BoirtvUr! e echhe Bongopruts habnenalich 1.20 Mak, Eineiaumma 13 Pfg. Druck u. Vrtag oon C. Braus, Schwerte(Audr). Posscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874. Geschästestelle: Große Marhstr. 3—3, Verantworlich für die Schrifteitung H. Einner, Schwerte. Hernrus 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Bastan pease 14 de adigespol. mmele e Pia, Aumir. üige, sinanzamtiche u. gerichtliche Bazeigen 19 big., Leklamtgelle 40 Pf, Hür teieson, aufgegedene Inserate üdernedmen wie keine Gewädr. Bei unvorhergesehn. Beiriedestbrungen, dervorgerusen durch bödere Gewalten, idermdmen oir heinertei Gewäbe sir pinktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gp; Kreisblett für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Schwerte(Ruhr), Mittwoch, den 17. Dezember 1930 Nr. 195(Gries Bland) 63. Jahrgang Stürmische Landtagsdebatte über den Remarquefilm MPwrustelPorks Neues Abstimmung über die Mißtrauensanträge gegen Braun und Severing am Freitag Der Fmanzimmster begründer den Elat 1931 Etats für 1931 vdz. Berlin, 16. Dez. Vor Eintritt in die Tagesordnung weist Abg. Meier(SD) die in einigen Zeitungen veröffentliche Behauptung, daß er seinen Einfluß in der Lotterieverwaltung zugunsten eines Erfinders Weber eingesetzt habe, als unwahr zurück. Der Landtag überweist zunächst ohne Aussprache Anträge der Deutschnationalen, des Zentrums und der Wirtschaftspartei zugunsten der Rheinhochwassergeschädigten dem Hauptausschuß. Beratung der Mißtrauensanträge Zur Beratung kommt dann der Urantrag der der Deutschnationalen, der dem Ministerpräsidenten Dr. Braun und dem Innenminister Severing das Vertrauen entzieht, weil sie ihr Bedauern über das Verbot des Remarque=Films „Im Westen nichts Neues“ ausgesprochen haben. Abg. Schwecht(DN) erklärt unter großer Unruhe der Linken, die Demonstrationen gegen die Filmvorführung seien sehr erfreulich gewesen und hätten echtes Deutschtum gezeigt. Dieser Film sei eine Beleidigung der deutschen Frontkämpfer. Minister Severing habe sogar die amerikanische Fassung des Films gelobt, in der der Satz vorkommt:„Schmutzig und widerwärtig ist es, für das Vaterland zu sterben!“(Pfuirufe rechts.) Dieser Film sei das Werk eines ungarischen Juden Lämmle.(Abg. Nuschke(Staatspartei):„Lämmle ist kein Jude, sondern Deutsch=Amerikaner!") Es sei unerhört, daß der Ministerpräsident Braun das Verbot dieses Films öffentlich verurteilt und dabei gesagt habe:„Ein Volk, das die Wahrheit nicht mehr verträgt gibt sich selbst auf!“(Lebhafte Rufe links:„Das ist durchaus richtig!— Bravo!“) Bei der Abstimmung über unsern Mißtrauensantrag wird sich zeigen, wo Frontgeist und wo jüdischer Geschäftsgeist, wo Reichsbannergeist und wo Stahlhelmgeist steckt.(Nufe links:„Stahlhelm=Mussolini=Geist.“) Wir wenden uns gegen den Geist dieses verleumderischen Films und treten ein für den Geist der Ordnung.(Beifall rechts, Lärm links.) Abg. Kuttner(Soz.): Im Namen des Bundes der Deutschen Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten protestiere ich dagegen, daß man uns Frontsoldaten vorschreiben will, wie der Krieg darzustellen ist.(Unruhe rechts.) Wir können es vollkommen verstehen, daß Dr. Goebbels eine arge Wut auf den RemarqueFilm hat. Dieser Film zeigt, wie die deutschen Primaner und Sekundaner im Felde kämpften in derselben Zeit, in der Herr Goebbels als 17jähriger daheim liegt und vier Jahre während des Krieges die Bänke der Schulen und Universitäten drückte.(Lebhaftes Hört, hört! links.) Von dem Taktgefühl des deutschnationalen Abg. Bäcker hätten wir erwartet, daß er sich der Verhandlung der Oberfilmprüfstelle ferngehalten hätte, die über den Frontgeist zu urteilen hatte. Abg. Bäcker ist nämlich auch während der Kriegsjahre in der Heimat geblieben.(Hört, hört!) In Polen hat man das Verbot des Remarque=Films beantragt, weil er eine grobe Propaganda für deutsches Heldentum sei. Wirkliche Hetzfilme gegen Deutschland hat Hugenberg in seiner Afa übernommen und nach gewissen Aenderungen in Deutschland gezeigt. Die ganze Hetze gegen den Remarque=Film ist nur der Kampf Hugenbergs gegen seine Konkurrenz. Wir danken den preußischen Ministern für ihre Haltung und sprechen ihnen unser Vertrauen aus.(Beifall links.) Abg. Kasper(K.) erklärt, der Protest gegen den Remarque=Film entspringe der Wut der Heimkrieger und Etappenschweine darüber, daß dieser Film wenigstens einen Abglanz der Sie wird eingeleitet durch eine BegründungsWahrheit des Krieges zeige.(Die Deutsch= rede des Finanzministers Dr. Höpker=Aschoff. nationalen verkassen den Saal unter dem Ruse e angg Fianzminister Dr. hopter=Aschoff der Kommunisten:„Die Etappe reißt aus!“) Abg. Nuschke(Staatsp.): Der Kampf gegen den Remarque=Film wird geführt von Leuten, die weder den Schützengraben, noch den Film gesehen haben. Ich habe den Film auch in der ursprünglichen Fassung im Ausland gesehen und weiß, daß er keineswegs das Ansehen der deutschen Krieger herabsetzt, sondern geradezu das hohe Lied der Tapferkeit und Kameradschaft der deutschen Soldaten ist. Dagegen protestieren die Leute, die den Stahlhelm im Knopfloch tragen, weil sie ihn nie auf dem Kopfe trugen. Herr Hugenberg, der in seinem Warenhaus alles hat von Bethlehem bis Babylon, kämpft gegen diese Konkurrenz und zeigt lieber die schönen Beine der Marlene Dietrich. Wir bedauern, daß die Reichsregierung vor dieser Hetze, vor dem Terror der Straße zurückgewichen ist. Wir weisen auch die Hetze zurück, die bei dieser Gelegenheit vom Stahlhelm gegen unsere brave Polizei entfacht worden ist. Abg. Schröder=Krefeld(DVP.) bedauert, daß es überhaupt möglich war, daß die Filmprüfstelle einen solchen Film zugelassen hat, der geeignet ist, das Fronterlebnis zu beschmutzen, das uns Frontsoldaten heilig ist.(Lärm links u. Rufe:„Wo waren Sie denn an der Front?") Gerade von Ihnen(nach links) waren 90 Proz. nicht im Kriege.(Stürmische Protestrufe links.) Wir müssen es auf das tiefste bedauern, daß der Ministerpräsident Braun ohne jeden ersichtlichen Grund seine Mißbilligung über die Entscheidung der Oberfilmprüfstelle ausgesprochen hat, die durchaus dem Willen der Mehrheit der deutschgesinnten Bevölkerung entspricht.(Beifall rechts.) Abg. Hestermann(WP.): Wenn der Hetzfilm„Im Westen nichts Neues“ in der Auslandsfassung gezeigt worden wäre, dann hätte ihn ein Sturm der Entrüstung des deutschen Volkes hinweggesegt.(Lärm links.— Ein Kommunist ruft:„Herr Hestermann, was kostet ein Mandat? 20 000 Mark!) Die weiteren Ausführungen des Redners bleiben bei dem tosenden Lärm unverständlich. Dieser Lärm übertönt auch den größten Teil der dann folgenden Reden der Abgg. Keller(Deutsche Fraktion) und Schmitz(Komm. Opposition), die den Ministern ihr Mißtrauen aussprechen. Als Präsident Bartels mitteilt, daß weitere Wortmeldungen nicht vorliegen, ruft die Linke:„Wo bleibt denn Kube, der Nazi?“) Die namentliche Abstimmung über den Mißtrauensantrag soll am Freitag stattfinden. Es folgt die erste Beratung des Großer Juwelendiebstahl in Brüssel wtb Brülsel, 17. Dez.(Tel.) Ein Juwelengeschäft im Stadtinnern wurde heute von Einbrechern schwer heimgesucht. Der Wert der gestohlenen Sachen beträgt annähernd 2 Millionen Frank. Die polizeilichen Ermittlungen sind eingeleitet brachte dann noch den Haushaltsplan für 1931 mit einer längeren Rede ein, in der er den zahlenmäßigen Nachweis für die Auffassung zu erbringen suchte, daß infolge der Radikalisierung bei der letzten Reichstagswahl die deutsche Wirtschaft schwer geschädigt worden sei. Durch Kapitalflucht und Zurückziehung ausländischer Kredite nach dem 14. September d. I. seien uns allein im Oktober 1,6 Milliarden RM. entzogen worden. Zur Flucht des Kapitals und Zurückziehung des ausländischen Kredites geselle sich die Flucht in den„Sparstrumpf“. Die Kreditoren der Banken hätten sich nach der Reichstagswahl allein im September und Oktober um 1218 Millionen RM. verringert. Auch die Kurse der festverzinslichen Papiere seien seitdem zurückgegangen, so der für 8 proz. Hypothekenpfandbriefe von 98,89 Ende Juli auf 95,2 Proz. Ende Oktober. Der Minister gab das bekannte Zahlenbild aus dem neuen Etat und betonte, wenn nicht die preußische Staatsregierung das Sanierungswerk des Reiches wirksam unterstützt hätte, wäre dieses Werk ernstlich zum Schaden der deutschen Wirtschaft gefährdet gewesen. Die Aussprache beginnt am Mittwoch 12 Uhr Die Revolution in Spanien mißglückt Die Führer im Flugzeug entkommen Die Madrider Gefängnisse überfüllt. wtb Paris, 16. Dez.(Tel.) Das Gerücht, daß in Madrid der Generalstreik ausgebrochen sei, ist nach einer in der Uebermittlung verzögerten Meldung der Agentur Havas aus der spanischen Hauptstadt bisher nicht nachzuprüfen gewesen. Ohne polizeiliche Erlaubnis darf kein Wagen die Stadt Madrid verlassen. Es heißt, daß stündlich Verhaftungen vorgenommen würden, und daß das Madrider Gefängnis gegenwärtig überfüllt sei. Da der Belagerungszustand die Einstellung des Telephon= und Telegraphenverkehrs mit dem Auslande und mit den spanischen Provinzen nach sich gezogen habe, sei es unmöglich gewesen,— so heißt es in der Meldung—, die Nachrichten zu kontrollieren, die von Unruhen in der Provinz berichteten. Bestätigt sei nur, daß in Bilbao der Streik ausgebrochen sei, und daß es in Santander zu Unruhen gekommen sei. Der Generalstreik soll ferner in San Sebastian, Santander, Valencia, Sevilla, Cadiz, Jaen und im Bergwerksgebiet von Asturien proklamiert sein. Auf das Palais des Zivilgouverneurs von San Sebastian soll ein Angriff versucht worden sein. Die aufständischen Flieger in Portugal gelandet. wtb. Paris, 16. Dez. Havas berichtet aus Lissabon: Der spanische Flieger Franco ist, begleitet von dem Mechaniker Rava und dem Kommandanten Puy, um 5 Uhr auf dem Flugplatz Alverca gelandet. Die Flieger erklärten, drei weitere Flugzeuge seien in Madrid gestartet. Eines dieser Flugzeuge landete auf dem Flugplatz Madeira. An Bord befanden sich die Majore Laroquetto und Gonzalez, sowie Leutnant Collar. Ein weiteres Flugzeug landete auf freiem Felde bei Moita. Es hatte den General Queite Dollano und Major Roa an Bord. Ein Flugzeug landete mit den Majoren Pasor, Cisneros und Martinez Aragon Die Preise der Murrenariel vor dem Preissenkungsausschuß Keine einschnetenden Basnuahanen voer Wedachten enb. Berlin, 17. Dez.(Eig. Meldung.) An der gestrigen Sitzung des Preissenkungsausschusses nahmen teil außer dem Reichskanzler Dr. Brüning Reichsbankpräsident Dr. Luther, Die Reichsminister Dr. Dietrich, Dr. Wirth, Stegerwald und Schiele, der Leiter des Reichswirtschaftsministeriums. Staatssekretär Trendelenburg, der preußische Handelsminister Dr. Schreiber und der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert. Wie wir erfahren, hat der Ausschuß sich zunächst in der üblichen Weise über die Entwicklung der Lebensmittelpreise Bericht erstatten lassen. Die drei Hauptprobleme, die noch behandelt werden müssen, sind die Preise für Eisen. Markenartikel und Arzneimittel. Die Eisenpreise konnten in der Dienstagssitzung noch nicht behandelt werden, weil der gedruckte Bericht des Enqueteausschusses noch nicht vorlag. Die Beratung drehte sich hauptsächlich um die Preise der Markenlartikel. Wenn ein Beschluß noch nicht gefaßt wurde, so hat das zweisellos seinen Grund darin, daß der Ausschuß eine Entscheidung über dieses Gebiet der Preisbildung wenige Tage vor Weihnachten nicht für angebracht hielt. Man kann aber wohl annehmen, daß die Aktion im Januar gerade im Hinblick auf die Markenartikel erneut fortgeführt werden wird. Das Reichskabinett tritt am Mittwoch vormittag zusammen, um eine Reihe laufender Angelegenheiten zu behandeln. Zweifellos wird auch die Preisfrage dabei zur Sprache kommen. Sicher ist jedenfalls, daß vor Weihnachten keine einschneidenden Maßnahmen mehr getroffen werden, so daß also eine Störung des Weihnachtsgeschäftes nicht zu befürchten ist, das sich übrigens nach der Auskunft einer Reihe von Geschäftszweigen in den letzten Tagen doch erheblich günstiger gestaltet haben soll, els ursprünglich erwartet wurde. in Gairia. Die letzten drei Flieger wurden für 2 Uhr in Lissabon erwartet, die übrigen bereits in Lissabon eingetroffenen Flieger meldeten sich beim Kriegsministerium, das ihnen ihren Wohnsitz in Mafra anwies. Nach einer weiteren Havasmeldung aus Lissabon sind noch drei spanische Flugzeuge mit mehereren Offizieren eingetroffen. Das erste landete in Amadera und das zweite in Moita. Vom dritten ist man ohne Nachricht. Flugzeuge der Aufständischen über Catalanien. wtb. Paris, 17. Dez.(Funkspruch.) Wie Havas aus Perpignam meldet, besagen die von der spanischen Grenze eingetroffenen Nachrichten, daß gestern nachmittag die Flugzeuge der Aufständischen Barcelona sowie andere Städte in Catalanien überflogen und Aufrufe abgeworfen hätten, in denen die Republikaner zur Ruhe aufgefordert würden. Die Aufrufe enthielten auch die Bemerkung, die Republikaner möchten sich vorsichtig verhalten, um Unterdrückungsmaßnahmen zu vermeiden, die den verfolgten Zielen zuwiderlaufen würden. In Barcelona streikten am Dienstag 50 Prozent der Arbeiter. Die Eisenbahnen und Straßenbahnwagen sowie der Telephon= und Telegraphenverkehr werden genau überwacht. Die Truppen sind in Alarmbereitschaft. „Zu früh losgeschlagen.“ wtb. Paris, 17. Dez.(Funkspruch.) Die nach Portugal geflüchteten spanischen Offiziere, die an dem Aufstandsversuch teilgenommen haben, berichteten, daß die Revolution in Spanien auf Montag früh 6 Uhr in ganz Spanien anberaumt gewesen sei. Infolge der Unvorsichtigkeit des Hauptmanns Galan, der zu früh losschlug, sei die Regierung gewarnt worden und unter den Aufständischen sei eine große Verwirrung entstanden. Als aber die Revolutionäre erkannten, daß ihre Lage auf dem Flugplatz unhaltbar wurde, weil die übrigen Truppen sich ihnen nicht angeschlossen hatten, beschlossen sie zu fliehen, bzw. sich zu ergeben. Das portugiesische Kriegsministerium hat den spanischen Offizieren als Wohnsitz die Infanterie=Schule von Mafra angewiesen und wird die Offiziere bis zur Klärung ihres Vergehens gegen die internationalen Grenzbestimmungen beim Ueberfliegen von fremdem Gebiet unter Bewachung halten. Fliegermajor Franco über die Ziele des Aufstandes. wtb. Paris, 17. Dez.(Funkspruch.) Der Vertreter der Agentur Havas in Lissabon hatte am Dienstag mit dem spanischen Fliegermajor Franzo eine Untetredung. Franco erklärte, die Aufstandsbewegung hatte die Ausrufung der Republik in Spanien zum Ziele, denn das Land brauche größere Freiheit und könne nicht länger unter einem Regime leben, das es seit acht Jahren ersticke. Spanien wolle nicht länger von General Berenguer regiert werden. Spanien werde auch seinem König die Einmischung in die öffentlichen Angelegenheiten nicht verzeihen. Der Aufstand sei jetzt nur aufgeschoben, denn es handele sich um eine große nationale Bewegung, nicht aber um vereinzelte unbesonnene Handstreiche. Er, Franco, und seine Freundne beabsichtigten, Portugal zu verlassen und in ein anderes Land überzusiedeln, dann würden sie weiter sehen. Die künftige Republik Sparien, für — die sie kämpften, könne nur eine bundesstaatliche Republik sein. Die einzigen Verantwortlichen auf dem Flugplatz„Zu den vier Winden“ seien er, Franco, und seine in Portugal befindlichen Freunde; sie seien nach Portugal geflüchtet, weil die Bevölkerung von Madrid auf ihre Aufruse nicht eingegangen sei. Sie hätten nicht gewollt, daß die Soldaten und Arbeiter auf dem Flugplatz „Zu den vier Winden“ einer Bestrafung ausgesetzt werden. Die aufständischen Flieger hätten, trotzdem sie an ihren Flugzeugen Bomben befestigt hatten, diese aus Rücksicht auf die Bevölkerung nicht abgeworfen. Der 3Uühr Ladenzubtug Ptand am Heiligen Abeno enb. Berlin, 16. Dez.(Eigene Meldung.) Ueber die Frage des Inkrafttretens des vom Reichstage angenommenen Initiativ=Gesetzes über den Fünf=Uhr=Ladenschluß am Heiligen Abend sind dadurch Meinungsverschiedenheiten entstanden, daß im Gesetz kein Termin für das Inkrafttreten angegeben ist, und es demzufolge zum gesetzlichen Termin, d. h. 14 Tage nach Verkündigung, in Kraft zu treten hat. Dieser Termin liegt aber nach den Weihnachtsfeiertagen. Das preußische Handelsministerium hat, um für Preußen eine Regelung dieser Frage herbeizuführen, die beteiligten Kreise heute vormittag zu einer Besprechung zusammengerufen. Da bei dieser Besprechung jedoch kein abschließenden Ergebnis erzielt werden konnte, wird das preußische Kabinett die Frage entscheiden, ob das Gesetz über den Fünf=Uhr=Ladenschluß für dieses Jahr auf dem Verordnungswege in Kraft gesetzt werden soll. Verhaftung eines Reichstagsabgeordneten im voln. Korridor! enb. Danzig, 17. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Die Nationalsozialisten veranstalteten am Dienstag eine Kundgebung. Bei dieser Gelegenheit wurde von nationalsozialistischer Seite mitgeteilt, daß der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Hiller=München, der sich auf der Fahrt von Berlin nach Danzig befand, von den Polen im polnischen Korridor verhaftet worden sei. Nähere Nachrichten über das Schicksal des Verhafteten seien bis Mitternacht nicht zu erhalten gewesen. Von nationalsozialistischer Seite wurde angekündigt, daß am Mittwoch geeignete Schritte unternommen werden würden, um die Freilassung Hillers zu erwirken. Poincare auf der Besserung? Leichte Besserung im Befinden Poincares. wtb Paris, 16. Dez.(Tel.) Poincaré wurde im Laufe des Nachmittags von Prof. Mario gründlich untersucht. Der Arzt erklärte beim Verlassen der Wohnung des Kranken, es sei eine merkliche Besserung eingetreten und der Zustand des Kranken sei befriedigender. Senator Barthou, der Frau Poincaré einen Besuch abgestattet hatte, erklärte beim Verlassen der Wohnung. der Zustand Poincarés gehe der Besserung entgegen. Es handle sich weder um einen Schlaganfall noch um eine Urämiekrise. wtb. Paris, 17. Dez.(Funkspruch.) Nach der ärztlichen Untersuchung am Dienstag abend hat der Hausarzt Poincares folgenden Krankheitsbericht herausgegeben: Man stellt heute abend eine leichte Besserung fest; Temperatur 37,4, Puls 70 regelmäßig. Bis jetzt 20 Milliarden Reparationen wtb London, 16. Dez.(Tel.) Im Unterhaus wurde erklärt, daß die Gesamtsumme der als Reparationen und Besetzungskosten von Deutschland an die verbündeten Mächte geleisteten Zahlungen sich am 15. Dezember 1930 auf 19711000000 Goldmark beläuft, das heißt 966 Millionen Pfund Sterling, von denen 571 Millionen Pfund Sterling in Sachlieferungen oder für den Zinsendienst bezahlt worden sind. Eindersparen nicht Emperrergen Die deutschen Bankiers über die Wirtschaftsfragen wtb. Berlin, 16. Dez.(Tel.) Die Generalversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Bank= und Bankiergewerbes(e. V.) Berlin nahm nach Erstattung des Geschäftsberichtes, zu dem eine Aussprache nicht stattfand, eine Entschließung zur Frage des Stimmrechtes der Banken bei den Depotaktien an. In den Ausschuß wurden neu gewählt Bankier Bergmann in Firma Carl Cahn, Berlin, und Geheimrat Bürgers, M. d. R., Köln. In die Leitung des Provinzbankausschusses wurden neu hinzugewählt Robert Götz, Hamburg, und Dr. Max Fränkel (Deutsche Zentralbodenkredit=AG.). Geheimrat Prof. Dr. Rießer, der Begründer und Präsident des Zentralverbandes, hat den Wunsch ausgedrückt, daß von seiner Wiederwahl abgesehen werde. Die Generalversammlung wählte Geheimrat Dr. Rießer einstimmig zum immerwährenden Ehrenpräsidenten. Zum neuen Verbandspräsidenten ist vom Ausschuß Dr. Georg Solmßen, Vorstandsmitglied der DD=Bank, gewählt worden. Dr. Solmßen eröffnete seine Tätigkeit mit einer Ansprache, in der er einleitend die großen Verdienste von Geheimrat Rießer um das Bankgewerbe würdigte. Mehr denn je bedürfe es in der Gegenwart fester Grundsätze und klaren Wollens. Noch immer habe sich in Perioden wirtschaftlichen Abstiegs das Volksempfinden gegen die den Verkehr mit Geld und Geldeswert regelnden Berufe gewandt. In Verkennung der Zusammenhänge werde gegen die deutschen Banken der Vorwurf erhoben, sie versuchten ihre Kredite einzuschränken und versagten also gerade in einer Zeit großer wirtschaftlicher Not. Demgegenüber lehre ein Blick auf die Monatsbilanzen der Banken, wie stark sich die fremden Mittel vermindert haben. Die deutschen Banken und Bankiers hätten alles in ihren Kräften Stehende getan, um die Einengung des Kreditvolumens der Wirtschaft so gering wie möglich zu halten. Diese Maßnahmen hätten aber ihre Grenze an der Liquidität der Bankbilanzen, mit der heute mehr denn je die Liquidität der Gesamtwirtschaft stehe und falle. Soweit wie irgend möglich, habe der Bankierstand versucht, auf den Gang der Dinge Einfluß zu gewinnen. Dr. Solmßen verwies in diesem Zusammenhange auf die Referate der Bankierstagungen, in denen die Entwicklung vorausgesagt und davor gewarnt wurde, den Dingen den Lauf zu lassen, den sie genommen haben. Der Gedanke, den Staat zum Träger der Wirtschaft zu machen, habe auf der ganzen Linie Schiffbruch gelitten. Ein besiegtes Volk dürfe sich nicht vermessen, der Entwicklung der Weltwirtschaft Gesetze vorzuschreiben, sondern müsse sich den Gesetzen der Weltwirtschaft fügen. Auch innerhalb der breiten Masse des Volkes fange man langsam an, zu begreifen, daß wir im letzten Jahrzehnt in die Irregegangen sind und, anstatt uns emporzusparen, nersucht haben, uns emvorzuborgen. Wie stets in Zeiten der Not, treten jetzt Naturärzte auf, die glauben, mit einem Federstrich durch Aufhebung der Zinsknechtschaft und durch freie Geldschöpfung alle unsere Leiden heilen zu können. Aus derartigen wirtschaftlichen Utopien müsse es ein böses Erwachen geben. Deutschland sei und bleibe vom Ausland abhängig, und es sei ein Verbrechen, so zu tun, als ob wir in der Lage wären, unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Gläubigern zu negieren. Gerade die letzten Monate hätten erneut gezeigt, in welchem Ausmaße wir in unserer Wirtschaftsführung vom Vertrauen des Auslandes abhängig seien. Gerade das Gegenteil werde aber bewirkt, wenn in diesem Augenblick eine Partei mit einem Bank= und kreditpolitischen Programm aufwarte, das jeder Einsichtige nur als Phantasterei bezeichnen könne. Eine verantwortungsbewußte Staatsleitung müsse allen Versuchen energisch entgegentreten, derartige Programme zum Gegenstande gesetzgeberischer Experimente zu machen. Mehr denn je erfordere unsere Zeit eine entschlossene Staatsleitung, die zum besten des Ganzen bereit ist, sich unpopulär zu machen, indem sie von der Gesamtheit Opfer verlange und nicht davor zurückschrecke, der Gesamtheit die Lage zu schildern, wie sie ist. Lohnsenkungsforderungen der rechtsrheinischen Textilindustrie wp. Wuppertal, 16. Dez. Der Verband von Arbeitgebern im bergischen Industriegebiet hat den Arbeitnehmern nachstehende Lohnsenkungsforderungen übermittelt: Der Zeitlohn für männliche Arbeiter soll von 68 auf 58 Rpf., der für weibliche von 52,5 auf 43,5 herabgesetzt werden. Gleichzeitig werden die Lohntarife 2 und 1 und die Branchentarife entsprechend ermäßigt. Der Branchentarif für die Gummibandwirker soll fortfallen, ebenso der besondere Zuschlag für Schichtarbeit, schließlich noch die Verdoppelung der Familienzulage bei Arbeitsstreckung unter 33 Stunden. Diese Forderungen bedeuten einen Lohnabbau von allgemein 13,5 bis 17 Prozent und für die Gummibandwirker noch einen weiteren Abbau von 10 Prozent. Der Aktieninder Das Urteil im„Kleinen Bombenlegerprozeß“. wtb. Altona, 16. Dez. Das hiesige Schwurgericht hat heute im sogenanten„Kleinen Bombenlegerprozeß“ folgendes Urteil gefällt: Dr. Hellmann wird zu fünf Jahren und einem Monat, von Wilamowitz=Moellendorf zu fünf Jahren Zuchthaus, Hambrock zu einem Jahr Gefängnis(unter Anrechnung von sieben Monaten drei Wochen Untersuchungshaft), Kroeger zu 150 RM Geldstrafe(anstelle von einem Monat Gefängnis) und Ammermann zu 200 RM Geldstrafe(anstelle von zwei Monaten zwei Wochen Gefängnis) verurteilt. Koch erhält wegen Beihilfe ein Jahr Gefängnis(unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft). wtb. Berlin, 16. Dez. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktieninder(1924—1926 gleich 100) stellt sich für die Woche vom 8. bis 13. Dezember 1930 auf 88,3 gegenüber 90,4 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 82,1(85,0), Gruppe verarbeitende Industrie auf 77,7(79,5), und Gruppe Handel und Verkehr auf 112,4 1½½ Ein Gotteslästerungsprozeß wtb. Karlsruhe, 16. Dez.(Tel.) Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und der Presse ein Prozeß wegen Gotteslästerung und Verbreitung unzüchtiger Schriften. Angeklagt sind der 56jährige Schriftsteller Gustav Johann Leisner aus Kiel=Ellerbeck und der Verlagsbuchhändler Herbert Reichstein aus Haynau. Die Anklage stützt sich auf ein Buch des Schriftstellers Leisner, das vor etwa dreizehn Monaten im Verlag Reichstein erschien. Der Prozeß wird sich über mehrere Tage erstrecken, da allein die Verlesung des inkriminierten Buches einige Tage in Anspruch nimmt. Bei der Verkündung des Urteils wird die Oeffentlichkeit wieder zugelassen. Grauenvoller Selbstmord. enb. Berlin, 16. Dez.(Tel.) Auf grauenvolle Weise hat heute nachmittag der 38 Jahre alte Dr. ing. und Dozent Johannes Versch seinem Leben ein Ende gemacht. Er stieg in der Kreuzbergstraße auf das Dach eines sechsstöckigen Industriegebäudes und stürzte sich dann auf den Hof. Man fand den sterbenden Gelehrten in die Stangen eines Leitergerüstes eingeklemmt. Familientragödie aus Wirtschaftsnot. wtb. Hiloburghausen, 16. Dez. Im benachbarten Schackendorf hat der Maurermeister Otto Bosecker in der vergangenen Nacht seiner Frau und seiner achtjährigen Tochter die Kehlen durchgeschnitten und sich darauf selbst durch einen Schnitt in den Hais das Leben genommen. Bosecker stand in den vierziger Jahren. Der Grund zur Tat liegt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Tat wurde erst am Dienstag morgen entdeckt, als der Gerichtsvollzieher das Haus Boseckers betreten wollte. Großfeuer im Bremer Hafengebiet wtb. Bremen, 16. Dez.(Funkspruch.) Auf den im Bremer Hafengebiet an der Weser gelegenen Gelände der Firma Nielsen, Reismühle und Stärkefabrik EmbH., brach heute abend gegen 21 Uhr ein Feuer aus, das bald einen riesigen Umfang annahm. Die sofort unter dem Alarm „Großfeuer“ benachrichtigte Feuerwehr rückte mit sämtlichen Mannschaften zu Hilfe. Haushohe Flammen beleuchteten den nachtlichen Himmel. Die Gewalt des Feuers dürfte vorerst noch nicht zu meistern sein. Im Augenblick, 23,05 Uhr, steht noch nicht fest, ob der Herd des Feuers in den Gebäuden der Stärkefabrik oder in der Reismühle selbst zu suchen ist. Der Brand lokalisiert wtb Bremen, 17. Dez., 1 Uhr morgens (Funkspruch.) Der weithin sichtbare Feuerschein hatte schon in kurzer Zeit tausende von Menschen in die Hafengegend gelockt. Bei dem vom Feuer betroffenen Gebäude handelt es sich um einen sog. Mehlspeicher von 100 Meter Länge und 70 Meter Tiefe, der bis zum 6. Stockwerk mit Reismehl= und Hülsenmehlvorräten vollgelagert war. Die Feuerwehr, unterstützt von der Wasserseite her von einem Spritzendampfer, der mit sechs Schlauchleitungen ungefähr aus 30—35 Rohren Wasser gab, hatte keinen leichten Stand gegenüber dem entfesselten Element. Nachdem in kurzer Zeit das Dach aufgebrochen war und die Flammen Luft bekommen hatten, konnte energisch an die Lokalisierung des Brandes gegangen werden. Kurz vor Mitternacht war der Brand auf seinen Herd beschränkt. Das Gebäude dürfte, da es bis unter das Dach hin völlig ausgebrannt ist, vollkommen verloren sein. Die Brandursache und die Höhe des entstandenen Schadens sind bisher noch nicht festgestellt. Sehr viel Mühe machte den Wehren auch der Schutz der nur wenige Meter von der Brandstelle entfernten anderen Fabrikgebäude. Starke Wehren hatten hier Aufstellung genommen und gaben aus mehreren Schlauchleitungen Wasser. Große Gefahr für das betroffene Hafengebiet besteht nicht mehr, da der Brand lokalisiert ist. Vengeniche=Gafsensuner bei den Kommunisten in Pirmasens- Handoranaien der kommunistischen Arbeiter: wehr und Gewehre des kommunistischen Schützenvereins beschlagnahmt wtb. Pirmasens, 16. Dez. Die Regierung der Pfalz hat heute eine umfassende Aktion gegen die kommunistischen Umtriebe in Pirmasens eingeleitet. In den ersten Vormittagsstunden erschienen plötzlich mehrere Autos mit Landespolizei, insgesamt rund 220 Mann, die aus der ganzen Pfalz=zusammengezogen waren. Die Schupo wurde sofort in verschiedene Gruppen eingeteilt und zu Haussuchungen bei verdächtigen Personen ausgeschickt. Im Zusammenhang damit wird von amtlicher Stelle erklärt: Gerichtliche und polizeiliche Untersuchungen haben bei Anhängern der Kommunistischen Partei in Pirmasens Vorgänge festgestellt, die eine ernste Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedeuten. Es sind Sprengkörper gefunden worden, die offenbar zu verbrecherischen Angriffen bestimmt waren. Die kommunistische Arbeiterwehr hielt regelmäßig Uebungen mit Handgranatenwerfern(Uebungshandgranaten) ab. Der Arbeiter=Schützenverein sorgt für die Schießausbildung. Beide Organisationen setzen sich zum weitaus überwiegenden Teil aus früheren Mitgliedern des aufgelösten Rot=Frontkämpferbundes zusammen und stellen seine Fortsetzung dar. Wegen dieser Vorgänge hat die Regierung der Pfalz die beiden Vereine als Nachfolgeorganisationen des verbotenen RotFrontkämpferbundes für verboten und aufgelöst erklärt. Zur Vermeidung von Unruhen bei der Durchführung dieser Maßnahmen hat der Stadtkommissar alle öffentlichen Versammlungen, Amzüge und ähnliche Veranstaltungen der Kommunisten und Erwerbslosen bis auf weiteres verboten. Von den Streifen der Landespolizei, die heute den ganzen Vormittag mit Autos durch die Stadt fuhren, sind in der Hauptsache die Materialien der beiden Organisationen beschlagnahmt worden, vor allen Dingen die Gewehre des Arbeiterschützenvereins. Bier Jahre Zuchthaus für Landesverrat wtb. Breslau, 16. Dez.(Tel.) Der Erste Strafsenat des Breslauer Oberlandesgerichtes verurteilte heute nach zweitägiger Verhandlung unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsrats Grützner den 27 Jahre alten Diener Hubert Urbanczyk aus Annaberg wegen Landesverrates zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Die hochverräterischen Taten sind 1928=29 in Ratibor, Neustadt, Hirschberg und anderen Orten begangen worden. Familientragödien Freitod einer Mutter von sechs Kindern. wp. Duisburg=Hamborn, 16. Dez. Seit Samstag, 13. Dezember d. J., wurde die 35 Jahre alte Frau Hendrix aus Camp=Lintfort vermißt. In einem hinterlassenen Briefe teilte sie ihren Angehörigen mit, daß sie in den Todgehen wolle. Nach dreitägigem Suchen fand man jetzt ihre Leiche in einem Baggerloch. Die Frau hatte durch einen Sprung ins Wasser ihrem Leben ein Ende gemacht. Sie hinterläßt sechs Kinder unter 14 Jahren. Der Grund zu der unseligen Tat ist darin zu suchen, daß ihr Mann vor wenigen Tagen erwerbslos geworden war. Aus Unvorsichtigkeit seinen Sohn erschossen. wp. Witten, 16. Dez. Ein hiesiger Kolonial= warenhändler zeigte am Sonntagnachmittag seinem Sohn sein Jagdgewehr. Ohne daß der Vater wußte, daß das Gewehr geladen war, drückte er ab und schoß seinen Sohn in den Unterleib. Der Tod trat kurz darauf ein. Der auf so tragische Weise ums Leben gekommene Knabe war fünf Jahre alt. Eine gefährliche Diebesbeute enb. Amsterdam, 17. Dez.(Eig. Meldung.) Wie die Blätter berichten, hat ein sensationeller Diebstahl, der sich vor einiger Zeit im Haag eignete, jetzt ein aufsehenerregendes Nachspiel gehabt. Anfang Oktober wurde im Haager Vorort Voorburg im Hause des bekannten Industriellen und Mitinhabers der gleichnamigen bekannten Rotterdamer Schiffswerft B. Wilton ein Einbruchdiebstahl verübt, wobei Effekten im Werte von annähernd 1 Million Gulden gestohlen wurden, ohne daß man den Dieben auf die Spur kommen konnte. Vor einigen Tagen haben nunmehr die Diebe, die augenscheinlich mit den Effekten, deren Nummern größtenteils bekannt sind, nichts anzufangen wußten, durch Vermittlung eines Haager Rechtsanwalts dem bestohlenen Industriellen das Angebot unterbreitet, daß er gegen Zahlung einer Summe von 25000 Gulden seine Effekten zurückerhalten könne. Der Bestohlene zeigte große Lust, auf das Angebot einzugehen, jedoch zerschlugen sich die Unterhandlungen vorläufig, weil der Anwalt sich weigerte, bei einem derartigen unmoralischen Geschäft mitzuwirken. Nunmehr soll jedoch ein anderer Anwalt die Angelegenheit in die Hand genommen haben, jedoch vorher der Anwaltskammer die Frage vorgelegt haben, ob er durch Vermittlung des betreffenden Kaufgeschäfts nicht gegen die Ehre des Rechtsanwaltstandes verstoße. Auf die Entscheidung kann man gespannt sein. Inzwischen ist der Fall auch der Staatsanwaltschaft zu Ohren gekommen, die sofort ihrerseits eine Untersuchung des Sachverhalts angeordnet hat. Bankschließungen in Amerika wtb. Newyork, 17. Dez.(Funkspruch.) Am Dienstag haben 15 weitere Banken in allen Teilen des Landes ihre Zahlungen eingestellt. Acht Banken Nordkarolinas schlossen vorsichtshalber, wie ihre Direktoren sagen, ihre Schalter, jedoch dürften bedeutende Rückziehungen von Depositen die Ursache dieser Maßnahmen sein. Die größte dieser Banken ist die Farst NationalBank of Gastonia, deren Vermögen 4656 000 Dollar beträgt. Es gab eine Zeit—und sie ist gar nicht se lange her—, in der der Zinnsoldat von den Kindern als Geschenk so begehrt war, daß man den Umsatz, der mit diesem Spielzeug erzielt wurde, geradezu als Maßstab für das Weihnachtsgeschäft betrachten konnte. Dann, nach Kriegsende, machte die Jugend unter dem Einfluß von Sport und Technik eine Ktarke Wandlung ihrer Neigungen durch und die kleinen Zinnsoldaten schienen ganz ins Hintertreffen zu geraten. Nicht für lange, denn nun holen sie die Erwachsenen wieder vor, um sie in neuer Gestalt, als bunte Zinnfiguren, den verschiedensten Zwecken nutzbar zu machen. Damit wird aber eine uralte Tradition von hohem kulturhistorischen Reiz geradlinig fortgeführt. Von einem namhaften französischen Romanschriftsteller des vorigen Jahrhunderts wird berichtet, daß ihm kleine Zinnfiguren bei der Abfassung seiner Werke gute Dienste leisteten. Sie führten ihm nämlich durch die Art ihrer Aufstellung stets vor Augen, wo sich die zahlreichen Nebenfiguren der Handlung jeweilig befanden. Ließ er eine von ihnen sterben, so warf er die Zinnfigur, die sie verkörperte, einfach um. Diese kleine Geschichte beleuchtet in heiterer Weise, wie nutzbringend die Zinnfigur als plastisches Anschauungsmittel auch für ernste Arbeit zu werden vermag. Ehe wir aber schildern, wie weitgehend sich diese Erkenntnis in der modernen Praxis durchzusetzen beginnt, sei erst ein kurzer Blick auf die überaus fesselnde Kulturgeschichte der Zinnfigur geworfen, die wohl nur den wenigsten bekannt ist. Ein Kenner dieses eigenartigen Gebietes der Kleinkunst, Dr. Alfred Weise=Potsdam, auf dessen Studienergebnisse sich nachstehende Ausführungen stützen, meint, daß die Zinnfigur bereits Vorläufer in den ältesten Zeiten besitzt, z. B. jene als Grabbeigabe anzusehenden Bogenschützen und Speerkämpfer aus Holz, die aus dem Agypten des zweiten Jahrtausends vor Christi stammen, ferner sardinische Kriegerfiguren aus der Zeit um 1000 vor Christi, schließlich Figürchen der sogenannten Hallstadtzeit und zahlreiche Funde des griechisch=römischen Kulturkreises, diese bereits aus Blei, Zinn oder aus einer Mischung aus beiden. Im Mittelalter tauchen dann Zinnfiguren biblischen Inhaltes auf, nur durch Material und Form den„Kriegspuppen“ verschwistert, mit denen die Jugend in der Blütezeit des Rittertums Turnier spielt. Aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts wird uns berichtet, daß Ludwig XIII., das gekrönte Kind, seine winzigen Soldaten mit wahrer Leidenschaft liebt. So hören wir zum Beispiel:„Am 26. September 1610 wurde um 7½ Uhr gefrühstückt; dann ließ er seine Menschlein von Blei holen und stellte auf dem entsprechend zubereiteten zuletzt dieser Industrie verdankt Nürnberg die Blütezeit, die es während des Siebenjährigen Krieges erlebt. Und in Nürnberg ist es auch, wo die Zinnfigur sozusagen ihren„Klassiker“, findet, den Handwerksmeister Johann Hilpert. Er verleiht ihr die endgültige Form, in der wir sie noch heute kennen, schafft die Fußplatte, auf der sie steht. Selbstverständlich verlassen SolVor Gericht verwendet man Sinnsiguren, um an Hand der Jeugenaussägen wichtige Vorgänge zu hlären, so z. B. die Umstände, unter denen sich ein Verkehrsunfall vollzog. daten verschiedenster Art seine Werkstatt, aber keineswegs nur solche. Seine Erzeugnisse, die das bürgerliche wie kriegerische Leben gleich liebevoll wiedergeben, seine naturwahren Tiere und Volkstypen sind kulturgeschichtliche Dokumente in Zinn. Die Zinnfigur wetteifert hier an Aktualität mit den zeitgenössischen Bilderbogen und Flugblättern und an Geschmack mit den besten Schöpfungen des damals aufkommenden Es ist danach wohl verständlich, daß es in aller Welt, sogar in Mexiko und Arabien, vor allem aber in Deutschland, wo die Zinnfigur ja beheimatet ist, Sammler gibt, die alte Stücke sammeln und Erzeugnisse der berühmten Offizinen hoch bezahlen. Ihnen gesellen sich aber noch weit mehr Liebhaber zu, die an den modernen Figürchen ihren Gefallen finden; und damit sind wir bei unserem eigentlichen Thema angelangt, die Verwendung der Zinnfigur zu praktischen Zwecken und vor allem als Lehrbehelf. Ihre Eignung dazu hatte sie eigentlich längst bewiesen. Aber erst in neuester Zeit wurde wirklich erkannt, wie sie dem wachsenden Wunsch breitester Kreise nach bildmäßiger Befriedigung des Wissensdurstes entgegenkommt. Um auch hier ihren Platz auszufüllen, mußte sie freilich noch eine letzte Entwicklung durchmachen, nämlich, sich wissenschaftlicher Genauigkeit unterwerfen. Fachleute aller Gebiete nahmen sich ihrer an, und zwar so weitgehend. daß es beispielsweise heute kaum einen Fortschritt auf archäologischem Gebiete gibt, der nicht auch bei Erzeugung der einschlägigen Figuren Beachtung finden würde. gehenden Erläuterung, um auch nur einigermaßen verstanden zu werden. Beschriftungen werden aber vielfach nicht gelesen und setzen vor allem viel gegenständliches Interesse voraus. Plastisch einprägsam, mit dem Auge sofort erfaßbar, wirkt dagegen ein in Zinnfiguren gestelltes Kulturbild, das als Diorama gestaltet, erfahrungsgemäß den Beschauer stark fesselt, seine Aufnahmefähigkeit nicht ermüdet und namentlich den erzieherischen Wert hat, ihn das zu erläuternde Objekt in Zusammenhang seiner einstmaligen Bedeutung sehen zu lassen. Der Reiz solcher Miniaturdarstellungen ist so groß, daß sie nicht nur von Museen verfertigt werden, sondern ständig die Zahl der Liebhaber wächst, die in deren Herstellung die anregendste Beschäftigung während ihrer Mußestunden sehen. Sicher wird der Entschluß, sich einer so mühevollen und zeitraubenden Aufgabe zu widmen, manchen zunächst abschrecken. Hat man aber erst einmal angefangen, so ist man bald so gefesselt, daß die Freude am Werk den stärksten Antrieb bildet. Und ist vor allem gründlich von der mehr als oberflächlichen Ansicht geheilt, daß solches Beginnen auch nur dem Anschein nach mit zweckloser Spielerei etwas gemeinsam hätte. Schon während man den Grundriß, die Größenverhältnisse, also die allerersten Vorbedingungen überdenkt, ist man in die einschlägigen Werke, die hauptsächlich nach Bildvorlagen durchgeblättert werden müssen, so tief versenkt, daß jede neu entdeckte Einzelheit wie ein köstlicher Fund beglückt. Denn hier dreht es sich ja nicht um Zahlen und all jene trockenen Angaben, die so vielen von uns den Geschichtsunterricht verleideten, sondern Alte Stücke aus berühmten Offizinen werden von Sammlern in aller Welt hochgeschätzt. Tische(er war durchlöchert, da die Figuren damals noch keinen Untersatz besaßen) seine Schwadronen auf. Am 10. Oktober vergnügte er sich damit, seine Bleimannschaft verschiedene Gefechtsordnungen bilden zu lassen, und kann sich von diesem Spiel nicht trennen.“ Auch Ludwig XIV. und nachher dessen Sohn gleichen ihm in dieser Neigung. Schon zu dieser Zeit haben die Figürchen einen beachtlichen Grad technischer und geschmacklicher Ausstattung erreicht. Geradezu Kunstwerke im Kleinen aber werden sie, als 1655 Nürnberger Handwerker sich mit ihrer Herstellung zu beschäftigen beginnen. Ein Jahrhundert später ist unter dem Einsluß Friedrich des Großen die Beschäftigung der Welt mit militärischen Gedanken so stark, daß man Zinnfiguren mit soldatischen Darstellungen(u. a. natürlich ihn selbst und seine Mitkämpfer) geradezu in Massen herstellen muß, um der Nachfrage zu genügen. Dazu kommt, daß die streng durchgeführte Uniformierung der„fritzischen“ Armee(der Ausdruck stammt von Goethe) einer Vereinheitlichung der Gußformen Vorschub leistete. Nicht Die Verwendung als einprägsames Lehrmittel: Otto von Guericke, der Erfinder der Luftpumpe, führt 1654 in Regensburg Kaiser Ferdinand III. seine„Magdeburger Kügel“ vor. Wie bildend schon die Beschäftigung allein mit solchen kleinen Figuren für alle Altersstufen ist, liegt auf der Hand. Damit ist es aber natürlich nicht getan. Zahlreiche, wenn nicht die meisten Objekte unserer kulturwissenschaftlichen Museen bedürfen, wie der bereits erwähnte Fachgelehrte zutreffend bemerkt, einem Durchschnittspublikum gegenüber einer oft weitSportfiguren aus Iinn demonstrieren die Spielregein in anschaulichster Weise. um das Interessanteste, das historische Quellen uns überhaupt bieten können, nämlich die Kenntnis der Lebensweise, man möchte sagen des Lebensinhalts von Kulturepochen, die man oft nur in ihren großen Beziehungen zur Weltgeschichte kannte. Aus diesem Beispiel aber ergibt sich wiederum von selbst die Verwendung der Zinnfiguren in den Schulen, wo sie zur Erläuterung der Völker= und Erdkunde, der Kunstgeschichte und Kostümkunde, der Tier= und Pflanzenkunde, der Heimatkunde usw. dienen und weit anschaulicher wirken als die einprägsamsten Schilderungen. Sie beginnen sich mithin überall da unentbehrlich zu machen, wo eine Lehrtätigkeit entfaltet werden muß, so auch beim Unterricht von Beamten für die Polizel, besonders für die Verkehrspolizei, für die Veranschaulichung des Löschwesens bei der Feuerwehr, für die Anleitung von Kunstgewerblern u. dgl. Von zahlreichen anderen Anwendungen seien nur einige erwähnt: Sportschüler und=lehrer benützen sie in Form von Sportfiguren mit Erfolg, um sportliche Spiele theoretisch zu demonstrieren und zu erforschen; Freunde der Jagd veranschaulichen mit entsprechenden Figuren Jagdmethoden alter und neuer Zeit; Zoologen wecken durch kleine Dioramen Verständnis für ihre Arbeit; Architekten erproben mit ihrer Hilfe die Wirkung der Entwürse; Staatsanwälte und Richter benutzen sie zur Klärung örtlicher Umstände bei Verbrechen und Vergehen; Theater= und Filmleute prüsen, unterstützt von den plastischen Figürchen, neue Effekte und den Aufbau von Massenszenen. Kurz, allerorten eröffnen sich neue Verwendungsmöglichkeiten für die Zinnfigur, die nun, jäh in unserer Achtung gestiegen, sogar schon als bedeutungsvoll genug erachtet wird, Mittelpunkt internationaler Ausstellungen zu sein, deren Ausschuß führende Wissenschaftler aller Länder zieren. Wolfgang Stenzer. Das Istartor von Babylon(lnks) mit der großen Prozessionsstraße, eine Hauptsehenswürdigkeit der Berliner Museumsneubauten. Die Zinnstguren, die dieses Miniaturmodell bevölkern, erldutern in slanfälliger Weise die Bedeutung dieses Bauwerhes für die antihe Stadt. Die Rekonstruktion rechts zeigt, wie man sich den zeitgenössischen Palast Nedukadnezars nach den Ergednissen neuester Forschung vorzustelten dar. Sehischile Utggawfes Unsere neuen Bücher Die moderne Standuhr AUF DER WELTAUSSTELLUNG LOTTICN 1030 WURDE DORTMUNDER UNION-BIER MIT DEM GRAMD PRIX AUSGEZEICHNETveslansen Site umon-eien in den einschins. Gsscnarrent. Spilliinntiiintiliminintinntiniin M. Steinweg Schwerte 975 Buchhaltungsarbeiten, Bilancen, * Steuerberatung, Beseitigung von Zahlungsschwierigkeiten. Hüsingstr. 31 Telefon 2228 Ammers=Küller, von, Der Frauenkreuzzug Bach, Die kleine Chronik der Anna Magdalena Bach.. Beheim=Schwarzbach, Michaeliskinder Berend, Herr Fünf Berg, Liebesgeschichte einer Wildgans Beumelburg, Gruppe Bosemüller Blüte und Frucht(Blaues Buch) Bonsels, Mario und Gisela Buch, Else v. Arnim als Gattin u. Mutter Cecilie, Kronprinzessin, Erinnerungen Cornelissen, Die Hochseeflotte ist ausgelaufen Deutschlandbuch, mit einem Vorwort von Presber Funcke, Schmiede Gottes Galsworthy, Forsyte Börse Haarbeck, Ursula Redel Hansen, Der Fall Emil Ludwig, kart. Hamsun, August Weltumsegler Kraze, Mysterium Lagerlös, Die Silbergrube Martel, Deutschlands blutende Grenzen brosch. Nordling, Quasi una fantisia 9.— 6.50 7.50 5.— 8.— 5.80 3.30 6.50 9.— 9.— 8.50 Reger, Mein Leben für u. mit Max Reger Rose, Das Haus mit den grünen Feusterläden.... 6.59 7.50 5.— 4.80 3.30 6.30 6.— 4.50 8.— 5.80 6.— 2.85 5.— Rumpelstilzchen, Piept es? Rumpelstilzchen, Politisches, Militärisches, Weltanschauung Schröer, Der Herrgott und ein Mann.. Sidgwick, Mutterherz auf Reisen... Timmermann, Die Delphine Undset, Gymnadenia Undset, Der brennende Busch..** Wäggerl, Brot Vallentin, Stresemann*** Walter, Mutter und Kind Walter, Hühnefeld Walter, Leutnant Schmidt und seine Kompagnie Waser, Land unter Sternen..... 7.50 Wienbruch, Wetterleuchten im Wasgan„ 5.20 Zahn, Pictro, der Schmuggler 7.— Außerdem empfehlen wir die neuen billigen Volksausgaben zu 2.85 Mk. Zurückgesetzte ältere Werke und Bücher äußerst billig! 12.— 5.— 4.80 7.— 10.— 10.— 7.— 10.— 5.50 5.80 5.80 haus= und Grundbesitzer=Verein Schwerte e. V. Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstraße 3 Einladung zur Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 18. ds. Mts., abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Karl Wilkes, Schwerte, Bahnhofstr. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2 Vortrag des Herrn Dr. Dessin, Hagen, über das Auswertungsschlußgesetz. 3. Aussprache über Hypothekenkündigung. 4. Vortrag des Herrn Dr. Dessin über Regierungsprogramm und Notverordnung. für den Weihnachtstisch! Aidlte u. Wraterr Schirme Wahl eines Schlichtungsausschusses. 6. Verschiedenes. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder erwartet Der Vorstand. □ Weihnachtskarten 9 Neujahrskarten für Damen, Herren und Kinder bei niedrigsten Preisen in größter Auswahl. in großer Auswahl zu haben in der ## Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstraße 3 Gr. Marktstraße 3 Empfehle zu den Feiertagen meines anerkannt guten und preiswerten Backwaren Kuchen n alan p. Spekulatius m allen Preislagen 4586 Al. Spez, meine belebten Thürager Christstollen Conalsorei v. H. Filbrich Mährstr. 6 Telelon 2991 S Wenn er zu Weihnachten ein Paar schicke SALAMANDERS CHUHE bekommt, dann ist die Freude groß. Denn er liebt ja praktische Sachen Geln.=Teseund „Sonnabend, den 20. Dezember ds. Is., nachm. 2½ Uhr, verkaufe ich für Herrn Gutsbesitzer W. Isbruch zu Rheinen 4593 ca. 40 Nr. Nottannenstangen zu leichtem Bauholz, Leiterbäumen, Baumpfählen u. Frechtungszwecken geeignet, sowie 25 Nr. Eichen=Brandholz und ca. 10 Kirschenstämme öffentlich meistbietend, nummerweise gegen bar und Kredit. P4.44, Cosfanbakl Zusammenkunft bei Herrn Kirchhoff. Hasenhohl. Carl Beinckmann, Kalthof. SREIMANDEI. Uingenieurschule Ilmenau #### phüriggen, Maschlaanhen und Elahtratechalk, Wien in Thbriggen, Beschlnenbes und Eiehroschaskt, Wasenschaftliche Betciebsföhrung. Werkmeisterabtellung. Max Hehlhose Postpiefs zum Su#t ChPrststohte Kuchen, Torten, sowie sämtliche Backwaren in bekannter Güte empfiehlt billigst Conditorei Seuthe 7. 2674 Bahnhofstr. 22 Spezialität: la. Spekulatius Weitht! Günstige Gelegenheit Mehrere gebrauchte Pianos: sehr gut erhalt., sowie einige fast neue mit klangvollem Schlas ist das schönste Weihnachtsgeschenk 590 Nr. 295(Zw Besichtigen Sie meine separate StanduhrenAusstellung und überzeugen Sie sich von der Schönheit und Preiswürdigkeit meiner Uhren. F. KAYSE Uhren und Goldwaren PostpIn: Alleinverkauf der guten Ankra=Uhren Westfalenhalle Marken=Pianos#8 sehr preiswert unter günstig. Bedingungen abzugeb. Langjährige Garantie. Freie Lief. Planchaus Schäfer Das Haus der QualitätsInstrumente Hagen, Neumarkt Stimmungen Reparaturen Telefon 23383 6. Dortmunder Sechstagerennen vom 9. bis 15. Januar Vorverkauf eröffnet! 491 Verlangen Sie Vorbestellte Karten bitte abholen. Vorverkauf: H. Pape, Hagenerstr. 10 n Zwangsversteigerungs bleine diesjährige Donnerstag, den 18. ds. Mts., vorm. 10 Uhr, werde ich in Sommerberg, Wirtsch. Eisenberg u1 Sofa 4594 öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. WeihnachtsAusstellung ist eröffnet, Zum Besuch ladet freundl. ein: Schwerte, d. 17. 12. 30. H. Wulfers, Gerichtsvollzieher kr. A. W. Heermann Konditormeister Fernsprech=Nr. 2305 88 Moennbesnnnmnmmmmeet Versteigerung Simpummmmmmmmmmmmmmmmummumgmmmm Sannabend,##### Der Schwerter Wochenmartt Sonnabend, den 20. ds. Mts., vorm. 10 Uhr, werde ich im Auftrage der hiesigen Polizeiverwaltung eine 4595 getigerte Dooge am hiesigen Schlachthof öffentlich meistbietend gegen bar versteigern. Heimbeck. Vollziehungsbeamter. Mehrere neue Nühnlaschilten wegen Geschästsaufgabe billig zu verkaufen. Auf Wunsch Teilzahlung. Offerten unt. Nr. 4588 an die Geschst. d. Zeitg. □0 Volondon 1001 zu haben in der Halender 1931 Bochtandlung Car Braus Einige sehr gute gebr. Planos wie neu hergerichtet, darunter Pörster- Planos ebenfalls ein gebr. Steinway& Sons Plüger sehr preiswert unter günst. Bedingungen mit voller Garantie abzugeben. Carl Schmitt, Hagen Hofpianofabrik 4 61 Elberfelderstr. 69 war gut beschickt. Käufer und Verkäufer hatten sich zahlreich eingefunden. Weihnachtsbäume 1,20, 1,50 je nach Größe, waren vorhanden, so daß die Auswahl nicht zu knapp gehalten war. Der Umsatz ist im großen und ganzen als gut zu bezeichnen. Nachfolgend die Preise: Fleischwaren: Rindfleisch 1,—, Schweinefleisch 1,—, Gefrierfleisch 0,90, Speck 0,80 bis 1,20, Schinken 1,60, Mettwurst 1,20—1,40, Blut= und Leberwurst 0,60, Hausmacher 0,80, Kalbsleberwurst 1,40, Braunschweiger 1,30, Bierwurst 1,30, Fleischwurst 1,10, 1,30, Plockwurst 1,50 bis 2,—, Zervelatwurst 1,80 bis 2,40 M. Butter und Eier: Butter 1,70, Eier 6 St. 1 NV.„ e. Aepfel 98 3, Obst, Südfrüchte und Gemuse: Aepfer S0 S. 3 Pfd. 1,— und 1,10, Apfelsinen 12—24 Stück 1.—, Zitronen 3 Stück 20 H, Bananen 25—35, Haselnüsse 65—80, Walnüsse 80, amerik. Nüsse 80, Erdnüsse 60, Feigen Pak. 30, 70 und 80, Spinat 15, Weißkohl 6, Rotkohl 8, Wirsing 8 und 10, Blumenkohl 40, 25, Zwiebel 3 Pfd. 20, Grünkohl 3 Pfd. Wurzeln 8, Porree 10, Suppengrün 10, Steckrüben 5, Schwarzwurzeln 35 J. Fischwaren: Bratschellfisch 25, Kochschellfisch 30 und 40, Kabliau 35, Rotbarsch 30, grüne Heringe 4 Pfd. 1.—, Filet 60 J, Heringe 12 und 16 Stück 1.—, Bückinge 45 J. Ein gut rechnender Kaufmann— mus und wird inserieren! Technikum Lemge I. Lippe Hoch Tief. u. Eisenbetonbeu Meschineabeu, Eiektrotechnik Vom Film Das z. Zt. laufende stumme Programm in den Lichtspielen„Zur Reichskrone“ ist eine filmische Spitzenleistung. Das Lustspiel„Schönheitskonkurrenz in Atlantic City“ ist äußerst reizvoller und liebenswürdiger Art. Mit den sten Frauen in den Hauptrollen läßt der Fil hinsichtlich Szenerie und Handlung keinerlei Wünsche offen.„Tarzans neue Dschl gelgeschichten“ sind wieder äußerst spannender Art und entbehren nicht einer gewissel prickelnden Spannung. Hinzu kommt ein samoses Lustspiel, sodaß man getrost das ganze Programm als hochwertig bezeichnen darf. Der such der Lichtspiele„Zur Reichskrone“ kann de um nur bestens empfohlen werden. Vebrau Wenn heute eine Bewegung gegen das eingesetzt hat, daß— choslowakei und gar Schuld der Regierung redet werden darf.! teil gern der Worte eräsidenten Graf Bei nit denen er für ein deutschen Minderheite Leider ändert die en Bethlen nichts a Hetze in einzelnen hat, die immer häßli droht. Die sogenani die vor mehreren hun sind, haben freilich und sich nur zum kl lassen; aber sie sind Ungarn gewesen, na die für ihre Heimat haben. Die Deutschen nale Minderheit g sprachliche und kultun deten nie eine deutse der verschiedenen neu, leben in der P Kreise, die nicht den dürfen, bemühe Minderheiten„natiol chen, und haben dur lungen bereits ine Magyarisierung err Minister und jetzigen Dr. Bleyer geleit Volksbildungsverein Tätigkeit so weit wi Presse als antimag nur in einer bestin einem sehr kleinen: Presse. Aber gerad einen beträchtlichen gen Fragen entscheit oder sogar als der nen. So kommt es von der Gründung deutschen Sprachver Kenntnis genommer keit gehemmt wird Dezemberwoche bere und man kann bef Schwerhörigkeit g besitzt. Denn es i Volksschulen die d mehr unterdrückt w nach dem Willen ohnmächtiger— He in Bonyhad, ein deutschfeindlichen H kungen hinsichtlich schen Sprache in d Ja, man geht r lich, worüber sich 1 sobald es sich um slowakei handelt, u neuerdings bei den Roman vor Copyright by Mart 16. Fortsetzung. Plötzlich lachte „Wenn Sie, H tersuchung in diese ich mich übermorg mauern." Doktor Messersch verlei Einwürse 1 „Sie erkennen Eigentum an?“ fr Stein nickte. „Ja. Aber d lächerlich!“ Der Untersucht wehrende Geste m „Das finde ich teil! Die Beweis halte Sie für übe volles Geständnis Sie es geben. Be Stein schien n Entschluß zu ring wollte er sprechen seinem Gesicht der gelte sich der iane „Ihre Beamtei Landgerichtsrat!“ Lächeln war alles, Dann wurde Sorgen der jüngst terielle Bedrängn Zerwürfnis mit se ihm im Moment hemmte seine Tat auch kaum der M verteidigen. Der Untersucht nenes Spiel glau Nr. 295(Zweites Blatt) „Schwerter henun s Mittwoch, 17. Dezember 1930 Bedrückung des Deutschtums in Angarn Von Dr. K. Streckenbach, z. Zt. Oedenburg. Wenn heute eine peinliche und unerwartete Bewegung gegen das Deutschtum in Ungarn eingesetzt hat, daß— im Gegensatz zur Tschechoslowakei und gar zu Polen— von einer Schuld der Regierung vorläufig keinesfalls geredet werden darf. Man wird sich im Gegenteil gern der Worte des ungarischen Ministereräsidenten Graf Bethlen in Berlin erinnern, nit denen er für eine gerechte Behandlung der deutschen Minderheiten eintrat. Leider ändert diese Einstellung des Graen Bethlen nichts an der Tatsache, daß eine Hetze in einzelnen Teilen Ungarns eingesetzt hat, die immer häßlichere Formen anzunehmen droht. Die sogenannten„Schwaben“ Ungarn, die vor mehreren hundert Jahren eingewandert sind, haben freilich ihr Deutschtum behalten und sich nur zum kleinsten Teil magyarisieren lassen; aber sie sind seit Jahr und Tag gute Ungarn gewesen, national eingestellte Ungarn, die für ihre Heimat gekämpft und gelitten haben. Die Deutschen haben sich nie als nationale Minderheit gesühlt, sondern nur als sprachliche und kulturelle Minderheit; sie gründeten nie eine deutsche Partei, sind Mitglieder der verschiedenen parlamentarischen Fraktioneu, leben in der Politik kein eigenes Leben. Kreise, die nicht einflußlos bezeichnet werden dürfen, bemühen sich, aus den deutschen Minderheiten„nationale“ Minderheiten zu machen, und haben durch Drohungen und Bedrüklungen bereits in etlichen Fällen eine äußere Magyarisierung erreicht. Der vom früheren Minister und jetzigen Abgeordneten Professor Dr. Bleyer geleitete Deutsch=Ungarländische Volksbildungsverein wird beschimpft, in seiner Tätigkeit so weit wie möglich gehemmt, in der Presse als antimagyarisch angegriffen. Gewiß nur in einer bestimmten Provinzpresse und einem sehr kleinen Teil der hauptstädtischen Presse. Aber gerade diese Organe sind es, die einen beträchtlichen Einfluß auf die in derartigen Fragen entscheidenden Provinzstellen haben oder sogar als deren Sprachrohr gelten können. So kommt es z. B., daß die Behörden von der Gründung etlicher Ortsgruppen des deutschen Sprachvereins„amtlich“ noch keine Kenntnis genommen haben, sodaß seine Tätigkeit gehemmt wird; dies war in der ersten Dezemberwoche bereits in neun Orten der Fall, und man kann befürchten, daß diese amtliche Schwerhörigkeit ganz„natürlichen“ Ursprung besitzt. Denn es ist unleugbar, daß auch in Volksschulen die deutsche Sprache mehr und mehr unterdrückt werden soll, wenn es weiter nach dem Willen einzelner— durchaus nicht ohnmächtiger— Hetzer geht. So hat man z. B. in Bonyhad, einem der Mittelpunkte der deutschfeindlichen Hetze, bereits starke Einschränkungen hinsichtlich des Gebrauches der deutschen Sprache in der Volksschule erreicht. Ja, man geht noch weiter. Dasselbe nämlich, worüber sich Ungarn mit Recht beschwert, sobald es sich um die Magyaren der Tchechoslowakei handelt, wird auf ungarischem Boden neuerdings bei deutschen Angestellten versucht: Man sammelt deutsche Unterschriften, die sich gegen die sprachlich=kulturellen Bestrebungen der deutschen Vereine aussprechen sollen, und es ist bedeutendes Material dafür vorhanden, unter welchen Druckmitteln diese Unterschriften zusammengebracht werden! Damit noch nicht zufrieden, wenden sich nun auch die Munizipalausschüsse zweier Komitate an die Regierung, um gegen die„pangermanische Bewegung“ Einspruch zu erheben, welche„die Zukunft des ganzen Landes bedroht!" Bedarf dieser Unsinn auch keines Kommentars, so ist es doch bedenklich, wenn man feststellt, daß die Komitatsausschüsse sich bereits an andere Komitate gewandt haben, um entsprechende Schritte zu erreichen, und es wirkt wie ein tragischer Witz in dieser Bewegung, daß ihr geistiger Urheber der pensionierte General Szivos Waldvogel ist; ein so außerordentlich„magyarisch“ klingender Name besagt eigentlich genug. Natürlich wird nicht davon geredet, daß die deutschen Minderheiten bedrückt werden sollen; sie dürfen sich nur nicht„der friedlichen Assimilation in den Weg stellen“— ein Ausdruck, der anscheinend nach längerem Nachdenken gefunden wurde und eine unkorrekte und wenig mutige Umschreibung für eine mehr oder weniger zwangsweise durchgeführte Magyarisierung darstellt. Jede Bestrebung, den deutschen Minderheiten ihre sprachliche und kulturelle Bindung zum Deutschtum zu erhalten, wird als „Minierarbeit gegen die ungarische Staatsidee" bezeichnet, und nichts bleibt unversucht, dieser rein kulturellen Bewegung einen nationalen„pangermanischen“ Mantel umzuhängen. Es bedarf keiner Erläuterung dafür, daß unter diesen Verhältnissen Tausende von Deutschen leiden; ebenso leiden wie die magyarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei und in Rumänien. Schon könnte man Seiten und Seiten mit den Klagen füllen, die in deutsch besiedelten Landesteilen zu hören sind; schon könnte man krasse Beispiele geben, wohin dieser vom Zaun gebrochene Kampf bereits geführt hat; immer noch aber hoffen die deutschen Minderheiten, daß die Regierung auf die von ihr abhängigen Organe den nötigen Druck ausüben wird, um einem weiteren Anschwellen der antideutschen Bewegung einen Riegel vorzuschieben. Denn es kann nicht oft genug festgestellt werden, daß sich die Deutschen Ungarns nie als„Ausländer" betrachteten, weil sie es nie waren, und daß es den gegen sie gerichteten Angriffen vorbehalten blieb, aus diesen sprachlichen, kulturellen Minderheiten politische,“antimogyarische“ Volksteile zu machen. Es bleibt vorläufig abzuwarten, wie sich die deutschfeindliche Bewegung in Ungarn weiterhin entwickeln wird; es bleibt abzuwarten, wieweit die Regierung verantwortungslose, aber auch verantwortliche Leute ihre eigene Magyarisierungspolitik treiben lassen will, die, wie jede Hetzarbeit, einen Keil in die Front des heute durchaus ungarisch=staatsbürgerlich denkenden ungarländischen Deutschtums treiben soll. Es wäre sehr bedauerlich, wenn sich dasselbe Bild zeigen sollte wie in anderen Staaten, und es wäre umso unbegreiflicher, weil ja gerade Ungarn die Leiden seiner eigenen Minderheiten im Auslande kennt und dafür kämpft, dasselbe Ungarn, für das in Deutschland von jeher ein besonderes Freundschaftsgefühl lebendig war und noch heute lebendig ist. Die ersten Bilder vom japanischen Erdbeben Am 26. November fand in Japan ein Erdbeben und 1100 Verletzte unter den statt, bei dem 200 Menschen ihr Leben ließen Trümmern geborgen wurden. Gruß an den Winter Von Hans Bethge. Winter! Das Wort klingt hell, heiter und leicht. Es ist, als schreite man beflügelt über weißen, flockigen, schimmernden Schnee. Es klingt nach flackerndem Feuer im Kamin, nach behaglichen Teestunden, in dämmerigen Zimmern, nach Tanz in eleganten, lichtdurchfluteten Sälen, nach Eisblumen an den Fenstern, und es duftet fein und verheißungsvoll nach den kienigen Nadeln des Weihnachtsbaumes. Aber für die Armen klingt das Wort bitter, nach klirrendem Frost, ungeheizten Stuben, Entbehrungen und Ungemach. Im Winter ohne Pelz und Handschuhe, ohne Heizung und ohne etwas Wärmendes für den Magen— verteufelt, das ist kein Spaß. Wie schön waren die Winter unserer Kindheit! Damals gab es noch die richtigen Winter, die Winter in der kleinen Stadt, mit ungeheurer Kälte, so daß man Ohrenklappen brauchte, damit einem die kleinen rosigen Löffel nicht erfroren; und in der Erinnerung sieht man mächtige, emporgeschaufelte Schneeberge an beiden Seiten der Straße, wie man sie später nur selten wiedergesehen hat, lachend und Schneeballen wersend lief man dazwischen herum, oder man fuhr mit den Erwachsenen in einem großen Schlitten, der täuschte einen Schwan vor, mit langem, elegantem Hals, und die Pferde dampften und hatten ein üppiges Schellengeläut mit dichten, wehenden, blauweißen Roßschweifen auf dem Kopf, am liebsten aber saß man hinten auf der Pritsche, mit weit gespreizten Beinen; da fror man zwar, den der eisige Wind fegte einem um die Waden, aber es war doch herrlich, denn es hatte so etwas Vornehmes, Herablassendes, auf der Pritsche dazusitzen. Auch konnte man zuweilen abspringen, ein Ende nebenher laufen und sich dann mit Eleganz und Schneid wieder auf die Kufen schwingen, um seinen bevorzugten Platz einzunehmen. Ja, das war ein stolzes, fast erhabenes Gefühl! Wo sind die alten weißen Winter geblieben? Jetzt ist man froh, wenn man im Januar für einige Tage Schnee zu sehen bekommt, und mit dem Schlittenfahren im Flachland ist es so gut wie vorbei. Aus der Großstadt gar sind die weißen Winter völlig verschwunden. Wirbeln wirklich einmal die weißen, flaumigen Flocken auf den Asphalt nieder, so kommen gleich Tausende von blassen, arbeitshungrigen Menschen mit Schippen und Schaufeln herbei und beseitigen den unpraktischen, verkehrshemmenden Schnee, und nichts als elender Schmutz bleibt zurück. Kann man es da den Leuten der Großstadt verdenken, wenn sie im Winter Der Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyright by Martin Feuchtwanger, Halte(Saale) 16. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Plötzlich lachte er unmotiviert auf. „Wenn Sie, Herr Landgerichtsrat, die Untersuchung in diesem Tempo weiterführen, sehe ich mich übermorgen schon hinter Zuchthausmauern.“ Doktor Messerschmidt blieb kühl. Er war an verlei Einwürse Ueberführter gewöhnt. „Sie erkennen diese Instrumente als Ihr Eigentum an?“ fragte er. Stein nickte. „Ja. Aber der Zusammenhang ist ja lächerlich!“ Der Untersuchungsrichter machte eine abwehrende Geste mit der Hand. „Das finde ich durchaus nicht. Im Gegenteil! Die Beweismittel sind erdrückend. Ich halte Sie für überführt. Wenn Sie heute ein volles Geständnis ablehnen— morgen werden Sie es geben. Bestimmt!" Stein schien mit einem schwerwiegenden Entschluß zu ringen. Fast sah es so aus, als wollte er sprechen. Die Bewegung war auf seinem Gesicht deutlich zu lesen; in ihm spiegelte sich der ianere Kampf. Aber er schwieg. „Ihre Beamten haben gut gearbeitet, Herr Landgerichtsrat!" Dies und ein resigniertes Lächeln war alles, was er zu entgegnen hatte. Dann wurde er wieder nachdenklich. Die Sorgen der jüngsten Vergangenhenit, seine materielle Bedrängnis, seine Spielverluste, das Zerwürfnis mit seiner Frau— dies alles kam ihm im Moment bedrückend zu Bewußtsein, hemmte seine Tatkraft. Vielleicht schien er es auch kaum der Mühe wert zu halten, sich zu verteidigen. Der Untersuchungsrichter mußte an gewonnenes Spiel glauben. Es war einer seiner Tricks, durch Verblüssung zu siegen. In diesem Falle gab ihm seine Taktik wieder einmal recht. „Haben Sie noch etwas zur Sache zu sagen?“ fragte der Untersuchungsrichter, sich erhebend. Stein war sehr müde.“ Ihm fielen die Augen fast zu. Weil er schwieg, ordnete Doktor Messerschmidt an: „Wir wollen es für heute dabei bewenden lassen.“ Und zu einem Justizwachtmeister hin gewandt:„Abzuführen in Untersuchungshaft.“ *** Durch den Fall Stransky war die andere Angelegenheit, die unter dem Namen Stein lief, etwas in den Hintergrund getreten: Der Ring mit den beiden goldenen Schlangen aus dem Besitz der Frau Jutta Stein blieb verschwunden. Emmy Barthel, das Stubenmädchen, war nach wenigen Stunden wieder aus der Haft entlassen worden, weil sich ein bestimmter Verdacht ihrer Teilnahme an dem Diebstahl nicht ableiten ließ. Max Kallmeyer, ihr Kavalier, blieb verschollen. Ganz klar: der würde sich hüten, der Emmy jemals wieder unter die Augen zu treten! Höchstwahrscheinlich hatte er den Schauplatz seiner zweiselhaften Tätigkeit schon nach auswärts verlegt. Kommissar Vogel hatte einen Assistenten mit dieser Sache betraut. Er war von vornherein darauf gefaßt gewesen, daß wahrscheinlich eher durch einen Zufall als durch den Gang der Untersuchung der Diebstahl aufgeklärt werden würde. Für alle Fälle waren die Juweliere benachrichtigt und gewarnt worden. Jedoch traute Vogel dem gerissenen Dieb eine solche Dummheit gar nicht zu. Es wäre eine rechte Stümperei gewesen, das Wertstück in dieser Stadt zu veräußern! Dazu war der Ring charakteristisch geformt— also zu gut zu erkennen — und dann sprathen dagegen die Umstände des Diebstahls, die ganze Insgenierung desselben. Diese Auskunft gab Kriminalkommissar Vogel Fr..: Jutta, als sie achtundvierzig Stunden später— ihr Mann saß nun schon in Untersuchungshaft— anrief. „Höchstwahrscheinlich hat es seine besondere Bewandtnis mit dem Ring und seinem Verschwinden. Ein nur auf Raub ausgehender Dieb hätte sämtlichen Schmuck mitgenommen. Uebrigens ist bis zur Stunde noch kein neuer Ueberfall durch einen Fassadenkletterer gemeldet worden.“ Der Beamte legte den Hörer wieder zurück. Er zündete sich dann schnell vor einem neuen Dienstgang eine Zigarette an. Er liebte sie nicht sonderlich, diese Zigaretten, aber für eine Zigarre war meist die Zeit zu kurz bemessen. Und gar nicht rauchen? Nun, der Appetit hätte sich unterdrücken lassen, aber Kommissar Vogel hatte in dieser Hinsicht seine eigenen Ansichten: Beim Duft einer würzigen Zigarette oder Zigarren waren ihm schon so oft überraschend gute Einfälle gekommen, daß es manchmal nur noch ein Schritt bis zur endgültigen Lösung eines schwierigen Kriminalfalles war. Jetzt mußte er für eine Minute an Frau Jutta Stein denken. Wie mochte sie die Kunde von der Verhaftung und dem Verdacht, der über ihrem Manne schwebte, getroffen haben? Und doch mußte Vogel diese Maßnahme des Untersuchungsrichters billigen. Zunächst kam niemand weiter in Betracht als Manfred Stein. Er war zuletzt mit der Tänzerin gesehen worden, er stellte das Gift her, das man im Blute der Künstlerin gefunden hatte, also—— Die Justiz durfte sich durch Gefühlsduselei und übertriebene Rücksichtnahme nicht beeinflussen lassen. Ohne Ansehen der Person mußte eingeschritten werden. Und dies war im Falle Stransky geschehen. ** Auch ein erneutes Verhör Manfred Steins brachte keine wesentlichen Ergebnisse oder etwn gar das erhoffte Geständnis. „Wollen Sie mir nicht den Grund zur Tat angeben?“ fragte Doktor Messerschmidt, jedes Wort schauf betonend. Und eindringlicher, tie begütigend, setzte er hinzu:„Das Gericht bewertet die Motive. Wie ich Ihnen schon gestern nahelegte, ist es für Sie nur von Vorteil, wenn Sie uns restlos Aufklärung geben.“ Das peinliche Wort„Geständnis“ vermied der Untersuchungsrichter heute. Eine sah ihn Stein verständnislos an. Es schien geraume Zeit zu dauern, bis er die Mahnung Doktor Messerschmidts verstanden hatte. Dann lachte er belustigt auf. „Ich soll mich schuldig bekennen? Aber das ist doch absurd.“ Der Richter drängte. „Sie würden sich dadurch eine lange Untersuchungshaft ersparen. Glauben Sie mir, ich spreche nur in Ihrem ureigenen Interesse. Es wird doch zweifellos auch Ihnen daran liegen, diese mißliche Geschichte so bald als möglich aus der Welt geschafft zu wissen.“ Das Gesicht des Verhörten nahm einen gequälten Ausdruck an. „Ich weiß nicht, was ich gestehen und zu meiner Verteidigung noch vorbringen soll! Inwieweit ich an dem Ueberfall auf die Tänzerin beteiligt bin oder vielmehr: inwiefern die Beweise gegen mich sprechen, ist Ihnen doch bereits bekannt, Herr Landgerichtsrat. Ich habe Mia Stransly gestern anläßlich der Modenschau bei Lampert zu einem Souper im„Rheingold' eingeladen. Vorher habe ich sie kaum einige Male bei der Berger gesehen. Sie war meist in Begleitung des Generaldirektors Waldow. An dem fraglichen Abend habe ich mich an der Ecke von ihr verabschiedet und bin dann sofort zu Fuß die paar Schritte bis zur Berger gegangen. Ich weiß wirklich nicht, was ich darüber noch berichten soll.“ „Und welche Art war die Unterhaltung im Wagen? Ich bitte um möglichst genaue Schilderung.“ Der Untersuchungsrichter wahrte eine distanzierende, un erfönliche Note. auf einige Tage oder Wochen in das verschneite Bebirge hinaus eilen? Die Reichen leisten sich die sonnige, internationale, märchenhafte, kostspielige Feerie von St. Moritz! Bescheidenere reisen in die deutschen Waldgebirge. Die Vielbeschäftigten, die nur über Weihnachten und Neujahr Zeit haben, fallen meistens dabei herein. Sie reisen, kommen in ein jammervolles Matsch= und Regenwetter, waten mißmutig, mit schmutzigen Kleidern, auf grundlosen Wegen herum und hätten es zu Hause in ihrer behaglichen Wohnung viel netter. Aber bei Schnee und klingender Kälte in die Berge,— das ist wahrhaftig ein Genuß, den man nicht mehr entbehren möchte, wenn man ihn einmal gekostet hat. Wundervoll, sich auf Wanderungen über die glitzernden Höhen von der Wintersonne brann brennen zu lassen; wundervoll, auf dem geschmeidigen Rodel oder den schlanken Schneeschuhen von eisiger Höhe in das Tal hinabzujagen, die Wollust rasender Schnelligkeit in den Gliedern, während der schneidende Wind auf Stirn und Wangen brennt. In Franken gibt es eine reizende Sitte. Am Barbaratage, das ist der 4. Dezember, schneiden sich die Leute einen Kirschbaumzweig, stecken ihn in ein Gesäß mit Wasser, stellen ihn auf den warmen Ofen— und zu Weihnachten steht er in herrlichster Blüte. Man muß natürlich einen knospentragenden Zweig dazu wählen, auch das Wasser jeden zweiten Tag erneuern. Das Experiment gelingt nicht immer. Wenn der Barbarazweig seine Blüten aber gerade in der Christnacht öffnet, so bedeütet das untrügliches Glück für das kommende neue Jahr. Entsetzlich sind Begräbnisse im Winter— wenn der Wind über den kahlen Friedhof pfeift, der Sarg in die harte Erde gelassen wird und die gefrorenen Erdschollen lieblos wie Steine darauf hinunterpoltern. Entsetzlich der Tod der Obdachlosen, die auf der Landstraße kraftlos im Schneesturm liegen bleiben und erfrieren. Aber wundervoll ist es, wenn junge Menschen in schneidender Kälte mit kühnem Schwung über weite, glatte Seen laufen, den Eisschuh unter den Füßen, und der blutrote Sonnenuntergang spiegelt sich auf der blanken Bahn. Wundervoll die Fahrten im Schlitten durch weite, schweigende Landschaften, wenn sich die Hände verliebter Menschen unter der weichen Pelzdecke finden. So ist der Winter. Quelle der Lust des Einen, den Anderen Quelle des Jammers. Ach, sei uns hold, Winter, schicke uns freundliche Tage in behaglichen, wohldurchheizten Zimmern oder auf Vergeshöhen, wenn wir die übermütige Lust des Sports heftig atmend„in den gesunden Gliedern spüren! (Melodrama), Chor und Klavier von Max Scheunemann unter gütiger Mitwirkung von Frau M. Ihlefeld.— Eintrittskarten sind bei den Schülerinnen und an der Kasse erhältlich. * Große Erfolge des Kanarienzuchtvereins Schwerte. Der Kanarienzucht= und Vogelschutzverein „Einigkeit“, Schwerte konnte auf der großen Verbandsausstellung der Landesgruppe„Sauerland“ am 12. bis 14. Dezember in Hagen unter sehr starker Konkurrenz auf die drei besten Stämme des Vereins den Wanderpreis der Gruppe„Sauerland" des Weltbundes der Kanarienzüchter und Vogelfreunde mit zusammen 975 Punkten erringen. Obiger Verein konnte den vorjährigen Sieger und Verteidiger des Wanderpreises, den Verein„Kanaria" Lüdenscheid mit ein Mehr von 42 Punkten besiegen. Die Erfolge der Schwerter Züchter wurden stürmisch gefeiert. Von den 63 Ausstellern der Landesgruppe„Sauerland“ konnten folgende Schwerter Züchter Ehrenpreise und Medaillen erringen: Paul Wilhelm vier erste Preise mit zusammen 333 Punkte den 2. Ehrenpreis und Große Weltbundmedaille; Heinrich Ruberg vier erste Preise mit zusammen 324 Punkte den 3. Ehrenpreis und Große Weltbundmedaille; Adolf Heinemann vier erste Preise mit zusammen 318 Punkte den 4. Ehrenpreis und Große Weltbundmedaille; Karl Butzmann vier erste Preise mit zusammen 315 Punkte den 6. Ehrenpreis und mittlere Weltbundmedaille; Fr. Ossenberg—Engels vier erste Preise mit zusammen 293 Punkte die kleine Weltbundmedaille; Frau Butzmann vier erste Preise mit zusammen 291 Punkte die kleine Weltbundmedaille. scher Wilhelm Meyer in Meran gestorben(geboren 1853). Schwerte, den 17. Dezember 1930. * Die Weihnachtsgeschenke, über die man sich wieder einmal den Kopf zerbrechen muß, um dasjenige zu kausen, das den Beschenkten erfreut, könnte man schlechthin einteilen in praktische und unpraktische. Man spricht jedoch nur von den praktischen, beim Wünschen und beim Lausen. Niemand wird sich einen unpraktischen Gegenstand wünschen, niemand einen solchen im Geschäft fordern. Aber wohl kann es sich ereignen, daß man der festen Ueberzeugung ist, einen äußerst praktischen Gegenstand gekaust zu haben, und daß der Beschenkte bei sich denkt: „Ach, wie unpraktisch! Das kann ich ja gar nicht gebrauchen. Wenn ich's nur umtauschen dark!“ Auch über den praktischen Wert einer Sache gehen die Ansichten oft weit auseinander, und serner kann dieselbe Sache für den einen sehr brauchbar sein, während, ein anderer damit nichts anzusangen weiß. Selbst bei reiflicher Ueberlegung und ziemlich genauer Kenntnis der Wünsche und Bedürfnisse des zu Beschenkenden sann dem Geschenkgeber hierbei noch ein Irrtum unterlaufen. Praltische Geschenke werden mit Vorliebe gemacht, sie werden aber keineswegs immer mit aufrichtiger Freude entgegengenommen. Man empfindet sie nicht als Ueberraschung, nicht als das Außergewöhnliche, auf das man im stillen gehofft hatte. „Was ich mir allein kaufen kann, will ich nicht geschenkt haben“, ist auch eine landläufige Redensart, die man vielsach zu Weihnachten hört, und sie soll ausdrücken, daß man die unentbehrlichen Gebrauchsgegenstände nicht als richtige Geschenke ansieht. Der Spender kann diese Anschauung gekannt haben und hat ihr vielleicht Rechnung tragen wollen, er war nur im Zweifel, welcher unpraktische Gegenstand willkommen sein würde, und wählte darum lieber einen praktischen, als das kleinere von zwei Uebeln. Denn mit so enttäuschten Blicken kann eine praktische Sache doch nicht gemustert werden wie ein Luxusartikel, den man nicht leiden mag. Das Schenken ist eine Kunst und erfordert eine glückliche Hand. Wer einigermaßen sicher gehen will, überlege beizeiten, lasse sich nicht von seinem eigenen Geschmack leiten, sondern sei bemüht, tunlichst den Geschmack des Geschenkempfängers zu treffen. Bevorzugt dieser Geschmack das Praktische, wähle man derartiges aus, im anderen Falle nehme man nicht gerade das Weihnachtsfest zum Anlaß von Erziehungsversuchen und Nützlichkeitsbestrebungen und schenke auch etwas, was einem unpraktisch deucht, dem Beschenkten voraussichtlich aber eine Freude bereiten wird. Allgemeine öffentliche WeihnachtsRotsammlung Es wurden folgende weitere Beträge gezeichnet: R. R. 10.— M Ph. Weifenbach, Hauptagentur des „Dortm. Generalanzeigers".„ 20.—„ dazu bisherige Zeichnung.. 7753.—„ Sa. 7783.— MA Herzlichen Dank! Gedenktage. 17. Dezember: 1842 Der Mathematiker Sophus Lie im Stift Bergen geboren(gestorben 1899).— 1907 Der Physiker William Thomson(Lord Kelvin) in London gestorben (geboren 1824).— 1909 Leopold II., König der Belgier, auf Schloß Laeken bei Brüssel gestorben(geboren 1835).— 1910 Der NatursorWetterbericht der Wetterwarte Essen vom 16. Dezember 1930. Der nördliche Hochdruck hat sich noch weiter verstärkt, ein Luftdruck von über 780 mm bedeckt Mittel= und Nordsinnland sowie Nordrußland. Auch über Mitteleuropa ist der Luftdruck angestiegen. Ueber England wirken sich einzelne Tiefs aus. In Deutschland war es heute morgen nur vereinzelt heiter, meist ganz bedeckt und neblig. Die Temperaturen waren bei schwacher Luftbewegung je nach der Oertlichkeit verschieden, sie lagen vereinzelt bis zu 4 Grad über Null. meist aber 1 bis 2 Grad darunter. Der Kahle Asten meldete leisen Ostwind, bedeckten Himmel und—1 Grad. Aussichten für Mittwoch: Wieder Trübung und Schnee= und Regenfölle, Temperaturen ansteigend. Aussichten für Donnerstag: Noch Niederschläge, bewölkt und wieder lühler wahrscheinlich. Goldene Hochzeit. Am morgigen Tage können die Eheleute Wilhelm Peddinghaus und Frau Therese geborene Ernst, wohnhaft Westenort 10, das seltene Fest der goldenen Hochzeit begehen. Das Jubelpaar erfreut sich noch körperlicher und geistiger Frische. Der Familie P. entsprossen 12 Kinder, wovon noch:7 leben sowie 18 Enkelkinder und 6 Urenkel. Möge es den Beiden vergönnt sein, noch recht lange ihren sonnigen Lebensabend gemeinsam zu verbringen.— Herzlichen Glückwunsch! 5 Kraftfahrzeuge verunglückt. Am gestrigen Tage sind auf der Straße nach Rheinen unterhalb des Ohls, in der Nähe von Haus Villigst, nicht weniger als 5 Kraftfahrzeuge verunglückt und mehr oder weniger schwer beschädigt worden. Wie wir hören, sollen diese in einer Straßenkurve stattgefundenen Unfälle einmal auf die Straßenglätte und zum anderen auf den starken Nebel zurückzuführen sein. Der Kraftwagen des hiesigen Tabakwarengroßbändlers Pape wurde vollständig zertrümmert und der Besitzer soll nicht unerhebliche Verletzungen davongetragen haben. + Bund christlicher Arbeitsinvaliden. Alle diejenigen Eltern gefallener Kriegsteilnehmer, deren Antrag auf Gewährung von Kriegseltern=Rente durch die Versorgungsämter abgelehnt wurde, können lt. Runderlaß des Arbeitsministers Stegerwald eine einmalige Weihnachtsbeihilfe beantragen. Dieselbe beträgt je nach der Ortsklasse für ein Elternpaar 90, 80, 70 Mk., für alleinstehende Personen 55, 50 und 40 Mk. Anträge auf Gewährung dieser Beihilfe sind im Rathause, Zimmer 2(Büroinspektor Rasche) oder direkt beim Versorgungsamt in Soest zu stellen. Die Unterstützungen sollen, soweit es sich ermöglichen läßt, noch vor Weihnachten zur Auszahlung gelangen. Der Geschäftsführer des Bundes christl. Arbeitsinvaliden Stadtv. Bczetti, Sedanstraße 27, ist auch gern bereit, für die Bundesmitglieder derartige schriftliche Anträge kostenlos anzufertigen und weiterzuleiten. Die Geschäftsstunden des Bundes werden jeden Wochentag(mit Ausnahme Montags) von 8 bis 10 und 2 bis 4Uhr abgewalten. Das Städt. Lyzeum veranstaltet seine diesjährige Weihnachtsfeier am Sonnabend, den 20. Dezember, nachmittags 5 Uhr im evgl. Gemeindehaus. Nach einleitenden Musikvorträgen wird ein hessisches Weihnachtsspiel aus dem 15. Jahrhundert in der Neubearbeitung von Dr. Korad Ameln aufgeführt. Es folgt„Christnachtwunder“, ein neues Chorwerk für Solostimmen, Erzähler . Ausschank von Branntwein und Kleinhandel mit Trinkbranntwein. Durch Verordnung vom 25. 11. 1930 hat der Preußische Minister des Innern verordnet, daß der Ausschank von Branntwein und der Kleinhandel mit Trinkbranntwein in den Stunden vor 9 Uhr vormittag verboten ist. Dieses Verbot gilt nicht für den Kleinhandel mit Trinkbranntwein in fest verschlossenen mit der Firma des Herstellers oder Händler versehenen Flaschen. MGV.„Sangeslust". Anfangs Dezember fand im Vereinslokal W. Emde eine Mitgliederversammlung statt. Mit Befriedigung wurde der Konzertbericht des Buß= und Bettages ausgenommen. Die Versammlung war sich darüber einig, auch weiterhin nur gute Konzerte zu geben und den guten Ruf des Vereins dadurch zu festigen. Auf die s. Zt. von Herrn Schulrat Dr. Schmeck vorgebrachten Gründe zwecks Vereinigung mehrerer Vereine eingehend, wurde dem Vorstand aufgegeben, mit dem am nächstliegenden Quartett=Verein Schwerte=Ost in Verhandlungen einzutreten mit dem Ziel eines Zusammenschlusses beider Vereine. Leider sind diese edlen Bestrebungen erfolglos verlaufen. Von Schwerte=Ost wollte man nicht auf seinen Dirigenten verzichten, weil man einen Wettstreit geplant habe und diesen auch durchführen wolle Diese Vereinigungsbestrebungen sind nun vorläufig auf einen toten Punkt angelangt. Hoffentlich aber ist in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen und es wäre bedauerlich, wenn derartig große Ziele von Nebensächlichkeiten verdrängt würden. Inzwischen hat der Dirigent Fred Peters seine heute für alles Kommende auf gesanglichem Gebiet weiterhin vorbereitet und ist es sehr interessant, einen Dirigenten der neuen Schule in seinen, von früher stark abweichenden Chorproben arbeiten zu sehen. Die Chorproben des Vereins finden nach wie vor jeden Freitag von 8 bis 10 Uhr im Lokal. Emde statt und sind stimmbegabte Herren herzlich willkommen. Das Preiskegeln im Restaurant„Zum Sportler“ um den Weihnachtsbraten hat am gestrigen Tage sein Ende gefunden. Unter dem Sportleiter N. Hammerschmitt=Brambauer nahm die Veranstaltung einen schönen und einwandfreien Verlauf. Nachstehend geben wir die Preisträger bekannt: 1. Preis Meyers=Unna(Reh und Hase); 2. Kümper=Schwerte(2 Gänse, 1 Ente, 1 Fasan und 1 Hase); 3. Reininghaus=Unna(1 Gans, 1 Ente, 1 Hase); 4. Langhoff=Aplerbeck(1 Gans und 1 Hase); 5. Henschel=Schwerte (1 Ente, 1 Hase); 6. W. Funke=Schwerte (1 Hase). Weitere Preise erhielten die Herren Kümper, Schwerte; Sievert, Garenfeld; Möller sen., Schwerte; Afflerbach, Schwerte; Henschel, Schwerte; Hemeyer, Schwerte. Weihnachtskonzert des M. G. B.„Sängerbund“ Anneliese Seuthe singt im„Freischütz“. Der M. G. V.„Sängerbund“ will auch in diesem Jahre seiner Tradition treu bleiben und sein übliches Weihnachtskonzert am 2. Weihnachtstag, nachmittags 4 Uhr im Freischützsaal veranstalten, das in seiner ganzen Aufmachung uns einmal etwas Besonderes bieten soll. Der Verein und sein rühriger Dirigent, Herr W. Tönsmann aus Hagen, ist uns bekannt, sodaß wir ohne Bedenken für eine gut gelingende Ausführung seines Vorhabens wohl bürgen können. Anneliese Seuthe die uns aus ihrem erst kürzlich veranstalteten Konzert als heimatliche Größe noch sehr in der Erinnerung ist, wird am 2. Weihnachtstag mitwirken und wiederum mit einem erstklassigen Programm sich zur Verfügung stellen. Auf besonderen Wunsch des M. G. V.„Sängerbund“ wird sie u. a. noch einmal mit dem Gebet der Toska von Puccini:„Nur der Schönheit“ auswarten und damit sich ganz bestimmt den Zuhörern ins Herz singen. Keiner sollte die Gelegenheit an sich vorübergehen lassen, für ein erschwingliches Eintrittsgeld(75 Pfg. einschl. Steuer) diesen Genuß mit zu erleben. Der Verein ist bemüht, das Konzert so zu gestalten, daß es in jeder Beziehung befriedigt. Der erste Teil wird dem Tage entsprechen. Er sieht vor: ein Weihnachtslied von Tönsmann (Dirigent des Vereins), eine Bearbeitung aus dem Jahre 1599„Es ist eine Ros' entsprungen“ mit Pianoforte=Begleitung,„Sanctus" von Schubert,„Vespergesang“ von Kämpf. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Schubertsche Chorwerk„Ruhe, schönstes Glück der Erde“. Der Komponist verrät uns schon die Schwierigkeit, aber auch die Schönheit dieses eigenartigen Chorwerkes. Am Schluß des Konzerts wird sich der Verein mit ansprechenden Volksliedern, teils ernsteren, teils heiteren Inhalts befassen. Herr Musikdirektor Haselhoff, als feinempfindender und tüchtiger Musiker bekannt, wird Frl. Anneliese Seuthe auf einem von der Dortmunder Firma Horath u. Söhne gestellten Ibach=Flügel begleiten. Nicht unerwähnt soll der mitwirkende Cellist Karl Auner aus Dortmund bleiben. Keine Mühen hat der Verein gescheut, dem musikliebenden Publikum eine echte Weihnachtsfreude zu bereiten, die sich keiner entgehen lassen sollte. Die Nachfrage im Kartenvorverkauf ist schon sehr rege. Da an der Kasse Preisaufschlag für eine Eintrittskarte genommen wird, empfiehlt es sich den Kartenvorverkauf auszunntzen. (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzl. Verantwortung.) Ueber die Wegeverhältnisse auf der Schwerterheide ist an dieser Stelle schon oft Klage geführt worden. Wie immer in den Monaten November und Dezember, so ist auch in diesem Jahr nicht ein Weg auf der Schwerterheide, der ohne lange Stiefel zu passieren wäre. Die Anwohner diefer Straßen sind kaum in der Lage, vor die Haustür zu treten, ohne befürchten zu müssen, bis an die Knöchel im Schlamm zu geraten. Mit guten Kleidern die Wege zu gehen, ist schier unmöglich, und wenn es aus unaufschiebbaren Gründen sein muß, so geschieht es bestimmt nicht ohne grobe Schimpfworte auf die hiesige Stadtverwaltung, denn es ist kein angenehmes Gefühl, sich mit total beschmutzten Schuhen und Kleidern zu einer Begräbnis=, Familienfeier, einem Konzert oder dergl. zu begeben. Beim Ausweichen eines Fuhrwerks bleibt nur der eine Weg, entweder geflügten Acker oder die voll Wasser stehenden Wiesen aufzusuchen, wobei man befürchten muß, mit den Besitzern der Grundstücke auch noch in Streit zu geraten, wenn es gerade unglücklicherweise ein besätes Stück ist. Vor einiger Zeit ist nun ein Stück der Heidestr. m. dicken Pflastersteinen belegt worden, was natürlich sehr zum Zerreißen der Schuhe beiträgt, aber nicht zur Beseitigung des ungeheuren Schlammes; an ein Befahren mit Fahrrädern usw. ist gar nicht zu denken. Kurz nachdem die AEG. vor zwei Jahren die Gasrohre durch die Bergstraße gelegt hatte, wurde diese zum größten Teil wieder hergestellt, während im oberen Teil im Walde ein Stück von etwa 150 Meter unverständlicherweise unbeachtet liegen gelassen wurde, durch dem man sich jetzt nur mit großer Mühe durcharbeiten kann. Auch der Osthellweg bildet schon seit Jahren ein steter Gegenstand des Aergernisses. Bezahlen die Bewohner der Schwerterheide nicht ebenso wie die Stadtbewohner ihre Steuern, die auf Bürgersteigen den Weg nach Hause finden. Was würden die Ausflügler, die im Sommer mit Vorliebe diese Wege zu ihren sonntäglichen Spaziergängen wählen, jetzt sagen, wenn sie täglich durch diesen Schlamm waten müßten. Ich glaube, daß es hier bald an der Zeit ist, Abhilfe zu schaffen, es ist ein gutes Recht der Bewohner der Schwerterheide, dieses von der Stadtverwaltung zu verlangen. Einer von den vielen. Soest. Westfälische Frauenhilfe. Im Schwesternheim der Westf. Frauenhilfe in Soest fand in Gegenwart der Provinzialvorsitzenden, der Gräfin von Plettenberg=Heeren, die Prüfung der 36 Teilnehmerinnen des ersten Winter=Helferinnenlehrganges statt nach vierwöchiger theoretischer Unterweisung. Geprüft wurde in Anatomie, Krankenpflege,„erste Hilse" bei Unglücksfällen, sozialer Gesetzgebung u. a. m. Am folgenden Tage reisten die Teilnehmerinnen zur achtwöchigen praktischen Ausbildung in 25 Krankenhäuser Westfalens und des Rheinlandes. Die Westf. Frauenhilfe betreibt diese Ausbildung von „Sanitäterinnen“ seit 1908 und hat bereits in den dreimonatigen Kursen rund 1400 ausgebildet. 450 freiwilligen Helferinnen in der Krankenpflege auf dem Lande konnte in diesem Jahre ein Verbandskasten von der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für erste Hilfeleistung übergeben werden. Der zweite Winterkursus beginnt am 6. Jannar. Weihnachtsfeier beim Eisenbahnfrauenverein * be ven 28 Gerember 1090 nachtslieder, so u= Schlaf wohl dee HimSchwerte, den 17. Bezember 1930. Als erster Verein mit, der in unserer Stadt seine Weihnachtsfeier veranstaltete, kann man wohl den hiesigen Eisenbahnfrauen=Verein nennen, der seine Mitglieder gestern nachmittag zu festlichen Stunden in den Saal„Im Reiche des Wassers“ eingeladen hatte. Welcher großen Zuneigung sich dieser Verein erfreut, bewies der schon vor Beginn der Veranstaltung überfüllte Saal, kein Plätzchen war mehr freigeblieben und für weitere Sitzgelegenheit mußte noch zesorgt werden. Des weiteren bewies diese Weihnachtsfeier auch, daß die Zahl der Mitglieder im Eisenbahnsrauen=Verein eine immer noch größere wird und daß das Zusammengehörigkeitsgefühl eine tiese Ausprägung erhalten hat. So wurde auch die gestrige Weihnachtsfeier für alle Teilnehmer— nicht zuletzt für die vielen das Weihnachtsfest sehnsüchtig erwartungsvollen Kinder— zu einem frohen erinnerungsstarken Ereignis und vieler Mühe und Liebe zur Sache hat es bedurst, um eine solch' schöne Feier, die gleichzeitig mit einer Altersehrung verbunden war, zustande zu bringen.Da sei vorweg gleich allen denen herzlichst gedankt, die hieran mehr oder minder Anteil gehabt haben. Auf langen Tischen hatte man in geschmackvoller Weise kleine mit Kerzen besteckte Adventsarinze arrangiert, die im späteren Verlauf der Feier einen anhimmelnden weihnachtlichen Lic talanz verbreiteten. Das Programm der W irnochtsseier? Es war vorzüglich! Nach einleitenden Musitstücken der vortrefflic en Hauskapelle Schulz hielt Frau Bahnhofsoberinspektor Kaulisch die Begrüßungsansprache. Ihr herzliches Willkommen galt vornelmlich den erschienenen über 60 Jahre alten Mitgliedern sowie der Frau Reichsbahnrat Rüter. Für die älteren Mitglieder fand sie l###liche Worte der Begrüßung und segensriche Wünsche. Dann sprach Frl. Höing in e' drucksvoller Weise einen Weihnachtsprolog. Frau Reichsbahnrat Rüter sang einige WeihRachtsrieder, s0 u. a.„Schla, wehl, dn Himimelsknabe du“. Ihr schöner Sopran kam hierbei zur besten Entfaltung und starker Beifall lohnte ihr großes Können. Die Sängerin wurde von Frl. Mertens am Klavier bestens begleitet. Zwei prächtige Nelkensträuße waren ein äußeres Zeichen der Dankbarkeit für diese Darbietungen. Das folgende von Kinddern der Mitglieder aufgeführte Weihnachtsspiel„Der Kinder Weihnachtstraum“ fand eine vorzügliche Wiedergabe. Szenerie, Handlung und Spiel ließen nichts zu wünschen übrig und der Schneesall auf der Bühne war täuschend echt. Wir nennen hier die Kinder Else Köppikus und Günther Mei, die ihre Rollen ganz vorzüglich vertraten. Aber auch alle anderen Mitwirkenden ließen keine Wünsche offen. Frl. Cron sagte ein schönes Weihnachtsgedicht auf und der Weihnachtsreigen der Mädchen war besonders wirkungsvoller Art. Es würde zu weit führen, auf alle Einzelheiten an dieser Stelle näher einzugehen. Auch das Schwerter Soloquartett hatte sich in den Dienst der gute Sache gestellt und erfreute durch einige Lieder in bewährter Wiedergabe. Im Glanze der Adventskerzen wurden Weihnachtslieder gesungen u. Frau Löschter dankte im Namen ihrer älteren Mitschwestern für die zuteil gewordene Ehrung. Bei Kaffee und Kuchen verlebten alle Mitglieder weihnachtliche Stunden. Das Theaterstück„Die Schwester“ löste ebenfalls starken Beifall aus, zumal auch die Mitwirkenden Frl. Höing, Frl. Katthagen, Frl. Busse, Frau Hilker und Frau Niewels sich ihrer Bühnenaufgaben bestens entledigten. Erwähnt sei noch Frl. Lategahn, deren Weihnachtsgedicht im Inhalt und Vortrag gut gefallen konnte. Alle Darbietungen fanden ein dankbares Publikum und lebhaften Applaus. Es war eine schöne Weihnachtsfeier, die der EisenbahnFrauen=Verein gestern veranstaltete und alle, die sie miterlebt haben, werden sich ihrer noch lange und dankbar erinnern. L=x. 9 Vontschitartonns Tenlent.n k e... Jtur! Schwerte(Ruhr) und Umgegend Von der deutschnationalen Volkspartei, Ortsgruppe Schwerte, wird uns u. a. geschrieben: Die deutschnationale Volkspartei hielt am vergangenen Sonntag unter Leitung des Vorsitzenden, Herrn Oberschullehrer Krey, eine gut besuchte Versammlung ab. Galt es doch, den Redner, der vor kurzem zu der deutschnationalen Wählerschaft hier gesprochen hat, Herrn Regierungsrat Di. Kruft über seine wirtschaftlichen Erfahrungen und Kenntnisse noch einmal zu hören. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung und hieß die zahlreich Erschieneneu herzlich willkommen und begrüßte besonders Herrn Regierungsrat Dr. Kruft. Dr. Kruft nahm jetzt Stellung zu seinem Vortrage:„Deutschnationale Opposition und wirtschaftliche Befreiung“ Er führte etwa folgendes aus: Ein neues Deutschland ist im Werden. Volksbegehr und Volksentscheid haben dazu beigetragen. Damals sahen wir, daß die Parteien beweglicher wurden. Einheitlicher Wille der Nationalsozialisten und Deutschnationalen haben vieles dazu beigetragen. Mit ca. 150 nationalen Abgeordneten sind wir in den Reichstag eingezogen. Das 3. Reich kann man erkämpfen mit nationaler Macht. Das Zentrum regiert nur deshalb, weil die Wirtschaftspartei, die Landvolkpartei, nicht die Verantwortung übernehmen wollen. Die Wirtschaftspartei hat sich schon von der Mitte gelöst. Der nationale Wille hat schon Gestalt angenommen. Im Jahre 1925 hatte der nationale Block schon 148 Abgeordnete. Die Nationalsozialisten werden geführt von einem sauberen Führer, die Deutschnationalen sind gereinigt von Postenjägern. Die Volkspartei ist mit dem nationalen Block nicht einverstanden, sie bekämpft Hitler und Hugenberg. Die N. S. D. A. P. ist eine Massenbewegung, ohne eine Massenbewegung kann man nicht auskommen. Die Linksparteien kann man mit den eigenen Mitteln schlagen. Hitlers Beredsamkeit hat den Grund geschaffen für den Zustrom. Die Schlagworte: Deutschland erwache“ rufen Millionen mit Hitler. Ohne Deutschnationale können die Nationalsozialisten im Reichstag nichts anfängen. Hugenberg ist der Staatsmann. Der Zug der Zeit geht immer mehr nach rechts. Severing und Grzesinsky werden den Kurs nach links nicht mehr zurückwerfen. Das Problem der wirtschaftlichen Befreiung steht im Vordergrund. Die Arbeitslosigkeit bewirkt Zusammenballung von Minderwertigkeitsgefühl, das bedenklichste Zeichen der Zeit. Die Ursache der Arbeitslosigkeit muß erforscht werden, die Schlüsse sind zu ziehen und die Beseitigung muß einsetzen. Die Befreiungsbewegung sieht in den Tributlasten die Schädlinge. Die Weltkrise, die besteht, ist nicht allumfassend. In Frankreich ist keine Arbeitslosigkeit. In England ist die größte Arbeitslosigkeit; sie besteht schon seit 1920, ist aber nicht gestiegen. Die Weltkrise löst sich auf in Teilkrisen. Die Ursachen sind die Kapitalwanderungen. Amerika ist reich dadurch geworden. Ist es wahr, daß unser Elend ein Teil des Weltelends ist? Diese Frage ist zu verneinen. Der Preis der Rohstoffe ist gesunken, z. B. bei Gummi um 86 Prozent. Es liegt an der Verödung des Binnenmarktes. Wie kommt die Zerstörung des Binnenmarktes? Auf der Vernichtung der Landwirtschaft beruht die Exportwirtschaft. Die Kapital=Zerstörung ist auch durch die Prachtbauten der Ortskrankenkassen, z. B. auch des Rathauses in Bochum erfolgt, das Törichtste ist die Kapitalflucht, ein Verbrechen am Volke. Zu den schlimmsten Zerstörern gehören die Tribute. Die Ausgabenseite ist seit von Schlieben bis jetzt von 6 Milliarden auf 12 Milliarden RMk. gestiegen. Die Tribute müssen in ein Verhältnis gesetzt werden zu der Kapitalbildung. Kapital ist in unerhörtem Maße zerstört worden. 12 Milliarden Reparationen haben wir bis jetzt gezahlt. Das Geld dazu de haben wir uns gepumpt. Die Scheinblüte der Industrie baut sich auf der Vernichtung der Landwirtschaft auf. Es ist erschreckend, wie die Voraussagen Dr. Banas und Hugenbergs eingetreten sind. Wort für Wort ist Wahrheit geworden. Der Binnenmarkt bleibt verödet. Wir sind das Land der Syndikate und der Kartelle und das Land der Gewerkschaften. Im Ausland hatte man seinerzeit versprochen, daß der einzelne Deutsche nicht mehr an Steuern zahlen solle, wie der Ausländer. Aber wir stürzen unser Volk ins Elend. Curtius mit Anhang wollen heute nichts mehr davon wissen, daß der Younplan uns weiter verelendet, wenn man sie an ihre früheren lobenden Worte über diesen Plan erinnert. Das Moratorium schadet uns mehr, als es uns nutzt. Wenn wir die Revision fordern, wird man uns auf die feierliche Erklärung, die wir übernommen haben, hinweisen. Amerika wird auf seine Forderungen nicht verzichten. Tardieu erklärt:„Revision ist der Krieg". Die Deutschnationalen müssen die Revision aufnehmen und zwar gegen das Versailler Diktat. Nach dem Youngplan zahlen wir jetzt schon mehr, als nach dem Dawesplan. Gegen den Younaplan können wir uns nur wenden auf dem wirtschaftlichen Gebiete, durch die Abwälzung der Tributlasten auf die Feinde und zwar durch Erbebung der Zölle an der Grenze. Hugenberg fordert die Senkung der Gütertarife. Mit der politischen Schusterei muß ein Ende gemacht werden. Hugenberg sagte kürzlich in Bielefeld: „Handelspolitik tut uns not.“ Die Handelspolitik ist nicht national gestaltet worden. Hat der Bauer Geld, haben alle Geld. Silverberg will das Gleichgewicht wieder hergestellt wissen zwischen Agrariern und Industrie. West und Ost gehören zusammen. Nationale Handelspolitik muß gefordert werden. Wir kaufen noch viele ausländische Ware, die wir genau so gut und billig herstellen können. 2 Millionen Menschen können Brot hierdurch finden. Es muß gefordert werden:„Kauft deutsche Ware", und nur hierdurch kann dem Arbeiter geholfen werden. Moussolini ist hierin vorbildlich. Er nennt diejenigen Landesverräter, die ausländische Waren kaufen. Wir müssen uns zur Pflicht machen, nur deutsche Waren zu kaufen. Die Einführung der Arbeitsdienstpflicht muß durchgeführt werden. Wir haben bereits Erfahrungen aus der Vorkriegszeit gesammelt, z. B. bei der Marine. Die wichtigste Aufgabe ist die Einstellung von Siedlerstellen. Die Roggenfrage ist dann mit einem Male gelöst. Es soll ein Ehrendienst der deutschen Jungens sein, eine Schule zur Arbeitsgemeinschaft gegen die Zerstörung der deutschen Jugend. Den Versuch soll man machen, vielleicht zuerst mit 50000 Mann. Es gibt also zwei Wege. Der ernste Wille zur Freiheit und die Arbeitslosen, die verzagen wollen, sollen bedenken, es ist Advent. Hiermit schloß Regierungsrat Dr. Kruft seine oft mit Beifall unterbrochenen Ausführungen. Die Versammlungsteilnehmer dankten dem Vortragenden durch eine gute Aufmerksamkeit. Aus der Mitte der Versammlung wurden noch einige wirtschaftliche Fragen angeschnitten, die von Dr. Kruft sofort gelöst wurden. Mit Dankesworten konnte der Vorsitzende die ruhig verlaufene Versammlung schließen. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen 1 Westhofen. Aus dem Polizeibericht. In der Zeit von 1. bis 15. Dezember gelangten bei der Polizeibehörde folgende Straftaten zur Anzeige: 6 Einbruchsdiebstähle, 2 Diebstähle ohne erschwerte Umstände, 3 Forstdiebstähle, 2 Fälle von Unterschlagung und Betrug, 1 Sittlichkeitsverbrechen, 1 gefährliche Körperverletzung, 1 Fall von Widerstand gegen die Staatsgewalt, 1 Bedrohung mit der Begehung eines Verbrechens, 1 Fall von Mitführens eines Schlagrings, 1 Sachbeschädigung, 1 Wandergewerbevergehen. Polizeilich bestraft wurden: 4 Personen wegen Verstoßes gegen Verkehrsvorschriften, 3 Personen wegen Ausführung von Bauarbeiten ohne Baugenehmigung, 1 Person wegen Polizeistundenüberschreitung. Gesucht werden die Eigentümer der Herrenfahrräder Marke Veeco Nr. 54018 und Marke Zenith Nr. 56347. In industriellen und landwirtschaftlichen Betrieben ereigneten sich 7 Unfälle, bei denen ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. 1 Westhofen. Die Zustellung der Steuerkarten für die lohnsteuerpflichtigen Personen für 1931 hat im hiesigen Amtsbezirk begonnen. Jeder Lohn= und Gehaltsempfänger wolle seine Steuerkarte prüfen und etwaige Unstimmigkeiten durch das Steuerbüro berichtigen lassen. Da die Ausfertigung der Steuerkarten nach dem Stande vom 10. Oktober erfolgt ist, müssen Kinder, die nach diesem Tage geboren sind, auf Antrag durch das Steuerbüro nachgetragen werden. Ferner können auf dem Steuerbüro Anträge auf Zulassung mittelloser Angehöriger, Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages bei Kriegsbeschädigten und Unfallverletzten, Erhöhung der Werbungskosten und des Satzes zur Abgeltung der Sonderleistungen gestellt werden. Steuerpflichtige Arbeitnehmer, die bis zum 30. Dezember keine Steuerkarte erhalten haben, wollen sich auf dem Steuerbüro — Zimmer 10 im Amtshause— und in der Gemeinde Holzen auf der dortigen Gemeindebüro melden. Die Ausstellung von Duplikaten für verlorene Steuerkarten ist gebührenpflichtig, weshalb sich eine sorgfältige Aufbewahrung empfiehlt.— Arbeitgeber, welche die einbehaltene Lohnsteuer nicht in bar abführen, können die Steuermarkenblätter auf dem hiesigen Steuerbüro in Empfang nehmen. ! Westhofen. Starke Zunahme des Kleinvieh= und Schweinebestandes im Amte Westhofen. Die am 1. Dezember stattgefundene Viehzählung hatte im Bezirke des Amtes Westhofen nachstehendes Gesamtergebnis: 459(475) Pferde, 1295(1227) Rindvieh, 201(188) Schafe, 2021(1583) Schweine, 774(731) Ziegen, 1189(660) Kaninchen, 18300(15999) Federvieh, 253(145) Bienenstöcke. Die eingeklammerten Zahlen sind die Ergebnisse der vorjährigen Zählung. 1 Villigst. Zur Sitzung der Gemeindevertretung, die auf Freitag, den 19. Dezember, abends 7 Uhr, in der Wirtschaft Siepmann an der Ruhrbrücke anberaumt ist, liegt folgende Tagesordnung vor: Deckung der Nachtragsumlage des Kreises Iserlohn und der erhöhten Gemeindeausgaben, Antrag der Freiwilligen Feuerwehr betr. Wohlfahrts= und Sterbekasse, Benennung verschiedener Straßen, Ausbesserung des Weges zwischen den Besitzungen Melchheier und Brune, Instandsetzungen an den Gemeinde=Neubauten. Anschließend findet eine geheime Sitzung statt. Amt Ergste t. Bürenbruch. Seinen 81. Geburtstag konnte im Familienkreise vor wenigen Tagen der allseits beliebte und geachtete Herr Wilhelm Pawlofsky in Bürenbruch begehen. Auch wir schließen uns den zahlreichen Glückwünschen, die dem greisen Geburtstagskinde zugingen, noch nachträglich gern an und verbinden damit die Hoffnung, daß es Herrn Pawlofsky vergönnt sein möge, sich noch eines recht langen und sonnigen Lebensabends erfreuen zu können. m. Ergste. Gemeinderatssitzungen. Zwecks nochmaliger Beschlußfassung über die Aufbringung der Nachtrags=Kreisumlage und zur Deckung des eigenen Fehlbetrages findet am Donnerstag, den 18. ds. Mts., nachmittags 4,15 Uhr, im Gasthof Wilhelm Albrecht eine erneute Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung statt. Zu dem Bericht der letzten Gemeinderatssitzung muß übrigens berichtigend vermerkt werden, daß der Gemeindevorsteher sich der Stimme enthalten hat.— Mit der gleichen Tagesordnung finden am Freitag, den 19. ds. Mts., 5 Uhr, in Ergste und um 6 Uhr in Berchum ebenfalls Gemeinderatssitzungen statt. t. Ergste. Schöne Ausstellungserfolge erzielte auf der am letzten Sonntag in Schwerte stattgefundenen 5. großen Brieftaubenschau der Reisevereinigung Schwerte und Umgegd. der Briestaubenverein„Vereinte Freunde“ Bürenbruch. Von 14 ausgestellten Brieftauben des genannten Vereins konnten bei der Prämiierung 5 Tauben trotz großer Konkurrenz als Sieger hervorgehen. Nachstehende Mitglieder wurden mit einem Ehrenpreis bedacht: Wilh. Althoff 1. Preis für Vögel 1930er Flieger, Gebr. Tönnis 4. Preis für Vögel 1930er Sieger, Thomas=Opfermann 6. Preis für Vögel 1930er Sieger, Wilh. Linneweber 4. Preis für Täubinnen 1930er Flieger, Gebr. Lueg 6. Preis für Täubinnen 1930er Flieger. Dem Verein und seinen Siegern auch fernerhin ein kräftiges„Gut Flug“ m. Ergste. Der Männergesangverein„Sängerbund“ Ergste beschloß in seiner letzten Monatsversammlung, die geplante Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung am Sonntag, den 28. ds. Mts., nachm. 5 Uhr, im Gasthof Schneider abzuhalten. Ferner wurde beschlossen, die Jahreshauptversammlung auf Samstag, den 17. Januar 1931, abends 8 Uhr, im Vereinslokal abzuhalten.— Die Jahreshauptversammlung der Allgemeinen Sterbekasse Ergste findet am Neujahrstage nachmittags 5 Uhr, in der Wirtschaft Brinkmann in Ergste statt. In dieser wird der Geschäftsund Kassenbericht bekannt gegeben und die Vorstandswahl vorgenommen werden. Aus diesem Grunde ist das Erscheinen aller Mitglieder dringend erwünscht. m. Ergste. Diebstahl. Von der Badeanstalt der Gemeinde Ergste an der sogenannten Kieshart an der Ruhr wurde der in diesem Sommer neu angelegte Laufsteg durch Entfernung der Bretter gewaltsam demoliert. Es ist nicht zu glauben, daß es immer noch Leute gibt, die für derartige gemeinnützige Einrichtungen kein Verständnis haben. Ob es sich nur um eine Demolierung, oder ob es sich um einen Diebstahl handelt, ist noch nicht geklärt. Turnen, Spiel, Sport Handbal! Reichsbahn=Turn= und Sportverein Schwerte. Reichsbahn Tus 1.— DJK. Oerentrop 1. 3:0(1:0). Die Reichsbahner hatten die Deutsche Jugendkraft von Oeventrop nach hier verpflichtet. Konnten die Schwerter das erste Spiel 7:1 gewinnen, so mußten sie sich auf eigenem Platz mit 3:0 begnügen. Leider war der Platz in sehr schlechter Verfassung und beide Mannschaften wurden hierdurch stark gehemmt. Für den ausgebliebenen Schiedsrichter mußte ein Mitglied vom hiesigen Verein einspringen. Nach der Wahl haben die Gäste Anwurf und legen gleich ein scharfes Tempo vor, scheinbar wollten sie den Schwerter Ersatztorwart überraschen. Doch dieser sowohl die Verteidigung ließen die Gäste zu keinem Erfolg kommen. Aeußerst interessant und slott wurde das Spiel durchgeführt. Beide Tore wurden stark bedrängt, doch die Torleute hielten die unglaublichsten Sachen. Beide Mannschaften sind sich gleichwertig und fast scheint es so, als wenn es mit einem Unentschieden in die Pause gehen sollte, bis zwei Minuten vor Halbzeit Schwerte zum ersten Erfolg kam. Nach der Pause drängen die Hiesigen mächtig auf des Gegners Tor, doch erst in der 16. Minute war ihnen ein weiterer Erfolg beschieden. Die Gäste wehren sich tapfer, doch konnten sie es nicht verhindern, daß die Reichsbahner turz vor Schluß das dritte Tor werfen konnten. Am kommenden Sonntag warten die Reichsbahner wieder mit sehr interessanten Spielen auf. Und zwar sind die Verhandlungen mit Sp. Sp. V.„Schwarz=Gelb“ Unna noch nicht ganz abgeschlossen. Allgemeiner Deutscher Türnerbund Der R'einisch=Westfälische Verband tagte abermals. Das„Jahnhaus“ bleibt unser, mit diesem Bewußtsein schieden die fast 200 Vertreter, die sich am Sonntag zur Fortsetzung des vor vier Wochen abgebrochenen Turntages im„Jahnhaus“ eingefunden hatten, von dieser Stätte. Allerdings waren sie sich bewußt gewesen, daß zur Erhaltung es eines größeren Notopfers bedurste. Ein solches wurde einstimmig mit 10 Pfg. pro Monat und Mitglied über 14 Jahre für 1931 genehmigt.— Dafür kommt die im Februar ausgeschriebene Jahnhauslotterie in Fortfall.— Im Hauptvorstand war dann noch eine Ergänzungswahl vorzunehmen und zwar in der Person des Kassenwarts. JacobSolingen=Wald wurde mit der Führung der Geschäfte beauftragt.— Gewählt wurden des weiteren die Vertreter zum nächstjährigen in Stuttgart stattfindenden Bundesturntag. Führer dieser Delegierten ist der Verbandsvorsitzende Klein=Remscheid.— Der nächste ordentliche Turntag findet Ende 1931 im„Jahnhaus“ statt. Die Bundeswaldlaufmeisterschaft — die mit der Meisterschaft des Verbandes verbunden wird— und die Verbandsmeisterschaften im Geräteturnen, Leicht= und Schwerathletik können noch seitens der Vereine mit Beschlag belegt werden.(Wie wäre es mit Iserlohn, daß im Frühjahr 1928 die letzte Bundes= und Verbandsveranstaltung hatte?) horen wir im Rundfunt! Donnerstag, den 18. Dezember 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,45: Was will ich werden? 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,50: Kinderstunde. 16,20: Der westfälische Kulturkreis. 16,45: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft 17,15: Vesperkonzert. 18,15: Das wunde Europa. 18,40: Moderne Verkehrsfragen. 19,25: Menschen im Beruf. 19.45: Abendmusik. 20,30: Erste Abendmeldungen. 20,40: 1000 Dollar. Bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Auflösung des Bilderrätsels aus gestriger Rummer Dem Kräftigen gehört die Welt. Roman von Erika Riedberg Tote Augen Copyricht by Martin Feuchtwanger. Halle(Snale) 16. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Donnersfels, der Herr eigener Gerichtsbarkeit auf seinem Besitz, wünschte die Aussage vor Benachrichtigung der Staatsanwaltschaft entgegenzunehmen. Liberty blickte in unbeschreiblicher Angst von einem zum anderen. Er hielt den ihm unbekannten Nikolai für eine Gerichtsperson und fürchtete sich entsetzlich. Antworten und erzählen Sie wahrheitsgetreu und freimütig, es wird Ihnen nichts geschehen“, sagte Donnerssels beruhigend. Der Kranke zitterte. „Oh. Durchlaucht, ich habe solche Angst— vor— ihm.“ „Wovor? Vor wem?“ „Vor— vor ihm— dem— Senteck.“ Der Fürst wechselte einen Blick mit Nikolai. Sollte sich ihr Vorurteil bestätigen? „Weshalb Angst vor dem Baumeister?“ „Der— der hat mich in die Totenkammer gesperrt. Hinterrücks hineingestoßen hat er mich, nachdem er mich hergelockt hatte— wir wollten zu Schoffkow gehen...“ „Er wollte Sie also aus dem Wege schaffen?“ „Ja, ja! Ermorden wollte er mich... Bei diesen Worten wandte sich der Fürst an den Rentamtmann. „Ich möchte zunächst die Sache selbst untersuchen. Legen Sie, Herr Amtmann, inzwischen die Aussagen des Mannes schriftlich fest.“ „Zu Befehl, Durchlaucht." Der Beamte breitete einige Bogen Papier vor sich aus. Der Fürst fuhr fort zu fragen. „Warum wollte er Sie ermorden?“ Liberty richtete sich auf. Glühender Haß sunkelte aus seinen Augen. „Weil ich alle seine Verbrechen kenne.“ „Aha! Und welcher Art sind diese Verbrechen?" Liberty packte wieder die Angst. „Durchlaucht müssen mich aber schützen vor ihm, wenn ich das erzähle.. „Es wird Ihnen nichts geschehen", wiederholte der Fürst.„Sprechen Sie.“ Der Arzt reichte dem Kranken ein Stärkungsmittel, und Liberty stieß, zitternd vor Wut und Rachgier, hervor: „Der Senteck ist ein Schwindler und Verbrecher. Er hat die Zeichnungen zum Kastell gar nicht gemacht— er hat sie gestohlen.“ „Wem?“ „Einem Friedrich Wieland, der den Preis erhalten hatte für seine Zeichnungen.“ „Wie kam er in den Besitz der Papiere?“ „Herr Wieland wollte hierher abreisen, da hat Senteck ihn in Kattowitz eine Kellertreppe hinuntergestoßen und seine Mappe gestohlen...“ „Weiter.“ Liberty schluckte und sprach schaudernd: „Herr Wieland lag bewußtlos im Keller, da haben ihm Senteck und noch einer, ein Maler war's— ich glaube Urban heißt er—, die Papiere von einem russischen Flüchtling in die Tasche gesteckt— und— und dann haben wir ihn an die Grenze gefahren.“ „Und dann?“ „Dann hat ihn die Grenzwache gefunden— und— weiter weiß ich nichts von ihm!“ Der Fürst atmete tief auf. Den Urheber solcher Scheußlichkeiten hatte er lange Zeit in nächster Nähe gehabt! Und weitere Verbrechen hatten sich unter seinen Augen abgespielt! Ronikow ging erregt im Zimmer hin und her. Russische Grenzwache! Papiere eines russischen Flüchtlings in der Tasche! Oh, Nikolai Ronikow, der Nefse des Polizeipräfekten in Moskau, konnte das Schicksal des Unglücklichen voraussagen. Donnersfels fragte weiter: „Sie haben also Beihilfe geleistet? Haben sich mitschuldig gemacht?“ „Ich habe ihn mit zur Grenze gebracht— weiter nichts.“ „Weiter nichts?— Und dann sind Sie Ihrem Komplicen hierher gefolgt?“ „Ja, ich wollte doch auch einen Vorteil davon haben.“ „Und der Maler, von dem Sie sprachen?“ „Weiß nichts davon. Ich ging aus Kattowitz fort.“ „Sie haben also hier die ganze Zeit von Erpressungen gelebt? Senteck mußte für Ihr Schweigen zahlen?“ „Ja!“ „Wie können Sie die Sache mit den Zeichnungen, überhaupt die ganze Erzählung beweisen?“ Ueber Libertys Gesicht ging eine teuflische Freude. „Ich kann's beweisen. In meiner Herberge im Stroh — da liegt eine kleine Ledertasche, mit einem schwarz gebundenen Heft, darin sind die ersten Zeichnungen vom Kastell. Es steht auch eine Widmung darin: Friedrich Wieland seiner geliebten Wera Hagen.— Am Abend der Abreise nach Schloß Donnersfels geschenkt!— Ein Datum steht auch dabei. Es war derselbe Abend, an dem Senteck den Wieland die Treppe hinunterstieß. Der Brief ist an den Maler Urban in Kattowitz. Die Mappe mit den richtigen Plänen hat Senteck dem Herrn Wieland schon im Keller gestohlen. Ich habe sie hier noch oftmals in seiner Wohnung gesehen.“ „Lieber Vetter, sei so gut, spiele indessen den Protokollführer. Ich will zunächst keine weiteren Zuhörer.“ „Herr Rentamtmann, ich bitte, Buch und Brief herbeizuschaffen.“ Der Beamte ging, nachdem Liberty seinen elenden Unterstand bei dem Wirt Schoffkow ihm angegeben hatte Indes fragte der Fürst weiter: „Wer ist diese Wera Hagen? Wie kamen Sie in den Besitz des Heftes?“ „Das will ich auch erzählen, denn das ist wieder eine schreckliche Schlechtigkeit vom Senteck.“ „Berichten Sie! Aber wahrheitsgetreu, sonst...“ „Oh, Durchlaucht, alles ist die Wahrheit, was ich sage.“ „Gut! Weiter!“ „Erst noch'n Glas Wein—.denn dies— dies ist ganz gräßlich. Mir wird noch schlecht, wenn ich daran denke.“ Er trank gierig und fuhr fort, fast geschmeichelt von der Spannung seiner Zuhörer, zugleich getrieben von Wut und Rache: „Wir hatten beim Schofskow gezecht. Ich wollte Geld von Senteck haben, denn die Anuschka Er verstummte erschrocken. Das war dumm, die Anuschka durfte er nicht mit angeben. Verdammt! Nun mußte er auch das sagen. „Wer ist Anuschka?“ fragte schon der Fürst. „Ihrer Durchlaucht Kammermädchen.“ Es klang sehr kleinlaut. „So! Für die erpreßten Sie Geld vom Baumeister?“ „Ja, sie wollte gern eine Goldkette haben...“ Donnersfels wandte sich zu seinem Vetter. „So ist also diese Schmutzwelle von Verbrechen und Scheußlichkeiten bis an mein Haus geflossen.“ Ronikow legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Das fließt an euch vorbei. Laß ihn erzählen; mir ahnt, das Wichtigste als Beweis kommt noch.“ „Fahren Sie fort“ herrschte Donnersfels den etwas verschüchterten Liberty an. „Ja, wir saßen beim Schoffkow und hatten uns gestritten und wollten schon fortgehen. Senteck stand am Fenster, ich hinter ihm. Und da sahen wir, wie eine Frau ganz langsam und taumelnd am Zaun entlang ging, und mit einem Male brach sie gerade vor der Pforte zusammen. Der Senteck erschrak dabei so mächtig, daß ich gleich was witterte. Er lief hinaus— ich auch. Er starrte die Frau an, wurde leichenblaß, fluchte ganz lästerlich und schrie mich an: Fass’ an!— Wir haben die Frau in seine Wohnung getragen. Sie war immer bewußtlos. Ihren kleinen Handkoffer. hat er in seinen Schrank geschlossen. Dann hat er ihr ein Getränk eingeflößt. Ich habe geschrien: Du sollst sie nicht vergiften. Da hat er gelacht: Du Narr, ich vergifte sie nicht!— Dann habe ich ein Auto aus der Garage geholt, und wir haben sie hineingetragen. Senteck hat gefahren, ich saß mit der Frau im Wagen... Es war fürchterlich Zuerst war sie wie tot, und ihr Körper fiel immer hin und her, wie eine Leiche. Ich mußte sie aufrichten und mochte sie gar nicht anfassen. Dann hat sie mit einem Male angefangen zu schreien und mit Händen und Füßen zu schlagen. Ganz irre war sie und war nicht zu halten. Ich habe den Senteck angeschrien, er solle halten, ich würde selbst verrückt bei der Verrückten. Er hat nicht gehört; ich war schon halb wahnsinnig, da endlich hielt der Senteck die Fahrt an.“ „Wo hielt der Wagen?“ „Vor einer Irrenanstalt.“ Donnerssels und Nikolai sahen sich erschrocken an „Der Mensch ist ja der leibhaftige Teufel.“ „Rostowo ist die nächste Anstalt.— War es Rostowo?“ „Ja. es war die Irrenanstalt in Rostowo“, sagte Liberty bestimmt.„Ich habe die große Tafel am Eingang gelesen.“ „Dort wurde die Frau eingeliefert?“ „Ja. Senteck sprach mit einem Arzt; dann trugen zwei Wärter die Frau hinein.“ Der Rentamtmann kam zurück. Er legte ein dünnes schwarzgebundenes Heft vor dem Fürsten nieder Donnersfels schlug es auf. Nikolai blickte mit ihm hinein. Die Originalpläne— die Widmung— das Datum Liberty hatte die Wahrheit gesprochen. Der Beweis eines abscheulichen Verrats, eines grausigen Verbrechens lag vor ihnen. „Schrecklich! Schrecklich!“ „Dieses dritte und letzte Verbrechen bricht ihm den Hals.“ „Hängen muß er“, rief Liberty dazwischen. „Es wird kein Schuldiger der Strafe entgehen! Jetzt bekennen Sie weiter: Wie kamen Sie zu diesem Heft?“ Liberty überwand eine Verlegenheit. „Die Frau hatte eine Tasche um die Schultern hängen Senteck bemerkte die nicht, darin steckte das Heft.“ „Sie stahlen also der Frau die Tasche?“ „Ich nahm sie an mich, ja! Und, Durchlaucht, es ist doch gut, daß ich es tat. Dies ist doch der beste Beweis daß ich die Wahrheit üiber Senteck sage. Ich wünsche bloß. er würde gehenkt oder käme auch nach Sibirten; da wird der arme Herr Wieland wohl sein.“ „Sie wissen bestimmt, daß Wieland noch lebte, als Sie ihn fortschafften?“ „Ex war bewußtlos, aber er war noch warm. Das habe ich gefühlt; wir mußten ihn eine ganze Strecke tragen ehe wir an die Grenze kamen.“ „Wissen Sie, auf welchen Namen die Papiere lauteten die Senteck dem Ueberfallenen in die Tasche steckte?" „Die hat ihm der andere, der Maler, hineingesteckt Der hatte sie von einem Menschen, mit dem er oftmals in der Kellerkneipe zusammensaß.“ „Kannten Sie den?“ „Ja, aber ich wußte nicht, wie er hieß. Er hatte was auf dem Kerbholz. Solche Leute läßt man in Ruhe.“ „So wissen Sie den Namen nicht?“ Liberty sann nach. „Doch“, sagte er schließlich.„Ich habe gehört, wie Senteck danach fragte.“ „Nun also?“ „Wladjimir Uwanow! Und dann sagte der Maler noch etwas, das konnte ich nicht verstehen; aber Senteck lachte und antwortete:„Das genügt!“— Liberty war sichtlich erschöpft. Der Arzt hielt eine Pause im Verhör für geboten. Der Fürst willigte ein. „Das Wichtigste hat er gestanden. Herr Amtmann, benachrichtigen Sie nun Polizei und Staatsanwaltschaft Leider hat der Kerl, der Senteck, einen bedeutenden Vorsprung. Ronikow sann nach. „Ich bin überzeugt, der Kerl hält sich hier in der Nähe auf“, sagte er.„Es wäre doch zu unsinnig von ihm und mit seiner teuflischen Schlauheit nicht zu vereinen, wenn er die vermutliche Leiche im Verlies gelassen und sich einfach davongemacht hätte. Er wird den Schauplatz seiner Tai meiden, bis er sein Opfer tot glaubt, wird sich zurückschleichen, um die Leiche zu verbergen, vielleicht vom Felsen stürzen, den Unfall eines Trunkenen vorzutäuschen, oder in den Wallgraben werfen.— Das alles mußte fix und fertig sein vor deiner Rückkehr. Daß du früher zurückkamst, hat seinen hübschen Plan vereitelt.“ „Und ihn in die Hand der Gerechtigkeit gegeben.“ „Ja, er wird die Dunkelheit abwarten. Es müssen Posten vor den Eingang des Westturms sowie vor seine Wohnung beordert werden. Außerdem muß strengstes Stillschweigen unter Arbeitern und Bevölkerung herrschen. Den Polizeichef wollen Sie, Herr Amtmann, bei seiner Ankunft sogleich auf das Schloß verweisen.“ Langsam schritten der Fürst und Ronikow den Schloßberg hinan. Der Fürst sagte aus tiefem Nachdenken heraus: „Ob die Verhaftung des Senteck gelingt oder nicht, das Nächstliegende ist: Es müssen sofort energische Nachforschungen nach dem Verbleib des unglücklichen Wieland unternommen werden, an Hand der Aussagen des Liberiy. Lebt Wieland noch, so wird er verschickt sein.“ „Unzweifelhaft!" bestätigte Ronikow. Donnersfels blickte ihn an. „Und da ist unser Zusammentreffen eine seltsame Fügung, nicht wahr? Erstens kürzte ich dadurch meine Reise ab; zweitens wirst du durch deinen Oheim. den Polizeipräfekten von Moskau, die Nachforschungen nach dem Wieland ungemein beschleunigen können— falls du, wie ich annehme, bei ihm persönlich in der Sache vorstellig wirst.“ „Geschieht, lieber Kasimir. Selbstverständlich! Ist der arme Kerl noch am Leben, so werden wir ihn selbst in Sibirien aufstöbern.“ „Der amtliche Bericht meiner Polizei wird sofort nach Moskau weitergehen. Ueber weitere Nachforschungen, auch in Kattowitz, die Verfolgung und hoffentlich die Ergreifung des Senteck, werden Resultate an zuständiger Stelle eingesandt. Ferner wird der Polizeichef Nachfragen betreffs der unglücklichen Wera Hagen in der Rostower Anstalt veranlassen. Irrsinnig war die Aermste sicher nicht.“ „Bewahre, der Kerl hat thr ein berauschendes Getränk gegeben; dadurch entstand Irrereden.“ „Die Spur muß in Kattowitz ausgenommen, von dort verfolgt werden. Der Liberty kann gerade dort wertvolle Dienste leisten. „Namentlich da Nachgier ihn scharf macht wie den besten Polizeispitzel.“ Sie hatten das Schloß erreicht. „Wir wollen zunächst Alexandra beruhigen. Berichten müssen wir ihr; aber mit dem vollen Umfang der Verbrechen können wir sie verschonen. Die Fürstin lag matt auf einem Ruhebett. Schreckliche Vorstellungen quälten sie. Der Anblick der Leiche in dem Steingrabe peinigte ihre Nerven. „Mein Gott, mein Gott! Solch ein Schurke hat in unserer Nähe gelebt! Lieber Nikolal, so gern ich dich lange hierbehalten möchte, jetzt bitte ich dich: Erledige schleunigst deine Angelegenheiten und suche durch den Oheim das unglückliche Opfer zu retten, wenn noch was zu retten ist. Mein Got! Die ganze Freude am Kastell ist mir genommen. Immer wird mich der Gedanke quälen: Verbrechen geschahen um dieses Umbaues willen.“ Sie weinte bitterlich. Der Fürst beruhigte sie liebreich. Aber der überaus zartnervigen Frau konnten die schreckhaften Vorstellungen nicht genommen werden. Sie quälte sich bis zu höchster Erregung mit Klagen und Furcht vor den Verbrechern. „Wie hat sich dieser furchtbare Mensch nur den Schlüssel zum Verlies verschaffen können?“ fragte sie angstvoll. „Da der mir abgelieferte Schlüssel sich, bis ich selbst ihn vort fortnahm. unangerührt im Archiv befand, muß der Schurke sich gegen Bestechung des Schlossers einen zweiten haben anfertigen lassen.“ „Schrecklich, schrecklich! Wie er den Plau überlegt und durchdacht hat!“ „Wird der Liberty leben?“ „Ja! Und er bleibt hier. Sein Zeugnis ist wichtig. Uebrigens spielt auch eines deiner Kammermädchen eine Rolle in dieser Tragödie. Für eine Anuschka, nicht für sich allein, hat der Kerl vom Senteck das Geld erpreßt.“ Ein schwacher Schrei klang aus dem Vorzimmer— niemand hörte ihn— eine Tür fiel ins Schloß. In wilden Sprüngen, wie von Hunden gehetzt, jagte eine Frau durch den Park querfeldein, in großem Bogen, kopflos, sinnlos, der nächsten Station zu. Anuschka dachte nichts, überlegte nichts. Die eine Furcht:„Jetzt kommt mein Diebstahl ans Licht; jetzt wird sie es doch noch merken, die Hexe von Kammerfrau, und wird mich anklagen“, packte und hetzte sie. Ja, gewiß, alle erfuhren, daß Liverty ihr Geld zugesteckt hatte; sie würde vor Gericht müssen, ins Gefängnis kommen.— Oh, all ihr Heiligen— nur fort, nur fort! Allmählich dämmerte der Abend herein. Anuschka hatte die nächste Station längst hinter sich gelassen. Abseits von der Bahnlinie, zwischen Hügeln und Wald wie begraben, erreichte sie ein von Steingeröll bedecktes Gefilde. Zerklüftet, von Felsblöcken übersät, von dürren Holzstümpfen, hartem Strauchwerk, von verdorrtem Gras und Unkraut bestanden, barg dieses Feld, das sie wie ein Feld des Todes durchschauerte, in seiner Mitte ein tiefes, düsteres, von fast undurchdringlichem Schilf umstandenes Wasser. (Fortsetzung folgt.)