Du„Schwerter Zeitung erschein wöchentlich sechs mal Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhe), Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschästsstelle Große Markstr. 3—5 Verantworlich für die Schrifbleitug= H. Linner, Schwerse. Ferumnt 27 7 0 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt- und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Zeitung Pnztgesprerne fü de achigspot mm ui: e Pie, Aainsr. lige, sinanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pfg., Lieklamezeile 40 Pf. Fi teleson. aufgegedene Inserate üderehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergesehn. Betriedsstörungen, vervorgerusen durch bödere Gewalten, übernebmen wir keinertei Gewähr sir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann guch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Nr. 291(Erstes Blatt) Westhofen Gpd Kreisblett für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn K (Ruhr), Freitag, den 12. Dezember 1950 63. Jahrgang R Uhr Tudenschluß um Heigarene Die Ausschußvorlage im Reichstag angenommen- Gaststätten dürsen nur bis 19 Uhr geöffnet sein vdz. Berlin, 11. Dez. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas Abg. Stöhr(Nat.=Soz.) eine längere Erklärung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Darin wird ausgeführt, die Nationalsozialisten wollten sich nicht fälschlich als Skandalmacher hinstellen lassen. Sie würden in Zukunft keine Reden von Marxisten mehr anhören und würden beim Beginn solcher Reden den Saal verlassen.(Gelächter und Zurufe links. Beifall bei den Nationalsozialisten. Die sozialdemokratische Fraktion ist während der Verlesung der Erklärung außerhalb des Sitzungssaales geblieben.) Ein kommunistischer Abgeordneter verlangte die sofortige Beratung eines Antrages auf Aufhebung des Berliner Demonstrationsverbotes. Als er dieses Verlangen begründete, verließen die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen und die Mitglieder der Landvolkpartei den Saal. Sie ließen nur je einen„Horchposten“ zurück. Der Beratung des kommunistischen Antrages wurde von rechts widersprochen. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des von den Regierungsparteien eingebrachten Entwurfes zur vorübergehenden Regelung der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung. Als Präsident Löbe diesen Gegenstand aufrief, riefen die Kommunisten den wieder in den Saal zurückgekehrten Nationalsozialisten zu: „Achtung, der Marxist Löbe spricht, rausgehen!“ (Heiterkeit.) Der Ausschuß empfiehlt die Annahme des Entwurfs der Regierungsparteien, wonach die Konzertagenten ihren Betrieb bis auf weiteres fortführen können. In einer Ausschußentschließung wird verlangt, daß bei der endgültigen Erledigung der Entschädigungsfragen für die gewerbsmäßigen Stellenvermittler Härten vermieden werden. Abg. Jaeger=Celle(DN.) beantragte, daß die Entschädigung bis spätestens 31. März 1931 gesetzlich geregelt werden muß. Die Abstimmung wurde vom Präsidenten Löbe zurückgestellt. Es folgte die zweite Beratung des Gesetzntwurfes über den Ladenschluß am Weihnachts=Heiltgabend Nach dem Ausschußbeschluß dürfen offene Verkaufsstellen am 24. Dezember nur bis 17 Uhr geöffnet sein und Angestellte zur Bedienung der beim Ladenschluß schon anwesenden Kunden und zu sonstigen Arbeiten nur bis zur Dauer einer halben Stunde nach Ladenschluß beschäftigt werden. Gaststätten dürfen am 24. Dezember nur bis 19 Uhr geöffnet sein. Für die Verpflegung und Beherbergung von Ortsfremden können Ausnahmebestimmungen erlassen werden. Abg. Frau Reitze(Soz.) wendete sich gegen den vom Ausschuß abgelehnten Antrag der Wirtschaftspartei, der die Aufhebung des Ladenschlußgesetzes vom 13. Dezember 1929 verlangt. Abg. Dr. Schmidt=Westfalen(Chr.=Soz.) trat für die Ausschußvorlage ein und bekämpfte den Antrag der Wirtschaftspartei. Abg. Borrmann(WP.) lehnte die Ausschußvorlage ab und beantragte mindestens die Bestimmung über den Schluß der Gastwirtschaften im Interesse der anhanglosen Junggesellen und Witwer zu mildern. Abg. Frau Himmler(Komm.) richtete scharfe Angriffe gegen die Wirtschaftspartei. Abg. Dr. Pfeffer(DVp.) bekämpfte die Vorlage. Diese Art der Gesetzmacherei spotte jeder Beschreibung. Man dürfe nicht leichtfertig über die Lebensinteressen des Gewerbes sich hinwegsetzen. Die Wirtschaftspartei habe die weitere Verschlechterung der im Vorjahre beschlossenen Bestimmungen verschuldet durch ihren Vorstoß gegen das Ladenschlußgesetz. Der Redner beantragte Ausnahmebestimmungen für die Blumengeschäfte. Abg. Jaeger=Celle(DN.) lehnte die Ausschußvorlage ab. Die bisherige Regelung genüge den Bedürfnissen auch der Angestellten. Eine Verschärfung sei nicht zu rechtfertigen. Abg. Stöhr(Nat.=Soz.) tritt für die Ausschußvorlage ein. Während der Rede des Abg. Stöhr hatten die Sozialdemokraten den Saal verlassen. Abg. Weiser(Z.) erklärt, der größte Teis seiner Freunde werde gegen die Ausschußvorlage stimmen, weil die im Vorjahre beschlossene Regelung genüge. Abg. Schwarzer(Bayr. Vp.) erklärt, die Regelung müsse den örtlichen Verhältnissen anHeaukreichs Reglerungenete Nach Laval versucht Senator Steeg sein Glück wtb. Paris, 11. Dez. Der Präsident der Republik hat heute vormittag den Radikalen Senator Steeg ins Elysee berufen, um ihm die Bildung des Kabinetts anzubieten. Senator Steeg erklärte beim Verlassen des Elysees, er habe nicht ohne weiteres den Auftrag, das Kabinett zu bilden, angenommen. Er wolle sich zunächst mit seinen politischen Freunden besprechen, die ebenso wie er entschlossen seien, eine Regierung der Entspannung und des Burgfriedens zu begünstigen, die es durch den Zusammenschluß der Republikaner gestatten würde, die republikanischen, außenpolitischen, wirtschaftlichen und finanziellen Probleme zu lösen. Die ersten Persönlichkeiten, mit denen Steeg Fühlung nehmen wird, sind Poincaré und Briand. wtb. Paris, 11. Dez.(Eigene Rundf.=Meld.) Senator Steeg hat im Laufe des Nachmittags eine Anzahl Parlamentarier empfangen, so Senator Renault und die Abgeordneten Chabrin, Francois Bouillon, Danielou. Im übrigen haben die meisten Fraktionen heute nachmittag Sitzungen abgehalten, um zu der durch die Betrauung des Senators Steeg geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. So liegt von der Kammerfraktion der Linksrepublikaner, also der Fraktion, der Tardieu angehört, eine Entschließung vor, in der die Kampagne gegen Tardieu verurteilt und der Wunsch nach einer weitgehenden Einigung ohne irgendwelchen Ausschluß zum Der Nemlurgur=IumVerboten Wegen Gefährdung des deutschen Ansehens— nicht unter dem Druck der Straße wtb. Berlin, 11. Dez. Nach halbstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende der Filmoberprüfstelle das Urteil, wonach der Film wegen Gefährdung des deutschen Ansehens verboten sei. In seiner Begründung nahm er lediglich zu diesem Punkte Stellung und betonte, daß das Urteil nicht unter dem Eindruck der Straße gefallen sei. Auch habe sich das Gericht nicht von den Ausführungen Dr. Frankfurters beeinflussen lassen, in denen es hieß, daß die amerikanische Industrie sich nach einem Verbot dieses Filmes eventuell aus Deutschland zurückziehen könnte. Die Begründung In seiner Begründung führte der Vorsitzende der Oberfilmprüfstelle aus: Im Gegensatz zu Dr. Frankfurter sehe die Oberfilmprüfstelle die Anwendung des§ 4 des Filmgesetzes als gegeben an, insofern, als die Behauptung eines Landes genüge, daß die Anwendung des Filmgesetzes irrig erfolgt sei. Das entspreche auch dem Werdegang des Lichtspielgesetzes, denn die Oberprüfstelle soll die Möglichkeit haben, auch die Auswirkungen eines Filmes vor Augen zu haben. Die Oberfilmprüfstelle habe sich dem Standpunkt von Dr. Frankfurter angeschlossen, daß es sich um eine Frage der pazifistischen Weltanschauung handele. Dann könnte es aber unmöglich stimmen, daß es sich um das Schicksal von neun Freiwilligen gehandelt habe. Da es sich um Weltanschauungsfragen handele, seien die spielenden Personen Typen und nicht Einzelschicksale. Und diese Typen würden das Ansehen der Kriegsteilnehmer auf das empfindlichste verletzen. Es wäre unbestreitbar, daß es nur deutsche Soldaten wären, die jammern und schreien, während die Franzosen, die gegen den Stacheldraht anrennen, schweigend sterben. Im ganzen werde der Film der Gemütsverfassung der Teilnehmer am Kriege nicht gerecht. Die Oberfilmprüfstelle habe sich im übrigen dem Standpunkt des Reichsinnenministeriums angeschlossen, daß der Film die deutsche Niederlage und nicht den Krieg zeige. Er möchte, so betonte der Vorsitzende, das Volk sehen, daß sich die Darstellung der eigenen Niederlage gefallen lasse. Wenn der Film weiter liefe, so würde das Ausland doch sagen, daß wir die Darstellung billigen würden. Im übrigen sei die Entscheidung der Oberfilmprüfstelle nicht unter dem Druck der Straße gefallen. Auch habe sich die Oberfilmprüfstelle nicht von der Drohung Dr. Frankfurters beeinflussen lassen, die amerikanische Industrie würde in Verfolg des Verbotes des Films sich aus Deutschland zurückziehen. Das Verbot erfolge wegen der Gefährdung des deutschen Ansehens im Auslande. Zu Beginn seines Plaidoyers hatte der Vertreter der Universal=Film=Gesellschaft mitgeteilt, daß seine Gesellschaft den Remarque=Film sofort ohne Rücksicht auf das Urteil der Filmoberprüfstelle zurückziehe. Ausdruck gebracht wird. Die Fraktion betont in der Entschließung außerdem ihre einmütige Solidarität, die keinem ihrer Mitglieder die Möglichkeit gibt, ohne Ermächtigung ihrer Fraktion an einer Regierung teilzunehmen. Die Fraktion der katholischen Demokraten stellt fest, daß zweimal die Bildung eines Ministeriums der Entspannung dadurch gestört worden sei, daß man Tardieu proklamierte. Die Fraktion bezeichnet es als unzulässig, daß bei den Bemühungen um Schaffung einer Aussöhnung im Sinne einer republikanischen Mehrheit die scharfe Stellungnahme eines Politikers in den Vordergrund gerückt werde, der, wenn er auch im Senat gestürzt worden sei, in der Kammer niemals in die Minderheit versetzt worden sei. In den Wandelgängen der Kammer verlautet über die Absichten des Senators Steeg, daß er außer seiner Partei die Sozialrepublikaner, die Radikale Linke, die Linksrepublikaner und sogar die Fraktion Maginot, von den kleineren Gruppen, die in der Mitte des Hauses sitzen, abgesehen, aufnehmen wolle. Es scheine jedoch, daß Senator Steeg nicht auf die Fraktion Marin zurückgreifen wird. Hierin liegt allerdings eine Schwierigket, denn noch vor einigen Tagen hatten gewisse Fraktionskollegen Maginots erklärt, sie würden nur eine Koalition unterstützen, in der auch die Fraktion Marin vertreten wäre. Es fragt sich nun, ob Renault an dieser Auffassung festhalten wird. Es wird nun behauptet, daß Steeg, um Schwierigkeiten, die durch den Ausschluß der Maringruppe entstehen könnten, zu vermeiden, einen Gemäßigten dieser Partei, wie etwa den ehemaligen Mitarbeiter von Millerand, Lefebre du Prey, in sein Kabinett aufnehmen würde. Briand soll bereits heute vormittag Steeg ausdrücklich zugestimmt und ihm seine Unterstützung versprochen haben. Wenn die Dinge wirklich so liegen, wie man sie heute nachmittag in den Wandelgängen der Kammer angesehen hat, wird die Aufgabe des Senators Steeg keine leichte sein. Die letzten Tage der Krise haben eben keine Entspannung, sondern eine Verschärfung der Parteigegensätze gebracht. Ehrenerklärung der Linksparieten für Tardien wtb Paris, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Wie die Havasagentur berichtet, hat der Abgeordnete Scapini heute zu Beginn der Sitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der den Fall Oustric behandelt, einen Zwischenfall dadurch hervorgerufen, daß er auf Gerüchte hinwies, denen zufolge die Rolle Tardieus in der Angelegenheit Oustric verdächtig sei. Da sich Scapini hierbei besonders an die Radikalen und die sozialistischen Ausschußmitglieder wandte, gab der sozialistische Abgeordnete Renaudel die Erklärung ab, er habe in den vorliegenden Akten nichts gefunden, das erlaube, Tardieu in der Oustric= Affäre zu verdächtigen. Der radikale Abgeordnete Daladier gab darauf eine entsprechende Erklärung ab. Er habe unter den dem Untersuchungsausschuß vorliegenden Akten nichts festgesteilt, was es erlaube, Tardieu in die Angelegenheit hineinzuziehen. Durch diese Erklärung hat nach dem Havasbericht der von Scapini hervorgerufene Zwischensall seine Beilegung erfahren Milderung der Beforderungssperte für Beantte enb. Berlin, 12. Dez.(Eigene Rundf.=Meld.) In einer Besprechung des Reichsfinanzministers Dietrich mit dem Beamtenführer der Deutschen Staatspartei erklärte der Minister, daß seine Politik im Hinblick auf die Beamtenschaft von den Staatsnotwendigkeiten diktiert worden sei. Er lehne jedoch Maßnahmen ab, die nur geeignet seien, Verärgerung zu schaffen, ohne von größerer finanzieller Bedeutung zu sein. Es sei daher nicht beabsichtigt, den Urlaub der Beamten zu kürzen. Es sei weiter darauf verzichtet worden, daß Pensionsalter von 65 auf 68 Jahre heraufzusetzen. Es würden Richtlinien geschaffen, die Beförderungen in den Ministerien wieder möglich machten. In den Reichsministerien sei durch Kabinettsbeschluß eine Beförderungssperre vereinbart, es seit jetzt jedoch in Aussicht genommen, in den Reichsministerien, die die vorgesehenen 10%0 ihrer Beamten abgebaut hätten, Befördert en wieder vorzunehmen, wenn dabei die Eingangsstellen der Laufbahn in Wegfall kämen. gepaßt werden. Die Ausdehnung der Bestimmungen auf die Gaststätten sei nicht zu rechtfertigen. Abg. Dr. Adolph(Volksnat.) stimmt der Ausschußvorlage J.„.., M#i. Senli. Auch über diese Vorlage wird die Abstimmung zurückgestellt. Die Novelle zum Reichspostfinanzgesetz, wonach die Ablieferung an das Reich kunftig von den Bruttoeinnahmen erfolgt, wird ohne Aussprache in zweiter und dritter Beratung angesommen.. 1 Zur Beratung kommt weiter eine Entschließung des Haushaltsausschusses, in der die Reichsregierung ersucht wird, in einheitlichem Zusammenwirken mit Preußen- aus Anlaß der jüngsten Hochwasserkatastrophen eine umfassende Hilfsaktion für die Geschädigten einzuleiten, zur Vermeidung der Wiederkehr solcher Katastrophen die Vollendung der Wasserbauten zu beschleunigen und die geschädigten Bezirke in die Osthilfe einzubeziehen. Abg. Dr. Schwobe(DN.) fordert schleunige Hilfe für die Oder=Anlieger in Schlesien. Die Zuflüsse der Oder müßten Stauweiher bekommen...) exsanst Loß 8i. Abg. Kasche(Nat.=Soz.) verlangt, daß die Hilfsmaßnahmen möglichst rasch und ohne unnötige Formalitäten durchgeführt würden. Die Osthilfe sei geradezu eine Karikatur einer Hilfe. Wer seine Kinder in polnische Minderheitsschulen schicke, müsse von der Osthilfe ausgeschlossen werden.(Als Vizepräsident Esser den Redner ersucht, nur zum Gegenstand der Tagesordnung zu sprechen, erklärt dieser unter lebhaftem Beifall der Nationalsozialisten, es werde geschäftsordnungsmäßig planmäßig verhindert, über die Polenfrage zu sprechen. Als der Redner dann auf die Frage der Polizeikosten zu sprechen kommt, wird ihm unter lebhaften Pfuirufen der Nationalsozialisten vom Vizepräsidenten Esser das Wort entzogen. Die Nationalsozialisten richten protestierende Zurufe an den Vizepräsidenten Esser.— Abg. Goebbels wird deswegen zur Ordnung gerufen und nach einem weiteren Zuruf dieser Art durch den Vizepräsidenten Esser aus dem Saale gewiesen. Abg. Ehrhardt(Z3.) unterstützt die Forderung eines umfassenden Wasserbauprogramms im Obergebiet. Jure Abg. Schmidt=Hannover(Du.) fordert eine wirksame Regulierung des Elbestromgebiets in Nordhannover. Dringend notwendig seien auch Hilfsmaßnahmen im Bezirk der mittteren Weser.. Jaur Samstss) Abg. Gandorfer(Bayr. Bauernp.) schildert die Hochwasserschäden im Gebiet der Donau uno ihrer bayrischen Nehenflüsse. Hier müsse schleunigst geholfen werden. Abz. Verhülsdonk(Z.) geht auf die Hechwasserschäden am Rhein und seinen Nebenflüssen ein und fordert Steuerniederschlagung für die Geschüidigten. Reichsnerkehrsminister v. Guerard betont, daß bei der Hilfsaktion für die Hochwassergeschädigten an Oder und Rhein sich eine durchaus ersreuliche Zusammenarbeit zwischen dem Reich und Preußen gezeigt habe. Die Regierung sei eifrig bemüht, die Ursachen der Hochwasserkatastrophen zu untersuchen, um der Wiederholung nach Möglichkeit vorbeugen zu können. Auch aus wirtschaftlichen Gründen arbeite die Regierung an einer Vorlage, die eine umfassende Regulierung der Oder bringen soll. Mit dieser Vorlage werde dann auch die Hochwassergefahr eingeschränkt werden. Die Aussprache wird dann unterbrochen, weil die vorher zurückgestellten Abstimmungen nachgeholt werden müssen. Zur vorübergehenden Regelung der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung wird unter Ablehnung der Aenderungsanträge die Ausschußvorlage angenommen. In dieser Fassung wird darauf auch das Gesetz in dritter Beratung mit der Ausschußentschließung(Vermeidung von Härten) angenommen. Das Gesetz zum Ladenschluß wurde in der Ausschußfassung angenommen mit einem Aenderungsantrag des Abg. Pfeffer(DVp.), wonach die Blumengeschäfte eine Stunde länger geöffnet bleiben dürfen als die sonstigen Geschäfte. Dieser Antrag fand mit 250 gegen 239 Stimmen Annahme. Dann wurde die Aussprache über die Hochwasserschäden fortgesetzt. Die Aussprache spitzte sich wieder sehr zu und nahm zum Teil stark persönliche Formen an. Schließlich wurde die Vorlage in der Ausschußfassung angenommen mit der vom Abg. Esser(Ztr.) vorgeschlagenen Ergänzung, daß für die Hilfsaktion besonders die Gebiete Nieder= und Oberschlesien sowie des Rheins und seiner Nebenflüsse in Frage kommen. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte über die Tagesordnung der nächsten Sitzung vertagte sich das Haus auf Freitag 10 Uhr. Tagesordnung: Anträge auf Winterbeihilfen und zu den Grubenkatastrophen. * Die Auswirkungen der Verordnungen Der gestern im Reichstag angenommene Gesetzentwurf für den Ladenschluß am Heiligabend bedeutet, kurz zusammengefaßt, folgendes: Offene Verkaufsstellen jeder Art dürfen am 24. Dezember nur bis 17 Uhr geöffnet sein. Eine Ausnahme bilden nur Blumengeschäfte, die bis 18 Uhr geöffnet sein dürfen. Die Ausnahme für Lebensmittelgeschäfte, die bisher um 18 uhr schließen durften, ist also weggefallen. In den offenen Verkaufsstellen durfen bis zu einer halben Stunde nach 17 Uhr noch bereits vor Schluß anwesende Käufer bedient und Aufräumungsarbeiten geleistet werden. Alle Gaststätten müssen am Heiligabend um 19 Uhr schließen, ebenfalls mit der Maßgabe, daß bis zu einer halben Stunde nach der Schlußzeit bedient und aufgeräumt werden darf. Die Landesbehörden können hier bestimmen, daß für Beköstigung und Beherbergung Ortsfremder eine den Bedürfnissen entsprechende Regelung getroffen wird. Der neue Bundespräsident der Schweiz wtb. Bern, 11. Dez. Die Vereinigte Bundesversammlung wählte heute mit 158 von 160 gültigen Stimmen den bisherigen Vizepräsidenten Bundesrat Häberlin zum Bundespräsidenten für 1931. Es wurden 26 unbeschriebene Zettel abgegeben, sieben waren ungültig. Zum Vizepräsidenten des Bundesrats wurde mit 162 von 181 gültigen Stimmen Bundesrat Motta gewählt. Leer abgegeben wurden 26 Zettel, ungültig waren acht. Neue Unruhen auf Kuba wtb. Newyork, 11. Dez. Der Korrespondent der Associated Preß in Havanna meldet, daß in verschiedenen Teilen von Kuba neue Unruhen ausgebrochen seien. Bisher seien ein Toter und eine Anzahl Verwundete zu verzeichnen. wtb. Havanna, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Ueber ganz Kuba ist heute abend der Belagerungszustand verhängt worden. Schwere Verfehlungen bei der Breslauer Oriskrankenkasse wtb. Breslau, 11. Dez. In der Verwaltung der Breslauer Allgemeinen Ortskrankenkasse sind, wie die Morgenblätter melden, schwere Verfehlungen aufgedeckt worden, die jahrelang zurückreichen und dem Reich einen Schaden von etwa 200000 Mark verursacht haben. Es handelt sich um Mehrberechnungen, die zwei Abteilungsleiter der Krankenkasse dem Hauptversorgungsamt gegenüber gemacht haben, so daß dem Versorgungsamt eine Mehrbelastung von etwa 40000 RM jährlich und insgesamt 200 000 RM. in den letzten fünf Jahren erwuchs. DerVorstand der Krankenkasse hat gegen die schuldigen Beamten ein Dienststrafverfahren eröffnet und Strafmaßnahmen beantragt. Um die Angelegenheit restlos aufzuklären, hat die Ortskrankenkasse eire Generalrevision durch eine Berliner Treuhandgesellschaft angeordnet, die auch den übrigen Betrieb genau prüfen soll. Wirih umerte. Frill wegen der Gerarer Reichsbannerübungen trages böten. Nach den bisher vorliegenden Berichten müsse er den vorliegenden Fall als völlig gleichliegend ansehen. Bevor er in der Sache eine Entscheidung treffe, ersuche er daher zunächst um Angabe, ob und welche weiteren Tatsachen dafür vorlägen; daß es sich um ein Gefecht gehandelt habe. Schließlich ersuche er um Uebersendung der mit Unterschrift versehenen Originalberichte, sowie um Angabe derjenigen Personen, die den vorliegenden Bericht auf Grund eigener Wahrnehmung erstattet hätten und bereit seien, diese Angaben nötigenfalls auch zeugeneidlich zu erhärten.— In der Antwort des Reichsinnenministers heißt es zum Schluß: „Ich kann nicht umhin, mein Befremden darüber auszudrücken, daß Sie es für angezeigt gehalten hatten, bevor ich in der Sache eine Entscheidung treffen konnte, die vorliegende Anzeige wegen Nichterfüllens des Versailler Vertrags der Oeffentlichkeit und damit zugleich zur Kenntnisnahme der ehemaligen Feindbundmächte zu unterbreiten. Ein derartiges Verhalten ist bisher von keinem deutschen Minister geübt worden.“ enb. Berlin, 11. Dez.(Eig. Meld.) Auf den Antrag der thüringischen Regierung, die Reichsbannergruppe in Gera wegen militärischer Uebungen auf Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zu verbieten, hat Reichsinnenminister Dr. Wirth nunmehr dem thüringischen Staatsminister geantwortet. Dr. Wirth weist in seiner Antwort darauf hin, daß nach dem Bericht des Polizeiamts Gotha vom 6. Juni 1930 die Nationalsozialisten in Uniform, mit Tornistern, Lendenzeug und Brotbeutel aufmarschiert waren, auf dem ehemaligen Exerzierplatz des 1. Bataillons Infanterieregiments 95 auf dem Krahnberg, Gemeinde Trügleben, Bewegungsübungen in Abteilungen durchgeführt und dann noch einen Appell abgehalten hätten. Jetzt werde berichtet, daß das Reichsbanner schwarz=rot=gold entsprechendes unternommen hätte. Das thüringische Staatsministerium habe damals den Standpunkt eingenommen, daß ein solcher in Bundeskleidung vorgenommener Aufmarsch und die damit verbundenen Bewegungsübungen, Appelle usw. keinen Anlaß zum Einschreiten auf Grund des Versailler VerFür weitere Einsparungen im Reichshaushalt wtb. Berlin, 12. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat am gestrigen Abend beschlossen, im Reichstag einen Antrag einzubringen,„die Reichsregierung zu ersuchen, zur Sicherung gegen Schwankungen des Wirtschaftslebens dem Reichstag vor dem Eintritt in die Einzelberatung des Reichshaushalts für 1931 1. einen Ergänzungshaushalt vorzulegen, der die Einsparung eines weiteren Betrages von mindestens 300 Millionen Mark an den ordentlichen Ausgaben herbeiführt; 2. die zu diesem Zwecke erforderlichen Gesetzentwürfe vorzulegen“. Sachsen gegen Schulabbau enb. Berlin, 12. Dez.(Eigene Rundf.=Meld.) Auf eine deutschnationale Anfrage im sächsischen Landtag, welche Stellung die sächsische Regierung zu den preußischen Plänen einnehme, die höhere Schule um ein Jahr zu verkürzen, teilt die sächsische Regierung mit, daß Sachsen dem Abbau nachdrücklich entgegentreten werde. Die Regierung sei der Ueberzeugung, daß eine Verkürzung der Bildungs= und Erziehungsarbeit der höheren Schule den Bedürfnissen der heranwachsenden Jugend nicht gerecht werde. Die Zerrissenheit der geistigen Lage, die politischen und weltanschaulichen Spannungen und die wirtschaftlichen Nöte ergriffen auch die Jugend unserer höheren Schule aufs stärkste. Um so bedeutungsvoller sei es, daß dieser Jugend Gelegenheit gegeben werde, in den höheren Klassen sich durch Auseinandersetzung mit geistigen und sittlichen Fragen innerlich abzuklären. Außerdem würde ein ganzer Jahrgang höherer Schüler ständig früher als bisher den Arbeitsmarkt belasten. Zudem dürften die Ersparnismöglichkeiten nicht überschätzt werden. Verschärfung des Maismonopols vdz. Berlin, 11. Dez. Der volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages gab am Donnerstag seine Zustimmung zu einer Verordnung, die das Maisgesetz in einigen Punkten verschärft. Das Maisgesetz unterstellt nur das Inverkehrbringen von Mais im Zollinland der Monopolpflicht. Deshalb will die Verordnung ausdrücklich klarstellen, daß auch derjenige, der Mais einführt und im eigenen Betriebe irgendwie verbraucht, monopolpflichtig sei. Schließlich werden die Bestimmungen des Maisgesetzes durch eine Strafvorschrift ergänzt. Dadurch soll der Reichsmaisstelle die Möglichkeit gegeben werden, eine Kontrolle darüber zu erzwingen, ob eingeführter Mais tatsächlich nur eingelagert oder trotz gegenteiliger Versicherung in den Verkehr gebracht worden ist. Die Ostafrikafrage England braucht die Mitarbeit der Ansiedler. wtb. London, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Der gemeinsame Ausschuß des Ober= und Unterhauses zur Erörterung der Ostafrikafrage hielt heute seine erste öffentliche Sitzung ab. Diese begann mit einer gutachtlichen Vernehmung des ständigen Unterstaatssekretärs im Kolonial= amt, Sir Samuel Willon, der 1929 im amtlichen Auftrage die ostafrikanischen Gebiete bereist hatte. Willon erklärte, er könne die Ergebnisse seiner Untersuchungen auf dieser Reise durch Uganda und Tanganjika dahin zusammenfassen, daß eine engere Verbindung der Freigebiete administrativ durchführbar und für die Bevölkerung auch annehmbar sei. Trotzdem sei der Plan bedenklich, wenn man sich nicht vorher der Mitarbeit der Ansiedler bei der Durchführung versichern könnte. Willon vies ausdrücklich darauf hin, daß man unter Umständen keine geringe Gefahr laufen würde, in Ostafrika eine politische Atmosphäre zu schaffen, die man hinterher bedauern könnte. Seine weiteren Ausführungen bewegten sich dann um die Frage einer Vertretung der in Ostafrika ansässigen Inder in der gesetzgebenden Körperschaft. Er äußerte, daß er keinen Anlaß habe, diese heute noch außerst strittige Frage vessimistisch zu deurteilen. Sorgen um die Weltwirtschaftskrise wtb. London, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Auf der heutigen Sitzung der Völkerbundsunion führte das Parlamentsmitglied W. Hills, das den Vorsitz führte, in einer Uebersicht über die Tätigkeit der Union während der vergangenen Monate u. a. aus, daß das gegenwärtige Jahr für den Völkerbund und seine Anhänger sehr schwierig gewesen sei. Auf dem sich an die Sitzung anschließenden Frühstück betonte der rumänische Gesandte und diesjährige Vorsitzender der Völkerbundsversammlung, Nicolas Titulescu, daß die Lösung der Krise der Weltwirtschaft eine Aufgabe des Bundes sei. Der Bund solle eine Untersuchung der allgemeinen Wirtschaftskrise auf weltumspannender Grundlage in die Wege leiten. Wenn nicht irgendeine internationale Zusammenarbeit daraus werde, schloß Titulescu, kann die Welt von einer Katastrophe eingehüllt werden, denn die gesamte Menschheit ist im Begriffe, die Geduld zu verlieren. Antisemitische Ausschreitungen wtb. Bukarest, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Nach Blättermeldungen wurde anläßlich des zehnjährigen Bestehens des rechtsradikalen rumänischen Studentenverbandes heute eine Jubiläumsfeier veranstaltet, die in antisemitische Kundgebungen ausartete. Eine größere Studentengruppe wollte dabei bis zum königlichen Palais vordringen, wurde aber von der Polizei daran gehindert, dagegen wurden in den Hauptstraßen verschiedene Auslagen eingeschlagen. Die Fenster des Hauses, in dem der Oberstaatsanwalt Rascanu wohnt, wurden gleichfalls eingeworfen. In Klausenburg ist nach einer dortigen Meldung eine Synagoge erbrochen und die Einrichtung beschädigt worden. Die Polizei hat in Bukarest 40 und in Klausenburg 4 Verhaftungen vorgenommen. Schon wieder ein Raubüberfall in Köln wp. Köln, 11. Dez. Heute morgen um 9,30 Uhr wurde die 71jährige Frau Manz, die im Hause Kleine Spitzengasse 23 ein Zimmer bewohnt, von drei Männern überfallen. Die Täter klopften dreimal an die Wohnungstür, und als Frau Manz fragte, wer da sei, antwortete Tariskündigung im oberschlesischen Baugewerbe. wtb. Beuthen, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Der Arbeitgeberverband des oberschlesischen Baugewerbes hat den oberschlesischen Bezirkstarif für die kaufmännischen Angestellten mit Wirkung ab 31. Dezember gekündigt und verlangt eine zehnprozentige Gehaltskürzung. Ein Termin für die Verhandlung der Tarifparteien ist noch nicht festgesetzt worden. Danziger Staatsvertrag mit einem englischen Lotterieunternehmen. wtb. Danzig, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Vor wenigen Tagen wurde hier von einem englischen Unternehmen eine Lotteriegesellschaft gegründet. Sie hat mit der Danziger Regierung einen Vertrag abgeschlossen, nach dem ihr die Konzession erteilt und dem Staat Danzig ein erheblicher Gewinn sichergestellt wird. Ebenso sollen die Wohlfahrtseinrichtungen in Danzig einen besonderen Anteil und zwar 5 Prozent der auf Danziger Staatsgebiet durch Loosverkauf erzielten Erträge erhalten. Der Senat erhofft von dem Vertragsabschluß außer der Verbesserung der Finanzlage durch die direkte Abgabe an Steuern auch eine Belebung der Wirtschaft. Generalstreik in Cadix. wtb. Paris, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Havas berichtet aus Cadix, daß dort heute früh der Generalstreik ausgerufen worden ist. Stockung auf der Indienkonferenz. MacDonald als Vermittler. wib. London, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) jemand: Ein Schreiben. Frau Manz nahm an, daß ihr der Briefträger einen Einschreibebrief überreichen wollte. Sie öffnete die Türe und im gleichen Augenblick wurde sie von einem der Männer am Kopfe gefaßt, und zwar so, als wolle er den Kopf herumdrehen. Darauf stürzte ein zweiter auf die Frau und schlug sie mit einem Gegenstand auf den Kopf, wodurch sie erhebliche Verletzungen erlitt und besinnungslos zu Boden fiel. Die beiden im Zimmer befindlichen Männer warfen jetzt das ganze Bettzeug über die am Boden liegende Frau. Ein dritter stand während des ganzen Vorfalles auf dem Flur Schmiere. Geraubt wurden ein Brillantring, ein Trauring, eine Brosche und zwei goldene Ringe. Eine Personalbeschreibung der Täter kann nicht gegeben werden. Es ist nur bekannt, daß einer von ihnen einen braunen Mantel trug und die beiden andern mit dunkelm Mantel bekleidet waren. Lebensgefahr besteht für die Ueber fallene zur Zeit nicht. Raubmord bei Duisburg wtb. Duisburg, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld) Auf den Landwirt Wilhelm Schmitt wurde im Stadtteil Huckingen in den heutigen Morgenstunden ein schwerer Raubüberfall verübt. Als der Landwirt sich in der Frühe auf den Hof begeben wollte, wurde er im Flur seines Hauses von einem etwa 30 Jahre alten Manne mit einem schweren Gegenstand niedergeschlagen. Bei der Durchsuchung des Hauses traf der Räuber im Schlafzimmer auf die Schwester des Landwirtes, die er, als sie um Hilfe rief, ebenfalls durch einen Schlag niederstreckte. Die Frau raffte sich aber wieder auf und händigte dem Verbrecher einen Geldbetrag von 5,50 Mark aus, den sie im Küchenschrank verwahrt hatte. Der Verbrecher entkam unbehelligt. Die beiden Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht, wo der Mann jedoch, ohne Angaben machen zu können, seinen Verletzungen erlag.: Die Schwester wurde glücklicherweise nur leicht verletzt. Der Gefangene in der Bodenkammer enb. Fürstenwalde(Spree), 11. Dez.(Eigene Rundf.=Meld.) Beamte der Kriminalpolizei stellten fest, daß der 67jährige Hans Polenz, Beamter im Ruhestande, seit einem Jahre in einer nicht heizbaren schmutzigen und dunklen Bodenkammer untergebracht ist. Der Bedauernswerte soll nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein. Er wurde der Gefährdetenfürsorge überwiesen, die für seine Unterbringung ins Krankenhaus sorgte. Frau Polenz sagte aus, daß sie von ihrem Manne bedroht worden sei und daß sie ihn deshalb in die Bodenkammer eingesperrt habe. Gegen sie und die Tochter, die Beihilfe geleistet hat, ist Anzeige auf Freiheitsberaubung usw. erstattet worden. Deutscher Dampfer gestrandet wtb. London, 1. Dez. Lloyds meldet aus Kobe, daß der dem Nordd. Lloyd gehörige Dampfer„Schlesien“, der von Bremen und Rotterdam nach Moji unterwegs war, auf der seite der Linschotenstraße(Kiisuido) in der Nähe der Awadschi=Insel gestrandet ist. wtb. London, 11. Dez.(Eig. Rundfunkmeld.) Den Bemühungen von fünf Feuerwehren ist es endlich gelungen, das 30 Stunden lang wütende Feuer auf dem ehemaligen deutschen Ozeandampfer„Empreß of Scotland“ zu unterdrücken. Man konnte der Flammen nur dadurch Herr werden, daß man zehn rechteckige Löcher in die Schiffsseiten schnitt und riesige Wassermengen in das Innere des Schiffes leitete. Wie Reuter erfährt, nimmt MacDonald an den Arbeiten der Indienkonferenz aktiv in der Rolle eines Vermittlers teil, um die Streitigkeiten zwischen Hindus und Mohammedanern beizulegen, die gegenwärtig den Fortschritt der Konferenz stören. Grubenunglück in England. wtb. Glasgow, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Bei einer schweren Grubenexplosion in der Grafschaft Ayr wurden 9 Bergarbeiter verletzt. Kellogg unterwegs nach Berlin. wtb. Oslo, 11. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Der frühere Staatssekretär Kellogg, der hier zur Entgegennahme des Friedensnobelpreises geweilt, ist heute nach Berlin abgereist. Amerikas Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. wtb. Washington, 12. Dez.(Eigene Rundf.= Meld.) Der Senat nahm die Vorlage über die Ausführung öffentlicher Bauarbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit an, nachdem er die hierfür vorgesehene Summe von 110 auf 115 Millionen Dollar erhöht hatte. Abermals ein Blutbad in China. wtb Paris, 11. Dez.(Eig.(Rundf.=Meld.) Nach Havasmeldungen aus Schanghai sind 10 000 Kommunisten aus der Provinz Kwanghsi in die Provinz Kwantung eingebrochen. Sie ziehen plündernd und mordend durch die Provinz und haben sich inzwischen der Stadt Wanyung bemächtigt, deren Behörden geflüchtet sind. In Schantung wurden 8 Kommunisten, die einen Anschlag gegen Tschangkaischek geplant haben sollen, enthauptet. Nachrichstendienst durch Funrsprau, Wesssalens kurnerischer Arbeitsplan 1930 Der Turnausschuß und der gesamte Kreisvorstand des Turnkreises Westsalen=Lippe der DT. tagten am Sonnabend und Sonntag in Dortmund. Man nahm die Berichte über die Arbeit der verflossenen Jahre entgegen und stellte den Arbeitsplan für 1931 auf. Weiter wurden die Verträge mit den Sportverbänden beraten. Für das nächste Kreisturnsest liegt eine Bewerbung Bochums vor. Infolge beschlossener Sparmaßnahmen konnte die Kopfsteuer von 1,50 RMk. auf 1,35 RMk. gesenkt werden. Die Bildung von Großgauen wurde abgelehnt.— Wichtige Termine 1931: 25. Januar: Hallentennis Rheinland—Westfalen.— 8. Febr.: Kreisturntag in Dortmund.— 28. Febr. bis 1. März: Hallensportfest in Münster.— 8. März: Gauwaldläufe, Tennisrückkampf Rheinland— Westfalen.— 22. März: Ausscheidungsturnen für die DT.=Meisterschaften.— 12. April: Kreis=Waldlaufmeisterschaft.— 26. April: DT.=Gerätemeisterschaften in Essen.— 21. Juni: ko. Schwimmfest in Schwerte.— 27./28. Juni: Volksturn=Kreismeisterschaften in Dortmund.— 11./12. Juli: Westdeutsche Volksturnmeisterschaften in Lüdenscheid.— 19. Juli: KreisSchwimmeisterschaften in Iserlohn.— 1./2. Aug.: Harkortbergfest in Wotter.— 9. August: Kreis=Sommerspielmeisterschaften in Bielefeld. 6. Sept.: Vereinsmeisterschaften, ko. Schwimmfest in Soest.— 13. September: DT.=offenes Hammerspielfest.— 4. Okt.: ko. Hallenschwimmen in Hagen.— 18. Okt.: Handball Rheinland — Westfalen in Krefeld.— 6. Dezember: Kunstturnen Rheinland—Westsalen in Köln. Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 11. Dezember. Es notierte: westf. Weizen 24,50, westf. Roggen 16,80, ostfries. Haser 17,50—18, ausl. Hafer 21—21,50, ausl. Gerste 22—22,50, Weizenmehl(Crundpreis) 40,50 bis 40,75, Roggenmehl 27—27,50, Weizenkleie 11—12, Roggenkleie 9—9,50, Trockenschnitzel 5—5,25, Zuckerschnitzel 7—7,25. Diese Preise sind Großhandels=Verkaufspreise und verstehen sich per 100 Kilo waggonfrei Dortmund in Ladungen von 15 Tonnen, bei Mehl zu den Mühlenkonventionsbedingungen. Tendenz: ruhig. Was hören wir im Rundfunk? Samstag, den 13. Dezember 1930. 07,60: Morgenkonzert. 10.45: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Berufsschulen. 11,20: Deutschkundlicher Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 16,20: Englisch. 16,40: Heiteres am Nachmittag. 17,60: Frauenstunde. 17,15: Vesperkonzert. 18,15: Für den Kleintierzüchter. 18.40: Wintersportgebiete in Rheinland und Westfalen. 19,25: Die Stunde des Arbeiters. 19.45: Lustiger Abend. 22,15: Tanzneuheiten 1930=31. Bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. 24.00: Meister des Jazz. ha. Gebührenfreier Grenzübergang für Lastkraftwagen ohne Handelsware. Im Grenzverkehr mit Krastfahrzeugen hat der Reichsfinanzminister jetzt bis auf weiteres sich damit einverstanden erklärt, daß Führer von Lastkraftwagen, die beim Ueberschreiten der Grenze keine zum Handel bestimmten Waren mit sich führen, den Reisenden im Personenwagen gleichgestellt werden. Sie können auch außerhalb der ordentlichen Dienststunden gebührenfrei bei den Zollstellen abgefertigt werden. Sollte die Ausnutzung der Gebührenfreiheit zu Unträglichkeiten führen, so ist dem Minister zu berichten. Geschaftliches Die seit 30 Jahren in Schwerte bestehende Firma Gebr. Stein veranstaltet im Rahmen der„Weihnachtsmesse“ einen großzügigen Verkauf für praktische Weihnachtsgeschenke. Durch persönlichen Einkauf an den maßgebenden Fabrikplätzen hat die Firma Ware erstanden, die in Bezug auf Qualität und Preiswürdigkeit unerreicht stehen. Ein Blick in die Schaufenster überzeugt, daß kein Großstadtgeschäft billiger sein kann. Eine besonders günstige Gelegenheit gibt die Firma dadurch, daß beim Einkauf von je 8 Mark ein Los der Arbeiterwohlfahrtslotterie gratis gegeben wird, wobei der Hauptgewinn im Werte von 35000 Mark zu gewinnen ist; jedoch wem Fortuna einen der nächsten Gewinne in den Schoß wirft, kann auch damit zufrieden sein. Also Parole: Prägt's Euchein, Kauft bei Stein! Um in Zukunft die Bezeichnung„Pilsener“ zu vermeiden, durch die indirekt Reklame für die tschechischen Biere gemacht wird, hat sich die Dortmunder Union=Brauerei, die bekanntlich auf der Weltausstellung in Lüttich 1930 die höchste Auszeichnung, den„Grand Prix“ erhielt, dazu entschlossen, ihr stark gehopftes Bier von jetzt ab unter der Bezeichnung„Dortmunder UnionQuell“ auf den Markt zu bringen. Kinder schreiben ihren Wunschzettel. Die Großen sagen, sie = wünschten sich dieses oder jenes, sie hätten es in der Zeitung * gelesen, es sei nicht teuer und..... man würde sich freuen, wenn Es ist nicht leicht, das richtige Geschenk zu finden, das den Geschmack des Beschenkten trifft, praktisch ist und dennoch = Freude hervorruft. Wer regelmäßig den Inseratentell der„Schwerter Zeitung“ = Uest, wird wissen, daß hier die Geschäftsleute viele Waren anbieten, die, unter den Christbaum gelegt, die echte rechte — Weihnachtsfreude hervorrufen. Man lese den Inseratenteil der „Schwerter Zeitung“, dann wird der unschustdet Brültung Enden. Samstag, den 13. ds. Mts., vorm. 9 Uhr, wird auf der Freibank verkauft. 4512 Schlachthofverwaltung. Stuus sander Monatsraten von RMI. 10.— an. Joh. Lichtenhagen, Hagenerstraße 17. liefert schnelistens Carl Braus, Bahnholstr. Wtltllltll KUNST UND LEBEN 19 31 unspeinenengmnasnnn zu haben bei C. Braus, Bahnhofstr. 3. Vttlttlt Technikum Lemge i. Lippe Hoch-, Tief- u. Eisenbeionbau Meschinenbau. Elektrotechnik PA gr-P Dac dem führenden Kaulhaus Basse& Uerpmann& Iserlohn Allen voran im PreisAbbau! Besuchen Sie unseren großen Weihnachts-Verkauf! Wir sind im ganzen Sauerland als Schrittmacher des unbedingt nolwendigen Preisabbaues bekanni. Wir haben das Ziel erreicht durch äußerst günalige Käute bei unseren Lieferanten und durch strengete Rationalisierung unseres Eigenbeiriebes Verlangen Sie von Ihrem Postboten unsere 4 seitige Weihnachts-Preisliste Besuchen Sie unseren großen Erfrischungsraum. In Preis und Qualifät die Sensation des Sauerlandes Silberner Sonntag 14. Dezember, von 2—7 Uhr Goldener Sonntag 21. Dezember, von 2—7 Uhr durchgehend geöfinet! An den Werktagen bis 25. Dezember, bis abends 8 Uhr geöffnet. Ab 17. Dezember mittags durchgehend geöllnet. Heiligen Abend Geschättsschluß 5 Uhr Fahrtvergütung in bekannter Weise BASSE& UERPMANNAG. #4 T das führende Kaulhaus ISERLOHN h. Lünen. Uebermut tut selten gut. Der Bergmann Willy P., der mehr als einen über den Durst getrunken hatte, wollte abends auf der Landestraße auf einen vorbeifahrenden Personenkraftwagen springen. Dabei ging die von ihm erfaßte Wagentür auf, und er stürzte rücklings auf die Straße. Im selben Augenblick kam ein anderer Personenkraftwagen vorbei und fuhr über P. hinweg, der zu seinem Glück mit Hautabschürfungen davonkam. P. wird sich aber wegen groben Unsugs noch vor Gericht zu verantworten haben. h. Herdeike. Ueberfall durch polizische Gegner. Der Bauarbeiter Wilh. G. wurde abends in der Bachstraße von drei jungen Burschen, politischen Gegnern, überfallen und durch Tritte gegen den Leib so schwer mißhandelt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Die rohen Burschen sind ermittelt worden, sie sehen nun ihrer Strafe entgegen. h. Gütersloh. Eine geheimnisvolle Heilmethode hatte die Masseuse Martha N. aus Bielefeld bei vielen ihrer Patienten angewandt und sich dafür übermäßig hohe„Honorare“ geben lassen. Dafür erhielten dann die Leute eine braune Flüssigkeit, die vor dem Bieleselder Gericht als Lindenblüten= und Schafgarbentee erkannt wurde. Sie wurde zu sechs Monaten Gesängnis verurteilt. 4 Stein- Schwerte ##ASonntag, 1#. Dezbr. von 2 Uhr ab geöffnet *ASonntag, 14. Bezbr. von 2 Uhr ab geöffnet vom 12. bis 21. Dezember erhält jeder Käufer beim Einkauf von je RN 8.- ein Los der ohlfahrts-Weihnachtslotterie gratis Kessenzettel selbst beim Reinsten Einkauf; wenn inege. ragv. RüS=erreichtwird erhalten Sieauchilos. 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Das deutsche Verlangen, daß schon jetzt der Zusammentritt dieser Konserenz für das nächste Jahr festgelegt werden soll, ist bekanntlich nicht berücksichtigt worden, und so besteht keinerlei Sicherheit dafür, daß die Konferenz nicht noch über das Jahr 1931 hinaus geschleppt wird. Aber auch wenn die Abrüstungskouferenz schon im nächsten Jahre zusammentreten sollte, irgendwelche Hoffnungen wird man ihr nicht entgegenbringen können. Darüber können auch die Schlußworte des Vorsitzenden des Vorbereitungsausschusses, London, nicht hinwegtäuschen. Es klang im Gegenteil schon etwas resigniert, wenn London sogte, der Konventionsentwurf, den der Ausschuß ausgearbeitet habe, sei das Maximum dessen, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen erreicht werden konnte. Es sei das erstemal in der Geschichte, daß die Regierungen die Möglichkeit ins Auge faßten, ihre nationale Souveränität bezüglich der Abrüstungen einem internationalen Abkommen zu unterwerfen. Tehr gedämpft klingt es auch, wenn die „Times“ zu der Schlußsitzung sagt: Verschiedene Reden wurden von Männern gehalten, die einen hervorragenden Anteil an den langen Erörterungen gesommen haben, aber sie waren zurückhaltend in ihrer Ausdrucksweise und zeugten von der allgemeinen Einsicht, daß noch viel Gelände gewonnen werden muß, bevor die Welt überzeugt sein kann, daß Abrüftung wirklich auf der Tagesordnung steht. Das Blatt meint dann allerdings, daß der Abrüstungsausschuß in seiner fünfjährigen Tätigkeit doch einiges zustandegebracht habe. Der Ausschluß der ausgebildeten Reservisten von der Berechnung der militärischen Stärke allerdings sei bedauerlich, er sei aber angesichts des Widerstandes der von Frankreich geführten Länder mit allgemeiner Dienstpflicht unvermeidbar gewesen; indessen werde dieser Fehler weniger ernst durch den umfassenden Charakter der Einschränkungen, die im endgültigen Entwurf vorgesehen seien. Die „Times“ erklärt dann weiter: Die Höchstgrenze der Dienstzeit soll eingeschränkt werden, ebenso die Gesamtzahl der Mannschaften. Außerdem sollen die jährlichen Gesamtaufwendungen für Mannschaften und Material eingeschränkt werden. Wenn die Höchstgrenze der Mannschaften und der Ausgaben tief genug festgesetzt werden, wird es also offenbar nicht möglich sein, alle diensttauglichen Bürger jeder Jahresklasse auszubilden, wenn auch die Dienstpflicht theoretisch bestehen bleibt. Das ist nur ein schwacher Trost. Tatsächlich sind in Deutschland auch vor dem Kriege trotz der allgemeinen Dienstpflicht nicht alle Diensttauglichen ausgebildet worden. Gleichwohl konnte Deutschland bei Kriegsansbruch rund fünf Millionen Menschen mobilisieren, während es heute nur ein Berufsheer von 100 000 Mann ohne Reserven hat. Der Unterschied zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern bleibt deshalb bestehen, auch wenn in diesen Ländern die allgemeine Wehrpflicht nicht voll durchgeführt wird. Es ist deshalb abwegig, wenn die„Times“ dem Grafen Bernstoff seine ablehnende Haltung zum Vorwurf macht. Das Blatt beschäftigt sich dann weiter mit der Haltung Bernstoffs und schreibt u. a.: Graf Bernstoff hat ferner gegen die Klausel Einwendungen erhoben, die besagt, daß die Konvention in keiner Weise die auf Grund früherer Verträge bestehenden Verpflichtungen vermindern soll, auf Grund deren sich gewisse Staaten bereits zu einer Einschränkung ihrer bewaffneten Streitkräfte bereitgefunden haben. Der Standpunkt der deutschen Regierung ist, daß Deutschland das Recht beanspruchen wird. seine Rüstungen zu vermehren, falls andere Länder nicht eine erhebliche Verminderung ihrer Streitkräfte vornehmen, und daß eine Unterzeichnung der fraglichen Klausel die Preisgabe dieses Verlangens bedeuten würde. Diese Haltung sicher begreiflich, aber die Rechtfertigung für die Einfügung der Klausel ist, daß die jetzige res= und Flottenstärke der durch die Friedensverträge entwaffneten Länder der einzige feste Punkt ist, von dem anderen Staaten bei Bestimmung der Ziffern ausgehen können, die in die unausgefüllten Tabellen des Konventionsentwurfs einzutragen sind. Das englische Blatt nörgelt dann weiter an der Haltung des Grafen Bernstoff herum und macht— bezeichnenderweise— zum Schluß Stimmung für eine möglichst weite Hinausschiebung der Abrüftungskonferenz, indem es nachdrücklich davor warnt, die Plenarkonferenz allzu hastig einzuberufen, und bemerkt, bei der jetzigen Geistesverfassung europäischer Länder würden unvermeidlich hohe Zahlen genannt werden und es sei besser, eine Weile zu warten und dafür niedrigere Zahlen zu erhalten. Bom rheinisch=weitfälischen Wertpapiermarkt Mitteilungen des Bankhauses Gebrüder Stern, Dortmund. (Vor der Börse). Dortmund, den 10. Dezember 1930. Die Berichtswoche stand ganz unter dem Eindruck der innerpolitischen Entwicklung, der gegenüber die wirtschaftlichen Vorgänge zurücktraten. Doch brachte der schlechte Bericht des Instituts für Konjunkturforschung vorübergehend neue Beunruhigung in den Markt. Die nach dem günstigen Ausgang der Reichstagsverhandlungen eingetretene erneute Abschwächung der Kurse an den großen Börsen bot eine Ueberraschung; ihre Auswirkung am heimischen Markte war indes gering. Am Kohlenkuxenmarkt stagnierte die Nachfrage vollständig. Die Kursentwicklung war daher von dem an den Markt kommenden Angebot abhängig, und so bewegen sich die wenigen Umsätze in Constantin der Große bis 3800 (J. 800 M), in Ewald zwischen 10 500 und Freitag, 12. Dezember 1930 11 000 M(J. 500 M) unter den vorwöchentlichen Kursen. Nur Heinrich sind bei 6500 M Nachfrage nominell gebessert. König Ludwig liegen mit einem Briefkurs von 21000 M 3000 M unter dem Kurse der Vorwoche. Von Kohlenaktien behaupteten Dahlbusch ihren Preis um etwa 60 Prozent. Lothringen schwächten sich schon bei geringen Abgaben um 3 bis auf 33 Prozent ab und Niederrheinische Bergwerk verloren bei einer Schlußnotierung von 39 etwa 5 Prozent. Der Braunkohlenmarkt verzeichnet vereinzelte Umsätze in Bruckdorf=Nietleben bei 1650 bis 1550 M, in Bellerhammer bei 1775 M. Von der Michel=Gruppe wurden Michel bei 8300 M, Leonhard bei 7300 A(das sind bei beiden Werten etwa 1000 A Kursabschlag) umgesetzt. Am Kalimarkte wirkte die bekannt gewordene Tatsache, daß die durch die hiesige Vertretung einer Berliner Bankfirma in den letzten Monaten vorgenommenen umfangreichen Käufe in fast sämtlichen Kuxen, in denen noch Minderheiten im offenen Markte bestehen, für die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen bestimmt waren, wie eine Sensation. Damit hatte selbst die nach allen Richtungen ratende Börse nicht gerechnet. Die erste Befürchtung, daß diese Werte nunmehr am Markte Unterkunft suchen und diesen belasten werden, wurde aber bald als gegenstandslos erkannt. Es ist nicht zu erwarten, daß die Kuxe in der nächsten Zeit verkauft werden. Eine für die Börse aber bedeutsame Tatsache bleibt zurück: die spekulativen Gründe, die die Unternehmung bisher hinter den Käufen suchte, bestehen nicht, und die Erwartungen, die sich an die Käufe der Kuxe und an ihren Kursstand geknüpft haben, werden sich kaum erfüllen. Im einzelnen waren auf diesem Gebiete die Kurse der Wilhelm Sauer Werte entsprechend den Kursen der Wintershall=Aktie im allgemeinen behauptet. Burbach Kuxe waren nach vorübergehender Steigerung auf den Rückgang der Burbach=Aktien abgeschwächt. In größeren Mengen wechselten nur Beienrode zwischen 1500 — vom 14.-21. Dezbr. Eröffnung: 9 PrOr do-Sonnabend nachmittag 3 Unr. VEREIN für HANDEL sipflicht unvermeidbar gewesen; indessen der D F OOAITTTERS.„„ sius E.————— Professor Trietsch wird leichtsinnig Skizze von Alfred Hein. Professor Trietsch trug sein Monatsgehalt wohlverwahrt in der fast berstenden Brieftasche den Kurfürstendamm entlang. Und heute konnie er dem oft gehegten, aber nie ohne sofortige Verwerfung zu Ende gedachten Gedanken nicht widerstehen, einmal so leichtsinnig zu sein, wie jene eleganten Kavaliere und in eines der vornehmen Weinrestaurants einzutreten. Da war wieder die kleine Weinstube mit den GoldbrokatGardinen—„Herzogin“ stand mit lichtblauen Buchstaben darüber, sogar am Tage ließen die Leute die elektrischen Lampen brennen. Er dachte an seine nicht gerade als Herzogin herrschende Ehehälfte daheim, die ihn zur Ordnung rief, sobald er nur für fünf Minuten am Abend das Arbeitszimmer, ohne das elektrische Licht auszuknipsen, verließ. Er ging fast schlaswandelnd in die Kabine des nächsten Straßenfernsprechers und sagte der Minna(seine Frau war zum Glück noch unterwegs), er käme nicht zum Abendessen, unaufschiebbare Besprechungen mit einem Kollegen. Dann trat er—„Einmal im Leben werde ich doch leichtsinnig sein dürfen,“ vor sich trotzig hinmonologisierend— in das vornehme Lokal ein. Die Kelluer musierten ihn mißtrauisch, als er seinen schlecht sitzenden Ueberzieher von seinem noch schlechter sitzenden Gehrock abstreifte und mit schräg gestellter Kravatte, als wäre eine scharfe Böe in seinen Busen gefahren, über die roten Teppiche, in denen sein knickriger Schritt fast bis an die Knöchel zu versinken schien, sich an einen der von sanften Lampen mystisch beleuchteten weißen Tische begab. Ein elegantes Paar in seiner Nähe sah ihn ein wenig von oben herab an, aber er warf sich e eunitg Gegenpol seines Halses aufsuchte, und rief den Ober. Offensichtlich zu laut. Wie er eben an einem Herrn im Smoking sah, winkte man hier nur dezent mit der lässig erhobenen Hand und einem hochachtendste Bereitwilligkeit sofort erheischenden Blick. „Ich bitte das Abendessen und einen guten, alten Wein—“ Der Kellner nickte ein wenig freundlicher, doch dann wieder mißtrauisch: Wird der das auch zahlen können? Professor Trietsch griff nach seiner vom Gehalt gewölbten Brust und maß den Ober mit der zerschmetternden Würde, die er einem seinem Examensdurchfall entgegenstotternden Studenten zu zeigen beliebte. Der Kellner entschwand, Professor Trietsch putzte seine Brille und nahm eine der mondänen Zeitschriften zur Hand. Da— plötzlich ging eine anmutige Frau durch den Raum, und eine sehr nette Stimme erklang: „Ich wünsche wohl zu speisen—“ Die Inhaberin? Er sah auf die Speisekarte: Inhaberin Vilma Wilhelmy— hm— wo hatte er doch den Namen schon gehört? „Guten Abend, Herr Professor!“ „Oh, Sie kennen mich, Gnädigste?“ „Wer kennt Sie nicht, Herr Professor! Der berühmte Entdecker des Gelbstrahlensystems im Jupiterspektrum—“ Der Professor sah erstaunt auf. Gewiß, in der wissenschaftlichen Welt wußte man von seinen astronomischen Entdeckungen, aber in einem derartigen Lokal? „Wünsche wohl zu speisen,“ sagte die schlanke, bubiköpfige, schwarzäugige Frau Vilma und entschwand. Re blihe euict ebhencet ece und schenkte sie ihm unter tiefer Verbeugung ein. Er brachte noch ergebungsvoller den Wein. Die Austern. Den Fisch. Das undefinierbare, aber köstlich bereitete Zwischengericht. Die Poularde à la reine. Den Vilma=Eisbecher. Die großmächtige Zigarre. Einen hochfeinen französischen Kognak in steilem, schlankem Glase. Erlesenes Obst aus den Gärten Siziliens und Algiers. Doch so langsam dämmerte es dem Professor: Was wird das kosten? Da brachte der Ober die Schale zum Händespülen. Das kostete natürlich auch etwas... Welch ein Leichtsinn, ein derartiges Lokal aufzusuchen! Welch unverzeihlicher Leichtsinn. Der Professor griff ein wenig zitternd nach der Speisekarte: Wie teuer ist das Essen? 4,50 Mk., na, das geht ja, aber dafür gab es doch nur drei Gänge. Er hate sechs oder sieben gegessen und nichts von Zigarre— er nahm die Weinkarte...„Oh! Oh!“ Der Wein, den er trank, kostete 24 Mk. die Flasche. „Herr Ober— Herr Ober—“ Der Kellner zeigte sich nicht, aber Frau Vilma erschien. „Ich habe das gewöhnliche Abendessen bestellt. Ich verlangte einen guten, alten Wein. Natürlich zu höchstens 6 Mark, wie ihn unsereins trinkt. Ich wünschte keine Zigarre, kein Obst—“ „Oh, Herr Professor, wir haben Ihnen solbstverständlich das Abendessen gereicht, das wir ganz erlauchten Gästen, bei denen es auf ein paar Mark nicht ankommt, vorzusetzen belieben—“ „Ach was, erlaucht! Ich mit meinen 950 Mark Monatsgehalt... ist gut, Herr Ober, die Rechnung—“ „Der Kellner wird nicht zu Ihnen kommen, Herr Pcofessor. Aber ich bin gekommen, Ihnen zu danken, daß Sie mich zur rechten Zeit aus Ihrem Kolleg wegen völliger Unbegabtheit hinauswarfen und sagten, ich solle lieber kochen lernen...“ — aber—! Oh—— verzeihen Sie, ich meinte das rein sachlich, ich erinnere mich jetzt dunkel, Sie konnten nicht einmal den Pythagoras beweisen—“ „Ja, das war noch vor der Inflation. Meine Eltern— sie besaßen ein großes Hotel— waren tot, ich hatte deren Vermögen geerbi und studierte. Ich glaubte, das wäre so leicht. Obwohl ich nicht dumm bin, hatte ich eben kein Organ für dieses Büffeln. Ausgerechnet nahm ich Physik und Astronomie. Ich wollte mir von meinem Gelde eine eigene Sternwarte bauen und die erste Astronomin werden, da schrien Sie eines Tages bei einer dämlichen Antwort von mir: „Schauen Sie lieber in die Kochtöpfte als in die Sterne!“— Zuerst heulte ich vor Wut, aber dann kam mir die Erleuchtung. Ich trat in eine der berühmten Pariser Kochschule ein. Zu meinem Glück, denn in der Inslation.kann mein Vermögen. Aber heute geht es mir wieder ganz gut. Das danke ich Ihnen. Und ich freute mich so sehr, als sie in meinem Lokal erschienen—“ „Vilma Wilhelmy, ja, ja— dafür büße ich uun— „Sie sind heute abend mein Gast gewesen, Herr Professor.“ „Wie? Nichts?“ Sie reichte ihm lächelnd die Hand:„Rein, nein, mein lieber Professor.“ „Hm. Ein einziges Mal wollte ich leichtsinnig sein im Leben. Und das ist mir sogar vorbei gelungen.“ Er neigte sich und küßte in einer plötzlichen chevaleresken Anwandlung die Hand seiner unbegabtesten Studentin. Und lächelte verschmitzt. Und das war doch ein wenig leichtsinnig... und 1600 M ihre Besitzer. Aus dem Aschersleben Konzern waren Habighorst bei anfänglichen Umsätzen zu 2750 bei 2400 A angeboten und Hope nach vorübergehender Nachfrage zu 4900 bei 4600 M erhältlich. Heimboldshausen sind bei 2700 M behauptet, Mariaglück bei einem Anfangskurs von etwa 5000 M schließlich um 400 M gedrückt. Ebenso sind Ransbach etwa 600 M niedriger. Einigkeit u. Siegfried I haben nominelle Kurse von 13 500 M. Von elsässischen Kuxen sind Umsätze in Marie=Luise und Mar bei etwa 1500 und Reichsland bei 2500 MA zu erwähnen. Am Kaliaktienmarkt stellten sich Adler Kali bei 133 Prozent gegen die Vorwoche um 3 Prozent niedriger. Neue Burbach Kaliwerke Aktien büßten auf Abgabe der Unternehmung etwa 6 Prozent ein und schließen 121 Prozent, während Hallesche Salz bei etwa 120 Prozent unveränderte Notierungen zeigen. Am Terminmarkt vollzogen sich die hauptsächlichsten Umsätze in Wintershall Aktien. Sie schließen in Uebereinstimmung mit der Kursbewegung der Kaliaktien an den großen Börsen bei 124½ Prozent etwa 3½ Prozent unter der Höchstnotierung der Woche. Sonst aber liegen die übrigen Werte dieses Gebietes ohne wesentliches Geschäft und ihre Kurse in Uebereinstimmung mit den Notierungen der Berliner Börse. ahrbitistgan. Voxscha.=4ishe. ecgngaxxnstig Warum Schwerte, den 12. Dezember 1930. * Wenn um die Weihnachtszeit überall da, wo Menschen in größerer Zahl zusammenkommen, ein Hustenkonzert anhebt, dann pflegt man gewöhnlich teils über den Husten, teils über den der anderen zu schelten. Mit Unrecht! Die wenigsten haben sich wohl schon einmal die Frage vorgelegt: warum husten wir? Der Husten stellt eine segensreiche Abwehrmaßnahme unseres Körpers dar. Aufgabe des Hustens ist es, Fremdkörper oder sonstige in die Luftwege geratenen Stoffe heraus zubefördern. Das geschieht durch einen ziemlich komplizierten Mechanismus. Haben wir uns z. B. verschluckt, d. h., sind Flüssigkeiten, Speisereste oder dergleichen statt in die Speiseröhre in die Lustwege geraten, dann melden die Nerven der Luftröhre oder des Kehlkopfes dies der im zentralen Nervensystem gelegenen Telepohnzentrale, d. b. dem Hustenzentrum. Dies gibt die Nachricht an den Atmungsmuskel weiter, und durch dessen Betätigung wird der Husten ausgelöst, der Wetteraussichten für Freitag: Nach Regenfällen bewöllt und nur noch zeitweise Regen, ziemlich mild. Wetteraussichten für Samstag: Nur vorübergehend ausheiternd, zeitweilig Regen. * Unser aktueller Vilderdienst im Schausensteraushang der Buchhandlung C. Braus zeigt folgende Aufnahmen: Ein Rathaus muß verlauft werden; Tragisches Ende in der Trave, Hockeyniederlage des Südens; 50 000 Reiter eilen durch Deutschland; Deutscher Meister Pistulla besiegt den belgischen Meister Limousin; Neuer drahtlos gelenkter Kampfwagen; Polizei hat schwere Arbeit; Studentenwahlen auf der Straße. : Geschäftsfreie Sonntage vor Weihnachten. Am Sonntag, den 14. und 21. Dezember sind die Ladengeschäfte in unserer Stadt nachmittags geöffnet. die Unheilstifter an die frische Luft setzt. In erkältetem, d. h. entzündetem Zustande ist die Ansprechbarkeit der Nerven im Bereich der Luftwege erhöht und antwortet schon auf kleinste Reize. So wirkt der von der Schleimhaut der Luftröhre abgesonderte oder in sie eingeschwemmte Schleim wie ein Fremdkörper, d. h. hustenerregend. Dem ist gut so; denn dieser Schleim ist mit Krankheitskeimen beladen, die, wenn sie im Körper verbleiben, sich vermehreu und schweres Unheil anrichten können. Der Husten aber vermag diesen Schleim herauszubesördern. Bei trockenem Husten oder zähem Schleim stößt das auf Schwierigkeiten oft nicht unerheblicher Art und das Ziel der ärztlichen Behandlung ist in solchen Fällen stets darauf gerichtet, den Schleim zu lösen, zu verflüssigen. Husten, der Schleim herausbringt, ist also zweckdienlich, und der Wunsch des Kranken nach einem Hustenberuhigungsmittel durchaus nicht immer gerechtfertigt. Selbstverständlich sollte von allen hustenden Menschen stets bedacht werden, daß in dem ausgeworfenen Schleim Krankheitsstoffe enthalten sind, daß man also den Auswurf nie auf den Boden entleeren, nie anderen Leuten ins Gesicht husten darf. Neben Erkältungen können auch andere Schädlichkeiten wie Einatmung von Rauch, von Gasen aller Art usw. Husten auslösen, und dieser warnt uns dann rechtzeitig vor der drohenden Gefahr. Wir tun also unrecht, dem Husten zu schmähen, und bis zu einem gewissen Grade behält das Sprichwort recht:„Wer lange hustet, lebt lange.“ Allgemeine öffentliche WeihnachtsRotsammlung Es wurden folgende weitere Beträge gezeichnet: Verein für Handel und Gewerbe Geld Musikatische Feierstunde. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, daß das Konzert pünktlich heute abend um 8 Uhr beginnt, daß der Haupteingang zur Kirche von 7,30 Uhr ab geöffnet ist und daß noch Programme zum Vorverkaufspreis heute nachmittag in der Buchhandlung Braus zu haben sind; desgl. werden Programme und Liedertexte auch am Eingang zur Kirche abgegeben. Winterfest und Brieftaubenschau. Wie von uns schon berichtet wurde, veranstaltet am kommenden Samstag und Sonntag, den 13. und 14. Dezember die Reisevereinigung Schwerte und Umgegend„Im Reiche des Wassers“ die 5. große Brieftaubenausstellung, verbunden mit einem Winterfest. Keine Kosten und Mühen hat die Ausstellungsleitung gescheut, um der Veranstaltung ein in jeder Beziehung zufriedenstellendes Gepräge zu geben, Bereits am Sonnabend 17 Uhr erfolgt die Söffnung der Ausstellung, der sich um 20 Uhr die Feier des Winterfestes— bestehend aus Konzert, theatralischen Vorführungen und nachfolgendem Tanz— anschließt. Am Sonntag ist der Ausstellungssaal den Besuchern den ganzen Tag über zugänglich. Erst Sonntag abend 19 Uhr wird die Brieftaubenschau wieder geschlossen und folgt im Anschluß hieran die Preisverteilung. Zu erwähnen bleibt noch, daß für Freunde des Schießsports an beiden Ausstellungstagen ein großes Preisschießen„Im Reiche des Wassers" stattfindet und eine Reihe wertvoller Preise an die besten Schützen vergeben werden.— Unter Leitung ihres Obmannes, Sportsfreund Carl Grewe, hat die gewählte Ausstellungskommission zum guten Gelingen der Veranstaltung glänzende Vorarbeit geleistet. Drei namhafte, vom Verband deutscher Brieftaubenzüchter=Vereine anerkannte Preisrichter sind arrangiert, die eine Prämiierung der schönsten Briestauben nach dem neuen Verbandsstandard, bis zu 15 Punkten gewertet, vornehmen. Aus einem Stamm leistungsfähiger Brieftauben den gezüchteten Reisebrieftauben=Schönheitstyp zu zeigen, das soll der Zweck dieser Ausstellung sein. Deshalb betrachtet der in der Wettflugsaison beim Reisen erfolgreich gewesene Züchter es als seine vornehmste Aufgabe, trotz scharfer Preisrichterwertung sich mit seinem durch„Leistung zur Schönheit“ gezüchteten Reisebrieftaubenmaterial auch auf Ausstellungen zu behaupten. In der Konkurrenz um die zur Verteilung gelangenden Preise werden die Züchter diesmal mit auserlesenem Ausstellungsmaterial auf dem Plan erscheinen. Befinden sich doch unter den gemeldeten Ausstellungstieren allein 27 Nationalsieger (Schneidemühl—Insterburg), bei den auch der am letzten Sonntag auf der V.=R.=V.=Ausstellung in Wanne=Eickel preisgekrönte Vogel des Züchters W. Breer, Westhofen, nicht fehlt. Von den der Reisevereinigung angeschlossenen 23 Vereinen sind rund 300 Tiere zur Schau gemeldet worden, eine Zahl also, womit sich die Schwerter R.=V. sehen lassen kann. Nach Geschlechtern getrennt, werden in 7 Klassen Siegerund Fliegertauben in gut übersichtlicher Reihenfolge ausgestellt. Die Klasse der„ungereisten Tauben“ kommt erstmalig in diesem Jahre in Foktfall.— Alles in allem, von züchterischem Wert wird die 5. große Brieftauben=Ausstellung der Schwerter R.=V. ihren Zweck bestimmt erfüllen, und wir können daher einen Besuch derselben nur empfehlen. Hnlathtoniesse in Schwerte und Waren im Werte von N. R. N. R. Dentist Fridolin Edel J. Bl. dazu bisherige Zeichnung . 2300.— M ": 250.—„ *" 10.—„ *" 10.—„ " 7.—„ 3715.—„ Sa. 6292.— M Herzlichen Dank! Gedenktage. 12. Dezember: 1801 König Johann von Sachsen in Dresden geboren(gestorben 1873). — 1821 Der französische Dichter Gustave Flaubert in Rouen geboren(gestorben 1880).— 1872 Der Maler und Schriftsteller Heinrich Vogeler m Bremen geboren. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 11. Dezember 1930. Die Wetterlage erreicht nach der Beruhigung m den letzten Tagen wieder stärtere Unruhe und Energie und größere Gegensätze. Das Hoch über Nordfinnland ist weiter stärker geworden. Bei klarem Himmel sind hier die Temperaturen bis zu—23 Grad gesunken. Andererseits sind über Nordwestirland und südwestlich von Island sehr starke Tiefs erschienen. In Deutschland war es heute morgen im Südwesten und Nordwesten etwas aufgeheitert, vielfach regnerisch, die Temvera###en lagen meist 1 bis 3 Grad über Null, verschiedentlich aber im Westen darunter. Der Kahle Asten meldete leichten Südsüdostwind, bedeckten Himmel und—8 Grad. Schwerte, den 12. Dezember 1930. * Es ist zweifellos eine begrüßenswerte Einrichtung, die der Verein für Handel und Gewerbe e. V. mit einer vom 14. bis 21. Dezember in Schwerte zu veranstaltenden Weihnachtsmesse geschaffen hat und es dürfte wohl kaum in Zweifel gezogen werden, daß diese Weihnachtsmesse auch außerhalb unserer Stadt in der näheren Umgebung ein freudiges Echo findet. Schwertes Geschäfte, weihnachtlich geschmückt und festtagsmäßig stimmend, laden Dich zum Besuche ein, und wer beim Christkindchen etwas zu besorgen hat, versäume es nicht, dieses anläßlich der kurz bevorstehenden Weihnachtsmesse zu tun, denn das Christkindchen sowie Knecht Rupprecht haben für diese Tage ihre höchst persönliche Anwesenheit in Schwerte zugesagt und diese Bereitwilligkeit will schon etwas heißen. Für alle auswärtigen Bewohner sollte diese Weihnachtsmesse zu einem unverrückbaren, formfesten Begriff werden, der dahin sich in bester Weise und zweckentsprechend auswirkt, daß unsere alte Ruhrstadt in diesen Tagen das lockende Ziel vieler, vieler Besucher wird. Und diesen wird es doch so denkbar leicht gemacht. Mehrere am silbernen und goldenen Sonntag auszuführende Sonder= Freifahrten sollten allein schon einen starken Zustrom weihnachts=erwartungsfroher Menschen nach hier bringen, die in den hiesigen Geschäften alles das finden und erhalten, was am Heiligen Abend oder am Weihnachtsmorgen unter dem Christbaum im hellen Glanze erstrahlen soll, das Freude spendend von den kleinen und großen Bescherten mit fröhlichen Augen und dankenden Worten in Empfang genommen wird. Dem lieben Nächsten eine Herzensfreude zu bereiten, ist am Weihnachtsfest mehr denn je gegeben, am Fest der Liebe und des Schenkens. Schwertes Geschäfte laden Dich zum weihnachtlichen Besuche ein und unsere Stadt ist gerüstet, um all die Gäste würdig in ihren Mauern zu empfangen. Große Weihnachtsbäume werden nach hereingebrochener Dunkelheit auf den Plätzen unserer Stadt aufglitzern und ihren Lichtschein durch die frühen Abende tragen. Und wanderst Du einmal durch die Geschäftsstraßen unserer Stadt, so wirst Du Dich im Angesicht der in den Schaufenstern ausgebreiteten Weihnachtsseligkeiten einem gewissen Zauber kaum entziehen können. Irgendwo riecht es schon nach knusprigem Spekulatius, begehrlichen Marzipanarrangements und der würzige Duft frischen Tannengrüns ist äußerst wohltuender Art. Oder Du vernimmst die bekannten Weihnachtsklänge, die ein Radioapparat wirkungsvoll vermittelt, und erfreust dich an dem Jubel deines Mädels oder Jungen, die freudig erregt in Erwartung der kommenden Dinge ihre Näschen gegen die Schaufensterscheiben pressen, um ja recht nahe den bunten, ach so begehrlichen Auslagen zu sein, die der Geschäftsmann im Beisein des Christkinds so übersichtlich hier ausbreitete. Alle Wünsche können hier zur Erfüllung werden und es gibt nichts, was Du nicht preiswert und in bester Ausführung erstehen kannst.. Die vom Verein für Handel und Gewerbe e. V. mitgeteilten Geschäfte haben nichts unversucht gelassen, um der Kundschaft hinsichtlich der Qualitäten und Auswahl das Allerbeste zu bieten. Da ist es durchaus überflüssig, nach den benachbarten Großstädten zu fahren, in dem irrigen Glauben, hier vorteilhafter seine Weihnachtseinkäufe tätigen zu können oder gar modernere Waren zu erhalten. In Schwerte haben die Geschäftsleute die Zeichen der Zeit voll und ganz verstanden, indem sie sich den Zeitbedürfnissen und Forderungen in allen Teilen angepaßt haben. Nicht allein, daß die Preise der Waren bis zur Grenze des Möglichen zurückgesetzt wurden, sondern es werden den Käufern noch Vergünstigungen dahingehend zuteil, daß sie bei größeren Einkäufen ein Los der ArbeiterwohlfahrtsWeihnachtslotterie gratis erhalten, das einen Höchstgewinn im Werte von 35000 Mk. vorsieht. Es ist also alles getan in der weihnachtlich geschmückten Ruhrstadt, um den Wünschen der Besucher der Weihnachtsmesse in weitgehendstem Maße entgegen zu kommen. Man sollte darum nicht länger säumen und abseits stehen wollen, sondern um so freudiger diese seltene Gelegenheit und damit gleichzeitig die richtige Losung wahrnehmen: Kauft am Platze, denn hier kauft Ihr wirklich gut, vorteilhaft und billig! Schwertes weihnachtlich geschmückte Geschäfte laden Dich zum Besuche ein. Und wir haben nur den einen Wunsch, daß es gelingen möge, diese Weihnachtsmesse zum Nutzen von Käufer und Verkäufer zu einem vollen Erfolge zu verhelfen. Christkind und Knecht Rupprecht werden sich herzlich freuen, menn auch Du Dich vom weihnachtlichen Geiste leiten läßt und die Schwerter Weihnachtsmesse besuchst. L=x. *„Das lockende Ziel“. der 100prozentige Groß=Ton= und Sprechsilm mit Richard Tauber in der Hauptrolle läuft neben einem guten Beiprogramm heute abend erstmalig in den Lichtspielen„Zur Reichskrone." Ueberall mit großer Begeisterung aufgenommen, wird er auch in Schwerte seine Anziehungskraft nicht verfehlen.(s. Inserat). Billige Glückwunschtelegramme für Weihnachten und Neujahr befördert die Deutsche Reichspost im innerdeutschen und im Verkehr mit deutschen Schifsen in See sowie mit zahlreichen außerdeutschen Ländern. Die Glückwunschtelegramme werden vom 15. Dezember bis 5. Januar angenommen, die Post läßt sie den Empfängern am 1. Weihnachtsbezw. am Neujahrstage zustellen. Das Telegramm kostet 75 Psg.(im Ortsverkehr 50 Pfg.), wofür 10 Gebührenwörter gestattet sind. Jedes weitere Wort kostet 5 Psg. Wird die Ausfertigung des Telegramms auf einem Schmuckblatt verlangt, wofür sich das Blatt„Weihnachtstanne und Silvesterglocke" besonders eignet, so wird hierfür ein Zuschlag von 1.— RMk. erhoben. Man kann für das Telegramm auch einen festen Text wählen, wofür 25 Fassungen bei den Telegrammannahmestellen zur Auswahl vorliegen. Dieser Text wird im Urschriftstelegramm nur mit einer Nummer bezeichnet, die nur 1 Gebührenwort kostet; in die für den Empfänger bestimmte Telegrammausfertigung wird der gewählte Text im vollen Wortlaut niedergeschrieben. An dem Sonderdienst nimmt auch eine Reihe von außerdeutschen Ländern teil. Auch hier sind teilweise feste Texte— auch in fremden Sprachen— vorgesehen. Die Gebühren betragen nur ½ bis ½ der vollen Sätze, teilweise sind sie noch niedriger. Nähere Auskünfte erteilen die Telegraphenanstalten. - Erleichterung der Drucksachenwerbung. Das Reichspostministerium zeilt mit: Zugunsten Werbung für den Warenumsatz hat die Deutsche Reichspost mit sofortiger Wirkung die Vorschriften über die Versendung von Drucksachenkarten mit anhängender Antwortkarte zu der ermäßigten Gebühr von 3 Rpf. wesentlich erleichtert. Die Freimachung einer Drucksachendoppelkarte mit einer 3=Pfennig Marke ist künftig auch dann zulässig, wenn die Antwortkarte neben den üblichen Aufdrucken zur Vorbereitung der Antwort noch sonstige Werbedrucke des Absenders der Doppelkarte enthält. Die Antwortkarte steht jetzt also bis auf die für die Anschrift bestimmte rechte Hälfte der Vorderseite und bis auf den für die Antwort vorgesehenen Teil restlos für Werbeaufdrucke zur Verfügung. Die 5= Pfennig=Gebühr bleibt nur für solche Drucksachendoppelkarten bestehen, deren anhängender Teil keine Antwortkarte darstellt, sondern lediglich gedruckte Mitteilungen an den Empfänger enthält. Hintere Leuchtzeichen der Fahrräder. Immer erneut wird festgestellt, daß Fahrräder bei Dunkelheit oder starkem Nebel sehr häufig nicht das in der Verordnung über die hinteren Leuchtzeichen der zweirädrigen Kraftund Kleinkrafträder sowie der Fahrräder vorgeschriebene hintere Leuchtzeichen von gelb=roter Farbe führen, und daß ferner die an den Fahrrädern angebrachten hinteren Leuchtzeichen nicht selten im Laufe der Zeit durch Witterungseinflüsse usw. an Wirkung nachgelassen haben und deshalb im Verkehr wertlos sind. Da nach den bisherigen Erfahrungen sich die Rückstrahler als unbedingt notwendig zur Verhütung von Unglücksfällen bei Dunkelheit insbesondere auf den Landstraßen crwiesen haben, kann auf die Rückstrahler und ihre ordnungsmäßige Beschaffenheit unter keinen Umständen verzichtet werden. Der preußische Minister des Junern ersucht deshalb die Polizeibehörden, auf die Durchführung und Beachtung der Bestimmungen der angeführten Verordnung mit allem Nachdruck hinzuwirken, gegebenenfalls unter Anwendung der zur Verfügung stehenden gesetzlichen Zwangsmittel. Nach den Bestimmungen der Verordnung ist der Fahrer dafür verantwortlich, daß sich das hintere Leuchtzeichen im vorschriftsmäßigen Zustande befindet. ha. Keine Verpflichtung des Scheckamtes zur Erklärung von Unstimmigkeiten. Ein Kassenscheck ist von dem Postscheckamt nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf auch dann an den Inhaber des Schecks auszuzahlen, wenn auf dem anhängenden Lastschriftzettel ein Zahlungsempfänger angegeben ist. Das Scheckamt ist nicht verpflichtet, die Unstimmigkeit zwischen dem Inhalt des Schecks und den Angaben auf dem Lastzettel aufzuklären. ha. Auch Vorschüsse sind pfändbar, wenn die Vergütung später gezahlt wird. Ueber die Pfändbarkeit von Gehaltsvorschüssen hat das Reichsarbeitsgericht ein bemerkenswertes Urteil gefällt. Zu den Gehalts= und ähnlichen Forderungen, die vom Pfändungsund Ueberweisungsbeschluß ergriffen werden, gehören auch Vergütungen und Gewinnanteile sowie jeder andere geldliche Vorteil, der dem Arbeitnehmer zufließt, z. B. Reisekosten, soweit sie über den üblichen Aufwand hinausgehen. Als solche pfändbaren Forderungen gelten auch Vergütungsvorschüsse eines Vertreters. Ein vertraglich zu zahlender Vorschuß ist auch dann psändbar, wenn die Vergütung, auf die er gezahlt wird, zur Zeit der Auszahlung noch nicht sällig war 4763 113 0n Unsere Geschäfte sind am Sonntag, den 14. und 21. Dezenlder 1530, von Zevem Beorthen Verein für Handel und Gewerbe, Schwerte. Einwdireis Fferiohn Amt Westhofen 1 Holzen. Ein böser Auftritt ereignete sich gestern vormittag vor einem Hause am Holzenerweg. Zwei in dem Hause wohnende Mieter leben schon seit einiger Zeit in Unfrieden. Beleidigungen und. Bedrohungen waren nicht selten. Als gestern vormittag die Ehefrau G. von einem Ausgang nach Hause kam, wurde sie von dem Ziegeleiarbeiter K. vor der Haustüre angefallen, in das Gesicht geschlagen und in den Rücken getreten. Die Schläge müssen mit einem gefährlichen Gegenstande ausgeführt worden sein, da die Frau im Gesicht eine tiese Verletzung erlitt. Sie mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben und wird einige Zeit im Krankenhause bleiben müssen. Der gewaltätige Mensch wurde zur Anzeige gebracht. 1 Lichtendorf. Viehzählungsergebnis. Die am 1. Dezember stattgesundene Viehzählung hatte in der Gemeinde Lichtendorf folgendes Ergebnis: 77(90) Pferde), 1(1) Esel, 175(192) Nindvieh, 11(10) Schafe, 321(319) Schweine, 100(158) Ziegen, 90(50) Kaninchen, 2927 (2725) Federvieh, 10(13) Bienenstöcke. Am meisten heben die Kaninchen zugenommen. 1 Westhofen. Wochenmarkt. Der Geschästsbetrieb auf dem Wochenmarkte lag etwas über dem Durchschnitt. Das Angebot in Gemüse läßt allmählich nach, jedoch sind die Wintersorten noch reichlich zu haben. Frische Fische werden nach wie vor gern gekauft. Die Preise für Fleischwaren halten sich auf ihrer bisherigen Köhe. Es wurden notiert: Eier 6 Stück 1 Mf., Landbutter 1,70, Molkereibutter 1,80, Gemüse: Weißkohl und Rotkohl 2 Pfd. 15, Butterkohl 15, Rosenkohl 30, Grünkohl 2 Pfd. 25, Wirsing 2 Psd. 15, Blumenkohl 30—50, Spinat 2 Pfd. 25, rote Beeten 15, Zwiebeln 10, Steckrüben 8, Möhren 8, Tomaten 30, Schwarzwurzeln 45, weiße Rüben 10, Kohlrabi Stück 8, Sellerieknollen 10—20, Porree 5, Endiviensalat 10, Feldsalat ½ Pfd. 15 Pfg. Obst: Acpfel 30 und 40, Birnen 15, Weintrauben 80, Apfelsinen 4 und 6 Stück 50, Bananen 50, Zitronen 10. Feigen 60, Datteln 65, Haselnüsse und Walnüsse 65, Erdnüsse 60 Pfg. Fische: Schellfisch 30, Kabliau und Rotbarsch 35, Fischfilet 50, grüne Heringe'4 Pfd. 1 Mk., Salzheringe 8 Stck. 50, Schellsisch geräuchert 50, Bückinge 45, Kieler Sprotten 90 Psg. Rindfleisch 1,10, Schweinefleisch 1,20, Hackfleisch 1,40 Mk. ! Westhofen. Sauerländischer Gebirgsverein Abt. Westhofen. Im Gasthof„Zum Amtshaus“ hielt die Abteilung Westhofen des S. G. V. ihre diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Den Vorsitz führte Hüttendirektor a. D. Cupey. Aus dem Geschäftsbericht ging hervor, daß die Abteilung Westhofen wiederum einige Mitglieder gewonnen hat und jetzt insgesamt 76 zählt. Der bisherige Vorstand— 1. Vorsitzender Hüttendirektor a. D. Cupey, 2. Vorsitzender Bürodirektor Cremer— wurde einstimmig wiedergewählt. Die Prüfung der Jahresrechnung, die von den Herren Küper und Gentrup vorgenommen wurde, ergab, daß alles in bester Ordnung war. In nächster Zeit beabsichtigt die Abt. Westhofen im hiesigen Gemeindehause einen vom Hauptverein zur Verfügung gestellten Film über die Schönheiten des Sauerlandes zur Aufführung zu bringen. Ergste m. Hennen. Diebesbeute. In der vergangenen Nacht hielt der Landjägermeister Wasgien zusammen mit dem Oberlandjäger Lengemann eine Nachtpatrouille in der Gemeinde Hennen ab. Gegen 3½ Uhr passierten die Straße Helle—Iserlohn 2 Radfahrer mit gut leuchtenden Laternen. Die Radfahrer trugen je einen vollgepackten Rucksack auf dem Rade. Auf den Anruf des Landjägermeisters Wasgien, zu halten, beschleunigten die beiden Radfahrer ihr Tempo und entfernten sich. Wasgien schoß auf eine der Personen, hat sie aber anscheinend nicht getroffen. Am heutigen Tage sind in der Nähe dieser Vorfallstelle ein Fahrrad, ein Schal, ein Nachekt ult zis isd. schonen getluchenen Schinken, 18 Pfd. geräucherten Speck und eine Flasche Bitterlikör(Fa. Beckmann, Münster) sowie eine Tasche mit eingelegten Eiern gesunden worden. Diese Sachen sind anscheinend von den obengenannten Personen aus Angst vor der Verfolgung weggeworfen worden. Die fraglichen Sachen können bei dem Landjägermeister Wasgien in Hennen angesehen werden. Die großangelegten Ermittelungen und Nachtpatrouillen der Landjäger und Polizeibeamten führen hoffentlich zur baldigen Ergreifung der Täter. Aus den Nachbar=Städten Aus Groß=Dortmund — 1000 Reichsmark beim Einzahlen bei der Reichsbankstelle gestohlen. Der Angestellte Hans F. von der Westerbleichstraße in Dortmund, der bei einer Bank in Dortmund angestellt ist, hatte am Donnerstag gegen 9,30 Uhr 30000 RM. zur Einzahlung bei der Reichsbank in Dortmund erhalten. Beim Einzahlen des Geldes am Schalter der Reichsbank stellte F. nun fest, daß 1000 RM. fehlten. F. gibt an, daß drei Männer zur gleichen Zeit sich in der Nähe des Schalters besunden hätten. Einer dieser Männer soll ihm angeblich ein Schriftstück mit den Worten vorgehalten haben:„Können Sie dieses lesen? Ich kann es nicht.“ Hierdurch will F. für einen Moment von der Aufsicht des Geldes abgelenkt worden sein. Um welche Geldscheine es sich bei dem entwendeten Betrag handelt, kann nicht angeben. Vermutlich sind es 50=Markscheine. Die Kriminalpolizei hat sofort die Ermittlungen ausgenommen. — Verkehrsunfall auf der Dernerstraße. Ein Personenkraftwagen befuhr Donnerstag gegen 14,30 Uhr die Dernerstraße in Richtung Dortmund. In Höhe des Verwaltungsgebäudes der Zeche Gneisenau kam von der Markenkontrolle der Bergmann K. aus Lünen auf einem Fahrrade und fuhr dem Personenwagen in die rechte Flanke. Das Fahrrad wurde total zertrümmert. K. selbst erlitt eine Gehirnerschütterung und wurde von dem Führer des Personenkraftwagens in das Derner Krankenhaus gebracht. — Personenwagen gegen Omnibus. Am Donnerstag gegen 12,45 Uhr besuhr ein Personenkraftwagen die Hohestraße in nördlicher Richtung. Er schleppte einen anderen Personenkraftwagen ab. Zu gleicher Zeit überquerte ein Straßenbahn=Omnibus die Hohestraße in Richtung Ardeystraße. Als der Omnibus die Mitte der Kreuzung erreicht hatte und der Personenkraftwagen hielt, fuhr der abzuschleppende Personenkraftwagen mit unvermindeter Geschwindigkeit links an dem ziehenden Personenkraftwagen vorbei und gegen die rechte Seite des Omnibusses. Hierbei wurde am Omnibus der rechte Kotflügel und das rechte Einsteigebrett abgerissen. An dem abzuschleppenden Personenkraftwagen wurde der linke vordere Kotflügel und das linke Vorderrad und die Vorderachse verbogen. — Durch eine offene Autotür schwer verletzt. Ein Lieferkraftwagen befuhr am Donnerstag gegen 12,45 Uhr die Bahnhofstraße in Dortmund=Hörde. Die Verkäuferin K. aus Hörde ging auf dem nördlichen Bürgersteig der Bahnhofstraße. Durch die angeblich offen gestandene Tür des Lieferwagens wurde das Mädchen am Kopf verletzt. Hierdurch fiel es zu Boden und wurde besinnungslos. Mit einem Krankenwagen wurde die Verletzte zum Krankenhaus Bethanien gebracht. Verzinerei des Eichener Walzwerks ein schwerer Unfall. In beträchtlicher Höhe löste sich plötzlich ein Stück aus der Decke und fiel in den Zinkbehälter. Die meisten Arbeiter bemerkten den Vorfall und konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Zwei Arbeiter jedoch wurden durch die ausspritzenden Zinkmassen schwer verbrannt. Valbert. Waldi, Waldo und ihre Hundemama. Ein Jagdpächter aus Valbert hatte dieser Tage seinen Grenznachbarn zur Jagd ins Ebbegebirge eingeladen. Letzterer kam dem Wunsche des Pächters gern nach, mußte aber seine Bracken=Hündin daheim lassen, da sie einem„freudigen Ereignis“ entgegensah. Kaum waren die Jäger im Revier angelangt, da hörten sie schon das Brackengeläute der daheim gebliebenen Hündin. Sie hatte sich aus dem Staube gemacht und war der Spur ihres Herrn gefolgt.(Wer schon einmal Freudensprünge eines Jagdhundes beobachtet hat, wenn der Herr zur Flinte greift, wird es verstehen, daß auch der Hündin bis zum„letzten Augenblick“ die Jagd über alles ging). Am Nachmittag desselben Tages war sie jedoch plötzlich verschwunden und alles Suchen und Pfeisen war vergebens. Als das Tier am Abend nicht zurückkehrte und auch am nächsten und folgenden Tage ausblieb, ließ der Besitzer im Nachbardorf nachfragen, aber auch dort war der Hund nicht eingetroffen. Am Samstag nachmittag machte der Jagdausseher seinen Reviergang und hörte plötzlich im Walde leise Heul= und Klagelaute. Er war nicht wesentlicht überrascht, als er in dem Waldweg in einer tiefen Fahrrinne zwei kleine Brackenhündchen erblickte, die nach ihrer Mutter jammerten. Ein drittes Hündchen lag etwas abseits und war bereits tot. Kaum waren die beiden Tierchen im Rucksack, da stellte sich auch die Hündin ein und war vergnügt, daß man sie endlich gefunden hatte. Es wird ihr nicht leicht gewesen sein, sich und die Kleinen vier Tage und vier Nächte zu ernähren und vor allem die Tierchen in den kalten Nächten bei 6 Grad unter Null genügend warm zu halten. Sie fühlt sich jetzt wieder ganz wohl und freut sich über ihre beiden hoffnungsvollen Sprößlinge Waldi und Waldo. Köln. Aus dem Arbeitshaus entwichen sind scheinbar nach vorheriger Uebereinkunft zu gleicher Zeit sechs Mann aus der Provinzial=Arbeitsanstalt in Brauweiler. Vermutlich waren die sechs Mann auf einem Außenkommando tätig und vermochten die Aufmerksamkeit des überwachenden Beamten zu täuschen. Es besteht nunmehr die Annahme, daß die Leute sich nach Köln gewandt haben, wo sie zuletzt verweilten. Emmerich. Von dem Tode des Ertrinkens gerettet. Wiederum hätte das letzte Hochwasser vor einigen Tagen bald ein Todesopfer gefordert. Ein Mann aus s'Heerensberg wollte trotz überschwemmter Straße mit einem Kind auf dem Rade nach Emmerich fahren. Plötzlich rutschte das Rad aus und der Mann stürzte auf die Straße, während das Kind in den Graben fiel, wo sich das Wasser sofort über ihm schloß. Zufällig befanden sich zwei Paters vom Jesuitenkloster in s'Heerenberg in der Nähe. Der eine Pater sprang dem Kinde sofort nach. Der Graben war so tief, daß ihm das Wasser bis zum Mund ging. Sich an dem neben dem. Graben hinziehenden Draht festhaltend, gelang es ihm, das Kind mit einem Fuß wieder an die Oberfläche zu bringen, worauf er es mit der anderen Hand griff. Das Kind wurde sofort ins Zollhaus gebracht, doch schien die Rettung zu spät gekommen zu sein. Schließlich aber waren die Wiederbelebungsversuche von Erfolg gekrönt— das Kind war gerettet. sten desto überzeugender zu gewinnen. Das letzte Spiel gegen Eckesey ist nicht berücksichtigt, da ein Protest schwebt, den Schwerte sicher gewinnen wird. Damit rücken sie an die zweite Stelle. Eine glänzende Position nimmt unsere 2. Jugend ein. Sie stehen ungeschlagen an der Spitze. Aber auch hier ist das letzte Spiel vom Sonntag nicht berücksichtigt. Schwerte verlor das 1. Spiel 5:4 mit nur 8 Mann und ohne Tormann. Dagegen trat der Gastgeber 15 Minuten zu spät an. Auch hier ein aussichtsreicher Protest. Tabellen folgen: Witten. Eigenartiger Tod eines Kindes. Das 2jährige Kind der Eheleute K., das auf einem Stuhl stehend einen Apfel aß, fiel vom Stuhle und starb, da ihm beim Sturz ein Stück Apfel in die Luftröhre geraten und dort stecken geblieben war. Weidenau. Durch glühendes Metall verbrannt. Nachts ereignete sich auf der Deutsche Jugendkraft Fußbeuis Unsere beiden Jugendmannschaften haben die 1. Meisterschaftsserie hinter sich. Leider hatte die 1. Jugend einen etwas unglücklichen Start. Sie verlor die ersten beiden Spiele, um die nächWesthofen 1. Sonntag müssen die Teutonen nach Kabel um gegen die dortige 1. Mannschaft das fällige Meisterschaftsspiel auszutragen. Die Kabeler stellen eine körperlich, gute und flinke Mannschaft ins Feld. Im ersten Treffen in Westhofen mußten sich die Teutonen 7:1 beugen. Die Teutonen müssen alles dran setzen, um zu siegen. Besonders die Hintermannschaft von Westhofen muß auf ihrem Posten sein und muß alles versuchen, jeden Angriff der Kabeler Stürmerreihe zu vernichten. Sollten die Teutonen das Kombinationsspiel zeigen wie in den letzten Spielen, so wird der Sieg auch nicht ausbleiben. Turn= und Spielverein Kabel 1. Jugend— „Teutonia“ Westhofen 1. Jugend. Radsport Die Berufsfahrer bei den volkstümlichen Morgenrennen in der Westfalenholle. Die volkstümlichen Morgenrennen am Sonntag, den 14. Dezember in der Westfalenhalle erhalten durch die Teilnahme der Berufsfahrer eine besonders interessante Note. In einem Mannschafts=Omnium starten 4 Mannschaften und zwar: Joksch— Benninghoff(Dortmund), Carpus— Essing(Stettiin=Dortmund), Bragard— Bremer(Bochum), Kretschmer— Edler(Dortmund=Münster). Das Omnium besteht aus 4 Viererläufen, einem Punktefahren und einem Mannschaftsverfolgungsrennen. Es stellt an die Teilnehmer hohe Anforderungen. Die Fahrer werden sowohl auf Schnelligkeit als auch auf Ausdauer geprüst, so daß die Gewähr für sportlich hochwertige Kämpfe gegeben ist. Die Hauptprüfung der Amateure ist ein Fliegerkriterium, das die bekannten Herrenfahrer Vopel, Ungethüm, Cieszinski und Fliegen am Start vereinigt. Es ist sehr zu begrüßen, daß die Westfalenhalle ihr Augenmerk auch auf die Pflege des Fliegersports richtet. Neben dem Rennen„Mein erster Sieg" kommt als Abschluß des sehr interessanten Programms ein Einstunden=Punktefahren zur Abwicklung, daß die 20 besten Dortmunder Amateure bestreiten. Dieses Einzelfahren über 1 Stunde ist eine sehr schwierige Prüjung, die nur wirklich gute Fahrer bestehen können. Der Rennbeginn ist wieder auf 10,30 Uhr festgesetzt. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpoktik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Haus Eberhard Lex, Schwerte. Protz gewaltigen Preisabbaus: Genau wie Trüher! Benutzen Sie alle diese äußerst günstige Gelegenheit. Bis Weihnachten! 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Wie viele wohnen hier draußen vor der Stadt — und sehen die schönen Wege nach dem Walde und den nahen Hügeln niemals in der Morgenfrühe, die so herrlich sein kann, wie der ganze Tag es nicht wieder fertig bringt. So heute wieder, als ich mit den Hunden durchs Gartentor trat in die heilige Winterstille des klaren Morgens. Ein stumm Gedicht in zartem Weiß Wollte die Frostnacht wirken; Tief zu des Winters Lob und Preis Beugen sich silberne Birken. Die Welt, die blühend mich erfreut, Ruht aus von Frucht und Segen— Die Tannen stehen, weiß bestreut, Als Wächter an den Wegen. Noch blickt des Vollmonds goldener Kreis In blauer Himmelsferue, nd sanft entschwinden, silberweiß, Die letzten kleinen Sterne. Aufblitzend wirft vom Osten her Durch dunkle Wälder Wände Die Sonne schon den Strahlenspeer Ins schweigende. Gelände. Die ganze Welt scheint, still und weiß, Ein Märchen, noch zu ruhen. Es klirrt, wie dünnes Glas das Eis Wohl unter meinen Schuhen. Die Hunde, wo ein Häslein lief Durch leicht beschneite Fluren, Da beugen sich die Näschen tief Und schnuppern in den Spuren. Und wie ich so geschritten bin Im Silberfiligrane, Flieht warm mein Atem vor mir hin Wie eine leichte Fahne. Mein Herz ist still und leicht und froh In jungen Morgens Strahlen——— Fern liegt da hinten irgendwo Die Stadt in Qualm und Qualen. Und das Bewußtsein, daß sie fern liegt— und doch mit dem Vorortzügle so rasch zu erreichen ist, das gibt einem die fröhliche Sicherheit. Mit diesem sicheren Gefühl hacke ich meinen Goldfischen das Luftloch in den zugesrorenen kleinen Teich, schaue einmal in den Keller, ob die Buben nicht vergessen haben, die jungen Meerschweinchen zu füttern; werfe den Schwarz= amseln und Meisen, die schon darauf warten, das Innere vom Weißbrot(das ich nicht essen soll) vor die Veranda— und gehe dann— zufrieden an meine Tagesarbeit, als hätte ich gerade den Nobelpreis bekommen... Dann freilich kriechen die„ersten“ Kröten" heraus.(Wie Zola das nannte). Irgendwo ist immer— wenn man die Zeitungen aufmacht— der Teusel los. Irgendwo werden Köpfe eingeschlagen; irgendwo hungern brave Leute, die gern fleißig sein möchten, wenn ihnen einer Arbeit gäbe. Irgenwo hat ein polnischer oder französischer Flegel den traurigen Mut, sich an dem von Tücke und Feigheit widerrechtlich entwaffneten Deutschland zu reiben. Irgend eine Steuer lauert auch irgendwo. Und irgendwo setzt selbstverständlich der Massenprotest der Interessenten ein. So jetzt gegen die Verteuerung der Zigarren, Zigaretten und des Tabaks. Heute glauben die Aerzte und Laien ja nicht mehr, daß es— wie im Anfang des achtzehnten Jahrhunderts noch lesen konnte— eine besonders herrliche Art von Tabak gäbe, der„wegen seiner zertheilenden Krafft und gelinden Abführung der corrosivischen Schleims großen Applausum gefunden, zertheilet alle Haupt=Flüsse und KopfSchmerzen, chlarificiret die Augen, schärfft das Gehör, und curiet alle Zahnschmerzen in wenig Minuten, er stillet durch sein balsamisches Oel alle Schmertzen an dem gantzen menschlichen Körper, gerade die erstaunliche Heilkraft des Tabaks, die in Protestversammlungen geprieesen wird und an die man früher— felsenfest glaubte. So felsenfest, daß zum Beispiel, als um 1789 eine Epedimie in Ungarn wütete, die man gegen das rätselhafte, grauenvolle Sterben ins Feld führte, auch die— bis dahin vom Staate versagte— Erlaubnis war, auf der Straße Tabak zu rauchen.(Während ein paar Jahre vorher noch der tür'ische Sultan dieses bei Todesstrafe verboten hatte). Christoph Wilhelm Hufeland: aus dessen Makrobiotik oder: die Kunst, das Leben zu verlängern, unsere guten Großeltern geschworen haben, war nichts weniger als diese Ansicht. Der Schutzverband des deutschen Tabakwaren=Handels hat wahrlich keine Veranlassung, ihn zu seinem Schutzheiligen zu ernnen! Aber ich glaube, auch den Vätern der heutigen Gesetzmacherei wäre er unsympathisch. Denn woher sollten schöne Steuern auf Zigarren, Zigaretten und Rauchtabak kommen? Der Staat braucht Geld. Der Zweck ist nicht immer so klar, wie in dem Falle der Reparationen und der— zehntausend Gummifnüppel, die kürzlich in einer norddeutschen Fabrik von Beamten der Berliner Polizei übernommen wurden.„Der Knüppel, der Knüppel— was macht man damit?" könnte man nach der Melodie des bekannten Kinderliedes vom„Besen“ singen. Aber möglich bleibt's, daß die mindestens nach ihrer Ansicht pfiffigsten des ehemaligen Feindbundes— jeder weiß, wer das ist— behaupten werden, daß diese Knüppel die furchtbare Waffe der listenreichen Deutschen darstellen, mit deren Hilfe sie die zahllosen durch unterirdische Gänge miteinander verbundenen Festungen und Forts an ihrer Westgrenze Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyricht by Martin Feuchtwanger, Halle(Saele) 12. Fortsetzung Nachdruck verboten. Selbst Frau Müller blieb minutenlang die Sprache weg. Und das wollte was heißen, bei dem Mundwerk! Wer die Pförtners Hausschreck nicht kannte, konnte das gar nicht ermessen! Aber dann! In ganzen Kaskaden prasselte der Wasserfall des Berta Müllerschen Wortschatzes auf den Abgeführten herab, mußte ihn noch in der stillen Abgeschiedenheit der Untersuchungshaft beunruhigen. Armer Gustav. Der Gang ins Zuchthaus konnte nicht so schrecklich sein, wie eine Rückkehr in den ehelichen Hafen. „** „Nun, Herr Sanitätsrat, wie geht es unserem Patienten?“ fragte Doktor Messerschmidt, den Arzt im Hause der Tänzerin abfangend. Der Doktor schüttelte den Kopf. Sein Gesicht war undurchdringlich. „Es ist nicht schlechter und nicht besser geworden. Fräulein Stransky liegt noch immer besinnungslos. Im Laufe des Nachmittags werde ich Sie vom Ergebnis der BlutprobenUntersuchung in Kenntnis setzen.“ „Sehr verbunden!" verbeugte sich der Untersuchungsrichter. „Die Tänzerin liegt in einem starrkrampfähnlichen Zustande. Das kann noch zwei, drei Tage andauern.“ Doktor Messerschmidt biß sich in die Lippe, knirschte:„Verwünscht, dabei geht uns kostbare Zeit verloren, ehe wir zu einer Vernehmung der Ueb erfallenen kommen.“ „Ja, leider. Aerztliche Kunst vermag in selchen Fällen nicht viel. Wir müssen uns gedulden.“ „Beseht Lehendgesahrt* überrennen und zerstören werden. Keine Frage — wir haben zwar keine Tanks und keine Flugzeuge, keine Reserven und keine— ach, woher auch?— Kolonialtruppen. Aber wir haben— zehntausend Gummiknüppel oder die„modernste" Bewaffnung! Wir haben, zu wehren dem Bösen, Auf das ein Feind uns sinnt, Nicht Tanks noch Mitrailleusen, Noch Flieger hoch im Wind. Hopliten und Amazonen Fehlen uns, kampfgestählt, Und die paar besseren Kanonen Sind spärlich zugezählt. Und fehlen die Pickelhauben, Die's anno Siebzig geschafft,... Aber— wir haben den Glauben An unsres Volkes Kraft! Wir geh'n in geflickten Sachen, Gewohnt schon des Verzichts; Wir haben nichts zu lachen Und verjubeln nichts. Die Väter haben erklommen Den Gipfel des Ruhms einmal; Uns hat man die Waffen genommen Und nimmt uns das Kapital. Sie haben mit Dreck uns beschmissen, Die Hände am Degenknauf— Aber wir fühlen's und wissen: Es geht auch wieder bergauf! Wir sind durch Narben und Wunden Erschöpft und nicht verschönt, Wir sind in Versailles gebunden Und werden in Genf verhöhnt. Wir müssen langsam bauen, Zu jedem Opfer bereit; Wir haben das große Vertrauen In Weltvernunft und Zeit. Wir kennen der Ahnen Vermächtnis An Kraft und Zuversicht Und— haben ein gutes Gedächtnis, Wenn einst die Kette bricht. Diogenes. Der Sanitätsrat verneinte.„Dazu war die Dosis des unbekannten Giftes zu gering für die kräftige Natur der Tänzerin.“ Dann fragte er interessiert: „Und Sie, Herr Landgerichtsrat, haben Sie schon den Verbrecher gesaßt?“ Der Untersuchungsrichter zuckte mit den Schultern. „Wir haben einen verhaftet. Ob es der Richtige ist, muß erst noch bewiesen werden. Wenn Fräulein Stransky vernommen werden könnte, würde wahrscheinlich sehr rasch Licht in die dunkle Affäre kommen.“ „So, so. Aber einstweilen müssen Sie schon versuchen, ohne die Stransky fertig zu werden, Herr Landgerichtsrat. Was an mir liegt, soll geschehen, um die Verletzte schnellstmöglich wieder auf die Beine zu bringen.“ „Und Sie glauben nach wie vor an Gift, Herr Sanitätsrat?" Der nickte lebhaft. „Gewiß! So eigenartig und rätselhaft das auch ist— der Verbrecher hat der Tänzerin am Ringfinger der linken Hand eine Wunde beigebracht, vielleicht mit einer feinen Nadel oder dergleichen. Sonst war nirgends am Körper der Künstlerin eine Verletzung zu finden.“ Man reichte sich die Hände zum Abschied. „Ich habe Eile. Der Verhaftete muß vernommen werden. Meine Leute werden mit ihm zurück sein.“ Ehe Doktor Messerschmidt zum Polizeipräsidium zurückfuhr, stattete er der Tänzerin einen Besuch ab. Nachdem er sich im Hausflur von dem Arzt getrennt hatte, ging er die Stufen hinauf. Die Zose kannte ihn bereits und ließ ihn eintreten. Er war schon am frühesten Morgen dagewesen. Mia Stransky bewohnte das erste Stockwerk eines vornehmen Hauses im Westen der Industriemetropole. Die Untersuchung hatte ergeben, daß die Tänzerin ein großes Haus führte, häufig Besuche empfing, Gesellschaftsabende gab bei denen es sehr lustig zuging. Der Sekt floß Jahrerbericht der preußischen Rotkreuzmänner In dem soeben erschienenen Rechenschaftsbericht über Entwicklung und Leistungen des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz und seiner Provinzialvereine im 66. Geschäftsjahr(1. April 1929 bis 31. März 1930) wird festgestellt, daß die Zahl der Sanitätskolonnen, Pflegerschaften und Samaritervereine vom Roten Kreuz von 1557 auf 1652 gestiegen ist. Der Bestand der tätigen Mitglieder ist um nahezu 7000 auf 57815, der der fördernden Mitglieder um mehr als 10000 auf 51 287 angewachsen. Weiter umfaßt der Verein 19 Mutterhäuser mit 1504 Schwestern und 181 Hilfsschwestern. In der ersten Hilfe find, den Sanitätskolonnen angegliedert, 2089 Helferinnen tätig„Die GesamtMitgliederzahl des Landesvereins(einschließlich der 289 Zweigvereine) beträgt am Berichtsschlusse 173 560(4,5 Prozent der Bevölkerung). dabei in Strömen, und es herrschte jene lustige Stimmung, die für Mia Stransky ein Bedürfnis war. Der Polizei waren auch die intimen Freunde der Tänzerin bekannt, die ihr diese großzügige Lebensführung ermöglichten und garantierten: Zwei oder drei Herren der Schwerindustrie und Hochfinanz mit klingenden Namen. Selbstverständlich blieb dies alles Geheimnis. Es gehörte nicht zur Sache, und auf keinen der Besucher, die im Hause der Künstlerin verkehrten, fiel ein Schatten des Verdachts. Ein Skandal mußte unter allen Umständen vermieden werden. „Der Herr Sanitätsrat hat eine Blutprobe mitgenommen“, berichtete die Zofe, dem Landgerichtsrat Hut und Mantel abnehmend. „Ich weiß Bescheid!" Der Untersuchungsrichter ging durch den Salon und das Boudoir der Künstlerin direkt in das Schlafzimmer. Eine Pflegerin erhob sich, stand schattenhaft in dem verdunkelten Raum. „Fräulein Stransky hatte soeben den ersten lichten Moment“, meldete die Schwester sichtlich erfreut. „Gott sei=Dank!“ sagte Doktor Messerschmidt erleichtert. Vielleicht ging doch alles schneller, als der Sanitätsrat glaubte! Sein Gesicht ging über das weiße Bett. Da lag Mia Stransky mit wachsbleichem Antlitz in den Kissen. Um ihre Augen schatteten violette Ringe. Und das Haar des dunklen Pagenkopfes bildete einen wirkungsvollen Kontrast zu dem hübschen Gesicht. „Wie ist die Herztätigkeit?“ „Immer noch sehr schwach“, antwortete die Pflegerin. Sie liegt wie tot da, dachte der Untersuchungsrichter. Er trat durch die Verbindungstür wieder in das Boudoir der Tänzerin. Das kosige, blausilberne Schatzkästlein lag verwaist. Auf einem Intarsientischchen stand die tief geschliffene Kristallschale mit den Besuchskarten, die für zahlreiche Herren der besten Gesellschaft Freitag, 12. Dezember 1930 Die den Zweigvereinen zur Verfügung stehenden Einrichtungen haben im Vergleich zum jahr folgenden Stand: 1 065( 926) ständige Rettungswachen und Unfallstationen, 12 855(6131) Unfallmeldestellen, Depots von Krankenbeförderungsmitteln und dergleichen, 914( 458) Krankenwagen, 8 776(9816) sonstige Krankenbeförderungsmittel und=Geräte, 178( 127) Desinfektionseinrichtungen, 949( 303) Verleihanstalten von Krankenpflegeartikeln. Die Rettungseinrichtungen wurden in Jahresfrist 547 662(297514) mal in Anspruch genommen. Einzeln oder in geschlossenen Formationen traten die Kolonnenmitglieder in Tätigkeit 66 861(70 227) mal bei Aufzügen, Sportveranstaltungen, Volksfesten, 60(36) mal bei inneren Unruhen, 195 003(265 237) mal bei öffentlichen Notständen, Eisenbahnunfällen, Feuersbrünsten, Fabrik, Grubenund anderen Unfällen. Aus den Sonder=Arbeitsgebieten verdient neben der Seuchenbekämpfung durch Ausleihung transportabler Krankenbaracken vor allem die große Hilsaktion für die ausgewanderten Deutschrussen Erwähnung, die während ihres Aufenthaltes in Deutschland bis zur Weiterreise in überseeische Ansiedlungsgebiete von preußischen Vereinen und Sanitätskolonnen in Eydtkuhnen, Schneidemühl, Hammerstein und Prenzlau teils in vorhandenen, teils in schnell errichteten Flüchtlingslagern aufgenommen und nach jeder Richtung hin aufopfernd betreut wurden. Die Zahl der Jugendpflegegruppen bei den Männervereinigungen ist von 88 auf 116 mit 1754 Mitgliedern gestiegen. Auch das hauptsächlich die Schuljugend erfassende Jugend=Rotkreuz ist in stetiger, wenn auch langsamer Entwicklung begriffen. Die systematische Zusammenarbeit der Männervereine mit den Vaterländischen Frauenvereinen vom Roten Kreuz ist durch die Arbeitsgemeinschaft des Preußischen Roten Kreuzes gesichert. ha. Ein neues Verzeichnis der anerkannten Filme für die Volksbildung. Die Bildstelle des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht hat jetzt ein Verzeichnis der als künstlerisch, volksbildend und lehrreich anerkannten Bildstreifen zusammengestellt, das der Volksbildungsminister seinem Bereich mitteilt. Künstlerisch anerkannte Bildstreifen gibt es 28, darunter die Filme Westfront, Panzerkreuzer, Potemkin, Unter den Dächern von Paris, die Tragödie eines Untermieters, alle nicht zugelassen für Jugendliche. Dagegen können die Filme Flock und Flieckie, Mickie und Oswald von Jugendlichen angesehen werden. Infrage kommen für die Bildung des Volkes 33 Streifen. Als anerkannte Lehrfilme gelten auf dem Gebiet der Erdkunde 23, Naturkunde 19 Landwirtschaft 1, Industrie, Technik und Gewerbe 51, Hygiene, Turnen, Sport und Jugendpflege 10, Verschiedenes 33. so kompromitierend waren, weil der Lebenswandel der Mia Stransky keineswegs als vorbildlich galt. Die Zofe trat hinzu. „Herr Landgerichtsrat, ich habe den Notizblock des gnädigen Fräuleins im Wildledertäschchen gefunden...“ Doktor Messerschmidt war sofort stark interessiert. „Geben Sie her, vielleicht...“ Er nahm den zierlichen, in grünes Leder gefaßten Block und trat damit zum Fenster. Es waren nur drei Seiten mit Notizen in Mia Stranskys flüchtiger Schrift bedeckt. Der Untersuchungsrichter las: 12. 10 Uhr Probe Alhambra. 17 Modenschau Lampert: Phantasia, Fandango. 21. Atlantic, Mah. v. Sindia. 24. Gregor. 13. 11 Uhr Agentur Moser. 12 Pierson, Kostümprobe. 15 Autofahrt Dir. Kaiser. 20 Souper mit W. 24 Gregor. 14. 12 Uhr Ostfilm. 16 Kontrakt mit„Rheingold“. 20 Regina=Pal. 24. Gregor. Doktor Messerschmidt las die wenigen Seiten drei=,= viermal durch, ehe er den eleganten Damenblock sinken ließ. Da waren Verabredungen, die Mia Stransky aufgeschrieben hatte und wie sie jede Künstlerin täglich hat. Das Programm der Stransky war sehr abwechslungsreich. Daran war nichts Auffälliges. Nur eines erregte Doktor Messerschmidts Verwunderung: der Name Gregor. Er war jedesmal doppelt unterstrichen. Als ob ihn die Stransky nie vergessen dürfte. Und merkwürdigerweise traf sich die Künstlerin laut Notizen Tag für Tag nachts zwölf Uhr mit diesem Unbekannten. Sofort war das Interesse des Landgerichtsrats geweckt. Sämtliche Besucher dieser Wohnung waren ihm beziehungsweise den Behörden bekannt. Und nun dieser Gregor. War es der Vor= oder Zuname eines Freundes der Tänzerin? Wer konnte Aufklärung geben? (Tortsehung felgt.) uod egeßsnt Schuhe machen Freude und unsere billigen Preise stimmen Fröhlich! Wir können billig verkaufen, weil unser Einkauf gemeinschaftlich mit ca. 500 großen Firmen direkt beim Fabrikanten erfolgt. Diese gemeinsamen Einkäufe betrugen allein im letzten Jahre annähernd Der Zwischenhandel wird hierdurch ausgeschaltet. 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Er rief einen Befehl hinunter, der Abteilungsführer salutierte, gab die erhaltene Order den Gendarmen weiter:„ „Geheimzellen!“ Begrifsen diese Unglücklichen, die mit der Bahn Moskau—Sibirien monatelang von einem Etappengesängnis zum anderen unterwegs waren, immer wieder neu verladen wie eine Herde Tiere— ausgehungert, starrend von Schmutz, ruhelos durch die scheußlichste Ungezieserplage— begriffen diese Unglücklichen die Bedeutung des Wortes: Geheimzellen? Vielleicht war durch die Qual des Transports auch bei denen, die jahrelange Gefangenschaft in russischen Gefängnissen hinter sich hatten, der Tag der Ankunst eine Hoffnung gewesen auf eine endliche Ruhe— auf ein Ausstrecken zu langem, traumlosem Schlaf. auf Arbeit, und sei es die härteste, in freier Luft. Denn viele Schrecken der Zwangsarbeit wurden ausgeglichen durch den, wenn auch nur kurzen, Aufenthalt in freier Luft. Nun aber, da die Neuangekommenen den Zug der Zwangsarbeiter kettenbelastet sahen, und unter ihnen einige zur Strafverschärfung an ihre Karre geschmiedete Jammergestalten, überwältigte sie der Schrecken, in dem ihre letzte Hoffnung, der letzte trügerische Trost dahinschwanden. Und nun in diesem Schrecken das eine furchtbare Wort: „Geheimzellen.“ Grab der Lebendigen! Gedanke eines der Hölle Entsprungenen „Vorwärts!"—„Ruhe— oder...!“ Gendarmen umringten den Zug. Wer nicht gehen sonnte, wurde vorwärtsgetrieben. Flintenkolben— Püfse! Einer hohen Mauer Eisentor öffnete sich, vorüber an Palisaden, ein enger Hof wurde durchschritten, eine Treppe hinunter ging's. Jetzt hatte ein dunkles Gewölbe die Verschickten verschlungen. Wer wollte schildern, wie sie niedersanken auf dem Boden ihrer Kerker! Gewiß war, daß nur wenige von ihnen in ihrer todähnlichen Erschöpfung noch irgend etwas zu erfassen und zu denken vermochten. Sie lagen, wenn auch auf schlüpfrig nassem Lehmboden. Sie konnten schlafen und vergessen Eine kurze, barmherzige Ruhe war ihnen gegeben.— Auf die leere Pritsche einer der tiefsten Zellen war, zu Tode erschöpft, einer der Gefangenen niedergesunken: ein hochgewachsener, abgemagerter Mann. Das blonde Haar war zur Hälfte kurzgeschnitten, das Sträflingskleid schlotterte um die hageren Glieder! Ohne von seiner Umgebung etwas wahrzunehmen, war er mit ausgestreckten Händen zu dem elenden Lager getaumelt und wie ein Klotz darauf niedergefallen. Ein verzweifeltes Stöhnen brach von seinen Lippen. Es klang wie das Röcheln eines Sterbenden, in dem sich die letzte, allerletzte Kraft erschöpft. „Gott, mein Gott! Ich ruse dich...“ Von einem Lager in der Ecke der Zelle richtete sich eine Gestalt empor. Langes, weißes Haar und ebensolcher Bart umwallte das durchfurchte, von Not und Gram entstellte Antlitz eines Greises. Eine hohle Stimme fragte: „Wer ruft hier in deutscher Sprache zu Golt?“ Der Mann auf der Pritsche fuhr aus halber Betäubung empor. Eine Menschenstimme? Er war nicht allein? Deutsche Laute, seiner Muttersprache Laute! Wann, ach wann hörte er sie zuletzt? Zitternd stammelte er: „Wer— wer spricht mit mir?“ „Ich— ein Kerkergenosse.“ Der Neuangekommene taumelte vom Lager auf. Neben dem Lager des Greises sank er in die Knie. Beschwörend streckte er die Hände aus. „Ein Landsmann?" Der Greis blickte nieder in das gramentstellte Gesicht vas trotz aller Leiden Spuren hoher Intelligenz und Schönheit trug.— Er nickte.„Ein Landsmann, ja! Wenigstens ein halber Meine Mutter war deutscher Abkunft.“ Ihre Blicke gruben sich ineinander. In heißem Verlangen durchforschte einer des anderen Züge. Stumm. kaum atmend— eine ganze Weile. Dann sprach der Greis:„Wer sind Sie?“ Und der Gefangene antwortete, ohne ein Auge von ihm zu lassen: „Ich heiße Wieland.“ „Und Ihr Beruf?“ „Ich war Architekt.“ „Und wessen beschuldigt man Sie?“ „Ich bin unschuldig.“ Der Greis lächelte schmerzlich. „Das sind sehr viele hier. Ich fragte deshalb: Wessen beschuldigt man Sie?“ Wieland stöhnte tief auf. „Ich wurde von einem russischen Grenzposten mit einer schweren Kopfverletzung und mit den Papieren eines politischen Schwerverbrechers, Wladjimir Uwanow, bewußilos aufgefunden, der russischen Wache eingeliefer: und dann in das Gefängnis von Khar übergeführt.“ „Wie lange blieben Sie dort?“ „Ich weiß es nicht genau— es war Einzelhaft. Ich zählte zuletzt die Tage nicht mehr. Zwei Jahre werden es sein bis heute; eingerechnet den monatelangen Transport hierher.“ Wieder umzog das schmerzliche Lächeln die Lippen des Greises. „Zwei Jahre nur...“ murmelte er.„Zwei Jahre nur, was sind sie gegen zehn!“ Wieland erbebte. „Zehn Jahre sind Sie hier?“ Dem Greis sank das Haupt auf die Brust. „Und weshalb?“ fragte Wieland atemlos. Man hat auch mich eines politischen Verbrechens angeklagt. Außerdem“, bitterer Spott verschärfte seine klanglose Stimme,„außerdem noch revolutionärer Freiheitsbestrebungen. Das heißt: Das deutsche Blut in mir überwog— es drängte und zwang mich, den vielen Hunderten von Leuten auf meinen Gütern ein menschenwürdigeres Dasein zu schaffen. Es zwang mich in Wirklichkeit, nicht nur dem Namen nach, die Leibeigenschaft aufzuheben— aus Sklaven Menschen zu machen. Meine Standesgenossen fürchteten für ihre Selbstherrlichkeit. Sie spotteten zuerst, dann Warnungen, Drohungen— ich handelte weiter, wie mein Gewissen mich trieb. Auch sie blieben nicht untätig. Und so wurde der gefährlich humane Freidenker, politisch intrigierende Fürst Orloffsky verdächtigt, verhaftet, verschickt.“ Wieland senkte die Stirn auf die runzlige, welke Hand des Greises. 7 „Zehn Jahre! Zehn Jahre: und immer auein? fragte er schaudernd. „Nein! Nicht immer. Diese Zelle ist zur Aufnahme von drei Gefangenen eingerichtet.“ Drei?“ „Ja! Blicken Sie dorthin in jene Ecke, dort, wo die umgestürzte Karre neben dem Lager liegt. Der Mann dort, er schläft fast immer, ist der ehemals berühmte Konzertmeister und Geigenkünstler Saschin. Er wurde wegen Fluchtversuch, bei dem er einen Wärter verwundet hatte, an seine Karre gefesselt. Im vorigen Winter sind ihm die Hände erfroren. Man brachte ihn hierher. Und da er nun ja ungefährlich ist mit den gelähmten Händen, ward er von der Karre losgemacht. Zum Zeichen seines Verbrechens, zugleich als Warnung für andere, liegt sie neben seinem Lager, bis ihm sein letztes Bett bereitet wird. Er sowohl wie ich, wir werden beide die Freiheit nicht erleben.“ Wieland war an das Bett des dritten Gefangenen getreten, neben dem als Wahrzeichen seines Verbrecheus die Karre lag. Ketten hingen von ihr zur Erde. Er fand, in tiesem Schlaf liegend. eine mit zersetzter Decke kaum verhüllte Gestalt, das wachsbleiche, ausdruckslose Gesicht hintenüber geworfen. Verkrüppelte Hände lagen hilflos auf der eingesuntenen Brust. Wielands Kehle zerriß ein heiseres Schluchzen. Das war der Mann, der mit seiner Kunst viele Tausende aus Erdenstaub zu Himmelshöhen geführt, der diese Tausende, wenn auch nur für Stunden, ahnen ließ, daß sie ewige Geschöpfe eines ewigen Gottes seien... Da lag er in Schmutz und Lumpen, zum Krüppel gefottert. Wieland stöhnte tief auf. Und wie vorhin an dem Lager des Fürsten über weltliche Güter. sank er in die Knie vor der elenden Pritsche dieses Fürsten in der Kunst. Zart, wie eine Mutter ihr Kind. streichelte er die armen, verkrüppelten Hände des Geigers. Verwundert schlug Saschin die Augen auf. Wieland wußte nicht, daß ihm Tränen über die Wangen liefen— Tränen des Grauens vor eigenem und fremdem Elend. Eine leise, tonlose Stimme fragte: „Wer ist es, der um mich weint?“ „Ein Gefangener wie Sie...“ „Ach!“ Saschin richtete sich ein wenig auf. Er blickte zum Fürsten hinüber.„So sind wir jetzt zu dritt?“ Orloffsky antwortete wehmütig: „Zu dritt! Und die gleichen... „Er ist unschuldig, wie wir?“ „Lieber Saschin, wann war ein wirklich Schuldiger bier?“ „Das ist wahr.“ Der Geiger sank wieder zurück. Unverwandt blickte er in Wielands Gesicht „So jung noch!“ murmelte er, und schloß die Augen wie vor schrecklichen Vorstellungen. „Wenn Sie mögen, so reden Sie von Ihrem Geschick.“ Wieland erzahlte das Wenige, was ihm selbst dunke und rätselhaft, mehr Vermutung als Wissen war, dasselbe, was er Orloffsky mitgeteilt. „Ich kenne die Donnerssels“, sprach der Fürst, nachdem Wieland auf keine Frage mehr eine das Dunkel erhellende Antwort zu geben wußte.„Wenn es einen Weg aus diesem Verlies auch nur für einen Brief gäbe, so könnte ich vielleicht etwas zu Ihrer Befreiung, zur Aufklärung dieser rätselhaften Sache tun Aber aus den Geheimzellen gibi es keine Verbindung mehr mit der Welt — und meine Tage sind gezählt Nur einmal noch“ fügte er schmerzlich hinzu.„kurz vor dem Ende wird uns gestattet, ein Testament zu machen — wenn dieses Ende einwandfrei laut ärztlichen Befundes tatsächlich bald zu erwarten ist Um diese eine mit noch mögliche Verbindung mlt der Außenwelt durch die Person des Notars zu benutzen. einem früheren einfluß. reichen Bekannten Nachrichten zu geben, gehi erstens deshalb nicht, weil das Testieren tatsächlich erst in letzter Stunde gestattet ist, und zweitens steht der Notar selbst unter schärfster Aufsicht. Sollte trotzdem der Ausnahmefall möglich geworden sein, dem Beamten einen Brief anzuvertrauen, so vergehen etwa drei Monate. bevor ein solcher sein Ziel: das europäische Rußland. in diesem Petersburg, erreicht.“ Fürst Orloffskv schwieg erschöpft. Nach einer Weile öffnete er die matt geschlossenen Augen. Schattenhaft umzog ein wehmütig=gütiges Lächeln seine Lippen. „So viel habe ich seit Wochen und Monaten nicht gesprochen“, sagte er. „Ob, sehen Sie, man wird egoistisch in dieser Hölle: ist es nicht beinahe, als freute ich mich über Ihre Gesellschaft?“ Wieland kniete neben der Pritsche des Greises nieder. „Nein, Fürst. Wäre es nicht Wahnsinn, das Wort hier auszusprechen, so würde ich sagen: Sie machen mich glücklich. Was ich vermag, werde ich für Sie, für Ihre Pflege, für die Erleichterung Ihrer Leiden tun. Und während ich mir ein Beispiel nehme an dem Heldentum der Ergebung, mit der Sie diese Leiden ertragen haben, werde ich selbst erstarken in Geduld und Hoffnung.“ Orloffsky legte seine gekrümmten, hageren Finger auf Wielands Hand. Sie blieben einen Augenblick unbeweglich und stumm. Endlich fragte Friedrich:„Haben Sie nie an Flucht gedacht, Fürst?“ „O doch! Ich habe mich an das Leben und die Freihei: geklammert mit aller Willenskraft und allen Sinnen. Den ersten Fluchtversuch machte ich aus dem Transport vor zehn Jahren— den letzten vor drei Jahren... Beide mißlangen... das Resultat des letzten sehen Sie hier: Geheimzelle— und dieses... Er schlug die zerlumpte Decke zurück— gefesselte Füße kamen zum Vorschein... Wieland stieß einen grellen Schrei aus.„Fürchterlich! Fürchterlich!“ Bei diesem Laut richtete sich Saschin aus seinem Halbschtummer auf. „Wer ist es, der für dieses Elend noch einen Schrei findet?“ Wieland antwortete nicht. Beide Hände an die Schläfen gepreßt, taumelte er in dem Verlies hin und her. Schreckliche Vorstellungen überfielen ihn. Er sah sich selbst nach endlosen Jahren, gebrochen an Leib und Seele, gefesselt, zerschunden, vielleicht des Verstandes beraubt, verblödet— dem Wahnsinn verfallen. Erst jetzt begriff er, daß er eine Art Hoffnung an das „Verschicktwerden“ geknüpft hatte. War es die vage Erwartung auf Fluchtgelegenheit, auf Arbeit im Freien gewesen? Ja, er erinnerte sich— als er vor Monaten dem Transport angeschlossen wurde, keimte trotz des Grausens vor diesem Wort ein Glaube an größere Möglichkeiten einer Rettung auf. Er begann seinen Mut, seine Zuversicht zu stählen, vertrug alle Qualen des Transports, machte sich unempfindlich gegen das Fluchen, Heulen und Klagen der vor Hunger, Kälte und entsetzlichen Vorstellungen mehr oder weniger dem Wahnsinn verfallenen Mitgefangenen— immer von der Ahnung erfüllt: „Habe ich nur erst wieder, wenn auch für harte Arbeitsstunden, Gottes freien Himmel über mir, so muß, so wird sich eine Besserung, vielleicht ein Ende meiner Qualen finden.“ Ach, Friedrich Wieland vergaß zu oft, daß er der zweifache politische Mörder Wladjimir Uwanow war. „Geheimzelle! Hier wie dort die Gruft! Hier wie dort nicht tot, aber begraben!" Nur, daß er hier zwei Gefährten hatte! Eine Wohltat, ein Glück ohnegleichen, dem schauerlichen Alleinsein entflohen zu sein— aber an dem Elend dieser beiden Leidensgenossen maß er nun die eigene, hoffnungslose Verzweiflung zu einer Rettung. Es war ihm, als sei der halbverblödete Künstler ein Sinnbild der eigenen, schreckensvollen Zukunft— ein Anblick, der ihm unbarmherzig die Wohltat, Gefährten zu haben, raubte. Die Ketten, die die Füße des Greises fesselten, schienen in sein eigenes Fleisch zu schneiden. Er fiel auf seine Pritsche nieder, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und sank in den schweren Schlaf der unglücklichsten aller Kreaturen— der Gefangenen. Als der Schließer das Abendbrot brachte, gab er ihm einen derben Stoß. ohne ihn erwecken zu können... * Und hier, wie in Rußland, vergingen die Tage... Nachdem die Verzweiflung, das Mitleid mit den beiden gebrochenen Gefährten ein wenig durch die Gewohnheit verblaßt war, empfand Wieland mehr und mehr namentlich des Fürsten bis zur Erhabenheit abgeklärtes Wesen als eine Quelle des Trostes, als Mahnung zur Ergebung und Geduld. Allmählich versank er seltener in den Abgrund dumpfer Hoffnungslosigkeit. Packte ihn dann wieder die rasende Auflehnung gegen den Glauben und Gerechtigkeit, so hört er des Fürsten Worte: „Warten Sie! Hoffen Sie!“ Einmal fragte er: :„Warum haben Sie nie durch Ihre hervorragende Stellung im russischen Reiche versucht, Ihre Feinde kennenzu lernen, zu entwassnen?“ „Ich kenne meine Feinde... Sie nehmen eine noch höhere. hervorragendere Stellung ein", hatte der Fürst erwidert. Hundert und aber hundert Male spürten sie dann dem unbekannten Feind Wielands, der Möglichkeit nach, wie die Papiere des Verbrechers in seine Tasche gekommen seien. Eines Tages fragte Orloffsky: „Wußte einer Ihrer Kollegen von Ihrer Berufung nach Donnerssels?“ „Nein! Ich glaube nicht. Professor Skilo dürfte vor meiner Abreise kaum Zeit gefunden haben, den übrigen Bewerbern das Resultat mitzuteilen. Der Ueberfall geschah schon am selben Abend.“ „Sie sprachen zu niemandem davon?“ „Nur zu meiner Mutter und meiner Braut.“ „Ihre Unterredung mit dem Professor konnte nicht belauscht werden? Hatte keinen Zeugen?“ „Nein— doch!“ Wielands Augen erstarrten.„Dochl Ich erinnere mich— ein Mitbewerber— Senieck. Er stand im Hörsaal, als ich mich von Prosessor Skilo verabschiedete. Wir gingen— ja, wir gingen zusammen fort...“ „Von Ihrer Reise sagten Sie ihm nichts?“ „Nein!“ „Wie aber dann, wenn er der Verräter war— konnte er davon erfahren?"(Fortsetzung folgt.)