Sdmuden Lohue nichetn uichenich loche ud. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Mark, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21 874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schrifheitung H. Liner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anz Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Zeitung Anzeige preise für d.e achtgespat. mmreie o Pfg, Auswärtige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pfg., 2iettamezeile 40 Pf: Ii telefon. aufgegedene Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvordergesehn. Betriedestbrungen, hervorgerusen durch höhere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewäbr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboben werden Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn 63. Jahrgang Die neue Reichsrangtt, Pohhlittillig, irn Ttach te krr en b Berlin, 30. Dez. Anläßlich der Ueber„.„4s Sem wtb. Berlin, 30. Dez. Anläßlich der Uebersiedlung der Reichskanzlei in den Neubau Wilhelmstraße 78 fand heute vormittag eine Presseführung durch die neuen Räume statt. Staatssekretär Dr. Pünder begrüßte die Vertreter der Berliner und auswärtigen Presse und schildete noch einmal in kurzen Worten die Entwicklungsgeschichte dieses Neubaues. Für den Bau selbst sind grundsätzlich nur inländische Baustoffe verwandt worden. Obwohl die endgültige Abrechnung über den Neubau noch nicht vorliegt, kann schon jetzt festgestellt werden, daß sich bei ihm die ursprünglich beschlossenen Einsparungen nicht nur nicht verringern, sondern höchstwahrscheinlich um eine reitere, nicht unbeträchtliche Summe erhöhen werden. Die Räume im alten Reichskanzlerhaus werden nur zum Teil der Dienstwohnung des Reichskanzlers zugeschlagen werden. Ferner werden die im Erdgeschoß des alten Reichskanzlerhauses bisher von der Reichskanzlei innegehabten Diensträume für die nächste Zeit von der Oststelle bezogen. In den freiwerdenden beiden Erdgeschoßräumen, die seiner Zeit der Altreichskanzler Fürst Bismarck dienstlich in Gebrauch hatte, soll ein Bismarckmuseum eingerichtet werden. Generalkündigung für 295,000 Bergarbeiee—. Die Verhandlungen in Essen gescheitert— Neue Verhandlungen am 7. Januar?— Die Zechenbesitzer sordern noch 8 Proz., die Gewerkschaften wollen 4 Proz. Lohnsenkung zugestehen Der Aktieninder wtb. Berlin, 30. Dez. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex(1924—1926 gleich 100) stellt sich für die Woche vom 22. bis 27. Dezember 1930 auf 85,0 gegenüber 85,8 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 78,9(79,6), Gruppe verarbeitende Industrie auf 74,4(75,5) und Gruppe Handel und Verkehr auf 109,0(110,0). Die Lebenshaltungskosten wtb. Berlin, 30. Dez. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstiger Bedarf) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Dezember 1930 auf 141,6 gegenüber 143,5 im Vormonat. Sie ist somit um 1,3 Prozent zurückgegangen. An dem Rückgang sind alle Bedarfsgruppen außer der Wohnung beteiligt, und zwar sind zurückgegangen die Indexziffern für Ernährung um 2.0 Prozent auf 134,8, für Heizung und Beleuchtung um 0,9 Prozent auf 151,1 für Bekleidung um 3,1 Prozent auf 149,8, für sonstigen Bedarf um 0,5 Prozent auf 188,8. Die Indexziffer für Wohnung ist um 0,5 Prozent auf 131,3 gestiegen. Von den Untergruppen der Ernährung haben nur die Eier im Monatsdurchschnitt im Preise saisonmäßig angezogen. Die gescheiterten Verhandlungen. wtb. Essen, 30. Dez. Die zwischen dem Zechenverband und den Bergarbeiterverbänden unter dem Vorsitz des Schlichters Professor Brahn geführten Verhandlungen sind ergebnislos verlaufen. Damit ist das eingeleitete Schlichtungsverfahren beendet und es tritt am 1. Januar 1931 hinsichtlich der Lohnregelung im Ruhrbergbau ein tarifloser Zustand ein. Die Zechen sind deshalb gezwungen, ihren Belegschaften zum nächstmöglichen Termin zum 15. Januar 1931, zwecks angemessener Senkung der Löhne zu kündigen. Ein Bericht von Gewerkschaftsseite. wtb. Essen, 30. Dez.(Tel.) Zu dem Scheitern der Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau wird uns von Gewerkschaftsseite mitgeteilt, daß der bekannte Standpunkt der Gewerkschaften, eine Kohlenpreisermäßigung könne auch ohne Lohnherabsetzung durchgeführt werden, auch in diesen Verhandlungen stets betont worden sei. Der Schlichter griff vermittelnd ein, indem er versuchte, den Zechenverband von der Forderung des 12prozentigen Lohnabbaues abzubringen. Gleichzeitig trat er an die Gewerkschaften heran, daß auch diese im Interesse einer Regelung Zugeständnisse machen müßten. Die Gewerkschaften erklärten sich zu diesen bereit, doch wurden ihre Vorschläge von den Zechenbesitzern als nicht geEgrichner., Da eine Emnigu.,0. F.. Jguug. noch einander näher zu bringen, damit eine Einigung auf der mittleren Grundlage von etwa 6 Prozent herbeigeführt werden könnte. Damit sind die Verhandlungen für den Augenblick auf dem toten Punkt angelangt. Der Schlichter war nicht in der Lage, allein einen Spruch zu fällen, da das Reichsarbeitsgericht vor zwei Jahren im Falle der Nordwestlichen Gruppe entschieden hat, daß nur Schiedssprüche, die von einer Mehrheit gefällt worden sind, verbindlich erklärt werden können. Es ist anzunehmen, daß das Reichsarbeitsministerium zunächst abwartet, wie die für den 7. Januar angesetzten Verhandlungen ausgehen. Ein Schiedsverfahren analog dem, wie es bei dem Konflikt in der Berliner Metallindustrie angewandt wurde, kommt zunächst nicht in Frage. Man erinnert sich, daß damals das Schiedsgericht, das aus dem früheren Reichsarbeitsminister Brauns, Oberbürgermeister Jarres und Prof. Sinzheimer bestand, einen Spruch fällte, der sich von dem des Schlichters nicht erheblich unterschied. Diese Entscheidung war von Arbeitgeberseite heftig angegriffen worden, und so dürften denn für die Anwendung eines ähnlichen Verfahrens bei dem Ruhrkonflikt in der Arbeiterschaft die psychologischen Voraussetzungen fehlen. Zweifellos bedeutet der Ausgang der heutigen Verhandlungen und die Kündigung der Gedinge durch die Arbeitgeber eine Verschärfung der Lage, zumal in der Arbeiterschaft auch Streikströmungen vorhanden sind. Im Augenblick aber kann man nur die Entwicklung abwarten. Die entscheidende Wochwird die vom 7. bis zum 15. Januar sein. Ein Aufruf der Vergarbeiterverbände wtb. Essen, 30. Dez. Die vier Bergarbeiterverbände des Ruhrbezirks haben anläßlich des Scheiterns der Lohnverhandlungen folgenden Aufruf an die Bergarbeiter des Ruhrbezirks erlassen:. Landlungen ühar di. „Die Schlichtungsvergandlungen über die von den Zechenbesitzern geforderte zwölfprozentige Lohnkürzung sind gescheitert. Der Zechenverband gibt bekannt, daß die Grubenverwaltungen des Ruhrbergbaues nunmehr die Kündigung aller Arbeitsverträge zum 15. Januar 1931 aussprechen werden, um die geplante Lohnkürzung zu erreichen. Wir fordern hiermit alle Bergarbeiter auf. keine neuen Arbeitsverträge mit gekürzten Löhnen abzuschließen. Es gilt jetzt, einig und geschlossen zusammenzustehen. Nur den Anordnungen der unterzeichneten Bergarbeiterverbände ist Folge zu leisten. Staatskommissare zur Gemeindesteuern Staatskominissar für Wuppertal ernannt nügend bezeichnet. Da eine Einigung trotz größ= wp. Wuppertal, 30. Dez. Die Regierung in ter Bemühungen des Schlichters nicht zustande Düsseldorf hat nach Ablehnung der städtischen sich dieser gezwungen die Verhandlun Steuervorlagen einen Staatskommissar für die kam, sah u, wiesetr vegtrungen, die Verhandlungen abzubrechen, da er den Bergarbeitern einen 12prozentigen Lohnabbau nicht zumuten und die Verantwortung dafür nicht übernehmen könne. Von der zum 15. Januar 1931 von den Zechenbesitzern ausgesprochenen Generalkündigung werden 295000 Bergarbeiter betroffen. Neue Verhandlungen am 7. Januar? enb. Berlin, 30. Dez.(Eig. Meldung.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, werden die Verhandlungen über die Lohnsenkung im Ruhrbergbau, die heute ergebnislos abgebrochen werden mußten, am 7. Januar fortgesetzt werden. Dieser Termin ist im Einvernehmen beider Parteien bestimmt worden. Man will also noch einen letzten Versuch machen, um zu einer Einigung zu gelangen. Aus den bisherigen Verhandlungen muß man den Eindruck haben, daß die Gewerkschaften bereit wären, einer vierprozentigen Lohnkürzung zuzustimmen, während die Zechenbesitzer ihre Forderung von 12 Prozent bereits auf 8 Prozent ermäßigt hätten. Der Schlichter hat sich offenbar bemüht, die Parteien Steuerborlagen einen Staatskommissar für die Stadt Wuppertal ernannt. Der Staatskommissak, über dessen Ernennung noch eine amtliche Erklärung erfolgt, wird zur Beseitigung des Wuppertater Defizits, wie wir aus guter Quelle erfahren, die Steuererhöhungen in dem von der Stadtverwaltung beantragten, von den Stadtverordneten jedoch abgelehnten Umsange durchführen. Zwei Staatskommissare für Bieleseld wtb. Bielefeld, 30. Dez. Mit der Begründung, daß die Stadt Bielefeld die zur Deckung des Fehlbetrages im städtischen Haushalt, insbesondere die zur Erfüllung der Aufgaben auf dem Gebiete der Fürsorge notwendigen Steuererhöhungen und neuen Steuern nicht beschlossen habe, sind vom Regierungspräsidenten in Minden als Staatskommissar für den Magistrat Regierungsrat Reinighaus in Minden und als Staatskommissar für die StadtverordnetenDeutsufesterreichtsche Berikuge Handelsvertrag und Vertrag über Sozialversicherung mit dem Deutschen Reich vom österr. Bundesrat genehmigt wtb Wien, 31. Dez.(Funkspruch.) Der Bundescat hat gestern den Handelsvertrag mit Deutschland und die damit zusammenhängenden Uebereinkommen betr. den Kleinen Grenzverkehr und die Rechtshilfe in Zollsachen, sowie das Ausführungsgesetz dazu(Berichterstatter Dr. Hugelmann) und den Vertrag mit dem Deutschen Reiche über Sozialversicherung(Berichterstatter Dr. Hemala) ohne Einspruch genehmigt. Dr. Hugelmann verwies in seinem Referat auf den bedeutenden Fortschritt, den das vorliegende Vertragswerk darstelle, und betonte, ein Teil der besonders in agrarischen Kreisen erhobenen Bedenken sei durch einen Schriftwechsel beseitigt worden, der über die Auslegung des Abkommens über den kleinen Grenzverkehr zwischen den beiderseitigen Regierungen stattgefunden hat. Der Berichterstatter trat der weit verbreiteten Meldung entgegen, als ob das erste Genfer Protokoll einer Ausgestaltung des wirtschaftlichen Verhältnisses Oesterreichs zum Deutschen Reiche, sei es nach einem Präferenzzollsystem, sei es in Gestalt einer Zollunion, im Wege stünde. Bei der seinerzeitigen Beratung über dieses Genfer Protokoll im Bundesrat haben die Sprecher der Mehrheit, insbesondere aber der damalige Referent und der damalige Außenminister, im Ausschuß ausdrücklich eine Auslegung abgelehnt, als ob dieses Genfer Protokoll über Artikel 28 des Friedensvertrages noch hinausginge. Aber auch ganz allgemein betrachtet, könne durch eine Zollunion oder durch Präferenzzölle die Unabhängigkeit eines Staates niemals gefährdet werden. Es sei wohl der einmütige Wunsch des Bundesrats, daß dieser Vertrag doch wieder nur ein Anfang sein möge, um die handelspolitischen Verhältnisse zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich auf einer Grundlage zu regeln, die, wie es das Völkerbundkomitee erklärt hat, den ethnischen, geschichtlichen und geographischen Zusammenhängen zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich entspricht. Sollte es auf lange Zeit bei diesem Vertrage bleiben müssen, dann sollte durch einen Notenwechsel zwischen den beiden Regierungen die sogenannte Notstandsklausel festgelegt werden. Schöner und besser aber wäre es, wenn der Weg zu einem Ausbau der handelspolitischen Verhältnisse zwischen den beiden Staaten begangen würde, wie er zwischen Staaten am Platze ist, die von einem Volke bewohnt werden, und die durch tausendjährige Geschichte, durch vergossenes Blut und durch gemeinsam getragene Leiden verbunden sind. versammlung Oberregierungsrat von Löbbecke ernannt worden. Der Staatskommissar für den Magistrat hat sofort im Aussichtswege für das Jahr 1930 die Einführung der Bürgersteuer, sowie mit Wirkung ab 1. Januar 1931 die Erhöhung der Biersteuer auf das Doppelte und die Erhebung einer Gemeindegetränkesteuer verfügt. Die erforderlichen Genehmigungen des Bezirksausschusses und des Oberpräsidenten sind der Verordnung beigefügt. Staatskommissare für Harburg=Wilhelmsburg wtb Harburg=Wilhelmsburg, 31. Dez.(Funkspruch.) Mit Einverständnis und auf Antrag des Oberbürgermeisters Dr. Dudek sind für Harburg=Wilhelmsburg zwei Staatskommissare ernannt worden, und zwar Oberregierungsrat Dr. Halbrock für den Magistrat und Regierungsrat Dr. Goßmann für das Bürgervorsteherkollegium. Die Einsetzung der Staatskommissare ist darauf zurückzuführen, daß die im Dezember von den städtischen Kollegien gefaßten Beschlüsse zur teilweisen Deckung des Defizits nicht die Billigung der Regierung in Lüneburg gefunden haben. Aebersun auf Malnzer Kassendeten Die Räuber erbeuten 90 000 Mark und entkommen im Auto wp. Mainz, 30. Dez. Heute vormittag wurde in der Nähe des Reichsbankgebäudes in der Gerichtsstraße ein verwegener Straßenraub ausgeführt. Zwei Angestellte der Mainzer Volksbank hatten von der Reichsbank Ultimogelder im Betrage von 90000 RM abgehoben. In der Nähe des Gerichtsgebäudes drangen plötzlich aus einem Personenauto zwei mit Revolverk bewaffnete Personen und entrissen dem einen Angestellten die Aktenmappe mit dem Geld. Während einer der Räuber mit dem Gelde im Auto verschwand, gab der zweite auf mehrere Verfolger zwei Revolverschüsse ab, die aber zum Glück fehl gingen. Das Auto fuhr mit großer Geschwindigkeit davon. Wie wir zu dem Raubüberfall noch hören, sind auch die Boten nicht verletzt worden; die Räuber haben anscheinend nur einen Schreckschuß abgegeben. Der Wagen der Räuber nahm seinen Weg durch die Rheinstraße in Richtung Worms und nicht, wie ursprünglich gemeldet, über die Straßenbrücke. Ein Polizeiauto, das die Verfolgung aufgenommen hatte, verlor jedoch am Holzturm im Gedränge des Verkehrs die Spur. Die Verfolgung wurde fortgesetzt, doch ist das Ergebnis derselben noch nicht bekannt. wp. Mainz, 30. Dez. Der von den Bankräubern benutzte Wagen ist eine dunkelblau lackierte Mercedes=Benz=Limousine mit schwarzen Kotflügeln und Linkssteuerung. Die Innenpolsterung ist grau. Der Wagen ist am 28. Dezember einem Kaufmann in Wuppertalgestohlen worden. Im Wagen befanden sich die Ausweispapiere der Firma Köhler u. Bovenkamp in Wuppertal=Barmen. Die Täter haben die Beamten der Volksbank offenbar schon in der Reichsbank beobachtet, als diese das Geld abhoben, sind ihnen dann im Auto gefolgt und haben den Schlag an einer weniger belebten Straße, in der Nähe des Gerichtsgebäudes, ausgeführt. Der eine Täter sprang aus dem Wagen und bemächtigte sich der Aktenmappe mit dem Gelde, während der zweite am Steuer des Autos saß. Als ein Vorübergehender auf den Räuber losgehen wollte, gab der am Steuer Stzende einen Schuß ab und die dadurch entstehende Verwirrung benutzten beide, um in voller Fahrt das Weite zu suchen. AUeber die Person der Täter war bis zum Nachmittag noch nicht bekannt. wp. Vonn, 31. Dez.(Tel.) Gestern abend wurde der hiesigen Kriminalpolizei mitgeteilt, daß das Auto, mit dem die Mainzer Bankräuber nach dem Ueberfall Mainz verlassen hatten, in Bonn vor einem Kaffeehaus stehe. Die Polizei riegelte sofort das ganze Viertel ab, jedoch waren die Täter, durch die inzwischen angesammelte Menschenmenge aufmerksam geworden, beim Eintreffen der Polizei bereito verschwunden. Sie hatten sich nur ganz kurze Zeit in dem Café aufgehalten. Das Auto wurde von der Kriminalpokkzei beschlagnahmt. „Warnung- nicht Drohung“ enb. Berlin, 31. Dez.(Funkspruch.) Die Germania beschäftigt sich unter der Ueberschrift „Nicht Drohung, Warnung!“ mit dem Echo, das das Vorwort des Prälaten Kaas zu dem Buche über die deutsche Außenpolitik gefunden hat. Das Blatt schreibt: Prälat Kaas hat das deutsche Volk mit einem Simson verglichen, dem man zwar seine Kraft genommen habe, der aber eines Tages sehr wohl wieder stark werden und die Philister unter den Trümmern des Gebälks begraben könne. Es ist keine Drohung, sondern eine Warnung vor Kräften, die sich heute in Deutschland zu regen beginnen und gegen die alle gemäßigten Politiker der Mitte heute Front zu machen suchen. Polizeikosten mit Zinsen für Thüringen enb. Berlin, 30. Dez.(Eig. Meld.) Das Reich hat, wie der„Lokalanzeiger“ berichtet, dem Lande Thüringen an Polizeikosten bis einschließlich Januar 2123000 RM überwiesen. In dieser Summe sind die Zinsen noch nicht einbegriffen, jedoch besteht Einigkeit darüber, daß diese gezahlt werden. Die Summe der Zinsen soll nach mündlicher Rücksprache in Berlin errechnet werden. AUrdens und Seharumpfe Keiserei im Lörracher Stadtrat Der Gummiknüppel im Bürgerausschuß(Stadtrat) der badischen Stadt Lörrach. wtb Lörrach, 30. Dez. Die gestrige Sitzung des neugewählten Bürgerausschusses, der sich mit der Bier= und Gemeindegetrankesteuer zu befassen hatte, verlief sehr stürmisch. Als der Stadtverordnetenobmann die Stellungnahme des Stadtverordnetenvorstandes bekanntgeben wollte, verhinderten die Kommunisten dies durch Lärm und Zwischenrufe. Zwei kommunistische Stadträte und der kommunistische Stadtverordnete und Reichstagsabgeordnete Chemnitz wurden aus dem Saale verwiesen. Da sie der Ausweisung nicht Folge leisteten, wurden sie mit Polizeigewalt aus dem Saale entfernt. Dabei entwickelte sich zwischen Kommunisten und Polizei eine Schlägerei, bei der der Gummiknüppel und Stühle eine Rolle spielten. Erst nach vorübergehender Unterbrechung der Sitzung gelang es, die Ruhe wieder herzustellen. Die Abstimmung ergab die Annahme der Vorlage mit 41 gegen 41 Stimmen, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gab. wtb Paris, 31. Dez.(Funkspruch.) Ueber den Zustand des Marschalls Joffre wird mitgeteilt, daß die seit Dienstag früh verzeichnete Besserung anhält, daß jedoch alle ärztlichen Voraussagen angesichts des hohen Alters des Kranken weiterhin außerordentlich zurückhaltend lauten müssen. Ein Franzose über die Stimmung in bruisahsalte wtb. Paris, 30. Dez. Jacques Kayser, Redakteur der radikalen Zeitung„La Republique“, des Organs Daladiers, hat sich einige Wochen in Deutschland aufgehalten und berichtet jetzt über seine Eindrücke. In seinem heutigen Artikel führt er aus, daß er in Deutschland in der Frage der deutsch=französischen Einigung den guten Willen festgestellt, der bei dem einen vom Gefühl, bei dem anderen von ihren Interessen diktiert sei, und den man in Frankreich nicht entmutigen dürfe. Ueberall in Deutschland erkläre man, daß man zur Annäherung bereit sei, aber Frankreich sei es, das sie nicht wolle. Deutschland könne sich die Annäherung nur in Form gewisser Abänderungen am gegenwärtigen Stand der Dinge vorstellen, und die Deutschen seien der Ansicht, daß das offizielle Frankreich lediglich bereit sei, die Annäherung unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung und Festigung des status quo zu betrachten. Deutschland sei der fordernde, Frankreich der ablehnende Teil. Ein Ausgleich, so schließt Kayser, könne also nur erfolgen, wenn Frankreich sich bereit finde, seine negative Haltung aufzugeben und Deutschland einen Schritt entgegenzukommen. Anscylag auf die mandschurische Eisenbahn wtb Schanghai, 30. Dez.(Tel.) Am vergangenen Samstag haben Räuber einen Zug der südwestmandschurischen Eisenbahn zum Entgleisen gebracht und ausgeplündert. Durch die Entgleisung, die einen Brand zur Folge hatte, wurden acht Personen getötet und 40 verletzt. 20 Reisende wurden als Geiseln entführt. Blinde Passagtere vor dem Schnellrichter wtb Hamburg, 30. Dez.(Tel.) Von Bord des Dampfers„George Washington“ der United States Lines hatte man dieser Tage in Newyork vier blinde Passagiere, junge Portugiesen, geholt, die sich nach Amerika hinüberschmuggeln wollten. Die vier hatten sich am Dienstag vor dem Schnellrichter zu verantworten. Sie sind nach ihrer Darstellung das Opfer eines skrupellosen Agenten geworden, der sich von ihnen 1200 Dollar zahlen ließ und vorgab, sie dafür ohne die für die Einreise notwendigen Formalitäten hinüberbefördern zu können. In Hamburg habe er sie an Bord gebracht, ihnen zerrissene 7 Prozent Lohnsenkung in der rechtsrheinischen Errimnrantie Wuppertal, 31. Dez. Der Staatliche Schlichtungsausschuß für das Bergische Land in Wuppertal fällte unter dem Vorsitz des Beig. Dr. Bragard nach über 14 stündiger Verhandlung am Dienstagabend einen Schiedsspruch über die Löhne in der Textilindustrie des rechtsrheinischen Bezirks. Danach werden vom 16. Januar 1931 ab die Lohnsätze um 7 Prozent gesenkt. Es mindert sich mithin der Lohn des reinen Zeitlöhners, männlich, von 68 auf 63 Pfennig, weiblich von 52,5 auf 49 Pfennig. Die Regelung gilt zunächst bis 15. Juli 1931. Erklärungsfrist bis 7. Januar.— Dieser Schiedsspruch betrifft ein Gebiet mit über 45 000 Arbeitnehmern. Arbeitszeitkürzung bei der Stadt Berlin Ab 12. Januar 44stündige Arbeitswoche. wtb. Berlin, 30. Dez.(Eig. Meld.) Der Magistrat von Berlin hat auf Grund einer Vereinbarung mit den Vertretern der Arbeitnehmerschaft mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Notlage die Einführung der 44stündigen Arbeitswoche für die städtischen Arbeiter der Kämmerei= und Regiebetriebe von Montag, 12. nuar, ab angeordnet. Darüber hinaus ist bestimmt worden, daß in Schichtwechselbetrieben nötigenfalls die 42stündige Arbeitswoche einzuführen ist. Die Durstführung der Anordnung im einzelnen soll unter Wahrung der betriebswirtschaftlichen Interessen erfolgen. Die Herabsetzung der Arbeitszeit geschieht zur Vermeidung von Entlassungen, wie auch um die Beschäftigung von Wohlfahrtsunterstützungsempfängern in den städtischen Betrieben zu ermöglichen. Sämtlichen städtischen Gesellschaften, also vor allem den Werken und der Berliner Verkehrsgesellschaft ist die Einführung der gleichen Arbeitszeitregelung anempfohlen worden. Kündigung der Angestellten auch bei nicht reichseigenen Eisenbahnen wtb Berlin, 30. Dez. Die mehrtägigen Verhandlungen, die der Arbeitgeberverband der Deutschen Straßenbahnen, Kleinbahnen und Privateisenbahnen e. V. mit den Gewerkschaften über den Neuabschluß eines Tarifvertrages für die Angestellten der nicht im Besitz des Reiches befindlichen Eisenbahnen(mit Ausnahme der Straßenbahnen) geführt hat, haben nicht zu einer vollständigen Einigung geführt. Die Parteien konnten sich nur hinsichtlichder allgemeinen Arbeitsbedingungen(Arbeitszeit, Urlaub und Krankenlohn) einigen, nicht aber über die Besoldung und Nebengebühren. Der Arbeitgeververband der Deutschen Straßenbahnen, Kleinbahnen und Privateisenbahnen hat nunmehr unter Währung der durch das Kündigungsgesetz bedingten Frist die allgemeine Kündigung der Angestellten vorsorglich zum 30. Juni 1931 ausgesprochen. Die Parteien haben ein Schlichtungsverfahren vereinbart, das im Laufe des Januar durchgeführt werden wird. Drohende Arbeitseinstellung im Waliser Kohlenbergbau wtb London, 30. Dez.(Tel.) Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Kohlenbergbau von Südwales sind in ihrer heute vormittag abgehaltenen Besprechung zu keiner Einigung gelangt. Die Arbeitnehmer werden im Laufe des Nachmittags über Einstellung oder Fortsetzung der Arbeit beschließen. wtb London, 31. Dez.(Funkspruch.) Die Bergarbeiter von Südwales haben beschlossen, die Bedingungen der Arbeitgeber abzulehnen. Maschinistenanzüge gegeben und die sonstige Kleidung abgenommen, um sie ihnen später nachzusenden. Das Schnellgericht erkannte wegen Hausfriedensbruchs auf je eine Woche Haft, nach deren Verbüßung sie, die Betrogenen, nach Portugal abgeschoben werden sollen. Haftentlassung dreier Bombenattentäter wtb Altona, 30. Dez.(Tel.) In dem Strafverfahren gegen Hein und Genossen wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz hat die Strafkammer des Landgerichts Altona im Haftprüfungstermin heute die Haftbefehle gegen die Angeklagten Vieck, Lohmann und Becker aufrecht erhalten, aber beschlossen, diese Angeklagten gegen Sicherheitsleistung mit der weiteren Untersuchungshaft zu verschonen. Die drei Angeklagten sind demgemäß am 24. Dezember aus der Haft entlassen worden. Wegen der Verschonung mit der Untersuchungshaft hat die Staatsanwaltschaft gegen den Beschluß der Strafkammer Beschwerde eingelegt. Bluttat auf offener Straße wp. Gelsenkirchen, 30. Dez. Auf der EmscherStraße kam es gestern abend zu einer schweren Bluttat. Der 40jährige Bexgmann Friedrich Jaschaneck versetzte dem Bergmann Wilhelm Kopatz nach einem Wortwechsel sechs Messerstiche, von denen drei den Oberkörper und drei den Unterleib trafen. Ein Stich, der mehr als zehn Zentimeter tief war, hat das Herz durchbohrt. Diese grauenvolle Tat genügte dem Unmenschen aber noch nicht, denn er versetzte seinem Gegner, der sich auf dem Boden wälzte, noch mehrere heftige Fußtritte auf den Kopf. Jaschaneck wurde kurz nach der Tat von der Polizei festgenommen und in Gewahrsam gebracht. Nach den polizeilichen Ermittlungen ist es bereits am Montag nachmittag zwischen beiden zu einem wüsten Auftritt gekommen. Als nun am Abend Jaschaneck vor Schicht nach einer Zeche in Karnap gehen wollte, stieß er auf der Straße auf Kopatz, schlug ihn nieder und versetzte ihm dann die Messerstiche. Die Stiche waren mit einer derartigen Wucht geführt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Das Motiv zur Tat ist noch unbekannt. Die polizeilichen Ermittlungen gehen weiter. Mädchenmord in Bad Lausick? wtb. Bad Lausick, 30. Dez. Gestern mittag fanden zwei junge Männer aus Frauendorf bei Bad Lausick in den sogenannten Torfgruben in einer mit Baumstämmen und Holzpfählen überdeckten Grube die Leiche eines etwa 20jährigen Mädchens, die etwa 30 Zentimeter tief vergraben und bereits stark in Verwesung übergegangen war. Offenbar liegt ein Verbrechen vor, da die Leiche Kopfverletzungen aufweist. Ueber den Täter fehlt zunächst jeder Anhaltspunkt. Vermutlich hat die Leiche etwa 405 Monate am Tatort gelegen. Der Ausbruch des Bulkans Der Bericht des Generalgouverneurs von Niederländisch=Indien. wtb. Haag, 31. Dez.(Funkspruch.) Beim Kolonialminister ist ein ausführlicher telegraphischer Bericht des Generalgouverneurs von Niederländisch=Indien eingelaufen, demzufolge auf Grund der Untersuchung von Sachverstandigen nach menschlichem Ermessen angenommen werden dars, daß der Ausbruch des javanischen Vulkans Merapi zum Stillstand gekommen sei. Trotzdem sei die Gefahr für die niedrig gelegenen Landstriche noch nicht vollkommen behoben, da die bevorstehenden heftigen Regenfälle wahrscheinlich die aufgehäuften Lavamassen wieder in Bewegung bringen und das Wasser der Flüsse über die Ufer treten lassen dürften. Die holländischen Behörden und die eingeborene Obrigkeit hätten Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Gefahr ergriffen. Die Lavamassen würden ebenso wie der Vulkan ständig überwacht, wobei insbesondere die Militärflugzeuge, die bereits eine Anzahl Luftphotographien aufgenommen hätten, vorzügliche Dienste leisteten. Umfangreiche Maßnahmen seien ferner im Einvernehmen mit den Militärbehörden zwecks Unterbringung und Speisung der Tausenden von Flüchtlingen, zwecks Bestattung der vielen Leichen und Tierkadaver sowie zur Bewachung der geräumten Gebiete vor Räubern und Dieben getroffen worden. Die angerichteten Sachschäden seien noch nicht genau abzuschätzen, sie betragen aber mindestens rund ½ Million Gulden. Die Panikstimmung unter der Bevölkerung sei überwunden und die Ruhe vollkommen wiederhergestellt. Die größte Schwierigkeit bestehe in der Lösung der Frage, wie man den vielen Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren hätten, wieder eine Existenzmöglichkeit verschaffen könne. Reichwehrsoldat überfallen enb. Berlin, 30. Dez.(Eig. Meldung.) Auf der Landstraße Itzehoe—Krempe wurde, wie das Berliner Tagebl. meldet, ein Reichswehrsoldat von einem Unbekannten überfallen und vom Rade geschlagen. Als der Angegriffene sein Seitengewehr ziehen wollte, erhielt er einen zweiten Schlag, durch den er bewußtlos zusammenbrach. Eine Frau fand den Soldaten hilflos am Wege. Nach den bisherigen Ermittlungen scheint es sich um einen persönlichen Racheakt eines Rivalen des Ueberfallenen zu handeln. Schwere Schädigung der Frankfurter Danatbank wtb Frankfurt a. M., 30. Dez. Durch die unberechtigte Kredithergabe durch Angestellte einer Depositenkasse der Darmstädter= und Nationalbank ist der Bank beträchtlicher Schaden entstanden. Ohne Wissen der Bankleitung wurde einer hiesigen Firma ein ungesicherter Kredit in Höhe von 300000 Mark gewährt, von dem etwa 200000 Mark verloren sein dürften. Durch Buchungsmanipulationen hatten die Angestellten versucht, ihr rechtswidriges Verhalten zu verschleiern. Nach Aufdeckung ihrer Verfehlungen wurden die Beteiligten sofort fristlos entlassen. Alle Gesangenen von Brest=Litowsk frei. wtb. Warschau, 30. Dez. Mit der Haftentlassung des Abgeordneten Dubois und der früheren Abgeordneten Baginski sind nunmehr alle polnischen Politiker, die in Brest=Litowsk inte:niert waren, auf freien Fußgesetzt. Auch der ukrainische Abgeordneter befinde sich noch im Lemberger Gefängnis. Schwere Stürme an der französischen Nordküste. wtb. Paris, 30. Dez. An der Nordküste Frankreichs herrschen Stürme. Bei Boulogne= sur=Mer wurden zwei Mann der Besatzung eines Fischerbootes durch eine Sturzwelle über Bord gespult und kamen ums Leben. Mehrere Schiffe haben infolge des Sturmes im Hafen von Cherbourg Zuflecht gesucht. konnten infolge des schlechten Wetters, das die ganze Nacht über anhielt, nicht auslaufen. Ueberfall auf einen Eisenbahnzug. wtb. London, 30. Dez. Morning Post meldet aus Tientsin: Zwischen Tschintschau und Tschgoyang brachten Räuber einen Eisenbahnzug zur Entgleisung, der 20 Meter tief in ein Flußbett stürzte. Mehrere Personen fanden den Tod, 40 wurden verletzt. Die Räuber plünderten die Ueberlebenden aus und entflohen beim Herannahen von Soldaten. Dampfer gesunken. wtb. Oslo, 30. Dez. Man befürchtet, daß der Dampfer„Torefjell“ während des Sturmes in der Nacht zum Sonntag mit seiner Besatzung von 24 Köpfen auf der Höhe von Egersund untergegangen ist. Wrackstücke, die zweifellos von der„Torefjell“ stammen, sind an Land geschwemmt worden. Blutige Zusammenstöße im südafrikanischen Bergwerksgebiet. wtb. Johannesburg, 29. Dez. Gestern nachmittag kam es im Bezirk des Randfontein=Berg= werks zu einem Zusammenstoß zwischen Basutos und Pondos. Die Streitigkeiten begannen am Weihnachtstage, wo ein Basuto von einem Pondo ermordet worden war. Hierauf folgten Zusammenstöße zwischen Angehörigen beider Stämme, wie sie seit 25 Jahren nicht zu verzeichnen waren. Nach den bisherigen Feststellungen wurden dabei vier Pondos getötet. Heute früh trafen mehr als 100 Polizisten in dem Bezirk ein. Eine Abteilung berittener Polizei wurde mit Steinen und Eisenstücken beworsen. Ein Polizist erlitt Verletzungen. Die Eingeborenen verloren vier Tote und 75 Verwundete. Famnenerund wtb. Paris, 30. Dez. Ein 28 Jahre alter tschechoslowakischer Bergarbeiter, der mit seiner Familie in einer Ortschaft bei Boulogne=sur=Mer wohnte, hat gestern Nacht seine Frau und seine beiden Kinder im Alter von 2½ und ein Jahren durch Revolverschüsse getötet und sich dann durch Erhängen das Leben genommen. Ueber die Beweggründe der Tat hat die Untersuchung noch nichts ergeben. Funkmeldungen Polen will nicht voln. Aus Nah und Fern Kündigung von Tarifverträgen im bergischen Industriebezirk. wp. Wuppertal, 30. Dez.(Tel.) Der Verband von Arbeitgebern im bergischen Industriebezirk hat heute vormittag das Gehaltsabkommen für die kaufmännischen und technischen Angestellten zum 28. Februar 1931 gekündigt. Ebenso wurde vom Arbeitgeberverband des Handels der Tarifvertrag in seiner Gesamtheit(Manteltarif und Gehaltsabkommen) und vom Industrieverband für Velbert und Umgegend das Gehaltsabkommen zum 31. Januar 1931 gekündigt. Selbstmord im wp. Köln, 30. Dez.(Tel.) In einem hiesigen Hotel hat sich eine unbekannte Frau im Alter von 30—35 Jahren, die sich auf den Namen Ch. Serella aus Berlin eingetragen hatte, erschossen. Wie die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergeben haben, ist diese Namensangabe falsch. Die Tote, die als besonderes Kennzeichen eine 6 cm lange und 2 cm breite Narbe oberhalb des linken Auges hat, hinterließ einen Zettel mit der Aufschrift„Bin unglücklich, bitte um eine schöne Beerdigung.“ Nach der auffallenden Kleidung dürfte es sich um eine Artistin oder dergl. handeln. Die Kriminalpolizei bittet um sachdienliche Mitteilungen, die Ermittlung der Personalien geeignet sind Angola kaufen.— Ein Dementi. wtb Warschau, 31. Dez.(Funkspruch.) Die Polnische Telegraphenagentur ist beauftragt, festzustellen, daß die von einem Blatt veröffentlichte Meldung von angeblichen polnischen Verhandlungen über einen Ankauf der portugiesischen Kolonie Angola jeglicher Grundlage entbehrt. In dieser Angelegenheit werden keinerlei Verhandlungen geführt, noch überhaupt geplant. Ueberreichung einer englischen Kriegsschuldennete in wtb Paris, 31. Dez.(Funkspruch.) Der englische Botschafter in Paris hat im Namen seiner Regierung, wie Havas berichtet, im französischen Außenministerium eine neue Note bezüglich der englischen Forderungen auf Bezahlung der Rückstände für die während des Krieges in England aufgelegten französischen Anleihen in Gold überreicht. Französisches Verkehroflugzeug aufgefunden. wtb Paris, 31. Dez.(Funkspruch.) Wie Havas aus Casablanca meldet, ist ein Verkehrsflugzeug der Route Dakar—Toulouse, das seit dem 27. Dezember überfällig war, südlich von Cap Juby aufgefunden worden. Sämtliche Insassen— außer dem Piloten und einem Funker befanden sich ein arabischer Dolmetscher und der italienische Konsul in Fez an Bord— sollen unversehrt sein. Blutige Unruhen in Columbien, wtb Newyork, 30. Dez.(Funkspruch.) Associated Preß meldet aus Bogota, daß es in Capitanejo, einer kleinen Stadt in der Provinz Santander, zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen politischen Gegnern gekommen sei. 8 Perfonen sollen dabei getötet und 11 verletzt worden sein. Auf Ersuchen des zur Gouverneurs der Provinz seien Truppen an den Ort der Unruhen entsarkt worden. nei und Eiertung Der Westen Deutschlands ist dichter bevölkert als der Osten. Während Ostpreußen nur 61 Menschen cuf dem Quadratkilometer zu wohnen hat, erhöht sich diese Zahl für Westsalen auf 238, für das Rheinland sogar auf 296 Menschen. Trotzdem strömen noch immer jährlich tausende gerade aus Ostpreußen ins Industriegebiet in der Hoffnung, dort Brot und Arbeit, vor allem aber ein leichteres Leben als in der schweren Landwirtschaft zu finden. Hunderttausende von Ostdeutschen sind schon heute im Industriegebiet erwerbslos, verdrängt aus der Arbeit, nicht allein durch die heutige Wirtschaftskrise, sondern auch durch die Maschine. Wieviel werden es in den nächsten Wochen noch und wieviel werden überhaupt wieder in Zeche und Hütte zurückkehren können? Tausende sehnen sich heute zurück in die alte Heimat Masuren, andere Gegenden von Ostpreußen, Westpreußen usw. In den Vereinen der heimattreuen Ost= und Westpreußen, in den oftpreußischen Gemeinschaften und Gebetsvereinen sind sie zusammengeschlossen u. pflegen Heimatliebe und Heimatsinn. In die Hunderte gehen die Anfragen, die mich in den letzten Monaten erreichten:„Zurück, heraus aus diesem Elend der Arbeitslosigkeit zu einer eigenen, sei es noch so kleinen Scholle, laßt uns nicht erst alle unsere Ersparnisse verbrauchen.“ Meistens sind es Menschen, die aus der Landwirtschaft stammen, die in ihrer Jugend selbst mit auf einem Hof gearbeitet haben, die oft auch ihre Kinder wieder in die westlichen Bauernwirtschaften gesandt haben. Ihnen zu helfen, ist unsere Pflicht und unser Wunsch. Lange Vorbereitungen und Verhandlungen mit ostpreußischen kirchlichen Stellen und Siedlungsgesellschaften haben ergeben, daß eine Rücksiedlung im kommenden Frühjahr möglich ist. Sie soll nun unverzüglich durch den Evgl. Siedlungsdienst in Bielefeld in die Hand genommen werden. Geschlossene westdeutsche Bergarbeitersiedlungen sollen geschaffen werden, wobei oftpreußische Landwirte helfend zur Seite stehen. In jeder Siedlung werden einige Oftpreußen als Berater sich mit ansiedeln. Darüber, daß in der heutigen schweren Lage des Reiches, das jährlich bald 100 Millionen als billige Kredite für die Siedlungen ausgibt, nicht gänzlich Mittellose angesiedelt werden können, so bedauerlich dieses auch ist, besteht kein Zweifel. Immerhin aber sind die Anzahlungen durch Verhandlungen und Einschränkungen der Gebäude usw. so herabgesetzt, daß schon mit geringen Ersparnissen eine Ansiedlung möglich ist. Die Anzahlungen betragen bei Stellen zwischen 12—60 Morgen Mk. 1500.— bis 3500.—. Ich weiß, daß diese Gelder, zu denen noch einiges Inventar zu rechnen ist, nicht leicht aufzubringen sind, imemrhin aber gibt es viele Angestellte und Arbeiter, die über diese Beträge als Ersparnisse verfügen. Im Laufe des Januar sollen 15 große Versammlungen im Industriegebiet abgehalten werden. Zu ihnen werden alle ernsthaften Bewerber zur Aussprache eingeladen. Es wird ein kurzer einleitender Vortrag des Siedlungsdienstes erfolgen, dann ein Film über ländliche Siedlungen in Ostpreußen vorgeführt werden, endlich von berufener Seite aus Ostpreußen eingehend die Siedlungsmöglichkeit geschildert. Der Hauptteil jeden Abends soll dann der Aussprache gewidmet sein, um festzustellen, wieviel ernsthafte Interessenten im nächsten Jahr erst einmal gemeinsam die Güter besichtigen wollen, um die Siedlungen im Sommer vorzubereiten. Außer den Interessenten sind natürlich alle Pfarrer, Gemeindehelfer, Diakonen und sonstige an dem Ergehen unserer Industriebevölkerung interessierten, soweit dieses nicht schon erfolgt ist, umgehend Anfragen mit Rückporto(30 Pfg.) an den Evgl. Siedlungsdienst, Bielefeld, Altstädterkirchplatz 2, zu richten, damit ihnen ein Fragebogen und Material zugesandt werden kann. Der Fragebogen ist spätestens bis 5. Januar vom Pfarramt oder kirchlichen Jugend= und Wohlfahrtsamt beglaubigk, zurückzusenden, damit wir schon vorher einen Ueberblick über die Interessenten haben. Ein weiterer Aussatz über die technische Durchführung der Siedlung, über die Mithilfe der Provinz wird noch vor der Versammlung erscheinen, ebenso die Bekanntgabe der genauen Termine und Versammlungslokale. Um nur eins herauszugreisen: Wir haben im August 1929 im hiesigen Stadtbezirk die groten Umgemeindungen gehabt und dieser große Staatsakt wurde eingeläutet mit den gern gehörten Worten, daß dadurch die Verwaltung vereinfacht und als Folge davon die öffentlichen Lasten gesenkt würden. Was haben wir nun bei den Etatsfeststellungen erlebt?— Nehmen wir einmal den Haushaltsplan des Landkreises Iserlohn für das Rechnungsjahr 1930 zur Hand. Danach betragen die veranschlagten Ausgaben: 1929 1930 A. Allgemeine Verwaltung... 3 710000 MA 5 375 000 M4 B. Kreisbauamt. 262000„ 355 000„ C. Kreiswohlfahrtsamt. 1344000„ 2000000„ zus. 5 316 000 M 7730000 M dazu kürzliche Nachbewilligung.. 500000„ Eingesandt (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzt. Verantwortung.) Wir leben in Zeiten größter Not,— tiefen Elends. Ununterbrochen hören wir von allen Seiten die Mahnung zum„Sparen". Leider ist es nun aber so, daß derjenige, der das Wort Sparen gebraucht, immer nur die anderen meint, selten sich selbst. Das tresfendste Beispiel hierfür sind unsere Behörden. Da verlangt man vom Landwirt, Geschäftsmann bezw. Handwerksmeister, Preis=, vom Arbeiter Lohn=Nachlässe zur Durchsührung des Kampfes gegen die Teuerung(Wareninflation) und der daraus entstehenden Arbeitslosigkeit. Im Frühjahr 1931 sollen auch der Beamtenschaft noch einige Prozent ihres Einkommens gekürzt werden.# im Sm Die Behorde selbst aber erhohr im Gegensatz zu diesen Abbaubeschlüssen die bestehenden Steuersätze(Tabak etc.) und führt außerdem noch eine Reihe neuer Steuern ein. Man glaubt dann, daß man über das nächste Etatsjahr wieder hinwegkommt und so tritt für diese Zeit bis zum nächsten Geldbedarf eine längere Ruhepause ein. Der Regierung ist geholfen, dem Volke aber nicht! Mit solchen Bagatellmaßnahmen kann auch der deutschen Wirtschaft, deren Vermögen in der Vorkriegszeit 360 Milliarden betrug, während bis heute davon 210 Milliarden verwirtschaftet und verloren sind, sodaß nur noch ein Volksvermögen von etwa 150 Milliarden vorhanden ist, nicht geholsen werden. Scr:; 5. Nun ertönt im Volke immer der Schrei, die Besserung müsse von„oben“ kommen. Nichts ist falscher als das. Wer das sagt, bekundet damit seine eigene Feigheit zum Zugreifen beim Wiederaufbau und zum Sparen, sowie die Untugend, die ihm auserlegten Staatsbürgerpflichten auf andere abzuwälzen. Jeder Aufbau muß von Grund auf erfolgen, wie auch jeder Baumeister seinen Bau mit den Grundmauern und nicht mit der Dachspitze beginnt. Darum kommen wir auch nicht vom Fleck, weil wir uns dauernd mit hoher Reichs= und Landespolitik befassen und darüber das Viele, das uns helfen könnte und in unserem allernächsten Gesichtskreis liegt, übergehen. 8 230 000 M Der Landkreis Iserlohn ist in seiner wirtschaftlichen Struktur durch das Hinzukommen der wirtschaftlich gesunden Gebiete der Stadt Schwerte und des Amtes Westhofen verbessert und vergrößert worden. Niemals aber haben diese Gebiete oder die gesteigerten Wohlfahrtslasten eine Ausgabenerhöhung von rund drei Millionen Reichsmark verursacht. Es stecken eine ganze Anzahl anderer Mehr=Ausgaben darin. So ist allein der Posten„Verwaltungskosten des Wohlfahrtsamtes“ beim Landkreis Iserlohn von 102000.— RMk. im Jahre 1929 auf 171 900.— RMk. im Jahre 1930 gestiegen. Der Kreis hat das Wohlfahrtswesen zentralisiert, jedoch derart, daß bei den ihm unterstellten Gemeinden die bisherigen Ausgaben sich kaum vermindern ließen. Der Erfolg der Zentralisation bedeutet für die Kreiseingesessenen allein für die „Abteilung Wohlfahrtsamt“, beim Kreise eine Verteuerung der Verwaltungskosten dieser Stelle um 70 Prozent in dem einen Jahre 1930. Da kann man wirklich sagen: Tempo prestissimo! In Wirklichkeit handelt es sich bei der Zentralisation auch wohl kaum um Verwirklichung von Ersparnisgedanken, sondern um die Vorläufer der Kompetenz=Kompetenz, oder anders gesagt, um den sogen.„Kleinen Zarismus“ und das bedeutet Einschränkung der Selbstverwaltung". Dies ist ein Beispiel, welches zeigt, was Eitelkeit kostet. Leider ist dies nicht der einzigste Fall. Kommissionen, die in gemeindlichem Auftrage mit der Spitze der Kreisverwaltung zu verhandeln haben, müssen oft wochenlang warten, ehe sie vorgelassen werden können und man hört oftmals schon, wie früher in wilhelminischen Zeiten, wo man vom Reisekaiser sprach, die Worte: „Zu viel auf Reise, zu wenig im Kreise." Damit soll nun nicht gesagt werden, daß alle Reisen unnötig sind, aber wenn im Haushaltsplan unter der wohlklingenden Bezeichnung„Kommunale und allgemeine kulturelle Bedürfnisse“ für den Preuß. Landkreistag RMk. 1850.— und für „Sonstige Mitgliedschaften bei kommunalpolitischen, gemeinnützigen Vereinigungen und solchen von allgemeiner kultureller Bedeutung RMk. 4690.—, also zusammen RMk. 6540.— für Vereinsbeiträge ausgeworfen werden, dann muß mian sich doch fragen, ist das alles nötig? Die Zugehörigkeit zu den vielen Gremien und Vereinigungen verpflichtet nicht immer nur geldlich, sondern auch zeitlich und die aufgewendete Zeit nebst Spesen sind auch ein Sümmchen, wenn auch nicht gerade übermäßige Summen. Das Schlimmste dabei aber ist, daß die aufgewandte Zeit doch größtenteils dem Kreise verloren geht und da dürfte auch wohl die Frage berechtigt sein, ob es nicht richtiger ist, zunächst Aufgaben zu lösen, die den Kreiseingesessenen ihr schweres Los mildern. Wie wäre es z. B., wenn die Kreisverwaltung einmal die letzten fünf Haushaltspläne aus der Vorkriegszeit zur Hand nähme und ebenso diejenigen aus den letzten fünf Jahren nach 1925. Sollte sich beim Vergleich da nicht mancher Posten finden, den man nach ernsthafter Prüfung streichen könnte oder müßte, um wieder zu den festen Wirtschaftsverhältnissen, die wir in der Vorkriegszeit hatten, zu kommen! Man möge hier nicht einwenden, das geht nicht, wir haben andere Zeiten! Es würde darauf sofort geantwortet werden: Wir haben schlechte Zeiten und hatten gute. und der Weg zu den guten Zeiten zurück ist nur dadurch möglich, daß mit dem Blanstift alles gestrichen wird, was mit dem Rotstift in Unkenntnis der wirtschaftlichen Verknüpfungen in die Ausgabenseite von Staat, Ländern und Gemeinden nach dem Kriege da hineingeschrieben ist. Es ist hart genug, wenn wir Lasten, wie sie vor dem Kriege bestanden, noch zu denjenigen des verlorenen Krieges, sowie der Kriegs=Hinterbliebenen und=Beschädigten zu tragen haben, die aber auch nur in der Form bestehen bleiben dürfen, daß sie nicht zu Doppeleinkünften führen. Wie wäre es weiter, wenn man einmal an die Frage heranginge, die Kreisverwaltung des kreises selbst hineinzuverlegen. Wenn von Ersparnissen gesprochen wird, so kann man auch an der Frage nicht vorübergehen, dem Landkreis die Einnahmen aus seinem Verwaltungssitz und dem Wohnsitz seiner Beamten zu gLhwpert, 118 würde. z. B. eine Verlegung nach Schy####—. als der größten Stadt im Kreise, schlechterung bedeuten u. die Vorteile des Kreissitzes würden dem Landkreise zugute kommen. Wenn die Stadt Iserlohn glaubt, sich des Landkreises in Zukunft erhalten zu müssen. dann gibt es dafür nur den einen Weg, daß sie sich wieder einkreisen läßt. Davon könnte man sich auch für beide Teile, den Stadt= als auch Landkreis Ersparnisse versprechen. Diese können auch noch auf anderem Gebiet liegen, als auf demjenigen des Verwaltungsapparates. Wenn ein einheitliches Hoheitsgebiet von Stadt Iserlohn mit dem gesunden Um= und Hinterland des gleichnamigen Landkreises entstände, dann würden sich ganz andere, zweifelsohne keine ungesunden, Entwicklungsmöglichkeiten bieten.— Jedenfalls, die Frage des Kreissitzes hultr einer Neuregelung im Interesse deg Krezseiggeigg pen. Fest steht auch, daß sich alll Vonsteile, Lalüber einig sind, daß die Lahigzingving gag 7 waren, nicht mehr zu tragen sind und daß lein Weg oder Mittel unbenutzt bleiben darf, die uns aus dem Elend, aus der Arbeitslosigkeit. herausbringen und dazu gehört mit in allererster Linie die Sparsamkeit in den Gemeinden, den Kreisen und den übergeordneten Stellen. Dies mag von all denjenigen beherzigt werden, die an den Beschlüssen über die Lasten mitwirken. An alle diese ergeht unsere Bitte für das neue Jahr 1931:„Schafft Arbeit durch Sparsamkeit!“ Civis. Ansteckende Krankheiten Die übertragbaren Krankheiten haben im Reich in der Woche vom 30. November bis 6. Dezember zugenommen bei Diphtherie um 116 auf 2113 Erkrankungen, Unterleibstyphus um 12 auf 84, Körnerkrankheit um 28 auf 51, spinaler Kinderlähmung um 8 auf 37, Ruhr um 13 auf 34, Bißverletzungen durch tolle oder verdächtige Tiere um 1 auf 6, abgenommen bei Scharlach um 4 auf 1193, Kindbettfieber um 14 auf 124, Paratyphus um 25 auf 47, Genickstarre um 3 auf 6, Milzbrand um 4 auf 0. Die Todesfälle haben zugenommen bei Lungen- und Kehlkopftuberkulose um 45 auf 623, Unterleibstyphus um 3 auf 7, abgenommen bei Diphtherie um 44 76, Kindbettfieber um 4 auf 36, Scharlach um 4 auf 9, Genickstarre um 6 auf 4, Ruhr um 1 auf 2, spinale Kinderlähmung um 3 auf 1, Parawbick un 1.95.). Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Dat nigge Johr Wä kömmt do, jugendfrisch und keck Düört Pörtken? Näi is't wohr? Kiek an, eck hew' mie nit verseihn, Et es dat nigge Johr. Do kloppt et ock all an de Düör. Eck raupe: Komm män rin!— Un ohne Zaudern, triett et frauh un heiter bie mie in. Eck bai jähm hiärtlick äin Willkomm— Un segge: Breng'st du mie Viell Guedes met van diener Fahrt, Dann lott die dal bie mie. Dat olle Johr hiet manchen Draum Mie nitt erfüllt, doch du, Büßt huopendlich, sau giezig niet, Süß komm eck nit tau Ruh'.— Stoh' gärn' to Diensten, wenn ech kann— Un, stätht't in miener Macht, Dann, saßt auck du nit lieg utgohn. Siet nigge Johr— Und lach't. Dann läupt't no buten ohne sick Noch äinmal umteseihn— Un lät, met mienen Wünschen, mie Im Stieck. Dat söt't mol seihn. Albert Knülle. Silvester Skizze von Paulrichard Heusel. Gert Hille bemerkte die leichte Unmutsfalte in dem schönen Gesicht Sylvias, als sie nach den träumerisch verklingenden Rhythmen des Tangos wieder an den Tisch der beiden Männer perüs sann. „Unzufrieden?“ fragte er leise, verstohlen chre Hand fassend. Sie lächelte beherrscht.„Nein, nichts— aber setzt will ich lieber zuhören als tanzen. Ich weiß, Sie beiden bringen es boch auch hies in dieser ausgelassenen Silvestergesellschaft nicht fertig, in den seichten Ton mit einzustimmen.“ „Das ist keine Schmeichelei für unseren Gastgeber“, sagte Hille,„aber“— er sah sich in dem festlich geschmückten Raume um—„so bunt zing es allerdings hier noch nie zu.“ Der Maler Andreas, der Dritte am Tische, füllte die Gläser nach.„Was wollen Sie? Viele fühlen sich in dieser Mischung von Vergnügen, Flirt und Abfütterung wohl. Es kann sogar sein Gutes haben.“ „Bis zum Morgen— und dann?“ „Das ist eben das, was ich Ihnen vorhin erzählen wollte. Darf ich fortfahren?" wandte er sich höflich an Sylvia. In der Ecke des geheizten Wintergartens, in der sie saßen, waren sie ziemlich unbehelligt von dem lauten Treiben, das sich in dem gastfrohen Hause des reichen Fabrikanten entwickelt hatte. Und Andreas erzählte: „Stellen Sie sich alles Schöne vor, was Liebe ausfüllen kann, wenn ich Ihnen sage, daß es einmal ein Mädchen gab, Anita, das mich sehr liebte. Wir hatten nach einem sehr glücklichen Jahr ein an Freuden armes bekommen — nicht durch unsere Schuld; Anitas Mutter war oft krank, und das bedeutete für Anita Stillstand ihres Lebens, Fernbleiben von allem, was der Jugend Freude gibt. Als die Krisis überwunden war, brach sie selbst zusammen. Auch mir ging es schlecht, wirtschaftlich; fehlte mir Anita, sehlte mir auch der Ansporn zur Arbeit. Kein Wunder, daß wir manchmal gereizt waren und auch oft heimlich fürchteten, daß uns die schlimme Zeit entfremden könnte. Aber wir gewannen uns doch ein schönes Weihachtsfest, primitiv, jedoch innig; ein wenig still vielleicht. Dann kam Silvester.. Ich hatte mich darauf gefreut. Aber Anita war von Bekannten eingeladen und mochte nicht absagen. Sollte ich dagegen sprechen? Ich wußte, daß es in jenem Hause sehr ausgelossen zuging, daß der Gastgeber in Anita verliebt war und daß dort jeder, insbesondere jede schöne Frau, nur danach gewertet wurde, zur Freude anderer da zu sein. Sie merkte wohl meine Verstimmung. Laß mich dochl dat sie.„Ich habe so wenig von diesem Jahr gehabt. Ich will noch einmal unter vielen lustigen Menschen sein, ehe das Jahr zu Ende geht. Nenne es eine Laune, aber der Gedanke, ein stilles Jahr abgeschlossen zu haben, würde mich immer quälen. Laß mich doch dadurch die Illusion gewinnen, daß es immer heiter war! Dann geht man mit mehr Mut in das neue Jahr.“ Sie war jung. Sie empfand in diesem Augenblick vielleicht nicht, daß man ihre Worte auch dahin deuten konnte, wie wenig sie in diesem Jahr von mir empfangen hatte. Es wurde ein böser Abend für mich, glauben Sie mir das. Zuerst wechselte ich von einem Weinlokal in das andere. Aber je mehr Menschen um mich waren, umso vereinsamter fühlte ich mich. Plötzlich stand ich vor dem Hause, hinter dessen erleuchteten Feustern ich Anita wußte. Sprechen Sie nicht von überhitzter Phantasie. Man konnte sich doch alles vorstellen. Jetzt tanzt sie. Sie fühlt nicht den begehrenden Druck des Armes, der sie hält. Jetzt mischt sie draußen die Bowle, nirgendwo läßt sie sich das entgehen; aber einer steht hinter ihr, der ihre Lippen kennt; sie lacht ihn an, sie weiß nicht, wie ihr Mund verlockt. Dann ist es geschehen, es gibt eine Heimlichkeit. Dann kommen Worte, die schon Besitz ergreifen. Der Wein nimmt die Gedanken. Ausgelassenheit macht verführerisch, und ein Mensch, um den man in heißer Liebe wirbt, wird hier nur Spiel und Freude des Augenblicks und vielleicht Verheitung auf ein Abenteuer. Alles das wußte ich doch genau—“ „Dann brauche ich Ihnen ja nicht mehr zu erzählen, warum ich vorhin verstimmt schien,“ warf Sylvia halblaut ein. Andreas schwieg eine Weile nachdenklich, dann fuhr er fort:„Ich will es offen gestehen: Ich war seige. Wenn Anita, was verständlich war, nach einem Jahre armseliger Freuden wieder Sehnsucht nach einer bunteren Welt gewann, wollte ich aus der Stadt verschwinden. Sobald wie möglich. Und am Neujahrsmorgen rief sie mich an. Ob wir hinausfahren wollten? Der Schnee lag fest. Es war— ist das zu kindlich gesagt?— wie ein Märchen. So friedlich, so lieb, so— unerwartet. Als wir uns trennen mußten, gab sie mir fest die Hand und sagte:„War es nicht schön, daß wir so froh das neue Jahr beginnen konnten?“ Ich hielt die schmale Hand fest:„Wird es so bleiben?“ „Ja. Ich habe das Jahr doch schon nit Sehnsucht nach Dir begonnen.“ Da brauchte ich nichts mehr zu sagen. Ich fühlte, was sie nicht erzählen wollte: Alles war geschehen, was ich geahnt hatte. Und es war gut so gewesen. Wäre sie nicht gegangen, wäre immer der Gedanke zurück geblieben, etwas versäumt zu haben, etwas zu entbehren, und ich hätte sie vielleicht verloren, ehe die Bäume wieder grünten. Jetzt aber hatte sie vielleicht, wissender und sehender geworden, erkannt, das Silvester auch einen Abschluß bedeuten kann. Und das ist vielleicht auch der Sinn dieses Abends, daß wir mit dem ein Ende machen können, was nicht mehr in das neue Leben gehört, das vor uns liegt. Und nun möchte auch ich Sie um einen Tanz bitten,“ schloß er und verneigte sich vor Sylvia.— Er wollte sie an den Tisch zurückführen, aber sie bat:„Bringen Sie mich doch nach Hause!“ Und dann im Wagen, das Gesicht in Dunkeln, sagte sie:„Ich wußte ja noch gar nicht, daß Sie ein Dichter sind!" „Warum, Sylvia?“ „Weil Sie diese Geschichte so gut erfunden haben. Nein, widersprechen Sie nicht. Ich habe Sie verstanden. Genügt Ihnen das! Aber die Männer vergessen doch das Nächstliegende.“ Andreas hatte ihre Hände gefaßt.„Und das 1s—!• „Daß es doch viel schöner ist, wenn man einen Menschen nicht zu rufen braucht, sondern wenn er schon da ist.. „Sylvia— Und der andere—?“ Sie sah ihn mit klaren Augen an.„Es in frischer Schnee gefallen. Wollen wir nicht heute hinaus fahren?“ Da beugte sich Andreas tief über die Hände der Frau. Der erste Tag des neuen Jahres löschte das Dunkel der Nacht aus. Der Arbeitszeitstreit bei der Reichsbahn Der Bezirksbetriebsrat bei der Reichsbahndirektion Wuppertal veröffentlicht folgende Entschließung: Der Bezirksbetriebsrat bei der Reichsbahndirektion Wuppertal nahm in seiner Sitzung am 23. Dezember Stellung zu der seitens der Reichsbahn=Hauptverwaltung verfügten Maßnahme zur Einlegung weiterer Feierschichten. In der Aussprache ergab sich die Stellungnahme des Bezirksbetriebsrats wie folgt: In dem Vorgehen der Reichsbahn=Hauptverwaltung erblickt der Bezirksbetriebsrat einen Tarifbruch, gegen den er schärfsten. Protest erhebt. Insbesondere aber muß der Versuch auf Abänderung der Arbeitsverträge als unberechtigt und den tariflichen Bestimmungen zuwiderlausend bezeichnet werden. Im Direktionsbezirk Wuppertal haben die angekündigten Maßnahmen bereits eine starke Erregung unter dem Personal hervorgerufen. Der Bezirksbetriebsrat ist der Ansicht, daß für das Vorgehen der Verwaltung so lange keine berechtigten Gründe auerkannt werden können, als in mehreren Dienstzweigen noch wöchentlich 54 Stunden und mehr gearbeitet werden. Die Existenzfähigkeit der an den Feierschichten beteiligten Bediensteten wird bei Durchführung der Verwaltungsmaßnahmen stark herabgedrückt und sinkt ihr Einkommen teilweise unter dasjenige der Arbeitslosen. In Anerkennung der Notwendigkeit, die Ausgaben mit den verminderten Einnahmen in Einklang zu bringen, muß jedoch der vorgesehene Ausgleich als für die in Frage kommenden Bediensteten untragbar bezeichnet werden. Das Existenzminimum derselben wird bei Einlegung von wöchentlich 1 Feierschicht bedeutend unterschritten. Bei den ledigen Arbeitern ist alsdann eine Begleichung der zu zahlenden Logisgelder aus ihrem Verdienst nicht mehr möglich. Daß durch die bei Durchführung der Maßnahmen sich ergebenden Verhältnisse die Arbeitsintensität und damit die Wirtschaftlichkeit des Reichsbahnunternehmens stark leidet, dürfte auch der Hauptverwaltung nicht unbekannt sein. Die Mitglieder des Bezirksbetriebsrats betrachten es als ihre Pflicht, die Verwaltung auf die aus der vorgesehenen Regelung sich ergebenden Schäden hinzuweisen. Sie können aus den vorstehend dargelegten Gründen die Notwendigkeit der beabsichtigten Maßnahme nicht anerkennen. Der gesamte Bezirksbetriebsrat hält daher eeine andere, gerechtere, durch neue Verhandlungen mit den Tariforganisationen sich ergebende Regelung für unerläßlich. Erst ein solches, den berechtigten Wünschen der Bediensteten Rechnung tragendes Entgegenkommen der Verwaltung dürfte dazu angetan sein, einen für alle Reichsbahnbediensteten tragbaren Ausgleich schaffen und das Ansehen des Reichsbahnunternehmens in der Oeffentlichkeit maßgeblich zu fördern. Keine Wintersportzüge zum Sauerland Wie die Reichsbahn uns mitteilt, verkehren infolge der schlechten Witterung am Samstag keine Sportsonderzüge zum Sauerland. Die Preise des heutigen Wochenmarktes Fleischwaren: Rindfleisch 90 Pfg. bis 1.— M. Schweinefleisch 1.—, Hammelfleisch 1,20, Gefriersleisch 90 Pfg., Schweinekoteletts 1.— M. Speck 1.— bis 1,20, Mettwurst 1.40 bis 1,60, Blut= und Leberwurst 60, Hausmacher 80 Bierwurst 1,30, Jagdwurst 1,30, Fleischwurst 1,10, 1,20, Braunschweiger 1,30, Kalbsleberwurst 1,40, Plockwurst 1,50 bis 2.—, Zervelatwurst 1,80 bis 2.10 M. Butter und Eier: Butter 1.70, Eier 6 Stuck Obst, Südfrüchte und Gemüse: Aepfel 35 u. 40 Pfg., 3 Pfd. 1,10, Apfelsinen 10—24 Stück 1.— M. Bananen 25 bis 35, Weißkohl 6, Rotkohl 8, Wirsing 8, Endivien 40, Rosenkohl 30 und 35, Schwarzwuczel 35, Steckrüben 8, Grünkohl 10, Zwiebeln 2 Pfd. 15, Wurzeln 8, Porree 10. Spinat 15 Pfg.„ g12 90 G.6 Fischwaren: Bratscheilfisch 25 bis 30, Kochschellfisch 40, Kabeljau 35, Rotbarsch 30, Filet 60, „hör mit mir“ Unaufhaltsam rollt die Lawine und begräbt unter ihrer Schneelast Häuser und Menschen. Gegen die Naturgewalten gibt es keinen Widerstand. Mit Einsetzen der Schneezeit in den Gebirgsgegenden wird dieses Thema wieder aktuell. Hochinteressante Aufnahmen in unserer Funkwoche— hör mit mir— zeigen die Verwüstungen, die der Schnee anrichten kann.— Die eiskalte Zeit wird weiter durch mehrere Sibirienbilder beschworen, vor allem aber durch eine Serie von Meister=Fotos zum Sendespiel„In der Berghütte". Es schneit — läßt sich schöneres denken als der Blick aus der Hütte im Hochgebirge auf die im weißen Glanz starrenden Bergriesen!— Zur religiösen Feier der Woche am Dreikönigen=Tage führen wir das Innere von St. Gereon, der berühmten romanischen Kirche in Köln, in mehreren Beispielen vor. Die Reihe von Bild und TextBerichten aus dem Berufsleben wird mit einer guten Serie aus dem Tischler=Beruf fortgesetzt. Die großen Persönlichkeiten der Woche wie Käthe Kollwitz, Adolf Busch, Maxim Gorki werden ebenso berücksichtigt wie die Kinderstunde und andere wesentliche Anlasse. Besonders ausgezeichnet wird die neueste Rummer der Ulustrierten kritischen Funkwoche Nleiner werten Kundschaft, sowie aulen Lesern dieser Zeitung wünsche ich ein frohes, gesegnetes Neujahr! : J u l. S c h u m a c h e r Herren- und Damenschneider 4725. Wilhelmstraße 24 SPiesterbart Die einzig dastehende berühmte lazz Kapelle Hagabumba spielt am Sylvester abend ab 8 Uhr bis zum Umfallen im Restaurant„Zum Amtsgericht“ Hagenerstr. 38 Für alles andere ist vorgesorgt. 3 Wilh. Vollbach Eltriede Lindemann Heinrich Hosang Verlobte Schwerte, Sylvester 1930 Abgeschlossene 3 und 4 ZimmerWohnungen mit Badezimmer u. Klosett in der Etage u. sonstigem Zubehör im Neubau zu vermieten. Offerten unt. Nr. 4674 an die Geschst. d. Zeitg. Spurninnminnunnmmmunge Gasthof Kaiserhof Heute abend Großes Sylvester=Konzert # Orchester verstärkt durch Saxophon. 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Bücken niedergelassen. 12.: In Holzen feiern die Eheleute Hugo Kallauch ihre silberne Hochzeit.— Schwerte wird von einem heftigen Sturm heimgesucht, der manchen Schaden anrichtet. 13.: Der Bahninvalide Eduard Hosang in Lichtendorf wird 80 Jahre alt.. K 1 14.: Seinen 80. Geburtstag kann Friedrich Rahlenbeck, Ostenstr. 9, feiern. 17.: In Schwerte findet die erste Stadtverordnetensitzung im neuen Jahre statt. Zum 1. Beigeordneten wird Stadtverordneter Burgemeister, zum 2. Beigeordneten Kaufmann Küster gewählt. Die neuen Stadträte sind Bauunternehmer Luck. Kranführer Hoffmann und Fabrikdirektor Schluck. gg.., wich Ger G. 21.: In Wandhofen wird der Veteran Philipp Neuhaus 84 Jahre alt.— Bei d.m Kaufmann Hömberg, Hörderstr., wird ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt.— In Schwerte=Ost brennt das Wohnhaus nebst Stallung und Stellmacherei des Besitzers Kötter nieder. 22.: Ihren 83. Geburtstag kann die Ww. Henriette Borgmann geb. Röhr in WesthofenBuchholz begehen.— In Holzen findet eine Gemeinderatssitzung statt, in der der Bau eines neuen Schulgebäudes mit einem einheitlichen Schulsystem zur Sprache kommt.— Der Holzener Wochenmarkt soll am 1. Febr. eröffnet werden. 23.: In Lichtendorf wird die Ww. Friederike Renzing 80 Jahre alt. 24.: Seinen 82. Geburtstag feiert der Rentner Anton Steinke in Holzen.* 25.: Frau von Ohle in Schwerte wird 88 Jahre alt. 27. Die Eheleute Reichsbahnzugführer Paul Müller, Graf Diederichstraße 7, feiern ihre silberne Hochzeit. 28.: Ihre Silberhochzeit feiern die Eheleute Kettenschmied Heinrich Schulte in Ergste. 29.: Die Ww. Wilhelmine Althoff in Bürenbruch wird 80 Jahre alt. 30.: Ihre silberne Hochzeit können die am Rosenweg wohnhaften Eheleute Fritz Heinemann begehen. Februar. 1.: Der Fabrikdirektor Schiermeyer, Westhofen, ist 25 Jahre als Leiter der Stahlwerke Brüninghaus tätig.— Ihre silberne Hochzeit leiern die Eheleute Gustav Rawe an der Lohbachstraße.„ P5g Sie 2 3.: Die Eheleute Friedr. Wilh. Kohlhauer in Westhofen, Mittelstraße, feiern ihre silberne Hochzeitz. 7.: In Westhofen wird die Ww. Lisette Gne, geb. Plate, Unnaerstr. 2, 83 Jahre alt. 9.: Der in Westhofen wohnhafte Invalide Heinrich Scheiher, spird 81 Jahre alt.— Die Fheleute Jos. Friese, Schwerte, Hermannstr. 6, feiern ihre silberne Hochzeit. 10. Ihr silbernes. Ehejubiläum feiern die Eheleute Emil Baretti. 13.: Der Schießmeister a. D. Karl Voß, Weißenburgerstr., wird 81 Jahre alt. 14.: Ihre goldene Hochzeit feiern die Eheleute Friedr., Falkenberg, Lessingstraße. 16.: Frau Ww. Heine, Teichstr. 5, wird 82 Jahre alt. 9 Slinks Ligckt ui 19.: Die evgl. Gemeinde begeht, wie alljährlich, durch Gottesdienst den Brandbettag.— Der Rentner Heinrich Hinkelmann, Bürenbruch, wird 80 Jahre alt.— Die Besitzung Zeuch, Hagenerstraße 77. ist in den Besitz des Zimmerpoliers Panndorf übergegangen, die des Bauunternehmers Stellbrink, Kreuzstraße, ist vom Händler August Seelig angekauft worden. 21.: Die Ww. Heinrich Busse, Moltkestr. 38, wird 80 Jahre alt. 24.: Der Metalldrucker Robert Kirchner, Holzenerweg 6, kann auf eine 40jährige Tätigkeit bei den Nickelwerken zurückblicken.— Der Schuhmacher Wilh. Glaser sen., Kampstr. 15, wird 85 Jahre 2#,„„„„ 4 e. 8m 27.: Die Besitzung des Landwirts Tönis gt. Schmidt in Garenfeld wird durch ein großes Schadenfeuer eingeäschert. März. 2.: Die Ww. Minna Meininghaus geb. Braß in Westhofen wird 89 Jahre alt. 4.: Die Eheleute Jos. Schramm, Ostenstr. 7, feiern ihre silberne Hochzeit. 8.: Die Ww. Heidemann, Hörderstr., feiert ihren 86. Geburtstag. 11.: Die Eheleute Wilh. Thormann, Hagenerstraße, feiern ihre silberne Hochzeit. 13.: Der Mühlenbesitzer und Kaufmann Karl Lethaus, Nordstraße, feiert seinen 80. Geburtstag.— Die Ww. Wallrabe, Jägerstraße, wird 86 Jahre alt.— In der Gaserzeugungsanlage des R. A. W. Schwerte=Ost ereignet sich eine folgenschwere Explosion, wobei ein Arbeiter erheblich verletzt wird. 14.: Der Schwerter Haushaltsplan für 1930 wird in der Stadtverordnetensitzung mit Stimmenmehrheit angenommen. Hesse, Holzener19.: Der Schuhmachermeister Heinrich Kalle in Ergste wird 80 Jahre alt. 22.: Die Ww Mathilde Klostermann, Westhofen, Mittelstraße 9, wird 78 Jahre alt. Die Sterbehilfe der größeren evgl. Kirchengemeinde Schwerte und die Sterbekasse der Firma Eisenindustrie zu Menden und Schwerte werden miteinander verschmolzen. 24.: Frl. Erna Rasche Schwerte, Ostenstr., besteht die Prüfung als Studienassessorin. 25.: Die Schalteranlagen im Schwerter Postamt erfahren eine durchgreifende Modernisierung. 27.: Pfarrer Schulze=Noelle ist 40 Jahre an der evgl. Kirchengemeinde Ergste tätig.— In einer ordentlichen Mitgliederversammlung des Bürgerschützenvereins Schwerte wird beschlossen, aus wirtschaftlichen Gründen in diesem Jahre von der Veranstaltung eines Schützenfestes abzusehen. 30.: Die freiw. Feuerwehr Wandhofen kann auf ein 10jähriges Bestehen zurückblicken. Apkil. 1.: Als Amtmann ist Bürgermeister Overbeck, Ergste, 25 Jahre tätig.— Die Gastwirtschaft „Zum Brauhaus“, Bahnhofstraße kann auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken.— Oberschullehrer Banse tritt infolge Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand.— Oberbahnhossvorsteher Heinrich Schroer ist 40 Jahre im Eisenbahndienst tätig.— Bei den Nickelwerken kann der Hüttenbeamte Heinrich Hövelmann ir., Richardstraße 3, auf eine 25jährige Berufstätigkeit zurückblicken.— Der Lokomotivführer W. Schlüter, Hörderstr. 47, ist 25 Jahre bei der Reichsbahn tätig.— Die Führung der Wirtschaft W. Potthoff. Schützenstraße, hat Herr Kemper übernommen.— Bürodirektor Heinrich Breer ist 40 Jahre in städtischen Diensten.— Lehrer Heistermann ist endgültig an der Sedanschule angestellt. 2.: Die Ww. Lina Kockelke in Garenfeld wird 79 Jahre alt.— Ein Betriebsunfall ereignet sich in der Eisenindustrie, bei dem der Arbeiter Heinrich Schwill, Beckestraße, schwer verletzt wird. 4.: Durch ein Schadenfeuer wird das Haus Bahnhofstraße 38 eingeäschert. 6.: Der Eisenbahnbauverein kann auf ein 20jähriges Bestehen zurückblicken. 10.: In Westhofen stirbt die älteste Einwohnerin, die 89jährige Ww. W. Meininghaus, Hochstraße 28. 12.: In Schwerte wird ein Rasensportverband ins Leben gerufen.— Die freiw. Feuerwehr in Holzen erhält einen automobilen Lastkraftwagen.— Der Rentner Dietrich Klempt, Wandhofen, wird 86 Jahre alt. 13.: Die Eheleute Ewald Schulte, Westhofen, Niederstraße 44, feiern ihre silberne Hochzeit. 14.: Der Schulamtsbewerber Heinrich Grundmann ist als Oberschullehrer an dem Schwerter Realgymnasium ernannt worden. 17.: Der Gasthof„Zum Stadtkeller“ ist in den Besitz der Brauerei Haspe übergegangen. 18.: Die Fabrik vom Fabrikanten Mayknecht, Dammstraße, erwarb der Fabrikant W. Möller, Senningsweg.— Auf eine 50jähr. Tätigkeit bei den Vereinigten Stahlwerken kann Wilh. Wienhoff, Körnerstr. 6, zurückblicken. 21.: Herr Fränz Lindert, Hörderstr., wird 85 Jahre alt.„..„aut ,.# Gugut mu. 23.: Der Stationsassistent a. D. August Pinkvoß, Westhofen? Bahnhofstr. 24, wird 82 Jahre alt.— Ww. Lisette Derken, Höchsten, feiert ihren 70. Geburtstag. VI. Banitar Sile Ge24.: Die Eheleute Rentier Wilh. Grünewald, Senningsweg 6, feiern ihre goldene Hochzeit.— 78 Jahre alt wird die Ww. Heinr. Schramm, Garenselb 43..4. Ju. S4-54er S. 26.: Der Hüttenbeamte Otto Schröder. Ergste. kann auf eine 25jährige kaufmännische Tätigkeit bei den Nickelwerken zurückblicken. 28.: In Wandhofen stirbt 86jährig der Rentner Dietrich Klempt.— Die Schwester Emilie Müller im evgl. Krankenhause ist 25 Jahre Dia30.: Die Eheleute A. Heyne, Sedanstr. 23, feiern ihre silberne Hochzeit. Mai. Pfarrer Hagemann wird vom Suverintendenten Winkelmann=Elsey im Gottesdienst in sein Amt eingefübgtz#ishemamie Aunsthn 4 17.: Ihre Silberhochzeit begehen die Eheleute Bäckermeister Friedr. Portofi, Bahnhofstraße 8. 1.: Die Ww. Luise Hüseken. Westhofen, wird 87 Jahre, die Ww. Lisette Schmidt, Westhofen, 81 Jahre alt.„ Eri 2.: Der Schlossermeister Friedr. Mitze, Berchum, feiert seinen 84. Geburtstag. 3.: Die Eheleute Gutsbesitzer Comberg in Lichtendorf feiern ihre silberne Hochzeit.— Der Ruhrtaler Sängerverein kann auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken.., Eengrschutmoch. 4.: In Schwerte nimmt die Feuerschutzwoche mit einer Schau=Uebung ihren Abschluß.— Der Krieger= und Landwehrverein Garenfeld feiert sein 52jähriges Bestehen, verbunden mit einer Fahnenweihe.— Die Westfalenriege der Deutschen Turnerschaft veranstaltet in Schwerte einen Kunstturnwerbeabend. 5.: Der Dreher Karl Schulte in Westhofen ist 40 Jahre bei den Nickelwerken beschäftigt.— Die Wandhofener Frauenhilfe=kann auf ein 10jähriges Besiehen zurückblicken. grns, Rothstein 8.: Die„Eheleute Invalipe vernn Froxynein, Klusenweg 56, feiern ihre goldene Hochzeit, desgleichen die Eheleute Friedrich Goos, Bergischestraße. 9.: Die Eheleute Bürodirektor Eduard Cremer, Westhofen. Oststraße 2, begehen das Fest ihrer silbernen Hochzeit.,##,#cel 10.: Ihre silberne Hochzeit feiern die Eheleute Anstreicher Gustav Westkämper, Westenort 12. 11.: In Schwerte wird die Werbewoche der Leibesübungen in festlicher Weise vor dem neuen Rathaus durch den Bürgermeiter, eröffnet. 12.: Die Eheleute Dreher Wilh. Schulz in Westhofen feiern ihre silberne Hochzeit. 15.: Ihre goldene Hochzeit begehen die Eheleute Dietrich Vohrmann, Ww. Schmidt, Beckestr. 32, wird 80 Jahre alt. — Der Mechaniker Gustav Busse. Moltkestr. 30, kann auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Reichsbahn zurückblicken. 16.: Die Eheleute Schneidermeister Karl Höbener feiern ihre silberne Hochzeit. 18.: Ihre silberne Hochzeit feiern die Eheleute Robert Pierschke.— Der Ruhr=Lenne=Reiterverband veranstaltet am„Freischütz“ ein Reit=, Fahr= und Springturnier.— Die Eheleute Ludwig Geisel, Klusenweg, feiern ihre silberne Hochzeit. 19.: Ihre goldene Hochzeit begehen die Eheleute August Müller. Haselackstr. 3. 22.: Die Eheleute Landwirt Dietrich Vieler, Schützenstr. 8, feiern ihre goldene Hochzeit. 23.: Der Invalide Heinrich Zilian, Geisecke, wird 84, Jahre alt.„ 41gt Gaaehen ei. 24.: Ihre silberne Hochzeit begehen die Eheleute Ingenieur W. Poetzsch, Holzenerweg 15 und die Eheleute Vollziehungsbeamter Fritz Heimbeck, Westhellweg 11.— Der Bexginvalide Heinrich Tanger, Eichholz 25, wird 81 Jahre alt. — Seinen 82. Geburtstag feiert der Rentner Karl Marquis in Steinberg bei Ergste.— Die Eheleute Gastwirt Fritz Pütter, Ergste, feiern ihre silberne Hochzeit. 25.: Die Werbewoche für Leibesübungen in Schwerte und Umgegend nimmt im„Freischütz“ einen festlichen Ausklang.— Die Eheleute Uhrmacher Karl Paul, Hagenerstraße 5, feiern ihre silberne Hochzeit. M. E7.82u, wire 6 29.: Die Ww. van Weel, Hörderstr. wird 83 Jahre alt. Juni. 1: Der Hüttenbeamte Robert Albus, Nickelstraße, ist 25 Ihre bei den Nickelwerken beschäftigt. Der Eisenbahnbauverein vergibt die Arbeiten für 59 Wohnungen im Grüntal.— In Schwerte wird der Rotkreuztag durch einen Kinderfestzug begangen.— Die freiw. Feuerwehr hält eine Nachtübung im Schwerterwalde ab. — Der Pförtner Johann Hinz kann auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Eisenbahn zurückblicken.— Der Turnverein„Eintracht" Westhofen blickt auf ein 30jähriges Bestehen zurück. 3.: Der Bahnangestellte Josef Thiel, Westenstraße, erleidet auf dem Schwerter Bahnhof beim Einlaufen eines Dortmunder Personenzuges einen tödlichen Unfall.— Die Eheleute Oberschaffner Karl Möller, Senningsweg 14, feiern ihre silberne Hochzeit. 4.: Die Ww. Heinrich Vennewald, Holzenerstraße 8, wird 77 Jahre alt.— Im Wellenbad Geisecke ertrinkt der 20 Jahre alte Fritz Hemmer aus Aplerbeck.„ SK 5.: Die Eheleute Schulwärter Wilh. Grüll, Ergste, feiern ihre goldene Hochzeit.„ 6.: Die Ww. Christine Hosang, Senningsweg, wird 83 Jahre alt.— In der Schwerter Herberge zur Heimat weilen Herren vom Ministerium und der Provinzialverwaltung, um die westf. Wandereinrichtungen kennen zu lernen 8.: Die Ww. Berta Althoff in Westhofen wird 77 Jahre alt. 9.: Die Eheleute Schreinermeister August Heidegott, Westhofen, feiern ihre silberne Hochzeit. 10.: Ihre silberne Hochzeit begehen die Eheleute Hermann Krause. Terf 12.: In Garenfeld wird der Invalide Karl Funke 79 Jahre alt.. K.472—5248 eh 13.: In der Nähe des Kaiserhofes setzt ein Blitzschlag ein Kabel der Oberleitung der Straßenbahn in Brand..„ 9u, Aamte. 14.: In Holzen seiern die Eheleute Kolonialwarenhändler Wübbecke ihre silberne Hochzeit. — 80 Jahre alt wird Herr Heinrich Kuhlmann am Märkt.— In Schwerte findet in festlicher Weise der 59. Abgeordnetentag des westf. Provinzialkriegerverbandes statt, verbunden mit dem Sommerfest des Ortsvereins, der 25jährigen Jubelfeier des Kriegervereins Villigst und der 30jährigen Jubelfeier des Marinevereins Schwerte.— Wilhelm Hamer, Mühlenstraße 15, wird 75 Jahre alt.— In der Hermannstraße wird ein Pferd von einem Bienenschwarm zu Tode gestochen.„6.— grh Stinker Snef. 15.: Die Eheleute Pfarrer Frd. Klinker, Westhofen, und die Eheleute Invalide Ludwig Faber. Buchholz, feiern ihre silberne Hochzeit.— Aus der Umgegend werden zahlreiche Gewitterschäden gemeldet.— In Geisecke weiht die freiwillige Feuerwehr einen neuen Steigerturm ein. 16.: Ihren 80. Geburtstag kann Frau H. Gillkötter, Kampstraße 1, begehen. 19.: Der Zugführer Frdr. Schürmann aus Holzen erleidet auf dem Schwerter Bahnhof einen tödlichen Unglücksfall.— Beim Baden in der Ruhr oberhalb des Wellenbades ertrinken zwei Persong.###.# K uist ums Ausia. 20.: Im Schwerter Rathaus wird eine Kreistagssitzung abgehalten, in der die Etats des Landkreises Annahme finden.— Auf der Hörderstraße erleidet Adolf Bondkowski einen schweren Unfalz,,...„atinslafbrete irign 22.: Auf der Provinzialstraße Villigst— Ergste ereignet sich ein schweres Motorradunglück, dem zwei Personen zum Opfer fallen.— Die Eheleute W. Kaiser, Schillerstraße, feiern ihre silberne Hochzelt.. ing ma#et23.: Die Ww. Sophie Pelzing, Westhofen, Hörderstraße 6, wird 82 Jahre alt. 24.: In Westhofen verübt ein 20jähriger junger Mann Selbstmord durch Erschießen. 26.: Stadtrat a. D. Melchheier ist 61jährig nach längerem Leiden gestorben. 27.: Vertreter der Arnsberger Regierung und der Landrat in Iserlohn weilen in Holzen zwecks des geplanten Schulhausneubaues. 29.: Der Turnverein„Jahn“ Schwerterheide feiert sein 30jähriges Bestehen, verbunden mit dem Bezirksturnfest des Bezirks 2, Kreis III des A. D. T. 4.: Der auf der Hörderstraße verunglückte Adolf Bondkowski erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen. 5.: Der Wirt Erich Ulland übernimmt die Wirtschaft„Deutsches Haus“, am Markt. 6.: Die freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Schwerte feiert ihr 30jähriges Bestehen. — Die Witwe Schwabe vom Höchsten wird 87 An der Wirtschaft„Zum Stadtteller“ auf der Brückstraße fährt ein Auto mit einer von Hörde kommenden Straßenbahn zusammen. 9.: In der Nähe der Rettelmühle ereignet sich ein schweres Motorradunglück, bei dem der Fahrer getötet wird.„ n 11.: Der Verein zur Wahrung der Interessen der Altstadt e. V. protestiert in einer Mitgliederversammlung gegen die geplante Herausnahme der Straßenbahn aus der Altstadt. 13.: Die Eheleute W. Brauckhoff. Schwerte, Hüsingstraße, und die Eheleute Albert Wüsthoff, Westhofen, feiern ihre silberne Hochzeit.— Der Sportverein„Westfalia" Villigst feiert sein 25jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe.— Der Schwarzmeiersche Kinderchor, Berlin gastiert an zwei Abenden in Schwerte „Im Reiche des Wassers“ erfolgreich. 16.: In Hennen findet eine Gemeinderatssitzung statt, in der man sich mit der geplanten Grenzregulierung Hennen—Villigst, einverstanden erklärt.— Der Reichsbahnschlosser Fritz Sprave feiert sein 25jähr. Arbeitsjubiläum. 17.: Die Ergster Amtsvertreter stimmen der Grenzregulierung Hennen—Villigst zu.— Das Realgymnasium begeht am„Freischütz“ sein diesjähriges Schulfest. gg Marimann u. 91 18.: Der Rentner Wilh. Wortmann in Villigst, wird 85 Jahre alt.— Die Eheleute Wilh. Viebahn in Westhofen feiern ihre silberne Hochzeit. 20.: In Schwerte findet ein Verbandsfest der kath. Vereine, verbunden mit der 40jährigen Gründungs=Feier des Arbeitervereins„St. Stephanus“ statt.— Der Rentner Heinrich Kießler, Märkischestr. 31, wird 79 Jahre alt. 21.: Die Ww. Hulda Otto in Westhofen kann ihren 75. Geburtstag begehen. 22.: Die Eheleute August Hegener, Weißenburgerstraße, und die Eheleute Fr. Heierhoff, Wittekindstraße, feiern ihre silberne Hochzeit. 26.: Die Eheleute Invalide Karl Wallmann, Haselackstr. 2. feiern ihr 40jähriges Eheiubiläum. 27.: In Schwerte finden auf dem Sportplatz am Schützenhof die diesjährigen Reichsjugendkämpfe statt.— Die Eheleute Jos. Maiwurm, Mährstraße, feiern ihre silberne Hochzeit. 29.: Die Stadtverordneten beschließen eine Erhöhung des Schulgeldes für die höheren Schulen ab 1. Oktober... 4 9.. 31.: Die Ww. Sophie Rutenborn, Geisecke, wird 80 Jahre alt. Juli. 1.: Der 1. städtische Beigeordnete Wilh. Burgemeister, Westenort 12, begeht bei der Reichsbahn sein 25jähriges Dienstjubiläum.— Der Hüttenbeamte Aug. Bömeke, Richardstraße 10, ist 40 Jahre bei den Nickelwerken beschäftigt.— Frau Wilhelmine Breer in Westhofen kann auf eine 25jährige Tätigkeit als Hebamme zurückblicken. 3.: Der Kaufmann Adolf Scheifler aus Westhofen wird auf dem Schwerter Bahnhof überfahren und geibtet August. 1.: Der Invalide August Kloos, Westhofen, Unnaerstraße, wird 78 Jahre alt.— In Garenfeld kann der Invalide Wilh. Funke seinen 82. Geburtstag begehen. 2.: Der Invalide Adolf Brenscheid, Buchholz, 3.: Die Eheleute Wilh. Hoffmann, Kuhstraße, und die Eheleute Th. vom Hofe, Hermannstraße, feiern ihre silberne Hochzeit.— Der Ruhrtaler Sängerverein feiert sein Silberjubiläum, verbunden mit einem großen nationalen Gesangwettstreit... Tägpstraße verupolückt eir 91. 4.: An der Schützenstraße verungluckt ein 21jähriger Bauarbeiter tödlich.— Die Eheleute Hermann Nessitek, Poststraße 12, feiern ihre silberne Hochzelf, Enriante#. 5.: Die Ww. Henriette Brinkmann in Westhofen wird 81 Jahre alt. 88g 8. 6.: Der Oberschaffner Hugo Kallauch, Holzen, ist 25 Jahre bei der Reichsbahn tätig.— Die Ww. Henriette Eichmann, Geisecke, wird 83 10: Has Lustschiff„Graf Zeppelin“ überfliegt auf seiner Fahrt nach Dortmund von Hagen kommend, auch Schwerte. 12.: Der Invalide Peter Kohlhauer in Westhofen wird 75 Jahre alt. 15.: Carl Homberg sen., Lohbachstr. 3, feiert seinen 75 Geburtstag.., arreg 6 16.: Der Maschinist Karl Ewald sen. kann auf eine 50jähr. Tätigkeit bei der Eisenindustrie v 18.: Die Eheleute Wilh. Biebbahn, Westhofen, Wiesenstr. 5, feiern ihre silberne Hoch19.: Ihre silberne Hochzeit begehen die Eheleute Schneidermeister Heinrich Bäcker, Hörder22.: Der Maschinenschlosser Gustav Kemper, Ergste, ist 25 Jahre bei der Reichsbahn tätig. 25.: Ihre silberne Hochzeit begehen die leute Fritz Westerhoff, Westhofen, Bruchstraße 2. 26.: Frau Ww. Lewe, Kötterbachstr., vollendet ihr 80. Lebenssahr. Zuhimann in Gei. 29.: Die Ww. Elisabeth Kuhlmann in Geisecke feiert ihren 77. Geburtstag. 30.: Die Ww. Auguste Schlüter, Holzen, wird 90 Jahre alt.— Der Invalide Bernhard Speuner, Neumarkt 6, begebt seinen 83. Geburtstag. 31.: Der Invalide Wilh. Riedel, LichtendorfOstberge, wird 89 Jahre alt.— Die Eheleute Heinrich Thiemann, Hörderstraße, feiern ihre silberne Hochzeit. September. 1.: Der Feiler Wilh. Flunkert, Hörderstr. 2. ist 40 Jahre bei den Nickelwerken tätig.—. Der Wirt August Fischer, bisher Leiter des Kasinos Schwerte=Ost, übernimmt den Betrieb des HotelRestaurants Kaiserhof.— Die Ww. Luise Cassel, Moltkestraße 9, feiert ihren 86. Geburtstag. 2.: Der Rentner Gustav Möhle, Westhosen, Niederstraße 40, wird 82 Jahre alt.— Der Invalide Karl Schweitzer, Höchsten, feiert seinen 89. Geburtstag.— In Holzen finden die diesjährigen Reichsjugendwettkämpfe statt. 5.: Frau Ww. Rüther, Hellpothstraße###. wird 83 Jahre alt.— Ihren 81. Geburtstag feiert die Ww. Wilhelmine Kramer, Beckestr. 54. — Der Walzer Heinrich Edler, Westhosen, Bahn Hofstr. 44, ist 25 Jahre bei den Deutschen Nickelwerken beschäftigt.— Der Kriegerverein Schwerte veranstaltet anläßlich seines 55jährigen Bestehens eine Beteranenehrunggn.., W. 7.: Die Ehefrau Minna Mohle, Westhosen, wird 81 Jahre alt.— Der Bürgerschützenverein Schwerterheide weiht seinen neuen Schießstand in der Nähe der Wirtschaft Eckey ein. 8.: Der Rentner Ernst Brinkmann, Westhofen, Hochstr. 4, feiert seinen 87. Geburtstag. 11.: Die Eheleute Adolf Weber, Ostbergerstaße, begehen ihre silberne Hochzeit. 12.: Die Ww. Lina Schoppe geb. Dickehage, Westhofen, Hochstr. 10, wird 88 Jahre alt.— Im Saale„Im Reiche des Wassers“ kam es zu schweren politischen Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, wobei es mehrere Verletzte gab. 13.: Die Eheleute Werkmeister Otto Grüll, Ergste, Schwerterstraße 14, feiern ihre silberne Hochielt...... Schmigt Guchar u wich 14.: Frl. Emilie Schmiot, Kuhstr. 7, wird 80 Jahre alt.— Ihre silberne Hochzeit feiern die Eheleute Straßenbahnschaffner a. D. Hugo Hagemann, Beckestraße 90.— Der Gemischte Chor „Harmonie“ feiert sein 25jähriges Bestehen.— Die Reichstagswahlen in Schwerte nehmen einen ruhigen Verlauf. Wahlberechtigt waren 11 878 Personen, gewählt haben 10 282 Personen, Wahlbeteiligung 88,4 Prozent. 16.: In Westhofen findet eine wichtige Amtsvertretersitzung statt, in der man sich mit der geplanten Grenzregulierung zwischen den Gemeinden Hennen und Villigst einverstanden erklärt. 17.: Der Berginvalide Heinrich Oberfeld, Lichtendorf, wird 77 Jahre alt. 18.: In Holzen wird in feierlicher Weise der Grundstein zur neuen Zentralschule gelegt.— Auf der Hörderstraße in Schwerte ereignet sich ein Motorradunglück, dem ein Menschenleben vun,. Karl Viebahn, Westhofen, Mittelstr., ist 40 Jahre bei den Deutschen Nickelwerken tätig. 22.: Die Eheleute Karl Schulz, Westhofen, Mittelstraße 13, feiern ihre silberne Hochzeit.— In der Gartenwirtschaft„Mutter Möller" auf der Schwerterheide, bricht ein Brand aus, der großen Schaden anrichtet und die mit Korn gefüllte Getreidescheune niederlegt. Es kommt Brandstiftung in Frage, der Täter konnte festgenommen werden. B46 23.: Der älteste Einwoyner von Westhofen, Rentner Friedrich Sievert, Friedrichstr. 4, wird 25.: Ihre silberne Hochzeit feiern die Eheleute Fritz Schumacher, Schwerterheide. 26.: Der Oberschaffner Karl Möller, Senningsweg, erleidet im Dienste auf dem hiesigen Bahnhof einen tödlichen Unglücksfall. 28.: Die Ww. Maria Braukmann, Holzen, Kreisstraße 28, wird 85 Jahre alt. Oktober. 1.: Die Bäckerei und Konditorei G. Seuthe, Bahnhofstr., kann auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken.— Der Eisenbahnwerkmeister Jos. Nieder ist 35 Jahre bei der Reichsbahn tätig.— Anläßlich seines 25jährigen Bestehens veranstaltet der Gemischte Chor„Harmonie" im„Freischütz“ ein Festkonzert. 2.: Die Eheleute Karl Brieke in Schwerte feiern ihre goldene Hochzeit.— Der Hüttenbeamte Heinrich Kirchhoff, Richardstraße 14, ist 25 Jahre bei den Deutschen Nickelwerken tätig. — Der Rentner Fritz Schöttler, Ostenstr., feiert seinen 85. Geburtstag.— Eine Hindenburgsgeburtstagsfeier, verbunden mit einer Veteranenehrung, veranstaltet der vaterl. Frauenverein. 3.: Die Ww. Paul, Hellpothstr. 10, wird 87 Jahre alt.— Das Wohnhaus des Hüttenbeamten Josef Fischer, Talstraße, ist in den Besitz des Bauarbeiters Otto Krüger, Wallstraße, übergegangen.— Der Walzer Frd. Böhm und der Schmelzer Aug. Zimmat sind 25 Jahre bei den Deutschen Nickelwerken beschäftigt.— Die Eheleute Hüttenbeamter Franz Berkhoff, Königstraße, feiern ihre silberne Hochzeit. 4.: In Westhofen begehen der Krieger= und Landwehrverein e. V. das 70jährige und der Turnverein„Teutonia" e. V. das 47jährige Bestehen in festlicher Weise. 5.: Zu Ehren des heimischen Dirigenten und Komponisten A. Haselhoff findet im„Freischütz", ein Massenkonzert mehrerer Gesangvereine der Umgebung statt.... 9bstrr; 7.: Der langjährige ev. Pfatret in Schwerte, Pastor Wischnath, Soest, stirbt im Alter von 58 Jahren. Viele Angehörige der evgl. Gemeinde Schwerte geben ihm das letzte Geleit.— Der Rentner Christian Veller, Hagenerstr. 5. wird 8.: Der Vorsitzende der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Warstatt, hat seinen Posten niedergelegt, an seine Stelle tritt der Bauunternehmer 10.: Die Witwe Henriette Weber geb. Dickehage, Westhofen, Bahnhofstraße 41, wird 85 Jahre alt.— In Villigst wird die Ww. Tillmann, geb. Hasenhöller, 82 Jahre alt. 13.: Seinen 77. Geburtstag feiert der Invalide Heinrich Pelzing in Geisecke. 16.: Ihren 75. Geburtstag begeht die Ww. Lisette Rühr in Garenfeld. 17.: Der Rentner Karl Wilkes sen., Bahnhofstraße, wird 84 Jahre alt, der Polizeiinspektor Duberow 70 Jahre alt.— Die Duisbergsche Besitzung ist in das Eigentum des Bauunternehmers Scherff übergegangen. 21.: Ihre goldene Hochzeit begehen die Eheleute Rentner G. Waldmann, Wandhofen. 22.: Der Rentner Karl Koch, Westhofen, Niederstr. 12, wird 83 Jahre alt.. 23.: Die Eheleute Vollziehungsbeamter#. R. Wilhelm Schäfer, Hennen, feiern ihre silberne Hochzeit, desgl. die Eheleute Berginvalide Heinrich Koring, Holzen 8. : Der Walzer Heinrich Schulte, Wanohofen, Holzstraße 7, ist 40 Jahre bei den Deutschen Nickelwerken beschäftigt, u# Agust Grat 27.: Die Eheleute Steinkipper August Groß, Westhofen=Buchholz, feiern ihre silberne Hochzeit, desgl. die Eheleute Karl Hingst, Holzen, Rosenweg.— In Villigst findet die erste Gemeindevertretersitzung nach der Gebietszusammenlegung 28.: Der Platzmeister Wilh. Marten, Garenfeld, ist 40 Jahre auf der Holzstoffabrik Buschmühle beschäftigt. November. 1.: Die Westhofener freiw. Feuerwehr veranstaltet eine große Schlußübung. 2.: Die Ww. Lina Gue, Westhofen, Hochstraße 34, wird 75 Jahre alt. 5.: In Westhofen stirbt die älteste Einwohnerin, die Ww. Kaspar Schoppe, im 89. Lebens8.: Die Eheleute Anstreichermeister Karl Heetmann, Hennen, feiern ihre silberne Hochzeit. 9.: Der D. H. V. kann in Schwerte auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. 10.: Die einzelnen Schwerter Berufsorganisationen beschließen eine Weihnachtsnotsammlung für die Wohlfahrtsunterstützungsempfänger. 11.: Die Besitzung Zeuch, Hagenerstr. 75, ist in den Besitz von Willi Wüsten, Wanne=Eickel, übergegangen.— Der Walzer Josef Oeke, Refflingsen, ist 25 Jahre bei den Deutschen Nickel13.: Die Ww. Wilhelmine Böttge in Lichtendorf wird 88 Jahre alt.— Die Eisenbahnwagenmeister Bernhard Henneböhle, Schwerte, Zilianu. Altberg=Geisecke sind 25 Jahre an der Reichsbahn tätig.— Der Oberwerkführer Alex Schnettker, Hörderstraße 59, ist 40 Jahre bei der DeutSchwerter Kommanaisenn 1830 Mit dem Ende des Jahres 1930 ist auch das erste volle Jahr dahingegangen, daß die politische Gemeinde Schwerte einem neuen Kommunalverband, dem Landkreis Iserlohn, angehört. Die Zerschlagung des Landkreises Hörde, dem Schwerte als größte Stadt angehörte, war bedingt durch die kommunale Neugliederung u. Erweiterung der Großstädte. Die Stadt Schwerte führte selbst zu jener Zeit heftige Eingemeindungskämpfe, die einmal eine Loslösung vom Landkreis Hörde verhindern sollten, zum anderen den Wunsch nach einer kreisfreien Stadt Schwerte auftauchen ließen. Ein eventuelles Fortbestehen des Kreises Hörde fiel und stand mit der Ernennung Schwertes zur Kreisstadt. Kreisfreie Stadt aber wollte Schwerte unter eigener Eingemeindung benachbarter Gemeindegebiete werden. Beide angenehmen Wünsche der Stadt zerschlugen sich und seit 1929 wurde Schwerte ein wertvoller Bestandteil des vergrößerten Landkreises Iserlohn. Nun sollen an dieser Stelle nicht die Fragen erörtert werden, ob bei dieser oder jener anderen Lösung des Eingemeindungsproblems die Stadt Schwerte besser abgeschnitten hätte. Das Wichtigste ist und bleibt, daß die alte Ruhrstadt weiter in der Entwicklung begriffen ist. Das Jahr 1930 bestätigt das trotz allen Krisen. Besonders die Einwohnerzahl ist auch 1930 dauernd im Steigen geblieben. Die Stadt Schwerte wird bald das 19. Tausend voll haben. Im eigentlichen kommunalpolitischen Leben ist der Gang derselbe geblieben. Zwar brachten die Neuwahlen zu dem Stadtparkament und dem Kreistag eine bedeutende Veränderung der Fraktionsstärken und damit des Einflusses auf die allgemeine Verwaltung. Besonders im Stadtparlament waren oft die Zeichen der Machtverschiebung sehr deutlich erkennbar. Die Finanzlage der Stadt kann man trotz verschiedenen Umständen als durchaus ausgeglichen bezeichnen. Zwar war bei der Etatsaufstellung im Jahre 1930 ein Fehlbetrage von 652000 Mk. vorhanden. Weitere 100000 Mark Fehlbetrag wurden nicht aufgeführt, um die Deckung des allgemeinen Defizits nicht noch schwieriger zu gestalten. Selbstverständlich war bei dem Millionenhaushaltsplan von den verschiedenen Parteien sehr viel zu bemängeln, doch wurden die Feststellungen der Einnahmen= und Ausgabenseiten angenommen. Zur Deckung der 652000 Mark wurde ein Steuerzuschlag zur Grundvermögenssteuer von 230 Prozent, zur Gewerbeertragssteuer von 650 Prozent und zur Lohnsummensteuer von 2400 Prozent im Stadtparlament angenommen. Eine Anleihe von 30000 Mark wurde dann später noch zur Errichtung eines Neubaues bewilligt, dagegen wurden die übrigen derartigen Ausgaben durchschnittlich nach den Etatspositionen geregelt. Selbstverständlich wirkte sich im Laufe des Jahres die steigende Depression in der Wirtschaftslage auch ungünstig auf den Wohlfahrtsetat aus. Die vorhandenen Mittel reichten natürlich bei weitem nicht aus, um all den Bedürftigen gerecht zu werden, die durch die ungeheure Arbeitslosigkeit neu entstanden. Dazu kamen die erheblichen Kreissteuern, die ebenfalls ein Loch in dem Stadtsäckel zurückließen. Die Folge war, daß im Anfang des Dezembers bereits ein Defizit von 147000 Mark vorhanden war, der als„voraussichtlich" bezeichnet wurde. Dieser Fehlbetrag soll wie folgt gedeckt werden: 39 Prozent Zuschlag zur Grundvermögenssteuer, 108 Prozent Zuschlag zur Gewerbeertragssteuer und durch die erhöhte Biersteuer. Da die hierdurch einkommenden Summen nur 89600 Mk. betragen, bleibt der Rest von 57•400 Mk. ungedeckt, daß sich doch noch die von der Verwaltung vorgelegte Aufstellung der Minder= oder Mehrbelastung für die Stadt und ihren Haushalt stiger stellen wird. Für das letzte Vierteljahr des Rechnungsjahres 1930 sind folgende Zuschläge zu erheben: 156 Prozent zur Grundvermögenssteuer und 432 Prozent zur Gewerbeertragssteuer. Nach diesem letzten Weihnachtsgeschenk der Stadt bleibt nun zu hoffen, daß im kommenden Jahre endlich die Steuererhöhungen aufhören und durch Arbeit und Brot alle Einwohner zufrieden gestellt werden.—98.— schen Reichsbahn tätig.— Die kath. Gemeinde veranstaltet für den scheidenden Vikar Winter 14.: Frl. Berz. Mühlenstr. 4, wird 76 Jahre 15.: Die Verwaltung der 2. Vikariestelle an der kat. Kirche in Schwerte wird dem Vikar Johann Kirchner in Werdohl übertragen. Die„Wittekindskirche" auf der Hohensyburg wird feierlich eingeweiht.“ 16.: Die Ww. Friederike Viebahn, Westhofen, Mittelstraße 6; wird 89 Jahre alt.— Die Volksschule Reingsen bei Bürenbruch kann auf ein 75jähriges Bestehen zurückblicken. 19.: Im„Freischütz“ findet ein BußtagsKonzert des M. G. G.„Sangeslust" statt.— Der Tag der Deutschen Familie wird in Schwerte gebührend begangen. 23.: Pfarrer Schnurbus begeht seinen 65. Geburtstag.— Reichsbahnzugführer Kaspar Schüpstuhl, Liethstraße, ist 25 Jahre bei der Reichsbahn beschäftigt.— Die Besitzung der Erben Filthaut, Poststraße, geht in den Besitz des Postbeamten Wilh. Filthaut über.— Anläßlich des Totensonntages findet auf dem kath. Friedhofe eine Gefallenen=Gedenkfeier statt. 24.: Die Eheleute Rangiermeister F. Beckmann, Geisecke, begehen ihre silberne Hochzeit. 24.: Ihre silberne Hochzeit feiern die Eheleute Fritz Tillmann, In den Höfen 2.— Die Eheleute Hauptweichensteller a. D. Heinrich Weiher, Ostbergerstraße 82, feiern ihre goldene 26.: In Westhosen, Oststraße 6, wird Frau Elisabeth Maurer 80 Jahre alt. 27.: Ihre silberne Hochzeit feiern die Eheleute Hermann Dalchow, Kuhstraße 32.— Die Gastwirtschaft Josef Schulte, Westhofen, geht durch Kauf in den Besitz des Wirtes Siede, 28.: Der Schuhmachermeister Heinrich Maurer, Westhofen, Oststraße 6, wird 78 Jahre alt. — Ihre silberne Hochzeit feiern die Eheleute Wilhelm Brenken, Rosenweg.— Westhofen lehnt die Notverordnungssteuern ab, desgl. Holzen. 30.: Der Turner Georg Klinger kehrt als 1. Sieger vom 7. Kunstturnkampf Westfalen— Rheinland zurück u. erfährt besondere Ehrungen. Dezember. 1.: Die heimische Konzert=Sängerin Anneliese Seuthe gibt in Schwerte im Saale„Im Reiche des Wassers“ ein erfolgreiches Konzert. 2.: 40 Jahre ist der Scherenarbeiter Karl Weber, Märkischestr. 5, bei den Deutschen Nickel3.: In den Gemeinden Westhosen, Holzen, Ergste und Berchum wird die Bürgersteuer Klee, Westhofen, wird 8: Frl.“ Emilie Thekhaus, Große Martstraße 8, begeht ihren 80. Geburtstag, desgl. die Ww. Lisette Deitert in Wandhofen.— Ihre silberne Hochzeit feiern die Eheleute Anstreicher= meister Karl Körner, Märkischestr. 26. 10.: Der Reichsbahnbeamte i. R. Franz Krahne, Westhofen, wird 81 Jahre alt.— Der Klempner Karl Ballul, Westhellweg 33, ist 40 Jahre bei den Deutschen Nickelwerken tätig.— In der Märkischestraße brennt ein Schuppen des Bauunternehmers Dittrich aus ungeklärter Ur13.: In Schwerte wird die Weihnachtsmesse eröffnet. Auf den Plätzen haben brennende Weihnachtsbäume Aufstellung gefunden; die Stadt hat Fahnenschmuck angelegt. 14.: Der Kriegerverein Holzen feiert sein iüh: Hemt Wefer Witheli Kordeck, wird eine Auszeichnung für Fer’sczwerte# 18.: Die Eheleute Wilhelm Peddinahaus, Keleliae Kescäiser Biähsest. 1u. 22.: Der Invalide Karl Sievert, Hörderstraße 2, wird 87 Jahre alt.— Die EheGraf Diedrichstr. 6a, begehen ihre silberne Hoch23.: Der Kettenschmied Heinrich Beckhaus, Bürenbruch, wird 81 Jahre alt. 25.: Die Ww. Lisette Duisberg, Märkischestraße 7, wird 80 Jahre alt. Märchen vom Winterschlaf Von Nek. „Diese Erfindung wird nicht verfehlen, in weitesten Kreisen größtes Aufsehen zu erregen,“ berichtet eine Korrespondenz und meint die Entdeckung des Professors Dr. Otto Plötzl an der Wiener Psychiatrischen Klinik, dem es nach langjährigen Versuchen gelungen ist, den Menschen in künstlichen Winterschlaf zu versetzen. In der Tat, die Erfindung ist zeitgemäß und angetan, ein weitverbreitetes Bedürfnis zu befriedigen. Die Frage: Wie kommt man gut und billig über den Winter hinweg?, hat ihre Patentlösung gefunden. Wer möchte nicht bis zur Rückkehr besserer Tage, also wenn der Lenz mit neuem Leben, neuer Liebe und Hoffnung seinen Einzug hält, wer möchte nicht mit dem Murmeltier, dem Hamster und anderen weisen Tieren in Idealkonkarrenz treten! Was würde man schon versäumen?! So wie man aus einem Filmstreisen die schlechtgeratenen Bilder herausschneidet, so könnte man aus dem eigenen Lebensfilm das Unangesehme ausmerzen, indem man sich Hilfe vorr Professor Pötzl für einige Zeit entsernt... Das moderne Wintermärchen ist, da wir uns ein anderes nicht leisten können, wissenschaftlichen Ursprungs: der künstliche Traum— ein verschlafenes Leben... Wie gern wären wir bereit, den mikroskopischen Preisabbau und gar den etwas rapideren Lohn= und Gehaltsabbau zu verschlafen. Welch eine Wohltat für Ausgesteuente und Fürsorgeempfänger, über die schweien, kalten Monate hinwegzukommen. Sie brauchten nicht stempeln zu gehen, und der Staat könnte förmlich im Schlaf viel Geld sparen. Mancher Familienvater wird im Sprechzimmer des Professors Pötzl händeringend flehen: Bitte, auch mir einen ausgiebigen Winterschlaf, möglichst doppelte Dosis, die bis über das nächste Quartal hinausreicht, oder solange, bis man wieder feste Börsen und wenig Insolvenzen meldet. Anspruchsvollere werden sogar verlangen, über die momentane Geldverknappung schlafenderweise hinwegzukommen, aber diesen Wunsch wird der Professor nicht erfüllen können, denn es handelt sich ja nur um einen Winter=, nicht um einen Dauerschlaf durch alle vier Jahreszeiten. Das Schlafverlangen dieser Zeit ist Jroß. Flucht in den Traum. Ich gedenke, einen langen Schlaf zu tun, in dem bekanntlich der Herr es den Seinen gibt. Vielen überreizten, verstörten Zeitgenossen täte eine solche Winterkur gut. Wenn der Frühling kommt, sehen wir uns wieder. Wünsche angenehme Ruhe. Schlaft, Kindlein, schlaft... Träumt schön vom Preisabbau... Wo gedenken Sie diesen Winter zu verbringen, gnädige Frau?— Erst Wintersport in St. Moritz und anschließend Riviera.— Aber es war ein Irrtum Ihrerseits. Der Gatte schickt Sie zu Professor Pötzl. Und der sorgt für das weitere. Zwei Monate Kuraufenthalt im Land der Träume. Eine billigere Saison gibt es nicht. Wenn man bedenkt, was man allein an Hüten und Toiletten spart. Vormschich Herr Brook kann keine Enten schießen. Ein wahrer Gentleman ist zugleich auch stets ein tüchtiger Jäger, sagte sich Herr Jamas Brook, ein begüterter Febrikbesitzer in Richmond, und da ihm seine Millionen den Luxus gestatteten, erwarb er sich alsbald eine ausgedehnte Jagd. Allerlei vier= und zweibeiniges Getier lief und flog darin herum, und fehlte es auf den verschiedenen einsam im Walde gelegenen völlig an Wildenten. Dabei waren die Tiere in der Gegend garnicht einmal selten, und Herr Brook ärgerte sich jedesmal, wenn er auf seinen Pirschgängen diese Vögel hoch in den Lüften über sich wegstreichen sah. Aber wozu ist man Millionär, wenn man sich nicht mal einige armselige Enten verschaffen kann? Der eifrige Nimrod stellte also einen Jagdhüter an, der keine andere Aufgabe hatte, als mit allerlei List und Tücke Wildenten auf die Seen seines Brotgebers zu schaffen. Der gewandte Mann hatte auch bald einige der scheuen Vögel herangelockt und durch regelmäßige reichliche Fütterung es zuwege gebracht, daß die Tiere auf den seiner Obhut unterstellten Seen bald ganz heimisch wurden und zahlreichen Zuzug fanden. Herr Brook war zufrieden und konnte nur schwer den Aufgang der Wildentenjagd erwarten. Kaum war der ersehnte Tag angebrochen, als er mit einigen Freunden auch schon in aller Frühe loszog, um Wildenten zu schießen. Vorsichtig pürschte man sich an einen See heran, schon von weitem war das lustige Geschnatter vernehmbar. Herr Brook strahlte. Noch einige Schritte, dann würden die Vögel abstreichen, und man konnte nach Herzenslust dazwischen knallen. Die wenigen Schritte wurden gemacht, die Jäger standen ohne jede Deckung am Seeufer, aber nicht eine einzige Ente ging hoch. Mit verstärktem Geschnatter kamen sie im Gegenteil zutraulich auf die Jäger zugeschwommen. Es war klar: die wilden Enten waren durch die monatelang regelmäßigen Fütterung zahm geworden, sodaß sie gar nicht daran dachten, vor den Menschen Reißaus zu nehmen. Diese besaßen immerhin noch so viel weidmännisches Gefühl, daß sie nicht auf die zutraulichen Tiere schossen, sondern es vorzogen, ohne Wildenten im Rucksack heimkehren. Wenn Herr Brook solche schießen will, wird er zunächst dafür sorgen müssen, daß die zahmen Enten auf seinen Seen wieder wild werden, eine Aufgabe, mit welcher der tüchtige Jagdhüter sich demnächst zu beschäftigen haben wird. Aber wenn die Vögel schlau sind, so bleiben sie und fliegen nicht hoch, nur um im nächsten Augenblick heruntergeschossen zu werden. Damit die Hühner größere Eier legen. Von einer eigenartigen Einrichtung, die seit kurzem in England ausprobiert wird, verspricht sich die dortige Landwirtschaft eine Verbesserung der Eiproduktion. Der Apparat wird im Hühnerstall an den Nestern befestigt und zeigt, sobald ein Ei gelegt wurde, selbsttätig dessen Gewicht an. Aber noch mehr. Weist das Ei nicht ein bestimmtes, vorher an dem Apparat eingestelltes Mindestgewicht auf, so hält alsbald eine besondere Vorrichtung das schuldige Huhn das seiner Pflicht nicht nachgekommen ist, im Neste fest. Falls sich derartige Verfehlungen wiederholen, kann also die Sünderin gleich gefaßt, geschlachtet und in der Kochtopf geschickt werden. Auf diese Weise bleiben schließlich nur die Hühner übrig, die große Eier legen.— Der Hühnerbestand Englands dürfte bei allgemeiner Einführung des Aapparats wohl ziemlich stark zurückgehen, aber der alte Darwin würde angesichts dieser praktischen Anwendung seiner I WARRRRERE ***** * Dezember: Bei einem Zusammenstoß zwischen Eisenbahnzug und Straßenbahnwagen wurden am 3. in Leningrad 28 Fahrgäste getötet.— Der chinesische Dampfer„Sien Tao“ sank am 6. und begrub 300 Personen in den Wellen.— Ein noch ungeklärter Nebel brachte am 7. im MaasTale 63 Menschen ums Leben.— Der 12. brachte das Verbot des Remarque=Filmes.— Auf Java wurden am 19. durch einen Bulkanausbruch 100 Menschen getötet. Die Coten des Jahres. Jannar: Die Kammersängerin Therese Malten, 1855 in Insterburg grvoren, starb am 2. Januar in Zschieren. — Am 3. hat sich per 63jährige Berliner Theaterdirektor und Lustspielautor Leo Walter Stein in seiner Wohnung erschossen.— Ulrich Graf von Schwerin, Kal. Preuß. Wirkl. Geheimer Rat, a. v. Gesandter und bev. Minister a. D., starb am 4. Januar im 66. Lebensjahre in Dresden.— Graf Nikolaus von Seebach, der letzte Generalintendant der Dresdener Hofbühnen, starb, 76 Jahre alt, am 12. Januar.— Emmi Destinn, die berühmte Opernsängerin, verschied am 29. in Böhmisch= Budweis an einem Herzschlag. Februar: Der Königsberger Gynäkologe Pros. Dr. Zangemeister ist am 4. einem Herzschlag erlegen.— Hofrat Max Schreiber, der Gründer und langjährige Verleger der„Meggendorfer Blätter“, ist am 14. im Alter von 80 Jahren in Eßlingen gestorben.— In Oebisfelde am 13. im 83. Lebensjahre der Tambour von St. Privat, Friedrich Heinrich Rohde— Der deutsche Gesandte in Belgrad, Dr. Köster, gleichfalls am 18.— Professor Josef Futterer, der Münchener Maler, ist im Alter von 59 Jahren am 22. Februar gestorben. März: Großadmiral von Tirpitz verschied am 6. im Alter von nahezu 81 Jahren im Sanktorium Ebenhausen im Isartal.— Kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres am 10. März in Bückeburg Exzellenz von Breitenbach, früherer Staatsminister und Minister für öffentliche Arbeiten.— Der Präsident der Vereinigten Staaten in den Jahren 1909 bis 1913, William Taft, am 9. März.— General Primo de Rivera plötzlich am 16. März.— Am 17. wurde der Vortragskünstler Marcell Salzer durch Tod vom Podium abgerufen. Er ist nur 56 Jahre alt geworden.— Der ehemalige Premierminister und konservative Führer Lord Balsour im Alter von 82 Jahren am 19. März. 9M April: Frau Cosima Wagner in am 1. April im Alter von 92 Jahren gestorben.— Die Königin Viktoria von Schweden verschied am 4. in Rom infolge eines Herzschlages. Sie wurde am 7. August 1862 geboren, war eine badische Prinzessin und Enkelin Kaiser Wilhelms I. Am 9. April verschied der Kunstmaler Siegmund Kaulbach in Hannover im Alter von 75 Jahren.— Am 13. folgte ihm sein Kollege, der ehemalige Berliner Vorsitzende des Reichsverbandes bildender Künstler Prof. Dr. Max Fleischer, im Alter von 69 Jahren in die Ewigkeit Mai: Geh. Rat Prof. Dr. Volkelt ist kurz vor Vollendung seines 62. Lebensjahres am 8. Mai gestorben.— Am 13. Mai verschied der reckenhafte Nordlandfahrer Fridtiof Nansen im Alter von 69 Jahren in Oslo. Damit ist ein Mensch und Forscher von dieser Welt gegangen, dem unsere Sympathie von jeher galt. Er war ein Freund Deutschkands.— Am gleichen Tage segnete das Zeitliche Frau Dr. d. e. Helene Lange, die Veteranin der Frauenbewegung, nach langem Leiden im Alter von 83 Jahren. Am 15. verschied die Schauspielerin Maria Orska an den Folgen einer Veronalvergiftung.— Am 21. starb der frühere Senatspräsident beim Reichsgericht Dr. Niedner. Inni: Der in den bekannten Grundstücksskandal verwickelte frühere Berliner Stadtrat Paul Busch ist am 1. Juni im Moabiter Krankenhaus gestorben.— Am 10. verschied im 79. Lebensjahre der Wirkl. Geheimrat Prof. Adolf v. Harnack. Dr. theol, et phil., Dr. med. et jur. h. c., Präsident der Kaiser=Wilhelm=Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften.— Der 11. raffte den früheren„FliegendeAlätter"=Zeichner Hermann Schliettgen im Alter von 71 Jahren hinweg. Juli: Am 5. Juli ist die Fürstin=Witwe Marie von Schwarzburg=Sondershausen im 86. Lebensjahre gestorben.— Julius Hart, der Dichter und Kritiker, verschied am 7. an den Folgen einer Grippeerkrankung im Alter von 71 Jahren. Er wurde am 9. April 1859 in Münster geboren.— Der Schriftsteller Conan Doyle 71 Jahre alt, am 8. Juli an einem Herzleiden. Er ist der Schöpfer der bekannten Sherlock=Holmes=Romane.— Dr Hermann Dietrich, Geheimer Justizrat, bis 1924 Vizepräsident der Deutschen Nationalversammlung und des Deutschen Reichstages, im Alter von 74 Jahren am 8. Juli. — Am 10. verschied General der Kavallerie a. D. Freiherr Friedrich von Bernhardi, 83 Jahre alt, in Kunersdorf(Schlesien).— Am 13. der oldenburgische Ministerpräsident von Finckh in St. Blasien im 71. Lebensjahr.— Emil Claar, der ehemalige Intendant der Frankfurter Theater, starb am 28. Juli im 88. Lebensjahre in Frankfurt am Main.— Am gleichen Tage der Schauspieler Rudolf Schildkraut in Hollywood an Herzschwäche. August: Im 55. Lebensjahre verstarb am 3. Augun in Karlsruhe der demokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas.— Der 4. raffte Siegfried Wagner plötzlich hinweg.— Am 5. August in Hannover General der Infanterie a. D. Paulus von Stolzmann. Er wurde 1863 in Stollberg am Harz geboren.— General Walter Reinhardt, der letzte preußische Kriegsminister und erste Chef des neuen Heeres, ist am 9. August seinem schweren Leiden erlegen.— Der frühere preußische Justizminister Dr. Hugo Am Zehnhoff verschied am 23. in Düsseldorf. Er war am 11. Februar 1855 geboren und Mitglied der Zentrumspartei.— Geh. Hofrat Dr. phil. Dr. ing. e. h., Dr. agr. h. c. Paul Wagner ist am 25. in Darmstadt im 88. Lebensjahre gestorben.— Geheimrat Pros. Dr. Eduard Meyer, der Historiker an der Berliner Universität, am 31. im 76. Lebensjahre. September: Dr. Th. v. Ohlshausen, seit 1922 Präsident des Direktoriums der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, starb am 2. in Berlin im 53. Lebensjahre.— Am 10. verschied der Verleger Eugen Diederichs in Jena im 63. Lebensjahre.— Der frühere Kommandierende General des III. Armeekorps, Freiherr Ludwig von Gebsattel, ist am 21. in einer Münchener Klinik nach einer Operation im 74. Lebensjahr gestorben.— Generalfeldmarschall Prinz Leopold won Bayern ist am 28. in Alter von 84 Jahren im Leuchtenbergpalais an Altersschwäche verstorben. Der Prinz war am 2. Februar 1846 als zweiter Sohn des nachmaligen Prinzregenten Luitvold geboren.— Lord Birkenhead, der Führer des rechten Flügels der Konservativen im englischen Oberhause, starb am 30. September im 58. Lebensjahre. Oktober: Generaloberarzt Dr. Arthur Wegener in Chemnitz ist am 10. Oktober im 60. Lebensjahre gestorben. Mit ihm verliert die deutsche Aerzteschaft einen ihrer hervorragendsten Standesvertreter.— Otto Dierichs, Verleger des Bochumer Anzeigers, verschied am 15. in Bochum im 62. Lebensjahre. Der Verewigte war in zahlreichen Ehrenämtern tätig.— Geheimer Baurat Eugen Drollinger, ein geborener Heidelberger, ist, 72 Jahre alt, am 24. gestorben. Vor allem war er bekannt als der letzte überlebende Baumeister des königlichen Romantikers und Bauherrn Ludwig II. von Bayern.— Am 28. in Hirschberg (Riesengebirge) Generalleutnant a. D. Hans v. Carlo= witz im 74. Lebensjahre. Hans v. Carlowitz hat sich besondere Verdienste um das Kartenwerk der sächsischen Landesaufnahme erworben. November: In München verschied am 1. November Professor Felix Berber im 60. Lebensjahre.— In seinem Heimatort Pinerolo in der Nähe von Turin am 5. im Alter von 69 Jahren der ehemalige italienische Ministerpräsident Luigi Facta.— Der Opernsänger Peter Kreuder ist am 5. einem Herzschlag erlegen. Er stand im 61. Lebensjahre.— Die bekannte Schriftstellerin Anselma Heine verschied am 9. November in Berlin im Alter von 75 Jahren.— Die frühere deutschnationale Abgebrdnete zur Nationalversammlung, Dr. Käthe Schirmacher, starb in Meran im 66. Lebensjahre am 19.— Am 26. November starb Nansens Begleiter. der Kapitän der„Fram“, Otto Soerdrup, im 76. Lebensjahre. Dezember: Am 1. Dezember starb der Sozialdemokrat Adolf Hoffmann, genannt der„Zehn=Gebote=Hoffmann", im 72. Jahre. Er war im Deutschen Reichstage wie auch im Preußischen Landtage einer der gefürchtetsten und schlagfertigsten Zwischenrufer.— Geheimrat Dr. Porsch verschied am 7. Dezember, 76 Jahre alt. Porsch war fast 50 Jahre Parlamentarier und 20 Jahre Vorsitzender der Zentrumspartei im Preußischen Landtage. PERETREA Raulottalt auf dus Gaht 193e Beilage zur„Schwerter Seitung“ Birtschaft, Kunst und Wissenschaft. Das Jahr 1930 ist besonders reich an Erinnerungen neuen, älteren und alten. Soweit sie allgemeiner Natur gewesen, sollen hier die bedeutendsten kurz in das Gedächtnis zurückgerufen werden. Jannar: Am 4. Januar erfüllten sich 50 Jahre nach dem Tode von Anselm Feuerbach, der in Düsseldorf. München und Paris den Pinsel führte und in Venedig am 4. Januar 1880 seinen Geist aufgab.— Hans von Bülow, der Musiker, wurde vor 100 Jahren, am 8. Januar 1830, in Dresden geboren. 1855 heiratete er Liszts Tochter Cosima, die spätere Gattin Richard Wagners. Er starb am 12. Februar 1894 in Kairo.— Am 8. Januar feierte Italien die Hochzeit seines Kronprinzen Humbert mit der belgischen Prinzessin Maria José.— Die beiden Münchener Bürgermeister überreichten am 16. dem Reichspräsidenten von Hindenburg den Ehrenbürgerbrief der Stadt München.— General Karl Litzmann, der Held von Brzeziny und Kowno, wurde am 22. Januar 80 Jahre alt. Februar: Adolf von Menzel, dieser vielseitige und fruchtbarste Maler, starb vor 25 Jahren, am 9. Februar 1905.— Die tausendjährige Stadt Gandersheim(Harz) feierte am 9. Februar den tausendjährigen Gedenktag der Nonne Roswitha, die im Kloster zu Gandersheim wirkte, und als erste deutsche Frau Legenden, Hymnen, Dramen und geschichtliche Werke schrieb.— Otto Erich Hartleben, der feucht=fröhliche Dichter, starb vor 25 Jahren, am 11. Februar 1905.— Karl von Holtei, der als Autor und Bühnenleiter das gemütvolle Liederspiel in Deutschland einbürgerte, starb vor 50 Jahren, am 12. Februar 1880.— Das französische Kabinett Tardien ist am 17. Februar zurückgetreten.— Das neue Kabinett Chautemps wurde am 21. Februar endgültig gebildet. Schon am 2. März bildete Tardien wiederum eine neue Regierung.— General=Oberst von Linsingen. der letzte Oberkommandierende in den Marken, wurde am 20. Februar 80 Jahre alt.— Der preußische Minister des Innern, Grzesinski, trat am 28. Februar zurück. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Oberpräsident der Provinz Sachsen, Waentig, ernannt. März: Reichsbankpräsident Dr. Schacht trat am 7. März von seinem Posten zurück. Der Ausgang der Young=Gesetze soll ihn zu diesem Schritt veranlaßt haben. Diese wurden am 12. März vom Reichstag angenommen.— Einer der meistgelesensten Dichter seiner Zeit war Paul Heyse, der am 15. März 1830 in Berlin das Licht der Welt erblickte. In München gab er am 2. Juni 1914 seinen Geist auf.— Robert Hamerling, Vorkämpfer des Deutschtums in Oesterreich, wurde am 24. März 1830 in Kirchberg am Wald geboren. Er war ein beliebter und vielgelesener Dichter und lebte bis zu seinem am 13. Juli 1889 erfolgten Tode in Graz.— Nach Angabe des Norddeutschen Lloyd vom 25. März hat die„Europa“ für die Ueberquerung des Atlantik nur 4 Tage 16 Stunden und 48 Minuten benötigt. — Nachdem am 27. März die Reichsregierung Müller zurückgetreten war, hat der Reichspräsident am 30. März den Zentrumsabgeordneten Dr. Brüning zum Reichskanzler ernannt. Generalleutnant a. D. Dr. h. c. Gröner wurde Reichswehrminister, Dr. Curtius(DVP.) Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Schätzel(BBP.) Reichspostminister und Prof. Dr. Moldenhauer(DVP.) Reichsminister der Finanzen. Ferner hat der Reichspräsident Dr. Wirth(Zentrum) zum Reichsminister des Innern, Dietrich(Dem.) zum Reichswirtschaftsminister Dr. Stegerwald(Zentrum) zum Reichsarbeitsminister. von Guérard(Zentrums zum Reichsverkehrsminister. Dr. Schiele(D.=N.) zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft=Professor Dr. Bredt(Wirtschaftsparteis zum Reichsminister der Justiz, und Treviranus(Volkskons.) zum Reichsminister für das besetzte Gebiet ernannt. April: Der kommunistische Reichsjugendtag führte am 20. April in Leipzig zu Zusammenstößen. Polizeihauptmann Galle, Polizeioberwachtmeister Kappe und ein Demonstrant wurden getötet, ein Polizeibeamter wurde schwer, drei leichter verletzt. Auch eine Anzahl Demonstranten sind mehr oder weniger schwer verletzt worden.— Freiherr Ernst von Wolzogen wurde am 23. April 1855 in„Breslau geboren.— Franz Lehar. der rettenkomponist, wurde vor 60 Jahren, am 30. April 1870. in Komorn in Ungarn geboren. Mai: Das 75. Lebensjahr vollendete am 7. Mai Oskar von Miller, bedeutender Ingenieur, verdient um die Versorgung Bayerns mit elektrischer Kraft und Gründer des deutschen Museums in München.— Friedrich von Schillers 125. Todestag fiel auf den 9. Mai dieses Jahres. Er war am 10. November 1759 in Marbach geboren, hat mithin nur ein Alter von 45 Jahren erreicht.— Nataly v. Knobelsdorff=Brenkenhoff. unter ihrem Mädchennamen v. Eschstruth seit Jahrzehnten als Romanschriftstellerin bekannt, wurde am 14. Mai 70 Jahre alt.— Der Overnkomponist Karl Goldmark(„Königin von Saba".„Merlin".„Heimchen am Herd“) wurde am 18. Mai 1830 in Kerzthely in Ungarn geboren. Er verschied 1915 in Wien.— Am 20. Mai erklärte Landtagspräsident Weckel den sächsischen Landtag für aufgelöst, weil er sich als arbeitsunfähig erwies.— Am 20. Mai gedachten die Historiker und Literaturhistoriker des Georg Gottfried Gervinis der an diesem Tage im Jahre 1805 in Darmstadt zur Welt kam. Er war einer der„Göttinger Sieben“ und segnete das Zeitliche 1871.— Die Stadt Augsbura beging am 22. Mai die 400=Jahrfeier der Augsburgischen Konfession. Den Höhepunkt dieses größten protestantischen Volksfestes bildete ein großer historischer Festzug. Juni: Am 1. Juni sind es 150 Jahre her, daß General Karl von Clausewitz, der Verfasser des berühmten. für die Militärwissenschaft grundlegenden Werkes„Vom Kriege", in Burg bei Magdeburg geboren wurde.— Der ehemalige Staatsmann Graf von PosadowskuWehner vollendete am 3. Juni sein 85. Lebensjahr.— Am 6. Juni beging das ehemalige Kaiserhaus die silberne Hochzeit des Kronprinzenpaares Wilhelm und Cecilie. Der Tag wurde auf Schloß Doorn gefeiert.— Am 9. Juni proklamierte die rumänische Nationalversammlung Prinz Carol zum König von Rumänien. — Am 11. Juni verbot der preußische Innenminister das Tragen der nationalsozialistischen ParteiUniform.— Der Weltmeisterschaftskampf im Boxen zwischen Max Schmeling und Jack Sharkey am 13. Juni nahm ein überraschend schnelles Ende. In der 4. Runde brachte Sharkey einen regelwidrigen Schlag an. der seine sofortige Disqualifikation zur Folge hatte. Max Schmeling wurde zum Weltmeister ausgerufen.— Major Hermann von Wissmann, der Afrikasorscher, starb vor 25 Jahren, am 15. Juni 1905, erst 52 Jahre alt. 1891 nahm er das ostafrikanische Küstengebiet für Deutschland in Besitz.— Am 16. Juni fand in Berlin die feierliche Eröffnung der 2. Weltkraftkonserenz statt.— Am 23. Juni konnte das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen verkündet werden. Es erhielten Sitze: Sozialdemokraten 32, Deutsche Volkspartei 8, Kommunisten 18. Wirtschaftspartei 10, Deutschnationale 5, Landvolk 5, NatioBc * 8 K E 5 nalsozialisten 14, Demokraten 3, Volksrechtspartei 2, Volksnationale Reichsvereinigung 2, Christlichsoziale 2.— Dem Reichskommissar für die besetzten Gebiete in Wiesbaden wurde am 28. Juni von der interalliierten Rheinlandkommission mitgeteilt, daß das Besatzungsregime am 30. Juni 1930 um 24 Uhr beendet sei. Damit wurde das gesamte rheinische besetzte Gebiet frei. Millionen Menschen atmeten auf! Juli: 80 Jahre alt wurde am 10. Juli Ferdinand Schrev. der Schövser des Stenographie=Systems StolzeSchrey.— 900 Jahre üllten sich am 12. Juli d. J. seit der Grundsteinlegun imes zu Speier unter Kaiser Conrad II.—. Jiebig, die bekannte Schriftstellerin, feierte„„: Juli ihren 70. Geburtstag.— Ulrich von isamowitz=Möllendorf, der klassische Philologe. beging die seltene Feier des 60jährigen Doktorjubiläums am 20. Juli 1930.— Am 18. Juli erließ der Reichspräsident folgende Verordnung##„Nachdem der Reichstag heute beschlossen hat, zu verlangen, daß meine auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung erlassenen Verordnungen vom 16. Juli außer Kraft gesetzt werden, löse ich auf Grund des Artikels 25 der Reichsverfassung den Reichstag auf.“— In Köln wurde am 21. Juli das 19. Deutsche Bundesschießen eröffnet.— Am 28. Juli erfolgte die Gründung der Deutschen Staatspartei.— Die Pariser Julirevolution begann vor 100 Jahren, am 27. Juli 1830. Karl X. wurde gestürzt und der Bürgerkönig Louis Philipp auf den Thron gesetzt. August: In den Tagen vom 1. bis 5. August fand in Berlin eine Tagung des Deutschen Stenographen= bundes statt.— Eine norwegische wissenschaftliche Expedition hat am 6. August auf Withe Island(auf FranzJosephs=Land) die Leiche des schwedischen Nordvolforschers Andrée gefunden. Die Leiche des im Jahre 1897 verschollenen Forschers ist gut erhalten.— Dr. Käthe Schirmacher. die hervorragende deutsche Frauenführerin, feierte am 6. August ihren 65. Geburtstag.— Am 13. August hatte der Papst den Bischof von Meißen, Dr. Christian Schreiber, zum ersten Bischof des neuen Bistums Berlin ernannt.— Franz Joseph, der verstorbene Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn, erblickte vor 100 Jahren, am 17. August 1830, das Licht der Welt in Wien. Er verschied 1916, 86 Jahre alt.— Raimond Poincaré, französischer Politiker, beging am 20. August seinen 70. Geburtstag.— Friedrich Nietzsche, der Kulturphilosoph und Ethiker, der Verkünder des Uebermenschentums, schloß am 25. August vor 30 Jahren— 55 Jahre alt— in Weimar seine Augen zum letzten Schlafe. Am 30. August traf durch Vermittlung des apostolischen Nuntius Orsenigo in Berlin die väpstliche Bulle ein, durch die die Erhebung der Diözese Paderborn zur Erzdiözese und die Ernennung des Bischofs Dr. Caspar Klein zum Erzbischof als vollzogen bestätigt wird. September: Marie von Ebner=Eschenbach wurde am 13. September vor 100 Jahren auf Schloß Zdislavitz in Mähren geboren. Ihre Werke haben ihr den Ruf erworben. nach Annette von Droste=Hülshoff die größte deutsche Dichterin der neueren Zeit zu sein.— Die Reichstagswahl am 14. September zeitigte folgendes Ergebnis an gewählten Abgeordneten: Sozialdemokratische Partei 143, Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 107, Kommunisten 76. Deutsche Zentrumsvartei 68. Deutschnationale 41. Deutsche Volkspartei 30. Wirtschaftspartei 23. Deutsche Staatsvartei 20. Bayerische Volkspartei 19. Deutsches Landvolk 18. Christlich=sozialer Volksdienst 14. Deutsche Bauernvartei 6. Konservative Volkspartei 5. Deutsch=hannoversche Partei 3. Landbund 3.— Bei der Landtagswahl in Brannschweig vom gleichen Tage erhalten Mandate: Sozialdemokraten 17(bisher 24), Kommunisten 2(bisher 2), Staatspartei 1(bisher Demokraten 2). Nationalsozialisten 9(bisher 1), Bürgerliche Einheitsliste 11(zusammen bisher 19).— Der österreichische Ministerrat hat am 25. September die Gesamtdemission des Kabinetts beschlossen. — Ende September wurde Generalmajor Freiherr von Hammerstein als Nachfolger von Heye zum Chef der Heeresleitung ernannt. Oktober: Die neue Dresdener Elbbrücke, die mit einer Stützweite von 115 Meter die weitestgesvannte Blechhalkenkonstruktion der Welt ist, wurde am 1. Oktober ihrer Bestimmung übergeben.— Der preußische General Vork von Wartenburg verschied am 4. Oktober 1830 zu Klein=Oels. Am 30. Dezember 1812 schloß er mit den Russen die Neutralitätskonvention von Tauroggen.— In Italien ward der 5. Oktober gefeiert als der Tag, an dem vor 2000 Jahren(70 vor Christi) Publius Maro Vergil, der römische Dichter, das Weltenlicht erblickte. Sein bedeutendstes Werk war die„Aeneis“.— Jacques Offenbach, der Schöpfer von„Hoffmanns Erzählungen" und zahlreicher Operetten, starb vor 50 Jahren, am 5. Oktober 1880.— Am 10. Oktober beging der frühere Staatssekretär des Reichsmarineamts, von Capelle, seinen 75. Geburtstag.— Am 11. Oktober feierte der frühere langjährige Chef der Deutschen Reichspost, Staatssekretär a. D. Dr. Kraetke. den 85. Geburtstag.— Artur Nikisch, der Dirigent des Leipziger Gewandhausorchesters und der Berliner Philharmoniker, wurde vor 75 Jahren, am 12. Oktober 1855, in Ungarn geboren. Er starb am 23. Januar 1922.— Das Metallarbeiterkartell hat am 14. Oktober auf Grund der in den Betrieben vorgenommenen Urabstimmungen den Streik beschlossen. 140000 Arbeiter und Arbeiterinnen haben die Arbeit niedergelegt.— Die AeroArctic hat am 15. Oktober Dr. Eckener gebeten, den Vorsitz in der Gesellschaft zu übernehmen. Dr. Eckener hat sich dazu bereit erklärt.— Der preußische Innenminister Prof. Waentig ist am 22. Oktober zurückgetreten. An seine Stelle trat Severing.— Adalbert Stifter, der Dichter, erblickte das Weltenlicht vor 125 Jahren, am 23. Oktober 1805 in Oberplan in Böhmen. 1868 starb er.— Prinzessin Giovanna von Italien und König Boris von Bulgarien ließen sich am 25. Oktober in Assisi trauen. November: In Adis Abeba, der Hauptstadt Abessiniens, wurde am 2. November König Ras Tafaris als Kaiser von Aethiovien gekrönt.— Die Gemeinderatswahlen in Oldenburg vom 9. November brachten auch hier ein außerordentliches Anwachsen der nationalsozialistischen Stimmen.— Die österreichischen Wahlen vom gleichen Tage zeitigten folgendes Ergebnis: Es wurden gewählt: Sozialdemokraten 72, Christlich=Soziale 66, Schober= block 19, Heimatblock 8.— Vor 300 Jahren, am 15. November 1630, verschied der berühmte Astronom Johannes Kepler in Regensburg.— Der Dichter Friedrich von Lauff konnte am 16. November seinen 75. Geburtstag feiern.— In Meßkirch in Baden wurde vor 150 Jahren der Komponist Konradin Kreutzer am 22. November 1780 geboren. Sein Hauptwerk war die Musik zum„Nachtlager von Granada“. 69 Jahre ist er alt geworden. Dr. h. c. Adolf Damaschke, der Vater der Bodenreform, wurde am 24. November 65 Jahre alt.— Lina Morgenstern, einst mit ehrenvollem Spitznamen die Suppenlina genannt, weil sie für die Errichtung von Volksküchen, Kochschulen, Krankenpflegekursen kämpfte, wurde vor hundert Jahren, am 25. November 1830, in Breslau geboren. Dezember: Der Reichspräsident hat am 2. Dezember die neue Notverordnung vollzogen.— Am 4. trat die französische Regierung Tardieu zurück.— Paul Oskar Höcker, der bekannte Romanschriftsteller, und Graf Rüdiger von der Goltz wurden am 7. bzw. 8. Dezember 65 Jahre alt.— In Stockholm fand am 10. die Verteilung der Nobelpreise statt.— Professor Dr. Hugo Junkers wurde am 13. durch die Verleihung des Siemens=Ringes geehrt. Ratastrophen, Unglücksfälle, Verbrechen, Arteile. Das Jahr der Katastrophen wurde 1930 genannt. Nicht mit Unrecht. Unser Erdteil wurde nicht in dem Maße heimgesucht wie besonders Asien und das unglückliche„Reich der Mitte“: China. Auch Japan hatte viel zu erdulden. Jannar: Unter den Kindern der deutsch=russischen Flüchtlinge im Lager Hammerstein hat sich zu Anfang Januar eine Krankheit ausgebreitet. 52 Kinder sind ihr erlegen.— Der„Daily Expreß“ veröffentlichte vom 3. Januar: Halb China hat unter arktischer Kälte zu leiden. In den Pekinger Straßen sind 208 Passanten erfroren aufgefunden worden. Im Norden der Provinz Tschansi haben 1500.) Menschen, die unter der Hungersnot zu leiden hatten, durch Kälte das Leben verloren.— In San Diego stürzte am 22. Januar ein dreimotoriges Großflugzeua SK ZSEBSSISEESDSRSUTISSRES GTAETR 3. mit sechzehn Insassen ab.— Ein schweres Straßenbahnunglück wurde am 25. Januar in Stettin verursacht. 5 Personen wurden getötet und etwa 24 verletzt. Februar: Am 4. Februar wurden 300 russische Marineoffiziere, die den Eintritt in den Sowjetdienst verweigerten ohne vorherige Verurteilung erschossen.— Der Dampfer „München" des Norddeutschen Lloyd ist am 11. Februar in Newyork durch Feuer zerstört worden und gesunken. Alle Passagiere und die Besatzung wurden gerettet.— Das Dorf Villa di Mezzo bei Bolognoto wurde am 23. Februar von einer ungeheuren Lawine verschüttet. Es wurden dreizehn Tote und vier Verletzte geborgen. Zwölf Personen wurden vermißt.— In dem Prozeß gegen den letzten Inhaber des Hauses Molinari& Söhne sowie drei Mitangeklagte in Breslau wurde vom Erweiterten Breslauer Schöffengericht nach zwölftägiger Verhandlung am 24. das Urteil gefällt. Jakob Molinari wurde wegen Betruges und einfachen Konkursvergehens zu sechs Monaten Gesängnis und 1000 Mark Geldstrafe. der Kaufmann Arnold Grzimek zu 1 Jahr 2 Monate Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe verurteilt. März: Eine kommunistische Räuberbande hat Anfang März den Ort Fuan in der Provinz Kiangsi überfallen. ausgeplündert und 2000 Personen niedergemetzelt.— Im südfranzösischen Ueberschwemmungsgebiet ist die Zahl der Toten auf 700 gestiegen, 1500 Häuser sind eingestürzt.— In der Nähe des Kurortes Therezpolis im Staate Rio de Janeirosentgleiste am 10. März ein Eisenbahnzug und stürzte in eine 175 Meter tiefe Schlucht. 30 Tote und 33 Verletzte wurden gezählt.— In Kirin(Mandschurei) kamen bei einem Kinobrand 200 Menschen ums Leben. April: Eine Fähre, die bei Akune in Südjapan am 2. April 300 Personen an Bord hatte, kenterte, wobei mehr als 100 Personen ertranken.— In der Fabrik für Feuerwerkskörper in Devon(Pennsylvania) ereignete sich am April ein Explosionsunglück. Fünfzehn Personen wurden getötet, achtzig schwer verletzt.— Bei einem Kinobrand in Licota auf Sizilien sind am 11. April 20 Personen verbrannt.— Im Zuchthaus in Kolumbus(Ohio) brach am 22. April ein riesiger Brand aus, bei dem 400 Tote zu verzeichnen waren.— Während eines Zuklons sank auf dem Flusse Jamuna in Ostbengalen am 28. April der Dampfer„Condor". Von 300 Passagieren sind nur 20 gerettet. Mai: Ein Wirbelsturm in Texas hat Anfana Mai mehrere Städte verwüstet, wobei 90 Personen ums Leben gekommen sind.— Bei den Erdstößen in Peau vom 6. sollen 6000 Menschen umgekommen sein.— Eine Räuberbande von 3—4000 Mann hat am 11. Mai Yongjang an der Honan=Hupei=Grenze eingenommen. 15000 der Bewohner sollen ermordet worden sein. 500 wurden als Geiseln verschleppt.— Am 12. ereignete sich auf der Concordia=Grube in Hindenburg eine wetterexplosion, bei der 12 Bergleute verschüttet wurden. Juni: Der chinesische Dampfer„Litsnonlitung" lief Anfang Juni auf ein Riff und sank. 100 Reisende und die Besatzung ertranken.— Bei der Explosion des Munitionslagers in Chechow (Provinz Hünan) fanden am 10. 100 Personen den Tod, 300 wurden verletzt.— Das Schuldkonto des Massenmörders Kürtens war am 10. auf elf Morde und über 20 Brandstiftungen gestiegen.— In einer Schule in Charkow brach Mitte Juni Feuer aus. 29 Kinder sind in den Flammen umgekommen.— Der deutsche Gesandte in Lissabon, v. Baligans, ist am 19. Juni dem an ihm verübten Revolverattentat erlegen.— Im Leunaprozeß wurde am 21. das Urteil gesprochen: Wegen Betruges. Beihilfe und Bestechung wurden Urteile verhängt von 2½ Jahren Gefängnis und 300000 Mark Geldstrafe bis auf 300 Mark Geldstrafe. Juli: Die Verlustliste von Hausdorf vom 11. Juli weist 210 Verunglückte auf. Gerettet wurden 59 Mann Tot sind 151 Bergleute.— Das Erdbeben in Italien vom 23. hat an die 5000 Opfer gefordert. Besonders schwer heimaesucht wurde die Provinz Potenza.— Als am 23. da Buhlikum non der Befreiungsfeier in Koblenz nach Hause strümte, stürzte die Pontonbrücke am Luetzel ein. Etwa 10 Perionen sind ertrunken.— Die japanische Regierung veröffentlicht am 23. über die Taifunschäden in Korea und Kiuschin: 393 Tote, 1493 Vermißte und 205 Verletzte. Die Anzahl der zerstörten Häuser wird mit 8475 angegeben. August: Von einer furchtbaren Erdbebenkata strophe, die 500 Todesovfer gefordert hat. wurde am 4. August die Nordostküste des Kaspischen Meeres heimgesucht.— Auf dem Hsikiana bei Kanton ist am 13. ein chinesischer Dampfer auf eine Mine gestoßen und gesunken. 70 Passagiere fanden den Tod.— Aus Neapel vom 14. meldete der Funkdienst: Ein schweres Unwetter entlud sich über Poggio Reale und zerstörte mehrere Depots. 44 Personen wurden getötet, 70 verletzt. — Das 70. Todesopfer wurde in der Lübecker CalmetteAngelegenheit am 26. August gemeldet. September: Bei dem Großfeuer in der Güterabfertigung Hannover am 1. September sind 136 Güterwagen verbrannt. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 4½ bis 5 Millionen RM.— Die Zahl der bei der Wirbelsturmkatastrophe in Santo Domingo am 8. September ums Leben gekommenen Personen wird auf 5000 geschätzt.— zu der Nacht zum 22. wurden in dem Sprengstofflager zu Iserlohn t. W. eine Kiste mit Dynamit, vier Pakete Anno=Gelatine und 1332 Sprengkapseln gestohlen.— Ein starkes Erdbeben zerstörte am 24. in der Nähe von Stalinabad in Tadschikistan sieben Dörfer völlig und beschädigte zehn weitere. Es wurden 175 Tote und über 300 Verletzte festgestellt. An 1200 Familien sind obdachlos. — Von einer furchtbaren Pestseuche wurde Ende September China heimgesucht. Ganze Dörfer starben aus. Die Leichen blieben unbeerdigt liegen. Oktober: Das chinesische Gebiet um Tschekiang ist Anfang Oktober von einer schweren Ueberschwemmungskatastrophe heimgesucht worden, bei der über 6000 Menschen ertranken.— Im Hochverratsprozeß gegen die Ulmer Reichswehroffiztere erging am 4. das Urteil: Die Angeklagten erhielten je eine Festungshaft von einem Jahre sechs Monaten. Eine Begnadigung bat der Reichspräsident zunächst abgelehnt.— Am 5. ist das englische Luftschiff R 101 über Frankreich explodiert. 53 Personen wurden, getötet, darunter der englische Luftfahrtminister und der Leiter des britischen zivilen Luftwesens.— Das Flugzeug D 1930 ist am 6. in Dresden abgestürzt. Es wurden sechs Tote und ein Schwerverletzter geborgen.— Bei Sao Paulo entgleiste am 11. ein Eisenbahnzug, der 1000 Mann Regierungstruppen nach Sautos bringen sollte, und stürzte ab. Die meisten Soldaten fanden den Tod.— In dem Prozeß wegen der Leipziger Ostervorgänge wurden am 14. verurteilt: Haubenreißer 5 Jahre Zuchthaus, 4 Jahre Ehrenrechtsverlust. 6 weitere Angeklagte Gefängnisstrafen von 7 Monaten bis zu 1 Jahr und 6 Monaten.— Am 21. ereignete sich in der Grube„Anna II“ in Alsdorf ein furchtbares Unglück. 262 Bergleute fanden den Tod.— Bei Quierschied unweit Saarbrücken wurde die Schachtanlage Maubach am 25. Oktober von einer Schlagwetterexplosion heimgesucht. Die Zahl der Toten wurde mit 90 gemeldet.— Aus Schlesien und der Niederlausitz wurden Ende Oktober große Ueberschwemmungen gemeldet.— Im Bombenleaervrozeß verkündet das Schwurgericht zu Altona am 31. das Urteil. und zwar schwankend von 7 Jahren Zuchthaus bis au 50 Mark Geldstrafe. November: Im Augsburger Giftmordorozeß wurde am 6. die Angeklagte Lutzenberger zum Tode verurteilt.— Wegen Landesverrats gegen den Musik= meister Peter Adam vom Artillerieregiment 6 in Minden wurde dieser am 11. November zu 10 Jahren Zuchthaus. die Ehefrau zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt.— Im Viertel St. Jean in Lyon ist am 13. November ein Häuserblock eingestürzt. Ueber 120 Personen sind geötet worden.— Der 3364 Bruttoregistertonnen große Hamburger Frachtdampfer„Louise Leonhardt“ der Neederei Leonhardt& Blumberg ist am 23. bei GroßVogelsand gestrandet. Er ist mit rund 30 Mann Besatzung utergegangen.— Ein Erdbeben suchte am 26. Osaka eim. Hunderte von Bewohnern wurden obdachlos. über 00 getötet.— Eine Explosionskatastrovbe, die den Tod von 104 Kindern verursachte, hat sich am aleichen Tage in der koreanischen Hauptstadt Fusan ereignet. Es irolodierte ein Behälter mit Naphthagas und setzte den Zuschauerraum in Brand. SA BEEEEAR Fahrerwrecser oder Schicksalswende Von Paul Oskar Seidl. Jeder aufstrebende Mensch lauscht am Jahreswechsel durch den verworrenen Lärm der Sylvesternacht doch zu allermeist auf seine innere Stimme. Er weiß, daß sie ihm stets etwas zu sagen hat, wenn er sie hören will. Und am Ende des alten, am Beginn des neuen Jahres will er sie hören. Es genügt ihm nicht,„in seinem dunklen Drange des rechten Weges wohl bewußt" zu sein. Er will mehr. Er will Licht im Dunkel. Der jüngste Abschnitt der Vergangenheit mit ihren Erfolgen und Mißerfolgen, Siegen und Niederlagen steht noch frisch noch stärkend oder lähmend in seiner Erinnerung. Unerbittlich, unbestechlich brachte das Leben im letzten Jahre Klarheit und Wahrheit, auch wo sie als Geißel empfunden wurden. Klarheit und Wahrheit will der aufstrebende Mensch auch für das vor ihm liegende neue Jahr gewinnen. Undurchdringlich hängen die Schleier der Ungewißheit selbst vor der nächsten Sekunde seines Lebens. Aber der ausstrebende, der echte und wirkliche Mensch hat Herz und Hirn, Mut und Willen und sieht einen Weg voran, empor, den er sich zu schaffen traut und erzwingen will. Er rafft entschlossen seine materielle und seine ideelle Kraft zusammen und stärkt sich mit heißen Hoffnungen und ernstlichem Wollen in der Ueberzeugung, daß ihm das Schwerste gelingen muß, wenn er dem Besten seines Selbst treu bleibt. Der aufstrebende, der denkende und gesunde Mensch klopft darum mit frohem Mut an die Tür des neuen Jahres im Geiste des Goethewortes: Nicht so vieles Federlesen! Laßt mich immer nur herein: Denn ich bin ein Mensch gewesen Und das heißt ein Kämpfer sein. Mit solchem Denken und Wollen steht der aufstrebende und also auch der christliche und deutsche Mensch an der Jahreswende. Dieses Denken beschränkt sich aber nicht auf das eigene Ich. Schicksalsverbundenheit, Notgemeinschaft, oft mißbrauchte, den Ereignissen vorweg genommene, verblassende Schlagworte sind an dieser Jahresschwelle stahlharte, eiskalte Wirklichkeit. Viele, allzuviele haben es in den letzten Jahren versucht, sich von dieser Notgemeinschaft los zu machen, abseits der ringenden und darbenden Volksgenossen und auf ihre Kosten ein Dasein der Sorglosigkeit und des Genusses zu führen oder mindestens die eigene Bürde zu erleichtern und anderen aufzupacken.. Dabei ist die Gemeinschaft sch zächer, die Rot jedoch noch größer geworden. Deutscher sein bedeutet für alle Volksschichten Entbehrung, Last und Opfer. Deutscher sein, heißt einem Volke angehören, dessen Nacken so tief gebeugt wird, wie der keines noch so schwachen, noch so schlechten Volkes auf der ganzen Erde. Die Grundlagen allen Menschseins ist der aufrechte Gang. Was die Welt dem deutschen Volke tut, ist Unmenschlichkeit. Das unterdrückte Volk vermag ebenso wie das unterdrückte ###elwesen seine Kraft nicht zu entfalten. er Jugend unseres Volkes blutet das Herz unter brennender Gewissensnot. Die heranwachsenden Geschlechter, denen jeder Tag neues Wissen bringt über die Leistungen ihres Volkes in der Vergangenheit, nicht nur für sich selbst sondern für die Menschheit, denen auch im letzten Jahre das schnellste Schiff auf den Weltmeeren, das größte Flugzeug in den Lüften, das mächtigste fliegende und schwimmende Schiff in beiden Elementen zugleich frohgemut zuriefen, daß auch die härteste Zeit Weg und Willen ihres Volkes zu höheren Zielen wohl hemmen, aber nicht hindern kann, bäumen sich erbittert auf und fragen empört: Warum das uns? Warum! Die erwachsenen Geschlechter scheinen den jungen das Bild des Chors in der „Braut von Messina" zu bieten, der von sich sagt:„Uns treibt das verworrene Streben blind und sinnlos durchs wüste Leben". Verworrenes Streben! Unklarheit über den Weg, Unsicherheit über das Ziel! Sie haben uns viel zu lange beherrscht. Das letzte Jahr ist für Deutschland und die Deutschen nach innen und nach außen wahrlich kein Freudenjahr gewesen. Im Glauben an die Haager Vereinbarungen wurden wir in das neue Jahrzehnt mit Klängen des Hoffens hineingeführt. Es wurde enttäuscht. Und voch wird 1930 einmal als segensreiches Jahr in unserer Geschichte stehen, als eine Zeit der Umkehr und Vorbereitung. Das ist das Beste, was wir aus dem alten Jahr mit in das neue hinübernehmen können. Und es ist nicht wenig, es ist viel. Es kann alles werden, wenn wir uns aus dem Zaudern heraus endlich zur Tat entschließen. Verhängnisvoller noch als unsere kriegerische Wehrlosigkeit wirkte in der hinter uns liegenden Zeit unser Mangel an geistiger Rüstung, die Vorbereitung von Kleinmütigkeit in der Zuversicht auf das Deutschtum, die persönlichste Schöpfung unseres Volkes. Diese Zeit der Selbsterniedrigung muß nun vorbei sei und sie ist vorbei. Im neuen Jahr haben wir die Aufgabe, aus der Verworrenheit vollends zur Klarheit vorzudringen und zu handeln. Jetzt kennen wir das Ziel. Es heißt Freiheit! Auf dem Wege dahin liegt das Dornendickicht der Verträge. Gewiß sind diese Vertrssge Tatsachen. Aber keine unabänderlichen. Der größte Denker der neueren Zeit, größte deutsche Denker, Immanuel Kant, prägte im höchsten Sonnenstand seines Genies im Verlaufe einer wunderbar vorausschauenden Abhandlung über Geselligkeit und Ungeselligkeit, Sozialismus und Individualismus, das große Wort:„Dank sei der Natur für unsere Unvertragbarkeit!“ Wir handeln wahrlich wider die Natur, wenn wir uns noch länger bei diesen Verträgen bescheiden wollten; denn sie hemmen das Leben, sind selbst wider die Natur, wider anständiges Menschentum. Versailles ist ein Angriff auf die Menschheit über den blutenden sterbenden Leib des deutschen Volkcs hinweg. Unser Volk aber will leben! Es wird leben, wenn es mit dem Willen zur Klarheit nach innen und außen, mit dem Entschluß zum Pampfe in das neue Jahr hineingeht. Nur in diesem Geiste wird der Uebergang in ein anderes Jahr mehr als nur ein Jahreswechsel. Nur im Vertrauen auf das Deutschtum, unter Bereitstellung unserer gesamten Kräfte für die deutsche Freiheit wird das neue Jahr nach innen und außen die Schicksalswende bringen. Ollkun T##meinun, Tuuen Aowoin Aun###n Auu Tehnomutus Znitunez. ALDELLUSLALEEARGE dus Zahrkewener Von Freiherrn v. Lersner, vormals An der Wende des Jahres mag uns Deutsche ein bedrückendes Gesühl banger Sorge befallen. Im Innern unseres sewer geprüften Vater= landes Zersplitterung, Parteihader, oft unnötiger Kampf Aller gegen Alle. Dazu die wuchtende Reparationslast, die der Youngplan uns auf Grund von Versailles aufgezwungen har, die noch schwerere Last der 3½ Millionen Arbeitslosen und eine um das nackte Leben ringende Wirtschaft. Gleichzeitig wird die ganze Erde von einer noch nie dagewesenen Wirtschaftskrise bedroht. Ueberall— auch bei den Ententestaaten— beginnen sich die Folgen des unseligen Friedensdiktats von Versailles bemerkbar zu machen. Am eigenen Leibe fängt die Welt an zu verspüren, daß in Versailles der Bogen überspannt wurde. Niemand wird bestreiten, daß— außer vielleicht der Sowjetrußlands— die Lage des deutschen Volkes die schwierigste von allen Völkern ist. Lauert doch an unserer Ostgrenze, wenige Eisenbahnstunden von Berlin entfernt der ruhelose polnische Gegner, der unsere Landsl ue immer wieder vergewaltigt. Ebenso hat der Tscheche sich schlimme Ausschreitungen zu schulden kommen lassen. Im Westen verfolgt Frankreich scharfhörig jeden politischen Vorgang bei uns. Dabei ist— trotz seiner übergroßen militärischen Macht und Bewaffnung— das französische Volk von der unerklärlichen Furcht beherrscht, Deutschland ziele auf einen Krieg mit Frankreich ab. Jedem dürfte klar sein, daß all diese Umstände nicht gerade zu der allen Völkern so bitter notwendigen Entspannung der verwickelten politischen Lage beitragen. Hat nun der Deutsche das Recht, zu verzagen oder gar wie manche„Helden“ den Staub Deutschlands von den Füßen zu schütteln und sich in der neutralen Schweiz niederzulassen? Nein und abermals nein. Denn wir sollen und können mit Berechtigung auf bessere Zeiten hoffen. Fängt es doch endlich bei uns selbst an zu tagen. Viele Millionen Deutschec, die sich unter den Folgen von Versailles vom Vaterlande abgewandt und dem Internationalismus verschworen hatten, besinnen sich wieder auf sich selbst. Das Heil suchen sie nicht mehr in verschwommener internationaler Klassenverbrüderung, sondern in der Neuerweckung des vaterländischen Frühlings bei uns selbst. Wenn aber ein Volk erst wieder beginnt, vaterländisch zu füblen und wahrhaft national zu chandeln, so betritt es den Weg des Wiederausstiegs. Wir wissen, daß dieser Weg aus der Versailler Tiefe und steil und dornenvoll und mühsam werden wird Präsident der Versailler Friedensdelegation. Das vergangene Jahr erlöste das Rheinland von der über ein Jahr langen Besetzung, eben hat der letzte französische Bahnschutz das Saargebiet verlassen. Noch ist die Saar nicht frei, und die Rheinlandbefreiung wurde mit der Youngplan=Annahme zu teuer erkauft. Trotzdem ist es von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit, daß wir jetzt wieder, wenn auch teilweise nur nach außen hin, Herr im eigenen Hause sind. Ganz allmählich beginnt auch das Ausland wieder Interesse an Deutschland zu gewinnen. Ueberall hat das Erwachen des nationalen Gedankens in Deutschland starkes Aufsehen erregt. Man beginnt einzusehen, daß auf die Dauer eine Politik gegen die vaterländisch fühlenden Volksteile in Deutschland nicht zu führen ist. Daß mit solcher beginnenden Einsicht auch das politische Ansehen des Reiches steigt, wird man bei jeder Auslandsreise mit Genugtuung feststellen können. Hat doch Vaterlandsliebe eines Volkes zu allen Zeiten der Welt Achtung eingeflößt. Ebenso verfolgt das Ausland mit regem Interesse die Anstrengungen Deutschlands, trotz unserer gigantischen Arbeitslosigkeit die Reichs=, Staats= und Kommunalhaushalte ins Gleichgewicht zu bringen. Wie schwierig diese Aufgabe gerade in der Zeit der jetzigen Weltwirtschaftsdepression ist, erkennt das Ausland teilweise besser als das Inland. Ganz allmählich dämmert draußen auch— namentlich nach den Ausschreitungen gegen die Deutschen Oberschle= siens— das Verständnis, daß die Verhältnisse an unserer Ostgrenze auf die Dauer unhaltbar sind. Unendlich viel bleibt dem deutschen Volke und seinen Führern im neuen Jahr zu tun übrig: Rastlose Wiederaufbauarbeit. Zähe Sparsamkeit nicht nur des Staates, der Gemeinden, sondern jedes Einzelnen. Energisches Anpacken unserer größten Probleme: Arbeitsbeschaffung und gründliche Regelung unserer verfahrenen Sozialversicherunggesetzgebung, die zu schweren Mißbräuchen Anlaß gibt. Hilfe und Rettung der Landwirtschaft, namentlich im bedrohten Osten. Auf außenpolitischem Gebiet sind die Ausgaben nicht geringer: Wir müssen heraus aus der Zwangsjacke von Versailles. Der erste bedeutende Schritt ist am Rhein getan. An Frankreich liegt es, damit den Weg zu einer vernünftigen Politik Deutschlands gegenüber zu betreten. Leider ist die Saarlösung zur Zeit vertagt, und die Abrüstung scheint im Sande versickern zu sollen Auf allen Gebieten heißt es für uns in hartem, unermüdlichem Ringen, in stillem zielbewußtem, opfermütigem Schaffen sich stetig emvorzuarbeiten und vorzudringen. Daß unserem Volke und seinen Führern die hierzu notwendige Kraft, Zähigkeit, Einigkeit und Vaterlandsliebe beschieden sei, der heiße Herzenswunsch jedes Deutschen am Neujahrstage. neue Jahr Wieder geht ein Jahr zu der preußische Kultusminister nicht soeben verfügt hätte, daß es keine Zensuren im Betragen mehr geben soll, so müßte man dem scheidenden Jahr in sein Abgangszeugnis hineinschreiben: Betragen: mäßigen Ansprüchen im ganzen kaum genügend. Mit dem üblichen Silvesterlärm hatte man es so hoffnungsvoll begrüßt, Es sollte eine Linderung der Wirtschaftsnöte bringen, statt dessen legte es uns eine Abschlußbilanz vor, die fast vier Millionen Arbeitslose aufweist. Und wohin wir blicken, dasselbe Bild. Die Weltwirtschaftskrise macht sich überall bemerkbar, wenn auch nicht überall in derselben Schwere. In den Neujahrskundgebungen nehmen deshalb auch Betrachtungen über die Wirtschaftskrise einen breiten Raum ein. So hat Reichskanzler Dr. Brüning dem Herausgeber der Wohlfahrtskorrespondenz, Ernst Boerschel, eine Zuschrift zugehen lassen, in der es heißt: Auch dieses Jahres Ende trifft das deutsche Volk bei der Erkenntnis, daß es schwere Monate durchzumachen hat Die Weltwirtschaftskrise, die alle Staaten erfaßt hat, trifft es nach den Entbehrungen der Kriegs= und Inflationsjahre besonders hart. Aber mutiger Wille, Selbstzucht und Bereitschaft zum gemeinsamen Tragen können und werden uns helfen. Wenn wir die schlimmen Zeiten benutzen, um Mißbräuche abzustellen, die sich in unser gesellschaftliches, soziales und politisches Leben eingeschlichen hatten, wenn wir nötige Reformen heute unter dem Druck der Not kraftvoll vorantreiben, dann ziehen wir die rechten Lehren. Und wenn wir jetzt, wö uns gemeinsames Schicksal die engste Verbundenheit aller Schichten und Stände deutlich beweist, uns als ein Volk fühlen lernen, dann werden zugleich die seelischen Kräfte lebendig, die die besten Bürgen einer schöneren Zukunft sind. Selbst Frankreich, das mit seinen 10000 Arbeitslosen das Arbeitslosenproblem, das Deutschland, England und Amerika mit besonderer Schwere drückt, bisher kaum kennen gelernt hat, beginnt die Wirtschaftskrise allmählich auch zu spüren. Bei einem Presseempfang erklärte dieser Tage der französische Finanzminister Germain Martin, das Jahr 1930 sei durch die Entwicklung der Weltwirtschaftskrise gekennzeichnet, die das wirtschaftliche Gleichgewicht zerstört habe. Frankreich, das bisher von der Krisis weniger betroffen worden sei, scheine seit einigen Wochen auch durch die allgemeine Erschütterung in Mitleidenschaft hogen worden zu sein. Die verschiedenen Nationen schränkten ihre Käufe ein, wodurch der französische Exporthandel getroffen werde. Der Umfang des französischen Außenhandels sei daher unvermeidlich zurückgegangen. Ein anderes Zeichen für die Verschlechterung der Wirtschaftslage auch in Frankreich ist der Beschluß, den der Generalrat des Seinedeparte= ments gefaßt hat. Er hat für die Unterstützung der Arbeitslosen, für die eigentlich eine Summe von 1 400 000 Franken vorgesehen war, Kredite in Höhe von fünf Millionen bereitgestellt und die Arbeitslosenunterstützung um einen Franken täglich erhöht. Gleichzeitig will der General= rat bei den Behörden vorstellig werden, um eine allgemeine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung durchzusetzen. So schwer aber auch an dieser Jahreswende die Wirtschaftsnot auf der ganzen Welt lastet, es muß allem Anschein nach noch weit schlimmer kommen, ehe sich die Erkenntnis Bahn bricht, daß es so nicht weiter geht, daß man umkehren muß auf dem Wege, den man in Versailles eingeschlagen hat. In Paris und in Washington verschließt man sich noch immer der Einsicht, daß eine Revision der Pariser Verträge kommen muß, wenn die Welt gesunden soll. So bringen gerade jetzt die Blätter der Hearstpresse einen Artikel des Senators Smoot, der der Regierung Hoover sehr nahe steht und als Vorsitzender des Finanzausschusses im Senat eine große Rolle spielt. Smoot lehnt energisch eine Streichung der alliierten Krieasschulden an Amerike ab und weist an Hand von Zahlen nach, daß der Weltkrieg den amerikanischen Steuerzahler über 37 Milliarden Dollar gekostet habe. Die Abtragung dieser Last mache genau ein Drittel des gesamten Budgets des letzten Jahres aus und es sei unsair, dem amerikanischen Volke weitere Bürden zuzumuten. Praktisch bedeutet diese Stellungnahme auch eine Ablehnung der Revision der deutschen Tributzahlungen. Wie die Tribut= und Schuldenfrage muß auch die Abrüstungsfrage als ungedecktes Saldo auf das neue Jahr übertragen werden, und die Aussicht, daß hier wenigstens das neue Jahr eine Lösung bringen werde, ist fast noch geringer. So müssen wir mit schweren Sorgen dem neuen Jahr entgegensehen, und uns bleibt nur die Hoffnung, daß schließlich doch noch die Macht der Tatsachen der Vernunft zum Siege verhilft. : Wandere auch im Winter Schwerte, den 31. Dezember 1930. Ob der Wald nicht auch im Winter schön ist? Ja, er ist es. Mehr noch als schön ist er dem, der ihn kennt. Denn der den Winterwald erstorben nannte, kennt ihn nicht. Gleich in den leeren Aesten der ersten Bäume wirst du emsige Meisen und Goldhähnchen turnen sehen. An riesigen Bäumen rutscht der stahlblaue Kleiber(Spechtmeise) hinauf. Das rauhe Geschrei der Krähen, das Rätschen der Eichelhäher und das unverkennbare„Glück=Glück=Glück“ der Spechte bekommt man zu hören. Bei einigem Glück kann man am Bach den bunten, seltsamen Eisvogel beobachten, im Nadelwald zumeist den Kreuzschnabel und sonst noch manchen Zuzügler aus dem Norden. Auch auf die Fährten im Schnee muß nan acht geben. Insbesondere bei Neuschnee findet man manchmal deutliche Spuren von Tieren, von denen man nicht ahnte, daß sie der Ward noch beherbergt. Dort schnürte ohne Zweifel ein Fuchs. Das erkennt man an den regelmäßig hinereinander gesetzten Spuren und der stellenweise von der Lunte abgestreiften Schneedecke. Flucht- und Hoppelfährten von Hasen oder Kaninchen verlaufen überall kreuz und quer. Wenn Reh= oder Hochwild vorhanden ist, gibt der Winter Gelegenheit, den Bestand der Arten zu bestimmen. Das Wild ist jetzt zutraulicher. Viel leichter als sonst kann man den Bock, die Ricken, den guten Hirsch oder gar einen Keiler zu Gesicht bekommen. Es kommt aber auch der Augenblick, da wird weit und breit kein Laut zu hören sein. Der weiche Schnee verschlingt die Tritte. Starr und still ragen die Bäume in das tiefe Schweigen. Dann genieße die herrliche Ruhe und erfreue dich an der glitzernden Helligkeit ringsum, an den dick bereiften Aesten und den wunderbaren Formen der tiefverschneiten Tannen mit ihren bläulichen Schatten. : Gedenktage. 31. Dezember: 1747 Der Dichter Goltfried August Bürger in Molmerswende a. H. geboren(gestorben 1794).— 1877 Der französische Maler Gustave Courbet in La Tour de Peils gestorben(geboren 1819) 1. Januar: 1484 Der Reformator Ulrich Zwingli in Wildhaus(Schweiz) geboren(gestorben 1531). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 30. Dezember 1930. Der gestrige starke Tiesdruckausläufer ist heute zur Nordsee gezogen. Während ihm ein Hochdruckkeil über England folgt, ist westlich von Irland ein neuer Wirbel erkennbar. Gleichzeitig wird durch die starke Wirbeltätigkeit das Hoch im Osten und Nordosten zurückgedrängt.— In Deutschland war es heute morgen stärker bewölkt, in Nordwestdeutschland gingen Regenfälle nieder. Die Temperaturen lagen 1 bis 5 Grad über Null, im Nordosten aber noch bis zu 6 Grad darunter. Der Kahle Asten meldete frischen Westwind, bedeckten Himmel und—4 Grad. Aussichten für Mittwoch: Nach Aufheiterung wieder trübe und Regenfälle, ziemlich mild. Aussichten für Donnerstag: Bewölkt, zeitweilig Regen, ziemlich mild. Ruhrtaler Sängerverein, Schwerte. Wir weisen noch einmal auf das Neujahrskonzert der„Ruhrtaler" im„Freischütz“ hin, das unter dem Leitgedanken„Humor und Groteske in der Musik“ steht. Lustige Spielmannslieder, Tanzlieder usw. erklingen. Die mitwirkenden Kräfte sind Künstler, die sich eines guten Rufes erfreuen. Marianne Pöller mit ihrem wohlklingenden Sopran singt Lieder von Mendelssohn und Brahms, volkstümliche Kunst. Joseph Nolte, ein ausgezeichneter Pianist, der trotz seiner Jugend schon eine hohe Stufe der Kunst erreicht hat, spielt Werke von Chopin, Weber usw. Den Höhepunkt seiner Vortragskunst wird er wohl in der großen Sonate von Beethoven „Mut über den verlorenen Groschen“ erreichen. So wird den Besuchern des Konzerts am Neujahrstage ein Genuß geboten, der unterhaltend und künstlerisch zugleich ist. Den Beschluß des fröhlichen Abends bildet ein gemütlicher Tanz. Wer den Neujahrstag angenehm verleben will, der kompie zum„Freischütz". Der Zeit entsprechend ist der Eintrittspreis recht niedrig gehalten. ha. Fernsprechverkehr mit dem Ausland. Vom 1. Januar an wird im Sprechverkehr mit der Schweiz die Gebühr für Gespräche zwischen Orten, die in der Luftlinie nicht mehr als 15 Kilometer voneinander entfernt sind, von 50 auf 35 Pfg. ermäßigt.— Von dem genannten Tage an tritt mit Italien eine neue deutsche Zoneneinteilung in Kraft. Alle deutschen Orte sind dann zum Sprechverkehr mit allen Orten in Italien, außer Sardinien, zugelassen, soweit eine Verständigung mit ihnen möglich ist. ha. Beitröge zur Angestelltenversicherung. Für die Zeit vom 1. Januar 1926 an ist zur Aufrechterhaltung der Anwartschaft in der Angestelltenversicherung erforderlich, daß jeder Versicherte vom 2. bis 11. Kalenderjahr jährlich mindestens 8, vom 12. Jahre an mindestens 4 Beitragsmonate geklebt hat. Die Anwartschaft erlischt, wenn diese Zahl nicht erreicht ist. Sie lebt aber wieder auf, wenn der Versicherte so viel freiwillige Beiträge in 2 Jahren nachentrichtet, die für die Mindestzahl noch fehlen. Das Reichspostministerium macht sein Bereich darauf aufmerksam, daß die noch erforderlichen Beiträge für 1928 bis 31. Dezember dieses Jahres entrichtet werden können. ha. Ueberseeische Pakete im Januar. Pakete nach den Vereinigten Staaten gehen im Januar von Bremerhaven am 3., 8., 14., 21., 31., von Hamburg am 7., 14., 21., 24., 28.; nach Kanada von Bremerhaven am 11., 29., Hamburg am 14., Bremen am 11., 29., Liverpool oder Southampton zweimal wöchentlich; Kuba von Hamburg am 6., 17., 27., La Rochelle=Pallice am 17., 31.; Argentinien von Hamburg 9., 10., 15., 22., 26., 31.; Brasilien. von Hamburg 7., 9., 10., 15., 17., 21., 22., 26., 31.; Chile von Hamburg 10., 24., Bremen Sonnabends, Southamp= ton zwcimal wöchentlich; Kolumbien von Hamburg und Bremen am 3., 10., 17., 24., 31.; Britisck=Indien von Hamburg am 3., 7., 14., 17., 22., 24., 31., von Marseille und London Freitags; nach China von Hamburg am 7., 14., 21., 28., von Marsielle Freitags; nach Japan von burg am 3., 7., 10., 17., 24., 31., von Marseille Freitags; nach Niederländisch=Indien von Hamburg am 3., 7., 10., 17., 21., von Bremen am 24., 31., von Rotterdam am 7., 21., von Amsterdam am 13., 27., von Marseille oder Genau Freitags; nach Palästina von Hamburg monatlich zweimal, von London Freitags, von Triest Sonnabends; Australischer Bund von Bremen am 3., 12., 29.; Aegypten von Hamburg am 3., 7., 14., 17., 22., von Triest Sonnabends; nach Südafrika mit Südwest von Hamburg am. 10., 20., 24., 31. ha. Versicherungssteuer. Steuerfreiheit ist bei Krankenversicherungen auch dann zu gewähren, wenn der Versicherte nach einem Urteil des Reichsfinanzhofes einen Teil der Kosten für ärztliche Behandlung, Heilmittel usw. persönlich zu tragen hat. Ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit betreibt Krankenversicherung und teilt seine Mitglieder in drei Gruppen ein. In dem Falle handelte es sich um die Gruppe C, die ausschließlich Personen umfaßt, die der Krankenversicherungspflicht nicht unterliegen. Es wurde Versicherungssteuerfreiheit beansprucht mit der Begründung, daß der Verein als Ersatzkasse anerkannt sei und keinen Gewinn erstrebe. Das Finanzgericht war gegenteiliger Ansicht, da die Personen in der Gruppe C überhaupt nicht unter die Reichsversicherung fallen. Die Besteuerung wird auch nicht dadurch gehindert, daß kein Gewinn erzielt werden soll. Dagegen tritt Steuerbefreiung ein, wenn nur ein Krankengeld unter 4 Mk. gewährt wird und wenn außerdem freie ärztliche Behandlung usw. zu den Leistungen des Unternehmens gehören. Auf die völlig freie Gewährung kann es aber nicht beschränkt werden. Für die Krankenversicherung kommt zuerst die Erleichterung bei der Mittelbeschaffung in Frage. Dies lag hier vor, sodaß die steuerliche Begünstigung nicht versagt wurde. Aufklärung des Vorfalles am Ruhruferweg Zu unserem gestrigen Bericht, nach welchem am Montag abend der 19jährige Techniker H. E. aus Westhosen mit einer Schußwunde im Kopfe auf dem Ruhruserwege gefunden wurde, erfahren wir noch folgendes: Die Polizei ist während des gestrigen Tages mit der Aufklärung der Angelegenheit beschäftigt gewesen. Da die Brieftasche und einige andere Sachen des E. auf dem Uferwege gefunden wurden, eine Schußwaffe sich aber nicht bei dem Verletzten befand, glaubte man zunächst an einen Ueberfall. Die nähere Untersuchung ergab aber daß ein Ueberfall nicht in Frage kommt, der junge Mann vielmehr den Entschluß gefaßt hatte, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Er hatte sich so dicht an das Ruhrufer gestellt, daß er wohl annahm, nach Beibringung des Schusses ins Wasser zu fallen. Während der Revolver ins Wasser fiel, blieb E. am Ufer liegen. Dort wurde er nach einer halben Stunde mit der schweren Kopfverletzung gefunden. Nachdem im Krankenhause die Kugel aus dem Kopfe entfernt worden ist, besteht Lebensgefahr nicht mehr. Ueber die Gründe, die den jungen Mann, der in geordneten Verhältnissen lebte, zu dem unglücklichen Schritt veranlaßt haben, ist nichts bekannt geworden. Schulvorstandssitzung in Westhofen Unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Arndt fand eine Sitzung des Schulvorstaneds von Westhofen statt, in der unter anderem folgendes beraten und beschlossen wurde: Die Stellen der Handarbeitslehrerinnen an den Schulen in Westhofen und in Buchholz sind neu zu besetzen. Mehrere eingegangene Bewerbungen wurden zur Kenntnis mitgeteilt. Die Stelle in Westhofen soll noch öffentlich ausgeschrieben und alsdann die Neubesetzung vorgenommen werden. Die Trinkwasseranlage in der Schule in Westhofen bedarf der Besserung. Das Amtsbauamt wurde damit beaustragt.— Für den Handarbeits=Unterricht wird eine Nähmaschine benötigt. Mit Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage mußte die Anschaffung jedoch bis zur nächsten Etatsfestsetzung vertagt werden. Ebenso und aus demselben Grunde mußte auch die Ergänzung der Turngerätschaften in den Schulen vertagt werden.— Mit der Schulwärterin wurde betreffs der Schulreinigung ein neuer Vertrag abgeschlossen.— Der wichtigste Punkt der Tagesordnung betraf den schon seit einiger Zeit geplanten und für notwendig erachteten Schulanbau. Die vom Amtsbauamt inzwischen angefertigten Pläne lagen vor und sanden allseitige Zustimmung. Es wurde beschlossen, der Stadtvertretung die Annahme der Pläne vorzuschlagen. Bei der Regierung soll beantragt werden, außer dem gesetzlichen Baudrittel einen besonderen Zuschuß zu den Baukosten zu bewilligen.— Der Vorsitzende konnte dann noch mitteilen, daß es möglich gewesen sei, von der Regierung für die Instandsetzung der hiesigen Schule eine Hilfe zu bekommen. I. Westhofen. Die Beratungsstunde in Fürsorgeangelegenheiten, die regelmäßig am ersten Donnerstag in jedem Monat im Beratungszimmer des Amtshauses stattfindet, ist wegen des Neujahrstages auf Donnerstag, den 8. Januar, verlegt worden. I. Lichtendorf. Rentenauszahlungstermin. Die Auszahlung der Krankengelder, Alters=, Invaliden= und Witwenrenten der Ruhrknappschaft für den Monat Januar 1931 erfolgt am Montag, den 5. Januar, nachmittags 2,30 Uhr, in der Wirtschaft Wiemhoff auf dem Eichholz Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyricht by Martin Feuchtwenger, Halle(Saale) 26. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Nein.“ Ich habe mich erst mit Emmy Barthel, dem Stubenmädchen der Frau Stein in Verbindung gesetzt. Die Ahnungslose hat mir gesagt, too der Schmuck und speziell der Ring ihrer Herrin liegt. Erst dann habe ich einen Landstreicher gedungen, Komödie zu spielen und die Aufmerksamkeit der Villenbewohner auf sich zu lenken, damit ich ungestört arbeiten konnte. Ich kletterte am Spalier der rückwärtigen Mauer hoch und durch das offene Fenster in die Wohnung. Das Weitere wird Ihnen bekannt sein.“ Der Untersuchungsrichter konnte sich nicht beschweren: der Häftling sprach die Wahrheit. Ganz so hatte man sich den Fall konstruiert. Inzwischen wurden auch die eiligst vorgeladenen Zeugen hereingeführt. Zuerst Emmy Barthel. Sie wies sofort mit ausgestrecktem Arm auf Parta. „Das ist er!“ rief sie verblüfst aus; denn man hatte ihr den Zweck der Vorladung geheim gehalten.„Das ist Max Kallmeyer!" Parta brachte es fertig, zu lächeln, was Emmy Barthel in eine rasende Wut versetzte. „Das ist der Schuft, der mich ausgefragt hat! Hoffentlich hat er im Zuchthaus recht lange Zeit, über seine Niedertracht nachzudenken.“ Ein Wink des Untersuchungsrichters: man geleitete Fräulein Barthel hinaus, und Chauffeur Hüttenrauch trat ein. Als man ihn nicht gleich beachtete, sah er sich die Anwesenden der Reihe nach an. Er trug den Kopf immer noch verbunden, hatte aber die Sehkraft seiner Augen behalten. „Ah!“, sagte er da plötzlich, den Blick auf Parta ruhen lassend,„das ist doch der Herr, den ich bis zur Jahnstraße gefahren habe und der dann auf das andere Auto gesprungen ist.“ Damit hatte sich auch diese Gegenüberstellung erledigt, und die Aussicht Hüttenrauchs auf einen Teil der ausgeworfenen Belohnung wurden zur Wirklichkeit. Er konnte es auch gebrauchen; denn durch die erlittenen Verletzungen bei dem Zusammenstoß entging ihm für die Dauer der Heilung der Verdienst für eine ganze Reihe von Arbeitstagen. Doktor Messerschmidt blätterte in den Akten. Dann wandte er sich wieder an Parta. „Und dann weiter. Sie haben den Ring nicht sofort dem inzwischen hier eingetroffenen Maharadscha übergeben, sondern—“ Der Verhörte sah sich genötigt, Farbe zu bekennen. Die Polizei schien ohnedies bereits gut unterrichtet zu sein. „Ich wohnte bei meiner Schwester, der Tänzerin Mia Stransky. Sie sah den Ring und trug ihn gegen meinen Willen bei einer Vorstellung. Ich glaube, es handelte sich um einen Modentee der Firma Lampert. Am Abend lauerte ich ihr im Vestibül des„Rheingold“ auf, wo ich unbemerkt einige Worte mit ihr wechselte. Aber sie weigerte sich, den Schmuck herauszugeben. Sie wußte nicht, daß er gestohlen war und welche Bewandtnis es mit ihm hatte. Sie wollte ihn während einer Privatvorstellung im„Atlantik“ vor dem Maharadscha tragen. Das konnte ich nicht verantworten. Und weil ich im „Rheingold“ kein Aufsehen erregen wollte, bin ich ihr und ihrem Begleiter in einer Taxe nachgefahren. Nachdem der Fremde an der Ecke Jahn= und Simonstraße ausgestiegen war, sprang ich auf den anfahrenden Wagen und öffnete den Schlag. Nach kurzem Wortwechsel gelang es mir, Mia den Ring vom Finger zu ziehen. Ich sprang während der Fahrt ab und ging ein Stück zurück bis zum Hause der—“ Parta stockte. Sollte er den geheimen Spielklub verraten? Da karz ihm schon Doktor Messerschmidt zu „Bis zum Hause der Berger, wollten Sie sagen.“ Die Feder des protollierenden Beamten glitt mit leisem Kratzen über das Papier. „Im Spielklub traf ich Seine Hoheit und ließ den Fürsten durch die Berger herausbitten. Ich gab ihm den Ring und erhielt den versprochenen Scheck.“ „In welcher Höhe?“ „Zehntausend Mark.“ Doktor Messerschmidt erinnerte sich der letzten Vernehmung Steins. Dabei hatte jener ausgesagt, daß der Inder einmal von der Berger hinausgerusen worden wäre und dann mit heiterem Gesichtsausdruck in den Salon zurückgekehrt war. Es lag die Vermutung nahe, daß er eine gute Nachricht erhalten habe. Nun wußte man durch den Bericht Partas, daß der Exot alle Ursache zur Zufriedenheit hatte; war er doch in jener Stunde wieder in den Besitz des begehrten Ringes gekommen. Nun fehlte bloß noch das letzte Glied in der Kette. „Warum haben Sie Ihre Schwester mit einer vergifteten Waffe in den Finger gestochen? Fürchteten Sie Verrat von Ihrer Seite?" fragte der Landgerichtsrat unvermittelt. Da ging ein unverkennbares Erstaunen über das Gesicht Partas. „Wie? Ich soll Mia vergiftet haben?" stammelte er ungläubig und fassungslos. „Verstellen Sie sich doch nicht!" trumpfte der Untersuchungsrichter auf.„Bisher haben Sie sich an die Wahrheit gehalten. Wollen Sie jetzt erst noch anfangen zu leugnen?“ Parta schüttelte langsam den Kopf. „Nein, Herr Landgerichtsrat, ich habe meiner Schwester nichts zuleide getan! Sie setzte mir zwar Widerstand entgegen; ich habe ihr zwar den Ring etwas gewaltsam vom Finger gezogen, aber verletzt habe ich sie nicht. Ich trug gar keine Waffe bei mir.“ Doktor Messerschmidt und Kommissar Vogel sahen sich ratlos an. Sie merkten rein gefühlsmäßig, daß Parta die Wahrheit sprach. Sollte die ganze Untersuchung kurz vor dem Ziel erst noch einmal ins Stocken geraten?" „Dann müssen Sie Mia Stransky schon bewußtlos im Wagen gefunden haben, wenn ich Ihnen glauben soll!“ sagte der Landgerichtsrat. jede Silbe dabei einzeln betonend. Gregor Parta sann angestrengt nach. „Davon habe ich nichts bemerkt. Mia war jedenfalls im Vollbesitz ihrer Kräfte. Von einer Bewußtlosigkeit kann auch keine Rede gewesen sein, sonst hätte sie mir keinen Widerstand leisten können.“ Der Richter schlug mit der Faust auf den Tisch. „Dann sind Sie belastet. Mia Stransky hat zwei Tage besinnungnslos gelegen. Man hat in ihrem Blute indisches Pfeilgift gefunden.“ Und wie aus einer plötzlichen Erleuchtung heraus: „Hat Ihnen der Maharadscha eine Nadel oder eine geheime Waffe, vielleicht ein Stilett anvertraut?" Aber da war nichts zu machen. Parta blieb. dabei: Er sei unschuldig an diesem Ausgang der Ringgeschichte. Und wie zur Bekräftigung rief er aus: „Herr Landgerichtsrat! Wir, Mia und ich, hingen in großer Liebe aneinander. Es ist wahr: Mia hat mich schon mehr als einmal wieder auf die rechte Bahn gebracht. Sie unterstützte mich mit Geld. Warum solkte ich ihr diese Liebe mit einer derartigen Insamie belohnen?“ Es blieb Doktor Messerschmidt nichts anderes übrig, als das Verhör einstweilen abzubrechen. Nachdem Parta abgeführt worden war, wandte sich der Untersuchungsrichter an Kommissar Vogel. „Was nun? Ich kann nach dem bisher Gehörten Mansred Stein nicht aus der Haft entlassen. Wir sind nun glücklich wieder an dem Gist gescheitert.“ „Hat Stein eingestanden, was er mit der Nadel, an der sich das Gift befand, vor hatte?“ fragte Vogel.....*:(Fortsetzung folgt.) Aas Wösnalen und den Rachbar-Pievinzen Mellen. Auf der Landstraße überfallen. Ein frecher Raubüberfall wurde auf der Landstraße zwischen Balve und Langenholthausen verübt. Ein 22jähriger junger Mann wurde von zwei Männern überfallen. Er stürzte mit klafsender Wunde besinnungslos zu Boden. Die Täter raubten ihm 135 Mark. Der Bewußtlose wurde von einem des Weges kommenden Landwirt aufgesunden. w Arnsberg. Verfrühte„Neujahrsschüsse.“ Folgendes interessante Geschichtchen soll sich in einem Orte des Kreises Arnsberg zugetragen haben. Ein Landjäger wachte des Nachts durch einen scharsen, im unteren Stockwerk seines Hauses gefallenen Schuß auf. Nichts Gutes vermutend, stand der Landjäger auf, nahm sein Dienstgewehr und schlich die Haustreppe hinab. Vorsichtig öffnete er ein Zimmer. Brandgeruch und Qualm drang ihm entgegen. Dann stellte er fest, daß ein elektrisches Bügeleisen während der Nacht die Tischplatte durchbrannt hatte und in die Tischschublade gefallen war. Munition, die in der Tischschublade lag, hatte sich an dem heißen Bügeleisen entzündet und war knallend explodiect. Offenbar hatte die Frau des Hauses am Abend vorher gebügelt und nachher vergessen, den Strom auszuschalten. Eine zweite Entladung in Gestalt eines kleinen häuslichen Gewitters soll noch in derselben Nacht der Explosion in der Tischschublade gefolgt sein. Weidenau bei Siegen. Hei lewet noch! In das Haus eines Geisweider Bürgers wurde postamtlich ein Steuerbescheid über sage und schreibe einen einzigen Reichspfennig für Grundvermögenssteuer plus Gemeindezuschlag von 140 Prozent gleich einem weiteren deutschen Reichspfennig zahlbar zugestellt. Nun stellte sich obendrein noch heraus, daß der Besteuerte bereits seit 15 Jahren gestorben ist. Wie mag ein solch schwieriger Fall aktenmäßig erledigt werden? Lüdinghausen. Allgemeines Aufsehen erregte lt.„M. Z.“ die Feststellung des Oberingenieurs Herring, der hier bei Bohrungen in 650 bis 850 Meter Tiefe einen außerordentlich starken Thermalwasserlauf von acht Meter Breite entdeckt hat. Als Hauptbestandteile wurden Kochsalz und Kohlensäure von bedeutender Temperaturhöhe erkannt. Es soll sich dabei um eine ähnliche Kochsalztherme handeln, wie sie auch in Wiesbaden gefunden wurde. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, hätte unsere Stadt ja Aussicht, noch mal ein besuchter Badeort zu werden. Man darf neugierig sein, was man über diesen Fund weiter hören wird. Gelsenlirchen. Traurige Tragödie. Der im Stadtteil Horst wohnende Bergmann K. hatte am ersten Weihnachtstage eine Auseinandersetung und erklärte hierbei, sich das Leben zu nehmen. In diesem Augenblick griff er zu seinem Wollschal und band ihn sich um den Hals, um einen Selbstmordversuch vorzutäuschen. Die Berechnung dieser Spielerei war jedoch falsch; denn es stellte sich heraus, daß das Wolltuch dem Manne die Luströhre zugedrückt und den Tod herbeigeführt hatte. Bettrop. Dieb krankenhausfähig geprügelt. Zwei Einbrecher drangen nachts in den Stall des Bergmanns Roschkoch ein, um Vieh zu stehlen. Da sie sich aber etwas laut dabei benahmen, wurden die Hausbewohner wach. Raschkoch ging mit seinem Sohne nach draußen und ertappten gerade noch einen Einbrecher. Da dieser sich äußerst renitent benahm, verabreichten Vater und Sohn ihm eine gehörige Tracht Prügel. Die Polizei empfing der Dieb mit einem Hagel von Steinen, so daß die Beamten von der Schußwaffe Gebrauch machen mußten. Bei der Abwehr der Fluchtversuche hatte sich der Täter jedoch so schwere Verletzungen zugezogen, daß er in bedenklichem Zustande sofort dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. Detmold. Von einer Baumwurzel getötet. Während der Sprengungsarbeiten am Lippstädter Weg bei Lopshorn für den Bau einer neuen Straße wurde der Arbeiter Heinr. Rinsche von einer gesprengten Baumwurzel so heftig getroffen, daß er mit einem schweren Schädelbruch dem Krankenhause zugeführt werden mußte. Rinsche ist gleich nach seiner Einlieferung gestorben. Detmold. Brandstiftung, um die Mutter zu ermorden? Das Leibzuchtgebäude des Landwirts Nolte im benachbarten Langenholthausen wurde, wie bereits berichtet, das Opfer eines Großfeuers. Die alte Mutter des Nolte konnte noch im letzten Augenblick aus dem Flammenmeer getragen werden. Nolte ist wegen Brandstiftung mit 1½ Jahren Zuchthaus vorbestraft. Da auch dieses Mal wieder der Verdacht der Brandstiftung durch Nolte bestand, nahm man ihn fest. Hinzu kommt nun noch folgende Aufsehen erregende Meldung, Baß Nolte das Gebäude, das noch Besitztum der betagten Mutter ist, angezündet hat, um seine eigene Mutter in den Flammen umkommen zu lassen. Die Bevölkerung ist über diesen Vorfall sehr erregt. Münster. Musikmeister Adam büßt in Münster. In aller Erinnerung dürfte noch die Aufdeckung einer großen Spionageaffäre in Minden sein, in der Obermusikmeister Adam und seine Frau verhaftet wurden. Das Ehepaar hatte sich wegen Spionage vor dem Reichsgericht in Leipzig zu verantworten und ist zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Adam ist jetzt zur Verbüßung der Strafe nach Münster überwiesen worden, seine Frau ist nach Jauer in Schlesien. Mannheim. Zwei Kinder durch Gas getötet. Als die Ehefrau eines Bahnarbeiters von der Arbeit zurückkehrte, war die Küchentür von innen verschlossen. Nachdem die Tür aufgebrochen war, fand man in der mit Gas gefüllten Küche die beiden Kinder im Alter von 4 und 7 Jahren, am Boden liegend, vor. Der vierjährige Werner war bereits tot, der siebenjährige Erich gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Die Kinder hatten vermutlich mit dem Gashahn gespielt und waren von dem ausströmenden Gas betäubt worden. Trotz aller ärztlichen Bemühungen ist auch das zweite der Kinder gestorben. Gelsenkirchen. Schwere Bluttat in orst. Zu einer schweren Bluttat kam es Montag abend gegen 9 Uhr auf der Emscherstraße in Horst. Der 40jährige Bergmann Friedrich Jaschanek stach nach einem kurzen Wortwechsel den Bergmann Wilhelm Kopatz durch sechs Messerstiche nieder, von denen einer das Herz durchbohrte und den Kopatz auf der Stelle tötete. Der Bluttat war schon am Nachmittag eine Auseinandersetzung voraufgegangen. Der Täter wurde verhaftet. Münster. Jahrbuch des Vereins für Westfälische Kirchengeschichte. Kürzlich ist das neue Jahrbuch des Vereins für Westfälische Kirchengeschichte, 31. Jahrgang, herausgegeben von Konsistorialrat Koch in Münster, erschienen. In diesem Jahrbuch befindet sich der vierte und letzte Teil der MindenRavensbergischen Kirchengeschichte. Damit ist die Arbeit von Professor Dr. D. Rothert=Münster, der sich insgesamt durch vier Jahrbücher hindurchzieht, zum Abschluß gebracht. Wir freuen uns darüber, daß es dem mehr als Achtzigjährigen vergönnt gewesen ist, dieses wichtige und wertvolle Werk zu Ende zu führen. Dieser vierte Teil der Minden=Ravenbergsschen Kirchengeschichte behandelt die Ueberwindung des Rationalismus und die Zeit der Erweckung im 19. Jahrhundert. Hier ist von Johann Heinrich Volkening, Theodor Schmalenbach und anderen die Rede. Weiter wird berichtet, wie die Union und wie die Heiden= und Innere Mission in Minden=Ravensberg ihren Eingang gefunden haben. Dieser vierte Teil der Minden=Ravensbergischen Kirchengeschichte umfaßt den bei weitem größten Teil dieses Jahrbuches (S. 1—124). An zweiter Stelle bringt(S. 125—139) D. Dr. Theodor Wotschke„Rumpäusbriefe an Löscher". Diese Briefe gewähren gute Einblicke in die Zeit, wo Orthodoxie(Wittenberg) und Pietismus(Halle) miteinander in Westfalen gerungen haben. Diese Briefe stellen eine wertvolle Quellenbereicherung der westfältschen Kirchengeschichte dar. Schließlich bringt Pastor Erdmann=Kirchlengern einige Bemerkungen über den Liederdichter „Bernhard Heinr. Wilhelm Sasse“, der Schneider in Kirchlengern war, wo er erst 33 Jahre alt an Tuberkulose starb. Seine beiden Liedersammlungen, die unter den Stillen im Lande beliebt waren, sind in sechs Auflagen erschienen.— Der vorliegende 31. Jahrgang des Jahrbuches schließt sich in würdiger Weise seinen Vorgängern an. Früher gab das Jahrbuch Universitätsprofessor D. Rothert heraus. Es ist dringend zu wünschen, daß das Jahrbuch auf seiner alten Höhe bleibt und von allen Seiten kräftigst unterstützt wird. Das kann geschehen durch Erwerbung der Mitgliedschaft des „Vereins für westfälische Kirchengeschichte" (Jahresbeitrag 3.— RM.) Turnen, Spiel, Sport Radeport 3 Stunden am Neujahrstage in der Westfalenhalle. 11 Paare am Start. Das Dreistunden=Mannschaftsrennen am Neujahrstage in der Westfalenhalle weist, seiner Bedeutung als Generalprobe für die Dortmunder Sechstage entsprechend, eine sehr interessante Besetzung auf. Der Start des Amerikafahrers Dülberg als Mannschaftsfahrer ist nach der glänzenden Fahrweise des Dortmunders in den Weihnachtsrennen mit ganz besonderer Spannung zu erwarten. Da Dülberg mit dem starken Westiger Stübecke gepaart ist, erscheint eine äußerst starke westfälische Vertretung am Start. Auch das erstmakige Erscheinen der tüchtigen Breslauer Preuß—Resiger nach ihrem sonntäglichem Sieg in Münster hat erhöhtes Interesse gefunden. Wenn man dazu berücksichtigt, daß die übrigen Paare ebenfalls in schweren Rennen erprobt sind, und die eine oder andere noch auf ein SechstageEngagement reflektiert, so darf man ein Rennen erwarten, das die vorhergehenden spannend verlaufenen Mannschaftsrennen in der Westfalenhalle noch in den Schatten stellen wird, zumal in Kilian—Pützfeld, Lehmann—Wissel, Schön—Pijenenburg und Ehmer—Tietz in der Hauptsache solche Mannschaften in Wettbewerb stehen, die schon lange zusammenfahren. Dazu kommen noch Goebel—Louet, Tonani—Schenk, Bremer—Damerow und die Dortmunder Paare Joksch—Benninghoff und Kretschmer—Essing, sodaß das komplette Feld nunmehr folgende 11 Paare ausweist: Dülberg—Stübecke(Dortmund=Westig), Schön—Pijnenburg(Wiesbaden=Holland), Kilian—Pützfeld(Dortmund), Tonani—Schenk(Italien=Hemer), Preuß—Resiger(Breslau), Goebel—Louet(Dortmund=Paris), Ehmer—Tietz(Berlin), Joksch—Benninghoff(Dortmund), Lehmann—Wissel(Berlin), Kretschmer—Essing(Dortmund), Bremer—Damerow(Bochum=Krefeld). Vom Film Die„Lichtspiele zur Reichskrone“ bringen ein Programm, das man gesehen haben muß. Von Beginn der Vorstellung an bis zum Schluß krachen Lachsalven durch das Haus, und das Publikum kommt keine Sekunde zu Besinnung.— In„Zeugen gesucht" geht es noch etwas ruhig zu. Mit der Verwechslung einer Aktentasche fängt der Kriminalfilm an und er wird nach vielem hin und her mit einer wilden Jagd auf Skibrettern beendet. Eine gut aufgebaute Handlung, voll Ueberraschungen. In der Hauptrolle Eddie Polo, der Allerweltskerl, der wieder einmal einen unschuldigen Jüngling zu seinem Recht verhilft. Der programmübliche Einakter bringt schon die richtige Stimmung ins Haus. Was die beiden Matrosen da fertig bringen, ist schon etwas ungeheuerlich.— Der Tonfilm„Heute Nacht eventuell“ gibt eine großartig gelungene Komödie, die in Wort und Bild glänzend gelungen ist. Einfach die Handlung: eine kleine Gelehrtenfrau, die nebenbei Schlagerdichterin ist, macht geheimnisvolle Kostümeinkäufe. Das geht so lange gut, bis ihr Mann hinter das Geheimnis kommt. Das ganze ist schmissig durchgearbeitet, und läßt die Darsteller, die alle große Klasse sind, prächtig zu Wort kommen. Jenny Jugo, die bestrickende, etwas betont harmlose Gelehrtenfrau, arbeitet zusammen mit dem quecksilbrigen, natürlichen, unwiderstehlichen Schlagerkomponisten Fritz Schulz, aber Siegfried Arno setzt als tragikomischer Eintänzer allem die Krone auf. Launige Schlagermelodien gehen durch das ganze Werk. Der Tonfilm gehört sicher zu den besten seiner Art. Ministerbesuch im Osten Die bereits vor einiger Zeit angekündigte Fahrt des Reichskanzlers an die polnische Grenze ist nunmehr im einzelnen festgelegt und beginnt am 4. Januar, abends. Der Reichskanzler reist in Begleitung der beiden Ostkommissare Minister Treviranus und Hirtsiefer. Auf der Reise werden folgende Orte berührt: Lauenburg, Bütow, Rummelsburg, Schneidemühl, dann Königsberg und Marienburg, worauf die Fahrt nach sien geht und in Oppeln, Gleiwitz und Breslau Station gemacht. Die Reise, die dem Studium der politischen und wirtschaftlichen Lage in den deutschen Ostmarken gewidmet ist, und der größte Bedeutung zukommt, geht am 11. Januar zu Ende.(Die Orte, in denen Empfänge für den Reichskanzler vorgesehen sind, sind auf der Karte unterstrichen.) Wir und das neue Jahr Von Rudols Herzog. Zum neuen Jahr beglückwünscht sich die Welt. Was geht die Welt mich an, mein Vaterland“? Und deckt uns auch dasselbe Die Welt und uns, und zwingt des Glaubens Bann Uns vor der gleichen Gottheit in die Knie: Herr Gott, ich löge, wünscht' der Welt ich Heil, Die, Deutschland, deiner Lebensmelodie Den Atem nahm und dich, mein Volk, hält feil! Feil wie auf Sklavenmärkten, Jahr um Jahr! Was soll des Jahreswechsel? Bringt er Licht? Zum zwölften Mal, seit Deutschlands Winter war, Hängt an die Ketten er ein neu Gewicht. Und wir? Wir prüfen seine Schwere scheu, Der Mahnung treu:„Hoff und sei unverzagt“. Auf Wunder hofft, wer seiner selbst nicht treu! Tut Wunder selbst! Sorgt selber, daß es#agt! So tut das erste Wunder: Glaubt euch mehr Als aller Welt, ihr, die ihr Deutsche seid, Glaubt, daß ein Jeder, ja ein Jahr schwer Den Abschied nahm von seiner Jugendzeit. Das Traumgeländ, das hinter euch ihr laßt, Holt es euch wieder, sei's ein and'res gleich! Und reiht euch ein, und gleichen Schritt gefaßt, Ins neue Jahr, ins neue Deutsche Reich! Schon tritt das zweite Wundei auf den Plan: Kein Haufe seid ihr, dem die Peitsche droht, Ein neues Volk betrat die Erdenbahn, Dem Jünglingswille aus den Augen loht, Ein Volk, so jung, so heiß, so unversehrt, Daß rings die Welt ihr nahend' Alter spürt, Und der nur, der von Schätzen unbeschwert, Den Stab des Marschalls im Tornister führt O Volk und Vaterland: Kein„neues Jahr", Ich wünsche dir dein neues Jahr zur Stund. Den Frühling der Verjüngung bring's dir dar! O deutscher Frühling, mach dein Volk gesund. Dein Volk? Mach uns zum Volk! Zum eh'rner Block, Den keine Weltenwelle je zernagt. Mein Herz in Winternacht, mein Volk, frohlock“: Fahr, Finsternis, fahr hin! Es tagt! Es tagt!— Was hören wir im Rundfunk? Donnersag, den 1. Januar 1931. 06,45: Selbstverteidigungskursus. 07,00: Morgenkonzert. 09,00: Uebertragung des Geläutes von St. Gereon, Köln. 09,05: Katholische Morgenfeier. 11,00: Arbeiter als Dichter. 11,20: Meister ihres Fachs. 12,00: Die Zeit im Buch. 12,25: Weltwirtschaftliche Tagesfragen. 13,00: Mittagskonzert. 14,30: Chinesisches und japanisches Neujahr. 14,50: Ketzereien zur Zeit. 15,25: Heiteres am Nachmittag. 15,50: Die Stunde des Arbeiters. 16,10: Eindrücke einer Ardennen=Wanderung. 16,30: Vesperkonzert. 18,00: Die schaffende Stadt. 18,30: Meister des Reiseberichts. 19,10: Eine Stunde Kurzweil. 20,00: Sportvorbericht. 20,15: Die Entführung aus dem Serrail.. Bis 1,00: Nachtmusik und Tanz. Freitag, den 2. Januar 1931. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 11,20: Was will ich werden? 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,30: Kinderstunde. 16,00: Aus Leben und Erziehung. 16,30: Jugendfunk. 17,15: Vesperkonzert.“ 18,15: Die Welt im Buch. 18.40: Englische Unterhaltung. 19,25: Der Arbeiter hört zu. 19.45: Volkskonzert. Intermezzo: Narcoticum. Bis 24,00: Konzertübertragung aus dem Casé Handelshof, Essen. Briefkasten An„einem Wandhofer“. In dieser Form ist die Veröffentlichung nicht geeignet. W. 200. Der genaue Wortlaut der Verordnung, durch welche der Aufwertungssatz der westfälischen Sparkassen auf 26½ v. H. des Goldmarkbetrages festgesetzt wurde, ist noch nicht bekannt. Es ist zu erwarten, daß die erhöhte Aufwertung auch auf die bereits abgehobenen Sparguthaben ausgedehnt wird. Die Aufwertung der Forderungen aus Lebensversicherungen ist besonders geregelt. Die gewünschte Auskunft erhält man durch Rückfrage bei der in Frage kommenden Gesellschaft. I. H. 100. Deutsche Militärmusikerzeitung Berlin„Das Schwalbennest“, Fachzeitschrift des Reichsbundes ehem. Militärmusiker Deutschlands. Auflösung des Vilderrätsels aus gestriger Rummer Was wäre die Ersüllung der Pflicht wenn sie kein Opfer kostete. 8 Roman von Marlise Sonneborn(Erika Forst) PSchafers Sandula? Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 2. Fortsetzung Nachdruck verboten. „Na, komm schon, Geizkragen. Ich bin nicht so.“ „Wie war's, Linde?“ fragte Sigurd im Gehen. „Gott, wie soll's gewesen sein! Wanderungen, Bootsfahrten, Theater, Gesellschaften. Bremen ist ja nett, aber lieber wäre ich mit nach Hamburg gefahren.“ Die beiden hatten das Café erreicht, nahmen Platz und „Ob der alte Herr heil zurückgekommen ist?“ fragte „Doch wohl anzunehmen— hoffentlich erholt! Ra, mit dem neuen Hausdrachen, da wird er allerlei auszukämpfen Sigurd seufzte.„Am besten wäre es, er heiratete wieder.“ Sigurd, wie abschenlich— unsere Mutter! Nie, nie könnte ich ertragen, wenn sie eine Nachfolgerin bekäme. Ach, es wäre ja ein Ding der Unmöglichkeit. Sag so was nicht; es macht mich wild.“ Sigurd zuckte mit den Achseln. Ich habe dies Elend zu Hause satt. Sieh mal— wer ist das?“ Er deutete mit den Augen auf eine Dame unbestimmbaren Alters, die, nach einem Platz suchend, „Die alte Schachtel? Und wie sollte ich hier in Hannover überhaupt jemand kennen?" antwortete Sieglinde uninteressiert. Die in Frage kommende Person hulte sich dem Tische genähert. Sigurds Blick war ihr aufgefallen. Ist's erlaubt?“ fragte sie verbindlich. Und auf des jungen Burschen eiliges„Bitte sehr!" nahm sie den Geschwistern gegenüber Platz. Sieglinde wappnete sich mit Unnahbarkeit. Sigurd hatte Lust zu einem kleinen Flirt. Er begann das Gespräch mit der nicht ungewohnlichen Bemerkung, daß es nun schon wieder Ende Oktober sei. Der Herr ist Student?“ flötete sein Gegenüber. Sigurd mußte gestehen, daß er bis jetzt noch Primaner sei. Die Dame fand das reizend. Hannoveraner? Nein, aus Göttingen. Göttingen? Welch entzückender Zufall. Auch sie reise dorthin. Sie sei Lehrerin der Mensendieck=Gymnastik; es sei ihr dort eine gute Existenz in Aussicht gestellt. Durch die Inflation— der Herr würde ja verstehen— sei ihr Vermögen hin. Total verarmt wie sie sei, habe sie noch einen Kursus durchgemacht und wolle versuchen, ihr Brot so zu verdienen. Das sei nicht leicht, wenn man, wie sie, nicht mehr ganz jung sei. Sigurd fand, daß sie übertreibe. Aelter als vierundzwanzig Jahre könne sie doch unmöglich sein. Die Dame stellte seinen Irrtum richtig, sie zähle bereits fünfundzwanzig. Sigurd erklärte diesen Unterschied für bedeutungslos. Sieglinde aber warf dem Fräulein einen Blick zu, der ziemlich deutlich aussprach:„Fünfzehn dazu.“ Als es Zeit wurde aufzubrechen, fühlte sich Sigurd bewogen, den Kavalier zu spielen. Er hatte auf einmal Geld und bezahlte für alle drei. Die Dankbarkeit Fräulein Valentins— so stellte sie sich vor— kannte keine Grenzen. „Jetzt sieh aber zu, wie du sie los wirst!“ raunte Sieglinde dem Bruder zu. Die jungen Leute waren mit Fahrkarten zweiter Klasse versehen, Fräulein Valentin fuhr dritter Klasse. Sigurd wäre zwar gern bei ihr geblieben, aber Sieglinde winkte der Fremden so energisch ab, daß sie sich— mit einem verständnisvollen Augenblinken gegen Sigurd— denn doch endlich zurückzog. „Natürlich, niemand holt uns ab“, erbitterte sich daheim angelangt die junge Sieglinde, die sich immer nach ein wenig Bemutterung sehnte und sie doch nirgends fand als höchstens einmal bei ihres Vaters Schwester in Hamdurg, wobhin sie selten genug kam.. 4. Gersus Sieglinde litt vielleicht am meisten unter dem Bertuft der Mutter. Sie hätte nur der Anleitung bedurft, um sich zu wohltuender, hilfsbereiter und opferwilliger Mütterlichkeit zu entfalten. Aber wer wollte sie dem verwaisten Mädchen bieten? Sie war ja erwachsen. Man erwartete von ihr schon Leistungen, wunderte sich allgemein, daß sie so einflußlos auf das Leben und Treiben in dem Hause des Vaters blieb. Dieses Haus— eine sehr geräumige und stattliche Villa— lag mitten in einem großen Garten, der an den Universitätspark grenzte und den zu unterhalten der Professor einen eigenen Gärtner angestellt hatte; seit den Jahren nach dem Kriege einen Kameraden aus dem Schützengraben, einen Kriegsinvaliden, dem das linke Bein unterhalb des Knies amputiert war. Im Hause selbst gab es eine große Anzahl wohleingerichteter Zimmer: Im Parterre die Wohn= und Gesellschaftsräume, im ersten Stock des Professors Bibliotheks= und Arbeitszimmer wie die Schlafzimmer der Familienmitglieder, im zweiten die Fremdenzimmer, im Dachgeschoß die Stuben der Dienstboten. Willberg hatte gleich nach seiner Rückkehr Gundula das ganze Haus gezeigt. „Wählen Sie sich unter den Gastzimmern eines aus, das Ihnen zusagt. Nur dies erste, das große, muß für die Hausdame reserviert bleiben...“ Da nur zwei Dienstmädchen gehalten wurden, aber drei Mädchenzimmer vorhanden waren, setzte Gundula stillschweigend ihre enormen Pappschachteln in das dritte. Was sollte sie in einem Raum, der Polstermöbel und einen Schreibtisch enthielt? Die Mädchenkammern in diesem kultivierten Hause übertrafen ihre höchsten Ansprüche. „Wo sind denn die Fräuleins?“ war Gundulas Frage gewesen, als sie die Unordnung des Hauswesens mit schneller Kritit erfaßt hatte. 84. 885, Der Professor hatte mit den Achseln gezunk.„Sie huben mich gestern abend erwartet— und sind wohl wieder nach Hause gegangen, als ich nicht kam. Hoffentlich findet sich etwas zu essen!“ W4 4— Es hatte sich etwas gefunden und nuch einem bescheidenen Imbiß forderte der Professor Gundula auf, sich doch einmal seine Bibliothek anzusehen. Denn für so etwas hat doch natürlich jeder Interesse?! Er opferte der neuen Hausgenossin kostbare Stunden, während Gundula sehnsüchtig an ihre Pakete dachte, die sie gern ausgepackt hätte. Schweigend und unter ganz falschen Voraussetzungen ließ sie die geistvollen Erläuterungen des Professors über so d gie, das sind die Bücher, die ich selbst verfaßt habe“, sagte er endlich mit bescheidenem Stolz, auf drei stattliche Reihen deutend. „So viel hat der Herr geschrieben?“ fragte sie. „Ach, das sind nur die größeren Sachen; das Werk über die Gnosis ist vierbändig. Jetzt schreibe ich meist populäre Abhandlungen und Broschüren. Es befriedigt mich mehr, ist auch prattischer.“. 8 16 8. Und der Herr Professor meinen, vuß iy viese Bücher jeden Morgen abstauben soll?" kam Gundula mit dem Zweck heraus, den sie hinter dieser Vorführung vermutete. Aber der Prosessor wehrte entsetzt ab. „Nur nicht, Fräulein Rougemont, nur nicht! Ab und zu mal mit dem Staubsauger darübergehen, aber ja nicht ein einziges Buch von der Stelle rücken Hinter Willbergs Rücken schüttelte Gundula verständnislos mit dem Kopfe. Was sollten denn die Bücher, wenn man sie nicht mal anfassen durfte? Etwas war entschieden nicht richtig in diesem Hause. Na, sie würde es schon Am anderen Morgen um sechs Uhr begann dann Gundulas Regiment. Die beiden Mädchen spürten es, die sich zwar ganz schwesterlich, aber trotzdem ganz energisch an die Arbeit gebracht fühlten. Der Professor spürte es an der behaglichen Wärme, die die Zentralheizung verbreitete, an dem guten Kaffee, zu dem er eine lange entbehrte Freude, sein weich gekochtes Ei bekam. Ja, hatte er denn das ausgesprochen? Er wußte es nicht! Er spürte es an der Ruhe, die ihn umgab, als er sich um nenn Uhr in sein frisch gelüftetes Arbeitszimmer zurückzog. Er hatte Gundula ein paar hundert Mark in die Hand gedrückt. „So— wenn es alle ist, holen Sie sich neues! Richten Sie das Haus damit ein.“.4—64 Gundula schüttelte mit dem Kopfe; aber sie jagle nichts. Etwas stimmte hier nicht! Das wurde ihr klarer und Gundula hatte die Zimmer der Kinder des Hauses in Ordnung gebracht und sich in ihrer einfachen Art, nach der Weise, wie sich die ihre Privaträume hergerichtet, ein Bild von den dreien gemacht., f. e 9 Mit besonders behutsamer Hano halte sie die Kissen in Baldurs weißem Kinderzimmerchen zurecht gestrichen. Unbewußt freute sie sich auf den Kleinen. Kinder— das war ihr ein und alles.„ Entzückt betrachtete sie das schone Sptelzeug, sie nahm den riesenhaften braunen Bär in die Hände und ließ ihn vor sich auf und ab tanzen. In dem groben Körper wohnte die Seele eines Kindes. „Willst du meinen Teddy haben?" tonte eine lieven würdige Stimme hinter ihr. Sie drehte sich um— und auf der Schwelte stand ein allerliebstes Bürschchen im blauen Samtanzug; blonde Locken fielen auf kindlich schmale Schultern. Blaue Augen — Augen eines kleinen Heiligen— sahen sie vertrauensvoll, in— trügerischer— Sanftmut neugierig an. „Bist du Baldur?" Bist du die neue Tante?“ „Ich bin Schäfers Gundula!" nannte das Mädchen ihren Namen, wie er im Heidedorfe geläufig war. „Gundula“, probierte der Kleine das fremde Wort vorsichtig mit dem allerliebsten Mündchen.„Also die neue Tante bist du nicht?“ Nein, ich bin bloß... deine Gundula!“ Unwillkürlich sagte sie„deine“; sie fühlte sich dem reizenden Jungen bereits rettungslos verfallen. Der Kleine erfaßte die Situation. „Ich will mal reiten!“ irgend etwas an dem Mädchen war „Das heißt aber: Bitte, laß mich mal...!“ Baldur warf einen Blick auf die kraftvollen Hände der Dame. „Bitte, laß mich mal!“ Na denn van lotl: Sie hob ihn auf die Schultern, und er trieo sie duruZimmer, jagte sie über den Korridor, die Treppe hinauf und hinab— ein helles Jauchzen erfüllte das Haus. Der Professor hob lauschend den Kopf hoch. So? Hatte der Kollege, bei dessen Kindern Baldur vierzehn Tage zu Gast gewesen, den kleinen Mann wieder hergeschickt? Er öffnete leise die Tür einen Spalt weit und lugte hindurch. Diese Kinderstimme hatte er in den vergangenen Jahren oft gehört, aber in ganz anderen Lauten, wie scheinbar eben. Er traute dem Frieden nicht recht. Gerade flog Gundula die Treppe zum Erdgeschoß hinunter— Baldur auf dem Rücken—, und Baldur schrie vor VerWillberg fühlte die Tränen in seine Augen steigen. Sollte wirklich dieses einfache Schäfermädchen so etwas wie ein guter Engel für sein Haus werden? Ach, wenn sie nur für den Kleinen sorgen wollte— das wäre ja schon In diese Situation hinein traten Sieglinde und Sigurd. Gundula fühlte sich schon ganz als Herrin des Hauses. Als sie die beiden sah, schlug sie die Hände über dem Kopfe zusammen. Jetzt kommen Sie? Und keiner hat mich was gesagt! Sonst hätte ich doch jemanden zur Bahn geschickt oder wäre selbst getommen!“„„ g. f141, Ssgalind, „Sind Sie Fräulein von Rottweiler: flügle Englinde reserviert und dachte: Was für eine Vogelscheuche! Gundula stellte sich vor. Sieglinde begriff nicht. Aber trotz ihrer Vorliebe für chöne Menschen ihr sympathisch. „Sind denn Emma und Anna nicht mehr da: Sie konnte sich die Anwesenheit dieser seltsamen Person nicht erklären. Was hatte der Vater mit ihr vor? Gundula versicherte, daß die beiden noch da wären. Sigurd— im Hintergrund stehend— sah mit bösen Augen auf die „Neue“. Sympathien und Antipathien entscheiden sich oft im ersten Augenblick. Sigurd wußte, daß ihm von diesem Wesen dort nichts Gutes kommen würde. „Vielleicht hat Vater Sie für Balder engagiert? forschte Sieglinde weiter und ließ sich von Gundula Mantel und Hut abnehmen. „Pst!“ machte Gundula.„Er. schläft g'rade. Er is en bißchen verzogen“— sie sprach: bi—schen—.„Ich hab' ihm erst ein paar Klapse hinten drauf geben müssen— er wollte einfach nicht ins Bent...“ „Oh. Gundula!“ Sieglinde war entsetzt.„Vater will nicht, daß man Balder schlägt— und Balder wird es Ihnen nie vergessen!“ Gundula lachte überlegen. „Balder? Der is froh, wenn er bei mich sein darf. Den überlassen Sie man mir...“ Bei Tisch traf sich die Familie. Jeder erzählte von seinen Erlebnissen. Der Professor war heiter und gesprächig. Er berichtete von Hamburg. „Uebrigens, Linde, was dich interessieren wird: Holk Woermann, mit dem du voriges Jahr ja geflogen bist— Holk Woermann, der dich natürlich tausendmal grüßen läßt — Holk Woermann kommt also Ende dieses Monats nach Göttingen. Er will noch allerlei studieren: Mathematik und Spezialwissenschaften für seine Fliegerei. Ein prachtvoller Mensch, der Holk!“ Sieglinde neigte zustimmend den Kopf. „Das freut mich, daß du ihn gern hast, Vater!" Sie war rot geworden— und ihre schönen, dunklen Augen strahlten. Sie hatte es lange vor dem Vater gewußt, daß Holk nach Göttingen kam. „Und die Gundula...?“ erkundigte sich Sieglinde nach dem Abendessen, als das Mädchen die Stube verlassen und die beiden großen Kinder mit dem Vater allein waren. „Was für einen Eindruck macht sie auf dich?“ stellte ihr der Professor die Gegenfrage. „Ach, gut! Aber erste Eindrücke...“ Willberg beichtete. Die Kinder lachten. Nun— man mußte abwarten. Sieglinde ging selbst zur Bahn, um Fräulein von Rottweiler abzuholen. Sie war von einer befreundeten Familie empfohlen worden— man mußte ihr mit aller Hochachtung und Rücksicht entgegenkommen. Eine sehr zierliche Person entstieg dem Abteil zweiter Klasse und hielt— wie verabredet— ihr Taschentuch sichtbar in der Hand. Sie zählte— das hatte man aus den Papieren erfahren— fünfunddreißig Jahre. Aber Sieglinde glaubte ein nicht älteres Mädchen, als sie selbst war, vor sich zu sehen— so zart und sylphenhaft, so schneeig von Hautfarbe, so elastisch und graziös von Bewegung war die Ankommende. Sie begrüßte Sieglinde herzlich, ohne Fremoheit, aber auch ohne verletzende Vertraulichkeit. Sieglinde bemerkte sofort, daß das regelmäßige Gesicht mit den sehr großen, tiefdunklen Augen von hervorragender Schönheit war— klug, fast geistvoll, etwas schwärmerisch und sentimental. Ich bin noch niemals in ähnlicher Stellung gewesen, Fräulein Willberg", bekannte sie, als sie neben Sieglinde im Wagen saß.„Wir sind— wie so viele— durch die Inflation verarmt, und ich habe herzlich Angst gehabt. Nun ich Sie sehe, bin ich ruhiger. Sie werden mir helfen, mich einzuleben?!“ „Es ist gewiß nicht schwer bei uns, Fräulein von Rottweiler" tröstete Sieglinde sie.„Sie müssen sich ganz wie zu Hause fühlen. Arbeit gibt es wenig— wir haben zwei Mädchen... Ja, und dann diese Gundula!“ „Gundula?“ Fräulein von Rottweiler verweilte bei dem ihr fremden Namen. Sieglinde saßte es anders auf. „Eine Art Haushälterin“, erklärte sie. Die Dame achtete nicht weiter darauf. Und Sie? Bereiten Sie sich auf einen Beruf vor? „Ich? Rein! Ich treibe Tennis= und überhaupt viel Sport. Ich habe keinen Sinn für praktische Arbeiten.“ „Ja— wenn man es nicht nötig hat!“ Auch der Professor bemerkte mit Erstaunen die große Schönheit der neuen Hausdame. Es beunruhigte ihn etwas. So sehr seine Gedanken von den wissenschaftlichen Arbeiten in Anspruch genommen waren: er war Aesthet— Schönheit fiel ihm immer auf. Aber die ruhige Anmut, die feine Zurückhaltung im Wesen der Dame machten ihn sorglos. Vielleicht— vielleicht... Warum sollte nicht auch er endlich einmal einen guten Griff getan haben? Am kritischsten war Gundula. Mit bescheidener Miene saß sie unten am Tische— sie hatte sich den Platz selbst zugewiesen— und beobachtete scharf, mit Leib und Seele. Alles an ihr war Witterung. Alles an ihr war Mißtrauen. Baldur, der neben ihr saß, wurde trotzdem aufs beste vorsorgt. Er hatte nur Augen für„Gundel“, wie er sich ihren Namen bereits mundgerecht gemacht hatte. In den wenig mehr als vierundzwanzig Stunden, die er sie kannte, hatte sich sein Herz ihr bedingungslos ergeben. Zwar Ungeheuerliches war geschehen. Zweimal in der kurzen Zeit hatte er sich in einer hilflosen und unwürdigen Lage quer über Gundulas Knie befunden und hatte ihre Hand unsanft auf seiner rundlichen Kehrseite klopfen gespürt. Aber aller modernen Pädagogik zum Trotz, fühlte er sich weder verletzt noch gekränkt. Vielmehr war ein schönes Gefühl der Abhängigkeit und Ruhe über ihn gekommen. Er wußte ganz genau, daß er zu gehorchen hatte. Das nahm ihn einen großen Teil seiner Nervosität und— Gundulas Hand konnte ja nicht nur klopfen, sie konnte auch streicheln und vor allem spielen.:(Fortsetzung folgt.)