WEFTT UE Die„Schwerter Zeitung" erscheint wöchentlich sechs Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Mark, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Nuhr), Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt S Nr. 258(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr) G Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Montag, den 3. November 1930 63. Jahrgang Deursche Tentepurtel und Neicherurteit Der Führer Abd. Zingeideh erkiari un Keichspartelausschuß der 39. Jede Nachgiebigkeit gegen sozialistische Tendenzen hat völlige Schwenkung der Reichstagsfraktion zur Folge,— auch die in der natsoz. Bewegung enthaltenen nationalen Kräfte sind einzusetzen,— wir fordern Stärkung der Reichspräsidialgewalt, 1. Kammer, Reichsreform anb. Berlin, 2. Nov.(Eig. Meldung.) Die Nationalliberale Korrespondenz, der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Volkspartei, teilt mit, daß der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei heute im Reichsklub der Deutschen Volkspartei zu einer Versammlung zusammengetreten war. Reichstagsabg. Dingeldey, der die Tagung leitete, gab zunächst seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der aus gesundheitlichen Gründen im Urlaub weilende Parteiführer Dr. Scholz verhindert sei, den Vorsitz zu führen. Auf Vorschlag Dingeldeys sandte der Reichsausschuß an Scholz ein Begrüßungstelegramm. Abg. Dingeldey erstattete auch den Bericht über die politische Lage. Er schilderte die durch das Ergebnis der Reichstagswahlen geschaffene politische Situation im Reichstag und im Reich, zog daraus die für die Politik und die Organisation der Partei notwendigen Folgerungen und legte im besonderen, oft von Zustimmungskundgebungen unterbrochen, in klaren überzeugenden Worten die Politik der Reichstagsfraktion dar. In der Aussprache kam auch Reichsminister Dr. Curtius mit sehr beifällig aufgenommen: Darlegungen zu Wort. Abg. Dingeldey führte u. a. aus: Für die parlamentarische Haltung der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei war und bleibt entscheidend die Tatsache, daß sie eine durchgreifende und großzügige Reform auf steuer=, sozial= und wirtschaftspolitischem Gebiet als einzige Möglichkeit zur Rettung des Vaterlandes rill. Nur weil die Regierung durch ihr Programm und die Pläne des Reichskanzlers die gleiche grundsätzliche Einstellung bekundet hat, konnte die Fraktion die Verantwortung dafür übernehmen, der Regierung die Arbeit zu ermöglichen. So steht sie der Regierung in fraktioneller Ungebundenheit mit eigener Verantwortung gegenüber und hat die Aufgabe, darüber zu wachen, daß die klare Sache des Reformwillens nicht durch irgendwelche sozialistische Eingriffe abgebogen wird. Schon im Laufe dieses Monats, spätestens beim Zusammentritt des Reichstags, muß die Regierung, wenn sie den durch die Notverordnung beschrittenen Weg in seiner Grundrichtung nicht preisgeben will, auf den Widerstand der Sozialdemokratie stoßen. Jede Nachgiebigteit gegenüber sozialistischen Tendenzen muß eine völlige Schwenkung der Reichstagsfraktion der 9BP. zur Folge haben. In diesem Falle muß die Regierung sich dessen bewußt sein, daß eine olche Entwicklung zugleich die Gefahr ihres Sturzes durch die Mehrheit der bürgerlichen Parteien bedeuten kann. die von Die Annahme der Entschließung über Abrüstung im Auswärtigen Ausschuß, die der Deutschen Volkspartei im Einvernehmen mit dem Außenminister ausgearbeitet worden ist, durch die Nationalsozialisten und die übrigen bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Hugenberggruppe beweist, daß es möglich ist, für die kommenden internationalen Auseinandersetzungen auch die in der nationalsozialistischen Bewegung enthaltenen nationalen Kräfte einzusetzen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede legte Abg. Dingeldey die Grundsätze der Politik der DBP. für die nächste Zukunft dar. Er trat dabei für eine verfassungsrechtliche Reform zur Gesundung des Parlamentarismus, insbesondere für eine Stärkung der Reichspräsidialgewalt, für eine Erste Kammer und Reichsreform ein. Die Rutsertronung i Abois Aoren wtb. Addis Abeba, 3. Nov.(Funkspruch.) In tige Sammetgewänder und Umhänge, die mit einem Rahmen, der an Farbenpracht kaum zu Goldstickerei geschmückt waren. überbieten war, wurde am Sonntag vormittag Ras Tafari betrat die Kirche, in einem um 7,30 Uhr Tafari Makonnen zum König der prächtigen karminroten Gewand, das ebenfalls Könige und Kaiser von Aethiopien in der alten mit Goldstickerei verziert war. Die Krönung dafür erbauten Kirche neben der Kathedrale selbst war kurz. Nach dem Sprechen der des heiligen Georg gekrönt. Die Kirche war bis setzte der Erzbischof oder„Abuna“ die mit Juauf dev letzten Platz gefüllt. Eine noch viel welen besetzte Krone auf das Haupt des Kaisers. v, en ede Pio, des hzut, guharhalb dur Auf die ofizielle Krönungszeremonie folgte um 3 Uhr eine religiöse Zeremonie in der Kathe„Vorbereitungen der Wahl des Reichsprasidenten enb. Berlin, 3. Nov.(Eig. Meld.) Das Reichsinnenministerium hat in seinem Haushaltsplan für das Jahr 1931 100000 Mark zur „Vorbereitung“ der Wahl des Reichspräsidenten“ angefordert. Die Vossische Zeitung schreibt dazu: Die Vorbereitungen für die Wahl müssen in dem Haushaltsjahr 1931 getroffen werden. Die Amtsdauer des Reichspräsidenten läuft im Mai 1932 ab. Es muß also damit gerechnet werden. daß der erste Wahlgang Anfang Arril 1932 stattfindet. Ein Teil der Wahlvorbereitungen und auch der Ausgaben fällt daher in das Rechnungsjahr, dessen Haushalt jetzt fertiggestellt werden muß. Bei der letzten Wahl des Reichspräsidenten betrugen die auf das Reich entfallenden Kosten für den ersten und zweiten Wahlgang insgesamt 3,4 Millionen Mark. größere Menschenmenge wohnte außerhatb der Kirche der Krönung bei. Zahlreiche hohe Persönlichkeiten vertraten die europäischen Regierungen und Staatsoberhäupter. Eine halbe Stunde vor Beginn der Krönungszeremonie begab osich Ras Tafari von seinem Palast im Krönungswagen, der dem vormaligen deutschen Kaiser gehört hatte und von sechs österreichischen Falben gezogen wurde, nach der Kirche. Diese war im Innern reich mit Teppichen behängt. Die Priester trugen prächFührerkrise in der Wirschastspartet vdz. Berlin, 2. Nov. Der zweite Vorsitzende der Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei), Reichstagsabg. Colosser, hat, wie das Nachrichtenbüro des B03. hört, sein Amt niedergelegt. Er begründet diesen Schritt damit, daß der Parteiführer, Reichstagsabg. Drewitz, die übrigen Vorstandsmitglieder durch selbstherrliche Handlungsweise brüskiere. Gleichzeitig mit Colosser soll auch der Führer der preußischen Landtagsfraktion der Wirtschaftspartei, Abg. Ladendorff, sein Amt niedergelegt haben. Colosser hat, wie wir weiter hören, die Absicht, aus der Wirtschaftspartei ganz auszuscheiden. Der Abgeordnete Ladendorff selbst erklärt dem Nachrichtenbüro des BD3., daß zwar auch in der Wirtschaftspartei Meinungsverschiedenheiten über große politische Fragen vorhanden seien, daß man insbesondere verschiedener Meinung darüber sein könne, ob dem Ueberdrale. Darnach fuhr der Kaiser im Krönungswagen durch die geschmückten Straßen und die Triumphbögen, die unter seiner persönlichen Aufsicht für die Krönungsfeier errichtet worden waren, zurück zum Palast. Er wurde von seinen zu Tausenden aus allen Teilen des Landes herbeigeströmten Untertanen begeistert begrüßt. Im Palast nahm er dann die Glückwünsche der Führer der auswärtigen Missionen entgegen. Rein Sturkers Do K um Sentag Wegen Sturmwetter in Holland, Frankreich und England abgesagt wtb Altenrhein, 3. Nov.(Funkspruch.) Der für Sonntag vormittag angesetzte Start des Flugschiffes Do. X nach Amsterdam ist infolge der ungünstigen Wetterlage im oberen Rheintal verschoben worden. Man hofft, den Start Montag vormittag, unter der Voraussetzung besserer Wetterlage, durchführen zu können. Die Dornierwerke teilen zur Verschiebung des Startes des Flugschiffes Do. X auf Montag vormittag folgendes mit: Der für Sonntag vorgesehene Ueberführungsflug des Do. X nach Amsterdam mußte wegen Sturmmeldungen von der englischen Küste und Holland auf Anfrage bei der amtlichen Wettertation und nach Rücksprache mit den leitenden Herren des Luftschiffbaues Friedrichshafen verschoben werden. Entgegen allen Gerüchten wird festgestellt, daß der Ueberführungsflug nach Amsterdam nicht der Start zum Amerikaflug ist, der erst ab Lissabon beginnt. Es sind vorher noch Vorkehrungsflüge in Europa vorgesehen. Das Flugschiff bleibt in Altenrhein startklar, um sofort nach Eintritt besserer Wetterlage nach Amsterdam übergeführt zu werden. Der in Altenrhein weilende Vertreter des WTB. teilt hierzu noch mit, daß das Flugschiff am Sonntag vormittag gegen 9 Uhr aus der Halle auf das Wasser gebracht wurde. Die vorliegenden Wetterberichte ließen zunächst einen Start als ziemlich sicher erscheinen. Als jedoch die Meldungen von der englischen Küste eingingen, die von Windstärke 8 berichteten, erschien es bereits zweifelhaft, ob der Start erfolgen werde. Weitere Berichte besagten dann, daß das Barometer dort in den letzten zehn Stunden um 27 Millimeter gefallen sei, und daß schwere atlantische Stürme herrschten. Ebenso meldeten Amsterdam und Rotterdam äußerst starke Winde und Regen„auer. Der Start mußte daher gegen ¾11 Uhr endgültig abgesagt werden. Bald darauf wurde das Flugschiff in die Halle zurückgebracht. brückungskredit zugestimmt werden mußte, ind ob man sich mit der Verschiebung der Auflösung der Zwangswirtschaft um einige Jahre einverstanden erklären konnte. Er(Ladendorff) aber habe vorläufig nicht die Absicht, wegen dieser Meinungsverschiedenheiten seine Aemter in der Partei niederzulegen. Der Führer der Wirtschaftspartei, Drewitz, erklärte dem Nachrichtenbüro, daß der Rücktritt Colossers vor allem auf Differenzen über die Haltung der Partei gegenüber dem Berufsbeamtentum zurückgehe.— In der Deutschen Mittelstandszeitung, dem Parteiblatt der Wirtschaftspartei, war das„Madenlied" erschienen, das die Beamtenschaft stark angriff, und von dem Drewitz und der Reichsausschuß der Wirtschaftspartei abrückten. Colosser, der Vertreter der Partei in diesem Verlage, habe den Beschluß des Reichsausschusses, daß die Artikel vor der Veröffentlichung dem Parteivorsitzenden Drewitz vorzulegen seien, nicht anerkennen wollen. Die deutschen Kriegergräber in Srankreich Eine Nede des deutschen Botschafters von Hösch. wtb Paris, 2. Nov. Anläßlich des Allerheiligentages fand gestern auf dem Friedhof von Jory bei Paris eine Gedenkfeier der deutschen Kolonie an den Gräbern der dort ruhenden deutschen Soldaten statt. Botschafter von Hösch hielt hierbei eine Rede, in der er angesichts der jetzigen Lage den Ruf nach Vertrauen und Beständigkeit an das deutsche Volk richtete. Unendlich Schweres habe das deutsche Volk schon durchgemacht— so führte der Botschafter u. a. aus—, unendliche Schwierigkeiten schon überwunden. Mit den Eigenschaften der Tüchtigkeit und Aufopferungsfähigkeit, die ihm innewohnen, mit dem mächtigen Wirtschaftsapparat, den es sich geschaffen habe, mit dem Selbstvertrauen, das es bisher stets auszeichnete, wird es auch die jetzige Krise überwinden. Wie alljährlich, erstattete auch diesmal der Botschafter Bericht über das, was für die Gräberfürsorge seitens der amtlichen Kriegsgräberfürsorge und des Deutschen Volksbundes im abgelaufenen Jahre geschehen ist. Der deutsche Delegierte der Kriegsgräberfürsorge hat, wie Botschafter von Hösch erklärte, während seines Aufenthalts in Frankreich fast sämtliche Frontfriedhöfe besichtigt und dabei in fast allen Fällen einen einwandfreien Unterhaltungszustand festgestellt. Darüber hinaus habe er mehr als 60 Gemeindefriedhöfe, auf denen deutsche, in der Gefangenschaft gestorbene Soldaten ruhen, besucht, um mit den Gemeinden bezw. dem„Souvenir francais“ über den Ausbau der deutschen Gräberabteilungen zu verhandeln. Im übrigen ist eine würdige Ausgestaltung der deutschen Abteilungen auf den Gemeindefriedhöfen vorgesehen und verschiedentlich schon durchgeführt worden. Darauf legte der Botschafter einen Kranz an den Gräbern nieder. Weitere Kränze wurden niedergelegt von Frau Gesandtschaftsrat Döhle im Namen der deutschen Frauen von Paris, vom Deutschen Hilfsverein in Paris, vom Vorstand der deutschen evangel. Christuskirche in Paris und vom Bund deutscher Kriegsgräberfürsorge. Eine Verfassung gestohlen Sensationeller Diebstahl in der Reichstagsbibliothek vdz. Berlin, 1. Nov. Der Direktor der Reichsbibliothek, Dr. Fischer, empfing einen Vertreter des Nachrichtenbüros des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, um ihm Auskunft über einen sensationellen Einbruch in die Reichstagsbibliothek zu geben. Bereits am 24. Oktober, als man das Bildmaterial für ein Werk über den Reichstag zusammenstellen wollte, entdeckten die Bibliotheksbeamten, daß aus einem einfachen eisernen Schrank, der durch ein einfaches Schloß gesichert war, das wertvollste Stück der Reichsbibliothek, die Verfassungsurkunde vom 28. März 1848, entwendet worden war. Wann der Diebstahl ausgeführt ist, läßt sich nicht mehr ermitteln, weil man seit dem November 1929 die Urkunde nicht mehr kontrolliert hatte. Das Dokument stellt ein Unikum aus der deutschen Geschichte dar. Unter dem gedruckten Text der 48er Reichsverfassung befinden sich die Originalunterschriften sämtlicher Abgeordneter der Nationalversammlung der Paulskirche. Die Urkunde ist auf Pergament gedruckt, umfaßt 27 Seiten Text und 19 Seiten Unterschriften. Das Format ist etwa 35 mal 23 Zentimeter, der Einband besteht aus rotem Leder, auf der Vorderseite befindet sich ein Adler in Silber. Ihr literarischer Sammlerwert läßt sich nur schwer angeben, dürfte aber nicht unter 100000 Mark liegen. Sollte der Dieb nicht selbst ein fanatischer Sammler sein, dann dürfte ihm die Veräußerung seines Raubes auf jeden Fall in Deutschland unmöglich sein, denn jedermann müßte hier sofort wissen, daß das Dokument nur gestohlen sein kann. Die Kriminalpolizei, die selbstverständlich sofort unterrichtet wurde, verfolgt bereits eine bestimmte Spur. Schon im Juli d. Is. war in die Bibliothek des Reichstages eingebrochen worden. Damals entwendete der Einbrecher Wertgegenstände aus dem Privatbesitz der Bibliothekbeamten. Zugleich mit der Verfassungsurkunde hat der Dieb aus dem eisernen Schrank Karikaturen von 1848 entwendet, ferner die einzige Produktion des wertvollen Verfassungsdokuments, ferner ein Exemplar der Sittengeschichte des Weltkrieges von Magnus Hirschfeld und drei Bände„Bilderlexikon der Erotik,“ herausgegeben vom Institut für Sexualforschung in Wien. Der Schrank ist offenbar mit einem einfachen Dietrich geöffnet und nach vollbrachter Tat säuberlich wieder verschlossen worden. Der neue Chef der Heeresleitung überspringt eine Charge enb. Berlin, 2. Nov.(Eigene Meldung.) Generalmajor Freiherr von Hammerstein, Chef der Heeresleitung, ist, den Blättern zufolge, mit Wirkung vom 1. November zum Heneral der Infanterie befördert worden. Der General hat also den Rang des Generalleutnants übersprungen. Auswärtige Amt spart Abbau der Auslandszahlungen. enb. Berlin, 3. Nov.(Eig. Meld.) Nach dem Haushaltsplan des Auswärtigen Amts sind, der Vossischen Zeitung zufolge, die fortdauernden Ausgaben für das Jahr 1931 um rund 4,4 Millionen Mark, das sind 7,4 v. H., gesenkt worden. Tiese durch die Finanzlage des Reiches veranlaßte Ausgabenverminderung hat nur durch eine starke Kürzung der Auslandsbezüge, insbesondere der Aufwandsentschädigung sowie Herabsetzung des Verheiratetenzuschlags für die Beamten im Ausland von 33 ein Drittel v. H. auf 25 v. H. ihrer Dienstbezüge und dadurch erreicht werden können, daß wichtige Ausgaben des Arswärtigen Dienstes eingeschränkt werden. Ein Ausbau der deutschen Vertretungen im Ausland ist für das Jahr 1931 nicht vorgesehen. Verkehrsrückgang bei der Post wtb. Berlin, 2. Nov. Nach dem von der Deutschen Reichspost soeben veröffentlichten Bericht über das zweite Viertel 1930 ist der Verkehr gegenüber dem Vorjahr in fast allen Dienstzweigen zurückgegangen nur die Ein= und Auszahlungen, der Postscheckverkehr und der Nachnahmebriefverkehr weisen geringe Steigerungen auf. Im Luftpostverkehr, sowie im In= und Auslandsverkehr, des Orts= und Fernmeldewesens sind wieder eine Reihe von Verkehrs= und Betriebsverbesserungen eingetreten, unter denen die Zulassung von Päckchen im Verkehr mit vielen freiiden Ländern und die Eröffnung des Sprechverkehrs mit Französisch=Indochina besonders zu erwähnen sind. 17000 neue Rundfunkteilnehmer haben sich dem Rundfunk angeschlossen. Ihre Gesamtzahl ist auf 3241 725 gestiegen, gegenüber 2 843 569 Ende September 1929. Im Vorvierteljahr wurden 217 Schwarzhörer rechtskräftig verurteilt. Im Kassenabschluß für das Berichtsvierteljahr werden die Einnahmen mit 552,1 Millionen RM, die Ausgaben mit 585,5 Mill. RM aus gewiesen. Die Reichsbahn gegen Arbenezenrürzung enb. Berlin, 2. Nov.(Eigene Meldung.) Zu der gestern in einer Versammlung der Lokomotivführer erhobenen Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit des Reichsbahnpersonals um eine Stunde hören wir aus Kreisen der Reichsbahnhauptverwaltung, daß eine derartige Kürzung der Arbeitszeit im Augenblick völlig undurchführbar sei. Eine Verkürzung der Arbeitszeit jedes Beamten um eine Stunde würde ein Mehr an Personal bedingen, wodurch die Personallasten, die schon jetzt 66 Prozent des Gesamtetats ausmachen, noch weiter erheblich gesteigert würden. Seit 1925 sind die Personallasten um rund 700 Millionen gestiegen. Auf Grund der ungünstigen Verkehrsverhältnisse müsse die Reichsbahn in diesem Jahre mit einer Mindereinnahme von über 700 Millionen rechnen, so daß auch aus diesem Grunde eine weitere Belastung des Personaletats unmöglich sei. Die Notverordnungssteuern in den Gemeinden Schlägerei in der Duisburger Stadtverordnetenversammlung. wp. Duisburg, 1. Nov. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde die Vorlage der Verwaltung über die Einführung eines fünften Steverquartals abgelehnt. In der anschließenden Debatte kam es zu einer tätlichen Auseinandeelitzung zwischen Kommunisten and Sozialdemokraten. Als Stadtverordneter Müller bemerkte, unter den Kommunisten befänden sich Mörder und Verbrecher, erfolgte von den so Beschuldigten ein Angriff mit Wasserflaschen und Glasern auf die Sozialdemokraten. Es kam zu einer regelrechten Schlägerei. Die übrigen Stadtverordneten, die in den Streit eingriffen, waren nicht in der Lage, die Streitenden zu trennen, so daß man sich gezwungen sah, Polizei in den Saal zu rufen. Nire mir großer Mühe gelang es dieser, die errege Stadtoerordneten auseinanderzubringen. Do#tmunder Stadtverordnetensitzung. Bürgees: ner abgelehnt. Getränkesteuer und Wehnungslugussteuer beschlossen. 2x. Dortmund, 1. Nor. Nachdem schon einmal die Bürgersteuer auf der Tagesordnung der Tortmunder Stadtverordnetenversammlun, gestanden hat und de——ng verfallen ist, lag der gestrigen Sturke etetoneten Der griechisch=türkische Schiedsvertrag und die Pungies=Verschwerung wtb. Angora, 2. Nov.(Tel.) Der zwischen Griechenland und der Türkei unter Mithilfe Mussolinis abgeschlossene Schiedsvertrag entspricht den Schiedsverträgen mit Italien und Ungarn. Beide Parteien verpflichten sich, an keinem Abkommen oder irgendeiner Konvention wirtschaftlicher Art teilzunehmen, die gegen den anderen Vertragspartner gerichtet sind. Wenn eine der beiden Parteien von einer oder mehreren Mächten trotz ihrer friedlichen Haltung angegriffen wird, so wird die andere Partei während der ganzen Dauer des Konfliktes Neutralität beobachten. Etwa entstehende Konflikte zwischen den beiden Parteien werden einer Vergleichskommission, und dann einem Schiedsgericht unterbreitet werden, wenn es sich um Fragen der Souveränität des Staates handelt. Dieser Vertragsabschluß war angeblich die Ursache des Putschversuches, den General Pangalos vor einigen Tagen in Athen unternehmen wollte; die Verschworenen wurden jedoch kurz vor dem Losschlagen verhaftet. Eine amtliche Meldung besagt: Die ersten Untersuchungsergebnisse daß Pangalos, der in der Nacht zum Freitag in Eleusis verhaftet worden ist, nur eine kleine Gruppe von Offizieren hinter sich hatte, die sich einbildeten, daß es leicht wäre, die PangalosUmtriebe von 1925 zu wiederholen. tränkesteuer Beschluß zu fassen. Die Bürgersteuer wurde zum zweiten Male mit knapper Mehrheit, vornehmlich der Linksparteien, abgelehnt. Dagegen fand die Getränkesteuer, die einen 10 prozentigen Zuschlag vorsieht, Annahme, desgleichen die Vorlage über die Wohnungsluxussteuer in abgeänderter Form. Sturm in der Mindener Stadtverordnetensitzung Bürgersteuer und Biersteuer abgelehnt. wp. Minden, 1. Nov. Zu der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung hatten sich or dem Rathause große Menschenmassen angesammelt. Die Polizei mußte eingreifen, erwies sich aber als zu schwach, um die etwa tausendköpfige Menge der Demonstranten in Schach zu halten. Der Mindener Reichswasserschutz mußte eingreifen, und schließlich wurden alle Zugangsstraßen abgeriegelt. Außerdem wurden noch 35 Polizeibeamte von Bielefeld angefordert. 11 Personen, darunter eine Frau, wurden festgenommen. In der Stadtverordnetensitzung. die infolge der Demonstrationen mehrere Male unterbrochen werden mußte, fand das Deckungsprogramm keine Annahme. Die Bürgersteuer wurde mit 17 gegen 14 Stimmen der Bürgerlichen abgelehnt. Dasselbe Schicksal hatte die Biersteuer. Konkurs= u. Vergleichsverfahren im Oktober 1930. wtb. Berlin, 2. Nov. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes wurden im Oktober 1930 durch den Reichsanzeiger 843 neue Konkurse, ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung, und 480 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für September 1930 stellten sich auf 759 bzw. 508. Der Streiklage in Berlin Arbeitsaufnahme in der Berliner Metallindustrie. wtb. Berlin, 2. Nov. Trotz der kommunistischen Propaganda für den Weiterstreik im Metallgewerbe wurde gestern früh in zahlreichen weiteren großen Betrieben die Arbeit wieder ausgenommen. Bei der AEG in der Ackerstraße meldeten sich 2400 Mann, im Kabelwerk Oberspree 3700 und im Transformatorenwerk und Akkumulatorenwerk der AEG 2700 Mann zur Arbeit. In einigen Betrieben wurde ein Teil der Leute, die nicht zur Arbeit erschienen waren, entlassen. Neuer Konflikt in der Berliner Metallindustrie. enb. Berlin, 2. Nov.(Eig. Meldung.) Die AEG hat einen großen Teil ihrer Angestellten in einem Schreiben aufgefordert, einen Revers zu unterzeichnen, der der Direktion im Falle einer Herabsetzung der geltenden Tarifsätze oder im Falle einer Nichterneuerung des laufenden Tarifvertrages die Möglichkeit gibt, einen Gehaltsabbau bis zu 10 Prozent vorzunehmen. Wie die B3 am Mittag berichtet, hat die große Mehrzahl der Angestellten es abgelehnt, diesen Nevers zu unterzeichnen. Der Großhandelsinder Die Indexziffer der Großhandelspreise. wtb. Berlin, 2. Nov.(Tel.) Die auf den Stichtag des 29. Oktober berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes hat'ch mit 120,6 gegenüber der Vorwoche (119,8, um 0,7 v. H. erhöht. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,8 v. H. auf 411,0(109,0) gestiegen. Die Indexziffer für Industrielle Rohstoffe und Halbwaren hat mit 114,0(113,9) leicht angezogen, während diejenige für industrielle Fertigwaren weiter auf 146,3(146,4) nachgegeben hat. Wahlkundgebungen in Wien wtb. Wien, 3. Nov.(Funkspruch.) Die Christlichsoziale Partei und die Wiener Heimwehr veranstalteten am Sonntag unter überaus großer Beteiligung auf dem Heldenplatz die mehrfach angekündigte Kundgebung für die Wahlen am 9. November. Nach Ansprachen des Bundeskanzlers Vaugoin und des Heimwehrführers zogen die Versammlungsteilnehmer mit Musikkapellen, die die bekannten altösterreichiMilitärmärsche spielten über den Ring, Worte an die ihm immer von neuem zujubelnden Volksmassen richtete. Die eindrucksvolle Kundgebung verlief ohne jeden Zwischenfall. Die Sozialdemokratische Partei hatte ihren Angehörigen besondere Weisung gegeben, sich jeder Störung und Herausforderung zu enthalten. Zusammenstoß wischen Auto und Straßzenbahn wtb Duisburg=Hamborn, 3. Novbr. (Funkspruch.) In der Kaiser=Friedrichstraße stieß am Sonntag abend ein mit vier Personen besetzter Lastkraftwagen, der ohne Beleuchtung fuhr, in voller Fahrt mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Durch den Anprall sfing der auslausende Betriebsstoff des Lastkraftwagens Feuer, das auf die Außenwand des Straßenbahnwagens übergriff. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt und mußten abgeschleppt werden. Der Führer des Lastkraftwagens wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhaus starb. Ein Mitfahrer erlitt schwere innere Verletzungen und schwebt in Lebensgefahr. Die übrigen Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Der Führer des Straßenbahnwagens wurde im Gesicht durch Glassplitter verletzt. Von den 17 Fahrgästen des Straßenbahnwagens wurden 4 durch Glassplitter unerheblich verletzt. Die Schuld an dem Anglück trifft, nach den bisherigen Ermittlungen, den Führer des Lastkraftwagens. Bankraub in Berlin wtb. Berlin, 2. Nov. In einer Zweigstelle der Berliner Stadtbank im Tiergartenviertel drangen gestern vormittag zwei maskierte Banditen ein, hielten das Personal mit Revolvern in Schach und raubten das herumliegende Geld. Auf bereitstehenden Fahrrädern suchten sie das Weite und konnten trotz sofortiger Verfolgung nicht gefaßt werden. Nach flüchtiger Schätzung sind ihnen etwa 14000 Mark in die Hände gefallen. 100 000 Mark beziffert. Er hat zahlreiche Verteidigungen in der Mark Brandenburg geführt und seine Mandanten haben auf ihn geschworen. Unger war schon seit Jahren ein leidenschaftlicher Spieler. Er hat aber seine Spielschulden durch seine großen Einnahmen immer decken können, bis er jetzt in Schwierigkeiten geriet und deshalb seinem Leben ein Ende machte. Sturmschäden in Frankreich wtb. Paris, 3. Nov.(Funkspruch.) Der Sturm, der seit der Nacht von Samstag auf Sonntag in Frankreich und namentlich an der Nord= und Nordwestküste mit unverminderter Kraft tobte, hat mannigfachen Schaden angerichtet. In Paris wurden Schornsteine niedergerissen und Dächer fortgeweht. Mehrere Personen sind verletzt und eine Person ist getötet worden. Der Schiffsverkehr im Kanal ist stark behindert. Weinische Madchenhandter festgenommen? wtb Rosenberg(Oberschlesien), 3. Nov. (Funkspruch.) In einem Gasthaus in Rosenberg wurden gestern mehrere polnische Staatsangehörige festgenommen, die ohne Paß über die Grenze gekommen waren. Es handelt sich um einen angeblichen Russen namens Goldstein, seine Frau, deren 3 Kinder und zwei aus Lemberg kommende Mädchen im Alter von 17 und 20 Jahren. Bei der Vernehmung durch die Polizei stellte sich heraus, daß Goldstein die beiden jungen Mädchen nach Paris bringen wollte, während seine Frau ihnen vorgespiegelt hatte, sie werde ihnen in Berlin in einem Damenatelier eine Stellung als Näherinnen verschaffen. Goldstein gibt an, russischer Emigrant zu sein und während der letzten Jahre in Polen, Frankreich und Deutschland gelebt zu haben. Von den Festgenommenen besaß niemand einen Paß, jedoch mehrere andere Ausweise. Bei Goldstein fand man 200 französische Francs und eine größere Summe polnischen Geldes. Sämtliche Festgenommenen wurden in das Gerichtsgefängnis in Rosenberg eingeliefert. Revolte im Zuchthaus Sing=Sing Die Aufrührer mit Tränengas überwältigt. wtb. Neuyork, 3. Nov.(Funkspr.) Fünf Insassen des Zuchthauses Sing=Sing machten gestern einen Ausbruchsversuch. Da sie im Besitz von geschmuggelten Waffen waren, gelang es ihnen, mehrere Wachbeamte zu überwältigen und sich der Schlüssel zu bemächtigen. Ein Alarmkommando war jedoch sofort zur Stelle und ging mit Tränengas gegen die Ausbrecher vor; einer von ihnen, der kurz vorher einen Beamten erschossen hatte, wurde getötet, ein anderer schwer verletzt. Zwei Gefangene werden noch vermißt. Wegen Spielschulden aus dem Zuge gesprungen enb Verlin, 2. Nov.(Eig. Meldung.) Auf der Bahnstrecke nach Berlin bei Hoppegarten ist, wie Tempo meldet, in der Nacht zum Samstag der Rechtsanwalt Unger aus Guben aus dem Zuge gestürzt oder gesprungen. Offenbar liegt Selbstmord vor. Rechtsanwalt Unger hat in Guben jahrelang eine glänzende Praxis gehabt. Seine Einnahmen wurden auf etwa Erdrutsch auf Fava 23 Tote. wtb Batavia, 1. Nov. Anhaltende Regengüsse haben in unmittelbarer Nähe der Bergstation Soakaboem einen Erdrutsch verursacht, durch den 16 Eingeborenen=Häuser verschüttet wurden. 25 Eingeborene, darunter Frauen und Kinder, stürzten in den vorbeiströmenden Fluß. Nur zwei konnten gerette werden. A Nachrichstendienst eurdh Zunrsprauf! schen m„.„ der Ab'ehnung wo sie von einer vieltausendköpfigen Menge beadtverordneten= geistert begrüßt wurden. Am Schwarzenberg= sitzung derselbe Antrag abermals vor. Gleich=platz erfolgte ein Vorbeimarsch vor Bundeszeitig galt es noch über die Einführung einer kanzler Vaugoin und Außenminister Seipel, der Wohnungsluxussteuer und der Ge= auch schließlich vom Balkon aus noch einige Eine Spende des Papstes für Maybach. wtb. Berlin, 3. Nov.(Funkspruch.) Wie wir erfahren, hat der Papst durch Vermittlung des Bischofs von Trier 8000 Reichsmark für die durch das Bergwerksunglück von Maybach betroffenen Familien überreichen lassen. Heimattreue Ost= und Westpreußen und Memelländer beim Reichsaußenminister. wtb. Berlin, 3. Nov.(Funkspruch.) Reichsaußenminister Dr. Curtius empfing am Sonntag eine Abordnung des zur Zeit in Berlin tagenden Gesamtvorstandes des Reichsverbandes der heimattreuen Ost= und Westpreußen, sowie der Spitzenorganisation der Memelländer im Reich. In der Besprechung wurden eingehend die besonderen Nöte und Sorgen des deutschen Ostens, sowie die Ziele und Maßnahmen der Reichsregierung zur Aenderung der unerträglichen Lage erörtert. Grasezinski weigert sich, Vertreter der deutschen Minderheit zu empfangen. wtb. Kattowitz, 3. Nov.(Funkspruch.) Am Freitag hatten sich Vertreter der deutschen Minderheit in Ostoberschlesien und zwar der Abg. Rosumek, sowie der Chefredakteur des„Volkswille" und Führer der deutschen Sozialdemokraten, Koboll, in Begleitung des Führers der polnischen Sozialdemokraten, Wojewodschaftsrat Janta, zum Wojewoden Grasczinski begeben, um wegen der letzten Ausschreitungen gegen Angehörige der Minderheit Einspruch zu erheben. Der Wojewode lehnte es ab, die Delegation persönlich zu empfangen, sondern verwies sie an den Wojewodschaftsrat Dr. Saloni. Dieser erklärte namens des Wojewoden, die Delegation möge ihre Beschwerde schriftlich einreichen. Die Kattowitzer Zeitung und der Oberschlesische Kurier wurden am Freitag wegen ihrer Stellungnahme zu den Ausschreitungen in Nikolai von der Polizeibehörde beschlagnahmt. 362 Verletzte in Italien. wtb. Nom, 3. Nov.(Funkspruch.) Nach den letzten amtlichen Angaben beläuft sich die Gesamtzahl der bei dem jüngsten Erdbeben verletzten Personen auf 362. Hiervon sind sieben schwer verletzt. Konservativer Sieg bei den englischen Gemeindewahlen. wtb. London, 3. Nov.(Funkspruch.) Bei den gestrigen Munizipalwahlen in England und Wales ergab sich nach dem Ergebnis aus rund 80 großen Städten, daß die Arbeiterpartei beträchtlich verloren hat. Die Konservativen haben 79 Sitze gewonnen und 10 verloren, die Liberalen gewannen 9 und verloren 17 Sitze, die Arbeiterpartei gewann 27 und verlor 92 Sitze, die Unabhängigen gewannen 24 und verloren 20 Sitze. Amtsantritt Getulio Bargas. wtb. Nio de Janeiro, 2. Nov.(Funkspruch.) Getulio Vargas hat Pressevertretern mitgeteilt, daß er am Montag die Präsidentschaft der Republik übernehmen werde. Peru hat die neue brasilianische Regierung anerkannt. Havarie eines japanischen Dampfers bei den Aleuten. wtb San Franzisko, 3. Nov.(Funkspruch.) Ein hier aufgefangener Funkspruch des japanischen Dampfers„Sejo Maru“(6550 To.) besagt, daß der Dampfer infolge Verlustes des Ruders mit 40 Mann.Besatzung an Bord hilflos und in sinkendem Zustande südwestlich von den Aleuten treibe. Der Dampfer„California“ befindet sich bereits auf der Suche nach der „Seio Maru“. Das„aufgeweichte Südwestfalen. Die meisten Kämpfe wegen Regen abgebrochen. Die Aeberraschung: S. C. Lichtenplatz— Hagen 72 2: 2.— Germania Mudersbach Hagen oS 2: 4. BV. Nachrodt— BfR. Siegen 9:0 abgebr. Spogg. Plettenberg— BC. Siegen 0:0 abgebr. B/B. Meggen— BE. Eintracht Siegen 1:2 abgebr. II. Bezirksklasse. 1. Gruppe Der gestrige Spielsonntag bedeutete für alle Klassen und Gruppen eine Regenkatastrophe. Von den zahlreich angesetzten Spielen konnte nur der kleinste Teil restlos durchgeführt werden, der aber auch unter den widrigen Verhältnissen stark zu leiden hatte. Die meisten Sportplätze glichen Morästen, die eine Betätigung der Spieler nicht gerade zur Annehmlichkeit machte. In der Bezirksligaklasse fiel die Begegnung Hagen 11— Gevelsberg 08 aus. Während die beiden anderen Hagener, C und 72, in Gevelsberg bezw. Mudersbach bis zum Ende ausharrten. 05 führte sich in Mudersbach überraschend gut ein, während das Unentschieden des Tabellenersten und des Tabellenletzten ebenfalls außerhalb unserer Berechnung liegt. In den übrigen Klassen haben die Ergebnisse durchweg die Nebenbezeichnung abgebrochen oder ausgefallen. Im Handall kann überhaupt kein reguläres Sviel gemeldet werden, sodaß hier mit einer Menge Terminverlegungen gerechnet werden muß. Fußball. Bezirksligaklasse. S. C. Lichtenplatz— T. R. V. Hagen 72 2: 2 Der Spitzenführer Hagen 72 hatte den Gegner und Tabellenletzten, SC. Lichtenplatz, wohl etwas zu leicht genommen, denn gleich zu Anfang legt der Platzverein stark los und vermag auch den Gast sofort zu überrumpeln. Nach einem schönen Stürmerspiel kommt Lichtenplatz zum ersten Erfolg. Auch im weiteren Verlauf können die Gäste sich noch nicht freimachen. Erst in der Mitte der ersten Hälfte kommt verteiltes Feldspiel auf. Dann droht aber eine neue Gefahr für 72; die Ennepeströter bekommen einen Elfmeter zugesprochen, der nicht verwandelt wird. Die 72er legen sich nun ins Zeug und versuchen den Ausgleich herbeizuführen der aber trotz guter Gelegenheiten nicht glücken will. Mit 1:0 werden die Seiten gewechselt. Man sieht die Hagener weiter im Angriff. Aus einem Gedränge heraus fällt schließlich der verdiente Ausgleich. Im Anschluß daran startet der Mittelläufer der Gäste sehr gut und findet auch einen erfolgreichen Weg zum Tor. Vorher hatte Lichtenplatz noch eine zweite Chance in Form eines Elfmeters ausgelassen Der Kampf wird aufgeregter. Man hatte bereits mit einem sicheren Sieg des Gastes gerechnet; da wird im Anschluß an einen Strafstoß für Lichtenplatz ein dritter Elfmeter verhängt, der gut plaziert zum Ausgleichstor langt. Der harte Kampf machte im allgemeinen dem Schiedsrichter das Amt nicht schmer, da es fair zuging. Germania Mudersbach— S. C. Hagen 05 2: 4 Auf dem gefährlichen Platz in Mudersbach war Hagen 05 gestern etwas vorsichtig geworden. Vermochten die Hagener in technischer Hinsicht den Kampf doch leicht überlegen zu gestalten. Der Sturm war mit Unterstützung des neuerdings wieder aufgestellten Mittelstürmers Schminke sehr schußfreudig was die Mudersbacher durch ihre schnelleren Angriffe und aufopferungaufopferungsvolle Arbeit wieder ausglichen. Naturgemäß fand sich der Platzverein schneller und eröfinete den Angriff. Der Halbrechte erzielt sofort ein 1:0. dem der Linksaußen im Alleingang das zweite Tor anschließt. Der weitere Spielverlauf sieht dann nach dem Wechsel(5 im Vorteil und technisch leicht überlegen. Die Mudersbacher Verteidigung rückte zeitweise stark auf zum Nutzen der Gäste, die Gelegenheit haben, durchzubrechen. Auf diese Weise fiel das erste Tor für die Hagener. Das Streben nach dem Ausgleich spornt sie weiter an. Es ist der Mittelstürmer, der in der Folgezeit die Lage zuerst erfaßt und seinen Nebenspielern günstige Stellungen verschafft. Es gelingt, in regelmäßigen Abständen das Ausgleichstor und zwei weitere Siegtore zu schießen. Bei Mudersbach ragten die Flügelleute bervor und der Mittelstürmer, während bei den O5ern der Sturm diesmal ein geschlassen*3 zeigte und von der Hinterreibe gut unt#=stür V. f. b zeivenau— Juyn Werdohl 6:s abgebrochen Die gart verjüngte Mannschaft von Jahn Werdohl kam auch in Weidenau noch nicht an ihre alten Leistungen heran, doch darf man der Mannschaft entsprechend den gebotenen Leistungen, für die Zukunft Vertrauen schenken. Weidenaus Elf erzielte einen sicheren Sieg und überzeugte mehr, doch ist die ganze Mühe vergebens gewesen, weil 20 Minuten vor Schluß der Spielabbruch erfolgen mußte. Bis zur Pause vermochte sich Jahn noch gut zu halten und erzwang ein Unentschieden Der Beginn überrascht den Platzverein, der einen gefährlichen Werdohler Angriff abwehren mußte. Dann liegen die Weidenauer wieder klar in Front und ein Torschuß wird von dem Werdohter Hüter ungeschickt abgewehrt, sodaß der Platzverein zum ersten billigen Erfolg kommt. Die Gäste müssen auch im weiteren Verlauf die Ueberlegenheit des Gegners anerkennen, und innerhalb 5 Minuten passiert das Leder zweimal die Torlinie. Damit gibt sich Werdohl noch nicht geschlagen. Der Sturm rafft alle Kraft zusammen. der Linksauen ist gut in Form gekommen, ist allein vor und sendet entschlossen ein. Auch der Rechtsaußen nimmt eine Flanke vom Mittelsturm auf und bringt das zweite Tor an, dem kurz darauf der Ausgleich folgt. Im weiteren Verlauf schlägt Weidenau sämtliche Angriffe ab übernimme die Führung und bringt sich durch Schrägschuß vom Linksaußin, unhaltbar für den Hüter, wieder in Vorteil. Von nun an zeigt das Spiel keine interessanten Momente mehr. Während der Boden bis zur Halbzeit noch einigermaßen trocken war, gleicht er jetze einem Morast und der Platzregen läßt keine einwandfreie Austragung zustande kommen. Nachdem Weidenau noch zweimal zu Wort gekommen war, sieht sich der Schiedsrichter 20 Minuten vor Schluß gezwungen, abzubrechen. Den Sieg hatten die Weidenauer wohl verdient, in Anbetracht ihrer techn'sch besseren Leistungen. Allerdings wäre bei günstigeren Spielbedingungen das Resultat knapper ausgefallen. Die Niederlage kann von Werdohl im Wiederholungs. spiel in etwa berichtigt werden, wenn auch das Können zu einem Siege noch nicht langen dürfte. Sp. Sp. Hüsten 09— Sportfreunde Siegen 4:0 abgebr. Daß die Siegener Sportfreunde nicht mit einem Punktsiea die Heimreise hätten antreten können; war vorauszusehen, doch würden sie sich bei besserer Wetterlage in stärkerer Form präsentiert haben. So kam es, daß das Spiel kein interessantes Moment aufzuweisen hatte und Hüsten nur wenig aufzubringen brauchte, um dem Gast die Spitze zu bieten. In 20 Minuten Spielzeit erzielte Knappstein drei und Steinberg das vierte Tor. Auch in Hüsten sah man ein, daß bei dem Bindjadenregen ein Weiterkämpfen nicht angebracht war und trennte die Mannschaften noch vor der Pause. Sp. Vag. Hagen 11— Sp. Sp. Gevelsberg 08 ausgefallen Bezirksauswahlspiel im Südwestfalenbezirk. Um für den repräsentativen Fußballsport einerseits und zur Auswahl für eine Verbandsmannschaft andererkeits zu werben, hat der Verbandsfußballausschuß des WSV. jetzt beschlossen, in dieser Saison Bezirksspiele durchzuführen. Als erste Begegnung sollen sich die Vertretungen von HessenHannover und Südwestfalenbezirk zum Kampf stellen, und zwar am 16. November in Hagen auf dem Platz von Hagen 72. Die in diesem Kampf überlegene Bezirkself soll dann am 30. November gegen den Mittelrheinbezirk antreten und der Sieger hieraus wird am 7. Dezember gegen den Westfalenmeister spielen. Dieser Kampf soll auf dem Preußenplatz in Münster durchgeführt werden. Der Vorstand des Sudwestfalenbezirks hat für den Repräsentativkampf in Hagen folgende Mannschaft aufgestellt: Büchsenschütz(Hagen 72) Schreiber(Hagen 72), Riegel(Hagen 05) Herling(BfB. Weidenau), Vollmer(Hagen 72) Siering(Hüsten 09 Hoffmann, Steinberg(Hüsten 09), Gogoll(Gevelsberg 08), Knappstein(Hüsten), Sondermann(Hagen 72). I. Bezirksklasse Oberruhr=Staffel Spp. Neheim— Spp. Herdringen 2:2 Verhältnismäßig knapp ging es gestern in Neheim zu. Der Sportverein Herdringen kämpfte mit viel Glück da die Neheimer während des ganzen Spieles glatt überlegen waren, jedoch der Sturm zeigte sich nicht schußfreudig und versiebte die sichersten Torchancen. So kam es, daß die Herdrenger auf diese Weise einen Punkt mit nach Hause nehmen konnten. Sppgg. Fröndenberg—. VV. Iserlohn 11 2:3 agebr. Union Schwerte— Spp. Menden 09 0:0 abgebr. Betzdorfer=Staffel Sppag. Steuthütten— Sp. Sp. Niederschelden 1:3 Die Mannschaft des Spiel und Sport Niederschelden jetzte auch gestern ihren Siegeszug in Struthütten wieder fort. Allerdings hatte man gegen den Gastgeber schon viei aufzubieten, um zu einem Siege zu kommen, doch die technisch besseren Einzelleistungen entschieden am Schluß das Spiel. V/V. Brügge— Lüdenscheid=Höh 6:6 abgebr. Sportfr. Lüdenscheid 68— Spy Balve 8:0 Spo. Bärenstein— FC. Neuenrade 0:1 abgebr. 2. Gruppe Spy. Vorhalle 00— FC. Vogelsar= ausgef. Westfalia Gevelsberg— FC. Ve n 1 0 abgebr. Sportunion Hagen— FC. We uccef. Spp. Haspe 28— Sportfr. Kat abgebr. 5. Gruppe Spp. Ferndorf— BfR. Altenhundem verlegt. Spp. Grevenbrück— Spp. Attendorn 1:3 abgebr. I. Gauklasse Auf dem Schnee— Viktoria Hagen 0:0 abgebr. Boßkuhle— Silschede 5:3 VfV. Westhofen— VfB. Wandhofen 0:9 abgebr. Spp. Grünewald— Sp. Sp. Oberbauer ausaef. Sp. Sp Oberrahmede— FC. Breckerfeld ausgef. SC. Eilpe— Reichsbahn TSV. Hagen 3:1 Spo Sundwig— Sp. Sp. Lichtendorf(L. verzichter) BfL. Iserlohn 24— Tv. Oestrich 9:0 abgebr. Spp. Bremke— SC. Hennen 0:1 abgebr. Sp. Sp. Deilinghofen— SC. Ergste 1:0 abgebr. SC. Geisecke— SC. Hengsen 1:1 abgebr. Gesellschaftsspiel. BfV. Wissen— Siegburg 1:3 Handball. I. Bezirkshandballklasse. Hagener=Staffel SC. Hagen 05— Reichsbahn TSB. ausgef. HC. Herdecke 30— Sportunion Hagen 6:0 abgebr. TRV. Hagen 72— Polizeisportv. Hagen ausgef. Lenne=Staffel VfR. Altenhundem— Spp. Eiringhausen ausaef. Jahn Werdoh!— Spp. Attendorn 1:1 abgebr. Sportfr. Lüdenscheid— Sppag. Plettenbera 1:1 abgebr. Siegener=Staffel Sportfr. Siegen 2.— Sp. Sp. Nieberschelden 1:2 Gauhandballklasse. B/B. Altena— Spy. Fröndenberg 4:5 Letmathe 28— Sp. Sp. Gevelsberg es ausgef. Westfalenmannschaft— Auswahlmannschaft Märkischer Gau 4:4(2:3). Das mit großer Spannung erwartete Treffen zwischen dem Turnkreis Westsalen und dem Märkischen Gau wurde bei strömendem Regen durchgeführt. Wenn auch die Leistungen auf beiden Seiten durch Sturm und Regen und schlechte Platzverhältnisse stark beeinträchtigt wurden, so war doch von einer Ueberlegenheit der Westfalenmannschaft nichts zu spüren. Ja, man hatte als Unparteiischer mitunter das Gefühl, als wenn die Auswahlmannschaft des Märkischen Gaues die bessere gewesen sei. Soviel steht fest, sie war schneller und vor dem Tore auch wurffreudiger während die Westfalenmannschaft zwar eine starke körperliche Ueberlegenheit zeigte, dafür aber bedeutend langsamer in ihren Spielhandlungen war. Sodann fehlte bei beiden Mannschaften das aufeinander eingestellte Stellungsspiel. Man sah zuviel Einzelgänge, die fast durchweg in einem Gewühl endeten. Besonders stark zeigte sich dieses bei den drei Innenstürmern der Westfalenmannschaft. Die beiden Außenstürmer waren tatsächlich nur Statisten. Auch die Läuferreihe der Westfalenmannschaft war nicht auf voller Höhe. Das Unentschieden ist besonders den beiden Verteidigern und dem Torwart zuzuschreiben, die sich von der besten Seite zeigten. Bei der Gaumannschaft gefiel besonders der Torwart. Nauch ihm wäre der Mittelläufer zu nennen. der eine stete Verbindung sowohl nach vorn wie auch nach rückwärts unterhielt und so sowohl beim Sturm als auch in der Verteidigung Hervorragendes leistete. Dabei wurde er vorzüglich von seinen beiden Nebenleuten unterstützt. Die Verteidigung kam diesmal nicht zur vollen Entsaltung, weil tatsächlich nur die drei Innenstürmer abgedickt zu werden brauchten. Der Sturm der Gaumannschaft verzettelte sich mitunter in Alleingängen und drückte zu sehr nach der Mitte. Spielverlauf: Nach anfänglichem aufgeregtem Spiel zeigt sich zunächst eine Ueberlegenheit der Gaumannschaft. Schon gleich in den ersten Minuten wird nach schönem Vortragen des Balles das erste Tor geworfen, das für den Torwart unhaltbar war. Durch dieses Ueberraschungstor werden die RotWeißen(Westfalenmannschaft) recht munter und versuchen mit aller Kraft den Ausgleich. Manche sonstige Gelegenheit zum Torwurf bietet sich, wird aber von den Stürmern nicht ausgenutzt. Dabei gehen allerdings einige Bälle haarscharf am Außentorposten vorbei Dann gelingt der Ausgleich. Das Spel wird von jetzt au bedeutend schneller und stebt im Itichen der Rot=Weißen, die ihre Torzahl auf 2 erhöben können. Nach Anwurf zeigt der Sturm der Gaumannschaft einen tadellosen Angriff, der für sie Tor 2 und damit den Ausaleich bringt. Bis zur Halbzeit hält die Ueberlegenheit der Gaumannschaft an. Sie zeigen ein vorzügliches Stellungsspiel und erzielen damit auch das Führungstor. Nach der Haldzeit spielt die Westfalenmannschaft gegen Wind und Regen. Diesen Nachtell aber glichen die Spieler durch ihre körperliche Ueberlegenheit glatt aus. Es bleibt auch in der zweiten Haldr##t ein stets spannender, wechselvoller Kampf. Gleich zu Anfang ziehen die Rot=Weißen gleich. Dann gibt es auf beiden Seiren viele heille Situationen im Abseitsraum, die aber nichts einbringen. Erst in der zweiten Spielhälfte gebt der Märkische Gau in Führung. Der Ausgleich erfolgte dann kurz vor Schluß durch einen Freiwurs. Das Spiel hat gezeigt, daß die Spielstärke im Märkischen Gau ungleich stärker ist als wie in den letzten Jahren. Ihre Ueberlegenheit gegenüber den Rot=Weißen wäre noch in Erscheinung getreten, wenn das Wetter nicht allzu stürmisch und der Boden nicht allzu schlüpfrig gewesen wäre. Handball. Kreisklasse. Gau Hellweg=Mark. Dortmunder Tad.— Eintracht Lütgendortmund 2:1(2: 0). Ein flottes, teilweise hartes Spiel, erst in den letzten Minuten kann Lütgendortmund das Ehrentor werfen. Brambauer— Dorstfeld O: 2(9; 2) Holzen— Brechten 2:6(1: 6) Eine Ueberraschung. da Brechten noch keine Verlustpunkto hat aber gegen Holzen kommt Brechten nicht auf. Germania Lütgendortmund— Wellinghofen 1:1(0: 1). Beide Mannschaften zeigten ein seines und flottes Spiek. Bergkamen— Hamm 77 S:2(8: 1). Der Spitzenführer Hamm sieht sich zum ersten Male ger schlogen, und zwar vom Neuling in der Kreisklasse. Ganklasfe. Priorei 1.— Tus Eilpe 2. 4: 1. Kreisklasse. Gau Minden=Ravensberg. MTV. Minden— Oeynhausen 1:5 1:2) Tad. Herford— Gohfeld 0:1(0: 1) Lenne.Volmegan: Spielrube. Leune,Volmegan. Tabelle. Gruppe A: Lüdenscheid=Grüncwald: 4 Spiele. 8 Punkte Tad. Lüdenscheid: 4 Spiele, 6 Punkte Lüdenscheid 61: 4 Spiele, 4 Punkte Germania Altena: 4 Spiele, 2 Punkte MTV. Altena: 4 Spiele, 0 Punkte. Gruppe B: Jahn Plettenberg: 4 Spiele, 8 Punkte Jahn Werdohl: 3 Spiele, 4 Punkte Jahn Ohlen: 3 Spiele, 2 Punkte Tus Weringhausen: 8 Spiele, 2 Punkte Tv. Plettenberg: 3 Spiele, 0 Punkte. Ein Münsterland. Recklinghausen=TR— Dd. Siadbeck e:! nach Halbz. algiln. * Schlußübung der Westhofener freiw. Feuerwehr unter Beteiligung der Feuerwehr Brüninghaus, der freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und des Arbeitersamariterbundes Westhofen. Schwerte, den 3. November 1930. # Am letzten Samstag nachmittag gegen 4¾ Uhr erschallten Alarmsignale der freiw. Feuerwehr durch die Straßen und Gassen Westhofens, um die Mitglieder der Wehr zu einer unverhofften Uebung, die gleichzeitig als Schlußübung gedacht war, zusammenzurufen. Trotz der überaus schlechten Witterung— es regnete fast unaufhörlich— war der Alarm für alle Wehrleute ein Zeichen, schnellstens zur Stelle zu sein, um ihr Können und ihre Pflichttreue im Dienste der Nächstenliebe unter Beweis zu stellen. Viele Zuschauer hatten sich, den Regen nicht achtend, eingesunden, um dieser Schauübung größeren Stils beizuwohnen, u. a. auch Bürgermeister Arndt. Ferner war die Presse anwesend. Angenommen war der Ausbruch eines Brandes auf dem Kersebohm' schen Gehöft, der auf die benachbarten Gebäude in der Hochstraße übergriff. Wegen der Gefahr der Brandausdehnung war gleichzeitig die in Ergste stationierte Motorspritze mit der dazugehörigen Begleitmannschaft alarmiert. Am Brandherd selbst hatte man sogen. Rauchpulver gelegt, das einen Brand auf das Beste vortäuschte, und das das Gehöft bald in Rauch ganz einhüllte. Das Straßenstück von der Wirtschaft Schulte bis zur Wirtschaft Asbeck war während der Uebung, die etwa 1¼ Stunde in Anspruch nahm, für den öffentlichen Verkehr gesperrt, sodaß auch hinsichtlich der Personengefährdung bestimmte Vorsichtsmaßregeln getroffen waren. Etwa 10 Minuten nach Alarmierung traf die freiw. Feuerwehr Westhofen mit Gerätewagen, Schläuchen usw. am Brandherd ein und ging sofort in eifrigster Weise dem Feuer zu Leibe. Auch der Löschzug vom Buchholz war bald darauf zur Stelle. Mit 2 Schlauchleitungen wurde das Wohnhaus zunächst unter Wasser gesetzt. Die sich im Wohnhause befindlichen Personen mußten schnellstens gerettet werden, zumal die Räume stark verqualmt waren und Rauchvergiftungen nahe lagen. Das Treppenhaus war bereits ausgebrannt, sodaß die Eingeschlossenen durch die im Obergeschoß sich befindlichen Fenster gerettet werden mußten. Mit Rauchschutzmasken stiegen einige Wehrleute ein und konnten das Rettungswerk vollenden.— Neben der etwa 15 Minuten nach Alarmierung eingetroffenen Feuerwehr Brüninghaus, die die Magirusleiter gleich an dem Hövelmann'schen Hause, dessen Dachstuhl Feuer gefangen hatte, hochschraubte und die Motorspritze in Tätigkeit setzte, waren die freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz unter ihrem Leiter Bonacker und der Arbeitersamariterbund unter der Führung von Krämer eingetroffen, um den Verletzten die erste. Hilfe angedeihen zu lassen und evtl. Wiederbelebungsversuche vorzunehmen. Gleichfalls war der Krankenwagen zur Stelle, um die Verunglückten zu transportieren. Viele Verunglückte, die Brandschäden erlitten hatten, wurden mittels Bahren aus der Gefahrenzone geschafft. Der Kolonnenarzt Dr. Bachmann war gleichfalls zur Stelle, um Zeuge dieser Uebungen zu sein. Sogar einigen Wehrleuten, die mehr oder minder schwer zu Schaden gekommen waren, mußten Verbände angelegt werden, was in allen Fällen in einwandfreier Weise erfolgte. Oberbrandmeister Brenzel von der freiw. Wehr gab in exakter Weise seine Kommandorufe ab, denen schnellstens nachgekommen wurde. 4 Schlauchleitungen waren in Tätigkeit gesetzt. Unterdessen war auch das Westerhoff'sche Stallgebäude vom Feuer ergriffen und brannte „lichterloh". Durch Benutzung roter Beleuchtungskörper wirkte der Brand ungemein natürlich, was durch die hereingebrochene Dunkelheit noch erhöht wurde. Da sich im Stallgebäude Benzollager befanden, mußten die Wehrleute nach angestrengtester Tätigkeit für kurze Zeit zurückgezogen werden, da hier Explosionsgefahr bestand, die bald durch mehrere heftige Böllerschüsse ihre Bestätigung erhielt. Die Motorspritze von Ergste, die um 5,25 Uhr am Brandplatz erschien, leistete gleichfalls tatkräftige Hilfe und am Schluß der Uebung waren es 5 Schlauchleitungen, durch die erhebliche Wassermengen den brennenden Gebäuden zugeleitet wurden. Der ohne Unterbrechung anhaltende starke Regen vermochte es nicht, alle am Rettungswerk Beteiligten auch nur Minuten von ihrer aufopferungsreichen Tätigkeit abzuhalten. Alles in allem, man kann diese Uebung als nur gelungen bezeichnen, wenn es auch hier und da noch kleinere Fehler gab, die bis zum nächsten Male bestimmt abgestellt sind. U. E. sind auch noch bestimmte Schlauchstücke wegen Schadhaftigkeit durch neue zu ersetzen oder zu reparieren. Das zu bestimmen, möge der zuständigen Stelle überlassen bleiben. Im Anschluß an die Uebung versammelten sich Wehrleute, die Mitgliedr der freiw. Sanitätskolonne und des Arbeitersamariterbundes im Asbeck'schen Saale, wo Bürgermeister Arndt zum Ausdruck brachte, daß die Uebung als in allen Teilen gelungen angesehen werden müsse. Wenn die Leitung der Wehr sich entschlossen habe, dieses Mal keine Uebung in dem gewohnten engen Rahmen, sondern eine solche im weiteren Ausmaße zu veranstalten, so habe sie damit keine Schauübung dem zahlreich erschienenen Publikum bieten wollen, sondern der alleinige Zweck sei gewesen, die Leistungsfähigkeit und Schlagfertigkeit der Wehr zu erproben. Nach dem Eindruck, den er bei der Uebung gewonnen habe, könne er nur sagen, daß alles Dargebotene, vom Augenblick des Alarms an bis zum Schluß der Uebung, vollauf befriedigt habe und daß aufs Neue der Beweis gegeben sei, daß Westhofen mit Stolz und schönsten Hoffnungen auf seine Feuerwehr schauen könne. Anschließend sprach der Bürgermeister allen Feuerwehrleuten den Dank der Stadt für ihre in diesem Jahre geleistete uneigennützige Tätigkeit aus. Ebenfalls dankte er der Wehr der Firma Brüninhaus, der Freiw. Sanitätskolonne und dem Arbeiter=Samariterbund für ihre eifrige Mitwirkung bei der Uebung. Bei einem fröhlichen Umtrunk blieben die Anwesenden dann noch längere Zeit in Eintracht und Harmonie zusammen. L=x. Rucksack oder Stadtkoffer? Für einen rechten Wanderer ist das eine etwas komische Frage. Aber habt ihr nicht schon gesehen, wie viele mit Stadtkoffern hinauswandern? Ein Stadtkoffer ist gewiß ein praktisches Gerät, aber wer ihn auf Touren mitnimmt, der kann das nur tun, weil er die Vorzüge des Rucksacks noch nicht erkannt hat. Beim Rucksacktra= gen hat man Arme und Hände frei, die man auf beschwerlichen Wegen, beim Auf= und Abstieg usw. oft notwendig braucht. Der Rucksack ist wetterbeständig und kann unsanfte Behandlung. vertragen, die man dem Stadtkoffer nur zu leicht ansieht. Das Tragen des Rucksacks ermüdet kaum, beim Stadtkoffer macht sich das einseitige Tragen bald störend bemerkbar. Der Stadtkoffer ist, wie sein Name besagt, bei Besorgungen in der Stadt am Platze, für die Wanderung ist dem Rucksack der Vorzug zu geben. Dortmunder Stadttheater Spielplan von Montag, den 3. November, bis Sonntag, den 9. November 1930. Montag, den 3. November, 20 bis gegen 22 Uhr: Konzert des Städtischen Orchesters. Dienstag, den 4. November, 20 bis gegen 22,15 Uhr:„Ariadne auf Naxos“. Oper von Rich. Strauß. Mittwoch, den 5. November, 20 bis 22,30 Uhr:„Das Land des Lächelns". Donnerstag, den 6. November, 20 bis nach 22,30 Uhr:„Juarez und Maximilian", Dramatische Historie von Franz Werfel. Freitag, den 7. November, 20 bis gegen 23 Uhr:„Macbeth“. Oper von Guiseppe Verdi. Samstag, den 8. November, 20 bis 22,30 Uhr:„Das Land des Lächelns". Sonntag, den 9. November, 15,30 bis 18 Uhr: „Das Land des Lächelns“.— 20 bis 22,30 Uhr: „Das Land des Lächelns“. Was hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 4. November 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplaktenkonzert. 10,50: Werbevortrag. 11,05: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderstunde. 16,05: Die Welt im Buch. 16,30: Mitteilungen aus dem Schulsunk. 16,50: Aus dem Leben der höheren Schule. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Für den Landwirt. 19,55: Französische Unterhaltung. 19.40: Aus der Praxis, der Reichsunfallversicherung. 20,00: Jagd=Musik. 20,45: Erste Abendmeldungen. Anschließend Weidmannsheil. Auflösung des Kreuzworträtsels aus der Samstag=Nummer Bielefeld. Sittlichkeitsarbeit in Westfalen. Am 30. Oktober d. J. fand eine Vertretersitzung des Westdeutschen Sittlichkeitsvereins in Bielefeld statt. An Stelle des Pfarrers Waubke, der bisher die Sittlichkeitsarbeit in Bielefeld geleitet hat und in den Ruhestand getreten ist, hatte Pfarrer Pawlowsky den Vorsitz der Versammlung übernommen. Zuerst berichtete Lic.! Pryzybilski=Dortmund über die Arbeit der Fabrikmission, die man neuerdings in einigen Städten Westfalens in Angriff genommen hat. Man war sich darüber klar, daß die Mission mit Hilfe des gedruckten Wortes wenig Erfolg haben könne und daß nur die persönliche Arbeit von Mensch zu Mensch Erfolg verspreche. Es wäre auch verkehrt, Rezepte für diese Arbeit zu geben. Jedem einzelnen Falle müsse die Art der Arbeit angepaßt sein. An zweiter Stelle sprach Wohlfahrtspfleger Siebert=Bochum über das Gaststättengesetz. Er ging dabei auf die Geschichte des Gaststättengesetzes ein, das vom 1. Juli d. I. Rechtskraft besitzt. Es wurde betont, daß man auf der einen Seite noch viele Wünsche übrig habe, daß man aber andererseits sich über das Gesetz freuen könne, wenn wirklich alle Schichten des Volkes zur Verwirklichung desselben mithelfen würden. Der westdeutsche Sittlichkeitsverein wird in kürzester Zeit das Gesetz mit Ausführungsbestimmungen und Erklärungen herausgegeben. An dritter Stelle sprach Professor Sellmann=Hagen über die Entsittlichung des Landes, ihre Ursache und ihre Bekämpfung. Er ging davon aus, wie schwierig es sei, den Tatbestand festzustellen. Die Verhältnisse liegen auf dem Lande in den verschiedensten Gegenden Deutschlands immer wieder ganz anders. Bedauerlich ist es aber, daß die Verstädterung immer weiter vordringt und daß die Stille daselbst immer mehr mit dem Vorwärtsschreiten des Radios und der Schallplatte verschwindet. Zur Hebung der Sittlichkeit auf dem Lande gibt es mancherlei Maßnahmen, wozu auch Gemeindebüchereien, Volkshochschulheime gehören. Vor allem wurde es als wertvoll angesehen, den Einfluß der Kirche und Schule, die auch noch in der Gegenwart die großen Volkserzieherinnen bleiben müßten, zu stärken. An letzter Stelle sprach Rektor GreefElberfeld über die Erziehungsgemeinschaft zwischen Schule und Haus zur geschlechtlichen Bewahrung der Jugend. Auch an dieser Stelle wurde die Zusammenarbeit von Kirche, Schule und Haus gefordert und nachdrücklichst noch auf die BBestrebungen des seruellen Jugendschutzes, der hier wertvollste Hilfe leistet, hingewiesen. Mehrfach wurde der hohe Wert der Mütterschulung betont. Die diesjährige Jahrestagung des Westdeutschen Sittlichkeitsvereins findet in Koblenz statt. An der Tagung in Bielefeld nahmen Vertreter der Synoden des östlichen Westfalens, Wohlfahrtspfleger, Fürsorgerinnen und Vertreter der Jugend— und Wohlfahrtsämter teil. Auminium=Schweißungen, Dreharbeit Empfehle meinen offenen 6 Sitzer Personenwagen zu Privatfahrten bei billigster Berechnung R. Bischoff Beckestraße 5 Ruf 2900 Perupisch durreatschr Massemburrir Jetzt ist es Zeit die Erneuerung der Lose für die 2. Ziehung vorzunehmen. Gewinnlisten der 1. Ziehung soeben eingetroffen. Buchhandlung Carl Braus Sahnhostraße 3 Zwangsversteigerung# Lichtspiele zur Reichskrone Am Dienstag, den 4. ds. Mts., vorm. 11 Uhr, werde ich in Schwerte 3 Faß Bier öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern.. 4008 Treffpunkt für Interessenten: Wirtsch. Möller, Westenstraße. Schwerte, d. 3. 11. 1930. H. Trausch. Obergerichtsvollzieher, Schwerte. Aelteres Fräulein, geschäftsgewandt, als Fittat leiterin gesucht. 4004 Angebote unt. B. M. 100 an d. Geschst. d. Zta. Ein gut rechnender Kaufmann— muß und wird inserieren! Technikum Lemge I. Lippe Moch-, Tiel- u. Eisenbeionbau Maschinenbau. Elektrotechnik Heute zum letzten Male Der erste Sensations-Tonfilm Im Kampf mit der Anteriden (Ich träum vom ersten Kuß) 9 Akte Spannung, Tempo, Humor rollen. Im Beiprogramm Kamerad Slag Die Tragödie eines Walsenkindes. 6 Akte. Wochenschau Ten-Lustspiel Nr. 258(Zweites Blatt) Holtuit s Montag, 3. November 1930 Reins Fauer? König Fuad I., von Englands Gnaden König von Aegypten, hat seinen Namen unter eine Verfassungsresorm gesetzt, die an und für sich nicht so schrecklich undemokratisch ist, wie seine Gegner behaupten. Aber unter den besonderen Umständen, die zu dieser Reform geführt haben, erhält sein Schritt etwas Reaktionäres, Antinationales und Diktatorisches. Niemand weiß, wie die Aegypter darauf reagieren werden, aber man kann jetzt schon sagen: Die Anhänglichkeit und das Vertrauen zur Dynastie Fuads wird dadurch in den Massen der Unwissenden nicht gestärkt. Das Kernstück der Reform ist einmal die Aenderung des Wahlrechts und zum anderen die Umgestaltung des Senats zu einem Instrument der Krone. Die erste ägyptische Verfassung von 1923— so jung ist noch der Parlamentarismus am Nil— kannte kein direktes, sondern nur das indirekte Wahlrecht. Die erste Wafdregierung von 1924 führte das direkte Wahlrecht ein und beherrschte mit seiner Hilfe bisher alle Parlamente soweit sie überhaupt ins Leben traten oder am Leben gelassen wurden. Die neue Reform schafft das direkte Wahlrecht ab und läßt durch 50 Wahlberechtigte, die jetzt 25 Jahre alt sein müssen, je einen Wahlmann wählen, der dann den eigentlichen Abgeordneten aus einer Schicht von Besitzenden oder Gebildeten wählt. Zugleich wird die Zahl der Abgeordneten der der Kammer auf 150, die der Senatoren auf 100 herabgesetzt. Es fragt sich, ob dadurch der Einsluß des Wafd wirklich gebrochen werden wird. Man darf nicht vergessen, daß vor allem die Intelligenz und die Studentenschaft fanatische Wasdischen sind. Einschneidender ist der Beschluß, den Senat künftig zu drei Fünsteln durch den König ernennen zu lassen, gegen bisher zwei Fünftel. Diese Bestimmung macht das Oberhaus zu einem gefügigen Instrument der Krone, und es kann nun jedes mißliebige Gesetz verhindern. Ferner wird die Parlamentssession verkürzt, das Mißtrauensvotum erschwert, die Wahlprüsung den ordentlichen Gerichten, d. h. dem Einfluß der Krone ausgeliefert, die Ministerverantwortlichkeit durch den Senat praktisch wertlos gemacht, das gegenwärtige Parlament sofort aufgelöst, und die neue Verfassung ohne Zustimmung der Volksvertretung in Kraft gesetzt. Das hat zur Folge, daß Aegypten mindestens auf ein Jahr hinaus durch Kabinettsordre regiert wird, denn die Herstellung der neuen Wahllisten dauert in Aegypten so lange. In dieser Uebergangszeit der Diktatur des Königs hofft nan mit Hilfe einer ergebenen Polizei und der Armee jeden Widerstand zu brechen und die neue Ordnung zu festigen. Nun bedeuten in Aegypten Polizeigewalt und persönliches Regiment viel mehr als in Europa, aber aus einer Prüfung der Lage ergeben sich doch lebhafte Zweifel, ob König Fuad wohl beraten war, als er sich zu diesem Schritt entschloß. Es kam bekanntlich schon im Juni Von Dr. Karl Megerle. der Schließung Einstweilen hat Fuad die Initiative an sich gerissen und ist der Revolution von unten durch die königliche Revolution zuvorgekommen. Ueber kurz oder lang werden aber doch die Schüsse fallen, welche die Entscheidung zwischen der Krone und dem ägyptischen Nationalismus bringen. des Parlaments zu schweren straßenkämpfen in Kairo und Alexandria. Diesmal können sich die Wafdisten darauf berufen, daß die Demokratie und der Parlamentarismus in Gefahr seien, und diese Argumente ziehen bei den Massen um so mehr, als auch noch die schwierige Wirtschaftslage die Gemüter in Aegypten erhitzt. In Wirklichkeit geht es aber nicht um einen inneren Streit zwischen Krone und Volksvertretung, sondern um die Entscheidung zwischen England, dem wirklichen Herrscher am Nil, und dem ägyptischen Nationalismus. Die letzten Vertragsverhandlungen, von Nahas Pascha selbst geführt, brachen an der Sudanfrage zusammen. Alle anderen Kabinette waren nachgiebiger gewesen und hatten sich aus dem Zwiespalt zwischen dem unnachgiebigen ägyptischen Nationalismus und den Forderungen Englands auf Beherrschung der Wege durch Aegypten und des Sudans dadurch zu helfen gewußt, daß sie das wafdistische Parlament aufhoben. Der Wafd würde aber seinen eigenen Bestand gefährden, wenn er in nationalen Fragen nachgäbe. Denn er ist seinerzeit von dem Nationalhelden Zaglul Pascha nach dessen Rückkehr aus den englischen Gefängnissen zum Zweck der Eroberung der vollen ägyptischen Freiheit gegründet worden. Solange eine Demokratie besteht, wird er immer die Massen zu seiner Verfügung haben. Daß der Wafd jeden Vertrag mit England verhinderte, ist in englischen Augen seine unverzeihliche Schuld, und daher erklärte sich auch der Widerspruch, daß die englische Labourregierung den Staatsstreich Fuads billigt, während sie in England die Hüterin des reinen Parlamentarismus ist. Ein Sieg des Wafd würde sicher das Ende Fuads bedeuten und Aegypten zu einer Republik machen, falls sich nicht das bequemere Mittel einer neuen Dynastie bietet, für die bereits Anwärter vorhanden sind. Nach den Erfahrungen, die zahlreiche andere orientalische Könige mit der englischen Gunst machten, könnte sich auch Fuads Rechnung als falsch erweisen. In dem Augenblick, wo England mit einer ägyptischen Republik oder einer anderen Dynastie weiter zu kommen glaubt, stößt es sich durchaus nicht an Fuads Rechten. Ohne Zweifel wird Fuads Regierung nun versuchen, den Vertrag mit England unter Dach zu bringen. Er bietet Aegypten so viel Freiheit, wie es zur Zeit überhaupt erlangen kann. Denn solange Großbritannien um Indien und um den Weg nach dem indischen Ozean kämpft, muß Aegypten diejenigen Zugeständnisse machen, die England fordert. Am Nil wird aber jede Partei und jede Regierung, welche die englische Kontrolle des Suezkanalgebietes und die englische Beherrschung des Sudans vertraglich anerkennt, dieses Zugeständnis mit ihrer Vernichtung zu büßen haben. Der Wafd hat sich klüglich dieser Situation entzogen. König Fuad scheint das Risiko zu wagen und wird die Folgerungen zu ziehen haben. Hauptversammlung des Westfälischen Städtebundes Dortmund, 31. Oktober. Unter dem Vorsitz des Ersten Bürgermeisters Hagedorn(Gronau) trat hier der Westfälische Städtebund zu seiner diesjährigen Hauptversammlung zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand ein Referat des Geschäftsführenden Präsidenten des Reichsstädtebundes, Dr. Haekel=Berlin, der über die Stellung der Städte zum Finanzprogramm der Regierung sprach. Der neue Finanzplan der Reichsregierung sei grundsätzlich zu begrüßen als ein wichtiger Schritt zur Gesundung der öffentlichen Finanzen. Er dürfe sich aber für 1930 nicht auf eine Sanierung des Reichsetats und der Arbeitslosenversicherung beschränken, sondern müsse auch den Gemeinden durch sofortige Notmaßnahmen für den Winter 1930 Hilfe bringen. Die neue Verordnung über die Krisenfürsorge komme zwar der Forderung der kommunalen Spitzenverbände insoweit entgegen, als sie die Krisenfürsorge auf alle Berufe mit Ausnahme der Landwirtschaft, der Hausangestellten und der Arbeitslosen unter 21 Jahren ausdehne, aber sie überlasse diese Ausdehnung in Gemeinden unter 10000 Einwohnern den Präsidenten der Landesarbeitsämter. Es darf erwartet werden, daß bei ihrer Entscheidung nicht siskalische Gesichtspunkte in den Vordergrund treten, sondern daß die Notstände der kleineren Gemeinden in derselben Weise Berücksichtigung finden, wie die der größeren Städte. Auf der anderen Seite bedeutet die Verkürzung der Krisenunterstützungsdauer um 7 Wochen und bei den Personen über 40 Jahre sogar um 7 bis 20 Wochen, eine weitere unerträgliche Belastung für die Gesamtheit der Gemeinden, ebenso die künftige grundsätzliche Ausschaltung der Arbeitslosen mit kurzer Anwartschaft aus der Krisenfürsorge. In Anbetracht der heutigen Notzeit sind rigorose Sparmaßnahmen bei allen Körperschaften des öffentlichen Rechts unvermeidlich. Auch die gemeindlichen Selbstverwaltungen seien verpflichtet, unter Zurückstellung aller politischen Bedenken von den Steuermöglichkeiten der Notverordnung vom 26. Juli 1930 soweit Gebrauch zu machen, als es zur Deckung des HaushaltsFehlbetrages erforderlich ist. Da aber bei Ausnutzung aller dieser Möglichkeiten nur ein Bruchteil des Haushaltsdefizits für 1930 aufgebracht werden kann, sei eine weitere Hilfe des Reiches unerläßlich. Eine Deckung der Fehlbeträge durch neue kurzfristige Kredite der Gemeinden müsse unter allen Umständen als äußerst gefährlich vermieden werden. Für die Einbeziehung der Gemeinden in den für das Reich für 1930 vorgesehenen Ueberbrückungskredit oder eine mäßige und tragbare Erhöhung der Umsatzsteuer oder eine Hilfeleistung des Reiches für die dringendsten Notstände aus einem besonders zur Verfügung zu stellenden Ausgleichsfonds für 1930. Die wirksamste Hilfe würde darin liegen, daß die Gemeinden durch das Reich von der Fürsorge für die Wohlfahrtserwerbslosen befreit würden. Schwere Gefahren drohen den Gemeinden auch für 1931, da der Rückgang an Reichssteuerüberweisungen und Realsteuern für 1931 erheblich höher sein wird als die Ersparnis infolge der Besoldungskürzung. Auf der anderen Seite ist mit einer Minderung der Ausgaben für Wohlfahrtserwerbslose 1931 kaum zu rechnen. Daraus ergibt sich die Verpflichtung des Reiches, auch für 1931 die Gemeinden zu entlasten. Besondere Bedenken sind gegen den Finanzplan der Reichsregierung über die Neuregelung der Wohnungswirtschaft zu erheben. Die von der preußischen Regierung vorgeschlagene Verlängerung der Schulpflicht um ein Jahr dürfe unter keinen Umständen zu einer Belastung der Gemeinden führen. Die Versammlung nahm dann noch einen Vortrag des Archivdirektors Dr. GlasmeierVelen über„Die westfälischen Städte und ihre Archive“ sowie einen Vortrag des Direktors der westfälischen Planungsstelle für Siedlungswesen, Dr. Richter=Münster, über„Reichsgerichtsurteil und Fluchtliniengesetz Praxis“ entgegen. im Spiegel der Hilfe für die Landwirtschaft Hilfe für die Landwirtschaft, von welcher Seite sie in der heutigen schweren Zeit auch immer kommen mag und in welcher Weise sie den schwer um ihr Dasein kämpfenden Landwirten geboten wird, stets verdient ein solches Werk allgemeine Beachtung. Rosige Zeiten hat heute kein einziger Wirtschaftsstand in Deutschland. Drohend umschwebt der Pleitegeier so manches alte Unternehmen. Das ist bekannt. Aber immer noch nicht genug bekannt sind die Sorgen und Nöte des Landwirts. Wer weiß, besonders in der Stadt, daß auch der Landwirt unter dem allgemeinen Niedergang des gesamten Wirtschaftslebens leidet, welche großen Anforderungen täglich gerade an ihn gestellt werden. Der Rundfunk, der sich schon seit langem für die Belange der Landwirtschaft einsetzt, hat es sich neuerdings zur Aufgabe gemacht, in einer Vortragsfolge die besonderen Notgebiete Deutschlands, die in der Oeffentlichkeit wenig Beachtung finden, von sachverständiger Seite zu schildern. „Landwirtschaft in Not“ betitelt der„Westdeutsche Rundsunk“ diese neue Vortragsreihe, die kürzlich Graf Stenbock=Fermor mit der Schilderung erschütternder Bilder aus dem Elend des Frankenwaldes begann. Zu dem Thema„Schlesische Sorgen“ sprach ferner Redakteur Georg Beyer, der den Hörern seine Eindrücke vermittelte, die er auf einer vom Auswärtigen Amt veranstalteteten Studienreise in Schlesien erhalten hatte. Weitere Vorträge werden diesen „Sei klug, Amélie!“ Roman von Margarete von Saß Woorieht de Mlente Teanchuger Kale r) 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Nach Baden=Baden— also doch— beide zusammen und Bernburgs, die waren mit von der Partie, die hatten wohl die Chose arrangiert, hatten wohl den Plan mit Markow ausgeheckt! Ein kaum bezähmbarer Zorn stieg in ihm auf. Sicher, so war es, Amélie sollte mit Markow zusammengekuppelt werden; als Gräfin Markow, im Hintergrunde ein stattliches Rittergut und ein Riesenvermögen, paßte sie schon besser zu ihnen. Sie rechnete wohl damit, daß sie sich freimachen würde? Das hatte sie ja auch vor. Das alles ging von Bernburgs aus. Ein Schimpswort, häßlich, gemein, wollte über die Lippen; aber er würgte es hinunter. Von sinnloser Aufregung gepackt, stürmte er vorwärts, stieß mit einem jungen Menschen zusammen, der hinter ihm herschimpfte. Er hätte es nicht bemerkt, wenn dieser ihn mit Steinen beworfen hätte. Er sah und hörte nichts von dem, was um ihn herum vorging, fühlte nur das: sie ist fort, fort mit einem anderen! Das war ja nicht zu fassen! Seine Amélie! Sein Blick umflorte sich. Herrgott, das fehlte noch, daß er weinte, weinte wie ein altes Weib! Nach Baden=Baden fahren, den Kerl provozieren, daß er hinterher fordern mußte und dann ihn niederknallen; ja, so wollte er es machen. Aber so einer forderte nicht— ein Russe— nein, dem fällt es gar nicht ein. Man müßte es versuchen. Er riß den Hut voni Kopfe, damit der Wind seine erhitzte Stirn kühlte. Langsam kam ein Besinnen über ihn. Ich kann ihn nicht anfallen mit einer Ruppigkeit; das wäre unhöflich. Daß er mit Amélie zu gleicher Zeit in Baden=Baden ist, daraus kann ich nicht herleiten, daß er meiner Ehre zu nahe getreten ist. Amélie ist unter dem Schutz ihrer Geschwister gereist; es ist nicht einmal erwiesen, daß Markow mit ihnen zusammen gereist ist. Wahrscheinlich ist es so; es kann auch anders sein. Er ist nach Baden=Baden zum Rennen gefahren, wird wohl gewußt haben, daß er sie dort antrifft. Nein, das konnte so oder so gedreht werden. Er fühlte schmerzvoll deutlich seine Wehrlosigkeit. Aber Amélie, die konnte er zur Rede stellen, sie auf Ehre und Gewissen fragen, was sie vor hatte? Ob sie den Mut haben, würde, es ihm ins Gesicht hinein zu sagen? Und wenn ja, was dann weiter? Er wußte es nicht, fühlte nur deutlich, daß etwas in ihm entzwei war, das nie mehr zusammengeflickt werden konnte. Wenn er sie fortholte aus Baden=Baden, mit Gewalt nach Kreith mitnahm, davurch wurde auch nicht alles gut. Der Glaube war dahin. Wenn sie den anderen liebte, dann riß er ihr mit seinen Rechten als Ehemann diese Liebe noch lange nicht aus dem Herzen. In sein scharf geschnittenes kühles Gesicht stieg wieder eine heiße Röte. Als Schmach empfand er es, daß er diese Dinge so in Ruhe bedenken konnte. Und doch war es nötig. Ruhe— Ruhe! Nach Kreith zurückfahren, sich in die Arbeit stürzen, in der Arbeit Vergessen suchen. Das beste wäre, sagte sein Verstand, aber sein heißes Blut rebellierte dagegen. Nach Kreith zurückkommen ohne Aniélie; er sah im Geiste Ludmillas und Suses Mitleidmienen, und eine heiße Scham würgte ihn. „* Beunruhigt blickten Bernburgs einander an. Was war mit Amélie? Alle Farde war plötzlich aus ihrem Gesicht gewichen und ihre Augen hatten auf einmal einen Blick, der so voller Qual war, daß es einem zu Herzen ging. Und man hatte sich doch alle Mühe gegeben, sie aufzuheitern. Markow, den man hier getroffen hatte, widmete sich ihr ausschließlich. Man saß auf der Terrasse des Kurhotels an einem Tische, der für sie reserviert war, und unterhielt sich bei den Klängen italienischer Serenaden; mitten in der Unterhattung hatte Amélie ein Gefühl trostloser Verlassenheit überfallen. Die Musik in ihrer leidenschaftlichen Innigkeit hatte sie ergriffen, hatte heiße Sehnsucht in ihr erweckt, und sie wußte auf einmal, daß der freiwillige Verzicht auf den geliebten Mann alles Glück ihres Lebens zerstörte und eine tödliche Traurigkeit ersüllte ihr Herz. Und dieser Traurigkeit gab sie sich hin mit der ganzen Leidenschaftlichkeit ihres liebenden Herzens. Lilly neigte sich zu ihr, machte den Versuch, sie aus ihrer Versunkenheit aufzurütteln. „Amélie, hör doch, Mascagni! Du liebst doch seine Musik— Intermezzo aus„Cavalleria rusticana"". Sie nickte Lilly zu, erhob sich und berührte in flüchtigem Druck ihre Hand. „Verzeih, Lilly!“. Leise hatte sie es ihr zugeflüstert, und dann war sie fort. Auch Markow hatte sich für Augenblicke entfernt. Lilly fand Amélie in ihrem Zimmer, in Tränen aufgelöst. Sie riß sich sofort zusammen, als die Schwester vor ihr stand. Mit einem wehmütigen Lächeln im verweinten Gesicht sagte sie:„Verzeih, Lilly, daß ich euch davonlief! Die Musik war schuld, die hat meinen Schmerz so aufgewühlt, daß er mich überkam. Du, Lilly, ich fühle jetzt, daß ich mir zuviel zugemutet habe, als ich eure Einladung annahm. Musik und frohe, sorglose Menschen sind eben nichts für mich; ich brauche den Alltag mit Arbeit und Pflichten. Sei mir nicht böse, wenn ich vor euch heimfahre.“ „Ach, Amélie bleibe hier. Wenn dir die Musik auf die Nerven fällt, so bleibe fort von den Konzerten; du kannst hier allerlei Zerstreuung haben. Zu Hause wärest du jetzt ganz allein. Nein, ich lasse dich nicht fort, ich denke nicht daran. Damit du dich da in deinem Schmerz vergraben kannst". Amélie schüttelte langsam den Kopf, sah mit todestraurigen Augen vor sich hin. „Ich werde es nicht tun, ich werde arbeiten, ich verspreche es dir.“ Ihre Stimme klang unsicher, wie in verhaltenem Schluchzen. Lilly war erschüttert. Dumm war die Geschichte, die Amélie auf sich genommen hatte, um Joachim zu einem glücklichen, sorglosen Leben zu verhelfen. Vielleicht wird es ihr gelingen; aber sie selbst wird dabei zugrunde gehen. Und wer trug dann die Schuld? Nicht nur Ludmilla, diese abscheuliche Intrigantin, die sie da hineingetrieben hatte, auch sie und Adolf, die darum wußten und alles ruhig geschehen ließen. Ach, sie war so böse auf Ludmilla und auf Suse Obernitz die sie gar nicht kannte, und auf Joachim, der am Ende schon diesem raffiniertem Weib ins Garn gegangen war— auf alle Welt war sie böse. Amélie hob den Blick zu ihr. „Sei gut, Lilly, laß mich gehen. Ich habe Sehnsucht nach meiner kleinen, stillen Stube, mir ist, als erwarte mich dort etwas Beson deres.“ Lilly sah sie mit einem langen Blick an. Eine Hoffnung kam ihr. Vielleicht erwartet sie wirklich etwas Besonderes. War Joachim dort, um sie zu holen? Das wäre die Erlösung! „Ja, fahre, Amélie, fahre mit dem nächsten Zuge, wenn du willst. Ich fühle auch, es ist besser für dich“. Sie klingelte nach dem Mädchen, verlangte nach dem Kursbuch. Der nächste Zug nach Berlin ging um sechs Uhr früh; es war eif Uhr abend. „Also eine Nacht mußt du noch bleiben. Wenn du morgen früh fährst, kannst du abends in Berlin sein.“ Dann regten sich Bedenken. „Daß du allein fahren sollst— und die späte Ankunft? Ob du nicht doch noch ein paar Tage wartest— Markow fährt in einigen Tagen?“ „Nein, nein!“ Sie wollte allein reisen, es war ihr lieber so. (Fortsetzung folgt.) ersten Anfängen der neuen Vortragsreihe folgen, um allmählich der großen deutschen Hörergemeinde einen Gesamteindruck über die Not der Landwirtschaft im ganzen deutschen Reiche zu geben und so alle Kreise der Bevölkerung wach zu rütteln. Denn von dem Wohlergehen der deutschen Landwirtschaft hängt letzten Endes auch das Wohlergehen des Städters ab. Bis zu welchem Grade dies der Fall ist, haben uns die Kriegsjahre mit dem Anstehen nach LebensmitZum Allerseelentage Schwerte, den 3. November 1930. * Es blüht und duftet heute auf jedem Grabe, am Allerseelentage, wo schon am frühen Morgen alle hinauswallen zum Friedhofe, um die Gräber ihrer Lieben zu schmücken, auf daß sich diese in einen blühenden Garten verwandeln. Schon sind Herbststürme über den Friedhof hinweggebraust, und kahl und leer recken die Bäume ihre Aeste zum Himmel empor. Hier unten aber blüht es und duftet es, da strahlen Kerzen auf, als wollten sie den trüben Tag erhellen. Liebe, Treue und Dankbarkeit wetteisern miteinander, den Toten, denen der heutige Tag geweiht ist, Ehre zu erzeigen. Da bleibt kein Hügel ungeschmückt, und selbst auf ganz verfallene Gräber legen mitleidige Vorübergehende ein paar Blumen und lassen ein L’ctlein auf ihnen aufflammen in der Annai me, daß der, der da unten ruht, wohl gar keine Hinterbliebenen mehr hat, die ihm noch einen pietätvollen Liebesdienst erweisen können. Hier beugt sich die trauernde Witwe über das Grab ihres geliebten, viel zu früh geschiedenen Mannes. Gramumflort schaut ihr Auge in die Zukunft. Wie soll sie ihr Lebensschifflein weiter lenken, wenn nicht mehr der treue Gatte am Steuer sitzt, der ihr seither jede Sorge abgenommen, jeden Stein ihr aus dem Wege geräumt hat?... Mit dankbarer Trauer schmücken dort Söhne das Grab der teuren Eltern, die ihnen einst so viel gewesen, ihre besten Freunde, die an all ihren Freuden und Leiden teilgenommen. Wie haben sie für ihre Kinder gesorgt und gearbeitet. Nun ruhen sie aus von ihrem mühevollen Tagewerk. Noch über das Grab hinaus blüht den Kindern der Segen treuer Elternliebe. Wie sollten Kinder je vergessen, was sie den Eltern alles zu danken haben! Deshalb sind jene ja ruch am heutigen Tage aus Norv und Süd #sammengekommen, um in der alten Heimat s teure Elterngrab aufzusuchen und es zu rücken in nie vergessener Treue und Dank1. stern naren seine Lieblingblumen, weil : den Sternen so sehr gleichen. Darum schmükken hier tiefbetrübte Eltern den Hügel ihres im Kampf fürs Vaterland gefallenen Sohnes mit den holden Sternenblumen des Herbstes. Nur schwer trennen sie sich von dem Grabe, das all ihr Glück umschließt, um wieder zurückzuzkehren in ihr Heim, wo ihnen keine frohe Stimme mehr entgegenschallt. Und dort das bleiche Mädchen! Abgehärmt und müde schleicht sie durch die Reihen und schaut fast neidisch denen zu, die ihre Gräber schmücken. Ach, sie hat kein Grab. Nicht einmal ein Grab, das sie pflegen und schmücken auf dem sie beten und sich ausweinen könnte! Ihr Liebster ist ja auf dem stolzen Schiff hinausgesegelt... Ob er tief auf dem Meeresgrunde ruht? Ob ihn eine mitleidige Welle fern von der trauten Heimat dem Lanve zugespült hat, so daß er nun auf einer„Heimatstätte für Heimatlose“ unerkannt seine letzte Ruhestätte gesunden hat? Wer weiß es und wer kann es sagen?„Das Vaterhaus ist immer nah!“ Und einmal gehen wir alle heim... Wohl denen, die so heimgehen, daß ihnen am Allerseelentag Blumen der Liebe und Dankbarkeit auf Grabhügeln erblühen. Gedenktage. 3. November: 1760: Sieg Friedrichs des Großen über die Oesterreicher bei Torgau.— 1801: Der Buchhändler Karl Baedecker in Essen geboren(gestorben 1859).— 1871: Der Schriftsteller Hanns Heinz Ewers in Düsseldorf geboren. . Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 2. November 1930. Das gestrige Fallgebiet hat sich zu einem starken Tiefdruckwirbel entwickelt und liegt heute morgen über Nordirland und ein Ausläufer über der östlichen Nordsee. Höherer Luftdruck tritt nirgends in Erscheinung. In Deutschland war es heute morgen meist trübe und regnerisch, im Westen und Süden aber teilweise aufgeheitert und vereinzelt gingen dort die Regenfälle in Schiiuern nieder. Die Temperaturen lagen zwischen 9 und 11 Grad, nur im Nordosten lagen sie tiefer zwischen 3 und 5 Grad. Wetteraussichten für Montag: Erneute Trübung und Regenfälle bei starken, teilweise stürmischen SW.=Winden. Wetterssichten für Dienstag: Vorübergehendes Nachlassen der Regenfälle, bewölkt, mild. + Und Stürme brausten um die Wette am gestrigen ersten Novembersonntag, der hinsichtlich der Witterung in diesem Jahre bisher teln gelehrt, eine Zeit, die niemand zurückwünscht, der sie einmal erlebt hat. Der Rundfunk entwickelt sich immer mehr zum Freunde des Landwirts, er ist bestrebt, zu helfen und zu fördern, wo es zu helfen und zu fördern gilt, Er weist dem alten wie dem jungen Landwirt neue Wege zur Ertragssteigerung durch den Mund anerkannter Fachleute, er hilft ihm auch dadurch, daß er die Allgemeinheit mit den Sorgen und Nöten des Landwirts bekanntmacht. zu den unersreulichsten zählt und der es sogar vermochte, einen neuen Regenrekord aufzustellen. Was da an himmlischem Naß zur der sich zum Winterschlaf anschickenden Mutter Erde aus wolkenschweren Höhen herniederströmte, konnte nicht mehr übertroffen werden. Nachdem schon am Samstag und in der folgenden Nacht das Ruhrland die ausgiebigen Wassermengen kaum mehr aufzusaugen vermochte und weite Wiesen= und Ackerflächen überschwemmte, die Ruhr hier und da über die Ufer trat und viele Wege infolge, des aufgeweichten schlammigen Bodens nicht mehr passierbar waren, schien es am gestrigen Sonntag morgen zunächst, als ob es sich ausgeregnet hätte. Sogar die Sonne wagte mit einigen matten Strahlen in unser feuchtes Erdental hineinzuleuchten. Aber alle, die mit einem voreiligen Optimismus sich ins Freie wagten, fühlten sich bald gründlich enttäuscht. Der Wettergott zeigte sich plötzlich von der miserabelsten Seite und im Verein mit heftigen rücksichtslosen Sturmwinden, segte er alle Spaziergänger=Hoffnungen und Erwartungen wie Spreu auseinander. War das ein Heulen und Brausen der Windesbraut in den Straßen unserer Stadt, ein Klatschen der Regentropsen gegen die Fensterscheiben, ein Klappern der Dachpfannen und Aechzen der Wetterfahnen. Da kommen so recht die Worte zur Geltung:„Daheim ist's am best'". Mit einer trüben misepetrigen Laune saßen auch alle die am wärmenden Ofen, denen sonst der Drang ins Freie keine Schranken setzt oder auch jene, die mit regenschweren Mänteln und zu tröpfelden„Dachrinnen“ gewordenen Hüten den Schutz des heimischen Herdes der rebellisch gewordenen Natur wieder vorgezogen hatten. Kurz gesagt, es war ein Sonntag, an dem man selbst einen Hund nicht vor die Tür schicken konnte. Die letzten herbstlichen Blätter an Sträuchern und Bäumen wurden ein Opfer des Sturmes, der mit diesen in frivoler Weise sein wildes Spiel trieb. Selbst in den späteren Abendstunden nahmen Sturm und Niederschläge kein Ende, im Gegenteil, hin und wieder verstärkten sie sogar ihre Angriffe und mancher Sturmschaden dürfte noch festzustellen sein. Es war ein stürmischer, regenreicher Novembersonntag, der seinesgleichen sucht und selbst auf wohltätige Veranstaltungen, die dadurch starke Einbuße erlitten, keine Rücksicht nahm.„Der Tag ging regenschwer und sturmbewegt". X Allerseelentag— Allerscelenwetter. Heulender Sturm und Regenschauern, eilende Wolkensetzen und fallende Blätter, eine grau in grau verhangene Landschaft, das war die äußere Signatur des gestrigen Allerseelentages, wenigstens in seiner zweiten Hälfte. Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter! Und doch hatten sich viele Hunderte nicht halten lassen, in den Nachmittagsstunden den Gottesacker an der Hörderstraße auszusuchen, um an den mit Blumen der Liebe geschmückten Grabhügeln lieber Verstorbener in stillem Gebet zu weilen und ernste Zwiesprache mit ihnen zu halten. In der stimVon den mannigfachen Statistiken einer Stadt, die mit nackten Zahlen deutlich das Aufwärts oder den Niedergang der kommunalen Gebildes kennzeichnen können, bleibt eine der interessantesten Zahlenreihe der Monats= oder auch Vierteljahrsausweis eines Schlachthofes. Man sollte nicht glauben, daß in den drei Monaten Juli, August und September 1635 große und kleine Schlachttiere ihr Leben lassen mußten, um den Fleischhunger der Ruhrstädter zu stillen. Im zweiten Quartal 1930 waren es sogar 1704 Tiere und das erste Vierteljahr weist eine Zahl von 1677 auf. Nach diesen Ziffern scheinen die Vegetarier in der alten Ruhrstadt selten zu sein, wie auch die Pferdefleischverbraucher, die im letzten Vierteljahrsmonat nur fünf „Pferdchen“ von 1820 Kg. verspeisten, durchaus in der Minderheit zu bleiben scheinen. Immerhin brauchten sie aber auch im August schon sieben Pferde, während die Zahl vier des Juli äußerst gering ist. Da ist es mit dem Schweinefleisch doch anders. 1051 quitschende Gesellen gaben in drei Monaten freudig ihr Leben für Kotelette, Wurst und Schinken. 416 mit 78 780 Pfund Fleisch waren es allein im September, während der August mit 320 und der Juli mit 315 Stück nicht die richtigen„Schweinemonate“ waren. An sich ist es ja auch bekannt, daß infolge des zunehmenden Wärmeverbrauchs des Menschen, der Fleischverbrauch im Winter höher ist als im Sommer. Auch der Mangel an frischen mungsvollen Abendandacht in der kath. Pfarrkirche, die durch Vorträge des Kirchenchors sehr verschönt wurde, fand Vikar Winter beherzigenswerte Worte über die Vergänglichkeit alles Irdischen, anknüpfend an die furchtbaren Katastrophen der letzten Zeit, und dann die ernste Mahnung an die Lebenden richtend, der Verstorbenen im Gebete zu gedenken. Infolge der ungünstigen Witterung mußte die Gedenkseier auf dem Friedhof sehr eingeschränkt werden, da sich ein Schmuck der Gräber mit brennenden Lichtern nicht durchführen ließ. Das Hochkreuz und auch das eiserne Kreuz inmitten der Kriegergräber erstrahlten jedoch im Glanze elektrischer Birnen und die Choräle der„Cäcilia" bildeten einen würdigen Rahmen für die ernste Feier. *-: Bedauerlicher Unfall. Dem in weiten Kreisen unserer Stadt wohlbekannten Pensionär Heinrich Tillmann, wohnhaft Schützenstraße, welcher als Fahnenträger des Eisenbahn=Vereins Schwerte ehrenamtlich tätig ist, und durch seinen Humor über manche betrübte Situationen seine Kameraden hinweggeholfen hat, ist von einem bedauerlichen Unfall betrossen worden. Turch einen Sturz vom Dache zog er sich eine ernsthafte Schulterund Armverletzung zu, die ihn zwingt, längere Zeit untätig zu sein. Vaterländischer Frauenverein=Vorstandssitzung. Am Montag, den 3. November, abends 8,15 Uhr, findet im„Kaiserhof“ eine Sitzung des erweiterten Vorstandes statt, in der wichtige Punkte zur Beratung stehen. Außer den Berichten über die verschiedenen Betriebe stehen Beratungen über nötig gewordene Sparmaßnahmen und Streckung der vorhandenen Mittel auf der Tagesordnung.— Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten. - Vom Eisenbahn=Verein Schwerte. Gestern abend fand im Saale des„Westf. Hofes“, eine außerordentliche Generalversammlung des Eisenbahn=Vereins Schwerte statt, in der eine wichtige Tagesordnung, u. a. Beschlußfassung über Satzungsänderungen, zur Erledigung stand. Unter der ungünstigen Witterung hatte naturgemäß der Besuch stark zu leiden; es waren 23 Mitglieder, darunter 6 Vorstandsmitglieder erschienen. Ferner stand diese Versammlung unter einem ungünstigen Stern, da der 1. Vorsitzende, Oberbahnhofsinspektor Kaulisch z. Zt. wegen einer Erkrankung im Krankenhause liegt und der 2. Vorsitzende, Eisenbahnbauoberinspektor Bote ebenfalls infolge Unfalls der Versammlung fern bleiben mußte. Die Eröffnung der Versammlung erfolgte durch den 1. Schriftführer Lentzen, gleich darauf trat man in eine Aussprache über eine evtl. Vertagung der Versammlung ein. Zwei Vertagungsanträge wurden eingebracht, einmal wegen Fehlens der beiden Vorsitzenden und zum andern wegen des Fehlens der größeren Mitgliederzahl. Wegen des mangelhaften Besuchs einer Versammlung bestehen in den Satzungen entsprechende Bestimmungen. In der dann folgenden Abstimmung sprachen sich die anwesenden Mitglieder mit 13 gegen 8 Stimmen für eine spätere Anberaumung der Versammlung aus, so daß die gestrige Zusammenkunft bereits nach ½stündiger Dauer ihren Abschluß fand. x= XAus der kath. Gemeinde. In der kath. Pfarrkirche wurde am gestrigen Sonntage wieder ein religiös=wissenschaftlicher Vortrag geboten und zwar sprach der Jesuitenpater Kaspar aus Düsseldorf über das aktuelle Thema„Werden die Toten wiederkommen?“ Seine tiefschürfenden, auf hoher geistiger Warte stehenden Ausführungen beschäftigten sich zuGemüsen spielt dabei eine entscheidende Rolle. um deutlichsten zeigen die Gesamtzahlen der Schlachttiere von Juli mit 507 Stück und August mit 497 Stück gegenüber 631 Stück im September den gewaltigen Unterschied. An die zweite Stelle zur Deckung des Fleischbedarfes haben sich die Kühe geschoben. Ihre Zahl ist 234. Es folgen 229 Kälber, 43 Schafe, 39 Jungrinder, 14 Bullen, 7 Ochsen und 2 Ziegen. Im Monat September gaben allein 117 Kühe, Bullen, Ochsen und Jungrinder 58945 Pfund Fleisch„mit Knochen“. 76 Kälber in demselben Monat brachten rund 4000 Pfund. Insgesamt lieferten alle 631 Schlachttiere im Monat September rund 146 000 Pfund Fleisch. Das bedeutet bei Zugrundelegung der Einwohnerziffer Schwertes vom 1. Oktober mit 18 666 Seelen einen duchschnittlichen Fleischverbrauch von 7,8 Pfund pro Kopf im Monat. Oder einen täglichen Fleischverbrauch„mit Knochen“ von 130 Gramm. Damit soll nun nicht gesagt sein, daß diese Zahl in der Praxis stimmt. Gewiß werden in dieser wirtschaftlich üblen Zeit viele unserer Heimischen diesen täglichen„Braten“ nicht haben, ebenso wie viele Fleischesser sich nicht an diese Zahl ihres großen Appettites halten können. Auch muß zu allen diesen Ziffern berücksichtigt werden, daß in den Außenbezirken unserer Stadt noch viele Hausschlachtungen vorgenommen werden, die in der Gesamtwertung keine Berücksichtigung finden konnten. Der Fleischverbrauch der Schwerter Eine interessante Statistik vom Schlachthof.— 150 000 Pfund Fleischwaren für die Schwerter im Monat September. nächst mit der alles verneinenden Lehre des Unglaubens und des Materialismus über die Wiederkehr der Toten, der er die Osterbotschaft entgegenhielt:„Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches.“ Er untersuchte dann in hochinteressanter, überaus fesselnder Weise dieses Dogma des Christentums nach zwei Seiten hin: 1. Seine Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit vom Standpunkt des natürlichen Denkens, 2. Seine Wirksamkeit und sein Wesen im Lichte des christlichen Glaubens und kam dann zu folgendem Schluß: „Für den Christen bedeutet die verheißene Auferstehung von den Toten und die Verklärung des Leibes das leuchtende Endziel des irdischen Strebens, die trostvolle Hoffnung in allen Leiden, die befriedigende Lösung in allen Lebensrätseln. Wir Christen trauern nicht in Ungewißheit über die Entschlafenen wie diejenigen, die keine Hoffnung haben, wir erwarten nach Gottes Verheißung einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der wir nach kurzer Trennung mit unseren Lieben vereint werden zu neuem, ewigen Leben.“ Dem Vortragenden wurde bis zum Schluß mit gespanntester Aufmerksamkeit gefolgt. Dem hiesigen Eisenbahnfrauenverein ist es gelungen, für seine bekannte Aufklärungsarbeit über Ernährung und Nahrungsmittel wiederum einen hochinteressanten Vortrag: „Deutscher Zucker. Sein Entstehen und seine Wirkungen“ mit dem dazugehörigen Filmstreifen„Kristalle des Lebens" zu beschaffen. Der von fachkundiger Seite ausgearbeitete Vortrag behandelt in allgemeinverständlicher Weise den Anbau, die Pflege und Ernte der Zuckerrübe und weiter die Gewinnung des Zuckers aus der Rübe. In kurzen, knappen Worten wird alsdann auf die wirtschaftliche Bedeutung des Zuckers, seinen Wert als Nährstoff und billiges Nahrungsmittel hingewiesen, um schließlich der vielfachen Verwendung des Zuckers als unserem lebensnotwendigen und unentbehrlichen Freunde einige Worte zu widmen. Der von der Kulturabteilung der Ufa hergestellte Film zeigt in abwechslungsreichen Bildern die Geschichte des Zuckers, zuerst in lustiger Form den Rücklauf eines Zuckerstückchens von der Kaffeetasse in die Fabrik. Dann lernen wir die Zuckerrübe und die mühevolle und sorgfältige Art ihrer landwirtschaftlichen Gewinnung kennen. Einen weiten Raum nimmt die Verarbeitung der Rübe in den Zuckerfabriken bis zum Versand ein. Der zweite Teil demonstriert die Beziehungen des Menschen— aber auch der Tierwelt— zum Zucker, bringt eine eindrucksvolle, gut illustrierte Statistik, die beweist, daß Zucker tatsächlich das billigste und ergiebigste unserer Nahrungsmittel ist, und vergleicht den Zuckerverbrauch Deutschlands gegenüber anderen Ländern. Vortrag und Film bringt der hiesige Eisenbahn=Frauenverein am Mittwoch, den 5. November ds. Is., im Vereinslokal Hotel„Westf. Hof“, um 15 Uhr zur allgemeinen Kenntnis. Im Interesse jedes Einzelnen wie der Gesamtheit ist zu wünschen, daß die Veranstaltung einen recht guten Besuch aufweisen kann. ": Wieviel Jagdscheine werden jährlich aus. gegeben? Im Statistischen Jahrbuch 1930 liegt erst jetzt die amtliche Nachweisung über die in Preußen ausgegebenen Jagdscheine für das Rechnungsjahr 1928/29 vor. Danach sind für dieses Jahr in Preußen insgesamt 209 230 Jagdscheine, darunter 4639 unentgeltliche, ausgegeben worden. Interessant ist, daß von allen preußischen Provinzen in der Provinz Pommern mit 582 = 4,5 Prozent, die meisten unentgeltlichen Jagdscheine ausgegeben worden sind. Deutsche Jugendkraft Fußball Fußball=Gauklasse Sieg=Lenne. Letmathe— Wehringhausen 0:1. Theten— Lenhausen 2:3. Ostentrop— Olpe 2:0 abgebr. Lenhausen— Reiterregiment Paderborn 4:8. A=Klasse Sieg=Lenne. Westig— Iserlohn 1:0 abgebr. Lüdenscheid— Altena 4:0 abgebr. Hohenlimburg— Letmathe 2:2. Lenhausen 1 b— Rönkhausen 2:3. Weringhausen 1b— Plettenberg 5:2. Spiel am Allerheiligentag: Deutmecke— Schönholthausen 2:0. Mameiloef! Gesellschaftsspiel: Westfalia Werdohl— Jahn Werdohl(DT.) 5:0 (bei Halbzeit abgebrochenz. Allerseelen Allerseelen! Tüster klagendTönt der Glocke Schall vom Turm, Durch die dürren Aeste jagend Singt ein Sterbelied der Sturm. Aber die geweihte Stätte, Wo sie schlummern weltentrückt Unter schlichter Hügel Kette, Zeigt sich heute lenzgeschmückt. Zwischen Blumen, zwischen Kränzen Schimmernd in der Farben Pracht, Hoffnungsfrohe Lieder glänzen, Die die Liebe dargebracht. Keiner ist wohl, der mit leeren Händen dort erscheinen mag. Denn die Toten gilt's zu ehren Heut' am Allerseelentag! Dis Nahrwule strupt Ihre Bedeutung und ihr Lauf.— auf 7.5 Der Plan zur Errichtung einer durchgehenden Straßenverbindung Dortmund—Hagen unter Berücksichtigung der kürzesten Linienführung ist älter als der heute von vielen kompetenten Stellen projektierte Bau der Ruhrwaldstraße in seiner Gesamtheit. Vor allem die Stadt Dortmund hat nach ihrer Gebietserweiterung im Süden durch die letzte Eingemeindung, teilweise auch schon vorher, und den damit verbundenen Anschluß an den herrlich gelegenen HengsteyStausee einfach das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden und die Verbindungsstraßenfrage zur Lösung der verkehrstechnischen Erschließung ihres südlichen Gebietes gebraucht. Man kann heute, nachdem der Bauplan= in seinen Grundzügen und Nebenfragen fertig liegt, ohne Zweifel die Lösung als durchaus glücklich zu bezeichnen. Immerhin wird das großzügige Ruhrwaldstraßen=Projekt, das für die nächsten Jahre die Stadt Dortmund in volkswirtschaftlicher, siedlungstechnischer, wie in sinanzieller Hinsicht weit über den Rahmen anderer Fragen hinaus beschäftigen wird, mehr und mehr zu einer Volksfrage, der an dieser Stelle der erste größere Raum zum Eindringen in die Materie zur Verfügung gestellt werden soll. Neben dem Zweck der Idealverbindungsstraße zweier Städte wie Dortmund und Hagen liegt, wie schon betont, dem Straßenbau Re Bedeutung des Südens Dortmunds und des Ruhrtales als Erholungsstätten für die Dortmunder Bevölkerung zugrunde. Es erübrigt sich an dieser Stelle auf die Notwendigkeit der Schaffung von„Großstadt=Lungen“ für die 80prozent. Arbeiterbevölkerung Groß=Dortmunds einzugehen. Es erübrigt sich weiter, Besucherzahl und Erholungsstätten aufzuführen, die heute schon im Ruhrtal benutzt werden. Wohl jeder Dortmunder und auch seine Nachbarn kennen in dieser Hinsicht die Bedeutung des 4,5 km. langen und 400 Meter breiten Sees am Fuße der Hohensyburg. Ebenfalls soll die technische Zweckerfüllung der Klär= und Kraftanlage hier nicht erörtert werden. Wichtig bleibt lediglich, der Satz einer über die künftige Ruhrwaldstraße herausgegebenen Denkschrift, daß diese Erholungsslächen nur dann ihre Aufgaben in vollem Umfange erfüllen können, wenn sie durch besondere Maßnahmen auf möglichst kurzem, bequemem und billigem Wege erreicht werden können. Bis heute kann man das Ruhrtal oder auch seine angrenzenden Naturgebiete nur auf Wanderwegen und Landstraßen unter abwechsender Benutzung von Straßenbahnen, Eisenbahnen oder Autobussen erreichen. Eine durchgehende Nord=Süd=Verbindung fehlt überhaupt im Verkehrsnetz des östlichen Industriegebietes. So ist die Verbindung von Münster über Dortmund nach Hagen oder zum Lennetal durchaus ungenügend. Dieser Straßenmangel erklärt sich besonders aus den Geländeschwierigkeiten, d. h. aus der Gestaltung der Landwirtschaft zwischen den Ausläufern des Münsterlandes und dem Ruhrtal. Nur durch zeitraubende Umgehungsstraßen konnten bisher bestimmte Punkte im Ruhrtal erreicht werden. Viele Projekte, die sich mit diesem ungenügenden Straßenmaterial befaßten, wurden ent= und wieder verworsen, bis man in der Nähe von Herdecke Möglichkeiten zur Errichtung einer Durchgangsstraße bei günstigsten Aufstiegsbedingungen nach Norden fand, und im Zusammenhang mit dem Stauseeplan die endgültige Nord=Südstraße „entdeckte.“ Als Voraussetzung war aber eine Ueberquerung der Ruhr erforderlich. Aus den Vorschlägen zur Errichtung einer Hoch= oder Tiefbrücke, die in genügender Breite alle Verkehrsmöglichkeiten zuließ, wurde die Tiefbrücke gewählt, die heute bereits in einer Länge von zirka 300 Metern und einer Breite von 12 Metern das alte Ruhrbett und den Flutspiegel überspannt. Der Baucharakter der Brücke paßt sich der Landschaft günstig an und mit ihr ist auf der 7 km. langen Strecke Herdecke=Westhofen die erste völlig sichere und genügende Ueberquerungsmöglichkeit der Ruhr entstanden. Nach Angaben der bereits genannten Denkschrift wurde die Lage der Brücke nicht nur durch die Geländeverhältnisse, sondern auch durch die umsangreichen Eisenbahnanlagen bei BartheyHengstey bestimmt. Denn nur an der heutigen Stelle war es möglich, die Zufahrtsstraße von Süden her, die Verbindung nach Hagen also, bis an die Brücke heranzuziehen. Aehnlich lagen die Verhältnisse an der Nordseite. Hier bestand zunächst die Möglichkeit, die Zufahrtsstraße in der vorhandenen engen Talschlucht(Hohensyburg=Teufelskanzel) anzuordnen. Allerdings mußte hier— und wurde— der Höhenunterschied von der Ruhrbrücke bis zur Straße nach Syburg von über 100 Metern bei nur 600 Metern Luftlinie bei schwierigem Berggelände überwunden werden. Eine zweite Lösung, die Straße östlich um die Hohensyburg zu legen, erwies sich doch als noch unpraktischer und wesentlich teurer. Der Straßenausbau im Tal begann, und dieser in langwierigen Arbeiten zuerst fertiggestellte Teil vom Stausee bis zur Jugendherberge Syburg bildete den ersten Bauabschnitt der Ruhrwaldstraße. Mit dem Bau dieser Straßenstrecke wurde bereits im Jahre 1927 begonnen. Da die Verkehrsrücksichten ein größeres Die Kosten einschließlich der Ruhrwaldstraßenbahn sind Millionen veranschlagt. Steigungsverhältnis als 1 zu 20 nicht zuließen, mußte die Bergstrecke eine Länge von 2,3 km. erhalten. Diese Längenentwicklung erforderte oberhab der Ruhrbrücke eine Doppelschleife mit großem Viadukt und daran anschließend lange Serpentinen an den Bergabhängen entlang bis zum Anschluß an die ehemalige Kreisstraße in Syburg. In Zahlen ausgedrückt, liegt die Brükkenplattsorm 105,81 Meter über dem Meeresspiegel und der Einlauf der Ruhrwaldstraße auf die Kreisstraße 207,35 Meter über dem Meeresspiegel. Für den Fußgängerverkehr sind an dieser Stecke entsprechende Abkürzungswege geschaffen. Für die südliche Teilstrecke ist bei 9 Meter Fahrdammbreite eine Gesamtbreite von 12 Metern gewählt, während oberhalb des Viadultes sich die Straße auf 15 Meter erweitert, damit hier auf besonderem Bahnkörper von Norden her eine Straßenbahn neben dem Straßendamm bis an das Viaduft geführt werden kann. Aufeine Weiterführung der Dorimunder Straßenbahn über der Ruhrbrücke wurde nach eingehender Prüfung verzichtet. Im weiteren Verlauf der Ruhrwaldstraße werden bis zur Kreuzung der Verbandsstraße D VII(Zeche Krone=Wellinghofen) die ehemalige Kreisstraße und ein Teil der Provinzialstraße Herdecke=Höchsten mitbenutzt. Allerdings muß auf einzelnen Strecken der Kreisstraße die Linienführung durch Beseitigung unübersichtlicher Krümmungen(S=Kurve=Welling= hofen u. a.) verbessert werden. Von der Jugendherberge läuft die Ruhrwaldstraße stark westlich und dann nördlich auf die bekannte Rennstrecke unweit Wittbräucke und benutzt dann bis 300 Meter hinter der Grafschaft Mark die Höchstener Chaussee in östlicher Richtung. Hier zweigt sie schwach links ab, um bei Ausschaltung der Kurven etwa die Führung der heutigen Kreisstraße bis in die Haarnadelkurve in Wellinghofen zu benutzen. Auch der weitere Weg an der Schule Holtbrügge vorbei ist schon bis zur Kreuzung mit der Verbandsstraße D Vlll durch seine heutige Form und Linienführung fertiggestellt. Erst nördlich dieser Kreuzung in Wellinghofen bis. zur ehemäligen Stadtgrenze Dortmunds an der Emscher und weiter bis zum Anschluß an die Verbandsstraße OWIV(Hindenburgdamm) muß die Ruhrwaldstraße vollständig neu gebaut werden. Die Straße wird an der Westseite entlang der stillgelegten Zeche Glückaussegen angelegt, wird das Dorf und die Schule Hacheney östlich umgehen und an der östlichen Grenze der Parkanlagen des städtischen Rittergutes Romberg entlang führen. Nach Kreuzung der KölnBerliner Staatsstraße(Hochofenstraße) die später unterführt werden soll, wird die Ruhrwaldstraße an der Westseite des Werks der Hörder Hochofen(Vereinigte Stahlwerke) durch die vorhandene Unterführung der Bahnstrecke Dortmund=Süd—Löttringhausen, die auf 20 Meter erbreitert wird, das Emschertal in genau süd=nördlicher Richtung durchschneiden. Nach Ueberquerung der Reichsbahnstrecke Dortmund=Hörde— dieser Plan hat in dem großen Projekt der Ruhrwaldstraße durch eine besondere Tieferlegung der Eisenbahnstrecke eine sehr wichtige Bedeutung und ist deshalb getrennt behandelt worden— bekommt die Ruhrwaldstraße nach Kreuzung des Hindenburgdammes Anschluß an das städtische Straßennetz Dortmund. Im Emschertal muß ein hoher Damm angeschüttet werden, dessen Seitenböschungen bepflanzt werden. Der Plan einer Viaduktführung für diese Strecke ist verworfen worden. Da die geplante Emscher=Klärantage, die nach früheren Projekten östlich der großen Verbindungsstraße entstehen sollte, jedoch das Landschaftsbild ungünstig beeinflussen würde, ist für diese ein Gelände beim Hympendahl in Aussicht genommen. Soweit die Ruhrwaldstraße von Brünninghausen bis zum Hindenburgdamm Grünflächen durchschneidet, soll sie eine Breite von 30 Metern mit vier Reihen Baumpflanzungen erhalten. Die Straßenmitte wird ein besonderer Bahnkörper für die Ruhrwaldstraßenbahn einnehmen, während zu beiden Seiten je sechs Meter breite Fahrdämme für den Richtungsverkehr, ferner Radfahrwege und breite Bürgersteige entstehen. Zur Wahrung des Charakters der Straße werden an den Baugrundstücken mindestens 15 Meter tiefe Vorgärten festgesetzt werden. Nördlich des Hindenburgdammes findet die Ruhrwaldstraße über die auf 30 Meter auszubauende Ruhrallee Anschluß an die Leipziger= und Hagenstraße und damit in das innere Straßennetz. Ein Durchbruch von der Gutenbergstraße bis Neutor bildet das Schlußglied der Einführung in das Stadtzentrum Dortmunds. Die Fortsetzung der Stresemannstraße (Knappenbergerstraße), in deren Zug die Ruhrwaldstraße früher geplant war, wird gleichenfalls in diesem Teil als breite Promenadenstraße und Reitweg ausgebaut und damit eine zweite Verbindung mit den Grünflächen im Süden hergestellt werden. Die Gesamtlänge der Straße beträgt vom Hindenburgdamm bis zum Anschluß an die Straße Boele=Hagen 11,263 Kilometer, davon entfallen auf die Dortmunder Gemarkung allein 13,163 Kilometer. Dies sind nahezu vier Fünstel der Gesamtlänge Um bei der Schaffung der Ruhrwaldstraße die Zugänglichkeit des Stausees und des Hohensyburgsrandes durch billige und schnelle Verkehrsmittel zu erleichtern, ist bei allen Verhandlungen über die Ruhrwaldstraße mit der Anlage einer Straßenbahn gerechnet worden. Die Bahn ist, vom Neutor abzweigend, in den Verlauf der Ruhrwaldstraße vorgesehen. Sie wird vom Hindenburgdamm bis Brünninghausen in der Mitte der Straße geführt und von dort bis zur Kreuzung mit der D Vlll neben die Straße gelegt. Von diesem Punkte an wird sie völlig von der Straße gelöst und über die Wellinghoferheide—Höchsten durch das Wannetal nach Syburg fortgesetzt. Auf der Bergstrecke von der Jugendherberge ab liegt die Bahn wieder auf einem besonderen Körper neben der Straße und endigt kurz vor dem Viadukt. Diese für die Erschließung sämtlicher südlichen Gebiete wichtigen Bahn kann natürlich erst nach Beendigung der Straßenbauarbeiten durchgeführt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist ein Autoverkehr von der Schleife Brücherhof oder Endhaltestelle Wellinghosen geplant. Die Kosten dieser Anlage sind auf 2 200 000 Mark veranschlagt, während nach einem Voranschlag für den Ausbau der ganzen Straßenentwicklung einschließlich Straßenbahnbaukosten rund 7½ Millionen Mark gerechnet werden. Die Provinz und der Siedlungsverband sind natürlich in der Kostenverteilung neben den Städten Dortmund und Hagen wichtige Faktoren. Von der Dortmunder Seite wurden durch Beschlüsse der Stadtverordneten bereits 1 065 000 Mark bewilligt. Da die weiteren Summen auch den ordentlichen Etat Dortmunds ganz erheblich belasten würden, ist es selbstverständlich, daß ihre Verausgabung nur möglich ist, wenn sich die Tilgungs= und Zinsbeträge in erträglichen Grenzen halten, da all diese Summen ja nur durch Anleihen gedeckt werden können. Wenn es überhaupt gelingt, alle für die Durchführung des Unternehmens erforderlichen Voraussetzungen baldigst zu schaffen, kann günstigenfalls bis 1935 die Fertigstellung der Ruhrwaldstraße erwartet werden. —99.— Landrreis Iseriemn Amt Westhofen l. Holzen. Rentenzahltermin. Die Auszahlung der Krankengelder, Alters=, Invaliden= und Witwenrenten der Ruhrknappschaft für den Monat November erfolgt am 7. November, nachmittags 2,30 Uhr, im Lokale Hosang in Mittelholzen. l. Holzen. Zur Erhebung der kath. Kirchensteuer wird am Dienstag, den 4. November, nachmittags von 1—2,30 Uhr, in der Wirtschaft Schneider in Holzen(Rosen) ein Termin abgehalten. l. Westhofen. Gefunden wurde eine neue Sturmlaterne, die anscheinend von einem Fuhrwerk verloren gegangen ist. Der Eigentümer kann sich auf dem Polizeibüro melden. I. Westhofen. Feuerpolizeiliches. Im hiesigen Amtsbezirk ereigneten sich kürzlich zwei Brände, bei denen je ein Wohnhaus vernichtet wurde. Die polizeilichen Nachforschungen nach den Brandursachen ergaben in dem einen Falle, daß anscheinend fahrlässige Brandstiftung in Frage kommt. Der Brand war auf dem Dachboden an einem Schornstein ausgebrochen. Ein Schieber des Schornsteines war seit längerer Zeit nicht in Ordnung gewesen und der Schornstein selbst nicht vorschriftsmäßig ausgefugt. Dicht bei dem Schornstein lagerten Heu, Papier und dergleichen leicht feuerfangende Sachen. An einem zweiten Schornsteine waren zwei Ofenrohrlöcher mit Lumpen zugestopft und ein Loch mit einfacher Tapete überklebt.— In dem anderen Falle wurde vorsätzliche Brandstiftung vermutet. Das Verfahren, in dem die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hatte, ergab vor dem Gericht in Hagen folgendes: Vorsätzliche Brandstiftung war nicht nachweisbar, es wurde aber festgestellt, daß der Brandgeschädigte bei der Schadensaufnahme durch einen Beamten der Feuerversicherungsgesellschaft eine Anzahl wertvoller Möbelstücke und eine Menge Vorräte als mitverbrannt angegeben hatte, die er in Wirklichkeit garnicht besessen hatte. Die Folge war, daß der Brandgeschädigte in eine empfindliche Strafe wegen versuchten Betruges genommen wurde. Ebenso schlimm, wenn nicht noch schlimmer, war aber die zweite Folge, die ihn traf, nämlich, daß ihm die Feuerversicherungsgesellschaft jegliche Entschädigung für seinen Brandschaden versagte. Auf Grund ihrer Satzungen ist die Versicherungsgesellschaft in solchen betrügerischen Fällen zur Verweigerung der Entschädigung berechtigt.— Welchen Ausgang das Verfahren in dem ersteren Falle nehmen wird, ist noch ungewiß. Es kann nur immer wieder die Mahnung ausgesprochen werden: Haltet die Feuerstätten in Ordnung! I. Westhofen. Eine Kuh auf der Weide abgeschlachtet und im Stich gelassen. Auf einer Weide in der Nähe des Gutes Haus Husen hatten Diebe nachts eine Kuh abgeschlachtet. Bei der Tat müssen sie wohl gestört worden sein. Am nächsten Tage wurde das tote Tier, das dem Bäckermeister B. aus Berghofen gehörte, mit aufgeschlitztem Körper gefunden. Das Fleisch war nicht mehr zu verwenden. Der Kadaver mußte der Tierkörperverwertungsanstalt überwiesen werden. Von den Tätern fehlt leider noch jede Spur. l. Westhofen. Kath. Kirchensteuertermin. Zur Erhebung der katholischen Kirchensteuer wird am Dienstag, den 4. ds. Mts., vormittags von 10,30—12 Uhr, in der Wirtschaft Josef Schulte in Westhosen ein Termin abgehalten. Amt Ersite t Ergste. Zusammenschluß der Ergster Turnvereine? In den für Turnsport interessierenden Kreisen hat man sich in letzter Zeit wiederholt darüber unterhalten, daß neuerdings Bestrebungen im Gange sind, einen Zusammenschluß der beiden hier am Platze bestehenden Turnvereine„T.=V. Ergste 1884 M. d. D. T.“ und T.=V.„Germania 1893 M. d. A. D. T.“ herbeizuführen. Schon längst ist von Leuten, die dem Vereinsleben in Ergste nahestehen, eingesehen worden, daß nicht nur anderwärts bestehende Mitglieder=Korperationen infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage ausnahmslos hart kämpfen müssen, um ihren Ruf als Turn= und Sportverein rechtsertigen zu können, sodaß die vorhandenen trostlosen Zeiten auch in der Tätigkeit auf die in der hiesigen Gemeinde wirkenden Turnvereine schädigenden Einfluß ausüben.— In Erkenntnis dieser Sachlage kann es nur anerkannt werden, daß Herr Gemeindevorsteher Möller sich hat angelegen sein lassen, Einladungen ergehen zu lassen und zwischen den Vorständen der beiden hiesigen Turnvereine eine Sitzung einzuberufen. Diese Versammlung fand Anfang voriger Woche im Lokale der Ww. Schneider, hierselbst, statt. In großer Zahl hatten sich die Vorstandsmitglieder vom Turnverein Ergste DT. und vom Turnverein„Germania" ATT. eingesunden. In eingehender Aussprache konnten Zweck und Ziele der Zusammenkunst dargelegt werden, das Für und Wider erwogen und am Schlusse der Sitzung konnte mit Genugtuung breits festgestellt werden, daß die Vorstände beider Vereine den Bestrebungen auf Zusammenschließung im großen und ganzen wohlwollend gegenüberstehen. In den Vereinen wird unter den Mitgliedern nunmehr durchberaten werden, ob dem Zusammenschluß endgültig stattgegeben werden soll oder nicht und deshalb sollen demnächst Vereinsabstimmungen vorgenommen werden.— Als schwierigstes Problem wäre bei der verschiedenen Verbandszugehörigkeit der beiden Vereine die Aufgabe zu lösen, welchem Verband schließt sich die Turnvereinigung an, falls der Zusammenschluß zustande kommen sollte? Hoffentlich wird dieser Punkt nicht allein von ausschlaggebender Bedeutung dafür sein, daß gerade deswegen die geplante Zusammenschließung der beiden Turnvereine scheitert und eine Vereinigung nur deshalb verneint wird, wo doch die Vorteile den Nachteilen in jeder Beziehung bei weitem überwiegen, wenn nur ein Turnverein in Ergste besteht. m. Ergste. Mutterberatung. Die nächste Mutterberatungsstunde findet am Dienstag, den 4. November, nachmittags von 3—5 Uhr, in den Diensträumen der hiesigen Kreisfürsorgerin, Kirchstraße 11, statt. Ergste. Unfälle. Der Stangenrichter Karl Marquis zog sich durch Sturz mit dem Rade eine Verletzung des linken Knies zu, die seine ärztliche Behandlung notwendig machte.— Bei der Fa. Lindemann, Baustelle Villigst zog sich der Arbeiter Gustav Kollmann einen Bruch des Mittelfußknochens dadurch zu, daß er von einem fahrenden Transportlastwagen sprang und dabei zu Fall kam, sodaß ihm der Lastwagen über den Fuß fuhr. m. Hennen. Gemeinderatssitzung. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung Hennen, die unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Spaeing stattfand, wurde zunächst die Deckungsvorlage beraten. Infolge der ganz erheblich gestiegenen Wohlfahrts=, Wege= und anderer Kommunallasten war eine wesentliche Steuererhöhung notwendig.— Nach längerer Aussprache wurde beschlossen, die Grundvermögenssteuer statt 290 mit 320 Prozent zu belasten. Die Zuschläge zur Gewerbeertragssteuer sollen statt 700 in Zukunft 750 Prozent und die Zuschläge zur Gewerbekapitalsteuer von 1800 auf 1900 Prozent erhöht werden. Der anwesende Bürgermeister Overbeck erläuterte dann die Vorlage betreffend die Einführung der Bürgerund Biersteuer. Die Gemeindevertretung beschloß einstimmig die Einführung der Bürgersteuer in Höhe des Landessatzes. Zu dieser an und für sich bedauerlichen Steuererhöhung haben die stetig steigenden Ausgaben Veranlassung gegeben. Man hofft, daß, wenn nicht die Wohlfahrtslasten ins Unermeßliche gehen, mit diesen Sätzen nunmehr auszukommen.— Für die Graben= und Böschungsregulierung am Köbbingserweg wurde der erforderliche Grund und Boden zur Verfügung gestellt. Die Gemeindevertretung stimmte dem Beschluß des Schulvorstandes des Gesamtschulverbandes Hennen über die Auflösung des Gesamtschulverbandes zu. Diese Auflösung ist infolge der Neubildung der Gemeinde Villigst eine Notwendigkeit geworden.— Unter „Verschiedenes“ wurden noch einige unwichtige Vorlagen sowie Unterstützungs= und Fürsorgeangelegenheiten beraten. 945 Verantwortlich für Lokales, Kommunalpol#tik. Feuilleton. Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Haas Everhard Lex Schwerte. Roman von Kurt Felscher 2. Fortsetzung Nachdruck verboten. Und Rovert Zeidler wußte nicht recht, worüber er sich mehr freuen sollte, über die Blütenpracht des Feldstraußes oder über die Pflückerin selbst. Bald aber wurde es ihm zur Gewißheit, daß bei allem Duft und aller Lieblichkeit einer Feldblume sie doch von der Anmut und dem Zauber einer Menschenblüte übertroffen wurde. Als Roveri Zeidler an demselben Sonntagabend nach dem stillen Hof zurückkehrte, in dem seine herbe Mutter mit dem Abendbrot auf ihn wartete, fühlte er, daß er etwas Köstliches erlebt hatte. Und doch beengte ihm die Sorge sein Herz, wie die Mutter über sein Erleben denken würde, die ihm auf der Welt noch am nächsten stand. Je näher er dem Hause seiner Mutter kam, desto mehr fühlte er sich unfrei. Und wie herrlich war es doch vor ein paar Stunden gewesen! Es war ja, als habe ihm die Therese Drömer ein ganz neues Leben gewiesen. So schön war ihm die Welt bisher noch nie erschienen. Sie hatten die übrigen Burschen und Mädel laufen lassen und waren absichtlich immer mehr zurückgeblieben. Aus dem Hin und Her einer stockenden Anknüpfung war bald eine lebhafte Unterhaltung geworden. Freilich redete vor allem Therese. Was die aber auch alles zu erzählen wußte! Die war ja ganz anders als damals in der Schule. Und doch auch nicht: denn immer wieder versicherte sie, wie wenig ihr das laute Treiben der anderen gefiel. Sie liebe vor allem eine stille, beschauliche Sonntagsstunde, wenn man weit hinein ins Land sehen könne. Dann wäre alles Laute und Alltägliche so fern, und man könnte so schön seinen Gedanken nachhängen. Zu Hause würde sie deshalb von ihren Angehörigen oft Traumliese genannt. Aber das meinte niemand böse, denn Vater und Mutter hätten sie doch sehr lieb. Und dann hatte sie ihrem stillen Schulkameraden noch viel von den Eltern, von Heim und Herd erzählt. Wie gemütlich mußte es bei denen oben in dem Kiesewalder Häuschen zugehen... Nach allem, was die Therese ihm erzählte, mußte ja das Anwesen viel kleiner sein, als das seiner Mutter in Petersdorf. Zwei Kühe hatten sie bloß im Stalle, ein paar Ziegen und Schweine, und der zum Teil steil an den Berghang aufsteigende Acker und die Wiesen waren recht beschwerlich zu bestellen. Aber all dies Unbequeme schien den Bewohnern die Laune nicht zu verderben. Endlich war dem Mädel der Gesprächsstoff doch auch ein wenig ausgegangen. Da hatte sie den Robert nach seinem Tageslauf gefragt. Was sollte der seiner munteren Begleiterin berichten? Sein Leben spielte sich ja seit Jahren in so engen Grenzen und mit einer solchen Regelmäßigkeit ab, daß es einen anderen Menschen schwerlich fesseln konnte, darüber Näheres zu erfahren. Früh am Morgen ging es zeitig aus den Federn, dann kam die Arbeit im Stall und Hof, auf Wiesen und Acker, je nach der Jahreszeit, unterbrochen von den Mahlzeiten, und am Abend saß er noch ein wenig mit der Mutter unter der Hängelampe. Geredet wurde wenig, besonders, seit vor einem Jahre die Großmutter heimgegangen war. Und der Altknecht Zimpel, der mit seinen sechzig Jahren ziemlich steif geworden war, trug auch nicht gerade viel zur Unterhaltung bei. „Und Sonntags?“ hatte die Therese gefragt.„Was macht ihr da?“ Sie hatte von ihren Kirchgängen erzählt. Das wäre ihr immer die liebste Stunde, wenn sie so still und andächtig unter der Kanzel sitzen könnte. Da dürften die anderen Menschen auch einmal nicht reden, sondern nur dem zuhören, was Pastor Kliem ihnen sagte. Und wie hübsch die Sonne immer durch die hohen Fenster schiene und auf den weißgestrichenen Bänken, den goldenen Zieraten am Altar und an der Kanzel flimmerte. Letzten Sonntag vor acht Tagen sei während der Predigt immerfort eine Schwalbe durch das Kirchenschiff geflogen und habe so niedlich gezwitschert, gerade, als wollte sie den Worten des Pastors zustimmen. Aber das würde er ja selber gesehen und gehört haben. Da hatte Robert Zeidler verneinend mit dem Kopf geschüttelt. „Warst du nicht in der Kirche?“ „Nein.“ „Da warst du wohl krank?“ Ein paar Atemzüge lang hatte Robert vor sich hingestarrt; dann hatte er das Mädchen mit einem zagen Blick angeschaut und schließlich hervorgestoßen: „Ich geh' überhaupt nicht in die Kirche.“ Da war Therese Drömer mitten auf dem Wege stehen geblieben und hatte ihren Begleiter gemustert wie einen, den sie zum ersten Male in ihrem Leben zu Gesicht bekommen. Dann hatte sie mit unverhohlenem Staunen noch einmal gefragt: „Du gehst überhaupt nicht in die Kirche?“ Noch jetzt, da alles wie ein Nebelbild an ihm vorüberzog, fühlte Robert, wie ihm die Röte ins Gesicht gestiegen war. „Meine Mutter geht auch nicht in die Kirche“, hatte er wie zur Entschuldigung hinzugefügt, und dann, als Therese Drömer sonderbar lange stumm blieb, ihr erzählt, daß sie auf eigene Faust Gottesdienst hielten. Die Mutter läse Sonntags immer eine Stelle aus der Bibel vor und nachdem würde ein Lied aus dem Gesangbuch gesungen. Freilich sei es für ihn keine rechte Erbauung, denn die Mutter suche immer nur solche Stellen heraus, die von Unglück, Heimsuchung und Rache handelten. Das habe sie immer so gehalten, seit er sich recht besinnen könnte. Schließlich war Robert Zeidler verstummt; verstummt, weil er selber etwas Bitteres bei all dem, was er herauspreßte, in sich aufsteigen fühlte. Wie sollte auch dieses muntere Mädchen ihm zur Seite verstehen, was zu Hause seit Jahren in immer steigendem Maße wie ein Alp auf allem lastete. Auch heute hatte ihm ja seine Mutter nur mit Widerstreben die Erlaubais gegeben, am Nachmittag den Ausflug des Petersdorfer Jugendvereins nach den Bibersteinen mitmachen zu dürfen. „Vater und Sohn Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle(Saale) K Plötzlich wurde er durch Thereses Stimme aus seinen Gedanken gerissen. „Weißte, Robert, deine Mutter— ich will ja nichts gesagt haben. Aber die versteh' ich gar nicht. Wenn ich wie du wäre, ich ginge einfach Sonntags allein in die Kirche. Gerade heute hat unser Pastor wieder so schön gesprochen. Da hat man was für die ganze Woche.“ Noch viel hatte sie ihm an dem Nachmittag erzählt, daß ihm eine ganz andere Welt vor den Augen erstanden war. Sie hatte ganz recht, wenn sie ihn an seine dreiundzwanzig Jahre erinnerte. Da sei der Mensch doch so weit, auf eigenen Füßen zu stehen, und brauche nicht immer alles haarklein seiner Mutter zu sagen. Viel zu schnell waren die Nachmittagsstunden vergangen. Auch auf dem Heimwege hatten sie sich viel zu sagen gehabt; und als er von Therese am Scheideweg nach Kiesewald Abschied genommen hatte, hatten sie sich lange in die Augen geblickt und die Hände geschüttelt, wie treue Kameraden. Und nun würde die Mutter ihn befragen. Was sollte er ihr erzählen? Sollte er ihr sagen, daß in seinem Herzen etwas erblüht war, dessen Duft ihn förmlich berauschte? Nein, davon durfte er nicht sprechen. Er wollte es auch gar nicht.6 Mit diesem Vorsatz trat Robert Zeidler über die Schwelle der mütterlichen Wohnung. Die Mutter saß, wie immer des Abends, am Tisch und blätterte in der Bibel. Als Robert hereintrat und ihr einen guten Abend bot, deutete sie wortlos mit dem Finger nach der Uhr. Unwillkürlich sah Robert nach dem matt beleuchteten Zifferblatt. Der Zeiger wies auf nenn Uhr. So spät war es also geworden? „Na, einmal und nicht wieder machste so einen Teeps mit. Ich dachte schon, du kommst überhaupt nicht mehr wieder“, kam es unfreundlich vom Tisch her. „Es ist halt doch ein ziemlicher Weg, Mutter. Die anderen sind auch erst um halb acht Uhr losgegangen. Ich mußte halt doch warten“, verteidigte sich Robert. „Wie war's denn überhaupt?“ „Wunderschön war's, Mutter!“ Bei dem frohen Ton, der durch des Sohnes Antwort klang, blickte die Mutter forschend auf. Wie Roberts Augen glänzten! Er wird doch nicht etwa zu viel getrunken haben, oder... „Waren auch Mädels mit?“ forschte sie. „Eine ganze Menge.“ „Davon haste mir ja vorher gar nichts gesagt.“ „Emil Schiller, der mich zum Ausflug einlud, hatte mir auch nichts davon gesagt. Na, und zu Hause bleiben konnte ich dann doch nicht. Die sind auch immer vorweg gelaufen. Ich war ziemlich allein.“ „Na, also wie gesagt, Robert, diesmal mag's ja gewesen sein. Noch einmal machste aber nicht mit. Du weißt schon, ich kann's nicht leiden, das Herumziehen mit den Mädels. Laß dich bloß mit keiner ein.“ Schon wollte Robert erwidern, daß er sich eine solche Bevormundung nicht länger gefallen lassen wollte. Dann aber dachte er an seinen Entschluß, der Mutter nichts merken zu lassen. Er tat, als ob ihm der ganze Ausflug weiter nicht mehr beschäftigte. Er ging noch einmal, wie alle Abende, über den Hof, um nachzusehen, ob auch alles in Ordnung sei. Gerade wollte er ins Haus zurück, um der Mutter gute Nacht zu wünschen, da rief ihn der Alttnecht leise an, der, seine Stummelpfeife rauchend, auf einem Bänkchen neben der Scheune saß. „Du, Robert, wie war's denn heute nachmittag? Haste dir eine ausgesucht?“ „Quatsch' nicht, Zimpel“, fuhr Robert den schmunzelnd Lächelnden gröber an, als er ihn sonst zu behandeln pflegte. „Nu, nu, sei ok gemütlich; die Therese Drömer is a sehr a schmuckes Frauvolk, da brauchste dich gar nich etwa zu schämen.“ Robert war stehengeblieben. Mit großen, runden Augen sah er Zimpel an und fragte erstaunt: „Woher weißt denn du, daß ich mit Therese Drömer gegangen bin?“ „Nu, ich ging halt gerade ums Feld'rum, dorte, wo der Weg nach Kiesewald abbiegt. Da kamt ihr ja gerade so betulich in. Ihr saht zu keinem Menschen nich", lachte der Alte und stopfte mit dem Daumen den Tabak in seiner Pfeife fester. „Halt' dir se warm, Robert. Die Therese is a gutes Mädel. Keine von den firlefanzenden Dingern, die de bloß uff a Tanzboden gehn und sich hübsch machen woll'n.“ Robert wußte nicht recht, ob er über Zimpels Reden lachen oder sich ärgern sollte. Warum mußte der hinter sein liebes Geheimnis kommen? Wie leicht konnte der geschwätzige Alte ihn bei seiner Mutter verraten. Er mußte vorbeugen. „Zimpel, daß du ja nischt der Mutter sagst.“ „Wo werd' ich denn— keine Silbe verrat' ich. Ich weiß ja ganz genau, wie die Frau drüber denkt. Es nützt ihr ja doch nischt, Robert. A junges Blut, wie du, will sein Mädel haben, das stieht a so feste, wie die Welt. Auf mich kannste rechnen; kein Wort sprech' ich.“ Und mit einem Male war es Robert Zeidler, als müsse er dem Schicksal dankbar sein, daß es den treuen Alten zum Mitwisser gemacht hatte. So hatte er doch wenigstens einen Menschen, mit dem er von seinem heimlichen Glück sprechen konnte. So setzte er sich zu ihm auf die Bank und erzählte von dem schönen Nachmittag, den er mit Therese Drömer verlebt, von ihrem flimmernden Goldhaar, ihren Kornblumenaugen, ihrem munteren Geplauder. Und Zimpel, der unfreiwillige Hagestolz, nickte bedächtig mit dem Altmännerkopf und brummte nur ab und zu ein behäbiges„Gutt a so!“ dazwischen. Und als Robert sein Herz dem Alten gegenüber ausgeschüttet hatte, sagte der Altknecht, und legte dabei dem jungen Freunde die harte Arbeitshand auf die Schülter: „Pass' auf. Robert, mit der Therese machste dein Glücke! Die Frau, was deine Mutter is, die wird selber noch amal eine große Freude erleben.“ Viertes Kapitel. Es fiel ein Reif... Aber schon der kommende Sonntag sollte zeigen, daß Zimpel zumindest in dem zweiten Punkt ein schlechter Prophet war. Als die Glocken die Petersdorfer zum Gottesdienst riefen, erklärte Robert seiner Mutter, in die Kirche gehen zu wollen. Schon die ganze Woche habe er sich darauf gefreut. Einmal hatte Thereses warme Fürsprache für die sonntägliche Feierstunde im Gotteshause auch in seiner durch Licht und Wärme wenig verwöhnten Seele eine gewisse scheue Sehnsucht erzeugt; aber viel stärker war der andere Magnet, der ihn hinzog: dort würde er das Mädchen wiedersehen, dem seit ihrem ersten Begegnen sein ganzes Denken und Fühlen galt. Ueber Robert Zeidler war die Liebe gekommen, wie ein brausender Frühlingssturm. Oft mußte er mitten in seinem Tagewerk einen Augenblick Atem schöpfen, weil sein schlagendes Herz ihm die Brust zu sprengen drohte. Am wohlsten war ihm, wenn er draußen auf dem Felde oder am Bergeshang zu tun hatte. Dann hätte er am liebsten den Namen der Geliebten hinausgeschrien, um im Echo der Berglehne freudigen Widerhall zu vernehmen. Sein ganzes Wesen war von einem nie gefühlten Tasendrang erfüllt, der seine Augen fröhlicher leuchten, seine sonst kargen Worte beredter vom Munde fließen ließ. Schon während der vergangenen Woche war der Mutter das veränderte Wesen ihres Sohnes aufgefallen Das konnte nur mit dem Sonntagsausflug zusammenhängen. In ihrer herben Art hatte sie aus Robert Näheres herauszufragen versucht. Aber das, was sie befürchtete, vor dem sie sich scheute, ihn darüber direkt zu befragen. hatte sie nicht herausbekommen. Es wäre eben sehr nett gewesen, noch dazu das schöne Wetter, was sie gehabt hätten..., da mußte man doch guter Dinge sein. Als Robert nun seiner Mutter so plötzlich erklärte, zur Kirche gehen zu wollen, erschrak sie bis ins Innerste. fühlte einen Stich im Herzen, und mußte sich rasch auf einen Stuhl setzen. Robert hatte die Wirkung seiner Worte nicht bemerkt. Er schaute dabei zum Fenster hinaus, als interessiere ihn etwas auf dem Hofe ganz besonders. Erst als er von seiner Mutter gar keine Antwort erhielt, wandte er sich um und erschrak vor der Blässe ihres Gesichts, das sie ihm mit einem herben Zug um den Mund halb zukehrte. „Was hat's denn, Mutter?“ fragte er etwas unsicher. „Warum willst du denn in die Kirche gehen? Wir haben doch immer noch den Herrgott allein gefunden. Robert, du verbirgst irgend etwas vor, mir. Bleib’ hier! Ich hol' gleich die Bibel.“ „Nee, Mutter, heute geh' ich in die Kirche. Ich hab' mir's nu einmal vorgenommen, und dabei bleib’ ich.“ Und noch ehe die Mutter einen neuen Einwand erheben konnte, schritt Robert über den Flur zur Tür hinaus. Hätte er sich noch einmal umgewandt, so wäre er wohl doch unschlüssig geworden. Denn wieder griff Ida Zeidler nach ihrem Herzen, das schmerzend, in schweren Schlägen gegen die Rippen schlug. Mit herb geschlossenen Lippen starrte sie zum Fenster hinaus, konnte noch sehen, wie Robert im Sonntagsstaat um die Ecke der Landstraße bog, eilenden Schrittes der Kirche zu. Und in demselben Augenblick wurde es ihr klar, daß ihn nach dieser Stätte noch etwas anderes zog, als nur das Verlangen nach Gottes Wort. Wer aber mochte das Mädchen sein, an das er sein Herz verloren? Nun war doch das Schicksal stärker gewesen, als ihr herbes Sorgen. Aber vielleicht war es noch nicht zu spät. In den acht Tagen war er wenig vom Hofe gekommen, konnte kaum mit der Betreffenden länger zusammengewesen sein. Und heute in der Kirche konnte auch nicht viel geschehen. Sie würde ihm sofort nach seiner Rückkehr ins Gewissen reden; noch einmal ihr ganzes Leid vor ihm aufrollen zum warnenden Beispiel. Und während Ida Zeidlers warnendes Herz sich in Sorgen zergrämte, saß der, dem all ihr Mühen galt, in einem Winkel der Kirche, staunte über das Licht, das flutend zu den Fenstern hereinfloß, und den reichen Zierat an Bänken, Altar und Kanzel, an Orgel und Gestühl mit goldenem Licht übergoß, freute sich über den vollen Klang der Orgel, sang mit und brach doch plötzlich ab, als er durch ein Seitenpförtchen eine Mädchengestalt hereintreten sah, das junge blonde Haupt sittsam gesenkt, das Gesangbuch und ein Blumensträußchen in der Rechten. Da versank um den jungen Menschen mit einem Schlage der ganze Zauber des Feierraumes, und nur Therese Drömers lichtblondes Köpfchen schien all die Lichtflut auf sich zu vereinen. Sie saß gar nicht allzu weit von ihm auf der Frauenseite; er konnte sie ungestört anschauen. Und dies unaufhörliche Anstarren bewirkte es wohl, daß Therese plötzlich ihren Kopf hob und zu ihm hinüberblickte. Da überflutete ein helles Rot ihre runden Wangen; die hübschen Blauaugen leuchteten auf, und um den roten vollen Mund spielte ein munteres Lächeln. Von dem Inhalt der Predigt wußte Robert Zeidler am Schluß des Gottesdienstes nicht viel. Dagegen war ihm immer fröhlicher ums Herz geworden, je länger er in Thereses Augen schaute. Und nach dem Gottesdienst war es eigentlich selbstverständlich, daß die beiden jungen Menschen einander erwarteten. Als sie aus dem Strom der Kirchgänger heraus waren, von denen so mancher ihnen halb verwunderte, halb spöttische Blicke nachsandte, wanderten sie durch die Wiesen dem Kiesewalder Bergpfad zu.(Fortsetzung folgt.)