BURrtvUr Die„Schwerter Jeilung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Mark, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Nuhr), Postscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874. Geschästsstelle: Große Marhtstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Liner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Papton perise für die achtgslpol. mmute 6 Plo, Anandz. tige, sinanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pfg., Reklamezelle 40 P: Für teleson. aufgegedene Inserate üdernehmen wir keine Gewähr. Bei unvordergesehn. Betriedestbrungen, gerusen durch bödere Gewalten, übernehmen wir beinertei Gewäde fir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Schwerte(Ruhr), Montag, den 29. Dezember 1930 63. Jahrgang Aniform=Verbot im Saargebiet Eimsontragödie im Politischen wth Saarbrücken, 29. Dez.(Funkspruch.) Die Eintsenre wib Saatbruuen, 20. Beg.(Sanserar)—= Regierungskommission hat durch Verordnung im Amtsblatt das Tragen jeglicher militärischer Uniformen im Saargebiet verboten. Ausgenommen sind die Uniformen der französischen Zollbeamten. W.64t Lu, Trarine mili. Bisher galt das Bervor des Tragens militärischer Uniformen lediglich der Uniform der Reichswehr. Das neue Verbot bezieht sich auf die französischen Heeresuniformen. Das polnische Holz enb. Berlin, 27. Dez.(Eig. Meldung.) Am 31. Dezember läuft das deutsch=polnische Holzabkommen automatisch ab. Eine Verlängerung ist in dem Vertrage nicht vorgesehen, so daß an sich ein neues Abkommen notwendig wäre. Ein neues Abkommen würde aber einer Ratifikation durch den Reichstag bedürfen, weil es eine Bindung des deutschen Schnittholzzolles enthält. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist die polnische Regierung am 10. Dezember mündlich im Auswärtigen Amt vorstellig geworden, um eine Verlängerung des Abkommens zu erreichen. Dieses Ersuchen ist am 23. Dezember von Deutschland abgelehnt worden, da man eine Verlängerung des Abkommens für untunlich hält, weil ein neues Abkommen erstens, wie gesagt, ratifikationsbedürftig wäre, und zweitens durch das deutschpolnische Wirtschaftsabkommen überhaupt überflüssig gemacht wird. Ueber dieses Wirtschaftsabkommen ist sich aber weder der Reichstag, noch der polnische Seim bisher schlüssig geworden. In unterrichteten Kreisen wird betont, daß die Nichtverlängerung des Holzabkommens bezw. die Ablehnung eines neuen Abkommens keine Verschärfung des deutsch=polnischen Zollkrieges bedeute. Wenn nunmehr auch das Einfuhrverbot für Schnittholz in Kraft tritt, so liegt darin doch keine neue Kampfmaßnahme gegen Polen. Keine Betragensnote mehr enb. Berlin, 28. Dez. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Geistesbildung läßt, wie die Vossische Zeitung berichtet, soeben an die Provinzialschulkollegien einen Erlaß über die Ausgestaltung der allgemeinen Urteile in den Schulzeugnissen hinausgehen, nach dem künftig die Prädikate über Schulzeugnissen in Fortfall kommen sollen, während sie bis jetzt nur in den Zensuren über die bestandenen Schluß= und Reifeprüfungen beseitigt waren. Ausdrücklich aber wird in der Verordnung darauf hingewiesen, daß der Ernst der Erziehung und die Strenge der Forderung, die sich in diesen Urteilen aussprechen, damit nicht beseitigt, sondern umgekehrt gesteigert werden, zugleich aber den Ergebnissen der Jugendkunde besser angepaßt werden sollen. Weihnachtsgefechte in Marokko wtb. Paris, 29. Dez.(Funkspruch.) Wieder wird von einer militärischen Aktion Frankreichs in Marokko berichtet. Matin erfährt aus Colomb=Bechar, daß eine nicht unterworfene marokkanische Abteilung, die über 200 Gewehre verfügte, von Tafilelt aus einen Einfall auf algerisches Gebiet unternommen und am 24. Dezember gegen Abend den Lagerplatz unterworfener Eingeborener 15 Km. westlich von Abadla angegriffen habe. Die Marokkaner hätten den Häuptling und drei andere Eingeborene getötet und 100 Kamele weggeführt. Daraufhin hätte eine französische mobile Abteilung und eine Fliegerstaffel die Verfolgung der marokkanischen Abteilung aufgenommen, die sie 35 Km. von Abadla sichteten. Die französischen Flieger nahmen die Eingeborenen unter Maschinengewehrfeuer. Am 25. Dezember kam es zu einem heftigen Kampf, der bis zum Einbruch der Nacht dauexte. Die verfolgte Eingeborenenabteilung zog in der Dunkelheit unter Zurücklassung eines Teiles ihrer Beute und zahlreicher Toter ab, wurde aber am 26. Dezember von zwei ausgesandten französischen Fliegerstaffeln wiederum bombardiert und erlitt schwere Verluste. Sie konnte jedoch abermals im Schutze der Dunkelheit fliehen. Die Verluste auf französischer Seite sollen sich auf vier getötete einFranzösische Aengste anb. Paris, 29. Dez.(Funkspruch.) Ein Vorwort, das Reichstagsabg. Kaas für ein Werk über die Außenpolitik Deutschlands geschrieben hat, beunruhigt den„Temps“ und das„Journal des Debats". Beide beschäftigen sich in Leitartikeln auf Grund einer Depesche mit dem Inhalt der Ausführungen des Abg. Kaas. Beide Blätter benutzen die Gelegenheit, um die politische Stimmung in Deutschland in überaus pessimistischem Sinne darzustellen. So schreibt der „Temps“:„Alle deutschen Staatsmänner, ob sie rechts, in der Mitte oder links stehen, wollen die Wiederherstellung der deutschen Macht in der Welt. Sie fordern Revision der Verträge, Abänderung der Ostgrenzen, allgemeine Abrüstung oder das Recht für Deutschland, sich ungehindert zu bewaffnen und endlich den Anschluß oder besser gesagt die Annektion Oesterreichs. Die Meinungen weichen in der Frage der Mittel, die man zur Durchreisung der einzelnen Etappen anzuwenden habe, voneinander ab. Das„Journal des Debats", das Organ des Schwerindustriellen de Wendel, sieht schon eine neue Aufteilung Polens und auch die Annektion Oesterreichs, natürlich auch die Wiederaufrüstung Deutschlands voraus. Wenn das, so ruft das Blatt aus, realisiert würde, dann würde man sich einem stärkeren Deutschland gegenüber befinden, als dem von 1914. Man müßte besonders naiv sein, wenn man sich einbilden könnte, daß Deutschland, wenn es dieses Ergebnis hat, sich nicht in sehr aktiver Weise auch für seine Westgrenze interessieren würde. Nach dem Blatt möchte man von deutscher Seite der Welt den Glauben beibringen, daß die Stillung des deutschen Appetits das einzige Mittel sei, den Frieden zu bewahren. Abg. Kaas vergleiche Deutschland mit Simson; er erkläre, daß der Tag kommen werde, an dem es als Gefangener des Friedensvertrages wie der biblische Held die Säulen seines Gefängnisses niederreißen werde. Es sei nicht Hitler, der dies ausspreche, sondern der Führer des Zentrums. Müsse Frankreich nicht daraus die Schlußfolgerung ziehen, daß man Simson nicht handeln lassen dürfe, sondern ihn bewachen und die Tragsäulen, die er umreißen wolle, verstärken müsse? Bei den erwähnten Ausführungen des Prälaten Kaas handelt es sich um ein Vorwort zu einer in diesen Tagen erschienenen Schrift des Außenpolitikers der Germania, Hagemann. Prälat Kaas kennzeichnet in seinem Vorwort das Verhältnis zwischen Außen= und Wirtschaftspolitik und die Notwendigkeiten der deutschen Revisions= und Abrüstungsansprüche in durchaus gemäßigten Worten. Er gelangt dabei zu der Schlußfolgerung, daß eine friedliche Evolutionspolitik die unbedingte und einzige Möglichkeit nicht nur für Deutschland, sondern auch für die übrige Welt sei, hält aber mit seinen Besorgnissen nicht zurück. Die Hypothese von der Erreichung einer physischen und psychischen Belastungsgrenze und von den Folgen, die eintreten, wenn sich„die Simsontragödie im Politischen wiederholt“, ist keineswegs in den Ausführungen des Zentrumsführers als ein erwünschtes oder drohendes Ereignis, sondern als die letzte tragische Konsequenz fortgesetzter Verbohrtheit und Verständigungslosigkeit auf der Gegenseite Verwähnt. Nur ein besonders schlechtes Gewissen kann bei verantwortungsbewußter Prüfung der tatsächlichen Ausführungen des Prälaten Kaas daraus deutsche Zielsetzungen entnehmen, wie sie vom„Temps“ und vom„Journal des Debats“ behauptet werden. Ueber 37 Milliarden Dollar amerikänische Kriegslosten! Senator Smoot gegen die Streichung der alliierten Kriegsschulden. wtb Washington, 29. Dez.(Funkspruch.) Die Blätter der Hearstpresse bringen einen Artikel des Senators Smoot, der der Regierung Hoover sehr nahe steht und als Vorsitzender des Finanzausschusses im Senat eine große Rolle spielt. Smoot lehnt energisch eine Streichung der alliierten Kriegsschulden an Amerika ab und weist an Hand von Zahlen nach, daß der Weltkrieg dem amerikanischen Steuerzahler über 37 Milliarden Dollar gekostet habe. Die Abtragung dieser Last mache genau ein Drittel des gesamten Budgets des letzten Jahres aus und es sei unfair, dem amerikanischen Volke weitere Bürden zuzumuten. Deutsch=österreichische Verträge vom österreich. Rationalrat angenommen wtb Wien, 27. Dez. Der Nationalrat hat heute den Handelsvertrag zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich mit dem Abkommen über den kleinen Grenzverkehr, ferner mit dem Vertrag über die Rechtshilse in Zollsachen und dem Ausführungsgesetz dazu, sowie den Vertrag zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich über die Sozialversicherung nach den Berichten der Referenten nach kurzer Aussprache angenommen. In der Aussprache gab nur der sozialdemokratische Abgeordnete Freundlich dem Wunsche Ausdruck, den Handelsvertrag durch die Vertiefung und Angleichung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Bruderstaaten weiter auszugestalten und zu diesem Zweck einen gemeinsamen Ausschuß aus deutschen und österreichischen Parlamentariern zu bilden. Der deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld wohnte in der Diplomatenloge der Sitzung bei. Der französische Thronprätendent maelhe sich wtb Paris, 28. Dez.(Tel.) Der Herzog von Guise, der Thronprätendent der französischen Royalisten, hat in Beantwortung eines Glückwunschschreibens anläßlich der Verlobung seines Sohnes, des Grafen von Paris, eine Kundgebung erlassen, in der er seinen Anspruch auf den Thron von Frankreich erneuert. Die Kundgebung schließt: „Die Franzosen mögen wissen, daß der, der das Königsprinzip verwaltet, das Frankreich geschaffen hat, zur Stelle ist, daß er an das Tor des Vaterlandes klopft und bereit ist, sich allen ruhmreichen und schweren Arbeiten für das öffentliche Wohl, den sozialen Wohlstand, die Ordnung und den Frieden zu widmen, die eine unvergleichliche Ehre und die solide Größe der jahrhundertealten französischen Monarchie aus gemacht haben.“ Politische Raufereien Schießerei in einer Wirtschaft.— Drei Personen verletzt. wp. Essen, 28. Dez.(Tel.) In der Nacht zum zweiten Weihnachstage entstand in einer Wirtschaft in der Altenessener Straße zwischen dem Kellner und dem 18 Jahre alten Arbeiter Heinrich Habegger eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf letzterer aus dem Lokal entfernt wurde. Als er trotzdem wieder gewaltsam in dieses einSchidere Kruwatte in Vombah 200 Personen verletzt- 150 Personen verhaftet wtb Bombay, 28. Dez.(Funkspruch.) Der gericht Präsident und 4 Mitglieder der verbotenen nationalistischen Organisation„Kriegsrat“ wurden am Sonntagvormittag verhaftet, als sie trotz des polizeilichen Verbots versuchten, eine feierliche Begrüßung der indischen Nationalflagge in Szene zu setzen. Es hatte sich zu dieser Veranstaltung eine große Menschenmenge versammelt, die der Aufforderung der Polizei, auseinanderzugehen, keine Folge leistete. Die Polizei ging schließlich unter Anwendung ihrer Bambusstäbe gegen die Menge vor und trieb sie auseinander. Als sich die Polizei aus dem Bezirk, in dem sich dieser Vorgang abgespielt hatte, zurückzog, fand sich die Menge wieder zusammen und führte die Zeremonie des Flaggensaluts zu Ende. Später kam es auf der Esplanade vor dem Polizeizu größeren Ansammlungen. Die Demonstranten bewarfen das Polizeigericht mit Steinen, so daß eine Polizeiabteilung genötigt war, wiederum mit Bambusstöcken gegen die Menge vorzugehen. Es kam zu heftigen Zusammenstößen, ehe es den Polizeibeamten gelang, den Platz zu räumen. Bei dem Zusammenstoß am Sonntagvormittag wurden 75 Personen verletzt. Wie die Verwaltung der beiden Krankenhäuser des indischen Kongresses mitteilt, wurden außerdem noch 50 Personen, die leichtere Verletzungen erlitten hatten, an Ort und Stelle verbunden. Während der ganzen Krawalle sind in den beiden Krankenhäusern insgesamt 200 Personen verbunden worden, von denen 150 festgenommen wurden. 8 Polizeibeamte erlitten leichtere Verletzungen. Eine Familientragödie enb Berlin, 29. Dez.(Funkspruch.) Nach einer Meldung des„Montag“, aus dem Orte Brunshaupten wurde der Bankagent der Mecklenburgischen Depositen= und Wechselbank, Adolf Becker, mit seiner Gattin im Schlafzimmer tot aufgefunden. Das Motiv des Doppelselbstmordes ist noch nicht geklärt. Man nimmt an, daß finanzielle Sorgen das Ehepaar in den Tod getrieben haben. Auf dem Nachttische stand je ein Glas Glühwein, der vermutlich Gift enthalten hat. Man nimmt an, daß die Lebensmüden die Tat bereits am ersten Feiertag verübt haben. In der Wohnung des Ehepaares fand man alles in mustergültiger Ordnung. drang, nahmen drei Brüder für den Kellner Partei und schlugen auf Habegger ein. Dieser zog plötzlich eine Pistole und feuerte mehrere Schüsse auf seine Angreifer ab. Hierdurch wurden die Brüder erheblich verletzt. Zwei erhielten Streifschüsse am Unterleib und einer einen Schuß durch die Hand. Die Polizei nahm den Täter fest. Schießerei in Berlin. enb. Berlin, 28. Dez.(Tel.) In der Yorkstraße, im Südwesten Berlins, kam es in der vergangenen Nacht zu einer Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, in deren Verlauf auch einige Schüsse abgefeuert wurden. Ein Kommunist erlitt eine Schußverletzung am Halse. Er wurde auf der nächsten Rettungsstelle verbunden und dann in seine Wohnung gebracht. Ein Nationalsozialist, der als Täter bezeichnet worden war, wurde festgenommen. Schwerer Krawall in Ulm. wtb. Ulm, 27. Dez. In der Weihnachtsnacht kam es in einer hiesigen Wirtschaft zu einer Schlägerei zwischen jungen Burschen und Gästen. Als die Polizei die Schuldigen verhaftete und abführte, mischte sich eine Anzahl Kommunisten in den Streit. Auf dem Münsterplatz kam es zu einer größeren Ansammlung. Die Polizeibeamten wurden schwer bedrängt, so daß die Polizeiwache alarmiert werden mußte, die den Münsterplatz unter Anwendung des Gummiknppels räumte. Ein Kommanist wurde dabei verletzt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden, er konnte jedoch bald darauf aus dem Krankenhaus entlassen werden und wurde in Haft genommen. Verbrecherische Störungen von Goltesviensten Betrunkene Kommunisten stören die Frühmesse. wp. Koblenz, 28. Dez.(Tel.) Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde von drei betrunkenen jugendlichen Kommunisten— einem Mann und zwei Frauen in einer hiesigen katholischen Kirche die Frühmesse gestört. Besonders die Frauen taten sich hierbei hervor und riefen„Heil Moskau!“ Die herbeigerufene Polizei nahm die drei Kommunisten fest. Es sind drei Geschwister. Sie waren früher in Fürsorgeerziehung. Gottesdienst durch Steinwürfe gestört. Eine Frau schwer verletzt. enb. Berlin, 27. Dez.(Eig. Meldung.) In Finow(Mark) wurde dem Lokalanzeiger zufolge am Heiligen Abend der Gottesdienst auf empörende Weise gestört. Die festlich geschmückte Kirche war dicht gefüllt. Plötzlich flog ein halber Ziegelstein, der mit großer Kraft geschleudert worden sein mußte, durch ein Kir chenjenster, das vollkommen zertrümmert wurde, und traf die Witwe Brenecke an der Schläse. Die Frau brach bewußtlos zusammen. Im Augenblick bemächtigte sich der besucher eine ungeheure Erregung. Dem Pfarrer gelang es, die Aufgeregten zu beschwichtigen. Frau Brenecke, die man nach dem Krankenhaus brachte hat eine schwere Gehirnerschütterung und eine sehr gefährliche Schädelwunde davongetragen. Die Fahndung nach dem Täter ist im Gange und dürfte bald zu seiner Verhaftung sühren. Anschläge in Wesselburen wtb. Wesselburen(Dithmarschen), 27. Dez. Nach amtlicher Mitteilung sind in der Nacht zum ersten Weihnachtstage in der Zeit zwischen 1 und 2 Uhr morgens gegen die Amtsräume des Amtsvorstehers von Wesselburen von unbekannten Tätern zwei Handgranaten geworfen worden. Die Handgranaten, die keine Sprengstoffkörper enthielten, prallten an den Fenstern ab und fielen auf die Straße zurück. Es ist lediglich durch den Wurf geringer Sachschaden entstanden. In den Handgranaten fanden sich Zettel, in deren Text Unzufriedenheit mit lokalen behördlichen Maßnahmen zum Ausdruck commt..., IJJannte T5tn in 8. Gleichzeitig haben unverannte Tater in die Wohnung des Bürgermeisters und Polizeiverwalters in Wesselburen Eisenstücke und Zementbrocken geworfen, und dadurch mehrere Scheiben zertrümmert. Man ist in Wesselburen der Ueberzeugung, daß es sich bei diesen Anschlägen nur um Ereignisse von örtlicher Bedeutung handelt. Noch am ersten Feiertag weilten Vertreter der Staatsanwaltschaft aus Flensburg am Tatort, aber man hat, wie verlautet, bisher aus dem vorgefundenen Material keine Schlüsse auf die Persönlichkeit der Täter ziehen können. Enteneier gegen das„Flötenkonzert“ wtb. Hamburg, 27. Dez. Der FriedericusFilm„Das Flötenkonzert von Sanssouci“, hat am zweiten Weihnachtstag auch in Hamburg zu Kundgebungen geführt. In zwei der drei Theater, in denen der Film zur Aufführung gelangte, kam es zu Störungen. Mehrere Besucher erhoben sich, forderten mit lauter Stimme die Absetzung des Films und schleuderten Enteneier, die mit roter Farbe gefüllt waren, gegen die Leinwand. Die Geschäftsführung hatte in beiden Theatern für Polizeischutz gesorgt und ließ die Vorführung sogleich unterbrechen. Im Passagetheater wurden etwa 20 Besucher aus dem Saal entfernt. Nach kurzer Unterbrechung konnte dann die Vorführung fortgesetzt werden. Major Papsts Ausscheiden aus der Heimwehrbewegung wtb Wien, 28. Dez.(Tel.) Wie eine Zeitungskorrespondenz meldet, schreiht die Pressestelle der Tiroler Heimwehr:„Infolge der innerpolitischen Verhältnisse hat sich Major Pabst gezwungen gesehen, von einer weiteren Mitarbeit in der Tiroler Heimwehr und in der ganzen österreichischen Heimwehrbewegung Abstand zu nehmen. Landesführer Dr. Steidle hat aus diesem Anlaß an ihn ein Schreiben gerichtet, worin er die Tätigkeit des Majors Vabst würdigt und sagt, sein Entschluß sei aus der Erkenntnis entstanden, daß die Zersplitterung in den Reihen des Bürgertums die im Interesse des gesamten deutschen Volkes von ihm angestrebte Neugestaltung des Staates unter den eeinen faten Versaltnissen aussichtslos er„rinen tasse. Daß der mächtige Aufschwung dieser Volksbewegung nicht in entsprechender Weise im Interesse des Staates ausgenutzt wurde, sei nicht seine Schuld.“ Ein Flamenführer verhaftet wtb. Brüssel, 27. Dez. Nach einer Meldung der Belgischen Telegraphenagentur aus Gent wurde der flämische Führer van Ooteghem festgenommen. Die Verhaftung steht in Zusammenhang mit einem Angriff von Anhängern der flamischen Bewegung gegen Studenten, die der katholischen und der liberalen Partei angehören und an einer Sympathiekundgebung für in Gent ein Gastspiel gebende französische Künstler teilgenommen hatten. Nach dem Verhör van Ooteghems wurde ein Haftbefehl gen ihn erlassen, weil er in Gemeinschaft mit anderen der Polizei Widerstand geleistet haben soll. Außerdem wird er wegen unbefugten Waffentragens zur Verantwortung gezogen werden. Meuterei in einem polnischen Regiment? wtb Paris, 27. Dez. Die Humanité veröffentlicht einen Brief aus Warschau, für dessen Inhalt das Blatt die volle Verantwortung übernehmen muß. Er berichtet über die Meuterei eines polnischen Regiments. Es heißt darin: Anfang dieses Monats hätten die Soldaten des 19. Infanterie=Regiments in Pruzany im westlichen Weißrußland die ihnen vorgesetzte verdorbene Nahrung anzunehmen sich geweigert, ihre Kochgeschirre ausgeschüttet und eine bessere Verpflegung gefordert. Angesichts dieses Vorfalles habe der diensttuende Offizier an die Mannschaft eine Ansprache gerichtet, in der er auf die schwierigen wirtschaftlichen Zustände des jungen Polens hinwies. Trotzdem hätten die Soldaten die Vorratslager erstürmt und die dort lagernden Lebensmittel unter sich verteilt. Die Gendarmerie sei alarmiert worden und habe 50 Meuterer festgenommen, worauf die anderen einen Gegenangriff unternommen und mehrere der Festgenommenen wieder befreit hätten. Von der Ergreifung allgemeiner Strafmaßnahmen sei angesichts der entschlossenen Haltung der Soldaten abgesehen worden. Nur ein Rädelsführer sei im Gefängnis behalten worden. Das polnische Dementi. wtb Warschau, 28. Dez.(Tel.) Die Polnische Telegraphenagentur bezeichnet die Meldung der Humanité als vollständig aus der Luft gegriffen. Die Grundlosigkeit der Nachricht über eine Meuterei des 19. Infanterie=Regiments werde auch dadurch beleuchtet, das das genannte 19. Infanterie=Regiment nicht in Pruzany, sondern in Lemberg stationiert sei. Joffre schwer erkrankt wtb Paris, 27. Dez.(Tel.) Marschall Joffre, der seit einigen Tagen an einer Entzündung der unteren Gliedmaßen leidet, mußte operiert werden. Die Operation hatte zunächst eine vorübergehende Besserung im Befinden Joffres zur Folge, jedoch ist der Zustand des Marschalls wieder besorgniserregend. wtb. Paris, 28. Dez.(Tel.) Die Aerzte haben Samstag am späten Nachmittag folgenden Bericht über das Befinden Marschall Joffres ausgegeben: Zustand unverändert, keine Verschlimmerung, Puls 75, Temperatur 37,2. nieder, so daß er besinnungslos wurde, und schleppten ihn dann in das hinter dem Laden gelegene Zimmer. Dort raubten die Täter aus einem Schrank rund 120 Mark in Papiergeld, sowie einen Beutel mit alten Münzen und etwas Kleingeld. Ein Kriminalbeamter, der von einer Passantin, die Verdacht geschöpft hatte, von dem Vorfall benachrichtigt wurde, konnte einen der Täter in dem Augenblick ergreisen, als er mit seinem Komplizen den Laden verließ. Der Festgenommene, ein bereits wegen Einbruchs und Diebstahls vorbestrafter 19jähriger Schlächterlehrling, hatte den Beutel mit den Münzen und einiges Hartgeld bei sich. Das Papiergeld will er seinem Komplizen ausgehändigt haben. Der Ueberfallene, bei dem unmittelbare Lebensgefahr nicht besteht, wurde einem Krankenhaus zugeführt. Ermordung eines Italieners in Luxemburg. wtb Luxemburg, 27. Dez. In der Stadt Esch wurde der Leichnam des italienischen Tischlers Mazzorano aufgefunden. Der Italiener ist durch mehrere Rückenschüsse getötet worden. Man nimmt an, daß es sich um ein antifaschistisches Attentat handelt. Hirsch tötet Tierpfleger enb. Berlin, 29. Dez.(Funkspruch.) Im Tierpark der Stadt Stralsund wurde, wie der „Montag“ meldet, der Tierpfleger Jonas von einem Hirsch angegangen und so zugerichtet, daß der Schwerverletzte seinen Wunden erlag. Der Hirsch mußte erschossen werden. Unterbrechung des italienischen Geschwaberstader wtb. Nabat, 29. Dez.(Funkspruch.) Havasmeldung. Die italienische Flugstafsel ist in Valoma(Portugiesisch=Neuguinea) durch einen Hagelsturm am Weiterflug verhindert worden. Die Italiener haben neue Propeller angefordert. Ein Verkehrsflugzeug ist gestern von Casablanca aus mit 7 Propellern an Bord abgeflogen, mußte aber auch in der Gegend von Draa seinen Flug unterbrechen. Lord Meichett gestorben wtb. London, 27. Dez. Der britische Wirtschaftsführer Lord Melchett, der frühere Sir Alfred Mond, ist heute im Alter von 62 Jahren gestorben. Lord Melchett, der deutscher Herkunft war, gehörte zu den bedeutendsten Industriellen Englands. Im Kabinett Lloyd Georges(1921=22) bekleidete er das Amt des Gesundheitsministers. der westdeutschen Sängerbewegung wp. Bad Kreuznach, 28. Dez.(Tel.) Die mit großem Aufwand in Szene gesetzte Vereinigung des Rhein—Nahe=Sängerbundes und des Mosel=Sängerbundes mit dem Saar=Sängerbund unter gleichzeitigem Ausscheiden aus dem Rheinischen Sängerbund wurde auf der Hauptvorstandstagung des Deutschen Sängerbundes in Würzburg nicht anerkannt. Auch der Rheinische Sangerbund lehnte die Loslösung kleinerer Sängergruppen ab, da dadurch die landsmannschaftliche Geschlossenheit leide. Es wird jetzt dem Rhein—Nahe= und dem MoselSängerbund, sofern sie den Ausweg der offenen Rebellion gegen die Beschlüsse des Deutschen Sängerbundes nicht betreten wollen, nichts anderes übrig bleiben, als die geplante Verbindung mit dem Saar=Sängerbund wieder rückgängig zu machen. Tragischer Unglücksfall auf dem Bahnhof wtb. Düsseldorf, 28. Dez.(Tel.) Am Sonntag mittag kurz vor 11 Uhr ereignete sich auf dem alten Düsseldorfer Bahnhof Derendorf ein furchtbarer Anglücksfall. Die 21jährige=Stütze Plankert aus Düsseldorf hatte sich von ihrem Bräutigam auf dem Bahnsteig verabschiedet, der dann über die Derendorfer Brücke ging, die über den Bahnkörper führt. Vom Bahnsteig aus winkte die junge Dame ihrem Bräutigam auf der Brücke zu und wurde im gleichen Augenblick von dem heranbrausenden Rheingoldexpreß erfaßt und überfahren. Fürchterlich zugerichtet, konnte sie nur noch als Leiche geborgen werden. Der Rheingoldexpreß hatte vor der Einfahrt in den Bahnhof, der nur dem Personenzugverkehr dient, ein Warnungszeichen gegeben und fuhr durch, ohne daß der Unfall auf diesem Zuge bemerkt worden wäre. Schauerlicher Selbstmord Verbrennungstod im Hochosen gesucht. wp. Dortmund, 28. Dez.(Tel.) Als der 30jährige Arbeiter Ernst Gehrmann aus der Feldherrnstraße 24 am Mittwochmorgen von der Nachtschicht nach Hause kam, machte ihm seine Frau Vorhaltungen, daß sie von dem Wochenlohn von insgesamt 32 Mark keine Weihnachtssachen kaufen könne. Der Mann ging gegen 12 Uhr wieder zu seiner Arbeitsstelle und sprang mit einer glimmenden. Zigarre in die Masse eines Mischers hinein. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Chronik der Verbrechen. Auto=Unglücksfälle Tödlich verunglückt durch zu starkes Bremsen. wp. Mainz, 28. Dez.(Tel.) Am zweiten Feiertag wurde auf der Fintherstraße kurz vor Wackernheim der 28jährige Kaufmann Johann Jüsgen aus Koblenz=Lützel mit einer stark blutenden Kopfwunde bewußtlos aufgefunden. Der Verletzte hatte anscheinend vor einem scheugewordenen Pferde sein Motorrad zu stark gebremst, so daß sich das Rad überschlug und den Fahrer zu Boden schleuderte. Jüsgen wurde sofort mit Krankenwagen ins Mainzer Städtische Krankenhaus gebracht, wo jedoch der Tod nach einigen Stunden infolge eines schweren Schädelbruches eintrat. Todessturz in die Aare. wtb. Bern, 28. Dez.(Funkspruch.) Beim Einfahren auf die über die Aare führende Kirchenfeldbrücke geriet ein Auto ins Schleudern, riß das Geländer der Brücke weg und stürzte ab. Die beiden Insassen des Autos ertranken. Sportunfälle Schwere Bluttat am zweiten Weihnachtstage. wy Gelsenkirchen, 27. Dez. Eine schwere Bluttat ereignete sich am zweiten Feiertage im Stadtteil Heßler. Nach einem Wortwechsel beim Verlassen einer Wirtschaft wurde der Bergmann Lau aus der Reichsteinstraße von hinten derart mit einer Bierflasche über den Koxf geschlagen, daß der Schädel gespaltet wurde. Die Täter trampelten dann mit den Füßen auf dem Toten herum. Die Kriminalpolizei hat mehrere Personen festgenommen, bei denen der Verdacht der Täterschaft bezw. der Mittäterschaft besteht. Raubüberfall in Hamburg.— Ein Täter festgenommen. wtb. Hamburg, 29. Dez.(Tel.) Gestern abend gegen 7 Uhr betraten zwei junge Burschen ein hiesiges Milchgeschäft, fielen über den allein anwesenden 70jährigen Inhaber her, schlugen ihn enb. Berlin, 27. Dez.(Tel.) In Schlesien ereignete sich, wie der Lokalanzeiger berichtet, in den Feiertagen eine Reihe schwerer Unfälle. In Krummhübel stürzte beim Bobrennen in einer Kurve, wahrscheinlich infolge Versagens der Bremsen, ein besetzter Schlitten um. Drei Insassen erlitten Beinbrüche und leichte Gehirnerschütterungen. Der vierte, Hans Vogt, wurde so schwer verletzt, daß er an innerer Verblutung verstarb.— In Hermsdorf fuhr der Wagenarbeiter Leder beim Rodeln mit voller Wucht in ein Auto hinein. Er selbst, seine Frau und ein Enkelkind wurden hoch durch die Luft geschleudert. Die Frau wurde so schwer im Gesicht verletzt, daß sie auf einem Auge erblindete. Der Mann erlitt einen doppelten Beinbruch. Das Kind trug nur Hautabschürfungen davon.— Im Eulengebirge stürzten drei Schifahrerinnen so unglücklich, daß sie Arm= und Beinbrüche davontrugen. Bei Ziegenhals stürzte der Sohn des Rittmeisters Werber beim Schneeschuhlaufen und erlitt einen doppelten Beinbruch. Lawine über eine Schifahrergruppe.— 3 Tote. wtb. Zürich, 28. Dez.(Tel.) Im Gebiet des Süntise=Gebirges wurde eine Gruppe von sieben Schifahrern durch eine Lawine überrascht. Eine Dame und zwei Herren sind verschüttet, die anderen vier Fahrer konnten sich herausarbeiten. Die drei Leichen wurden nach mehrstündiger Arbeit geborgen. Aus Nah und Fern 75 jähriges Bestehen des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande. wp. Köln, 27. Dez.(Tel.) Der Deutsche Verein vom Heiligen Lande beging heute mit einem Festakt in der Gymnasialstudienanstalt an St. Gereon die Feier seines 75jährigen Bestehens. Eine Palästina=Ausstellung in den Räumen der Studienanstalt, die vom 27. Dezember bis 6. Januar 1931 geöffnet ist, zeigt reichhaltiges Material zur Veranschaulichung der Bestrebungen der Freunde vom Heiligen Lande. Während der Dauer der Ausstellung werden an vier Tagen anregende und zeitgemäße Vorträge in der Aula des Gymnasiums gehalten. Auf der Lokomotive getötet. wp. Oberlahnstein, 28. Dez.(Tel.) Der Lokomotivheizer Heinrich Meesen von hier ist am ersten Weihnachtsfeiertag auf der Strecke Urmitz —Weißenthurm einem eigenartigen Unfall zum Opfer gefallen. Als er auf der Lokomotive des Schnellzuges, der mittags von Koblenz nach Köln fährt, die Feuerung bediente, wurde die zum Schüren des Feuers benutzte Stange von im Ausfahrtsvorsignal erfaßt und zurückgeschlagen. Der Heizer wurde hierbei so unglücklich getroffen, daß er mit einem Halswirbelbruch tot zusammenbrach. Auf dem Bahnhof Weißenthurm wurde der Tote von der Lokomotive genommen und diese selbst in Andernach abgehängt. Der Schnellzug selbst fuhr mit größerer Verspätung nach Köln weiter. Auf der Entenjagd ertrunken. enb. Göhren auf Rügen, 27. Dez.(Eig Meldung.) Am Dienstag fuhr der Needereibesitzer Wittmiß mit seinem Kapitän Koos in einem Ruderboot auf die Entenjagd. Da beide bis gestern abend nicht zurückgekehrt sind, wird angenommen, daß sie in der Ostsee ertrunken sind, um so mehr, als inzwischen schwerer Nebel und heftiger Wind aufgekommen waren. Die Nachforschungen sind bisher ergebnislos verlaufen. Orientalische Kunstgegenstände gestohlen. wtb Stralsund, 28. Dez.(Tel.) Beim Pastor in Bisdorf(Kr. Franzburg) wurde ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt. Den Dieben fielen Damaszener Schüsseln mit silberner arabischer Inschrift, sieben Damaszener Trinkschalen, ein arabisches Kaffeetablett mit sechs Tassen, eine silberne arabische Kaffeekanne, drei Damaszener Vasen, ein großer Perserteppich, eine goldenDamenuhr und 72 Mark Bargeld in die Hände Deutscher Dampfer beschlagnahmt. wtb. Stockholm, 29. Dez.(Tel.) Tidningarnas Telegrambyran meldet: Der Fischdampfer 204 aus Hamburg wurde gestern abend von einem schwedischen Kanonenboot bei ungesetzlicher Fischerei überrascht. Der Dampfer wurde beschlagnahmt und in den schwedischen Hafen Helsingborg(Uresund) eingebracht. Die St. Josefskirche in Ottawa niedergebrannt. wtb. Ottawa, 27. Dez.(Tel.) Die katholische St. Josefskirche, eines der größten Gotteshäuser der Stadt, ist durch eine Feuersbrunst vollkommen zerstört worden. Der Schaden wird auf eine halbe Million Dollar geschätzt. Der Brand entstand dadurch, daß ein Kind eine brennende Kerze umwarf. Zwei Häuser in Algier verschüttet.— 30 Tote. wtb. Algier, 29. Dez.(Tel.) Im Eingeborenenviertel wurden am Samstag abend zwei Häuser, die an einem Abhang standen, durch einen Erdrutsch verschüttet. Dem Unglück sollen etwa 30 Personen zum Opfer gefallen sein. Die Feuerwehr hatte bis zum Beginn der Nacht erst drei Leichen geborgen. Der Merapi beruhigt sich wtb. Amsterdam, 27. Dez. Hiesigen Blättermeldungen aus Mitteljava zufolge ist die starke Aktivität des Vulkans Merapi zum Erliegen gekommen. Da die Vulkanmassen nach ihrem Abfluß auf den Abhängen des Merapi ebenfalls zum Stillstand gekommen sind, sind weitere Gefahren vorläufig behoben. Man befürchtet allerdings, daß infolge der niedergegangenen starken Regenfälle große Wassermengen sich hinter den Lavamassen ansammeln werden, wodurch sich riesige Schlammströme bilden werden, deren Auftrocknen für die betroffenen Gegenden ebenfalls ernste Folgen haben dürfte. Die Königin und die Königinmutter haben dem Generalgouverneur von Niederländisch= Indien Beileidstelegramme übersandt, die der Bevölkerung der heimgesuchten Gegenden übermittelt werden. Die Thronfolgerin Juliana hat einen größeren Geldbetrag zugunsten der Opfer des Vulkanausbruchs zur Verfügung gestellt. In Holland hat sich ferner ein besonderes Merapi=Hilfs=Komitee gebildet, in dem der Prinzgemahl den Ehrenvorsitz führt, und dem u. a. der Präsident der Niederländischen Bank, Vissering, und der Präsident der Neederlandsch=Handel=My., Dr. van Aalet, angehören. Funkmeldungen Zwei Kinder durch Gas getötet. enb. Mannheim, 29. Dez.(Funkspruch.) Als die Ehefrau eines in der Dammstraße wohnenden Bahnarbeiters am Samstag abend von der Arbeit heimkehrte, war die Küchentüre von innen verschlossen. Nachdem die Türe aufgebrochen worden war, fand man in der mit Gas gefüllten Küche die beiden Kinder— 4 und 7 Jahre alt,— am Boden liegend vor. Der vierjährige Werner war bereits tot, während der siebenjährige Erich noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Die Kinder hatten vermutlich mit dem Gashahn gespielt und waren von dem ausströmenden Gas bewußtlos geworden. Trotz aller ärztlichen Bemühungen ist auch der zweite Knabe gestern abend gestorben. Weitere Erdstöße in Nordwestarzentinien. wtb. Salta, 29. Dez.(Funkspruch.) Vier weitere Todesopfer des Erdbebens wurden am Sonntag in der Stadt Lappona geborgen, so daß die Gesamtzahl der Toten sich nunmehr auf 39 stellt. Schwer verletzt sind 35. Vermißt werden mehrere Personen. Seit gestern mittag wurden zehn weitere Erdstöße verspürt. Die Einwohner der durch das Erdbeben zerstörten Stadt sind auf einem freien Platz in Zelten untergebracht. Der Gau Hagen veranstalter einen Jugenoopferlag. Die im Gau Hagen zur Durchführung gebrachten Jugendopieripiele fanden im allgemeinen nur wenig Interesse. Der 28. Dezember war für diese Veranstaltung von Gou Hagen aus auch eigentlich etwas unglücklich gewählt. Nuc an einigen wenigen Plutzen war die Beteiligung ansprechend. bätte aber bei besseren Platzverhältnissen und besserer Witterung einen Erfolg davontragen können. Die Mannschaften waren sehr gut zusammengestellt und brachten in den Paarungen auch einige spannende Kämpfe. Fußball. I. C. Union, Haspe=Harkorten, Haspe 28— Ennevetal Auswahlmannschaft O:0 Dieses Spiel kam auf dem Freiheitsplatz in Haspe zur Durchführung und brachte einen ganz interessanten Verlauf Die Zusammenstellungen beider Mannschaffen waren im allgemeinen recht gut aufeinander abgestimmt, jedoch vermochte man sich nicht zu einheitlichen Aktionen aufzuraffen und trennte sich mit einem 0:0 im Ennepetal Gevelsberg os, Lichtenplatz— Altenvoerbe, Milspe 8:1 Das Spiel in Gevelsberg zwischen diesen beiden Kombinationen zeigte die Mannschaft 08. Lichtenplatz in sehr starker Form. Die Milspe=Altenvoerder Elf war ebenfalls ausgeglichen jedoch entschied die größere Durchschlagskraft und das bessere Sichverstehen im Sturm das Spiel. Bereits bei Halbzeit lautete das Ergebnis 2:1, dem im weiteren Verlauf noch ein 3:1 folgt. Die letzte Spielhälfte zeigte die Milspe=Altenvoerder Eis wohl etwas mehr in Front, jedoch fanden die gut gemeinten Angriffe an der Gevelsberger Hintermannschaft immer ihr Ende. Auswahlm. Lennetal A— Auswahlm. Lennetal B 5:s Die Zusammenstellung der A=Mannschaft aus den Vereinen Werdohl, Altena, Bärenstein zeigte sich besonders in der zweiten Hälfte der B=Mannschaft(Neuenrade, Balve, Eiringhausen) überlegen. Allerdings fanden sich beide Mannschaften nur schlecht und recht zusammen. Der Sieg war aber für die A. Mannschaft tunner verdient keinen leichten Stand. Diese besaß nämlich im Schlußdreieck ein zuverlässiges Bollwerk. das nur in den settensten Fällen versagte. Desgleichen stellte die Läuferreihe ein annehmbares Verbindungsstück dar. Vornehmlich dem Mittelstürmer fiel die Aufgabe zu, keine Unterbrechung in dem flüssigen Angrifi eintreten zu lassen. Was den Sturm betrifft hätte man sich einen besseren rechten Flügelstürmer wünschen können, der gegen den Halbrechten, den besten Mann im Sturm, zu sehr abfiel. Gerade der Halbrehte(Post, 05) hatte einen guten Tag und konnte nicht weniger als dreimal Torschütze sein. An seinem linken Nebenmann fand er gute Unterstützung. Auch der linke Flügel hielt das Tempo mit. 72 stellte eine ausgeglichene Elf. Bis zu dem Unentschieden hatte die Hinterreibe die Hauptarbeit zu leisten, während der Sturm erst gegen Schluß der ersten Hälfte austaute und auch im zweiten Spiel abschnitt, tonangebend blieb, ohne allerdings mit Erfolgen aufwarten zu können. Diese blieben der Stadtvertretung vorbehalten. Handbau. Stadtmannschaft Hagen— Hagen 05 7: 7(3: 4) In dem Handballtreffen bildete 72 die Stütze der Stadtvertretung, die wiederum ohne das Können ihres bekannten Shlußmannes Orth kein so günstiges Unentschieden herausgearbeitet hätte. Bei gleichen Leistungen seines Gegenübers würden die Ober mit etlichen Toren Vorsprung gesiegt haben. Die etwas harte Spielweise der 05er Verteidigung verursachte zahlreiche Strafstöße, unter denen sich einige Treffer befanden, die genügten, um der Stadtelf das Ausgleichen zu erleichtern. Immer wieder konnte gerade durch die Strafstöße der gute Vorsprung. den der 05er Sturm erreicht hatte, wieder eingeholt werden. Ein Vergleich der beiden Sturmreiben fällt zugunsten der 05er aus, deren Erfolge bei weniger hervorragender Abwehr größer gewesen wären. Mittelstürmer und Halbrechter die sich in guter Form befanden, tragen den Hauptanteil an dem Torsegen. Die beiden Flügel stießen nicht gerad, auf den stärksten Widerstand, so daß die gefährlichsten Situationen sich vor dem Tore der Stadtleute abspielten. Auch der„Stadtsturm“ legte den größten Eifer an den Tag, hatte aber am meisten Glück mit seinen Strafwürfen. ten Mannschaft angetreten war, nicht alizu große Chancen ein geräumt, jedoch zeigte es sich daß Hüsten tatsächlich südwestfätische Exiraklasse darstellte. Das Spiel nahm gleich zu Anfang einen intcressanten Verlaus. Der Anstoß siebt Hamm fort in den ersten Minuten durch den Rechtsaußen in Führung. Unentmutigt kämpft Hüsten weiter und kommt bald durch den Mittelstürmer zum Ausgleich. Ein schönes Kombinationsmanöver des rechten Stürmers sietzt Hüsten mit 2:1 und im Anschluß daran durch Knappstein, der aus dem Hinterhalt eine Bombe losläßt, mit 3:1 in Führung. Die Hammer Hintermannschaft wehrt sich mächtig, kann aber dem karken Ansturm des Gastgebers nicht immer standhalten. sondern muß Knappstein. Schulte und Hoffmann noch je einmal zu Wort kommen lassen. Kurz vor dem Wechsel rafft der Hammer Sturm noch einmal seine ganze Kraft zusammen, die bis zur Mitte aufgerückte Verteidigung der Hüstener wird umspielt, und das zweite Ehrentor ist aufgeholt. Nach der Pause komm: Hamm zeit weise mächtig auf und schafft verschiedentlich gefährliche Situationen vor Hüstens Tor, jedoch die Hintermannschaft des Platzvereins, Läuferreihe und Verteidigung weist die energischen Angriffe zurück und auch der Hüstener Torhüter muß einige Male entscheidend eingreifen. Bis zum Schluß werden auch in dieser Hälfte noch drei Tore aufgeholt denen die Gäste noch ein drittes Ehrentor entgegenstellen In diesem Kampf zeigte Hüsten trotz der vier Ersatzleute seine bisher größte Form. 1. Bezirksklasse. Lenne=Sieg=Staffel B. E. 07 Siegen— BfR. Siegen(ausgefallen) Gesellschaftsspiel. Sp. V. Betzdorf=Bruche— VfR. Siegen 3:5 2. Sp. V. Bürbach— Viktoria Netphen 2:3 Sp. Vag. Kirchen— Sp. V. Klafeld Geisweid 2:4 Sp. V. Eiserseld— S. C. Kaan=Marienborn 8: 1 2. Rugby=Verbespiel in Hagen. Kur 400 Zuschauer. Club Stade Francais Paris— Düsseldorfer Rugbyklub 9:0(0: 0) in Iserlohn Iserlohn e5, Grüne— VfL. Iserlohn, Sp. V. Bremke 3: 1 Iserlohn 05 und Grüne vermochten nach überlegenem Spiel gegen ViL. Iserlohn und Bremke verdient erfolgreich zu bleiben. Die Hauptstütze hatten die Gastgeber in dem vorzüglichen Grüner Torhüter, dem in der Hauptsache auch mit der Sieg zu verdanken war. Nur ein in der zweiten Halbzeit verbängter Elfmeter brachte den Gästen das Ehrentor ein. Letmathe 98, Hohenlimburg 10— B. V. Nachrodt, Dv. Oestrich 7:2 Eine unglückliche Kombination war Nachrodt=Oestrich gegenüber dem Gastgeber Letmathe 98 Hohenlimburg 10. Der Gast hatte kaum etwas zu bestellen und wurde fast gänzlich in seine Hälfte zurückgedrängt. Letmathe, Hohenlimburg hatte somit leichtes Spiel. um Nachrodt=Oestrich eine Katastrophe zu bereiten. Sp. Bag Fröndenberg. Sp. V. Langschebe— Sp. V. Menden, Lendringsen 6:2 In Fröndenberg stellte das Gerippe der Mannschaft die Spielvereinigung Fröndenberg die durch einige Svieler von Langschede noch verstärkt war. Die gegnerische Mannschaft fand sich kaum zurecht und ließ im Sturm jeglichen Zusammenbang vermissen. Allerdings vermochte sie bis zur Halbzeit dem Gaste, der bis dahin nur mit 1:0 in Führung lag, die Spitze zu bieten Später aber kam die Mannschaft nur noch zu Durchbrüchen, die auch zweimal von Erfolg gekrönt waren, während die Gastgeber vollkommen die Lage beherrschten und einen sicheren Sieg auf dem Felde behielten. Auswahlm. Schwerte A— Auswahlm. Schwerte B S:3 Das Spie: in Schwerte sah die A=Mannschaft klar überlegen, während bei der B=Mannschaft das flüssige Spiel fehlte. Die acht Tore, denen drei entgegengesetzt wurden, entsprachen dem Spielverlauf. Vornstig Dröschebe— V. V. Iserlobn 11 1:2 In Dröschede fand der erstklassige Ballspielverein Iserlohn in den zweitklassigen Borussen doch einen hartnäckigen Gegner. Der Sturm zeigte sich seinem Gaste ebenbürtig und auch die Hin'ermannschaft ließ dem Gaste gegenüber kaum einen Wunsch offen, jedoch die größere Spielerfahrung und die bessere Technik brachte den Iserlohnern schließlich den Sieg ein. im Ruhrtal S. C. Wetter 30, Tv. Harkort Wetter— K. C. Weugern Boßkuhle 4:0 Die Kombination der Sportklubler und der Turnerelf buchte über ihre kombinierter Gegner F. C. Wengern=Boßkuhle einen * verdienten Erfolg. Die Wetteraner verstanden sich im Sturm recht gut, gegen die der Gast nicht viel bestellen konnte und für einen Sieg kaum in Frage kam. Sp. V Herdecke 11 us dem Schnee— F. C. Volmarkein=Gsbern 1: 8 Wenig Mühe hatte Bolmarstein=Eshsorn in Herdecke, um zu einem klaren Siege zu kommen. Zu erwähnen sei allerdengs, daß Herdecke seine zweite Mannschaft mit Auf dem Schliee vermischt hatte, so daß ein Sieg schon von vornherein ausgeschlossen erschien. Guter Besuch,— Auf dem Höing 2000 Zuschauer. Der starke Besuch auf dem Ober Platz, man konnte mit 1700 Zuschauern rechnen, bewies das große Interesse, das man der Begegnung zweier Stadtmannschaften gegen Hagen 05. bezm. gegen Hagen 72 entgegenbracht:. Stadtmannschaften bedeuten eit einen Ausfall, denn es ist schwer, Kräfte zusammen wirken zu lassen, die sich gegenseitig ergänzen und Erfola versprechen sollen. Die Paarungen, wie sie sich am gestrigen Sonntag darboten, find ganz glücklich gewesen, denn sie bereiteten keine Enttäuschung. Stadtmannschaft Hagen— Hagen 79 4:3(2: 20 Die Eußballer von 72, bei denen Mittelläufer und Rechtsanßen Ersatzposten bekleideten, hatten gegen die Karke Stadtel) Südwestfalenbezirk. Fußball. Bezirksligaklasse. V. f. B. Weidenau— Germania Mudersbach Nachdem beide Mannschaften den Platz in Weidenau betreten hatten, sah sich der Schiedsrichter veranlaßt, das Spiel nicht durchführen zu lassen, da die schlechten Platzverhältnisse einen einigermaßen einwandfreien Verlauf nicht zuließen. Gesellschaftsspiele Sp. Sp. Hüsten 00— Sp. Vag. Hamm 9:3 Einen ganz großen Tag hatte Hüsten 09 gestern mal wieder auf eigenem Platze. In diesem Spiel erwies es sich, daß auch der Nachwuchs der Hüstener dank der vorzüglichen Trainingsarbeit vollwertigen Ersatz zu liefern vermag. Die Südwestfalen hatten für Torhüter, linken Verteidiger, rechten Läufer und halbrechten Stürmer Ersatz eingestellt, um diese Leute für die erste Mannschaft auszuprobieren. Man hatte der Elf gegen den Tabellenzweiten des Westfalenbezirk, der mit der kompletDer Rugbysport scheint in Hagen doch noch nicht den fruchtbaren Boden gefunden zu haben, den er verdient und man wohl erwartet hatte. Zu berücksichtigen ist. allerdinas. daß die Zeit außerordentlich schlecht gewählt ist, sonst wäre auch der äußere Erfolg größer gewesen. Die französischen Gäste, die an den Weihnachtsjseiertagen zwei Spiele ausgetragen hatten hinterließen auch in Hagen den günstigsten Eindruck. Gegenüber den Vortagen gab eine wesentlich Mannschaftsverstärkung des Stade Francais dem Spielverlauf das Gepräge, denn in technischer Hinsicht waren sie den Düsseldorfern bei weitem voraus. In der ersten Hälfte=hielten sich die Meisterspieler fost dauernd im Düsseldorfer Gelände auf, ohne daß ihnen ein Versuch glückte, dank des Ormanns, einer der besten Spieler und der 3/4 Reihe. Es gelang den letzteren aber nicht, den Ball so weit vorzutragen, um dem Sturm Gelegenheit zur Betätigung zu geben. Auch nach dem Wechsel liegt die Führung bei den Franzosen. die durch ihren flinken 3/4 Stürmer Cherrier und kurz darauf durch ihren Stürmer Iseaut Versuche ausführen, die auf 9:0 erhöht werden können. Die Seele des Ganzen war der Kavitän Guillaux, dem der Dreiviertel Monly und die Stürmer Jousseau und Rißler folgten. Jahn Verdohl Meister der Lenne=Gruppe. Der hohe Sieg der I. Bezirkshandballklasse. Weidenau— Sp. V. Attendorn 3: 2 Eine harte, aber trotzdem faire Partie lieferten sich in Eiringhausen die beiden hartnäckigen Konkurrenten um den Meistertitel der Lenne=Staffel. Der Kampf war bart, aber beide Mannschaften zeigten ein vorbildliches Benehmen und machten dem Unparteiischen Klüber, Polizei Hagen, den Kampf so leicht als möglich. Auch nach dem Spiel kam die sportliche Disziplin des an sich noch jungen Attendorner erst recht zum Ausdruck, indem sie den Sieger beglückwunschten. Auch Werdohl ließ diesbezüglich keinen Wunsch offen. Eine für Eiringhauser Verhältnisse ansehnliche Zuschauermenge von 7 bis 800 an der Zahl umsäumten den Platz, als die beiden Kontrahenten den Platz betraten. Sofort nach Anwurf kommt Werdohl glänzend in Form und überrascht die Attendorner durch den Führungstreffer in der ersten Minute. Attendorn steckt diese Ueberrumpelung ein, ohne nervös zu werden. Nach längerem starken Drängen ist dann schließlich durch einen Freiwurf der Gleichstand wieder hergestellt. Der Anwurf steht dann Werdohl wieder etwas im Vorteil und ein ausgsezeichneter Rückhandwurf des Halbrechten stellt das 2:1 her. Attendorn bleibt weiterhin hartnäckig. Noch ebe der Schiedsrichter die Pause anpfeift, wird nochmals der Gleichstand durch Freiwarf hergestellt. Bis hierher hatten die Werdohler etwas mehr vom Spiel. Der Wiederbeginn zeigt dann Attendorn mehr in Front= doch der Sturm erweist sich zu engmaschig und vermag einige gute Torchancen nicht auszuwerten. In diesem Spielabschnitt tritt allmählich das Kampfmoment noch mehr zu Tage, da beide Mannschaften nicht zu Erfolgen kommen können. Die Zeit ist allmählich schon vorgerückt und der Kampf steht auf des Messers Schneide. Man rechnet schon mit einer Spielverlängerung, doch da naht das Verhängnis. Die 29. Minute, also kurz vor Schluß der reaulären Spielzeit. bringt die Entscheidung, der Werdohler Halbrechte versteht sich gut mit dem angegebenen Strafwurf durchzuspielen und stellt durch einen Rückhandwurf den Sieg sicher. Nur noch ein kurzer Anwurf und der Kampf wird abgepfiffen. Der heroische Kampf, der drei Entscheidungsspiele benötigte, ist beendet. Die Mannschaften treten zusammen und nehmen die Glückwünsche des Bezirkshandballsachbearbeiters entgegen. Außerdem beglückwünschte Attendorn seinen Widersacher. Werdohl beendete die Meisterschaft als Meister und Aktendorn als Zeiter mit dem Bewußtsein, sich tapfer geschlagen zu haben weiter der Zukunst entgegen zu Keuern. Sportfreunde Siegen. Hagener Staffel. Sportfr. Siegen— Sp. Vog. Hagen S:3 Im gestrigen Spiel zeigten die Siegener Sportfreunde mat wieder ein Spiel aus großen Tagen. Sie fanden sich gegen ihrer sonstigen Gewohnheit mit den schlechten Platzverhältnissen gut ab. Die Elf spielte wie aus einem Guß und wies keinen schwachen Punkt auf. Besonders zu erwähnen ist der Verteidiger Biehl, der sich zu einem Verteidiger großen Formats ausgebildet hat. Hagen hinterließ einen sehr guten Eindruck, die Mannschaft war auf allen Posten gut abgestimmt. konnte aber an Siegens künstlerische Kombination und raffinierte Spielweise nicht ganz heran. Die größere Durchschlagskraft im Sturm entschied eben das Spiel. Der Hagener Hüter. der allerdings an den ersten drei Toren nicht ganz schuldlos war, besserte sich im weiteren Spielverlauf und war seiner Mannschaft ebenfalls eine gute Stütze. Die Sportfreunde ließen ihren Gegner in den ersten 20 Minuten nicht allzu oft zu Wort kommen und vermochten in regelmäßigen Abständen das Ergebnis von 3:0 herzustellen. Als dann der Hagener Halbrechte nach einer schönen Einzelleistung ein Tor aufaeholt hat, wird der Kampf offener und auch der Siegener Torhüter bekommt reichlich Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Nach dem Seitenwechsel liegen die Sportfreunde sofort wieder im Angriff und stellen zunächst ein 6:1 her. bis die Hagener noch einmal durch einen glänzend plazierten Tiefwurf unhaltbar zum zweiten Ehrentor einsenden können. Bis zum Schluß kann dann Siegen bei offenem Spiel noch zweimal erfolgreich sein und mit 8:2 die Partie beenden. Die Hagener hinterließen einen ausgezeichneten Eindruck. ersten Entscheidungsspiele um die Bezirkshandballmeisterschaft. Da bis zum Februar die Bezirkshandballmeister des WSo. festgestellt sein müssen, beginnen schon am nächsten Sonntag die Endspiele der Gruppenmeister der Lenne=, Sieg= und Hogener Gruppe. Es wurden folgende Spiele bekannt: 4. Janner: Jahn Werdohl— Sp Sp. Riederschelden 11. Jaauar: Sportfreunde Giegen— Jahn Werdobl 18. Janner: Sp. Sp. Niederschelden— Sportfr. Siegen Abgeschlossene Wohnungen in reicher Auswahl vorrätig Buchhamdisung Carl Braus mit Badezimmer u. Klosett in der Etage u. sonstigem Zubehör im Neubau zu vermieten. Offerten unt. Nr. 4674 an die Geschst. d. Zeitg. Bahnhofstrasse 3 Der Kampf gegen ein Vorurteil Ein eigenartiger Widerspruch liegt darin, daß manche Leute zwar über die hohen Preise klagen, gleichzeitig aber ihre Einkäufe ganz gewaltig dadurch verteuern, daß sie nicht an ihrem Heimatorte, sondern in einer mehr oder minder entfernten Großstadt vornehmen, also ihren Geldbeutel mit nicht unerheblichen Reisespesen belasten. Man könnte sich über dieses wenig lokalpatriotische Verhalten mit dem Worte, daß der Prophet in seinem Vaterlande nichts gilt, hinwegtrösten, wenn es nicht eine sehr bedenkliche finanzwirtschaftliche Seite hätte. Das Gedeihen einer Stadt hängt zum größten Teil von ihren Kausleuten ab: deren Läden geben dem Straßenbild das charakteristische Gepräge, und— was das wichtigste ist— ihr Geld finanziert den Stadtsäckel. Das Finanzbarometer einer Stadt steigt und fällt mit dem Geschäftsgang seiner Kaufleute, und gehen deren Einnahmen zurück, so wird sich das bald durch eine empfindliche Ebbe in der Stadtkasse, der das Geld für die notwendigsten Ausgaben zu fehlen beginnt, bemerkbar machen. Große Marktstrasse 3 Danksagung Für die zahlreichen Beweise inniger Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Vaters danken wir hierdurch allen Beteiligten recht herzlich. Familie Wilhelm Eichmann nebst Geschwistern Schwerterheide, den 29. Dezember 1930. Smmmnn Zu Silvester empfehle ganz besonders: Eiserkuchen(Herstellung) Berliner Ballen" Fallungen. Krapfen etc., Knallbonbons! Bestellungen erbitte recht frühzeitig. Konditorei Köhle Postplatz. 65 KUNST UND LEBEN 19•31 nnotincnans ebebee zu haben bei C. Braus, I: Wur ensehr. 3 e gutes, starkes Pack-Papler sowie feines, . buntes Seiden-Papler V: CARL BRAUS 35 KAROTADT APLERBECK Za Umrester! ha. Beschleunigte Erledigung von Anträgen. Antrüge auf Uebernahme von Ehrenpatenschaften und anderen Auszeichnungen sind nach dem Erlaß des Reichsministers des Innern von 1929 slets besonders dringlich zu behandeln. ies ist aber in letzter Zeit nicht geschehen. Der Minister macht jetzt den beteiligten Behörden nochmals zur Pflicht, solche Anträge in jedem Falle unverzüglich und gleich am Tage des Eingangs zu bearbeiten. Die an den Ministerpräsidenten gerichteten Ersuchen sollen unmittelbar dem Minister des Innern von den Landräten, Polizeipräsidenten und Oberbürgermeistern vorgelegt werden. Uebernahme von Patenschaften des Reichspräsidenten gehen unmittelbar an sein Büro. Die Anträge müssen den Vor= und Zunamen des Elternpaares enthalten, ferner den Wohnort mit der genauen Postanschrift, den Beruf des Vaters, Leumund beider Eltern, ihre wirtschaftliche Lage, ihre Staatsangehörigkeit und Religion, die Vornamen, den Tag der Geburt und Taufe des Kindes, die Zahl der lebenden ehelichen Söhne und Töchter der Eltern. 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Auch für uns moderne Tempomenschen ist der Kalender noch etwas Unentbehrliches geblieben. Freilich uns fortgeschrittenen Menschen von heute genügt vollständig, zu wissen: Heute ist Montag oder Mittwoch, der sechste oder der achte. Um alles weitere, was sonst noch an Druckerschwärze an so einen Kalender verwendet wird, kümmern wir uns in der Regel recht wenig. Und auf den meisten Kalendern, die uns das neu beginnende Jahr als Reklame auf den Tisch wirft, steht ja auch nicht viel mehr, höchstens noch der Name des Heiligen, dem dieser Tag gehört. Aber draußen auf dem Lande, da fällt einem auch heute noch so manches Stück in die Hand, das etwas mehr zu sagen weiß, das schon in seinen Typen, in denen es gedruckt wird, noch den Geruch älterer Zeiten an sich trägt. Unser Kalender ist ja auch gar nicht so jung. Auch er hat seine Wurzel in alten Jahrtausenden. In seiner Form geht er auf den alten römischen zurück. Als ersten christlichen dürfen wir den nach dem römischen Kalligraphen Filokalus benannten aus dem 4. Jahrhundert betrachten, der noch ganz den heidnischen Charakter trägt, aber doch schon einige christliche Eigentümlichkeiten zeigt. Noch werden die heidnischen Spiele und Siegesfeste angeführt, aber die eigentlichen Opfer= und Tempelfeste kommen bereits im Wegfall. Freilich, christliche Festtage sind noch nicht aufgenomnen. Aber neben der römischen Einteilung des Jahres in Wochen zu 8 Tagen, welch letztere immer mit dem Buchstaben A bis H bezeichnet werden— unsere Durchnummerierung ist nicht in Uebung—, findet sich schon die christliche Einteilung in Wochen von 7 Tagen, angedeutet durch die Buchstaben A bis G. Im Jahre 321 u. Chr. hatte ja Kaiser Konstaitin die Feier des Sonntags und damit die christliche Wochenderechnung gesetzlich anerkannt. Erst ein zweiter uns erhaltener Kalender vom Jahre 498, nach seiner Anlage auch noch heidnisch=römisch, enthält zum ersten Male christliche Feste, die fünf Feste Christi und sechs Märtyrertage. Kirchliche Verzeichnisse freilich von Heiligentagen, nach den Daten geordnet, gab es schon, so in Karthago zur Zeit Tertullians und Cyprians; aber noch nicht in Kalenderform. Allmählich mehrten sich. auch in den Kalendern die Heiligentage. Zunächst wurden die einheimischen Heiligen eingetragen, dann kamen infolge des lebhaften Verkehrs der einzelnen Kirchen unter einander auch fremde in immer größerer Zahl, bis zuletzt kein Tag im Jahre übrig blieb, der nicht den Namen eines oder mehrerer Heiligen getragen hätte. Immerhin behielten die Kalender der einzelnen Diözesen und Länder bis weit in die Neuzeit herein ihr Lokalkolorit. So blieb die alte Verwirrung, die sich im ganzen Leben störend geltend machte. Erst seit der allgemeinen Einführung des Gregorianischen Kalenders auch seitens der lange widerstrebenden evangelischen Stände herrscht Einheitlichkeit. Da viele unserer im Volke verbreiteten Kalender in Form und Inhalt heute noch an Brauch und Einrichtung früherer Zeiten festhalten, ist es interessant, einmal einen Blick zurückzuwerfen in die Zeit, da bei uns die ersten gedruckten Kalender erschienen. Gehören sie doch zu den ältesten Erzeugnissen des Buchdrucks, sei es als Einblatt=Kalender oder als Almanache, und gerade Deutschland war das Land, in dem die Sitte, Kalenderblätter und Prognostika für das kommende Jahr herzustellen und sie als Neujahrsgruß in die Welt zu schicken, die weiteste Verbreitung gefunden hat. Die Kalender mit ihren„Praktiken" bildeten geradezu einen Teil der populären Literatur wie vielfach auch heute noch, und so tritt schon in früherer Zeit an Stelle des latainisch abgefaßten Kalenders der in deutscher Sprache. Der Gutenberg=Kalender von 1448 war deutsch- abgefaßt. Sieht man sich so diese Einblatt=Kalender durch, ven denen sich 1500 bis 2000 nachweisen lassen, so fällt schon in der Bezeichnung der Wochentage und Monatsnamen landschaftlich die größte Verschiedenheit auf. Namentlich der Dienstag erfreut sich da der verschiedenartigsten Benennungen. In schwäbischen Gebieten erscheint er als „Afftermontag", in Nürnberger, Bamberger, Münchener und Passauer Kalendern als„Eritag“, in Straßburg und Basel heißt er„Zinstag“; und der Donnerstag ist der„Pfinxtag“, dann wurden die Wochentage auch nicht fortlausend durchgezählt, sondern man benannte die Tage nach dem hauptsächlichsten Heiligen und rechnete von diesen vorwärts und rückwärts, was allgemeine Verwirrung zur Folze hatte. Man fühlte überall den Uebelstand, aber alle Versuche, eine allgemeine bindende Regelung zu finden, blieben in den Anfängen stecken. Nur der Gutenberg=Kalender vom 1448 bringt auffallender Weise die moderne Durchführung und ebenso ein latainischer Kalender, den Peter Wagner in Nürnberg druckte. Noch größer ist die Mannigfaltigkeit in der Bezeichnung der Monatsnamen, wo sich besonders für die zweite Hälfte des Jahres keine allgemeine Uebung hat durchsetzen können. Meist finden sich die alten deutschen Monatsnamen. Der Januar ist der„Jenner" oder„Genner“ in mittel= und niederrheinischen Kalendern auch„Hartmond“. Der Februar heißt„Hornung“ und der Kölner Cisianus von 1485, ein immerwährender Kalender, der sich auch sonst durch ganz eigentümliche Monatsnamen auszeichnet, nennt ihn „Dye Spurkel". Der Juni ist der„Brachmond“, der Juli der„Heumont". Der September führt in manchen Kalendern die Bezeichnung„der zweite August" oder„Augustin“' auch„Herbstmonat“ der„Sämond". Der Oktober ist der „Weinmond“, in einem Mainzer Kalender heißt der November der„Schlachtmond“, der Dezember der„Wintermond“,„Christmond“ oder wie in Nürnberg, Bamberg und Leipzig der„Wolfmond." Der Kölner Cisianus hat auch hier seine Besonderheiten: der September ist der „Cuemänt“, der Oktober„Sant Remys Mänt“, der November„Aller Hilligen Mänt“ und der Dezember der„Andryes=mänt“. Diese alten Kalender sind aber nicht nur in ihrer Anlage interessant, sondern haben auch künstlerischen und kulturellen Wert. Nach ihrer Ausstattung kann man geradezu verschiedene Schulen feststellen. Wie die Druckkunst überhaupt so hat auch der Kalender seine Heimat im Rheingebiet. Berühmte Offizinen gaben sich seiner künstlerischen Herstellung hin, in Mainz Peter Schöffer und Peter Friedberg, in Straßburg Johann Mentelin, Heinrich Eggstein, Johann Pruß und Johann Grüninger. Die Stadt, in der zuerst die Herstellung von Almanachen einen starken Aufschwung nahm, war Augsburg Den Anstoß gab hier der bekannte Günther Zainer, der seit 1470 regelmäßig seine Jahreskalender zusammen mit einem Neujahrswunsch herausgab, und zwar in vierfacher Auflage, einen lateinischen und einen deutschen, einen ingotischen und einen in romantischen Typen. Augsburg rivalisierte Ulm, wo Johann Zainer tätig war. Auch Nürnberg tritt verhältnisnäßig früh mit seinen Kalendern auf. Jeder von all diesen Meistern— und selbst kleine Städte hatten solche— sann immer wieder auf neue Moden in der Ausstattung. Mit künstlerischen Initialen, reichen Bordüren, kleinen und großen Holzschnitten schmückte man die Blätter. Da steht in einer Initiale das Christkind mit einem Spruchband in der Hand, darauf der Neujahrsgruß„Ein gut selig Jar“, oder es sitzt inmitten des Blattes auf schwellendem Polster. Auch weltliche Szenen wählte man als Schmuck. Da zeigt im Kalenderblatt von 1483 von Peter Drach in Speier ein Liebespaar um einen Springbrunnen gruppiert, und das vierverschlungene Spruchband enthält die guten Neujahrswünsche, die sich beide senden. In besonderen Rubriken erscheinen dann spezielle Bemerkungen über die Länge der Tage und die Monatsbeschäftigung, die vielfach in kleinen Holzschnitten bildlich dargestellt wird; selbstverständlich fehlen die Wetterregeln nicht. Gerade die astronomischen Bemerkungen sind ein wichtiger Bestandteil des Inhalts dieser Kalender. Freilich sind es nicht immer Männer der Wissenschaft, die sich hier in den Dienst der Kalenderindustrie stellen, wie z. B. ein Johann Regimontanus, sondern meist richtige Volkskalendermacher, die ihre Weisheit mit vielen Bildern schmücken. Fortschritte werden auch nicht erzielt, als die Kalendermacherei in die Hände der Stadtärzte geriet und neben Astronomie die Medizin tritt mit ihren Vorschriften über Purgieren, Aderlassen und dergleichen. Aber schon früh hatte diese astrologisch=medizinische Kalenderwissenschaft ihre Zweifler und Spötter gefunden. So gab Hans Folz in Nürnberg ein interessantes Kalenderblatt heraus, in dem er diese neue Richtung parodierte und ein Blatt von 1478 manht,„es solle ein Vernünftiger nicht seinem Kalender an sich herumdoktern, sondern sich einem gewissenhaften Arzte anvertrauen.“ So geben diese Kalenderblätter auch Einblick in die geistige Einstellung ihrer Zeit. Aber durch all solche Mahnungen war das Volk wenig zu belehren. Es hing mit Liebe an seinem Kalender, der ihm mit seinen Wetterregeln und Gesundheitsvorschriften der Inhalt aller Wissenschaft war, und so blieb es vielfach bis heut Nr. 303 Gweites Blathz Was kosten die Kriegsflotten der Welt? Vallance, Sekretär beim britischen Schiffahrtsamt. „Schwetikr Voll Von G. A. Der im letzten Jahrzehnt auf dem Wege zu einer Beschränlung und Verminderung der Rüstungen gemachte Fortschritt war so überaus langsam, daß selbst die geringfügigste Förderung der Angelegenheit mit etwas übertriebener Begeisterung als ein bemerkenswerter Erfolg begrüßt wurde. So sah man selbst die alles andere als zufriedenstellendn Früchte der Londoner Flottenkonferenz im vergangenen Frühjahr als eine bedeutende Leistung in der Frage der Einschränkung der Rüstungskosten an; und obgieich die französischeitalienischen Verhandlungen, die der Konferenz folge und i. Werk krönen sollten in eine Sackgasse geführt haben, so besteht doch die tatsächliche Gefahr, daß die Oeffentlichkeit unvermerkt zu der Ansicht gelangt daß, wie immer auch von Rüstungskosten gesagt werden mag, die Frage der Flottenabrüstung heute nicht mehr gerade drängend ist. In Wirklichkeit verhält es sich damit ganz unders. Von den im letzten April in London getroffenen Vereinbarungen wurde allein der Feiertag im Bau von Großkampsschiffen von allen fünf Mächten angenommen; und wenn auch das Drei=Mächte=Abkommen zwischen Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Japan die Verschrottung von neun mehr oder weniger veralteten Linienschiffen bis 1936 vorsieht, so kann dies doch nur als eine bedauerlich geringfügige Verminderung der Flottenstärken angesehen werden. Denn am Ende dieses Feiertages“, mithin in sechs Jahren, dürften die drei Mächte immer noch 39 dieser unerhört kostspieligen Einheiten besitzen, deren Wert zudem noch recht zweifelhaft ist. Dazu wird— ganz abgesehen von möglichen italienischen und französischen Neubauten— der Grobritannien, den Vereinigsen Staaten und Japan zugestandene Bau von Kreuzern in den nächsten sechs Jahren die Gesamttonnage erheblich über den gegenwärthen Stand bringen, wofern die drei Staaten die ihnen erlaubten Möglichkeiten voll ausnutzen. Und das geradezu mouströse Abkommen, das den Londoner Vertrag entstellt und den Bau von Ueber=I Booten gestattet, die tödlicher und kostspieliger sein werden als alle bisher gebauten, wirkt nicht gerade ermutigend auf den Steuerzahler, auf dessen Schultern die Last der Flottenrüstungen ruht. Wie groß diese Last ist, zeigen schon ein paar Zahlen. Die Flottenausgaben der fünf Seemächte im Haushaltsjahr 1929=30— dem letzten, für das vollständige vergleichbare Angaben vorliegen— betrugen für die Vereinigten Staaten 1500, Großbritannien 1120, Frankreich 420, Japan 300 und Italien 260 Millionen Mark, insgesamt also 3,6 Milliarden. Dazu füge man die Flottenausgaben Deutschlands(etwa 180 Millionen Mark jährlich), der britischen Dominien, Rußlands und der südamerikanischen Republiken, und man wird finden, daß die gesamten jährlichen Ausgaben der Welt für Kriegsschiffe sich annähernd auf 4,1 Mllliarde Mark belausen— und das zu einer Zeit, wo Großkampfschiffe überhaupt nicht gebaut werden! Eine derartige Zahl muß den Steuerzahler in Empörung versetzen und ihm zu denken geben. So bereitwillig er eine Prämie für eine die nationale Sicherheit gewährleistende Politik zahlen mag— muß man wirklich diese enorm teuren Flotten schwimmen haben, nur auf die entfernte Möglichkeit hin, daß ein neuer Weltkrieg ihnen die Gelegenheit zur gegenseitigen Bekämpfung verschafft? Es ist richtig, daß im Verhältnis zu den Gesamtrüstungskosten der Welt die Ausgaben für die Kriegsflotten verhältnismäßig bescheiden sind. Heute gibt die Rückblick auf den Dezember Zeichnungen von Ebs. Welt jährlich 17,5 Milliarden Mark für ihre „Verteidigung“ aus, sodaß der auf die Marine entfallene Anteil nur 25 Prozent der Gesamtsumme ausmacht. Diese Rechnungsweise übersieht jedoch die Tatsache daß die meisten Staaten keine Kriegsflotte besitzen, alle aber Geid für Landrüstungen ausgeben. Die Völker, welche die Last der Seestreitkräfte tragen, wenden hierfür einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens auf. So kommt beispielsweise in Großbritannien der jährliche Aufwand für die Flotte dem vollen Ertrag der Zuschlagssteuer oder dem hälben Eingang an Zöllen gleich. Er beläuft sich auf nahezu 14 Prozent unserer Ausgaben, nach Abzug der Aufwendungen für die Staatsschuld. Und selbst wenn man den Zinsen= und gungsdienst für diese einbezieht, macht er immer noch sieben Prozent der Haushaltungsausgaben „Im Westen Im Westen gibt's nichts Neues mehr— Teils freut man sich, teils schimpft man sehr, ko Der Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyricht by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Auf der Startbahn des Flugplatzes stand der slinke Polizei=Ganzmetall=Eindecker schon bereit, als das Auto anrollte, dem Kommissar Vogel und Journalist Schöttler entstiegen. Ein Blick nach dem Himmel. „Wir werden einen guten Flug haben“, sagte Vogel. Der Pilot kam hinter der gewölbten Tragfläche hervor, lüftete seine Mütze. „Alles fertig!“ meldete er. chöttler machte sich an ihn heran, raunte iim zu:„Geben Sie Gas, was die Drossellappe hergibt. Wir haben es sehr eilig bis Wien.“ Vogel ging auf die Kabine zu. In diesem Augenblick fuhr draußen vor dem Flughof ein Kabriolett vor. Eine junge Dame eilte quer durch das Gelände, trat an die Absperrung heran, suchte mit den Augen. Jetzt rief sie:„Herr Schöttler!“ Der Journalist wändte sich um. Er erunte die Ruserin sofort. Ein kurzes„Moment bitt.!“ für den Piloten, dann eilte er hin zu ihr. „Fräulein Eva!“, Helle Freude bebte in seiner Stimme. „Jutta lißzt Ihnen viel Glück wünschen", sagte sie. Und in der blauen Iris ihrer Augen war ein Reucten, das mehr verriet, als nur diese Aufmerisamkeit. „Dank!„Heißen Dank!“ Für Sekunden lagen ihre Hände ineinander. Und keines wage ein Wort. Sie wußten: Diese kurze Trenzung wa; eine Atempause. Jenes große, nammisse Glück, das sie beide ersehnten. Nach einmal glitt Schöttlers Blick über das liebe Gesicht Evas, nahm jeden Zug jede Linie in die Erinnerung auf, dann riß er sich los. □ 8 N% Marianne fragt sich sorgenvoll Wer wohl bei ihr regieren soll. □ □ 1 dies Schon schweigt der Rebellenchor Sowas kommt mir spanisch vor, „Auf baldiges Wiedersehen, liebste Eva!“ „Glück ab, Horst!“ Der Motor sprang an, brüllte los. Der Propeller war eine flirrende Scheibe. Die Maschine rollte ab, hob sich nach kurzem Start in die Lüfte. Eva stand da und sah zu. Am Kabinenfenster war der Kopf des Geliebten sichtbar. Er schien zu lächeln.. *** Die Wiener Kriminalpolizei war dem deutschen Kollegen in jeder Beziehung behilflich. Schöttler spielte nach Lage der Sache eine gewichtige Rolle und war stets dabei. Er bildete den treibenden Keil erwies sich als umsichtiger, unermüdlicher Helfer. Und stets hatte er eine der bevorzugten deutschen Zigarren zur Hand. Die halfen beschleunigend mit am gemeinsamen Werk. Zuerst wurde festgestellt, daß der Maharadscha von Sindia noch in Wien weilte. Er bewohnte eine Zimmerflucht im Esplannade=Hotel und war Schauobjekt und Reklameperson für sämtliche erstklassigen Kaffeehäuser der Metropole. Der Exot gab viel Geld aus und wurde dementsprechend mit aller erdenklichen Hochachtung behandelt. „Gott sei Dank, daß der Fürst noch hier ist! Wir werden nun bald am Ziel sein; denn wo der Maharadscha von Sindia auftaucht, ist Gregor Parta nicht weit", lachte Schöttler. Kommissar Vogel setzte dem Abteilungsvorsteher die Sachlage auseinander. Der Beamte fuhr sich mit der Rechten durch das dünne Haar, das wie ein Jungfernkranz die Glatze umstand und meinte tiessinnig.„daß dies eine Malefizgeschichte sei.“ Man trat begreiflicherweise dem indischen Nabob nicht gern zunghe noch zumal in dieser ehrenrührigen Diebesangelegenheit! Das Ergebnis war vorauszusehen: Der Fürst würde schleunigst den Staub dieser ungastlichen Stadt von seinen Füßen beziehungsweise von den Pneus seiner Limoufine schütteln! Aber letzten Endes konnte sich der Oesterreicher den Einwendungen seines deutschen Kollegen nicht verschließen. Es mußte schon etwas Kein Jahr schien uns noch wie Gänzlich oberfaul und mies, Was das Neue auch verspricht Etwas gutes glaubt man nicht, Und schon hört man rings Gezeter: „Ja die Skropheln kommen später!“ Einmal muß der Silberstreifen Doch am Horizonte reifen, Statt in Mitzmut zu versinken, Laßt uns darauf Einen trinken! Montag, 29. Dezember 1930 aus. Aehnlich betragen in den Staatshaushalten der Vereinigten Staaten und Japans die Aufwendungen für die Marine neun vom Hunder der Gesamtausgaben, in Frankreich und Italien sechs vom Hundert. Diese Prozentsätze sind genügend hoch, um die gebieterische Notwendigkeit aller nur erdenklichen Sparsamkeitsmaßnahmen in dieser Richtung nahe zu legen. In der Tat, sehen wir, daß die Welt wöchentlich 80 Millionen Mark für ihre Seestreitkräfte ausgibt, so ergibt sich daraus die leider unwiderlegliche Lehre: Das in London vereinbarte lauwarme Rüstungsbeschränkungsabkommen reicht nicht aus. Es ist ein schwacher Trost für die britischen Steuerzahler, der jährlich mehr als eine Milliarde für die Flotte aufbringt, wenn er hört, daß er ohne die Verlängerung des„Feiertags“ im Schlachtschiffbau in den kommenden sechs Jahren eine weitere Milliarde für jetzt nicht vorgenommene Ersatzbauten hätte aufbringen müssen. Sparmaßnahmen bei den Kosten für die Kriegsflotten lassen sich bei einigem guten Willen und gesundem Menschenverstand viel leichter durchführen, als es bei den Landrüstungen der Fall ist. Man kann verhältnismäßig schnell ein Heer aus der Erde stampfen, mit Leichtigkeit Geschütze und Gewehre verbergen, auch die Kopfstärke geschickt verschleiern. Zu Lande lassen sich Abkommen über Rüstungsbeschränkungen nur durchführen, wenn die Völker vollkommen davon überzeugt sind, daß sie unter keinen Umständen angegriffen werden. Aber eine Flotte läßt sich nicht verstecken noch in wenigen Monaten bauen, wenn sie einem plötzlich in einen Streit verwickelten Volke als Waffe dienen soll. Und der Drohung einer Landung mittels bewaffneter Handelsschiffe läßt sich durch einige kleine moderne U-Boote völlig ausreichend begegnen. Könnten die Staatsmänner der führenden fünf Seemächte nur die unglückliche Vorstellung von„strategschen Bedürfnssen“(die wiederholt feierlich abgeleugnet, aber nichtsdestoweniger noch verhanden ist) aus ihren Köpfen verbannen, könnten sie sich von dem Gedanken befreien, sie müßten eines Tages auf einen anderen See losgehen, und könnten sie sich endlich auf einen unbeschränkten Feiertag für alle Schiffsbauten über 2000 Tonnen einigen, so würde kein Volk deswegen weniger sicher, alle Staaten aber würden reicher und glücklicher sein. Aufruf an die reichsdeutsche Jugend Der Verein für das Deutschtum im Ausland erläßt zur Jahreswende den nachstehenden Aufruf. Nur die tatkräftige Fortsetzung des volksdeutschen Hilfswerkes der reichsdeutschen Schule für die auslanddeutsche Schule kann deutsche Jugend draußen vor dem nationalen Untergang retten. 10 Jahre eines neuen Europa liegen hinter uns. In diesen 10 Jahren hat man daran gearbeitet, die Verwüstungen des Weltkrieges zu beseitigen, eine neue Ordnung im Zusammenleben der Völker zu finden. Die Erörterungen geschehen, wenn es in Deutschland nicht heißen sollte: Wien schläft. Wir werden die heitle Angelegenheit mit Hilfe unserer Gesandschaft regeln", entschied Vogel. Das wurde allerseits als glückliche Lösung gepriesen. So brauchte man sich die Finger nicht selbst zu verbrennen. Vorerst jedoch galt es Wichtigeres: Die Festnahme Partas. Und hier bewiesen die Wiener Kriminalisten, daß sie zu packen konnten. Innerhalb weniger Nachmittagsstunden war der Gesuchte entdeckt. „** Im„Café Wien' herrschte um die sechste Stunde reges Leben. Einheimisches und internationales Publikum gab sich hier ein Stelldichein. Eleganz und solche, die es sein wollte, traf sich hier aus aller Herren Länder. An den kleinen Tischen wurde bei den verschiedenen Kaffeearten geplaudert, geklascht, wurden reguläre und noch mehr zweifelhafte Geschäfte abgeschlossen. Balkantypen gestikulierten, versuchten ihren Partner durch Redensarten hinters Licht zu führen. Man kannte geheime Grenzübergänge. Bei solchen Abschlüssen gab es immer etwas zu verdienen. Risiko! Ja. Aber je höher der Einsatz, um so erträglicher das Geschäft. Gut gedeckt durch die erhöhte Balustrade, saßen zwei Herren beim Tee. Sie schienen eine Ausnahme von den übrigen zu machen. Sehr steif, sehr formell saßen sie da. Das geführte Gespräch plätscherte leicht und mit Pausen dahin. Eben intonierte die obligate Zigeunerkapelle — auch schon gut mit Saxaphonen besetzt— einen sentimentalen Riggersong, da begann der Schwarzhaarige:„Sagen Sie mal, Mister Westinghouse, wann gedenkt Seine Hoheit endlich abzureifen?“ Der weißblonde Brite zuckte nur mit den Schultern, expedierte mit unnachahmlicher Geschicklichkeit die Shagyseise mit der Zunge aus dem rechten in den link=n Mundwinkel. „Der Fürst hat an diesem Wien einen Narren gefressen“, ereiferte sich der Schwarze. Mister Westinghouse nahm die Pseise aus dem Munde und gähnte. Dann sagte er in seiner phlegmatischen Art: „Ich verstehe Sie nicht, Mister Parta! Wir sind doch hier gut aufgehoben— nicht wahr?“ Gregor Parta sah zur Seite. Dieser Engländer war ein Kleber. Eigentlich ganz ungeeignet für seine Mission als Manager des Maharadschas von Sindia. Das wäre ein Posten für ihn gewesen! Donnerwetter, er hätte ein Programm aufgestellt, das selbst dem verwöhntesten Exoten auf die Nerven gehen mußte! Und da kam ihm eine verflixt gescheihte Idee: Heute noch wollte er mit Seiner Hoheit über diesen Punkt sprechen. Vielleicht war dieser langweile Brite aus dem Sattel zu heben. Seit der Ringgeschichte war Gregor Parta der persönliche Freund des Fürsten, der sich so leicht nicht die glänzenden Chancen dieser Verbindung entgehen ließ. Mister Westinghouse wandte den kantigen e. „Sagen Sie: Wie war vas mut dem ming?“ Parta erbleichte. Wußte dieses Bleichgesicht auch schon Bescheid? „Das ist eine alte Geschichte", wehrte er ub. „Oh, no— finde ich nicht!“ beharrte Mister Westinghouse.„ 868 „Doch! Und überdies ist der Ring vus Eigentum Seiner Hoheit, das nur entliehen woar.! Die beiden merkten nicht, daß etwas tiefer, dicht an der Balustrade, zwei Herren saßen, die scheinbar interessiert das umfangreiche Feuilleton des Neuen Wiener Journals studierten. Wirklichkeit lauschten sie angestrengt der Unterhaltung oben und verwünschten die vorlaute Musik. Einmal nickten sie sich verständnisinnig zu. Als der Zahlkellner vorüberging, waren ihre Nasen schon wieder auf der Druckerschwärze. Oben wurden Stühle gerückt. Münzen klimperten. Da erhoben sich die Lauscher und gingen die drei Stufen binauf. Unter dem Ausgang holten sie Parta und Westinghouse ein. Ehe sie sich versahen, knackten die Schlösser der Handschellen. Fortsetzung folgt. Unter dem Weihnachtsbaum des Bundes der Kinderreichen in Schwerte und Vorverhandlungen über diese neue Ordnung der Friedensverträge standen unter dem Gedanken„Selbstbestimmungsrecht" für alle Völker, Freiheit der Sprache und Kultur für jeden Menschen und jede Volksgruppe. Für unser deutsches Volk sind die Hoffnungen noch nicht annähernd verwirklicht. In 21 Staaten Europas lebt es, zerrissen und zerstückelt, in staatlichen und kulturellen Ordnungen, die es nicht frei gewählt hat. Du, deutsche Jugend im Reich, bist ein Teil des deutschen Gesamtvolkes. Du siehst Millionen Deiner Kameraden, Deiner Alters= u. Volksgenossen, in der weiten Welt leben, in fremder Umgebung, unter fremden Fahnen, als Staatsbürger fremder Staaten, aber auch als Volksbürger unseres weltweiten deutschen Volkes. Deine auslandsdeutschen Kameraden wollen und müssen nun ebenso wie Du deutsche Bildung, Erziehung in der deutschen Muttersprache, Anteil an unserem deutschen Kulturleben erhalten und behalten, wenn sie sich als Teile unseres Gesamtvolkes empfinden, als unsere Brüder und Schwestern an unserem gemeinsamen Schicksal mitwirken sollen. Dazu reichen die heutigen deutschen Kultureinrichtungen im Auslande nicht aus. Eure Kameraden können oft kaum noch das notwendigste Deutsch lesen und schreiben lernen! Künstlich erschwerte Prüfungsvorschriften, Beseitigung der Goldafternester Schwerte(Ruhr), den 29. Dezember 1930. Seit mehreren Jahren werden nun schon die Waldungen und sonstigen Grünflächen unseres Gebietes von den gefräßigen Raupen des Goldafters heimgesucht. In den letzten Jahren hat diese Kalamität einen solchen Umfang angenommen, daß großen Baumbeständen die Gefahr gänzlicher Vernichtung droht. Wenn auch neuerdings die Raupenplage zurückgeht, so muß alles doch noch weiterhin unternommen werden, um eine weitere Vermehrung dieses Massenschädlings zu unterbinden. Leider ist das Abschneiden und Abbrennen der Winternester das einzige und sicherste Mittel, der Plage in etwa Herr zu werden. Es muß deshalb als selbstverständlich angesehen werden, daß Garten= und Waldbesitzer sich in den Wintermonaten ohne weiteres an die Arbeit machen, die Nester zu entfernen und dieselben dann durch Verbrennen unschädlich zu machen. Bei hohen Bäumen leistet dabei die an einer langen Stange sich befindliche Raupenschere gute Dienste. Wenn man bedenkt, daß in jedem Gespinst(Winternest) des Goldafters hunderte winziger Räupchen auf den Frühling warten, um dann über das junge Laub herzufallen, wird wohl kein Obstbaum= und Waldbesitzer es unversucht lassen, diese gegen Frost und Nässe unempfindlichen Raupennester zu entfernen, ehe es zu spät ist. Er leistet dadurch nicht nur der Allgemeinheit, sondern auch sich selbst den größten Dienst. : Es wird wieder kälter! Die Wetterdienststelle Essen meldet: Der Kern des starken Tiefs liegt heute morgen nördlich von Großbritannien, ein Ausläufer hat die letzte Nacht unser Gebiet überschritten. Ueber dem Osten ist der Luftdruck angestiegen, sodaß ein umsangreiches Hoch den Osten und Nordosten einnimmt. In Deutschland war das Wetter heute morgen meist ganz bedeckt. Die Regenzone reichte von Berlin über Sachsen nach Bayern und zur Schweiz. Die Temperaturen lagen östlich der Oder unter 0 Grad bis zu—15 Grad in Königsberg, im Westen und Süden aber bis zu 7 Grad darüber. Der Kahle Asten meldete mäßigen Südwestwind, Nebel und 2 Grad Wärme. Wetteraussichten für Montag: Nach Aufheiterung etwas kühlere Nacht, wieder trübe und Regenfälle, ziemlich mild. Wetteraussichten für Dienstag: Bewölkt, zeitweise auch heiter, keine wesentlichen Regenfälle, kälter. Bravo Schwerte. Die Stadt Dortmund gibt jetzt das Ergebnis ihrer Weihnachtssammlung für Bedürftige heraus. Nach dem Bericht des Presseamtes dürfte die Gesamtsumme von 40000 Mark kaum noch überschritten werden. Die Schwerter Bevölkerung hatte bis zum 27. Dezember 8316 Mark für ihre Weihnachtssammlung gegeben. Bei der Betrachtung der Einwohnerziffern Schwertes mit rund 18 500 und Dortmunds= mit rund 530 000 ist jedes Komentar überflüssig. : Klempt=Vokal=Terzett. Wir möchten nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß das Klempt=Vokal=Terzett — neben Schmidt=Carlén(Bariton) und Marstaller(Harse)— im heutigen Abendkonzert des Westdeutschen Rundfunks(Leitung Wolf) mitwirkt. Das Klempt=Vokal=Terzett bringt„Sehnsucht" von Fuchs, mit Violine, Viola und Klavierbegleitung, Brahms:„Es tönt ein voller Ha=senklang",„Der Gärtner“ mit Harfe und 2 Hörnern, und auf besonderen Wunsch die Wiederholung zweier„Internationaler Volkslieder“ zu Gehör. Sperrung vieler Berufe, Ausschluß von Bildungsmöglichkeiten zeigen die Gefahren für sie: Heruntersinken von der Höhe deutscher Bildung, zurückbleiben im Kampf ums Dasein aus Mangel an geistiger Schulung, Verlust der starken, innigen Verbundenheit mit den Gütern unseres Volkstums, Rückgang des deutschen Kulturbewußtseins! Deutsche Jugend im Mutterland! Vergiß sie nicht, die das Schicksal der Vergangenheit oder Gegenwart in die weite Welt geführt hat! Hilf dazu, sie beim Deutschtum zu erhalten als unsere besten Freunde draußen in der Welt! Schließe Dich zusammen in den Gruppen des V. D. A., der eine planmäßige, tatkräftige Betreuung der auslanddeutschen Kultureinrichtungen seit vielen Jahren durchführt! Diene damit dem Gesamtvolke jenseits des parteipolitischen Kampsplatzes auf dem großen Felde der Kulturarbeit! Nur bewußte Beschränkung auf diese Sonderaufgabe kann hierbei größtmögliche Erfolge bringen! Hinein in die Gruppen des V. D. A.! Stärkt die Schutzfront des Weltdeutschtums! Lest und verbreitet die V. D. A.=Zeitschriften, besonders Rolandblätter u. den Jung=Roland, die geistigen Waffen in diesem Kampf! Deutsche Jugend im Reich— auf zum Kampf für die deutsche Jugend aller Länder! Ausbildung von Gewerbelehrerinnen. Der Preußische Minister für Handel und Gewerbe schreibt: Ich habe beschlossen, die Ausbildung von Gewerbelehrerinnen für gewerbliche Fachschulen vom 1. April 1931 ab nur an einer Stelle weiterzuführen, und zwar am Berufspädagogischen Institut in Berlin in Verbindung mit der Staatlichen Handels= und Gewerbeschule in Potsdam. Die wissenschaftliche Ausbildung erfolgt in Berlin, die technisch=künstlerische sowie die fachlichmethodische Ausbildung in Potsdam. Voraussichtlich werden zum 1. April 1931 etwa 30 Studierende ausgenommen werden können. Neuc Tariferhöhungen im Personenverkehr der Reichsbahn. Die Ständige Tariskommission der Deutschen Eisenbahnverwaltungen beschloß folgende Tarifänderungen, die bindende Kraft erhalten, falls von maßgebenden Stellen kein Widerspruch erhoben wird. So sollen auch die zur Benutzung eines längeren als des tarifmäßigen Weges ausgegebenen Umwegekarten, die zu Feriensonderzugkarten und anderen zu mehreren Fahrten gültigen Fahrausweisen(ausgenommen Zeitkarten) ausgegeben sind, ebensolange gelten wie der Fahrausweis. Ferner soll ein Teil der bisher nur für die dritte Wagenklasse gewährten Fahrpreisermäßigungen auch für die zweite Wagenklasse gewährt werden. Diese Erweiterung umfaßt die Fahrpreisermäßigungen für Ferienkolonien, für Jugendpflege, für mittellose Kranke u. a. mehr. Bei der Fahrpreisermäßigung für Jugendpflege soll künftig auch die Benutzung von Schnellzügen gegen Bezahlung des vollen Zuschlages gestattet werden, wenn der Fahrausweis auf mindestens 150 Kilometer lautet. Die Schnellzugbenutzung ist jedoch vom zweiten Tage vor bis zum zweiten Tage nach den beiden Oster=, Pfingst= und Weihnachtsfeiertagen ausgeschlossen. Bei Benutzung von Schnellzügen wird eine Anmeldefrist von drei Tagen vorgesehen. ha. Zu schwere Warenproben nach dem Ausland. In fremden Ländern gehen mitunter aus Deutschland Warenproben ein, die das zuständige Höchstgewicht von 500 Gramm überschreiten. Wenn das Gewicht nicht stimmt, sind die Sendungen= dem Absender zurückzugeben. ha. Ein Merkblatt für die Schreibmaschine. Die Instandhaltung der Schreibmaschine betitelt sich ein Merkblatt des Reichskuratoriums für Wirtschaftlichkeit, das jetzt in 5. Auflage verbessert erschienen ist. Das Blatt enthält 19 kurze Regeln, deren Einprägung für jeden, der mit der Schreibmaschine zu tun hat, wichtig und wertvoll ist. Die Befolgung der Richtlinien erspart Zeit und Geld, da die empfindlichen Teile geschont und die Lebensdauer der Maschine verlängert wird. Die Arbeit selbst gestaltet sich leichter und wirtschaftlicher. Das Merkblatt ist vom Beuth=Verlag in Berlin S. 14 zu beziehen. Es besagt u. a., daß der Standort der Maschine trocken und nicht zu warm sein soll. Ein Platzwechsel ist zu vermeiden. Die Aufstellung muß stets wagerecht sein. Weitere Sätze geben Auskunft über das Ein= und Ausspannen des Papiers, den Anschlag, das Radieren, das Farbband, die Walzenbehandlung, die Zeilenschaltung, das Reinigen usw. ha. Einheitliche Kündigung der Anstellungsverträge. Die erforderlichen Kündigungen der Anstellungsverträge für die Kürzung der Angestelltenbezüge sollen einheitlich durchgeführt werden. Der Justizminister hat hierzu folgendes bestimmt. Bei jedem Angestellten ist sorgfältig zu prüfen, ob die sofortige Kündigung des Dienstes geboten ist, oder ob davon nach einer Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 abgesehen werden kann. Ein einheitlicher Wortlaut des Kündigungsschreibens ist In dicht gedrängten Reihen warteten um Sonntag Buben und Mädels im katholischen Vereinshaus auf das Erscheinen des Christkindes, das erscheinen zu lassen sich die hiesige Ortsgruppe des Bundes der Kinderreichen verpflichtet hatte. Aber auch die Erwachsenen in dem überfüllten Saale waren gespannt auf das Abwickeln des Weihnachtsfeierprogramms, das in seinem Reichtum manches Schöne versprach. Aber das Versprochene wurde voll und ganz gehalten. Als das erste gemeinsanie Weihnachtslied verklungen war und sich der Vorhang öffnete, war Groß und Klein voll Andacht bei dem Weihnachtsspiel, das in vier Bildern„Der Engelein Weihnachtsreise" zur Erde zeigte. Wie wurden Engelein, Knecht Rupprecht und seine Gehilfen, die gar Purzelbaum schlugen, bestaunt. Wie freute man sich über das brave Urselchen und die lieben Försterleute und wie beklaschte man Engelreigen und Schneeflockentanz. Jedes Kind nahm mit erwartungsvoller Miene seine Geschenke in Empfang und bald war ein Leben und Knacken, ein Zeigen und Jubeln hörbar wie selten. Und sind auch all die schönen Sachen für viele Leckermäulchen zu schnell verzehrt oder vergänglich, das schöne Spiel, der lichtumglänzte Baum und die vielen frohen Weihnachtslieder werden immer ein dankbares Gedenken bei Jung und Alt finden. Einleitend zu der allgemeinen Feier sprach Fräulein Buschhaus einen dem Tage und der Vereinstätigkeit angepaßten Prolog. Sodann richtete der Vorsitzende Herr Kemmerling herzliche Willkommensgrüße an die zahlreich Erschienenen und begrüßte besonders die Psarrer beider Konfessionen, die Herren Schnurbus und Hagemann, ferner Herrn Küster und die Vertreter der Presse. In längeren Ausführungen beschäftigte Herr Kemmerling sich dann eingehend mit dem Weihnachtsfest, das er als das poesieumwobendste der Erde bezeichnete. Besonders, die deutsche Weihnacht sei derart liebevoll und traut, daß auch alle die Deutschen in fremden Ländern sich zu der Weihnachtszeit gerne nach der Heimat zurücksehnten. Weihnachten werde als Familienfest von allen Deutschen festlich begangen. Und weil auch der Bund sich mit seinen Mitgliedern als eine Familie fühle, feiere man in allen Orten und Gauen die gemeinsame Weihnacht mit den Bundesbrüdern und=Schwestern. Zwar ginge es zur Zeit im Deutschen Vaterland auf und ab. Die Frage, wer Sieger bleibe und ob wir eine bessere Zeit erlebten, sei dringender denn je. Die Not sei allgemein, doch am größten bei den untersten Schichten und Kinderreichen. Nicht aber sei verkennen, daß auch noch die Kraft im Deutschen Volke sei, um auch die schwersten Krisen zu meistern. Deutschland als der Mittelpunkt der Welt und das Herz Europas werde bestehen bleiben und nicht untergehen, solange das Volk sich selbst nicht aufgäbe. Mit vereinten Kräften wolle man für bessere Zeiten sorgen. Was der Bund leisten könne, schaffe er, wie er Arbeit und Brot und keine Almosen sordere. Das deutsche Weihnachtsfest sei aber auch die Zeit, da die Mildtätigen ihren Mitmenschen helfen könnten. Deshalb auch an dieser Stelle der herzlichste Dank an alle Schwerter Bürger ausgerichtet, die mitgeholfen das Fest der Kinderreichen zu verschönern. Als Gegenleistung fordere er alle Mitglieder auf, auch ihre Käuse in der Stadt zu besorgen, am Platz zu kaufen. Dann werde auch die Mildtätigkeit, deren man so oft bedürfe, zum Segen der Ortsgruppe bestehen bleiben. Und wenn diese Liebe unter den Mitmenschen im ganzen Deutschen Vaterlande Platz erhalten habe anstatt des Hasses, werde es besser aussehen im Vaterlande. In diesem Sinne bestrebten sich vor allem die Kinderreichen zu wirken. Mit dem Wunsch auf das Erleben einiger genußreicher Stunden schloß der Vorsitzende seine Ausführungen. Erwähnt sei noch, daß die Aufführungen des Vereins von Kindern der Mitglieder getragen wurden. Die Spielleitung lang in Händen von Fräulein Kemmerling und Herrn Rappert mit Hilfe eines Festausschusses. Die Ausschmückung der Bühne hatte Herr J. Küster jun. übernommen. Die Beleuchtung lieferte Herr Selsen. vorgesehen. Der Zustimmung der Betriebsvertretung bedarf es bei Kündigungen von Betriebsratsmitgliedern und Obmännern nicht. ha. Aenderungen der Postkurse. In Postanweisungen kostet jetzt 1 Dollar 4,22 und bringt 4,18 K, 1 Pfund 20,5 und 20,3, 1 Goldpeso 3,55 und 3,10. 100 Franken nach Frankreich kosten 16,6 M, Luxemburg 11,78, Schweiz 81,8, Drachmen 5,48, Lire 22,10, Peseten 47, Belga 58,9, Kronen nach Schweden 132,2 Dänemark und Norwegen 1128, Island 92,6, Estland 112,3, Tschechoslawakei 12,5, Gulden nach Danzig 82, Holland 170, Mank nach Finnland 10,65, Yen 210, Dinar 7,50, Lats 81,2, Litas 42,2, Schilling 59,4, Pengö 73,7. 100 M kosten in Frankreich 611 Franken, Luxemburg 860, Schweiz 123,1, 225 Peseten, 173 Belga, 89 schwedische Kronen, 89,25 dänische, 89,35 norwegische, 91 estnische, 109 isländische, 815 tschechische, 123,25 Danziger Gulden, 59,5 holländische, 950 finnische Mark, 48,426 Den, 125 Lats, 239 Litas, 170 Schilling, 137 Pengö. ha. Zeitungen nach der Vatikanstadt. Der Zeitungsverkehr zwischen Deutschland und dem Gebiet der Vatikanstadt wird vom 1. Januar an nicht mehr durch die italienische Postverwaltung vermittelt, sondern unmittelbar zwischen den maßgebenden Postanstalten beider Länder. In Deutschland sind dafür das Postamt München 4 für Bayern, Württemberg und Baden bestellt und das Postzeitungsamt für das übrige Deutschland, im Gebiet der Vatikanstadt le Bureau des Postes de l'Etat de la Cite du Vativan. Die Zeitungen nach der Vatikanstadt sind unter Band mit der persönlichen Anschrift der Empfänger und dem Vermerk Abonnements postes zu versenden. Die Bezugsbedingungen sind beim Postzeitungsamt zu erfragen. Die Anmeldungen werden aber vorläufig unter Vorbehalt angenommen, da die Durchgangskosten noch nicht feststehen. Der Gegenwert der übrigen fremden Gebühren bleibt derselbe wie für Verlagsstücke nach Italien. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen ! Westhofen. Die Gemeindefeier im Gemeindehause wies einen recht guten Besuch auf. In dem großen Saale war kein Platz mehr frei. Nach einer Ansprache des Pfarrers Klinker, in der auf die große Bedeutung des Weihnachtsfestes hingewiesen wurde, folgte ein Vortrag des Posaunenchors und hiernach ein von Frau Besch sehr wirkungsvoll gesprochener Prolog. Sodann wechselten gemeinsame Gesänge, Geigenduette, von den Lehrern Liebscher und Rehfeld ausgezeichnet gespielt, ein vom Jungmädchenverein sorgfältig eingeübter Reigen, ein Weihnachtsgedicht, Klaviervorträge von Werner Kohlmeier, ein vierhändig gespieltes Klavierstück von Fräulein Käthe Klinker und Fräulein Emmi Dickehage in bunter Folge ab. Im Mittelpunkt der Feier stand ein frohes Weihnachtsfestspiel in sechs Aufzügen von Dr. K. Horch, das von Mitgliedern des Jungmädchenvereins und seiner Jungschar in gut gelungener Weise aufgeführt wurde. Die Spieler, die sich sichtlich in ihre Rollen eingelebt hatten, ernteten reichen Beifall. Nach einem Schlußwort des Pfarrers Klinker fand die Feier, die über drei Stunden dauerte, ihr Ende. l Westhofen. Gefunden wurde ein Portemonnaie mit einem kleineren Geldbetrage. Der Verlierer kann sich auf dem Polizeibüro melden.— Verloren hat eine Frau auf dem Wege von Holzen nach Schwerte ein Portemonnaie mit einem größeren Geldbetrage. Im Interesse der dadurch empfindlich geschädigten Frau wolle der Finder den Fund auf dem Polizeibüro abgeben. ! Garenfeld. Weihnachtsfeier der Frauenhilfe. Für die Feier, die um 7,30 Uhr begann und erst nach 11 Uhr ihr Ende fand, war ein sehr reichhaltiges Progamm mit Deklamationen, kleineren Aufführungen, Gesängen. Lichtbildvorführungen und einer Verlosung aufgestellt. Dank der Spenden, mit denen freundliche Geber die gute Sache unterstützt hatten, war es der Frauenhilfe möglich, vielen bedürftigen Müttern einige Stunden der Freude zu bereiten und in manches Herz einen Lichtschimmer zu bringen. 1 Lichtendorf. Spar= und Dahrlehns= kassenverein eGmbH. Der Geschäftsbericht des Geisecke=Lichtendorfer Spar= und Darlehnskassenvereins eGmbH. zu Lichtendorf nach dem Stande vom 31. Dezember 1929, der jetzt herausgegeben worden ist, weist in Aktiva und Passiva 28943,92 Reichsmark auf. Der Mitgliederbestand beträgt 25. Amt Ergste m. Ergste. Weihnachtsbescherung. Eine schöne Weihnachtsbescherung für die Bedürftigen und Erwerbslosen war am Heiligabend im Hengstenberg'schen Saale hierselbst. Das Zustandekommen dieser Feier ist in erster Linie der tatkräftigen Unterstützung und Förderung des Gemeindevorstehers Fabrikdirektor Heinrich Möller zu verdanken. Die in der Gemeinde Ergste vorgenommene Notsammlung hat in allen Berufsgruppen ein schönes Ergeb nis gehabt. Es wurden Geldbeträge und außerdem Lebensmittel in reichlicher Menge gestiftet. Auf diese Weise wurde es auch den Erwerbslosen möglich gemacht, durch Verabreichung von Gaben das Weihnachtsfest zu einem frohen Fest zu gestalten.— Nachmittags um 2 Uhr wurden 95 Kinder von Erwerbslosen und Bedürftigen im Hengstenberg'schen Saale beschert. Jedes Kind erhielt eine Tüte und außerdem ein Spielzeug. Die Augen der Kleinen leuchteten vor Freude. Herr Hauptlehrer Schulte hielt eine passende Ansprache und ließ einige Weihnachtslieder singen. Die ganze Gemeindevertretung wohnte mit dem Vorsteher Möller der Kinderbescherung bei. All denen, die ihr Scherflein zu der Notsammlung beigetragen haben und dazu geholfen haben, daß auch die Aermsten der Armen ein frohes Weihnachtssest seiern konnten, sei an dieser Stelle besonders gedankt. Aus Wöslialen und den Rachbal-Provinzen Aus Groß=Dortmund — Ein Bäckerlehrling überfallen. Samstagnachmittag wurde der Bäckerlehrling G. auf dem Weg westlich der Westfalenhalle von zwei unbekannten Männern überfallen. G. hatte nach dem Schwimmbad Brötchen gebracht und befand sich wieder auf dem Wege nach Hause. Die zwei Männer verlangten von ihm Geld. Als G. sich weigerte, wurde er von einem der zwei Männer derart auf den Kopf geschlagen, daß er zu Boden stürzte. Der andere stach mit einem Messer auf den Jungen ein. Nachdem G. nun von den beiden Personen nach Geld durchsucht worden war, sie jedoch nichts vorfanden, flüchteten beide eiligst. Beschreibung der Täter: Beide etwa 20 Jahre alt, hell karierte Anzüge, Schlägermützen; erster Täter 1,60 Meter groß, gesetzt, bartloses Gesicht, zweiter Täter 1,70 Meter groß, schlank, schmales bartloses Gesicht. — Invalide überfahren. Ein Invalide aus der Märkischenstraße wurde vor seinem Hause von einer Kraftdroschke überfahren. Der Ueberfahrene, der angetrunken war und dessen Verletzungen nicht so leicht festgestellt werden konnten, wurde von dem Krastwagenführer ins Josefshospital in Dortmund=Hörde gebracht. Dort wurde eine Beckenquetschung festgestellt. — Der Mann, der die Geschützrohre stahl, wurde festgenommen. Der Monteur Karl W., der sich besuchsweise in der Robertstraße in Dortmund aufhielt, wurde festgenommen. W. bet im Frühjahr mit einem Komplizen drei Gesclützrohre des Dortmunder Bürgerschützenvereins gestohlen und war nach der Tat geflüchtet. b Grundschöttel. Die Pulsader durchschnitten. Getrübte Festtage wird die Familie Wilh. Schw. verlebt haben, da dieser Dienstag plötzlich aus dem Leben schied. Eine schon Monate während Krankheit hatte, wohl neben andern schwierigen Verhältnissen, dem S. allen Lebenswillen genommen. Er forderte sich ein Messer, um die Nägel zu reinigen. Als die Angehörigen nach einiger Zeit nach ihm schauten, fanden sie ihn mit durchschnittener Pulsader und noch schwach atemd vor. Bald darauf verschied er. Milspe. Der überlistige Dieb. Einem Anwohner der hiesigen Gemeinde verschwanden seit einigen Wochen aus dem Keller die mit großen Kosten erworbenen Wintervorräte. Der Mann mußte jeden Morgen sast die Wahrnehmung machen, daß Kohlen, Kartoffeln, Aepsel und dergl. verschwunden waren. Das brachte auf einen glorreichen Gedanken. Er haute in eine Kiste im Keller, gegenüber der Eingengstür einen photographischen Apparat ein, die Linse lugte aus einem Astloch. An der Tür brachte er einen dünnen Draht an und stellte zur Vorsicht noch eine Kiste mit einem Kontakt auf. die der Dieb unbedingt beim Betreten des Kellerraumes berühren mußte. Der Draht sowohl die Kiste standen mit dem Auslöser des Apparates in Verbindung. Als nun in der Nacht der Besucher wieder in den Keller kam, wird er an den Draht gekommen sein, denn plötzlich flammte ein Blitzlicht aus, der Verknackte, das Gesicht und die Figur des Tiebes waren von der Platte eingefangen worden. Man entwickelte sie und siehe da, man entdeckte Nachbars Fritz mit entsetztem Gesicht, den man kann sich denken, daß beim plötzlichen e#sammen eines Blitzlichtes auf einem DieIeng selbst der abgefeimteste Langfinger nicht gerade ein schlaues Gesicht machen wird. Man ging zum Nachbarn, sprach von diesem und jenem, ob nicht auch bei ihm so viel gestohlen würde usw.; man ging der Sache immer näher, der Nachbar verbat sich entschieden die Verdächtigungen, da nahm der„Geheimpolizist“ den Abzug heraus. Die Gesichter hätte man sehen sollen! Man wurde slein und kleiner; die Leute baten um gut Wetter, legten sogar als vorläufige Entschädigung 15 Mk. auf den Tisch des Hauses und baten mit Rücksicht auf ihre Notlage um Verheimlichung. Der Besitzer des Kellers ging erhobenen Hauptes davon: er freute sich des Erfolges der mit einiger Mühe und Gedankenarbeit erkauft worden war. Er hat mit seiner List gewiß den Vogel abgeschossen und damit auch unter Beweis gestellt, daß große Geheimpolizisten nicht gerade, wie es in Detektivschmökern so schön heißt, James oder Frank Robertson, zu heißen und in London ihren Sitz zu haben brauchen, sondern auch in Milspe wohnen und Gustav oder Karl heißen können. Die Geschichte macht jetzt sicher die Runde durch das Tal und durch alle Zeitungen. u Wickede=Asseln. Ueberfall auf einen Schrankenwärter. In der Nacht zum 2. Weihnachtsfeiertag wollten drei anscheinend betrunkene Bergleute in Stadtteil Wickede an der Gudrunstraße aus Uebermut die Schranken herunterdrehen. Als der dort Dienst versehende Bahnwärter R. aus Unna=Königsborn dieses verhindern wollte, wurde er von den Burschen angegriffen. Einer der Bergleute schleuderte gegen den N. einen Schotterstein, der ihm am Kopf traf und eine klaffende Wunde hervorrief, so daß er besinnungslos zu Boden stürzte. Ein Arzt ordnete seine sofortige Ueberführung ins Krankenhaus an. Durch den Zwischenfall blieb der wichtige Bahnübergang zwei Stunden lang ohne Leigachung. Ein Unglücksfall hat sich jedoch gücklicherweise nicht ereignet. Die Täter wurden von der Polizei festgenommen. b Hameln. Rekordleistung einer Zuckerfabrik. Die Zuckerfabrik HessischOldendorf hat vor einigen Tagen ihre diesjährige Kampagne abgeschlossen. In 2½ Monaten hat sie über eine halbe Million Zentner Rüben verarbeitet und ist damit auf eine Tagesleistung von etwa 9000 Zentner gekommen. Es wurde in drei Schichten ununterbrochen gearbeitet, so daß 220 Angestellte und Arbeiter lohnende Beschästigung fanden. Die hohe Leistung war nur möglich durch technische Verbesserungen der Anlage. Verarbeitet wurden fast nur Erzeugnisse der Schaumburger Landwirtschaft. 1 Halle. i. W. Einunglaublich dreistes Stück leisteten sich Wilddiebe, die sich auf der Treibjagd in der Gemeinde Limbach bei Querfurt in die Linie der Schützen und Treiber mischten. Sie hoben die geschossenen Hasen auf und verteilten sie unter sich. Als dies ein Schütze bemerkte und einen der Diebe verfolgte, wurde er aus dem Hinterhalt beschossen.. Zwei Wilddiebe drangen auf ihn ein. Er streckte beide schließlich in der Notwehr durch Schrotschüsse nieder, sah sich aber im gleichen Augenblick einer größeren Anzahl Angreifer gegenüber, die jedoch mit ihren verwundeten Genossen flüchteten, als die anderen Schützen herbeieilten. a Köln.„Mister" Robinson aus England. Stieg da in einem Kölner Hotel ein Gast ab, der sich als Mister Robinson vorstellte, ein Zimmer nahm— aber da fing auch schon die Geldnot an. Denn er pumpte sich bei einem Kellner 50 Mk., gab an, er erwarte andern Tags Geld und um dem gutwilligen Geldgeber auch seine Zahlungsfähigseit zu beweisen, zeigte er einen Scheck im Werte von 50 Mk., gezogen auf die Dresdner Bank, Filiale Köln. Am andern Morgen aber verschwand der Herr von Uebersee auf Nimmerwiedersehen. Der Kellner wurde stutzig, ging zur Bank und mußte hören, daß der Scheck tagsvorher verschwunden war. — Die Dummen werden nicht alle! m Müllenborn. Die Jagdflinte explodierte. Ein Förster von hier erlitt einen merkwürdigen Unfall. Als er ein Reh schießen wollte, explodierte der Flintenlauf, so daß ihm an der linken Hand vier Finger abgerissen wurden. Der Verletzte kam in das Gerolsteiner Krankenhaus, wo ihm die Hand abgenommen werden mußte. ! Wenden. Kampf zwischen Habicht und Hermelin. Das Hermelinchen ist jetzt im Schmucke seines weißen Winterkleidchens. Man daher Gelegenheit, zu beobachten, wie es über den dunklen Acker huscht, von dem es auffällig absticht, um in einem der nächsten Mauselöcher zu verschwinden. Ein hiesiger Landwirt, der gerade mit dem Pflügen seines Ackers beschäftigt war, machte über dieses nützliche Tierchen folgende interessante Beobachtung. Das Hermelinchen liegt auf einer Ackersurche und wärmt sich in der Herbstsonne; gleichzeitig zieht ein Habicht hoch in der Luft große Kreise. Nichts ahnend ackert der Landwirt weiter, bis auf einmal ein qualvolles Schreien ihn aufschreckt. Der Habicht ist auf das Hermelinchen gestoßen, und in seinen scharfen Fängen nimmt es er mit in die Luft. Er will seinen Raub auf einem Baume, wo ihn niemand stört, verzehren. Doch nach geraumer Zeit, der Beobachter hat eben am anderen Ende des Feldes seinen Pflug gewendet, bemerkt er, wie allmählich der Habicht mit seiner Beute sich langsam aus der Luft dem Erdboden nähert, wie das Hermelinchen in dem nahen Busch verschwindet und der Habicht verblutend am Boden liegt. Was war geschehen? In der Luft hat sich ein Kampf abgespielt auf Leben und Tod. Das Hermelinchen war der stärkere Teil. Es hatte in den scharfen Krallen des Habichts noch genügend Bewegungsfreiheit, konnte ihm an die Kehle gelangen und sie durchbeißen, so daß der Raubvogel durch den eintretenden Blutverlust ermattet zur Erde stürzte. Türnen, Spiel, Sper. Jugendopfertag in Schwerte Aus Anlaß des Jugendopfertages vom Gau Hagen hatte der Rasensportverband Schwerte und Umgegend eine A= und eine B=Mannschaft zum Spielen stellen müssen. Im allgemeinen erweckte die Austragung des Spieks ein sehr großes Interesse, und zahlreiche Zuschauer waren erschienen, um Zeugen zu sein. Mit Anstoß entwickelte sich sosort ein flottes Spiel, wobei sich die B=Mannschaft eher zusammenfinden kann. Durch ihre außerordentlich eifrige Spielweise gelangt sie in der 9. Minute sogar zum ersten Erfolg. In der A=Mannschaft will es noch nicht so richtig klappen, erst allmählich sinden sich die Spieler zusammen und können nun ihrerseits in der 20. Minute den Ausgleich erzielen. Aber nicht lange soll es dauern, die BMannschaft kann abermals die Führung übernehmen und durch ihre befriedigende Spielweise erwartete man nicht eine in dem Maße ausfallende Niederlage. Die A=Mannschaft geht zu präzisen und genaueren Angriffen über und kann den Ausgleich einsenden. Im weiteren Verlauf entwickeln sich vor dem Tor der B=Mannschaft heikle und interessante Momente. Hierbei hat die Hintermannschaft der B=Mannschaft einen schweren Stand, zumal die Verteidigung Ersatz stellen mußte. Dies wußte natürlich die A=Mannschaft sehr wohl auszunutzen. Langsam macht sich eine sichere Ueberlegenheit der AMannschaft bemerkbar und sie hält den Gegner in seiner Spielhälfte fest. Durch gut und sicher eingeleitete Angriffe kann die A=Mannschaft einen Erfolg nach dem andern erzielen. Zwar glückten der B=Mannschaft verschiedene gute Durchbrüche, doch in der Verteidigung des Gegners stießen sie auf harten Widerstand. Kurz vor Schluß gelingt es der B=Mannschaft, wenigstens ein Tor aufzuholen. Die Gesamtleistungen der Spieler waren im allgemeinen sehr gut, zwar fielen einzelne Spieler durch ihre eigenmächtige Spielweise auf, welche die Gesamtleistungen in der betreffenden Mannschaft stark beeinträchtigte. Aber auch der aufgeweichte Platz war für zu erwartende bessere Leistungen stark hindertlich. Es ist durchaus unverständlich, daß man von seiten der Stadt nicht für Herbeischafsung von Asche Sorge trägt. Zumal der Platz doch städtisch ist und auch dazu beiträgt, das Ansehen der Stadt nach außen hin zu fördern. Westhosen— Herdecke 2:2(2:0). Die zweite Mannschaft von Westhosen weilte in Herdecke, um dort ein Pflichtgesellschaftsspiel auszutragen. Westhosen legte bis zur Pause zwei Tore vor. Franz, als Ersatztorhüter von Westhofen hielt sehr schwierige Sachen. Die. Herdecker Zuschauer spendeten ihm dafür reichlichen Beifall. Herdecke gelang es schließlich durch einen zweiselhaften Elfmeter gleichzuziehen. Deutsche Jugendkraft DIK. Schwerte 1.— Arminia Dortmund(Res.) 2:3. Ein interessantes, spannendes Treffen wurde den Zuschauern am 2. Weihnachtstage auf dem Schützenhof vorgeführt. Die in einer niederen Klasse spielenden Arminen führten ein flottes, in Kombination vorzügliches Spiel vor. Den Sieg hatten sie allerdings nicht verdient. Denn Schwerte, mit 2 vollwertigen Ersatzleuten spielend, war durchaus ebenbürtig, wenn nicht überlegen. Die Schwerter konnten nach langer Zeit mal wieder gefallen. Der Sturm zeigte gute Leistungen. Bei etwas schnellerem Abgeben und entschlossenerem Torwurf hätte Dortmund haushoch verloren. In der Schwerter Hintermannschaft überragte der jugendliche Tormann. Verteidigung und Läuferreihe hatte nicht den gewohnten Zusammenhang. Dortmunds Stärke lag in der blitzschnellen Fünferreihe und der robusten Verteidigung, die nie ihren Platz verließ. Dagegen war vor dem Schwerter Tor oft nur ein Verteidiger zu finden. So konnte Arminias guter H. L. 3 Mal nacheinander unhaltbar einsenden. Die beiden Tore für Schwerte teilten sich der L. A. und der vorzügliche, jugendliche Halbrechte. Deutsche Turnerschaft Mamelanf! Holzen 07 1.— Germania Lütgendortmund 1. 1:2(0:1). Holzen 07 2.— Germania Lütgendortmund 2. 1:1(1:0). Holzen 07 1. Jgd.—„Tus“ HohenlimburgElsey 1. Jgd. 5:3. Holzen 07 2. Jgd.—„Tus“ HohenlimburgElsey 2. Jgd. 9:0. Ausführlicher Bericht folgt in der morgigen Ausgabe. Bouen Schwerte-Hagen 7:5 Am gestrigen Sonntag sanden vor einem übersüllten Saale„Im Reiche des Wassers" die Klubkämpfe der hiesigen Reichsbahnboxer gegen die Hagener Boxvereinigung 21 statt, die mit einem verdienten Sieg für die Schwerter Mannschaft endeten. Polizei=Bochum und Boxsport 26 Kamen lieferten interessante Rahmenkämpfe. Es wurde durchweg ein guter Sport geboten; die Schwerter überraschten nach der angenehmen Seite und hatten in ihrem Kampfesstil manchen Fortschritt zu verzeichnen. Als einwandfreier Ringrichter stellte sich der Gauvorsitzende Siemens vom Boxsport 20 Dortmund vor; Punktrichter waren die Herren Neuhoff(Punching 22 Dortmund), Köstlich (Dortmunder Boxsport 20) und Bley(Dortmunder Boxsport 20). Nach Begrüßung der Mannschaften und der zahlreich erschienenen Gäste durch den 2. Vorsitzenden der Reichsbahnboxer, Mix, stiegen als erstes Paar im Jugendpapiergewicht Schüler=Schwerte und Rose II=Kamen durch die Seile. Bereits in der 1. Runde wußte sich Schüler überlegen durchzusetzen und sein Gegner gab den für ihn aussichtslosen Kampf auf. Sieger: Schüler. Im Jugend=Bautamgewicht standen sich Groll lI=Schwerte und der Wests.=Heff. Jugendmeister Jakubowsky II, Pol. Dortmund, gegenüber. Dieses Paar lieferte sich wohl den schönsten Kampf des Abends. Groll befand sich in bester Form und bis zum Schluß der 3. Runde war der Schlagwechsel hart und unabgeschwächt. Daß man Jakubowsky zum Sieger erklärte, ist uns nach dem Kampfesverlauf unverständlich, ein„Unentschieden" wäre beiden Kämpfern gerechter geworden. Das Publikum gab seinen Protestäußerungen lebhaften Ausdruck. Es folgten im Jugendfliegengewicht Müller=Schwerte gegen Aschendorf, Hagen 21. In diesem Kampf bewies Müller, daß er gute Treffer landen kann. Im übrigen war der Kampf ziemlich ausgeglichen, sodaß man sich mit dem Ergebnis„Unentschieden" wohl einverstanden erklären kann. In der gemischten Gewichtsklasse stellten sich Elksnat=Schwerte(Mittelgewicht) und Renner=Kamen(Halbschwergewicht) dem Ringrichter. Der Kampf war äußerst lebhaft und von hartem, anhaltendem Schlagwechsel begleitet. Renners Uebergewicht machte sich bemerkbar. In der 3. Runde erhielt R. eine Verwarnung wegen Genickschlages, desgl. E. wegen Schleudern seines Gegners. Beide Kämpfer gingen auf ein K. o. aus. Ergebnis: Unentschieden. Das Hauptinteresse nahm der Jugendschwergewichtskampf ElmerhausSchwerte gegen Kalischewsky=Kamen mit in Anspruch. E. kämpfte zum ersten Male in Schwerte und hat sich mit diesem Kampf viele Sympathien erworben. Hinsichtlich der Technik muß er jedoch noch manches lernen, wenn er auch zu schönen Hoffnungen berechtigt. Sein Gegner war ihm in keinem Moment gewachsen und nur mühsam überstand er die 1. Runde. Nach 2 Verwarnungen in der 2. Runde wegen unsauberen Boxens und Haltens wurde er schließlich disqualifiziert. Sonst hätte er zweifellos mit den Brettern Bekanntschaft gemacht. Sieger: Elmerhaus. Hanemann=Hagen und Linkel=Schwerte kämpften im Jugendfedergewicht. Ein mitreißender Kampf. Beide Kämpfer sah man abwechselnd im Vorteil. In der 3. Runde wurde dem Hagener das rechte Auge aufgeschlagen. Der Kampf endete unentschieden. Der Leichtgewichtskampf Wienhold=Schwerte gegen den ihm an Körpergröße und Reichweite überlegenen Vortanz=Hagen ließ keine Wünsche offen. Letzterem wurde von dem Schwerter stark zugesetzt und kam nur schlecht über die 3. Runde. Sieger: Wienhold. Im Halbschwergewicht kämpften Kleefisch=Schwerte und Feisel=Hagen. sel war insofern im Vorteil, als er erheblich größer und dementsprechend auch seine Rkeichweite war. In der 3. Runde gab Kleefisch den für ihn aussichtslosen Kampf, nachdem er bis 7 zu Boden mußte, auf. Sieger: Feisel durch technischen k. o. Minuth=Schwerte im Weltergewicht hatte in Knöpfel=Hagen, der Uebergewicht mitbrachte, einen äußerst zähen und kampferfahrenen Gegner. Dennoch konnte nach drei lebhaft durchgeführten Runden ein„Unentschieden“ verkündet werden, welches dem Kampfverlauf durchaus gerecht wurde. Den letzten Kampf im Leicht gewicht lieferten sich Reichmann=Schwerte und Ruhwedel=Hagen. Beide Kämpfer gingen voll aus sich heraus. Während Reichmann die 1. Runde für sich buchen konnte, mußte er in der letzten Runde den Kampf aufgeben. Sieger: Ruhwedel. Ler. Was hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 30. Dezember 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 11,20: Was will ich werden? 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,50: Kinderstunde. 16,20: Mitteilungen aus dem Schulfunk 16,30: Aus Leben und Erziehung. 16,50: Lebende Dichter. 17,15: Vesperkonzert. 18,15: Für den Landwirt. 18.40: Französische Unterhaltung. 19,25: Wirtschaft und Gesellschaft im Buch. 19.45: Abendkonzert. 21,10: Von dem Fischer und seiner Frau. Verantwortlich für Lokales. Kommunalpolstik. Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Humor. Die überflüssige Zeile. Bei einer Nachwahl zur französischen Deputiertenkammer hatte die Partei des verstorbenen Abgeordneten einen Wahlaufruf versaßt und einer Druckerei übergeben. Als sich der Geschäftsführer dort erkundigte, ob der ganze Text auf das Plakat auch draufgehe, erwiderte der Drucker: „Die letzte Zeile würde wohl besser werbleiben.“ „Die letzte Zeile?“ „Natürlich. Da steht doch: Und diese Versprechungen, werte Parteifreunde, werden wirerskllen.“ Roman von Marlise Sonneoorn (Erika Forst): " N a c h d r u c k v e r b o t e n. Dichter Oktobernebel über weitem Land. Es regnete nicht eigentlich, aber unerbittlich drang die Feuchtigkeit durch alle Fugen und Ritzen. Schwer lastete die Luft. Frühe Dämmerung wurde rasch zu undurchdringlicher Finsternis Die dunkelragenden Tannen am Rande der Böschung verschwanden im Nichts. Die renchtzeichen der Eisenbahnsignale selbst waren nur unsicher zu erkennen. Die Beleuchtung der kleinen Stationen aber, die der O=Zug stolz hinter sich ließ, ohne seine Hast auch nur wesentlich zu mindern, war kaum noch wahrnehmbar. Es ist eine sonst einfach zu befahrende Strecke, die zwischen Hamburg und Hannover Aber heute brauchte der Lokomotivführer seine ganze Aufmerksamkeit, mußte alle Sinne, alle Kräfte auspannen, wenn er sein verantwortliches Amt recht erfüllen wollte. Der Scheinwerfer an der Maschine durchdrang kaum noch den stickigen Heidegede! Der Zug war lang und stark besetzt. Dem Lokomotivführer stand der Schweiß auf der Stirn. Noch nie war ihm die oft befahrene Strecke so fremd, so anheilvoll erschienen. Hunderte von Menschenleben bingen davon ab, daß es gelang, durch das gespenstische Hindernis hindurch den Zug heil und unversehrt ans Ziel zu bringen. Das Tempo der Fahrt wurde verringert. Der O=Zug schlich wie gedemütigt mit der Kilometergeschwindigkeit eines gewöhnlichen Personenzuges dahin. Lag da nicht etwas auf den Schienen? Ein kompaktes Hindernis? Oder war es nur ein verzerrter Schatten— eine optische Täuschung? Lieber zu viel Vorsicht als eine Nachlässigkeit. Der Dampf wurde ab gelassen. Das Zischen der Maschine durchorang die tiefe Stille Die Räder stockten, die lange Wagenreihe hielt Schaffner eilten die Abteile entlang nach vorn: Die Schienen wurden geprüft. Sie waren frei. Grund zur Besorgnis lag nicht vor. Die Beamten sprangen wieder in den Zug. Ein schriller Pfiff. ein schnaufendes Anziehen— weiter rollte der D=Zug ins Land hinein, Einsamteit und Finsternis überwindend, dem Ziele zu. Ein Aufenthalt von wenigen Sekunden, einigen kurzen Augenblicken. Und doch hatte sich in ihnen ein Menschenschicksal entschieden. In einem der Abteile zweiter Klasse saß seit Hamburg der Göttinger Universitätsprofessor der Theologie Doktor Willberg. Da sein einziger Mitreisender schon in Lüneburg ausgestiegen, Doktor Willberg also ganz allein und ungenier: war, hatte er sich recht gemütlich in dem warmen, freundlich erleuchteten Coupé eingerichtet. Die Rutze und Behaglichkett taten seinen angegriffenen Nerven wohl Seiten hatte er es so gut wie eben jetzt. Ihm wäre es lieb gewesen. wenn die Fahri ein paar Tage gedauert hätte Die Reisedecke um die Knie geschlagen, das Köfferchen neven sich auf dem Sitz— damit er es beim Aussteigen gleich zur Hand hatte—, den Regenschirm an einer seidenen Schuut am Arm, den Hut— einen weichen, bequemen Hut, der nicht drückte— tief in den Nacken geschoben, so saß er da Auf dem Schoß lag das offene Notizbuch, in das er mit einem wohlgespitzten Tintenstift ab und zu das Resultat seiner scharf arbeitenden Gedanken eintrug. Er feilte gerade an einem seinen Satz. Die Rechte, die den Bletstift hielt, bewegte sich in der Luft. Da— ein schriller Ton. Ein Schnurren und Krachen der regelmäßig rollenden Räder, deren monotones Geräusch seine Gedanken wirkungsvoll unterstützte. Copyrignt by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) Der Professor seufzte. Er war es gewohnt, immer unterbrochen zu werden, wenn er am besten im Fluß war. Natürlich, natürlich, nun war die Fahrt zu Ende, nun umfing ihn wieder die laute Welt, das Geschrei, die Geräusche des Bahnhofs Er liebte ihn gar nicht, den großen hannoverschen Bahnbof— nun adieu, schöne Stunde! Ganz instinktiv faßte er nach dem Koffer, warf die Decke über den linken Arm, ließ Heft und Bleistift in der Rocktasche verschwinden Noch ein Rundblick durchs Abteil— nein, er hatte nichts vergessen. Schon stand er——— Ja, wo! Jedenfalls draußen. Das Zugpersonal hatte ihn nicht warnen können, denn in diesem furchtbaren Nebel sah man ja kaum die Hand vor den Augen Der hannoversche Bahnhof war das hier keinesfalls! Einsteigen? Der Zug setzte sich in Bewegung. Und ehe der Professor noch wußte, was mit ihm geschehen, schob sich der letzte Wagen an ihm vorbei. Ein armsetiges Licht schimmerte noch einige Sekunden undeutlich durch den Nevel— und eine Stille verbreitete sich um den Professor, wie er sie sich nicht vollendeter hätte wünschen können. Der Professor sandte dem Zug einen Fluch nach, der durchaus nichts Theologisches an sich vatte. Er stammte aus dem Schützengraben; vort hatte ihn der Professor als Kompagnieführer von seinem Burschen, einem hand= und mundfesten Bavern, sozusagen geliefert bekommen Ist denn das überhaupt erlaubt, mitten auf der Strecke zu halten?, fragte sich der Professor. Hatte er nicht deutlich rufen hören? Freilich, verstanden hatte er nichts. Möglicherweise waren es warnende Rufe gewesen: Richt aussteigen, oder so was. Nun, es war zwecklos, sich zu ärgern. Hauptsache war: Menschliche Behausungen zu finden. Er dachte angestrengt nach. Wo konnte man nur sein? Lüneburg, Uelzen— die waren sicher vorüber! Nach der Zeit— die Uhr hatte zum Glück leuchtende Ziffern— mußte man nicht mehr allzu fern von Celle sein Nicht allzu fern? Das konnte doch noch manche Wegstunde bedeuten Und bei dem Nebel? Mühsam, nicht ohne ein paarmal auszurutschen, tastete er sich die ziemlich hohe Böschung hinunter. Unten fand sich zu seiner Verwunderung ein ziemlich guter Pfad Vielleicht ein Zeichen, daß irgendein Ort in nicht unerreichbarer Nähe lag! Rechts oder links, das war nun die Frage. Nun, rechts! Rechts hat mir immer mehr gelegen, dachte der Professor mit Galgenhumor. Er schritt vorwärts Daß der Professor nach längerem Umherirren das Bahnwärtethäuschen fand, war ein Glückszufall, den er im ersten Augenblick gar nicht genügend würdigte Aber es war warm und hell drinnen und der Beamte ein Mann. der sich dee Verschlagenen mit wahrhaft edler Menschenliebe annahm. „Ich habe mich verlaufen", erklärte Willberg ohne weitere Erläuterungen, die ihn ja nicht gerade in ein schmeichelhaftes Licht gesetzt haben würden. „Ja. ja“, meinte der,„unsere Heide im Nevel— das ist kein Vergnügen. Da kenn ich alte Forstleute, die denselben Weg bei solchem Wetter fünf= oder sechsmal gegangen sind... Wege, die sie kannten wie ihre Tasche Aber nun müssen wir sehen, wie wir Sie, Herr Professor, nach Erlede kriegen. Pastors werden sich schön ängstigen.“ „Pastors!“ fragte der Professor erstaunt. „Ja, sind Sie denn nicht der Schwiegervater von unserem Pastor Rosen?“ fragte dagegen der Bahnwärter, „der ist doch auch Universitätsprofessor in Halle, wenn mich nicht alles täuscht.“ Willberg mußte gestehen, daß er von niemand erwartet würde, daß er in Göttingen und nicht in Halle lebte, und eigentlich nach Celle, nicht nach Erlede wollte. „Na, da haben Sie aber einen guten Marsch gemacht, und einen beträchtlichen Umweg außerdem, wenn Sie heute schon von Celle hierher gekommen sind Uebrigens können Sie um nenn Uhr mit einem Zug nach Celle zurück. Und bis Erlede, zum Pastorat“— dem braven Manne wollte es nicht einleuchten, daß ein Theologieprofessor, der ins Dorf kam, nicht zu seinem Pastor ging—„ist eine knappe halbe Stunde, wenn man den rechten Weg weiß.“ „Ja, wenn“, seufzte der Professor. „Ich kann Sie ja nicht führen“, erläuterte der Bahnwärter,„und die Streckenarbeiter haben schon Schicht gemacht. Aber warten Sie mal, das wird wohl geben.. Er öffnete ein kleines Fenster, durch das kalt und schaurig der Rebel drang und den Professor an alles, was ihm noch bevorstand, erinnerte, und ließ einen langen, scharfen Pfiff ertönen. Der große, schöne Neufundländer, der sich durch die schmale Spalte schob, zeigte alle Eigenschaften jugendlichen Uebermutes. Er tobte durch den kleinen Raum wie eine Nachteule ums brennende Licht, beschnupperte den Bahnwärter mit dem deutlichen Verlaugen, etwas zu fressen zu bekommen, und blieb endlich vor dem fremden Eindringling stehen, ihn mit Mißtrauen betrachtend. „Phlor wird Sie ins Dorf bringen“, erklärte der Bahnwärter. „Ist er nicht etwas jung?“ fragte der Professor. „Jugend schützt nicht vor Weisheit, Herr Professor", meinte der Mann,„ebensowenig wie Alter vor Torheit.“ Dies letzte Zitat erfüllte den Professor mit einem momentanen Gefühl des Unbehagens. Doch der brave Beamte wußte ja nichts— und dann fühlte er sich mit seinen siebenundvierzig Jahren auch noch keineswegs getroffen, wenn vom Alter die Rede war. Der Bahnwärter nahm den Hund am Halsband und zog den sanft. aber energisch Widerstrebenden nahe an den fremden Herrn heran. Er legte seine Hand auf die des Professors und klopfte sie leicht: „So, schön, mein Hund, so. schön“, sagte er dabei leise und freundlich. Und Phlox ließ sich herav und brückte seine kalte Rase gegen das Knie dessen, den sein Herr ihm als Freund empfahl. „So“, und der Mann befestigte eine Schnur am Halsband des Hundes,„uu fassen Sie die Schnur an und halten Sie sie fest und folgen Sie ihm Er bringt sie sicher ins Dorf: und von da aus können Sie sich allein weiterfinden.“ „Grüßen Sie auch schön bei Pastors“, vieß et noch in der Tür. als nach Dank und Abschied der Weg ins Ungewisse wieder aufgenommen werden sollte. „Ja. meinen Sie denn wirklich, daß ich dem Herrn so ohne weiteres ins Haus fallen kann?" fragte nochmals der Professor. „Sicher, sicher“, meinte der Bahnwärter überzeugt. „Wie heißt er doch?“ Aosen!“ „Rosen— Rosen“. wiederholte er, als er, von seinem vierfüßigen Geleitsmann energisch vorangezogen, den weichen Waldweg dahinschritt. Hatte er vor zehn, zwölf Jahren— kurz vor dem Kriege— nicht einen Schüler dieses Namens gehabt? Er konnte sich auf sein Aeußeres noch besinnen: Groß, blond, Riedersachse— ein frischer, lieber Kerl. Warum nicht? Um sieben Uhr war er in Erlede. Eine Meuge Zeit bis um neun Uhr...(ortsetzung folgt.)