* VEPWUF Die„Schwerter Zeitung" erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Nuhr), Postscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantworlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Hernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Pnzigespreise fiür die achtgespal. mmete e Pig, Auswörtige, sinanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., Aeklamezeile 40 Pf: Finr teieson, aufgegedene Inserate üdernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergesehn. Betriedsstörungen, dervorgerufen durch böhere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 243(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Donnerstag, den 16. Oktober 1930 Politische Reichstagspräsidentenwahl Tre Wirer=diemtino Zu Vizepräsidenten wurden gewählt: Stöhr(Natsz.), Esser(Ztr.) und Graef(Ontl.)- Die Kürzungsanträge dem Ausschuß überwiesen Heuts Nachnitag Reglerungeertkaruns Die mit so großer Spannung erwartete Wahl des Reichstagspräsidenten wurde in der Reichstagssitzung am Mittwoch unter erheblichem Lärm und Tumult vollzogen, mit dem Ergebnis, daß der Präsident des alten Reichstages, der sozialdemokratische Abg. Löbe, wiedergewählt worden ist. Sein Gegenkandidat war der volksparteiliche Fraktionsführer Dr. Scholz, der auch von dem Nationalsozialisten Dr. Frick empfohlen worden war, während die Kommunisten ihr Mitglied Pieck präsentierten. Die Christlich=Sozialen erklärten sich für Löbe aus der grundsätzlichen Erwägung heraus, daß Präsidentenwahlen nicht ein politischer Akt seien, sondern, daß hierbei die Fraktionsstärke entscheiden müsse. Mit der Deutschen Volkspartei, den Nationalsozialisten, dem Landvolk und der Wirtschaftspartei scheinen auch die sechs Volksnationalen für Scholz gestimmt zu haben, zur allgemeinen Ueberraschung aber stimmten die Deutschnationalen im ersten Wahlgang nicht für Scholz, sondern für ihr eigenes Fraktionsmitglied Graef=Thüringen. So erhielt im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit, und es mußte zwischen Löbe und Dr. Scholz eine Stichwahl stattfinden, in der Abgeordneter Löbe(Soz.) mit 269 Stimmen gegen den Abgeordneten Dr. Scholz(DVp.), der 209 Stimmen erhielt, gewählt wurde. Die Kommunisten gaben bei der Stichwahl 77 ungültige Stimmen ab. Das Wahlergebnis wurde von den Sozialdemokraten mit lautem Beifall, von den Nationalsozialisten mit lauten Mißfallenskundgebungen aufgenommen. W Bei der dann folgenden Wahl des ersten Vizepräsidenten— die drei Vizepräsidenten sind übrigens gleichberechtigt— mußten nach der Fraktionsstärke die Nationalsozialisten an die Reihe kommen. Wegen der nationalsozialistischen Haltung bei der Präsidentenwahl schlugen aber die Sozialdemokraten den Zentrumsabg. Esser vor. In dem hitzigen Streit über die Kandidatenwahl hatte der wiedergewählte Präsident Löbe Veranlassung, den ersten Ordnungsruf im neuen Reichstag zu erteilen. Er traf den nationalsozialistischen Abg. Dreher wegen eines gegen den Sozialdemokraten Dittmann gerichteten beleidigenden Zurufs. Gewählt wurde mit der absoluten Mehrheit von 288 Stimmen der nationalsozialistische Abg. Stöhr. Mit der großen Mehrheit von 427 Stimmen wurde dann als zweiter Vizepräsident der Zentrumsabg. Esser gewählt. Bei der Wahl des dritten Vizepräsidenten gab es zunächst eine erhebliche Stimmenzersplitterung. In der Stichwahl siegte der deutschnationale Abg. GraefThüringen mit 231 Stimmen über den Abg. Dr. Pfleger von der Bayrischen Volkspartei, der 200 Stimmen erhielt, während die Kommunisten 67 ungültige Stimmzettel abgegeben hatten. Die Zusammensetzung des neuen Reichstagspräsidiums entspricht also wiederum der Fraktionsstärke. Das Ergebnis der Schriftführerwahl wird erst Donnerstag mitgeteilt werden können. In der Sitzung wurden noch ohne Debatte die Anträge der Sozialdemokraten und anderer Parteien auf Herabsetzung der Abgeordnetendiäten und der Bezüge des Reichspräsidenten und der Minister dem Ausschuß überwiesen. * Der Verlauf der Sitzung vdz. Berlin, 15. Okt. Die Tribünen und der Sitzungssaal sind heute ebenso dicht besetzt wie in der ersten Sitzung. Der Regierungstschist unbesetzt, während die Reichsratsbevoumüchligten der Länder in großer Zahl erschienen sir Alterspräsident Herold eröffnet die Sitzung, auf deren Tagesordnung als erster Punkt die Wahl des Präsidenten der Vizepräsidenten und der Schriftführer steht. Der Alterspräsident verliest die Paragraphen der Geschäftsordnung, die sich auf die Präsidentenwahl beziehen. 677441 6: Wih Abg. Dittmann(Soz.) schlagt die Wiederwahl des bisherigen Reichstagspräsidenten Löbe vor. Abg. Rippel(Chr.=Soz. Volksd.) verliest unter Lärm und Gelächter der Rechten folgende Ersdrungt. esse4 S.estdle Wir Abgeordneten des Christlich=Sozialen Volksdienstes sind mit einem großen Teil des Reichstages der Auffassung, daß das Ergebnis der Wahl vom 14. September eine Verschiebung der Machtverhältnisse nach rechts bedeutet und daß diese Tatsache bei der Zusammensetzung und dem Kurs der Regierung beachtet werden muß. Wir sind aber der Meinung, daß die Zusammensetzung des Vorstandes und auch des Präsidiums des Reichstages durch die gegenwärtig noch gültige Geschäftsordnung nach Paragraphen 8 und 9 zu regeln ist. Wir bedauern, daß diese Zusammensetzung des Präsidiums, die nach vieljähriger Uebung nach der Stärke der Fraktionen getätigt worden ist, zu einer parteipolitischen Machtfrage gestempelt werden soll... E, E.Nung Tsbigt. Unsere rein sachliche Einstellung gebietet uns daher, in dieser mehr geschäftsordnungsmäßigen denn politischen Frage uns an den Wortlaut und Sinn der Geschäftsordnung zu potten,.. mestansae Auch, wenn die welranschauliche und politische Einstellung des zur Wahl Vorgeschlagenen von uns abgelehnt wird, folgen wir doch dem Gesetz der Gerechtigkeit und Billigkeit. Abg. Dauch(DVp.) schlägt unter Hört! Hört!=Rufen der Sozialdemokraten den Abgeordneten Dr. Scholz(DVp.) als Reichstagspräsidenten vor. Abg. Torgler(Komm.) erklärt, die Kommunisten würden als einzige antikapitalistische Partei in diesem Youngreichstag den Kuhhandel der übrigen Parteien nicht mitmachen. Sie würden auch nicht eine Loyalitätserklärung abgeben wie die Nationalsozialisten. Für diese Partei, die sich Arbeiterpartei nennt, sei es bezeichnend, daß sie Scholz, den Vertreter des Kapitals, zu ihrem Kandidaten mache.(Lärm bei den Nationalsozialisten, Beifall bei den Kommunisten). Wir schlagen den Abg. Pieck (Komm.) als Präsidenten vor. Abg. Dr. Frick(Nat.=Soz.), der darauf das Wort nimmt, wird von den Kommunisten mit dem Ruf empfangen:„Der Wertheim=Besieger!". Dr. Frick erklärt, die Wahlen hätten deutlich den Sieg der antimarxistischen Front ergeben und vor allem der Sozialdemokratie eine vernichtende Niederlage beigebracht. Die Nationalsozialisten würden für den Abgeordneten Dr. Scholz stimmen, denn es würde dem bei den Wahlen bekundeten Volkswillen ins Gesicht schlagen, wenn zum Reichstagspräsidenten der Marxist und Kriegsdienstverweigerer Löbe gewählt würde.— Die Sozialdemokraten, die den Redner dauernd durch lärmende Zurufe unterbrochen haben, rufen bei seinen letzten Worten: „Das wagt der Etappenbulle und Kriegsdrückeberger Frick zu sagen!“ Die Wahlen Die Wahl des Präsidenten wird dann durch Namensaufruf und Stimmzettelabgabe vorgeBei der Wahl des Reichstagspräsidenten wurden 556 Stimmen abgegeben. Davon fielen auf Löbe(Soz). 266, auf Dr. Scholz(DVp.) Vertagung des Reichstags die Anfung Sezeirer? Zwischen Reichstagspräsidentenwahl und Regierungserklärung 1n Get##:, Puudf-Mold) das Eintreten des Zentrums für Löbe angeenb. Berlin 16. Okt.(Eig. Runds.=Meld.) Die Wahl des Präsidenten des neuen Reichstags nahm gestern einen dramatischen Verlauf, die für diese Abstimmungen, die sonst den Charakter einer formalen Selbstverständlichkeit hat, ungewöhnlichs.„.44.I. Muen g. Das Ergebnis entspricht den augemeinen Erwartungen. Allerdings ist die Mehrheit Löbes größer als man vielfach angenommen hatte. Das wird in parlamentarischen Kreisen nicht zuletzt darauf zurückgeführt, daß auch in der Stichwahl nicht alle Deutschnationalen für Dr. Scholz eingetreten sind. Das stimmungsmäßige Ergebnis dieser Wahlen ist eine starke Verärgerung der Deutschen Volkspartei gegen die Deutschnationalen, die schon einsetzte, als diese im ersten Wahlgang für einen Angehörigen ihrer eigenen Fraktion stimmten. In Kreisen der Deutschen Volkspartei machte man daraus den Deutschnationalen den Vorwurf, den Eindruck einer großen Demonstrationen der gesamten Rechten vereitelt zu haben. Diese Stimmung fand ihren Niederschlag, als der Vizepräsident Graef gewählt wurde. Die Deutsche Volkspartei revanchierte sich, indem sie zunächst für Dr. von Kardorff und in der Stichwahl zum großen Teil für den Abg. Pfleger eintrat, ohne daß ihre Haltung freilich irgendwelchen praktischen Erfolg hatte. Durch die stimmungsmäßige entwicklung ist der Bruch der Deutschen Volkspartei mit dem Zentrum, der gestern aus ihren Kreisen wegen das Eintreien des Zentrums für Löbe ungekündigt wurde, verhindert worden, sodaß die Haltung der Deutschnationalen dem Einvernehmen der Regierungsparteien zugutekommt. Das ist nach Ansicht parlamentarischer Kreise nicht ohne Bedeutung für die Abstimmungüber die Mittranengantzäg die, wie man übrigens gestern abend glaubte, nicht vor Dienstag stattfinden würde. Richtig ist daran, daß man allgemein wichtige Abstimmungen am Samstag vormittag, da viele Abgeordnete am Wochenende nicht in der Sitzung zu sein pflegen. Es verlautet jetzt aber daß diesmal ausnahmsweise die Abstimmungen doch bereits am Samstag durchgeführt werden sollen. Dies ist auch der Grund dafür, daß nach der Regierungserklärung am Donnerstag nur eine Pause von einer Stunde eingeschoben wird und dann gleich die erste Rednergarnitur der Parteien sprechen wird. So erhofft man für Samstag die Vertagung des Reichstages bis Anfang Dezember, Die Voraussetzung dafür sind, daß die Mißtrauensvoten von der Mitte und der Sozialdemokratie abgebogen werden. Die Frage. ob das möglich sein wird, betrachtet man in parlamentarischen Kreisen nicht ohne Zusammenhang mit der Haltung, die der Reichsarbeitsminister im Konflikt der Berliner Metallindustrie einnehmen wird. 63. Jahrgang 179. auf Pieck(K.) 68, auf Graef=Thüringen (Dnat.) 41 Stimmen. Zwei Stimmen waren ungültig. Die absolute Mehrheit von 278 Stimmen hat demnach keiner der Kandidaten erreicht und es muß Stichwahl zwischen den Abgeordneten Löbe und Dr. Scholz stattfinden. In der Stichwahl wird Abgeordneter Löbe (Soz.) zum Reichstagspräsidenten wiedergewählt mit 269 Stimmen. Für den Abgeordneten Dr. Scholz(DVp.) wurden 209 Stimmen abgegeben. 77 Stimmen waren ungültig. Das Abstimmungsergebnis wird von den Sozialdemokraten mit Händeklatschen, von den Nationalsozialisten mit Pfui=Rufen ausgenommen. Abgeordneter Dr. Scholz(DVp.) geht auf den neugewählten Präsidenten Löbe zu und gratuliert ihm. Als Präsident Löbe seinen Präsidentensitz einnimmt, wiederholen die Sozialdemokraten ihre Beifallskundgebungen. Der nationalsoziastische Abg. Strasser ruft dem Präsidenten Löbe zu:„Verzichten Sie auf Ihre Bezüge!“ Als Präsident Löbe das Wort zu einer Ansprache nimmt, redet Abgeordneter Strasser weiter. In dem allgemeinen Lärm bleiben die ersten Sätze des Präsidenten unverständlich. Größere Ruhe tritt erst ein, als Präsident Löbe dem Alterspräsidenten Herold herzliche Dankesworte widmet. Als er dann an alle Parteien die Mahnung zu arbeit richtet, ruft Abgeordneter Dr. Göbbels (Nat.=Soz.): Sparen Sie sich doch Ihre Lyrik! Einige Nationalsozialisten pfeifen. Es folgt die Wahl des 1. Vizepräsidenten Abg. Dr. Frick(Natsoz.) schlägt den nationalsoziastistischen Abg. Stöhr vor. Abg. Dittmann(Soz.) erklärt unter dem Lärm der Kommunisten und Nationalsozialisten, seine Freunde würden für Stöhr gestimmt haben, wenn die Nationalsozialisten bei der Präsidentenwahl auch die Fraktionsstärke berücksichtigt hätten. Da das nicht geschehen sei, würden die Sozialdemokraten auch nichr für Stöhr stimmen. Abg. Dittmann schlägt den Zentrumsabg. Esser als Vizepräsidenten vor. Ein Nationalsozialist ruft: Ihr Gesinnungslumpen! Er erhält dafür den ersten Ordnungsruf im neuen Reichstag. Abg. Rippel(Chr.=Soz.) unterstützt die Kandidatur des Abg. Stöhr. Abg. Torgler(Komm.) schlägt den kommunistischen Abg. Pieck vor. Er meint, die Nationalsozialisten hätten mit ihrer Kandidatur Dr. Scholz eine schwere Sünde wider das Hakenkreuz begangen. Als Torgler weitere Angriffe gegen die Nationalsozialisten richtet, rufen diese „Schluß! Abtreten!“ und verüben einen solchen Lärm, daß Torglers Ausführungen unverständAuf Vorschlag des Präsidenten Löbe wird die Zettelwahl des ersten Vizepräsidenten in derselben Weise vorgenommen, wie sonst der Hammelsprung erfolgt. Dadurch weniger Zeit gebraucht, als beim NamensWährend des Wahlaktes begibt sich Reichskanzler Dr. Brüning zum Präsidententisch, um den Präsidenten Löbe zu beglückwünschen. Bei der Wahl des 1. Vizepräsidenten des Reichstages wurden 534 Stimmen abgegeben. Mit der absoluten Mehrheit von 288 Stimmen wurde der Abg. Stöhr(Natsoz.) zum ersten Vizepräsidenten gewählt. Abg. Esser(Z.) erhielt 171 Stimmen und der kommunistische Abgegeordnete Pieck 57 Stimmen. Acht Stimmen waren unguit ig, I.#ax Gagrähen Die Nationalsozialisten begrüßen das Wahlergebnis mit Klatschen und Heilrufen. Der zweite Vizepräsident Als zweiter Vizepräsident wird dann der Abg. Esser(Z.) mit 427 Stimmen gewählt. 65 Stimmen fallen auf den Abg. Pieck(Komm.) 15 sind ungültig und zersplittert. Der dritte Vizepräsitent Für die dann folgende Wahl des dritten Vizepräsidenten schlägt Abg. Hergt(Dnat.) den Abg. Graef=Thüringen(Dnat.) und Abg. Dittmann(Soz.) den Abg. Dr. Pfleger(Bayr.Vp.) vor.„ an Bei dieser Wahl wurden 492 gültige Stimmzettel abgegeben, von denen 227 auf GraefThüringen(Dnat.), 176 auf Dr. (Bayer.Vp.), 66 auf Pieck(Komm.) und 21 auf von Kardorff(DVp.) lauten, während Da die absolute Mehrheit von keinem Kandidaten erreicht wurde, fand Stichwahl zwischen Graef und Dr. Pfleger statt. Sie ergab die Wahl des Abg. Graes=Thüringen(Duat.) mit 231 gegen 200 Stimmen, die der Abg. Dr. Pfleger(Bayer. Vp.) erhielt, während von den Kommunisten 67 ungültige Stimmzettel abgegeben worden sind. Die Zusammensetzung des neuen Reichstagspräsidiums entspricht wieder der Fraktionsstärke. Damit sind der Präsident und die drei Vizepräsidenten, die übrigens gleichberechtigt sind, gewählt. Die Wahl der 12 Schriftführer wird hierauf in einem Wahlgang vorgenommen. Das Resultat soll in der morgigen Sitzung mitgeteilt werden. Die Aürrengfauthgs Auf der Tagesordnung steht weiter der sozialdemokratische Antrag, wonach die Diäten der Reichstagsabgeordneten sofort um 20 Proz. herabgesetzt werden sollen. Der Antrag verlangt außerdem eine Regierungsvorlage, durch die auch die Bezüge des Reichspräsidenten, der Minister und die Ministerpensionen entsprechend gekürzt werden und die Pensionen den betrag von 12.000 Mark nicht übersteigen sollen. Dieser Antrag und ähnliche von den Kommunisten, der Landvolkpartei und den Nationalsozialisten gestellte Anträge wurden dann ohne Debatte dem Aeltestenrat und dem Haushaltsausschuß überwiesen. Gegen 8 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 15 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen die Regierungserklärung und die von den Parteien zur Notverordnung, zur Innen= und Außenpolitik gestellten Anträge sowie der Amnestieantrag. Radauszenen im preußischen Landtag Die Lündtagesihung zwelnit untererechen Ministerpräsident Braun lehnt Aufhebung des Uniformverbots ab Begrundung der Auflösungsantrage vdz. Berlin, 15. Okt.(Tel.) Im preußischen Landtag begann am Mittwoch die Aussprache über zahlreiche Anträge der Oppositionspar= teien auf Auflösung des Landtages, Zurückziehung der Erlasse, die den Beamten die Zugehörigkeit zur KPD und NSDAP verbieten, Einstellung der Youngleistungen usw. sowie über den demokratischen Antrag, der strenge Untersuchung und Bestrafung der an den jüngsten Berliner Unruhen Schuldigen fordert. Zu Beginn nahm Ministerpräsident Dr. Braun das Wort. Ministerpräsident Brann von den Kommunisten mit stürmischen Zurufen „Nieder mit der Braunregierung“ empfangen, führt u. a. aus: Unter den zahlreichen Anträgen, die jetzt gemeinsam beraten werden, befindet sich auch ein solcher der Nationalsozialisten, das Uniformverbot für die nationalsozialistischen Sturmtrupps aufzuheben(Rufe bei den Nationalsozialisten:„Es wird höchste Zeit!") Ich bin genau der entgegengesetzten Meinung. Die Aufhebung des nationalsozialistischen Uniformverbots kann solange nicht in Frage kommen, wie die Gründe, die zum Erlaß des Verbotes führten, noch weiterbestehen.(Lebhafte Zurufe bei den Deutschnationalen.) Zu diesem Uniformverbot hat vor allem der unerträgliche Terror geführt, den Sie(zu den Nationalsozialisten) auf politisch Andersdenkende ausgeübt haben. Dieser Verbotsgrund besteht im Augenblick sogar in verschärftem Umfange. Deshalb kann eine Aufhebung des Uniformverbots für die Nationalsozialisten absolut nicht in Frage kommen.(Beifall bei den Regierungsparteien.) Das Verbot für Beamte, der Kommunistischen und der Nationalsozialistischen Partei anzugehören, kann gleichfalls nicht aufgehoben werden (andauernde lärmende Unterbrechungen bei den Kommunisten und Nationalsozialisten. Rufe rechts: Darüber bestimmen Sie schon nach einem ihre Plätze einzunehmen. Als Abg. Lohse(Natsoz.) dieser Auffordetung nicht nachkam, wurde er von der Sitzung ausgeschlossen. Abg. Lohse verließ trotzdem nicht den Saal. Nach einer Tage von den Sitzungen ausgeschlossen sei. Ministerpräsident Dr. Braun schließt seine Ausführungen und erklärt, daß das deutsche Volk sich in einem Fieberzustand befinde; das zeige das Anwachsen der Stimmenzahl für die Nationalsozialisten und Kommunisten. Erst wenn dieser Krankheitszustand nicht mehr vorhanden sei, könne das deutsche Volk gesunden.(Lebhafter Beifall in der Mitte, stürmische Rufe bei den Nationalsozialisten und Kommunisten: Nieder! Nieder!) Hierauf begründet Abg. Schwenk(Komm.) die Anträge seiner Fraktion und erklärt, daß die Regierung Braun eine arbeiterfeindliche Politik treibe. Aus den Reden, mit denen die einzelnen Parteien ihre Anträge begründeten, ergab sich u. a., daß sie das nationalsozialistische Volksbegehren auf Auflösung des Landtags nicht unterstützen werden. Als ein Nationalsozialist behauptete, nicht seine Parteifreunde, sondern Kommunisten hätten in Berlin die Fensterscheiben eingeworfen, entstand abermals Tumult, der den Präsidenten veranlaßte, die Sitzung zu unterbrechen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung sprach als erster Redner in der allgemeinen Aussprache der Sozialdemokrat Winzer. Weiterberatung Donnerstag. 264,6 Millionen Mark Aubfuhraderschuß an dem die Reparationssachlieferungen mit einem Anteil von 61,8 gegen 52 Millionen RM. im August beteiligt sind. Die Einfuhr ist mit 736,5 Millionen RM. gegenüber dem Vormonat um 59 Millionen RM. geringer ausgewiesen. Die konjunkturellen Veränderungen gegenüber dem Vormonat haben sich weder bei der Auswtb Berlin, 15. Okt. Der Außenhandel im Vierteljahr nicht mehr!) Dieses Verbot ist er- Sextergher schließt im reinen Warenggzkehr mit assen worden, weil feststeht, daß sowohl. Pbe 175 Mig:“. Fan#e#gu von 2 64 6 gogen Nationalsozialistische wie die Kommunistische:#9 Miulionen RM. im August ab. Die AusPartei den gewaltsamen Umsturz anstreben, fuhr hat die vorwiegend jahreszeitlich be(Ruse bei den Nationalsozialisten: Das ist das gründete Aufwärtsentwicklung der letzten Zeugenaussage Hitlers liest, erscheint es fast so, weitere Zunahme um 30,3 Millionen RM. erals ob die Nationalsozialistische Partei nur eine gibt sich ein Ausfuhrwert von 1001,1 Millionen, Gruppe von Unschuldslämmern wäre, die auf rein legalem Wege dahinzöge.(Rufe bei den Nationalsozialisten: Hitler hat unter Eid ausgesagt!) Diese eidliche Aussage steht auf derselben Stufe wie das Ehrenwort, das Hitler 1923 in München gab, keine Putsche zu machen und das den Hitlerputsch nicht verhinderte.(Zustimmung bei den Regierungsparteien, Lärm und Rufe bei den Nationalsozialisten: Unerhört! Die Abgeordneten stehen dicht gedrängt um das Rednerpult. Der Ministerpräsident wird fortgesetzt durch Zurufe unterbrochen.) Ein Beamter, der einer Partei angehört, die offen erklärt, den Staat vernichten zu wollen, begibt sich des Rechtes, weiterhin Beamter zu sein. Der Antrag auf Aufhebung der preußischen Durchführungsbestimmungen zur Notverordnung des Reichspräsidenten kann gleichfalls nicht angenommen werden. Die Notverordnungen sind Reichsgesetz; die preußischen Erlasse dazu sind lediglich Anweisungen an die Gemeinden. Die Wirtschaft kann nur gedeihlich arbeiten, wenn auch im Ausland Vertrauen in die Ordnung und Stetigkeit in Deutschland herrscht. Wie sehr diese Auffassung zutrifft, könnten Sie doch aus der Stellungnahme des Auslandes zum Wahlausgang vom 14. September ersehen.(Anhaltender Lärm rechts. Abg. Lohse(Nat.=Soz.): Ihr habt ja bei Frankreich die Pressestimmen bestellt.) Und bei alledem wird nun in einigen Anfuhr noch bei der Einfuhr in fühlbarer Weise bemerkbar gemacht. An der Zunahme der Ausfuhr sind in erster Linie die Fertigwaren beteiligt, deren Absatz um 22,3 Millionen RM. gestiegen ist. Ferner weisen Rohstoffe und halbfertige Waren eine Zunahme um 10 Millionen RM. auf. Dagegen ist die Ausfuhr von Lebensmitteln und Getränken um 5,3 Millionen RM. zurückgegangen. Außerhalb des reinen Warenverkehrs bedarf der Erwähnung die starke Ausfuhr von Gold und Silber, die im September 107,9 Millionen RM. betragen hat. Die Abnahme der Einfuhr detrifft vor allem Rohstoffe und halbfertige Waren, deren Bezug sich um 41,1 Millionen RM. verringert hat. Der Rückgang der Einfuhr von Lebensmitteln und Getränken beträgt 17 Millionen RM.— Fertigwaren sind 3,8 Millionen RM. weniger eingeführt worden. Die Strafanträge im Bombenlegerprozeß wtb. Hamburg, 15. Okt. Im Bombenlegerprozeß beantragte heute der Oberstaatsanwalt gegen die der Teilnahme an den Sprengstoffanschlägen in den Jahren 1928 und 1929 Angeklagten wegen Verabredung zur Begehung von Sprengstoffattentaten Zuchthausstrafen, und zwar gegen Hein zehn Jahre, Vick, acht Jahre, Nickels, Johnsen, Luhmann, Becker je sieben Jahre, Volck sechs Jahre sechs Monate, Schmidt und Hennings je sechs Jahre und gegen weitere sechs Angeklagte von fünf Jahren bis herab zu einem Jahr Zuchthaus. Gegen Wiborg, Bossen, Matthes und Hamkens Gesängnis von einem Jahr bis herab zu drei Monaten, gegen Frau Holländer 70 Reichsmark Geldstrafe und für den Angeklagten von Salomon Freisprechung, da für seine Beteiligung kein genügender Nachweis erbracht werden konnte. Der frühere finnische Staatspräsident aufgefunden wtb. Helsingfors, 15. Okt.(Tel.) Der frühere Staatspräsident Finnlands, Prof. Stahlberg, war am Dienstagmittag mitsamt seiner Gattin spurlos verschwunden. Die Vermutungen, daß sie von politischen Gegnern entführt worden seien, haben sich bestätigt, Heute, in früher Morgenstunde, sind beide in Melattarbenersiren in Bernn Fast 130 000 Metallarbeiter im Ausstand- Die Nationaljoztalisten für den Streik Die Arbeitgeber wollen Verbindlichkeitserklärung für den Schiebsspruch beantragen enb. Berlin, 15. Okt.(Eigene Meldung.) Die Belegschaften der am Berliner Metalltarifvertrag beteiligten Betriebe sind der gestern ausgegebenen Streikparole des Metallkartells nahezu einheitlich gefolgt. Wie wir erfahren, sind bis zur Mittagsstunde rund 126 000 Metallarbeiter in den Ausstand getreten. Im Einverständnis mit den beteiligten Gewerkschaften sind lediglich die über 60 Jahre alten Arbeiter und die Kriegsbeschädigten in den Fabriken geblieben. Der Allgemeine Freie Angestelltenbund, in dem die Mehrzahl der in der Berliner Metallindustrie beschäftigten Angestellten organisiert ist, hat seine Solidarität mit den Streikenden #rerklärt; den Ortskartellvorsitzenden ist Vollträgen sogar noch verlangt, auch den Landrag macht zur Durchführung etwa notwendig weraufzulösen. Ich glaube, die deutsche Wirtschaft dender Maßnahmen erteilt worden. hat genug an den Folgen der Reichstagswahl] Wie wir weiter erfahren, wird der Verband vom 14. September(Gelächter u. Lärm rechts). der Berliner Metallindustriellen heute nachSie mögen durch Ihre Demagogie vorüber= mittag um 3 Uhr zusammentreten, um zur Lage gehend einen Stillstand meiner Partei errei= Stellung zu nehmen. In unterrichteten Kreisen chen, aber nie einen Niedergang, wie er Ihnen wird, wie schon gesagt, erwartet, daß der Ver(zu den Nationallozialisten) schon nach wenigen band seinen Mitgliedern die Annahme des von Jahren beschert sein wird. Bei dem oft sek; den Arbeitnehmern abgelehnten Schiedsspruches Stimmungswechsel mancher Kreisg,###empfehlen wird. Die Industriellen für Annahme des Schiedespruches. end. Berlin, 15. Okt.(Eigene Meldung.) Der Verband Berliner Metallinsturteller, trat heute nachmittag zu einer Besprechung der Lage zuchmalles schnellen Stimmungs es verkehrt, aus der Reichstagswahl den Schluß ziehen zu wollen, daß nun auch der Preußische Landtag in dem gleichen Sinne wie der Reichstag umgewandelt würde.— Infolge der dauernden Zwischenrufe konnte sich der Ministerpräsident kaum noch verständlich machen Da die Abgeordneten der ir d dert hinteren Biike ich um das Rednerpult herumstanden, for= sammen und hat den im Lohnstreit der Berliner Präsident Vaertels die Abgeordneten auf, Metallindustrie gefüllten Schiedespruch, der eine Herabsetzung der Mindesttariflöhne von acht Prozent für die Arbeiter über 18 Jahren und eine Lohnkürzung von sechs Prozent für die jugendlichen Arbeiter unter 18 Jahren und die Arbeiterinnen vorsah, angenommen. Der Verband wird nunmehr die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs beantragen. Gehaltssenkung der leitenden Angestellten? wtb. Berlin, 15. Okt.(Tel.) Wie der Verband Berliner Metallindustrieller mitteilt, empfiehlt die Vertrauenskommission des Verbandes Berliner Metallindustrieller auf Grund eines heute gefaßten einmütigen Beschlusses, den Verbandsmitgliedern, die Preis= und Unkostensenkung dadurch zu fördern, daß sie mit ihren Direktoren, Prokuristen und sonstigen leitenden Angestellten angemessene Verminderung ihrer gesamten Bezüge vereinbaren. Die Nationalsozialisten für die streikenden Metallarbeiter. enb. Berlin, 15. Okt.(Eig. Meld.) Die Gauleitung Groß=Berlin der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei veröffentlicht einen Aufruf, in dem, dem Lokalanzeiger zufolge, der Metallarbeiterstreik als berechtigt und auf gesetzlicher Grundlage beruhend erklärt wird. Der Kampf, so heißt es, gehe um das tägliche Brot und gegen die Dawes= und Youngpolitik. Daher müßten auch die Nationalsozialisten an diesem Streik teilnehmen. Wer Streikarbeit leiste, werde aus der RSDu P. ausgeschloffen. Joensun in Ostfinnland aufgesunden worden; sie sind unverletzt. Die Vermutung, daß sie entführt worden sind, hat sich bestätigt. Die Entführer sind noch unbekannt. Den Polizeibehörden gelang es, alle Personen, die an der Entführung des früheren Staatspräsidenten Stahlberg und seiner Gattin beteiligt waren, zu verhaften. Es handelt sich um vier Personen. Eine der Verhaftungen erfolgte in Helsingfors. Finanzminister Vennola sprach zugleich heute in Vertretung des erkrankten Ministerpräsidenten das Bedauern der Regierung über den Vorfall aus und stellte Staatspräsident Stahlberg einen Extrazug für die Rückreise von Joensu nach Helsingfors zur Verfügung. Ferner wurde der Justizkanzler beauftragt, die weitere Untersuchung strengstens zu überwachen. Großfeuer in einem mecklenburgischen Vorf wtb Friedland(Meckl.), 15. Okt. Das benachbarte Dorf Schwichtenberg wurde in der vergangenen Nacht wieder von einem Großfeuer heimgesucht, dem acht Gehöfte zum größten Teil zum Opfer fielen. Insgesamt wurden 26 Wirtschaftsgebäude und zwei Wohnhäuser eingeäschert. Am meisten wurde der Landwirt Hermann Schünemann, in dessen Scheune das Feuer ausgebrochen ist, geschädigt. Ihm ist der ganze Viehbestand verbrannt, nämlich zwei Pferde, acht Kühe, zwei Zuchtsauen, sieben kleinere Schweine und das gesamte Federvieh. Auch alle Erntevorräte wurden ein Raub der Flammen. Neben großen Futtervorräten sind schätzungsweise 1000 Fuder ungedroschenes Getreide mit verbrannt. Da auch jetzt wieder vorsätzliche Brandstiftung in Frage kommt, sind Beamte der Landeskriminalpolizei an der Brandstelle zur Feststellung der Entstehungsursache eingetroffen. Aus Nah und Fern Verleger Otto Dierichs gestorben. wp. Bochum, 15. Okt. Der Verleger des „Bochumer Anzeiger“. Otto Dierichs, ist gestern früh im Alter von 61 Jahren unerwartet gestorben. Dierichs war Mitglied des Hauptvorstandes des Deutschen Zeitungsverleger Vereins; ferner war er Vorsitzender des Niederrheinisch= Westfälischen Zeitungsverleger=Vereins. In Bochum bekleidete der Verstorbene zahlreiche Ehrenämter. Große Verdienste hat er sich um die Reform des deutschen Zeitungswesens erworben. Ueberfallkommando im Gerichtsgebäude. wp. Gelsenkirchen, 15. Okt. Im Anschluß an einen Gerichtstermin kam es gestern im Flur des Buerschen Amtsgerichtsgebäudes zwischen den Parteien zu einer wüsten Schlägerei. Im Verlauf der Streitigkeit, die zwei zufällig im Gerichtsgebäude anwesende Polizeibeamte unter Anwendung aller Gewalt schlichten konnten, trugen zwei Personen erhebliche Verletzungen durch Messerstiche und Schläge mit Bierflaschen, die die Frauen in der Markttasche mit sich führten, davon. An der Schlägerei haben sich über ein Dutzend Personen beteiligt. Das Ueberfallkommando erschien rechtzeitig und konnte insgesamt 14 Personen, die sich mehr oder weniger an dem Streit beteiligt hatten, zur Wache abführen. Die beiden Haupttäter wurden in Haft behalten Wüste Schlägerei. wp. Castrop=Ranxel, 15. Okt. Eine wüste Schlägerei entstand hier in der Kaiserstraße im Stadtteil Habighorst zwischen vier Personen. Mit Dolchmessern und Schlagringen gingen die Gegner aufeinander los. Mit mehreren Bruststichen blieb einer der Beteiligten auf dem Kampfplatz liegen, während ein anderer schwere Kopf= und Armverletzungen davontrug. Ungetreuer Angestellter beim Wohlfahrtsamt. wp. Gladbach=Rheydt, 15. Okt. Festgenommen wurde wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung ein beim hiesigen Wohlfahrtsamt beschäftigter städtischer Angestellter. Er hat im Laufe eines Jahres den Betrag von 1800 Mark durch Schwindeleien mit Milchkarten veruntreut. Eine Anzahl von Milchscheinen hat er für nicht unterstützungsbedürftige Personen ausgefertigt und an einen Milchlieferanten weitergegeben. Diesen hat er dann veranlaßt, die Milch nicht zu liefern, wohl aber in Rechnung zu stellen. Ein guter Fang. wp. Aachen, 15. Okt. In den letzten Tagen waren in der Presse verschiedentlich Berichte erschienen über die Festnahme einer großen Einbrecherbande in Aachen. Die Angelegenheit ist bereits vor Monatsfrist, im Aachener Polizeipräsidium in einer Pressebesprechung erörtert worden. In der Zwischenzeit wurde festgestellt. daß die Bande, soweit hier bekannt ist, aus zwölf Personen bestand. Acht von diesen wurden bereits festgenommen und dem Richter vorgeführt. Sie befinden sich in Aachen in Untersuchungshaft. Bisher konnten der Bande 150 Raubüberfälle und Einbruchsdiebstähle nachgewiesen werden. Hinsichtlich eines Mordes in Rotterdam sind die Nachrichten den Dingen vorausgeeilt. Einzelheiten können ohne Gefährdung der Untersuchungsarbeiten noch nicht mitgeteilt werden. Entführung eines 15jährigen Lehrlings? wp. Bad Kreuznach, 15. Okt. Opfer einer mysteriösen Entführungsgeschichte scheint der Lehrling Hans Dhein geworden zu sein. Der Junge ist 15 Jahre alt und wird seit dem 5. Oktober vermißt. Er wurde zuletzt gesehen, als er, auf dem Soziussitz eines fremden Motorradfahrers sitzend. spät abends in der Richtung Bingen davonfuhr. Es wird befürchtet, daß der Junge von dem Motorradfahrer antführt wurde. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß die Steigerung des Bodenertrages vor allem oder gar allein auf die Verbesserung der Wachstumsbedingungen unserer Rutzpflanzen, Furich, zuführen sei. Kein Zweifel, die Fortschlitte in den Düngungs= und Bodenbearbeitungsweisen haben mit dazu beigetragen, daß heute eine Ackerfläche doppelt so viel zu ernten gestattet als vor hundert Jahren. Man vergißt aber ganz, daß auf einem noch so gut bearbeiteten Boden die Saat aus Samen jener Sorten, die noch unsere Urgroßeltern säten, für unsere heutigen Anspruche eine schlechte Ernte ergeben würde. Inzwischen In den Porschungsstätten für Vererbungswissenschalt sind gegenwärtig Züchtungsversuche im Gange, die umwälzende Bedeutung für unsere Landwirtschaft erlangen dürtten, denn die Schaltung neuer Rassen von Nutzpflanzen und von Haustieren eröffnet Zukunftsausblicke von größter wirtschaftlicher Tragweite. M. 4 Bastardgeneration bestand nur aus rundsamigen Erbsen. Der naive Menschenverstand wäre da geneigt, anzunehmen, die runden Erbsen wären die stärkere Rasse und hätten die kantigen gleichsam verschluckt. In Wirklichkeit aber ging die Kantigkeit der Eltern nicht verloren. Bei der Selbstbefruchtung, die bei den Erbsen und vielen anderen Pflanzen möglich und den Vererbungsversuchen sehr förderlich ist, zeitigten die rundsamigen starde Nachkommen, bei denen zu einem Vier###el die Kantigkeit der Samen zum Vorschein kam. Diese Versuche bedeuten nichts weniger als die Erkenntnis, daß erbliche Eigenschaften nicht untergehen, sondern verse Arbeit durch Errichtung besonderer institute unterstützt. Ihre Bedeutung für die Landwirtschaft wurde auch bei uns erkannt. Verschiedenen Pflanzenkrankheiten versucht man durch Herauszüchtung immuner (unempfänglicher) Sorten den Garaus zu machen. Gegen Rost=, Meltau= und Reblausbefall usw. ist die angewandte Vererbungsforschung mit erfolgreichen Versuchen auf den Plan getreten. Darüber hinaus besteht berechtigte Hoffnung, daß sie unserer Landwirtschaft hochwertige Eiweißfuttermittel in wäre von einer gewaltigen Kette solcher Mutationen bewirkt. Die experimentelle Auslösung der Mutationen bzw. die Steigerung der Häufigkeit der Mutationen unter bestimmten Bedingungen(Bestrahlung, chemische oder phyfikalische Behandlung der Samen) hat nun die Hoffnung aufkommen lassen, daß hier tatsächlich die Entwicklung und die Entsteyung neuer Nutzpflanzen gleichsam an den Wi neuer burzeln Er entdeckte die Erbgesetze: Der Brünner Augustinerpater Gregor Mendel und sein kleines Versuchsgärichen. sind nämlich auch die Sorten und damit die Nutzpflanzen selbst besser und somit ertragreicher geworden. Die ganze Geschichte der Pflanzen=(aber auch Tier=) Zucht ist erfüllt von dem Suchen nach immer edlereren, d. h. für den Menschen nützlicheren Rassen. Doch während dies noch bis vor kurzem allein dem züchterischen Instinkt und dem bisweilen äußerst kostspieligen Herumexperimentieren des einzelnen Landwirts überlassen war, eilt nun in neuester Zeit die Wissenschaft dem Landmanne zu Hilfe und erreicht in systematischer Arbeit in einigen wenigen Jahren das, was frühere Jahrhunderte mühsam ertasteten. Die moderne Vererbungswissenschaft vermag heute Rassen künstlich zu erzeugen, indem sie die Geheimnisse erlauscht, die die Entstehung natürlicher Rassen umweben. Die Erbkunde ist eine ganz junge Wissenschaft. Sie wurde um die Jahrhundertwende begründet. Doch schon vor fast 80 Jahren hat ein Brünner Augustinerpater die Hauptgesetze der Vererbung und Rassenentstehung erkannt, ohne mit seiner Erkenntnis durchzudringen. Gregor Johann Mendel war es, der im Kleinen Garten des KöniginKlosters am Brünner Spielberg zwei Erbsensorten kreuzte. Die eine hatte runde, die andere kantige Samen. Es handelte sich um reine Rassen, die dann unter sich gekreuzt wurden. Die Nachkommen mußten Bastarde sein, denn nach dem Sprachgebrauch der Vererbungslehre ist jede Kreuzung zwischen zwei Individuen, die sich durch irgendwelche, wenn auch noch so geringe erbliche Eigentümlichkeiten unterscheiden, eine Bastardierung. Da3% 8 N 8448 51 27 Die Entwicklungsreihe vom Urpferd(38 cm Höhe!) bis zum Rennpferd dauette Jahrmitlionen. Die moderne Wissenschaft bemüht sich mit Erfolg, gewisse Stappen solcher icklung wesentlich abzukürzen.(Oben: Höhlenzeichnung von Menschen mit Pferden aus der jüngeren Steinzelt.) Eis lehrreiches Experiment: Kreuzt man runde und kantige Eibsen, so weist die zweite Generation Verireter beider Arten, oft in derselben Hüise auf, stets aber im gleichbleidenden Verhältnte 3:1. her sind auch alle Menschen nach dem strengen wissenschaftlichen Sprachgebrauch Bastarde, hat doch keiner von uns Eltern mit völlig gleichen Eigenschaften. Sehen wir nun, welche Bastarde Mendel durch die Kreuzung der„runden“ mit den „kantigen“ Erbsen erhielt. Die meisten wienschen, die mit dem Begriff der Bastardierung die Vorstellung der„Mischung" werden wohl annehmen, die Erbsenkinderschar wäte weder rund noch kantig sondern so etwas, was einen Mischmasch von beiden darstellt. Dem in nicht sor die erste erhalten bleiben, selbst dort, wo sie„überdeckt“ nicht zum Vorschein kommen. Sie vermischen sich nicht sogar dann nicht, wenn dies scheinbar der Fall ist. Denn wenn man zwei Individuen der Wunderblume (Mirabilis jalappa), ein erblich weißes und ein erblich rotes kreuzt, entstehen zwar in der ersten Generation rosa Mischlinge. Trotzdem hat sich die weiße und rote Erbeigenschaft nicht vermischt. Wenn nämlich die rosa MirabilisBastarde untereinander oder die„Mischlinge“ mit ihrem eigenen Blütenstaub befruchtet werden, geschieht etwas, das dem erfahrenen Züchter an sich nichts Unerwartetes darbietet. Die Bastardkinder sind keineswegs wiederum rosa, sondern weiß, rosa und rot in einer zahlenmäßig saßbaren Beziehung von 1:2:1. Auch hier kommen die Ausgangseigenschaften im Laufe der Generationen rein zum Vorschein; sie spalten sich ab, trotz anfänglicher „Mischung“. In einer unübersehbaren Zahl von verschiedenartigsten Vererbungsversuchen erwies es sich auch weiterhin stets, daß die Erbeigenschaften selbständig sind, daß das Vererbte gleichsam ein Mosaik darstellt. Alsbald nach der Neuentdeckung der jahrzehntelang verschütteten Mendelschen Forschungsergebnisse durch Correns, de Fries und Tschermack wurde ihre große praktische Bedeutung erkannt. Konnte man doch bestimmte Erbeigenschaften einer Nutzpflanze, die bis dahin verdeckt oder mit anderen unerwünschten Erbeigentümlichkeiten verbunden waren,„rein“ herauskreuzen und weiterhin zwei oder mehr bei verschiedenen Rassen auftretende unabhängige Erbeigentümlichkeiten (Rassencharaktere oder Sorteneigenschaften) durch systematische Kreuzungen dauernd miteinander verknüpsen, d. h. kombinieren. Diese Kombinations=Züchtung bietet die Grundlage zur züchterischen Erarbeitung neuer Rassen, die unter Umständen für die Landwirtschaft von unschätzbarer Bedeutung sind. So hat der schwedische Forscher RillsonEhle die erwünschten Eigenschaften des winterfesten, jedoch wenig ertragreichen schwedischen Landweizens mit den guten Eigenschaften des ertragreichen, jedoch nicht winterfesten westeuropätschen Dickkopfweizens kombinieren können. Es entstand dadurch eine neue Weizenrasse: der winterfeste Dickkopsweizen. Dieser ließ sich in Schweden gut anbauen, wodurch der Ernteertrag in Schweden um 40 bis 50 Prozent stieg, und angelockt durch diese Erfolge, vergrößerte sich die für bar gemachte Fläche schwedischen Bodenz au das Doppelte. Den Arbeiten von Rlufon= Ehle hat Schweden hundert Millionen zu verdanken. Die Weizenproduktion des Lundes stieg in verhältnismäßig kurzer Zeit auf das Preilache. „ g; uet# in Angriff zu nehmen sei. Wie weil viese tatsächlich berechtigt ist, läßt sich noch nicht entscheiden. Im Kaiser=Wilhelm=Institut für Züchtungs=Forschung in Müncheberg(Mark) sind jedoch in den letzten Jahren umfangreiche Versuche nach dieser Richtung hin unternommen worden, deren Ergebnisse bald die wissenschaftliche Öffentlichkeit beschäftigen werden. Wir sehen, die Wissenschaft bemüht sich auf vielversprechenden Wegen, das Gesicht unserer Ernte umzugestalten. Die neuen Pflanzenrassen, die in den Zaubergärten der Versuchsanstalten gezüchtet werden, erweisen anschaulich den hohen Wert vorerst scheinbar rein theoretischer Forschungsarbeit. Der Augustinermönch Mendel, der aus reinem Erkenntnisdrang seine Erbsen= und Blumenversuche anstellte und dafür unter seinen Ordensbrüdern wohl als ein, wenn auch geachteter, Sonderling galt, ist der Begründer eines auch praktisch für den einzelnen wie für die Volksgesamtheit ungeheuer wertvollen Forschungszweiges geworden. Dieser ist nicht bloß auf die Nutzpflanzen beschränkt. Auch die Hebung jener Tiergattungen bzw. ihrer Rassen, die der Landwittschaft unerläßlich sind, nahm die praktische Vererbungskunde in Angriff. Wir wissen, daß die Zahl nicht allmächtig ist. Unter den bei uns gegebenen landwirtschaftlichen Verhältnissen kommt es nicht darauf an, daß der einzelne Landwirt etwa viele Rinder hat. Bei erhöhtem Bestgrpgachtengen in den meisten Betrieben die kosten unverhältnismäßig, vielfach lassen sich auch die Tiere dem gegebenen Betrieb nicht einordnen. Daher ist man seit langem bemüht, die Steigerung der animalischen Produkte(Fleisch, Milch, Wolle, Eier usw.) durch Hebung der Rasse zu erzielen. Durch systematische Kreuzungsversuche will man Tierrassen von größerer Stärte und Gesundheit, von gehobener Wachstumsfreudigkeit, von frühzeitiger Reise, guter Futterverwertungsfähigkeit, stärkerer Zugund Laufleistung, xeicherer Milch= und Milchfett=Leistung, Fleischleistung, mit üppigerem Wolleertrag usw. züchten. Vieles ist dabei schon erreicht worden, wenn auch die Tierversuche freilich schwieriger sind als jene mit den Pflanzen. Doch die Züchtungskunde erreicht, wie gesagt, in wentgen Jahren das, was früher Jahrhunderte bedurfte, und haben nicht die noch völlig unwissenschaftlich verfahrenden, planlos arbeitenden Landwirte der Vergangenheit Schweine herausgezüchtet, die fast nur Fett geben, Pferde, die fast nur Füße sind, und Schafe, die nur aus Wolle bestehen? Was hier eine übertrieben oratorische Frage ist, Erbliche Eigenschaften gehen niemale unter! kann 76Fol, a#er dur wuif, Erdlch weiße und erdich roie wunderdiumen e=uischzingeg senschaft gelingen wird, auch nach der Kreuzung in der ersten Generation rosa„MII1.9=, der erfinberischen Phantasie aber schon in der zweiten spalten sich rein weiße und rein rote unseres Zeichners nachzukomBlôten wieder ab. muen, der seiner vererbungstheoretisch geschulten Einbilfreien Lauf leß und der Form bis dahin fürs Vieh ungenießbarer Pflanzen schenken wird. Dadurch würde unsere Einsuhr zum Wohle der Volkswirtschaft ebenso gemindert werden, wie dulch die Schaffung von Gemüsesorten, die schon im Frühjahr auf den Markt gelangen könnten. Es handelt sich überall um Versuche, die schon längst spruchreif hätten sein können, wenn den einschlägigen Forschungen jene Unterstützung zuteil geworden e. die ste dungskraft allzu freien Lauf ließ aub bereits von einer Straußengans träumt, die Lleißig Rieseneter legt, bleibt eine andere ve. Dr. Franz Prock. sie verdienen. * wäre, In neuester Zeit hat es( sich weiterhin gezeigt, daß durch Einwirkung von Röntgenstrahlen, Chemikalien, hoher oder niederer Temperaturen auf pflanzliche, übrigens auch tierische Wesen, diese spontane Erbänderungen oder aber, wie der Fachausdruck lautet, Mutationen zeigen. Diese kommen auch normalerweise mit einer gewissen Regelmäßigkeit vor und es gibt eine ganze Anzahl von Vererbungsforschern, die der Ansicht sind, die ganze organische Entwicklung, also etwa auch die Entwicklung vom „„Ogglüns“ gon„Drgcher“. V Die Straußengans, die Riefeneter legt. Ein Schanstenenn unferse Betcnes. * Das Schnellgericht gegen die Berliner Demonstranten Von den Unruhestiftern, die die Berliner Polizei bei den Ausschreitungen am Tage der Reichstagseröffnung verhaftet hatte, wurden 19 sofort dem erweiterten Schnellschöffengericht zugeführt, die mit Ausnahme von dreien, bei denen auf Freispruch erkannt wurde, mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft wurden. Unser Bild zeigt die Anklagebank mit den 19 Demonstranten. Rechts: Amtsgerichtsrat Ketzner, der das Schnellgericht gegen die Demonstranten leitete. ∆ 0 "— 0 Turnen, Spiel, Sport Faßbef! S. S. C. Union e. 1. Bezirksklasse. Mit sechs Fußballmannschaften tritt der S. S. C. Union am Sonntag auf den Plan. Sämtliche Spiele werden als Meisterschaftsspiele ausgetragen. In Herdringen treffen sich: Spielverein Herdringen 1.— SSC. Union Schwerte 1. Zwei Gegner, welche schon des öfteren ihre Kräfte gemessen haben. Das letzte Spiel in dringen konnten die Schwerter mit einem glatten 4:1=Siege für sich entscheiden. Trotzdem daß Herdringen an Spielstärke zugenommen hat, geben wir dem Gast einen gewissen Vorteil. Das einzige, woran es hapern könnte, wäre der kurze, unebene Platz, da auf solchen Plätzen die Unioner schlecht fertig werden können. Behalten die Unioner aber ihre altbewährte Spielstärke, wird ein Sieg nicht ausbleiben. Ein interessantes Spiel ist zu erwarten. Spielv. Herdringen Res.— SSC. Union Schwerte Res. Unions Reserve ist augenblicklich in Hochform, welches die letzten Siege bezeugen. Die Spielstärke der Herdringer ist uns weniger bekannt. Die Schwerter Reserveleute dürfen den Gegner vor allen Dingen nicht zu leicht nehmen; damit man nicht eine Enttäuschung erlebt. VfB. Westhofen 2.— SSC. Union Schwerte 2. Adeindetn. Unions zweite Mannschaft hat in Westhofen einen schweren Stand. Jeder Spieler muß sein Bestes hergeben, um einen evtl. Sieg zu erringen. Jugendspiele. Alle drei Jugendmannschaften tragen Diplomspiele aus: SSV. 06 1. Jod.— SSC. Union Schwerte 1. Jugend. Eine Wiederholung auf dem Sportplatz S. S. V. 06. Unions ungeschlagene Jugendmannschaft wird sich die Spitze nicht nehmen lassen und 2 weitere Punkte einstreichen können. SSC. Union Schwerte 2. Igd.— Spielv. Fröndenberg 2. Igd. Auch Unions 2. Jugend steht ungeschlagen in den Diplomspielen, aber diesmal heißt es kämpfen. Ein knappes Resultat ist zu erwarten. Geisecke 2. Jgd.— SSC. Union Schwerte 3. Jgd. Da sich beide Gegner ziemlich gleichwertig sind, kann man keiner Mannschaft den Sieg zusprechen. Bouan Kommt es zum Kampf Müller— Schönrath? Die Westfalenhalle greift ein. Wiewohl Hans Schönrath seinen Meistertitel am Sonntag in der„Westfalenhalle" erfolgreich verteidigt hat, bleibt die Frage nach dem besten deutschen Boxer der schwersten Klasse noch ungeklärt. Der Meinungsstreit darüber, ob der Kölner Hein Müller oder der Titelhalter Schönrath der bessere Mann ist, hat inzwischen groteske Formen angenommen, die ihren Niederschlag in einer Anzahl öffentlicher Erklärungen von Hein Müller und Hans Schönrath gefunden haben. Bekanntlich lief vor einigen Wochen eine Nachricht durch die Presse, Hein Müller kneise vor Schönrath. Müller wies in seiner Antwort diese Vorwürfe ab und behauptete, er wolle Schönrath boxen, aber Schönrath kneife. In der letzten Nummer des amtlichen Organs des Boxsports anwortet hierauf nun wieder Schönrath und behauptet, er stände zur Verfügung, nur Müller wolle ihn nicht boxen. Da eine Streitfrage zwischen Boxern naturgemäß nicht durch schriftliche Streitereien, sondern im Ring gelöst werden kann, hat die Westfalenhalle die Verhandlungen mit beiden Boxern ausgenommen, da sie der Meinung ist, daß der Worte nun genug gewechselt seien. Zweifellos ist ein Treffen Müller—Schönrath die überhaupt aktuellste und dabei bedeutendste Schwergewichtspaarung, die in Deutschland zu bringen ist. Die Westfalenhalle ist bereit, finanziell bis zur äußersten Grenze zu gehen, betont dabei aber gleichzeitig, daß sie unter allen Umständen an der jetzigen Politik der niedrigen Eintrittspreise festhalten will. Sie wird über das Resultat der Verhandlungen mit den beiden Boxern schnellSchuh-Fein-Besohlung Die Preise für unsere gut kernigen VolkswohlSchlen sind fünf Proz, niedriger wie jedes andere Angebot für Besohlung. Ein jeder überzeuge sich von der Haltbarkeit zu diesen Preisen. 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Beide Teile erschienen zur Sühneverhandlung statt in 8174 nur noch in 3843 Fällen. Durch Vergleich erledigt wurden statt 4661 nur noch 2208. Die Zahl der Strafsachen unter gesetzlichem Zwang iel von 196 405 auf 184 866. Beide Parteien erschienen statt in 158 785 in 172 106 Fällen. Gegen das letzte Jahr siel die Zahl der Schiedsmänner um 255, der Rechtsstreitigkeiten um 651, der Verhandlungen der beiden Parteien um 523, der durch Vergleich erledigten Sachen um 243, der Strafsachen um 6081, der Sühneversuche mit Erfolg um 2877. Fernsprechgebühren Fernsprechgebühren hatte die Post aus Versehen nicht eingezogen, versuchte es aber nachträglich unter Androhung der Zwangsvollstreckung im Verwaltungsweg. Unter diesem Druck zahlten die Teilnehmer die Gebühren, verlangten aber Rückzahlung und erhoben Klage gegen die Post. Sie verlangten die Hälfte der eingezahlten Gebühren zurück, da diese verjährt sind. Das Oberlandesgericht Stettin verurteilte auch die Reichspost zur Zurückzahlung, wies aber eine Verzinsung der Beiträge ab. In der Begründung wird der Rechtsweg unbedenklich zugelassen. Abgesehen davon, daß die Klage auch auf die Vorschriften über unerlaubte Handlungen gestützt ist, stützen sich die Kläger auf die Behauptung, daß die Post Gebühren verlangt habe, die verjährt gewesen seien. Wegen der überwiegend öffentlichen Art dieser Gebühren ist die Dauer der Verjährungsfrist wie die Verjährung selbst nicht nach bürgerlich=rechtlichen, sondern nach öffentlich rechtlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Mit der Verjährung ist der Anspruch endgültig erloschen. liefert schnellstens Carl Braus, Bahnhofst4 Habe noch preiswert abzugeben prima gelbfleischige Industrie. Kartoffeln zum Einkellern (handverlesene Ware). H. Reddemann, Gut Ruhrfeld, Tel. 2832. Uebernehme das Lokal Deutsches PIauis um PParkec. Ich bitte um geneigten Zuspruch, auch der früheren Stammgäste. 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Schwesterchen, Enkelchen und Nichtchen ISeide nach kurzer, schwerer Krankheit im zarten Alter von 2 Jahren und 5 Monaten wieder zu sich in den Himmel. Um stille Teilnahme bittet: Familie Wilhelm Hohoff Geisecke(Ruhr), den 15. Oktober 1930 Die Beerdigung findet Sonnabend, nachmittags 3,15 Uhr vom Sterbehause aus, statt. Belleidsbesuche dankend verbeten. Nur kurze Zeit die neuesten Tonfilm-, Tanz- und Operetten-Schlager für Salon-Orchester 60 Pfg. Doppel-Nummer 90 Pig. Langspielende Verbyschallplatten jetzt nur Mk. 1.25 Musikhaus Kümper Teichstraße 3, am Wilhelmsplatz 3778 Musikinstrumente aller Art. Reparaturen billigst. Bg Kneipp-Bund e. V., Ortsgruppe Schwerte * Freitag, den 17. und Samstag, den 18. Oktober, jeden Abend von 8—10 Uhr in der Neuen Kirchschule(Haselackstraße) Obungs-Kurs im sochgemäßen Gebrauch der Kneipp'schen Anwendungen. Leitung: M. Foldenauer, Bundeslehrer an der Heimschule Bad Wörisholen. Uebungen am jebenden Modell.— Fragenbeantwortung. er ere Alle Freunde uet bewegung willkommen. Nr. 243(Zweites Blatt) „Schwerter Zeitung“. Don Srinen und Sraußen Berlin, zweite Oktoberwoche 1930. Als wir junge Studenten waren, sangen wir manchmal in vorgerückter Stunde das übermütige Lied:„Ganz Europa wundert sich nicht wenig,— welch ein neues Reich entstanden ist.— Wer am meisten trinken kann, ist König, — Bischof, wer die meisten Mädchen küßt;— und der Herr Finanz=valleralla— liquidiert mit Glanz=valleralla,— wer sich contra usum hier vergeht.“ Lassen wir den Herrn Finanzvalleralla, an dem man heute keine rechte Freude mehr haben könnte. Ja, ich denke, er ist der Grund, weshalb man das Lied bei dem seltener gewordenen Kneipen der ernster gewordenen Musensöhne nicht mehr hört. Aber sonst— hat es nicht seine Richtigkeit behalten?„Ganz Europa wundert sich nicht wenig, welch ein neues Reich entstanden ist...“ Ein Reich? Eine ganze Menge Reiche! Polen, Litauen, Tschechoslowakei und so. Und über die„Korridore“ wundert sich Europa noch mehr. Und dann— ja dann über die„Königinnen“, die vielen neuen Königinnen, die man früher nicht kannte. England, Holland, Luxemburg— außer Europa früher noch Aethiopien und Madagaskar— ich denke, das waren die einzigen Länder, die eine weibliche Erbfolge mit Prinzgemahl kannten. Aber jetzt tauchen auf einmal die Königinnen auf, zahlreich wie die Brombeeren. Schönheits=Königinnen gleich dutzendweise, Mode=Königinnen nicht spärlicher, TanzKöniginnen, Saison=Königinnen in Modebädern und jetzt als neueste eine Cocktail=Königin! Tatsache. Die filmberühmte Brigitte Helm erhielt kürzlich hier in Berlin durch Abstimmung des Publikums die Würde einer Cocktail=Königin verliehen. Natürlich in einer Nachtbar. Ich ahne nun nicht, ob sich diese Konkurrenz doch wieder unserm alten Jugendlied nähert„Wer am meisten trinken kann, ist König“— ob die Würde einer Königin von Brigittens Trinkfestigkeit herrührt oder ob die unerhört schwierige Kunst des Cocktail= schens die blonde Filmdiva zzur schwindelnden Höhe solches Ranges erhob. Der Kön'ge gehen viel auf Reisen, Die gold'nen Sessel stehen leer; Und ihres Bülows(“Fürsten!!“! schmeißen Unsaub're Dinge hinterher. Erst nach dem Tode zwar versenden Sie pünktlich solchen Jaucheguß, Nachdem sie dafür hübsche Renten Bezogen bis zum Lebensschluß. Doch nein— was soll die Welt beginWie kahl wird solch erhöhter Platz, snen, Drum melden hübsche„Königinnen“ Sich fröhlich lächelnd als Ersatz. Zwar ohne blaues Blut und Ahnen, Nah'n sie im Sport= und Bürgerkleid, Jedoch sie sind„erwählt" und bahnen Den neuen Weg dem Geist der Zeit. Die Eine— Kleider machen Leute— Ward von der Mode so erhöht, Die Andre— welche Herzenfreude— Hat siegreich sich im Jazz gedreht, „Vel Klug, Amelier Roman von Margarete von Saß Copwright by Martin Feuchtwanger. Halle(S.) 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ein wenig befangen nahm Amélie die Blumen entgegen, dankte und versicherte, daß es ihr ausgezeichnet gehe. Sie hat die Damen, Platz zu nehmen. Aber zu jedem freundlichen Wort, das sie an. Suse richtete, mußte sie sich zwingen. Auch Suse war befangen, ihr Blick wich dem Amélies aus. Zögernd begann sie von der Abreise nach Kreith zu erzählen. „Wir hatten sie für morgen festgelegt, aber wenn Sie sich noch nicht erholt genug fühlen, gnädige Frau, so ändern wir eben unser Progcamm. Mir macht es gar nicht aus, noch ein paar Tage hierzubleiben. Ludmilla wird es auch nicht so eilig haben, von hier fortzugehen, und mein Bruder, der allerdings nicht abwarten kann, nach Kreith zu kommen, muß sich in Geduld üben.“ Sie wartete erst gar nicht auf Amélies Antwort, sondern wandte sich an Joachim. „Wie bestimmen Sie, Baron Lück?“ „Meine Frau ist wohl noch etwas erholungsbedürftig, die Fahrt kann ich ihr noch nicht zumuten. Aber, gnädige Frau, lassen Sie sich durch uns nicht von ihrer beabsichtigten Fahrt zurückhalten. Wenn Sie erlauben, kommen wir in etwa einer Woche nach Kreith.“ Sie tat entsetzt. „Eine ganze Woche soll ich darauf warten, das ist ja furchtbar.“ Sie wandte sich an Baronesse Lück. „Was sagen Sie dazu, Ludmilla?“ „Daß meine Schwägerin schon in einigen Tagen soweit erholt sein wird, daß sie reisen kann. Glaubst du nicht, Amélie?“ Amélie antwortete nicht. Sie hatte Ludmillas Frage überhört. In ihr war auf einmal Und— Menschenherzen zu erfrischen— Erwarb die dritte abends spät Sich ihren Rang im Cocktail=Mischen Heil dir, Brigitte, Majestät! „Ein Brüderzwist im Hause Habsburg" nannte Grillparzer ein Trauerspiel. Darin lautet eine Stelle: Glaubt's— in Voraussicht lauter Herrschergrößen— ward Erbrecht eingeführt in Reich und Staat? Vielleicht nur, weil ein Mittelpunkt vonnöten,— um den sich alles schart, was Gut und Recht— und widersteht dem Falschen und dem Schlimmen,— hat in der Zukunft zweifelhaftes Reich— den Samen man geworfen einer Ernte,— die manchmal gut und vielmal wieder spärlich!... Der Zukunft zweifelhaftes Reich hat heute jeden Brüderzwist im Hause Habsburg sehr unwahrscheinlich gemacht. Was da noch von Brüdern und Vettern im Hause Habsburg übrig ist, hat zum Zwist keine Kraft mehr. Und der Mittelpunkt, der vonnöten ist, um den sich alles schart, was Gut und Recht und widersteht dem Falschen und dem Schlimmen, wird dort wie hier auf anderer Linie gesucht. Und während man sich in Mitteleuropa— wahrscheinlich nicht nur in Oesterreich— um solchen Mittelpunkt streitet, vertreibt sich das harmlose Volk der Modeateliers, der Sportwelt und der Nachtbars seine mehr oder minder kostbare Zeit damit„Königinnen“ zu ernennen, die nur symbolische Throne besteigen und nicht von Truppen und Festungen geschützt zu werden brauchen. Die schrecklichen Zeiten sind vorbei, in denen ein Macchiavelli von seinem„Principe" verlangen und erwarten konnte, daß er keinen anderen Gegenstand kenne, keinen anderen Gedanken hege und nicht anderes zu seiner Kunst mache als den Krieg und dessen Einrichtung und Führung.(Eine solche Einstellung paßt augenblicklich überhaupt nur auf die im Golde schwimmende Republik Frankreich, die immer wieder„zum Schutz“ gegen das mit Spazierstöcken und Regenschirmen bewaffnete Deutschland Millionen um Millionen hinauswirft für— die vertraglich beschworene„Abrüstung.“) Von solchem Principe des Macchiavelli sind die Principessas unserer harmlosen Tage, die„Königinnen der Mode, des Tanzes und des Cocktails, weit entfernt. Sie denken nicht an Krieg, sie denken nur an Gnaden, die ihre Würde ihnen auszuteilen erlaubt, und ein bißchen an die Posen vor dem Objektiv der Photographen... Ich weiß nicht warum. Aber einmal wieder nach langer Zeit bei Macchiavelli angekommen, habe ich ein bißchen in seinem Buch vom Principe geblättert und darin die früher einmal von mir angestrichene Stelle gefunden:„Der Fürst muß sich nur Rat holen, aber wann er will, nicht wann die anderen wollen. Ja, er muß jedem den Mut nehmen, ihm mit irgend einer Sache den Rat aufzudrängen, wenn er ihn nicht gefragt hat. Er selbst aber muß freigebig sein mit Fragen und geduldig bleiben als Zuhörer, wenn ihm die Wahrheit gesagt wird...“ Vom Principe zum Duce ist's nicht weit. Wirklich nicht weit. Und da ist es dann hübsch zu hören, daß kürzlich eine führende faschistische Zeitung in Cremona in einem Leitartikel den Präfekten von Rom ernstlich aufforderte und ermahnte, dem Duce Mussolini, der sein Auto selber lenkt, den— Führerschein zu entziehen. Und zwar weil der Duce Geschwindigkeiten bis zu hundertdreißig Kilometer liebt und sein tollkühnes Fahren das für Italien wertvollste Leben unnötig in Gefahr bringt. Ferner Frühling... Ueberm See, Dessen Ufer sonnig träumen, Wirft ein linder Wind den Schnee Von den blühenden Mandelbäumen. Tief vom Tal aus Duft und Glanz Froher Menschen Lachen, Rufen— Und das hübsch'ste Kind des Lands Steigt mit mir die steilen Stufen. Und im Eifer gleit' ich aus, Schon im Anblick der Terrassen, Und sie streckt die Arme aus, Greift und hält und schmollt im Fassen: „Va sano chi va piano!“*) 16. Oktober 1930 Oft wenn Ungeduld mit Macht Trieb zur Tat den nimmer Müden, Hab' ich träumend dein gedacht, Dunkeläugig Kind im Süden; Rief ein lachend Wort zurück, Halbe Warnung, halben Segen, Da in einem Augenblick Dir an junger Brust gelegen; Da wir— nur Sekunden lang— Hielten uns auf heil'ger Schwelle, Während hoch das Glöcklein klang Ueber uns aus der Kapelle: „Va sano chi va piano.“ Duce, der mit starker Hand, Furchtlos lenkt den Schicksalswagen, Laß dir für die Fahrt ins Land Dies bescheidne Wörtlein sagen: Willst du, weil der Mut dir schwoll, Durch Gefahr den Weg dir kürzen? Eine dumme Kurve soll Dich und deine Ziele stürzen? Duld' es— eh' aus hellstem Glanz Dunkelnd nicht dein Stern zerbreche—, Daß ein Mädchen deines Lands Lachend dir die Warnung spreche: „Va sano chi va piano“... Diogenes. *)„Sicher geht, wer langsam geht!" D. Red. Dis durunst Testerreiche Von Bundeskanzler a. Anmerkg. d. Schriftlig.: Für die österreichischen Nationalratswahlen hat sich Dr. Schober dem in der Entstehung begriffenen Mittelblock zur Verfügung gestellt. Seine maßvollen Darlegungen über die wirtschaftliche und politische Lage Oesterreichs verdienen schon deshalb Interesse. Oesterreichs gegenwärtige Politik ist untrennbar mit wirtschaftlichen Erwägungen verknüpft. Die Friedensverträge schnitten es von vielen seiner Hilfsquellen ab, auf die es sich früher hinsichtlich des Bezuges und der Erwägung seiner Rohstoffe verlassen konnte, und gleichzeitig nahmen sie ihm einige seiner besten Absatzmärkte. Deshalb sind wir gezwungen, die uns noch verbliebenen Hilfsquellen bis zum Aeußersten auszunutzen, und dürfen keine Anstrengungen scheuen, unserer überschüssigen Produktion neue Absatzgebiete zu erschließen. Bei der Berücksichtigung dieser Tatsache ergibt sich ganz von selbst die Notwendigkeit für uns, unsere D. Dr. Schober. Außenpolitik in Europa einem liberalen Handelssystem anzupassen, denn wir können durch eine solche Politik nur gewinnen. Unglücklicherweise sind wir jedoch nicht imstande, in dieser Richtung anderen, mächtigeren europäischen Ländern voranzugehen. Der Druck wirtschaftlicher Verhältnisse veranlaßt uns gegenwärtig, unsere Zuflucht zu lediglich aus Notwehr entstandenen protektionistischen Maßnahmen zu nehmen, doch sollte man nicht vergessen, daß wir uns innerhalb derjenigen Gruppe europäischer Nationen befinden, deren Zolltarife verhältnismäßig niedrig sind. Es ist wahr, daß wir gemäß dem Abkommen mit einigen unserer Nachbarstaaten einige unserer Zolltarife erhöht haben, doch handelt es sich hierbei nur um Zwangsmaßnahmen, die unverzüglich außer Kraft gesetzt werden, sobald die wirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreichs auf einer gesunden Grundlage gefestigt sind und dieses gestatten. Unser Endziel gipfelt in der Erhöhung des Lebenstandards unseres Volkes, und die„ g. 2* veim Einkauf Verlangen Die stets ausdrücklich MAGGI Würze und achten Ne auf den Namen MAG6l, die#N V g e l b- r o t e n C t i k e t t e n u n d d i e t y p i s c h e F o r m d e r R a s c h e n. Verteilhafteste Größe: — sombierte Flasche Nr. 6 zu RM 6.50—) wieder eine sinnverwirrende Angst. Sie hatte den ganzen Tag über im stillen gehofft, daß Joachim seinen Entschluß, nach Kreith zu gehen, aufgeben würde. Achim hatte heute zu ihr gesagt:„Es ist so wunderbar schön, so ganz allein, ohne fremde Menschen zu sein— wenn wir es nur erst wieder für immer wären.“ Das hatte er also auch nur so dahergeredet. Sie fühlte Tränen aufsteigen und kämpfte dagegen an. Ihre Augen schlossen sich. Frau Obernitz Blick ruhte auf ihrem Gesicht, und ihn dann zu Joachim hebend, sagte sie: „Es wäre das Beste, wir ließen ihre Frau allein. Ich sehe, sie braucht Ruhe. Kommen Sie mit uns, wir sitzen noch ein Stündchen auf der Terrasse und verabreden den Tag unserer Abreise. Mein Bruder wird sich sehr freuen, Sie noch zu sehen.“ Amélie schlug die Augen auf. „Geh, Achim, ein wenig Zerstreuung wird dir gut tun.“ „Ja, natürlich, komm nur“, sagte Ludmilla, die sein Zögern bemerkte. Amélie nickte ihm zu.„Ich bin sehr müde und werde gleich einschlafen, Achim. Mach' dir keine Sorge um mich.“ Sie streckte ihm die Hand hin. Und dann verabschiedeten sich Suse und Ludmilla von ihr. Ein Wunder müßte geschehen, das mich vor diesem gefürchteten Aufenthalt bewahrt, dachte Amélie.— Aber es geschah keins. Eine Woche später reisten sie von Westerland ab. Am Abend spät waren sie auf Kreith angekommen. Suse, die zwei Tage vor ihnen heimgefahren war, empfing sie hocherfreut. Sie war rührend besorgt um Amélie. Ob die Fahrt sie nicht zu sehr angegriffen habe? Sie sei in großer Sorge um sie gewesen, hätte sich schon Vorwürfe gemacht, daß sie nicht auf eine längere Erholung zugeredt hätte. Aber Amélie möchte ihr ihren Egoismus verzeihen, der Wunsch, sie in Kreith zu haben, hätte sie brennend beherrscht. Nun würde sie aber sehr rücksichtsvoll sein, gar nichts für sich beanspruchen. Daß Amélie nun da sei, genüge ihr; sie dürfe nun bloß an ihre Gesundheit und Pflege denken. Den Arm unter den Amélies geschoben, führte sie sie zu den Zimmern, die sie für sie und Achim hatte herrichten lassen. Es waren vier entzückend eingerichtete Räume, die in einer Flucht lagen. Zwei Schlafzimmer, ein großes Arbeitszimmer für Achim und ein kleiner allerliebster Salon für Amélie. Alle Zimmer lagen zum Park hinaus und drei von ihnen waren durch eine lange Veranda miteinander verbunden. Die Schlafzimmer waren durch die in der Mitte liegenden Wohnräume getrennt. „Diese Einrichtung traf ich mit Rücksicht auf Ihre Nachtruhe, gnädige Frau. Ich weiß aus Erfahrung, daß schriftstellernde Menschen— ob Männlein, ob Weiblein— auf die Nachtruhe ihrer Nächsten oftmals keine Rücksicht nehmen; wenn es ihnen paßt, des Nachts zu schreiben, so tun sie das ganz ungeniert.“ „Bisher hat mein Mann das nicht getan; ich hoffe, er wird es sich auch hier nicht angewöhnen. Amélie empfand auch Suses Fürsorge als Eingriff in ihre Rechte. So fiel ihr Dank weniger herzlich aus, als ihr selbst lieb war. Sie mochte aber nichts gegen Suses Arrangement sagen. Alles andere war so behaglich und schön eingerichtet— so, daß es sie wirklich für Achim freute. Wie wohl würde er sich in diesen Räumen fühlen. Wie würde er es genießen, hier zu arbeiten. „Sie werden sich nach der langen Fahrt gewiß sehr ermüdet fühlen“, sagte Suse,„darum werde ich Sie nicht zu einem gemeinsamen Abendessen bitten. Sie sollen Ihre Ruhe haben. Ich lasse für Sie im Salon decken.“ Dafür war ihr Amélie sehr dankbar. Suse wünschte ihr eine gute Nacht und ging. Bald nachdem sie gegangen war, erschien Achim „Verzeih, daß ich so lange blieb. Es war kein Fortkommen von Petrik, er und seine Schwester sind ja von einer geradezu rührenden Herzlichkeit.— Nun laß mal sehen, wie man uns hier untergebracht hat.“ Er ging durch alle Räume. Die Anordnung der Schlafzimmer mißfiel ihm. „Du, die krempeln wir einfach um; ich denke nicht daran, diese Entfernung zwischen uns zu legen. Oder was meinst du dazu? Du sagst es Frau Obernitz, daß wir nicht die Prätention auf zwei Schlafzimmer haben?" Amélie wehrte ab.„Das geht nicht, auf keinen Fall, Achim. Sie hat es so gut gemeint damit; nein, Achim, das wollen wir nun so lassen.“ *„Ich denke nicht daran. Und wenn ich jeden Abend eigenhändig mein Bett in dein Zimmer schleppen sollte; ich hätte keine Ruhe, dich so weitab von mir zu wissen. Du könntest in der Nacht etwas nötig haben und ich bin dann nicht da, es dir zu reichen. „Ich bin ja nicht krank, habe also nichts nötig.“ „Einerlei, ich will es nicht. Man ist es so gewohnt, vor dem Einschlafen ein wenig miteinander zu plaudern. Darauf verzichten, fällt mir gar nicht ein.“ Es klopfte an der Salontür. Der Diener brachte das Abendessen und ein Kärtchen von Suse. Sie bat Achim, ihnen nach dem Abendessen noch auf ein Stündchen Gesellschaft zu leisten. „Was macht man da?“ fragte Achim, Amélie ansehend. „Du mußt natürlich gehen.“ „Wie langweilig, ich wäre jetzt lieber in die Klappe gegangen.“ „Da hilft nun nichts, Achim, unsere Gasigeberin kann von uns verlangen, daß wir und ihr widmen.“ „Ich dachte, das wäre umgekhre“. Amélie lachte.„Umgekehrt ist es auch so.“ (Fortsetzung feigt.) ses Ziel hoisen wir am besten durch Erweiterung unseres Außenhandels und durch Vervollkommnung der Staatsautorität innerhalb unserer Grenzen zu erreichen. Ich freue mich, heute erklären zu können, daß mit der Neuorientierung der politischen Kräfte in Mitteleuropa und der Vereinigung des Problems der Ostreparationen das protektionistische System im Außenhandel einiges von seiner bisherigen Bedeutung zu verlieren beginnt. Manchmal hat das Ausland behauptet, die letzten Verfassungsänderungen in Oesterreich hätten der Umwandlung unseres demokratischen Regierungssystems in ein konstitutionelles gedient, das bereits den Charakter einer Diktatur ausweist. Doch möchte ich hiermit betonen, daß diese Aenderungen keineswegs als eine Abweichung von den Grundlagen der Demokratie aufzusassen sind. Der Zweck dieser Verfassungsresorm bestand hauptsächlich darin, das Staatsruder zu stärken, die inneren Zwistigkeiten im Lande zu beseitigen, die finanziellen Verhältnisse zu stabilisieren und der gesamten Bevölkerung gesündere Lebensbedingungen zu verschaffen. Heute bestimmt der Bundespräsident die von Nationalrat gewählte Bundesregierung. Ihm untersteht das Bundesheer, das früher der Aufsicht des Nationalrats unterworsen war. Diese Reform hat sich als sehr praktisch erwiesen. Sie verstößt nicht gegen die Prinzipien der Demokraie. Auch sonst war es unser Bestreben, die Exekutivgewalt des Präsidenten nach Möglichkeit zu stärken. Alle diese Reformen bewegen sich jedenfalls streng im Rahmen der Oesterreichischen Verfassung vom Jahre 1920. Wie bereits erwähnt, ist die Außenpolitik Oesterreichs ganz besonders von wirtschaftlichen Bedingtheiten abhängig. Die Festigung und der Ausbau unserer Handelsbeziehungen zu anderen Ländern werden künftig unser Hauptziel bleiben, und es läßt sich nicht verkennen, daß wir auf diesem Wege in letzter Zeit gut vorwärts gekommen sind. Ich nenne hier vor allei den von uns in diesem Jahr mit Italien abgeschlossenen Vertrag, der eine Periode der Mißrerständnisse zwischen beiden Völkern beendete und mit Recht als ein verheißungsvoller Vorbote einer neuen Aera unserer wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu anderen Ländern bezeichnet werden kann. Meine Besuche in Rom, Paris, London und Berlin bewegten sich durchaus auf der Linie unseres neuen außenpolitischen Kurses. Die Frage, wann Oesterreich politische Bündnisse mit anderen Staaten schließen wird, ist jetzt noch verfrüht. Gleich einigen europäischen Ländern kann sich auch das verarmte Oesterreich noch nicht den zweifelhaften Luxus gönnen, feste politische Bindungen, welcher Art sie auch immer sein mögen, in Form von Bündnissen oder Gegenbündnissen mit anderen Mächten einzugehen, lehrt doch die Erfahrung, daß der wirtschaftliche Fortschritt eines Landes durch die Rücksichtnahme auf politische Bindungen im allgemeinen mehr gehemmt als gefördert wird. Um ein Beispiel zu nennen, erwähne ich in diesem Zusammenhang das Ergebnis meines Berliner Besuches, der hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen erfolgte. Es gelang dort, einen handelspolitischen Zustand zu beseitigen, der längst beiderseits als äußerst unzulänglich empfunden worden war. Zusammenfassend möchte ich endlich erklären, daß Oesterreich sich zurzeit auf dem besten Wege befindet, der es zur völligen Ueberwindung aller Schwierigkeiten und Nöte der Nachkriegsjahre führt. Es ist das ein Prozeß, der Zeit erfordert. Den wichtigsten Schritt zum Wiederaufbau eines Landes bilden fast immer die Festigung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse sowie die erfolgreiche Hebung des Lebensstandards seiner Bevölkerung. Dies gilt insbesondere für das heutige Oesterreich. Ohne Erzielung eines gewissen materiellen Wohlstandes kann keine Nation ihr kulturelles Eigenleben auf die Dauer fördern. Ist erst dieser erreicht, so muß es unsere Sorge sein, die großen kulturellen Traditionen unserer Väter zu pflegen, die sie uns anvertraut haben. Die Flora im Oktober Schwerte, den 16. Oktober 1930. * Die Laubverfärbung nimmt zu. Die Farben der Blätter setzen sich aus grün, rot und gelb zusammen. Das vorherrschende Grün wird nun allgemach durch das Licht zerstört, und nun treten Rot und Gelb in ihr Recht; jenes bei Kirsche, Birne, wildem Wein, dieses bei Eiche, Buche u. a. Da bieten Obstgarten und Wald einen herrlichen Anblick. Es beginnt nun aber auch schon der Laubfall. Man beobachte, wie die Blätter, je nach der Haltung der Blattfläche zum Stiel, senkrecht oder in Schraubenlinien zu Boden sinken. s.: Der Laubfall ist notwendig. Die Blätter verdunsten ja sehr viel Wasser, das verlangt von den Wurzeln her Ersatz. Der Boden hat zwar jetzt viel Wasser; aber bei der nun sinkenden Bodentemperatur können die Saugwurzeln nur wenig arbeiten. Die Wasserzufuhr aus dem Boden hört also allgemach auf, daher müssen die Wasser verdunstenden Blätter abgeworfen werden. Bei den Nadelhölzern ist es nicht nötig, da die Nadeln nur geringe Oberfläche haben. Es blühen nur einige bescheidene Pflonzen: Gänseblümchen. Hirtentäschel, Löwenzahn, Sternmiere. Der Naturfreund beobachtet jetzt das Ausstreuen der Samen und Früchte. Dafür einige Beispiele: Die Hülsen der Bohne drehen sich schraubig und entlassen die Samen; das Springkraut schleudert sie weit fort; so auch der Reiherschnabel und Storchschnabel, wobei sich die„Grannen“ der Früchte korkzieherartig aufrollen. Bemerkenswert ist die Verbreitung der Früchte bei Schöllkraut, Veilchen, Taubnessel und Wachtelweizen. Bei ihnen haben die Früchte bezw. Samen eine fleischige Schwiele, welche i Ameisen gern fressen, diese verschleppen die Samen daher. Viele leichte Samen zerstreut der Wind, dazu müssen sie natürlich klein und leicht sein; manche haben aber auch Flugvorrichtungen: Schirme z. B. Löwenzahn und Bocksbart oder Haarschöpfe die Weiden. Andere wieder haben Widerhaken, mit denen sie sich in dem Fell der vorüberstreichenden Tiere festhalten, Velkenwurz und Zweizahn. Gedenktage. 16. Oktober: 1726 Der Maler Daniel Chodowiecki in Danzig geboren(gestorben 1801).— 1809 Hermann Heinrich Meier, der Begründer des Norddeutschen Lloyd, in Bremen geboren(gestorben 1898).— 1827 Der Maler Arnold Böcklin in Basel geboren(gestorben 1901). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 15. Oktober 1930. Das mitteleuropäische Hoch hat seinen Kern nach Südwesten verlagert und wird seine Wirksamkeit für Nordwestdeutschland verlieren. Die ausgedehnten Regenfronten der atlantischen Störung werden uns wieder stärkere Regenfälle bringen bei auffrischenden Südwestwinden. Die Temperaturen werden verhältnismäßig hoch bleiben, Nachtfrostgefahr besteht nicht mehr. Heute früh war es in Deutschland überall heiter und trocken bei Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad. Der Kahle Asten meldet frischen Südostwind, heiteres Wetter und 8 Grad. Aussichten bis Freitag: Stärkere Bewölkung und Uebergang zu Regenwetter, auffrischende Südwestwinde, Temperaturen etwas sinkend. Verlosung des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz. Gestern nachmittag fand im Saale„Im Reiche des Wassers" die von manchem Losinhaber so lang ersehnte Verlosung des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz statt, die in jeder Hinsicht einen schönen und ansprechenden Verlauf nahm. Etwa 3000 Lose wurden verkauft, unter denen sich über 1000 Gewinne befanden, die z. T. recht wertvoller Art waren. Die einzelnen Gegenstände waren vor und auf der Bühne gruppiert; so sah man u. a. ein schönes Sofa, eine praktische Waschmaschine, moderne mit Seide beschirmte Lampen, unzählge prachtvoll gestickte Decken, Handarbeitsgegenstände u. a. m. Hinzu kommen noch die vielen anderen Sachen, deren Herstellung und Zusammentragung viel Liebe, Mühe und Sorgsalt erfordert hat. Die Verlosung selbst nahm Lehrer Althoff vor und die Tätigkeit des Jungen an der Verlosungstrommel war eine äußerst emsige. Die einzelnen gezogenen Nummern wurden aufgerufen und jeder konnte dann seine schönen Gewinne in Empsang nehmen. Es gab mancherlei Ueberraschungen hinsichtlich der Preise, die an und für sich den Reiz des ganzen noch erhöhten. Nach einer gegen 4 Uhr eingelegten Kaffeepause wurde in der Verlosung fortgefahren, die in Anbetracht der vielen Gewinne eine recht ausgiebige war. Der Reinertrag dieser Veranstaltung soll wohltätigen Zwecken dienen. Großen Verdienst hat sich um diese Verlosung, die vom Oberpräsidenten eine besondere Genehmigung erfahren hatte, Frau Apotheker Reuter erworben, die sich ganz in den Dienst der guten Sache gestellt hatte und um das gute Gelingen dieser Veranstaltung äußerst emsig bemüht war. Weiter ist in diesem Sinne zu danken der Vorsitzenden des Vaterländischen Frauenvereins Frau Bürgermeister Rohrmann, sowie den einzelnen Vorstandsdamen, die keine Mühen gescheut haben, um das einmal begonneue Werk zu einem würdigen Abschluß zu bringen. Herzliche Anerkennung sei auch den vielen Spendern und Stiftern gezollt, die nicht unerheblich mit dazu beigetragen haben, ein Werk der Liebe und der Wohltätigkeit im besten Sinne fördern zu helfen. Wir denken da nicht zuletzt an die einzelnen Damen, die schon Monate lang durch fleißige Handarbeiten den Schatz der Verlosung in freudiger Hingabe an die Sache zu bereichern wußten. Allen Beteiligten seien herzliche Dankesworte ausgesprochen und es ist nur zu begrüßen, wenn dem Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz durch diese Verlosung Mittel zugeflossen sind, die es ihm ermöglichen, in selbstloser Hingabe Nöte und Sorgen in bedürftigen Kreisen zu lindern und herabzumindern. Daß das in einer nicht engherzigen Weise der Fall sein wird, des sind wir gewiß.—4. -. Der Theaterverein„Heiderose“ Schwerterheide veranstaltet am Sonntag, den 19. Oktober im „Westfälischen Hof“ einen großen Theater=Abend. Zur Aufführung gelangt die Posse„Nur nicht drängeln“, ein Werk voll echten Humors. Lachen ohne Ende. In Anbetracht der schweren Zeit ist der Besuch dieses Festes zu empfehlen, um für einige Stunden die Sorgen des Alltags zu vergessen. Karten sind zum Preise von 0,50 Mark bei den Mitgliedern zu haben. An der Kasse erhöhte Preise. “ Hauptjahresversammlung des M. G. V. „Liedertafel“. Schwerterheide. Uns wird geschrieben: Samstag abend hatten sich recht zahlreich die Mitglieder des Männergesangvereins„Liedertafel“. Schwerterheide zu ihrer Hauptjahresversammlung eingefunden. Nach Begrüßung der Anwesenden eröffnete der 1. Vorsitzende die Versammlung und erstattete den Jahresbericht des verflossenen Vereinsjahrs. Mit Genugtuung konnten die Mitglieder aus den Ausführungen des Sprechers hören, daß der Verein noch eine Aufwärtsbewegung der aktiven, als auch der passiven Mitgliederzahl zu verzeichnen hat, obwohl einige aktive Mitglieder als Abgang vermerkt sind. Es wurden im Berichtsjahr verschiedene Veranstaltungen durch den Verein getätigt, s. u. ein Frühlingskonzert, Jubelfeierbesuch, HaselhofKonzert usw. Ebenso wurde im Kreise der aktiven und passiven Mitglieder mit Angehörigen ein gemütlicher Vereinsabend gefeiert. Der Vorsitzende betonte, daß eben die letztgenannte Veranstaltung bei allen Mitgliedern den stärtsten Widerhall gefunden habe und es daher dem Gesang förderlich diene, eine solche Feier einmal zu wiederholen. Sodann wurde der Kassenbericht erläutert. Trotz der augenblicklichen Zeitmisere zeigte der Bericht ein ansehnliches Plus u. ebenfalls einen Zugang gegenüber dem Vorjahre auf, so daß die Vereinsangelegenheiten im kommenden Jahr gut aufgehoben sind. Anschließend wurde die Wahl des Versammlungsleiters vorgenommen; nachdem der alte Vorstand seinen Rücktritt vollzogen hatte. Die Versammlung entledigte sich der Aufgabe, einen neuen Vorstand einzusetzen; zuvor dankte der Versammlungsleiter dem früheren für sein mühevolles Walten der Vereinsgeschäfte. Im neuen Vorstand wurden sämtliche früheren Vorstandsmitglieder bis auf den 2. Beisitzer wiedergewählt, weil dieser von einer Wiederwahl Abstand nahm. Der Sangesbruder Schaar I wurde als 2. Beisitzer gewählt. Zum Schluß wurde der Gedanke in der Versammlung laut, infolge der jetzigen schlechten Wirtschaftslage und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit, als dritthemmenden Faktor, die Lustbarkeitssteuer, die Vereinsveranstaltungen vorläufig bis auf ein Mindestmaß einzuschränken, denn letzten Endes könne eine Aufwärtsentwicklung der Männergesangvereine noch so gut sein, diese Symptome machen sich immer wieder hemmend bei Vereinsveranstaltungen bemerkbar. - Vom Verein für Hundefreunde. Das Deutsche Kartell für Hundewesen(D. K. H.), welches die Rassehundezucht vertritt und über 100000 organisierte Hundefreunde und =Züchter umfaßt,(dem auch der Verein für Hundefreunde Schwerte angehört) hat sich erneut in den Dienst des Vaterlandes gestellt Es hat zur Förderung des Exportes von Rassehunden in das Ausland mit 17 ausländischen kynologischen Zentralen und zwar mit Amerika, England, Schweiz, Holland, Oesterreich, Südafrika, Tschechoslowakei, Estland, Rußland, Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, Irland, Fürstentum Monaco, Yougoslavien und Großherzogtum Luxemburg, Gegenseitigkeitsverträge abgeschlossen. Durch die Hebung des Exportes wird. das Volksvermögen gestärkt. Die deutschen Hunderassen, wie der deutsche Schäferhund, Dobermannpinscher, Teckel, die deutsche Dogge, Pudel und die Schnauzer aller Art sind namentlich in Amerika stark verbreitet; in Rußland sind die deutschen Schäferhunde und Dobermannpinscher vorherrschend, in England die Teckel. Die Geschäftsstelle des Deutschen Kartells für Hundewesen befindet sich in Stuttgart, Rotenwaldstraße 84 A, Fernsprecher 61417. Der gestrige Wochenmarkt war von schönstem Wetter begünstigt. Es erschienen auch zahlreiche Käufer und angesichts der geringen Kaufkraft wurden nur einigermaßen zufriedenstellende Geschäfte getätigt. Die von nah und fern erschienenen Landwirte konnten ihre Erzeugnisse wie Rot= und Weißkohl, Wirsing, Möhren, Stielmus, Kohlrabi, weiße Rüben, Porree und Kartoffeln fast restlos zum Verkauf bringen. Auf dem überfüllten Obstmarkte blieben erhebliche Teile unverkäuflich. Nachstehend die Preise: Fleischwaren: Rindfleisch 1,—, Schweinefleisch 0,95 und 1,—, Schweinekoteletts 1,—, Hammelfleisch 0,90, Eisbein 0,70, Speck 1,—, 1,20, Schinken 1,60, 1,70, Mettwurst 1,60, Blutund Leberwurst 0,60 und 0,80, Fleischwurst 1,20, Jagdwurst 1,30, Bierwurst 1,30, Kalbsleber= wurst 1,40, Plockwurst 1,50—2,—, Zervelatwurst 2,— bis 2,40 M. Obst, Südfrüchte und Gemüse: Aepfel 15 bis 40 J, Birnen 15—25, Bananen 30—40, Weintrauben 40—75, Zitronen 10, Apfelsinen 10, 15 und 20, Walnüsse 55, Tomaten 40, Rotkohl Kopf 10—25, Wirsing 8, Weißkohl 4, Wurzel 10, Blumenkohl 25—45, Endiviensalat 15, Grünkohl 10, Sellerie 15, 20, Zwiebel 3 Pfd. 25, Spinat 15, Porree 10 und 15. Butter und Eier: Butter 1,70, Eier 7 Stück 1.— M. Fischwaren: Schellfisch 35—50 J., Kabeljau 40, Rotbarsch 40, Makrelen 40, Schollen 50, Filet 60 J., grüne Heringe 3½ Pfd. 1,— M. Bückinge 40 J, Heringe 12 u. 16 Stück 1,— M. G duldet keine Verunreinigungen! Zähester Schmutz, härteste Verkrustungen— Fett, Ol, Sauce, Schmiere— sie müssen O weichen. Es hat erstaunliche Energien! Wagen Sie einmal einen Versuch.(D wird durch wunderbare Veislungen rasch Ihr Herz gewinnen. tillionen von Hausfrauen erfreut Schen Leich Millig AA WEELHE W A! It eseuu Antehr Slanz in Rüdle und Kaus! Wo 0 im Hause ist, herrscht funkelnde, blitzende Pracht — der wohlige Zauber gepflegter Sauberkeit! Alle Geschirre und Geräte in Küche und Haus—ob aus Porzellan, Glas, Kristall, Steingut, Holz, Marmor, Stein— spielend rasch macht sie 00 hochglänzend und appetitlich rein. Wie neu sehen alle Sachen wieder aus! lehte Lotolmebhungen Ferienwanderungen. Auch in den diesjährigen großen Ferien hat Konrektor Hömberg mit seiner Klasse verschiedene Wanderungen unternommen, um seine Schüler mit der näheren und weiteren Umgebung der Stadt Schwerte bekannt zu machen. Die Teilnehmerzahl betrug bis 65 Prozent der Schüler. Seitens der Stadt und der Regierung war eine Beihilfe bewilligt worden, sodaß den Eltern nur geringe Unkosten entstanden sind. An Fahrgeld, Zehrkosten und Uebernachtung waren für den Schüler 30 Pfg. für sämtliche Wanderungen aufzubringen. Die Wanderungen wurden nach folgendem Plan ausgeführt. 8. August. Ganztagswanderung: Villigst, Elsebachtal, Bürenbruch, Bad Henkhausen, Hohenlimburg(Besichtigung des Schlosses), Dahl, Rückfahrt von Dahl. 18. August. Ganztagswanderung: Höhensyburg, Wittbräucke, Herdecke, Kraftwerk, Hengsteysee. 21. August. Ganztagswanderung: Schwerter Wald, Aplerbeck, Zentralfriedhof Dortmund, Flughafen Dortmund, Besichtigung der Flughallen und Flugzeuge unter Führung der Flugpolizei. 2 6./27. August. 2tägige Wanderung: 1. Tag: Eisenbahnfahrt bis Sanssouci(Hönnetal), Wanderung: Balver Wald, Giebel, Hönnequelle, Ehrenmal auf dem Kohlberg bei Altena, Uebernachtung in der Jugendherberge auf dem Kohlerg.— 2. Tag: Wanderung: Giebel, Ihmert, ###erlohner Stadtwald, Seilersee, Rückfahrt ab immern. 3. Sept.: Ganztagswanderung: Elsebach.I, Reingsen, Refflinsen und zurück. Sämtliche Teilnehmer waren mit den Ausflügen überaus zufrieden und des Lobes voll, wurden doch durch diese Wanderungen aufs Neue heimatliche Gebiete erschlossen, die der Jugend nicht nahe genug gebracht werden können, soll in ihr das Gesühl der Heimat= und Vaterlandsliebe feste, unzerstörbare Wurzeln fassen. Und das ist in unserer Zeit außerordentlich vonnöten! Darum können solche Ferienwanderungen nur von ganzem Herzen begrüßt werden, die weiteste Beachtung und Nachahmung im Sinne der Jugendpflege verdienen. Die Elternschaft möge für solche Schülerwanderungen unter Führung der Lehrer stets ein williges Ohr finden, zumal die erforderlichen Unkosten, wie oben schon angedeutet, äußerst minimaler Art sind und in Anbetracht des guten Zweckes kaum ins Gewicht fallen dürften. Otto Dierichs* Gestern morgen verschied der Gründer des Niederrheinisch=Westfälischen Zeitungs=VerlegerVereins, der bis zum heutigen Tage gleichzeitig 1. Vorsitzender des Vereins war, Herr Otto Dierichs. Ueber den Kreis seiner näheren Fachgenossen hinaus war er bekannt und beliebt. Geboren am 24. Juni 1869 trat er im Jahre 1895 in den Bochumer Anzeiger ein und hat von da an sein ganzes Leben der Presse gewidmet. Im Jahre 1908 gründete er den Niederrheinisch= Westfälischen Zeitungs=Verleger=Verein. Diese Gründung hat sich als außerordentlich fruchtbar erwiesen. Viele Auswüchse im Kampfe der Zeitungen untereinander konnten hierdurch verhindert werden. In schwerer Kriegs=, Inflationsund Besatzungszeit verstand er es, das Rückgrad der Verlegerschaft zu stärken. In zahlreichen anderen Aemtern hat er seine Kraft zur Verfügung gestellt. Im wesentlichen durch seine Mitwirkung wurde die Errichtung eines Zeitungswissenschaftlichen Institutes an der Landesuniversität in Münster i. W. möglich. Gleichzeitig arbeitete er im Hauptvorstande des Vereins Deutscher Zeitungs=Verleger an entscheidender Stelle mit. Viel zu früh wurde er seinem Arbeitskreis entrissen. Die niederrheinisch=westfälische Presse hat einen Führer verloren, für den sich schwer Ersatz finden läßt. Streit! 126 000 Berliner Metallarbeiter im Ausstand. Streikende Metallarbeiter bei einem Demonstrationszug um die A. E. G.=Werke in der Brunnenstraße. Streikende Arbeiter vor dem Turbinenwerk in der Müllerstraße in Berlin. „ Uebungskurse für Kneipp'sche Anwendungen. Die hiesige Ortsgruppe des Kneipp=Bund e. 8. Bad Wörishofen führt kommenden Freitag, den 17. Oktober, in der Neuen Kirchschule(Haelackstraße) einen zweitätigen Uebungskursus im achgemäßen Gebrauch der Kneipp'schen Anwenjungen durch. Diese Uebungsstunden sind eine ortlaufende, abgeschlossene Veranstaltung, bei der die Kneipp'schen Waschungen, Wickel, Aufagen, Kräuteranwendungen usw. am lebenden Nodell geübt werden. In Zeiten der Krankseitsnot ist es vornehmlich Aufgabe der Gatin und Mutter mit Ruhe und Ueberlegenheit die häusliche Krankenpflege zu handhaben und vor allem die ärztlichen Verordnungen richtig und sachgemäß auszuführen. Dazu ist im gegebenen Fall die genaueste Kenntnis in der Technik der Kneipp'schen Heil= und Hausmittel ersorderlich. Der Besuch dieser Veranstaltung kann daher nachdrücklichst empfohlen werden.(s. Inserat). Landkreis Iserlohn Amt Westhofen. Wechsel in der Wirtchaft„zum Amthaus“. Die Eheleute Jos. Schulte übertragen ab Montag, den 20. Oktober Herrn Gastwirt Schild aus Hagen (früher Herdecke) im Wege des Pachtverhältnisses die Führung des Gasthofes„Zum Amtshaus“. An und für sich wird dieser Wechsel sehr bedauert, da sich„Jupp“ und„Mariechen“ in der Bürgerschaft und darüber hinaus größter Beliebtheit erfreuen. Gleichzeitig aber verlautet, daß ihr Nachfolger ein Mann vom Fach ist, der als alter Westfale den Wünschen seiner Gäste auch sicherlich gerecht zu werden versteht. Eine Abschiedsfeier wird die treuen Gäste am Sonntag im harmonischen Kreise vereinen. parade des Landgestüts in Warendorf gehört zu einem besonderen hippologischen Ereignis der Pferdefreunde Westfalens. Tausende und Abertausende von Landwirten und Pferdeliebhaber treffen sich gelegentlich dieser Veranstaltung in der alten Emsstadt, wo bei der sogenannten Hengstparade nicht nur eine glänzende Heerschau über die hier im Gestüt stehenden prachtvollen Beschäler der Warm= und Kaltblutzucht abgehalten wird, sondern auch die Arbeit und Leistung angestaunt und bewundert wird, die die Wärter durch systematische, individuelle Behandlung mit den Hengsten geleistet und erreicht haben. Aus ungelenkigen, starren und unfügsamen„Dickköpfen“ sind gefügige, tugendhafe, gehorsame Prachtkerle geworden. Bei der diesjährigen Hengstparade wurden die Beschäler gezeigt: an der Hand, unter dem Reiter, in Traberkarren, in Fahrschulen, in Quadrillen sowie als Vierer=, Fünfer=, Sechser= und Zwölferzug. Dann wurden alle Formen des Reit=, Spring= und Fahrsorts zur Darstellung gebracht, was die Zuschauer zu fesseln wußte. Den Interessenten war beim Besuch der Hengstparade die beste Gelegenheit geboten, ein Urteil über die verantwortungsvolle Arbeit der Wärter und einen Einblick in einen neuzeitlichen Gestütsbetrieb mit modernen Anlagen zu tun. Die Veranstaltungen nahmen unter der Leitung des Landstallmeisters Freiherrn von Nagel einen vorzüglichen Verlauf, u. die zahlreichen Pferdeliebhaber folgten den interessanten Vorführungen mit lebhafter Ausmerksamkeit, wie sie denn auch gern davon Gebrauch machten, die wohlgepflegten Ställe zu besichtigen. Alles in allem zeigte sich, daß es mit der westfälischen Pferdezucht weiter aufwärts geht. Aus Groß=Dortmund — Verkehrsunsall. An der Ecke Mengederstraße—Buschstraße, an der am Montagabend der Wächter Drewe tödlich verunglückte, ereignete sich am Dienstag wieder ein Zusammenstoß. Der Bergmann Erich H., der auf seinem Motorrad IX 38 506 fuhr, stieß mit dem Lastkraftwagen IX 38 666 zusammen. H. stürzte, zog sich aber verhältnismäßig nur leichte Verletzungen zu, während sein Kraftrad stark beschädigt wurde. — Versuchter Straßenraub. Am Dienstag gegen 10,35 Uhr wollte ein Fuhrmann H., wie der Polizei angegeben wurde, auf der Münsterstraße der Ehefrau S. aus der Weißenburgerstraße die Handtasche wegnehmen. Die Frau entdeckte noch rechtzeitig das Vorhaben. Sie übergab den Täter der Polizei, die ihn zunächst festnahm und der Kriminalpolizei zuführte. — Radfahrer vom Auto angefahren und schwer verletzt. Gestern abend lurz vor 7 Uhr wurde der 21jährige F. B. aus Dortmund, als er mit seinem Pferde aus der Priorstraße in die Münsterstraße einbiegen wollte, von einem Personenauto überfahren und zu Boden geschleudert. Als der Autofahrer sah, was er angerichtet hatte, blendete er das Nummernschild ab und ergriff die Flucht. Ein Pserdefuhrwerk konnte mit Mühe und Not das Auto einholen, das durch ein Hindernis aufgehalten wurde. Der Radfahrer wurde stark verletzt und sein Rad sehr beschädigt. Er mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. h Warendorf. Große Hengstparade. Die alljährlich im Herbst abgehaltene HengstPREISE Die goße Plle-Preis- Frage Ist eine günstige Gelegenheit für Sie! Senden Sie untenstehenden Teilnahme-Schein sofort an die Pllowerke Mannheim. =Bitte deutlich mit Tintenstilt schreiben= TEILMAMMESCHEIN 1104 Wan kann den Inhalt von s Pllo-Dosen Nr. 25 in die große Dose füllen. Plame— Beruf:— Rchner: Streße:— wird beste deutsche Klasse gegenüberstehen. Das internationale Feld weist nunmehr folgende Mannschaften auf: Linari— Bazzaretti, Italien, Rausch— Hürtgen, Köln, Louet— Mouton, Frankreich, Goebel— Stübecke, Dortmund—Wes. g, Dinale— Battessini, Italien, Kilian— Pützfeld, Dortmund, Charlier— Deneef, Belgien, Manthey— Schenk, Berlin—Hemer, Pijnenburg— Braspenning, Holland, Großimlinghaus— Bremer, Krefeld—Bochum, Rustenbach— Müller, Wuppertal. Umrahmt wird dieses phänomenal besetzte Mannschaftsrennen nach Sechstageart durch zwei 60 Runden Punktefahren um den Ausländerund Inländerpreis. Waffen im Abteil In den Deutschen Eisenbahn=Personen=, Gepäck= und Expreßguttarif ist eine bemerkenswerte Bestimmung mit sofortiger Gültigkeit vorgenommen worden. Wenn Polizeibeamte außer Handmunition sonstige zu ihrer vorschriftsmäßigen Ausrüstung gehörige Munition mit sich führen, sind sie in besonderen Wagenabteilen zu befördern Die Mitnahme von Handgranaten ist aber nur dann zulässig, wenn dies nach pflichtgemäßer Erklärung des Dienstältesten der zu befördernden Polizeibeamten zur Wahrung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit erforderlich ist. Radsport Das Feld für die Zwei=Stunden komplett. Eine erstklassige Besetzung. Das erste Mannschaftsrennen der neuen Saison kommt am Sonntag, den 19 Oktober, nachmittags 5 Uhr in der Westfalenhalle zur Abwicklung. Die Bestrebungen, ein wirklich erstklassiges Feld zustandezubringen, sind trotz mannigsacher Schwierigkeiten von Erfolg gekrönt worden. Starken ausländischen Teams Börsen und Märkte Dortmunder Wochenmarkt. Das schöne Herbstwetter begünstigte die Geschäftstätigkeit auf dem gestrigen Wochenmarkt, der von den Hausfrauen gut besucht und von den Händlern viel beschickt war. Die Kleintierhändler boten neben lebendem Kleinvieh besonders reichlich geschlachtete Hühner zu 1,10 bis 1,20 M, Hasen im Fell zu 1 A und abgezogene Hasen zu 1,60 M an. Die Butterverkäufer forderten für ihre Waren 1,50—1,70 M. Eier hatten wiederum im Preise angezogen und kosteten schon 0,16 A je Stück. Allerdings gab es auch billigere, 7 Stück für. 1 M. Die Gemüsestände waren beladen mit Blumenkohl zu 60 J, Wirsing zu 4, Rotkohl zu 6, Rosenkohl zu 40, Schlangengurken zu 60, Kopfsalat zu 10, Wurzeln zu 25 J, Kürbis sah man in großen Mengen zu 6 J. im Angebot. Die Obsthändler gaben Aepfel zu 40 J, Birnen zu 20 bis 35, Bananen zu 35—40, Weintrauben zu 40 und 45 J. ab. Walnüsse waren mit 80 bis 90§ ausgezeichnet. Verschiedentlich gab es Apfelsinen zu 15 und 20 A je Stück, die aber kaum verlangt wurden. Viel Beachtung fand heute der Fischmarkt, auf dem in besten Qualitäten Schellfisch zu 40 bis 60 J. Rotbarsch zu 40, Scholle zu 50, Kabliau zu 60 J, Heringe, 3½ Pfund, zu 1 A feilgehalten wurden. Die Kartoffelhändler notierten Industriekartoffeln mit 42 J. je Pfund. Man konnte aber schon zentnerweise Kartoffeln zu 3,50 A bekommen. Der Fleischmarkt wies mittleres Bedarssgeschäft auf bei gleichbleibenden Preisen. Die Blumenfreunde fanden eine reichliche Auswahl in Topf= und Schnittblumen aller Art vor. Was hören wir im Rundfunk? Freitag, den 17. Oktober 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 11,20: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderstunde. 16,05: Gedichte. 16,45: Jugendfunk. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Die Schifferbörse zu Duisbura=Ruhrort. 19,15: Englische Unterhaltung. 20,00: Leichte Musik. Bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Haus Eberhard Lex, Schwerte. Zum Bleichen und Klarspülen der Wäsche Seisir Paket 15 Donan ven Küte Küsger=Bess Evchen aus dem Armenviertel Ss is hesste iesches 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er fühlte, daß sie betroffen aufhorchte, und erregt fügte er hinzu:„Verzeih', daß ich dir so geradeheraus meine Gedanken enthülle; aber mich hat meine Liebe ganz toll und selbstsüchtig gemacht. Vor einer Stunde, nein, vor Minuten noch, wäre es mir eines Arztes unwürdig erschienen, erst an sich selbst und dann an seine Kranken zu denken; aber ich bin, seitdem ich dich in Armen halte und weiß, das süßeste Geschöpf, das mir je begegnet ist, liebt mich und will mir gehören, wie verwandelt! Ich weiß es auch, daß es einen schweren Kampf mit meinem Vater geben wird, wenn ich ihm sage, daß ich das Weib meines Herzens in einer ganz anderen als in meiner sauertöpfigen Kusine gefunden habe, und daß dieses Mädel, obwohl arm wie eine Kirchenmaus, mir doch zehnmal lieber ist als die Kusine mit ihren Millionen. Und wenn es daraufhin zu einem Bruch kommen sollte zwischen meinem Vater und mir, dann suche ich mir eben als Assistenzarzt irgendwo an einem Krankenhause vorerst einmal eine Position zu schaffen. Es ist ja herzlich wenig, was ich da verdiene, aber für uns beide reicht es schon. Vielleicht kann ich auch in einer Kuranstalt in einem größeren Badeort unterkommen. Na, mein geliebtes Mädchen, wir beide werden nicht untergehen, wenn wir auch die ersten Jahre nicht gerade auf Rosen gebettet sind. Aber wir sind beide noch jung und haben uns lieb, das ist die Hauptsache. Meine Mutter wird auch einiges für uns tun; sie wird dir sicherlich nicht feindlich gegenüberstehen, wenn sie dich erst einmal in deiner ganzen Holdseligkeit, die mich so rettungslos eingefangen, gesehen hat. Sie wird uns milder beurteilen und uns ihre Hilfe nicht entziehen.“ Er preßte sie aufs neue an sich, mit so festem Druck, daß einer des anderen Herzschlag spüren konnte, und seine Lippen lagen auf ihrem Antlitz, auf ihrem Haar und Nacken. Dann gab er sie frei. Tief aufatmend erhob er sich und reckte kraftvoll die Arme von sich, als wolle er den Kampf jetzt schon beginnen, der ihm bevorstand. „Wie Jung=Siegfried", dachte Eva, während ihr Blick in tiefer Ergriffenheit auf dem gestrafften, energischen Gesicht des Geliebten ruhte. „Ich muß noch vor zwölf Uhr einen Patienten meines Vaters besuchen, Ev“, sagte er,„deshalb kann ich nun leider nicht mehr auf deine Mutter warten, um mit ihr über unser Glück und unsere Liebe zu reden. Aber morgen nachmittag. Schlag fünf Uhr, will ich bei euch sein und will bei deiner Mutter in aller Form um deine geliebte, kleine Hand anhalten. Sorge, daß wir allein sind und dieser Ferdinand Meininger, dein Jugendfreund, uns nicht stört. Er tut mir übrigens furchtbar leid— ich kann es begreifen, daß er nach deinem Besitz hungert; es wird ihn auch sicherlich sehr schwer treffen, wenn er von unserer Verlobung erfährt, was doch nicht zu umgehen ist. Aber es ist nun einmal so im Leben: Des einen Freud' ist des andern Leid.“ " Fest in seinen Arm geschmiegt, geleitete Eva den jungen Arzt noch bis unter die Haustür. Sie stand noch da und sah ihm nach mit verträumten, glückverklärten Augen, als seine hohe Gestalt längst schon um die Ecke der kleinen Gasse gebogen und ihren Blicken entschwunden war. Am Nachmittag, zur gewohnten Stunde, kam der junge Meininger. Auch heute wieder hatte er Blumen und allerhand kleine Aufmerksamkeiten für sein geliebtes Mädchen mitgebracht. In strahlender Freude breitete er die Herrlichkeiten auf dem Tische aus, um dann die freigewordenen Hände dazu zu benutzen, Eva fest an seine Brust zu ziehen. Als er die kleine, rote Narbe an der Stirn, von der der Verband nunmehr entfernt war, sah, zog er ihr blondes Haupt zu sich herab und drückte seine Lippen darauf: „Nun trägst du dein ganzes Leben lang das Zeichen deiner Heldentat, Ev“, scherzte er,„und ich werde immer, so oft ich darauf hinsehe, daran denken müssen, welch tapfere und kühne Frau ich habe.“ Sie entzog sich ihm leise, aber bestimmt, und trat einige Schritte von ihm zurück. Fest und eindringlich ruhte ihr Blick in dem seinen: „Ich weiß nicht, wie es kommt, daß du das immer so als eine selbstverständliche Tatsache betrachtest, Ferdi, daß ich einmal deine Frau werde. Hast du mich eigentlich je einmal nach meinen Gefühlen für dich gefragt? Habe ich dir jemals ein bindendes Versprechen gegeben oder dir eine Liebeserklärung gemacht? Du verfügst einfach über mich, als wäre es die natürlichste Sache von der Welt, daß ich die Deine werden muß.“ Ueber sein Gesicht flog ein Schatten; betroffen starrte er sie sekundenlang an. Doch dann blitzte es wieder hell und sieghaft in seinen Augen auf. Er glaubte erkannt zu haben, daß Eva ihn necken, ihn ein wenig verwirrt machen wollte, und sah hinter den Worten weiter nichts als einen harmlosen Scherz. Darum entgegnete er nun auch wie scherzhaft: „Du hast recht, Evel, eigentlich bin ich dir noch eine feurige Liebeserklärung schuldig. Aber wer sagt dir denn, ob ich die nicht längst hinter deinem Rücken einem anderen hübschen Mädchen gemacht habe? Was meinst du, wie viele angesehene Bürgerstöchter hier in unserer Stadt sich nach der Ehre sehnen, einmal Frau Meininger zu heißen. Also wenn du meinst, daß du noch lange zu überlegen hast, dann muß ich mich eben um eine andere Braut umsehen, der du vor Eifersucht am Ende die Augen aus. kratzen wirst.“ „Niemals würde ich das tun, niemals! Ich würde mich freuen für dich, wenn du ein recht liebes, nettes Mädel finden könntest, an dem du mit ganzem Herzen hängst. Dann wäre uns beiden geholfen, denn du und ich. wir zwei kommen ja doch nie zusammen! Diesen Gedanken mußt du dir aus dem Kopf schlagen! Es wäre wirklich kein Glück für uns beide.“ Der junge Mann hatte inzwischen begriffen, daß Eva nicht etra Scherz treiden wollte, sondern daß es ihr vollkommen ernst war mit dem, was sie sagte. Eine erschreckende Blässe überzog plötzlich sein sonst so frisches, gutmütiges Gesicht. Und seine Augen wurden grell und blank vor Entsetzen über des Mädchens Worte. Und doch dachte er noch mit keinem Gedanken daran, daß Eva für ihn ganz verloren sei. Er umspannte mit schmerzhaft festem Druck ihre Arme und zwang sie, ihm direkt in die Augen zu sehen: „Und warum soll es kein Glück für uns sein, wenn wir zusammenkommen als Mann und Weib?“ stieß er rauh hervor.„Was hast du plötzlich auszusetzen an einer Heirat mit mir?“ „Weil ich einen anderen liebe, Ferdi, darum darf ich niemals deine Frau werden. Jeder Schlag meines Herzens gehört ihm und wird ihm gehören, solange ich atme.“ Mit einem erstickten Aufschrei ließ der junge Mann Evas Arme los und schlug die Hände vor die Augen, denen ein Tränenstrom heiß und jäh entrann. Sein schwerer Körper erschauerte unter der Wucht dieses schmerzlichen, wilden Weinens, und er hörte gar nicht auf das, was Eva ihm Tröstendes sagte; er hörte nur ihre weiche, liebe, altvertraute Stimme und fühlte, wie sie hineingehörte in sein Leben, wie verwachsen er mit ihr war, wie sonnenlos, wie gräßlich einsam sein Leben sein würde, wenn diese süße, geliebte Stimme ihm einst nicht mehr erklang. Als Eva die ungeheure Erschütterung sah, die mit dem Jugendfreunde vor sich ging, überfiel sie ein Gefühl der Reue und der Beschämung, in ihrem Glück so egoistisch gewesen zu sein und ihm ihr Geständnis nicht schonungsvoller und langsamer beigebracht zu haben. Und mit einem Male dachte sie wieder an all das Gute und Schöne, das sie seit ihrer frühesten Kindheit aus dem Gärtnerhause empfangen hatte. Sie trat ganz dicht an ihn heran und legte mit weicher Gebärde ihm die Hand auf die Schulter: „Nimm es doch nicht so schwer, Ferdi! Du bist jung, reich und begabt. Deine ganze sorgenlose Zukunft liegt noch vor dir, und du kannst es noch weit bringen im Leben.“ „Was ist mir das Leben ohne dich“, stammelte er, die Arme sinken lassend. Eine unsägliche Müdigkeit lag über seiner sonst so robusten, frischen Gestalt. Seine Stimme klang gepreßt, als er jetzt fragte: „Es ist der junge Arzt, der jeden Tag zu dir kam, den du liebst?“ „Ja, er ist es“, gab sie gesenkten Hauptes zurück. Ein tiefes, schweres Atemholen und dann ein Flüstern: „Ich habe es befürchtet von der Stunde an, da ich ihn zum ersten Male sah. Wird er dir auch seinen Namen geben, Ev?“ Sie zuckte nur mit den Achseln, das Antlitz immer noch zu Boden gesenkt. Da glomm ein Schatten jäher Hoffnung über sein leidvolles Gesicht. Und lauter, wie neu erweckt, klang nun seine Stimme: „Ev, es ist noch Zeit zur Umkehr. Sieh, beide Hände strecke ich dir entgegen, nimm sie! Ich verspreche dir, mit keinem Wort jemals an diese Stunde heute zu rühren; komm zu mir zurück. Ich kann ja nicht leben ohne dich. Zerbrich mich doch nicht ganz! Mein Sein oder Nichtsein hängt ab von einem guten Wort aus deinem Munde.“ Eva fühlte, daß der einstige treue Gefährte ihrer Kindheit grenzenlos litt, daß die Verzweiflung über ihn zusammenschlug, und ihr Herz floß über von Mitleid mit ihm. Sie sah die Mutter, die im Schlafzimmer nebenan die Gardinen aufgesteckt hatte und nun unter der offen stehenden Tür erschienen war, bleich und erschrocken am Türpfosten lehnen. Sie sah ihre beschwörende, bittende Gebärde, sie sah das stumme Flehen ihrer Augen und konnte doch nicht anders. Es drängten sich ihr die Worte auf die Lippen, die sie niemals hätte sagen dürfen, und es war, als spräche ein anderer sie aus. „Laß gut sein, Ferdi, und quäle uns beide nicht länger. Ich würde lieber sterben, als mit meiner Liebe zu dem andern im Herzen deine Frau zu werden." Da taumelte Ferdinand Meininger zurück. Frau Wanner, die bis jetzt immer noch bleich und verstört an der Tür lehnte, sprang nun hinzu und umfing den Taumelnden mit beiden Armen: „Ferdi, lieber, guter Mensch, nimm es doch nicht so schwer. Ich würde ja alles tun, wenn ich, dir nur helfen könnte. Geh jetzt nach Hause; vielleicht kommt das törichte Mädel doch noch zur Besinnung, und ich kann dir morgen bessere Nachricht bringen. Ich hatte wirklich nicht die mindeste Ahnung, was sich hinter meinem Rücken zwischen ihr und dem Doktor angesponnen hat. Sie verriet mir nie mit einem Wort etwas davon, sonst hätte ich sicherlich der Herrlichkeit schnellstens ein Ende gemacht, das kannst du mir glauben.“ Sie drückte seinen Kopf an sich und streichelte ihn leise und zärtlich, wie man ein weinendes Kind beruhigt. Und sekundenlang preßte Meininger auch sein tränennasses Gesicht an die Schulter jener Frau, die dem geliebten Mädchen einst das Leben gab. Dann riß er sich los und eilte zur Tür hinaus, ohne Eva auch nur noch mit einem Blick gestreift zu haben. Eva horchte, bis sein Schritt verklungen und die Tür hinter ihm ins Schloß gefallen war, dann sank sie der Mutter in die Arme, drückte auch ihren Kopf an jene Schulter, wo eben noch das leidvolle Gesicht des Jugendfreundes gelegen hatte, und weinte bitterlich. „„ „Mutter, du unverbesserliche Pessimistin, willst du schon wieder zu unken anfangen? Und sagen, er käme nicht! Ich aber sage dir, er kommt! Er kommt...!“ Im Glücksjubel hatte Eva die letzten Worte hervorgestoßen und dazu weit und sehnsüchtig die Arme geöffnet, als wolle sie im Geiste den Geliebten umfangen. Frau Wanner sah in tiefer Ergriffenheit auf ihr Kind, das ihr noch nie so schön erschienen war wie in dieser Stunde, da einen Schimmer der Verklärung über ihr holdes Gesichtchen warf. Sie trat nun ganz dicht an Eva heran und legte den Arm um deren Schultern: „Ich will dir doch den Glauben an ihn nicht nehmen, Ev. Wehe, wenn er dir von selber zerstört würde. Ich will auch gern glauben, daß der Mann deines Herzens es gut und ehrlich meint mit dir und dich nicht eines Tages von sich werfen will wie ein unliebsam gewordenes Spielzeug. Du sagst, mein Kind, er will heute kommen und um deine Hand anhalten, denn er will dich als seine Braut betrachten, trotz des heftigen Widerstandes, den es sicher von seiten seiner Eltern geben wird. Und das ist es ja, was ich einzig und allein in dieser Sache befürchte: daß die Eltern, die sich nun betrogen sehen in ihren Voraussetzungen und Erwartungen, einen unauslöschlichen Haß und Groll auf jenes Mädchen wersen, das zwischen sie und ihren einzigen Sohn getreten ist. Und glaube mir, Ev, es ruht wirklich kein Glück und Segen auf einer Verbindung, die vom Elternfluch begleitet ist. Ich habe das an mir selbst erleben müssen.“ Doch Eva schüttelte unwillig den Kopf. Ein fast harter Glanz brach aus ihren Augen: „Trotzdem soll mich all das nicht hindern, mein Leben mit dem seinen zu verbinden, Mutter. Und wenn ich den Fluch der ganzen Welt auf mich laden würde, so will ich nicht von ihm lassen, solange auch sein Herz mir gehört. Aber sieh, die Zeit verrinnt, in fünf Minuten ist es vier Uhr, und dann wird er hier sein! Oh, daß ich doch reich und mächtig wäre...! Rosen und duftende Veilchen würde ich streuen lassen auf dem Wege, den er geht zu mir; mit den köstlichsten Blüten würde ich dieses Zimmer hier füllen und einen purpurfarbenen Baldachin wollte ich errichten lassen über jener Tür, durch die er geschritten kommt, und meine Diener müßten Spalier bilden und seiner Befehle harren...“ Frau Wanner erschrak heftig, denn noch nie hatte Eva den phantastischen Ueberschwang ihrer Gefühle so vor ihr ausgebreitet. Und in dieser Minute erkannte sie, daß ganz ihr einstiger Gatte, tollkühn und unwirklich, immer mit seinen Empfindungen zwischen Himmel und Erde hängend, unfähig dem harten, brutalen Leben gegenüber, aus ihrem ältesten Kinde sprach. Sie wußte in diesem Augenblick, daß das Mädchen wenig von ihrer eigenen, zielsicheren und etwas realen Art hatte, sondern ganz das Kind ihres Vaters war. Und eine wahnsinnige Angst schnürte ihr sekundenlang die Kehle zusammen um dieses junge Menschenkind, das jetzt strahlend schön und siegesmutig vor ihr stand und morgen schon vielleicht zerbrochen am Wege liegen würde. Eva hatte sich aus der Mutter Arm gelöst und war an den Tisch herangetreten, der in der Ecke am Fenster der Wohnstube stand und hinter dem sich ein dunkelgrünes, modernes Gobelinsofa, das die Mutter bei einer Versteigerung billig erworben hatte, erhob. Prüfend überflog ihr Blick die herrlichen, blutroten Rosen, das Damasttischtuch, das in schimmernder Reinheit erglänzte, die feinen Porzellantassen, die in der Sonne funkelten und blitzten, während der selbstgebackene Kuchen verlockend duftete. Eben schlug es vier Uhr. Mit einem Ruck war Eva am Fenster und riß es weit auf, um ja den geliebten Mann früh genug zu sehen, wenn er um die Ecke des schmalen Gäßchens bog. Die Frau hatte sich in den behaglichen Lehnstuhl neben dem Ofen sinken lassen. Ein unerklärliches, banges Ahnen preßte ihr die Brust zusammen, und sie fühlte, daß diese Stunde schwer und drohend über ihrem Kinde lag. Die Minuten verrannen... Schweigen lastete im Zimmer... nur dann und wann klirrte der Fensterflügel leise, wenn Eva sich zu ungestüm hinausbeugte. Endlich hob die Frau den müden Blick zur Uhr. Viertel nach vier Uhr. Warum war Doktor Hainer immer noch nicht erschienen? Bei dem ersten offiziellen Besuch, den man einer Braut und deren Mutter machte, wäre doch eigentlich Pünktlichkeit am Platze! Eva schien den gedankenschweren Blick der Mutter zu fühlen, denn sie wandte sich hastig um. Die Freude und Verklärtheit in ihrem Antlitz hatte sich in eine nervöse Spannung verwandelt. „Mutter, ich kann es hier nicht länger untätig aushalten. Ich will ihm bis zur Brücke entgegengehen, wenn ich ihn nicht schon eher begegne. Du kannst ja inzwischen den Kaffee aufbrühen.“ Der Frau war es, als müsse sie sagen:„Ach, bleib doch hier, Ev, es hat ja alles gar keinen Zweck, denn er kommt weder heute noch morgen. Er kommt wohl überhaupt nicht mehr. Sicher hat er sich noch in letzter Stunde eines anderen besonnen und wagt es nun nicht, zu kommen und dir das direkt ins Gesicht hinein zu sagen...“ Doch sie nickte nur stumm, im Gefühl grenzenloser Ohnmacht. Leichtbeschwingt schritt Eva durch die schmalen Gassen des Vorstadtviertels... sie achtete gar nicht auf die Menschen um sie her; nur ihn suchte sie— doch Hainer kam nicht... immer mehr näherte sie sich der Brücke, die in die Villenkolonie der Reichen hinüberführte, immer noch war nichts von ihm zu sehen. Und nun stand sie vor jener Brücke, die in ihrem Leven eine schicksalhafte Rolle zu spielen schien. Doch so weit sie dieselbe übersehen konnte, die Gestalt des Geliebten war nicht zu erblicken. Wo blieb er nur solange? Von der schlichten, altersgrauen Kirche schlug es halb fünf Uhr. „Vielleicht hat sein Vater ihn doch noch für seine Sprechstunde benötigt, oder er hat an seiner Stelle einen Krankenbesuch machen müssen und kommt erst später“, entschuldigte sie sein Fernbleiben bei sich im stillen; und nicht das leiseste Mißtrauen, daß er sein Versprechen nicht erfüllen würde, bewegte ihre Seele. In diesem Augenblick hörte sie ihren Namen rufen, und freudig überrasche wandte sie sich um, denn sie hatte die Stimme ihres kleineren Bruders Heinz erkannt. (Fortsetzung folgt.)