Die„Schwerter Zeitung" erscheint wöchentlich sechs mel. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Schwerter Volksblatt Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Zeitung Anzeigerpreise für die achtgespast. mmrei## Pfg., tige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen zeile 40 Pf: Fin telefon aufgegedene Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvordergesehn. Betriedsstörungen, dervor gerusen durch böbere Gewalten, übernetzmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 296(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Donnerstag, den 18. Dezember 1930 Verschürste Waffene..9... Scharfe Strasandrohung gegen das bewaffnete politische Bandentum enb. Berlin, 18. Dez.(Eig. Rundf.=Meldung.) Der Reichsminister des Innern hat, der Voss. Ztg. zufolge, dem Reichsrat den Entwurf eines Gesetzes gegen Waffenmißbrauch vorgelegt. Die entscheidenden Bestimmungen lauten u. a.: Wer außerhalb seiner Wohnung, seiner Geschäftsräume oder seines befriedeten Besitztums eine Waffe führt, die ihrer Natur nuch dugu bestimmt ist, durch Hieb, Stoß oder Stich Verletzungen beizubringen(Hieb= oder Stoßwaffen), wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr, wenn mildernde Amstande vorliegen, mit Gerostrase Wer gemeinsam mit anderen zu politischen Zwecken an öffentlichen Orten erscheint und da*.*= ffnot ist wird mit Gefängnis nicht bei bewafftel ist, wird mit unter drei Monaten bestraft. In der Begründung zu diesem Gesetzentwurf wird der geltende Rechtszustand als höchst unübersichtlich bezeichnet und dann folgendes ausgeführt: Eine Reihe von Vorkommnissen in den letzten Monaten hat gezeigt, daß ein grundsätzliches Verbot des Führens von Hieb= und Stoßwaffen in der Oeffentlichkeit nicht genügt, um die vielfach beobachteten schweren Erschütterungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit wirksam und ausreichend bekämpen zu können. Immer wieder ist bei Zusammentößen politischer Gruppen auf den Straßen von Waffen aller Art Gebrauch gemacht worden. Zahlreiche Tötungen und schwere Körperverletzungen waren die Folge dieser Ausschreitungen. Wenn auch die Strafvorschriften des Schußwaffengesetzes gegen das unbefugte Führen von Schußwaffen und die im vorliegenden Gesetzentwurf enthaltenen Strafvorschriften gegen das unbefugte Führen von Hieb= und Stoßwaffen für den Regelfall ausreichen, so genügen sie nicht, um den Gewalttätigkeiten vorzubeugen, die neuerdings in immer steigendem Maße aus politischen Motiven gegen politisch Andersdenkende in der Oeffentlichkeit an der Tagesordnung sind. Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und zur Befriedigung des politischen Lebens muß derartigen Ausschreitungen mit aller Strenge entgegengetreten werden. Der Gesetzentwurf enthält daher eine scharfe Strafandrohung gegen das bewaffnete politische Bandentum. Der Zweck einer wirksamen Bekämpfung des bewaffneten politischen Bandentums kann nur verwirklicht werden, wenn Zuwiderhandlungen eine empfindliche Strafe zur Folge haben. Nur so kann erreicht werden, daß die Waffe als Ausdrucksform der politischen Meinung von der Straße verschwindet. Hierzu erscheint eine Geldstrafe nicht ausreichend. Der Entwurf sieht daher bei Zuwiderhandlungen Gefängnisstrafe nicht unter drei Monaten vor. Der Entwurf will die Bestimmungen über das politische Bandentum nicht als dauernde Vorschrift in das deutsche Strafrecht einfügen, sondern sie nur solange in Kraft halten, als die gegenwärtigen unruhigen Zeiten besondere Maßnahmen notwendig machen. Da die gesetzgeberischen Gründe, die der Bestimmung zugrunde liegen, nämlich die Bekämpfung politischer Gewalttätigkeiten und die Befriedung des politischen Lebens, dieselben sind, die auch zum Erlaß des Gesetzes zum Schutze der Republik geführt haben, bestimmt der Entwurf das Außerkrafttreten des Gesetzes zugleich mit dem Außerkrafttreten des Republikschutzgesetzes, also spätestens am 31. Dezember 1932. Politische Schlägerei wtb. Neustadt a. d. Haardt, 18. Dez. Funkspr.) Mittwoch abend kam es in der hiesigen Turnhalle gelegentlich einer sozialdemokratischen Versammlung zu einer schweren Schlägerei zwischen auswärtigen Nationalsozialisten und sozialdemokratischen Versammlungsteilnehmern. Ein Nationalsozialist, der angeblich einen Revolverschuß abgefeuert haben sollte, wurde so zugerichtet, daß er mit lebensgefährlichen Verletzungen daniederliegt. Ein Versammlungsteilnehmer erhielt einen Messerstich in den Unterleib. Zahlreiche weitere Anhänger beider Parteien wurden mehr oder weniger schwer zugerichtet. Kommunistische Kundgebungen wtb. Königsberg, 18. Dez.(Funkspruch.) Am Mittwochabend veranstaltete die kommunistische Jugend vor dem Königsberger Rathaus, wo die verordnetenversammlung tagte, eine Kundgebung, die zunächst verhältnismäßig ruhig verlief. Die Demonstranten gingen auch zum größten Teil ruhig auseinander. Nach einiger Zeit tauchte jedoch ein neuer Zug von etwa 50 Kommunisten auf. Während dieser Zug am Rathaus vorbeimarschierte, eröffnete ein Teil der Bemonkranten ein Steinbombardement auf das Gebäude. Dadurch wurden im Sitzungssaal ein Doppelfenster und 63. Jahrgang im benachbarten Erfrischungsraum vier Doppelfenster zertrümmert. Ein Stadtverordneter wurde durch einen Steinwurf ander Schulter getroffen. Die Polizei nahm sofort die Verfolgung der Flüchrenven auf. Ein Jungkommunist wurde festgenommen. Rundgebungenin Magereutgvereeten wtb Magdeburg, 17. Dez.(Tel.) Die für Donnerstag, den 18. Dezember, geplante Kundgebung der Nationalsozialisten, in der Adolf Hitler sprechen sollte, sowie die am gleichen Tage geplanten Gegenkundgebungen des Reichsbanners und der Kommunisten sind vom Polizeipräsidenten verboten worden. Das Verbot erstreckt sich sowohl auf Versammlungen unter freiem Himmel wie auch in geschlossenen Räumen. Darüber hinaus sind zur Sicherung des öffentlichen Friedens alle Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel vom 18. Dezember 1930 bis 5. Januar 1931 vom Polizeipräsidenten untersagt worden. In der Begründung des Verbots sämtlicher politischen Veranstaltungen ab 18. Dezember weist der Polizeipräsident von Magdeburg, Dr. Bärensprung, auf eine vor einigen Pllsudskis Gewaltherrschaft Die Errnei den=Drest Eneuft Sihsandsich Hesehl aenscheidet über dad Schicfal der Gesangenen: Eine Interpellation im polnischen Seim Tagen abgehaltene Konferenz hin, zu welcher er die Vertreter der Nationalsozialisten, des Reichsbanners und der Kommunisten geladen hatte. Die Kommunisten waren nicht erschienen. Der Versuch, mit den Nationalsozialisten und Reichsbannervertretern Mittel und Wege zu beSchweres Zugunglück in Spanien 10 Tote, 18 Schwerverletzte wtb Leon, 18. Dez.(Funkspruch.) Unweit des Bahnhofes von Santibanez ist ein Personenzug mit einem Güterzug zusammengestoßen; mehrere Wagen den ineinander geschoben. Soweit bis jetzt festgestellt wurde, sind 10 Personen getötet und 18 verletzt worden, davon sechs sehr schwer. Man befürchtet, daß sich noch weitere Tote unter den Trümmern befinden. wtb. Warschau, 17. Dez. Wenige Minuten vor Schluß der heutigen Nachtsitzung des Seims wurde von den Abgeordneten der ZentrolinkenPartei eine Interpellation eingebracht, in der die furchtbare Behandlung der im Militärgefängnis von Brest=Litowsk eingekerkerten oppositionellen Politiker geschildert wird. Die Interpellation betont, daß die oppositionellen Führer, die ohne Gerichtsbefehl auf Verfügung des Innenministers, General Skladkowski, verhaftet worden sind, in geschlossenem Wagen in unbekannter Richtung verschleppt wurden. Auf der Fahrt wurden sie beschimpft und bedroht. Der sozialistische Führer Dr. Liebermann wurde auf dem Wege nach Brest von den begleitenden Polizisten solange geschlagen, bis er das Bewußtsein verlor. Etwas später blieb das Auto in einem Walde stehen und Liebermann wurde mit Kolbenstößen in den Wald getrieben. Im Walde schlug ihn ein Polizeikommissar zweimal ins Gesicht, sodaß er zu Boden stürzte. Liebermann wurde dann entkleidet und nochmals derart geschlagen, daß er über 20 blutige Wunden davontrug. Gleichzeitig rief man ihm zu:„Du hast es gewagt, Deine Stimme gegen den Herrn Marschall zu erheben.“ Im Gefängnis wurden die Gefangenen von wachhabenden Offizieren und Gendarmen mit den gemeinsten Schimpfworten belegt. Man hielt sie zu den schwersten Arbeiten an. Liebermann, Professor Prager und der ehemalige Ministerpräsident Witos mußten mit Lappen einem kurzen, kleinen Besen, alles oder fast mit mit Die Pleinasenser Temdenfunee Granaten der alten deutschen Wehrmacht wurden von den Kommunisten zu hochexplosiven Bomben umgearbeitet enb. Pirmasens, 18. Dez.(Eig. Runds.= Meldung.) Zu den Bombensunden bei Pirmasens, über die wir vor einigen Tagen berichteten, werden jetzt noch folgende Einzelheiten bekannt. Die Bomoen stammen aus Beständen einer bei Winzeln in der Psalz stationiert gewesenen Fliegerabwehrbatterie. vor dem Einmarsch der Franzosen im Herbst 1918 waren die Granaten in einen Weiher bei Winzeln versenkt worden. Dieser Weiher wurde später von einem Kommunisten gepachtet und nach den Granaten abgesischt. Die Kommunisten arbeiteten die gesundenen Granaten in hochegplosive Bomben um. In dem Weiher sollen sich noch weitere Granaten befinden. Weiter wurden bei den von der Polizei vorgenommenen Haussuchungen in bekannt. in Pirmasens zahlreiche Revolver, Totschläger Beständen pund andere Stich= und Hiebwassen gefunden. In Neustadt an der Haardt wurden gestern bei einer Haussuchung bei Kommunisten zwei Granaten gefunden. Auf dem Exerzierplatz in Zweibrücken wurde gestern nachmittag von der Polizei die Entladung der in Pirmasens gefundenen Vomben vorgenommen. Es wurde festgestellt, daß die Bomben eine große Sprengwirkung aufwiesen. bloßen Händen, Aborte reinigen und Fußböden scheuern. Dr. Liebermann erhielt bei dieser Arbeit einen Herzanfall. Wenn die Abgeordneten die Gefangnisordnung irgendwie verletzten, sperrte man sie in finstere Zellen ein, in denen nicht einmal Kübel für die natürlichen Bedürfnisse standen. Das Lager bestand aus einer Bettstelle ohne Strohsack mit von einander abstehenden Holzleisten. Als Nahrung erhielten die Gefangenen nur etwas Brot und warmes Salzwasser. Der Abgeordnete Popiel wurde eines Nachts auf Befehl eines Hauptmanns in einen dunklen Raum gesperrt. Als er die Schwelle überschritt, wurde er von zwei Gendarmen auf einen Tisch geworfen., 4 un vn 2g. Dann legte man ihm ein nasses Tuch auf den Rücken und versetzte ihm mit eisernen Stäben 30 Hiebe. Popiel verlor dabei die Besinnung. Nach der Mißhandlung sperrte man Popiel einige Tage in den Keller ein. Ebenso wie Popiel sind auch noch Korfanty und der Bauernabgeordnete Baginski verprügelt worden. Andere Abgeordnete wiederum wurden barbarisch ins Gesicht geschlagen, wie beispielsweise der Ukrainer Kohut. Während des Prügelns wurde stets der Motor des Wasserwerkes in Bewegung gesetzt, um durch sein Geräusch die Schreie der mißhandelten Opfer zu übertönen. Der Gefängniskommandant, Oberst Biernacki, erklärte Dr. Liebermann, daß das Schicksal der Gefangenen vom Befehl Marschall Pilsudskis abhänge. Ein anderer Offizier fügte bineg; „Wenn der Marschall befiehlt, die Gefangenen zu töten, so würden sie getötet werden, und wenn er befiehlt, sie zu verstümmeln, so würden sie verstümmelt werden.“ Weiter bestätigt die Interpellation die schon vom. polnischen Richterspruch gemeldeten Scheinhinrichtungen. Die Unterzeichneten fragen zum Schluß, was der Ministerpräsident zu tun beabsichtige, um die Schuldigen der verdienten Strafe zuzuführen. Die Interpellation erregt natürlich ungeheures Aufsehen, wird aber nur in einem Teil der heutigen Morgenpresse veröffentlicht. Die nationaldemokratische„Gazetta Warszawska" bezeichnet den Regierungsblock als moralisch mitschuldig, weil er in der gestrigen Seimsitzung gegen die Dringlichkeit der Anträge gestimmt habe, die eine Aufklärung der Vorgänge von Brest=Litowsk herbeiführen sollten. sprechen, auf welche Weise der friedliche Verlauf dieser Veranstaltungen gewährleistet werden könne, habe zu keinem Ergebnis geführt. Die Begründung fährt dann wörtlich fort: „Der bewertliche Vorschlag, die Veranstaltungen örtlich und zeitlich zu trennen, wurde abgelehnt. Aus der Haltung der Führer war zu entnehmen, daß diese ihre Gefolgschaft nicht fest in der Hand haben, daß sogar mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß sie teilweise nicht einmal den Versuch zu unternehmen beabsichtigten, beruhigend auf ihre Leute zu wirken. Nationalsozialisten, Mitglieder des Reichsbanners und der Kommunisten wollen also zu gleicher Zeit auf einem engen Raum demonstrieren, nachdem lange vorher in der Presse und in den Versammlungen zu gegenseitigen Terrorakten aufgerufen war und die Ereignisse der letzten Zeit bewiesen haben, daß Ausschreitungen an der Tagesordnung sind. Beamtenbund u. Notverordnung enb. Berlin, 17. Dez.(Eig. Meldung.) Der Gesamtvorstand des Deutschen Beamtenbundes hat in seiner heutigen Sitzung zu der durch den Erlaß der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 geschaffenen Lage Stellung genommen. Grundsätzlich wendet sich der Gesamtvorstand des DBB. in Uebereinstimmung mit der Stellungnahme des 7. Bundestages erneut mit aller Entschiedenheit gegen die Finanzpolitik der Reichsregierung, die Finanznöte des Reiches, der Länder und Gemeinden in erheblichem Maße einseitig durch Kürzung der Beamtengehälter zu beheben. Unter Berufung auf Art. 134 der Reichsverfassung fordert der Gesamtvorstand eine Steuerund Finanzpolitik, durch die alle Staatsbürger ohne Unterschied im Verhältnis ihrer Mittel zu allen öffentlichen Lasten herangezogen werden. Besonders sei zu beanstanden, daß die in der Notverordnung getroffene Regelung die durchaus gebotene Rücksichtnahme auf die geringbesoldeten Beamtenschichten vermissen lasse. Die als Ausgleich der Gehaltskürzung in Aussicht gestellte Preissenkung habe bisher keine praktische Bedeutung erlangt. Die Preisgestallung gerade von Gegenständen des täglichen Bedarfs habe sich zugunsten der Verbraucher nur unmerklich geändert. Die Gehaltskürzung ab 1. Februar 1931 bedeute daher eine bedeutende Verschlechterung der Lebenshaltung der Beamten. 4„ Der Gesamtvorstand beauftragt den weschäftsführenden Vorstand, alles zu tun, um die Rechtslage zu klären und den Reichstag zu veranlassen, die Geha kürzung durch Staffelung sozialer zu gestalten. Daneben sei der Preisbildung besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Sitzung des Reichskabinetts Feier der 30. Wiederkehr der Reichsgründung am 18. Januar. enb. Berlin, 17. Dez.(Eig. Meldung.) Das Reichskabinett hat sich heute nachmittag u. a. mit der Frage beschäftigt, wie am 18. Januar 1931 die 60. Wiederkehr der Reichsgründung gefeiert werden solle. Wie wir hören, ist eine amtliche Feier geplant, die denselben Charakter trägt, wie die üblichen Verfassungsfeiern am 11. August. Ursprünglich war der Gedanke erwogen, die Ministerpräsidenten der Länder besonders nach Berlin einzuladen. Mit Rücksicht auf die hohen Kosten ist aber davon Abstand genommen worden. Die Hauptfeier findet im Reichstag statt und wahrscheinlich unter Beteiligung des Reichspräsidenten. Mit der Preissenkungsfrage für Markenartikel hat sich das Kabinett noch nicht beschäftigt, dagegen hat Graf Bernstorff in der Ministerbesprechung über die Abrüstungsverhandlungen berichtet. Die Besprechung galt der Vorbereitung der morgigen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses. Vor Weihnachten wird nur noch am Freitag eine Kabinettssitzung stattfinden. Es wird nicht nur die letzte dieses Jahres sein, sondern auch die letzte im alten Gebäude der Reichskanzlei. Zwischen Weihnachten und Neujahr wird der Erweiterungsbau bezogen werden, der nun fertiggestellt ist. Braunschweig kürzt die Minister gehalter und streicht die Pension wtb. Braunschweig, 17. Dez. Im Landtag wurde heute das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Minister mit den Stimmen der Nationalsozialisten und Sozialdemokraten gegen die Abgeordneten der bürgerlichen Einheitsliste angenommen. Das Gesetz beseitigt die Pensionsberechtigung der Minister und setzt das Ministergehalt auf 12.000 RM jährlich fest (gegen 18000 RM bisher). Ein Antrag der Bürgerlichen, das Gehalt auf 16000 RM' festzusetzen, wurde abgelehnt. Angenommen wurde ferner eine Entschließung, das Staatsministerium zu ersuchen, eine Vorlage zu machen, durch die die Gehälter der oberen Beamten soweit herabgesetzt werden, daß sie zu den Amtsbezügen der Minister in einem angemessenen Verhältnis stehen. Die Fraktion der Bürgerlichen Einheitslisten gab eine Erklärung ab, daß es unbillig sei, die Minister in ihrer Besoldung hinter irgend einer anderen Beamtengruppe zurückzustellen. Die Fraktion erwarte, daß der ihr zugehörige Minister im Kabinett hinter die von ihr geforderte Regelung seiner Besoldungsbezüge nicht zurückgehe. Sie sehe darin die einzige Möglichkeit, die Schwierigkeiten zu überwinden, durch die die Sozialdemokratie in demagogischer Absicht die gegenwärtige Regierungskoalition zu stören gedenkt. Umsturz in Guatemala Schon eine neue Regierung gebildet? wtb. Neuyork, 17. Dez. Associated Preß meldet aus Mexiko: Aus Guatemala sind Funkmeldungen eingetroffen, denen zufolge dort gestern eine bewaffnete Erhebung ausgebrochen ist. In den Straßen der Stadt ist es zu Feuergefechten gekommen. wtb Washington, 17. Dez.(Tel.) Einer Meldung der Associated Preß zufolge erhielt der hiesige Gesandte von Guatemala, Dr. Recinos, heute aus Guatemala die Nachricht, die Regierung des Präsidenten Palma, der an Stelle des schwererkrankten Präsidenten Chacon die Präsidentschaft führte, sei gestürzt worden. wtb Newyork, 17. Dez.(Tel.) Nach Privatmeldungen aus Guatemala soll dort eine provisorische Regierung gebildet worden sein, als deren Präsident Manuel Orellana ausersehen ist.— Der frühere Kriegsminister soll bei dem Umsturz gestern ums Leben gekommen sein. Gegenwärtig herrscht völlige Ruhe. Haushaltsberatung im Landtag vdz. Berlin, 17. Dez. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung des Etats für 1931. Abg. Jürgensen(Soz.) beantragt, damit zu verbinden eine sozialdemokratische Interpellation, in der verschiedene Fälle nationalsozialistischer Gewalttaten gegen Passanten aufgeführt werden. Der Polizeischutz gegen nationalsozialistische Terrorakte, besonders auf dem flachen Lande, reiche offenbar nicht aus. Die Verbindung der Interpellation mit dem Etat wird beschlossen. Abg. Kasper(Komm.) erklärt, soeben sei der kommunistische Abg. Dunkel von polnischen Polizisten verhaftet worden, weil er auf einer Betriebsversammlung in Königshütte das Mißfallen von Pilsudskianhängern erregt habe. Die kommunistische Fraktion beantrage, die Regierung möge durch Vermittlung des Auswärtigen Amts sofort auf die Freilassung des Abg. Dunkel hinwirken. Abg. Kasper schließt mit dem Ruf: „Nieder mit dem Pilsudski=Faschismus, es lebe die polnische Revolution!“ Präsident Bartels rügt die letzte Bemerkung als geschäftsordnungswidrig. Der Antrag auf Freilassung des Abg. Dunkel wird sofort einstimmig angenommen. Zur Beantwortung einer Interpellation über die Wohnungsverhältnisse auf dem Lande nimmt Ministerialdirektor Meyer vom Wohlfahrtsministerium das Wort. Er betont, daß Hauszinssteuermittel zur Besserung der Altwohnräume auf dem Lande verwendet werden könnten, und daß weiter die Gemeindeverbände einen 5prozentigen Anteil für den gleichen Zweck aus den staatlichen Wohnungsfürsorgefonds zu nehmen berechtigt wären. Es ständen auf diesem Wege Mittel für Darlehen für die Besserung der ländlichen Wohnungsverhältnisse zur Verfügung, die nur mit 2 Prozent zu verzinsen seien und 10 Jahre liefen. Die Antwort verweist ferner auf die große Finanznot des Staates, die noch wirksamere Maßnahmen im Augenblick verhindere. Die Aussprache über den Etat In der nun beginnenden eigentlichen Etatsdebatte führt Minin Abg. Szillat(Soz.) aus, der Minister habe in seiner Rede nicht genügend die große finanzielle Belastung berücksichtigt, die den Gemeinden aus der großen Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen erwächst. Der Städtetag sei bei seiner Berechnung der Gemeindefinanzen der Wirklichkeit näher gekommen, als der Minister mit seiner zu optimistischen Darstellung. Die Notverordnung der Reichsregierung böte manche Schwierigkeiten auch für den preußischen Etat. Den preußischen Gemeinden müsse aber geholfen werden. Angesichts der Gehaltskürzung bei den Beamten und der Lohnkürzung bei den Arbeitern sei die Forderung berechtigt, daß auch die vom Staat an die kirchlichen Körperschaften gezahlten Besoldungszuschüsse entsprechend gekürzt werden. Der Hilfsfonds für die Grenzgebiete werde von den Sozialdemokraten nicht abgelehnt. Abg. von Winterfeldt(DN.) protestiert gegen die Mißhandlungen, die von den Polen den Angehörigen der deutschen Minderheit zugefügt worden sind. Während Polen die deutschen Interessen fortwährend aufs schlimmste verletzte, sei das deutsche Holzabkommen mit Polen leider noch immer nicht gekündigt. Der lahme Protest der Reichsregierung gegen den polnischen Wahlterror könne niemand befriedigen.(Sehr richtig! bei den Deutschnationalen.) Das noch nicht ratifizierte deutsch=polnische Liquidationsabkommen müsse jetzt noch rückgängig gemacht werden. Der Vertrag mit der evangelischen Kirche wird immer wieder verzögert, weil das Zentrum und die Sozialdemokraten die Aufnahme einer politischen Klausel verlangen, die für die evangelische Kirche unannehmbar ist. Abg. Kasper(K.) beantragt, mit der Beratung eine Interpellation zu verbinden, in der es heißt, in letzter Zeit haufen sich die Fälle, in denen Ueberfälle ausgeführt werden von Nationalsozialisten in engstem Zusammenwirken mit der preußischen Polizei.(Stürmische, langanhaltende Heiterkeit.)# Abg. Dr. Heß(Z.) führt Beschwerde barüber, daß der Landtagsbeschluß über die Gleichstellung der höheren technischen mit den höheren jurtstischen Verwaltungsbeamten. nicht durchgeführt worden sei. Die Schuld daran trage eine Juristen=Kamarilla, die unter der Führung von vier Ministerialdirektoren stehe. Die Herrschaft dieser Kamarilla müsse aufhören. Wenn von rechts immer über die Bevorzugung des katholischen Volksteils in der Stellenbesetzung geklagt wird, so müsse die Rechte doch eine Enquete über die konfessionelle Zusammensetzung der preußischen Beamtenschaft beantragen. Das Zentrum werde einen solchen Antrag gerne unterstützen. Abg. Borck(DN) beantragt, es möge festgestellt werden, wieviel Angehörige des Zentrums seit dem 1. April 1920 im preußischen Staatsdienst angestellt worden sind, besonders im preußischen Justizministerium und Landwirtschaftsministerium. Die Deutschnationalen im Reichstag würden den gleichen Antrag für das Reichsarbeitsministerium stellen. Der Antrag wird mit der Etatsberatung verbunden.„ Abg. Dr. von Eynern(Dop.) forderte weitere Abstriche am Etat und verbat sich in einer Polemik gegen die Etatsrede des Finanzministers die zu enge Auslegung des Begriffs der„verfassungstreuen“ Parteien, denen die Regierungen Dank schuldeten. Schuld an dem Ausgang der Reichstagswahlen trage nicht zu letzt die preußische Politik, die nicht den Staat, sondern die Partei sich als Richtschnur nehme. Abg. Baecker(Landvolk) begründete ausführlich, warum er in der Filmoberprüfstelle das Verbot des Remarque=Films gefordert habe und u. a. den Widerruf des Liquidationsabkommens mit Polen. (Abg. Falk(Staatsp.) betont die Notwendigkeit, angesichts der fortdauernden Bedrückung des deutschen Volkes die innere Einheitsfront herzustellen. Dank gebühre der Reichsregierung dafür, daß sie den Mut gefunden hat, die Reichsfinanzen zu sanieren. Wir betrachten es als die Pflicht und Schuldigkeit der preußischen Regierung, in dieser kritischen Zeit die Reichsregierung zu stützen, wenn wir auch nicht mit allen Einzelheiten des großen Werkes der Reichsregierung einverstanden sind. Der Redner forderte weiter gegen die Not der Gemeinden Verminderung der Erwerbslosigkeit auch durch die preußischen Vorschläge und besondere Maßnahmen für die wegen des Mißbrauchs der Straße so stark überlastete Polizei. Die Weiterberatung wurde um 5½ Uhr auf Donnerstag 12 Uhr vertagt. Große Zerstörung an Fernleitungen Ueber 30 Zentner Telegraphendraht gestohlen. enb. Berlin, 17. Dez.(Eig. Meldung.) Umfangreiche Zerstörungen sind in der vergangenen Nacht von Dieben auf der Strecke zwischen Bernau und Melchow an der Stettiner Bahn angerichtet worden. Es wurden in einer Ausdehnung von 2 Kilometer von 38 Telegraphenstangen die Bronzedrähte der Fernleitung abgeschnitten. Die Drähte haben ein Gesamtgewicht von über 30 Zentner. Es scheint, daß verschiedene Banden sich zusammengetan haben, denn es ist ausgeschlossen, daß wenige Personen die Riesenmenge Draht hätten fortschaffen können. Bronzedraht von der Art, wie er zu Fernleitungen benutzt wird, kommt niemals in den Handel. Auch die älteren Drähte, die durch neue ersetzt werden, verkauft die Post nicht, sondern schmilzt sie ein. Da die Diebe nicht damit rechnen dürfen, für die Drähte in ursprünglicher Form einen Abnehmer zu finden, so müssen auch sie über eine Schmelze verfügen Die Terpunge in Spamten Im allgemeinen wieder Ruhe- Portugal soll Masor Franco ausliefern wtb Paris, 18. Dez.(Funkspruch.) Nach einer Nachricht des Sonderberichterstatters der Zeitung „La Franc de Bordeaux“ aus Hendaye sollen aus Madrid angekommene Reisende erklärt haben, daß in der Hauptstadt völlige Ruhe herrsche und der Straßenverkehr normal sei. An den Hauptplätzen der Stadt ständen Militärposten. In Santander dauere der Streik an. Die am Montag in Madrid verfügte allgemeine Mobilisierung soll 320 000 Mann umfaßt haben. Nach den Unruhezentren in der Provinz seien Truppen abgesandt worden mit dem Befehl, die Ruhe um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Die spanische Regierung soll die Auslieferung des spanischen Fliegermajors Franco beantragt haben mit der Begründung, er habe Militärflugzeuge entwendet und mit diesen fremdes Geviet, nämlich Portugal, überflogen. Wie Havas aus Madrid berichtet, hat dort eine Besprechung spanischer Führer stattgefunden. Nach dieser Besprechung wurde den Journalisten mitgeteilt, daß die betreffenden Persönlichkeiten hinsichtlich der politischen Lage in Spanien übereinstimmend der Ansicht seien, daß es angesichts der gegenwärtigen Vorkommnisse nicht mehr möglich sei, ohne Einberufung der Kammer die gegenwärtige schwierige politische Lage zu lösen. Wiederaufnahme des spanischen Telegrammverkehrs. wtb Paris, 18. Dez.(Funkspruch.) Wie Havas aus Madrid berichtet, sind die telegraphischen Fernverbindungen in ganz Spanien wieder ausgenommen worden. Nach einer Meldung des Berichterstatters der Zeitung„La France de Bordeaux“ aus San Sebastian ist dort der Straßenbahnverkehr wieder aufgenommen worden. Allerdings würden alle Wagen noch von der Polizei überwacht und Patrouillen durchzögen die Straßen. Nach der gleichen Quelle sollen Reisende berichtet haben— eine Bestätigung dafür liegt freilich nicht vor—, daß in Valencia drei höhere Offiziere von den Streikenden getötet worden seien, und daß in Saragossa zehn Gendarmen von den Aufständischen erschossen worden seien. Eine Räuberbande unschädlich gemacht wp. Betzdorf, 17. Dez. Der 20jährige E. aus Essen, der früher in Betzdorf wohnhaft war, fuhr gestern mittag mit zwei Komplizen in einem Auto, das er in Stolberg bei Aachen gemietet hatte, vor der Villa eines früheren Industriellen vor. Hier versuchte er, in das Haus einzudringen, wurde aber von dem Mädchen abgewiesen, da dieses bemerkt hatte, daß der Eindringling einen Revolver unter der Jacke versteckt hielt. Die Bewohner des Hauses verständigten sofort die Polizei, während der Bursche die Flucht ergriff. Die beiden Komplizen konnten, ahnungslos im Wagen sitzend, von der Polizei festgenommen werden. In ihrem Besitz fand man zwei Aktentaschen, in denen sich zwei Revolver mit Munition und mehrere Dolchmesser befanden. Sie gaben an, von E. eingeladen worden zu sein, mit nach Betzdorf zu fahren, um hier 2000 RM von einem angeblichen Onkel des E. abzuholen. Die Betzdorfer Polizei machte sich sofort nach allen Richtungen auf die Verfolgung des Ausreißers. In der Nähe von Freusburg (Sieg) gewahrten die Beamten den Flüchtling, der beim Anruf versuchte, in die Sieg zu springen um das andere Ufer zu erreichen. Durch Schreckschüsse eingeschüchtert, gelang es den Beamten, den Burschen von mehreren Seiten zu packen und zu überwältigen. Er hatte die Absicht, in die Wohnung des Industriellen einzudringen, um hier die 2000 RM unter Anwendung von Gewalt zu erzwingen. Die drei Festgenommenen wurden dem Amtsgericht in Kirchen zugeführt. Einbruch in die Stationskasse wp. Sechshelden(Dillkreis), 16. Dez. Als sich der Beamte der Fahrkartenausgabe der Bahnstation Sechshelden, die sich auf der Bahnstrecke Köln—Gießen befindet, zur Abfertigung eines Zuges auf dem Bahnsteig befand, wurde ein dreister Einbruch in die Stationskasse verübt. Der mit den Verhältnissen vertraute Bursche öffnete mit einem kunstgerechten Griff das Schalterfenster und riß die Geldkassette an sich, mit der er dann schleunigst verschwand. Bahnpolizeibeamte nahmen in dem frisch gefallenen Schnee sofort die Spur auf, die in den nahen Wald führte. Hier wurde die Kassette, die noch etwas Hartgeld enthielt, aufgefunden. Ueber 70 RM waren geraubt. Im Laufe des Tages wurde ein Arbeitsloser von hier festgenommen, der auf Grund der vorliegenden Indizien der Tat überführt ist. Aus Nah und Fern Eine ganze Schafherde gestohlen. wp. Andernach, 17. Dez. Mit List stahl ein hier beschäftigter Schäfer eine ganze Schafherde. Er bewog einen Kraftwagenführer, mit ihm nach dem Orte Eubigheim in Baden, wo er beheimatet ist, zu fahren. Dort verlud er die ganze Herde und fuhr damit nach Andernach. Der Schäfer hatte angegeben, daß er die Schafherde geerbt habe. Die badische Polizei nahm sofort die Ermittlungen auf. Zwei der Täter wurden gestern nachmittag in Andernach verhaftet, ein dritter Mithelfer ist flüchtig. Ein Teil der gestohlenen Schafe war bereits abgeschlachtet. Ein Tanzzelt niedergebrannt. wp. Oeynhausen, 17. Dez. In Werste wurde ein großes Tanzzelt durch Feuer vollständig vernichtet. Die Flammen griffen auch auf einen angrenzenden Schuppen über, in dem Pläne und Formen lagerten, die ebenfalls ein Raub der Flammen wurden. Der Schaden soll sich auf 10000 Mark belaufen. Bombenanschlag in Lyon. wtb. Paris, 17. Dez. Heute früh explodierte in Lyon vor einem Warenhaus eine Bombe. Mehrere Schaufensterscheiben gingen in Trümmer. Es scheint sich um ein Attentat zu handeln, ähnlich der Art, wie sie seit einigen Monaten in Lyon häufiger vorgekommen sind. Heirat von Clärenore Stinnes. enb. London, 17. Dez.(Eig. Meld.) Clärenore Stinnes, die Tochter von Hugo Stinnes, hat sich heute hier mit dem Filmproduzenten Carl Söderström verheiratet. Das Alkoholverbot in Amerika verfassungswidrig? wtb. Neuyork, 17. Dez. Der Bundesbezirksrichter Clark in Newark(New Jersey) hat eine Entscheidung gefällt, wonach die 18. Verfassungsergänzung, die das Alkoholverbot enthält, ungültig sei. In der Begründung zu dieser Entscheidung, die großes Aufsehen erregt, heißt es, eine Ergänzung zur Verfassung könne nur von einem verfassungsmäßig einberufenen Konvent, aber nicht von den gesetzgebenden Körperschaften der einzelnen Staaten ratifiziert werden. Richter Clark beruft sich dabei auf etwa 100 Autoritäten. Drangsale deutscher Missionare in China enb. Hongkong, 17. Dez.(Eig. Meld.) Die der Basler Mission angehörenden deutschen Missionare Fischle und Walter, die, wie gemeldet, aus der Gefangenschaft chinesischer Räuber befreit wurden, sind heute in stark erschöpftem Zustande hier angekommen. Sie sind halb verhungert und leiden an Malaria. Sie waren monatelang gezwungen, barfuß und schlecht gekleidet in jedem Wetter von Ort zu Ort zu ziehen, wobei sie für den Fall eines Fluchtverdachtes wiederholt mit Erschießen bedroht wurden. Die Gefangenen wurden bei Nacht mit dem Hals und den Füßen zusammengekettet. Sie übernachteten in Höhlen oder im Freien, stets bewacht von drei bewaffneten Räubern. Die Flucht wurde durch einen Mittelsmann bewirkt, der die Wachen bestach. Funkmeldungen Schiedsspruch für das deutsche Buchdruckgewerbe. wtb. Berlin, 18. Dez.(Funkspruch.) Im Lohnstreit des deutschen Buchdruckgewerbes hat heute das zuständige tarifliche Zentralschlichtungsamt einen Schiedsspruch gefällt, der den bestehenden Lohntarif bis zum 13. Februar 1931 mit der Maßgabe verlängert, daß zur Fortsetzung der Beratungen und zur Fällung eines weiteren Schiedsspruchs die Schlichterkammer am 2. Februar 1931 von neuem zusammentritt. Ausgesprochene Besserung im Befinden Poincarés. wtb Paris, 18. Dez.(Funkspruch.) Der Hausarzt Poincarés, der sich gestern nachmittag fast zwei Stunden im Hause des Kranken aufgehalten hatte, gab folgenden Bericht aus: Es zeigt sich eine ausgesprochene Besserung; der Kranke nimmt normal Nahrung zu sich und hat kein Fieber. Der Puns ist gut. Aus den Nachbar=Städten Aus Groß=Dortmund — Die Brückstraße hatte wieder ihre Gensation. Mittwoch gegen 19 Uhr kam es auf der Brückstraße in der Nähe von„Haus Nölle“, das als Stammlokal der nationalsozialistischen SA.= Leute bekannt ist, zu lebhaften Demonstrationen von Kommunisten. Rufe:„Nieder mit dem Faschismus!“ ertönten im Chor. Man hörte auch andere Rufe:„Arbeit und Brot!",„Hunger, Hunger!" uns. Sofort sammelte sich eine riesige Menschenmenge, so daß die Brückstraße bald vollkommen verstopft war. Um den Verkehr aufrecht zu erhalten und Weiterungen zu verhüten, wurden die vier Hauptbeteiligten vom Ueberfallkommando festgenommen. Ein starkes Polizeiaufgebot machte die Brückstraße frei. Die Kommunisten wurden zum Norden abgedrängt und lösten sich in kleinere Gruppen auf. Nach Ablauf einer Stunde waren Ruhe und Ordnung wiederhergestellt. Zahlreiche in der Brückstraße und an der Reinoldikirche herumstehende Neugierige kamen nicht mehr auf ihre Kosten. — Im Fredenbaumwald erhängt aufgefunden. Freiwillig in den Tod gegangen ist der 58jährige Invalide G. aus der Westerbleichstraße. Ein Arbeiter fand ihn Dienstag mittag im Fredenbaumwald erhängt auf. Der alte Mann war hier in Dortmund völlig alleinstehend. Die Leiche wurde in die Leichenhalle des Hauptfriedhofes gebracht. Eine Frau greist zum Messer. Auf der Mallinckrodtstraße gerieten Dienstag nachmittag der Dachdecker L. und die erwerbslose Elisabeth M. in einen Wortwechsel. Plötzlich zog die M. ein Messer und stach damit auf ihren' Widersacher ein. L. erlitt dabei eine Stichwunde am rechten Oberarm. Hinzukommende Polizeibeamte erhinderten weitere Tätlichkeiten und nahmen der wütenden Frau das Messer ab. Hagen. 17215 Arbeitssuchende in Hagen. Die Zahl der Arbeitssuchenden stieg in den letzten Tagen auf 17215, die der Hauptunterstützungsempfänger auf 10 687. In der rückläufigen Tendenz des Beschäftigungsgrades im hiesigen Arbeitsamtsbezirk ist noch immer kein Stillstand eingetreten. Der Zugang an Arbeitsuchenden hält aus allen Teilen der Wirtschaft in unverminderter Stärke an. Menden. Entlarvte Diebe. Am Montag berichtete die Dortmunder Polizei über die in Dortmund erfolgte Festnahme eines Klempners Hellmut W. und einer Ehefrau Gertrud A., die im Besitz einer großen Menge Goldsachen waren. Der Polizei ist es gelungen, die Herkunft der Goldsachen zu ermitteln. Sie stammen aus einem Einbruchsdiebstahl, der in der Nacht zum Sonnabend in das Goldwarengeschäft B. in Menden ausgeführt wurde. Dort wurden für etwa 2000 Mk. 1hren und andere Goldsachen gestohlen. Der gößte Teil dieser gestohlenen Sachen, im Werte von 1700 Mark, wurde bei den nommenen beschlagnahmt. Die Sachen wurden dem Bestohlenen wieder ausgehändigt. Plettenberg. Ein guter Fang glückte vorgestern morgen der Polizei mit der Festnahme eines Wanderburschen namens A. Swinareck. Er hat mehrere Einbrüche im oberen Sauerland verübt. Noch vor einer Woche gelang ihm ein schwerer Einbruchsdiebstahl in ein Konfektionsgeschäft in Winterberg, wobei ihm auer Paren auch Bargeld in die Hände fiel Plettenberg. Plettenbergs Fehlbetrag. Der Beschluß der Gemeindevertretung, den Fehlbetrag durch Beleihung der Aktien des Elektrizitätswerkes Mark=Sauerland zu decken, fand nicht die Genehmigung der Regierung. So entschloß man sich zur Erhöhung der Realsteuern und zwar in folgender Weise: Grundvermögenssteuer von 200 auf 250 Prozent, Ertragsteuer von 400 auf 500 Prozent und Lohnsummensteuer von 1200 auf 1500 Prozent, Einführung der erhöhten Biersteuer(Ertrag 14000 Mark). Der restliche Fehlbetrag von 40000 Mk. soll im Anleihewege aufgebracht werden. Zur Verteilung von Weihnachtsbeihilfen sollen 4500 Mark zur Verfügung gestellt werden. Meppen. Im Moor erfroren aufgefunden. Seit mehreren Tagen wurde der Schwerkriegsbeschädigte Landwirt H. aus Hesepertwist vermißt. Man fand ihn jetzt nach mehrtägiger Suche erforen im Moor auf. Er war völlig entkräftigt und hatte sich eine schwere Lungenentzündung zugezogen. An seinem Aufkommen muß gezweifelt werden. Werl. Flammentod einer Frau. Als die Ehefrau Bollhöfer mit Wurstmachen beschäftigt war, kam sie mit ihren Kleidern der Ofentür zu nahe und stand plötzlich in hellen Flammen. Obwohl das Feuer schnell von Herbeieilenden erstickt wurde, erlitt die Bedauernswerte doch so schwere Verletzungen, daß sie im Krankenhause jetzt durch den Tod von ihren Leiden erlöst wurde. Recklinghausen.„Carlo, saß zu!“, rief ein Polizeibeamter abends dem vortrefflichen Diensthunde zu. Carlo sprang auf, tat einen heftigen Satz über das Gebüsch am Ossenbergs= weg und hatte schon einen Mann in die Büx gebissen. Der verwegene Mann wagte sich nicht mehr zu rühren und ließ sich anstandslos abFreiwillige Feuerwehr Schwerte Samstag, 2c. Dezember, abends 8 Uhr, Im Vereinslokal Mordeck 4602 Haupt=JahresVersammlung Tagesordnung wird bekannt gegeben. Der Vorstand. Preisabbau für Weihnachten! Auf alle 4598 Anzugstoffe 15% Nabatt la bl. Kammgarnanzüge von 80—110 Mk. in eigener Werkstatt angefertigt. Auf Wunsch Zahlungserleichterung! Lange, Schneidermeister Schillerstr. 10. Wer„ Veie Mnmmt GEEVER SIUL Diese immer frische Margarine ist unvergleichlich naturfrisch duftend und geradezu einzig im Geschmack. Zum Kochen, Braten, Backen und aufs Brot von stets gleichbleibender Güte. Gebrauchte 4607 muschinen zu verkaufen. Nähmaschinenhaus Feit, Wer verkauft Wohn= oder Geschäftshaus, Villa, Landwirtschaft, Gasthof. Fabrik od. sonst. Betriebe, auch Bauterrain? Sof. gebote an K. Lahmeyer, Bremen, Elsasserstr. 152. ur E S K 4 4..5 4 FFIT #rFE TI 5 Fast neuer 4605 preiswert zu verkaufen. Zu erfragen in der Geschäftsst. d. Zeitung. Sintrittskarten aogramme is modernster Ausführung MARGARINE immer Frisch“K Buchdruckerei Carl Braus. Schwerte führen. und was stellte sich heraus? Dieser Mann war ein ganz schwerer Mensch, körperlich und seelisch sehr belasttet. Als man ihn aufforderte, sich doch auszuziehen, stellte sich heraus, daß er zwei Mäntel, zwei Röcke, drei Oberhofen, drei Unterhosen und drei Hemden an hatte. Im untersten Hemde versteckt war noch— ein Dietrich. Und dann kamen noch allerhand andere Sachen zutage. Modernste Einbrecherwerkzeuge, ätzende Flüssigkeiten, zahlreiche Dietriche, Schlüssel und andere„Lebensnotwendigkeiten“— für ihn. Waren alle diese Sachen eigentlich ohne irgendwelchen Nennwert, so wurde in einer Unterhose ein Etui mit 44 wertvollen Edelsteinen— Saphire, Rubinen, Brillanten, Smaragde usw. usw. gefunden. Detmold. Weihnachtsbraten gestohlen. Mit einem Lastkraftwagen erschienen in der letzten Nacht Diebe auf dem Gut Osteröden bei Barntrup und stahlen 52 Gänse mit weißgrauen Federn. Zweifellos werden die Diebe die Tiere auf die Wochenmärkte der Großstädte bringen, um den jetzt einsetzenden Nachfragen zu genügen. Paderborn. Die Dame am Steuer. In der Nähe des Bahnhofs Paderborn=Nord fuhr ein von einer jungen Dame aus Bad Lippspringe gesteuerter Personenkraftwagen mit unverminderter Schnelligkeit gegen die bereits für einen Güterzug geschlossene Schranke. Das Auto kam erst auf den Schienen zum Halten, wurde aber vom Zuge im gleichen Augenblick erfaßt und über eine Strecke von 80 Metern mitgeschleist. Das Auto wurde zertrümmert. Wie durch ein Wunder kamen die Insassen ohne Verletzungen davon. Turnen, Spiel, Sport Fußheft Alemannia 1.—„Jahn“. Werdohl(Reserve) 7:2(3:1). Alemannia 2.— SSV. 06 2. 1:2(1:1). Die erste Mannschaft der Alemannen hatte die Werdohler Reserve zu Gast. Die Gäste hielten nicht das, was man von einer Sonderliga=Reserve erwarten kann. Zeigten sie wohl in der ersten Hälfte des Kampfes ein gutes Spiel, welches nach beiden Seiten hin ausgeglichen war, mußten sie doch in der zweiten Hälste sich auf Abwehr beschränken. Die Alemannen waren wie aus einem Guß; der Sieg war von ihnen verdient. Repkow, der den Torreigen in der 9. Minute eröffnete, konnte vier Mal den Hüter überwinden. Die übrigen Tore besorgten Duisberg und Strässer. Die zweite Manschaft der Alemannen mußte eine Niederlage hinnehmen, obwohl sie während des ganzen Spieles überlegen waren. Es fehlte an dem nötigen Torschuß. Doch dürften die Punkte bei den Alemannen bleiben, denn die 06er hatten einen unberechtigten Spieler in ihren Reihen. Handball Turn= und Spielverein Kabel 1.—„Teutonia“ Westhofen 1. 2:1(1:). Der in Turnerkreisen mit viel Spannung erwartete Ausgang des Meisterschaftsspieles erste Mannschaft Kabel— erste Mannschaft Westhosen war ein 2:1=Sieg für Kabel. Trotzdem die Westhofener in der ganzen Spielzeit den Kabelern überlegen waren, konnten sie auf dem weichen, sandigen Platze in Kabel ihre Technik nicht voll zur Geltung bringen. Durch einen Straswurf konnte Kabel in der 17. Minute in Führung gehen, mußte sich aber kurz von Halbzeit, durch ein schönes Vortragen des Balles, den Ausgleich gefallen lassen. Nach der Pause machte sich eine kleine Ueberlegenheit der Teutonen bemerkbar, aber sie konnten leider nichts Zählbares erreichen. Etwa 8 Minuten vor Schluß konnte Kabel abermals durch einen Straswurf, der gut von dem Westhofener Torhüter gehalten werden konnte, wieder in Führung gehen. Durch ein zu frühes Abpfeisen des Spieles durch den Schiedsrichter konnte Westhofen nicht mehr gleichziehen. Turn= und Spielverein Kabel 1. Jugend— „Teutonia“, Westhofen 1. Jugend 2:1(1:0). Die Westhofener Jugend mußte mit Ersatz spielend, eine unverdiente 3:1=Niederlage hinnehmen. Radege Betrifft: Dortmunder Sechstagerennen. Das vom 9.—15. Januar in der Westfalenhalle stattfindende 6. Dortmunder Sechstagerennen begegnet in diesem Jahre einem ungeheuer großen Interesse. Um einen guten Platz zu erhalten, dürfte es sich empfehlen, sich rechtzeitig mit Karten zu verlehen Das Deutsche Turnfest 1933 Bei einer Pressebesprechung in Stuttgart hielt der Vorsitzende der Turnerschaft GroßStuttgart, Dr. Obermeyer, einen ausführlichen Vortrag über den Stand der Vorbereitungen zum 15. Deutschen Turnfest im Jahre 1933 in Stuttgart. Erfreulicherweise konnte in diesem sestgestellt werden, daß bislang alle Vorbereitungsarbeiten zu bestem Erfolge geführt haben. Die Stuttgarter Turner selbst haben über 360000 Mark zu einem Sicherheitsgrundstock aufgebracht. Ueber 120000 Mark wurden von den württembergschen Landturnvereinen z. Verfügung gestellt, und die Stuttgarter Stadtverwaltung selbst über 100000 Mark bereitgestellt und will weitere 100 000 Mark ebenfalls geben, so daß heute bereits 656 523 Mark für die Vorbereitungsarbeiten vorhanden sind; eine gewiß ansehnliche Summe. Auch die Festplatzfrage ist geklärt, und auf dem riesigen Cannstatter Wasen, wo das Fest stattfinden soll, sind bereits die ersten Spatenstiche getan worden, um hier eine neuzeitliche Turn= und Sportplatzanlage zu schaffen, die die Durchführung eines so riesigen Festes, wie des Deutschen Turnfestes, ermöglicht, zu dem Hunderttausende von Turnern und Turnerinnen erwartet werden. Die Anteilnahme an dem 15. Deutschen Turnfest ist bereits heute sehr groß, denn viele Vereine der DT. haben schon jetzt Reisesparkassen angelegt, und aus allen Teilen der Welt kommen Anfragen. So ist bereits jetzt eine Turnriege aus dem ehemaligen Deutsch=Südwest=Afrika angemeldet, und auch die amerikanischen Turner sind in Verbindung mit großen Schiffahrtsgesellschaften getreten und haben eine gewaltige Anteilnahme zugesagt; aus der Schweiz wird berichtet, daß man sich schon heute auf das Deutsche Turnfest freut. Die Vorbedingungen für das Gelingen des Festes sind also gegeben. Wie wir weiter erfahren, sollen der Hauptausschuß und eine Anzahl von Unterausschüssen, u. a. ein Presseausschuß, noch in diesem Winter bez. Frühjahr begründet worden. Zur Vorbereitung der Pressearbeit, die bereits im nächsten Jahr nachdrücklich aufgenommen werden muß, wird im März kommenden Jahres der Presseausschuß der DT. in Stuttgart mit den örtlichen Stellen Verhandlungen einleiten. ha. Mehr Sorgfalt bei neuen Wasseranlagen in Schulgebäuden. Eine Besichtigung neuer Schulgebäude auf dem Lande hat ergeben, daß die eingebauten Zentralheizungs=, Brausebad= und Wasserversorgungsanlagen nicht überall von den Nutznießern mit Verständnis und Sorgfalt behandelt werden. Diese Einrichtungen werden zum großen Teil mit staatlichen Mitteln geschaffen. nun auch für die Instandsetzungen dieses Geld in Anspruch genommen wird, sind die Schulräte ersucht worden darauf zu achten, daß die Ausbesserungsarbeiten auf das geringste Maß beschränkt werden. Die in Frage kommenden Bauämter haben jetzt Vorschriften zusammengestellt, wie die Anlagen in Ordnung zu halten sind. Die Vordrucke sollen an einer auffälligen Stelle angebracht werden. Die Wohnungsinhaber haften für alle Schäden, die durch falsche Behandlungen der Wassereinrichtungen entstehen. Börsen und Märkte Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt vom 17. Dezember. Auftrieb: 734 Stück Großvieh, 205 Schweine, 48 Kälber. Der Handel war langsam. Es kosteten Kühe 300—625 Mark, Rinder 250—500 Mark. Beste Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämtliches zum Markt aufgetrieben gewesenes Großvieh ist gegen Maulund Klauenseuche geimpft worden. Am Schweinemarkt war der Handel langsam. Es kosteten Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen 22—27 Mk. von 8 bis 10 Wochen 28—37 Mk., von 10 bis 12 Wochen 38—47 Mk. Der nächste Markt finbet um 31. Dezember statt. 20—25, Spinat zu 10—15, Suppengrün zu 10, Blumenkohl zu 40—60 H. Frische Trinkeier wurden 6 Stück für 1 A abgegeben, während Molkereibutter mit 1,50—1,60 M notierte. Am Kleintiermarkt war trotz des vielseitigen Angebots in lebendem Kleinvieh, sowie in geschlachteten Hühnern, Gänsen, Hasen und Kaninchen die Umsatztätigkeit nicht besonders groß. Auch in den Fleisch= und Wursthallen wickelte sich nur das übliche Bedarfsgeschäft zu letzten Preisen ab. Viel Beachtung schenkten die Marktbesucher nach wie vor den Blumenverkäufern, die Schnitt= und Topfblumen, sowie Kränze und Tannengrün in den verschiedensten Preislagen verkauften. Was hören wir im Rundfunk? Freitag, den 19. Dezember 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,40: Schallplattenkonzert. 11,20: Schulfunk für die Oberstufe höherer Lehranstalten. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Kinderstunde. 15,50: Mitteilungen aus dem Schulfung 16,00: Aus Leben und Erziehung. 16,30: Jügendfunk. 17,15: Vesperkonzert. 18,15: Das wunde Europa. 18.40: Englische Unterhaltung. 19,25: Die weltwirtschaftlichen Räume. 19,45: Abendmusik. 20,30: Ungedruckte Dichter. 20,50: Erste Abendmeldungen. 21,00: Tiere sprechen Dich an. Bis 24,00: Konzertübertragung aus dem Café Roxel, Münster. K Dortmunder Wochenmarkt. Durch die vielen Weihnachtsbuden, die namentlich an der Reinoldikirche ihren Stand aufgeschlagen haben und es verstehen, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken, erhielt der Wochenmarkt ein besonders lebhaftes Bild. Der Besuch ließ nichts zu wünschen übrig. Auf allen Marktgebieten hatten sich zahlreiche Käufer und Neugierige eingefunden. Die Händler boten eine große Fülle in allen Waren an. Besonders groß war die Auswahl auf dem Obst= und Gemüsemarkt. Aepfel wurden in allen Qualitäten feilgehalten und kosteten durchschnittlich 3 Pfund 1,10 Mk. Apfelsinen waren schon das Stück für 5 J, zu haben, wenngleich bessere Sorten höher bezahlt werden mußten. Haselnüsse kosteten 60—70 Walnüsse 70—75, Paranüsse 80 J. Das Angebot der Gemüseverkäufer erstreckte sich auf Winterkohl zu 8—10 J, Wurzeln zu 8, Feldsalat zu 50—60, Kohlrabi zu 15, Rosenkohl zu Neuer Royddampfer„General von Steuben“ Der Norddeutsche Lloyd stellt einen neuen Dampfer in den Dienst, der für den Nordamerikadienst bestimmt ist. Das Schiff ist modernst eingerichtet und für 800 Fahrgäste berechnet. Niedrigste Preise bei größter Auswahl Schwerte Weihnachtsausstellung! Meine diesjährige Ausstellung ist eröffnet und lade zum Besuch derselben freundl. ein. August Köhle, Postplatz Christstollen in altbekannter Güte. ff. Spekulatius Marzipansachen u. Gebäck eigener Anfertigung. Küche Wéaaun für Damen und Herren Oogiem: in Gold, Silber; Plaque enorm billig! Größte Auswahl! Praktische Weihnachts-Geschenke! S. Voos im Hause 485 Gelegenheitskauf, modern. Modell mit Kühlschrank. Zurückgestellt und wegen Nichtheirat billig zu verkaufen. Ferner empfehle ich als Weihnachts- Geschenk meine Ledersofas, Chaiselongues und KorbMöbel, in bekannt guter Qualität. Trotz Kassapreise bei Barzahlung noch Rabatt. Rudolf Kaiser Möbel- und Polsterwaren Brückstraße 10, neben dem Stadtkeller. 4604 Lombard-Pfandleihanstalt Dortmund, Schwarzebrüderstraße Sonntag, den 14. u. 21. Dez. ist das Geschäft von 2- 6 Uhr geöffnet. Büthne= uns MTNASTER Emil Altfeld, Hagenerstraße 3 Achtung 0 Achtung bis zum Fest auf Uhren und Goldwaren 10% Rabatt Brautleute erhalten beim Einkauf von Trauringen ½ Dtz. Kaffeelöffel gratis Uhren-Paul, Hagenerstr. 5 r ü eechahrstärten in großer Auswahl zu haben in der Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstraße 3 Gr. Marktstraße 3 Verkaufe ab heute auf dem Parkplatz Pferdekämper, Ostenstraße von nik. 0.40 bis Nik. 1.20 das Stück. 4001 H. Böckelühr Denken Sie beim Einkauf von Weihnachts=Geschenken auch an Ihren Buchhändler. Vier Schachteln Konfekt mit seidenem Band und Zigaretten genug, drei Mokkatassen mit buntem Rand und ein seidenes Taschentuch, fünf„reizende“. Vasen hat man gebracht, die ich morgen zu tauschen versuch', und keiner hat herzlich an mich gedacht. Doch: einer! Der mit dem Buch! H. Br. Das schönste Geschenk— ein Buch, es paßt für jeden. In allen Preislagen und größter Auswahl. Buchhandlung E.Braus Schwerte Ruhr Bahnhofstraße 3 Orlei-Hassofdan in schöner und moderner Ausführung, mit Namenaufdruck, billig zu haben in der Duchhandlsung C. Braus, Schwarte Schuh-Fein-Besohlung Die Preise für unsere gut kernigen VolkswohlSchlen sind fünf Proz, niedriger wie jedes andere Angebot für Besohlung. Ein jeder überzeuge sich von der Haltbarkeit zu diesen Preisen. Schuhe für kranke Füße unter Garantie tadellosen Sitzes, schmerzlindernd, fertigen als Spezialität an H. Hitzegrad u. Sohn Orthopädische Schuhmachermeister, geprüfte Miitglieder des orthopädischen Bundes Deutschlands. Teleion 2765 Senningsweg 26 Teleion 2765 Erstes Fachgeschäft am Platze seit 1896 Hohe Auszeichnungen: Gelsenkirchen 1925, Bochum 1926, Münster 1927 Gollath-Sohlen, Alleinverarbeilung für Schwerte kosten 20—35 Pig. mehr, haben dafür aber eine 2 bis Sfache Haltbarkeit Einlagen nach Maß und Modell auch Handelseinlagen Lieferant sämtlicher Krankenkassen Schönes Weihnachts-Geschenk! Holzbrandsprüche in neuer schöner Qusflülornung Car Braus, Bahnhofstraße 3 Hamburger Fischhalle, Schwerte Hagenerstr. 2 Empfehle la lebende Karpfen und Schleie, la frischen Schellfisch, Cabliau, Scholle, Bratschellfisch, la feinsten Spick=Aal billigst, feinste Oelsardinen, neue Marinaden in großer Auswahl. ff. Herings= und Fleischsalat in pikanter Güte, Salz=, Essig= u. Gewürzgurken, feinste Bückinge, Sprotten, Makrelen, Flundern usw. la neue Holländer Salzheringe vorrätig. Hamburger Fischhalle. DIEREKLANE Relllnummmmmmaummmmmmmummmmm arbeitet, auch wenn Du schläfst, Druckerschwärze ist das Blut des geschäftlichen Lebens Darum inserierel Nr. 296(Zweites „Schwerter=Fenuns Donnerstag, 18. Dezember 1930 msurromn Polens Kumpfunfage des Zollkrieges durch Vertragsbruch.— Aber kaum noch hemmende Wirkungen für den deutschen Arbeitsmarkt. Von Fr. Ungar=Hartung, z. Zt. Warschau. Diplomat wie Zaleski erkannte ohne Zweifel diese glänzende Möglichkeiten für Polen, aus eine mbloßgestellten Handel mit heiler Haut heraus zu kommen, und hat sie vielleicht auf freuPolen hat sich entschlossen, Deutschland nun auch amtlich die Zähne zu zeigen. Die Regierung Pilsudski erhöhte mit sofortiger Wirtung über siebenzig Zollsätze ausschließlich für Warengruppen der deutschen Einfuhr nach Polen. Getroffen werden soll die deutsche Fertigwareneinfuhr unter besonders scharfer Stellungnahme gegen Chemikalien, Farbstoffe, Maschinen, Keramik und Bekleidung. Dieses Vorgehen der neuen polnischen Regierung ist nichts anderes als ein rücksichtsloser, herausfordernder, die deutsche Wehrlosigkeit verhöhnender Vertragsbruch. Das deutsch=polnische Handelsabkommen vom März. dieses Jahres wurde von den beiderseitigen Parlamenten noch nicht vollzogen Inzwischen erfolgten zwischen Polen und Deutschland aber Sondervereinbarungen über die Bedienung des europäischen Marktes mit Kohlen, wobei Polen eine fast vollkommene Beherrschung des skandinavischen Marktes, frei von deutschem Wetthewerb und mit stark verbesserter Haltung gegenüber dem englischen, erzielen konnte, und über den Absatz polnischer Holzwaren in Deutschland. Dieses letzte Abkommen, das unter wesentlicher Verschärfung der Wettbewerbsschwierigkeiten für die deutsche Holzwirtschaft unserem östlichen Nachbarstaate weitgehende Sicherheit für den Absatz eines seiner wichtigsten Ausfuhrzweige auf dem deutschen Markte schuf, enthielt den Verzicht der beiden vertragsschließenden Länder auf zollpolitische Kampfmaßnahmen bis zum Ablauf des Holzabkommens. Das ist der 31. Dezember 1930. Es war schon überraschend, daß Polen bis heute bei Deutschland nicht die Verlängerung dieses einseitig polnischen Nutzen dienenden Vertrages nachgesucht hat, wenn die polnische Holzwirtschaft auch für das laufende Jahr die ihr zugeschanzten Vorteile schon restlos erschöpfen konnte. Die Eröffnung des Zollkrieges durch Polen kommt aber in noch stärkerem Grade unerwartet, weil das deutsch=polnische Handelsabkommen ebenfalls für Polen bedeutende wirtschaftliche Vorzüge enthält und weil es der neuen Regierung außer den wirtschaftlichen auch verlockende außenvolitische geboten würde. Der neue deutsch=polnische Minderheitenstreit, der im Januar die Ratstagung des Völkerburdes beschäftigen wird, hat einen wesentlichen Teil der Welt gegen polnische Willkür und Brutalität eingenommen. Durch Ratifizierung des Handelsabkommens hätte es die Pilsudskiregierung leicht gehabt, den schlechten Eindruck auszulöschen. Eine derartige Haltung wäre zweifellos als aufrichtiger Wille Polens zum Frieden gedeutet worden und hätte gewiß auch die deutsche Vertretung im Vlkerbundsrat bei dem Einspruch gegen die polnischen Wahlgreuel im Korridor und Ostoberschlesien zur Zurückhaltung genötigt. Ein so geschmeidiger Der Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Stein kniff die Lippen zusammen, verwünschte insgeheim diese unselige Bekanntschaft mit der Stransky. Bisher war es ihm gelungen, das Souper vor seiner Frau geheimzuhalten. Als er am anderen Morgen nach dem Ueberfall auf die Tänzerin von dem Ereignis erfuhr, war ihm sofort der Gedanke an drohende Unannehmlichkeiten gekommen. Und dann, wenige Stunden später, war es soweit. Nicht nur als Täter wurde er bezeichnet— er, der Industrielle Manfred Stein, als gemeiner Verbrecher!—, auch vor Jutta lagen nun die mehr als peinlichen Einzelheiten klar. Sein Name würde durch die Presse in die Oeffentlichkeit geschrien werden. Eine ganz unmögsiche Vorstellung! Seine Stimme flackerte vor Erregung, als er Auskunft gab. „Ich kann mich nicht mehr auf Einzelheiten besinnen. Wir haben von der Tänzerin gesprochen, von ihrem bevorstehenden Auftreten vor dem Maharadscha von Sindia...“ „Ist auch— verzeihen Sie meine Indiskretion— von Liebe die Rede gewesen?“ Stein zögerte einen Augenblick, gab dann der Wahrheit die Ehre. „Ja. Die Künstlerin faszinierte mich.“ Doktor Messerschmidt besah den Solitär an keiner linken Hand und fragte so nebenbei: „Sie haben sich geküßt?“ „Ja. Soweit sah der Untersuchungsrichter klar: daß für Mia Stransky kein Grund zum Selbstmord vorlag. Der Gedanke war ihm im Laufe der Untersuchung mehrfach gekommen, konnte sich aber nicht festiger. Unsinn! Man vergiftet sich nicht, wenn man glücklich liebt und die Küsse nech auf den Lippen spürt: dig aufgegriffen. Die verblüffende Warschauer Neuigkeit, daß Zalesti seine Stellung als erschüttert betrachten müsse, kann sehr wohl im Zusammenhang mit Anregungen für die Ratifizierung des Handelsabkommens mit dem gekennzeichneten außerpolitschen Ziel stehen. Zaleski mag sogar, daran gedacht haben, daß die Behandlung seiner Stammesbrüder unter dem weißen Adler in der Frage einer Ratifizierung des deutsch=polnischen Handelsabkommens vor beträchtlichen innerpolitischen Schwierigkeiten stehen würde und deshalb mit Leichtigkeit in die Rolle des eigentlichen Unruhestifters und Unversöhnlichen gedrängt werden könne. Alle diese Erwägungen sind jedenfalls bei der polnischen Regierung nicht durchgedrungen. Sie hat sich vielmehr zu einer neuen schweren Angriffshandlung gegen Deutschland unter bewußtem Vertragsbruch entschlossen. Die Heraufsetzung der Zölle trägt ausgesprochenen Kampfcharakter. Es handelt sich dabei nicht etwa um die Erzielung höherer fiskalischer Einnahmen, sondern um eine genau berechnete zollmäßige Erzwingung eines Einfuhrverbotes. Die Zollerhöhungen liegen zwischen dreißig und tausend Prozent, bewegen sich also zwischen einer Vermehrung um ein Drittel bis zum Zehnsachen der bisherigen Gebührensätze. Die Begründung dieses Vorgehens trägt ebenfalls ausgesprochenen Kampfcharakter. Sie handelt von angeblich 1929 und 1930 erfolgten Zollerhöhungen gegen polnische Ausfuhrwaren in Oesterreich, der Tschechoslowakei und Deutschland, wobei das für Polen so günstige deutschpolnische Handelsabkommen verschwiegen wird. Mit merkbarer Peinlichkeit sind die französischen Einfuhrwaren nach Polen bei der Regelung der Kampftarife umgangen. Den Vätern dieses Zollkrieges gegen Deutschland kann nur die Absicht vorgeschwebt haben, einen Schritt besonderer Gehässigkeit gegen Deutschland zu tun; denn der deutsch=polnische Wirtschaftsaustausch schrumpfte infolge der Wirtschaftskrise in beiden Ländern bergsturzartig zusammen. Die Gesamteinfuhr Polens nach Deutschland fiel im laufenden Jahre bisher um mehr als zwanzig Prozent, u. Deutschland erlitt sogar einen Ausfuhrverfall von nahezu vierzig Prozent im Verkehr mit Polen. Unsere Maschinenausfuhr senkte sich um bald die Hälfte gegenüber dem Vorjahr. Im gegenwärtigen Jahre fällt unsere Einfuhr nach Polen unter dem Stand von 1926, dem schlimmsten Jahr des deutsch=polnischen Zollkrieges. Da in jener Zeit Polen überhaupt nur die unentbehrliche deutsche Einfuhr ausgenommen hat, können die höchsten Kampftarife an der trauAber da war noch ein anderer Gedankengang. Stein hatte die Stransky schon mehrfach bei der Berger getroffen. Seine Sehnsucht war vielleicht stark gesteigert worden. Und dann— als er sie endlich für sich gewonnen glaubte, trat wieder eine Enttäuschung dazwischen: die Künstlerin suhr zu dem Inder, um vor ihm zu tanzen! Möglicherweise hatte Stein in einem Anfall von blinder Eifersucht nach der vergisteten Nadel gegriffen. Wer kann ganz in einen Menschen hineinsehen? Zweifellos war der leidenschaftliche Manfred Stein, der mit der Stransky nach dem Souper in den Polstern des Kraftwagens saß, ein anderer, als der nüchterne, ein wenig müde Untersuchungsgefangene, der hier vor dem Richter stand! „Sie waren mir die Antwort nach der Bedeutung Ihrer eigenen Arbeit in Ihrem Giftlaboratorium noch schuldig...“ Doktor Messerschmidt hatte eine Art, das Verhör sprunghaft, fast zersetzt, zu führen, dabei aber mit Hilfe seines fabelhaften Gedächtnisses alle Fäden in der Hand zu behalten. Stein schwieg auch heute über diesen Punkt. „Und die Nadel mit dem Pfeilgift?“ drängte der Landgerichtsrat. „Das ist eine private Angelegenheit, die in keinem Zusammenhang mit dem Fall Stransky steht.“ Der Untersuchungsrichter warf einige Worte in Kurzschrift auf seinen Block; er sagte dabei unberührt, fast zynisch:„Sie müssen schon gestatten, daß ich anderer Meinung bin.“ Damit hatte sich die Vernehmung abermals erschöpft, und Manfred Stein bezog wieder seine Zelle im Untersuchungsgesängnis. Doktor Messerschmidt hatte diese Maßnahme schonungsvoll als„vorübergehend" bezeichnet... ... Bis Mia Stransky verhört werden kann, bin ich der öffentlichen Meinung als mutmaßlicher Verbrecher ausgeliefert. Und wenn sie wieder sprechen kann— wer weiß, ob sie den Täter erkannt hat! War das nicht der Fall, dann blieb der Verdacht auf ihm sitzen. Man kannte das Gift rigen Gesamtlage des deutsch=polnischen Handels auch nichts mehr ändern. Eine Beeinträchtigung unseres Arbeitsmarktes durch den Zollkrieg ist also nicht zu erwarten. Deshalb bleibt nichts anderes übrig als die Schlußfolgerung, daß die Eröffnung des Zollkrieges durch Polen unter Vertragsbruch eine Drohung Pilsudskis gegen Deutschland enthalten soll. Er will dadurch zum Ausdruck bringen, daß Polen vor schärfsten Schritten gegen den deutschen Staat und das Deutschtum nicht zurückschrecken wird und daß alle Anrufungen des Völkerbundes nicht anders beantwortet werden als mit Gewalt. Soweit sind wir nun glücklich gekommen, daß ein lächerlicher Staat unter lächerlichen Führern derart mit unserem Schicksal spielen darf. Volksleben und Wirtschaft ha. Bei Versagung der Unterstützung. Einspruchsrecht für Kriegsbeschädigte. Eine Hauptfürsorgestelle der Kriegsbeschädigten= und Hinterbliebenenfürsorge ist nach einem Urteil des Spruchsenats für die Arbeitslosenversicherung berechtigt, gegen eine Entscheidung des Vorsitzenden des Arbeitsamts, durch die die Unterstützung versagt wurde, Einspruch einzulegen. Die Frist hierzu beginnt für die Fürsorgestelle, wenn dem Arbeitslosen die Entscheidung bekannt geworden ist. ha. Die Gewerbelehrerin soll auch Turnunterricht erteilen. Durch den Geburtenrückgang ist bei den Mädchengewerbe= und Berufsschulen eine große Zahl von Klassen zusammengelegt worden. Viele noch nicht endgültig angestellte Gewerbelehrerinnen sind dadurch ohne Beschäftigung. Der Handelsminister legt diesen Kräften jetzt nahe, sich noch der Ausbildung als Turnlehrerin zu unterziehen, damit sie durch ihre Vielseitigkeit eine bessere Verwendungsmöglichkeit und größere Aussicht auf schnellere Anstellung haben. Der Unterricht in Leivesübungen wird immer mehr an den Berufsschulen auch für Mädchen gepflegt. In Zukunft werden die Gewerbelehrerinnen gleichzeitig auch den Turnunterricht erteilen. Solche Kräfte, die ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen habe,n sollen sich einer Zusatzprüfung als Turnlehrerin unterziehen. Für Prüflinge an den Höheren Fachschulen für Frauenberufe und für technische Lehrerinnen kann diese zusätzliche Ausbildung auf die vorgeschriebene zweckentsprechende Tätigkeit der Gewerbelehrerinnen für Berufsschulen in Anrechnung gebracht werden. ha. Schwarzarbeit im Handwerk. Zur Bekämpfung der Schwarzarbeit im Handwerk und Kleingewerbe hatte der Handelsminister schon 1929 einen Erlaß herausgegeben. Jetzt werden die Regierungspräsidenten und der Polizeipräsident in Berlin wieder daran erinnert. Die Bekämpfung der Schwarzarbeit und die Anmeldepflicht der Arbeit, die sich nicht auf die gelegentliche Verrichman wußte, daß er der Hersteller des Alkaloides war. Nur die Gründe waren noch felhaft. Aber die ließen sich konstruieren. Indizienbeweis! „** Es war ein Glück, daß Eva im Hause weilte! Das junge, urwüchsige Mädel wurde für Jutta Stein zu einem Halt und Trost in diesen verzweiflungsvollen Stunden. „Das wird alles vorübergehen. Dir müssen nur etwas Geduld haben", beschwichtigte Eva die weinende Schwester. Dabei legte sie ihren Arm um die bebenden Schultern von Jutta, zog sie wie eine Mutter an sich und strich ihr behutsam über das wellige Haar. „Du kannst doch nicht an die Schuld Freds glauben!?“ Die Aeltere machte sich sanft frei und schüttelte mit dem Kopf. „Das ist es nicht.“ Eva verstand mit dem hellöhrigen Ohr der Jugend. Nein, das war es nicht— aber: Jutta war bei Fred im Untersuchungsgefängnis gewesen. Er hatte ihr alles gestanden: die beginnende Untreue, das Souper mit Mia Stransky im„Rheingold“, die Autofahrt, die Spielpartie bei der Berger... Eva tröstete Jutta, so gut wie sie es vermochte. „Glaube mir? Für Fred wird dieser Fall eine ernste Warnung sein! Wenn er erst wieder frei ist, wird er Spiel und Frauen meiden und wird der beste Ehemann sein.“ Jutta lächelte unter Tränen. „So ist es in Romanen...“. Da wurde Eva ganz wild. „So ist es auch im wirklichen Leben! Weil das die Logik ergibt. Ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Pass' auf Jutta, Fred wird ein ganz anderer Mensch werden. Er wird sich in seine Arbeit vertiefen und nicht nach rechts oder links sehen. Soweit glaubte ich ihn zu kennen. Wenn du ihn jetzt verläßt, nimmst du ihm den letzten Halt und wirst mitverantwortlich an seinem eventuellen Zusammenbruch.“ tung gegen Entgelt beschränkt, sondern sich als selbständiger Betrieb eines stehenden Gewerbes kennzeichnet, ist eine Notwendigkeit. Die Klagen über Schwarzarbeit haben weiter zugenommen. Eine wirksame Bekämpfung wird aber nur dann erreicht, wenn die in Frage kommenden Behörden mit den örtlichen Gewerbekreisen fortgesetzt enge Fühlung halten und planmäßig zusammenarbeiten. Die entsprechenden Stellen sollen hierauf hingewiesen werden. ha. Wettervoraussage durch den Fernsprecher Die öffentlichen Wetterdienststellen geben täglich kurz vor 11 Uhr eine amtliche Wettervorhersage für den nächsten Tag heraus. Die Deutsche Reichspost hat jetzt mit den Stellen in Aachen, Berlin, Bremen, Essen, Franksurt a. M., Hamburg, Königsberg i. P., Magdeburg, München und Stettin eine Vereinbarung getroffen, damit die Fernsprechteilnehmer auf schnelle Weise das Wetter am nächsten Tage erfahren können. Die in den erwähnten Städten wohnenden Personen, die über das Wetter Auskunft haben wollen, verlangen über ihr Vermittlungsamt die Telegrammannahme von 11 Uhr an. Bei Meldung dieser nennt der Teib nehmer Anschlußnummer, Name und Wohnung und fordert die Bekanntgabe der Wettervorhersage. Die Verbindung zählt als gewöhnliches Ortsgespräch und kostet 20 Pfennig. Die Neuerung bietet die Möglichkeit, sich an dem Tage vor Ausflügen und anderen Fahrten über das Wetter zu unterrichten. Dies gilt aber nur für die nähere Umgebung. Genaue Auskunft über die Witterung in weit entfernteren Gegenden geben nur die öffentlichen Wetterdienststellen selbst. Die Finsternisse im Jahre 1931 Im nächsten Jahre finden drei Sonnenfinsternisse statt, von denen nur die beiden Mondfinsternisse in unserer Gegend sichbar sein werden. Am 2. April verzeichnen wir die erste totale Mondfinsternis, die um 19,53 Uhr beginnt, 20,22 Uhr ihren Höhepunkt erreicht und um 21,53 Uhr endet. Eine partielle Sonnenfinsternis findet vom 17,—18. April statt; sie beginnt um 23,57 Uhr im südwestlichen China und endet um 3,32 Uhr im Nördlichen Eismeer; dabei wird der halbe Sonnendurchmesser verfinstert. Die zweite partielle Sonnenfinsternis ist am 12. September; sie beginnt um 5,13 Uhr im Norden von Alaska und endet um 6,09 Uhr bei den Aleuten. Die zweite totale Mondfinsternis beginnt am 26. September um 18,54 Uhr, total um 20,05 Uhr, endet um 22,42 Uhr. Die beiden Mondfinsternisse können in unserer Gegend in ihrem ganzen Verlauf verfolgt werden. Die dritte partielle Sonnenfinsternis findet am 11. Oktober statt; sie beginnt an der Küste Perus um 12,01 Uhr und endet im Südlichen Eismeer um 15,49 Uhr; dabei werden neun Zehntel des Sonnendurchmessers verfinstert werden. Sekundenlang starrte die feingegliederte Frau in den Garten hinab. Es war ein trüber, regnerischer, nebelfeuchter Tag. Man mußte viel Mut aufbringen, um an bessere sonnigere Stunden zu glauben Und an die hoffnungsstarken Worte Evas... Und fast unwillkürlich ließ sie den Kopf wieder sinken. Im Unglück sind es die Gedanken fast noch mehr als die Tatsachen, die den Menschen zermürben. Und mit dem Ring fing es an. Frau Jutta kleidete diese Idee in zaghafte Worte. „Nun hat uns der Ring der Bajadere doch noch Unheil gebracht. Seit jenem Tage, da er uns gestohlen wurde, datiert.“ Das helle Lachen des Blondkopfs zerriß die melancholisch stimmenden Worte der Schwester. „Dann wollen wir froh sein, daß der Ring der Bajadere den Besitzer wechselt! Hoffentlich behält er seine schwarze Magie auch dem neuen, unrechtmäßigen Besitzer gegenüber!“ Das war ganz Eva=Logik. Jutta nahm die Sache tragischer. Sie verbiß sich förmlich in das Problem. „Das ist sehr leicht möglich, Kleines!“ sagte sie sehr ernst.„Es gibt tatsächlich solchen bösen Zauber. Ich habe erst neulich einen Artikel von einem namhaften Gelehrten gelesen, in dem der Verfasser allen Ernstes behauptete, die magische Kunst der alten Pharaonen wirke sich heute noch an den Archäologen im Niltale aus. Und wirklich sind eine ganze Anzahl der Forscher unter rätselhaften Umständen gestorben“. Das ging über Evas Horizont, aber sie ließ Juttas Meinung gelten. Es war ja heute auf dem weiten Gebiete des Okkultismus so manches diskutabel, war von zehn Johren noch mit einer Handbewegung von der Wissenschaft abgetan wurde. „Wenn nur der abscheuliche Verdacht erst von Fred genommen wäre!" seufzte Jutta leise auf. Eva nahm Juttas Hände in die ihren. „Wir beide können in dieser Hinsicht nicht viel tun. Aber ich kenne einen, der sich für den armen Fred einsetzen wird.“ (Fortschung folgt.) Kurichen ule Anfüger Von Karl Ettli Wenn zehn Menschen auf einmal sprechen und einer hört zu, das ist schrecklich. Aber wenn einer auf einmal spricht und Hunderttausende hören zu, das ist manchmal noch schrecklicher. Besonders, wenn der eine ich bin, vorm Mikrophon stehe, keine Ahnung habe, was ich sagen soll, sondern mein Freund Fritzl boxt mir fortwährend in den Rücken:„Net so laut, Mensch! Red' halt lauter! Schneller sprechen muaßt! Net so gschwind reden! Geh halt näher hin, bleib’ halt weiter weg!“ Da müssen ja die besten Nerven den Schluckauf kriegen, da müssen einem ja die Kurzwellen länger vorkommen als die Götterdämmerung, und die langen Wellen kürzer als eine Urlaubswoche! Da muß ja der schönste Redestrumpf eine Laufmasche kriegen! Eigentlich habe ich überhaupt nicht vors Mikrophon treten wollen. Ich stand auch keineswegs auf dem Rundfunkprogramm, sondern die Sache kam so: Der Fritzl stiftete einen Bierabend. Das Bier ist ein von Natur schüchternes Getränk, den Schüchternen muß man gut zusprechen, also hab' ich dem Bier gut zugesprochen. Zwischendurch trank ich ein paar doppelte Kirsch. Obst enthält Vitamine. Auf einmal werde ich am Telefon verlangt. Ein schreckliches Telephon: zehn Hörer hatte es, die schwebten immer aufwärts und abwärts, wie die Rheintöchter. „Hier Bayerischer Rundfunk, Intendant." „Hier ich!“ lispelte ich.„Was wollen S' dann Herr Indanthren?" Mir war's ja so schlecht! Fünf Zungen hatte ich im Mund, lauter große Portionen. „Sie müssen sofort einspringen, unsere beiden Ansager sind stockheiser! Keine Widerrede! Das Auto ist schon unterwegs! Schluß!" Also, wenn ich nicht genau gewußt hätte, ich spreche mit dem Bayerischen Rundfunk, ich hätte meine Hand dafür ins Wasser gelegt, ich rede mit dem Fritzl. Genau dieselbe Stimme! Aber vielleicht kommen einem die Farbtöne verändert vor, wenn man blau ist. Richtig, stand das Auto schon draußen.„Du, Fritzl,“ hab' ich gewinselt,„geh' mit... ich glaub', das Doppelbier... das Moppelbier... und das Hirschwasser... das Kirschwasser ham sich in mei'm Magen zerkriegt... oh, wenn ich doch bloß einen Eheringssalat... einen H#eringssalat hätte!“ „Nimm dich zusammen!“ hat der Fritzl gezischelt und hat mir einen Rippenstoß gegeben. „Hier auf dem Zettel steht alles aufgeschrieben! Los Programmdurchsage!" Vor meinem Kopf flimmerten zehn Mikrophone, die Buchstaben des Zettels veranstalteten vor meinen Augen ein Wettschwimmen,— aber was wollt' ich machen, wo alle Rundfunkler und Harzschwörer hupp, Schwarzhörer... auf mich warteten? Stotternd begann ich:„Hier München, Nürnberg, Schwabing, Ingolstadt, Regensburg, nach Passau umsteigen,— jessas, ist mir schlecht! Ich habe jetzt... ich gebe jetzt... die genaue Zeit... bitte, stellen Sie Ihren Pfandschein nger, München. ... Ihre Uhr,... Ihren Handkäs... Ihre Kartoffel.. auf... auf'n Nachttisch!“ „Deutlicher!“ hat mich der Fritzl geboxt. „Dich versteht ja keine Kuh!“ „Liebe Kuh... liebe Hörrohre... liebe Hörer.. es folgt der Vetternbericht... der Wetterbericht... hoppla... sind wir noch verbunden?... der Kletterbericht der bayerischen Landesschmetterwarte „Näher ans Mikrophon!“ hat mich der Fritzl geboxt. „Näher ans Mikroskop!". Ich verlose jetzt ... ich verlese jetzt... das gestrige Programm ... o mei, brummt mir der Schädel... stellen Sie bitte Ihren Krautsprecher Ihren. Lautsprecher auf Zimmerwärme! Zwölf Uhr dreißig: Knallblattenkonzert... auf Klumbumbusplatten und„das Wimmerl seines Herrn!" „Geh weiter weg!“ hat mich der Fritzl geboxt. „... Gehn S' weiter weg! Erster Teil: Hammelmusik Schrammelmusik Walzer von Vogel Strauß.. von Johann Strauß. „Gschichten aus dem Schlawienerwald".... Wiener Wald... von Johann Sebastian Bach! Lied für Mazzensopran für Mezzosopran Es liegt eine Bohne im grünen Rhein... Entschuldigen S' ich hab bloß aufgestoßen!.... Es liegt eine Makrone beim grünen Schwein ... Ballett aus„Die Suppenfee".. der Puppentee... von.. einen Augenblick, mir is Blatt hingefalln!" „Du bist ein Kamel!“ hat mich der Fritzl gebort. „... Du bist ein Kamel!... Ouvertüre zu „Das Söckchen des Eremiten"... das Böckchen des Ere... das is so eng geschrieben... das Löckchen des Eremiten! Fantasie über„Die Hose von Stambul“... die is wieder so eng, — nicht die Hose: die Rose vom Stammbullen ... Zweiter Teil! Polka aus„Schwanda, der Nudelpacklseifer"... naa, dös stimmt net... Schwanda, das Pudeldackelschweiferl Vitriolsala.. die Kleisterbringer von Nürnberg, die Meisterschwinger... Musik von Friedrich von Schiller.“ „Du bist in die falsche Rubrik kemma!“ hat mich der Fritzl geboxt. „Du bist in die falsche Rubrik kemma!... Es folgen jetzt einige Punschplatten, nein... Wunschplatten!— Ernste Wurstplatte... nein Wunschplatte: Lied„Ich bin von Topf bis Mus auf Hiebe eingestellt“... von Kopf bis Fuß auf Pipe, auf Liebe eingestellt Marsch der finnländischen Schneiderei... der schneidigen Finnländerei. jesses, is mir schlecht!... der finnländischen Reiterei für Grasmusik, Glasmusik, für Blasmusik...“ Jetzt ist mir der Schnaufer ausgegangen, ich hab' in mir so entsetzliche„atmosphärische Störungen“ gehabt, und so müd bin ich auf einmal geworden, daß ich kaum die Augen aushalten konnte. Aber ich hab'mich noch einmal aufgerappelt, zumal mir der Fritzl einen Stoß nach dem andern ge—Rücken—koppelt hat, und hab' angesagt: „Ballustrade der Senta, nein, Ballade der Senta aus„Die Fliege des Holländers“ der geflickte Holländer... der holländische Fliegenhändler... Chor aus dem Moratorium „Hotel vier Jahreszeiten“— 15 Uhr: Schwachfunk— Schachfunk— für die verwachsene gend. 15 Uhr 30: Lesestunde: der Autor niest, das Auto liest." Das Weitere weiß ich nicht mehr. Wie ich aufwachte, saß ich auf dem Fritzt seiner Bude. Auf dem Fußboden. Von der Zimmerdecke hing an einer Spagatschnur ein Suppenteller der war das Mikrophon gewesen. Alles war Schwindel— bloß, die blauen Flecken auf meinem Buckel waren echt. Aber die gehen wieder heraus. Mit Benzin, hab' ich in einer Hausfraunzeitung gelesen. — Schont den weihnachtlichen Wald! Weihnachten naht, das deutsche Familienfest im Zeichen des Christbaumes. Der deutsche Weihnachtsbrauch bringt unsern Wäldern ernste Gefahr. Manche junge Fichté verschwindet in Nacht und Nebel, um als gestohlener Baum die weihnachtliche Stube zu schmücken. Wenn Markt und Torbogen in der Stadt zum duftenden Fichtenstande wurden, so handelt es sich hier um überzählige Bäume weiter Waldungen, die der Waldheger forstmäßig auswählte. Der Baumräuber schädigt den Wald durch unzweckmäßiges Ausschlagen aus Schonungen. Er vergeht sich gegen die Forstgesetze. Seine Handlungsweise ist Forstdiebstahl und fordert gerichtliche Bestrafung. Dazu kann ein gestohlener Baum wohl keine rechte Weihnachtsfreude aufkommen lassen. In den letzten Jahren mehrt sich ein der deutschen Weihnacht wesensfremder Brauch, der ebenfalls unsere Heimatwälder schädigt. Die Zweige der Stechpalme in roter Beerenpracht wandern auf verbotenen Wegen in die Stadt, um als Weihnachtschmuck zu dienen. Die englische Sitte wird bei uns durch ernste Bedrohung der Hülse zur Unsitte. Die Stechpalme (Hülsekrabbe) steht in unserer Heimat unter Naturschutz. Sie bedarf wegen ihres starken Rückganges dringend der Schonung. Schützt Wald und Hülsenstrauch! Zweckmäßige Winterfütterung - unserer Vögel Unsere nützlichen Vögel, insbesondere die Meisen, bedürfen bei starkem Schneefall, bei Rauhreif und Glatteis unbedingt der Fütterung. Gute Futterstoffe, die auch für die übrigen hier verbleibenden Gartenvögel wärmstens empfohlen werden können, sind ölhaltige Sämereien, wie Hanf, Mohn und Sonnenblumkerne. Man soll aber für unsere Insektenfresser das Darreichen von Talg, ungesalzenem Speck oder sonstigen Fettstücken nicht vergessen. Brot und ähnliche Stoffe, die leicht säuern, und deshalb den Vögeln schaden, sind nicht zu geben, es sei denn, daß sie in Fett gemengt völlig gegen Feuchtigkeit geschützt sind. Als mehlartige Zugabe gebe man Hafer, weiße Hirse und ähnliche Körner. Soll aber die Fütterung vollkommen ihren Zweck erfüllen, dann muß sie vor allen Dingen wettersicher dargeboten werden. Wettersicherheit ist aber nur dadurch zu erreichen, daß der oberste Rand des Futterbrettes auf gleicher Höhe liegt wie der unterste Rand der schützenden Bedachung. Für kleinere Verhältnisse, besonders für Gärten usw., empfiehlt sich das sogenannte Theil'sche Meisensuttergkö.i##n## sich jeder leicht sellst herstellen kann. Z# diesem Zwecke nimmt man sich eine halbe geleerte, Kokosschale, befestigt in ihrer Mitte das Ende eines Stäbchens und gießt die Glocke mit einer gelösten Futtermasse von Talg und den oben genannten Sämereien aus. Nach Erkalten hängt man die Vorrichtung so auf, daß das Stäbchen nach unten zeigt. Damit ist die Futtermasse durch die Kokosschale gegen Regen und Schnee vollkommen geschützt. Doch lassen sich bei der Beachtung des Grundsatzes„Füttere wetterischer!" auch schon recht oft auf Balkon und Veranda, in Schuppen und Lauben sowie unter vorspringenden Dächern zweckmäßige Fütterungen für unsere Vögel anlegen. ha. Mehrkosten bei Urlaubsreisen für Marineangehörigen. Der Urlaub, der aus dienstlichen oder dringenden persönlichen Gründen während der Abwesenheit des Schiffes vom Hauptliegehasen erteilt werden muß, ist unaufschiebbar nach der Bestimmung für das Haushaltsjahr 1930. Die Marineleitung macht ihr Bereich darauf aufmerksam, daß es sich nur um Ausnahmefälle handeln kann. Die Schiffskommandos sollen aber bedenken, daß Urlaubsreisen vom Verwendungsort der Schiffe nach dem Haupthafen nur dann ausgeführt werden dürfen, wenn dringende dienstliche Verhältnisse es unmöglich gemacht hatten, den Besatzungsangehörigen den fälligen Erholungsurlaub zu erteilen, während die Schiffe im Haupthafen lagen. Der Urlaub muß wenigstens eine Woche betragen. Einem Bordangehörigen dürfen grundsätzlich bei Abwesenheit des Schiffes im Haupthafen nur die Eisenbahnfahrkosten für den Urlaub einmal ersetzt werden. Mensch und Hitze. Die Temperatur des menschlichen Blutes, gleichgiltig welcher Rasse der Mensch angehört, beträgt etwa 38,5 Grade Celsius. Temperaturen, welche darüber liegen, müssen daher nur lästig empfunden werden, sondern auch ermattend auf unseren Körper einwirken. Die Natur hat aber den Menschen eine außerordentliche Anpassungsfähigkeit gegenüber den Temperaturschwankungen verliehen und zwar in einem solch hohen Maße, wie es nur bei wenig hochorganisierten Lebewesen der Fall ist. Es haben wiederholt wissenschaftliche Untersuchungen stattgefunden, um das Höchstmaß der Widerstandsfähigkeit des Menschen gegenüber der Hitze festzustellen. Der englische Naturforscher Sir Joseph Banks, der Cook auf seiner ersten Weltumseglung begleitete, ließ sein Zimmer so stark wie möglich heizen. Verschiedene Wärmemesser zeigten schließlich 99 Grad, so daß nur mehr 1 Grad auf die Siedehitze des Wassers fehlte. In dieser höllischen Glut, bei der etliche Thermometer zersprangen, hielt es Banks 10 Minuten aus. Der Engländer Blagden schlug diesen Rekord, denn er verbrachte 8 Minuten in einem Raume mit einigen Graden über hundert. Sein Puls stieg auf 145 Schläge in der Minute und das Atmen war ihm beschwerlich. Wenn er gegen den Wärmemesser hauchte, so fiel sofort die Quecksilbersäule um einige Grade. Rund zehn Millionen Bücher befinden sich in den Berliner Bibliotheken. Nachrichten vom Büchermarkt Deutscher Reichspost=Kalender 1931. Herausgegeben mit Unterstützung des Reichspostministeriums. Konkordia=Verlag, Leipzig C 1, Goethestr. 6. Preis RMk. 4.—. Der Deutsche Reichspost=Kalender ist soeben in dritter Folge erschienen. Wie seine Vorgänger will. er die breite Oeffentlichkeit über die vielseitigen Einrichtungen der Deutschen Reichspost aufklären, der Postkundschaft die zweckmäßigste, bequemste und wohlfeilste Ausnutzung der gebotenen Verkehrsmöglichkeiten erläutern und darüber hinaus ganz allgemein die Bedeutung des Verkehrswesens für die Volks= und Weltwirtschaft zeigen. Auch der neue Jahrgang führt dem Beschauer eindringlich vor Augen, wie sich die Deutsche Reichspost alle Fortschritte der Wissenschaft und Technik zunutze zu machen sucht, wie sie bestrebt ist, dem deutschen Volke einen immer leistungsfähigeren Verkehrs= und Betriebsapparat zur Verfügung zu stellen und dabei trachtet, die berechtigten Belange aller Bevölkerungskreise wie auch in sozialer Beziehung ihres Personals nach Möglichkeit zu berücksichtigen und zu fördern. Das von Künstlerhand entworfene Titelblatt versinnbildlicht in Buntfarbendruck die deutsche Luftpost, die bei ihrer steigenden Bedeutung für Wirtschaft und Verkehr von der Reichspost besonders gepflegt wird. Die einzelnen Blätter des Kalenders bringen abwechslungsreiche Darstellungen aus den vielseitigen Betriebszweigen der Reichspost und legen Zeugnis ab von der fortschreitenden Rationalisierung und Mechanisierung in Verwaltung, Betrieb und Technik. Brief= und Paketdienst, Scheck= und Geldverkehr. Landpostdienst, Fernsprecher, Telegraph und Funk, Krafspost und Luftpost ziehen in bunter Felge an unseren Augen vorüber. Die letzten, noch wenig bekannten Neuerungen der Deutschen Reichspost werden in packenden Bildern dem Verständnis nähergebracht, so z. B. das Zusammenwirken von Flug= und Schiffspost im Verkehr mit Nord= und Südamerika, die Richtantennenanlage in Nauen für den Ueberseefunkverkehr, die Aufnahme des drahtlosen Fernsprechverkehrs mit Brasilien, die Bildtelegraphie und die Unterlagerungstelegraphie. Statistische Zahlen, zum großen Teil in bildlicher Wiedergabe, werfen bedeutsame Streiflichter auf den Riesenverkehr der Reichspost und auf die Organisation ihres weitschichtigen Personalund Verwaltungskörpers. Auch die sozialen Einrichtungen der Deutschen Reichspost sind nicht vergessen. Die beigegebenen Gebührenübersichten geben Auskunft über vielerlei Fragen und werden manchem willkommen sein. Besonderer Wert ist wiederum auf gediegene Aufmachung, reichen, künstlerischen Bildschmuck, klaren und knappen Text, sowie leicht lesbaren Druck gelegt worden. In dieser Beziehung bietet der Kalender, der in Großformat gehalten ist, das Beste vom Besten. Die Anschaffung des Deutschen ReichspostKalenders für 1931, der eine Fülle von Anregung und Belehrung spendet und vorzüglich geeignet ist, den Sinn für die Zusammenhänge von Verkehr und Wirtschaft zu schärsen, kann daher warm empfohlen werden. Können Sie Go spielen? Wahrscheinlich nicht, denn Go ist ein japanisches Nationalbrettspiel, das im Jahre 2000 v. Chr. in China erfunden und um 700 u. Chr. nach Japan gebracht wurde. Im 7. Band des „Großen Brockhaus)(GAS—GZ, 796 Seiten, in Leinen K 26,—, bei Rückgabe eines alten Lexikons K 23,50) können wir darüber nachlesen, daß das Go=Spiel hohe Anforderungen an die Spielenden stellt und in seiner Bedeutung dem Schach gleichgestellt wird. Wer Lust hat, seinen Geist an diesem sinnreichen Spiel zu erproben, findet im„Großen Brockhaus“ Anlei= tung und Spielregeln. Wie immer, bringt auch dieser Band eine überwältigende Fülle des Wissenswerten und Nützlichen. Wissen Sie, wie Sie sich bei einem Grippeanfall zu verhalten haben? Wissen Sie, was der Grätenschritt des Skiläufers ist und wann er angewandt wird? Wissen Sie über Saatzeit, Düngung, Saatmenge, Saatpflege und Erntezeit unserer wichtigen Gemüsesorten Bescheid?„Der Große Brockhaus“ dieser Allerweltskerl, sagt es Ihnen. Daneben werden Themen erörtert, die für unsere heutige Zeit von dem brennendsten Interesse sind: unter dem Sprichwort„Gaskampf“(mit 17 Abbildungen) erfahren wir, zu welcher Vollendung dieses fürchterliche Mittel moderner Kriegsführung gebracht worden ist, der Artikel„Geld“ zeigt die tausendästigen Verpflechtungen von Geldmarkt und Wirtschaftsleben(mit einer besonders instruktiven schematischen Darstellung: Wirtschaftlicher Geldkreislauf im Deutschen Reich). Wir erfahren auch, daß die„Gesellschaftsreisen" keine Errungenschaft unserer Zeit sind, sondern daß dieser Begriff im 19. Jahrhundert in Paris entstanden ist, wo ein gewisser Galignani Reisen in die durch Napoleons Eroberungen erschlossener Gebiete veranstaltete. Wenn man bedenkt, daß ein moderner Roman durchschnittlich 6,— bis 8.—, oft auch noch mehr kostet, etwa 250 bis 300 Seiten und keine Abbildungen enthält, während ein solcher Band des„Großen Brockhaus“ den dreifachen Umfang hat, Tausende von einfarbigen und bunten Abbildungen und Karten bringt,— wenn man ferner bedenkt, daß man einen Roman einmal liest und dann in den Bücherschrank stellt, während uns der „Große Brockhaus“ täglich und stündlich nützlich und unentbehrlich ist, dann staunen wir über den geringen Bezugspreis des Werkes, der einen Erwerb für wenige Mark im Monat ermöglicht, und wir stimmen dem Ausspruch des bekannten Naturforschers Dr. Raoul Francé zu, der gesagt hat:„Ich kenne kein deutsches Buch, das zu diesem Preise so viel bietet wie der„Große Brockhaus“. Amtlicher Taschenfahrplan der Reichsbahndirektionen Wuppertal und Essen für das Niederrheinisch=Westfälische Industriegebiet, 56. Jahrgang, zweite Winterausgabe vom 15. Dezember 1930. Vertrieb durch A. Martini& Grüttefien, GmbH., Wuppertal=Elberfeld. Preis Mk.—.90. Der„Amtliche Grüne Fahrplan“ welcher soeben erschienen ist und bis 15. Mai 1931 Gültigkeit behält, hat diesmal einen neuen Umschlag erhalten, der das Werk vorteilhaft heraushebt. Alle Fahrplanänderungen, die im bisherigen Winterfahrplan eingetreten sind, sind aufgenommen. U. a. verkehren die Schlafwagenzüge FD 15/16 Köln—Berlin, die ursprünglich nur vom 8./9.—23./24. Dezember vorgesehen waren, wieder regelmäßig bis 14. Mai 1931. Die Sportfreunde werden es angenehm begrüßen, daß dem Fahrplan als besondere Einlage ein„Wintersportfahrplan" beigegeben worden ist. Hieraus können alle Wintersportzüge und sonstige günstigen Zugverbindungen nach den Wintersportgebieten ersehen werden. Ferner sind darin enthalten die Fahrpreise und Bestimmungen, sowie wissenswerten Angaben über die Wintersportgebiete nebst 3 Uebersichtskarten dieser Gebiete. Trotz dieser Erweiterung des Fahrplans ist der Preis von 90 Rfg. nicht erhöht worden. „Die Gartenlaube“. Hest 50. Weihnachtsstimmung bringt das neue Hest der„Gartenlaube“. Weihnachtsstimmung zeiger, schon der Umschlag und auch die Beiträge im Heft: Bilder vom Weihnachtsmarkt in der „guten alten Zeit“, ein reizvoller Aufsatz üher Kinderspielzeug und über die Kunst, es zu schenken. Für die geplagte Haussrau: gute Ratschläge für das Weihnachtsgebäck, schöne Kissen, geschmackvolle Modebilder und noch viele andere schöne und interessante Sachen. * Das Alter des Weihnachtsbaumes Schwerte, den 18. Dezember 1930. Der Weihnachtsbaum in seiner heutigen Vorm ist gar nicht so uralt, wie man meist annimmt. Die älteste Kunde von einem Weihnachtsbaum stammt aus dem Jahre 1604 aus Straßburg. Der Baum war geschmückt mit bunten Papierrosen, Aepseln und Zuckerwerk. Allerdings steckten schon unsere heidnischen Vorfahren zur Zeit der Wintersonnenwende an die Türen ihrer Hütten grüne Tannenzweige oder Fichtenwipfel. Diesem Brauch möchte der Glaube zugrunde liegen, daß im Schoße der Wälder die Götter wohnen und ein frisch grüner Tannenzipsel Schutz vor ihren bösen Geistern gewähre. Obwohl viele Kirchenlehrer, wie die Straßburger Kanzellehrer Geiler von Kaisersberg, diesen Brauch in Wort und Schrift als unchristlich bezeichneten und um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts seine Abschaffung forderten, ließ sich der Brauch des Weihnachtsbaumes nicht unterdrücken. Um 1750 herum wird der Baum mit Lichtern geziert und allmählich mehr und mehr der symbolische Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Vielfältig sind die Schmuckstücke, mit denen jetzt der Baum geziert wird, aber sein eigentliches Leben, seine gewinnende Kraft und wahren symbolische Bedeutung haben ihm erst die Lichter gegeben, der fröhliche warme Kerzenschimmer. Allgemeine öffentliche WeihnachtsReschechoene Es wurden folgende weitere Beträge gezeichnet: N. R. A. P. dazu bisherige Zeichnung. 15.— M — *„ 5.—„ * 7783.—„ Sa. 7803.— M Herzlichen Dank! Gedenktage. 18. Dezembex: 1786 Karl Maria von Weber in Eutin geboren(gestorben 1826).— 1303 Der Dichter Joh. Gottfried von Herder in Weimar gestorben(geboren 1744).— 1829 Der Naturforscher Jean de Lamarck in Paris gestorben(geboren 1744)— 1844 Der Volkswirt Lujo Brentano in Aschaffenburg geboren. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 17. Dezember 1930. Das nordöstliche Hoch besteht in voller Stärke fort, daneben ist auch über West= und Mitteleuropa der Luftdruck angestiegen. Das Tief über England hat sich abgeflacht nach Mittelfrankreich und Nordostdeutschland verlagert und bewirkt dort über West= und Süddeutschland stärkere Bewölkung, nur vereinzelt Regen. In Deutschland war es heute morgen stärker bewöllt, Aachen hatte Regen, die Ostseeküste schnee. Schlesien hatte heiteren Himmel. Die * mperaturen lagen meist 1 bis 3 Grad, im Osten bis 8 Grad unter Null. Der Kahle Asten reeldete schwachen Ostwind, bedeckten Himmel und—2 Grad. Aussichten für Donnerstag: Meist bewölkt, zeitweise aufheiternd, vorübergehend etwas trocken, leichter Frost. Aussichten für Freitag: Heiter, zeitweise noch bewölkt, leichter Frost, trocken wahrscheinlich. * Bestandenes Examen. Herr Heinz Levy, Moltkestraße, bestand em Oberlandesgericht Köln sein Referendarexamen mit bestem Erfolg.— Wir gratulieren! Haus= und Grundbesitzer=Verein. Heute abend 8 Uhr findet im Lokale K. Wilkes Bahnhofstraße, eine Mitgliederversammlung des Haus= und Grundbesitzervereins Schwerte e. B. statt, in der eine wichtige Tagesordnung zu erledigen ist. U. a. wird Herr Dr. DessinHagen einen Vortrag über das Aufwertungsschlußgesetz halten, desgl. über Regierungsprogramm und Notverordnung. Ueber Hypothekenkündigung soll eine Aussprache herbeigeführt werden. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Versammlung muß es sich jedes Mitglied zur Pflicht machen, zu erscheinen. Westfälischer Bauernverein Bezirksverband „Industriegebiet". Der Sprechtag des Westfälischen Bauernvereins Bezirksverband„Industriegebiet findet in Schwerte am Freitag, den 19. Dezember, von 10—12 Uhr in der Wirtschaft Potthoff statt. ha. Geänderte Vorschriften für Feuerwerkskörper. Zur Herstellung von Feuerwerkskörpern wird im allgemeinen nur Schwarzpulver oder ähnliche Gemische, welche die sprengtechnischen Eigenschaften nicht beeinflussen, verarbeitet. Aus diesem Grunde wurde bisher das Gesetz gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstossen auf Feuerwerkereien nicht angewandt. In letzter Zeit haben aber mehrere Explosionen in solchen Werken gezeigt, daß die Sprengkraft der Körper hinter den Sprengstoffen, die unter das genannte Gesetz fallen, nicht mehr zurücksteht. Alle Feuerwerkereien, in denen Gemische mit Sprengstofseigenschaft verarbeitet werden, sind deshalb in Zukunst als Anlage zur Herstellung von Sprengstoffen im Sinne des Gesetzes zu behandeln. Die Unternehmer müssen den zuständigen Erlaubnisschein besitzen. Bisher war die Abgabe von Knallkörpern und ähnlichen Scherzartikeln an Jugendliche unter 16 Jahren verboten. Es ergaben sich durch diese Bestimmung und falsche Bezeichnung der Waren Unzuträglichkeiten. Der Minister des Innern und der Handelsminister haben jetzt bestimmt, daß Feuerwerkskörper mit brennbarer Masse und besonderer Aufschrift auch an Personen unter 16 Jahren verkauft werden dürfen. Geänderte Bestimmungen gelten auch für die Aufbewahrung des Feuerwerks in den Läden. von einigen hundert Reichsmark mit sich führten. Wie die Betroffenen angaben, wollten sie die Waren von einem unbekannten Manne nachts auf der Straße gekauft haben. Da es sich um eingeschmuggelte Waren handelte und der rechtmäßige Erwerb nicht nachgewiesen werden konnte, wurden die Waren beschlagnahmt. Der Unbekannte, von dem die Waren gekauft sein sollten, war nicht zu ermitteln. Das Hauptzollamt in Aachen verhängte nun wegen der in dem Ankauf der Schmuggelware zu erblickenden Abgabenhehlerei gegen die beiden Arbeiter Geldstrafen in Höhe von 800 und 3200 Reichsmark. Im Unvermögensfalle kann die Geldstrafe in Freiheitsstrafe umgewandelt werden. Außerdem wurde auf Einziehung der eingeschmuggelten Waren erkannt. Einer der beiden Arbeiter wurde einige Tage später in Köln wiederum mit Schmuggelware betroffen. ! Westhosen. Untersuchungszwang auch bei Privatschlachtungen. Ueber den Untersuchungszwang für Schlachttiere bestehen noch immer falsche Auffassungen. Besonders ist die Meinung verbreitet, daß die amtliche Untersuchung nur für gewerbliche Schlachtungen vorgeschrieben sei. Es wird darauf hingewiesen, daß Rindfleisch im Alter von über drei Monaten auch bei Privatschlachtungen vor und nach der Schlachtung einer amtlichen Untersuchung unterliegt. Ferner ist die amtliche Untersuchung auch für Rindvieh im Alter bis zu drei Monaten, sowie für Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde vorgeschrieben, wenn das Fleisch in mehreren Haushaltungen oder für Kostgänger oder für Festlichkeiten, an denen fremde Personen teilnehmen, verwendet werden soll. Was die Schweine anbetrifft, müssen diese in allen Fällen, also auch dann, wenn das Fleisch nur im eigenen Haushalt verwendet werden soll, auf Trichinen untersucht werden. ! Geisecke. Eine Sitzung der Gemeindevertretung findet am Freitag, den 19. Dezember, nachmittags 5,30 Uhr, im Lokale Schulte=Höppe in Geisecke statt. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem folgende Punkte: Erhöhung der Steuerzuschläge zur Deckung der gestiegenen Gemeindelasten und der Nachtragsumlage des Kreises, Wasserrechtsverleihungssache der Gemeinde, Abtretung von Wegeflächen an die Dortmunder Wasserwerksgesellschaft. ist. Den größten Teil seines Vermögens hat der verstorbene Handwerker, der lein Freund der Traurigkeit war, gemeinnützigen Anstalten vermacht. Er hat also auch an den Ernst des Lebens gedacht. Landkreis Iserlohn l Westhofen. Weihnachtsnotsammlung. Unter dem Vorsitz des Stadtvorstehers Krämer fand gestern abend im Amtshause eine Sitzung der Ausschußmitglieder statt, die sich als Sammler für die Weihnachtsnotsammlung für die Bedürftigen der Stadt Westhofen Verfügung gestellt haben. Es wurden hauptlich die Formalitäten der Sammlung besprochen Von einer Büchsensammlung soll Abstand genommen werden An einen Teil der Bürgerschaft sind Rundschreiben mit einem anhängenden Schein zum Einzeichnen von Spenden gesandt worden. Am Freitag und Sonnabend sollen die Zeichnungsscheine von den Sammlern abgeholt werden. Die Zahlung der gespendeten Geldbeträge kann an die Sammler oder auf dem Wohlfahrtsamt— Zimmer 2— und auf der Amtskasse, woselbst ebenfalls Einzeichnungslisten aufliegen, erfolgen. l Westhofen. Gründung einer Ortsgruppe des Bundes der Kriegsbeschädigten. Nachdem kürzlich in der Ortsgruppe Schwerte diesbezügliche Besprechungen stattgefunden haben, findet am 10. Januar in Westhofen eine Versammlung zwecks Gründung einer Ortsgruppe des Bundes der Kriegsbeschädigten statt. ! Westhofen. Schwere Zollstrafen. Bei einer von Zollbeamten im Grenzgebiet bei Aachen vorgenommenen Kontrolle wurden zwei erwerbslose Arbeiter aus dem hiesigen Amtsbezirk betroffen, die größere Mengen Kaffee, Schokolade, Zigaretten und Tabak im Werte Vormischtes Buer i. W.„Geld her oder das Leben!“ Auf der Resser Straße wurde in der Nacht der Kellner Paul Hinz von drei undekannten Männern unter vorgehaltenem Revolver aufgefordert:„Geld her oder das Leben!" Paul Hinz behielt lieber beides für sich und riß schleunigst aus. Die Räuber gaben zwei Pistolenschüsse ab, von denen Hinz am Oberschenkel getrosfen wurde. Man brachte ihn ins Krankenhaus. Gekriegt haben die Räuber aber dennoch nichts. Wieviel Schulen gibt es in Deutschland? In Deutschland gibt es nicht weniger als rund 87200 Schulen mit etwa 10 Millionen Schülern. Unter den Schulen stehen die Volksschulen mit rund 52790 an erster Stelle. Von den höheren Schulen marschieren die Oberrealschulen mit 682 an der Spitze, es folgen die Gymnasien mit 513 und die Realgymnasien mit 401. Es gibt weiter über 29 600 Fortbildungs= und Berufsschulen und über 1500 Mittelschulen. „Freut euch des Lebens" bei der Beerdigung. Das Lieblingslied eines Sattlermeisters im vorpommerschen Dorfe Lindenberg(Kr. Demmin) war stets gewesen„Freut euch des Leben“ Als dieser brave und lustige Handwerksmeister die Augen für immer schloß, hat er es sich ganz gehörig verbeten, etwa Trauerweisen zu seiner Beerdigung zu spielen und zu singen. So gab es denn in der letzten Woche zur Beerdigung eine lustige Trauergesellschaft, bei der Trauerstimmung nicht aufkam. Die Malchiner Kapelle spielte auch unaufhörlich lustige Weisen, besonders aber das Lieblingslied des Toten: „Freut euch des Lebens!" Der Verstorbene hatte einen sehr hohen Betrag für„Unkosten in der Gastwirtschaft“ ausgeworfen. So schmauste denn auch die ganze Trauergesellschaft auf seine Kosten und brach mancher Flasche Wein den Hals. Immer wieder stimmten feuchtfröhliche Bacchusbrüder das Lieblingslied des Toten an und feierten die Beerdigung bis in den frühen Morgen. Niemand kann sich besinnen, daß es jemals so schön bei einer Berdigung gewesen (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzt. Verantwortung.) Gewerbesteuererhöhung um 108! Die Quittung an Handel und Handwerk, oder: wenn man Stadtverordnete nach Parteizugehörigkeit und nicht berufsmäßige Vertreter wählt. Würden die Stadtverordneten einem anderen Berufsstand eine so ungeheure Extrabelastung auserlegt haben? Ist den Herren nicht zum Bewußtsein gekommen, daß weder Handwerk noch Handel die erhöhte Steuer vom Einkommen bezahlen können? Aber was liegt daran, wenn es sich um Gewerbetreibende handelt? Für die Erhöhung der Gewerbe= und Grundsteuer lag durchaus kein zwingender Grund vor. Dem Magistrat dürfte es nicht unbekannt sein, daß die Beträge, die Schwerte in nächster Zeit von der Reichsbahn zu erwarten hat, vollkommen ausreichen, das Defizit zu decken. Die Drohung des Herrn Bürgermeisters mit dem Staatskommissar war nicht sehr ernst zu nehmen. Jedenfalls hätte man das Eingreifen des Staates ruhig abwarten sollen, wir glauben, dem Gewerbestand wäre die erhöhte Steuer erspart geblieben. Schwerte hat schon seit einer Reihe von Jahren 600 bezw. 650 Prozent vom Gewerbeertrag erhoben ein Steuersatz, der erheblich über dem Landesdurchschnitt liegt. Herr Bürgermeister Schlegtendal hat das Defizit des vergangenen Jahres mit 100 000.— Mark angegeben, das sich schließlich auf 10 000.— Mark herabgemindert hat. Gewiß ein erfreuliches Ergebnis, aber warum werden Handel und Gewerbe so ungeheuer belastet? In Berlin berät die Preissenkungskommission über den Abbau der Preise und die Stadtvertretungen erhöhten die Gewerbeertragsteuern, fürwahr ein Zeichen der Zeit... Iozr, 85.5. Bei der Umgemeindung aus dem Kreise Hörde in den Kreis Iserlohn ist Schwerte aus dem Regen in die Traufe gekommen. Die Finanz= wirtschaft des Kreises bedarf dringend der Nachprüfung. Die berufsmäßigen Vertretungen des Handels und des Handwerks, die Handels= und Handwerkskammern, werden das letzte Wort zu der beschlossenen Steuererhöhung noch nicht gesprochen haben. Geschäftliches Abwechslung im Speisezettel. Die Aufstellung des Speisezettels geht in heutiger Zeit in keinem Hause ohne Schwierigkeiten vorsich. Das eine Gericht verlangt eine Menge Eier, das andere braucht, nach Meinung der Hausfrau, zu viel Fett. Trotzdem wird manches bisher selten gegebene Gericht häufiger in den Speisczettel aufgenommen werden können, wenn die Hausfrau die benötigten Zutaten genau ausprobiert. Sie wird dann z. B. herausfinden, daß es Fette gibt, die so ausgiebig und sparsam sind, daß sich selbst die wegen ihres Fettverbrauchs gemiedenen Speisen ohne nennenswerten Mehrverbrauch herstellen lassen.. Igmn mine keharein 6.5 Von vielen Hausfrauen wird behauptet, daß sie die größte Ergiebigkeit bei Cleverstolz=Margarine bemerkt haben, bei deren Verwendung sich mit einer verhältnismäßig geringen Menge außergewöhnlich viel schaffen läßt. Wenn die Sorge um den Fettverbrauch fortfällt, sieht der Speisezettel gleich ganz anders aus: Eierkuchen, Gebackenes und unzählige andere Gerichte bereichern ihn dann, und die vielgeplagte Hausfrau erspart sich mancherlei KopfPbsce Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. 46 dv *7 Tenonam orsisher Henkel’s ausgezeichnetes Putz-u. Scheuermittel in der praktischen Streuflasche. Warum mehr anlegen? Lassen Sie Ale noch heute holen, wenn Sie es nicht kennen! Für wenig Geld und ohne große Mühe schafft ihnen Ate blitzende Reinlichkeit in Küche und Heus. Ala ist zuverlässig, es schmiert und schrammt nicht, sondern sichert schonendste Behandlung eller Gerätschaften. Ein Versuch beweist es ihnen. 4 W Kennen Sie schon das jüngste Erzeugnis der Persilwerke: O Henkel’s Aufwasch-, Spül- und Reinigungsmittel? Roman von Erika Riedberg Tote Augen Copyriaht hy Martin Feuchtwanger Halle(Saale) 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Trüb lag hier der Himmel über dem schwarzen Wasser. Kein Menschenlaut in der lastenden Stille. Nur der angstvolle Ruf von dunklen Vögeln, die über Wasser und Ebene in angstvollem Fluge flattern, verschwinden, um krächzend in noch größerer Anzahl, tief und bedrohlich fliegend, zurückzukehren. Anuschka blickte umher. Wie von Gott und allen Menschen verlassen. Totenstill alles um sie her; wüstes Gefilde — kein Pfad— Oede, Einsamkeit. Sie taumelte noch eine kurze Strecke über Steine und Baumstümpfe, dann brach sie mit einem lauten Schrei, keuchend und stolpernd, zusammen. Hunger, Angst, der rasende Lauf hatten sie vollkommen erschöpft. Noch einmal schrie sie laut heraus wie ein getroffenes Tier, dann wurde sie ohnmächtig. Tiefer senkte sich der dunkle Himmel auf das schwarze Wasser. Da— hinter dem zerklüfteten Felsgestein schlich eine Gestalt hervor. Schritt vor Schritt, gebückt, wie ein Fuchs sich schlängelt, kam sie heran, duckte sich noch tiefer, kroch wie eine Schlange, sah dem Mädchen in das todblasse Gesicht— und erkannte Anuschka von Schloß Donnersfels. Es war Seuteck. Er sprang auf. griff sich wie wahnsinnig an den Kopf. kniete nieder, schüttelte die Ohnmächtige brutal an beiden Schultern, brüllte ihren Namen. Als sie nicht erwachte, goß er ihr in den halboffenen Mund Rum aus seiner Reiseflasche. Dann schüttelte er sie und schrie sie an, wütend. Furchtbare Angst hatte ihn gepackt.— Wollte denn die verwünschte Person gar nicht zu sich kommen? Endlich, nach dem zweiten Schluck Rum, schlug sie die Augen auf. Sie erblickte Senteck über sich gebeugt, schrie laut auf. kroch auf allen vieren wie ein Tier unter seinen Händen fort. „Nicht totschlagen! Mich nicht auch totmachen!" Stolpernd rannte sie davon. Senteck holte sie mit einem Satz ein. Gewaltsam zwang er Angst und rasende Ungeduld zurück, um sie nicht ganz zu verwirren. „Sei vernünftig. Ich tue dir nichts. Sage, was auf Donnersfels passiert ist! Wie kommst du hierher?" Mit beiden Händen wehrte sie sich gegen seinen Griff. „Was ist vorgegangen? Sprich! Es geschieht dir nichts.“ Anuschka taumelte und schluckte, und endlich stammelte sie abgebrochen: „Der Fürst ist zurückgekommen mit einem Herrn, dem er die Burg gezeigt, und da haben sie im Verlies eingesperrt Liberty gefunden— die Fürstin ist auch dabei gewesen— und Liberty hat noch gelebt und hat alles erzählt, daß Sie sein Mörder wären, und viel, viel anderes Schreckliches, was Sie alles geian hätten. Und die Polizei kommt und sucht Sie— und aufgehängt sollen Sie werden Und ich bin fortgelaufen, weil Liberty gesagt hat, er hätte für mich Geld von Ihnen haben wollen— und nun kommt es heraus, daß ich Geld gestohlen habe— und die Polizei packt mich auch...“ Sie schrie und weinte. Sentecks Gesicht hatte nichts Menschliches in diesen Augenblicken. Er sah so furchtbar aus, daß Anuschka immer wieder heulend erinnerte: „Nicht totmachen! Mich nicht auch totmachen!" „Nein!“ sagte er nach kurzem, fieberhaftem Ueberlegen, aber mit solchem Drohen, daß sie beide Arme schützend über den Kopf legte.„Nein, ich mache dich nicht tot, wenn du tust, was ich dir befehle.“ Er nahm aus seiner Brieftasche ein paar Banknoten. „Hier hast du Geld; damit gehst du weiter— immer hier über die Hügel, durch die Wälder, bis du an die dahinter liegenden Ortschaften kommst. Dort kannst du bleiben— aber du hältst den Mund. Sprichst kein Wort über die Geschehnisse in Donnersfels. Außerdem“— er packte drohend ihren Arm—„höre genau zu und handle genau nach meinem Befehl: außerdem kehrst du auf keinen Fall und unter keinen Umständen nach dem Schloß zurück Du weißt, die Gendarmen würden dich sofort verhaften Ferner sagst du zu keinem Menschen, daß wir uns hier getrossen haben. Verstanden?" „Ja— ja!“ jammerte sie. „Nun mache dich fort? Dort hinaus, über die Hügel Für das Geld findest du ein Unterkommen in irgendeiner Ortschaft. Vorwärts, lause, sonst finden sie dich hier! Und schweige! Hörst du! Schweige! Sonst— ich finde dich überall—“ „Ach Gott! Ach Gott!“ Sie rannte davon. Als ein Hügel sie verbarg, stürzte Senteck auf das Geröll nieder. Bis er in Sicherheit war, würde sie schweigen. Seine Finger griffen in das Gestein— dumpfe Laute, Verwünschungen. Tiefer und tiefer senkte sich der schwarze Himmel auf das schwarze Wasser... Es wurde Nacht. Durch die schreckensvolle Oede verschütteter Berghalden. zerklüfteten Gesteins, verdorrten Gesträuchs und Grases floh ein Mensch dahin, stolperte, fiel, stand auf und jagte weiter. Ruhelos flatternde, dunkle Vögel begleiteten krächzend seinen Weg. In Donnerssels warteten die ausgestellten Posten am Westturm, seiner Wohnung und der Station vergebens auf den Baumeister. *„* Langsam sank die Sonne. Jedes Fenster, jeder Turm und kleinste Vorsprung des Kastells in Donnerssels, warf in Glut und Leuchten, als brenne ein Feuer im Innern, den Widerschein zurück. In stolzer Schönheit, in gigantischer Pracht, einer der sagenhaften Götterburgen gleich, ragte der gewaltige Bau auf der Spitze des Felsens. Halbverborgen im Schatten einer Mauer stand regungslos. als sei er ein Gebilde des Steins, an dem er lehnte, ein Wanderer. Seine hochgewachsene Gestalt war hager, die Schullern wie unter unsichtbarer Last gebeugt, das ehemals offenbar blonde Haar über der prachtvoll modellierten Stirn ergraut. Aus dem schöngeschnittenen, aber vollkommen farblosen Gesicht blickten große, dunkelumränderte Augen starr auf das Kastell vor ihm. Zuweilen lief über die in ihrer Hagerkeit hart erscheinenden Züge ein Zucken. Eine magere, bleiche Hand legte sich über die starr staunenden Augen, die schauten, schauten und nicht begriffen. Verschiedene Male war bereits ein Diener an ihm vorübergestrichen. Verwunderte Blicke trasen die dunkle, regungslose Gestalt. Schließlich blieb der Lakai stehen, räusperte sich laut, und als der Fremde sich noch ganz gedankenabwesend ihm zuwandte, fragte er: „Wünschen der Herr etwas?“ Langsam schien der Fremde sich in die Gegenwart zurückzufinden. Er strich sich besinnend das Haar aus der Stirn und hob seinen Hut vom Boden auf. Dann entnahm er einer Ledertasche einen Brief. „Ich habe Durchlaucht ein Schreiben zu überbringen. Es ist meine Anmeldung. „Wollen der Herr mir folgen?“ sagte der Diener höflich und dachte bei sich: Solch ein junges Gesicht und schon graues Haar. Nach wenigen Minuten befand sich der Fremde im Arbeitszimmer des Fürsten. Sein ganzer Körper zitterte, als er, Donnersfels den Brief reichend. sagte: „Wollen Durchlaucht gestatten— ein Schreiben des Herrn Polizeipräsekten in Moskau.“ Er kam nicht weiter. Donnersfels streckte ihm herzlich beide Hände entgegen. „Ah! So sind Sie Herr Wieland? Willkommen, herzlich willkommen in der Freiheit!" Er bat Wieland Platz zu nehmen. Er selbst öffnete das Schreiben des Präfekten. Nachdenklich faltete er es nach einer ganzen Weile zusammen. „Sie wurden weder vom Gouverneur des Gefängnisses in Sibirien, noch von der Polizeipräfektur in Moskau über den Urheber Ihrer Verhaftung und aller Begleiterschelnungen, das heißt der Folgen, aufgeklärt?“ „Nein! Der Gouverneur händigte mir einen Freilassungsbesehl aus, mit dem ich mich in Moskau auf speziellen Befehl des Herrn Präfekten zu melden hatte Dieser befahl sodann, daß ich mich unverzüglich hierher zu Durchlaucht zu begeben hätte, ohne zuvor in meine Heimat zurückzukehren." „So war die Verabredung mit dem Grasen Ronikow. dem Neffen des Präfekten, getroffen“, sagte der Fürst „Ich komme mithin direkt von Moskau. Der Abtransport vom Karagebirge bis dorthin währte mehrere Monate. Den Befehl des Herrn Präfekten ausführend. fuhr ich sogleich hierher. Und ich finde das Kastell vollendet! Nach meinen Plänen vollendet.“ Donnerssels blickte voll Mitleid zu Wieland hin, der nur mühsam seine furchtbare Erschütterung bezwang. „Ja! Nach Ihren Plänen vollendet! Und vollendet schön! Jedoch auch davon später. Weiter wissen Sie durchaus nichts?“ „Nein, Durchlaucht." „Es sind Ihnen nie Vermutungen aufgetaucht, welche Personen und Umstände die Schuld eragen könnten an Ihrem Unglück?“ „Keine anderen, als die Vermutungen eines Kerkergenossen, des Fürsten Orloffsky." Donnersfels sprang auf. „Orlosssky? Fürst Orlosssky— war— Ihr— Kerkergenosse?“ „Jawohl! Er starb vor etwa Jahresfrist in der Geheimzelle des Gefängnisses in K., die Füße in Eisen geschmiedet, bis zuletzt.“ Der Fürst sank fassungslos in seinen Sessel. „Mein Gott! Mein Gott! Dort also hat er geendet!“ Schweigen herrschte. Schließlich sagte der Fürst, mit einer Stimme, die in tiefer Erschütterung bebte: „Ich werde Sie bitten, mir später mehr von Ihrem Kerkergenossen zu berichten— jetzt zu Ihrer Sache! Sie wissen also nichts oder haben nur vage Vermutungen Jedoch werden diese Sie bereits zu dem Schluß geführ: haben, daß ein Verbrechen an Ihnen begangen ist.“ Wieland neigte das Haupt. Der Fürst fuhr fort: „Sobald dieses feststand, wurde von hier aus durch polizeiliche Feststellungen, persönliche Rücksprache und Verwendung bei der Moskauer Präfektur Ihre Freilassung beantragt. Leider sind vom Tage der Entdeckung bis heute nahezu sechs Monate vergangen. Der Verbrecher ist entkommen. Sein Mithelfer— nicht im eigentlichen Sinne Mitschuldiger—. derselbe, der ihn schließlich entlarvie. ist hier. Ich werde ihn herbeordern— wünsche aber dieser ersten Unterredung zwischen Ihnen und ihm beizuwohnen, um Entstellungen zu verhüten.“ Donnerssels drückte auf die Glocke. „Libertv soll kommen!“ Der Diener zögerte unmerklich— seine Augen staunten: Hierher? Der Strolch? Das hing sicher noch immer mit dem verschwundenen Baumeister zusammen. Daß Durchlaucht sich selbst um die Schandtaten von solchen Kerlen bemüht! Noch nie war das vorgekommen! „Kennen Sie einen Menschen mit Namen Liberty?“ fragte der Fürst. Wieland besann sich. „Icherinnere mich— ja, manchmal stand er— im Flur — in Kattowitz, wo meine Mutter wohnt— er ging wohl nach dem Hintergebäude—“ Seine Augen weiteten sich in plI Slichem Erkennen. „Dort hatte ein Kollege— ein Architekt Senteck— gemietet.“ Der Fürst nickte. „Sie werden alles hören.“ Die Tür, öffnete sich— der Diener ließ Liberty ein treten. Sauber gekleidet, in demütiger Haltung, blieb er, gegen die Tür gedrückt, stehen— aufzusehen wagte er nicht. Der Fürst gebot: „Kommen Sie näher! Wiederholen Sie Herrn Wie land Ihre Aussagen!“ „Herrn Wieland?!“ Allen Respekt, alle Furcht vergessend, stürzte Libertv mit erhobenen Händen vorwärts. „Herr Wieland— Sie leben? Sie sind heil und gesund?“ „Ja— ich bin leidlich heil und gesund!“ „Aber— aber Sie haben ja graue Haare— überhaupt, sind Sie's denn auch wirklich? Erkannt hätte ich Sie aber nicht!“ „Ich bin es wirklich!“ „Oh, Gott und allen Heiligen sei Dank! Daß ich die Sünde nicht mehr auf dem Gewissen habe. Das heißt", fügte er vorsichtig hinzu,„ich war's ja nicht; der Sentech war’s— und der Maler.“ Der Fürst unterbrach ihn. „Kein Geschwätz! Machen Sie Ihre Aussagen der Reihe nach wie im Verhör!" Liberty blickte angstvoll und demütig umher, rang die Hände, bog und wand seinen mageren Körper— dann auf erneuten Befehl des Fürsten, begann er: „Alles, wie es vom Gericht aufgeschrieben, ist wahr. Herr Wieland, ich habe nichts gegen Sie gehabt. Ich habe bloß—“ „Zur Sache!" „Ja, ja! Durchlaucht, nur daß mich Herr Wieland nicht für so schlecht hält!“ Welche Zeit war vergangen? Waren es Stunden, Tage oder Jahre, seit Liberty das letzte Wort seines Berichts gesprochen? Wieland vermochte es nicht zu sagen. Als die Stimme schwieg, die ihm das Grauenhafte erzählte, als er Sentecks und des Malers Verbrechen, aufgedeckt, in allen Einzelheiten begriff.. Als er erfahren hatte: Die Mutter war ihm an herzbrechendem Kummer, in Not und größter Dürftigkeit— vor Hunger und Elend gestorben. Die Braut war, nach der teuflichen Verschleppung, in der Irrenanstalt, bald nach ihrer Einlieferung, in qualvollstem Fieberwahn an Gehirnhautentzündung verschieden und als Namenlose auf dem Armenfriedhof verscharrt worden. Als er das erfahren hatte, blickte er so entsetzensvoll in dem Prunkgemach auf Donnersfels umher, wie er die Wände seines Kerkers angestarrt. Der Fürst erschrak über dieses Antlitzes Veränderung. Das war nicht mehr derselbe Mensch. In dieses Mannes Seele war eben etwas vernichtet. Erbarmungslos und für immer getötet. Glauben und Hoffnung! Aus einem Opfer war ein Rächer geworden. Donnersfels trat erschüttert auf ihn zu. „Herr Wieland!" „Ja, Durchlaucht?“ Steinern wie eine Statue stand er vor dem Fürsten. Seine Augen sahen geradeaus. Mit dem großen leeren Blick eines Marmorbildes— und sahen nichts. Friedrich Wielands Augen waren tote Augen geworden. Immer in bewegungsloser Haltung, sagte er mit einer Stimme ohne Klang und Ton: „Durchlaucht, ich darf meinen Dank aussprechen und mich empfehlen. Herzlich reichte ihm der Fürst die Hand. „Herr Wieland, gehen Sie nicht so hoffnungslos! Freuen Sie sich an Ihrem herrlichen Werk! Wenn Sie es auch nicht ausführen konnten. Ihr Werk ist es doch. Auch Ihre Durchlaucht würde Ihnen gern danken. Sehen Sie sich wenigstens das Kastell an!“ „Durchlaucht, obwohl ich selbst nicht einen Stein auf den anderen fügen ließ, so kenne ich doch jeden Stein und ebenso jeden Fußbreit Boden und Raum.“ „Bleiben Sie als Gast auf Donnerssels!" „Durchlaucht, ich komme als Lebendigtoter aus einer Gruft zurück und finde mich allein in dieser Welt— allein — wie— wie in meiner Einzelzelle. Durchlaucht, meiner harrt eine Mission. Ist diese erfüllt, so ziehe ich mich in die tiefste Einsamkeit zurück.“ „Sie wollen die Schuldigen suchen?— Vergeltung iben?“ „Da ich nicht glauben kann, Gott habe die Verbrechen ugelassen, diese Qualen verbängt, so muß ich mich an die Menschen halten!“ „Begeben Sie sich von dier in meine Gerichtskanzlei! Nehmen Sie Einsicht in die Akten; wenn nötig, wird Ihnen zur Unterstützung Ihrer weiteren Nachforschungen in Duplikat ausgefertigt werden. Dort auf der Kanzlei wird Ihnen ebenfalls Ihr Eigentum: das Skizzenhest sowie der Brief Sentecks an den Maler Urban in Kattowitz. ausgehändigt werden. Wie letzterer in die Hände Ihrer Braut gekommen, wissen wir nicht. Jeden= alls sind beides untrügliche Beweisstücke. Sie werden Ihnen gute Dienste leisten. Leider konnte unsere Polizei den Aufenthalt der Verbrecher noch nicht feststellen.“ Ueber Wielands wie versteintes Gesicht ging eine Wetterwolke. „Ich werde sie finden!“ „Sie tun recht damit, Herr Wieland. Jedoch zur Ausführung ihrer Absicht bedürfen Sie der Mittel. Wir sind in Ihrer Schuld—“ (Fortschung feigt)