WoINUr! DI.„Scmuen Jalung aschaten vichenlich leche ual. Bezugeprets baldmonalich 1.20 Maik, Einzelaummer 13 Psg. Druck u. Vernagvon C. Braus, Schwerte(Rube), Potschacktouten: Dortaund 2932 und Hannover 21674. Geschastasels: Grote Matstr. 3—3. Veranworuch für die Schrifeitune H. Linner, Schwerte. Hernrus 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Zeitung Austen ente ir die chlestent umdter big, dumteüige, sinagzamtiche u. gerichtliche Tnzeigen 1o Pig., Letamzzelle 40 P, Iiun teieson, aufgegedene Jaserate üdemedman wir keine Gewädr. Bei unvordergesehu. Betriedestbrungen, dervorgerusen durg dohere Gewolin, idernadnen oir katmnantel deoäbe sir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlet Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gd Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn 63. Jahrgang Die Reichssteuereinnahmen im November 1930. wtb. Berlin; 23. Dez.(Tel.) An Reichssteuern sind im Monat November 1930 insgesamt 641,2 Millionen RM aufgekommen, und zwar an Besitz= und Verkehrssteuern 410,1 Mill. RM, an Zöllen und Verbrauchsabgaben 231,1 Millionen RM. In den abgelaufenen acht Monaten April bis einschließlich November sind insgesamt 6321 Millionen RM, mithin 522,8 Mill. RM weniger als acht Zwölftel des Jahressolls (acht Zwölftel von 10 265.6 gleich 6843,8) aufgekommen. Von diesem Minderaufkommen entfallen 243,9 Millionen RM auf die Besitz= und Verkehrssteuern und 278,9 Millionen RM auf die Zölle und Verbrauchsabgaben. Bei der Beurteilung dieser Gegenüberstellung ist zu berücksichtigen, daß die erst im Laufe des Rechnungsjahres in Kraft getretenen neuen Steuern hauptsächlich im zweiten Halbjahr fließen und damit die Einnahmen der kommenden Monate des Rechnungsjahres nicht unwesentlich beeinflussen werden. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß sich die Einnahmen in den ersten acht Monaten des Rechnungsjahres etwa im Rahmen des von der Reichsregierung aufgestellten Finanzprogramms halten. Schwerte(Ruhr), Mittwoch, den 24. Dezember 1930 Bald 4 Millionen Arbeitslose Die Arbeitsnniuetilage un Reich wtb. Berlin, 23. Dez. In der ersten Hälfte des Monats Dezember hat nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung die Zunahme der Arbeitslosigkeit aus überwiegend jahreszeitlichen Gründen weiter angehalten, jedoch wiederum nicht dasselbe Ausmaß erreicht, wie in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Hauptunterstützungsempfänger zeigen vom 30. November bis 15. Dezember eine Zunähme um rd. 158.000 auf 1946000 in der Arbeitslosenversicherung, um rund 37.000 auf rund 603000 in der Krisenfürsorge. In der entsprechenden Zeit des Vorjahres belief sich der Zugang an Hauptunterstützungsempfängern der Arbeitslosenversicherung auf 233000, womit am 15. Dezember 1929 ein Stand von rund 1433000 erreicht wurde. Die Zahl der Arbeitslosen belief sich am 30. November auf rund 3,7 Millionen(berichtigte Zahl); bei der Zählung am 15. Dezember ergab sich ein Anwachsen um rund 278000 auf rund 3977000. Die entsprechende Zahl Mitte Dezember des Vorjahres belief sich— nach einer Zunahme um rund 326000— auf rund 2362 000. Ein nicht genau erfaßbarer Teil der Ueberhöhung der Arbeitslosenziffer gegenüber dem Vorjahr beruht auf der besseren Erfassung der Wohlfahrtserwerbslosen, sowie auf dem von der wirtschaftlichen Not erzwungenen Andrang zahlreicher früher nicht als Arbeitnehmer tätiger Kreise am Arbeitsmarkt. Beisitzer der Filmprüfstelle Einspruch erhoben. Das Verbot ist ausgesprochen worden, weil die Filmprüfstelle nach Anhören der Sachverständigen des Auswärtigen Amtes zu der Ansicht gelange, daß der Film das Ansehen und die Stellung Deutschlands zu schädigen geeignet sei. Das Auswärtige Amt hatte zu der Verhandlung sechs Sachverständige entsandt, die ihr Gutachten dahin abgaben, daß die im Film gegebene DarWieder ein Kriegsfilm verboten Die Filmprüsstelle verbietet den Film„1914- Die Schüsse von Gerajewo“ zwei Beisitzer erheben Einspruch Der Aktieninder wtb. Berlin, 23. Dez. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktieninder(1924/26 gleich 100) stellt sich für die Woche vom 15.—20. Dezember 1930 auf 85,8 gegenüber 88,3 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 79,6(82,1), Gruppe verarbeitende Industrie auf 75,0(77,7) und Gruppe Handel und Verkehr auf 110,0(112,4). Vintila Bratianu* wtb Bukarest, 23. Dez. Der Führer der Liberalen Partei, Vintila Bratianu. ist gestern abend 11,15 Uhr auf seinem Gute Mihaesti gestorben. enh. Berlin, 23. Dez.(Eig. Meld.) Heute vormittag ½10 Uhr begann bei der Berliner Filmprüfstelle die Sitzung, in der das Urteil über den Richard=Oswald=Film„1914“ gefällt werden soll. In diesem Film werden die Kriegsursachen behandelt; außerdem soll gezeigt werden, daß es historisch unrichtig ist, Deutschland die Alleinschuld am Kriege zuzuschreiben. Zu dieser Verhandlung, die von Regierungsrat Zimmermann geleitet wurde, entsandte das Auswärtige Amt unter Führung des Geheimrats Professor Dr. Sievers sechs Sachvekständige, während die Firma den Schriftführer des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Reichstages über die Kriegsursachen, Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Ludwig Herz, als Sachverständigen benannt hatte. Deutschland Verzichtel auf den Ralsversih Ratstagung nicht unter Eurtius- Deutschland will Ellenvogenfreihen in der Polenfrage behalten Den Vertretern der Presse wurde bei dieser Gelegenheit von dem Leiter der Prüfstelle, Regierungsrat Zimmermann, erklärt, daß die Presse auf Anweisung der Oberfilmprüfstelle in Zukunft generell von den Verhandlungen der Filmprüfstellen ausgeschlossen bleibe. Der Leiter der Oberfilmprüfstelle, Ministerialrat Seegers, begründete auf Anfrage eines Berliner Lokalkorrespondenten diesen Beschluß mit Tatsache, gaß die Bethänglungen por der VversumptasWieder Giftnebel über Belgien wtb. Brüssel, 23. Dez.(Tel.) Die Zeitung Libre Belgique meldet, daß in der Umgebung von Lüttich heute vormittag wieder der geheimnisvolle Nebel aufgetreten ist. Ein Todesfall ereignete sich in Tilleur. Mehrere schwere Erkrankungen aus Flemalle und ein weniger schwerer Fall aus Hermallesous=Hux gemeldet. stellung der Kriegsschuldfrage lückenhaft und die Tendenz des Films geeignet sei, die Beziehungen Deutschlands zu anderen Staaten zu trüben. Zwei Mitglieder der Filmprüfstelle haben von sich aus Beschwerde bei der Filmoberprüfstelle gegen das Verbot eingelegt, so daß diese Instanz sich abermals mit dem Film zu be schäftigen haben wird. Hochverratsverfahren gegen Glebbeis eröfnet Schwierigkeiten bei der Durchführung des Verfahrens. vdz. Berlin, 23. Dez.(Tel.) Die Nachricht, daß der Reichstag die Immunität des nationaldaß die Verhandlungen vor der Oberfilmprüf= sozialistischen Abgeordneten Dr. Goebbels zur stelle und den Filmprüfstellen auf Grund des Durchführung eines Hochverratsverfahrens aufLichtspielgesetzes grundsätzlich nicht öffentlich gehoben habe, bedarf einer Berichtigung dahin, enb. Berlin, 23. Dez.(Eig. Meldung.) Während die Vossische Zeitung heute früh das Prozramm der Genfer Völkerbundsverhandlungen noch unter der großen Ueberschrift:„Ratstagung unter Curtius' Vorsitz“ behandelt, berichtet ein anderes Morgenblatt, daß der Reichsaußenminister dem Rat diesmal nicht präsidieren wird. Wir glauben zu wissen, daß diese letzte Darstellung richtig ist. Turnusmäßig steht der Vorsitz uns zwar im Januar zu; in der Wilhelmstraße hat man sich aber die Frage vorgelegt, ob es opportun sei, daß der Reichsaußenminister den Vorsitz wirklich ausübt, während wir gleichzeitig in einer Reihe von wichtigen Punkten der Tagesordnung, vor allem wegen der Unterdrückung der Deutschen in Polen, in einer scharfen Kampfstellung stehen. Ist der Vorsitz schon rein arbeitsmäßig eine starke Belastung, die die Vertretung der deutschen Interessen beeinträchtigt, so würde die traditionelle Aufgabe des Vorsitzenden, auszugleichen und Kompromisse vorzubereiten und zu empfehlen, den deutschen Außenminister auch in seiner Ellbogenfreiheit als Partei zweifellos erheblich hemmen. Auch Dr. Stresemann hat diesen Nachteil des Vorsitzes äußerst unangenehm empfunden. als er seinerzeit die Frage des Bahnschutzes im Saargebiet durchzukämpfen hatte. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß wir für diesmal auf den Vorsitz verzichten. Für die nächste Tagung steht er England zu. Es ist wahrscheinlich, daß das Auswärtige Amt in London vorschlagen wird, mit uns zu tauschen. Das würde also bedeuten, daß Dr. Curtius dem Rat dann in der Maitagung präsidieren würde. Einen solchen Tausch hat es in der Praxis des Völkerbundes schon gegeben: man kann also damit rechnen, daß England sich dem deutschen Vorschlag nicht entziehen wird. Auch die Franzosen mit Polen unzufrieden. wtb. Paris, 23. Dez. Der Sonderberichterstatter des Petit Parisien, der in Polen weilt, sendet seinem Blatte heute einen neuen Artikel, der sich insbesondere mit der Stellung der Franzosen in Polen beschäftigt. Der Berichterstatter stellt fest, daß auch die Franzosen in Polen mit einem gewissen Mißtrauen aufgenommen und behandelt würden. Die französisch=polnische geschichtliche Erinnerung mache bei Napoleon Halt. Der 11. November werde zwar in Polen als Nationalfeiertag begangen; aber bei keiner Ansprache werde auf die Rolle der Heere der Entente bei dem Kampfe um die Unabhängigkeit Polens angespielt. Auch die Franzosen, die sich in Polen wirtschaftlich oder industriell beschäftigen, würden oft durch politische Gründe, die seit einigen Jahren gegen Frankreich geltend gemacht würden, in ihrer Tätigkeit behindert. Die Ereignisse, die die in Polen tätigen Franzosen angesichts der finanziellen und politischen Gefahren, denen sie sich aussetzen, erreichen könnten, ständen nach Ansicht dieser Franzosen in keinem Verhältnis zu den Bemühungen und zu den eingesetzten Kapitalien. Die Tätigkeit dieser Franzosen in Polen werde nicht immer gebührend geschätzt. Sie hätten den Eindruck, nicht die Unterstützung bei den Behörden zu finden, auf die sie zu rechnen berechtigt seien, sondern oft gehe man über ihre Interessen und Rechte hinweg. Die in Polen lebenden Franzosen wollten zwar noch nicht deshalb eine Verbindung in Form von Ursache und Wirkung zwischen den Schwierigkeiten herstellen, die ihnen bei ihrer Aufgabe in den Weg gestellt würden, und irgend welcher unfreundlichen Einstellung settous der an der Regierung befindlichen Parteien. seien, und daß die Zulassung von Pressevertretern nur von Fall zu Fall erfolg wäre, und jeweils in das Ermessen des Vorsitzenden gestellt sei. Den eigentlichen Anstoß zum generellen Ausschuß der Presse habe aber die Erfahrung gegeben, daß diese Zulassung nicht den Widerhall gefunden habe, der seitens der Behörde beabsichtigt gewesen sei. Bei der Erörterung des Remarquefilmverbotes seien Beisitzer in den verschiedenen Blättern öffentlich angeprangert worden, sodaß mit Rücksicht auf sie, um eine gewisse Beruhigung in der Oeffentlichkeit herbeizuführen, der Presse nicht mehr der Zutritt zu den Verhandlungen der Filmprüfstellen, bei denen überhaupt die Presse nur selten zugelassen worden sei, aber auch zu der Oberfilmprüfstelle nicht mehr genehmigt werde. wtb. Berlin, 23. Dez.(Tel.) Die Berliner Filmprüfstelle hat in ihrer heutigen Sitzung ihr Urteil über den Richard=Oswald=Film„1914— Die Schüsse von Serajewo“ gefällt. Der Film wurde verboten. Gegen das Verbot haben zwei gehogen gabe, peoarf einer Berichtigung oahin, daß die Aufhebung der Immunität nicht durch den jetzigen, sondern durch den vorigen Reichstag erfolgt ist. Wie das Nachrichtenbüro des B53. von unterrichteter Stelle hört, ist die Rechtslage nunmehr die folgende: Wenn der Reichsanwalt nach der damals erfolgten Aufhebung der Immunität des Herrn Goebbels das Verfahren eingeleitet hat, oder wenn er es in der Zeit zwischen Auflösung des alten und Einberufung des neuen Reichstages eröffnete, dann kann das Verfahren ohne weiteres fortgeführt werden, bis der Reichstag selbst durch ausdrücklichen Beschluß verlangt, daß es eingestellt werde. Infolgedessen hat die Reichsanwaltschaft das Verfahren nach Aufhebung der Immunität eröffnet. Der weitere Lauf des Verfahrens begegnet aber trotzdem gewissen Schwierigkeiten, falls Herr Goebbels einer Vorladung nicht Folge leisten sollte. Nach den gesetzlichen Bestimmungen kann nämlich ein Abgeordneter nur dann zwangsweise vorgeführt bezw. verhaftet werden, wenn ein ausdrücklicher Der Merapi rumort weiter Anzeichen eines neuen Ausbruchs- Furchtbare Schreckensszenen- Ein Dorf von der Lava eingeschlossen wtb. Amsterdam, 24. Dez.(Funkspruch.) Nach den aus Westjava vorliegenden neuesten Meldungen hat die Aktivität des Vulkans Merapi noch nicht aufgehört; im Gegenteil hat das unterirdische Getöse, das bekanntlich inzwischen nachließ, wieder zugenommen und es war gestern in Ortschaftenk, die in großer Entfernung vom Vulkan liegen, sehr deutlich hörbar. Der holländische Resident, der die heimgesuchten Gegenden besuchte, erklärte nach seiner Rückkehr, furchtbaren Schreckensszenen beigewohnt zu haben. So wurde z. B. bei einem am Bergabhang des Merapi liegenden kleinen Haus ein gebrechlicher alter Mann angetroffen, der beim Herannahen der Lavamassen seinen fünf Söhnen den Nat gegeben hatte, ohne ihn die Flucht zu ergreifen, da er sie auf der Flucht nur behindern würde. Wie durch ein Wunder blieb das Haus jedoch unversehrt. Der Lavastrom wälzte sich dicht neben dem Hause vorbei. Die fünf Söhne des alten Mannes wurden auf ihrer Flucht vom Lavastrom eingeholt und veribzannten. Ein anderer Eingeborener hatte sich mit seinen drei Kindern vor der herannahenden Lavamasse auf die Flucht begeben, wobei er das eine Kind an der Hand mit sich führte, ein zweites auf dem Rücken trug und das dritte Kind, das er in ein Tuch gewickelt hatte, gegen seine Brust gepreßt hielt. Plötzlich faßte jedoch das Tuch, in dem sich das kleinste Kind befand. Feuer; in seiner Angst wollte der Vater das Tuch wegwerfen, wobei ihm jedoch auch das Kind entglitt, das von der herannahenden Lava erfaßt wurde und verbrannte, während der halb wahnsinnige Vater mit den beiden anderen Kindern im letzten Augenblick in Sicherheit gebracht werden konnte. Die Zahl der Flüchtlinge, die bisher in den ümliegenden Städten eingetroffen sind, wird auf etwa 12.000 geschätzt. Es ist sehr schwierig, alle diese Leute mit Lebensmittel zu versehen. Die Militärbehörden haben eine Anzahl Feldküchen zur Speisung der Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Auch mehrere Militärflugzeuge sind in die vom Vulkan heimgesuchten Gegenden entsandt worden. Eines dieser Flugzeuge entdeckte ein kleines Dorf, in dem etwa 75 Menschen durch den Lavastrom von der Außenwelt abgeschnitten waren. Mittwoch soll der Versuch gemacht werden, diesen Menschen vom Flugzeug aus mit Hilfe eines Fallschirmes Lebensmittel zukommen zu lassen. erneuter Beschluß des Parlaments dies zulätzr. Weigert sich Herr Goebbels, zu erscheinen, und will die Oberreichsanwaltschaft das eingeleitete Verfahren fortsetzen, dann müßte sie die Erlaubnis der zwangsweisen Vorführung des Angeschuldigten beim Reichstag erwirken. Ob ein entsprechender Antrag des Reichsanwalts bereits vorliegt, konnte im Reichstag im Augenblick noch nicht festgestellt werden, weil über 200 Anträge auf Strafverfolgung bezw. Aussetzung des Verfahrens gegen Reichstagsabgeordnete jetzt vorliegen. Kürzung der Angestelltenbezüge bei der Reichsrundfunkgesellschaft. wtb. Berlin, 23. Dez.(Tel.) Der Verwaltungsrat der Reichsrundfunkgesellschaft beschloß im Anschluß an die Notverordnung vom 1, Dez. eine am 1. Februar 1931 in Kraft tretende Kürzung der Bezüge der Angestellten des Rundfunks. Der Abzug beträgt für das 1500 RM übersteigende Einkommen bis 25000 RM ebenso wie bei den Reichsbeamten 6 Prozent. Höhere Einkommen werden bis zu 12 Prozent gekürzt. Umzugsverbot jür die Weihnachtstage. wtb. Düsseldorf, 23. Dez. Mit Rücksicht auf zeplante Störungen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit und Ordnung hat der Regierungspräsident für den 24. Dezember sämtliche öffentlichen Umzüge unter freiem Himmel im Regierungsbezirk Düsseldorf verboten.— Ein gleiches Verbot, das schon vor einiger Zeit für den Stadtbezirk GladbachRheydt erlassen war bleibt vorläufig bestehen.— Im Stadtgebiet von Osnabrück gilt das Verbot bis einschließlich 2. Januar.— Im Bezirk Merseburg sind ebenfalls für den 24. Dezember alle Umzüge verboten worden.— Der Polizeipräsident in Elbing hat für den Bezirk Elbing und Marienburg sämtliche Kundgebungen und Amzüge unter freiem Himmel bis zum 28. Dezember verboten. Erhöhte Alarmbereitschaft der Berliner Schupo. enb. Berlin, 23. Dez.(Eig. Meld.) Die Berliner Schutzpolizei ist morgen, am Weihnachtsheiligabend, in erhöhter Alarmbereitschaft, weil von kommunistischer Seite aus „Weihnachtsspaziergänge“ durch die Straßen geplant sind. Da für Berlin noch immer das vom Polizeipräsidenten erlassene Demonstrationsverbot besteht, wird die Schutzpolizei überall dort, wo es zu Ansammlungen oder Ausschreitungen kommen sollte, mit starken Kräften eingreifen; um Ruhestörungen zu vermeiden. An allen Brennpunkten der Stadt werden Abteilungen der Polizei stationiert; außerdem ist ein starker Straßendienst vorgesehen, der auch an den beiden Weihnachtsfeiertagen beibehalten wird. Separalistenführer Matthes wieder im Rheinland wp. Darmstadt, 23. Dez. Dem„Darmstädter Tageblatt“ wird aus Mainz gemeldet: Der Separatistenführer Matthes, der sich seit Jahren in Paris aufhält und dort eine intensive antideutsche Propaganda betreibt, macht sich wieder im Rheinland bemerkbar. Er hat, soweit man bisher festgestellt hat, allerlei Berufsgruppen zu kleinen Gesellschaftszirkeln vereinigt, die er geschickt dazu benutzt, seine separatistische Politik wieder aufleben zu lassen. Er selbst hält sich natürlich vollkommen im Hintergrund und läßt Zwischenmänner arbeiten, so daß die Kreise, die seine Politik auswärts betreiben sollen, nicht wissen, wer sie eigentlich führt. Im großen und ganzen ist seine Tätigkeit darauf abgestellt, die wirtschaftliche Not des Reiches auszunutzen, um im Rheinlande dafür Stimmung zu machen, daß im Falle einer Wirtschaftskatastrophe die rheinische Bevölkerung sich für die Bildung einer Rheinischen Republik, die unabhängig vom Reich ist, aussprechen soll. Wie man weiter hört, soll es Matthes finanziell nicht mehr gut Dur Kriegsgerert meSnteru Kellogg über seine Eindrücke in Europa- Die Landesabrüstung das sicherste Mittel für Sicherung des Friebens wtb Newyork, 23. Dez. Der frühere Staatssekretär Kellogg, der mit dem Lloyddampfer „Bremen“ hier eintraf, erklärte, die verantwortlichen Staatsmänner Europas beteiligten sich nicht an dem dortigen Kriegsgerede, das eine Folge der wirtschaftlichen Depression sei, und sprachen auch nicht davon, diese Probleme durch Krieg zu lösen. Niemand könne allerdings voraussagen, daß es niemals wieder Krieg geben werde: auf Grund seiner Eindrücke könne er jedoch feststellen, daß es niemals eine Zeit gegeben habe, in der europäische Staatsmänner so viele Schritte unternommen hätten, um einen Krieg zu vermeiden und friedliche Mittel zur Beilegung ihrer Kontroversen anzuwenden. Man habe ihn über seinen Eindruck von dem Ausfall der deutschen Wahlen gefragt, und ob die Zustände in Deutschland nicht auf eine Wendung zu einem Konflikt hindeuteten. Er habe das verneint, denn wo wäre Amerika, wenn jedermann in der Welt ernst nähme, was während der amerikanischen Wahlkampagne gesagt werde? Die hauptsächlichsten Probleme in Europa seien im Augenblick die Steuer= und Rüstungslasten sowie die Arbeitslosigkeit. Das wichtigste Mittel zur Sicherung des Friedens sei die Durchsetzung der Landabrüstung, und er sei der Meinung, daß die alliierten Mächte zur Abrüstung verpflichtet seien. Er hege starke Hoffnungen in dieser Hinsicht und glaube, daß die europäischen Völker diese Hoffnung teilten. Er sei der Ansicht, daß, innerhalb eines oder zweier Jahre eine Abrustungskonferenz stattfinden werde. Auf die Frage, ob er der Ansicht sei, daß Rußland den Frieden bedrohe, erwiderte Kellogg, er schenke solchem Gerede wenig Beachtung. gehen. Die Franzosen waren schon im Begriff, ihn fallen zu lassen und ihre Zuschüsse an ihn zu sperren. Offenbar hat man es jetzt mit einem neuen Versuch des Separatistenführers zu tun, der dann an Hand seiner Erfolge nachweisen will, daß er für Frankreich unentbehrlich ist. Umzug in der Wilhelmstraße Die Reichskanzlei im neuen Heim. enb. Berlin, 23. Dez.(Eig. Meldung.) Die Reichskanzlei ist jetzt in ihre neuen Räume in der Wilhelmstraße umgezogen. Unmittelbar nach Weihnachten werden im neuen Hause die Amtsgeschäfte aufgenommen werden. Im ersten Stockwerk befinden sich die Diensträume des Reichskanzlers und der Staatssekretäre, um diese Zimmer herum gruppieren sich die übrigen Büros. Alle Zimmer sind architektonisch einfach und sachlich gehalten mit sehr gutem Tages= und Abendlicht. Die bisherige Reichskanzlei bleibt als Wohnung bestehen und wird vor allem als Repräsentationshaus des Reichskabinetts Verwendung finden. Do K am 15. Januar flugklar wtb Friedrichshafen, 23. Dez. Auf Do. X ist während der durch den Unfall notwendig gewordenen Liegezeit in Lissabon die ursprünglich für Cadiz vorgesehene Gesamtinspektion an Triebwerkanlage und Schiff durchgeführt, sodaß Do. X nunmehr nach Beendigung der Flügelreparatur am 15. Januar 1931 wieder flugklar sein wird. Infolge der eingetretenen Verzögerung hat die Durchführung des ursprünglichen Flugplanes Azoren—Bermudas—Newyork wegen der vorgeschrittenen Jahreszeit und der vorherrschenden ungünstigen Wetterverhältnisse im Nordatlantik eine Aenderung erfahren. Die neue Flugroute ist wie folgt festgelegt worden: Lissabon—Kanarische Inseln— Kapperd. Inseln — Natal—Rio de Janeiro—Habana—Newyork. Der Prozeß Becker gegen den Reichswehrsiskus wtb Kiel, 23. Dez. Der Zweite Zivilsenat des Oberlandesgerichts Kiel als Berufungsinstanz verkündete heute vormittag das Urteil in der Schadensersatzklage des wegen Verkehrs mit staatsfeindlichen Elementen aus der Reichsmarine fristlos entlassenen Oberbootsmannsmaaten Becker gegen den Reichswehrfiskus. Das Gericht hob das abweisende Urteil der ersten Instanz auf und verurteilte den Reichswehrfiskus zur Zahlung eines Gesamtbetrages von 17700 Reichsmark. Vorbedingung hierfür ist die Eidesleistung des Klägers, daß er während seines Verkehrs mit dem früheren Angehörigen der Roten Marine, Naesert, von dessen Mitgliedschaft bei der Roten Marine nichts gewußt habe und auch von Naesert nicht darüber unterrichtet worden sei. Leistet der Kläger diesen Eid nicht, so wird seine Klage abgewiesen. Die Kosten des Verfahrens hat zu einem Sechstel der Kläger, zu fünf Sechsteln der Beklagte zu tragen. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß die Bestimmungen des Kündigungsgesetzes, wonach der zu Kündigende vorher zu hören sei, nicht beachtet worden seien. Rußland ist optimistisch Gefängnisstrasen im Frankfurter Kuppelei=Proseß Der frühere Fußllallspieler Pache und Genossen verurteil! wtb. Frankfurt a. M., 24. Dez.(Funkspr.) Im Kokain= und Kupelei=Prozeß gegen den bekannten früheren Fußball=Internationalen Robert Pache und Gen. verkündete das Gericht gestern abend nach längerer Beratung das Urteil. Es wurden verurteilt: Nobert Pache wegen fortgesetzten Vergehens gegen das Opiumgesetz und fortgesetzter Kuppelei zu 1 Jahr 4 Monaten Gefängnis, der Dentist Werner Häßler zu 7 Monaten Gefängnis, der Provisor Emil Schmidt zu 7 Monaten Gefängnis, die Krankenpflegerin Else Auchter zu 120 Mark Geldstrafe; alle drei wegen fortgesetzten Vergehens gegen das Opiumgesetz. Babette Gerhard wurde auf Grund des Paragraphen 51 freigesprochen. Das beschlagnahmte Kokain wird eingezogen. Pache werden 2 Monate, Häßler 2 Monate 2 Wochen und Schmidt 3 Wochen der Untersuchungshaft angerechnet. Der Haftbefehl gegen die Gerhard und gegen Häßler wurde aufgehoben. Die Anträge auf bedingte Strafaussetzung wurden zur Zeit abgelehnt. Die Urteilsbegründung. In der Begründung des Urteils sagte der Vorsitzende u. a.: Es ist nicht gelungen, volles Licht in die Angelegenheit zu bringen. Die Kriminalpolizei hat mit größter Umsicht den Fall bearbeitet und sich bemüht, die Quellen, aus denen das Kokain floß, festzustellen. Die Angeklagte Gerhard hat sich in vielen Fällen Kokain verschafft und es weitergegeben. Sie ist am 13. September 1929 in Köln wegen Vergehens gegen das Opiumgesetz verurteilt worden. Wegen der Vergehen, die vor diesem Datum liegen, kann sie also nicht noch einmal bestraft werden. In Bezug auf das Kokain, das sie nach dem 13. September 1929 bezogen hat, kommt die Anzurechnungsfähigkeit, die von Sachverständigen dokumentiert wurde, in Frage. Der Angeklagte Pache hat sich zweifellos am schwersten schuldig gemacht. Er hat in schwerster Weise gegen die ihm obliegenden Pflichten verstoßen. Es waren ihm junge Leute zur sportlichen Erziehung anvertraut. Er hat in mehreren Fällen junge Leute moralisch und sportlich verdorben. Er hat sich auch in mehreren Fällen der Kuppelei schuldig gemacht. Mangels Beweise konnte nicht festgestellt werden, daß der Tatbestand der schweren Kuppelei vorliegt. Der Angeklagte Schmidt hat in gewissenloser Weise gegen seine Berufspflichten verstoßen. Der Angeklagte Häßler hat Kokain an die verschiedensten Personen aus den unlautersten Motiven abgegweben. Zum Schluß betonte der Vorsitzende, daß die Tätigkeit des Gerichts bezüglich der Angeklagten Gerhardt hiermit zu Ende sei. Nach den heutigen Gesetzen stehe dem Gericht keine Möglichkeit zur Verfügung, etwas gegen sie zu veranlassen. Entschließung des Zentralkomitees der Kommnnistischen Partei zu den Sowjetneuwahlen. wtb. Moskau, 23. Dez. Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei hat eine Entschließung angenommen, in der, wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet, festgestellt wird, daß die politische Bedeutung der bevorstehenden Neuwahlen der Sowjets darin besteht, daß diese Wahlen das wichtigste Mittel zur radikalen Umgestaltung der gesamten Arbeit der Sowjets gemäß den Aufgaben sozialistischen Aufbaues seien. Diese Umgestaltung könne nur auf der Grundlage einer Steigerung der Rolle der Sowjets als Träger der allgemeinen Linie der Partei erfolgen. In der Entschließung heißt es weiter, die Vorgänge der letzten Monate und vor allem die Tatsache des Aufschwunges des sozialistischen Aufbaus der Sowjetunion bei gleichzeitiger weiterer Vertiefung der Weltwirtschaftskrise und Verschärfung der Klassengegensätze in den kapitalistischen Ländern hätten voll und ganz die Richtigkeit der Beschlüsse des 16. Parteitages bestätigt. Weiter wird festgestellt, daß die vom Parteitage gebilligte Politik eines breit entfalteten sozialistischen Vormarsches erfolgreich verwirklicht werde und dabei eine immer weitere Verschärfung des Widerstandes kapitalistischer und gegenrevolutionärer Elemente, die auf eine Intervention rechneten, hervorrufe. Die Antwort der Werktätigen auf die Interventionsvorbereitungen müsse noch ein entscheidener Vormarsch des Sozialismus und die allseitige Festigung der Wehrfähigkeit des Landes sein. Knackerjagd durch Deutschland cnb. Berlin, 23. Dez.(Eig. Meldung.) Eine ausgedehnte und zum Schluß erfolgreiche Jagd veranstalteten die Polizeibehorden in den letzten Tagen und Nächten auf zwei Geldschrankeinbrecher, die in der Nacht nach dem Goldenen Sonntag in dem großen Warenhause in Würzburg einen Geldschrank aufgeschweißt und dabei 35000 Mark erbeutet hatten. Da Spuren von den Einbrechern nach Leipzig wiesen, wurde die dortige Polizei von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt; die Täter waren jedoch von dort nach Wittenberg weitergefahren. Die Polizeibehörde in Wittenberg stellte fest, daß die Täter aller Wahrscheinlichkeit nach im Auto nach Berlin gefahren waren. Der Potsdamer Kriminalpolizei gelang es, den Kraftwagen der Einbrecher dicht vor Potsdam anzuhalten und die Insassen nach kurzem Widerstande zu verhaften. 32.000 Mark in Papier= und Hartgeld wurden dabei noch vorgefunden. An Hand der Fingerabdrücke konnte festgestellt werden, daß es sich bei den Verhafteten um bekannte Einbrecher handelt. Die Festgenommenen werden zur Aburteilung nach Würzburg gebracht. zu Boden, so doß sie festgenommen werden konnten. Bei den Burschen wurden außer anderen Gegenständen ein kleinkalibriger Revolver sowie eine Scheinpistole vorgesunden. Den Tätern wurde ziemlich übel mitgespielt. Einer von ihnen hat durch einen Schlag mit einem Stuhl eine erhebliche Kopfverletzung da vongetragen. Beide Täter standen auf der Schachtanlage 1=6 in Arbeit. Aus Nah und Fern Stillegungen von Schachtanlagen. wp. Dortmund, 22. Dez. Die Harpener Bergbau=AG. zeigt die Stillegung der Tagesanlage der Zeche Scharnhorst in DortmundBrakel an. Der unterirdische Betrieb der Anlage wird mit der Zeche Gneisenau betrieblich vereinigt. Zur Entlassung werden etwa 100 Belegschaftsmitglieder kommen, die über Tage beschaftigt sind. Die Vereinigten Stahlwerke haben mit dem Abbruch der Kokerei Germania 2, die bereits stillgelegt war, begonnen. Staatskommissar bei den Siegkreisgemeinden. wtb Siegburg, 23. Dez. In einer Anzahl Siegkreisgemeinden sind die Steuererhöhungen, die die Bürgermeister zur Fortführung einer geordneten Finanzwirtschaft für notwendig hielten, abgelehnt worden. Darauf ist Regierungskommissar Dr. Türck für einige Gemeinden als Staatskommissar bestellt worden. Er hat für die Gemeinden Sieglar, Oberpleis, Stieldorf, Neunkirchen und Seelscheid die erforderlichen Steuerbeträge festgesetzt. Der Kreisausschuß hat heute dieser Festsetzung seinGenehmigung erteilt. Wieder Kaffeeschmuggel im Hamburger Freihafen. wtb. Hamburg, 23. Dez. Nach Blättermeldungen ist im Laufe der letzten Woche wieder ein umfangreicher Kaffeeschmuggel im Hamburger Freihafen aufgedeckt worden. Wieder wurde, wie im August, mit Geheimräumen in Lastkraftwagen gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft soll bereitmit der Untersuchung beschäftigt und eine größere Anzahl Beteiligter soll dem Untersuchungsgefängnis zugeführt worden sein. Wiederaufnahmeverfahren im Fall Bullerjahn? anb Berlin, 24. Dez.(Eig. Meldung.) Im Falle Bullerjahn hat heute eine Besprechung zwischen dem Staatssekretär Dr. Joel, der gegenwärtig das Reichsjustizministerium verwaltet, und dem Verteidiger Bullerjahns, Dr. Rosenfeld, stattgefunden, in der sich der Staatssekretär, wie die Blätter berichten, grundsätzlich mit der Herbeiführung der Maßnahmen einverstanden erklärte, die eine Wiederaufnahme des Verfahrens vorzubereiten geeignet sind. Anschlag auf den Gouverneur von Pundschab. wtb Lahore, 23. Dez. Während einer Feier in der Universität wurden auf den Gouverneur von Pundschab, Sir Geoffrey de Montmorency, mehrere Schüsse abgfeuert. Wie verlautet, sollen seine Verletzungen nicht schwerer Natur sein. Zwei Polizeibeamte und eine Aerztin wurden ebenfalls verwundet. Zwei Studenten sind verhaftet worden. Mißglückter Lohngeldraub wtb Hamborn, 23. Dez. Heute früh war es zwei Vergleuten gelungen, unbemerkt durch ein nicht verriegeltes Fenster in das Lohnbüro der Verein. Stahlwerke, Bergbaugruppe Hamborn, Schacht 1—6, einzusteigen. Als die Lohnbeamten sowie ein Sicherheitsbeamter gegen 6 Uhr früh mit 20000 Mark Lohngeldern das Büro betraten, sprangen die beiden Näuber, die ihre Gesichter mit schwarzen Masken verdeckt hatten, unter den Tischen hervor und riefen„Hände hoch!“ indem sie den Beamten Schußwaffen entgegenhielten. Die Beamten waren aber recht geistesgegenwärtig, ergriffen sofort einige Stühle und schlugen damit?' Räuber Ueberschwemmungen in Rumänten wtb. Bukarest, 24. Dez.(Funkspruch.) Infolge der außerordentlich heftigen Regengüsse ist der Dujstr aus den Afern getreten. In der Stadt Cetatea Alba sind infolge der Ueberschwemmungen 40 Häuser eingesturzt; die Stadt mußte völlig geräumt werden. Zwischen dieser Stadt und der benachbarten Stadt Uretki ist der Bahndamm mehrfach völlig unterwaschen worden. Sturm auf eine Neuyorker Bank wtb. Neuyork, 24. Dez.(Funkspruch.) Die hiesige„Chelsea Bank and Trust Company“, deren Depositen etwa 18 Millionen Dollar betragen und deren Kundschaft sich größtenteils aus Theaterkreisen zusammensetzt, hat gestern ihre Schalter geschlossen. Etwa 300 Depositenkunden, die gekommen waren, um ihre Konten abzuheben, versuchten, die Räume der Bank im Stadtteil Bronx zu stürmen, wurden aber von bewaffneten Polizisten zugeschlagen. Angeblich sind beunruhigende Gerüchte über die Bank anonym telephonisch verbreitet worden. Zwei Männer wurden wegen Ausstreuung dieser Gerüchte verhaftet. Funkmeldungen Offiziersverhaftungen in Serbien. enb. Belgrad, 24. Dez.(Funkspruch.) Wie verlautet, sind auf dem Gebiet des Königreichs Jugoslawien 17 Ofiziere, die, wie die polizeiliche Untersuchung ergab, Mitglieder einer„Geheimliga für Gerechtigkeit und Freiheit“ waren, verhaftet worden. Unter den Offizieren befinden sich mehrere hohen Ranges. Ihre Vernehmung wird, wie verlautet, von dem Ministerpräsidenten, General Zivkowitsch, selbst vorgenommen. Die Blätter melden, daß die Liga einen„Aufruf verbreitet habe, der sich gegen das Regime und gegen König Alexander richtete Der italienische Südamerika=Flug. wtb. Villa Cisneros(Spanisch=Westafrika), 24. Dez.(Funkspruch.) Die gestern früh um 8.30 Uhr(Ortszeit) in Kenitra gestarteten vierzehn italienischen Wasserflugzeuge unter Leitung des Luftfahrtministers Balbo sind gestern nachmittag 5 Uhr(Ortszeit) hier eingetroffen. Diskonterhöhung der Federal Reserve=Bank in Neuyork. wtb. Neuyork, 24. Dez.(Funkspruch.) Die Neuyorker Federal Reserve=Bank hat den Diskontsatz von 2,5 auf 2 Prozent ermäßigt. Wie reich sind Von Dr. Hans Der Gesamtreichtum des Erdballes wurde gissernmäßig im Jahre 1914 mit rund 4200 Milliarden angegeben. Wäre das schier unaufhörliche Wachstum des Gesamtwertes aller Volksreichtümer nicht durch den Ausbruch und die vierjährige Austragung des Weltkrieges gehemmt worden, so hätte dieser gesamte Weltreichtum heute einen Betrag von schätzungsweise 6500 Milliarden Mark ausmachen müssen. Wir wissen nicht genau, welche gewaltigen Reichstümer durch Kriegsschäden, Kontributionen und Kriegsausgaben während des vierjährigen Völkerringens vergeudet wurden, welche produktiven Völkerkräfte durch Herausziehung von mehreren zehn Millionen Menschen aus dem Weltwirtschaftsprozeß gelähmt, bezw. zerstört wurden, wohl aber erfahren wir heute im Zeichen der Weltwirtschaftskrise, wie hindernd sich das durch imperialistische Friedensverträge erzeugte politische und wirtschaftliche Chaos der rationellen Erzeugung, Verteilung und Konsumierung neuer Wirtschaftswerte in den Weg stellt. Rund 35 Prozent des Weltreichtums wurden durch vier Jahre Krieg vergeudet bezw. zerstört, und eine bedeutsame Verschiebung der einzelnen Volksreichtümer fand in diesem Zeitraum statt. Der englische Volkswirtschaftler Stamp gab 1919 im„Journal of the Royal Statistical Society“ das Gesamtvermögen der wichtigsten Während nun Europa in den Kriegsjahren armte, bereicherten sich mehrere überseeische Länder während dieser Zeit in einem Maße und mit einer Geschwindigkeit, die geradezu erstaunlich anmutet. Während beispielsweise Deutschland mehr als ein Drittel seines Volksvermögens im Kriege einbüßte— was ferner die Inflations= und Deflationsjahre des letzten Jahrzehnts an Volksvermögen verschlangen, ist ein Kapitel für sich—, wuchs das der Vereinigten in diesen vier Jahren fast um die Hälffe. Unter dem Volksreichtum oder Wohlstand eines Landes verstehen wir im engeren statistischen Sinne des Gesamvermögens eines Volkes, sein„Volksvermögen", im weiteren dann das die jeweilige Erzeugungskraft eines Volkes darstellende„Volkseinnahmen", wobei zu berücksichtigen ist, daß es der Statistik nicht immer möglich ist, zu wissenschaftlich einwandfreien Angaben über das Vermögen und Einkommen der verschiedenen Nationen zu gelangen Sie ist häufig auf der Wirklichkeit möglichst nahekommende Schätzungen angewiesen sowie auf die Anwendung besonderen Mehoden für verschiedene Einkommens= und Vermögensformen der Völker. Nach jüngst veröffentlichte Angaben des „Newyorker". Times Magazine" beziffert sich heute der Nationalreichtum der Vereinigten Staaten, deren Gesamtvermögen, wie erwähnt, bereits im Jahre 1914 größer war als das jedes anderen Staates, auf 400 000 Millionen Dollar, die Rationen? Hillebrand. es hat sich also, unter Zugrundelegung der eingangs angeführten Stamp'schen Tabelle, in 16 Jahren mehr als verdoppelt, und ist gegenwärtig größer als die Summe der Nationalvermögen von sämtlichen europäischen Staaten zusammen, genau genommen, von England(ohne Dominien und Kolonien), Deutschland, Frankreich, Italien, Rußland und den kleineren Staaten, deren Vermögen hierbei gar keine wesentliche Rolle spielen. Auf den Kopf jedes der 122 Millonen Einwohner der Vereinigten Staaten entfallen von diesem Vermögen demnach 3400 Dollar, auf den jedes der 400 Millionen Europäer und Japaner, die man in diese Berechnung mit einbezog, dagegen nur 1000 Dollar. Jeder Amerikaner ist heute z. B. zehnmal reicher als jeder Russe, auf dessen Kopf unter zugrundelegung des russischen Nationalvermögens heute nur 300 Dollar entfallen, viermal reicher als jeder Japaner oder Italiener, auf die je 800 Dollar kommen, ängblich dreimal reicher als jeder Deutsche— auf den angeblich 1000 Dollar entfallen, ein Betrag, der jedoch kaum der Wirklichkeit entsprechen dürfte— sowie zweimal reicher als jeder Franzose, der mit 1500 Dollar Volksvermögen eingeschätzt wird. Das Nationalvermögen der 45 Millionen Engländer geben die Amerikaner jetzt mit 120 000 Millionen Dollar an, von denen pro Kopf jedes Briten 2800 Dollar anzusetzen wären. Noch deutlicher wird der Wohlstandsunterschied zwischen den Vereinigten Staaten und England bei Berücksichtigung der jährlichen Volkseinkommen beider Länder. Dieses Einkommen wird für die Vereinigten Staaten jetzt insgesamt auf 100000 Millionen Dollar geschätzt, für England aber nur auf rund 20 000 Millionen Dollar. Aus allen diesen Angaben erhellt, daß die Frage der Kriegsschuldtilgung erst dann endgültig geklärt werden kann, wenn sich die amerikanische Nation dazu versteht, in Anbetracht ihrer gewaltigen, mühelos errafsten Kriegsund Nachkriegsverdienste an ihrer Gläubigerrechnung endlich die Abstriche vorzunehmen, auf welche nachgerade die gesamte übrige Welt seit Jahren wartet. Vermischtes Asiatischer Todeswille Von den Schweizern und Tyrolern wird gesagt, daß sie ganz besonders unter Heimweh leiden, wenn sie in die Fremde verschlagen worden sind. Das kommt schon in den Jahrhunderte alten Volksliedern„Zu Straßburg auf der Schanz“ und„Innsbruck, ich muß dich lassen“ ergreifend zum Ausdruck. Unter den asiatischen Völkern zeigen besonders die Chinesen eine stark entwickelte Vaterlandsliebe, bringen doch alljährlich Tausende von Särgen die im Auslande gestorbenen Söhne des Reiches der Mitte in die Heimat zurück. Daß auch die Inder dieses Gefühls in hohem Grade fähig sind, zeigte sich kürzlich bei dem Tode eines dreißigjährigen Hindu in London. Mohammed Habibulla war nach dreijährigem Aufenthalt in Europa plötzlich gestorben, ohne ernstlich krank gewesen zu sein. Der Arzt stand dem Fall ratlos gegenüber. Genauere Nachforschungen brachten Licht in die geheimnisvolle Angelegenheit: Der herbeigerufene Bruder des Toten sagte aus, daß der Verstorbene sehr an Heimweh gelitten habe, zur Rückreise jedoch außerstande gewesen sei. Habibulla war zuletzt in Schwermut verfallen und hatte jegliche Nahrungsaufnahme verweigert. Das alles schien noch keine ausreichende Erklärung für den Todesfall zu sein. Glücklicherweise war der antlich bestellte Leichenbeschauer ein Kenner der fernöstlichen Psyche, und sein Gutachten ging dahin, daß„ein Asiate stirbt, wenn sich seine ganze Willenskraft auf die Herbeiführung des Todes richtet“. Die Fabelstadt in der Wüste. Eine englische Expedition befindet sich augenblicklich mit drei Kraftwagen unter Führung des Majors Ralph Bagnold auf der Suche nach der sagenhaften Wüstenstadt Zerzura. Seit einem Jahrhundert erhält sich in den Randgebieten der Lybischen Wüste das Gerücht, zwischen den Oasen Kufra und Siwa liege eine Stadt, die seit lan'gem jede Verbindung mit der Außenwelt aufgegeben habe. Ihre Mauern sollen sich am Ufer eines Sees erheben und einige tausend schwarze Einwohner beherbergen, die einst aus dem Süden dorthin geflohen sind. Major Bagnolds Expedition ist nicht die erste, die den Versuch unternommen hat, die Fabelstadt zu entdecken. Einer seiner Vorgänger folgte den Angaben eines alten Arabers und fand an einer Stelle, die Hunderte von Kilometern von jeder bekannten menschlichen Siedelung entfernt war, Schakalspuren und unweit davon eine Wildente, die sich ja nie weit vom Wasser entfernt. Eine andere Expedition entdeckte unweit dieser Stelle eine Schlange, die sich in gut genährtem Zustand befand, obwohl weit und breit nicht die geringste Spur von lebenden Wesen zu finden war, die dem Tier zum Futter hätten dienen können. Außerdem stellten sich eines Tages in der Oase Dakhla zwei verwilderte Rinder ein, die aus der Wüste kamen. Alle diese Tatsachen bestärkten den Engländer, daß es in der Wüste wirklich eine unbekannte menschliche Siedelung geben muß. Der erste Teil der Fahrt liegt inzwischen hinter der Expedition, die in drei Wochen dreitausend Kilometer in der Wüste zurücklegte. Hierbei stieß Bagnold auf eine bis dahin unbekannte Oase, die sieben noch nie mit der Außenwelt in Berührung gekommene Beduinen beherbergte. Die Tatsache beweist, daß die Wüste recht gut Siedelungen bergen kann, von denen kein Außenstehender etwas weiß. Das völlige Fehlen jeglichen Wassers zwang Major Bagnold kürzlich, nach WaddyHalfa zurückzukehren, von wo aus er nun einer neuen Spur in die Wüste folgen will. Der Tod des Blumenzüchterpaares. Fünf Minuten nach dem Tode ihres Mannes schied auch die Frau des Blumenzüchters Leigh aus dem Leben. Beide hatten als Züchter großblütiger duftender Wicken einen Ruf in ganz England. Ihr Werk gelang ihnen, weil Mann und Frau sich dabei in seltenem Grade ergänzten. Der Mann war sehr erfinderisch in der Ausarbeitung züchterischer Gedanken, die Frau verstand sich auf die Ausführung. Leigh wurde schwer krank. Nun ließ die Frau die Blumen unberücksichtigt und verwandte ihre ganze Sorge auf die Pflege und Wiederherstellung des Gatten. Aber vergeblich. Im Augenblick seines Todes war sie bei ihm, stürzte in sich zusammen als sie die Gewißheit gewann, daß er nicht mehr lebte, und fiel so unglücklich auf die Roste eines Kamins, daß ihre Kleider Feuer fingen und sie verbrannte. " Verurteilte knobeln ihre Strafen aus. Zu den Eigenarten des amerikanischen Gerichtswesens gehört außer anderem die weitgehende Freiheit, man kann beinahe sagen Willkür, mit welcher der Richter drüben Strafen festzusetzen besugt ist. Besonders kraß zeigt dies ein Fall in Rockville in Maryland. Dort erscheinen drei Neger vor dem Richter, um sich wegen verbotenen Glücksspiels zu verantworten. Da sie auf frischer Tat betroffen waren, hatte Leugnen wenig Zweck. Die drei Sünder gestanden denn auch ohne Zögern. Dem Richter blieb nur übrig, die Höhe der Strafe zu bemessen. Er tat es auf eine originelle Weise:„Ihr Schlingel sollt einmal sehen, wie launisch das Glück beim Würfeln ist. Ich werde jetzt drei Würfe holen lassen, damit tut jeder von Euch einen Wurf und sitzt dann soviel Tage ab, wie er Augen geworfen hat. Seid Ihr einverstanden?" Alle drei stimmten eisrig zu. Unter heftigen Beschwörungen tat jeder der Schwarzen seinen Wurs. Einer hatte zehn, einer sieben und der Glücklichste nur sechs Augen geworfen, und dementsprechend erhielt jeder sein Strafmaß zudiktiert. Da seht Ihr nun, wie unzuverlässig die Würfel sind. Hoffentlich ist das Euch eine Lehre. Wollt Ihr versprechen, nie wieder einen Würsel anzurühren?“ Aber dazu konnten sich die drei Sünder, froh, so billig davongekommen zu sein, denn doch nicht verstehen. Die Schwarzen schüttelten nur grinsend den Kopf und zogen grinsend ins Kittchen. Bauern als Astronome. Daß viele wichtige Entdeckungen nicht von Fachleuten, sondern von Laien gemacht wurden, ist eine allgemein anerkannte Tatsache. Aber auch die zünftigste aller Wissenschaften, die Astronomie, mußte es sich gefallen lassen, daß einsache Bauern auf ihrem Gebiete zu anerkennenswerten Erfolgen kamen. Christian Arnold, ein im 17. Jahrhundert in der Nähe von Leipzig lebender sächsischer Bauer, entdeckte mehrere Kometen und beobachtete sogar zuerst einen Vorbeigang des Merkur vor der Sonnenscheibe. Die Stadt Leipzig war stolz auf ihn, und ehrte den schlichten Landmann, der mit den berühmtesten Astronomen seiner Zeit in Briefwechsel stand, durch ein Ehrengeschenk, welches ihm die Verbesserung seines Observatoriums ermöglichte, und befreite ihn lebenslänglich von allen Abgaben. Als 1758 sich die Fernrohre aller Sternwarten nach jener Stelle am Himmel richteten, wo nach den Berechnungen der Gelehrten des Halleysche Komet auftauchen solte, fand keiner den gesuchten Wandelstern. Diesen zu finden, blieb dem Bauer Joh. Georg Palitzsch in Prohlis bei Dresden vorbehalten. Erst einen Monat später gelang es der Pariser Sternwarte, ebenfalls den Kometen zu sichten. Auch die von ihm entdeckte periodische Veränderlichkeit des Sternes Algol im Perseus zählt zu seinen Verdiensten. Palitzsch, der zum korrespondierenden Mitgliede der Akademien von London, Petersburg usw. ernannt wurde, blieb auch ungeachtet sonstiger Ehrungen ein schlichter deutscher Bauer. Eine teure Abfindung. Die Fürstlich Thurnund Taxis'sche Familie, die ehemals das Privileg des Postbetriebes im ganzen Deutschland, Oesterreich etc. besaß, erhielt als Abfindung allein von Preußen im Jahre 1819 drei Rittergutsdomänen in der Provinz Posen und 1867 die für die damalige Zeit ungeheure Summe von 3 Millionen Taler. Weihnachten, das Fest der Liebe Trübselige Weihnachten, fürwahr für Ungezählle! Und wenn die, denen noch jeder Tag Arbeit und Brot gibt, nicht hinter den Betonmauern einer brutalen, kaltherzigen Selbstsucht sitzen, trübselige Weihnachten für uns alle. Denn es geht wohl uns alle an, wenn durch die Straßen der Sprechchor schreit:„Hunger— Hunger! Not— Pot!“. Es geht doch wohl uns alle an, wenn unser Volk in der Siedehitze politischen Parteihaders vergeht und keine Kraft findet, entscheidende Schritte zur Vermeidung einer Katastrophe zu tun. Es geht doch wohl alle an, wenn das Weihnachtsfest, das einst Hoch und Nieder in der gleichen Freude einte, heute zum Tag geworden ist, an dem Millionen geballte Fäuste dem Kind in der Krippe drohen und denen, die es verehren, den Tod an den Hals wünschen. Wie sehr unser Abendland in der Gefahr eines völligen Umsturzes seiner Kultur steht, kann uns kaum sonst so deutlich werden wie an diesem Weihnachtssest.„Hosianna“, klingt's in den Kinben.„Gelobt sei, der da kommt im Namen der Heren.“ Aber„Nieder“ brüllt's auf den Straßen.„Versiucht sei das Christkind der Bourzeoisie!“ Und dabei verkündet Weihnachten den Anbruch eines neuen Tages in der Menschheitsgeschichte.„Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.“ Ein unaufhörliches„Vorwärts zum Licht", bedeutet seine Feier. Lebendiger und kräftiger wollte es in die Menschenherzen fallen, als jemals ein Avanciersignal der Menschen und ihrer Armeen, stärker als jenes tosende Lied:„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit". das heute Millionen Füte für ein ganz anderes Ziel in Bewegung setzt! Wandte sich nicht darum einst eine zerfallende, an der Zukunft verzweiseinde Welt dem Weihnochtslicht und seiner Botschaft zu, woll sie aus dem Munde des zum Manne gewordenen Christus die Losung vernahm:„Vorwärts! Vorwärts! Wandelt im Licht!“ Und weil sie an ihm und durch ihn erfuhr, im Zentrum des Lebens erfuhr: Hier ist in der Tat ein Vorwärts, ein Neues an Geist, Seele und Leib, von dem Erneuerungskräfte in alle Welt ausgehen. Sie hat die Erlösungskräfte wahrgenommen, die mit der ersten Weihnacht in die Menschheit einströmten aus Gottes Welt. Und ist eine Weile stark gewesen in der Kraft der erlösenden Liebe. Sind diese Kräfte erloschen? Nein, und abermals nein! Ueberall werden sie täglich neu, wo Christus unter und in den Menschen geboren wird. Ueberall und allezeit werden sie sichtbar, wo zur Weihnachtszeit Kerzen aufleuchten, die ihm zur Ehre angezündet werden. Aber freilich, ernster als je fordern diese Kerzen, daß wer unter ihnen feiernd steht, ihr Licht in sein Herz fallen läßt und zum Menschen des Lichtes wird, zum Boten der erlösenden Liebe. Wir feiern Weihnachten diesmal in einer Stunde der Menschheitsgeschichte, in der die Liebe wieder voll in ihr Recht tritt. Jahrzehnte hindurch galt es fast für rückständig und abwegig, im sozialen Leben von Liebe und Barmherzigkeit zu reden.„Gebt uns unser Recht". Wir wollen nicht Barmherzigkeit, wir wollen Gerechtigkeit“, so hieß es. Dieser Schrei hatte guten Grund. Nie war die Gerechtigkeit mehr vergessen, als während der Zeit, in der unter der Parole„Fortschritt, Fortschritt“ Millionen unter die Räder einer rasend gewordenen technischen Entwicklung gerieten. Heute nun, wo die tyrrannische Herrin Maschine ihre Diener und Verehrer mit eiserner Härte und mit Hunger und Arbeitslosigkeit lohnt, wird wieder deutlich, daß die Menschheit bei aller Anerkennung des Rechts der Liebe doch nicht entraten kann, und daß, wo das Recht nicht mehr hilft, die Barmherzigkeit auf den Plan treten muß. Darum ist Weihnachten in seinem tiefsten Sinn in diesem Jahre ein so besonders aktuelles Fest. Denn es ruft zur barmherzigen Tat und zur helsenden Liebe auf, nachdem das Recht unter der Not der Zeit die Menschen im Stiche ließ und nun für so viele keine Hilfe mehr zu schaffen vermag. Nun muß die liebende Tat mitten im Dunkel der Not das Licht des Trostes und des Vertrauens aufrichten, daß es doch noch etwas anderes gibt, als die Brutalität der gegenwärtigen Not. Die Liebe hat heute das prophetische Amt, durch opfernde Güte Unzähligen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu schenken. Sie darf und muß der Menschheit den Glauben erhalten, daß stärker als die kalten Gesetze der Wirtschaft die umwandelnde Kraft der Herzen ist, die aus der erlösenden Weihnachtstat Gotdes den Willen zur Hilfe lernen. Die Bibel hat den Tag der Geburt Christi einmal bezeichnet als den Tag, der dem Volk die Erkenntnis des Heils gibt durch die herzliche Barmherzigkeit Gottes, durch die uns der Aufgang aus der Höhe besucht. Lange sind die Ohren der Menschen für den tiefen Sinn dieses Wortes verschlossen gewesen. Sie haben sich zugleich, wie automatisch, die Barmherzigkeit gegeneinander versagt. Heute, wo ungezählte in ihrer Existenz bedrohte und am Sinn alles Lebens verzweifelnde Menschen in der Mühung einer erbarmungslosen Entwicklung nach Rettung rufen, wissen wir, daß das Fest der Liebe und Barmherzigheit Gottes der Ausgang unentbehrlicher Lebensströme ist, aus denen uns die Erkenntnis des Heils zuteil wird. Diese Erkenntnis aber heißt: Liebe! Zu dem, der sie weckt, und zu den Brüdern. So sei denn dies in härtester Zeit gefeierte Weihnachtsfest 1930 ein Tag, an dem die Liebe sich neu entzündet und durch die Tat beweist, daß sie lebendig is, voller Heil für unser Volk und für die Menschheit. Dr. 23. Weihnachten Weihnachtsglocken klingen jubelnd Von den Türmen, um zu künden: Daß der Heiland uns geboren, Der Erlöser von den Sünden. Ehre, sei Gott in der Höhe— Und den Menschenkindern allen, Welche guten Willen haben, Friede und ein Wohlgefallen. Einst zur Nacht, im kalten Stalle Ist Gott Sohn zur Welt gekommen, Hat auf seine schwachen Schultern Alle Sündenlast genommen. Laßt uns mit den frommen Hirten Ehrfurchtsvoll die Knie beugen— Und dem Kinde in der Krippe Anbetung und Dank erzeigen. Mit den heiligen drei Kön'gen Wollen wir ihm uns're Gaben, Glaubensstark zu Füßen legen, Da wir die Gewißheit haben, Daß das Werk, das Jesus Christus In der Weihnacht hat begonnen, Für uns arme Erdenpilger Ist ein steter Gnadenbronnen. Möge allen Gotteskindern, Die in Not sind hier auf Erden, Heut' durch wahre Nächstenliebe ein gesegnet' Christfest werden; Daß das Wort des Welterlösers, Sich, zur Weihnachtszeit erfülle, Was ihr den Geringsten tatet, Habt ihr mir getan. ##. Aus#le. ( Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen: Sofie Thomas geb. Leinweber Hugo Meininghaus Schwerte(Ruhr) Kampstr. 21 Dortmund Ardeustr. 80 Weihnachten 1930 Turnverein,„Germania“ Erste veranstaltet am 2. Weihnachtstage, nachm. 5 Uhr im Lokale Hengstenberg (Inb. H. Stens) ein Großes Wiilteriest bestehend aus Konzert, turnerischen Vorführungen und Tanz.„Eintritt 50 Pfg. Zu zahlreichem Besuch ladet ein. 4667 Der Vorstand. Ein gut rechnender Kausmann— muß und wird inserieren! C Else Kauké Georg Cibis Verlobte Schwerte Hindenburg(Oberschl.) z. Zt. Did.-Aplerbeck Weihnachten 1930 Kusr Restaurant Schulte Nandhofen 2. 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Steuer, an der Kasse Mk. 1.- Karten Im Vorverkauf sind zu haben im Vereinslokal Franz Spix. Zigarrengesch. O. Kersting, bei den Friseuren Wirthsmann und Grischy, dem Vorsitzenden Wirt Wilh. Brauckhoff und den Mitgliedern. Nach dem Honzert Tanz! lbach-Flügel von Hobrath& Söhne, Dortmund. in reicher Auswahl sind Zu haben in der Buchhandlung Caff Braus Bahnhofstr. 3 Gr. Marktstr. 3 Ein treues Vaterherz hat aufgehört zu schlagen. Heute morgen 6¼ Uhr entschlief sanft und gottergeben, nach kurzem, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel im 77. Lebensjahre. Dieses zeigen tiefbetrübt an: Die trauernden Hinterbliebenen Schwerte, den 24. Dezember 1930. Die Beerdigung findet am Samstag, 27. Dezember 1930, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Westenort, aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. Kalender und Jahrbücher für 1931 Bekanntmachung In unser Handelsregister Abteilung B. Nr. 36 ist heute bei der Firma Stahlwerk Ergste, Aktiengesellschaft in Ergste, folgendes eingetragen worden: § 4 des Gesellschaftsvertrages ist geändert. Aktienkapital von 500000.— Reichsmark ist in 500 Aktien zu je 1000.— Reichsmark zerlegt. Schwerte, den 22. Dezember 1930. 4669 Das Amtsgericht. *** *** *** Schwerter Wochenmarkt Der letzte Wochenmärkt vor Weihnachten war in den frühen Morgenstunden nur mäßig besucht. Auch waren verschiedene Händler ausgeblieben. Viel gekauft wurden Apfelsinen, Aepfel und Nüsse usw.; die letzten Tannenbäume wurden zum Fest von den Käufern ausgesucht. Nachstehend die Preise:..... Schlr imefleisch Fleischwaren: Rindsteisch 90, Schweinefleisch 90 und 1.— M. Gefrierfleisch 90, Speck 80 bis 1,20, Schinken 1,60, Schweinekoteletts 1.—, Blutund Leberwurst 60, Hausmacher 80, Kalbsleber= wurst 1,40, Braunschweiger 1,30, Bierwurst 1,30, Mettwurst 1,40, Fleischwurst 1,10—1,20, Plockwurst 1,50 bis 2.— M, Zervelatwurst 1,80 bis 2.40 M. Butter und Eier: Butter 1,70, Eier 6 Stück 1.— R. Obst, Südfrüchte und Gemüse: Aepfel 35 und 40, Apfelsinen 16—30 Stück 1.— M. Bananen 30, Weintrauben 70, Walnüsse 75, Haselnüsse 65, Feigen Paket 30, Zitronen 3 Stück 20, Erdnüsse 60, Spekulatius 70, Weißkohl 6, Rotkohl 8, Endiviensalat 40, Rosenkohl 25 und 30, Zwiebeln 2 Pfd. 15, Spinat 15, Porree 10, Grünkohl 2 Pfd. 25, Wurzeln 8, Steakruven 5, Rote Beete 10, Schwarzwurzel 35 Pfg. Fischwaren: Bratschellsisch 30, Kochscheilfisch 40 Pfg., Kabeljau 35, Rotbarsch 30, Filet 60, Karpfen 60, Heringe 12 und 16 Stück 1.— Mk. S brauchen Sie ia Ihrem Büro e und für den Geschäftsbetrieb Neue Bücher u. Formulare Warten Sie nicht bis zum letzten Augenblick. Bestellen Sie rechtzeitig Ihre Drucksachen beim Buchdrucker! Wir drucken für Sie auf erstklassigen SpezialBücherpapieren, in jeder Liniatur und in jedem Format. Buchdruckerei Car Braus, Schwerte-Ruhr Mein Bayernland Blodigs Alpenkalender Daheim=Kalender, gebd. Deutsches Land Deutscher Lied=Kalender Dürer=Kalender Friedrich der Große(Vaterl. Jahrbuch) Gesundbrunnen(Kalender des Dürer= bundes) Deutscher Turn= u. Sportkalender Sport= und Körperkultur=Kalender Kunst und Leben.... Lebensborn..: gebd. 1.80, kart. Deutscher Kinder=Bildkalender Schönheit am Wege Sohnreys Dorfkalender Spemanns Kunst=Kalender Spemanns Literatur=Kalender„„ Spemanns Musik=Kalender Spemanns Wander=Kalender Spemanns Frauen=Kalender„ Spemanns Alpenkalender Spemanns Natur=Kalender Deutscher Städte=Kalender Alpenland=Kalender Deutsche Burgen.***** Ruhmesstätten Deutscher Kultur Natur u. Kunst Deutscher Kunstkalender Silhouetten=Kalender Ludwig Richter=Kalender Kosmos=Kalender Deutscher Wander-Kalender Ski=Heil 1931 Flug=Kalender Neuer Photo=Kunst=Kalender Spemanns Photo=Kalender Das technische Jahr 1931..... Limpert=Kalender„Das schöne Deutschland" Pareys Jagv=Abreiß=Kalender* Jagd=Abreiß=Kalender(Neumann)„ Preußen=Kalender Beyers„Frauen=Schaffen".."# Die Frau unserer Zeit.....# Damen=Kalender**** Plischke=Jahrweiser Plischke Jahrweiser(gr. Ausgabe) 3.90 M 3.20„ 3.50„ 2.50„ 2.50„ 2.50„ 1.— ." 1.80 M 2.50 * Kinderfreund Deutscher Jugend=Bildkalender Kosmos=Taschen=Kalender„ 1.80„ Kränzchen=Kalender„ 2.—„ Kamerad=Kalender„ 2.—„ Neidingers Kinder=Kalender„„„ 2.—„ *** ***** ***** ***** *** *** *** *** *** 1.60„ 2.50„ 2.40„ 3.50„ 1.20 2.50„ 2.50„ 0.90„ 2.40„ 2.40„ 2.40„ 2.40„ 2.40 2.40„ 2.40„ 3.50„ 3.90„ 3.90„ 3.90„ 3.60„ 2.60„ 2.60„ 2.50„ 2.40„ 2.50„ 2.80„ 2.60„ 2.60„ 2.40„ 2.40„ Ehristliche Kalender Feesche=Kalender„Gesegnetes Wandern“. Für Auge und Herz....::: Herrnhuter Losungen der Brüdergemeine ... geb. 2.50, 1,60 u. Herrnhuter Losungen der Brüdergemeine *„„„ kart. Mein Wegweiser Neukirchener Abreiß=Kalender Neukirchener Jugendfreund Kaiserswerther Christl. Volkskalender Herrnhuter Losungs=Abreiß=Kolender. 1.20 1.75 1.— 0.80 1.— 1.— 0.75 0.70 1.20 M Kontor=Kalender Kaernder=Blocks, lose. Kalender=Rückwände Kalender für Pult und Tasche(TerminKalender) Lucas' tägl. Notizbuch mit Anhang Lucas' tägl. Notizbuch ohne Anhang Notiz=Agenda ab Soenneken=Umlege=Kalender.. ab Soennecken=Umsteck=Kalender für Kontore(gr. Format) Wand=Kalender 0.60,0.40 u. Wochen=Abreiß=Kalender ab 915 8 0.25„ 0.75„ 3.20„ 2.30„ 0.30„ 0.95„ 9.50 0.10„ 0.85„ 2.50 3.50„ 3.—„ 3.—„ 2.80„ 2.25„ 2.60„ 2.50„ 3.70„ Verschiedene Kalender Blumenschmidt's Abreiß=Kalender„ Kosmos=Sternbüchlein 1931... Köhlers Flotten=Kalender Köhlers Deutscher=Kalender Köhlers Kolonial=Kalender Lahrer hinkender Bote.*** Rhein.=Westf. hinkender Bote Mentzel=Leugerkes Landwirtschafts=, Hülfs= u. Schreib=Kalender Mentzel=Lengerkes Landwirtschafts=, Hülfs= und Schreib=Kalender mit 2. Band Pfarrer Künzle's Volks= u. KräuterKalender Portemonnaie=Kalender von 0.15 bis Taschen=Kalender... von 0.25 bis Velhagen u. Klasings Almanach 930 1.50 1.30 0.70 1.30 0.70 0.15 2.80 3.89 Kinder= und Jugend=Kalender Kasperle 0.10 M Jungborn 0.10„ Guckkästlein 0.10„ Hahns Kinder= und Märchen=Kalender 3.80„ Vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerte Nuhr, Bahnhofstr. 4 1.— 1.— 1.— 7.— Nr. 301(Zweites Blatt) „Schwerter Helluns Mittwoch, 24. Dezember 1930 Weihnachsten 1830 allgemeine Wirtschaftsnot liegt diesmal als dunkler Schatten über dem Weihnachtsfest. So mancher Weihnachtstisch wird diesmal nur kärgliche Gaben aufweisen oder ganz leer sein. Auch die Politik steht im Zeichen der Nat, nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Ländern. Durch Notverordnungen hat man im Reiche diese Not zu steuern versucht; man hat damit eine politische Krise vermieden, aber die bange Frage will nicht verstummen: Was wird die Zukunft bringen? M 449 In Frankreich, wo sich die Wirtschaftstise bisher weniger ausgebreitet hat wie in anderen Ländern, hat nein noch kurz vor dem Fest die politische Krise liquidiert, die durch den Sturz Tardieus entstanden war. Auch diese Krise hatte einen wirtschaftlichen Hintergrund, die großen Bankskandale spielten dabei eine gewisse Rolle. Die Lösung hat man aber rein politisch gesucht, indem man den Kurs mehr nach links drehte. Ob das Weihnachtskabinett Steeg den Wiederzusammentritt der Kammer am 13. Janur überleben wird, bleibt abzuwarten, aber es hat dann jedenfalls den Zweck erfüllt, über Weihnachten und Neujahr hinwegzuhelfen. Für die Weihnachtsbotschaft„Friede auf Erden“ hatte man in Anbetracht der Krise diesmal keine Zeit übrig. So sind auch die französisch=italienischen Verhandlungen in der Flottenfrage ins Stocken geraten. Wie der„Daily Telegraph“ wissen will, bemüht man sich aber zur Zeit in England, die Sache wieder in Fluß zu bringen. Der Sachverständige des Londoner Auswärtigen Amts, Craigie, ist als„ehrlicher Makler“ zunächst nach Rom gesandt worden, wo er eine Anzahl Besprechungen mit hohen italienischen Beamten darunter dem Außenminister Grandi und dem Führer der italienischen Abrüstungsdelegation, hatte. Das Terrain war bis zu einem gewissen Grade gelegentlich der Besuche vorbereitet worden, die der amerikanische Botschafter in Brüssel, Gibson. in Rom und Paris abgestattet hatte. Mit Rücksicht auf die politische Lage in Frankreich war Craigie zuerst nach Rom gegangen, er soll aber in diesen Tagen seine Bemühungen in Paris fortsetzen. Vielleicht hofft man in London, daß sich Steeg weniger unzugänglich zeigen werde als Tardieu. Bei seiner unsichren parlamentarischen Basis wird sich Steeg allerengs nicht auf Experimente einlassen können. „Daily Telegraph“ schätzt daher die Aussichten auf eine italienisch=französische Verständigung sehr gering ein. Die Mission Craigies hat der englische Außenminister Henderson durch eine Rundfunkrede unterstützt, in der er sich für den Weltfrien und die Abrüstung einsetzt. Er sagte darin u. a.: Wenn wir das Gebäude des Weltfriedens nicht auf fester Grundlage errichten, bevor die Erinnerung an den letzten Krieg verschwunden ist, so werden wir früher oder später, und zwar wahrscheinlich eher früher als später, eine Sintflut erleben, die die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen und alle Werte der abendländischen Zivilisation verschlingen wird. Es besteht gegenwärtig eine Atmosphäre der Spannungen und in einigen Schichten lebhafte Furcht. Ich bin überzeugt, daß niemand den Krieg will und den Krieg plant, und daß es niemand gibt, der nicht begreift, daß ein Krieg ein Unglück für alle bedeutet. Henderson sang dann ein Loblied auf das, was im letzten Jahre in Geuf erreicht worden sei, wodurch er den Wert seiner weihnachtlichen Friedensschalmei leider stark beeinträchtigte. Die Friedenspalmen, die man in dem Genfer Abrüstungsausschuß gezüchtet hat, sehen einem von spitzen Stacheln starrenden Kaktus zum Verwechseln ähnlich. Auf den gleichen Ton wie die Rundfunkrede Hendersons ist auch ein Aufruf Lord Cecils gehalten, in dem er übrigens die Einberufung der Abrüstungskonferenz erst für den Beginn des Jahres 1932 in Aussicht stellt. So sehr eilig scheint es England also doch nicht mit der Abrüstung zu haben. Gleichzeitig kommt auch aus Amerika eine Friedensbotschaft. Die Direktoren der CarnegieStiftung für den internationalen Frieden Clihu Rott, Nicholas Murray Butler und James Brown Scott veröffentlichen eine Entschließung, in der den früheren Aliierten ihre Verpflichtung zu baldiger Einschränkung ihrer Rüstungen deutlich vorgehalten wird. Die Entschließung verweist auf die Einleitung zum fünften Teil des Versailler Vertrages und auf die Nole der alliierten und assoziierten Mächte vom 16. Juni 1919, in der sie ihr feierliches Versprechen zur Abrüstung schriftlich festlegten, und stellt zum Schluß die Frage, ob es nicht jetzt nach elf Jahren endlich an der Zeit sei, dieses Versprechen zu erfüllen und das gegebene Wort höher zu achten als alle angeblichen technischen und und vorübergehenden Bedenken. In der Tat, es wäre an der Zeit, die versprochene Abrüstung in Angriff zu nehmen. Erst dann wird die wahre Weihnacht anbrechen und das Wort wahr werden: Friede auf Erden! Der Konstrukteur ersten Zeppelins: Weihnauftererschaf! Abgekämpfte, täuschte blättern Von Prof. Hanns Weltmüde und Lebensentblättern— ein wehes, bitteres Lächeln im Gesicht— mit hageren Fingern über die Kalenderseiten ihres Lebens. Erschien ihnen wirklich ein einziger Festtag im vollen Glanz seines Namens? Gottfreunde, verstandeskalte Grübler und Feilscher haben im tollen Wettbewerb ebensowenig Zeit für poetische Anwandlungen, was die kindliche Mär von Weihnacht sie zu sein dünkt. Beiden eignet eine passive Einstellung zum Weihnachtsgeschehen; sie wissen nicht um das Geheimnis, selbst eine eigene Herzensweihnacht mit Opfer, seliger Hingabe und dornenvollem Bewähren zu bereiten. Jenen klang die Weihnachtsbotschaft in leere Versprechung aus; diese haben das feine, reine Ohr nicht mehr, messianische, traumhaft verschwebende Himmelsmusik aus fernen Wolkenreichen in sich aufzunehmen. Und zwischen beiden stehen dann die unzähligen Reihen derer, denen Weihnacht eine mattgewordene, abgegriffene JugendilluSchmiedel=Heidelberg. sion wurde, auf der tötender Staub von Jahrzehnten sich lagerte. Was ist uns Weihnachten denn noch? Mehr als Kindertraumzeit? Dem pessimistisch verzagenden Zeitgeist entgegen ist Weihnacht viel mehr als nur Sinnbildspiel fromm einfältiger Herzen, die wie Bettler in den grauen Alltag den Abglanz halboffener Himmelstüren hineinträumen. Wenn aber noch etwas die Welt retten kann, so ist es nicht mehr alternder Verstand, sterbende Menschenweisheit. Alle Neugeburt stammt aus den Gottestiefen des lebendig schaffenden Gefühls, nur wer die köstliche Kindlichkeit, den zarten Zauber, der um die Heilandskrippe weht, mit wachem Herzen empfangen kann, kennt das Geheimnis alles reinen Seins. Das Kindtum Gottes ist zu Anfang der glückstrahlende Inbegriff einer anscheinend schicksalslosen Daseinsseligkeit, absoluter Seelenfrieden. Hier flutet das Seelenlicht aus klarer kristalener Duelle. In Friedrichshafen ist Diplomingenieur Kober, der älteste Mitarbeiter des Grafen Zeppelin und Konstrukteur des ersten starren Luftschiffes, einem Gehirnschlag erlegen. Allen Leserinnen, Lesern sowie unseren Inserenten wünschen ein frohes gesegnetes Weihnachtsfest Verlag und Redaktion der Schwerter Zeitung M Gexade das Herz sagt uns diese Gewißheit in trunkene Entdeckerwonne. Unsere irdische Nacht ward geweiht; das ist Weihe=Nacht. Atemverhalten, im Schauen festgebannt, entrückt in die Ferne sterntiefer, göttlicher Glorie: So enttauchen wir dem Erdenelement. Wir finden seelisch zum Ur=Anfang zurück, der uns gedanklich ewig verborgen bliebe: Schöpfer und Geschöpf sind eins geworden. Der wundersame Schein um Weihnacht hat die Gnadenkraft der Seelenfindung und Seelenverjüngung. Doch alle Flammen bedürfen priesterlicher Behutsamkeit, sollen sie Altäre des Lebens mit roter Fackelglut dauernd erhellen. Es bleibt also nicht bei einer mysteriösen, schleierzarten Weltflucht im passiven Empfangen allein. Weihnachtswunder bricht sieghaft ins Irdische durch, reißt Ewiggiltiges mit herab: Weihnacht ist Botschaft, Botschaft einer höheren, reineren Weltstufe. Gerade diese überwältigende BotschaftsFülle sprengt unsere winzige Herzenzelle, überflutet mit hellster Gewißheit den Sinn unseres ganzen Lebenswerkes. Die Botschaft geht an alle. Nur wer die demütige Versenkung in das Wunder der Gotteserscheinung ohne Rückhalt vollzog, weiß um diese Botschaft und ihren geheimen Sinn. Die fröhlich=idyllische Weihnachtsszene hat eine bitter ernste Golgathafolge: In diesem eisernen Schicksalsring kann kein Glied fehlen. Der Ring hält den Sinn des ganzen Weltplanes zusammen. Das Leid gehört mitten in den Plan der Welt hinein. Nur der leidende Gott ist der wahre, sich opfernde Gott, erst der Tod krönt seine Heilsmission und zwingt zur Nachfolge. Sühnen im ganzen Umfange des Wortes kann nur der vollkommen Reine. Dem weichen die finsteren Schrecken des Schicksals, dem schwinden die Totenschatten. So wird die weihnachtliche Botschaft zum Triumphgesang auf die Neugeburt aller leidgeweihten, Der Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyricht by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 22. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ueber alles!“ erklärte die Tänzerin pathetisch. Der Untersuchungsrichter unterschied ziemlich genau zwischen Schein und Wirklichkeit. Er glaubte zu wissen, daß die Verhörte zuletzt die Wahrheit sagte. Daraus zog er manchen interessanten Schluß, den Horst Schöttler recht gab. Uebrigens: ein patenter Kerl, dieser weitgereiste Journalist! Doktor Messerschmidt bereute nicht, ihm Glauben geschenkt und Vogel zu seiner Verfügung gestellt zu haben. „Und was war es mit dem Ring?“ Wie ein Blitz aus heiterem Himmel wirkte diese Frage. Die mühsam bewahrte Fassung der Tänzerin ging in die Brüche. Sie wagte nicht, dem inquisitorischen Blick des Richters zu begeguen. Teufel! Nun war doch alles verloren! Nun kehrte sich die ganze Untersuchung gegen sie selbst, gegen sie, das Opfer.“ „Welchen Ring?“ Mühsam genug stellte sie diese Gegenfrage. Und schon bereute sie, sie ausgesprochen zu haben. Diese ganze, verwünschte Verstellung hatte der Untersuchuugseichter doch schließlich längst durchschaut. „Sie würden sich nützen, wenn Sie aufrichtiger wären, Fräulein Stransky“, verwies Doktor Messerschmidt, nunmehr den Ausdruck„gnädiges Fräulein" vermeidend. Inzwischen hatte die Tänzerin einen Ausweg gefunden, das Verhör abzubrechen. „Ich weiß nicht, was Sie meinen. Fragen Sie Gregor selbst...“ Und plötzlich stöhnend „Ach— ich bin so möde.“ Sie sank mit geschleflo#en Augen in die Kissen zurück. Dokto: Mess#eled#### erhob sich und rief die Krankenschwester. Draußen im Korridor ließ er sich bestätigen, daß Gregor Parta bis zu jenem kritischen Tage länger als eine Woche in der Wohnung weilte. Hanna hatte gelauscht und war schon auf die Frage gefaßt. Dann ging der Untersuchungsrichter. Er wußte Bescheid, kannte nun Herrin und Zofe. ** Manfred Stein bewohnte eine saubere, helle Zelle des Untersuchungsgefängnisses. Er hatte über nichts zu klagen. Man behandelte ihn zuvorkommend, eigentlich gar nicht wie einen Gefangenen— und doch war dieses alles so niederschmetternd, so erniedrigend. Er, der an Eigenmacht und Freiheit Gewöhnte, mußte tatenlos hier, von der Außenwelt völlig isoliert, auf eine Wendung seines Schicksals warten. Noch mehrmals war er verhört worden, ohne daß sich neue Momente ergeben hätten, weder für, noch gegen ihn. Der Kommissar und der Untersuchungsrichter konnten sich nach den bisherigen Ergebnissen nicht entschließen, den Untersuchungsgesangenen in Freiheit zu setzen. Noch sprach viel gegen ihn. Besonders die Nadel mit dem Gift war äußerst belastend. Nachforschungen hatten ergeben, daß dieses geföhrliche Alkaloid zurzeit in keiner einzigen deutschen Fabrik hergestellt wurde— nur in den chemischen Werken des Verhafteten! Dagegen konnte Stein nicht ankämpfen. Und schließlich gab er alles Ringen um Freiheit und Ehre auf, isolierte sich mit einem Mantel verstockten Schweigens. Was hätte er auch tun können, da alles gegen ihn sprach? Nur ein Lichtblick blieb in diesen traurigen Tagen: Jutta verlor den Glauben an ihn nicht! Sie hatte ihm bereits alles verziehen: feine erbärmlichen Sparmaßnahmen, seine Spielerabende bei der Berger und— sein Abenteuer mit der Stransky. Wenn Stein an diese Stunde dachte— wie ihm sein: schöne, junge Frau mit zuckenden Lippen Absolution erteilte, wie sie mit einer unbeschreiblichen Gebärde des Veroehens und Vergessens alle diese Widerwärtigkeiten von sich schob— da schämte er sich bis auf den Grund seines Herzens. Blind war er gewesen, daß er so viel Edelmut in Wort und Tat beleidigen konnte! Erst ein rauher Schicksalsschlag mußte ihm die Binde von den Augen reißen. Aber so viel wußte er, schwor er sich: nach diesem unangenehmsten Intermezzo seines Lebens wollte er ein anderes Dasein beginnen. Dann galt; es gutzumachen, was er verbrochen hatte. Nichts sollte ihn jemals wieder in den Strudel der Versuchung ziehen. Er glaubte sich gefeit. Näherkommende Schritte schreckten den Sinnenden aus seinem Brüten auf. Wieder ein Verhör, das zu nichts führt! dachte Manfred Stein resigniert. Die Bitterkeit der letzten Tage hatte die Falten um seinen Mund vertieft. Gleich darauf wurde die Zellentür aufgeschlossen, und herein traten zwei Männer. Voran Kriminalkommissar Vogel. Den kannte der Untersuchungsgefangene schon zur Genüge. Also doch eine neue Vernehmung. Aber— der andere— das war doch— „Fred! Guten Tag, Fred!“ rief Schöttler freudig erregt. Stein war aufgesprungen. Mit ausgebreiteten Armen eilte er auf den Freund zu. „Horst— du!“ Und plötzlich voller Scham und Zerknirschung:„Welch ein Wiedersehen!" Horst lachte:„Kopf hoch, alter Junge!“ Sie setzten sich auf den Rand des Bettes. Kommissar Vogel nahm auf dem einzigen Stuhl Platz. Die Freunde nahmen kaum Notiz von ihm. „Du weißt Befcheid!“ fragte Stein leise. „Ueber alles!“ bestätigte Schöttler. Und wie zur Bekräftigung und Aufmunterung hinzufügend:„Die Wahrheit marschiert, Fred! Has' nur noch etwas Geduld. Ich hoffe dir bald die Freiheit bringen zu können.“ Da ging es wie ein froher Schimmer über das bleiche Gesicht des anderen. „Wirklich Horst?“ Der nickte.„Gewiß! Nicht wahr, Herr Kommissar, wir nehmen jetzt eine neue Spur auf?“ Vogel bestätigte es, obgleich er den Optimismus des Journalisten nicht zu teilen vermochte. Plötzlich kam wieder die alte Niedergeschlagenheit über den Gefangenen. „Du wirst dich meinetwegen in Unannehmlichkeiten stürzen, Horst. Und—— ich habe dich nicht gerufen...“ Das klang wie Abwehr. „Mensch, so sprich doch keinen Unsinn!“ polterte Schöttler los.„Ich bin im Besitz wichtiger Argumente, und du willst alles miesmachen? Wäre das Freundschaft, wenn ich dich jetzt aus Bequemlichkeitsgründen im Stich lassen wollte?“ Manfred Stein faßte nach den Händen seines Jugendfreundes, preßte sie wortlos. Und gedämpft, wie entschuldigend, sagte er:„Ich dachte, so etwas gäbe es gar nicht mehr auf der Welt...“ Horst ging nun direkt auf sein Ziel los. „Du, sag' mal: Als du mit der Tänzerin in der Loge des„Rheingold' saßest, wußtest du da schon von dem Diebstahl des Ringes?“ Der andere bejahte:„Jutta hat mir telesonisch Mitteilung gemacht, aber weil sonst nichts weiter fehlte, nahm ich die Angelegenheit nicht tragisch. Du weißt, daß ich mich über unabänderliche Tatsachen rasch hinwegsetze“. „Hm. Und ist dir nicht irgendein Schmuck an deiner Begleiterin aufgefallen?" Stein überlegte „Eigentlich nicht.“ Und nach kurzem Besinnen:„Oder doch! Sie trug einen Ring an der linken Hand, der dem gestohlenen aufallend glich Selbstverständlich war ein Verdacht Unsinn Schon mit der bloßen Feststellung der Aehnlichkeit des Objeks habe ich mich lächerlich gemacht. Mia Stranfky hat mir eine entsprechende Abfuhr bereitet. Sie behauptete, den Ring schon seit Jahren zu tragen.“ (Zonsetzung folgt.) weltentsündigenden Menschlichkeit, die nach höchsten Gottestum strebt. Es gibt eine Auferstehung auch jenseits Golgathas, vielleicht nur dort. Das Tiefste im weihnachtlichen Erlebnis ist Seelenläuterung zur Empfänglichkeit für die hohe, letzte Aufgabe allen Daseinssinnes und Lebenszweckes. Der ganze Weltprozeß ist Läuterungsbahn alles Geschöpflichen den Schöpfer selber zu spiegeln. Diese hat Kraft für jede nach Tiefe strebende, nach Sinn und Wertverkörperung hungrige Seele. Denn Funken der Unsterblichkeit glühen brandbereit in jeder menschlichen Kreatur. Weihnacht ist sinnfällige Verdichtung ewigen Opfergeschehens; Kometenlicht erdserner Kraft und doch die Erde im Innersten bewegend Verheißung und Geheiß zugleich so erfüllt Weihnachten ein Ur=Geschehen, an dem alles Teilgeschehen im menschlichen Seelenraum sich ausrichten soll. Selbstgewiß und unerschütterlich ist des Heilenden verklärtes Gottesauge, ewigleitsgebunden und gottverankert. Das letzte Rätsel all dieser Gottesgewalt über die Herzen heißt: Liebe! Nur wer diese hat, an dem vollzieht sich die fruchtbare Steigerung von läuternder Hingabe demütigen Glaubens zur Erfüllung der Weihnachtsbotschaft an sich und anderen. Und das ist wohl das Heiligste, das Aktivste der Botschaft nach der schauseligen, inbrünstigen Anbetung: Menschen, liebet einander! Den wirklichen dauerhaften Weltfrieden kann man nicht in papierenen Paragraphen einfangen und auf Konferenzen verordnen, er ist gehütete Liebesflamme, die auf berufenen Herzensaltären brennt! Weihnachtsbotschaft ist Wirken und Werden im vollendeten Sein, Schwingen der Seele im Absoluten. Nur das begnadete Herz vermag dies zu fassen. Liebe ist der Schlüssel zu jedem göttlichen Geheimnis. Liebe ist der Inhalt jedes göttlichen Geheimnisses selbst. Gott selber ist: Liebe! Sich selber schenken ist der Liebe Höchstes, ist Weihnachtswunder Weihnachten 1930 Schwerte, den 24. Dezember 1930. Du hohes, du liebes, du gesegnetes Fest, nun wieder rufen deine Glocken durchs Land, und Millionen Kerzen vom Tannenbaum sollen Millionen Menschenherzen durchleuchten! Aber über allem Gefunkel strahlt der Stern von Bethlehem sein vielverheißendes Licht aus und ruft den Pilgrim des Lebens zur Mette, damit wieder von der Geburt des Gottessohnes gesagt werde. Ach, wie nötig hat unsere friedlose Zeit dein Freuden= und Friedenslicht, du herrlichstes aller Feste! In wieviel Unruhe und Wehgefühl, Verzagtheit und Bitternis fällt dein milder, herzlieber Strahl! Sanfter betten sollst du Glücksund Heimatlose, froher Zuruf sollst du sein dem Einsamen, Trost dem Kranken, Lust und Scherz dem Kinde. Erinnerungen sollen aufleuchten für die Aelteren, daß sie noch einmal jung werden und der Schönheit ihrer Kinderweihnacht gedenken... Da lasset alle Unrast weichen, sprecht nicht mehr von den Schatten der Zeit, laßt allen Zwist und Hader begraben sein, nehmt srohen Anlauf zu einem neuen Zeitabschnitt, der erwartend schon vor euch steht und euch in Lebenszuversicht empfangen will! Nie war die Erde ein Jammertag. Nur die Meuschen stellten ihre grauen Sorgen und Nöte l.ein und vergaßen darauf, daß sie selbst die Erzeuger dieser Verdüsterungen waren und sind. An uns liegt es, wie die Sonne leuchten soll; nicht das Leben, noch Gott trägt Schuld daran. Ein Fingerzeig ist das Weihnachtsfest: Gebt Freude anderen, damit euch Freude werde! Gebt Frieden anderen, damit ihr friedvoll seid! Gebt Hilfe anderen, damit euch geholfen werde! Dies zu begreifen, zu erfassen, ist Weihnachten die rechte Zeit. Möchte jeder das Fest in diesem Sinne erleben! Frohe Feiertage! Litsgemeine öffentliche WeihnachtsRotsammlung Es wurden folgende weitere Beträge gezeichnet: Eisenbahner=Verein 50.— M Dr. Achenbach 50.—„ Dortmunder Stiftsbrauerei„„ 100.—„ dazu bisherige Zeichnung. 8086.—„ Herzlichen Dank! Ba. 8286.—0 —. Gedenktage. 24. Dezember: 1524: Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama auf der Fahrt nach Kotschin gestorben(geboren um 1469).— 1824: Der Komponist und Dichter Peter Cornelius in Mainz geboren(gestorben 1874).— 1837: Kaiserin Elisabeth von Oesterreich in München geboren(gestorben 1898).— Der Maler Hans von Marées in Elberfeld geboren(gestorben 1887). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 23. Dezember 1930. Der hohe Luftdruck über England ist durch ein Tief über dem Nordmeere nach Mitteleuropa verdrängt worden. Unsere Witterung steht daher unter diesem Einfluß, nachdem das nordöstliche Tief weiter ostwärts gezogen ist. In Deutschland war es heute morgen größtenteils heiter, z. T. auch bewölkt, verschiedentlich herrschten auch Bodennebel. Die Temperaturen lagen bis zu 4 Grad unter Null, an den Küsten aber bis 3 Grad darüber. Der Kahle Asten meldete mäßigen Oftwind, bedeckten Himmel und— 5 Grad. Wetteraussichten für Mittwoch: Zunehmende Bewölkung und Regenfälle, wieder milder. Wetteraussichten für Donnerstag: Bewölkt, zeitweise auch heiter, nur noch vereinzelt Regenfälle, ziemlich mild. Reif lag heute morgen auf allen Sträuchern und Dächern. Die Fensterscheiben waren z. T. zugefroren und es wehte ein winterlich frischer Wind. Aber auch die Nebelfrau ist nicht säumig gewesen und hat ihre Schleierkünste gezeigt. Hoffen wir nur, daß die Weihnachtsfeiertage frei von Regen und feuchten Niederschlägen bleiben und uns eine trockene Witterung beschert. wch.7 74 Dem Alter die Ehrenkrone! Am morgigen ersten Weihnachtstage kann die Ww. Lisette Duisberg, Märkischestr. 7, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag begehen. Zu ihrem Ehrentage sprechen wir ihr unsere herzlichsten Glückwünsche aus und hoffen gern, daß es ihr vergönnt sein möge, noch einen sonnigen und langen Lebensabend zu verbringen. Die nächste Ausgabe unserer Zeitung erfolgt wegen der Weihnachtsfeiertage am Samstag, den 27. Dezember zur gewohnten Stunde. : Der Geschäftsschluß am Hl. Abend. Der Geschäftsschluß am 24. Dezember richtet sich auch in diesem Jahre unverändert nach dem Reichsgesetz vom 13. Dezember 1929. Demnach dürsen offene Verkaufsstellen am 24. Dezember nur bis 5 Uhr nachmittags, Verkaufsstellen, die ausschließlich oder überwiegend Lebensmittel, Genußmittel oder Blumen v#kaufen, bis 6 Uhr abends für den Geschästsverkehr geöffnet sein. Die Vorschrift gilt auch für Verkaufsstellen von Konsum= und ähnlichen Vereinen, für solche auf Eisenbahngelände und für das gewerbsmäßige Feilbieten außerhalb offener Verkaufsstellen. Sie gilt dagegen nicht für Apotheken und den Handel mit Christbäumen. Kellerbrand. Gestern vormittag gegen 11 Uhr wieder die hiesige freiwillige Feuerwehr zum Lolake Schmidt am Markt gerufen, wo ein Kellerbrand ausgebrochen war. Durch herausgefallene Glut aus der Zentralheizungsanlage war altes Pavier und Holz in Brand geraten. Infolge der starken Rauchentwicklung war ein Vordringen der Wehrleute nur mit Rauchhelmen möglich, die in ihrer Tätigkeit erfolgreich waren. Nach etwa 1% Stunden war die Feuersgefahr beseitigt. Größerer Schaden dürfte nicht entstanden sein. : Rentenzahlung. Die Militärgebührnisse für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene für Januar werden am 27. Dezember und die Versicherungsrenten am 30. Dezember beim Postamt Schwerte und den zugeteilten Postagenturen Schwerte 2. Ergste und Hennen vormittags von 8—12 Uhr ausgezahlt. “ Hausbesitzer.— Ehe es zu spät ist—! Am 31. Dezember läuft die Frist ab, bis zu der Anträge auf Niederschlagung des staatlichen Zuschlages zur Grundvermögenssteuer gestellt werden müssen. Der Antrag kann gestellt werden von jedem Hausbesitzer, der eigene Wohn= oder gewerbliche Räume in seinem eigenen Hause inne hat. : Weihnachtsfeier des Städt. Lyzeums. Eine große Anzahl von Eltern und Freunden der Anstalt hatte sich am letzten Samstag mit den Schülerinnen in diesem Jahre zur Weihnachtsfeier im evgl. Gemeindehause eingefunden. Nach einem alten Weihnachtslied erfreute das Spiel der Blockflöten, die wir wohl zum ersten Male hier in Schwerte hörten. Im Krippenspiel wetteiferten Schülerinnen der U II, Solostimmen und ein= und mehrstimmige Chöre begleiteten die Weihnachtsgeschichte. Nach Darbietungen der Quinta und Sexta folgte„Christnachtwunder" von Max Scheunemann. Der Chor bot Gutes, alles klappte. Am Flügel Agnes Schwerdt begleitete glänzend, die Sopranstimme Eva Schlucks war zart, aber sein musikalisch, Chorl. Blomberg rezitierte im Melodrama mit großem Geschick und Frau Ihlefeld sang begeistert mit dem Schülerinnenchor und bot auch in Solis sehr Gutes. Das Chorwerk ist ganz entzückend. Das Krippenspiel ist eingeübt von Frl. Studienrat Weber. Chor: Musiklehrerin Saamann. Weihnachtskonzert des M. S. B.„Sängerbund“. Wie schon mitgeteilt, veranstaltet der MGV. „Sängerbund“ am zweiten Weihnachtstage, nachmittags um 4 Uhr, im Freischützsaale ein großes Weihnachtskonzert, das ein besonderes Ereignis zu werden verspricht. Unter der Stableitung von Willy Tönsmann=Hagen wird ein vorzügliches Programm wiedergegeben werden. Unsere heimische Sängerin Anneliese Seuthe (Sopran) hat ihre Mitwirkung zugesagt; Musikdirektor Haselhofff wird am Flügel sein Können unter Beweis stellen. Ferner wirkt das Dortmunder Trio Karl Aunen mit. Den Besuch dieses Weihnachtskonzertes können wir nur bestens empfehlen, zumal hier etwas Außerordentliches geboten wird. Nach dem Konzert findet Tanz statt.(Siehe Inserat!) + Sonntagsfahrkarten zu„Heilige Drei Könige“ Mit Rücksicht auf die Lage des katholischen Feiertags„Heilige Drei Könige" im kommenden Jahre haben die am 3. Januar gelösten Sonntagsrückfahrkarten Gültigkeit zur Hinfahrt von Sonnabend, den 3. Januar, 12 Uhr, bis Dienstag, den 6. Januar und zur Rückfahrt von Sonnabend, den 3. Januar, bis Mittwoch, den 7. Januar, 9 Uhr: Weihnachts= und Neujahrskarten. Ohne Umschlag versandte gedruckte einfache Weihnachts= und Neujahrskarten, die hinsichtlich der Größe, Form und Papierstärke den Bestimmungen für Postkarten entsprechen müssen, kosten sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch im Fernverkehr 3 Pfg. Es dürfen in diesen Karten außer den sogenannten Absenderangaben(Absendungstag, Name, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders) noch weitere fünf Wörter, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. Als solche zulässige Nachtragungen gelten z. B. die üblichen Zusätze„sendet",„Ihre“,„Dein Freund“, sendet Ihr“, sendet mit besten Grüßen Ihre", usw. Werden solche Karten im offenen Umschlag versandt, so kosten sie sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch nach außerhalb 5 Pfg. + Vom katholischen Vereinshause. Die Arbeiten am Umbau des katholischen Vereinshauses sind in letzter Zeit soweit gefördert worden, daß der bedeutend vergrößerte Saal am zweiten Weihnachtstage mit der Patronatsfeier des katholischen Arbeiterverens der Oeffentlichkeit übergeben werden kann. Nach den Entwürfen des Architekten Stellbrink fr. ist von hiesigen Handwerksmeistern in wenigen Wochen etwas geschaffen, welgs bleibenden Wert hat und an dem die ganze katholische Gemeinde Freude finden wird. Der Saal ist um etwa 8 Meter verlängert und bietet jetzt für etwa 600 Gäste Platz. Der alte Stuck an der Decke— Staubfänger erster Güte— ist entfernt und eine glatte Linie der Wände und Decke erfreut das Auge. Neue Fenster in farbiger Verglasung geben dem Saal, der nach dem Vorsaal zu durch eine Rollwand abgeschlossen werden kann, ein gedämpftes Licht. Besonderen Wert ist auf die Entlüftungsanlage gelegt, welche in die Decke eingebaut ist und derart gut arbeitet, daß im Saale selbst keinerlei Rauchbelästigung aufkommen kann. Eine ganz besondere Anziehungskraft auf die Vereine dürfte die neue Bühne ausüben, die man mit Fug und Recht als die schönste Bühne unserer Stadt bezeichnen kann, da sie mit allen Errungenschaften der modernen Bühnentechnik — Schnürhoden, doppelten Vorhang, fünf Bühnenbilder, neuartige Beleuchtungsanlage usw. — ausgestattet ist. Von der Bühne aus wird nicht nur die Bühnenbeleuchtung, sondern auch diejenige des Saales reguliert, bei Theateraufführungen ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Jedenfalls haben die katholischen Vereine jetzt ein Heim, welches allen Ansprüchen genügen dürfte und in welchem sie sich wohl fühlen werden. Die Arbeiten selbst sind von folgenden Firmen ausgeführt: Karl Staat, Maurerarbeiten, Frz. Stellbrink, Zimmerarbeiten, Schwerter Bauindustrie, Fußbodenbelag, Scherz Ww., Dachdeckerarbeiten, L. Kamm, Schreinerarbeiten, Max Großpitsch, Schreinerarbeiten, Berkenkopf und Jonas, Installation, Jos. Selfen, Bühnenbeleuchtung, Kleinjohann, Saalbeleuchtung, Jos. Küster, Bühneneinrichtung, W. Hellwig, Bühnenausmalung, H. Schulte, Bestuhlung, Fr. Rappert, Stuckarbeiten, Jos. Look, Plattierungsarbeiten, Jos. Cloidt, Schmiedearbeiten. Die Ausmalung des Saales soll erst im Frühjahr erfolgen. Landkreis Iserlohn o Iferlohn. Ueberfahren und schwer verletzt. Samstag mittag ereignete sich auf der unteren Baarstraße ein schweres Verkehrsunglück. Der 13jährige Sohn der Postbeamten Rose, der im Langenfeld wohnt, befand sich auf dem Heimweg von der Schule. Der Knabe hatte sich an einem Milchwagen gehängt und sprang an der Einbiegung der Ortlohnstraße ab. Als er, ohne Obacht zu geben, die Straße, hinter dem Milchwagen herkommend, überquerte, wurde er von einem entgegenkommenden Personenwagen aus Hamm erfaßt und ein Stück mitgeschleift. Der Bedauernswerte wurde besinnungslos zum katholischen Krankenhaus gebracht, wo man schwere Kopfverletzungen feststellte. Bis zum gestrigen Morgen lag er besinnungslos. Soweit man bislang feststellen konnte, liegt eine Gehirnerschütterung vor, ferner sehr schwere Fleischverletzungen am Kopf. Es besteht höchste Lebensgefahr. Den Autoführer, der noch im letzten Augenblick weit ausbog, trifft nach den vorliegenden Umständen keine Schul Amt Welthosen 1 Westhofen. Das Standesamt Westhofen ist an beiden Weihnachtsfeiertagen zur Anmeldung von Sterbefällen vormittags von 11,30 bis 12,00 Uhr geöffnet.— Das Wohlfahrtsamt ist wegen Arbeitsüberlastung am Sonnabend, den 27. Dezember, für den Verkehr mit dem Publikum geschlossen. ! Westhofen. Schulvorstandssitzung. Am Montag, den 29. Dezember, findet eine Sitzung des Schulvorstandes statt, in der über folgende Angelegenheiten Beschlüsse gefaßt werden sollen: Erteilung des Handarbeitsunterrichts an den Schulen in Westhofen und Buchholz, Trinkanlage in der Schule in Westhofen, Anschaffung einer Nähmaschine für den Handarbeitsunterricht, Ergänzung der Turngerälschaften, Schulreinigung, Vorlage des Plancs über einen beabsichtigten Schulanbau. ! Garenfeld. Gründung eines Bullenhaltungsvereins. Zwecks Förderung der Rindviehzucht ist für den Bezirk der Gemeinde Garenseld ein„Butlenhaltungsverein für den schwarzbunten Tieflandschlag“ gegrürdet worden. Der Verein, dem bisher schon über 30 Viehhalter als Mitglieder beigetreten sind, soll in das Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragen werden. Für die Zuchtbullenauschaffung haben Kreis und Gemeinden Beihilfen bewilligt. Das Deckgeld ist auf 8 Reichsmark festgesetzt worden. Amt Ergste t. Ergste. Winter=Fest. In den Lokalttäten seines Vereinswirts Hengstenberg(Inh. Heinr. Stens) begeht der hiesige Turnverein „Germania“ am 2. Weihnachtstage die Feier eines großen Winterfestes, bestehend aus Konzert, turnerischen Vorführungen mit nachfolgendem Tanz. Bemerkenswert ist noch, daß es dem rührigen Vereinsvorstand gelungen is., dem im Programm enthaltenen turnerischen Teil eine besondere Note durch das Mitwirken einiger Kunstturner aus der Bezirksriege zu verleihen. So hat u. a. der auf turnerischem Gebiet durch seine Leistungen bestens bekannte Hörder Georg Sich sein Erscheinen zugesagt. Die Ergster „Germanen“ werden mit turnerischen Vorführungen riegenweise an sämtlichen Geräten aufwarten, sodaß die Fülle des Programms allen Besuchern Gewähr dafür bietet, genußreiche Stunden am zweiten Weihnachtstage bei den Ergster Turnern zu verleben. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 50 Pfg. erhoben und können wir einen Besuch der um 5 Uhr nachmittags beginnenden Veranstaltung nur empfehlen.(Siehe Inserat.) m. Ergste. Diebstahl. Dem Fabrikarbeiter Max Weber wurde in der vorletzten Nacht aus seiner Wohnung ein Fahrrad, womit er den Weg zu seiner Arbeitsstelle in Westhofen zurücklegte, von nichtsnutzigen Burschen entwendet.— In derselben Nacht wurde auch dem Arbeiter R. von hier ein Rad entwendet, welches sich jedoch nachher beim Absuchen der Umgegend wiedergefunden hat. Die Ermittlungen nach der Täterschaft sind noch nicht abgeschlossen. Merkwürdigerweise wurde in der letzten Nacht dem Arbeiter S., der in einem Anbau bei W. wohnt, ein Kaninchen entwendet. m. Ergste. Fahrradfund. In der Feldmark Ergste wurde von dem Fabrikarbeiter Fritz Klein ein Herrenfahrrad(Rennmaschine) gefunden. Es handelt sich um ein Rad mit blauem Rahmen mit gelben Strahlen, gelben Felgen mit schwarzen Streifen. Die Schelle trägt den Namen einer Firma aus Menden. Die Bereifung ist rot. Evtl. Eigentümer wollen sich umgehend melden.(Das dem W. entwendete Rad kommt hier nicht in Frage.) m. Hennen. Ungetreuer Gärtner. Der Gärtner des Gutes Lenninghausen wurde mit einem Geldbetrag zum Einkauf von Obstbäumen nach Arnsberg geschickt. Von dieser Reise ist er nicht wieder zurückgekommen und hat auch keine Obstbäume geschickt. Anscheinend hat er mit dem Gelde das Weite gesucht. Es handelt sich bei dem Täter um den Gärtner Preuß oder Prüß. Weitere Beschreibung kann nicht gemacht werden. Fußbuft Westhofen 1.— Boele 1. 3:1(1:0). Westhofen hatte Boele verpflichtet und damit keinen schlechten Griff gean. Boele stellt eine flinke und technisch gut spielende Elf. aus der besonders der Torwart hervorragte. Bis Halbzeit konnte Westhofen ein Tor vorlegen. Kurz nach Halbzeit zog Boele gleich. Ein weiteres Tor verhinderte der Westhofener Torwart durch entschlossenes Eingreifen. Die Gäste lassen dann nach; in der Drangperiode kann der Halbrechte von Westhofen noch zwei weitere Tore für seine Farben treten. Boele wird in der letzten Viertelstunde fast ganz zurückgedrängt Trotz der Niederlage hat die Boeler Elf einen guten Eindruck hinterlassen. Westhofen 2.— Alemannia Schwerte 2. 3:1. Auch der zweiten Mannschaft war es vergönnt, in dem Diplomspiel dem Gaste die Punkte abzunehmen. Das Spiel der 2. Mannschaft war nicht so gut wie an den Vorsonntagen. Westhofens zweite Else hat mit den gewonnenen Postr kr Ste. Auflösung des Bilderrätsels aus gestriger Rummer Hinter goldenem Wort liegt ost ein eisern Herz. Westfatsche Teschiafte in Arrunden Von Landesrat Dr. Zuhorn, Münster i. Unser persönliches Verhältnis und unsere innere Einstellung zu. Staat, Volk und Heimat gründete sich, teils bewußt, teils unbewußt, wesentlich auf das Wissen, das wir von der Geschichte, dem Werden, der Entwicklung und den Schicksalen unseres Volkes in uns tragen. Mag dieses Wissen nun groß und gewichtig sein wie beim gelehrten Wissenschaftler oder mag es sich auf die Kenntnis nur des historisch Wichtigsten beschränken, immer wird es eine der reichsten Quellen sein, aus denen unsere Liebe zu Volk und Land entspringt und sich stärkt. Die moderne Heimatbewegung hat daher neben aller Pflege der Heimatkultur und des Volkstums der Gegenwart in starkem Maße auf die geschichtlichen Grundlagen des Heutigen und auf die Erkundung des gerichtlich Gewordenen zurückzugreifen. Dabei entsteht uns die bedeutsame Aufgabe, einen einseitigen Historismus, den die lebensvolle und bewegte Gegenwart nicht vertragen würde, ebenso zu vermeiden, wie einen geschichtlichen Dilettantismus, der sich auf ein oberflächenhaftes Wissen beschränkt. Bei den Bemühungen um die Pflege unserer Heimatkultur, ebenso wie um die Stärkung des staatsbürgerlichen Bewußtseins wird daher das gründliche Studium und eine möglichst vielseitige Auswertung unserer Geschichtsquellen eine der wichtigsten Voraussetzungen sein. Die Ueberzeugung, daß es notwendig ist, an der Ersüllung dieser Voraussetzungen zu arbeiten, hat die Provinz Weftfalen dazu geführt, daran mitzuhelfen, daß die umfangreichen geschichtlichen Schätze, die in den bisher noch ungesicherten und ungeordneten privaten, kommunalen, kirchlichen und sonstigen Archiven unserer Provinz ruhen, nicht nur sichergestellt und geordnet, sondern auch dem westfälischen Volke erschlossen werden. Die von der Westfälischen Provinzialverwaltung im Jahre 1927 eingerichtete, Archivberatungsstelle der Provinz Westfalen“ hat sich die Aufgabe gesetzt, in allen beteiligten Bevölserungskreisen das Verständnis für die Archivpflege, für die Erhaltung, Sichtung und Ordnung der vorhandenen archivalischen Schätze zu wecken und, wie der Name der genannten Stelle andeutet, allen Freunden der westfälischen Geschichtsforschung mit fachmännischem Rat bei der Sicherung und Ordnung der Archivalien zu dienen. Diese für die Geschichtsforschung bedeutsame Einrichtung der Provinz Westfalen hat ob ihrer Neuigkeit die lebhafte Beachtung der Fachwissenschaft wie der Geschichtsfreunde innerhalb und außerhalb Westfalens, ja sogar des Auslandes gefunden und die Anregung zu gleichen Einrichtungen, z. B. in der benachbarten Rheinprovinz, gegeben. Neben dieser bergenden, unterweisenden und sonstigen praktischen Tätigkeit aber hat es sich die Archivberatungsstelle unter ihrem Leiter, Archivdirektor Dr. Glasmeier, Velen, zu einer besonderen Pflicht gemacht, der westfälischen Oeffentlichkeit, den Freunden deutscher und westfälischer Geschichte, den Lehrenden und Lernenden der westfälischen Schulen, den Anhängern der Heimatbewegung usw. vorhandene Archivschätze zugänglich zu machen und besonders auch für die heutige Geschichtslehre bereitzustellen Auch bei der Lösung dieser Aufgabe hat die Archiv= beratungsstelle einen neuen Weg beschritten, der ebenfalls auf die Ausmerksamkeit erster Autoritäten des In= und Auslandes gestoßen ist. Ausgehend von dem Gesichtspunkt, das Geschichtswesen und Heimatkenntnis möglichst auch aus der Anschauung gewonnen werden soll, gibt Archivdirektor Dr. Glasmeier in Verbindung mit der Archivberatungsstelle der Provinz Westfalen 200 der wertvollsten Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte unserer westfälischen Heimat in original getreuen Bildwiedergaben heraus. Wie Tracht, Wehr, Gerät und Bild und sonstigen sichtbaren Ueberlieferungen der versunkenen Geschlechter uns einen Eindruck von ihrem Geiste, ihrem Wollen und Tun vermitteln, so auch das Schriftbild, die Sprache, der Ausdruck und Inhalt der Dokumente, die uns aus fernen Jahrhunderten überkommen sind. Die ganze bewegte Fülle und Buntheit unseres geschichtlichen Lebensweges ziehen in dem Schriftbild und Inhalt dieser Urkunden an uns vorüber: Mittelalterliche Kaiser= und Papsturkunden für westfältsche Empfänger, Wirtschaftsbücher westfälischer Hanseatenkontore in London, Skandinavien und Rußland; Urteilssprüche der westfälischen Feme: Akten aus Reformation und Gegenreformation, Dokumente aus dem Leben des münsterischen Kommunismus und seines Wiedertäuferkönigs Johann von Leiden; Kriegsakten aus 30 jähriger Notzeit und Briefe der großen Heerführer dieses und anderer Kriege; Friedrich des Großen Randverfügungen; typische Schriftbeispiele zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung unserer Heimat; Besitzergreifungspateute und ähnliche Uruunden zur Entstehung der preußischen Provinz Wehtalen. Die 200 Urkunden aus der Geschichte Westfalens erscheinen in 10 in sich geschlossenen Mappen mit je 20 Urkundendrucken, die lose in den Mappen liegen, sodaß sie für Studium und Anschauungszwecke leicht einzeln herausgenommen und gezeigt werden können. Jeder Mappe liegt ein Heft mit buchstabengetreuen Abschriften und—wo nötig— Wiedergaben in heutiger Sprache, Schreibart und Zufammensetzung sowie die genauen Erläuterungen der Dokumente bei, die deren Lesen und Verstehen erleichtern, ja erst in viellen Fällen ermöglichen. Die Urkundenabdrucke bilden auf diese Weise ein ausgezeichnetes und lang entbehrtes Schulungsmittel für alle diejenigen, die sich die Fähigkeit des schwierigen Urkundenlesens erarbeiten wollen, um die eigenen Archivschätze auswerten zu können. Die 10 Mappen umfassen folgende Themen: 1. Urkunden von 813—1368, 2. Recht und Versassung Westsalens im Mitelalter, 3. Westfälisches Städtewesen und die Hansa, 4. Die Wiedertäufer in Münster, 5. Humanismus und Reformation in Westfalen, 6. Dreißigjähriger Krieg, 7. Das Zeitalter des Absolutismus in Westfalen, 9. Fremdherrschaft und Freiheitskriege, 10. Organisation der preußischen Provinz Westfalen. Nr 1, 2 und 4 dieser Mappen sind bereits erschienen, Nr. 3 wird im kommenden Januar, und die übrigen Mappen im Laufe des Jahres 1931 erscheinen. Ueberraschend und höchst erfreulich ist es, daß diese wertvollen und ausgezeichneten 200 Urkundenwiedergaben zu dem äußerst geringen Gesamtpreis von 20.— RMl. abgegeben werden können, sodaß auf den Preisanteil der einzelnen Mappen mit 20 Urkunden nur der kleine Betrag von 2.— RMk. entfällt. Diese mäßige Preissetzung ist deshalb besonders begrüßenswert, weil sie dem einzelnen Geschichts= und Heimatfreunde wie den an der Archivpflege beteiligten Vereinigungen und Körperschaften, den Gemeinde= und Kirchenverwaltungen, den Geschichts= und Heimatvereinen, vor allem aber auch den Schulen den Erwerb dieser Mappenreihe selbst unter den heutigen schwierigen Verhältnissen ermöglicht.(Die Mappen sind zu beziehen von der„Archivbildstelle in Velen in Westfalen“.) Anknüpfend an den zu Anfang ausgesprochenen Gedanken über die Notwendigkeit, unserer Heimatbewegung und Heimatkenntnis eine gründliche u. ausreichende wissenschaftlich=historische Grundlage zu geben, darf man mit voller Ueberzeugung sagen, daß die„Bilderwiedergaben ausgewählter Urkunden und Akten zur Geschichte Westfalen“ eine bedeutungsvolle und verdienstliche Förderung der heimatlichen Geschichtskenntnis in Westfalen darstellen. Alle Freunde westfälischer Heimatgeschichte seien daher auf diese bemerkenswerten neuartigen Veröffentlichungen von Urkunden aus der westfälischen Geschichte hingewiesen. Auszeichnung zweier Künstler Die Preußische Akademie der Künste hat jetzt ihre großen Staatspreise verliehen. Den für Bildhauerei errang der bekannte Bildhauer Hermann Blumenthal, den für Malerei der Frankfurter Maler Hans Feibusch. Unser Bild zeigt: Blumenthal. Turnen, Spiel, Sport Mamdlsel! Reichsb.=Turn= u. Sportverein Schwerte(Ruhr). Reichsb.=Tus. 1.— Schwarz=Gelb Unna 1. 4:0(1:0). Die Reichsbahnsportler hatten am Sonntag wieder einmal einen großen Tag. Konnten sie doch den Sp. Sp. V. Schwarz=Gelb Unna eine Niederlage mitgeben, woran vielleicht die Gäste selbst nicht gedacht hatten. Die Unnaer stellten eine gute und körperlich starke Mannschaft, welche durch ihr schönes Zusammenspiel angenehm auffiel. Der Stürm spielte wie aus einem Guß, doch scheiterten sämtliche Durchbrüche an der Verteidigung der Reichsbahner. Leider wurden die Stürmer von ihren Läufern nicht so recht unterstützt. Die Hintermannschaft konnte leidlich gefallen, obwohl der Torwart sehr schöne Sachen gehalten hat. Der Sturm der Hiesigen spielte auch wieder einmal etwas einheitlicher, nur noch mehr Ruhe beim Spiel, dann geht es das nächste Mal besser. Die Läuferreihe trotz Ersatz zeigte glänzende Leistungen, ebenso die Verteidigung. Auch der Torwart, trotz seiner Erkrankung befand sich in Hochform. Nach Anwurf der Gäste ein direkter Vorstoß, welcher glänzend von der hiesigen Verteididigung abgewehrt wird.: Dann zunächst ein vorsichtiges Abtasten. Manche Straswürfe wurden von den Hiesigen verschossen. Erst in der 18. Minute konnten die Reichsbahner durch einen Strafwurf in Führung gehen. Bis zur Halbzeit wurde nichts Zählbares mehr erreicht. — Nach der Pause legen die Gastgeber gleich ein mörderisches Tempo vor und schon 5 Minuten später muß der Gasttorwart zum 2. Male hinter sich greifen. Eine leichte Ueberlegenheit macht sich jetzt bei den Hiesigen bemerkbar. Wurf auf Wurf hagelt aufs Tor, aber zu unplaziert, ententweder dem Torwart in die Arme oder die Bälle gehen ins Aus. 14 Minuten vor Schluß kommen die Schwerter zum 3. Tor. Die Gäste drängen jetzt ganz gewaltig, um wenigstens das Ehrentor zu erzielen. Aber durch das allzustarke Aufrücken der Mannschaft begingen die Gäste einen groben Fehler. Denn der Sturm der Hiesigen befand sich noch in des Gegners Hälfte, erhielt den Ball, umspielte die Verteidigung, und schön war das Resultat auf 4:0 geschraubt. Noch einige Kombinationen und dann war das Spiel beendet. Der Schiedsrichter„Maschke“ war dem Spiel ein sehr guter Leiter. Reichsb.=Tus. 2. Tv. Jahn Schwerterheide 1. 0•4(0:3). Zum Rückspiel trafen sich obige Mannschaften auf dem Sportplatz Gymnasium. Die Gäste stellten eine sehr flinke Mannschaft ins Feld. Schon nach drei Minuten konnten sie das erste Tor für sich buchen, denen sie bis zur Halbzeit noch zwei weitere hinzusetzten. Trotz großer Ueberlegenheik konnten sie nach der Pause nur noch ein Tor werfen. Mit dem Stand von 4:0 verließ Jahn als verdienter Sieger den Platz. Radsport van Kempen— Stüberke im 6. Dortmunder Sechstagerennen Klassebesetzung in Sicht! Ermuntert durch das schon jetzt festzustellende Rieseninteresse für die 6. Dortmunder Sechstage vom 9. bis 15. Januar, scheut die Leitung der Westfalenhalle keine Kosten, um eine wir' liche Klassebesetzung zustandezubringen. Während die im Gange befindlichen, schwierigen Verhandlungen mit den aus Amerika heimkehrenden europäischen Klaffefahrern erst endgültig zum Abschluß gebracht werden können, wenn sie wieder auf dem Kontinent sind, darf man aber schon jetzt eine ganz sensationelle Paarung verraten. Die Sieger aus dem Rennen„Die Nacht“ im März ds. Is., Piet van Kempen— Stübecke, wurden wieder als Mannschaft zusammengekoppelt und werden das Dortmunder Rennen gemeinsam bestreiten. Der starke Westiger hat damit in dem 18fachen Sechstagesieger und größten Sechstagefahrer der Welt, van Kempen, einen Genossen erhalten, mit dem er mit den größten Aussichten in die schwere Prüfung geht. Van Kempen selbst hat den Wunsch geäußert, mit Stübecke nicht allein für Dortmund, sondern auch die weiter von ihm zu fahrenden Sechstagerennen zu bestreiten. Dieser für Stübecke äußerst schmeichelhafte Wunsch löst auch gleichzeitig die Partnerfrage van Kempens, der bei den letzten beiden Sechstagerennen bekanntlich darunter litt, daß er jedesmal mit einem ihm zugeteilten Partner fahren mußte. Weiterhin haben die Dortmunder Kilian— Pützfeld auf Grund ihres großen Erfolges im Dortmunder 100 Kilometer=Rennen ihren Vertrag für die Sechstage bereits unterzeichnet. Schon als„Babys“ im letzten Sechstagerennen machten die beiden eine überraschend gute und standen das sehr schwere Rennen glänzend durch. Heute, wo sie physisch bedeutend stärker geworden sind und sich taktisch sehr verbessert haben, gehen sie mit noch größeren Aussichten ins Rennen. Als drittes Paar steht die starke PublikumsMannschaft Pijnenburg— Schön bereits fest. Die holländisch=deutsche Kombination hat sich in allen größeren Mannschafts=Wettbewerben so gut bewährt, daß man sie nicht auseinanderreißen darf. Der Wiesbadener Schön ist das größte Radfahrertalent, das Deutschland zur Zeit wohl besitzt. Man sieht in ihm einen der befähigtesten Sechstagemänner der nächsten Jahre. Der schnelle und unverwüstliche Pijnenburg hat in allen Rennen so gut abgeschnitten, daß dieses Empfehlung genug ist. Es ist nicht zuviel gesagt, daß Pijnenburg auf dem besten Wege ist, das Erbe seines großen Landsmannes van Kempen später einmal anzutreten. Den sauerländischen Radsportfreunden kann die weitere freudige Mitteilung gemacht werden, daß auch ihr Landsmann Schenk, Hemer, wegen seiner guten Fahrweise in allen Dortmunder Rennen ebenfalls verpflichtet worden ist. Die Partnerfrage soll anläßlich seines Starts im Dortmunder Drei=Stundenrennen am 1. Jan. der Generalprohe zum Sechstagerennen— entschieden werden. wünschen wir unseren Lesern zu Weihnachten ein Die neuen 20=Mark=Scheine der Reichsbank. 90082580 Mit dem 22. ds. Mts. sind diese neuen Geldscheine ausgegeben worden, die auf der Vorderseite das Bild des Industriepioniers Werner v. Siemens(oben) und auf der Rückseite unten einen allegorischen„Kopf der Arbeit" darstellen (unten). Die neuen Scheine sind sowohl dauerhafter, als auch mehr gegen Fälschungen geseit. Scheine in den anderen Geldwerten sollen ihnen solgen. Zeitschriftenschau Ala Zeitungskatalog 1931. Soeben geht uns die neue 56. Ausgabe des Zeitungs=Kataloges der Ala Anzeigen=Aktien= gesellschaft zu. Der neue Jahrgang gibt in gewohnter sorgfältiger Bearbeitung Kenntnis von den im vergangenen Jahre zahlreich erfolgten Neuerscheinungen, Abgängen und Veränderungen auf dem Gebiete des Zeitungswesens des In= und landes. Das gediegen ausgestattete, sachkundig bearbeitete und trotz des reichen Inhalts handliche Werk ist, wie die früheren Ausgaben, ein zuverlässiger und unentbehrlicher Ratgeber, der jedem Interessenten bei seinen Werbemaßnahmen gute Dienste leisten wird. Im Geleitwort zu ihrem Kataloge sagt die Ala:„Nach wie vor steht im Mittelpunkte aller Werbeplanungen und=Maßnahmen die Anzeigen werkung. Die unbegrenzte Reichweite dieses Werbemittels, seine Anpassungsfähigkeit die Mannigfaltigkeit seiner individuellen Gestaltung und die außerordentliche Intensivität der von ihm ausgehenden Willensbeeinflussung sichert der Anzeige überragende Bedeutung unter den übrigen Werbemitteln“. Treffender kann der hohe Wert der Zeitungsanzeige nicht ausgesprochen werden. Die neue Ausgabe des Kataloges wird der Ala zu ihren alten zahlreiche neue Freunde werben. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpol###, Feuilleton, Provinzieles, Gerichtssoal u. Sport Laus Eberhard Lez, Schwerte. Aus Wöslialen und den Ruchbar Piorizen Aus Groß=Dortmund — Das Ueberfallkommando wurde am Montag gegen 15,30 Uhr nach dem Hause Bornstraße 26 gerufen. Dort war zwischen den Eheleuten A. eine Auseinandersetzung ausgebrochen, weil der Ehemann A. sich von seiner Frau trennen wollte. A. wollte die Möbel mitnehmen und da die Ehefrau auch ihr Recht gewahrt wissen wollte, rief sie das Ueberfallkommando herbei. Die erschienenen Beamten konnten aber hier nicht eingreifen, da die ganze Sache sie nichts anging. Die Frau mußte wobl oder übel den Auszug vorläufig geschehen lassen. — Schaufenstereinbruch. Gestern früh gegen 4.30 Uhr wurde auf der Kaiserstraße an dem Möbel= und Altwarengeschäft Ludwig S. eine Schaufensterscheibe zertrümmert. Ob und was der Täter gestohlen hat, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Kriminalvolizei ist mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. Der Täter konnte im Dunkel der Nacht entkommen. — Wegen groben Unfugs wurde der Arbeiter Paul. K. aus der Leibnitzstraße heute früh gegen 3,10 Uhr festgenommen. K. leistete den polizeilichen Anordnungen keine Folge und benahm sich in seiner Trunkenheit so, daß er auf dem 4. Polizeirevier in Schutzhaft genommen werden mußte. w Sagen. Achttägiges Demonstrationsverbot für Hagen. Infolge der Demonstrationsaufforderungen kommunistischer Zeitungen, am Weihnachtsabend nach Eintritt der Dunkelheit in den Straßen Hagens zu demonstrieren, hat der Hagener Polizeipräsident sämtliche Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel für die Zeit vom 23. Dezember bis 3. Januar 1931 verboten. Letmathe. Ein schweres Motorradunglück ereignete sich in der Nähe von Wortmann. Ein mit einem Soziusfahrer besetztes Motorrad, das aus der Richtung Grüne kam, fuhr infolge Blendens der Scheinwerfer mit voller Wucht auf einen Lastwagen. Die beiden Verunglückten wurden ins Letmather Krankenhaus eingeliefert. Der Führer der Maschine erlitt einen doppelten Schädelbruch, sowie einen Schenkelbruch. Ferner wurde ihm das Kinn zerschmettert. Der Beifahrer zog sich schwere Gesichtsverletzungen zu. Der Zustand des Fahrers ist sehr bedenklich. Lüdinghausen. Eine Epochemachende Erfivdung auf dem Gebiete der Hühnerhaltung soll, nach einer Münsterischen Zeitung, dem Schneidermeister I. v. D. ungen sein. Er hat aus Gelantine, Dextrin Buchweizenmehl ein Futtermittelpräparat ###stellt, das die Legetätigkeit der Hühner aurdentlich günstig beeinflussen soll. Schon .. wenigen Tagen sollen die Hühner täglich sogar drei Eier legen können, die dazu noch ßerordentlich vitaminreich sein sollen. Die erstaunliche Wirkung dieses Mittels soll an Ziegen verfüttert, eine gewaltige Steigerung der Milchproduktion verursachen. Ein paar Hühner sind bereits dem Zoo in Münster zur genauen Kontrolle überwiesen worden. Sollte tatsächlich dem Schneidermeister der große Wurf gelungen sein und sein Mittel einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten können, so eröffnen sich ungeahnte Ausblicke auf dem Gebiete der Hühnerhaltung, überhaupt der Viehfütterung. Vorläufig kann man aber nur sagen:„Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Gsaube: Soest. Gräßlicher Todim Mahlgetriebe. In der Goldsteinschen Mühle im benachbarten Bad Sassendorf versuchte der Maschinenmeister Heinrich Grote, auf dem Riemen einer Transmission ein Messer zu schärfen. Dabei wurden seine Kleider erfaßt und ihm vom Körper gerissen. Grote selbst erlitt zahlreiche Knochenbrüche. Auch wurde ihm die Schädeldecke aufgerissen. Der Tod trat sofort ein. a Gelsenkirchen. Weihnachtsbäume „en gros“ gestohlen. Rund 150 Weihnachtsbäume sind in einer Nacht an zwei verschiedenen Stellen auf der Wilhelmstraße gestohlen worden. Man nimmt an, daß die Bäume mit einem Fahrzeug weggeschafft worden sind. Bemerkenswert ist noch, daß kein Mensch diesen Vorfalt bemerkt hat. b Siegen. Von einem Baum erschlagen. Beim Fällen eines Baumes wurde der Landwirt Ehlden aus Wahlrod von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Tod trat sofort ein.— Unterschlagungen eines Postaushelsers. In Strassebersbach hat ein Postaushelfer 3000 Mark unterschlagen. Der Mann ist flüchtig. Massen. Fleischvergiftung. Montag vormittag erkrankten plötzlich mehrere Personen der Familie Schäfer, wohnhaft in Obermassen in der Kampftraße 11. Der sofort hinzugezogene Arzt stellte eine Vergiftung durch Fleisch fest. Diese Vergiftung hatte gleich so schwere Folgen, daß die Ehefrau und ihre beiden kleinen Kinder Rudi und Karl=Heinz mit dem Krankenwa=, gen der Gemeinde Massen in das evangelische Krankenhaus in Unna eingeliefert werden mußten.— Ein grausiger Fund Vorgestern wurde auf dem Grundstück des Gastwirts N. von einem Passanten die Leiche eines kleinen Kindes aufgefunden. Ein hinzugezogener Arzt stellte fest, daß es sich um ein ungeborenes Kind im Alter von ungefähr 4 Monaten handelte. Die Ortspolizei nahm sich des Falles an, ohne jedoch eine Spur von der grausamen Mutter zu finden. aHerford. Die beste deutsche Milchkuh. Der Leiter des westfälischen Milchkontrollvereinswesens, Oberkontrollinspektor Becker veröffentlicht in der soeben erschienenen letzten diesjährigen Nummer der„Landw. Ztg.“ einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit der westf. Kontrollvereine. Danach hat die bei weitem höchste Einzelleistung in Milch und Fett erzielt die Kuh„Arista“(Bes. v. Hanielsche Gutsverwaltung in Wistinghausen bei Herford) mit 11012 kg. Milch, 3,79 Prozent Fett und 408.43 kg. Fett. Die bekannte Rekordkuh„Sieglinde" des Besitzers Westenhoff in Westercappeln steht zwar mit der Milchjahresleistung von 9181 kg. Milch, 3.38 Prozent und 309.92 kg. Fett an zehnter Stelle, aber diese Kuh hat einen so hohen sechsjährigen Leistungsdurchschnitt aufzuweisen, daß ihr wahrscheinlich keine Kuh der Welt darin gleichkommt. Und die Nachhaltigkeit ist ausschlaggebend. a Warendorf. Wird Marienfeld wieder Eigentum der Cisterzienser? Das 1185 gegründete altehrwürdige Cisterzienserkloster Marienfeld, schon bald nach der Gründung Sitz eines Abtes und 1803 als wohlhabende Abtei von Preußen„säkularisiert", soll bei günstigem Verkauf der schwebenden Verhandlungen wieder Heimstatt des Cistezienserordens werden. Bielefeld. Schlimmer als ein Siouxhäuptling. Ein an der Burgstraße wohnender Mann hatte gebörig getrunken und war dadurch recht wilden Gemüts geworden. Wie ein Siouxhäuptling stellte er sich mit einem großen Beil und einem Brotmesser auf die Straße und suchtelte damit harmlosen Passanten vor den Augen herum. Als Polizeibeamte kamen, floh er in seine Wohnung und verschloß die Haustür. Vom Balkon aus bombardierte er die Beamten mit Blumentöpfen und allem Hausrat. Gewaltsam wurde in die Wohnung eingedrungen, wo der Siourhäuptling nun mit Stühlen gegen die Hüter der Ordnung vorging. Nach vielen Anstrengungen wurde er schließlich festgenommen und der Polizei zugeführt. a Gladbeck. Die weissagende Zigeunerin. Eine junge Hausfkau ließ sich von einer haussierenden Zigeunerin aus der Handlinie weissagen. U. a. prophezeite die dunkelhäutige Schönheit der Frau, daß sie in nächster Zeit einen schweren Verlust erleiden werde. — Tatsächlich sollte die Zigeunerin recht behalten. Die Hausfrau stellte nämlich kurze Zeit nachher, als die Wahrsagerin sie verlassen hatte, fest, daß ein wertvoller Wintermantel aus dem Korridor verschwunden war. Natürlich war die Zigeunerin, die ohne Zweifel den Mantel gestohlen hatte, spurlos verschwunden und wird auch wohl so leicht nicht wieder auftauchen. anden Evangelische Gottesdienste. 1. Weihnachtstag. 6,30 Uhr Christmette, P. Hagemann. 9,30 Uhr P. Millard, Mitwirkung des Kirchenchors. Kleine Kirche: 10 Uhr P. Kleinemeyer, anschließend Beichte und Feier des hl. Abendmahls. Geisecke=Lichtendorf: 9,30 Uhr P. Hagemann. 2. Weihnachtstag. Große Kirche: 9,30 Uhr. P. Rüter=Höchsten. Geisecke=Lichtendorf: 9,30 Uhr P. Kleinemeyer. Sonntag nach Weihnachten. Große Kirche: 9,30 Uhr P. Millard. Kleine Kirche: 5 Uhr P. Hagemann. Evangelisches Krankenhaus: 8,30 Uhr P. Hagemann. Sylvester. Große Kirche: abends 8 Uhr Kleinemeyer. Neujahr. Große Kirche: 9,30 Uhr P. Hagemann. Kleine Kirche: 5 Uhr P. Millard. Evangl. Krankenhaus: 8,30 Uhr P. Hagemann. Geisecke=Lichtendorf: 9,30 Uhr P. Millard. Katholische Gottesdienste. Donnerstag, 25. Dez.(Hochhl. Weihnachtsfest). 5 Uhr: Christnacht mit Levitenamt, Predigt und Segen. Weihnachtskommunion des Josephs= und Cäcilienverein. Im Anschluß daran stille hl. Messe. 7,30 Uhr: Stille hl. Messe. Vikar Schleep. 8,30 Uhr: Schulmesse. 9 Uhr: Stille hl. Messe. 10 Uhr: Hochamt mit Segen. Türkoklekte für die Bischöfl. Lehranstalten. Nachmittags 2,30 Uhr: Vesper; nach derselben Gelegenheit zum Beichten bis 6 Uhr abendc. In der Krankenhauskapelle sind zwei hl.“ Messen: 7 und 7,30 Uhr. Pfr. Schnurbus. Geisecke. 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vikar Schleep.— Kollekte für die Bischöfl. Lehranstelten. Westhofen. 7,30, 8 und 8.30 Uhr: Hl. Messen. Vikar Kirchner.— Kollekte für die Bischöfl. Lehranstalten. Freitag, 26. Dez. Fest des Erzmärtyrers Stephanus. 6 Uhr: Stille hl. Messe. Pfr. Schnurbus. 7,30 Uhr: Frühmesse. Weihnachtskommunion des Arbeitervereins„St. Stephanus“. 8.30 Uhr: Schulmesse mit Predigt. Vikar Kirchner. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Türkollekte für die Bischöfl. Lehranstalten. Nachmittags 2,30 Uhr: Vesper. Nachmittags 4,30 Uhr: Andacht für den Arbeiterverein„St. Stephanus“ in der Krankenhauskapelle. Geisecke. 7,05 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Vikar Schleep.— Kollekte für die Bischöfl. Lehranstalten. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Kollekte für die Bischöfl. Lehranstalten. Sonntag, 28. Dez. Sonntag nach Weihnachten. 6 Uhr: Stille hl. Messe. 7,30 Uhr: Frühmesse und Monatskommunion der Jungfrauen und der schulpflichtigen Kommunikantinnen II. 8.45 Uhr: Schulmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2.30 Uhr: Andacht. An den Werktagen sind in der Pfarrkirche die hl. Messen: 7, 7,40 und 8,15 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine hl Messe um 6,30 Uhr. Geisecke. 7.05 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Holgen. Vakat. Lichtendorf. Donnerstag, 26. Dez.(Hochhl. Weihnachtsfest). 6 Uhr: Hochamt mit Predigt. 7 Uhr: Stille hl. Messe. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2,30 Uhr: Vesper. Die hl. Kommunion wird in den ersten beiden hl. Messen ausgeteilt. Nach der Andacht Beichtgelegenheit. Kollekte für die Bischöfl. Lehranstalten. Freitag, 26. Dez. Fest des hl. Stephanns. Die hl. Messen sind wie an den gewöhnlichen Sonntagen jedoch ohne Predigt. Sonntag, 28. Dez. Sonntag nach Weihnachten. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2.30 Uhr: Andacht. (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzt. Verantwortung.) Zum„Eingesandt": Wie kommen die Heiden an die Hemden? Wer an den Weg baut, hat viele Meister. Kritisieren ist leicht, besser machen schwer! Wo bleiben die praktischen Gegenvorschläge? So lange die fehlen, sind Ihre ganzen Ausführungen für die Katz. Sie haben keine, tragen keine Verantwortung und hätten infolgedessen besser geschwiegen mit Ihrer Hemdenpolitik. Durch „Eingesandts“ wird eine derartig wichtige Angelegenheit nicht geklärt. Wir werden in einer öffentlichen Versammlung für Handwerk und Gewerbe dazu Stellung nehmen und laden Sie, falls Sie Farbe bekennen wollen, dazu ein. Dann wird sich ja herausstellen, wer die Interessen für Handwerk und Gewerbe vertreten hat. Schuldig an der Steuererhöhung sind lediglich diejenigen, die ihre ganze Politik darauf abgestellt hatten, uns in den Kreis Iserlohn hineinzubugsieren. Also, verschonen Sie uns mit Ihrer Unschulds=Hemdenpolitik. Der Obmann. Vom Film Die Lichtspiele„Zur Reichskrone“ weisen ein gutes Programm auf.„Douglas Fairbanks als Schutzmann a. D.“ ist eine tolle Angelegenheit. Dieser verkannte Schutzmann verliert seine Stellung, weil er einer Dame gegenüber galant ist, aber sein Ehrgeiz und angeborener Spürsinn läßt ihn sich glänzend rehabilitieren. Fairbanks macht eine gefürchtete Verbrecherbande unter unglaublichen Umständen dingfest und darf die Dame seines Herzens heimführen.— Der Tonfilm„Rheinlandmädel“ hat als Hauptdarsteller Werner Fütterer, der sich von seiner besten Seite zeigt. Den Film durchzieht der Gedanke an den Rhein. Machtvolle Burgen und herrliche Naturaufnahmen geben dem Film heimatlichen Hauch, und im Mittelpunkt steht das bunte Leben rheinischer Burschenschaften und des Karnevals. Daß musikalisch begabte Studentinnen im Gasthause Mufik machen, dürfte nicht neu sein, daß aber eines dieser Mädels den Sohn des Großindustriellen Waldorf heiratet, gehört wohl zu den Eigenheiten eines Tonfilms, der zu den besten seiner Art gehört!— Im Beiprogramm gibt es wieder einen Geräusch=Film„Der Boxer aus dem Tierleben“, der schallende Heiterkeit auslöst. Was hören wir im Rundfunk? Donnerstag, den 25. Dezember 1930. 06,00: Uebertragung der Christmette. 07,00: Hamburger Hafenkonzert. 08,00: Morgenkonzert. 09,00: Uebertragung des Geläutes von St. Gereon Köln. 09,05: Katholische Morgenfeier. 11,00: Lebende Dichter. 11,25: Der junge Mensch. 11,45: Meister ihres Fachs. 12,20: Norwegische Weihnachtsbräuche. 12,40: Menschen im Beruf. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Kinderstunde. 15,05: Erinnerungen an Mazedonien. 15,30: Dolittles Abenteuer. 16,30: Volkstümliche Weihnachtsmusik. 18,05: Unser Doktor. 18.30: Meister der Operette. 19,00: Kleine Kostbarkeiten der Weltliteratur. 19,40: Sportvorbericht. 19,45: Weihnachtskonzert. Intermezzo: Das Tränenkrüglein. Intermezzo: Die Stunde der Verlobten. Gegen 20,45: Erste Abendmeldungen. Bis 00,30: Nichtmumsik und Tanz. Freitag, den 26. Dezember 1930. 07,00: Morgenkonzert. 09,00: Uebertragung des Geläutes d. Trinitatiskirche 09,05: Evangelische Morgenseier. 11,00: Schallplattenkonzert. 12,00: Die Stunde des Arbeiters. 12,30: Der westfälische Kulturkreis. 13,00: Mittagskonzert. 14,30: Was wir von Uhren wissen sollten. 14,50: Bei den Mohammedanern in Bosnien. 15,15: Jugendfunk. 16,00: Alte rheinische Schwänke und Schnurren. 16,30: Militärmusik. 18.00: Durch deutsche Gaue Jugoslawiens. 18,20: Heiteres am Nachmittag. 19,00: Die schaffende Stadt. 19,25: Meister des Reiseberichts. 19,45: Sportvorbericht. 20,00: Der Opernball. 21,00: Erste Abendmeldungen. 22,40: Weihnachtsball. Samstag, den 27. Dezember 1930. 07,00: Mörgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 10.45: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 16,20: Frauenstunde. 16,40: Grundlagen der Funktechnik. 16,55: Englisch. 17,15: Vesperkonzert. 18.15: Elternstunde. 18,40: Der rheinische Lebensraum. 19,15: Mitteilungen der Bezirksfunkhilfe beim Westdeutschen Rundfunk. 19,25: Wirtschaftspolitische Umschau. 19.45: Lustiger Abend. Bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. 24,00: Meister des Jazz. Machnacht Von tiefster Sehnsucht in der Menschenbrust Hat Gottes großes Vaterherz gewußt. Er gab Ersüllung, machtvoll, reich und lind, Er schenkte segnend uns— ein göttlich Kind: Ein Kind, in dem sich Kraft und Holdheit paart, Stark, wie ein Held,— wie eine Blume zart. Noch ist des Wunders Köstlichkeit nicht tot In dieser Welt der Bitterkeit und Not. O kommt, ihr Dürstenden, vom Kampfe matt, Zum Weihnachtswunder kommt, und trinkt euch satt— Beim Kinde, in Mariens Arm geschmiegt, Rauscht uns der Segensstrom, der nie versiegt. Anna Enders=Dix. M Bücher= und Zeitschriftenschau „Die Gartenlaube“ Heft 51. Weihnachtsfreude, selige Erwartung zeigt das reizende Kinderköpfchen auf dem bunten Umschlagsbild des neuen Hestes der„Gartenlaube.“ Auch das Innere des Heftes ist ganz auf Weihnachten abgestimmt: farbenfrohe Bilder, reizvolle Beiträge über das Christkind und seine Trabanten, deutschen Weihnachtsschmuck, ein Weihnachtserlebnis im Herzen Afrikas. Ein reichillustrierter Aussatz zeigt ein entzückendes Puppenhaus; man kann sich vorstellen, wie wohl sich die Puppen darin gefühlt haben und wie herrlich es sich damit spielen läßt. unfere=heutige Ausguer umfaßt 16 Seiten Nr. 301(Drittes Blait) „Schwerter Fonuns „ Von Heinrich Zerkaulen. Es war im tiefsten Frieden. Seit acht Tagen stand der hohe Weihnachtsbaum auf dem Balkon. Aber wir konnten nicht zu ihm hin gelangen, der Durchgang durch das Vorzimmer war verschlossen: Christkindlein ging um. Ein Ruch von süßen Mandeln zog durch das Haus, und allüberall schienen geheimnisvolle Hände am Werk zu sein. Die Gesichter von Vater und Mutter hatten etwas Geheimnisvolles, um nicht zu sagen hoheitsvolles. Es war jedenfalls nicht nur der zu erwartenden Spielsachen wegen, daß wir uns folgsamer und gesitteter benahmen. Ach, damals schien ja alles noch so selbstverständlich: Daß die Lichter brannten, daß die Geschenke gestapelt dalagen, daß die Weihnachtsglocken warm und nah über Deutschland gingen: „Friede sei mit Euch.... Es gab nur ein Märchen, und das nannte sich„Krieg“! Zum Heiligen Abend gab es den ersten Urlaub! Zu den Füßen der hohen Wartburg, in Eisennach, lag unsere Garnison. Das Regiment bestand nur aus Kriegsfreiwilligen. Und die weit in ihre Heimat hatten, durften schon einen Tag früher fahren. Also zum Rhein hinunter, als Feldgrauer in die Heimatstadt. Das Wohnzimmer war wieder abgeschlossen, und Vater und Mutter sahen wieder aus, als wüßten sie nichts von Krieg u. Not und viel leicht letztem Wiedersehen. Nur daß wir uns diesmal mit einer bewußten Zärtlichkeit küßten, wir erwachsenen Menschen, und uns plötzlich schämten. Und wie dann auch reihum in der Straße die ersten Weihnachtslichter angezündet wurden, da standen wir schon zum Abschiednehmen am Bahnhof. Der D=Zug brauste heran, früher, als wir gerechnet hatten, ein Satz über den Bretterzaun, und schon schlug die Türe zum Abteil zu. Ein Tannenzweig im Waffenrock, ein Winken mit beiden Händen: Auf Wiedersehen— auf Wiedersehen!“ Da hörten wir, es sei nur der Vorzug. Und atmeten tief auf vor Freude, daß wir so fröhlichen, kurzen Abschied nehmen durften. Dann sauste der Zug durch die Nacht, durch die Weihnachtsnacht. Auf dem Bahnsteig in Koblenz ragten die Tannen, über und über mit Lichtern besät, fast bis an die Glaswand der Bahnhofskuppeln. Eine Artilleriekapelle spielte „Stolzenfels am Rhein“, ein frischer Transport rückte eben ins Feld. Am Heiligen Abend. Und weiter die Nacht durchrast, daß man knapp morgens rechtzeitig zum Appell da war. Drei Tage später rückten wir aus.— Der Weihnachtsengel ging mit gesenkter Fackel die Jahre durch über Deutschland hin. Sein Mund war stumm geworden, und nur an den todtraurigen Augen hätte man es ihm ablesen können, das vergessene Heilandswort „Friede sei mit Euch...“ Statt der bunten Glaskugeln hingen unerfüllte Wünsche an den Zweigen der Tannen und Sogar in unserer von Hast erfüllten Gegenwart, die gemütsreicher Lebensgestaltung immer mehr Abbruch tut, hat im Jahreslauf das Weihnachtsfest seine Sonderstellung behalten. Denn selbst Menschen, für die sonst höchste Sachlichkeit Parole ist, werden auf einmal„rückständig", sentimental und kramen in Kindheitserinnerungen an frühere glückselige Christabende. Und doch ist unser heutiges Feiern nur ein schwacher Schimmer von der ganz hingegebenen Weihnachtsfreude unserer Groß= und Urgroßeltern vor etwa hundert Jahren. Schon ein kurzer Blick in Theodor Storms gefühlsinnige Geschichten, in denen mit epischer Ausführlichkeit von dem schönsten Feste des deutschen Hauses, seinen geschäftigen liebevollen Vorbereitungen und seinem glanzvollen Höhepunkt am Heiligabend so gern erzählt wird, läßt uns die große Bedeutung erkennen, die vornehmlich das Christfest im Dasein des Biedermeiers besessen hat. Storm war geradezu ein Künstler, ein Genie im Begehen dieses feierlichen Ereignisses. Von seiner kindlichenfrohen Anhänglichkeit daran hat er zum letzten Male im Jahre 1887 rührend Zeugnis abgelegt, als der greise Dichter noch persönlich die zwölf Fuß hohe Tanne schmückte. Seine erwachsenen Kinder durften wie einst vergolden helfen, Netze schneiden und Bonbons in farbige Papiere einwickeln. Der Baum blieb aber für sie eine Ueberraschung. Mit besonderer Inbrunst kostete man vor hundert Jahren die Wochen vor dem Feste mit ebenso fleißigen wie heimlichen Zurüstungen aus. Emsig war man dabei, als Hauptschmuck des Festraumes die Krippe herzustellen, in der das angebetete Kindlein lag. Die Figuren wurden säuberlich aus Bilderbögen ausgeschnitten, und das Waldmoos zu dem Teppich, der sich Not und Gram lagen unter dem Baum, wo früher die Freude zu seligen Lasten sich türmte. Ein Mißtrauen schwang mit blechernem Klöppel, wo früher die Weihnachtsglocken klangen:„Es ist ein Ros' entsprungen..“ Der bitterböse, kalte Schnee hat alles zugedeckt.— Heute? Armes Menschenherz, wir wollen in stiller Demut Gott dem Herrn für seinen Schutz danken. Es pfeift der Wind noch durch die Dachsparren unseres schwer getroffenen Deutschlands. Aber warm ist es wieder geworden drinnen in der Stube. Leise knackt es schon in den Balken und Wänden, als stehe noch mitten im Winter wieder ein neuer Frühling vor den Toren. Und fast will es ein Wunder sein, daß der die Wohnzimmertür verschlossen ist. Christkindlein geht um. Und die Sterne blinken wie Wachtfeuer, als kündeten sie voller Inbrunst eine frohe Botschaft, die fast vergessen schien: „Friede sei mit Euch In hleinger WTacht Nun glänzen im silbernen Licht Holder Träume von göttlicher Gnade Die stillen beschneiten Pfade: Uns wieder, du wunderbar Gesegnet hochheilig Paar, Suche in heiliger Nacht! Nun schüttelt der schweigende Wald Alle Last von duftenden Zweigen. Benommen von festlichem Reigen Ersehnt er die jubelnde Ferne Mit Lichtern und hohem Sterne. In der heiligen Nacht. unter Maria und Joseph, unter den heiligen drei Königen sowie den Hirten ausbreitet, holte man mit Mühe aus dem verschneiten Stadtwäldchen. Mancher Erwachsene benutzte seine Werkstatt, um das Kripperl durch mechanische Erfindungen zu verschönern. Man sah auf Bergen und Windmühlen, deren Flügel durh rollenden Sand getrieben wurden, oder ein Bergwerk mit Grubeneinfahrt.„Aber diese Zusätze“, meint Gustav Freytag,„waren dem Knaben niemals nach dem Herzen; er hatte die dunkle Erfindung, daß sie sich mit den Engeln und den heiligen Königen nicht vertragen wollten.“ Nicht immer blieb eine solche Krippe nur gemütvolles Schaustück. Wenn die Glocken des benachbarten Gotteshauses zu läuten anhoben, dann kniete die gläubige Familie vor der Krippe nieder. Das Evangelium verlas der Vater und die Mutter stimmte mit den Kindern das Christlied an. Das 1818 im Schulhause zu Oberndorf im Salzburgischen entstandene, aber erst 1834 im Druck erschienene weihevolle Lied„Stille Nacht, heilige Nacht" war um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts freilich noch nicht überall verbreitet. Ein weltliches Gegenstück zur Krippe bildete das Puppentheater. Die bekannte Jugendschriftstellerin Ottilie Wildermuth, die 1817 geboren wurde, ist durch kein Weihnachtsgeschenk je so glücklich gemacht worden wie durch ein kleines Puppentheater; durch dieselbe Gabe hatte einst den Knaben Goethe die Großmutter ebenso entzückt. Ein der anschaulichsten Bilder von einem Weihnachtsgabentisch vor hundert Jahren ist uns von Lili Parthey, der 1800 geborenen Enkelin des berühmten Berliners Friedrich Nicolai, überliefert worden. Die Schilderung ist deshalb bemerkenswert, weil sie das beschenkte Hausgesinde einbezieht. Auf dessen Platze waren neben den Schüsseln mit Geschenken, PfefNun winkt über Land und Meer Die Blume himmlischer Güte. Aus voll erschlossener Blüte Streut sie die reiche Saat Unsterblicher Liebestat In die heilige Nacht. Nun, staunende Seele, auch du Ordne dich ein in das schöne Gotteswunder! Bekröne, Was du geplant und gestaltet, Mit Liebe, die nicht veraltet, In der heiligen Nacht. Max Bittrich. Mittwoch, 24. Dezember 1930 Neues Aufhorchen zittert durch die Weltr „Deutschland?“ Ja, es lebt noch. Es feiert sein ureigenstes Fest wieder, die weihevolle Nacht des Friedens, da der Herr der Welt geboren ward und die Sterne am Himmel vor ihm sich neigten. Schließt auf denn alle Türen Euces Hauses und der Seele, Deutschlands Wille und sein unerschütterlicher Glaube wollen einen neuen Baum putzen, daß er in vieltausendfachem Glanz erstrahle— weit in die Welt hinaus.! Zu Weihnachten 1930 Freude allem Volk! O, du fröhliche, o du selige, guadenbringenos Weihnachtszeit! Nun ist sie da, aus die unsere Kinder schon immer gewartet, aus die auch wir Alten uns schon immer gefreut habenn Nun wiederholt sich in tausenden von Kirchen und Kapellen, in tausenden von Herzen und Häusern die Engelsbotschaft:„Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volke widerfahren ist.“ Aber wir Menschen des 20. Jahrhunderts sind Tatsachenmenschen. Ist diese Engelsbotschaft wirklich berechtigt? Ist es nicht ein Rausch und ein Phantom für törichte Menschen? Bringt wirklich das Weihnachtsfest Freude allem Volk? Und wir denken an alle die vielen einsamen und verlassenen Menschen, die auch am Weihnachtsfest ihr Elend und ihre Not nicht vergessen können, die vielleicht gerade in der Weihnachtszzit ihre Einsamkeit und ihre Verlassenheit doppelt schmerzlich empfinden. Zu diesen armen und verlassenen Menschen dringt diese Botschaft nicht. Ja, es befinden sich darunter verbitterte und verzweifelte Menschen, die sich lustig machen über diese Weihnachtsbotschaft, die doch nur Traum und Phantom für törichte Menschen sei. Christus spricht noch heute:„Wahrlich, ich sage euch, was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“ So verstanden, wird die Engelsbotschaft von der Freude, die allem Volke zuteil werden soll, zu einer Anklage für alle diejenigen, die in ihrer Selbstsucht einsam sind und ihre Nachbara nicht helfen, dem sie doch helfen lönnten. Zu diesen lieblosen Menschen, die vielleicht nicht einen einzigen Menschen am Weihnachtsfest fröhlich und glücklich zu machen versuchten, dringt die Weihnachtsbotschaft nicht. Der tiefste Sinn und Segen des Weihnachtsfestes bleibt ihnen verborgen. Es ist nicht damit getan, daß wir in irgendeine Kasse zahlten oder uns in irgendeine Sammelliste eintrugen. Nein, diwir wohl tun können und etwas haben, sollen persönlich mit irgendeinem einsamen und unglücklichen Menschen in Verbindung treten. Die Engelsbotschaft von der Freude soll dich linaustreiben in die Not und in das Elend, damit du irgendeinen Menschen persönlich näher trittst, der einsam und verlassen ist. Heute, um Weihnachtsfest, ist es noch Zeit die Engelsbotschaft von der Freude, die allem Volke widerfahren ist, zu verwirklichen. Du mußt irgendetwas persönlich dem tun. der in Not und Verlassenheit steht. Wer nicht die ernste Mahnung dieser Weihnachtsbotschaft hört, der ist nicht würdig, Empfänger der herrlichen Verheißung zu sein.„. Dr. A. ferkuchen, Aepfeln und Nüssen so viel Lichter aufgestellt, wie die einzelnen Bediensteten Jahre im Hause tätig waren.„Auf der vorderen Seite des langen Tisches standen die Schüsseln in ordentlicher Reihenfolge. Kohlrauschs Mine ohne alles Licht, die Köchin mit einem, Sophie mit zwei, Karl mit vier, Schulz mit elf, Marie mit vierzehn und schließlich Luischen mit zweiund fünfzig Lichten. Nun putzten wir das übrige alles schön auf. Umgeben von den schönsten Blumen, Myrten, Orangen, Zypressen, die besonders schön aussahen, leuchteten wie drei Monde mit stillem Licht die drei Argand=Lampen; die mittelste umgeben von den jüngsten Frühlingskindern: Maiblumen und Tulpen: und zwischen diesen Herrlichkeiten prahlten zwei Pyramiden. So war die Mitte des Tisches voll und würdig ausgefüllt. Die übrigen Seiten nahm ein Pfefferkuchenalphabet ein, bei jedem Buchstaben ein Vers mit den Namen der Personen, die sich sehr glücklich darauf verteilen ließen, eingefaßt mit abgeschnittenen Myrten, Orangen, Rosen usw.“ Der Wohltätigkeitssinn war ein ausgeprägter Zug der biedermeierlichen Weihnachtsfeste. In Ballensiedt brachte Caroline Bardua, der einstige Schützling Goethes, im Jahre 1846 durch die von ihr arrangierten„lebenden Bilder“ in der Christwoche über 50 Taler zusammen; 143 Arme wurden dafür mit Fleisch und Reis gespeist. Auch in den ärmeren Familien war man bemüht, wenigstens zu Weihnachten einige Stollen und Kuchen zu backen. Für die Mutter wurde ein Tuch oder ein kleiner Vorrat von Kaffee, Zucker und Reis als Christgeschenk angeschafft. Ernst Rietschel, der spätere berühmte Bildhauer, erinnerte sich aus seinen Jugendtagen, die in die Freiheitskriege fielen, daß er und seine Geschwister nur in den frühesten Jahren ein kleines Christbäumchen mit einigem billigen Spielzeug angeputzt erhielten; auch ein bescheidenes Schattenspiel befand sich dabei.„###n meinem achten Jahre an kam es zu keiner Bescherung mehr; daß Geschenke und Christbäumchen fehlten, vermißte ich nicht. Meine Glückseligkeit konzentrierte sich in den Stollen, die erst am Heiligabend gebacken wurden; vorher hatte ich die im Jahre gesammelten Pflaumenkerne aufzuklopfen, die statt der bitteren Mandeln benutzt wurden. Ueber die Behaglichkeit dieser Arbeit ging nichts.“ Wer es sich leisten konnte, hatte mit Zitronat, Rosinen und Mandeln gespickte Weihnachtsstollen, angeblich ein Abbild des einst beim Julfest geopferten Schweinerückens, und trank dazu Bohnenkaffee, während die Minderbemittelten sich mit einem Getränk begnügten, das aus gebrannten Runkelrüben hergestellt war. Für Friedrich Hebbel war eine unvergeßliche Kindheits=Erinnerung, i es zu Weihnachten einen Mehlbeutel gab,„zu weilen wohl gar mit Rosinen oder Pflaumen gefült. Später wurde guter Tee getrunken, hauptsächlich der lieben Mutter wegen, die ohne Tee nur halb vergnügt sein konnte.“ Nachdem das Evangelium und eine Predigt verlesen waren, erschien der Nachtwächter mit seiner weitdröhnenden Knarre unter dem Fenster, sang einen Vers und erhielt den schon längst bereitgehaltenen Schilling, von dem Hebbel gesteht, daß man das Geldstück nicht selten geborgt hatte. Es waren eben wirtschaftlich schlechte Zeiten vor hundert Jahren: der Handel lag darnieder, die Industrie steckte noch in den ersten Anfängen, Straßen und Kanäle fehlten. Das Christfest aber warf seinen Lichterglanz über alles Trübe und weitete die engste Stube. Für die echte Weihnachtspoesie, die auch auf Markt und Gassen anzutreffen war, hatten die in der Biedermeierzeit Lebenden Herz und Verständnis wie wohl in keiner zweiten Spoche unserei deutschen Vergangenheit. TOToftri.., Den Sinnbildern, die die Natur uns liefert, um am Tage des schönsten Festes unsere Räume zu zieren, hat sich ein neues gesellt: der Weihnachtsstern. Wie eng sich diese Christblumenwerdung an älteste Traditionen anlehnt, lehrt uns hier der stimmungsvolle Rückblick eines namhaften Pflanzensorschers. Tannenbaum, Christrose und Weihnachtsstern— deutsche Weihnachten! Und dazu von England her noch Stechpalme und Mistelzweig, das sind heute des frohen Festes naturentlehnte Sinnbilder. „Sinnbilder! Bilder, bei denen ich sinne,“ sagt Hermann Burte. Gibt es etwas Schöneres, als ein wenig zu sinnen, gerade jetzt an den langen Winterabenden? Die Kinder freilich freuen sich auf das Fest um der Gaben willen, die ihrer harren. Und gewiß sind auch wir nicht gänzlich ohne Freude, aber auch nicht gänzlich ohne Gedanken über den Sinn des hohen Festsages. Nur die Sinnbilder, die wollen uns doch manchmal als rein gewohnheitsmäßig Ais Künder des Weihnachtsgedankens gilt die Christrose schon seit Beginn des 16. Jahrhunders. übernommene Dinge erscheinen. Dennoch haben nicht alle ihre Tradition. So der„Weihnachtsstern“, der zwar einen traditionellen Namen hat, ihn aber erst jetzt bekommen hat; als Festblume muß er sich noch seinen selbstverständlichen Platz erobern Früher mußte er sich mit dem gelehrten Namen Poinsettie begnügen, denn die Pflanze war dem Forscher Poinsette als lebendes Denkmal gesetzt. Doch da dieses eigenartige Wolfsmilchgewächs seinen prächtigen Blütenstand wie einen strahlenden feuerroten Stern gerade um die Weihnachtszeit entfaltet, bekam die Blume den schönen Namen Weihnachtsstern und ist zur rechten Weihnachtsblume geworden. Das geschah erst in diesem Jahrhundert, fast könnte man sagen in dem letzten Jahrzehnt. Darum können wir stolz behaupten, daß wir die ersten sind, denen„dieser" Weihnachtsstern geschienen hat, und wollen gern dazu beitragen, daß er seinen Glanz auch späteren Geschlechtern entfalten möge. Unsere Vorfahren haben ja auch für uns gesorgt! Keinen Deut anders war es nämlich einst mit der Christrose und den anderen Sinnbildern, als sie noch ohne Tradition waren. Jedesmal ist das Blühen um die Mittwinternacht, das Grünen inmitten der schlafenden Natur der Anlaß gewesen, einer Pflanze einen ausgezeichneten Platz einzuräumen, sie zum Sinnbild zu machen. Zufällig und ohne solchen Grund ist sicher keins dieser Leben scheinbar der wintertoten Natur spottet, mußte sie wohl etwas Besonderes sein. Sehr früh schon, das heißt um das Jahr 1500, wurde sie daher die„Blume des Christmonats“, die „Christwurz". Sie hat früher aus mancherlei Gründen andere Namen gehabt, viele, viele andere, die ganze Geschichten verraten. Daß sie aber nun heute Christrose heißt, das verdankt sich der Ahnlichkeit mit einer wilden. Rose. Lange Zeit nannte man sie auch Weihnachtsrose oder Weihnachtswurz; und davor, als man mehr an die Wintersonnenwende dachte, als an den Weihnachtsgedanken, da hieß sie Wendewurz. Sie stand damals schon in hohem, ja in höchstem Ansehen: ihre Wurzel war nämlich ein Wunderding. Kaum eine Krankheit hat es gegeben, die man nicht mit ihr zu heilen versuchte. Goethe hat genau gewußt, warum er, rückblickend in die graue Vergangenheit, sagte:„Hier war die Arzenei, die Patienten starben und keiner fragte, wer genas?“— Wo gäbe es wohl heute ein Mittel, das man gleich gut heißen würde zum Vertreiben von Läusen, zum Fangen von Bären, Wölfen und Füchsen und zum Heilen aller inneren und äußeren Krankheiten? Ein nettes Rezeptbüchlein könnte man aus den alten Handschriften und Kräuterbüchern zusammenstellen! Ein paar Proben mögen uns den Winterabend kürzen und uns Freude darüber bringen, daß unser Christröslein heute nur noch ein harmlos schmuckhaft Blümchen ist. Schreibt Camerius noch um das Jahr 1600:„Christwurtz bei den weinstöcken gepflanzt gibt dem wein ein angeborene Art zu purgieren... Die kriegßleut brauchen auch Christwurtz zu der Pestilentztschen Drüsen mit großem heyl wer es leiden kann dann wo die Drüse ist# einen spannen darvon ziehen on zerren sie die Haut mir einer Zangen auff stoßen ein glühend Pfrimen dardurch Darnach nemen sie christwurtz mit frischer butter bestrichen stoßen in das Loch an Statt deß Pfrimen 1 soll das Gift gewaltig außziehen. Ist die Drüse unter der Achseln thut man gemeldete Wirkung an dem sie aber in den Schoß auff! Bäumen auskommen konnten, die zu Weihnacht draußen im Freien blühen sollten, von einer Eberesche, die in der Julnacht Zweigen trüge, die der Wind nicht löschen könnte, ist nicht zu verwundern. Und daß man das Sagenhafte für sich als Wirklichkeit begehrte— auch manchmal mit kteinem Selbstbetrug— ist noch heute unsere Eigentümlichkeit. Ists dann erst zur Gewohnheit geworden, dann vergißt man gar leicht die ursprüngliche Bedeutung Und so erging es auch dem Weihnachtsbaum. Einzelne Wunderzweige im Zimmer gebaren den Wunsch, einen wundersamen Baum zu besitzen: und allmählich ging wieder einmal eine heidnische Sitte in Brauch üb den wie grün lackiert aussehenden Blättern und den schmuckhaften Beeren hat durch seine dekorative Wirkung sehr schnell auch in das Geschäftsleben Eingang gesunden. Wo und wenn es irgend möglich ist, wird, wie es auch schon bei uns teilweise geschteht, die in den Läden christlichen Eiuny über. Das Warten, bis der Baum ergrüne, war schließlich gar nicht nötig, denn Mutter Natur hat unser Land reichlich mit wintergrünen Bäumen gesegnet. Die Kieser war weit genug verbreitet. Aber in das Zimmer paßte sie nicht gut wegen ihrer struppigen Nadeln. Die zartere Fichte schmiegte sich besser dem Weihnachtsgedanken an, der die rauheren Julfestsitten ersetzte. Und wie nun das Immergrün der„Tannen", wie wir noch heute die Weihnachtssichte nennen, die Ewigkeit versinnbildlicht, so gesellte sich der goldes Lebendene Apfel des Lebens hinzu, das Symbol des verlorenen und wiedergewonnenen Paradieses. Nur blieb es nicht lange bloß bei dem Apfel. Es kamen andere Dinge hinzu, wie Aufzeichnungen aus 1605 ergeben, in denen es heißt:„Auff Weihenachten richtett man Dannenbäum zu Straßburg in den Stuben aufs. Daran henkei man roßen aus vielfarbigem papier geschnitten, Apfel, Oblaten, Zischgald, zuucker gita....: Der Schlaß dieser Au Die strahlenden Blüten des Weihnachtssterns, die sich um die Jahreswende entfalten, lassen uns diese eigenartige Oflanze als rechte Christblume erscheinen. Der Schluß diesel AufArm. Scheust sie aber... Schaut, macht man das Loch oben am diaen Schenkel. Vierzig Jahre früher empfiehlt Hieronymus Bock die Wurzel außerdem gegen Verstopfung, Melancholie, Fallsucht, Schwindel, Podagra, Wassersucht, Viertägiges Fieber, Grimmen, Fisteln, Grind, Räude, Flechte, Faulfleisch usw. Und noch vor hundert Jahren konnten ähnliche Anpreisungen Glauben finden, trotzdem bereits viele Todesfälle, ja das Aussterben ganzer Familien durch die„Nieswurz" bekanntgeworden waren. Der Name Nieswurz ist noch heute gebräuchlich. Man hatte nämlich die Wirkung der gepulverten Wurzel auf die Nasenschleimhäute entdeckt und Christröslein zu Niespulver verrieben. Darum läßt sich schon Fischart vernehmen:„Helleborische Nießwurtz reinigt alle verruckung, verschnupfung, alteration und verkehrt disposition“. Er hat, wie alle die Kräuterbuchschreiber, sein Wissen aber auch nicht aus sich, sondern hat es schon weit hergeholt, denn alles Unheil, das die Pflanze stiftete, geht auf den ältesten bekanntgewordenen Seher zurück, der Heilkunst trieb. Schreibt doch der„Gart der Gesuntheit“ 1521:„Es ist ein mann, geweßen der hieß Melampus der hei döchter die waren nit synnig also daß sie behaft waren mit der krankheit Mania] das ist die tobed sucht die machet er mit dieser wurtzel gesunt.“ Daß Horaz das Wunderkraut in seinen Satiren sogar gegen Geiz empfiehlt, dürfte der Höhepunkt der Tragikomik sein, die sich um dies alte Wunderkraut webt, das sie selbst purgiert hat und danac einen würdigen Platz unter unserem Christbaum fand. Dieser Lichterbaum hat, wenn auch nicht gar so verworren, ebenfalls seine seltsame Geschichte, er selbst ist gar nicht so alt, wie es uns immer scheinen will Die Bücher und Bilder haben viele freie Darstellungen gewählt, um wirkungsvoller ihre Gedanken zum Ausdruck zu bringen. So ist„Etkehards Weihnachtsbaum“, eine freie Erfindung Scheffels. Die älteste Kunde über die Verwendung von Weihnachtsbäumen stammt aus dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts. Dennoch geht die Sitte auf noch weit ältere Gebräuche zurück, denn schon Daß die„Wendewurz“ den Geiz kurtert, die Römer brachten zur Jahreswie auch horat glaudte, gehört wohl zu den ditesten legenden, wende blüheper Wögnung an. die sich um giefes Wunderkraut weden...., Am dern Zahr einen segenver4 48 Freumnugr alle verrit.# verschnupfung a.48. verkegr C % Ais die„Christwurz“ noch Uteswurz hieß. diente sie als Allheilmittel. zeichnung ist leider verlorengegangen und einige andere aus der folgenden Zeit bringen nichts Neues hinzu. Erst hundert Jahre später erfahren wir aus Lebenserinnerungen und Zeitbildern von lichtergeschmückten Baumen. Doch bis um das Jahr 1800 blieb der Weihnachtsbaum eine Seltenheit, etwas Besonderes. Als er aber häufiger wurde, kamen zuerst einmal Verbote, um die Forsten zu schonen. Doch das nützte nun nichts mehr. Der Siegeszug war Symbole an seinen Platz gerückt. Alle haben sie ihren Tag der Christblumenwerdung, selbst wenn ihnen eine Vorgeschichte beschert ist, die teilweise sogar bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht. Die herrliche Christrose war früher alles andere als eine Festblume. Da sie aber mit Uren strahlend weißen Blumen den Schnee der rethnacht durchbricht und mit dem blühenden sprechenden Empfang zu bereiten. Daraus entstand die alte deutsche Sitte, die sich in mancher bei uns erhalten hat, Zweig #0 Form noch heute der uus ethaltge., Hletige von Laubbäumen in das Zimmer zu hoten, damit sie um die Wintersonnenwende grünen und blühen. Aus der Reichhaltigkeit ihres Laubund Blütenschmuckes wollte man die Fruchtbarkeit des neuen Jahres erkennen. Daß in jener sagenerfüllten Zeir Erzählungen von angetreten und ging unauf! Bis der Baum zum unentbehrlichen Symbol der Weihnachtsstimmung geworden war. Er hat sogar über die Grenzen deutscher Kulturkreise seinen Weg gefunden und ist, besonders seit 1870, auch in Frankreich in Aufnahme gekommen. In England aber erhalten sich nach wie vor die Stechpalme und die Mistel. Die Stechpalme hal als Sinnbild denselben Ursprung wie unser Weihnachtsbeum; sie war das wintergrüne Gewachs, das außerdem zur Winterszeit die schönen roten Beeren trägt, die wie kleine Apfelchen aussehen. Merkwürdige Sagen über diesen stacheligen Strauch haben die Aufnahme in die christlichen Bräuche erleichtert. Nur scheint die Verwendung zu Weihnacht jünger zu sein als zu Palmsonntag, wenngleich die Zweige schon früh den Namen„Thristmas“(— Weihnacht) erhielten, der durch das jetzt beliebte Hollbf erseht wade Heilh wit sam vorwärts. ausgestellte Ware mit Stechpalmzweigen ge schmückt.—4— kI. Miall n. Ganz ähnlich ist es auch um die Mistel bestellt. Natürlich hat die merkwürdige Erscheinung des grünen Laubes im Winter oben auf den winterkahlen Bäumen, aus denen diese Pflanze haust, schon in der Urzeit unserer Geschichte Beachtung gefunden und manchem Sagenkreis seinen Ursprung geliefert. Die durchaus ungewöhnliche Erscheinung mußte notwendigerweise bald mit Göttern oder Geistern in Verbindung gebracht werden. Bestimmte Misteln, nämlich die auf Eichen lebenden, wurden heilig gesprochen und zur Wintersonnenwende von Druidenpriestern in weißem Gewande mit goldener Sichel von den Bäumen geschlagen. Sie galten als Sieg des Lebens über den todbringenden Winter, als Verheißung, daß es wieder Frühling werde. Doch nicht allein diese Deutung gab man der Mistel. In anderen Ländern hatte man gerade umgekehrt in der Mistel ein Zeichen für den Sieg des Todes über das Leben gesehen. Darum mußte der Eingang zum Hades, die Unterwelt, durch Anklopfen mit dem Mistelzweig erbeten werden, darum tötete nach der Sage der Wintergott den Lichtgott mit einem Mistelzweig. Der Sieg von Leben über Tod wurde lieber geglaubt und so gewann dieser Sagenkreis mehr an Bedeutung. Durch das tiese Verständnis der christianisierenden Mönche für die Seele des Heidenvolkes kam es auch hier nicht zur Vernichtung des alten Sinnbildes für die Mittwinternacht, sondern die Mistel ging, dem seltsamen Bau der Zweige entsprechend, des Kreuzbolz“ ir das Chri tum ork, und des destes der Liebe.„ 921 So sind all diese Symvotr Zeichen der Freude geworden, Sinnbilder, die uns froh machen, weil sie uns das schönste Fest künden. doppelt froh aber, wenn wir über sie nachsinnen, und uns so in rechte Weihnachtsstimmung versetzen.„„..„ Dr. Roberr Zunder. „heiliges Meuzheiz in das Christenüber, und wurde allmählich zum Zeichen Nbe„Hexendesen“ wirden die Misteldüsche in den Kronen entlaubter Düume. VSR 300 JAAREN STARS Sitzend, den Arm auf den Himmelsglobus gestützt, eine Zeichnung der Planetenbahnen in der einen, den Zirkel in der anderen Hand, zurückgelehnten Kopfes, den Blick gegen den Himmel gerichtet, stellt jenes Denkmal Johannes Kepler dar, das von einer dankbaren Nachwelt in seinem Geburtsort in Weil, damals Reichsstadt, errichtet wurde. Am 27. Dezember 1571 ist Kepler dort geboren, vor 300 Jahren, am 15. November 1630 ist er fern von seiner Familie auf einer Reise gestorben. Traurig tecch Ne Repier deutet Wallensteins Horofkop. Nach einer zeitgenösstschen Darstellung. Mit Recht wird gesagt, daß„ohne Graz die Welt einen Kepler entbehren würde". In Graz trat nämlich insofern eine Wendung in Keplers Interessensphäre ein, als er von nun an, sich in die Mathematik und Astronomie vertiefend, in diesen Wissenschaften die geeigneten Instrumente zur Lösung der ihn bewegenden Probleme erkannte. Es darf, eben angesichts der gewaltigen Leistungen, die die Mathematik, Physik und Astronomie dem einzigen Johannes Kepler verdankt, niemals vergessen werden, daß er diese Wissenschaft niemals als Selbstzweck betrieb, sondern nur als Stufe zu einer umfassenden Weltweisheit, die mehr ist als jegliche mathematische, physikalische oder astronomische Gelehrsamkeit. Von Anfang an war Keplers Geist philosophisch gerichtet. Den Anstoß zu den Entdeckungen, die ihn heute als Begründer der strengen astronomischen Forschung erscheinen lassen, gab ihm der Gedanke, alle Bewegungen der Weltkörper aus ihnen innewohnenden seelisch=geistigen Mächten abzuleiten. Die freie Phantasie des dichterischen Menschen war es auch, die Kepler mit der Astrologie verband. Hier sei aber zumehrenden Gedenken des Astronomen Kepler gezeigt, was allein die Himmelskunde ihm verdankt. Kepler gehört zu den Begründern jener Weltenlehre, die die Erde als den Mittelpunkt des Alls entthronte. Nach der Ptolemäischen Lehre bestand die Welt aus Schalen, die wie Zwiebelhäute übereinander lagern: In der Mitte die Erde, dann die Sphären(Planeten, Sonne, Mond) und zu äußerst die Fixsterne. Sie alle, hieß es, drehen sich um die Erde, und zwar, in der vollkommensten Linie, die überhaupt nur vorstellbar ist, in einer Kreislinie. Zu Keplers Anfängen hat sich bereits Giordano Bruno zu Kopernikus bekannt; er verkündete, daß sich die Erde bewege, und vertrat den Gedanken von der unendlichen Vielheit der Welten. Galilei war noch nicht auf den Plan getreten. Wohl aber war Keplers Lehrer in Tübingen, der verdienstvolle Mästlin, ein stiller Anhänger von Kopernikus. Kepler verfaßte in Graz seine Schrift: „Mysterium cosmographicum“; sie sollte, wie der Titel besagt, die Geheimnisse des Weltenbaus enthüllen. In dieser Schrift ging Kepler nicht so weit wie Bruno, die Lehre und wird vom Kaiser berufen, neben Tycho, zweites Mal von Linz nach Schwaben kom• 0 g“ v. p#l. zumu men, um dann mit großem Kostenaufwand, sich selbst in die juristischen Fragen der Hexenverfolgung vertiefend, die Mutter zu Rudolfs Leivastronom. Tiese stolz unmutende Stellung ist aber mit keiner materiellen Sicherheit verknüpft. Die Steierländischen Besitzungen seiner Frau müssen weit unter ihrem Preis verkauft werden, der kaiserliche Sold wird ihm unregelmäßig ausgezahlt. Kepler klagt:„Ich stehe ganze Tage in der Hofkammer und bin für die Studien nichts. Ich stärke mich jedoch in dem Gedanken, daß ich nicht dem Kaiser allein, sondern dem ganzen menschlichen Geschlecht diene.“ Tycho muß Kepler materiell beistehen. Aber dieser große„Kollege" stirbt bald. Wenn er auch Kepler kein Vermögen in München hinterläßt, so erbt Kepler jene wissenschaftlichen Materialien Tychos, in denen dessen 35= jährige Himmelsbeobachtungen ihren Niederschlag gefunden haben. Auf Tycho Brahes Beobachtungen stützend, entdeckt nun Kepler die wichtigsten Gesetze der Planetenbewegung. Die Planeten bewegen sich nicht auf einer Kreis=, sondern in einer elliptischen Bahn um die Sonne. Diese steht wiederum nicht im Mittelpunkt, sondern in einem der Brennpunkte der Ellipsen. Die Planeten beschreiben ihre Bahnen in der Sonnennähe schneller als in der Sonnenferne. Das dritte Keplersche Gesetz deckt das Verhältnis zwischen der Umlaufzeit' eines Planeten und seiner Entfernung von der Sonne auf. 2 W A # 8 A 534 5 Johannes Repler, F 15. XI. 1630. Links oben sein Jugendbildnis. wie das Ende war das Leben dieses Mannes, dessen Name zu den glänzendsten in der Menschheitsgeschichte gehört. Johannes Kepler entstammte einem alten kriegerischen Geschlecht. Er befand sich noch in zartem Jugendalter, aks sein Vater den friedlichen Beruf und die Seinigen verließ, um gegen die Türken zu ziehen. Er kam nicht wieder. Des Halbverwaisten harrte nun eine karge Jugend im mütterlichen Hause. Er war das älteste Kind und mußte des öfteren Haus= und Feldarbeiten verrichten, statt in die Schule zu gehen. Auch nachdem er ein herzogliches Stipendiat erhielt und in das Tübinger Augustinerkloster einzog, besserten sich seine Lebensverhältnisse nicht. Sechs Gulden Taschengeld bekam Kepler von Amts wegen zugewiesen— für das ganze Jahr, seine Verköstigung durfte die Ausgaben von neunzehn Gulden jährlich nicht überschreiten. Selbst für die damaligen Verhältnisse war dies allzu wenig und er klagte beredt in einer Bittschrift, daß mit sechs Gulden weder Schuster, noch Flickschneider oder Wäscherin zu bestreiten seien, woher erst das Geld für neue Kleidung und notwendige Studienmaterialien nehmen. Dennoch vermochte die äußere Not Aufkeimung und Entfaltung seines Geistes nicht zu verhindern. Früh zogen ihn die großen Fragen Aus den schlichten Werkzeugen, die Repler gebrauchte, am Wesen und um astronomische Messungen vorzunehmen(links), entwickelten Sinn von Himmel und Erde, sich im Laute der Jahrhunderte die gleichen Zwecken dienenden von Leben und Tod, auf oie"... Präzisioneinstrumente unserer Sternwarten. körperliche und sittliche Weltordnung bezogen. Ein ungewöhnliches philosophisches Interesse wohnte ihm inne und da seine Zeit die Scheidung von weltlicher und kirchlicher Philosophie nicht kannte, beabsichtigte Kepler 5 Man glaubte, daß die Welt einer Swiebel gleiche, ured dle Erde den Mtttelpunkt des Alls bilde. in den Kirchendienst zu treten. Januar 1594 wurde er jedoch im Auftrage der Steirischen Stände nach Graz berufen, um dort als Lehrer der Mathematik und Ethik zu wirken. Auf den Rat der Tübinger Theologischen Fakultät trat der junge Kepler diese Stellung an. In Graz schien ihm vorerst äußeres und inneres Glück beschieden zu sein. Kepler hatte nicht nur sein Auskommen, sondern heiratete auch bald, erst vierundzwanzigjährig, die reiche Grazer Witwe Barbara Müller von Mühleck. Er wohnte in dem zweiten Stock eines schönen alten Hauses, das noch heute in Graz, Stempfergasse 6, zu sehen ist und zumal, dank der noch vorhandenen Studierstube, viele Besucher anlockt. von der der Unendlichkeit erkennt er nicht an. Für ihn stellt die Sternenwelt ein kugelförmiges Gebilde dar, in dessen Mitte die Sonne steht und das von den Fixsternen schalenartig umschlossen wird. Die Ordnung des Weltenbaues wird durch die göttliche Vernunft verbürgt und diese bedient sich dabei der Formeln und Figuren der„ewigen Geometrie". Der Tübinger Senat ist von diesem Manuskript begeistert, Mästlin stellt sich selbst zum Setzkasten, um Satzfehler zu verhindern, schreibt eine Vorrede, in der er durch Keplers Buch den Anbruch eines neuen Zeitalters in der Astronomie verheißt. Galilei aus dem Süden, der größte Astronom der Zeit, der Däne Tycho Brahe aus dem Norden, senden Grüße an Kepler. Keplers Grazer Zeit findet durch die einsetzenden Religionskämpfe ein jähes Ende. Nach einigen Irrfahrten kommt er nach Prag wurden die eherne Grundlage der astronomischen Forschung. Das Gesetz von der Planetenbahn fand Kepler auf Grund von Untersuchungen der Marsbahn. Als er seine diesbezüglichen Ergebnisse Kaiser Rudolf mitteilte, konnte er triumphierend sagen,„er bringe den Kriegsgott selbst gefangen, für ewige Zeiten gefesselt, durch die Kraft der Zahlen, denen der Mars nimmermehr entrinnen werde können“. Nach dem Tode Kaiser Rudolfs wurde die Stellung des Mannes, dem diese gewaltigen Entdeckungen zu verdanken sind, der sich Seiner Kaiserlichen Majestät Mathematiker und des Heiligen Römischen Reiches Astronom nennen durfte, noch schlimmer. Er mußte sich als Gymnasiallehrer nach Oberösterreich begeben. Aber auch da, in Linz, lassen ihn äußere Umstände nicht zur Ruhe kommen. Die größten Aufregungen aber schafft ihm die Sorge um die alte Mutter. Sie lebt in Leonberg in Schwaben, wird auf nachbarliches Gerede hin mit Hilfe des übelgesinnten Ortsvogts der Hexerei angeklagt. Man beruft sich dabei auf die„Tatsache", daß auch eine Tante, bei der Keplers Mutter erzogen worden ist, eine stadtbekannte Hexe und deswegen verbrannt worden sei. Als Kepler von diesen Anklagen erfuhr, verließ er sofort die Stadt und seine zweite Frau, um seiner Mutter zur Hilfe zu eilen. Der Prozeß währte aber„Jahre und Jahre, Kepler mußte noch ein retten. Er konnte es trotzdem nicht verhindern, daß seiner Mutter die FolterwerkDiese Gesetze zeuge gezeigt wurden. An den Folgen dieser schrecklichen Vorstufe der Tortur starb Keplers Mutter. Ihres Sohnes Leben gestaltete sich weiterhin unstet. Es ist ein Zeichen der unerschöpflichen Kraft des Genies, wenn er dennoch Zeit für unvergängliche Geschenke an die Menschheitfand. Nicht nurdes Astronomen Keplers Ruhm ist unvergänglich. Er war ein Vorkämpfer für die große Kalenderreform, er hat für die Optik, für die Theorie des Sehens und für die Ausbildung verschiedener mathematischer Methoden Bahnbrechendes geleistet. Zu seiner Zeit galt dies aber wenig. Er nahm von Linz Abschied und nun fohgten noch bösere Zeiten. Mit einer Schuldenlast von 20 000 Gulden trat er im Herbst 1630 eine Reise nach Regensburg an, um dort von den versammelten Fürsten Hilfe zu erbitten. Während der Reise bemächtigte sich seiner die tödliche Krankheit. Er starb in Regensburg im 59.Lebensjahre am 15. November 1630. Sein Grab wurde bei der Erstürmung der Stadt durch Bernhard von Weimar verschüttet. Wurde so, was an Kepler irdisch war, auch noch nach dem Tode von bösen Geschicken verfolgt, seinem Geiste wurde unsterblicher Ruhm zuteil, ein Ruhm, dem heute alle Ehrfurcht zollen. Dr. F. Das Grazer haus. in dem Repier wohnte, ist fast unverändert erhalten geblieden. Erika Riedberg Tote Copyright by Martin Feuchtwanger Halle Saale) h Hachduch urbaen. Bis unter Liberiys Flüstern ihm wie Posaunentöne der Fürstin Abscheu in die Ohren gellte, ihre Worte:„Er ist ein Verruchter, Gottes Fluch wird ihn treffen.... ihn Noch einmal loderte seine ganze, von krallender Sinnlichkeit gepeitschte Leidenschaft auf. Noch einmal erschütterte ihn das glühende Triumphgefühl, das ihn ihre Bewunderung seines Werkes kosten ließ, ihre Worte über die gestohlenen Schöpfungen:„Oh, das ist schön... Dann—— Er hob die Arme, die Ketten schleiften über die Brust— über das Gesicht. Mit einem Ruck riß er den Verband vom Kopf— bloß lagen zwei tiese Wunden. 4., 508 Er grub die Finger hinein— langsam sialern Blut— floß schneller und schneller— tränkte das harte Kissen des Bettes— und versiegte plötzlich. Stanislaus Senteck stand vor seinem Richter in jener anderen Wel! mit der GeMargot Severin hatte ihr Zimmer geschmückt. Auf den Tischen standen Blumen. An den Wänden, liebevoll in gutes Licht gerückt, hingen die Bilder ihres Vaters. Sie erwartete heute den Mann, der ihr ganzes Sein und Denken gefangennahm, seitdem sich zum ersten Male seine Augen auf sie gerichtet hatten. Mit gefalteten Händen stand sie vor dem Nachlaß ihres Vaters. Ihr Geschmack, ihr Urteil hatten genügend Schulung, um sich, wenn auch mit Wehmut, zu sagen: Es sind keine unsterblichen Werke eines Verstorbenen. Viel Fleiß, viel Liebe— kein Genie! Ein wenig bangte sie nun doch vor des Fremden Urteil. Hatte doch Lubin die Gemälde damals nur mit einem Blick gestreift— flüchtig, interesselos. Erledigt! Nie wieder hatte sie versucht, ihn zu befragen, Rat zu erbitten— nie! Jedesmal überfiel sie eine seltsame Beschämung. Ihres Vaters Werke sollte kein mitleidig abtuender Blick fortan mehr streifen. Und nun freute sie sich unter Herzklopfen und zitternder Erwartung des Besuches— eines Fremden, der ganz gewiß die allerhöchsten Ansprüche stellen könnte und würde. Und doch: Sie spürte neben seiner unbeschreiblichen, verschlossenen Vornehmheit uund Ueberlegenheit, wie manchmal ein Schimmer von Güte hervorbrach. Nein, er würde sie nicht demütigen in ihres Vaters Werken. Sehnsüchtig wünschte sie mit ihm allein zu bleiben. Jedoch Lubin war in letzter Zeit noch unberechenbarer als sonst. Vielleicht fiel es ihm ein, herüberzukommen. Da— er riß die Tür zum Atelier auf. Margot trat rasch in ihr Kämmerchen, nahm eine vunie Decke von ihrem Bett und verhängte mit einigen geschutten Griffen die Tür. So! Es sah hübsch aus und gab ihr das Gesühl des Alleinseins. Sie horchte... Tiefe, fast stöhnende Atemzüge drangen zu ihr. Sicher hatte Lubin wieder das unselige Opium geraucht. Er leugnete es, aber sie wußte längst, in welcher Weise er seine Phantasie anfeuerte und berauschte. Sein Körper ward zusehends hinfälliger. Völlige Kraftlosigkeit wechselte mit Aufregungszuständen ab. Ach, sie wußte sich oft keinen Rat. Stundenlang saß er vor dem Frauenbildnis im Atelier, starrte es wie geistesabwesend an und hielt lautlose Zwiesprache mit ihm. Einmal, in der Dämmerung eines schwülen, dunstigen Abends, hatte Margot ihn mit flehend gerungenen Händen auf seinen Knien gefunden, immerfort den klagenden Schrei wiederholend:„Vergib! Vergib!“ Was barg seine Vergangenheit?— Ein großes Unglück? Eine große Schuld? Sie verstand ihn nicht, würde ihn nie begreifen. Und so ging ihr Leben dahin: freudlos und voller Sorgen für einen Fremden, der sich in sie hineinbohrte in jammervoller Hilflosigkeit, der ihr alles Eigenleben raubte. Wenn Lubin solche ekstatischen, krankhaften Anfälle scheinbar überwunden hatte, stürzte er sich förmlich auf sie, umklammerte sie hilfesuchend und jammerte:„Verlaß mich nicht! Verlaß mich nicht! Ohne dich muß ich sterben— sterben! Ich brauche deine Reinheit. Deine Unschuld entsühnt— entfühnt.“ Sie mußte ihm schwören, bis an sein Ende bei ihm zu bleiben. Angstvoll gab sie das Versprechen und hielt es getreulich bis heute unter stets wiederkehrenden Sorgen. Und immer siegte das Erbarmen mit dieser armen, gehetzten Menschenseele über eigene Wünsche und Ziele. Und nun trat, zwar noch nicht wie eine Freude, doch wie ein angestauntes Wunder, der Fremde in ihren Lebenskreis. Terbeznow hieß er! Er hatte französisch und in deutscher Sprache zu ihr gesprochen.— War er wirklich ein Russe? Woher kam er? Ah, nimmermehr aus der Alltagsmenschen Welt! Die tiefsten Gründe und die höchsten Höhen mußte er gemessen haben.— So grübelte Margot Severin. Die kleine, leise Klingel tönte. Margot fuhr auf; rasend klopfte ihr Herz— er war gekommen. Sie wagte nicht neben ihn zu treten, während er langsam von Bild zu Bild schritt. Zitternd forschte sie in seinen Zügen: Oh. nur kein demütiges Mitleid in diesem stolzen Antlitz gewahres!— Nein! Sie täuschte sich nicht: ein seiner Zug von Güte erhellte seine Miene. Schließlich wandte er sich zu ihr. In kurzen, knappen Worten sagte er: „Wenn Ihnen die Trennung nicht zu schwer fällt, so möchte ich Sie bitten, mir die Gemälde Ihres Vaters, das heißt, seinen gesamten Nachlaß, Skizzen und sonstige Entwürfe zu überlassen. Ich würde eine angemessene Summe dafür bei der Pariser Bank anweisen. Ferner würde ich Sie bitten, die Bildwerke mir bis zu meiner Rückkehr nach Rußzland zu verwahren.“ Sie schlang die Hände ineinander. bärde einer Betenden, stand sie vor ihm. „Mein Herr, Ihr Großmut reißt Sie hin. Die bescheidenen Werke meines Vaters werden nimmermehr in Ihr stolzes Haus passen.“. „Weshalb glauben Sie, daß mein Fuus ein stolzes ist? Beschreiben kann ich das nicht. Das Gebietende, die Ueberlegenheit Ihrer Persönlichkeit läßt keine andere Annahme zu. Sie können nur ein hohes, stolzes Schloß bewohnen.“..„.: J. mm gub u.s chenflich Wieland sah einige Minuten stumm und nachbentrich über sie hinweg. Wenn dieses einfach und klar empfindende, kindliche Mädchen wüßte, wie tief, wie er wie ein Tier in Kerkernacht geschmachtet hatte— er, für den sie sich nur ein hohes Schloß denken konnte? Seine Blicke wurden bei dieser Erinnerung wild und drohend. Da sagte ihre Stimme leise und trostvoll fragend: „Oh, mein Herr, wieviel müssen Sie gelitten haben!" Wielands Gestalt erbebte. Durchdringend sah er sie an. „Was bringt Sie zu dieser Vermutung?" „Der verschlossene Schmerzenszug um Ihren Mund. Und— und Ihre Augen...“ „Meine Augen?“ Unwillkürlich deckte er seine weiße, schlanke Hand über die Lider. 99 8 „Ja!“ Sie wies auf den Abguß einer Anttie.„Ja. Ihre Augen sehen über die Nähe hinweg in die Ferne— oder tief, tief in das Innere... Es sind die leeren Augen eines Marmorbildes— tote Augen!“ Er griff nach ihrer Hand. „Margot Severin! Wie kommen Sie zu solchem Erkennen?" Ruhig, wie bestätigend sprach sie: „Nur ein schreckliches Erleben schafft solche Augen.“ „Kind! Kind, was reden Sie da?“ „Ich sehe noch mehr: Das Unglück, das Sie betroffen, kam durch fremde Schuld— und— und“, ihre Stimme war nur ein Hauch,„Sie werden Vergeltung dafür nehmen...“ Er ließ ihre Hand sinken. Durchdringend richtete er den Blick auf sie— einen jener Blicke, die bis in das Innerste von Herz und Seele tauchen. Was er in ihren Augen, auf ihrem Antlitz las, war reine, meertiefe Liebe— unschuldvolle, restlose Hingabe. An ihn! An ihn! „Kind! Kind!“ murmelte er erschüttert. Er hatte es so gewollt: Durch Margot Severin sollte Urban getroffen werden. Wandte sich dieses einzige Wesen, das ihm das schuldbeladene Leben erträglich machte, voll Abschen von ihm, so traf ihn die rächende Hand bis zur Vernichtung. Ein kaltblütig überlegter und eingeleiteter Plan. Alles kam, wie es sollte: Das Zusammentreffen, das Bekanntwerden an den Kunststätten. Nur eines lag ganz und gar außerhalb von Wielands Berechnung: Die Liebe Margot Severins zu ihm! Verhängnis! Verhängnis! Sie blieb immer in der demütig stolzen Haltung vor ihm stehen. Er sah zu ihr nieder, spürte mit unabänderlicher Klarheit: Nur das reine Mitleid eines treuen Freundes, die Zuneigung und Hilfsbereitschaft eines Bruders erfüllte seine Seele für sie. „Mein Herz ist tot für Frauenliebe...— Hatte er unbewußt laut gesprochen? „Das wußte ich“, sagte sie leise, indes eines Engels Lächeln ihr Antlitz verklärte. Rührung pochte an seine Seele. „Ich bin noch nicht hart genug“, murmelte er vor sich hin.„Es greift an mein Herz: Durch dieses unschuldige, vertrauende Kind den Missetäter zu vernichten. Aber ist es nicht auch Rettung für sie?“—.Entschlossen sagte er: „Setzen Sie sich, Margot Severin.“ Gehorsam nahm sie ihm gegenüber Platz. Er selbst schritt zu einem Sessel. „Ich bin hierhergekommen, um Ihnen eine Geschichte zu erzählen. Jetzt sollen Sie diese Geschichte hören.“ Er starrte minutenlang, noch bleicher als sonst, vor sich hin. In schweren Atemzügen hob sich seine Brust. Dann begann er mit seiner so seltsam ruhigen Stimme in kurzen, harten Sätzen: „Im äußersten Osten Deutschlands lebte eine arme Witwe, gelähmt bis zu den Armen. Eine junge Verwandte pflegte sie mit rührender Selbstlosigkeit.. Beide Frauen erwarben durch Handarbeiten ihr kärgliches Brot. Sie lebten vollkommen zurückgezogen. Nur ein Maler kam zuweilen in das enge Viertel, wo die Armen wohnen, und setzte sich in dem friedlichen Witwenstübchen nieder. Die unbeschreibliche Kraft und Opferwilligkeit, deren nur eine Mutter fähig ist, ermöglichte dem einzigen Sohne der Witwe das Studium der Architektur auf der Hochschule seiner Vaterstadt. Die junge Verwandte und der Sohn liebten sich. Ohne festes Verlöbnis wußten sie, daß sie für Zeit und Ewigkeit einander angehörten. Er bestand das Examen. Der Leiter der Hochschule erließ ein Preisausschreiben für den Umbau eines Fürstenschlosses in Rußland. Der Sohn der Witwe ging als Sieger unter den Bewerbern hervor. Am Abend dieses Tages verlobten sich die Liebenden. Noch in derselben Nacht mußte der Sohn seine Reise nach Rußland antreten. Spät abends, nach dem Abschied von Mutter und Braut, ging er zum Bahnhof. Unter dem Vorbau eines Kellerlokals blieb er stehen, um sich eine Zigarette anzuzünden. Da— wurde er durch einen fürchterlichen Stoßz hinterrücks die Treppe hinabgeschleudert.— Er erwachte nach vielen Stunden jenseits der Grenze in einem russischen Wachtlokal, die Papiere eines russischen Schwerverbrechers in der Tasche.„Sein Koffer, die Mappe mit den Plänen zum Schloßumbau, die er unter dem Arme getragen, seine eigenen Pläne waren gestohlen Lange Jahre brachte er als zwiefacher politischer Mörder in russischen und sibirischen Gefängnissen zu, bis Gott ihm die Freiheit zurückgab. Er kam zurück. Er verfolgte und fand die Spur der Verbrecher. Dem einen, dem Kollegen von der Hochschule, war es um die Pläne zu tun— er mordete aus EhrDer andere, der Maler, der dem Ueberfallenen die falschen Papiere in die Tasche steckte und ihn mit dem Dieb und noch einem Spießgesellen über die Grenze schaffte— er mordete aus Leidenschaft und Eifersucht. Als der Gefangene zurückkehrte, erblickte er als erstes das Schloß, von des Diebes Hand nach seinen Plänen 88699. er Seine Mutter war in Not und Elend gestorden, seine Braut in langer Fieberkrankheit fast zugrunde gegangen. Sehnsucht, Ungewißheit um des Verlobten Verbleib brachten sie immer wieder fast dem Tode nahe. Endlich fand sie bei dem Maler eine Spur— sie fuhr nach Rußland, kam todkrank dort an, wurde von dem betrügerischen Architekten erkannt und nach einer grausigen Nachtfahrt in eine Irrenanstalt eingeliefert. Dort ist sie bald danach an Gehirnhautentzündung gestorben. 64210(9 Der aus Sibirien Heimgekehrte sand nur viese Gräber. Heute hat die Gerechtigkeit bereits den einen ereilt.“ Die düstere Stimme verstummte... Margot war neben ihm auf die Knie gesunken. „Oh, mein Herr, sagen Sie, daß solche Verbrechen unmöglich sind... daß keine Missetäter sie begehen— und kein Unschuldiger sie ertragen kann... daß kein Mensch, kein Mensch so schlecht sein kann!" Er legte die Hand auf ihr Haupt. „Sie sind geschehen— und ertragen— hören Sie weiter.“ „Der Maler— Franz Urban—“ In diesem Augenblick wurde der Vorhang vor dem Atelier herabgerissen— Mit den verzerrten Zügen eines Wahnsinnigen stand Lubin in der Tür. „Wer bist du, der du vom Maler Franz Urban spricht. g0.1.;. t, 9.ch immer Sein flackernder Blia fter auf die noch immer iniende Margot... Mit einem Satz war er neben ihr, riß sie empor, schleuderte sie zurück... drang auf Wieland mit geballten Fäusten ein. Schurke! Was hast du mit dem Mädchen zu schaffen? Wer bist du?“ Eine Gestalt erhob sich— stand vor ihm in zugleich drohender und erhabener Ruhe. Eine feierliche Stimme sprach: „Sieh mich an! Und suche in deinem Gedächtnis, wann du mich zuletzt gesehen hast. Erinnere dich!“ „Ich kenne Sie nicht! Noch einmal: Wer sind Sie?“ „Ich bin derjenige, dem Sie, Franz Urban, die Papiere des Mörders Wladjimir Uwanow in die Tasche gesteckt, nachdem Sie mich in Gemeinschaft mit Ihrem Spießgesellen Senteck in den Keller hinabgestoßen hatten. Ich bin derjenige, den Sie lange Jahre der Hölle russischer und sibirischer Kerker überliefert haben— derjenige, dessen Mutter infolge Ihres Verbrechens in Not und Elend stard— verjenige, dessen Braut Sie gemordet haben, nachdem wiederum Ihr Spießgeselle sie in eine Irrenanstalt eingesperrt hatte, wo er sie elend zugrunde gehen ließ. Franz Urban, erkennen Sie mich?“ Der starrte ihm in das wie versteinte und ruhige Gesicht. Warf die Arme in die Luft... und stürzte mit dem jammernden Schrei:„Friedrich Wieland! Friedrich Wieland!“ zur Tür hinaus. Weit geöffnet suchten Wielands Augen ein Stückchen Himmel durch die Fenster... „Gott!“ murmelte er.„Gott!“ Hinter ihm erklang ein schmerzliches Weinen. Margot lag auf ihren Knien. „Es ist nicht möglich! Es ist nicht möglich!“ wiederholte sie wie von Sinnen.„So schlecht kann ein Mensch nicht sein! So viel Furchtbares kann ein Mensch nicht erdulden! Wo bleibt des ewigen Vaters Güte, wenn er seine Geschöpfe so leiden läßt?“ „Manchmal scheint seine Güte und Langmut zu schlafen — aber immer zur rechten Zeit erwacht sie“, sprach Wieland feierlich. Sie schwankte auf ihn zu. Mit grenzenloser Liebe, mit heiligem Mitleid sah sie zu seinem Antlitz auf. „Nun weiß ich, woher Sie die seltsamen Augen haben.“ „Ja, Margot Severin! Meine Augen haben so Schreckliches gesehen, daß sie tote Augen geworden sind.“ Tief neigte sie den Kopf auf seine Hände. „Die waren einst gefesselt“, sagte sie schaudernd.„Die haben Ketten getragen!" Leise, wie in Andacht, berührten sie ihre Lippen... Dann schauderte sie: „Und diesem Menschen, der Ihnen so Furchtbares angetan hatte, erwies ich Mitleid und Gutes. Oh! Hätte ich eine Ahnung seines teuflischen Verbrechens gehabt— ich wäre geflohen wie vor dem Abschaum der Menschheit.“ „Bereuen Sie sichts, was Sie an ihm taten, Margot Severin! Unverloren wird Ihnen Ihr Mitleid und Ihre Güte bleiben.“ Sie nahm wieder seine Hand— Da— Lautes Poltern— ein heulender, langgezogenet Schrei— Sie rissen die Tür auf. Im Atelier lag, den Oberkörper über ein Bild geworfen, Urban auf dem Fußboden— Gräßliche Krämpfe zerrissen seinen Leiv. Die Glieder krümmten sich— (Fortsetzung folgt.) Warum essen wir die Weihnachtsgans? Alte Bräuche haben in ihrer traditionellen Gewohnheit etwas Ehrfürchtiges, wir halten sie dennoch meist fest, ohne um ihr Woher zu wissen. Der Ursprung der liebgewordenen Sitte, just zum Weihnachtsfest eine wohlgemästete fette Gans knusprig braun zu braten, liegt weit zurück. Bei einer Rundfrage meinte der eine: weil es üblich sei, der andere: weil sie gut schmecke, Nummer drei: weil ihr Fleisch dann am schmackhaftesten sei. Was kümmert es den Gänsezüchter im großen und kleinen, welche Bewandtnis es mit der„Weihnachtsgans“ hat, ihm sowie den Verkäufern ist die Hauptsache, daß die Bestände seiner Zucht zum Fest reichlich abgehen. Denn ein großer Teil dieses Federviehs wird recht eigentlich für den Weihnachtstisch gezogen. In die Großstädte kommen zum Fest hunderttausende Gänse, und es ist seine größte Sorge, zum bestimmten Termin richtig gemästete bratfertige Tiere abzuliefern. Und die Hausfrau? Sie kennt natürlich die schönsten Rezepte, viele von Großmuttern her, alle mit kleinen Unterschiedlichkeiten, je nach der Gegend. Gleichviel, sie bereitet mit wahrer Hingebung und tiefem Sachverständnis die Weihnachtsgans zum lukullischen Mahl. Ihr Inneres wird mit geheimnisvoller Füllung versehen, mit sauren Aepfeln, Rosinen und Korinthen oder mit Kastanien, Tomaten oder einem Gefüllsel von geriebenem Zwieback mit Eisschnee, dazwischen, sein gehackt, Magen, Herz und allerlei Gewürze. Kurz, die Hausfrau hat mit der Gans so viel Sorge, daß ihr über den ideellen Sinn und Zweck keine Gedanken kommen. Und doch ist es von Interesse, uns diesen typisch deutschen Weihnachtsbraten(in Amerika und England spielt der Truthahn diese Rolle) auf sein Herkommen hin einmal anzusehen. Dabei findet sich sein heidnischer Ursprung. Schon die alten Germanen opferten dem germanischen Gott Wotan(oder Odin) beim Julfest, das in der Nacht der Wintersonnenwende(also an unserem Weihnachtstag) gefeiert wurde,„Gänse“. Damit ist das Rätsel des Herkommens gelöst. Zu diesem Julfest waren auch andere Geschenke üblich, und das „Julklapp“, das besonders auf dem Lande noch teilweise gebräuchlich ist, findet hierin seine Erklärung.f. Auch wurden zu Ehren„Eber geopfert, und der heute in manchen Gegenden Deutschlands übliche„Schweinebraten“ an einem der Festtage erinnert in gemilderter und verfeinerter Form an den heidnischen Brauch. Außer den Säugetieren und Vögeln waren auch besondere Fische als Opfer beliebt, so Karpfen, Lachs und Hering. Es ist ein Wunderbares, wienns der Festspeisezettel von heute den innigen Zusammenhang mit den Sitten und Gebräuchen unserer Altvordern 1850t Die Germanen waren seelisch ungemein innig der Natur verbunden, darum kannten sie keine Tempel und Kirchen, sondern verehrten ihre Götter in heiligen Hainen, in der Natur. Und besondere Tiere brachten sie in engsten Zusammenhang mit der Götterwelt als bevorzugte Opfertiere. Leise, ein verklingendes Echo, mahnt uns die Formung des Weihnachtsgebäcks, besonders auf dem Lande, in der Darstellung an jene Tiere, durch deren Opferung die Götter günstig gestimmt wurden: Eber, Pferd, Fisch usw. Das Spekulatius und das an der holländischen Grenze übliche Klaszeug zeigen vielfach noch die alten Tierformen als Ueberbleibsel eines Symbols einer Glückbringerschaft oder versunkenen germanischen Götterwelt. Christi Geburt in der Malerei (*) Nachdem bei den Christen Weihnachtsfeiern Sitte geworden waren, entstanden bald auch Bilder, die das Christkind zum Mittelpunkt von Darstellungen machten. Die ersten derartigen Bildnisse wurden in den Katakomben Roms gefunden. Von Anfang an machte sich aber in der äußeren Darstellung ei Unterschied in der künstlerischen Auffassung der Maler des Morgen= und Abendlandes bemerkbar. Da es in der Heiligen Schrift heißt:„Maria und Josef fanden keinen Raum in der Herberge" und weiter, daß Jesus„in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend" angetroffen worden sei, nehmen die Maler des Abendlandes an, der Raum, in dem Jesus geboren wurde, müsse ein Stall gewesen sein. Bei den Malern des Morgenlandes dagegen war die Geburtsstätte Christi eine Höhle, wie man sie in den Gebirgen von Palästina findet. Sie werden zeitweise heute noch von Hirten als Zufluchtsort benutzt. Verbotene Weihnachtsgeschenke (*) In früheren Zeiten war es keineswegs üblich, einander Weihnachtsgeschenke zu machen. Als sich die Regierung noch in die privatesten Angelegenheiten ihrer Untertanen einmischte, sah man in der Weihnachtsbescherung einen überflüssigen Luxus. Sehr rasch griff die hohe Obrigkeit wegen „Bestechung“ ein, und selbst in neueter Zeit hütet man in England noch mittelalterliche Gesetze, die den Beamten die Annahme jeder Gabe verbieten. Im M ttelalter waren die Verfügungen noch viel strengeir. Man wollte dadurch die allgemeine Gebefreudigkeit vermindern. Aber es mag wenig genutzt haben, daß man zum Beispiel um 1460 in Konstanz eine Verordnung ausgab, wonach„dem Paten zu Weihnachten nicht einmal Brot, Käse und Hämplt“ geschenkt werden durften. Sonderbeilage zur Weihnachtsnummer 1930 Und brennt am Bäumlein Licht um Licht Die Kinder zählten Tag um Tag. Vom Himmel hoch, da Bis daß sie kam, die heil'ge Nacht.: Das ist schon eine gute Und nun sie kam, ward fieberheiß Und brennt am Baunlei So manche Wange. Oh, ich weiß: Urahne, sich eringernd, st Das Weihnachtslicht am Weihnachtsbaum,„Viel scholler und nri, Es gilt nicht nur dem Kindertraum. Jielleicht noch etwas sin Es macht fast alle Herzen weich Sang man zu Wie jenes Lied vom Himmelreich:(Und ward es nicht zu si „Vom Himmel hoch, da komm ich her...“„Es ist ein Ros' entsprun „Es ist ein Ros' entsprungen..“ Wie zart hat das geklungen! Urahne wischt zwei Zährlein fort, Sie spricht hinfort kein einzig Wort. Doch plötzlich horcht sie sinnend auf: „Wie heißt das doch, bringt mich doch drauf Das ist das schönste Weihnachtslied; Keins so wie dies jed' Herz durchzieht— Die Hirten haben's kundgemacht: „Stille Nacht, heilige Nacht...!“ * Weihnachtsgedanken Heute ist das Fest des Friedens und der Liebe! Strahlende Kinderaugen künden es Dir: diese Tage bergen ihr Geheimnis!— Stille Nacht,— heilige Nacht!— Beschleicht Dich nicht ein seltsames Gefühl in Deiner Seele? Pocht nicht an Dein Herz jenes wunderbare Erlebnis, eingebettet zu sein in einen Strom der Liebe, der in diesen Tagen ungehemmt alle fühlenden Herzen berauscht? Heute wird es Dir bewußt, daß Du zutiefst in Deiner Seele einsam und verlassen oder ob Du ausgesöhnt bist mit Dir selbst und der Welt: Du Dich nicht hineingezogen in dieses Meer der Menschenliebe oder stehst Du bang und beklommen zur Seite? Es ist seltsam, daß der Weihnachtszauber auch alle die in seinen Bann hineinzieht, die ihm gern entrinnen möchten! Auch der Gottlose fühlt in diesen Tagen sein Herz schwanken und spürt, wie die Sehnsucht mächtig aus seiner Seele drängt. Ist es die magische Kraft allumfassender Menschenliebe, die sein Herz wehmütig zagen läßt? Oder weckt der Himmel selbst in diesen Tagen auch in seinem verstockten Herzen die Sehnsucht nach überirdischem Glück? Wenn die Weihnachtsglocken ihre Friedensklänge in alle Länder senden, scheint da in diesen Tagen nicht die ganze Menschheit wie eine liebende Gemeinde? Ist der Haß nicht erstorben und hat nicht die Liebe gesiegt?— Ja, für die Weihnachtszeit ist Friede in die Herzen der Menschheit eingekehrt und das hohe Gefühl der Güte hat sie besiegt. Aber die Menschen leiden daran, daß ihre edlen Gefühle nicht von Bestand sind! Die Festtagsfreude verrauscht und der kleinliche Alltag nimmt die festesfrohen Herzen wieder in seine Fänge. So bleiben ihre Sehnsüchte bloße Wünsche und ihre Beteuerungen nur leere Worte. Deshalb haben 2000 Weihnachten der Menschheit noch immer keinen Frieden gebracht! Ist das nicht traurig und beschänend?... 10. u., Einkachr Kaltens Sollten wir nicht dieses Jahr Einrehr halten: Uns mit festeren Vorsätzen wappnen? Mit Vorsätzen, die länger dauern als der Festesrausch der Weihnachtstage! Die den Weihnachtsfrieden auch in den grauen Alltag herüberretten und die zweitausendjährige Verheißung wahr machen: Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind!— In den letzten Jahren ist man an den grünen Tischen ja eifrig bemüht, den Frieden zu„organisieren". Völkerbund, Locarno und Kelloggpackt sind symbolische Worte für dieses Bemühen geworden. Es soll gewiß nichts gegen die„offiziellen Methoden der Friedenssicherung“ gesagt werden! Beileibe nicht! Sie haben durchaus ihren Wert, und wenn es nur ein psychologischer ist, indem der Krieg verfehmt, geächtet, in den Bann getan wird! Aber damit ist es keineswegs getan. Nicht einmal die Hauptsache ist damit getan! Der Kernpunkt der ganzen Friedensfrage ist nicht die Friedensorganisation, sondern die Friedensgesinnung. Ihre Pflege sollte darum mehr und mehr in den Vordergrund gestellt werden. Die Völker der Erde müssen es sich abgewöhnen, nur amtlich und mittels ihrer offiziellen Vertreter über die Sicherung des Friedens zu verhandeln. Viel wirksamer ist es, wenn sich von Volk zu Volk immer stärker eine menschliche Fühlungnahme herausbildet, so daß sich die Völker der Erde nicht wie vordem mißtrauisch als Fremdkörper gegenüberstehen, sondern durch die Bande der Freundschaft miteinander verknüpft werden. Wer in diesem Sinne wirkt, der wird an der Verwirklichung der Weihnachtsverheißung„Friede den Menschen auf Erden" verdienstlichen Anteil haben! be. Christabend in der Familie Heiligabend! Wie Glockenton klingt dieses Wort in uns nach! Kindertage werden in uns wach, Jugendland steht vor uns auf, und mit unsern Kindern werden wir an diesem Abend selbst wieder zu Kindern! Eigentlich beginnt der Heiligabend schon am frühen Morgen, d. h., wenn eine Mutter darauf bedacht ist, diesen Abend wirklich ihren Lieben schön zu machen(und welche Mutter wollte das nicht und wachte nicht eifersütig darüber, daß ihr selbst diese Aufgabe zufiele!), dann muß sie am frühen Morgen damit anfangen. Unendlich viel gibts an diesem Tage in Küche und Haus zu tun, aber— es darf nicht vergessen werden, daß heute vor allem die Kinder zu ihrem Rechte kommen müssen und dementsprechend beizeiten Schluß gemacht werden muß mit den Pflichten und Arbeiten. Oder— wollten wir unsern Kindern zumuten, an den Weihnachtstisch zu treten, ohne vorher Zeit gefunden zu haben, zur Christmette in die Kirche zu gehen, zu dieser schönsten Feier im Jahre, vor deren Glanz alles andere verblassen muß? Wir alle, die wir solchen erhebenden Christmetten beigewohnt haben, wissen von übergroßen und strahlenden Kinderaugen, die fast noch heller strahlen als die Kerzen am Weihnachtsbaum; wer die heißen Wangen hat glühen sehen, der versteht, daß diese Stunde erst den richtigen Auftakt gibt zu dem, was hernach kommt. Mutter, versäume nicht, mit deinen Kindern an der Hand zur Christmette zu gehen! Du betrügst sie sonst um das Höchste vom lieben Christfest! Und die Stunde muß und kann übrig sein! Und wenn sie vorüber ist, diese ewig alte und ewig neue Stunde mit ihrem geheimnisvollen Zauber, dann gibts wohl auch kein Halten mehr für kommen. Diese einfache Musik wurde von Johann Sebastian Bach zum Oratorium erhoben. Der Meister des Kontrapunktes schuf kunstvolle Improvisationen um das weihnachtliche Mysterium. Im Madrigal des 16. Jahrhunderts wurden diese heiteren und schlichten Melodien noch verständnisvoll angewandt. Aber während der galanten Zeit des Rokoko machte man aus ihnen „Schäferspiele", die mit Weihnachten und dem erfanden vielleicht wirkungsvollere Szenen, doch setzten sie das Mysterium von Christi Geburt in eine uns weniger zu Gemüt gehende Musik um. 1743 schrieb Joh. Seb. Bach sein„Weihnachtsoratorium", das bis auf unsere Tage lebendig geblieben ist. Im 19. Jahrhundert erstand eine Reihe vollstümlicher Lieder, die Allgemeingut des Volkes geworden sind.„Stille Nacht, heilige Nacht“ und andere bekannte Melodien klingen heute in allen Häusern. Man spricht kaum noch von ihren Schöpfern. Aehnlich ergeht es dem Kunstlied des 19. Jahrhunderts. In einem wundervollen Zyklus legt der Dichter=Komponist Cornelius seine weihnachtlichen Gedanken nieder, die durch eingetretene Verflachung der deutschen Hausmusik leider zu wenig bekannt geblieben sind. Unter den heutigen Weihnachtskompositionen finden sich oft geschmacklose„Arrangements“, die nichts mehr mit Kunst zu tun haben. Unter bunter Flagge wandern diese Erzeugnisse in die Welt hinaus und enttäuschen jeden Musikfreund, da sie mit billigen Effekten und lockenden Titeln nur auf Aeußerlichkeiten bedacht sind. Aber auch viel ist geschaffen worden, das Erwachsene und Kinder den Gedanken der Weihnacht mit jubelnden Weisen nahe bringt. Und aus allen Herzen erklingen die Melodien längst vergangener Zeiten wieder: „In dulci jubilo— singet und seid froh!“ Sinne der Himmelsbotschaft keinen Zusammenhang mehr hatten. Das geistliche Schauspiet wurde besonders im Mittelalter gepflegt. Auch hier finden wir um die Adventszeit Chöre, Hirtengesänge und Instrumentalsätze, die auf das„geistlich Weyhnachtsspiel“ hindeuten. Manche Einzellieder haben sich bis heute erhalten, von denen„Josef, lieber Josef, mein...“ zum bekannten Volkslied geworden ist. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstanden die ersten Weihnachtsoratorien, von denen das älteste im Jahre 1630 in Italien aufgeführt wurde. In Norddeutschland schuf man zu der gleichen Zeit Weihnachtshistorien, deren älteste um 1642 von Heinrich Schütz als„Historia von der freuden= und gnadenreichen Geburt Jesu Christi“ angekündigt wird. Die Historien behandeln den Weihnachtsgedanken mit größter Gefühlstiefe. Die Italiener Poten So zwischen den Weihnachtsbäumen hat er Aphroditchen ins Gesicht gesehn. So etwas hat auf Ludwig Lamm noch nie einen solchen Eindruck gemacht. „Kleiner, Karlchen heißt Du? Willst Du mir mal da drüben rasch eine Zeitung holen? Wo mußt denn das andere Bäumchen hintragen? Na zeig mal Zettelchen her, Schönhauser 14, Hof. Ringler. Gut, mein Junge. Hol' man erst die Zeitung, dann gehen wir noch zusammen über den Damm und ich zeig dir, wo das ist. Und ich bin dann auch bald zuhause. Mach rasch.“ Darauf, daß Ludwig Lamm die Bäumchen vertauschen könnte, darauf kommt Karlchen nicht. Als er aber die Zeitung bringt, da sind die Bäumchen schon vertauscht. Was Karlchen garnicht merken kann, da sie ja fast gleich groß sind. Und es fällt ihm auch nicht auf, daß er jetzt nur einen Baum tragen muß. Der Herr hat ja vorher gesagt, daß er ihm nur noch zeige, wo die Schönhauser 14 ist. Und er brauche ihn dann nicht mehr, da er selbst gleich zuhause sei. Karlchen mit dem falschen Bäumchen ist weg. Ludwig Lamm steht im Straßengewühl mit dem Bäumchen der Aphrodite und überlegt die Fortsetzung seines Feldzuges. Aber da ist garnicht viel zu überlegen. Er klemmt das Bäumchen unter den Arm und geht dann schnurstraks auf sein Ziel los. Schönhauser 14. Ringler— Ringler. Ja gewiß, sagt der stille Portier, Hof 1, drei Treppen... Witwe Ringler. Das kann natürlich nur die Mutter sein. Famos. Das wird sich schon machen. Aber Ludwig Lamm hat doch ein wenig Herzklopfen, als er die nicht gerade hochherrschaftliche Treppe emporklimmt. Klingeln hilft nicht, muß klopfen. „Bin ich richtig bei Ringler.“ Doch, er sei richtig, und was er denn wolle. Man brauche keinen Weihnachtsbaum, man habe schon einen. Aber da schiebt sich noch ein kleines Köpfchen in die Türspalte und das appetitliche Mündchen sagt:„Ach so, Sie sind das, ich hab' schon gemerkt, man hat wohl unsere beiden Bäumchen vertauscht?“ „Ist doch nicht möglich, Elisabeth.“ meint bloß die Mutter. Also Elisabeth heißt sie, denkt Ludwig Lamm bloß und formt in Gedanken schon lauter Kosenamen. Und die Mutter sagt plötzlich, er möchte doch ruhig hereinkommen. Und noch plötzlicher, fast stürmisch ist er darin und redet und redet und überzeugt Elisabeth so sehr davon, daß es ihm zu leid getan haben würde, daß eine so sittsame Dame, wie sie jemals, wenn auch nur durch Irrtum, betrogen werden dürfe. Und er hätte sich schon den ganzen Abend für sie interessiert. Und er habe sein Bäumchen eigentlich nutzlos gekauft, er wisse noch garnicht, ob er es anbrennen werde. Er sei ja doch immer so allein. Und ob er ihr nicht helfen solle, ihr Bäumchen gleich in den Christbaumständer zu tun(welches Anerbieten Mutter Ringler bei Bétrachten des jungen Mannes reizend findet.... Womit sie verschwindet, um den Metallständer zu holen)... „Ja“, sagt Elisabeth,„wir, Mutter und ich, sind ja auch immer allein. Und ich habe mir das Leben auch immer anders vorgestellt als so, daß man morgens bis abends im Büro sitzt und dann langsam oder schnell das wieder aufißt, was man so verdienen kann. Und sehr lustig wird es heute abend bei uns auch nicht sein, wir brennen eben unser Bäumchen an, schenken uns was und warten auf den Leiermann, der auf den Hof zu kommen pflegt, um Weihnachtslieder zu spielen. Wir haben selbst kein Instrument.“ „O“, sagte Ludwig Lamm,„so ein bißchen Talent habe ich von meinem Vater geerbt, der war Musiker. Und da er mich auch nichts anderes hat werden lassen, so spiele ich Geige. Wenn Sie das gern hören, dann könnte ich ja..“ „Na gewiß dürfen Sie“, sagte die Mutter, „holen Sie nur ruhig Ihre Geige und spielen Sie hernach ein paar schöne Weihnachtslieder, Sie können hier garnicht stören....“ „Wenn auch Sie erlauben, Fräulein Elisabeth. „Natürlich.“ Und Ludwig Lamm kam. Und es wurden Freude=Weihnachten mit einer richtiggehenden Verlobung in der Schönhauser 14. Weihnachtsmusit (*) Aus vergangenen Jahrhunderten klingen die verklärten, innigen Melodien ungebrochen in unsere moderne Zeit hinein, mit denen das deutsche Volk die Tiefe seines unerschöpflichen Gefühlsreichtums ausdrückt. Ohne diese schlichten Lieder wäre das deutsche Weihnachtsfest undenkbar. Eines der ältesten Weihnachtslieder bringt den Menschen die Kunde:„Vom Himmel hoch, da komm' ich her... Man kennt den Urheber dieser schlichten Melodie nicht mehr, und man weiß nicht, wer jene naiven Texte schrieb, die heute noch in aller Munde sind. Schlichte Stimmführung und eine klare Gliederung des Aufbaues zeichnen diese Gesänge aus, die in ihrer bezaubernden Einfachheit 1 jenen warmen Hauch ausstrahlen, der nur dem deutschen gemütreichen Volkslied eigen ist. Zu den ältesten Weihnachtsliedern gehören „Es ist ein Reis' entsprungen...“ und„In dulci jubilo“, die heute wie einst in Kirchenchören und in der Hausmusik gepflegt werden. Die Instrumentalmusik trägt seit langem zur Verklärung des Weihnachtsfestes bei. Die Pastorale und Sicilianos, die zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert entstanden, die Hirtenmusiken=, Schalmeien=, Oboen= und Flötenklänge sind rechte Weihnachtsmelodien. Sie behandeln fast alle das Thema der Anbetung Christi und lassen die Heiligen Drei Könige, die Hirten und Engel zu Worte sie, denen in erster Linie das Fest gehört. Dann sitzen sie wohl mit klopfenden Herzen und geschärften Sinnen im dunklen Zimmer, vergeblich ihrer Unruhe Herr zu werden suchend. Und wenn dann Mutter zu Tisch ruft, ist das schönste Essen fast eine Qual und wären die Gerichte noch so lecker zubereitet. Was fragen Kinder an solchem Tage nach Essen! Jede Minute fern vom Christbaum ist eine Prüfung für sie! Aber endlich, endlich wird die Tür zum Weihnachtszimmer geöffnet und sie stehen— wortlos und übernommen von der Feierlichkeit des Augenblicks, wieder wie in früheren Jahren in dem in tausend Lichtern spielenden Schimmer des Tannenbaums. Es ist ja nicht die Freude an den Gaben allein, die unsere Kinder so gefangen nimmt, es ist das Geheimnis, das um die Weihnachtsgeschichte, um die heilige Nacht, webt, vor dem sie stumm werden und immer aufs Neue in heiliger Freude erschauern. Oder— empfinden sie einen Geburtstag, der ihnen doch auch Geschenke bringt, auch nur ähnlich so stark? Aber auch dieser Tag hat ein Ende, und wie sehr wird dieses Ende— gefürchtet! Wie zittern sie davor, daß Mutter sie aus ihrem Spiel, aus ihren Träumen herausreißen könnte! Aber— heute wird eine besondere Frist bewilligt! Heute werden alle Grundsätze, alle sonst streng durchgehaltenen Regeln buchstäblich über den Hausen geworfen, heute dürfen sie länger, ach, sehr lange aufbleiben! Hätte es wohl auch einen Zweck, diese übererregte, kleine Gesellschaft frühzeitig ins Bett zu stecken mit dem bittren Gefüh., es war so schön, nun ist alles vorbei, viel zu früh muß ich schlafen gehen? Ob das wirklich dazu beiträgt, einen schnellen Schlaf herzuzaubern? Kaum! Einmal muß ja all die Freude, all der Jubel ausklingen und einmal müssen die brennenden Augen ausruhen von all dem Schauen, aber heute wird es spät damit. Einmal im Jahre ist nur dieser wunderschöne Tag, darum ihn nicht allzusehr verkürzt! Heiligabend! Sorgt, daß ihr euch selbst nicht um seinen Glanz und um seinen Segen bringt durch Hast und Hetzen bis zum letzten Augenblick! Und tätet ihr's nicht um eurer selbst willen, so denkt an eure Kinder! fw. Weihnachten, das Lichtfest unserer Vorfahren Von Dr Venzmer. So mancher, der sich in diesen Tagen des brennenden Kerzenbaumes freut, der den beglückenden Zauber genießt, den das Christfest in unsere Herzen senkt, wird kaum ahnen, daß der Ursprung des Weihnachtsfestes, heute des christlichsten aller Feste, bis weit in die heidnische Vorzeit unserer Geschichte hineinreicht. Wir brauchen uns deshalb nicht zu schämen. Der uralte Brauch des Weihnachtsfestes ist uns vielmehr ein Beweis ür die prachtvolle, gesunde Naturverbundenheit nserer Vorfahren. Mit seherischer Sicherheit ühlten sie sich in die Natur ein, in der sie lebten ind litten, aus dem Naturleben heraus offenbarte sich ihnen das Göttliche, dem sie sich unterworfen und verbunden fühlten. Das spiegelt sich in tausend sinnigen Gebräuchen, Festen, Umzügen, Spielen, Sagen und Märchen, ja, im ganzen Leben unserer bilderreichen, unerschöpflichen Muttersprache wider, und auch unsere schönsten kirchlichen Feste haben ein gut Teil ihrer Innigkeit und Sinnenwärme dem alten heidnischen Glauben zu verdanken. War er doch gleichsam im natürlichen Sinne, was im geistlichen der christliche Glaube ist: die ahnungsvolle Verehrung der reinen, wohltätigen, lebenfördernden Mächte des Lichts im Gegensatz zu den unreinen, feindseligen, todbringenden Gewalten der Finsternis. Wie mußten die Leiden des harten Winters in ihrer urwaldbedeckten Heimat es den alten Germanen zum Bewußtsein bringen, daß Licht und Wärme die Grundbedingungen allen Lebens seien! Der Sonne, dem Quell alles Lichts, aller jährlichen Lauf vom Aufstieg bis zur Höhe und wieder zum Niedergang folgten sie mit der dichterischen Empfänglichkeit reiner Naturkinder. Im allbeglückenden Sommer spürten sie Wotan mit den lichten Göttern und unzähligen menschenfreundlichen Geistern im linden Winde die Erde segnen. Sank aber mit dem Nebelmonat die Winternacht hernieder, dann zogen sich die Lichtgötter zurück, die Reif= und Eisriesen traten im Bunde mit den finstern Geistern die Herrschaft an und schlugen alles Leben auf Erden in Bann. Hatte die Sonne dann ihren Tiefstand überwunden, so zogen die seligen Götter wieder ins Land ein. Im Brausen des Sturmes der zwölf Nächte nach der Wintersonnenwende fuhr wieder Wotan auf weißem Roß daher, mit dem Siegesspeer die Winterriesen erlegend, ihm zur Seite Berchta, die Fluren segnend, und in ihrem Gefolge alle die Lichtgötter und guten Geister. Neues Heil verkündeten sie den hartgeprüften Irdischen, die mit Schauern der Ehrfurcht dem geheimnisvollen Singen und Klingen in den Lüften lauschten. Nun begann das Jul=d. h. Freudenfest, denn alle Welt jubelte dem wachsenden Licht, dem neugeborenen Sonnenkind entgegen. Ihm zu Ehren wurden Lieder gesungen, loderten Freudenfeuer auf den Höhen. Ein feierliches Opfer um Frieden und Fruchtbarkeit leitete das Fest ein; Streit und Arbeit ruhten; der JulEber wurde geschlachtet, und schmausend saßen fröhliche Zecher in der mit Tannengrün, künstlich getriebenen Birkenreisern oder Apfelblüten ge 4565 Sbna5s 6 389 SSES 8— 5 230—* S.##.• 6 * b S85 P E SE = 85 S ∆ S c 5 21 S i2 S S S S 5 a28E * SEEE S• 9 NS 5801 2 Sc 5 5% . S 978 S S 5StEE ESEEG S• B S o.g S S 5 Fee P#per Sapas FÖNDI G. 7.—— 0 S OSaE S. 382 *"" 92 SEEEIE -m S 5— S# 5 S S5EE AOAET E 5 8 = Sgan S nESSSE * m.-ETE G 3 SgO:ES ASRBECE und Nüsse eine große Rolle, jene der Göttin Freya, diese dem Donar heilig, beide Sinnbilder des Lebens und der Fruchtbarkeit. Neben dem Herde ragte der Jul=Baum, eine buntgeschmückte Fichte; in ihrer Spitze brannte ein dreizackiger Kienspan, das Jul=Licht, auf dem Herde der Jul=Klotz. Alles deutete auf den Sieg des Lichts und den kommenden Frühling hin. Schon damals gab man seiner Freude durch gegenseitiges Beschenken Ausdruck. In der Mitternacht des 25. Dezember, der heiligen Nacht— Weihnacht— schöpfte man Wasser aus heiligen Quellen, besprengte damit die Wohnungen und stellte Futter ins Freie, damit die daherziehenden milden Götter es segneten. So wurde vom 25. Dezember bis zum 6. Januar das Fest der Lichtweihe begangen, ein klangvoller Auftakt für das beginnende Jahr mit seinen Hoffnungen. Wie nahe standen doch unsere Vorfahren ihren Göttern! Welch freudiges Verständnis für die Allmutter Natur, welche Tiefe der Weltauffassung und heilige Ehrfurcht vor dem Ewigen! Die Weihnachtskrippe In vielen Gegenden gehört es zu den ältesten Sitten, zu Weihnachten in der Kirche oder aber im Hause eine Krippe aufzustellen. Die Krippen sind wohl aus den geistigen Weihnachtsspielen entstanden, bei denen man für die Gestalt Marias und des Christkindes sich gemachter Figuren bediente, In den südlichen Ländern wurde das sogenannte „Kindleinwiegen“ in den Kirchen zur allgemeinen Sitte. So findet man bald in Italien kunstvolle Krippen, deren Figuren bis zur Lebensgröße anwachsen, die Begarelli und Nikolo del Arcoa, beides Künstler zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, zu Verfertigern haben. Im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert findet man in den Klosterkirchen schon ziemlich allgemein zur Weihnachtszeit Krippen aufgestellt, etwas später dringt dieser Brauch bis in die kleinste Dorfkirche. Sammler und Forscher, die seit der Riesensammlung des Kommerzienrats Schmederer in München, die dieser dem Nationalmuseum geschenkt hat, sich mit den Krippen eingehend beschäftigt haben, unterscheiden im allgemeinen tiroler, altbayerische und italienische Krippen; bei den italienischen lassen sich die neapolitanischen genau von den fizilianischen trennen. Eine der wertvollsten Krippen ist die der Ursulanerinnen in Innsbruck, ebenfalls im Nationalmuseum, die Figuren bis zu 20 Zentimeter Höhe enthält. Hier sind die Tierschnitzereien sehr wertvoll. Bekannte Meister der Krippenkunst waren Ludwig, speziell geschätzt durch seine Hirten, Reiner, Berger und Borsam. Von Bayrischen Krippen sind es die Tölzer, die besonders bekannt sind, aber weniger künstlerischen Wert haben, als die Tiroler. Gerade in der Krippe als einem Produkt des Kunstgewerbes zeigt sich so recht die Gesinnungsart und der Charakter eines Volkes. Während die Tiroler, Bayerischen echt deutsches herzliches Empfinden ausdrücken, sprechen die italienischen ganz die Sprache des Südens. Sinnesfreudigkeit, Farbenpracht, Lebhaftigkeit in den Figuren sind hier die hervorstechendsten Merkmale.— Hier ist alles personenreicher, weltlicher gedacht: Jahrmärkte, Festessen alle möglichen Tiere sind vorhanden, die köstlichen Gemüse und Früchte sind abgebildet. Dies läßt sich besonders von den neapolitanischen Krippen sagen. Auch Goethe weiß uns von diesen reichen Krippen, die er auf italienischen Reisen antraf, zu erzählen. Es scheint zwar in neuerer Zeit, als ob dies Krippenbauen, das einst die Kinder so erfreut und die Großen lebhaft beschäftigt, im Drange der sozialen Nöte und der hetzenden Berufsgeschäftigkeit mehr und mehr abkommt, aber das ist wohl nur in den großen Städten der Fall, wo die Poesie des Volkes merklich stumpfer wird. In kleineren Städten und auf dem Lande, da werden auf den Weihnachtsmärkten auch heute noch die Zubehörteile für solche Weihnachtskunft feilgehalten, und man wetteifert im Bauen besonders schöner Krippen. Es wäre schade, wenn die gute alte Sitte ganz verschwände, wir verlören mit ihr ein Stück echter Volkskunst zur Weihnachtsfeier. Mittelalterliche Weihnachtsfeiern (“) Die Vorfreude der Kinder des Mittelalters auf das Christfest begann bereits am 30. November. An diesem Tage wurde der Andreastag gefeiert. Die Hamburger Schuljugend durfte aus ihrer Mitte einen Schulabt wählen. Dieser „Kinderabt“ zog. in Prälatenschmuck allen Prozessionen voran und genoß in den Kirchen und bei allen Feiern besondere Vorrechte. Aber schon am 6. Dezember mußte er seine Stelle an den„Kinderbischof" abtreten, der nur drei Wochen lang bis zum Kindertag, dem 28. Dezember, seines Amtes waltete. Bei der Uebernahme seines Amtes zog dieser in großer Prozession nach dem Don, wo ein Gottesdienst stattfand. Der Kinderbischof nahm seinen Platz an den Stufen des Altars ein. Nach der Andacht erfolgte ein feierlicher Festzug zu Pferde. Die Jugend folgte teils in priesterlicher Kleidung und teils in weltlicher bunter Narrentracht. Mit einem fröhlichen Festessen wurde der Nikolaustag beschlossen. Aehnlich feierte man den Kindertag am 28. Dezember. *# n vertauschte Bäumlein Ei, war das ein liebes Mädel... Ludwig Lamm schlenderte durch eine Straße nach der anderen, immer schnurstracks dem, nicht gerade elegant, aber doch höchst appetitlich gekleideten Fräulein nach, das er in der Passage beinahe angesprochen hätte, da es mit sehnsüchtigen Augen die Preise für Handschuhe im Schaufenster las. Aber da hatte sich so eine vierschrötige Bärenfigur dazwischengedrängt und Ludwig Lamms Absichten zunichte gemacht. Massakrieren hätte er den Ahnungslosen können; denn nun war die Angebetete um drei Pferdelängen immer voraus, und er konnte in dem Gedränge des Heiligabends seine Aphrodite kaum im Auge behalten. Aber jetzt an der Straßenkreuzung mußte er sie überholen können.... Doch, die letzte, die noch knapp vor den Autos überden Damm kam, war seine Aphrodite. Wenn sie doch bloß ein bißchen stehen bleiben würde. Es würde sich sofort entschuldigen, daß er ihr beinahe auf den Fuß getreten wäre(tun würde er so etwos## Rohes einer Dame gegenüber natürlich nie...). Na und, na und, dann würde er sicherlich schon ins Gesprächkommen. Da. Er war garnicht der Einzige, der der Blonden nachstrebte. Vornehmer Herr im schweren Pelz hielt Schritt mit ihr, immer dicht daneben. Sie scheint absichtlich neben ihm zu bleiben. Jetzt... da, jetzt lächelt sie ihn an. Mit griechischen Augen und Elfenbeinzähnchen. Ruck. Jetzt zieht der Kavalier seine schwergoldene Uhr. Sie bleiben gemeinsam stehen. Sprechen... Ludwig Lamm schleicht sich heran, horcht. Feinhöriger denn je vernimmt er,„Gnä'ges Fräulein lange nicht gesehn. Aeh, äh... wohl noch ein paar Besorgungen, wie... Ist wohl besser, wir nehmen einen Wagen. Kommen Sie, in diesen Einbahnstraßen kann man nicht überall einsteigen. Suchen Sie Porzellan, Süßigkeiten Handarbeiten? Oh, ich weiß eine Menge Quellen, wo Sie reichlich wählen können.... Bitte, verfügen Sie über mich und meine Börse...“ „Danke vielmals“, sagte sie zierlich=natürlich, ich habe alles, was ich brauche, auf Wiedersehen A A Und wiegt davon, Herrn im Pelz zur Salzsäule werden lassend. Aber Ludwig Lamm muß lebhaft einige Passanten beiseite boxen, um in den gleichen Omnibus noch steigen zu können, in dessen Innerem Aphrodite den letzten freien Platz gefunden hat. Spittelmarkt... Molkenmarkt... Rathaus... Grunerstraße.... Aphroditchen rührt sich nicht. Sitzt, sitzt. Ludwig Lamm späht, späht. Plötzlich, man steht noch vor dem Polizeipräsidium und der Bus will gerade rechtsschwenktmarschmachen da quetschtsich Aphroditchen durch die Stehenden und springt sportlerisch gewandt in langsamer Fahrt vom Omnibus. Aber nun ist auch Ludwig Lamm unten, mitten auf dem Alex, jagt rechts und links und sucht.—— Da, mitten mang den Weihnachts=Bäumen, da steht sie und feilscht um ein meterhohes Bäumchen.... Drei Mark dreißig.. Zwei Mark fünfzig... Da hier die beiden, Stück für Stück zwei Mark. Na, Freileinchen, das werden Sie doch zahlen können. Und sie nimmt den Baum, wenn noch zwei Aeste eingeschraubt werden, damit er voller, ansehnlicher wird. Ludwig Lamm steht daneben. Er hat gar keinen Bedarf an Weihnachtsbäumen. Es wäre ihm auch viel zu umständlich, erst Schmuck kaufen zu müssen und so ein Dinglein selbst zu putzen für seine Junggesellenstube. Aber er nimmt den andern magern Baum für zwei Mark und will ihn sich eben so gern für dreißig Pfennig von dem sich anbietenden Knaben nach Hause tragen lassen, wie das kleine Fräulein. Sie gibt dem Knaben ihre Richtung an. Er sagt zu diesem:„Nimm nur meinen auch gkeich auf, wir haben einen Weg...“ Plötzlich fällt ihr ein, daß sie noch etwas kaufen muß, fragt den Knaben wie er heißt, und ob er ihr das Bäumchen nach Hause tragen würde, wenn sie ihm ihre Adresse gäbe. Karlchen sagt natürlich ja, kriegt die Adresse und schiebt mit beiden Bäumchen, gefolgt von Ludwig Lamm, davon.... □