PUPPTVUE Die„Schwerter Jeitung" erscheint wöchentlich sechs mol. Bougsprels halmonatlich 1.20 Mank, Eineinummer 13 Pfg. Druck u. Verlagvon C. Brau, Schwerte(Ruhr), Potschackkeuten: Dortmund 2532 und Hannover 21474. Geschäststell: Große Marhstr. 3—3. Verantworlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Nostan gute dier de chlostnel. gene ei Bg,=Aumgüige, fingazamtiche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pg., Rekamtele 40 P), Hul teilson ausgegeden; Onserate idemchuen wie keine Gewädr. Bei unvorbergesehn. Betriedestbrungen, heroorgerusen durch bödere Gewaltan, übernedmen wir heinerei Gewäbe sier piaktliche Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinertei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden fr de Sarhatur. 5. eimn, Stuen, Lengliune Schwerter Volksblatt. Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Sp Kreisbient für den norblichen Leil des Landtreises Iserlein 63. Jahrgang Nr. 269(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Samstag, den 15. Novenber 1930 Die Abwarterewrgungder= Zretse Eine Erklärung des Kabinettsausschusses für Arbeits= und Preisfragen Ehrei den Pfeiinig Wieder! wtb. Berlin, 14. Nov.(Tel.) Die von dem Kabinettsausschuß für Arbeits= und Preisfragen gestern in Aussicht gestellte Verlautbarung hat folgenden Wortlaut: Wie die Reichsregierung in ihrem Wirtschafts= und Finanzprogramm betont hat, ist die Herabsetzung der Preise auf der ganzen Linie eine Notwendigkeit. Durch Verbilligung von Erzeugung und Verbrauch muß die Wirtschaft neu belebt werben. Verbilligung des Verbrauchs, Senkung der Lebenshaltungskosten, sind insbesondere auch geboten um die Wirkungen abzuschwächen, die sich aus der Kürzung der Beamtenbezüge und aus Lohnsenkungen ergeben. Ihr Ziel ist ebenfalls, die Lasten zu ermäßigen, die auf der Erzeugung ruhen. Niemand darf und wird sich auf die Dauer dieser zwangsläufigen Entwicklung entziehen können. Sache der Regierung ist es, sie mit allen Kräften zu fördern, damit die Schäden und Nachteile der Uebergangszeit zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage, von Preisen und Kaufkraft, abgekürzt und das Millionenheer der Arbeitslosen so rasch wie möglich der schaffenden Tätigkeit wieder zugeführt wird. Die ungezählten und vielgestaltigen wirtschaftlichen Vorgänge des täglichen Lebens können nun aber nicht durch staatlichen Zwang in diesem Sinne einheitlich und plötzlich gestaltet verden. Zwang ist geboten, wenn der wirtschaftlichen Entwicklung wider bessere Erkenntnis Hindernisse bereitet werden, die anders nicht zu beseitigen sind. In diesem Sinne fördernd diese Verbilligungstendenzen zu stützen, ist die Aufgabe des Kabinettsausschusses für Arbeits= und Preisfragen. Fast noch wichtiger aber als Zwang ist neben den Verhandlungen des Staates zu gütlicher Lösung der Fragen der Druck der Verbraucher und der öffentlichen Meinung auf Widerstrebende. Wenn durch die Hand der Hausfrau jährlich etwa 25 Milliarden deutschen Volkseinkommens gehen, so ist es vornehmlich auch sie, die auf die Preishaltung stärksten Einfluß nehmen kann. Sie kann die Verkäufer und die Waren bevorzugen, durch die sie billiger und besser bedient wird als durch andere. Die öffentliche Meinung braucht es nicht zu dulden, daß durch Zurückhaltung im Preisabbau Einzelne unberechtigte Vorteile haben, wenn Andere in richtiger Erkenntnis der Lage Opfer bringen. Sie kann und muß auch hier der Gerechtigkeit zum Siege verhelfen. Der Presse jeder Richtung und Größe, besonders auch den Zeitungen auf dem Lande, sind hier wichtige volkswirtschaftliche Aufgaben erwachsen, die verdienstvoll gelöst werden können. Gerechtigkeit kann insbesondere der Landwirt fordern, dessen Preise weit unter den Stand der anderer Waren hinabgeglitten sind. Wird dieser Bewegung Einhalt geboten, wird versucht, in angemessenen Grenzen die Preise der Agrarerzeugnisse unter anderen Waren einander anzunähern. dann braucht daraus für die Lebenshaltungskosten der breiten Massen keinerlei Nachteil zu entstehen. Denn die rückläufige Bewegung der Preise, die der letzte Verbraucher zu zahlen hat, muß dadurch auch weiter möglich sein, daß sich der Unterschied der Preisspannen in gerechter Weise auf die Zwischenglieder verteilt. Die folgende knappe Zusammenstellung soll eine gewisse Uebersicht, darüber geben, welche Fortschritte die Abwärtsbewegung der Preise in letzter Zeit auf einzelnen Wirtschaftsgebieten, meist infolge der staatlichen Maßnahmen, gemacht hat. Gewiß sind an sich die Lebenshaltungskosten für den Verbraucher unmittelbar von sinnfälligster Bedeutung. Trotzdem ist aber auch für ihn gleich wichtig, wenn die Urstoffe der Wirtschaft verbilligt werden. Daher steht die inzwischen erreichte Herabsetzung der Kohlenpreise um 6 Prozent im Vordergrunde. Sie wird sich für den Verbraucher in allen Richtungen auswirken. Ferner sind die Holzpreise um 17 bis 20 Prozent, die Preise für Walzwerksprodukte um 3 Prozent ermäßigt worden. Von den Baustoffen sind in: Durchschnitt Zement um 10 Proz., Ziegel um 10 bis 15 Prozent, Feusterglas um 22 Prozent und Platten um 35 bis 40 Prozent im Preise gesunken. Der Index der gesamten Baukosten ist seit Januar d. J. um 11 Prozent zurückgegangen. Wenn so die Preise in den Grundlagen der Wirtschaft weichen, dann muß davon der ganze Preisaufbau beeinflußt werden, der darauf ruht. Aehnliches gilt von den Kosten der Nahrungsmittel, die für den realen Wert des Lohnes von entscheidender Bedeutung sind. Von den Nahrungsmitteln ist der Brotpreis von 50 Rpf. auf 46 Rpf. für das Normalbrot herabgesetzt worden unter gleichzeitiger Erhöhung des Gewichtes von 1225 Gramm auf 1250 Gramm. Das bedeutet eine Ermäßigung um 10 Prozent. Ferner soll in Zukunft das Brot einheitlich nach Gewicht verkauft werden. Damit wird einem lange gehegten Wunsche der Bevölkerung Rechnung getragen. Das Pfund Schweinefleisch ist um 5 Rpf. billiger geworden. Der Preis für Kartoffeln hat sich auf 23 bis 30 Rpf. für je zehn Pfund gesenkt gegenüber einem Preise von 40 bis 45 Rpf. im Oktober d. I. Der Literpreis der Milch ist für Berlin um einen Reichspfennig auf 29 Rpf. gesenkt worden: Im Oktober 1929 betrug er noch 32 Rpf. Dabei ist zu berücksichtigen; daß durch Einführung der Qualitätsbezahlung für Milch dem Handel Mehraufwendungen entstanden sind, auf deren Einrechnung in den Milchpreis er bei den Verhandlungen verzichtet hat. Bei Gemüse und Obst haben die Verkäufer eine Preissenkung grundsätzlich zugesagt. Die Einzelheiten werden noch im Benehmen mit der Marktforschungsstelle geregelt. Zunächst gelten diese Vereinbarungen nur für Berlin. Das preußische Handelsministerium hat bei ihrem Zustandekommen mitgewirkt. Es wird dafür sorgen, daß auch die zuständigen Behörden im Lande in gleicher Weise eingreifen. Mit den Regierungen der anderen Länder wird die Reichsregierung selbstverständlich ebenfalls in diesem Sinne zusammenarbeiten. Bedeutsam ist in diesem Rahmen, daß der Deutsche Städtetag in Unterstützung der amtlichen Aktion inzwischen sämtliche Stadtverwaltungen zu tatkräftiger Mitarbeit an dieser wichtigsten volkswirtschaftlichen Aufgabe aufgerufen hat. Es ist nicht zu bezweifeln, daß im Zusammenwirken aller Behörden die Bewegung eine starke Stütze findet, die auf die allgemeine Preissenkung gerichtet ist. Als weitere Beispiele für die Abwärtsbewegung der Preise seien erwähnt die Preisrückgänge der einzelnen Markenartikel auf dem Nahrungsmittelgebiete, wie Malzkaffee, Makkaroni um 5 bis 12,7 Prozent, auch einige andere Markenartikel sind dieser Bewegung bereits gefolgt, dies im Ausmaß von 5 bis 20 Prozent. Auf dem Gebiete der Eisenverarbeitung beträgt die Preisermäßigung bei einer Anzahl von Waren 3¼ Prozent bis 10 Prozent, bei Messing= und Kupferfabrikaten 25 bis 40 Proz., bei Aluminium 10 Prozent und den Erzeugnissen daraus 8 Prozent. Gummireifen weisen eine Preisermäßigung von 10 Prozent, Linoleum im Durchschnitt von 5,3 Prozent, einzelne Sorten von Zündhölzern von 8 bis 20 Prozent, Papier von 8 bis 10 Prozent auf. Orthopädische Hilfsmittel haben einen Preisabschlag von 8 Prozent, orthopädisches Schuhwerk einen solchen von 10 Prozent erfahren. In manchen dieser und anderer Fälle werden sich die Abschläge vom Preise im Einzelhaushalt nur in Pfennigbeträgen auswirken. Wer sich der Inflationssitte noch nicht entwöhnen kann, auf 5= oder 10Pfennig=Beträge abzurunden, der wird genug Gelegenheit haben, den Erfolg der Preissenkungen zu verkleinern. Tatsächlich aber ist die Zeit dazu zu ernst. Auch der Bruchteil eines Pfennigs gewinnt in der Volkswirtschaft mehr Bedeutung denn je, Darum muß der Pfennig als Rechnungseinheit anerkannt und gewertet werden. Die erforderlichen Maßnahmen sind in Vorbereitung, die es ermöglichen sollen, dem auch im Zahlungsverkehr Rechnung zu tragen.s So wird der Kabinettsausschuß für Arbeitsund Preisfragen mit allem Nachdruck an die weitere Entlastung der Wirtschaft durch Preisermäßigungen herangehen. Frischfleisch so billig wie Gefrierfleisch Aufsehenerregende Abstimmung im Haushaltsausschuß die Mehrausguben von 300 bis 700 Millionen ersorvert vdz. Berlin, 14. Nov. Im Haushaltsausschuß des Reichstags wurden unter dem Vorsitz des Abg. Heimann(Soz.) zunächst die Anträge zur Abstimmung gestellt, die zu der Frage der Bereitstellung außerplanmäßiger Mittel zur Verbilligung von Frischfleisch an Stelle des in Fortfall gekommenen zollfreien Gefrierfleisches vorlagen. Unter Ablehnung aller übrigen Anträge wurde mit den Stimmen der Kommunisten, Nationalsozialisten, Sozialdemokraten, des Landvolks und der Christlich=Sozialen gegen Deutsche Volkspartei, Wirtschaftspartei und Zentrum, bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen, ein Antrag der Kommunisten angenommen, die Reichsregierung aufzufordern, die Verbilligung von Frischfleisch für die Zwischenlandung des Do K bei des Sübles 8 Vionne wtb London, 14. Nov. Das Flugschiff Do. X ist um 12,45 Uhr MEZ. gestartet. An der englischen Küste herrschen nur schwache Winde. Die Sicht über dem Kanal ist bis zu 18 Kilometer gut. Zwei„Do X“=Passagiere verpassen den Abflug. wtb. An Bord des„Do X“, 14. Nov.(Von unserem Sonderberichterstatter. CopyrightWolffs Telegraphisches Büro.) Der Start des„Do X“ ging bei bewegter See vonstatten. Es befinden sich neun Passagiere an Bord. Lady Drummond Hay und Karl von Wiegand haben das Flugschiff verpaßt. Sie sind, wie verlautet, rechtzeitig mit einem Auto zum Standort des„Do X“ abgefahren, aber wahrscheinlich unterwegs infolge einer Panne oder gar Unfalls liegengeblieben. Wir nahmen nach dem Start sofort Kurs auf Alderney. Das Wetter ist günstig. Der„Do X“ ist in bester Verfassung, an Bord befindet sich alles wohl. Wir hoffen, in den Abendstunden Bordeaux zu erreichen. „Do X“ über der französischen Küste. wtb. An Bord des„Do X“, 14. Nov.(16 Uhr) Copyright Wolffs Telegraphenbüro. „Do X“ an Küste Departements Loire— Inférieure entlang fliegend, gegen 15.30 Uhr Nantes erreicht. Wetter verschlechtert, Maschine alles in Ordnung. An Bord alles wohl. Erwarten gegen 18 Uhr Bordeaux einzutreffen. Die Entfernung zwischen dem gegenwärtigen Standort des Flugschiffes und Vordeaux beträgt rund 300 Kilometer. Do X unterbricht seinen Flug. wlb. Paris, 15. Nov.(Funkspruch.) Havas berichtet aus Rochefort sur Mer, die Marineflugstation von Rochefort habe einen Funkspruch von Sables d'Olonne aufgefangen, der besagt, ein Niesen=Wasserflugzeug, vermutlich das deutsche Flugzeug Do X, solle bei Bargent(?) auf dem Wasser niedergegangen sein und sich mit Propellerantrieb schwimmend gegen Süden weiterbewegen. Das betr. Flugzeug sei um 16.50 Uhr an der Pointe du Butte auf der der Vendée vorgelagerten Insel d'Yeu gesichtet worden. Landung des„Do X“ bei Les Sables d'Olonne. wtb. Paris, 15. Nov.(Funkspruch.) Der Dornier=Vertreter in Bordeaux hat nach Paris telegraphisch mitgeteilt, daß um 6.05 Uhr MEZ. das Flugzeug„Do X“ wegen stark eintretender Dunkelheit bei Les Sables d'Olonne in der Vendee glatt gelandet ist und heute früh den Weiterflug nach Bordeaux fortsetzen wird. Man habe es vorgezogen, in Vordeaux nicht bei Dunkelheit anzukommen. „Do X“ bei La Nochelle vor Anker gegangen. wtb. Paris, 15. Nov.(Funkspruch.) Havas berichtet aus Bordeaux: Die Küstenfunkstation Port=Bouscat hat um 21.40 Uhr folgende Meldung gegeben: Das deutsche Flugschiff„Do X“ ist am Freitag um 21 Uhr bei La Rochelle angekommen und wird die Nacht über bei seinem Ankerplatz verbleiben und heute vormittag seinen Flug fortsetzen. Eine Meldung von Bord des Do X. An Bord des Do X, 15. Nov.(Funkspruch.) 21.50 Uhr.(Von unserem Sonderberichterstatter.) Infolge Nebels im Kanal konnte das Flugschiff Do X erst sehr spät starten. Ständiger Gegenwind ließ das Erreichen von Vordeaux vor Nacht unwahrscheinlich werden. Darum wurde bei Einbruch der Dunkelheit nach herrlichem Fluge von 5 Stunden um 17.03 Uhr bei La Rochelle glatt gelandet. Wir werden in der Bucht von La Rochelle ankern und an Bord übernachten. Alles wohl. minderbemittelte Bevölkerung in der Weise vorzunehmen, daß der Preis des verbilligten Frischfleisches in keinem Fallehöher sein darf, als der bisherige Preis des zollfreien Gefrierfleisches, und der Kreis der Bezieher von verbilligtem Frischfleisch alle Erwerbslosen, Sozial= und Kleinrentner, sowie alle Fürsorgeberechtigten unfassen mut, exrast, in Basitzischen u.d Diese Abstimmung erregte in politischen und parlamentarischen Kreisen außerordentliches Aufsehen, da die finanzielle Auswirkung eines solchen Antrags gar nicht zu übersehen ist. Man spricht davon, daß die Ausführung dieses Antrags 500—700 Millionen neuer Mittel erforderlich machen würde. In Regierungskreisen ist man der Ansicht, daß die Durchführung dieses Beschlusses bei der jetzigen Finanzlage unmöglich sei, da dadurch alle bisherigen Sparmaßnahmen und die Ausbalanzierung des Etats vollkommen illusorisch gemacht würden. Zusammenstöße in Madrid Schüsse bei einem Leichenbegängnis. wtb. Paris, 15. Nov.(Funkspruch.) Wie Havas aus Madrid berichtet, ist es bei der Beerdigung der drei Arbeiter, die bei dem kürzlichen gemeldeten Häusereinsturz ums Leben gekommen waren, zu Zwischenfällen gekommen. 50000 Arbeiter folgten dem Leichenzuge. Die Polizei verhinderte, daß der Zug den Weg in das Innere der Stadt nahm. Dabei kam es zu Zusammenstößen, bei denen auch geschossen wurde. Die Zahl der Toten soll drei, die der Schwerverletzten fünf und die der Leichtverletzten etwa 50 betragen. wtb. Paris, 15. Nov.(Funkspruch.) Havas berichtet aus Madrid: Nach einer Mitteilung der Polizei sollen bei den Zusammenstößen nur 12 Personen verletzt, dagegen niemand getötet worden sein. Nach Nachrichten aus privater Quelle dagegen sollen 4 Personen ums Leben gekommen sein. In Madrid sind strenge Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen worden. Zahlreiche Abteilungen Zivilgarde haben die Straßen zum Friedhof besetzt. Die Arbeiter haben mehrere Autos umgeworsen und durch Steinwürfe Fensterscheiben an den Straßenbahnwagen und Läden eingeworfen. Die Geschäfte haben zum Teil die Läden geschlossen. Arbeiter haben in Reden auf dem Friedhof den Generalstreik als Protest verlangt. Vertrauen für die französische Regierung wtb. Paris, 14. Nov. Die Kammer hat mit 323 gegen 270 Stimmen die von der Regierung angenommene Tagesordnung Odin und Pie (Radikale Linke) angenommen und damit der Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen. Die Sitzung wurde um 4 Uhr morgens aufgehoben. Die Rotverordnungen ein geschosenes Ganzes enb. Berlin, 15. Nov.(Eigene Radiomeld.) Reichskanzler Dr. Brüning empfing gestern den Vertreter der Landvolkpartei Landrat a. D. Dr. Gericke, zu einer Aussprache über schwebende politische und kommunalpolitische Fragen. Wie die Landvolknachrichten hierzu erfahren, wurde im Verlaufe dieser Unterredung auch die Frage der Ergänzung der Notverordnungen durch Abänderungsanträge im Haushaltsausschuß erörtert. Die Reichsregierung vertritt den Standpunkt, daß der Notverordnungen ein geschlossenes Ganze darstellen, das nicht durch Anträge im Haushaltausschuß abgeändert werden könne. Etwa von den Parteien gewünschte Aenderungen könnten nur durch Einbringung von Initiativ=Gesetzentwürfen herbeigeführt werden. Die Kriegssabotage in den Vereinigten Staaten wtb. Berlin, 15. Nov.(Funkspruch.) In den beiden großen Satobage=Prozessen, die seit mehreren Jahren vor der deutsch=amerikanischen gemischten Kommission schwebten, in denen Schadensersatzansprüche gegen das Deutsche Reich in Höhe von etwa 40 Millionen Dollar geltend gemacht wurden, ist nunmehr die Entscheidung zugunsten Deutschlands gefallen. In dem ersten der beiden Prozesse, der unter dem Namen Black Comp=Fall bekannt ist, handelte es sich darum, daß am 30. Juli 1916 auf dem Frachtbahnhof einer amerikanischen Eisenbahngesellschaft im Hafen von Newyork, der den Namen Black Comp Terminal führt, eine große Explosion zahlreicher mit verschiffungsbereiter Munition beladener Eisenbahnwagen stattfand. Der zweite Prozeß, der Kingsland=Prozeß, bezog sich auf die Zerstörung einer Munitionsfabrik, die am 11. Januar 1917 in dem in der Nähe von Newyork gelegenen Ort Kingsland erfolgte. In beiden Fällen wurde von den Geschädigten die Behauptung aufgestellt, die Zerstörungen seien das Werk deutscher Agenten gewesen, die von deutschen amtlichen Stellen den Auftrag erhalten hätten, Sabotageakte in den Vereinigten Staaten auszuführen. Die Kommission hat nunmehr einstimmig festgestellt, daß Deutschland für die beiden Sabotagefälle nicht verantwortlich gemacht werden ann. Der Lundtag zur Sauernnet Zusammenstöße wegen des Konkordats— Landtagspause bis 15. Dezember Sieg der Abrüstungsgegner in Genf Ablehnung des deutschen Antrags auf direkte Herabsetzung des Kriegsmaterials. wtb Genf, 14. Nov. Im vorbereitenden Abrüstungsausschuß ist heute vormittag die grundsätzliche Entscheidung über die Behandlung des Heeresmaterials im Konventionsentwurf gefallen. Der deutsche Antrag, daß für das Landrüstungsmaterial das Prinzip der gerechten Herabsetzung(tabellenmäßige Angabe der Höchststückzahlen des im Dienst befindlichen und lagernden Materials) angenommen werden soll, wurde mit 9 gegen 9 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen abgelehnt. Für den deutschen Antrag haben gestimmt: Deutschland, Kanada, die Vereinigten Staaten, Italien, Holland, Schweden, Rußland, Türkei und Venezuela, dagegen stimmten Belgien, Finnland, Frankreich, Japan, Persien, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Jugoslawien. Es haben sich der Stimme enthalten: Bulgarien, China, Spanien, Großbritannien, Irland, Griechenland, Norwegen. Weiter wurden je ein Antrag der sowjetrussischen und italienischen Delegation, die sich gleichfalls für das Prinzip der gerechten Herabsetzung in Verbindung mit einer Herabsetzung der Heeresausgaben ausgesprochen haben, abgelehnt. Damit ist festgestellt, daß der Ausschuß für die Landrüstungen das Prinzip der direkten Herabsetzung des lagernden und im Dienst befindlichen Materials nicht angenommen hat. Die Abstimmungen über die Frage des Heeresmaterials wurden heute beendet durch Annahme einer von der englischen Delegation vorgelegten Entschließung, in der festgestellt wird, daß die Mehrheit des Ausschusses sich für eine Herabsetzung des Heeresmaterials durch Beschrankung der Heeresausgaben ausgesprochen habe. Für die englische Entschließung stimmten 16 Regierungen, drei Delegationen stimmten dagegen und sechs enthielten sich der Stimme, darunter der Vertreter der Vereinigten Staaten. Die Vertreter Deutschlands, Italiens und Rußlands haben gegen die Entschließung gestimmt. Bei der ablehnenden Haltung des deutschen Delegierten war die Erwägung maßgebend, daß durch die vom Ausschuß empfohlene Methode das beim erentuellen Inkrafttreten einer Abrüstungskonvention vorhandene Material überhaupt nicht erfaßt würde. vdz. Berlin, 14. Nov. Der preußische Landtag nahm in seiner heutigen Sitzung bei Erledigung kleiner Vorlagen endgültig Anträge der Regierungsparteien an die in die Gewerbesteuer für freie Berufe auch Zahntechniker, sowie Landund Feldmesser einbeziehen und die Beteiligung der freien Berufe in den Gewerbesteuerausschüssen anregen. Es folgte eine Aussprache über mehrere große Anfragen und Anträge über die Not der Landwirtschaft. Nachdem die Vertreter der einzelnen Parteien ihre Anfragen und Anträge begründet hatten, nahm Landwirtschaftsminister Dr. Steiger das Wort. Der Minister erklärte: An der Notlage der Landwirtschaft sei nicht die Politik der Regierung schuld, sondern die Veränderungen, die durch den Krieg in Deutschland und in allen anderen Staaten eingetreten seien. Auch die erhebliche Verschuldung der Landwirtschaft in Deutschland, die im ersten Halbjahr 1930 400 Millionen Mark betrage, sei darauf zurückzuführen. Der Schwerpunkt dieser Verschuldung liege bei den kurzfristigen Krediten, und hier spiele wiederum der Düngerwechsel eine besondere Rolle. Rückzahlungsschwierigkeiten beständen im Osten, insbesondere in Brandenburg und Pommern. Da die Düngerwechsel grundsätzlich aus der Ernte des Jahres, für das sie in Anspruch genommen seien, zurückgezahlt werden müßten, könne die Preußenkasse eine allgemeine Verlängerung nicht eintreten lassen. Man dürfe aber annehmen, daß von Fall zu Fall auf schwierige Verhältnisse Rücksicht genommen werde. Ganz allgemein sei der Zinsfuß für Personalkredite in der Landwirtschaft besonders drückend. Durch Vereinbarungen zwischen Girozentralen und Genossenschaften werde es, wie es in Ostpreußen z. B. schon der Fall sei, möglich sein, den Zinssatz nicht unerheblich herabzusetzen. Auf den für die Landwirtschaft notwendigen Stand werde man aber erst kommen, wenn die Kapitalflucht aufhöre und die Kapitalbildung im Innern durch Beseitigung der Wirtschaftskrise wieder zunehme. Zur Kreditkrise komme die Absatzkrise, insbesondere auf dem Gebiet der Getreidewirtschaft. Der Minister wies auf die bekannten Bestrebungen hinsichtlich des Roggen= und Weizenpreises hin und befaßte sich mit der Kartoffelverwertung. Von besonderer Bedeutung sei hier die Kartoffeltrocknung. Das Reich habe bereits 380000 Doppelzentner Kartoffelflocken auf Lager genommen und bis zum 10. November weitere 540 000 Doppelzentner in Anrechnung auf die 2,2 Millionen Doppelzentner eingekauft, die bis zum Dezember aufgenommen werden sollen. Was die Kartoffelstärke angehe, so hätten die Maizena=Werke in Barbis 200 000 Doppelzentner abgenommen zu einem Preise, der 1,50 Mark je Zentner Kartoffeln entspreche. Eine Erhöhung des auf 70 Prozent festgesetzten Spirituskontingents sei beantragt, aber wegen der lagernden großen Vorräte schwierig. Bei der jetzt eingeleiteten Osthilfe ist die Staatsregierung dafür eingetreten, daß die vorzugsweise Befriedigung des Kreditbedürfnisses einzelner Besitzgrößenklassen ausgeglichen würde. Auf die sozialdemokratische Große Anfrage wegen angeblicher Begünstigung der sog.„Familiensanierungen auf Kosten der Ostpreußenhilfe“. erteilt der Regierungsvertreter folgende Antwort: In der Einzelbeantwortung der Interpellationen erklärte ein Regierungsvertreter, daß bis 30. September 1930 für Ostpreußen über 91 Millionen Reichsmark zweistellige Hypothekarkredite bereitgestellt seien und daß 60,9 Millionen davon aus der Ostpreußenhilfe stammten. Die Betriebsgröße bis 20 Hektar habe 3,4 Millionen solcher Kredite erhalten. Bis 15. August 1930 seien an Umschuldungshypotheken, für die Reich, Staat oder Provinz bürgten, 2,1 Millionen Reichsmark ausgefallen. Von den 412 200 Reichsmark Umschuldungskrediten Die Unruhen in Peru wtb. London, 14. Nov. Réuter berichtet aus Lima zu den bereits gemeldeten ernsten Unruhen bei Malpaso, daß bei den Teilnehmern an den für den pommerschen Kreis Schlawe seien 275000 Ausschreitungen sich eine starke antibritiReichsmark auf den Großgrundbesitz entfallen. Die ungleiche Behandlung der Besitzgrößen solle bei der nun eingeleiteten Osthilfe ausgeglichen werden, wie man auch die Beschwerden wegen der sog. Familiensanierung beteiligen wolle. Ein heftiger Zusammenstoß In der Aussprache kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Deutschnationalen und Zentrum. In Zurückweisung von Angriffen des Abg. Schwecht(DN) hielt Abg. Schmelzer(Z.) ihm vor, daß Abg. Schwecht als deutschnationaler Katholik s. Zt. in der deutschnationalen Fraktion Fraktionszwang gegen das Konkordat herbeigeführt habe, obwohl der Papst diesen Staatsvertrag gewollt hätte. Als Kronzeugen führte er den Abg. Goldau(Landvolkpartei) an, der gleichfalls Katholik ist und wegen der Haltung der Deutschnationalen gegen das Konkordat s. Zt. aus der deutschnationalen Fraktion ausschied. Abg. Goldau bestätigte die Darlegungen Schmelzers. Es kam zu erregten Lärmszenen, die in einen Sturm bei der Sozialdemokratie und dem Zentrum übergingen, als in seiner Antwort der Abg. Schwecht von dem „System aus Meineid und Hochverrat“, sprach, das 1918 entstanden sei und dem das Zentrum mit der Sozialdemokratie diene. Der deutschnationale Fraktionsführer von Winterfeldt bestritt, daß Abg. Schwecht den Franktionszwang gegen das Konkordat verlangt habe. Die Deutschnationalen seien überhaupt nicht gegen das Konkordat, sondern nur dagegen gewesen, daß es vor den evangelischen Verträgen in Kraft treten sollte. Nach 22 Uhr vertagte sich das Haus bis zum 15. Dezember. Der Präsident wurde ermächtigt, die Tagesordnung festzusetzen. Konferenz der Landworischaftsimiaster enb. Berlin, 15. Nov.(Eigene Radiomeld.) Die Landwirtschaftsminister der Länder werden, wie die Voss. Ztg. berichtet, Ende November oder Anfang Dezember in Berlin unter dem Vorsitz des Reichsernährungsministers Schiele zu einer Konferenz zusammentreten, in der die allgemeinen Richtlinien für die Landwirtschaftspolitik des nächsten Jahres aufgestellt werden sollen. Man wird dabei auch die inzwischen erzielten Ergebnisse der Preissenkungsaktion und die weiteren auf diesem Gebiet möglichen Maßnahmen besprechen. In erster Linie dient die Aussprache einer Besprechung über die Verwendung der im Reichshaushalt vom Ernährungsministerium angeforderten Mittel. Attentat auf den japanischen Premierminister wtb Tokio, 14. Nov. Auf den japanischen Premierminister Hamaguchi wurde hier heute früh um 8,55 Uhr am Bahnhof ein Schuß abgefeuert. Die Kugel drang dem Premier= minister in den Unterleib. Der Täter, ein junger Mann, wurde verhaftet, bevor er Zeit hatte, einen zweiten Schuß abzufeuern. Nach einer ersten Untersuchung des Verletzten im Büro des Bahnhofsvorstehers erklärte der Arzt, daß die Aussichten auf Wiederherstellung des Premierministers gut seien. Der Premierminister wollte sich zur Zeit des Attentats nach Okayama begeben, um den dort heute beginnenden großen Jahresmanövern beizuwohnen Hamaguchis Zustand besorgniserregend. wtb Tokio, 14. Nov. Die Aerzte, die den verwundeten Premierminister Hamaguchi behandeln, haben sich veranlaßt gesehen, eine Bluttransfusion vorzunehmen. Der zweite Sohn des Premierministers, Iwane Hamaguchi, hat sich den Aerzten zur Blutentnahme zur Verfügung gestellt. sche und antiamerikanische Stimmung geltend mache. Die Werke einer britischen Firma wurden von den Arbeitern unter dem Ruf„Nieder mit dem britischen Imperialismus" zum Stillstand gebracht. 20 Ausländer, die von den Unruhestiftern verfolgt wurden, sind verschwunden. In Malpaso plünderte ein wütender Hause von etwa 1500 Arbeitern die Läden und grif die Häuser der Beamten an, wobei verschiedene Ausländer getötet oder verwundet wurden, ehe die Polizei eingreifen konnte. Die Polizei ging darauf mit der Schußwaffe gegen die Unruhestifter vor, von denen 10 erschossen wurden. Die Regierung hat in aller Eile nach den bedrohten Gebieten Truppen entsandt. Auto mit Fahrer verbrannt wp. Pforzheim(Baden), 14. Nov. Gestern nachmittag ereignete sich in der Nähe von Liebenzell ein gräßlicher Unglücksfall. Der Verkäufer einer hiesigen Kraftfahrzeughandlung geriet mit seinem Wagen auf der Lahnstraße in einen Straßengraben. Der Wagen fiel um und geriet in Brand. Der Wagenführer konnte sich aus dem brennenden Wagen nicht mehr retten und kam in den Flammen um. Er konnte nur als verkohlte Leiche geborgen werden. Bankskandal in Petershagen an der Weser wp. Petershagen(Weser), 14. Nov. Bei der hiesigen Bank sind große Schwindeleien verübt worden. Es handelt sich dabei um einen Betrag von 200000 Mark. Für 160000 Mark falsche Wechsel sollen bereits eingelaufen sein. Zwei leitende Beamte der Bank sind die Schuldigen. Das Geld besteht aus Sparpfennigen der kleinen Landwirte. Der Bankbevollmächtigte Schwarze ist gestern verhaftet und ins Bielefelder Gefängnis gebracht worden. Raubüberfall in einer Altonaer Bankfiliale wtb. Altona, 14. Nov. In der Altonaer Filiale der Vereinsbank Hamburg am Fischmarkt erschienen heute zwei junge Burschen von 20 bis 25 Jahren und bedrohten die Bankbeamten mit Revolvern. Sie gaben mehrere Schüsse ab, durch die einer der Bankbeamten am Kopf verletzt wurde, sodaß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Ein anderer Beamter hatte die Geistesgegenwart, die Fensterscheibe mit einem Briefbeschwerer einzuwerfen und um Hilfe zu rufen, worauf man auf der Straße aufmerksam wurde. Die Räuber flüchteten und konnten unerkannt entkommen. Die Katastrophe in Lyon 40 Tote? wtb. Paris, 15. Nov.(Funkspruch.) Wie aus Lyon gemeldet wird, schreiten die Aufräumungsarbeiten nur langsam vorwärts. Gestern gegen abend wurde die Holzdecke freigelegt, bei der es sich vermutlich um die Decke des eingestürzten Hotels handelt. Man hofft nun die Zahl der darunter befindlichen Opfer feststellen zu können. Es wird hier mit 10 Toten gerechnet, wodurch die Gesamtzahl der Opfer auf 40 steigen würde. Die Preise der Martenurttel Das Gutachten des Reichswirtschaftsrats fordert Sentung der Preise Wieder ein Auslands=Sowjetbeamter flüchtig wtb Niga, 14. Nov. Der seit vier Jahren lier amtierende erste Sachverständige für Textittenhande! bei der hiesigen sowjetrussischen Handelsvertretung, Sagiroff, ist dem Befehl, sofort nach Moskau zurückzukehren, nicht gefolgt und hat seinen Posten verlassen. enb. Berlin, 14. Nov.(Eig. Meld.) Der Reichswirtschaftsrat veröffentlicht jetzt das Gutachten, das sein mit der Prüfung der Preisbindungsfrage für Markenartikel beauftragter Ausschuß erstattet hat. Der Ausschuß hat zu seiner Untersuchung auch die beteiligten Wirtschaftskreise hinzugezogen. Er hat folgende Warengebiete untersucht: Haferflocken, Kaffee=Ersatzmittel, Schokolade, Backpulver und Puddingpulver, Zahnpflegemittel, Schuhputzmittel, Seifen, Waschmittel, elektrische Bedarfsgegenstände(z. B. Staubsauger, Bügeleisen, Glühlampen), Schallplatten. Schätzungsweise kann der Anteil preisgebundener Markenartikel am Gesamtumsatz des Einzelhandels auf 350 bis 400 Millionen angenommen werden. Der Anteil der preisgebundenen Waren an den Haushaltsausgaben wird auf etwa 7 bis 10 Prozent geschätzt. Bei der Untersuchung der Handelsspannen ist der Ausschuß zu dem Ergebnis gekommen, daß sie im Durchschnitt im Einzelhandel mit Lebensmitteln und Kolonialwaren zwischen 15 und 25 Prozent, im Feinkosthandel zwischen 15 und 33 ein Drittel Proz. und im Drogenhandel zwischen 25 und 50 Proz. liegen dürften. Die Großhandelsspannen dürften im Durchschnitt 10 bis 12 Prozent betragen. Der Ausschuß hat das Ergebnis seiner Untersuchungen in einer Entschließung zusammengefaßt, die in ihrem ersten Absatz die Reichsregierung ersucht, unverzüglich den Versuch zu machen, die Senkung der Preise für die Markenwaren, insbesondere für Lebensmittel und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs, durch Zusammenwirken von Erzeugern, Großhandel und Einzelhandel in dem auf den einzelnen Gebieten als möglich erscheinenden Umfang zu sichern. Das Ausmaß der bisher erfolgten Preissenkungen, die in der Regel 10 Prozent des Endverkaufspreises überschreiten, könne als Richtlinie für die Mindestmöglichkeiten des Preisabbaues angesehen werden. Im zweiten Absatz empfiehlt die Entschließung der Reichsregierung, den Verbänden der in Frage kommenden Erzeuger und Händler kurze Fristen zu setzen, in denen die Preissenkung in ausreichenden Maße gesichert sein müsse. 38“ in Le Bourget gelandet wtb. Paris, 14. Nov.(Tel.) Das deutsche Flugzeug„G 38“ ist heute nachmittag um 2.10 Uhr hiesiger Zeit auf dem Flugplatz Le Bourget gelandet. Die Besatzung wurde vom Befehlshaber des Flugplatzes empfangen. Der Führer der„G 38“, Pilot Zimmermann, erklärte, er werde erst am Montag nach Dessau weiterfliegen. Funkmeldungen Dr. Porsch schwer erkrankt. wtb. Berlin, 15. Nov.(Funkspruch.) Der langjährige erste Vizepräsident des preußischen Landtags, Abg. Dr. Porsch, der Jahrzehnte hindurch zugleich der erste Vorsitzende der preußischen Zentrumspartei war, ist gestern mittag schwer erkrankt und auf seinen Wunsch nach Breslau gebracht werden. Tarifkündigung in der oberschlesischen Montanindustrie. wtb. Gleiwitz, 15. Nov.(Funkspruch.) Der Arbeitgeberverband der oberschlesischen Montanindustrie hat Manteltarif und Mehrarbeitsabkommen im oberschlesischen Steinkohlen= und Erzbergbau zum 31. Dezember gekündigt. Die belgische Kabinettskrise endgültig beigelegt. wtb. Brüssel, 15. Nov.(Funkspruch.) Der König empfing am Freitagabend im Schloß Laeken den Ministerpräsidenten Jaspar: Er teilte ihm bei dieser Audienz seinen Entschluß mit, das Rücktrittsgesuch des Kabinetts nicht anzunehmen.— Kammer und Senat sind zum Dienstag einberufen worden. Ein chilenischer Segler gesunken.— 17 Tote. wth Puerto Monti(Chile), 14. Nov. Der chilenische Dreimaster„Laura“ ist vor Chonchi untergegangen. 17 Todesopfer sind zu beklagen. Türnen, Spiel, Spert Fuchhet #6C. Union e. V. Schwerte Tabelle der 1b=Jugend. Am kommenden Sonntag weilt der S. S. C. Union mit einer Stamm= und 3 Jugendmannschaften in Dortmund als Gast beim Dortmunder Sportclub 1895. Nach den letzten erzielten Ergebnissen können die Unioner unbesorgt den Kampf mit dem Ruhrbezirkvertreter aufnehmen. * Sportfreunde Hohenlimburg 1910 1. in Schwerte. Das für Sonntag ursprünglich vorgesehene Meisterschaftsspiel Schwerte 06 in Hohenlimburg gegen 1910 1. wurde in letzter Minute durch den Gauausschuß nach Schwerte verlegt, da die Gäste wegen Platzschwierigkeiten in Hohenlimburg die 06er nicht empfangen konnten. Die Gäste hatten bisher in den Meisterschaftsspielen reichlich Pech. Immerhin gibt Hohenlimburg einen Gegner ab, der trotzdem ernst zu nehmen ist. Die Mannschaft verfügt über gute Einzelkräfte und wenn sich die Elf zu einer einheitlichen Leistung aufraffen wird, wird 06 schwer zu kämpfen haben. Die 06er spielen in der vorsonntäglichen Aufstellung und wenn man mit etwas Ernst bei der Sache ist, können evtl. zwei Punkte erobert werden. * S. C. Alemannia. Alemannia 1.— Dröschede 1. Am morgigen Sonntag empfängt die 1. der Alemannen die 1. des„Borussia" Dröschede zum fälligen Meisterschaftsspiel. Aus den letzten Spielen gingen die Dröscheder stets als Sieger hervor. Wie wird es morgen werden? Betrachtet man beide Mannschaften, so kommt man zu dem Schluß, daß beide eine ganz verschiedene Spielweise haben. Bevorzugen die Dröscheder das frohe und weitmaschige und vor allen Dingen ein gefährliches Flügelspiel, haben die Alemannen das von Mann zu Mann=Spiel, d. h. ein engmaschiges Spiel, bei dem auch die Läuferreihe mit kombiniert. Die besten Leute der Gäste sind die beiden Verteidiger und der wieselflinke Rechtsaußen. Wie sind dagegen Alemannias Mannen? Bei denen die Besten zu nennen, wäre verfehlt; denn alle sind gute Spieler, nur manchmal fehlt der nötige Eifer und der Wille zum Sieg. Alemannias 1. zeigt, was ihr könnt! Laßt euch nicht zum dritten Male von Dröschede schlagen! Alemannia Reserve— Menden 09 Reserve. Die Reserve hat die gleiche von Menden 09 zu Gast. Konnte die Reserve noch nie auf eigenem Platze spielen, so wird sie Sonntag zeigen, was sie kann. Die Gäste sind kein zu unterschätzender Gegner und es wird gewiß bis zum Schlußpfiff um den Sieg gekämpft werden. Alemannia 2. Menden 09 2. Auch die 2. Mannschaft spielt auf heimischem Boden und die 2. Mannschaft aus Menden zu Gast. Die 2. der Alemannen wird bestimmt bei ihrer augenblicklichen Form zu einem Siege kommen. Doch soll sie den Gegner nicht zu leicht nehnten. Alemannia 2. Jgd.— Geisecke 2. Igd. Die 2. Jugend toelche den Reigen am Sonntag eröffnet, spielt gegen Geiseckes 2. Jugend. Vor beiden Mannschaften hat man sehr wenig gehört. Der Ausgang des Spieles ist vollkommen offen. Fußballhochbetrieb in Westhofen Mit fünf Mannschaften tritt der V. f. B. Westhosen am kommenden Sonntag auf den Plan, um seinen zahlreichen Anhängern von früh bis spät etwas zu bieten. 3. Mannschaft— Viktoria Hagen 2. Die dritte Mannschaft muß sich anstrengen, da sie im vorhergegangenen Spiel von Hagen geschlagen wurde. Anschließend spielen: Alte Herren— alte Herren Viktoria Hagen. Die alte Herren=Mannschaften spielen erstmalig gegeneinander. Die Westhofener treten teilweise mit alten Kämpen an, werden aber gegen die spielstarken Viktorianer wohl nicht aufkommen können. 1. Jgd.— Geisecke 1. Jgd. Hier ist mit einem Siege der Westhofener zu rechnen. 1. Mannschaft— Postsport Hagen 1. Es geht um die Führung der Tabelle. Wenn Westhofen rührig ist, vor allem ein gutes Zusammenspiel zeigt, dann müßte der Sieg zu holen sein. 2. Mannschaft— SSV. Schwerte 2. Es ist ein Diplomspiel; auch hier geht es um die Spitze. Vielleicht kann sich der Siegeswillen der Westhofener durchsetzen. Deutsche Turnerschaft Handball Meldet Holzen 07 einen weiteren Sieg? „Eintracht" Brambauer stellt sich vor! Der Tv.„Eintracht" Brambauer hat die Hoffnungen nicht erfüllt, die seine Anhänger auf ihn gesetzt haben und fiel immer mehr zurück, sodaß er jetzt den letzten Tabellenplatz einnimmt. Von 9 Spielen konnte der Verein nur 2 Gewinnpunkte buchen und zwar durch die unentschiedenen Spiele gegen Holzen 07(0:0), und Jahn j Brechten(3:3). Bei diesen Spielen zeigten die Eintrachtler gute Leistungen, jedoch fehlte der jungen Mannschaft in den übrigen Treffen der rechte Zusammenhang. Man zeigte zwar bei dem Spiel gegen Brechten am Vorsonntag seit langer Zeit wieder ausgezeichnete Form, wir glauben aber nicht, daß sie die 07er auf eigenem Gelände bezwingen können. Wahrscheinlicher aber ist, daß die nach der Spitze strebenden Holzener mit größtem Eiser bei der Sache sind und wieder zwei Punkte dem Konto gutschreiben werden. Holzen 07 2.— Eintracht Lindenhorst 1. Die Spiele der Holzener standen in der 1. Serie unter keinem glücklichen Stern. Die 2. Mannschaft hat sich aber jetzt aufeinander eingespielt. Die Hauptstärke liegt in dem Schlußdreieck. Zeigt die Läuferreihe ein gutes Stellungsspiel und beschäftigt hauptsächlich die Flügelstürmer, so werden Torerfolge nicht ausbleiben. Vor allem heißt es, auf der Hut sein und mit Rieseneifer bei der Sache zu sein, andernfalls werden die Punkte entführt werden. Kl. * „Germania“, Boelerheide 2.—„Teutonia“. Westhofen 1. Die erste Handballmannschaft fährt Sonntag nachmittag nach Boelerheide um gegen die dortige zweite Mannschaft des Turnvereins „Germania“ das zweite Pflichtspiel auszutragen. Wenn die Westhofener Mannschaft die Punkte mitbringen will, dann muß sie sich gewaltig anstrengen, zumal der Gastgeber augenblicklich in bester Verfassung ist.: „Teutonia“ Westhofen 1. Jugend— BfL. 1863 Hagen, 3. Jugend. Die erste Jugend empfängt Sonntag nachmittag 15 Uhr die dritte Jugend von VfL. Hagen i. Westf. Die Jugend wird wohl Sieg und Punkte den VfL.ern überlassen müssen. Den Hiesigen wäre zu raten, den Mut nicht sinken zu lassen, denn nur degen starke Gegner kann man lernen. Reichsbahn=Turn= und Sportverein Schwerte. Nach langer Zeit spielen die Handballer vom hiesigen Reichsbahnsport auch mal wieder hier in Schwerte auf dem Sportplatz Gymnasium. Und zwar ist die 1. Handball=Mannschaft vom Reichsbahnsport Hengstey nach hier verpflichtet. Nach ihrem letzten Spiel hier in Schwerte haben sich die Hengstey'er stark verbessert. Da auch noch einige neue Spieler in der Mannschaft mitwirken, dürften sich die Gäste wohl in Hochform befinden. So konnten sie doch vor drei Wochen gegen die ersten Mannschaften vom Reichsbahnsport Lennep und Vorhalle komb. 3:5 gewinnen. Den Schwertern wäre zu raten, sämtliche Register auszuziehen um ehrenvoll gegen den Gast abzuschneiden. Vor diesem Spiel treffen sich die 1. Jugendmannschaften vom R. T. u. S. V. Schwerte— Turnverein„Jahn“ Schwerterheide. Hier erwarten wir die Reichsbahner als Sieger, doch dürfen sie das Spiel nicht zu leicht nehmen. Deutsche Jugendkraft DJK. Schwerte— 23K. Gevelsberg. Mit diesem Spiel beschließen die Schwerter die erste Meisterschaftsserie. Es wird ein harter Kampf werden. Während einerseits die Hiesigen — die bisher ohne Punkte dastehen— versuchen werden, wenigstens diesen Kampf zu gewinnen, wollen die Gevelsberger ihren zwei Siegen einen weiteren anreihen. Die Ehrenrettung wird den hiesigen Jugendkraftlern sehr schwer werden. Auch sind die Gevelsberger durch ihre beständige Form und ihren Kampfeseifer bekannt. Dagegen ist es in letzter Zeit aufgefallen, daß die Schwerter gegen schwerste Gegner solange ebenbürtig kämpften, bis sie mit dem Torverhältnis in Rückstand kamen. Mit diesem System können sie gewiß keine Lorbeeren ernten. Also: Kämpfen bis zum Schlußpfiff. 1. Jgd. Schwerte— 1. Igd. Tura Altenhagen. Die Jugendmannschaft muß zum Punktekampf nach Hagen. Die Altenhagener Mannschaft, gefürchtet wegen ihrer körperlichen Ueberlegenheit und ihres Draufgängertums, teilt mit Tus 03 die Spitzenführung. Sollten aber die Hiesigen an die vorzügliche Form des Vorsonntags anknüpfen, tippen wir trotzdem auf Sieg und Punkte. Aber nur dann. 2. Igd. Schwerte— 2. Igd.„Elmar“ Eilpe. Vor dem Spiel der Stamm=Mannschaft auf dem Schützenhof werden sich die Schwerter Jungens auch von den Eilpern nicht von der Spitze ihrer Klasse verdrängen lassen. Aber nun nicht schon vor dem Spiel die Punkte als eigen betrachten! Sonst wäre es aus mit dem„Tabellenersten". Iserlohn Amt Westhofen ! Westhofen. Hohes Alter. Am morgigen Tage vollendet die Witwe Friederike Viebahn geborene Wever gt. Tengel in Westhofen, Mittelstraße 6, ihr 79. Lebensjahr. Die bestens geachtete Greisin ist geborene Westhofenerin. Auch wir sprechen ihr zu ihrem Wiegenfeste unsern herzlichsten Glückwunsch aus. 1 Lichtendorf. 6 Monate Gefängnis für einen Pferdediebstahl. Am 19. August ds. Is. war der Landwirt Hugo Comberg von hier nicht wenig überrascht, als er auf seine Weide ging und dort von seinen vier Pferden nur noch drei vorfand. Eine gute dreijährige Fuchsstute war verschwunden. Am Tage vorher hatte sich das Tier noch auf der Weide besunden. Daß es gestohlen sein mußte, ergab sich daraus, daß die Weideumzäunung von außen nach innen durchbrochen wax. Wäre das Pferd ausgebrochen, mußte dies umgekehrt der Fall sein.— Der Dieb sollte von dem gestohlenen Pferde aber keine großen Vorteile ernten. Schon einen Tag später hatte ihn die Kriminalpolizei in ihrem Netz, daß es kein Entrinnen mehr gab. Der Dieb hatte das Pferd nämlich in Dortmunnd bei Pferdemetzgern und Händlern möglichst schnell zu verkaufen gesucht. Die benachrichtigte Polizei kam noch rechtzeitig, um das Tier bei einem Spediteur eingestallt zu finden und den Pferde„verkäufer" festnehmen zu können. Es handelte sich um den 23= jährigen erwerbslosen Arbeiter Erwin Martin aus Dortmund. Trotz seines jugendlichen Alters ist er schon etwa zehnmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Wegen des Pferdediebstahls hatte er sich jetzt vor dem Schöffengericht 25 in Hagen zu verantworten. Er versuchte, dem Gericht glauben zu machen, daß er das Pferd von zwei Zigeunern für 480 RM. gekauft have. auf der Chaussee zwischen Unna und Marten Die Zigenner will er von früher her aus dem Pferdehandel kennen. Ihre Namen wußte er aber nicht mehr anzugeben. Verkauft habe er das Pserd für 550 RM. an einen Spediteur in Dortmund. Er sei, gab der Angeklagte weiter an, früher selbständiger Fuhrmann gewesen und habe das Geld zum Ankauf des Pferdes noch aus jener Zeit besessen, wo er ein Bankguthaben von 1700 RM. gehabt habe. Um einer Verurteilung wegen Hehlerei vorzubeugen, erklärte er, er habe das Pferd für ehrlich erworben gehalten. Die Vernehmung des Angeklagten zeigte, daß er schon mit vielen Wassern gewaschen war. Er gab nie auf die erste Frage eine Antwort, sondern machte stets mit einem höflichen:„Wie bitte?“ eine Kunstpause, um keine Dummheit zu sagen. Es half ihm aber nichts und auch seine Schlußerklärung:„Ich bin genug geschädigt; ich habe nun weder Pferd noch Geld" blieb ohne Erfolg. Das Gericht sah den Angeklagten als überführt an und verurteilte ihn zu 6 Monaten Gefängnis. Sein Antrag auf Haftentlassung wurde abgelehnt. Vom Film Ein geradezu famoses Programm mit einem Tonfilm, der seinesgleichen sucht. Anny Ondra und Siegfried Arno in der Tonposse„Die vom Rummelplatz“ muß man unbedingt gesehen haben.„Ondra moi ennepe mousa. Anny Ondra, A und O vieler lustiger Possen, junger, gelenker schöner Mensch— es wäre ein Verlust gewesen, Dich zu verlieren und stumm in das Massengrab der Stummfilme versinken zu sehen.— Juchheißa Diddeldummdei, god sova the taltie— sie spricht ein hübsches Deutsch mit pikanter tschechischer Sauce, das erhöht noch den Charme— und die große Gemeinde unseres beliebtesten Sweethearts in Deutschland kann sich beruhigen und auf allerhand Schabernack gefaßt machen; sie hat das Sprechfilmexamen mit Glanz bestanden..... Das ist echter Ondra, echter Tonfilm und ein ganz großer Schlager... Der stumme Film„Der schwarze Blitz“ mit Richard Talmadge in der Hauptrolle läßt an Sensationen keine Wünsche offen, wie auch das kleine Tonfilm=Lustspiel, das ehrliche Heiterkeit schafft.— Man sehe sich dieses glänzende Programm an, andernfalls würde man etwas versäumen. Börsen und Märkte Dortmunder Pferdemarkt vom 14. Nov. Auftrieb: 523 Pferde und 24 Wagen aller Art. Der Handel war ruhig. Es kosteten: a) Kaltblüter: beste Arbeitspferde und Stuten 800—950 Mk., zweite Arbeitspferde 450 bis 700 Mk., dritte Arbeitspferde 300—450 Mk.; b) Warmblüter: beste Arbeitspferde u. Stuten 750 bis 900 Mk., zweite Arbeitspferde 400—700 Mk., dritte Arbeitspferde 300—400 Mk.; c) Kreuzungen: beste Arbeitspferde 600—800 Mk., zweite Arbeitspferde 400 bis 600 Mk., dritte Arbeitspferde 200—400 Mk. Beste Tiere wurden über Notiz bezahlt. Der nächste Markt findet am 27. November statt. Der Bericht wird am 28. November veröffentlicht. Briefkasten Sozialrente wird aus staatlichen Mitteln gezahlt. Geschäftliches Luhns=Seifen billiger! Die herabgesetzten Preise für die bekannten und seit Jahrzehnten bewährten Erzeugnisse von Luyus ersieht man aus der entsprechenden Anzeige in dieser Nummer.— Der Hinweis auf LuhnsSpar=Rabatt und die Aufforderung, daran teilzunehmen, dürfte alle wirtschaftlich denkenden Verbraucher ganz besonders interessieren.— Die Firma Luhn in Barmen besteht schon über 60 Jahre und ist ein rein deutsches Familien= unternehmen. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolstik. Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Soochee., Mosche! Auf je 3 Eimer Wasser kommt 1 Daket. Lösen Sie Persil allein und kalt auf! Kochen Sie die Wäsche nur einmal eine Viertelstunde, und spülen Sie erst warm, dann kalt! Wenn Sie einmal so waschen, werden Sie es nie mehr anders machen. Der gute Erfolg überzeugt Sie. FNN Sie schon das jängste Erzeugnis der Dersilwerke: 0 Henkei's Aufwasch:, Ssül- und Reiniaunsemittet? 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Sobald der Voll ziehungsbeamte den Auftrag zur Pfändung erhalten hat, sind Pfändungsgebühren zu entrichten. 4160 Schwerte, den 15. November 1930. Die Stadttasse als Vollstreckungsbehörde. Witte, Stadtrentmeister. Evangl. Männerverein und Kampfbund Sonntag, den 16. Nov., abends 6 Uhr, im Gemeindehaus: Certens Thema:„Die kämpfende Kirche", wozu die Männer der Gemeinde eingeladen sind. 0 hiiter Wöhnung I. Etage geg. Mietsberechtigungsschein zum 1. Dez. ds. zu vermieten. Näheres Hagenerstr. 34. Ein gut rechnender Kaufmann— muß und wird inserieren! „Tcstrertet=Henlutts Samstag, 15. November 1930 Seche Miklas hielt aus diesem Anlaß eine Rundfunkrede, in der er mit Befriedigung feststellte, daß sich die Wahlen zum Nationalrat in voller Ruhe und Ordnung vollzogen haben und erklärte, er werde den neugewählten Nationalrat innerhalb der gesetzlichen Frist ehestens einberufen. Der ordnungsgemäße Verlauf der Wahlen, sagte der Bundespräsident weiter, widerlegt in schlagender Weise die unsinnigen Gerüchte über Oesterreichs innerpolitische Zustände, die mancherorts das unkundige Ausland beunruhigten. Trotz Verschiedenheit der Partei=Ideale liebt jeder Oesterreicher sein Vaterland und wird es behüten. Zur Ueberwindung der wirtschaftlichen Krise forderte der Bundespräsident den Geist gegenseitigen Verstehens. * In Genf wird wieder einmal leeres Stroh gedroschen. Das englische Arbeiterblatt„Daily Herald“ hat nicht so unrecht, wenn es zu den Verhandlungen des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses folgenden Kommentar gibt: Die Vorbereitende Abrüstungskommission bewegt sich von einem toten Punkt zum andern. Jeder Vorschlag, der eine merkliche Verminderung der Rüstungen bewirken könnte, trifft auf unerschütterlichen Widerstand. Allzu viele Regierungen haben nicht den leisesten Wunsch, abzurüsten, und die entwaffneten Nationen blicken dem Tag entgegen, an dem sie erklären können, daß sie, da die Sieger ihr Versprechen, abzurüsten, gebrochen haben, durch die ihnen auferlegten Einschränkungen nicht mehr gebunden sind. Europa bewegt sich zwar noch nicht schnell, aber mit besorgniserregender Stetigkeit auf einen Punkt zu, an dem mit jedem Augenblick eine neue Katastrophe möglich ist. Diese Bewegung wird weitergehen, wenn nicht alle Völker durch ihre Stimmen und durch ihre politische Macht alle Regierungen zur Vernunft zwingen. Die Vorstände des Landkreistages zum Programm der Regierung Brüning Das Problem der Wohlfahrtserwerbslosen. Einschränkung von Tagungen und Veranstaltungen. Die Vorstände des Deutschen und des Preußischen Landkreistages sind unter dem Vorsitz des Landrats Dr. von Achenbach in Berlin zusammengetreten, um sich mit dem Programm der Regierung Brüning und mit dem Problem der Wohlfahrtserwerbslosen zu beschäftigen. Nach einem eingehenden Referat des Präsidenten Dr. von Stempel mit anschließender Aussprache wurde folgende Entschließung gefaßt: In den letzten Jahren sind die Aufgaben der Kreise dauernd gewachsen. Infolgedessen müssen ihnen bereits bei Schaffung der Gesetze die Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden, die sie benötigen, um die ihnen übertragenen Aufgaben im Interesse der Bevölkerung zu erfüllen. Die bevorstehenden Steuergesetze der Regierung Brüning müssen diesem Gesichtspunkt Rechnung tragen, indem sie die finanzielle Leistungsfähigkeit der Landkreise so sichern, daß auch weiterhin deren Tätigkeit als Lastenausgleichsträger fortgesetzt worden kann. Das Problem der Wohlfahrtserwerbslosen hat die Landkreise vor außerordentliche Aufgaben gestellt. Die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 26. Juli 1930 verkennt die tatsächlichen Verhältnisse auf diesem Gebiete. Die zur Abgeltung der Wohlfahrtserwerbslosenlasten erschlossenen Steuerquellen stehen lediglich den Einzelgemeinden, nicht aber den Landkreisen zur Verfügung. Infolgedessen besteht die Gefahr, daß ein großer Teil der Landkreise ihre Aufgaben als Bezirksfürsorgeverbände und als Träger der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge bald nicht mehr lösen können, vielmehr völlig zusammenbrechen. Das gilt auch von der Neuregelung der Krisenfürsorge. Der Landkreistag fordert: Erschließung der durch die Notverordnung geschaffenen neuen Steuer als Einnahmequelle der Landkreise als Bezirksfürsorgeverbände und Leistung weiterer finanzieller Reichs= und Staatshilfe. Gleichstellung aller Gemeinden ohne Rücksicht auf die Einwohnergrenze. Beseitigung der Einschränkung des Personenkreises und der Bezugsdauer der Krisenfürsorge. In Anbetracht der Schwere der Zeit beschloß der Vorstand ferner, Veranstaltungen und Tagungen auf das notwendigste Maß zu beschränken. Dieselben Maßnahmen sollen auch den Landesverbänden empfohlen werden. Raabe Zwanzig Jahre sind es nun her, daß Wilhelm Raabe starb. Ein reiches Leben lag hinter ihm, Ruhm und Anerkennung war ihm in der Jugend zuteil geworden, dann waren Jahrzehnte gekommen, in denen eine anders gerichtete Zeit nichts von ihm und seinen Werken wissen wollte, bis er im Alter aufs neue erkannt, gefeiert und geliebt wurde. Ohne große Ereignisse ging sein Leben dahin, ohne besondere Sensationen flossen die Jahrzehnte vorbei, aber gerade aus der Stille und scheinbaren Gleichförmigkeit wuchs ihm die Kraft und die Fähigkeit, in seinen Romanen und Erzählungen immer aufs neue mit den Problemen des menschlichen Lebens zu ringen und sie mit immer neuer Meisterschaft zu gestalten. In Eschershausen wurde er am 8. September 1831 geboren, seine Jugend aber verlebte er in Holzminden und in Stadtoldendorf, und die Erinnerungen an sein Elternhaus, an seine wunderschöne und harmonische Kindheit tauchen in so manchem seiner Werke wieder auf. Dann aber starb der Vater, der lebendige, kluge und gütige Mittelpunkt der Familie. Eine Zeit schwerer Sorge für die Mutter begann, und sie siedelte nach Wolfenbüttel über, weil sie dort besser für die Kinder sorgen konnte. Bald aber hieß es für den jungen Wilhelm, sich für einen Beruf zu entscheiden, und so wurde er in Magdeburg Buchhändler. Aber das war nicht das, was er Nr. 269(Zweites Blatt) Kuns un eie“ Die Reichsregierung ist bei ihren an sich äußerst begrüßenswerten Bemühungen um die Preissenkung bisher auf recht erhebliche Schwierigkeiten gestoßen. Es sind bisher bei den Lebensmittelpreisen nur einige lokal begrenzte Teilerfolge erzielt worden. So ist in Berlin der Brotpreis um 2—4 Pfennig gesenkt worden. Dagegen erklärt z. B. der Bäcker=Innungsverband Rhein=Main=Nahe, zu dem die Kreise Mainz, Oppenheim, Worms, Alzey, Bingen, Groß=Gerau, Kreuznach, Simmern, Stromberg, Sobernheim, Kirn, Meisenheim und Rüdesheim a. Rh., sowie die Brotfabriken und Konsumvereine des Rhein=, Main= und Nahe=Gebietes gehören, daß mit einem Abbau des Brotpreises in den genannten Bezirken vorerst nicht zu rechnen sei. Der Bäcker=Innungsverband begründet seine Haltung damit, daß der Durchschnitts-Brotpreis im südwestdeutschen Wirtschaftsgebiet erheblich unter dem Durchschnitt des in Berlin und München errechneten Preises liege, und die seiner Preisberechnung zu Grunde gelegte Kalkulation nur eine Verdienstspanne ermögliche, die das Minimum der Verdienstgrenze darstelle. Auch die Herabsetzung des Kartoffelpreises ist bisher nur für Berlin erfolgt, wobei natürlich zugegeben werden muß, daß in den Erzeugergebieten, wo die verteuernden Frachten usw. wegfallen, der Kartoffelpreis in diesem Jahre ohnehin niedrig ist. Man wird nun abwarten müssen, was von den sonstigen Verheißungen in Erfüllung geht. Zweifelsohne ist die Regierung an dem Preisabbau stark interessiert, denn er ist ein wesentlicher Bestandteil ihres Sparprogramms. Erweist sich die Preissenkung als undurchführbar, so stürzt das ganze Sanierungsprogramm zusammen. * Die britische Reichskonferenz wird voraussichtlich am gestrigen Freitag ihren Abschluß gefunden haben. Die Tagung ging aus loie das Hornberger Schießen. Nach einer Reuter=Meldung hat die britische Regierung es endgültig abgelehnt, die Tarisvorschläge des kanadischen Premierministers, die u. a. eine Vorzugsbehandlung für kanadischen Weizen in Großbritannien forderten, durch die gegenwärtig tagende Reichskonferenz erledigen zu lassen. Wenn diese Stellungnahme der britischen Regierung auch zu erwarten war, so hat die offizielle Bekanntgabe bei den Premierministern der Dominien doch große Enttäuschung hervorgerufen. Inzwischen ist nun auch die Indische Konferenz in London zusammengetreten. Es bleibt abzuwarten, ob sie ein besseres Ergebnis haben wird als die Reichskonferenz. Bisher hatte sie nur den Erfolg, daß der Allindische Kongreß zum Protest gegen die Eröffnung der Londoner IndienKonferenz eine teilweise Arbeitseinstellung in mehreren indischen Städten veranlaßt hat. * Die Republik Oesterreich beging am Mittwoch ihren 12. Geburtstag, und gleichzeitig konnte die österreichische Bundesversassung ihren 10. Geburtstag feiern. Der Bundespräsident „Del Krag, Allleler Roman von Margarete von Saß Conwight br Martin Feuchtwanger. Halie(“.) 32. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Endlich waren die Herren fertig. „Die Bücher sind ordnungsgemäß abgeschlossen, gnädige Frau. Bitte!" Graf Heinitz schob ihr das Wirtschaftsbuch zu. Sie warf keinen Blick hinein. „Ich danke Ihnen, Graf.“ Und dann bat sie ihn, zum Abendessen zu bleiben. „Danke sehr für Ihre freundliche Einladung, gnädige Frau; aber ich muß leider ablehnen, weil ich für heute abend einen Gast bei mir habe. Wenn ich bitten darf, mir zu sagen, wenn mein Verwalter seinen Dienst in Kreith antreten soll?“ „Ihr Verwalter?“ Sie sah ihn erstaunt an. Dann ging ihr auf einmal ein Licht auf. Wie hatte sie glauben können, er persönlich würde Verwalterdienste in Kreith übernehmen? Blödsinn, daran überhaupt zu denken! Ein bitteres Lachen drängte sich in ihre Kehle; sie hatte Mühe, es zurückzuhalten. Nur ihn nicht merken lassen, daß sie darauf gerechnet hatte, er selbst würde kommen. „Wenn Sie ihn schon morgen schicken könnten, es wäre sehr freundlich von Ihnen. Und haben Sie nochmals herzlichen Dank, Graf Heinitz.“ Sie hatte sich wieder in der Gewalt. Joachim bat, sich gleich verabschieden zu dürfen. Suse reichte ihm die Fingerspitzen, über die er sich tief neigte, ohne sie mit den Lippen zu berühren. „Machen Sie schnell, Baron. Ich nehme Sie gleich in meinem Wagen mit!“ rief Heinitz ihm nach. Ludmilla kam auf sein Zimmer. „Also, du willst wirklich fort?“ „Ja, sofort! Ich nehme nur das Allernotwendigste mit. Sei so gut, packe meine Sachen morgen zusammen und schicke mir meinen Koffer nach Berlin. Bahnlagernd Stettiner Bahnhof.“ „Ja, ja, aber höre mal zu! Sollte man denn nicht versuchen, die Sache mit Suse und dir einzurenken? Es sind doch nur Mißverständnisse.“ Er hob abwehrend die Hand. „Nein, laß das mal sein!“ Er legte die paar Habseligkeiten, die er notwendig gebrauchte, in seine braune, rindlederne Handtasche. „Achim, was du vor hast, ist Wahnsinn. Wo willst du denn hin? Nach Berlin? Herrgott, du kannst doch jetzt nicht zu Amélie kommen und sagen:„Da bin ich, nun bitte, sorge für mich!“ „Was geht es dich an, was ich tun werde.“ „Na, höre mal, wieso geht mich das nichts an? Du kannst ja auch damit rechnen, daß sie dich dankend ablehnt; ich bin fest überzeugt davon, daß sie es tun wird.“ Eine dunkle Röte stieg in sein Gesicht, die Adern an seiner Stirn schwollen an. „Ich habe dich nicht nach deiner Ueberzeugung gefragt.“ „So geh', geh' in Gottes Namen zu ihr, der von fremden Herren Rosen ins Haus geschickt werden, vielleicht auch andere Geschenke.“ Mit einem Griff hatte er ihre Arme gepackt, hielt sie wie in Schraubstöcken. Fester und fester schlossen sich seine Finger, alle Wut tobte sich aus in diesem Griff. Ein häßliches Wort wollte über seine Lippen; er unterdrückte es. Eine Frau beschimpfen, das wäre gemein, niedrig. Er starrte ihr ins Gesicht. „Pfui!“ Seine ganze Verachtung drückte sich in diesem einen Wort aus. Er ließ die Hände von ihr, griff nach seiner Handtasche und verließ das Zimmer. Im Vorhause zog er seinen Gummimantel an. In dem Augenblick trat Heinitz zu ihm. „Nun, fertig? Na dann kann es losgehen!“ Nicht einen Blick warf Joachim zurück nach dem Hause, in der er soviel erlebt hatte. Er atmete befreit auf, als der Wagenschlag sich hinter ihm und Heinitz schloß. „Ich denke nicht daran, Sie heute fortzulassen“, sagte Heinitz.„Hab' ich das nun einmal der schönen Frau Suse gesagt, daß ich heute abend einen Gast habe, so muß es auch so sein. Sie werden mich nicht zum Lügner machen wollen.“ „Nein, gewiß nicht!“ Joachim nahm die Einladung mit Dank an. So gewann er noch Zeit. Jetzt war er glücklich wieder so weit, daß er damit rechnen mußte, möglichst billig über den Tag hinwegzukommen. Er rechnete im stillen seine Barschaft nach; etwa dreihundert Mark hatte er in seinem Besitz. Das war alles. Damit mußte ökonomisch umgegangen werden. Wenn er jetzt am Abend abgereist wäre, wäre er in der Nacht in Berlin angekommen; das hätte ein Nachtquartier im Hotel gekostet. Nun würde er am Tage ankommen; das war besser. Er sah im Geiste die kleine Wohnung in der Freisingerstraße vor sich, so, wie er sie zuletzt gesehen hatte, und ein Gefühl von nie zuvor verspürtem Heimverlangen strömte durch ihn hin. Aber er wehrte sich dagegen. Es war ja nicht daran zu denken, daß er dort hinging. Amélie unter die Augen treten, nach dem, was in Kreith gewesen? Nein, unmöglich war das! Heinitz wandte sich mit einer Bemerkung an ihn. Die riß ihn aus seine Gedanken. Sie wechselten ein paar Worte miteinander. Dann trat wieder Schweigen ein. „Joachim fühlte, Heinitz rang mit einem Entschluß, und da kam er auch schon damit heraus:„Darf ich eine Frage an Sie richten, Baron, die Ihnen vielleicht indiskret erscheinen wird, aber—“ Joachim wollte ihn unterbrechen. suchte. Nach mehrjähriger Lehrzeit kehrte er nach Wolfenbüttel zurück und ging nach Berlin, um dort zu studieren. Seine Wohnung fand er mitten im ältesten Berlin, da, wo die alten Gäßchen noch von vergangenen Tagen erzählen und in den alten Hösen manch stille Schönheiten verborgen sind, von denen der Vorübergehende nichts ahnt. Hier, in der Spreestraße, ließ er sich nieder, und aus dem Beobachten der Mitbewohner dieser kleinen Welt, aus manchem Schicksal von Menschen und Dingen erwuchs sein erstes größeres Werk„Die Chronik der Sperlingsgasse". Er fand auch einen Verleger und hatte mit dem Buche einen ziemlichen Erfolg. Nach Wolfenbüttel zurückgekehrt, sammelte sich bald ein Freundeskreis um ihn, und groß war die Freude, als sein zweites Werk„Ein Frühling“ gar ins Holländische übersetzt wurde. Er schrieb Skizzen und Erzählungen mancherlei Art, die er in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichte. Auch Gedichte kamen ihm in dieser glücklichen Zeit. 1857 entstanden die„Kinder von Finkenrode“ und das große Kulturbild„Unseres Hergotts Kanzlei". Auch so manche geschichtlichen Stoffe begann er jetzt zu gestalten. Nach seiner Heirat zog er nach Stuttgart, wo er den ersten großen Roman„Sechs aus dem Walde" begann. Auch Novellenbände mit Dichtungen der verschiedensten Art gab er heraus. 1865 erschienen die„Drei Federn", eine in sich geschlossene, kunstvoll aufgebaute Dichtung und 1863 der„Hungerpastor“, ein unendlich reiches und schönes Werk.„Abn Telsan“ gibt ein getreues Bild der Wirkungen der Kleinstaaterei. Ein großer Roman, der dann folgte, ist der„Schnüderump“, ein nachdenkliches und tiessinniges Buch. Unter den vielen Erzählungen seien genannt:„Pechlin",„Frau Salome“ „Meister Autor",„Des Reiches Krone",„Fabian und Sebastian“. 1890 erschien die Erzählung „Stopfkuchen“, 1895„Hastenbeck“, in dem er seiner Jugendheimat, dem schönen Weserlande, ein Denkmal setzt. Die„Akten des Vogelsangs" 1895 sind noch einmal ein echter Raabe. Bekannt und geachtet starb Wilhelm Raabe am 15. November 1910. Sieger Lesseps Zur Erinnerung an die Eröffnung des Suezkanals am 16. November 1869. Am 16. November 1869 wurde der Suezkanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer in einer Länge von 160 Kilometern verbindet, mit großen Feierlichkeiten eröffnet. Zwei lange Molen zeigen bei Port Said auf die Kanaleinfahrt. Dort steht seit dreißig JahGegen Röte der Hände und des Gesichts sowie unschöne Hautfarbe verwendet man am besten die schneeig=weiße, fettfreie Creme Leodor, welche den Händen und dem Gesicht jene matte Weiße verleiht, die der vornehmen Dame erwünscht ist. Ein besonderer Vorteil liegt auch darin, daß diese matte Creme wundervoll kühlend bei Juckreiz der Haut wirkt und gleichzeitig eine vorzügliche Unterlage für Puder ist. Der nachhaltige Duft dieser Creme gleicht einem taufrisch gepflückten Frühlingsstrauß von Veilchen, Maiglöckchen und Flieder, ohne jenen berüchtigten Moschusgeruch, den die vornehme Welt verabscheut. Preis der Tube 60 Pf. und 1 Mk. Wirksam unterstützt durch Leodor=Edel=Seife, 50 Pf. das Stück. In allen ChlorodontVerlaufsstellen zu haben. „Nein, lassen Sie mich zu Ende reden: sie ist wirklich von einer Neugier diktiert.“ „Sie brauchen mir das nicht erst zu versichern. Ich bin überzeugt davon. Also bitte, Graf Heinitz, fragen Sie!" „Warum gehen Sie nach Berlin? Haben Sie dort Aussichten auf Anstellung?“ „Nein, aber ich hoffe dort eher eine zu finden, wie irgend woanders. Wo sollte ich auch hin?“ „Aufs Land. Sie sind doch Landwirt.“ „Das ja, aber wer wird mich als Verwalter anstellen? Ich habe in Deutschland eine zu kurze Praxis gehabt; die neun Monate in Kreith sind keine Empfehlung.“ „Ich habe sehr viele Beziehungen; vielleicht könnte ich Ihnen damit helfen?" Joachim dankte ihm; er wäre glücklich, wenn er wieder eine Anstellung auf einem Gut bekäme. „Na, das dachte ich mir gleich. Am liebsten möchte ich sagen: Bleiben Sie solange in Löbtau, bis sich etwas Passendes für Sie gesunden hat. Aber das möchten Sie wohl nicht, so in der Nähe von Kreith?“ „Nein, das möchte ich wohl nicht, so gern ich in Löbtau bliebe.“ „Das verstehe ich vollkommen. Nun, dann fahren Sie in ein, zwei Tagen getrost nach Berlin— nach einem monatelangen Landaufenthalt ist ja auch wieder einmal Berlin ganz schön. Ich sehe mich für Sie um und dann schreibe ich Ihnen.“ „Das wäre riesig liebenswürdig von Ihnen!“ „Ach, was heißt liebenswürdig! Meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist es, weil sich Standesgenossen doch immer untereinander helfen sollen. Wenn ich Ihnen sonst irgendwie mit etwas dienen könnte, bitte, Baron, ich bin gern bereit.“ „Sie sind sehr gütig. Graf Heinitz. Rein. danke, ich brauche wirklich nichts“ (Fortsetzung folgt.) ren das große Standbild des Erbauers, der den Menschen im wahrsten Sinne den Beweis erbracht hat, daß man auch zu Schiff durch die Wüste fahren kann. Dieser Mann, Ferdinand de Lesseps, französischer Diplomat und Ingenieur, war von einer unberechenbaren Zähigkeit, sonst hätte er nicht die riesengroßen politischen und sinanziellen Schwierigkeiten überwinden können, die sich ihm in den Weg stellten. Am 25 April 1859 wurde bei Port Said der erste Spatenstich getan. Zehn Jahre später traten die Wasser des Mittelmeeres in das Rote Meer. 25000 Arbeiter waren bei der Erbauung beschäftigt, 1800 Kamele wurden in den Dienst gestellt, von denen allein 1600 für die erste Zeit bis zur Herstellung eines Südwasserkanals zur des Trinstra'sers für das Heer der Arbeiter gebraucht wurden. Als nach zehn Jahren das Werk vollendet war, hatte man 432 Millionen Franken für seine Erbauung ausgegeben. Während der ganzen langen Zeit traten verzögernd politische Verwicklungen der Vollendung des Werkes entgegen, die nicht aufhören wollten. Geldsorgen lösten Geldsorgen ab, und eine Choleraepidemie lichtete das Heer der Arbeiter. Aber dennoch stand über dem Werk ein günstiger Stern. England, das heute sozusagen die Herrschaft über den Suezkanal an sich gerissen hat, das heutzutage mehr Schiffe durch den Kanal sendet als viele andere Länder zusammen, wurde von Lesseps besiegt, denn England brachte die politischen Schwierigkeiten, und England hat dem Bau jede Unterstützung versagt! De Lesseps schaffte es dennoch. Schwerte, 15. November 1930. * Wir haben in der Heiligen Schrift eine ganze Reihe von Selbstzeugnissen unseres Heilandes. Damit bringt er zum Ausdruck, wer er ist und was er ist. Diese Worte beginnen alle: ich bin! Ich bin der gute Hirte, ich bin die Tür, ich bin der Weinstock, ich bin das Brot des Lebens und andere mehr. Aber das gewaltigste unter diesen Worten ist fraglos das: ich bin das Licht der Welt!— Finsternis bedeckte das Erdreich und Dunkel die Völker, aber mit seinem Kommen ist es Tag geworden in der Welt. Im Ansang aller Zeiten sprach Gott: Es werde Licht, und es ward Licht. Und in der Fülle der Zeiten hat er in der stillen, heiligen Nacht zum zweiten Male sein schöpferisches Werde gesprochen: Es werde Licht! Und nun war er da: Die Sonne der Menschheit, der Morgenglanz der Ewigkeit, das Licht der Welt! Oder ist es nicht so? Hat das nicht die Geschichte bewiesen, bestätigt das nicht auch unsere Erfahrung? Laßt sie doch erglänzen, alle Sterne erster Größe am Himmel menschlichen Wissens, was vermögen sie denn? Können sie auch nur einen Sünder aus der Nacht seiner Verwirrung zurecht helfen, einem Traurigen das Licht wahrer Freude bringen, einem Sterbenden den finsteren Todesgang erhellen, einem gefolterten Gewissen Trost und Frieden bringen? Vom Heiland haben es Unzählige bis auf den heutigen Tag gesungen und bekannt:„Dies Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit!" In die Finsternis aber unseres Lebens und unserer Zeit leuchtet auf ein Wort, das gesprochen ward, als aus dem Kinde ein Mann geworden war, ein Mann nach Gottes ewigem Rat, das„Ich bin“ der ewigen Liebe:„Siehe, ich bin bei erch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ Grdeuttage. 15. November: 1630: Der Astronom Johannes Kepler in Regensburg gestorben(geboren 1571).— 1730: Der Generalinspektor der amerikanischen Armee Friedrich Wilhelm von Steuben in Magdeburg geboren(gest. 1794).— 1787: Der Komponist Christoph Willibald Ritter von Gluck in Wien gestorben(geboren 1714).— 1862: Der Dichter Gerhart Hauptmann in Salzbrunn geboren.— 1910: Der Dichter Wilhelm Raabe in Braunschweig gestorben(geb. 1831). 16. November: 1632: Tod Gustav Adolfs von Schweden bei Lützen(geboren 1594).— 1869: Der Geschichtsforscher Hermann Oncken in Oldenburg geboren.— 1925: Der Maler Karl Joh. Becker=Gundahl gestorben(geboren 1856). : Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 14. November 1930. Der Hochdruck hat unter weiterer Abflachung seine Lage beibehalten, während das nördliche Tief weiter ostwärts nach Finnland abgezogen ist. Ein neues Tief ist über dem Nordmeere erschienen.— In Deutschland war es heute morgen meist trübe, z. T. auch regnerisch, besonders im Norden. Die Temperaturen lagen zwischen 6 und 10 Grad, nur München hatte bei heiterem Himmel 2 Grad Frost. Der Kahle Asten meldete frischen Westsüdwestwind, bedeckten Himmel und 1 Grad Wärme. Aussichten für Samstag: Meist bewölkt, vorübergehend aufheiternd, zunächst noch trocken, Temperaturen wenig geändert. Aussichten für Sonntag: Bewölkt, zeitweise leichte Regenfälle. Was die Polizei berichtet: In der Zeit vom 2. bis 9. November 1930 kamen zur Anzeige: 1 Fall wegen Hausfriedensbruch; 1 Fall wegen Körperverletzung u. Sachbeschädigung; 1 Fall wegen Unterschlagung; 3 Fälle wegen Diebstahls; 2 Personen wurden inhaftiert, weil sie widerrechtlich in einer Scheune nächtigten; 1 auswärtige Person wurde auf Grund des Steckbriefregisters festgenommen; 1 auswärtige Person wurde wegen Verdachts der Landstreicherei und Bettelei dem Richter vorgeführt. Polizeilich bestraft wurden: 1 Person wegen Laufenlassens eines Hundes ohne Aufsicht in den Anlagen; 1 Person wegen Laufenlassens eines bissigen Hundes ohne Maulkorb; 1 Person wegen nicht ordnungsm ßiger Beleuchtung eines Kraftwagens während der Dunkelheit; 1 Person wegen Verstoß gegen die Bestimmungen des Krastsahrzeuggesetzes; 3 Personen wegen groben Unsugs; 3 Personen wegen nicht rechtzeitiger An= bezw. Ummeldung; 1 Person wegen Verstoß gegen die Bestimmungen über Sonntagsheiligung. Obdachlos meldeten sich 36 Personen. In hiesigen Betrieben wurden sechs Personen verletzt; 2 Gewehrfutterale wurden als gefunden abgegeben. . Elternabend. Die aus dem B.=K. hervorgegangene Vereinigung junger Mädchen, die„Weggenossen", veranstalteten am 13. ds. Mts., abends 8 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus einen Elternund Werbeabend, der den zahlreich erschienenen Angehörigen der Mitglieder und den Freunden der Bewegung einen Einblick gewährte in das Leben und Treiben, in die Aufgaben und Ziele dieses Kreises. Hier wird wertvolle Jugendpflegearbeit getrieben, die verdient, tatkräftig unterstützt zu werden. Das zeigte die ungezwungene Betätigung der jungen Menschen beim Singen unserer schönen Volkslieder, bei Volkstänzen und dem schlichten Spiel auf der Bühne. Noch viel mehr kam die vom evangl.christl. Geist durchdrungene Richtung zum Ausdruck durch die Begrüßungsansprache von Pastor Hagemann, dem Leiter der Schwerter Gruppe, der unter Hinweis auf Walter Flex„Wanderer zwischen beiden Welten" als Leitstern und Ziel aufstellte:„Rein sein und reif werden!" Mittel= und Höhepunkt der Veranstaltung war ein Vortrag von Fräulein L. Schwarz, der Führerin der Westfälischen Weggenossenkreise, über„Ziele und Aufgaben der Weggenossen". Mit schlichten und eindringlichen Worten entwarf sie anschauliche Bilder aus den regelmäßigen Zusammenkünften der„Weggenossen“, den Freizeiten und dergl. Ueberall spürte man den von echt evgl. Geist getragenen Idealismus und den starken Willen, den jungen Mädchen in unserer Zeit der Oberflächlichkeit, Gedanken=, Sitten= und Gottlosigkeit Führer sein zu wollen, und dadurch wurde der Eindruck des schön verlaufenen Abends vertieft: Bei den„Weggenossen“ sind die jungen Mädchen gut aufgehoben! — Lieder= und Arienabend. Am 1. Dezember abends 8 Uhr, findet„Im Reiche des Wassers“ ein Lieder= und Arienabend statt, veranstaltet von Anneliefe Seuthe(Sopran) und Gerard Bunk(Klavier). Einzelheiten über dieses Konzert bringen wir noch im Laufe der nächsten Woche. Neuer Pfarrvikar. Die Verwaltung der zweiten Vikariestelle in Schwerte ist dem Vikar Johann Kirchner in Werdohl übertragen. Gedenktag der Deutschen Familie. Die Natur, welche mit ihrem ewigen Werden und Vergehen den Menschen in die nackte Wirklichkeit zurückruft, rüstet sich jetzt zur Ruhe, um im kommenden Frühling aufs Neue dem Menschen ihre Schönheiten darzubieten. Der Mensch als solcher findet sich in dieser Uebergangszeit auch so recht zur inneren Sammlung aufgelegt. Die christliche Kirche mit ihren in die Herbstzeit fallenden Festen, Allerheiligen, Allerseelen, Buß= und Bettag, Totensonntag usw. bereitet den Menschen innerlich auf die großen Vorgänge in der Natur vor. An den langen Winterabenden sammeln sich mehr denn je die Familienmitglieder, um den Familientisch. Alle fühlen sich bei diesen trauten Zusammenkünften innerlich geborgen. Die guten Einflüsse des Familienlebens machen sich so recht hierbei bemersbar. Wie anders sieht es nun aber vielerorts aus.? Der einzelne geht seine eigenen Wege und sucht das innere Drängen nach Ruhe und Frieden zu betäuben. Von dem Bewußtsein durchdrungen, daß nur das Gefühl des Geborgenseins innerhalb der Familie, die im Menschen schlummernden guten Eigenschaften voll zur Entfaltung kommen können, und um den so sehr drohenden Verfall der Familie aufzuhalten, haben sich ehrlich denkende Männer unseres Volkes zusammen gefunden und die Forderung aufgestellt, durch Einführung eines Gedenktages unser gesamtes deutsches Volk auf die drohende Gefahr, in welcher sich die deutsche Familie befindet, aufmerksam zu machen In unserer Heimatstadt findet aus diesem Anlaß am 19. November, nachmittags 5 Uhr,(Buß= und Bettag) im kath. Vereinshaus eine große öffentl. Kundgebung statt. Alle, die noch Sinn für ein gesundes deutsches Familienleben haben, sind zu dieser Versammlung herzlichst eingeladen. . Aus der evangelischen Gemeinde. Am Buß= und Bettag findet in beiden Kirchen die Feier des heiligen Abendmahls statt. Von diesem Tage ab beginnt der Gottesdienst in der kleinen Kirche wieder um 5 Uhr nachmittags. Oeffentlicher Vortrag für Männer. Thema: Die kämpfende Kirche, findet statt am Sonntag, den 16. November, abends 6 Uhr im Gemeindehaus. Herbstwanderung des Evangelischen Vereins junger Männer am Mittwoch, den 19. November Buß= und Bettag. Abfahrt 6,20 Uhr nach Hagen. Von hier aus Wandern in den westlichen Teil des Sauerlandes nach Halver. Abfahrt nach Schwerte um 20 Uhr. Innere Missionswoche 1930. Die diesjährige Innere Missionswoche findet in Dortmund in der Zeit vom 30 November bis 3. Dezember statt. Es ist geplant, die Arbeitswoche unter das Hauptthema„Arbeitsnot— Volksnot“ zu stellen. Eine Teilnehmergebühr wird nicht erhoben. Nähere Auskunft erteilt der evangl. Jugend= und Wohlfahrtsdienst, Jägerstraße 7. Die Jungschar=Wanderung am Buß= und Bettag geht nach Berchum. Abmarsch 7,30 Uhr vormittags. Der berierene=Sehn Parabelspiel in drei Aufzügen und einem Vorspiel und Nachspiel von Erich Eckert. Ein„Parabelspiel“ nennt Erich Eckert seine Dichtung, die bekanntlich demnächst hier im „Reiche des Wassers" zur Aufführung gebracht wird. Ein verirrter Wanderer, von Zisterziensermönchen aufgesunden, findet Unterkunft in einem einsamen Kloster jenseits der Welt und alles Lärmes. Der ermattete Gast leidet nicht nur leibliche Not, mehr noch seelische Qualen, die der menschenkundige Gastpater mit der Erzählung vom verlorenen Sohn der Bibel zur eindringlichen Selbsterkenntnis steigert. Von Qualen und Mattigkeit überwältigt, sinkt der Wanderer in einen Halbschlaf, der ihm die Geschichte seiner„tot geschlagenen“ Jugend jetzt sinnbildlich erleben läßt. Als dann im Nachspiel der Mönch mit ergrauendem Tageslicht ihn wecken will, findet er einen Menschen, der den eben nur erträumten Weg hell und unerbittlich im Sonnenlicht klar vor sich sieht, und ihn gehen wird. Das eigentliche Schauspiel gliedert sich dazwischen in drei Akten, die mit höchster dramatischer Steigerung die Geschichte des„Verlorenen Sohnes" darstellend. Die Heimat: Patriarchalische Verhältnisse, halb morgenländisch, halb mittelalterlich, ein großer Gutshof mit zahlreichen Knechten, Mägden, Hirten, alle nur eine einzige Familie bildend, mit dem ehrwürdigen Hausvater, dem pflichttreuen älteren Sohn Hus, dessen kleine Schwester Ruth und einer Pflegeschwester Mirjah, die an der Stelle der verstorbenen Mutter dem Hausstand alles Liebe Licht gibt. Nur Buz, der zweite Sohn strebt hinaus in die Welt, zu Glanz und Genuß. Ueppige Bilder hat ihm der Verführer Kamar vorgegaukelt. Als dieser entlarvt und hinausgewiesen wird, fordert Buz trotzig sein Erbteil. Seine Fahrt in die Welt nimmt ihren Anfang. Die Fremde: Der zweite Alt zeigt realistisch das Leben in dem fremden Lande, wo Hungersnot ausgebrochen ist, wo Buz mit seinen Zechkumpanen rücksichtslos sein Verschwenderleben weiterführt. Aber seine Mittel sind am Ende. Kamar, der„Freund“, hintergeht ihn und liefert ihn selbst der rasenden Volksmasse aus. Der tragische Höhepunkt spitzt sich hier mit einer faszinierenden Bühnenwirkung zu. Auf dem Höhepunkt seines Kraftgefühls und seiner ausgelassenen Lust, im Buhlen um die verführerische Tänzerin Arabeth, wird Buz als Betrüger und Faschmünzer entlarvt und von dem verhetzten Volkshaufen geplündert und in die Wüste gestoßen. Um leben zu können, verdingt er sich einem Schweinehirten. Seelisch und körperlich gebrochen, scheint es nur eine Erlösung, den Strick noch zu geben— da läßt ihn die Erinnerung an den Vater und an Mirjah, seinen guten Engel, die in visionärer Unfaßbarkeit von ihm erstehen, den Weg in die Heimat finden. Die Heimkehr: Mit einem wundervollen Stimmungsbild beginnt dieser dritte Akt. Mit breiten Rosenketten schmücken Mägde im Hause des Gutsherrn die Säulen und Stufen. In Vorahnung der Heimkehr des geliebten Sohnes ordnet der Vater in sich überstürzender Freude alles zum festlichen Empfang. Wird Buz als Fürst oder als Bettler die Schwelle des Hauses überschreiten? Schon lachen die Landleute und Bediensteten über den närrischen Alten, der den Glauben an den Sieg des Guten wie eine brennende Fackel durch seine Tage trägt. Und wirklich, auch heute scheint er wieder ein Opfer seines närrischen Glaubens zu sein. Wohl kommt einer zurück, aber ein Landstreicher, zerlumpt und verkommen. Die Hunde werden losgemacht und selbst die kleine Ruth flieht angstvoll vor dem Bettler. Aber dann schreit einer über alle Zweisel hinaus, das einem das Herzblut stockt„Mein Sohn, mein Sohn!“ Orgel und Volk jubeln: Der verlorene Sohn ist heimgekehrt. Der evangl. Volksverein Getsecke=Lichtendorf veranstaltet am Sonntag, den 16. November, nachmittags 4,30 Uhr im Gemeindehaus Lichtendorf einen Familien=Abend. Es wird dabei ein Festspiel: Mutterliebe ausgeführt. In Wandhofen findet eine Jungmütterarbeitsstunde am Donnerstag, den 20. November nachmittags 4,30 Uhr bei Waldemann in Wandhofen, Hagenerstraße statt. Die Adventsfeier des Ev. Vereins junger Mädchen mit den Pflegebesohlenen des Hellweger Erziehungshauses findet in diesem Jahre besonderer Umstände halber wegen erst am 2 Advent statt. Der Gustav=Adolf=Frauenverein kommt bis Weihnachten nicht alle 14 Tage, sondern jede Woche zusammen, also auch am kommenden Dienstag, abends 8 Uhr im Gemeindehause. Die Frauenhülfe des 2. Stadtbezirks versammelt sich am Donnerstag, den 22. November, nachmittags 3 Uhr im Gemeindehause. Im Anschluß daran bleiben die Bezirksfrauen zu einer Besprechung über die Weihnachtsseier zusammen. Die Bibelstunde im Grüntal findet statt am Donnerstag, abends 8 Uhr im Saale Dickmann. Getauft: Else Engelhardt, Ruthild Hagemann.— Getraut: Heinrich Brenne und Anna Hageböck; Friedrich Ludwig Duisberg und Else Kerstein; Karl Diedrich Gerling und und Ww. Karoline Duisberg geb. Goos; Willi Weber und Herta Karraß; August Friedrich Albert Gallinat und Lisette Menke.— Gestorben: Ehefrau Wilhelm Zarges; Ehefrau Wilhelm Fick. : Aus der kath. Gemeinde. Elisabeth=Verein. Am Mittwoch, den 19. November, Generalkommunion des Elisabeth= vereins.— Marien=Verein Schwerte, Abt. Grüntal. Die Monatsversammlung findet am Mittwoch, den 19. November, nachmittags 5,30 Uhr, im Vereinslokal zum Grüntal statt.— Marianische Jünglingssodalität. Sonntag, den 16. November, 6 Uhr, nachmittags Versammlung im Vereinshause. Unter anderem Lichtbildervortrag: Reiseerlebnisse an den oberitalienischen Seen.— Kath. Meisterverein. Jeden Vormittag 11 Uhr: Vorstandssitzung; nachmittags 6 Uhr: Lesung aus den 4 Büchern der Könige.— Kath. Gesellen=Verein. Montag abend 8 Uhr: Deutsch=Kursus. Mittwoch abend 8 Uhr: Versammlung.— MGV.„Cäcilia". Dienstag abend 8 Uhr: Gesangstunde im Kasinosaal.— Elisabeth=Verein. Freitag nachm. 3 Uhr: Arbeitsstunde.— Kirchenchor. Gesangstunde jeden Freitag abend 8 Uhr im Vereinshause.— Vinzenz=Verein. Freitag abend 8,30 Uhr: Versammlung.— Jungfrauen=Kongregation. Dienstag 20 Uhr: Zusammenkunft der älteren Abteilung bei Sommer, Haselackstr. 14. Mittwoch, 20 Uhr: Zusammenkunft der jüngeren Abteilung im kath. Vereinshaus. Donnerstag, 20 Uhr: Zusammenkunft der Musikantengilde bei Lustus, Sedanstraße.— Deutsche Jugendkraft. Freitag abend 8 Uhr: Spielabend. Eingesandt (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzl. Verantwortung.) Negerpolitik in Schwerte. Unter dieser Ueberschrift fand sich in der Nr. 266(12. 11. 1930) ein Eingesandt, welches sich spaltenlang mit meiner kommunalpolitischen Tätigkeit befaßt. Der Herr Einsender bezeichnet sich schämig anonym als„Ein Stadtverordneter". Der Bursche hatte nicht den Mut, seinen Namen zu nennen. Er gehört anscheinend zu derselben feigen Gesellschaft, die am 9. November 1918 in die Mauselöcher gekrochen ist. Es hat wirklich keinen Wert, sich mit diesem Herrn Anonymus sachlich auseinanderzusetzen. Was meine kommunalpolitische Tätigkeit mit der Arbeit des Arbeiter=Samariter=Bundes zu tun haben soll, ist einsach unklar. Wenn der A. S. B. zu einer Dienstleistung aufgefordert wird, so wird der Dienst geleistet, ganz gleich, ob Kozis, Nazis oder der„Schutzverein für Handel und Gewerbe“ die Veranstalter sind. Die Wohnungsluxussteuer für Schwerte wird kommen. Wenn auch mit dem Ertrag der Stadtsäckel nicht saniert werden kann, so wird aber bestimmt damit erreicht, daß es keine Luxuswohnungen in Schwerte mehr gibt und soviel Wohnraum dem Wohnungsamt zur Verfügung gestellt wird, daß alle Wohnungssuchende unterkommen können. Die Wohnungsnot in Schwerte ist dann mit einem Schlage behoben. Die Stadtverordnetenfraktion der S. P. D. hat wirklich keine Verwendung für die„guten“ Ratschläge des Herrn Anonymus. Sie wird ihre Beschlüsse immer so fassen, wie sie im Interesse der arbeitenden Klasse liegen. Ganz gleich, ob es einigen Schmierfinken gefällt oder nicht. Für uns Sozialisten gilt immer noch das Wort unseres großen Führers Bebel, der gesagt hat: „Wenn Dich Deine Klassengegner loben, hast Du einen Fehler gemacht; wenn sie aber aufheulen vor Wut, dann bist Du auf dem richtigen Bege: Das hysterische Gekreisch des angeblichen „Stadtverordneten“, der noch nicht einmal seinen Namen zu nennen wagt, ist uns ein Beweis dafür, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Warstat. Chor= und Orchesterkonzert des M. G.V.„Sangeslust“ im„Freischütz“ am Buß= und Bettag Zirka 130 Mitwirkende. Das diesjährige Buß= und Bettagkonzert des MGV.„Sangeslust“ verspricht etwas ganz besonderes zu werden. Als Solisten sind Herm. Vollmann(Tenor) und Willi Rehkemper(Bariton), beide aus Hagen, verpflichtet. Beide sind Solisten ganz großen Formats. Hernann Vollmann hatte mehrsach bei Opern= und Oratirien=Aufführungen in der überfüllten Stadthalle in Hagen große Erfolge zu verzeichnen. Einen Tenor wie Herm. Vollmann bekommt man heute in hiesiger Gegend nur noch selten zu hören. Willi Rehkempers strahlender Bariton wird viel mit dem seines Bruders, des Kammersängers Heinr. Rehkemper, Staatsoper München, verglichen. Willi Rehkemper wurde in Hagen von über 2000 Zuhörern, anläßlich einer Opernaufführung„Zar und Zimmermann“ von Lortzing als Zar stürmisch gefeiert. Ebenso bei Oratorienausführungen und anderen Konzerten. Außerdem ist das gesamte städt. Orchester Witten(50 Musiker), verpflichtet worden, welches wohl den Konzertbesuchern vom vorigen Jahr in bester Erinnerung steht. Das Orchester weist eine glänzende Besetzung auf: 22 Geigen, 4 Bratschen, 4 Cellisten, 4 Kontrabässe, Holz, Blechbläser und Kesselpauken. Der Dirigent des MGV.„Sangeslust“ hat ein ganz hervorragend künstlerisch wertvolles Programm aufgestellt, welches ganz der Herbststimmung und dem Charakter des Buß= und Bettages entspricht. An a cepekla Chören singt der Männerchor„Das Meer“ von Nikodé,„Die Ablösung“ von Hutter,„Abendlied" von Kuhlau, „Die Vesper“ von Beethoven und„Sanktus aus der deutschen Messe“ von Schubert. Hauptwerk des Programms„Die Allmacht" von Schubert Liszt für Männerchor, Tenorsolo und Orchester. Solist Herm. Vollmann. Die Allmacht ist ein herrliches, monumentales Chorwerk, von F. Liszt instrumentiert. Es werden darin alle möglichen Naturereignisse geschildert, und zu den Gesängen des Chores und des Solisten durch das Orchester die entfesselten Elemente während des Sturmes veranschaulicht, der sternenbesäte Himmel, das Gold der Saaten usw. Außerdem singt der Chor„Landerkennung“ von Grieg mit Orchester= und Baritonsolo. Solist Willi Rehkemper. Herm. Vollmann singt das „Largo“ von Händel mit Orchester=Musik. Dir. Hugo Fliegner=Witten dirigiert die Ouverture „Zur Weihe des Hauses“ von Beethoven, welche Beethoven 1822 zur Eröffnung des Josesstätter Theaters in Wien komponierte und während des Weiheaktes dirigierte. Die Anlehnung an Händel, die überall, besonders in der freigestalteten Schlußdoppelfuge durchklingt, gibt dem Werk einen halb barocken Charakter, der sonst dem Wesen Beethovens nicht eigen ist. Ferner trägt das Orchester noch das Andante aus der 1. Symphonie von Beethoven, Ouvertüre C=dur im itl. Stil von Schubert und Solveygs Lied aus der Peer Gynt Suite von Grieg vor. Es steht also dem kunstliebenden Publikum ein ganz besonderer Genuß bevor. Der Eintrittspreis ist trotz der gewaltigen Unkosten wegen der schweren wirtschaftlichen Lage sehr niedrig gehalten und wäre es zu wünschen, wenn die edlen kulturfördernden Bestrehungen des veranstaltenden Vereins durch Massenbesuch belohnt würden. Karten im Vorverkauf sind zu haben am„Freischütz", Tapetengeschäst Ferber, Hörderstraße, Brühmann Nachf., Ostenstraße und bei sämtlichen Mitgliedern. Aus dem Gerichtssaal Amtsgericht Schwerte Schwerte, den 15. November 1930. In der gestrigen Sitzung, die von Amtsgerichtsrat Dr. Alffers geleitet wurde, und die einen gewaltigen Andrang von„Kriminalstudenten“ aufwies, hatte sich zunächst der Schmied Fritz St. aus Westhosen unter der Anklage der geführlichen Körperverletzung zu verantworten. Die blutige Geschichte begann bei einem Tänzchen im Lokale K. in der Wanne am 10. August. Motiv: Eifersucht. Der in der Wirtschaft unter jungen Leuten ausgetragene aber wieder beigelegte Streit wurde draußen fortgesetzt und bei dieser Gelegenheit der Dachdecker Ernst Sch. aus Holzen, der sich in den nahen Wald geflüchtet und versteckt hatte, durch Stockschläge fürchterlich zugerichtet. Der junge Mann wurde später bewußtlos und aus vielen Wunden blutend, aufgesunden. Ein Sanitätswagen brachte ihn ins Krankenhaus, wo unter anderen Verletzungen auch eine Gehirnerschütterung festgestellt wurde. Sieben Wochen ist Sch. arbeitsunfähig gewesen Als Täter kam der Angeklagte in Frage, der zu seiner Entlastung nur anführen konnte, er sei bei der vorhergegangenen Auseinandersetzung ins Gesicht geschlagen worden und dadurch in eine furchtbare Aufregung versetzt worden. Nach umfangreicher Beweisaufnahme nahm das Gericht den Rohling in eine Geldstrafe von 200 Mark, nur seine bisherige Unbescholtenheit hat ihn vor das Gefängnis bewahrt. Unterschlagung hat den Wirt und Landwirt F. vom Höchsten vor die Schranken des Gerichts gebracht. Er hatte auf einer Versteigerung verschiedene Gegenstände gegen Kredit erworben. Seit Jahren ist es Brauch, daß sich bei solchen öffentlichen Versteigerungen der Besitzer das Eigentumsrecht bis zur völligen Begleichung des Kaufpreises vorbehält. Diese Bedingungen werden vor jeder Versteigerung öffentlich bekannt gegeben, dann aber auch noch in dem betr. Lokal zum Aushang gebracht. F. hat nun eine ersteigerte landwirtschaftliche Maschine weiter verkauft, trotzdem er dieselbe noch nicht bezahlt hatte. Hierin wird die Unterschlagung erblickt. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 50 Mark. Wenig angenehm ist das Verhältnis, das schon seit einiger Zeit zwischen dem Ofenarbeiter St. und seinem Mieter, dem Arbeiter Fritz W. herrschte; letzterer hat es anscheinend sehr„an den Nerven“, so daß Hausbesitzer und Mieter oft aneinander geraten. So auch wieder aus geringfügiger Ursache am Abend des 25. Oktober. In seiner Aufregung stürzte W. in seinen Keller— die„Aussprache“ ging im Flur desselben vor sich— ergriff ein Beil und schlug damit auf seinen Gegner ein, zum Glück mit der stumpfen Seite, im anderen Falle hätte die Sache für beide Teile sehr verhängnisvoll werden können. Immerhin hat St. mehrere nicht unbedeutende Verletzungen erlitten und Frau St., die ihrem Mann zu Hilfe kommen wollte, bekam ihr Teil mit. Das Gericht hatte für die Nervosität W. wenig Verständnis; es verhängte über ihn wegen gefährlicher Körperverleutzug eine Gefängnisstrafe von drei Monaten, bewilligte ihm jedoch Bewährungsfrist von 2 Jahren unter der Bedingung zu, daß er binnen Jahresfrist eine Geldstrafe von 60 Mark zahlt. Von der Anklage, am Abend des 16. Oktober am„Reiche des Wassers“ einen Verkehrsunfall verschuldet zu haben, bei dem der Motorradfahrer H. zu Schaden kam, wurde der Händler T. von hier aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Gottesdienste Evangelische Gottesdienste. Große Kirche: Sonntag 9,30 Uhr P. Hagemann. 11 Uhr Kindergottesdienst. Kleine Kirche: Sonntag 8 Uhr P. Kleinemeyer. Evangl. Krankenhaus: 8,30 Uhr P. Hagemann. Geisecke=Lichtendorf: Sonntag 9,30 Uhr P. Kleinemeyer. Buß= und Bettag. Große Kirche: 9 Uhr Beichte, 9,30 Uhr P. Millard. Anschließend hl. Abendmahl. Kleine Kirche: 5 Uhr P. Ohlig, anschl. Beichte und hl. Abendmahl. Evangl. Krankenhaus:: 8,30 Uhr P. Millard. Seisecke=Lichtendorf: 9,30 Uhr P. Ohlig. Vereine und Versammlungen. Sonntag 4,30 Uhr Volksverein Geisecke=Lichtendorf. 6 Uhr Männerverein, Vortrag. Montag 8 Uhr Kirchenchor. Dienstag 8 Uhr Gustav=Adolf=Frauenverein. Donnerstag 8,15 Uhr Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Evangelischer Verein junger Männer. Sonntag 2 Uhr Jungschar. 4 Uhr Jugendabteilung. 6 Uhr Vortrag. 8 Uhr Unterhaltung. Dienstag 8 Uhr Turnen. Mittwoch 6 Uhr vorm. Herbstwanderung. 7,30 Uhr vorm. Wanderung der Jungschar. Donnerstag 5 Uhr Bastelabend der Jungschar. 8 Uhr Posaunenchor. Freitag 8,30 Uhr Bibelstunde. Samstag 8 Uhr Musikabend. Vereine der Frauenhülfe. Frauenhilfe Stadtbezirk 2, Donnerstag 3 Uhr. Evangelische Vereine junger Mädchen. a) Schwerte: Sonntag 6 Uhr Abt. 1 und 2 im Gemeindehaus. Dienstag 8 Uhr Abt. 1 und 2 im Gemeindehaus. b) Schwerterheide: 2,30 Uhr Kreuzverteilung. d) Geisecke=Lichtendorf: Sonntag 4 Uhr. Weggenossen. Dienstag 4,30 Uhr ält. Kreis. Freitag 3 Uhr jüngerer Kreis. Evangl. Stadtmission Schwerte, Kuhstraße 7. Sonntag 8 Uhr früh Blaukreuzstunde. 11 Uhr Sonntagsschule. 4 Uhr Bibelstunde. 8 Uhr abends Jugendbund. Mittwoch 8 Uhr abends Gebetsstunde. Donnerstag 8 Uhr abends Gemischter Chor. Freitag 8 Uhr abends Blaukreuzverein. Katholische Gottesdienste. 6 Uhr: Stille hl Messe. Pfarrer Schnurbus. 7,30 Uhr: Frühmesse. Monatskommunion der Mütter. 8.15: Schulmesse mit Predigt. Vikar Schleep 10 Uhr: Hochamt mit Predigt und Segen. Türkollekte für den Büchersonntag. 2,30 Uhr: Vesper. An den Werktagen sind in der Pfarrkirche die hl. Messen: 7, 7,40 und 8,15 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 6,30 Uhr. Geisecke. 7,05 Uhr: Stille hl Messe. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt. Holzen. Vakat. Lichtendorf. 7,30 Uhr:: Frühmesse. Gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jungfrauen und Mädchen. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 3,15 Uhr: Andacht. Am nächsten Sonntag gemeinschaftliche hl. Kommunion der Mütter. Jungfrauen=Kongregation. Die Monatsversammlung fällt aus.— Jünglings=Sodalität: Donnerstag 7,30 Uhr Heimabend in der Vikarie — Deutsche Jugendkraft. Sonntag fährt die 1. und 2. Mannschaft nach Marten. Abfahrt wird noch bekanntgegeben. Dortmunder Stadttheater Spielplan .von Samstag, 15. Nov., bis Sonntag, 23. Nov. Samstag, 15. November, 20 bis gegen 22,30 Uhr:„Der Kaiser von Amerika“. Eine politische Komödie von Bernard Shaw. Sonntag, den 16. November, 15,30 bis nach 18 Uhr:„Juarez und Maximilian". Dramatische Historie von Franz Werfel.— 20 bis nach 23 Uhr: Erstaufführung„Viktoria und ihr Husar“. Operette von Paul Abraham. Montag, den 17. November, 20 bis nach 22 Uhr:„Ariadne auf Naxos“. Oper von Richard Strauß. Dienstag, den 18. November, 20 bis gegen 22,30 Uhr: Erstaufführung„Sektion Rahnstetten.“ Ein Gegenwartsspiel von Curt Corrinth. Mittwoch, den 19. November(Buß= und Bettag), 20 bis nach 22,30 Uhr:„Cavalleria rusticana“. Oper von Pietro Mascagni. Hierauf: „Der Bajazzo“. Oper von R. Leoncavallo. Donnerstag, den 20. November, 20 bis nach 23 Uhr:„Viktoria und ihr Husar“. Freitag, den 21. November, 20 bis 22,30 Uhr: „Sektion Rahnstetten“. Samstag, den 22. November, 20 bis nach 23 Uhr:„Viktoria und ihr Husar“. Sonntag, den 23. November, 19,30 bis gegen 22,30 Uhr:„Undine". Romantische Zauberoper von Albert Lortzing. Was hören wir im Rundfunk? Sonntag, den 16. November 1930. 06,45: Selbstverteidigungskursus. 07,00: Hamburger Hafenkonzert. 08,00: Morgenkonzert. 08,30: Esperanto. 09,00: Morgenfeier. 11,00: Wert und Ehre deutscher Sprache. 11,30: Meister ihres Fachs. 12,00: Kammerkonzert. 13,00: Mittagskonzert des Orchesters des westdeutschen Rundfunks 14,30: Schachfunk. 15,00: Hallentennis Deutschland— Schweden Uebertragung von Mannheim. 16,05: Für den Kleingärtner. 16,30: Vesperkonzert. 18,00: Menschen im Beruf. 18,20: Em Johr 1874— D’r Schnieder und d'r Düwel. 18,40: Eine Stunde Kurzweil. 19,10: Der rheinische Lebensraum. 19,30: Vorklassische Klaviermusik. 19,55: Sportvorbericht. 20,05: Abendkonzert. Gegen 21,00: Erste Abendmeldungen. Bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Montag, den 17. November 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 11,20: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderstunde. 16,05: Die Welt im Buch. 16,25: Frauenstunde. 16,50: Jugendfunk. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Elternstunde. 19,15: Spanische Unterhaltung. 19.40: Wirtschaft und Technik. 20,00: Ansage zur Uebertragung aus dem Opernhaus Köln. 20,05: Die verkaufte Braut. In der Pause: Erste Abendmeldungen. Bis 24,00: Konzertübertragung aus dem Café Hemesath, Düsseldorf. Kreuzworträtsel Wagerecht: 1. Insel im Mittelmeer, 3. geläutertes Eisen, 6. Roheit, 9. Farbe, 11. Märchengestalt, 13. Land in Afrika, 15. Blume, 17. Europäer, 18. biblische Frauengestalt, 19. gute Eigenschaft. 20. Schiff, 22. Käieferment, 24. Fischfett. 26. Haustiere, 27. weiblicher Vorname, 28. Kunstflieger. Senkrecht: 1. Planet, 2. Falschheit, 3. Wasserwehr, 4. bekannter Opernsänger 5. norddeutscher Fluß, 7. Aschenbehälter, 8. Zauberwurzel, 10. Stadt in Marokko, 12. Befestigung, 14. Berg in Tirol, 16. Reitersitz, 18. Kopfhaut, 19. Fischfeit, 21. weiblicher Vorname, 23. Haartracht, 25. ungebraucht. Auflösung erfolgt in der Montag=Nummer. SEIEREIZETG. LUHNS SALMIAK-TERPENTINBLEICH-SEIEE LUNNS Inruka 802 FETT-FENSEIEE LUHNIT-SEIFE DDE AELMMT SELEMEFT # Pfund Stück seit 40 Jahren bewährt: Das Feinste vom Feinen. Gewebe und Farben halten. 2 große Stücke DIE SEIFE FUR ALLES Keine Kernseife! # Pfund Ooppelstück Eine bessere Kernseife gibt es nicht.#8 0. S6e. 28ho 3 5pg #KP S0% ROTBANDFLOCKEN Aur 2 RABATT-MARKEN LÖHNS WASCH-EKTRAKT LUHNAL-SEIFE Seide, Wolle, Bubilocken, wasche nur mit#Coa 309g. Rotband-Flocken! # Pfund Paket-Das. 90. seit 40)ahren bekannte####g 48%/0. schorerde Seiterrihe: 4 Pfund Doppelstück### erstklassige und hoch. 8.32 wertige Kernseife P 9 die 1 13 BINS DIE HAND’ WIT ABRADOR, des goße Stück 25 Pfg. bs werden:““ LUHNS AEngEL, ASE Sasträt ie„Dig##l## OOn- Posli###g###e Aunges#E RARATT-MARKEN von Kurt Felscher „Vater und Conyriaht by Martin Feuchtwanger Halle(Saale •3 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Aber wer hatte ihm sein Glück schließlich zerschlagen? Dort drüben lebte er, in jenem Anwesen am Hange nach Kiesewald. Eine finstere Falte grub sich ihm zwischen den Augen ein. Wäre der mit seinem groben Schimpfen nicht noch dazwischen gefahren, es wäre kaum zu dem Abschiedsbrief gekommen. Zwischen ihren Zeilen war ja zu lesen, daß sie sich geradezu vor seinem Vater fürchtete. Roberi Zeidler trat ans Fenster. Er blickte nach dem Hange hinüber und zerknitterte Paulinchens Brief in seinen zusammengekrampften Fingern. Wenn es so weiterging, dann konnte die Zeit kommen, wo er aufhörte, um dieses harten Mannes Anerkennung als Sohn zu ringen. Schließlich war auch er ein Mensch, der Anspruch haben durfte auf ein Fünkchen Glück und Sonnenschein. Mit diesem geknechteten Gewissen kam er nicht weiter. Und was Robert Zeidler noch nie getan hatte— er ballte seine Hand zur Faust und hob sie drohend nach dem Wiesenhange zu. Aber dann zuckte er zusammen. Wie eine Stimme aus undeutlicher Ferne und doch deutlich vernehmbar hörte er:„Hab deinen Vater immer recht lieb.“ So hatte seine Mutter einst zu ihm gesprochen vor langer, langer Zeit, als er noch als kleiner Kerl auf ihrem Schoß herumtollte. Da trat Robert vom Fenster zurück. Eine dumpfe, schwere Müdigkeit überfiel ihn. Er mußte stillhalten, was auch kommen mochte. Grau und öde lag das Leben vor ihm. Es war ja alles so gleichgültig. Arbeiten, essen, trinken, schlafen und wieder arbeiten— das ewige Einerlei, so gleichmäßig wie der Herbstregen, der an die Scheiben seines Fensters klatschte. 17. Kapitel. Es kann der Beste nicht in Frieden leben... Im Petersdorfer Kretscham herrschte echte Kirmesstimmung. Gemütlich genug war es auch in den von Tabakrauch dick erfüllten Räumen, um deren Tische sich die männlichen und weiblichen Gäste an den lecker duftenden Gerichten nicht weniger als an den vorbildlich gepflegten Getränken labten. Unter den Speisen herrschten knusprig gebratene Gänse und Enten vor; von den Getränken bevorzugten die Männer, des naßkalten Abends wegen, der durch einen vom Hochstein herniederbrausenden Herbststurm recht unfreundlich gestaltet wurde, anfangs einen steifen Grog, der einmal den inwendigen Menschen entsprechend erwärmte und zum anderen sogleich die Stimmung um einige Grade emportrieb. Und Stimmung gehört zu einer schlesischen Kirmes, die in ihrem Verlauf um so nachhaltigere Erinnerungen wachruft, je höher die Wogen gegangen sind. An einem der schmuck gedeckten Tische im„reservierten Zimmer“ saß Zimmermeister Treutler mit seiner Frau, der man die einfache Gebirglerin trotz einiger Zugeständnisse an städtische Kleidung ansah, und seinen Kindern, unter denen Dorothea, die Aelteste, in ihrem netten Sonntagskleide manch schmachtenden Blick der männlichen Jugend auf sich zog. Na ja, das Mädel war eben so hübsch und frisch, wie man mit sechzehn Jahren nur sein konnte, und dazu eines wohlhabenden Mannes Tochter, welcher Umstand dem Büroangestellten Bittner immer wieder besonders anziehungswert erschien. Da er ein Mann ruhiger und sachgemäßer Ueberlegungen war— er bearbeitete eben nicht umsonst die Lohnlisten und andere rechnerische Statistiken—, hatte ersich in den letzten Tagen endgültig zu dem Entschluß durchgerungen, in Sachen Bittner kontra Robert Zeidler junior diesen ihm immer unbequemer werdenden Nebenposten aus seiner Lebensrechnung zu entfernen. Dazu bedurfte es langsamer Vorbereitung, um den Hauptschachzug dann um so entschiedener führen zu können. Zu seinem Leidwesen hatte er erfahren müssen, daß der Hauptposten seiner Rechnung in Gestalt einer ebenso hübschen wie weich gebetteten Dorothea Treutler sich gar nicht so leicht unter der Rubrik„Guthaben“ unterbringen lassen wollte. Und das seit dem Augenblick, da jener unbequeme Schreiberhauer Lehrling durch des alten Treutlers unbegreifliche Gutmütigkeit seine Kreise gestört hatte. Die Vorbereitungen zu dem entscheidenden Vorstoß waren beendet. Irgend etwas mußte in Robert Zeidlers Stimmung einen Umschwung hervorgerufen haben. Was es gewesen sein mochte, dahinter zu kommen verlohnte sich für Bittner nicht der Mühe; jedenfalls war der bis dahin ziemlich schweigsame Lehrling gesprächiger und anscheinend manchem guten Männerratschlag zugänglicher geworden. Daß Robert Zeidler sich zu solcher Ablenkung gewaltsam zwang, um über seines Paulinchens Abschiedsbrief und die Not mit dem Vater schneller hinwegzukommen, davon ahnte der andere freilich nichts; auch nichts davon, daß Robert Zeidler zu der Ueberzeugung gekommen war, durch männlicheres Anpacken des Lebens sich sein bißchen Anteil am Sonnenschein des Daseins zu ertrotzen. Robert Zeidler mußte bei irgendeiner Gelegenheit vor dem ganzen Dorfe lächerlich gemacht werden. Das würde den schlimmer treffen, als irgend etwas anderes. Denn so viel hatte Bittner von seines Nebenbuhlers Seelenverfassung richtig erkannt, daß er überaus feinfühlig war und eine öffentliche Bloßstellung nur durch eine Flucht aus Petersdorf begleichen würde. Zuerst aber galt es, den Ahnungslosen so sicher wie möglich zu machen. Jede Freizeit des Tages benutzte Bittner, um sich an Robert Zeidler heranzumachen. Daß er dabei mit großen, gespreizten Redensarten nichts erreichen würde, war ihm klar. Darum gab er sich ihm gegenüber so natürlich wie nur möglich und erreichte, daß Robert Zeidler, wenn auch nicht zutraulicher, so doch eben nicht mehr gar so scheu und zurückhaltend sich verhielt. So war es ihm denn auch gelungen, den jungen Menschen ein wenig aus seinem Bau herauszulocken. Und schon einige Male hatte er ihn dazu gebracht, im Kretscham oder sonst in einem der Gasthöfe des aufstrebenden Ortes mit ihm einen Männertrunk zu halten. Freilich blieb Robert Zeidler dabei immer sehr mäßig und überließ dem anderen das reichlichere Trinken und ebensolche Reden. Bei solchen Gelegenheiten hatte Bittner auch mit viel Geschick und— wie er meinte— mit Ungezwungenheit das Gespräch auf Dorothea Treutler gebracht. Er wollte auf den Busch klopfen. Aber der Vogel, der herausflog, war so unscheinbar, hatte so gar nichts von dem an sich, was der Jäger argwöhnte, daß er beinahe schon wieder in seiner Absicht schwankend geworden wäre, den mutmaßlichen Nebenbuhler aus dem Felde zu schlagen. Als er nämlich Dorothea Treutler absichtlich ein wenig kritisierte, ihr Haar zu blond, ihre Füße zu groß, ihren wirklich hübschen Mund zu breit fand, empörte sich Robert Zeidler keineswegs über diese Herabsetzung weiblicher Reize, sondern meinte nur, er habe sich das junge Mädchen daraufhin noch gar nicht angesehen; er bekäme sie ja auch verhältnismäßig selten zu Gesicht. Aber da hatte ein kleines Erlebnis den Büroangestellten Bittner doch wieder in seiner Abwehrtaktik bestärkt. Vor wenigen Tagen hatte er ein sonderbares Gespräch belauscht. In der Küche unterhielt sich die böhmische Franziska mit Dorothea Treutler. Die Tür stand wie gewöhnlich einen Spalt weit offen, damit die Flurglocke besser vernehmbar würde. Gerade ging Bittner eines Auftrags wegen über besagten Flur, und da das Ohrenspitzen eine seiner charakteristischen Eigenschaften war, verhielt er einen Augenblick seinen Schritt, weil er aus der Küche seiner Angebeteten Stimme zwitschern hörte. „Er macht halt immer so ein trüb=timpliges Gesicht!“ vernahm Bittner aus Franziskas Munde. Worauf die helle, muntere Stimme Dorotheas erklang:„Ja— ich weiß auch nicht recht, warum er gar so traurig ist: er muß sich wohl immer wieder über seinen Vater grämen.“ „So ein Rabenvater— nee, ma hält's nich für die Meeglichkeit!“ entrüstete sich Franziska mit tiefer Baßstimme. „Mir tut er schrecklich leid!“ Da war Bittner aufgefahren. So! Also leid tat der Dorothea Treutler der Duckmäuser! Schöne Bescherung! Vom Mitleid zu etwas anderem war bei einer empfindlichen Mädchenseele kein allzu weiter Schritt. Oh, er kannte die Weiber! Er hatte genug Liebesromane gelesen, in denen es oft mit Mitleid anfing und mit brennend=roter Liebe für den Helden endete. Hier galt es also, schleunigst einzugreifen, ehe das scheinbar noch unbeschriebene Blatt etwas merkte. Und dazu sollte der Kirmeßabend dienen. Bittner war stolz darauf, wie geschickt er die Sache eingefädelt hatte. Er hatte Robert Zeidler so lange zugeredet, bis der sich endlich entschloß, mit in den Kretscham zu gehen. Die anderen jüngeren Leute vom Bauhof wollten auch dort sein. Und Robert Zeidler mußte zugeben, daß es eigentlich in den netten Räumen mit dem lebensfrohen Jungvolk sehr gemütlich war. Zum ersten Male saß er somit in einem größeren Kreise, anfangs etwas unbeholfen und wortkarg. Aber mit der Zeit schmolz auch bei ihm die Eisrinde, die jahrelanges Grübeln und Alleinsein um sein junges Herz gelegt hatte. Ein paarmal hatte er schon herzlich mitgelacht, wenn einer der jungen Leute eine'lustige Geschichte erzählte oder einen Witz riß. Auf diesem Gebiet zeigte sich Bittner besonders beschlagen, wenn auch seine Witzeleien nicht immer ganz einwandfrei waren. Man saß gemütlich im Nebenzimmer des„Reservierten“ um einen runden Tisch herum, trank und sang. Die Tür zum Nachbarraum stand offen. „Kinder, jetzt woll'n wir mal einen Rundgesang steigen lassen“, schlug Bittner vor und kniff die Augen zusammen. Ein prüfender Blick schoß zwischen den engen Lidern zu Robert Zeidler hinüber. Aber der machte bei dem Vorschlag ein so unschuldiges Gesicht, daß Bittner beim besten Willen keinen Verdacht schöpfen konnte. Der junge Mensch wußte auch gar nicht, was es mit solch einem Rundgesang auf sich hatte. Er hatte ja noch nie einen solchen Kantus mitgesungen. Doch bald sollte er dahinter kommen. Bittner hatte sich von seinem Sitze erhoben und leitete „als Präside“ mit viel Würde und Stimmaufwand den Sang, gab selbst den Ton an: „Rundgesang und Rebensaft lieben wir ja alle... Darum schwingt mit Jugendkraft schäumende Pokale! Bruder, deine Liebste heißt?“ So erscholl es alsbald aus etwa einem Dutzend Jungmännerkehlen, von dem einen laut herausfordernd, von einigen ein wenig zaghaft, von Robert Zeidler, der weder Text noch Melodie kannte, gar nicht mitgesungen. Und als er im weiteren Verlauf merkte, um was es sich handelte, wurde ihm recht beklommen zumute. Dieser Rundgesang gefiel ihm gar nicht. Schon mancher Mädelname war von der fidelen Runde mit Jubel ausgenommen worden, und bald ließ man eine Ida, eine Lene, eine Mieze oder sonst eine Schöne leben. Immer näher rückte das Verhängnis. Vor ein paar Wochen hätte Robert Zeidler„Paulinchen“ rufen können— doch das war vorbei. Unruhig rückte er auf seinem Stuhl herum. Was sollte er tun? Er wußte niemanden. Aber alle anderen hatten doch— mancher mit sichtlicher Verlegenheit zwar— einen Namen genannt. Ach was, er wollte irgendeinen Namen nennen: Grete oder Lotte; es kam ja nicht darauf an, ob sie lebte. Die Hauptsache war, sich nicht btöde anzustellen. Da kam er auch schon an die Reihe— als Letzter. Er mußte sich von seinem Platz erheben. Ein Dutzend Augenpaare bohrten sich erwartungsvoll in die seinen. Eine Blutwelle schoß ihm in die Wangen. „Bruder, deine Liebste heißt?“ Wie weggewischt waren all die Namen, die er sich vorher zurechtgelegt hatte. Es würgte ihn in der Kehle. Sekundenlanges Schweigen— halb belustigte, halb spöttische Blicke ringsum. Plötzlich vernahm er Bittners Stimme:„Na los, Zeidler! Wir sind gespannt wie die Regenschirme!“ Hilflos blickte Rovert Zeidler über den Tisch hinweg. Da fiel sein Blick auf ein Mädchenantlitz. Der Rundgesang hatte vom Nebenzimmer Zaungäste angelockt. Im Türrahmen sah er im Nebel des Tabakdunstes Dorothea Treutler stehen. Aus ihren hübschen Augen lachte der Schalk. Und im nächsten Augenblick stotterte Robert Zeidler:„Dorothea!“ Er wußte nicht, warum er ihren Namen nennen mußte, hörte plötzlich um sich herum ein lautes Grölen: „Dorothea, sie soll leben, soll leben... Tausend Küsse soll sie dir scheffelweise geben...“ Die ganze Stube samt Tisch, Gläsern und Sängern kreiste in tollem Wirbel vor Robert Zeidlers Blicken. Am liebsten wäre er aufgesprungen, zu dem Mädchen im Türrahmen gelaufen, hätte ihr gesagt:„Sei nicht böse! Ich habe dich ja gar nicht gemeint!"— Aber er suchte mit seinen Blicken vergeblich nach seines Brotherrn Tochter. Der Türrahmen war leer. Dagegen bemerkte er, wie Bittner ihm einen mertwürdig stechenden Blick über den Tisch zuwarf. Endlich war der Sang verklungen. Ein Hin=und=Her von Anspielungen, Sticheleien und Neckereien, Zutrinken und Köpfezusammenstecken ebbte eine Zeitlang noch auf und nieder. Robert Zeidler schien sich langsam aus seiner Verwirrtheit in die Wirklichkeit zurückzufinden. Da wurde er plötzlich aus seiner Versonnenheit aufgeschreckt. Harte Knöchel klopften ihm auf die Schulter. Als er sich erstaunt umwandte, blickte er in Bittners Gesicht, in dem es von Spott und Hohn wetterleuchtete Rober Zeidler hatte gar nicht bemerkt, daß jener seinen Platz an der Spitze der Tafel verlassen und sich an ihn herangepirscht hatte. Und schon vernahm er Bittners näselnde Stimme: „Sagen Sie mal, mein Lieber, wen meinten Sie denn vorhin mit jener gewissen Dorothea?“ Robert Zeidlers Gesicht überflog dunkle Röte. Unwillkürlich war er aufgestanden und blickte den unliebsamen Frager fassungslos an. Der Auftritt ließ die anderen am Tische verstummen; alle schauten in höchster Spannung auf die beiden jungen Leute. „Na, Sie müssen doch eine bestimmte Person gemeint haben! Die Sache interessiert mich nämlich aus gewissen Gründen.“ Hilflos blickte Robert Zeidler im Kreise herum. Wieder begann alles um ihn einen teuflischen Reigen zu tanzen. Schweißperlen traten ihm auf die Stirn. Er fand keine Entgegnung. „Menschenkind, so reden Sie doch!“ mahnte Bittner mit spöttischem Grinsen.„Sie sind der Jüngste hier in unserem Kreise. Wir möchten Ihre Schöne gern näher kennenlernen.“ „Ich weiß nich— ich hab' ja gar keine— ich— ich“, stotterte Robert Zeidler und wurde von neuem blutrot. Ein wieherndes Gelächter hob an. Einige der jungen Leute bogen sich buchstäblich vor Lachen über Zeidlers Verlegenheit. Der stand ja da wie ein begossener Pudel. Da übertönte Bittners Stimme das Gelächter: „Mein Lieber, es gibt weit und breit nur eine Torothea hier. Wenn Sie etwa die meinen, da sind Sie schief gewickelt— die ist schon vergeben! Außerdem dürfte die junge Dame auch andere Ansprüche machen. Ich will ja weiter nichts gesagt haben; aber ein jeder weiß doch, we Sie herstammen!“ „Wo ich herstamme?“ Robert Zeidler stieß es, plötzlich blaß geworden, hervor. „Na ja— Ihr Vater— Sie wissen doch— den nimm niemand ernst.“ „Was geht denn Sie mein Vater an?“ fuhr Robert Zeidler auf. „Ein altes Sprichwort sagt: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme!“ höhnte Bittner, der schon längst jede Ueberlegung eingebüßt zu haben schien. „Herr Bittner, ich möchte Sie bloß bitten, solche Reden zu unterlassen! Mein Vater und ich haben Ihnen gar nichts getan; da tun Sie mir auch nischt!“ Robert Zeidler maß den Angreifer mit einem verächtlichen Blick und setzte sich hin. „Schlappschwanz!“ Bittner zischte es hervor und wollte an seinen Platz zurückgehen. Diesem Stockfisch war nicht beizukommen; der steckte eben alles ein. Aber er hatte sich verrechnet. Robert Zeidler war von neuem aufgesprungen, faßte Bittner von hinten am Rockkragen, drehte den Ueberraschten mit einem kräftigen Ruck herum, so daß er dessen Gesicht vor sich hatte— und im nächsten Augenblick saß dem völlig Verdutzten eine schallende Ohrfeige auf der vom Bier geröteten Backe. „Verdammte Kanaille!“ kreischte Bittner, stürzte sich auf Zeidler und versuchte Gleiches mit Gleichem zu zahlen. Aber er hatte sich in seinem Gegner verrechnet. Zeidler faßte ihn an den Handgelenken und hielt den sich wie rasend Gebärdenden mit hartem Griff fest. Vergebens suchte sich Bittner von seinem Gegner loszureißen. Und weil es ihm nicht gelang, ließ er von neuem sein Mundwerk spielen:„Gemeiner Kerl, hergelaufener Lump, dreckiger Prolet!“. So hagelten die Schimpfworte auf Robert Zeidler nieder. Der sagte zu alledem kein Wort, schraubte seine Fäufte nur immer fester um des anderen Gelenke. Kurze Zeit herrschte unheimliche Stille in dem Raume. Allen war der Umschwung so unerwartet gekommen, daß sie wie erstarrt dem Ringen der beiden zusahen. Dann aber brach ein wahrer Tumult los. (Fortsetzung folgt.)