Die„Schwerter Zeitung" erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Zeitung Nucton gute ie de chtestget. umdte 8 Va, umerlige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., Reklamezeile 40 Pf: Iur telefon aufgegedene Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorbergesehn. Betriedsstörungen, hervorgerufen durch dödere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboben werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Schwerte(Ruhr), Montag, Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn K den 22. Dezember 19. 63. Jahrgang Die Oberschlesien=Fahrt Curtius Die Vulkankatastrophe auf Sumatra Dei Reichsaußenminster Dr. S“S.::. 4 S. 4osausen Berlin, 21. Beg. Reichsaug##nmgseg. Dr. Curtius stattete in Fortsetzung seiner Informationsfahrten nach dem deutschen Osten am Wochenschluß Oberschlesien einen Besuch av. Iu seiner Begleitung befanden sich u. a. der bisherige deutsche Generalkonsul in Kattowitz, Freiherr von Grünau, in Gleiwitz trat auch der deutsche Konsul Illgen vom Kattowitzer deutschen Generalkonsulat zur Begleitung hinzu. In Oppeln wurde der Minister vom Oberpräsidenten Dr. Lukaschek begrüßt. Der Minister begab sich zunächst in das Haus„Oberschlesien“, wo die erste Fühlungnahme mit den Vertretern der oberschlesischen Bevölkerung stattfand. Gruß an die Oberschlesier. Dr. Curtius hat aus Anlaß seiner Oberschlesien=Reise der oberschlesischen Bevölkerung durch die„Ostdeutsche Morgenpost“ folgenden Gruß übermitteln lassen: Es ist mir ein Bedürfnis, dem schwer ringenden Grenzland Oberschlesien einen Besuch abzustatten. Die Leiden, die die Bewohner des uns entrissenen Gebietes während der vergangenen Monate zu erdulden hatten und die bei der engen Verbundenheit mit dem Mutterland auch die Geduld der Bevölkerung Oberschlesiens auf eine harte Probe stellten, haben die Reichsregierung in ihrem Bestreben, den Schutz der deutschen Minderheiten zu sichern, aufs neue bestärkt. Die Deutschen diesseits und jenseits der Ostgrenze dürfen versichert sein, daß es mein heißes Bemühen sein wird, den Völkerbundsrat von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß den geschädigten und mißhandelten Deutschen in Polen volle Gerechtigkeit widerfährt und daß die durch den Vertrag: zugesicherte Schutzpflicht nicht weiter verletzt; werden darf. Ich freue mich, durch meinen Be; such zum Ausdruck bringen zu können, daß ich mich der Provinz Oberschlesien, die ich heute zum ersten Male betrete, nicht nur politisch, sondern auch menschlich auf das engste verbunden fühle. Sparerlaß an die Reichswehr enb. Berlin, 21. Dez.(Eig. Meld.) Der Reichswehrminister hat, den Blättern zufolge, in einer Verfügung auf Veranlassung des Reichsfinanzministers zu peinlichster Beachtung in Erinnerung gebracht, daß die Betriebsmittel nicht unnütz oder vorzeitig in Anspruch genommen werden dürfen. Kassenvorräte in barem Gelde sind nur in Grenzen des dringendsten Bedarf zu halten.— Für Auszahlungen zur Erfüllung von Verpflichtungen des Reiches oder zur Aufrechterhaltung vom Reich unterstützter Anstalten ist gewissenhaft zu prüfen, ob die Auszahlung in dem beabsichtigten Zeitpunkt notwendig ist. Jede vorzeitige Entnahme oder Inanspruchnahme von Reichsgeldern ist verboten. Außerhalb der Reichskasse, z. B. bei Banken, sind Guthaben der Heeresdienststellen (Amtskassen) nur in soweit zulässig, als es durch die örtlichen Verhältnisse zwingend geboten ist. Reich und Thüringen enb. Berlin, 21. Dez.(Eig. Meld.) Zu den Vergleichsverhandlungen in dem Konflikt Reich gegen Thüringen, die auf Anregung des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Bumke am Montag in Leipzig stattfinden sollen, werden sich, wie die Vossische Zeitung berichtet, als Vertreter Thüringens der Finanzminister Baum, der Vorsitzende des Staatsministeriums, und Ministerialrat Guyet, der Leiter der Polizeiabteilung im thüringischen Innenministerium, nach Leipzig begeben.“ Das Blatt nimmt an, daß die Leipziger Besprechung zur Verständigung führen und die Weiterführung des Prozesses überflüssig machen wird. Ständiges Anfteigen der Zahl der Lobesopfer wtb. London, 20. Dez. Zu einer Meldung, wonach Professor Werner Borchardt vom Tropenhygienischen Institut in Hamburg mit seinem Assistenten in einen Krater des Vulkans Merati auf Java gestürzt und dabei ums Leben gekommen sei, liegen hier neuere Nachrichten aus Batavia vor, die den Tod des Forschers in dieser Form nicht bestätigen. Professor Borchardt hat danach vor etwa 10 Tagen gegen den Rat der örtlichen Behörden seine Expedition zur Erforschung des Merati angetreten. Seitdem fehlt jede Nachricht von ihm. Die Truppen, die ausgesandt worden waren, um ihn zu suchen, sind nach mehreren Tagen ergebnislos zurückgekehrt., Pafassa Ein eingeborener Führer, der Professor Borchardt begleitet hatte, ist in völlig erschöpftem Zustande zurückgekehrt. Er sagte aus, er sei nach einem kleineren Ausbruch des Vulkans geflüchtet. Man befürchtet, daß Professor Vorchardt das Opfer dieses Ausbruches geworden ist. Eine spätere Reutermeldung aus Batavia besagt, daß Professor Borchardt nicht von seinem Assistenten, sondern von zwei Eingeborenen begleitet war. Als der Ausbruch des Vulkans erfolgte, flüchtete Professor Borchardt und der eine Eingeborene, der bei ihm geblieben war, talwärts. Der Eingeborene warnte auf diesem Wege Professor Borchardt, ein benachbartes Tal zu betreten, dieser ließ sich aber nicht zurückhalten und der Eingeborene sah ihn hinter einem Felsvorsprung verschwinden, während er selbst seine Flucht fortsetzte. Feuer fließt aus der Erde. wtb. Batavia(Java), 20. Dez. Die Ausbrüche des Vulkans Merati sind seit zwei Tagen besonders heftig. Ungeheure Rauchsäulen steigen aus dem Krater auf, und die Dörfer und Wälder an seinen Abhängen stehen in Flammen. Selbst in großer Entfernung von dem Vulkan fällt Asche nieder, die sich mit dem Regen zu einer schlammartigen Masse vermischt. Die Einwohner der Dörfer wurden von einer Panik erfaßt und flohen in die Städte. Im Umkreise des Vulkans gehen täglich schwere Gewitter Ade... Sestaute 300 Tvvrropser wtb. Amsterdam, 21. Dez.(Eig. Rundf.= Meld.) Aus Niederländisch=Indien heute hier eingetroffenen Nachrichten zufolge ist die Zahl der Todesopfer beim Ausbruch des Vulkans Merati auf ungefähr 300 gestiegen. Der Lavastrom ist immer noch nicht zum Stehen gekommen und man befürchtet, daß noch mehr Menschen ums Leben gekommen sind. Dampfers„George Washington“ mit dem dänischen Motorschiff„Malaya“, Menschen nicht zu Schaden gekommen. Der Dampfer hat, wie gewöhnlich, am Roßkai festgemacht, die Passagiere sind sämtlich gelandet und mit der Löschung der Ladung ist begonnen worden. Awel Lumpfer= sloßen zufummen 10 Passagiere vermißt Frühere Senkung der Postgebühren geplant enb. Berlin, 21. Dez.(Eig. Meld.) Aus Kreisen des Reichspostministeriums erfahren wir, daß die Reichspost, die in ihrer Vorlage über die Herabsetzung der Postgebühren den 1. März 1931 als Termin der Herabsetzung in Aussicht genommen hat, bemüht sein wird, die Gebühren schon zu einem früheren Termin herabzusetzen. Die endgültige Entscheidung über die Gebührenfrage wird der Postverwaltungs= rat treffen, der im Januar zu einer Tagung zusammentritt. wtb. Kopenhagen, 21. Dez. Die finnischen Dampfer„Oberon" und„Arcturus“ stießen gestern gegen 10 Uhr bei Laesoe zusammen. Der Dampfer„Oberon“ sank binnen kurzer Zeit. Die Passagiere gingen in die Rettungsboote und es gelang der„Arcturus“, die meisten von ihnen an Bord zu nehmen; immerhin werden noch ungefähr 10 Passagiere vermißt. Noch mehr Opfer? wtb. Kopenhagen, 20. Dez. Die Kopenhagener Vertreter des Dampfers„Oberon“ erhielten heute früh um 4 Uhr ein Telegramm vom Kapitän des Dampfers„Arcturus“, das besagt, daß die„Oberon" im Laufe von drei Minuten unterging. Als das Telegramm abgesandt wurde, waren von dem gesunkenen Dampfer 36 Passagiere gerettet. Es werden demnach 30—40 Personen vermißt. Die„Arcturus“, ist über der Wasserlinie ernstlich beschädigt. Die„Oberon" war von Helsingfors nach Hull unterwegs. Die Dampfschiffahrtsagentur Franck& Tobiesen teilt um 10 Uhr vormittags mit: Der Dampfer„Arcturus“ liegt immer noch an der Unglücksstelle. Die Besatzung der„Oberon" betrug 60 Mann. Außerdem befanden sich 21 Passagiere an Bord, davon in der ersten Klasse fünf Erwachsene und ein Kind, in der dritten Klasse 15 Erwachsene. Soviel man weiß, sind bisher nur vier Passagiere und 32 Mann derBesatzung gerettet. Es werden also noch 17 Passagiere und 28 Mann von der Besatzung vermißt. Vier Schiffbrüchige von einem schottischen Dampfer geborgen. wtb. Kopenhagen, 20. Dez. Der schottische Dampfer„Hengist“, der die regelmäßige Verbindung zwischen Kopenhagen und Leith aufrechterhält, lief heute mittag hier ein. Der Dampfer hatte in der Nähe der Stelle, wo der Oberon sank, ein Rettungsboot angetroffen, in dem sich vier Mitglieder der Besatzung der „Oberon“ über Bord gesprungen seien, als das Schiff unterging. Sie hätten zufällig ein leeres Rettungsboot angetroffen, das aus seiner Befestigung gerissen worden war. I. Weitere Zusammenstöße Dampferzusammenstoß auf der Unter=Elbe. wtb. Altona, 21. Dez.(Drahtb.) In dem schweren Nebel, der seit Samstag die Schifffahrt auf der Unterelbe und in der Nordsee behindert, hat sich heute nacht auf der Höhe von Blankenese ein Dampferzusammenstoß ereignet. Die beiden von Hamburg ausgefahrenen Dampfer„Phönix“ und Annemarie“ stießen zusammen. Beide Schiffe erlitten schwere Beschädigungen. Die„Annemarie“ wurde mit einem großen Leck unter der Wasserlinie bei Blankenese auf Strand gesetzt. Die„Phönix“ wollte nach Hamburg zur Werft zurückfahren, ankerte aber des unsichtigen Wetters wegen heute mittag noch an der Unfallstelle. Der Zusammenstoß des Dampfers Washington. wtb. Hamburg, 21. Dez.(Egi. Rundf.=Meld.) Wei das hiesige Büro der United States Lines mitteilt, sind bei dem Zusammenstoß des Ueber den Umfang des Schadens könne noch; nichts gesagt werden. Die Gehaltskürzung für die Preußschen Veamten wtb. Berlin, 20. Dez.(Drahtb.) Die vom preußischen Finanzminister bei der Haushaltsberatung angekündigte Verordnung über die Gehaltskürzung der Beamten ist nunmehr dem Staatsrat zugegangen. Sie sieht eine Gehaltskürzung von 6 Prozent ab 1. Februar 1931 unter denselben Bedingungen wie die Gehaltskürzung im Reiche vor. Die Verordnung gilt nicht nur für die unmittelbaren Staatsbeamten, Lehrer usw., sondern auch für die Beamten der Gemeinden und Gemeindeverbände, die der Landesaufsicht unterstehenden Körperschaften des öffentlichen Rechtes und die Beamten der Anstalten, Vereine und Stiftungen des öffentlichen Rechtes. Zur Kriegsschuldlüge Die amerikanischen Kirchen gegen die Kriegsschuldlüge. enb. Neuyork, 20. Dez.(Eig. Meld.) Der in Washington versammelte Vollzugsausschuß des amerikanischen Kirchenbundes, der fast den gesamten amerikanischen Protestantismus vertritt, hat in einer Entschließung zur Kriegsschuldfrage die„christlichen Brüder“ in Deutschland versichert, daß er„der Theorie von der ausschließlichen Verantwortung Deutschlands für den Krieg nicht zustimmt“. Zur Frage der Annullierung der Kriegsschulden und der Reparationen wurde festgestellt, daß man an solche Fragen herangehen sollte vom Standpunkt der christlichen Brüderschaft aus und nicht vom Gesichtswinkel des engen Interesses irgend einer Nation. Es ist dies das erste Mal, daß eine offizielle und leitende kirchliche Körperschaft des Auslandes so offen und unmißverständlich gegen die Kriegsschuldlüge Stellung nimmt. Sesbrehee g ueu LuHohnh Gafenom endrahraupt Eine Fabrik in Flammen- Die Zunersuorrr Vollenenr ausgebrunm wtb. Berlin, 21. Dez. In dem vierstöckigen Lager= und Fabrikgebäude der bekannten Aktiengesellschaft für Sanitären Bedarf von M. Pesch, das am Karlsbad, Ecke Potsdamer Straße liegt, brach in der zweiten Nachtstunde aus noch nicht ermittelter Ursache Feuer aus, das in den dort lagernden Lacken, Oelen, Essenzen usw. reiche Nahrung fang. Fünf Feuerwehrzüge unter Leitung des Oberbranddirek= tors bekämpften den Brand. Aus 12 Rohren wurden ungeheure Wassermengen in die Flammen geschleudert, wobei die Sappeure auch zwei Leitern benutzten. Glücklicherweise gelang es, eine Anzahl von Sauerstoffflaschen zu bergen, ehe es zu einer unübersehbaren Katastrophe auch für die umliegenden Gebäude kommen konnte. Während der Löscharbeiten explodierte das im zweiten Stockwerk befindliche Lacklager, und durch herabstürzende Stein=, Glas= und Holzteile wurde ein Feuerwehrmann so erheblich verletzt, daß er nach einem Krankenhaus gebracht werden mußte. Das Feuer konnte sich um so schneller ausdehnen, als es sich um ein ganz altes Gebäude handelt, dessen Decken vielfach nur aus Holz bestanden. Gegen 3 Uhr früh konnte jede Gefahr für die umliegenden Häuser als beseitigt gelten und die Züge rückten nacheinander bis auf eine Wache zu Aufräumungsarbeiten wieder ab. ptb. Bockenem(Harz), 20. Dez. In der hiesigen Zuckerfabrik brach in der letzten Nacht ein Feuer aus, das sich mit rasender Schnelligkeit verbreitete. Die auf dem Zuckerboden beschäftigten Arbeiter konnten nur mit knapper Not ihr Leben retten. Die gesamten Inneneinrichtungen der Fabrik sind verbrannt. Vier Motorspritzen und die Wehren aus Bockenem und Umgegend sind mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt. Es besteht noch Gefahr für ein Lager mit 20000 Zentner Zucker, die Direktorwohnung und die Kontore. Das gewaltige Großfeuer hat das gesamte Maschinenhaus mit den wertvollen Maschinenund Herstellungsanlagen, den Werkstätten, den Zuckerböden und einen Teil des Lagers vernichtet. Von dem 80 Meter langen und 50 Meter breiten Gebäude stehen nur noch die Mauern, die teilweise auch schon eingestürzt sind. Vernichtet sind neben riesigen Rohvorräten 20000 Zentner Zucker, die einen Wert von 400000 Mark darstellen. Der Gebäude= und Maschinenschaden geht in die Millionen, ist aber durch Versicherung gedeckt. Die Brandursache konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Man nimmt an, daß das Feuer im Laboratorium ausgebrowtb. Bed Reichenhall, 21. Dez.(Drahtb.) In der vergangenen Nacht ist das Fritzersche Säge.werk, seit dem Jahre 1860 eines der bedeutendsten Unternehmungen dieser Art in Bayern, durch ein Großfeuer vollständig vernichtet worden. Die Brandursache ist noch unbekannt. Das Feuer breitete sich sehr schnell aus und fand in den großen Holzvorräten reiche Nahrung. Das Sägewerk selbst, das Hobel= und Spaltwerk, die Kistenfabrik und der Lagerschuppen, sowie die wertvollen Maschinen= und sonstigen Anlagen wurden zerstört. Die Löscharbeiten waren sehr schwierig. Zahlreiche bayerische und österreichische Feuerwehren waren zum Teil mit Motospritzen erschienen, auch ein Löschzug aus Salzburg war am Brandplatz. Der Schaden ist sehr groß, da sich infolge der Absatzkrise ungeheuere Vorräte an Material angesammelt hatten. wtb. Paris, 20. Dez. In einer Korbflechterei in Antibes an der Riviera brach Großfeuer aus, durch das 30000 Blumenkörbe vernichtet wurden. Auch die Nachbarhäuser wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Feuerwehren von Nizza und Cannes beteiligten sich an den Löscharbeiten. Drei Feuerwehrleute sind infolge Rauchvergiftung erkrankt, drei weitere stürzten aus drei Meter Höhe ab und erlitten leichtere Verletzungen. Die preußische Realsteuersentung vdz. Berlin, 20. Dez. Im preußischen Finanz= ministerium sind die Gesetzentwürfe fertiggestellt worden, die im Zusammenhang mit der Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 1. Dezember 1930 steuerliche Erleichterungen für Preußen bringen..44.6 Jan 8.5 Das Grundvermögenssteuergesey son dahin geändert werden, daß für den Wohnungsneubau die Steuerbegünstigungen in der Weise erweitert werden, daß für Wohnungsneubauten, die nach dem 31. März 1924 fertiggestellt sind, die Befreiung von der staatlichen Grundvermögenssteuer von 5 auf 8 Jahre ausgedehnt wird und daß für das neunte und zehnte Jahr nur die Hälfte der Steuer erhoben werden soll. Die Hauszinssteuerverordnung wird dahin geändert, daß der Steuerbetrag vom 1. April 1931 ab um 3 Prozent gesenkt wird. Die Senkung soll nicht durch eine Kürzung der Steuersätze, sondern durch eine Kürzung der im Rechnungsjahre 1930 veranlagten Steuerbeträge erfolgen. Ferner wird die Verordnung durch die Aufnahme einer Bestimmung ergänzt, wonach, wenn die Gemeinden besondere Richtlinien für die Bautätigkeit aufstellen, die staatliche Genehmigung erforderlich sein soll. Dadurch soll die Bindung der Gemeinden an die ministeriellen Richtlinien gesichert werden. Nach einer für die Gewerbesteuer vorgesehenen Aenderung soll die Anrechnung des Betriebsverlustes nicht nur für ein Jahr, sondern für die beiden Jahre zulässig sein, die der Veranlagung für 1931 vorngehen. Die Beisetzung des Gesandten Rauscher wtb. St. Blasien, 20. Dez.(Drahtb.) Die sterblichen Ueberreste des im Alter von 46 Jah. ren verstorbenen deutschen Gesandten in War. schau, Ulrich Rauscher, wurden heute nachmittag auf dem hiesigen Friedhof zur letzten Ruhe bestattet. Neben der Gattin des Verstorbenen und den nächsten Angehörigen hatten sich zahlreiche Vertreter der deutschen und der polnischen Diplomatie als Trauergäste eingefunden, darunter als Vertreter der Reichsregierung der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, von Bülow, und als Vertreter des polnischen Außenministers dessen Kabinettschef Gesandter von Szumlakowski. Am Grabe sprach nach den Gebeten des Geistlichen Staatssekretär von Bülow, der in seinem Gedenkwort betonte, daß der Heimgegangene in allen seinen Stellungen mit wärmster Hingabe und tiefer Leidenschaft für seine Aufgabe und für seinen Beruf sein Bestes zum Wohle des Vaterlandes gegeben habe. Selbstlos sei er tätig gewesen. Kein Rückschlag hätte ihn entmutigen können. Eine Lücke, die nur sehr schwer auszufüllen sein werde, sei durch den Tod des Gesandten Rauscher entstanden. Der Tätigkeit Rauschers als erstem Leiter der Presseabteilung der Reichsregierung gedachte Ministerial Dr. Zechlin, während Gesandter Szumlakowski je einen Kranz im Auftrage der polnischen Regierung, des polnischen Außenministers Zaleski, der Westabteilung des Außenministeriums und des polnischen Gesandten in Berlin niederlegte. Korfanty wieder frei wtb. Warschau, 21. Dez. Der oberschlesische Abgeordnete Korfanty wurde heute auf freien Fuß gesetzt. Die Freilassung Korfantys erfolgte auf Grund des Beschlusses des oberschlesischen Seims, der die Einstellung des Strafverfahrens und die Haftentlassung Korfantys forderte. Die Neuen im Kabinell Steeg wtb. Paris, 21. Dez. Die fünf Kabinettsmitglieder, die nach der Bildung des Kabinetts Steeg zurückgetreten sind, werden, wie man allgemein annimmt, am kommenden Montag im Ministerrat ersetzt werden. Nach dem Blatte L'Ordre werden wahrscheinlich ernannt werden: Der Abgeordnete Seveste(Linksrepublikaner, Fraktion Tardieu) zum Pensionsminister, der Abgeordnete Jean Stern(Linksrepublikaner, Fraktion Tardieu) zum Unterstaatssekretär im Marineministerium, der Abgeordnete Tricard Graveron(Linksrepublikaner, Fraktion Tardieu), zum Unterstaatssekretär im Innenministerium, der Abgeordnete Adolphe Chéron (Radikale Linke, Fraktion Loucheur) zum Unterstaatssekretär für körperliche Ertüchtigung und der Abgeordnete Gaston Piottevin(Radikal) zum Unterstaatssekretär im Landwirtschaftsministerium. Abrüstungsaufruf Lord Cecils wtb. London, 22. Dez.(Eig. Rundf.=Meld. In einem von der englischen Völkerbundsvereinigung veröffentlichten Aufruf zur Abrüstung erklärte Viscount Cecil: Das Jahr 1931 verspricht für den Völkerbund kritisch zu werden, denn von der Gestaltung der öffentlichen Meinung während des kommenden Jahres wird es abhängen, ob die erste Weltabrüstungskonferenz, deren Einberufung wahrscheinlich auf den Beginn des Jahres 1932 festgelegt werden wird, zur Farce wird, oder greifbare Ergebnisse zeitigt. Den von der vorbereitenden Kommission verfaßten Vertragsentwurf bezeichnet Cecil als nicht vollkommen. Er könne aber die Grundlage für einen wirksamen Abrüstungsvertrag bilden. Von dem größten Wert ware es, wenn bis zur Eröffnung der Konferenz die öffentliche Meinung unterrichtet und von der Notwendialeit einer allgemeinen Rüstungsvdz. Berlin, 20. Dez. Das Schöffengericht Berlin=Mitte verurteilte den Angeklagten Guth unter Freisprechung von allen übrigen Punkten der Anklage nur wegen Benutzung eines nicht ür ihn ausgestellten Ausweises und wegen Angabe eines falschen Namens zu der für diese Uebertretungen höchstzulässigen Geldstrafe von 300 RM. wtb. Braunschweig, 21. Dez. In dem Einpruch des„Volksfreundes“ gegen die einstweilige Verfügung in Franzenprozeß verkündete das Oberlandesgericht als Berufungsinstanz folgendes Urteil: Auf die Berufung der Verfügungsbeklagten wird das Urteil der Vierten Zivilkammer des Landgerichts Braunschweig vom 17. November 1930 und der Beschluß desselben Gerichts vom 23. Oktober 1930 insoweit aufgehoben, als den Verfügungsbeklagten untersagt ist, in der dort bezeichneten Weise öffentlich zu behaupten oder zu verbreiten, der Verügungskläger habe einen wegen Bannkreisveretzung und=Uebertretung festgenommenen Landwirt Paul Guth, welcher sich der Polizei gegenüber auf Grund eines mit Lichtbild verehenen Eisenbahnausweises als preußischer Landtagsabgeordneter Lohse bezeichnet hatte, ebenfalls als Lohse reklamiert und unter Hinweis auf die aus der LandtagsabgeordnetenEigenschaft folgende Imunität Lohses irre geführt, auch sei ein Strafverfahren gegen den Verfügungskläger eingeleitet, und weiter insoern, als dem Verfügungskläger die Befugnis zugesprochen ist, das Gerichtsurteil in folgenden Zeitungen: Niedersächsischer Beobachter zu Hannover, Völkischer Beobachter zu München, Kieler Neueste Nachrichten zu Kiel und Schleswig=HolArten in Prezez Eah Franzen unterlegen steinische Zeitung zu Itzehoe zu veröffentlichen. Die weitergehende Berufung des Verfügungsbeklagten wird zurückgewiesen. Die Kosten des Verfahrens beider Rechtszüge werden gegeneinander aufgehoben. Dieses #rteil ist vorläufig vollstreckbar. wtb. Braunschweig, 21. Dez. In der nur mündlich gegebenen Begründung der Entscheidung des Oberlandesgerichtes im Franzen=Prozeß wurde etwas ausgeführt: Das Gericht hat den Erlaß einer einstweiligen Verfügung des beantragten Inhaltes an sich als zulässig angesehen und ist der Ansicht, daß die Beweislast den Beklagten trifft. Der Senat hat als glaubhaft gemacht angesehen, daß der Verfügungsberechtigte(Franzen) den Landwirt Guth als Lohse reklamiert und unter Hinweis auf dessen Immunität seine Freilassung zu erwirken versucht hat, also die Berliner Polizei irregeführt hat, und daß ein Verfahren gegen ihn eingeleitet sei. Der Senat hat nicht als glaubhaft gemacht angesehen, daß Guth wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wegen Betruges und Landfriedensbruches festgenommen sej. Er hat ferner als nicht glaubhaft gemacht angesehen, daß der Verfügungskläger(Franzen) sich der Begünstigung schuldig gemacht hat, weil bisher nicht genügend glaubhaft gemacht ist, daß Guth sich eines Vergehens schuldig gemacht hat, und daß er ein Betrüger ist. Der Senat ist ferner der Meinung, daß bei den Worten„Die Polizei und die Oeffentlichkeit belogen" durch das Wort belogen über die zulässige Grenze der Form nach hinausgegangen wurde. Er ist der Meinung gewesen, daß ein Grund, die einstweilige Verfügung auch in den auswärtigen Zeitungen bekanntzugeben, nicht bestanden habe. herabsetzung überzeugt werden könne, sodaß sie von den Regierungen erwartet, daß diese sich für die Einsetzung so niedriger Ziffern wie nur rgend möglich in den Vertragsentwurf bemühen. In dieser Hinsicht haben die Führer politischer Bewegungen eine schwere Verantwortung und eine große Gelegenheit. Die Unruhen in Spanien Die geflüchteten spanischen Offiziere verlassen Portugal. wtb. Lissabon, 21. Dez.(Drahtb.) Die nach Portugal geflüchteten spanischen Flieger haben die Erlaubnis erhalten, Portugal zu verlassen. Major Franco und der Monteur Rada haben sich Pässe für Frankreich, Deutsch; land, Argentinien und Uruguay, Gen####r der Llano einen solchen für Frankreich, Belgien und-Deutschland ausstellen lassen. Die übrigen spanischen Fliegeroffiziere beabsichtigen, sich in verschiedene europäische Länder zu geben. Politische Zwischenfälle wtb. Berlin, 21. Dez. Anläßlich des von der KPD. propagierten sogenannten Hungermarsches ereigneten sich an verschiedenen Stellen der Stadt Zwischenfälle, die das Einschreiten der Polizei erforderlich machten. So zog die Potsdamerstraße ein Demonstrationszug entlang, dessen Teilnehmer Hungerrufe ertönen ließen. Der Zug, der auch Passanten belästigte, wurde schließlich aufgelöst. Durch die Leipzigerstraße zog ebenfalls unter Hunger=Rufen ein Trupp von etwa 20 Personen zum Leipziger Platz. An einer anderen Stelle wurde ein Demonstrationszug von etwa 200 Personen vom Ueberfallkommando aufgelöst. Im Zentrum der Stadt zogen etwa hundert Kommunisten durch die Markthalle. Durch das Erscheinen der Polizei wurden Ausschreitungen verhütet. Auch im Norden sammelten sich am Weihnachtsmarkt etwa 60 Angehörige der KPD, die Rufe: „Nieder mit der Hungerregierung!“ ausstießen, an. Sechs Teilnehmer wurden von der Polizei festgenommen. wtb. Hamburg, 20. Dez. Gestern abend wurden kurz nacheinander in dem französischen und dem jugoslawischen Generalkonsulat Fensterscheiben durch Steinwürfe eingeschlagen. Nach aufgefundenen Zetteln scheint es sich bei den Tätern, die im Schutze der Dunkelheit entkommen sind, um Kommunisten zu handeln. und Biersteuererhöhung hatte der Oberbürgermeister zugesagt, daß er für das nächste Jahr einen Haushalt vorlegen werde, der bei einer Verdoppelung der Bürgersteuer in Einnahme und Ausgabe ausgeglichen sein werde. Für die Verdoppelung der Biersteuer fand sich eine noch größere Mehrheit. Kleinere Steuervorlagen(Schankerlaubnissteuer, Lustbarkeitssteuer) fanden fast einstimmige Annahme. für einen katholischen Pfarrer enb. Berlin, 20. Dez.(Eigene Meldung.) Der Bischof von Augsburg hat, wie die Blätter melden, gegen den katholischen Pfarrer Dr. Häuser, den Ortspfarrer der Gemeinde Straßberg bei Augsburg, ein striktes Redeverbot ausgesprochen, weil Pfarrer Häuser in einer Weihnachtsfeier der Nationalsozialisten in Augsburg sich selbst als Nationalsozialist bekannt hatte und in der Schlußrede den Beweis zu führen versuchte, daß die nationalsozialistische Lehre in keiner Weise der Lehre der katholischen Kirche widerspreche. Häuser hatte sich auch gegen den bekannten Erlaß des Bischöflichen Ordinariats in Mainz gewandt und mehrfach in nationalsozialistischen Versammlungen gesprochen. Eisenbahngewerkschaften protestieren gegen Feierschichteinlegung. enb. Berlin, 20. Dez.(Eig. Meld.) Im Arbeitszeitstreit bei der Reichsbahn erlassen der „Einheitsverband der Eisenbahner Deutsch= lands“, die„Gewerkschaft deutscher Eisenbahner“ und der„Allgemeine Eisenbahnerverband“ gemeinschaftlich eine Erklärung, in der sie zum Ausdruck bringen, daß die Unterhändler der Gewerkschaften nicht in der Lage gewesen waren, dem Vorschlage der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft auf Einlegung einer Feierschicht pro Woche in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1931 zuzustimmen, weil im Betriebe und Verkehr noch eine Ueberzeitarbeit bis zu 60 Stunden wöchentlich geleistet werde und bei dem durch eine Feierschicht eintretenden Lohnausfall das Existenzminimum nicht erreicht werden könne. Sie erheben gegen die Anordnung der Leistung von Feierschichten, die inzwischen erfolgt ist, schärfsten Protest, da sie ihrer Auffassung nach einen Tarifbruch darstellen und keine Rechtsansprüche begründen. Raubüberfall auf einen Bankbeamten wtb. Wetzlar, 20. Dez. In der Nähe der Lungenheilstatte Waldhof=Elgershausen wurde heute morgen ein schwerer Raubüberfall verübt. Der 37jährige Postbeamte Weber aus Katzenfurt wurde, als er sich mit dem Motorrade auf einer Dienstfahrt für das Postamt Ehringhausen befand, unterwegs von zwei Männern zum Halten aufgefordert. Weber gab jedoch Vollgas und fuhr weiter. In diesem Augenblick zog einer der Männer einen Revolver und gab auf Weber einen Schuß ab. Die Kugel drang diesem in den Kopf. Weber stürzte in voller Fahrt vom Rade und blieb besinnungslos liegen. Die Täter raubten ihm die Geldtasche mit 101 Mark Inhalt und verschwanden. Insassen der Heilanstalt, die den Schuß gehört hatten, fanden ihn schwerverletzt in seinem Blute liegen. Webers Zustand ist lebensgefährlich. Zwei Personen, die der Tat verdächtig erscheinen, wurden verhaftet. Raubmord im Norden Berlins Eine Geschäftsfrau erschlagen, ihr Mann schwer verletzt. wtb. Berlin, 21. Dez.(Drahtb.) Ein Kapitalverbrechen wurde heute vormittag im Norden Berlins verübt. Dort war die 56 Jahre alte Ehefrau des Kaufmanns Riekmann überfallen und niedergeschlagen worden. Ehe man der Schwerverletzten noch Hilfe bringen konnte, starb sie. Auch der Ehemann ist schwerverletzt und liegt in bedenklichem Zustande im Krankenhause. Die Feststellungen der Mordkommission am Tatort ergaben, daß er sich um einen Raubmord handelt. Das Ehepaar Riekmann betrieb nicht nur ein gutgehendes Zigarrengeschäft, sondern verwaltete auch eine Zahlstelle der Bank für Arbeiter und Angestellte und der Volksbühne. Die Tat muß sich so zugetragen haben, daß der Mörder, nachdem ihm auf sein Klingeln geöffnet worden war, einen Einkauf vorspiegelte. Frau Riekmann ging ihm nach dem Laden voraus, in dem durch ein Regal eine Art Vorratsraum abgetrennt ist. Dort muß es zu einem schweren Kampf gekommen sein; denn überall sieht man zahlreiche Blutspritzer. Niekmann war auf die gellenden Hilferufe seiner Frau aus dem nebenliegenden Schlafzimmer zum hinteren Ausgang geeilt. Dort sah er sich plötzlich einem fremden Mann gegenüber, der ihm mit einem schweren Gegenstand auf den Kopf schlug, sodaß er bewußtlos zusammenbrach. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur. Die Polizei hat für die Aufdeckung des Verbrechens eine Belohnung von 1000 Reichsmark aus. gesetzt. Annahme der Steuervorlage der Kölner Stadtverwaltung wtb. Köln, 20. Dez.(Drahtb.) Nach drei tägigen Kämpfen hat die Kölner Stadtverordnetenversammlung heute abend über die Steuervorlagen der Verwaltung abgestimmt, die zur Deckung des hohen Defizits des städtischen Haushalts dienen sollen. Noch gestern hatten sich alle Fraktionen gegen die Vorlagen ausgesprochen, obwohl Oberbürgermeister Dr. Adenauer die Versammlung beschworen hatte, an die Folgen der Ablehnung zu denken, die bei Ernennung eines Staatskommissars zu noch größeren Steuererhöhungen führen würden. Die heutige Abstimmung, der ausgedehnte Beratungen der Fraktionen vorhergegangen waren, brachte bei der Hauptvorlage, der Gewerbe= und Grundsteuer, die Annahme der Vorlage mit 45 gegen 38 Stimmen, wobei die Mehrheit aus Sozialdemokraten und einem Teile des Zentrums bestand. Diese begründeten die Annahme damit, daß die Einsetzung des Staatskommissars keine Erleichterung der Steuerlasten bedeuten würde. Für den Fall der Annahme der RealBefriedigende deutsche Gesamternte für 1930 wtb. Berlin, 20. Dez. Nach dem amtlichen Bericht ergeben sich für das Deutsche Reich u. a. folgende Gesamternteerträge(in 1000 Tonnen): Winterroggen 7593, Sommerroggen 86, Winterweizen 3446, Sommerweizen 343, Winterspelz 138, Wintergerste 475, Sommergerste 2385, Hafer 5656, Gemenge aus Getreide aller Art 565, Frühkartoffeln 2868, Spätkartoffeln 44232, Zuckerrüben 14919, Runkelrüben 30 402, Klee 9675, Luzerne 2071, Bewässerungswiesen 2125, andere Wiesen 23 117. Die Ergebnisse der diesjährigen Ernte bleiben zwar gegenüber dem Vorjahre bei Roggen(um 5,8 Prozent), Gerste(um 10 Prozent) und Hafer(um 23,4 Prozent) zurück, übertreffen aber zumeist sowohl sowohl die vorjährigen Erträge als auch die Ernten im Durchschnitt der letzten sechs Jahre. Im Vergleich zum Mittel der Ernten 1924—29 haben sich mengenmäßig erhöht: Brotgetreide um 10 Prozent, Gerste um 2,6 Prozent, Kartoffeln um 24,5 Prozent, Zuckerrüben um 39,8 Prozent, Wiesenheu um 12 Prozent, Kleehen um 11 Prozent und Luzerneheu um 30,4 Prozent Aus Nah und Fern Mörder Beneke zu zwölf Jahren Zuchthaus begnadigt. wp. Dortmund, 20. Dez. Durch Erlaß des preußischen Staatsministeriums ist die durch Urteil des Dortmunder Schwurgerichts vom 17. Juni d. J. gegen den landwirtschaftlichen Arbeiter Joseph Beneke aus Wambeln, der seine Geliebte ermordet hatte, verhängte Todesstrafe im Gnadenwege in eine Zuchthausstrafe von zwölf Jahrenumgewandelt worden Jugendliche Falschmünzer festgenommen. wp. Bochum, 20. Dez. Am 17. Dezember wurden in Herne wiederum zwei junge Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren wegen Herstellung und Verbreitung falscher Fünfmarkstücke festgenommen. Es handelt sich um zwei erwerbslose Arbeiter aus Herne. Beide haben nach den bisherigen Feststellungen einige Falschstücke hergestellt. Obwohl die Falsifikate schlecht hergestellt waren, ist es den Burschen dennoch gelungen, zwei Stücke in den Verkehr zu bringen. Einige zur Herstellung der Stücke benutzte Geräte und einige unfertige Falsifikate wurden noch vorgefunden und beschlagnahmt. Remarque=Film und der Stahlhelm=Film im Saargebiet verboten. wtb. Saarbrücken, 20. Dez. Der Präsident der Regierungskommission des Saargebiets, Wilton, hat in seiner Eigenschaft als Minister des Innern die Aufführung des Remarque=Films „Im Westen nichts Neues“ sowie des Stahlhelm=Films verboten. Der Verboterlaß, dem keine Begründung beigegeben ist, erfolgte, um Störungen bei Aufführung der Filme von vornherein auszuschließen. Der Konstrukteur des ersten Zeppelinluftschiffes gestorben. enb. Friedrichshafen, 21. Dez.(Eig. Meld.) Direktor Dipl.=Ing. Kober ist gestern nachmittag in Friedrichshafen an einem Gehirnschlag gestorben. Kober war der älteste Mitarbeiter des Grafen Zeppelin und Konstrukteur des ersten starren Luftschiffes. Er hatte für den Bau der Zeppelinluftschiffe die statischen Berechnungen besorgt und galt auf seinem Gebiet als der erste Fachmann. Später wurde Kober Direktor der Flugzeugfabrik Manzell, der jetzigen Dornierwerke. Absturz eines französischen Minikärflugzeuger wtb. Paris, 21. Dez.(Drahtb.) Ein in Metz aufgestiegenes Militärflugzeug mit geanten an Bord ist in der Nähe von Reimo abgestürzt und in Brand geraten. Die beiden Unteroffiziere kamen ums Leben. OLUPAASGGtSchaeh Hustens Spite scheint gesichert.— Mudersbach— Hagen 72 3:2. Weidenau und Hagen 1911 siegen knapp. Klar zum Endspurt ist die Gefechtslage in der Südwestfalenbezirksliga, nachdem Hagen 72 Hüsten 09 gestern wieder den Weg zur Spitze freimachte. Gestern siegten alle stärkeren Mannschaften über die schwächeren. Eine berühmte Ausnahme bübete Hooen 12., der vop gesircheten. Biaz in Muderstach der Spitze, nun auf dem gefürchteten Platz in Mudersbach wiederum eine Niederlage einstecken mußte wodurch, wie ein. gangs schon erwähnt, die 72er nur schwerlich die Spitze wiedererlangen dürften.— In Hagen fiel der neue Sieg der Sppag. Hagen 11 nur knapp und„holprig“ aus. In Werdohl mußte sich der dortige Jahn hart mit einem Gegner reiben, der am Schluß doch noch das Ende für sich behielt. Im Spiel in Lichtenplatz schwangen sich beide Mannschaften nicht zu einer schönen Gesamtleistung auf, trotzdem blieb aber Hüsten, wit erwartet, erfolgreich. Im Handball fiel gestern im Spiel zwischen Hagen 72 noch keine Entscheidung, sodaß 05°s zweite stellung noch nicht gesichert ist, sondern es eventuell noch zu einem Entscheidungsspiel zwischen 05 und 72 kommen kann. In der Lennestaffel standen sich in Attendorn der dortige Sportverein und Jahn Werdohl zum ersten Entscheidungsspiel um die Gruppenmeisterschaft gegenüber, was nur ein ganz knappes 1:0 hervorbrachte. Aller Voraussicht nach dürfte die Meisterfrage auch im Rückspiel noch nicht geklärt werden. Sezirksligaklasse. SC. Hagen e5— Sppag. Hagen 11 0:1 Die stark um das Fortkommen vom Tabellenende kämpfende Sppag. Hagen 11 unternahm gestern einen weiteren Vorstoß auf die Tabellenspitzengruppe. Der Sieg glückte, bei viel Pech. Die erste Halbzeit sah die Spogg, dauernd tonangebend ihre Ingriffreihe war geschlossener, unterstützt von der guten Läufereihe und der stark abwehrenden Verteidigung. 05 dagegen and sich im Sturm überhaupt nicht zusammen, da der Mittel#irmer und der Mittelläufer glatte Versager darstellten. Nur erteidigung und Torhüter taten ihr Möglichstes, ihnen ist es zu verdanken, daß der Gast den Vorsprung nicht vergrößern konnte. Dazu kam noch, daß Hagen 11 viele Torchancen versiebte. Der Beginn siebt 11 sofort mit Ueberrumpelungsmethoden, wodurch der Platzverein sofort etwas deprimiert ist. Es kommt Tempo ins Spiel und der Gast wird stark überlegen. Nach 5 Minuten gestattet sich die Ober Verteidigung einen Schnitzer, wodurch 11 einen Strafstoß zugesprochen bekommt, der unhaltbar und schön plaziert sofort eingesandt wird. Die Hintermannschaft des Platzvereins hat viel zu klären und bis zum Schluß dieser Spielhälfte eine harte Prob, zu bestehen. Nur einige Durchbrüche der Ober finden an der 11er Verteidigung ihr Ende. Der Wechsel siebt die Spogg. anscheinend in etwas abgedämpftem Zustand. Das Spiel bleibt anfangs offen und 05 überrascht mit einer größeren Ueberlegenheit. Während die 11er bis hierher dem Spielverlauf nach mit 3 Toren hätten in Führung liegen können, hat 05 ebensoviel Chanten in der zweiten Hälfte, die ebenfalls unausgenutzt bleiben. Kurz vor Schluß unternimmt die Sppag., angespornt durch ihren großen Anhang, nochmals einen schneidigen Angriff, jedoch der weitere Erfolg bleibt aus. Zu erwähnen ist, daß 05 fast die ganze zweite Hälfte nur mit 10 Spielern kämpfen konnte, da ein Verteidiger wegen einer alten Verletzung ausscheiden mußte. Demnach hätte das Spiel vielleicht noch einen anderen Ausklang genommen. I. Bezirksklasse. Oberruhr=Staffel Spo. Herbringen— Sppag. Neheim 2:1 Aus dem verteilten Spiel in Herdringen sprang jur den Platzverein ein knapper Sieg. Bereits der erste Teil sah ihn mit 1:0 in Führung. Auch der Wiederbeginn bringt Herdringen noch ein zweites Tor ein dem Neheim erst kurz vor Schluß das Ehrentor entgegensetzen kann. Hagener Staffel. Boele 10— FC. Union Haspe 1: 1 FC. Boele bot gestern einmat wieder gute Durchschnittsleistungen, vermochten sie doch dem nicht zu unterschätzenden FC. Union Haspe einen Punkt abzutrotzen und den ganzen Spielverlauf ausgeglichen zu gestalten. Nachdem Union Haspe in der ersten Hälfte einmal zu Wort kam, setzt Boele seinem Gast kurz nach Wiederbeginn den Ausgleich entgegen. Ein Siegestor versiebt dann noch kurz vor Schluß ein Boeler Stürmer, der dem gegnerischen Torwart das Leder direkt in die Hand schießt. Leune=Sieg=Staffel V/B. Meggen— B/B. Altena 0:0 abgebr. In Meggen trennte der Schiedsrichter die beiden Parteien nach einer Viertelstunde Spielzeit, da der Platz nicht spielfähig war. Betzdorfer=Staffel VfV. Wissen— Spoga. Hurst=Rosbach 5: 1 Entgegen allen Erwartungen erfocht BfB. Wissen auf eigenem Gelände gegen Hurst=Rosbach einen verdienten Sieg. Die Mannschaft zeigte heute einmal wieder gute Geschlossenheit, gegen die der Gast kaum etwas zu bestellen hatte. Bezirksklasse." Westfalig Gevelsberg— FE. Volmarstein 7:9 Sppaa Olpe— Spo. Finnentrav 1:9 BIN. Altenhundem— Spv. Ferndorf 9: 3 FC. Schwarz=Weiß Silschebe— Biktoria Hagen 4:4 Oeellschaftsspiete Spugg. Fröndenberg—Vermania Reheim 3:4 Spp. Beuchhausen— Alemannig Schwerte a:: Spogg. Wetter 19— Sportfr. Lüdenscheid o9 g:“ BS. Eintracht Siegen— B/J. u. V. Betzdorf ds S: 5 BV. Nachrodi— Spp. Letmalbe 98 S:! RC. Wengern— Spy Herdecke 11 R:4 D. Cehrich— B/9, Geüne 2:2 Epo Giringhausen— Sppaa. Plettenbena 2: 4 ###=mannig Schweote(Res.)— Auf dem Schute.:“ R-üchsbebalberte. Gagrn— Spostanien Oaern 4 19 Germania Mudersbach— TRV. Hagen 72 S:: Hagen 72 fiel gestern den Mudersbacher Verhältnissen zum Opfer. Dazu kum, daß der Sturm und die Vertergpunge,gug die gewohnten Leistungen aufzubringen vermochte. Mudersbach dagegen stellte wieder die alte eifrige Kampfesweise unter Beweis. Der Spielbeginn brachte zunächst einen starken Angriff der Gastgeber. 72 hat sich aber schnell gefunden und kann nach 20 Minuten das erste Tor erzielen. Mudersbachs Sviel ist zu engmaschig sodaß auch vorläufig der Erfolo ausbleibt. Allmählitt, ist die Kombination im Sturm auch flüssiger geworden. sodaß der Ausgleich nicht lange auf sich warten läßt. letzten Minuten bis zur Pause nutzt 72 nochmals aus, um die 2: 1=Führung an sich zu bringen. Im weiteren Spiel: verlauf liegt Hagen zwar dauernd im Angriff, die Muhersbacher Verteidigung bekommt sehr viel zu tun. Von Drangperiode vermag sich der Platzverein allmählich wieder freizumachen, und die ersten Ansätze zum Ausgleich sind von Erfolg gekrönt. Von nun an spielt Mudersbai stark auf Sieg. Die Hagener Verteidigung kann den ständigen Angriffen des Plapvereins nur schwer sandhalten un), kurz Poz, Sehihrs geue sie sich nochmals geschlagen bekennen und Mudervoach stellte Sieg und Punkte sicher. SC. Lichtenplatz— Sp Sp. Hüsten 69 0:a Ein mäßiges Spiel führten Hüsten und Lichtenplatz vor. Der Gast siegte verdient dank technisch besserer Leistungen. Allerdings herrschte auf dem Platz starker Bodennebel, wodurch der Kampf ebenfalls beeinträchtigt wurde. Hüsten ist gleich zu Anfang leicht überlegen und kann nach kurzem Wechsel durch scharsen Schuß von Halblinks den ersten Frioig, woichen. Das zweite Tor hängt schnell in der Lust, der Torhn.„.dor sucht eine scharf getretene Bombe abzuwehren, stolvert jedoch mit dem Ball ins Tor. Haltzelt: 0:3. Der Wechsel bringt dann zunächst offenes Feldspiel. Hüsten kommt kurz vor Schluß noch einmal gut durch, die Gevelsberger Verteidigung begeht einen Fehler und ein Selbsttor führt zum 3:0=Sieg des Gastes. Jahn Werdohl— B/B. Weidenau 8:4 Der BfB. Weidenau vermochte von seiner Reise Verdobt zwei berdiente Bunkte mit nach Hause zu,hrigen. Die Weidenauer stellten eine körperlich sehr stabile gegen die Werdohl auch vielleicht technisch etwas in den Hintergrund trat. In der ersten Halbzeit lag Werdohl leicht im Vorteil und kam zunächst zu zwei Erfolgen, denen Weidenau nur ein Tor entgegensetzte. In der zweiten Hälfte tritt eine Ueberlegenheit der Weidenauer sehr stark zutage. gleich ist bald erzielt, es folgen sogar noch zwei weitere Tore, wobingegem Verdohl nur nach einmal im Erozirengwet,# damit das Ergebuis recht knapp gestaltet. daß der Weidenauer Torhüter sehr nachlässig den Torschüsse begegnete. Der Kampf war im großen und ganzen hart. aber fair. Stand der Tabelle der Bezirksligs nach dem 21. Dez. 1903. Hüsten 09 Hagen 72 Hagen 05 VfB. Weidenau Gevelsberg 08 Hagen 1911 Sportfr. Siegen Jahn Werdohl SC. Lichtenplatz Mudersbach 10 Spiele 45:11 Tore 18:3 Punkte 11 Spiele 22: 12 Tore 17:5 Tore 11 Spiele 31:29 Tore 12:10 Punkte 9 Spiele 25:21 Tore 11:7 Punkte 9 Spiele 26: 28 Tore. 9:9 Punkte 10 Spiele 15:20 Tore 9:11 Punkte 10 Spiele 19:24 Tore 8:12 Punkte 9 Spiele 12:16 Tore 6:12 Punkte 10 Spiele 13:23 Tore 5:15 Punkte 11 Spiele 18: 49 Tore 5: 17 Bunkte Jugendopfecspiele am Sonntag, dem 28. Dezember 1930, in Hagen. Der Gau Hagen veranstaltet am 28. Dezember in Hagen einen Jugendopfer=Spieltag. In allen größeren Orten im Gau finden an diesem Tage Spiele statt, deren Ertrag für die Durchführung eines Jugendtreffens im Sommer bestimmt ist. In Hagen selbst sind zwei größere Spiele vorgesehen, und zwar je ein Handball= und Fußballspiel. Der Vorstand des Verbandes der Hagener WSV.=Vereine. welcher vom Gau aus für die Durchführung dieser beiden Spiele betraut wurde, hat folgende Mannschaften vorgesehen: Im Handball stellt Hagen es die komplette Mannschaft. Als Gegner tritt ihr eine Mannschaft gegenüber, die aus den Spielern der Vereine Hagen 72, Reichsbahnsportverein Hagen, Union Hagen und Polizeisportverein zusammengestellt ist. Für das Fußballspiel stellt Hagen 72 die kompl. Mannschaft. Ihr tritt als Gegner auf den Plan gegenüber, die Vereinen Hagen 65, Hagen 11, Reichsbahnsportverein, Union Hagen zusammengestellt ist. Die Spiele welche auf dem ober Platz zum Austrag kommen. dürften ihre Zugkraft nicht verfehlen. Die genaue Aufstellung der Mannschaften werden in dieser Woche veröffentlicht. Der Stiklub Sauerland vor einem schwerwiegenden Entschluß. Der Skiklub Sauerland hielt am Sonntag im zu Hagen eine außerordentliche Vertretersitzung ab. Den längsten Raum in den Verhandlungen nahm die Berufung der Ortsgruppe Mülheim gegen ihren Ausschluß aus dem SKS. ein. Dieser Ausschluß ist erfolgt wegen Zuwiderhandlung der Ortsgruppe Mülheim gegen die Usselner Beschlüsse, wonach den Sachwaltern des SKS. untersagt ist, im Alpinen Ski= und Tourenklub sich zu betätigen. Im letztgenannten Verein der bekannten Gründung von Dr. Wächter sieht der SsS, ein Konkurrenzunternehmen. Der Antrag Mülheims. den Ausschluß seiner Ortsgruppe aufzuheben, wurde Debatte abgelehnt. Der Satzungsverstoß Mülheims wurde ausdrücklich festgestelt, doch fand ein Antrag Annahme, wonach die Rechtswirksamkeit des Ausschlusses erst am 1. Fehrn,#61 eintritt. Leistet Mülheim bis dahin den Usselner Beschlüssen Folge, wird der Ausschluß vom Hauptausschuß des SKS. auf. Die Frage der unmittelbaren Verbandsmitgliedschaft einzelner Skiläufer, die Ortsgruppen des SKS. nicht angehören wollen, wurde einer Kommission zur weiteren Beratung wiesen. Vorsitzender dieser Kommission ist Rechtsanwalt Breitenbach. Die Kommission wird weiter damit betraut alle Fragen der weiteren sportlichen und wirtschaftlichen Entwichlung des SKS. eingehend zu prüfen. Deutsche Turnerschaft. Handball. Meisterklasse. Altenhagen 76— BfL. 1863 4: 3(3: 2). Volmetal: 8812. Altenhagen Jahn Lüdenscheid Germania Hagen Rummenohl Schalksmühle Punktetafel 10 Spiele 10 Spiele 9 Spiele 8 Spiele 10 Spiele 9 Spiele 16 Punkte 13 Punkte 12 Bunkte 8 Punkte 4 Punkte 3 Punkte Siegen Spitzenführer.— Der 2. Blotz.eur— Entscheibung in der Lennegruppe.— Atrenurr. I. Bezirkshandballklasse. Hagener Staffel. TRV. Hagen 72— SC. Hagen 65 S:3 In Hagen rieben sich gestern zwei hartnäckige Gegner um die Punkte. 05 fand sich mit dem Rasenplatz, der übriger durch den niedergehenden Nebel stark durchnäßt war, schwer ab, während 72 dieses Hindernis besser überwand. Im Feldspiel waren die gebotenen Leistungen der Ger verheißungs, voller während die der 72er vor dem Tore produktiver und erfolgreicher waren Dazu kam noch, daß 72 in ihrem guten Torhüter einmal wieder die beste Stütze hatte. Der Ha obmann hatte für dieses Spiel den Schiedsrichter Jörissen. Nachen, bestellt, dem es zu verdanken war, daß Härten stet: unterbunden wurden. Der Beginn sieht zunächst 72 in Front doch die Angriffe werden abgeschlagen. einen Strafwurf zugesprochen, den der Halbrechte gut verwandelt. Den Ausgleich erzielt der Platzverein durch den Mittelstürmer, der wohl scharf geworfen jedoch vom Hüter hätte gehalten werden müssen. Dann sind die O5er einige Zeit überlegen, doch die Bälle gehen über die Latte, am Tor vorbei oder landen sicher in den Händen des Hüters. Ein weiterer Strafwurf sieht 72 beim Wechsel in Führung. Nach Wiederbeginn drängt 05 mächtig auf Ausgleich, der donn auch im Anschluß an einen Stmspurf durch schöne Konhinatign, ng# Rechtsaußen in die rechte Torecke plaziert pird,„Jevt sind die Ger leicht im Vorteil. Die Verteidigung der Gäste rückt aber zu weit auf, wird von 72° Stürmerreihe überspielt, der Angriff aber noch abgefangen. Wiederum ein Strafwurf. der vor dem 05er Tor wechselnde Situationen hervorruft, wodurch es dem blauweißen Mittelstürmer gelingt, den falsch stehenden Torhüter zu täuschen. Auch das dritte Tor der Gäste resultiert aus einem Etrafwurf, der noch vor Schluß verwandelt werden Lamn Reichsbahn Hagen— Sportfr. Siegen 1:9 Eine schwere Aufgabe hatte die gute Durchschnittsmannschaft Reichsbahn Hagen gestern zu lösen. War es doch der westdeutsche Meister, gegen den sie ihre ganze Kampfkraft aufzubieten hatte. Lediglich die größere Erfahrung, Wurfkraft und Technik brachten dem Gaste den erwarteten Sieg ein. Bereits bei Halbzeit wurde den Hagenern klar, daß der 0: 5=Vorsprung von Siegen nicht mehr aufzuholen war. Trotzdem aber ließ die Reichsbahn den Mut nicht sinken und sich auch nicht von der Größe des Gegners beeinflussen sondern letzte den vier weiteren Toren, die die Gäste noch errangen, wenigstens zwei entgegen. sich im Spiel gegen Hagen 11 in etwa zu bebaupten. Mannschaft bot schon ganz gute Ansätze, jedoch reichten sie nicht aus, um an das technisch und taktisch bessere Können des Platzvereins heranzureichen. Mit diesem Sieg sicherte sich Hagen 11 nunmehr vorläufig den 3. Platz. Stand der Handballtabelle nach dem 21. Dezember. Sportsr. Siegen Hagen 05 Hagen 1911 Hagen 72 Polizei Hagen Herdecke 1911 Reichsbahn Hagen Union Hagen 12 Spiele 2:2 Punkte 13 Spiele 19:7 Bunkte 13 Spiele 17:9 Punkte 12 Spiele 15:9 Punkte 12 Spiele 10:14 Punkte 11 Spiele 7:15 Bunkte 12 Spiele 4:20 Punkte 13 Spiele 4:22 Punkte Lenne Staffel. Vorentscheidung um die Gruppenmeisterschaft. Spp. Attendorn— Jahn Werdohl 1:9 Das mit großer Spannung erwartete Vorentscheidungsspiet um die Meisterschaft in der Lennestaffel hatte etwa 700 Zuschauer auf den Plan gerufen, die keine Enttäuschung erlebten, da der schnelle Verlauf die Unbeteiligten sowie die Beteiligten in Atem hielt. Der Sportverein Attendorn gewann verdient. trotzdem nur ein Tor die Ausbeute des Tages darstellte. Die erste Hälfte endete ohne Tore. Erst gegen Mitte des neuen Spielabschnitts lächelte den Attendornern das Glück. Ein abgespielter Freiwurf, ein langer Torwurf, der Hüter will mit den Händen abstoppen, der Ball geht über die Hände. erfolgte nach schönem Durchspiel das erste und einzige Eine Anzahi Strafwürfe auf beiden Seiten vermag das gebnis nicht zu ändern Kurz vor Schluß wird den Werdohlern noch die Möglichkeit des Ausgleichs gegeben. Der 13=Meterball kann aber nicht verwandelt werden, der Attendorner Torhüter der übrigens sich in ausgezeichneter Form befand, bält im Liegen. Der Platzverein war gegen den Vorsonntag nicht wiederzuerkennen. Die Torhüterleistungen vor allem befriedigten gut. Am zweiten Weihnachtstage wird nun in Werdobl das Rückspiel ausgetragen. Sollte Attendorn Glück haben, i die Mesterfrage geklärt, im anderen Falle muß auf neutralem Platze die Entscheidung fallen. Siegener Staffel. G. Spoga. Die uerGagen 13— Spertunien Sosrn 9: 1 Mannschaft der Hagener Sportunion vermochte Sp. Niederschelben 2.— Sporife. Siegen 2.(9) Gau=Handball=Klasse Sp. Sp. Gevelsberg 68— Sppoz. Fröndeuberg 5:4 Iserlohn 31— Postsportv. Hagen ausges. 95. Herbece 90 9:: B3. Vorhole## Weite der neuen Verghofener Kreuzkirche Die evangelische Kirchengemeinde Bergbesen benutzte seit dem 3. Oktober 1890 eine elle, die auf einem der politischen Gemeinde gehörigen Gelände steht. Als die politische Gemeiane die wegen Verminderung der Kinverzahl anschließenden Schulräume zu Wohnungen umgestalten wollte, war für die sirchengemeinde die Zeit gekommen, ein eigenes Gotteshaus zu schaffen. Die Kapelle wurde dann für 16000 RMt. verkauft. Man beschloß, die neue Kirche nach dem Entwurf des Architekten Behrens aus Gerthe errichten zu lassen. Das Richtfest konnte am 11. Januar 1930 gefeiert werden. Die Kirche, die den Namen Kreuzkirche erhielt, wurde auf dem Grundstück der Kirchengemeinde an der Fasanenstraße erbaut. Der Bau ist mit heimischem Ruhrsandstein verblendet. Alle Fenster in den nur zu Gottesdiensten benutzten Räumen sind spitzbogig, alle anderen rechteckig. Der Turm erhielt seine Gestalt durch den Einbau des Konfirmandensaales und der Orgelempore. Die Beheizung der Kirche erfolgt durch Gasöfen. Der linke Eingang von dem Fasanenweg führt links in den Warteraum, der durch den Einbau des Oberteils des alten Altars auch als Trau= oder Taufkapelte benutzt werden kann. Das Schiff hat quadratischen Grundriß. Der Chorraum liegt hat quadratischen Grundriß. Der Chorraum lieg 85 Zentimeter hoch. Vor dem Kreuz hat der Altartisch des alten Altars Aufstellung gefunden. Vorn rechts steht die Kanzel, links der Taufstein. Der Kirchenraum ist mit einem Kreuzgewölbe überdeckt. In der Mitte hängt der alte Kronleuchter, während an den Seitenwänden noch Wandarme, die wieder das Kreuzsymbol zeigen. angebracht sind. Das Gestühl der Kirche ist in Rot gehalten. In der rechten Ecke an der das Chor abschließenden Wand hat das Kriegerehrenmal einen günstigen Platz gefunden. Im Turm ist ein Uhrengeschoß und die Glockenstube, in der die drei Glocken untergebracht sind. Die Glocken haben elektrischen Antrieb. Der Turm ist mit Kupfer gedeckt und wird gekrönt von einem großen vergoldeten Kreuz. Der Weihe der neuen Kirche ging eine Abschiedsfeirr in der alten Kapelle und ein Festzug voraus. Pfarrer Behrmann nahm aus der Hand des Architekten den Schlüssel der Kirche in Empfang und schloß das Tor auf. Nach dem Einzug in die Kirche fand der Einweihungsgottesdienst statt. Die Gemeinde sang:„Lobet den Herrn“ und der Kirchenchor:„Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses.“ Generalsuperintendent D. Zoellner=Münster nahm die Weihe des Gotteshauses vor. Die Weiherede baute sich auf die Worte des Apostels Paulus aus dem 4. Kapitel, Vers 4, auf:„Freut Euch in dem Herrn allewege". Anschließend an die Weihefeier fand der erste Gemeinde=Gottesdienst statt. Superintendent Sybrecht hielt die Liturgie und sprach über den 84. Psalm, Vers 5:„Wohl denen, die in deinem Hause wohnen". Dann sang der Kirchenchor: Herr, mein Gott, ich trau' auf dich und die Gemeinde:„Macht hoch die Tür". Die redigt hielt Pfarrer Behrmann: Wenn bei d. Einweihung gesprochen sei, das Bauen sei etzt zu Ende, so müsse es in dem Gotteshaus heißen:„Das Bauen fängt hier an“. Zum erstenmal haben die Glocken zum Gottesdienst gerufen, die alte Orgel aus der alten Kapelle werde hier weiter dienen, auf dem Altar liegt die gestiftete Bibel mit einer eigenhändigen Widmung des Reichspräsidenten von Hindenburg. Nach 40jährigem Bestehen hat die Berghofener evgl. Kirchengemeinde nun eine eigene Kirche auf eigenem Grund und Boden. Die Erbauung diefes schönen Gotteshauses in dieser Notzeit war mit Schwierigkeiten verknüpft. Aber das Werk ist gelungen und der Baumeister hat sein Bestes hergegeben. Allen, die mitgeholfen haben, herzlichen Dank. Die Ehrentafel ruft uns zu:„Denkt an die Helden, die für uns gefallen sind!" Der Prediger richtete dann ernste Mahnworte an die Gemeinde, alles Trennende beiseite zu lassen und gemeinsame Arbeit zu leisten. Die Schlußliturgie hielt Generalsuperintendent D. Zoellner. Unter dem Geläute der Kirchenglocken sang die Gemeinde stehend:„Eine feste Burg ist unser Gott.“— Im evangelischen Gemeindehause fand nachmittags 4 Uhr eine Nachseier statt. Verschiedene Ansprachen wurden noch gehalten. Der Chor der Frauenhilfe wirkte ebenfalls mit.— Um 5.30 Uhr wurde die Schuljugend bewirtet. Eine liturgische Adventsandacht fand abends in der neuen Kreuzkirche statt, Bei dieser Feier wirkten der Kirchenchor, der Posaunenchor und die Eval. Musikfreunde mit. Alle Feiern verliefen in schönster Harmonie. Jahre nach der Brüning'schen Notverordnung sich nach der Höhe der städtischen Lasten richtet, aber auch die Erleichterung der städt. Steuern wird durch dieselbe Notverordnung berührt. Der steuerzahlende Bürger ist hier der Geprellte, denn was hilft mir eine Ermäßigung der Gewerbesteuer um 20 Prozent und der Grundvermögenssteuer um 10 Prozent, wenn die fürsorglichen Stadtväter noch schleunigst eine erhebliche Erhöhung der zu senkenden Steuern vornehmen und damit auch den geforderten Preisabbau sabotieren. Warum war man so ängstlich? Warum hat man es nicht auf den gefürchteten Staatskommissar ankommen lassen? Es wäre schließlich ja auch möglich gewesen, daß der Herr Staatskommissar von dem Herrn Reg.=Präsidenten in Arnsberg den gleichen Auftrag erhalten hätte, wie seine beiden Kollegen in Berlin. Die haben nämlich durch den Oberpräsidenten eine ausdrückliche Sparorder mit auf den Weg bekommen: 40,5 Mill. sollen durch den Sparkom. gestrichen werden. Wenn man allerdings der Ueberzeugung lebt, in Schwerte gebe es nichts zu sparen, dann muß man so abstimmen wie geschehen. Sollte der böse Staatskommissar aber doch nach Schwerte gekommen sein— nicht zum Sparen, sondern zum Erhöhen der Steuersätze— so bestand immer noch die Möglichkeit, daß er uns die Steuern nicht in der vom Bürgermeister geforderten Höhe auferlegt hätte. Hagen hat z. B., dessen Finanzen in viel größerer Unordnung sind, hat nur 90 Prozent Erhöhung der Gewerbesteuer erhalten. Hier 108 Prozent! Wird der Gewerbetreibende die neue Steuer tragen können? Man frage einmal beim Amtsgericht nach, wieviel Zahlungsbefehle und Versteigerungen vorliegen, und man hat die Antwort auf obige Frage. Dann aber„Ade Preisabbau!" Vorsichtigerweise ist im Eingesandt vom 18. 12., dessen Inhalt natürlich— abgesehen vom ersten Absatz meinen vollen Beifall findet, nur von der Gewerbesteuer die Rede. Da man die Erhöhung der Grundvermögenssteuer nicht erwähnt, bin ich versucht anzunehmen, daß auch die Stadtväter endlich einsehen, daß eine Erhöhung der zuletzt genannten Steuer nicht nur den bösen Hausbesitzer, sondern in Wahrheit den Mieter trifft. Ein großer Teil aller Abgaben der Hausbesitzer ist in der gesetzlichen Miete enthalten. Jede Erhöhung dieser Abgaben seitens der Stadtvertretung wird durch eine Erhöhung der gesetzlichen Miete auf den Mieter umgelegt, dem dadurch die Lebenshaltung empfindlich gekürzt wird. So bedeutet die jetzige Steigerung um 39 Prozent eine Erhöhung der Miete um 7 Prozent. Die Mieter mögen genau prüfen, wer ihnen dieses Weihnachtsgeschenk hat zukommen lassen. Und den Gewerbetreibenden werden wohl die Augen darüber ausgegangen sein, wer ihre Interessen bei dieser Steuervorlage vertreten hat. Nicht das Berufsständige ist das Notwendige im Gemeindeleben, sondern es ist nur zum Vorteil des städtischen Parlaments, wenn Vertreter dort tagen, die durch übergeordnete, politische Organe, die von höherer Warte aus Notwendigkeiten und Belange des durch sie vertretenen Volksteiles erkennen können, Richtlinien erhalten, denen zu folgen gewöhnlich dann dem Wohl der Gesamtheit dient. Einer, der bei der letzten Gemeindewahl politisch wählte, obgleich ihm die Liste auch nicht gefiel. In der Weihnachtswoche ist die Badeanstalt geöffnet: Montags von 14 Uhr bis 20 Uhr Dienstags von 8 Uhr bis 20 uhr Mittwochs von 3 Uhr bis 18 ühr : Wir empfehlen gutes, starkes Pack-Papl • SOwie Leines, buntes Seiden-Papier CARL BRAUS er kenner wissen es dass sie beim Kauf eines Salamanden Schuhes zu Mk. 12 5%der 15 50 das Qualltätsen zeugnis der grossten deurtschen Schuhfabrik kaufen. 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Diese Frage erhob sich wohl bei vielen Lesern der„Schwerter Zeitung", als sie das Eingesandt in Nr. 296 zu Gesicht bekamen. War es bewußte Irreführung oder der Zustand völliger Erinnerungsstörung, als an die Spitze des Eingesandts gesetzt wurde:„Wenn man Stadtverordnete nach Parteizugehörigkeit und nicht berufsmäßige Vertreter wählt.“ Ich habe mir die Liste der letzten Stadtverordnetenwahl vorgenommen und festgestellt, daß es darauf nur eine wirklich berussmäßige Liste gibt für Handwerk und Gewerbe, und gerade diese Herren haben mit ihrem Obmann im Magistrat für Erhöhung der Gewerbe= und der Grundvermögenssleuer gestimmt, also die Interessen ihrer Wähler gröbsich verletzt, wie das einem der Herren in der letzten Versammlung des Hausund Grundbesitzervereins auch mit erfrischender Deutlichseit##sagt wurde. Es machte sich allerdings die#trübliche Entscheidung bemerkbar, daß sich diese Herren der Tragweite ihrer Abstimniung gar nicht bewußt sind, daß sie m. E eingewickelt worden sind. Sie hätten nämlich wissen müssen, daß als Stichtag für die im Jahre 1931 zu senkende Grundvermögens= und Gewerbesteuer der 1. Januar gesetzt worden ist. Es ist unverständlich, daß die Bürgermeister versuchen, noch einen möglichst hohen Etat zustande zu bringen, weil Rückvergütung des Staates im nächsten *- Luftpost zur Weihnachts= und Neujahrszeit. Wegen Einstellung des Flugdienstes an den beiden Weihnachtsfeiertagen und am Neujahrstag ruht der Luftpostverkehr an diesen Tagen. Am 24. und 31. Dezember wird der Luftpostverkehr wie an den übrigen Werktagen durchgeführt. Aus den Nachbar=Städten w Bentheim. Leichenfund auf den Schienen. Zwischen Nordhorn und Neuenhaus wurde die Leiche eines jungen Mannes auf den Schienen der Reichsbahn aufgefunden. Nach den polizeilichen Feststellungen handelt es sich bei dem Toten um den 23jährigen de Jong aus Nordhorn. Gummersbach. Das neueste Kurfuschmittel.— Rohe Kartoffeln. Vor dem Amtsgericht stand ein„Heilkundiger“, den ein „Kollege“ angezeigt hatte. Das Wort von der Krähe, die der anderen kein Auge aushackt, erfuhr eine sehr deutliche Wiederlegung durch die Heftigkeit, mit der die beiden„Naturforscher" aufeinander losgingen. Der Angeklagte entwikkelte die Theorie seiner Behandlungsweise, auf die er durch eigene Krankheit— vielleicht auch durch den Verlust seiner früheren Existenzquelle, eines Fahrradgeschäftes,— gekommen sei: Die rohe Kartoffel, mit der er seinen Patienten, vor allen Dingen natürlich leichtgläubigen Frauen, den Leib und kranke Glieder einrieb, habe ein ungeheueres Od an Magnetismus, verstärkt durch seine magnetische Hand. Natürlich erzielte er, da er wahllos alle Krankheiten auf diese Weise„behandelte“ finanzielle Erfolge. Man verurteilte ihn milde zu 50 Mk. Geldstrafe wegen Kurfuscherei und zu 30 Mk. wegen Hausierens. 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Von Frédérie Fraucois Marsal, ehem. französischen Ministerpräsidenten. Vorbem. d. Schriftltg.: In nachstehenden Ausführungen gibt der bekannte französische Verfasser einen Ueberblick über die hauptsächlichen Gründe, die an der augenblicklichen Weltwirtschaftskrise die Schuld tragen. Vom Standpunkte des Verfassers aus ist es verständlich, wenn er die wesentlichste Ursache der Krise, die deutschen Tributzahlungen, nicht erwähnt. Tatsächlich wird die Frage von neuem aufgeworfen: Sind wir in der Lage, den Zeitpunkt anzugeben, da die augenblickliche Weltwirtschaftskrise ein Ende nehmen wird, oder können wir dieses vielleicht beschleunigen? Die Frage liegt recht vielen Menschen am Herzen, da fast jede Industrie unter der Krise zu leiden hat. Doch bevor ich die Voraussetzungen zur Behebung dieser Krise nenne, muß ich ein paar Einschränkungen machen: Krieg und politische Faktoren scheiden bei der Erörterung dieser Frage ganz aus. Nur wirtschaftliche Kräfte dürfen eine Rolle spielen, soll ich in der Lage sein, die Mittel und Wege zur Behebung dieser Krise in großen Zügen zu umreißen. Dies vorausgesetzt, bin ich der Ansicht, daß die Weltwirtschaftskrise in dem Augenblick verschwinden wird, da die Bestände an Rohstoffen und Fertigfabrikaten sichtlich abnehmen. Da es nun unmöglich ist, daß beide gleichzeitig sich vermindern, so kann der Bestandsrückgang nicht in allen Industrie= und Handelszweigen derselbesein. Mit anderen Worten: Die Wiederbelebung der Wirtschaft wird nicht allgemein sein, sondern sich auf einzelne Gebiete und Zweige beschränken. Den besten Maßstab für eine Wiederbelebung der Wirtschaft werden die Preise für Rohstoffe abgeben. Der Preissturz, den alle Industrieerzeugnisse erlebt haben, wird ein Ende sinden, womit sofort das Gleichgewicht zwischen Verbraucher und Hersteller erreicht ist. In diesem Augenblick dürste eine Periode der Preisstabilisierung eintreten, und zwar bevor die Belebung der Wirtschaft einsetzt. Soll diese. Preisstabilisierung wirkungsvoll sein, so ist eine Bereinigung des Rohstoffmarktes erforderlich. An Hand des Umfanges, in dem diese Bereinigung durchgeführt wird, läßt sich dann bestimmen, ob wir vom Ende der Krise noch weit entfernt sind. Die Wiederherstellung des Rohstoffmarktes wird durch zwei Faktoren beeinflußt, die beide davon abhängen, in welchem Maße Industrieerzeugnisse durch Syndikate kontrolliert werden. Industrien, die einem nationalen oder internationalen Syndikat angeschlossen sind, ersteuen sich mehr oder weniger der finanziellen Unterstützung derjenigen Gruppen, aus denen das Syndikat besteht. Einzelfirmen, die einem Trust oder Syndikat angehörigen, sind stark genug, um einen Preissturz aushalten zu können, und ihnen fällt es nicht schwer, das Gleichgewicht zwischen Erzeugung. und Verbrauch durch eine Einschränkung der Fabrikation herzustellen. Je mehr wir in den nächsten Monaten in die Lage kommen, die Erzeugung einzuschränken, umso rascher werden wir uns der wirtschaftlichen Gesundung nähern. Ich weiß, daß viele Leute dauernd wiederholen, alle in dieser Richtung unternommenen Versuche der verschiedenen Syudikate seien gescheiert. Den Grund hierfür haben wir in der Tatsache zu suchen, daß zwischen Erzeugung und Verbrauch ein größeres Mißverhältnis bestand, als man dachte. Um Wandlung zu schaffen, müssen wir Ausdauer beweisen und uns nicht durch Rückschläge entmutigen lassen. Auf jeden Fall geht aus den neuen Versuchen, die im Augenblick unternommen werden, hervor, daß die Erzeuger diese Methode keineswegs aufgegeben haben. Ganz anders ist die Lage dort, wo Industrie= erzeugnisse, die nicht der Kontrolle eines Syndikats unterliegen, in Frage kommen. So sind z. B. die vielen kleinen Unternehmer, die in Amerika oder Australien Baumwolle oder Kupfer erzeugen, nicht immer in der Lage, dem Sturm standzuhalten, und für sie gab und gibt es nur eine Lösung der Frage. Erzeuger von Kupfer, Wolle oder Baumwolle, die sich, besonders was finanzielle Reserven anbelangt, in weniger günstiger Lage befinden als ihre Nachbarn, müssen den Konkurs anmelden. So wird das Gleichgewicht auf den betreffenden Märkten durch Schließung eines Teils der Minen, Schaffarmen und Pflanzungen wieder hergestellt werden. " Der fachmännische Beobachter vermag demnach an Hand der Konkurszahlen innerhalb der Rohstoffindustrie festzustellen, ob die augenblickliche Wirtschaftskrise ihrem Ende entgegen geht. Wenden wir unser Augenmerk der Halbwarenindustrie zu, die auch unter der Krisis zu leiden hatte, so werden wir finden, daß dort eine Geschäftsbelebung nur dann möglich ist, wenn es gelingt, die Preise der Erzeugnisse merklich herabzusetzen. In gewissen Ländern und Industrien hat diese Preissenkung bereits begonnen. Hier möchte ich feststellen, daß dieser Preisrückgang sich schon auswirkt, bevor der Verbraucher überhaupt etwas davon merkt. Wie wir wissen, setzt sich der Gestehungspreis aus folgenden Positionen zusammen: Löhne, allgemeine Unkosten, Steuern usw. Sobald alle diese einzelnen Faktoren einer Verbilligung unterworfen werden, können wir mit Bestimmtheit voraussagen, daß die Gesundung nicht mehr fern ist. In Krisenzeiten und wenn irgend welche Schwierigkeiten wirtschaftlicher Art sich bemerkbar machen, pflegen sich die Länder durch Errichtung von Zollmauern zu schützen. So kam es auch, daß eine Zeitlang eine richtige Welle des Protektionismus über die ganze Welt hinweg ging. Die Schwierigkeiten, unter denen heute die Industrien leiden, werden geringes werden und zuletzt ganz weichen, in dem Augenblick, da eine Vergrößerung ihres Absatzgebietes ihnen die Zuversicht gibt, daß die Wiederbelebung des Geschäftes in absehbarer Zeit bevorsteht. Die Weltwirtschaftskrise wird demnach aufhören, sobald es den einzelnen Staaten möglich ist, eine liberalere Handelspolitik zu treiben. Zum Schluß noch ein Punkt. Neben den großen Industrieländern wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich u. Deutschland, die immer Vorkämpfer des Fortschrittes waren und dazu beitrugen, die Zivilisation in anderen Ländern zu fördern, gab es große Länder mit einer zahlreichen, aber noch etwas rückständigen Einwohnerschaft, in denen die führenden Industrievölker für Fortschritt, Arbeit und Wohlfahrt sorgten. Ich denke hier an Rußland und China, zwei Staaten, die bei Ausbruch des Krieges im Begriff standen, sich eine eigene Industrie zu schaffen. Heute sind diese Riesengebiete durch Krieg und Revolution dem Welthandel und der Weltindustrie entzogen worden. Sie stellen ein Viertel der gesamten Bevölkerung der Erde dar. Natürlich hat dieser ungeheuerliche Verlust an Absatzmöglichkeiten das Gleichgewicht zwischen der Masse der Erzeuger und diesen Millioneu von verarmten Verbrauchern gestört, die heute nichts dazu beitragen, um das Werk zu stützen und belohnen, deren erste Nutznießer sie waren. Letzterer Faktor ist vielleicht der Hauptgrund dafür, warum heute kein Gleichgewicht Die Wintermanöver der Die Wintermanöver der Reichswehr haben begonnen. Sie finden östlich von Schwerin an der Warthe im ausgedehnten Warthebruch zwischen dem 17. und 19. Dezember statt. Der Lang der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyright br Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 20. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Selbstverständlich suchte ich die Furchtsame zu beruhigen, aber sie bat mich auf den Knien, den Palast noch in derselben Stunde mit ihr zu verlassen. Schließlich gab ich nach. Durch Bestechung der Dienerchaft glückte es uns, hinauszugelangen. Im Auto erreichten wir noch am selben Tage Kalkutta, wo sich Sonja unter den Schutz des russischen Gesandten stellte. Beim Abschied streifte sie den Ring, der ihr nach ihrem Glauben den Tod bringen sollte, vom Finger und reichte ihn mir zum Andenken. Ich schiffte mich ein und habe nie wieder etwas von der Russin gehört. Zweifellos haßte mich seit jenem Tage der Fürst und hielt mich für den Entführer seiner Lieblingsfrau, der Rani Sonja. Ich habe nach meiner Rückkehr den seltenen und kostbaren Ring Frau Stein geschenkt, die ihn jedoch auf Wunsch ihres Gatten nie trug. Wahrscheinlich hatte der Inder ein großes Interesse an der Wiedererlangung dieses Schmuckes und hat durch Privatdetektive feststellen lassen, in wessen Händen der Ring sich jetzt befand. Dies wäre immerhin eine Möglichkeit. Und nun hat ihn Gregor Parta seinem rechtmäßigen Besitzer wieder zugestellt.“ Ein eindrucksvolles Schweigen herrschte im Zimmer. Doktor Messerschmidt sand als erster die Sprache wieder.„Das alles ist ja sehr abenteuerlich.“ Er hätte ebensogot sogen können:„Das glaube ich nicht!“ Horst Schöttler erheb sich, wütend über die Aeußerung des Doktor Messerschmidt. „Wenn Sie mir kein Vertrauen schenken, Herr Landgerichtsrat, werde ich auf eigene Faust handeln. Alle daraus resultierenden Ergebnisse behalte ich mich zur Verwertung vor.“ Doktor Messerschmidt sah seinen Gast durch die scharfen Gläser forschend ins Gesicht. Vielleicht dachte er im selben Augenblick an den Beruf Schöttlers. Wenn an den Berichten dieses Mannes etwas Wahres war— und daran brauchte man wohl nicht zu zweifeln!—, wenn es ihm tatsächlich gelang, durch seine Initiative Licht in den Fall Stransky zu bringen, dann würden die Zeitungen der Weltpresse vielleicht auch diese eben stattgefundene Unterredung bringen— und davon würde ein gewisser Herr Doktor Messerschmidt nicht viel Ruhm haben. Man würde wieder einmal die Kurzsichtigseit der Polizei betonen, vorgesetzte Stellen würden aufmerksam werden—— Der Untersuchungsrichter riß diese Gedankenkette gewaltsam ab. „Eine Frage noch—“, sagte er gewolltgleichgültig, sich ebenfalls erhebend.„Sie sprachen von einem Zusammenhang zwischen dem Diebstahl des Ringes und dem Ueberfall auf die Tänzerin— wie denken Sie sich das?“ Schöttler blieb die Antwort nicht schuldig. Er gab sie ganz leise. Nach einer Weile, fast schon zwischen Tür und Angel, gab Doktor Messerschmidt seine Anweisung. Sie fiel so aus, wie sie sich Horst Schöttler gewünscht hatte: Kriminalkommissar Vogel wurde ihm für drei Tage zur Verfügung gestellt. Dann fuhren die Herren in verschiedenen Richtungen davon: der Untersuchungsrichter zu Mia Stransky, Horst Schöttler in Gefängnis zu Manfred Stein. In seiner Beglettung befand sich Vogel. *** Ir der Wohnung Mia Stranskys hatte es inzwischen eine kleine Revolution gegeben. Sofort nach dem Erwachen der Täuzerin aus ihrer Bewußtlosigkeit war Doktor Friedländer benachrichtigt worden. Er kam im Auto und beglückwünschte seine Patientin. „Nun sind wir über den Berg. Noch einige Tage Ruhe, und Sie können wieder tanzen“, meinte der joviale alte Herr. Mit den„einigen Tagen Ruhe" war Mia Stransky nicht so ohne weiteres einverstanden. „Ich habe Verpflichtungen, Herr Doktor, ich muß—“ Mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit rief sie nach ihrer Zose. „Schnell Hanna, bringen Sie mir einen Block! Was habe ich alles versäumt!“ Das Mädchen wurde verlegen.„Der Notizblock ist von Herrn Doktor Messerschmidt zu den Akten genommen worden, gnädiges Fräulein...“ Mia strich sich mit einer raschen Gebärde das wirre Haar von der Stirn. Nur langsam kam ihr die Erinnerung. Ach so— wie war das doch? Der Sanitätsrat kam ihr zu Hilfe. „Sie müssen sich jetzt nicht über das Vergangene aufregen! Versuchen Sie zu schlafen, gnädiges Fräulein.“ Er verschrieb ein Kräftigungsmittel und empfahl sich dann. Von seinem Sprechzimmer aus rief er den Untersuchungsrichter an. Für ihn persönlich hatte sich die Angelegenheit zur Zufriedenheit erledigt. Mochte nun der Kollege von der anderen Fakultät sehen, wie er mit der Genesenen fertig wurde. Während die Schwester für eine Uinute das Zimmer verließ, rief Mia Stransky die Zose an das Bett. Die Erinnerung war ihr wiedergekehrt, es spukte nur alles noch etwas wirr im Kopfe herum. „Sagen Sie mal, Hanna, hat man etwas Belastendes bei mir gefunden! Sie sprachen von einem Doktor Messer.. ich habe den Namen vergessen— tut nichs zur Sache— wer ist das!“ Die Zose gab Auskunft. Run sah Mia Stransty klar.„Ach so, der Untersuchungsrichtee...“ In diesen Worten zitterte offenkundige Enttänschung. M Und in ihrer haftigen Weise das Gespräch weitertreibend:„Ich hoffe, Sie haben geschwiegen!“ Die Zofe beteuerte es. „Weiß man, daß Gregor jede Nacht—?“ „Der Untersuchungsrichter hat nicht gefragt“ erwiderte Hanna. Mia Stransky lag einige Sekunden ruhig. Sie dachte angestrengt über etwas nach. „Gregor war an dem Unglückstage hier, bevor ich zur Modenschau zu Lampert fuhr— hat der Untersuchungsrichter davon erfahren?" fragte sie plötzlich, das Mädchen fixierend. Ich habe davon beim Verhör geschwiegen, wie gnädiges Fräulein schon beim ersten Besuch des Herrn Bruders anbefohlen latte.“ Die Tänzerin schien befriedigt zu sein. Sie wollte dann noch eine Frage stellen, mußte aber davon absehen, weil die Krankenschwester zurückkam. Zu ärgerlich dieser Fall. Das hatte nun gerade noch gefehlt, daß die Polizei in ihrem Heim herumschnüffelte. Wo mochte nur Gregor stecken? Und da war wieder die wütende Angst: Wenn er unversehens in der Wohnung auftauchte und den Geheimpolizisten in die Arme lief?! Das hätte Komplikationen ergeben können, die gar nicht auszudenken waren! Aber schließlich siegten Einsicht und Vertrauen: Gregor war kein Anfänger. Er wußte vielleicht besser Bescheid über das Geschehene und die drohende Gefahr, als sie selbst. Doktor Messerschmidt fand die Tänzerin gut erholt vor. Sie nahm seine Glückwünsche mit ihrem bezaubernsten Lächeln entgegen. Was wußte der Untersuchungsrichter, welche Gedanken inzwischen hinter ihrer schönen Stirn kurzten?! Gedanken, die sich schon mit dem kommenden Verhör beschäftigten— Gedanken, die mit Fuchs=Schlauheit nach einem Rotausgang sochten?! (Versetzung falgt.) mehr zwischen Welterzeugung und Weltverbrauch Dies sind meiner Ansicht nach die verschiedenen Faktoren, die ein aufmerksamer Beobachter in seiner Diagnose beachten muß, will er den Augenblick bestimmen, da die Krise ein Ende nehmen und die Wiederbelebung der Wirtschaft bemerkbar werden wird. 5 Winters Anfang Schwerte, den 22. Dezember 1930. Wenn man den Wetterpropheten Vertrauen schenken kann, wird der kommende Winter sehr milde. Mancher mag sich wohl einen Winter zurückwünschen, wie er 1617 war. Da gab es in Westfalen weder Frost noch Schnee. Im Jahre 1552 blühten im Dezember die Rosen zum zweiten Male, und im Jahre 1559 begann man um Neujahr schon, Hafer auszusäen. Recht mild, aber gewitterreich war der Winter 1556. Da gingen am Tage nach Weihnachten so schwere Gewitter nieder, daß viele Türme vom Blitz getrossen und teilweise in Asche gelegt wurden. Immerhin: Zum Winter gehört Schnee, jener geheimnisvolle Cesell, der sich im Lause des Jahres als letzter Gast und als letztes Geschenk einstellt. Er ist nur ein Gast; seines Bleibens ist nie lange. Er erscheint uns als Verneinung des Lebens, als Leichentuch der Erde. Diese aber ist jung und schön und denkt nicht ans Sterben, und auch kann uns der Schnee nichts anhaben. Wir schaffen ihn mit tausenden von Händen aus der Stadt, und draußen dient er uns zu Spiel und Sport und Kurzweil. Und nicht lange, dann ist der sonst unbequeme und bleiche Gast erledigt und verläßt uns, und die Welt wird wieder grün. Ja, er ist nur ein Gast.— Er ist aber auch ein Geschenk, ein Segen. Ohne ihn wäre die Erde längst vereist und tot. Es klingt ja so einsach und doch ist ein Geheimnis dabei. Und wir erzählen es unseren Kindern als Wunder und schauen selber einen Augenblick in diesen rätselhaften Flockentanz, der schön und lusterregend, aber auch so unheimlich ist, daß die Tiere draußen im Walde, die Vögel und die Rehe, einen Todesschreck bekommen, immer wieder, jedes Jahr beim ersten Schnee, so daß uns selber wieder ein leises Grauen übertommt... und der doch so geheimnisvoll gütig ist, so leicht u. köstlich niederspielt, wie schmerzloser Tod— nein, nicht Tod, sondern Schlummer, heilsame Winterruhe, segensvolle Hülle, Lebenserhaltung... Das alles bedeutet der Schnee.— Die Kälte war der Germanen grimmigster Feind, und doch glaubten sie, die irdische Welt sei aus Eis und Schnee hervorgegangen. Eis= und Schneeriesen waren Unholl:, die zu besiegen, Thor seinen zauberhaften Hammer schwang. Und ein ewiger Winter, der Fimbulwinter, war das Vorzeichen kommenden Unterganges. Allcemeine öffentliche WeihnachtsRotsammlung Es wurden folgende weitere Beträge gezeichnet: sam zu machen. Hell erstrahlten die Weihnachtsbäume auf den Plätzen unserer Stadt und lustig wehten die blau=weißen Fahnen im Winde. Wer sein„Christkindchen" noch nicht gekauft hat, möge die letzten Tage vor Weihnachten nicht versäumen, denn in unserer Stadt ist reichlich Gelegenheit dafür geboten. Bestandene Prüfung. Die Praktikantin der hiesigen Adler=Apotheke, Fräulein Erika Dellmann, bestand vor der Prüfungskommission der Regierung in Arnsberg die pharmazeutische Assistentenprüsung mit „sehr gut“.+— Herzlichen Glückwunsch! Die Badeanstalt ist heute von 14 bis 20 Uhr geöffnet, Dienstag von 8 bis 20 Uhr und Mittwoch von 8 bis 18 Uhr. Es empfiehlt sich, die Badeanstalt schon am Montag oder Dienstag zu benutzen, da sonst der Andrang am Mittwoch zu groß wird. X St. Thrmas=Taa. Eine Jahrhunderte alte, eigenartige Sitte konnte man am gestrigen Tage in unserer Gegend wieder beobachten. Bekanntlich ist der 21. Dezember nach dem Apostel Thomas genannt; er bringt uns als kürzesten Tag des Jahres den Tiefstand der dunklen Jahreszeit. Die Freude darüber, daß es nun mit der Tageslänge langsam wieder bergan geht, äußert sich in vielen Gegenden unserer Heimatprovinz nach uraltem Brauch darin, daß die Jugend in den frühen Morgenstunden mit Fackeln durch die Straßen zieht. Diese Fackeln bestehen aus einer ausgehöhlten Runkelrübe mit einem hineingeschnittenen menschlichen Antlitz— Augen, Nase, Mund — welches im Scheine einer Kerze phantastisch leuchtet. Dazu ertönt in langgezogenen Tönen der Eselsschrei„I. A.“ Auch ist es Sitte, am Thomastage den an seiner Arbeit als Letzten oder verspätet Erscheinenden mit dem Eselsschrei gelinde zu verhöhnen, um ihm damit anzudeuten, daß er ein träger Langschläfer sei, dem augenscheinlich auch die längste Nacht des Jahres noch zu kurz für sein Schlafbedürfnis sei. Der auf diese Weise„Ausgezeichnete“ ist dann der„Thomas=Esel" des Betriebes und wird den ganzen Tag damit geneckt. Der Kommunalpolitische Ausschuß der Deutschen Volkspartei Westfalen=Süd tagte am vergangenen Freitag unter zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Wahlkreises in Dortmund. Der Vorsitzende, Dr. HanholzBochum, betonte in seinen einleitenden Ausführungen die Notwendigkeit, die kommunalpolitische Organisation im Wahlkreis auszubauen. Seine diesbezüglichen Vorschläge wurden einstimmig angenommen und ein besonderer Ausschuß mit der Ausarbeitung der Richtlinien beauftragt. Sodann behandelte Dr. Hanholz in eingehendem Vortrage eine Anzahl bedeutungsvoller Fragen der Kommunal= politik, u. a. die Auswirkung der Steuernotverordnung vom 16. Juli ds. Is. auf die Entwicklung der Gemeindefinanzen. Er stellte fest, daß sich für alle Städte im Jahre 1930/31 ein erheblicher Fehlbetrag ergeben werde, hervorgerufen durch die steigenden Wohlfahrtslasten infolge der Arbeitslosigkeit. Die Erschließung sämtlicher in der Notverordnung den Gemeinden zur Verfügung gestellten Steuern (Bürger=, Bier= und Getränkesteuer) decke noch nicht einmal die durch den Rückgang der Steuereingänge entstandenen Mindereinnahmen, geschweige denn die durch die steigenden Wohlfahrtslasten entstanednen und noch entstehenden Mehrausgaben. Bei aller Anerkennung der grundsätzlichen Bedeutung der Bürgersteuer, müsse festgestellt werden, daß die Steuernotverordnung vom 16. Juli den Gemeinden eine finanzielle Hilfe nicht gebracht habe. Nicht vollkommene zwecklose und sinnwidrige Steuererhöhungen, sondern eiserne Sparsamkeit in allen Zweigen der Verwaltung sei das Gebot der Stunde. Erfreulich sei die Initiative des volksparteilichen Führers Dr. Dingeldey, Ssiessemmmm Haupt=Jahresversammlung der Freiw. Feuerwehr 1020“ geu tatkräftig zu fördern Anstello der hi N. N. N. N. dazu bisherige Zeichnung Herzlichen Dank! 106.— M Sa. 8026.— M Gedenktage. 23. Dezember: 1827: Der österreichische Admiral Wilhelm v. Tegetthöff in Marburg a. d. Drau geboren(gestorben 1871).— 1865: Der deutsche Heerführer Herzog Albrecht von Württemberg in Wien geboren.— 1870: Rom wird Hauptstadt Italiens. : W e t t e r b e r i c h t d e r W e t t e r w a r t e E s s e n v o m 21. Dezember 1930. Während der Luftdruck über England und dem östlichen Europa hochgeblieben ist, ist er über Mitteleuropa gefallen und ein Randtief macht sich von Frankreich bis Nordwestdeutschland durch Trübring und leichte Regenfälle bemerkbar. Die Wirkung des Tiefs über dem Nordmeer zeigt sich über dem nördlichen Europa. In Norddeutschland war das Wetter heute morgen meist heiter, im Westen und Norden aber trübe und neblig, verschiedentlich ging Nebelregen nieder. Die Temperaturen lagen im Westen und Norden bis 5 Grad über Null und in Mittel= und Süddeutschland bis 9 Grad darunter. Der Kahle Asten meldete mäßigen Nordwind, Nebel und 1 Grad Wärme. Wetteraussichten bis Montag: Meist bewölkt, zeitweilig auch etwas aufheiternd und vereinzelt Regenfälle, wenig kühler. Wetteraussichten bis Dienstag: Zunehmende Bewölkung und wieder Regen, mild. Der„goldene Sonntag“. verlief in Schwerte hinsichtlich der Witterung gerade nicht günstig und legte seinem Namen kaum Ehre ein. Der erwünschte Verkehr setzte erst in den späteren Nachmittagsstunden ein. Inwieweit die Kauflust zu ihrem Recht kam, dermögen wir nicht festzustellen, doch glauben wir, daß diese hatte besser sein können. Die Geschäfte in;inserer Stadt hatten sich ganz auf den goldenen Sonntag eingestellt; die Schausenster waren prächtig dekoriert und es war nichts unversucht gelassen, um die Einwohnerschaft auf die hiesige Weihnachtsmesse aufmerkSchwerte, den 22. Bezemver 1930. # Am Samstagabend fand im Vereinslokale Kordeck, Kampstraße, die Jahresh auptversammlung der hiesigen Freiw. Feuerwehr statt, zu der die Mitglieder der Wehr fast vollzählich erschienen waren. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Oberbrandmeister Hudeck machte der Schriftführer Weinkauf die Anwesenden zunächst mit dem Jahresbericht bekannt, dem wir u. a. folgendes entnehmen: Ende 1930 hatte die Wehr einen Bestand von 57 altiven Mitgliedern, gestrichen wurden drei und neu ausgenommen wurden zwei Mitglieder; ferner tritt noch ein Kamerad von Castrop=Rauxel der Wehr bei. Das Andenken des vorstorbenen Kameraden Seegrefe wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. Im letzten Jahre wurden 5 Vorstandssitzungen, 3 Generalversammlungen und 10 Uebungen abgehalten; eine gemeinsame Uebung mit der Geisecker Wehr hat stattgesunden. Die Schlußübung fand am Schlachthof am 25. Oktober d. J. in Gegenwart behördlicher Vertreter statt; Bürgermeister Schlegtendal sprach hier der Wehr im Namen der Bürgerschaft Dank und Anerkennung für ihre uneigennützige Tätigkeit im Dienste der Nächstenliebe aus. Ferner wurden bei dieser Gelegenheit die Jubilare ausgezeichnet. Die hiesige Wehr wurde innerhalb des Jahres zu 8 Bränden(3 Großfeuer, 4 Kleinfeuer und 1 Kaminbrand) gerufen. Einmal wurde sie zur Befreiung eines Lebensmüden von der Hochspannungsleitung benötigt, zum anderen nach Absturz eines neuen Kamins am Amtsgericht. Mitglieder der hiesigen Freiw. Feuerwehr nahmen am Kreisverbandsfeste in Hohenlimburg und am Provinzialfeuerwehrtag teil, sowie an der Einweihung des Steigerturms in Geisecke. Desgl. wurde am 7. Dezember der technische Feuerwehrtag in Iserlohn besucht.— Ausrüstungen und Gerätschaften befinden sich in einem guten Zustande und die Gasschutzausrüstung wurde vervollständigt.— Die Anwesenden hatten an diesem Jahresbericht nichts auszusetzen. Unter Punkt 2 erfaßte man Bericht über die Rechnungslage; auch hier erfolgte die Zustimmung der Mitglieder. Zu Punkt 3 erstattete Brandmeister Schöbel einen Bericht über den technischen Kreisfeuerwehrtag in Iserlohn. Er wies auf die lehrreichen Vorträge hin und machte nähere Mitteilungen über die Schauübung auf der Alexanderhöhe, an der auch die Freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz teilgenommen hat. Von einer Berichterstattung über den Verbandstag wurde Abstand genommen, da dieser bereits in der Generalversammlung im November erfolgt ist. Dann folgte die Wahl von Vorstands. mitgliedern, die durch Akklamation vorgenommen wurde. Zum älteren Brandmeister wurde Kamerad Schöbel, zum„Finanzminister“. Kamerad Heinrichs, zum Spritzenführer Kamerad Bischoff durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Alle Wiedergewählten dankten für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen und versprachen, auch fernerhin der Wehr die Treue zu halten und ihre Bestrebunist ein gen talträstig zu sordern.— Anstelle der bisherigen Kassenrevisoren Kramer und Hecke wurden die Kameraden Klüh und Aug. Kramer gewählt. Punkt 6 betraf die Wahl der Delegierten für den Westf. Verbandstag. Es sind dies die Kameraden Kordeck und Waldmann, als Ersatzleute wurden die Kameraden Weinkauf und Kathol aufgestellt. Die Lokalfrage fand insofern eine schnelle Erledigung, als ohne Aussprache einstimmig das Vereinslokal Kordeck wiedergewählt wurde. Unter Punkt 8 wurde über den Eingang von Schriftstücken berichtet. Z. T. sind diese schon im November verlesen worden. U. a. teilte die Stadt Schwerte mit, daß mit Rücksicht auf die schlechte finanzielle Lage Bestellungen der Feuerwehr vorher genehmigt werden müssen, was, wie mitgeteilt wurde, fast immer bereits geschieht.— Im folgenden Punkt kam man auf die Arbeitsgemeinschaft zu sprechen. Die Statuten, die kleine Abänderungen erfahren haben, wurden nochmals verlesen. Wir entnehmen diesen nur, daß die Wehren Schwerte und die der benachbarten Gemeinden eine Arbeitsgemeinschaft bilden. Zweck dieser Arbeitsgemeinschaft ist die Aufrechterhaltung der Sterbekasse, gemeinsame Erledigung von Feuerwehr= arbeiten usw. Vorsitzender des Vorstandes ist der Stadtbaurat der Stadt Schwerte. Man hofft, daß auch die benachbarten Wehren; die sich der Arbeitsgemeinschaft noch nicht angeschlossen haben, dieser in Zukunft beitreten werden. Unter Punkt Verschiedenes wurde zur Kenntnis genommen, daß Kamerad Kordeck das Verdienstabzeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen erhalten hat. Für diese unerwartete Auszeichnung dankte der Geehrte in herzlicher Weise. Ferner wurde beschlossen, am letzten Samstag im Januar und Februar des nächsten Jahres je einen Uebungsabend zu veranstalten. Man kam noch auf Einzelheiten des letzten Brandes zu sprechen und auf den Ersatz von Brandschäden, die einige Wehrleute beim Brande der Scheune„Mutter Möller“ an ihrer Kleidung erlitten hatten. Nachdem auch diese Frage ihre Klärung gefunden hatte, konnte der Oberbrandmeister nach 1½stündiger Versammlungsdauer gegen 10 Uhr die Zusammenkunft schließen, nicht, ohne vorher seinen Dank und seine Anerkennung auszusprechen für die geleistete Tätigkeit der einzelnen Wehrleute in diesem Jahre. Des weiteren sprach er die Hoffnung aus, daß auch im kommenden Jahre jeder seinen Mann stellen möge, eingedenk der Worte: „Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr!" Im anschließenden gemütlichen Beisammensein verlebten die Teilnehmer noch recht vergnügte Stunden. Beim fröhlichen Umtrunk, Vorträgen und humoristischen Einlagen wurde das einigende Band neu gesestiet und gestärkt und man konnte den Eindruck mit nach Hause nehmen, daß die Schwerter Bürgerschaft vertrauensvoll auf ihre Wehr blicken dark, die immer dann schnell auf den Posten ist, wenn ihre Hilfe erforderlich wird.. Lex. der Sparkasse Schwerte der die Reichsregierung auf die verhängnisvollen Folgen der Bestrebungen vieler Städte und Gemeinden hinwies, die Realsteuern noch vor dem 31. Dezember zu erhöhen, und entschlossenes Eingreifen der Reichsregierung verlangt habe. An der sehr eingehenden und interessanten Aussprache beteiligten sich: Dr. Bisplinghoff=Dortmund, Frau FiekArnsberg, Bardet=Dortmund, Dr. BeckerIserlohn, Funcke=Hagen, Kraushaar= Witten, Schütz=Dortmund, BerensmannKamen, Stratmann=Dortmund Westerfilde, Holfeld=Castrop=Rauxel, Neuhaus=Witten, Uhlmann=Dortmund, Dr. PhilippiDortmund, Ebbinghaus=Kamen, Ebeling=Wattenscheid, Weydekamp=Iserlohn. Zusammenlegung der Gaue Münsterland und Sauerland des Deutschen Jugendherbergs=Verbandes. In der gestrigen Hauptversammlung, die im „Haus der Jugend“ in Dortmund stattfand, wurde die Zusammenlegung der beiden Gaue beschlossen. Der Gau Münsterland wurde aufgelöst. Die Geschäftsstelle ist in Iserlohn. Der 1. Vorsitzende des Gaues Sauerland, Landrat Dr. Loos, trat von seinem Posten zurück. 1. Vorsitzender wurde Landeshauptmann von Steinen, Geschäftsführer Kockskämper. Auf die sehr bewegte Sitzung kommen wir noch ausführlich zurück. Ohne Umschlag versandte gedruckte einfache Weihnachts= und Neujahrskarten, die hinsichtlich der Größe, Form und Papierstärke den Bestimmungen für Postkarten entsprechen müssen, kosten sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch im Fernverkehr 3 Rpf. Es dürfen in diesen Karter außer den sogenannten Absenderangaben(Absendungstag, Name, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders) noch weitere 3 Wörter, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. Als solche zulässige Nachtragungen gelten z. B. die üblichen Zusätze„sendet",„Ihre",„Dein Frund",„sendet Ihr“, „sendet mit besten Grüßen Ihre" usw. Werden solche Karten im offenen Umschlag versandt, so kosten sie sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch nach außerhalb 5 Rsg. Der Lokomotivführer Schnaubend steht das Dampfroß in der Halle, Ueberdruck entweicht durch die Ventile. Kundig prüfend blickt des Führers Auge, Ob in Ordnung alles am Getriebe. Kräftig mit der Hand faßt er den Regler, Wenn zur Abfahrt das Signal gegeben. Wuchtig strömt der Dampf in die Zylinder, Daß die Räder knirschend sich bewegen. Ganz allmählich steigert er das Tempo, Die Geschwindigkeit am Messer prüfend, Bis die Kilometerzahl ihm kündet auf des Tachometers Rund, der Zeiger. Aufmerksam gibt Acht er auf die Strecke, Daß kein Hemmnis auf der Fahrt ihn störe. Auch den Dampfdruck kontrolliert er ständig, Ebenso die Druckluft für die Bremsen. Ist zur Einfahrt das Signal gezogen, Stoppt er ab die Schnelligkeit des Zuges, Bis er diesen in der Bahnhofshalle durch den Bremsklotzdruck zum Stillstand zwingt. Weiter geht der Lauf des strengen Dienstes, Regen, Nebel oder Schneegestöber halten ihn nicht ab von seinen Pflichten, Bis die letzte Station ihm winket. Kurz nur ist der Aufenthalt im Bahnhof, Wo zur Rückfahrt nach dem Plan er rüstet, Bis zur Abfahrt ruft der Fahrdienstleiter, Dann Volldampf voraus! fährt er zur Heimat. Albert Knülle. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpol'tik, Jeuilleion Provinzselles. Gerschtssaal u. Sport Leus Eberhard Lez, Schwerte. Grtch venen int östhet der Berchrrichuna ten Bettenarhic. wie Brötchen, in Gastwirtschaften Von der Pressestelle des Westsälischen Provinzial=Wirte=Verbandes wird uns geschrieben: Durch die Notverordnung vom 1. Dezember ds. Is. ist das Brotgesetz vom 15. August 1930 außer Kurs gesetzt und neu geschaffen worden. Als erste Maßnahme wird sich das Verbot der Abgabe und des Feilhaltens von Weizengebäck in Hotels, Restaurationsbetrieben und Gastwirtschaften auswirken, das am 8. Dezember bereits in Kraft getreten ist. Der Deutsche Gastwirtsverband hat unverzüglich, sowohl bei dem Herrn Reichskanzler, als auch beim Reichstag, gegen diese Maßnahme protestiert. Auch die Bäcker=Organisation, sowie der deutsche Mehlhandel, haben gegen diese Bestimmung protestiert. Auch der Westfälische Provinzial=Wirte=Verband hat Protest erhoben gegen diese Maßnahme mit der Begründung, daß die Notverordnung ein Schlag ins Wasser ist, daß jeder Gast sich durch den Hausdiener oder Kellner Weißbrot besorgen lassen kann. Am Verzehr kann man ihn doch nicht hindern. Der einzige Erfolg ist neue Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Schädigung des mit Steuern überlasteten Bäckerei= und gastronomischen Gewerbes. Vor allem wird der Landwirtschaft kaum ein Dienst erwiesen, weil die Betriebe trotz der Notverordnung anstatt der Weizenbrötchen keineswegs in nennenswertem Maße Roggengebäck beziehen werden Das Publikum wird sich nicht vorschreiben lassen, ob es Weizen= oder Roggenbrötchen essen soll. Der Gast wird, wenn er im Restaurant keine Weißbrötchen kann, solche eben mitbringen, oder aus der nächsten Metzgerei, die ja heute alle Brötchen feilbieten, und auch weiter verkaufen können, holen lassen. Die N iverordnung wird auf jede nur mögliche Weise ungangen werden. Der schönste Schleichhandel wird in den Gastwirtsbetrieben befürchtet, da Pagen, Zimmermädchen und Kellner inoffiziell dem Gast die gewünschten Weißbrötchen zu verschafefn suchen. Unter keinen Umständen aber vi d sich ein Mehrverbrauch von Roggengebäck er#elen lassen. Im übrigen ist es ein Unding, eine Nategorie von Menschen, nämlich die Gäste von Restaurationsbetrieben und dergl. schlechter zu behandeln, als das übrige Publikum, das jederzeit in der Lage ist, sich im Bäckerladen— und wie gesagt, auch beim Metzger— Weißbrot und anderes Gebäck aus Weizenmehl zu beschaffen. Die Berliner Bäckermeister schätzen den Ausfall an Weißbrötchen, der dadurch entsteht, daß in Gastwirtschaften kein Weizengebäck mehr verabreicht werden darf, auf eine Million Stück je Tag. In Berlin gibt es 20 000 Gastwirtschaften außer Kantinen, Klubs, Logen, Sportverbänden usw., die von dem Verbot betroffen werden. Von nun an dürfen nur noch Brötchen zur Ausgabe gelangen, die zu 80 Prozent Roggen“ mehl und nur 20 Prozent Weizenmehl enthalten, wührend das bisherige Mischverhältnis meist 50 zu 50 war. Die Bäcker glauben, daß sie den Ausfall an Weizenbrötchen auf keinen Fall durch Mehrkonsum von Roggenbrot bezw. Roggenbrötchen ersetzen können. Die vorgeschriebene Mischung an Weizen und Raggen ist technisch undurchführbar. Es liegt also zweifellos im Interesse des Publikums wenn diese Sonderverordnung, die der Landwirtschaft keinen Nutzen bringt, beseitigt wird. Iserlohn Was verbietet der Landrat Iserlohn? Sämtliche Versammlungen und Demonstrationen unter freiem Himmel sind für den gesamten Landkreis Iserlohn verboten. Amt Westhofen 1 Westhofen. Weihnachtsfeier im Gemeindehaus. Am zweiten Weihnachtstage, nachmittags 3,40 Uhr, findet im Gemeindehause eine Weihnachtsfeier statt, zu der alle Gemeindeglieder eingeladen sind. Es haben sich viele Kräfte für die Mitwirkung zur Versügung gestellt. Ein größeres Weihnachtsspiel von Dr. K. Horch wird von Mitgliedern des Jungmännervereins und seiner Jungschar aufgeführt. Der Jungmädchenverein wird mit einer Reigenvorführung auswarten. Vor allem wird die Feier auch eine reiche musikalische Ausgestaltung erfahren. Bewährte Kräfte, die vom Totenfest noch in guter Erinnerung sind, wirken mit im Posaunen=, Klavier= und Geigenspiel. Ein Eintrittsgeld wird zu dieser Veranstaltung nicht erhoben.. 1 Westhofen. Fälligkeit der Bürgersteuer. Nachdem für die Stadt Westhofen die Bürgersteuer eingeführt worden ist, wird darauf hingewiesen, daß diese Steuer in zwei gleichen Raten zu zahlen ist, und zwar an die Amtskasse in Westhofen. Die erste Rate ist fällig am 10. Januar und die zweite am 10. März 1931. ! Westhofen. Wie stehtes um die Milchpreissenkung? Der Kleinhandelspreis für Milch betrug im hiesigen Bezirk bis Anfang dieses Monats 28 Pfennig. Gemäß einem Beschlusse des rheinisch=westfälischen Milchausschusses wurde ab 27. November der Erzeugerpreis um einen Pfennig je Liter herabgesetzt. Um diesen Pfennig verminderte sich alsdann der Kleinhandelspreis. Die Händlerspanne blieb fast überall auf 10 Pfennig je Liter stehen. In den Kreisen der Verbraucher und der Erzeuger wird es als ungerecht empfunden, daß die Händler der von den Erzeugern vorgenommenen Preissenkung bisher nicht im geringsten gefolgt sind. Umsomehr ist dieses Empfinden zu verstehen, als die Erzeuger mit der Preisherabsetzung gerade in der jetzigen Zeit, da die Futtermittel nicht allzu reichlich sind, ganz gewiß ein Opfer gebracht haben. Hoffentlich folgen auch hier bald die Händler dem guten Beispiele, daß die Erzeuger sowie auch die Händler in angrenzenden Gebieten gegeben haben. So ist z. B. im Amte Fröndenberg der Kleinhandelspreis für Milch von 28 auf 26 Pfennig und dann nochmals um 2 Pfennig, also auf 24 Pfennig gesenkt worden. Die Händlerspanne beträgt dort brutto 8 Pfennig je Liter. ! Garenfeld. Ein Unterhaltungsabend für Schule u. Jugendpflege findet am Sonnabend, den 27. Dezember, im Saale der Wirtschaft Soeding statt. Die Veranstaltung geht aus von der Schule in Garenfeld und ist von deren Leiter auf das sorgfältigste vorbereitet. Das umfangreiche Programm sieht Schülerchöre, Deklamationen, Barren=, Pferd= und Bodenturnen der Schüler sowie mannigfaltige Solodarbietungen vor. Anschließend soll im Kreise der Eltern ein gemütliches Beisammensein stattfinden. Für den musikalischen Teil ist die Kapelle Hohnert=Hagen verpflichtet. ! Syburg. Gemeindefeier. Am zweiten Weihnachtstage, nachmittags 5 Uhr, wird in der Kirche eine Gemeindefeier mit Weihnachtsaufführungen veranstaltet. Es wirken der Jungmänner= und der Jungmädchenverein mit. Amt Ergste m. Ergste. Bestandene Prüfung. Vor dem Prüfungsausschuß für das Baugewerbe für den Stadt= und Landkreis Iserlohn bestand der Zimmerlehrling Wilhelm Hopius die Gesellenprüfung mit dem Prädikat„Gut". Lehrmeister ist der Zimmermeister Heinrich Bornemann in Ergste. m. Ergste. Steuerkarten. Die Steuerkarten für die Gemeinde Ergste sind nunmehr fertiggestellt und können dieselben auf dem hiesigen Amtsbüro in Empfang genommen werden. Die Arbeitgeber werden darauf hingewiesen, daß auf der letzten Seite die Bürgersteuer aufgetragen ist. Die erste Rate muß am 10. Januar 1931 an die Amtkasse Ergste in Hennen abgeführt werden. Abschnitt A und B der Steuerkarte sind als Quittungen für die Kasse bezw. für den Arbeitnehmer abzutrennen. m. Ergste. Gemeinderatssitzung. Im hiesigen Amtshause fand gestern eine Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung statt, die sich mit der Erhöhung der Realsteuerzuschläge zu befassen hatte. Nach eingehender Aussprache, in der von allen Vertretern zum Ausdruck gebracht wurde, daß eine weitere Steuererhöhung den Zahlungspflichtigen nicht zugemutet werden könne und für sie untragbar sei, lehnt das Kollegium einstimmig die Erhöhung der Realsteuerzuschläge ab. Es wurde von den Vertretern dann auf allen Gebieten Einsparungen in erheblichem Maße verlangt.— Zu gleicher Zeit fand in Berchum eine Sitzung der dortigen Gemeindevertretung statt, an der auch Bürgermeister Overbeck teilnahm. Die Tagesordnung war dieselbe. Auch hier wurde eine Erhöhung der Realsteuerzuschläge abgelehnt. m. Hennen. Mutterberatung. Am Dienstag, den 23. Dezember ds. Is., findet nachmittags um 3 Uhr auf dem Gemeindebüro in Hennen eine Mutterberatungsstunde statt. Um 5 Uhr am gleichen Tage findet die Beratung in Drüpplingsen in der Wirtschaft Vieler statt. In Nr. 577/578 der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 12. Dezember 1930 beschäftigt sich der Präsident des Deutschen Landkreistages Dr. von Stempel mit der Sanierung der Kommunalfinanzen. Nachdem durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 die Sanierung der Reichsfinanzen in die Wege geleitet sei, wäre es nun dringende Aufgabe der Gesetzgebung, die Finanzen der Gemeinden und Gemeindeverbände zu sanieren. Die durch die Notverordnung geschaffenen neuen Steuerquellen brächten keine fühlbare Erleichterung. Die finanzielle Notlage der Gemeinden und Gemeindeverbände sei kein Symptom für das Versagen der Selbstverwaltung. Der Grund für die katastrophale Finanzlage sei vielmehr die Arbeitslosigkeit mit ihren Auswirkungen auf dem Gebiete der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge. Diese belaste noch mehr als die Einzelgemeinden die Stadt= und Landkreise als Bezirksfürsorgeverbände, die nach den gesetzlichen Bestimmungen zur Betreuung der aus der Arbeitslosenversicherung und Krisenunterstützung ausgeschiedenen Arbeitslosen verpflichtet sind. Präsident von Stempel stellt die Frage, ob es überhaupt zu den Aufgaben und Möglichkeiten der kommunalen Selbstverwaltung gehört, diesen Massennotständen aus eigenen Mitteln zu begegnen und ob dies nicht vielmehr ausschließlich Sache des Reiches ist. Letztere Frage wird bejaht und damit die Forderung verbunden, aus Mitteln des hierfür allein verantwortlichen und zuständigen Reiches den belasteten Gemeinden und Gemeindeverbänden zu helfen. Volksleben und Wirtschaft ha. Für 3 Pfg. Drucksachenkarten mit Antwort. Ohne Umschlag versandte Drucksachen in Form von einfachen Karten mit anhängender Antwortkarte sind jetzt für 3 Pfg. zugelassen. Die Karten können auf der Antwort neben den Aufdrucken für diese noch andere Werbungen des Absenders enthalten. Die Antwortkarte steht dem Absender der Doppelkarte bis auf die für die Anschrift bestimmte rechte Hälfte der Vorderseite und auf dem für die Antwort vorgesehenen Teil voll für die Werbung zur Verfügung. Doppelkarten, deren anhängender Teil keine Antwort darstellt sondern nur gedruckte Mitteilungen enthält, sind weiter mit 5 Pfg. freizumachen. ha. Ausnahmen im Luftpostverkehr an den Festtagen. An den beiden Weihnachtsfeiertagen und zu Neujahr ruht der Luftpostverkehr bis auf einige Ausnahmen. Beflogen wird am 26. Dezember die Linie Amsterdam—Paris und am 1. Januar Amsterdam—London. Am 24. und 31. Dezember wird der Luftpostverkehr wie an den übrigen Werktagen durchgeführt. einzeln oder zusammen in die Gärten, um Spatzen abzuschießen und vernichten damit, weil sie keine Vogelkenntnis besitzen, eine große Menge von Buchfinken, insbesondere Buchfinkenweibchen, Grünlinge und im Sommer auch Heckenbraunellen und Fliegenschnepper! Alles Vögel, die für den Laien eine gewisse Aehnlichkeit mit den Sperlingen haben. Ein anderer schießt bewußt alles planlos vom Baum herunter, was er erreichen kann, um seine Kunst im Schießen zu zeigen, ohne daß er an den so bitter notwendigen Vogelschutz denkt! So helfen nicht nur Vogelfänger und Katzen an der Vernichtung unserer Vogelwelt, sondern auch deutsche Jungens mit ihren Luftbüchsen. Es kann nicht eindringlich genug in der Presse, in der Schule, im Elternhaus auf die Gefahren und Nachteile eines derartigen Vergehens hingewiesen werden. Wenn auch für das Luftgewehr ein Waffenschein nicht erforderlich ist, so ist doch das Schießen an bewohnten und belebten Orten verboten. Außerdem liegt ein Verstoß gegen die neuesten Schutzbestimmungen vor, wonach alle Vögel, mit Ausnahme weniger schädlicher Arten, das ganze Jahr hindurch geschützt sind. Alle Naturfreunde richten daher die dringende Bitte an die Eltern: Keine Luftgewehre zu kaufen, ohne den Jungen zur Pflicht gemacht zu haben, nur auf tote Scheiben zu schießen. Was hören wir im Rundsunk? Dienstag, den 23. Dezember 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,50: Kinderstunde. 16,20: Frauenstunde. 16,40: Aus Leben und Erziehung. 17,15: Vesperkonzert. 18,15: Für den Landwirt. 18,40: Französische Unterhaltung. 19,25: Wirtschaft und Gesellschaft im Buch. 19,45: Märchenmusik. 21,00: Erste Abendmeldungen. 21,05: Das Gotteskind. Luftbüchsen und Vogelwelt Mancher Vater wird auch im vergangenen Jahr sich besonnen haben, was schenke ich meinem Jungen zu Weihnachten? In vielen Fällen wird er dem stürmischen Verlangen nachgegeben und seinen Söhnen im Alter von 10—17 Jahren eine Luftbüchse als Geschenk auf den Weihnachtstisch gelegt haben.— Dies alles ist ja schön und gut, solange der Vater oder ein älterer Bruder die Aussicht über das Schießen ausübt und dafür sorgt, daß unter Beachtung der erforderlichen Vorsicht auf Scheiben geschossen wird.— In den allermeisten Fällen verhält es sich jedoch anders.— Sobald die Weihnachtstage vorüber sind, ziehen die Beschenkten Kapitänleutnant von Mücke spricht für den neugegründeten 8 Zeitschriftenschau Wie Lichter auf dem Weihnachtsbaum so blitzen und leuchten die Witze und Anekdoten der Fliegenden Blätter durch Wochen und Monde und erhellen nicht nur Feiertage, nein jede Stunde des Jahres mit ihrem Schein und ihrer Fröhlichkeit. Seinen Lieben und allen, denen man eine Freude machen will, diese freundlichen Leuchten als Begleiter zu gesellen, ist ein schönes und nicht teueres Geschenk. Und deshalb ist ein Abonnement auf die Fliegenden Blätter die beste und willkommenste Weihnachtsgabe, die man wählen kann. Die wöchentlich erscheinenden Heste bringen immer neue Witze und Schnurren, Humoresken und Satiren, sie enthalten aktuelle Glossen zu den Fragen der Woche in Reim und Prosa, und sind damit auch ein Zeitspiegel von nie veraltender Wichtigkeit. Die Illustrationen zu den literarischen Beiträgen beweisen die Mitarbeit erster Künstler auf dem Gebiet der Karikatur, der humoristischen Zeichnung, des Genrebildes und der eleganten Geselschaftsschilderung. Dazu kommt, daß jedes Heft Rätsel jeder Art für die Rater enthält und daß reizvolle Preisausgaben mit erheblichen Preisen alle jene, die selbst lustige Einsälle haben und diese irgendwie gestatten können, immer wieder euffordern nicht nur mitzulachen, sondern auch mitzuerleben. Diese Mitarbeit schließt den fröhlichen Kreis zwischen Blatt und Lesern im Geben und Nehmen von Frohsinn und Lustigkeit. Unpolitisch, aber deutsch, humorvoll, aber ohne gewollte Pikanterie sind die Fliegenden ihrer Tradition und ihrer Art nach das Witzblatt für jeden, der bodenständigen Humor und heimatliche Fröhlichkeit liebt. Das Abonnement auf die Fliegenden Blätter kann jederzeit begonnen werden Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und jedes Postamt entgegen, ebenso auch der Verlag in München 27, Möhlstraße 34. Die seit Beginn eines Vierteljahres bereits erschienenen Nummern werden neuen Abonnenten auf Wunsch nachgeliefert. nus der Samstas=Krmmer U Das Ziel des Verbandes ist der Kampf gegen die radikale Demagogie von links und rechts. G M SIS N 0 K O AlR RIAIT Roman von Erika Riedbera Tote Augen Copyright by Martin Feuchtwunger. Halle(Saale) 20. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Wieland fuhr nach Paris. In Livertys Haß und Rachedurst besaß er den besten In seinem Reichtum den wirksamsten Heifer, einen Schlüssel, dem kein Schloß widerstand. Sein ergrautes Haar, der dunkle, gefärbte machten ihn unkenntlich! Sein fließendes Russisch erleichterte die Komödie, sich als russischer Untertan auszugeben. So, mit allen Mitteln ausgerüstet, begann er die Jagd. Der erste, den sie fanden, war Senteck. Er war weiter geschritten auf der Bahn des Verbrechers. Hochstapler! Zuhälter! Abend für Abend auf den Fang aus nach jenen Naiven, die meinen, aus eigenen Kräften und Erfahrungen mitschwimmen zu können im Taume des Pariser Nachtlebens. Von der Loge aus, die Wieland für die ganze Saison gemietet hatte, beobachtete er ihn. Sah, wie Seutecks Opfer sich in dem geschickt gespannten Netz fingen— und berechnete kaltblütig, wann dieses Netz sich um den Gimpfelfänger selbst zuziehen würde. Jetzt wurde es Zeit. Die Ueberfälle mehrten sich. Nicht immer verltef die Sache so unblutig wie am heutigen Abend. Gelang es nicht, bei den unerfahrenen Besuchern des Montmartre im Lokal zum Ziel, das heißt zum Ausplündern zu kommen, so wurde draußen auf dem Nachhause. wege, im Schutze der dickstämmigen, alten Bäume, die die Straße nach Paris, einsäumen, die letzte Hand angelegt. Ein Sprung aus dem Dunkeln, ein Schlag auf den Kopf Dem Ueberfallenen wird die Nacht noch schwärzer. Leere — Leere umgibt ihn— Stille. Im besten Falle findet er sich beim Erwachen nur ausgeplündert. Ein Opfer des Montmartre, der schimmernden, geheimnisvollen Gauklerin Paris. Es war Wieland gelungen, das Schlimmste bei diesen Ueberfällen, hauptsächlich in ihren Folgen, zu verhüten. Ganz sicher sollte der Verbrecher werden, und ein reichliches Konto seiner letzten Taten sollte man ihm vorhalten können. bevor er ihn entlarvte und die Verhaftung vornehmen ließ. Mit dem heutigen Tage war die Frist abgelaufen. Morgen!! Wielands Augen starrten durch die Fenster. In spukhaftem Tanz flogen die noch immer grellerleuchteten Häuserfronten vorbei. Er gewahrte es kaum. Schemen! Bedeutungslose Begleiterscheinungen auf seinem Wege zu dem einen Ziel... Morgen! Morgen entschied sich das Schicksal des einen! Und wann das des anderen? Es war nicht fern; er fühlte es mit kalter, mitleidloser Gewißheit. Am anderen Tage wurde vom Polizeileutnant des Reviers in tiefster Geheimhaltung eine Razzia angeordnet, die sich über den Montmartre und seine nächste Umgebung erstrecken sollte. Vom heutigen Abend an blieb die kleine Loge leer. Der Aufwärter aber, mit den dunklen, haßerfüllten Augen, wurde vierundzwanzig Stunden später an des Polizeileutnants Seite beordert. Täglich, sobald die Pforten zu den Kunstschätzen des Louvre geöffnet waren, erschien ein seltsames Paar. Ein noch junger, aber krank und verfallen aussehender Mann, dem zur Seite ein zartes, schlankes Mädchen in einfacher Kleidung ging. Sie schritten von Saal zu Saal, verweilten hier längere Zeit vor einem Kunstwerk. Immer hungriger hafteten die Mädchenaugen auf jedem einzelnen dieser Herrlichkeiten. Der Mann gab leise Erklärungen. Er freute sich offenbar über die Begeisterung und Empfänglichkeit seiner Begleiterin; doch er schien zu müde, um sie zu teilen. Sein Blick flackerte, seine Hände zitterten, nervös griffen sie umyer. Schließlich sagte er leise: „Mir ist nicht gut, Margot! Laß uns nach Hause gehen.“ Bestürzt sah sie ihn an. „O ja! Gewiß! Du siehst sehr müde aus. Nur einen kurzen Gruß der Gioconda, dann gehen wir nach Hause und du legst dich gleich wieder hin.“ Sie gingen schneller nach dem großen Saal, in dem Leonardos Meisterwerk mit ewig unenträtselten Augen von der Wand schaute. Die Hände leicht auf die niedrige Schutzgalerie vor dem Gemälde gestützt, fanden sie, anscheinend völlig vertieft, einen hochgewachsenen Herrn vor. Beim Nähertreten des Paares wich er ein wenig zur Seite. Sein bleiches Gesicht überlief eine noch tödlichere Blässe. Die wie zu Stein verhärteten Züge blieben regungslos. Ein scheuer Blick des Mädchens streifte ihn. Zu dritt standen sie vor dem Gemälde: dem unsterblichen Abbild einer unsterblichen Liebe; schweigend und voller Andacht. Dann wandte der große, dunkle Herr dem Manne und seiner Begletterin langsam und voll sein Angesicht zu.. Drei Augenpaare begegneten sich, wurzelten ineinander: kurz, staunend, fremd.. Friedrich Wieland war nicht erkannt worden. Kein böser und kein guter Geist verriet dem Maler Urban, daß er soeben minutenlang neben dem gestanden hatte, der, auferstanden aus einem Grabe, im Ramen gerechter Vergeltung gekommen war. „Komm, Margot! Laß uns gehen. Ich kann heute nicht mehr.“ Das Mädchen starrte noch immer dem Fremden nach. Er schritt jetzt mit seinen ruhigen Bewegungen, ohne zu ihnen hinzublicken, weiter, von Bild zu Bild. „Was für seltsame Augen“, murmelte sie. Auf einen ungeduldigen Ruf Urbans nahm sie seinen Arm und führte ihn hinaus. Es war ein langer Weg bis zum lateinischen Viertei, wo der Maler Urban ein Atelier gemietet hatte. Krank, abgehetzt wie ein verfolgtes Tier, war er eines Tages die vier Treppen zu dem verlassenen Atelier eines jüngst verstorbenen deutschen Maiers hinaufgehastet. Die verwaiste Tochter des Kollegen, der, wie so viele hier, weder Glück noch Ruhm, wohl aber schließlich, darauf verzichtend. ein bescheidenes Auskommen als Muster= und Reklamezeichner gefunden hatte, öffnete ihm. Der Maler Urban, jetzt Franz Lubin genannt, war der Mieter Margot Severins geworden. Mütterlich forgte sie für den abgehetzten, erschreckend nervösen Mann. Die ganze schwere, erschütternde Krise des Schaffenwollens und nicht Schaffenkönnens durchlebte sie mit ihm. Ihr saufter Zuspruch, das liebevolle, seine Verständnis für eines Künstiers ewig zweifelvolle Seele erretteten ihn allmählich aus dem tiefen Verfall geistiger und körperlicher Kräfte. Er begann wieder zu arbeiten. Und wie Margot ihren so oft verzweifelnden Vater geführt, geiröstet, so versuchte sie geduldig auch diese mißhandelte Scele, die nach Trost und Frieden rang, zu trösten. Und mit allerletzter Kraft, mit fanatischer Verehrung und Dankbarkeit, klammerte sich Urban an diese Retterin. In ihrer Gegenwart kam seine fürchterlichste Gewissensangst ein wenig zur Ruhe. Der Schrecken vor dem Entdecktwerden, vor der Verfolgung verkroch sich. Die mütterlich sorgenden Hände dieses reinen Mädchens mußten ja die Dämonen verscheuchen. Bei ihr war er geborgen. Dann wieder riß ihn aus diesem scheinbaren Frieden das Entsetzen der Seibsterkenntnis: „Wic darfst du es wagen, ihre reine Nähe mit dem Fluch deiner Gegenwart zu beschmutzen, zu entweihen?“ Belog und betrog er sie nicht mit jedem Wort? Mit seinem ganzen Dasein? Hätte sie sich nicht mit Entsetzen von ihm gewandt, wenn sie die Wahrheit erfuhr? Sein Verbrechen auch nur ahnte? Oh! Nie! Nie durfte sie es wissen! Er fühlte so gewiß: Der Abscheu, in den sich ihre Sorge und Anhänglichkeit verwandeln würde, zerrisse den letzten Lebensfaden, stürzte ihn in Nacht und Sterben. Es gelang ihm, trotz der fast immer in Reue und Qualen durchwachten Nächte, trotz der nie verlöschenden, verzehrenden Sehnsucht nach Wera Hagen, hin und wieder eine Arbeit Aber sie war anderer Art als seine früheren. Und das war das Unbegreifliche hier in Paris, wo auch der Modernste staunend das Vermächtnis der Alten. der Großen empfinden und auf sich wirken lassen mußte. Wenn Lubin stundenlang mit Margot Severin durch die Weihetempel Louvre und Luxembourg geschritten war. wenn sein Auge sich sattgetrunken an wahrer Schönheit. deren Gesetze, immerdar feststehend, System und Mode überdauern— so schuf sein Geist jedoch andere Werke. Sobald er nach Hause kam, warf er sich auf das Ruhebett Und heimlich, streng wie Verbotenes behütet vor seiner treuen Pflegerin, mischte er sich den Zigaretteniabat mit Opiumkügelchen— rauchte, rauchte stundenlang, bis eine Phantasie in Haschischträumen Bilder um Bilder entstehen ließ. Und was er so schaffte in krankhafter Eile, im Rausch, in steter Angst, die Wirkung könne vor Beendigung der Arbeit abnehmen— das waren Meisterwerke einer aus allen Fugen gegangenen Vorstellungskunst... Sehr häufig kehrten altgewohnte Bacchantenzüge— Tänze nackter Gestalten in zartester Anmut, in tollster, diabolischer Raserei, überwältigender Sinnenzauber, Zynismus wüster Trunkenheit, zügellose Wollust wieder— und dennoch— über dem Ganzen ein sehnsüchtiges Suchen nach dem Ideal göttlich reiner, heiterer Freude. Diese beständig durch Opium bis zum Wahnsinn aufgepeitschte Phantasie zerrüttete seinen Körper mehr und mehr. Um der Pein völliger Schlaflosigkeit zu entgehen, warf er sich wieder in das Pariser Nachtleben, aus dem ihn Margots reine Gegenwart erlöst hatte. Und hier begegneten sie sich eines Tages: Senteck und Urban. Von nun an ging es reißend schnell bergab. Kaum wenige Stunden arbeitete er noch. Was er aber in dieser kurzen Zeit schaffte, übertraf alle bisherigen Werke. Er verließ das Atelier immer seltener. Grauen vor dem Begegnen mit Senteck packte ihn und hielt ihn auf dem Ruhebett fest. Dann, nach längerer Zeit, gab er einmal den Bitten Margots nach, mit ihr ein Kunstwerk im Louvre zu bewundern, das von einem bisher Unbekannten sogleich in diese höchste Ruhmesstätte aufgenommen war. Und an diesem Tage sah ihn Friedrich Wieland— stand er Seite an Seite mit ihm— unerkannt. Wahrlich: Wen der Heer verderben will, den schlägt er mit Blindheit. Es war ihr wie ein Wunder: fast täglich um dieselbe Stunde trafen der hochgewachsene, dunkle Fremde und Margot Severin irgendwo zusammen. Schüchtern blickte sie verstohlen zu ihm hin. Tief erschrocken wandte sie sich ab, sobald seine Augen den ihren begegneten, um doch, wie magnetisch angezogen, jede seiner Bewegungen zu beobachten. Und eines Tages trat er grüßend zu ihr heran. Heiße Röte umflammte ihre Wangen. Zaghaft und doch erwartungsvoll sah sie zu ihm auf. Wieland stellte sich unter seinem angenommenen Ramen vor. Sie begannen zunächst ein Gespräch über die Bildwerke. Bewundernd erfaßte sie jedes seiner Worte. „Sind Sie auch Maler, mein Herr!“ fragte sie kindlich. Und als Wieland kopfschüttelnd verneinte, begann sie zutraulich zu erzählen: „Ich kam mit meinem Vater, einem deutschen Maler, vor Jahren hierher nach Paris. Er genoß so glücklich an diese Kunst— aber er selbst hatte kein Glück. Er quälte sich hin in Entsagung, bis er dann, als die Rot vor der Tür stand, die Kraft fand, den Ruhmesträumen zu entsagen. Er wurde Musterzeichner, malte Reklamebilder, wurde wie er bitter sagte, Handwerker. Vor längerer Zeit ist er gestorden. Wieland nickte stumm. Er hatte die ganze einfache Geschichte dieses jungen, treuherzigen Mädchens längst erfahren. „Ich sah Sie wiederholt mit einem Begleiter!“ sagte er. „Ja! Der Herr ist auch Maler. Franz Lubin. Er hat des Vaters Atelier gemietet. Er ist oft krank. Ich pflege ihn ein wenig.“ Offen begegnete sie Wielands forschendem Blick. „Gefallen Ihnen die Arbeiten des Malers Lubin?“ „Nein!“ antwortete sie zögernd.„Mir gefallen sie nicht. Aber Kenner haben sie gerühmt!“ Nach kurzem Schweigen fragte Wieland:„Sind noch Gemälde aus Ihres Vaters Nachlaß in Ihrem Besitz, mein Fräulein?“ „Ja! Und gerade die, die er für seine besten hielt— aber nie verkaufen konnte.“ „Obwohl ich nicht Maler bin, interessiere ich mich sehr für gute Gemälde. Namentlich für die Werke derjenigen Künstler, die nicht die laute Anerkennung des Publikums fanden. Es würde mir eine Freude sein, Ihres Vaters Nachlaß einmal betrachten zu können.“ Margot sah strahlend zu ihm auf. „Oh, mein Herr, das wird für mich eine große, große Freude sein.“ „Aber“, fügte sie bedenklich hinzu,„ich wohne sehr bescheiden im allerbescheidensten Winkel—“ „Schadet das den Bildern?“ fragte er mit schwachem Lächeln „Oh, mein Herr! Aber Sie sehen sehr, so sehr nach Eleganz und Reichtum aus. Sie haben gewiß noch nie eine Dachwohnung betreten?“ Ein rätselhaftes Zucken überlief seine Züge, als er antwortete: „Ich habe allerdings meistens— tiefer gewohnt.“ Sie erschrak vor seinem Ausdruck. Rasch versicherte sie: „Sehr gern zeige ich Ihnen die Bilder.“ „Ich möchte sie mir in Ruhe ansehen. Wann würde ich Sie allein treffen?“ Sie errötete leicht. „Viel allein bin ich nicht. Herr Lubin fürchtet sich oft wie ein Kind, dann muß ich bei ihm sein.“ „Sie lieben also diesen Herrn Lubin?" Sie starrte ihn dunkelerglühend erschrocken an: „Ihn lieben? O nein! Ich sorge nur für ihn. Er tut mir oft so leid.“ „So wird er eine Leidenschaft für Sie hegen?“ „Rein!“ Sie schüttelte den Kopf.„Leidenschaft sicher nicht! Ich glaube wohl, daß viel Leidenschaft in seiner Vergangenheit liegt, auch viel Unglück, glaube ich; für mich aber fühlt er nur eine allerdings oft bis zur Ekstase gesteigerte Dankbarkei, eine Abhängigkeit, wie die eines Kindes von der Mutter.„Mein letztes Glück! Meine Erlösung!, das sind so seine Bezeichnungen für mich; aber Liebe, Leidenschaft, nein, gewiß nicht, die empfindet er nicht für mich.“ Margot sprach das alles so hin, nachdenklich und doch so kindlich mit ihren unschuldigen Lippen. Dann sah sie errötend in das bleiche, vornehme Gesicht, auf die weißen, schlanken Hände, die hohe, gebietende Gestalt. Verlegen sagte sie: „Verzeihen Sie! Ich rede allerlei dummes Zeug, das Sie gar nicht interessieren kann. Sie kennen mich so wenig. Ich bin ein ganz unwissendes Ding. Was könnte ich Ihnen sagen? Es ist nur, weil Sie nach des Vaters Bilder fragten...“ Sie konnte ihre Blicke nicht von ihm losreißen. Seine Augen! Diese Augen! Sie verrieten nichts Sie schienen hinwegzublicken über Zeit und Raum, groß aufgetan, leer— und dennoch mußte eine Geschichte hinter ihnen stehen. Ein Schicksal— alt— mit immergleichem Ende. Margot! Margot! Wahre deines Herzens Schlag! Mit wunderlich unruhvollem Pochen drängt es hin zu dem Manne, zu dem geheimnisvollen Fremden, der deine Seele in Bann schlug, beim ersten Blick in sein rätselhaftes Angesicht! Margot! Das Leben steht vor deiner Tür. Die Schicksalsstunde schlug. Halte dein Herz mit beiden Händen fest. Margoi Severin, was tastest du an dieses Mannes Wesensalt herum? Nein— nicht mit immergleichem Ende. Etwas ganz Seltsames, Tödlich=trauriges— Sie senkte den Kopf. „Wenn Sie kommen mögen— ich würde mich so freuen—.“ Las er alle unbewußten Gedanken? „Ich werde kommen, Fräulein Severin“, sagte er. Ein Klang von Güte war in seinem Ton. „So darf ich Ihnen meine Wohnung nennen?“ „Ich wußte sie längst. Ich kannte auch Ihre Geschichte längst, Margot Severin.“ Sie erbebte vor seinem Blick. „Mein Herr. Sie sind so seltsam. Ich finde mich nicht zurecht. Sie kennen mich kaum und wissen alles von mir. Sie sehen in mich hinein, als wäre ich für Ihren Blick von Glas. Nie in meinem Leven ist mir so zumute gewesen!“ „Sie werden alles begreisen, Fräulein Severin. Denn: ich komme zu Ihnen und dann werde ich Ihnen eine Geschichte erzähten. Bis dahin: Schweigen! Lebewohl!“ (Fortsetzung folgt.)