OIRVUF ie vein Beiiuns ulchen uicheuich ohr un) Banugepreite dadnonalich 1.20 Maik, Emeimmmn 15 Pfg. Druck u. Verlagvon C. Braus, Schwerte(Rube), Posischeckenten: Dortmund 2632 und Hannover 21874. Geschöstesselle: Große Marttstr. 3.—3, Verantworlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Auston mnte iir die chlotust. umge n Bg. umieüge, sinanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., Zeklamszeile 40 Df, für teleken aufoegebene Inserate übernet eln. mmtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig. Reklamezeile 40 P,, Für teleson. aufgegedeng Insergte üdernehmen wir kane Sewäbe. Bei moordrgeseon. Veltiebeitbrungen, berorgerusen durch böbere Gewalten, Idernedmen vir keinerei Gewäde Ve piatlche escheigen der Jatung u. kam auicd beiarndan Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erdoden werden 5 escuer Aen uun Auie. Sereter Vellalin E## i ome Tügeblul für vie Stadi Schwerte und das Amt Westhofen S Kreisvilln für den norblichen Tell des Lanblreises Iserlohn Nr. 180(Srites Wlan) Schwerte(Ruhr), Donnerstag, den 9. Oktober 1930 63. Jahrgang Ineusteie und Finandrian „Der Grundgedanke des Regierungsprogramms ist richtig“ sogt der Naechsberband der Dauischen Sudaste wtb. Berlin, 8. Okt.(Tel.) Das Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hat sich heute in einer außerordentlichen Präsidialsitzung mit dem Wirtschafts= und Finanzplan der Reichsregierung beschäftigt und dazu folgende Stellung eingenommen: Der Wirtschafts= und Finanzplan der Reichsregierung ist als ein erster Schritt zu würdigen, die öffentlichen Finanzen Deutschlands in Ordnung zu bringen und die deutsche Wirtschaftspolitik den Verhältnissen anzupassen, die durch die Veränderungen auf dem Weltmarkt, durch die hohen Reparationsverpflichtungen Deutschlands und die verfehlten Maßnahmen der Vergangenheit entstanden sind. Der Plan ist geeignet, das öffentliche Vertrauen wiederherzustellen, wenn er tatkräftig durchgeführt wird, und wenn alle Volksteile in dem Wunsche einig sind, unter Vermeidung von Experimenten den völligen Wirtschaftszusammenbruch abzuwehren. Es ist nicht Aufgabe des Augenblicks, zu den Einzelheiten des Planes Stellung zu nehmen, und auf die an manchen Stellen vorhandenen Lücken und Unstimmigkeiten hinzuweisen, weil die Gesetzentwürfe erst abgewartet werden müssen. Der Grundgedanke des Programms ist richtig, wenn er davon ausgeht, daß in erster Linie unter äußerster Sparsamkeit und unter Eindämmung der wirtschaftsschädlichen Steuern eine einheitliche und zielsichere Gestaltung der öffentlichen Finanzpolitik und eine vollständige Ordnung der öffentlichen Finanzen, insbesondere auch der Finanzen der Länder und Gemeinden, geschaffen werden muß. Das kann nur erreicht werden, wenn die öffentlichen Ausgaben denjenigen Einnahmen angepaßt werden, die unter Berücksichtigung der Veränderungen in den Preisverhältnissen auf dem Weltmarkt von Wirtschaft und Bevölkerung aufgebracht werden können, ohne daß die Grundlagen ihres Daseins und eines Wiederaufbaues zerstört werden. Die Wiedereinfügung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß ist nur möglich, wenn die Höhe der öffentlichen Ausgaben und aller Bestandteile der Produktionskosten nicht mehr hemmend im Wege steht. Nur so kann auch der Preisabbau der Verbrauchsgüter und Produktionsmittel verwirklicht werden. Neben„der Einschränkung der Personalausgaben in der öffentlichen Verwaltung ist dabei eine der Lage des jeweiligen Wirtschaftszweiges angepaßte Herabsetzung der Löhne und Bezüge aller in der Privatwirtschaft Tätigen wichtigste Vorausbung.(i st 2—7 Liakam Mage die Br Wenn es gelingr, auf biesem Wege die Produktionskosten zu vermindern und den Preisabbau zu sichern, dann bedeutet die Herabsetzung von Lohn und Gehalt keine Verminderung der Kaufkraft und keine Beeinträchtigung der Lebenshaltung. Vielmehr bewirkt die dadurch ernöglichte Wiedereingliederung der Arbeitslosen in das Erwerbsleben eine Erhöhung der Gesamtaufkraft und der des Einzelnen. In keinem Programm für die Gesundung der innerdeutschen Verhältnisse darf die Verwaltungs= und Verfassungsreform fehlen. Sie ist von entscheidender Bedeutung und darf nicht aufgeschoben werden..„ Mirsecaft Die Förderung der nationalen Wirtschaft bedingt nicht nur die Pflege des inneren Marktes, sondern auch die Fortführung der Handelspolitik auf der bisherigen Linie. Die Ordnung der öffentlichen Finanzen und 30 Gesetze zur Durchführung des Sanierungs= planes. anb. Berlin, 9. Okt.(Eigene Rundf.=Meid.) Zur Durchführung des Wirtschafts= und Finanzplanes der Reichsregierung ist, den Blättern zufolge, die Ausarbeitung und parlamentarische Verabschiedung von 30 Gesetzen erforderlich. Mit der Ausarbeitung dieser Gesetze, die, bevor sie dem Reichsrat und dem Reichstag zugehen, noch den Kabinettsrat passieren müssen, ist man? die Beseitigung der Schwächepunkte der deutschen gegenwärtig beschäftigt. An erster Volkswirtschaft ist auch die Vorckassetzung für Stelle steht das Gesetz über den Reichshaushalt eine vernünftige Reparationspolitik mit dem für 1931, das unter anderem auch die Ziele, die deutschen Verpflichtungen auf ein er= tigung zur Aufnahme des Ueberbrückungskredits trägliches Maß zurückzuführen. enthalten wird. Der Kumpf um die Machl in Bräfnten Vor der Entscheidungsschlacht- Die Hintergründe der Revolution- Letzte Ursache: Die europäische Krise Vormarsch der Aufständischen wtb. Neuyork, 8. Okt. Wie Associated Preß aus Montevideo berichtet, besagen die von der brasilianischen Regierung vorliegenden Nachrichten, daß die Armee der Aufständischen auf dem Vormarsch auf Sao Paulo die Grenze der Staaten Parana und Sao Paulo überschritten hat. Die Stadt Itarare an der von Sao Paulo nach Süden führenden Eisenbahnlinie wurde von 3000 Aufständischen besetzt. Pernambuco in Händen der Rebellen wtb. Buenos Aires, 8. Okt.(Tel.) Nach einer Meldung der Associated Preß behaupten die Rebellenführer heute, sie hätten ihre Position in Nord=Brasilien, besonders in der Gegend der Stadt Pernambuco und im Staate Parahyba gestärkt. In einem in Porto Allegre von den Rebellen ausgegebenem Communiqué wird erklärt, die Nebellen hätten nach 24stündigem Kampf Pernambuco eingenommen. In dem Communiqué wird weiter berichtet: An der Spitze von 8000 Mann eroberte General Tavora die Stadt Pernambuco, unterstützt von der tapferen Bevölkerung von Parahyba. Der Kampf selbst war sehr heftig und dauerte 24 Stunden." Er endete mit dem Siege der Revolution. Die Bevölkerung durchzieht singend und jubelnd die Straßen. Dr. Carlos Lima Cavalcanti hat die Regierung in Pernambuco übernommen.„Die Zeitungen Jornale und Provincia, sowie die Fabriken der Deputierten Pessoa und Queiroz, des Besitzers des Jornale wurden niedergebrannt. Der bisherige Präsident des Staates Pernambuco floh mit einem Dampfer nach Norden. Infolge der eiligen Flucht des Präsidenten des Staates Rio Der Rücktritt des litauischen Außenministers Meinungsverschiedenheiten über die Memelfrage anb. Berlin, 8. Okt.(Eigene Rundf.=Meld.) Wie wir erfahren, ist der Rücktritt des litauischen Rinisters des Aeußeren, Zaunius, auf Meinungsverschiedenheiten über die Stellungnahme der litauischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen über die Memelfrage zurückzuführen. In Kowno hat das Bekanntwerden der getroffenen Vereinbarung zwischen dem Reichsminister des Aeußeren Dr. Curtius und dem Minister Zaunius in Sachen der Behebung der memelländischen Beschwerden von vornherein starken Protest hervorgerufen. So hieß erklärung des Ministers des Aeußeren Zaunius vorläufig endete. Wie weiter verlautet, soll auch der litauische Gesandte in Berlin, Sidzikauskas, der der stellvertretende Vorsitzende der litauischen Delegation in Genf war, nach Kowno berufen werden und, wie man hört, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren. Als Kandidaten für die Nachfolge von Zaunius werden zunächst genannt der litauische Gesandte in Paris, Klimas, und der litauische berein starsen Protzst hervorgergien,.So hseß Gesandte in Wastzington, Velutts. In den es denn gestern auch, daß die Stubenten eine Kommentaren der Blätter, die sich mit den Protestdemonstration, bei der Rückkehr des Genfer Verhandlungen und Vereinbarungen beMinisters aus wens, beabsichtigten. Minister Henter Verhandlgrgen, und Vereinhe Zaunius hat deshalb von Wirballen aus die Rückfahrt nach Kowno im Kraftwagen gemacht. Gleich nach seiner Ankunft in Kowno ist unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten ein MinisterSrat zusammengetreten, zu dem sich mit dem Ministerprasidenten alle Mitglieder des Kabinetts einfanden. Gegenstand der Erörterung war die Memelfrage. Es fand ein sehr lebhafter Gedankenaustausch statt, der mit der RücktrittsGenfer Verhandlungen und Vereinbarungen beschäftigen, wird Deutschland heftig angegriffen mit der Behauptung, es habe die! litauischen Zugeständnisse in Sachen der memelländischen Beschwerde erzwungen. Wir hatten seinerzeit sofort gesagt, daß Vereinbarungen mit Litauen sehr vorsichtig aufzunehmen seien. Die vorstehende Meldung ist der beste Beweis dafür. Grande del Norte fiel Natal ohne einen einzigen Schuß in die Hände der Aufständischen. wtb. Buenos Aires, 8. Okt.(Eig. RundfunkMeld.) In dem Communiqus der brasilianischen Rebellenführer, über das bereits berichtet wurde, heißt es weiter: Einige Kolonnen der Truppen aus Parahyba drangen in das Innere des Bundesstaaten Ceara ein. Andere Kolonnen von Polizei und Soldaten bereiten den Vormarsch in das Innere von Pernambuco vor, um Alagoas und Bahia anzugreifen. Die Regierung von Parahyba requirierte alle privaten Transportmittel, darunter 400 Lastkraftwagen, um die aus Polizei, Soldaten und Zivilisten bestehenden Streitkräfte nach dort zu werfen. Bei der Einnahme von Pernambuco beschlagnahmten Streitkräfte der Rebellen 20000 Bankkonten in Höhe von zwei Millionen Dollars sowie Waffen und Munition. Auch Sanvincente ist in den Händen der Aufständischen. Andere Orte des Staates Pernambuco organisieren revolutionäre Junten. enb. Berlin, 8. Okt.(Eig. Rundf. Meldung.) Mit der Eroberung von Pernambuco scheint der Aufstand in Brasilien sich nunmehr seinem Höhepunkt zu nähern. Die letzten Nachrichten lassen zweifellos erkennen, daß die Revolutionäre außerordentliche Fortschritte machen. Allerdings wird die große Entscheidung nicht im Norden, sondern in den südlicheren Staaten fallen, wo die Hauptkämpfe bevorstehen, die recht bitter zu werden scheinen. Der Grund zur Revolution liegt im Streit um die Präsidentschaft. Nach der bisherigen Gepflogenheit stellten die Staaten Sao Paolo und Mimas Geracs abwechselnd den Präsidenten. Nach diesem ungeschriebenen Gesetz ist bei der Kandidatenaufstellung für die letzte Wahl im Frühjahr dieses Jahres abgewichen worden. Obwohl der jetzige Präsident Dr. Pereira Repräsentant und früherer Staatspräsident von Sao Paolo war, wurde von dieser Seite wieder ein Kandidat nominiert. Der jetzige Präsident von Sao Paolo verzichtete, so daß als Gegenkandidat Peulio Vargas übrig blieb. Wie zu erwarten war, unterlag er. Julius Prestes wurde gewählt. Er mußte im November sein Amt antreten. Schon während des mit außerordentlicher Erbitterung geführten Wahlkampfes hatte die Partei von Mimas Geraes angekündigt, daß es zu einer Revolution kommen werde, wenn Prestes gewählt werde. Nachdem die Erregung des Wahlkampfes vorbei war, schienen ernsthafte Folgen auszubleiben. In dieser Zeit haben die Unterlegenen aber offenbar unter der Hand die Revolution vorbereitet, die sich nun gegen den noch amtierenden Präsidenten Dr. Pereira richtet. Ihm wird der Vorwurf gemacht, die von Mimas Geraes als ungerecht empfundene Entwicklung unterstützt zu haben. Dabei wurde auch behauptet, daß der Wahlvorgang nicht reell durchgeführt worden sei. Der tiefste Grund der brasilianischen Revolution liegt also in der Rivalität der beiden wichtigsten und dichtbevölkertsten Staaten. Die Revolutionären haben sich dabei auch die schlechte Wirtschaftslage zunutze gemacht, die vor allem in dem Rückgang der Ausfuhr und dem Sinken der Kaffeepreise zu suchen ist. Diese Zustände wieder haben ihren Grund nicht zuletzt in der Konsum= und Kaufkraft Europas und so wirft schließlich die europäische Krise ihre Schatten bis nach Südamerika. Die Häfen Natal und Necise von den Aufständischen besetzt. wtb. Paris, 9. Okt.(Eig. Rundf.=Meldung.) Nach einer Havasmeldung aus Buenos Aires sind die Häfen Natal und Recife von den Aufständischen besetzt. Der Vizepräsident von Parahyba soll von ihnen hingerichtet worden sein. General Costa hat den Oberbefehl über die aufständischen Truppen übernommen und kündigt den Vormarsch auf Rio an. Gegenoffensive der brasilianischen Regierung i: wtb. Newyork, 9. Okt.(Eig. Rundf.=Meldg.) * Wie Associated Preß aus Rio de Janeiro meldet, hat die brasilianische Regierung Kriegsschiffe mit Truppenverstärkungen nach Pernambuco entsandt. Desgleichen sind Truppen nach Florianopolis abgegangen. Ein genauer strategischer Plan zur energischen Bekämpfung der Rebellen im Staate Rio Grande do Sul ist ausgearbeitet worden. Die Massierung starker Truppenteile in Santa Catarina deutet darauf hin, daß die Regierung beabsichtigt, ihre Aktion zunächst auf den äußersten Süden zu konzentrieren., Inzwischen werden die Fliegerangriffe auf Minas Geraes fortgesetzt. Nach einer weiteren Meldung aus Sao Paolo haben die Bundestruppen auch die Stadt Palmyra in Minas Geraes erobert und rücken auf Barbacena vor, die sie bald ebenfalls zu entsetzen hoffen. Die Zahl der bei den Kämpfen um die Stadt Pernambuco Gefallener soll sich auf 180 belaufen,.. Pund wtb. Paris, 9. Okt.(Eigene Rundf.=Meld.) Havas meldet aus Buenos Aires, die Vorhut der brasilianischen Aufständischen sei bei Sao Paulo zum Stehen gebracht worden. Bedeutende Bundesstreitkräfte in Sao Paulo bereiteten sich auf den Widerstand vor. Die Regierung von Rio habe 400000 Reservisten einberufen, von denen 100 000 in 14 Tagen feldmarschmäßig ausgerüstet sein würden. Bundestruppen hätten die Stadt Bello Horizonte bombardiert und die Aufständischen auseinandergetrieben. Die Revolutionäre von Rio Grande planten die Schaffung einer autonomen Republik, wenn Rio de Janeiro sich nicht der Bewegung anschließen sollte. Der größte Teil der brasilianischen Truppen hält zur Bundesregierung. Im nördlichen Teil von Parana werde eine vorrückende Abteilung Aufständischer in Stärke von 8000 Mann gemeldet. Nach einer Meldung der Information haben die Behörden von Rio de Janeiro beschlossen, die Lebensmittel zu rationieren. Die Verbindungen mit den Provinzen seien unterbrochen. Die Regierung habe Handelsschiffe für den Transport von Nahrungsmitteln requiriert. Diäten der Abgeordneten in Streußen wtb. Berlin, 8. Okt.(Tel.) Der Hauptausschuß des preußischen Landtags beschäftigte sich am Mittwoch mit der Frage einer anderen Regelung der Aufwandsentschädigungen für die Abgeordneten. Der Beratung zugrunde lag ein Antrag der Wirtschaftspartei, für Ausschußsitzungen an plenarsitzungsfreien Tagen keine besonderen Entschädigungen zu In der Aussprache wurde festgestellt, daß im Jahre 1927 145000 RM, 1928 171 000 und im Jahre 1929 150 000 RM für solche Ausschußsitzungen an besonderen Diäten gezahlt worden seien. Da in dem neuen Finanzprogramm eine Kürzung der Abgeordnetendiäten um 20 Proz. vom 1. April 1931 vorgesehen sei, sei zu erwägen, ob man nicht zunächst abwarten wolle, wie der Reichstag die Frage entschieden habe. Zu einer Beschlußfassung kam es noch nicht. Die Diätenanträge wurden vielmehr einem Unterausschuß überwiesen. Die Zinssestsetzung der Aaspertangshipoitelen wtb. Berlin, 8. Okt. Der vom 1. Januar 1932 ab geltende Aufwertungszinssatz sollte bei dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Fälligkeit und Verzinsung der Aufwertungshypotheken (1. Oktober 1930) durch die Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrats festgesetzt werden. da die weitere Entwicklung der Verhältnisse am Kapttalmarkt sich zur Zeit noch nicht genügend übersehen läßt, hat die Reichsregierung beschlossen, einen Gesetzentwurf einzubringen, der die Möglichkeit der Zinsfestsetzung bis zum 15. Dezember 1930 verlängert. Eine entspreche.dde Vorlage ist bereits dem Reichsrat zugevengen. Vorgehen des Regierungspräsidenten in Merseburg gegen Kommunisten wtb. Halle, 8. Okt.(Tel.) Der Regierungspräsident in Merseburg hat die kommunistischen Magistratsmitglieder Klaus, Härtel und- Stauch aus Halle und Rybarcik aus Wittenberg vorläufig ihres Amtes enthoben und gegen sie ein Disziplinarverfahren mit dem Ziele der endgültigen Amtsenthebung eingeleitet. Begründet wird diese Maßnahme mit der Angehörigkeit der Betreffenden zur Kommunistischen Partei und damit, daß sie zur Steuerverweigerung, zum Steuerstreik und zur Steuersabotage aufgefordert haben. Des weiteren hat der Regierungspräsident den kommunistischen Stadtrat Lehnert aus Merseburg aus denselben Gründen vorläufig von seinem Amte suspendiert; auch gegen diesen Beamten ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Kein Diplomatenschritt bei Außenminister Seipel wtb. Wien, 8. Okt. Entgegen der von einer parlamentarischen Korrespondenz verbreiteten Nachricht, daß gestern Mitglieder des diplomatischen Korps bei Außenminister Dr. Seipel erschienen seien, denen er beruhigende Erklärungen abgegeben habe, wird von maßgebender Seite erklärt, daß eine solche Aussprache nicht stattgefunden habe. Dr. Seipel halte es für gänzlich überflüssig, Erklärungen über die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung während der Wahlzeit und über die verfassungsmäßige Weiterentwicklung in Oesterreich abzugeben, da beides selbstverständlich sei. Auch beim diplomatischen Empfang am Montag, bei dem sich die Chefs der Missionen dem neuen Außenminister vorstellten, sei keine Rede von irgend einer Beunruhigung über angebliche rednerische Entgleisungen gewesen. Was die Interpretation zu diesen Aeußerungen anlange, die aus öffentlichen Versammlungen berichtet worden seien, werde auf die Rede verwiesen, die Innenminister Starhemberg gestern in Linz gehalten habe. Das neue rumänische Kabinett wtb. Bukarest, 8. Okt. Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, hat Mironescu dem König ein Verzeichnis der Mitglieder des neuen Kabinetts vorgelegt, das folgende Namen enthält: Ministerpräsidentschaft: Mironescu, Auswärtiges: Vaida, Inneres: Junian, Industrie und Handel: Manoiescu, Verkehr: Madearu oder Mirto. Die übrigen Ministerien behalten ihre bisherige Besetzung. Nach der Audienz, die um 11 Uhr begann, wurde Mironescu vom König zum Frühstück eingeladen. Kündigungen beim Westdeutschen Rundfunk wtb Köln, 8. Okt.(Tel.) Der Westdeutsche Rundfunk läßt durch seine Pressestelle mitteilen: „Auf die seitens der Westdeutschen Rundfunk AG. ausgesprochenen Kündigungen des Gesamtpersonals zur Vorbereitung von Rationalisierungs= und Sparmaßnahmen hat der Betriebsrat die gesetzlich erforderlichen Schritte unternommen. Es fand heute zwischen dem Betriebsrat und dem Vorstand der Gesellschaft eine Sitzung statt, der auch der erste Vorsitzende des Aufsichtsrates beiwohnte. Es wurde über die beiderseits zu unternehmenden Schritte volles Einvernehmen erzielt. Unter voller Wahrung der gesetzlichen Pflichten und Rechte der Parteien offenbarte die Besprechung erneut die harmonische Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit aller Instanzen, auf denen sich der gesamte Betrieb, gegliedert in Personalvorstand Gröner zum Hochverratsprozeß Brief des Reichswehrministers an Generalmajor a. D. Graf von der Eoltz wtd. Berlin, 8. Okt. Reichswehrminister Groener hat in Beantwortung eines in verschiedenen deutschen Zeitungen erschienenen Artikels des Generalmajors a. D. Graf von der Goltz an diesen nachstehenden Brief gerichtet: „Sehr geehrter Herr General! „Sie haben Bemerkungen zu dem Prozeß gegen die Almer Offiziere veroffentlicht, deren grundsätzliche Bedeutung mich veranlaßt, näher auf sie einzugehen. Sie werfen zunächst die Frage auf, ob die Verfehlungen dieser jungen Offiziere nicht disziplinarisch hätten erledigt werden können. Hierzu ist folgendes zu sagen: Nach der ersten Mitteilung, welche der Oberleutnant Westhoff pflichtgemaß nach der Unterredung mit dem Leutnant Scheringer seinem Kommandeur machte, ist eine Disziplinaruntersuchung durch einen General, einen Major und einen Heeresanwalt veranlaßt worden. Da Scheringer damals seine Bestrebungen als durchaus harmlos hinzustellen wußte, und da er insbesondere durch das Zeugnis des damals noch nicht beschuldigten Leutnants Ludin völlig entlastet wurde, habe ich geglaubt, den offenen Aussagen der beiden jungen Offiziere Glauben schenken zu können. Die Angelegenheit sollte durch eine eindringliche kameradschaftliche Belehrung durch den Herrn Chef der Heeresleitung und eine Disziplinarstrafe gegen Scheringer als erledigt gelten. Zwei Monate später ging jedoch eine Meldung eines anderen Offiziers ein, die besagte, daß der Leutnant Ludin an dem gleichen Tage, an dem Leutnant Scheringer in Eisenach war, in Berlin eine Besprechung abgehalten hatte, in welcher dieselben Bestrebungen, die schon Oberleutnant Westhoff gemeldet hatte, in noch schärferer Form zum Ausdruck gekommen waren. Insbesondere war von einer„Zentrale in München“ die Rede gewesen. Durch die schwere Belastung des Leutnants Ludin, der bisher der wesentlichste Entlastungszeuge für Scheringer gewesen war, war die Unglaubwürdigkeit der beiden Offiziere bewiesen worden. Die Mittel des Reichswehrministeriums reichten nicht aus, um den Tatbestand aufzuklären, da die Zusammenhänge über die Reichswehr hinauswiesen und auch der ebenfalls beschuldigte Oberleutnant Wendt der Reichswehr nicht mehr angehörte. Eine disziplinarische Erledigung wäre vielleicht dann möglich gewesen, wenn die beiden Offiziere bei ihrer ersten Vernehmung im Dezember, bei welcher sie ausdrücklich auf ihre Pflicht zur Wahrhaftigkeit hingewiesen worden waren, die volle Wahrheit gesagt hätten. Jetzt zwangen Gesetz und Recht das Reichswehrministerium dazu, eine gerichtliche Untersuchung herbeizuführen. Daß sie notwendig war, beweist die Verurteilung der Angeklagten durch das höchste deutsche Gericht... Sie schreiben endlich, die Stimmung in der Reichswehr sei bedenklich. Es müsse„Wandel im System geschaffen werden, damit unsere Reichswehr wieder ihrem großen Beruf als Verteidigerin des Vaterlandes und aller Volksteile zurückgegeben“ werde. Sie wissen als alter Soldat, daß die Grundlage der Wehrmacht bedingungsloser und vorbehaltloser Gehorsam ist. Eine Wehrmacht ohne einen solchen Gehorsam ist wertlos. Sie werden mich gutgenug kennen, um zu wissen, daß ich mit Ihnen in der Auffassung einig bin, daß die Verteidigung des Vaterlandes und aller Volksteile der Beruf der Reichswehr sei. Gerade diese Auffassung verlangt es, daß nicht Parteiprogramme oder tönende Schlagworte darüber entscheiden, auf welche Art die Reichswehr dem Vaterland dient, sondern der Wille des Reichspräsidenten und der von ihm ernannten Obersten Führer. Sie allein sind in der Lage, die staatlichen Notwendigkeiten und Möglichkeiten zu übersehen. Wer ihre Autorität untergräbt, vergeht sich an der Wehrmacht und am Vaterland. Ich wäre Ihnen, sehr geehrter Herr Graf, dankbar, wenn Sie dieser Auffassung auch in den Kreisen Geltung verschaffen würden, die Ihnen politisch nahestehen. Ich werde mir gestatten, diesen Brief der Oeffentlichkeit zu übergeben, sobald Sie ihn erhalten haben. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener gez. Groener. und Aufsichtsrat, zusammensetzt. Durch diese Tatsache möchte allen wirren Kombinationen, die in der Presse laut wurden, endgültig der Boden entzogen sein.“ Das Brückenunglück in Koblenz wtb. Berlin, 8. Okt. Eine Kleine Anfrage eines Landtagsabgeordneten beschäftigte sich mit dem Unglück in Koblenz=Lützel. Es wurde behauptet, daß die Koblenzer Polizeiverwaltung die Hauptschuld an der Katastrophe trage. Das Staatsministerium wurde u. a. gefragt, warum der Koblenzer Polizeipräsident nicht unverzüglich seines Amtes enthoben worden sei.— Wie der Amtliche preußische Pressedienst auf Grund der Antwort des preußischen Innenministers mitteilt, haben die Feststellungen ergeben, daß der Polizei ein Verschulden an dem Unglück nicht beizumessen sei. Der Großhandelsinder im Monatsdurchschnitt September. wtb. Berlin, 8. Okt. Im Monatsdurchschnitt September stellte sich die Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes mit 122,8 um 1,5 v. H. niedriger als im Vormonat(124,7). Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 2,7 v. H. auf 113,5(116,6) und diejenige für industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 1,2 v. H. auf 116,3(117,7) zurückgegangen. Die Indexziffer für industrielle Fertigwaren hat weiter auf 148,4(149,4) oder um 0,7 v. H. nachgegeben. Wasser steigt Hochwassergefahr allenthalben Gefahren am Main und Rhein. wp. Frankfurt a. M., 8. Okt. Zu einer ungewöhnlich frühen Zeit ist in diesem Jahre das herbstliche Ansteigen der Flüsse eingetreten. Der Obermain stieg vorgestern bei Schweinfurt um 90 Zentimeter. Das Steigen des Rheines betrug gestern bei Koblenz stündlich 4 Zentimeter. Der Bodensee und die Nebenflüsse des Rheines sind ebenfalls steigend. Die Mosel wies gestern nachmittag bei Trier einen Pegelstand von 4,38 Meter auf, sodaß bereits jetzt das Verbot der Schiffahrt auf der gesamten Mosel in Kraft tritt. Auch der Niederrhein hat ein durchschnittliches Ansteigen von 40 bis 50 Zentimeter zu verzeichnen. Der Düsseldorfer Pegel weist sogar gegen gestern ein Steigen von 76 Zentimeter, der Ruhrorter von 63 Zentimeter auf. Vorläufig besteht wohl noch keine ernstliche Hochwassergefahr; denn zu einer Ueberschwemmung gehören doch noch ganz andere Niederschläge. 70 Tote bei einer Ueberschwemmung in Mexiko. wtb. Mexiko, 8. Okt. Infolge Hochwassers des Flusses Avonidas wurden die Straßen der Stadt Pachuca im Staate Hidalgo in metertiefe Seen verwandelt. 50 Personen werden vermißt. wtb. Mexiko, 8. Okt. Die letzten Meldungen aus Pachuca lassen befürchten, daß die Zahl der Todesopfer der bereits gemeldeten Ueberschwemmung 70 erreicht. Der Sachschaden wird auf 1 Million Pesos geschätzt. Das Hochwasser, das sich durch die Straßen ergoß, riß viele leichte Häuser mit sich, deren Bewohner ertranken. Zahlreiche Handelshäuser haben stark gelitten, und die darin aufgestapelten Waren sind zerstört. Die Abgeordnetenkammer hat einen Betrag von 20000 Pesos zur Unterstützung der schwer heimgesuchten Bevölkerung bewilligt. Nah und Fern Zwei Raubmörder zum Tode verurteilt. Um fünf Mark. wtb. Essen, 8. Okt. Das Schwurgericht verurteilte den 22jährigen Schmied Wilhelm Haarmann und den 25jährigen Louis Vaupel, beide aus Bochum=Linden, wegen Raubmordes, begangen am letzten Pfingstmontag an dem 19jährigen Handlanger Paul Tybussek, zum Tode. Beide wollten mit der Beute die Kirmes besuchen, fanden aber bei Tybussek, der ihr Jugendfreund gewesen war, nur 5 Mark vor. Die drei eingeschlossenen Vergleute wieder befreit. wp. Von der holländischen Grenze, 8. Okt. Holländischen Blättermeldungen zufolge sind die drei Bergleute, die, wie gemeldet, vorgestern infolge Gebirgseinbruches auf Grube Oranje=Nassau 2 eingeschlossen waren, wieder befreit worden, nachdem sie 24 Stunden lang in ihrer gefährlichen Lage hatten zubringen müssen. Alle drei Geretteten sind unverletzt und wohlauf. Das Pensionierungsgesuch des Oberbürgermeisters Böß angenommen. wtb. Berlin, 8. Okt. Der Magistrat beschloß heute, dem Pensionierungsgesuch des Oberbürgermeisters Böß zum 1. November 1930 mit der gesetzlichen Pension stattzugeben. Er wird diesen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung in einer Vorlage zur Kenntnisnahme mitteilen und um Neubesetzung der Stelle bitten. „G 38“ am Schwarzen Meer. wtb. Berlin, 8. Okt. Die Junkers„G 38“ hat in einstündigem Fluge, von Bukarest kommend, Constanza erreicht. Wie von dort gemeldet, wird sie ihren Weiterflug nach Konstantinopel voraussichtlich morgen nachmittag antreten, nachdem ein von der Besatzung angeforderter Ersatzmotor. zylinder eingetroffen sein wird. Nachrichtenvienst durch Hunrshrauf. Ueberführung der Opfer der Luftschiffkatastrophe wtb. London, 8. Okt. Die Heimkehr der letzte der Katastrophe befanden, war erleuchtet. 47 Opfer von R101 vollzog sich nicht ohne Hindernis. Einer der beiden ausgesandten Zerstörer beschädigte im Hafen von Boulogne eine seiner Schrauben und mußte die Särge auf sein Schwesterschiff„Tempest" überführen, das dann den Hafen unbegleitet verließ und durch Nacht und Sturm nach Dover dampfte. Die Zeremonie im Hafen von Dover war einfach und würdig. Der Bürgermeister, der Sohn des Premier= ministers als Vertreter seines Vaters, Soldaten, Seeleute und Flieger huldigten schweigend den Toten, während die blumengeschmückten Särge vermittels eines Krans gelandet und von Fliegersoldaten in den bereitstehenden Sonderzug getragen wurden. Als alles zu Ende war, ertönte ein Trompetensignal. Die Ehrenwache präsentierte das Gewehr und der Zug rollte langsam davon. Vor der Viktoriastation in London hatte sich schon zwei Stunden vor Eintreffen des Zuges eine nach Tausenden zählende Menschenmenge angesammelt, die trotz des einsetzenden Regens immermehr anschwoll. Auf dem Bahnsteig stand eine Chrenwache der Fliegertruppe. Unter den zahlreichen offiziellen Persönlichkeiten waren viele Offiziere und Beamte, auch der Premier= minister mit seiner Tochter erschienen. Um 1.25 Uhr fuhr der Zug langsam in die große Halle ein. Nur der erste Wagen, in dem sich drei VerWährend die Wache die Ehrenbezeugung leistete, wurden die 47 mit der Nationalflagge bedeckten Särge auf 24 Motortendern niedergesetzt. Dann bewegte sich der lange Zug zum Bahnhof hinaus durch die spalierbildenden Menschenmassen nach der in eine Kapelle verwandelten Leichenhalle, wo sie vorläufig aufgebahrt wurden, um dann später in die vom König zur Verfügung gestellte Westminsterhalle übergeführt zu werden. Aufzeichnungen im Wrack des englischen Luftschiffes gefunden. wtb. London, 9. Okt.(Eig. Rundf.=Meldung.) Reuter berichtet aus Beauvais, daß im Wrack des Luftschiffes R 101 im Maschinenraum gemachte Notizen, die mit Bleistift auf eine Tafel gekritzelt waren, gefunden worden sind. Man weiß nicht, in welcher Reihenfolge sie geschrieben wurden und welche Bedeutung ihnen, wenn überhaupt, für die Aufklärung der Katastrophe zukommt. Eine der Notizen lautet:„Es scheint, als ob etwas brennt— alles voll Rauch.“ Das letzte Opfer. wtb. Paris, 9. Okt.(Eigene Rundf.=Meld.) Der Engländer Church, der mit schweren Verletzungen bei dem Luftschiffunglück ins Krankenhaus gebracht worden war, ist trotz aller Bemühungen der Aerzte seinen Verletzungen erlegen. Sperrung des Dresdner Flughafens. Eine Folge der Katastrophe der D 1930. enb. Berlin, 9. Okt.(Eig. Rundf.=Meldung.) Wie wir erfahren, ist der Dresdner Flughafen bis auf weiteres für alle Flugzeuge gesperrt worden. Dieser Beschluß der zuständigen Stelle ist auf die im Anschluß an die Katastrophe der D 1930 vorgenommene Untersuchung zurückzuführen, zu der, wie bekannt, auch ein Reichskommissar entsandt worden war. Von der Maßnahme werden sowohl die Lufthansa wie die Nordbayrische Verkehrsfluggesellschaft berührt. Die Linie Berlin—Prag—Wien wird vorläufig ohne Landung in Dresden in unmittelbarem Flug. Berlin—Prag durchgeführt. Die bayrischen, von Nürnberg kommenden Flugzeuge, deren erstes Ziel Plauen ist, werden ebenfalls künftig über Dresden fliegend ihre weiteren Etappen erreichen. Verlustgeschäfte der Städtischen Spar= und Girokasse München. wtb. München, 9. Okt.(Tel.) Der Städtische Nachrichtendienst teilt mit: Bei der Städtischen Spar= und Girokasse München wurde an einen langjährigen Kunden mit erheblichem Geschäftsumsatz innerhalb eines Zeitraumes von vier Tagen der Gegenwert von acht Schecks im Gesamtbetrage von 329 520 Mark ausgezahlt, für die das bezogene Bankunternehmen die Einlösung verweigerte. In welcher Höhe der Städtischen Spar= und Girokasse ein endgültiger Schaden entstehen wird, läßt sich zur Zeit noch nicht feststellen, weil Sicherheiten vorhanden sind, die zur teilweisen Deckung herangezogen werden können und weil die Frage noch offensteht, ob und inwieweit Rechtsansprüche gegen das bezogene Bankunternehmen bestehen. Der vom Städtischen Revisionsdienst erstattete Bericht wurde der Regierung von Oberbayern zur dienstaufsichtlichen Würdigung hinsichtlich der verantwortlichen Beamten vorgelegt. Eine Spionageaffäre in Birkenfeld. wtb. Birkenfeld, 8. Okt.(Eig. Rundf.=Meld.) Die Landeskriminalpolizei hat gestern den Assistenten bei der Birkenfelder Landesregierung, Pabst, der in der Besatzungs= und Feststellungsabteilung beschäftigt ist, im Krankenhaus zu Neunkirchen unter dem Verdacht der Spionage verhaftet. Wie verlautet, soll Pabst bereits ein Geständnis abgelegt haben. Die Verhaftung steht im Zusammenhang mit der vor mehreren Tagen erfolgten Festnahme des Sekretärs Bleicker, der früher beim Landesausschuß als Beamter fungierte, und seine Sohnes. Dr.=Lohmeyer wieder zum Oberbürgermeister von Königsberg gewählt. wtb. Königsberg, 8. Okt.(Eig. Rundf.=Meld.) In der heutigen Stadtverordneten=Sitzung stand die Wahl eines Oberbürgermeisters auf der Tagesordnung. Ein von den Deutschnationalen gestellter Antrag, die Wahl wegen ungenügender Vorbereitung zu vertagen, wurde mit überwiegender Mehrheit abgelehnt. Bei der Wahl wurde Dr. Lohmeyer auf die Dauer von zwölf Jahren wiedergewählt. Die Kommunisten hatten als Gegenkandidaten Studienrat Dr. Ausländer=Berlin aufgestellt. Schöne Worte Tardieus über den Weltfrieden. wtb. Paris, 8. Okt.(Eigene Rundf.=Meld.) Ministerpräsident Tardieu war heute Gast der in Paris tätigen englischen und amerikanischen Journalisten. In einer kurzen Ansprache ging er auf das Luftschiffunglück von Beauvais ein, das, wie er erklärte, dazu beitrage, die England und Frankreich einigenden Bande zu verstärken. Zwischen beiden Völkern bestünden zahlreiche gemeinsame Gefühle, die über die Wechselfälle politischer Diskussion hinweg Bestand hätten. Das gute Einvernehmen zwischen England, Frankreich und Amerika bedinge den Weltfrieden. Zum Schluß erklärte Tardieu, daß die gegenwärtige Lage in der Welt die seltsamste sei, die seit 50 Jahren bestanden habe. Streikunruhen in Malaga. wtb. Paris, 9. Okt.(Eig. Rundf.=Meldung.) Havas meldet aus Hendaye, daß in Malaga die Ausständigen Autodroschken und Straßenbahnen mit Steinen beworsen hätten, um sie am Ausfahren zu behindern. Der Zivilgouverneur habe die Verhaftung der Mitglieder des Streikkomitees angeordnet. Bei Zusammenstößen zwischen streikenden und arbeitswilligen Eisenbahnern habe die Polizei eingreifen müssen. Einige Personen seien verletzt und eine Person getötet worden Verbrechen der Brandstiftung Schwerte, den 9. Oktober 1930. # Alljährlich geht ein erheblicher Teil unseres Volksvermögens verloren. Neben den durch verwerfliche Unachtsamkeit und Fahrlässigkeit verursachten Bränden ist die vorsätzliche Brandstiftung besonders zu beurteilen. Der vorsätzliche Brandstifter ist einer der gefährlichsten Feinde der Volkswirtschaft und der gesamten Bevölkerung. Den Schaden der durch sein frevelhaftes Tun unrettbar verlorenen Werte trägt die gesamte Bevölkerung, insbesondere alle Mitglieder einer Versicherungsanstalt, denn diese Mitglieder müssen das Verbrechen des Brandstifters mit ihren mühsam zusammengebrachten Feuerversicherungsbeiträgen wieder gutmachen. Der Brandstifter richtet also seinen Angriff rücksichtslos gegen die ganze Bevölkerung, er muß dementsprechend auch rücksichtslos als Volksfeind gebrandmarkt und ausgeschieden werden. Eine Bevölkerung, die ihre Interessen richtig wahrnimmt, wird mit größtem Nachdruck dafür sorgen, daß alle vorsätzlichen Brandstifter den Gerichten ausgeliefert werden und die verdiente schwere Zuchthausstrafe erhalten. Nur dann, wenn die gesamte Bevölkerung die Organe der Strafverfolgung bei der Bekämpfung dieser Volksfeinde tatkräftigt unterstützt, kann die verheerende Brandstiftungsseuche ausgerotet werden. Die Verjährungsfrist für die Inbrandsetzung von z. B. Wohngebäuden, Kirchen usw. beträgt 15 Jahre, bei den übrigen Brandstiftungen 10 Jahre. Lange Zeit steht also der vorsätzliche Brandstifter unter dem Druck, ins Zuchthaus zu wandern und das zu Unrecht erworbene Gut wieder herausgeben müssen; einmal wird die Sonne das Verbrechen der Brandstiftung doch an den Tag bringen. Gedenklage. 9. Oktober: 1477 Gründung der Universität Tübingen.— 1813 Der Komponist Giuseppe Verdi in Roncole geboren(gestorben 1901).— 1841 Der Architekt Friedrich Schinkel * Berlin gestorben(geboren 1781).— 1852 Der miker Emil Fischer in Euskirchen geboren arben 1915).— 1906 Zeppelins Luftschiff zu seiner ersten größeren Fahrt auf. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom vom 8. Oktober 1930. as große ozeanische Tief ist bis nach Westbeutschland vorgedrungen. Eine breite Regenfront zieht sich von der Nordsee über Holland und Nordfrankreich bis zur Biskaya herab. In ihrem Bereiche herrscht anhaltender Landregen bei starken, südwestlichen Winden. Neue Störungen entwickeln sich über dem englischen Kanal. Das Wetter bleibt unbeständig. Heute früh war es in Ostdeutschland meist heiter bei Temperaturen um 8 Grad, in Westdeutschland überall trübe und regnerisch bei stärkeren Südwestwinden und Temperaturen zwischen 10 und 12 Grad. Der Kahle Asten hatte starken Südwind, Regen und 5 Grad. Aussichten bis Freitag: Stärkere Regenfälle mit kurzen Unterbrechungen, warme Südwestwinde, später Rückgang der Temperaturen und vorübergehend etwas aufheiternd. Seinen 80. Geburtstag konnte vorgestern in körperlicher und geistiger Rüstigkeit Herr Chr. Veller, Hagenerstr. 5, begehen. Dem Geburtstagskinde wurde vom evgl. Posaunenchor zur Feier des Tages ein Ständchen gebracht. Auch wir schließen uns den vielen Glückwünschen an und verbinden damit die Hoffnung, daß es Herrn Veller vergönnt sein möge, sich noch eines recht langen und sonnigen Lebensabends erfreuen zu können. Beerdigung des Pfarrers Wischnath. Glockengeläut leitete gestern abend die Trauersitzung des Presbyteriums der evgl. Kirchengemeinde, des Krankenhausvorstandes und der offiziellen Vertreter der von Herrn Pastor Wischnath geleiteten Vereine ein. Pastor Kleinemeyer gedachte der Tätigkeit und der Verdienste, der Treue und Hingabe des Entschlafenen in der hiesigen Gemeinde Die Presbyter selber werden Herrn Pastor Wischnath zur letzten Ruhe tragen, und der Posaunenchor wird ihm in Soest das letzte Geleit geben. Die Beerdigung findet statt am Freitag Nachmittag(10. Oktober) 3,15 Uhr vom städt. Krankenhause in Soest. Es wäre überaus wünschenswert, wenn außer den offiziellen Vertretern der Gemeinde, des Krankenhauses und der Vereine eine recht große Anzahl Gemeindeglieder an der Beerdigung teilnehmen würden. Um diese Teilnahme einem möglichst großen Teil der Gemeinde zu ermöglichen, wird eine Gesellschaftsfahrt nach Soest veranstaltet. Alle diejenigen, welche an dieser Gesellschaftsfahrt teilnehmen wollen, werden gebeten, sich bis heute(Donnerstag) Abend 7 Uhr auf dem evgl. Gemeindeamt anzumelden. Es ist bei der Anmeldung für die Hinfahrt der Preis von 1,50 Mark sofort zu entrichten Es wird Freitag mittag der Zug 12,14 Uhr benutzt. Die Fahrkarten sind von 11,30 bis 12 Uhr in der Bahnhofshalle bei einem Beauftragten in Empfang zu nehmen. Pünktliches Erscheinen ist absolut erforderlich. Während der Zeit der Beerdigung in Soest, d. i. Freitag=Nachmittag von 3-4 Uhr, wird vom Turm der großen Kirche die Trauerglocke läuten. X Volkslieder=Konzert der„Cäcilia“. Zurück zum deutschen Volksliede, hinweg mit allem, was der deutschen Volksseele abträglich ist! Das ist der Ruf, der heute durch alle deutschen Lande schallt und immer lauter und lauter erhoben wird. Auch unser MGV.„Cäcilia“, der älteste der Schwerter Männerchöre, will an seinem Teil mit dazu beitragen, diesem Rufe Geltung zu verschaffen und so steht sein Herbstkonzert am 19. Oktober am„Freischütz" unter dem Geleitwort„Deutsches Volkslied in Wort, Weise und Tanz." Das Programm ist mit großer Sorgfalt zusammengestellt und gelangen Perlen deutscher Volkslieder, teilweise solche aus dem 15. und 16. Jahrhundert zum Vortrag. Eine ganz besondere Note erhält das Konzert dadurch, daß die Texte einiger Lieder durch eine Tanzgruppe illustriert werden sollen, um die Verbundenheit zwischen Tanz und Gesang darzutun. Der Entwurf dieser Volkstänze stammt von Lucie Skerl=Berlin. Neben dem Frauenchor der„Cäcilia" wird Willi Kleinillbeck=Dortmund (Lieder zur Laute) mitwirken, während Schulrat D. Schmeck=Hörde in liebenswürdiger Weise eine Ansprache übernommen hat. Jedenfalls verspricht das Konzert sehr interessant zu werden, zumal den gedruckten Liedertexten einige Anmerkungen über die Geschichte des betr. Volksliedes beigefügt ist. Die Winterfliege wird sich bald wieder aufs„Durchhalten“ verlegen; man sollte sie aber nicht so freundlich dulden oder sie gar noch schützen, wie dies oft geschieht. Denn mit einer Winterfliege erschlägt man Millionen Sommerfliegen. Zwar wars dieses Jahr seit Johanni ziemlich kühl und regnerisch und man hat erheblich weniger von der Fliegenplage gemerkt als in anderen Jahren. Dies kann jedoch kein Grund sein, die Fliege zu vernichten, wo man sie findet, da man ja nicht weiß, ob im nächsten Jahr eine große Vermehrung dieses Ungeziefers sein wird. Beim Anrücken kalter und warmer Tage ist es wieder angebracht, darauf hinzuweisen, daß Türen, Bodenfenster und Kellerfenster geschlossen werden. Erleuchtet rechtzeitig die Hausfluren. Der gestrige Mittwoch=Wochenmarkt stand ganz unter dem Einfluß einer überaus trüben und regnerischen Witterung. Trotzdem ar der Markt an und für sich noch reichlich beschickt, vornehmlich mit Obst und Gemüse. Aber auch auf dem Fischmarkt war eine gute Anfuhr zu verzeichnen. Der anhaltende und starke Regen ließ den üblichen Marktverkehr nicht zu, manche Hausfrau blieb daheim, die sonst auf dem Wochenmarkt ihren Lebensbedarf einzudecken pflegt. Die Preise gestalteten sich etwa wie folgt: Fleischwaren: Rindfleisch 1,10, Schweinefleisch 1,20, 1,30, Hammelfleisch 1,20, Kleinfleisch 3 Pfd. 1 Mk., Schinken 1,70, 1,80, Speck 1.— bis 1,20, Blut= und Leberwurst 50 und 60 Mettwurst 1,40—1,60, Fleischwurst 1,10, 1,20, Kalbsleberwurst 1,40, Braunschweiger 1,30, Bierwurst 1,30, Jagdwurst 1,30, Sülze 70 Pfg. Plockwurst 1,80—2.—, Zervelatwurst 2.— bis 2,40 M. Eier und Butter: Eier 7 und 8 Stück 1.—, Butter 1,80 M. Obst, Südfrüchte und Gemüse: Aepfel 20 L., Birnen 20 und 25, Pflaumen 15, Bananen 25 bis 49 H, Zitronen 10, Walnüsse 40, Weintrauben 35 und 70, Preißelbeeren 45, Tomaten 40, Blumenkohl 15 und 25, Sellerie 20, Rotkohl Pfd. 8 J., Kopf 15—25, Wirsing 8 und 10 H., Weißkohl 8, Suppengrün 10, Rote Beete 10, Bohnen 35, große Bohnen 20, Kopfsalat 5, Endivien 15 und 20, Zwiebeln 5, Wurzeln 8, Spinat 20, Grünkohl 10, Gurken 15, Porree 10—15 Pfg. Fischwaren: Bratschellfisch 30, 35, Kabeljau 40, Schellfisch 50 und 60, Rotbarsch 40 und 60, Schollen. 40, Makreelen 40, grüne Heringe 4 Pfd. 1.—, Bückinge 40 und 50, Heringe 12 und 16 St. 1.— Mk. Landkreis Iserlohn Amt Weithofen Holzen. Standesamtsübersicht. Bei dem Standesamt Holzen, umfassend die Ortsteile Rosen, Mittelholzen, Höchsten und Sommerberg wurden im dritten Kalendervierteljahr 1930 folgende Fälle beurkundet: 12(8) Geburten, davon 5(5) Knaben und 7(3) Mädchen, 4(3) Sterbefälle, davon 1(1) männlich und 3(2) weiblich. Eheschließungen fanden 5 (12) statt. Die Einwohnerzahl der genannten Ortsteile beträgt zusammen 2881(2902). Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf das dritte Viertel des Vorjahres. 1 Holzen. Verkehrsunfall. Ein Personenauto aus Köln, dessen Führer in der hiesigen Gegend anscheinend nicht Bescheid wußte, fuhr in der Nacht auf der Kreisstraße nach Höchsten gegen einen Chausseestein. Zwei der Autoinsassen erlitten durch Glassplitter Verletzungen. Das beschädigte Auto wurde später abgeschleppt. Holzen. Ein Unglücksfall, wie er schon häusig passiert ist, ereignete sich im Ortsteil Höchsten. Es fiel dort ein fünfjähriges Kind der Eheleute M. in einem unbewachten Augenblick in ein Waschfaß mit heißer Lauge. Das Kind erlitt so schwere Verbrennungen, daß es ins Krankenhaus gebracht werden mußte. ! Westhofen. 85 Jahre alt. Am 10. Oktober vollendet die Witwe Henriette Weber geb. Dickehage in Westhofen, Bahnhofstraße 41 ihr 85. Lebensjahr. In ihrer körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische merkt man ihr das hohe Alter noch nicht an. Sie ist geborene Westhoferin u. erfrut sich als eine der Aeltesten allgemeiner Beliebtheit. Von ihren Geschwistern leben noch ein Bruder im Alter von 81 Jahren, eine Schwester von 77 Jahren und eine weitere Schwester von 88 Jahren. Die vier Geschwister zusammen also 331 Jahre. Den vielen Glückwünschen, die dem Geburtstagkinde zugehen werden, schließen wir die unsrigen herzlichst an. 1 Westhofen. Steuerhebetermine im Amte Westhofen finden im Monat Oktober wie folgt statt: am 13. Oktober, vormittags für die Gemeinden Westhofen, Garenfeld und Wandhosen im Amtskassenlokal; am 14. Oktober, vormittags 9—10 Uhr, für die Gemeinde Lichtendorf in der Wirtschaft Wiemhoff auf dem Eichholz; an demselben Tage, vormittags 10,30 bis 11, für die Gemeinde Geisecke in der Wirtschaft Schulte=Höppe; am 15. Oktober für die Gemeinde Holzen, und zwar vormittags 9 bis 9,30 Uhr in der Wirtschaft Prei auf dem Höchsten, 10—10,30 Uhr in der Wirtschaft Eisenberg auf dem Sommerberg, 11—11,30 Uhr in der Wirtschaft Schneider in den Rosen. Im Interesse einer schnellen Abwicklung der Termine empfiehlt es sich, möglichst abgezähltes Geld bereitzuhalten. ! Westhofen. Höhe der gesetzlichen Mieten im Amtsbezirk Westhofen. Verschiedene Anfragen lassen erkennen, daß über die Höhe der gesetzlichen Mieten vielfach Unklarheiten bestehen. Die für die Gemeinden des Amtes Westhofen gültigen Sätze seien deshalb mitgeteilt. Sie betragen im Amte Westhofen 130 Prozent der Friedensmiete, in Garenfeld 128, in Geisecke 128, in Holzen 132, in Lichtendorf 132, in Wandhofen 130 und in Villigst 127 Prozent. Der seit dem 1. Juni d. J. zur Erhebung gekommene Zuschlag zur staatlichen Grundvermögenssteuer ist in obigen Prozentsätzen mit 4 vom Hundert berücksichtigt. Desgleichen ist auch die für die Gemeinde Westhofen seit dem 1. August d. J. erfolgte Erhöhung des Gemeindezuschlages zur Grundvermögenssteuer von 200 auf 250 Prozent in dem Mietssatz von 130 Prozent mitabgegolten. ! Westhofen. Noch immer schlechte Aussichten. Wie wir erfahren, besteht bei der Firma Stahlwerke Brüninghaus A.=G. Abteilung Eisenwerk Westhofen die Absicht, weitere Arbeiterentlassungen vorzunehmen. Die Firma soll wegen Absatzschwierigkeiten zu dieser Maßnahme gezwungen sein. Es wäre zu wünschen, wenn durch die in letzter Stunde eingeleiteten Verhandlungen die Schwierigkeiten behoben und weitere Arbeiter vor der Erwerbslosennot geschützt werden könnten. Amt Ergste m. Hennen. Schulvorstandssitzung. Am Donnerstag, den 16. Oktober ds. Is., nachmittags um 4,30 Uhr, findet im Gasthof Wilh. Albrecht hierselbst eine Sitzung des Schulvorstandes des Gesamtschulverbandes Hennen statt. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung ist die nochmalige Beschlußfassung über das Ruhenlassen von Schulstellen. Zugleich wird es auch voraussichtlich die letzte Sitzung des Schulvorstandes sein, da der Gesamtschulverband Hennen der Auflösung anheim fallen wird und dafür 2 Eigenschulverbände Hennen und Villigst erstehen werden. m. Hennen. Schlägerei. Zu der von uns vorgestern gebrachten Mitteilung über eine Schlägerei in der Wirtschaft Sedler hierselbst wird noch mitgeteilt, daß in der fraglichen Nacht von einer beteiligten Person wohl 20 Mal vor der Wirtschaft blindlings mit einem Revolver in die Gegend geschossen worden ist. Schwere Folgen hätten leicht entstehen können. Neben den herbeigerufenen Sicherheitsbeamten schlug eine Kugel in unmittelbarer Nähe in die Erde. Die Polizeibehörde wird mit aller Schärfe eingreisen, denn es ist unverantwortlich, daß solche nichtsnutzige Personen auf friedliche Menschen losgelassen werden. Der Wirt H. ist mittels gefährlicher Werkzeuge derartig verletzt worden, daß er noch heute bettlägerig ist. Die benutzte Schußwaffe ist bereits polizeilich sichergestellt. m. Ergste. Personenstands= Aufnahme. Die Verteilung der Hauslisten für die am 10. ds. Mts. stattfindende Personenstandsaufnahme hat begonnen. Sämtliche Haushaltungsvorstände sind verpflichtet, alle anwesenden (auch vorübergehenden) Familienmitglieder, Personal und dergl. einzutragen. An Hand die„Del Rlag, Mierte! Roman von Margarete von Saß Euusssit de Mhandte auchlamuer ehdlr C. „Sei klug, Amélie!" Täglich muß Frau Amélie diese Mahnung hören; ihr Mann und ihre Schwägerin werden nicht müde, sie ihr immer wieder zuzurufen. Sie soll klug sein, sie soll sich dem Schicksal beugen, sie soll zusehen, wie ihre Ehe zerbricht und ihr Glück; sie soll schweigend dulden, und sie soll Suse Obernin Platz machen, der reichen und mächtigen Nebenbuhlerin. Amélie ist klug; aber anders, als die Ihren es gewünscht. Sie geht aus dem Leben ihres Mannes, sie zimmert sich ihr eigenes zurecht, und sie weicht nicht von dem Weg ab, den sie als richtig erkannt. Daß es das Schicksal dennoch gut mit ihr meint, daß es ihr den Mann zurückführt, den sie nie vergessen konnte, daß dieser Mann einsieht, wo das Glück für ihn liegt, das ist der frohe Ausgang dieses Romans, in dem die beliebte Schriftstellerin ihr ganzes Können und ihre durchdringende Schilderungskraft einsetzt. Ein Roman, für den unsere Leser uns zweifellos Dank wissen werden.— Mit dem Abdruck dieses Romans beginnen wir am Freitag, den 10. Oktober 1930. ser Hauslisten findet eine Ueberprüfung der Meldeamtskartotheken statt. Hierbei hat sich bisher immer heraus gestellt, daß eine ganze Reihe von Personen polizeilich hier nicht gemeldet sind. Wer sich also vor Strafe schützen will, der sorge, daß seine polizeiliche Abmeldung bewirkt wird. Die Hauslisten müssen am 11. ds. Mts. für Hennen im Gemeindebüro, für Ergste im Amtsbüro und für Berchum beim Gemeindevorsteher dortselbst abgegeben werden. Bürenbruch. Hauptversammlung. Am letzten Sonntag nachmittag hielt der hiesige Krieger= und Landwehrverein im Lokale des Kameraden Adolf Linneweber die fällige Quartalsversammlung ab. Daß infolge der gerade nicht freundlichen Witterung der bisher von den Versammlungsteilnehmern gewohnte zahlreiche Besuch diesmal nicht zu erwarten stand, war wohl vorauszusehen. Immerhin konnte aber die Zahl der anwesenden Mitglieder befriedigen. In einer längeren Begrüßungsansprache hieß der 1. Vereinsvorsitzende, Kamerad W. Böhmer, die erschienenen Kameraden herzlich willkommen. Er warf einen Rundblick auf die letzten Ereignisse in unserem Vaterlande, die jeden Deutschen interessieren; so gedachte er vor allem des 83. Geburtstages unseres hochverehrten Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg und zeichnete ihn als das erhabene Vorbild für jeden vaterlandsliebenden Deutschen. Der Streit innerhalb des Volkes müsse endlich begraben werden, vergessen sei, was uns trennt. Am Schluß der Rede erinnerte der Vorsitzende an die einigenden Worte unseres greisen Reichspräsidenten und schloß mit den Worten„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr." Die Ausführungen endeten mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das deutsche Vaterland und seinen Reichspräsidenten.— Ein Mitglied konnte dem Verein durch einstimmig getätigte Aufnahme neu zugeführt werden. Die satzungsgemäß vorzunehmende Wahl bezw. Neuwahl des 2. Vorsitzenden Gustav Kampmann ergab, daß selbiger durch Zuruf einstimmig wiedergewählt werden konnte. Dagegen wurde die Neuwahl der Schießstandskommission bis zur Jahreshauptversammlung vertagt. Beschlossen wurde noch, das für den 19. Oktober vorgesehene Uebungsschießen auf dem Vereinsschießstand am Hachen infolge der bereits vorgeschrittenen Jahreszeit ausfallen zu lassen. Für den verhinderten Kassierer konnten die von den anwesenden Kameraden gezahlten rückständigen und laufenden Beiträge von dem Schriftführer, Kam. Selve, entgegengenommen werden. Als Tag für die Jahreshauptversammlung wurde der 4. Januar 1931 festgelegt und war somit die Tagesordnung erledigt. Unter Hinweis auf die jetzigen trüben Zeiten, die unser Volk durchzumachen habe, forderte in seiner Schlußrede der Vorsitzende die Kameraden zum Vertrauen an die Zukunft des deutschen Volkes auf und schloß mit einem Hoch auf unser Vaterland die angeregte Versammlung. Aus Groß=Dortmund Einweihung des Bodelschwinghhauses. Am Sonntag des Erntedankfestes, 5. Oktober, wurde in Dortmund das Bodelschwingh= haus eingeweiht, das in seinen Räumen die evangelische Jugend= und Wohlfahrtsarbeit von Groß=Dortmund unter einheitlicher Leitung zusammensaßt. Nach dem Festgottesdienst in der Petrikirche, in dem Konsistorialrat D. HymmenMünster die Predigt hielt, sammelte sich die zahlreiche Schar der geladenen Gäste vor dem neuen Heim in der 2. Kampstraße. Dort wourden nach alter Sitte die Schlüssel durch den Architekten feierlich übergeben. Der Vorsitzende des evangelischen Jugendamtes, Pastor Wilms, begrüßte die Versammlung nach dem Weiheakt im Festsaal. Viele Vertreter kirchlicher und kommunaler Behörden waren erschienen und brachten herzliche Wünsche für die Arbeit der neugeschaffenen Zentralstelle dar. Der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Dr. Eichhoff, hob besonders hervor, öffentliche und private Wohlfahrtspflege müßten zusammengehen! und überreichte zugleich mit anerkennenden Worten eine Ehrenurkunde des Wohlfahrtsministers an Superintendent Henrici=Dortmund für seine langjährige Jugend- und Wohlfahrtsarbeit. Auch der Oberpräsident von Westfalen ließ seine Glückwünsche übermitteln. Zahlreiche Wünsche wurden dem Werk zuteil, vom Konsistorium in Münster, vom Provinzialkirchenrat, von der pädagogischen Akademie u. v. a. Pastor Niemöller=Münster, dem Geschäftsführer der ren Mission von Westfalen betonten nachdrücklichst:„Daß Liebe nicht nur vorgepredigt, sondern vor allem dem Volke vorgelegt werden müssen." Damit war die wichtigste Aufgabe aller Wohlfahrtspflege umrissen. Zum Abschluß der Feier bot der Leiter des Bodelschwinghhauses, Jugendpfarer Lic. Przybylski, Rückblick über das Wachsen des Jugend= und Wohlfahrtsamtes in den 24 Jahren ihres Bestehens. Anschließend fand eine Führung durch die Räumlichkeiten statt. Es sind u. a. untergebracht: Bahnhofsmission, Wanderfürsorge, soziale Gerichtshilfe, Jugend= und Wohlfahrtsamt, Stadt= und Kreisverband der Frauenhilfe, Reichsgeschäftsstelle der evangl. Gesellenvereine Deutschlands, Fürsorgestelle für Alkoholkranke, Vorasyl, Ledigen= und Lehrlingsheim für insgesamt 15 männliche Personen, Vikariat für 9 Kandidaten der Theologie. Interessant ist, daß bei aller Vielseitigkeit des Hauses nirgends Massenbetrieb herrscht: jeder hat ein Zimmer für sichim Kandidaten=Konvikt, im Vorasyl, in der Bahnhofsmission, im Lehrlingsheim überall kleine freundliche Einzelzimmer, die dem vom Lärm geplagten Großstädter einmal die Möglichkeit geben sollen, Ruhe zu haben und keue Kräfte zu sammeln. — Widerstand gegen die Staatsgewalt. Ein Polizeibeamter hatte am Dienstag gegen 14,35 Uhr in einer Garage an der Märkischenstraße dienstliche Erhebungen zu machen. In Ausübung seines Berufes wurde er tätlich angegriffen, so daß dem Beamten nichts anderes übrig blieb, als das Ueberfallkommando herbeizurufen. Als das Kommando anrückte, hatte sich der Beamte aber bereits durchgesetzt, so daß das Ueberfallkommando nicht mehr in Tätigkeit treten mußte. Gegen den Täter ist Anzeige erstattet worden. — Er wollte den Tod im Kanal suchen. Am Dienstag gegen 19 Uhr wollte der Landwirt Adolf P. von hier den Tod im Kanal suchen. Polizeibeamte nahmen sich des Lebensmüden an und führten ihn zunächst in polizeiliche Verwahrung ab. Der Mann gab an, daß sein wirtschaftlicher Zusammenbruch der Grund dafür gewesen sei, aus dem Leben zu scheiden. — Tödlicher Unglücksfall. Der Bergmann Heinrich Zimmermann, Westricher Straße 118, verunglückte gestern abend im unterirdischen Betriebe der Zeche Zollern durch plötzlich hereinbrechende Gesteinsmassen tödlich. — 400 RM. gestohlen. Ein frecher Einbruch wurde am Dienstag gegen 19 Uhr in die Wohnung des Kraftwagenführers A. an der Piepenstockstraße ausgeführt. Der Täter durchstöberte die Wohnung und fand dabei eine Geldkasette mit 400 Mark Inhalt, die er an sich nahm und damit das Weite suchte. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur. Die Kriminaloolizei hat sofort umfassende Ermittlungen aufgenommen, um den Gelddieb zu fassen. — Ein Auto fährt in den Chausseegraben. Ein Automobil, das sich gestern abend etwa gegen 6,58 Uhr auf der Fahrt von Lünen nach Brambauer befand, suchte am Scharfen Eck auf der Evingerstraße, wahrscheinlich infolge Versagens der Steuerung, den Chausseegraben auf. Die Insassen des Kraftwagens kamen mit dem Schrecken davon. Da der Wagen aber arg beschädigt war und die Weiterfahrt nicht fortsetzen konnte, glarmierte der Wagenführer die Feuerwehr, die bald mit einem Rüstwagen an der Unfallstelle erschien und das Fahrzeug in einer Autogarage, Hohestraße 66, unterstellte. Witten. Rektor Schluckebier 70 Jahre alt. Rektor Adolf Schluckebier, der seit einigen Jahren im Ruhestand lebt, feiert am 12. Oktober seinen 70. Geburtstag. Herr Schluckebier wurde am 12. Oktober 1860 in Hagen geboren. Er besuchte die Präparande zu Holzwickede und das Seminar in Soest. seinen langen Lehrerjahren hat er sich die Liebe und Achtung nicht nur seiner Kollegen, sondern auch weitester Kreise, sowie auch seiner Nachruf. Am Dienstag-Morgen rief Gott der Herr den langjährigen Pfarrer und Seelsorger unserer evangelischen Gemeinde Herrn Pastor SeorgIschnath zu sich in sein ewiges Reich. 3700 Im Dienst und Gehorsam seines himmlischen Herrn hat der Verstorbene in großer Tatkraft, mit frohem Glaubensmut und reichen Gaben fast dreißig jahre in unserer Gemeinde gewirkt. Eine fröhliche Zuversicht in allen Lebenslagen ließ ihn nie ermüden und verzagen. Zu groß aber war die Arbeitslast durch Predigt und Seelsorge, Vereine und Sonntagsblatt, Verwaltung und Krankenhaus, und seine Kräfte brachen zu früh. Unser Dank geht über das Grab hinaus, was er im Verborgenen an den Herzen gewirkt, wird einst die Ewigkeit offenbaren. Schwerte, den 8. Oktober 1930. Das Presbyterium der evangel. Kirchengemeinde: Ohlig, Pfarrer u. praes, presb. Nachruf. Gestern erreichte uns ganz unerwartet die Trauerbotschaft, daß der langjährige Leiter unseres evangelischen Krankenhauses, Herr Pfarrer Gerig“. ISchhlatff aus der Zeit in die Ewigkeit abgerufen wurde. Neben seinem umfangreichen Pfarramt hat der Verstorbene seine Kräfte und Gaben vornehmlich in den Dienst des Krankenhauses gestellt. Unter seiner tatkräftigen Führung gab es kein Rasten und Ruhen. Ein dauerndes Wachsen des Hauses gibt Zeugnis von seiner Arbeit. Bei aller Last und Verantwortung hatte der Entschlafene immer noch Zeit für die Kranken und Schwestern als Berater und Seelsorger. Nur schwer drücken Worte aus, was wir ihm schulden. Wir wollen halten, was uns von ihm überkommen! Möge dem Treuen die Ewigkeit geben, was ihm die Zeit versagte! 3701 Schwerte, den 8. Oktober 1930. Die Schwesternschaft Der Vorstand des ergl. Krankenhauses; des evgl. Krankenhauses: Schwester Elfriede, Kleinemeyer, Pfarrer, Oberin Vorsitzender ehemaligen Schüler erworben. Mit dem alten Meister Dörpfeld stand er in enger Beziehung. Mit besonderem Nachdruck trat er für dessen Schulgemeinde in Wort und Schrift ein. Auch hatte er stets ein warmes Herz für die lehrer, die er in trefflicher Weise in ihre Erzieherarbeit einführte. Besonders erfolgreich war er auf dem Gebiete der Volkshochschulbewegung tätig. In vorbildlicher Weise leitete er mehrere Jahre einen Wanderführerkursus, in dem er Leute aus allen sozialen Schichten mit der Heimat vertraut machte und zu einem sinnvollen Wanderer anleitete. In Freizeiten und auch sonst hat Schluckebier erfolgreich für das Allgemeinwohl gewirkt, sodaß sein Name in vorbildlicher Weise weit über die Grenzen Wittens, wo er 44 Jahre gewirkt hat, bekannt geworden ist. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Verstorbenen sagen wir hiermit ünsern innigsten Dank. Frau Karl Möller und Kinder Schwerte, im Oktober 1930. Börsen und Märkte Dortmunder Wochenmarkt. Bei dem anhaltenden Regen war es nicht anders zu erwarten, daß das Geschäft auf dem gestrigen Wochenmarkt nur einen mäßigen Umfang annahm. Die erschienenen Hausfrauen waren darauf bedacht, möglichst schnell ihre Einkäufe zu erledigen, um aus dem strömenden Regen zu kommen. Die Händler fanden daher nicht die gewohnte Beachtung, obwohl sie nach wie vor mit großen Vorräten aufwarteten, so namentlich die Gemüseverkäufer, die Blumenkohl zu 40—50 J, Wirsing zu 6, Kopfsalat zu 15, Wurzeln zu 8, Rote Beete zu 10, Suppengrün je Bund zu 10, Schlangengurken zu 25, Bohnen zu 20 Zwiebeln zu 5 J anboten. An Obst gab es vor allem Weintrauben zu 35—40, Birnen zu 20—35, Aepfel zu 40, Bananen zu 35—45. Die Eierhändler forderten heute erhöhte Preise für ihre Ware. Es kosteten frische Trinkeier je Stück 15, hingegen hatten die Preise für Butter eine Ermäßigung erfahren. So konnte man Molkereibutter schon für 1,50 M haben. Am Kleintiermarkt ließ die Umsatztätigkeit ebenfalls zu wünschen übrig Ernste Käufer für Kleinvieh waren nur wenige vertreten. In den Fleisch= und Wursthallen kam kleines Bedarfsgeschäft zu ermäßigten Preisen in Fleisch= und Wurstwaren aller Ort zustande. Der Blumenmarkt hatte ebenfalls unter der schlechten Witterung zu leiden. Die Umsätze ließen erheblich nach. Schuh-Fein-Besohlung Die Preise für unsere gut kernigen VolkswohlSohlen sind fünf Proz, niedriger wie jedes andere Angebot für Besohlung. Ein jeder überzeuge sich von der Haltbarkeit zu diesen Preisen. Schuhe für kranke Füße unter Garantie tadellosen Sitzes, schmerzlindernd, sertigen als Spezialität an H. Hitzegrad u. Sohn Orthopädische Schuhmachermeister, geprüfte Mitglieder des orthopädischen Bundes Deutschlands. Teleion 2765 Senningsweg 26 Teleion 2765 Erstes Fachgeschäft am Platze seit 1896 Hohe Auszeichnungen: Gelsenkirchen 1925, Bochum 1926, Münster 1927 Gollath-Sohlen, Alleinverarbeitung für Schwerte, kosten 20— 35 Pig. mehr, haben dafür aber eine 2 bis Sfache Haltbarkeit Einlagen nach Maß und Modell auch Handelseinlagen Lielerant sämtlicher Krankenkassen Was hören wir im Rundfunk? Freitag, den 10. Oktober 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 11,00: Schulfunk. 11,30: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Bastelstunde. 15,50: Mitteilungen aus dem 16,05: Sardinien. 16,25: Lebende Dichter. 16,45: Jugendfunk. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Stimme und Charakter. 19,15: Englische Unterhaltung. 19.40: Die weltwirtschaftlichen Räume. 20,00: Meister der Operette. 20,30: Krise. Bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Zwungsbersteinerung Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuch von Westhofen Band III Artikel 171 eingetragenen nachstehend beschriebenen Grundstücke am 20. Dezember 1930, vormittags 10½ Uhr, an der Gerichtsstelle, Hagenerstraße Nr. 40, Zimmer Nr. 14, versteigert werden. 3. Gemarkung Westhofen, Flurbuch Nr. 5, Parzelle Nr. 14, Grundsteuermutterrolle Nr. 518, Weide, in Braßgarten, Größe 5 a 87 qm, Grundsteuerreinertrag 0,23; 4. Gemarkung Westhofen, Flurbuch Nr. 5, Parzelle Nr. 15, Garten, in Braßgarten, Größe 2 a 91 qm, Grundsteuerreinertrag 0,11; 5. Gemarkung Westhofen, Flurbuch Nr. 5, Parzelle Nr. 16/1, Garten, in Braßgarten, Größe 2.a 17 qm, Grundsteuerreinertrag 0,60; 6. Gemarkung Westhofen, Flurbuch Nr. 5, Parzelle Nr. 261, Gebäudesteuerrolle Nr. 45, bebauter Hofraum, Hochstr. 1, Größe 1 a 84 qm, Gebäudesteuernutzungswert 424.—; 7. Gemarkung Westhofen, Flurbuch Nr. 5, Parzelle Nr. 16/2, Garten in Braßgarten, Größe 4 a 89 qm, Grundsteuerreinertrag 1,34; 8. Gemarkung Westhosen, Flurbuch Nr. 5, Parzelle Nr. 17, Garten, in Braßgarten, Größe 2 a 91 qm, Grundsteuerreinertrag 0,80. Der Versteigerungsvermerk ist am 21. 1930 in das Grundbuch eingetragen. Als Eigentümer war damals die Witwe des Gastwirts Heinrich Wiemhoff, Lina geb. Goebeler zu Westhofen eingetragen. 3699 Schwerte, den 6. Oktober 1930. Das Amtsgericht. Prima Fettnuß IV, bei Abnahme von 10 Ctr. frei Haus 14.50 Mk. von C. Künkler, Kohlenhandlung Hagenerstraße 7 Ruf 2702 Urto Mess Uttd mess 0 /0 stets billigste Preise! stets gute Qualitäten! 0 0 Hausfrauen sammelt unsere Rabattmarken. Hagenerstraße 1 Hamburger Schwerte. Hagenerstr. 2. empfiehlt la frischen Fisch auf dem Wochenmarkt und im Geschäft, sowie feinste Kieler FettBückinge, Aal, Seelachs, Schellfisch, Lachshering, feinste Marinaden aus frischen Ostsee=Heringen hergestellt, keine Lagerware, sow. Salz=, Essigu. Gewürzgurken, Maijes= und Salzheringe, Hering= u. Fleischsalat in vikanter Güte usw. Lebende Goldfische wieder vorrätig. Hamburger Fischhalle Loueris der PreußischSüsbeuischen Klassen=Lotterie sind in der Buchhandlung e. Beaud Bahnhofstraße 3 zu haben.— Zum 1. 12. oder früher suche ich eine 4-5 Iulter= Wehnung Karte vorhanden. Gefl. Offerten unter Nr. 3697 an die Geschst. dieser Zeitung. Notenbücher Gesangbücher, Liederbücher für alle Zwecke in reichhalt. Auswahl corhanden, Kommersbücher für Vereine zu den billigsten Preisen. C. Braus Bahnhofstraße 7 Technikum Lemgo I. Lippo Moch-, Tief- u. Eisenbeionb au Weschinenb au, Elektrotechnik Nr. 237(Zweites Blatt) er Zeitung Donnerstag, 9. Okieber 1930 Von Semen und Braußen Berlin, erste Oktoberwoche 1930. Kopfschüttelnd und erstaunt betrachtete ich mir in verschiedenen Nummern der neuesten Zeitschriften die Frauenbilder. Ist das die Henny Porten?(Corinth hat sie auch schon mal schrecklich gemalt.) Ist das die Grete Mosheim? Ist es das allerliebste kleine Fräulein Sowieso, das nicht viel Theater spielen kann, aber einen entzückenden Körper und so ein liebes Pagengesichten hat... Es ist jetzt— und die Photographen machen's munter mit— die große Mode unter den Schauspielerinnen, Rollen zu spielen, in denen sie sich in Charaktermasken recht, recht häßlich machen können. Eine Stupsnase, die sie nicht haben, Falten auf die Stirn, der Mund vergrößert, eine Zahnlücke vorgetäuscht. Schlechte Haltung. Die Figur schief gezogen und keine Ahnung mehr von dem, was die Dichter im Lied von des Weibes Leib gesungen haben. Die Kunst, die Frauen schön zu sehen und ihnen ein bißchen im Zeitgeschmack zu schmeicheln, die Kunst, der von Tizian bis Makart, von Botticelli bis Lenbach, von Sebastiano del Piombo bis Angeli die Meister huldigen, scheint vergessen. Und die charakteristische Häßlichkeit ist— für die moderne Frau— anscheinend Trumpf. Gewiß, die Geschmäcker ganzer Völker und Kulturen waren immer verschieden. Das war nun schon bei alten Zeiten In dieser Erde grauem Tal Die schärfste der Verschiedenheiten: Der Frauenschönheit Ideal. In der Prärie verwehtem Grase Ist der Indianer heiß erpicht Auf Frau'n mit großer Kolbennase In plattgedrücktem Angesicht. Und China hat sich auserkoren Ein Weib mit schrägem Augenschlitz, Mit kleinen Füßen, großen Ohren Und Backenknochen, hoch und spitz. Und seine Huldin, gelb wie Käse, Mit dicken Lippen, breitem Mund, Sucht der verliebte Siamese Sich heißen Bluts zum Lebensbund. Den Kaffer trieb ein höchst barocker, Verliebter Sinn in heißer Nacht Zum Weib, das sich mit rotem Ocker Und Fett vom Hammel schön gemacht... Und über all der Schönheit tauchen, Ganz unberührt vom Weltenlauf, Mit zeitlos edlen Marmoraugen, Die Göttinnen von Hellas auf. Das ist so meine persönliche Ansicht. Eine Uebersetzung des hellenischen Schönheitsbegriffes ins Deutsche. Und in solchen Ansichten liegt ein Trost. Den können wir uns in diesen dürftigen Zeiten gar nicht genug holen. Freilich, was andern ein Trost ist, scheint uns noch lange keiner. In Norwegen machen sie jetzt erfolgreiche Versuche, den Boden der Gärten durch ein eingeführtes Stromnetz zu heizen. In Deutschland, in dem die Wasserkraft nicht so reichlich vorhanden und so billig ist wie in Norwegen, in Deutschland, wo— der Himmel verhüte, daß ein kalter Winter kommt!— unzählige Stuben braver Leute nicht geheizt sein werden, war solcher, in Norwegen gelungener Versuch, der erkaltenden Erde ein bißchen nachzuhelfen, ein recht bescheidener Trost... Ein Trost könnte es auch sein, zu hören, daß der reichste Mann Amerikas, Mister Ford, sich so zuversichtlich über kommende Arbeitsverhältnisse aussprach. Hundertundfünfzig Mark soll nämlich ein Arbeiter in fünfzig Jahren täglich verdienen. Sagt Mister Ford. Bloß— wenn's so kommt, wieviel ist dann die Mark wert? Die Zeiten waren gar nicht so schön, in denen man tausend Mark am Tag spielend verdienen konnte. Und wieviel Arbeiter haben sich bei uns stempelnd durche#hungert bis zu diesem mit solchen unsinnigen Summen winkenden Tag... Ein Trost ist's auch, den Kultusminister Doktor Grimme bei dem Festakt auf der Berliner Museumsinsel das kernige Wort sprechen zu hören:„Wir haben gegenüber einer kommenden besseren Zeit einfach die moralische Verpflichtung, ererbte Werte durch die Jahre des Tiefstandes hindurch zu retten.“ Die vielen armen Teufel, die eben verschämt in verschiedensten kleinen Anzeigen der Tagesblätter Bilder, Kunstgegenstände, antike Möbel, Familienschmuß und Teppiche zu billigsten Preisen anbieten, hätten gewiß gern dem Zuruf des Kultusministers und seiner geforderten moralischen Verpflichtung entsprochen, bloß— die Lilien auf dem Felde, die nicht säen und nicht ernten und doch ernährt werden, sind just kein häufiges Gewächs in Deutschlands heutigen Gärten... Ein Trost ist es auch, daß am Schluß der Völkerbundsversammlung ein Kanadier— nicht nur um mit Seume zu reden, sondern ein wirklicher Kanadier aus Kanada—,„der Europens übertünchte Höflichkeit nicht kannte“, mit dürren Worten Herrn Briand und den anderen ins Gesicht gesagt hat, daß der Völkerbund in der wichtigsten Frage, der Abrüstung, glatt und völlig versagt habe Aber diese dürren Worte des Kanadiers werden im Herbstwind verwehen wie die dürren Blätter im Garten. Und der Eindruck auf diese geschlossene Völkerbundsversammlung wird wahrscheinlich derselbe gewesen sein wie der Eindruck auf die nächste Völkerbundsversammlung, die vermutlich den Karneval eröffnet. Herr Briand hat angeblich„aus dem Geschrei der deutschen Wahlurnen“ eine Warnung gehört, nicht abzurüsten. Herr Briand hat aber leider sehr schlechte Ohren. Sonst hätte er aus dem Geschrei der deutschen Wahlurnen, um in seinem schönen aber schiefen Bilde von den „schreienden Urnen“ zu bleiben, etwas anderes vernommen, nämlich den großen Zorn über erzwungene Verträge, deren sämtliche Bedingungen der eine Kontrahent bis zum Weißbluten erfüllt, während der andere sich den bequem erfüllbaren Bedingungen, die ihm leider nicht passen, hohnlächelnd entzieht. Auch den Zorn darüber hätte Herr, Briand aus dem Geschrei der deutschen Wahlurnen vernehmen können, daß ein widerrechtlich bis an die Zähne bewassnetes Frankreich als sicherer Hort und Partner die kleinen unerzogenen, nimmersatten Kläffer übermütig und frech macht. Was haben jüngst wieder die Deutschen, denen Prag so viel verdankt und deren Freiheitsprivileg dort aus dem elften Jahrhundert stammt, alles von den rabiat gewordenen Tschechen hören, hinnehmen und erdulden müssen. Unter den traurigsten Notizen aus dieser bösen Zeit soll man sich's merken. Unter den verhetzten, frechen Hassern uns'res Vaterlands Holen feige sich die Tschechen Jetzt in Prag den Siegerkranz. Uebermüt'ge, arme Schlucker, Reich geworden über Nacht, Speien diese Neppo=Mucker Auf den Nachbarn ohne Macht. Wie ihr Hochmut sich entzündet In Erwartung des Gefechts! Denn sie wissen sich verbündet Einen„Hüter" jedes„Rechts"; Einen pfiffigen Kollegen, Der sein Schwert in Ruhe wetzt Und im Meineid den Verträgen Kalten Hohn entgegensetzt. Greift in der Geschichte Räder, Sättigt nimmer ihre Gier! Boykottiert die Böhmen=Bäder Und das blonde Tschechen=Bier! Gebt die Antwort ihrem Hasse, Eine Antwort ohne Scherz: Einen Tritt in ihre Kasse— Und ihr trefft ihr böhmisch Herz! Schön, sie mögen uns nicht lieben Und Entwaffnete bedroh'n— Doch der Stolz ist uns geblieben Und für neidisch Volk der Hohn. Uns'res Deutschlands stolz Gehäuse Wird der Zeitsturm lassen stahn, Bis die gift'gen Wenzisläuse Ducken, wie sie's eh' getan. Diogenes. Der Saatenstand Anfang Oktober Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der„Statistischen Korresspondenz", entnimmt, ist die Getreideernte beendet. Grummeternte und zweiter Kleeschnitt wurden teils trocken, teils mit erheblichen Verlusten eingebracht. Die im letzten Drittel des Vormonats überall begonnenen Spätkartoffelerntearbeiten machen gute Fortschritte. Zuckerrüben zeigen besonders in den Hauptzuckerrübengegenden ein befriedigendes Wachstum. Man rechnet allerdings infolge der wenigen Sonnentage im September mit geringerem Zuckergehalt der Rüben als im Vorjahr. Futterrüben, Mohrrüben, Zwiebeln, Weißkohl und andere Kohlarten stehen besser als zur gleichen Zeit der beiden letzten Jahre. Das Grünland zeigt infolge der ausreichenden Niederschläge ein erfreuliches Wachstum. Mit den Herbstbestellungsarbeiten ist begonnen worden. Wintergerste ist fast durchweg gesät, ein nicht unbeträchtlicher Teil des Winterroggens wurde schon bestellt. Mit der Aussaat des Winterweizens wird begonnen. Das Auftreten von Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschädlingen bewegt sich in normalen Grenzen. Kunstdünger wird nur in der unbedingt erforderlichen Menge wegen Mangel an Betriebskapital angeschafft. Führertagung des Reichselternbundes. In Berlin hielt die Führerschaft des evangl. Reichselternbundes ihre Herbsttagung ab, die geleitet wurde von Prof. D. Hinderer. Die Tagung nahm Stellung zu der augenblicklichen kulturpolitischen Lage, die besonders durch die letzten Reichstagswahlen eine neues Gesicht erhalten hat. Die evangl. Elternschaft wird unbedingt an ihren programmatischen Forderungen festhalten. Es wurde betont, daß die Elternbewegung ihren christlichen unpolitischen Charakter beibehalten wird, aber das eine planmäßige Zusammenarbeit mit den politischen Gruppen, die sich für die Forderungen der christlichen Elternschaft einsetzen, notwendig sei. Zu der Frage der Reform des Elternbeirats wurden für die Eltern mehr Befugnisse, z. B. die Vertretung in den Schul=Deputationen, gewünscht. Begrüßt wurden die von den einzelnen Lehrern gepflegten„freiwilligen Klassenelternschaften", als ein Weg zur vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. Vor des Olymps gekrönten Frauen Steht händefaltend der Aesthet, Die in den weißen Stein gehauen Ein Phidias und Polyklet. Das zog vor vielen hundert Jahren In längst gestürzte Tempel ein; Und diese Frauen sind und waren Und werden wieder Götter sein. Kaußen Die MAGGI“ Suppen-Würfel und Nie werden zufrieden zein! Hennzeichen: Der Name MAGGl und die getb-rote Dackung. 28 verschiedene Jorten.— 1 Würfet für 2 Jefter nur 13 Pfg. seine„aufopfernde Tat: die heldenhafte Rettung ParGichP Iach Ein Roman von Benzin und Liebe von Friez Lange Souriall ün Mlentia Feuchlrunden Hale Ganie) 36. Fortsetzung und Schluß. „Ich— eine Sprosse auf der Leiter zu oeinem grandiosen Aufstieg. Herrlich, nicht?" Nun wurde er zynisch:„Wenn du später einmal deine Memoiren herausgibst, schlage ich den Titel vor: Von der Filmstatistin zur Bojarin.“ „Jetzt wirst du geschmacklos.“ Sie wandte sich um, ohne eigentlich beleidigt zu sein.„Ihr Männer seid so schrecklich eitel. Jeder denkt, er sei das Ideal, das nicht mehr zu übertreffen ist.“ Diese Stunde war nutzlos vertan. So empfand es die Frau. Nur eine Erkenntnis brachte sie ihr: Robert Braun könnte ihr nie mehr gefährlich werden können. Geliebt hatte sie ihn wohl eigentlich nie. Immer nur war er Werkzeug für sie gewesen. Günstigenfalls durfte man ihn in diesem Sinne zur Disposition stellen. Denn liemand konnte wissen, wie sich die Zukunft staltete. Und Bundesgenossen sind immer wertvoll... Als das Boot am Ufer wieder angelegt hatte und die Insassen in Richtung nach dem Palais verschwunden waren, raschelte es im Gebüsch der Insel. Florica, im bunten Badedreß, teilte die Zweige vorsichtig auseinander, tauchte dann lautlos ins Wasser, schwamm rasch nach dem entgegengesetzten Ufer. Für Sekunden stand sie als fleischgewordene Nixe im Glanz der Sonne, schüttelte die Tropfen von sich, daß sie aufsprühten wie flüssiges Silber. Im Gesicht der Rumänin offenbarte sich Schn.e: über eine Enttäuschung. Drüben im Pavillon saß sie dann— wieder angekleidet— nach lange nachdenklich versunken da, wie es eigentlich gar nicht ihre Art war. Die Erkenntnis dieser Stunde hatte sie ernüchtert, wach gerüttelt, daß sie den Glauben an sich selbst verlor. Wer war die Siegerin? Dieser Gedanke trieb ihr das Blut in die Wangen, bis in die Schläfen. Ja, so war es: sie hatte sich diesen Robert Braun aus dem Norden mitgebracht, weil sie ihn gut leiden mochte, weil sie sah, daß er an sie glaubte. Sie war ihm Verbündete und Kameradin gewesen. Und nun? Siegerin war einzig und allein diese Mia Warnecke, jetzt Herrin im Hause Popescu. Ihr Vater, dieser Herr, hatte sie aus den Händen seines zukünftigen Schwiegersohnes empfangen. Ergötzlich, diese Rollenverteilung, die sich da das Schicksal geleistet hatte. Für kurze Zeit spannten sich die Züge in dem hübschen, regelmäßigen Gesicht der Magnatentochter. Kaltblütig erwog sie nun im Geiste alle Möglichkeiten, die ihr das Leben bot. Mi: Marin Constantinescu, dem netten und eleganten Erben eines zusammengeschmolzenen Vermögens fliehen? Mit dem feschen Colonel Morenu, ihrem treuesten Freund, für einige Wochen nach Paris gehen? „Absurditate!“ Sie verwarf dies alles. Zweckmäßig war einzig und allein: Gegen alle Welt schweigen über das, was sie auf der Insel hörte und Robert Braun heiraten. Erst dann, wenn er gebunden war, erlangte sie ihre Handlungsfreiheit wieder. Als Mädchen hatte sie in Bukarest immerhin gewisse Rücksichten zu nehmen; als verheiratete Frau war sie immun! Einmal würde sie ja doch den Namen eines Mannes annehmen müssen. Und keiner schien ihr so gefügig zu sein wie Robert Braun. Letzten Endes war doch nur alles Form, Repräsentation nach außen hin... „„* Noch von Sölden aus erhiel: Hans Bach ein Danktelegramm von Trajan Popescu für Elsbeth las die Depesche mit glänzenden Augen, fiel dann Hans wortlos um den Hals. Es war wie eine stumme Abbitte für ihren törichten Verdacht. Eins war sicher: Vorurteil würde künftig nicht mehr zu ihren Fehlern und Schwächen zählen... „Wie weit bist du mit den Braun=Werken?" fragte sie nach einer Weile. „Ich habe heute die Verträge unterzeichnet. Am ersten Oktober übernehme ich die Leitung des Zweigwerkes.“ Sie saßen in der Laube bei einem Schoppen Maikammerer. Der Oberförster half deinnen in der Gaststube als vierter Mann beim Skat. „Und wir, Elsbeth! Wie steht unsere Sache?“ Sie hob das Glas hoch. „Vater ist einverstanden; im September feiern wir Verlobung.“ Da nahm Hans sein Mädel in die Arme. „Also mit Vollgas in die Zukunft!" stellte er glückselig fest. Draußen, vor der Laube, beschnupperte Männe, der Dackel, das Motorrad Bachs und kam dann mit zufriedenem Schnaufen in die Laube gelaufen. Drüben aber, auf den Wiesen, geigten die Heimchen ein großes Abendkonzert. Ende! „Aergert Dich Deine rechte Hand.. Die jetzt zwangzigjährige Alta Fickle aus Salinas(Kalifornien) war bis zu ihrem breizehnten Jahre in jeder Beziehung normal gewesen. Doch dann erwachten in ihr seltsame Impulse. Wenn sie ein Messer sah, so rief ihr eine innere Stimme zu:„Nimm es, und stich damit auf jemanden ein!“ Gleichzeitig griff die rechte Hand danach. Es kostete Alta Überwindung, den verhängnisvollen Trieb zu unterdrücken. Eines Tages war sie einer Belanglosigkeit wegen von ihrem Vater gescholten wordie Küche, um Brot für den Abendtisch zu schneiden. Als sie nun dort das große Messer in der Hand hielt, raunte ihr die versucherische Stimme zu:„Töte ihn doch!" Die Finger des Mädchens umklammerten krampfhaft den Messergriff. Eine Macht, die einen Augenblick stärker war als ihr Wille, trieb Alta bis zur Küchentür. Dann aber riß die Linke, die nur guten Impulsen zu folgen schien, das Messer aus der rechten Hand und warf es von sich. Die fürchterliche Versuchung war überwunden, aber die seelische Erschütterung wirkte derartig in Alta nach, daß diese weinend in ihr Zimmer stürzte. Die Versuchungen wiederholten sich. Der innere Kampf wurde aufreibend, und kürzlich— als Alta zwanzig Jahre alt geworden war— wußte sie, daß sie erliegen würde, wenn sie nicht ein Radikalmittel anwandte. In der Kirche hatte sie die Worte aus der Bergpredigt gehört: „Aergert Dich Deine rechte Hand, so haue sie ab und werfe sie vor Dir.“ Ihr erregtes Gemüt glaubte, hier sei ihr der Ausweg gewiesen. Sie lief zum Bahndamm, setzte sich auf die Schienen und las in einem Buch, das sich mit dem Seelenleben von Verbrechern beschäftigte. Stimmte ihr Zustand mit manchem überein, was hier geschildert wurde? So würde auch sie zur Mörderin werden, wenn sie nicht die befreiende Tat vollführte. Da hörte sie einen Zug kommen. Sie ließ die Maschine an sich vorüber fahren, winkte noch dem Führer mit der„verbrecherischen" Rechten zu und legte sie dann auf die Schiene. Eine Viertelstunden später fanden spielende Kinder das Mädchen auf dem Bahndamm sitzen. Es las ruhig in dem Buche und sah eist auf, als die Kinder schrien:„Der Arm!“— „Holt einen Arzt!“ sagte Alta nur. Das Mädchen hatte erstaunlich wenig Blut verloren, und als der Stumpf verbunden war, lächelte Alta Fickle die Schwester an:„Nun bin ich glücklich. Alle Versuchung ist von mir gewichen, seitdem ich meine rechte Hand von mir warf.“ Gestern in letzter Minute vor Ladenschluß ist der neue Radio=Apparat gekauft werden, nachdem die Anschaffung schon monatelang erwogen worden war. Teilzahlung, über viele Monate sich erstreckend, wurde vereinbart. Die Antenne läuft an der Decke des Zimmers, säuberlich ausgespannt, im Viereck, die Erdleitung führt über den Korridor zum Wasserhahn in der Küche. Blanker Kupferdraht, dünn und eigentlich kaum zu sehen. Jeden Abend um sechs Uhr, wenn der Mann vom Bureau nach Hause kommt, setzt er sich sofort an den neuen Empfänger, Stelle nachzuzahlen, kommt er mit einer ernsten Verwarnung davon. Er ist heilfroh, daß man den teuren Apparat nicht beschlagnahmt und man von einer Strafverfolgung absieht. Nie wieder unehrlich, schwört er sich auf dem Nachhauseweg. * Dies ist nur ein Beispiel. Solche Fälle kommen tagtäglich vor. Die Verfolgung von Schwarzhörern geschieht in Ausübung des Gesetzes über das Fernmeldewesen. Danach hat die Polizei nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, Kontrollen zu unternehmen. Schwarzhören gilt nicht als übertretung, sondern nur als Vergehen und wenn auch in den meisten Fällen Fahrlässigkeit und Unkenntnis des Gesetzes angenommen wird, so daß die„Verbrecher“ mit einer kleinen Geldstrafe davonzukommen pflegen, läßt das Fernmeldegesetz doch in jedem Fall Gefängnisstrafe zu. Das gilt besonders für Fälle, in denen eine böswillige Hinterziehung der Gebühren, auf die der Staat ein Recht hat, einwandfrei nachgewiesen werden kann. Bis zum Abschluß des Strafverfahrens werden die Apparate von der Kriminalpolizei sichergestellt und die Anlagen beseitigt.(In Berlin werden täglich fünf bis sechs Schwarzhörer von Polizeistreifen, die aus einem Kriminalund einem technischen Postbeamten bestehen, gestellt.) In den meisten Provinzen gibt es bei den Staatsanwaltschaften ein eigenes Sonderdezernat, an das alle einschlägigen Anzeigen abgegeben werden. Der erste Empfang ist kein ungetrübter Genuß. Trotzdem mußt au die Gebühren zahlen! schraubt, dreht, koppelt vergnügt daran herum. So etwa: „Sie hörten ebe...“—„Achtung! Achtung! hier...“— „aqui Barcelo...“—„Daventry and...“—„Radio Buda...“—„undrar det...“—„prirsn rkllum flichn Keine Station ist richtig zu hören, keine bleibt länger als einen Lugenblick, meist ist sie schon wieder fort, wenn man das Ohr pitzt, Welle duelliert sich mit Welle, mit tausend Wellen, und damit es besser werde, bittet Lehmann, der glückliche Besitzer, die Hochantenne des Herrn Müller verlängern zu dürfen, um seinen Apparat anzuschließen. Herr Müller im dritten Stock hat nichts dagegen. Frau Müller aber steht sich nicht besonders mit Frau Lehmann. Wozu, so denkt sie, brauchen Lehmanns einen Radio=Empfänger. Einmal, nachts, kann sie vor Arger darüber nicht einschlafen. Und weil sie der hochnäsigen Lehmann zu gerne eins auswischen möchte, kann sie gar nicht erwarten, bis es wieder Tag wird und der Briefträger läutet. Scheinheilig bittet sie ihn, doch einen Augenblick hereinzukommen und ihren Lautsprecher, den der Jüngste erst kürzlich zusammengebastelt hat, zu besichtigen. Der Briefträger fühlt sich sehr geschmeichelt und bewundert das Machwerk. Dann platzt Frau Müller, scheinbar ganz nebenhin, heraus: „Lehmanns unten haben jetzt ja auch einen Lautsprecher; aber glauben Sie mir, der funktioniert doch nicht so gut wie unserer. Wenn man etwas selbst gemacht hat, weiß man doch wenigstens, was man hat.“ Der Postbote, dem auch obliegt, die monatlichen Rundfunkgebühren in seinem Zustellbezirk einzukassieren, denkt im stillen nach. Nein, bei Herrn Lehmann ist ihm von einem Empfangsgerät nichts bekannt. So, so! Lehmanns haben also Radio und hören demnach„schwarz“! Postbeamten hat in allen Ländern besonders empfindliche Dienstgeräte, auf denen nicht nur während der programmatischen Sendestunden abgehört wird, sondern vor allem auch in den Zeiten, da die meisten Sender ruhen, vorwiegend also in den Stunden zwischen zwei Uhr nachts und sechs Uhr morgens. Meistens sind es immer dieselben Rufzeichen, die in keinem der amtlichen Verzeichnisse zu finden sind und die sich Nacht für Nacht zur selben Minute wiederholen. Das hat seinen Grund darin, daß jeder Schwarzsender mit einer Reihe von Leuten in Verbindung steht, die ihn kennen und zu den vereinbarten Rufzeiten ihre Empfänger auf ihn einstellen, um zu hören. Je nach der Lautstärke und Reinheit des Empfanges, oft auch durch verfängliche Sendungen kommt man bald hinter die Richtung, in der sich der Schwarzsender befinden muß. Selbstverständlich laufen auch in solchen Fällen immer eine Unzahl von Anzeigen ein, die von regelmäßigen Störungen berichten und auf die Nähe eines Schwarzsenders hindeuten, denn jeder Hörer, der im nächsten Bereich des Senders sitzt, wird dadurch unweigerlich im Empfang erheblich gestört. Es gibt außerdem sogenannte„Peilgeräte" um den ungefähren Standort eines verbotswidrig arbeitenden Senders festzustellen. Die Ansichten über deren praktische Verwendungsmöglichkeit gehen sehr auseinander, da in großen Städten, wo tausend Störungsquellen aus unzähligen Stromleitungen resultieren, die Zuverlässigkeit solcher Apparate ihre Grenzen hat. Was nützt es, zu wissen, in diesem oder jenem Viertel, innerhalb eines Häuserblocks von achthundert Wohnungen etwa, muß ein Schwarzsender aufgestellt sein? Das kommt ja ohnehin ebenso rasch und zuverlässig auf die vorhin erwähnte Art heraus. Hat sich der Verdacht verdichtet, schreitet man rücksichtslos zur Durchsuchung der Häuser. Dabei stößt man meistens auf Korrespondenz, die zwischen dem Sender und seinen Empfängern geführt wird und in der genau und säuberlich verzeichnet steht, wann, wo und wie die heimlich sendende Station gehört werden konnte. Diese Notizen, stets nach einem ganz bestimmten internationalen Schema kartothekartig gemacht, verraten natürlich alles und bilden zusammen mit den sonstigen vorliegenden Beobachtungen die Indizien, die zur Festnahme und Verurteilung genügen. Es ist heute sehr einfach, eine Sendestation— meist für Kurzwellen— zu bauen. Die Anleitungen dazu finden sich in — Mnagngoogo...n Wectge Die„lieben Nachbarn“ sorgen schon dafür, daß kein„Schwarzhörer“ unentdeckt bleibt. Beschlagnahmte Apparate— die Postanstalten der größeren Städte haben ganze Sammlungen vom einfachsten selbst gebastelten Empfangsgerät bis zum hochmodernen FünfRöhren=Netzanschlußgerät— werden meistens an gemeinnützige Anstalten(Blindenheime, Kriegskrüppelanstalten und dergleichen) weitergegeben. Das Heer der Schwarzhörer setzt sich zusammen aus drei Kategorien: den Neulingen, die gern einmal erst ihre Apparate ausprobieren möchten und darüber„vergessen“, sie vorschriftsmäßig anzumelden. Solchen, die ihr Abonnement auf Empfang abgemeldet haben, aber dessen ungeachtet dreist weiter hören. Und endlich aus denen, die mit ihren Gebühren im Rückstand sind. Die Angehörigen der zweiten und dritten Gruppe sind der Behörde namentlich bekannt. Hier macht nun die Post von Zeit zu Zeit Stichproben. Werden Schwierigkeiten bei der notwendigen Durchsuchung gemacht, öffnet die Kriminalpolizei Türen und Kasten, während die Beauftragten der Postverwaltung als Sachverständige anwesend sind. Widerstand kommt selten vor und kann, wenn er dennoch geleistet wird, böse Folgen haben. Viel energischer noch führt man aber die Jagd auf sogenannte„Schwarzsender" durch. Während der Schwarzhörer keinen allzu großen Schaden anrichtet, ist bei unbefugt betriebenen Sendern doch immer damit zu rechnen, daß ihre Verwendung dem Zweck politischer oder gar staatsfeindlicher Nachrichtenübermittlung dient. Darum sind auch die Strafen hier ganz bedeutend höher. Der Möglichkeiten, Schwarzsender ausfindig zu machen, gibt es vielerlei. Trotzdem ist es ungemein schwierig, ihrer habhaft zu werden. Das Vorhandensein einer solchen Anlage verrät sich aber meist ganz von selbst. Eine stattliche Anzahl von willst au dein Radio im freien genießen, so vergiß nicht, deine letzte Quittung mitzunehmen! Frau Müller, die gute Nachbarin, hat ihren Zweck vollkommen erreicht Der Briefträger verabschiedet sich, ohne etwas zu sagen. Aber als er in den nächsten Tagen für Herrn Lehmann einen Einschreibebrief abzugeben hat, macht er seine Augen auf und entdeckt bald den verräterischen Kupferdraht im Korridor. Zu Frau Lehmann, die nichts Böses denkt, sagt er, ob er nicht einen Augenblick in das Zimmer treten dürfe, um sich etwas aufzuschreiben. Groß und nicht zu übersehen steht dort der Empfänger. Frau Lehmann bekommt einen knallroten Kopf, als sie dem Blick des Briefträgers folgt. Seiner Dienstvorschrift gemäß muß der Postbote Anzeige erstatten. Herr Lehmann wird zur Vernehmung geladen. Er kann nichts ableugnen. Mit knapper Not gelingt es ihm, sich darauf hinauszureden, er habe den neuen Apparat nicht anmelden wollen, ehe er ihn nicht ausproviert hätte. Und weil er sich bereit erklärt, die hinterzogenen Gebühren auf der Eine verunglückte„Schülerverschwörung“. Das Mikrophon im Dienste des Drüfungsschwindels. In der Sammlung beschlagnahmter Apparate findet man alle erdenklichen Systeme. jedem Bastelbuch. Die Anlage nimmt auch gar nicht viel Raum in Anspruch, bequem kann sie in einem Koffer untergebracht werden. Strom wird, obwohl das immer mit großer Gefahr verbunden ist, den Starkstromleitungen entnommen. Alle Teile sind in jedem Fachgeschäft ohne weiteres zu kaufen. Nun besteht eine besondere Schwierigkeit für die Fahndungsbeamten darin, daß solche wilden Stationen vielfach im Freien, irgendwo auf dem Lande, im Wald zum Beispiel, versuchen, zu senden. Da stellt Herr X seinen Sender auf, schraubt daran herum und plötzlich hat er Verbindung mit einem anderen verwegenen Bastler, der sechshundert Kilometer weit von ihm entfernt ist. „Wo sind Sie?“—„In Frankfurt an der Oder.“—„Ach, da habe ich gute Bekannte in der Bahnhofstraße 24, gehen Sie doch einmal hin und bestellen Sie viele Grüße von mir.“— „Und wo sind Sie?“—„In Köln.“—„Sehr erfreut, werde morgen um die gleiche Zeit wieder mit Ihnen in Verbindung treten!“— Herr a geht, wenn er unvorsichtig ist, vielleicht zu den Leuten in der Bahnhofstraße und bestellt die ihm aufgetragenen Grüße. Er steht als Wundermann da und ist ordentlich stolz, daß er so etwas fertiggebracht hat. Wenn die Leute aber das herumerzählen, und wer würde das nicht tun, kann es ihm passieren, daß er geschnappt wird. In den wirren Jahren 1922 bis 1924 kam man— allein in Berlin— ungefähr zwölf Schwarzsendern auf die Spur, deren Photos heute noch im Polizeipräsidium zu sehen sind. Da das Verbrechen des Landesverrats noch zu dem Vergehen gegen das Fernmeldegesetz kam, wurden damals ganz erhebliche Geld= und Zuchthausstrafen verhängt. Oft kommen auch sehr komische Dinge vor. Erst kürzlich wurde durch Zufall eine kleine Verschwörung von Primanern aufgedeckt, die in den Ofen des Konferenzzimmers ein Mikrophon eingebaut hatten, um die Verteilung der Prüfungsaufgaben abzuhorchen. Dieser raffinierte Plan der kleinen Schlauberger kam dadurch ans Licht, daß die Dampfheizung nicht funktionierte und der Schuldiener angewiesen wurde, den seit Jahren unbenutzten Kachelosen anzuheizen. Als das Gewirr von Drähten und das winzige Mikrophon entdeckt wurde, mag es schön verdutzte Gesichter gegeben haben! Hermann Hacker. HEBT ERÖHLICHKEIT DEN LLNSATZ:) Die zwei Angelpunkte der amerikanischen Weltanschauung sind der unbedingte Glaube an das wirtschaftliche Gedeihen des Landes(prosperitu) und ein unter allen Umständen zur Schau getragener Lebensmut(keep smiling). Bedingungslose Anbeter der amerikanischen Erfolge glauben, diese Schlagworte nun auch bei uns heimisch machen zu müssen. Amerika ist das Zauberwort, mit dem man seit einigen Jahren allen Wirtschaftsnöten unseres alten Kontinents beizukommen sucht. Wir haben nicht nur die Produktionsmethoden von„drüben" übernommen, sondern — als sich zeigte, daß damit allein Absatzstockungen, Arbeitslosigkeit und ähnliche Begleiterscheinungen der allgemeinen Krise nicht schwanden—, wir haben unser Augenmerk auch auf die Neugestaltung des Gütervertriebs nach amerikanischem Vorbild gerichtet. Ja, wir sind sogar noch weiter gegangen und haben es unternommen, die besondere Lebensauffassung zu importieren, die nach den Berichten vieler Augenzeugen die eigentliche Voraussetzung für die„prosperity“, d. h. für das wirtschaftliche Gedeihen von U. S. A. bildet. Was macht nun aber den Hauptbestandteil dieser von so glücklichen Auswirkungen begleiteten amerikanischen Lebensauffassung aus?„Optimismus,“ sagen die Kenner des Yankeelandes und sagen sogar die Amerikaner selbst. Also, wird gefolgert.. Nun ist Optimismus zweifelsohne notwendig. Es kann auch nichts schaden, wenn wir, allen Widerwärtigkeiten der Zeit zum Trotz, durch zur Schau getragenen Lebensmut zur Hebung der allgemeinen Stimmung beitragen, anstatt ewig mit sorgendurchfurchten Mienen herumzulaufen und uns gegenseitig anzuknurren. Doch nun kommt das große Aber! Ganz so einfach, wie es die hiesigen Nachbeter amerikanischer Schlagworte glauben 200M Lächle, lächle— auch wenn der Kunde tobt! machen wollen, ist die Heilung des kranken Wirtschaftskörpers durch einen gewissermaßen auf dem Verordnungswege anbefohlenen Optimismus nun doch nicht. Das allmählich erstarrende Lächeln kann sich sehr leicht zur grinsenden Maske, zur physiognomischen Lüge wandeln, mit recht bedenklichen Folgen für die Masse und den einzelnen. Eines schickt sich nicht für alle: Was in U. S. A. geboten und erlaubt ist, braucht bei uns nicht immer den gleichen wünschenswerten Erfolg zu zeitigen. Lassen wir die Praxis sprechen. Wie bestechend ist die bekannte Formel:„Keep smiling“(sinngemäß etwa: Lächle, Zeitgenosse!) Ihr wirtschaftliches Anwendungsgebiet ist vor allem der Einzelhandel, also diejenige Phase des Warenumschlages, mit der wir alle täglich in Berührung kommen. Der Mann hinter dem Ladentisch, der Verkäufer, früher in seiner Bedeutung tatsächlich vielfach unterschätzt, wird jetzt zur Persönlichkeit, der seitens unserer U.=S.=A.=Fanatiker eine gesteigerte Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.(„Keep smiling“,— früher sagte man auf gut deutsch:„Freundlich bedient ist halb verkauft“, und diese Weisheit mußte sich jeder„Stift“ schon im ersten Lehrjahr hinter die Ohren schreiben,— doch das nur nebenbei.) Die sreundliche Dienstbereitschaft, die der Verkäufer oder die Verkäuferin zur Schau tragen soll, ist eigentlich doch eine rechte Selbstverständlichkeit und keine so besonders bemerkenswerte neue Entdeckung, die wir erst von U.S.A. lernen mußten. Es will sogar scheinen, als ob es eine etwas mechanistische Anschauung sei, die dem Lächeln eine so überragende Bedeutung beim Verkehr zwischen Verkäufer und Kundschaft zuschreiben will. Bei uns ist man doch etwas anspruchsvoller und die Wege der Verkäuferschulung, die man ja auch hier keineswegs vernachlässigt, müssen daher notwendigerweise andere sein als in Amerika, wo man primitiver und unkomplizierter lebt und denkt. Drüben arbeitet man viel mit ungelernten Kräften. Der Kellner, der glaubt, daß er als Verkäufer mehr Geld machen kann, tritt in irgendeinem Geschäft eine Stellung an. Der Geschäftsinhaber, der ihn einstellt, geht dabei von dem Grundsatz aus: Zeige, was du kannst. Wenn ich dich brauchen kann, wirst du weiterbeschäftigt. Ist aber aus dir nichts zu machen, so gehst du heute abend wieder ab. Für dieses ungelernte Personal ohne jede Fachausbildung ist natürlich nur eine schablonenmäßige Ausbildung möglich. Unter diesem Gesichtswinkel gesehen, wird es auch ohne weiteres verständlich, daß man einen solchen Wert auf ein stets zur Verfügung stehendes Lächeln legt. Man geht sogar so weit, daß man dem Verkäufer bestimmte Redewendungen beibringt, die automatisch herausgesprudelt werden, sobald ein Kunde durch eine bestimmte Außerung das Stichwort gibt. Zwei Anzeigen— zwei Lebensauffassungen. Links die typisch europäische Ankündigung eines Heilmittels (eindringliche Warnung vor Vernachlässigung des Körpers durch Abschreckung), rechts die amerikanische Anpreisung des gleichen Medikaments(überschwängliche Darstellung des Wohlbefindens nach dem Gebrauch.) Mit den Reisevertretern ist es nicht anders. Auch sie sollen in erster Linie„goodwill“ erzeugen, d. h, jene besondere Atmosphäre, die dem Kaufabschluß günstig ist. Und da selbst beim springlebendigsten Menschen der Quell der guten Laune versiegen kann, besonders, wenn vielleicht aus diesen oder jenen Gründen die Aufträge trotz alledem nicht im gewohnten Umfange kommen wollen, so wird seitens der Geschäftszentrale alles getan, um den Vertreterstab in bestimmten Zwischenräumen durch eine festgesetzte Dosis Optimismus aufzupulvern. Sämtliche Mitarbeiter sollen also mit Verkaufsbegeisterung durchtränkt sein und man hat sogar Liederbücher verfaßt, aus denen bei Zusammenkünften der Geschäftsangehörigen zur höheren Ehre des in Rede stehenden Artikels, etwa Bohnerwachs und Trikotagen, ein aufmunternder Kantus angestimmt wird. Ein solches Lied lautet z. B.: Vorwärts, Perley Vertreter Zum Krieg gegen den Wolf des Verfalls! Verkauft die Dauerfarben Zur Rettung des Volks und des Alls. Schon aus diesen wenigen Beispielen kann man ersehen, daß es mit den amerikanischen Methoden der Verkaufsschulung und Verkaufskunst seine eigene Bewandtnis hat. Der Amerikaner ist unbeschadet seiner geschäftlichen Gerissenheit doch auch wiederum in vielen Dingen naiver, man könnte sagen: jungenhafter, hemmungsloser. Bei uns ist man kritischer. Es sträubt sich etwas in uns, den Verkäufer und jeden andern im Wirtschaftsprozeß tätigen Menschen auf diese Weise zum Stimmungsmacher gewandelt zu sehen. Natürlich wollen wir nett und zuvorkommend bedient sein, aber wir wollen auch ehrlich und fachmännisch beraten sein und deshalb legt man bei uns besonderen Wert auf die Herstellung eines guten Vertrauensverhältnisses zwischen Käufer und Verkäufer. Eins kommt noch hinzu. Das soziale Gefühl in uns ist lebendiger. Man stelle sich vor: Von morgens bis abends nur Heiterkeit ausstrahlen und das täglich, ohne Rücksicht darauf, wie es einem wirklich zumute ist! Einer solchen Anstrengung braucht sich ja nicht einmal der berufsmäßige Schauspieler zu unterziehen.(Alte Erfahrungstatsache: Bühnenhumoristen sind in Zivil recht wenig umgänglich). Es gibt bei uns im Lande sogar nicht wenig feinfühlige Menschen, denen ein ewiges Lächeln, gleichsam die personifizierte Reklame für gute Zahnpaste, allmählich auf die Nerven fällt. Wir haben uns ja auch im Film das süßliche Einheitsgesicht des amerikanischen Girls allmählich übergesehen. Optimismus tut not— gewiß. Aber er darf uns nicht in dieser amerikanischen Verpackung gereicht werden, sonst spüren wir leicht einen Beigeschmack von Unaufrichtigkeit. Drüben, wo der Glaube an die„prosperity“ das gesamte öffentliche Leben durchsetzt, werden keine Schwarz= seher geduldet. Der oberste Staatsbürger, Präsident Hoover, hat sich allerdings kürzlich, als er nach dem großen Krach in Wallstreet, der von verschiedenen Seiten als das erste Wetterleuchten einer auch U. S. A. heimsuchenden Krise gedeutet wird, wieder einmal beruhigend die Zukunft rosa in rosa malte, doch einigen Vorwürfen besser unterrichteter Kreise aussetzen müssen.„Keep smiling“: auch in Amerika ist es für ältere, verbrauchte Arbeiter schwer, eine lohnende Beschäftigung zu bekommen und es gehört durchaus nicht ins Reich der Fabel, sondern ist leider verbürgt, daß Stellungsuchende, die eine gewisse Altersgrenze überschritten haben, sich jugendlich schminken und„aufmachen", um wieder irgendwo unterzukommen. Der Existenzkampf ist drüben nicht leichter als bei uns, im Gegenteil, er wird weit brutaler und rücksichtsloser geführt. Dies hier soll keine Philippika gegen U. S. A. sein. Wir haben von ihm viel gelernt und können uns in Zukunft sicher auch noch manches von ihm annehmen. Bekämpft werden soll nur der Irrtum, als ob es mit der Verpflanzung des amerikanischen Optimismus in unsere so ganz anders gearteten Verhältnisse so leicht Filmende bei uns und in A. S. A.: Lebenswahre Schilderungen mit tragischem Ausgang selbst im Kino darf es nur ein„happy end“. ein glüc sind in Amerika verpönt; ckverklärtes Ende geben. Edison, Hoover, Ford: alle lächeln. Die Offentlichkeit sieht sie nie ohne diese Propaganda=Maske. ginge und begründeter Zweifel vorgebracht wird, ob sie überhaupt zu empfehlen wäre. Das gefrorene Lächeln ist seinem Ursprung nach sogar noch nicht einmal amerikanisches Eigengewächs, sondern, wenn man der Sache auf den Grund geht, eine ostasiatische Angelegenheit. Es entspricht den chinesischen und japanischen Höflichkeitsgesetzen, auch schwerstes Herzeleid hinter einer stets gleichmäßig lächelnden Maske zu verbergen. An eine wirtschaftliche Auswertung dieser Anschauungen haben allerdings weder die Söhne des Himmels noch die Bewohner des blumigen Inselreiches gedacht. Um versöhnlich zu schließen: Etwas Gutes hat diese amerikanische Freundlichkeitswelle doch mit sich gebracht. Unsere Behörden haben sich entschlossen, ihren Ausführungsorganen im Verkehr mit dem Publikum einen liebenswürdigeren Umgangston nahezulegen. Hier und da soll es dringend notwendig gewesen sein, wie man sich erzählt. Wer über ein zu galliges Temperament verfügt, braucht ja nicht unbedingt am Schalter zu sitzen, für ihn gibt es vielleicht noch eine andere Verwendung. Und nun eines: aller vorgebrachten Einschränkungen unbeschadet— etwas liebenswürdiger und lachender könnten wir alle sein! Denn Heiterkeit steckt an. Und tut vor allem so wohl! Kurt Hatfeld. Roman von Rudols Nehls Erkämpftes Glück Copyriaht by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Lotte nickte. Wenn er sie nur nicht viel fragen wollte! „Und wo ist Ihr Mann?“ erkundigte er sich weiter. „Ich weiß es nicht“, entgegnete sie kleinlaut.„Er ist schon gestern ohne mein Wissen abgereist.“ „Wir werden eine Strecke zusammen fahren“, schlug der alte Herr vor.„Ich habe noch manches mit Ihnen zu besprechen. Kommen Sie, steigen Sie mit ein.“ Schüchtern sagte Lotte, daß sie nur eine Fahrkarte für die dritte Klasse habe. Doch er lächelte. Das würde er schon regeln; deshalb sollte sie sich keine Sorgen machen. Da konnte sie keine Einwendungen machen und bestieg mit ihm ein Abteil zweiter Klasse, in dem außer ihnen niemand war. „Ich bin auf dem Wege, meinen Sohn in Rußland aufzusuchen, will mir aber vorher von den deutschen Behörden die nötigen Legitimationen holen.— Haben Sie denn übrigens keine Ahnung, wohin Ihr Mann gereist sein könnte?“ Loite schüttelte den Kopf. Es war ihr klar, daß er sich jetzt nicht mehr in Mitau aufhalten würde, sondern mit einem neuen Billett weitergefahren war. „Ich will auch nichts mit ihm zu schaffen haben“ erwiderte sie.„Ich fahre zu meinen Eltern. Kranzem überlegte eine Weile. „Sie befinden sich in einer unangenehmen Lage“, sagte er.„Sie sind verheiratet und wissen nicht einmal, wie Ihr Mann in Wirklichkeit heißt. Sie müssen doch irgend etwas unternehmen, damit Ihre Ehe möglichst bald wieder für nichtig erklärt wird Das steht fest, daß Ihr Mann, so leid es mir tut, davon reden zu müssen, ein Schwindler ist. Unter anderen Umständen würde ich ihn verhaften lassen; aber er hat mir dadurch, daß er mir den Aufenthaltsort meines Sohnes angeben konnte, einen großen Dienst erwiesen. An Ihnen hat er aber nicht edel gehandelt. Doch er hat mir nicht allein sagen können, wo mein Sohn ist, sondern er wußte auch, wo sich einer meiner Nachbarn, der Graf von Rodenpois, befindet. Auch ihn hoffe ich befreien zu können. War es doch immer unser Wunsch, daß seine Tochter meinen Sohn, eben den richtigen Dietrich von Kranzem, heiraten sollte. Und so Gott will, wird sich unser Wunsch erfüllen, denn es bedarf unbedingt nur des Antrages des Grafen, daß seine Tochter Loni an ihn ausgeliefert wird.“ Kranzem hatte zu Lotte davon gesprochen, froh, daß er jemand hatte, dem er seine Wünsche erzählen konnte. Jetzt erst bemerkte er zu seinem Erstaunen, daß das junge Mädchen die Hände vor ihr Gesicht geschlagen hatte und heftig schluchzte. „Aber so weinen Sie doch nicht", tröstete er sie.„Auch für Sie werden bessere Zeiten kommen. Sie sind jung und und werden alles vergessen, was Sie Unangenehmes erlebt haben.“ Lotte versuchte, ihre Tränen abzutrocknen. „Oh“, schluchzte sie,„Sie haben ja keine Ahnung, wie schlecht ich bin!“ Herr von Kranzem blickte sie erstaunt an. „Aber Kindchen, deshalb braucht man doch nicht schlecht zu sein, wenn man selber von einem schlechten Menschen betrogen wird. Sie konnten doch nicht wissen, daß er nicht die Wahrheit sprach. Sie sind doch von ihm getäuscht worden und brauchen sich keine Vorwürfe zu machen.“ Aber Lotte weinte nur heftiger. „Das ist schon richtig“, erwiderte sie,„daß er sich mir unter einem falschen Namen näherte. Aber ich habe eine große Schuld auf mich geladen.“ Und dann erzählte sie, wie sie sich von ihrem Manne hatte verleiten lassen, sich als Komtesse Loni von Rodenpois auszugeben, auf deren Namen er ihr die nötigen Papiere verschafft habe. Es habe ihrer Eitelkeit geschmeichelt, als Grafentochter zu gelten, und so sei sie auf seinen Vorschlag eingegangen und sei auch unter diesem Namen mit ihm getraut worden. „Und weil ich doch auch Aehnlichkeit mit Loni hatte — und die Papiere dazu...“ Unwillkürlich hielt Lotte in ihrer Erzählung inne, denn ganz entsetzt hatte Herr von Kranzem sie angeschaut, je weiter sie gesprochen hatte. Er glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen. Was sie ihm da erzählte, war ja so etwas, daß er an der Wahrheit zweifelte. Aber die Art, wie sie es iym erzählte, war so ungekünstelt, daß er ihren Aussagen fast Glauben schenken mußte. Sie war ein junges Mädel, das sich der Tragweite ihrer Handlungsweise unbedingt nicht bewußt gewesen war. Aber was mußte der Unbekannte, der sich als sein Sohn ausgegeben hatte, für ein gerissener Gauner gewesen sein? Wahrscheinlich hatte sie, durch ein unbedachtes Wort verraten, daß sie wisse, daß ihr Mann ein Schwindler sei. und deshalb hatte er sie einfach im Stich gelassen, als er merkte, daß er seine Rolle ausgespielt hatte. „Sie sagten, daß Sie Aehnlichkeit mit Komtesse Loni hätten?“ fragte er.„Hat Ihr Mann Ihnen denn eine Photographie von ihr gezeigt?“ „Ich habe sie gesehen“, antwortete Lotte.„Sie ist doch in Berlin!" Kranzems Erstaunen wurde immer größer. „Das muß ein Irrtum sein“ antwortete er.„Loni von Rodenpois ist in Rußland in einer Kloster=Pension. Wie wollen Sie da die Komtesse in Berlin gesehen haben?“ Doch Lotte ließ sich nicht beirren. „Er hai sie doch von vort entführt und wollte sich mit ihr trauen lassen. Sie hat sich geweigert und ist ihm entflohen!“ Kranzem wußte wirklich nicht, was er von der romantischen Erzählung halten sollte. Er fragte sie nach vielen Elnizelheiten aus, und da sie sich nie widersprach, mußte er wohl oder übel glauben, daß sie die Wahrheit sagte. Verhielt sich aber alles so, wie Lotte erzählte, so war es seine erste Aufgabe, in Berlin nachzuforschen, ob Loni noch dort sei. Wie leicht war es möglich, daß der Betrüger, der sich als sein Sohn ausgegeben hatte, ebenfalls wieder nach dort gereist war, um sich dem jungen Mädchen erneut zu nähern! Sehr fatal war es, daß sein Gegenüber nicht angeben konnte, wohin Loni sich gewandt habe. Aber es bestand die Möglichkeit, daß die Freundin, bei der sie damals drei Tage lang eine Zuflucht gefunden hatte, ihren Aufenthaltsort wußte. Kranzem hatte sich Lottes Namen sagen lassen und kannte nun ihre Verhältnisse. „Sie können vorläufig noch nicht zu Ihren Eltern reisen, Fräulein Lichtenfels“, sagte er ernst.„Ich will ja nicht hoffen, daß durch dies alles, was Sie mir soeben erzählt haben, Komtesse Loni ein nicht wieder gutzumachender Schaden zugefügt ist. Aber auf alle Fälle müssen Sie versuchen, einen Teil Ihrer Schuld wieder abzutragen, indem Sie mir helfen, das junge Mädchen aufzufinden. Ich werde mich dann dafür einsetzen, daß Ihnen das Gericht keine Schwierigkeiten macht. Aber Ihren guten Willen müssen Sie schon beweisen.“ Lotte hatte nur zu gern zugesagt, denn nichts war ihr erwünschter, als daß sie alles gutmachen konnte, was sie in ihrer jugendlichen Unwissenheit gefehlt hatte. So fuhr sie denn mit Herrn von Kranzem nach Berlin, und beide machten unterwegs Pläne, auf welche Weise sie wohl Lonis Aufenthalt ausfindig machen könnten. Lonis Ohnmacht hatte nicht lange gedauert. Maja war ihr behilflich gewesen, die nassen Kleider zu wechseln. Wie ein paar Matrosen sahen die Mädels jetzt aus, so daß sie lachen mußten, wenn sie sich gegenseitig ansahen. Nun die Gefahr überstanden war, hatten sie beide ihre gute Laune wiedergefunden. Eine etwas peinliche Sache war ja allerdings die Geschichte mit der durchnäßten Kleidung; aber es blieb ihnen keine Wahl: Sie mußten sie schon durch die Tür reichen, damit sie schnell getrocknet werden konnten. Den Matrosen war es ja ein Gaudium, wie die dünnen Fähnchen auf der Leine flatterten. Aber es verging kaum eine Viertelstunde, da brachte Kapitän Haubold sie schon wieder zurück. Sonne und Wind hatten sie schnell getrocknet. „Also, meine Damen“, sagte der Kapitän,„wenn Sie sich ganz schnell umziehen, kann ich Sie hier an Land setzen. Andernfalls müssen Sie die Fahrt bis Stettin mitmachen.“ Da gab es kein langes Ueberlegen. Frau Ahlers würde unbedingt schon in Sorgen sein; aber immerhin würde sie annehmen, daß Loni irgendwo eingekehrt war. Hätte sie gewußt, in welcher Gefahr sich ihr Schützling befunden hatte, wäre sie vor Angst wohl umgekommen. Bis nach Stettin durften sie auf keinen Fall mitfahren— und eins, zwei, drei, hatten sie sich die Kleider übergezogen. Allerdings befanden sie sich in einem Zustand, der deutlich erkennen ließ, daß sie mit dem Wasser Bekanntschaft gemacht hatten. Sie waren völlig zerknüllt. Die Leute würden ja schön schauen, wenn sie sich damit auf der Straße sehen ließen. Als die beiden Freundinnen die Kajüte verließen, wurden sie von Kapitän Haubold in Empfang genommen. „Das kommt davon, wenn junge Mädels zur See fahren wollen“, sagte er lächelnd.„Machen Sie das auf keinen Fall wieder, denn nicht immer bin ich so zur Hand wie heute.“ Maja reichte ihm dankbar die Hand, und auch Loni dankte ihm mit warmen Worten, daß er sie ausgenommen hatte. „Konnt' Sie doch nicht einfach auf See schwimmen lassen", entgegnete er.„Aber der Dank gebührt Ihren Rettern.“ Und er zeigte auf Dietrich von Kranzem und die Matrosen, die in der Nähe standen. „Ja, Fräulein“, sagte Pitter Pott schmunzelnd,„nun kommen wir an die Reihe. Bin ja neugierig, was Sie uns schenken. Maja wurde ganz rot. Gewiß, es war nicht mehr als recht und billig, daß sie ihren Rettern ein angemessenes Trinkgeld gaben. Aber sie hatten doch alle beide nichts bei sich. Ihre Handtäschchen waren sicherlich im Boot geblieben. Verlegen sah sie vor sich nieder. „Ich muß erst nach Hause, nach meinem Gepäck“, sagte ste.„Wir haben doch nichts bei uns... Da lachte Pitter Pott hell auf. „Na, Fräulein, nun wird's Tag! Sie glauben gar, Pitter Pott würde sich die Gefälligkeit mit Geld bezahlen lassen? Nein, so sind wir nicht.“ „Ja, weiter hab' ich aber doch nichts, was ich Ihnen geben könnte?“ Da lachte der alte Pitter so recht verschmitzt. „Na, Fräulein, was geben Sie Ihrem Bräutigam, wenn Sie ihn heute treffen?“ Da wußte Maja, wohin er zielte. Und schelmisch entgegnete sie:„Ich hab' ja gar keinen!“ „Was Sie sagen!“ rief er in komischem Entsetzen.„Das trifft sich ja wunderschön, wenn gar keiner da ist, der schelten kann, wenn Sie einem alten ehrlichen Seemann einen Kuß geben.“ „Kinder, beeilt euch, wir legen gleich an!“ sagte Kapitän Haubold. Er fand das Verlangen gar nicht so unbillig. Da besann sich Maja nicht lange. Pitter Pott war trotz seines Alters noch sehr eitel. Er hatte sich schon fertiggemacht, um an Land zu gehen, und war noch ein flotter Bursche, der es mit manchem Jüngeren aufnahm. Bevor er sich's versah, hatte Maja ihm drei richtiggehende Küsse aufgedrückt. Einer schien ihr denn doch gas zu spärlich als Dank für die Rettung. Dietrich von Kranzem hatte währenddessen mit Loni gesprochen. Als sie sich zuerst gesehen hatten, war es ihnen, als ob eine alte Erinnerung in ihnen aufstiege. Für Sekunden nur hatten ihre Augen gesprochen, mit denen sie sich bewundernd umfingen. Sie waren sich klar, daß sie sich zum ersten Male im Leben sahen, und doch war es ihnen, als wären sie schon längst miteinander bekannt. Dietrich von Kranzem hatte sie gebeten, ihm ihre Adresse zu geben; er würde ihr einen Gruß senden. Wenn Loni auch sah, daß sie keinen gewöhnlichen Matrosen vor sich hatte, war es ihr doch peinlich, sich als Komtesse Loni von Rodenpois erkennen zu geben. Deshalb schrieb sie nach kurzem Ueberlegen die Adresse von Frau Ahlers auf das Papier, das er ihr reichte. Wenn er unter deren Namen ein Lebenszeichen sandte, so erhielt sie die Nachricht ja doch, und Frau Ahlers würde deshalb nicht böse sein. Daß sie statt Frau Ahlers„Fräulein" geschrieben, machte ihr allerdings einige Gewissensbisse; aber es hatte ja niemand einen Nachteil davon. Und dann, als der Kapitän zum Aufbruch drängte, drückte er zärtlich ihre Hand. Darauf kam es ganz von selbst, daß er es machte wie Pitter Pott, daß er sie an sich zog. Für einen Augenblick lag sie in seinen Armen und duldete es, daß er sie küßte. Aber nun hieß es eilen, denn ein Laufsteg war schon zur Brücke gelegt. Die jungen Mädchen gingen an Land, die Planke wurde zurückgezogen, und unter Winken setzte das Schiff seine Fahrt fort. Als der Dampfer schon weit entfernt war, stand Dietrich noch immer am Heck und schaute gedankenvoll zurück. Wie war es nur gekommen, daß es ihn so plötzlich mit aller Gewalt zu dem jungen Menschenkinde gezogen hatte, die ihm doch eine Fremde war? Komtesse Loni war in Aufregung, die sie kaum dämpfen konnte. Sie war mit Frau Ahlers nach Berlin zurückgekehrt, weil an der See plötzlich kaltes Wetter eingetreten war. Nun hatte ihr heute die Post eine Karte gebracht, die ihr ihr Retter geschrieben, der sie damals aus dem schwankenden Kahn an Bord des Dampfers gebracht hatte, und als sie die Unerschrift gelesen, bedeckte tödliche Blässe ihr Gesicht. Die Karte war unterschrieben mit Dietrich von Kranzem! Eine Erinnerung an den Schwindler, der sie aus dem Kloster entführt hatte, war in ihr aufgestiegen. War der wieder in Berlin? Aber dann besann sie sich. Das war kaum anzunehmen, daß dieser der Absender war. Aber die Möglichkeit bestand, daß sich der richtige Dietrich von Kranzem auf dem Schiffe befunden hatte. O Gott, wenn das der Fall gewesen war? War er dann nicht auch bei ihrem Vater in Rußland gewesen und konnte ihr sagen, wo sie ihn finden könnte? Und plötzlich besann sie sich. Es war kein Zweifel möglich: Er war ihr doch auch so bekannt vorgekommen. Daß sie ihn nicht erkannt hatte, war ganz natürlich, denn sieben Jahre sind eine lange Zeit und hatten ihn sicher verändert. Damals, als sie ihn zum letzten Male gesehen, war sie ja noch ein Kind gewesen und hatte sich seine Züge nicht so eingeprägt. Und dann erglühte sie jäh. Seine Küsse brannten ihr noch auf den Lippen. Oh, wenn er das war, den ihr Vater ihr zum Manne bestimmt hatte?! Sie wußte sich vor Freude kaum zu fassen und konnte es gar nicht erwarten, daß Frau Ahlers von einer Besorgung nach Hause kam. Und dann las sie noch einmal die Karte und drehte sie um. Es war eine Ansicht von Berlin. Und da, sie hatte es ganz übersehen, vort stand seine Adresse: Dietrich von Kranzem, zur Zeit Berlin, Hotel am Zoo. Ob er wohl noch dort war? Am liebsten hätte sie sich auf einen Autobus gesetzt und wäre schnell hingefahren. Da kam schon Frau Ahlers. Ueberstürzend erzählte Loni ihr alles. Und die gute alte Dame konnte zuerst gar nicht begreifen, um was es sich handelte. Doch dann, als Loni ganz sachlich alles vorbrachte, meinte sie: „Die Möglichkeit besteht, mein liebes Kind, daß deine Vermutungen zutreffen. Wir können uns ja gleich überzeugen. Ich will mich schnell umziehen; dann fahren wir zu ihm hin.“ Wie ein Wirbelwind flog Loni durch die Zimmer. Tausend unnötige Sachen fand sie plötzlich wichtig. Schon längst war sie bereit und wartete nur noch auf Frau Ahlers, um losfahren zu können. Ein Auto hatte sie schon telephonisch bestellt, und als es sich hupend bemerkbar machte, war Loni kaum zu halten. Und dann, als sie einstieg, flüsterte sie dem Chauffeur zu, höchste Geschwindigkeit einzuschalten. Auf der Terrasse im Hotel am Zoo saßen etwas abseits in einer Nische drei Männer. Graf Egon von Rodenpois und Dietrich von Kranzem hatten sich in ihrem Aeußeren völlig verändert. Sie waren nach der neuesten Mode gekleidet, und niemand hätte vermutet, daß sie noch vor kurzem in russischer Gefangenschaft geschmachtet hatten. Auch der alte treue Heinrich sah in seinem neuen blauen Anzug und der blauen Sportmütze wirklich vornehm aus. Ein Fremder hätte angenommen, hier Großvater, Vater und Sohn vor sich zu haben. (Schluß folgt.)