ORNVUF! Di.„Schwertur Jeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 13 Pfg. Druck u. Veragvon C. Braw, Schwerte(Nute), Postscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21876. Geschäststell: Große Mardtstr. 3—3. Verantworlich für die Schrifleitung H. Linner, Schwerte. Hernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Douston pote üe de chtstret. mmeie 1 Ba, Famitoüige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., Neklamegeile 40 Pf. Für teleson, aufgegedene Onserate übemehmen wir kaine Gewädr. 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Aus der Fortdauer des jetzigen Notstandes ergeben sich namentlich im Östen ernste Gefahren für die Aufrechterhaltung des gesamten Wirtschaftslebens und schließlich auch für die öffentliche Ruhe und Ordnung. Aber auch andere Notrufe dringen an das Ohr der Reichsregierung. Immer vernehmbarer und eindringlicher werden die Stimmen aus Kreisen der Industrie und der Arbeiterschaft, die sich gegen weitere Hilfsaktionen für die Landwirtschaft auflehnen. Auch in der übrigen Wirtschaft sind die Erträge bereits geschwunden, die Verluste häufen sich. Die Löhne und Gehälter müssen herabgesetzt werden. Das Defizit der öffentlichen Finanzen fordert immer neue Opfer. Die Ursache der Agrarkrise in ihrem gegenwärtigen Ausmaß liegt in erster Linie in der alle Teilgebiete der Landwirtschaft und die gesamte Welt umfassenden Ueberproduktion. Produktionstechnische Fortschritte in den überseeischen Staaten, Umschichtungen im Konsum und die Folgen politischer und wirtschaftlicher Umwälzungen haben zu einem so ungeheuerlichen Mißverhältnis von Agrarproduktion und leistungsfähiger Nachfrage geführt, daß nan in verschiedenen Ländern bereits zur Vernichtung von Ware gegriffen hat. Ob kanadische Farmer ihre Oefen mit Getreide heizen oder Dithmarscher Bauern Kohl als Grün=Dung 63. Jahrgang Minderheit von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen konnte, wurde die freie Willensäußerung in stärkster Weise beeinflußt. Diese Haltung der Behörden läuft den Bestimmungen des Art. 7 des Minderheitsschutzvertrages zuwider. Die deutsche Regierung hält es für notwendig, daß der Völkerbundrat die erforderlichen Maßnahmen trifft, um die durch Verträge und Gesetz garantierten Rechte der Minderheit wieder herzustellen und so die ernsten Gefahren zu beseitigen, die aus der Fortdauer des Zustandes der Rechtlosigkeit und Bedrückung in Zukunft entstehen müßten. Staatskommissar bestellt wtb. Braunschweig, 22. Dez.(Eig. Runds.= Meld.) Die Gemeindekammer hat ihre Zustimmung dazu erteilt, daß der Minister des Innern auf Kosten der Stadt Braunschweig einen Beauftragten zur Wahrnehmung der Obliegenheiten der Stadtverordnetenversammlung bestellt. Auch die meisten anderen größeren Neues deutschee Beweismaleriat für von Volteroume stedt, Holzminden, Schöningen und Königslutter, Weisch tetorch ech.. us easchsheeans bethn d uin eueh euicen Sedemahen erhalten. Verstärkung des Schutzes unserer bäuerlichen Veredelungswirtschaft auszunutzen. Die allmähliche Abkehr von dem jetzt gültigen Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung in Verbindung mit Tarifabreden halte ich für unerläßlich. Allein mit diesen Mitteln der Zollpolitik, der staatlichen und berufsständigen Absatzregelung läßt sich aber die Not im Osten nicht mehr meistern. Zwar sind angemessene Preisverhältnisse für die Agrarerzeugnisse die Voraussetzung für jede Hilfsaktion für den Osten, aber Hand in Hand mit diesen Maßnahmen muß eine schnellwirkende, für jeden Ostmärker fühlbare Osthilfepolitik gehen, um das Versinken der ostdeutschen Landwirtschaft im Schuldensumpf zu verhindern. Holens Ennturpelnit unterpflügen, oder in Kuba das Zuckerrohr nicht mehr geschnitten wird— überall das gleiche Fazit: Es gibt zu viel Landwirtschaft in der Welt. irgendwo muß eingeschränkt, abgebaut, extensiviert oder brachgelegt werden! Aus diesem Tatbestand ergibt sich eine Reihe von Fragen bezw. Schlußfolgerungen, um die man auch mit Parteidoktrinen und Interessentenwünschen nicht länger herumkommt: Ich betrachte die gegenwärtige Agrarzollpolitik als außerordentliche Notmaßnahmen, durch die die deutsche Landwirtschaft über die Zeit internationaler Agrarkrise hinübergerettet werden soll. Hand in Hand mit der Hebung der Erzeugerpreise werden die Bemühungen zur Senkung der Zwischenhandelsspannen im neuen Jahr fortgesetzt werden müssen, um den berechtigten Wünschen der Landwirtschaft und der Verbraucher zu dienen. Ich richte den dringenden Appell an alle Verbraucherkreise. insbesondere an die deutsche Arbeiterschaft: Agrarpolitik ist nicht einseitige Interessenpolitik, sie ist, auf etwas weitere Sicht berechnet, Staatspolitik und damit zugleich auch Sozialpolitik. Nur in verständnis= und vertrauensvollem Zusammenwirken von Staat und Berufsstand liegt die Rettung. Die deutschen Getreidepreise, namentlich die Roggenpreise, sind zwar vorläufig, absolut gewertet, nicht ausreichend, betragen aber bereits das Doppelte der Weltmarktpreise. Die alten Ueberschußvorräte schwinden, die Roggenverfütterungsaktion kommt in festere Gleise, Maßnahmen zur Konsumsteigerung sind eingeleitet, die Produktionsumstellung macht gute Fortschritte. Für den Hackfruchtbau sind die entscheidenden innerwirtschaftlichen Maßnahmen zur rationelleren Verwertung der Erzeugung bereits getroffen oder stehen kurz vor ihrem Abschluß. Die Anfangsschwierigkeiten, mit denen die Landwirtschaft jahrelang zu kämpfen hatte, sind überwunden. Sehr viel weniger günstig liegen die Dinge für die Viehwirtschaft. Nicht nur bei Schweinen, sondern gerade auch auf milchwirtschaftlichem Gebiete stehen wir, weltwirtschaftlichem Gebiete stehen wir weltwirtschaftlich betrachtet, erst im Anfang der Krise. Wenn das bisher für den Ackerbau Erreichte und der sozialpolitische Sinn der Agrarpolitik nicht in serage gestellt werden sollen, so müssen hier so schnell wie möglich neue Schutzmaßnahmen getroffen werden. Ich sehe in aller Kürze eine Lage heranreisen, die es zur gebieterischen Notwendigkeit machen wird, alle Möglichkeiten zur wtb Berlin, 22. Dez. Die Reichsregierung hat, wie bereits gemeldet, unter dem Datum des 17. Dezember dem Generalsekretär des Völkerbundes in Genf, Sir Eric Drummond, eine Note überreichen lassen, in der sie darüber Beschwerde führt, daß in den polnischen Woiwodschaften Posen u. Pommerellen sich in letzter Zeit aus Anlaß der Wahlen zum Seim und Senat eine Reihe von Vorkommnissen ereignet haben, die eine Verletzung der Bestimmungen des zwischen den alliierten und associerten Mächten und Polen abgeschlossenen Minderheitenschutzvertrages von 1919 darstellen. Die Reichsregierung will die Aufmerksamkeit des Völkerbundes auf diese Vorgänge lenken und bittet den Generalsekretär, veranlassen zu wollen, daß die Angelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Tagung des Völkerbundrates gesetzt wird. Eine Schilderung der Vorgänge, durch die die deutsche Minderheit in ihren Rechten verletzt worden ist, ist der Note als Anlage beigefügt. Es heißt darin u. a.: Die deutsche Regierung verfolgt seit langem mit größter Sorge die Lage der deutschen Minderheit in den Woiwodschaften Posen und Pommerellen. Wenn es auch in diesen Gebieten noch nicht zu ähnlichen Ausschreitungen gegen die Minderheiten gekommen ist, wie sie sich in Oberschlesien letzthin ereignet haben, so führt die systematische Hetze gewisser Kreise gegen das Deutschtum, die in Posen und Pommerellen unter den Augen der polnischen Behörden betrieben wird, immer mehr zu einer Aufpeitschung der nationalen Leidenschaften der polnischen Mehrheit und demgemäß zu einer wachsenden Gefährdung der deutschen Minderheit. Seit Beginn des Wahlkampfes, der den Wahlen zum polnischen Seim und Senat vorausging, hat sich die Lage der Minderheit vor allem in Pommerllen erheblich verschärft. Die Uebergriffe gegen das Deutschtum haben sich vermehrt, bei den Wahlen sind die Deutschen in der Ausübung des Wahlrechts aufs schwerste beeinträchtigt worden. Mit allen Mitteln sollte der deutschen Minderheit die Möglichkeit einer freien politischen Willensäußerung genommen werden. Es werden sodann eine Anzahl von Einzelfällen aufgeführt. Zunächst wird auf die von den polnischen Behörden unterstützte Propaganda für eine offene Abgabe der Stimmzettel hingewiesen. Ferner wird ausgeführt, daß eine normale Durchführung der Vorarbeiten für die Wahlen den Deutschen Pommerellens vielfach unmöglich gemacht worden ist. Besonders wird auf die Verhaftung einiger deutscher Kandidaten, von denen drei noch heute sich im Gefängnis befinden, ohne daß ihnen bisher die Gründe der Verhaftung bekanntgegeben worden sind, sowie auf die Beschlagnahme von Wahlmaterial und Wahlzetteln und auf die nicht gerechtfertigte Ungültigkeitserklärung von deutschen Listen hingewiesen. Weiter heißt es in der Note, zum Verfahren der polnischen Behörden mit den Personen, deren Wahlrecht beanstandet wurde: War ihnen unmöglich, rechtzeitig den Nachweis für den Besitz der polnischen Staatsangehörigkeit zu erbringen? Die eingereichten Unterlagen, wie zum Beispiel Auslands= und Militärpässe oder selbst die amtlichen Personalausweise mit Staatsangehörigkeitsvermerk, wurden nicht anerkannt sandern besondre Staatsangeyorigkeitsbescheinigungen des Starosten bezw. Stadtpräsidenten verlangt. Diese rechtzeitig zu beschaffen, war besonders für die auf dem Lande wohnenden Personen bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit unmöglich. Einen anderen gesetzlich vorgesehenen Weg einzuschlagen, um die Streichung ihrer Namen in den Wahllisten zu verhindern, insbesondere das Oberste Gericht anzurufen, wurde diesen Wählern gleichfalls unmöglich gemacht. In vielen anderen Fällen haben Minderheitsangehörige die Mitteilung von den erfolgten Einsprüchen gegen ihre Wahlberchtigung überhaupt zu spät erhalten. Die Note stellt zusammenfassend fest: Erhebliche Teile der deutschen Minderheit in Posen und vor allem in Pommerellen sind durch willkürliche und mit den bestehenden Bestimmungen nicht zu vereinbarende Maßnahmen der polnischen Behörden von der Ausübung des Wahlrechts ausgeschlossen worden. Dort, wo die Frachtermäßigung wtb. Berlin, 22. Dez.(Drahtb.) Zur Unterstützung der Preissenkungsbestrebungen der Reichsregierung hat die Deutsche Reichsbahngesellschaft, wie bereits früher mitgeteilt wurde, eine Frachtermäßigung für die im Nottarif genannten Lebensmittel und Lebensmittelrohstoffe im Wagenladungsverkehr zugesagt. Wie die Reichsbahn bekannt gibt, werden diese Tarife zur Zeit ausgearbeitet, so daß die ermäßigten Tarife zu Beginn des neuen Jahres in Kraft treten. Unter den sogenannten Nottarif fallen Getreide, Mehl, Hülsenfrüchte, Obst. Gemüse, Karotten usw. Der Frachtsatz für fünf Tonnen Mehl bezw. Gemüse für 200 Kilometer wird sich zum Beispiel künftig um 20 Prozent billiger stellen als jetzt. Für 100 000 Mark Juwelen gestohlen „Schwere Jungens“ plündern in Berlin ein Juwelenbeschaft aus enb. Berlin, 22. Dez.(Eig. Meld.) Ein, schwerer Einbruch wurde am gestrigen Goldenen Sonntag in einem Lombardhaus und Juwelengeschäft in der Kleiststraße verübt. Die Diebe sind anscheinend über den Hof gekommen und haben sich dann daran gemacht, das mit modernen Sicherheitsanlagen ausgerüsteke Geschäft zu öffnen. An einer großen Alarmglocke, die nach dem Hofe zu angebracht ist, bogen sie den Klöppel hoch, sodaß sie nicht anschlagen konnte. Auch eine weitere Sicherheitsglocke setzten die Einbrecher außer Betrieb. Ungestört gingen sie dann daran, einen kleineren Geldschrank aufzuschweißen. Um die Hitzeentwickelung zu mindern. die Feuersgefahr zu beseitigen und den Staub niederzuschlagen, drehten sie in einem Toilettenraum sämtliche Wasserhähne auf und ließen den vollen Strom in das Zimmer laufen. Sie standen zwar bis an die Knöchel im Wasser, doch störte sie das weiter nicht. Unter den Waren aus dem geöffneten Schrank hielten sie fachmännisch Auswahl. Sie stahlen für mehr als 100 000 RM Waren für den sogenannten internationalen Markt, d. h. Brillanten von 10 Karat, wertvolle Perlenketten usw. Goldene Uhren und andere Sachen, die weniger gangbar sind, warfen sie kurzer Hand ins Wasser und traten mit den Füßen darauf herum, sodaß auch hier noch einmal großer Schaden entstanden ist. Mit welcher Eile die Einbrecher arbeiteten, ersieht man daraus, daß sie drei Gebläseflaschen, die sie zurückließen, fast ganz geleert haben. Mit der Beute, die sich ja unauffällig verpacken ließ, und zu der im Ueberfluß auch noch 10—15000 RM bares Geld kommt, verschwanden sie unbemerkt. Ein zweiter Einbruch wurde gestern in ein Kredithaus in der Reinickendorfer Straße verübt. Vom Boden aus kamen die Einbrecher zunächst in das vierte Geschoß. Weil es nicht möglich war, durch die Ausgänge weiter zu kommen, durchstachen sie dann in stundenlanger Arbeit nacheinander die Decken, bis sie im ersten Stock angelangt waren, wo sie gründlich aufräumten. Der Wert der Waren, die sie wegschleppten, Damen= und Herrenkonfektion, Wäsche und Strümpfe, beträgt etwa 50000 RM. Ueberfall auf ein Goldwarengeschäft wtb. Berlin, 23. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Fünf junge Burschen fuhren gestern kurz Mitternacht in einer Kraftdroschke vor dem Hause Kolonnenstraße 60 in Schöneberg, in dem sich ein Goldwarengeschäft befindet, vor. Während zwei in dem Wagen blieben, zertrümmerten drei andere die große Schaufensterscheibe des Geschäfts und rafften aus den Auslagen an Gold und Edelsteinen zusammen, was sie erreichen konnten. Der Inhaber des Geschäftes, der noch in dem hinter dem Laden befindlichen Zimmer anwesend war, stürzte in den Laden, konnte die Täter aber nicht mehr erreichen. Diese sprangen in die Kraftdroschke und zwangen den Chauffeur unter Bedrohung mit einem Revolver, davon zu fahren. In der Belzigerstraße ließen sie den Wagen halten, überkletterten den Zaun eines Rummelplatzes und entkamen in der Dunkelheit. Wieviel sie geraubt haben, konnte noch nicht festgestellt werden. Warenhauseinbruch in Würzburg wtb. Würzburg, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) In der letzten Nacht drangen zwei Einbrecher in das Würzburger Warenhaus von S. Ruschkewitz, das. größte in Würzburg, ein, schweißten den Bürokassenschrank auf und stahlen etwa 35000 RM, darunter 4000 RM in Silber, Sauerstoffschneidebrenner und sonstige Einbruchswerkzeuge ließen die Täter, die in Handschuhen gearbeitet haben, zurück. Die Bürofenster hatten sie mit großen Stoffballen abgeblendet. Wenn die Firma nicht am Sonntag ihre Angestellten entlohnt hätte, wäre die Beute der Eindrecher bedeutend größer gewesen. del der Reichbbaha wtb. Berlin, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Am 13. Dezember fällte der Schlichter bezüglich der Arbeitszeit bei der Reichsbahn einen Schiedsspruch, der sich u. a. auf die Arbeitszeit in den Ausbesserungswerken und in der Bahnunterhaltung bezog. Danach sollte die regelmäßige Arbeitszeit acht Stunden täglich betragen; die Ueberzeitarbeit soll auf dringende Fälle beschränkt bleiben. Sie soll im Kalenderjahr, abgesehen von Notfällen, nicht mehr als 130 Stunden betragen. Die Reichsbahn hatte diesen Schiedsspruch alsbald angenommen und Verbindlichkeitserklärung beantragt, während die Gewerkschaften ihn ablehnten. In der Nachverhandlung vor dem Reichsarbeitsminister haben die Gewerkschaften den Schiedsspruch heute ebenfalls angenommen, der damit Tarifvertrag geworden ist. Wegen der Regelung der Arbeitszeit in den übrigen Dienstzweigen, vornehmlich im Bahnbetriebs= und Verkehrsdienst, wird ein Schiedsspruch erst nach Betriebsbesichtigungen Mitte Januar 1931 gefällt werden. Die Weihnachtsferien der Minister enb. Berlin, 22. Dez.(Eig. Meldung.) Ueber den Weihnachtsurlaub des Reichskanzlers Dr. Brüning sind noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden. Bisher steht, wie wir von zuständiger Stelle hören, lediglich fest, daß der Reichskanzler am 4. Januar seine in Aussicht genommene Ostreise antreten wird, von der er am 11. Januar zurückkehrt. Reichsinnenminister Dr. Wirth wird unmittelbar im Anschluß an die Verhandlungen mit Thüringen in Leipzig seinen Urlaub antreten. Der Reichsfinanzminister ist, wie bereits gemeldet, auf 14 Tage nach Baden gereist. Reichsernährungsminister Schiele ist bis zum 6. Januar beurlaubt. In Berlin bleiben Reichsaußenminister Dr. Curtius, der Reichsverkehrsminister, der Reichswehrminister und der Reichsarbeitsminister. Die Sparkassenaufwertung in Preuden enb. Berlin, 22. Dez.(Eigene Meldung.) Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat die preußische Regierung nunmehr die Aufwertung bei den preußischen Sparkassen in einer 6. (preußischen) Verordnung zur Durchführung der Aufwertung der Sparkassenguthaben abschließend geregelt. Diese Verordnung tritt mit dem 1. Januar 1931 in Kraft. Die damit erfolgende Regelung baut auf dem Gedanken der sogenannten provinziellen Aufwertung auf, d. h. auf dem Gedanken, daß die öffentlichen oder unter Staatsaussicht stehenden Sparkassen jeder Provinz zu einem einheitlichen Satz aufzuwerten verpflichtet sind. Die sich ergebenden Sätze sind folgende: Schleswig=Holstein und Hessen=Nassau 17 76 dannover„ Niederschlesten 10,0 Sachsen.„" Eiemarin 19 8 Rheinprovinz u. Reg.=Bez. Signnlingen 23 76 Pommern„ g..„ Mes. 215 Ostpreuß. u. Grenzmart Posen=Westpr. 25 m6 Westfalen 26,5% Oberschlesien 29 76 Einigung zwischen Reich u. Thüringen Der Vergleichsvorschlag des Vorsitzenden des Staatsgerichtshofs wtb. jung wev. Leipzig, 22. Dez. An der Besprechu:. im Streitverfahren zwischen dem Reich und Thuringen wegen Sperrung der Polizeizuschüsse, die heute stattfand, nahmen außer dem Vorsitzenden des Staastgerichtshofes für das Deutsche Reich, Reichsgerichtspräsident Dr. Bumke, teil für das Reich: Reichsminister des Innern, Dr. Wirth, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, Zweigert, Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Pünder und Ministerialdirektor Dr. Menzel, für Thüringen: der Vorsitzende des Staatsministeriums, Staatsminister Baum und Ministerialrat Dr. Juyet. Der Vorsitzende des Staatsgerichtshofes unterbreitete den Beteiligten folgenden Vergleichsvorschlag: Die Parteien sind sich darüber einig, daß die Frage, ob und inwieweit die RSDAP umstürzlerische oder sonst strafdare Ziele verfolgt, im Rahmen des gegenwärtigen Verfahrens nicht ausgetragen werden kann oder soll. Der Standpunkt, den jede Partei zu dieser Frage einnimmt, wird durch diesen Vergleich und die in ihm abgegebenen Erklärungen in- keiner Weise berührt. Die Parteien gehen davon aus, daß die grundsätzliche Frage demnächst in einem anderen, vor dem Reichsgericht schwebenden Verfahren einer Klärung zugeführt werden wird. Das Reich hebt die Sperung der Polizeizuschüsse auf; die bisher eingehaltenen Beträge werden nachgezahlt. Das Land Thüringen nimmt seinen Antrag vor dem Staatsgerichtshof zurück. Das Land Thüringen erkennt wiederholt die Verpflichtung an, dafür Sorge zu tragen, daß der unpolitische Charakter der Schutzpolizei als Ganzes, wie auch das unpolitische Verhalten des einzelnen Beamten im Dienst unbedingt gewährleistetwird. Demgemäß wird die thüringische Regierung bei der Anstellung, Beförderung und Versetzung von Polizeibeamten nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten, sondern nur nach den Gesichtspunkten der Eignung und des dienstlichen Interesses verfahren. Die Parteien sind sich einig, daß hiermit eine grundsätzliche Ablehnung der Einstellung von Sozialdemokraten ebenso unvereinbar ist wie eine Weitergabe von Bewerberlisten an eine Parteiorganisation zwecks Feststellung der Parteizugehörigket.„„. W I: G. 8. Die Gewahr für die Einhaltung dieser Verpflichtungen übernimmt das thüringische Staatsministerium in seiner Gesamtheit. Der Frage, ob die Grundsätze und Vereinbarungen, auf Grund deren die Polizeikostenzuschüsse an die Länder gezahlt werden, eine rechtliche Zahlungspflicht oder nur eine politische Bindung des Reiches begründen, wird durch diesen Vergleich nicht vorgegriffen. Dieser Vorschlag wurde nach längerer Aussprache von den Beteiligten angenommen. Drei Knaben ertrunken. wtb. Geneburg i. Ostpr., 22. Dez. Beim Schlittschuhlaufen auf dem noch zu schwachen Eis der umliegenden Gewässer brachen drei Knaben ein und ertranken. Erfolg chinesischer Negierungstruppen gegen die Kommunisten. wtb. Nanking, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Nach zweitägigen erbitterten Kämpfen haben die Regierungstruppen, die im Besitz von Kommunisten befindliche Festung Tungku im südlichen Kiangsi erstürmt. 2000 Kommunisten wurden bei den Kämpfen getötet. Die Gebäude, in denen die örtliche Räteregierung ihren Sitz aufgeschlagen hatte, wurden dem Erdboden gleichgemacht. 500 Gefangene wurden befreit. Die Kommunisten flüchteten nach Süden, verfolgt von Bombenflugzeugen. Zum Maismonopol wtb. Berlin, 22. Dez. Der Verwaltungsrat der Reichs=Maisstelle hat in seiner heutigen Sitzung neue Preise festgesetzt, die am 1. Januar 1931 in Kraft treten und vorerst bis 4. Februar 1931 Gültigkeit haben. Der Monopolpreis beträgt infolgedessen ab 1. 1. 1931 für Donau=Galfox=Mais 240 RM je Tonne(bisher 215 RM), für La Plata=Mais 250 RM(230 RM), für Kleinmais 260 RM und für Cinquantin=Mais 270 RM(245 RM) waggonfrei inländischen Einfuhrhafen oder waggonfrei trockene Grenze. Brecht vergleicht sich enb. Berlin, 22. Dez.(Eig. Meldung.) In dem Rechtsstreit über die Dreigroschenoper ist zwischen Brecht und den Firmen, die den Film herstellen, wie die Firmen bekanntgeben, eine gütliche Verständigung erfolgt. Brecht hat sich entschlossen, nachdem durch das Urteil des Landgerichts seine Klage abgewiesen wurde, seinen Einspruch gegen die derzeitige Verfilmung zurückzuziehen, so daß von seiner Seite der Vorführung des Films kein Hindernis in den Weg gestellt wird. Die Produktionsfirmen haben sich dagegen verpflichtet, das Brecht seinerzeit zugesicherte Honorar zu zahlen, und haben ihm die nochmalige eigene Verfilmung der Dreigroschenoper nach einigen Jahren freigegeben. Regierungskrise in Lettland abgewendrt wtb Niga, 22. Dez. Die Regierungskrise, die infolge des Rücktritts des Verkehrsministers Osolinsch drohte, ist, wie die Lettische Telegraphenagentur mitteilt, als abgewendet zu betrachten. Der Landtag sprach heute dem Kabinett Zelminsch mit 53 gegen 42 Stimmen das Vertrauen aus. Dem Abfall des demokratischen Zentrums, dem der Verkehrominister angehörte, sind andere Gruppen der Koalition nicht gefolgt. Die Regierungsmehrheit bleibt somit stabil. Bürgermeisterwahl in Hamburg wtb. Hamburg, 22. Dez. Der Senat hat für das Jahr 1931 Bürgermeister Rudolf Roß zum ersten Bürgermeister und Bürgermeister Dr. Carl Petersen zum zweiten Bürgermeister gewählt. Unruhen in Venezuela? wtb. Bogota, 22. Dez. Blättermeldungen zufolge soll im Südwesten von Venezuela eine revolutionäre Bewegung ausgebrochen sein. 300 Bewaffnete haben, wie es heißt, die Stadt Labatera in der Provinz Tachira eingenommen, den Bürgermeister getötet und das Nathaus in Brand gesteckt. Die Regierungstruppen, die durch den Ueberfall vollkommen überrascht gewesen sein sollen, wären nicht im Stande gewesen, die Stadt zu verteidigen. Der Gouverneur der Provinz Tachira hat die Gerüchte von einer revolutionären Bewegung jedoch dementiert und erklärt, daß es sich bei den Ueberfall auf Labatera lediglich um einen Beutezug von Banditen ohne jeden revolutionären Hintergrund handele. Schwere Explosion in einem Straßenbahn=Bahnhof wtb. Essen, 22. Dez. Im Straßenbahn=Bahnhof explodierte heute nachmittag an der Grenze zwischen Essen und Mülheim eine Sauerstoff=Flasche. Acht Personen wurden verletzt, davon fünf schwer und drei leicht. Sie wurden alle ins Krankenhaus gebracht. Durch den starken Luftdruck wurden Türen, Wände und Fenster des Bahnhofs herausgedrückt und eine Strecke weit fortgeschleudert wp. Essen, 22. Dez. Wie wir zu der Explosion noch erfahren, handelt es sich nicht um Sauerstoffflaschen, sondern um Acethylenbehälter. Die Explosion erfolgte bei Schweißarbeiten in der Werkstatt des Depots. Es wurden nicht, wie zuerst gemeldet acht, sondern sechs Arbeiter verletzt, davon zwei schwer. Das Unglück ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß bei den Arbeiten die Flamme des Brenners zurückschlug und den Inhalt der Flasche zur Explosion brachte. Sämtliche Fensterscheiben der Werkstatt wurden zum größten Teil mit dem Rahmen herausgedrückt und zertrümmert. Ein kleiner durch die Explosion hervorgerufener Brand wurde durch die sofort alarmierte Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht, die auch für die Ueberführung der Verunglückten ins Krankenhaus sorgte. Bei einem der Schwerverletzten soll Lebensgefahr bestehen. Beweismaterial reichte zu seiner Ueberführung nicht aus. Jetzt nach neun Jahren hat K. in einem Brief die Tat eingestanden. Er teilt mit, daß er seinerzeit aus Nache die Scheune in Brand gesteckt habe. Er empfinde jetzt Neue und wolle die Tat durch seine Verurteilung sihnen. Ermordet aufgefunden wtb. Sterkrade, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) In Sterkrade=Buschhausen wurde heute morgen auf einer Wiese die Leiche der 24jährigen Ehefrau Anna Podehl aus Buschhausen aufgefunden. Die Tote wies starke Würgmale am Halse sowie Verletzungen an einem Arm auf. Nach den Feststellungen lag Mord vor. Weitere Ermittlungen ergaben, daß die Anna Podehl gestern abend sich in Begleitung eines Mannes von ihrer Wohnung entfernt hatte. Angeblich soll sie dann an einem Tanzvergnügen teilgenommen haben. Durch Aussagen des vierjährigen Söhnchen der Ermordeten fiel der Verdacht der Täterschaft auf einen Mann, den das Kind unter der Bezeichnung„Onkel Emil“ kannte. Es ist gelungen, diesen„Onkel Emil“ in der Person des Erwerbslosen Emil Karla aus Hamborn zu ermitteln. Karla konnte auf der Stempelstelle in Hamborn verhaftet werden. Er wurde, da er der Tat verdächtig erscheint, ins Oberhausener Gefängnis gebracht. Nach einer späteren Meldung hat Karla ein Geständnis abgelegt. Er will die Tat aus Eifersucht begangen haben. Aus Nah und Fern „Frank Allan" in Nöten. wp. Bad Kreuznach, 22. Dez. In ein hiesiges Café wurde nachts eingebrochen und der Einbrecher, ein 13jähriger Fürsorgezögling, festgenommen. In seinem Besitz fand man ein Brecheisen und zehn Bücher einer KriminalromanSerie, betitelt„Frank Allan, der Nächer der Enterbten.“ Ein Eindringling im Reichsarbeitsministerium festgenommen. wtb. Berlin, 22. Dez. Der 36 Jahre alte Maler Christian Schäfer, der in Röntgenthal, Schweizerstraße 5, wohnt, erschien heute im Reichsarbeitsministerium und wollte den Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald sprechen. Nachdem er abgewiesen war, kehrte er gegen 2.30 Uhr nachmittags zurück, und es gelang ihm, bis an das Vorzimmer des Ministers vorzudringen. Hier wurde er von Angestellten zurückgehalten und nach einem heftigen Ringkampf überwältigt. Man rief das Ueberfallkommando, das den Eindringling festnahm und durchsuchte. Man fand bei ihm eine Scheintodpistole. Gefährliche Eisenbahnräuber verhaftel wtb. Stettin, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Die Kriminaldirektion verhaftete heute vormittag in einem hiesigen Privathotel den Kaufmann Alfons Witzik wegen des Verdachts, einen Raubüberfall auf einen Eisenbahnzug in Schlesien verübt zu haben. Am 18. Oktober d. J. hat der Verhaftete zusammen mit einem Komplizen einen Personenzug auf der Fahrt zwischen Merzdorf und Striegau(Schlesien) überfallen. Der allein anwesende Postassistent Karl Kaiser wurde von ihnen mit einem Gummiknüppel niedergeschlagen. Als er am Boden lag, banden die Verbrecher ihm die Hände mit einer Schnur über dem Rücken zusammen und deckten ihn mit mehreren Postsäcken zu. Aus dem Nebenabteil des Postwagens raubten sie dann aus zwei kleinen Holzkästen insgesamt 9500 RM in bar sowie Geldbeutel mit wertvollem Inhalt. Kurz vor dem Einfahren des Zuges in die Station Graben'sprangen die Täter vom fahrenden Zuge ab und flüchteten in Richtung Striegau. Witzik ist Mitglied einer 11köpfigen Einbrecherund Räuberbande, die zum größten Teil schon hinter Schloß und Riegel sitzt. wtb. Stettin, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Mero.) Im Laufe des heutigen Tages konnte auch der zweite Verbrecher, der an dem Raubüberfall auf den Eisenbahnzug zwischen Merzberg und Striegau in Schlesien beteiligt war, in einem hiesigen Hotel ermittelt und verhaftet werden. Der Festgenommene, der sich mit einem alten Paß auswies, heißt Robert Nomany und ist in Peisterwitz, Kreis Ohlau, geboren. Er hat zuletzt in Breslau gewohnt. Romany ist ein gefahrlicher Verbrecher, der, wie der bereits verhaftete Witzik, einer elfköpfigen Räuberbande angehörte. Unter seinen Papieren, die bei der Durchsuchung seines Gepäcks beschlagnahmt werden konnten, befindet sich außerordentlich belastendes Material, das Aufschluß über schlesien gibt. seine Straftaten in OberGeständig nach neun Jahren wp. Mülheim=Ruhr, 21. Dez. Vor ungefähr neun Jahren, und zwar in der Nacht zum 7. 8. 1921, brach in der mit Erntevorräten gefüllten Scheune des Landwirtes Schulten=Baumer, Werdenerweg, ein Brand aus, der sich auf die anliegenden Stallungen und das Wohnhaus ausbreitete. Da es damals sehr bald an Wasser mangelte, konnte das Feuer nicht wirksam bekämpft werden. Insolgedessen brannte das gesamte Gebäude bis auf die Umfassungsmauern nieder. Nach der ganzen Sachlage mußte vorsätzliche Brandstiftung angenommen werden. Dringender Verdacht richtete sich gegen den Melker Gustav K., der bei Schulten=Baumer in Dienst gestanden hatte und kurz vor dem Brande von ihm entlassen worden war. K. bestritt jedoch die Tat energisch, und das vorhandene Schwere Bluttat im Allgäu wtb. Memmingen(Allgäu), 22. Dez. Eine schwere Bluttat ereignete sich gestern in der benachbarten Ortschaft Böhen. Der Neffe des Besitzers Ludwig Kutter, namens Hermann Kutter überfiel seinen Onkel. verletzte diesen und dessen Haushälterin durch Revolverschüsse schwer und erschoß den 13jährigen Sohn der Haushälterin. Das Motiv zu dem Verbrechen ist darin zu erblicken, daß Hermann Kutter sich bei der Erbeseinsetzung zugunsten des Sohnes der Haushälterin übergangen gefühlt hat. Täter ist flüchtig. Die beiden Schwerverletzten sind ins Krankenhaus übergeführt worden. Selbstmord einer Familie wtb. Preßburg, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) In einem Dorfe bei Preßburg hatte der seit Monaten beschäftigungslose Arbeiter Josef Lomnicky in Verzweiflung über das dauernde Hungerelend seiner Kinder im Einverständnis mit seiner Frau beschlossen, mit seinen sieben Kindern gemeinsam zu sterben. Er verschaffte sich ein stark wirkendes Gift, das er in das gemeinsame Essen schüttete. Kurz darauf wurden alle Familienmitglieder von schweren Krämpfen befallen. Man schaffte die ganze Familie in das Preßburger Krankenhaus, wo Lomnicky und seine Frau sowie die beiden jüngsten Kinder noch im Laufe der Nacht dem Gifterlegen sind; der Zustand der anderen fünf Kinder ist hoffnungslos. Ratselhäfte=Terrehne Sieben Insassen eines Siechenhauses an Vergiftungserscheinungen gestorben gestellt werden. 13 Pfleglinge, bei denen Verwtb. Jitschin, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) In dem Jitschiner Bezirkssiechenhaus kam es gestern bei der chemischen Reinigung zu einem Unglück, dessen Ursache bisher noch nicht festgestellt werden konnte. Nach dem Reinigen mit Cyanwasserstoff, mit welcher Arbeit am Freitag voriger Woche begonnen wurde, wurde im Siechenhaus Tag und Nacht 30 Stunden hindurch gelüftet. Nach dem Einzug der Siechen in die gereinigten Räume wurden einige Pfleglinge von plötzlichem Unwohlsein befallen. Der herbeigerufene Anstaltsarzt leistete erste Hilfe, doch starben sieben von ihnen im Laufe weniger Stunden. Die Todesursache wird durch die angeordnete gerichtliche Obduktion festgiftungserscheinungen auftraten, wurden ins Bezirkskrankenhaus übergeführt. Diese Kranken befinden sich außer Gefahr. Die gestorbenen Pfleglinge des Siechenhauses standen mit einer Ausnahme im Alter von 74 bis 88 Jahren. Bei Vergebung der Reinigungsarbeiten im Siechenhaus wurde der die Arbeit durchführenden Firma von der Bezirksbehörde u. a. auch die Bedingung gestellt, daß die Firma für die Sicherheit der Pfleglinge und des Personal in der Anstalt und in der Umgebung eintrete. Die Firma hatte diese Bedingung angenommen. Eine amtliche Untersuchung ist im Gange. SrO SU Schon einige Tage vor Antritt seiner Herrschaft stattert der neue Kalender ins Haus. Sinnend durchblättern wir die Seiten; znge, ggie# hoe kommende Jahr uns bringen? unoereo###. ob aber auch besseres, ist noch ungewiß. und anders soll ja nun auch der Hauskalender werden, der seit rund fünf Jahrhunderten in fast unveränderter Gestalt der treueste Weggenosse zahlloser Generationen war und daher ein bedeutsames Stück deutscher Kulturgeschichte widerspiegelt. Allenthalben werden jetzt maßgebende Stimmen laut, die eine Kalenderresorm befürworten, also eine gestaltung unseres lieben alten Hausfreundes, des Kalenders, erstreben. Gegen die Zweckmäßigkeit der geplanten„Verjüngungskur“ sei nichts gesagt; dennoch berührt es eigentümlich, daß sie gerade zu einer Zeit durchgeführt werden soll, in der wir uns anschicken sollten, sein 500jähriges Jubiläum zu feiern. Ganz anders soll er also werden, der Kalender, ver sich als gewohntes und geliebtes Buch in sast gleicher Gestalt vom Ahn zum Enkel fortgeerbt hat. Als bedeutsames Stück deutscher Kulturgeschichte, zu dessen festem Bestand er in seiner gegenwärtigen Gestalt gehört. Die Geschichte des Kalenders harrt noch immer ihres Bearbeiters. Sie wird nicht leicht zu schreiben sein. Mühsam müßten die Einzelheiten seines Werdens, seiner Wandlungen zusammengestellt werden. Fünf Jahrhunderte sind zu durchmessen, ehe wir zum Ursprung des deutschen Kalenders gelangen. Kurz nach Erfindung des Buchdrucks wurde er geboren; Johannes de Gamundia gab den ersten, in deutfcher Sprache gedruckten Kalender heraus, der uns erhalten geblieben ist. Nur ein einziges Exemplar dieses schönen Druckerzeugnisses ist bisher aufzufinden gewesen. Es zählt zu den kostbarsten Schätzen der Berliner StaatsVon demersten Wandkalender, der bald nach dem Buchkalender de Ga wir(rechts oben kabinetts eine Stunden der Tag, und rechts, wieviel Stunden die Nacht in dem betreffenden Monat durchschnittlich zählt. Aus den Zahlen der rechten Kolumne des Monates kann die„gorggng, Zahl“ berechnet werden. Die zweite Abteilung weist Buchstahen auf ir Ermittlung der Sonntage. In der dritten besinven sich die Initialen der Heiligen und ihre Festtage in den betreffenden Monaten. Alle Bilder haben das Bauernleben zum Vorwurf." Nur eine Illustration(Mai) stellt sich mit dem heilDie Buchdruckerkunst diente aber auch dazu, dem Volke durch Laßzettel und Laßtaseln Kunde zu geben, wenn das der Medizin von einst so unentbehrlich dünkende Aderlassen vorzunehmen oder zu unterlassen sei. Auf einem B##de des Aderlaßmännchens aus dem teutschen Kalender von 1250 geben die Monatszeichen den Hinweis, welche Adern in jedem Monat zu schlagen seien und welche nicht angetastet werden dursten, um größten Schaden zu vermeiden. In einem alten solchen Aderlaßzettel wird z. B. gewarnt:„Wer am 17. Januar zur Ader läßt, der stirbt, oder wird blind. Wer am 23. Hornung (Februar) läßt, stirbt bald, oder wird kröpfig. Wer am 13. April läßt, stirbt oder bekommt ein groß Fieber... Auf den 21. Oktober gelassen, bringt entweder den Tggza#erzmgcht unsinnig.“. Nun wußte jeder, wenn er nicht„lußsen„balite. Schon im Jahre 1474 kam bei Johann Zainer in Ulm ein Einblattdruck heraus, der noch weiter als die Aderlaßblätter Praktik Großmutter“ schon Anno 1572 lustig gemacht, ohne ihr aber damit den Garaus machen zu können. Markante Beispiele von Kalendersammelsurten mit mehr als buntem Inhalt liegen in den Kalendarien vor, die wir Grimmelshausen, dem unsterbliches piesers- Komplitatorien in Simplicissimus, verdanken. In die##—gercatetien 8 son###.Pprti, C. Oeirrse und ihrrn,##mden 1336 — Christmonat, hat 31 Tage. Ein lustiger Kalender aus dem Jahre 1851. ging unter den Schlagworten:„Ich künd euch fürwahr ein gut selig Jahr,“ und sich nicht nur auf den Aderlaß beschränkte, sondern auch den Gebrauch von Arzneien für jeden Tag des bestimmte. Diese mit Bildern geschmückten . Slce herausgekommen sind. Trotz ihrer verhältnismäßig hohen Preise bürgerten sich diese Kalender bald mehr und mehr ein, und der Bedarf an Neuerscheinungen wurde immer bedeutender. Durch diese Büchlein entstand denn wie über Nacht ein neuer Beruf, der des Kalendermachers, dessen Aufgabe es war, den Inhalt zu bearbeiten, außerdem neue Stoffe für die Datumbücher ausfindig zu machen, um dem Venutzer Belehrung und Unterhaltung zu vieten. Do und Unterhaltung in schmackhaftester dazu brauchte der Verleger den gewandten — i dS 2/8(In Ki 1 2 3 4 5 6 7 S 9 10 Be KK 12 — Für Leute, die nicht lesen können, aber mit den althergebrachten Kalenderabbildungen vertraut sind, erscheint noch heute in einem österreichischen Verlag ein Büchlein, dem wir obige Seite entnehmen. kräftigen Maienbad in den Dienst der Gesundheitspflege. In den meisten späteren Kalendern vermittelten studierte Arzte dem Volke viel mehr derartige Gesundheitsregeln, meist nach Vorschriften der hohen berühmten Schule von Salerno. Eine dieser Regeln, die für den 6. November, lautet beispielsweise: „Iß wärmend Speis, Trink starken Wein, Doch nicht zu viel, Arznei laß sein. Ub dich im Feld, doch nicht zu sehr, Leb mäßiglich, folg meiner Lehr!" und gelahrten Bearbeiter. Bis dahin hatte sich der Bauer selbst aus den„Zwölfen“, d. h. den zwölf Tagen und Nächten vom 25. Dezember bis zum 6. Januar, den Kalender für das ganze Jahr selbst gemacht, indem er aus der an diesen„Zwölfen“ herrschenden Witterung auf die der kommenden Tage in den Aus dem ersten deutschen Wandkalender: Unter den reizvollen Darstellungen des bäuerlichen Lebens taucht schon eine jener Gesundheitsregein(Maiendad) auf, die späterhin den hauskalender beherrschen. halbverdautes Wissen, Aberglauben, kritikloses Lmäheten des unsinnigsgzgnget, aus allen Zweigen der eug.2 sogenannten Wissenschaft vertreten. Und damit wurde der Zeitgeschmack vorzuglich getroffen. So vermerkt gr, Hoß Vater Roah am 5. Mai seine Arche verlgsten hat....# Mai des Jahres 991 hat der Ryeinstrom gebrannt uno viele umliegenden Flecken eingeäschert.„Im Juni brauche Eselsmilch am meisten für Arznei und füttere die Eselin mit Disteln. Auch Krebse sind Schwindsüchtigen im Juni sehr gesund.“ Am 17. dieses Monates ist Prophet Elias in einem feurigen Wagen „hingezuckt worden“. Endlich steht fest, daß am„9. Jenner“ des Jahres 1472 vor Christi Bileams Esel geredet hatte. So geht es endlos weiter. Um dieselbe Zeit wie die ersten Jahreskalender kamen die Schreibkalender auf. Sie verdanken ihren Namen der Einrichtung, daß für jeden Monat eine Seite für Eintragungen beliebigen Inhalts unbedruckt blieb. Diese Schreibkalender erfreuen sich bis zum heutigen Tag allerorten noch unverminderter Beliebtheit. Das Bild, unzertrennlich vom Kalender seit seinem ersten Auftreten, hatte sich im Wandel der Zeiten nicht mit dem Inhalt fortentwickelt. Es war zunächst allmählich immer schlechte: und primitiver geworden. Rohe, ausdruckslose Holzschnitre werkerarbeit, verunzierten den Text mehr, als daß sie ihn verschönten. Das Bestreben nach Besserung des Geschmacks schien erstorben, denn kein Druckerzeugnis zeigte sich so rückständig wie der Kalender. Das änderte sich erst im 18. Jahrhundert, aber nur in Kalendern, Almanachen und Taschenbüchern zur die„seine Welt“, als der Kupferstich den Holzschnitt verdrängt hatte und Meister wie Chodowiecki, Mettenleiter, Meil unv andere ihre Illustrationen, klein an Format, doch um so größer an Können, schufen und das Kunsthandwerk sich der Einbände Das 18. Jahrhundert erscheint überhaupt als der Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Kalenders. Wenn auch schon von etwa 1700 an dem unterhaltenden Teile des Kalenders größeres Gewicht beigelegt wurde und darin der bessere Geschmack Berücksichtigung sand, so setzte die Belletristik im Sinne unserer Zeit doch erst gegen Ende des Jahrhunderts mit den beiden Klassikern der Kalendererzählungen, dem rheinländischen Hausfreund, Johann Peter Hebel, und Matthigs Claudius, dem gemütvollen Wandsbeker Boten, ein. Beide hielten überdies darauf, daß der Bilderschmuck zu ihren Texten auch dem gutbürgerlichen, nicht allein dem bäuerlichen Empfinden entsprach. Von da ab führte der Weg des Kalenders steil bergan. Vor allem, seitdem uns die Technik Reproduktionsverfahren geschenkt hat, die alles bisher Dagewesene weit in den Schatten stellen. Max Bauer. stand jedes Buchkalenders gehören. In diesen uralten regeln ist gar manche Naturbeobachtung eingefangen, die sich bestätigt hat, wie etwa:„Mattheis bricht's Eis; Findt er keins, So macht er eins,“ aber auch mancher Scherz, wie er z. B. in dem alten Spruch zum Ausdruck vom. zex5egr gleig, Hozeg 1 auf dem Mist, Andert die armen tun bekamen. Zunächst durften die Namen der Heiligen nicht fehlen. War doch schon im 11. Jahrhundert der Gebrauch aufgekommen, die Datierung von Urkunden nach dem Heiligentag vorzunehmen. datierte man nicht etwa am 25. Januar, sondern schrieo„am Tage Pauli Bekehrung". Aus dem Kalender ersah man dann erst das Datum. Außerdem mußte der Kalender die wichtigen, a geradezu unentbehrlichen Brgggostka enthatten, dre, Gug. sals= und Wettervoraussagen, die der Phantasie##er: Ausdeuter den weitesten Spielraum einräumten. Johannez,#risch art, einer der geistvollsten Satiriter bezeiner“ Pichtzesg, aer über die Kunst der Prognostiker in seinem wurhrein„Aller CMelecolicuse(l. Flegmaticus:( Sanguineus a Colericus: Die ditesten Kalender sehrten auch in Wort und Bild die vier Arten der menschlichen Temperamenta. Unentbehrlich war das„Aderlatzmännchen“, denn es verhündete nach dem damaligen Stand der wann das Aderlassen vorzunehmen ocker zu unterlassen fei. (Aus dem Ceutschen Kolender für 1490. Hugeburg). erlobungsUnzeigen in der WEIHNACHTS- NUNINIER der „SCHWERTER ZEITUNG benachrichtigen alle Freunde und Bekannte rechtzeitig und zuverlässig von der VERLOBUNG UNTERM WEIHNACHTSBAUM. Wir bitten die Inserate frühzeitig aufzugeben! Vermögensaufstellung vom 31. Dez.1929. Gasing wating Jede Dame BuRR NEUE MODEN Vobachs Zeitschrift für elegante Meden Zur zuverlässigen Beratung in allen Kleiderfragen bedient sich dic elegante Dame der Vobach-Zeitschrift„Neue Moden“.Jede: Heft erscheint in prächtiger, vieljarbiger Ausstattung mit Schnittmusterbogen, Aufbügelmuster und Gutschein für einen Uobach-Schmitt nach eigener Wahl Monatlich nur 90 Pfennig einschließlich Bestellgeld Ständis verrätig und im Abonnement au beziehen durch die Buchhandlung Carl Braus, Bahnhofstr. Kasenbehand Forderungen in lsd. Rechnungen Geschäftsanteil bei der Ländl. Centralkasse RM. 448.92 Geschäftsanteil der Mitglieder RM. 250.— Rücklagen„ 856.97 29 439.— Guthaben in lsd. Rechng. 3000.— Bankenrechnung" 23299.59 Akzeptrechnung„ 4 500.— Guthaben d. EinlageRechn.„ 5.91 Reingewinn 1929„ 12.45 RM. 28943.92 RM. 28 943.92 Bestand der Mitglieder Anfang 1927 Zugang Abgang Bestand der Mitglieder Ende 1929 Seisecke, den 20. Dezember 1930. = 25 * 25 Geisecke=Lichtendorfer Spar= u. Darlehnskassen=Verein e. G. m. u. H. zu Lichtendorf Wilh. Wiedey Fr. Hohenschwert 4833 RadioApparute für Batterieund Netzanschluß I. Lichtenhagen, Hagenerstr. 17. Staubsäuger Ia Qualität Wochenraten von 2.— A an. 4628 Joh. Lichtenhagen, Hagenerstr. 17. Für die freundliche Anteilnahme anläßlich des Hinscheidens unserer lieben Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante, unserer herzensguten Großmutter Frau Lisette Gue geb. Plate danke ich verbindlichst zugleich im Namen aller Angehörigen. Ella Gue Westhofen(Westf.), im Dezember 1930. 465 Ein gut rechnender Kaufmann— muß und wird inserieren! wie immer billig und gut 1 Ltr. Korn...... Mk. 3.20 o. Fl. 1 FI. Edelbrand-Ostenperle„ 3.-„ ½„ Rum-Verschnilt..„ 1.90 ½„ Weinbrand-Verschnitt„ 1.85 1., alter Süßwein...„ 1.05 0. Fl. Beachlen Sie meine Schaufenster Parlümerien-Beschenkkartons 4653 Photo-Apparate und Zubehör- Schokoladen Nied.-Drogerie und Photchaus Heppe, Schwerte Bekanntmachung Auf Grund des§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrechtes in Verbindung mit Art. 123 Abs. 2 der Reichsverfassung verbiete ich für die Zeit vom 22. Dezember 1930 bis einschließlich 2. Januar 1931 wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit, Ruhe und Ordnung sämtliche Versammlungen und Demonstrationen unter freiem Himmel für den gesamten Landkreis Iserlohn. 4655 Iserlohn, den 20. Dezember 1930. Der Landrat: gez. Dr. Loos. Vorstehende Bekanntmachung wird veröffentlicht. Schwerte, den 22. Dezember 1930. Die Polizeiverwaltung. Weihkachterarten Meufahrsrarten in großer Auswahl zu haben in der Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstraße 3 Gr. Marktstraße 3 Slscheosieur beichsheue Nur 4 Tage! Heute bis Freitag! Das große Weihnachtsprogramm! Der entzückende Tonfilm vom deutschen Rhein: " 9as Liherniandmärel Eine lustige Liebesgeschichte in 10 Akten. s Werner Fütterer, Gretel Berndt, Lucie Englisch in den Hauptrollen. Tonfilm=Lustspiel. —0— William Fairbanks als Schahmann u. V. Spannender Sensationsfilm in 5 Akten. —0— Morgen nachm. 4 Uhr: Jugend= und Familien=Vorstellung Zur Vorführung gelangt das ganze Programm. Branntwein Liter 290 Pig. Cognac, Liköre. Rumn Liter 390 Pig. Wein Liter... 100 Pig. Sämtliche Backartikel, Nüsse, Aepfel, Apfelsinen, Feigen, Waffeln etc. billigst! Kaufhaus für Lebensmittel Brückstraße 23 827 Gater Kasser duftend frisch als Gabe auf dem Weihnachtstisch Frisch eingetroffen: Haeberlein=Metzger Lebkuchen, Lambertz Printen Lederwaren! sind passende Weihnachtsgeschenke! 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Januar 1931 für den 2. Januar 1931 am 3. Januar 1931. Schwerte, den 22. Dezember 1930. Der Magistrat. Zusammenschluß der Gaue Sauerland und Münsterland im Reichsverband für 98. Im„Haus der Jugend“ in Dortmund sanden am Sonntag die Einigungsverhandlungen der beiden Gaue Sauerland und Münsterland im Reichsverband für Deutsche Jugendherber= gen statt. Die Verhandlungen begannen zunächst mit der Abhaltung je einer Hauptversammlung der beiden Gaue, in der die Frage des Zusammenschlusses von den erschienenen Ortsgruppenvertretern erörtert wurde. In der Sitzung des Gaues Sauerland betonte der Geschäftsführer Kochskämper=Iserlohn, daß die Frage des Zusammenschlusses der beiden Gaue durch den Rücktritt des Geschäftsführers Grimmelt vom Gau Münsterland, der am 1. Oktober von seinem Amte abtrat, beschleunigt worden sei. Er betonte ferner, daß eine Zusammenlegung gut möglich sei, da das in Frage kommende Gebiet als nicht zu groß angesprochen werden dürfte. Der Gau Sauerland umfasse 8000 gkm., der Gau Münsterland 7300 gkm., sodaß bei Zusammenlegung 15 300 gkm. erreicht würden. Damit würde der vereinte Gau an die 11. Stelle der 25 Gaue im Reichsverband rücken. Am 31. Dezember 1929 habe der Gau Sauerland 233 660, der Gau Münsterland 47317 Uebernachtungen gezählt. Dem Gau Sauerland gehörten gegenwärtig 102 Ortsgruppen mit 13 805 Mitgliedern an. Bei einer Zusammenlegung würden vom Gau Münsterland 37 Ortsgruppen mit 3979 Mitgliedern hinzukommen, sodaß damit der Gau Sauerland wie früher mit 143 Ortsgruppen und 17784 Mitgliedern an der Spitze der Gaue marschiere. Nachdem Redner für den Sitz der vereinigten Geschäftsstelle Iserlohn vorgeschlagen hatte, bat er noch einmal, der Vereinigung der beiden Gaue zuzustimmen, da sie kein unmögliches Gebilde bringen würde. Zu gleicher Zeit tagte in einem anderen Raum der Gau Münsterland, der an den Gau Sauerland bereits vor Monaten mit der Bitte um Zusammenschluß herangetreten war. Nachdem auch hier ein Zusammenschluß grundsätzlich gutgeheißen wurde, waren die Vorbedingungen für die gemeinsame Sitzung erfüllt. Diese wurde vom Vorsitzenden des Gaues Sauerland, Landrat Dr. Loos eröffnet. Im Verlauf der gemeinsamen Hauptversammlung nahm der Reichsverbandsvorsitzende Schirrmann=Altena den Vorsitz ein, um die nachfolgenden Verhandlungen zu leiten. Nachdem mehrere Vertreter beider Gaue ihren Vereinigungswillen kundgetan hatten, sprach der Gau Münsterland den Wunsch aus, da doch nun die Geschäftsstelle im Gau Sauerland verbliebe, den 1. Vorsitzenden aus dem Gau Münsterland zu wählen. Dies wurde zwar anerkannt, doch ergaben sich eine Reihe Schwierigkeiten, die eine fast endlose Debatte zur Folge hatten. Die Erledigung dieses Punktes wurde bis zum Schluß der Versammlung zurückgestellt. 1 HHierauf wurden die neuen Satzungen durchberaten und dem neuen Gaue der Name„Gau Sauerland=Münsterland" gegeben. Aus der Versammlung wurden zu dem Entwurf der neuen Satzungen Abänderungsanträge gestellt, die berücksichtigt wurden. Im übrigen fand der Entwurf Annahme. Nun stand erneut in der Reihenfolge der Tagesordnung die Vorsitzendenwahl im Vordergrund der Beratungen. Da der Sitz der Geschäftsstelle dem Gau Sauerland verbleibt, und Münsterland auf seinen Wunsch, den Vorsitz zu erhalten, bestand, trat Landrat Dr. Loos von seinem Vorsitz zurück, woraufhin Erster Landesrat Schulze=Steinen=Münster zum Vorsitzenden gewählt wurde. Landesrat Schulze=Steinen dankte für das ihm geschenkte Vertrauen, erklärte jedoch, im Augenblick noch keine bindende Zusage geben zu können.— Die Wahl des 2. Vorsitzenden wurde zurückgestellt, ebenfalls wurde die Bestellung des Hauptvorstandes vertagt. Alle anderen Fragen wurden der im Frühjahr einzuberufenen Hauptversammlung überwiesen. Unsere Leihbibliother ist Mntwoch, ven 54. Bez. geschlossen. Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstraße 3 Suche für Anfang Januar ein zuverlässiges für alle Hausarbeit. Zu erfragen in der Geschäftsstelle d. Ztg. Mittwoch, den 24. ds. Mis., vorm. 9 Uhr, wird auf der Freibank das Fletsch, von 3 Schweinen verkauft. 4654 Schlachthofverwaltung. Zwangsversteigerung Mittwoch, den 24. 12., vorm. 10 Uhr, werde ich in der Wirtschaft Möller, Westenstraße. 1 Spiegel m. Konsole 1 Chaiselonque mit Decke, 1 Faß Autoöl, 1 Schreibtisch, 1 Kredenz. 1 Klavier, 1 Ausziehtisch, 6 Stühle m. Ledersitzen 4663 öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Schwerte, d. 23. 12. 30. Franz. Gerichtsvollzieher kr. A. Faschismus. Diese Bezeichnung stammt von dem italienischen Wort fascio(lat. fasces= das den römischen Liktoren vorangetragene Rutenbündel mit Beil) und bedeuett soviel wie politischer Bund. Am 3. 3. 1919 gründete Mussolini in Mailand mit nur 40 Genossen einen politischen Kampfbund. Obwohl dieser Bund bei den Wahlen 1919 nur 4000 Stimmen erhielt, wuchs die Bewegung doch späterhin mit ungeahnter Schnelligkeit. 1921 kam Mussolini bereits mit 38 Abgeordneten in die Kammer. Am 28. 10. 1922 erfolgte der Staatsstreich: der berühmte„Marsch auf Rom.“ 40000 Faschisten rückten in die Hauptstadt. Das bisherige Ministerium mußte zurücktreten und Mussolini erhielt die Leitung der Regierung. Der Faschismus erstrebt Sicherung der Staatsautorität und der Siegesfolgen des Weltkrieges. Er hat daneben einen deutlichen imperialistischen Zug und betrachtet Italien als Nachfolger des alten Roms. Er steht im scharfen Gegensatz zum demokratischen Parlamentarismus. Das Parlament führt nur ein Scheindasein, die Regierung ist ihm durchaus überordnet. Näheres über dieses heute sehr interessante Thema kann man im soeben erschieneuen 6. Band des Großen Brockhaus nachlesen. * Nr. 300(Zweites Blatt) „Cchlrerter Ielll9 Der Eramm Reig Aisene Noch eine Atempause für die Erneuerung des Versassungsstaates. Von Mello Martinen, z. Zt. Madrid. Nach den Artilleristen haben nun die Flieger verursacht, Spanien durch einen Aufstand ein neues Gesicht zu geben. Mit dem Transozeanflieger Franco geht jede Sympathie. Der Putschist Franco vergeudete von diesem Kapital se ziemlich den ganzen Bestand. Nicht weil er putschte. Er ist Spanier. Der Verfassungsstreit ist eine innerspanische Angelegenheit, auf die gemäß seiner Verantwortungsfreudigkeit einzuwirken, daß gute Recht jedes Spaniers sein muß. Gerade in diesem Punkte aber versagte Major Franco. Er kreiste mit einigen Freunden über Madrid, warf großsprecherische Drohungen über den Kasernen ab, und wußte doch im gleichen Augenblick, daß er nichts davon wahrmachen könne. Er setzte das Schicksal einer großen Masse, an einen gewissenhaft vorbereiteten Aufstand vertrauensvoll glaubender Landsleute auf die eine leichte Karte der Einschüchterung von Soldaten mit flatternden Flugblättern, von denen er nicht einmal wußte, ob sie der Wind nun wenigstens den Soldaten freundlichst vor die Füße legen würde. Major Franco und die anderen Führer der jüngsten spanischen Revolte sind auf jedenfall mangelhafte Organisatoren und schlechte Psychologen gewesen. Als minderbegabter Psychologe erwies sich aber auch General Berenguer, der Vertrauensmann des Königs. Dann hat denn Akfons mit Primo de Rivera doch nicht erlebt: Erschießung von aufständischen Offizieren und Bereitstellung eingeborener afrikanischer Truppen für die Niederschlagung einer Aufstandsbewegung weißer Spanier. Primo de Rivera vermied es mit bewundernswerter Mäßigung, Märtyrer des Kampfes gegen die Diktatur, und erst recht Märtyrer des Republikanismus zu schaffen. Die Toten von Jaca, Galan und Hernandez, werden als Märtyrer weiterleben und vielleicht zu viel wirkungsvolleren Vorkämpfern einer Umwälzung heranwachsen, als sie es im Leben gewesen sind. Die Heranziehung afrisanischer Soldaten könnte ebenfalls eher als Zeichen des Schwächeempfindens bei dem Inhaber der Gewalt, denn als Zeichen der Kraft gedeutet werden. Für den Augenblick jedoch scheiden Wirkungen von diesen Vorgängen aus. Alfons hat im innerpolitischen Ringen auch mi dem General Berenguer eine Schlacht gewonnen. Aber man kommt an der Meinung nicht vorbei, daß sie vermeidbar gewesen ist. Der darin liegende Vorwurf träse allerdings erst die Putschisten. Ihr Aufstand hat außerhalb Spaniens sehr ernst ausgesehen. Aber was ist denn in Wirklichkeit geschehen? Geglaubt hat man im Auslande, aber nicht in Spanien, die Meldungen der amerikanischen Nachrichtenagenturen, die mit Geld und guter Organisation auch dieses Feld beherrschen und vor allem für Frankreich sorgen müssen. Dieses Land bevorzugt aus alter Feindschaft zu Spanien, die hierzulande recht herzlich erwidert wird, Nachrichten, die Spaniens Lage als ungünstig erscheinen lassen oder ihm das Leben sauer machen könnten. Auf dieses Bedürfnis der französischen Presse werden die Meinungen der amerikanischen EuropaAgenturen zugeschnitten, und das wirkt dann auch auf die Meinungsbildung in Deutschland, in England und in der übrigen Welt. Sie hat Spanien in hellen Flammen stehen sehen. In Wirklichkeit haben mindestens 30 spanische Provinzen bei der Erhebung in vollkommener Ruhe verharrt. In den übrigen neun kam es nur zu belanglosen Zwischenfällen. Die Erklärung des Generalaufstandes erfolgte lediglich in acht Hauptstädten. In dreien davon hat sich kein Mensch darum gekümmert, in den übrigen längst nicht jeder. Was darüber hinaus gegangen ist, waren amerikanische Wünsche, die in Frankreich gut aufgenommen worden sind, aber nicht nur deswegen geäußert werden, sondern auf den eifersüchtigen Kampf zwischen den Vereinigten Staaten und Spanien um die Seele Lateinamerikas zurückzuführen sind. Antispanische Einflüsse haben sich über die amerikanischen Nachrichtenagenturen nicht nur in der europ. Presse geltend gemacht, sondern geeindruckten nachweisbar auch einen Teil der spanischen Aufständischen selbst. Weltkundige Menschen wie Franco unterliegen sehr leicht dem amerikanischen Freiheitsbluff und suchen Hemmungen der Wiedererneuerung ihres Landes in einem Staatssystem und in seinen führenden Persönlichkeiten, die bestimmt ihre besten Kräfte mit unbestreitbaren Erfolgen für ein neues besseres Spanien eingesetzt haben. Die Schuld des Königs Alsons und seines Vertrauensmannes Berenquer an diesem Aufstand wurzelt in der Zurückhaltung, mit der sie ihre Absicht, die Diktatur in einen erneuerten Verfassungsstaat überzuführen, bisher dem noch weit entfernten Endziel näher brachten. Die für März angekündigten Wahlen haben den größten Teil des Landes offensichtlich zufrieden gestellt. Dafür ist der mißglückte Aufstand selbst ein schlüssiger Beweis geworden. Die Gewalthaber verstanden es bisher aber nicht, die aus weltanschaulichen Gründen gewiß nicht leicht zu gewinnende Oeffentlichkeit dem kommenden neuen Spanien dienstbar zu machen. In dem Bemühen, einer in Schwierigkeit geratenen Diktatur nicht sofort den Ungewißheiten parlamentarischer Fähigkeiten oder Unfähigkeiten auszusetzen, belud sich Berenguer, eine kraftvolle Persönlichkeit, die niemals das eigene Opfer scheute, mit der Riesenarbeit der Ordnung eines an Unstimmigkeiten, Schwierigkeiten sehr reichen Erbes und schürte dadurch noch das Feuer um den spanischen Königsthron. Den ersten schweren Ansturm neuer Gruppen, die zur Macht drängen, und in diesem Falle „Republik“ rufen, ohne zu wissen, was das in Spanien werden könnte, hat der General überwunden. Nun ist eine neue kostbare Atempause gewonnen für die Erneuerung des Verfassungsstaates. Das Schicksal der Dynastie und der Staatsform hängt jetzt ab von dem Grad der Geschicklichkeit, mit dem die neu gewonnene Zeit genutzt wird. Alfons will kein absoluter Herrscher sondern vor allem der würdige höchste Repräsentant der Spanier sein. Die Stellung des englischen Königs ist sein Traum. Wird er sich nun erfüllen? Es ist an Berenquer, diese Frage mit der Tat zu beantworten. Volksleben und Wirtschaft ha. Bescheinigung des Grundlohns durch die Krankenkassen. Die Krankenkassen fordern auf der Rückseite des amtlichen Vordrucks der Arbeitsbescheinigung eine Angabe darüber, ob die Beiträge zur Reichsanstalt nach dem vom Arbeitgeber bescheinigten Verdienst entrichtet worden sind oder nach einem abweichenden Grundlohn. Der Gesamtverband der Krankenkassen Deutschlands hat jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß diese Frage den Vorschriften insofern nicht ganz entspricht, als die Unterstützungsberechtigung nicht zur VorausDienstag, 23. Dezember 1930 setzung habe, daß die Zahlung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung schon erfolgt sei. Es entstehen auch Zweifel darüber, wie der Vordruck auszufüllen ist, wenn der Arbeitgeber noch alte Beiträge zu zahlen hat. Der Präsident der Reichsanstalt weist darauf hin, daß durch die zusätzliche Bescheinigung der Krankenkasse nur der Grundlohn festgestellt werden soll, nach dem die Anmeldung bei der Kasse erfolgt und der Versicherte zur Beitragszahlung veranlagt worden ist. Die alten Vordrucke sind so zu verstehen; neue werden einen anderen Wortlaut erhalten. ha. Invalidenversicherungsbeiträge nachprüsen! Nach der Reichsversichrungsordnung besteht ein Einspruch auf Hinterbliebenen Bezüge, wenn der Verstorbene zur Zeit des Todes die Wartezeit für die Invalidenrente erfüllt und die Anwartschaft aufrecht erhalten hat. Die Wartezeit dauert, wenn mindestens 100 Beiträge geleistet worden sind, 200 Beitragswochen, sonst 500. Das Reichspostministerium macht jetzt sein Bereich darauf aufmerksam, daß im Einführungsgesetz zu dieser Ordnung folgendes bestimmt ist. Bei der Errechnung der Wartezeit des verstorbenen Ehemannes oder Vaters werden auch die nach dem Invalidenversicherungsgesetz, also vor dem 1. Januar 1912 geleistete Beiträge mit angerechnet. Dies gilt aber nur noch bis zum 31. Dezember. Vom 1. Januar 1931 an werden nur noch die nach dem 1. Januar 1912 entrichteten Beiträge angerechnet. Besondere Bedeutung hat die Bestimmung für alle von 1912 an freiwillig weiter versicherten Personen. Sie haben meist die Wartezeit erfüllt, so daß sie selbst Invalidenrente erhalten werden. Ihre Hinterbliebenen= aber haben einen Anspruch auf Versorgung nur dann, wenn von den Versicherten nach dem 1. Januar 1912 mindestens 500 freiwillige Beiträge entrichtet worden sind. Es ist daher angebracht, die Leistungen nachzuprüfen. ha. Die Vergütungen für Reichstagsmitglieder. Der Reichstag hat mit Zustimmung des Reichsrats jetzt das Gesetz über die Entschädigung der Mitglieder des Reichstags verkündet. Für die Dauer der Zugehörigkeit und die folgenden 8 Tage nach der Wahl eines neuen erhalten die Mitglieder freie Fahrt auf allen deutschen Eisenbahnen, ferner von dem Tage des ersten Zusammentritts an bis zur Neuwahl eine Aufwandsenschädigung von monatlich 600 Mk. Mitglieder, die vorzeitig ausscheiden, erhalten W 804.— Der Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyricht br Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wissen Sie auch, daß ihr Leben nur an einem Faden hing?“ Mia hob die Arme wie in hilfloser Geste. Dabei fiel das weiße Leinen der Aermel zurück. In der Genesenden war die Cire erwacht. Den Landgerichtsrat mußte sie sich zum Freunde machen; man konnte nie wissen— „Und nun sagen Sie mir bloß, wer sich zu Ihnen in den Wagen geschwungen hat an jenem denkwürdigen Abend, als Sie auf dem Wege zu dem Maharadscha waren?" begann der Untersuchungsrichter in seinem liebenswürdigen Gesprächston. Er war sichtlich bemüht, diesem Verhör die offizielle Note zu nehmen. Die Worte Horst Schöttlers trugen Früchte. Mia Stransky neigte den Kopf zur Seite. Sie sah aus wie die personifizierte Unschuld. Sie war schon immer eine gute Schauspielerin gewesen, und die meisten ihrer Erfolge bei der Männerwelt waren auf dieses Konto zu buchen. „Ach— wenn ich mich noch an das Unglück erinnern könnte!" seufzte die Künstlerin. Ueber das runde Gesicht Doktor Messerschmidts huschte ein Schatten. Fast im selben Augenblick mußte er an die Bemerkung Schöttlers denken: Vorausgesetzt, daß die Stransky sich freiwillig über den Fall äußert. Nach alllem, was ich weiß, wird sie vorziehen, zu schweigen. Er half ihrem Erinnerungsvermögen etwas nach. „Sie waren zuletzt mit Herrn Stein im „Rheingold'. Könnte die ruchlose Tat von diesem Herrn begangen worden sein?“ Und vorsichtig hinzufügend:„Ich weiß nicht, wie Sie zu Manfred Stein stehen, welcher Art Ihr Verhältnis.— Sie winkte lebhaft ab. „Ich mag nichts von ihm hören. Er gilt mir nichts. Gar nichts.“ „Sie wollen damit sagen, daß—“ „Er es gewesen sein kann!“ sagte Mia Stransky leise und mitleidlos. Dabei gingen ihre Augen nach rechts und nach links, als fürchtete sie, ihre Aeußerung könnte von Unberufenen gehört worden sein. Damit war der Untersuchungsrichter nicht zufrieden. Er wünschte ein endgülitiges Ergebnis. Auf diese Stunde hatte er sich gefreut, und nun, da Mia Stransky vernehmungsfähig war, sollte die Hoffnung auf Klärung wieder schwinden? Das durfte nicht sein! „Besinnen Sie sich, ich bitte darum, gnädiges Fräulein. Und bedenken Sie, daß Ihre Aussage für den Verdächtigen wie für den Gang der Untersuchung von eminenter Wichtigkeit ist". Es ging alles so schnell. Ich sah nach der linken Straßenseite hinüber, als plötzlich die Tür der Limousine aufgerissen wurde. Im nächsten Augenblick fühlte ich meine Hände ergriffen und einen Stich im Ringfinger der Linken. Dann schwanden mir die Sinne. Das Gesicht des Mannes habe ich nicht gesehen. Ich weiß nur, daß er einen schwarzen Mantel trug.“ Doktor Messerschmidt hatte nun die Wahl: entweder an die Wahrheit dieser Darstellung zu glauben oder an der Aufrichtig der Verhörten zu zweifeln. Er tat keines von beidem, sondern bemühte sich, weiterzukommen. „Wenn Sie Ihren Verdacht aufrechterhalten, setzen Sie sich in Widerspruch mit den bisherigen Untersuchungsergebnissen. So viel kann ich Ihnen verraten.“ Mia Stransky hob rasch die Lieder. In ihren Augen war nun etwas von der Angst und Gehetztheit eines verfolgten Tieres. Das entging auch Doktor Messerschmidt nicht. Und er deutete es richtig. „Ich glaube sogar“, fuhr er unbeirrt fort, „daf Sie selbst anderer Meinung sind, als Ihre Worte dartun möchten. Bitte besinnen Sie sich!“ Die Tänzerin hörte aus der liebenswürdigen Verbindlichkeit seiner Sprache eine versteckte Drohung heraus; in ihrem Kopfe flogen die Gedanken. Sollte sich Gregor verraten haben? Kannte die Polizei die Zusammenhänge? Oder — sie wagte diese Idee nicht ernst zu nehmen — wollte der Untersuchungsrichter nur bluffen? Da verfiel sie auf einen Ausweg: sie spielte die Beleidigte. „Wollen Sie mich als Lügnerin bezeichnen, Herr Landgerichtsrat?“ fragte sie scharf, in erkünstelter Aufwallung.„Wenn es so ist, werde ich meine Aussage entweder ganz oder nur sehr vorsichtig machen.“ Der Untersuchungsrichter zwang sich zu einem entwaffneten Lächeln. „Aber ich bitte Sie, mein gnädiges Fräulein, Sie müssen doch selbst ein Interesse an der Entlarvung und Bestrafung des Schuldigen haben!“ Die Stransky parierte den Hieb mit einer boshaften Entgegnung: „Ich setze wenig Hoffnung auf die Initiative der Polizei.“ Doktor Messerschmidt ließ diesen Einwurf unbeachtet. Scheinbar. Insgeheim registrierte er ihn sehr gut. Und nun erst spielte er seinen höchsten Trumpf aus, damit zugleich auch die Aussage Schöttlers auf ihre Brauchbarkeit hin prüfend: „Wollen Sie mir nicht sagen, warum Sie Gregor Parta, Ihren Bruder, in Schutz nehmen?“ Seinen Augen entging nichts. Er sah die Tänzerin erbleichen. Selbst aus ihren Lippen schien das Blut zu entweichen. Folglich: der Hieb saß. Das entstandene Schweigen war unerträglich. So fand wenigstens die Tänzerin... Und zugleich entflammte sie in einer furchtbaren Wut. Hatte also die Hanna, die falsche Kröte, doch geplaudert! Na, warte, du! Mia Stransky sah ein, daß sie sprechen mußte— ein Wort nur— etwas Belangloses. Jede Sekunde Pause mußte der arrogante Untersuchungsrichter als Plus für sich verbuchen. Abscheulich, daß der Mann nicht auf ihre reizvolle Koketterie reagierte! „Ich weiß nicht, wie ich Ihre Bemerkung deuten soll“, erwiderte sie schließlich leise und mit viel Vorsicht die Worte wählend. Doktor Messerschmidt ließ die Mundwinkel hängen.„Ich kann mich fast nicht eindeutiger ausdrücken. Sie wissen schließlich, was Sie von Gregor Parta zu halten haben. Er ist Ihr Bruder. Gut. Sie können die Aussage verweigern. Aber weshalb hielt er sich unangemeldet hier auf? Wir wissen auch, daß er in den Hauptstädten Europas ein wenig gern gesehener Gast ist, obwohl er in Deutschland nicht mit den Gerichten in Konflikt gekommen ist.“ Mia Stransky schöpfte neue Hoffnung. Vielleicht war noch nicht alles verloren. Mit einigen kühnen Lügen konnte möglicherweise manches gerettet werden. „Herr Landgerichtsrat. Sie gehen fehl! Gregor ist ein Ehrenmann, der mich meist auf meinen Kunstreisen begleitete. Daß er hier nicht angemeldet ist, liegt daran, daß er nur ein oder zwei Tage zu bleiben gedachte.“ Doktor Messerschmidt lächelte nachsichtig. „Ihr Notizblock nennt seinen Namen= dreimal. Und immer für 24 Uhr.“ Die Tänzerin strich sich mit phlegmatischer Geste das Haar zurück. „Ach, Sie kennen Gregor nicht! Er ist ein lieber Junge, nur ein bißchen leichtsinnig. Und ein Nachtvogel. Wir trafen uns immer im „Hansa'. Tagsüber schlief er drüben in meinem Gastzimmer.“ Sie bewahrte Haltung und schien ihre Ueberlegenheit wiedergefunden zu haben. „Sie lieben Ihren Bruder?“ (Fortsetzung folgt.) das Geld bis zum Ende des Monats ihres Austritts. Entstandene Kosten durch Benutzung außerdeutscher Eisenbahnen und Schisse werden ersetzt. Ein besonderes Tagegeld von 10 M. erhalten die anwesenden Mitglieder, wenn der Reichstag seine Sitzung länger als einen Tag unterbricht, während einer seiner Ausschüsse tagt. Für jedes Fehlen werden 20 Mt. von der Entschädigung abgezogen. Besonders behandelt wird das Fernbleiben durch Krankheit oder Besuch anderer Sitzungen. Stirbt, ein Mitglied, so kann die Zahlung an den anderen Ehegatten oder sonstigen Hinterbliebenen erfolgen, ohne daß das Erbrecht nachgewiesen zu werden braucht. Das Gesetz; gilt rückwirkend vom 1. November 1930 an. im Weihnachtsverkehr Schwerte, den 23. Dezember 1930. Viele Vor= und Nachzüge. Schnellste Weihnachtspaketbeförderung im Expreßgutdienst. Wie uns von der Pressestelle der Reichsbahndirektion Wuppertal mitgeteilt wird, soll für den stärkeren Personenverkehr zu Weihnachten auch in diesem Jahre wieder eine große Zahl Vor= und Nachzüge zu den planmäßigen Zügen verkehren. Vom 20. Dezember ab werden im Bezirk der Reichsbahndirektion Wuppertal 69 Sonderzüge gefahren. Ferner werden alle planmäßigen Züge verstärkt. Auch für den Rückverkehr nach Weihnachten, sowie für den Verkehr zu Neujahr sind Doppelführungen im Zugdienst vorgesehen. Zur Vermeidung von Uebersüllungen der Hauptzüge empfiehlt es sich, die Vor= und Nachzüge zu benutzen. Alle Sonderzüge werden auf den Bahnhöfen rechtzeitig bekanntgegeben. Auch zur glatten Abwicklung des Expeßgutverkehrs sind alle Vorbereitungen getroffen. Als Expreßgut werden bekanntlich alle Gegenstände angenommen, die sich: zur Besörderung im Packwagen eignen. Nachnahmen sind zulässig. Die Expreßgutsendungen werden bei den Gepäckabfertigungen Tag und Nacht während der Dienststunden angenommen und ausgeliesert. Sie werden mit dem nächsten geeigneten Personen=, Eil= oder D=Zug befördert. Bei nahen und mittleren Entfernungen sind die Pakete nach wenigen Stunden ausgabebereit. Bei größeren Entfernungen erreichen die morgens aufgelieferten Sendungen die Empfänger noch am gleichen Tage, die abends aufgelieferten schon am folgenden Morgen. Die angekommenen Expreßgüter werden sofort bahnamtlich zugestellt, wenn nicht Selbstabholung gewünscht wird. Allgemeine öffentliche WeihnachtsRotsammlung Es wurden folgende weitere Beträge gezeichnet: Fr. Rahlenbeck, Gutscheine auf Waren im Werte von.... 50,— M N. R. 10,— M dazu bisherige Zeichnung 8026,—M Sa. 8086.— M Herzlichen Dank! Gedenktage. 22. Dezember: 1530 Der Humanist Willibald Pirckheimer in Nürnberg gestorben(geboren 1470).—.1848 Der Sprachsorscher Ulrich von Wilamowitz=Moellendorff in Markowitz in Posen geboren. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 22. Dezember 1930. Während das Hoch über England an Intensivität und Ausdehnung fortbesteht und sich in einem Ausläuser nach dem Nordmeere vorgeschoben hat, ist über dem Nordosten und Norden tiefer Luftdruck entstanden, sodaß die Druckverteilung nun eine gänzlich umgekehrte ist.— In Deutschland war es heute morgen im Nordwesten und in Schlesien ziemlich heiter, sonst stärker bewöllt bis bedeckt. Die Temperaturen lagen im Norden 3—6 Grad über Null, im Süden und Südosten bis 8 Grad darunter. Der Kahle Asten meldete mäßigen Nordnordostwind, Nebel und—1 Grad. Aussichten für Dienstag: Heiter, auch bewölkt, zunächst keine Regenfälle, wenig kühler. Aussichten für Mittwoch: Zunehmende Bewölkung und später Regenfälle, ziemlich mild. Weihnachtsferien. Am heutigen Tage schließen die Schulen ihre Pforten und damit beginnen die Weihnachtsferien. * Westfälischer Bauernverein Bezirksverband„Industriegebiet.“ Der Sprechtag des Westf. Bauernvereins Bezirksverband„Industriegebiet“ findet am Freitag, den 9. Januar von 10—12 Uhr in der Wirtschaft Potthoff statt. Das Drama in der Schwerterheide. Wir werden gebeten, unsere am 19. Dezember erschienene diesbezügl. Notiz dahin zu berichtigen, daß der Arbeiter M. nicht in die Wohnung des B. eingedrungen ist. Die Müllabfuhr findet für den 25. und 26. Dezember am 27. Dezember, für den 1. Januar am 2. Januar und für den 2. Januar am 3. Januar 1931 statt. (Siehe Inserat!) X Weihnachtsbeihilfen. Wie wir hören, hat die Eisenindustrie zu Menden und Schwerte ihre ehemaligen langjährigen Arbeiter auch in diesem Jahre wieder lausend bedacht, so auch jetzt vor dem Weihnachtsfest. Die letztjährige Unterstützung beläuft sich auf 11 000.— Mk. Musikalische Weihnachtsfeier des Realgymnasiums. Das war ein seines weihnachtliches Singen und Klingen, das gestern abend in der vom hiesigen Realgymnasium in der großen evangelischen Kirche veranstalteten Weihnachtsfeier zahlreiche Hörer erfreute. Da wurde der geheimnisvolle Zauber der seligen, gnadenbringenden Zeit lebendig durch die Macht der Töne, und die mannigfachen Darbietungen auf der Orgel, durch das Schüler=Streichorchester und den stattlichen Gesangschor des Gymnasiums umrahmten schlicht und innig die vom Studiendirektor Löscher verlesene Weihnachtsgeschichte, die immer wieder den tiefsten Sinn der Weihnacht den schönsten Ausdruck verleiht. Mit einem sicher und rhythmisch klar gespielten Orgelvortrag von einem Schüler des Gymnasiums, der auch im Verlauf der Vortragsfolge mehrfach ein schönes, musikalisches Können bewies, wurde die Feier stimmungsvoll eingeleitet. Dann folgten in buntem Wechsel weihnachtliche Gesänge und Orchestervorträge. Immer und überall zeigte sich, daß die Musik in unserem Gymnasium eine liebevolle und vielseitige Pflege findet, und wenn auch einzelne Darbietungen des Chores in rhythmischer und dynamischer Beziehung nicht alle Wünsche erfüllten, so war doch der Gesamtausdruck überaus ersreulich. Anregend und nacheifernd wird auf alle Schüler neben der unermüdlichen und erfolgreichen Tätigkeit ihres Chorleiters das Vorbild ihres musikbegeisterten Direktors wirken. In dem Pastorale von L. Mathes zeigte er sich wieder als Meister der Flöte, nicht weniger in den die Weihnachtsstimmung besonders eindrucksvoll wiedergebenden Chören„Hirtenlied",„Weihnachtswiegenlied“ und„Weihnachtsnachtigall“, die vom Schülerorchester sein und wirkungsvoll untermalt wurden. Den Schluß und den Höhepunkt der schönen Feierstunde bildete die rhythmisch straffe und kraftvolle Wiedergabe des Chores„Seht, er kommt mit Preis gekrönt“ aus„Judas Makkabäus“ von Händel. Hier wetteiferten verstärktes Orchester und erweiterter Chor unter Buckemüllers Stab in klangfrischem, sicherem Vortrag und verliehen der musikalischen Feierstunde einen erhebenden Ausklang. Alle Mitwirkenden haben sich den herzlichen Dank der zahlreichen Hörer verdient; darum soll es auch hier heißen:„Auf Wiederhören!" : Rasensportverband A=Mannschaft gegen B=Mannschaft. Vom Gau Hagen ist für den 28. Dezember ds. Is. ein Jugendopfertag geplant worden. Um der Sache einen finanziellen Erfolg zu verschaffen, werden in den großen Orten innerhalb des Gaues Hagen, besondere Spiele veranstaltet. Zur Durchführung eines Spieles in Schwerte wurde der Rasensportverband Schwerte und Umg. beauftragt. Der Rasensportverband hatte deshalb seine Mitglieder zu einer Sitzung im„Posthorn“ eingeladen. Der große Besuch der Sitzung ließ auf ein reges und starkes Interesse für den Jugendopfertag blicken. Nach Eröffnung der Sitzung ging man sofort zu dem Hauptpunkt über. Da nun die vom Rasensportverband gezeigten Spielen Schwerte=Stadt gegen Schwerte=Land immer ein sehr großes Interesse erweckt hatten, will man jetzt versuchen, zwei äußerst starke Mannschaften aufzustellen. Man kam im Verlauf der Sitzung zu dem Entschluß, den Antrag auf Aufstellung einer A= und B=Mannschaft gut zuheißen. Allerdings entspann sich über die Aufstellung der einzelnen Spieler eine lebhafte Debatte. Man überließ deshalb die Regelung dem Spielausschuß. Als die vom Spielausschuß aufgestellten Spieler bekanntgegeben wurden, kam man zu der Einsicht, daß dies wohl mit zu der stärksten Aufstellung innerhalb des Rasensportverbandes gezählt werden darf. In der Platzangelegenheit einigte man kurz, indem man den„Schützenhof“ als den passendsten und geeignetsten Platz ansah. Nach Erledigung kleinerer Angelegenheiten konnte die äußerst interessante Sitzung geschlossen werden. + Weihnachtsfeier des katholischen Kindergartens. Unter dem hellstrahlenden Christbaum feierte vorgestern abend im dichtbesetzten Saale von Peters der katholische Kindergarten sein Weihnachtsfest. Schwester Josefe, die seit langen Jahren bewährte Leiterin des Gartens, hatte mit ihren Pfleglingen fleißig geübt und so konnte mit einem ganz köstlichen Programm aufgewartet werden: Gedichte und kleine Theaterstückchen wechselten in bunter Folge miteinander ab und Groß und Klein verlebten alle einige srohe Stunden, doppelt wohltuend in 1 der jetzigen trüben Zeit. Man wußte wirklich nicht, was man mehr bewundern sollte, den Eiser und die Hingabe der Kinder oder die große Mühe der„Schwester=Tante", die mit den Kleinen all' die schönen Sachen in wochenlanger Arbeit eingeübt hatte. Im Laufe des wohlgelungenen Abends hielt Pfr. Schnurbus eine zu Herzen gehende Ansprache über die große Bedeutung des Weihnachtsfestes und des Christentums überhaupt für die ganze Menschheit. Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika. In der Verwaltung des amerikanischen Treuhänders befinden sich noch etwa 3300 deutsche, während des Weltkrieges beschlagnahmte Guthaben im Gesamtwert von schätzungsweise zwei Millionen Dollar, die durch das amerikanische Freigabengesetz vom 10. März 1928 freigegeben, aber von den deutschen Berechtigten noch nicht angefordert worden sind. Eine von der Deutschen Botschaft Washington aufgestellte Liste dieser Guthaben liegt bei der Industrie= und Handelskammer zu Dortmund, Märkische Straße 120, auf und kann hier während der Geschäftsstunden eingesehen werden. Die Antragsfrist läuft am 10. März 1931 ab. Landkreis Iserlohn Amt Holzen. Landjägereidienst. Für den in Holzen stationierten und z. Zt. wegen Unfalles dienstunfähigen Oberlandjäger Hollop versieht den Landjägereidienst in der Gemeinde Holzen bis auf weiteres der Oberlandjäger Badziong, wohnhaft in Wandhofen(Fernruf 2786), mit. Lichtendorf. Böser Fehltritt. Die 60jährige Ehefrau des Landwirts Gr.=N. rutschte auf der Kellertreppe aus und kam so unglücklich zu Fall, daß sie innere Brustquetschungen erlitt und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. 1 Villigst. Schlechte Wegeverhältnisse. Die kürzlich in die Gemeinde Villigst eingemeindete Bauerschaft Villigst kann sich nicht rühmen, ein im guten Zustande befindliches Gemeindewegenetz als Eingemeindungsgabe mitgebracht zu haben. Fast durchweg sind hier die Wege sehr schlecht ausgebaut. Besonders bei nasser Witterung kommt es häufig vor, daß Fuhrwerke buchstäblich im Morast stecken bleiben. Die Gemeinde wird große Mittel aufwenden müssen, um Abhilfe schaffen zu können. Wie man hört, soll-schon in nächster Zeit an eine gründliche Ausbesserung herangegangen werden. ! Westhofen. Verlegung des Wochenmarktes. Wegen des Weihnachtsfestes findet in dieser Woche der Wochenmarkt am Mittwoch statt. Westhofen. Ergebnis der Weihnachtsnotsammlung. Die für die Bedürftigen der Stadt Westhofen abgehaltene Sammlung hat bis jetzt einen Ertrag von annähernd 1300 Reichsmark ergeben. Einige gezeichnete Beträge und Warenspenden stehen noch aus. Die Wohlfahrtskommission hat in einer gestern abend stattgefundenen Sitzung über die Verteilung der Gaben an die Bedürftigen beschlossen. ! Westhofen. Parken an Kreuzungen ist verboten. Es ist in letzter häusiger beobachtet worden, daß Kraftfahrzeugführer und Fuhrwerkslenker ihre Fahrzeuge an Straßenkreuzungen und sonstigen unübersichtlichen Stellen, manchmal während der Dunkelheit sogar unbeleuchtet, abgestellt haben. Schon wiederholt sind Unfälle hierauf zurückzuführen gewesen. Etwas mehr Verkehrsdisziplin ist auch in dieser Hinsicht angebracht. Amt Ergste m Bürenbruch. Hohes Alter. In selten körperlicher und geistiger Rüstigkeit wird am heutigen Tage der Kettenschmied Heinrich Beckhaus in Bürenbruch 81 Jahre alt. Täglich übt dieser alte Herr seinen Beruf noch als Kettenschmied aus und auch an den täglichen Ereignissen ist er sehr interessiert. Den vielen Glückwünschen, die den allseits geschätzten Geburtstagskinde erreichen werden, fügen wir die unfrigen gern hinzu. Möge ihm seine bisherige Gesundheit noch lange Jahre erhalten bleiben und ihm ein ungetrübter sonniger Lebensabend beschieden sein. Aus den Nachbar=Städten Delecke. Zwei große Strandbäder am Möhnesee. In den letzten Tagen ist die seit Jahren strittige Frage eines Strandbades endgültig geklärt, damit aber auch der Traum auf Schaffung eines großen, modernen Bades für immer dahin. Der ursprüngliche Plan war ein Millionenobjekt und konnte darum in heutiger Zeit keine Verwirklichung finden. Die Vertreter der interessierten Kreis= und Stadtverwaltungen von Soest, Werl, Arnsberg und Neheim, der Vorstand des Verkehrsvereins Möhnesee und der Ruhrtalsperrenverein haben nun beschlossen, ein Strandbad in der Nähe des Hotels Haus Delecke auf dem freien Platz zwischen dem Hotel und der Gemeinde erstehen zu lassen. Es ist dies ein äußerst günstiger Platz, weil der Anschluß an Licht= und Wasserleitung leicht zu bewerkstelligen ist und in der Nähe ein großer Parkplatz liegt. Die Kosten werden sich auf 12.000 bis 15000 Mark belaufen. Schon im kommenden Monat soll mit dem Bau des Bades begonnen werden.— Ein zweites Bad wird im Osten des langgestreckten Möhnesees geplant. Drei am See liegende Gemeinden haben mit der Westfälischen Landeseisenbahn zwecks Ausführung des Planes eine Interessengemeinschaft gebildet. Es liegen zwei Kostenanschläge vor. Der eine beläuft sich auf 12.000, der andere auf 50—60000 Mark. Weitere in Kürze einzuberufende Versammlungen dürsten die Entscheidung für einen dieser beiden Pläne bringen. Dieses zweite Strandbav dürste schon deshalb viele Fremde aus dem Industriebezirk zum Möhnesee bringen, weil es direkt dem Bahnhof Wambel gegenüber zu liegen kommt und die Landesbahn die Badegäste geradezu ins Bad hineinfahren kann. Wattenscheid. Zuchthaus für einen Kurpfuscher. Der Heilgehilfe Anton Zamorowski aus Kray und der Bauführer L. von hier hatten sich vor dem Essener Schwurgericht wegen Verbrechens gegen§ 218 St. G. B. bezw dazu geleisteter Beihilse zu verantworten. L. hatte mit der 20jährigen Haustochter Käthe P. in Wattenscheid ein Verhältnis unterhalten, das nicht ohne Folgen geblieben war. Das Mädchen vertraute sich auf den Rat seines Geliebten dem Heilgehilfen Z. an, der einen verbotenen Eingriff an ihm vornahm. Diese Prozedur finanzierte L. Nach einigen Tagen erkrankte das Mädchen plötzlich schwer und wurde ins Krankenhaus gebracht. Hilfe war aber nicht mehr möglich und die P. erlag nach wenigen Tagen dem Tode. Der Heilgehilfe Z. wurde zu ein Jahr sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. L. erhielt zwei Monate Gefängnis, die jedoch in eine Geldstrase von 500 Mark umgewandelt werden. Münster. Nachrichten aus dem westf. Konsistorium. In Langewiese Krs. Wittgenstein ist Hilfsprediger Gericke zum Pfarrer bestellt. Pfarrer Dr. Wilh. Schmidt wird in Siegen als Pfarrer eingeführt. Gestorben ist Pfarrer Wever in Herne im 66. Lebensjahre. Zum 1. Januar 1931 ist vorbehaltlich der Zustimmung des Oberkirchenrats die freie Pfarrstellen der Kirchengemeinde Ramsbeck b. Soest durch die Kirchenbehörde zu besetzen. Durch freie Gemeindewahl ist zum 1. März 1931 durch anderweitige Berufung des bisherigen Inhabers eine Pfarrstelle der Gemeinde Hattingen mit dem Amts= und Wohnsitz in Welper, ebenso in Herne Krs. Gelsenkirchen durch freie Gemeindewahl eine durch den Tod des bisherigen Inhabers freigewordene Pfarrstelle zu besetzen. Bewerbungsgesuche für die letzte Stelle sind an Superintendent Husmann=Gelsenkirchen III zu richten. Olpe. Schweres Verkehrsunglück durch Glatteis. Samstag abend kam ein mit Bierfässern beladener Bierwagen der Siegener Irle=Brauerei auf der abschüssigen Straße in der Ortschaft Hützemert bei Olpe infolge Glatteis ins Rutschen. Der Führer verlor die Gewalt über den Wagen und fuhr die sechs Meter hohe Böschung hinunter. Hierbei überschlug sich der Wagen und ging vollständig in Trümmer. Von den vier Insassen konnte sich der Beifahrer durch Abspringen retten. Der Chauffeur und zwei Handwerksburschen, die der Wagenführer unterwegs aufsteigen ließ, wurden lebensgefährlich verletzt. Ein Arzt aus Troisdorf, der mit seinem Kraftwagen zur Unfallstelle eilte, hätte beinahe das gleiche Unglück gehabt. Nur unter eigener Lebensgefahr gelang es dem Arzt, die drei Schwerverletzten in seinem Wagen ins Krankenhaus zu fahren. Ein Zufriedener. Auf den Kriegszügen der Perser war es üblich, daß das Heer von der Bevölkerung, wo es gerade war, verpflegt werden mußte. Als es unter Verxes nach Abdera kam, litt infolge dieser Maßregel die Einwohner schaft selbst großen Mangel und beklagte sich darüber bitter. Da empfahl ein Abderit seinen Genossen, in den Tempel zu gehen und den Göttern zu danken, daß die Perser bloß einmal des Tages zu Mittag essen, denn sonst müßten sie alle verhungern. Das Vermögen der ganzen Welt wird schätzungsweise auf 1000 Milliarden Dollar berechnet. Bilderrätsel 1 Auflöfung erfolgt in der morgigen Ausgabe. Tarnen, Spieh Sper. Fußbalt SSC. Union e. B. 1. SSC. Union— 1. SpuSp. Menden. Eine stattliche Zuschauermenge hatte sich am vergangenen Sonntag auf dem erweiterten Sportplatz am Schützenhof eingesunden um Augenzeuge des mit großer Spannung erwarteten Meksterschaftstreffens Union Schwerte gegen Menden zu sein. Der angesetzte Schiedsrichter war ausgeblieben und man einigte sich auf Schiedsrichter Michels von Sportverein 06. Mit slottem Tempo greifen beide Mannschaften in das Spiel ein, Mendens Sturm kommt gut durch und schon nach drei Minuten zappelte das Leder in Unions Maschen. Dieses ist Union zu viel. Die Hintermannschaft füttert den Sturm mit guten Vorlagen, aber derselbe weiß diese nicht zu verwerten. Nach einer geraumen Spielzeit wird Union ein Elsmeter zugesprochen, welcher mit etwas Glück durch Ehrenberg zum Tor verwandelt wird. Nach ausgeglichenem Spiele kann Union das Resultat bis zur Halbzeit auf 2:1 stellen. Nach der Pause nimmt der Gast das Zepter in die Hand und unternimmt Angriff auf Angriff auf das gegnerische Tor. Der Torwart kann in letzter Minute retten, dann wieder ein schöner Angriff der Mendener Stürmerreihe, Unions Verteidigung wird umspielt und die Partie steht 2:2. Weiterhin ist Union leicht überlegen. Durch Prachtschuß des Halblinken übernimmt Union unter tosendem Beifall der Zuschauer die Führung. Schon glaubt man an ein 3:2 der Blauweißen. Der Ball wird vom Mendener Torwart zurückgegeben und der Mittelläufer Hoffmann sendet aus ca. 30 Meter Entfernung unhaltbar den Ball ins Mendener Heiligtum ein. Noch ein kurzes Hin und Her und der Schlußpfiff des Unparteiischen ertönt. Bei Union war wie immer die Hintermannschaft die Stütze der Elf, während bei Menden der Sturm der bessere Teil war. Union landete einen verdienten Sieg und setzt sich durch diesen Erfolg an die dritte Stelle in der Tabelle. belle der 1. Beirksklasse Gruppe Oberruhr am 21. 12. 1939. Verein:. Sp. gew. unentsch. verl. Pkt. Hemer 08 6 6— 12 Neheim 08 8 2 4 2 8 Schwerte 9 2 4 3 8 Fröndenberg 6 2 2 2 6 Herdringen. 8 2. 2„ 4 3 Menden7.1 3 3 5 Iserlohn 11.. 6 1 3. 2 5 Deutsche Turnerschaft Handbal! Trotz Ersatz ein sicherer Sieg! Holzen 07 2.— Schwerter Turnerschaft v. 1868 1. 4:2(2:1). Zu dem am gestrigen Sonntag auf dem Holzener Sportplatz stattgefundenen Ortstreffen der obigen Gegner hatten sich trotz der naßkalten Witterung zahlreiche Zuschauer eingefunden, die durchaus auf ihre Kosten kamen; denn es wurde ein interessanter Kampf gezeigt, dessen Dewise„Sieg um jeden Preis" war. Während die Schwerter mit kompletter Mannschaft antraten, waren die Holzener gezwungen für Torwart, linker Verteidiger und den linken Läufer Ersatz einzustellen, so daß man ihren Sieg umso höher schätzen darf. Was die Holzener ihrem Gegner an Technik und Spielerfahrung voraus hatten, ersetzten dieselben durch ihren Rieseneiser. Die Hauptkraft der Schwerter war der Mittelläufer und die rechte Stürmerreihe; während die 07er ihre besten Leute im Innensturm hatten. Der Schiedsrichter Weinberg=Wellinghosen zeigte sich jeder Situation gewachsen und erstickte sämtliche auftretenden Härten im Keime. Gegen ½3 Uhr wurde der Ball zum Spiel freigegeben. Beide Gegner spielten sehr aufregt. Durch die Ersatzeinstellung war die Holzener Mannschaft vollständig umgestellt worden, so daß vorerst kein Zusammenhang war. In der 5. Minute kommen die Schwerter geschlossen vor und durch einen Fehler von 07°s linken Läufer können sie in Führung gehen. Der Platzverein setzt alle Register seines Könnens ein, aber alle gut vorgebrachten Angriffe gehen haarscharf am Torpfosten vorbei. Erst in der 14. Minute wird ihre Mühe von Erfolg gekrönt. Die Gäste kommen dann gut auf, aber alle Angrissse zerschellen an dem ballsicheren Schlußdreieck der 07er. Kurz vor Halbzeit kommen die Holzener zum zweiten Treffer. Nach der Pause wird der Kampf äußerst hart, blieb jedoch jederzeit im Rahmen des Erlaubten. Durch einen Straswurf erzielen die Holzener den 3. Treffer. Die Gäste ziehen jedoch immer wieder dem Holzener Tore zu und kommen auch zum zweiten Gegentresser. Der Platzverein läßt nicht nach und stellte durch ein weiteres Tor den Sieg sicher. Kl. Deutsche Jugendkraft DIK. Schwerte 1.— 2JK. Hagen=Altstadt 1. Durch Richtantreten der Hagener kam Schwerte billig zu zwei Punkten. 1. Igd. Schwerte— 1. Jugend Eckesey 5:0. Ein glänzender Austalt zur zweiten Serie. Ohne sich sonderlich anzustrengen, schickten die Schwerter den Gegner mit obiger Niedersige nach Hause. Eckesey war um eine Klasse schlechter. Gefallen konnte lediglich der Tormann, der eine höhere Niederlage verhinderte. Der Schwerter Sturm, vorbildlich von der Läuferreihe unterstützt, führte ein erstklassiges, weit auseinandergezogenes Kombinationsspiel vor, ohne dabei den krönenden Torschuß zu vergessen. Vor dem feindlichen Tor waren es immer wieder die beiden gefährlichen Halbstürmer, die uneigennützig von ihren Nebenleuten unterstützt, abwechselnd unhaltbar einsandten. Das Schlußdreick der Hiesigen brauchte kaum in Aktion zu treten. Die Leistung der Schwerter hätte ein zahlreicheres Publikum verdient gehabt. 1. Schüler Jugendkraft— 1. Schüler DT. Villigst. Auch die in letzter Zeit erfolgreichen Schüler der Jugendkraftler verbuchten in Villigst einen neuen Sieg. Boxen Eine erfreuliche Zunahme hat die Boxabteilung des Reichsbahn=Turn= und Sportvereins zu verzeichnen, da in kurzer Zeit zwölf Mitglieder neu ausgenommen wurden, ein deutliches wurde an zwei Abenden der Woche trainiert, jetzt wurde die Einlegung eines dritten Trainigsabends nötig und sind selbige wie folgt festgelegt: Mittwochs für Anfänger und Fortgeschrittene, Montags und Freitags für Kampfboxer. Ebenso wurde eine zweite Mannschaft aufgestellt. Radeport Urago der vierte Teilnehmer bei den Weihnachtsrennen in der Westfalenhalle. Auf der Suche nach dem vierten Teilnehmer für die Dauerrennen am zweiten Weihnachtstag in der Westfalenhalle, war es nicht leicht, für die erstklassigen Steher wie Möller, Dülberg und Krewer den richtigen Gegner zu finden, Sawall und Dederichs kamen nach ihren letzten Leistungen in der Westfalenhalle nicht mehr in Frage. Es blieb daher nichts anderes über, als für den vierten Teilnehmer einen Ausländer hinzuzuziehen. Ein glücklicher Gedanke ließ die Westfalenhalle mal im Lager der Nachwuchsfahrer Umschau halten und dadurch kam man auf den Holzbahnspezialisten Urago. Urago hat sich in ganz kurzer Zeit in die vorderste Reihe der französischen Steher gedrängt und zählt heute zur Extraklasse. Auf Sommerbahnen hat der junge Nizzaer auch in Deutschland bereits seine hohe Veranlagung als Steher unter Beweis gestellt. Bei seinem Debut auf der Berliner Rütt=Arena fuhr er alles in Grund und Boden. Auch im Goldenen Rad von Berlin auf der Olympiabahn war er der lebendigste Kämpfer und ließ Sawall, Thollembeck und Laquehay hinter sich. In Amsterdam setzte er seinen Siegeszug fort und schlug Schleebaum, Lacquehay, Leddy, Belekemolen u. Benoit. Auf dem Parkett der Pariser Winterbahn war er ebenfalls ein stets gefürchteter Gegner. Urago kan für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, in seiner kurzen Steherlaufbahn schon sämtliche Spezialisten der Pariser Winterbahn geschlagen zu haben. Auch die Dortmunder Holzlatten sind dem Nizzaer nicht so ganz unbekannt. Wenn auch nicht als Steher, so aber doch als Mannschaftfahrer. Sein guter zweiter Platz mit D.=Martini hinter DinaleTonani im Dortmunder 25=Stundenrennen ist noch nicht in Vergessenheit geraten. Neben seiner Zähigkeit, versügt der Franzose auch über eine gute Portion Spurtvermögen, was ihm bei den kurzen Läufen über 25 Kilometer besonders gut zu passen kommen wird. Bei dem Kampf der Matadore Möller, Dülberg, Krewer um die Vorherrschaft kann daher der Franzose leicht der lachende vierte sein. Die Schrittmacher im Großen Weihnachtspreis in der Westfalenhalle. Bei der großen Bedeutung der Steherrennen am 2. Weihnachtstage in der Westfalenhalle ist es selbstverständlich, daß die vier Vertreter der internationalen Extraklasse, Möller, Dülberg, Krewer und Urago mit den besten zur Verfügung stehenden Schrittmachern den Kampf aufnehmen. Erich Möller hat sich wieder mit dem Amerikaner Carman zusammengetan, nachdem er eingesehen hat, daß er hinter ihm am besten aufgehoben ist. Möller ist mit Carman noch nie in Dortmund geschlagen worden, ein Zeichen dafür, daß keiner die Dortmunder Holzbahn so gut kennt wie der AmeriZeichen, daß man im Reichsbahn=Turn= und kaner. Franz Dülberg, der tüchtige Dortsportverein mit allem Ernst diese Sportart; munder Junge aus Dollaramerika, der Möller vertritt. Die neuen Faustkämpfer verteilen sich auf fast allen Gewichtsklassen bei den Senioren sowohl als auch bei den Junioren. Bisher zum Duell aufgefordert hat, fährt natürlich mit dem Dortmunder Hausschrittmacher Geppert unter dem er sein Stehermetier gelernt hat. Man braucht also um den Dortmunder nicht besorgt zu sein. Paul Krewer hat sich die Dienste von Max Bajorath, Berlin, zugesichert.“ Der Berliner zählt zur besten Klasse der deutschen Schrittmacher und ist als großer Taktiker bekann. Da„Indi“ auf der Suche nach seinem ständigen Schrittmacher ist, wird sich Bajorath besonders anstrengen. Der französische Meister Urago, Nizza, hat sich mit dem Berliner Walter Gedamke verbunden, der den Sündsranzosen ständig in Paris führte. Es wird also am 2. Weihnachtstage der Kampf der Schrittmacher ebenso interessant sein wie das Treffen der großen Steher. Die das große Steherprogramm umrahmenden Amateur=Wettbewerbe haben ein großes Meldeergebnis gefunden. Das Mannschafts=Omnium wird besonders großen Sport bringen, da hier die zurzeit stärkste Amateurklasse Deutschlands sich am Start einfindet. Die drei Dortmunder Mannschaften Vopel— Korsmeier, Senge— Ungethüm u. Cieszinski— Sagurna haben noch eine alte Rechnung mit den Kölnern Zims— Perelger zu begleichen. Die gerissenen Kölner werden aber sicherlich alles versuchen, um sich in Dortmund wieder gut aus der Asfäre zu ziehen. Das Omnium, das aus Fliegerläufen, einem Punktefahren und einem Mannschaftsverfolgungsrennen besteht, dürfte allen Freunden des Radsports einen besonderen Genuß bieten. ha. Entschädigung und Unterstützung. Ueber die Entschädigung von Taba'verarbeiter und die Unterstützung der Beschäftigten haben die Reichsminister der Finanzen und Arbeit eine Verordnung bekanntgegeben. Anspruch auf Entschädigung nach der Verordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 1. Dezember 1930 haben nur Tabakverarbeiter, die nicht ausschließlich Zigarren herstellen, sofern sie mindestens 6 und 3 Monate unmittelbar vor dem 1. Dezember Rauchererzeugnisse hergestellt haben. Der Antrag muß bis zum 31. März eingereicht werden. Der Anspruch ist nur zulässig, wenn die Herstellung vom 1. Dezember bis 31. März als unmittelbare Folge der neuen Verordnung eingestellt werden mußte. Näher erläutert wird die Zahlung, Höhe und Dauer der Entschädigung sowie das Verfahren. Bis zum 30. November beschäftigt gewesene Angestellte und Arbeiter erhalten eine Unterstützung, wenn sie durch die genannte Verordnung arbeitslos geworden sind. Geregelt wird ebenfalls die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, sonstige Voraussetzungen für die Unterstützung, Beginn, Dauer und Höhe sowie das Verfahren. Was hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 24. Dezember 1930. 07,00: Morgenkonzert. 08,00: Mutter und Kind. 10,15: Schallplattenkonzert. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Die Reichspost hat das Wort. 14,45: Weihnachtsbräuche in Rumänien. 15,15: Weihnacht. 17,00: Christkinds Erdenreise. 18,15: Orgelkonzert. 18,35: Geläute der Deutschen Glocke am Rhein. 18,50: Soester Gloria. 19,15: Bescherungspause. 21,00: Einsame Musik. Eine fromme Lüge Weihnachtsskizze von Wolfgang Federnau. Gegen Mittag kam die Reinmachfrau, um sich ihren bunten Teller und ihr Geschenk abzuholen. Die kleine Mascha war auch in der Küche. Sie hatte beim Kuchenbacken geholfen, indem sie die Teigschüssel auskratzte. Ueberhaupt in der Küche war es schön! Es duftete dort nach so vielen guten Dingen, es roch so wunderbar nach Weihnachten wie in keinem anderen Raume der Wohnung. Mascha war quirlich und aufgeregt und ganz aus dem Häuschen. Verständlich genug. Schließlich trennten sie nur noch fünf oder sechs Stunden von der Bescherung, und sie konnten den großen Augenblick kaum erwarten. Sie zählte der Reinmachfrau alles auf, was sie sich gewünscht hätte, und fragte sie, ob sie wohl glaube daß der Weihnachtsmann ihr auch alles bringen werde. Die Frau nickte lächelnd:„Ja— ja!" Denn sie wußte, wie sehr die Eltern ihe einziges Kind verwöhnten und daß ihm kaum je eine Bitte versagt wurde. Mascha klatschte vor Freude in die Hände. Sie war jetzt acht Jahre alt, und elf Monate im Jahre leugnete sie die Existenz eines Weihnachtsmannes. Aber am ersten Advent begann dieser: Glaube in ihrem kleinen Seelchen wieder Wurzel zu fassen. Zweifel warfen sie während der folgenden Wochen hin und her; am Heiligen Abend jedoch stand ihre Ueberzeugung, daß es so etwas gebe wie einen Weihnachtsmann, selsenfest und ließ sich bis Silvester nicht mehr einschüchtern. Plötzlich jedoch wurde Maschas Gesicht ernst und nachdenklich. Sie sah die abgeschabte, geflickte, kümmerliche Kleidung der Frau, ihr verhus=lles, verarbeitetes und saltenreiches Gesicht. Eine Frage wehte sie an.„Und Du?“ meinte Mascha, nach der Hand der Alten greisend.„Und Du?“ „Was— und ich?“ fragte die Fran ganz erstaunt. „Ich meine", flüsterte Mascha, verlegen mit ihrem Schürzchen spielend,„was wirst Du chachen, heute abend? Hast Du auch einen Christbaum und— na, und das alles?...“ „Natürlich— natürlich“, nickte die Frau überstürzt und wurde ein bißchen rot dabei. „Einen schönen, schönen Christbaum, mit sehr vielen Lichtern daran und Engelshaar und bunten Glaskugeln und allem, was dazu gehört.“ „Auch groß?... Bis zur Decke?" bohrte die Kleine. „Nein— so groß natürlich nicht", überlegte die Alte.„Sieh' mal, Kindchen— ich bin ja eine alte Frau, ganz allein. Da brauche ich keinen so großen Baum. Keinen, der von der Erde bis zur Decke reicht. Mir genügt einer, der auf dem Tisch steht. Das ist auch sehr schön, nicht wahr? Da setze ich mich davor, lasse die Lichter brennen, beschau, was mir das Christkind beschert hat, und bin ganz glücklich.“ „Aber Dein Mann— hast Du keinen Mann?...“ „Schon, schon...“ Das heißt, er hat mich verlassen, vor Jahren schon. Er ist gestorben. Aber sein Bild hängt über meinem Bett. Einen Kranz aus Tannenzweigen habe ich darum gelegt. Und so ist er im Geiste neben mir, freut sich mit mir am Glanze der Lichter.“ Aber Mascha gab sich nicht zufrieden.„Aber dann ist noch der erste Feiertag— und der zweite. Und Du kannst doch nicht immer so vor dem Baum sitzen, all die Tage— so ganz allein.“ „Nein, Kleines. Natürlich nich. Tu ich ja auch nicht. Da ist doch meine Tochter, die Cristine. Bei der bin ich am ersten Feiertag— weißt Du, die hat einen Mann, einen tüchtigen Mann, und zwei Kinderchen. Wunderhübsche Kinder, Junge und Mädchen— ein Zwi###ngs: pärchen. Die haben mich alle so lieb. Und gut geht es ihnen auch. Da bin ich also am ersten Feiertag schon vom Morgen an. Gänsebraten gibt's mittags, hat mir meine Tochter sagen lassen. Und die Kinder sind schon närrisch vor Freude, ihre alte Oma bei sich zu sehen. Und am zweiten Weihnachtstage— ja, da ist doch mein Sohn, der Rudolf. Den müßtest du mal sehen. So groß ist er und so fein. Weit gebracht hat er es mit jungen Jahren— er wird bald sein eigenes Geschäft haben. Gut geht's ihm — sehr gut. Sogar geheiratet hat er vor kurzem, eine Frau, wie ein Engel so schön. Bei dem also bin ich am zweiten Tage. Sie haben einen Hasen gekauft, schrieb er mir, und er würde ihnen gar nicht schmecken, wenn ich nicht dabei wäre. Da geht man denn schon hin. Wenn man auch alt und bereits ein bißchen steif ist. Und eigentlich ganz gern mal einen Tag zu Hause sitzen möchte und ausruhen.“ „Ja— da mußt du gehen“, sagte Masche und klatschte in die Hände.„Das ist sein, daß du Kinder hat und Enkel. Ich möchte sie gern sehen, die Zwillinge, und mit ihnen spielen.“ „Vielleicht bringe ich sie mal her", lächelte die Frau, um sich dann mit vielen Dankesworten von Maschas Mutter zu verabschieden. Sie mußte noch in einem anderen Hause helfen. Es gab so viel zu tun vor den Feiertagen. Reichlich spät kam sie nach Hause. Schleppte sich, todmüde, die vier Treppen nach ihrem kalten, dürftigen Dachkämmerchen empor. Aber kein Tannenbaum war da, kein noch so kleiner. Ein paar Zweige nur standen in einer alten, halb zerbrochenen Vase. Mit zitternden Händen steckte die Alte das einzige Lichtchen an und setzte sich dann in den abgeschabten Korbstuhl. Kein bekränztes Bild hing an der Wand— denn diese Frau hatte nie einen Mann gehabt und nie das Glück der Mutterfreuden erfahren dürfen. Ein einsames, altes, verarbeitetes Jüngserlein war sie. Keinen Menschen auf der weiten großen Welt gab es, der heute ihrer gedacht „Warum log ich eigentlich so, heute mittag?“ siel es der Frau plötzlich ein, da sie vor sich hinstarrte, viel zu müde, ihre kleinen Geschente auszupacken. Und gleich darauf lächelte sie— ein merkwürdiges, wunderschönes Lächeln.„Sie wäre traurig gewesen, die kleine Mascha, wenn sie erfahren hätte, wie ich Weihnachten verbringen muß", dachte sie.„Und Kinder sollen an einem solchen Tage nicht traurig sein.“ Und da war es, als ob ein Schimmer, ein ganz zarter Abglanz dieses Festes der Liebe durch ihre Seele zöge. Als begriffe sie im Herzen seinen tiefsten, allertiefsten Sinn. Und sie war beinahe glücklich, diese alte, einsame Frau... Städte mit über 1 Million Einwohner gibt es 22 auf der Erde. Eine Siedlung im Krater des Vulkaus. Vor kurzem hat eine wissenschaftliche Expedition in Neuguinea den Gipfel eines erloschenen Vulkans bestiegen und hierbei eine menschliche Niederlassung entdeckt, welche Anspruch erheben darf, als eine der merkwürdigsten der Welt betrachtet zu werden. Als man in die Tiefe des Kraters blickte, bemerkte man in etwa 700 Meter Tiese am Grunde einen See, in dem deutlich Pfahlbauten zu erkennen waren. Ein Abstieg erwies sich mit Rücksicht auf den Mangel an Leitern, Selen usw. als undurchführbar. Mit Ferngläsern konnte man sich aber überzeugen, daß das merkwürdige Pfahldorf tatsächlich bewohnt ist. Jetzt ist man dabei, eineneue Eredition auszurüsten, um in den Krater zu steigen und mit dessen Bewohnern in Verbindung zu treten. Die Entdecker dieser seltsamen Siedler sind der Ansicht, daß diese ein von der Arbenwelt vollkommen abgeschlossenes Dasein führen= und versprechen sich von einem Desuche dort unten sehr interessente Ausschlüsse über Lebensweise und Herkunst dieser modernen Pahlbauer. Tote Augen Copynain 8 Martin Feuchtwunger Halle Saale 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er bedeckte sein ergrautes Haar mit dem Hut und ließ de in tieser Verwirrung zurück. Lange stand sie auf derselben Stelle. Kommen wollte er... Eine Geschichte erzählen—— Er— ihr! Und sie kaunten sich doch kaum... Jebetaght!“ „Und Schweigen!“ Der Polizeileutnant des Reviers Montmartre schritt die Treppe des Boulevard=Hotels binauf, in dem der reiche Russe Terbezuow Wohnung genommen hatte. Ein Diener eilte ihm mit der Meldung voran. Wieland empfing den Leutnant mit der kalten Höflichkeit, die ihn wie ein Eismantel umgab. Er nötigte zum Platznehmen, aber der Leutant blieb in streng militärischer Haltung respektvol stehen. „Mein Herr, wir haben Ihnen zu danken. Die Razzia der gestrigen Nacht ist ungemein ergiebig gewesen. Ihre Angaben, mein Herr, sowie die Unterstützung Ihres Dieners haben uns eine Anzabl stark Verdächtigter. gamentlich aber einen Schwerverbrecher in die Hände geliefert. Ihr Diener hat ihn als einen gewissen Senteck bezeichnet. Er ist festgenommen— allerdings erst nach so wütender Gegenwehr, daß er buchstäblich niedergeschlagen werden mußte. Der Bursche scheint ein langes Konto zu haben“, fügte er hinzu. „Das hat er!“ murmelte Wieland, ohne verstanden zu werden. Der Leutnant fuhr fort: „Da, wie gesagt, die Festnahme nicht ohne Gewalt erreicht wurde, die Verletzungen, wenn auch nicht unbeding: lebensgefährlich, immerhin doch schwer sind, habe ich die Ehre, Ihren Auftrag umgehend zu erfüllen: ich din gekommen, mein Herr, um Sie zu dem Verhafteten zu führen.“ „Ich danke Ihnen, Herr Leumant! Gehen wir also. Wieland entuahm einem Schubfach eine Ledertasche, die er zu sich steckte. Dann berührte er die Klingel. „Deu Wagen!" befahl er dem elntretenden Diener. In kurzer Zeit waren sie vor dem Untersuchungsgefängnis angelangt... Neden dem Führer des Wagens saß Liberty. „Ich biete, dier, mein Herr!“ Der Leutnant schritt voran, der Krankenzelle zu. Durch Wielands Gestalt ging kurz und schnell ein Beben... Erstickend quoll ihm die allen Gefängnissen eigentümliche, muffige Kellerluft entgegen— Der Schließer rasselte mit den Schlüsseln— tnarrend öffnete sich die Tür— leises Klirren von Ketten— Auf dem Lager warf sich eine gefesselte Gestalt herum. drobte mit den gefesselten Händen— „Wir mußten ihn trotz der Verletzungen schließen", sagte der Leutnant.„Er gefährdete die Wächter. Sie wünschen mit ihm allein zu bleiben, mein Herr?“ „Zunächst ja. Ich bitte jedoch, den Herrn Staatsanwalt und Untersuchungsrichter zu benachrichtigen Der Gefangene dürfte ein Geständnis ablegen wollen.“ Der Leutnant blickte ihn verwundert an. „Er hat bis jetzt die Aussage verweigert.“ Wielands Züge überflog ein rätselhaftes Lächeln. „Er wird sie nicht mehr verweigern— später.“ Der Offizier verbeugte sich schweigend. „So darf ich Sie jetzt verlassen?" „Ich bitte darum. Noch eins: Mein Diener wartet im Wagen. Er wird als Zeuge benötigt werden.“ Die Tür fiel zu— draußen nahm ein Posten Aufstellung. Unbeweglich verharrte Wieland in seiner aufrechten. starren Haltung. Unverwandt hafteten seine Augen auf dem Gefangebr!„ 4ans! Die gefesselten Hände— das keise Rellenturren— so wohlbekannt, so grausig wohlbekannt— Aus tiefster Brust kamen Worte— Gebete: Gott! Gott! Du hast gesagt:„Mein ist die Nache. Ich will vergelten!“ So hast du gesprochen. Gon! Aber laß mir, der ich jetzt frei und reich vor diesem Elenden stehe, die Gewißheit, daß du mich zu deinem Werkzeug irdischer Vergeltung— und gerechter Strafe ausersehen hast.“ Der Gefangene hatte sich mühsam aufgerichtet. Der weiße Kopfverband schimmerte aus dem Dämmerlicht der Zelle. Heiser und abgerissen rief er zur Tür hinüber: „Wer sind Sie? Und was wollen Sie hier?“ Wieland trat einige Schritte näher... „Wenn Sie der Staatsanwalt sind, so können Sie sich die Mühe sparen. Ich habe nichts zu gestehen... Meine Verhaftung ist ein schmählicher Ueberfall— ich wiederdole es: Ich habe nichts zu gestehen...“ Wieland trat an das Lager... Vor diesem düsteren, schweigenden Antlitz, der in der niedrigen Zelle drodend und übergroß erscheinenden Gestalt kroch der Gefangene furchtsam zusammen... Stotternd, heiser, wiederholte er: „Ich— habe— nichts— zu gestehen—“ Da sprach Wieland langsam: „Nichts, gar nichts zu gestehen? Stanislaus Senteck?“ Mit einem Ruck saß der Gefangene aufrecht. „Was nennen Sie denn da für einen Namen?“ „Ihren Ramen! Als Seuteck begingen Sie Ihre Verbrechen in Deutschland und Rußland— unter falschem Namen häuften Ste hier in Paris neue Verbrechen auf die alten— bis die Gerechtigkeit Sie ereitte. Ihr früberer Spietgeselle, der sie bereits monatelang umlauerte, überUeferte sie dem Gericht.“ „Spießgeselle? Ich hatte keinen—“ Sie hatten einen! Einen, den Sie töten wollten, den aber Gottes Hand errettete, damit er seiner Gerechtigket: diene." MMit einem Ruck war der Gefangene von dem Lager auf. schwankend hielt er sich am Bettrand fest. „Wer sind Sie, der Sie so sprechen? Der Richter?“ „Ankläger und Richter zugleich“, tönte die unerschütterliche Stimme. Der Gesangene suchte ihm nahe zu kommen— aber seine Kuten brachen— er streckte die Hände aus... „Wer sind Sie?“ Da beugte sich die hohe Gestalt seines Besuchers zu ihm nieder... „Blicke mir in das Gesicht, Stanislaus Senteck!“ Der starrte— starrte— hob die gefesselten Hände— Ein röchelnder Schrei! „Wieland! Wieland!“ Er stürzte wie gebrochen auf das Beit zurück. „Die Toten! Die Toten stehen auf In sein tierisches Heulen und Winseln sagte eine Stimme: „Nicht alle, die du gemordet hast! Meine Mutter und meine Braut schlafen den ewigen Schlaf. Ich aber, aus Kerternacht errettet, stehe vor dir, als dein Ankläger und Richter!“ Richts antwortete ihm als ein heulendes, röchelndes Wimmern. „Willst du bekennen, Stanislaus Senteck?“ „Lüge! Lüge! Ich habe nichts zu bekennen!“ „Draußen steht Liverty bereits als „Schuft! Schuft!“ „Die Akten des Polizeipräsidiums Donnerssels sind in meiner Hand, wie auch die mir gestohlenen Pläne des Schloßdaues.“ „Wer will behaupten, daß es nicht die meinen sind?“ „Ein Hest, das die Originale enthielt, ein Geschenk an meine Braut, der dieses Heft auf ihrer Todesfahrt in die Irrenanstalt von Liberty unterwegs gestohlen wurde.“ „Schuft! Schuft! Ah. Teufe!! Warum kam der Fürst zu früh zurück?“ Er bäumte sich hoch auf in maßloser Wut. Dann lag er schweratmend still. „Wollen Sie jetzt ein Bekenntnis ablegen? Sie sind zu Aug, um nicht zu wissen, daß Ihnen kein Leugnen hilft.“ Wieland erhielt keine Antwort. Noch eine düsteren Schweigens... Er ging zur Tür. die unverschlossen geblieben war, und winkte der Wache. Als er zurückkam, starrte ihm vom Bett ein diavolisch verzerrtes Gesicht entgegen Grinsend. mit abscheulich wirkender Höflichkeit, sagte Senteck: „Wenn Sie denn soviel zu wissen glauben, so wird Ihnen auch bekannt sein, daß ein gewisser Maler Urban einer der Hauptbeteiligten war.“ „Ich weiß es“ „Ha. Sie wissen es?“ „Ich weit alles.“ „Teusel! Den Kerl lassen Sie entwischen, und ich werde von dem verdammten Polizisten breitgeschlagen!" „Keiner, der schuldig ist, entkommt! Die Vergeltung läßt wohl manchmal kürzere oder längere Zeit auf sich warten— aber eines Tages ist sie da.“ Gleich einer düsteren Prophezeiung verklang die Stimme an den düsteren Wänden der Krankenzelle. Der Gefangene lag mit geschlossenen Augen da. Die gefesselten Hände lagen geballt auf der keuchenden Brust Schritte näyerten sich der Tür. Der Untersuchungsrichter, gefolgt von Staatsanwalt. Protokollführer und Potizeileutnant, traten ein Liverty wartete zwischen der Wache des Rufes als Zeuge. Mit ausgesuchter Höflichkeit begrüßte der Richter Wieland. „Es ist Ihnen also gelungen, mein Herr, den Gefangenen zu einem Geständnis zu veranlassen?“ „Jedenfalls befindet sich so viel und unansechtbares Beweismaterial in meiner Hand, daß ein mündliches Geständnis sich erübrigen dürfte, falls der Gefangene es noch verweigern sollte Hier". Wieland legie die Ledertasche auf den Tisch,„hier die Akten, nach Aussagen des Zeugen Liverty. von der Fürstlich Donnersselsschen Polizeiverwaltung seinerzeit aufgenommen. Es dürfte ratsam und vereinfachtes Verfahren sein, dem Gefangenen in Gegenwart des Zeugen Liberwy das Protokoll vorzutragen. Ein wichtiges Beweisstück ist gleichfalls in meiner Hand. Diese Akten schließen mit der Flucht des Senteck aus Donnerssels. Von dort habe ich selbst seine Spur bis nach Paris verfolgt Ueber seine weiteren Vergehungen hier, namentlich im Montmartre. viertel, habe ich meine Angaben dem Herrn Polizeileutnan: bereits gemacht. Seine Aburteilung hierüber dürfte mit den Interessen der Akten aus Donnerssels nichts gemein haben als eine Charakterisierung des Gefangenen.“ Der Richter nahm die Akten. „Wir sind Ihnen. mein Herr, zu großem Dank verpflichtet.“ Dann fuhr der Richter fort:„Wir werden mithin die Vorlesung des Protokolls beginnen. Es liegt den in russischer Sprache angefertigen Akten eine beglaubigte französische Uebersetzung bei.“ „Gut! So erübrigen wir des Dolmetsch“, erwiverte der Staatsanwalt Er winkte der Wache. „Der Zeuge Liberty!“ Der Gefangene, der bis jetzt mit geschlossenen Augen dagelegen, richtete sich bei Nennung dieses Ramens ein wenig auf. Der Blick einer wilden, umstellten Bestie schoß zu Libertv hinüder. „Schuft! Schuft, verfluchter!— Lüge! Lüge!“ Liverto sprang wie eine wilde Katze zu ihm bin. „Was! Lüge? Du Schurke, du Mörder, der du mich auch umbringen wolltest?“ Er bog seine Finger zusammen wie Krallen. Eine Sekunde später— und sie schlossen sich um Sentecks Kehle. Ein gevieterischer Ruf seines Herrn hielt ion zurück. Mörder!“ zischte er, den Kovf zurückgewandt. „Rude!“ Das Protokoll wurde entsaltet, langsam und deutlich vorgetragen. Wieland lehnte in der dämmerigen Ecke der Zelle an der Wand— unbeweglich, die Augen weit geöffnet, hinausblickend über Zeit und Raum. Bild um Bild, eines grausiger als das andere, stieg herauf. Bis hierher in diese Zelle, in der er, der das Opfer werden sollte, als Rächer und Richter vor dem Verbrecher stand. Das letzte Wort des Protokolls war verlesen. Die Gerichtspersonen sahen sich mit einer Art Schrecken an. Des Staatsanwalts Blicke suchten Wieland in der Dämmerung der Zelle. „Mein Herr, wünschen Sie zuerst den Angeklagten zu befragen?“ Friedrich Wieland trat heran. Er war so bleich, daß der Staatsanwalt erschrak. „Ich möchte alles Weitere Ihnen, Herr Staatsauwalt, überlassen. Nur noch dieses Beweisstück...“ Er zögerte sekundenlang, dann legte er das Heft mit den Originalzeichnungen in des Staatsanwalts Hände. Liverty kam aus einen Wink heran. „Erkennen Sie dieses Buch als dasjenige, das Sie der Frau auf der Fahrt nach der Anstalt entwendet haben?“ „Es ist dasselbe.“ „Angeklagter, was haben Sie zu dieser Anklageschrift zu sagen?“ „Nichts.“ „So bekennen Sie sich schuldig der Mordversuche, des Verrats und ehrloser Anschuldigung?“ Keine Antwort.— Der Gefangene warf einen wilden. gehetzten Blick um sich. Er antwortete nicht. Nun fragte feierlich eine Stimme: „Stanislaus Senteck! Bekennen Sie sich schuldig?— Sprechen Sie, Angeklagter!“ Da ging das alte, teuflische Grinsen über sein Gesicht. „Was haben Sie zu sagen?“ „Wenn Sie mich an den Galgen bringen können, sos der Maler Urban mir Gesellschaft leisten.“ Als Antwort klang es, während düsteres Lächeln Wielands Mund umzog, von dessen Lippen: „Du bist der erste!— Warte!“ Senteck starrte ihn wuterfüllt an, schloß die Augen und sprach kein Wort mehr. „Die Schuld des Angeklagten, hervorgehend aus diesem Aktenmaterial, dürfte erwiesen sein und ein erschreckendes Urteit über sein Vorleben zulassen. Ueber seine Versehlungen in Paris— Zuhälterei, Raubüberfälle, Hochstapelei— liegen gleichfalls einwandfreie Beweise und Angaben vor. Für diese unseren Gerichten zustehende Aburteilung genannter Vergehen wird eine morgige Sitzung anberaumt.“ Der Staatsanwalt wandte sich zu Wieland: „Wir bieten Ihnen im ferneren Verfolg dieser Sache unsere Hilfe an, mein Herr.“ „Nehmen Sie meinen Dank! Alles weitere ist zunächst Privatangelegenheit.“ Schriftstücke und Weras Heft wurden ihm wieder ausgehändigt. Die Gerichtspersonen wandten sich zum Gehen. Wieland warf noch einen letzten, düsteren Blick auf den Gefangenen; er wandte sich hinweg. Da schlich sich, wie eine Katze, Liberty zurück nach dem Bett. Haßerfüllt zischte er Senteck zu: „Die Fürstin war mit dabei, als sie mich aus der Totenkammer gezogen haben. Stervenskrank ist sie vor Schreck geworden... Das hast du auch verschuldet, du— du! Verwünscht haben sie dich alle miteinander. Und daß du's nur weißt, die Fürstin hat gesagt:„Ich habe immer eine ganz niedrige Natur in ihm vermutet, und konnte nicht begreifen, wie ein solcher Mensch ein so herrliches Kunstwerk schaffen konnte. Er hat ein furchtbares Verbrechen begangen und wird furchtvar gestraft werden. Gottes Fluch wird ihn treffen— Senteck ist ein Verruchter!“— Das hat sie gesagt.“ Wieland winkte ihm. Er folgte ihm sofort. Seine Rache hatte er gehabt. Das mit der Fürstin, das hatte getroffen. Was schadete die kleine Lüge dabei. Die Tür schloß sich Der Gefangene blieb allein. Niemand hörte mehr seinen tierisch brüllenden Schrei, der in ein langgezogenes Wimmern überging. Er war ein Verruchter, den Gottes Fluch und furchtbare Strafe treffen würde!— So hatte die angebetete Frau gesagt. Ste verabscheute und verwünschte ihn. Röchelnd wand er sich anf seinem Lager— zerschlagen, gebrochen. Bisher glich er einem gehetzten Tier, dem gerade die Verfolgung neue Energie. Hoffnung auf Fluchtgelegenheit, auf Entkommen gab. Er hatte mit Entsetzen Totgeglaubte als unerbittliche Ankläger vor sich gesehen— aber ohne Neue. Er hatte soeben das furchtbare Schuldkonte angehört, mit tobender Wut, mit zunischem Haß, daß doch noch alles an den gekommen— aber ohne Neue. 0 Denn während die grauenhafte Anklage auf ihn niederprasselte, jedes Wort wie eine Kugel, suchte sein verwilderter Geist bereits neue Schliche. Wege und Möglichkeiten... Flucht! Wenn nicht heute, so vielleicht morgen! Er gab sich nicht verloren... Er fühlte keine Neue! Nur Nache! Nache! Fressende, unauslöschliche Nache! Keine Neue! Haß! Nachgier! Tovende, zerfleischende Wut!— An Liverty, den die Hölle ausgespien! An Wieland, den das Grab zurückgegeben! Bis unter Lidertys Worten in einem gräßlichen, grellen Licht das Ende seines falschen Ruhmes, gestohlener Anerkennung und Bewunderung, seiner zersetzten Eitelkett vor ihm aufblitzten Gersichung feigt.