A UEPTTTE Dle. Schonin Zühur nichn uichruich ohe ut. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Mark, Einzelnummer 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Rube), Postschectkonten: Dortmund 2832 und Honnover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantworllich für die Schrifheitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Kreisbian für den nordlichen Leil des Landtreises Zserlohn Sreisoitlt für B.—. Nr. 304(Erstes Blatt) Neujahrsbotschaft des Reichbrunzters Ein Ausblick wtb. Berlin, 29. Dez. Reichskanzler Dr. Brüning hat dem Herausgeber der Wohlfahrtskorrespondenz, Ernst Boerschel, eine Zuschrift zugehen lassen, in der es heißt: Auch dieses Jahresende trifft das deutsche Volk bei der Erkenntnis, daß es schwere Monate durchzumachen hat. Die Weltwirtschaftskrise, die alle Staaten erfaßt hat, trifft es nach den Entbehrungen der Kriegs= und Inflationsjahre besonders hat. Aber mutiger Wille, Selbstpflicht und Bereitschaft zum gemeinsamen Tragen können und werden uns helfen. Wenn wir die schlimmen Zeiten benutzen, um Mißbräuche abzustellen, die sich in unser gesellschaftliches, soziales und politisches Leben eingeschlichen hatten, wenn wir nötige Reformen heute unter dem Drucke der Not kraftvoll vorantreiben, dann ziehen wir die rechten Lehren. Und wenn wir jetzt, wo unser Schicksal Schwerte(Ruhr), Dienstag, den 30. Dezember 1930 Was kostet die Auslandsvertretung? Gehälter der Botschafter und Gesandten Das„teure Pflaster“ in Buenos und in Rewyork viele RepräsentationsBerlin, 29. Dez. Der Etat des Deutschen Reiches für seine diplomatischen Vertretungen im Auslande ist relativ hoch, wenn man natürlich auch berücksichtigen muß, daß unsere Botschafter und Gesandten gezwungen sind, sich mit ihrer Lebenshaltung der führenden Oberschicht des betreffenden Landes anzupassen. Seltsamerweise ist das Gehalt des Gesandten in Buenos Aires am höchsten, der bisher ein Jahresgehalt von 127000 Mark bezieht. Dieser kostspielige Posten erklärt sich einmal aus dem sehr teuren südamerikanischen Pflaster und des weiteren aus der großen Bedeutung, die man im Auswärtigen Amt dieser diplomatischen Vertretung zumißt. Bekanntlich geht schon seit einiger Zeit der Kampf um die Umwandlung der Gesandtschaft in Buenos Aires in eine BotVereinigten Staaten viele Repräsento unkosten verursacht. Auch unter den Generalkonsulaten ist das von Newyork am kostspieligsten, da der dortige Generalkonsul 54000 Mark bezieht, während der Generalkonsul in Chikago nur 46000 Mark und der Konsul in Boston nur 39000 Mark erhalten. Auch London ist nicht billig, benötigt doch der dortige Botschafter jährlich 117000 Mark, Madrid erhält etwa die gleiche Summe, während der diplomatische Vertreter in Moskau 113000 Mark Gehalt und die beiden Botschafter in Rom je 104 000 Mark beziehen. Der deutsche Botschafter in Tokio begnügt sich dagegen mit einem Gehalt von 100 000 Mark. Diesen Spitzengehältern müssen natürlich auch die Einkünfte des Botschaftspersonals angepaßt werden. Der Botschaftsrat in Washington erhält z. B. mit 47000 Mark 63. Jahrgang für die neue Bewegung ein und erklärten, die Bauernbewegung wäre der Notschrei eines zu Tode getroffenen Standes. Komme keine Hilfe, dann sei der Zusammenbruch unaufhaltsam. Die Schutzölle seien viel zu spät gekommen. Nur Zehn Personen bei einem Sescernd uns secen etiacnen wtb Outario, 30. Dez.(Funkspruch.) In Cochrane in Ottawa brach in einem Hotel ein Brand aus, bei dem zehn Personen ums Leben kamen. Man fürchtet jedoch, daß noch weitere Opfer sich unter den Schutt massen befinden. 1 gahren, letnen, dann werden gngleich die Kräfte lebendig, die die besten Bürgen einer schöneren Zukunft sind. Joffre ringt mit dem Tod wtb. Paris, 29. Dez.(Tel.) Um 15,15 Uhr lfranzösischer Zeit) haben die Aerzte folgenden Krankheitsbericht über Marschall Joffre ausgegeben: Sehr ernster Zustand, außerordentliche Schwäche. wtb. Paris, 30. Dez.(Funkspruch.) Um 21.45 Uhr am Montag(französischer Zeit) wurde bekanntgegeben, daß Marschall Joffre noch immer mit dem Tode ringt, daß die Atmung zeitweise aussetzt, während das Herz noch immer in Tätigkeit ist. Lord Ceeil über die Abrüstung wtb. London, 30. Dez.(Funkspruch.) Lord Cecil sprach gestern im Rundfunk über das Abrüstungsproblem. Er betonte, daß die Zukunft unserer Zivilisation unter Umständen davon abhängig sein könne, ob die kommende internationale Abrüstungskonferenz zum Erfolg oder zum Fehlschlag führe. Die Konferenz müsse zu einer internationalen Vereinbarung kommen. Die internationale Abrüstung, so erklärte Lord Cecil u. a., gehört zu unseren wichtigsten nationalen Interessen. Wir haben nicht nur einmal, sondern zu wiederholten Malen die Verpflichtung übernommen, die Rüstungen der im Weltkrieg siegreichen Nationen herabzusetzen und zu begrenzen, als Ergänzung zu der Abrüstung, die wir unseren früheren Gegnern zur Pflicht gemacht haben. Wir werden jedes Vertrauen in internationale Verpflichtungen zerstören, wenn wir das, was wir versprochen haben, nicht erfüllen. . Dabei ist es in meinen Augen von sekundärer Bedeutung, daß wir in diesem Falle auch nichts zu antworten haben, wenn unsere früheren Gegner mit der Forderung an uns herantreten, wieder aufrüsten zu können. Gewisse Nationen werden, so erklärte Cecil weiter, vielleicht auf der Abrüstungskonferenz die Frage an uns richten: „Wenn wir nun abrüsten und angegriffen werden sollten, werdet Ihr uns zu Hilfe kommen?" Wir können einer solchen Mahnung gegenüber uns nicht taub stellen und wenn wir den Frieden durch Abrüstung wollen, so müssen wir auch bereit sein, jedes Opfer zu bringen, um uns die unendliche Wohltat des Friedens zu sichern. evo heutlich beweiste auer Schichterz, und schaft. An zestzrastgele folgt der deutsche Bot in Wolhington erschet Gesandte in Koung, der Stände dentig geweist, uns als ein Vol:sschafter, in Bgnzungton mit einem Gehalt, von mehr als der venz.„e alg gn in Kowno, fühlen lernen dann werden zugleich die etwa 126 000 Mark, da auch die Hauptstadt der nur ein Gehalt von 3s uw mark bezieht. Der Fwisl in der Wirrschaftspurte. Neue Angriffe Colossers gegen Drewitz- Drewitz antwortet Colosser und Dannenberg aus der Partei ausgeschlossen Drewitz bestreitet weiterhin, seinem Schwiegerbb Berlin, 29. Dez.(Tel.) Kürzlich hatte der Abg. Colosser gegen den Abg. Drewitz, den Führer der Wirtschaftspartei, heftige Angriffe gerichtet. Es handelte sich damals um einen Streit über die Haltung der Mittelstandszeitung, die von Colosser geleitet wurde. Nun ist der neu entfacht durch Veröffentlichung von Einzelheiten aus einer Denkschrift Colossers, in der eine Reihe schwerer Vorwürfe gegen Drewitz erhoben werden. Die Vorwürfe gehen dahin, daß Drewitz Parteigeldex für sich verwendet, daß er sich für einen Wohnungsbau Kredite aus der Mittelstandsbank verschafft und daß Drewitz auch seinem Schwiegervater Kredite aus der Mittelstandsbank verschafft habe, wobei der Bank Verluste entstanden seien. Abg. Drewitz erklärt dem Nachrichtenbüro des B53 zu dem Inhalt der Denkschrift Colossers, daß die darin enthaltenen Vorwürfe unwahr seien. Er, Drewitz, hätte gar nichts mit der Parteikasse zu tun und bekäme keine Gelder von der Partei in die Hände; er sei auch garnicht zeichnungsberechtigt für die Parteikasse gewesen, sondern nur der Generalsekretär der Partei und der Kassierer. Im übrigen hätte der Prüfungsausschuß der Partei bereits alle Vorwürfe Colossers nachgeprüft. Colosser selbst habe dann auch die Vorwürfe zurückgenommen, worauf die Denkschrift eingezogen worden sei. Man hätte sich dann dahin geeinigt, daß Colosser weiterhin im Einvernehmen mit dem Parteivorstand, aber nicht mehr, wie bisher, selbständig die Mittelstandszeitung herausgeben sollte(in der Angriffe u. a. gegen die Beamten erschienen waren, von denen der Parteiführer nichts wissen sollte). Colosser hätte aber nachträglich seine Zustimmung zu diesem Beschluß wieder zurückgezogen, worauf der Parteiausschuß, dem 20 Personen aus allen Teilen des Reiches angehören, beschlossen habe, die Zeitungsgesellschaft aufzulösen und Colosser als Geschäftsführer abzuberufen. Herr Drewitz meint, daß sich vielleicht hieraus der neuerliche Vorstoß Colossers erkläre. Abg. Seunnenschaft und Hanswert Eine befriedigende Aussprache enb. Berlin, 29. Dez.(Tel.) Im Bundeshaus des Deutschen Beamtenbundes fand auf Veranlassung des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks dieser Tage eine Aussprache statt zwischen den Vertretern des Deutschen Beamtenbundes und den Spitzenverbänden des Handwerks. Die Vertreter des Handwerks verurteilten jede unverantwortliche Hetze gegen das Beamtentum. Sie wiesen ferner auf die außerordentlich schwierige Lage des Handwerks hin, die durch die Konkurrenz der beamtenwirtschaftlichen Einrichtungen eine weitere Erschwerung erfahre. Trotz aller Schwierigkeiten sei das Handwerk bereit, die Maßnahmen der Reichsreg'erung zur Senkung der Preise weitgehendst zu unterstützen. Die Vertreter des Beamtenbundes erklärten. daß die deutsche Beamtenschaft dem Handwerk durchaus Verständnis entgegenbringe. Das Abrücken von der Hetze gegen die Beamten werde von der Beamtenschaft lebhaft begrüßt. Die besonderen Opfer der Beamten zwängen diese zu Maßnahmen zur Erhaltung ihrer Kaufkraft. Bezüglich der beamtenwirtschaftlichen Einrichtungen wurde betont, daß der Deutsche Beamtenbund das Recht auf wirtschaftliche Selbsthilfe grundsätzlich bejahe, indessen sich mit derartigen wirtschaftlichen Einrichtungen nicht befasse. Als Ergebnis der Aussprache darf festgestellt werden, daß sie ihren Zweck, Klarheit über das Verhältnis beider Berufsgruppen zueinander zu schaffen, vollkommen erreichte. vater oder sich selbst für einen Wohnungsbau Kredite aus der Mittelstandsbank verschafft zu haben. Er sagt, die Mittelstandsbank sei keine Parteibank; im Aufsichtsrat wären vielmehr auch Deutschnationale. Zwar befinde sich unter den Tausenden Kreditnehmern der Mittelstandsbank auch der Schwiegervater des Abg. Drewitz; er hätte aber nicht 40.000, sondern nur 6000 Mk. Kredit erhalten. Und das Besitztum des Schwiegervaters sei auch nicht zwangsversteigert. Richtig sei dagegen, daß Herr Colosser selber bei der Mittelstandsbank einen Kredit von 26000 Mark entnommen habe, obwohl er selbst Vorstand der Schöneberger Bank sei. Diesen Kredit habe Herr Colosser erst jetzt abgedeckt. Radikale Bauernbewegung an Sohen enb. Berlin, 30. Dez.(Funkspruch.) In Südbayern, im Inntal, im Chiemgau, im Mangfallgau und in den angrenzenden Gebieten ist eine neue radikale Bauernbewegung unter Führung des Bauern Altenburger aus Henkwes entstanden, die, dem Lokalanzeiger zufolge, bereits starken Anklang in kleinbäuerlichen Kreisen gefunden hat. Die Parole ist:„Die bisherigen Standesorganisationen haben versagt. Es kann nicht mehr so weitergehen. Wir greifen zur Selbsthilfe, um nicht Haus und Hof zu verlieren.“ In Rosenheim, Alpling und Miesbach fanden große Kundgebungen der neuen Bewegung statt. Zahlreiche Diskussionsredner traten ein Abgeordneter der Bayrischen Volkspartei stellte sich der Bewegung entgegen und sprach sich für die alten Organisationen aus. Lastensenkung füie die Landwoirschast beanteagt enb. Berlin, 30. Dez.(Eig. Meldung.) Die Abgeordneten Dr. Hugenberg und Dr. Oberfohren haben in Ergänzung eines großen Antrages betreffend die Entschuldung der Landwirtschaft namens der deutschnationalen Reichstagsfraktion einen weiteren Antrag eingebracht, demzufolge die Reichsregierung u. a. ersucht werden soll, im Interesse der notleidenden Landwirtschaft, insbesondere des Ostens, als eventuelle Uebergangsmaßnahme die laufenden Reichssteuern in den landwirtschaftlichen Betrieben besonders gefährdeter Gebiete ganz oder zum Teil nicht zu erheben sowie Mittel bereitzustellen, um eine Senkung der kommunalen Realsteuern und der Unfallversicherungslasten herbeizuführen. Die Arbeiten des Europakomitees Eine deutsche Note an das Völkerbundssekretariat wtb. Genf, 30. Dez.(Funkspruch.) Im Völkerbundssekretariat ist eine kurze Note der deutschen Regierung eingegangen, die auf die Tagesordnung des Europakomitees vom 16. Januar bezug nimmt, in der erneut der Standpunkt vertreten wird, daß an den Arbeiten des Studienkomitees für die europäische Union auch die europäischen Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, Rußland und die Türkei, beteiligt werden sollen. Die Januartagung des Komitees wird also über diese Frage, die bis jetzt offen gelassen worden ist, zu entscheiden haben. Wie verlautet, enthält die deutsche Note, die die Antwort auf eine von Seiten des Generalsekretärs an die Teilnehmer der ersten Europakonferenz ergangene Anfrage darstellt, u. a. einen Hinweis auf die wirtschaftlichen Fragen, zu denen Stellung zu nehmen für das Europakomitee jetzt ein besonderer Grund vorliegt, nachdem die Konferenz der Regierungen im November in den Hauptpunkten ergebnislos geblieben ist. In der deutschen Note wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß dem Komitee ein Bericht über die Konferenz vorgeMassen=Gasvergiftungen in einer Teriner Waschefuern 34 Arbeiterinnen infolge Vergiftung bewußtlos, aber gereitet enb. Berlin, 29. Dez.(Tel.) Im Plättraum der Berliner Wäschefabrik AG. in der Gerichtsstraße brachen heute während der Arbeit von den in diesem Raum beschäftigten 40 Arbeiterinnen plötzlich zahlreiche Plätterinnen unter Vergiftungserscheinungen an ihren Arbeitsplätzen ohnmächtig zusammen. Der alarmierten Feuerwehr und den Samaritern gelang es, 27 der verunglückten Frauen, nachdem man sie ins Freie geschafft hatte, wieder nach kurzer Zeit ins Bewußtsein zurückzurufen. Bei weiteren sieben Arbeiterinnen waren die Vergiftungen jedoch so schwerer Natur, daß die Feuerwehr über eine Stunde lang Sauerstoff verabreichen mußte, ehe sich bei ihnen wieder Lebenszeichen bemerkbar machten. Diese Schwerkranken wurden nach dem Virchow=Krankenhaus gebracht. Die Feuerwehr untersuchte sofort alle Gasleitungen, konnte jedoch nirgendwo einen schweren Defekt feststellen. In den Plättraum führen lange Gasleitungen aus Eisenrohr zu den einzelnen Plättstellen, und die Bügeleisen selbst sind durch Gummischläuche an die Leitungen angeschlossen. Insgesamt sind etwa 100 Schlauchleitungen in dem Raum vorhanden. Die Feuerwehr konnte bei ihrem Eintreffen den sonst typischen Leuchtgasgeruch nicht feststellen. Die Plätterei ist zudem sehr modern ausgestattet und verfügt über mehrere große Exhaustoren, die unausgesetzt Luft aus dem Raum herauspumpen, während durch Oeffnungen in der Mauer Frischluft in den Saal strömt. Die Exhaustoren scheinen in Ordnung gewesen zu sein, doch muß hier die nähere Untersuchung abgewartet werden. Bei einem Versagen dieser Anlage wäre es möglich, daß verbrannte Gase sich in dem Saal angesammelt haben, und daß diese die Vergiftungserscheinungen hervorgerufen haben. Bis zur Aufklärung des vorläufig noch rätselhaften Vorfalles bleibt der Betrieb auf Veranlessung der Gewerbeaufsichtsamtes gesperrt. 6 wird. Die deutsche Antwort wird in den nächsten Tagen, nachdem sie den übrigen Mitgliedern des Europakomitees zugestellt worden ist, veröffentlicht werden. Der Großhandelsinder wtb. Berlin, 29. Dez. Die auf den Stichtag des 23. Dezember berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 117,4 gegenüber der Vorwoche(117,9) um 0,4 v. H. zurückgegangen. Die Indexziffern der Hauptgruppen stellten sich wie folgt: Agrarstoffe 110,0 (minus 0,8 v. H.), Kolonialwaren 104,2(minus 1,1 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 109,3(minus 0,3 v. H.) und industrielle Fertigwaren 142,4(minus 0,3 v. H.). Der Anbau von Wintergetreide Umstellung von Roggen= auf Weizenanbau. wtb. Berlin, 29. Dez. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes läßt die diesjährige Schätzung des Wintergetreideanbaus bereits deutlich eine Umstellung des Roggenanbaus auf Weizenanbau erkennen. Wahrend sich beim Winterroggen für das Reich im ganzen eine Verringerung der Anbaufläche um 9,6 v. H. ergibt, weist der Anbau von Winterweizen eine Zunahme von 6,9 v. H. gegenüber der vorjährigen Einsaatfläche auf. In unbedeutendem Maße hat sich auch der Anbau bei Wintergerste(um 1,6 v. H.) erhöht. Unter Zugrundelegung der prozentualen Schätzungen über die Zu= und Abnahme der Wintergetreideeinsaat wurde sich eine Abnahme des Winterroggenanbaues von 450 000 ha, dagegen eine Zunahme bei Winterweizen um rund 110000 ha und bei Wintergerste um 3.000 ha ergeben. Dementsprechend wäre— nach dem Stand zu Anfang Dezember— ein Gesamtanbau an Winterroggen von etwa 4,2 Millionen ha, an Winterweizen von 1,75 Millionen ha und an Wintergerste von 200 000 ha anzunehmen. Verschwörung gegen Kemal Wascha Bisher schon 1000 Verhaftungen. (in Infanteriebataillon interniert. In der türkischen Provinz Smyrna ist eine revolutionäre Bewegung ausgebrochen, die sich gegen das kemalistische Regime richtet und trotz drakonischer Gegenmaßnahmen sich bedrohlich ausbreitet. Es liegen darüber folgende Meldungen vor: wtb. Konstantinopel, 28. Dez.(Reuter) Die Behörden messen der revolutionären Bewegung, die in der Provinz Smyrna ausgebrochen ist, große Bedeutung bei. Sie sind überzeugt, daß die Bewegung, deren Hauptquartier sich anscheinend in Mememen befindet, keinen vereinzelten Zwischenfall darstellt, sondern das erste Stadium in der Entwicklung einer Verschwörung ist, die sich bis nach Stambul verzweigt und zu deren Zielen der Sturz des kemalistischen Regimes gehört. Bisher sind in Mensmen, Magnesia, Balikesser, Konia, Smyrna und Stambul 1000 Personen, darunter mehrere Frauen, verhaftet worden. Außerdem sind zahlreiche Scheiks, Derwische, Hodschas und Imams und sogar ein ganzes Batallon Infanterie, dessen Haltung zweifelhaft erschien, interniert worden. Im Dolma=Bagtsche= Palast wurde am Samstag eine Beratung abgehalten, an der Präsident Mustapha Kemal, der Premierminister, der Generalstabschef, der Innenminister und mehrere hervorragende Abgeordnete teilnahmen. wtb. klugora, 30. Dez.(Funkspruch.) Auf Grund der vom Minister des Innern an Ort und Die Aufhuden der=Slamteromffarr Ein Antrag der Deutschen Volkspartei eg. Berlin, 29. Dez. Im Preußischen Landtag ist folgender Urantrag der Deutschen Volkspartei eingegangen: Pe „In einer Reihe von Stabten hal der Herr Minister des Innern auf Grund der Gemeindeverfassungsgesetze Staatskommissare ernannt, um an Stelle der Gemeindeorgane die zur Deckung des im laufenden Etatsjahr entstandenen Defizits erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Es gewinnt den Anschein, als ob diese Staatskommissare ihren Auftrag zum Teil nur dahin auffassen, die mangelnde Zustimmung des betreffenden Gemeindeorgans zu Steuererhöhungen zu ersetzen. Der Landtag wolle beschließen: Das Staatsministerium wird ersucht, die ernannten Staatskommissare dahin anzuweisen, daß sie 1. alle Deckungsmöglichkeiten mit eigener Verantwortung prüfen, insbesondere auch festzustellen, ob nicht aus laufenden Einnahmen angesammelte Vermögensbestandteile der beir. Stadt im Interesse der Schonung der Wirtschaft zur Deckung herangezogen werden können und müssen, 2. etwa vorhandene Ersparnismöglichkeiten restlos wahrzunehmen, 3. besonders die Erhöhung der Realsteuern nicht vor dem in§ 3 des vierten Teiles der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 festgesetzten Stichtage und nur im äußersten Notfalle und nur insoweit gutzuheißen, als ein anderer Weg zur Aufrechterhaltung der Verwaltung nach den Grundsätzen einer geordneten Finanzwirtschaft nicht gegeben ist.“ Stelle vorgenommenen Untersuchung über die reaktionäre Bewegung im Bezirk Menemen wurde der Befehlshaber der Gendarmerie wegen Lässigkeit im Dienst verhaftet, der Gouverneur aus denselben Gründen abgesetzt. In einem Dorfe des Bezirkes Menemen sind 70 Personen verhaftet worden. 40 Abgeordnete haben eine Interpellation über die Ereignisse in Menemen eingebracht. „Bier von der Infanterie“ Ein Filmverbot in Frankreich. wtb. Paris, 30. Dez.(Funkspruch.) Wie das Unterstaatssekretariat bei der Ministerpräsidentschaft mitteilt, haben gewisse elsässische Zeitungen gegen die Tatsache protestiert, daß die Behörde die Aufführung der deutschen Version des Filmes„Vier von der Infanterie" verboten hat. Dieses Verbot, so heißt es in der Auslassung des Unterstaatssekretariates, beruhe einzig und allein auf der Tatsache, daß die deutsche Version niemals der Filmprüfstelle zur Genehmigung vorgelegt worden sei. Indische Mohammedaner fordern eigenen Mosiem=Stant wtb London, 30. Dez.(Funkspruch.) Wie Reuter aus Allahabad meldet, hielt dort die mohammedanische Liga für Gesamtindien eine Tagung ab. Der Vorsitzende, Sir Muhammed Igbal, vertrat in einer Ansprache folgende Gedankengänge: Die künftige Verfassung Indiens aus der Auffassung zu begründen, daß es ein homogener Körper sei oder Prinzipien auf Indien anzuwenden, die von britisch=demokratischen Gefühlen diktiert seien. heiße in Indien, ohne es zu wollen, die Saat des Bürgerkrieges auszustreuen. Es sei vollkommen gerechtfertigt, wenn die Mohammedaner ein Moslem=Indien innerhalb des indischen Gesamtkörpers verlangten. Weiterhin setzte sich der Redner für die Verschmelzung des Punjab, des Gebietes der Nordwestgrenze, sowie von Sind und Belutschistan zu einem einzigen MoslemStaat ein. Die Zentralisierung des lebendigsten Teiles der indischen Mohammedaner werde, so erklärte der Redner, nicht nur das indische Problem, sondern auch das zentralasiatische lösen. Wenn man den Mohammedanern volle Freiheit der Entwicklung innerhalb des indischen Gesamtreiches einräume, so würden die im Nordwesten wohnenden Moslems sich als die besten Verteidiger Indiens gegen die Invasion fremder Ideen erweisen. Deutlicher denn je habe sich bei den Besprechungen am Runden Tisch in London gezeigt, wie grundlegend die Verschiedenheit zwischen den beiden. großen kulturellen Gruppen Indiens sei. Der Plan eines indischen Staatenbundes in der Gestalt wie er von der Konferenz am Runden Tisch erörtert wurde, stelle eine Gefährdung des Islams dar. Es handle sich wahrscheinlich um eine Art von Verständigung zwischen Hindu=Indien und dem britischen Imperialismus. Mitzglücktes Revolverattentat in Bukarest enb. Bukarest, 29. Dez.(Eig. Meldung.) Der 18jährige Mittelschüler Dumitrescu aus Jassy versuchte heute nachmittag ein Revolverattentat gegen den Chefredakteur der linksdemokratischen „Diminaatza“, Sokor. Dumitrescu wurde auf seine Bitte zum Chefredakteur vorgelassen und zog nach menigen Worten einen Revolver. Sokor kam ihm jedoch dadurch zuvor, daß er ihm einen Faustschlag gegen den Arm versetzte. Der Attentäter gab nunmehr blindlings zwei Schüsse ab und schlug sodann mit der Waffe auf Sokor ein und verletzte ihn am Kopfe. Das Redaktionspersonal nahm den Attentäter fest, der angab, von dem Antisemitenführer Prof. Cuza und einem ihm nahestehenden Advokaten Lefter aus Jassy zur Beseitigung Sokors nach Bukarest entsandt zu sein. Der französische Bankskandal Strafverfahren gegen einen Inseraten=Agenten. wtb Paris, 30. Dez.(Funkspruch.) Der Untersuchungsrichter beim Strafgericht in Paris hat gegen den Inseraten=Agenten Robenne d'Arconas, der jüngst vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß vernommen wurde und zugegeben hat, im Namen Oustrics gewisse Schritte bei Zeitungen und einzelnen Persönlichkeiten unternommen zu haben, ein Strafverfahren eingeleitet; die Anklage lautet auf Vertrauensmißbrauch. Aus der westdeutschen Sängerbewegung wp. Bad Kreuznach, 29. Dez. Zu der gestern unter dieser Ueberschrift veröffentlichten Mitteilung sendet uns der Rhein—Nahe=Sängerbund aus Bad Kreuznach folgende Mitteilung: „Nachdem auf dem Kreuznacher Sängertage einstimmig beschlossen wurde, aus dem Rheinischen Sängerbunde auszutreten— dieser Beschluß steht unabänderlich fest,— werden der Rhein—Nahe=Sängerbund und der MoselSängerbund an den Hauptausschuß des Deutsch. Sängerbundes bezw. den Gesamtausschuß. der am 18. Januar in Frankfurt zusammentritt, den Antrag stellen, dort gehört zu werden. Bei dieser Gelegenheit soll der Beweis erbracht werden, daß es im kulturellen Interesse und damit in dem der Pflege des deutschen Liedes unbedingt zum Saar—Nahe—Mosel=Sängerbund kommen muß. Von Rebellion, wie es dieser Tage in der Presse hieß, kann gar keine Rede sein.“ Aus Rah und Fern General a. D. von Ploetz+. * Koblenz, 28. Dez. Der frühere Kommandierende General des 8.(rheinischen) Armeekorps in Koblenz, General der Infanterie von Ploetz, der von 1906—1913 das Korps befehligte, starb im 84. Lebensjahr in Wiesbaden. Unterschlagungen beim Bremer Hauptpostamt. enb. Bremen, 29. Dez.(Eig. Meldung.) Ein über 50 Jahre alter mittlerer Beamter des Hauptpostamts, der die Rentenstelle leitete, hat im Laufe der letzten Monate nach und nach etwa 30000 Mark unterschlagen. Als diese Veruntreuungen am Tage vor Weihnachten entdeckt wurden, beging der schuldige Beamte einen Selbstmordversuch, indem er sich die Pulsadern aufschnitt. Er liegt mit schweren Verletzungen darnieder und ist noch nicht vernehmungsfähig. Französisches Verkehrsflugzeug vermißt. wtb. Paris, 29. Dez.(Tel.) Wie Havas aus Agadir meldet, wird ein Verkehrsflugzeug mit Post aus Amerika, einem Funker, einem arabischen Dolmetscher und dem italienischen Konsul in Fez an Bord, das von Dakar nach Toulouse gestartet war, vermißt. Ueber den Verbleib des Apparates fehlt seit der Nacht zum 27. ds. Mts., gegen 2 Uhr, wo es die Gegend zwischen Agadir und Kap Jubi überflog, jede Spur. Amerikanische Küstenwachboote beschlagnahmen für 170 000 Dollar Spirituosen. wtb. New London(Connecticut), 29. Dez. Küstenwachboote beschlagnahmten den britischen Motorschoner„Eleanor Joan“, der Spirituosen im Werte von 170 000 Dollar nach den Vereinigten Staaten einschmuggeln wollte. Die elf Mann starke Besatzung wurde nach Neuyork gebracht, wie sie abgeurteilt werden soll. Vor der Beschlagnahme des Motorschoners hatten die Küstenwachboote mehrere Schüsse auf das Schmugglerschiff abgegeben, ohne es zu treffen. Dantraus in Rein Bewaffnete Autobanditen überfallen Depositenkasse und rauben 15000 Mk. Einer der Bankräuber verhaftet in Zweimarkstücken und 100 Mark in Einmark= stücken. Weiter fielen den Räubern für ca. 25 Mark Kupfergeld in die Hände. Die Verhaftung des ersten der Banditen. wp. Köln, 30. Oez.(Tel.) Gestern abend gegen 8 Uhr wurde ein der Polizei bekannter Autodieb verhaftet, weil er im Verdacht stand, an dem Bankraub beteiligt gewesen zu sein. Der Festgenommene stellte seine Beteiligung an dem Ueberfall in Abrede, räumte jedoch ein, gegen Zahlung einer erheblichen Geldsumme für die Verbrecher beim Domhotel vorgestern abend wp. Köln, 29. Dez. Heute vormittag um 9.40 Uhr drangen drei junge Burschen im Alter von schätzungsweise von 19 bis 20 Jahren in die Depositenkasse der Deutschen Bank in der Dürener Straße ein und schossen darauf los. Der Kassierer befand sich mit einem jüngeren Beamten an der Kasse. Als sich letzterer nach dem hinteren Raum begab, um Hilfe herbeizuholen, schossen die Räuber nach ihm. Eine Kugel streifte seinen Rockärmel, während er selbst unverletzt blieb. Den Räubern fielen, soweit sich bisher feststellen ließ, Geldbeträge in die Hände, deren gesamte Höhe 15000 Mark nicht überschreiten durfte. Die Räuber, die in einem Auto vorgefahren waren, entflohen nach der Tat im Auto in Richtung Stadtwald. Ueber den Raubüberfall meldet der Polizeibericht: Am 29. d. M. 9,40 Uhr vormittags betraten drei junge Burschen den Vorraum der Filiale des A. Schaaffhausenschen Bankvereins in Köln=Lindenthal, Dürener Straße. Einer dieser Burschen blieb in der Eingangstür stehen, der zweite stellte sich in der Mitte des Vorraums auf und der dritte trat dicht an den Zahltisch und forderte den anwesenden Kassierer und einen anwesenden Kunden auf, die Hände hochzuheben. Gleichzeitig richteten die Banditen Pistolen auf die Anwesenden. Der Bursche, der an den Zahltisch getreten war, sprang über diesen hinweg und entnahm dem Geldschrank etwa 13 000 bis 15000 Mark. Das Geld bestand aus neuen Zehn= und Zwanzig=Mark=Rentenbank= Scheinen und neuen Reichsbanknoten zu zehn und zwanzig Mark. mit dem Ausgabedatum vom 30. August 1924. Außerdem aus Silbergeld im Betrage von 300 Mark. und zwar 200 Mark Explosion im Operationszimmer enb. Berlin, 29. Dez.(Eig. Meldung.) Von eine eigenartigen Unfall wurde, der Nachtausgabe zufolge, heute vormittag der Sanitätsrat Dr. Richard Skutsch in Dahlem betroffen. Während der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Pünder, zur Untersuchung im Sprechzimmer weilte, wollte Dr. Skutsch ein Instrument erwärmen. Er stieß dabei versehentlich eine Flasche, die Aether oder Säure enhielt, am. Im gleichen Augenblick entzündete sich die Flüssigkeit und die Flasche explodierte mit lautem Knall. Die emporschlagende Stichflamme schlug Sanitätsrat Dr. Skutsch ins Gesicht und setzte auch seine Kleidung in Brand. Staatssekretär Dr. Pünder und seine Gattin, die sich ebenfalls im Sprechzimmer befand, griffen sofort die ins Zimmer liegenden Teppiche und Kissen auf und erstickten damit die Flammen. Dann schaffte Dr. Pünder den Arzt im eigenen Auto sofort zum StubenrauchKrankenhaus in Lichterfelde. Hier wurde festgestellt, daß Dr. Skutsch sehr schwere Verbrennungen im Gesicht, am Kopf, an den Händen und auch am Rücken davongetragen hatte. Im selbstgebauten Segelflugzeug abgestürzt enb. Berlin, 30. Dez.(Funkspruch.) Der 20jährige Pilot Mätzke der Segelfliegergruppe Eisenach unternahm gestern, wie der Lokalanzeiger meldet, an den Hängen des großen Hörfelberges einen Flug mit einem selbstgevauten Segelflugzeugtyp, mit dem er bereits erfolgreiche Probeflüge ausgeführt hatte. Kurz nach dem Aufstieg stürzte er am Südhange des Berges aus beträchtlicher Höhe ab. Der Pilot wurde tot aus den Trümmern des Apparates hervorgezogen. Die Eltern des Segelfliegers waren Zeugen des Ahturgen. In den Bergen vermißt wtb Salzburg, 30. Dez.(Funkspruch.) Zwei Beamte der Halleiner Sparkasse versuchten am ersten Weihnachtsfeiertage die wilde FreithofPlatte am Hohen Göll ohne Skier zu erklettern. Seither werden sie vermißt. Man nimmt an, raß die beiden Touristen einer Lawine zum Opfer gefallen sind. Kadfriastenvienst durch Funtsprau, Die Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau. wtb. Essen, 30. Dez.(Funkspruch.) Die Montag vormittag ½11 Uhr unter dem Vorsitz des staatlichen Schlichters, Regierungsrat Prof. Brahn, begonnenen Einigungsverhandlungen einen DKW=Wagen gestohlen zu haben, mit dem über die Lohnfestsetzung im Ruhrbergbau wurin gestern der Rauh anggeführt wurde Imden honde um 1011 Uhr auf Dienstag vertagt. dann gestern der Raus ausgefahrt wurde. Im Besitze des Festgenommenen, der vermutlich als vierter Täter im Auto gewartet hatte, wurden etwas über 700 Mark, aus dem Raube stammend, sowie eine geladene Pistole vorgefunden. Daß es sich um Geld aus dem Raube handelt, geht daraus hervor, daß das Geld aus lauter neuen Scheinen bestand, die fortlaufend numeriert waren, wie sie direkt aus der Reichsbank geliefert werden. Auch die anderen Räuber in Haft? * Köln, 30. Dez.(Tel.) Einer bisher noch unbestätigten Meldung der Köln. Volksztg. zufolge sollen die drei im Auto entkommenen Kölner Bankräuber am Montag abend in Birresbornin der Eisel angehalten und verhaftet worden sein. Es handelt sich um drei junge Leute im Alter von 19, 20 und 27 Jahren; sie wurden ins Gerichtsgefängnis in Hillesheim gebracht. den abends um Aühr auf Vienslag verlagl. Politische Schießerei in Berlin. enb. Berlin, 30. Dez.(Funkspruch.) Auf ein Lokal in der Wiener Straße, in welchem sich Nationalsozialisten zu einer Weihnachtsveranstaltung zusammengefunden hatten, wurden gestern abend von etwa 15 bis 20 jugendlichen Burschen mehrere Schüsse abgegeben und auch Steine geworfen. Einer herbeigeeilten Polizeistreife gelang es, einen der Täter festzunehmen, während die übrigen flüchteten. Auf dem Transport des Verhafteten wurden die Beamten von einigen der Burschen verfolgt. Kurz vor dem Eintreffen auf dem Polizeirevier erhielt einer der Beamten einen Beckensteckschuß, der seine Ueberführung ins Staatskrankenhaus notwendig machte. Schiedespruch in der sächsischen Metallindustrie. Löhne um 4, Akkordlöhne um 5 Prozent gesenkt. wtb. Drepden, 30. März.(Funkspruch.) Die Verhandlungen zur Beilegung des Tarifstreites in der sächsischen Metallindustrie, die gestern in Dresden unter dem Vorsitz von Ministerialrat Hauschildt stattfanden und sich bis in die späten Abendstunden hinzogen, haben zu einem Schiedsspruch geführt, der eine 4prozentige Senkung der Löhne der Lohnarbeiter und eine 5prozentige Senkung der Akkordarbeiterlöhne vorsieht. Die neue Lohnvereinbarung läuft vom 2. Januar bis 31. Mai 1931. Erklärungsfrist der beiden Parteien ist der 5. Januar. Maßregelungen bei der spanischen Fliegertruppe. wtb Paris, 30. Dez.(Funkspruch.) Wie Havas aus Madrid berichtet, veröffentlicht das amtliche Organ des Kriegsministeriums die Liste der Fliegeroffiziere, die wegen der letzten Aufstandsbewegung zur Disposition und vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Die Liste umfaßt fünf Kommandanten und 21 Subaltern=Offiziere. Der Neujahrswunsch des Papstes für Deutschland enb. Rom, 29. Dez.(Funkspruch.) Gelegentlich des Neujahrsempfanges des deutschen Botschafters beim Vatikan hat der Papst in warmen Worten seinen Wünschen für die glückliche Zukunft Deutschlands und für das Wohlergeyen des Herrn Reichspräsidenten Ausdruck gegeben. Türnen, Stiel, Sher. Deutsche Turnerschaft Mamdtae? Holzen 97 1.— Germania Lütgendortmund 1. 1:2 00:1). Zum fälligen Punktetressen standen sich obige Gegnei auf dem Holzener Platz gegenüber. Die Platzverhältnisse waren sehr schlecht, so daß die Spieler bis an die Knöchel im Schlamm wateten und ein seines Spiel nicht möglich war. Trotzdem sich die Gegner gleichwertig waren, fanden sich die Gäste mit den schlechten Platzverhältnissen besser ab und errangen einen glücklichen Sieg, der auch umgekehrt lauten konnte. Sofort nach Anwurf ziehen beide Mannschaften forsch vor und man sieht des öfteren schöne Momente. Die beiderseits guten Hintermannschaften wissen ihr Tor stets rein zu halten. In der 29. Minute können die Gäste durch den Halbrechten überraschend in Führung gehen. Nach Wiederanwurf haben die 07er noch 9 Spieler zur Stelle, da Halblinks und Rechtsaußen ausschieden. Trotzdem können sie ihrem Gegner trotzen. Durch einen schönen, aus 40 Meier Entfernung geworfenen Wurf des Linksaußen erzielen sie sogar den Ausgleich. Nun entstand ein spannender Kampf um den Sieg. Die Gäste erwiesen sich als die Glücklicheren und warfen 2 Minuten vor Schluß das Siegestor. Holzen 07 2.— Germania Lütgendortmund 2. 1:1(1:0). ieses Treffen stand ganz im Zeichen des Platzvereins. Die Stürmer konnten sich vor des Gastes Tor nicht durchsetzen, so daß die Ueberlegenheit nicht zahlenmäßig zum Ausdruck kam. Holzen 07 1. Jgd.—„Tus“ Hohenlimburg=Elsey 1. Jgd. 5:3. Holzen 07 2. Jgd.—„Tus“ Hohenlimburg=Elsey 2. Jgd. 9:0. Die Holzener waren in beiden Spielen in bester Form und erringen sichere Siege. Holzen 07 2.—„Westfalia“ Villigst 1. Zum Freundschaftsspiel erwarten die Holzener am Neujahrstage Gäste aus Villigst. Die Westfalen sind zur Zeit in bester Form und konnten stets annehmbare Ergebnisse erzielen, so daß die Holzener auf der Hut sein müssen, wenn sie keinutharnrschung erleben will. Kl. * Grün: Linde Lütgendortmund 1.— T. V. Jahn 1. 1:1(0:1). Am Sonntag war„Jahn“ Schwerterheide r; seiner ersten und zweiten Mannschaft Gast I rune Linde" Lütgendortmund. Die erste Mannschaft Jahns zeigte das bisher beste Spiel und kämpfte dem Spitzenführer des Kreises 3 Ruhr=Mittelmark ein ehrenvolles Unentschieden ab. Bereits in der 5. Minute kann Jahn durch ihren Mittelstürmer überraschend in Führung gehen. Lütgendortmund macht verzwefelte Anstrengungen, doch ist das Schlußdreieck der Jahn=Mannschaft nicht zu überwinden. Mit 1:0 für Jahn geht es in die Pause. Nach Wiederanwurf drängt Lütgendortmund stark und ist zeitweise überlegen. Zahlreiche Würfe hageln auf das Tor, doch der Torwart der Schwerter, übrigens der beste Mann auf dem Platze, vermag immer noch rettend einzugreifen. Zwei Minuten vor Schluß kommt Lütgendortmund durch Strafwurf zum längstverdienten Ausgleich. Kurz darauf ertönt der chlußpfiff des Schiedsrichters, der dem Spiel uer und aufmerksamer Leiter war. Grüne Linde 2.— Jahn 2. 7:0(5:0). Die Lütgendortmunder gewannen dieses Spiel auf Grund ihrer größeren Spielerfahrung. Deutsche Jugendkraft DJK. 1. Jod.— Tus. Reichsbahn 1:0. DJK. 2 Jod.— Hagen=Altstadt 2. Jgd. 7:0. SSV. 06 stellte liebenswürdigerweise seinen Platz zur Verfügung, der jedoch durch die letzten Regenfälle fast spielunfähig wurde. Die verstärkte Jugend der Reichsbahner war den Jugendkraftlern nur zeitweise gleichwertig. Meistenteils waren die Blau=Weißen vor dem gegnerischen Tor zu finden. Doch konnte sich ihre stärkste Waffe, der gefürchtete Sturm, nicht so recht entsalten. Die Glätte des Bodens und Schlüpfrigkeit des Balles waren größere Hindernisse als Reichsbahns Hintermannschaft. Von Technik war kaum etwas zu sehen. Saft= und kraftlos waren die Würfe aufs Tor, da den Spielern der nötige Halt fehlte. Bei normalen Platzverhältnissen hätte der Sieger unzweiselhast ein überzeugenderes Torverhältnis herausgeholt. Die 2. Jugend wollte den schlechten Eindruck der letzten Niederlage gegen Tus 03, mit 8 Mann und Ersatz, wieder gut machen und schlug im Meisterschaftsspiel Tura Hagen=Altstadt mit 7:0. Die Ueberlegenheit der Schwerter war erdrückend. Kaum hatte der Schiedsrichter den Ball freigegeben, hieß es schon 1:0. Die Halbzeit sah Schwerte mit 4:0 in Front, dem in der letzten Spielhälfte 3 weitere Tore folgten. Ein weiteres Tor übersah der sonst gute Schiedsrichter. Das Torverhältnis für den Spitzenführer lautet jetzt 29:5. Im Zusammenhang mit dem oben erwähnten Spiele sei bemerkt, daß die 2. Jgd. gegen Reichsbef: 1. Jgd. vor kurzem einen 5:1 schaffte. 1. Schüler 23K.— 1. Schüler Eichenkreuz 4:6. Nach 12 Minuten hieß es 4:0, worauf die Eichenkreuzler den Platz verließen. Radepor? Dülberg=Stübecke im 3 Stundenrennen am Neujahrstage in der Westfalenhalle. Das Feld für das 3 Stundenrennen am Neujahrstage in der Westfalenhalle, das als die Generalprobe für das acht Tage später beginnende 6. Dortmunder Sechstagerennen gilt, ist nunmehr komplett. Als besondere Attraktion ist der Start des Dortmunders Dülberg anzusehen, der am 2. Weihnachtstag in dem Steherkampf gegen Möller seine hohe Rennfahrerklasse deutlich unter Beweis stellte. Dülberg hat als Partner seinen Landsmann Stübecke erhalten, der im letzten Frankfurter Rennen wieder großes Können dokumentierte. Das Paar Dülberg—Stübecke hat eine starke Gegnerschaft, zu der in erster Linie die erstmalig in Dortmund am Start erscheinenden tüchtigen Breslauer Preuß— Resiger zählen. Dazu kommen dann die Sieger der 100 km. in Dortmund, Kilian— Pützfeld, die noch in Frankfurt bewiesen, daß sie zur besten deutschen Klasse aufgerückt sind. Pijenenburg— Schön, die Revanche für ihre kürzlich erlittene Niederlage nehmen wollen, sind ehnfalls mit von der Partie. Daß Schön ein ganz großer Mannschaftsfahrer ist, zeigte sein Sieg im letzten Frankfurter Weihnachtsrennen. Der, wieder stark im Kommen befindliche Dortmunder Gocbel hat sich mit dem besonders in Dortmund sehr beliebten Franzosen Louet verbunden. Neu für Dortmund sind ferner die Berliner Lehmann— Wissel, die gerade für kurze Mannschaftsrennen geeignet und wegen ihrer großen Kampfesfreudigkeit sehr gesucht sind. Aus der Reichshauptstadt erscheinen ferner noch Ehmer— Tietz, die im Breslauer 25 Stundenrennen eine prächtige Figur abgaben. Die sauerländischen Radsportfreunde sehen besonders dem Start ihres Landmannes Schent entgegen, der mit seinem Sechstage=Partner Tonani das Rennen aufnimmt. Anton Joksch und Benninghoff bilden erstmalig eine Mannschaft und werden sich dabei besonders anstrengen. Dasselbe darf von Bremer— Damerow erwarten, weil von ihrem Abschneiden viel abhängen wird. Das komplette Feld sieht nunmehr wie folgt aus: Kilian—Pützfeld(Dortmund), Schön—Pijenenburg(Wiesbaden=Holland), Preuß—Resiger(Breslau), Dülberg—Stübecke(Dortmund=Westig), Ehmer—Tietz(Berlin), Joksch—Benninghoff(Dortmund), Goebel—Louet(Dortmund=Paris), Bremer—Damerow(Bochum=Krefeld), Tonani—Schenk(Italien=Hemer). Die Berliner Meute im Dortmunder Sechstagerennen. Die Leitung der Westfalenhalle hat nunmehr für das kommende Sechstagernneu auch bekannte Berliner Fahrer verpflichtet, so daß bis jetzt folgende Mannschaften verpflichtet sind: Krüger—Funda(Berlin), Ehmer—Tietz(Berlin), Manthey—Maczynski(Berlin), P. van Kempen— Stübecke(Holland=Westig), Preuß—Resiger(Breslau), Charlier—Deneef(Belgien), Kilian—Pützseld(Dortmund), Pijnenburg—Schön(Holland=Wiesbaden), Goebel—Dinale(Dortmund=Frankreich), Tonani—Schenk(Italien=Hemer), Guerra—* Bauen Der Streit um die Deutsche SchwergewichtsBoxmeisterschaft. In den letzten Tagen gingen Nachrichten durch die Presse, daß der Berliner Sportpalast wegen der deutschen Schwergewichts=Meisterschaft Schönrath— Müller verhandelt, serner, daß sogar die Kölner Rheinlandhalle den Vertrag schon abgeschlossen habe. Wir haben Ihnen hierzu mitzuteilen, daß wir mit beiden Borern in Verhandlung stehen u. möchten bei dieser Gelegenheit höflichst darauf aufmerksam machen, daß es für uns im Interesse unserer Sportgemeinde nach den so groß verlausenen Kampftagen Schönrath—Wagner und Schönrath—Müller eine Ehrenpflicht ist, alles zu versuchen, die Meisterschaft nach Dortmund zu bekommen. Wer sie uns also wegnehmen will, der muß es besser können! Leicht werden wir es jedensalls keinem machen. Aus Wöshdlen und den Rachber-Proviizen Aus Groß=Dortmund Intendank Karl Schaeffer gestorben Intendant Karl Schaeffer, der Amtsvorgänger des gegenwärtigen Intendanten Gsell am Dortmunder Stadttheater ist vor einigen Tagen in Oberbayern gestorben. Intendant Schaeffer hatte sich nach Ablauf seiner hiesigen Tätigkeit auf ein Landgut in Oberbayern zurückgezogen und war hier besonders schriftstellerisch tätig. Gelegentlich konnten wir einige seiner Aufsätze auch in unserer Zeitung veröffentlichen. Das Ableben des früheren Intendanten, der sich während seiner Dortmunder Tätigkeit sehr viel Freunde und Anhänger gewann, wird sicher allgemein bedauert werden. Hamm. Eine unangenehme Verwechslung. Eine Dame bestieg in Kamen einen Personenzug und fuhr über Hamm nach Münster. Ihre braune, krokodilhautartig genarbte Aktentasche mit 3000 RM. in hellgelber Brieftasche, blauer Saffianhandtasche und Geschäftsbüchern legte sie über ihrem Sitzplatz ins Netz. Als sie in Münster den Zug verließ, lag dort eine Aktentasche von ganz ähnlichem Aeußern, und als sie sie öffnete, entdeckte die Enttäuschte ein Hembhöschen für ein etwa neunjähriges Kind, eine Zephirschürze und ein Bilderbuch„Große Tierschau." Dem Inhalt zu urteilen, möchte man annehmen, daß eine freundliche Dame, die die Absicht hatte, vielleicht einem verwandten Kindchen ein„Christkindchen“ zu bringen, sich in der Eile beim Aussteigen, etwa in Hamm, vergriffen und ihre Tasche hat liegen lassen. Auch sie wird ein verwundertes Gesicht gemacht haben bei ihrer Entdeckung, daß sie ein Hemdhöschen durch Schütteln im Zuge in die hübsche Summe von 3000 RM. in 100und 50=RM.=Scheinen verwandeln konnte. Man darf wohl damit rechnen, daß sie der Verliererin eine große Weihnachtsfreude machen wird. Bochum. Tod durch Starkstrom. Der Elektriker Hubert Overdung hatte in einem Hause zu Langenbochum eine elektrische Leitung in Ordnung zu bringen. Dabei geriet er mit den nicht abgeschalteten, stromführenden Drähten in Berührung, erhielt einen heftigen Schlag und stürzte tot zu Boden. Gelsenkirchen. Vom eisernen Kübel erschlagen. Als der Arbeiter Wilhelm Overberg an einem an der Wanner Straße gelegenen Hochofen beschäftigt war, stürzte im plötzlich ein schwerer eiserner Kübel auf den Kopf, so daß dem Manne die Glieder und der Kopf zerschmettert wurde. Der Tod trat sofort ein. Nach den polizeilichen Feststellungen kommt ein Verschulden dritter Personen nicht in Frage. Osnabrück. Gegen einen Baum gerast. Auf der Kunststraße Osnabrück—Bremen kam es zwischen Twistringen und Bassum zu einem schweren Autounfall. Ein Kaufmann aus Bremen fuhr mit seinem Kraftwagen gegen einen Baum. Seine neben ihm sitzende Gattin wurde auf der Stelle getötet. Der Besitzer selbst und seine Tochter wurden schwer verletzt und ringen zurzeit noch im Krankenhause mit dem Tode. Eine junge Nichte der Kaufmanns kam mit Schnittwunden und einem Nervenchock davon. ha. Arzneien mit Betäubungsmitteln. Ueber das Verschreiben von Arzneien, die Betäubungsmittel enthalten, und über ihre Abgabe in den Apotheken hat der Reichsminister des Innern mit Zustimmung des Reichsrats jetzt auf Grund des Opiumgesetzes von 1929 eine neue Verordnung erlassen. Verschreibungen zum Bezuge der Arzneien mit Betäubungsmitteln aus öffentlichen Apotheken dürfen nur noch nach besonderen Bestimmungen von Aerzten, Zahn= und Tierärzten ausgestellt werden, wenn die Anwendung des Mittels ärztlich begründet ist. Eingehend erläutert wird das Verschreiben von Arzneien mit Opium, Morphin usw. sowie mit Kokain. Weitere Abschnitte der Verordnung sehen die Form und den Inhalt. der Verschreibung vor, die Abgaben und den Nachweis des Verbleibs in den öffentlichen Apotheken sowie in den behördlich genehmigten Hausapotheken. Ein 5. Teil regelt das Inkrafttreten der Verordnung und die Uebergangsbestimmungen. Was hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 31. Dezember 1931. 07,00: Morgenkonzert. 08,00: Mutter und Kind. 10,15: Schallplattenkonzert. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 16,20: Frauenstunde. 16,40: Was will ich werden? 17,15: Vesperkonzert. 18,15: Die Welt im Buch. 18.40: Die Stunde des Arbeiters. 19,25: Das Geheimnis von Syrakus. 19.45: Abendmusik. 20,15: Erste Abendmeldungen. 20,25: Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten. Silvester 1930. Die wichtigsten Ereignisse des Jahres 1930 1 # Obere Reihe von links nach rechts: Der Schauplatz des furchtbaren Brückeneinsturzes bei Koblenz, das über 40 Opfer forderte. Die Trümmerstätte nach der Bergwerkskatastrophe von Alsdorf, wo mehr als 140 Bergleute ihren Tod fanden. Die Kronprinzenhochzeit in Rom; Kronprinz Humbert, mit der Prinzessin Maria José von Belgien. Mittlere Reihe von links nach rechts: Die Ueberreste des englischen Luftschiffes R 101, das in Frankreich explodierte und 51 Menschen den Tod brachte. Gandhi auf dem Marsch zu den Salzpfannen, womit die große indische Unabhängigkeitsbewegung eingeleitet wurde. Untere Reihe von links nach rechts: Die Leiche des Nordpolforschers Andrie wird in Tromsö in die Kirche überführt, nachdem sie 30 Jahre lang im Eise gelegen hat. Revolution in Brasilien, die mit dem Sturz des Präsidenten Washington Luiz endete. Erdbeben in Italien, das mit über 2200 Menschenopfern zu den schwersten der letzten Jahre zählt. Reichspräsident von Hindenburg mit Reichsaußenminister Curtius vor dem Dom von Speyer während der großen Befreiurgsfeier in den Rheinlanden. Blitzlicht Spezial: Platten und Füme für SILVESTER Max Mehlhose Postgiefs Für Sylpester Arrak, Rum, Burgunder, Schweden=Punsche Flasche von 2.80 Mk. an Selner Punsche, Weiß, Rot=, Glühweine Weinbrand- Liköre- Gekt in bester Qualität und billigen Preisen Central Orogerie Hüsingstraße 12 4699 Benutzt die Leihbiblothek Carl Braus. kaufen Sie Ihre Weine, Spirituosen und Liköre am besten und billigsten bei der KU WA Beachten Sie unsere Schaufenster Die Besichtigung unserer Spezial-Wein- und Spirituosen-Abteilung ist ohne Kaufzwang gern gestattet. Durch den riesigen Verbrauch und eigene Fabrikation sind wir in der Lage, zu denkbar günstigsten Preisen zu verkaufen. Darum sichern Sie sich rechtzeitig Ihren Bedarf bei der En A Kolonialwaren-Vertriebs-Ges. m. b. H. Dortmund Filiale Schwerte, Hüsingstraße 26 Bekanntmachung Auf Grund der Beschlüsse des Magistrats vom 4. Dezember 1930 und der Stadtverordnetenversammlung vom 15. Dezember 1930 werden nach Genehmigung durch den Bezirksausschuß Abt. II zu Arnsberg vom 24. Dezember 1930 und mit Zustimmung des Herrn Oberpräsidenten zu Münster vom 29. Dezember 1930 für das Rechnungsjahr 1930 mit Wirkung vom 1. April 1930 ab 4704 weitere 397 Zuschlag zur Grundvermögenssteuer und weitere 507 Zuschlag zur Gewerbeertrags* steuer erhoben. Demnach werden im letzten Vierteljahr des Rechnungsjahres 1930 15675 Zuschlag zur Grundvermögenssteuer u. 2007 Zuschlag zur Gewerbeertragssteuer mehr erhoben, sodaß der im letzten Vierteljahr des Rechnungsjahres 1930 zur Erhebung kommende Zuschlag beträgt: bei der Grundvermögenssteuer: 38675, bei der Gewerbeertragssteuer: 850#. Der Zuschlag zur Lohnsummensteuer beträgt unverändert 24007. * Schwerte, den 30. Dezember 1930. Der Magistrat. Schlegtendal. Die Verlobung unserer Tochter Emmy mit dem Fabrikanten Herrn Heinrich Haarmann beehren wir uns anzuzeigen Hugo Comberg und Frau Mathilde geb. Reuter Gut Ostberge Dortm.-Sölde Emmy Comberg Heinrich Haarmann Verlobte Nenden Kr. Iserlohn Silvester 1930 Für Sylvester kaufen Sie Weine und Spirituosen aller Art, in bekömmlichster Qualität, billigst bei Max Mehlhose Postgiefr 476 Empfehle folgende Biere in Fässern, Syphons und Flaschen: Fürstenbergbräu „das Bier der Biere“. Licslradchsier „Auunkeit Dortmunder Aktien-Bier „das Bier der Kenner“. Has.Pierachamfper Biergroßhandlung Telefon 2041 u. 2042 IE Ruhrtaler Sängerverein Schwerte Am Neujahrstage, nachm. 4½ Uhr beginnend im Freischütz M SCE (Numor und Groteske in der Musils) Mitwirkende: Marianne Pöller(Sopran), Hagen Emil Kümper(Bariton) Josef Nolte, am Flügel, Dortmund lbach-Flügel von der Firma Hohrath-Söhne, Dortm. Einlaßkarten 60 Pfg.(ohne Steuer). Nach dem Honzert: Gemütliches Beisammensein und Tanz! 4703 Wie wird der echte Grog von Otto Klein’s Rum-Verschnitt gemacht? ca. 2 gekochten Wassers, bierzu 1—3 Stäcke Zucker je nach Geschmack und Größe, gut umrühr. dann ca. ½ Wasser SamaltenRum-Verschnitt Marke anichienengengn Rum- Punsch- Arrak Selner-Punsch, Schweden-Punsch Cognac- Likör- Wein Nur Gutes— Otto Klein Hüsingstraße 15 4694 Ich bitte meine verehrte Kundschaft, den Bedarf in Silvester-Gebäck recht frühzeitig aufzugeben. Auch die kleinste Bestellung wird dann gern und prompt ausgeführt. Konditorel und Café Heermann Ruf 2303 die billigen 150/200 Teppiche Dik 837 ∆050 Nk. 10• □000 Nik. 12°5 Läufer Natr. Nük. 1.60 Vorlagen 40, 50, 75 Pfg. Heimann-Rottkamp BORTPESSNG Hausastraße 84 Westenhellwes 73 Rheinischestr. 8 Schwarte, Hörderstraße 15 GELSENKIRCHEN :" K r e n z s t r a ß e 8 4417 HERNE Bahnhefstr. 44 Wurd' auch die Zeit und vieles Andere schlecht, Union-Bier blieb trotz Allem gut und echt. 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Dezember 1930 Asten 1530 Von Dr. Friedrich Otte, Professor a. D., Reichsuniversität Peking. Ruhé. Die wirtschaftliche Lage war beänstigend schlecht, schon allein, weil China 1930 der einzige Staat geworden ist, in dem noch SilberEnde Oktober soll Rabindranath Tagore in New York, dem„Zeitraum der Welt", wo politische und andere Reklame sich lohnt, gesagt haben, auf der ganzen Erde mache sich ein Zustand der Revolution bemerkbar, weil irgendwo das Gleichgewicht gestört sei. So ganz neu ist diese Erkenntnis nun allerdings nicht, aber man freut sich doch, aus so weisem Munde bestätigt zu bekommen, was jeder bereits weiß. Dann meinte er noch, durch weitere Schulerziehung sei dem Uebel abzuhelsen. Da wird schon mancher stutzen, wenn man auch zugeben muß, daß zur Zeit das Gleichgewicht in den Köpfen, auch den asiatischen, bedenklich gestört ist. Um die gleiche Zeit besprach Calvin Coolidge, der Vorgängek des jetzigen Präsidenten der U.S.A. die überall fühlbaren Uebelstände und meinte, das Chaos in China, Indien und Rußland habe beträchtlichen Anteil an der Störung des wirtschaftlichen Gleichgewichts, also anscheinend nicht so sehr des geistigen, wie Tagore glaubt. Wir Deutschen vermissen in beiden Fällen den Hinweis auf Versailles, mit der Grundströmung einer starken Störung des sittlichen Gleichgewichts und Ueberhandnahme der Gier und Raffsucht in den Siegerstaaten. Darauf wies, ebenfalls in New York, Ende November der frühere Reichsbankpräsident Schacht hin, als er eindringlich davor warnte, den Bogen zu überspannen. Auf Versailles und 1919 geht auch die chronische Störung der asiatischen Verhältnisse als Folge gebrochener Versprechen zurück. Asien hat 1930 vollen Anteil an der Weltdepresion gehabt. Die Auflehnung gegen Großbritannien und Frankreich, einzigen kolonialen Großmächte großen Stils, hat sich verstärkt; die Kolonien selbst und die ausgeschlossene übrige Welt wehren sich heute gegen die nahezu parasitische Monopolstellung von zwei bevorrechtigten Staaten. Beide Mächte mußten 1930 unter dem Druck der öffentlichen Weltmeinung und des eigenen Wollens der beherrschten Völker weiter Schritt für Schritt zurückweichen. Chinas Zollautonomie wurde durch den Beitritt Japans zu dem neuen Vertragssystem endgültig anerkannt; die Fessel von 1842 ist zerrissen. De endgültige Beseitigung der Konsulargerichtsbarkeit wird auch in Amerika als bevorstehend angesehen. Weihaiwei, das Pachtgebiet in Nordschantung, das England um die gleiche Zeitt besetzt hatte wie Deutschland Kiautschou(1897), wurde im Oktober an China zurückgegeben, aber nicht so ganz gutwillig, wie es von London aus jetzt hingestellt wird. Die konservative Regierung hätte nämlich schon kurz nach 1922 zurückgeben sollen; auch die Fremdenniederlassung in Amoy erlängte China von England zurück. Alles dies, obgleich von April bis Oktober der furchtbarste Bruderkampf seit 1912 Chinas Tatkraft nach außen hin schwächte und obgleich die Zustände im Yangtsegebiet chaotisch waren. Die Nationalregierung hat dort im Oktober einen glänzenden Sieg über den Norden erfochten, wozu man sie beglückwünschen kann. Das Land braucht endlich einmal währung besteht. In Japan hat die industrielle Krise kurz nach dem Börsenkrach in New York im Herbst 1929 eingesetzt; die Absatzerschwerung in den Vereinigten Staaten, von denen Japans Rohseideausfuhr zu 90 Prozent abhängt, und in Asien, wo es seine Industrieprodukte im Wettbewerb mit europäischen und amerikanischen unterbringen muß, der Sturz der Rohseidepreise, die vielbekämpfte Sparpolitik der Regierung Hamaguchi(seit 1929) drückten auf die Wirtschaft; erst im Herbst 1930 deutete sich eine leichte Besserung an. Der Beitritt Japans zum Londoner Flottenabkommen am 5. Oktober wurde in nationalen Kreisen vielfach als außenpolitische Schlappe empfunden. Die japanischen Kolonien Korea und Formosa sind von Unruhen nicht verschont geblieben, die aber keine ernsthaften Formen annahmen. Die bewundernswerte Zähigkeit, die der Japaner im Ertragen von Schicksalsschlägen wie Erdbebenkatastrophen, Wirtschaftskrisen usw. stets bewies, hat sich im allgemeinen auch 1930 aufs beste bewährt. Die kluge Außenpolitik der Regierung führte zu einer bedeutenden Besserung der auch 1929 noch durch Boykotte gestörten Beziehungen zu China. Mit Sowjetrußland entstanden dagegen Zwistigkeiten in der Auslegung der japanischen Tischereigerechtsame an der russisch=asiatischen Küste. Auf Französische=Indochina wurde die Aufmerksamkeit der Welt schon im Frühjahr 1930 gelenkt. Die Aufstände erst im Norden, dann im Süden des Landes wuchsen sich soweit aus, daß sich im Innern kein Franzose mehr ohne Schutzwache sehen lassen konnte. Mit der Wirtschaftsdepression allein lassen sich diese Zustände nicht mehr erklären, denn jene ergriff 1930 in noch viel stärkerem Maße die Nachbargebiete Indochinas in Hinterindien, so die Reisländer Siam und Birma und das Kautschu'gebiet von Britisch Malaya, ohne daß es zu Metzeleien und massenhaften Todesurteilen gekommen wäre. Die Lage verschärfte sich so, des Ende Juli ein neues Kontigent von Freudenlegionären, überwiegend Deutschen. nach Indochina entsandt wurde, wo sie als Cladiatoren der französischen Bedrücker das Blut verzweifelter Eingeborener vergießen. Helfen wird das den Franzosen auf die Dauer nicht; sobald China erstarkt, ist Indochina verloren. In Holländisch=Indien blieb die Bevölkerung trotz wirtschaftlicher Depression ruhig, dank der milden holländischen Herrschaft; während auf den benachbarten Philippinen trotz der liberalen Kolonialpolitik der Amerikaner, die der französischen unendlich überlegen ist, die heitsbewegung weiterhin anwuchs. Westlich von Sincapore beginnt die rein indische Welt, wo japanischer und chinesischer Wirtschafts= und Kultureinfluß noch gering sind und der arabische Einschlag bemerkbar wird. Der Aufmarsch Europas Die alte Enteilung: Sieger und Besiegte gilt längst nicht mehr. Gewaltig sind die Veränderungen, die sich in der Politik der Nachkriegseuropa vollzogen vollzogen haben, und Staaten, die gestern noch als Verbündete galten, stehen sich heute als erbitterte Gegner gegenüber. Es wäre gewiß verfehlt, von zwei kompletten Bündnissystemen zu sprechen, die Europa umspannen. Aber wer Augen hat zu sehen, gewahrt eine Entwicklung, die über kurz oder lang doch Europa in die zwei findlichen Lager spalten muß, wie sie die Karte andeutet. Auf der einen Seite stehen die Völker, denen der Versailler Vertrag eine riesige Beute in den Schoß geworfen hat, und die ihr Besitztum verteidigen wollen. Den Mittelpunkt dieser Gruppe bildet Frankreich. Auf der anderen Seite stehen die fordernden Länder, Länder die sich mit der Grenzziehung nach dem Kriege nie und nimmer einverstanden erklären können, da ihr Lebensraum auf das unerträglichste beengt ist. Den Mittelpunkt dieser Gruppe bildet Italien. Unklar ist die Stellung Englands und Deutschlands, doch läßt sich natürlich unschwer erkennen, welchem Lager sie zuneigen. Die Geschehnisse in Britisch=Indien haben dort alle anderen, so in Persien, Afghanistan usw. bis zum Suezkanal hin, überschattet. Die Erschütterung des englischen Ansehens ist 1930 unbestreitbar geworden. Das erste Zugeständnis an den indischen Nationalismus geht auf das Schicksalsjahr 1919 zurück. Seitdem wurden auf den Jahreskongressen der Nationalisten immer neue Forderungen gestellt. Die 1928 und 1929 ausgesprochenen Drohungen kamen zur Durchführung, Trotz der erhöhten Schutzzollkonzessionen an die indische Industrie ab April 1930 haben Boykotte, Gehorsamsverweigerungen usw. mit ihren Folgeerscheinungen, wie der Verhaftung Gandhis und zahlloser politischer Führer, den Vorgängen ihren Stempel aufgeprägt. Die englische Textilindustrie litt dadurch furchtbar. Die am 12. November in London, im Anschluß an die fast ergebnislos verlaufene Reichskonferenz des Weltreichs eröffnete Konferenz am„Runden Tisch“ wrd an der allmählichen Loslösung Indiens wenig hindern können; die Nationalisten und Gandhis Swarajisten haben keine Vertreter nach London entsandt. Die seit 1919 sichtbare Grundströmung verstärkte sich 1930 merklich; die Sowjets helfen von Asien her durch Propaganda, der Yankee von New York her durch sittliche Entrüstung nach; auch Japan hat kein Interesse an der britischen Herrschaft über asiatische Gebiete; daher am 21. Oktober der erneute Notschrei des neuseeländischen Ministerpräsidenten auf der Reichskonferenz: Haltet Ihr Singapore nicht, dann nimmt Japan es! Auch die Vorgänge in Persien, Afghanistan, Syrien, Palästina, im Jrak und in der Türkei unterlagen ähnlichen Entwicklungsgesetzen wie die im übrigen Asien: tiefgreifende Unzufriedenheit, Aufstände(Kurden und Araber), Wirtschaftskrise, Preissturz, Stocken von Einfuhr und Ausfuhr, Arbeitslosigkeit, Besorgnis vor der weiteren Zukunft! 1930 war das schwerste Jahr seit der letzten schweren Krise von 1921=22. Druckschriften über Waageninstandsetzung Auf Anregung der Waagenhersteller ist vom Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit ein Ausschuß für Waageninstandsetzung gegründet worden. Eine Druckschrift soll auf die Notwendigkeit sachgemäßer Behandlung und Pflege von Waagen hinweisen und Richtlinien für die Vornahme von Ausbesserungen geben. Zu ginn des neuen Jahres hofft der Ausschuß den Entwurf mitteilen zu können. Bei der Zusammenstellung der verschiedenen Waagenarten wurden über 130 Arten gezählt. Unzureichende Kenntnis führt bei Instandsetzungen häufig zu Verlustbarkeit. Aus diesem Grund haben Hersteller, Verbraucher und die fachmännischen Handwerker zu der Gründung des Ausschusses geraten. Die Druckschrift gliedert sich in mehrere Abschnitte: Wie erkennt man Fehler an Waagen?, sachgemäße Unterhaltung, Instandsetzung, Waagenverzeichnis nach Gruppen geordnet und ein solches für Stichworte. Der Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 25. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Mister Westinghouse stand wie erstarrt. Seinem geöffneten Munde war die Pfeise entfallen. Einer der Beamten flüsterte ihm etwas von„vorübergehender Maßnahme und Schutzhaft" zu. Dann traten sie im bereitstehenden Kraftwagen die Fahrt zum Polizeipräsidium an. „** Das Fußmaß stimmte. Kommissar Vogel wußte genau— trotz des Leugnens Partas—, daß er den Fassadenkletterer aus der Parkstraße „geschnappt“ hatte. Der Auslieferung stand nichts im Wege. Ein heikles Stück Arbeit war der Besuch Vogels und eines Wiener Kriminalisten im „Esplanada“ bei dem Maharadscha von Sindia. Seine Hoheit war fertig zum Abendausgang, als ihm die Beamten gemeldet wurden. Er kam nicht dazu, seine Anordnungen zu treffen. Die Kriminalisten standen schon im Zimmer und forderten ihn ebenso höflich wie dringend auf, den von Gregor Parta erhaltenen Ring herauszugeben. Außerdem überreichten sie ihm ein Ermächtigungsschreiben von der deutschen Gesandschaft in Wien, das zwar nur Formsache war, jedoch immerhin die Wirkung des Schrittes erhöhte. Seine Hoheit war total verblüfft. An diese Möglichkeit hatte er nicht gedacht. Und nach anfänglichem Widerstand bequemte er sich schließlich unter Protest zur Herausgabe des Ringes, um der angedrohten Gepäckuntersuchung zu entgehen. Wo nur Westinghoese urd Parta blieben? Warum hatten sie ihn nicht gewarnt! Das diese Halunken stückweise von der surchtbaren Kali geholt werden möchten! Schöttler erwartete die Beamten im Polizeipräsidium. „Der Ring?“ „Bitte!" Vogel überreichte ihm diesen, mit dem ersten Glied des Zeigesingers bineinfahrend. „Vorsicht!“, rief der Journalist warnend. Der Kommissor lochte. „Haben Sie Angst, daß ich das Dingelchen ruiniere?“ Schöttler betrachtete den Ring eingehend, während er leise erwiderte: „Ich kalkuliere umgekehrt...“ Dabei umspielte ein zufriedenes Lächeln seinen Mund. Jetzt erst wußte er bestimmt, daß der Glaube und die Angst Sonias und der übrigen Zenana=Frauen am Hofe des Mabaradschas kein leerer Wahn waren: der Ring der Bajadere konnte wirklich seiner jeweiligen Trägerin den Tod bringen! „Sie hätten den Fürsten sehen müssen, Herr Schöttler: richtig grün vor Aerger ist sein bronzefarbenes Gesicht geworden!“ lachte Kommissar Vogel. Der Journalist nickte begreifend. „Und wenn er wüßte, daß ich hinter den Kulissen geschürt habe, wäre ich meines Lebens keine Minute sicher.“ Er dachte an die Todfeindschaft, die zwischen ihm und dem Inder seit jenem Tage bestand, da er mit Sonja aus dem weißen Palast am Ganges floh. Inzwischen war das Weitere veranlaßt worden: Mister Westinghouse wurde entlassen und durfte zu seinem Herrn ins„Esplanade“ zurückkehren. Sein Empfang war fürchterlich. Der Exot bekam einen Tobsuchtsanfall, schlug alles, was nicht niet= und nagelfest war, kurz und klein, beschwor alle asiatischen Nachegötter, Europa im allgemeinen und Wien insbesondere von der Erdoberfläche zu vertilgen. Die Beleidigungen schwirrten schockweise aus seinem Munde. Zum Glück verstand sie niemand; denn er bediente sich seiner Muttersprache. Und dies wars das Ende. Sofort packen! Nach Begleichung der durch die demolierten Einrichtungsgegenstände recht nennenswert gewordenen Rechnung reiste der Maharadscha von Sindia noch in der Nacht ab. Diesmal war das Ziel eindeutig: Triest. Dort lag die Staatsjacht seiner Hoheit vor Anker. „„* Zwanzig Kilometer vor dem heimischen Flugplatz hatte das Polizeiflugzeug eine Motorpanne. Der Pilot mußte landen. Im Gleitflug ging er auf'einen Sturzacker herab. Aber für solches Gelände war die Auslaufgeschwindigkeit noch zu groß. Das Unglück war nicht aufzuhalten: Die Maschine überschlug sich und ging in Trümmer. Vogel und Parta kamen mit dem Schrecken davon. Der Pilot erlitt Quetschungen und Schöttler eine leichte Gehirnerschütterung. Sie wurden im rasch herbeigerufenen Krankenwagen nach der Stadt gefahren. Wenn sich Vogel unter den Verletzten befunden hätte, wäre für Parta die Gelegenheit zur Flucht ideal gewesen. Und nun vollzog sich alles sehr schnell. Sofort nach der Ankunft im Polizeipräsidium wurde der Bruder Mia Stranskys einem Verhör unterzogen, das ihm auf die Nerven ging. In Paris hatte Gregor Parta den Mahnradscha von Sindia kennengelernt. Im„Moulin rouge“ erfuhr dann der Exot, daß Parta mit Horst Schöttler bekannt sei. Nun war sein Interesse geweckt. Er wußte Parta für seinen schnell gefaßten Plan zu interessieren, und dieser ging nur zu gern darauf ein; selbstverständlich gegen„eine kleine Entschädigung“, wie der Verhörte zugab. Gregor Parta zögerte nicht, die Hauptschuld auf den Fürsten zu schieben. Er wußte nur zu gut, daß man gegen den Inder aus begreiflichen Gründen nicht weiter einschreiten würde, und daß eine diesbezügliche Nachprüfung seiner Angaben kaum möglich wäre... Das wußte auch der Ermittlungsrichter und beschränkte sich demzufolge nur auf die wichtigsten Tatsachen. Daß der Maharadscha von Sindia sein Teil schuld trug, war durchsichtig. Ihm ging es um den Ring. Das„Wie“ war Sache Partas gewesen. Und rein menschlich betrachtet, konnte man das Interesse des Inders sogar verstehen. Der kostbare Schmuck war ehemals sein Eigentum, das durch seine entflohene Frau verschenkt worden war. Immerhin blieb die Tat Partas strafbarer Einbruch und Diebstahl. Daran war nichts zu ändern. „Wie kamen Sie nun auf die Idee, den Ring ausgerechnet in der Villa Stein zu suchen?“ fragte Doktor Messerschmidt. Parta suchte nach einer Lüge, nach einem Ausweg— und fand nichts. „Ich rate Ihnen, sich an die Wahrheit zu halten“, warnte der Landgerichtsrat. Vor diesem Menschen ist man Glas, dachte Parta, innerlich fluchend. „Horst Schöttler ist ein alter Bekannter von mir“, bequemte sich der Verhörte einzuräumen, „und ich kannte seine Wohnung. Auch wußte ich, daß er zurzeit auf Reisen war. Darauf baute ich meinen Plan. Mit falschen Ausweispapieren verschaffte ich mir Zutritt in seine Zimmer und gab mich, seiner Mutter gegenüber, als Kriminalbeamter aus. Ich brauchte nicht an eine Durchsuchung der Wohnung zu gehen. Die alte Dame konnte mir Angaben über den Verbleib und jetzigen Besitzer des in Frage kommenden Ringes machen. Sie sagte mir, daß ihn Horst ein Frau Stein verschenkt hätte.“ Doktor Messerschmidt und Kommissar Vogel tauschten einen Blick, der besagte: Da haben wir einen guten Fang gemacht. „Sie sind dann sofort an die Ausführung Ihres Vorhabens gegangen?“ (Fortsetzung folgt.) Die Winterlagerung des Obstes Schwerte, den 30. Dezember 1930. Winterobst läßt oft nach längerer Lagerung im Geschmack sehr zu wünschen übrig, ein Zeichen, daß die Aufbewahrung mangelhaft ist. Einen gewissen Einfluß auf die Haltbarkeit haben natürlich auch die verschiedenen Sorten und Arten des Obstes. Am besten z. B. halten sich Aepfel, und von diesen wiederum die mit festiger, glatter Schale. Aufs Lager sollen nur gute. vollkommen ausgebildete Früchte kommen. Der Aufbewahrungsraum soll etwas dunkel sein. Die üblichen Keller eignen sich nicht dazu, auch wenn dort nur Obst aufbewahrt wird, denn ein Keller hat selten gute und reine Lust, däß sich Obst gut halten könnte. Wohl ist er meist feucht genug, sonst aber zu warm und zu dumpf. Eine Obstkammer ist viel geeigneter. Der Feuchtigkeitscrad soll um 80 Prozent liegen. Zu feucht dürfen die Kammern selbstverständlich nicht sein, denn wo sich Wasserdampf an den Wänden niedersck lägt, gibt es leicht Schimmelbildungen, die den Geschmack verschlechtern. Im Herbst darf die Wärme im Obstrarm 8—10 Grad betragen, später aber 3 bis 4 Grad nicht überschreiten. Am schädlichsten sind häufige, stärkere Temperaturschwankungen. Trockene Räume lüftet man bei Regen oder Nebel, seuchte nur bei trockenem Wetter, um Feuchtigseitsabzug und Luftbewegung zu schaffen. Gegen das Austrocknen kann man das Obst noch dadurch schützen, daß man es in Kisten verpackt, die einzelnen Früchte in Papier wickelt, sie in mehreren Schichten lagert und darüber und darunter ebenfalls Papier legt. Selbstverständlich muß im Obstraum auch größte Reinlichkeit herrschen. Durch Schwefeln, Tünchen der Wände und Decken mit alk, durch Scheuern der Gestclle usw. wird man die Haltbarkeit und den Wohlgeschmack unterstützen. Daß die Gestelle usw. nicht mit Farbe, Karbolineum und ähnlichem gestrichen werden dürfen, weil sonst das Obst die Gerüchte annimmt und nicht wieder verliert, ist selbstverständlich. Gedenktage. 29. Dezember: 1809 Der englische Staatsmann Gladstone geboren(gestorben 1898).— 1832 Der Buchhändler I. F. Cotta in München gestorben(geboren 1764).— 1843 Königin Elisabeth von Rumänien(Carmen Sylva) * Schloß Monrepos bei Neuwied geboren (o#erben 1916).— 1916 Der Dichter Rainer a Rilke in Paris gestorben(geboren 1875). L0. Dezember: 1819 Der Dichter Theodar Fontane in Neuruppin geboren(gestorben 1898).— 1861 Der Ingenieur Max Mannesmann in Bliedinghausen geboren(gestorben 1915). Wetterbericht der Wetterdienststelle Essen vom 29. Dezember 1930. Während das Hoch im Osten und auch Nordosten fortbesteht, liegt über England ein starker Ausläufer des Tiefs über dem Nordmeere. Im Nordseegebiet haben daher starke und auch stürmische Süd= und Südwestwinde eingesetzt.— In Deutschland war es heute morgen meist heiter, z. T. auch stärker bewölkt bis bedeckt. Die Temperaturen lagen im Westen bis 5 Grad über Null, im Nordosten bis 7 Grad darunter. Der Kahle Asten meldete starken Südsüdostwind, Nebel und 0 Grad. Wetteraussichten für Dienstag: Bewölkt, zeitweise auch heiter, nur noch vereinzelt Regenfälle, wieder kälter. Aussichten für Mittwoch: Heiter und auch bewölkt, leichter Frost. Der Magistrat erläßt in unsrem heutigen Anzeigenteil eine Bekanntmachung betr. Zuschläge zur Grundvermögenssteuer, Gewerbeertragssteuer und Lohnsummensteuer, auf die wir unsre Leser besonders aufmerksam machen. —. Die Biersteuerordnung hängt aus. Wir verweisen ausdrücklich auf die im heutigen Inseratenteil veröffentlichte Bekanntmachung über die Biersteuerordnung. Kalenderverteilung der„Schwerter Zeitung". In der heutigen Ausgabe liegt unser Kalender für das Jahr 1931 ein. Der neue Kalender, der im Zweifarbendruck hergestellt ist, wird ein willkommenes Geschenk darstellen. Mögen unsere verehrten Leserinnen und Leser nur gute Tage im neuen Jahre in ihm aufzeichnen brauchen. X Angefahren wurde gestern vormittag auf der Hörderstraße ein älterer Mank von der Schwerterheide, der einem Radfahrer ausweichen wollte und dabei von dem Kotflügel eines Kraftwagens gestreift und zu Boden geworfen wurde. Der alte Mann hat anscheinend eine Gehirnerschütterung erlitten; er wurde von dem Wagenführer, der ohne Zweisel schuldlos an dem Unfall ist, zum Arzt gebracht. Diebstahl von Fernsprechleitungen. In der Nacht vom 16. zum 17. Dezember sind aus der Fernsprechlinie an der Landstraße Unna —Werl zwischen Holtum und Hemmerde zahlreiche Leitungsdrähte von unbekannten Tätern herausgeschnitten und gestohlen worden. Die Diebe verwendeten zum Wegschaffen ihrer Beute einen Kraftwagen. Durch den Drahtdiebstahl ist der Fernsprechverkehr auf den betroffenen Leitungen längere Zeit unterbunden worden, auch sind der Deutschen Reichspost beträchtliche Wiederherstellungskosten entstanden. Für Ermittlung der Täter und sachdienliche Mitteilungen hat die Oberpostdirektion Dortmund nach einer bei den Postämtern aushängenden Bekanntmachung eine Belohnung von 50 Mk. ausgesetzt. X Kath. Gesellenverein. Am Neujahrstage veranstaltet der kath. Gesellenverein seine Weihnachtsfeier im Vereinshause. Der rührige Vorstand hat die Feier in bester Weise vorbereitet und ein sehr abwechslungsreiches Programm aufgestellt. Im Mittelpunkt des Abends steht die Aufführung eines Krippenspieles, welches von Deklamationen und gemeinschaftlichen Liedern umrahmt wird. Die Feier beginnt um 7 Uhr abends. Achtung Jäger! Durch Beschluß des Bezirksausschusses in Arnsberg ist für den Regierungsbezirk Arnsberg der Beginn der Schonzeit für Fasanenhennen auf den 18. Januar 1931 festgesetzt worden. Der letzte Jagdtag ist somit der 17. Januar 1931. Dieser Beschluß stützt sich auf die Paragraphen 39 und 40 der Preußischen Jagd= ordnung vom 15. Juli 1907. Beschleunigung des D 31 Köln—Hagen—. Soest—Berlin. Der Westf. Verkehrsverband e. V., Sitz Dortmund, teilt mit: D 31 Köln—Hagen—Soest— Paderborn—Berlin=P. wird in Zukunft um 25 Minuten beschleunigt. Er verläßt Köln erst nach Eintressen der D 173 von Koblenz und D 23 von Aachen und trifst 17,30 Uhr in Berlin=P. ein. ha. Gesetzliche Regelung für Stellenvermittler. Das Gesetz für eine vorübergehende Regelung der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung ist jetzt vom Reichspräsidenten verkündet worden. Gewerbsmäßige Stellenvermittler, die nach dem Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung einen Anspruch auf Entschädigung haben, dürfen ihren Betrieb bis zum 31. März 1931 fortführen, soweit er sich nicht auf die Vermittlung von Bühnenangehörigen, Artisten, Chor=, Tanzpersonal und Musikern erstreckt. Die Regelung der Entschädigung bleibt vorbehalten. Solche Stellenvermittler, deren Tätigkeit sich nur auf Personen für Konzerte und andere Vorträge erstreckt, die höheren Belangen der Kunst dienen, dürfen ihren Betrieb bis auf weiteres fortsetzen und auch dann, wenn sie keinen Anspruch auf Entschädigung haben. ha. Wie erkennt man geschliffenes Glas? Um bei der Zollabsertigung geschlissenes Glas zu erkennen, hat der Reichsfinanzminister die Zollbehörden auf die Merkmale aufmerksam gemacht Geschliffenes Spiegel= und Tafelglas unterscheidet sich von anderem durch eine gleichmäßige Dicke, besondere Glätte und Reinheit der Flächen. Es ist frei von Unregelmäßigkeiten. Werden die Flächen aufeinandergelegt, so haften sie fest zusammen. Scharse Kanten spiegeln sich gradlinig, in schlechtem Glas verzogen ab. Zweifeln, ob es sich um geschliffenes oder ungeschlissenes Glas handelt, kann man durch eine Probe begegnen. Vor die innere Seite eines Fensters, das gegen den freien Himmel gelegen ist, wird ein schwarzer, glatter und starker Faden senkrecht gespannt,. Unterhalb des Fensters muß der Raum dunkel sein. Das Glas wird dann in schräger Richtung so gegen das Fenster gehalten, daß sich der Faden abspiegelt und um die nach dem Lichte gelegenen Kanten bewegt. Man muß dabei von oben in das Glas hineinsehen. Ist es geschliffen und gefärbt, so erscheint der Faden genau abgegrenzt ohne Biegungen, bei klarem Glas aber noch ein Schattenbild des Fadens. Das Glas ich nicht geschliffen, wenn das Spielgelbild verzerrt erscheint. Vom Film Ein prächtiges Programm, das heute in den Lichtspielen„Zur Reichskrone“ anläuft. Jenny Jugo in dem Tonfilm:„Heute Nacht eventuell“, das besagt schon alles. Wir erwähnen hier eine Pressenotiz:„Ein flottes, schwankhaftes Lustspiel mit zeitgemäßen Typen und drolligen Pointen und überraschenden Situatiönchen... sehr erfreuliche Arbeit .... mit vornehmer Reserve in Sprache und Spiel, aber auch mit einem Schuß feinen, überlegenen Humors. Sein Tonfilmdebüt ist glänzend geglückt... Jenny Jugo als seine pfiffige, kokette, kleine Frau spielt allerliebst... Prächtig Fritz Schulz als verliebter Schlagerkomponist und lustiger Jazzdirigent. Das war eine Leistung aus einem Guß, darstellerisch und gesanglich. Urkomisch Siegfried Arno als tragikomischer Gigolo.... Regisseur Emo hat sich kaum eine Pointe entgehen lassen... Die Photographie von Planer, die Bauten von Hasler und die Tonaufnahmen waren ausgezeichnet.— Ein voller Tonfilmerfolg!“— Hierzu kommt ein famoses Beiprogramm. Die Ruhr als Wasserspender und Volkserholungsstätte l. Zum Flußgebiet der Ruhr gehören 4500 Quadratkilometer mit 1½ Millionen Einwohnern. Dazu kommen noch große Gebiete der Emscher, der Lippe und der Wupper mit 2° Millionen Einwohnern, die von der Ruhr aus mit Wasser versorgt werden. Das Arbeitsgebiet des Ruhrverbandes umfaßt das ganze rheinisch=westfälische Industriegebiet mit 3½ Einwohnern. Die Wasserwerke entnehmen das Wasser aus dem Kiesel des Ruhrtales. Es handelt sich sast durchweg um Flußwasser, das auf dem Wege durch den Untergrund künstliches Grundwasser geworden ist. Zur Anreicherung des Untergrundes mit Wasser dient das natürliche Flußbett. In neuerer Zeit bedient man sich mehr und mehr künstlich angelegter Filterbecken, die in den Kies eingeschnitten und an der Sohle mit einer Sandschicht bedeckt sind.— Die Wasserwerke haben im Jahre 1929 668 Millionen Kubikmeter oder in der Sekunde 21½ Kubikmeter Wasser aus der Ruhr entnommen. Wenn man hiervon den für Kühlzwecke benutzten Verbrauch abzieht, bleiben jährlich noch 400 Millionen Kubikmeter eigentliches Versorgungswasser, das für die Zwecke der Städte und Industrie bestimmt ist. Diese Wassermenge macht ein Sechstel der gesamten Wasserversorgung von Deutschland aus. Die von den Wasserwerken benötigte Wassermenge ist durch den Ruhrtalsperrenverein gesichert, der die Aufgabe hat, daß der Ruhr entzogene Wasser zu ersetzen. Das geschieht vor allem durch Talsperren, die das Wasser in Hochwasserzeiten aufspeichern und in Niederwasserzeiten abgeben. Es bestehen hier bis jetzt Talsperren mit einem Fassungsraume von 190 Millionen Kubikmetern. Zwei weitere Talsperren mit zusammen 113 Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen sind im Bau. Der Beschaffenheit nach wird das Ruhrwasser durch den Ruhrverband geschützt, dessen Aufgabe es ist, die Ruhr und ihre Nebenflüsse rein zu halten. Der Ruhrverband hat zu diesem Zweck bis jetzt 200 Kilometer Abwassersammler, 15 Pumpwerke und 70 Kläranlagen gebaut. Die Abwassersammler und Pumpwerke dienen dazu, daß Abwasser an bestimmten Punkten zusammenzuführen.: In den Kläranlagen wird das Wasser so weit gereinigt, daß es in der Ruhr keinen Schaden mehr anrichten kann. In den letzten Jahren haben die Arbeiten des Ruhrverbandes immer mehr dem Ziele zugestrebt, die Selbstreinigungskraft des RuhrSlchiesele ur Leichstue Heute bis Donnerstag! Siegfried Arno, Jenuy Jugo, Fritz Schulz in dem Sprechtonfilm: Heute Nacht eventuell Eive höchst liebenswürdige, witzige, schmissige, lustige Komödie, ein Kabinettstück an Humor, Laune u. Pikanterie. Gesungen werden die Schlager: „Ihr reizenden Frauen“. „Heute Nacht— eventuell“ S„Ich hab bei der Trude das Küssen studiert“ —0— Im Beiprogramm: Zeugen gesucht Ein spannender Sensationssfilm mit# Eddie Polo in der Hauptrolle. IISATTTE! tar Dauer- und Wasserwellen lk. 7.50 * 4 le Königsplatz 1 für halbjährige Haltbarkeit übernehme ich volle Garantie. flusses zu verbessern, daß dieser imstande ist, das Abwasser selbst zu reinigen, ohne daß in dem gleichen Maße wie bisher weitere kostspielige künstliche Kläranlagen gebaut werden müssen. Zu diesem Zwecke sind in der für die Wasserwerke besonders wichtigen Ruhrstrecke zwei Stauseen gebaut worden, die das Flußwasser in großer Fläche dem Einfluß der Luft und des Lichtes aussetzen und die Laufzeit des Wassers verlängern. Der erste dieser Seen, der Hengsteysee, ist jetzt seit über zwei Jahren in Betrieb und hat sich bestens bewährt. Der Harkortsee bei Wetter wird in kurzer Zeit fertiggestellt sein. Sechs weitere sind geplant, darunter der Baldensee bei Essen, der dreimal so groß werden wird wie der Hengsteysee. Zur Ausnutzung der durch die Seen entstehenden Staustufen hat der Ruhrverband bis jetzt drei Lauskraftwerke gebaut. Beim Hengsteysee hat das Rheinisch=Westfälische Elektrizitätswerk außerdem ein Pumpenspeicherwerk errichtet, dem die Aufgabe zufällt, geringwertigen Nachtstrom durch Hochpumpen von Wasser aus dem Stausee nutzbar zu machen und ihn durch Ausnutzung der in dem hochgepumpten Wasser steckenden Energie zur Zeit des Spitzenbedarfs in wertvollen Tagesstrom zu verwandeln. Die Seen haben in dem an Wasserflächen armen Industriegebiet auf die Bevölkerung eine große Anziehungskraft ausgeübt. Am Hengsteysee ist eine Gesellschaft gegründet worden, die die Ausnutzung des Sees als Volkserholungsstätte und Sportplatz übernommen hat. Der Ruhrverband hat bisher, und zwor hauptsächlich in den letzten sechs Jahren 66 Millionen Reichsmark ausgewandt. Davon kommen 25 Millionen Reichsmark auf Stauseen und Wasserkräfte, die sich durch eigene Einahmen tragen. Die jährlichen Genossenschaftsbeiträge, die von den Gemeinden, der Industrie und den Wasserwerken getragen werden, sind 4 Millionen Reichsmark, die eigenen Einnahmen der Verbandes 2 Miklionen Reichsmark. Die Belastung der Wasserwerke durch die Reinhaltungskosten macht nur 0,12 Pfg. auf einen Kubikmeter gefördertes Wasser aus. Die im Ruhrgebiet gefundene technische Lösung der Frage der Wasserversorgung kann auch in anderen Gebieten Deutschlands Bedeutung haben. Der Wasserbedarf der deutschen Städte steigt ständig. Quellenwasser, Grundwasser und Talsperrenwasser reichen nicht aus, den Bedarf zu decken. Die Verwendung von Flußwasser zur Wasserversorgung wird von Jahr zu Jahr wichtiger. Hamburger Fischhalle, Schwerte Hagenerstraße 2 Empfehle für Silvester und Neujahr: la lebende Karpfen und Schleie, la frischen Schellfisch, Cabliau, Scholle, Bratschellfisch, la feinst. SpickAal billigst, feinste Oelsardinen, neue Marinaden in großer Auswahl, ff. Herings= und Feischsalat in pikanter Güte, Salz=, Essig= u. Gewürzgurken, feinste Bückinge, Sprotten, Makrelen, Flundern usw.„ la neue Holländer Salzheringe vorrätig. Hamburger Fischhalle Preußische Central-Bodenkredit- und Pfandbrief-Bank, Berlin 4%0 Beleihungen städtischer und ländlicher Objekte durch Walter Wortmann,„Lichtendort bei Schwerte Telefon 2794 Diskrete Abwickelung. Bekanntmachung Die durch Beschluß des Magistrats vom 4. Dezember 1930 und durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 15. Dezember 1930 beschlossene Biersteuerordnung ist vom Bezirksausschuß, Abt. II zu Arnsberg unter dem 24. Dezember 1930 genehmigt. Die Biersteuerordnung ist bis zum 14. Januar 1931 einschließlich an die für öffentliche Bekanntmachungen bestimmte Tafel im neuen Rathause angeheftet.„ Die Biersteuerordnung tritt am 1. Januar 1931 in Kraft. Schwerte, den 29. Dezember 1930. Der Magistrat. Schlegtendal. Mittwoch, den 31. Dez., vorm. 9 Uhr. wird auf der Freibank Schweinefleisch verkauft.. 4702 Schlachthalvermaltung. Sohn achtbarer Eltern wird als 4693 Lehrling gesucht. Gute Schulbildung erwünscht. Nur schriftliche Offerten an den Hagol=OelVertrieb, Schließfach 63, Schwerte(Ruhr) Zwangsversteigerung Am Mittwoch, den 31. Dezember, vorm. 10 Uhr werde ich in der Wirtschaft Möller. Westenstr. 1 Ladentheke m. Aufsatz, 1 Fenstervorsatz, 1 Kamin, 1 Küchenherd. 1 Ledertuchsofa, 1 Bullen und 1 Kuh öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. 4705 Schwerte, d. 30. 12. 30. Franz. Gerichtsrollzieher kr. A. Amt Westhofen ! Westhofen. Aufgeklärter Raubüberfall. Vor einigen Tagen war auf einen Boten der Städtischen Werke, der größere Geldbeträge bei sich führte, in einer Unterführung in Hengstey ein Raubüberfall verübt worden. Den eifrigen Nachforschungen der Polizei ist es nun gelungen; die Tat aufzuklären. Die beiden Täter konnten festgenommen werden. Es haudelt sich um noch ziemlich junge Burschen, die aus Eilpe stammen. Sie haben ein Geständnis abgelegt. Westhofen. Liegt Selbstmord vor? Gestern abend gegen 8 Uhr wurde in Westhofen in der Nähe der Pumpstation auf dem Ruhrwege der Techniker E. von Westhofen mit einem Kopfschuß aufgefunden. Der herbeigerufene Arzt entsernte die Kugel und legte den ersten Verband an. Mitglieder der freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Westhofen und Schwerte brachten den Verletzten mit dem Krankenauto zum Marienhospital in Schwerte. Ob ein Selbstmord oder Ueberfall vorliegt, ist noch nicht festgestellt worden. Wie der Verletzte angibt, soll er von 3 Männern überfallen worden sein. Genaues läßt sich bis zur Stunde über diese mysteriöse Angelegenheit noch nicht sagen. 1 Geisecke. Beim Wildernerfaßt. Schon seit längerer Zeit war über Jagdfrevel in den Waldungen zwischen Geisecke und Rheinen geklagt worden. Es gelang jetzt dem Oberlandjäger Osthoff, die Arbeiter K. F., 47 Jahre alt, und Ph. A., 34 Jahre alt, beide aus DortmundAplerbeck, auf frischer Tat zu ertappen. Mit zehn Netzen waren sie auf Kaninchenfang ausgegangen und hatten mittels Rauchpatronen die Höhlen ausgeräuchert. Netze und Kaninchen wurden beschlagnahmt. Garenfeld. Unterhaltungsabend für Schule und Jugendpflege. Der am Sonnabend. den 27. Dezember im Saale Soeding=Garenfeld stattgefundene Unterhaltungsabend für Schule und Jugendpflege erfreute sich eines recht regen Besuches. Ein reichhaltiges Programm unter Mitwirkung der be, währten olisten=Kapelle HonertHagen sorgte für die nötige Abwechslung. Mit einem Festjubelmarsch, Vorspruch und einer Begrüßungsansprache des Schulleiters Vogt nahm der Abend seinen Ansang. Die vom Schülerchor im Laufe des Abends in frischer und lebendiger Weise vorgetragenen Lieder mit z. T. schwierigen Sätzen, von Herrn Lehrer Rehfeld eingeübt, fanden reichen Beifall, insbesondere das Lied„Rätsel“.— Ein Männlein steht im Walde.— Volksweise. Anklang fand auch das Boden= und Barrenturnen der Schülerriege, sowie das Pferd= und Barrenturnen der ersten Riege. Die gezeigten Darbietungen ließen fleißige Uebung und freudige Hingabe zu der schönen Sache erkennen und caben dem Kreisjugendpfleger, Herrn Dierkesmann=Letmathe, Gelegenheit, auf die Pflege der Leibesübungen in Schule und Turnvereinen näher einzugehen. Dieselben sollen Selbsizweck sein und keine Rekordleistungen darstellen, die über das Höchstmaß hinausgehen. Erforderlich sei eine systematische Durchbildung des ganzen Körpers, die Schule und Turnverein in die Hand zu nehmen haben. Das Vaterland brauche einen gesunden Nachwuchs der Jugend, die teilweise noch aus der Kriegs= und Nachkriegszeit stamme. Nur in einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist, von dem wieder eine bessere Zukunft abhänge. Wenn so Hand in Hand gearbeitet wird, erfüllen Schule Versehen Skizze von Margarete Fischer. Es klingelte— klingelte noch einmal. War denn niemand zum Oeffnen da? Fräulein Edith, im Begriff, letzte Hand an ihre Balltoilette zu legen, eilte an die Korridortür. Das kleine Bäckermädchen, das den Neujahrskuchen brachte. Es hatte nicht geglaubt, heute noch etwas so Schönes zu sehen. „Drei Mark? Ja, wo habe ich denn mein Geld?“— Fräulein Edith hatte es wirklich sehr eilig. Sie würde kaum mehr Zeit haben, etwas zu essen.„Hier die drei Mark, und hier ein Groschen für Dich—.— Nein, wart'—“ Fräulein Edith suchte in ihrem Täschen.„Ich finde im Augenblick kein kleines Geld mehr. Ein andermal, mein Kind.“ Und das kleine Bäckermädchen sah das schöne Fräulein: glänzende Seide, leuchtendes Haar, und fühlte das Geld in der Hand— sah das schöne Fräulein noch, als die Tür sich rasch geschlossen hatte— sah es noch auf der Straße, wo Flocken vereinzelt vom Himmel fielen— noch, als es in den Bäckerladen trat, in dem sich die Menschen vor Toresschluß stauten, um ihre Pfannkuchen für die Neujahrsfeier zu kaufen. „Ein halbes Dutzend?— Gefüllt oder ungesüllt?“—„Mariechen, lauf schnell in die Backstube, ob der Kuchen für Doktor Meier noch nicht fertig ist!— Und nachher mußt du noch einmal zu Heusels rüberspringen.“— Immer noch öffnete sich die Tür. Ungeduldige Füße stapften den jungen Schnee von den Sohlen.—„Mariechen, wo ist das Mädchen?— Ich habe ganz vergessen, den Kuchen zu Walters.“— Die Bäckerin wirft einen Blick auf die Uhr. Ein Viertel nach sieben. Der letzte Kunde kriecht unter dem schon und Turnverein zugleich eine nationale Aufgabe. Die Arbeit an der Jugend ist Arbeit am Volke. Die begeisterten Worte klangen aus mit einem Hoch auf das Vaterland und dem Deutschlandlied. Als Solist des Abends wirkte Herr Lehrer Rehfeld=Garenfeld mit. Mit zwei Geigensoli=Kavatine von Raff— und Violinromanze von Wilhelmy— zeigte er sich in feinsinnigem Vortrag als Beherrscher und Meister seines wertvollen Instrumentes. Reicher Beifall forderte noch eine Zugabe heraus— Kuiawiak von Wieniawski(Mazurka), in der besonders das bogentechnische Können hervortrat. In Frau Lehrer Vogt, die die Klavierpartie übernahm, hatte Herr Rehfeld eine vortreffliche Begleiterin. Gemeinsame Gesänge und ein Schlußwort des Schulleiters Vogt beschlossen den wohlgelungenen Abend, dem noch ein gemütlicher Teil folgte. Amt Ergste Ergste. Weihnachtsfeier. Im dichtbesetzten Saale des Gasthofs Schneider veranstaltete der Männergesangverein„Sängerbund“ seine alljährliche Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung. Der Vorsitzende Amtsobersekretär Merschmann begrüßte die zahlreich erschienenen Eltern mit ihren Kindern und insbesondere den erschienenen Pfarrer Schulze=Noelle von hier. Letztere habe sich auch in diesem Jahre gern bereit erklärt, die Feier durch Halten einer Ansprache zu verschönern. Der Verein sang unter der Chorleitung des Lehrers Hövelmann einige passende Lieder, die ihre Wirkung nicht versagten. Pastor Schulze=Noelle hielt die Hauptansprache und fand eine andächtige Zuhörerschar. Selbst bei den Kindern herrschte lautlose Stille. Dann trugen verschiedene Kinder von Vereinsmitgliedern passende Gedichte stimmungsvoll vor. Von einigen Vereinsmitgliedern wurde dann unter der Leitung des Sangesbruders Bruno Weber das Schauspiel „Am Weihnachtsabend verhaftet“ mit gutem Erfolg dargestellt. Nun war die Geduld der Kleinen bald aufs höchste gestiegen und schon nahte St. Nikolaus mit dem Sack. Wie strahlten die Augen der Kleinen und Kleinsten aber auch manches tränengesüllte Kinderauge war zu beobachten. Nachdem Nikolaus dem Vorsitzenden versichert hatte, daß nur artige Kinder im Saale anwesend seien, fand die Bescherung statt, die große Freude bei den Kindern auflöste. Rund 100 Kinder konnten beschert werden. Alles in allem kann der Verein mit Befriedigung auf die Feier zurückblicken. Ein gemütliches Zusammensein unter den Mitgliedern schloß auf harmonische Weise den Abend. m. Ergste. Rentenauszahlungen. Die Rentenauszahlungen im Bereich der Postagentur Ergste findet in diesem Monat am morgigen Tage bei der Postagentur in Ergste statt. Die Rentenempfänger wollen dieses beachten. Hennen. Diebstähle und kein Ende. Die Diebstähle in der hiesigen Umgegend nehmen beänstigende Formen an. Die Unsicherheit ist in erheblicher Weise gefährdet. In der Nacht vom 27. zum 28. ds. Mts. wurde dem Landwirt Rudolf Spaeing in Drüpplingsen eine sechsjährige tragende schwarzbunte Kuh aus dem verschlossenen Stalle entwedet. Das Fehlen des Teres wurde von Frau Spaeing gegen 6 Uhr in der Frühe bemerkt. Sofort benachrichtigte man die Polizei. Landjägermeister Wasgien und Pol.=Oberwachtmeister Wiemann nahmen gemeinsam die Ermittlungen auf und verfolgten die Spur bis zum Wellenbad=Geisecke. Unter Hinzuziehung des Pol.=Hauptwachtmeisters Duwero wurden dann die Spuren bis in Lichtendorf und zwar an der Besitzung des Gemüsehändlers Woyack verfolgt. Den Bemühungen der Beamten gelang es doch bald ca. 50 Meter hinter der Besitzung W. an einem kleinen Bach die Stelle festzustellen, an der das Tier abgeschlachtet worden ist. Die Täter sind derartig vorsichtig vorgegangen, daß kaum Blutspuren festzustellen waren. Diese hatten die Täter fast restlos fortgespült. Das Fleisch muß dann durch den Garten zu dem Hause des W. geschleppt und auf ein dort wartendes Fuhrwerk verladen und sortgeschafft worden sein. Hinter dem Wohnhause des W. wurden einige Beweisstücke von Bedeutung gefunden. 1. Ein mit blutbefleckter Strick, den der Landwirt Spaeing aus Drüpplingsen als sein Eigentum wieder erkannte, 2. Eine Strickjacke und 2 Ueberzieher mit Rindertalg beschmiert, 3. Ein Bergmannshemd, welches noch mit Futterresten aus dem Magen des Tieres beschmiert war. In dem Ueberzieher sind an jeder Seite eine große Tasche angenäht. Nach näherer Untersuchung fanden die Beamten in diesen Taschen noch Hühnereier. In der Nähe der Abschlachtungsstelle wurde auch ein Teil Schweineborsten, die aus dem Diebstahl Isbruch=Rheinen stammen dürften, vorgefunden. Die Beamten nahmen Paul W. und dessen Schwager fest und führten sie dem Amt Westhofen zu. Willi W., der bereits eine 6½jährige Z.=Strafe verbüßt hat, war abwesend. Seine Festnahme ist ebenfalls inzwischen erfolgt. Man hat es hier anscheinend mit einer weitverzweigten Diebesbande zu tun, auf deren Konto alle vorherigen Diebstähle vermutlich zu setzen sind. Ein Geständnis haben sie bis zur Stunde noch sicht abgelegt. Die Ermittlungen gehen weiter.— In der letzten Nacht ist auf dem Hofe des Landwirts Heinr. Becker in Horst versucht worden einzubrechen. Als Becker wach wurde und die Person bemerkte, wollte er sie verscheuchen. In diesem Augenblick schossen die Personen sechsmal auf das Fenster des Becker, ohne jedoch den Genannten zu treffen. Eingesandt Joffre im Sterben (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzl. Verantwortung.) Dems angeht. Das Jahr 1930 geht seinem Ende zu und mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß unsere kommunale Entwicklung weiter fortschreiten möge und wir im Jahre 1931 eine Notsammlung nicht mehr nötig haben. Denn mit einer derartigen Sammlung kann man die Wünsche der Bedürftigen nicht erfüllen und diejenigen, die sich an der Sammlung beteiligt haben, mögen lieber ihren ganzen Einfluß zur Ankurbelung der Wirtschaft einsetzen, denn nur dadurch ist allen geholfen.— Die Stadtverwaltung schreibt bei Neubauten und dergl. vor, keine auswärtige Unternehmer zu beschäftigen. Es fehlt nur, daß den einzelnen Beamten= und Angestellten vorgeschrieben wird, den Warenbedarf nur bei Schwerter Geschäften zu decken. Was hier für die Stadtverwaltung gilt, muß auch für die Eisenbahn, Post und sonstigen Werken und Unternehmungen maßgebend sein. Es ist sehr bedauerlich, wenn man vor den Häusern der von der Schwerter Bevölkerung abhängigen Einwohnern auswärtige Lieferwagen haltn sieht. Wo würden da die Lehrpersonen sein, wenn wir Bürger unsere Kinder nach auswärts zur Schule schicken würden, oder wo blieben unsere Verwaltungsbeamten, wenn die Steuereinnahmen ausblieben. Was über die auswärtigen Lieferanten gesagt ist, gilt auch Nach vorübergehender Besserung hat sich der Zustand Marschall Joffres, des früheren Oberkommandierenden des französischen Heeres, bedeutend verschlimmert. Mit seinem Ableben ist stündlich zu rechnen. Der Marschall steht im 78. Lebensjahre. für die Filialen auswärtiger Unternehmungen (Konsumanstalten usw.) Derjenige, welche derartige Unternehmungen unterstützt, ist nicht wert, Schwerter Bürger zu sein. Sollten diese Zeilen dazu beigetragen haben, daß das Geld, was im verflossenen Jahr 1930 nach auswärts gekommen ist, im kommenden Jahr 1931 in der Stadt bleibt, so würden sie ihren Zweck erreicht haben, und eine Notsammlung wäre zu Weihnachten 1931 nicht erforderlich, da unser Stadthaushalt wohl in Ordnung wäre. Also, Schwerter, kauft bei Schwerter. Ein Bürger. Zumutung. Blitzschnell fährt einen Mann auf der Landstraße um, Blitzschnell will die Sache in Güte regeln uns sagt:„Hier haben Sie zehn Mark! Lassen Sie mir Ihre Anschrift, ich schicke Ihnen später noch Geld.“ „Das könnte Ihnen so passen,“ ereifert sich der andere.„Sie glauben wohl, ich lasse mich auf Raten überfahren. Bilderrätsel Auflösung erfolgt in der morgigen Ausgabe. halb geschlossenen Eisenvorhang aus der Tür. Na endlich! Nun noch die Abrechnung. Da kommt das Laufmädchen. „Mach' rasch, Mariechen.— Berthachen, stell immer schon die Gläser zurecht. Gib her, mein Kind. Werners drei, Meiers vier, Hensel vier, macht elf Mark.— Na, wo hast Du denn...? Das sind erst zehn Mark. Such nach, schnell, schnell, schnell! Na, wo denn?“ Mariechen krempelt ihre kleine Börse um. Es ich wirklich nichts mehr drin. Fehlt eine Mark. „Wie ist denn das möglich?" Die verstörten Augen des Mädchens suchen im ungeduldigen Antlitz der Prinzipalin.—„Wo hast Du denn das Geld gelassen?"—„Ich— weiß es nicht. Vielleicht hat jemand zwei statt drei Mark..“ „Aber, warum paßt Du denn nicht auf? Das ist mir auch noch nicht passiert.“ Ach, daß sie ihr nur nicht noch die Laufstelle kündigt!„Bei wem kann kann das gewesen sein? Erinnerst Du Dich nicht? Denk nach!“ Mariechen fühlt, daß nur eine in Betracht käme. Aber, wer könnte...! „Da hilft nun nichts. Du mußt es herausbekommen. Hier ist das Uebrige.— Na, noch einen Pfannkuchen.— Und daß Du übermorgen pünktlich bist!“ Das kleine Bäckermädchen läßt die kleinen, harten Flocken auf seinen Aermel fallen, den es vors Gesicht hält. Plötzlich rennt es durch die weißbestreuten Straßen nach jenem Hause, in dem das schöne Fräulein wohnt. Das Haus ist geschlossen, aber ein Auto steht vor der Tür. Vielleicht— sie drückt sich an die Mauer und— wartet. Ein Lichtschein fällt auf die Steine. Schritte kommen die Streppe herab, Stimmen, heiter und bereit, zu gefallen. Der Schlüssel dreht sich. Ein Schreck durchfährt das Kind. Sie ist es— im schwarzen Pelzmantel. Wahrhaftig. Ein feiner Herr geleitet sie. Mariechen gibt sich einen leisen Ruck und tritt heran. Das Fräulein dreht sich strahlend um, winkt in die Höhe— da steht die Mutter nämlich, am Fenster—, wendet sich wieder dem Herrn zu und schlüpft in das Auto. Sie hat das Mädchen nicht bemerkt, das sich noch einmal zag herandrängt, sanft von dem zurückgeschoben, der bereits im Auto verschwindet.— Daß überall Neugier belästigen muß.— Die Tür klappt zu, der Motor springt an. Mariechen steht allein. Allein. So geht sie heute nicht nach Hause. Es bringen sie keine zehn Pferde heute nach Hause. Das Gesicht der Mutter sehen, die auf die paar Pfennige wartet? Sie klemmt sich wieder in die Tür. Das Fräulein muß ja wiederkommen. Gegenüber brennen Weihnachtsbäume hinter Fenstern. Menschen gehen weiß beflaumt an ihr vorüber. Sie setzt sich auf die Schwelle und bohrt sich in die hellen Scheiben drüben. Zuweilen sieht sie das kleine, spitze Gesicht der Mutter, hört sie im Bett den Vater lamentieren. Zuweilen sieht sie die glänzende Seide, den leuchtenden Kopf. Und wieder denkt sie gar nichts mehr. Steif und erfroren kauert sie im Türrahmen. Dann wird es lebhaft. Stimmen rufen. Glocken läuten. Es knallt und leuchtet auf. Das kleine Bäckermädchen hebt sich mühsam in die Höhe. Ob sie jetzt endlich kommt? Es blickt starr und taumelnd in das Feuerwerk und steht geblendet, fröstelt, duckt sich dann zurück... Es ist fast Morgen, als ein Auto durch die stille Straße rollt. Die Aussteigenden gehen, Blick in Blick tauchend, nach der Tür. Den Arm um seinen Nacken, spricht die junge Dame:„Und daß man alles glücklich machen möchte, wenn man selbst soviel Glück fühlt, das ist das Schönste, Hermann.“ Sie schmiegt sich an den Liebenden, der sie umfängt, und sieht das Kind nicht, das ihr Mantel streift. Da stößt sein Fuß an etwas Weiches.„Ein Kind? Doch nicht erfroren? Nein, um Himmelswillen, nur verklammt!“ „Wir nehmen es herauf.— Ja, ist das nicht... Wie kommt dies Kind hierher?" Eine beunruhigende Ahnung dringt in das Glück von Fräulein Edith. Die Mutter wird wach. Man läuft und müht sich. Es ist doch nicht so einfach! Doch, als das kleine Mädchen gewärmt, gerieben und umschmeichelt, wieder Kraft gewinnt und das Blut durch die Adern zu rinnen anfängt, da sehen die Augen den lichten Kopf des schönen Fräuleins über sich. Es wußte es ja, und seine Lippen sagen mühsam:„Nur— zwei Mark.. „Nur zwei Mark?" Langsam bahnt sich Verstehen einen schreckhaften Weg.„Himmel, wie ist das möglich?! Hermann... daß man Glück zertritt, wenn man ins Glück geht!" „Sei still!“ beruhigt der Verlobte die Weinende.„Wem von uns wäre solch ein Versehen noch nie passiert! Vielleicht, daß es dem Kinde zum Heile ausschlägt.“ „Wenn unsere Kräfte dazu reichen...“ Sie streichelt die erstarrten, kleinen Hände, und stillsühlt jeder, auch das kleine Bäckermädchen, daß in seinem Schicksal weiterwirken wird, was sich heute zutrug. Vielleicht empfindet Edith Werner sogar dunkel, daß nichts sie hätte zur Ehe reisen können, wie dies Geschehen an diesem Tgge. Roman von Marlise Sonneborn(Erika Forst) Schäfers Gundula Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 1. Fortsetzung Nachdruck verboten Phlox dankte für die Wurst, die er von dem fremden Herrn, den er— gerade wie der ihn— zuerst mächtig unterschätzt, als Lohn für„gute Führung" erhielt, mit geradezu schmeichlerischem Wedeln. Die Schlachterfrau aber, in deren bescheidenem Laden der Professor den Leckerbissen erstanden, schickte ihren Buben mit auf den Weg. Und so stand Willberg gegen sieben Uhr, in stockfinsterer Nacht bereits, vor der Tür des Pfarrhauses; er klopfte an, da er den Drücker oder die Schelle im Dunkeln nicht zu finden imstande war. Es war nicht leise hinter dieser Tür. Donnerndes Gepolter wechselte mit lachendem Geschrei; dazwischen klang eine helle Mädchenstimme. Endlich wurde die Tür aufgerissen. Ein etwa siebenjähriger Bube stand in der Haltung eines Beherrschers aller Dinge und noch anderer dazu auf der Schwelle. Ein um mehrere Jahre jüngeres Mädchen guckte unter seinem Arm hervor, neugierig und doch mit einer gewissen Vorsicht dem Unbekannten gegenüber. „Vater ist nicht zu Hause“, sagte der Junge in einem Ton, der ohne weitere Worte als Abweisung merken ließ: Lassen Sie uns gefälligst ungeschoren! „Aber Hanfried“, tönte die Stimme einer jungen Dame aus der Tiefe des von einer Petroleumlampe nur dürftig erhellten Flurs,„so frag' doch erst, was der Herr will!“ Und das Mädchen kam— sechzehnjährig, zerzaust, übermütig, aber doch schon zivilisiert— aus dem Halbdunkel näher. „Darf ich fragen... „Könnte ich den Herrn Pastor in einer persönlichen Angelegenheit noch heute abend sprechen?" Der Professor wußte nicht recht: ein Kindermädchen oder eine Verwandte? Er richtete sein Wesen so ein, daß es für alle Fälle paßte. Der Blick seines Gegenübers streifte das Köfferchen, das er in der Hand trug. „Ach, es kommen so viele. Und wir sind mit allem, wirklich mit allem versehen“, meinte sie bedauernd.„Mein Bruder kehrt erst nach längerer Zeit von seinem Amtsgang zurück.“ Der Professor verneigte sich weltmännisch. „Gestatten Sie, gnädiges Fräulein: Doktor Willberg, Professor der Theologie in Göttingen.“ „Oh!“ Man hörte förmlich, wie der Backfisch bis über die Ohren errötete.„Ja— Fritz ist im Augenblick wieder zurück. Treten Sie bitte ein, Herr Professor.“ Dann saß er in einem behaglichen Studierzimmer, hatte eine Tasse Tee vor sich und des Pastors Zigarrenkiste. Es roch so gemütlich nach Zigarrendampf in dem Raum! Und da ein Blick in die Bücherregale den Professor überzeugt hatte, daß sein grundlegendes Werk über die Gnosis sowie seine Habilitionsschrift über die„Mystik in den bayerischen Klöstern“ nicht fehlte, fühlte er sich fast wie zu Hause und durchaus berechtigt. Es war wirklich sein früherer Schüler. Und die Frau Pastor war die Tochter eines besonders gut befreundeten Amtskollegen in Halle. Sie kannte den Professor von Erzahlungen ihres Vaters. Als längst entschieden war, daß der Herr Professor die Nacht bei Pastors bleiben und am anderen Tage erst nach Celle und von da nach Göttingen weiterfahren sollte, erkundigte sich Rosen impulsiv: „Und wie geht es Ihrer verehrten Frau Gemahlin?“ „Meine Frau ist gestorben“, sagte der Professor in dem Ton eines Mannes, der sich bankrott erklärt. Und auf das bedauernde„Oh!“ der anderen fuhr er fort zu erzählen, und sprach sich vor den freundlichen und teilnehmenden Augen der Pastorin sein ganzes Leid einmal von der Seele. All das, was er in Göttingen niemand eingestanden haben würde. „Sehen Sie, damals vor zwei Jahren, als Luise von mir ging, war unser Jüngster erst drei Jahre alt, die beiden älteren fünszehn und sechzehn. Sie alle hatten die Mutter so nötig, von mir ganz zu schweigen. Wahrlich, Luise konnte keinen schlechteren Augenblick wählen, mich zu verlassen...“ Er sagte das so vorwurfsvoll, daß die junge Frau Pastor unwillkürlich einwarf:„Aber Ihre Gemahlin konnte doch nichts dafür!" „Meine Frau?— Ach nein, es ist ihr schwer genug geworden, uns alle zu verlassen. Wie sollte ich ihr einen Vorwurf daraus machen? Nur ganz sachlich betrachtet: Es war der schlimmste Zeitpunkt, an dem uns dies Schicksal treffen konnte. Eine Blutvergiftung, ganz unversehens, ein Splitter, eine Nadel— wie sowas denn geschieht Sehen Sie, und nun ich mit meiner, nennen Sie es meinetwegen Zerstreutheit, mit meinem Vertieftsein in wissenschaftliche Arbeiten, was ja schließlich mein Lebenszweck ist, nicht wahr? Und die Kinder, der Haushalt: verwaist, verwaist! Man sagt das Wort so hin. Aber ich weiß nun, was es alles in sich schließt. Hausdame nach Hausdame: die eine kann mit den Kindern nicht umgehen, die andere versteht nichts vom Haushalt. Mit den Dienstboten wußte noch keine fertig zu werden. Alle halbe Jahr wechseln sie Mein Kleiner sagt schon immer: Wann kommi denn wieder eine neue Tanie? Die ersten Tage sind sie alle immer nett Mit solch einem Mißtrauen, mit diesem Vorbehalt in dem Herzchen wächst mein Kind auf, wird nervös, launisch, eigenwillig. Denn wo bleibt die ständige, ruhige Gewohnheit, die einem Kinde seines Alters lebensnotwendig ist?“ „Und Ihr Fräulein Tochter? Sie ist immerhin achtzehn Jahre alt?“ überlegte die Pastorin. „Sie hat aber der mütterlichen Erziehung entbehrt in dem Alter, wo sie erst anfing, erwachsen zu werden! Nein, für mein Hauswesen ist sie völlig belanglos— sonst ein liebes, begabtes Mädchen. Sehen Sie, so fahre ich morgen wieder, nach den vierzehn ruhigen Tagen bei meiner Schwester in Hamburg, in das alte Elend zurück. Eine neue Hausdame, diesmal heitzt sie Fräulein von Rottweiler— gut empfohlen, das sind sie alle... Die Kinder kommen übermorgen wieder, in die ewig gleiche Misere, das heißt Ungemütlichkeit, Unregelmäßigkeit, schlimmstenfalls Unfrieden, Unordnung. Ich habe keine Hoffnung mehr, eine vernünftige Person zu finden, eine, die resolut ist, arbeiten mag, ehrlich, pünktlich ist; aber auch noch nehenbei— aber es ist fast die Hauptsache— ein bißchen Herz hat. Bildung? Ach, du liebe Zeit, ich habe genug von Bildung. Eine, die nicht mit der Hoffnung kommt, Frau Professor Willberg zu werden, wäre mir lieber als die allerfeinste Dame. Sie würde nicht enttäuscht und verärgert alsbald abreisen und ihr Heil anderswo suchen.“ „Schäfers Gundula“, sagte mit einem Male aus dem Hintergrunde des Zimmers ein schüchtern=keckes Stimmchen. Erna, die lustige Tante der Pastorskinder, die die kleinen Rangen ins Bett gebracht hatte und unbeachtet eingetreten war. konnte sich dieses Einwurfs nicht erwehren. „Erna!“ sagte die Frau Pastor fast strafend. Aber ihr Mann zuckte die Achseln. „Sie hat gar nicht so unrecht, Inge, wirklich nicht. Schäfers Gundula entspricht genau dem Bilde, das der Herr Professor von seinem Ideal entworfen hat“, sagte er. „Man sollte sie ihm einmal zeigen. Jetzt freilich ist er versehen...“ „Ich? Keineswegs! An den Dienstboten hapert es immer. Und wenn ich noch eine tüchtige Kraft bekommen kann, nehme ich sie ohne weiteres. Auf eine Person mehr oder weniger kommt es bei mir im Hause nicht an.“ Man erzählte ihm Näheres über Schäfers Gundula. Gundula Rougemont hieß sie, ein vornehmer Name. Irgendwie stammte die Familie aus Frankreich, aber es war wohl lange her; sie war nun, wie das Kirchenbuch erwies, seit mehr als hundert Jahren ortsansässig. Der Großvater war Klempner gewesen, hatte viele Kinder gehabt Der Vater, ein bißchen verwachsen, war Heideschäfer: Gundula— die älteste von acht Geschwistern— sechsundzwanzig Jahre. „Erst?“ fragte der Professor enttäuscht. Man hatte von ihr gesprochen wie von einer Fünfzigjährigen. „Oh. Gundula ist zeitlos, das macht nichts. Sie kann alles und findet sich in alles. Sie kocht perfekt, sie kann Glanzplätten, Kranke pflegen— alles. Es wäre nur aufzuzählen, was sie nicht kann; aber auch das mit Vorbehalt, denn eines Tages stellt sich sonst heraus, sie kann es doch“. charakterisierte der Pastor. „Oh— und woher kennen Sie diese ausgezeichnete Person?“ „Sie war eine meiner ersten Konfirmandinnen. Und als meine Frau dann im vorinen Winter einige Wochen im Celler Krankenhause lag, hat sie mir den Haushalt versorgt.“ „Und?“ „Einfach tadeltos!“ „Ja“, bestätigte die Frau Pastor,„ich nach meiner Rückkehr noch ein paar Wochen bei mir gehabt— wohltuend, direkt wohltuend.“ „Und die Schattenseiten?“ „Nun, die finden Sie vielleicht am besten selbst: wir...“ „Sie mag zuweilen etwas inrannisch werden können", ergänzte die Hausfrau.„Mich hal das freilich nie gestört.“ „Und dann— ja, sie hat eine Art, unbedingt und unbegrenzt die Wahrheit zu sagen, die vielleicht nicht immer in die Stadt paßt, auch manchem persönlich nicht angenehm sein wird. Denn es ist immer ihre Meinung, die sie für die Wahrheit hält", gestand der Pastor.„Auf mich hat es immer erfrischend gewirkt.“ „War sie noch nie in der Stadt?“ „Doch, zwei Jahre in Hannover. bei einer einzelnen alten Dame. Die hat sie bis zum Tode gepflegt. Hernach war hier am Orte ihre Hilfe immer nötig. Jetzt sucht sie wieder eine Stellung. „Man möchte an eine höhere Fügung glauben“, murmelte der Professor Er war im Grunde genommen eine optimistische Natur und immer geneigt zu hoffen, wo nichts oder doch wenig zu hoffen war. So kam man überein, daß Willberg sich diese„Heideblume“ einmal ansehen sollte. Nein, es erwartete ihn niemand: er konnte ruhig einen späteren Zug als den vorhergesehenen benutzen.——— „So. Herr Professor, hier ist Gundula Rougemont.“ Mit diesen Worten trat die junge Erna Rosen am anderen Morgen ins Zimmer, in dem der Pastor mii seinem Gast noch am Frühstückstisch saß. Unwillkürlich erhob sich der Professor, um erstaunt den Mund ein wenig zu öffnen, der den Guten Morgen=Gruß nicht auszusprechen vermochte, so sehr packte ihn die Verwunderung über das, was er sah Er hatte sich ein vlondes, liebliches Heidemädchen mit lichten Augen und zierlicher Gestalt vorgestellt- eine Elfe, eine gütige Fee Schäfers Gundula war groß und stark wie ein Mann, vierschrötig, mit gewaltigen Händen und Füßen Ihr starkknochiger Körper schien wie aus einem Eichenklotz, nicht geschnitzt, sondern roh zugehauen. Das grobe graue Gewand von auffallender Schlichtheit and Steifheit des Schnittes ließ den Hals ein wenig frei und trug als ein zigen Schmuck vort und an den Aermeln einen schwarzen Streifen. Aus zwei ruhigen, geraden, wasserhellen Augen, denen die Bedachung und Rahmung der Brauen fehlte, sah sie den fremden Herrn scharf prüsend und so offen an, daß es dem Professor wieder zumute wurde wie als Kind, wenn er einen dummen Streich gemacht hatte und vor das forschende Auge des Vaters gerufen wurde. Das breite Antlitz, zu dem diese Augen gehörten, würde in einem Paß in allen seinen Teilen mit„Gewöhnlich“ bezeichnet werden müssen. Selbst das starke, straff zurückgekämmte Haar war von einer unbestimmbaren Farbe, da es durch Kämmen mit Wasser und anscheinend durch Einsalben mit Feit um seine Eigenart gebracht worden. Doch schien es von einem hellen Aschblond zu sein. Dies eigenartig reizlose Geschöpf streckte dem Pastor mit fast feierlicher Gebärde die Hand entgegen: „Guten Morgen, Herr Pastor!“ sagte sie mit tiefer, aber angenehmer Stimme; dann begrüßte sie den Professor. Und nun folgte einige Sekunden lang allgemeines Schweigen, bis Rosen ihr einen Stuhl zurechtrückte. „Setzen Sie sich, Gundula.“ Sie blieb auf der äußersten Kante sitzen, als empfände sie es unschicklich, in der Gegenwart zweier„hoher Herrn“ wirklich und regelrecht Platz zu nehmen. Und dann begann der Professor, nicht ohne Bedenken und Herzklopfen, seine Verhältnisse zu schildern, sein Anliegen vorzubringen Ein leichtes Gefühl von Furcht beschlich ihn diesem Wesen gegenüber Es schien aus anderer Zeit zu stammen Willberg konnte sich des Gefühles nicht erwehren: Wer der verfällt, der ist ihr rettungslos verfallen. Hüte dich, dich zu binden, du bist sonst nie mehr frei. Gundula lauschte Sie lauschte mit der ganzen Intensität, man möchte sagen Inbrunst, der Naturwesen, die nicht nur mit den Ohren, nein, mit den Augen, selbst mit der Haut zu hören, wahrzunehmen scheinen. Sie machte sich von allem, das konnte jeder merken, ein lebhaftes Bild. Sie schien mit jedem Wort, das er sprach, ruhiger und sicherer von dem Hauswesen des Professors Besitz zu nehmen. Sie stellte einige Fragen, deren schlichte Sachlichkeit den Professor verblüffte, um so mehr, als er sie nicht zu beantworten wußte. Auch Gundula machte ihre Beobachtungen.„Ein hilfloses Kino', hätte das Resultat derselben im Deutsch eines überlegenden Menschen etwa geheißen, man muß sich seiner annehmen. Aber Gundula dachte das Resultat nicht, sie empfand es nur. Ganz besonders interessierten sie die Kinder. Ein Mädchen und zwei Jungen. „Und wie heißen Ihre Kinder, Herr Professor, wenn man fragen darf?“ „Meine älteste Tochter Sieglinde, dann Sigurd und der Kleine Baldur“ „Gott, was für Namens!“ sagte Gundula verwundert und faltete unwillkürlich die Hände. Willberg fühlte sich etwas unbehaglich vor diesem Erstaunen, das ihm nicht frei von Kritik zu sein schien. „Ja, meine Frau schwärmte für Wagner. Ich“— er wandte sich mehr an den Pastor, der die Szene mit dem stillen Gaudium des Genießers beobachtete—„hätte gern den Kindern Namen aus dem griechischen Heldentum gegeben oder sie nach Kirchenvätern benannt: Mein Mädel etwa Thalita oder Priskilla, und die Buben Chrysostomos oder Theophanes..“ „Na, da ist es denn man gut, daß die Frau Mama ihrei Willen gekrieat hat", unterbrach Gundula,„denn die Namens wären doch fast noch verrückter gewesen.“ „Das ist nun Geschmackssache“, vermittelte der Pastor, der die feine Röte sah, die dem Professor in die Stirn stieg. „Sie haben auch keinen ganz gewöhnlichen Namen, Gundula." „Bei uns in der Heide ist da nichts Besonderes dran“ entschied das Mädchen in einem Ton, der eben Entscheidung=bedeutete.„Ja und denn: Ich soll also Ihren Haushalt führen, Herr Professor?" „Führen ist vielleicht zu viel gesagt, weil ich eine Hausdame engagiert habe. Fräulein Rougemont“, erklärte der nicht ohne Verlegenheit,„aber in allem nach dem Rechten sehen, für Regelmäßigkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Reinlichkeit sorgen, mit meinem Jüngsten mal spazierengehen, ihn baden, ins Beit legen“ „Und was bleibt denn für die Hausdame zu tun?“ fragte Gundula mit einer Raschheit, die verblüffte. „Oh. vielerlei. Sie werden sehen...“ Gundulas Gesicht schloß sich zu. Mit der Hausdame, das gibt Fehden, dachte der Pastor. Nun.„ielleicht macht sich das mit der Zeit alles noch. Wo Gunduta hinkommt, da schafft sie die Verhältnisse. „Und wann soll ich antreten?“ fragte das Mädchen bereitwillig. Sie empfand: Da hat man mich nötig! Deshalb kam sie gern. „Am besten' wäre es, Sie kämen gleich mit“, sagte Willberg wie unter einem Zwang. „Gut“, sagte Gundula, und erhob sich.„Wann muß ich fertig sein?“ Am Abend dieses Tages sahen einige Studenten, die schon wieder in ihre Universitätsstadt zurückgekehrt waren, ein absonderliches Paar vom Göttinger Bahnhof kommen und durch die Theaterstraße dem Hainholzweg zuwandern, wo das Haus Professor Willbergs lag. Neben dem nicht über mittelgroßen, zierlich gebauten Herrn im eleganten Reiseanzug schritt, ihn fast um Haupteslänge überragend, in einem Mantel, der vor zwanzig Jahren modern gewesen sein mochte, mit einem Hut, über dessen Alter wohl nur Archäologen etwas Bestimmtes hätten aussagen können, ein weibliches Wesen, das in jeder Hand eine gewaltige Pappschachtel, mit Stricken vielfach umwunden, trug. Sieglinde Willberg traf sich auf dem hannoverschen Bahnhof mit ihrem Bruder Sigurd. Sie wai ein zierliches Geschöpf schwarzhaarig und braunäugig— das Abbild der verstorbenen Mutter. Sigurd. blond, mit blauen Augen, größer, überschlank. ein rassiger, bildhübscher Bursche, stellte eine Kopie des Vaters dar. Die Geschwister schüttelten sich die Hände. „Wir haben noch ein Stündchen Zeit, ehe der Zug kommt“ beeilte sich Sieglinde zu sagen.„Wollen wir eine Tasse Kaffee bei Kröppte trinken?“ „Wenn du noch Geld hast— ich bin pleite!“ „Flunkere nicht! Onkel Herbert in Duisburg hat dir mindestens hundert Mark geschenkt.“ „Das stimmt schon, aber die gelten nicht mit. Mein Taschengeld ist alle.“(Fortsetzung folgt.)