1 E Di.„Schwerter Zeitung" erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis halbmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Nuhr), lostscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Zeitung Anzeigerpreise für die achtgespall. mmrei## Pfg., Auswärtige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Dfg., Reklamezeile 40 Pf: Finr telefon. aufgegedene Inserate üdernehmen wit keine Gewähr. Bei unvordergesehn. Betriebsstörungen, hervorgerufen durch böbere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadeuersatz oder Nachlieferung erhoben werden ageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn S Nr. 264(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Montag, den 10. November 1930 63. Jahrgang Eergen der Kommunen Dr. Mulert über Finanzprogramm der Reichsregierung und Stadtenol wtb. Berlin, 8. Nov. Im Anschluß an die heutige Vorstandssitzung des Deutschen Städteteges fand eine Pressebesprechung statt, in der der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, über die Stellung der Städte zum Finanz= und Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung berichtete. Er führte u. a. aus, daß die deutschen Städte, Reichsregierung und Reichstag bei allen Maßnahmen unterstützen werden, die geeignet sind, die Schwierigkeiten zu beseitigen oder zu erleichtern. Die Gemeinden müßten aber darauf hinweisen, daß die Regierungsvorschläge sie nicht berücksichtigen würden. Die Städte würden, während das Regierungsprogramm eine Soforthilfe für die Kommunen nicht vorlege, ihre eigenen Maßnahmen fortsetzen, die sachlichen Ausgaben für den Rest des Rechnungsjahres und für 1931 zu drosseln und eine mißbräuchliche Inanspruchnahme städtischer Wohlfahrtsmittel zu bekämpfen. Dennoch würden die Gemeinden ohne ofortige Maßnahmen des Reiches und der Länder mit den großen Schwierigkeiten nicht fertig werden können. Unter Hinweis auf die Lohnsenkungsaktion betonte Dr. Mulert, daß beabsichtigt wäre, auch die Beamten in diese Aktion einzubeziehen. Zur Frage der Preissenkungsaktion erklärte Dr. Mulert, daß die Senkung der Preise erfolgen müsse Gerade bei den wichtigsten Lebensmitteln sei vielfach eine unberechtigte Gewinnspanne festzustellen. Die Stadtverwaltungen müßten sich mit größter Energie einschalten, um diese Spanne einigermaßen erträglich zu gestalten. Der Vorstand des Städtetages sei jedenfalls der Meinung, daß eine erhebliche Herabsetzung der Preise möglichsei. Allerdings sei dabei nicht daran gedacht, eine Kriegswirtschaft wieder aufzuziehen. Dr. Mulert entwickelte sodann die Stellung des Vorstandes des Städtetages zum Finanzplan der Regierung. Zum Entwurf eines Gehaltskürzungsgesetzes wird gefordert, daß die dadurch erzielten Einsparungen der Gemeinden in vollem Ausmaße den Gemeinden auch zugute kommen. Außerdem sei es zweckmäßig, die Dauerangestellten der öffentlichen Körperschaften einzubeziehen. Das Gesetz über die Einschränkung des Personalaufwandes wird dagegen abgelehnt, da in die kommunale Beamtenschaft unnötige Beunruhigung hineingetragen würde. Eine Drosselung des Wohnungsbaues käme auf eine unerträgliche Neubelastung des Arbeitsmarktes hinaus. Die Hauszinssteuer für den Wohnungsbau müsse den örtlichen Aufkommen entsprechend zur Verwendung gelangen. Die Weiterführung der Gemeindefinanzwirtschaft sei nur möglich, wenn die volle Beweglichkeit der Einnahmegestaltung gesichert würde. Dazu gehöre vor allem auch die Einführung des Zuschlagrechtes zur Einkommensteuer zum 1. April 1931. Selbsbeschräntung auberlegt. Die wichftosse Mutgabe ist die Erziehung zur Volksgemeinschaft und zu staatsbürgerlicher Pflichterfüllung, zur Staatsidee. Dies aber ist der Gedanke des deutschen Nationalstaates. Jede andere Staatsidee stößt Oesterreich endgültig ab und zerreißt die Verbindung mit den von uns getrennt lebenden Europadeutschen. Der Redner verbreitete sich dann über seine Finanzpolitik, die ein Gebot der Not sei und die auch, soweit sie die Beamten treffe, nur zu verstehen sei aus der Tatsache, daß eben die Mittel für Weitergewährung der bisherigen Bezüge nicht ausreichen. Die Grundidee sei Wiederherstellung des Vertrauens und damit Belebung der Wirtschaft auf dem Binnenmarkt sowohl wie auf dem Weltmarkt. Die Reparationspolitik bezeichnete er als zwangsläufig. Der Redner schloß mit dem Satz: Wir verbinden mit dem Stolz auf die deutsche Vergangenheit den Glauben an die deutsche Zukunft. Unser Ideal ist ein freier, mächtiger, sozialer deutscher Nationalstaat. Um diesen wollen wir kämpfen. Die Darlegungen des Reichsministers Dietrich wurden immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen. Besonderen Beifall fand der Redner, als er durch Verlesung eines Erloltes aus dem Jahre 15 Biemarck dls Frade zeugen für die Notwendigkeit eines deutschen Einheitsstaates anführte. Es handelt sich dabei um ein Dokument, in dem Bismarck den Hannoveranern klar macht, daß sie nicht etwa gezwungen werden sollten, Preußen zu werden, sondern daß sie Deutsche werden sollten. * Auflösung der Demokratischen Partei vdz. Berlin, 9. Nov. Auf dem Demokratischen Parteitag in Hannover wurde gestern der Antrag des Parteivorstandes auf Auflösung der Deutschen Demokratischen Partei und Ueberführung der Parteiorganisation in die Deutsche Staatspartei mit allen gegen 16 Stimmen bei einigen Stimmenthaltungen angenommen. Reichsminister Dr. Dietrich Vorsitzender der Staatspartei wtb. Hannover, 9. Nov.(Tel.) Reichsfinanz= minister Dr. Dietrich wurde auf dem heute hier abgehaltenen Gründungsparteitag der Deutschen Staatspartei, zu dem 300 Delegierte erschienen waren, mit allen gegen 22 Stimmen zum Parteivorsitzenden gewahlt. Dr. Dietrich erklärte sich bereit, das Amt anzunehmen. Iin Feichen der ,Abtustung Deutschlands Vorschläge werden im Abrüstungsausschuß abgelehnt Siaut Een und Wirtschaft Eine Rede des Reichsfinanzministers wtb. Hannover, 10. Nov.(Funkspruch.) In der Stadthalle zu Hannover, in der am Samstag mit großer Mehrheit die Auflösung der Deutschen demokratischen Partei und ihre Ueberführung in die Deutsche Staatspartei beschlossen worden war, hielt am Sonntag die Deutsche Staatspartei ihren Gründungsparteitag ab. Der preußische Finanzminister Dr. HöpkerAschoff eröffnete die Tagung. Einstimmig wurden auf seinen Vorschlag Dr. Weber und Rochus von Rheinbaben sowie der preußische Landtagsabgeordnete Riedel und Frau Mesolf(Hannover) in die Verhandlungsleitung berufen. Dann erbat Dr. Höpker=Aschoff vom Parteitag unter lebhaftem Beifall die Ermächtigung, ein Huldigungstelegramm an den Ehrenbürger der Stadt Hannover, dem Reichspräsidenten von Hindenburg, zu senden. Reichsfinanzminister Dietrich ergriff darauf das Wort zu einer groß angelegten Rede, in der er etwa Folgendes ausführte: Im neuen Reichstag besteht noch eine Mehrheit für den heutigen Staat und seine Verfassung, aber es besteht keine Mehrheit für die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung, die die Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten verwerfen. Die Grundursache dieser Erscheinung liegt nicht in der Vermehrung der abhängigen Existenzen, die im übrigen politisch und wirtschaftlich heute vollkommen gleichberechtigt sind. Schlimmer hat die Inflation gewirkt, die nicht nur die Mitte geschwächt, sondern auch Millionen abhängiger Existenzen ihr Sparvermögen weggenommen hat und sie daher im Falle der Arbeitslosigkeit sofort der größten Not aussetzt. Die Zusammenballung zu gewaltigen Syndikaten und Trusts, die ganze Erwerbszweige beherrschen, verbaut einer Menge nach Selbständigkeit drängenden Existenzen den Weg nach oben. Die Reparationen, die in ihren Auswirkungen vollkommen unübersehbar sind, bedrohen die Existenzmöglichkeit der Nation. Die Meinung, der Staat könne alle Leiden heilen, ist überspannt worden und droht den Staat zum Erliegen zu bringen. Schlimmer noch ist die geistige Verwirrung. Die alten Autoritäten sind gefallen. Meinungsund Pressefreiheit sind entartet, Selbstdisziplin ist verloren gegangen. Der Eintritt der Frau in das politische Leben brachte ein neues, unübersehbares Moment und das vermehrte Wahlrecht hat verwirrend gewirkt. Falsche Beamtenpolitik und wirtschaftliche Korruption haben verheerende Folgen gehabt. Monopolistische Syndikate kann der Staat nicht frei schalten und walten lassen. Im übrigen aber ist die Erhaltung des selbstständigen Unternehmertums und vor allen Dingen des Mittelstandes im Gewerbe, Handel und Landwirtschaft die vordringlichste Aufgabe. Davon hängt auch das Wohl und Wehe der Angestellten, Arbeiter und Beamten ab. Auf geistigem und kulturellen Gebiet liegt das Zeitalter des Liberalismus hinter uns. Wir übernehmen aus ihm das Recht der Geistes= und Meinungsfreiheit und der Duldsamkeit. Aber auf Freiheit hat nur Anspruch, wer sich die nötige Disziplin und wtb. Genf, 8. Nov. Im vorbereitenden Abrüstungsausschuß wurde heute die im vorigen Jahre vertagte Diskussion über die Dauerder Dienstzeit und ihre Festlegung im Entwurf der Abrüstungskonvention fortgesetzt. Dem Ausschuß lag auch vom Mai v. J. noch ein Antrag des Grafen Bernstorff vor, der davon ausgeht, daß die Herabsetzung der Dienstzeit, die im Entwurf vorgesehen ist, allein noch nicht als eine wirksame Abrüstungsmaßnahme angesehen werden kann, und der folgerichtig auch eine Herabsetzung und Beschränkung des jährlichen Truppenkontingents fordert, und zwar derart, daß die hierfür festgelegten Zahlen von keinem der vertragsschließenden Staaten überschritten werden dürfen. Weiter fordert der deutsche Antrag, daß die Ausbildungszeit und aktive Dienstzeit getrennt angegeben werden müssen, und daß über die Personen, die ihrer militärischen Dienstpflicht genügt haben, keine Listen mehr geführt werden dürfen. Hulmteiirageeie in der Eisel Ein Vater erschlägt seine 4 Kinder mit der Art und schneidet sich selbst den Hals ab II. 10. Nov.(FunkKriegsinvaliden und wtb. Bergbuir.(Eifel) spruch.) Als die Frau des Kk Kolonialwarenhändlers Josef Beul am Sonntagmorgen aus der Kirche nach Hause kam, fand sie ihre 4 Kinder und ihren Mann tot vor. Der Mann hatte die Kinder mit der Axt erschlagen und sich selbst die Kehle durchschnitten. Ueber die grausige Tat erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Als Frau Beul aus der Kirche nach Hause zurückkehrte, fand sie ihren Mann noch lebend vor. Er hatte sich die Kehle mit einem Nasiermesser durchschnitten und empfing seine Frau mit den Worten:„Verzeih' mir, du weißt ja, weshalb ich es getan habe.“ Drei Kinder hatte er mit einem Handbeil in der Scheuneerschlagen, als sie im Begriff waren, sich anzuziehen. Der Aelteste, ein Knabe von acht Jahren, hatte schon die Schuhe an. Ein siebenjähriges Mädchen war halb angezogen und, als die Frau Hilfe herbeiholte, noch nicht erkaltet. Deshalb wurde auch dieses Kind mit dem Vater und dem fünfjährigen Sohn Georg, der noch Lebenszeichen von sich gab, ins Krankenhaus gebracht. Das jüngste Kind, ein Knabe von zwei Jahren, hatte der Vater im Waschraum neben der Scheune erschlagen. Im Krankenhaus ist der Täter selbst gegen 10 Uhr gestorben. Die Wiederbelebungsversuche bei dem Mädchen waren erfolgles, und in der Mittagsstunde lag auch der fünfjährige Georg im Sterben. Außer einer Wunde am Hinterkopf war ihm die Stirn mit dem scharfen Beil aufgeschlagen. Einer Krankenschwester im Hospital erklärte der Täter noch, er verstehe nicht, was er getan habe, und wisse nicht, wie er dazu gekommen sei. Josef Beul war ein 37 Jahre alter Invalide, der im Krieg die linke Hand verloren hatte. Vor Jahren gehörte er dem Gemeinderat seines Heimatorts an und war auch eine Zeitlang Rendant einer Spar= und Darlehnskasse. Als in der Kasse ein Fehlbetrag von etwa 13.000 Mark entstanden war, wurde von einem Strafverfahren abgesehen, weil nach allgemeiner Ueberzeugung nicht eine strafbare Handlung, sondern bloß Unfähigkeit zur Verwaltung eines solchen Amtes vorlag. Zur Deckung der Schuld hatte Beul sein Haus und sein Vermögen verpfändet. Im übrigen war er ein strebsamer und auch heute noch angesehener Mann, der sich von einem kleinen Kolonialwarenhandel ernährte und erst vor wenigen Jahren anstelle seines alten Hauses das jetzt von ihm bewohnte, das einen soliden und guten Eindruck macht, errichtete. Vor kurzem war er in neue Geldschwierigkeiten geraten, weil eine Baugenossenschaft 1200—1300 Mark von ihm verlangte für eine Pumpe, die bei ihm angelegt worden war. Als es ihm trotz eifriger Bemühungen nicht gelang, dieses Geld aufzubringen, geriet er in Verzweiflung, die ihn schließlich zu der grausigen Tat trieb. Der deutsche Antrag wurde nach einer ausgedehnten Debatte, an der sich namentlich die Vertreter der großen Militärmächte beteiligten, von einer großen Mehrheit des Ausschusses abgelehnt. Am Schluß der Debatte, aus der sich ergab, daß die bisherige völlig negative Einstellung der Mehrheit des Ausschusses zu den wesentlichsten Punkten der Abrüstung sich nicht geändert hat, gab Graf Bernstorff eine kurze, aber sehr scharfe Erklärung ab, in der er u. a. folgendes sagte: Wenn eine Abrüstungskonvention die ausgebildeten Reserven ausläßt, angesichts der Tatsache, daß heute in einer Reihe europäischer Staaten der Mensch von der Wiege bis zum Grabe so behandelt wird, daß er nur noch Soldat ist, dann ist eine solche Konvention nicht die Tinte wert, die für ihre Unterschrift verwendet wird. Sodann kam man zur Abstimmung über die wesentlichen Teile des deutschen Antrages, der mit 12 gegen 6 Stimmen und zahlreichen Stimmenthaltungen abgelehnt wurde. Für den deutschen Antrag stimmten die Vertreter Hollands, Norwegens, Schwedens, Chinas und Nußlands. Die Vertreter Großbritanniens und der Vereinigten Staaten enthielten sich der Stimme. Unter den Ländern, die gegen den deutschen Antrag stimmten, befanden sich die Vertreter Frankreichs, Japans, Italiens, Belgiens und der Türkei. Nach der Abstimmung erhob sich Graf Bernstorff noch einmal zu einer kurzen Erklärung, in der er sagte, daß die deutsche Delegation an den Abstimmungen über die zu dem betreffenden Artikel noch vorliegenden Anträge kein Interesse mehr habe. Furchtbare Zahlen Die Arbeitsmarktlage im Reich. wtb. Berlin, 8. Nov. Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung für die Zeit vom 16. bis 31. Oktober hat die zweite Hälfte des Monats Oktober die Arbeitslosenversicherung wie im Vorjahre mit einem Zustrom neuer Hauptunterstützungsempfänger belastet. Der Zugang um rund 70000(im Vorjahre 106 000), zu dem noch ein Mehr von rund 22000(Vorjahr 7000) Krisenunterstützten hinzukommt, brachte die Geimtzahl der Unterstützten in beiden Einrichtunin auf zusammen rund 2072000, wovon rund 1561000 auf die Arbeitslosenversicherung, 511000 auf die Krisenunterstützung entfallen. Die Meldungen von Arbeitssuchenden bei den Arbeitsämtern beliefen sich am 31. Oktober auf rund 3323000. Setzt man von dieser Zahl diejenigen ab, die noch in gekündigter oder ungekündigter Stellung oder in Notstandsarbeit beschäftigt sind, so verbleiben etwa 3 253.000 oder rund 136 000 mehr als am vorigen Stichtage, die als arbeitslos angesehen werden müssen. Auch diesmal ist ein Teil der Zunahme auf die fortschreitend bessere Erfassung der Wohlfahrtserwerbslosen zurückzuführen. Der Großhandelsinder 5. November 1930. wtb. Berlin, 8. Nov. Die auf den Stichtag des 5. November berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts hat sich mit 120,8 gegenüber der Vorwoche(120,6) um 0,2 v. H. erhöht. Von Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,2 v. H. auf 112,3 (111,0) gestiegen. Die Indexziffer für Kolonial= waren lag mit 109,8(108,8) um 0,9 v. H. höher als in der Vorwoche. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist mit 113,6(114,0) um 0,4 v. H. zurückgegangen. Gleichzeitig hat auch die Indexziffer für industrielle Fertigwaren weiter auf 145,8(146,3) oder um 0,3 v. H. nachgegeben. Rote Fahne auf acht Tage verboten enb. Berlin, 8. Nov.(Eig. Meld.) Der Polizeipräsident von Berlin, Orzesinski, hat die Rote Fahne für die Dauer von acht Tagen verboten, weil das Blatt in der heutigen Nummer den Ueberfall auf den ehemaligen Polizeipräsidenten Zörgiebel in Moabit mit Jubel begrüßt hat. Tabaksteuer in den Reichsratsausschüssen vdz. Berlin, 8. Nov. Die Vereinigten Ausschüsse des Reichsrats beendeten in ihrer Sitzung am Samstag die erste Lesung der Tabaksteuervorlage der Reichsregierung. Eine zweite Lesung wird am Samstag, den 5. November, stattfinden. Ein deutscher General in Londen Frühere Feinde reichen sich die Hand wtb. London, 8. Nov. Der General a. D. Frhr. Kreß von Kressenstein, der im Weltkriege das türkische Heer in Palästina befehligte, war Freitag abend Ehrengast der 53. Waliser Division, die gegen seine Heeresabteilung gekämpft hatte. Der General, der den Orden Pour le merite trug, fand eine begeisterte Aufnahme. Seine Rede, die er deutsch hielt, wurde bei der Uebersetzung von lebhaftem Beifall unterbrochen, und nach Schluß seiner Ausführungen erhoben sich die britischen Offiziere und tranken ihrem vormaligen Gegner unter lauten Zurufen zu. Der Vorsitzende des Klubs der 53. Waliser Division, Generalmajor Mott, hatte auf Ersuchen einer Anzahl von Offizieren,„die die Ehre und soldatenhafte Weise bewunderten, in der ihr früherer Feind gegen sie gekämpft hatte, die Einladung an General Kreß von Kressenstein ergehen lassen. Unter den 120 Offizieren, die an dem gestrigen Essen teilnahmen, befand sich auch eine beträchtliche Zahl von Generälen und Stabsoffizieren. General Kreß von Kressenstein erklärte in seiner Rede u. a.: Es ist unseren gegenseitigen Bemühungen zuzuschreiben, daß Männer, die noch vor verhältnismäßig wenigen Jahren einander heftig bekämpften, heute abend am selben Tisch zusammensitzen können, und daß ich heute meinem früheren Feinde in vollster Anerkennung seiner glanzenden Führung die Handschütteln kann. Ich darf vielleicht auch in Ihrer Einladung ein neues und glückliches Zeichen des allmählichen Verschwindens der Kriegsmentalität erblicken, ein neues und glückliches Symptom der Notwendigkeit und der Anstrengung, eine Wiederaufnahme der freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden großen Nationen herbeizuführen, die weder aus Gründen ihrer historischen Vergangenheit noch aus irgendwelchen T—-P Gründen der Rassenverschiedenheit andere als freundschaftliche Beziehungen haben dürften. Das gesamte deutsche Heer und die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes ergreifen gern und dankbar die Hand, die ihr früherer Feind ihnen bietet. Generalmajor Mott und General Kreß von Kressenstein legten gestern gemeinsam Blumenkreuze am Fuße des Kenotaphs nieder. Das Kreuz des General Kreß trug die Aufschrift:„In Ehrerbietung und in aufrichtigster Bewunderung erweist ein früherer Feind Anerkennung denen, die mit ihrem Leben ihre Treue für ihr Land bezahlten.“ Ungefähr 50 Offiziere der Division waren anwesend und standen mit entblößtem Kopf in den Kenotphs, während die Kreuze niedergelegt wurden. bisher ergeben, daß Klinkhammer durch einen Pistolenschuß getölet worden ist. Es handelt sich um einen Herzbrustschuß, der allem Anschein nach von vorn und aus ganz kurzer Entfernung abgegeben wurde. Die am Tatort aufgefundenPatronenhülse hat Kaliber 7,65 Auf dem Wohlfahrtsamt Gift genommen. wp. Homberg, 9. Nov.(Tel.) Als am Freitagmorgen ein Invalide auf dem Wohlfahrtsamt wegen einer Unterstützungsangelegenheit einen abschlägigen Bescheid bekam, zog er plötzlich ein Fläschchen mit Salzsäure aus der Tasche und vergiftete sich vor den Augen der Anwesenden. Man schaffte den Mann noch ins Krankenhaus doch starb er dort schon nach kurzer Zeit. Raubüberfall in Essen Brotpreis und Bäcker enb. Berlin, 8. Nov.(Eig. Meld.) Die deutschen Bäckerinnungen haben sich auf ihrer lagung in Berlin mit der Frage der Senkung der Brotpreise befaßt. Auf Grund ihrer Beratungen wurde, dem Börsencourier zufolge, dem Reichsernährungsministerium mitgeteilt, daß eine allgemeine Herabsetzung der Brotpreise im Reich zur Zeit nicht moglich sei, weil die Voraussetzungen hierfür— Senkung der Lohnunkosten, Soziallasten, Steuern und Werkstarife— nicht gegeben seien. Eine einheitliche Festlegung der Bruttospanne für die Unkosten des Bäckereibetriebes bei der Brotherstellung sei für das ganze Reich nicht möglich. Infolgedessen haben sich die Bäcker auf eine durchschnittliche Bruttospanne geeinigt, Anhand dieser Spanne werden nunmehr die bezirklichen und örtlichen Unkosten nachgeprüft, um die Unterschiede in den Brotpreisen der einzelnen Großstädte aufzuklären. Politische Zusammenstöße in Stuttgart und Zuffenhausen wtb. Stuttgart, 10. Nov.(Funkspruch.) Das Polizeipräsidium teilt mit: Trotz des polizeilichen Verbotes einer russischen Revolutionsfeier in der Stadthalle und der damit zusammenhängenden Kundgebungen versuchten die Kommunisten in den Abendstunden des Samstags von verschiedenen Plätzen der Stadt aus Demonstrationszüge zu bilden und auf dem Marktplatz eine Ersatzkundgebung zu veranstalten. Verschiedene Amzüge wurden von der Polizei zerstreut und der Marktplatz mußte geräumt werden; hierbei mußte verschiedentlich von dem Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden, da die Demonstranten vor Gewalttaten nicht zurückschreckten. Es wurde eine Reihe von Sistierungen vorgenommen. In Zuffenhausen versuchten gegen 8 Uhr abends Kommunisten aus Feuerbach, eine nationalsozialistische Versammlung in der Turnhalle gewaltsam zu stören. Der Ueberfall war von den Kommunisten planmäßig vorbereitet. Kurz vor Beginn der Versammlung versuchten mehrere Kommunisten ohne Entrichtung des Eintrittspreises gewaltsam in die Turnhalle einzudringen. Dadurch entstand eine Schlägerei, bei der abgebrochene Stuhlbeine und Messer in Aktion kamen. Es gab viele Schwerverletzte, darunter einen Kommunisten, dem im Eifer des Gefechtes von einem eigenen Parteigenossen der Bauch aufgeschlitzt wurde. Auch ein Polizeibeamter erlitt erhebliche Verletzungen. Das Stuttgarter Ueberfallkommando war nach 10 Minuten zur Stelle und säuberte den Platz. Deutschfeindliche Studentenbemenstration in Warschau wtb. Warschau, 8. Nov. Die Warschauer Studenten veranstalteten heute nachmittag im Hof der Universität eine große gegen Deutschland gerichtete Kundgebung. Der Rektor hielt eine Ansprache, worin er von„der drohenden deutschen Gefahr“ sprach und zum nationalen Zusammenschluß aufforderte. Dann sprachen noch einige Studenten, die den Boykott deutscher Waren und deutscher Filme verlangten. Die Studenten zogen dann, etwa 2.000 Mann stark, unter Absingung deutschfeindlicher Lieder vor ein Kinn, wo gerade ein deutscher Filn gegehen wird, wurden aber von der Polizei####genrungt. Sie versuchten dann zur deutschen G=sundtschaft zu marschieren, doch sperrte ein kerkse Niegel von Schutzmannschaften zu Pferde und zu Fuß die Straße ab, in der sich das Gesandtschaftsgebäude befindet. Nachdem die Studenten längere Zeit Niederrufe auf Deutschland ausgestoßen hatten, folgten sie der Aufforderung des Rektors und zerstreuten sich. Die Wahlen in Oesterreich Berechungen über das Gesamtergebnis. wtb. Wien, 10. Nov.(Funkspruch.) Ueber das Wahlergebnis wird gemeldet, daß man wahrscheinlich die Christlich=Sozialen 69—70 Mandate erhalten würden; das wäre ein Verlust von 3—4 Sitzen. Die. Sozialdemokraten würden erhalten 72 Sitze, mithin 1 Mandat gewinnen; der Schoberblock würde 15, der Heimatblock 8—10 Mandate erhalten.— Demgegenüber rechnet man in sozialdemokratischen Kreisen in ganz Oesterreich auf einen Gewinn von 3 Mandaten, während nach dieser Berechnung die Christlich=Sozialen 7 Mandate verlieren würden. Die Nationalsozialisten dürften nach den bisherigen Meldungen in keinem Wahlkreise ein Grundmandat erhalten, also trotz einer beträchtlichen Gesamtziffer von Stimmen im Nationalrat nicht vertreten sein. Ruhiger Verlauf der Wahlen in Wien. wtb. Wien, 9. Nov.(Funkspruch.) Die Nationalratswahlen, die um 5 Uhr nachmittags abgeschlossen wurden, sind hier bei sehr starker Beteiligung der über 1.4 Millionen Wahlberechtigten, besonders auch der Frauen, in vollkommener Ruhe vor sich gegangen. Das schon gestern mittag in Kraft gesetzte und bis morgen früh anhaltende Alkoholverbot hatte zahlreiche Gastwirte veranlaßt, ihre Betriebe heute überhaupt zu schließen. Der Metaltschiedsspruch Eine interessante Begründung. cnb. Berlin, 8. Nov.(Eigene Meldung.) Wie wir erfahren, hat das Schiedsgericht für die Berliner Metallindustrie heute abend einen Spruch gefällt. Er ist einstimmig erfolgt und lautet dahin, daß statt der ursprünglich festgesetzten 8 prozentigen Lohnherabsetzung zunächst nur eine solche von 3 Prozent erfolgt, während die 8 prozentige Verminderung erst im Januar eintritt. Die Begründung. wtb. Berlin, 8. Nov. Die Berliner Metallindustrie befindet sich, ebenso wie die gesamte deutsche Wirtschaft, in einer schweren Krise. Die Zahl der Arbeitslosen ist in Deutschland auf drei Millionen angewachsen und droht noch weiter zu wachsen. Daß diese Krise auch weltwirtschaftlichen Charakter hat, befreit das deutsche Volk nicht von der Pflicht, alle seine Kräfte dafür einzusetzen, daß die Not nicht steigt, und alles zu tun, was eine Besserung zu erwarten läßt. Dazu bedarf es wirksamer Preissenkung auf allen Gebieten. Wenn diese auch nicht allein von der Lohnseite her erfolgen darf, so ist das Lohnkonto doch ein so wichtiger Bestandteil der Gestehungskosten, daß an ihm nicht vorbeigegangen werden kann. Von einer Lohnsenkung kann allerdings die wünschenswerte Belebung der Wirtschaft nur dann erwartet werden, wenn dadurch die Kaufkraft der Massen nicht dauernd gesenkt wird. Die Schlichter haben deshalb erwogen, ob nicht die Lohnsenkung in eine feste Beziehung zur Entwicklung der Preise,- insbesondere der Lebensmittelpreise, gebracht werden könnte. Die Verwirklichung dieses Gedankens scheiterte jedoch an der Unmöglichkeit seiner allgemeinen technischen Durchführung. Wenngleich wohl die Schlichter im vorliegenden Falle eine Lohnsenkung in ihrem Schiedsspruch für unvermeidlich hielten, so geschah das in Kenntnis gewisser bereits eingeleiteter Maßnahmen zur Senkung der Leben=, ttalyrei## una in der sicheren Erwartung, daß die allgemeine Herabsetzung der Preise, der gemerklichen Produkte wie auch der Lebensmittel, von allen verantwortlichen Stellen mit größter Energie auch weiterverfolgt wird. Dabei kommt es darauf an, daß diese Preissenkung sich bis zum letzten Konsu menten durchsetzt. In den Schlichtungsverhandlungen erklärten die Vertreter der Berliner Metallindustrie, daß eine erhebliche Senkung der Preise ihrer Produkte bereits erfolgt sei und weitere Senkung bevorstehe. Was das Ausmaß der Lohnkürzung anbetrifft, so haben die Schlichter erwogen, daß die Senkung der Lebensmittelkosten sich erst auszuwirken beginnt, und daß der Arbeiterschaft Zeit gelassen werden muß, um sich auf die Lohnkürzung in ihrer vollen Höhe einzustellen. Mit dieser Abweichung haben sich die Schlichter Inhalt und Begründung des ersten Schiedsspruches zu eigen gemacht. Die Schlichter sind sich bewußt, daß ihr Schiedsspruch eine über die Beilegung des vorliegenden Streitfalles hinausgehende grundsätzliche Bedeutung hat. Tagung der privaten Siedlungsunternehmen wtb. Berlin, 10. Nov.(Tel.) Die Arbeitsgemeinschaft der in Preußen tätigen privaten Siedlungsunternehmen hat hier ihre erste Tagung veranstaltet, die einer Beratung der Richtlinien für die weitere Arbeit galt. Ministerialdirektor Bollert vom preußischen Landwirtschaftministerium betonte in seiner Begrüßungsansprache, besonders von den privaten Siedlungstragern seien zahlreiche nutzbringende Ideen ausgegangen. Weiter sprachen Regierungsrat Matmann über die demnächst in Wirksamkeit tretende Deutsche Siedlungsbank und Oberfinanzrat Koehn über die Finanzierung der ländlichen Siedlung durch die preußische Landesrentenbank.— Im Verlauf der Verhandlungen wurde wiederholt darauf hingewiesen, daß eine Steigerung der ländlichen Siedlungstätigkeit, die gegenwärtig etwa 100 Millionen Reichsmark der Wirtschaft zuführe, eine wesentliche Belebung des Baumarktes, der ländlichen Maschinenindustrie und vieler Nebenbetriebe bedeute. Aufsehenerregende Verhaftung wtb. Wittenberge, 8. Nov. Die hiesige Kriminalpolizei verhaftete auf dem Bahnhof den Möbelhändler Fritz Saffran aus Rastenburg in Ostpreußen, der von der Staatsanwaltschaft Bartenstein in Ostpreußen wegen Brandstiftung und Betruges gesucht wurde. Saffran zeigte Ausweispapiere auf den Namen des Zimmermanns Hans Augustin vor, da aber die Beschreibung zu seinem Aeußeren nicht paßte, sagten ihm die Beamten auf den Kopf zu, daß er der Gesuchte sei. Eine Leibesvisitation förderte eine geladene Waltherpistole zu Tage, die er lose in der Hosentasche trug. Aus einem Abschiedsbrief an seine Frau war zu entnehmen, daß Saffran sich mit Selbstmordgedanken getragen hatte. Saffran war vor einiger Zeit unter rätselhaften Umständen aus Bartenstein geflüchtet. Das Gebäude seines Schwiegervaters war in der Wahlnacht abgebrannt. Bei den Aufräumungsarbeiten fand man unter den Trümmern eine Leiche, die zunächst nicht identifiziert werden konnte. Man nahm ursprünglich an, daß Saffran in den Flammen umgekommen war. Erst nachträglich stellte man fest, daß Saffran mit einem Auto geflüchtet war. Aus Nah und Fern Erschossen aufgefunden. wp. Krefeld, 9. Nov. In den gestrigen frühen Morgenstunden wurde ein Wächter der Wachund Schließgesellschaft namens Karl Klinkhammer auf der Dürerstraße tot aufgefunden. Der Tod war infolge eines Herzschusses eingetreten. Zweifellos liegt Mord vor. Die Kriminalpolizei fahndet eifrig nach dem Täter. Der Wächter war 58 Jahre alt. Er hinterläßt Frau und zwei Kinder. Die Ermittelungen haben 11 700 RM erbeutet. wtb. Essen, 8. Nov. Heute abend kurz nach 18 Uhr wurde in Essen=Bergerhausen der 60jährige Geldbote der Deutschen Volksbank Heinrich Bock, Ecke Weser= und Elbestraße, als er soeben die Konsumanstalt Wohlfahrt verlassen hatte, von einem jungen unbekannten Mann mit einem Tisch= oder Stuhlbein zweimal mit großer Wucht auf den Kopf geschlagen, sodaß er zu Boden fiel. Der Täter stürzte sich auf ihn und entriß ihm seine große Geldtasche mit 11 700 RM Inhalt Tierwärter von Löwen zerfleischt wtb. Köslin, 10. Nov.(Eig. Rundf.=Meld.) Der 27jährige Tierwärter Wilhelm Mack betrat am Sonntagvormittag einen Löwenkäfig, den der Artist Willi Lachmann vorübergehend auf einem Hofe in der Lastadie untergestellt hatte. Als der Wärter die drei Tiere tränken sollte, fiel ein Löwe über ihn her, warf ihn zu Boden und verletzte ihn schwer. Die beiden anderen Tiere stürzten sich darauf gleichfalls auf den am Boden Liegenden. Auf die gellenden Hilferufe des Schwerverletzten eilten vier auf dem Hofe befindliche Personen herbei. Unter eigener Lebensgefahr gelang es ihnen schließlich, die wütenden Tiere mit Forken von ihrem Opfer abzuhalten und den Wärter aus dem Käfig zu holen. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo er aber nach einiger Zeit seinen schweren Verletzungen erlag. Die polizeiliche Untersuchung ist eingeleitet. Mißklänge beim Besuche G 38 in Spanien enb. Paris, 10. Nov.(Eigene Rundf.=Meld.) Beim Besuch des Großflugzeuges G 38 soll, nach einer Meldung der Havasagentur aus Madrid, der technische Leiter des G 38 ein Schreiben an Major Franco gerichtet haben, in dem das Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht worden sei, daß Major Franco, der bekanntlich sich in Haft befindet, dem Flug nicht habe beiwohnen können. Der Ministerpräsident Berenguer habe, so heißt es in der Havasmeldung weiter, den Journalisten erklärt, es handele sich um eine sehr ernste Angelegenheit; aus diesem Grunde habe man sich auf diplomatischem Wege mit Deutschland in Verbindung gesetzt. wtb. Berlin, 10. Nov.(Eig. Rundf.=Meld.) Ueber den Vorgang in Madrid, der das Großflugzeug„G 38“ betrifft, wird von zuständiger Stelle das Folgende mitgeteilt: Ein Mitglied der Besatzung des Großflugzeuges hatte sich, offenbar in dem Bestreben, von dem bekannten spanischen Flieger Reichel eine Empfehlung seines Flugzeuges zu erhalten, mit einem Schreiben an Franco gewandt. Er wählte dabei eine Form, die die spanische Regierung verstimmen mußte, offenbar, weil er nicht bedachte, daß Franco wegen politischer Handlungen verfolgt wird. Durch Vermittlung der deutschen Botschaft in Madrid wurde der bedauerliche Vorfall beizelegt. Das Flugzeug ist inzwischen nach Lissavon gestartet. Der Start des„Do X“ verschoben wtb. Amsterdam, 10. Nov.(Funkspruch.) Der Start des Flugschiffs„Do X“ nach England ist, nachdem sich die Besatzung und die Fluggäste den ganzen Sonntagmorgen über zur Abreise bereitgehalten hatten, um 11 Uhr vormittags, mit Rücksicht auf die Wetterlage, auf heute Montag verschoben worden. Der Start dürfte vermutlich heute früh gegen 10 Uhr vormittags(Amsterdamer Zeit) erfolgen. Juttrielbungen Vor dem kleinen Bombenlegerprozeß. wtb. Altona, 10. Nov.(Funkspruch.) Der sogenannte kleine Bombenlegerprozeß gegen Dr. Hellmann und Genossen, bei dem es sich um die Attentate vom März d. J. in Bad Oldesloe und Neumi er handelt, wird in der am 8. Dezember beginn en zehnten Schwurgerichtsperiode verhandelt werden. Den Vorsitz wird Landgerichtsrat Dr. Hildebrandt führen, die Staatsanwaltschaft vertritt Dr. Junker. Die Verteidigung liegt bei Dr. Lütgebrune(Göttingen), ferner bei Dr Droege und Dr. Engels. Verbot des Auftretens Dr. Göbbels in Prag. wtb. Prag, 9. Nov.(Tel.) Der Führer der NSPAD., Dr. Göbbels, sollte heute auf einer vom Deutschen Nationalsozialistischen Studentenverband veranstalteten Kundgebung in Prag sprechen. Die Prager Polizei hat das Auftreten von Dr. Göbbels verboten. Zwei Aeberraschungen: Gevelsberg 08— Hüsten 09 1:10!! Jahn Werdohl schlägt den Spitzenführer Hagen 72 1:0! Seiel. 1 Halbzeit des Kammendo zu überneumen und di Nachdem am letzten Sonntag durch die zahlreichen Spielabbrüche in den Meisterschaftsspielen ein Stillstand eingetreten war, wurden sie gestern wieder restlos durchgeführt. sogar nicht an großen Ueberraschungen, die das Bild der Tabelle bald wieder anders gestalten werden. Vor allem rascht die knappe Niederlage des Spitzenführers Hagen 72, der um ein Tor seine Position stark gefährdet hat. Man sieht wieder in Hüsten den Südwestfalenmeister; gelang es ihnen doch, einen der gefährlichsten Gegner. Gevelsberg 08, mit nicht weniger als 10:1 aus dem Felde zu schlagen. Daß der VfB. Weidenau gegen die mit wechselndem Glück Germania zwei Punkte erlangte, stand noch nicht ganz fest, entspricht aber in etwa den Erwartungen. Einen erfreulichen Aufschwung nahm die Spielvereinigung Hagen 11, die durch ihren Sieg gegen Lichtenplatz ihre Tabellenposition etwas verbessern konnte Auch im Handball fielen die Ergeonine zum Teil unerwartet aus. Nach dem hohen Sieg von Hagen 05 über Hagen 11 von 7:3 wird die Spielvereinigung wohl die Spitze abgeben müssen, und da Sportfreunde Siegen sich an die Spitze gesetzt hat die sie voraussichtlich auch behalten werden, dürfte ein heißer Kampf um den zweiten Platz entstehen, um den sich Hagen 11, Hagen 72 und Hagen 05 ßreiten werden. — In der Lenne=Staffel befestigte Sportverein Attendorn durch einen knappen Sieg über Lüdenscheid 08, die bis zur Pause noch 2:3 führten, seinen zweiten Tabellenplatz, während die Punktdifferenz zwischen Plettenberg und Altenbundem sieb verringerte.— In der Siegener Staffel verzichtete gegen Niederschelden kampflos auf die Punkte. Fußball. Bezirksligaklasse. Sp. Sp. Gevelsberg 08— Hüsten 09 1:10(!!). Der Südwestfalenmeister hat sich anscheinend wieder auf bessere Zeiten besonnen, schlug er doch wider Erwarten Gevelsberg 08 mit einem katastrophal hohen Ergebnis. Die Gäste lieferten ein Spiel, das über dem südwestfälischen Niveau stand und allgemein Aufsehen erregt hat. Gevelsberg dagegen fand sich nur schlecht und machte auch nach dem 0:4=Vorsprung der Hüstener kaum noch Anstrengungen, das Resultat in etwa zu korrigieren Bei Beginn hat Hüsten den Wind im Rücken und legt mächtig los. Innerhalb einiger Minuten ist schon ein 2:0 erzielt und in regelmäßigen Abständen macht sich die Ueberlegenheit des Meisters durch zwei weitere Tore bemerkbar. Der Wechsel sieht dann zunächst die Gevelsberger im Angriff, der durch glänzende Innenkombination das Ehrenvor einbringt. Dann bricht aber die Elf des Platzvereins zusammen, selbst die Hintermannschaft im Verein mit dem Torhüter kann den energischen Angriffen des Gastes nicht standhalten und muß sich immer wieder überrumpeln lassen. Der Gast trat mit kompletter Mannschaft an und bewies infolge guten Trainings eine Formverbesserung, die sich gerade in Gevelsberg vorteilhaft auswirkte. Die Ennepeströter dagegen hatten keinen rechten Zusammenhang unter sich. Im Hüstener Sturm beteiligten sich vor allem der Halbrechte, der Halblinke und der Linksaußen am erfolgreichsten. Germania Mudersbach— V. f. B. Weidenau 1: 3. Germania Mudersbach und VfB. Weidenau trugen ihr fälliges Meisterschaftsspiel auf dem Jahnplatz in Siegen aus. Der Sieg der Weidenauer war glücklich. Im Gegensatz zum Vorsonntag überzeugte die Mannschaft nicht. Gelang es ihnen auch, den Kampf durch zwei aufeinanderfolgende Treffer verheißungsvoll zu beginnen, so zeigten sich im weiteren daß sie auf heftigen Widerstand stießen; es gelang Mudersbach nicht nur, von der ersten Viertelstunde an das Spiel offen zu gestalten, sondern auch im wesentlichen in der zweiten Siegen übernimmt die Führung. Der heiß umstrittene I. Bezirkshandballklasse. Hagener Staffel. C. Herdecke 30— Sportfreunde Siegen 2: 6. Der Südwestfalenmeister Sportfreunde Siegen sließ in Herdecke auf eine Mannschaft, die gute Ansätze zeigt und auch erfoigversprechend ist Die Sportfreunde hatten ihre Arbeit. um dem Ansturm des Platzvereias, besonders in der ersten Hälfte, standzuhalten. Eine technistz. Ueb riegenheit des Gastes war unverkennbar, die von den Herdeckern durch großen Eifer ausgeglichen wurde. In der zweiren Hälfte allerdinas hatte die Ruhrtaler Mannschaft si#t völlig den Lusammenbang verloren, der Halbrechte versagte infulge eigennützigen S#####es sehr oft. Allerdings konnten sich die Gäste mit dem Rasenplatz, der sich in verhältnismäßig anter Verfassung befand, nicht so leicht abfinden Herdecke beginnt mit Gegenwind und schafft einige spannende Situationen. Durch einen Febler in der Verteidigung kommen sie nach etwa 10 Minuten zum ersten Erfolg. Siegen macht gewaltige Anstrengungen und kann nach kurzer Zeit den Ausgleich erzielen. Ein daruuf verhängter Strafwurf, der die Richtung nicht verfehlt. wird vom Schiedsrichter für Herdecke nicht anerkannt. Kurz vor dem Wechsel bekommt Siegen einen Strafwurf zugesprachen, den Klein in bekannter Weise verwandelt. Dann gehts in die Halbzeit. Zimmermann der für den ausgebliebenen Hubert bis dahin auf dem Rechtsaußenposten war, geht wieder nach linksaußen. Die Herdecker verstehen es nicht, genügend zu verteidigen. Zunächst ein 13=Meterball, dann ein Strafwurf führt zum 1:4 Im weiteren Verlauf macht sich das rationellere und routinierte Stürmerspiel der Siegener bemerkbar. Zimmermann versteht es glänzend von Linksaußen nach Rechts. außen zu wechseln und dadurch zwei weitere Tore anzubringen. Dann kommt der Mittelläufer des Platzvereins noch einmal zu Wort und Klein wirft das letzte Tor. Das Ergebnis entsprach dem Spielverlauf. ist aber für Herdecke als achtbar anzusprechen. Hagen 05— Hagen 1911 7:8(!). Der H. SC. 05 erinnerte in seinem Kampf gegen den Tabellenführer wieder an alte Tage und scheint, nachdem er vor kurzem gegen den HC. Herdecke mit einem eindrucksvollen Siege den Platz verließ. wieder beständige Form anzunehmen. Gegen cagen 11 langte es zu einem glänzenden, verdienten Sie#e. dessen Wiederholung in anderen Jariationen durchaus möglich iK. 1:3 ist das Ergebnis des besseren Sturms, der bei den Halozen das Kommands zu übernehmen und den Gast„Aruckzudrängen. Wenn ihnen die verdienten Erfolge versagt blieben, so trug daran das groze Pety vor dem Tor die größte Syuld. In der zweiten Hälfte hatten die Blauweißzen nichts mehr zu bestellen, mit Ausnahme von einigen gelegentichen Durchbrüchen. Kurz vor Schluß konnen sie den Sieg er? sicherstellen. Das Ergebnis enrsprach nicht gunz dem verlauf. es hätte leicht zu einem Unentschieden wenn nicht gar zum knappen Sieg für Mudersbach kommen können. Jahn Werdohl— Hagen 72 1:0(!). In Werdohl mußten schon oft die Spitzenführer den Sieg auf dem Felde lassen. So erging es gestern Hagen 72. Hagen hatte bestimmt mit einem Siege gerechnet, mußte aber feststellen, daß die junge Werdohler Mannschaft wieder in Schwung war und besonders auf eigenem Felde nur schlecht zu überwinden ist. Der Kampf verlief recht spannend und brachte auf beiden Seiten gute Torgelegenheiten, die aber immer unausgenützt blieben, oder die Verteidigung und der Torbüter griffen entscheidend ein. Der Platzverein vermochte das Sviel in der ersten und zweiten Hälfte leicht überlegen, zum mindesten aber ausgeglichen zu gestalten Erst in der 25. Minute der zweiten Hälfte nahte die Entscheidung. Aus einem dränge heraus vermag der Linksaußen das siegbringende Tor zu setzen. Von nun an muß Werdohl wegen einer unglücklichen Verletzung auf den Torschützen verzichten und den Rest mit 10 Spielern durchführen. Der Kampf war jederzeit und beide Mannschaften bemühten sich, nur das Beste aus sich herauszugeben Hagen 1911— S. C. Lichtenplatz 3: 2. Ueberraschte schon das Unentschieden zwischen 72 und Lichtenplatz so ist es beachtenswert, daß Hagen 11 über die gewiß nicht schlechten Lichtenplatzer einen knappen, aber sicheren Sieg herausholen konnte Die Systeme beider Mannschaften gleichen sich in etwa, wenn auch die Hagener mehr technisches Spielvermögen besaßen. Die erste Halbzeit stand durchweg im Zeichen der 11er, die aber nicht das Ergebnis zeitigte, dem Spielverlauf nach und den gebotenen Chancen gerechtfertigt gewesen wäre. Lediglich ein Elfmeter führte zum ersten Tor. In der zweiten Hälfte war das Spiel. da die Hagener gegen Wind kämpfen mußten, schon ausgeglichener. Die Blauweißen konnten, ebenfalls durch einen Elfmeter, das Remis wiederherstellen. Durch den Gleichstand wurden die Schwarzweißen wieder lebhafter und drängten stark, woran sich auch der linke Verteidiger beteiligte, der durch baren Schuß den zweiten Treffer erzielen konnte. Doch bestimmte dieses Tor das Gesamtergebnis noch nicht, da auch die Gevelsberger ihrerseits wieder ihr Können einsetzten und durch langes Zögern der hiesigen Verteidigung abermals ausglichen. Die Spielzeit näherte sich dem Ende und man dachte schon an Teilung der Punkte, als kurz vor Schluß durch einen schönen Vorstoß und Kombinationszug durch den jungen Linksaußen das Siegtor erzielt wurde. Tabellenstand der südwestfälischen nach dem 9. November. Hagen 72 Hüsten 09 VfB. Weidenau Hagen 05 Gevelsberg 08 Jahn Werdohl Sportfr. Siegen Hagen 11 Lichtenplatz Mudersbach Spiele Tore 19:9 33:10 20:13 23:20 21:22 8:10 13:17 9: 18 10: 18 12: 31 Punk. 15:3 12: 2 9:5 8:6 8:6 6 5 4 3:3 2:12 : 8 : 8 — Hagen os in guter Form.— zweite Tabellenplatz. O5ern Hachform verriet und langvermißtes Können zeigte. Im Gegensatz dazu bildete der 11er Sturm einen Versager, dessen verhängnisvolle Rückwirkungen dadurch noch erhöht wurden, daß auch die 11er Verteidigung nicht ihren besten Tag hatte und von dem gegnerischen Sturm überrannt wurde. 05 spielt mit Wind und Sonne. Schnelle Angriffe führen noch zu keinem Erfolg. Man nimmt sich Zeit zum Einspielen. Dann lächelt das Glück zuerst den Gästen, die mit einem Strafwurf in Führung gehen. Die Angriffe der 05er werden systemvoller. Die feinen Kombinationszüge des wohldurchdachten und raumgreifenden Flügelspiels lassen viel vermiiten. Durch den schnellen Wechsel und häufige plötzliche Aenderung der Situation stehen die Verteidiger machtlos da. Es folgt der Ausgleich durch den O5er Halbrechten. Ein Alleingang desselben Spielers ergibt die Führung. 05 erweist sich als testnisch besser, hat mehr Chancen und macht zwei Abseitstore. Ein scharfer Wurf des Linksaußen führt zum 3:1. 11°8 Sturm spielt im Vergleich hierzu zerfahren und ungenau. Außerdem bereitet die Verteidigung des Platzvereins Schwieriakeiten. Sie ist heute kaum zu überwinden. Mit einem zweiten wurf, holt 11 auf. Nach dem Wechsel geraten die Gäste in noch größere Bedrängnis und sehen sich in kurzer Zeit mit 5: 2 im Nachteil. 05 verstand es eben besser, durch Auseinanderzieben des Angriffs die gefährlichsten Situationen zu schaffen und unter Führung des Halbrechten zu weiteren folgen zu kommen. 11°s Sturm, der= gegen Schluß mehr und mehr nachläßt, erzielt durch den Rechtsaußen noch ein drittes Tor dem das Schlußtor des 05er Linksaußen in Gestalt eines Strafmurfes folgt. Sportunion Hagen— Hagen 72 2:8(abgebr.). Reichsbahn Hagen— Polizei Hagen 1:4. Lenne=Staffe Spo. Eiringhausen— Jahn Werdobl 1:4 In Eiringbausen hatte Werdohl nicht viel aufzubieten, um die Punkte mit nach Hause zu nehmen. Die Eirinabausener zeigten allerdings ganz gute Aufbauarbeit, jedoch sehlte es im Sturm an der Wurfkraft, was den Werdohlern mehr einbrachte. Die Eiringhausener Mannschaft dürfte bei etmas mehr Trainina eine gute Kampfelf abgeben. Spp. Attendorn— Sportfr. Lüdenscheid es 6:5 Etwas vnerwartet kommt der nur knappe Sieg des Sportvereins Attendorn auf eigenem Platze gegen die Lüdenscheider Sportfreunde. Der Platzverein hatte seinen Gegner etwas zu leicht genommen und mußte schon- bei Halbzeit erfahren daß die Lüdenscheider wieder eine recht gute Kampfmannschaft auf die Beine gebracht hat, die zu kämpfen verstebt. Der Gast behauptete sich zunächst mit der 2:3=Führung und Attendorn mußte in der zweiten Hälfte schon alle Reserven aufbieten, um den Kampf siegreich zu gestalten und den zweiten Tabellenplatz weiterhin zu festigen. Sppag. Plettenberg— BfR. Altenhundem 2:4 Die Spielvereinigung Plettenberg wurde auf eigenem Platze vom ViR. Altenhundem überrumpelt. Die Altenbundemer sind mit ihrer Kampfkraft nicht zu unterschätzen. Die erste halbe Stunde brachte dem Gaste eine große Ueberlegenheit, sodaß er bis zum Schluß mit 0:3 dominieren konnte. Dann aber hatte er sich etwas zu stark verausgabt und mußt= noch 2 Gegentreffer hinnehmen, denen er nur noch eines entgegensetzen kann. 84.11 Siegener=Staffel Spp. Klafeld— Sportfr. Siegen 2. 2:4 In der Siegener Staffel gab es nur ein Pflichtgesellschaftsspiel zwischen Klafeld=Geisweid 1. und Sportfr. Siegen während im Meisterschaftsspiel die Eiserfelder schelden auf die Punkte verzichteten und Klafeld— Geisweids 2. ebenfalls nicht gegen di. K. Mannschaft von Sporufr. Sienen antraten. Sp. Sp. Niederschelden 1.— RSV. Eiserfeld(E. nicht ang.) Sportfr. Siegen 3.— Spy. Klafeld=Geisweid(Kl. u. ang.) I. Bezirksikasse Oberruhr=Staffel Spp. Hemer 08— Sp. Sp. Union Schwerte 2:1 Der Spiel und Sportklub Union Schwerte hatte in Hemer alles aufzubieten, um dem Platzverein den Sieg schwer machen. Die Hemeraner fanden sich mit ihren Platzverhält nissen besser ab und fiegten mit reichlich Glück Menden 09— Sppgg. Fröndenberg verlegt Das für gestern angesetzte Spiel Menden— Fröndenberg wurde auf den 16. November verlegt. Hagener Staffel. FC. Union Haspe— Sppgg. Wetter 10 2:3 Die Spielvereinigung Wetter mußte gestern in Hagen=Haspe erfahren, daß die Unioner mit ihrer Kampfkraft ein großes Stück vorangekommen sind. Die Gäste durften sich keine Reserve auferlegen, sonst wäre es am Ende noch zu einer Niederlage gekommen. Der Sieg war dem Verlaufe nach verdient. RSV. Altenvoerde 12— FC. Haspe=Harkorten 3:1 Daß der Rasensportverein Altenvoerde auf eigenem lände jedem Gegner gleichwertig zu bleiben vermag, bewies er auch im gestrigen Spiel gegen FC. Halspe=Harkorten und blieb nach sogar leicht überlegenem Spiel verdienter Sieger. Spp. Milspe 11— A. Sp. Spp. Letmathe 98 3:1 Die spielstarken 98er aus Letmathe hatten in Milspe gegen die dortige Spielvereinigung kaum etwas aufzubieten und mußte den Sieg als Unterlegener auf dem Felde lassen. Lenne=Sieg=Staffe! BC. 07 jegen— BB. Nachrodt 6:! Der BV. Nachrodt ist mit seiner Spielstärke anscheinend stark zurückgegangen. Auf fremden Plätzen vermag sich die El“ kaum noch durchzusetzen. Der Siegener Ballspielkluo wa dem Gaste in jedem Mannschaftsteil immer überlegen und siegten verhalten, nachdem sie bereits bis zur Habzeit mit 3:1 im Vorteil lagen. Betzdorfer=Staffe! Sp. Sp. Niederschelden— V. f. J. u. V. Fetzdorf 06 5:2 Betzdorf 06 hat eine Mannschaftskrise zu überstehen, die vorläufig noch nicht überwunden ist. Gestern weilte man in Riederschelden beim Tabellenführer und hatte nicht viel zu bestellen sodaß Sieg und Punkte auf der Strecke blieben. Spp. Betzdorf=Bruche— Spoag. Struthütten 2:6 Betzdorf=Bruche wußte sich gestern sogar auf eigenem Platze gegen den Besucher aus Struthütten nicht durchzusetzen. Der Sturm konnte sich nicht zu einheitlichen Aktionen aufraffen und der Gast nahm die Punkte nach leicht überlegenem Spiel mit nach Hause. VfB. Wissen— Sppgg. Hurst=Rosbaß 0:2 Daß der VfB. Wissen gegen Hurst=Rosbach kaum etwas ausrichten würde, war zu erwarten, zumal die Roshacher auf eigenem Platze nur schwer zu schlagen sind. Trovoem kann das Ergebnis als Achtungserfolg bezeichnet werden, da die Wissener ihre Mannschaft stark verjüngt hat, der man Vertrauen für die weiteren Meisterschaftsspiele schenken kann. Gesellschaftsspiele Sppag. Plettenberg— BfB. Meggen 5:0 Zu einer noch rückständigen Gesellschaftsverpflichtung war Meggen nach Plettenberg gefahren. Die Plettenberger nahmen von Anfang bis Ende das Kommando und blieben auf Grund ihrer besseren Stürmerleistungen verdienter Siegen II. Bezirksklasse. 1. Gruppe Spp. Balve— Spp Bärenstein 3:2 Sp. Spp. Halver— Sportfr. Lüdenscheid 08 5:3 Spp. Neuenrade— B/B. Brügge 7:1 2 Gruppe Spo. Vorhalle 09— FC. Vogelsang 15 1:2 8. Gruppe SV. Iserlohn 65— SpC. Langschede 3:1 SC. Westig 08— Sportfr. Hohenlimburg 8: 1 SpC. Schwerte os— Vornssia Dröschebe 3:3 VfB. Grüne— Alemannia Schwerte 1:9 6. Gruppe Spo. Burbach— RSV. Eiserfeld 2:9 Spp. Trupbach 09— Vorussia Kirchen ausgefallen Dreis=Tiefenbach— Spp. Klafeld=Geisweid 3:9 I. Gauklasse B/V. Wandhofen— Postshort Hagen 4: Viktoria Hagen— VfV. Westhofen 1:4 FC. Boßkuble— Westfalia Esborn 1:3 Tv. Harkort Wetter— Auf dem Schnee 1:1 2. Gruppe SC. Eilpe— Fé. Breckerfeld 4:3 8. Gruppe Tv. Oestrich— Spp. Geisecke 6:3 SC. Hennen— B/L. Iserlohn 26 611 Sé. Ergste— Spo. Bremke 9:: Auch das gestrige Sportprogramm, das mit einigen besonderen„Delikatessen“ die Dortmunder Westfalenhalle ihren Anhängern„servierte“, hatte seine Zugkraft nicht verfehlt. Tausende umsäumten wieder das Oval dieser Sportstätte, die im Boxen führend geworden ist. Tausende verließen aber auch die Halle nach dem Hauptkampf des Tages, dem bedeutendsten Ereignis der Boxsportsaison, der in dem Kampf Schönrath(Deutscher Meister) gegen Müller gipfelte. Man soll nie den Spruch des Schiedsgerichts anzweifeln, der in diesem Falle „Unentschieden“ lautete, doch darf man bestimmt nach dem Kampf behaupten, daß der weitaus bessere Boxer Hein Müller=Köln war. Nicht nur besser im Angriff, nicht nur präziser im Schlag, nicht nur vollkommener in der Gesamttechnik, sondern auch eben der Boxer von internationalem Format, dem Schönrath in dieser Hinsicht wenig entgegenzustellen hat. Wenn auch Deutschlands Schwergewichtsmeister hart im Geben und Nehmen ist und in den Schlußrunden Müller manches Mal arg zusetzte, so sollten doch auch Müllers Leistungen in den ersten Runden und auch in der Defensive der letzten Kampfesmomente Würdigung finden.— Einen Blitzsieg lieferte sich Eder=Dortmund(Weltergewichtsmeister) gegen den tschechischen Meister Poetsch, den er in der ersten Runde k. o. schlug.— Auch der Punkterfolg Neusels über Scholz wurde stürmisch begrüßt.— Auch der tschechische Leichtgewichtsmeister Pokorny mußte durch den Kölner Dübbers eine Punktniederlage hinnehmen.— Der Qualifikationskampf Stich=Hagen Müller=Düsseldorf endete unentschieden. * in Müller=Köln— Hans Schönrath=Krefeld unentschieden. Nach dem üblichen Photographieren beginnt der Kampf mit dem Angriff Müllers. Schönreth muß verschiedentlich schwere Kopfschläge einstecken, während der technisch, besonders in der Beinarbeit vollkommene Kölner allen Gefahren geschickt ausweicht. In der dritten Runde muß Schönrath zu Boden, erholt sich jedoch wieder. Während es dem Kölner immer wieder gelingt die Deckung des Deutschen Meisters zu deerchbrechen, sind Schönraths=Angriffe seltener und weniger genau. Müller, der aus allen Lagen schlägt, erweist sich auch im Nahkampf besser. Die ersten Runden fallen glatt an Müller. Erst nach den ausgeglichenen Mittelrunden, die beiderseitige schwere Schlagserien bringen, wird Schönrath besser, ohne jedoch bis zum Schluß den immer wieder schlagenden Kölner überkämpfen zu können. Das Urteil des„Unentschieden" wird vom Publikum mit lautem Pfuirufen beantwortet. Neusel=Bochum schlägt Scholz=Breslau. Ein erbitterter Kampf, der von dem technisch bedeutend besseren Bochumer haushoch nach Punkten gewonnen wurde. Scholz mußte, schwer angeschlagen, verschiedentlich wegen Klammerns verwarnt werden und kam für einen Sieg nicht in Frage.— Eder=Dortmund überschüttete den tschechischen Weltergewichtsmeister Tommy Poetsch gleich mit schweren Links=RechtsSchlägen. Ein rechter Treffer bringt Poetsch auf die Bretter. Als er sich bei 9 erhebt, erhält er einen neuen Treffer aufs Kinn, der ihn kampfunfähig macht. Sieger: Eder durch k. o.— Auch der tschechische Leichtgewichtsmeister Bohumil Pokorny war dem ehemaligen Federgewichtsmeister Dübbers=Köln dauernd unterlegen. Wegen dauernden Klammerns erhielt er mehrere Verwarnungen und steckte eine Punktniederlage ein.— Der temperamentvolle Qualifikations= kampf zwischen Emil Stich=Hagen contra Willi Müller=Düsseldorf endete gerechterweise unentschieden. yg. Turnen Beim zweiten westfälischen Ausscheidungsturnen zum Gerätekampf in Menden konnte sich Klinger=Schwerte an die 5. Stelle von 12 Bewerbern plazieren.(135 Punkte). Den ersten Platz belegte Trostheim=Dortmund mit 142 Pkt., dem Platzek I=Dortmund mit 141 Punkten folgte. Mochen Deutschland— Dänemark 6:0. Rugby. Norddeutschland— Süddeutschland 11:5. Schwerter Polizeibericht In der Zeit vom 26. Oktober bis 2. November 1930 kamen zur Anzeige 1 Fall wegen gefährlicher Körperverletzung; 1 Falle wegen unbesugten Befahrens des Marktplatzes mit einem Kraftwagen; 1 Fall wegen Verbreitung von Falschgeld; 1 Fall wegen Sachbeschädigung; 1 Fall wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze; 1 Fall wegen Verstoß gegen die Bestimmungen über Sonntagsheiligung; 3 Fälle wegen Nichtabmeldung; 2 Fälle wegen ruhestörenden Lärms; Polizeilich bestraft wurden: 2 Personen wegen Abstellung des Kraftwagens in nicht ordnungsmäßiger Garage 7 Personen wegen Fliegenlassens der Tauben in der Sperrzeit; 2 Personen wegen Schießens in von Menschen bewohnten Orten; 5 Personen wegen nicht rechtzeitiger Ab= bezw. Ummeldung; 2 Personen wegen groben Unfugs; 1 Person wegen Entleerung der Abortgrube in nicht freigegebener Zeit; 1 Person wegen Nichterscheinens bei der Polizei, trotz ordnungsmäßiger Ladung; Obdachlos meldeten sich 19 Personen; 1 Brille wurde als gefunden abgegeben; 1 Familie mußte wegen Obdachlosigkeit polizeilich untergebracht werden; Verletzt wurden in hiesigen Betrieben drei Personen. Martinsabend Skizze von Eilhard Erich Pauls. Harm Wittkopp war ein reicher Kaufmann in der freien Reichs= und alten Hansestadt Lübeck und hatte seine Freunde zur Feier des Martinsabends eingeladen, damit sie sich von der weitberühmten Küche seiner Muhme und Haushälterin, der Frau Bärtel Wittkopp, ein Nachtessen gefallen ließen, das des heiligen Martins würdig #erden sollte. Haus und Speicher lagen ihm in der breiten Burgstraße, nicht weit von den alten Mütterchen und den zitternden Männchen des Heiligen=Geist=Hospitals, die den ganzen Nachmittag aufgeregt und lüstern Bratendünste und Tunkengerüche eingesogen hatten, denn viel mehr bekamen sie kaum vom Abendessen des heiligen Martins ab. Dies aber ist die Geschichte seines Töchterleins, der wieder ob ihrer Lieblichkeit weitgerühmten Linde Wittkopp, die von ihrem jungen Blute zu einer anderen Seligkeit getrieben wurde als die Mütterchen und Männchen des Heiligen=Geist=Hospitals. Hatte sie doch in aller Heimlichkeit vor dem gestrengen Herrn Vater und der züchtigen Frau Muhme in dem Ratsschreiber Gerd Kasten den gefunden, der ihren Andachtsübungen zu Ehren des heiligen Martins ein gemäßer Partner war. Aber zugleich ist dies die Geschichte des Martin Düker aus Holstein, der als ein fahrender Schüler seine hungrige Straße zog. Und es war ein klatriges Herbstwetter, naß und kalt, gegen das der Vagant sich mit keinem Liede mehr wappnen konnte. Die lübschen Wächter des Holstentores hatten ihn mit einigem Mißtrauen an sich vorüber in die Stadt gelassen, doch da es noch vor Toresschluß war, der ärmliche Vagant in seinem windzerrissenen Kleide und ohne Wehr auch keine Furcht erweckte, so mochten sie den Einzug nicht verweigern. Aber die Hauptstraßen vermied der fahrende Gesell. Er wußte, daß bei den Reichen ein verhärtetes Herz und besten Falles bei den Nothaften ein Mitleiden zu erwarten war. So drückte er sich an den Mauerstraßen entlang, sprach im Tünkenhagen in einer Wirtschaft vor, die ihm die Türe wies, und bettelte auf dem langen Lohberg einen Fischer an, der den Hund auf ihn hetzte. „Sankt Martin!" seufzte der elende Gesell. „Gebenedeiter Patron! Wenn ich bei Muttern wäre oder in der Burse zu Rostock! Du hast dem armen Martin Düker immer geholfen und denkst noch an das Lied, das ich vergangenes Jahr Dir zur Ehre gesungen. Bei den Mönchen von Cismar ist es gewesen. Heiliger Martin, gebenedeiter Patron, verhilf mir auch heuer zu einem Liede zu Deines Namens Ruhm! Ach, ich armer Madensack!" Er wurde auch im Rosengang von keifenden Weiberstimmen gesegnet. Er lehnte in der Gröpelgrube schier verzweifelt gegen die Mauer. Da ersah er einen fernen Lichtschein, dem er mit einem letzten halben Hoffen nachging. Durch einen finsteren Gang hindurch führte ihn der Lichtschein in einen Hof hinein. Daß er damit aber gerade hinter die Häuser und Speicher des reichen Herrn Wittkopp geriet und in die ausgelegten Netze der liebreizenden Linde Wittkopp stolperte, wußte er freilich nicht. Der Lichtschein zeigte ihm eine heimliche Tür. Und die, als er nur zage auf die Klinke drückte, war nicht verschlossen. Eine Stiege führte ihn aufwärts. Eine zweite Tür war nur angelehnt. Und dahinter leuchtete das Lichtlein vertraut u. lockend. So schritt er tapfer hindurch und fand einen Tisch, der recht martinsmäßig gedeckt war. Die gebratene Gänsebrust fehlte nicht, Leckereien aller Art drängten einander, und eine entkorkte Flasche Burgunder Rotweines machte ihm Mut. Auch blieb es still auf dem Gange und im Hause. „Ein Lob= und Danklied soll es werden, heiliger Martin," flüsterte der Geselle.„Darum will ich mich zuerst daran machen, daß ich etwas habe, wofür' ich dir eines singen kann.“ Es schmeckte ihm. Der Gänsebraten seines Namenspatrones legte den Grund, auf dem aus der Burgunderweinflasche ihm ein schöner Mut erwuchs. Da schlüpfte ihm heimlich und erwartend die Linde Wittkopp, die ein neunzehnjähriges Dirnlein war, in die Kammer. Die erschrak nicht schlecht. „Das ist recht, Jungfer,“ lobte der Geselle. „Ich bin gerade satt und muß nun zum Lobe des Haben Sie schon bestellt? WenVe! und v. Lengerkes landwirtschaftl. 84. Jahrg. 1931 84. Jahrg. 1931 I. Tell(Taschenbuch) dauerhaft gebunden Ausgabe mit ½ Seite Notizraum den Tag A In Doppelleinen gebunden Rm. 2.80 B. In Kunstleder gebunden Rm. 3.60 C. In echtes Kernleder gebunden Rm. 6.50 Ausgabe mit ½1 Seite Notizraum den Tag D. In Doppelleinen gebunden Rm. 3.80 E. In Kunstleder gebunden.. Rm. 4,20 F In echtes Kernieder gebunden Rm. 6,80 „Extradünn“ mit 2 Seiten Notizraum d. Woche C In Kunstleder gebunden.. Rm. 3,60 H In echtes Kernieder gebunden Rm. 6,50 UI. Tell(Landwirtschaftliches Jahrbuch) geheftet Werden beide Teile gewünscht, so erhöhen sich die Preise um je Rm. 1.—. Einzeln kostet das Jahrbuch Rm. 2.50. Hierzu Portokosten. Das modernste und umsassendste Taschenbuch, das es auf landwirtschaftlichem Gebiete gibt, mit praktischem, unentbehrlichem Material für jeden Landwirt. Zu beziehen durch die Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstr. 3 Gesunden Schlaf starke Nerven durch regelmäßigen Genuß von BremerSchlüssel-Tee (JI. parag.) Tausende ziehen ihn wegen seiner auregenden aber nie aufregenden Wirkung, Kaffee u. chin. Tee vor. Uberzeugen Sie sich selbst! ¼ Pfd.-Paket RM. 0.95 ½ Pld.-Paket R M, 1.80 Bestimmt zu haben: Drogerie Max Mohlhose Postplatz Goldene 4088 DamenArmbanduhr verloren. Gegen Belohnung abzugeben in der Geschst. dieser Zeitung. Gebrauchte und gut erhaltene Schreibmaschine wird zu kaufen gesucht. Angebote m. äußerster Preisangabe unter Nr. 4089 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Größerer Posten EichenStammholz 20—30 cm 0) zu kaufen gesucht. Angeb. unter 4092 an die Geschst. dieser Zig. heiligen Martins mein Lied singen. Und er hub mit einer gesättigten und zufriedenen Stimme kräftig zu singen an.„Martin, Deine feisten Gänse.. Er kam nicht weiter. Die Linde Wittkopp lief erschrocken auf den Burschen zu und legte ihm ihre feine Hand auf den groben Mund. „Will er wohl ruhig sein!" Dann stand sie vor ihm, von Schrecken in Zorn und von Zorn in Verlegenheit fallend, schaute ängstlich nach der Tür zurück und legte den Finger auf den Mund und wußte keinen Rat. Denn der Geselle saß breit und behäbig hinter dem abgegessenen Tische und wartete geduldig auf alle weiteren Geschenke, die sein heiliger Namenspatron ihm noch bereitet hatte. Und seine Aeuglein zwinkerten vergnügt und fingen an, begehrlich zu blicken. Doch vergaß er seine Schuldigkeit nicht und begann von neuem mit einer glücklichen und hellen Stimme: „Martin, Deine feisten Gänse....“ Er kam nicht weiter.„So sei er doch bloß stille!“ bat die Linde Wittkopp und blickte ihn so erschrocken flehend an, daß es dem Jungen eng ums Herz wurde.„Wenn Er nur stille ist, dann will ich Ihm auch gute Kleider bringen.“ Denn seine Windzerrissenheit hatte sie beängstigend genug gemerkt. Und das warf den Burschen doch ein wenig in seine arme Verlorenheit zurück. Aber das Mädchen war aus der Kammer gelaufen. Ein wenig sah sich der Geselle nach Tür und Stiege um, ein wenig wartete er auf Hinterhalt und Hinauswurf. Da kam das Mädchen zurück und hatte es eilig, dem Martin Düker einen guten Rock und ein gutes Paar Hosen aufzudrängen. „Heiliger Martin!“ staunte der Geselle. Und schon wetzte er in dankbarer Rührung seine Stimme, um endlich zu seinem schuldigen Loblied zu gelangen. „Heiliger Martin, Deine feisten Gänse.. Er kam nicht weiter. Denn um Rock und Hose gebührlich in Empfang zu nehmen, hatte er seinen festen Platz hinter dem abgegessenen Tisch verlassen müssen. Aber damit hatte er seine erstohlene Sicherheit verloren. Er stand vor dem glühenden Mädchen in all seiner Elendigkeit und machte nur einen demütigen Kratzer. „Wenn Er nur stille ist!"hastete die Linde Wittkopp.„Da hat Er noch einen Geldbeutel. Aber nun geh Er, geh Er doch.“ Sie schob ihn zur Türe hinaus. Es gelang auch auf das beste. Erst als der Geselle den Hinterhof und den Gang verlassen hatte und erst als er im Dunkel einer verschlossenen Toreinfahrt der Gröpelgrube die alten Lumpen mit des reichen Herrn Wittkopp abgelegtem guten Anzug vertauschte, huschte der hübsche Ratsschreiber der Hansestadt, der stattliche Gerd Gasten, an ihm vorbei, der den so wohl vorbereiteten Andachtsübungen der Linde Wittkopp zu Ehren des heiligen Martin der gemäße Partner war. Es gelang alles aufs beste. Der verwandelte Vagant bekam Nachtherberge im„Herzog von Mecklenburg“, sang in fröhlicher Kumpanei sein Lob= und Danklied zu Ehren des heiligen Namenspatrones und hatte, als er am andern Morgen weiterzog, einen noch gesättigten Magen, einen neuen Anzug, aber im Beutel freilich keinen Heller mehr übrig. Denken Sie beim Einkauf von Weihnachts-Geschenken auch an Ihren Buchhändler. Vier Schachteln Konfekt mit seidenem Band und Zigaretten genug, drei Mokkatassen mit buntem Rand und ein seidenes Taschentuch, fünf„reizende“. Vasen hat man gebracht, die ich morgen zu tauschen versuch', und keiner hat herzlich an mich gedacht. Doch: einer! Der mit dem Buch! H. Br. Das schönste Geschenk— ein Buch, es paßt für jeden. In allen Preislagen und größter Auswahl. Buchhandlung E.Braus Bahnhofstraße 3 Lichtspiele zur Reichskrone Heute zum letzten Male! Der schönste Ufa=Tonfilm: Dir kehle nompugnie Eine Kriegsepisode in 8 Akten mit Conrad Veidt und Karin Evans in den Hauptrollen. —0— Außerdem das gute Beiprogramm. Erwerbslose heute halbe Preise. Zwungreersteigerung Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuch von Holzen, Band I, Art. Nr. 28, eingetragenen nachstehend beschriebenen Grundstücke am 5. Februar 1931, vormittags 11 Uhr, an der Gerichtsstelle, Hagenerstraße Nr. mer Nr. 14, versteigert werden. 4093 1. Gemarkung Holzen, Flurbuch Nr. V, Parzelle Nr. 434/29, Grundsteuermutterrolle Nr. 100, Gebäudesteuerrolle Nr. 112, bebauter Hofraum, Aufm Höchsten Nr. 98, Größe 22 a 94 qm; 2. Gemarkung Holzen, Flurbuch Nr. V, Parzelle Nr. 436/29, Acker, Aufm Höchsten, Größe 76 a 60 qm, Grundsteuerreinertrag 3.—; 3. Gemarkung Holzen, Flurbuch Nr. V, Parzelle Nr. 27, bebauter Hofraum und Hausgarten, Aufm Höchsten Nr. 98, Größe 70 gm, Gebäudesteuernutzungswert 220.—; 6a. Gemarkung Holzen, Flurbuch Nr. V, Parzelle Nr. 444/35, Acker, Aufm Höchsten, Größe 61 a 06 qm, Grundsteuerreinertrag 4,30. Der Versteigerungsvermerk ist am 16. Mai 1930 in das Grundbuch eingetragen. Als Eigentümer war damals der Bergmann August Köbpelmann zu Höchsten eingetragen Schwerte, den 6. November 1930. Das Amtsgericht. Nr. 264(Zweites Blatt) Hiberter=Hentl.. grsser Herders Ankberinge Wirkungen des amerikanischen Umschwungs auf Deutschland. Von L. F. Der Präsident für„prosperity", für den wachsenden Wohlstand, hat gewiß mit einem für ihn unerfreulichen Wahlergebnis gerechnet; denn boshaster als im Falle Hoover ist wohl noch niemals ein Wahlversprechen durch die Wirklichkeit als blauer Dunst erwiesen worden. Der Ausfall der Neuwahl des Repräsentantenhauses und der Ergänzungswahl für den Senat läßt aber einen so radikalen Stimmungsumschwung breitetester amerikanischer Volksschichten erkennen, wie ihn Hoover wohl selbst in Angstträumen nicht geahnt hat. Allzu viele Kundgebungen aus dem„Weißen Hause“ ließen noch in der letzten Zeit erkennen, daß Hoover seines Amtes in der selbstbewußten Ueberzeugung waltet, sein Bestes zu tun. Gab es unter ihm nicht den glänzenden Börsenaufstieg, der viele Monate hindurch die dollarmehrende Sonne des Erfolges auf das Tagewerk ungezählter Amerikaner scheinen ließ? Verstand nicht der starke Präsident Hoover den ungeheuersten Börsenkrach der Weltgeschichte, der wiederum ungezählte Amerikaner aus dem (buchstäblichen) Land des Lächelns in eine endlose Wüste des Elends versetzte, durch einen wuchtigen Druck auf die Milliardenfürsten, durch weitgehende Steuerermäßigungen und zahlreiche Schritte der Ankurbelung des inneren Marktes zunächst wenigstens auszufangen? War er es nicht, zu dem der Canossagang MacDonalds vor der jungen Macht Amerikas führte, dieses Zukreuzekriechen eines Premierministers des gleichen Englands das noch vor hundert Jahren den Amerikanern das Kapitol verbrannte?— Brachte dieser Präsident nicht einen phantastischen Verhandlungssieg in London über das gefürchtete Japan nach Hause? Wahrlich lang ist die Reihe der Erfolge, die Hoover auf seinem bisherigen Wege überblicken kann. Dennoch kam diese Wahlniederlage hundertprozentig verdient. Der Mann, zu dem eine Welt aufblickte als dem Organisator, Wirtschafts= und Finanzmann höchsten Grades, entpuppte sich gemäß den Voraussagen schärferer Beobachter als selbstsüchtiger Ueberamerikaner, als Mensch, der Wohlstand schaffen wollte, aber nur den seines eigenen Landes unter kraftmenschmäßiger Beiseiteschiebung der weisen Regel alles menschlichen Nebeneinanderwirkens: Leben und leben lassen! Hoover wollte und will wahrscheinlich noch, daß Amerika auf dem Rücken der anderen lebt. Bildete sich Wilson ein, als Weltrichter in Versailles auftreten zu können, so strebte Hoover nach dem höchsten Ziel, der Gewaltausübung. Weltherrscher wollte er sein, die Weltherrschaft Amerikas erzwingen, gestützt auf eine unverbrauchte Menschenmasse, das am besten ernährte Volk der Erde, auf dem Boden eines Landes mit unermeßlichen Naturschätzen, mobilisiert von der leistungsfähigsten Geldmacht des Planeten. Die Entwicklung Amerikas und der Welt während der bisherigen Präsidentschaft Hoovers hat uns bewiesen, daß er die materiellen Kräfte Amerikas überschätzte und den Geist, den MenCampe. schenstolz anderer Völker, auf die Amerika schon hochmütig herabsehen zu können glaubte, in seiner Rechnung gefährlich vernachlässigte. Die Welt ließ sich vor allem nicht den neuen Zolltarif diktieren, sondern beantwortete ihn mit Kampf. Hoover erreichte die Einschrumpfung des amerikanischen Außenhandels um mehr als 20 Prozent und war noch vor wenigen Tagen so verblendet, zu glauben, daß der angeblich von ihm erwartete Ausfall durch Belebung des inneramerikanischen Marktes wieder wett gemacht werden könne. Diese wirtschaftspolitisch einfach verwegene Ansicht, daß zehn Prozent der Gesamtwirtschaft eines Landes, die im Außenhandel festgelegt sind, aufs Spiel gesetzt werden dürften und„im großen und ganzen, gemessen am Binnenmarkt, nur eine untergeordnete Rolle spielen“, bezahlt Amerika heute mit einer Arbeitslosigkeit, deren Rekordziffer die amtlichen Stellen nicht zugeben wollen, die sich aber doch nicht wegjonglieren läßt. Nach europäischen, also vornehmlich englischen und deutschen Berechnungsmethoden, übersteigt die amerikanische Arbeitslosigkeit heute schon zehn Millionen. Von ihrem Riesenausmaß spricht deutlich auch das Wahlergebnis. Hoovers Versuch, durch eine große Preissenkungsaktion, die tatsächlich die Preise für Massenverbrauchsartikel auf der ganzen Linie geworfen hat, die Ereignisse in letzter Stunde doch noch zu seinen Gunsten zu lenken, mußte versagen, weil die Arbeitslosen— in Amerika gleichbedeutend mit jeder Unterstützung baren Existenzlosen— vom Segen der Preissenkung nicht mehr beglückt werden konnten. Wenn der Mensch überhaupt keine Einnahmen mehr hat, kann er auch mit billigen Preisen nichts anfangen. Politisch gestaltet sich die Lage nun so, daß der Kongreß die Politik Hoovers allenfalls lahmlegen kann. Mehr aber nicht! Der amerikanische Präsident ist verfassungsmäßig sein eigener Herr und kann nahezu ganz nach seiner Fasson regieren. Dennoch wird der Präsident keine Politik des Mannes auf einsamer Insel treiben können, wie wir sie bei Wilson in den letzten Jahren seiner Amtszeit erlebten, der ebenfalls durch einen oppositionellen Kongreß zum Gefangenen des„Weißen Hauses“ wurde. Die Welt sieht heute anders aus. Selbst Amerikas Massen verlieren ihren Autoritätsglauben und beginnen zu ahnen, daß die„großen Führer“ ihre Sache herzlich schlecht machen. In den Vereinigten Staaten glaubt man nicht einmal mehr an die Prohibition. Wenn die Vorkämpfer der Aufhebung des starren Alkoholverbots auch noch lange nicht die Mehrheit des Kongresses erzielten, so siegten sie doch in allen Wahlkreisen, in denen die Parole„Naß oder trocken“ ausgegeben worden war. Dabei wählte die Bevölkerung immer den„Nassen“, ganz gleich, ob er Demokrat oder Republikaner war, in dem richtigen Gefühl, daß zwischen beiden Parteien kein so grundlegender Gegensatz besteht wie zwischen Trocken und Naß. Gerade auch deswegen wird Hoover diesen Wahlkampf als Volksbewegung betrachten müssen. Da er im Gegensatz zu Wilson ein rüstiger Mann ist, besteht die Hoffnung auf die Wiederbelebung des Geschmeidigkeitsgebietes in seiner Seele, das auch noch irgendwo vorhanden sein muß, denn sonst hätte er nicht die Partei=Instanzen bis zum Präsidentenstuhl durchlaufen können. In dieser Möglichkeit liegt eine gewisse Hoffnung auf die Kraft der Selbstbesinnung in dem Mann, der immer noch die Politik Amerikas bestimint. Erfüllt sie sich, Montag, 10. November 1930 dann können wir eine weniger reibungsreiche Abwicklung auch unserer eigenen(vorwiegend amerikanischen) Not, der Tributfrage, erwarten. Versucht es Hoover weiter, dem Lauf der Dinge zu trotzen, dann wird die Welle des Elends, die über die Welt flutet, der Wille zu einem besseren, würdigen Dasein, der nicht nur das deutsche Volk beseelt, auch über das Kapitol hinwegbrausen und neuen, zeitgemäßen Führern Raum schaffen. Jechwuffer Feuer ist schlimm, Wasser ist schlimmer! Das ist eine Anschauung, die in den Niederungen, an den Küsten und Flußufern allgemein vertreten wird. Der Landwirt in den Niederungen kennt aus uralter Erfahrung die zerstörende Gewalt des Wassers, das immer nicht nur den einzelnen trifft, sondern ganze Bezirke. Die Bewohnerder Havelluchs, der Oder=, Netze= und Warthebrüche, der Elb= und Wesermarschen und=wischen sowie alle Bauern der Flußniederungen haben Besitzungen, deren größter Teil aus fruchtbarem Marsch= und Moorland besteht. Im jahrhundertelangen Kampfe mit dem Wasser sind diese Höfe dem Wasser abgetrotzt worden. Immer wieder müssen sie gegen die Gewalt der Fluten verteidigt werden. Gerade die Tatsache, daß es sich bei den vom Hochwasser betroffenen Gebieten um Ländereien mit intensivster Kultur oder um bestes Weide= und Wiesenland handelt, erhöht die Auswirkungen der Ueberschwemmungen in verhängnisvoller Weise. Jahrzehntelange mühselige Arbeit ist in wenigen Stunden zerstört, und die Folgen wirken sich noch lange Jahre später aus. Fast alle unsere Flüsse und Ströme sind von einem System von Dämmen und Deichen eingeschlossen. Hinter diesen„goldenen Ringen“, wie man in den Nordseemarschen diese Deiche benennt, da sie im Laufe der Generationen so viel Geld und Arbeitskraft gekostet haben und noch kosten, daß man die Hände der Deiche mit diesem Goldwerte über und über bedecken könnte — hinter diesen Wällen reiht sich Hof an Hof, Dorf an Dorf, die nur sind und auf denen nur gearbeitet werden kann, weil die Deiche sie schützen. Im Frühling, zur Zeit der Schneeschmelzen, und im Herbst, in den Monaten starker Niederschläge, werden kleine Bäche in den Bergen zu Strömen; die Flüsse bringen riesige Wassermengen zu Tal, und in den Strömen wälzt eine mächtige Flutwelle den Niederungen zu. Das ist die Notzeit, wo sich zeigen muß, ob die Deichhauptleute ihre Pflicht getan haben; ob die Dämme instand sind und die Notorganisation des Deichschutzes klappt. Dann geht es um den Schutz jahrzehntelanger Arbeit und vielfach ums Leben, dann zeigt sich vielfach aber auch, wie beschränkt unsere Menschenkraft ist und daß trotz der Stromregulierungen das Element immer noch eine Lücke in dem künstlichen System findet und die Hochwassernot zu einer Katastrophe werden kann. Dies alles erleben wir in diesen Wochen leider wieder an der Oder. Zwar ist seit der riesigen Sommerflut im Jahre 1903 vieles an der Oder geschehen,— das Deichsystem wurde verstärkt, die Flußregulierung weiter durchgeführt usw.,— aber dennoch ist die Herbstflut dieses Jahres so riesig, daß die Deiche überströmt oder zerrissen und Tausende und Abertausende Hektare Acker= und Wiesenland metertief unter Wasser gesetzt werden. Es ist gerade für das Odergebiet charakteristisch, daß hier nicht so sehr die Fluten der Schneeschmelze, als Unwetter und andauernder Regen in den Quellgebieten der Oder und ihrer Nebenflüsse in kürzester Frist zu einer Katastrophe für die Flußniederungen werden. Nur die Flut von 1903 ist ihrem Umfang nach im Odergebiet mit der Katastrophe dieses Jahres zu vergleichen; dabei sind fast die gleichen Bezirke des Ober= und Mittellaufes betroffen worden. Auch an den Nebenflüssen ist der angerichtete Schaden ungeheuer; denn wenn auch die Deiche halten, so staut sich doch das Wasser der angeschwollenen Bäche vor den geschlossenen Sielen und setzt das Ackerland der Niederungen weithin unter Wasser. Der gesäte Roggen und der Winterweizen verdirbt. Auch nach dem langsamen Ablaufen des Hochwassers kann der Landwirt meist wochenlang nicht aufs Feld, um die drängende Winterbestellung vorzunehmen. So wirkt sich auch in dieser Richtung das Unwetter der letzten Oktober= wochen aus. Gerade der Rückstau des Wassers in die Nebenflüsse und das Versagen der natürlichen Entwässerung mittels Schleusen und Sielen in Hochwasserzeiten ist in ganz Nordeutschland eine der Hauptursachen der riesenhaften Ueberschwemmungen, wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben. Neben der bereits geforderten schnellen Nothilfe in Form von Unterstützung, Niederschlagung von Steuern und Abgaben sowie sofortige und verstärkte Einbeziehung in die Osthilfe für die Katastrophengebiete dieses Jahres ist es daher dringend notwendig, die Regulierung unserer Flüsse und Ströme völlig durchzuführen. Jahr für Jahr werden für viele Millionen Mark Schäden durch Hochwasser angerichtet. Jahr für Jahr stehen an den Flüssen, in den Seemarschen und in den Mooren Zehntausende von Hektaren infolge des Rückstauens von Wasser oder schlechten Abzugs der Niederschlagsmengen lange Zeit unter Wasser. Gerade die besten Böden versauern und werden in ihren Erträgen gemindert. Hier Abhilfe zu schaffen, wäre eine dankbare Aufgabe einer wirklich produktiven Erwerbslosenfürsorge. „De Krag, Alllerte! Roman von Margarete von Saß Conwiight by Martin Feuchtwanger. Halle(S.) 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ich will sofort zu meiner Schwester fahren,“ sagte Amélie plötzlich entschlossen. Markow gab ihr Recht. Er begleitete sie, und während sie neben ihm im Auto saß, kam ihr ein befreiender Gedanke: Wenn ich mich jetz: zu ihm ausspräche, ganz offen und rückhaltslos, wie zu einem guten Freund? Das wäre gut— ja gewiß, für alle Fälle. Sie wollte sprechen, aber die Kehle war ihr wie zugeschnürt. „An was denken Sie, gnädige Frau? Sie sind so still? Sie sorgen sich wohl sehr um Ihre Frau Schwester? Das müssen Sie nicht, es ist wirklich kein Grund dazu— eine leichte Erkältung, mehr ist es nicht. Ihr Herr Schwager sagte es mir.“ „Ich hoffe, es ist nichts mehr. Aber ich muß gestehen, daß ich eben nicht an meine Schwester dachte, sondern mit all meinen Gedanken bei meiner eigenen Lebenslage war“ Und nun erzählte sie langsam, oft stockend. Und alles rang sich von ihrer Seele, in leisen zagenden Worten, durch die verhaltenes Schluchzen zitterte. Und der Mann an ihrer Seite nahm alles, was sie ihm anvertraute, in inntgem Mitgefühl auf. Alles in ihm empörte sich. „Sie können so nicht weiterleben, machen Sie sich frei. Sie werden noch ein Glück finden so groß, so schön, wie Sie es verdienen.“ Er hielt plötzlich ihre Hand in der seinen, sah in ihr Gesicht, das durch die Dunkelheit weiß schimmerte. „Jetzt— jetzt wird er mir das Glück bieten! Sie fühlte es, fühlte es wie das Herannahen einer Gefahr. „Für mich gibt es kein Glück mehr, Graf Markow; ist bin zu keinem mehr fähig. Was ich verloren habe, werde ich nie verwinden, schlimmer als der Tod ist das.“ So liebte sie ihren Mann. Ein Schmerz zuckte durch ihn hin. Seine Hoffnung war vernichtet. Unfähig ein Wort zu sagen, saß er neben ihr, die er mit ganzer Seele liebte. Ihre Finger schlossen sich im leisem Druck um sein. Hand. „Graf Markow, daß ich Ihnen das alles sagte, das zeigt Ihnen, was Sie mir sind. Nur zu einem Freund, einem wahren Freund, kann man sich so aussprechen— so alles Schwere von der Seele reden.“ Bitterkeit wallte in ihm auf. Freundschaft: Es war schon etwa— ein trauriger Ersatz für das, was er ersehnte. Er nahm aber doch ihre Hand, schob den Handschuh vom Gelenk und preßte in heißer Dankbarkeit einen Kuß darauf. „„* Amélie war bei den Geschwistern geblieben, um Lilly zu pflegen, deren Zustand doch schlimmer war, als man anfangs geglaubt. Zwei Wochen hatte sie mit einer Lungenentzündung gelegen, von der sie sich gar nicht so recht erholen konnte. Auf Amélie ruhte jetzt alles: die Sorge um die Schwester, die um die Kinder und um den großen Haushalt. Von früh bis spät hatte sie zu tun, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Aber so war es ihr lieb; über die Sorgen um andere vergaß sie die eigenen. Adolf Bernburg mahnte zur Schonung.„Wir nehmen eine Schwester ins Haus, damit du entlastet wirst.“ Sie wollte nichts davon wissen. Jetzt wo Lilly über den Berg war, wozu brauchte man eine Schwester? Zu ihrer Entlastung? Nein, sie wünschte gar keine. Sie sah Lilly, die auf der Chaiselongue lag, fragend an. „Oder willst du eine Schwester, fühlst du dich nicht wohl in meiner Pflege?“ „Wie du das nur fragen kannst! Ich bin so dankbar dafür, daß du bei mir bist.“ Sie streckte ihre Hand nach Amélie aus. Die nahm sie und schmiegte ihre Wange hinein. „Du brauchst mir nicht dankbar zu sein; nur pflegen laß dich von mir.“ „Aber wird es dir denn nicht zu viel? Du bist auch nur zart, Amélie.“ „I wo! Tag und Nacht möchte ich um dich sein...“ „Mir scheint, du bist von einem Aufopferungsbedürfnis besessen,“ sagte Adolf,„aber das darf sich nicht zu toll auswirken, du ruinierst dich. Laß wenigstens deine Arbeit beiseite. Markow erzählte mir gestern, daß du noch immer dein Pensum leistest. Tust du das, um Geld zu verdienen?" Amélie lachte.„Ja natürlich! Und auch, weil ich die Arbeit doch mal übernommen habe. „Na,ums Geldverdienen braucht es dir nicht mehr zu gehen, Amélie. Wenn ich dich jetzt bitte, von mir zu nehmen, was du brauchst, dann ist das kein Almosen, das ich dir biete.“ Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und sah ihn mit einem lächelnden Blick an. „Von dir nähme ich jetzt auch Almosen, Adolf, sie würden mich nicht bedrücken.“ „Lieberes hättest du mir nicht sagen können. Lilly, soll ich ihr dafür einen Kuß geben?“ Amélie hielt ihm ihre Wange hin.„Danach fragen wir gar nicht lange erst, Adolf.“ Lillys Augen ruhten in heißer Freude auf Mann und Schwester. „Kinder, daß wir uns so gut miteinander eingelebt haben, ist doch ein Glück.“ „Ob das ein Glück ist?“ Sie traten beide zu ihr. Adolf schob für Amélie einen Sessel an die Chaiselongue und er ließ sich auf den Rand derselben nieder. „Nun laßt uns mal überlegen, was noch fürs Fest anzuschaffen ist“, schlug Adolf vor und sah von einer zur anderen. „Ach Gott ja, in einer Woche ist Weihnachten“, sagte Lilly,„da gibt es in diesen Tagen eine Fülle von Arbeit für dich, Amélie.“ Amélie hatte nur gehört: In einer Woche ist Weihnachten. Sie atmete beklommen. Für dieses Jahr hätte sie Weihnachten gern vom Kalender gestrichen, um nicht an die Weihnachten erinnert zu werden, die sie mit Achim verlebt hatte. Es waren immer glückliche gewesen, so wenig man für den äußeren Festglanz anlegen konnte. Man hatte sich doch immer gegenseitig Freude schenken können. Damit war es nun vorbei. Für immer. Sie hob die Hand zur Stirn, drückte sie dagegen. Nicht mehr daran denken. Sie riß sich zusammen, hörte auf das, was die Geschwister berieten und nahm dann Lillys Aufträge entgegen. Am Nachmittag fuhr sie in die Stadt, um Besorgungen zu machen. Sie hatte daran gedacht, in ihre Wohnung zu gehen, um Frau von Veltheim einen guten Tag zu sagen, aber schließlich konnte sie sich nicht dazu überwinden. Wenn sie nur an ihre kleine Wohnung dachte, dann standen die Erinnerungen auf; die quälten sie bis zur Unerträglichkeit. Nein, sie wollte heim, heim zu Lilly, die ihr nicht zu viel Zeit ließ, um sich unglücklich zu fühlen. Und nicht nur Lilly wartete und beanspruchte sie, auch die Kinder, das Personal mit seinen Sorgen um den Haushalt. *** Es wehten vereinzelte Schneeflocken, die voller wurden und allmählich dichter rieselten. Amélie war in der Stadt, wo sie noch vieles zu besorgen hatte. Heute war Heiligabend. Lilly hatte bestimmt, daß bis sieben Uhr die Bescherung sein sollte. Sie mußte sich beeilen, um mit ihren Einkäufen fertig zu werden. Als sie von ihrem Ausgang durchfroren und kältefkisch heimkehrte, wurde ihr im Flur gesagt, daß die gnädige Frau schon sehr auf sie wartete. Lilly saß in einem hohen Lehnsessel. (Fortsetzung folgt.) Leben in der Tierwelt Schwerte, den 10. November 1930. Der Tierwelt geht es nun vielfach recht schlecht. Auf den Feldern treiben sich Schwärme von Krähen umher und untersuchen Düngerhausen usw. nach Freßbarem oder nach Insekten, die der Bauer beim Pflügen aufwirft. Sie find jetzt also recht nützlich. Im Wald und Garten untersuchen die Meisen die Knospen nach Insetten, die sich zwischen ihren Schuppen verkrochen haben, und die zierlichen Goldhähnchen wispern in deren Zweigen, die wie Mäuse huschen, ähnlich wie die Zeisige in den Erlen, um aus den Zäpfen die Samen herauszuholen. An Sonnentagen zeigt sich im Wald das Einhörnchen, der gewandte Kletterer, jetzt deutlicher Durch„Verbeißen“ der Fichtenzweige kann es recht lästig werden, besonders wo sein größter Feind, der Edelmarder, des Pelzes wegen zu sehr abgeschossen wird. Auf Binnenseen und Altwässern sammeln sich jetzt Hunderte von Enten. Der Jäger schätzt die Maäen aber gar nicht, weil sie größere Wachsamkeit bedeuten: beim ersten Schuß rauscht die ganze Gesellschaft auf und davon. Man gedenke im Garten schon der darbenden Vögel und lege ein Futterplatz mit Schutzdach an, den so nützlichen Meisen hänge man Speckschwarten und Fleischreste auf. Sehr lieben viele Vögel die Fruchtstände der Sonnenblume, von denen man daher immer einige im Garten ziehen sollte. Die Insekten, die noch leben, bezogen ihre Schlupswinkel: unter Moos, Baumrinde oder Steinen. An den Kellerdecken hängen oft massenhaft überwinternde Weibchen der Mücken. Man brenne sie ab zur Verringerung der nächstjährigen Mückenplage. An milden Tagen fliegen die Männchen des Frostspanners, die Weibchen haben verkümmerte Flügel, aber starke Beine, mit denen sie an der Rinde der Bäume zur Eiablage an den Knospen emporklettern. Der Obstzüchter hindert sie durch Leimringe. Gedenktage. 10. November: 1483 Martin Lucher in Eisleben geboren(gestorben 1546).— 1759 Friedrich v. Schiller in Marbach geboren(gestorben 1805).— 1810 Der erste Reichsgerichtspräsident Eduard v. Simson geboren(gestorben 1899). : Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 9. November 1930. Während der gestrige Tiefdruckwirbel sich wenig nordwärts verlagert hat, ist über dem südlichen Mitteleuropa der Luftdruck weiter stark angestiegen. Sein Kern liegt mit 777 mm an der mittleren Rhone. In Deutschland war das Wetter heute morgen stärker bewölkt bis bedeckt, nur vereinzelt gingen noch Regensälle nieder. Die Temperaturen lagen zwischen 6 und 10 Grad, Borkum hatte 12 Grad. Der Kahle Asten meldete stürmischen Südwind, Nebel und 5 Grad. Wetteraussichten bis Montag: Stärker bewölft, zeitweilig Regenfälle, mild. Wetteraussichten für Dienstag: Bewölkt, später wieder Regen, mild. : Der Sprechtag des Westf. Bauernvereins, Bezirksverband„Industriegebiet", sindet in Schwerte am Freitag, den 21. November, von 10—12 Uhr, in der Wirtschaft Potthoff statt. Vaterländischer Frauenverein. Mittwoch, den 12. November findet Mutterberatung in Schwerte statt, nachmittags 2,30 Uhr in der Sparkasse. - Helden des Glaubens. Anläßlich der am 31. Oktober ds. Is. stattgefundenen Reformationsfeier fanden am letzten Samstag zwei Vorstellungen der„Evangelischen Landesbühne“ in Dortmund im Saale„Im Reiche der Wassers“ statt, die einen außerordentlichen Besuch seitens der Jugend und der Erwachsenen aufzuweisen hatten. Zur Aufführung gelangte die Tragödie aus der Zeit der Christenverfolgung„Helden des Glaubens“, ein fünfaktiges Bühnenwerk von Pfarrer Walter Nithak=Stahn. Wir lassen hier die Inhaltsangabe des Stückes in kurzer Form folgen: Die Tragödie spielt zur Zeit der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Trajan (106 n. Chr.) Vor uns steht das Haus eines römischen Adeligen, mit Namen Piso, der dem römischen Kaiser voll und ganz ergeben ist. Man opfert den Göttern, ja sogar dem Bilde des Kaisers und stellt denselben einem Gotte gleich. Claudia, die Gattin Pisos, findet keinen Gefallen an solchem Götzendienst! Turch einen stoischen Philosophen bringt sie in Erfahrung, daß die vornehme Welt Roms im Grunde überhaupt nicht an Götter glaubt, sondern daß man nur ein Spiel mit der Masse des Volkes treibt. Claudia entsetzt sich ob solcher Botschaft und ist im Innersten ihres Herzens unglücklich über diese Heuchelei. Sie sucht Frieden für ihr Herz und kann ihn nicht finden. In dieser Stimmung kommt sie in ein Gespräch mit ihrer Sklavin Felicitas, einem unschuldigen,anmutigen Mädchen. Im Verlause des Gesprächs bekennt sich die Sklavin nebst ihrem Jater Rufus, der ebenfalls als Sklave sich im Hause Pisos befindet, als Christin. Die Römerin möchte an dem Gottesdienst der Christen einmal teilnehmen, der eine Stunde vor Sonnenuntergang in den Katabomben stattfindet. Während des Gottesdienstes werden die Christen durch römische Soldaten, angestiftet durch Piso, ausgehoben und verhaftet. Unter ihnen befindet sich auch Claudia. Nach kurzer Verhandlung werden die Christen, falls sie ihren Glauben nicht verleugnen wollen, zum Tode verurteilt und sollen im Kollosseum den Löwen vorgeworfen werden. Claudia, die beim Römerkaiser in besonderer Gunst steht, gibt sich als Christin aus, obwohl sie noch nicht getauft ist. Sie will und kann das, was ihr Herz bewegt, nicht mehr fahren lassen. Selbst das Bitten und Flehen ihres Gemahls bleibt erfolglos! Sie eilt ihren Glaubensbrüdern nach, die mit Freudigkeit den Weg zum Kolosseum gingen, um auch mit ihnen zu sterben. Sie alle wissen, daß sie einem Reich entgegen gehen, das ewig bleibt. Und das wird einst aufgerichtet durch ihren Meister Christus: Das neue Reich!“ Die Aufführungen selbst standen auf einer beachtlichen Stufe und wie man hören konnte, übertrafen sie allgemein den Erwartungen. Die Evangl. Landes=Bühne kann sich außerordentlich talentvoller Schauspielerinnen und Schauspieler erfreuen, die auch hier in Schwerte ihr großes Können hergaben und somit abgerundete Leistungen zeigten. Der Spielleiter, Dr. Heinz Selzer, der gleichzeitig den römischen Kaiser Trajan wiederzugeben hatte, sowie sein Ensemble ließ keine Wünsche offfen. Hermann Kaldrich(Piso), Heinz Sauermann(Krassus), Lotte Bender(Claudia), Heinz Meister(Varro), Hildegard Kneist(Felicitas), Erich Held(Rusus), hatten sich mit Liebe in ihre Rollen hineingelebt, wie auch allen übrigen Darstellern nur ein volles Lob gesagt werden kann. Auch die szenische Ausstattung war trotz der Einfachheit unbedingt zufriedenstellend. Der Posaunenchor, der sich immer gern in den Dienst einer guten Sache stellt, leitete die schöne Abendfeier ein, umrahmte die kurze und eindringliche Ansprache Pastor Kleinemeyers und füllte durch seine Darbietungen in würdiger Weise die Pausen zwischen den einzelnen Bildern des Festspiels„Helden des Glaubens" aus. Die fast tausendköpfige Versammlung sang stehend das alte evangelische Schutz= und Trutzlied:„Ein feste Burg ist unser Gott“. Pastor Kleinemeyer betonte, daß über jedem noch so erfreulichen äußeren Erfolg die notwendige innere Erneuerung im Sinne des Reformators stehe; er wies hin auf den unerschütterlichen Glaubensmut und die Glaubenstreue unserer Väter und schuf so die rechte Einstimmung für die nachfolgende Aufführung, die in jeder Hinsicht ein voller Erfolg war und man muß es denen danken, die es veranstalteten, daß diese Tragödie hier in Schwerte wiedergegeben werden konnte. : Zu unserem letzten Gerichtsbericht am Samstag werden wir gebeten, diesen dahin zu berichtigen, daß nicht Amtsgerichtsrat Dr. Alffers, sondern Amtsgerichtsrat Dellmann den Vorsitz im Zivilprozeß geführt hat. : Einen Malerkursus eröffnete die Handwerkskammer zu Dortmund am Donnerstag, den 6. November. Es handelt sich um einen Lehrgang in Farbenharmonie, Materialwirtschaft, Fachrechnen, Kalkulation und Offertenwesen. Wegen der für den selbständigen Handwerker sowie für den strebsamen Gehilfen überaus wichtigen Unterrichtsgebiete ist die Teilnahme an dem Kursus allgemein zu empfehlen. Die Unterrichtszeit ist so gelegt, daß sich jeder an dem Lehrgang beteiligen kann, ohne die praktische Ausübung seines Berufes zu vernachlässigen. Interessenten wollen sich sofort wegen näherer Auskunft über Unterrichtsgebiet, Dauer des Lehrganges, Gebühr, Lehrer=, Zulassungsbedingungen usw. an die Handwerkskammer zu Dortmund wenden. oIserlehn. Wegen Unregelmäßigkeiten seines Amtes enthoben. Der hiesige Telegraphenbauassistent L. stand im Verdacht, Unregelmäßigkeiten im Dienst begangen zu haben. Eine unvermutete Revision bestätigte diesen Verdacht, da sich Veruntreuungen von ca. 1000.— Rm. ergaben. Ein Disziplinarverfahren wurde eingeleitet und der Beamte sofort seines Dienstes enthoben. Die weitere Behandlung der Angelegenheit fällt dem Telegraphenamt Arnsberg zu, dem der Beamte zugehört. g. Holzen. Schlußübung der freiwilligen Feuerwehr. Am gestrigen Vormittag beendete die freiwillige Feuerwehr Holzen ihre diesjährige Uebungssaison durch eine gut gelungene Schlußübung. Gegen 8 Uhr ertönte das Alarmsignal der Wehr. Mittels des vor kurzem angeschafften automobilen Mannschaftswagens war man in kurzer Zeit bei der Brandstelle, der Schreinerei Kruse, Friedrichstr., Ecke Rosenweg angelangt. Angenommen war ein Keller=, bezw. Werkstattbrand, der bereits weit vorgeschritten war. Nachdem das Feuer von der Brandleitung besichtigt war, ertönte das Signal: „Erster Schlauch vor!“ Ur nun ging es dem Feuer zu Leibe. Der Brand breitete sich immer weiter aus und bald spien 4 Schläuche Wasser ins brennende Element. Da sich im Keller starke Rauchmassen gebildet hatten, mußten die Wehrleute Rauchmasken in Gebrauch nehmen. Das Feuer breitete sich immer mehr aus und griff auf das Wohnhaus über, sodaß die Augsburgersowie Hakenleitern in Tätigkeit treten mußten. Nach anstrengenden Bemühungen gelang es der Wehr, des Feuers Herr zu werden und gegen 10 Uhr rückte man wieder zum Steigerturm ab. — Im Anschluß an die Uebung fand dann im Lokal Schneider ein gemütlicher Abschluß statt. Zunächst dankte Oberbrandmeister Michel der Wehr für die im vergangenen Jahre geleistete Arbeit, sowie für die gut gelungene Schlußübung. Der 2. Gemeindevorsteher Steinkühler brachte die Grüße des verhinderten 1. Gemeindevorstehers Jacobs und gab in treffenden Worten dem Dank an die zahlreich erschienenen Gemeindevertreter Ausdruck. Er wünschte der Wehr ein weiteres Blühen und Gedeihen. Und dann kam der Appetit zu seinem Recht. Von mehreren Interessenten war in liebenswürdiger Weise ein delikates Frühstück und Freibier gestiftet worden und man blieb noch mehrere Stunden in Stimmung beisammen. ! Westhofen. Die Einwohnerzahl auf die Religionsgemeinschaften verteilt ergibt nach der Personenstandsaufnahme von 10. Oktober ds. Is. in den Gemeinden des Amtes Westhofen nachstehende Uebersicht. Westhofen: 2127 evangelisch, 281 katholisch, 4 jüdisch, 74 dissidentisch oder Sektenangehörig; Garenfeld: 502 evangelisch, 89 katholisch, 13 dissidentisch; Geisecke: 420 evangelisch, 303 katholisch, 2 dissidentisch; Holzen: 2010 evangelisch, 710 katholisch, 1 jüdisch, 167 dissidentisch; Lichtendorf: 587 evangelisch, 322 katholisch, 41 dissidentisch; Villigst: 557 evangelisch, 85 katholisch, keine dissidentisch; Wandhofen: 540 evangelisch, 217 katholisch, 17 dissidentisch. Die Gesamtzahlen sind 6743 evangelisch, 2007 katholisch, 5 jüdisch, 314 dissidentisch und sektenangehörig. ! Westhofen. Die Zahlen der Erwerbslosen betrugen im Amte Westhofen am Stichtage: 320 Hauptunterstützungsempfänger, darunter 17 weibliche, mit zusammen 328 Familienzuschlagempfängern. Außerdem befanden sich in der Krisenfürsorge 93 Hauptunterstützungsempfänger, darunter 2 weibliche, mit zusammen 108 Familienzuschlagsempfängern. Außer diesen Erwerbslosen, die Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung empfingen, wurden aus Wohlfahrtsmitteln unterstützt 93 Erwerbslose mit 168 Familienangehörigen. Insgesamt waren im Amte Westhosen Ende Oktober 506 unterstützte Erwerbslose mit 604 unterstützten Familienangehörigen vorhanden. Die Einwohnerzahl des Amtes Westhofen beträgt 9096. Es sind also mehr als 12 Prozent der Bevölkerung wegen Erwerbslosigkeit unterstützungsbedürstig geworden. In diesen Zahlen sind noch nicht einbegrissen die Sozial= und Kleinrentner sowie die sonstigen Unterstützungsbedürftigen, die vom Wohlfahrtsamt betreut werden. Die Zahlen lassen erkennen, wie groß die Lasten sind, die in der heutigen Zeit schwerer wirtschaftlicher Krisen für Wohlfahrtszwecke aufgebracht werden müssen. I Westhofen. Wegen unerlaubten Schießens wurde ein junger Mann angezeigt, der an einem bewohnten Hause mit einem Jagdgewehr auf ein Huhn eines Nachbarn geschossen und es getötet hat. Außerdem führte der eifrige Schütze in dem fremden Jagdrevier keinen Erlaubnisschein des Jagdbeechtigten bei sich. (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzt. Verantwortung.) Westhofen. Was die Schwerter Handels= und Gewerbetreibenden zur Hebung des Geschäftslebens tun. Um der in den Gemeinden des Amtes Westhofen wohnenden Bevölkerung ihre Einkäufe in der Stadt Schwerte zu erleichtern, hat der in Schwerte bestehende Verein für Handel und Gewerbe beschlossen, Sonder=Omnibusfahrten zur freien Benutzung einzuführen. Insbesondere soll die Kundschaft aus Lichtendorf, Geisecke, Villigst, Holzen, Westbofen und Wandhofen herbeigeholt werden. Erstmalig fand die Fahrtroute, für die ein besonderer Fahrplan herausgegeben worden ist, Samstag nachm. 3,15 Uhr von Lichtendof=Overberge aus statt. Den Fahrgästen wird auch freie Rückfahrt gewährt, wosür der Stempelabdruck einer dem Verein für Handel und Gewerbe angeschlossenen Firma auf dem übergebenen Fahrschein als Ausweis dient. — Alle Achtung für den neuen Propagandageist der Schwerter Geschäftswelt. Aber was gedenken die Geschästsleute im Amte Westhofen, insbesondere in der Stadt Westhofen, zu tun, um die Kundschaft in ihren Mauern zu behalten. Etwas mehr Reklame könnte auch hier nicht schaden. Fußbef! Der große Wurf gelungen! BfB. Grüne 1.— Alemannia 1. 1:3(1:1). Es war ein Kampf, der von Anfang bis zum Ende mit allem Einsatz der Kräfte durchgeführt wurde. Die Alemannen haben bewiesen, daß auch ein VfB. Grüne auf eigenem Platze zu schlagen ist. Dieses war in den Meisterschaftsspielen das erste Mal, daß es überhaupt jemals einem Verein gelungen ist. Bis zur Halbzeit stand das Spiel 1:1. Aber nach Wiederanstoß gaben die Alemannen den Ton an; vier Tore wurden noch getreten, jedoch nur zwei gewertet. Zum Spiel selbst: Alemannia hat Wahl und nimmt Sonne und Wind zum Bundesgenossen. Die Grüner, welche demnach Anstoß hatten, leiteten einen guten Angriff ein. Die Hintermannschaft war auf der Hut. Bald mußte der Hüter der Gastgeber eingreifen. Der Hüter der Grüner kann bestimmt als der beste Mann angesprochen werden. In der 15. Minute mußte auch er hinter sich greifen. Und weiter gab es bis zur Halbzeit nichts. Nur das von den Grünern der Ausgleich getreten wurde. Nach Wiederanstoß wurde um den Sieg gekämpft. Kaum 5 Minuten Spiel: Elfmeter für Alemannia. Repkow schießt, doch der Grüner Torwächter stellt seine Klasse unter Beweis, denn er hielt das Leder sicher in seinen Armen. Dieser Erfolg war ein Zeichen der Gastgeber; denn für eine kurze Zeit beherrschten sie das Feld. Doch dann trat das Verhängnis ein. Es wurden noch vier Tore getreten, jedoch nur zwei gewertet. Mit dem Schlußpfiff verließen die Alemannen als Sieger den Platz und gleichzeitig auch als Tabellenführer. Das Spiel der zweiten Mannschaft in Hennen wurde wegen zu später Benachrichtigung nicht ausgetragen.— Die erste Jugend konnte Iserlohn 11 1:0 schlagen, die zweite dagegen mußte eine 4:0=Niederlage hinnehmen. Deutsche Turnerschaft Mamdtuit Auf der ganzen Linie siegreich. Eintracht Lütgendortmund 1.— Holzen 07 1. 1:4(1:1). Man ist ja an Ueberraschungen gewöhnt, aber das die Holzener auf dem gefährlichen Gelände in Lütgendortmund die als äußerst spielstark bekannten Eintrachtler besiegen würden, daran hatte wohl keiner gedacht. Und dennoch geschah es, die Holzener zeigten Leistungen, die niemand erwartete. Als die größe Ueberraschung entpuppte sich Pitzer als Linksaußen. Hentschel als Mittelläufer und Mannschaftsältester(31 Jahre) zeigte auch gestern seine alte Form und bildete das Rückgrad der Mannschaft. Kleeschulte im Tor verblüffte seinen Gegner durch seine kolossale Ruhe und trug viel zum Siege bei. Im großen ganzen, die 07er zeigten eine zu Hoffnung berechtigte Leistung. Der Platzverein bot ebenfalls eine große Leistung. Der Schiedsrichter Heister=Brambauer zeigte sich jeglicher Situation gewachsen. Sofort nach Anwurf wird ein schnelles Tempo vorgelegt. Pitzer erwischt den Ball und kann durch einen präzisen Schrägwurf das erste Tor werfen. Der Platzverein läßt sich jedoch nicht entmutigen und durch einen plötzlichen Dadurch wirft er den Ausgleich. Trotz beiderseitiger Anstrengung bleibt das Ergebnis bis zur Halbzeit bestehen. Nach der Pause kämpften die 07er mit dem Wind im Rücken und können das Spiel leicht überlegen gestalten. Trotz der tapseren Gegenwehr des Platzvereins kommen die 07er gut vor und Siebald als Halblinks kann das zweite Tor werfen. Der Gastgeber wirft jetzt alle Reserven ins Feld aber 07°s Hinterreihe ist auf der Hut und läßt sich nicht überrumpeln. Im weiteren Spielverlauf kann Pitzer noch zwei Mal den Ball ins Netz befördern und als verdienter 1:4=Sieger verlassen die 07er den Platz. Ein schöner, spannender Kampf ist zu Ende. Westfalia Hombruch 1.— Holzen 07 2. 0:2(0:1) Wer mit einer Niederlage der Holzener gerechnet hatte, wurde sehr enttäuscht. Die 07er boten eine große Leistung und zeigten wohl das beste Spiel in dieser Saison. Der Sturm sowie die Hinterreihe arbeiteten mit Hergabe sämtlichen Könnens. Kritzler im Tor zeigte sich allen Situationen gewachsen und ließ sich nicht überrumpeln. Kämpft die Mannschaft in Zukunft mit demselben Elan, so dürfte noch mancher Punkt dem Konto gutgeschrieben werden. Tv. 1861 Hörde 1. Schüler— Holzen 07 1. Schüler 3:4(3:1). Auch 07's Jüngsten zeigten sich ihrem körverlichen Gegner überlegen und konnten einen weiteren, wenn auch knappen Sieg eringen. A. T. V. Dorstfeld 1.— Wellinghofen 05 1. 6:0. Germania Lütgendortmund 1.— Tam. Dortmund 1. 3:0. Jahn Brechten 1.— Eintracht Brambauer 1. 2:1. Gauklasse. A. T. V. Dorstfeld 2.— Westfalia Somborn 1. Dorstfeld ist kampflos Sieger, da Somborn nicht antrat. Germania Lütgendortmund 2.— Tam. Dortmund 2. 0:2. Für Lütgendormund gewonnen, da Tam. mehrere nicht spielberechtigte Gegner zur Stelle hatte. Arminius Marten 1.— Eintracht Lindenhorst 1. 5:1. A. T. B. Unna 1.— Hamm 77 1. 5:1. Friesen Bergkamen 1.— Jahn Ahlen 1. 2:1. Ahlen verliert die Tabellenspitze. Aus Wöshalen und dem Rachbar-Previzen Aus Groß=Dortmun) Die Wohnungsluxussteuer abgelehnt! Das Ministerium des Innern hat nach einer Mitteilung des Oberbürgermeisters der Dortmunder Stadtverwaltung mitgeteilt, daß Wohnungsluxussteuer=Ordnungen von der Aussichtsbehörde nicht genehmigt werden.— Die Biersteuer dagegen ist mit Gültigkeit vom 1. November 1930 von der Aussichtsbehörde genehmigt worden. ! Syburg. Neueinweihung der wiederhergestellten Kirche in Syburg. Die Neueinweihung der alten Wittekindkirche in Syburg, an der seit einem Jahre umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten vorgenommen worden sind, soll am Sonntag, den 16. November, stattfinden und mit einer größeren Gemeindefeier verbunden werden. Neben vielen anderen Ehrengästen wird Generalsuperintendent D. Zöllner=Münster an der Feier teilnehmen und vom Altare aus eine Ansprache halten. Die Festpredigt hat Pastor D. Mumm, der sich um die Beschaffung der Baugelder, die die kostspieligen Wiederherstellungsarbeiten ermöglichten, sehr verdient gemacht hat, übernommen. Die neue Orgel wird von dem bekannten Tonkünstler Gerhard Bunk=Dortmund gesvielt werden. Ferner wirkt der Bach=Chor aus Dortmund durch Darbietung einiger Chöre mit. Anschließend an die Feier in der Kirche fir det eine Nachfeier mit gemeinschaftlichem Kafsectrinken im Saale der Wirtschaft Küper statt. Neben Ansprachen der Vertreter kirchlicher und weltlicher Behörden werden der hiesige Kirchenchor und der Jungmädchenverein zur Verschönerung dieser Feier beitragen. dazu, doch seinen Namen auf ein Blatt Papier zu schreiben, damit man sehen könne, daß er ihn besucht habe. Kiep schrieb darauf seinen Namen auf ein leeres Blatt Papier. Der Betrüger versah den Zettel mit dem Vermerk: „Zahle an Ueberbringer 500 Mark“ und hob diesen Betrag von dem Sparkassenbuch des Kiep in Capellen ab. Das Kliver Schöffengericht gab ihm den nötigen Denkzettel. h Minden. Das Opfer einer Wette. einer Wirtschaft in Meißen schloß ein junger Handwerksbursche eine Wette ab, daß er ein Glas mit den Zähnen zerbeißen werde. Dabei zog er sich schwere Verletzungen am und im Munde zu. Der Blutverlust war so stark, daß er besinnungslos zusammenbrach. Man brachte ihn ins Krankenhaus. h Alfeld. Ein Seelöwe besichtigt den Markt. Als morgens Tierwärter die Ruhesche Großtierhandlung betraten, waren zwei Seelöwen spurlos verschwunden. Nach langem Suchen wurde das eine der Tiere auf dem Marktplatz entdeckt, wo es sich zweifellos das Wochenmarktleben ansehen wollte. Der zweite Ausreißer fand sich versteckt in einem Winkel des Ruheschen Tierparks. h Onabrück. Rätselhaftes Verschwinden. Zwischen mehreren jungen Leuten entstand am Sonntag in Wissingen ein Streit, in den u. a. auch der 20jähr. Sohn des Arbeiters N. aus Linne verwickelt war. Gegen 1 Uhr nachts verließ dieser junge Mann die Wirtschaft, um sich nach Hause zu begeben. Hier ist er jedoch seit diesem Zeitpunkt nicht mehr gesehen worden. Ob er nun von den nachfolgenden Streithähnen erschlagen und versteckt worden ist oder ob ihm ein Unheil zugestoßen ist, wird die Untersuchung ergeben müssen. h Büren. Diebe zünden aus Rache eine Scheune an. Die massive Scheune des Landwirts Schütte=Schreiber brannte in der Nacht vollkommen nieder. Als Ursache des Feuers kommt vorsätzliche Brandstistung in Frage. Der Landwirt Schütte=Schreiber hatte nämlich wenige Tage vorher zwei Burschen bei einem Einbruch in sein Wohnhaus überrascht und sie durch zwei Schrotschüsse angeschossen. Es steht also die Vermutung nahe, daß die Täter aus Rache hierüber den Brand angelegt haben. h. Herue. Im Strudel ertrunken. Beim Ueberschreiten eines Steges der Südschleuse 7 des Rhein=Herne=Kanals stürzte ein Mann in das Wasser der Schleuse, die gerade gefüllt wurde. Von dem sich bildenden Strudel wurde er erfaßt und in die Tiefe gerissen, so daß er ertrank. a. Opherdicke. Einbeziehung der Postagenturen in Opherdicke und Hengsen nach Unna. Wie wir erfahren, ist man bei der höheren Postbehörde in die Untersuchung darüber eingetreten, ob man nicht die Postagenturen in Opherdicke und Hengsen postalisch von Unna aus versorgen kann. Es ist geplant, sie von Unna aus auf dem Wege der Kraftposten zu bedienen. h. Lippstadt. Eine grausame Mutter. Auf dem Frauenabort des hiesigen Hauptbahnhofes wurde die Leiche eines Kindes männlichen Geschlechts gefunden. Die Leiche war in ein Handtuch gewickelt und in den Klosettrichter gesteckt, der dadurch verstopft wurde. Beim Reinigen der Toilette wurde dann der kleine Corpus gefunden. Bisher konnte die grausame Mutter noch nicht ermittelt werden. 1 Lage i. Lippe. Eine Unverschämtheit. In der Nacht drangen Diebe auf das Gehöft des Landwirts Johanning in Ohrsen ein. zündeten in den Ställen und Garagen die Lichter an, bespannten einen modernen Kutschwagen mit zwei wertvollen Pferden und fuhren davon. Bisher ist über den Verbleib der Täter noch nichts bekannt geworden. Auf ihre Ergreifung ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. h Münster. Schneefall im Münsterland. Nach einer recht kalten Nacht setzten im Münsterland bei 1 Grad Wärme und nördlichen Winden gegen Morgen Schneefälle ein. Stellenweise fiel der Schnee so dicht, daß die Landschaft vollkommen in weiß gehüllt war. Es dürfte dies der erste Schneefall in diesem Jahr in der norddeutschen Tiefebene sein. d Münster. Zuchthaus für einen Diebstahl. Wieder einmal stand der 27jährige Arbeiter August Schmitz aus Oeynhausen vor dem Richter. Nachdem er erst zwei Wochen vorher aus dem Gefängnis in Paderborn entlassen worden war, versuchte er bei Nichtern aus dem Auto des Kaufmanns Lenz Anzugstoffe im Werte von 300 Mark zu stehlen. Gleich darauf wurde er aber abgefaßt und festgenommen. Da Rückfall vorlag— der Angeklagte hat bereits 10 Vorstrafen wegen Eigentumsvergehens —. verurteilte das Gericht ihn zu einem Jahre Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust. Schmitz quittierte die Strafe mit den Worten:„Komödianten, erbärmliche Gesellschaft! Ehe ihr mich im Zuchthaus habt, gibt es noch Tote in Münster!“ h Münster. Dem Gegner das Auge ausgeschlagen. Der 23jährige Tiefbauarbeiter Josef Wösmann aus Altlünen geriet mit dem 56jährigen Arbeiter Heinrich Höltmann in einen Streit und Schlägerei, wobei er dem Höltmann derart ins Gesicht schlug, daß das Auge platzte und entfernt werden mußte. Wegen dieses Roheitsaktes hatte er sich vor dem Schöfsengericht in Münster zu verantworten, das ihn mit Rücksicht auf seine Jugend zu vier Monaten Gefängnis verurteilte. w Krefeld. Ein gemeiner Betrug. Der Landwirt Johannes Hemmers aus Krefeld besuchte einen im Hospital liegenden alten Mann namens Kiep. Er bewog den Kranken Schwerte, den 10. November 1930. Am 1. November ds. Is. waren 25 Jahre vergangen, seitdem die Ortsgruppe Schwerte im D. H. V. ins Leben gerusen wurde. Und heute muß man feststellen, daß sich diese Ortsgruppe innerhalb eines Vierteljahrhunderts beachtlich entwickelt hat und nennenswerte Fortschritte zu verzeichnen sind. Daß dieses Gründungstages in einer der Zeit angepaßten Weise in einer schlichten Feier gedacht wurde, ist nur zu verständlich und so war es dem letzten Samstag abend vorbehalten, die Mitglieder in festlichen Stunden zu vereinen anläßlich des 25jährigen Bestehens der hiesigen Ortsgruppe im D. H. V. Ueberaus zahlreich hatte man sich im Saal des „Westf. Hofes“ eingefunden, der einen ansprechenden Schmuck erhalten hatte. Auf den weißgedeckten Tischen bemerkte man Blumenschmuck und Tannengrün, während über der Bühne auf dunklem Grunde die Zeichen des D. H. V. sowie die Zahl„25“ wirkungsvoll angebracht waren. Bald war auch das letzte Plätzchen besetzt und das D. H. V.=Orchester Dortmund, das eine starke, vorzügliche Besetzung aufzuweisen hatte, eröffnete die Vortragsfolge mit dem Prinz Eitel Friedrich=Marsch und der Ouvertüre zur Oper„Peter Schmoll“(Weber) in exakter, klangreiner Manier. Der Vorspruch, der von Herrn Kramer gut wiedergegeben wurde, berichtete in knappen, geschickt gewählten Worten die Ziele des D. H. V. und die große Arbeit, die er bisher geleistet hatte. Dann hielt der 1. Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Herr Grothstück, die Begrüßungsansprache und hieß alle Anwesenden auf das herzlichste willkommen. Sein Gruß galt besonders Herrn Küster als Vertreter des Magistrats, Herrn Keim als Vertreter des Werkmeisterbundes, Herrn Kaiser vom K. K. V.„Hansa“, den Herren Trinthammer und Lecking von der kaufmännischen Berufsschule, dem Festredner, Herrn Kreisgeschäftsführer Fuchs, Elberfeld, der gleichzeitig im Auftrage der Gauleitung erschienen war, den Kollegen aus den benachbarten Ortsgruppen, sowie der Presse. Nicht aus Vergnügungssucht habe man dieses Fest arrangiert, sondern der Verband wüßte, was er seinem Ansehen schuldig sei. Mit einem gewissen Optimismus habe man trotz der Schwere der Zeit diesem Abend entgegengesehen und nun beweise der zahlreiche Besuch, daß man recht gehabt habe. Was 25 Jahre DHV. bedeuteten, könne nur der ermessen, der selbst in der Bewegung stehe. Redner teilte mit, daß zu diesem Tage mehrere Begrüßungsschreiben und Telegramme eingegangen seien, so von der Verwaltung in Hamburg, vom Gauvorstand, vom 1. Vertrauensmann und Mitbegründer der Ortsgruppe Schwerte(jetzt in Herne wohnhaft), von den Ortsgruppen Mülheim(Ruhr), Lünen, Barop, Kreis= und Ortsgruppe Hagen, vom Ortskartell der christlichen Gewerkschaften Schwerte, vom Bund der christlichen Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands, Ortsgruppe Schwerte, sowie von der hiesigen Gruppe des christlichen Metallarbeiterverbandes. Ihnen allen dankte Herr Grothstück für ihre Anteilnahme an diesem festlichen Geschehen. Im Auftrage des Magistrats und des Bürgermeisters überbrachte Herr Küster Grüße und Wünsche. Er sei gern nach hier gekommen, zumal er vor ca. 30 Jahren das Glück gehabt habe, die Hagener Ortsgruppe mit zu begründen. Selten habe ein Verein solchen Aufschwung genommen, wie gerade der DHV. und er habe Vorzügliches aufzuweisen. Die hiesige Ortsgruppe, die heute ca. 135 Mitglieder zähle, dürfe mit Stolz auf ihre Gründung zurückblicken.— Er brachte ein Heil auf den DHV. und den Jubelverein aus, mit dem Wunsche, daß er auch weiter blühe, wachse und gedeihe. Als Vertreter des K. K. V.„Lansa“ sprach Herr Kaiser herzliche Glückwünsche aus, desgleichen der Leiter der Hörder Ortsgruppe, Herr Emde. Rektor Lecking als Leiter der BeS. in Schwerte rufsschule dankte für die Einladung und verband damit die Glückwünsche zu diesem Tage und für die Zukunft. Handlungsgehilfenverband und Berufsschule gehörten zusammen und stets habe ein gutes Verhältnis bestanden. Seit dem 25jährigen Bestehen der Berufsschule bis zum 1. April 1929 seien viele junge Kaufleute durch die Schule gegangen. Er hoffe, daß auch weiterhin das gute Verhältnis so bestehen bleiben möge. Herr Keim vom Werkmeisterbund übermittelte dem Jubelverein ebenfalls herzliche Glückwünsche und verband damit die Hoffnung, daß der DHV. auch künftig im Sinne der Angestelltenschaft tätig ist. Die dann folgenden Sprechvorträge„Archibald Douglas“ und„Aus Sturmes Not“ des Vortragsmeisters Walther Kuhlmann, Wanne=Eickel, hinterließen einen starken Eindruck, wurden mustergültig wiedergegeben und fanden ein dankbares, aufnahmefreudiges Publikum. Der Kreisgeschäftsführer Fuchs=Elberfeld hielt eine überaus eindrucksvolle Festan sprache. Zunächst überbrachte er namens der Gauleitung der Ortsgruppe Schwerte herzliche Glückwünsche und betonte, daß er mit besonderer Freude nach hier gekommen sei, zumal er schon wiederholt Gelegenheit gehabt hätte, hier verbandlich zu wirken und den starken DHV.= Geist in Schwerte kennen zu lernen. Trotz gewisser Hemmungen, die man mit Rücksicht auf die Zeit empfinde, trotz der Notzeit, die über dem Vaterlande herrsche, trotz der Sturmeswolken, die sich am Horizont des deutschen Himmels aufgetan hätten, trotz des Einbruchs einer Wirtschaftskrise und der ungeheuren Not des Einzelnen habe man dieses Fest arrangiert. Da sei die Frage wohl erlaubt, ob man Feste feiern dürfe? 3½ Millionen Menschen mit der sittlichen Aufgabe, im Dienste der Volksgemeinschaft arbeiten zu wollen, seien zwangsweise aus dem Produktionsprozeß ausgeschlossen worden. Hier stehe die sittliche Not riesengroß vor uns, die an das Mark des Volkes greife. Auf der anderen Seite entwickele sich ein übersteigerter Radikalismus. Unter diesen 3½ Mililonen Arbeitslosen befänden sich Hunderttausende von jungen Menschen zwischen 18 und 20 Jahren, die den ungeheuerlichsten Gefahren ausgesetzt seien. Müßiggang sei aller Laster Anfang. Diese Menschen seien jedoch nicht selbstschuldnerisch in diese Gefahr gekommen, sondern hier handele es sich um Opfer der wirtschaftlichen Lage. Nun feiere man heute das 25jährige Jubelfest der hiesigen Ortsgruppe. Das bedeute 25 Jahre Kampf, Opferbereitschaft, unerschütterlicher Glauben, Treue der Idee und zähe Kleinarbeit, nicht wissend, ob aus der Arbeit einmal die Ernte hervorsprießen werde. Das bedeute auch den Glauben an den Sieg der Idee, die in uns lebe vom ersten Gründungstage des DHV. (1897), wo sich 23 Handlungsgehilfen in Hamburg zusammengefunden hätten. Auch mit den Getreuen in Schwerte sei jener Glaube, jener Idealismus und jene Unerschütterlichkeit 25 Jahre hindurchgegangen und der Erfolg habe nicht auf sich warten kassen. Das alte Bismarckwort sei ein besonderer Wesenszug des DHV.: „Wir sind nicht auf der Welt, um zu genießen, sondern um unsere Pflicht zu erfüllen...“ Der kantische Imperativ:„Du mußt!“ sei das Leitmotiv des Verbandes und der hiesigen Ortsgruppe stets gewesen. Aber wo sei der sittliche Wert dieses Wortes geblieben? Weite Kreise des Volkes seien heute auf Genuß eingestellt. Hinter diesem wuchte jedoch das graue Elend. Es sei die schwerste Not, daß Hunderttausende zusehen müßten, wie andere Volkskreise im Genuß leben, nicht wissend, daß sie auf einem Vulkan tanzten und der Boden unter ihnen schwanke. Dem Verband sei Pflichterfüllung das oberste Gebot und diese hätte auch den Grundstein für die Gründung der hiesigen Ortsgruppe gelegt. Neben dem sittlichen Begriff der Pflichterfüllung komme auch der Glaube an den Sieg der guten Sache in Frage. Aus 23 unbede.n.nden Handlungsgehilfen seien 412000 Verbandsangehörige geworden. Der damals gegebene Wechsel sei voll und ganz eingelöst worden und der DHV. werde mit aller Kraft daran arbeiten, daß die soziale Not gemildert und beseitigt werde. Der Jugend wurde ein gesellschaftlicher Unterbau gegeben und beste Heranbildung zum gewählten Berufe. Pflichtersüllung und Glaube seien sittliche Werte vom höchsten Ausmaße. Herr Fuchs kam dann auf den Hader und die Uneinigkeit in unserem Vaterlande zu sprechen. Es müßte wieder dahin kommen, daß alle an einem Strange ziehen. Hinter den Worten müßte die erarbeitete Tat stehen. So sei auch am heutigen Abend zu wünschen, daß die sittlichen Werte der Pflichterfüllung und des Glaubens weiterhin treueste Wegbereiter sein mögen. Dann würde sich auch die hiesige Ortsgruppe als Reis am stolzen Eichbaum des D. H. V. günstig entwickeln, fest verwurzelt in einer christlichen und nationalen Weltanschauung. Redner schloß seine Worte mit einem Vers des Dichters Bogislav von Selchow, dann wurde gemeinsam das Verbandslied gesungen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Dortmund, Dohrmann, fand ebenfalls beherzigenswerte Worte. Der DHV. habe sich stets als Glied des Volksganzen gefühlt und wolle auch in dem bisherigen Geiste weiterkämpfen. Nach der Wiedergabe des Gedichts„Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben“ und einem ausgebrachten Heil auf das Vaterland nahm das Programm seinen Fortgang. Musikstücke wechselten miteinander ab und der Vortragsmeister Walther Kuhlmann trug durch äußerst humorvolle plattdeutsche Rezitationen sehr zur Hebung der Stimmung bei. Rektor Lecking gab im Schwerter Platt einige Anekdoten zum Besten, die starken Beifall auslösten. Dann kam die Fidelitas voll zu ihrem Recht. Man wurde nicht müde, dem Tanze eifrigst zuzusprechen und erst in vorgerückter Stunde schied man voneinander mit der angenehmen Ueberzeugung, den Festabend des DHV. in einer äußerst schönen Weise begangen zu haben. L=x. hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 11. November 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 11,20: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderstunde. 16,05: Sankt Martin und der Bettler auf der Himmelsleiter. 16,35: Mitteilungen aus dem Schulfunk. 16,50: Aus dem Leben der höheren Schule. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Für den Landwirt. 19,15: Französische Unterhaltung. 19,40: Aus der Praxis der Reichsunfaslversicherung. 20,00: Meister der Operette. 20,45: Erste Abendmeldungen. 21,00: Die Brautschau. Humer — Alt=Berliner Volkswitz. Als im Jahre 1818 der vom Fürsten Radziwill komponierte„Faust“ bei Hofe aufgeführt wurde, spielte der bei den Berlinern nicht eben sehr beliebte Herzog Karl von Mecklenburg die Rolle des Mephisto, und zwar ganz vorzüglich. Am selben Abend fand man nun an einigen Straßenecken Plakate angeschlagen, auf denen geschrieben stand: „Als Mensch, als Fürst, als Feldherr schofel, Vortrefflich nur als Mephistofel!" fh. * Fritzchen(einem Schlangenmenschen zuschauend):„Mutter, der muß aber weiche Knochen haben". Mutter:„Gewiß, mein Junge.“ Fritzchen:„Dann hat er sicher früher lange im Essig gesessen.“ Mutter:„Wie kommst du denn auf eine solche Idee?“ Fritzchen:„Das ist doch einfach und logisch. Man legt doch die Heringe auch in Essig, damit die Gräten weich werden.“ Auflösung des Kreuzworträtsels aus der Samstag=Rummer Koman von Kurt Seischer„Vater und Sohn“ 8. Fortsetzung Nachdruck verboten. Da ging in den Zügen des Bauern eine seltsame Veränderung vor. Alle Starrheit und Verbissenheit wich; ein warmer Schein blinkte in seinem Auge, ein leises Lächeln milderte die strengen Linien seines Mundes. Von Tier zu Tier trat er, gab der einen Kuh einen leichten Klaps auf den Rücken, kraute jener fast zärtlich hinter dem Ohr, sprach mit ihnen wie mit guten Freunden. Ja, die Bauern im Dorfe unten hatten wohl recht, wenn sie meinten, der Robert Zeidler sei im Oberstübel nicht mehr ganz richtig. Und dabei war er doch ein Mann in en besten Jahren. Elftes Kapitel. Der Bauer hat mit Gott und der Welt abgeschlossen. Pfarrer Kliem stieg bedächtig den Abhang empor, auf dessen Wiesenbreite das Zeidleranwesen lag. Immer wieder überdachte er, wie er wohl am besten an den seltsamen Menschen herankommen könnte, der dort oben so ganz abseits, so völlig anders als alle übrigen Dorfbewohner hauste. Bis jetzt hatte er vergeblich bei ihm anzuklopfen versucht, hatte seit jenem trüben Begräbnis vor acht Jahren keine Fühlung mehr mit dem Bauer bekommen, hatte die kleine Anna ohne des Vaters Beisein damals getauft, als die Schwiegermutter das mutterlose Kind zum Taufstein brachte. So etwas war ihm in seiner langjährigen Amtstätigkeit noch nicht begegnet. Im allgemeinen äußerten diese einfachen Gebirgsmenschen bei einem Todesfall in der Familie anfangs zwar einen lebhaften Schmerz, dann aber überwanden sie bei dem täglichen Schaffen um das liebe Brot zumeist bald die Trauer. Dieser Robert Zeidler schien nun einmal über den Tod seiner Frau nicht hinwegkommen zu können. Gewiß, dieses rührende Gedenken ehrte ihn, wenn er nur nicht seine Gemeinde durch allerhand Tun und Reden immer unruhiger gemacht hätte. Daß der Bauer nicht zur Kirche kam, mußte in Kauf genommen werden; daß er aber neuerdings sein an sich seltenes Zusammentreffen mit den Dorfleuten noch dazu benutzte, um gegen Pfarrer und Kirche zu spotten, das ging so nicht weiter. Und nun verstörte er offenbar noch seines Kindes Gemüt mit allerhand unchristlichem Geschwätz. Heute mußte er ihm Rede und Antwort stehen, koste es, was es wolle. Ein leichter Gang war es für Pfarrer Kliem nicht. Das Anwesen lag wie ausgestorben; nur ein wie rasend bellender Köter zerrte an seiner Kette, als er den Ankömmling bemerkte. Die Haustür war verschlossen, auch eine sonst kaum vorkommende Erscheinung in diesen Gebirgsorten. Der Pfarrer pochte vernehmlich an die Tür, was den Hund zu immer wütenderem Toben anfeuerte. Der Versuch eines Klopfens an eine der kleinen Fensterscheiben blieb auch ohne Erfolg. Ratlos blickte sich der Pfarrer um, ob nicht irgendein Mensch in der Nähe sichtbar würde. Schließlich schritt er um das Gehöft herum. Richtig, da stand die Tür zum Heuboden offen, von dem aus er auf einer Art Rampe unmittelbar auf die hinter dem Hause ziemlich steil ansteigende Berglehne gelangen konnte. Aber auch jetzt dauerte es noch eine geraume Zeit, ehe sich ein lebendes Wesen sehen ließ. Endlich guckte ein blondes Köpfchen aus dem dunklen Türeingang hervor. Erstaunte Blicke trafen den Pfarrer, und als der gerade dem Kinde etwas zurufen wollte, verschwand es blitzschnell im Bodendunkel. Da hörte er das rhythmische, freilich wenig angenehme Quietschen einer„Radwer“ hinter sich vom Berghang her. Als er sich umsah, erblickte er den Bauer, der eine hochgestopfte Heulast auf dem schwankenden einrädrigen Gefährt, mit dem Rücken sich ob des steilen Abfalls mit aller Kraft dagegen stemmend, heimbeförderte. Einen Augenblick blieb der Bauer stehen. Er musterte den Pfarrer mit halb zugekniffenen Augen, setzte sich dann wieder in Bewegung und wollte grußlos an dem Manne vorüber. Schon hatte er einen Fuß auf die Rampe gesetzt, da trat der Pfarrer auf ihn zu, zog den Hut und rief:„Guten Tag, Herr Zeidler! Ein schönes Heu bringen Sie da heim.“ Zeidler verhielt erstaunt den Schritt, setzte die Karre ab und legte die Hand lässig an die Hutkrempe.„Gun Tag ooch“, brummte er.„Nu ja, doas Gras is gutt gecaten.“ „Lieber Herr Zeidler, könnte ich Sie in einer wichtigen Angelegenheit ein paar Minuten sprechen?" Der Bauer blinzelte ihn an, wiegte den Kopf hin und her.„Eigentlich hab' ich keene Zeit nich, aber weil's die letzte Radwer is, die ich einfahre, da können wir ja meinswegen hernach a wing reden. Aber jetze fahr' ich erscht das Gras'rein“, zog den Haltegurt über der Schulter zurecht, griff nach der Karre und schob sie langsam über die Rampe der Bodentür zu. Und Robert Zeidler beeilte sich keineswegs. Mit der ganzen Bedächtigkeit des Gebirglers lud er danach auf dem Boden die Heulast ab, gabelte sie der oben im Gesperr wartenden Schwiegermutter zu und achtete kaum auf seine Tochter, die sich unten in dem duftenden Grassegen herumwälzte. Nach etwa fünfzehn Minuten erschien Zeidler wieder im Dunkel des Bodeneingangs, winkte dem Pfarrer mit der Hand.„Na, da kommen Se ok nähnder; wir können glei hier über die Stiege nunter in a Hof.“ Dem Gerufenen blieb nichts anderes übrig, als den angegebenen eigenartigen Weg über Rampe, Bodengebält und eine halsbrecherisch steile Holztreppe hinab nach dem Wirtschaftshof und von da am Misthaufen und der Düngergrube vorbei nach dem Hause einzuschlagen, das mit dem Kuhstall ein Ganzes bildete. „Na, und nu, was wollen Se denn, Herr Paster?“ fragte der Bauer mit knarriger Stimme, als sie endlich in der Stube neven der Küche gelandet waren. Der Geistliche hatte sich auf einen der weißgescheuerten Holzstühle gesetzt, die Hände auf den Bergstock gestützt. Er warf einen prüfenden Blick auf Zeidler, der, die Hände in den Hosentaschen, mit zusammengekniffenen Lippen am Kachelofen lehnte und ab und zu nach einer der dort zahlreich sitzenden Fliegen haschte. Der Geistliche hatte nun lange genug gewartet; er wollte ohne viele Umschweife auf sein Ziel losgehen. „Herr Zeidler. Sie waren einmal früher, vor vielen Jahren, bei mir, weil Sie sich in Ihrem Innern bedrückt fühlten. Es war kurz nach dem Tode Ihrer Mutter. Erinnern Sie sich noch daran?“ „Warum sollt' ich mich denn nich erinnern; ich bin doch kein Schwachkopp“, brummte der Bauer und haschte wieder nach einer der Fliegen. „Habe ich Ihnen damals nicht aufgeholfen, aus Ihrer Bedrängnis zu kommen?“ Zeidler sandte dem Geistlichen einen stechenden Blick zu; dann fuhr es ihm grob heraus:„Nee, Herr Paster, Ihr Rezept war nich richtig. Im Anfange ging's noch; ich sollte so recht sicher gemacht werden. Acht Jahre hat sie gebraucht, um sich zu rächen.“ „Von wem sprechen Sie denn, Herr Zeidler? Wer sollte sich denn gerächt haben?“ „Meine Mutter selig oder unselig, wie man's nimmt.“ Seine Faust ballte sich. „Aber um Gottes willen, wie können Sie denn so von Ihrer verstorbenen Mutter sprechen! Gewiß, sie war eine eigenartige Natur; aber Sie erzählten mir doch selbst, wie oft sie in Gottes Wort Kraft und Trost gesucht hat. Nein, es ist schon recht mit dem Spruch: Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn; ich will vergelten, spricht der Herr!" „Oha, Herr Paster, dann hat sich also der Herrgott selber an mir gerächt; ein sonderbarer Herrgott is das.“ „Mann, versündigen Sie sich nicht; in Ihrer sinnlosen Verbitterung haben Sie jeden Maßstab für eine vernünftige Beurteilung der Geschehnisse verloren", fuhr der Geistliche erregt auf.„Vor allem aber möchte ich Sie warnen, Ihren Gefühlen meinen Gemeindemitgliedern gegenüber allzu freien Lauf zu lassen. Es sind mir in letzter Zeit wieder mehrere Beschwerden zugegangen; am unverantwortlichsten aber finde ich Ihr Verhalten Ihrer kleinen Tochter gegenüber. Ihre Schwiegermutter führt das Kind, wie es sich gebührt: zu Gott hin. Und Sie verstören durch spöttische, an Lästerung streifende Reden nicht nur das Gemüt Ihres Kindes; nein, Annchen äußert selbst in ihrer inneren Zersplitterung vor ihren Mitschülerinnen Ansichten, wie ich sie unmöglich dulden kann. Herr Lehrer Anders ist ebenso empört wie ich.“ Robert Zeidler hatte während der erregten Worte des Seelsorgers in aller Ruhe weiter dem Geschäft des Fliegenfangens obgelegen. Als der Geistliche schwieg, drehte er sich lässig halb herum und sagte über die Schulter weg:„Sind Sie nun fertig mit Ihrem Spruch?“ Pfarrer Kliem fuhr empört von seinem Stuhle in die Höhe; seine Wangen röteten sich im Zorn.„Wie können Sie es wagen, mit mir in einem derartig verletzenden Ton zu sprechen! Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie Sie sich an meiner mir von Gott anvertrauten Gemeinde und an Ihrem eigenen Fleisch und Blut versündigen.“ „Nu hören Sie ok auf, Herr Paster.“ Zeidler trat an den Tisch heran, neben dem der Geistliche stand, stützte sich schwer auf die Platte und bohrte seine Blicke in die Augen des anderen. Es lag etwas unverhohlen Feindseliges in diesen glühenden Männerblicken. „Mit Gott und allem, was da drum und dran hängt, mit a Pastersch und der Kirche bin ich fertig; ein Gott, der mir um nischt und wieder nischt, um an dummen Kinderball mir mein Liebstes auf der ganzen Welt wegnahm, mit so einem Gott will ich nischt zu tun haben. Ob die andern im Dorfe an ihn weiter glauben, das is mir schnuppe. Aber das Maul laß ich mir nich verbieten.“ „Herr Zeidler, ich kann Sie nur aufs tiefste bedauern; auch Sie werden sich noch einmal besinnen, sich zu Gott und seiner Kirche zurückfinden. Diese Hoffnung gebe ich nicht auf; je größer die Schuld, um so tiefer auch die Reue. Es wird Ihnen schwer werden, wider den Stachel zu löcken.“ Der Geistliche hatte es mit immer wärmerer Anteilnahme gesprochen. „Und nun möchte ich Sie, lieber Herr Zeidler, um etwas bitten, recht herzlich bitten. Wenn Sie schon in Ihrem Innern noch nicht zur Ruhe kommen können, dann behalten Sie Ihre Gedanken wenigstens vor den Menschen und Ihrem Kinde streng verwahrt; noch einmal: ich bitte Sie herzlich darum.“ Robert Zeidler fühlte des Geistlichen Hand auf seiner Schulter ruhen. Es blieb lange still in der Stube, in der man nur das ruckweise harte Ticken der Kastenuhr vernahm. Der Bauer stand immer noch am Tische und starrte auf die Platte. Also schweigen sollte er! Nicht mehr spötteln über das. was andern heilig war! Nun gut, dann würde sich sein Leben noch stummer gestalten; ihm war es gleich. Langsam wandte er sich nach dem Geistlichen um, sagte, ohne ihn anzublicken, in seiner lässigen Art:„Nun meinswegen, wenn Sie es durchaus wollen, da werd' ich eben mein Maul halten; Ungelegenheiten möcht' ich Ihnen ja auch nich gerade machen.“ Das Letzte klang wärmer, als es der Sprecher wohl selbst gewollt hatte. Und Pfarrer Kliem hörte den wärmeren Unterton heraus, buchte ihn als das erste schüchterne Schwingen einer durch ein großes, noch immer nicht verwundenes Leid verstörten Seele. Er griff nach Zeidlers Hand. Aber der richtete sich straff empor, steckte die Hände in die Hosentaschen, kniff den Mund zusammen, daß er wie ein blutloser Strich das Gefältel des Gesichts durchschnitt, und streifte den Besucher mit einem kühlen, abweisenden Blick. Der Pfarrer war klug genug, nicht mehr verlangen zu wollen. Er trat zurück, nahm seinen Hut und wandte sich mit einem Lebewohl zum Gehen S Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle(Saale) Ob der Bauer ihm einen Gegengruß zum Abschied bot, konnte er nicht feststellen; denn kaum setzte er den Fuß über die Schwelle, da hob der Kettenhund wieder sein wütendes Kläffen an. Einen Augenblick verhielt der Geistliche seinen Schritt, ehe er zum Dorfe hinunterstieg. Wie schön lag das Tal vor ihm ausgebreitet! Es war so klar, daß man gegen Norden bis zu dem spitzen Kegel des Probsthainer Spitzberges zu schauen vermochte, der wie eine lichtblaue Zwergenmütze hinter den Kämmen des Bober=KatzbachGebirges hervorstach. Wie klein und verworren kam ihm all das menschliche Geschehen gegen diese Weite und Ruhe der Gotteswelt vor. Mußte nicht ein Blick in all die Pracht auch eines Zeidlers starres Herz zum Schmelzen bringen? Aber diesen Gebirgsmenschen sagte die Schönheit der Natur wenig oder gar nichts, weil sie zu ihrem Leben gehörte wie ein Alltagsgewand. Zwölftes Kapitel. Sie konnten zusammen nicht kommen... „Robert, wart' ein bissel, ich geh' ein Stückel mit“, rief eine helle Mädelstimme hinter einem hoch aufgeschossenen Jungen her, der einen geleimten Stuhl nach dem Hotel zum Lindenhof tragen sollte. Als er sich umwandte, sah er die halbwüchsige Tochter seines Meisters auf sich zulaufen. Um ihr frisches, pausbäckiges Gesicht flogen ein Paar dicke, braune Zöpfe; aus blitzenden dunklen Augen lachte ungetrübter Jugendfrohsinn. Des Jungen für sein Alter von siebzehn Jahren fast zu ernstes Gesicht erhellte sich sichtlich, als Pauline Heckert sich ihm anschloß und ihn mit gewohnter Gesprächigkeit über die eigene Schweigsamkeit hinwegzuhelfen suchte. Er betrachtete sie schweigend. Wie hübsch sich das Mädchen in den zwei Jahren herausgemacht hatte! Als er damals antrat, hatte sie ihn anfangs etwas kritisch gemustert und wenig beachtet. Seit er aber mit nie ermüdender Gefälligkeit ihre entzweigegangenen Puppen, deren Stühlchen und Tische, den Kaufmannsladen und anderes Spielzeug immer wieder instand setzte, hatte er bei ihr einen Stein im Brett. Unterdessen waren Puppen und Spielzeug auf den Boden gewandert, eingemottet für spätere Zeit, wenn Paulinchen einst selber Kleinvolk haben würde. Die Freundschaft aber zu Robert Zeidler war unverändert geblieben, schien noch frei zu sein von jeder anderen Regung, obgleich Pauline Heckert von ihren Schulfreundinnen bereits genugsam mit dem„Leimfritzen“ aufgezogen wurde. Robert Zeidler war bei der Schreiberhauer Dorfjugend nicht allzu beliebt. Den Kameraden war er zu duckmäuserig, machte keinen„Betrieb“ mit, ging nicht einmal ins Kino im Zackenfallrestaurant, und das schier Unverständlichste war: er rauchte sogar keine Zigaretten. Die meisten seiner Altersgenossen, sein Mitlehrling, ein pfiffiger, etwas dreister Bursche aus Marienthal eingeschlossen, beachteten ihn kaum. Und die Mädels im Dorfe hatten im Sommer und fast noch mehr im Winter sowieso seit der raschen Entwicklung Schreiberhaus zu einem der besuchtesten Kur= und Wintersportorte im Riesengebirge über das, was man zwischen fünfzehn und zwanzig Jahren unbedingt fürs Herz braucht, nicht zu klagen. Mancher von den fremden Wintersportlern machte der oder jener Gebirgsschönen verliebte Augen. Also brauchte man einen Robert Zeidler nicht; mochte der Leimfritze bei seinem Kleistertopfe bleiben. Nur Pauline Heckert, das Meistertöchterlein, hielt ihm, wie gesagt, nach wie vor die Stange. Mit dem Instinkt des erwachenden Weibes empfand sie das Besondere an dem wortkargen Jungen als seltsamen Anreiz. Daß er keineswegs ein Duckmäuser war, das hatte sie erst kürzlich erfahren. Stand sie da eines Abends im Halbdunkel vor der Haustür, um, wie sie es gern tat, ein wenig Umschau über die Straße zu halten. Da war ein junger Herr, ein wenig angeheitert, die Straße beim Schenkenstein herabgekommen, auf sie zugesteuert, hatte der scheu Zurückweichenden den Weg versperrt, den Arm um ihre Hüfte gelegt und schon die kußlüsternen Lippen gespitzt. Da bekam er einen tüchtigen Stoß vor die Männerbrust, taumelte zurück und durfte als Quittung ein grollendes Lachen einstecken. Als der Kußräuber sich ernüchtert umschaute, sah er, wie ein lang aufgeschossener, blaugeschürzter junger Mensch das Mädel sorgsam zur Tür geleitete. Seit dieser Stunde blickte Pauline Heckert geradezu mit Hochachtung zu Robert Zeidler auf. Nur eines wurmte sie. Wie oft schon hatte sie versucht, ihm einiges über seine Vergangenheit herauszulocken; aber sein Mund blieb verschlossen; immer wehrte er ab:„Laß nur, Paulindel.“ Irgend etwas stimmte da nicht. Es war doch mehr als sonderbar, daß er niemals nach Hause fuhr; dabei war sein Heimatdorf in anderthalb Stunden zu Fuß zu erreichen, und auch die Bahn verband seit ein paar Jahren die Dörfer. Von ihren Eltern hatte sie nur erfahren, daß Noberts Mutter schon seit Jahren tot war, daß der Vater sehr merkwürdig sein sollte und daß Robert noch eine jüngere Schwester habe. Das war natürlich gar nichts. Sie mußte mehr erfahren; und heute wollte sie es herausbekommen, koste es, was es wolle. Darum war sie ihm nachgelaufen. Auf der Zackenbrücke hatte sie ihn eingeholt. Von dort war es bis zum Hotel Lindenhof nicht mehr weit. Sie mußte also gleich mit der Tür ins Haus fallen. „Du, Rovert, also heute mußt du mir endlich mal von zu Hause erzählen. Woran ist denn eigentlich deine Mutter verstorben?“ „Laß nur, Paulindel“, suchte er auch diesmal abzuwehren. Aber das Mädel ließ nicht locker, hielt ihn am Aermes fest, daß er notgedrungen stehenbleiben mußte. (Fortsetzung folgt.)