BUEFTTUF Dir„Schwerter Jeitung" erscheint wöchentlich sechs mal Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Malk, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), kkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschästsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Puzeigespreise fifr die achigesoat. mw ei: e Pla, Auspir. lige, finauzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pfg., Reklamezeile 40 Pf: Fur telefon. aufgegedene Inserate übemehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergesehn. Betriedsstörungen, dervorgerufen durch döbere Gewatten, übernehmen wir keinertei Gewädr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Nr. 287(Erstes Blatt) Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Schwerte(Ruhr), Montag, den 8. Dezember 1930 63. Jahrgang WA UNANASATE Mit 40 Stimmen Mehrheit Aktivität in Erscheinung treten müssen. Das Kabinett Brüning kann seine weiteren Aufgaben aber nur erfüllen, wenn es über die notwendige Autorität im Volke verfügt. Ohne diese Autorität kann das Kabinett auf die Dauer nicht gegen eine starke Opposition regieren, die nur verhältnismäßig weniger Stimmen bedarf, um odz. Berlin, 6. Dez. Nach heißen parlamentarischen Kämpfen hat am Samstagabend das Kabinett Brüning mit einer Mehrheit von 40 Stimmen den Sieg davongetragen. Vier Tage dauerte die Redeschlacht, und die beiden letzten Tage kann man wegen ihrer abnorm langen Dauer ruhig als Doppelsitzungen bezeichnen. Fast alle Minister haben in die Debatte eingegriffen, am Samstag noch Reichsinnenminister Dr. Wirth, Reichsfinanzminister Dr. Dietrich und Reichsernährungsminister Schiele mit kurzen Abwehrreden gegen die Opposition. Fast alle Fraktionen und Gruppen haben auch die ihnen zustehende Redezeit voll ausgenutzt, so daß erst in der stebten Abendstunde am Samstag die entscheidende namentliche Abstimmung über die Dezembernotverordnung vorgenommen werden konnte. Dabei wurden die Aufhebungsanträge der Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutschnationalen mit 293 gegen 253 Stimmen abgelehnt. Für die Aufhebung hatten mit den Antragstellern auch die Wirtschaftspartei und die Landvolkpartei gestimmt. Die übrigen Parteien stimmten geschlossen für die Aufrechterhaltung der Notverordnung. Das tat auch die Bayerische Volkspartei, mit der Begründung, daß sie eine Katastrophenpolitik vermeiden wolle. Sie behielt sich aber in einer Fraktionserklärung vor, gegen jene Bestimmungen, die nach ihrer Meinung das Steuerrecht der Länder beeinträchtigen, mit allen Mitteln, auch mit Anrufung des Staatsgerichtshofes, vorzugehen. Für die Regierung gab es noch eine gefährliche Klippe. Wenn auch nach dem Ergebnis der ersten Abstimmung mit einer Ablehnung der Mißtrauensanträge zu rechnen war, so schien es doch sehr zweifelhaft, ob ein Vertrauensantrag für die Regierung angesichts der Gegnerschaft der Sozialdemokratie gegen bestimmte Minister die nötige Mehrheit finden würde. Die Regierungsparteien hatten aus diesem Grunde auch keinen Vertrauensantrag eingebracht; aber die Nationalsozialisten wollten der Regierung dadurch ein Bein stellen, daß sie ein solches Vertrauensvotum beantragten, obwohl sie selbst natürlich nicht die Absicht hatten, dafür zu stimmen. Vor der Abstimmung über die Mißtrauensanträge meldete sich Abg. Esser(Z.) zur Geschäftsordnung zum Wort. Von den Nationalsozialisten wurde er mit Rufen„Aha“ und „Schiebung“ empfangen. Abg. Esser(Z.) beantragte, das Haus darüber durch Abstimmung entscheiden zu lassen, ob der nationalsozialistische Vertrauensantrag zulässig sei. Diese Frage der Zulässigkeit solcher nicht ernst gemeinten Anträge sei umstritten und noch nicht geklärt. Der Geschäftsordnungsausschuß habe sich mit der Frage beschäftigt, aber keine endgültige Entscheidung gefällt. Am 18. Oktober vorigen Jahres habe Dr. Frick selbst namentliche„Abstimmung über die Zulässigkeit eines solchen Antrages beantragt. Dieser Praxis folgend, so schließt der Redner, beantragen wir, daß der Reichstag durch namentliche Abstimmung darüber entscheidet, ob der Vertrauensantrag der Nationalsozialisten zulässig ist, den wir für unwahrhaftig halten, da die Nationalsozialisten der Regierung nicht ihr Vertrauen bekunden, sondern sie bekämpfen wollen. Bei der Abstimmung umdrängen verschiedene Nationalsozialisten mit drohenden Zurufen die Abgeordneten der ihnen benachbarten Parteien. Präsident Loebe erklärt: Wenn hier die Wahlfreiheit durch Beschimpfungen oder Zurufe beeinträchtigt wird, muß ich den betreffenden Abgeordneten für längere Zeit von den Sitzungen ausschließen. Die Mitglieder der Wirtschaftspartei geben blaue Karten(Stimmenthaltung) ab. Der Antrag Esser wird mit 298 gegen 233 Stimmen bei 22 Stimmenthaltungen angenommen. Dadurch war das nationalsozialistische Vertrauensvotum für die Regierung als unzulässig erklärt und konnte nicht zur Abstimmung gebracht werden.(Pfuirufe bei den Notsoz.). Die Mißtrauensanträge der Deutschnationalen und der Kommnnilten wurden in gemeinsamer namentlicher Abstimmung mit 291 gegen 256 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung, abgelehnt. Schließlich wurde noch der kommunistische Antrag auf Aufhebung der Juli=Notverordnung mit 307 gegen 235 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung, abgelehnt. Für die Aufrechterhaltung dieser Verordnung stimmte auch die Landvolkpartei mit Rücksicht auf die Osthilfe, die in der Juli=Notverordnung enthalten ist. Die weiteren Abstimmungen wurden auf Dienstag vertagt. Wie man aus der großen Stimmenzahl bei den Abstimmungen ersieht, hatten sowohl die Regierungsparteien wie die Opposition dafür gesorgt, daß bei der Entscheidungsschlacht alle Mann an Deck waren. Viel bemerkt wurde, daß der eben erst von schwerer Krankheit genesene volksparteiliche Abg. Dr. Scholz zum ersten Mal wieder an der Reichstagssitzung teilnahm. Nachdem noch ohne Debatte die Novelle zum Reichspostfinanzgesetz dem Haushaltsausschuß und ein Antrag auf Verlängerung der urheberrechtlichen Schutzfrist dem Rechtsausschuß überwiesen war, vertagte sich das Haus auf Dienstag 3 Uhr nachmittags. Auf der Tagesordnung steht neben Abstimmungen und kleineren Vorlagen auch das Pensionskürzungsgesetz. Der Montag bleibt sitzungsfrei wegen des katholischen Feiertages Mariä Empfängnis. Außenpolitische Debatte? enb. Berlin,=8.-Dez.(Eigene Meldung.) Das Ergebnis der heutigen Reichstagsabstimmungen wird in parlamentarischen Kreisen der Mitte als ein außerordentlich starker Erfolg des Kabinetts und namentlich des Kanzlers gewertet. In Kreisen der Opposition wird allerdings darauf hingewiesen, daß der Erfolg der Regierung doch in erster Linie taktischer Natur sei. Dem hält man in der Mitte entgegen, daß bei diesem Reichstag ja gar keine Möglichkeiten einer Mehrheitsabstimmung vorhanden seien, die die Grundlage für eine praktische Politik bilden könnten. Die Form der Abstimmung liege eben in der Schwäche des Parlaments, für die man doch keineswegs die Regierung verantwortlich machen könnte. In diesem Zusammenhang ist zu unterstreichen, daß der Kanzler auch zeitlich seinen Willen durchgesetzt hat. Wie wir am letzten Montag berichteten, hatte er die Absicht, die Reichstagsverhandlungen mit den entscheidenden Abstimmungen bis zum Samstag zu Ende zu führen. Das ist ihm gelungen. Es wird allerdings in der kommenden Woche noch eine Schwierigkeit zu überwinden geben: Wenn die außenpolitische Debatte kommt, wird damit zweifellos ein Mißtrauensvotum gegen den Reichsaußenminister verbunden sein. Wie sich in diesem Falle die Mehrheitsverhältnisse gestalten würden, läßt sich sehr schwer voraussagen. Immerhin herrscht die Ansicht vor, daß die Mehrheit vom Samstag genügend Reserven hat, um auch beim Abbröckeln einiger kleinerer Gruppen die Ableh=] Nachdem nun auch der Reichsjust nung des Mißtrauensvotums herveizuführen. Dr. Bredt aus dem Kabinett ausgeschieden ist, Schiffskatastrophe in China! 300 Personen ertrunken wtb. Paris, 8. Dez.(Funkspruch.) Wie Havas aus Schanghai berichtet, ist— chinesischen Meldungen zufolge, die jedoch noch keine Bestätigung gefunden haben,— ein zwischen Hankau und Tschangtscha verkehrender Dampfer am 2. Dezember bei Sinti gesunken 300 Personen sollen ertrunken sein. ihre Minderheit in eine Mehrheit zu verwandeln. Nachdem nun auch der Reichsjustizminister Aber die Regierung wird trotzdem zweifellos versuchen, die außenpolitische Debatte zu vermeiden. „Vor der Umbildung Kabinetts“ kann man diesem Kabinett schließlich nicht mehr die volle Autorität zusprechen, wie sie zur Durchführung seiner schwierigen Aufgaben notwendig ist. Man darf auch darauf hinweisen, daß der Reichsinnenminister Dr. Wirth durch seine Linksorientierung wiederholt die berechtigte Kritik herausgefordert hat. Wenn das Kabinett wirklich eine vollkommen unantastbare Stellung über den Parteien einnehmen will, so haben darin keine Parteiminister Platz, die sich nach einer gewissen Parteirichtung hin exponieren. Es wird daher vdz. Berlin, 6. Dez. Unter dieser Ueberschrift beschäftigt sich ein Leitartikel der„Berliner Stimmen“, des Organs der Deutschen Volkspartei Großberlins, mit der politischen Lage. Die Deutsche Volkspartei sieht in der Notverordnung P nicht das Ende, sondern nur einen Anfang der auch die Aufgabe der nächsten Zeit sein, die notReformen. Sie ist der Auffassung, daß noch wendige Autorität der Regierung durch BeDurchgreifendes geschehen muß, zu dessen Durch= festigung der parlamentarischen Grundlagen und setzung sie sich alle weiteren Schritte vorbehält. durch eine wohlüberlegte Umgestaltung des In der Außenpolitik wird eine starke Kabinetts herbeizuführen. 8 Tobtburteir un Modrauer Prezeß Ramsins Schlußwort- Ein Angeklagter, der sich selbst anklagt nowski, Kalinnikow und Fedotow wurden zum Tode, Kuprianow, Sitnin und Otschkin zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. wtb. Moskau, 8. Dez.(Eig. Rundf.=Meld.) Der Oberste Gerichtshof fällte gestern das Urteil. Die Angeklogten Bransing, Laritschew, TarDr. Schacht über Schwebende wirtschaftliche und Annlunztenle=Fragen enb. Berlin, 8. Dez.(Eigene Rundf.=Meld.) Anläßlich des 10jährigen Jubiläums des Wirtschaftsbeirates der Bayrischen Volkspartei hielt der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht am Sonntag vor einem größeren Kreise geladener Gäste im Festsaal der Tonhalle einen Vortrag über„Schwebende wirtschaftliche und finanzielle Fragen“. Dr. Schacht führte u. a. aus, auf finanziellem Gebiet sei wohl als entscheidend die Tatsache festzustellen, daß in einer Zeit, in der wir ein großes blühendes Volk waren, unsere Etats öffentliche Lasten von 8,3 Milliarden Reichsmark aufwiesen und daß diese Belastung heute nicht weniger als 30 Milliarden Reichsmark betrage. 1913 hatten wir 18,5 Prozent unseres Volkseinkommens am Steuerabgaben und sozialen Lasten abzuführen, während wir in diesem Jahre mindestens 45 Prozent an öffentlichen Lasten abzugeben hätten. In den jüngsten Beratungen sei festgelegt worden, bilanz hätten, so dürften daraus keine Folgerungen in günstigem Sinne gezogen werden, denn ein solcher Ueberschuß stelle sich immer ein, wenn die Industrie gezwungen werde, bei einem schlechten Inlandsmarkt Waren um jeden Preis auf den Weltmarkt zu werfen. Wenn die Frage der Auslandsanleihen keinerlei Lösung entgegengeführt werde, dann stoppe der Youngplan ganz automatisch. Es sei vielleicht taktisch viel richtiger,— so betonte der Redner— nicht gegen den Youngplan an sich, sondern gegen die Ausführung zu kämpfen. Mit allem Nachdruck wandte sich Dr. Schacht gegen die Monopolstellung der öffentlichen Hand. 54 Prozent unseres gesamten Volkseinkommens liefen durch die öffentlichen Hand und würden von ihr verwaltet. 30 Prozent aller Beschäftigten seien in Betrieben, die von der öffentlichen Hand kontrolliert werden. In Sowjetrußland nur 15 Prozent. Man müsse die Unterdaß der Etat in den nächsten drei Jahren nicht nehmungen der öffentlichen Hand zum anstänerhöht werden solle. Das bedeute vielleicht eine Lebensfristung, aber keinen Aufstieg, der nur durch die Herabsetzung des Etats erreicht werden könne. Die innere Verschuldung sei durch die Inflation durchaus nicht beseitigt worden. Die Auslandsschulden seien in einem Maße gewachsen, daß wir heute nach Abzug aller Gegenschulden eine Gesamtschuld im Ausland von 17 Milliarden Reichsmark gehäuft hätten. Daß es bei einer solchen Auslandsschuld, bei einer solchen Zinsenlast unmöglich sei, Reparationen zu bezahlen, erscheine selbstverständlich. Wenn wir auch gegenwärtig eine aktive Handelsdigen Wettbewerb mit der Privatwirtschaft verpflichten. Mit aller Schärfe wendet sich Dr. Schacht schließlich gegen die Bestrebungen, wie sie vielfach auch in Zeitschriften vertreten seien, den fehlenden Lebensraum durch einen freiwilligen Verzicht auf die Volksvermehrung zu ersetzen. Ein Volk, das sich selbst freiwillig aufgebe, sei verloren. Für ihn gebe es für die entscheidende Frage über Leben und Sterben des deutschen Volkes kein Zusammenarbeiten und kein Paktieren mit Parteien, die nicht die sittlichen Grundlagen jedes möglichen Zusammenlebens erkennten. wtb Moskau, 6. Dez. Im Moskauer Prozeß bezeichnete Ramsin, wie die TelegraphenAgentur der Sowjetunion meldet, in seinem Schlußwort das gegen ihn vom Staatsanwalt beantragte Urteil alsgerecht. Er führte dabei u. a. aus:„In den letzten drei Jahren war ich der ärgste Feind der Sowjetmacht und kämpfte gegen sie mit allen Mitteln, die mir zu Gebote standen. Der Hauptgrund war die feste und tiefe Ueberzeugung von der Unrichtigkeit der Politik der Sowjetmacht. Es gibt zwei Wege, der eine führt nach links zum Kreml und über ihn zu den Gipfeln des Sozialismus, der andere nach rechts führt unvermeidlich nach Paris, in jene Höllenküche des Imperialismus. Einen dritten Weg gibt es nicht. Ich erkenne jetzt klar, daß wir sowohl beim Erfolg als auch Mißerfolg der Intervention in beiden Fällen zu Ergebnissen gelangt wären, die den Interessen des Landes unzweifelhaft zuwiderlaufen. Nachdem ich zu dieser Erkenntnis gelangt war, hielt ich es für notwendig, dagegen zu kämpfen mit dem einzigen Mittel, das mir geblieben war: Durch Entlarvung der Tahren Inspiratoren und Organisatoren. Wir sind hergekommen, nicht um zu kämpfen, sondern um zu kapitulieren. Nach der Prozeßverhandlung werde ich, wie auch die Ergebnisse für mich persönlich ausfallen mögen, ruhigeren Herzens gehen, als ich gekommen bin. Das nunmehr ablaufende Jahr 1930, das unzweifelhaft das entscheidende Jahr des Fünfjahresplanes ist, hat mit vollster Klarheit gezeigt, wie falsch undirrig unsere Gedankengänge und Anschauungen, wie auch die der verschiedenen Fachleute und Politiker waren. Trotz der Schädlingstätigkeit, trotz des aktiven Widerstandes verzweigter Organisationen der Industriepartei, trotz der konterrevolutionären, werktätigen Bauernpartei und anderer konterrevolutionärer Organisationen hat dieses Jahr anstatt einer Katastrophe und des Zusammenbruchs der Volkswirtschaft nie dagewesene Erfolge des sozialtstischen Ausbaus gebracht.— Wenn ich an die bevorstehende Strafe denke, so kämz'#g in mir zwei Gefühle: Das eine sagt mir, daz man mit solcher Schmach und solchem Mißtrauen belastet, nicht mehr leben kann. Anderseits habe ich die volle Möglichkeit des sozialistischen Aufbaus erkannt und möchte auch selbst an diesem großen Aufbap teilnehmen. Wenn das Gericht aber die Moglichkeit finden wird, mir das Leben zu erhalten, dann gebe ich das feste und unverbrüchliche Versprechen, mein Leben voll und ganz für die Festigung der Sowjelmacht einzusetzen.“ Veraltete Strafgesetze enb. Berlin, 7. Dez.(Drahtb.) Das preußische Staatsministerium hat dem Staatsrat den Entwurf eines Gesetzes zur Aufhebung veralteter Polizei= und Strafgesetze zugeleitet. Durch dieses Gesetz sollen die verschiedenen Gesetze und Verordnungen aus dem Mittelalter beseitigt werden, die immer noch nicht endgültig aufgehoben sind. Neben den einzelnen angeführten Gesetzen wird generell bestimmt, daß aus Vorschriften, die vor dem Jahre 1800 erlassen sind, Strafen nicht mehr verhängt werden dürfen. Außerdem wird dem preußischen Innenminister und dem Justizminister mit Zustimmung der zuständigen Fachminister die Ermächtigung verliehen, Polizei= oder Strafgesetze in den alten preußischen Provinzen, soweit sie vor dem 31. Januar 1850, in den Provinzen Hannover, Hessen=Nassau und Schleswig=Holstein, soweit sie vor ihrer Vereinigung mit Preußen erlassen sind, ganz oder teilweise aufzuheben. Der neue Saarbahnschutz enb. Berlin, 6. Dez.(Eig. Meld.) Zu den aus Genf kommenden Meldungen über eine Neuregelung des Saarbahnschutzes wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß es sich nicht um die Schaffung einer neuen Formation, sondern um die Ausführung der Beschlüsse des Völkerbundes handelt. Die Regierungskommission des Saargebiets hat im Gegensatz zu ihrer früheren Stellungnahme eine Erhöhung der Gendarmerie nicht für notwendig erachtet. Dadurch wird eine neue finanzielle Belastung der Bevölkerung des Saargebietes vermieden. Die Schaffung der vorgesehenen technischen Organisation für den Fall eines Generalstreiks soll nur die Durchführung des Eisenbahnbetriedes sicherstellen. Zu diesem Zweck werden gegenwärtig etwa 100 Gendarmen im Eisenbahnbetrieb ausgebildet, außerdem werden dazu einige 20 Bahnbeamte bereitgestellt. Die übrigen Mannschaften dieser technischen Organisatil werden zum größten Teil von der Eisenbahndirektion Saarbrücken und zum kleineren Teil von der Industrie des Saargebiets gestellt. Eine besondere Ausbildung dieser Leute, die im einzelnen in keiner Weise verpflichtet worden sind, kommt vorerst nicht in Frage. Es handelt sich nur um eine listenmäßige Aufstellung. Die deutsch=holländischen Wirtschaftsbeziehungen wlb. Essen, 6. Dez. In der Generalversammtung der Deutsch=Niederländischen Gesellschaft für den Handelskammerbezirk Essen sprach der Syndikus der Deutsch=Niederländischen Handelskammer Frankfurt, Dr. Metz, über die deutschniederländischen Wirtschaftsbeziehungen unter Berücksichtigung der jüngsten Entwicklung. Der Vortragende schilderte im ersten Teile seiner Ausführungen die Arbeitsteilung zwischen Deutschland und den Niederlanden und erklärte weiter, wenn in letzter Zeit mehr und mehr die holländische Industrie selbst erstarkt sei und Deutschland infolgedessen die Konkurrenz der holländischen Industrie stark empfinde, so liege der Grund auch in Fehlern der deutschen Handelspolitik. Leider sei überhaupt ein erfteuliches Zusammenwirken beider Länder in jüngster Zeit mehr und mehr erschwert. Im zweiten Teil seines Vortrages wies Dr. Metz mit Nachdruck darauf hin, daß die Erfahrungen, die die Holländer mit der deutschen Handelspolitik der letzten Zeit gemacht hätten, die Fininer wieder Polnn der Eiraße Schwerer politischer Zusammenstoß in Vonn. enb. Bonn, 7. Dez.(Drahtb.) Am heutigen Sonntag hatten die Bonner Nationalsozialisten zu einem großen SA=Aufmarsch aufgerufen, dem sich eine Kundgebung in der Beethovenhalle anschloß. Bereits bei dem Aufmarsch kam es zu Zusammenstößen mit politisch Andersdenkenden, bei denen mehrere Nationalsozialisten durch Kopsschüsse schwer verletzt worden sein sollen. Bisher sollen 12 schwerverletzte Nationalsozialisten ins Krankenhaus übergeführt worden Bei der Kundgebung in der Beethovenhalle, die von zahlreichen Parteiangehörigen dicht besetzt war, beschäftigten sich die Redner eingangs mit den Zusammenstößen und besprachen dann das Parteiprogramm. Der ursprünglich für heute abend angesetzte Fackelzug wurde mit Rücksicht auf die nachmittags vorgekommenen Zusammenstöße von der Polizei untersagt. wtb. Hameln, 8. Dez.(Funkspruch.) In einer am Samstagabend hier veranstalteten großen Kundgebung des Reichsbanners, in der sich der Hauptredner des Abends, Kolb=Berlin, mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzte, kam es mehrere hundert Nationalsozialisten, die auf Lastkraftwagen aus der Umgebung herantransportiert worden waren, die Versammlungsleitung und Reichsbannerangehörige an. Es entstand eine schwere Schlägerei, bei der 6 Reichsbannerleute schwer und etwa 13 leicht verletzt wurden. Auf nationalsozialistischer Seite wurden 4 Personen schwer und etwa 20 leicht verletzt. Die Verletzten fanden Aufnahme im Krankenhaus. Es gelang der Polizei schließlich, die Steitenden auseinanderzutreiben. Der Tumult setzte sich auf der Straße fort und dauerte bis in die Nachtstunden hinein. Von kommunistischen Zettelanklebern niedergeschlagen. wtb. Cannstatt, 6. Dez. Der 58 Jahre alte Hausinspektor der Cannstätter Oberrealschule Jakob Stumpp ist heute Nacht von Angehörigen der Arbeiterwehr der Kommunistischen Partei niedergeschlagen worden, als er das Ankleben von Propangandazetteln verhindern wollte. Der Gruppenführer versetzte ihm einen solchen wuchtigen Schlag mit der Faust, daß er hinstürzte und mit dem Kopf auf das sehlen. Der Platz mußte wiederholt unter Anwendung des Gummiknüppels geräumt werden, doch fanden die Demonstranten Unterschlupf im Untergrundbahnhof Nollendorfplatz, aus dem sie immer wieder, nachdem die Polizei zurückgegangen war, hervorbrachen. Gegen 10 Uhr abends wurde ein Schanklokal geräumt, aus dem die Polizeibeamten wiederholt beschimpft und mit Biergläsern beworfen worden waren. In wenigen Minuten war das Lokal von den üblen Gästen befreit. Gegen 11 Uhr abends war die dritte Vorstellung beendet. Sämtliche Besucher wurden in die Motzstraße abgeleitet, um neue Zusammenstöße zu vermeiden. Eine Anzahl von Sistierten wurde in das Polizeipräsidium gebracht. enb. Berlin, 8. Dez. Zu den Unruhen noch nachzutr.# ationalsozialisnus auseinandersetzte, kam essg.). auschlug. Der Todtrat auf dem Transzu chweren voltischen Zulammentoßen zwischen Playe, einer nahegelegenen Wohnung ein Der Nationalsozialisten und Reichsbannerleuten. Als in der Diskussion einem nationalsozialistischen Redner wegen Ablauf seiner Redezeit das Weiterreden nicht gestattet wurde, griffen port zu seinennahrgge#„ung im. Ver Täter, der Gärtner Karl Forstner, flüchtete, konnte jedoch noch in der Nacht festgenommen werden. in Holland dazu, den Freihandel aufzugeben, zugunsten einer Zollpolitik mit Differenzialtarifen, bei denen Deutschland dann vermutlich nicht gut fahren würde. Eine Fortsetzung der deutschen Handelspolitik gegenüber Holland erscheint dem Redner, der ausführlich auch auf den Boykott im Sommer 1930 einging, als eine Gefahr für den deutschen Export, der nach Holland ein Fünftel der gesamten deutschen Ausfuhr betragt. Die Bilanz des deutsch=französischen Warenaustausches. wtb. Paris, 6. Dez. Die französische Außenhandelsstatistik, die den Außenhandel mit den einzelnen Ländern verzeichnet, weist den Wert der in den ersten zehn Monaten d. J. aus Deutschland nach Frankreich eingeführten Waren mit 6671387000 Franken auf gegenüber 5 357 470 000 Franken im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Deutschland steht somit als Einfuhrland nach Frankreich bei weitem an erster Stelle, gefolgt von Amerika mit rund 5 Milliarden und von Großbritannien mit rund 4½ Milliarden Franken. Die gleiche Statistik weist den Wert der in den ersten zehn Monaten d. J. von Frankreich nach Deutschland geWaren mit 2 592 000 000 Frank auf demonstration aufgerufen worden, in der Reichstagsabg. Dr. Breitscheid eine Ansprache hielt. Beide Umzüge verliefen ohne Störung. Um die Regierungsbildung in Danzig wtb. Danzig, 8. Dez.(Funkspruch.) Nationalsozialisten verhandelten am Sonntag mittag im Beisein des Reichstagsabg. Göring einzeln mit den Vertretern der Deutschnationalen, des Zentrums und des Blocks der Mitte über die Bildung einer Danziger Rechtsregierung. Die Nationalsozialisten scheinen sich einstweilen an der Regierung nicht beteiligen zu wollen; sie erklärten sich aber bereit, eine Regierung der Deutschnationalen, des Zentrums, des Blocks der Mitte und evtl. auch der gruppen zu unterstützen, wenn die Deutschnationalen den Präsidenten des Senats und den Innen=Senator stellen. Sie beanspruchen den Posten des ersten Präsidenten im Volkstag; den ersten Vizepräsidenten würde dann das Zentrum und den 2. Vizepräsidenten die Deutschnationalen stellen. Weitere Verhandlungen zwischen den Deutschnationalen und dem (Eig. Radiomeldung.) auf dem Nollendorsplatz ist agen, daß die einzelnen Polizeiabteilungen erst in den ersten Morgenstunden zurückgezogen werden konnten. Nach den bish.rigen Feststellungen sind im Laufe des Sonntagsabends insgesamt 10 Personen sistiert und der Abteilung 1 A des Polizeipräsidiums zugeführt worden. Der Großhandelsinder wtb. Berlin, 6. Dez. Die auf den Stichtag des 3. Dezember berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist mit 118,6 gegenüber der Vorwoche(119,5) um 0,8 v. H. gesunken. Die Indexziffern für die Hauptgruppen lauten: Agrarstofse 110,6(Rückgang 0,5 v. H.), Kolonialwaren 106,3(minus 0,7 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 111,1 (minus 1,4 v. H.), industrielle Fertigwaren 143,6 (minus 03 v. H.). 4#4 Im Monatsdurchschnitt Novemver stellte sich der Gesamtindex auf 120,1 gegenüber 120,2 im Vormonat. Die Indexziffern für die Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 112,0(gegen Vormonat plus 2,5 v. H.), Kolonialwaren 108 1 (plus 0,1 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 112,9(minus 1,1 v. H.), industrielle Fertigwagen 144,9(minus 1,4 v. H.). tch V. S. d. Oe,„#.#un###########: dem Zentrum, den Deutschnationalen und lieferten Wuten mnt 90502 229 u0d geun. au] Block der Mitte sind für heute abeno vereinbart. gegen 3 967 232000 Frank in den ersten zehn Es ist anzunehmen, daß es zu einer Einigung Monaten des Vorjahres. Eine Rede des Stahlhelmführers Seldte enb. Kottbus, 8. Dez.(Eig. Radiomeldung.) Aus Anlaß einer von der Bezirksgruppe bus des Stahlhelms am Sonntag veranstalteten öffentlichen Kundgebung, die von mehreren Tausend Mitgliedern aus dem Gau Lausitz besucht war, hielt Bundesführer Seldte=Magdeburg eine Ansprache, in der er u. a. ausführte. Der Stahlhelm ist von seiner Gründung an vol.iich gewesen und in seiner Entwicklung noch mehr politisch geworden. Aus der Frontsoldatenbewegung ist ein politischer Wille geworden. Nach Beendigung des Krieges wurde die Bewegung zum Selbstzweck erhoben und ausgebreitet, weil der Frontsoldat den Staat in Gefahr sah. Der Stahlhelm ist nicht auf den Krieg eingestellt, sondern kämpft für den Frieden. Er muß über gegen jede Regierung sein, für die nicht die Wehrhaftigkeit, die Ehre und der nationale Besitz die erste Bedingung der nationalen Staatsform ist. Daraus ergibt sich für den Stahlhelm der gemeinsame Kampf mit Hitler und Hugenberg. Es muß eine wahre Volksgemeinschaft angestrebt werden. Die Frontsoldatenbewegung mit dem Willen zur Macht, so schloß Seldte, muß und wird fiegen. 91425 Von der Sozialdemorratie, dem Reichsbanner war zu einer GegenStimmung in den Niederlanden mehr und mehr!# 20 für Deutschland verschlechtert haben. Man neige und den Gewerkschaften Dus Sierden in Maustal Bisher 70 Tote- Zahlreiches Vieh verendet- Giftgas soll nicht die ursache sein im Sinne des Vorschlages der Nationalsozialisten kommen wird. Barthou beauftragt wtb Paris, 6. Dez. Senator Louis Barthon hat den Auftrag, das neue Kabinett zu bilden, angenommen.„„.(saans Barthon hat den Journalisten folgende Erklärung abgegeben: Der Präsident der Republik hat mich nach der Ablehnung cares ersucht, den Auftrag zur Kabinettsbildung anzunehmen. Ich habe mich eine Stunde lang mit dem Präsidenten unterhalten und grundsatzlich den Auftrag angenommen. Aber überlieferungsgemäß muß ich zunächst Besprechungen vornehmen, die niemals notwendiger waren als heute. Ich werde jetzt mit den Präsidenten von Kammer und Senat Rücksprache nehmen und mich im Anschluß daran zu Poincaré und Tardieu begeben und schließlich mit Briand sprechen. Verzicht Barthous auf die Kabinettsbildung. wtb Paris, 8. Dez.(Funkspruch.) Barthou hat, wie Havas mitteilt, auf die Kabinettswib Paris, 7. Dez.(Eig, Rundj=Meldtung.) Louis Barthou hat sich kurz vor Mitternacht ins Elysee begeben, um dem Präsidenten der Republik mitzuteilen, daß er auf die Kabinettsbildung verzichten müsse. Nach fast dreivierteistündiger Unterredung mit dem Präsidenten Doumergue kehrte er wieder zum Quai d' Orsey zurück, um den dort noch immer versammelten Politikern über seine Besprechung mit dem Präsidenten der Republik zu berichten. wtb Lüttich, 6. Dez. Eine Kommission der Gesundheitsbehörde trat heute vormittag in Engis zusammen, um die Untersuchung über die Urjachen der geheimnisvollen Todesfälle in Engis und seiner Umgebung einzuleiten. Der Arzt der Ortschaft bestätigte mit allem Nachdruck, daß nur die ungewöhnliche ichtigkeit des Nebels die Todesfälle verursicht habe. Betroffen wurde etwa ein Dutzend der im Industrierevier von Serains gelegenen Gemeinden. Es wird versichert, daß die aus den Fabriken ausströmenden Gase und Rauchschwaden für die Todesfälle nicht in Frage kommen. Bisher sind 70 Todesfälle zu verzeichnen. wis London, 6. Bez. Der Bürgermeister von Engis(Belgien) teilte in einem Ferngespräch mit dem Daily Herald über die dortige GiftSchwerer Raubüberfall wp. Wesel, 6. Dez.(Tel.) Heute vormittag gegen 9.30 Uhr drangen zwei maskierte Männer durch das Schlafzimmerfenster in das Gehöft Kochshof ein und zwangen die mit Bettenmachen beschäftigte Besitzerin im Schlafzimmer zur Herausgabe der Geldkassette. Während einer der Diebe die Frau mit dem Revolver in Schach hielt, nahm der andere mit der Geldkassette die Flucht durch das Fenstern. Ihm folgte auch der zweite Dieb. Darauf nahmen sie auf Rädern, die von einer Frau bewacht waren, Als der Sohn der Besitzerin auf einem Fahrrad die Diebe verfolgen wollte, wurde er von diesen beschlossen. Sie entkamen unerkannt. Die Weseler Polizei hat mit Kraftwagen den Fahndungsdienst aufgenommen. gaskatastrophe mit, daß er selbst an den geheimnisvollen Vergiftungserscheinungen erkrankt sei. Er fuhr fort: Meine gesamte kleine Stadt von 3500 Einwohnern ist von Panik erfüllt. Niemand weiß, was die Ursache ist. Ich glaube nicht, daß die Theorie, daß Giftgas in der Nähe vergraben worden ist und die Luft verpestet, stichhaltig ist. Kein solches Giftgas wurde je in diesem Tale aufgespeichert und konnte auf jeden Fall nicht die Gegend auf 20 Meilen vergiften. Der Nebel ist geruch= und geschmacklos. et Gof G. Soin k. Ergänzend wird gemeider, vaß die Opfer fast ausschließlich Herzleidende und Asthmatiker sind. Medizinische Sachverständige sind nach wie vor der Ansicht, daß das Massensterben auf den seit einigen Tagen herrschenden dicken und feuchten Nebel zurückzuführen sei. „Im Westen nichts Neues“ Stundenlange Unruhen auf dem Nollendorsplatz. enb. Berlin, 8. Dez.(Eigene Radiomeldung.) Auf die Nachricht, daß Dr. Göbbels am Sonntag eine der Vorstellungen im Mozartsaal, wo der Film„Im Westen nichts neues“ aufgeführt wird, (bei der Erstaufführung am Samstag waren von Nationalsozialisten Stinkbomben geworfen und mehrere hundert weiße Mäuse im Saal ausgesetzt wurde, sodaß der Saal geräumt werden mußte) zu Informationszwecken besuchen würde, hatten sich am Sonntag in der 7. Abendstunde zahlreiche Trupps von Nationalsozialisten am Nollendorfplatz und in den strahlenförmig vom Nollendorfplatz ausgehenden Straßen versammelt. Während die drei Abendvorstellungen im Mozartsaal vollkommen ruhig verliefen, dank der polizeilichen Besetzung des Saales, kam es auf dem Platz selbst zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten, Polizei und den Menschen, die bei solchen Gelegenheiten nie Eine Familientragödie wtb Leipzig, 6. Dez. Der von seiner Frau geschiedene, aber in der gleichen Wohnung in der Braustraße lebende 53jährige Schriftsetzer Niemann hat heute seine Frau. durch mehrere Revolverschüsse schwer verletzt. Dann drang er in das Schlafzimmer ein und verletzte auch seine beiden minderjährigen Töchter durch mehrere Revolverschüsse schwer. Während Nachbarn die Polizei alarmierten, tötete sich Niemann durch einen Schuiß in den Mund. Die drei Schwerverletzten wurden ins Krankenhaus gebracht, wo die fünfzehnjährige Gertrud ihren schweren Verletzungen bald darauf erlag. Ueber das Motiv der Tat ist noch nichts Näheres bkannt. Schweres Autounglück wtb. Schwarzenbeck, 8. Dez.(Funkspruch.) Ai Sonntagvormittag stieß auf der Chaussee Bergedorf—Schwarzenbek—Dassendorf ein Hamburger Personenkraftwagen mit einem Postautobus zusammen. Eine in dem Personenkraftwagen mitfahrende ältere Dame wurde sofort getötet, wäh. rend ihr Mann einen Schädelbruch davontrug und eine weitere Insassin schwer verletzt wurde. Der Chauffeur des Wagens kam mit dem Schrecken davon. Der Autobus wurde nur leicht beschädigt; von seinen Insassen ist niemand verletzt. Verursacht wurde das Unglück durch den leichten Schneefall, durch den sich auf der nach den Seiten etwas abschüssigen Straße Glatteis gebildet hatte. Ehemaliger georgischer Diplomat in Paris ermordel wtb. Paris, 8. Dez.(Funkspruch.) Der Georgier Avalichvill, der der ehemaligen georgischen Gesandtschaft in Paris angehörte, wurde am Sonntag nachmittag um 3 Uhr auf dem Place d'Italie von dem 35jährigen Arbeiter Tschannkvadze Parmeny durch zwei Nevolverschüsse niedergestreckt und sofort getötet. Neues Erdbeben in Japan wtb. Osaka, 7. Dez. In den frühen Morgenstunden wurde gestern ein leichtes Erdbeben in Osaka, Kyoto und Kobe verspürt.en Das Epizentrum des Erdbebens lag in der Nähe von Osaka. Bisher sind keine Meldungen über Schäden eingelaufen. Sitzung und Erweiterungswahlen des Ausschusses der„Ortsgruppe für das Anst Westhofen“ im Heimatbund Iserlohn Stadt und Land In unserer Heimatprovinz Westsalen wird Westhosen, 4. Dezember 1930. Auf Einladung des Bürgermeisters Arndt, Westhosen, sand am gestrigen Tage in dem Gasthof„Zum Amtshaus“ eine Versammlung einer Reihe geladener Gäste aus den einzelnen Gemeinden des Amtes Westhofen unter Leitung des Obmannes, Fabrikant Adolf Ebeling, statt. Derselbe begrüßte die Erschienenen in kurzen Einleitungsworten und streifte mit einigen Sätzen Zweck und Ziele des„Westfälischen Heimatbundes“, welcher seinen Sitz in Münster, Warendorferstr. 25 hat. Darauf erteilte er den von der„Landschaft Märkisches Sauerland“ (Vorsitzender Rektor Esser, Hohenlimburg) erschienenen Vertreter, Herrn Kreisausschuß=Obersekretär Wienker, vom Landratsamte in Iserlohn, das Wort zu einem längeren Vortrage. Der Redner, welcher im Kreisheimatbund Iserlohn Stadt und Land dem Vorstande als Schriftführer angehört, führte etwa folgendes aus: Nachdem am 7. Oktober d. J. im Amtsbezirk Westhosen die Stadtgemeinde Westhosen bekeits ihrerseits unter meiner Mitwirkung den Ausschuß=Obmann bestellt hat, ist es erforderlich, daß aus allen Amtsgemeinden Herren, welche freudig und eifrig an der Pflege der Heimat auf den Gebieten, die ich nachher noch berühren werde, mitarbeiten wollen, berusen werden. In Westhofen ist dieser Ausschuß als selbständige Untergruppe des S. G. V. gegründet worden. Es ist anzunehmen, daß sich diese Kombination bewähren wird, da ja die Mitglieder des S. G. die durch den Heimatbund benannten Stätten alter Geschichte auf ihren Wanderungen nicht nur aufsuchen, sondern in ihren Berichten auch schildern und dadurch propagandistisch wirken. Aber auch dieses oder jenes verborgene historische Plätzchen oder Erinnerungszeichen verdankt sein Wiederfinden dem Wanderblick der S. G. V.er. Wenn ich auch annehme, daß Ihnen allen die gedanklichen Richtlinien des Heimatbundes durch die Presse und durch Sonderschriften in großen Zügen bekannt sind, so möchte ich dennoch diese, alierdings in mehr detaillierter Form, bekanntgeben. Treffende Worte für die Heimatkunde fand der Vorsitzende des Hauptausschusses für Volkskunde, der bekannte westfälische Schriftsteller Dr. h. c. Karl Wagenfeld, Münster, in seinem Werk:„Ausblick über die Heimatpflege". Sie lauten: Was an altem Wesen gut und für die Erhaltung des Deutschtums wichtig ist, das muß in die Zukunft hinübergerettet werden; was nicht lebens= und erhaltenswert ist, mag fallen, muß fallen und wird fallen. Das Gleiche gilt von der Offenbarung deutschen Wesens muß der deutsche Mensch Mittel= und Endpunkt deutschen Heimatschutzes, Heimatschutz muß Volkssache werden.“ In unserer Geimatpteru.g Erstsaten wird die Heimatpflege vom„Westfälischen Heimatbund“ geleitet. Dieser ist wieder sachlich und regional gegliedert. Daher finden wir in ihm 1. Hauptausschuß für Geschichte, Vors. Archivdirektor Dr. Glasmeier, Velen, 2. Hauptausschuß für Volkskunde, Vors. Schriftsteller Dr. h. c. Karl Wagenfeld, Münster, 3. Hauptausschuß für Denkmal=, Bau= u. Kunstpflege, Vors. Pros. Dr. Fuchs, Paderborn, 4. Hauptausschuß für Literatur, Vors. Studienrat Dr. Schulte, Ahlen, 5. Hauptausschuß für Naturdenkmalpflege, Vors. Museumsdir. Dr. Reichling, Münster. Die Gebietsaufteilung ist nach Landschaften vorgenommen und zwar im Ganzen in 9. Diese sind: Landschaftsgebiet Münster=Land, Landschaftsgebiet Minden=Ravensberg, Landschaftsgebiet Paderborner Land, Landschaftsgebiet Kölnisches Sauerland, Landschaftsgebiet Märkisches Sauerland, Landschaftsgebiet Siegerland, Landschaftsgebiet Industriegebiet, Landschaftsgebiet Vest Recklinghausen, Landschaftsgebiet Soest=Lippstadt. Wir gehören der Landschaft„Märkisches Sauerland“ zu. Diese zerfällt wieder in 5 Kreisheimatbünde: Iserlohn Stadt und Land, Hagen, Ennepe=Ruhr, Altena und Lüdenscheid. Der Kreisheimatbund Iserlohn Stadt und Land ist am 26. Januar 1923 mit 318 Mitgliedern gegründet. Heute sind weit über 2000 in einer großen Anzahl von Ortsgruppen, deren jüngste Westhofen ist, der guten Sache beigetreten. Aber nicht nur innerhalb der engeren Heimat allein hat der Westf. Heimatbund die Rekrutierung seiner Mitglieder gefunden, in Kreisen, Städten, Aemtern, Gemeinden, Körperschaften, Vereinen, Einzelpersonen etc., nein— weit über die Grenzen der roten Erde hinaus pflegen ihre Söhne die Liebe zur Heimat. So nenne ich den Westfalenbund in Berlin, Frankfurt a. M., Halle a. d. Saale, Wuppertal oder die Vereinigung der Rheinländer und Westfalen in Flensburg u. a. mehr. Wahrlich eine einzig schöne und lange aber auch starke Kette, die die Liebe zur Heimat da geschmiedet hat. So kommen wir nun auch zu der Frage nach den Aufgaben, welche alle diese Vereine sich nun gestellt haben. Da möchte ich ihnen ganz kurz sagen, unsere Arbeit gilt der Heimat und ihren Werten, denjenigen der Vergangenheit, aber auch denjenigen der Jetztzeit! Auch hier möchte ich mit Wagenfeld sprechen: Neben dem Naturschutz im alten Sinne(Schutz alter Naturdenkmäler, idyllischer Landschaften) wird die Erhaltung von Grün= und Waldflächen für Großstädte und Industrieplätze wichtig sein. Neben dem reinen Denlmalschutz wird die Baupflege zur Schaffung menschenwürdiger und städtebaulich einwandfreier Wohnungen immer größere Bedeutung bekommen. Volksbelehrung und kulturelle Volkserziehung werden neben rein literarischer Einwirkung und wissenschaftlicher Sammeltätigkeit in den Vordergrund treten. Das sind Aufgaben, deren Lösung für Deutschlands Zukunft wichtiger ist, als noch so pietätvolles Versenken in und Sorgen um die besonnte Vergangenheit. Am Alten wollen wir lernen, um für die Zukunft schaffen zu können. Der Redner ging dann ausführlich auf die Ausklärungs= und Werbearbeit ein. Er nannte Wanderungen durch Museen, Vorträge, Heimatartikel in der Presse, Spaziergänge nach Naturschönheiten usw. Durch Fühlungnahme mit der Schulaussicht und der Lehrerschaft soll der Gesamtunterricht mehr auf heimatlicher Grundlage aufgebaut werden. Ebenso soll eine engere Verbindung zwischen Heimatpflege und Jugendpflege hergestellt werden, damit auch die schulentlassene Jugend teilnimmt an dem Ausbau des Heimatgedankens. Männer der Schule, Kirche, Presse, öffentlichen Verwaltung, Vereinsvorstände, Verbände und Personen jeden Standes, sie alle müssen für die Heimat tun, was in ihren Kräften steht. Und auch an Sie, meine Herren, wende ich mich, um Sie alle, die Sie hier versammelt sind, zur Mitarbeit an dieser herrlichen Sache aufzurufen. Gleich nach der Eingemeindung haben wir unsere Fühler nach Schwerte und Westhofen zum Zwecke der Gründung von Ortsgruppen ausgestreckt. Nachdem Westhofen=Stadt bereits die Reihe der Mitarbeiter benannt hat, bat mich der Obmann, Herr Ebeling, nun die Ergänzung der Ortsgruppe„Amt Westhofen" durch Erweiterung des Ausschusses mit Mitgliedern der übrigen Amtsgemeinden vorzunehmen. Es ist selbstverständlich, daß man einer Einzelperson die mannigfachen Aufgaben der Heimatbewegung nicht zumuten kann und aus diesem Grunde werden eine Anzahl Mitarbeiter zur ordnungsmäßigen Durchführung der Aufgaben benötigt. Ich bin fest davon überzeugt, daß sich aus allen Gemeinden gern eine Anzahl Damen und Herren bereit finden werden, einen Teil ihrer Freizeit und Kraft in den Dienst der guten Sache zu stellen. Die Vorschläge bitte ich aus den Reihen ihrer Mitbürger aller Stände zu machen, aber dabei bitte ich zu berücksichtigen, daß nicht Namen uns nützen, sondern daß wir eifrige Mitarbeiter allein nur gebrauchen können. Die einstweilige Vorschlagsliste lautete: Westhofen: Obmann Ad. Ebeling, Metallgießereibes. Fr. Fritzenkötter, Bürgermeister Arndt, Bürodirektor Cremer, Rentmeister Weistenhöser, Oberinsp. Externbrink, Amtsbaumstr. Ebbinghaus, Landwirt Fr. Westerhoff, Gewerbeoberlehrer E. Haas, Postmstr. a. D. Böttcher, Hauptlehrer Giese, Lehrer Max Hillefeld und Max Liebscher, Hüttendirektor i. R. Cupey, Justizoberinsp. Paul Küper, Sparkasseninsp. Alfr. Westerhoff, Bäckermstr. H. Hövelmann, Fabrikdir. H. Schiermeyer, Bauunternehmer H. hage, Fabrikant F. Kogelheide, Eisenbahnobersekr. W. Schmalenberg, Eisenbahnoberinsp. Sollenbach, Postmeister F. Schulte, Apotheker P. Jehn, Dr. med. Straßen und Bachmann. Holzen: Gemeindevorst. F. Jakobs, Landwirt Schulte=Drüfel, Landwirt Ludw. Herbes, Lehrer Becker, Birkenfeld, Bücker und Käselitz. Wandhofen: Gemeindevorst. Klempt, Rittergutsbes. Graf v. Stosch, Gutsbes. Wilh. Schulte=Nehring, Frl. E. Breucker, Musiklehre= rin, Lehrer Wilh. Roloff und Anton Schmiese. Garenfeld: Landw. Moritz Soeding, Dr. phil. Herm. Hille, Lehrer, Lehrer Wilh. Vogt und H. Rehfeld. Villigst: Fabrikant W. Hidding, Rentmeister Max Niederstadt, Lehrer Baumann. Geisecke: Landwirt Heinr. Spaemann, Bahnhofsinsp. Ernst Pferdekämper, Lehrer Jos. Pingel. Lichtendorf: Landw. Fr. Hohenschwert sen., Lehrer Wilh. Wilms. Herr Wienker dankte für die beabsichtigte Mitarbeit der Genannten und wünschte der Ortsgruppe„Amt Westhofen“ einen vollen Erfolg. Er bat zum Schlusse den Obmann, Herrn Fabrikanten Ebeling, noch den Mitarbeitern die schriftliche Nachricht über ihre Zugehörigkeit zum Ausschuß zugehen zu lassen, dieselben aber auch gleichzeitig um eine schriftliche Erklärung über ihre künftige rege Mitwirkung zu bitten. Der Obmann sprach Herrn Wienker für seine Ausführungen und seine Mitarbeit an dem Gelingen der Sache namens aller Anwesenden den aufrichtigen Dank aus. Alsdann gab er noch bekannt, daß am Sonntag, den 14. Dezember 1930, nachm. um 4 Uhr in Iserlohn, Friedrich= straße 7(Westfälischer Hof), die Jahreshauptversammlung des Heimatbundes Iserlohn Stadt und Land stattfindet, wozu er alle einlud. Außer dem Jahresbericht, der Vorstandsergänzungswahl ständen auch mehrere sehr interessante Vorträge auf der Tagesordnung. Ferner soll über Ort und Zeit des Heimatsestes 1931 beraten werden. Nachdem noch einige wertvolle Anregungen besprochen waren, schloß der Obmann mit herzlichen Dankesworten an alle Erschienenen und dem Rufe:„Glück der Heimat“ die sehr “ i n t e r e s s a n t e, ä u ß e r s t a n r e g e n d e V e r s a m m l u n g. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Heute morgen 5¼ Uhr nahm der liebe Gott unsere herzensgute, nimmermüde Mlutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante geb. Bricke nach kurzem, schwerem Leiden, im Alter von 72 Jahren 3 Monaten, zu sich in sein stilles Reich. In tiefem Schmerz: Familie Friedrich Tiemann nebst Angehörigen. Schwerte, Dortmund, Schüren, den 7. Dezember 1930. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Dezember 1930, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause, Hörderstraße 100, aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. 4456 Ich empfehle mich zur Vornahme von Versteigerungen, Anfertigung von Gutachten über Grundstücke u. Gebäude pp., An- und VerkaufsVermittlung von Besitzungen, Ausarbeitung von Verträgen aller Art, Erteilung von Rat und Beistand in allen Rechtsangelegenheiten. Josef Kölling beeid. Auktionator und Taxator Rechtsbeistand Markt 3 Teleion 2506 Das vornehme Kleid, aleideste der Pulloner aus Gitterflausch schwarz und farbig, im Handarbeitsgeschäft 4445 L. Häberlein Statt Karten Kalender ior Bochnändlung Carl Braus Bekanntmachung Bei den am 3., 4. und 5. Dezember ds. Is. vollzogenen Ergänzungs= und Ersatzwahlen zur Industrie= und Handelskammer zu Dortmund wurden für eine sechsjährige Amtsdauer wiedergewählt die Herren:„Generaldirektor Berg= assessor a. D. Ernst van Bürck, Unna=Königsborn, Generaldirektor Bergassessor a. D. Erich Fickler, Dortmund=Derne, Generaldirektor Dr. Karl Reinhardt, Dortmund, Generaldirektor Dr. Dr. Friedrich Springorum, Dortmund, Fabrikbesitzer Richard Breitenbach, Unna, Generalkonsul Dr. Moritz Klönne, Dortmund, Hermann Berckemeyer, Dortmund, Bankdirektor Paul Tegeler, Dortmund, Bernhard Berens, Dortmund=Hörde, Julius Lazarus, Dortmund und Carl Mäns, Dortmund. Bei den Ersatzwahlen wurden gewählt für die gleiche Amtsdauer die Herren Bergwerksdirektor August Hochstrate, Herringen und Ziegeleibesitzer Erich Maiweg, Dortmund und bis„Ende 1932 die Herren Max Hopfengärtner, Dortmund und Wilhelm Bohe, Castrop=Rauxel 4. Einsprüche gegen die Wahl sind nach§ 15 des Gesetzes über die Industrie= und Handelskammern innerhalb zweier Wochen bei der unterzeichneten Kammer anzubringen. Dortmund, den 8. Dezember 1930. 4449 Die Industrie= und Handelskammer. Der erste Geschäftsführer Dr. tur. Martin. Die Verlobung ihrer Tochter Lotte mit Herrn Fritz Hansmann beehren sich anIeigen Aug. Bracht und Frau Alma geb. Kallerhoff Meine Verlobung mit Fräulein Lotte Bracht gebe ich hiermit bekannt. Fritz Hansmann Lemgo i. I. Schwerte im Dezember 1930 4451 RESOVAL-PIANOS von den hervorragendsten Musikprofessoren 4415 empfohlen. Kaufbedingungen sehr günstig. CARL SCHMITT, MofplanaFabeftke. Gebr. Planos in allen Preislagen steis vorrätig. HAGEN I. W. eicn Frauenhilfe Schwerterheide versammeln sich Mittwoch. 15¾ Uhr, zur Teilnahme an der Beerdigung des Mitgliedes Frau Tiemann bei Schäfer. 4453 Der Vorstand. Ladenlokal Hauptstraße, worin bisher ein gutgehendes Friseurgeschäft war, mit Wohnung per sofort zu vermieten. 4429 Ecke Hörder= u. Hohenzollernstraße. W. Plate. AM M M a aehähte Lichtspiele zur Reichskrone Meute unsen Jotrten dante der mit großem Beifall aufgenommene Film * Der blaue Engel Ein Ulfa-Toalilm in 12 Akten, nach dem Roman „Prosenor Unrath“, von Heiorich Mann. Emill Jannings und Mariene Dietrich in den Hauptrollen. Ogberdem ges gute Gelgrogranaes Erwerbelose heute halbe Preise. 4451 Autlihhematilhhenmtlishmmmstiähunne! Lest Bücher! Wissen ist Macht! Besichtigt die Buchhandl. C. Braus, Bahnhofstr.! K & In diesem Hause mit seinen 60 Spezial-Abteilungen kaufen Sie bei gr zu verbilligten und niedrigsten Tagespreisen! ößter Auswahl## Tischwäsche Damast-Tischtücher 2.75 Halbl. Jacqu.-Tischtüch. 3 75 125/160 cm.“.. Stück 9.10 Damast-Tischtücher m. Hohlsaum, vollgebl., 126 160 cm Rein Leinen-Damast-Jischtücher vollgebleicht, 130 160 cm Stück Kunstseidene-Decken weiß mit Goldrand, 125 160 cm, St. Künstler-Druckdecken indanthren, 130 160 cm, Stück 5.90 Kunstseid.-Teegedeck 130 169 cm, sehr eleg., m. 6 Serv. 5.90 6.75 4.20 4.90 9.30 Küchenwäsche Wischfücher rot kariert, ge— gesäumt und geb., 50.50 cm, Stck. Halblein.-Wischtücher festes Gewebe, 55 55 cm, gesäumt— und gebändert... Stck, Rein Leinen-Wischtüch. erprobtes Fabrikat, 55 55 cm, ge— säumt und gebändert" Stck. Gerstenkorn-Handtüch. vollgebleicht, 45/100 cm, ges. u. geb. Stück Halbleinen-Drell-Handtücher— solides Erzeugnis, 48 100 cm, Stck. Halbl. Jacquard-Handtücher hervorrag. Qual., 48 100 cm, ges. u. geb., Stck. Frottier-Handtücher weiche Ware, 40 100 cm... Stck Frottier-Handtücher gutes Fabrikat, 45·100 cm Stck. Bettwäsche *.20 —.40 —.90 —.90 —.00 .95 —.45 —.10 Strümpfe Damenstrümpfe reine Wolle. Doppelsohle und Hochferse Damenstrümpfe reine Wolle, Kaschmir, feinfäd. Qualit. Damenstrümpfe Wolle mit künstl. Seide plattiert Damenstrümpfe„Asta“ Bemberg, künstliche Waschseide, „Goldstemp.“ 2.95,„Silberstemp.“ Stricksocken reine Wolle, kräftige Qualität, grau u. schwarz Trikotagen Damen-Fulterchliger innen gerauht........ Damen-Futterschlüpfer mit kunstseidener Decke... Damen-Prinzeßröcke mit kunstseidener Decke.... Herren-Garnituren in schönen Pastellfarben..... Kinderschlüpfer mit kunstseidener Decke Strickwaren Herren-Pullover ohne Kragen, gemustert..... Damenwesten mit Kragen und Gürtel Damenwestenr. Wolle, einfarbig mit Kragen und Gürtel Damen-Pullover in hübscher Ausführung, reine Wolle Herren-Pullover mit Kragen in mod. Farben gemust. 1.95 2.50 1.30 2.45 —.95 1.75 3.00 1.00 6.90 7.90 11.50 16.50 10.30 Kissenbezüge aus Cretonne 1 10 mit Glauzgarnbogen Stck. 1.45 1.10 Paradekissen 4seit. Feston- 9 00 spitze u. Durchsatz Stck. 3.60 2.00 Paradekissen entzückende 4 75 dseitige Festongarnitur, Stck. 5.50 f. 10 Cretonne-Bettbezüge gute westt. Qual. 160 200 cm Mk. A 114 6.50, 5.25, 130 200 cm Stck. 5.25 4.UU Haustuch-Bettücher 9 75 lest. Gewebe. 150 225 cm, Stck. 3.500 Z. 10 Damast-Bettbezüge hübsches Blumenmuster 130 200 cm A 50 Mk. 8.00, gestreift 130 290 cm 2.00 Bett-Garnitur mit Hohls. u. Stickerei, Kissenbezug 80 80 cm 2% Ueberschlagiaken 150/259 cm 1•20 Bett-Garnitur mit handgezogenem Hohlsaum und Stickerei,* Kissenber. 3080 cm Ueberschlagt. 150 290 cm 9•4 Bett-Garnitur mit Klöppelspitze garniert, Kissenpl. 80 80 cm Plumeauplatte 130/130 8.75 U.6 Handschuhe Damen-Handschuhe Trikot, farbig.........40 Damen-Handschune 1 75 „Rundstuhl“ farbig und schwarz. 1.10 Damen-Handschuhe 2.2 Wildieder imit., Stepper... Herren-Handschuhe 175 Wolle gestrickt........ 1.10 Kinder-Handschuhe Wolle gestrichkt. Cröße 5-7-.75" 6I Größe 1—4-.00 Toilette-Artikel Kristall-Toilette-Garnituren g# mit modernem farbigen Schliff, 2% M0 65.= 42.50 36.50 28.50 EL:UU Kristall-Zerstäuber mit Steh- und Hängeball 18.75 6.75 2.90 2.25 Bürstengarnituren in Cellulold, Emaille u. Neusilber G8.= 38.30 10.75 5.= Seidenstoffe Reins. Crepe de Chine ca. 98 cm breit, unsere bekannt schönen Qualität. in vielen Farben ..:." Meter 6.90 5.90 4.75 Bedr. Crepe Marocaine doppelt breit, schöne griffige Ware für prakt. Kleider Meter 4.50 3.00 Steppfutter ca. 80 cm breit, sehr schöne Qualitäten u. Dessins Meter 3.50 2.60 Flamengo-Pontille ca. 90 cm breit, der Modestoff für Nachmittagskleider, entzückende Effekte..... Meter 7.50 6.80 Kunsts. Crepe Maroc ca. 98 cm breit, in modischem Farbsortiment.... Meter 4.50 Bedr. Crepe Maroc„ ca. 98 cm brt., feine dezente Muster k.felche Nachmittagskl. Mtr. 8.50 6.90 Reinseid. Crepe Maroc„ ca. 98 cm breit, vorzügl. Qualität. H. 9 für eleg. Kleider Meter 9.50 7.90 O. JU Bedruckt Crepe de Chine u. SeidenChiffon, hochwertige Qualitäten. K 15 wunderv. Musterg. Mtr. 10.50 9.80 U. 1 0 Velour, Jacquard-Velour Chiton imprime„orehme9 1.75 1.75 1.95 3.00 6.30 für Gesellschaftskleider, vornehme Muster...... Meter 15.80 Bedruckt Waschsamt ca. 70 cm breit, für Damen- und Kinderkleider und Morgenröcke in 10 groß. Auswahl, kleine mod. Dessins J 11 ....... Meter 2.25 1.30 1.20 Kleiderstoffe Iweed ca. 70 cm breit neue Muster.. Meter 1.45 1.25 Halbw. Hauskleiderst. ca. 85 cm brt., in guten Qualitäten .. Meter 2.25 1.95 Tweed und Flamengo ca. 70 cm breit, relz. Neuheiten ........ Meter 2.90 2.75 Popeline, Unsere Höchstistg“, ca. 100 cm breit, reinwollene, gezwirnte Kleiderware... Meter Crepe Caid Schattenkaro, ca. 100 cm breit, reine Wolle, in vielen Farben..... Meter Woll-Crepe de Chine „Unerreicht“, ca. 100 cm breit, hervorragende, reinwollene Spezialgyalicht........ Meter Tweed u. Flamengo ca. 95 cm breit, eleg. Neuheiten . M e t e r 4. 9 0 4. 3 0 Crepe Caid Noppé cn. 95 cm breit, rein Wolle, neuart. Stoffart für eleg. Kleider, Mtr .75 1.45 2.25 6.00 3.90 3.90 4.50 Herrenartikel Oberhemden mit unter-" a0 fütterter Brust und Kragen, ele- J.3 gant gemustert...... 4.90 Popeline-Oberhemden hervorragende Qualitäten mit Kragen und Ersatzmanschetten. V.6 Binder elegante Streifen und abgesetzte Figuren,.95-.75• Binder schwere Qualitäten in aparten Modefarben,.. 2.50 1.95 1.00 Herrenhüte moderne Farb- 2 00 töne, elegante Formen. 4.90 0. 00 Taschentücher Herren-LinonTaschentücher m. Hohlsaum m%5 solide Qualität,. Stück.20 Damen-Taschentücher 45 ringsherum bestickt, Stück Damen-HohlsaumTaschentücher m. bestickt. 50 Ecke,.... 8 Stück im Karton.00 Farbige BatistTaschentücher mit hübscher— 85 Ecke,.... 8 Stück im Karton-.00 Damen-BuchstabenTaschentücher m. Hohlsaum 9 10) ertra groß,..6 Stück im Karton 2.10 Schürzen Servierschürzen aus Linon— mit Festoneinsatz...... 1.50.30 Jumperschürzen 98 aus Siamosen oder hübschen. 1 75 Trachtenstoflen,..... 1.5 1.20 Jumperschürzen a. buntem 1 75 Satin in den schönsten Dessins. 1.10. umperschürzen aus ein- nx farbigem Siamosen mit hübschen 1 ½5 Blenden....... Jumperschürzen weis, aus 9 50 gutem Linon mit Pestoneinsatz E.00 Modewaren Crepe de Chine-Schals 5.%5 in leinen Farben........ Vierecktücher 4.90 bedruckt, schöne Muster 5.75 Cachenez„anstau, 1% weiß, gemusterte, Kunstselde 3.25 1.50 Spitzenschals 3.25 schwarz, gute Qualität.... 6.25 Abendtücher aus Crepe de Chine, rundum handgeknüpfte Franse..... Damenwäsche Damen-Achselhemden vorne mit Stickerei....... Damen-Trägerhemden aus fein. Hemdenf., vorn m. Stick.Mot., ringsher. m. echt. Klöppelsp. Damen-Achselhemden aus kräftigem Hemdentuch, an 3 Seiten breite Stickerei..... Frauen-Biberhemden Vorderschluß, mit Barmerbogen Damen-Nachthemden mit langem Arm, aus feinem Hemdentuch, mit gestickter Weste und farbigem Bubikragen... Damen-Nachthemden mit Stickerei-Motiv, Hohlsaumgarnierung u. Klöppelsp., Schlupfform Damen-Nachtjacken aus gut.Blb., Krag. u. Arm m. Stick. Damen-Schlafanzüge aus farbigem Batist mit langem Arm mit buntgeblümtem Besatz 0.75 1.50 1.75 2.00 3.50 1.75 2.00 Schuhwaren Damen-Spangenschuhe schwarz Nubuk mn. Hermelin-1% 51 Schlange u. Garnitur u. Abs.-LXV. Herren-Halbschuhe#0 Lackleder u. braun Boxcalt, Ori- 101 D0 ginal Goodyear-Welt Gummi-Ueberschuhe schwedisches Qualitäts- Fabrikat,"#n in beige und grau Ganzgummi, 6 00 mit verdecktem Reißverschluß 7.90 U. 30 Kinderstiefel schw. genarbt# go Fettrindl. m. Doppelsohle, Gr. 27.30 K 00 Mk. 6.50, Gr. 3135 U. 30 Kamelhaarstoff-Umschlagschuhe mollige Qus-## lität mit Filz- und Ledersohle, 1 U5 Gr. 36/42 2.25 1.90 KamelhaarstoffLaschenschuhe gute Ware 2%5 m. Fllz- u. Ledersohle, Gr. 42/46 2. 45 E.Lo Kamelhaarstoff-Schnallenstiefel warme Qualität mit„ E schwarzer Lederspitte u.-Kappe, Gr. 25 25 Mk. 1.65, Gr. 20/24 nk. 1.10 Handtaschen Besuchstaschen aus Sattian- 9 bastleder mit Reißverschlus... 9.10 Besuchstaschen aus echlem g ag Saflianieder in verschied. Aus-J. 2 führungen 5.90 Besuchstaschen aus echtem K 00 Safflanieder und Verzierung. 7.90 0.90 Beuteltaschen aus echtem„ Saffianieder, mit Reißverschlus u. 9 50 Doppelgrilt Beuteltaschen aus echtem Saffianieder m. bezogenem Bügel 1# /9 und gutem Verschluß 10.60 Beuteltaschen aus echt. Saftianieder mit Reis- 14 verschluß und Doppelgrift... Nr. 286(Zweites Blatt) „Schaberter=Heilunp Montag, 8. Dezember 1930 Die Purker=Trrfometse Die verhängnisvolle Spekulation des Oustrie=Konzerns Von Georges Bonnet, ehem. französischen Finanzminister. So weit ich sehe, haben die Vorgänge an der Pariser Börse, die so große Beunruhigung erregten, mit den Kursstürzen in New York und Nom nichts zu tun. Das ameritanische Wirtschaftsleben leidet aus verschiedenen Ursachen, wie der starken Preisrückgang für Rohstoffe, einer übertriebenen Steigerung der Gestehungskosten und der gefährlichen Zunahme des Abzahlungsgeschäftes. Nichts dergleichen finden wir bislang in Frankreich. Allerdings sind die Kurse im letzten Jahre entschieden gefallen, aber doch nur, weil in diesen schlechten Zeiten die Aktienbesitzer mit den ungewöhnlich niedrigen Dividenden nicht auskommen können. Wir dürfen nicht vergessen, diß schon von dem allgemeinen Kursrückgang die besten Kohlen= und Industrieaktien kaum ein Prozent zahlten gegenüber fünf Prozent jeder Schuldverschreibung. Unter diesen Verhältnisse stießen die Kleinkapitalisten ihre Aktien ab und kauften dafür Obligationen. Für viele unter jenen ist es eine Frage von Leben und Tod, ob sie am Ende des Jahres einige Hundertfranknoten erübrigt haben. Daraus erklärt sich alles andere. Der gegenwärtige Kursrückgang, der ganz ungerechtfertigerweise unsern Kredit im Auslande geschädigt hat, ist ein durchaus lokaler und vorübergehender Zwischenfall. Er kann in keiner Weise mit dem Aktienrückgang oder der Wirtschaftskrise in Amerika in Zusammenhang gebracht werden, denn er hat nur eine Ursache: den katastrophalen Zusammenbruch der Bank und des Konzerns des Herrn Oustric. Vor dem Kriege war Qustric Bankangestellter. 1919 gründete er eine Bank mit einem Kapital von einer Million Franken. Bis 1926 machte er nur Geschäfte mittleren Umfangs. Dann indessen vermehrte sich sein Kapital mehrere Male und brachte es 1929 auf 100 Millionen Franken. Die Qustric=Bank erwarb die Mehrzahl— in einigen Fällen auch die Gesamtheit— der Aktien von Unternehmungen verschiedenster Art. Um alle diese Papiere verdauen zu können, übertrug die Bank sie den von ihr selbst gegründeten Holdinggesellschaften und brachte sie an der Börse zu Kursen unter, die sie— und hierauf kommt es wesentlich an if die ihr passende Höhe trieb, da sie ja alle Aktien selbst in Händen hatte. Die Oustrie=Konzerne begannen bald zu wanken. Vergleichen wir die Ausgabekurse mit den heutigen, oder das in den Konzernen angelegte Kapital mit dem, was davon übrig geblieben ist, so sehen wir, daß der allein den Aktienbesitzern der Oustric=Papiere eiwachsene Schaden sich auf von 240 Millionen Mark beläuft. Die von Qustric angewandten Geschäftsmethoden waren seit langem bekannt. In der Presse konnte man lesen, die beim ersten Windstoß zusammenstürzen mußten, daß es verschiedenen von ihnen an gesunden Grundlagen fehlte und sie nur Spekulationsprodukte seien. Die ganze Geschäftswelt war hierüber unterrichtet, nur die Bank von Frankreich nicht, die Oustric noch einen Monat vor seinem Zusammenbruch unterstützte. Die Statuten der Bank von Frankreich verbieten ihr, andere als Handelswechsel zu diskontieren. Sie darf Geld nur gegen besondere, genau festgelegte Sicherheiten vorschießen. Bei ihr besteht auch ein Verzeichnis über alle handelsgerichtlich eingetragenen Unternehmer und Geschäftsleute. Wenn einer von diesen auch nur ein einziges Mal im Laufe seines Geschästsbetriebes seine Unterschrift zu Protest gehen läßt, so würde das für die Bank von Frankreich genügen, selbst kleine Wechsel von ihm nicht mehr zu diskontieren. Und doch nahm die Bank von Oustric Wechsel bis zum Betrage von 141 Millionen Franken an. Andererseits muß zugegeben werden, daß die Regierung in noch höherem Maße als die Bank von Frankreich es an Voraussicht fehlen ließ. Die Beziehungen zwischen Finanzminister und Börse vollziehen sich nämlich auf folgender Grundlage: Einige Papiere werden im Parkett der Börse von amtlichen Maklern gehandelt, die von der Regierung zugelassen sein müssen. Die Geschäfte in anderen Papieren wieder erfolgen durch die sogenannten Koulissiers, die von ihrer Berufsvertretung, der charbre syndicale, ernannt werden. An der Spitze der Makler steht ihr Syndikus, an der Koulissiers ihr Präsident; beide Persönlichkeiten befinden sich in ständiger Verbindung mit dem Finanzminister, unter dessen Aufsicht sie auch stehen. Sobald ein neues Papier an der Börse eingeführt werden soll, mag es sich um ein französisches oder ausländisches, für den Kassa= oder den Terminmarkt handeln, so muß der Finanzminister zu Rate gezogen werden. Dieser hätte den Präsidenten der Kulisse zu sich bitten zu lassen— was auch in früheren Fllen schon geschehen ist—, seine Ausmerksamkeit auf die Fähigkeit Oustries lenken und ihn ersuchen können, ihr Einhalt zu gebieten. Dies ist nicht geschehen. Vierzehn Tage vor dem Zusammenbruch der Oustrix=Bank, nachdem auf der Börse die Lage seiner Gruppe bekannt war und deren Aktien schon erheblich gefallen waren, wies der Justizminister auf Ersuchen des Finanzministers die Justizbehörden an, eine Untersuchung einzuleiten. Deren Zweck sollte sein herauszufinden, wer den Geldmarkt in Unruhe versetzt habe. Alle Papiere waren seit zehn Monaten im Fallen, ohne daß die verantwortlichen Stellen sich zum Eingreifen veranlaßt gesehen hätten; aber als Qustrics Papiere zum ersten Male sanken, wurde die Maschinerie der Staatsanwaltschaft in Bewegung gesetzt. Hierin lag Oustries größter Erfolg, größer als jener, wo er 140 Millionen Frank von der Bank von Frankreich erhielt oder der andere, als er, sechs Wochen vor dem Krach, noch 500000, Aktien einer seiner Holdinggesellschaften, der Holfra, an der Börse einführen konnte, ohne daß der Finanzminister den geringen Einwand erhoben hätte. Der Zusammenbruch dieser Bank nun führte zu der Finauz= und Handelskrise, für die an sich in Frankreich gar keine Veraulassung bestand. Alle die unglückseligen Ereignisse, die seitdem eingetreten sind, wie der Sturm auf die Banken, die Vermehrung des Notenumlaufs um zwei Milliarden Franken mit der damit verbundenen Steigerung der Lebenshaltungskosten, die Erhöhung der Zinssätze für Schatzanleihen usw. sind nur auf die Spekulationen eines einzigen Mannes zurückzuführen. Der Finanzminister hat die ihm auf Grund der Gesetze und Bestimmungen zustehenden Machtvollkommenheiten nicht benutzt, um die Einführung der Holfra=Aktien zu verhindern. Er griff nicht rechtzeitig ein, um die Banque Adam an der Zahlungseinstellung zu hindern. Er ist auch dem Beispiel Rouviers nicht gefolgt, der 1889 seinen Einfluß rechtzeitig in die Waagschale warf und den Comtoir d’Escompte an der Schließung seiner Schalter hinderte. Zusammenfassend möchte ich sagen: Die gegenwärtige Krise ist die Folge eines lokalen, durch den Zusammenbruch eines Spekulanten verursachten Zwischenfalls; aber Qustries Lage kannte die Börse seit langem; hätte der Finanzminister die Maßnahmen ergriffen, zu denen ihn die Bestimmungen berechtigten, so hätte jener keinen Schaden anrichten können. Aus diesem Grunde hat die Opposition die Regierung scharf angegriffen und gefordert, daß Schritte getan würden, um die Folgen der Krise einzudämmen und das Vertrauen wieder herzustellen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß solche Schritte unternommen werden. In der Welt hat man daher keine Ursache zur Beunruhigung, denn es handelt sich, wie gesagt, um einen auf lokalen Gründen beruhenden Zwischenfall, der weder einen allgemeinen Zusammenbruch an der Pariser Börse noch ernsthafte Störungen im Wirtschaftsleben Frankreichs zur Folge haben dürfte. Jägers Pflicht und Freud im Jul. Schwerte, den 8. Dezember 1930. Der Rabe streicht mit lautem Krächzen Dem Holze zu, die Erde weit Liegt eingehüllet in ein großes Von Gott gegeb'nes Leichenkleid. Carl Deiker. * Das ist die Signatur des Jul, des Dezembers, sollte es wenigstens sein. Nicht überall sieht es in diesen Tagen in der Natur so aus, wie sie Deiker im Dezember malt, und man weiß nicht, ob sich der Jäger darüber ärgern oder freuen soll. Jedenfalls hat er den sehnlichsten Wunsch, keine Neuauflage des Winters 1928=29 zu erleben, der vom Wild Helatomben von Opfern gefordert hat. Aber auch das Jahr 1930 mit seinem regenschwangeren Herbst, der unendlich weite Strecken unseres deutschen Vaterlandes unter Wasser gesetzt hat, hat den Wildbeständen unabsehbaren Schaden zugefügt, der zahlenmäßig zwar noch nicht erfaßt ist, der aber viel von dem wieder vernichtet hat, was die preußische Verordnung zum Schutze der Tier= und Pflanzenwelt vom Dezember 1930 und die Verordnungen in anderen Ländern aufgebaut hatten. Darum haben auch manche, denen das bittere Los der neuen Zeit nur noch die Möglichkeit gelassen hat, hin und wieder als Gastschützen und Treibjagden zu erscheinen, selbst hierauf verzichten müssen. Das Hochwasser verbot eben mancherorts das Treiben, oder der Jagdherr wollte seinem Revier einen Aderlaß nicht zumuten. Für den Dezember sieht es darum mit den Treibjagden eben auch nicht gar rosig aus. Dafür gibt es aber noch Abschußgelegenheit auf Rot= und Dammwild. Wo Hirsche geschossen werden dürfen, beschränkt man sich auf die Erlegung von Kümmerern und Schadhirschen, die weg müssen. Am besten ist es jedoch, wenn im Hochwildrevier völlige Ruhe herrscht. Dafür kann man jetzt nach Herzenslust unserem urigem Wild, dem Schwarzwild, auf die Schwarte rükken, das jetzt rauscht und beim Treiben, auf Anstand und Pirsch abgeschossen wird. Der Balg der Füchse, Marder und Iltisse steht in hohem Wert. Wer Eisen stellt, darf kein Langschläfer und„fauler Kopf“ sein. Früh morgens, ehe der Tag graut, und abends spät, sind die Fangplätze zu revidieren, denn dem Jäger ist es nicht erlaubt, zu quälen, was der Herrgoit erschaffen hat. Am eisfreien Bachlauf und an den warmen Stellen solcher Rinnsale liegen, wenn der Dezember reichlich Frost bringt, gern die Enten auf die zu jagen auch in dieser Jahreszeit viel Freude macht, wenn es auch keine großen Strecken mehr gibt. Man sieht, auch der letzte Monat des Jahres bringt noch trotz der„schlechten Zeiten“ und der kurzen Tage reichlich Gelegenheit, draußen eine Weidfreude zu erleben. Vor allem aber bringt er die Verpflichtung, nach dem Rechten zu sehen. Gute Fütterung müssen für das Schalenwild vorhanden sein, und man wählt die Oertlichkeit hierfür praktischerweise so, daß die Anlagen im reineren, windgeschützten Hochwald liegen, nicht zu weit von den Wildeinständen entfernt. Das Federwild, das im schneereichen Winter große Not leidet, muß gut gefüttert werden, damit die Ausfälle nicht zu stark werden. Kurz, jeder Jäger, der sein Wild liebt, beachtet die Mahnung Richard Eiselts: Laß dich also nicht erst bitten, Sondern häufe tunlichst bald Futtergarben auf den Schlitten Und verteile sie im Wald! Nur, wer sich im Dezember seines Wildes annimmt, hat das Recht, als Jäger ein recht frohes Weihnachtsfest zu feiern, das ich allen Brüdern in Huberto herzlichst wünsche. Gedenktage. 8. Dezember: 1815 Der Maler Adolf von Menzel in Breslau geboren(gestorben 1905).— 1832 Der norwegische Dichter Björnstjerne Björnson in Kwikne geboren(gestorben Der Ring der Bajadere Roman von Friedrich Lange Copyricht by Martin lieuchtwanger, Halle(Saale) 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Etwas hastig, etwas nervös bediente ihre Hand den Selbstanschlußapparat. Frau Stein haite die Nummer des Bankdirektors Hagen von der Kreditbank gewählt. Fred war zur gewohnten Stunde ins Büro gefahren. Eine Störung hatte Jutta nun nicht mehr zu befürchten. Der Direktor meldete sich, begrüßte Frau Stein durch den Draht fehr förmlich. Wie- ob Herr Stein gestern abend zeitig aufgebrochen sei? Der Bankier verneinte. Er habe den Herrn Gemahl weder gestern noch in den letzten Tagen gesehen oder gesprochen. Nicht einmal telephonisch. Jutta erbleichte. Ihr begannen die Knie zu zittern. Sie mußte sich gegen den Schreibtisch lehnen. „So!“ Schönen Dank, Herr Direktor! Wahrscheinlich liegt ein Mißverständnis vor. Auf Wiederhören!“ Während sie den Hörer auflegte, stellte sie fest, daß es zuweilen recht schwer sein konnte, nur ein paar konventionelle Phrasen zu sagen. Nun wucherte der Verdacht wie eine tropische Giftblüte empor. Ja, welcher Verdacht? Die schlanke, blasse Frau strich sich mit einer müden Handbewegung über die Stirn. Vorläufig tappte sie noch im Dunkeln. Bewiesen war noch gar nichts. Aber schon die Tatsache, daß Fred nicht nach Hagen gefahren war, wirkte belastend! Weshalb hatte er gelogen? Sie erinnerte sich plötzlich sehr deutlich, wie er gestern bei Lampert in den Saal zurückkehrte und gleich danach aufbrach. Da flammte schon die nächste Frage auf: Wo hatte Fred den Abend verbracht? „Mia...“ Wie ein Menetekel sah Frau Jutta diesen Namen aus dem Nichts leuchten und einen Brand in ihre bisher so harmonische Ehe werfen. Was war das für eine Frau, die Fred bis in seine Träume hinein verfolgte? Sie sah die Damen der Gesellschaft, ihrer Bekanntschaft, blitzschnell und doch sehr kritisch an sich vorübergleiten. Aber da gab es keine einzige, die Maria oder Mia hieß! Und— so solgerte Jutta weiter— ein Mann spricht den Namen einer Frau im Traum nur dann hörbar aus, wenn er sich eingehend mit dem genaunten Geschöpft beschäftigte. Oh, diese Eifersucht! Wie sie am Herzen fraß! Wie sie den Mut am Leben untergrub! Und vor allem: diese lähmende Ungewißheit konnte zermürben! Wenn man sich angegriffen fühlt und nicht weiß, wo der Feind zu suchen ist. Mitten in ihrem Gedankengang hinein kam Frau Jutta eine rettende Idee. Schon zuckten ihre Finger wieder zum Fernsprecher hin, da verwarf sie diesen Entschluß. Leicht mit dem Absatz aufstoßend, trumpfte die Erregte auf: „Nein, mit Felix, Buchner darf ich nicht drahtlich sprechen! Dent will ich persönlich gegenüberstehen. Dann soll er nicht kneifen. Er wird wissen, wo Fred gestern abend war. Und er muß mir die Wahrheit sagen!“ Allen Willen zusammenraffend, setzte sie leise hinzu:„Ich werde ihn zwingen.“ Während Eva, ihre Schwester, Kartengrüße an Eltern und Bekannte schrieb, fuhr Jutta in ihrem eigenen Kabriolett hinaus nach Westend zu Buchner. Buchner war nicht zu Hause. Er sei hinaus ins Gestüt oder in den Tattersall, meldete der Diener. Ganz genau konnte er es nicht sagen. Frau Stein hielt sich nicht lange mit Ueberlegungen auf, saß schon wieder am Steuer ihres Wagens. Sie war im Verlaufe der Fahrt bedeutend ruhiger geworden. Nur keine Aufregung! Die konnte ihrer Sache nur schaden. Und außerdem brauchte Eva nichts von der Angelegenheit zu merken. Die Eltern sollten vorläufig nichts wissen. Es hatte keinen Zweck, daß sie sich beunruhigten; denn helfen konnten sie einmal nicht. Draußen im Grünbach, vor dem langgestreckten Stall, an den sich die Wiesen und Koppeln anschlossen, traf Jutta Felix Buchner im Gespräch mit seinem Trainer. Als er den unverhofften Besuch sah, kam er sofort auf Jutta zu. „'n Morjen gnädige Frau!“ rief er laut. Und lebhaft fragend:„Womit kann ich dienen, verehrte Frau Stein?“ Sie kannten sich seit langem von gemeinsamen Theaterbesuchen und Gesellschaftsabenden. Nun, am Ziel, verließ die junge Frau doch wieder für Sekunden der Mut zum Handeln. Sollte sie den fremden Menschen, den sie eigentlich nie besonders leiden mochte, in eine immerhin delikate Angelegenheit einweihen? Weil sie schwieg, sichtlich nach Worten rang, vielleicht auch aus ihrem gequälten Gesichtsausdruck, schloß der in Pferden und Frauen erfahrene Buchner sofort auf eine private Sache, die irgendwie mit Manfred Stein zusammenhing. „Ich wollte Sie fragen, Herr Buchner—“ Sie schüttelte in nervöser Hast den Kopf, daß die dunklen Locken unter dem kleinen Hut tief auf ihre weiße Stirn fielen.„Nein— so nicht — Sie sollen mir sagen, wo mein Mann gestern abend war.“ Sie hatte viel Nachdruck in ihre Worte gelegt und sah nun erwartungsvoll zu Buchner auf. Der Rennstallbesitzer sah ein, daß hier nicht viel für den Freund zu retten war, wenn er sich nicht die Freundschaft der schönen Frau, die er schon immer verehrte, verscherzen wollte. Im langsamen Dahinschreiten gestand er ein: „Wir hatten uns für neun Uhr zu einem Spielchen in den Räumen der Frau Berger verabredet. Sie dürfen mit Fred deshalb nicht zu scharf ins Gericht gehen, verehrte Frau Stein; denn die Schuld, soweit es eine ist, liegt in diesem Falle bei mir. Ich hatte ihn angerufen und eingeladen.“ Er sprach in schlichten, warmen Worten, und Jutta fühlte, daß er nicht log. Als sie nicht sogleich auf seine Enthüllung reagierte, fügte er beschwichtigend hinzu:„Es ist wahr, Fred hatte in letzter Zeit eine Pechsträhne. Aber das Blatt wendet sich oft sehr rasch. Man muß da ein wenig Geduld haben.“ Die Brünette war erblaßt. Sie folgerte mit der überwachen Logik der beleidigten Frau: Aha, deswegen mahnte ihr Gatte sie, recht sparsam zu sein. Sie mußte zurückstehen und sich einschränken, weil Fred das Geld verspielte. Wenn damit auch die mysteriöse Existenz dieser „Mia“, von der Fred träumte, noch nicht aufgeklärt war, so bildete diese Erkenntnis doch immerhin einen Schritt vorwärts, der Wahrheit näher. Als Jutta die fragenden Blicke Buchners auf sich spürte, diese tastenden, abzirkelnden Blicke seiner frivolen Augen, riß sie sich zusammen. Bah, dieser Mensch sollte nicht glauben— „Daß Fred spielt, weiß ich...“ sagte sie mit gewollter Leichtfertigkeit, der Wahrheit zuwider. Das Erstaunen Buchners war ungekünstelt. Wie: Jutta wußte, daß Fred bei der Verger verkehrte und dort Unsummen verlor? Ja, wollte sie denn von ihm? „Ich brauche Sie wohl nicht erst um Diskretion bitten, liebe Frau Stein?“ sagte er in seiner Ratlosigkeit. „Versteht sich, wenn ich die Wahrheit erfahren habe!“ lachte Jutta spitz. Buchner nahm nun das Zigarettenetni aus der Westentasche. „Ich habe nichts zu verschweigen, verehrte Frau Stein!“ Seine Stimme hatte plötzlich einen sehr warmen Klang. Wie schön dieses junge, zu anmutiger Weiblichkeit erglühte Geschöpf war. Der Fred mußte doch ein großer Esel sein, diese Frau mit Scheinblüten vom Typ der St###'n zu hiutergehen. Unversehens war Jntta wie umgewandelt. (Fortsetzung folgt.) 2 1910).— 1914 Deutsch=englische Seeschlacht bei den Falklandsinseln: Tod des Admirals Maximilian Graf von Spec, des Siegers von Coronel(geboren 1861). Lillgemeine öffentliche WeitznachtsRetsammiung Es wurden folgende weitere Beträge gezeichnet: Hubert Pserdekämpfer 100.— M N. R. 5.—„ herige Zeichnung 3505.— Sa. 3610.— M Herzlichen Dank! „###terbericht der Wetterwarte Essen vom 7. Dezember 1930. Die winterliche Hochdruckwetterlage ist weiter abgeschwächt worden. Flache Luftdruck=Fallgebiete bewirken überall stärkere Bewölkung, ein flacher Tiefdruckausläufer hat sich über England ausgebildet und verbreitete Regenfälle sind dort aufgetreten. In Deutschland war das Wetter heute morgen meist ganz bedeckt, in München viel Regen. Die Temperaturen waren angestiegen, sie lagen meist 1 und 2 Grad über Null, nur vereinzelt darunter. Wetteraussichten für Montag: Bewölkt bis bedeckt, zeitweise Regenfälle, milder. Wetteraussichten für Dienstag: Noch Regenfälle, bewölkt, nach kühler Nacht tags auch wieder kühler. Hohes Alter.„„ E., Imist. 9 Am heutigen Tage kann Frl. Emite Teckhaus, Große Marktstr. 8, ihren 80. Geburtstag begehen. Das Geburtstagskind wurde als Lehrerstochter am 8 Dezember 1850 in einem kleinen Ort in der Soester Börde geboren und war Jahrzehnte hindurch als Haushälterin bei der verstorbenen Frau Herbeholz(Wirtschaft zur Ruhrbrücke) beschäftigt. In der gleichen Eigenschaft wirkte sie bei dem Werkmeister Fischer in Schwerte. Frl. Thekhaus, die in Schwerte eine bekannte und geachtete Persönlichkeit ist, kann sich noch körperlicher und geistiger Rüstigkeit erfreuen und verfolgt noch mit regem Interesse die täglichen Geschehnisse, wie sie auch noch fleißig strickt. Wir sprechen der alten Dame z. ihren heutigen Ehrentage unsere herzlichste Gratulatidn aus und wünschen nur, daß ihr noch ein langer und sonniger Lebensabend beschieden sein möge. + Gedenke des Todes! Gestern nachmittag wurde unter zahlreicher Beteiligung der Zimmermeister Leo Feldmann zur letzten Ruhe geleitet, dessen Ableben unter überaus tragischen Umständen erfolgt ist. F., ein Mann von ca. 55 Jahren, hatte am Donnerstag seiner im Krankenhause befindlichen schwer kranken Frau einen Besuch abgestattet, war dann heimgekehrt und hatte sich zur Ruhe begeben. Am andern Morgen wurde er dann von seinen Angehörigen als Leiche im Bett vorgefunden; ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ziel gesetzt. Er ruhe in Frieden! : Beförderung. Reichsbahnassistent Karl Bahlsing, Hagenerstraße, wurde zum Reichsbahnsekretär befördert. Herr Vahlsing ist beim Schwerter Bahnbetriebswerk tätig und befindet sich bereits seit 27 Jahren im Eisenbahndienst. Persil als Himmelsschrift. Gestern abend ließen Strahlen den nächtlichen 4 imiel hell aufleuchten. Eine neue Lichtreklame d Persilwerke war in Aktion getreten und die ##en der Erzeugnisse dieser Firma wie PerHil. Imi usw. waren am Firmament deutlich zu #e. Diesem seltenen Schauspiel folgten viele ügierig nach oben gerichtete Blicke. Auf die heutige Bekanntmachung der Industrie= und Handelskammer in Dortmund, betr. die vollzogenen Ergänzungswahlen, machen wir unsere Leser besonders ausmerksam. : Knecht Rupprechts Besuch bei den Schwerter Turnerkindern. Die Schwerter Turnerschaft von 1868, M. d. D. T., hatte ihre Mitglieder, Freunde und Gönner am gestrigen Sonntag nachmittag in den Saal„Im Reiche des Wassers“ zu einem Elternabend der Jugendlichen, verbunden mit Nikolausfeier eingeladen und wie man es in Schwerte bei diesem Verein nicht anders gewöhnt ist, wies auch diese Veranstaltung einen überaus guten Besuch auf: das letzte Plätzchen im Saale war besetzt. Die allgemeine Stimmung war eine durchaus weihnachtliche, wozu der aufgestellte prächtige Christbaum nicht zuleßt beitrug. Das auszuführende Programm war sehr reichhaltig und geschickt zusammengestellt worden und konnte in jeder Hinsicht zufriedenstellen. Die 4jährige Hannelore Weber sprach in samoser Weise das Fröbelsche Gedicht„Ich bin der kleine Weihnachtsmann“ und konnte starken Beifall ernten; die Schülerin Burgert entledigte sich gewissenhaft eines ihr zugefallenen Prologes. Dann wechselten mit Musikstücken, die von der Kapelle Justus in anerkannter Güte dargeboten wurden, die Uebungen der Mädchen= und Knabenabteilung einander ab. Erstere, die unter der Leitung von Turnwart Heinz Heitbreder steht, wies in den Uebungen gute Fortschritte auf. Die Weihnachtsreigen wurden gut ausgeführt und ließen Anmut nicht vermissen, während die Damenabteilung mit ihren rhythmischen Freiübungen und Weihnachtsreigen außerordentlich starken Anklang fanden. Die Freiübungen der Knabenabteilung wurden durchweg exakt und einwandfrei wiedergegeben; am Barren zeigten die kleinen Turner schon ein beachtliches Können. Jeder von ihnen wollte der Beste sein und stellte seine ganzen Kräfte in den Dienst des Turnens. Die gymnastischen Uebungen verrieten eine gute Schulung, die sich der Knabenturnwart Weber angelegen sein ließ. Nach einem Gedichtvortrag durch zwei Mädchen hielt der Vorsitzende Poetsch eine kurze, inhaltsreiche Begrüßungsansprache und dankte u. a. allen Anwesenden für ihr Erscheinen, sowie den Mitgliedern, die diese Veranstaltung mit viel Mühen arrangierten. Seine Worte klangen dahin aus:„Schickt Eure Jungens und Mädchen zum Turnen!" Das ausgezuorte Theaterstück„Waisenkinds Weihnachten“ ließ kaum Wünsche ossen und bereicherte diesen Abend auf das Beste. Den Mitwirkenden sei volle Anerkennung für ihre Leistungen besagt. Und dann kam der Höhepunkt der Veranstaltung:„Bescherung von Knecht Rupprecht". Mit Wagen und vollen Körben zog er unter dem Jubel der Kinder in den Saal ein und Bescherung erwies sich dieser Rupprecht, der in diesem Falle„Anton hieß, als ein durchaus gerechter Herr, der für alle eine Gabe mitgebracht hatte. So fand die Nikolausfeier im Turnverein einen weihnachtlich=fröhlichen Abschluß und im geselligen Kreise blieb man gern noch längere Zeit zusammen. * Zu nächtlichen Raufereien kam es heute morgen gegen 2 Uhr zwischen auswärtigen und hiesigen jungen Leuten auf dem hiesigen Marktplatz.— Eine Stunde fraher wurde 1 Schaufensterscheibe des Geschäftes Giesberg an der Ostenstr. eingeschlagen. In beiden Fällen konnten die Täter festgestellt werden, die zur Anzeige kommen. + Der Elisabethverein, über dessen segensreiche Tätigkeit im der Armen und Notleidenden wir wiederholt berichten konnten, hatte am gestrigen Sonntag eine Ausstellung der von seinen Mitgliedern für die diesjährige Weihnachtsbescherung der Armen angefertigten Arbeiten veranstaltet. Der große Raum der katholischen Handarbeitsschule bot ein überaus freundliches Bild. Auf langen mit kleinen Weihnachtsbäumchen geschmückten Tafeln waren die vielseitigen Erzeugnisse, die fleißige Frauenhände in arbeitsreichen Wochen geschaffen hatten, zur Schau gestellt und erfreuten das Auge der zahlreichen Besucher, die auch gern ein kleines Scherflein für die großen Ausgaben des in der heutigen schweren Notzeit doppelt notwendigen Vereins opserten. Wir glauben bestimmt, daß die reichhaltige und überaus sehenswerte Ausstellung das Interesse für die vielseitigen Ausgaben des Elisabethvereins neu belebt und gefördert hat. : Musikalische Advents=Feierstunde. Die der Advents= und Weihnachtszeit eigene Stimmung findet ihren besonders schönen Ausdruck durch die Musik, durch die Macht der Töne. Das zeigte auch die vom Posaunenchor des E. V. j. M., Schwerte, gestern abend in der großen Kirche veranstaltete musikalische Advents=Feierstunde, die den zahlreichen Zuhörern etwas verspüren ließ von der„gnadenbringenden Zeit". Zunächst waren es neben alten, ehrwürdigen und ausdrucksstarken Chormelodien„Es kommt ein Schiff gefahren",„Gott sei dank durch alle Welt",„Aller Gläubigen Sammelplatz" w. u. m. vertraute, liebe Advents= und Weihnachtslieder, die der Posaunenchor durchweg schlicht im harmonischen Zusammenklang rein und dynamisch sein abgetönt zum Vortrag brachte. Es ist eine Freude, immer wieder feststellen zu können, mit welcher Liebe, Begeisterung und Hingabe jedes einzelne Mitglied des Chores sich seiner besonderen Aufgabe widmet, das gilt noch mehr von dem rührigen Dirigenten Bühler, der mit seinem musikalischen Verständnis und durch unermüdliche Arbeit die Leistungen des Posaunenchors zu einer beachtenswerten Höhe gebracht hat. Gemeindegesang umrahmte die schöne Feier, die durch eine kurze und eindringliche Ansprache Pastor Millards das Gepräge eines Gottesdienstes erhielt. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, daß ein von einem Mitglied des Chores klar, deutlich und ausdrucksvoll vorgetragener Eingangsspruch der Veranstaltung, durch die sich der Posaunenchor von neuem den Dank der Gemeinde verdient hat, die rechte Einstimmung verlieh. Vielleicht wäre aber für eine spätere ähnliche musikalische Feierstunde zu überlegen, ob nicht eine stärkere gesangliche Beteiligung der Gemeinde angebracht ist; denn Choralmelodie und Wort bilden meistens eine unauflösliche Einheit, so daß die stärkste erbauliche Wirkung der Choräle erzielt wird, wenn sie gesungen werden. Bei dieser Gelegenheit sei auch empfehlend hingewiesen auf das am kommenden Freitag, abends 8 Uhr stattfindenden Kirchenkonzert, das durch die Mitwirkung der Altistin Anna Graeve=Berlin, des Konzertmeisters Letzel und des Organisten Klähn im ähnlichen Sinne eine musikalische Feierstunde sein will wie die schön und würdig verlaufene Veranstaltung des Posaunenchors. Reichsbund der Kinderreichen„Ortsgruppe Schwerte“. Am gestrigen Nacmittag hatte die hiesige Ortsgruppe eine wictige Versammlung abgehalten. Die Togcsordnung umsaßte nur vier Punkte: 1. Bericht über die letzte Versommlung, 2. Bericht über die Kundgebung aus Anlaß des „Tages der deutschen Familie“ am Buß= und Bettag 1930, 3. Weihnachtsseier 1930, 4. Verschiedenes. Dem Verlauf der gutbesuchten Versammlung entnehmen wir kurz folgendes: Nach der üblichen Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden verlas der Schriftführer das letzte Versommlungsprotokoll, der Inhalt desselben wurde von allen gutgeheißen. Im Anschluß hieran gab der Schriftführer einen kurzen Ueberblick über die Kundgebung am Bußund Bettag. Den Bericht hierüber entnahm er der Schwerter Zeitung.(Nr. 272 vom 20. November 1930). Längere Verhandlungen brachte der nächste Punkt der Tagesordnung. Beschlossen wurde hierzu, in diesem Jahre wieder ein Familienweihnachtssest zu feiern, um so den Kleinen und Großen der kinderreichen Familien einen Ersatz für das etwa zu Hause Entgangene zu bieten. Die Ausarbeitung des Programms liegt in den Händen eines bewährten Ausschusses. Neben Aufführungen auf der Bühne soll für die Kleinen eine Bescherung stattfinden. Zum Pun't Verschiedenes, wurde auf Neueinrichtung der Berufsberatungsstelle für Jugendliche empfehlend hingewiesen. Der 1. Vorsitzende gab noch einen kleinen Auszug aus der Tätigkeit der Baugruppe der Kinderreichen. Ergänzend hierzu sprach noch der 2. Vorsitzende, Bundesbruder Küster, ferner streifte er noch die Beschaffungsfrage für Hauszinssteuerhypotheken. Den Mitgliedern wurde noch zum Schlusse empfohlen, ihren Bedarf in erster Linie bei den die Interessen des Bundes fördernden Geschäften zu dekden. Ein Verzeichnis dieser Geschäfte soll in nächster Zeit im Druck erscheinen. Nach Erledigung einiger kleinerer Anfragen konnte der 1. Vorsitzende die sehr harmonisch verlaufene Versammlung schließen. Iserlohn Amt Westhofen l. Holzen. Durch Steinwurf eine Schaufensterscheibe zertrümmert. Ein siebenjähriger Knabe wollte auf dem Rosenweg einen gleichaltrigen Knaben mit einem Stein wersen. Hierbei flog ihm der Stein aus der Hand und in die große Schaufensterscheibe eines Friseurgeschäfts. Fur die zertrümmerte Scheibe werden die Eltern des Knaben aufkommen müssen. Der Vorfall dürfte Eltern und Erziehern Veranlassung geben, ihre Kinder entsprechend zu warnen und zu belehren. I. Wandhofen. 80 Jahre alt. Am heutigen Tage vollendet die Witwe Lisette Deitert geborene Klostermann in Wandhofen ihr 80. Lebensjahr. Dem allseits geachteten Geburtstagskinde auch unsern herzlichen Glückwunsch. I. Westhofen. Eine merkwürdige Entscheidung in der Ortskrankenkassenangelegenheit. Durch die am 1. August 1929 erfolgte kommunale Neugliederung ist die Gemeinde Syburg nach Dortmund eingemeindet worden. Da durch das Umgemeindungsgesetz die Grenzen der Ortskrankenkassenbezirke aber in keiner Weise berührt wurden, blieb Syburg nach wie vor zum Bezirk der Allgemeinen Ortskrankenkasse Westhofen gehörig. Von Syburg wurde keine Stimme laut, die hiermit nicht einverstanden gewesen wäre. Statt dessen meldete sich aber die Ortskrankenkasse für die Bezirke Barop, Kirchhörde und Wellinghofen mit dem Sitze in Barop und beantragte, den Bezirk Syburg ihrer Kasse zuzuweisen. Gleichzeitig erhob aber auch Anspruch auf den Bezirk Syburg die Allgemeine Ortskrankenkasse Dortmund, weil Syburg, wie schon gesagt, nunmehr zum Stadtbezirk Dortmund gehört. Die Allgemeine Ortskrankenkasse Westhofen sah keine Veranlassung, auf den Syburger Bezirk Verzicht zu leisten. Zur Herbeiführung einer Entscheidung wurde vom Oberversicherungsamt Dortmund das in dieser Sache neutrale Versicherungsamt Witten mit der Führung von Verhandlungen beauftragt. Die Ortskrankenkasse Barop stellte nun den Antrag, die in Syburg beschäftigten Kassenmitglieder und deren Arbeitgeber durch eine Abstimmung selbst zu befragen, zu welcher Krankenkasse sie gehören möchten. Jedes Mitglied und jeder Arbeitgeber erhielt einen Abstimmungszettel zugesandt. Um ein einwandfreies Abstimmungsergebnis zu bekommen, wurden ausreichende Kontrollmaßnahmen getroffen. Das Ergebnis war sehr überraschend. Während sich Dortmund und Barop um den Syburger Bezirk stritten, gaben sämtliche Arbeitgeber in Syburg ihre Stimme dahin ab, daß sie weiterhin der Ortskrankenkasse Westhofen angehören möchten. Auch von den 93 Arbeitnehmern, die Stimmzettel abgaben, erklärten 82, bei Westhofen verbleiben zu wollen. So selbstverständlich es angesichts dieses Abstimmungsergebnisses scheinen mußte, daß der Syburger Bezirk zur Ortskrankenkasse Westhofen gehörig verbleiben würde, so überraschend und direkt unverständlich ist die Entscheidung, die das Oberversicherungsamt Dortmund jetzt in dieser Sache gefällt hat. Nach dieser Entscheidung sollen nämlich mit Wirkung vom 1. April 1931 die in Syburg wohnhaften krankenversicherungspflichtigen Perzonen aus der Allgemeinen Ortskrankenkasse Westhofen ausscheiden und der Allgemeinen Ortskrankenkasse Dortmund=Barop zugewiesen werden. Der Antrag der Allgemeinen Ortskrankenkasse Dortmund auf Zuweisung dieser Personen an ihre Kasse wurde abgelehnt. Es ist geradezu paradox. daß eine solche Entscheidung die Ueberschrift:„Im Namen des Volkes!" trägt und mit Recht wird die Frage aufgeworfen:„Wo bleibt hier das vielgerühmte Selbstbestimmungsrecht?" Die Syburger, die in letzter Zeit wiederholt zu erkennen gegeben haben, daß die mit ihrer Eingemeindung nach Dortmund gemachten Erfahrungen nicht die besten sind, werden schon gewußt haben, weshalb sie wenigstens auf dem Gebiete der Kransenversicherung bei Westhofen bleiben wollen. Aeußerungen, die die obige Entscheidung sogor als einen Verwaltigungsakt deuten, sind daher in Syburg garnicht so selten. Wie wir hören, wird die OrtskrankenTurnen, Spiel, Sport Die Nacht der Sportpresse. Weßfalen schlägt Rheinland in der Westfalenhalle mit 61:48 Punkten. Rauspor? 100 Kilomcter Mannschafts=Rennen. Sieger Kilian und Pützfeld in neuer Rekordzeit 2,15,46,1. Fußpail Alemannia 1.— S. S. V. 06 1. 5:1(2:0). Alemannia=Reserve— Union=Reserve 0:2 Alemannia Alte=Herren— Union Alte Herren 1:3. Alemannia 2. Jgd.— Union 3. Jgd. 0:3. Spielbericht veröffentlichen wir in der Tienstagsausgabe. Deutsche Turnerscha Momelef? Und wieder war Holzen 07 siegreich. Holzen 07 1.— A. T. V. Dorstfeld 1. 3:1(3:0). Man ist ja an Ueberraschungen gewohnt; aber daß die Holzener den Tabellenersten auf eigenem Platze 3:1 schlug, daran hatte wohl niemand gedacht. Es scheint bereits Tradition zu werden, daß die 07er auf eigenem Gelände schwer zu besiegen sind. Wenn die 07er zwar noch nicht die erste Stelle erreichten, so steht ihr Aufstieg zur Sonderklasse bereits fest. Für den erkrankten Mittelstürmer Dr. Remscheid spielte Jacobs als Ersatz, der sich jedoch bestens bewährte. Die Holzener zeigten eine große Leistung. Alle Spieler spielten mit Hergabe des ganzen Könnens. Einen Spieler hervorheben, hießer den anderen zurücksetzen. Die Gäste boten ebenfalls eine große Leistung. Der Sturm zeigte sich vor dem Tor sehr unentschlossen. Etwa 800 Zuschauer hatten sich eingesunden, die ihr Erscheinen nicht bereut haben; denn es wurde ein großer, heroischer Kampf gezeigt. Pünktlich um 15 Uhr begann das Spiel unter der guten Leitung von Dreinhöfer=Marten. Dorstfeld hatte Anwurf und zieht sofort dem Holzener Tore zu, die Verteidigung klärt jedoch sicher. Beide Mannschaften bringen des öfteren die Tore in Gefahr. In der 8. Minute zieht 07's Sturm geschlossen vor und durch präzisen Wurf erzielt der Halblinke das erste Tor. — Das beste Tor des Tages.— Dorstfeld ist durch diesen Treffer sehr aufgeregt, so daß 07°s Hinterreihe die Angriffe stets erfolgreich zurückschlagen kann. Kurz darauf erwischt Holzens Linksaußen das Leder und durch einen prachtvollen Schlagwurf wirft er das zweite Tor. Die Gäste drängen jetzt sehr und Wurf auf Wurf hagelt auf 07°s Gehäuse, aber der Torwart ließ sich nicht überrumpeln. Kurz vor Halbzeit wirft 07°s Halbrechter das dritte Tor. Hatte man erwartet, daß die Holzener das Ergebnis nach der Pause noch erhöhten, so wurde man enttäuscht. Damit soll jedoch nicht gesagt werden, daß die Gäste das Spiel in der Hand hatten. Nein, beide Mannschaften zeigten jetzt die hohe Schule des Handballspieles und rissen, trotzdem vorläufig keine Treffer erzielt wurden, die Zuschauer zu Beifallsstürmen hin. Erst kurz vor Schluß konnten die Gäste das Ehrentor werfen und mußten den Holzenern Sieg und Punkte überlassen. Holzen 07 2.— A. T. V. Dorstfeld 2. 0:1(0:0). Dieses Treffen ging für den Platzverein knapp verloren, da die Gäste in dem„unparteiischen“ Schiedsrichter den besten Spieler hatte, der die Fehler der 07er sah, aber bei den Fehlern der Dorstfelder einen anderen Weg guckte. Tv.1881 Hörde 1. Igd.— Holzen 07 1. Jgd. 2:0(1:0). Die Holzener mußten sich wieder Erwarten in Hörde den körperlich besseren Platzherren beugen. Weitere Ergebnisse der Kreisliga. Jahn=Brechten— Germania=Lütgendortmund 1:1. Nach gleichwertigen Leistungen trennte man sich verdientermaßen unentschieden. Eintracht=Lütgendortmund— Wellinghofen 05 1:2. Die Eintrachtler fallen immer mehr zurück und mußten sich gestern wieder geschlagen bekennen. bas hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 9. Dezember 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,40: Schallplattenkonzert. 11,20: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,50: Kinderstunde. 17,15: Vesperkonzert. 18,15: Für den Landwirt. 18,40: Französische Unterhaltung. 19,45: Werke von Johann Strauß. 20,30: Intermezzo. Auflösung des Kreuzworträtsels aus der Samstag=Rummer R U U RAB U R/T BIU U N SA R MIA B R B R R N Renturvverfahren In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Schuhwarenhändlers Sally Hausmann in Schwerte ist von dem Konkursverwalter der Antrag gestellt worden, das Verfahren mangels Masse einzustellen. Zwecks Anhörung der Gläubiger über diesen Antrag und über die Bewilligung von Vergütungen für den Konkursverwalter und die Mitglieder des Gläubigerausschusses sowie zwecks Prüsung der nachträglich angemeldeten Forderungen ist Termin 4452 auf den 17. Dezember 1930, vorm. 11 Uhr, vor dem Amtsgericht in Schwerte, Zimmer Nr. 14, anberaumt. Schwert: den 4. Dezember 1930. Das Amtsgericht 8 STe Uwmeghrah. Paht Bezirksligaklasse. SC. Hagen 05— Germania Mudersbach 6:: Leichter als im Vorspiel gelung Hagen 05 der Sieg auf eigenem Platze gegen Germania Mudersbach. Es ist eie unerklärlich daß die Mudersbacher nicht mehr zeigen. Die Manni=haft weist großen Eiser und Kampsgeist auf und ist auf allen Posten mit gut veranlagten Leuten besetzt, jedoctz das System laßt sie vollständig vermissen. Bei mehr Tia ningsarbeit durfte aus der Mannschaft noch etwas zu mahen sei über eben das Training.... 05 dagegen hat die Mannschartskrse fast überwunden. Die jungen Kräfte im Sturm zeigten gestern eine Geschlossenheit. Die Hintermannschaft stellte ihren Mann und die Verteidigung im Verein mit Torhüter leistete die gute Abwehr. Dabei war der Gegner nicht zu unterschätzen, seine. Angriffe waren sehr energisch und brachten gefährliche Momente. Bei Spielbeginn haben sich die Mannschaften sofort gefunden. 05 schlägt den Angriff des Gastes ab und aibt sofort den Ton an. Die linke Scite greift mächtig ein und der Mittelstürmer bezw. Haltlinke, wissen die Flanken auszunntzen. Innerhalb 12 Minuten sind durch schöne Kombinationen 3 Tor. erzielt. woran die Mudersbacher Verteidigung, die sich und den Torhüter täuscht, nicht ganz schuldlos ist. In der Mitte der ersten Hälfte leitet dann der Gast einen guten Au. grff ein, der von Erfolg gekrönt ist. Bis zum Weysel he die Hagener noch vier klare Chancen zum Einsenden die aber versiebt werden. Nach dem Wechsel hält die Ueberlegenheit an. 05 dominiert weiterhin und st Ut den Sieg in normalen sänden sicher. Nach dem fechsten Tor erlaubt sich der sonst sehr sympath schen Mudersbacher eine grobe Unsportlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter und muß den Platz verleßen. Mit ihm gehen zwei weitere, sodaß Mudersbach nur nachz mit acht Leuten spielt. Im Anschluß an den heann kommt der Gästesturm nochmals gut durch und holt sich :* en zweites Ehrenter. Tam't war die Sc. Sp. Gevel berg 03— Sportfr. Siegen 3:3(2: 2). die Fußlaler der Siegener Sportfreunde weilten zum Fälligen Mesterschaftsrückspiel in Gevelsberg. Man mußte auf den besten Mann, Mittelstürmer Lück, verzichten und konnte nur mit zehn Spielern somit die Partie durchführen.„Der ganze Kampf verlief uninteressant, weil auf beiden Seiten nur maß ge Leistungen geboten wurden. Bei. Siegen war es die H nermannschaft, die den besten Mannschaftsteil bildete, ihre Abwehrarbeit war sehr schlagkräftig. Bei den Gevelsbergern fiel die rechte Scite voll und ganz aus. In der ersten Halbzeit logen beide Mannschaften abwechselnd im Vorteil. nicht daß es aber beim Wechsel zu einem Torvorsprung gekommen war. Nach der Pause kommt Geveisberg etwas besser auf, kann sich aber erst in der letzten Viertelstunde des ganzen Spielverlaufs zur Ueberlegenheit entwickeln. Die Siegener bewiesen ein gutes Schußvermögen, während die Gevelsberger nicht über ihren Rahmen kamen. Es scheint, als sind die Ennevesträßer ma wieder dem bekannten Stimmungsbarometer unterworfen, von dem man sich schon seit niht geraumer Zeit freizumachen versucht. Bei etwas mehr Energie dürfte dies aber auch gelingen. T92 Hagen 72— Spogg. Hagen 11 1:0 Der fiel in dem Treffen der Ortsrivalen Hagen 72 und#agen 11, aber es genügte, um die 72er, die sich dem Meister Hüsten dicht auf den Fersen halten, vor weiteren Punktverlusten zu bewahren und die Spitze zu verteidigen. Es steht schon jetzt fest, daß die Entscheidung wie im letzten Jahre auch in dieser Saison bei Hüsten und 72 liegen wird. Gestern hätte leicht ein Unentschieden entstehen können, das einz ge Tor fiel infolge Nachsetzens eines schlecht abgewehrten Balles, der den 11ern zum Verhängnis wurde. Es war eine gute Leistung des Halbrechten der Blauweißen. Im übrigen fiel bis zum Pausenpfiff kein Tor mehr, selbst die zweite Hälfte ging torlos ihrem Ende entgegen, obwohl man natürlich von erpaßten Torgelegenheiten genug reden könnte. Der Hauptlamnf spielte sich also im Felde ab, war zunächst ziemlich aushen und wurde später einseitig, da es den Blauweißen un. die Tätigkeit des Gegners auf die Verteidigung zu be#tänken. Den l1ern gelingen nur vereinzelte Durchbrüche, die nur selten bis zum Tore durchgeführt werden können. Der Grund liegt in der schwachen Leistung des Sturms. der ohne Zusammenhang spielte, und außerdem in der Verteidigung ein die Lage noch erschwerendes Hindernis vor Augen hatte. Dadurch wurden alle Hoffnungen von vornherein aussichtslos. Die Läufereihe der Eckeseyer war wie immer auf dem Posten und das Zusammenspiel des Sturms konnte diesmal noch mehr gesallen. Daß nicht mehr Tore fielen ist das Verdienst der 11er Hinterreihe, die den Sturm bei weitem überragte. In der Läuferreihe gefielen besonders Mittelläufer und Läufer, die Verteidigung war schlagsicher und hätte vielleicht auch noch das eine Tor verhüten können. Dem Spielverlauf nach war der Sieg 72 aber verdient. Sp Sp. Hüsten 09— Jahn Werdohl verlegt? VfV. Weidenau— SC. Lichtenplatz verlegt das Nachsehen gab. Schon bei Spielbeginn zeigt sich die Gefährlichkeit des Gästesturm, der im Kampf den Ton angibt und immer mit einem Tor im Vorteil bleibt. Dann aber hat sich das Heft etwas gewendet, jedoch nur für kurze Zeit. Die Altenhundemer bekommen noch einen Strafwurf zugesprochen, der verwandelt wird, und ein schöner Durchbruch stellt den Sieg sicher. I. Oberruhr=Staffel Sppag. Neh im— Sv. Sp. C. Union Schwerte 1:1 De Spielvereinigung Neheim brachte gegen den Spiel= und Sportklub Union Schwerte, der in der Kampfkraft stark nach vorn gekommen ist, nur ein Unentschieden zustande, die Neheimer die zweite Hälfte leicht überlegen waren Auch ein Elfmeter, der die beiden Punkte hätte einbringen können, wurde nicht verwandelt, sodaß Schwerte mit einem verdienten Punkt die Heimreise antrat. Hagener Staffel. FC. Boole 19— FC. Haspe=Harkorten 1:5 Gegen die neuerlich wieder in den Vorderarund getretene Etf von Haspe=Harkorten vermochte Voele 19 ebenfalls keine Lorbeeren zu ernten. Das Ergebn's spricht schon für sich von einer Ueberlegenheit des Gastes. Allerdings hätte man noch #etwas. abwenden können, oder bei größerer Schußfreudigkeit im Sturm das Resultaz in etwa korrigieren können. Der Sieg war Immer verdient. Lenne=Sieg=Staffel BV. Nachrodt— BfR. Siegen 0: 1 En flottes und saires Spiel gab es in Nachrodt zwischen dem dertigen Ballspielverein und den Rasenspielern aus Sieen Die Siegener waren die Glücklicheren indem sie kurz vor Schluß nach einem Flankenlauf des Rechtsaußen zum 0:1Sieg einsendeten. Sppag. Plettenberg— BC. 07 Siegen 4:0 Für den Bollspielklub 07 Siegen blieben die Punkte durch eine verhältnismäßig hohe Abfuhr auf der Strecke. Die Pictienberger waren besonders in der ersten Halbzeit klar überlegen, während in der ersten Hälfte die Gäste noch gleichwertig bleiben konnten. BfR. Meggen— BC. Eintracht Siegen S:3 In Meggen kamen beide Mannschaften erst in der zweiten Hälfte zu einheitlichen Aktionen. Beide Elsen hatten sich shon stark verausgabt, gönnten sich aber nicht den Vorrana, sondern trennten sich nachdem sie abwechselnd zu Wort gekommen waren, mit einem für beide Parteien dem Spielverlauf nach gerechten Unentschieden. Sppag. Langenau— VfB. Altena 0:4 Die Mannschaft von BiB Altena erfreute ihre Mannschaft mal wieder mit einem recht hohen Sieg. Langenau hatse seinem Gaste nichts entgegenzusetzen sodaß Altena infolge technisch besserer Komfinationen zu einem leichten Siege kamen. Betzderfer=Staffel VfB. Wissen— Sp. Sp. Niederschelden 2: 4 Spiel und Sport Niederschelden war nach Wissen gefahren und glaubte bereits bei Halbzeit den Sieg sicher zu haben. Durch diesen 3:0 Vorsprung wurden die Wissener angespornt, noch zwei Tore aufzuholen, denen der Gast noch ein drittes zum sicheren Siege entgegensetzte. Spp. Betzdorf=Bruche— Sportfr. Daaden 0:1 Zwei billige Punkte nahm Daaden von Bruche mit. Der Platzverein mar sogar leicht üiberlegen, jedoch fehlte ihm die Entschlossenheit im Sturm. Durch einen Fehler in der Verteidigung kam der Gast dann zu seinem Siege. Gesellschaftsspiese BfJ. u. V. Ing. Betzdorf o6— VfB. Weidenau 3:2 FC. Neuzurade— Jahn Werdohl 1:2 SC. Unna 08— Sppag Wetter 10 4:1 om 14. Tezember in Münster. Für das am kommenden Sonntag in Münster stattfindende Repräsentativspiel zwischen den Bezirken Westfalen gegen Südwestfalen hat der Bezirksvorstand folgende Mannschaft aufgestellt: Büchsenschütz(Hagen 72) 6 Fahsel(Sportfr. Siegen), Schreiber(Hagen 72) Siering(Hüsten 09), Vollmer(Hagen 72), Herling(VfB. Weidenau Sondermann(Hagen 72), Knappstein(Hüsten 09). Muer (Hüsten 09), Gogoll(Gevelsberg 08). Hoffmann(Hüsten 07). Ersatz: Mertens(Sportfr. Siegen), Perschau(Hagen 72). Der V'R. Altenhundem stellte gestern seine große Kampfkraft in Attendorn unter Beweis, indem er dem Tabellenführer 1. Gruppe Sv. Sp. V. Balve— RsV. Lüdenscheid=Höb 1:3 Spv. Bärenstein 09— Sp. Sp. Halver 4:1 2. Gruppe Stortunion Hagen— FC. Wengern 1:5 Spp. Hasp: 28— Spp. Vorhalle 09 0: 4 3. Gruppe Alemannia Schwerte— Sp. Sp V. Schwerte 06 5:1 5 Gruppe Spp. Attendorn— Spp. Eiringhausen 6:. Spv. Freusburg— Spogg. Olpe 0:3. 6. Gruppe Spp. Bürbach— Sp. Sp. V. Niederschelden 2:2 Spp. Dr. is=Tiefenbach—. apC. Kaan Marienborn 3: 1 Spp. Klafeld Geisweld— Spogg. Trupbach 09 S: 1 Gauklasse. Sp. Sp. C. Wandhofen— FC. Schw.=W. Silsch de 3:2 Spp. Geisecke— Sp. C. Westfalia Henasen 2:0 Tv. Harkort Wetter— Postsportverein Hagen ausgef. FC. Schw.=W. Breckerfeld— BfR. Meinerzhagen S: 1 BSV. Ossenberg— Sp. Sp. V. Oberbauer 1:3 TSV. Reichebahn Hagen— Spp. Grünewald 1:9 FC. Schw.=W. Oberrahmede— SC. Eilpe ausgef. Handball. I. Bezirk=Jandballklasse. Hagener Staffel. Im Handball gab es nicht unerwartete Resultate. Die Hagener Polizei unterlag hoch gegen Hagen 05, Hagen 72 wurde von Sportfreunde Siegen auf eine harte Probe gestellt und die bessere Technik und Durchschlagskraft entschied das Spiel. In Herdecke spielte Glück und Peb eine große Rolle, während Reichsbahn Hagen auch diesmal die Unioner verdient und sicher niederhielt. TRV. Hagen 72— Sporifr. Siegen 2:7 Dem südwestfälischen Handballmeister gelang es, durch seinen eindrucksvollen Sieg die Führung zu behaupten, die wohl nicht wieder abgegeben werden dürfte. Das 7:2 überrascht etwas, hatte man doch mit einem knappen Ausgang gerechnet, zumal sich der zahlreiche Ersatz in den Reiben der 72er nach dem vorsonntäglichen Ergebnis zu urteilen aut eingespielt hatte. Auch in der Siegener Elf sah man neue Gesichter. Torhüter= und Rechtsaußenposten sind neu besetzt. Die Gäste konnten sich zunächst nicht recht finden, ihr Vorstoß fand meistens ein vorzeitiges Ende. Doch ist es Klein, der allein vorgeht und die Torserie eröffnet. Der Ausgleich fiel durch eine gute Kombinationsleistung der 72er. Bei gleichen Chancen erfolgen gleicheifrige Anstrengungen und den Hagenern geben einige Gelegenheiten verloren. Nachdem Siegen aber durch einen Strafstoß Kleine die Führung wieder übernommen hat, ist die Ueberlegenheit unverkennbar. Klein wirft einen weiteren Strafstoß und der Halbrechte ein regelrechtes Tor, Ortb in seinem Heiligtum befand sich in einer heiklen Lage und rutschte auf dem glatten Boden dauernd aus, sonst wäre es den Gästen doch nicht so leicht gefallen. Nach dem Wechsel verwandelt Klein noch zwei Strafwürfe, im ganzen also 4. Die Häusigkeit der Strafstöße in diesem Spiel überhaupt ist auf eine neue Unsitte der Spieler zurückzuführen. Man dürfte sich doch mas im Handball wieder einer etwas besseren Spielweise befleißigen. Ist es denn notwendig, daß beim Verlieren des Ballcs noch ein ringkampfähnliches Nachspiel folgt? Die Siegener erkämpften dann noch, nachdem die 72er Verteidigung zu weit aufgerückt war, ein 7. Tor. Technisch erwiesen sich die Gäste etwas überlegen, das Zusammenspiel im Sturm klappte erst in der zweiten Hälfte. während den Blauweißen der Zusammenhang verloren ging. Polizei Hagen— SC. Hagen 05 1:9 Sportunion Hagen— TSV. Reichsbahn Hagen 1:3 HC. Herdecke 30— Spyga. Hagen 11 2:4 Lenne Staffel. In der Lenne=Staffel zeigte BfR. Altenhundem Hochsorm und brachte den Spitzenführer Attendorn in Gefahr. Biettenberg und Werdohl hatten leichtes Spiel, um zum Siege zu kommen. Sppag Plettenberg— Spp. Eiringhausen 8:3 Der Nachbarverein Sportverein Eiringhausen weilte in Plettenberg und wurde hier mit einer hohen Abfuhr beschert. Zunächst war man dem Gastgeber gleichwertig geblieben. klappte später aber in sich zusammen und überließ dem Gastgeber den verdienten Sieg. Jahn Werdohl— Sportfr. Lüdenscheid 08 6: 1. Erwartungsgemäß triumphierte Jahn Werdobl auf eigenem Gelände mit einem glatten Siege über Lüdenscheid 08. Die Lüdenscheider scheinen dem Stimmungsbarometer unterworfen zu sein, sodaß sie sich nicht immer zu einheitlicher Aktion auf raffen können. Das Resultat entsprach dem Spielverlauf. Spp. Attendorn— VfR. Altenhundem 3: 4 Siegener Staffel. In der Siegener Staffel fielen die angesetzten Spiele aus Paris— Iserlohn, Ein haushoher Sieg der Iserlohner mit 15:8 Punkten. Mehr als 2000 Zuschauer füllten die für Boxveranstaltungen glänzend eingerichtete große Halle der„Alexanderhöhe" in Iserlohn, als die Mannschaften des„Olbmpic=Clubs“ Paris und Boxsport Iserlohn mit dem Kampf der Fliegengewchller den Kampfabend erösfneten.— Es muß vorweg gesagt werden, daß die Gäste nicht so schlecht waren, als es im Ergebnis zum Ausdruck kommt. Sie waren erst Donnerstag abend von Paris gefahren und kamen ermüdet in Bochum an, wo sie knapp unterlegen sind, und gingen so gegenüber den zudem noch in Bestform sich präsentierenden Iserlohnern ohne Frage gehandicapt in den Kampf. Dazu kam noch, daß sie den letzten Kampi durch Pech verloren. Technisch gab es einige hochwertige Treifen, sodaß von der rein sportlichen Seite aus gesehen der Kampf nicht so sehr enttäuschte.— Die einzelnen Kämpfe verliefen wie folgt: Fliegengewicht: Pielenz, Iserlohn— Drutal. Paris. Der Gast ist kleiner, aber technish und taktisch dem Iserlohner um eine Klasse überlegen und hat ständig die Führung des Kampfes. Ohne Fehl sein einszwei Schlag. Der Iserlohner nab sein Bestes, ohne die Punktniederlage abwenden zu können. Bantamgewicht: Brinkmann, Iserlohn— Kitz. Paris. Der für Iserlohn kämpfende Dortmunder schlägt in der 1. Runde seinen Gegner bereits derart an, daß er durch technischen k. o. Sieger bleibt.„„ Federgewicht: Klötzen. Iserlohn— Jncx, Pares. Ein Kamp ähnlich dem ersten, aber schlagstärker. Der Iserlohner versuchte wiederholt durch k. o. zu gewinnen, wurde aber immer nut gestoppt. Auf der Gegenseite auch gutes Punkten, sodaß das Unentschieden durchaus gerecht erscheint. Leichtgewicht: Guntermann, Iserlohn— Castian, Paris. Der Iserlohner ist körperlich im Vorteil, ohne dies voll ausuntzen zu können, denn ein gewiegter Kämpfer steht ihm ainenuber. In der 1. Runde hatte er einige gute Sachen so klar angebrocht, daß sie zum Siege reichten.„ Weltergewicht: Rosner, Iserlohn— Francion. Paris. Dem meisterlich kämpfenden Iserlohner(Rosner ist Ganmeister) war der Franzose nur für einige Augenblicke gewachsen. In zweiten Runde hatte der Iserlohner schon gewonnen, da der Gast nicht mehr kämpfen konnte. Mittelgewicht: Mengelkoch Iserlohn— Boyer. Paris. Der Iserlohner ist ein Schläger reinsten Wassers und genunt durchweg durch k. o. Der Gast merkte bald, daß der Iserlohner diese Absicht verfolgte und stellte sich darauf ein: kämpfte dann jedoch verschiedentlich dadurch unfair, daß er in einer Weise klammerte und festhielt, daß er disqualifiziert werden mußte. Mittelgemicht:„Graumann, Iserlohn— Bourdet, Paris. Auch dieser Kampf nahm ein vorzeitiges Ende. Bereits in der ersten Runde war der Franzose so angeschlagen, daß der Ringrichter den Iserlohner zum technischen k. o.=Sieger erklären konnte.„(5n Daeute Baris. Halbschwergewicht: Erkelenz, Iserioon— Rocnig, Paris, beides Schläger die technisch wenig zeigen, beide klammern viel und bringen jeder einen Schlag an, daß es Blut gibt. Beide sind zuletzt angeschlagen. Punktsieger bleibt der IserSchwerg wicht: Graumann, Iserlohn— Vermany, Paris. Vielleicht der beste Kampf des Abends. Der Franzose bringt den ersten gutsitzenden Schlag an und ist dann durch seine Linke weiter im Vorteil, als ihm durch einen nur leichten Schlag das rechte Auge vollkommen geschlossen wird: er kann im Augenblick nichts sehen und bebt die Hand. Der Kampf war aus, großer Beisall für die Iserlobner. * Roman von Erika Riedberg Tote Augen Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Nach einigen Tagen kam ein Brief an die Mutter. In diesem Schreiben bat er Frau Wieland in eindringlichster Form, Fräulein Hagen zu veranlassen, ihm einen langgehegten, großen Wunsch zu erfüllen. Er brauche für die Frauengestalt seines neuen Gemäldes ein Modell, für das Fräulein Hagen die idealste Vertreterin sein würde. Er fügte hinzu:„Vollendung und Erfolg meines Werkes hängen durchaus von der Erfüllung meiner Bitte ab. Ich hoffe zuversichtlich, daß Fräulein Hagen mir einige Sitzungen gewähren möge.“ Frau Wieland heftele einen langen Blick auf Wera. „Willst du es tun?“ Sie schüttelte gequält den Kopf. „Merkst ou nicht, Mutter, daß das ganze Anerbieten ein verschleiertes Geschent sein soll? Er weiß von unserer augenblicklichen Verlegenheit. Auf diese Weise will er sich uns verpflichten Mutter! Ich habe nie Vertrauen zu Urdan gehabt. Seine Besuche waren mir stets unangenehm, fast wie eine Pein. Mutter!“ bat sie beschwörend.„laß mich nicht zu Urban gehen— noch nicht, Mutter! Ich schaffe es noch mit Sticken und Nähen! Laß ins warten bis zum Aeußersten.“ Sie schluchzte und küßte die dürren Hände der kranken Frau. „Verzeih mir, Mutter! Ich kann nicht!“ „Ich habe dir nichts zu verzeihen, armes Kind! Ich verstehe dich so gut. Aber— du wirst zugrunde gehen. Jetzt schon entziehst du dir das Nötigste, um mein elendes, überflüssiges Leben zu erhalten.“ „Ueberflüssiges Leben!“ rief Wera, außer sich.„Begreifst du denn nicht, daß ich verzweifeln muß, wenn du nicht mehr bist? Daß mich das tödliche Gespenst vollkommener Vereinsamung, tödlicher Verlassenheit, Angst und Trauer um Friedrichs Geschick zum Wahnsinn treiben muß, wenn auch du mich verläßt? Ich schaffe es, Mutter! Ich bekomme heute schon das Geld für die Altardecke. Ich schaffe es noch, Mutter, ohne Urban.“ „Wie du es willst, mein Kind! Alles, wie du es willst! Nur erhalte dich; auf mich kommt es nicht mehr an.“ Urban hatte sich nicht mit der schriftlichen Absage Weras begnügt. Er mußte sie sehen. Er lechzte nach ihrem Anblick. Die Qual schlafloser Nächte, in denen höllische Mächte seine Tat zu immer neuer, schrecklicher Wirklichkeit erstehen ließen, die stets wachen Vorstellungen von Wielands Geschick, bei dem der Tod noch das Barmherzigste war, folternde Angst vor Entdeckung, vor der Wiederkehr Friedrichs: alle diese marternden Gefühle schienen ihm nicht so unerträglich, als ihren Anblick zu entbehren, Verzicht auf sie zu leisten. Wozu, warum war die Tai vollbracht, wenn sie ihn nicht in den Besitz des Kampfpreises setzte? Monatelang fand er nicht die Kraft zu einem Wiedersehen. Im Dunkeln schlich er die Treppe hinauf; doch vor der Tür kehrte er wieder um. Saß danach bei der Nachbarin in der Küche und holte sich Auskunft über das Ergehen der beiden Frauen. Nach der Absage Weras warf er alle Angst und Zweifel hinter sich. Er wollte und mußte sie sehen. Ob sie ihm Modell stand oder nicht. Er würde sich jetzt an ihre Fersen heften. Sobald dann die alte Frau die Augen zeschlossen, würde er Wera fortführen, weit fort von der Stätte der Schuld und der Erinnerungen. So kam er eines Tages in der Dämmerung. Beim Schein des kleinen Lämpchens überschaute er das ganze Elend. Empfand aber auch den ganzen unnahbaren Stolz der Armen, der in jedem Blick, in jeder Gebärde sprach. „Wage nicht, mich zu demütigen durch dein Mitleid, durch dein Almosen.“ Er wagte nicht, sie weiter zu bestürmen. Alle seine Entschlüsse, sein ganzes Wollen zerbrachen ohnmächtig an der Macht Weras, die ihn so schrankenlos beherrschte, als stände ei unter einem Zauber. Langsam schleppten sich Wera und Frau Wieland so ein paar Wochen hin. Weras Arbeit schaffte das Notwendigste für die Kronke. Sie selbst aber fühlte, daß ihre Kraft in kurzer Zeit zu Ende war. Nur aushalten, lieber Gott, nur aushalten. solange die Mutter lebte. Ihr Weg zum Polizeibureau war gänzlich erfolglos geblieben. Sie erfuhr nur: eine Abmeldung des Friedrich Wieland liege nicht vor. Ueber seinen Verbleib keinen Anhalt, keine Spur. Achselzuckend wurde ihr erwidert: „Rußland ist groß und die Polizei dort mindestens langsam. Vielleicht meldet sich der Herr noch einmal von selbst. Jedoch: was uns zu tun obliegt, wird geschehen. Viel Hoffnung können wir Ihnen aber nicht machen.“ Wera gab Namen und Wohnung an und bat um Benachrichtigung. Was sie erfuhr, war belanglos. Langsam vergingen die Tage. Hoch lag der Schnee. Eisige Frostluft drang durch Ritzen und Wände. Durch die engen Gassen schlichen Elend, Hunger und Tod. Eines Abends stieg der Tod die schmutzige, dunkte Treppe hinan, faßte mit seinen bleichen Fingern die vehrlose Hand der alten Frau, und willig folgte ihm ihre seele den letzten Weg hinauf, dorthin, wo sie glaubte, von dem Liebsten auf dieser Erde erwartet zu werden. Wera Hagen blieb allein. Als draußen unter der Schneelast das neue Grab kaum noch erkennbat war, stand das Stübchen von Friedrich Wielands Mutter bis auf die notwendigsten, ärmlichsten Möbel leer. Der Verkaufspreis hatte gerade für den Sarg und das Grad gereicht. In dem einzigen, noch vorhandenen Bett aber lag, durch schweres Nervenfieber völlig zusammengebrochen, Wera Hagen. Der Arnienarzt stand mit Frau Thiele, der Nachbarin, an ihrem Lager. Sie blickten ergriffen auf die abgemagerten Glieder, das tieferschöpfte Gesicht und sahen, wie die letzten Kräfte der zu Tode Ermatteten sich anschickten, den Kampf mit den wütenden Fieberanfällen zu bestehen. Der Arzt beantragte die Ueberführung ins Spital. Sobald aber Wera in einem lichten Augenblick diese Absicht erkannte, erregte sie sich so maßlos, bat und schrie endlich so verzweifelt: man solle sie dortlassen, wohin Friedrich Wieland, wenn er noch lebte, zuerst zurückkehren werde. Man mußte ihr den Willen tun, um nicht das Schlimmste hervorzurufen. Ueberlegend wandte sich der Arzt an Frau Thiele: „Der Transport gegen ihren Willen könnte ihr Tod sein. Aber wer trägt die Kosten, wenn sie hier bleibt?“ Da antwortete die brave Frau: „Ein Bekannter von Herrn Wieland, der zurzeit verschollen ist, hat mir eine Geldsumme übergeben, davon soll alles bezahlt werden. Schicken Sie, Herr Doktor, nur die Gemeindeschwester zur Pflege; das andere besorge ich.“ Doktor Rahn drückte ihr die Hand. „Das ist brav von Ihnen!“ Und Frau Thiele variierte ihr Sprüchlein:„Armut hilft der Armut gern. Die Tage gingen dahin. Der Winter begann zu weichen. Den redlichsten Bemühungen, der innigsten Anteilnahme des Arztes war es gelungen, Wera Hagen aus dem Abgrund tiefer Bewußtlosigkeit, in den sie immer wieder versank, heraufzuholen zu neuem Leben. Es kam die Stunde, wo sie ihr Lager verlassen und blaß und müde am Fenster sitzen konnte. Frau Thiele hatte ihr beim Ankleiden geholfen, und Wera hatte mit schmerzlichem Lächeln ihre viel zu weit gewordenen Kleider mit einem Gürtel um die Taille geschürzt. Und dann erfuhr sie, wem sie außer Doktor Rahn und der guten Nachbarin ihre Genesung zu verdanken habe. Als Frau Thiele Urbans Hilfe und Anteilnahme schilderte, überlief sie wieder das unerklärliche Furchtgefühl, das seine Gegenwart ihr stets einflößte. „Er ist wirklich gut und meint es redlich mit Ihnen", pries Mutter Thiele ihn.„Manchmal hat er bei mir in der Küche gesessen, wenn es so ganz schlimm war. Er hatte solche Angst um Sie. Und an nichts sollte ich es fehlen lassen, ganz einerlei, was es kostete.“ Wera stieg die Schamröte in die blassen Wangen. „Frau Thiele, Sie haben es gut gemeint,— aber das — das Geld von dem Herrn durften Sie nicht für mich annehmen.“ Aergerlich schlug die Frau die Hände zusammen. „So?“ fragte sie böse.„Wollten Sie lieber ins Spital? Dagegen haben Sie sich ja mit aller Macht gewehrt. Wollten Sie jetzt lieber auf dem Armenfriedhof liegen? Wenn Sie mir jetzt so kommen, dann soll mir jeder Handgriff leid sein, den ich um Sie gemacht habe.“ Da schämte sich Wera. Wie konnte sie auch von ihr, der Einfachen, ein Verständnis für das peinvolle, schrecklich Verpflichtende, zu dem Urbans Hilfe sie verurteilte, verlangen. Frau Thiele hatte ja so recht, ohne Urbans Hilfe wäre sie zugrunde gegangen, läge sie wirklich draußen auf dem Armenfriedhof. Sie verdankte ihm ihre Genesung, das war gewiß— aber schuldig bleiben konnte sie ihm nichts. Und wie sie auch sann, hundert Entschlüsse faßte und wieder verwarf, wohin sie auch nach Hilfe blickte— überall schaute sie nur mit traurigen Augen vollständige Verlassenheit, gänzliches Verwaistsein an. Und deshalb, so sehr ihr ganzes Gefühl sich auch sträubte—— Sie mußte ihm sein Verlangen, seine ewig und seit langem wiederholte Bitte erfüllen: Sie mußte sein Modell werden! Mußte es werden, bis sie abbezahlt hatte, auf Heller und Pfennig abbezahlt! Nun sie diesen Entschluß als unabänderlich erkannt und erfaßt hatte, begriff sie auch, daß sie so schnell wie möglich in den vollen Besitz ihrer Kraft gelangen müsse. Und dieses Ziel vor Augen, gewann sie den Willen zum Leben zurück. Von nun an ließ sie sich die gute Pflege der Nachbarin widerspruchslos gefallen— immer in dem beruhigenden Gedanken:„Ich kann und werde bezahlen!" Einmal, um die Mittagszeit, als es schon bedeutend besser mit der Genesung ging, trat Frau Thiele zu ihr ins Zimmer. Sie legte einen großen Geldbetrag auf den Tisch. „Dies ist das Geld, das Herr Urban mir zuletzt gegeben hat. Ich bringe es Ihnen, Fräulein Hagen, damit Sie was haben. Denn ich muß auf ein paar Tage zu meiner kranken Tochter nach Beuthen. Solange werden Sie nun wohl allein fertig werden, denke ich.“ „Ja, ja! Gewiß!“ sagte Wera überrascht zustimmend. Sie war erschrocken und mochte doch nicht ihre Furcht vor dem Alleinsein merken lassen. „Gewiß. liebe Frau Thiele, reisen Sie nur, ich kann mir jetzt ja wieder allein helfen. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Tochter.“ „Danke, Fräulein Hagen! Und hier ist das Geld. Alles ist richtig aufgeschrieben. Herr Urban sieht sich das ja nicht an, aber ich bin für ordentliche Abrechnung. Und was ich noch zu bestellen habe: Herr Urban wollte Sie jetzt mal besuchen, sagte er. Na. Sie werden ja wissen, was Sie zu tun haben. So — dann auf Wiedersehen, Fräulein Hagen!“ Sie ging Wera hörte, wie sie ihre paar ärmlichen Räume abschloß, hörte ihre schweren Tritte die Treppe hinunter— jetzt— alles still! Erst in dieser Stunde begrisf Wera, welcher Trost ihe die einfache, brave Frau gewesen. Ein unerträgliches Einsamkeitsgefühl überwältigte sie. Eine Beute dunkelster Schwermut, weilte sie in der nun ganz einsamen Wohnung. Eine Nacht und ein Tag verging, dann raffte sie sich auf. Das Bewußtsein: Ich habe Schulden zu bezahlen, ich muß verdienen!, gab ihr viel von ihrer früheren gesunden Kraft, ihrem starken Wollen zurück. So schwer der erste Schritt auch war, ein Anfang mußte gemacht werden. Sie wollte zu Urban gehen. Besser, tausendmal besser, sie suchte ihn auf, als wenn sie seinen Besuch empfing. Kam sie zu ihm in das Atelier, so war es in ihre Hand gegeben, die ganze Abmachung geschäftlich aufzufassen. Sie verdiente eben ein Darlehen ab, und die Erfüllung seines so langgehegten Wunsches würde ihm Dank für seine Hilfe sein. So grübelte und klügelte sie, bis sie sich alles in diesen Sinne zurechtgelegt hatte. Und ging... Schwankend, mit zitternden Knien, stieg sie die Treppen zu seinem Atelier hinau. Nachdem sie auf den Klingelknopf gedrückt, lehnte sie sich, wie von aller Kraft verlassen, gegen die Wand. Ihr Herz schlug so rasend, daß sie kaum Atem schöpfen konnte. Vor ihren Augen wurde es schwarz, ein Rauschen wie von schweren Fittichen, ein Brausen wie das Nahen einer schweren Schicksalswolke „Umkehren! Fort! Nur fort!“ Schon griff sie nach dem Treppengeländer. Hinaus ins Freie! Es war zu spät. Eine Tür öffnete sich, und eine Frau fragte: „Wollen Sie zu Herrn Urban? Dann gehen Sie nur ins Atelier. Er ist jetzt nicht da, wird aber wohl bald wiederkommen.“ Wera trat ein. Sie wollte warten, denn ging sie heute ohne Resultat fort, so würde sie den Mut zu einem zweiten Besuch schwerlich finden. Zuerst sah sie nichts als einen hohen, im orientalischen Stil ausgestatteten Raum— die übliche Einrichtung des zu Ruf und Geld gekommenen Künstlers. Und dann— in einer durch Wandschirme künstlich abgestellten Ecke schaute von einer Staffelei ihr eigenes Porträt. Wera sank auf den Divan. Regungslos starrte sie auf das Bild. Wer sie so malen, so aus dem Gedächtuis malen konnte— der liebte sie! Fünf Minuten war sie ohne Denken und Verstehen. Sie begriff nur: Zu einem Manne, der mich liebt, so liebt, kann ich nicht gehen. Eines Künstlers Modell kann ich nicht sein, wenn dieser Künstler mich begehrt. Wie aber die Schuld abtragen? Um Gottes willen, wie? „Oh, Friedrich, Friedrich! Wo bist du?“ Wie ein Wimmern kam ein Gebet:„Oh, komm doch! Und hilf mir aus dieser Erniedrigung.— Ja, komme!" Wera wußte nur zu gut, daß dieser flehentliche Ruf ohne Antwort bleiben würde, wie ungezählte vorher. Sie sprang plötzlich auf. Irgendwo hatte eine Uhr geschlagen. Mein Gott, wenn er jetzt käme! Wenn Urban sie hier fände— fort! Sie konnte jetzt nicht denken und über sich bestimmen— nur fort mußte sie. Als sie zur Tür ging, fühlte sie ihre Knie zittern, taumelnd faßte sie nach der Lehne eines Stuhles— es war der Schreibsessel. Vornübergebeugt blieb sie sekundenlang stehen, blickte fast gedankenlos vor sich hin. Und da sah sie— sah das Unfaßbare— auf der Platte dieses Schreibtisches. Wera starrte mit Augen hin, die fast aus ihren Höhlen sprangen. Auf dieser Schreibtischplatte lag eine Zeichnung, lag Friedrich Wielands Entwurf zum Umbau des Fürstlich Donnersfelsschen Kastells— die Pläne, von denen sie, sie selbst die Originalskizzen besaß. Sie riß die Papiere empor an ihre Augen. Sie starrte vor sich hin und begriff nicht. Ein Brief flatterte aus den Blättern. Sie griff danach. Der Stempel: Donnersfels. Er lautete: „Lieber Urban! Meiner Fürsprache ist es gelungen, Sie für die künstlerische Ausschmückung der bisher fertiggestellten Festsäle vorzuschlagen. Beifolgende Zeichnung orientiert Sie im Ganzen über Stil, Entwurf, und zeigt das Kastell nach seiner Fertigstellung. Genaue Maße und die Größenverhältnisse folgen anbei. Entwerfen Sie zunächst die Skizzen zu den Deckengemälden. Persönliche Vorstellung nach Ihrem Ermessen. Ihr S.“ „Senteck!“ Wera schrie laut auf. Sie erkannte seine Handschrift— ja, tausendmal ja. Wie oft hatte sie diese fast unleserlichen Schriftzüge gesehen— drunten bei der Hauswirtin, wenn er Miete und Auslagen beanstandete und seine eigene Berechnung vorlegte. „Senteck!" Wera schrie auf wie ein verwundetes Tier. Sie konnte nicht klar denken, nicht überlegen. Sie fühlte nur, daß sie vor etwas Furchtbarem stand, daß im nächsten Augenblick der Wahnsinn sie packte... Und daß dann alles, alles vorbei wäre— daß das Fürchterliche, das sie ahnte, ohne es schon begreifen zu können, unentdeckt bliebe, daß Friedrich Wieland ohne sie verloren wäre. Aus halberstickter Kehle röchelte sie das Gebet:„Lieber Gott! Lieber Gott, erhalte mir den Verstand!“ Sie raffte den Brief auf. eilte die Treppe hinunter. Nach Hause! Nach Hause! Eine Stunde später saß Wera Hagen im Zuge und fuhr gen Osten. In ihrer Tasche trug sie den Brief Sentecks, das kleine, schwarze Skizzenheft und den Rest von Urbans Geld, das ihr diese Fahrt ermöglicht hatte. *„* (Fortsetzung folgt.)