CARVUF! Nie Hchonien Zetune uichen uichenich ioche udl. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 12 Pfg. Druck u. Verlog von C. Braus, Schwerte(Ruhr), Postscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftieikung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Nucton wute se die chtostuat mmete 8 Bg, Ahaniotige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pfg., Reklomezeile 40 P Für teleson,. aufgegedene Inserate üdernedmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergesehn. Bekriebestbrungen, gerusen durch höhere Gewalten, übernehmen wir heinerlei Gewädr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erhoden werden Tageblatt für die Stadt K Nr. 27(Erstes Blatt) Sepee Velslen G### 1s Seem Schwerte und das Amt Westhofen Sp; Kreisbien für den nordlichen Len des Lundrreises Iserlohn a., ae Gue. Schunggng L Schwerte(Ruhr), Montag, den 2. Februar 1931 Wohlfahrtsfragen im Landtag Minister Dr. Hirtsiefer erlauterte seinen Haushultspilln Die Politik der Straße Ein Toter und mehrere Verletzte in Berlin enb. Berlin, 1. Febr.(Eig. Rundf.=Meld.) In der letzten Nacht kam es in Charlottenburg zu schweren Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, in deren Verlauf sechs Schüsse abgefeuert wurden. Der 24jährige Arbeiter Otto Grüneberg wurde durch einen Schuß getötet. Schwere Verletzungen erlitten der 25 Jahre alte Arbeiter Erich Riemenschneider durch zwei Messerstiche im Rücken und der 23 Jahre alte Arbeiter Fritz Liere. Der Tote und die zwei Verletzten gehören zur Kommunistischen Partei. Als das Ueberfallkommando erschien, war der größte Teil der an dem Tumult Beteiligten bereits geflohen, sodaß nur noch vier Personen festgenommen werden konnten. Heute, Sonntag, früh um 7,30 Uhr war eine Kolonne von Nationalsozialisten damit beschäftigt, die Zeitung„Der Angriff“ unter den Passanten in der Gegend des Stettiner Bahnhofes zu vertreiben. Dabei trafen sie auf Kommunisten, die sofort gegen die Zeitungsverkäufer tätlich vorgingen. Der 21jährige Schleifer Reinhold Ahr wurde durch Messerstiche schwer verletzt, sodaß er nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte. Ein anderer Zeitungsverkäufer wurde leicht verletzt. Als das Ueberfallkommando erschien, waren die Angreifer bereits geflüchtet. Kommunisten als Wegelagerer wtb. Niesky(Oberlausitz), 31. Jan. In der Nähe von Niesky wurden gestern abend etwa 20 Nationalsozialisten, die sich zu einer nationalsozialistischen Versammlung nach Moholz begeben wollten, aus einem Walde von Kommunisten beschossen. Durch die drei abgegebenen Schüsse wurden zwei Nationalsozialisten schwer verletzt. Einer von ihnen erhielt einen Schuß in den Unterleib und wurde in bedenklichem Zustand in das städtische Krankenhaus in Görlitz eingeliefert, wo er nachts seiner Verletzung erlegen ist. Die Versammlung in Moholz, in der anwesende Kommunisten einen Nationalsozialisten durch Messerstiche nicht unerheblich verletzten, mußte schließlich polizeilich aufgelöst werden. Da die vor dem Versammlungslokal angesammelte Menge die Polizei mit Steinen bewarf, trieb diese die Menge mit dem Gummiknüppel auseinander. Kommunisten überfallen Nationalsozialisten wtb. Roßlau, 31. Jan. Nach Schluß einer hier abgehaltenen nationalsozialistischen Versammlung kam es gestern abend zu Reibereien zwischen Versammlungsteilnehmern und Kommunisten. Die Nationalsozialisten wurden von den Kommunisten überfallen. Es kam zu einer Schlägerei, bei der ein Nationalsozialist durch einen Brustschuß schwer, ein anderer Nationalsozialist durch einen Kopfschuß leicht verletzt wurde. Die beiden Verletzten wurden in das Dessauer Krankenhaus eingeliefert. Beim Eintreffen des Ueberfallkommandos waren die Kämpfenden schon getrennt. Den Kommunisten wurden zwei Schlagringe abgenommen. Die Täter, die geschossen hatten, waren bereits entflohen. Gandhi zur indischen Frage wtb. London, 31. Jan. Daily Herald veröffentlicht ein ihm von Gandhi zugegangenes Telegramm, in dem Gandhi erklärt, daß die britische Regierungserklärung oberflächlich betrachtet völlig unzureichend sei, daß er jedoch, wie die Mehrzahl der Kongreßführer, sich sein Urteil vorbehalte. Persönlich sei er eifrig bemüht, Wege zu einem ehrenhaften Frieden zu suchen. Die Freilassung nur der Mitglieder des Arbeitsausschusses des Kongresses und ihrer Frauen trage nur wenig zur Schaffung einer günstigen Atmosphäre bei. Zur ruhigen Diskussion sei die Freilassung aller der Kongreßpartei angehörenden Gefangenen, die Aufhebung der unterdrückerischen Verordnungen und die Zurückgabe des konfiszierten Eigentums unerläßlich. In dem Telegramm führt er Beispiel dafür an, daß die Unterdrückung der Kongreßorganisationen ihren Fortgang nehme, was die Freilassung der Führer wertlos mache. Daily Herald schließt aus diesem Telegramm vor allem auf Verhandlungsbereitschaft Gandhis und der Mehrheit der Kongreßführer. vdz. Berlin, 31. Jan. Der Preußische Land, tag setzte am Samstag die allgemeine Aussprache zum Wohlfahrtsaushaushalt fort. Ministerialdirektor Meyer wies in Beantwortung volksparteilicher Interpellationen den Vorwurf zurück, daß gemeinnützige Bauunternehmungen eine besondere Bevorzugung bei der Neubautätigkeit erhielten. Frau Dr. Wunderlich(Staatsp.) forderte Reform der Fürsorgeerziehung. Abg. Kohrt(WP.) wünschte Ausgestaltung der vorbeugenden Fürsorge bei Jugendlichen. Frau Albrich(Volksdienst) wünschte Förderung des Gedankens des freiwilligen Arbeitsdienstes und Maßnahmen für die notleidenden Kleinrentner. Wohlfahrtsminister Dr. Hirtsiefer erklärte, daß erfreulicherweise der Geburtenüberschuß 1930 eine geringe Zunahme zeige. An Krebs, der neuen Volksseuche, seien in der letzten Zeit jährlich rund 10000 Menschen mehr als an Tuberkulose gestorben. Ernstlich werde man überlegen müssen, wie der Andrang zum medizinischen Studium eingedämmt werden könne; denn in Preußen, wo 1912 auf 2000 Einwohner ein Arzt kam, sei bereits jetzt für je 1200 Personen ein Arzt vorhanden. Die Kinderspeisung konnte so ausgebaut werden, daß mehr als 112 Millionen Portionen verausgabt wurden. Die vorbeugende Betreuung von Kindern und Jugendlichen hatte schon in der Debatte unter Hinweis auf die Folgen der Verwahrlosung der Jugendlichen, wie sie sich jetzt im Prozeß gegen Lieschen Neumann zeige, eine Rolle gespielt. Der Minister hat Sachverständige zusammenberufen, die geeignete Maßnahmen für körperlich und sittlich gefährdete Kinder ausarbeiteten. Er ist der Meinung, daß diese vorbeugende Hilfe keine Luxusausgabe, sondern eine Sparmaßnahme darstelle, deren Unterlassung Gemeinden und Staat später mit um so größeren Kosten belaste. Notwendig sei eine Aenderung des Jugendwohlfahrtsgesetzes, weil nach den geltenden Bestimmungen z. B. für Berlin so gut wie gar keine vorbeugende Fürsorge mehr vorhanden sei. Die Aussichten des Wohnungsbaues für 1931 seien leider außerordentlich ungünstig. Frau Christian(Soz.) bezeichnete es als sinnlos, angesichts der furchtbaren Notlage der Arbeiterschaft der Geburtenregelung zu widerstreben. Abg. Fritzsche (Dn.) bemängelte, daß von den Landtagsbeschlüssen auf Ausbau der ländlichen Wohlfahrtspflege nichts verwirklicht sei und meinte, daß erst durch Revision der Tributverträge Mittel für die Volkswohlfahrt gewonnen werden könnten. Dr. Heidenreich(DVp.) wünschte stärkere Förderung der ärztlichen und zahnärztlichen Betreuung der Schulkinder und verurteilte angesichts der Finanznot die„Verschwendung bei Krankenkassenneubauten“. Meg Abg. Schmitt=Limburg(Dt. Fraktion) trat für besonderen Schutz der kinderreichen Familien ein. Frau Dönhoff(Staatspartei) wollte Fortsetzung des Kampfes gegen die Geschlechtskrankheiten und gegen den Alkoholmißbrauch. Abg. Leonhardt(WP.) protestierte dagegen, daß der an sich begrüßenswerte Verband der Jugendherbergen sich eigene Warenhäuser schaffe und dem Mittelstand Konkurrenz mache. Abg. Zobel(K.) wandte sich gegen die Unterdrückung der Arbeitersportbewegung. Als er die katholischen Vereine angriff, verließ Minister Hirtsiefer unter lärmendem Protest der Kommunisten den Saal. Weiterberatung Montag. „Festnahme der bei Oppeln gelandeten polnischen Militärflieger Vergeltung zu üben. So behauptet die halbamtliche Nachrichtenagentur Iskra, daß der Flugsportverein Schneidemühl, dem Gruse angehört, militärisch organisiert sei. Mit Nachdruck wird hervorgehoben, daß die polnischen Behörden bei einer neuerlichen Untersuchung des Flugzeuges unter dem Führersitz einen Photographenapparat gefunden hätten. Iskra nimmt an, daß der deutsche Pilot polnisches Gebiet überflogen hätte, um die Flugstrecke nach Breslau abzukürzen oder auch, um andere Zwecke zu verfolgen, worauf der PhotoMnlde Strasen für freufe Amaßung Urteil gegen die polnischen Militärflieger Polnische Schikanen wtb. Oppeln, 31. Jan. Unter großem Andrang von Publikum und Presse, auch der polnischen, begann heute vormittag vor dem Erweiterten Schöffengericht die Verhandlung gegen die beiden polnischen Flieger, die am Tage des Reichskanzlerbesuches bei Oppeln notlandeten. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Christian. Der Verhandlung wohnt u. a. auch der polnische Generalkonsul in Beuthen bei. Die beiden Angeklagten, Feldwebel Wolf und Sergeant Imiela, vom Fliegerregiment in Krakau, sind beschuldigt, die Reichsgrenze unbefugt überschritten zu haben, ohne im Besitz eines Ausweises gewesen zu sein, und der Verpflichtung, sich durch einen Paß oder sonstige Papiere über ihre Person auszuweisen, nicht nachgekommen zu sein. Schließlich das Luftfahrtgesetz übertreten zu haben. wtb. Oppeln, 31. Jan. In dem Prozeß gegen die beiden bei Oppeln gelandeten polnischen Militärflieger beantragte die Staatsanwaltschaft gegen den Angeklagten Feldwebel Wolf wegen fahrlässigen Paßvergehens eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt erklärt werden soll. Gegen den anderen Angeklagten Imiela beantragte die Staatsanwaltschaft Freisprechung. Nach dreiviertelstündiger Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Dr. Christian das Urteil, das gemäß dem Antrag des Oberstaatsanwalt gegen Imiela auf Freisprechung und gegen Feldwebel Wolf auf zwei Wochen Gefängnis wegen Paßvergehens lautete. Diese Strafe gilt durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Soweit Freisprechung erfolgt, trägt die Staatskasse die Kosten, im übrigen die Verteidigung. Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Simon, hatte auch bei Wolf das Vorliegen eines fahrlässigen Paßvergehens verneint und ausgeführt, daß die Flieger sich in einem Nötzustand befunden hätten, der durch die Grenzverletzung die Rechtswidrigkeit verliere„und für beide Angeklagte Freispruch beantragt. Die Notlandung des deutschen Fliegers auf polnischen Boden. wtb. Warschau, 1. Febr.(Eig. Rundf.=Meld.) Es hat den Anschein, als ob man hier entschlossen wäre, an dem bei Wollstein niedergegangenen deutschen Sportflieger Gruse für die 32 Verschwörer von Meneinen zum Tode verurteilt wtb. Angora, 2. Febr.(Eig. Meld.) Das Kriegsgericht hat in dem Prozeß gegen die Verschwörer von Menemen 32 Angeklagte zum Tode verurteilt. graphenapparat hinweisen würde. In beiden Fällen liege jedenfalls eine bewußte Grenzverletzung vor, umsomehr als die deutsch=polnische Grenze bei Wollstein sehr leicht zu erkennen sei. Zum Schluß erwähnt Iskra, daß der Flugsportverein Schneidemühl mehrere Flugzeuge besitze, mit denen regelmäßige Uebungen vorgenommen würden.„ I.t, a. i., Eakanntst. Der Krakauer Illustrierte Kurier behauptet, daß Gruse ein an den Schneidermühler Flugsportverein zeitweilig abkommandierter Reichswehroffizier sei. Der Apparat Gruses sei ein zweisitziges Militärleichtflugzeug. Untersuchungen seien im Gange, ob hier nicht ein SpionageDas Regierungsblatt Gazeta Polska nennt die Verurteilung des polnischen Sergeanten Wolf zu zwei Wochen Arrest in Oppeln ein Feigenblatt, womit man die Gefangennahme fremder Flieger, die sich infolge Schneetreibens geirrt hätten, bedecken wolle. Die deutschen Behörden hätten hierdurch ein neues System geschaffen, und nötigten die anderen Staaten, von nun an diese Methode gegenüber deutschen Fliegern anzuwenden. Wieder Hochbetrieb im Reichstag vdz. Berlin, 2. Febr. Die parlamentarischen Arbeiten werden zu Beginn dieser Woche wieder in vollem Gange sein, nachdem der Haushaltsausschuß die notwendige Vorarbeit geleistet hat. Am Montag vormittag wird der Auswärtige Ausschuß zusammentreten und einen Bericht des Reichsaußenministers über die Tagung des Völkerbundsrates entgegennehmen. Am Nach„Grune Wöche Ministerreden bei Eröffnung der Landwirtschaftsschau in Berlin wtb. Berlin, 31. Jan. Vor nahezu 1500 Ehrengästen wurde heute in der Ausstellungsstadt Kaiserdamm die große landwirtschaftliche Schau der 6. Grünen Woche Berlin eröffnet. Hans Jürgen von Hake vom Ausstellungs=, Messe= und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin begrüßte als Leiter der Grünen Woche Berlin die Gäste und dankte den Reichs= und Staatsbehörden und allen an dem Gelingen des Werkes beteiligten Berufsvertretungen der deutschen Landwirtschaft für ihre tatkräftige Mitarbeit. Er betonte, daß diese Grüne Woche Berlins mehr noch als ihre Vorgängerinnen eine Lehrschau sei für Stadt und Land und damit das sichtbarste Bindeglied zwischen diesen. Hierauf hielt Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Schiele die Eröffnungsrede. Der Minister wies besonders auf die Sonderschau„Produktionsumstellung und Absatzförderung“ hin, da gerade die in diesem Teile der Ausstellung zur Erörterung gelangenden Fragen in den letzten Tagen wieder Gegenstand der Beratungen und gemeinsamer Arbeit von Reichsregierung und landwirtschaftlichen Führern gewesen seien. Es handele sich darum, einen Gesamtplan zur Schaffung neuer und dauerhafter Grundlagen für eine solide Agrarwirtschaft aufzustellen. Diese Ausstellung, erklärte der Minister, sei eine Angriffsfansare, ein ernster Warnruf, ein Gefahrsignal. Angesichts der brennenden Not des Nährstandes rufe die Grüne Woche Berlin in alle deutschen Lande und Städte hinaus:„Deutsches Volk, besinne dich auf deine Landwirtschaft!“ Der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger wies darauf hin, daß das Interesse auch der Stadtbevölkerung an der Grünen Woche von Jahr zu Jahr wachse. Die große Sonderschau „Produktionsumstellung und Absatzförderung“ wolle letzten Endes der Forderung„Der deutsche Markt den heimischen Erzeugnissen!“ Geltung verschaffen. Mit wichtigen sozialen Aufgaben befasse sich die große Naturschutzausstellung. Die diesjährige Jagdausstellung der Grünen Woche Berlin sei die beste aller in der Nachkriegszeit veranstalteten deutschen Jagdausstellungen. Bürgermeister Scholtz dankte allen Mitarbeitern, insbesondere den Vertretern von Reich und Staat. In der Beschickung der Ausstellung erblicke man die Anerkennung des volkswirtschaftlichen und kulturellen Wertes dieser großen Schau für weiteste Kreise unseres Volkes. Die Entwicklung Berlins sei unlösbar mit der Entwicklung der Landwirtschaft verbunden, und auf dieser Interessenverbundenheit sei die Tradition der Grünen Woche in Gegenwart und Zukunft fest begründet. Das Deutschlandlied bildete den Abschluß der Feier, an die sich ein Rundgang durch die acht Hallen der Ausstellung anschloß. mitlag setzt der Untersuchungsausschuß zur Frage der Roggenstützung seine Arbeiten fort. Am Vormittag tritt auch die Fraktion des Christlich=sozialen Volksdienstes zusammen, während für den Nachmittag Fraktionssitzungen der Deutschnationalen und der Staatspartei vorgesehen sind. Am Dienstag treten vor Beginn der Reichstagssitzung dann noch die Nationalsozialisten, die Landvolkpartei, die Bayerische Volkspartei und die Wirtschaftspartei zu Fraktionssitzungen zusimmen. Der Aeltestenrat wird sich in den Vermittagsstunden über die Reihenfolge der Haushaltsberatung schlüssig werden und die Vorschläge über Abänderungen der Geschäftsordning beraten. Die Reichstagssitzung selbst beginnt um 3 Uhr. Auf ihrer Tagesordnung stehen nur kleinere Vorlagen. Nach der Sitzung wird neben anderen Fraktionen auch die der Deutschen Volkspartei zusammentreten, um das Ergebnis der Besprechungen entgegenzunehmen, die inzwischen der Reichskanzler mit dem Fraktionsführer, Abg. Dr. Dingeldey, wegen der Einsparung von 300 Millionen Mark im Reichshaushalt gehabt hat. Der Haushaltsausschuß, der erst wieder am Mittwoch zusammentritt, wird als nächsten größeren Etat den des Reichsfinanzministeriums beraten. Stresemann=Gedenkstunde wtb. Berlin, 1. Febr.(Eig. Rundf.=Meld.) Zum Besten eines Stresemann=Ehrenmals in Mainz veranstaltete der Ehren= und Arbeitsausschuß unter dem Protektorat des Reichskanzlers Dr. Brüning heute im Reichstag eine weihevolle Feierstunde, an der auch die beiden Söhne des Verstorbenen, sowie die Mitglieder des Ehrenausschusses, Reichsaußenminister Dr. Curtius und Reichsminister a. D. Dr. Scholz, ferner die Staatssekretäre Dr. Meißner, Dr. Pünder, von Bülow, Geib, Dr. Abegg, Ministerialdirektor Dr. Köpke, Geheimrat KatzenBerger, der frühere Reichskanzler Dr. Marx und ein großer Kreis ausländischer Diplomaten teilnahmen.— Der erste Teil des stimmungsvollen Nachmittags fand in der Wandelhalle statt, wobei von bekannten Künstlern verschiedene musikalische Darbietungen zum Vortrag gebracht wurden.— Nach einer kurzen Pause nahm die Erinnerungsfeier im Plenarsaal ihren Fortgang mit einer Gedenkrede des Freiherrn Rochus von Rheinbaben, der Stresemann als Staatsmann und Mensch würdigte. Künstlerische Vorträge schlossen die Feier. Arufung der Arbeilenssenprebieme Einsetzung einer Kommission Der Lebenshaltungsinder wtb. Berlin, 31. Jan. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Januar auf 140,4 gegenüber 141,6 im Vormonat. Sie ist somit um 0.8 v. H. zurückgegangen. An dem Rückgang sind alle Bedarfsgruppen außer der Wohnung beteiligt, und zwar sind zurückgegangen die Indexziffern für Ernährung um 1,0 v. H. auf 133,5, für Heizung und Beleuchtung um 0,5 v. H. auf 150,4, für Bekleidung um 2,3 v. H. auf 146,4 und für„sonstigen Bedarf“ um 0,8 v. H. auf 187,3. Die Indexziffer für Wohnung ist um 0,4 v. H. auf 131,8 gestiegen. Von den Untergruppen der Ernährung haben nur Gemüse und Kartoffeln im Preise— saisonmäßig— angesogen. Der Großhandelsinder wtb. Berlin, 31. Jan. Der große Umfang, den die Arbeitslosigkeit in der Welt und besonders in Deutschland angenommen hat, hat bewirkt, daß ständig aus allen Kreisen der Bevölkerung Vorschläge zur Lösung der mit der Arbeitslosigkeit zusammenhängenden Fragen gemacht werden. Die Reichsregierung hat nunmehr eine Kommission berufen, die die grundlegenden Fragen der Arbeitslosigkeit und ihrer Folgen behandeln und der Reichsregierung ein Gutachten darüber erstatten soll. Die Kommission besteht aus folgenden Persönlichkeiten: 1. Dr. Heinrich Brauns, Reichsminister a. D., Dr. Bernh. Dernburg, Reichsminister a.D., 3. Dr. Hermann Dersch, Direktor im Reichsversicherungsamt, Professor an der Universität Berlin, 4. Dr. Wilh. Engler, Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen, 5. Haus Frick, Ministerialdirektor a. D., 6. Dr. Eduard Heimann, Professor an der Universität Hamburg, 7. Frau Antonie Hopmann, 8. Hermann Polligkeit, Professor an der Universität Frankfurt a. M., 9. Dr. Adolf Tortilowicz, von BatockiFriebe, Oberpräsident a. D., 10 Dr. Friedrich Zahn, Präsident des Bayerischen Statistischen Landesamtes. Den Vorsitz wird Dr. Brauns führen. Die Kommission wird erstmalig am 5. Februar 1931 zusammentreten. Der Kommission gehören diesmal im Gegensatz zu der mit ähnlichen Aufgaben befaßten Kommission von 1929 Vertreter wirtschaftlicher Organisationen und öffentlicher Körperschaften nicht an. Selbstverständlich wird die Kommissionen aber Vertreter der genannten Kreise und andere Sachverständige in weitestem Umfange gutachtlich hören. Monate dauern. Der Rückflug wird auf einer anderen Noute erfolgen. Näheres hierüber ist noch nicht bekannt. Dann folgte die Vernehmung des Prof. Sestini aus Bergamo, der durch Vermittlung eines italienischen Offiziers mit Tausend in Verbindung getreten ist und 1928 auf Schloß Paschbach in Südtirol mehreren Versuchen Tausends beigewohnt hat. Die Theorien Tausends hätten, erklärte der Zeuge, auf ihn einen vollkommen verworrenen Eindruck gemacht. Bei einem Experiment, bei dem man Gold herstellen wollte, habe der Zeuge festgestellt, daß unter verschiedenem anderem Material eine Metallegierung versteckt war. Mit einem Drittel dieser Legierung unternahm dann Sestini selbst einen Versuch, der mehr Gold erbrachte, als ein Tausendscher Versuch mit zwei Dritteln der gleichen Legierung. Der Zeuge sieht hierin einen Beweis dafür, daß das Metallstück goldhaltig war. Gastod im Badezimmer wp. Trier, 1. Febr.(Drahtn.) Samstagmorgen fanden Bewohner des Hauses Ostallee 65 die 33jährige ledige Reichsbahnangestellte Schlösser im Badezimmer tot neben der Badewanne liegend auf. Starker Gasgeruch im Hause hatte die Bewohner veranlaßt, nachzuforschen. Die Verunglückte hatte ihre Badewanne in einem Raume stehen, der zugleich ihre Küche war. Sie hatte spät abends auf den Gasherd einen Topf mit Wasser gestellt, das sie zum Baden heiß machen wollte. Dabei bemerkte sie nicht, daß ein zweiter Gashahn offen stand, aus dem Gas entströmte, das sie bewußtlos machte. Als dann der Topf mit dem Wasser zu kochen anfing, löschte das Wasser die zweite Gasflamme. Die Schlösser muß bald darauf gestorben sein. Eine Dame, deren Schlafzimmer unmittelbar über dem Baderaum liegt, verdankt nur dem Amstand ihr Leben, daß sie nachts bei offenem Fenster schläft. So auch in der Unglücksnacht. Am andern Morgen war auch ihr Schlafzimmer stark vergast. Süber= und Gemäldediebstahl in einer Villa wp. Frankfurt a. M., 31. Jan. In der vergangenen Nacht wurde von unbekannten Tätern in die unmittelbar am Main gelegene Villa des Generaldirektors Dr. Caspar im Stadtteil Sindlingen eingebrochen. Neben erheblichen Mengen von Silberbestecken im Werte könnten. Der nächste Zeuge war ein Freund des ermordeten Uhrmachers, der Maschinenschlosser B. Er wußte, daß Albrich Mädchen photographierte und sie dafür bezahlte. Er sammelte die Bilder nur für sich. Im Februar lernte der Zeuge die Neumann kennen, vor der er seinen Freund warnte. Später erzählte er ihm auch, daß sie ihn bestohlen hätte und daß zwei Freunde von ihr 70—80 Mark von ihm erpreßt hätten. Nach einer kurzen Pause wurde dann gegen Mittag die Oeffentlichkeit wieder hergestellt. Es wurden die auswärtigen Zeugen vernommen. Die Gendarmen aus Redet und Schievelbein, die die beiden Jungen verhaftet hatten, bestritten, daß irgendwelche Mißhandlungen vorgekommen seien. „Do K“ „Do X“ gestartet. wtb. Lissabon, 31. Jan. Das Flugschiff „Do X“ ist heute, wie angekündigt, nach Madeira gestartet. In Las Palmas. wtb. Las Palmas(Kanarische Inseln), 31. Jan. Das Flugboot„Do X“ ist um 16 Uhr hier eingetroffen. Das Flugschiff hat die 1500 Kilometer lange Strecke von Lisabon nach Las Palmas in ungefähr sechseinhalb Stunden zurückgelegt. wtb. Berlin, 31. Jan. Die auf den Stichtag des 28. Januar berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 113,9 von mehreren tausend Mark wurden mehrere gegenüber der Vorwoche(114,9) um 0,9 v. H. sechte Originalölgemälde gestohlen. Darunter gefallen. Von den Hauptgruppen ist die Inder= hefinden sich „ Von den Haupigruppen ist die Onder= ziffer für Agrarstoffe auf 104,5(106,4) oder um 1,8 v. H. zurückgegangen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren hat auf 106,8(107,0) oder um 0,2 v. H. und diejenige für industrielle Fertigwaren auf 140,5(141,2) oder um 0.5 v. H. nachgegeben. Keine diplomatische Einmischung in die Wiener Reise Graf Bethlens wtb. Budapest, 31. Jan.(Tel.) Das Ungarische Korrespondenz=Büro meldet: In einigen Blättern sind Gerüchte wiedergegeben, wonach der französische Gesandte in Budapest in Verbindung mit der kürzlich erfolgten Wiener Reise des Ministerpräsidenten Graf Bethlen diplomatische Schritte unternommen haben soll. Demgegenüber wird an zuständiger Stelle kategorisch festgestellt, daß diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren. Zuständige Kreise mahnen die ungarische öffentliche Meinung zur Vorsicht gegenüber solchen, offenbar tendenziösen Gerüchten, die böswilliger Sensationshascherei entstammen. Eliy Beinhorn am Ziel wtb. Berlin, 31. Jan. Die Afrikafliegerin Elly Beinhorn traf gestern nachmittag in Bolama(Portugiesisch=Guinea) ein und hat damit ihr vorläufiges Ziel erreicht. Auf dem Flugplatz hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Der deutsche Konsul begrüßte die Fliegerin mit herzlichen Worten. Der Vertreter des Shellbetriebskonzerns, der den Flug mit Benzin versorgte, gab ein Frühstück, an dem auch die offiziellen Behörden teilnahmen. Von Berlin, wo Elly Beinhorn am 4. Januar früh morgens startete, hat sie die 7·000 Kilometer lange Strecke in knapp 70 Stunden durchflogen, ein Flug, der außerordentlich hoch zu werten ist, ging doch die Strecke über Gebiete, in denen irgendwelche Notlandung zum Verlust des Flugzeuges oder sogar zum Verlust des Lebens der Fliegerin geführt hätten. Elly Beinhorn wird erst am 10. Februar von den beiden Forschern Bernatzik und Professor Struck erwartet. Alsdann beginnt die Forschertätigkeit unter Einsatz des Flugzeuges. Das Flugzeug wird enichunterbalen eines Schwimmergestells in besinven sich ein Teniers„Die Versuchung des Heiligen Antonius“, ein Original=Spitzweg „Wachtposten mit Strickstrumpf“, zwei Originale von Prof. Kronberger„Rauchender alter Bauer“ durch Unterbauen eines Schwimmergestells in und Alte Bauersfrau“ ein Original=Vertrick ein Wasserflugzeug umgewandelt, damit die Bissagosinseln, die der Küste vorgelagert sind, erforscht werden können. Der Aufenthalt der Fliegerin bei der Expedition wird ungefähr zwei Tausend=Prozeß wtb. München, 31. Jan. Bei Beginn der heutigen Sitzung teilte der Vorsitzende zunächst mit, daß der Goldfüllhalter, von dem Tausend gestern behauptete, er sei ihm im Gefängnis abgenommen worden, trotz eifrigsten Suchens nicht gefunden werden konnte. Dann gab Prof. Dr. Boström als medizinischer Sachverständiger sein Gutachten ab. Tausend sei ein Phantast, sehr selbstbewußt und habe ein großes Geltungsbedürfnis. Er sei ein Psychopath mit hysterischem Einschlag. An seine Erfindung hat er nach der Ansicht des Sachverständigen fest geglaubt. und„Alle Ballelsfrau, ein Briginal=Verkral „Damenbildnis“ und ein Originalgemälde auf Holz„Seppel“. Die Bilder haben zusammen einen Wert von etwa 45000 RM. Sämtliche Gemälde wurden aus dem Rahmen herausgeschnitten. Die Täter sind gestört worden, so daß sie weitere wertvolle Oelgemälde zurücklassen mußten. Beraubung einer Greisin enb. Berlin, 31. Jan.(Eigene Meld.) Die 71jährige Witwe Schallach, die heute ihren monatlichen Unterstützungsbeitrag von 51,95 Reichsmark von der Post abgehoben hatte und mit dem Gelde ihre Wohnung aufsuchen wollte, wurde im Treppenflur von einem jungen Burschen überfallen und des Unterstützungsbeitrags beraubt. Als auf die Hilferufe der Greisin Hausbewohner hinzueilten, war der Täter bereits geflüchtet und mit seiner Beute spurlos entkommen. Die Ermordung des Uhrmachers Aibrich vor Gericht enb. Berlin, 1. Febr.(Eig. Meld.) Im weiteren Verlauf des Prozesses wurden über das Vorleben des Uhrmachers Ulbrich in nichtöffentlicher Sitzung zwei Zeugen gehört. Die 24jährige Arbeiterin, die die Neumann zu dem Uhrmacher gebracht haben soll, bestritt zuerst, daß sie die Angeklagte Neumann überhaupt kenne. Auf genaueste Fragen gab sie die Möglichkeit zu, daß die Angaben der Neumann stimmen Aus Nah und Fern 15 Jahre Zuchthaus in einem Mordprozeß. wtb. Essen, 31. Jan.(Tel.) Der Bergmann Paim, der die Witwe Kleine=Lasthaus, die Mutter seiner Frau, durch mehrere Hammerschläge im Keller ihrer Wohnung getöttet hatte, wurde heute wegen Totschlags zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahre verurteilt. Das Gericht hielt den Angeklagten der vorsätzlichen Tötung für schuldig, und zwar unter Zugrundelegung der eigenen Auslassung des Angeklagten. Angeklagter und Staatsanwalt verzichteten auf Einlegung von Rechtsmitteln, sodaß das Urteil sofort rechtskräftig wurde. Feuersbrunst in Baltimore.— Drei Tote, zwei Schwerverletzte. wtb. Baltimore 31. Jan.(Tel.) In einem vierstöckigen Wohnhaus brach ein Brand aus, der das ganze Gebäude einäscherte. Drei Bewohner, zwei Frauen und ein Mann, kamen in den Flammen um. Zwei Männer sprangen vom vierten Stockwerk in die Tiefe, sie liegen schwerverletzt im Krankenhaus. Eine dritte Frau wird vermißt. Amerikanisches Kanonenboot auf dem Jangtse beschossen. wtb. Washington, 31. Jan.(Tel.) Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Flotte in den asiatischen Gewässern meldet, daß das Kanonenboot„Paray“, das den Dampfer Itschang auf dem Jangtsestrom begleitete, von chinesischen Banditen beschossen wurde. Das Kanonenboot erwiderte das Feuer und brachte die Banditen zum Schweigen. Eine Schmiede niedergebrannt Zwei Tote wtb. Allenstein i. Oftpr., 1. Febr.(Tel.) Die frühere Schmiede in dem benachbarten Dorf Plautzig, die von dem 88 Jahre alten Ortsarmen Lischewski und seiner 77 Jahre alten Ehefrau bewohnt wurde, ist in der Nacht zum Samstag vollkommen niedergebrannt. Da die Schmiede etwas abseits liegt, wurde das Feuer erst spät bemerkt. Als die Rettungsarbeiten in Angriff genommen wurden, stürzte das Haus zusammen. Unter den Trümmern fand die Feuerwehr die Leichen Lischewskis und seiner Frau. Als Brandursache wird Fahrlässigkeit angenommen. Günther Plüschows Ende wtb. Neuyork, 31. Jan. Eine Meldung der „Associated Preß“ aus Santiago de Chile enthält Einzelheiten über den Absturz des Tsingtaufliegers Güniher Plüschow. Danach war Plüschow am vergangenen Mittwoch mit seinem Begleiter Dreblow in dem kombinierten Land= und Wasserflugzeug„Condor de la Plata“. aufgestiegen, um die Erforschung Südpatagoniens und der Anden fortzusetzen, sowie um kartographische und photographische Aufnahmen zu machen. In der Nähe der argentinischen Ortschaft Puerto Natales und unmittelbar über dem Rica=See begann das Flugzeug plötzlich abzustürzen. Es gelang den Fliegern zwar, in ihren Fallschirmen aus dem Flugzeug abzuspringen, die Fallschirme öffneten sich jedoch nicht, so daß beide etwa 700 Meter tief hinabstürzten und am Ufer des Rica=Sees zerschmettert liegen blieben. Das Flugzeug schlug in der Nähe auf und wurde vollständig zertrümmert. Da der Rica=See in einer der unwegsamsten Gegenden Argentiniens liegt, dürfte es mehrere Tage dauern, bis die Leichen nach der nächsten Stadt, dem argentinischen Hafen Puerto Gallegos, der etwa 350 Kilometer vom Rica=See entfernt liegt, befördert werden können. Die Leichen dürften von dort nach Deutschland übergeführt werden. Nachfrichstendienst Turc Zuilrspeauf Der„Völkische Beobachter" bis 7. Februar verboten. wtb. München, 1. Febr.(Eig. Rundf.=Meld.) Das Erscheinen des„Völkischen Beobachters", des Organs der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, wurde durch Beschluß der Polizeidirektion München vom 31. Januar bis 7. Februar 1931 einschließlich verboten. Anlaß zu dem Verbot gab der in Nr. 30 vom 31. Januar unter der Ueberschrift„Mussolini und Schubert" erschienene Artikel, dessen Ausführungen gegen§ 1 des Gesetzes zum Schutze der Republik verstoßen. Anschlag auf einen D=Zug. wtb. Wien, 1. Febr.(Eig. Rundf.=Meld.) Wie der Generaldirektion der Oesterreichischen Bundesbahnen mitgeteilt wird, haben unbekannte Täter auf der Westbahnstrecke zwischen Rekawinkel und Neulengbach eine alte Eisenbahnschiene an der linken Fahrschiene befestigt, wodurch die Laufachse der Lokomotive eines DZuges entgleiste. Es wurde niemand verletzt. Auch wurde kein Sachschaden angerichtet. Reisepläne des Marschalls Pilsudski. end. Warschau, 1. Febr.(Eig. Rundf.=Meld.) Dem rechtsstehenden Wieczor Marszawski zufolge wird Marschall Pilsudski in etwa zwei Wochen Madeira verlassen, um als Privatmann nach Aegypten und Palästina zu reisen. Offiziellen Charakter soll hingegen die angeblich geplante Rückreise über Italien und Südslawien tragen, wobei der Marschall vom Unterstaatssekretar im Ministerium des Aeußeren, Oberst Beck, begleitet werden soll. Die Rückkehr des Marschalls nach Polen sei für Mitte März vorgesehen. Zusammenstöße in der Universität Sevilla. wtb. Paris, 1. Febr.(Eig. Rundf.=Meld.) Wie Havas aus Sevilla meldet, ereigneten sich dort gestern in der Universität wieder Zusammenstöße zwischen Studenten des spanischen Universitätsbundes und katholischen Studenten. Die Polizei griff ein und verhaftete fünf Studenten, die dem Universitätsbund angehören. Vier von ihnen wurden nach einiger Zeit wieder freigelassen. Erschießung des Anarchisten Di Giovanni. wtb. Buenos=Aires, 1. Febr.(Eig. Rundf.= Meld.) Der vor einigen Tagen verhaftete Anarchistenführer Di Giovanni, der zum Tode verurteilt worden war, ist heute erschossen worden. Der Meister macht seinen Weg.— Hagen 72 kann nicht überzeugen.— Hagen II und Hagen of fallen ab. TRV Hagen 72— Jahn Werdohl 1:0 Hagen 72 hatte auf eigenem Platze große Mübe, seinen fast gleichwertigen Gegner Jahn Werdohl ein Tor nach langem Hin und Her abzuringen. Es dauerte über eine Stunde, bevor dieses längst fällige Tor fiel. Man hätte ebensogut dieses Tor bei Werdohl fallen sehen mögen. Es nimmt natürlich nicht wunder, daß bei sehr schwachen Stürmerleistungen auf beiden Seiten die Torerfolge trotz guter Läuferarbeit in Verbindung mit gutplazierten Vorlagen ausbleiben In beiden Mannschaften ist die schwächste Stelle der Sturm. der eigentlich die stärkste sein sollte. Volmer als Mittelläufer von 72 ragte aus seiner Mannschaft wie immer hervor. rnermüdlich schickt er den Sturm mit guten Vorlagen vor. aber hier wußte man nichts damit anzufangen. Bei Werdohl lag die Sache nicht ganz anders wenngleich deren Mittelläufer nicht on die Leistungen seines Gegenüber herau konnte. Besonders eifrig in dieser Mannschaft tat sich der linke Läuser hervor, der viel gute Aufbau= und Zerstörungsarbeit leistete. Die erste Halbzeit zeigt ziemlich ausgeglichene Leistungen auf beiden Seiten Verschiedene Ecken werden erzielt die genau getreten, aber zu keinem greifbaren Erfolge führen. Gegenseitige Vorstöße werden durch Verteidiger und Torbüter gestoppt bezwr. Torschüsse gut gehalten. Sichere Torchancen. die sich hia und wieder auf beiden Seiten herausbilden, bleiben durch mungelnde Energie und Entschlußfreudigkeit der Stürmer unausgenutzt. So verläuft die erst. Hälfte wenig interessant und torlos. Nach dem Wechsel setzt sich Hagen 72 eine Zeit lang vor seines Gegners Tor fest. Im seiben Verhältnis wächst aber die Widerstandskraft Werdohls. Verteidigung und Torhüter greifen wiederholt mit Erfolg ein und wenden jede Gefahr ab. Endlich nach 20 Minuten fruchtlosem Kampf und bei wachsender Ungeduld im Publikum bietet sich für Hagen die Gelegenheit, das erste und einzige Tor des Tages zu erzielen. Die rechte Seite von 72 kommt gut durch. Der Rechtsaußen gibt schön zur Mitte berein, der schnelle Mittelstürmer schießt unhaltbar ein. Geiegentliche Besuche von beiden Seiten gehen ins Aus. So bleibt es bis zum Schluß und Hagen 72 hat unter großen Mühen mal wieder zwei Punkte errungen. Sportfreunde Siegen— Sp. Sp. Hüsten 09 0:5 Dieses Spiel nahm einen Ausgang, der dem Verlauf nach nicht ganz gerecht war. Besonders in der ersten Hälfte vermochte die eifrige Siegener Mannschaft dem Gaste gleichwertig zu bleiben. Doch trotz der guten Sturmführung durch Lück, dessen Spielweise famos und ausgefeilt ins Auge fiel wurde nichts erreicht. Die Verbindungsleute verstanden es nicht, die Vorlage genügend auszuwerten Oft wurde des Gastes Tor in Gefahr gebracht aber der Verlüiter und die Verteidigung griff immer entscheidend ein. Hüstens Mannschaft war die bekannte südwestfälische Extraklasse. Das Zusammenspiel, das Sichverstehen, von Verteidigung bis zum Sturm. war produktiv und raumgreifend. Kein Wunder, daß Hüsten glatt zum Siege kam. Dem Verlauf nach hätte allerdings ein etwas anderes Resultat herauskommen müssen. Es soll allerdings nichts an der besseren Spielweise des Gastes hierdurch geändert sein. Siegen kämpite recht tapfer und ließ nicht nach. Nachdem der Gast bis zur Halbzeit mit 2:0 in Führung gekommen war, war Siegen wohl etwas deprimiert. Der Hüstener Sturm, der durch die umsichtige Arbeit Knappsteins immer auf der Lauer ist, umklammert die Siegener Verteidigung, die teilweise diese harte Probe ganz gut besteht. Erst gegen Schluß raffen sich die Sportfreund= nochmals al, jedoch wird an dem Resultat nichts mehr geändert. S. C. Lichtenplatz— Sp. Vag. Hagen 11 2:0 Richt ganz unerwartet kommt die Niederlage von Hagen 11 in Lichtenplatz. Zwei gleichwertige Gegner trafen sich: Hagen seit längerer Zeit beständig, Lichtenplatz dagegen in verbesserter Form. Der Kampf war zwar hart, aber in jeder Beziebung fair. Es ging um die Punkte. Hagen will Weidenau angreifen und Lichtenplatz vom drohenden Schluß der Tabelle kommen. Letzterem gelang der Start. Sp. Sp. Gevelsber g08— S. C. Hagen 05 5:2 Man hatte der Ober Mannschaft etwas mehr auf den Weg gegeben ist sie doch im allgemeinen ganz geschickt zusammengestellt und man kann von ihr etwas verlangen. Doch gestern verstand sich das Mannschaftsgefüge nur schlecht. Gevelsberg dagegen stellte eine geschlossenere und besser nach vorn gekommene Mannschaft ins Feld. Schon die erste Halbzeit zeigte. daß die Spielhandlungen der Gevelsberger produktiver waren. Man hatte allgemein den Eindruck, daß 05 nicht die genügende Stütze in der Läuferreihe fand. sodaß der Sturm sich nicht zu einheitlichen Aktionen aufraffen konnte. Stand der Tabelle nach dem 1. Februar 1931 (Bezirksligaklasse): Hüsten 09 Hagen 72 VfB. Weidenau Gevelsberg 08 Hagen 11 Hagen 05 SC. Lichtenplatz Sportfr. Siegen Jahn Werdohl Germania Mudersbach 14 Spiele 60:12 Tore 26:2 Punkte 15 Spiele 28:20 Tore 23:7 Punkte 12 Spiele 28:25 Tore 14:10 Punkte 15 Spiele 39:44 Tore 14: 16 Punkte 14 Spiele 21:25 Tore 13: 15 Punkte 15 Spiele 37:42 Tore 12:18 Punkte 13 Spiele 20:26 Tore 10:16 Punkte 12 Spiele 19:29 Tore 9:15 Punkte 12 Spiele 15:20 Tore 8:16 Punkte 14 Spiele 27:52 Tore 7:21 Punkte I. Bezirksklasse. Auh die 1. Bezirksklasse hatte ihre Positionskämpfe, wobei verschiedentlich sogar Spitzenführer und Tabellenzweite sich selbst in Gefahr brachten. In der Oberruhrstaffel wurde das Spiel zwischen dem jetzt schon feststehenden Meister, Hemer 08 und dem Taellenzweiten, Neheim 09 nicht vollständig ausgetragen. Durch diese Tatsache verdrängte Menden 09 als neidischer Verfolger durch ein 1:1 über Fröndenbera die Neheimer vom 2 Platz. Auch Fröndenberg chat weiterhin Aussicht, in der Spitzengruppe noch etwas zu erreichen. Iserlohn 11 setzte sich durch seinen sicheren Sieg an die 4. Stelle. In der Hagener Staffel gab es eine Ueberraschung. Boele 19 machte dem Favoriten Milspe 11 den Sieg streitig. wodurch die Milsper von den rivalisierenden Altenvoerde 12 weiterhin verfolgt werden. Union Haspe setzte seine Fahrt zur Spitzengruppe weiterhin fort. Die Sieg=Lenne=Staffel hatte ihre Besonderheit. Der Tabellenletzte Langenau schlug den Führer, Plettenberg 11. Man darf sich keine weiteren Niederlagen mehr erlauben, um zurückzufallen.— Einen großen Sprung machte Eintracht Siegen im Verein mit VfB. Altena nach oben.— Aus der Betzdorfer Staffel wurden nur die beiden Spiele Daaden gegen Betzdorf 06 und Struthütten gegen Brachbach bekannt. Struthütten ga seine Position an Betzdorf 06 ab. Oberruhr=Staffel Betzdorfer=Staffel Sportfr. Daaden— Jugend Betzdorf 06 0: 5 Jugend Betzdorf 06 feierte gestern in Daaden Schützenfest mit Krönungsball. Schon das Ergebnis beweist daß die Gäste glatt überlegen waren. Bereits der erste Akt brachte dem Gast drei Erfolge ein, denen später noch zwei weitere folgten. Die Betzdorfer scheinen sich auf frühere Zeiten zu besinnen. Sppag. Struthütten— S. S. Brachbach 1:3 Zwei Elfmeter waren für Struthütten auf eigenem Platze das Verhäugni zur Niederlage. Bis zur Halbzeit lautete es noch 0:0. Dann heißt es 1:1, und zwei weitere Elfmeter, die glatt verwandelt werden, bringen dem der Tabelle nach etwas Schwächeren den Sieg ein. 2. Bezirksklasse. 1. Gruppe. Spv. Bärenstein— Sportfr. Lüdenscheid o8 6:2 2. Gruppe. Westfalia Gevelsberg— Spp. Vorhalle 09 5:9 FC. Vogelsang— FC. Wengern 0:0 FC. Volmarstein— Sportfr. Kabel 2:2 Sportunion Hagen— Spp. Haspe 28 ausgef. 3. Gruppe. 3. Gruppe. Spv. Bremke— Spp. Deilinghofen 2:2 Sp. C. Craste— Spy Geisecke, G. nicht angetre C. Hennen— Westfalia Henasen 4: 1 Spy. Sundwig— Tv. Oestrich 1:0 Hochbetrieb in Winterberg. Die S. K. S.= und Endlich einmal war der Wettergott den S. K. S.=Leuten günstig gesinnt. Das Hochsauerland hatte eine Schneedecke von durchschnittlich 60 Zentimer. So waren die Austragungsverhältnisse für den Staffellauf sehr günstig. Von 28 gemeldeten Staffeln traten 25 an, eine gab auf(Schmallenber# wegen Bruch), sodaß 24 Staffeln ihr Ziel erreichten. Vertreten waren 18 Talgruppen, davon 5 Altersgruppen: 7 Berggruppen, davon startete eine in der Altersklasse. Es wurde in zwei Klassen gewertet(allgemeine und Altersklasse). Jede Staffel bestand aus 5 Läufern einer Ortsgruppe oder einem Verein. Die Strecke, gut 40 Klm., führte genau in der festgelegten Richtung über den Astenbergturm zum Wendepunkt Kühnde und zurück über Mollseifen wieder nach Winterberg. Während anfangs strahlender Sonnenschein herrschte. trat um die Mittagsstunde im Astengebiet Nebel auf. Die Schneeverhältnisse verschlechterten sich, der Schnee wurde teilweise stumpf und pappig, was die Anforderungen an die Läufen ziemlich steigerte. Gegerüßhe: A. Berggruppen: 1. Neuastenberg(Pokal) Zeit: 3:10,49 Std. 2. Willingen(Silberne Plakette) Zeit: 3:1335, Std. 3. Winterberg 1. Staffel(Bronzene Plakette) Zeit S:1##5# 4. Siedlinghausen(Urkunde) Zeit: 3:19,11 Std. B. Flachlandgruppen: 11. Barmen(Schale des Girardetverlags) Zeit: 3.40.33 Sty 2. Düsseldorf(Silberne Plakette) Zeit: 3:46,52 Std. 3. Elberfeld(Bronzene Plakette) Zeit: 3:47,44 Std. 4. Duisburg(Diplom) Zeit: 3:48,37 Std. 5. Essen(Diplom) Zeit: 3:49,49 Std. 6. Hagen Zeit: 3:5201 Std. 7. Iserlohn Zeit: 3:59,17 Std. 8. Stuf Essen Zeit: 3:59557 Std. 9. Duisburg 2. Staffel Zeit: 4:03.59 100 10. Dortmund Zeit: 4:13,36 Std. 11. Bochum Zeit: 4:14,31 Std. 12. Hagen 2. Staffel Zeit: 4:19,06 Std. 13. Dortmund 2. Staffel 4:20,33 Std. C. Altersgruppe: a) Berggruppe: 1. Winterberg(Silberne Plakette) Zeit: 3:46,39, 5) Talgruppe: 1. Düsseldorf(Bronzene Plakette) Zeit: 3:51.00 2. Bochum(Urkunde) Zeit: 4:06,12 Std. 3. Hagen Zeit: 4:10,55 Std 4. Etuf Essen Zeit: 4:25,56 Std. ö. Dortmund Zeit: 4:30,37 Std. Die besten Einzelläufer jeder Strecke: Berggruppe: 1. Strecke: Homrighausen Neuastenberg, Zeit: 46.20 Min.; Flachlandgruppe: Rein, Düsseldorf, Zeit 46,28. Berggruppe: 2. Strecke: Kramer, Willingen, 36.18 Min.) Flachlandgruppe: Lange, Essen, 41,08 Min. Berggruppe: 3. Strecke: Leber, Neuastenberg Zeit: 30.08 Min.) Flachlandgruppe: Pesch, Düsseldorf, 35,20 Min. Berggruppe: 4. Strecke: Schmidt, Winterberg, Zeit: 36.04 Min.) Flachlandgruppe: Clason, Etuf Essen, 39.32 Min. Berggruppe: 5. Strecke: Wilke Willingen, Zeit: 35.24 Min.; Flachlandgruppe: Reising, Barmen, 38,41 Min. Der günstige Schneesonntag wurde von dem Bobklub Sauerland dazu benutzt, die Klubmeisterschaften im Zweier= und Viererbob auszutragen. Es kamen zwar nicht allzu günstige Zeiten heraus, da die Bahn unter der strahlenden Wintersonne stark zu leiden hatte und aufgeweicht wurde. Zweierbob(7 Bobs am Start): Spp. Herdringen— BV. Iserlohn 11 S:5 Die Beständigkeit des Iserlohner Ballspielvereins machte sich gestern in Herdringen wieder bemerkbar. 3:0 lautete das Resultat schon für den Gast, als der Platzverein zum ersten Erfolg kam. Der weitere Verlauf zeigt Iserlohn immer noch überlegen. Mit einem sicheren Siege nahm man die Punkte mit nach Hause. Sppag. Fröndenberg— Spp. Menden 09 1:1 Menden 09 wußte was in Fröndenberg auf dem Spiele stand Hätte man verloren, wäre der Weg zum zweiten Platz etwas schwieriger geworden. Fröndenberg war überlegen und führte zunächst mit 1:0. Dann wurde es Zeit, sich zu nennenswerten Taten aufzuraffen, und schließlich gelang es, gleichzuzlehen. Sppag. Neheim— Spv. Hemer 08 1:1 abgebr. Hagener Staffel. NSV. Alteuvoerde 12— Spp. Letmathe a8 1:0 Ein glei.kwertiges Spiel gab es in Altenvoerde, wobei der Blücklichere zum Siege kam Ein Unentschieden wäre dem Svielverlauf eher gerecht geworden. FC. Voele 19— Spp. Milspe 3:3 Union Haspe— Spy. Herdecke 11 7:0 Lenne=Sieg=Staffel BC. Eintracht Siegen— BV. Nachrodt 1:3 Gut setzte sch der Ballspielverein Nachrodt gegen Eintracht Siegen burch Die Mannschaft zeigte wieder Beständigkeit und siegie verdient. Spy. Langenau— Spyag. Plettenbera 2: 1 Etwas katastrophal ist es, wenn ein Spitzenführer eine Niederlage vom Tabellenletzten einstecken muß. Plettenberg fand in seinem Gastgeker einen plötzlich wieder gut in Schwung gekommenen Gegner. Noch 20 Minuten dor Schluß lautete das Ergebnis 0:0. Plettenberg wollte siegen. Duro den Mittelstürmer kam der Gast in Front. Langenau. hierdurch etwas angespornt, stellt kurz darauf den Ausgleich her und auch sofort im Anschluß daran den Sieg. Zum weiteren Ausgleich reichte die Zeit nicht mehr. SC. Westig 08— Spp. Iserlohn 05 1:1 FC. Langschede— Borussia Dröschede 2:2 Spp. Schwerte 06— VfB. Grüne 3:2 Alemannia Schwerte— Sportfr. Hohenlimbura 6:2 Gauklasse. 1. Gruppe. Viktoria Hagen— Westfalia Esborn 2:2 Auf dem Schnee— SC. Wandhofen 0:2 VfV. Westhofen— Sppag. Wetter 0 1:9 FC. Silschede— FC. Boßkuhle 2:3 Postsportv. Hagen— Tv. Harkort Wetter ausgef. 2. Gruppe. Schwarz=Weiß Breckerfeld— SC. Eilpe 3:2 BfR. Meinerzhagen— Spp. Grünewald 3:1 BV. Ossenberg— Reichsbahn Hagen ausgef. 1. Bob Bonzo(Führer: Gido Schulz, Marburg; Bremser: Peters, Elberfeld). Zeit: 1. Lauf: 2:17,2 Min. 2. Lauf: 2:15,0 Min; Gesamtzeit: 4:32,2 Min. 2. Bob Weiße Maus(Führer Dietrich Jungbluth, Winterberg; Bremser: Lordemann, Münster). Zeit: 1. Lauf: 2:31,8 Min., 2. Lauf: 2:21,2 Min.; Gesamtzeit: 4:53 Min. 3. Bob Ssssittt(Führer: Herbrechter Dortmund: Bremserz Rosenbaum, Barmen). Zeit: 1. Lauf: 2:35.8 Min., 2. Lauf: 2:33,1 Min.; Gesamtzeit: 5:08,6 Min. Viererbob(5 Bobs am Start): 1. Bob Zacke(Führer: K. Jungbluth: Bremser: Dietrich Jungbluth; Mitfahrer: Lordemann, Ottend Zeit: 1. Lauf: 1:51,4, 2. Lauf: 1:483; Gesamtzeit: 3:39,7 Min. 2. Bob Hau ab(Führer: Soegtrop, Winterberg; Bremser: Frese, Winterberg; Mitfahrer: Brinkmann, Gesse, Winterberg). Zeit: 1. Lauf: 1:56,5, 2. Lauf: 2:08 2 Min.; Gesamtzeit: 4:04,7 Min. Lor der Entscheidung: SC. Hagen os contra Sportfreunde Siegen. Sportfreunde Siegen— Sp. Sp. Niederschelden 6:3 Auf dem Sportplatz am Rosengarten in Niederschelden trafen sich diese beiden Mannschaften vor zahlreichen Zuschzanern. Man lieferte sich ein flottes und spannendes Sviel. Obwohl die Niederscheldener ein rett ansprechendes Spiel zeigten und im Feldspiel sogar zeitweise etwas überlegen waren, kamen sie trotzdem nicht zu Erfolgen. Der Sieg kam zustande durch die bessere Durchschlagskraft und das größere Kombinations= vermögen des Gastes. Obschon die Siegener fast das ganze Spiel nur mit 4 Stürmern durchsühren konnten, fiel Niederschelden dennoch ab. Daß Niederschelden eine starke Kampfeinheit darstellt, beweist, daß lediglich 5 Strafwürfe aus diesem Erfolge resultieren. Im Spielaufbau zeigte der Gastgeber eine gewisse Beständigkeit, und es muß zugegeben werden. daß das Resultat nicht ganz dem Spielverlauf entspricht. Aber in kurzen Abständen folgen zwei weltere Tore der Hagener. Das letzte Tor hat eine Auseinandersetzung des Werdohler Verteidigers mit dem Torhüter zur Folge, in deren Verlauf der Letztere in durchaus unsportlicher Weise den Platz verläßt. Mit einem vierten Tore endet die erste Partei. Der Wiederanwurf sieht die geschwächte Werdohler Mannschaft leicht im Nachteil. Sechs weitere Treffer der Hagener sind die Ausbeute während Werdohl durch eine gute Leistung des Halbrechten nur noch einmal erfolgreich sein kann. Bei Werdohl machte sich eine starke Nervosität bemerkbar, welche nicht zuletzt auf die kurz aufeinander folgenden, ungewöhnlich schweren Spiel= um die Gruppen= bezw. Bezirksmeisterschaft zuröckzuführen sein dürfte. Eine längere Ruhepause scheint angebracht. Gesellschaftsspiele V/V. Altena— BfR. Siegen 6:3 Einen rerdienten Sieg holte BfB. Altena auf eigenem Platze gegen BfR. Siegen heraus. Altena hatte nur anfangs Mühe, seinen Gast in Bann zu halten. Mit diesem Siege setzt sich Altena auf den 2. Tabellenplatz. Jahn Werdohl— S. C. Hagen 95 2: 12 Das Treffen wurde im Verhältnis zur Bedeutung von beiden Seiten unnötig hart durchgeführt. Dem Führungstreffer der Ober folgt bald der Ausgleich durch Werdohl. Sppgg. Köln Sülz— Spogg. Hagen 11 4:6 HC. Herdecke 30— Universität Köln 1:1 HC. Herdeske 30— Tv. Altenhagen 74(DT.) 1:3 Reichsbahn Hagen— Reichsbahn Wuppertal.Elberselb den 8/8. Hagen(DT.)— XNB. Hagen i(WSV.) ausaet. * K 26416 Beger=Schnitt. Ka6179 Beger=Schnitt (e) Neue Handtasche aus Pelz, zur Garnitur des Manele passend. Sie kann gleichzetig als Musf Verwendung finden. 4 KLEIDER FÜR JEDE GELEGENHEIT e e K 26084. Sehr modern ist Spitzenstoff zur Verarbeitung für elegante Abendkleider, die über einem gleichfardigen Unterkleid getragen werden. Hier is dem Noch ein breiter Glochenvolant ausgesetzt. Ein Spitzenvolant begrenzt den Rückenausschnitt und verhüllt die Schultern. Ersorderlich 4.50 m Spitzenstoff, 2.25 m Seide, se 100 am breit. Beyer=Schnite für 88 und 96 cm Oberweite zu je 1 Mark. K 26178. Vormittagskleid aus genopptem Tweed, dessen vorteilhafte Machart auch für stärkere Figuren geeignet ist. Die vorn Abereinandertretenden Leibchenteile snd an den Hüsten pattenarüg verlängert, Kleidsamer Neverskragen aus weißem Pike. Erforderlich 3,.15 m Kleidstoff, 130 am breit, 55 cm Itther, id an breid. Bege. Schnitte für 96 und 104em Oberweite zu je 1 Mark. K 26179. Eingesetzte Glokkentelle erweitern den Nock des Tekleides aus einfarbigem Marocain oder Krepp=Satin. Rundgeschnitene Knopfpatten, weiße Knöpfe und ein Jabotkragen aus weißer Chinaseide biden die Garnitur. Ersforderich 3 60 m Kleidstof, 30 cm Garniturstoff, se 100 em breit. BeyerSchnitte für 92 und 100cm Oderweite zu je 1 Mark. K 26163. Die hübsche Wirkung dieses Kleides aus kleingemustertem Tweed bestecht in der verschiedenartigen Verarbeitung des Stoffes, der für die breite Passe und den Rockeinsat schräg genommen is. Ein weißer Pikeekragen und ein Wildledergürtel betonen die spottliche Rote. Erforderlich 2.65 m Stoff, 130 cm breit. Veyer=Schnite für 88 und 96 cm Oberweite zu je 1 Mark. K 26117. Die beliebte Bolerosorm zeigt das Nachmitagskleid aus grünem Krepp=Mongole, dessen Glockenrock sich vorn als schmale Bahn sortsetzt und am Voleroletbchen den Schlußsitreisen bildet. Das Volero ist hinten etwas verlängert. Kragen und Armelaufschläge aus Spitze. Eisorderlich 3.75 m Kleidstoff. 100 em breit, 25 cm Spigenstoff. 70 em breit. BeyerSchnitte für 88 und 96 cem Oberweite zu je 1 Mark. Beger=Schnitt Be r=Schnitt Kac 4e7 Beger=Schnitt K 35143. Schmale Pelzstreifen aus grauem Slinks bilden die aparte Garnitur des Tweedkleides. Dem Rock sind vorn und hinten Falten eingelegt. Von den aufgesetzten Taschen steigen Blenden an, über die sich ein schmaler Ledergürtel legt. Erforderlich 2.75 m Stoff, 130 cm breit. Beyer=Schnitte für 96, 104, 112 und 120 em Oberweite zu je 1 Mark. Wo keine Verkaufsstelle am Ort, beziehe man alle Schnitte durch den Beyer=Verlag, Leipzig, Weststraße 72. Beyer-Schnitte erhalten Sie in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerte, Bahnhofstraße 3 ich bin die Auferstehung und das Leben Wer an mich glaubt, wird leben, Wenn er auch gestorben ist. Heute abend um ½11 Uhr entschlief sanft und gottergeben, gestärkt durch den andächtigen Empfang der hl. Sterbesakramente der römischskathol. Kirche, mein lieber Mann, unser herzensguter stets treusorgender Vater, mein guter. Schwiegervater und Großvater, der Invalide Anton Fischer im Alter von 73 Jahren, 4 Monaten. In tiefem Schmerz: Frau Anna Fischer geb. Geisler Ernst Fischer Elisabeth Fischer Emma Fischer geb. Peters Friedhelm Fischer als Enkel Schwerte, den 30. Januar 1931 Die Beerdigung find'st statt am Dienstag, den 5. Februar, nachmitags 3 Uhr vom Trauerhause, #Fleitmannstraße 17. Der Verstorbene war Mitglied des Arbeitervereins St. Stephanus. Das feierliche Seelenamt ist am Mittwoch, den 4. Februar 1931, morgens 7,45 Uhr, in der hiesigen Plarrkirche. 298 preußischMasseinöuerte Heute letzter Tag die Erneuerung der Lose für die S. Ziehung vorzunehmen. Buchandlung Carl Praus Bahnhofstraße 3 für Kleingewerbliche Betriebe können auf Antrag ab 1. Februar 1931 das gewerblich verwendete Gas, also unter Ausschluß des Haushaltsgases, zu folgenden Preisen erhalten: Bei einem Jahresverbrauch von mindestens 600 chm zu 12 Pfg. je chm Bei einem Jahresverbrauch von mindestens 1000 chm zu 10 Pfg. je chm Besondere Messung des Gewerbegases ist Vorbedingung. Stadt, auswerk-Sehnerte Fernruf 2384 Rosenmonlag Elite Kostümfest M im Freischütz Karten im Vorverkauf zu 1.50 im Freischütz Zwangsversteigerung Dienstag, den 3. ds. Mts., vorm. 10 Uhr, werde ich in Holzen, Wirtschaft Holsiepe: 1 Radioanlage. 1 Glasschrank, ferner um 11 Uhr in Westhofen, Wirtsch. Fritzenkötter: 1 Bücherschrank m. ca. 50 Büchern öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern Schwerte, d. 2. 2. 1931. H. Wulfers, Gerichtsvollzieher kr. A., Markt 3. Lichtspiere zur Reichskrone Heute zum letzten Male E. A. Duponts Tonfilm-Neisterwerk Ktiawen Die Tragödie eines Schiffsunterganges. 12 Akte Pritz Hortner in der Hauptrolle. Auterden des gute Belgrogramm. Ermäbigte Eintrittspreise. 2. Platz 0.50, 1. Platz 0.80, Sperraitz 1.— Mk. Erwerbalose: 2. Platr 0.40, 1. Platz 0.60 Mk. de Wir empfehlen gutes, 3.a5.33 S.ckteFerie 1: ur : buntes 6# Seiden-Papier Us CARL BRAUS SW Ich empfehle mich zur Vornahme von Verseigerungen, Anfertigung von Gutachten über Grundstücke u. Gebäude pp., An- und VerkaufsVermittlung von Besitzungen, Ausarbeitung von Verträgen aller Art, Erteilung von Rat und Beistand in allen Rechtsangelegenheiten. Josef Kölling beeid. Auktionator und Taxstor Rechtsbeistand □□ Markt 3 Teleion 2506 (Technikum Lemgo□ Meschinen- Aute-, Brückenbeu- Elektrotschalt: Lm Sschse feiee Perehihtege K Ster ur ker Ansanlauf sch Bettiebstschn Psecblerde Tcheligs bel Eungegnmgaugerih Ommnanguer ucmmuer 9 SSseih Mgengeg von nee Neusunssinsusunn Die glückliche Geburt eines Sonntagmädels geben bekannt Dr. med. Theo Geillelsöder und Frau Mally geb. Otlinghaus Moers, 1. Februar 1931 Am 1. April 1931, vormittags 10½ Uhr, sollen an Gerichtsstelle in Schwerte, Zimmer Nr. 14, die Besitzungen des Botunternehmers Friedrich Zeuch in Schwerte, bestehend aus bebauter Hofraum in Schwerte, Hagenerstr. 73 und 75, Gesamtgröße 13 a 93 am, versteigert werden. 303 Das Amtsgericht Schwerte. Stellen-Anzeigen für den des Daheim“ werden durch unsere Geschäftsstelle Bahnhofstraße 3 und Gr. Marktstr. 3 ohne Spesenzuschlag vermittelt Das Publikum hat nur nötig, die kleinen Anzeigen bei uns abzugeben und die Gebübren zu entrichten. Die Anzeigenpreise des „Daheim“ sind im Vergleich zur hohen, über ganz Deutschland gehenden Auflage und der zuverlässigen Inseratwirkung niedrig; sie betragen gegenwärtig 100 Pfg. für die Zeile (— 7 Silben) bei Stellenangeboten und nur 75 Pfg. bei Stellengesuchen. Wir empfehlen die Anzeigen frühzeitig aufzugeben. Die Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. SocrooorooooooSSC5oo0ofoS eneseesersahlerenereeereneerreneerern Brief-Kassettan in schöner und moderner Ausführung, mit Namenaufdruck, billig zu haben in der Buchhandlung C. Braus, Schwerte Mensch sei helle leg Lobenenl auf die kranke Stelle! Hühnerangen-Jebeuehl und Lebewehl-Ballenschelben, Blechdose sa Pfigster) 73 Pfg, hebewohl-Fusbod gegen empfindliche Föhe u. s.. Ne, 14 Bööder) S/ Pla, szhaltlich in Apotlcken a shnuemten, Acher u hoten, Pra. i. Veala, Achbuto. 15. ####. Achlhese, Drog, am Postplats. Nr. 27(Zweites Blatt) „Schwberter bellund Sauwerte in Sturm Von Dr.=Ing. Robert Schönhöfer, Prof. an der Techn. Hochschule Braunschweig. ungefähr 70, fanden ein nasses Grab. Dieser Unfall erregte damals das allergrößte Aufsehen, nicht nur in England, sondern in der ganzen Welt. In erschütternder Darstellung haben Theodor Fontane in seiner Ballade„Die Brück' am Tay“ und der bekannte schwäbische DichterIngenieur Max Eyth in einem Roman dieses Ereignis geschildert. Der Zusammenbruch der Tay=Brücke rief auch in den Fachkreisen die allergrößte Bestürzung hervor. In England bildete sich sogleich ein besonderer Ausschuß von Fachleuten, der nicht nur die Ursachen des Brückeneinsturzes untersuchte, sondern sich darüber hinaus die Aufgabe stellte, aus dem Unfall die Folgerungen für die Berücksichtigung der Windbelastung bei Brücken zu ziehen. So errechneten die englischen Sachverständigen aus dem Einsturz der Taybrücke einen Windruck, der stellenweise 122 bis 195 Kilogramm je Quadratmeter betragen hat. Weiter gab der genannte Fachmänner=Ausschuß Richtlinien für die Berechnung der Brücken auf Windruck heraus, welche auch in den Brückenvorschriften der anderen Kulturstaaten Aufnahme fanden. Der auf die Bauwerke wirkende Winddruck kann auf zwei Wegen ermittelt werden. Einmal auf Grund der beobachteten WindgeschwindigDer Einsturz der beiden großen Funktürme in München=Stadelheim von rund 100 Meter Höhe infolge eines gewaltigen Sturmes Ende November 1930 wured in allen Tageszeitungen und bebilderten Zeitschriften dargestellt. Diese Funktürme, die als Meisterwerke der Holzbautechnik bekannt waren, sind von der rohen Faust des Sturmes niedergeschlagen worden, obwohl Statiker und Ingenieure diese Türme für den größten Winddruck berechnet und entworsen haben. Dabei ist zu beachten, daß hinsichtlich der Traggebilde für die Aufnahme der Windbelastung eine etwa dreifache Sicherheit und für das Standvermögen gegen den Umsturz durch den Sturm eine etwa eineinhalbsache Sicherheit in Rechnung gebracht wird. Wie erklärt sich also der Einsturz? Ist die tatsächlich vorgekommene Belastung durch den Sturm auf das Dreifache bezw. Anderthalbfache der veranschlagten größten Windbelastung angeschwollen?— Nichts von alledem. Derartige Turmbauten werden für einen Windruck berechnet und entworfen, der den größten Stürmen entspricht. Wenn trotzdem Einstürze vorkommen, so werden sie stets von Wirbelstürmen verursacht. Diese richten namentlich in Amerika alljährlich ungeheuren Schaden an, sie sind in ziseren Gegenden zwar selten, kommen aber doch ab und zu vor und werden dann besonders Masten und Türmen gefährlich, weil sie auf diese eine gewaltige Drehwirtung ausüben. Auf eine derartige Drehwirkung sind unsere Bauwerke weder berechnet noch konstruiert, einmal, weil solch gewaltige Wirbelstürme überaus selten sind, und dann, weil sich deren Wirkung rechnungsmäßig kaum erfassen läßt. Unsere Bauwerke werden nur auf eine waagerechte oder schwach geneigt wirkende Windbelastung berechnet. Deren Berücksichtigung in dieser Form reicht Jahrhunderte zurück. Die Größe des in Anschlag zu bringenden Winddruckes wurde jedoch früher bedeutend unterschätzt. Dieser Mangel hat sich naturgemäß bei den Hochbauten nur selten ausgewirkt, da diese ja zumeist geschützt liegen. Dagegen sind manche Brücken infolge der zu geringen Berücksichtigung der Windbelastung bei großen Stürmen zerstört worden. Von diesen Einstürzen verdient besonders einer hervorgehoben zu werden, und zwar einerseits wegen des gewaltigen Umsanges des Unfalles und andererseits wegen des Anstoßes, den dieses Unglück in Bezug auf die Berechnung der Brücken auf Windbelastung gegeben hat. Es betrifft dies die Brücke über den Firth of Tay bei Dundee in Schottland. Die eingleisige Eisenbahn Edinburg=Dundee Aberbrückt den Meeresarm Firth of Tay auf einer 3200 Meter langen, eisernen, durchlaufenden Fachwerk=Balkenbrücke mit 85 verschieden großen Oeffnungen. Die Brücke wurde im Jahre 1878 dem Verkehr übergeben. Am 28. Dezember 1879 herrschte ein gewaltiger Sturm. Der abends um 7,14 Uhr über die Brücke gelassene Personenzug stürzte samt den über 13 mittleren Oeffnungen gespannten Tragwerken in die Iluten des Meeres. keit, die mit Hilfe der bekannten Windmesser (Salenanemometer) bestimmt wird, und zum andern durch den Umsturz verschieden standfester Scheiben bei großem Sturm. Auf Grund dieser Beobachtungen wird die Windbelastung für die Bauwerke mit folgenden Werten veranschlagt. Bei den gewöhnlichen Hochbauten, die ja im allgemeinen meistens eine windgeschützte Lage haben, beträgt der rechnungsmäßige Winddruck 100 bis 150 Kilogramm je Quadratmeter. In Gegenden mit großen Stürmen werden diese Zahlen noch um 25 bis 50 v. H. erhöht. Bei den Brücken, die ja in der Regel eine sehr freie Lage haben, werden zwei verschieden große Zahlen für den Winddruck in die Rechnung gesetzt. Ist die Brücke belastet, pulst also der Verkehr darüber, so wird der Winddruck mit 150 bis 170 Kilogramm je Quadratmeter veranschlagt. Ist die Brücke unbelastet, was der Annahme entspricht, daß wegen eines gewaltigen Sturmes der Verkehr stockt, so wird der Winddruck sogar auf 250 bis 270 Kilogramm je Quadratmeter erhöht. Diese Unterscheidung in„belastet" und„unbelastet“ ist insofern von Wichtigkeit, als bei belasteter Brücke zu dem Winddruck auf die Brücke noch der Winddruck auf die Verkehrsmittel hinzukommt. Bei den Straßenbrücken wird diesbezüglich ein windbelastetes Verkehrsband von 2,2 Meter und bei den Eisenbahnbrücken ein solches von 3,5 Meter Höhe angenommen. Bei allen anderen freistehenden Ingenieurbauten, wie Wassertürmen, Funktürmen, LeiMontag, 2. Februar 1931 Zum 10. Todestage Karl Hauptmanns DIE VERSCHULDUNG DER KRIEGSLANDER +4.918 16.840— REICHS- LANDER- VOUNG· SCHULD SCHULD SCHULD 3 153.456 ENGLAND 76.091 35.565 6.455 11.796 2.746 39.295 ERANHG, MTAL1EN BELGIEN DEUTSCHL ANO — verglichen mit den entsprechenden Zahlen der Vorkriegszeit— führt scheinbar zu dem Schluß, daß Deutschland noch längst nicht die ärgste Schuldenlast zu tragen hat. Man darf aber nicht vergessen, daß ein großer Teil der Reichs= und Länderschulden durch die Inflation ausgelöscht wurde, daß diese Schulden also tatsächlich bedeutend höher sein müßten, Ferner ist zu berücksichAlle Menschen im Zuge,i tigen, daß die gegenwärtige Schuldenlast auf Eine Gegenüberstellung der Schulden der Kriegsländer Deutschland um so schwerer drückt, als die Inflation die deutschen Privatvermögen zerstört und damit das finanzielle Rückgrat der Nation zerstört hat.(Bei der deutschen Reichsschuld sind die Länderschulden einschließlich der der Hansestädte zu den Reichsschulden hinzugezählt, weil bei den anderen Schuldnerländern gleiche oder ähnliche staatsrechtliche Verhältnisse nicht bestehen.) der am 3. Februar 1921 gestorben ist. Als älterer Bruder von Gerhart Hauptmann hat er eine Reihe von Romanen und Dramen geschrieben, von denen wohl der Roman„Einhart der Lächler“ den Anspruch auf Vollendung erheben kann. tungsmasten, Kranen, Verladebrücken rechnet man mit den gleichen Windbelastungen wie bei den unbelasteten Brücken. Die Berücksichtigung des Winddruckes bei den Bauwerken hat eine Reihe wichtiger konstruktiver Maßnahmen zur Folge. Bei den Hochbauten sind es Windverbände, Wandrahmen und andere Windaussteifungen. Bei den Brücken sind es Windverbände, Windkreuze und Windrahmen. Bei den Masten, Türmen und Brückenpfeilern kommen noch die Windverankerungen dazu. Westfälische Kriegsgräberfürsorge Zwei Mal im Jahre tritt der Volksbund „Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.“ besonders stark in Erschinung. Einmal gilt es, am Sonntag Reminiscere eine der Würde des Tages für die im Weltkriege Gefallenen entsprechende Feier in jeder deutschen Stadt, überhaupt in jedem deutschen Ort, vorzubereiten und zu veranstalten. Die zweite größte Aktion besteht in der Mobilmachung und Aufforderung weitester Kreise unseres Volkes zu einem allgemeinen Opfertag. Am 1. März ds. Is. feiern wir Reminiscere und begehen damit den Volkstrauertag. Im Zeichen der Vorbereitung auf diesen Tag stand die 18. Bezirks=Vertreter=Tagung der Verbände Arnsberg, Münster und Ruhrgebiet am 24. Januar 1931 in Coesfeld, die von ca. 200 Vertretern aus ganz Westfalen besucht war. Eingeleitet wurde der Vertretertag durch eine kurze Gedenkfeier, verbunden mit Kranzniederlegung am neuerrichteten Ehrenmal der Stadt Coesfeld. Von den anschließenden Beratungen in der Stadthalle, die unter Leitung des Stadtbaurats Arndt, Mülheim=Ruhr, standen, sei nur erwähnt, daß der Bezirksverband Westfalen mit seinen 140 Ortsgruppen und 22 850 Mitgliedern der zweitstärkste Verband im Volksbund darstellt. Den größten Raum der Tagung nahmen Besprechungen über Patenschaften von Kriegerfriedhöfen des Bezirks=Verbandes an der ehemaligen Westfront ein. Seine erste Frau Roman von Max v. Weissenthurn Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Mit plötzlich erwachtem Zorn sah sie jetzt unverwandt in jene blauen Augen, gewahrte auch, wie ein Ausdruck das hübsche Gesicht entstellte, der ihr zu deutlich verriet, wie gerechtfertigt ihr Mißtrauen war. Philippine aber dachte nur an ihre eigene Sicherheit und wollte sich retten, ob durch Lüge oder Wahrheit, das war ihr gleich. „Ich schäme mich immer, wenn ich ein Unrecht begangen habe“, sagte sie in weinerlichem Tone,„dieses Mal ist es aber wirklich nicht der Fall. Ich finde es abscheulich, daß mir Dinge nachgesagt werden sollen, die ich tatsächlich nicht begangen habe.“ Wenn Kitty sich auch durch den Schmerz der Baronin nicht täuschen ließ, so war Hans doch tiefbewegt und natürlich richtete sich sein ganzer Groll gegen Kitty. Fürwahr, Frau May“, sagte er entrüstet, „ich ahnte nicht, daß Sie eine solche Unheilstifterin sind!“ „Weiß der Himmel, das liegt nicht in meiner Absicht!" beteuerte Kitty.„Wenn Sie beide mir geloben wollen, daß das, was ich gesehen habe, das Ende der Sache sein und nichts weiter folgen soll, könnte ich mich herbeilassen, über Ihre Torheit zu schweigen.“ „Ich schwöre— wir schwören!“ rief der junge Mann hastig. Philippine aber warf ungeduldig ein: „Es ist hart, Dinge schwören zu sollen, wenn man nichts getan hat! Was haben Sie denn im Grunde genommen eigentlich gesehen, Frau Moy!“ „Ich sah, wie der Graf Sie küßte“, erwiderte Kitty mit einer Deutlichkeit, die darauf hinwies, daß ihre Worte sich nicht so leicht aus dem Felde schlagen ließen.„Ich sah auch, wie Sie seinen Kuß erwiderten", fügte sie ernst hinzu. Dann sagte Philippine zu Hans Murr: „Ich gehe jetzt und lasse Sie mit Frau May allein. Ich hoffe, Sie reden ihr das alles aus. Frau May wird einsehen, daß sie vollkommen im Unrecht ist.“ *** Die Baronin ging und Kitty und Hans standen sich eine Weile schweigend gegenüber. Dann bat Kitty den jungen Grafen, sie zum Doktorhause zurückzubegleiten. Unterwegs sagte Kitty zu Hans Murr: „Graf Hans, ich weiß, daß Sie kein schlechter Mensch sind. Sie handelten nur unüberlegt! Wollen Sie mir versprechen, daß Sie Ihr Möglichstes tun wollen, diese Leidenschaft für die Frau Ihres Freundes zu beherrschen?" Ebenso peinlich berührt wie überrascht ob dieser unumwundenen Sprache, suchte der junge Mann Kitty entgegenzuhalten: „Meinen Sie wirklich, daß irgend etwas, was Sie sahen, Ihnen das Recht einräumt, mir gegenüber einen solchen Ton anzuschlagen?“ Kitty zögerte. Sollte sie ihm etwas, sollte sie ihm alles sagen? Sollte sie sein Herz zu rühren suchen? Sollte sie zu ihm von ihrem eigenen„Ich“ sprechen? Sie atmete schwer und raffte sich endlich auf. „Würden Sie meine Worte für gerechtfertigt halten?“, fragte sie leise,„wenn ich Ihnen sage, daß auch ich gleich Ihnen eine Liebesgeschichte durchlitten habe? Daß ich mit mir zu kämpfen hatte, gerade wie ich wünsche, daß Sie kämpfen? Daß ich den Sieg über mich davontrug und nun verlange, Sie mögen desgleichen tun?“ Befremdet durch die Leidenschaft und Wärie, die sich in dem Klang ihrer Stimme verriet, in der Stimme dieser Frau mit dem weißen Haar und dem weißen Antlitz, neigte Graf Hans sich vor und machte sich kein Hehl daraus, daß er sich für das interessiere, was er von ihr zu hören bekommen würde. „Was dann“, fuhr sie fort, während ein zartes Rot plötzlich in ihre Wangen stieg,„was dann, wenn ich Ihnen erzähle, als ich noch jung und imstande war, eine Neigung einzuflößen und dieselbe zu hegen, ich diese Liebe für einen Mann empfand, dem gegenüber ich diesen meinen Gefühlen auch nicht Ausdruck verleihen durfte? Wenn ich Ihnen beschwören kann, daß alles sich tatsächlich so verhielt, daß auch ich gelitten habe—, räumen Sie mir das Recht ein, ein Wort der Mahnung zu Ihnen zu sprechen und Sie an Ihre Pflichten und an jene Baronin zu erinnern? Gestatten Sie mir dann, Sie darauf hinzuweisen, daß Sie als Mann handeln und ihr beistehen müssen, in allem.“ „Ich bin überzeugt, daß ihre Wort gut gemeint sind“, sagte er nach kurzem Zögern,„aber ich muß Ihnen unumwunden erklären, daß Sie die Situation nicht richtig erfassen.“ „Sie meinen, daß ich die Situaton nicht rchtig verstehe?“ erwiderte sie ruhig.„Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß mir dieselbe vollkommen klar ist! Vermutlich wurde Ihnen gesagt, daß die Baronin Thurner nicht glücklich verheiratet sei?“ Der Graf nickte verlegen vor sich hin; es war ihm nichts weniger als angenehm, auf solche Art zur Rechenschaft gezogen werden. „Mir wurde nichts gesagt“, entgegnete er. „Thurner mag ja ein ganz guter Mensch sein — ein Ehemann, wie es deren hundertausende gibt. Sie tragen aber sicher dem Umstande nicht Rechnung, daß die Baronin eine besonders sensitive Natur ist, der gegenüber der Landedelmann etwas geradezu Bärenhaftes hat. Es ist somit begreiflich, daß zwischen ihm und ihr keine rechte Gemeinschaft bestehen kann.“ „Die beiden haben ja doch Kinder; Kinder bilden bei jeder rechten Frau doch ein Band, das sie mit dem Gatten vereint“ rief Kitty. „Ja“, gab er zurück,„ich will gar nicht in Abrede stellen, daß Ihre Moral unantastbar ist, aber sie greift doch wohl ein wenig in die prähistorische Zeit zurück. Der Mann, der einer unverstandenen Frau Teilnahme entgegenbringt, braucht doch noch nicht absolut ein Schurke zu sein!“ „Wenn ich Sie dafür halten würde", entgegnete Kitty,„fiele es mir sicherlich nicht ein, so mit Ihnen zu reden, wie ich es tue.“ „Natürlich würden Sie sich nicht mit mir darüber unterhalten“, versetzte er und blieb, da beide das Doktorhaus erreicht hatten, stehen. So ungern Graf Hans sich auch in Gesellschaft Frau Mays in der Familie des Arztes zeigte, mußte er doch mit eintreten, da Doktor Schnee seiner ansichtig geworden war. Gemeinsam gingen die beiden sodann in den Garten, in dem Doktor Schnee behaglich seinen Tee schlürfte, während Dorothea und Bea Tennis spielten. Doktor Schnee begrüßte die beiden in seiner freundlichen Art, dann kamen die beiden Mädchen, die einen Augenblick mit dem Spiel aufgehört hatten. Graf Hans bat sie, sich im Spiel nicht aufhalten zu lassen und äußerte den Wunsch, ein wenig mitpielen zu dürfen. Zehn Minuten später spielte Graf Hans mit Beatrice Tennis und der Arzt, der Kitty verstohlen beobachtete, fragte sich, ob diese Frau, die offenbar eine bestimmte Taktik verfolgte, wenige Tage früher wirklich geisteskrank gewesen sein konnte. „Warum sehen Sie mich so forschend an, Doktor Schnee?“ fragte sie, seinen Blick begegnend, während sie beide am Eingang des Gartenhauses standen.(Forts. folgt.) Schwerte(Nuhr), den 2. Februar 1931. Tagesspruch Das Licht ist all versunken In dir, du tiese Nacht, Du hast es eingetrunken. Perlend bricht's nun aus deinem Schoß, vertausendfacht. Und was der Tag verschwendet, Buntschillernd, wesensfern, Was fremd mein Aug' geblendet, Klar strahlt es durch die Ewigkeit, nun Stern bei Stern. Nimm auf die Sehnsucht meine, Die heiß im Herzen brennt, Daß sie mir wiederscheine, Sternhell aus deiner tiefen Ruh, vom Firmament. Kolbenheyer. Der Sternhimmel im Februar Von Dr. Dr. Carl G. Cornelius. Im Berichtsmonat— zu Beginn um 11, Mitte um 10, Ende um 9 Uhr— ist das Himmelsbild im wesentlichen das gleiche wie im Vormonat. Es verschwinden keine auffallenden Sterngruppen, und es kommen auch keine markanten neu über den Osthorizont empor. Nur der Löwe mit dem gelblichen Regulus steigt an diesem Teile des Himmels höher, und unter ihm werden einige Sterne der Jungfrau sichtbar. Das Hauptinteresse des Liebhaberastro= nomen richtet sich noch immer auf die prächtigen Winterbilder am Süstwesthimmel. Als unterster der vielen auffallenden Lichtpunkte strahlt hier Sirius im Großen Hund. Dieser hellste aller Firsterne hat einen dunklen Begleiter, der in# Lichtstärke um 10 Größenklassen unter ihm steht. Seine Entdeckung war eine Großtat der Astronomie, die sich der Berechnung des Neptuns aus den Störungen der Uranusbewegung würdig anreiht. Der Deutsche Bessel stellte nämlich m Jahre 1844 sein Vorhandensein fest, ohne ihn sehen zu können, und leitete seine Bahnelemente aus den Verinderlichkeiten der Eigenbewegung des Sirius ab. 1862 fand dann Clark in Cambridge(Mass.) totsächlich den dunklen Begleiter a's ein sehr l'etschwaches Sternchen in großer Nähe des Harntsterns. Dreißig Jahre später gelang es, erch Procyon, der gegenwärtig als nächster beller Stern über dem Sirius glänzt, als Doppel#tern zu ermitteln. Sein Begleiter ist nur 13. (“röße, und seine Masse beträgt ein Fünftel von der des Hauptsterns. Oberhalb von Procyon erblickt man Castor und Pollux in den Zwillingen, weiter westlich die helle Capella im Fuhrmann, unter ihr den rötlich funkelnden Aldebaran im Stier. An ihn schließt sich die V=förmige Gruppe der Hyaden an, unweit deren man in den Pleiaden einen noch bekannteren dieser Sternhaufen erkennen kann. Genau im Südwesten in halber Himmelshöhe glänzt Crion, der himmlische Jäger. Beteigeuze(links), Bellatrix(rechts oben) und Riegel(rechts unten) sollen Umrisse der Gestalt andeuten, deren Gürtel von den drei in einer Linie befindlichen Sternen des Jakobsstabes gebildet wird. Bei dem mittleren der anderen drei, senkrecht zu diesen stehenden Sternen findet man schon im Opernglas den bekannten Orionnebel. Die Nordhälfte des Himmels ist an auffanllenden Lichtpunkten ziemlich arm, da Wega in der Leier und Deneb im Schwan in den Dünsten des Harizontes für unsere Breiten unsichtbar bleihen. Nur Arctur im Bootes funkelt einsam im Nordosten. Den übrigen Raum dieser Himmelsgegend erfüllen die bekannten Bilder Großer Bär, Kleiner Bär, Drache und Cepheus. Im Nordwesten erblickt man das W der Cassivpeia und den Bogen des Perseus, sowie unterhalb ihnen die Sternreihen der Andromeda und des Widders. Günstig zu beobachtende Lichtminima des Algolsterns im Perseus treten am 14. um 23 Uhr 15 Min. und am 17. um 20 Uhr ein. Von den Planeten ist Merkur nur noch an den beiden ersten Monatstagen am Morgenyimmel zu finden, für den Rest des Monats bleibt er unsichtbar. Venus, als alles überstrahlender Morgenstern, sinkt in ihrer Sichtbarkeiesdauer von 2½ auf 1X Stunden. Zur Monerzmitte bietet sie ein schönes Bild zusammen ne:; der abnehmenden Mondsichel und Saturn, den sie am 25. in einem Abstand von drei Vollmondbreiten überholt. Die Sichtbarkeit des letzteren wächst gegen Monatsende auf ¾ Stunden. Den Nachthimmel beherrschen nach wie vor Jupiter und Mars in den Bildern Zwillinge und Krebs, doch beider Helligkeit sinkt ziemlich rasch um etwa je eine halbe Größenklasse. Auch Neptun kann im Löwen während der ganzen Nacht aufgesucht werden, Uranus nur in den Abendstunden im Bilde der Fische. Am 20. tritt der kleine Planet Pallas in Opposition. Er ist dann 6,6. Größe und mit kleinen optischen Hilfsmittel an der Nordgrenze der Wesserschlange zu finden. In der gleichen Gegend(rechts unterhalb) steht auch der kleine Planet Eros, über dessen Erdnähe im Bericht des Vormonats gesprochen wurde. Die Sonne tritt am 19. aus dem Zeichen des Wassermanns in das der Fische. Die Tageslänge steigt von 9 Stunden am 1. auf 10¾ Stunden am 28. Die Hauptphasen des Mondes fallen auf folgende Daten: Vollmond am 3. um 1 Uhr 30 Minuten. Letztes Viertel am 9. um 17 Uhr 15 Minuten, Neumond am 17. um 14 Uhr 15 Minuten, Erstes Viertel am 25. um 17 Uhr 45 Minuten. Was hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 3. Februar 1931. 07,00: Morgenkonzert. 10.15: Schallplattenkonzert. 11,20: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15.50: Kinderstunde. 16,15: Mitteilungen aus dem Schulfunk. 16,30: Aus dem Leben der höheren Schule. 17,00: Vesperkonzert. 18,15: Die Welt im Buch. 18.40: Französische Unterhaltung. 19,15: Landwirtschaft und Technik. 19.45: Abendmusik. 20,30: Roxi, der Fratz. Ein Aschenbrödelstück von heute. Frisch und leichter Frost Die Wetterdienststelle Essen meldet: Während der hohe Druck im Norden und Nordosten Europas weiter an Intensität zugenommen hat, ist das Tief vom Ozean her bis Mittelengland vorgedrungen. Gegenüber den erkalteten Bodenschichten wird er bei stärkerer Luftmischung milde ozeanische Luft, Trübng und Regen auch für Mitteleuropa bringen. In Deutschland war das Wetter heute morgen meist ganz bedeckt, im Westen aber war es heiter. Es herrschte fast überall leichter Frost, nur im Osten war es stellenweise kälter bis zu 8 Grad Kälte. Der Kahle Asten meldete frischen Südostwind, Nebel und 4 Grad Frost. Aussichten für Montag: Zunächst trüb und Regen bei ansteigenden Temperaturen, später zeitweise bewölkt. Wharscheinliche Weiterentwicklung: Bewölkt, noch vereinzelt Schnee, später leichter Frost. Gedenktage. 2. Februar: 1829 Der Naturforscher Alfred Brehm in Renthendorf geboren(gestorben 1878).— 1806 Relif de la Bretonne gestorben.— 1856 Diplomat A. Rex geboren.— 1881 Der russische Schriftsteller Pissemsti gestorben. Das Russen=Konzert am„Freischütz“ war ohne Zweifel ein Ereignis im Musikleben unserer guten Stadt. Daß die Russen ganz hervorragende Musiker und Sänger sind, das haben uns die Konzerte, die uns in den letzten Jahren von den verschiedensten russischen Chorvereinigungen dargeboten wurden, zur Genüge gezeigt, aber was das Bojaren=Ensemble Pogareloff gestern am„Freischütz“ einer andächtig lauschenden und kunstbegeisterten Zuhörerschar vorsetzte, setzten allem bisherigen die Krone auf. An jedem Pult saß ein Künstler, ein Vollblutmusiker, der mit Meisterschaft sein Instrument beherrschte, und dieser Musikerschar ist Pogareloff ein Führer, der seinesgleichen sucht. Mit welcher Ruhe und Sicherheit er sein Orchester leitet, durch ein kaum merkliches Zeichen hier anfeuernd, dort dämpfend, dabei selbst aber seine Balalaika mit Meisterschaft beherrschend, ist bewunderswert. Und welchen Klangzauber dieser Tonkörper, in dem auch eine ganz eigenartige Ziehharmonika vertreten war, entwickelte, das kann man nicht beschreiben, das muß man gehört und diesen eigenartigen Zauber, bald schwermütigen, bald heiteren Charakters auf sich haben einwirken lassen. Kein Wunder, daß die Zuhörer ganz begeistert waren und ein jubelnder Beifall immer wieder von neuem einsetzte. Und dann die Russen als Sänger! Ein ganz wundervolles Material hat Pogorelloff zusammengestellt. Hellstrahlende Tenöre voll Weichheit und Süße und von bezaubernder Klangfarbe, die mühelos mehrere Takte das hohe C anhalten, abgrundtiese Bässe wie Orgelton und Gloenklang, und Mittelstimmen, die sich ganz prachtvoll dem Ganzen einfügen. Der Chor entwickelte in allen Vorträgen einen Wohlklang und eine Stimmkultur, die von den Zuhörern immer wieder von neuem bewundert. Dankbar empfunden wurde es, daß in den Vorträgen auch einige deutsche Lieder eingestreut waren, wie man auch Herrn Straetmanns für die Veranstaltung dieses Konzertes nur verbunden sein kann. + Der Monat Februar bedeutet Reinigungsmonat, stammt von der heidnischen Göttin Februa, der Mutter des Mars, ab. In dem altrömischen Jahre von zehn Monaten fehlte der Februar gänzlich, und als seit Numa Ponpilius die Einteilung des Jahres in zwölf Monate erfolgte, wurde er anfangs als der letzte gezählt, daher auch in ihm die Einfügung des Schalttages erfolgte. Der alte deutsche von Karl dem Großen eingeführte Monatsname heißt Hornung, der sich auch bis heutigen Tags erhalten hat. * Bauernregeln für den Monat Februar. Regenbogen am Morgen, des Hirten Sorgen; Regenbogen am Abend den Hirten labend.— Spielen Mücken im Februar, frieren Schaf und Bien' das ganze Jahr.— Ein nasser Februar bringt ein fruchtbar Jahr.— Wenn im Februar die Lerchen singen, wird's uns Frost und Kälte bringen.— Weißer Februar stärkt die Felder.— Die Katze, die in der Hornungssonne liegt, im März sich hinter den Ofen schmiegt.— Wenn's der Hornung gnädig macht, bringt der Lenz den Frost bei Nacht. — Heftige Nordwinde im Februar, deuten auf ein fruchtbares Jahr.— Die weiße Gans(der Schnee) im Februar, brütet Segen fürs ganze Jahr.— Scheint zu Lichtmeß(2.) die Sonne heiß, gibts noch sehr viel Schnee und Eis. : Ortsausschuß für Jugendpflege. Kommenden Mittwoch, den 4. Febr., abends 6 Uhr, findet im Sitzungssaale der Stadtverordneten eine Sitzung des Ortsausschusses für Jugendpflege statt. Auf der Tagesordnung steht folgendes: 1. Wahlen für Unterausschuß I und II und Arbeitsausschuß, 2. Berichte über die Werbewoche für Leibesübungen, die Reichsjugendwettkämpse, die Verfassungswettkämpfe und über die Tätigkeit des Unterausschusses II, 3. Besprechung über die Werbewoche für Leibesübungen 1931 und 4. Vrschiedenes. Einrichtung von Kursen für erwerbslose Jugendliche. Ein neuer Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe beschäftigt sich mit geeigneten Einrichtungen zur Beschulung erwerbsloser Jugendlicher beiderlei Geschlechts im Alter von 14 bis 18 Jahren, die auf Grund des Ortsstatuts zum Besuch der Berufsschule verpflichtet sind oder die während der Zeit der Erwerbslosigkeit keinerlei Aus= oder Weiterbildung erfahren. Diese jugendlichen Erwerbslosen sind, je nach Lage der örtlichen Verhältnisse, zu einem Unterricht von insgesamt wöchentlich 18 bis 24 Stunden heranzuziehen. Der Unterricht, der von erfahrenen Lehrkräften der Berufsschule erteilt werden soll, hat hauptsächlich die beruflich=praktische und die staatsbürgerliche Seite der Gesamtausbildung und die körperliche Erziehung durch Förderung der Leibesübungen zu umfassen. Bei dieser Gelegenheit sei auch darauf hingewiesen, daß der Freischütz=Saal ein neues Gewand angelegt hat. Der ganze Raum ist in einen farbenprächtigen Rosengarten verwandelt. Die wirklich sehenswerte Dekoration bietet bei künstlicher Beleuchtung einen feenhaften Anblick. . Verbilligtes Gas für Kleingewerbliche Betriebe. Wir verweisen auf eine diesbezügliche Veröffentlichung des Städt. Gaswerkes Schwerte im Inseratenteil unserer heutigen Ausgabe. X Statistisches. In der hiesigen kath. Gemeinde wurden im Monat Dezember 14 Kinder getauft, drei Pacre schlossen den Bund fürs Leben und drei Beerdigungen mußten vorgenommen werden. X Aus der kath. Gemeinde. In der kath. Pfarrkirche wurde gestern vormittag wieder ein religiös=wissenschaftlicher Vortrag geboten. Der durch seine früheren Vorträge hier bestens bekannte Düsseldorfer Jesuitenpater Kother sprach über„Die Kirche im Ansturm der Wissenschaft", ein Thema, welches in der heutigen Zeit religiöser Verfluchung und modernen Unglaubens ganz besunderes Interesse wachgerufen hatte, wie der zahlreiche Besuch des Vortrages bewies. In formvollendeter, überaus fesselnder und geistreicher Weise beschäftigte sich der Redner mit den Angriffen, die zu den verschiedensten Zeitepochen die moderne Wissenschaft gegen das Christentum gerichtet hat, nahm die Lehren von Kant, Nietzsche, Häckel, Wellhausen u. a. unter die kritische Lupe und kam zu dem Schluß, daß die Kirche unter dem Trommelfeuer des glaubensfeindlichen Teiles der Wissenschaft längst zusammengebrochen wäre, wenn sie nicht von Gott sei. Daher würden alle Angriffe an diesem Felsen zerschellen. Den Ausführungen des geschätzten Redners wurde mit großer Aufmerksamkeit gefolgt. Gefahren der Straße. Der gesteigerte Kraftfahrzeugverkehr hat dazu geführt, daß die Zahl der Verkehrsunfälle fortgesetzt zunimmt. In einem wesentlichen Teile ist dies mit darauf zurückzuführen, daß die Straßenbenutzer auf die Verkehrsgefahren nicht genügend vorbereitet sind. Deshalb wünscht der Minister für Handel und Gewerbe in einem neuen Erlaß Aufklärung über die Verkehrsvorschriften und Verkehrsgefahren durch die Fach= und Berufsschulen, um auf diese Weise zur Verkehrserziehung der Bevölkerung und damit zu einer Verminderung der Verkehrsunfälle mit beizutragen. An geeigneter Stelle des Unterrichts werden entsprechende Anregungen und Belehrungen einzuschalten sein. Die Deutsche Verkehrswacht in Berlin gibt in enger Verbindung mit ihrer besonderen Arbeitsgemeinschaft „Schulverkehrswacht“ ein monatlich erscheinendes Druckheft„Verkehrswarte“ heraus, auf das der Minister besonders hinweist. Noch ein Schmetterlingssänger. Auch Karlheinz Weber, Hagenerstr., brachte uns einen bunten Schmetterling, den er am letzten Januartag gefangen hatte. Das ist innerhalb weniger Tage der vierte. ha. Mißbrauch der Arbeitslosenversicherung. Bei der Prüfung der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung werden nach einer Mitteilung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung an den Reichsarbeitsminister vielfach Beschäftigungsverhältnisse festgestellt, die hauptsächlich deshalb eingegangen waren, damit der Arbeitnehmer den Anspruch auf die Unterstützung erwerben konnte. Es handelt sich meist um sog. Formbeschäftigungen, d. h. um kurzdauernde Arbeit, durch die gerade die für den Erwerb der Anwart= schaft fehlende Zeitspanne ausgefülllt wird. Dadurch sollen die Voraussetzungen für den Bezug künstlich geschafft werden. Hierin liegt ein Mißbrauch der Arbeitslosenversicherung. Das in Frage kommende Gesetz besagt, daß derjenige, der einem anderen eine versicherungspflichtige Beschäftigung nur deshalb gibt, damit der Anspruch erworben wird, alle Aufwendungen an Versicherungsleistungen ersetzen muß, die der Reichsanstalt erwachsen. Die Krankenkassen sollen deshalb bei zweifelhaften Anmeldungen von Arbeiten auf Klärung dringen. ha=Der Zollvertrag mit Oesterreich. Der Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich über die Rechtshilfe in Zollsachen ist jetzt mit den Durchführungsbestimmungen hierzu vom Reichsfinanzminister edm Zollbereich mitgeteilt worden. Behandelt wird eingehend die Verhinderung, Verfolgung und Bestrafung von Zuwiderhandlungen gegen die Zollgesetze beider Länder, die Festsetzung und Beitreibung von Zöllen und Abgaben sowie die gegenseitige Unterstützung. Die Schlußbestimmungen sehen vor, den Vertrag mit halbjähriger Frist zu kündigen. Eine Schlußniederschrift verpflichtet zur gegenseitigen Meldungen der Zollgrenzen, Einberufung der Beamten und Angabe der Dienststellen. ha. Hauptwagenamt. Durch die neue Umbildung des ReichsbahnZentralamts werden neuerdings alle Angelegenheiten des Güterwagendienstes unter der Anschrift: Deutsche Reichsbahn=Gesellschaft Hauptwagenamt bearbeitet, auch soweit sie bisher unter dem Namen des Reichsbahn=Zentralamtes behandelt wurden. Die Reichsbahn macht jetzt alle Verkehrtreibende, die Industrie= und Handelskammern darauf aufmerksam, sofern sie mit dem Güterwagendienst des Hauptwagenamts zu tun haben. Amt Ergste Ergste. Mutterberatung. Am Dienstag, den 3. Februar ds. Is., nachmittags von 3 bis 5 Uhr hält Herr Dr. Marx hierselbst in der alten Schule Mutterberatung ab. Zu gleicher Zeit findet dort auch eine Sprechstunde der Kreisfürsorgerin statt. Hennen. Diebstahl. Dem bei dem Gutsbesitzer Carl Rahlenbeck in Nordhausen beschäftigten Arbeiter Vollmert wurde ein blauer Sonntagsanzug, ein brauner Ueberzieher und eine blaue Hose und eine braune Strickweste entwendet. Nach den von dem Landjägermeister Wasgien angestellten Ermittelungen kommt ein früherer Mitarbeiter des Vollmert als Täter infrage. Derselbe hat angegeben, daß er sich am Diebstahlstage beim Amtsgericht in Iserlohn melden müsse. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Da er auch noch eine Strafe zu verbüßen hat, ist er anscheinend geflüchtet. Der Beschuldigte ist bereits vor einiger Zeit des Diebstahls an einem Arbeitskollegen überführt worden. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u Sport Willy Gatte, Schwerte. Kussentonzert in„Freischüh Schwerte als Tagungsstadt Sitzung des Kreisverbandes Ferlohn des„Reichsbundes der Kinderreichen“. Der alte gute Ruf der Stadt Schwerte als angenehmer Tagungsort scheint sich auch auf das neue Jahr 1931 übertragen zu haben. Als erste wichtigen Inhaltes fand am Sonntag, den 1. Februar, im kath. Vereinshaus eine Tagung des Kreisverbandes Iserlohn im„Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands" statt. Fast alle Ortsgruppen hatten Vertreter entsandt. Die Tagesordnung, welche den Vertretern schon früher zugesandt war, wies 7 Punkte auf und wurde dank des harmonischen Zusammenarbeitens der Vertreter zur Zufriedenheit aller in der vorgesehenen Zeit erledigt. Eingangs der Verhandlungen begrüßte der Vorsitzende der Ortsgruppe Schwerte, Kemmerling, die Anwesenden u. wünschte den Verhandlungen in den Mauern unserer Stadt den besten Verlauf. Leiter der Verhandlungen war der Vorsitzende des Kreisverbandes, Schneidermeister Kruse(Iselohn). Mit Verständnis und Geschick brachte er es fertig, daß alle Anträge zur Zufriedenheit der Antragsteller erledigt werden konnten. Zum 1. Punkt gab der Schriftführer einen Rückblick über die letzte, etwas stürmisch verlaufene Tagung vom 9. November 1930 in Menden. Im Anschluß wurde zu verschiedenen Eingängen Stellung genommen. Unter anderem wurde beschlossen, durch den Kreisverband das erforderliche Material(Bilder, Pläne und Beschreibungen von gesunden und ungesunden Wohnungen kinderreicher Familien) für eine im Sommer dieses Jahres in Berlin stattfindende internationale Bau= und Wohnungs=Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Hierdurch soll ermöglicht werden, ganz besonders auf die Wohnungsverhältnisse der Kinderreichen im Kreise Iserlohn hinzuweisen. Weiter wurde der Beschluß gefaßt, durch Abhaltung von Lichtbildervorträgen über die hygienische Ausstellung 1930 in Dresden die Gefahren für die Gesundheit besonders zu beleuchten. Da die in der Reichsverfassung zugesicherte Lehrmittelfreiheit in nur wenigen Städten und Gemeinden besteht, wird gefordert, daß sich alle Städte und Gemeinden ihrer Pflichten gegenüber dem heranwachsenden Geschlecht mehr erinnern sollen. Einige Gemeinden haben auf diesem Gebiete schon Mustergültiges geschaffen.(Wo bleibt Schwerte?) Ganz besonders wurde bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß eine ganze Reihe von Städten in ihren Etats größere Summen zur Erhaltung des Gesundheitszustandes ihrer kinderreichen Familien eingesetzt hätten. Hierzu schreibt der Artikel 119 unserer Reichsverfassung: „Die Reinerhaltung, Gesundung und soziale Förderung der Familie ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden. Kinderreiche Familien haben Anspruch auf ausgleichende Fürsorge.“ Durch die einzelnen Vertreter wurden Beispiele angeführt, wie wenig bekannt dieser Artikel bei vielen Behörden noch ist. Der Vorstand wurde beauftragt, durch die öfsentliche Presse Aufklärung in dieser Angelegenheit zu wirken. Zur besseren Bearbeitung der die Kinderreichen betreffenden FürsorgeAngelegenheiten innerhalb des Kreises hat der Landrat des Kreises Iserlohn ein Mitglied des Bundes der Kinderreichen zum Mitglied des Kreisfürsorge=Ausschusses ernannt. Im weiteren Verlauf der Tagung wurde eine von dem Schriftführer aufgestellte Geschäftsordnung für die Ortsgruppen des Kreisverbandes beraten und genehmigt. Dem anschließend von dem Schriftführer gegebenen Geschäftsbericht über die Zeit von der Bildung des Kreisverbandes, Ende Juli 1930 bis zum Jahresschluß, ist zu entnehmen, daß über 500 kinderreiche Familien in den einzelnen Ortsgruppen zusammengeschlossen sind. Das Wohl und Wehe dieser Familien wurde bisher in drei Vertretertagungen und mehreren Vorstandssitzungen eingehend behandelt. Die anschließenden Vorstandswahlen ergaben eine volle Einstimmigkeit für den bisherigen provisorischen Vorstand, sodaß auch dieser Punkt schnell erledigt war. Der letzte Punkt: „Verschiedenes" befaßte sich mit internen Werbeangelegenheiten usw. Ueber die weiteren Schritte zur Ausbreitung des Bundesgedankens wurden die bisherigen Erfahrungen ausgetauscht. Es wurde weiter beschlossen, im Monat April in Iserlohn noch einmal zusammen zu kommen, um über den weiteren Ausbau des Kreisverbandes zu verhandeln. Der Presse wurde allgemein für das bisherige Entgegenkommen gedankt und die Hoffnung ausgesprochen, daß dieselbe stets Hand in Hand mit dem Bund der Kinderreichen an der Gesundung der Familie und damit unserer gesamten Volkswirtschaft mitarbeiten möge. Mit Worten des Dankes für die rege Mitarbeit an die Tagungsteilnehmer konnte der Vorsitzende die Tagung am späten Abend schließen. mußten. Zur Verhütung solcher Fälle wurde angeregt, die Träger der Unfallversicherung sollen vor ihrer Entscheidung über den Abfindungsantrag eine Aeußerung des zuständigen Bezirksfürsorgeverbandes über den Zweck der Auszahlung einholen. Der Minister ersucht nun alle Träger, so zu verfahren. Dies wirk sich namen lich bei Abfindungsanträgen von Schwerbeschädigten empfehlen, da gerade bei diesen die Rente oft den größten Teil ihres Einkommens ausmacht. besiegt Schönrath in einem Belgien schlägt Seifried— Besselmanns Blitzsieg über Fagardo— Metzner beit Aitenseruihineher. aens Gchrals ends uain ur Kaus Sef. elmann=Köln— Fagardo=Belgien. Daß die Westfalenhalle zur Metropole der Deutschen Boxer geworden ist, bewies einmal wieder der gestrige Meisterschaftskampf um die Schwergewichtskrone zwischen Müller=Köln und Schönrath=Krefeld. Dazu das ausgezeichnete Rahmenprogramm, das neben drei weiteren Klassekämpfen auch die Entscheidung der Deutschen Fliegengewichtsmeisterschaft brachte. Rings um die Halle wieder das typische Bild eines Großkampftages. Der unübersehbare Park der Autos aller Weltfirmen, die heftig gestitulierende Menge, die zur Kasse drängt und schiebt und der von Minute zu Minute wachsende Zustrom der Tausende von Fußgängern, die sich durch die breiten Portale quetschen. Im Inneren des Boxhausbauches das dumpfe Gemurmel der Masse Mensch, die im Sitzung und Stehen über Kampfaussichten und Formen ihrer Lieblinge streitet, die jede Bewegung der Männer im und am Ring verfolgt, die von früheren Kämpfen spricht, die die Namen und Gewichte aller Weltklassenkämpfer in einwandsreier Sprache beherrscht und jeden Laien, der irgend eine neugierige Frage tut, mitleidig über die Schulter anblickt. 1 Westhosen. Kriminalstatistik. Im Monat Januar ds. Is. wurden bei der Polizeibehörde folgende Anzeigen erstattet: 7 Anzeigen wegen Einbruchsdiebstahls, 1 Anzeige wegen einfachen Diebstahls, 1 Anzeige wegen Fahrraddiebstahls, 1 Anzeige wegen Forstdiebstahls, 3 Anzeigen wegen Betrugs, 1 Anzeige wegen Untrschlagung, 1 Anzeige wegen Pfandverschleppung, 2 Anzeigen wegen Meineides, 1 Anzeige wegen Verleitung zum Meineide, 3 Anzeigen wegen Jagdvergehens, 2 Anzeigen wegen fahrlässiger Körperverletzung, 2 Anzeigen wegen unerlaubten Waffentragens, 4 Anzeigen wegen Wandergewerbevergehens, 1 Anzeige wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz, 3 Anzeigen wegen Ueberschreitung der Polizeistunde, 6 Anzeigen wegen Zuwiderhandlung gegen Verkehrsvorschriften und 5 Anzeigen wegen sonstiger Uebertretungen. Es sind in diesem Monat vorgekommen: 1 Selbstmord und 1 Selbstmordversuch, 2 Schadenfeuer, 6 Verkehsunfälle und 8 Unfälle in industriellen und landwirtschaftlichen Betrieben, bei denen ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Gesunden wurden: 1 silberne Taschenuhr mit Kette, verschiedene Fahrradteile und Handschuhe. ! Westhofen. Missionsfest und Evangelisationswoche. Im Gemeindehause fand gestern eine gut besuchte Missionsfeier statt. Als Festredner sprach Missionar Pichler aus Herford über seine langjährige Missionstätigkeit unter den Batak auf der Insel Sumatra. Die Woche vom 2. bis 8. Februar soll zu einer Evangelisationswoche gestaltet werden. An den einzelnen Abenden, um 8 Uhr beginnend, finden im Gemeindehause Vorträge über folgende Themen statt: Montag: Wie Jesus einer Sünderin hilft; Dienstag: Das Geheimnis eines glücklichen Lebens; Mittwoch: Ein vorbildlicher Heide, der Christ wurde; Donnerstag: Gute Zuversicht in trüber Zeit; Freitag: Die gesegnete Stätte auf Erden: Sonnabend: Die rechte Art wahren Christenlaufs; Sonntag: Wo wirst du die Ewigkeit zubringen? Ferner werden in dieser Woche am Monntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag, nachmittags 4 Uhr, im Gemeindehause verschiedene biblische Vorträge gehalten. Da Missionar Pichler als ein guter Kanzelredner bekannt ist, kann ein Besuch der Vorträge nur empfohlen werden. Westhofen. Ev. Sterbevorsorge. Neben der bereits bestehenden örtlichen Sterbekasse ist in der Gemeinde Westhosen die„Evangelische Sterbevorsorge“ eingeführt worden. Die Ev. Sterbevorsorge ist eine gemeinnützige Einrichtung, die der Zentralausschuß für die Innere Mission ins Leben gerufen hat. Nähere Auskunft über Beitritt, Höhe der Sterbegeldsummen und dergleichen können im Pfarrhaus eingeholt werden. ! Wandhofen. Frauenhilfe. Am Donnerstag, den 5. Februar, nachmittags 3 Uhr, hält die Frauenhilse von Wandhofen im Lokale Schulte eine Versammlung ab. l. Holzen. Vom Auto angefahren. Abends gegen 11 Uhr wurde der etwa 25jährige Arbeiter P. aus Schwerte auf dem Rosenweg, Ecke Graf Adolfstraße, von einem Personenauto angefahren. P. ging in der Richtung nach Schwerte. In derselben Richtung überholte ihn das Auto. Wegen des trüben Wetters muß der Führer den Fußgänger, der von dem rechten Kotflügel zu Boden geschleudert wurde und eine erhebliche Kopfverletzung erlitt, wohl zu spät gesehen haben. Der Führer bemühte sich sofort um den Verletzten. l. Holzen. Rentenauszahlungstermin. Die Auszahlung der Krankengelder, Alters=, Invaliden= u. Witwenrenten der Ruhrknappschaft für den Monat Februar findet am Sonnabend, den 7. Februar, nachmittags 2,30 Uhr, in der Wirtschaft Hosang in Mittelholzen statt. l. Geisecke=Lichtendorf. Kath. Kirchensteuererhebung. Zur Erhebung der letzten Rate der Kirchensteuer für das Rechnungsjahr 1930 werden folgende Termine abgehalten: am 5. Februar, vorm. 10,30—12 Uhr, in der Wirtschaft Wiemhoff in Lichtendorf und am selben Tage nachmittags von 1—2,30 Uhr in der Wirtschaft Schulte=Höppe in Geisecke. l. Syburg. Frauenhilfe. Am Donnerstag, den 5. ds. Mts., nachm. 4 Uhr, findet eine Versammlung der Frauenhilfe von Syburg statt. Volksleben und Wirtschaft ha. Abfindung von Unsallrenten. Einzelne Fürsorgeverbände führen nach einem Schreiben des Reichsarbeitsministers an das Reichsversicherungsamt Klage darüber, daß Unfallverletzte, denen Träger der Unfallversicherung auf Grund der Verordnung von 1928 eine Abfindung zum Erwerb von Grundbesitz bewilligt habe, durch den Fortsall oder die Verringerung ihrer Renten in wirtschaftliche Not geraten sind und aus Fürsorgemitteln unterstützt werden Hein Müller, der neue deutsche Meister Wenn dann die hellen Jupiterlampen das Quadrat beleuchten, das für die Boxer die Bretter der Welt bedeuten, und das erste Kämpferpaar auftaucht, wenn die großen Hallenlampen erlöschen und die dumpfen oder klatschenden Schläge, das Keuchen und Schnaufen der Volksgötter ertönen, wenn der Gegner zu Boden sinkt oder Galerie und Loge pfeift oder jubelt, dann ist die Masse Mensch nur noch eine Person, die in den Himmel heben oder verdammen kann, die über Schiedsgericht und Kämpfer sich ihr eigenes Urteil bildet. Und dieses Urteil der Masse, das— wie gestern— zu den widerlichsten Szenen im Sportleben überhaupt führen kann, muß geändert werden, muß durch Erziehung der Sportmasse unmöglich gemacht werden, um nicht wieder das traurige Schauspiel einer solchen Deutschen Meisterschaft zu erleben. * Wir haben bei dem ersten Kampf derselben Gegner im Dezember vergangenen Jahres behauptet und mit uns die gesamte Sportpresse, daß das Urteil ein Fehlurteil des Kampfgerichts war. Müller, der auch diesesmal der Herausforderer war, ist und bleibt bis heute der technisch bessere Boxer, der genauere Fighter, der Denker im Kampf, der seine Kraft nicht wirkungslos verpufst, der im Kontern und Boxen, im Nehmen und Geben, in Beinarbeit und Körperschulung besser ist als Schönrath. Der neue deutsche Meister hat internationales Format und die Routine der Nah= und Distanzkämpfer in und aus allen Lagen. Und das ist ausschlaggebend. Gerade bei einem Meisterschaftskampf. Schönraths Leistung soll keineswegs herabgesetzt werden. Er kämpfte wie ein Löwe, der steht und nur schwer getroffen wankt. Aber es fehlt ihm doch manches, das einen Boxer im Ring interessant und sportlich vollkommen macht. Und deshalb bleibt es eine Ungehörigkeit sondergleichen, von Leuten, die aus Lokalpatriotismus oder aus Nursehen, aber Nichtkennen des Kampfes durch Pseisen und Johlen das Kampfurteil, das gewiß von Spezialisten gefällt wird, umstoßen wollen. Eine Portion Sportanstand dürften sich auch alle Sportpassiven aneignen. Schon der Einleitungskampf zwischen Dübbers=Köln und Seißler=Berlin brachte dem Hause die nötige Kampseinführung. Der Berliner entpuppt sich als ein flinker Bursche, der aus allen Lagen schlägt und Dübbers schwer zu schassen macht. Doch setzt sich der alte Kämpe Dübbers almählich durch und siegt (napp aber sicher nach Punkten. Nach kurzem Geplänkel„beschäftigt“ der Kölner den Belgier links sehr stark, entdeckt die rechte Gesichtsblöße seines Gegners und funkt einen totgenauen rechten Geraden herein, der Fagardo für die Zeit auf die Bretter schickt. Hans Seifried=Bochum ist nur noch ein Abglanz seines früheren Könnens. Camille Desmedt=Belgien hämmerte ihn in 8 Runden derart zusammen, daß er haushoher Punktsieger wurde. Schon die erste Runde zeigte den Belgier als Boxer von Format, der mit blitzschnellen links=rechts Schlägen serienmäßig die Punkte sammelt, der langsam aber sicher den Gegner zermürbt und neben einer vorbildlichen Beinarbeit eine gute Körperbeherrschung zeigt. Desmedts Stil erinnert stark an Kurt Prenzel. Seifried ist stark zurückgegangen und gab ein sehr steifes Bild ab. Seine hohe Niederlage war verdient. * Die Deutsche Fliegengewichismeisterschaft vereinigte wieder die alten Rivalen Willy Metzner=Köln und Paul Schäfer==Dortmund, die zuletzt in der Rheinlandhalle unentschieden kämpften. Auch dieses Mal war dies ein gerechtes Urteil, das Metzner seinen Titel weiter sichert. Zwar hat der Dortmunder Herz und ist ein seltener Draufgänger, doch mehr auch nicht, zumal der Kölner eine größere Reichweite besitzt und technisch besser ist. Der in allen Phasen interessante Kampf wurde oft von Beifallsstürmen unterbrochen. Im Schwergewichtskampf traten Müller=Köln mit 175 Pfund und Schönrath=Krefeld, der Titelhalter, mit 180,4 Pfund in den Ring. Beide werden stark applaudiert. Die erste Runde bringt beiderseitige Tastversuche. Ausfälle beider Boxer bringen nichts ein. Bei dem ersten besseren Schlagwechsel ertönt der Gong.— Die zweite Runde beginnt mit wildem Schlagwechsel. Schönrath sucht einen seiner„unwiderstehlichen“ Schwinger anzubringen, doch ist Müller auf der Hut. Schönrath kommt durch, doch bleibt der Kölner nichts schuldig.— Auch die dritte Runde bringt beiderseitige Schlagserien, bei denen Schönrath leicht im Vorteil ist.— Auch die fünfte Runde läßt Schönrath mit starken Kopf= und Gesichtstreffern im Vorteil erscheinen, doch hat Müller sich langsam umgestellt. Er arbeitet präziser, wenn auch seltener, während durch seine wirkungsvolle Deckung und Technik Schönraths Schläge meist verpuffen.— Die fünfte Runde wie die sechste lassen klar die kämpferische Ueberlegenheit Müllers erkennen, der besonders aus dem Elinch stark nachschlägt. Meist vergißt er jedoch das Nachsetzen. Schönraths blinde Draufgehversuche enden meistens in der Luft. Schönrath wird links und rechtsgetroffen und geht angeschlagen in die Pause.— Er scheint jedoch in der siebten Runde erholt, kann aber gegen Müllers Stechschläge nicht an.— Die achte Runde bringt den Krefelder wieder Erfolg, erst am Schluß kommt Müller wieder auf, der auch in der neunten Runde die Oberhand behält und auch im Nahkampf gut abschneidet.— Die zehnte Runde bringt ebenfalls Müller Punkte ein, die er durch gutes Kontern und blitzschnelle Haken erringt. Während dann die elfte Runde nochmal Schönrath Vorteile bringt, stehen die letzten Dreiminuten ganz im Zeichen des Kölners, der Schönrath derart zusetzt, daß er matt in den Seilen hängt. Das Kampfgericht stellt dann als neuen Deutschen Meister Müller=Köln vor. w. G. Der Ahnungslof:. —„Ja. in Berlin soll's schön sein. Ich bab da einen Bender. der wohnt in einer großen Straße, links von ihm int ein Kino und rechts ein Friseur. Das werd' i# ta dann leicht finden!“ „ Die Too=Bolarnöte Roman von Edward Stilgebauer Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. und Gerade in diesem Moment erschien der Boy meldete, daß Mister Wilkins und Fräulein Tochter den Herrn Grafen drunten in der Halle erwarteten. „Ich komme sofort!“ sagte Horst.„Das Zimmermädchen kann mit meinem Diener alles in Ordnung bringen, Portier, verstanden?“ „Zu Ihren Diensten, Herr Graf!“ Als Horst wieder in der Halle anlangte, rief ihm Violet entgegen: „Aber wie ungalant, Herr Graf, mich warten zu lassen! „Gnädigste entschuldigen tausendmal", antwortete er, „ich hatte nur eine Kleinigkeit in Ordnung zu bringen, ich habe mich in meinem Hotel nicht sonderlich wohlgefühlt und mich daher rasch entschlossen, ins Grand Hotel überzusiedeln!“ „Das ist aber ganz reizend!“ Bei diesen Worten warf Violet ihrem Vater einen Blick zu, in dem es wie das Leuchten der Siegesgewißheit aufzublitzen schien. „Sie haben sehr recht, Herr Graf, die billigsten Hotels sind immer die teuersten, weil man mit Erfahrungen zu bezahlen hat“ meinte der praktische Wilkins. Dann bestiegen sie zu oreien das elegante Auto des Weizenkönigs, und wie Horst mit seinen beiden neuen Bekannten so dahinfuhr, war es ihm plötzlich, als ob das gar nicht anders sein könnte. Eingehüllt in eine dichte Wolke feinen, weißen Kalkstaubes flitzte Mister Wilkins' Auto dahin. Bei dem Tempo, dessen sich der glattrasierte James Longwood, der heute steuerte, befleißigte, konnte natürlich von einem Genuß des einzigartigen Landschaftsbildes und der schönsten Landstraße der ganzen Riviera keine Rede sein. In seinem hellgelben Staubmantel, die große Brille auf der Nase, das Gesicht unter der Kapuze verborgen, die Lenkstange in der behandschuhten Rechten, sah der lange Longwood aus wie ein dem Schlund der Hölle selber entstiegener Dünnteufel. Das Auto, von dem Mister Wilkins in bezug auf Schnelligkeit und Solidität höchste Leistungsfähigkeit verlangte, war ein Renner. An Bequemlichkeiten hatte der sonst an jeden Komfort gewöhnte Mann bei Anschaffung dieses fauchenden Ungetüms sicher nicht gedacht. In ihm hatte Meister Longwood das Gordon=Bennetrennen gewonnen, hatte in ihm die Schnelligkeitsmeisterschaft der Vereinigten Staaten errungen, und das genügte, um dieses Auto in Mister Wilkins' Augen als unübertrefflich erscheinen zu lassen. Wie ein stöhnender, Feuer und Gestank ausspuckender Teufel raste das Ungestüm die von grauen, verkrüppelten Oliven und verstaubten Aloes bestandenen Felshänge an der sicheren Straße entlang. Das bereitete Mister Wilkins einen ungeheuren Spaß. Die gute Stimmung, in der Horst sich befunden, als er kurzerhand sein Zimmer im Hotel Colonies abbestellt und sich entschlossen hatte, ins Grand Hotel überzusiedeln. hob sich infolge dieser Autofahrt an Violets Seite und in Gesellschaft ihres Vaters noch um ein Beträchtliches. Ihm war in Gegenwart dieses Mannes, der von der hohen Warte seines offenbar unerschöpflichen Reichtums aus Welt und Menschen mit souveräner Verachtung betrachtete, als lägen Jahre zwischen dem, was gestern gewesen und was heute war. Das Auto fuhr langsamer. Bald hatte es mit dem Umweg über Nizza die kleine Hafenstadt Villefranche erreicht. Als der bestaubte Wagen am Meere hielt, klopfte Mister Wilkins seinem Chauffeur freundschaftlich auf die Schulter: „Well, Mister Longwood“, sagte er,„well, well, es ist gut.“ Dann gab er ihm den Auftrag, allein mit dem Auto nach Monte Carlo zurückzukehren, da er für die Rückfahrt das kleine, neben seiner Jacht in Villefränche verankerte Motorboot benützen wolle. „Eine Seefahrt, mein lieber Graf“, sagte er,„wird uns aach dem vielen Staub der Landstraße sehr zuträglich ein!“ Im Hafen von Villefranche erwartete ihn der Kapitän seiner Jacht, den er von Monte Carlo aus telephonisch beordert hatte. Das reizende Schiff trug den Namen „Violet" Horst hatte in seinem Leben schon viel Glanz und Luxus gesehen, in den vornehmen Palästen Wannsees und der Tiergartenstraße war er wie zu Hause gewesen. Und doch war es keine Verstellung und keine Schmeichelei, als er, nun die prachtvollen Kajüten, das Deck und die Kabinen der amerikanischen Jacht durchschreitend, in Rufe der Bewunderung und des Entzückens ausbrach. Violet bemerkte wohl, daß sein Erstaunen und sein Beifall einem aufrichtigen Herzen entsprangen. Und wie im Scherz kam es von ihren Lippen: „Erweckt diese Jacht in Ihrem Innern nicht die Lust, Herr Graf, uns einmal auf ihr nach Amerika zu begleiten?“ Horst geriet in Verlegenheit. Nach Amerika, wohin er noch vor zwei Tagen als Passagier dritter Kajüte auf der „Lombardia“ gewollt hatte— und nun auf dieser Jacht! „Sie scherzen, meine Gnädigste", erwiderte er.„Aber Ihr Scherz ist in diesem Falle bitter für unsereinen!" „Bitter?“ fragte Violet interessiert, und sah ihn lange fragend an. „Ja, bitter“, lautete Horsts Antwort,„am Ende sind Sie gar nicht dazu imstande, nachzuempfinden, welche Gefühle einen Bürger des alten und des engen Europa beschleichen, wenn man ihm auch nur im Scherz ein solch verlockendes Anerbieten macht! Auf dieser Jacht und in Ihrer Gesellschaft über den weiten Ozean nach Amerika, von dem mir Ihr Herr Vater schon in wenigen Worten und Andeutungen Wunderdinge gesagt hat, das ist ein Gedanke, dessen Schönheit gar nicht auszudenken ist und der einen selbst als Scherz wegen der Unmöglichkeit seiner Ausführung traurig macht.“ Mister Wilkins war den Worten Horsts voll Aufmerksamkeit gefolgt. „Wegen der Unmöglichkeit seiner Ausführung", wiederholte er ungläubig und schüttelte seinen Yankeekopf.„Unmöglich ist nur eines auf der Welt, Herr Graf!“ Fragend sah Horst ihn an. „Tote zum Leben zu erwecken, das ist unmöglich; aber solange wir atmen und gesund sind, ist noch alles möglich! Daß da aller Wille, alles Geld und alle Macht nicht helfen können, das habe ich einsehen gelernt, als mir die Autoritäten aller Erdteile versicherten, daß das Leiden meiner Frau, meiner heißgeliebten Annie, unheilbar sei——“ In einer Aufwallung des Mitgefühls drückte Horst ihm die Hand. Und der sagte ganz einfach: „Freilich, Violet, wir kennen ja die Reisedispositionen des Herrn Grafen nicht. Sonst würde ich mich keinen Augenblick besinnen, den Herrn Grafen für diesen Sommer einzuladen, auf Rhode Island unser Gast zu sein.“ Horst hielt es für klug, eine ausweichende Antwort zu geben, und so sagte er: „Dispositionen über meine Reise habe ich allerdings noch keine bestimmten getroffen, Mister Wilkins! Sie wohnen im Sommer auf Rhode Island, wenn ich richtig verstanden habe?" „Einen Teil des Sommers oder vielmehr des Frühlings, Herr Graf! Leider erlauben es mir meine Geschäfte nicht, das ganze Jahr von Milwaukee fern zu sein. Im Hochsommer, in den Zeiten der Ernte, bin auch ich an die Scholle gebunden, wenn die Händler nach Milwaukee kommen, um mit mir abzuschließen. Aber in den Frühlingsmonaten wohne ich auf Rhode Island. Es wäre ja wohl an der Zeit, daß ich mich von den Geschäften zurückzöge, aber ich habe eben nur eine Tochter, und den richtigen Nachfolger, zu dem ich das Vertrauen fassen kann, ihm die Resultate meines Lebens zu überlassen, den habe ich eben noch nicht gefunden!" Es war ein ganz seltsamer Ton, in dem der Amerikaner diese Worte sprach. Violet blickte vor sich hin. Wilkins wandte sich an den Kapitän, der die Herrschaften bei der Besichtigung des Schiffes begleitet hatte. „Sagen Sie, Mister Seyrmour, Sie haben doch den „Delphin“ in Bereitschaft? Wir wollen mit dem Motorboot nach Monte Carlo zurückfahren. „Wie Sie angeordnet haben!“ „Schön!— Und was halten Sie vom Wetter?“ „Tadellos! Das bißchen Westwind wird der Schnelligkeit der Rückfahrt nur zustatten kommen.“ „Und wen haben Sie für diese Fahrt bestimmt?“ „Die Matrosen Linston und Black!“ „Dann wollen wir sofort weiterfahren, Mister Seyrmour, damit wir noch rechtzeitig zum Diner in Monte Carlo zurück sind!“ „Ganz nach Ihren Befehlen!“ Der Kapitän setzte die Pfeife an den Mund. Nachdem er das Zeichen gegeben, dauerte es keine zwei Minuten. daß sich das kleine Motorboot vom Ufer löste und zur Jacht herangefahren kam. Sie hatten eine herrliche Rückfahrt. Als die Reede von Monaco wieder erreicht war, mußte man sich beeilen. Das Diner im Grand Hotel wurde um sieben Uhr serviert, und der Beginn der Oper war auf halb neun Uhr anberaumt worden. Monte Carlo hatte heute einen großen Tag. Ein berühmter Dirigent aus Paris dirigierte zum ersten Male Puccinis Oper:„Das Mädchen aus dem goldenen Westen.“ Schon während des Diners war zwischen Horst und Violet von diesem Werke in scherzhaften Wendungen die Rede gewesen. Von dem Inhalt der Oper hatten die beiden noch keinerlei Ahnung. Nur der Titel interessierte sie. Auch Wilkins hatte verständnisvoll vor sich hin gelächelt, als der Graf während des letzten Ganges sich dahin äußerte: „Ich bin sehr gespannt, meine Gnädigste, ob heute abend das Mädchen aus dem goldenen Westen eine entfernte Aehnlichkeit mit Ihnen hat?“ hatte alles auf das beste besorgt. Jetzt wartete Horst in der Halle auf Violet und deren Vater, mit denen er die Oper besuchen wollte. Vor dem Portal des Grand Hotels hielt das schicke Elektromobil, dessen sich Wilkins für kleine Fahrten innerhalb des Städtchens und kürzere Touren zu bedienen pflegte. Wilkins und seine Tochter kamen die große Freitreppe des Hotels herab. Ein kostbarer, schneeweißer Hermelinmantel mit schwarzen Schwänzchenfransen umhüllte die geschmeidige Gestatt der kleinen Amerikanerin, als sie eben an der Seite des Vaters die Marmorstufen hinunterging. Mit einem Blick aufrichtiger Bewunderung maß sie Horst. In einem breiten Knoten hatte Violet ihr reiches, goldblondes Haar rückwärts aufgesteckt. Ein Reif aus wunderbaren, gleichgroßen Diamanten hielt es zusammen. Eine ausgewählte Aigrette aus Paradiesvogelfedern bildete die Krönung. Mit einer leichten Beugung des Kopfes und einem liebenswürdigen Lächeln grüßte Horst die Lady, an deren Glanz und Pracht sich sein verwöhntes Auge weidete, von deren Besitz ihm sein Herz und vor allem sein kluger und berechnender Verstand schon wie aus weiter Ferne zu raunen begannen. In einer Minute hatten sie das Portal des Kasinos erreicht. Aber reichlich eine Viertelstunde dauerte es, bis sie glücklich freie Vorfahrt hatten, denn nicht nur ganz Monte, auch ein gut Teil der Gäste von Mentone, Nizza und Cannes drängten sich zu dem Ereignis. Obwohl er so viel in den ersten Kreisen Berlins herumgekommen, eine Pracht, wie sie sich eben im Atrium des Kasinos entfaltete, hatte Horst bislang nicht für möglich gehalten. Die Reichsten aus Paris, Brüssel, Amsterdam, London und Amerika schienen sich hier zusammenzufinden, in dem einzigen Wunsche, einander zu überbieten. Je weiter die Stunde vorrückte, desto dichter drängte diese Menschenschar in die Halle des Kasinos. Während Violet ablegte, machte sich Horst ein Vergnügen daraus, einzelne dieser Damen des Näheren zu betrachten. Da fiel ihm eine überschlanke Brünette in die Augen, der Typ süditalienischer Schönheit, die eben an der Seite eines ein Monokel tragenden Dandys erschien. Sie ließ den hellgelben Damastmantel, dessen Kragen ein kostbarer Blausuchs bildete, gerade sinken. Wie ein Panzer legte sich die Robe aus weißer und grüner Seide, die über und über mit Perlen und Steinen bestickt war, um ihren feinen Körper. Doch schon traf sein Auge wieder eine Zweite und Dritte. Sollte er der in rosa Tüll, die wie die Fee im Kindermärchen dahergeschwebt kam, den Vorzug geben, oder der dicht neben ihr Stehenden, deren Kostüm aus Silberbrokat wie das vom Vollmond überstrahlte Meer gleißte und blinkte? Ganz in seine Umgebung versunken, vernahm er da Violets Stimme:„Kommen Sie, Herr Graf!“ An ihrer Seite schritt er nach dem Eingang des Theatersaals. Um Violets weißen Hals gewahrte er eine Schnur Perlen, eine wie die andere von der gleichen Größe, und der schneeige Nacken des jungen Mädchens stieg aus einem Duft weißer Spitzen empor. Ein weiter, offener Mantel aus blauem Schleierstoff wallte über Violets Schultern, mit Silberkränzen durchwirkt und von Silberfransen umsäumt. Er fiel über eine kostbare weiße Seidenrobe, die den wundervollen Bau dieser achtzehnjährigen Mädchenknospe verriet. Wilkins bemerkte wohl, daß die Erscheinung seiner Tochter in diesem erst gestern aus Paris angekommenen Kleide ihren Eindruck auf den Grafen nicht verfehlte. Als sie zu dreien die Loge betraten, richteten sich zahllose Operngläser des Parketts auf sie. Die Rivieragäste kannten Mister Wilkins, und neugierig wandte sich der eine und der andere mit der Frage an seinen Nachbar, wer denn wohl der fremde Kavalier sein könne, der heute der Einladung in die Loge des Weizenkönigs gewürdigt worden war. Horst nahm das Glas zur Hand und betrachtete sich das Publikum. Es war ihm aufgefallen, daß eine junge Dame drunten im Parkett länger als all die anderen das Glas auf ihn gerichtet hatte und ihn immer wieder aufs neue aufs Korn nahm. Er wollte sich denn doch überzeugen, wer das sei. Seine Ahnung bestätigte sich. Das war niemand anders als Alice, die dort unten in Gesellschaft ihrer Eltern und des Herrn saß, der heute mittag zusammen mit der Familie Feldberger an einem Tische gespeist hatte. Nun, da er jetzt im Grand Hotel wohnte, würde ja eine Begegnung, so peinlich sie auch sein mochte, nicht zu vermeiden sein, dachte er. Aber seinen spontanen Entschluß, trotz allem in das Grand Hotel überzusiedeln, bereute er nicht. Die Oper gefiel Horst ganz und gar nicht. Sie erschien ihm kitschig, hintertreppenhaft. Aber Violet war begeistert. „Herrlich, herrlich!“ rief sie ein über das andere Mal. Horst lächelte. Wilkins erhob sich. Der Graf und Violet folgten. „Für den Spielsaal ist es heute zu spät geworden“, sagte jetzt Wilkins,„es ist beinahe zwölf Uhr und die Säle werden eine halbe Stunde vor Mitternacht geschlossen! Aber wenn es Ihnen recht ist, gehen wir noch ein Stündchen in das Café de Paris.“ Im Atrium des Kasinos drängten sich wieder die Menschen, die Besucher der Oper, die das Theater verließen, Neugierige, die gekommen waren, eine Toilettenschau abzuhalten, und die letzten Gäste der gerade geschlossenen Spielsäle. Horst bahnte Wilkins und Violet den Weg zu der Garderobe. Endlich war man wieder in seinen Mantel geschlüpft. „Wir gehen wohl die paar Schritte zu Fuß?“ fragte Wilkins seine Tochter galant „Aber selbstverständlich, Papa“ erwiderte Violet. Der Groom, der an der Seite des Chauffeurs das Wilkinssche Elektromobil zu begleiten hatte, stand schon, die Mütze in der Hand, am Portal, als Wilkins aus dem Kasino heraustrat. „Mister Longwood kann in die Garage zurückfahren Tobby.“„ Horst war am nächsten Tage schon in früher Morgenstunde wieder auf den Beinen. Im Hotel war es noch still. Das wundervolle Wetter veranlaßte ihn, sofort hinaus ins Freie zu treten und dem Kellner die Weisung zu erteilen, ihm hier das Frühstück zu servieren. Auf der prächtigen, mit Windschirmen und Zelten gegen den Zug, der immer vom Meere herwehte, geschützten Terrasse waren fast noch alle Tische frei. Fortsetzung folgt.