Di. Schusdier Selunx albeual okchenlic lecs udl Bezugsprets halbmoratich 1.20 Maik, Einzeinummet 3 PPg. Druck u. Veragoon C. Braus, Schwerte(Ruhr), Toschatenon: Vonaud 232 ud Hansenn 2157. Geschästesselle: Große Marhtstr. 3.—3. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte, Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung „ 4 ½ Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Postor uun e sie de cht uter. um ee en e. dum ee üige, sing zamtiche v. gerichtliche Tnzeigen 10 Pig., 1.6k amzelle 40 p], Iin teleson, ausgegebene Gaserate üdernehmen wir keine Gewähr Bei unoo.berzesed, Veriedezörungen, bervotgeruten durch böber: Gewalten, udernezmen virkeinerei Gewäbe fir pürktliches Erscheinen de. Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersat oder Nachisseranz erboben werden ees Geerur Reicher te######esd Genschesieht elsich Tügeblan für die Stavi Schwerte und das Amt Westhofen Sp; Kreisbiett für den nordlichen Teil bes Lanbrreises Iherisyn 64. Jahrgang e Bns 40(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Dienstag, den 17. Februar 1931 OTORGRS UGTGI Eine Schrift mit politischem Hintergrund- Erklärungen des preußischen Justizministers vdz. Berlin, 16. Febr. Der Hauptausschuß des preußischen Landtages begann am Montag die Vorberatung des Haushaltes der Justizverwaltung. Den Bericht erstattete Abg. Grzimik (StP.). Er stellte fest, daß die Verbrechensund Vergehenssachen gegen 1913 im Monatsdurchschnitt der Jahre 1929 und 1930 um rund 2000 Fälle gestiegen seien. Ganz außerordentlich vermehrt haben sich auch die Konkursund Vergleichsanträge, und zwar von 938 im Jahre 1913 auf über 2000 im Jahre 1930. Die Gefangenenzahl ist in Preußen von fast 54.000 im Jahre 1913 auf 30 000 im Jahre 1930 zurückgegangen. Der Berichterstatter stellte fest, daß die preußische Richterschaft in der Vertrauenskrise wieder mehr aus der Schußlinie gekommen sei; leider sei das vom Reichsgericht nicht in gleicher Weise zu erklären. Su##mminister Dr. Schmidt gedachte zunächst des im Laufe des letzten Geschäftsjahres verstorbenen Amtsvorgängers Dr. Am Zehnhoff. Sodann hob er hervor, daß die Ersparnisse auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten sich bei der preußischen Justiz auf 21,1 Millionen RM. belaufen. Der Minister hob ferner hervor, daß die politischen Strafsachen, die ihre Ursache vielfach in Zusammenstößen zwischen KampforganisaEnglands Rüstungsausgaben von 1890—1930•31 wtb. Lo: don, 17. Febr.(Funkspr.) Der Finanzminister Snowden teilte gestern im Unterhaus auf Anfrage mit, daß die Rüstungsausgaben Englands im Jahre 1930 auf 110,764,200 Pfd. Sterl. veranschlagt werden. Zum Verg' che machte Snowden folgende Angaben über die Rüstungsausgaben seit dem Jahre 1890: die Rüstungsausgaben betrugen 1890/91: 34,687,319 Pfd. Sterl., 1904/05: 65,755,305 Pfd. Sterl., 1913/14: 77,098,723 Pfd. Sterl., 1924/25: 117,677,039 Pfd. Sterl. gehalten habe, so unterdrücke Moritz, daß der Minister vom Justizwirrwarr gesprochen habe, der möglicherweise zu einem Justizmord hätte führen können. Bei einer solchen Betrachtungsweise könne es nicht Wunder nehmen, daß Moritz zu der unsinnigen und lächerlichen Schlußbemerkung komme, der Minister sei nicht von der eigenen, sondern von der sozialdemokratischen Fraktion als Justizminister präsentiert worden. Angesichts der Unwahrheiten und Entstellungen könne der Minister Bezug nehmen auf seine Antwort an den Präsidenten des Reichslandbundes, daß die Tendenzschrift des Moritz den Justizbehörden keinen Anlaß gebe, sich erneut mit den behandelten Vorgängen zu beschäftigen. Der Minister benutze aber gern die Gelegenheit, um die in der„Gefesselten Justiz“ angegriffenen Justizbeamten in Schutz zu nehmen. Das Andenken seines verehrten Amtsvorgängers Am Zehnhoff, dessen Lauterkeit und Gerechtigkeitssinn von allen anerkannt werde, könne durch die Schrift wirklich keinen Schaden erleiden. Das Buch sei zu werten als ein politisches Kampfmittel. Die Hoffnungen des Verfassers und seiner Hintermänner, sie könnten mit diesem Kampfmittel das Vertrauen zum Staat und zur Justiz irgendwie erschüttern, würden sich nicht erfüllen. Buntgrache Hierauf trat der Ausschuß in die Aussprache ein. Abg. Kuttner(Soz.) erklärt, die nationalsozialistische Welle sei in die Justiz hineingeschlagen. Der Redner trug Einzelfälle aus Kassel, Gleiwitz und Dortmund vor, und führte aus, die nationalsozialistische Zellenbildung in der Justiz sei namentlich in Naumburg, Zeitz und Weißenfels festzustellen. Er wies darauf hin, daß der Amtsgerichtsrat Lau=Glogau erklärt habe, daß die Republik tatsächlich auf Meineid und Hochverrat beruhe. Amtsgerichtsrat Krebs in Frankfurt a. M., der jetzt in einem Prozeß gegen die Nationalsozialisten wegen Totschlages Berichterstatter ist, sei führendes Mitglied der Frankfurter Nationalsozialisten. Was die„Gefesselte Justiz“ angehe, so sei das einzige Aufsehenerregende, daß ein derartiges„zusammengelogenes und gefälschtes Machwerk“ ein solches Aufsehen erregen könne. Abg. Dr. Deerberg(DN.) führte aus: Die Vertrauenskrise in der Justiz ist heute auf der ganzen Linie erneut und in größter Schärfe ausgebrochen. Die deutsche Justiz ist nur ten, wenn sie den schwankenden und verderblichen Einflüssen der Politik entzogen wird. Auf Grund meiner reichen Erfahrungen als Anwalt und Richter stelle ich gegenüber aller widerstreitenden Kritik fest, daß die deutsche Rechtspflege trotz der schwersten Erschütterungen des gesamten Volkslebens auf einer beachtenswerten Höhe steht. Die in dem Buche„Gefesselte Justiz“ aufgestellten Behauptungen vermögen diese meine Ueberzeugung nicht zu ändern. Entscheidend sind nicht die Behauptungen, sondern die Beweise. Ein großer Teil der darin enthaltenden Beschuldigungen ist bereits Gegenstand eingehender Untersuchung der verschiedenen parlamentarischen Untersuchungsausschüsse gewesen und ist dort in negativem Sinne geklärt worden. Er bedauere, daß das Kultusministerium durch seinen neuesten Reformerlaß die Lehr= und Lernfreiheit der Universitäten zerstört und die Universitäten zu Paukanstalten herabgemindert habe. Der Redner begründete sodann eine Reihe deutschnationaler Anträge. Danach soll in das Gesetz über die Presse die Bestimmung aufgenommen werden, daß Berichte der Presse über Gerichtsverhandlungen in Strafsachen bis zur Verkündung des Urteils die Ergebnisse der Hauptverhandlung nur in objektiver Form ohne Kritik wiedergeben dürfen. Zu dem Buch„Gefesselte Justiz“ erklärte der Redner noch, es sei nicht zu billigen, daß gegen den früheren Justizminister Am Zehnhoff so schwere Beschuldigungen erhoben würden, für die keinerlei Beweis erbracht worden sei. Wenn er, der Redner, davon überzeugt sei, daß solche Beschuldigungen zuträfen, dann würde er keinen Augenblick zögern, sein Richteramt in die Hand derjenigen zurückzulegen, die es ihm anvertraut hätten. Er habe nicht allein in den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen eingehend die einzelnen VorEin bedeutsames Urteil Reichsbetrieb darf Rationalsozialisten entlassen enb. Berlin, 17. Febr.(Funkspr.) Vor dem Landesarbeitsgericht Osnabrück wurde gestern, der Voss. Ztg. zufolge, ein Prozeß verhandelt, in dem die grundsätzliche Frage aufgerollt worden war, ob Nationalsozialisten wegen ihrer Parteizugehörigkeit aus Heeresbetrieben entlassen werden können. Ein Elektriker der Reichsmarinewerft in Wilhelmshaven war aus diesem Grunde entlassen worden. Das Arbeitsgericht Wilhelmshaven gab der Klage des Entlassenen gegen die Werft unter Hinweis auf den § 118 der Reichsverfassung statt, weil danach jeder Deutsche das Recht zur freien Meinungsäußerung habe. Das Gericht ging ferner von der Auffassung aus, daß die NSDAP. eine legale Partei sei. Das Landesarbeitsgericht Osnabrück hob auf die Berufung der Werft hin das erstinstanzliche Urteil auf und wies die Klage des entlassenen Nationalsozialisten ab. Das Urteil wurde wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung für revisionsfähig Die Begründung des Urteils führt aus, daß der Artikel 118 der Reichsverfassung nicht in die Rechte und Pflichten eines Arbeitsverhältnisses eingreife, vielmehr seien diese im Betriebsrätegesetz genau festgelegt. Dieses lasse bei Tendenzbetrieben die Entlassung wegen politischer Betätigung zu. Die Reichsmarinewerft habe unbedingt diesen Charakter, denn sie stelle einen Teil der Exekutivgewalt des Staates dar. Die Entlassung sei also berechtigt gewesen. Vollisches Dürchenlunder in Spülten tionen radikalpolitischer Parteien oder in Verleumdungen und Beschimpfungen des Staates und seiner Organe hätten, in bedrohlichem Maße zugenommen hatten. Die Beschleunigung und nachdrückliche Verfolgung dieser Strafsachen sei den Strafverfolgungsbehörden ganz besonders dringlich ans Herz gelegt worden. Der Richter sei als berufenster Diener der Gesetze in besonderem Maße verpflichtet, die republikanische Verfassung, auf die er seinen Eid geleistet habe, zu wahren und zu festigen und unbedingte parteipolitische Neutralität zu beweisen. Die preußische Justizverwaltung habe es seit Bestehen der Republik als eine ihrer vornehmsten Aufgaben betrachtet, die Justizbeamtenschaft in den Geist und die Aufgaben des Volksstaates einSPtchren, ipg C.Garte uich Gchoum eipasbanh Der Minister äußerte sich sodann eingehend über die Schrift„Gefesselte Justiz“ und erklärte: Die irreführende Art, in der diese Schrift des ehemaligen Proviantamtsinspektors Ewald Moritz gegen die Staatsautorität, gegen die Rechtspflege und den Richterstand kämpfe, ergebe sich aus zahlreichen Beispielen. Moritz stelle in seiner Schrift Aeußerungen aus Zeitungsartikeln der republikfeindlichen Presse zusammen, vermische sie mit eigenen Ausführungen und versuche den Anschein zu erwecken, als gehe es ihm allein um die Gerechtigkeit; er selbst sei aber aufs höchste ungerecht gegen den politischen Gegner. Fast auf jeder Seite des Buches fänden sich katsächliche Unrichtigkeiten und Entstellungen. Es sei daher unverständlich, daß der frühere Reichsgerichtspräsident Simons, Zeitungsnachrichten zufolge, sich dahin geäußert haben solle, die von Moritz angeführten Tatsachen ließen sich nicht leugnen. Der Minister erklärte demgegenüber, daß diese„Tatsachen“ unrichtig seien. Wenn Moritz scharfe Ausfälle gegen den Minister wegen einer Rede richte, die er im Oktober 1926 als Abgeordneter zu der Mordsache Schröder Santiago Alba lehnt die Kabinettsbildung ab. wtb. Paris, 16. Febr. Santiago Alba teilt mit, daß er das Angebot des Königs von Spanien, ein neues Kabinett zu bilden, abgelehnt habe. Guerra mit der Kabinettsbildung beauftragt. wtb Madrid, 16. Febr. Der König hat Sanchez Guerra mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt. Der König hat heute vormittag von 10,30 bis 12,15 Uhr mit Sanchez Guerra verhandelt. Beim Verlassen des königlichen Schlosses erklärte Guerra:„Der König hat mir mit allen Einzelheiten die Entwicklung der Krise erläutert. Er hat mich über alle Besprechungen, die er mit den verschiedenen Politikern geführt hat, auch über seine Aussprache mit Santiago Alba unterrichtet. Der König hat mit mir über alle Schwierigkeiten gesprochen, mit denen gegenwärtig Spanien zu kämpfen hat, und mich zum Schluß gebeten, die Regierungsbildung zu übernehmen. Ich habe dem König geantwortet, daß ich versuchen werde, seinem Wunsche nachzukommen. Ich bin also beauftragt, eine Regierung„in partibus“ zu bilden, und werde sehen, ob ich die Bildung des Kabinetts durchführen kann, das ich für Spanien im gegenwärtigen Augenblick für nötig halte.“ Auf eine Frage der Journalisten, ob verfassunggebende Cortes einberufen werden würden, antwortete Guerra in zustimmendem Sinne. Nach gewissen Nachrichten soll Sanchez Guerra die Absicht haben, das Unterrichtsministerium Bergamin und ein anderes Ministerium dem Republikaner Lerroux anzuvertrauen, dessen Aufenthalt gegenwärtig unbekannt ist, da er sich wegen seiner Beteiligung an den Aufstandsversuchen im Dezember versteckt hält. Die Verhandlungen Sanchez Euerras. vid. Madrid, 16. Febr.(Tel.) Sanchez Guerra hatte im Kriegsministerium eine Guerra mit der Kabinettsbildung beauftragt Macht König Alfons Konzessionen? terredung mit Berenguer und begab sich dann zu Melquiades Alvarez, mit dem er ebenfalls eine kurze Besprechung hatte. Im Anschluß daran gab er bekannt, daß der Führer der Reformisten seine volle und uneingeschränkte Mitarbeit angeboten habe. Sanchez Guerra begab sich dann zu Villanueva, der seine Mitarbeit gleichfalls bedingungslos zur Verfügung stellte. Melquiades Alvarez erklärte Journalisten, nachdem er gerade Sanchez Guerra empfangen hatte: Ich bin durchaus bereit, mit Sanchez Guerra zusammenzuarbeiten, sowie mit den anderen Persönlichkeiten, die noch weiter links stehen. Ein konstitutionalistisches Kabinett? wtb. Paris, 17 Febr.(Funkspr.) Nach einer Meldung der„Information aus Madrid ist man dort in politischen Kreisen der Meinung, daß das Kabinett Sanchez Guerra ausschließlich aus Vertretern der konstitutionalistischen Richtung ohne Beteiligung der Demokraten und Liberalen gebildet werden wird. Zwischenfälle in Madrid. wtb. Paris, 16. Febr. Ueber Zwischenfälle, die sich gestern in Madrid ereigneten, berichtet das Journal in einer eigenen Meldung, es sei zu einer lebhaften Kundgebung links eingestellter Elemente gekommen, als ein Auto durch die Straßen fuhr, in dem die Witwe des wegen Teilnahme an dem Aufstandsversuch in Jaca erschossenen Hauptmannes Garcia Hermandez saß. Die Menge habe Rufe ausgestoßen:„Nieder mit der Monarchie!“„Es lebe die Republik!“,.„Tod dem König!“. Ein weiterer Zwischenfall habe sich ereignet, als ein mit Polizisten besetzer Autobus durch die Straßen fuhr. Er wurde von der Menge mit Steinen beworfen. Als die Beamten sich zur Wehr setzten, entstand ein Handgemenge, bei dem drei Personen verletzt wurden. würfe geprüft, sondern darüber hinaus an Hand der Akten des Justizministeriums die Feststellung getroffen, daß die vorgebrachten Beschuldigungen haltlos seien. Abg. Rhiel(Ztr.) fand es unverständlich, daß Reichsgerichtsrat Müller sich hinter das Buch des Moritz gestellt habe, und erörterte weiter die Reform der juristischen Ausbildung. Abg. Eichhoff(DVp.) bezeichnete das Buch „Gefesselte Justiz“, als ein Machwerk. Weiter polemisierte er gegen die Personalpolitik des Ministers, die sich von politischen Einwirkungen nicht freihalte. Abg. Grzimek(Staatsp.) verlangte unter Hinweis auf das Vorhandensein von 466.000 Strafsachen in einem Jahre, daß die Bestimmung über die Einstellung geringfügiger Sachen häufiger angewandt werde, wodurch die Qualität der Justiz nur gewinnen könne. Weiter wünschte er u. a. ein Irrengesetz und Beschleunigung des Konkursverfahrens. Freiherr von Wangenheim(Dt.) Fraktion) rügte die Weltfremdheit der juristischen Universitätsprofessoren. Weiterberatung Dienstag. Stahlhelm=Volksbegehren Wirtschaftspartei für das Volksbegehren. vdz. Berlin, 17. Febr.(Tel.) Die Fraktion der Wirtschaftspartei des preußischen Landtages teilt ihre Zustimmung zu dem Volksbegehren des Stahlhelms mit. Sie trete für das Volksbegehren schon deshalb mit Nachdruck ein, weil sie als erste Fraktion des preußischen Landtages mehrfach Anträge auf Auflösung des Landtages eingebracht habe. Die Partei stehe demnach reste los hinter dem Volksbegehren. Austausch deutsch=polnischer Welch helescerchenheh wtb. Warschau, 16. Febr.(Tel.) Heute, um 1 Uhr nachmittags, wurden im polnischen Mi. nisterium für auswärtige Angelegenheiten zwischen Außenminister Zaleski und dem deutschen Geschäftsträger von Rintelen die Ratifikationsurkunden des deutsch=polnischen Sparkassenabkommens, des Aufwertungsabkommene und des Vertrages über die Posener Pfandbriefanstalt ausgetauscht. Die Wahlreform odz. Berlin, 17. Febr.(Tel.) In den Reichsratsausschüssen findet am Dienstag die zweite Lesung der Wahlreformvorlage statt. In der Vollsitzung am Donnerstag soll dann die Verabschiedung der Wahlreform im Reichsrat erfolgen. Die Vorlage wird also voraussichtlich noch im Februar dem Reichstag zugehen. Wie das Nachrichtenbüro des B03. erfährt, ist es aber wenig wahrscheinlich, daß der Reichstag die Wahlreform in nächster Zeit in Angriff nimmt. Er wird sich vielmehr darauf beschränken, die Vorlage dem Ausschuß zu überweisen, der dann im Herbst die Beratung beginnen könnte. Da der Reichstag bisher einen Ausschuß für Verfassungsfragen nicht besitzt, wird für die Wahlreform ein besonderer Ausschuß gechaffen werden. heute Ueberreichung der 20000 Stahlheim=Unterschriften an Severing enb. Berlin, 17. Febr.(Eig. Rundfunkmeldung.) Wie den Blättern von Stahlhelmseite mitgeteilt wird, hat die Zahl der Unterschriften für das Volksbegehren des Stahlhelms gestern bereits die Zahl von 20000 weit überschritten. Die Sammlung hält an. Die Sammlung der Unterschriften wird im Laufe des Dienstags an den Innenminister Severing weitergeleitet werden. Der Aufmarsch des Reichsbanners am 22. Februar enb. Berlin, 17. Febr.(Funkspruch.) Anläß= lich der Bundesgründungsfeier des Reichsbanners am 22. Februar ist es der Leitung des Bundes, dem BT zufolge, gelungen, mit dem Berliner Polizeipräsidium Vereinbarungen zu treffen, nach denen das Reichsbanner in geschlossenen Zügen zum Lustgarten marschieren darf. Dem dort stattfindenden Appell der Schutzformationen des Reichsbanners wird sich dann ein Vorbeimarsch an dem Bundespräsidenten Hörsing anschließen. Bei der zwei Tage vorher im Sportpalast stattfindenden Veranstaltung wird Kultusminister Dr. Grimme die Festansprache halten. Beleidigungsklage Colossers gegen Drewitz enb. Berlin, 17. Febr.(Eig. Meld.) Die Krise in der Wirtschaftspartei, die mit dem Austritt des Reichstagsabgeordneten Colosser endete und ihren vorläufigen Abschluß in der Erklärung des jetzigen Parteivorsitzenden Drewitz gefunden hatte, er werde gegen Colosser die Beleidigungsklage anstrengen, zeitigte später ein Flugblatt, in welchem nun Colosser heftig angegriffen wurde. Jetzt hat Colosser daraufhin gegen Drewitz Beleidigungsklage angestrengt. In dieser Klage wiederholt Colosser alle öffentlich gegen Drewitz erhobenen Angriffe. Verbot einer kommunistischen Gewertschaft in der Schweiz wtb. Bern, 16. Febr.(Tel.) Der Bundesrat hat beschlossen, den von der kommunistischen Gewerkschaft Basel und Umgebung des Bundespersonals eingebrachten Wahlvorschlag zu der Wahl der Disziplinarkommission als nichtig zu betrachten und gleichzeitig den Angestellten und Beamten die Zugehörigkeit zu dieser Gewerkschaft zu untersagen. Die der Gewerkschaft angehörigen Angestellten werden zum Austritt aufgefordert unter Androhung von Disziplinarstrafen für den Fall, daß dieser Aufforderung nicht nachgekommen wird. Diese Stellungnahme erfolgte, weil aus den Statuten der Gewerkschaft hervorgeht, daß sie gegen den Artikel 13 des Beamtengeletzes verstößt, der bestimmt, daß es Beamten untersagt ist, einer Vereinigung anzugehören, die den Streik als Kampfmittel anerkennt oder sonstwie staatsgefährlich ist. Das Attentat auf Pilsudsti Nur strafwürdige Absichten— keine strafbaren Handlungen. wtb. Warschau, 17. Febr.(Funkspr.) Gestern nachmittag ist das Urteil im Prozeß gegen die fünf Sozialisten gesprochen worden, die angeklagt waren, ein Attentat auf Marschall Pilsudski geplant zu haben. Drei Hauptangeklagte sind zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, die zwei anderen Beschuldigten, darunter der ehemalige Abgeordnete Dziengielewski, wurden freigesprochen. In der Begründung heißt es, daß strafbare Handlungen nicht nachgewiesen worden sind, wohl aber bei einem Teil der Angeklagten strafwürdige Absichten. Internation. Marktvereinbarung für Absatz von Kohle? Deutschland und Polen stimmen zu wtb. London, 16. Febr.(Tel.) Im Unterhaus wies heute ein Abgeordneter auf die Vorschläge hin, die von der nach Skandinavien entsandten Studienkommission für die Kohlenfrage nach ihrer Rückkehr formuliert worden sind. Der Abgeordnete richtete an den Bergwerksminister Shinwell die Frage, ob er durch diese Vorschläge sich zu irgendwelchen Schritten veranlaßt gesehen habe. Der Minister antwortete in bejahendem Sinne. Die Delegation habe einstimmig empfohlen, sich um die Klarstellung der Frage zu bemühen, ob eine internationale Marktvereinbarung für den Absatz von Kohle zustandezubringen sei. Infolgedessen habe er Gelegenheit genommen, die Frage mit Vertretern der polnischen und der deutschen Regierung zu erörtern. Beide Regierungen seien bereit, den Bergwerksbesitzern in ihren Ländern den Rat zu geben, sich zu Verhandlungen mit den englischen Zechenbesitzern bereitzufinden. Im Anschluß daran habe er selbst mit Vertretern der britischen Kohlenindustrie und des Kohlenexports gesprochen. Er hoffe, von ihnen in kurzer Zeit zu hören, was nach ihrer Meinung nun unternommen werden müsse. Abstimmungssieg der Regierung W ardonald wtb. London, 17. Febr.(Funkspr.) Das Unterhaus hat den konservativen Abänderungsantrag, wonach die Anleihe für die Arbeitslesenversicherung nur um 10 Millionen Pfd. Sterl. erhöht werden sollte, während die Regierung eine Erhöhung um 20 Millionen beantragt hatt:, mit 251 gegen 220 Stimmen abgelehnt. 4 9. 4 wtb. London, 17. Fedr.(Funrspr.) nuch der Ablehnung eines konservativen Abänderungsantrages hat das Unterhaus den Antrag der Regierung angenommen. Svinhufbud Präsdent von Fiunians wtb. Belsingfors, 16. Febr.(Tel.) Bei den Präsidentschaftswahlen ist Ministerpräsident Svinhufvud im dritten Wahlgang mit 151 von insgesamt 300 Wahlmännerstimmen zum Präsidenten gewählt worden. Für Stahlberg wurden 149 Stimmen abgegeben. Svinhufvud ist mit den Stimmen der Nationalen Sammlungspartei, der Schwedischen Partei, sowie der Landbündler, der Rechten und des Zentrums zum Reichspräsidenten gewählt worden. Bei der ersten Abstimmung erhielten Tanner 90, Svinhufvud 88, Kallio 64 und der frühere Präsident Stahlberg 58 Stimmen. Beim zweiten Wahlgang entfielen auf Stahlberg 149, Svinhufvud 98 und Kallio 53 Stimmen. Die Wahlen gingen in voller Ruhe vor sich. Auch eine Folge der amerikauschen Aebeltsosiotet wtb. Washington, 16. Febr.(Eig. Rundf.= Meld.) Das Repräsentantenhaus nahm mit 363 gegen 39 Stimmen einen Gesetzentwurf an, der eine 50prozentige Beleihung der Versicherungspolicen vorsieht, die seinerzeit allen Teilnehmern am Weltkrieg ausgestellt wurden. Bisher war eine 22,5prozentige Beleihung dieser Policen vorgesehen. Die heute angenommene Vorlage bedeutet eine Mehrbelastung des Budgets um 946 Millionen Dollar. wurden, wie der Abend berichtet, der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Fechner und der sozialdemokratische Stadtverordnete Aschenbrenner festgenommen und nach der Abteilung IA gebracht. Dem Blatt zufolge sollen die beiden genannten Herren, die zufällig durch die Kaiser=Friedrichstraße gekommen seien, trotz Vorzeigens ihrer Legitimation von Polizeibeamten nach dem zuständigen Nevier gebracht und von dort ohne Rücksicht auf ihren Einspruch ins Polizeipräsidium eingeliefert worden sein. Dort sind beide sofort wieder entlassen worden. Tödlicher Unfall eines Artisten. wtb Berlin, 16. Febr. In dem Restaurant Hirschgarten in der Friedrichshagenerstraße 14 wurden gestern abend im Verlaufe einer Vorstellung auch artistische Darbietungen geboten. Als der 46jährige Artist Arthur Arndt aus Berlin bereits seine Nummer beendet hatte und am Seil mit dem Trapez in der Hand sich herabließ, stürzte er— allem Anschein nach infolge eines Ohnmachtsanfalles— aus einer Höhe von mehreren Metern auf die Bühne hinab. Er trug so schwere Verletzungen davon, daß man ihn sofort nach dem Krankenhaus Köpenick bringen mußte. Hier ist er trotz aller ärztlichen Bemühungen heute morgen gestorben. Lohnkündigungen im französischen Bergbau. wtb. Paris, 16. Febr. Nach einer Meldung des„Echo de Paris“, aus Lille hat die Bergwerkskammer die im November vor. I. abgeschlossenen Lohnabkommen zum 15. März gekündigt. Morgen wird eine Delegation der Bergarbeiter aus Nordfrankreich beim Arbeitsminister in Paris vorstellig werden, um Vorschläge zu machen, damit die Kohlenkrise gelöst werden könne, ohne daß die Bergarbeiter die ersten Opfer dieser Krise werden. Millionenschaden durch die Erdbebenkatastrophe in Hastings. wtb London, 16. Febr. Einer Meldung des Daily Telegraph aus Wellington zufolge haben Architekten und Baumeister auf einer Konferenz den an den Gebäuden in Hastings und Napier angerichteten Schaden auf 10 Millionen Pfund Sterling geschätzt. Davon entfallen 9 Millionen auf Geschäftshäuser und eine Million auf Wohnhäuser. Waren, Mobiliar usw. sind nicht eingerechnet. Aufdeckung einer kommunistischen Geheimdruckerei in Riga. wtb. Riga, 16. Febr.(Lettische Tel.=Agent.) Die politische Polizei entdeckte in einer Rigaer Privatwohnung eine musterhaft eingerichtete kommunistische Geheimdruckerei „Spartacus“, in der jahrelang nahezu alle in Lettland gedruckten kommunistischen Flugblätter, Broschüren usw. hergestellt worden sind. Neben dem technischen Personal der Druckerei wurden zwei Mitglieder des Zentralkomitees der illegalen kommunistischen Partei verhaftet, die seit dem Herbst als Hauptführer der gesamten kommunistischen Bewegung in Lettland tätig gewesen sind. Beide haben die Moskauer Propagandaschule absolviert und waren mit gefälschten, in Moskau hergestellten Pässen ausgestattet. Aus Nah und Fern Einigung in der Berliner Metallindustrie. enb. Berlin, 16. Febr.(Eig. Meld.) Wie die B3 am Mittag mitteilt, ist heute das Abkommen in Kraft gesetzt worden, das zwischen den Gewerkschaften und dem Verband Berliner Metallindustrieller abgeschlossen wurde zu dem Zweck, einen weiteren Abbau von Angestellten und Arbeitern zu verhindern. Die Durchführung des Abkommens bedeutet für die Arbeiter die Einführung der Fünftagewoche, für die Angestellten späteren Arbeitsbeginn und früheren Arbeitsschluß. Sozialdemokratischer Abgeordneter und Stadtverordneter festgenommen. enb. Berlin, 16. Febr.(Eig. Meld.) Im Verlaufe der Polizeimaßnahmen gegen die Demonstranten vor dem Excelsior=Kino in Neukölln, die gegen den Fridericus=Film protestierten, 100 000 Mark unterschlagen und geflüchtet wtb. Frankfurt a. M., 16. Febr.(Tel.) Ein Kaufmann namens Karl Wilhelm Becker, der neben seiner angesehenen Stellung bei einer hiesigen Firma auch als Vermögensverwalter tätig war, ist nach Unterschlagung einer großen Summe— man spricht von 100000 Mark— geflüchtet. Eine Geisteskranke im Burd des Reichsprasidenten enb. Berlin, 16. Febr.(Eig. Meld.) Heute am frühen Nachmittag erschien die 30 Jahre alte Erna Olschewski aus Birkenwerder im Büro des Reichspräsidenten, um eine Beschwerde vorzubringen, wobei sie wirre Reden führte. Da sich anscheinend um eine gemeingefährliche es Geisteskranke handelt, wurde sie auf Anordnung des Kreisarztes nach der Anstalt Herzberge gebracht. Einbruch beim amerik. Gesandten in Wien wtb. Wi.n, 17. Febr.(Funkspr.) Einbrechet suchten in der Nacht zum Montag die Villa des hiesigen amerikanischen Gesandten Baker=Stockton im Villenort Döbling heim. Die vierjährige Tochter des Gesandten erwachte infolge eines verdächtigen Geräusches und machte ihrem Vater hiervon vorsichtig Mitteilung. Als der Gesandte mit einem Revolver den Einbrechern entgegentreten wollte, waren diese unter Mitnahme eines Photo=Apparates bereits geflüchtet. Die Polizei verhaftete gestern einen Vorbestraften, der des Einbruchs verdächtig ist. Eisenbahnzug seit drei Tagen im Schnee stecken geblieben wtb. Paris, 17. Febr.(Funkspr.) Wie aus Teulouse gemeldet wird, steckt auf der Strecke Toulouse—Puiguerda zwischen den Stationen Porté und Porta schon seit Samstag ein Zug im Schnee fest. 42 Reisende muhten in Porta Zuflucht suchen. Frl. Esterhazy mit der Hundepenische Gegen die Aufführung der Affäre Dreyfus wtb. Paris, 16. Febr. Wie Petit Parisien berichtet, erschien gestern abend in dem Büro des Theaters, das das Stück„Die Affäre Dreyfus“, von Jacques Richepin(das nach seiner Version und Tendenz mit dem deutschen Stück kaum noch etwas zu tun hat) aufführt, die Tochter des Majors Esterhazy und verlangte. bei Richepin und dem Direktor des Theaters vorgelassen zu werden. Als sie empfangen wurde, erklärte sie diesen:„Sie verletzten das Andenken meines Vaters dadurch, daß Sie die Affäre Dreyfus aufführen.“ Bei diesen Worten wollte sie mit einer Hundepeitsche, die sie unter ihrem Mantel bei sich führte, Richepin schlagen. Die Peitsche wurde ihr jedoch von der Frau des Theaterdirektors aus der Hand gerissen. Frl. Esterhazy wurde aus dem Büro gewiesen, das sie unter Drohungen verließ. Sie zerriß vor dem Theater zwei Plakate, die die Aufführung des Stückes„Die Affäre Dreyfus“ anzeigten. Auch gestern veranstalteten de Camelots du Roi während der Nachmittagsvorstellung Kundgebungen. Elf von ihnen wurden aus dem Theater gewiesen und zwecks Feststellung ihrer Personalien nach dem Polizeikommissariat gebracht. Verkehrsstörung in Ungarn durch Schneeverwehungen wtb. Budapest, 16. Febr. Schneestürme haben auf einigen ungarischen Bahnlinien große Verkehrsstörungen verursacht. Mehrere Züge schneiten ein und konnten erst nach langem Bemühen wieder freigemacht werden. Der Verkehr wird jedoch mit Ausnahme von drei Lokalbahnstrecken auf allen Linien aufrechterhalten. Mit der Freilegung der Strecken sind verstärkte Arbeiterkolonnen beschäftigt. Auch in Budapest setzte in den frühen Morgenstunden ein stärkeres Schneetreiben ein, das gegenwärtig noch andauert. Nach einer Mitteilung der Donau=SaveAdria=Bahn sind durch die Schneestürme die Bahnlinien der Gesellschaft vollkommen eingeschneit, so daß vom Budapester Bahnhof keine Personenzüge abfahren und auch keine dort einlaufen. Zur Freilegung der Strecken wurden Züge mit Arbeitern an die betreffenden Stellen entsandt, die aber infolge der noch immer tobenden Schneestürme mit der Arbeit nur sehr langsam vorwartskommen. Die Freimachungsarbeiten werden auch dadurch sehr erschwert, vaß die Telephonverbindungen vielfach unterbrochen sind. Vorläufig ist es noch ganz unbestimmt, wann der Verkehr wieder aufgenommen werden kann. Um die Schließung der Hütte Ruhrort=Meiderich wp. Duisburg=Hamborn, 16. Febr. Unter Führung des Geschäftsführers des DuisburgHamborner Einzelhandelsverbandes, Dr. Roller, begibt sich am Dienstag eine Kommission nach Berlin, um mit dem Reichskanzler, dem Reichsfinanz= und dem Reichsarbeitsminister wegen der durch die Schließung der Hütte RuhrortMeiderich eintretenden wirtschaftlichen Schädigung der Duisburg=Hamborner Kaufmannschaft Rücksprache zu nehmen. Von der Kommission werden Steuerrleichterungen, ein Zweimillionenkredit usw. vorgeschlagen. wp. Duisburg, 16. Febr. Oberbürgermeister Jarres will der Belegschaft der Hütte RuhrortMeiderich noch einmal Gelegenheit geben, zu dem Vorschlag der Werksleitung Stellung zu nehmen. Auf seine Veranlassung fand heute morgen in Ruhrort eine Besprechung mit den Betriebsratsmitgliedern statt, in der Dr. Jarres erklärte, er werde nun an jedes einzelne Belegschaftsmitglied ein Schreiben richten, ob es bereit sei, den Vorschlag der Werksleitung anzunehmen, da er der Meinung sei, daß die vorgenommene Urabstimmung kein klares Bild über die Haltung der Belegschaftsmitglieder gegeben habe. Die Abstimmung sei zu sehr von den Gewerkschaften beeinflußt worden. Diese Erklärung wurde von den Vertretern des Betriebsrates mit Entrüstung aufgenommen. Weitere Entlassungen bei den Vereinigten Stahlwerken. wtb. Duisburg=Hamborn, 16. Febr.(Tel.) Wegen dauernden Rückganges des Kohlenabsatzes und insbesondere wegen der Stillegung der Hütte Ruhrort=Meiderich, die zur weiteren Vermehrung der Haldenbestände beitragen wird, sieht sich die Bergbaugruppe Hamborn der Vereinigten Stahlwerke gezwungen, einen erneuten Antrag auf Betriebseinschränkung vorzunehmen. Die Bergbaugruppe hat beim Stilllegungskommissar die Entlassung von 1600 bis 1700 Bergarbeitern beantragt, die sich insbesondere auf die Schachtanlagen 4, 8, 3/7, Westende und Zentralkokerei Westende verteilen. Die Kündigungen sollen am 1. März erfolgen. Ferner wollen die Bergwerksgesellschaft Hibernia in Herne auf ihren Schächten Schlägel und Eisen 1 und 2 in Herne und„General Blumenthal“ in Recklinghausen im ganzen 450 Arbeiter, die Rheinischen StahlwerkeaG. in Essen auf ihren Zechen„Fröhliche Morgensonne“ und Zentrum 1 und 3 zusammen 590 Arbeiter und Angestellte entlassen. Die Rhein. Stahlwerke=AG. in Essen nimmt an, daß über ihren Antrag hinaus in der nächsten Zeit weitere Kündigungen ausgesprochen werden müssen. Schiffskatastrophe in China 100 Personen ertrunken? wtb. Neuyork, 16. Febr.(Tel.) Associated Preßz meldet aus Kanton, daß ein mit 500 Personen besetzter Dampfer auf einen Felsen im Piarl River aufgelaufen und gesunken ist. Von den Passagieren, die soeben das chinesische Neujahr gefeiert hatten, sollen etwa 100 ertrunken sein. Nähere Nachrichten fehlen noch. Die Bergwerksexplosion in China Doch 3000 Tote? wtb. London, 16. Febr. Times meldet aus Peking: Während die Südmandschurische Eisenbahn=Gesellschaft in Abrede stellt, daß bei der kürzlich erfolgten Explosion im Fuschun=Gebiet Menschenverluste zu beklagen waren, bleiben chinesische Pressemeldungen aus Mukden weiter der Meinung, daß mehr als 3000 chinesische Bergleute und 30 bis 40 japanische Obersteiger in den Flammen umgekommen seien, als die Direktion die Schließung des Schachtes anordnete, um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Ein Telegramm aus Ranking besagt, daß das Innenministerium die Behörden in Mukden um Entsendung von Beamten zur Untersuchung der Vorfälle und zur Einleitung eines Hilfswerks für die Familien des Unglücks ersucht hat. „Von Mütterchen die Frohnatur, Die Lust zu fabulieren... Straßenbahnen klingeln durch den Großstadtlärm. Menschen hasten zu ihrer Arbeitsstelle. Aus nüchternen Mietskasernen gröhlen Lautsprecher und Grammophone. In diese Großstadtsymphonie eingebettet, umbrandet vom Verkehr der Mainstadt Frankfurt, ganz in der Nähe des Hauses, in dem sie vor bald 125 Jahren ihren letzten Atemzug tat, liegt Frau Rat Goethe oder, wie sie von ihren Freunden genannt wurde, Frau Aja, zur letzten Ruhe gebettet. Kinder spielen ausgelassen an der schlichten eisernen Umgitterung, ahnungslos, daß hier unter dem Grabstein des Peterskirchhofs eine Mutter liegt, die ewig Goethes Mutter, geboren am 19. Februar 1731. (Nach einem Gemälde in Kölner Privatbesitz.) ndes Vorbild aller Mütter zu sein verMag man, gesellschaftlicher Konvention folgend, manche Frau mit dem Titel ihres Gatten als Frau Rar vezrichnen— die„Frau schlechthin— lat bezeichnen- die„Frau Rat das ist nur eine: Goethes Lutter. Im Schatten des kommenden Goethejubiläumsjahres, dessen Feiern bereits jetzt vorbereitet werden, begehen wir am 19. Februar den zweihundertsten Geburtstag dieser Frau, die Das Goethehaus am Hirschgraben in Frankfurt am Main vor dem Umbau, der sein Heußeres leider stark veränderte. nicht nur deshalb in der Ahnenreihe deutscher Frauengestalten einen bevorzugten Platz einnimmt, weil sie unserem größten Dichter das Leben geschenkt hat, sondern vor allem, weil sie eine Erscheinung war, deren heiteres, gütiges, reines Charakteebild von jeher lebdafter im Gedächtnis der Deutschen stand, als das anderer Dichtermütter. Während Goethe seinem Vater in erster Reihe pflichtschuldige Pietät entgegenbrachte, war für ihn und seine Schwester Cornelie die übrigen Geschwister waren frühzeitig gestorben— die Mutter dagegen einfach da. Und brauchte, wie Gundolf in seiner großen Goethebiographie darlegt, auch nur„da zu sein“, um zu wirken und zu wecken, denn sie war eine Frau, die Wärme verbreitete durch ihre selbstgenügsame rege Gegenwart. Goethes Mutter war eine durchaus ursprüngliche, echte, innerlich anmutige und heitere Frau, häuslich und tüchtig, dabei beweglich bis zur Spielerei und von einem gesunden Mangel an logischer Schwere. Ihre gescheiten Einfälle kamen vom Herzen, nicht vom Hirn. Als am 20. August 1748 der pedantische, trockene, etwas feierliche, verbitterte, aber mit Wissen und Weltkenntnis wohl ausgerüstete kaiserliche Rat Johann Caspar Goethe die um zwanzig Jahre jüngere Schultheißentochter Katharina Elisabeth Textor als seine Frau in das große, geräumige Patrizierhaus am Groner Hirschgraben in Frankfurt am Main heimführte, da war es keine Ehe, die einer starken Leidenschaft entsprang. Als gute Tochter war das siebzehnjährige Mädchen einem Wunsch seiner Eltern gefolgt,„ohne viel nachzudenken“ So kam es, daß die lebenslustige Frau Elisabeth in jeder Beziehung ihren Kindern näher stand, als dem um so viel älteren, lehrhaften, grämlichen Gatten. Die hübsche, braunlockige, putzsüchtige und jeder häuslichen Tätigkeit abgeneigte Bürgermeisterstochter war nicht mit allzu großem Wissen belastet die Ehe eingegangen. Sie hatte, wie es in der damaligen Zeit lag, eine mehr als mangelhafte Schulbildung genossen. Ein bißchen Lesen, Rechnen, Schreiben, so daß sich der sechzehnjährige Wolfgang seiner Schwester gegenüber über die schlechte Erziehung aufhielt, die die Töchter des Stadtschultheißen bekommen hätten.„Der Fehler läge am Schulmeister," meinte Frau Aja in ihrer scherzhaften Art. Mit der Rechtschreibung hat sie sich bis an ihr Lebensende nicht befreunden können. Und als sie sich einmal bei einem Fremdwort über die Schreibweise nicht im Klaren ist, vermerkt sie in Parenthesen „Der Teufel hole das Verfluchte Wort, ich kanns nicht einmahl schreiben". Und doch gehören die Briefe, die die schreibselige Frau Aja aus späteren Lebensjahren hinterlassen hat, mit zu dem schönsten literarischen Besitz, weil sie uns bei einem gewissen künstlerisch=ursprünglichen Reiz als Selbstzeugnisse den intimsten Einblick eröffnen in ihre menschliche Art zu denken und zu fühlen. Was sie mit grauen Haaren an ihren „Hätschelhans“, den„Wolf" und„Doktor“ geschrieben hat, ist vielfach tiefer und wärmer gehalten, als das Briefwerk des großen Sohnes an sie. Überall, wo man die Briefe der Frau Aja aufschlägt, geht eine beglückende Wirkung aus von dieser Spiegelung einer reinen und starken Persönlichkeit. Eine„Frohnatur“ hat sie Goethe benannt. Aber Frau Rat war nicht nur warm= und leichtherzig und von einem unverwüstlichen Humor beseelt, sie war nicht nur eine Frau, die die Gabe hatte, selbst glücklich zu sein, sondern vor allem auch, andere glücklich zu machen. Das wußte sie selbst am besten.„Sooft ich in einen Zirkel komme, wird alles froh und heiter, weil ich erzähle. Oder:„Ich mache immer ein freundliches Gesicht, das vergnügt die Leute und kostet nichts. Oder:„Zwar habe ich die Gnade von Gott, daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von mir weggegangen ist,— weß alters und geschlechts sie auch gewesen ist. Ich habe die Menschen sehr lieb und das fühlt jung und alt— gehe ohne pretention durch die Welt und das behagt allen Evens Söhnen und Töchtern— bemoralisiere niemand— suche immer die gute Seite auszuspähen— überlasse die schlimme dem der den Menschen schufe und der es am besten versteht, die scharffen Ecken abzuschleisen— und bey dieser Medode befinde ich mich wohl und vergnugt.“ So war es kein Wunder, daß sie von aller Welt, von Hoch und Niedrig, von Jung und Alt in gleicher Weise geliebt und verehrt wurde. Auf alle, die in ihren Kreis traten, übte sie— auch durch ihr Erzählertalent— einen unausdenklichen Zauber aus. Sie schreibt selbst über ihre persönliche Wirkung:„Ich werde, ohne daß ich begreifen kann, wie es eigentlich zu geht, von so vielen Menschen geliebt, geehrt, gesucht;— daß ich mir offte selbst ein Rätzel bin und nicht weiß, was die Leute an mir haben— genung, es ist so und ich genüsse dieser Menschen Güte mit Danksagung gegen Gott.“. Des Sohnes rasch aufblühender Dichterruhm erfüllte das Mutterherz mit Stolz und Freude. Von ihm angezogen, fanden sich zahlreiche„Prominente“ am Hirschgraben ein. Die Ursprünglichkeit, mit der sie als Hauswalterin auftrat, konnte ihren Eindruck auf Männer wie den Darmstädter Kriegsrat Merck, dessen Züge Goethes Mephisto trägt, auf Lavater, Basedow, die Dichter Wieland, Herder und Klopstock und zahllose andere nicht verfehlen. Selbst die Herzogin Amalie von Weimar redete Frau Rat in ihren Briefen als Zeichen ihrer Zuneigung mit„Liebe Mutter“ an, und eine ganze Schar von reisen Männern und Frauen war stolz darauf, von Frau Rat als„Sohn" und „Tochter" bezeichnet zu werden. Frau Rat war keine Frau, die das Unangenehme gern an sich herankommen, geschweige enn über sich Macht gewinnen ließ. Selbst in den trüben Zeiten, die über die Stadt Frankfurt hereinbrachen, während der Koalitionskriege— die „Die Frau Pathe besuchen wir ziemlich wo wir denn, wenn wir uns ausgeplaudert haben, Rabuse mit ihr spielen, welches ihr Lieblingsspiel ist. Sie ist wieder recht wohl, doch nimmt sie sehr ab, sowohl am Geist, als Durchzüge von österreichischen und preußischen Truppen, die Brandschatzungen und Plünderungen durch die Franzosen— verlor sie ihre gute Laune nicht. Nach dem Tode ihres Mannes verkaufte sie das Haus am Hirschgraben, in dem sie 46 Jahre lang gewohnt hatte, weil es ihr soviel Einquartierungslast aufbürdete. Auch während der schweren Kriegszeiten ließ sie nicht von ihrer Theaterleidenschaft und machte sich über furchtsame Gemüter lustig, die mit unbegründeten Schreckensnachrichten zu ihr kamen. Zwischendurch suchte sie in aller Ruhe nach einem neuen Unterkommen„meinem Stand und Würden gemäß, damit ich mich in „Gucktest au doch mit mir heraus!!!!“, schreibt sie einmal dem vergeblich erwarteten Sohn Wolfgang, nachdem sie in die neue Wohnung auf dem Hauptplatz übersieckelt ist, aus deren Fenster sie obige Aussicht genießt. am Körper, denn beinahe alles, was ihr sonst Vergnügen machte, interessiert sie nicht mehr, sogar das Theater hat nicht mehr viel Reiz für sie, aus der Musik macht sie sich nichts mehr, ausgenommen, wenn Friedericke ihr einige Märsche, eine Sonate vom Himmel oder den arrangierten„Don Juan“ spielt, dann ist sie vergnügt.— Doch wenn wir einmal 77 Jahre alt werden, so werden wir lange nicht so liebenswürdig und munter seyn wie die Frau Rath." Am 13. September 1808 starb Frau Rat,„ruhig und groß wie ihr Leben war“, einen sanften, schmerzlosen Tod. Gefaßt sah die Lebensfreudige dem Tode entgegen. Am 15. wurden die sterblichen Reste dem Schoß der Erde übergeben. Erst zwei Tage später, von einer Badereise aus Karlsbad zurückgekehrt, empfing der Sohn, der die Mutter seit elf Jahren nicht mehr gesehen hatte, die Todesnachricht. Seltsamerweise, ohne in seinem„Tagebuch“, des Verlustes mit einem Worte zu gedenken. In seinem tiefsten Innern verschloß er den Schmerz und den Kummer um den Heimgang der Frau, die durch ihre gesunde Lebensauffassung von früh an auf das empfängliche Gemüt des Dichters befruchtend eingewirkt und seine ganze Entwicklung bedeutungsvoll beeinflußt hat. Dr. Eugen Tann. Ein idyllisches Familienbild, das die Eitern des Dichters, ihn selbst und seine Schwester Cornelie zeigt. Dieser Darstellung im Stile des Rokoko mag um ihrer bestrickenden Anmut willen zugute gehalten werden, daß sie Frau Rath in einer Kleidung und Haltung wiedergibt, die ihrem natürlichen Wesen nur wenig entsprach. den letzten Lebensjahren nicht heruntersetze. Denn im letzten Akt soll applaudiert, nicht gepfiffen werden“. Kaum war sie in die neue Wohnung am Roßmarkt übergesiedelt, da erlebt sie das Bombardement der Stadt. Goethes Einladung, nach Weimar zu kommen, folgt sie nicht. Sie bringt ihre Habseligkeiten in den Keller, flüchtet vorübergehend nach Offenbach, kehrt aber schleunigst wieder zurück, um ihre Wohnung vor unliebsamen Franzosengästen zu schützen. Von ihrem Fenster aus betrachtet sie voller Interesse alles, was sich an militärischen Schauspielen um die Hauptwache herum ereignete, begrüßt gerührt die Wiederkehr ihrer alten Frankfurter Soldaten, und zwischen Klavierspiel und der Lektüre Voltaires klöppelt sie für das erwartete Urenkelkind„die Spitzen an das Kindszeug, die Häubger und Armelger — und nicht etwa so lirum larum, nein, sondern ein Brabanter Muster, drei Finger breit und, wohl zu merken, ohne Brille“. Frau Rat stand damals im 65. Lebensjahre. Das Altersschicksal des Einsamwerdens blieb ihr erspart. Sie führte„beynahe ein Schlaraffenleben", teils in stiller Beschaulichkeit, teils im Verkehr mit guten Freunden. Morgens läßt sie sich nicht gern storen. Da ist sie im Haushalt tätig und tut„auch ihrem Leichnam die gebührende Ehre an“. Nach Tisch haben ihre Freunde und Bekannten das Recht, sie zu besuchen. Aber nicht länger als bis um 4 Uhr. Dann kleidet sie sich sorgsam an, geht aus, zu einem Spielchen, zu ihrem Kränzchen, in dem dramatische Werke mit verteilten Rollen gelesen werden, am liebsten aber besucht sie in späteren Jahren das Theater, wo sie an keinem Abonnementsabend auf ihrem Platz fehlt. Das Jahr 1808 ist das Todesjahr der Frau Rat. Aus dieser Zeit haben wir ein interessantes Dokument, das die große Dichtermutter in ihrer letzten Lebensphase gut charakterisiert: Die Grabstätte von Goethes Eliern mit dem Denkmal, das die Mainstadt ibnen ertichten ließ. Haifischfleisch gefällig?“ Eine Berliner Fischhandlung verkauft neuerdings Haifischfleisch, das Pfund zu 80 Pfg. Vielleicht schmeckt es gar nicht so übel. Denn Haifischflossen gelten in China als geschätzte Delikatesse. Aber wer kennt das Kochrezept? Immer noch treibende Minen dim Aermelkanal kommen neudings Meldungen über das Auftauchen treibender See minen. Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß diese Ueberreste aus der Zeit des Weltkrieges von der Schiffahrt denkbar ungern gesehen werden. Man veranstaltet daher von Zet zu Zeit eifrige Jagden auf diese unheimlichen Gesellen der Meere. Unser Bild zeigt oben ein Minensuchboot in Tätigkeit, unten die Entladung einer angeschwemmten Mine, rechts die Unschädlichmachung einer Treibmine. Die ungeheure Wasserfontäne läßt die in einer Mine schlummernde Explosionskraft ahnen. Gewinnauszug lasse 36. Preußisch=Süddeutsche (562. Preuß.) Staats=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf sebe gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 6. Ziehungstag 14. Februar 1931 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Cewinne zu 50000 M. 144806 8 Gewinne zu 10000 M. 152389 167243 298387 317419 8 Gewinne zu 5000 M. 69277 839511 355601 398755 10 Gewinne zu 3000 M. 811 10803 85078 87350 301498 60 Gewinne zu 2000 M. 15333 20859 21215 40113 56144 60842 69121 94138 108363 125385 144125 168927 208163 228528 235686 274032 274491 278021 296011 297713 306148 314461 317908 327099 328991 352472 355237 370608 381333 397509 98 Gewinne zu 1000 M. 16308 32382 50094 67153 67329 74006 84459 85190 96576 101382 102105 114113 137174 146729 163134 167392 174835 175350 175420 189854 194582 194785 197094 200683 201004 207852 211058 213895 219352 219820 222223 226840 228505 228663 233604 237006 252920 255211 255974 262006 285058 296571 319774 333155 334100 337666 339679 343708 358801 182 Gewinne zu 500 M. 7726 16106 19625 22009 22565 22787 34587 36902 45483 60031 52862 55412 63014 69045 72645 76745 79053 93082 95543 103149 106876 109724 118243 126176 129049 128605 132471 133636 136587 148015 148101 170456 171103 171288 173523 175779 188611 191932 192923 196606 204427 204994 216412 219406 221889 224817 226694 226923 232067 232962 245103 247974 248674 251946 268253 264728 266104 268235 271288 271537 273496 276676 282362 286064 287331 295832 295842 295883 296064 296534 305222 306522 308136 308205 310524 314801 314912 317218 319462 356934 358007 358180 361403 363065 365356 367152 369775 371176 375315 376508 383058 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 500000. 2 zu je 300000, 2 zu je 100000, 6 zu je 75000, 4 zu je 50000, 24 zu je 25000, 146 zu je 10000 388 zu je 5000, 786 zu je 3000, 2360 zu je 2000, 4744 zu je 1000, 7732 zu je 500. 23362 zu je 400 M. Urteile des Reichsfinanzhofes. Zur Abgabenordnung hat der Reichsfinanzsof wieder zwei bemerkenswerte Urteile gesllt. Der Verpächter eines Unternehmens, an sen der Betrieb zurückfällt, ist nach der Abgaeenordnung nicht haftbar, wenn er den Betrieb es Pächters, ohne ihn weiter zu führen, sofort vieder verpachtet. Nach dem anderen Urteil 7. Jlehungstag 16. Februar 1931 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne zu 10000 M. 23269 230032 10 Gewinne zu 5000 M. 143592 183784 198996 303438 309549 20 Gewinne zu 3000 M. 1073 109843 237413 289444 296226 303719 319637 366083 370672 394067 52 Gewinne zu 2000 M. 15510 24843 27232 30065 47128 50728 65716 95269 114196 117830 173800 174315 214018 223399 244605 279269 306701 330854 339559 341406 362156 367982 371257 380466 383580 395428 94 Gewinne zu 1000 M. 8869 10478 18419 18856 27699 37664 50071 52053 61652 68340 71858 74414 76485 91742 95249 100577 105387 123789 158257 187800 193699 204296 207729 208052 210467 213068 216185 231334 238644 239666 254248 262723 265706 275420 276278 282793 292046 300477 302098 311718 314044 343148 347359 371114 384607 386532 388616 176 Gewinne zu 500 M. 3325 6866 21387 31713 32859 37603 44459 46895 48082 52748 67919 63309 68460 72656 73324 76491 93421 93430 94458 95806 105095 106387 117334 119797 124484 128260 131699 131765 137097 137687 145886 145946 153833 154296 154641 155978 162158 171130 176144 182598 182768 186433 200002 202580 203052 204879 213112 213614 216109 218051 222078 232342 258853 259029 260566 261035 265138 268414 274018 276836 284141 287991 288148 291268 304582 309407 312874 313151 313717 313928 321012 322284 323494 333620 335975 346748 352612 355912 360715 363585 367436 367855 372321 377468 379787 384321 393450 398392 kann die Haftung jedoch dann begründet sein, wenn ein Teil des Unternehmens im ganzen veräußert oder erworben wurde, sofern nur dieser Teil schon in der Hand des Veräußerers für sich, unabhängig von den anderen Geschäften, betrieben worden ist. Freikarten für Besteller von Sonderzügen. Zur Gewinnung neuen Verkehrs wird die gebührenfreie Abgabe von Sonderzugkarten, die bisher nur für die Werbung des Verkehrs für Verwaltungssonder= und Wochenendzüge durch Vereine usw. zugelassen war, nach einer Mitteilung der Reichsbahn auf die Werbung für Gesellschaftssonderzüge ausgedehnt. Die Besteller solcher Züge erhalten für je 100 bezogene ganze Fahrkarten 2 Sonderzugkarten ohne Bezahlung für die im Zug geführte niedrigste Wagenklasse und die Strecke, für welche die Mehrzahl der Karten gelöst wurde. Angefangene 100 werden hierbei als voll angesetzt. Je 2 Fahrkarten zum halben Preise werden als eine ganze gerechtnet. Diese Regelung gilt künftig auch für Verwaltungs= und Wochenendzüge. Zwangsversteigerung Mittwoch, den 18. ds. Mts., vorm. 10 Uhr, werde ich in der Wirtschaft Möller Westenstr., 1 Registrierlasse, 1 Bücherschrank, 5 Kamine, 2 Ausstellschränke, 1 Ofen, 2 elek. 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Zahnärztin von Dr. Proskauer 2.50 Zimmermann von Böge 0.50 Der deutsche Forstmann und Berufsjäger von Schölzel 3.50 empfiehlt Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstraße 3 1 Nr. 40(Zweites Blatt) „Tchfwbertes=Henung Dienstag, 17. Februar 1931 Aulng ,Vurtuntente Zum Auszug der 107.— Rumpfparlamente mit Blutkatastrophen in England, Frankreich und Deutschland.— Das Stuttgarter Rumpfparlament.— Die Windbeulen Obstruktion. Von Franz Lehnhoff. Im Zusammenhang mit dem Auszug der 107 Nationalsozialisten aus dem Deutschen Reichstag ist das Wort Rumpfparlament gefallen. Betrachter der Geschichte werden es vielleicht mit einer gelinden Gänsehaut gehört haben.„Rumpfparlament, durch den Austritt vieler Mitglieder geschwächtes Parlament" heißt es in einem großen Wörterbuch. Das klingt recht harmlos. Aber wo es in Deutschland, in Frankreich, in England bisher Rumpfparlamente gegenben hat, ist Blut geflossen. Blut der Parlamentarier und des Volkes. Begriff und Rumpfparlament sind uns, wie der ganze neuzeitliche Parlamentarismus, von der„Mutter der Parlamente“ geschenkt worden, haben uns also als uenglisches Erzeugnis zu gelten. Das Wort wurde durchaus nicht in sachlicher Absicht dem Rest des Parlaments angehängt, mit dem Oliver Cromwell seine Blutund Eisenpolitik um die gleiche Zeit machte, als in Deutschland der Dreißigjährige Krieg durch den Westfälischen Frieden zum Abschluß gelangte. Im Jahre 1648 vertrieb der englische Militärdiktator seine presbyterianischen Gegner aus dem Unterhaus. Mit dem„Rump“, der englischen Bezeichnung nur für einen— räumlich allerdings unbescheidenen— Teil des Rumpfes, von dem bei Mastochsen die beliebten Rumpfsteaks, die Lendenstücke gewonnen werden, setzte Cromwell den König Karl I. ab, machte ihm den Prozeß und schickte ihn aufs Blutgerüst, jagte das Oberhaus davon und verwandelte England in eine Republik. Danach wurde von ihm jedoch auch das Rumpfparlament aufgelöst und auch das aus seiner eigenen Anhängerschaft bestehende Barebone=Parlament, also das Parlament der Skelettmenschen, gefiel ihm so wenig, daß er es ebenfalls schloß und allein regierte. Die Kunst, mit Parlamentariern schonungslos umzugehen, wurde dann durch den französischen Nationalkonvent ins Grauenhaft=Groteske gesteigert. Er bereitete zunächst Ludwig XVI. das Schicksal Karls I. von England. Das geschah mit 361 gegen 360 Stimmen noch von einem vollzähligen Hause. Am 21. Januar 1793, übrigens dem Todestage Lenins, siel der Kopf des französischen Königs; am 2. Juni aber erfolgte schon die Verhaftung der ersten 32 Girondisten, die dann nach der wenige Wochen später ausgeführten Erdolchung Marats durch die Girondistin Charlotte Corday im furchtbarsten Sinne des Wortes zu Rumpfpalamentariern oder Parlamentarierrümpfen wurden. Nunmehr vollzog sich eine fortgesetzte Verkleinerung des Parlaments auf dem gleichen blutigen Wege und durch abenteuerliche Flucht„verdächtiger“ Parlamentarier, bis der zusammengeschmolzene Konvent seine Aufgabe, die Verkünoigung einer neuen Verfassung, erledigen konnte Ein Rumpsparlament war auch schon die Nationalversammlung, als die Sieyés nach der Berufung der Reichsstände in Versailles die Abgeordneten des dritten Standes ausrufen ließ. Die daraus erwachsende verfassunggebende Versammlung vereinigte schon nicht mehr alle Vertreter des Adels und der Geistlichkeit mit den Bürgerabgeordneten und verlor rasch zahlreiche weitere Mitglieder, als nach der Erstürmung der Bastille die Auswanderungsbewegung der französischen Adligen immer stürmischere Formen annahm. Eine bewegte Zeit umwogte auch in Deutschland die Nationalversammlung. Das Parlament vom 18. Mai 1848, in dem der neuzeitliche deutsche Parlamentarismus wurzelt, hat ebense wie sein Nachfolger in Deutschland keine Todesurteile an Regierenden oder eigenen Mitgliedern vollziehen lassen, wurde aber schon am 18. September, während eines Aufstandes in seinem Sitz zu Frankfurt am Main, des Fürsten Lichnowski und des Generals vs Auerswald beraubt, die von erregten Volksmassen ermordet wurden. In ihrem weiteren Verlauf sollte dann die Nationalversammlung, die mit der Aufgabe der Schöpfung einer Reichsverfassung betraut worden war, das Beispiel einer Rumpsversammlung im wörtlichen schlechthin klassischen Sinne werden, Haut und Glieder verlieren, um nur noch als lebensunfähiger Rumpf ein paar Tage dahinvegetieren. Mit 578 Mitgleidern trat sie in die Paulskirche zu Frankfurt am Main zusammen. Das ist bis auf einen Mann genau die Mitgliederzahl des gegenwärtigen Deutschen Reichstages, der 577 Abgeordnete vereinigt, von denen 107 einen Dauerauszug auf Widerruf angetreten haben. Der Keim des Zerfalls erwuchs in der Nationalversammlung aus dem preußisch=österreichischen Gegensatz. Als am 28. März 1849 der König von Preußen mit 290 Stimmen gegenüber 248 Stimmenenthaltungen zum deutschen Kaiser gewählt worden war, berief Oesterreich seine Abgeordneten aus Frankfurt ab. Es ist allgemein bekannt, daß die Nationalversammlung mit der Kaiserwahl kein Glück gehabt hat, weil Friedrich Wilhelm IV. es ablehnte, von ihr die Kaiserwürde anzunehmen. Das durch mehr als 60 österreichische Abgeordnete schon stark geschwächte Parlament setzte aber seine Beschlußfassungen unbeirrt fort. Im Jahr 1849, als die zahlreichen Volserhebungen um die Neugestaltung der Geschicke Deutschlands noch fortdauerten, ereignete sich ein neuer, folgenschwerer parlamentarischer Vorgang. Mit erheblicher Mehrheit wurde die Verpflichtung der einzelnen Heere auf die Reichsverfassung festgesetzt, ein Gedanke, der nicht einmal von Bismarck für das Rech vom 18. Januar 1871 verwirklicht werden konnte, sondern sich erst in unserer Zeit durchsetzte. In den Tagen vom 14. bis 23. Mai beriefen unter Hinweis auf diesen Beschluß Preußen, Sachsen, Hannover ihre Abgeordneten ab. In der gleichen Woche fiel ferner die starke erbkaiserliche Gruppe aus, die noch im März unter schärssten Kämpfen das Erbkaisertum für Deutschland durchgesetzt hatte, und nun blieb nur noch ein Rest der Nationalversammlung zurück. Er beschloß, seine Beratungen in Stuttgart fortzusetzen. Nurn 104 der einstigen 578 kamen dort zusammen. Die Geschichte dieses Rumpfes dauerte nur vom 6. 18. Juni. An diesem Tage wurde die Versammlung durch württembergisches Militär gesprengt. In der späteren Parlamentsgeschichte hatten wir in Deutschland öfter zeitweilige Rumpfpar... vom Mütterchen die Frohnatur Die Flöte des Alten Fritz unter dem Hammer R sc ReR R eäce. Am 19. Februar jährt sich der Geburtstag von Goethes Mutter, Katharina Elisabeth Goethe, zum 200. Male. Was ihr der große Sohn verdankt, hat er in unübertrefflicher Weise in den bekannten Vers gekleidet:„Vom Vater hab' ich die Statur, des Lebens ernstes Führen, vom Mütterchen die Frohnatur und Lust zu fabulieren.“ Die Lieblingsflöte Friedrichs des Großen, die er während des Siebenjährigen Krieges bei sich führte, wird jetzt bei der Versteigerung des Mobiliars des Schlosses Glienicke bei Potsdam aus dem Besitz des Prinzen Leopold von Preußen in fremde Hände übergehen. lamente, die nur scherzeshalber für ein paar Stunden so genannt wurden, wenn größere parlamentarische Gruppen einen demonstrativen Ausmarsch durchführten, um das Haus beschlußunfähig zu machen oder gegen bestimmte Persönlichkeiten ihr Mißfallen sichtbar zum Ausdruck zu bringen. In diese Reihe gehört ein gemeinschaftlicher, gegen den Ministerpräsidenten Braun gerichteter Auszug der Rechten im preußischen Landtag. Die sichtbare Wirkung war damals nicht nur gähnende Leere auf der rechten Seite des Hauses, sondern auch eine Verheerung der Windbeutelbestände des Speisesaales. Eine sozialdemokratische Abgeordnete veranlaßte damals, als Windbeutel im Preußenhaus wegen ihrer dortigen fabelhaften Größe besonders begehrt waren, durch einen Schreckensruf„Die Obstruktion hat alle Windbeutel aufgegessen“, das stilvolle Schlagwort „Die Windbeutel=Obstruktion.“ ha. 8205:7042. Am 1. Januar waren bei den Justizbehörden insgesamt 8205 Referendare beschäftigt gegen 7042 ein Jahr vorher. Davon waren beim Kammergericht 1790 tätig, im Oberlandesgerichtsbezirk Hamm 959, Breslau 871, Köln 806, Düsseldorf 752, Celle 631, Naumburg a. S. 607, Frankfurt a. M. 418, Königsberg i. P. 373, Stettin 319, Kiel 308, Kassel 272, Marienwerder 99, 42 gegen 37 Referendare waren dabei, die vorübergehend aus anderen Ländern in den Vorbereitungsdienst übernommen wurden. Seine erste Frau Roman von Max v. Weissenthurn Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 37. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Es entging ihr nicht, daß der junge Mann sie mit besonderem Interesse beobachtete, und sie stellte sich die bange Frage, ob es ihm nicht vielleicht in den Sinn komme, sie mit Kitty Rothburg in Zusammenhang zu bringen. Sie hatte in ihrer Mädchenzeit sowohl mit ihm, als mit seiner Schwester ziemlich viel verkehrt, und sie entsann sich, daß sie an jenem unvergeßlichen Abend, an dem Michael um sie angehalten, mit ihm getanzt hatte. So schrak sie förmlich zusammen, als er in merklicher Erregung fragte: „Entschuldigen Sie, Frau May, aber— Sie sind mit den Rothburgs verwandt?“ „Weswegen forschen Sie danach?“ „Es liegt etwas in dem Klang Ihrer Stimme... in Ihrem Wesen, was mich an eine Rothburg erinnert, die ich sehr gut kannte. Auch haben Sie das lehhafte Temperament der Rothburgs. Ich hatte Gelegenheit, mich an jenem Tage im Walde davon zu überzeugen.“ „Ich bin eine arme Verwandte der Familie", antwortete sie,„es würde mir darum nicht angenehm sein, meine Beziehungen zu der Familie an die große Glocke gehängt zu sehen.“ Ihre sichtliche Verlegenheit rührte ihn. „Oh, gewiß nicht". stammelte er,„ich dachte mir nur, daß ich mich nicht getäuscht haben könnte und daß Sie mit jenen irgendwie im Zusammenhang stehen müßten.“ Er trat zur Tür, sie folgte ihm. „Ich möchte Sie bitten, mein Geheimnis zu wahren“, sagte sie leise und fast demütig. „Gewiß. Wenn Sie den Baron sagen wollen, um was ich Sie bat, so erweisen Sie Ihrerseits mir damit einen großen Dienst.“ Er entfernte sich. Kitty sah sich einer erneuten Schwierigkeit gegenüber. Sie hatte einen bestimmten Grund, weshalb es ihr nicht wünschenswert erschien, wieder mit Baron Michael zusammenzutreffen. Als sie ihn am Morgen im Kreise der übrigen Jagdgäste gesehen, hatte sie begriffen, daß sie sich stets und immer unfähig fühlen würde, in gleichgültigweise mit ihm zu verkehren. Sie beschloß somit fürs erste, gar nichts zu tun, sondern stillschweigend zu beobachten und auf eine günstige Gelegenheit zu warten. Eines Tages kam Doktor Schnee in höchster Aufregung nach Hause. Er war auf dem Schlosse gewesen, um den kleinen Robert zu besuchen, der längere Zeit hindurch krank war, aber nun der Genesung entgegenging. „Kitty, die wußte, woher er kam, erschrak über seine ernste Miene; sie fragte ihn, ob sich die Krankheit des Kindes verschlimmert habe. „Die Krankheit des Kindes?“ wiederholte Schnee.„O nein! Mir macht ganz etwas anderes Sorge!“ „Um was handelt es sich denn?" forschte sie. „Wenn die Baronin gern Witwe werden will, so kann sie kaum anders vorgehen, als es jetzt geschieht", lautete seine Antwort. „Doktor, was soll das heißen?“ rief Kitty. Und Schnee erklärte ihr: „Der Baron hat ein böses Pferd im Stall und sie verspottet ihn, daß er nicht den Mut habe, es zu reiten. Es handelt sich da jedoch nicht um Mangel an Mut, sondern um gesunden Menschenverstand, wenn er sich weigert, ein Pferd zu reiten, das seinen letzten Eigentümer totgeschlagen hat!“ Kitty horchte auf. „Er wird doch nicht so töricht sein, jenes Pferd wirklich zu besteigen?“ stieß sie hervor. „Ich hofse, er unterläßt es, aber sie ist beleidigend gegen ihn gewesen. Verhöhnen läßt sich keiner gern, noch dazu von seiner Frau“, versetzte der Doktor. Kitty schwindelte es. Fortwährend mußte sie sich nun fragen, ob es richtig gewesen war, Michael wieder mit seiner Frau zusammenzubringen, nur um die Zukunft der Knaben zu retten. Sie sagte sich, daß sie in erster Linie alle ihre Bedenken beseitigen und nach dem Schlosse gehen müsse. Was sie dort zu sagen oder zu tun hatte, mit wem sie zuerst reden wollte, mit der Frau oder dem Manne, das wußte sie selbst noch nicht. Sie sagte sich, daß die Verhältnisse ihr schon den rechten Weg weisen würde. Sie kam gerade aus ihrem Zimmer, wo sie Hut und Mantel angelegt hatte, als ein Diener vom Schlosse in gestrecktem Galopp dahergeritten kam. Er brachte die Botschaft für den Doktor, gleich nach dem Schlosse zu kommen; Baron Michael sei vom Pferde geworsen worden und liege schwer verletzt danieder. Kitty stand totenbleich in der Vorhalle. „Rehmen Sie mich mit!“ bat sie mit heiserer Stimme. Die beiden hatten das Schloß kaum erreicht, als Philippine ihnen bereits entgegentrat. Eine seltsame Wandlung ging in seinen Zügen vor, als sie sah, wer den Doktor begleitete. „Sie hier, Frau May?“ sagte sie mit in die Höhe gczogenen Brauen. „Ich dachte", erwiderte Kitty,„daß ich Ihnen vielleicht nützlich sein könnte, bis Sie eine geschulte Wärterin gesunden haben. Ich habe in Amerika sehr oft den Wärterinnen geholsen, solange ich noch in der Anstalt war“, fügte sie mit einem leichten Zögern hinzu; offenbar erinnerte sie sich nicht gern an jene Zeit. Philippine erklärte sich einverstanden. Sie führte den Toktor seine Begleiterin in die Bibliothek. Man hatte dem Kranken hier ein provisorisches Lager bereitet, um ihm das Hinauftragen in sein Zimmer zu ersparen. Bleich, mit geschlossenen Augen, lag Baron Michael da. Aus einer klaffenden Wunde an der Schläfe rann das Blut. Außer der Kopfwunde hatte er sich auch noch einen Schenkelbruch zugezogen. Nach wenigen Augenblicken schon fand Philippine eine Ausrede, weswegen sie das Zimmer verlassen mußte; Kitty war es, die still und geräuschlos dem Doktor bei allem behilflich war. Erst nachdem Doktor Schnee die Wunde verbunden, das Glied wieder eingerichtet und sich, soweit dies möglich war, davon überzeugt hatte, daß keine inneren Verletzungen vorhanden waren, kam Michael so weit zu sich, um zu erkennen, wer sich an seiner Seite besand. Als er Kitty ansichtig wurde, ging ein Leuchten über sein Gesicht. Er hob das Haupt empor; die Farbe kehrte in seine Wangen zurück. Zärtlich rief er ihren Namen. „Still! Rühren Sie sich nicht; ich bestehe darauf!“ rief der Arzt.„Frau May, Sie tun besser, den Baron der Pflege der Haushälterin zu überlassen!" Kitty aber schüttelte mit ruhiger Entschlossenheit den Kopf, und der Baron brachte stoßweise hervor: „Nein, sie soll bleiben, ich brauche sie! will sie in der Nähe haben! Kitty, bleibe bei mir!“ „Dann nennen Sie sie wenigstens nicht Kitty, sondern Frau May“, flüsterte der Doktor ihm zu. „Schon gut, schon gut!“ nickte der Daliegende. Der Doktor erteilte seine Anweisungen und forderte die strengste Befolgung derselben, ehe er mit besorgter Miene die beiden allein ließ. Kaum war das geschehen, als Baron Michael sast heftig die Hand seiner ersten Frau ergriff. (Fortsetzung foigt.) Schwerte(Nuhr), den 17. Februar 1931. Tagesspruch Von Natur steht die Frau Gott näher als der Mann, weil sie mehr fähig ist, die hergebrachte Logik zu überspringen. Dies ist ihr Mangel vor den Augen der Welt, aber ihr großer Vorzug in den Augen Gottes. Kayßler. Ein Faschings=Dienstag Faschings=Deustag ist's. Hein Jörg legte sein Maskenkostüm an. Als er den rotseidenen Domino aus der untersten Schublade hervorholte, wehte ihm süße Erinnerung entgegen. Vor drei Jahren war er unter dieser Verkleidung seiner Frau zum ersten Male begegnet, und den schwarzseidenen Pierrot, den sie trug, hatte er so ins Herz geschlossen, daß er ein halbes Jahr später mit seiner Trägerin vor dem Altar stand. In der Erinnerung an all das Glück, das ihnen danach erblühte, wurde es Hein Jörg weh ums Herz; denn dieses Glück war seit einem Jahre zerronnen. Mit Verstimmung fing es an und drohend klaffte jetzt ein breiter Zwiespalt zwischen ihm und seiner jungen Frau. Hein Jörg machte eine abschüttelnde Bewegung. Fort mit diesen Sentimentalitäten. Er trug nicht die Schuld an dem Zerwürfnis. Hinein in den Maskentrubel, um zu vergessen, was so schwer zu vergessen ist! Als er die breite Treppe hinunterschritt, össnete sich einen Augenblick die Tür, und seine jung. Frau blickte heraus. Ging es nicht wie frohes Leuchten, wie heller Glücksschein über ihr Gesicht, als sie den rotseidenen Domino sah? Hein Jörg glaubte das in ihrem Gesicht zu lesen. Doch nein, er mußte sich getäuscht haben; denn kühl klang ihr Gruß. Unnahbar schritt sie an ihm vorüber. Da stürzte er hinaus, in den Maskentrubel. Eine seltsame Unruhe erfaßte ihn nun dort. Er lachte laut, lauter als die anderen, verübte die tollsten Narrenstreiche, tanzte mit den schönsten Frauen— und wurde die Unruhe doch nicht los. Er strebte zum Wintergarten des Hotels. Kühl wehte es ihm da entgegen. Er blieb einen Augenblick stehen, so die feuchte Luft ein; da schlossen sich zwei weiche Arme von hinten um ihn und bedeckten seine Augen. Schnell drehte er sich um— und sah gerade noch einen schwarzgelben Pierrot in den Saal enteilen und n der tanzenden, durcheinander wirbelden Masken untertauchen. Kurz entschlossen kehrte er in den Saal zurück. In einem Kreise froher Männer, die im Reigen nach dem Pierrot haschten, fand er ihn wieder. Eben schloß sich die Kette der Männer. Aber leichtfüßig schlüpfte der Schwarzgelbe unter der Kette hindurch und in schnellem Lauf Hein in die Arme. Hein zog den Pierrot stumm an sich; dieser ließ es geschehen. Dann ging er mit ihm hinaus auf die nachtdunkle Veranda. „Sie wecken Erinnerungen in mir", begann er das Gespräch. Der Pierrot schwieg. „Sie trugen das gleiche Pierrotkostüm, wie meine Frau es trug, als ich sie kennenlernte...“ Da zogen zwei weibliche Arme Hein Jörgs Haupt tiefer, und küssend stammelte der Pierrot: „Ich bin es ja auch! Am Alltag sand ich nicht den Mut; diese Maske gab ihn mir. Nimm deinen Pierrot von damals, er wird dich nicht wiedek betrüben!" „Liebste!“ stammelte Hein, neigte sich küssend über den Pierrot, der sich weinend in den roten Domino schmiegte. Was hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 18. Februar 1931. 07,00: Morgenkonzert. 08,00: Mutter und Kind. 10,15: Schallplattenkonzert. 12,10: Schallplattenkonzert. 13.05: Mittagskonzert.— 15,50: Kinderturnen. 16,20: Was will ich werden? 16,40: Frauenstunde. 17,00: Vesperkonzert. 18,00: Die Welt im Buch. 18,20: Slowakische Städte. 18,40: Die Lohnsteuererstattungen für 1930. 19,25: Die Stunde des Arbeiters. 19.45: Abendmusik. 20.20: Das neue Gesicht in der Musi“. 20.45: Sinsoniekonzert. Bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Gegen einen Baum fuhr auf der Hörderstraße ein hiesiger Schüler mit seinem Rad, da ihm ein entgegenkommendes Auto den Weg versperrte. Er erlitt Kopfveretzungen. Wie wird's Weiter? Die Wetterdienststelle Essen meldet: Das Tiesdruck zwischen Island und Mitttelstandinavien hat seine Lage unter langsamer Verflachung laum verändert. Rings um seinen Kern ist der Lufidruck allgemein angestiegen. Die Warmlustzufuhr am Boden reich noch bis zum Kanal, wo sich ein eigener Teilwirbel herausbilden dürste. Von hier aus ist die Warmlust in der Höhe längs eines breiten Niederschlagsgebietes über die Nordsee bis in den Kern hinein zu verfolgen. England selbst liegt bereits unter dem Einfluß der kühleren Rückseitenlust, so daß hier schon vielsech teils Ausheiterung, teils Schauerniederschläge gemeldet werden. Die Temperaturen in Nordengland sind bis auf 2 Grad unter Null gesunken. Unser Bezirk wird nicht mehr in den Bereich der subtropischen Warmlust am Boden gelangen. Wetteraussichten bis Dienstag:„Ansangs vorherrschend bedeckt und vielfach Regen, späler bei abslauenden westlichen bis nordwestlichen Winden stellenweise ausheiternd, noch Niederschläge in Schauern Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Noch einzelnen Regenschauer, erneute Aufzugsbewölkung. Das Sauerland meldet: Kahle Asten:—4 Erad, Scneehihe 90 cm., Neuschnee 1—2 cm., verweht, Sport sehr gut; Hohe Bracht bei Altenhundem:—3 Gard, Schneehöhe 25—70 cm., verbarscht, Sport gut; Willingen: 1 Crad, Schneel öhe 30 bis 70 cm., Sport sehr gut; Meinerzhagen •2 Grad, Schneehöhe 40—90 cm., Sport sehr gut; Lüdenscheid:—1 Grad, Schneehöhe K 35 cm., Neuschnee 1—2 cm., Pulverschnee, Sport sehr gut; Erndtebrück:—2 Grad, Schneehöhe 50—80 cm., Neuschnee 3—5 cm., Pulverschnee, Sport sehr gut; Berleburg: —2 Grad, Schneehöhe 40—50 cm., Sport sehr gut; Nordhelle:—3 Grad, Schneehöhe 45 bis 60 cm., Neuschnee 3—5 cm., Pulverschnee Sport sehr gut; Kohlberg: 0 Grad, Schneehöhe 40 cm., Sport sehr gut; Homert:—2 Grad, Schneehöhe 35—40 cm., Neuschnee 3—5 cm., Pulverschnee, Sport sehr gut. Gedenktage. 17. Februar: 1781: Leannce, der Ersinder des Stethoskop, geboren.— 1792: Der Natursorscher Karl Ernst von Baer auf Piep in Estland geboren(gestorben 1876).— 1856: J. H. Rosney geboren.— 1856: Der Dichter Heinrich Heine in Paris gestorben(geboren 1797).— 1919: Max Schneckenburger, der Dichter der „Wacht am Rhein“, in Thalheim in Württemberg geboren(gestorben 1849).— 1854: Der Großindustrielle Friedrich Alfred Krupp in Essen geboren(gestorben 1902). + Im Silberkranz. Am heutigen Dienstag können die Eheleute Josef Loock und Frau Anna das schöne Fest der silbernen Hochzeit feiern. Den zahlreichen Elückn ünschen, die dem allseits geachteten und beliebten Jubelpaare von allen Seiten zugehen werden, schließen wir die unsrigen gern an; möge sich das jetzige Silber dereinst in Gold verwandeln. Jamilienabend des evangl. Volksdienstes. Man muß es als eine christliche Tat bezeichneu, daß der evangelische Volksdienst in dieser, Der Brandlag iochwerie um W.Febraur Nach alter Sitte wird am Donnerstag, den 19. Februar, vormittags 9,30 Uhr in der großen Kirche ein Brandbettagsgottesdienst gehalten. Die Schulen der Stadt sind an diesem Tage geschlossen. Zur Bereicherung des Gottesdienstes werden Schülerchöre mitwirken. Um diesen örtlichen Brandbettag, der zum Andenken an die schweren Brandunglücke, die unsere Stadt so hart getroffen, hat es folgendes Bewandtnis: Der erste große Brand ereignete sich nach der Chronik Sonntag Lätare, den 23. März 1659. Nachmittags 3 Uhr, als eben der Nachmittagsgottesdienst beendet war, brach in dem Hause des Bürgermeisters Sachsenscheidt Feuer aus, das bei starkem Südostwinde in Zeit einer Stunde den Kern unserer Stadt, 130 Häuser verzehrte Auch das Hospital samt der damit verbundenen Kapelle wurde ein Raub der Flammen, und fanden zwei zwei Hospitalinnen hierbei ihren Tod. Ein zweites Brandunglück kam über unsere Stadt am Montag nach Reminiscere, den 14. März 1661. Da geschah es, daß morgens 6 Uhr das Frühgeläut in Sturmgeläut überging. In dem Hause des Heinrich Beymers am Markt brach das Feuer aus und verzehrte bei starkem. Südwinde sünfzig eben wieder ausgebaute Wohnungen.[Es war zu verwundern, daß bei dieser Gelegenheit, da doch die meisten Bürger der Stadt noch in ihren Betten schliefen, als die Feuerglocke läutete, nicht Verluste an Menschenleben zu beklagen waren. Die dritte große Feuerbrunst ereignete sich am 19. Februar 1669. Das Feuer brach nachmittags ein Uhr im Hause des Balthasar Humme am Westentor aus; andere behaupten m Hause des Tiggesen Brackrügge. Binnen wenigen Stunden waren wieder hundert und mehrere Häuser bis auf den Grund niedergehrannt. Großer Schaden ergriff die Bürgerschäft, als die Flammen sich dem Kirchendach mitteilte. Die Schwerter waren bereits von der angestrengtesten Löscharbeit so ermüdet, daß ihnen die Kräfte fehlten, die Kirche zu retten. Da kamen die Bürger von Hörde den Unfrigen zu Hilfe und es gelang ihnen nach fast übermenschlichen Anstrengungen mit Daransetzung ihres Lebens, das Gotteshaus uns zu erhalten.) Da man nun bei einer genaueren Besichtigung fand, daß die noch stehen gebliebenen Krimpen ganz versault waren, haben Sachverständige den Rat gegeben, man solle, da doch ein gut Teil des Kirchendachs neu hergestellt werden müsse, das Uebriggebliebene bis an das Chor ganz abbrechen und die Kirche in ein gerades Dach nehmen, weil die Krimpen leicht verfaulen und bedeutende Mittel zu Erhaltung erfordern. Da hat man denn, wie die Chronik des Superintendenten Schütte schreibt, in Gottes Namen Hand ans Werk gelegt und das Kirchendach neu hergestellt. Im Dienst an der Kirche standen damals die Geistlichen Albert Cramer, Jakob Glaser und Philipp Glaser, der Organist Amandus Vogel und der Küster Jakob Gesecke. Bürgermeister waren Albert Springh und Stangenfoll. Das Richten des Daches ist glücklich und ohne allen Unsall vollzogen worden. Die Bürger sind den Meistern und Gesellen, die den Bau ausführten, unverdrossen und fleißig zur Hand gegangen. Die Schichte lösten sich hierbei untereinander ab. Die Kirchspielsgenossen wollte man zur Beihülse an der Arbeit nicht ausrufen. Die Bürgerschaft wollte dies Werk allein hinausführen. Auf den 25. Oktober des Jahres 1670 war die ganze Bürgerschaft zum Rathause eingeladen, um mit den Adeligen in der Umgegend und bürgerlichen Herren und Freunden, die alle zum Trunk geladen worden, zur Ehre Gottes ihre Gaben darzubringen und verzeichnen zu lassen. Zum folgenden St. Simonis= und Judäsest wurde das junge Volk in und außer der Stadt zum Fest geladen, und hoffte man bei dieser Gelegenheit noch Geschenke entgegennehmen zu können. Am 24. Februar 1671 wurde vor Rat und Cilden in Gegenwart der Geistlichkeit die Baurechnung gelegt. Da fand sich daß sämtliche durch die Wiederherstellung der Kirche verursachte Kosten auf 522 Taler 24 Stüber 3 Pfennige sich beliefen. Da man aber mit den bis dahin gesammelten Geldern die aufgegangenen Kosten bei weitem nicht decken konnte, sind Kollektanten ausgeschickt, und ist auf diesem Wege das noch Fehlende herbeigeschafft worden. Rosenmontag Wie überall in deutschen Landen hielt auch Prinz Karneval, der gekrönte Herrscher aller Närrinnen und Narren in der Fastnachtzeit, seinen Einzug in der alten Ruhrstadt Schwerte. Mit weniger Pomp, Eleganz, Tand und Flitter als in den letzten Jahren. Denn das Geld ist auch ihm knapp geworden. Genau so wie bei uns allen. Aber trotzdem fanden sich ansehnliche Scharen der alten und jungen Huldiger des Narrenprinzen ein, um seine kurz vor dem Ende stehende Regentschaft anzuerkennen und den Maßnahmen seines gewiß nicht allzu harten Szepters Anerkennung zu zollen. Die City der Narrenwelt Schwertes war natürlich wieder der Freischütz, wo der ausgezeichnete Mundschenk Seiner Majestät des Schalkenprinzen, Herr Straetmanns, durch das ausgezeichnet aufgezogene Rosenmontagsprogramm die Ehrung seiner„alten“ Exzellenz „Prinz Karneval“ vornahm. Zwar war auch hier ein Rückgang der Zahl der Fröhlichen und Ausgelassenen, die mit den letzten durchtanzten Nächten dem bald scheidenden„Königreich Lustig“ eine besondere Huldigung darbringen wollten, zu verzeichnen, aber doch herrschte der alte Humor, die alte Sitte, die alte Tradition überlieferter Fastnachtstage in den bebubikopften und gradgescheitelten Närrinnen= und Narrenhäuptern wie in guter alter Zeit vor, da Alltagssorgen noch nicht so stark unser Geschick belasteten. Wie früher fanden sich hier in den rosengeschmückten Freischützsälen reizende Kolumbinen und fastnachtsfreche Dominos, wie früher jagten hier die Masken aller Völker der Erde, unserer so glaubenszweiselnden Zeit einen Weckruf erschallen läßt, indem an Sonntag, den 22. ds. Mts., abends 7,30 Uhr, im evangl. Gemeindehaus das gewaltige christliche dreiaktige Volksstück„Seelen in Not“ zur Aufführung gelangen läßt. Nicht graue Theorie oder schriftstellerische Fantasie spricht hier, sondern das Schicksal eines Menschen entrollt sich sachlich, daß es jeden Zuschauer in seinen Bann ziehen muß. Er erlebt es mit als sei es sein eigenes Schicksal. Dabei sind die Szenen fließend in der Sprache, wechselnd im Geschehen, daß jeder der Handlung folgen kann. Mit dieser Aufführung bewahrheitet der evangl. Volksdienst sein Titelwort, er leistet damit wirtlich „Dienst am Volke“, an unserem so kranken Volkskörper. Allen denen, denen die Not unseres Volkes auf der Seele brennt, die mitfühlen und empfinden, ja alle Glieder der Gemeinde sollten dieser Aufführung beiwohnen. Passionsgottesdienst. Am kommenden Donnerstag, abends 8 Uhr, beginnen in der kleinen Kirche wieder die Passionsgottesdienste, wie am Sonntag im Hauptgottesdienst bekannt gemacht wurde. Verlosung der evangelischen Frauenhülfe. Wie wir schon mitteilten, findet die diesjährige Verlosung der evangelischen Frauenvereine zum Besten ihres Wohlfahrtsdienstes am Donnerstag, den 26. Februar, statt. Die Hauptgewinne dieser Verlosung sind im Schaufenster der Firma Kettler an der Hüsingstraße ausgestellt. Dort sind auch noch Lose zu haben. Schulaufang. Die dunkle Jahreszeit ist nun vorüber. Der Unterricht hat deshalb an den Schulen wieder um 8 Uhr begonnen. Zusammenstoß. Unweit der Ruhrbrücke stießen nachmittags zwei Motorradfahrer zusammen und stürzten. Beide erlitten Verletzungen. Beim Abspringen von der Straßenbahn kam gestern nachmittag ein junges Mädchen zu Fall. Es zog sich zum Glück nur geringe Hautabschürfungen an den Händen zu und verstauchte sich außerdem den rechten Fuß. Allgemeine Ortskrankenkasse Unter dem Vorsitz des Bankdirektors Klein tagte gestern abend der Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkasse. In der Hauptsache handelte es sich um die Genehmigung des Voranschlages für 1931. Der mit großer Vorsicht von Verwaltung und Vorstand aufgestellte Haushaltsplan schließt ab in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 192 5000 Mk. Der Ausschuß gab diesem: Voranschlag, den der Geschäftführer Rothenberg eingehend erläuterte, seine Zustimmung. Genehmigt wurden auch einige durch die letzte Notverordnung bedingte Aenderungen der Satzungen, zumal es gelungen war, damit einige Vorteile für die Kassenmitglieder zu verbinden. Zu Kassenprüfern für die Rechnung 1931 wählte man den Prokuristen Kraumendahl, den Kassenboten Görtz und den Wasserwerksarbeiter Ellinghaus. i. Frerschüh natur=nachgemacht oder phantasievoll umrahmt, wie früher knallte die Narrenpeitsche und„duftete“ die Crep Georgine, wie einst fluteten Walzermelodien durch den Raum und schwebten die Vasallen des Narrenprinzen dahin in tänzerischer Verzückung oder drehender Gewohnheit, wie immer präsidierte Prinz Karneval über das lachende, jauchzende Volk eines den Alltag einmal vergessen wollenden Lebenskünstlervolkes. Nur eins war anders geworden. Die Genickstarre der Schwerter war früher nicht so aufgefallen. Aber dieses Mal spazierten 90 Prozent aller Freischützbesucher hocherhobenen Häuptern im Saal herum. Und zählten und rechneten, multiplizierten und addierten. Und alle falsch. Denn die richtige Angabe der im„Freischütz" zur Dekoration verwandten Rosen hat doch keiner gesunden. Es waren über 32.000. Das soll genügen, ebenso wie die Mitteilung, daß natürlich 6 Gewinner der ausgesetzten Weinpreise da waren. Ihre Namen seien hier verschwiegen, denn man kann nach soviel Fastnachtswein nie wissen... Zwar brummten die anderen erst— na ja, Fastnachtsbrummen— daß sie nicht die Glücklichen waren, aber es kann eben nur einer. Und der dickste Bauer hat bekanntlich die dümmsten Kartoffeln. Deshalb aber nichts für ungut. Wer hat der hat., Und die anderen hatten auch, weil Stractmanns genug davon hatte. Das war gut so und deshalb zog sich auch der Rosenmontag unter Tanzbeinschwingen und Luftschlangenwurf bis in den Faschingsdienstag hinein. Das ist erlaubt nach dem schönen Lied:„Denn nur einmal im Jahre ist Karneval!“=96. Priesterjubiläum des Pfr. Schnurbus Am 6. März d. Is. jährt sich zum 40. male der Tag, an dem Herrn Pfarrer Schnurbus im Dome zu Paderborn die Priesterweihe empfing. Ueber 32 Jahre wirkt der Jubilar als Pfarrer in der katholischen Gemeinde Schwerte und was er in diesen lanzen Jahren seiner Gemeinde gewesen ist und welches Ansehen und welche Wertschätzung er sich nicht nur in unserer Gemeinde, sondern weit darüber hinaus erfreut, das hat der glänzende Verlauf der Feier seines 30jährigen Ortsjubiläums im September 1928 zur Genüge bewiesen. Die Gezieinde wird auch das 40jährige Priesterjubiläum ihres Seelsorgers gebührend begehen. Der Verband der kath. Vereine, dessen Vorstand sich bereits mit der Angelegenheit beschästigt hat, wird am Sonntag, 8. März im Saale des Vereinshauses eine entsprechende Gemeindeseier veranstalten; die Vorbereitungen hierzu sind bereits in vollem Gange. Vaterländischer Frauenverein Mittwoch, den 18. ds. Mis., nachm. 2,30 Uhr, Mutterberatung in Schwerte im Kreisgesundheitsamt in der Mülmkestraße.— Donnerstag, den 19. ds. Mts., nachm. 3 Uhr, Mutterberatung in Schwerte=Ost im Lokal Dieckmann. Der gemischte Chor„Harmonie“ feierte am Samstag sein diesjähriges Winterfest im„Westfälischen Hof“(Inh. C. Schmitt). Um es sofort zu sagen— ein wirklich schönes, gelungenes Fest. Die Harmonie versteht es bestimmt Feste zu feiern, man konnte merken, es war viel gearbeitet und geprobt worden, es klappte aber auch alles vorzüglich. Kapelle Spiegel musizierte zum Tanz, fleißig gespielt haben die Leute; man kann sie nur empfehlen. Zur Einführung sang der gemischte Chor unter Leitung des bewährten Brockpähler einige Lieder Der Dirigent versteht es, aus dem gemischten Chor etwas herauszohlen. Der Verein wird immer besser und ist dieses im Interesse der edlen Sangeskunst nur zu begrüßen. In den Pausen wurde das Tanzbein geschwungen bei „Alt und Jung", aber nicht zu knapp. Die Stunden flogen schnell dahin. Dar Programm war so reichhaltig und schön, die Darbietungen überboten sich aber auch, eine war noch besser wie die andere. Z. B.: Der Jungbrunnen, die stumme Schneiderwerkstatt, das Quartett und nicht zu vergessen die Damenkapelle im original „Jetzt bände“=Orchester war wirklich gut; die reinen Töne der Instrumente einfach klasse, nur das Schlagzeug mußte stärker gehandhabt werden, die Damen sind doch sonst immer so schlagfertig. Eine Verlosung fand auch statt. Ein Fest ohne Verlosung, ist wie ein Auto ohne Benzin. Es waren aber auch sehr schöne Gewinne da, ja, ja, der Verein hat sich angestrengt auf der ganzen Linie. Dem Vorstand mit seinem Vergnügungsstab gebührt großen Dank. Möge dem gemischten Chor„Harmonie“ Schwerte noch recht lange alles Gute und recht gemütliche Stunden beschieden sein. Frage Einer Sehepersen in Wündhosen Der Gemeinderat beschäftigt sich erneut damit.— Eine Erklärung der Zentrums. partei.— Abnahme der Jahresrechnung 1929. Wem gehört die Brille? Auf dem hiesigen Fundbüro wurde eine Brille als gefunden abgegeben. Eigentümer kann sich auf dem Polizeibüro melden. ha. Zustellung durch die Post selbst. Die jetzige Postvorschrift für die Reichswehr wird demnächst durch eine neue ersetzt. Nach dieser werden dann alle Postsendungen den Dienststellen durch die Post selbst zugestellt. Das Abholen der Sendungen für Angehörige der Reichswehr fällt grundsätzlich fort. Bei bevorstehenden Neuregelungen muß dies nach einer Anweisung des Chefs der Heeresleitung berücksichtigt werden. Börsen und Märkte Dortmund. Bericht über die Preisfeststellung des gestrigen Schlachtviehmarktes. Dem gestrigen Schlachtviehmarkte waren zugeführt: 633 Stück Großvieh, 494 Kälber, 12 Schafe, 3351 Schweine Der Marktverlauf war bei Großvieh, Kälbern und bei Schweinen mittel. Es wurden gezahlt für 50 Kilo Lebendgewicht: Ochsen: a) 1. 52 bis 55, b) 1. 46—49, c) 40—45; Bullen: a) 48—50, b) 45—47, c) 42—44; Kühe: a) 44 bis 46, b) 38—42, c) 33—36, d) 28—31; Färsen: a) 49—51, b) 46—48, c) 42—45; Kälber: b) 62—66, c) 54—61, d) 40—53; Schweine: a) 54—55, b) 54—55, c) 54—55, d) 52—54, e) 50—52, g) Sauen 45—52. Essener Schlachtviehmarkt vom 16. Februar. (Eigene Drahtmeldung). Auftrieb: a) am Markttage 514 Stück Großvieh, darunter 37 Ochsen, 75 Bullen, 300 Kühe, 92 Färsen, 10 Fresser; 780 Kälber; 27 Schafe und 3560 Schweine; b) seit dem letzten Markttag dem Schlachthof direkt zugeführt: 109 Stück Großvieh, darunter 6 Ochsen, 22 Bullen, 77 Kühe, 4 Freser; 34 Kälber; 4 Schafe; 275 Schweine. Es kosteten im Großhandel 100 Psund Lebendgewicht(niedrigster und höchster Preis): Ochsen 32—53, Bullen 38—50, Kühe 22—47, Färsen 41—52, Kälber 35—80, Schafe 53—54, Schweine 42—54. Tendenz: Der Handel war in Großvieh und Kälbern ziemlich schlecht, in Schweinen ziemlich lebhaft. Die Lehrpersonabbaugeschichte, die bereits in der vorigen Sitzung behandelt wurde, von der aber nach den Erklärungen der Gemeindevertreter ein ganz falsches Bild in die Oeffentlichkeit gelangt ist, stand deshalb nochmals zur Debatte, weil die beiden Zentrumsvertreter, denen in einer Parteiversammlung das Mißtrauen ausgesprochen wurde, eine öffentliche Erklärung des Tatbestandes gaben. Auch der Vorsteher und die übrigen Gemeindevertreter schlossen sich den Ausführungen an. Vorsteher Klempt eröffnet die Sitzung und verliest zur Abbaufrage einer Lehrperson folgende Erklärung der beiden Zentrumsvertreter: * Erklärung der beiden Gemeindevertreter Bölte und Tetampel von der Zentrumspartei Wandhofen. In einer Versammlung der hiesigen Zentrumspartei ist uns, wie aus einem an uns gerichteten Schreiben und aus einer diesbezüglichen Notiz in einigen Zeitungen hervorgeht, wegen unserer Stellungnahme in der Angelegenheit des Schulabbaues das Vertrauen entzogen worden. Wir stellen zunächst fest, daß diese Versammlung von 24 Personen besucht war, für die Liste der Zentrumspartei bei der letzten Gemeinderatswahl aber 92 Stimmen abgegeben worden sind, mithin in der betreffenden Versammlung knapp der vierte Teil unserer Wähler anwesend war. Zur Sache selbst haben wir folgendes zu bemerken: In der Gemeinderatssitzung vom 26. 11. 1930 hat der Gemeindevertreter Bürger nach Schluß der Verhandlungen den Antrag eingebracht, einen von ihm mit Rücksicht auf die Finanzlage gestellten Antrag auf Abbau einer Lehrperson auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung zu setzen. Der Antrag hatte die Unterstützung seiner Fraktion gesunden, sodaß rechtlich gegen denselben nichts einzuwenden war. Eine namentliche Abstimmung über den Antrag ist nicht erfolgt. In der kath. Elternschaft von Wandhofen hat dieser Antrag allerdings großes Aufsehen erregt und starke Befürchtungen ausgelöst, umsomehr, als das kath. Schulsystem das bei weitem kleinere war. Die katholische Elternschaft wurde auf den Plan gerufen und in einer Versammlung derselben haben wir mit aller Entschiedenheit erklärt, daß wir einen etwa beabsichtigten Abbau der katholischen Lehrerstelle unter keinen Umständen zustimmen würden. Am 21. Januar hat sich dann der Schulvorstand, an den der Antrag inzwischen weiter gereicht war, mit der Angelegenheit befaßt, und dieser bat bekanntlich, den Antrag auf Abbau einer Lehrerstelle als erledigt zu betrachten. In der am gleichen Tage stattfindenden Gemeinderatssitzung wurde ein von uns gestellter. Antrag, von dem Abbau einer Lehrperson Abstand zu nehmen, abgelehnt, jedoch beschlossen, die ganze Angelegenheit bis zur Etätsberatung zu vertagen. Wir stellen hier ausdrücklich fest, daß in keiner Sache der Verhandlungen von einem Abbau der katholischen Schulstelle bezw. Lehrer gesprochen worden ist. Der Antrag Bürger wollte nur aus Sparsamkeitsrücksichten eine Lehrstelle abbauen. Als Vertreter der Zentrumspartei stehen wir nach wie vor auf dem Standpunkt, daß der Abbau der katholischen Schulstelle für uns vollständig undiskutabel ist und daß wir demselben nie und unter keinen Umständen zustimmen werden. Wie wir nun bei dieser Sachlage die Interessen des kath. Volksteils von Wandhofen nicht genügend gewahrt oder sogar vernachlässigt hätten, ist uns unverständlich. Wir weisen daher die Anwürfe des Vorstandes der Zentrrs sparlei, besonders das Vorgehen des Vorsitzenden Eblenkamp bezw. der 24 Versammlungsteilnehmer, weil ungerecht und den Tatsachen nicht entsprechend, mit aller Entschiedeheit zurück. Wir werden auch ohne das Vertrauen der 24 Versammlungsbesucher unbehindert unseren Weg strengster Sachlichkeit gehen und unsere Pflicht tun nach bestem Wissen und Können zum Wohle der Gemeinde Wandhofen und seiner Bürgerschaft. gez. Bölte und Tetampel, Gemeindevertreter. Nach Verlesung der Erklärung gibt der Vorsteher Klempt seinerseits folgendes bekannt: Ich werde mich in keine Parteiangelegenheit mischen, möchte aber feststellen, daß die in der „Tremonia“ gebrachte Notiz über den beabsichtigten Abbau einer katholischen Lehrerstelle in Wandhosen nicht den Tatsachen entspricht. G. V. Bürger stellte den Antrag auf Abbau einer Lehrerstelle und begründete den Antrag mit der schlechten Finanzlage der Gemeinde. Wenn die beiden Zentrumsvertreter wirklich gegen den Antrag gestimmt hätten, wäre es doch zur Beratung gekommen. Ich kann nur feststellen, daß die Zentrumsvertreter in keiner Weise versagt haben. G. V. Bölte wollte den Antrag ablehnen, kam aber mit seiner Meinung nicht durch. Im übrigen haben die zwei Zentrumsvertreter laut ihrer Verpflichtung erst einmal die Interessen der Gemeinde zu vertreten und dann die ihrer Partei. Weiter ist festzustellen, daß von dem Abbau einer katholischen Kraft keine Rede gewesen ist. Ich bitte auch die Presse, das unbedingt zu melden. G. V. Bürger erklärt: Auch ich will mich nicht in Parteiangelegenheiten mischen, aber dennoch muß ich sagen, daß wir als Gemeindevertreter das sich hier abspielende Schauspiel mit Kopfschütteln ansehen. Wir verneinen, daß wir von einem namentlich genannten Abbau gesprochen haben. Man hätte in aller Ruhe abwarten u. bedenken sollen, daß der Abbau einer Lehrstelle sich nicht von heute auf morgen durchsühren läßt. Von dem Versagen einzelner Gemeindevertreter kann gar keine Rede sein, aber unverantwortlich ist es von den Leuten, die solche Gerüchte aufbringen, ohne Kenntnis des Tatbestandes Urteile zu fällen. Bis heute ist noch garnichts passiert. Von uns überhaupt nicht, weil alle Schreckensmeldungen von draußen kamen. Und wir haben als Vertreter nur die Gemeindeinteressen wahrzunehmen, ohne Parteirücksichten. Sicherlich gibt es Beschlüsse, mit denen dieser oder jener nicht einverstanden ist, aber das Gemeindewohl geht vor. Bedauerlich ist, daß ein solch ernster Antrag der Boden für eine derartige Agitation geworden ist. Wir haben aus besten Erwägungen heraus den Antrag gestellt und nie daran gedacht, persönliche Sache in unsere Gemeinde zu tragen. Der Abbauantrag mußie kommen, wenn man sachlich sich mit der Finanzlage der Gemeinde beschäftigt. Wir alle kennen doch die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und wenn wir mit Rücksicht darauf einen Abbauvorschlag machen, so ist das kein Grund, uns derart anzugreifen. Aber alles das kann uns nicht abhalten, unseren geraden Weg als Vertreter der Gemeinde zu gehen, auch wenn man uns durch anonyme Briefe zu belästigen versucht. G. V. Bölte freut sich, daß das Gemeindeparlament in dieser Frage eindeutig Stellung genommen hat. Er stellt erneut fest, daß von einem Versagen der Zentrumsvertreter keine Rede sein könne, und daß die abgegebene Erklärung an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lasse. Er bedauert noch einmal die Angriffe gegen die Gemeindevertreter in der katholischen Zeitung. Es sei nun Pflicht, sich an dieser Stelle von den erhobenen Anschuldigungen rein zu waschen. Es erfolgt sodann die Prüfung und Abnahme der Jahreskassenrechnung 1929. Die ordnungsmäßig durchgeführte Revision stellte eine Einnahme von 73970,78 Mk. und eine Ausgabe von 63 223,18 Mk. fest. Der Bestand lautete demnach auf 10 747,60 Mk. Es besteht weiter ein Einnahmerech von 487,44 Mark und ein Ausgaberest von 156,75 Mk. Die Entlastung wird erteilt.— Die ministerielle Verfügung auf Anbringung von Ortstaseln wird wegen fehlender finanzieller Mittel abgelehnt.— Eine Anfrage der G. V. Althoff wird betreffs der Klosettanlage in der evangelischen Schule zufriedenstellend beantwortet. Generalversammlung der Feuerwehr Holzen Am Sonntag hielt die Freiwillige Feuerwehr Holzen im Vereinslokal Ww. Schneider ihre Jahreshauptversammlung ab. In herzl. Worten hieß Oberbrandmeister Michel die Wehrleute willkommen. Gegen den Bericht des Schriftführers machte man keine Einwendungen. Wir entnehmen dem Jahresbericht folgendes: Bereits im Jahre 1929 beabsichtigte die Wehr, sich einen automobilen Mannschaftswagen anzuschaffen. Aber vorläusig mußte man von der Anschaffung eines Wagens Abstand nehmen. Dem unermüdlichen Arbeiten des Vorstandes im Einvernehmen mit der Gemeindeverwaltung und dem Herrn Gemeindevorsteher gelang es der Wehr im April, sich den Wagen anzuschaffen. Da der Wagen ein gewöhnlicher Schnellastwagen war, bedurfte er eines vollkommenen Umbaues. Auch hier wußte man Rat und Hilfe. Das zum Umbau erforderliche Material wurde aus der Vereinskasse beschafft und die Arbeiten von den Mitgliedern der Wehr, in deren Freizeiten unentgeltlich ausgeführt. Der Wagen st derart hergerichtet worden, daß er neben dem Transport und Unterbringung der Geräte, gleichzeitig 48 Plätze besitzt und somit zur Beförderung der ganzen Wehr dienen kann. In der Zeit vom 27. 4.—4. 5. wurde vom Reichsverband der Feuerwehren zur Abhaltung einer Feuerschutz= und Werbewoche aufgerufen. Von diesem Aufruf machte die Holzener Wehr ebenfalls Gebrauch. Im Laufe der Jahres nahm die Wehr an der Einweihung des Steigerturmes der Freiwilligen Feuerwehr Geisecke und am Kreisverbandsfest des Kreises Iserlohn in Hohnlimburg teil. Ferner beteiligten sich die Wehr bei Veranstaltungen der Wehren Wandhofen und Schwerte. Den Bemühungen der Stadt Schwerte eine Arbeitsgemeinschaft oder einen Unterverband innerhalb des Kreisverbandes, bestehend aus den Wehren des Amtes Westhofen und der Freiwilligen Feuerwehr Schwerte, zu bilden; versagte die Holzener Wehr ihre Zustimmung und hielt an dem Grundsatz der kommunalen Zusammengehörigkeit fest. Im Oktober wurde die Wehr zweimal zu ernster Tätigkeit gerufen. Der zweite Löschzug hatte Gelegenheit beim Brande der Besitzung Dorr einzugreifen, Die Tüchtigkeit der Wehr ist in diesen Fällen abermals unter Beweis gestellt worden.— Im vergangenen Jahre fanden 11 Uebungen, 4 Vorstandssitzungen und 4 Versammlungen statt. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des Jahres fünfzig. Der Kassenbericht fand einstimmige Annahme und wurde dem Kassierer Entlastung erteilt. Der Geist der Wehr bewies sich durch die gesamte Wiederwahl des Vorstandes, der sich jetzt wie folgt zusammensetzt: Oberbrandmeister Aug. Michel, 2. Brandmeister Heinr. Kritzler, 1. Steigerführer Th. Kleinsorg sen, 2. Steigerführer Heinr. Pitzer, 1. Spritzensührer Johann Kruse, 2. Spritzenführer Otto Hegenscheidt„Führer des zweiten Löschzuges Aug. Köppelmann. Schriftführer Th. Keinsorgjun., Kassierer Wilh. Spies Inzwischen war auch der Gemeindevorsteher Jakobs erschienen. In passenden, humorvollen Worten nahm er die Ehrung der Jubilare für 10= und 15jährige Mitgliedschaft vor. Für 15jährige Mitgliedschaft wurden folgende Mitglieder ausgezeichnet: Oberbrandmeister Michel, 2. Brandmeister Heinrich Kritzler, 1. Spritzenführer Johann Kruse sowie die Tehrleute Heinrich Remscheid, Fritz Schöpping, Johann Heidenfels; für 10jährige Mitgliedschaft: 1. Steigeführer Th. Kleinsorg sen., 2. Steigeführer Heinrich Pitzer, Schriftführer Th. Kleinsorg jun. sowie Heinrich Lotz, Johann Dybowsky, Wilh. Dahlbüdding, Wilh. Bremerich, Wilhelm Weikinat, Klemens Blome, August Kritzler, August Jäger, Josef Fricke, Hugo Grüll, Wilh. Filthaus, Otto Dybowsky, Heinrich Dahlbüdding, August Rehfeld, Otto Hengenscheidt und Heinrich Blome. Zum Vereinslokal wählte man das Lokal der Ww. Schneider einstimmig wieder. Nachdem man noch einiges unter„Verschiedenes“ erledigte, blieb man noch lange gemütlich beisammen. Kl. k Westhofen. Der Reichsbund der Kriesbeschädigten und=Hinterbliebenen dessen hiesige Ortsgruppe erst vor kurzem gegrndet wurde, hielt eine Versammlung ab, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß ein enger Zusammenschluß aller Interessenten unbedingt nötig sei. Herr Eichmann=Schwerte sprach sodann über die aktuellsten Fragen der Gegenwart. Der Vorstand wurde wie folgt gewählt: 1. Vors. P. Grüll, 1. Schriftführer G. Freitag, 1. Kassierer F. Grüll. Die nächste Versammlung ist am 15. März. Amt Ergste Ergste. Ein turnsportlicher Sieg. Beim Ausscheidungsturnen um die Westfalenriege im Allgemeinen Deutschen Turnerbund, welches am letzten Sonntag in der„Friedrichslust“ in Hagen stattfand, gelang es dem Turner Ludwig Tönnis vom Verein„Grüne Eiche“ Bürenbruch, sch trotz größter Konfurrenz mit Erfolg durchsetzen Für seine gut geturnten Unbungen erhielt der Genannte bei dreifacher Wertung folgende Punktzahlen: Pferd, 47, Barren 48, Kürfreiübung 50, Reck 50 und belegte mit zusammen 195 erreichten Punkten den 8. Platz von 20 Teilnehmern. T. ist nunmehr in die Westfalenriege eingereiht und wird im Kunstturnkampf Rheinland gegen Westfalen, der am 8. 3. 31 in Iserlohn„Alexanderhöhe“ stattfindet, mitturnen. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u Sport Willy Gatte, Schwerte. Immer weiße Zähne „Ich möchte Ihnen mitteilen, daß wir schon über 15 Jahre die Zahnpaste Chlorodont benutzen. Noch nie hat sie uns enttäuscht! Wir hatten immer weiße Zähne und einen angenehmen Geschmack im Munde, umsomehr, da wir schon längere Zeit das Chlorodont=Mundwasser benutzen. Auch benutzt die ganze Familie nur Chlorodont=Zahnbürsten.“ gez. C. Chudoba. Fr. Versuchen Sie es zunächst mit einer Tube Chlorodont= Zahnvaste zu 54 Pf., Mundwasser Flasche 1 Mark, Zahnbürste 1 Mork. Verlangen Sie aber echt Chlorodont und weisen Sie jeden Ersag dafür zurück. Achtung! ein Mädchen vom Himmel gefallen! Roman von Karl=Heinz Voigt Coppricht by Martin Feuchtwanger Hialle(Saale) 2. Fortsetzung Nachdruck verboten. Um die Mundwinkel Ursulas von Neußen spielte der Schalt. „Bitte, drehen Sie sich einen Moment um“, bat sie und spielte die Verschämte. Der Arzt gehorchte. „So, nun können Sie sich wieder umkehren!" Sie hatte die Lederhosen abgestreift und lag nun, mit seidener Unterwäsche und seidenen Strümpfen angetan, auf dem Sofa. Jetzt regte sich der Kavalier in dem angejahrten Sanitätsrat. Er war in seiner Jugend ein flotter Verehrer der Weiblichkeit gewesen und war auch heute noch den Reizen einer schönen Frau nicht abhold. Er untersuchte sehr eingehend das Gelenk der Dakiegenden, die scheinbar arge Schmerzen hatte.— Dann schüttelte er den Kopf. „Ich kann keine positive mechanische Veränderung finden, Gnädigste. Eine leichte Gewebszerrung dürfte die Schmerzen hervorrufen. Diese Unstimmigkeit wird in wenigen Tagen behoben sein. Ich empfehle Ihnen, sich einen feuchten, kalten Umschlag um das Gelenk zu machen. Für heute verordne ich Ihnen Bettruhe. Morgen werden Sie schon umhergehen können.“ „Ich fühle mich auch gar nicht krank.— Hoffentlich wird der Herr Baron von Henckelsberg nicht gar zu ungehalten sein, daß er mich ein paar Tage hierbehalten muß. Ich hoffe, daß mein Vetter. Graf von Brincken, mich schon in der nächsten Woche auf dem Rückfluge von Ungarn wieder abholen wird.“ „Dem Majoratsherrn wird es eine Ehre und Freude sein, die gnädige Komiesse unter seinem Dache zu wissen“ erwiderte er mit bitter=süßem Gesicht und glaubte selbst nicht recht an die Wahrheit dieser Worte. Er erhob sich. „Ich werde meinem Freund von dem erfreulichen Ergebnis der Untersuchung Mitteilung machen.“ „Ach ja! Tun Sie das, Herr Sanitätsrat“, bat die Komtesse und richtete sich voll Lebhaftigkeit ein wenig auf ihrem Lager auf.„Es würde mir eine Freude sein, dem Herrn Baron persönlich für seine Gastfreundschaft danken zu können.“ „Wie gnädigste Komtesse befehlen!“ „Und auch Ihnen muß ich danken, Herr Sanitätsrat, daß Sie solche Mühe mit meinem dummen Bein gehabt haben.“ Sie streckte ihm freimütig die Hand hin.— Die Offenheit dieser jungen Dame gefiel dem Sanitätsrat. Er küßte ihre Hand. „Es ist mein Beruf, den Menschen zu helfen!" Dann ging er.— Nachdenklich schritt er die breiten Treppen im Schlosse hinab. Seine Tritte hallten wider in dem von Säulen getragenen, hohen Dielenraum, in dem ein unsichtbarer Springbrunnen hinter Palmen leise plätscherte. Der Baron erwartete seinen Freund schon. Als er ihn in der Diele hörte, trat er aus dem Herrenzimmer auf ihn zu. „Nun, wie stehr's, Bruno?— Ist es etwas Ernstes mit dem jungen Manne?“ fragte er. Der andere machte eine lässige Handbewegung.„Nicht Reve wert. In wenig Tagen ist der Schaden wieder Eine kleine Sehnendehnung. Bettruhe nur heute öti. Morgen kann sie schon hier unten mit dinieren:“ „Sie?“ fragte der Baron erstaunt.„Redest du irre?— Wer ist.sie“!?“ „Der angebliche junge Mann!“ „Wieso— angeblich??“ „Na ja! Das Geheimnis ist nämlich: der junge Mann ist eine reizende junge Dame.“ Der Majoratsherr zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Dann blickte er sein Gegenüber ungläubig an. „Bruno, du scherzest!!“ „Gott sei Dank— nein!“ „Was, du findest das etwa noch in der Ordnung?" „Ich finde sie entzückend!" Baron Sigwart von Henckelsberg ließ sich erschöpft in einen Sessel fallen. „Maria und Joseph!" stieß er stöhnend hervor.„Wer hat mir diesen Streich gespielt?“ „Der Zufall!— Der Flieger konnte doch nicht wissen, daß er ausgerechnet in den Gefilden eines Weiverfeindes notlandete.“ Jetzt quoll der Zorn in dem Majoratsherrn boch. „Ignaz, dieser Idiot, sagte doch, es sei ein junger Mann. Kann denn der Esel kein Frauenzimmer von einem Manne unterscheiden?" In grenzenloser Wut bekam der Baron irgendeinen hölzernen Gegenstand, der auf dem Schreibtisch stand, zu fassen, schleuderte ihn, maßlos erregt, ins Zimmer und machte so wenigstens einigermaßen seinem Zorn Luft. „Du darfst deinen Kammerdiener absolut nicht schelten. lieber Sigwart“, versuchte Beyerschmidi zu besänftigen. „In der Pilotentracht ist die Dame wirklich nicht von einem Manne zu unterscheiden gewesen. Erst der entblößte Bubikopf—“ Der Baron fuhr wie ein gereiztes Reptil herum und ließ seinen Freund nicht ausreden. „Ha!— Einen Bubikopf hat sie auch!!?“ „Jawohl, einen ganz entzückenden Bubikopf sogar.“ „Färbi sie sich nicht vielleicht auch noch die Lippen?“ „Möglicherweise!" „Und die Augenbrauen?“ „Auch das ist nicht ausgeschlossen!“ „So. wie sie hereingeflogen ist, wird sie auch wieder einausfliegen.“ „Sie ist eine Dame, Sigwart.“ „Wie beißt sie?“ „Komtesse Ursulg von Neußen. Der Pilot, der sie dier absetzte, war ihr Vetter, wie sie sagte.“ „Auch Komtessen sind Weiver!“ Der Baron ballt: die Hände, öffnete sie wieder. In stiller Wut und stummer Resignation machte er dies ein paarmal hintereinander. „Es dürfte nun Zeit sein, der Komtesse deine Aufwartung als Schloßherr zu machen“, mahnte Beyerschmidt mit schmunzelndem Lächeln. Der andere seufzte schwer auf.„Muß denn das wirklich sein?“ „Aber Sigwart!!“ Der Baron straffte seine Weste. Ein letzter Rest von Eitelkeit, aus seiner ersten Jugendzeit übriggeblieben, gebot ihm, sich mit Daumen und Zeigefinger über das Schnurrbärtchen zu streichen. „Also dann: Auf in den Kampf!! Aber ich bitte dich um deine Assistenz, Bruno.“ „Bist du schüchtern?“ „Bitte, laß das!— Ich bin jetzt nicht aufgelegt, Witze zu machen oder anzuhören!“ Die beiden Herren stiegen hinauf zu den oberen Gastgemächern. Komtesse Ursula von Neußen, auf ihrem Schmerzenslager, neigte liebenswürdig den schönen Kopf, als der Schloßherr mit ein wenig hochmütigem Gesicht seinen Namen nannte. Sie reichte ihm ihre wohlgepflegte Hand, die er mit innerem Widerstreben an die Lippen zog. Da stach ihm ihr Parfüm, mit dem die Hand behandelt war, in die Nase, und er wandte sich brüsk ab. „Ich hörte durch den Herrn Sanitätsrat von Ihrem Unfall, Gnädigste“, sagte er schließlich in sehr konventiqnellem Ton.„Ich hoffe zuversichtlich, daß Sie recht bald wiederhergestellt sein mögen.“ Er betonte das„recht bald“. „Ein paar Tage werde ich Ihnen schon zur Last fallen müssen, Herr Baron“, gab sie ebenso gewandt wie liebenswürdig zurück.„Ich habe allerdings eine große Bitte, Herr Baron.“ Der Schloßherr deutete eine Verbeugung an. „Sie sind wohl so liebenswürdig und überlassen mir eine Ihrer Zofen zur persönlichen Bedienung.“ „Zofen?— Verzeihung, gnädigste Komtesse, ich verfüge über kein weibliches Dienstpersonal.“ „Oh. das ist nicht schlimm, Herr Baron. Dann gestatten Sie wohl, daß ich mir meine Kammerzofe herkommen lasse.“ „Um Gottes willen!" Es gelang von Henckelsberg nur schwer, das Wort zu unterdrücken. Der Sanitätsrat gab ihm ein heimliches Zeichen, das bedeuten sollte, Haltung zu bewahren. „Es scheint Ihnen nicht recht zu sein, Herr Baron“, sagte sie liebenswürdig.„Aber ich muß doch jemand haben, der mir beim An- und Auskleiden behilflich ist.“ „Oder willst du das vielleicht selbst übernehmen?“ raunte Beverschmidt dem Majoratsherrn ins Ohr. „Ausgeschlossen!— Wo denkst du hin?!“ zischelte der andere ihm empört zu. „Sie gestatten also, daß ich nachher meine Zose verständige?“ fragte Ursula von Neußen und deutete auf das Telephon, das auf einem kleinen Tischchen neben dem Sofa stand. „Es muß wohl sein!" erwiderte der Baron resigniert und ergeben, und es lag ein gezwungenes Einverständnis in der Antwort. „Sie sind reizend. Herr Baron. Ich danke Ihnen von Herzen. Morgen vormittag wird Susanne mit meinen Toiletten per Auto auf Hohentann eintreffen.“ Sie sah das aufs höchste erstaunte Gesicht des Majoratsherrn. „Glauben Sie nur deswegen noch nicht, daß ich mich hier bei Ihnen einnisten will.— In solch ritterlicher Gesellschaft“,— sie neigte den gertenschlanken Oberkörper gegen die beiden Herren—„will man doch gefallen, dazu ist man doch eine Frau.— Alle Frauen wollen gefallen.“ „Ich werde Ihnen sogleich meinen Kammerdiener Ignaz heraufschicken, gnädigste Komtesse. Bitte, verfügen Sie über ihn“, sagte Sigwart von Henckelsberg, und es klang kühl und gemessen.„Ihr Zustand zwingt Sie ja, den Kaffee und das Abendbrot auf dem Sofa einzunehmen.— Sie gestatten, daß wir uns jetzt zurückziehen!“ „Ich hoffe, morgen wieder Ihre Gesellschaft genießen zu dürfen, Herr Baron“, sagte sie mit einem seelenvollen Augenaufschlag und reichte den Herren die Hand. Als von Henckelsberg und Beyerschmidt hinuntergingen, fragte der Arzt den Freund:„Wie gefällt sie dir?“ „Jede Diskussion erübrigt sich“, war die Antwort. „Ich meinerseits finde sie reizend.“ „Geschmackssache!!“ „Ich mußte übrigens feststellen“, sprach Beyerschmidt weiter,„daß du nicht gerade überaus liebenswürdig zu der Komtesse warst." „Ich war noch viel zu freundlich.“ Der Baron geriet wieder in Wolle. „Nicht genug, daß ich ein Weib um mich haben muß. nun ruft sie auch noch ihre Zofe.“ Unten im Speisezimmer war Ignaz gerade damit beschäftigt, den Tisch zu decken. „Hören Sie mal, Ignaz!“ Der Baron pflanzte sich in seiner ganzen Größe vor dem Kammerdiener auf.„Eine Ueberraschung, Ignaz! Unser neuer Gast oben, der vom Himmel Gefallene. ist eine Dame!!“ Ignaz ließ das Messer, das er gerade in der Hand hielt, fallen. Er war zu sehr erschrocken, als daß er, wie es sich eigentlich für einen gut erzogenen Diener gehörte, sich sogleich danach gebückt hätte. „Eine Dame?“ stammelte er. „Jawoh!!— Und morgen kommt noch eine nach!“ „Aber gnädiger Herr, das— ist— doch—“ „Unerhört ist das, nicht wahr, Ignaz; das habe ich auch gesagt.— Aber nun sollen Sie eine Freude haben, Ignaz. Gehen Sie hinauf zu der Komtesse von Reußen. Harren Sie ihrer Befehle.“ „Aber ich kann doch nicht—“. „Natürlich können Sie!— Ein tüchtiger Kammerdiener muß alles können!" Dann gingen der Baron und der Sanitätsrat über die Veranda nach dem Park, über dessen Wegen die Sonne strahlte und dessen alte Bäume leise in einem vom Süden kommenden Winde rauschten. „Die frische Luft tut mir gut!“ sagte von Henckelsberg. „Noch immer steckt mir der Parfümduft der Komtesse in der Nase, der sündhaft die Sinne zu umschmeicheln sucht.“ „Du sprichst ja wie einer, der einer schönen Frau ins Garn zu gehen droht“, lachte der Sanitätsrat. „Scherz beiseite, lieber Bruno! Sorge dafür, daß die Komtesse möglichst rasch wieder gesund wird, damit ich sie nicht länger hierzubehalten brauche.“ „Man tut, was man kann.“ Die beiden Herren schlugen einen Seitenpfad ein, der aus dem Park hinaus und in ein waldiges und wiesenreiches Jagdgelände führte. Nach zweistündigem Gang durch das stille Terrain zwang sie ein heraufziehendes Wetter, den Rückweg anzutreten.„„„ Mittlerweile war Ignaz dem unerhörten Befehl seines Herrn mißmutig gefolgt und bei der Komtesse eingetreten. Ursula von Neußen lag noch immer auf dem Sofa. Plastisch zeichnete sich ihr prächtiger Körper unter der straffen Lederbekleidung ab. „Bitte, packen Sie doch mein Luxusköfferchen aus. Ignaz“, bat die Komtesse in freundlichem Ton und deutete auf das elegante Gepäckstück, das neben dem Sofa stand. Ignaz machte sich daran, den Koffer zu öffnen. Da fiel sein Blick wieder auf die junge Dame, die jetzt aus einer rotledernen Handtasche Spieget und Puderdose nebst Lippenstift hervorholte und mit Sorgfalt begann, ihr hübsches Gesicht zu bearbeiten. Staunend betrachtete der Kammerdiener die vom Himmel Gefallene. Er war so verwirrt beim Anblick dieser Toilettenszene, daß er ganz vergaß, den kleinen Koffer zu öffnen. „Nun, Ignaz?“ fragte die Komtesse plötzlich lächelnd, und in ihren guten, hellen Augen trat ein Schein des Spottes auf.„Haben Sie die Sachen ausgepackt?“ VVerzeihung, Komtesse! Ich bekomme das Schloß nicht auf!“ „Sie haben wohl noch nie eine Dame bedient, Ignaz?“ „Nein— allerdings— nicht", antwortete das Faktotum, und„das möge Gott verhüten!" dachte er heimlich, denn der Weiberhaß seines Herrn war im Laufe der Jahre auch auf ihn, den Kammerdiener, übergegangen. „Geben Sie einmal her!“ befahl Ursula von Neußen und streckte den Arm nach dem Koffer aus. Um diesem Befehl nachzukommen, war Ignaz gezwungen, ganz dicht an das Lager der Schönen heranzutreten. Eine schüchterne Röte glitt über das Gesicht des Angejahrten, als er jetzt der Komtesse den Koffer hinreichte. Sie drehte den Schlüssel herum, bediente das Vexierschloß, und schon sperrte das kleine Luxusmöbel sein Maul auf. „So! Nun packen Sie aus.— Die Wäsche legen Sie bitte in jene Truhe dort, und das Kleid hängen Sie in den Spiegelschrank.“ Dann wandte sie ihr schönes Gesicht wieder dem Handspiegel zu; ihre Finger bedienten abermals den Lippenstift. Ein Stück nach dem anderen nahm Ignaz aus dem Köfferchen. Er fürchtete, blind zu werden. Kostbare, spitzenbesetzte, diskrete Unterwäsche kam zum Vorschein. Ein feiner Duft nach Reseda stieg in die an solche Delikatessen nicht gewöhnte Nase des Dieners. Mit den Fingerspitzen, als fürchte er, sich zu verbrennen, sortierte er die zierlichen Wäschestücke. Wie giftige Nattern brannten die seidenen Damenhöschen in seinen Männerhänden.—„Wie ist es denn bloß möglich“, philosophierte er in Gedanken,„daß eine Dame solche Spinnwebschleier am Körper trägt?! Sie wärmen nicht, sie schützen nicht, sie zerreißen wahrscheinlich sehr schnell. Welchen Zweck erfüllen sie also! Und diese dezenten, erlesenen Farben: lila, rosa, meergrün, orangegelb— mit kostbaren Spitzen besetzt! Wozu diese Eleganz, die ja doch niemand siebt!?“ So dachte der in pikanten Dingen gänzlich primitive Ignaz. Da kam ein Kleid zum Vorschein. Er entfaltete das hauchdünne Gewebe.„Da haben sie die Aermel vergessen“. sagte er sich und betrachtete kopfschüttelnd das winzige Stückchen Stoff. In der Ferne grollte der Donner. Das ließ den Kammerdiener jetzt aufschauen. Sein Blick traf sich mit dem der Komtesse, deren Augen amüsiert auf dem eifrigen Ignaz ruhten. Wie ein ertappter Schulbube wandte er sich sogleich wieder dem Inhalt des Koffers zu. Ein peinliches Schamgefühl, daß er hier vor den Blicken einer Dame mit deren intimster Wäsche hautieren mußte, erfüllte sein Inneres. Ein Blitz fuhr im Zickzack über die Wolken und warf sekundenlang ein leuchtendes Schwefelgeld in das Gemach, das sich mittlerweile infolge der vor den Fenstern hängenden, schwarzen Gewitterwolken verdüstert hatte. Jetzt war Ignaz mit Auspacken fertig. Er legte alles, was ihm die Komtesse geheißen hatte. an Ort und Stelle. Dann stand er militärisch straff an der Tür: „Haben Komtesse noch weitere Befehle?“ „Noch eine Bite! Würden Sie mir das Beit herrichten? Ich habe die Absicht, sehr bald zur Ruhe zu geben.„Auf das Abendessen möchte ich heute verzichten. Ich wünsche nichts als Ruhze. Das Bein schmerzt doch noch recht.“ Dieser Befehl verwirrte Ignaz aufs neue. Mit Todesverachtung stürzte er sich auf das breite Himmelbett, das sell Generationen den von Henckelbergs als Lagerstätte gedient hatte und dar nun einem Gast aus den Wolken in Gestalt einer jungen Dame dienen sollte. (Rortsetzung feigt.)