CIRVUF! Ll.„Schorin Jelug eschaim oschenlich seche uel Bezugspreis baldmonatlich 1.20 Maik Einzelnummer 13 Pig. Druck u. Veragoon C. Braus, Schwerte(Tade), Losscheckonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874. Geschöstessele: Große Matist. 3.—3 Veranworlich für die Schrifbeitun. H. Einner, Schwerte. Hernuf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volk blatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Pnzigs peus fü de achhsvoat mm ie 8. Pla, Aumm i. üge, singngamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pf, Lieck amczeile 40 P; Lur teleson. aufgegedene Inzerate üdernehmen wir beme Gegacbe Bel iuoodrzgsev. Vorobdestdnuzgen, derorgeruten durc bödere Gewaten, übernebmen oir heinerei Gewäde sir pünktliches Erscheinen de: Jeitung v. kann auch keineret Ansoruch auf Schadenersat oder Nachlieserung erboben werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gmp; Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn K Schwerte(Ruhr), Montag, den 15. Dezember 1930 Nr. 293(Erstes Blatt) 63. Jahrgang Die Peinlscse=Wrurlttal Erneute deutsche Anklage beim Völkerbund- Polnische Feigheit und Brutalität gegenüber Wehrlosen- Der polnische Terror wütet mit Dynamit gegen Deutsche wtb. Berlin, 13. Dez. Das namens der Reichszegierung gestern in Genf von dem deutschen Generalkonsul Dr. Völckers dem Generalsekretär des Völkerbundes überreichte Schreiben wird nunmehr im Wortlaut bekanntgegeben. In dem Schreiben heißt es: Mit Schreiben vom 27. vorigen Monats habe ich namens der deutschen Regierung Beschwerde geführt über Gewalttaten, die anläßlich der Wahlen in Polnisch=Ober= schlesien gegen die deutsche Minderheit verübt worden sind. Seitdem hat die deutsche Regierung Kenntnis von zahlreichen weiteren Gewalttaten in Polnisch=Oberschlesien erhalten, die gleichfalls eine flagrante Verletzung der Bestimmungen der Genfer Konvention vom 15. Mai 1922 darstellen. Die wichtigsten Fälle sind in der Anlage aufgeführt. Ich bitte Sie, das neue Material den Mitgliedern des Völkerbundsrates als Unterlage für die Behandlung der Angelegenheit auf der bevorstehenden Ratstagung zuleiten zu wollen. In der Anlage werden dann folgende, der deutschen Regierung neu zur Kenntnis gekommene Vorfälle angeführt: 1. Am 13. November d. Is. wurde der Kaufmann Eduard Burg in Myslowitz in dem Gasthause von Wieczorek von einer achtköpfigen Bande überfallen. Die Angreifer, von denen fünf die Uniform von Eisenbahnbeamten trugen, mißhandelten Bury, bis er bewußtlos niederfiel. Ein in der Gastwirtschaft anwesender Polizeibeamter in Zivil schritt gegen die Mißhandlungen nicht ein Der Grund für diese Ausschreitungen ist die Tatsache, daß Bury deutsche Drucksachen vertreibt. 2. Am 13. November wurde der Kolporteur Theodor Naiwa in Eichenau in seiner Wohnung von mehreren„Aufständischen“ überfallen. Die zu Hilfe eilende Schwester des Raiwa, Anna Labus, wurde von einem der„Aufständischen", Josef Gaida, mit einem Gummiknüppel mißhandelt. Am 15. November wurde Johann Dainczyk das Opfer eines Straßenüberfalls in Nikolai. Eine Bande von 10—12„Aufständischen“ in Zivilkleidung fiel über ihn her und mißhandelte ihn auf das schwerste. Die Polizei, die von der Ehefrau um Schutz für den Transport des Mißhandelten ins Knappschaftslazarett gebeten wurde, lehnte dies ab. Am 20. November wurde bei dem Bergmann Paul Aglorz in Mittel=Lazisk eine Haussuchung durch drei Polizeibeamte vorgenommen. Hierbei wurden Zeitungen, ein Briefwechsel, den Aglorz in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Minderheitsschutzkommission geführt hatte, sowie das gesamte Wahlmaterial beschlagnahmt. Uglorz selbst wurde festgenommen. In der Zelle des Polizeigefängnisses in Ober=Lazisk mißhandelte der Polizeibeamte Machula den Aglorz durch Schläge ins Gesicht. Am 22. November wurde der Kesselheizer Josef Woisch in Eintracht=Hütte von einer Bande von 30—40 Menschen in seiner Wohnung überfallen. Woisch ist Schwerkriegsbeschädigter und nur zu 50 Prozent erwerbsfähig. Woisch wurde, nur dürftig bekleidet, auf die Straße geschleppt. Dort wurde er u. a. mit einem Kabelstück mißhandelt, bis er zusammenbrach. Am 22. November wurde der Arbeiter Andreas Kasperidus in Schwientochlowitz, Ortsteil Eintracht=Hütte, Kolonie Klara 7, von einer Bande von etwa 40 Mann überfallen, von denen ein Teil die Uniform der„Aufständischen“ trug. Kasperidus wurde mit Gummiknüppeln mißhandelt. Am 22. November wurde in Zwonowitz, Kreis Rybnik, der Gastwirt Wilezek von einer Bande von etwa 15 bewaffneten„Aufständischen“ überfallen. Wilczek wurde mit gefährlichen Werkzeugen in barbarischer Weise mißhandelt. Auch seine Ehefrau und seine zehnjährige Tochter wurden mißhandelt. Am 23. November wurde der Grubenarbeiter Heinrich Meinusch in Kochlowitz, Ul. Gorna 40, das Opfer eines Ueberfalles der„Aufständischen“. Meinusch wurde aus der Wohnung herausgezerrt, in der Hauseinfahrt an die Wand gestellt und mit Erschießen bedroht. Die Angreifer schleppten ihn darauf in eine Gastwirtschaft. Hier wurden die Mißhandlungen fortgesetzt. Zwei Polizeibeamte, namens Ostrowski und Mieszany, sahen untätig zu und brachten ihn später nach der Polizeiwache. Unterwegs wurde er von dem Polizeibeamten Mieszany weiter mißhandelt. 9. Am 23. November erschien eine Bande von etwa 30„Aufständischer“ vor dem Wahllokal Nr. 48 in Siemianowitz. Sie drangen in den Hausflur ein und„ schlugen den Arbeiter Wilhelm Schwietza mit Gummiknüppeln und Stöcken blutig. Schwietza gelang es, zu fliehen. Er wurde verfolgt und erneut mißhandelt. Hieran beteiligte sich der Polizeibeamte Bobiec. Vier andere Polizeibeamte sahen den Mißhandlungen untätig zu. Am 23. November erschienen 15—20„Aufständische“ in Wahllokal Nr. 14 in Bielschowitz. Sie schleppten den deutschen Vertrauensmann Ferdinand Machnik vor das Wahllokal und setzten dort die schon innerhalb des Wahllokals begonnenen Mißhandlungen mit Knüppeln und Stöcken fort. Im Wahllokal befanden sich zwei Polizeibeamte. Vergebens bat sie Machnik um Auto in den Rhein gestürzt Heldenhafte Reitungstat des enb. Berlin, 15. Dez.(Funkspruch.) Nach einer Meldung der Montagspost aus Frankfurt am Main raste gestern abend ein Auto, das von Iffezheim nach Baden=Baden untewegs war, in dem dichten Nebel in den Rhein. Der Wagen versank sofort auf dem 6 Meter tiefen Grund des Stromes. Dem Chauffeur gelang es mit übermenschlichen Kräften, unter dem Wasser die Scheiben des Wagens einzuschlagen und die beiden Insassen, zwei Damen, aus dem Wageninnen zu befreien und lebend an die Oberfläche zu bringen. Der Milnarausstand in Norospumten Die Revolte niedergeschlagen- Zwei Offiziere standrechtlich erschossen Großer Theaterskandal n Shernterg Zaule Eier und weiße Mäuse wtb. Nürnberg, 15. Dez.(Tel.) Im Apollo=Theater kam es gestern abend gegen Schluß der Aufführung der Nevue„Liebe mich“ zu einem bisher in Nürnberg noch nicht erlebten Theatertumult. Wie auf ein Kommando begannen etwa 300 bis 400 im Zuschauerraum verteilte Theaterbesucher einen ohrenbetäubenden Lärm, Stinkbomben, faule Eier, Aschenbecher und andere Wurfgegenstände wurden auf die Bühne geschleudert und zum Entsetzen der Darsteller und Zuschauer eine Menge weißer Mäuse losgelassen. Bei der allgemein entstandenen Aufregung erlitt eine der Darstellerinnen einen Nervenchok. Die Polizei, die bereits verstärkt im Theater anwesend war, räumte den Saal, wobei sie wiederholt vom Gummiknüppel Gebrauch machen mußte. Sieben Personen wurden festgenommen. wtb. Madrid, 14. Dez.(Tel.) In der angekündigten offiziösen Mitteilung über die Meuterei in Jaca heißt es: Die Garnison des Grenzplatzes Jaca hat in Verbindung mit anderen Elementen die Haltung einer regelrechten Empörung eingenommen. Da die Militär= und Zivilbehörden sowie die Gendarmerie und die Karabiniers den Anschluß an die Bewegung ablehnten, kam es zu einem Zusammenstoß, worauf der Bürgermeister mit der Gendarmerie und den Karabiniers sich nach der Kaserne der letzteren zurückziehen mußte. Die Aufständischen bemächtigten sich der Lastkraftwagen und der Automobile, die sie fanden, und marschierten am Nachmittag nach der Provinzhauptstadt Huesca. Sie wurden jedoch von Kräften, die den Engpaß von Ayerbe(ungefähr 25 Km. nordwestlich von Huesca) besetzt haben, in ihrem Vormarsch aufgehalten. Die Verbindungen mit Jaca sind nicht gänzlich unterbrochen. Die Regierung hat sofort die erforderlichen Maßnahmen ergriffen und den Vormarsch auf Jaca angeordnet. Der Aufstandsversuch bleibt vollkommen örtlich beschränkt; überall in Spanien herrscht Ruhe. Die Regierung ist entschlossen, die Schuldigen unbarmherzig zu bestrafen. Von gutunterrichteter Seite wird über die heutigen Operationen gegen die Aufständischen mitgeteilt: Die zur Bekämpfung der Aufständischen nach Jaca entsandten Regierungstruppen haben heute früh bei der Ortschaft Esgueva unweit von Ayerbe Artilleriefeuer eröffnet. Durch diese Beschießung überrascht, sind die meisten Aufständischen unter Zurücklassung ihrer Waffen geflüchtet. Nur drei junge Offiziere gingen den Regierungstruppen unter den Rufen„Es lebe die Republik!“ entgegen. Sie wurden sofort gefangengenommen. Unter den Zivilisten, die sich der Aufstandsbewegung angeschlossen haben, sollen sich die Studenten der Universitäten Saragossa und Madrid sowie ein Universitätsvrofessor befinden. Die Regierungstruppen rücken weiter gegen Jaca vor, sie hal n bei dem Zusammenstoß keine Verluste erlitten. Die Verluste der Aufständischen sollen zwei Tote und neun Verletzte betragen, doch scheinen die wirklichen Verlustziffern höher zu sein. Die drei gefangenen Offiziere werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden. wtb. Paris, 13. Dez.(Tel.) Die Agentur Havas berichtet aus Vordeaux, daß nach privaten Schilderungen über die Bekämpfung des Aufstandes in Jaca in der vergangenen Nacht die aufständischen Truppen auf Ayerbe vorgerückt seien und sich angeschickt hätten, im Tale Schützengräben auszuheben. Bei Dlueva wären sie jedoch auf zwei aus Huesca und Saragossa gekommene Abteilungen regierungstreuer Truppen gestoßen, die acht Batterien Artillerie hätten auffahren und aus kurzer Entfernung das Feuer auf die Hauptmacht der Aufständischen eröffnen lassen. Die Reihen der Aufständischen sollen stark gelichtet worden sein, die Ueberlebenden hätten nach halbstündigem Kampfe die Flucht ergriffen. Die Verluste der Aufständischen sollen sich auf hundert Tote belaufen. wtb Madrid, 14. Dez.(Tel.) Der Wirtschaftsminister erklärte nach einem Kabinettsrat, die telegraphische Verbindung mit Jaca sei wiederhergestellt. Im Verlaufe des Nachmittags sei die Lage dort wieder normal gewesen. Den Regierungstruppen sei es gelungen, den Militärgouverneur und die übrigen von den Aufständischen gefangengenommenen Persönlichkeiten zu befreien. Bei den Kämpfen sollen auf seiten der Aufständischen fünf Soldaten getötet und 25 verletzt worden sein. Die Regierungstruppen sollen am Vormittag 200 und am Nachmittag 300 Gefangene gemacht haben. Was die Verluste der Regierungstruppen anbetreffe, so sei der Militärgouverneur von Huesca am Arm verletzt, ferner seien zwei Zivilgardisten getötet und ein Offizier verletzt worden. Zwei Führer des Ausstandes von Jacn erschossen wtb. Paris, 15. Dez.(Funkspruch.) Wie Havas aus Madrid berichtet, sollen zwei Offiziere, und zwar Hauptmann Galan, der sich selbst als der verantwortliche Urheber der Bewegung bezichtigte, und Hauptmann Salenas vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und bereits standrechtlich erschossen worden sein. Die anderen angeklagten Offiziere seien zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt worden. Insgesamt wurde gegen 5 Offiziere, 2 Sergeanten und 3 Aerzte verhandelt. Ueber Huesca wurde der Belagerungszustand verhängt. Die Zahl der an dem Aufstand Beteiligten soll 700 betragen. Die Aufstandsbewegung unterdrückt 800 Gefangene. wtb. Paris, 15. Dez.(Tel.) Die Aufstandsbewegung in Jaca ist, wie eine Havasmeldung aus Hendaye besagt, als unterdrückt anzusehen. Die Regierungstruppen haben, dem Temps zufolge, 800 Gefangene gemacht, darunter zwei Universitätsprofessoren und mehrere Madrider Studenten. Der gleichfalls gefangen genommene und nach einer Havasmeldung bereits erschossene Hauptmann Galan hat die Gesamtschuld für die Aufstandsbewegung auf sich genommen und erklärt, er sei die Triebfeder der Bewegung gewesen. Die Besorgnis der Regierung, daß die Unruhen wieder aufflackern könnten, scheint noch nicht vollkommen behoben zu sein, denn heute früh ist, wie Havas meldet, das Standrecht verhängt worden. Hilfe. Später weigerte sich die Ortspolizei, eine Anzeige entgegenzunehmen. Die bekannten Ereignisse in Golassowitz haben noch zu weiteren Gewalttaten gegen die deutsche Minderheit geführt. Nicht weniger als 43 Personen wurden während der Nacht zum 24 Nov im Kohlenkeller der Polizeiwache eingesperrt. Sie wurden dort in der brutalsten Weise mißhandelt. Auch die vorstehende Aufzählung erschöpf. nicht die vorgekommenen Gewalttaten. Die Zahl der insgesamt der deutschen Regierung bekannt gewordenen Terrorakte verschiedener Art, die an Angehörigen der deutschen Minderheit begannen worden sind, erreicht annähernd 200. Nahezu überall ist das gleiche Versagen der Polizeiorgane festzustellen. Zum Schluß heißt es in dem Schreiben des Reichsaußenministers u. a.: Die in der Anlage des Schreibens vom 27. November aufgeführten Tatsachen veranschaulichen bereits den Zustand völliger Schutz= und Rechtlosigkeit, unter dem die deutsche Minderheit in Polnisch=Oberschlesien seit langem leidet. Das vorstehend wiedergegebene weitere Material beweist noch klarer, daß die schrankenlose Gewaltherrschaft der„Aufständischen", die mit Leben, Gesundheit und Eigentum der Angehörigen der deutschen Minderheit nach Belieben verfahren konnten, sich nicht in einzelnen Ausschreitungen erschöpft und auf einzelne Bezirke beschränkt hat, sondern daß hier ein System offener Bedrückung der Minderheit vorliegt, das sich über ganz Polnisch=Oberschlesien erstreckt und sich in zahllosen Gewalttaen Luft macht. Dynamuanschläge auf Deutsche in Oberschlesien wtb Myslowitz, 13. Dez. In der vergangenen Nacht wurden hier mehrere Dynamitanschläge auf Wohnungen von deutschen Minderheitsangehörigen, u. a. auch auf die Wohnung des Bergwerksdirektors Breuer, verübt. Von den noch nicht ermittelten Tätern wurde eine starke Dynamitladung gegen seine Wohnung geworfen, die aber glücklicherweise im Vorgarten zur Explosion kam und daher keinen nennenswerten Schaden anrichtete. Ein weiterer Dynamitanschlag wurde auf die Wohnung des Grubenbeamten Reiß verübt. Hier wurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert, und eine bei dem Grubenbeaiten zu Besuch weilende Dame erlitt einen schweren Nervenschock, so daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Ein weiterer Anschlag wurde gegen die deutsche Bücherei versucht; hier wurde eine Sprengkapsel mit einer schnur vorgefunden, die Ladung kam aber hies nicht zur Entzündung Für Heraufsetzung des Wahlalters in Preußen vdz. Berlin, 13. Dez. Im Preußischen Landtag ist ein Urantrag der Wirtschaftspartei eingegangen, der die Heraufsetzung des aktiven Wahlalters von 20 auf 25 Jahre verlangt. Volksverlangen auf Landtagsauflösung in Lippe zugelassen wtb. Detmold, 14. Dez. Das lippische Landespräsidium hat das von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und den Volkskonservativen in Lippe beantragte Volksverlangen zur Herbeiführung eines Volksentscheids über die Auflösung des Landtags zugelassen. Als Eintragungsfrist wurde die Zeit vom 3. Januar bis einschließlich 16. Januar festgesetzt. Der Großhandelsinder wtb Berlin, 13. Dez. Die auf den Stichtag des 10. Dezember berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist mit 118,3 gegenüber der Vorwoche(118,6) um 0,3 v. H. zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe auf 110.4(um 0,2 v. H.), die für industrielle Rohstoffe und Halbwaren auf 110,7(0,4 v. H.) und diejenige für industrielle Fertigwaren auf 143,3(0,2 v. H.) nachgegeben. Deutscher Handwerksund Gewerbekammertag wtb. Hannover, 14. Dez.(Tel.) Unter dem Vorsitz des Präsidenten Plate, Hannover, trat gestern hier der Deutsche Handwerks= und Gewerbekammertag zu seiner diesjährigen Vertreterversammlung zusammen. Generalsekretär Dr. Meusch erstattete den Geschäftsbericht. Zum Präsidenten des Deutschen Handwerksund Gewerbekammertages wurde einstimmig Stadtrat Pflugmacher, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, gewählt. Ministerial= rat Dr. Hoppe überreichte dem bisherigen Präsidenten Plate ein Dankschreiben des Reichspräsidenten. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt: Hocker(Düsseldorf), Henne(Reutlingen), Ludwig(Berlin), Noels(Altona). Der Schiedsspruch. im Reichsbahn=Tarifstren wtb. Berlin, 14. Dez.(Tel.) In dem Tarifstreit bei der Reichsbahn wegen der Arbeitszeit ist gestern morgen 1 Uhr nach dreitägiger Verhandlung von dem Vorsitzenden der Schlichterkammer, Dr. Völcker, ein Schiedsspruch verkündet worden. Der Schiedsspruch sieht die Herabsetzung der Arbeitszeit auf 48 Stunden wöchentlich für verschiedene große Gruppen von Reichsbahnarbeitern vor. Insbesondere kommen die Bahnunterhaltungsarbeiter und die Arbeiter der Ausbesserungswerkstätten in Betracht. Von dieser Regelung werden etwa 180000 Arbeiter erfaßt. Wegen weiterer Gruppen von Arbeitern hält die Schlichterkammer Besichtigungen und weitere Nachprüfungen für erforderlich. Diese weiteren Verhandlungen sollen Anfang Januar stattfinden. Die Schlichterkammer hat in ihrem Schiedsspruch vorgeschlagen, die bisherige Arbeitszeitregelung allgemein bis zum 15. Januar 1931 zu verlängern, um Zeit für die weiteren Verhandlungen zur Verfügung zu haben. Politische Zusammenstöße Klage Hugenbergs gegen den„Vorwärts“ 500 Mark Geldstrafe für den„Vorwärts“ wärts“ seinen Lesern mit seinem Artikel habe end. Berlin, 14. Dez.(Eigene Meldung.) Vor dem Amtsgericht Berlin=Mitte gelangte am Samstag die Privatklage zur Verhandlung, die der Reichstagsabgeordnete Geheimrat Hugenberg gegen den verantwortlichen Redakteur des „Vorwärts“, Dr. Kurt Geyer, angestrengt hat. Anlaß zu dieser Klage bot ein Artikel des„Vorwärts“ vom 29. November 1929 mit der Ueberschrift„Hugenbergs Schande". Der Artikel beschäftigte sich mit den Vorgängen bei der Ostbank für Handel und Gewerbe. Geheimrat Hugenberg wurde der Vorwurf gemacht, daß er Spargelder von kleinen Leuten in Ostpreußen gesammelt und diese über die Ostdeutsche Privatbank für die politischen Zwecke des Hugenberg=Pressekonzerns verwendet habe. Der Angeklagte behauptete u. a., daß vor der Sanierung der Landbank und der Uebernahme der Aktienmehrheit durch den preußischen Staat zusammen mit der Provinz Grenzmark wesentliche Vermögenswerte, und zwar etwa 400 000 Goldmark, aus der Substanz der Landbank herausgenommen und der Ostdeutschen Privatbank des Hugenberg=Konzerns zugeleitet worden seien. Rechtsanwalt Donner erwioerte fur Geheimrat Hugenberg auf die Ausführungen des Beklagten Geyer, die Information, die der„Vorgeben wollen, sei keine sachliche Darstellung, weil die Tatsachen in allen wesentlichen falsch geschildert worden wären. Auch der Ton des Artikels sei ganz offensichtlich auf eine politische und persönliche Hetze gegen den Privatkläger abgestellt worden. Es sei selbstverständ, lich, daß den Kläger an dem Zusamp#### der Landbank keine Schuld treffe. Aug bei der Ostbank sei Hugenberg nicht der Leiter gewesen. Es könne keine Rede davon sein, daß Geheimrat Hugenberg persönlich Aktien übernehmen sollte. In ausführlichen Erörterungen ging Rechtsanwalt Donner dann auf die Vorwürfe ein, daß Geheimrat Hugenberg Depositengelder zur Finanzierung von Zeitungen und Kinos gebraucht haben solle. Er erklärte im einzelnen, daß die Tatsachen gerade das Gegenteil bewiesen. Geheimrat Hugenberg sei nicht der reiche Mann, sondern nur der Verwalter eines Sammelvermögens. Das Urteil lautete: Der Angeklagte, Redakteur Geyer, wird wegen Beleidigung zu 500 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Das Urteil ist einmal im„Vorwärts“ auf Kosten des Angellagten zu verüsfentlichen. Auflösung einer nationalsozialistischen Versammlung in Dortmund. wtb Dortmund, 15. Dez.(Funkspruch.) Eine nationalsozialistische Versammlung in Dortmund=Mengede wurde auf Grund des Republikschutzgesetzes von der politischen Polizei aufgelöst, weil sich der Versammlungsleiter Hamacher (Oberhausen) in seiner Rede beleidigende. Bemerkungen gegen die preußische Regierung und insbesondere gegen Minister Hirtsiefer hatte zuschulden kommen lassen. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Politische Zusammenstöße in Sladbach=Rheydt. wtb Gladbach=Rheydt, 15. Dez.(Tel.) In einer am Samstagabend in Gladbach=Rheydt stattgefundenen öffentlichen nationalsozialistischen Versammlung kam es bereits zu Beginn zu Streitigkeiten unter den Versammlungsteilnehmern, als der Versammlungsleiter erklärte, daß von der am Schluß der Versammlung vorgesehenen freien Aussprache die Kommunisten ausgeschlossen seien. Als die Versammlungsteilnehmer mit Stühlen aufeinander losgingen, wurde die Versammlung von der Polizei aufgelöst. Ein Nationalsozialist trug einen Messerstich im linken Oberarm davon. Drei Versammlungsteilnehmer wurden festgenommen, zwei davon wieder entlassen. Nach Auflösung der Versammlung narschierten die Nationalsozialisten zu ihrem Vereinslokal in Gladbach. Nachts fuhren vier nationalsozialistische Führer nochmals nach Rheydt, wo sie vor dem Versammlungslokal mit einer Gruppe von vier Männern nach einer Auseinandersetzung ins Handgemenge gerieten. Im Verlaufe dieses Streites gab der Führer der Schutzstaffel Gladbach der NSDAP., Arnold Röhles, vier Schüsse ab, von denen einer den Stuckateur Reiners ins Herz traf. Reiners war sofort tot. Später wurden Nöhles und seine drei Begleiter festgenommen. Nöhles gab zu, die vier Schüsse abgefeuert zu haben, will aber in Notwehr gehandelt haben. Der nordbayerische Erwerbslosenkongreß von der Polizei verhindert. wtb. Nürnberg, 15. Dez.(Funkspruch.) Der von der(kommunistischen) Revolutionären Gewerkschaftsopposition für gestern und heute nach Nürnberg einberufene nordbayerische Erwerbslosenkongreß wurde von der Polizeidirektion Nürnberg verboten. Wiederholte Versuche, den Kongreß trotz des Verbotes abzuhalten, wurden von der Polizei vereitelt. Ein gleicher am heutigen Vormittag in Fürth unternommener Versuch führte zur Aufhebang einer Versammlung von 37 Delegierten aus 21 Orten Nordbayerns. Die Teilnehmer wurden zur Polizei gebracht und nach Feststellung der Personalien wieder entlassen. Zahlreiches Druckschriftenmaterial und einige feststehende Messer wurden beschlagnahmt. Nationalsozialistische Lehrer entlassen enb. Berlin, 15. Dez.(Eigene Meldung.) Der Konrektor Klagges und der Lehrer Meyer in dem Harzort Benneckenstein, die sich als Versammlungsredner für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei betätigt hatten, wurden, wie die Vossische Zeitung meldet, vom Disziplinargericht in Erfurt zur Dienstentlassung ohne Pension verurteilt. Eine Uebergangszahlung in Höhe des halben Gehalts für ein halbes bzw. ein Jahr ist den Entlassenen bewilligt worden. Das Kabinett Steeg wtb. Paris, 13. Dez. Um 2 Uhr 20 früh französischer Zeit ist das Ministerium Steeg gebildet worden. Wie Havas mitteilt, setzt es sich wie folgt zusammen: Ministerpräsidentschaft und Kolonialministe= rium: Steeg. Senator(Radikaler); Inneres: Leygues, Abgeordneter(Linksrepublikaner); Justiz: Cheron, Senator(Republikanische Vereinigung); Auswärtiges: Briand, Abgeordneter(Sozialrepublikaner); Finanzen: Germain=Martin, Abgeordneter(Radikale Linke); Budget: Palmode, Abgeordneter (Radikaler); Krieg: Barthou, Senator(Demokratische und Radikale Vergg.); Marine: Albert Sarraut, Senator(Radikaler); Oeffentlicher Unterricht: Chautemps, Abgeordneter(Radikaler); Oeffentliche Arbeiten: Daladier, Abgeordneter(Radikaler); Nationale Wirtschaft(Handel und Industrie): Lou cheur, Abgeordneter(Radikale Linke); Landwirtschaft: Victor Boret, Senator(Demokratische und Radikale Vereinigung); Arbeiten: Grinda, Abgeordneter(Linksrepublikaner); Pensionen: Thomyre, Abgeordneter(Linksrepublikaner); Luftfahrt: Painleve, Abgeordneter(Sozialrepublikaner); Handelsmarine: Danielou, Abgeordneter(Radikale Linke); Post und Telegraph: George Bonnet, Abgeordneter(Radikaler); Gesundheitspflege: Quezille, Abgeordneter(Radikaler). Eosinroggen-Preiserhöhung wtb Berlin, 13. Dez. Der Preis für Eosinroggen, der erst vor einigen Tagen von 170 auf 175 RM. je Tonne erhöht worden ist, hat mit Wirkung vom 13. Dezember eine weitere Erhöhung auf 180 RM. je Tonne erfahren. Die Abnahme der zu diesem Preise gekauften Mengen hat, wie WTB.=Handelsdienst erfährt, bis 20. Januar 1931 zu erfolgen. In unterrichteten Kreisen wird aus dieser Tatsache der Schluß gezogen, daß gegebenenfalls in der nächsten Zeit mit weiteren Preiserhöhungen zu rechnen sei. Widerstand gegen den RemarqueFum auth in Oesterreich Erlanger Siudenten gegen einen Tonfilm wtb. Erlangen, 14. Dez.(Tel.) In den hiesigen Glockenlichtspielen sollte am Freitag der Tonfilm„O alte Burschenherrlichkeit" laufen. Etwa 3—400 Studenten hatten die meisten Reihen im Theater besetzt. Sofort bei Beginn der Vorführung setzte ein ohrenbetäubendes Pfeifen und Johlen ein. Es wurde stürmisch die Absetzung des Filmes verlangt; auch wurden Stinkbomben geworfen. Die Polizei entfernte die Ruhestörer aus dem Saale, konnte aber gegen die Masse der Studenten nichts ausrichten. Erst als das Licht angedreht und die Vorstellung abgebrochen wurde, entfernten sich die Studenten, die noch einen Demonstrationszug nach dem Leopoldplatz unternahmen, wo ein Student nochmals gegen die Vorführung des Films Protest erhob. wtb Wien, 14. Dez.(Tel.) Der Streit um den Film„Im Westen nichts Neues“, dessen Aufführung für Anfang Januar in Wien bereits angekündigt ist, beginnt hier schon recht lebhaft zu werden. Verschiedene Verbände, die Deutsche Turnerschaft und die Frontkämpfervereinigung, verlangen ein Verbot und erwarten, daß der Innenminister eine rasche Entscheidung treffen wird, um einer Beunruhigung der Oeffentlichkeit rechtzeitig zu begegnen, da im Falle der Aufführung des Remarque=Films mit Gegenkundgebungen sicher zu rechnen sei. Troula ein Glücksspiel wp. Bad Kreuznach, 14. Dez.(Tel.) Ein Glücksspiel im Bad Kreuznacher Kurhaus gab Veranlassung zu einer Verhandlung vor der Strafkammer. Es handelte sich um das sogenannte Troulaspiel, das nach Ansicht der Sachverständigen unter die Glücksspiele gerechnet werden muß, und das ein Kaufmann aus Bonn im Einverständnis mit der Kurverwaltung im Kreuznacher Kurhaus im Sommer 1928 aufgestellt und in Betrieb genommen hatte. Die Strafkammer bestätigte das Urteil der Vorinstanz auf 50 Mark Geldstrafe unter Verwerfung der vom Angeklagten eingelegten Berufung. Das Reichsgericht hatte dann auf Grund einer Nevisionsanmeldung das Urteil aufgehoben und die Sache zur erneuten Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen. Die Strafkammer kam unter der Begründung, daß das Troulaspiel unter allen Umständen als ein Glücksspiel anzusehen sei, wieder zu dem vorinstanzlichen Urteil. Berliner Polizeibeamter erschießt in der Rolwehr einen Angreiser enb. Berlin, 15. Dez. Funkspruch.) In der Nähe des Alexanderplatzes kam es in der Nacht zum Sonntag gelegentlich der Festnahme eines Mannes zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und der sich sammelnden Menge. Ein Polizeibeamter wurde abgedrängt, zu Boden geworfen und schwer mißhandelt. Hierbei tat sich besonders der 23jährige Kassenbote Ladewig hervor. Der Beamte gab schließlich in der Notwehr zwei Schüsse gegen die Angreifer ab und traf Ladewig so schwer in den Unterleib, daß er auf den Transport in das Krankenhaus starb. Volksbank beschäftigte sich mit den Vorgängen, die zu schweren Verlusten der Bank und zur Entlassung zweier Vorstandsmitglieder geführt haben. Die von 76 Mitgliedern besuchte Generalversammlung beschloß, für die Verluste in Höhe von 183000 RM. die Mitglieder des Vorstandes und Aussichtsrates regreßpflichtig zu machen und gegen sie Klage anzustrengen. Die Klage soll sofort erhoben werden. Ueberfall auf den Leiter einer Sparkasse. wtb. Dillingen, 13. Dez. Der Leiter der Kreissparkasse Saarlouis, Zweigstelle Dillingen, wurde heute beim Betreten seines Hausgrundstückes von zwei Unbekannten niedergeschossen. Seine Verletzungen sind lebensgefährlich. Die beiden Täter waren maskiert. Man vermutet, daß es sich um einen Racheatt handelt. Aus verschmähter Liebe in den Tod gegangen. wp. Trier, 13. Dez.(Tel.) Vor dem Hause eines jungen Mädchens erschoß sich vorletzte Nacht in Canzem an der Saar ein junger Mann aus Cönen mit einem Flobert. Als das junge Mädchen, das kurz vorher einen Liebesantrag des jungen Mannes zurückgewiesen hatte, durch den Knall erschreckt, ins Freie eilte, fand es den abgewiesenen Freier tot in seinem Blute liegend vor. Heiratsschwindler verhaftet. wp. Wiesbaden, 13. Dez. Der von vielen in= und ausländischen Behörden gesuchte Heiratsschwindler Ottokar Hubel konnte jetzt hier verhaftet werden. Unter hochklingenden Namen und Titeln wie: Freiherr von Churtzky, Prof. Dr. Bellmaier, Freiherr von Chornice, Prof. Dr. Hebbli usw. hielt Hubel an den Orten seiner Schwindeleien Vorträge über Java, über Botanik und Naturwissenschaften. Damen, die er hierbei kennen lernte, machte er Heiratsanträge und beschwindelte sie dann um beträchtliche Summen. Heise freigesprochen. wtb Detmold, 13. Dez. Nach fünfstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende des Schwurgerichts, Landgerichtsrat Dr. Ebert, um 3 Uhr nachmittags folgendes Urteil im Meineidsprozeß: Der Angeklagte wird freigesprochen. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Das Palais Blücher an Amerika verkauft. enb. Berlin, 13. Dez.(Eig. Meld.) Wie wir erfahren, sind die Verhandlungen der amerikanischen Regierung über den Ankauf des Palais Blücher am Pariser Platz jetzt zum Abschluß gekommen. Die vor einigen Tagen durch die Presse gegangene Nachricht über den Abschluß des Verkaufes eilte den Tatsachen voraus. Die Uebergabe der Räume an den Käufer erfolgt, wie die DA3. meldet, erst im Laufe des nächsten Jahres. Die Botschaft, das Generalkonsulat und weitere Dienststellen werden also bis dahin noch in ihren bisherigen Räumen bleiben. Aus Nah und Fern Nattengift in der Bohnensuppe. wp. Düren, 14. Dez.(Tel.) Am Freitagabend stellte sich bei sieben Mitgliedern einer Familie in Berg vor Nideggen nach dem Genuß von Bohnensuppe heftiges Erbrechen ein. Der Arzt stellte Arsenvergiftung fest. Die Hausfrau hatte aus Versehen statt Natron weißes Nattengift in die Suppe geschüttet. Sämtliche sieben erkrankte Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. Gestern war das Befinden etwas besser. Schwere Verluste bei der Wetzlarer Volksbank. wp. Wetzlar, 14. Dez.(Tel.) Eine außerordentliche Generalversammlung der Wetzlarer Mehreretausend Zentner Getreide vernichtet enb. Neustadt a. d. Dosse, 15. Dez.(Funkspr.) In der Trockenanlage der landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft brach gestern ein Brand aus, der mit großer Schnelligkeit um sich griff. Der Dachstuhl und die oberen Stockwerke des an der Berlin—Hamburger Bahn gelegenen Gebäudes standen in kurzer Zeit in einer Länge von 150 Metern in Flammen. Mehrere tausend Zentner Getreide, die hier zum Trocknen lagerten, wurden vernichtet. Mit Hilfe von 18 Feuerwehren, die aus der Umgebung herbeigeeilt waren, konnte man des Feuers erst nach etwa fünfstündiger Arbeit Herr werden. Durch die großen Wassermengen, die in den Brandherd geschleudert wurden, wurde das ganze Gebäude unter Wasser gesetzt, so daß große Werte vernichtet worden sind. Eine große Gefahr bildete die Starkstromleitung, die zum Gebäude führte und die nicht abgeschaltet werden konnte, da man nicht an den Schaltraum herankommen konnte. Man nimmt an, daß das Feuer durch Ueberheizung der Koksöfen in der Trockenanlage entstanden ist. Verbrecherischer Anschlag auf einen Jug wtb Niga, 13. Dez. Der Passagierzug RigaLibau ist heute morgen auf der mittelkurländischen Bahnlinie unweit Rudbaren infolge eines verbrecherischen Anschlags entgleist. Da an der Unglücksstelle der Zug bergan fährt und deshalb die Geschwindigkeit verringert ist, wurden die entgleisten Waggons nicht zertrümmert und nur einige Passagiere leicht verletzt. Die Schienen waren in einer Länge von 25 Meter losgeschraubt, anscheinend, um den aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Libauer Zug zum Entgleisen zu bringen, was, da dieser Zug hier bergab rollt, zu einer schweren Katastrophe geführt hätte. Schwerer Wirbelsturm in Mittel=Argentinien wtb. Newyork, 14. Dez.(Tel.) Associated Preßz meldet aus Buenos Aires: Ein starker Wirbelsturm, verbunden mit Hagelschlag und starken Regengüssen, ist über den Provinzen Santa Fee und Cordoba niedergegangen. Der Schaden in der Provinz Santa Fee ist außerordentlich hoch. In einzelnen Teilen der Provinz Cordoba sind bis zu 30 Prozent der Ernte vernichtet. * T Unverdiente Niederlage der Südwestfalen. Westfalen— Südwestfalen 4:3(3:2). Der Repräsentativ=Fußballkampf Westfalen gegen Südwestfulen in Münster hatte das denkbar ungünstigste Wetter gefunden und litt darunter natürlich sehr. Der andauernde Regen hatte den Rasenboden sehr schlüpfrig gemacht. Der Besuch ließ jedoch trotz der seblechten Witterung und trotz des offenen Sonntags mit rund 2000 Zuschauern kaum zu wünschen übrig, ein beredtes Zeichen dafür, ein wie großes Interesse derartige Repräsentativkämpfe in manhen Orten auslösen. Das Spiel der beiden Mannschaften war, den Verhältnissen entsprechend, sehr gut Es endete mit einem knappen und vielleicht etwas glücklichen Sieg von 4:3(3:2) für die Westfalen. die reichlich schwer und spät ins Spiel kamen. Die erste nalbe Stunde gehörte vollkommen den Gästen, ohne daß sie in dieser Zeit den erforderlichen Vorsprung hätten herauszuholen vermocht. Den stärksten Mannschaftsteil hatten die Südwestialen in ihrer Läuferreihe. namentlich im Mittelläufer. die erfolgreich für bwehr und Angriff tätig waren. Auch der belannte Torhüter Büchsenschütz konnte gut gefallen. Aus der Westfalenelf ragten Beins und Ossege heraus. Nach erwa Fußball. Bezirksligaklasse. Eine Ueberraschung: II – 0S 4:0! Nachdem die Spoag. Hagen 11 schon am vergangenen Sonntag bewies, daß das Mannschaftsgefüge an Festigkeit gewonnen hat und die Spielstärke wieder im Wachsen begriffen ist, mußte sich auch der SC. Hagen 05 von dieser Tatsache überzeugen lassen und eine verdiente Schlappe entgegennehmen. Die Gäste enttäuschten gestern in jeder Hinsicht und zeigten nicht das Können, wie es den bisherigen Spielen und dem Tabellenstand wohl entsprochen hätte. Dagegen bot der Peatzverein ein selten frisches und flüssiges Zusammenspiel das den Erfolg von vornherein klar erkennen ließ. Der Sieg ist nicht zuletzt auf die geschickte Sturmführung zurückzuführen, wenngleich auch die tatkräftige Unterstützung der Läuferreihe nicht unerwähnt bleiben darf. Das Schlußdreieck stellt, wie immer eine gute Stütze dar und nahm den O5er Stürmern viel von ihrer Gefährlichkeit und Durchschlagskraft. Während die 11er nach der Plusseite enttäuschten, bewegte sich das Können der Gäste nach der entgegengesetzten Seite. Gegen die letzten Spiele war die Elf kaum wiederzuerkennen und hinterließ mit Ausnahme des Torhüters und vielleicht noch der Verteidiaung einen matten Eindruck. Schon in den ersten Minuten setzten die Ober sehr feurig ein und gaben den Anschein, als ob der weitere Verlauf ihre Note tragen sollte. Aber der Torhüter in Verbindunn mit den beiden Verteidigern zeigten sich dem Ansturm gewachsen, und nachdem die 11er sich auch gefunden hatten, wurd, der Kamp' offener und steigerte sich zur leichten Ueberlegenheit. Diese kam auch durch zwei Tore vom Linksaußen und Halbrechten zum Ausdruck. Nach dem Wiederbeginn hatte 11 die bessere Seite und gab dann durchweg den Ton an. Der dritte Treffer resultiert aus einem wegen Unfairnis gegebenen Elfmeter. Die Ueberlegenheit der 11er hält an, aber der Torhüter zeigt sich manchen gefährlichen Situationen gewachsen, muß sich aber bis zum Schluß durch einen schönen Langschuß des Linksaußen zum vierten Male geschlagen bekennen. 05 rafft die ganze Kampfkraft noch einmal zusammen, ohne aber eine Korrektur des Ergebnisses vornehmen zu können, vielmehr versucht 11 zum Endspurt überzugehen ohne aber außer zwei Ecken positiven Erfolg zu haben. I. Bezirksklasse. Oberruhr=Staffel BV. Iserlohn 11— Spygg. Fröndenbera 1:1 Die aufstrebende Form der Fröndenberger Svielvereinigung machte Iserlohn 11 gestern Kopfzerbrechen. Beide Mannschaften vermochten sich nicht zu überflügeln. Nachdem Iserlohn zunächst durch einen schlecht abgewehrten Schuß vom Torbüter des Gastes, der Ball prallt an der Brust des Hüters ab und rollt seitlich ins Tor, zum Führungstreffer kommen, stellt Fröndenberg nach Seitenwechsel durch einen Bombenschuß des Verteidigers, der hoch unter die Latte kommt, den Gleichstand wieder her. Zu einem Siege fehlte beiden Mannschaften eine größere Durchschlagskraft, sodaß beide zu einem verdienten Punkt kommen. Sp. Sp. Menden 09— Union Schwerte 1:1 In Menden brachten die Gegner nur in der zweiten Halbzeit je ein Tor zustande. In der ersten Halbzeit spielte Menden wohl leicht überlegen ohne aber bei der guten Schwerter Verteidigung vorerst ein Tor anbringen zu können. Nach Wiederbeginn drängt Menden eine geraume Zeit was den Erfola einbringt. Schwerte läßt sich nicht entmutigen und erzielt nach längeren Angriffsmomenten den Ausgleich. In diesem Kampf beherrschten durchweg die beiden Hintermannschaften je Lage. Hagener Staffel. Spv. Milspe 11— Sppag. Wetter 10 2: 1 Die Spielvereinigung Wetter 10 mußte in Milspe eine Niederlage über sich ergehen lassen Die Milsper befleißigten sich gegenüber dem technisch und spielerisch um eine klein. Idee besseren Gegner einer ritterlichen Spielweise und verriet eine gute Trainerarbeit. Bereits in den ersten 20 Minuten wurde Wetter überrumpelt und kann den beiden Gegentoren nur eins entgegensetzen. In der zweiten Spielhälfte war der Kampf durchweg ausgeglichen, jedoch zu Erfolgen kam man nicht mehr. Spp. Letmathe 98— FE. Haspe=Harkorten 4:3 Mit demselben Resultat wie Union Haspe auf eigenem Gelände stolperte der FC. Haspe=Harkorten gestern in Letmatbe über den Sportverein. Letmathe fand sich dank eigenen Platzes zunächst besser und schlägt den Gast bis zur Pause zweimal. Aucb der Wiederbeginn sieht Letmathe noch in besserer Form. Nachdem der Platzverein mit 3:0 in Führung lag. rafft Harkorten sich mächtig zusammen und erzielt den Gleichstand Dann aber hat der Gast sich vollständig ausgegeben, er klappt in sich zusammen und Letmathe erzielt kurz vor Schluß durch prachtigen Schuß das entscheidende Tor. Spp. Herbede 11— NeV. Altenvoerbe 12 ausarl 5 Minuten können die Gäste durch ihren Mittelstürmer Muer auf eine Flanke von rechts schon in Führung gehen. Trotz weiterer Ueberlegenheit, deren Ergebnis drei erfolglose Ecken sind kommen die Südwestsalen zu keinem zählbaren Erfolg mehr. In der 17. Minute erringt der westfälische Halblinke Otte aus einem Gedränge heraus den Ausgleichstreffer. Obwohl die Gäste weiter mehr vom Spiel haben, kommen die Westfalen durch den Rechtsaußen zur 2:1=Führung. die die Gäste aber sofort nach Wiederanstoß durch den Halbrechten Gogoll zum Unentschieden gestalten können. Inzwischen hat sich die Westfalenelf immer mehr gefunden und das Bild beginnt sich zu ändern. Noch vor der Pause ist Otte ein weiteres Mal erfolgreich und mit 3:2 für Westfalen werden die Seiten gewechselt. In der zweiten Hälfte entspinnt sich ein interessantes und meistens gleichwertiges Spiel, bei dem allerdings die westfälischen Angriffe die gefährlicheren sind. Nach 20 Min. schießt der Mittelstürmer ein viertes Tor und erst wenige Minuten vor Schluß kann der rechte Läufer Sondermann von Südwestfalen das Ergebnis auf 3:4 reduzieren. Lenne=Sieg=Staffe! Spp. Langenau— BfN. Siegen 0:0 abgebr. Wegen der schlechten Platzverhältnisse in Langenau sah sich der Schiedsrichter noch kurz vor der Halbzeit gezwungen, den Kampf abzubrechen. Spyag. Plettenberg— BV. Nachrodt 2: 1 In Plettenberg hätte es dem Ballspielverein Nachrodt um ein Haar geglückt, wenigstens einen Punkt mit nach Hause zu bringen. Bis zur Pause war man noch nicht zu einem Tore gekommen. Erst der Wechsel sieht beide Mannschaften abwechselnd im Angriff, jedoch hatte Plettenberg mehr Glück und blieb um eine kleine Nasenlänge Sieger. BC. Eintracht Siegen— VfB. Megnen 4:0 Wie nicht anders zu erwarten war, feierte Eintracht Siegen auf Grund besserer Stürmerleistungen einen klaren und überzeugenden Sieg über Meggen. Der Platzverein ließ den Gast kaum zu Worte kommen. Die Stürmerreihe war ein geschlossenes Ganzes und bot hervorragende Leistungen. Ein unmögliches Tor brachte der Mittelstürmer nach einer kurzen Kombination aus einem Gedränge heraus zustande. Spv. Betzdorf=Bruche— Jugend Betzdorf 1:10 Ein„Hagel“ ging über Betzdorf=Bruche nieder. Recht reichhaltig waren die„Körner“. 1:10 hieß es, als Jug. Betzdorf die Heimreise antrat. Das Ergebnis spricht von einer glatten Ueberlegenheit, gegen die der Platzverein nicht aufzukommen vermochte. VfV. Wissen— Spygg. Struthütten 2:6 Wenn man auch nicht mit einem so hohen Sieg von Struthütten über Wissen gerechnet hatte, so darf doch gesagt werven daß Wissen nicht kampfkräftig genug ist, um dem gestrigen Gegner die Spitze zu bieten. So erwies es sich auch gestern. Immerhin waren die beiden Ehrentore verdient, doch zum Unentshieden oder gar zu einem Siege gehört mehr Technik und Spielvermögen. Sportfr. Daaden— Hurst=Rosback 3: 1 Pech hatte Hurst=Rosbach in Daaden. Man ließ sich unverdient mit 8:1 abfertigen. Die Roshacher fanden sich in diesem Kampf überraschend schletzt zusammen. An Schutzfreudigkeit im Sturm fehlte es allerdings nicht, jedoch verfehlten die Schüsse meistens ihr Ziel. Das technische Minus glichen die Daadener durch großen Eiser aus, sodaß es zu diesem Siege kam, der aber dem Spielverlauf nicht ganz gerecht wurde. Sp. Sp. Niederschelden— Sp. C. Brachbach 1:1 Dem Spiel und Sport Niederschelden war der spielstarke Sportklub Brachbach ein kleines Verhängnis. Allerdings war der Sturm des Gastes zu unentschlossen, sodaß Niederschelden nur froh sein konnte, daß es mit einem„blauen Auge“ abging. Der Ansturm des Gastes machte der Niederscheldener Hintermannschaft schwer zu schaffen. Dem Spielverlauf entsprechend hätte es zu einem Sieg= für Brachbach kommen müssen. 1. Gruppe BfB. Brügge— RSV. Lüdenscheid=Höb 0: 1 2. Gruppe Spp. Haspe 28— Sportfr. Kabel 2:7 5. Gruppe Sppgg. Finnentrop— Spp. Attendorn 2:1 Spogg. Olpe— BfR. Altenhundem 2: 1 6. Gruppe Viktoria Netphen— Sppag. Trupbach 60 1:1 SC. Kaan=Marienborn— Niederndorf 4:0 Spp. DreisTiefenbach—. Spygg. Kirchen ausgef. RSV. Eiserfeld— Sppag. Bürbach 13: 1(!) Gauklasse. 1. Gruppe FC. Boßkuhle— FC. Silschede 1:1 Spp. Auf dem Schnee— Postsportv. Hagen 2:2 abgebr. 2. Gruppe SC. Eilpe— Spp. Grünewald 7: 1 Gesellschaftsspiele Jahn Werdohl— Spp. Bärenstein 2: 0 Zu dem Gesellschaftsspiel in Werdohl traten beide Mannschaften stark ersatzgeschwächt an. Die Leistungen waren auf beiden Seiten mäßig. Wenngleich Werdohl auch überlegen war, konnte bei der sicheren Hintermannschaft der Bärensteinen der Werdohler Sturm sich nur schwer durchsetzen. Spp. Hemer 08— Spp. Iserlohn e5 SC. Westig 08 S:1 Im gestrigen Spiel zeigte Hemer 08, daß technisch die Mannschaft mehr aufzuweisen hat, als im Vorsviel festzustellen war. Nachdem zunächst die kombinierte Elf Iserlohn Westig in Führung lagen, machte Hemer die Hintermannschaft der Gäste vollständig mürbe und blieb als Besserer verdienter Sieger. VfL. Osnabrück— Sp. Sp. Hüsten 09 2: 3. Sp. Sp. Gevelsberg es— VfV. Remscheid 13: 1 BIV. Aktena— Tv. Oestrich 2:6 Viktoria Hagen— Spv. Geisecke 4:3 Westfalia Gevelsberg— Spp. Welper 3:12 Spp. Hemer os(Res.)— Spp. Lendrinasen 2:9 Hart erfochtene Siege.— Lennestaffel: Die Meisterschafts spiele beendet; aber noch kein Meister. Hagener Staffel. Sportfr. Siegen— Polizei Hagen 6:0 Ein sehr harter interessanter Kampf kam in Siegen zur Durchführung. Die Siegener hatten besonders in der ersten Halbzeit und bis fast zur Mitte der zweiten schwer gegen den Gast anzukämpfen. Die Führung lautete zunächst 1:0 für Siegen. Die Polizei macht mächtig Anstrengungen, den Gleichstand herzustellen, wird auch öfters gefährlich, hat aber mit den Würfen Pech. Dem Spielverlauf nach hätte bis zum Wechsel der Sieg auf Seiten der Polizei stehen können, sodaß es leicht hätte umgekehrt gelautet. Nach dem Wechsel ist die Hintermannschaft der Ordnungsleute immer dem starken Angriff der Siegener gewachsen, bis Zimmermann den Bann bricht, dem dann in regelmäßigen Abständen die 5 weiteren Tore folgen. Bemerkenswert ist, daß die Polizei gegen Schluß des Kampfes wie so oft plötzlich abbricht und nicht mehr in der Lage ist, irgendwelchen stärkeren Widerstand entgegenzusetzen. SC. Hagen 05— Reichsbahn Hagen 3:: Selbst der SC. Hagen 05 erlebte wie verschiedene andere starke Hagener Mannschaften im Spiel gegen die Reichsbahn eine unerwartete Enttäuschung. Man hatte den Gast wohl zu leicht genommen, allerdings führte der Halbrechte, auf den leider das Stürmerspiel der O5er zu stark abgestimmt ist ein mäßiges Spiel vor. Er leistete sich die größten Schnitzer. Trotzdem die Gäste nur mit 10 Leuten spielten, vermochten sie sich sehr gut durchzusetzen. Auch die Hintermannschaft des Platzvereins hatte mit dem Neuling seine Arbeit. Der Halbzeitstand hieß 2:0. 05 hängt dann noch ein drittes Tor an. Die Reichsbahner drohen nach 1:3 und 2:3 aufzuholen, was aber bis zum Schluß nicht mehr gelingt. Bei etwas mehr Wurfvermögen hätten die Gäste dem Platzverein zum Verhängnis werden können. Union Hagen— H. C. Herdecke 30 S: 4 Lenne Staffel. Jahn Werdohl— Spp. Attendorn 4: 1 Dieses wichtige Spiel, welches den Meister der Lennestaffel hätte bringen können, aber nicht gebracht hat, fand in Werdohl vor einer zahlreichen Zuschauermenge statt. Ein Unentstbieden hätte für Attendorn genügt, um Meister zu werden. Jedoch schlug Jahn Werdohl die Attendorner einwandfrei. und beide Kontrahenten sind nun punktgleich. Zwei Entscheidungsspiele müssen die Meisterfrage klären. Das erste Spiel ist bereits für den nächsten Sonntag in Attendorn angesetzt Sofort nach Beginn legt Werdohl mächtig los und drängt die Attendorner Mannschaft in ihre Hälfte zurück, ehe diese sich aus der Bedrängnis freimachen konnte, erzielten die Werdohler das erste Tor welches der Attendorner Hüter bätte vermeiden können. Kaum haben die Gäste sich erholt, so kann der talentierte Halbrechte von Werdohl durch unhaltbaren Rückhandwurf das Resultat auf 2:0 stellen. Nach Wiederanpfift können die Attendorner das Spiel offen gestalten und durch Freiwurf das erste Tor erzielen, welches auch das letzte für sie sein sollte. Kurz vor dem Pausenpfifi konnte wieder Weredobls Halbrechter durch einen seiner gefährlichen Rückhandwürfe dem Attendorner Hüter das Nachsehen geben. In der zweiten Hälfte strengen sich die Gäste mächtig an, dieses Resultat günstiger zu gestalten, doch vergebens. Der Platzverein kann dagegen noch den vierten Treffer erzielen. Der spannende, aber ritterliche Kampf hatte in Pankok, Hagen 05. einen gerechten und aufmerksamen Leiter. Sportfr. Lüdenscheid 08— Spp. Plettenbeva 1:4 Die wankenden Lüdenscheider Sportfreunde boten auf eigenen. Platz gegen die Sppag. Plettenberg wieder ein ausgesprochen gutes Spiel. Bereits bis zum Wechsel hatten sie dem Gaste ein 3:0 abgetrotzt. Dann aber raffen sich die Plettenbergen auf und vermögen die Hintermannschaft viermal zu überrumpeln und einen glücklichen Sieg mit nach Hause zu nehmen. BfR. Altenbundem— Spp. Eiringhausen 8:3 Einen sicheren Sieg buchte BfR. Altenhundem über den Spp. Eiringhausen. Nachdem es zunächst 4:0 für den Platzverein lautete, gaben die eifrigen Eiringhausener den Kampf aber nicht verloren, sondern setzten den 4 weiteren Voren, die Altenhundem nach dem Wechsel warf, noch drei entgegen. Zu einem Unentschieden langte aber das Können nicht. vielmehr erhöhte sich das Ergebnis auf ein überlegenes 8:3. Tabellenstand der 1. Bezirkshausballklasse nach dem 14. Dey Lenne=Staffel. Spo. Klafeld 2.— Sp. Sp. Niederschelden 1. aus Spo. Eiserfeld— Spo. Niederschelden 2. 1: 1 und unerwartet im Alter von In tiefer Trauer, auch im Naren aller Hinterbliebenen Frau Friederike Dröge geb. 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Statt jeder besonderen Anzeige Gott der Herr nahm heute nachmittag 2 Uhr meinen innigstgeliebten, treusorgenden Bruder, unsern guten Onkel Emil Köpke Kaiserlicher Hofrat a. D. Inhaber hoher Orden nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 68 Jahren zu sich in die Ewigkeit. In tiefem Schmerz: Frau Anna Lücking geb. Köpke und Kinder. Schwerte, den 13. Dezember 1930. Die Beerdigung sindet statt am Miittwoch, dem 17. Dezember, nachmittags 2½ Uhr vom Trauerhause, Hörderstraße 35, aus zum Friedhof in Westhofen.— Trauerieler ½ Stunde vorher. Zur Beerdigung des verstorbenen Schützen Karl Dröge tritt der Verein morgen, Dienstag, nachmittags 2½ Uhr im Central=Hotel (Jungesblut) an. Zahlr. Erscheinen erwartet 4.86 Der Vorstand. Sprüche in neuer schöner Ausführung Carl Braus Bahnhofstr. 3. C Rage schr gute.) gebr. Planos wie neu hergerichtet, darunter Pörster- Planos ebenfalls ein gebr. Steinway& Sons Flüger sehr preiswert unter günst. Bedingungen mit voller Garantie abzugeben. 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(Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzt. Verantwortung.) Heute soll die Entscheidung über die Deckung des Fehlbetrages im städtischen Haushaltsplan durch Erhöhung der Grundvermögenssteuer um 39 Prozent von 230 auf 269 Prozent und der Gewerbeertragssteuer um 108 Prozent von 650 auf 758 Proent erfolgeck. Noch in letzter Stunde ergeht ein Appell an diejenigen Herren Stadtverordneten, die das Recht für sich in Anspruch nehmen, die Belange der Industrie, des Handels und des Gewerbes zu vertreten, bei den zu erhöhenden Steuersätzen zu bedenken, daß durch die Vorschriften über die Realsteuersenkung in der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 der 31. Dezember 1930 als Realsteuerplanfonds für die Senkung ab 1. April 1931 maßgebend ist. Fast bei jeder Gemeindeverwaltung zeigt sich das Bestreben, durch Steuererhöhungen im letzten Monat bei der zentralen Festsetzung der Anteile demnächst tüchtig etwas mitzubekommen. Man ist gewiß der Letzte, der nicht für einen Ausgleich im Gemeindehaushalt ist und der Stadtverwaltung die Anerkennung versagt, daß sie nicht sparsam gewirtschaft hat, aber einer Erhöhung der Realsteuern für die gesamte Wirtschaft ist nur dann zuzustimmen, wenn feststeht, daß für das Veranlagungsjahr 1931 die Gewerbesteuer unter keinen Umständen über den Satz von 630 Prozent hinausgeht. Es ist doch bekannt, daß der Stadtverwaltung beträchtliche Mittel vom Reich aus dem Pauschalierungsfonds der Reichsbahn und Post zufließen, wenn auch die Vergütung für die vergangenen Jahre heute noch nicht ziffernmäßig feststeht. Weihnachtskarten Neujahrbrartel. in großer Auswahl zu haben in der ### Buchhandlung Carl Brans Bahnhofsteaße 3 Gr. Marktstruß: 3 Im März d. J. hieß es seitens der Stadtverwaltung, daß etwa mit einem Fehlbetrag von 100000.— RMk. zu rechnen wäre. Dieser Fehlbetrag betrug jedoch am Schlusse des Rechnungsjahres— 31. März 1930— nur 10 000.— Reichsmark. Unsere städtischen Finanzen stehen keineswegs so schlecht, wie allgemein angenommen wird. Man kann vorerst ruhig eine abwartende Stellung einnehmen. Auf der einen Seite wird von dem Einzelhandelt verlangt, die Preise auf den Friedenssatz herabzudrücken, auf der anderen Seite treten Steuererhöhungen ein, die vollständig untragbar sind. Die Vertreter jeder Fraktizn schädigen ihre Wähler in erheblichem Maße, wenn sie der Erhöhung der Realsteuern ihre Zustimmung geben. ha. Auch nach dem Ausland besondere Telegramme zum Fest. Besondere Glückwunschtelegramme für die Festtage werden vom 15. Dezember bis 5. Jan. auch nach dem Ausland zugelassen. Für einzelne Länder können ebenfalls aufgestellte Fassungen der Post gewählt werden, z. B.„Fröhliche Weihnachten“ und„Ein glückliches Neujahr",„Herzlichste Weihnachtsgrüße von uns allen“, besten Wünsche für ein glückliches und ersolgreiches Neujahr". Auch auf Schmuckblatt sind Glückwünsche verschiedentlich zugelassen. Es sind auch hier nur die Nummern der gewünschten Fassungen anzugeben. Für Danzig und das Saargebiet kann das Telegramm 15 Wörter haben, sonst 10. Die Mindestgebühr schwankt für die europäischen Länder zwischen 75 Pfg. und 1,40 Mk., für die anderen Erdteile zwischen 3.50 und 12.30 Mi. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Nr. 293(Zweites Blatt) „Schwerter=Feltluug Vor der Entscheidung über Deutsch=Ostafrika Die Gefahr hat den Gipfelpunkt erreicht Von Dr. F. K. Practorius=Hamburg. Es ist die höchste Zeit zur Abwehr. Kein Zweisel, im englischen Kolonialreich vollziehen sich gegenwärtig Wandlungen von einstweilen nicht abzusehender Tragweite. In Indien gärt es wie zuvor. Die Dominien haben staatsrechtlich schon jetzt fast unbeschränkte Selbständigkeit erlangt. In den Protettoraten Kleinasiens, der außerordtlich wichtigen Brücke zwischen den britischen Ländern Astens und Afrika, herrscht ewige Unruhe; und Aegypten, im Norden mit dem Einfallstor zum großen afrikanischen Reich Englands und im Süden mit dem viel umstrittenen Sudan, macht Großbritannien kaum weniger Sorgen als Indien selbst. Man sollte meinen, England habe genug zu tun, um seine Herrschaft über dieses gewaltige, einst fest in sich gesügte Kolonialreich zu behaupten. Aber trotz alledem sucht es sich auch gegenwärtig noch immer weiter auszudehnen und den alten Plan der unumschrän'ten Herrschaft über den gesamten„schwarzen Erdteil“ in die Tat umzusetzen. England hat in Versailles sein großes koloniales Ziel nicht erreicht. Zwar nahm es sich den größten Teil der deutschen Kolonien, diese aber wurden nicht sein Eigentum, sondern ihm nur zur Verwaltung übergeben. Die Rechtslage ist volkommen klar und ergibt sich einwandfrei aus dem Versailler Distat wie aus der Völkerbundsakte. Aber trotzdenk' glaubt Großbritannien sich jetzt über alle rechtlichen Bede##en hinwegzusetzen, Deutsch=Ostafrika annektieren und dieses mit den Protektoraten Kenya und Uganda zu einem britischen Dominium vereinigen zu können. Was man seit Jahren befürchten mußte, droht Wirklichkeit zu werden, wenn nicht der einmütige und entschlossene Wille deß dentichen Volkes die Regierung vere###sont: endlich den Rechtsanspruchs des Der. weiches mit allen Mitteln vor dem Völkerbund durchzusetzen. Während die deutsche Regierung nun schon seit Monaten auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht worden ist, hat die britische gehandelt. Soeben wurde den beiden Häusern des englischen Porlaments von der Regierung ein entsprechender Vorschlag zur Beratung unterbreitet. Für Landraub und Annektionen findet man immer wieder neue Namen und Umschreibungen; diesmal nennt man es ganz harmlos„closer Union“, so als ginge es um nichts weiter als um irgend welche verwaltungstechnischen Maßnahmen. Auch der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes wurde ein entsprechender Antrag eingereicht, von ihm jedoch einstweilen zurückgestellt, bis die endgültige Entscheidung in London gefallen ist. Unter keinen Umständen dürfen wir freiwillig auf unsere kolonialen Ansprüche verzichten. Die letzten zehn Jahre haben bewiesen, daß wir ohne Kolonien nicht leben können. Wir sind sowohl hinsichtlich der Beschaffung der Rohstoffe als auch der Ausfuhr unserer Erzeugnisse auf eigene Wirtschaftsgebiete in Uebersee angewiesen. Solange die Arbeitslosigkeit, diese schlimmste und alles zersetzende Krankheit moderner Wirtschaftsländer, nicht behoben ist, kann mit dem Wiederaufstieg unseres Vaterlandes nicht gerechnet werden. Hierzu brauchen wir aber vor allem unsere Kolonien wieder. Und gerade Deutsch=Ostafrika bietet für die heimische Wirtschaft ebenso wie für die Besiedlung und Kolonisierung im weitesten Sinne noch ungeheuer viel Arbeitsmöglichkeiten. Obgleich Großbritannien seine politische Vormachtstellung für seine eigene Wirtschaft in jeder erdenklichen Weise aus=unutzen suchte, steht Deutschland schon wieder an zweiter Stelle in der Reihe der Einfuhrländer von Deutsch=Ostafrika. Aber dem deutschen Anteil von 12.2 Prozent von der Gesamteinfuhr des letzten Jahres stehen 54,9 Prozent gegenüber, die auf Erzeugnisse der Länder des britischen Reiches entfallen. Vor dem Kriege verteilte sich die Einfuhr ungefähr im uingekehrten Verhältnis. Unsere Ausfuhr ist in den letzten Jahren erfreulich gestiegen, 1929 betrug sie 6.5 Millionen Mark gegen nur 4 Millionen in den beiden vorhergehenden Jahren; bis zum Juli dieses Jahres hatten wir für 2•9 Millionen Mark Waren nach Deutsch=Afrika exportiert. Wie wichtig diese Ausfuhr ist, ergibt sich daraus am flarsten, daß gerade solche Erzeugnisse am meisten gefragt sind, in deren Herstellung die deutschen Industrien führen. Von der Gesamteinfuhr des Laudes entfielen 21 Prozent auf baumwollne Stückgüter, 11 Prozent auf Nahrungsmittel, 7 Prozent auf Baumaterialien, 6 Prozent auf Maschinen und 2 Prozent auf Eisen= und Stahlwaren. Die wichtigsten zur Ausfuhr aus der Kolonie gelangenden Landesprodukte sind Sisal, Erdnüsse, Kassee, Baumwolle, Kopra, Häute und Felle. Der Bergbau ist einstweilen noch ganz unentwickelt, so daß sich noch nicht einmal absehen läßt, mit welchen Produktionsziffern bei systematischer Ausnutzung auf diesem aussichtsreichen Gebiet gerechnet werden kann. Die Schätzungen des Kapitalwertes der Kolonie beziffern diesen bis 1950 auf 22,8 Milliarden Mark und einschließlich der Kapitalanlagen sogar auf 35 Milliarden. Der Feindbund sollte sich darüber im klaren sein, daß wir ohne Kolonien niemals imstande sein werden, irgendwelche Abgaben aus Ueberschüssen zu leisten. Und„Kriegstribute“, die vom eigenen Kapital genommen werden müssen oder nur geliehen sind, führen unweigerlich zum Bankrott. Vor allem anderen muß aber auf eins hingewiesen werden. Der Raub unserer Kolonien wird genau so wie das ganze Versailler Diktat mit einer Schuldlüge Deutschlands begründet, und zwar in diesem Falle mit der Behauptung von Deutschlands Unfahigkeit zur Kolonisation. Die geradezu beispielslos glänzende wirtschaftliche Entwicklung aller unsrer Kolonien vor dem Kriege läßt sich an Hand der Produktionsziffern unwiderleglich nachweisen. Und die ungeheuerliche Lüge, daß wir in der Eingeborenenbehandlung versagt hätten, wird durch nichts schlagender widerlegt als durch die keiner anderen Kolonialmacht in gleicher Weise vor, während und nach dem Kriege erwiesene unerschütterliche Treue der Eingeborenen zu ihren deutschen Herren. und Wirtschaft ha. Verletzungen durch Patete. In letzter Zeit sind Klagen darüber laut geworden, daß die Verschnürung von Paketen mit Metalldraht nicht den Anforderungen der Bestimmungen hierfür entspricht. Die Sicherung der Drahtenden ist schlecht, so daß die Postbeamten sich verletzt haben. Die Beamten sind jetzt angewiesen worden, bei der Annahme solcher Patete darauf zu achten, daß der Draht die nötige Dicke und Festigkeit hat, die Verschnürung sorgfältig und sachgemäß ausgeführt ist und die Drahtenden genügend gesichert sind, so daß keine Verletzungen und Beschädigungen der Beamten und anderer Sendungen vorkommen können. Die Auflieferer sollen die Enden durch Kapseln sschern ha. Verkehr mit brennbaren Flüssigkeiten. Für den Verkehr mit brennbaren Flüssigkeiten gibt der Handelsminister mit den Ministern des Innern und der Volkswohlfahrt eine neue Polizeiverordnung bekannt. Die Regierungen der deutschen Länder, die beteiligten Kreise und Sachverständige sind nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis gelangt. Die Verordnung gilt vom 1. Januar an. Die alten Verfügungen über den Verkehr mit Mineralölen und Mischungen werden aufgehoben. Die neue Verordnung schließt sich in ihrem Aufbau der bisherigen Mineralölverkehrsordnung an. Neu-ist, daß sie sich auf alle brennbaren Flüssigkeiten erstreckt. Die in Frage kommenden Sachverständigen müssen ihre Anerkennung neu beantragen. Die neue Verordnung behandelt das Anwendungsgebiet für die Flüssigkeiten, die Gruppen und Gefahrklassen, den Flammpunkt, Nachweise, Durchführung, Gefäße, Zapfstellen, Verbote, Löschvorrichtungen, Lagerung der Flüssigkeiten, Untersuchungen Dauer der erteilten Erlaubnis, Ausnahmen, Strafen usw. Mitgeteilt sind besondere Grundsätze für die Durchführung der Verordnung und eine Ausführungsanweisung. ha. Die Arbeit des Stiefkindes muß beim Kinderzuschuß berücksichtigt werden. Bei der Prüsung der Frage, ob der Stiefvater das Stiefkind überwiegend unterhält, darf nach einer Entscheidung des Spruchsenats für die Invalidenversicherung grundsätzlich der Wert der Arbeit nicht außer Betracht gelassen werden, die Montag, 15. Dezember 1930 Das Wrack des Hamburger Motorschoners in Swinemünde Die achtköpfige Besatzung wird noch verm. das Schiff liegt, wie unser Bild zeigt, bis zur Reeling unter Wasser. das Stiefkind dem Vater leistet. Der Kinderzuschuß wurde dem Stiefvater zu seiner Invalidenrente gezahlt. Die zuständige Landesversicherungsanstalt stellte die Zahlung des Zuschusses ein, weil die 14jährige Stieftochter gut entwickelt u. erwerbsfähig sei. Sie verrichtet bei dem Vater Haus= und landwirtschaftliche Arbeiten und ersetzt ihm eine Arbeitskraft. Demnach unterhält der Vater die Tochter nicht mehr voll. Das Reichsversicherungsamt hat nach Prüfung der Angelegenheit die Anstalt verpflichtet, dem Vater weiter den Kinderzuschuß zu zahlen. Jene Arbeitsleistung des Kindes gilt als Ausbildung und hat nur eine untergeordnete Bedeutung. ha. Billigere Telegramme zu den Jesttagen. Zum bevorstehenden Weihnachts= und Neujehrsfest läßt die Post im Inlandsverkehr Glückwunschtelegramme besonderer Art zu ermäßigter Gebühr zu. Sie erhalten den Vermerk G1, Der Aing der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyricht by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Doktor Messerschmidt wußte aus dem Situationsbericht Vogels, daß diese Angaben, die Müller über sein krankes Kind machten, stimmten. „Weiter. Sie haben Ihren Posten gestern abend kurz nach dem Weggang der Tänzerin für eine halbe Stunde verlassen. Wo waren Sie?“ Der Verhörte zuckte zusammen. Er sah ein, daß man hier schon sehr gut unterrichtet war. Es hatte keinen Zweck, zu lügen. Verlegen an einem Knopf seiner Jacke drehend, gab er zu Protokoll: „Ich dachte mir, daß der Verlust der Kette nicht lange unbemerkt bleiben würde. Man konnte jeden Augenblick zu mir kommen und sragen, ob ich den Schmuck gefunden hätte. Ob ich, mit dem Kollier in der Tasche, hätte glaubhafte Aussagen machen können, weiß ich nicht. Darum bestieg ich eine der vor dem„Rheingold' partenden Kraftdroschken und fuhr in das Geschäft von Bernstein. Leider war der Inhaber nicht daheim oder wollte nicht öffnen. Ich bin dann wieder zurückgefahren, weil es verboten ist, den Dienst zu verlassen. Ich hatte zwar den Boy beauftragt, einstweilen für mich...“ Der Untersuchungsrichter winkte ab. „Bis hierher. Und Sie irren sich bestimmt nicht, daß der Begleiter der Tänzerin Herr Manfred Stein war?“ Müller schüttelte lebhaft den angegrauten Kopf. „Es war Herr Stein! Ich habe mich auch noch gewundert, daß Herr Stein mit einer fremden Dame kam; denn bisher war immer nur eine schöne brünette Frau in seiner Begleitung, wenn er den Tanzpalast aufsuchte. Aber das hat wohl nichts zu sagen. Als Pförtner sieht man vieles, was zum Verwundern wäre und worüber man schweigt. Die feinen Herrschaften haben viel Geld und...“ „Ist Ihnen an dem Paar nichts aufgefallen?“ unterbrach Doktor Messerschmidt den Berichtenden, der allmählich alle Scheu verlor und nach der ersten Niedergeschlagenheit gesprächig zu werden begann. „Nichts Besonderes. Ich weiß nur, daß sie im Auto fortgefahren sind. Das kann auch der Chauffeur Schmalz, den ich gut kenne, bestätigen. Herr Stein muß sehr glücklich gewesen sein.“ „Woraus wollen Sie das gemerkt haben?" fragte der Richter, ein Lächeln unterdrückend. „Weil er mir ein Fünsmarkstück als Trinkgeld gegeben hat", erklärte Gustav Müller schlagfertig. Er hatte seine eigene, ziemlich sichere Methode, die Stimmung des Menschen nach der Höhe des Trinkgeldes zu beurteilen. PförtnerPerspektive. Nach Lage der Sache traf Müller nur die relativ kleine Schuld, einen Schmuck für sich verwertet zu haben, der ihm nicht gehörte— Fundunterschlagung. Das sah auch Doktor Messerschmidt ein. Nach kurzer Verständigung mit Kriminalkommissar Vogel ließ er den Pförtner zwei Stunden später wieder in Freiheit setzen, weil auch die inzwischen erneut erfolgte Vernehmung des Chauffeurs, der Müller am Abend vorher zu Bernstein gefahren hatte, die Haltlosigkeit des schweren Verdachts ergab. Müller ging mit schwerem Herzen nach Hause. Er wußte daß ihm kein guter Empfang bereitet werden würde. Am meisten jedoch schämte er sich vor seinem Kinde. *** Die Recherchen gingen weiter. Schon innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden zog sich das Gewitter über einem anderen Haupte zusammen, über einem Menschen, von dem man nie geglaubt hätte, daß er je in so schweren Verdacht kommen könnte. Selbst der Untersuchungsrichter sträubte sich innerlich, an die Schuld dieses Mannes zu glauben. Und doch: der Schein sprach davon. Die kommissarische Vernehmung des Chausseurs, die geheimen Erörterungen über die Vermögenslage, Geschäftsgang und persönliche Ambitionen des Betreffenden— dies alles fügte sich zu den Maschen des Netzes, in dem Manfred Stein gefangen wurde. Er war ein Spieler, der sich und seine Firma an den Rand des Verderbens brachte. Die letzten Bankauskünfte über die Steinschen Konten waren nichts weniger als erfreulich. Spieler haben meist anspruchsvolle Freundinnen. Vielleicht lag ein Eifersuchtsakt vor? Der Chauffeur der Kraftdroschke hatte zwar gesehen, daß Stein den Wagen an der Ecke Jahnund Simonstraße verließ, war auch von ihm entlohnt worden, konnte aber nicht angeben, ob die Tänzerin schon bewußtlos war, als sich Stein von ihr trennte. Möglicherweise konnte der Passagier auch unbemerkt nochmals auf den anfahrenden Wagen gesprungen sein... Und so blieb nichts anderes übrig: der Haftbefehl gegen Manfred Stein mußte ausgefertigt werden! Um so mehr, als sich im Laufe des Tages ein junger Mann meldete, der gesehen haben wollte, daß am vergangenen Abend gegen neun Uhr in der Jahnstraße ein Herr im Frackmantel und Zylinder auf ein langsam fahrendes Taxi aufgesprungen sei. Durch die alarmierenden Plakate der Staatanwaltschaft wurde das Publikum zur Mitarbeit an dem Fall Stransky angeregt. Immerhin wurde der Schlag noch eine Stunde hinausgezögert. Man holte nur aus— man wartete noch. Nicht zum mindesten war die Erwägung mitbestimmend: Es würde einen Aufsehen erregenden Skandal geben Und wenn man Stein trotz allen Indizien eine direkte Schuld nicht nachweisen konnte? Was dann? Doktor Messerschmidt kannte solche Fälle aus seiner Kriminalpraxis. Und fürchtete sich fast noch mehr als die gänzliche Aussichtslosigkeit, ein Verbrechen aufzuklären. Der Landgerichtsrat ließ sich mit dem Gerichtsrat Sanitätsrat Doktor Friedländer verbinden. Er hoffte noch immer, daß von hier eine definitive, günstige Wendung der Dinge zu erwarten sei. Wenn es gelänge, Mia Stransty zu vernehmen, dann... Der Sanitätsrat meldete sich „Hier Doktor Messerschmidt.“ Doktor Friedländer wurde sofort Besceid. Doktor Friedländer wußte sofort Bescheid.„Ich stand eben im Begriff, Sie anzurufen, Herr Landgerichtsrat. Mein Laboratorium hat mir in dieser Minute den Befund der BlutprobenAnalyse mitgeteilt. Es handelt sich um das sehr gefährliche indische Pfeilgift Aconitum feroc Wallich.“ „In welchen Dosen wirkt dieses Gift tödlich?“ fragte der Landgerichtsrat. Doktor Friedländer hatte diese Frage erwartet.„Es genügen Bruchteile eines Milligramms, um einen Menschen zu töten.“ Doktor Messerschmidt erschrak.„Dann ist hoffentlich Aussicht vorhanden, Fräulein Stransky am Leben zu erhalten?“ Ihm ging es doch in erster Linie um die Aussagen der wichtigsten Zeugin! „Aber gewiß! Unsere Patientin befindet sich bereits auf dem Wege der Besserung. Verschlimmerung ist nicht mehr zu befürchten. Die von mir angeordnete Magenentleerung und künstliche Atmung haben trotz der Blutvergiftung ihre Wirkung getan. Krämpfe und Herzlähmung haben sich nicht wiederholt. Die Pflegerin hat mir mitgeteilt, daß die Herztätigkeit erstarkt. Wie schon gesagt: Ich hoffe die Kranke in spätestens drei Tagen so weit wiederhergestellt zu haben, daß sie vernehmungsfähig ist.“ Drei Tage— eine Ewigkeit, dachte der Landgerichtsrat. „Ich danke Ihnen, Herr Sanitätsrat. Aber nun möchte ich noch gern wissen, wo dieses Gist— wie hieß es gleich?— ach richtig: Aconitum!— hergestellt wird?“ Doktor Friedländer bat um einen Augenblick Geduld. Den Hörer am Ohr, machte sich Doktor Messerschmidt auf einem Block einige Notizen. Da meldete sich der Arzt wieder. „In Deutschland gibt es nur zwei Firmen, die dieses Gift zu Heilzwecken verarbeiten und an die Apotheken liefern: die Mitteldeutsche Anilin=Aktiengesellschaft und die hiesigen chemischen Werke von Maufred Stein.“ (Fortegung feigt.) auf Schmuckblatt GLx. Der Absender kann den Wortlaut selbst fassen oder einen der verschiedenen Sätze wählen, die die Post aufgestellt hat. letzteren Falle ist nur die Zahl der gewünschten Fassung anzugeben, die als ein Wort rechnet. Für das Telegramm wird bei Wörtern eine Grundgebühr von 50 Psg. im Ortsverkehr und 75 Pfg. in die Ferne erhoben, auf Schmuckblatt 1 Mk. mehr. 25 verschiedene Sätze sind #elassen. Unter der ausgeschriebenen Zahl vierzigvier wird dem Empfänger ein Telegramm folgenden Inhalts übersandt: Gesegnetes Fest und herzlichstest Grüße; unter vierzigeins: Innigste Wünsche und Grüße zum Weihnachtsfest; vierzigsieben: Von Herzen Glück und Segen im neuen Jahr; fünfzigzwei: Die besten Wünsche für ein glückliches und erfolgreiches Jahr; dreißigsechs: Innigste Grüße und Wünsche zu Weihnachten und Neujahr. Weihnacht- deutsche Ware Schwerte, den 15. Dezember 1930. * Dieser Winter kann für Volk und Wirtschaft der schwerste werden, den wir nach den Kriegs= und Inflationsjahren erlebt haben. Elendsheer der Arbeitslosen hat die 3,5= Millionencrenze bereits überschritten. Jedes Sanierungswerk muß von vornherein zur Ersolglosigkeit verurteilt bleiben, wenn nicht jeder Einzelne von uns tatkräftig an einer Besserung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse mitarbeitet. Deutschland bezog in den Monaten Januar bis September d. J. allein an landwirtschaftlichen Erzeugnissen, also an Lebensmitteln und Getränken für mehr als 2.3 Milliarden aus dem Auslande, und an Fertigwaren, also Garnen und Geweben, Eisenwaren, Maschinen, Automobilen nahezu für 1,4 Milliarden Mark. Wenn man sich immer wieder vor Augen hält, daß in der Auslandsware der Lohn für den ausländischen Arbeiter steckt, weiß man, was man zu tun hat. Man errechnet, daß eine Einfuhr von Fertigware in Höhe von 6000 M. bezw. eine Einfuhr von landwirtschaftlichen Gütern in Höhe von 2250 Mark jährlich einer Arbeitskraft im Inlande mit seiner Familie Brot und Arbeit rauben. Dieser ungesunde, starke Verbrauch ausländischer Waren bildet eine Quelle der Arbeitslosigkeit, der Kapitalknappheit und des Verbrauchsrückgangs in Deutschland. Um so höher steht die Pflicht jedes Einzelnen, sich jeden Verbrauchs überflüssiger ausländischer Waren, und deren sind nicht wenig— zu enthalten, um den Arbeitsmarkt nach seinen Kräften möglichst zu beleben.„Deutsche Weihnacht— deutsche Ware!" rust es dir aus allen Schausenstern entgegen. Bevorzugt bei euren Christfesteinkäufen und für alle Zukunft die guten deutschen Waren, und ihr schafft Arbeit und Brot. Der süberne Sonntag in Teicemeine öffentliche WeihnachtsRotsammlung Es wurde folgender weiterer Betrag gezeichnet: G. D, L. Ortsgruppe Schwerte 100.— M dazu bisherige Zeichnung: 7168,— M A. Sch. Herzlichen Dank! 7268.— M 10— 7278.— M : Gedenktage. 15. Dezember: 1775 Der Komponist Francios Adrien Boieldien in Rouen geboren (gestorben 1834).— 1784 Der Schauspieler Ludwig Devrient in Berlin geboren(gestorben 1832) — 1804 Der Bildhauer Ernst Rietschel in Pulsnitz geboren(gestorben 1861).— 1842 Der Dichter Karl Stieler in München geboren(gestorben 1885). : Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 14. Dezember 1930. Während das starke Hoch etwas weiter nach Nordosten zurückgewichen ist und das nördliche Rußland einnimmt, hat sich das Tief nicht wesentlich verlagert, aber an Intensivität abgenommen. Die Luftdruckgegensätze sind daher etwas geringer geworden. Ein Tiefdruckausläufer nimmt das Nordseegebiet ein. In Deutschland war das Wetter heute morgen ganz bedeckt und trübe, der Westen hatte Regen, in Berlin fiel. Schnee. Die Temperaturen baren im Westen angestiegen bis zu 9 Grad in Aachen, der Osten hatte unter dem Einflusse des Hochs Feestgrade bis zu—6 Grad in Königsberg. Der Kahle Asten meldete mäßigen Westwind, Nebel und—0 Grad. Aussichte# fär Montag: Bewölkt, auch heiter, goch dereinzelt Regenfälle, wieder etwas kühl:e. Aus ichien für Dienstag: Bewölkt, zeitweise aufheitern, keine wesentlichen Regenfälle. + Verminte Ehrung. Dem Wirt Wilhelm Kordeck, der über 24„Juhr: der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr ang=hür:, zuletzt als Brandmeister, und der weg:t ein=: vor drei Jahren bei dem Brande im Treiwerk des hiesigen Bahnhoss erlitten:t[Srer Dienstbeschädigung aus dem aktiven Dienst austreten mußte, ist vom preußischte: Siausn.!n#terium die Auszeichnung für Viedienste im Feuerlöschwesen verliehen worder. Die Auszeichnung wurde ihm gestern vormitag durch ein: Abordnung des Vorstandes dec Wehe unter Führung des Oberbrandmeislees Hudeck mit einer ehrenden Ansprache überreicht. Wir gratulieren bestens! Unfall. Gestern abend gegen 8,30 Uhr ereignete sich am Marktplatz ein bedauerlicher Unsall. Beim Umsetzen des Straßenbahnwagens erlitt ein Straßenbahnschaffner starke Brustquetschungen. Mitglieder der freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz waren schnell zur Stelle und leisteten die erste Hilfe. Auf Veranlassung des Arztes wurde der Verletzte mit dem Krankenauto nach Hörde zum Bethanienhospital gebracht. Ablieferung der Steuerkarten 1931 an die Arbeitgeber. Jeder Arbeitnehmer ist gesetzlich verpflichtet, seine Steuerkarte bei Beginn eines jeden Kalenderjahres oder bei Beginn eines Dienstverhältnisses dem Arbeitgeber auszuhändigen. Arbeitnehmer, die dieser Vorschrift nicht nachkommen, setzen sich der Gefahr aus, nach§ 377 der Reichsabgabenordnung bestraft zu werden. Auch entstehen dem Arbeitnehmer Nachteile dadurch, daß der Arbeitgeber 10 Prozent vom Bruttolohn, ohne Berücksichtigung von Familienangehörigen, Werbungskosten und dergl. einbehält und einzubehalten verpflichtet ist. Die Ortsbehörden sind zur Zeit mit der Ausstellung der Steuerkarten beschäftigt und senden diese in den nächsten Tagen den Arbeitnehmern zu. Arbeitnehmer, die ausnahmsweise keine Steuerkarte erhalten haben, müssen sich rechtzeitig bei den zuständigen Ortsbehörden(Magistrat, Aemter) eine solche ausstellen lassen. Dies gilt auch für solche Personen, die bisher auf Grund besonderer Anordnung des Finanzamtes Dortmund=Hörde nicht im Besitze einer Karte zu sein brauchten, wie z. B. Lehrlinge, Lehrmädchen, Dienstmädchen und Hausangestellte, soweit sie am 10. 10. 1930 über 20 Jahre alt waren und mithin der Bürgersteuer unterliegen. Familienabend. Die im„Bibelkreis“ und den Weggenossen“ zusammengesaßte Vereinigung von evgl. Schülern und Schülerinnen höherer Schulen veranstaltete Samstag abend im Gemeindehaussaal einen Familienabend, der in jeder Beziehung einen schönen und harmonischen Verlauf nahm und sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Aus der Fülle der Darbietungen, die einen Ausschnitt aus der Arbeit der genannten Jugendvereinigungen geben wollten, seien erwähnt: Schöne Orchester= und Klaviervorträge, fröhliches Singen der Jugend, ein mit viel Liebe, großer Begeisterung und natürlicher Grazie von den„Weggenossen“ auf der Bühne dargestelltes seines Märchenspiel„Der Froschkönig", lustige Schattenbilder und dergleichen. Aus allem klang gesunder, jugendlicher Frohsinn, sodaß Eltern und Gäste die Gewißheit mit nach Hause nahmen, daß praktische Jugendpflege hier eine erfreuliche Verwirklichung gefunden hat und daß die Jugend in ihrem„Verein“ sich wohl fühlt. Daß fleißige und geschickte Mädchenhände die Tische mit Tannengrün und Kerzen adventlich und stimmungsvoll geschmückt hatten, soll nicht unerwähnt bleiben. Vor allem aber verdient hervorgehoben zu werden, daß alle Darbietungen der sing= und spielfreudigen Jugend nur Rahmen waren für einen sehr dankbar ausgenommenen Vortrag von Pastor Kuhlo=Bielefeld, der überaus anschaulich und überzeugend sprach über das Thema:„Wie lese ich meine Bibel?“ und damit das Zentrum und das Fundament wahrer Jugendpflege kennzeichnete, ernst und mahnend für die Eltern und nicht weniger eindringlich für die Jugend. So war der Abend nicht nur fröhnahm den üblichen Verlauf. Es herrschte bis zum einsetzenden Regen starker Betrieb in den Straßen; die Kauflust dürfste jedoch zu wünschen übrig gelassen haben. Am Abend erstrahlten auf dem Bahnhos= u. Postplatz, sowie gegenüber dem Bankgeschäft Küster, Ulrich& Co. die aufgestellten Weihnachtsbäume im hellen Licht, die der Stadt ein weihnachtliches Gepräge gaben. Auch die Bestrahlung des alten Rathauses, der kleinen und großen evgl. Kirche war äußerst wirkungsvoller Art. Der Verein für Handel und Gewerbe hatte nichts unversucht gelassen, um diesem silbernen Sonntag zu einem vollen Erfolge zu verhelfen. So luden große Transparente die auswärtige Bevölkerung zu einem Besuche der hiesigen Weihnachtsmesse ein. Platzkonzerte waren ebenfalls wirkungsvoller Art und viele Zuhörer hatten sich eingesunden, die mit Interesse den einzelnen Musikdarbietungen folgten. Ueberhaupt, unsere Geschäftsleute hatten sich hinsichtlich der Ausschmückung der Schaufenster äußerst angestrengt und die einzelnen Auslagen waren prächtig arrangiert. Hinzu kam am Abend eine wirkungsvolle Beleuchtung, die dem Ganzen einen besonderen Reiz verlieh. Auch die veranstalteten Freifahrten konnten sich eines guten Zuspruchs erfreuen und mancher auswärtige Bewohner fand so seinen Weg in die weichnachtliche Stadt Schwerte. So war dem„silbernen Sonntag" nach außen hin vollständig Genüge getan. Ob er einen materiellen Erfolg brachte, lassen wir dahingestellt sein. Dem„goldenen Sonntag“ bleibt es nun vorbehalten, etwaiges Versäumte nachzuholen und das besser zu machen, was man gestern noch vermißt hat. liche Unterhaltung, sondern er wurde durch den Vortrag zu einer tiefernsten, nachdenklichen Angelegenheit für alt und jung. Der Jugend und ihren Führern sei für die schönen Stunden herzlich gedankt. + Christliche Gewerkschaften. Die vom hiesigen Ortskartell der christlichen Gewerkschaften eingerichteten Bildungsabende erfreuen sich fortgesetzt steigender Begchtung. Am Samstag abend sprach im Lokale Kordeck der Beigeordnete Beyerle aus Menden über die„Arbeitslosenversicherung". Der Redner, der als Vorsitzender des Arbeitsamtes Menden ein Mann der Praxis ist und einen reichen Schatz von Erfahrungen auf diesem Gebiete sein eigen nennt, zog im Verlaufe seines Vortrages Ursprung u. Umsang des. Arbeitslosenversicherungsgesetzes, Leistungen und Gegenleistungen und viele andere Dinge in den Kreis seiner sehr ausführlichen Betrachtungen. Dabei aber immer wieder die dringende Notwendigkeit eines recht baldigen Endes der heutigen Wirtschaftskrise betonend. Der lichtvolle Vortrag fand starken Beifall und hatte eine sehr lebhafte Aussprache im Gefolge, die viele neue Momente zeitigte und mancherlei Unklarheiten der gesetzlichen Bestimmungen beseitigte. Wie ein roter Faden zog sich durch die ganzen Verhandlungen immer wieder die Forderung nach Beseitigung der„Doppelverdiener", vor allem derjenigen mit hohen Pensionen, die nebenher noch Stellungen bekleiden, die sehr gut mit Erwerbslosen besetzt werden können. Zwei besonders krasse Fälle aus unserer Stadt wurden zur Illustration herangezogen. Wie der Vorsitzende des Ortskartells Stadtv. Bozetti bekannt gab, wird die Leitung des Kartells erneut in dieser Angelegenheit bei den zuständigen Stellen vorstellig werden. Im weiteren Verlauf des Abends machte Rendant Kraas noch kurze Ausführungen zur Bürgersteuer— gegenwärtig ist die Verwaltung mit der Zustellung der Steuerkarten beschäftigt— während Gewerkschaftssekretär Kropp aus Hörde Fragen des Tarifvertrages erörtete. Der nächste Vortragsabend ist am Samstag, 10. Januar. Stadt=Inspektor Bergmann wird über das „Reichsgesetz für Jugenpflege“ sprechen. : Die Post in Erwartung des WeihnachtsPaketverkehrs. Um den gesteigerten Anforderungen des Weihnachts=Paketverkehrs gerecht zu werden, hat ide Post, gestützt auf die Erfahrungen der früheren Jahre, umfassende Vorkehrungen getroffen, die eine schnelle und pünktliche Zuführung der Sendungen in die Hand des Empfängers erwarten lassen. Die Annahmeschalter werden dem Bedürfnis entsprechend vermehrt, neben den bestehenden Postverbindungen sind zahlreiche außergewöhnl. Beförderungsgelegenheiten auf der Bahn und auf Landwegen vorgesehen. Soweit die Pakete vom Empfänger nicht abgeholt werden, erfolgt ihre Zustellung unter Vermehrung der Betriebsmittel und der Zustellkräfte ohne besondere Kosten mit der gewohnten Pünktlichkeit. Wer seine Pakete rechtzeitig bei der Post aufliefert, kann sicher sein, daß sie zu der gewünschten Zeit den Empfänger erreichen. Wer verhindert ist, seine Pakete persönlich bei der Die Uebergabe des Nobelpreises an Kellogg und Söderblom Nachdem einen Tag zuvor in Stockholm die Verteilung des Nobelpreises für Wissenschaft und Literatur stattgefunden hat, fand in Oslo die Ueberreichung des Preises an Söderblom und Kellogg statt.— Unser Bild zeigt im Hintergrund die beiden Preisträger. Am Rednerpult der Minsterpräsident Mowinkel, links sitzend König Haakon und Prinz Olaf. Post auszuliefern, oder sich den Weg zum Postamt sparen will, gebe sie dem Paketzusteller mit. Das kann überall geschehen, wo die Paketzustellung mit Fuhrwerk ausgeführt wird. Die Gebühr für die Mitnahme beträgt 20 Pfg. für ein Paket. Generalversammmlung der Schwerter Sportvereinigung 06 c. V. Am Donnerstag abend fand im Hotel„Zur Post“ eine Generalversammlung des SSV. 06 statt. Vor über 50 versammelten Mitgliedern, ein erfreulicher Beweis für das Wiederaufblühen des Vereins, konnte Lehrer Wulf die Versammlung eröffnen. 21 Neuaufnahmen von Senioren konnten verzeichnet werden. Die Bekanntgaho der Kassenverhältnisse, wonach der Verein ohne Schulden in das neue Jahr geht, löste bei den Mitgliedern höchste Befriedigung aus. Von einer Ueberschuldung des Vereins kann demnach keine Rede sein. Man stellte fest, daß diese böswillige Behauptung von gewisser Seite immer wieder zu dem Zweck erfolgt, den Zuzug von Spielern zum SSV. 06 zu verhindern. Durch Beschluß wurde der Beitrag für die erwerbslosen Mitglieder für 1930 niedergeschlagen. Der Verein ist heute in der Lage, wieder 7 Mannschaften, nämlich 3 Stamm=, 2 Jugend=., 1 Schüler= und eine Alte=Herrenmann= schaft, ins Feld zu stellen. Weiterhin soll in Zukunft der Leichtathletik wieder ein erhöhtes Interesse zugewendet werden. Der Vorstand hat die diesbezüglichen Vorbereitungsarbeiten bereits eingeleitet. Im nächsten Jahre begeht die Schwerter Sportvag. 06 ihr 25jähriges Jubiläum. Man beabsichtigt, diesen Tag in besonders würdiger Weise zu feiern. Schon jetzt ist man mit den Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Weiterhin wird die Werbewoche für Leibesübungen im nächsten Jahre von der Schwerter Sportvag. 06 durchgeführt. Die Veranstaltung soll in großzügiger Weise organisiert werden und alle möglichen Sportarten sollen zu ihrem Recht kommen. Im Anschluß daran sprach Sportsfreund Schwarzkopf zur Geschichte des Vereins in den letzten Jahren. Er wies besonders darauf hin, daß trotz der Krisenjahre der Verein seinen Mitgliederbestand gehalten und fortwährend ergänzt habe. Nachdem er die Sportverhältnisse in der Stadt Schwerte noch eingehend beleuchtet hatte, schloß er seine interessanten Ausführungen mit einem Hipp=Hipp=Hurra auf den S. S. V. 06. Zum Schluß ergriff Lehrer Wulf noch noch einmal das Wort. Er wies hin auf die schwierigen Verhältnisse innerhalb der Vereine im allgemeinen und auf die trostlosen Lebensbedingungen in Deutschland überhaupt. Es nütze aber nichts, den Kopf hängen zu lassen, sondern jeder müsse von sich aus an seiner körperlichen und geistigen Widerstandsfähigkeit arbeiten. Die Leibesübungen seien das hervorragendste Mittel zur körperlichen und geistigen Gesundung. Aber alles nütze nichts, wenn die Mitglieder eines Vereins sich nicht zu einer großen Familie zusammenfänden. Hilfsbereitschaft und Kameradschaft seien die besten Eigenschaften des rechten Sportlers. Jede Arbeit innerhalb des Vereins geschehe auch zum Nutzen und Frommen von Volk und Vaterland. Mit einem herzhaften Hurra auf Heimat und Vaterland wurde die sehr anregend verlaufene Versammlung geschlossen. Die Mitglieder blieben noch eine Weile bei einem gemütlichen Schoppen beisammen. ha. Expreßgutschnellzüge für die Weihnachtssendungen. Zur beschleunigten Beförderung der Expreßgutsendungen für Weihnachten und zur Entlastung aller Personenzüge wurden in den letzten Jahren vor den Feiertagen besondere Expreßgutzüge bei der Reichsbahn gefahren. Die Einrichtung hat sich bewährt. Auch in diesem Jahre werden Expreßgutschnellzüge eingestellt, die mit 90—100 Km. Stundengeschwindigkeit verkehren. In Aussicht genommen sind 14 Züge: von Berlin über Leipzig nach Frankfurt a. M. und zurück; von Berlin nach Unna; von Hagen nach Berlin; von Hannover nach Hamm; von Stuttgart nach Ulm und Köln; von Bruchsal nach Frankfurt a. M.; von Mühlacker nach Karlsruhe; von Eßlingen nach Frankfurt und Stuttgart; von Ulm nach Stuttgart; von Ebingen über Tübingen nach Stuttgart; von Stuttgart über Nürnberg, Hof nach Leipzig und Berlin. Landkreis Iserlohn Schonzeit für Fasanenhennen. Die Schonzeit für Fasanenhennen ist auf den 18. Januar 1931 festgesetzt worden. Letzter Jagdtag ist somit der 17. Januar 1931. Amt Westhofen Holzen. Ergebuis der Viehzählung. Die am 1. Dezember stattgefundene Viehzählung hatte in der Gemeinde Holzen folgendes Ergebnis: 130(142) Pferde, 307(322) Rindvieh, 20(31) Schafe, 578(494) Schweine, 194(195) Ziegen, 474(263) Kaninchen, 5897 (5232) Federvieh, 124(35) Bienenstöcke.=Die eingeklammerten Zahlen sind das Ergebnis der vorjährigen Zählung. Eine starke Zunahme ist bei den Schweinen, Kaninchen und Bienenstölken zu verzeichnen. Holzer. Adventsfeier der Frauenhilfe. Am Donnerstag, den 18. Dezember, nachmittags 3 Uhr, hält die Frauenhilfe von Holzen im Lokale Hosang eine Adventsfeier ab. Holzen. Der Krieger= und Landwehrverein feierte am gestrigen Sonntag sein 25jähriges Bestehen im Lokale Hosang. Die Fest= und Gedenkrede hielt der Vorsitzende des Kreis=Kriegerverbandes und Ehrenmitglied des Vereins Pfarrer Blomberg, der zu Herzen gehende Worte fand. Wir kommen auf diese Veranstaltung, die einen schönen Verlauf nahm, in unserer morgigen Ausgabe eingehender zurück. ! Eeisecke. Wandergewerbevergehen. Einem Landjägerreibeamten war ein Mann ausgefallen, der große Pakete bei sich trug und von Haus zu Haus ging. Es stellte sich heraus, daß in den Paketen mehrere hundert Zigarren, Strumpfhalter, Taschentücher, Wolle, Bürsten, Kerzen und andere Gegenstände waren, die der Mann hier verkaufen wollte. Da sich der Mann nicht ausweisen konnte und keinen Wandergewerbeschein besaß, wurden seine Waren beschlagnahmt. 1 Villigst. Adventsfeier. Die Frauenhilse von Villigst begeht am kommenden Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, im Lokale Peutmann eine Adventsfeier.— Eine weitere Adventsfeier veranstaltet die Jungschar Villigst= am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, im Erholungsheim. ! Garenfeld. Viehzählungsergebnis. Die am 1. Dezember stattgefundene Viehzählung hatte in der Gemeinde Garenfeld solgendes Ergebnis: 59(63) Pferde, 236(239) Rindvich, 3 (5) Schase, 215(161) Schweine, 51(47) Ziegen, 46(93) Kaninchen, 1438(1367) Federvieh. Die eingeklammerten Zahlen sind das Ergebnis der vorjährigen Zählung. * ! Garenfeld. Feuerschau. In diesen Tagen wird von einer besonders dazu bestimmten Kommission in der Gemeinde Gareneld eine Feuerschau abgehalten. In mehreren Häusern mußten undichte Schornsteine, schadhafte Kaminschieber, sogar mit Papier und Lumpen zugestopfte Ofenlöcher, Fehlen von Schutblechen vor den Oesen und unvorschriftsmößige, meistenteils gepflickte Sicherungen in den elektrischen Leitungen beanstandet werden. Um Feuersgefahr zu verhüten, tun die Hauseigentümer gut, für schnellste Beseitigung der Mängel Sorge zu tragen. Eine Nachschau wird bald folgen. 1 Carenfeld. Forstdiebstahl. Am hellen Nachmittag wurden zwei Arbeiter in einer hiesigen Waldung beim Forstdiebstahl betroffen. Das gestohlene Holz schafften sie mittels eines Handwagens weg. Wie frech bei solchen Diebstählen vorgegangen wird, ist daran zu erkennen, daß einer der Täter, von dem Waldeigentümer zur Rede gestellt, noch sagte:„Sie haben uns hier gar nichts zu sagen, ich komme noch zehn= und zwanzig Mal nach hier und hole mir Holz.“ Die Diebe wurden zur Anzeige zebracht. 1 Westhofen. Weihnachtsnotsammlung. Insolge der überaus starken In spruchnahme der für Wohlfahrtszwecke zur Verfügung stehenden Etatmittel ist das Wohlfahrtsamt nicht in der Lage, überall da helfend einzugreisen, wo die heutige Not es ersordert. Durch auhaltende Arbeitslosigkeit sind manche Familien in bittere Armut geraten. Die Winteraktion, die in Bewilligung von Kohlen und Kartoffeln an Bedürftige bestand, hat die öffentlichen Fürsorgemittel fast vollends erschöpft. Trübe steht es in dieser Weihnachtszeit in vielen Häusern aus. Den Armen eine Weihnachtsfreude zu bereiten und sie über den gegenwärtigen Notstand etwas hinweg zu helfen, soll eine Sammlung dienen, zu der die hiesige Stadtvertretung aufruft. In den ersten Tagen dieser Woche werden die Sammler, die sich gern in den Dienst der guten Sache gestellt haben, vorsprechen und abgestempelte Listen zum Einzeichnen von Spenden vorlegen. Gebe jeder, der dazu in der Lage ist, seine Gabe und er darf gewiß sein, daß sie nur da angewandt wird, wo die Not groß und eine kleine Weihnachtsfreude dringend zu wünschen ist. 1 Westhosen. Gestohlene Weihnachts häume. Wie in den letzten Jahren vor Weihnachten es immer vorgekommen ist, scheint es auch in diesem Johre zu werden. An einigen Stellen in den Wäldern sind schon Weihnachtssäume abgebauen und weggeschlepp: worden. Besonders verwerflich ist es, wenn aus solchen Diebstählen noch ein Gewerbe gemacht wird. Im letzten Jahre sind wegen Verkaufs gestohlener Weihnachtsbäume mehrere Personen schwer bestraft worden. Von einem Landjägerbeamten wurde jetzt ein Mann angehalten, der einen Weihnachtsbaum versteckt in einem Sacke trug. Die Ermittlungen ergaben, daß der Baum gestohlen war. ! Westhofen. Es wird den Dieben zu leicht gemacht. Das Sprichwort„Gelegenheit marht Diebe“ bewahrheitet sich immer wieder. In den letzten Tagen sind der Polizeibehörde mehrere Diebstähle gemeldet worden, bei deren Begehung die Diebe sich wirklich nicht viel Mühe machen brauchten. In zwei Fällen waren zur Nachtzeit Feusterflügel an zur ebenen Erde gelegenen Wohnungen nicht verriegelt worden. In einem anderen Falle hatte ein Landwirt seinen Hühnerstall während der Nacht offen stehen lassen. Ein anderer Geflügelhalter hatte die Tür zu seinem Stall nur oberflächlich mit einem dünnen Draht zugebunden. ! Westhosen. Wirtschafts=Kontrol= len. Im Bezirke des Amtes Westhofen sind in der letzten Woche durch einen Beamten des Chemischen Untersuchungsamtes in Begleitung eines Polizeibeamten die Gast= u. Schankwirtschaften kontrolliert worden. Von kleineren Mängeln abgesehen, wurden fast alle Betriebe in Ordnung befunden. In einem Falle mußte klarer Branntwein beanstandet werden, der statt des durch Branntwein=Monopol=Gesetz vorgeschriebenen Alkoholgehalts von mindestens 32 Vol.=Prozent weniger Gehalt hatte. ! Westhosen. Frauenhilfe. Am Mittwoch, den 17. Dezember, hält die Frauenhilfe von Westhosen im Gemeindehause eine Versammlung ab. Große Vrieftauben=Ausstellung in Schwerte 29r hurcens gutau Ma! Wachstehond Am letzten Samstag und Sonntag fand im Saale„Im Reiche des Wassers“ eine große Briestaubenausstellung statt, die äußerst gut beschickt war. Etwa 300 Tiere waren zur Ausstellung gelangt. In der Klasse der Nationalsieger sah man besonders schöne Tiere. Eine Taube von Herrn Breer, Westhofen, die in Wanne=Eickel bei der Nationalsiegerschau Rheinland=Westfalen den 5. Preis errungen hat, wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Das Preisgericht, das sich aus den Herren Kötting=Witten, Lindemann=Wetter und Schulken=Altenvoerde zusammensetzte, gab gerechte Urteile ab. Die Ausstellung wurde am Samstag nachmittag durch den Ausstellungsleiter Karl Grewe eröffnet. Abends fand das Winterfest statt. Der 1. Vorsitzende, Westerhoff=Westhofen, hielt die Begrüßungsansprache. U. a. sagte er, daß trotz der schlechten Zeit das Fest zustandegekommen sei, um einige Stunden in einfacher und schlichter Weise als Wintersest zu begehen. Darauf wurden zwei humoristische Theaterstücke„Der Jurbaron" und„Die schöne Thekla“ unter der Leitung von Herrn Kuchheuser zur Aufführung gebracht, die ganz vorzüglich wiedergegeben wurden und wahre Lachsalven auslösten." Der dann folgende Tanz hielt die Erschienenen noch lange zusammen. Hinsichtlich der Taubenschau wurden ca. 75 Preise vergeben. Manche gute Taube mußte ausfallen, da die Konkurrenz in den einzelnen Klassen sehr scharf war. Es waren schöne Preise, die errungen werden konnten, so z. B. ein Spanserkel und wertvolle Hausgegenstände. Das Preisschießen erfreute sich eines regen Zuspruchs. So nahm diese Briestaubenausstellung Tnt che Sai einen burchaus guten Verkauf. Nachslehend geben wir die ersten Sieger wieder: Klasse IA, Vögel, Nationalsieger: 1. Breer, Heimkehr Westhofen. Klasse IB, Täubinnen, Nationalsieger: 1. Winkhaus,„Blitz“, Schwerte. Klasse IIA, Vögel, Sieger über 300 km: 1. Sievert, Heimkehr Westhofen. Klasse II B, Täubinnen, Sieger über 300 km: 1. Denninghoff, Ueber Berg und Tal, Wanne. Klasse IIIA Vögel, Sieger bis 300 km: 1. Sayk, Strebe vorwärts, Schwerte. Klasse III B, Täubinnen, Sieger bis 300 Kilometer: 1. Krämer, Ueber Berg und Tal, Wanne. Klasse IVA, Vögel, junge Sieger: 1. Lawrenz, Niegedacht, Schwerte. Klasse IVB, Täubinnen, junge Sieger: 1. Kebekus, Blitz, Schwerte. Klasse VA, Vögel, Flieger über 300 km: 1. Sayk, Strebe vorwärts, Schwerte. Klasse VB, Täubinnen, Flieger über 300 Kilometer: 1. Denninghoff, Ueber Berg und Tal, Wanne. Klasse VIA, Vögel, Flieger bis 300 km: 1. Winthaus, Blitz, Schwerte. Klasse VIB, Täubinnen, Flieger bis 300 Kilometer: 1. Raulf u. Sohn,„Auf zum Ruhrtal, Schwerte. Klasse VII A, junge Fsieger: 1. Althoff, Vereinte Freunde, Bürenbruch. Klasse VII B, Täubinnen, junge Flieger: 1. Engelhardt, Reiselust, Schwerte. Preis für beste Gesamtleistung: Denninghoff, Ueber Berg und Tal, Wanne(2 erste, 1 zweiten und 1 dritten Preis). Sport Lensth Holzen 070 geschlagen. Turn= und Schwimmverein 05 Wellinghof.n 1. — Holzen 07 1. 1:0(1:). Woran wohl niemand glaubte, wurde Tatsache; indem die Holzener abermals von den Wellinghofern knapp geschlagen wurden. Die Holzener behalten trotz der Niederlage noch den 3. Tabellenplatz, aber die Aussicht auf die Tabellenspitze ist dahin; und weshalb? Nur durch eigenes Versckulden mußten sie sich beim obigen Spiel geschlagen bekennen. Die Läuferreihe schuf die sichersten Torgelegenheiten, aber die Stürmerreihe ließ jeglichen Eiser und Siegeswillen vermissen, so daß die ausopsernde Arbeit der Läuser vergebens war. Trotzdem des Platzvereins Tor in der zweiten Halbzeit förmlich belagert wurde, konnten 07'sStürmer den Ball nicht ins Netz besördern. Der Platzverein dagegen zeigte einen Rieseneifer und Siegeswillen, der einen ins Staunen brachte. Der beste Mann war der Torwart, der die unglaublichsten Sachen hielt und nur ihm können die Wellinghofer den Sieg verdanken. Der Schiedsrichter konnte gefallen, nur hätte er des öfteren schärfer durchgreifen müssen. Infolge Platzschwierigkeiten fand das Spiel bereits des Vormittags statt. Durch den starken Regen glich er eher einem Morastselde als Sportplatz. Unseres Erachtens war er für die Austragung eines Meisterschaftsspieles nicht zulässig; denn Sportplätze in solcher Versassung können niemals auf die Gesundheit der Spieler wirken. Holzen hatte Anwurf und zeigt ein forsches Spiel, sodaß wohl niemand glaubte, daß man eine Niederlage einstecken müßte. Der Platzverein erwiderte die Angriffe bestens und bringt auch Holzens Tos in Gefahr. In der 11. Minute verhängt der Schiedsrichter einen Strafwurf für Wellinghofen, da Holzens linker Verteidiger den Ball mit dem Fuß berührt hatte. Der gut angelegte Wurf verfehlt sein Ziel nicht. trotzdem sich Holzens Torwart dem Ball entgegenwirft. Trotzdem man auf beiden Seiten gewaltige Anstrengungen macht, um auszuholen, bleibt das Ergebnis bis zur Halbzeit unverändert. Nach der Pause schicken die Holzener Läufer den Sturm immer wieder auf Reisen, ja sie Radspor? Westfalenhalle verpflichtet Dülberg: Erster Start Weihnachten gegen Mölller. Nach langwierigen Verhandlungen erhielt heute die Westfalenhalle von dem Amerikafahrer Franz Dülberg die telegraphische Zusage, daß er Weihnachten an dem Steherrennen teilnimmt. Dadurch ist das schon lange erwartete Zusammentressen des ebenfalls verpflichteten Weltmeisters Erich Möller mit Dülberg zustandegekommen. Dülberg zählt zu den wenigen deutschen Dauerfahrern, die einen ganz großen Namen haben. Leider konnte er an der diesjährigen Weltmeisterschaft nicht teilnehmen, da er vertraglich in Amerika gebunden war. In der international ausgeschriebenen Amerikanischen Meisterschaft spielte er dafür aber eine allererste Rolle. In den über den ganzen Sommer sich erstreckenden Meisterschaftsläufen schlug er alle Klassefahrer, die sich in der neuen Welt befinden, und belegte in der Gesamtwertung den zweiten Platz. Dülberg ist ebenso Holzbahn=Spezialist wie Möller und kennt seine Heimatbahn, aus der er Weihnachten auf seinen Wunsch hinter Geppert fährt, ganz genau, sodaß der auf der Dortmunderbahn fast unbesiegliche Möller endlich auf einen gleichwertigen Gegner stößt. Die Nachricht von der Verpflichtung Dülbergs wird in allen Radsportkreisen größtes Interesse hervorrufen. Dülberg teilt uns gleichzeitig mit, daß er sich bereits mit dem Dampfer„Deutschland“ auf der Heimreise befindet. Es dürfte ihm also genügend Zeit bleiben, um sich gut auf das Zusammentreffen mit Weltmeister Möller vorzubereiten. drängen den Platzverein in seine: Hälfte zurück. Aber alle Anstrengungen und Mühen waren vergebens. 07's Sturm war unfähig Tore zu werfen, so daß das Ergebnis 1:0 für Wellinghosen bestehen bleibt. Arminia Marten 1.— Holzen 07 2. Da der Platz nicht spielfähig war, fand das Pflichtspiel der obigen Gegner nicht statt. Wir machen schon jetzt darauf aufmerksam, daß am kommenden Sonntag, den 21. Dezember, auf dem Holzener Sportplatz unter der Leitung von Weinberg=Wellinghosen, das mit Spannung erwartete Ortstreffen: Holzen 2.— Schwerter Turnerschaft v. 1868 1. stattfindet. * Tv.„Jugendbund“ Höchsten 1.— Tv.„Jahn“. Schwerterheide 1. 2:1(1:0). Zur Austragung eines Freundschaftsspieles weilten die Hiesigen als Gast auf dem Höchsten. Wieder Erwarten mußten sie eine unverdiente Niederlage hinnehmen. Der Platzverein zeigte sich entgegen den früheren Spielen in bester Versassung und kämpfte mit seltenem Elan um den Sieg. Der beste Mannschaftsteil der Gäste war das Schlußdreieck; während der Platzverein seine besten Leute in der Fünferreihe hatte. Der Schiedsrichter Kleinsorg=Holzen 07 fUngierte zur Zufriedenheit beider Parteien und trug viel für die ruhige und faire Spielweise bei. Mit dem Anstoß ziehen beide Parteien mächtig los, ohne jedoch erfolgreich zu sein. Durch einen Strafwurf kann der Platzverein die Führung übernehmen. Trotzdem die Gäste mächtig drängen, vereiteln sie die sichersten Torgelegenheiten durch Abseitsstellung.— Nach der Pause können die Schwerter überraschend den Ausgleich erzielen. Der Platzverein wird des öfteren in seiner Hälfte festgesetzt, aber die Schwerter waren nicht in der Lage, die zahlreiche Verteidigung des Gegners zu überwinden. Lurz vor Schluß kann Höchstens Linksaußen durch einen gut angelegten Schrägwurf das Siegestor wersen. Tv.„Jugendbund“ Höchsten 2.—„Jahn“. Schwerterheide 2. 0:3(0:1). Die Gäste erringen einen verdienten Sieg. der auf Grund der körperlichen Ueberlegenheit errungen wurde. ha. Vertretung des Reichs durch die Versorgungsämter. Vom 1. Januar an hat der Reichsarbeitsminister die Vertretung des Reichsfiskus im Spruchverfahren vor den Versorgungsgerichten den Versorgungsämtern übertragen, soweit es sich um Versorgungsansprüche nach den Vorschriften des Reichsversorgungs=, Altrentnerund Wehrmachtversorgungsgesetzes handelt. Zuständig ist das Amt, gegen dessen Bescheid sich die Berufung richtet, bei Wiederaufnahme eines abgeschlossenen Verfahrens das jeweils zuständige Versorgungsamt. Die Hauptversorgungsämter sind berechtigt, jederzeit die Vertretung selbst zu übernehmen. Sie sind ausschließlich zuständig für die Vertketung im Verfahren auf Versorgung aus dem Kriegspersonenschädengesetz, den Gesetzen über die Schutzpolizei der Länder, Versorgung der Polizeibeamten beim Wasserschutz oder den Militärversorgungsgesetzen, die vor dem Inkrafttreten der Reichsversorgung ergangen sind. Die Hauptämter sind ebenfalls im Verfahren vor dem Reichsversorgungsgericht zuständig, auch noch für die anhängigen Verfahren bis zum 31. Dezember dieses Jahres. ha. Richtige Ausweise bei führerscheinfreien Kraftfahrzeugen. Führer von Kleinkrafträdern, Zugmaschinen, Elektrokarren usw. brauchen nach der Kraftfahrzeugverkehrsordnung keinen Führerschein. Es ist aber vorgeschrieben, daß sie auf öfsentlichen Wegen einen Personalausweis bei sich führen müssen und vorzeigen können. Es sind Zweifel darüber entstanden, ob nur ein Lichtbildausweis, der von einer Behörde ausgestellt ist, anerkannt werden kann oder ob auch Urkunden ohne Lichtbild als Ausweise gelten. Der Minister des Innern hat mit dem Handelsminister jetzt den Polizeibehörden und den Behörden für das Kraftfahrwesen mitgeteilt, daß als Personalausweis ein von einer Behörde ausgestelltes Papier auch ohne Lichtbild gilt. In Frage kommen z. B. standesamtliche Urkunden, Studentenkarten der Hochschulen, Invalidenkarten, Militärpapiere usw., aus denen die Persönlichkeit einwandfrei zu ersehen ist. Dagegen dürfen Vereins=, Besuchskarten und Briefe nicht verwendet werden. Ein Führer mit solchem Ausweis macht sich strafbar. Erhöhte Mindestgebühr des Gerichts. Durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 ist mit Wirkung vom 3. Dezember 1930 die Mindestgebühr des Gerichts in Streitsachen auf 1 Reichsmark erhöht worden. Anträge im Güteverfahren oder der Erlaß eines Zahlungsbefehls erfordern jetzt also in der Wertstuse bis 20 Reichsmark statt der bisherigen Gebühr von 50 Pfennig eine solche von 1 Reichsmark. Was hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 16. Dezember 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10.40: Schallplattenkonzert. 11,20: Deutscher Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,50: Kinderstunde. 16,25: Aus dem Leben der höheren Schule. 16,55: Notzeit und Weihnachtszeit. 17,15: Vesperkonzert. 18,15: Für den Landwirt. 18.40: Französische Unterhaltung. 19,10: Die Welt im Buch. 19,30: Gedansen zur Zeit. 20,00: Meister der Operette. 20.25: Erste Abendmeldungen. 20.30: Der Tob des Sokrates. Roman von Erika Riedberg Tote Augen Copyricht by Martin Feuchtwanger. Halle(Saale) 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ein kurzer Wink— er war entlassen. Daneven wollie ihn manchmal der Schmerz um den baldigen, unausbleiblichen Heimgang seines väterlichen Freundes überwältigen; doch auch diese Mutlosigkeit zwang er in sein Herz zurück. Er mußte die Tage nutzen zum Lernen, zum Stützen, zum Denken für nie zu verlierende Schätze an geistigen Werten. Einmal sagte er aus wiedererwachter Angst um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft heraus: „Fürst, es müssen doch dunkle Gewalten an der Arbeit sein— ich kann nicht hoffen.“ „Sie können und werden hoffen! Wohl ist ein ewiger Kampf zwischen Licht und Finsternis. Aber bei Gott ist nur das Licht. Strebe hinauf zu ihm— und die Finsternis weicht!“ Schwächer und schwacher wurde der mude, mit Ketten gefesselte Körper. Und eines Nachts, fast um dieselbe Stunde, in der Saschin starb, schloß Fürst Orloffsky seine Augen für diese Welt, um sie in einer anderen der Freiheit, dem Licht zu öffnen. Bis zuletzt lag seine Hand in der Wielands— bis zusetzt hauchte er Worte des Trostes, des Glaubens. Das letzte, vernehmbare Flüstern war: „Segen über dich!— Hoffe!" *„* Auf dem Arbeitsplatz in Donnersfels war ein Gewimmel von Arbeitern. Unaufhörliches Klopfen, Meißeln und Hämmern. Schöner und schöner wuchs das Kastell empor. Vom Schloß wehte die Flagge. Die fürstlichen Herrschaften waren zurückgekehrt. Senteck trieb die Leute zu unerhörten Leistungen an. Er war den ganzen Tag wie im Fieber. Hatte er früher vor der Stunde des Abschieds, vor der Vollendung des Baues gezittert, so überhetzte er jetzt sich selbst und alle, bis herunter zu dem geringsten Arbeiter. Nur fort! Fort von hier! Frei werden von dem Vampyr, dem Liberty! Von dem Anblick der Pforte zur Schenke des Schoffkow— dort, wo die schwankende Frauengestalt zusammengebrochen war. Das Tuten und Rasseln eines Autos jagte ihm Schreck in die Glieder. Nacht für Nacht zermarterte er sein Hirn mit den Fragen: Wie hatte sich Wera Hagen hierhergefunden? Wo war Urban? Brief auf Brief sandte er an ihn ab— keine Antwort kam. Der Fürst hatte ihn rufen lassen. Er drang auf Vorlage der Gemäldeskizzen. Senteck stand mit schlotternden Knien vor ihm und stammelte: „Durchlaucht wollen verzeihen— Durchlaucht wollen sich gnädigst gedulden— der Maler wird sich beeilen.“ Donnersfels verabschiedete ihn kurz. Er fühlte immer größere Abneigung, ja, ein förmliches Unbehagen in des Baumeisters Gegenwart... „Wenn der Mann nicht so genial wäre als Künstler! Als Mensch? Nein, nicht geschenkt!" dachte er manchmal. Senteck verlor alle Ruhe. Er witterte in der Pein seines bösen Gewissens in jedem fremden Gesicht einen Spion. einen Ankläger... Er fuhr bei jedem außergewöhnlichen Geräusch zusammen und konnte bei dem geringsten Widerspruch wie ein Wütender toben. Tausendmal verfluchte er dann die kaum glaubliche, ihm selbst unbegreifliche Dummheit. Allabendlich betrank er sich. Wie konnte ich mich Urban verraten?! Wie konnte ich mich in seine Hand begeben durch diesen dreimal verrückten. verwünschten Auftrag? Nur durch ihn konnte Wera sich hierher gefunden haben. In solchem Delirium der Angst und der Wut haßte er selbst die Fürstin... Denn seine Leidenschaft für sie. die Sucht und Eitelkeit, sich vor ihr hervorzutun, hatten ihn zu dem Wahnsinnsstreich gebracht, Urban vorzuschlagen. Liberty belauerte ihn wie die Schlange das Opfer. Er war förmlich erfinderisch geworden im Auffinden von kleinen und großen Quälereien und dauernden Erpressungen. Nachdem er den Schrecken der grausigen Nachtfahrt zur Anstalt überwunden hatte, machte er sich kaltblütig daran. alle neuen Chancen gründlich auszunutzen. Beständig war er hinter ihm her— alle Schrecken eines Verdammten ließ er ihn kosten. Wenn bei Senteck in tiefer, verschwiegener Nacht jemals ein leiser, schwacher Schimmer von Reue über seinen Verrat an Wieland gekommen war, so ging dieses letzte menschliche Gefühl ihm restlos unter in der grauenvollen Angst um die eigene Sicherheit, die ihn Verbrechen auf Verbrechen häufen ließ— in schrecklicher, endloser Kette Er trank und trank— und unentwegt als treuer Zechgenosse saß Liberty an seiner Seite— nur viel nüchterner als er. Besonnen stellte der sein Netz auf. So schleppten sich wieder einige Wochen hin. An einem glühend=heißen Morgen nach wüst durchzechter Nacht wurde Senteck abermals auf das Schloß befohlen. Der Fürst stellte ihm eine Frist von zwei Wochen, nach der er die Gemäldeentwürfe vorgelegt wünsche— andernfalls er selbst eine geeignete Persönlichkeit beauftragen werde. Er schloß mit den Worten: „Ich verreise für kurze Zeir. Bei meiner Rückkehr hoffe ich die Angelegenheit gefördert zu sehen. Unbedingt gefördert! Und noch eines: Geben Sie mir den Schlüsse! zum Verlies vor meiner Abreise!“ Senteck griff in die Tasche. Eilig holte er einen kleinen. seltsam geformten Schlüssel hervor. „Durchlaucht wollen geruhen— ich trage ihn bei mir!“ Donnerssels nahm den Schlüssel in Empfang. „Der einzige?“ fragte er nachdrücklich. „Jawohl, Durchlaucht!" log Senteck, und umklammerte fest den zweiten Schlüssel in seiner Hand. „Gut! Das Verlies ist also völlig wiederhergestellt?“ Völlig, Durchlaucht!“ So kurz und fast uufreundlich die Unterredung vom Fürsten auch geführt wurde, so atmete doch Senteck bei den Worten:„Ich reise!“, auf. Er reiste! Für eine Spanne Zeit konnte er beruhigt sein. Dem Urban, dem verdammten Kerl, würde er ein Ultimatum stellen— oder...! Der Baumeister setzte neuerdings hinter fast jeden Gedanken, jeden Entschluß ein„Oder“— ohne recht zu wissen, worin dieses bestehen und wohin es führen sollte. Die sichtliche Ungnade des Fürsten machte ihn im höchsten Grade bestürzt. Er ging wie auf unterminiertem Boden... Wohin er den Fuß setzte, Angst und Unsicherheit. Es war zum Rasendwerden! Vom Schloß rannte er direkt zum Bauplatz— wetterte, hetzte und fluchte... Mehr als ein drohender, tückischer, nichts Gutes verheißender Blick folgte ihm. Liberty, der, die Hände in den Taschen, gemütlich herumbummmelte, trat zu ihm. „Siehst du, Brüderchen, wie sie dich lieben? Ich rate dir, gehe nicht aus ohne mich, deinen einzigen Freund! Der Felsen ist verdammt hoch und zackig. Und beim Vater Schofskow ist der Graben tief.“ In stummer Wut drohte ihm Senteck mit geballten Fäusten, doch Liberty ließ sich nicht einschüchtern. Hämischen Blicks fuhr er fort: „Man kennt auch Fälle, wo ein Gerüst angesägt war. Nimm dich in acht, Brüderchen! Ich sorge mich um dich.“ Lachend verschwand er in einem Haufen Arbeiter, die mit vollen Karren Schutt vom Bau kamen.— Am Abend des anderen Tages näherten sich zwei Schatten der Wohnung des Baumeisters... Es waren Liberty und Anuschka. Vor der Tür machten sie halt. Vorsichtig horchten sie. „Er ist drin, wenn er auch kein Licht gemacht hat", flüsterte Liberty. „Willst du denn nicht anklopfen?“ „Bewahre! Wir müssen ihn überraschen, sonst brennt er uns durch.“ „Nein! Das darf er nicht. Ich muß durchaus das Geld haben.“ „Na also! Dann sei vorsichtig und klug. Lüge ihm gehörig was vor!“ „Ja, ja! Wenn ich nur das Geld kriege! Die Kammerfrau weiß ja, daß ich es gestohlen habe. Sie droht— ich muß ihr den Mund stopfen, sonst fliege ich hinaus.“ Liberty schüttelte sie derb. „Was bist du auch so unvorsichtig, dumme Person! Nun haben wir die auf dem Halse... Glaube nur, mit dem Herrn Baumeister ist es hier bald vorbei... „Der Fürst kann ihn nicht leiden. Deshalb kam er auch so wütend vom Schloß zurück.“ „So! Na, dann erzähle ihm, daß der auf ihn geschimpft hätte, und die Fürstin hätte ihn verteidigt!“ „Ja, das ist eine feine Idee! Dann wird er butterweich! Und seine gräßlichen Augen sehen aus wie die von einem verliebten Kater. Aber nun laß uns hineingehen! Ich habe eine greuliche Angst. bis er das Geld hergibt.“ „Ja! Nur leise! Ueberhaupt, viel Zeit haben wir nicht. Er wird hier bald abgewirtschaftet haben. Die Arbeiter sind ihm aufsässig. Wenn ihn einer erwischt, stehe ich für nichts ein.“ „Dann passe nur auf, daß ihm nichts passiert! Es wäre doch schade um unseren schönen Verdienst. Nun aber los Sonst merken sie noch im Schloß, daß ich nicht da bin.“ Lautlos traten sie ein und öffneten ohne Anklopfen die Tür zum Arbeitszimmer. Dichter. beißender Rauch schwerer Zigaretten drang ihnen entgegen Das Zimmer war stockdunkel, bis auf den kleinen glühenden Punkt, der vom Divan herüberglimmte Liberiy entzündete ein Streichholz Senteck lag auf dem Ruhebeit, eine fast geleerte Flasche Rum stand neben ihm. Liberty suchte und fand bei einem zweiten Streichholz die Lampe, brannte sie an und sagte tordial: „Aber Brüderchen, warum im Dunkeln? Da sängt man Grillen. Und gerade ist die Anuschka gekommen, um dir eine Freude zu machen.“ „Hinaus! Alle beide!“ Senteck schrie es mit vor Wut heiserer Stimme. Seine Augen funkelten rotunterlaufen, sein Gesicht war leichenfahl „Hinaus!“ wiederholte er.„Oder!“ Er riß einen Revolver aus der Tasche. Anuschka kreischte auf und lief nach der Tür. Liberty warf sich mit einem Satz auf den Halbtrunkenen und entwand ihm die Waffe. „Latz das Geschrei!“ rief er dem Mädchen zu.„Komm hier heran! Da aus den Stuhl. Unser Freund wird uns doch noch einen Platz anbieten. Das bißchen Schießerei ist ja nur sein Spaß Und den treibe ich ihm schon gründlich aus.— So. Brüderchen! Aus der Tonart willst du jetzt singen! Gut, ich habe nichts dabei zu verlieren— du aber alles. Schöne Dankvarkeit! Wir kommen hierber, die Anuschka und ich, um dir eine Freude zu machen und dich zugleich zu warnen—“ Er machte eine Pause; denn in Sentecks verzerrte Züge war eine Art Spannung getreten. „Ja, dich aus lanter Freundschaft zu warnen“, wiederholte Liberty schlau. Er erreichte seinen Zweck. Senteck war aufmerksam geworden. „Blödsinn! Wovor denn warnen? Laß deine Lügen! Macht, daß ihr hinauskommt!“ „Ra. Anuschka, dann erzähle du!“ Das Mädchen kam vorsichtig näher. „Was hast du heute den Fürsten sagen hören? Keine Angst, erzähle!“ ermunterte sie Liberty. „Ja, das war so“. plapperte sie nun.„Der Fürst sagte so was wie: Der Baumeister wird nachlässig. Er soll viel betrunken sein und mit dem Geld umherwersen—“ Senteck war aufgefahren. Sie verstummte ängstlich. „Na, und—!“ fragte er heiser. „Ja“, sagte das Mädchen mit gleißnerischem Lachen. „Ja, da nahm Ihre Durchlaucht den Herrn Baumeister in Schutz. Sie verteidigte ihn richtig. Er habe doch Großes geleistet, sagte sie. Und sei doch ein großer Künstler. Für einen solchen müsse man Nachsicht und Freundlichkeit haben.“ Eine Art von Freudenschimmer glitt über die verwüsteten Züge Sentecks. Dieses Hirn, das in rasender Schnelligkeit kaltblütig die größten Verbrechen überlegte und vollbrachte, ließ sich durch die groben Lügen eines albernen und zugleich ränkevollen Weibes umnebeln. Er glaubte dem dummen Geschwätz um so sicherer, als die Ungnade des Fürsten ja Tatsache war. Die Unterredung zwischen ihm und der Fürstin mußte wohl stattgefunden haben. Wie sollte die Person, die Anuschka, sonst davon wissen? „Wen der Herr verderben will, den schlägt er mit Blindheit!“ Dieses ewig wahre Wort sprach keine der drei Personen aus— und doch lag es in seiner ganzen Bedeutung in der Luft wie ein Verhängnis. Sie ließen ihm Zeit. Sie sahen beide, Anuschkas Worte hatten gewirkt. Nach einer Weile trieb sie jedoch die Ungeduld. Sie konnte nicht lange fortbleiben, sie mußte hier zu Ende kommen. Die abscheuliche Kammerfrau konnte sie jeden Augenblick verraten. Schmeichlerisch begann sie wieder: „Sehen Sie, nun habe ich Ihnen doch eine Freude gemacht. Und nun seien Sie nur ganz ruhig wegen des Aergers des Fürsten— Ihre Durchlaucht läßt Ihnen ganz sicher nichts geschehen. Das habe ich deutlich gemerkt. Die nimmt stets Ihre Partei.“ Als Senteck immer noch kein Wort sprach, griff Liberty ein. Zuerst trank er noch ein volles Glas Rum; dann sagte er nachdrücklich und brutal: „Viel Zeit hat die Anuschka nicht— also sage, was du für ihre gute Botschaft gibst! Ein bißchen dalli! Um se früher bist du uns los!“ Er goß wieder ein volles Glas mit Rum hinunter, während er in der Rechten schußbereit den Rovolver hielt. War es nun, daß Senteck aus seinen fanatischen Gedanken an die Fürstin gerissen wurde, daß ihm angesichts dieses Erpresserpaares, der entrissenen Wasse, seine Wehrlosigkeit noch greller zum Bewußtsein kam; er sprang auf wie ein Rasender. „Raus! Ihr Hunde... Er packte die Rumflasche, schleuderte sie nach Libertys Kopf. Der duckte sich mit katzenartiger Gewandtheit nieder. — Mit lautem Krach flog die Flasche gegen die Tür. Sekundenlang standen alle drei wie gelähmt. Dann, während Anuschka heulte und wimmerte, ging Liberty langsam, den Revolver in der Hand, auf den Baumeister zu. Mit höhnischer, überlegener Ruhe sagte er, auf den Schrank zeigend: „So. Brüderchen, nun mache ich auch Ernst! Da in dem Schrank, wo du, den Koffer von der Frau, die du in die Irrenanstalt geschleppt hast, versteckt hältst, hast du auch dein Geld. Wir wollten dich nur um einen Teil davon in aller Freundschaft bitten, weil die Anuschka in Not ist. Jetzi aber“, er richtete die Waffe gerade auf Seniecks Gesicht,„jetzt nehmen wir alles! Und ohne einen Muck! Verstehst du? Ohne einen Muck! Sonst— na, du weißt Bescheid... Er machte einige Schritte auf den Schrank zu. „Nun, wird's bald? Schließ auf!“ Senteck, bleich, schlotternd vor Trunkenheit und Angst, fuhr mit den Händen in die Taschen. Liberty verfolgte jede Bewegung. „Das Messer kannst du stecken lassen. Ehe du es aufklappst, hast du die Kugel im Leiv.— Die Schlüssel liegen da, die hast du nicht in der Tasche.“ Senteck riß die Hände leer hervor; in ohnmächtiger Wut hob er sie drohend vor Libertys Gesicht. „Hund, verfluchter! Dies ist dein letzter Streich.“ „Gut! Wird sich nach deinem Betragen richten, Brüderchen! Nun aver schließe auf— und das Ganze, wenn's denn das Letzte sein soll. Wärest du vernünftiger gewesen, hätten wir's billiger geian. Los!“ Zähneknirschend, seige taumelte der von seinem Spießgesellen Bezwungene gegen den Schrank. Zweimal fiel der Schlüssel aus den schlotternden Fingern, dann stieß er die Tür auf. Ein Bündel Banknoten, Gold= und Silbermünzer lagen in einem offenen Fach. Liberty langte mit der Linten hinein, füllte seine Taschen und sagte gemütlich: „Siehst du, Brüderchen, ich wußte ja, du läßt uns nicht im Stich. Gestern war Lohntag— hast übrigens'ne verdammt gute Einnahme! Es wird wohl reichen für die Anuschka.“ Er knöpfte seine Jacke zu und ging rückwärts zur Tür. „Der Rentamtmann wird dir Vorschuß geben— und Vater Schoffkow, der pumpt dir! Schlaf gut, Brüderchen!“ Als hätte jemand ihm die Beine unter dem Leide fortgezogen, so fassungslos fiel Senteck vor dem leeren Schrank nieder. Seine Nägel kratzten den Fußboden wie ein Tier scharrt, er gab heulende Töne von sich und schlug sich vor die Stirn. Dann warf er sich herum auf den Rücken und blieb liegen, bis die Nacht verrann. Als der Morgen in die Fenster sah, hatten Sentecks verzerrte Züge ihre ursprüngliche Form einigermaßen zurückgewonnen. Er sagte sich voll Hohn: „Wenigstens kann ich mich vor den Kreaturen sehen lassen. Keiner soll mir die Vorkommnisse dieser Nacht und meine Entschlüsse von der Stirn ablesen.“ Auf dem Bauplatz zeigte er eine größere Ruhe als sonst. Seine Unterbeamten wagten Anfragen, zu denen sie vorher kaum den Mut gefunden hatten. (Fortsetzung folgt.)