SC. Oberlahnstein— FV. Engers 1:2; FV. Neuendorf— SC. Herressen 2:0; FSV. Boppard— SV. Elz 2:2; SC. Neuenahr— SC. Neuwied 3:3; SpVgg. Andernach— SC. Moselweiß 4:3; BfB. Lützel— Preußen Koblenz 0:2; Fortuna Kottenheim— TV. Mayen 3:5; Rheinland Mayen— Wied Niederbieber 2:7. Niederrheinbezirk: SV. Kaldenkirchen— Hamborn 07 3:2; Meiderich 06— SV. Moers 5:1; SpVgg. Oberhausen— Meidericher SV. 0:1; Sportfr. Krefeld— VfB. Bottrop 3:1; Tura 88 Duisburg— Union Krefeld 1:1; VfvB. Ruhrort— Duisburg 1900 7:0; Duisburger SB.— Preußen Krefeld 0:3; Duisburg 99— Rasensport Oberhausen 1:2; BfB. Speldorf— Homberger SV. 2:2; Osterfeld 06— FV 08 Duisburg 2:2; Kleve 03— SpVag Sterkrade 2:3; Union Hamborn— SV. Düsser. 0 Berg.=Märk. Bezirk: Ratingen 04— SC. 99 Düsseldorf 1:1; Solingen 95— Germania Küllenhahn 0:2; BC. 05 Düsseldorf— SSV. berfeld 2:2; Sonnborn 07— VfL. Benrath 2:2; Schwarz=Weiß Düsseldorf—. VfB. Hilden SSV. Oberkassel— SSVgg. Barmen 0:2; Eller 04— BV. 04 Düsseldorf 2:1; Schwarz=Weiß Barmen— FC. Ohligs 2:0; BfR. Ohligs— FC. Schwelm 4:2; Tura Düsseldorf— Lüttring= hausen 7:0. Reichsbahn Schwerte schlägt den Sportverein „Arminia“ Dortmund=Marten 11:9 Der Abend erfreute sich eines guten Besuches. Beide Mannschaften kämpften sehr fair, sodaß der Ringrichter Nübel=Bochum 19 ein leichtes Amt hatte. Der Vorsitzende des Reichsbahn=Turn= und Sportvereins, Bauoberinspektor Bothe, fand vor Beginn der Kämpfe passende Worte der Begrüßung. Im Auftrage des Westfälisch=Hessischen Verbandes für Amateurboxen beglückwünschte Ringrichter Nübel den ReichsbahnTurn= u. Sportverein für sein neues Heim. Im ersten Kampf trafen sich im Igd.=Papiergew. Brösecke(Schwerte)— Gresinsky (Marten). Der Schwerter, den wir erstmalig im Ring sahen, enttäuschte nach der angenehmen Seite. Das Urteil„Unentschieden“ war beiden Kämpfern gerecht. Igd.=Weltergew.: Mütering(Schwerte) — Brune(Marten). Alle Angriffe des Schwerters scheiterten an des Gastes guter Deckung. In der 2. Runde kommt der Gast gut aus und landet harte Geraden, sodaß Müterings Sekundanten das Handtuch werfen und den Kampf aufgeben. Igd.=Leichtgewicht: ForthI(Schwerte)— Moscheck(Marten). Die Runden verlaufen ausgeglichen beide Kämpfer stelen sich ii Angriff und in der Abwehr nichts nach. Das„Unentschieden“ ist gerecht. Senioren=Weltergewicht: Moll(Schwerte) — Woczella(Marten). Moll als Neuling entpuppt sich als ein ausgezeichneter Techniker und Konterboxer, der leicht überlegen ist. Das Urteil„Unentschieden“ ist für den Gast schmeichelhaft. Sen.=Bantamgewicht: Müller(Schwerte) — Koch(Marten). Beide Kämpfer lieferten den fairsten Kampf des Abends. Erst in der Schlußrunde kommt Koch gut auf und diktiert leicht den Kampf. Sein Punktsieg ist knapp, aber verdient. Sen.=Weltergewicht: Minuth(Schwerte) — Sondermann(Marten). Nach kurzem Abtasten greift der alte Ringsuchs Minuth an und landet mit seiner harten Rechten eine Serie Schläge, die seiner Gegner zur Aufgabe zwingen. Sen.=Weltergew.: Elmerhaus(Schwerte) — Nerlich(Boxsport 1920 Dortmund). Nerlich fand in Elmerhaus einen ebenbürtigen Partner, der stark angreift. Nachdem er mit seiner Linken geschickt täuschte, bringt er seine gefährliche Rechte wirkungsvoll an, sodaß Nerlich bis 8 zu Boden muß. In der 2. Runde ein lebhafter Schlagwechsel. Elmerhaus landet einen rechten Schwinger, der Nerlich bis 9 zu Boden bringt. In der 3. Runde ist Nerlich sehr auf der Hut und weiß Elmerhaus' Rechte tadellos zu decken. Elmerhaus hoher Punktsieger. Igd.=Bantamgewicht: Groll(Schwerte)— Gritz(Marten). Groll ist der Schnellere und auch seine Schläge sind produktiver, sodaß er verdienter Punktsieger wird. Sen.=Halbschwergew.: Elksnat(Schwerte) — Lange II(Marten). Ein gerechtes Unentschieden trennt diese gleichwertigen spannenden Kämpfer. Auch der Sen.=Leichgewichtskampf mit Wienholt(Schwerte)— Friedhoff(Marten) endet„pari“ nach einem schönen Kampf. Schwerte 22 unterliegt gegen Anna 25 5:11 Die 22er mußten von den starken Gegnern eine Niederlage hinnehmen. Da Unna sich rühmen darf, das einseitigst eingestellte Boxpublikum zu haben, hatten es die Schwerter besonders schwer. Der Klubkampf begann mit dem Treffen im Jugend=Fliegengewicht: Kraft(22) gegen Schulz(Unna). Schulz hatte gegen den körperlich und boxerisch überlegenen Kraft keinen Augenblick eine Siegeschance und gab bereits in der 1. Runde auf. Senioren=Federgewicht: Lindemann(22) gegen Winnecke(Unna). Da der Unnaer während des ganzen Kampfes wirkungsvollere Schläge anbringt, sichert er sich einen Punktevorsprung. L. gibt den verlorenen Kampf, noch verhältnismäßig frisch, in der 3. Runde auf. Senioren=Mittelgewicht: Westphal(22) gegen Kolbe(Unna). Westphal bestritt seinen ersten Kampf, Kolbe seinen 86.! Wenn Westphal so witter macht, wie er Samstag begann, verspricht er, der technisch beste Boxer der 22er zu werden. Vorläufig mußte er sich dem Können von Kolbe beugen und den Kampf am Ende der 2. Runde aufgeben. Sen.=Weltergewicht: Staat(22)— Veihoff(Unna). Der schönste Kampf des Abends. Alle drei Runden sind mit lebhaftem Schlagwechsel ausgefüllt. Die 1. Runde fällt leicht an Staat, die 2. ist ausgeglichen, in der 3. Runde erzielt St. wiederum einen kleinen Punktevorsprung, läßt dann aber in der letzten Minute auffallend nach, sodaß der Unnaer gleichzieht. Der Ringrichter verkündet als einstimmiges Ergebnis der Punktrichter: Unentschieden. Sen.=Federgewicht: Siebald(22) gegen Müller(Unna). Der Schwerter beweist in seinem 2. Kampf seine aufsteigende Linie. Nach tapferem Widerstand gibt er in der Pause zur dritten Runde auf. Sen.=Leichtgewicht: Haßlei(22)— gegen Konert(Unna). Haßler hielt, was man sich von ihm versprochen hatte. Beinahe wäre dem 22er wieder ein k. o.=Sieg in der 1. Runde geglückt. In der 3. Minute schlägt er seinen Gegner genau auf den Punkt. Konert liegt lang ausgestreckt und unbeweglich im Ring. Da schlägt der Zeitnehmer(ein Unnaer Vereinsangehöriger!) rasch den Gong, obwohl noch ca. 20 Sekunden zu kämpfen sind! Konert vermag sich nicht zu erheben und wird von seinen beiden Sekundanten auf den Stuhl getragen! Wieder hilft der Zeitnehmer, indem er 1½ Minuten Pause macht. Doch es nutzt nichts. Sofort nach dem Gongschlag ist Haßler am Gegner und sendet ihn noch in der ersten Minuten für die Zeit auf die Bretter. Senioren=Weltergewicht: Funke(22) gegen Weller(Unna). Schon nach den ersten Schlägen ist Funkes Rechte wieder kampfunfähig. In der 2. Runde strauchelt er und fällt ausgerechnet auf seine verletzte Hand. Wieder will er den Kampf aufnehmen, doch seine Sekundanten verhindern es, um Funkte vor weiterem Schaden zu bewahren. Das Treffen steht jetzt 5:9 für Unna. Sen.=Halbschwergewicht: Maier(22) gegen Grätsch(Unna). Der Unnger bringt 169 Pfd., ist also gutes Schwergewicht. Moier nur 151 Pfd. M. gibt in der 2. Runde den Kampf. der alles andere als ein Borkampf war. auf. Diese Punkte wären eigentlich wenen des krassen Uebergewichts an Schwerte gesallen. Waier erklärte sich aber var dem Kampf berett. um die Punkte zu kämpfen. Diese Tatsache beweist zwar den Mut des Schwerters, war aber eine taktische Unklugheit und brachte die 22er um das wohlverdiente Ergebnis 7•9! Es ist nicht menschenfreundlich, andere zu ärgern. Am allerwenigsten aber sollte man sich ärgern. * Aerger muß man umwerten lernen in— Würze. Dann erst ist die bekannte Reihe von guten Tagen zu ertragen. Eingesandt (Für Artikel unter dieser Rubrit übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzt. Verantwortung.) Preußens Notverordnung für die Gemeinden. Die neue preußische Notverordnung für die Gemeinden sieht praktisch genommen die Beseitigung des Haushaltsrechts der Gemeindepar= lamente vor, und schiebt hierfür die Diktatur der Verwaltungsorgane ein. Also Kreisausschuß, Magistrat und bei Kommunen, welche die Bürgermeisterreiverfassung haben, der Bürgermeister. Also ein kleines Gremium oder ein einzelner Mann, haben über das Wohl und Wehe großer Volksschichten das alleinige Verfügungsrecht. Der§ 1 der Verfassung besagt: „Die Verwaltungsorgane der Gemeinden und Gemeindeverbände sind berechtigt, alle Maßnahmen, die zum Ausgleich des Haushalts der Gemeinden erforderlich sind, zu treffen!" Nach einschneidenden Besoldungskürzungen der Beamten und Lehrer, Wegfall oder 50prozentige Kürzungen der Dienstzulagen und dergl. durften auch die Aermsten der Armen nicht vergessen werden. Die preußische Notverordnung sieht auch wieder eine 6prozentige Kürzung der Fürsorgesätze vor. Die Richtsätze sind nicht wie manche Beamtengehälter überzogen gewesen. Im Landkreis Iserlohn betragen sie in der gehobenen Fürsorge. Hierin werden die Klein= und Sozialrentner betreut, also Leute, die infolge Krieg und Inflation ihr Vermögen verloren und Arbeiter, die nach einem arbeitsreichen Leben, infolge Kräfteverfall aus dem Arbeitsprozeß ausgeschieden sind: Für ein Ehepaar mit eigenem Haushalt monatlich 68 Mt. nach Abzug von 6 Prozent 64 Mk.— Erwerbslose Personen mit eigenem Haushalt monatlich 47 Mk. nach Abzug von 6 Prozent 44#90 Mk. Noch schlechter liegen die Verhältnisse in der allgemeinen Fürsorge, welche Sätze noch um 25 Prozent niedriger liegen, wie die der gehobenen Fürsorge. Bemerkt muß noch werden, daß diese Fürkorgesäte Höchstsätze sind, in welchen Wiete, Kleidung und Ernährung enthalten sind. Man beantworte doch mal die Frage, ob an solchen niedrigen Sätzen überhaupt Abzüge vorgenommen werden dürfen. Und ob diejenigen, die die Notverordnung befürwortet haben, diesen Abzug verantworten können? Man müßte diese Herren mal unter diesen Bedingungen 1 Jahr leben lassen, und nie wieder würden sie einen derortigen Abzug befürworten. Die Erbitterung in Kreisen der Klein= und Sozialrentner, Wohlfahrtserwerbslosen u. Ortsarmen ist aufs höchste gestiegen. Sogettt. Planos neu und gebraucht. Verlangen Sie vor Kauf unverbindliches Angebot direkst von Plano-Fabrik Roths Junius Nagen 44 Teilzahlung. Lieferung Wer vermietet zum 1. Januar beschlagnahmefreie 3-4 ZimmerWohnung in Schwerte od. näherer Umgebung. Gefl. Offerten nur m. Preis unt. Nr. 33 an die Geschäftsst. dieser Zeitung erbeten. liefert schnellstens Carl Braus, Bahnhofstr. am Mittwoch, 30. September 1931, Die Beerdigung findet nachmittags 4½ Uhr vom Trauerhause, Kötterbachstr. 4, aus statt. Belleidsbesuche dankend verbeten. Statt besonderer Anzeige! Heute morgen 1¼ Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein innigstgeliebter Mann, mein treusorgender Vater, mein lieber Sohn, unser guter Bruder, Schwager, Onkel und Neffe Res.-Lok.-Führer i. R. Gustav Friederich im Alter von 44 Jahren. Um stille Teilnahme bitten: im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Martha Friederich geb. Krieger Ilse Friederich Frau Wwe. Lina Friederich Schwerte, den 27. September 1931. 2 Eisenbahn-Verein Schwerte(Ruhr) und Umgegend. General=Versammlung Sonntag, den 4. Oktober 1931, um 18 Uhr. im Vereinslokal„Westsälischer Hof“ Tagesordnung: 1. Verlesen der letzten Niederschrift. 2. Vereinsbeiträge, Kohlenversorgung. 3. Ausschluß von Mitgliedern. 4. Antrag des Reichsbahn=Turn= und Sportvereins. 2823 5. Ehrung der Jubilare. 6. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Vorstand. Für die uns erwiesene Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Vaters sagen wir allen Freunden und Bekannten unsern aufrichtigen Dank. Insbesondere herzlichen Dank Herrn Pastor Hagemann für seine trostreichen Worte und den Vereinen für ihre rege Beteiligung. Familie Gebhard-Rost Schwerte, den 28. September 1931 Ingenieurschule Ilmenau in Thüringen. Maschlnenbau und Elektrotechnik. Wissenschaftliche Betriebsfdurung Werkmeis erabtellung Püdanoslaun Haven Schüler und Schülerinnen-Vorbereitung auf alle Klassen und Präfungen. Bahnhofstrasse 34 Tel. 23678 2 Hamburg, den 28. September Bürgerschafts= Reichstags= Bürgersch.= der Hamburger Wahlen Die Mandate Die Wahlbeteiligung war erheblich höher als das letzte Mal. uucn in ernzten Europäisches Börseuspiel. Preht enc nicht um, Der Concurs geht berum. in der„guten alten Zeit“ war es nicht besser Auch vor hundert Jahren gab es Börsenkrachs Diese lustige Zeichnung aus den Fliegenden Blättern von 1847 beweist, daß die weitverbreitete Meinung. unsere heutigen Riesen=Bank= und Börsenkrachs seien etwas Unerhörtes. Niedagewesenes. auf der Vergeßlichkeit der Menschen beruht. Auch die vergangene Zeit war nicht schlechtweg eine „gute, alte“, sondern eo dat schon östers in Eurova ein unheimlics Knistern im 6 bält der Finanshäuser gegeden„Drodt euch nicht um, der Konkurs gebt derum“ ist damals wie heute ein aktuellee Goief gereter Bergisches Land Südwestfalen und Fünffache Bürgersteuer Die Stadtverordnetenversammlung in Meschede beschloß, zur Deckung des aufkommenden Fehlbetrages von etwa 36000 Mark und der erhöhten Wohlfahrtslasten, für die vom Kreise kein Zuschuß zu erwarten ist, einen Zuschlag von 400% Bürgersteuer zu erheben. Wuppertag. Ersparnisse bei der Polizei. Das Polizeipräsidium teilt mit: Nach dem Beispiel der Stadtverwaltung Wuppertal wird nunmehr auch das Polizeipräsidium aus Gründen der Vereinheitlichung und der Ersparnis seine Verwaltungsdienststellen für Wuppertal zusammenlegen. Zu diesem Zweck werden die Geschäftsstellen des Polizeiamtes Barmen zum 1. Oktober d. J. mit den Abteilungen 1 bis 6 des Polizeipräsidiums Wuppertal vereinigt. Die Abteilungen werden auf die bisherigen drei Dienststellen im Evangel. Vereinshaus, in der Von der Heydt=Gasse und im Kleinen Werth in Barmen verteilt. Finnentrop. In glühendes Zink gestürzt. Einen gräßlichen Tod fand ein Arbeiter auf den hiesigen Jacobi=Werken. Infolge eines Fehltritts stürzte der Mann in einen Behälter glühenden Zinks und zog sich am Körper qualvolle Brandwunden zu. Der Tod trat nach wenigen Minuten ein. Ostwestfalen, Münsterland Die verunglückten rumänischen Petroleumzüge bei Mereni Aufruf an die westf. Bauern zur Winterhilfe Die Vereinigung der deutschen christlichen Bauernvereine und der Westfälische Bauernverein erlassen einen Aufruf an die Landwirte, in dem diese aufgefordert werden, bei den in der nächsten Zeit zu erwartenden Sammlungen eine offene und gebefreudige Hand zu zeigen. Des weiteren sollen sie sich bereit finden, wie in früheren Jahren, Kinder armer Großstadteltern aufzunehmen. Es heißt in dem Aufruf weiter: Wir kennen und würdigen die immer drückender werdende eigene Rot des deutschen Bauernstandes und seinen mühsamen Kampf um die Erhaltung der eigenen Existenz. Aber wir weisen auch darauf hin, daß es bei vielen Arbeitslosen nach Erschöpfung ihrer versicherungsmäßigen Anfprüche um die Erhaltung ihrer nackten Existenz geht, und daß es gilt, diese Aermsten der Armen vor Hunger und Verzweiflung zu bewahren. Von ernster Sorge um die Zukunft unseres ganzen Volkes erfüllt, sind wir gewiß, daß unser Ruf in den Reihen der deutschen Bauern nicht ungehört verhallen wird, und daß jeder nach seinen Kräften zur Linderung des unsäglichen Elends weiter Kreise unserer ossen beitragen wird. unweit von Bukarest, stießen, wie schon getötet wurden. Ein Sachschaden von 29 Millionen Lei wurde verursacht. sseld. Eine„Höllenmaschine“. Große Aufregung in Coesfeld! Eine hiesige Wirtsfrau hörte früh um 2 Uhr von einem schmalen Gange aus, der sich zwischen ihrem und einem anderen Hause befindet, ein schnarrendes Weckgeräusch. Beim Nachsehen fand sie eine geschlosjene Blechdose, aus der das eigenartige Geräusch kam. Die beherzte Frau faßte zu und warf Blechdose über eine nahe Mauer. Doch die Weckvorrichtung in der Blechdose störte sich wenig daran und surrte zum Schrecken aller Nachbarn ruhig weiter. Man brachte schließlich die geheimnisvolle Dose, in der man eine Höllenmaschine vermutete, auf den Friedhof. Hier fand sich ein kühner Mann, der mit einem Stück Holz in die kleine Oeffnung der Dose fuhr und die Weckvorrichtung zum Stehen brachte. Die Landeskriminalpolizeistelle Recklinghausen stellte fest, daß es sich bei der„Höllenmaschine" um einen Scherz übelster Art handelte. Nach den Tätern wird gefahndet. Ahaus. Moderne Schmugglerbekämpfung. Eine Kraftradstreise konnte in Vreeden einen aus Bocholt kommenden Kraftwagen, der auf das Haltezeichen hin in rasender Fahrt zu entkommen suchte, in schneidiger Verfolgung stellen und den Führer festnehmen. 160 Klg. feingeschnittener Rauchtabak wurden beschlagnahmt. Der Wert beträgt 1600 Mark, dem noch 14 480 Mark Zoll und 29 100 Mark Steuern zuzuzählen sind.— Einen ebenso guten Fang hatte ein Zollbeamter, der mit Hilfe eines lizeihundes ein Schmugglerversteck aufstöberte, in dem sich 112 Klg. Tabak und fünf Klg. Kaffee befanden. Die Schmuggler konnten in diesem Falle nicht gefaßt werden. Wohl gelang es, mit Hilfe der Diensthunde die Schmuggler eines wertvollen Zuchtbullen, der von Holland eingeschwärzt war, zu stellen. Bielefeld. Kein Giftmord. In dem Verfahren gegen die Ehefrau Lina Thomas in Walmenbrück und dem Maurermeister Wilhelm Kröger in Westkilver wegen Giftmordes ist die Voruntersuchung abgeschlossen. Die Angeschuldigten sind mangels dringenden Tatverdachtes außer Verfolgung gesetzt worden. Das von der Universität Kiel eingeholte Gutachten spricht sich dahin aus, daß im Gegensatz zu einem anderen Gutachten ein begründeter Verdacht, daß in den Leichenteilen Spuren von Schierlingsgift festgestellt seien, nicht vorliege. Damit hat eine in allen Bevölkerungskreisen viel besprochene Affäre ihr Ende gefunden. Das Gladbach-Rheydter Theaterexperiment Künstler helfen sich selbst Nach dem letztgemeldeten Stand der Dinge beim Gladbach=Rheydter Theater schien der Plan einer Theater=EmbH. endgültig gefallen zu sein. Es sollten versuchsweise einige Aufführungen der Gladbach=Rheydter Notgemeinschaft erwerbsloser Bühnenangehöriger stattfinden, zu denen die Stadt die Theaterräume kostenlos zur Verfügung die Barauslagen für Licht und Heizung jedoch nicht zu Lasten der Stadt gehen sollten. Dieser Vorschlag wurde zunächst abgelehnt. Nunmehr haben sich die Künstler trotz aller Bedenken entschlossen, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. So sehr dieser Versuch eines Theaters in eigener Regie der Künstlerschaft einen Notbehelf darstellt, in dem Sinne nämlich, daß die Künstler in weitestem Maße auf sich selbst angewiesen sind. so wenig darf doch nach Meinung aller Mitwirkenden die Qualität der Aufführungen den Stempel eines Nottheaters tragen. Man hat deshalb nur solche Stücke ausgewählt, die in künstlerisch einwandfreier Weise mit den zur Verfügung stehenden Kräften herausgebracht werden können. Werbevorstellungen wird am 1. Oktober eröffnet mit Verdis Oper„Rigoletto". Es folgen Falls Operette„Der fidele Bauer" und Raynals Schauspiel„Das Grabmal des unbekannten Soldaten“ Bei befriedigendem Besuch der Werbeveranstaltungen will die Notgemeinschaft der Bühnenangehörigen für die Erwerbslosen noch zwei Vorstellungen bei völlig freiem Eintritt veranstalten. vom Ausgang dieses Versuches ist es abhängig, ob das Gladbach=Rheydter Theater im kommenden Winter weitergeführt und zu diesem Zwecke die geplante Theater=Embb. gegründet wird. Düsseldorf. Nur noch 6 Autos. Der städtische Personenwagenpark in Düsseldorf wird mit sofortiger Wirkung auf sechs Wagen abgebaut. Unter den verbleibenden Wagen befinden sich der des Oberbürgermeisters, des Wohlfahrtsdezernates und der für die täglichen Geldtransporte der Sparkasse. Für den gesamten übrigen Verwaltung apparat stehen in Zukunft nur noch drei Wagen zur Verfügung. Düsseldorf. Kommt ein Viertel der Bevölkerung in Fürsorge? Sitzung der an der Düsseldorfer Winterhilfe beteiligten Körperschaften erklärte der Leiter der Organisation, Handelskammersyndikus Dr. den, daß man zum Handeln bereit sei. Die Balft soll auf zweierlei Art erfolgen, und zwar in Form der Lebensmittelabgabe und Verteilung von Gutscheinen für Speisung in einer der 60 eingerichteten Volksküchen. Auch an eine Kleigersagup. namens der Stadt an die Veteligten einen nochmaligen dringenden Appell, zum Zusammenstehen in der Bekampfung der Not. Mehr als 95000 Düsseldorfer werden heute öffentlich unterstützt. Wahrscheinlich wird in diesem Winter ein Viertel der Bevölkerung auf die öffentliche Fürsorge angewiesen sein. Düsseldorf. Selbstmord eines fruheren englischen Majors. Am Abend erHortenstraße weilende frühere engische Major Vom Mittel- und Oberrhein Jac John Dempsey mit einem Jagdgewehr. Der angebliche Grund zur Tat soll Krankheit gewesen sein. Nach einer anderen Version verlautet, daß der Engländer den Tod wegen Pfundverluste gesucht habe. Krefeld. Großfeuer einer fruchtgefüllten Scheune. Morgens gegen 1,40 Uhr wurde die städtische Feuerwehr zur Alexianeranstalt(Irrenanstalt) gerufen, wo die mit Frucht gefüllte Scheune in ihrer ganzen Ausdehnung in Flammen stand. Der Brandschaden ist sehr erheblich. Es wurde eine Reihe landwirtschaftlicher Maschinen vernichtet, ferner. Elektromotore, die Frucht von etwa 15 bis 20 Morgen Roggen und Hafer und etwa 15 bis 20 Zentner Futtermehl. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt. Die Feuerwehr konnte ein Uebergreifen auf die Wirtschaftsgebäude und die Anstalt verhindern.. Krefeld. Die Martinszuge bleiben. Der Polizeipräsident hat für die Zukunft jede Sammlung mit Ausnahme der für die Rothilfe abgelehnt, dagegen die Sammlung für die althergebrachten Martinzüge erlaubt. Die Martinszüge dürfen wie im Vorjahre stattfinden, jedoch wurde es dem die Züge veranstaltenden Bürgerverein zur Pflicht gemacht, den Erlös der Sammlung voll den Kindern in Form der üblichen Geschenke zukommen zu lassen. Entgegenkommenderweise hat der Polizeipräsident einen Teil der Schupokapelle für einige Hauptzüge zur Verfügung gestellt. Als Zeit für die Veranstaltung wurde der 10. November festgesetzt. Duisburg. Beim Baden tödlich verunglückt. Auf tragische Weise kam eine in der Vereinsstraße in Duisburg=Meiderich wohnhafte Frau ums Leben. Die Frau, die im 47. Lebensjahre steht, war im Begriff, ein Bad zu nehmen, als es ihr übel wurde. Beim Heraussteigen aus der Wanne stürzte sie mit dem Kopf auf die eisenbeschlagene Kante einer Waschmaschine. Hierbei zog sich die Verunglückte einen schweren Schädelbruch zu, an dessen Folgen sie, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. kurze Zeit darauf starb. Wesel. Ein Schmuggler gefaßt. In Wesel wurde von einer Polizeistreife ein Motorradfahrer gestellt, der einen großen Sack mit Waren bei sich führte. Als die Streife das Haltezeichen gab, sprang der Beifahrer ab und konnte in der Dunkelheit entkommen. Der Motoradfahrer wurde festgenommen. Er trug einen geladenen Nevolver schußfertig bei sich. Beschlagnahmt wurden 146 Pakete Tabak, Kaffee und Kakao. Kleve. Hohe Strafen für Schmugg ler. Das Klever Schöffengericht verurteilte vier Schmuggler wegen Steuerhinterziehung und Bandenschmuggels zu je einer Geldstrafe von 20 500 Mark und einer Gefängnisstrafe von einem Monat. Rund.=40 Kilogramm Tabak und Kaffee wurden beschlagnahmt. Die Angeklagten waren in der Nacht vom 14. zum 15. Februar dieses Jahres von Zollbeamten des Bezirks Geldern mit Schmuggelgut festgenommen worden. so hat man doch schon eine ganze Reihe treuer Großabnehmer, die die gediegene Hausarbeit aufkaufen. In Gerolstein werden neuerdings, um der großen Not zu begegnen, patentamtlich geschützte Reibeisen für eine Drahtwarenfabrik in der Heimtätigkeit hergestellt. Die Fabrik liefert das Material, und die Heimarbeiter stellen die Einzelteile zum fertigen Reibeisen zusammen. Täglich werden etwa 15000 Stück fabriziert. Bei etwas Geschicklichkeit kann ein Heimarbeiter täglich 300 Stück herstellen. Der Lohn beträgt pro Stück 1¾ Pfg. Durch eine beschränkte Materialausgabe sucht man möglichst viele Familien heranzuziehen. Ein neuer Schwindlertrick Ihm gings um die Telegrammgebühr In ein Geschäft in Düren kam ein Mann mit fremdländischer Aussprache und kaufte einige Kleinigkeiten. Mit der Inhaberin kam er ins Gespräch und erklärte ihr, er habe vergessen, von seinem am gleichen Tage ins Ausland gereisten Bruder Geld zu verlangen und sei deshalb in Verlegenheit. Er wolle telegraphisch seine Mutter ersuchen, ihm den Betrag von 500 RM. den, und zwar an die Anschrift der Geschäftsfrau, wenn diese nichts dagegen hätte. Die Frau trug keine Bedenken. Nun ersuchte der Mann sie, mit ihm zur Post zu gehen und den Betrag für das Telegramm einstweilen auszulegen. Die Frau ging mit zur Post, der Fremde gab das Telegramm an eine Station des Auslandes auf und die Geschäftsinhaberin legte hierfür etwa 12 RM. aus. Der Mann entfernte sich dann mit dem Bemerken, abends ins Geschäft zu kommen, dort das inzwischen telegraphisch angewiesene Geld abzuholen und mit der Frau die Spesen zu verrechnen. Einige Minuten darauf kam er wieder an den Postschalter und erklärte dem Beamten, das Telegramm zurückziehen zu wollen. Der Beamte trug keine Bedenken, zumal er den Mann ja als den Auflieferer kannte. Er zahlte ihm den Betrag zurück. Natürlich ließ sich der Schwindler, nachdem er auf so raffinierte Weise in den Besitz der 12 RM. gekommen war, nicht mehr sehen. Selbsthilfe in der Eisel Wiederaufnahme der Heimindustrie Das Dorf Waldorf im Kreise Ahrweiler hatte früher eine rege Heimindustrie, die in den langen Wintermonaten vielen Landleuten am Webstuhl lohnende Beschäftigung bot. Durch die Mechanisierung in der Webindustrie kam auch diese Heimarbeit zum Erliegen. Die Not der Zeit brachte hier wieder neues Leben in die Heim webenet. Aus der Gegend bei Prüm hat man bereits dasselbe gehört. Nach und nach beginnen also die Landleute und andere beschäftigungslose Familien wieder mit dem Weben. Früher stellte man hauptsächlich Plisch und ähnliche Stoffe her; heute werden meist Scheuertücher gewebt. Wenn der Absatz auch mühsam erkämpft werden muß, Köln. Korruption. Hier wurden ein Steuerberater und ein Steuerassistent eines hiesigen Finanzamtes festgenommen, weil sie von einem Steuerpflichtigen, unter dem Vorwand, seine Steuerangelegenheit schonend behandeln zu wollen, 2000 bzw. 1000 RM. gefordert und erhalten hatten. Köln. Selbstmord eines Kölner Polizeibeamten. Nachmittags hat jüngerer Polizeiwachtmeister der Kölner Schutzpolizei in der Polizeiunterkunft mit der Dienstpistole eines Kollegen erschossen. Die Kugel war ihm in den Kopf gedrungen und hatte ihn se schwer verletzt, daß er nach Ablauf einer Stunde starb. Der Grund für die Tat ist Ueberschuldung. Köln. Wird die Rheinische Musikschule auf rechterhalten? In der Presse wird neuerdings die Möglichkeit einer Schließung der Rheinischen Musikschule in Köln erörtert. Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, handelt es sich hierbei nur um einen unter dem Druck der augenblicklichen Verhältnisse vorläufig ins Auge gefaßten Plan. In die Tat wird er schon deshalb kaum umgesetzt werden, weil die Rheinische Musikschule aus sozialen, volksbildnerischen und künstlerischen Gründen unter allen Umständen in irgend einer Form aufrecht erhalten werden soll. Vonn. Geheimrat Prof. Dr. Walb gestorben. Im Alter von 83 Jahren starb hier der ehemalige Direktor der Universitätsklinik für Ohren=, Hals= und Nasenkranke, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Heinrich Walb. Unter seinen Fachkollegen und in der übrigen Gelehrtenwelt erfreute sich Professor Walb eines ausgezeichneten Rufes. Noch bis ins hohe Alter war er wissenschaftlich tätig. Vor einigen Wochen feierte er sein 60jähriges Doktorjubiläum, wobei ihm zahlreiche Ehren zuteil wurden. Adenau. Straßenverbesserungen am Nürburgring. Seit einigen Tagen ist man an der Einfahrt Breitscheidt des NürburgRings mit einer Verbesserung dieser steilen und gefährlichen Auffahrtskurve beschäftigt. Bei diesen Arbeiten erfolgt neben der Ausgleichung einer Unebenheit nach der Bergseite zu eine Tieferlegung und nach der Außenseite eine Erhöhung der Kurve. Da die meisten Nürburg=Ring=Besucher diese Einfahrt benutzen, wird man diese Verbesserungen allgemein begrüßen. Koblenz. Doch Bauder Moselbrücke? Wie die Pressestelle des Oberpräsidiums mitteilt, hat die in Aussicht genommene Besprechung des Oberpräsidenten und des Regierungspräsidenten in Berlin über die Finanzierung der neuen Koblenzer Moselbrücke und die Flussigmachung der zunächst erforderlichen Mittel stattgefunden. Dabei konnte ein Teil der bestehenden Schwierigkeiten beseitigt werden. Es ist zu hoffen, daß auch die anderen Schwierigkeiten noch überwunden werden, so daß sich der Beginn der Brückenbauarbeiten im Laufe des Herbstes vielleicht doch noch ermöglichen lassen wird. Roblenz. Auch der Verbandstag der deutschen Geschichtslehrer abgesagt. Der Verband deutscher Geschichtslehrer hat wegen der schwierigen Wirtschaftslage seine Tagung in Koblenz vom 2. bis 6. Cktober abgelagt. Sir Anernt Teonan Schwerte(Ruhr), den 28. September 1931. Manche Nacht * Wenn die Felder sich verdunkeln, Fühl ich, wird mein Auge heller; Schon versucht ein Stern zu funkeln, Und die Grillen wispern schneller. Jeder Laut wird bilderreicher, Das Gewohnte sonderbarer, Hinterm Wald der Himmel bleicher, Jeder Wipfel hebt sich klarer. Und du merkst es nicht im Schreiten, Wie das Licht verhundertfältigt Sich entringt den Dunkelheiten. Plötzlich stehst du überwältigt. Zunahme der Erkrankungen Die übertragbaren Krankheiten haben im Reich in der Woche vom 30. August bis 5. September gegen die Vorwoche noch weiter zugenommen bei Diphtherie um 12 auf 1019 Erkrankungen, bei Scharlach um 53 auf 993, ferner bei Unterleibstyphus um 33 auf 157, Fleisch= und Wurstvergiftungen um 13 auf 36, Körnerkrankheit um 10 auf 30; abgenommen hat Kindbettfieber um 7 auf 95, Ruhr um 61 auf 85, Paratyphus um 41 auf 80, spinale Kinderlähmung um 5 auf 53, Genickstarre um 4 auf 3. Vergiftungen mit Parathyphusbesund um 5 auf 1, Bißverletzungen durch tolle oder verdächtige Tiere um 2 und Milzbrand um 1 auf je 0. Die Todesfälle sind gestiegen bei Lungenund Kehlkopftuberkulose um 20 auf 554, Diphtherie um 16 auf 57, Unterleibstyphus um 7 auf 14, spinale Kinderlähmung um 4 auf 8, gefallen bei Kindbettsieber um 17 auf 20, Scharlach um 1 auf 8, Ruhr um 8 auf 5. Arbeitslosenunterstützung und Entschädigung Zur Arbeitslosenunterstützung hat der Spruchsenat wieder zwei Urteile gefällt. Stellt sich eine Leistung des Arbeitnehmers an den Arbeiter nach sachlicher. Beurteilung als Entgelt oder Abfindung nach dem Gesetz über Arbeitsvermittlung und Versicherung dar, so wird die Anrechnung auf die Unterstützung nicht dadurch ausgeschlossen, daß die Beteiligten der Leistung eine andere rechtliche Eigenschaft beilegen. Das Abkehrgeld, das nach dem Erlaß des Reichsfinanzministers vom 20. Mai 1930 den Arbeitern, die bei den Reichsdienststellen beschäftigt sind, bei ihrem Ausscheiden gewährt wird, gilt nicht als Arbeitsentgelt, sondern als Entschädigung. Die Anrechnung der Uebergangsgebühren und Zulagen, die auf Grund des Wehrmachtversorgungsgesetzes in der Fassung von 1925 gezahlt werden, auf die Arbeitslosenunterstützung wird nach der anderen Entscheidung nicht dadurch ausgeschlossen, daß der Betrag zum Ankauf eines Siedlungsgrundstückes verwendet worden ist. Interessante Höhlenfunde im Sauerland Bei Ausgrabunden in der im Oeger Kalkgebirge befindlichen Höhle wurden Feuersteinwerkzeuge, Schaber, Bohrer, ein Spinnwirbel, keramische Gegenstände wie Schalen, Vasen mit Verzierungen, Scherben aller Art, Renntiergeweihe in großen Mengen, Knochen von Höhlenbären und sogar ein Mammutzahn zutage gefördert. Nach Sachverständigenurteil stammen die Funde aus der mittleren Steinzeit(12 000—16 000 vor Christus). Es scheint also, daß die Oeger Kalkgebirgsgegend schon vor Jahrtausenden besiedelt war. Vermutlich haben zum Ende der Eiszeit, als die Gletscher verschwanden und eine spärliche Vegetation sich bildete, zahlreiche Renntierher= den sich hier aufgehalten, die abgestoßenen Geweihe wurden durch Wasserstürze in die Höhle geschwemmt. Die Scherben übrigens deuten auf die mittlere Eisenzeit, also auf einige Jahrhunderte vor Christus. Die Vergütung der Ueberstunden Eine privatrechtliche Verpflichtung zum zuschlagfreien Ausgleich versäumter Arbeitsstunden liegt nach einem Urteil des Reichsarbeitsgerichts dem Arbeiter nur insoweit ob, als eine solche sich aus dem Vertrag ergibt, sei es auf Grund einer Tariffassung oder eine solche ausdrückliche oder stillschweigende Vereinbarung im Hinblick auf die Betriebsverbundenheit von Arbeitgebern und Nehmern oder auf die Grundsätze von Treu und Glauben. Der Beschäftigte hat einen privatrechtlichen Anspruch auf Ueberstundenvergütung dann nicht, wenn ihm nach der Arbeitszeitverordnung eine Ueberschreitung der 8 Stunden, aber nicht der 48stündigen Arbeitswoche zugemutet wird. Fällt durch vertragwidrige Arbeitsversäumnis der Belegschaft Stunden aus, so ist der Arbeiter zur Leistung entsprechender Ueberstunden ohne Vergütung verpflichtet. In dem Falle handelte es sich wieder um die Maiseier. Die Erklärung des Arbeitgebers, die Feier trotz seines Widerspruchs nicht zu einer Maßregelung der Belegschaft zu benutzen, hindert ihn an der fristlosen Entlassung der Arbeiter. Er kann aber sordern, daß die versäumte Arbeit ohne Entgelt nachgeholt wird. Vom Wetter Die Wetterdieststelle Essen meldet: Der hohe Druck über Westeuropa wird auf seiner Nordseite rasch abgebaut. Hier wandern über Island in breitem Warmluftstrom die Mitglieder der neuen Zyklonenfamilie nordostwärts auf Spitzbergen hin und entsenden dabei ihre Ausläufer weit nach Süden. Diese bringen ganz Skandinavien und Dänemark eine zusammenhängende Wolkendecke aus der es vielerorts regnet. Kräftiger Druckfall besonders über Nordskandinavien deutet auf eine Verlegerung der Störungen nach Süden hin. Sie werden in der kommenden Woche langsam ihren Einfluß auch auf das mittlere Europa ausdehnen. In Westdeutschland bleibt vorerst unter dem Einfluß der hier zusammensinkenden Luftmassen das neblig=wolkige, tagsüber aufheiternde Wetter bestehen, später setzt sich jedoch Temperaturanstieg und zunehmende Regenneigung durch. Vorhersage für Montag: Nachts meist heiter bis wolkenlos. Dabei Temperaturrückgang bis an den Gefrerpunkt. In den Morgenstunden vielsach neblig, dann wolkig bis heiter und mäßig warm. Nordwestliche bis westliche Winde. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Zunahme der Bewölkung und Regenneigung. Abnehmende Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht. : Die totale Mondfinsternis, die am Samstag abend vor sich ging, konnte auch hier leider nicht beobachtet werden. Die geschlossene Wolkendecke verhüllte die Sicht gänzlich, sodaß das ganze Naturgeschehen unsichtbar blieb. Allerdings war es das Bestreben des Trabanten unserer Mutter Erde, sich sofort nach der Finsternis im hellsten Licht zu zeigen. Aber das dauerte auch nicht lange, und so bleibt uns nur die Hoffnung, daß wir die Mondfinsternis am 14. September 1932 besser sehen können. „ 77 Jahre alt. Am heutigen Tage begeht in seltener geistiger und körperlicher Frische Herr Heinr. Luttropp aus der Kuhstraße 38 seinen 77. Geburtstag. Den vielen Glückwünschen, die dem Geburtstagskind sicherlich an seinem heutigen Ehrentage dargebracht werden, schließen auch wir uns an mit dem Wunsche, daß der alte Herr einen sonnigen Lebensabend verbringen möge. Gleichzeitig gratulieren wir ihm zum 45jährigen Abonnement der„Schwerter Zeitung“, die er heute noch ohne Brille liest. : Gefährliches Spiel. Seit einiger Zeit ist die Hagenerstraße, besonders zwischen der Westenstraße und der Beckenstraße, ein von der Jugend bevorzugter Gemeindevorsteher Hohenschwert hatte am Sonnabend nachmittag die Gemeindeväter zu einer Sitzung zusammengerufen, um einige Fragen zu erledigen, die schon öfter das Kommunalparlament beschäftigt hatten. Da es von vornherein feststand, daß die Tagesordnung aus formellen Annahme= und Ablehnungspunkten bestand, waren die Vertreter in ganz geringer Zahl erschienen, so daß erst noch ein Gemeindevater geholt werden mußte, um die Sitzung überhaupt beschlußfähig zu machen. Die Sitzung wurde dann mit etwa einstündiger Verspätung eröffnet. Zur Auflassung der Römerstraße und sonstige Wegeflächen an den Landkreis Iserlohn, erklärt der Vorsteher, daß es sich bei dieser bekannten Angelegenheit um eine Anzahl Parzellen handele, die abgetreten werden wüßten. Das Kollegium faßt einstimmig folgenden Beschluß: Durch den vor einigen Jahren erfolgten Ausbau der früheren Römerstraße und der damit im Zusammenhang stehenden Regulierung derselben und einiger Gemeindewege hat ein Grundstücksaustausch zwischen der Gemeinde Lichtendorf und einigen Anliegern der betreffenden Wege stattgesunden, deren grundsätzliche Regelung noch nicht erfolgt ist; insbesondere sind infolge Uebernahme der Römerstraße durch den Landkreis Iserlohn als Kreisstraße die zu dieser Zeit bereits vergrabenen Grünflächen auf den Landkreis Iserlohn grundsätzlich aufzulassen.— Die Gemeinde Lichtendorf hat demnach die näher bezeichneten Parzellen abzutreten an: den Landkreis Iserlohn, an den Landwirt Eckey Schwerterheide, an den Gutsbesitzer Ewald Dickerhoff, an den Landwirt H. Feldhöfner, an den Landwirt H. Bahne, an den Landwirt Friedrich Große=Naust, an den Schreiner L. Kötter und an die Ehefrau Weistenhöfer=Westhofen. Tummelplatz geworden. Auf der asphaltierten Strecke lassen sich die Kinder leicht verleiten, Kreisel= und Ballspiele zu treiben. Wie gefährlich aber das Spiel auf dieser verkehrsreichen Straße ist, kann man täglich erleben. Noch vorgestern wurde ein vierjähriger Knabe von einem Auto angefahren. Nur im letzten Augenblick konnte manchmal noch ein Unglück verhütet werden. Es wäre gut, wenn Eltern und Lehrer ihre Kinder entsprechend belehren und ihnen das Spielen auf Verkehrsstraßen verbieten würden. : Eisenbahn=Verein Schwerte und Umgegend. Zur Generalversammlung hat der Vorstand am Sonntag, den 4. Oktober, 18 Uhr, eingeladen. (Siehe Inserat.) X Kirchenvorstand der kath. Gemeinde. Im Vereinshause wurden gestern in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags die Neuwahlen für den Kirchenvorstand der kath. Gemeinde getätigt. Mit überwiegender Mehrheit siegte die von der Gemeindeversammlung aufgestellte offizielle Kandidatenliste: Bergmann, Wilh., Stadtinspektor, Bozetti, Th., Rentenempfänger, Burmann, Wilh., Werlmeister, Feit, Karl sen., Kaufmann, Horstendahl, Herm., Stadtselretär, Keuler, Johann, Maurer, Mannertz, Fr. Der bevorstehende 84. Geburtstag unseres Reichspräsidenten gab den ländlichen und städtischen Reitervereinen Veranlassung, dieses Tages besonders zu gedenken. Der Jagdherr. Landrat a. D. Overweg, entschloß sich, trotz aller Schwierigkeiten, die traditionelle HindenburgFuchsjagd auf seinem Gute Haus Reichsmark wie immer einfach und schlicht aufzuziehen. So erlebten wir am Sonnabend, den 26. September, Stunden vaterländischen Gedenkens. 37 Reiter führt der Jagdherr Overweg und Frau Major a. D. Mitzlaff im 1. Feld, in dem Oskar Hötter auf seinem feurigen Fuchswallach „Herzbube“ den Fuchs markiert. Das Amt als Hund ist A. Overweg jun. und H. Kuhbier übertragen. Die Master Silbersiepe und Stembeck führen das Feld, bestehend aus Reitern von Hagen, Soest, Münster, Pelkum und dem Bezirksverband Ruhr=Lenne. Nach einer Viertelstunde kommt das 2. Feld unter Führung von M. Hopp. H. Staupendahl ist Fuchs. B. Prümer führt das Feld der Damen, in dem Frau Heckmann, Frau Grete Siemßen, Frau Dr. Schnepper und Frl. Niederschulte zu erkennen sind. Das Amt als Hund haben A. Heckmann, Dr. Meermann, H. Hill, C. Hasenbring und E. Kommandeur übernommen. Den Mastern W. Crüwell, D. SchulzeWesten und Dr. Nolting folgt ein Feld von 47 Reitern, gebildet aus Mitgliedern des Dortmunder Reitervereins und des Bezirksverbandes Die Vertretung genehmigt die Vorlagen und bittet um die aufsichtsbehördliche Genehmigung. Zu der schon oft besprochenen Frage der Anlagen von Hydranten, erklärt der Gemeindevorsteher, daß der Kreis keine Beihilfe leisten könne. Die Vertretung bedauert das außerordentlich, da sie jetzt aus finanziellen Gründen ebensalls einen Bau für dieses Jahr ablehnen muß. Dem Verkauf des Spritzenhauses und Uebertragung der alten größeren Feuerwehrspritze an die Gemeinde Geisecke steht nichts mehr im Wege. Die Spritze soll nach der Reparatur für 300 Mark in den Besitz von Geisecke übergehen. Die Reparaturkosten belaufen sich auf ca. 50 Mark, so daß der Gemeinde 250 Mark verbleiben. Auch dem Verkauf des Feuerwehrgerätehauses wird zugestimmt. Da das Haus beiden Gemeinden(Lichtendorf und Geisecke) gehört, sind diese auch zu gleichen Teilen an den Erlös beteiligt. Die Stundung der Gasabgabe der Vereinigten Elektrizitätswerke, die zwar für die Gemeinde nur wenige Pfennige bedeutet, wird allgemein abgelehnt. Unter„Verschiedenes" gab Vorsteher Hohenschwert noch die amtliche Nachricht der Regierung in Arnsberg bekannt, wonach der Bezirksausschuß dem Landkreis eine Beteiligung am Aufkommen der einfachen Biersteuer(5 Mark pro Hekto) von 70 Prozent= 3,50 Mark zugesprochen hat.— Weiter liegt ein Schreiben des Sportvereins VfB. Lichtendorf vor, daß der Verein nach einer Auflösung den Sportplatz der Gemeinde wieder zur Verfügung stellt. Der Platz ist bereits wieder von dem Besitzer an Kleingärtner vermietet worden.— Abgelehnt wird der ebenfalls schon alte KPD=Antrag auf Errichtung eines Planschbeckens Dreher, Mertens, Heinr., Rechnungsführer, Solay, Frz., Lagerist, Staat, Karl, Maurermeister, Thomé, Christ., Kaufmann, Rustemeyer, Heinr., Ing., Westhofen. Als Ersatzleute sind gewählt: Wallmann, Karl, Rangiermeister, Thiem, Heinr., Oberpostschaffner, Niggemeier, Jos., Landwirt, Wandhofen. Die Beteiligung an der Wahl war sehr stark. -. Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und Venezuela. Die drahtlose Fernsprechverbindung zwischen Deutschland und Venezuela(Berlin=Maracay) wurde dem öffentlichen Verkehr übergeben. Zum Sprechverkehr sind alle deutschen Orte, auf venezuelischer Seite vorerst nur eine öffentliche Sprechstelle in Maracay, die bei der Betriebszentrale daselbst eingerichtet ist, zugelassen. Ein Gespräch von drei Minuten Dauer kostet 120 Mark, für jede weitere Minute 40 Mark mehr. Vorläufig können die Gespräche vom Fernamt Berlin nur werktäglich während der Stunden von 20 bis 22 Uhr vermittelt werden. Es empfiehlt sich, die Gespräche vorher anzumelden und hierbei außer der Person, mit der das Gespräch in Maracay geführt werden soll, für den Fall der Behinderung nach eine Ersatzperson anzugeben. Eine Sondergebühr neben der Gesprächsgebühr wird nicht erhoben. Dortmund. Ueber Felder und Kleeäcker braust das Geschwader. Verschiedene Stopps bringen Roß und Reiter eine angenehme Erfrischung. Dann gehts im Galopp wieder an den Zuschauern vorbei. Die Musik spielt:„Ein Jäger aus Kurpfalz". Noch einmal„Stopp!“ Dann sammelt sich alles zum Endspiirt. Immer brenzliger wird die Lage für Reinecke. Alles Winden und Wenden ist umsonst. Ein beherzter Griff und H. Jahn vom R.=V. Soest hat sich zum Fuchskönig gemacht. Horrido! Freunde beglückwünschen ihn und drücken ihm die Hand. Nach einer Viertelstunde gibt der Master des 2. Feldes die Jagd frei. Wieder entwickelt sich ein lustiges Tummeln. Der frische Fuchs„Consul“ ist seinen Widersachern weit überlegen. Lange und sehr gewandt weiß sich der schlaue Fuchs seinen Feinden zu entziehen. Da bricht W. Westermann vom R.=V. Barop auf seinem br. W. „Imann“ aus dem Rudel der Verfolger hervor und hebt den Fuchs aus. Stolz schwingt er die Lunte als Siegestrophäe in seiner Rechten. Zum zweiten Male hat er sich in dieser Jagdperiode zum Fuchskönig gemacht. Hallali! Eichenbrüche zieren bald das Jagdkleid der 84 Jagdreiter. Exerzieren in Zügen und Eskadronsfront mit anschließendem Parademarsch v.: dem Vorsitzenden des Provinzialverbandes westfälischer Reitervereine, Graf v. Wedel, das war der Ausklang der reiterlichen Veranstaltung. Im Park herrscht Kantinenbetrieb. Aus Kesseln duftet die Erbsensuppe. An langen Tischen stehen Kellner und Kellnerinnen und verkaufen Dortmunder Bier und echten„Reichsmärker". Bald ist die ganze Anlage überfüllt von Zuschauern aus allen Bevölkerungsschichten. Die Plätze reichen nicht aus. Freunde und Bekannte treffen sich und schütteln einander die Hände. Die Jagd wird besprochen. Ueberall das einstimmige Urteil:„Die Fuchsjagden auf Reichsmark sind famos.“ Das Signalhorn veranlaßt alles zur Teilnahme an der Hindenburg=Geburtstagsfeier am Standbild des„eisernen Kanzlers". Der Jagdherr, Landrat a. D. Overweg, ergreift das Wort. U. a. führt er aus, daß Nörgler aus der harmlosen Veranstaltung den Schluß ziehen, es gehe der Landwirtschaft noch zu gut. Aber hinter den fröhlichen Reitern sitzt die schwarze Sorge. Und wer will es uns verdenken, daß wir mit Sorgen um die Erhaltung unseres Besitzes zu Bett gehen, um sie am anderen Morgen wieder aufzunehmen, einmal das Bedürfnis haben, die Sorgen zu vergessen und auf dem Rücken unserer arbeitsamen Pferde Erholung zu suchen. Zudem dient ja die heutige Veranstaltung auch nationalen Zwecken, soll doch die Weihestunde am Fuße des Denkmals des größten deutschen Staatsmannes und zu Ehren des größten deutschen Feldherrn uns für kurze Zeit über das Alltägliche dieses Lebens hinweghelfen. Ferner gedachte Redner mit ehrenden Worten des verstorbenen Reiterfreundes C. A. Wiethaus, der als der Vater der Fuchsjagden auf Reichsmark anzusehen sei. Die Anwesenden ehrten sein Gedächtnis durch Absingen des 1. Verses des Liedes vom guten Kameraden bei entblößtem Haupt. Hauptmann i. D. Köttgen feierte in seiner Festrede das Geburtstagskind Hindenburg als Feldherr und Reichspräsident. Seine von glühender Vaterlandsliebe getragene Rede klang in den Ruf auf Deutschland aus. Mächtig brauste das Deutschlandlied talabwärts in die weite Gegend. Aus dem Gememderm Eichtender zd auf Haus Reichsmark Westhofen Holzen. Wodurch ein Unglück entsehen kann. In einem Hause auf dem Sommerberg, das vor einiger Zeit abgebrannt und wieder aufgebaut worden ist, wohnt die Familie St, In der letzten Woche löste sich in der Küche ein Stück Wandputz und fiel herunter, wodurch beinahe ein kleines Kind getroffen wurde. Vorgestern fiel nun wiederum ein größerer Teil aus der Wandfläche und der Frau St. so unglücklich auf den Kopf, daß sie besinnungslos liegen blieb. Es mußte ein Arzt herbeigerufen werden, der eine Gehirnerschütterung feststellte. Von 160 Bergleuten arbeiten noch 6! Lichtendorf. Ein typisches Beispiel, wie die Wirtschaftskrise mit ihren Stillegungen und Entlassungen sich geradezu katastrophal für die Kommunen auswirkt, zeigen die diesbezüglichen Ziffern aus der hiesigen Gemeinde. Lichtendorf war ehedam eine finanziell gesunde Gemeinde, die auch heute noch 970 Einwohner zählt. Die Hauptfinanzkraft dieser kleinen Kommune stellte neben den steuerlichen Einnahmen aller Arten die Kauf= und Steuerkraft von 160 Bergarbeitern dar, die auf den Nachbarzechen Sölde, Aplerbeck, Holzwickede und Hörde zur Arbeit gingen. Mit den Stillegungsaktionen wurden aber auch diese Knappen arbeitslos. Und heute arbeiten von den 160 gerade noch 6 Bergarbeiter. Neben den übrigen Arheitslosen hat die Gemeinde heute bereits über *0 Wohlfahrtserwerbslose, denen sich im Laufe des Winters noch eine Anzahl zugesellen werden. Mit dieser ungeheuren Finanzbelastung gehört Lichtendorf unzweifelhaft zu den ärmsten Gemeinden des Kreises. Besonders eindringlich wird diese Ziffer, wenn man bedenkt, daß im gesamten Amt Ergste die Ziffer der Wohlfahrtserwerbslosen auch nicht höher ist, wie hier in einer einzelnen Gemeinde. Der Ruf nach Staatsbeihilfe wird gerade in diesen Gemeinden am berechtigsten sein. Lichtendorf. Vater Riedel;. Gestern wurde der älteste Einwohner von Lichtendorf, Rentner Friedrich Riedel, der im 95. Lebensjahr stand, in ein besseres Jenseits abgerufen. Vater Riedel war die bekannteste Persönlichkeit in der Gemeinde, besonders interessant waren seine Erzählungen aus vergangenen Zeiten, wie auch seine Amerikareise, die der Hochbetagte vor einigen Jahren noch unternahm, viel Interesse fand. Man darf wohl sagen, daß alle die ihn kannten und verehrten, trauernd an seine Bahre stehen. Möge ihm die Erde leicht sein. Lichtendorf. Wohlfahrtskonzert. Der Not der Zeit Rechnung tragend hatte der Männer=Gesang=Verein„Liederkranz“ seine Generalprobe für den Gesangswettstreit in Wellinghofen im Dienste der Wohltätigkeit gestellt und den Reinertrag aus diesem Konzert der Wohlfahrtskasse der Gemeinde übertragen. Das Vereinslokal Wiemhoff war denn auch bei der Konzerteröffnung gut besucht. Unter Leitung seines langjährigen Dirigenten Lehrer Hefendehl brachte der stimmstarke Chor die Wettstreitchöre„Rheinwein“ von Kempter,„Seesturm“ von Köllner und„Minnelied" von Schreiber gut zu Gehör. Die sichere Stabführung des Dirigenten ließ auch die Sänger besonders in„Seesturm“ zur vollen Höhe ihres Könnens auslaufen. Man darf bei der Ausgeglichenheit und gut herausgearbeiteten Exaktheit und Tonsülle im Chor darauf hofsen, daß die Sängerschar von dem bevorstehenden Wettstreit ruhmbedeckt heimkehrt. Auch die übrigen Darbietungen des Chores bewiesen zweifellos seine Güte. In diesem Sinne und in der gestern von diesem Verein geleisteten Gemeinschaftsarbeit kann man dem„Liederkranz“ nur alles Gute für die Zukunft wünschen. Lichtendorf. Radunfall. Auf dem Wege nach Schwerte kam der 31jährige M. derart mit seinem Rade zu Fall, daß er eine Knieverletzung davontrug Geisecke. Unberechtigtes Fischen. Das unberechtigte Fischen in der Ruhr scheint trotz der Ueberwachung durch die Sicherheitsbeamten noch nicht nachzulassen. Immer wieder finden sich Fischfrevler, die vorschützen möchten, sie hätten geglaubt, das Angeln in der Ruhr sei erlaubt. Solchen Angaben kann das Gericht natürlich keinen Glauben schenken. Von der Landjägerei wurden wiederum zwei Personen, und zwar der Photograph W. W. und der Techniker L. G. aus Schwerte, gefaßt. Westhofen. Stellt keine Fahrzeuge an unübersichtliche Stellen. Ein Kraftwagenführer von hier, der seinen Kraftwagen an einer unübersichtlichen Wegekreuzung abgestellt und dadurch einen Verkehrsunfall verschuldet hatte, wurde mit 40 Reichsmark Geldstrafe eventl. 4 Tagen Haft bestraft. Hinzu kommt noch eine erhebliche Schadensforderung des Unfallgeschädigten. Westhofen. Rücksichtslose Motorradfahrer. In letzter Zeit mehren sich die Klagen über Motorradfahrer, die in unvorschriftsmäßigem Tempo durch die engen Straßen der inneren Ortsteile jagen und die Straßenpassanten gefährden. Auch scheinen manche Fahrer sich dadurch hervortun zu wollen, daß sie durch überlautes Motorgeknatter die Anwohner belästigen. Meist geschieht dies in den späten Abendstunden. Die Polizei= und Landjägerei haben Anweisung erhalten, besondere Verkehrsstreifen vorzunehmen und jeden dieser rücksichtslosen Fahrer zur Anzeige zu bringen. Westhofen. Kindergarten. Der letzte Aufnahmetermin vor Weihnachten für den Kindergarten im Gemeindehause ist der 1. Oktober. Ein Merkblatt über Kurzarbeiter. unterstützung Die geänderte Verordnung für Kurzarbeiterunterstützung vom 27. August, über die wir berichteten, hat neue Muster für den Antrag usw. nötig gemacht. Sie sind jetzt vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung den Aemtern überwiesen worden. Beigefügt ist auch ein Merkblatt über die Unterstützung. Danach ist Kurzarbeiter ein Arbeitnehmer, der durch Arbeitsmangel die im Betrieb übliche Zahl von Arbeitsstunden nicht erreicht, aber innerhalb einer Kalenderwoche(vom Sonntag bis Sonnabend) oder einer Doppelwoche wenigstens noch an einem Tage gearbeitet hat. Eine Doppelwoche liegt vor, wenn in der ersten voll oder verkürzt gearbeitet wurde und anschließend eine Woche ohne Lösung des Vertrages gefeiert wird. Die Unterstützung kann nur geleistet werden, wenn ein gewerblicher Betrieb nach der Gewerbeordnung kurzarbeitet, regelmäßig 10 Arbeiter beschäftigt, Arbeitsmangel vorhanden ist, 3, 4 oder 5 volle Arbeitstage ausfallen, der Lohn sich verringert, die Wartezeit ersüllt ist und Beitrag für die Arbeitslosenversicherung bezahlt wird. Das Merkblatt gibt ferner Aufschluß über Beginn, Höhe der Unterstützung usw. Eine Frau von zwanzig Jahren soll heiraten. wen sie will— mit dreißig Jahren, wen sie kann— mit vierzig Jahren, wer sie will. Das Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr. * Ein Jüngling sagt einer Frau, daß sie schöne Zähne hat. Ein Mann von Welt läßt sie lieber lachen. * Wenn man Aphorismen schreibt, muß man entweder eine umfangreiche Bibliothek oder ein ausgezeichnetes Gedächtnis haben. Der alle Häustillälun Ein Heimatroman aus dem 19. Jahrhundert aus der Nuhrgegend. 87. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „So brechen wir auf. Aber einzeln; draußen vor dem Tore treffen wir wieder zusammen.“ Die beiden Garde=Offiziere verließen den Saal. Nach einer Weile folgte ihnen der Schulmeister. In dem weiten Saale war es immer lebhafter geworden. Es waren Gäste gekommen, es waren Gäste gegangen. Manche waren geblieben. In der Lebhaftigkeit des Verkehrs waren die Duellverhandlungen nicht beachtet worden, zumal da namentlich die Gebliebenen noch immer auf etwas zu warten schienen. Was war dies? Es sollte sich zeigen. Der Oberkellner trat eilig in den Saal, mit einem wichtigen Gesichte, also mit einer wichtigen Nachricht. „Meine Herren“, rief er mit lauter Stimme, „wir erhalten soeben die Nachricht, daß der Herr van Aken auf dringendes Bitten sich entschlossen hat, seine Abreise von hier noch um eine Stunde zu verschieben und seine Menagerie zu zeigen. Die Tiere sollen noch einige Kunststücke machen. Die Bude ist auf dem Platz bei Sanct Patroklus.“ Es entstand eine allgemeine Aufregung im Saale. „Ah! Vortrefflich! Herrlich! So haben wir doch nicht umsonst gewartet!“ Am lautesten war die Freude des Berliner Professors der Naturgeschichte. Sein Gesicht war beinahe wichtiger, als das des Oberkellners. „Ha! Das war nicht anders zu erwarten; meine Bitte konnte der Herr van Aken nicht unberücksichtigt lassen. Er wußte meinen Namen. Meine teure Freundin, Sie werden einen hohen Genuß haben.“ „Wer ist der Herr?“ fragten die Fremden den Oberkellner. „Ein Professor aus Berlin.“ „Wohl ein berühmter Gelehrter?“ „Gewiß, er kommt ja aus Berlin.“ „Wir wollen uns ihn anschließen.“ Der allgemeinen Aufregung folgte ein allgemeiner Aufbruch. An der Spitze war der Berliner Professor, seine sentimentale Dame führend, und docierend, bis auf die Straße hinaus, zum Sanct Patroklus=Platze hin. „Ja, einen hohen Genuß werden wir haben. Diese van Aken'sche Menagerie zeichnet vor allen wandernden Menagerien sich aus durch die Zahl der Tiere, durch die Schönheit der Exemplare und durch die Kunst der Abrichtung. Herr van Aken ist der berühmteste Tierbändiger der neueren Zeit.“ „Gab es früher noch berühmtere?" fragte die die wißbegierige sentimentale Dame. „Gewiß, meine Freundin. Wie konnte das anders sein in dem klassischen Altertum, das für uns in allem ein ewig unerreichbares Muster bleiben wird!“ „Und wie heißen Sie, mein Freund?“ „Ihre Namen hat man vergessen.“ „Schöne Berühmtheiten das!“ sagte ein vorwitziger Weinreisender vom Rhein. Der Professor achtete nicht darauf. „Aber freilich“, fuhr er fort,„im Grunde ist der Herr van Aken gar kein Tierbändiger.“ „Was ist er denn?“ „Ich werde suchen, Ihnen das deutlich zu machen. Aber vorher muß ich mir erlauben, zwei Punkte vorauszuschicken—“ „Das ist ein echter deutscher Professor“, sagte der Weinreisende. Die Gemeindennschaltung Sübergeld statt Zehnmarkscheine- Die Arbeitslosenunterstützung- Jetzt keine Mietensenkung Wie wir zu dem Herbstprogramm der Reichsregierung erfahren, ist für die Umschuldung der Gemeinden ein Betrag von etwa 220 bis 230 Millionen Mark sichergestellt, in dem aber die 60 Millionen Mark enthalten sind, die das Reichskabinett den Gemeinden bereits zu Beginn des Etatsjahres zugesichert hatte. Damit dürfte zwar noch nicht das Gesamtdefizit der Gemeinden gedeckt sein, das im Augenblick auf 800 Millionen Mark geschätzt wird, wovon etwa die Hälfte durch Sparmaßnahmen der Gemeinden ausgeglichen werden soll. Damit bliebe also immer noch ein ungedeckter Rest. Immerhin glaubt man die wesentlichsten Bedürfnisse der Gemeinden jetzt erfüllt zu haben. Die Aufbringung wird durch die Verschiebung des Etatsjahres auf den 1. Juli ermöglicht. In diesem Zusammenhang ist recht interessant, daß ein wesentlicher Teil der Mittel für die Kleinsiedlungen aus dem Münzgewinn erzielt werden soll, der sich aus der Ersetzung der Zehnmarkscheine durch Silbergeld ergibt. Ein besonders schwieriges Problem ist naturgemäß die Balanzierung der Arbeitslosenfürsorge. Da man für Januar und Februar mit 6 bis 7 Millionen Erwerbslosen rechnen muß, läßt sich die Fürsorge nur aufrechterhalten, wenn weitere Mittel eingespart werden. Das soll durch eine Kürzung der Sätze und der Dauer der Arbeitslosenunterstützung geschehen. Es ist geplant, die Unterstützungszeit von 26 auf 18 Wochen herabzusetzen. Ferner soll auch die Krisenunterstützung in die Bedürftigkeitsprüfung einbezogen werden, der ja bisher nur die Wohlfahrtsfürsorge unterliegt. In der Frage der Hausziussteuer ist eine Detaillösung im Augenblick noch nicht möglich. Die Reichsregierung will sich vielmehr darauf beschränken, jetzt einen gewissen Pro zentsatz abzubauen und daneben nur noch die Möglichkeit zu schaffen, daß ein weiterer Teil rentenmäßig abgelöst werden kann. Eine gewisse Senkung der Hauszinssteuer ist schon deshalb notwendig, weil der Hausbesitz sonst im nächsten Jahr in eine sehr schwierige Situation kommen würde. Eine Senkung der gesetzlichen Mietssätze ist in diesem Zusammenhang nicht möglich. Die Reform der Erwerbslosenfürsorge Das Reichsarbeitsministerium hat die Verhandlungen mit den einzelnen Wirtschaftsgruppen über die Möglichkeit der Gewährung von Preisnachlässen für die Erwerbslosen bisher nicht abgeschlossen. Wie das Nachrichtenbüro des V23. hört, nehmen die Verhandlungen einen durchaus positiven Verlauf. Es ist damit zu rechnen, daß in der nächsten Woche das Ergebnis in dem Sinne vorliegt, daß eine Verbilligung auf bedeutenden Gebieten der Lebenshaltung erzielt worden ist. Insbesondere rechnet man mit Preisnachlässen für die Erwerbslosen bei Kohle und Kartoffeln, aber auch bei Fleisch und Backwaren. Die weiteren Bemühungen gehen dahin, die übrigen Artikel des Lebensbedarfes, insbesondere auch die Konzession, mt in den Preisnachlaß einzubeziehen. Die tehnische Durchführung dieser Aktion zugunsten der Erwerbslosen wird Sache der Gemeinden und des Einzelhandels sein. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß die Verbilligungspläne für die Erwerbslosen verbunden werden dürften mit der Ausführung jener Ermächtigung an die Reichsversicherungsanstalt, den Etat der Arbeitslosenversicherung in Ordnung zu bringen. Mit einer besonderen Notverordnung hierfür ist nicht mehr zu rechnen, weil die bereits gegebene Ermächtigung ausreicht. Von den drei Möglichkeiten, den Etat der Reichsanstalt in Ordnung zu bringen, nämlich der Beitragserhöhung, der Kürzung der Unterstützungssätze und der Kürzung der Unterstützungsdauer hält man die Beitragserhöhung für ausgeschlossen, so daß die Verbilligung der Lebenshaltung von den Erwerbslosen wohl mit einer Kürzung der Unterstützungssätze oder der Unterstützungsdauer zu einem Teile direkt bezahlt werden müssen. Allerdings rechnet man in maßgebenden Kreisen damit, daß die Kaufkraft der Erwerbslosenunterstützung auch nach der Reform mindestens nicht schlechter als im Augenblick sein wird, so daß zu Beunruhigungen der Erwerbslosen in dieser Beziehung kein Anlaß gegeben sei. „Zuerst", schickte der Professor voraus, „muß ich bemerken, was Sie, meine werte Freundin, allerdings bereits wissen, was aber den anderen hier nicht sämtlich bekannt sein dürfte, daß ich Professor der Naturwissenschaften und auf einer wissenschaftlichen Reise begriffen bin.“ „Dieser erste Punkt wenigstens ist sehr einleuchtend“, sagte der Weinreisende. „Sodann habe ich leider die Bemerkung zu machen, daß man das System des Altertums in Behandlung der wilden Tiere vollständig verloren hat. Man hat zwar sehr viele gelehrte Forschungen darüber angestellt, und es sind sehr scharfsinnige Abhandlungen darüber geschrieben worden, wie ich denn selbst diesem wichtigen Gegenstande in einer größeren Schrift meine Zeit und mein Nachdenken gewidmet habe. Allein man hat keine einzige Spur davon wieder auffinden können.“ „Also gelehrte Forschungen und scharfsinnige Abhandlungen über nichts?“ fragte der vorlaute Weinreisende vom Rhein. Der deutsche Professor konnte mit der verdienten Verachtung des Schweigens antworten. Er fuhr fort zu docieren: „Ich komme zur Sache. Man nennt nun zwar überhaupt Tierbändiger diejenigen Personen, welche sich mit der Zähmung wilder Tiere beschäftigen. Allein wie man zwei durchaus verschiedene Systeme für Zähmung der Frauen kennt, so auch für die der wilden Tiere." „O, mein treuer Freund!“ unterbrach ihn doch mit einem leisen Vorwurfe die sentimentale Dame. „Ich versichere Sie, meine Freundin. Das eine System besteht nämlich darin, daß der Bändiger nur durch Mittel roher Gewalt, durch Mißhandlungen oder Einschüchterungen, durch Stock und Peitsche versucht, Herr oder Tyrann der Bestien zu werden sucht. Vermöge des anderen Systems wird dagegen die Zähmung hervorgebracht lediglich durch ein Studium der Natur des Tieres und eine danach eingerichtete ruhige, milde wo möglich freundliche, aber stets geduldige und konsequente Behandlung desselben. Nun werden Sie mir einräumen, meine Verehrte, und auch die anderen Anwesenden, daß man jemand, der dieses zweite System ausübt, nur sehr uneigentlich einen Tierbändiger nennen kann. Ich, der ich über die Sache reiflich nachgedacht, würde für ihn den Namen eines Tierzähmers, oder noch besser Tiererziehers vorziehen. Sie werden mir auch ferner einräumen, daß dieses zweite System unbedenklichen Vorzug verdient.“ „Auch bei Frauen?“ rief der naseweise Weinreisender. „Darüber ließe sich streiten", antwortete unbedacht der deutsche Professor. „Aber mein verehrter Freund!“ sagte die sentimentale Dame. „Entschuldigen Sie, meine Freundin; aber ich über die Frage noch nicht reiflich genug nachgedacht hatte— doch davon ein andermal. Dieses zweite, bessere System nun, dessen Vorzüge ich schon seit Jahren nachgewiesen habe, ist auch das des Herrn van Aken, und ich bin sehr neugierig, die Früchte desselben hier vor Augen zu sehen. Ich zweifle keineswegs, daß wir eine musterhafte Ordnung, Ruhe und Stille auf Seite der so erzogenen Bestien antreffen werden.“ Die Gesellschaft war auf dem Dom- oder Sanct Patroklus=Platze angekommen. Der Herr van Aken war mit seiner großen und damals auf dem Kontinente berühmtesten Menagerie auf einer Reise nach den nordischen Hauptstädten. Er war am Abend vorher in Soest eingetroffen, zu spät, um noch Vorstellungen zu geben. Auch am Morgen hatte er diese nicht geben, sondern sofort weiter reisen wollen. Allein man hatte auch in Soest so viel von der berühmten Tiersammlung gehört; man mußte sie sehen. Der Herr van Aken hatte den vielen Bitten nachgegeben. Eine Bude war schnell improvisiert worden. Sie stand auf dem Domplatze. Fortsetzung folgt. Der Mann, der das Lächeln verlernt hat##e Roman von Gert Rothberg Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle 1930 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Grauenhaft“, murmelte der Erzherzog. Graf Kentner lächelte versonnen, dann reckte er sich hoch auf. „Aber ich hab' nicht eine Minute lang daran gedacht, das zu tun— nicht eine Minute lang. Ich werde schon durchkommen, wenn nicht gut, dann eben schlecht. Aber es wird gehen, ohne daß ich jemand um Hilfe bitte.“ „Ich steh' zu deiner Verfügung, Karl, ohne daß du bittest.“ „Herzlichen Dank, Kaiserliche Hoheit, doch ich komm' allein durch.“ „Laß endlich die Kaiserliche Hoheit weg! Wir sind doch Freunde.“ „Ja, wir sind Freunde. Dieses Bewußtsein wird mir immer werwoll bleiben“, sagte Graf Kentner. Die Hände der beiden Herren ruhten ineinander. „Daß man so machtlos ist, so ganz und gar machtlos, das ist das Schlimmste. Und dabei glaub' ich noch immer nicht an den ganzen Unfug. Was sagst du dazu, Karl?" „Du A bst nicht, Franz Johann, daß ich unehrenhaft gehandelt habe?“ „Nein! Du deckst jemand! Du deckst jemand, der dir höher steht als alles auf der Welt“, sagte der Erzherzog mit fester Stimme. „Und wenn es so wäre?" Graf Kentners Augen gingen zum Fenster, schweiften über den Platz, suchten irgend etwas, funtelten plötzlich auf in Haß und Trauer. Mit einem Ruck wandte Graf Kentner sich dem Erzherzog zu. „Du bist der einzige, der der Wahrheit nahe kommt. Seyr nade.“ „Ich habe es gewußt, Kentner. Und— ist— diese— Person, ich meine, ist diese Person dieses Opfer wert?" „Nein!“ Wie hart die sonst so wohltönende Stimme klang! „Kentner! Und trotzdem bringst du dieses unerhörte Opfer?" „Ja!“ Wieder diese harte, unbewegte Stimme, die dem weichherzigen Erzherzog weh tat. Er wußte nicht mehr, was er sagen sollte. Zureden hatte keinen Zweck. Graf Kentner stieß seine Entschlüsse nicht mehr um, das las der Erzherzog nur zu deutlich in den großen, grauen Augen. „Wann fährst du, Karl? Der Oberst sagte mir, daß du zunächst zu deinem Vater fährst. Wäre da nicht eine Möglichkeit! Ich meine, ginge es nicht, daß du eines eurer Güter bewirtschaftest?“ „Ich glaube nicht!“ „Ja, willst du denn zu einem Wanderzirkus?“ fragte Franz Johann außer sich. Ein Lächeln war auf Graf Kentners Gesicht, als er sagte: „Das gerade nicht. Vorläufig wenigstens noch nicht. Später kann man natürlich nicht wissen.“ „Kentner, ich könnt' mir die Haare einzeln rausziehen. Und der Oberst auch. Was willst du? Der Oberst deutete mir so halb und halb an, daß du ins gelobte Land willst?“ Graf Kentner zuckte mit den Achseln. „Vielleicht! Vielleicht auch nicht. Das hängt alles von den Umständen ab.“ „Wann sehe ich dich wieder?" 4:„Wahrscheinlich nie mehr, Franz Johann.“ Mit einem Satz war der Erzherzog bei seinem Freunde, schüttelte ihm verzweifelt die Hände, um ihn im nächsten Augenblick stöhnend loszulassen. „Ich weiß nicht mehr, was ich noch sagen möchte. Ich weiß nur, daß es schad’ um dich ist wie sonst um keinen vom ganzen Regiment.“ Schweigend blickte der Graf den Freund an. Auge in Auge standen sie so eine ganze Weile gegenüber, dann griff der Erzherzog nach seinem Hut. „Lebe wohl, alter Kentner, du bist mir immer der liebste von allen gewesen. Ich möcht' am liebsten mit, doch es geht nicht. Ich darf die Reihe meuternder Erzherzöge nicht verlängern. Es geht auch um meine Mutter. Der alten Dame ist Hofluft das Leben. Du siehst also, ich werd' freiwillig mit verdorren in der Hofluft. Ich wünsch' dir alles Gute, was der Himmel zu verschenken hat. Mag sich dir noch einmal ein recht großes, echtes Glück nähern, Kentner." „Ich danke dir, und ich hoffe, daß sich deine frommen Wünsche nicht mit auf eine Frau beziehen; denn dann soll mir dieses sogenannte Glück lieber vom Halse bleiben.“ „Kentner, dann ist also eine Frau schuld, daß alles so unsagbar traurig kommt?" Graf Kentner antwortete nicht. Aber er lachte leise, hart auf: „Um eine Frau! Ich weiß nicht einmal, ob es eine Frau ist.“ „Kentner!“ sagte der Erzherzog entsetzt, denn ihm graute vor dem Haß, der sich in den grauen Männeraugen zeigte. „Dann— würde ich keine Rücksicht nehmen, Kentner“, setzte er nach einer Weile hinzu. „Ich muß es, ich kann nicht anders.“ Graf Kentners Stimme klang tonlos. Franz Johann umarmte den Freund, und dann ging er schnell hinaus. Graf Kentner aber ging im Zimmer immer hin und her, ruhelos, die Vergangenheit durchdenkend, und rauchte dabei unzählige Zigaretten. „„* Graf Kentner dachte an seine Mutter: an die fseine, stille Frau, die so jung hatte sterden müssen. Wie still und vornehm, von innigster Liebe für die Ihren erfüllt, hatte sie das gemeinsame Heim in Schloß Kentnerhof zu gestalten vermocht. Die Tage waren Sonnentage— alle Tage, an denen die Mutter dagewesen war. Und später, wie hatte sie stets seine Urlaubstage gefeiert! Und der Vater nahm lächelnd daran teil an dieser Festfreude, lächelte ein bißchen gutmütig und knurrte: „Die Mama bleibt halt bei dir immer die Mama! Du hast schon als kleiner Junge nur das getan, was die Mama gewollt hat.“ Dann kam eines Tages das Furchtbare! Die Mutter starb ganz plötzlich an einer Lungenentzündung, die sie sich bei feucht=kaltem Wetter geholt hatte, als sie eine arme, alte Frau in dem zum Schlosse gehörigen Dorfe besuchte. Er war damals ganz verzweifelt gewesen. Und änderte es doch durch alle Verzweiflung nicht, daß man die zarte Frau, die so viel Liebe und Güte in sich wohnen hatte, zur letzten Ruhe bettete. Daß er sich das geliebte Gesicht zum letzten Male einprägte— ganz, ganz fest! Der Vater hatte nicht gezeigt, wie sehr ihn der Schmerz um die Mutter gepackt hatte. Fast hätte man denken können, er stehe völlig teilnahmslos an der Bahre. Blumen, Blumen, stille weiße Rosen, die die Mutter so geliebt hatte, bedeckten ihr Grab. Der Wind zer##e an den weißen Schleifen und raschelte in den Kränzen und Palmenzweigen. Und dem jungen Grafen Kentner war es gewesen, als sei das alles der Anfang zu einem anderen Leben für ihn. als müsse nun etwas kommen, das alles aus den gewohnten Bahnen warf. Und es kam! Kaum ein Jahr nach dem Tode der Mama heiratete der Vater wieder— eine Zirkusreiterin! Ohne daß er es für nötig gehalten hätte, seinen Sohn vorher davon in Kenntnis zu setzen. Er mochte ja seine Gründe gehabt haben. Eine tiefe Kluft tat sich zwischen Vater und Sohn auf, und der junge Graf fuhr nicht mehr auf Urlaub in die Salzvurger Alpen, auf das Schloß seiner Väter. Jahre vergingen, bis eine Krankheit den Vater veranlaßte, dem Sohne vom Leidenslager aus die Hand entgegenzustrecken. Nach kurzem Besinnen reiste der Jüngere heim. Und diesen Augenblick, als er das Schloß betrat, würde er nie vergessen. In der großen, weiten Halle trat ihm eine Frauengestalt entgegen, bei deren Anblick ihm der Atem stockte. Sie mochte kaum zwanzig Jahre alt sein, und sie war von einer solchen Schönheit, daß er sie immerzu nur ansah, ohne ein Wort sprechen zu können, nur von dem einstürmenden Gedanken berauscht: „Wer ist diese schöne Frau? Oder ist es ein Mädchen? Aber wer ist es nur?“ Wenig später wußte er est Es war seine Stiefmutter! Unfaßlich! Aber warum hatte dieses bildschöne junge Geschöpf den Vater genommen, der um so vieles älter war? Diese Frage tauchte immer wieder auf in ihm, mußte auftauchen, wenn man die Hinfälligkeit und das auffallend starke Altern des Vaters in Betracht zog. „Aus Berechnung! Natürlich nur aus Berechnung!" Der junge Graf starrte zu dem lebensgroßen Bildnis des Grafen Friedrich, seines Urgroßvaters, empor, und es war ihm, als habe der höhnisch lächelnd diese Worte gesagt. Der Vater hatte einen Schlaganfall erlitten und konnte sich kaum bewegen. Mit fast unverständlicher Stimme bat er: „Sei gut zu ihr!“ Deun er bemerkte nur zu gut die feindlichen Blicke des Sohnes, der den schönen Eindringling nicht anerkannte. In dem jungen Grafen sah es seltsam aus. Nach dem ersten staunenden Wohlgefallen an dieser fremden Schönheit dieser jungen Frau regte sich der Haß gegen die, die der Vater der Mutter als Nachfolgerin bestimmt hatte. Und um den Sohn wehte es leise, wehmütig: „Vergiß du mich wenigstens nicht ganz, mein lieber, lieber Junge!“ Da vallte der junge Graf die Hände, reckte seine hohe Gestalt hoch auf und dachte: „Unbesorgt, mein Mütterchen, ich räume keiner den Platz tn meinem Herzen ein und dieser da gleich gar nicht. Du allein bleibst mein Mütterchen.“ „Sei gut zu ihr!“ So hatte der Vater gesagt! Gewiß, sie hatte ein Recht darauf, hier zu sein, nachdem der Vater es fertig gebracht hatte, ihr seinen Namen zu geben, und sie war ja gewiß auch nicht die erste Künstlerin, die zur Gräfin erhoben wurde. Doch das waren dann andere Frauen! Bestimmt waren sie ganz anders als diese hier. Und er begriff den Vater nicht, würde ihn niemals begkeifen. Das waren die Gedanken, die dem jungen Grafen immer wieder kamen, wenn er verstohlen den Blick über das junge, schöne Weib gleiten ließ. Der Urlaub neigte sich seinem Ende zu. Der Vater wurde ungeduldig. Er wollte aufstehen. Er wollte dies und jenes. Dabei nörgelte er: „Der Doktor ist ein elender Stümper. Er läßt mich hier verkommen.“ Aber es ging ihm doch besser jetzt. Das Personal sah mit scheuen Augen in das Gesicht des jüngeren Grafen. Sie hätten doch alle gar zu gern gewußt, wie er die Anwesenheit der fremden Frau aufnahm. Die fremde Frau! Das war sie geblieben bis auf den heutigen Tag für alle. Für die Leute im Dorse, für die auf dem Gutshofe, für die Dienerschaft im Schlosse, für die Nachbarn. Und de blieb die fremde Frau auch für den jungen Grafen; der Kammerdiener berichtete es in der Leutestube. Zwei Tage vor der Abreise des jungen Offiziers sagte der Vater: „Und du wirst nun wieder öfter kommen?" Die heißen, blauschwarzen Augen der Gräfin ruhten unentwegt auf dem Gesicht des jungen Grafen. Ein kurzer, abweisender Blick traf sie, und er sagte zum Vater gewandt: „Wenn du mich rufst, komme ich. Vater.“ Da senkte der Alte den Kopf. Die Antwort war klar und deutlich. Sein Sohn kam nur heim, wenn er ihn rief; von selber kam der nicht! Die Leidenschaft war noch immer in dem alten Herrn, die unselige Leidenschaft für Kora. Und er merkte es nicht, wie sie bei einem Ausbruch dieser Leidenschaft des alternden Mannes verächtlich die Lippen verzog und wie ihr Blick immer heißer, sengender den jungen Grafen umfaßte. „Daß ich nicht gehen kann, das ist das Schlimmste; doch ein Weilchen wird es noch dauern. Ich muß mich bescheiden, und Kora leistet mir ja Gesellschaft.“ Und einige Stunden später, als der Graf mit dem Sohne allein war, sagte er: „Wie gefällt dir Kora?“ Der junge Graf zuckte mit den Achseln. „Sie hat dir gefallen, und du warst nicht mir, sondern nur der Mutter Rechenschaft schuldig.“ Da war sie wieder, die junge, harte Stimme, die der Vater manchmal haßte, und trotzdem liebte er doch den Sohn und war stolz auf ihn. Sprunghaft ging der Vater auf ein anderes Thema über. Er wollte dem Sohne gegenüber sichtlich eine seelische Unruhe verstecken. Am Abend— der junge Kentner gestand es sich ein, daß er froh war, am anderen Tage wegfahren zu können— ging er noch einmal in die Zimmer seiner verstorbenen Mutter hinüber. Sie waren noch so, wie die Verstorbene sie verlassen hatte. So viel Pietät also hatte der Vater doch der Mutter gegenüber aufgebracht, daß er der fremden Frau nicht diese Zimmer, die für den Sohn immer ein Heiligtum gewesen waren, zur Verfügung stellte. Diese Zimmer also waren unberührt geblieben! Wie er das dem Vater im stillen dankte! Und dann weilte er wohl eine Stunde in diesen Zimmern. Langsam ging er aus einem ins andere, strich hier liebkosend mit der Hand über eine feine Stickerei, die die Mama selbst gefertigt, oder er blickte andächtig auf einen Gegenstand, von dem er wußte, daß die Mutter ihn besonders geliebt hatte. Er strich über die Bücher, die sorgfältig geordnet dort standen, und er setzte sich ein Weilchen in den hohen Lehnstuhl und legte den schmalen, dunklen Kopf an das Kissen, wie die Verstordene es oft getan hatte. Und es war ihm, als schwebe der feine Duft zu ihm empor, der Dust, der die seine, stille Mama immer umgeben hatte. Und Graf Kentner dachte, daß die Mama alles mit ins Grav genommen hatte: Liebe, Wärme, Behaglichkeit, Frieden. Ihr einziger Sohn fühlte sich jetzt fremd im Hause seines Vaters! Wie bitter das war! Langsam stand der Graf auf. Sein Blick umfaßte noch einmal die ihm so vertraute Umgebung, dann ging er hinaus, das Vorderzimmer sorgsam abschließend. Den langen Gang hinunter, durch dessen hohe Bogenfenster die Abendsonne schien, ging er dann nach dem Bibliothekszimmer. Er wollte noch eine Stunde lesen. Wie lange er so gestanden und die vielen Bücher angesehen hatte, um eines von ihnen als Stoff zu wählen, wußte er nicht. Er wußte nur, daß plötzlich hinter ihm ein leises, seines Rascheln erklang, so, wie es von seidenen Damenkleidern herrührt, und er wandte sich um. Am niederen, weißen Kaminofen lehnte die junge Schloßfrau und sah ihn unverwandt an mit ihren heißen Augen. Spionierte sie ihm nach? Zorn war in ihm, daß er sich das gefallen lassen sollte von ihr. „Sie wünschen, bitte?" Zwischen den Zähnen fragte er es, sich dabei knapp verbeugend. Mit ihrem gleitenden, katzenartigen Gang kam sie näher. „Ich liebe dich! Nimm mich hier heraus, denn ich ersticke an dem Ekel, der in meinem Leben ist.“ Er lachte hart auf. „Frau Gräftn belieben zu scherzen. Die Rechnung stimmt doch? Oder ist doch ein Fehler unterlausen?“ „Ja, ein Fehler, ein riesengroßer Fehler. Ich habe nicht wissen können, was man sich mit solch einer Heirat zufügt." „Das geht oft so. Man muß es dann tragen, oder glauben Sie, daß ich mit dieser Heirat meines Vaters einverstanden war?“ „Ich habe es mir denken können, daß Sie mich hassen, Karl. Und— heute verstehe ich es auch.“ Aus halb zugekniffenen Augen blickte er auf sie nieder, die ihm nicht bis zur Schutter ging. Wie eine schöne, gefährliche Katze schien ihm diese Frau, wie ein Raubtier, das im gleichen Augenblick streicheln und tödlich verwunden konnte. Nun, er verlachte solche Frauen, hatte sie immer verlacht. Noch dichter trat sie auf ihn zu, schlang die Arme um ihn. „Ich liebe dich! Nimm mich mit. Rimm mich hier heraus, oder es geschieht ein Unglück.“ „Weshalb diese Drohung! Ich lerne doch nicht anders deuten.“ Ihre Arme umschlangen ihn fester. „Ich liebe dich. Seit ich dich sah, weiß ich erst, was ich mir, was ich metner Jugend angetan habe. Ich bin noch nicht ganz zwanzig Jahre alt."(Fortsetzung folgt.)