Die„Schwerter Jeitung" erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Mark, Einzeinummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Sernruf 2770 Verbunden mit: Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Bapignpeaise für die achtgelspol. mmetie e Plg, AnzoörLeime Gevödr. Bel mnoothergesehg. Lekiebesbrungen, gerufen durch böbere Gewalten, übernedmen wir keinerlei Gewädr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann guch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung ervoven werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt K a 295(Erstes Blatt) Schwerte G Kreisblett für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn 65. Bahrgang (Ruhr), Dienstag, den 2. September 1930 Hindenburg kommt im Oktober ins Rheinland wp. Trier, 1. Sept. Gegenüber den widersprechenden Meldungen über den durch das Koblenzer Brückenunglück abgebrochenen und fur Oktober erneut in Aussicht gestellten Besuch des Reichspräsidenten in den Rheinlanden verlautet aus zuverlässiger Quelle, daß sich an der Absicht des Reichspräsidenten, seinen Besuch in der Zeit zwischen dem 5. und 10. Oktober nachzuholen, nichts geändert hat. In welcher Reihenfolge der Besuch vor sich geht, steht noch nicht fest. Geheimrat Hugenberg erkrankt wtb. Bochum, 2. Sept.(Funkspruch.) Etwa 3000 Personen waren am Montagabend im Schützenhof erschienen, um den Führer Deutschnationalen Volkspartei, Geheimrat Hugenberg, in einer Wahlrede zu hören. Die Polizei hatte umfassende Maßnahmen getroffen, um einen ruhigen Verlauf der Versammlung zu sichern. Es kam jedoch nicht zu einer Rede des Geheimrats Hugenberg. Nach einer längeren Verzögerung eröffnete der Vorsitzende des Kreisvereins Bochum der Deutschnationalen Volkspartei die Versammlung und erklärte, daß Geheimrat Hugenberg zwar um 7 Uhr abends in Bochum eingetroffen sei, daß er aber wegen einer Erkrankung am Reden verhindert sei. Der hinzugezogene Arzt Professor Dr. Reichmann habe eine Fiebertemperatur von 39 Grad festgestellt und ihm die Teilnahme an der Versammlung untersagt. Für ihn sprangen Superintendent Koch und Kapitän Scheidel ein, die sich in längeren Ausführungen mit dem Programm der DNV beschäftigten. Amerikanischer Bandenführer in Nachen verhaftel anb. Antwerpen, 1. Sept.(Eig. amerikanische Bandenführer Jack Diamond ist, wie angekündigt, heute hier eingetroffen. Der Aufenthalt in Belgien wurde ihm untersagt, und er wurde, da sein Paß ein Visum für Deutschland trug, unter polizeilicher Bedeckung in den 18,50 Uhr nach Deutschland abgehenden wotb. K öl n, 2. Sept.(Funkspruch.) Wie wir von der Pressestelle der Kriminalpolizei erfahren, ist der amerikanische Bandenführer Diamond aus Chicago, der nach Deutschland gekommen ist, bei seinem Eintreffen in Aachen von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Aber eis Wirtschaftelage Gegen den Zweckpessimismus Motorradunglück vib. Mütheim(Ruhe), 2. Sept., rgbenz heutische Handeseblanz weise die Konseauenzen Reichskanzler Dr. Brüning, Prech geitern uuv., zieser Entwicklung bereits auf. Deutschland habe in einer in der Müthemne: Stadthale, vexgitr in den letzten Monaten einen Ausuhrübershuß kalteten Kundgebung des Zentruns.—sr) y ,abt, wig u. nach nicht zu beobachten gewesen stehen,— so führte der Reichskanzler u. a. aus, — nach Annahme des Youngplanes vor einem Einschnitt in der Geschichte, der von allergrößter Wichtigkeit ist. Jetzt kommt es darauf an, daß das deutsche Volk, die deutsche Demokratie in der Lage ist, die finanzpolitische Freiyen auch zum Wohl des deutschen Volkes, der deutschen Wirtschaft und des deutschen Vaterlandes auszuIn einer Betrachtung über die deutsche Wirtschaftslage betonte der Reichskanzler, daß diese durchaus nicht so ungünstig sei, wie sie zweckpessimistisch dargestellt werde. Deutschland könne durch die Senkung der Rohstoffpreise nur gewinnen, da es ein hochentwickeltes Land gehabt, wie er noch nicht zu beobachten gewesen sei. Deutschland habe die Reparationen in den letzten Monaten nicht mehr allein aus den neuen Anleihen bezahlt, sondern zu 50 Pro zent aus dem reinen Ausfuhrüberhuß bezahlen können.„. ggkanzser noch Schließlich wandte sich der nte gegen diejenigen Parteien, die die Parole auf ihre Fahnen geschrieben hätten, nur um das Chaos herbeizuführen und durch die Katastrophe die Rückkehr zu früheren Zeiten zu erreichen. Mit den Worten:„Nicht Katastrophen und Explosionen, sondern Ordnung, nicht Phrasen und Versprechungen, sondern Wahrheit", das ist die Parole, schloß der Kanzler seine Ausführungen. Dus dernstau der Echizrnn! Ein französischer Ozeanflug wtb. Paris, 1. Sept. Der Flieger Costes ist mit seinem Flugzeug„Fragezeichen" um 10.55 Uhr zum Fluge nach Neuyork gestartet. Funkverbindung mit dem Flugzeug. wtb. Paris, 2. Sept.(Funkspruch.) Zu dem Ozeanflug von Costes und Bellonte teilt das französische Luftfahrtministerium mit, der französische Passagierdampfer„Isle de France“ habe um 15 Uhr einen Funkspruch des Flugzeuges aufgefangen, der die Position in der Nähe von Cap Loop(im Südwesten Irlands) angibt. Nach einer Meldung aus Neuyork ist auch der französische Passagierdampfer„Berengarie“, der nach Harbour unterwegs ist, mit dem Flugzeug funkentelegraphisch in Verbindung getreten. An Bord soll sich alles wohl befinden. Ueber Irland. wtb. Paris, 2. Sept.(Funkspruch.) Nach einer Havasmeldung aus London haben die französischen Ozeanflieger um 15 Uhr 49 Min. britischer Zeit die Ortschaft Kilcush(Irland) überflogen. Das französische Luftfahrtministerium hat sich mit dem Washingtoner Marinedepartement ins Benehmen gesetzt. Die amerikanischen Funkstationen und die auf See kreuzenden Schiffe sind mit entsprechenden Weisungen versehen worden. 600 Kilometer westlich von Irland. wtb. Paris, 2. Sept.(Funkspruch.) Das französische Luftfahrtministerium gab am Montag abend um 23,15 Uhr folgende Meldung aus: Stehen in Verbindung mit Flugzeug Costes, das sich um 18,20 Uhr 51,20 Grad nördlicher Breite und 16 Grad westlicher Länge, etwa 600 Kilometer westlich von Irland befand. Schnelligkeit 185 Kilometer die Stunde, Ostwind Stärke 4. ist die Arbeitslosenfrage wtb. Duisburg, 2. Sept.(Funkspruch.) Die Zentrumspartei von Groß=Duisburg veranstaltete am Montag abend in der städtischen Tonhalle eine große Wahlkundgebung, zu der Reichskanzler Dr. Brüning und der Reichsarbeitsminister Stegerwald erschienen Dr. Brüning weilte auf seiner Wahlreise ins Ruhrgebiet in Duisburg und richtete an die Versammlung eine Begrüßungsansprache. Danach nahm Reichsarbeitsminister Stegerwald das Wort zu einem Vortrag über sozialpolitische Fragen. Wir betreiben,— so führte der Minister aus— seit mehr als 50 Jahren Sozialpolitik und streiten uns gegenseitig darüber, was Sozialpolitik ist. Das der Sozialpolitik in den nächsten Jahren ist nicht etwa die Kranken= und Invalidenversicherung, sondern die Arbeits losenfrage. In der Mittelbeschaffung für die Arbeitslosen ist in den letzten Monaren so viel geschehen, wie noch zu keiner Zeit vorher. An die eigentliche Arbeitslosenfrage kommen wir fundamental nur heran durch eine terne, planmäßige und organische innere und äußere wirtschaftliche Politik, durch größte, Srarsamkeit in allen öffentlichen Körpe.s#,., durch Vereinheitlichung und Verbilligung der Staatsfuhrung, durch Preisabbau, durch Verminderung der produktionshemmenden Steuern, durch das Inordnungbringen der Finanzen Reich, Ländern und Gemeinden. Diese Ziele sind so klar, daß nur der Mut und die Entschlossenheit aufgebracht werden muß, sie zu verwirklichen. Und das ist die Hauptfrage: Wie gliedern wir die große Armee der Arbeitslosen wieder ein in den Produktionsprozeß und wie unterstützen wir jene, denen Arbeit nicht beschafft werden kann, ohne daß dabei das deutsche Volk im ganzen und nicht nur die gesamte Arbeiterschaft immer mehr verarmt und verelendet? Das ist, für mich wenigstens, die Kernfrage der deutschen inneren Politik und somit auch der Wirtschafts= und Sozialpolitik. Zwei Tote wtb. Brandenburg, 1. Sept. Unweit des Dorfes Marzahne, Kreis Westhavelland, auf der Straße Brandenburg—Brielow, kam es am Sonntag gegen 17.30 Uhr zu einem schweren Motorradunglück, das zwei Todesopfer forderte. Der etwa 40 Jahre aure Oberkellner Stephan Kusanke aus Rathenow befand sich mit seinem Motorrade in sehr schnellem Tempo auf der Heimfahrt nach Rathenow. In einer Kurve kam ihm der Landwirt Herwig aus Brielow entgegen, der auf dem Soziussitz den Landwirt Gröpeler aus dem gleichen Orte mitgenommen hatte. Infolge zu scharfen Schneidens der Kurve prallten beide Motorräder aufeinander und stürzten zu Boden. Der Oberkellner Kusanke wurde dabei mit solcher Wucht auf die Straße geschleudert, daß er sofort tot war; der Landwirt Herwig erlitt bei dem Zusammenprall schwere Schädelblutungen und einen Bruch der Schädelbasis, an deren Folgen er nach Einlieferung in das Brandenburger Krankenhaus gestorben ist. Der Mitfahrer Gröpeler erlitt nur leichtere Verletzungen und konnte in seine Wohnung gebracht werden. Anschlag auf einen Luxuszug Bisher elf Tote 30 Verletzte. wtb. St. Louis, 1. Sept. Auf der Strecke St. Louis—San Franzisko entgleiste heute 10 Meilen von San Franzisko der Luxusexpreßzug durch einen auf den Schienen liegenden Steinblock. Bei der Katastrophe, bei der sich drei Wagen vollkommen ineinanderschoben, sino bisher elf Tote und über 30 Verletzte zu beklagen. Die Zahl der Toten dürfte sich aller lichkeit nach noch erhöhen, da viele Reisenden noch unter den Trümmern liegen. Die vorläufige Untersuchung über das Eisenbahnunglück hat ergeben, daß verschiedene Steinblöcke von unbekannten Tätern gelegt worden sind, die mit dem Bahnverkehr vollkommen vertraut gewesen sein müssen. Arußenranngse in Darupest (Tel.) Bei hautigen eine größeren GruppAufra, un die Hurkel der Soyt(Tel.) In Reclams! Bonin, Schloß Brettin; Waldemar Bonwtb. Budapest, 1. Sept.(Tel.) Bei heuligen Demonstrationen der Arbeiterschaft wurden vier Arbeiter verhaftet, die andere Arbeiter zu Ruhestörungen anstiften wollten. Gegen Mittag rotteten sich etwa 10000 Arbeiter in der Andrassystraße zusammen. Die Fenster der Häuser und die vorüberfahrenden Automobile wurden eingeworfen, ebenso die der Straßenbahnen, wobei mehrere Fahrgäste verletzt wtb. Budapest, 1. Sept. Im weiteren Verlause der Vormittagsdemonstrationen ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. In der DohanyGasse mußte die Polizei bei einer Zerstreuung wtb. Leipzig, 1. Sepi.(Tei.) In„Reclams Universum“ veröffentlichten 38 hervorragende Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Literatur folgenden Aufruf:. Mkunze und Wir wissen, daß viele deutsche Manner uno Frauen, deren Urteil Achtung verdient, aus Abneigung gegen das politische Getriebe bisher den Wahlen fernblieben. Sie alle haben noch nicht bedacht, daß sie vor einer Notwendigkeit die Augen schlossen. Die Partei der Nichtwähler hat dadurch verhindert, daß die verantwortungsbewußten Parteien verstärkt und zu neuen, wirklichen Machtsaktoren wurden. Die Folge ist, daß unserer gesamten Politik das Rückgrat mangelt. Ein Reichstag, dem so gewichtige Stimmen fehlen, wird nicht als der deutsche Willensausdruck Wir richten den Ruf an die Partei der Nichtwähler: Diesmal greift ein! Vielen Lesern sind wir Führer gewesen auf den fernab von aller Politik liegenden kulturellen Gebieten. Mögen uns diese Leser den Glauben schenken, daß wir keiner Partei das Wort reden. Der Reichstag muß ein neues Gepräge haben, dem die IntelliGraf von Arco Berlin; Geh. Med.=Rat Prof. Dr. A. Bier, Berlin; Rudolf G. BinBuchschlag in Dr. Ella von Bonin, Schloß Brettin; Waldema. sels, Ambach; Ludwig Finckh, Gaienhosen; Bruno Frank, München; Leonhard Frank, Berlin=Charlottenburg; Gustav Frenssen, Barlt in Holstein; Geh. Rat Leo Frobenius, Frankfurt a. M.; Paula Grogger, Oeblarn (Steiermark); Gerhart Hauptmann, Agnetendorf; Prof. Dr. K. Haushofer, General= major a. D., München; Rudolf Herzog, Rheinbreitbach am Rh.; Ricarda Huch, BerlinCharlottenburg; Vernhard Kellegnan Werder a. d. Havel; Prof.„. Z.,. u Bonn; Max Liebermann, Verun; Heinrig, Mann, München; Thomas Mann, zur ZeiNidden; Walter von Molo, Berlin; Geh. Hofrat Prof. Hermann Oncken, Berlin; Paquet, Frankfurt a. M.; Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. Max Planck, Berlin; Josef Ponten, München; Rudolf Presber, Rehbrücke; Dr. Ilse Reicke, Berlin; Heinrich XIV. Erbprinz Reuß, Gera; Geh. Hofrat Prof. Dr. F. Sauerbruch, Berlin; Wilhelm von Scholz, Zürich; Dr. Walther Schön brunn, Berlin; Max Slevogt, Berlin; Prof. Dr. Eduard Spranger, Berlin; Fritz von Unruh, Oranien; Clara Viebig, Berlin; Geh. Nat. Prof. Dr. Karl Voßler, München; Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. Heinrich Wölfflin, Zürich; Carl Zusmayer, Berlin. einer gregeren Gruppe von Demonstranten blank ziehen. Ein Arbeiter wurde am K. verwundet. Auch am Stadtwäldchen mußte eine Rotte von jungen Arbeitern mit Waffengewalt zerstreut werden. In dieser Gruppe befanden sich Verteiler von kommunistischen Flugzetteln. Eine Gruppe der von der Andrassy=Straße zurückgedrängten Demonstranten stürmte in einer Nebengasse die Häuser und versuchte, sie zu plündern, wurde jedoch von herbeigeeilten Polizeiverstärkungen zerstreut. Auch hier mußte die Polizei von der Waffe Gebrauch machen. Im Stadtwäldchen wurde ein Kaffeehaus von den Demonstranten demoliert. In der Gasse in der Nähe der Andrassy=Straße sind die Demonstranten nicht nur in einige Villen eingedrungen, sondern begannen auch, die Geschäfte zu plündern. Die Polizei verlangte Verstärkungen. und es wurden Panzerwagen eingesetzt. Sturm auf Läden und Kaffeehäuser. wtb. Budapest, 1. Sept. Die Demonstranten stürzten in der Nähe des Milleniums=Denkmals, dem Hauptherd der Ruhestörungen, ein Automobil um und steckten es in Brand. Die Polizei ging mit der blanken Waffe vor. Sie wurde dabei mit Steinen und Eisenstücken beworfen. Hierauf wurden Panzerwagen mit Maschinengewehren entsandt, die auf der Straße aufgestellt wurden. Die Demonstranten warfen mit Steinen und aus den Fabriken mitgebrachten Bleistücken zahlreiche Fenster ein und verwundeten viele Passanten.##r8s1#. Allein in einem in der Nahe besinolichen Sanatorium wurden 200 Leute mit Notverbänden versehen. Zur Fortschaffung der Verwundeten mußten Privatautomobile in Anspi nommen werden, auf denen die Rote=KreuzFlagge gehißt wurde. Bei der Räumung des im angrenzenden Stadtwäldchen von Demonstranten angegriffenen und zerstörten Kaffeehauses machte die zur Hilfe herbeigeeilte Gendarmerie auch von der Schußwasse Gebrauch. Sowohl an Seiten der Demonstranten wie auf Seiten Polizei sind hier zahlreiche Verwunsere zu verzeichnen. Demonstrantenhaufer. 2 ie den Nebengassen der Andrassy=Straße wrschufte zu plündern versuchten, wurden von Polizei und Im Stadtwäldchen wurde ein Automobil der Freiwilligen Retter umgestürzt, ebenso zwei Autobusse und zwei elektrische Straßenbahnwagen, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Bei dem Vorgehen gegen die Menge ftelen auch einige Schüsse. Die von der Ponzeabgedrängten Demonstranten zogen durch die Nebengassen nach dem Großen Ring, wobei sie Fenster einschlugen und einige Läden plünderten. Eine andere Gruppe zog durch die Königstraße und versuchte zu plündern. Auch gegen diese Gruppe wurde vorgegangen, wobei zwei Polizisten schwer verwundet wurden. Die erheblicher Verletzten wird auf etwa 50 geschätzt. Den Demonstrationen ist auch ein Menschenleben zum Ofer gefallen. Der demokratische Stadtrepräsentant Dr. Klar wollte in der Nähe des Stadtwäldchens die Menge von seinem Automobil aus beruhigen. Die Demonstranten stürzten aber sein Automobil um und steckten es in Brand. Dr. Klar wurde durch einen Stockhieb so schwer verletzt, daß er bewußtlos in ein Sanatorium gebracht werden mußte. Eine Interessante Zeugenvernehmung in Semdennsgerptezt Tagung des Oekumenischen Rates für prattisches Christenlamt Die Demonstranten mit Panzerautomobilen versolgt wtb. Budapest, 1. Sept. Um ½2 Uhr waren die Demonstranten aus dem Stadtwäldchen und kurz darauf auch die aus der AndrassyStraße vertrieben. Die in die Nebengassen flüchtenden kleineren Gruppen wurden mit Panzerautomobilen verfolgt. Diese Gruppen wurden ohne Waffengebrauch aufgelöst. Kleinere Zusammenrottungen in einzelnen Nebengassen, die teilweise Plünderungen versuchten, wurden aufgelöft.„.„. t em Nachmittags ½3 uhr herrschte auf den großen Verkehrsstraßen wieder Ruhe und Ordnung. Nur in einigen Nebengassen des Großen Ringes wurde die Säuberungsaktion fortgesetzt. Um 3 Uhr nachmittags herrschte allenthalben wieder Ordnung. wlb. Budapest, 2. Sept.(Funkspruch.) Nach dem amtlichen Bericht, der von der Polizei über die gestrigen Unruhen spät nachts veröffentlicht wurde, wird die Zahl der Demonstranten auf 15—20000 geschätzt. Im Laufe der Zusammenstöße ist ein Arbeiter ums Leben gekommen. Die Rettungsgesellschaft hat 82 Verletzten Hilfe geleistet. Zwei Polizisten wurden schwer und 7 leicht verletzt. Nachmittags um 3 Uhr wurde die Ordnung wiederhergestellt. Um 11 Uhr nachts wurden die Polizeibereitschaften teilweise eingezogen. In den Stadtteilen, die als Herd der Unruhen gelten, schickte die Polizei Streifen vor, doch ist es bis Mittemnacht zu keinerlei Einschreiten der Polizei gekommen. 131 Verhaftungen wtb. Budapest, 1. Sept.(Tel.) Die Polizei hat 131 Personen festgenommen, die als Rädelsführer der heutigen Ausschreitungen angesehen werden. Gegen sie wird ein Strafverfahren wegen Aufruhrs eingeleitet. Bei den Kundgebungen auf der Andrassystraße trafen einige Steinwürfe auch das Gebäude der türkischen Gesandtschaft, wobei zwei Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Eine ernstliche Beschädigung hat das Gebäude nicht davongetrager. Die Kundgebungen vor dem deutschen Konsulal in wtb. Warschau, 1. Sept.(Tel.) In Lodz eingezogene Nachrichten lassen erkennen, daß die gestrigen Kundgebungen vor dem deutschen Konjulat einen ernsteren Charakter getragen haben als die polnische Presse gemeldet hat. Da sich gegenwärtig beim Konsulat eine Baustelle befindet, griffen die Demonstranten die umherliegenden Steine auf, um das Gebäude ausgiebig zu bewerfen. Die Fenster waren durch Rolläden geschützt, sodaß hier kein Schaden angerichtet werden konnte. Jedoch wurde das als Hoheitszeichen ausgehängte Schild des Konsulates beschädigt. Einige Demonstranten versuchten sogar, in das Innere des Gebäudes einzudringen. Daran wurden sie jedoch von der Poliset gehindert.„ A..rt, Gurigr mit Der Krakauer Juustriern Kutter weiß ferner zu melden, daß wahrend des Angriffes der Demonstranten auf das Konsulat ein Polizeikommissar und 19 Schutzleute durch Steinwürfe verletzt wurden. Dr. Göbbels zu Gefangnisstrafe verurteil enb. Berlin, 1. Sept.(Eig. Meldung.) Das Schöffengericht Charlottenburg hatte sich heute mit einem Strafverfahren gegen den nationalsozialistischen Führer Dr. Gobbels wegen öffentlicher Beleidigung des Berliner Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und übler Nachrede, begangen in mehreren Artikeln in der Zeitung„Der Angriff“, zu beschäftigen. Das Gericht verurteilte nach dreistündiger Beratung den Angeklagten zu sechs Wochen Gefängnis und 500 RM Geldstrafe. Sämtliche Exemplare der beanstandeten Nummer des„Angriffs“ warden eingezogen, dem beleidigten Polizeivizepräsidenten wurde die Publikationsbefugnis zugesprochen. Das Gericht hielt es in den Fällen, in denen es sich um üble Nachrede handelte, nicht für möglich, die Straftat durch eine Geldstrafe zu fühnen, sondern erkannte auf eine Gefängnisstrafe, obwohl Freiheitsstrafen dei Beleidigungen stets eine außerordentliche Maßnahme bilden. Die schwerste Beleidigung erblickte das Gericht darin, daß dem Polizeivizeprastoenten in einem Artikel des„Angriffs“ vorgeworfen worden war, er habe in einem Strafverfahren als Leiter der Berliner Polizei die Strafverfolgung nicht objektiv geführt. Darin sei die Bewtb. Altona, 1. Sept. Am heutigen fünften Tag des Bombenlegerprozesses stellte der Vorsitzende zu Beginn das Fehlen einiger Angeklagter fest und wies darauf hin, daß es im eigenen Interesse der Angeschuldigten liege, die Verhandlungen genau zu verfolgen und daß etwa dadurch entstehende Nachteile sie selbst treffen müßten. Darauf begann wieder die Verlesung von Protokollen, die mit den Angeklagten ausgenommen worden sind. Die Angeklagten selbst verweigerten eine Aeußerung zu diesen Protokollen. In den Protokollen über die Vernehmungen des Angeklagten Bruno von Salomon hat dieser ausgesagt, er sei an den Attentaten nicht beteiligt gewesen und habe auch keine Kenntnis davon gehabt. Insbesondere hat er, obwohl er zugegeben hat, gesinnungsmäßig durchaus auf demselben Boden zu stehen, bestritten, in die Pläne des Klaus Heim eingeweiht gewesen zu sein. Auch er verweigerte heute jede weitere Aussuge. Das Gericht kam nun zu den früheren Aussagen des Angeklagten Hamkens. Er ist Geschäftsführer und Teilhaber der Zeitung„Das Landvolk". Er befand sich angeblich dauernd auf Agitationsreisen und wollte nichts von der Sache wissen. Hamkens will mehrfach versucht haben, Heim von Gewaltakten zurückzuhalten. Sein persönlicher Eindruck ist der: Heim und Volck haben mindestens die ersten Bombenanschläge aufgesogen.„„„ 9 Es folgte die Verlesung der Verneymungsprotokolle betreffend den Angeklagten Klaus Heim, Hofbesitzer in St. Annen=Oesterfeld und Führer der Landvolkbewegung. Er hat jede Mitwisser= und Mittäterschaft strikt in Abrede gestellt. Er behauptete, für terroristische Unternehmungen absolut nichts übrig zu haben, bestritt, Geldgeber in der Bombensache gewesen zu ihm völlig ratsethaft, stritt, Geldgeber in der Bombensache a sein, und sagte, es wäre ihnn teulg kulstlgg wie seine Freunde dazu kämen, ihn in solcher Weise zu belasten. Angesichts der übrigen Geständnisse und des sonstigen Beweismaterials verweigerte Heim die weitere Aussage. Rechtsanwalt Graf von der Goltz beantragte, Frau Ilse von Oertzen, geb. Neumann, zu laden. Sie soll im Dienste der Polizei stehen, den Angeklagten Volck bespitzelt, an den Ermittlungen teilgenommen, aber auch sonst vorher von den Anschlägen gewußt haben. Sie soll sich ferner an den verschiedenen Besprechungen beteiligt haben, also gewissermaßen als staatlicher Agent provokatorisch gewirkt haben. Ueber diese Frau von Oertzen wurde in der Pause verbreitet, sie gehöre zu den ersten Kräften der politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums und habe zu dem Angeklagten Volck freundschaftliche Beziehungen unterhalten, die sie geschickt ausnutzte, um die Landvolkorganisation wie auch die Bombenlegerverschwörung bis in die letzten Einzelheiten kennenzulernen und aufzudecken. Frau von Oertzen soll bereits mehrfach in ähnlichen Angelegenheiten eine wichtige Rolle gespielt haben. Nach der Pause erklärte Oberstaatsanwalt Dr. Gollnick, die Annahme, Frau von Oertzen sei als agent provocateur tätig gewesen, für abwegig und beantragte darum die Ablehnung des Antrages der Verteidigung. Das Gericht zog sich zur Beschlußfassung über den Beweisantrag zurück und gab dann folgenden Beschluß bekannt: Frau Ilse von Oertzen soll als Zeugin geladen werden. Die Verhandlung wuroe bann auf Dienstag vormittag vertagt. wtb. Chexbres(Schweiz), 1. Sept.(Tel.) Die diesjährige Tagung des Oekumenischen Rats für für praktisches Christentum, in der die evangelischen, amerikanischen und griechisch=orthodoxen Kirchen der Welt vertreten sind, ist heute in Chexbres eröffnet worden. Den Vorsitz führte der Präsident des Deutschen Evangel. Kirchenausschusses, D. Kapler(Berlin), der in programmatischen Ausführungen die Verantwortung der Kirchen gegenüber den Weltnöten der Gegenwart entwickelte. Im Mittelpunkt der ersten Verhandlungen stand der Todeskampf des Christentums in Räterußland. In der Aussprache über Frieden und Schiedsgerichtsbarkeit. an der u. a. Erzbischof Söderblom, Professor Dr. Weißmann, der Bischof von Manchester und der frühere holländische Arbeitsminister Professor Slotemaker de Beuine sich beteiligten, wurde die Verantwortung der Kirchen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung im Sinne des Friedensgedankens zum Ausdruck gebracht. Der Konferenz soll u. a. ein umfassender Plan zur Vereinheitlichung der Gesamtleitung der Bewegung vorgelegt werden. Für die Verhandlungen sind funf Tage vorgesehen. hauptung zu erblicken, daß Dr. Weiß seine Stellung in parteilicher Weise mißbraucht habe. Der Staatsanwalt hatte eine Gesamtstrafe von neun Monaten beantragt, doch billigte das Gericht dem Angeklagten mildernde Umstände Der Saarbahnschutz vermindert wtb. Genf, 2. Sept.(Tel.) Der Präsident der Regierungskommission für das Saargebiet hat dem Völkerbund mit Schreiben vom 11. Juli und 25. August davon in Kenntnis gesetzt, daß die Regierungskommission beschlossen habe, den Bahnschutz für das Saargebiet vom 31. August ab auf 250 Mann herabzusetzen. Die Regierungs= kommission überläßt weitere Herabsetzungsbeschlüsse dem Völkerbundsrat. Brüder Sklarek als Zeugen Ein griechischer Oberst trriumlich verhafter wtb. Frankfurt a. M., 1. Sept.(Tel.) Bei der Verfolgung der Spuren eines am Freitag versuchten mißglückten Raubes in der Deutschen Bank in Frankfurt ist der Polizei ein bedauerliches Mißgeschick dadurch passiert, daß sie einen völlig unbeteiligten aktiven griechischen Obersten in seiner Wohnung sistierten und auf das Polizeipräsidium bringen ließ. Hier stellte sich sogleich seine vollständige Unschuld heraus, sodaß er unverzüglich wieder entlassen werden konnte. Der Offizier, der seinen Urlaub in Frankfurt verbringt, nahm Veranlassung, sich besonders gegen die Behandlung, die er durch die Unterbeamten erfuhr, beschwerdeführend an das hiesige griechische Generalkonsulat zu wenden. Wie wir von dort erfahren, ist der Zwischenfall durch eine Entschuldigung des Polizeipräsidenten erledigt worden. im Disziplinarverfahren gegen Oberbürgermeister Böß. enb. Berlin, 2. Sept.(Eig. Meld.) Die beiden Brüder Leo und Willy Sklarek wurden gestern in Gegenwart des Oberbürgermeisters Böß von Oberverwaltungsgerichtsrat von Seipius vernommen. Zu dieser Vernehmung, die nach den gesetzlichen Bestimmungen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefunden hat, erklärt das Berliner Tageblatt, daß es in der Hauptsache auf die Klärung der Frage ankomme, ob der Oberbürgermeister bei Anwendung der ihm obliegenden Sorgfalt von den Vertragsabschlüssen der Sklareks genaue Kenntnis gehabt haben müsse. Die beiden Brüder Sklarek sollen, wie stets, wieder betont haben, sie seien nicht Betrüger, sondern Betrogene. Ob der Oberbürgermeister von den einzelnen Dingen Kenntnis gehabt oder hätte haben müssen, erklärten die beiden Brüder Sklarek nicht bekunden zu können. Aus der Vernehmung soll sich ergeben haben, daß ein persönlicher gesellschaftlicher Verkehr zwischen dem Oberbürgermeister und den Sklareks niemals bestanden habe. Der bekannten Pelzangelegenheit soll Oberbürgermeister Böß keinerlei Bedeutung beigelegt haben, sodaß er nicht im entferntesten daran dachte, daß man ihm den Vorwurf unrichtiger und unfairer Handlungsweise machen könne. Mit aller Entschiedenheit soll Böß heute den ihm im Urteil erster Instanz gemachten Vorwurf zurückgewiesen haben, wonach sein Verhalten in dieser Angelegenheit der Würde seines Amtes nicht entsprochen habe. Schnellzug überfährt Automobil wtb. München, 1. Sept. Bei Laufen(Oberbayern) wurde gestern abend ein Automobil von dem Schnellzug Berlin—Berchtesgaden überfahren. Die beiden Insassen des Wagens, Frank Mangs aus Petting und Anna Kuchlbauer aus Otting, wurden getötet. Nach der bisherigen Untersuchung soll die ordnungsmäßig geschlossene Schranke wieder geöffnet worder e5. Eifersuchtsdrama in Budupest wtb. Budapest, 2. Sept.(Funkspruch.) Eine der bekanntesten Schauspielerinnen des Budapester Nationaltheaters, Helene Parizianu, die Gattin eines höheren Beamten der Staatspolizei, feuerte gestern abend im Verlaufe einer Eifersuchtsszene in der ehelichen Wohnung aus der Dienstpistole ihres Gatten mehrere Schüsse gegen diesen ab. Sodann richtete sie die Waffe gegen sich selbst; sie traf sich in die Herzgegend und brach tot zusammen. Die Verletzungen des Gatten sind nicht lebensgefährlich. Der Umsturz in Peru wtb. Neuyork, 31. Aug. Der Korrespondent der Associated Preß in Lima berichtet, daß die neue Regierung den Rücktritt der peruanischen Gesandten in London, Madrid, Wien und Brüssel angenommen hat. Der Botschafter in Washington wird auf seinem Posten bleiben. Dagegen ist der Gesandte in Paris. Mariano Cornejo, angewiesen worden, die Geschäfte dem Geschäftsträger zu übergeben und nach Lima zurückzukehren, wo seine Amtsführung untersucht werden soll. Auch der Konsul in Paris ist entlassen worden. Senor Goya ist zum peruanischen Generalkonsul in Hamburg ernannt worden. Erdbeven in Lima. Nach einer anderen Meldung des Korrespon. denten der Associated Preß in Lima wurde dort Sonntag vormittag ein 15 Sekunden dauerndes Erdbeben verspürt, das die infolge der Revolution herrschende Aufregung noch vermehrte. Viele Einwohner versammelten sich, von Panik ergriffen, an freien Plätzen. Es wurde aber kein Schaden angerichtet. Konstituierung der chinesischen Nordregietung wtb. Peking, 1. Sept.(Reuter.) Der Zentralexekutivrat der Nordprovinzen hat heute nachmittag eine Volllsitzung abgehalten und die Nordregierung als Rivalin der Nankingregierung endgültig eingesetzt. Es wurde ein aus sieben Mitgliedern bestehender Staatsrat gebildet, dem Jenhsischan als Vorsitzender sowie Fengjuhstang und Tschangheuehliang angehören. Kündigung der Gehaltsabkommen der Bergbauangestellten wtb. Essen, 1. Sept. Im Zusammenhang mit der Kündigung der Löhne der Bergarbeiter zum 30. September d. J. hat der Zechenverband nunmehr auch die Gehälter der technischen und kaufmännischen Bergbauangestellten zum 30. September d. J. gekündigt. Von dieser Maßnahme werden rund 24000 Bergbauangestellte betroffen. Der Tod in den Bergen wtb. Bozen, 1. Sept. An der Nordwand des Rosengartens in den Dolomiten sind gestern Nacht die Leichen der Berliner Alpinisten Hans Ritter und Franz Streicher gefunden worden. Die jungen Touristen wollten am Samstag früh eine Besteigung der Rosengartennordwand unternehmen. Beim Aufstieg glitt jedoch der vorangehende Tourist aus, stürzte die 400 Meter hohe Wand ab und riß im Sturz seinen Kameraden mit. Das 20. Opfer des Wilden Kaisers. wtb. Innsbruck, 1. Sept. Im Gebiet des Wilden Kaisers wurden gestern der Münchener Werkmeister Georg Rottner und seine Braut Berta Brunner tot bzw. schwer verwundet aufgefunden. Die beiden gerieten beim Aufstieg oberhalb der Grutten in einen Steinhagel, der durch eine vorangegangene Touristenpartie ausgelöst war. Frl. Brunner wurde durch einen Felsblock der rechte Arm abgeschlagen; sie verlor das Gleichgewicht, stürzte ab und blieb mit zerschmetterten Gliedern liegen. Rottner erlitt schwere Verletzungen. Das ist der 20. tödlich verlaufene Bergsteigerunfall im Wilden Kaiser in diesem Jahre. Das Urteil. wtb. Darmstadt, 2. Sept.(Tel.) Wegen der Ausschreitungen im Rüsselsheimer Betrieb der Firma Opel wurde gestern das Urteil gefällt. Der Angeklagte Jung wurde wegen Hausfriedensbruch zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Der hessische Landtagsabg. Sumpf erhielt wegen Landfriedensbruchs und Hausfriedensbruchs 3 Monate und 10 Tage Gefängnis, der Angeklagte Maurer wegen Nötigungsversuchs 2 Monate Gefängnis, abzüglich 4 Wochen Untersuchungshaft; Weidenhauer wegen Aufforderung zum Landfriedensbruch 3 Monate Gefängnis, abzüglich 5 Wochen Untersuchungshaft; die Angeklagten Abus und Teusch wegen schweren Landfriedensbruchs je 6 Monate Gefängnis; Christ wegen Hausfriedensbruchs 1 Woche Gefängnis; der preußische Landtagsabg. Oscar Müller wegen Hausfriedensbruchs 2 Wochen Gefängnis. 3 Angeklagte wurden freigesprochen. Der 71. Todesfall in Lübeck wtb. Lübeck, 1. Sept. Durch einen weiteren Todesfall hat sich die Zahl der Opfer der Calmette=Katastrophe auf 71 erhöht. Als krank bezeichnet der Bericht noch 49 Säuglinge. Autounglück in Oregon wtb. Turner(Oregon), 2. Sept.(Funkspr.) Ein Kraftwagen wurde, als er einen Bahnübergang passierte, von einem Zug erfaßt und zermalmt. Die Insassen: 3 Frauen und 2 kleine Mädchen, die ein und derselben Familie angehörten, wurden getötet. Jantinleungen Deutscher Protest gegen die Nichterteilung des französischen Einreisevisums an den General Graf Moltke. enb. Berlin, 1. Sept.(Eig. Meldung.) Zu der Angelegenheit des Generals Graf Moitke, der das Grab seines Sohnes besuchen wollte, dem aber das Visum vom französischen Generalkonsulat nicht erteilt worden ist, weil ein Ge“ l e i c h e n N a m e n s a u f d e r L i s t neral gleichen Kumens uuf eet Liste der Kriegsbeschuldigten steht, erfahren wir von unterrichteter Seite, daß der Fall in Paris aufgegriffen wird. Kinderlähmung im Departement Sarthe. wtb. Paris, 2. Sept.(Funkspruch.) Im Departement Sarthe sind gegenwartig 18 Fälle von spinaler Kinderlähmung festgestellt. In Le Mans sind 3 Fälle tödlich verlaufen. Unsinnige Gerüchte über ein deutsches Militärbündnis mit Italien, Ungarn und Bulgarien. enb. London, 2. Sept.(Eig. Meldung.) In einem englischen Sonntagsblatt ist ein Artikel erschienen, der von einem Militärbündnis zwischen Deutschland, Italien, Ungarn und Bulgarien spricht. Das Blatt ist politisch nicht sonderlich ernst zu nehmen, hat aber doch eine gewisse Bedeutung, da es eine sehr große Auflaghat. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist an den Behauptungen kein wahres Wort. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Der Kriminalpolizei ist am Sonntag ein guter Fang Es war gegen 4 Uhr früh, als Personen der Bahnhofswache Mitteilung machten, daß sie fünf Männer mit mehreren Kofsern, schwer beladen, zu einem Hause in der 2 Kampstraße gehen sahen. Die Polizei machte sofort auf. Die näheren Feststellungen ergaben, daß in einer Textilwarengroßhandlung in der 1. Kampstraße ein Einbruch verübt worden war. Da der Verdacht bestand, daß die gesehenen Personen Waren aus der Großhandlung fortschafften, mithin also die Einbrecher waren, wurde die Kriminalpolizei benachrichigt, die kurz darauf fünf Männer und eine Frau festnahm. Das Diebesgut befand sich in den Händen dieser Personen. Es wurde von der Kriminalpolizei sichergestellt. Weitere Ermittlungen in der Angelegenheit werden noch sortgeführt. — Ueberfallen. Ein Schlosser aus der Claustalstraße war in einer Wirtschaft an der Vornstraße. Beim Verlassen des Lokals wurde er von unbekannten Personen mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen, so daß er erhebliche Verletzungen davontrug. Er mußte zur Behandlung ins Brüderkrankenhaus gebracht werden. — Blutige Auseinandersetzung. Am Sonnabend gegen 21 Uhr geriet in einem Hause in der Bleichmärschstraße ein Schreiner aus der Holsteinerstraße mit dem Wohnungsinhaber in eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Wohnungsinhaber einen harten Gegenstand ergriff und damit seinen Gegner am Kopfe so schwer verletzte, daß der Mann blutüberströmt dastand. Er mußte ins Brüderkrankenhaus gebracht werden. Lebensgefahr besteht jedoch nicht. Restaurant= und Café=Angestellten und dem Zentralverband der Hotel=, Restaurant= und Café=Angestellten eine Eingabe an Magistrat und Stadtverordnetenkollegium gerichtet, in der mit eingehender Begründung gegen eine etwaige Erhöhung der derzeitigen Biersteuer und gegen die Einführung der Gemeinde=Getränkesteuer Stellung genommen wird. Gleichzeitig hat der Verband rheinisch=westfälischer Brauereien in einer Eingabe an die Industrie= und Handelskammern sich gegen diese beiden Steuern ausgesprochen. Im übrigen ist man in weiten Kreisen der Ansicht, daß die Erhöhung der Biersteuer, verbunden mit der Verzehrsteuer, den Rückgang des Bierkonsums noch beträchtlich verstärken wird und daß die erwarteten Mehreinnahmen für die Gemeinden bestimmt ausbleiben werden. Nur werde dabei mancher Wirt zur Strecke gebracht. — Zum Mord in der Leopoldstraße. Voruntersuchung wegen Körperverletzung mit Todeserfolg eröffnet.— Der Täter bleibt in Haft. Am Sonntag, den 24. August, wurde im Hause Leopoldstraße 23 der Invalide Otto Kombrink nach voraufgegangenem Streit von dem im gleichen Hause wohnenden Arbeiter Karl Segref mit einem Beil erschlagen. Unmittelbar nach der Tat wurde S. verhaftet. S. befindet sich seit einigen Tagen im hiesigen Untersuchungsgefängnis. Der Untersuchungsrichter hat gegen ihn die Voruntersuchung wegen Körperverletzung mit Todeserfolg eröffnet. Da der Haftbefehl bestätigt wurde, wird S. mindestens bis zum Abschluß der Voruntersuchung in Haft bleiben. — Zu einem wüsten Auftritt kam es am Sonntag gegen 21,15 Uhr vor einer Wirtschaft im Stadtteil Eving. Ein angetrunkener Arbeiter wurde vom Lokalinhaber an die frische Luft gesetzt, weil er mit Gästen in Streit geraten war. Vor dem Lokal schlug er jetzt Radau, bedrohte den Wirt und verursachte einen solchen Lärm, daß in wenigen Augenblicken ein Menschenanlauf entstand. Eine Polizeistreife schritt ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Unter dieser befand sich auch der angetrunkene Arbeiter, der einem Beamten den Hirschfänger aus der Scheide zog und ihm damit einen Stich in den Oberschenkel versetzte. Die Verletzung war glücklicherweise nicht ernsterer Natur. Gegen den Täter ist Anzeige erstattet worden. — Lebensmüde. Ein Arbeiter in der Kaiserstraße beschloß in den späten Abendstunden des Sonntag, seinem Leben durch Erhängen ein Ende zu machen. Noch im letzten Augenblick wurde aber die Tat von einer Hausbewohnerin bemerkt. Sie verschaffte sich Eingang in die Küche, in der der Lebensmüde die Tat bereits ausgeführt hatte und schnitt ihn ab. Ein schnell benachrichtigter Polizeibeamter stellte bei dem bereits leblosen Manne Wiederbelebungsversuche an, die auch von Erfolg waren. Der hinzugezogene Arzt ordnete darauf die Einlieferung des Lebensmüden in das Johanneshospital an. Schwere wirtschaftliche Sorgen sollen den erst 31 Jahre alten Mann nach Angaben seiner Ehefrau zu dieser verzweifelten Tat getrieben haben Vor einiger Zeit soll er von Hause fort auf der Suche nach einer Erwerbsmöglichkeit gewesen sein. Als ihm nicht gelungen war, Arbeit zu finden, beschloß er nach Rückkehr zu seiner Frau aus Nahrungssorgen die Ausführung der Tat. — Noch glimpflich abgelaufen. Gestern früh gegen 8,15 Uhr fuhr ein Lastkraftwagen mit Anhänger, der einer Bielefelder Firma gehörte, in Richtung Stadtmitte. Lastwagen und Anhänger waren mit Isoliermasse schwer beladen. Infolge der Glätte des Asphalts kam in Höhe der Dortmunder Eiswerke der Anhänger ins Schleudern und drückte den Motorwagen quer zur Fahrbahn. Dieser fuhr jetzt über den Bürgersteig gegen eine Mauer. Der Motorwagen wurde am Kühler beschädigt. Zum Glück passierte im gleichen Augenblick niemand die Unfallstelle. Eine Verkehrsstörung war aber die Folge des Unfalls. Erst nachdem der Anhänger abgekoppelt war, konnte der etwa 15 Minuten unterbrochene Verkehr wieder durchgeleitet werder Die Straßenbahn erlitt dadurch einige Minuten Verspätung. — Gegen Biersteuer=Erhöhung und Einfühkung der Getränkesteuer. Das Dortmunder Wirtesyndikat hat gemeinsam mit dem Verband Dortmunder Bierbrauer, dem Bund der Boele. Vom Affen gebissen. Bei einer in Boele gastierenden Artistengruppe aus Breslau wurde ein vor dem Zelt stehender 4½jähriger Junge des Schulhausmeisters F. von hier, Kirchstraße, von einem Affen in das rechte Bein gebissen, wodurch eine klaffende Wunde entstand. Ein anderer Junge hat den Kleinen von der Stelle weggerissen, sonst wäre das Unglück noch größer geworden. Der Affe ist unter dem Drahtverhau hervorgekrochen. Das verletzte Kind mußte in ärztliche Behandlung gegeben werden. h Recklinghausen. Die gefährlichen Straßenbahnschienen. Beim Ueberqueren der über die Herner Straße führenden Straßenbahnschienen kam die Schülerin Ilse Meyer aus Herne mit ihrem Fahrrade zu Fall und zog sich neben Kopfverletzungen vermutlich auch innere Verletzungen zu. o Blankenstein. Vom Tode gerettet. der Nähe des Turbinenwerkes in Blankenstein geriet am Donnerstag gegen 6 Uhr abends der 18jährige Paul Hebestreit aus Welper in die Gefahr des Ertrinkens. Die Insassen zweier Paddelboote bemerkten den Kampf des H. und eilten zu Hilfe. Es gelang ihnen, den Versinkenden zu bergen. Besinnungslos schafste man ihn ins Krankenhaus Blankenstein, wo er sich inzwischen wieder erholt hat. h Münster. Der Mann mit den Glühbirnen. Bei verschiedenen Familien erschien ein etwa 28jähriger Mann und versuchte den Leuten Glühbirnen für vier bis sechs Reichsmark„anzudrehen“, die angeblich viel heller brennen sollen. Das stimmt zwar. Aber hat ihr Licht etwa 10 Minuten das Heim in voller Helle erstrahlen lassen, tritt tiesste Finsternis ein; denn die Birnen brennen durch und es entsteht Kurzschluß. Bei dem Mann mit den Gläubigern handelt es sich anscheinend um einen Ausländer. man ihm aus Baumstämmen eine Barrikade errichtet. Da bei einem plötzlichen Bremsen auf der abschüssigen Straße sich der Wagen überschlagen hätte, nahm der Fahrer das Hindernis, ohne besonderen Schaden zu nehmen. Die sofort benachrichtigte Landjägerei nahm die Ermittlung auf. Wie wir hören, ist es gelungen, die Täter bereits zu ermitteln. Jedenfalls hängt das Attentat mit einer vorher stattgefundenen politischen Auseinandersetzung zusammen, wie sie am Biertisch üblich ist. h Iburg. Todessturz durch die Bodenluke. Als der 58jährige Arbeiter Peter Eckstein einen Heuboden des Tiemeyerschen Gehöftes in Borgloh betrat, tat er einen Fehltritt und stürzte durch die Bodenluke in die Tiefe. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Leiche wurde zur gerichtlichen Obdu'tion nach Iburgebracht. h Borghorst. Ins Kartoffelfeuer gestoßen. Mehrere Kinder hatten sich hier auf einem Felde ein Kartoffelfeuerchen angelegt und es angezündet. In böswilliger Absicht gab plötzlich ein Junge dem fünfjährigen Söhnchen des Arbeiters L. einen Stoß, sodaß es in das Feuer stürzte und sich beide Hände schwer verbrannte. Glücklicherweise sprangen Leute hinzu und befreiten das Kind aus der lebensgefährlichen Lage. Käse(Hart= und Weichkäse) 10 637 Eier, Federvieh und Federwild 18192 53 655 141 581 Eingesandt Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung. h Minden.„Was sagt mein Mädel dazu?" Also die Geschichte war so: Er ist Chauffeur in Bad Oeynhausen, und sie wohnt in Hausberge. Sagen wir zu den beiden Leni und Fred.— Fred war in Leni ganz verknallt, hatte sich mit ihr verlobt und konnte; auf einmal nicht mehr bei seiner Angebeteten landen. Das wurmte ihn. Ein einziges Mal wollte er's noch versuchen. Sprach's und ging hin. Doch wieder vergeblich. Fred wurde nicht erhört. Da kam die Katastrophe. Fred zog ein Messer aus der Tasche und brachte sich einen Schnitt in die Kehle bei, wohl nicht in der Absicht, seinem Liebesleben ein Ende zu machen, vielmehr, um Leni klarzumachen, er opfere sich ihr ganz auf. Jetzt hat Fred den Schnitt am Hals, und seine Leni will immer noch nichts von ihm wissen. h Bielefeld. Todessturz. Beim Birnenpflücken stürzte der Sohn des Straßenbahnschaffners Kombrink von der Leiter und brach sich das Genick, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat. Der junge Mann stand im 18. Lebensjahre. h Duisburg. Ein alberner Streikgrund. Die 100köpfige Belegschaft der Dapolin=Gesellschaft ist aus einem seltsamen Grunde in den Ausstand getreten. Einer Sportabteilung der Angestellten gehören auch vier Arbeiter aus dem Werk als aktive Mitglieder an. Die Belegschaft nahm hieran Anstoß und forderte die vier Arbeiter auf, in der Abteilung nicht mehr mitzuspielen. Da in einer abgehaltenen Versammlung der Belegschaft die vier Arbeiter erklärten, aus der Sportabteilung nicht austreten zu wollen, trat die gesamte Belegschaft in den Ausstand. w Kierspe. Keimende Roggenähren sind kein Viehfutter. Die Schafe des Landwirts Fr. Schriever zu Vorderste Berg hatten auf dem abgeernteten Roggenfeld des Landwirts Fr. Schriever zu Vorderste Berg hateinige Aehren gefressen. Da der Roggen infolge des anhaltenden Regens bereits gekeimt hatte, bekam einigen Schafen das Futter nicht. Vier gingen ein und drei mußten notgeschlachtet werden. Mehrere andere fraßen noch nicht wieder. Dem Besitzer ist dadurch ein empfindlicher Schaden entstanden. h Lössel. Ein gemeiner Sreich passierte hier in der Samstagnacht. Ein Iserlohner Herr, der hier auf der Jagd gewesen war und länger verweilt hatte, wollte auf der Heimfahrt einen Landwirt mitnehmen. Als er nun die abschüssige Dorfstraße mit seinem Auto befuhr, batte Unhaltbare Zustände auf der oberen Schützenstraße! In der augenblicklichen heißen Nachsommerzeit sind die Straßenverhältnisse der Schützenstraße direkt zu einer Plage für die Anwohner, sowie für die zahlreichen Passanten geworden, welche die Schützenstraße täglich mehrmals benutzen müssen. Bei dem außergewöhnlich starken Auto=, Motorrad= und sonstigen Fahrzeugverkehr auf dieser Hauptverkehrsstraße nach Unna— Hamm und Fröndenberg—Arnsberg ist der aufgewirbelte Staub derart, daß er nicht gerade gesundheitlich fördernd wirkt, abgesehen von der Kleidung der Fußgänger, die auch durch denselben in hohem Maße geschädigt wird. Allein am vorgestrigen Sonntagnachmittag, in der Zeit von 14—15 Uhr, wurden nicht weniger als 43 Autos und 26 Motorräder gezählt. Es muß anerkannt werden, daß an zwei Tagen der letzten Woche die Schützenstraße gesprengt worden ist, aber nur bis zur Grünstraße. Hierdurch wird unbedingt der Eindruck erweckt, daß die Stadtverwaltung anscheinend vergessen hat, daß die überwiegende Mehrzahl der Bürger, die die Schützenstraße täglich passieren muß, noch höher herauf, bezw. in der Siedlung an der Luisenund Paulstraße wohnt, die doch wahrscheinlich auch zu den Steuerzahlern gehört. Es wäre unbedingt notwendig, den Sprengwagen in Zukunft bis zur Luisen=, evtl. bis Paulstraße fahren zu lassen. Diese 300—400 Meter werden doch wohl kaum im Verhältnis zur Abstellung der Staubplage, wofür sehr viele Bürger der Stadtverwaltung Dank und Anerkennung zollen würden, erhebliche Mehrkosten verursachen. Ein weiteres großes Uebel ist der außerordentlich schlechte bauliche Zustand der Schützenstraße von der Hermannstraße bis zur bahnunterführung am Bahnhof Schwerte=Ost. Schon seit Jahren arbeiten alle paar Tage 4—5 Arbeiter daran, die Schlaglöcher der Straße mit Splitt zu füllen, zum Leidwesen der zahlreichen Radfahrer, die ihre teuren Bereifungen auf den scharfen, spitzen Steinchen, die von den rücksichtslos jagenden Autos aus den Löchern heraus auf den Fahrdamm geschleudert werden, zuschanden fahren; zum größeren Schaden aber für die Fußgänger, die ihr Schuhwerk auf diesen Steinen total zerreißen. Mit diesen Ausgaben, die der Stadtverwaltung durch diese DauerReparaturen bisher entstanden sind, hätte nach Ansicht der Einsender die Straße schon längst mit einer Teerdecke versehen werden können, wie diese bereits vom städt. Lyzeum an der Ostenstraße bis zur Hermannstraße vorhanden ist. Die Einsender geben sich der Hoffnung daß seitens der Stadtverwaltung sehr bald etwas geschieht, um diese unhaltbaren Zustände, die sich sehr zum Schaden der Anwohner und Passanten auswirken, zu beseitigen. Mehrere Bürger und„Auch“=Steuerzahler. Börsen und Märkte g Dortmund, 2. Sept. Bericht über die Preisfeststellung des gestrigen Schlachtviehmarktes. Dem Schlachtviehmarkte waren zugeführt: 905 Stück Großvieh, 309 Kälber, 2 Ziegen, 2422 Schweine. Der Marktverlauf war bei Großvieh schlecht, bei Kälbern gut, bei Schweinen gut. Es wurden gezahlt für 50 Kilo, Lebendgewicht: Ochsen: a) 1. 58—61, b) 1. 53—56; c) 50 bis 52. Bullen: a) 54—57, b) 48—53, c) 4—47, d) 40—43. Kühe: a) 50—53, b) 46 bis 49, c) 42—45, d) 32—41. Kalbinnen: a) 55—56, b) 52—54, c) 45—50. Kälber: b) 80—85, c) 70—79, d) 58—69. Schweine: a) 67—68, b) 68—70, c) 69—72, d) 68—71, e) 65—68, g) 60—64. hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 3. September 1930. 07,05: Morgenkonzert. 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Salzuflen. 08,30: Mutter und Kind. 10,15: Schallplattenkonzert. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Jundmädchenstunde. 16,05: Die Welt im Buch. 16,45: Neues aus dem unterirdischen Rom. 16,45: Vagabundenerzählungen. 17,10: Frauenstunde. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Aus Recht und Praxis der Wohlfahrtspflege. 19,15: Die Stunde des Arbeiters. 19.40: Der junge Mensch. 20,00: Josef=Plaut=Abend. Bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Zeitschriftenschau „Die Gartenlaube“ Heft 35. „Eine geborene Uhlendarp“, der neue Roman von Anna Elisabeth Weirauch, beginnt jetzt in der„Gartenlaube". Ihre kultivierte, mit feinem Humor gepaarte Darstellungskunst hat die Verfasserin einen Platz in der zeitgenössischen Literatur gesichert. Außer dem Roman bringt die neue„Gartenlaube“ eine Reihe interessanter Beiträge. Wir nennen nur:„Frauen am Mikroskop“, ein lebendiges Bild aus dem Berufsleben der modernen Frau,„Als Parlamentär beim Feinde“, eine spannende Erlebnisschilderung aus dem Weltkrieg, den reichillustrierten Aufsatz„Fuhrleute des Wassers" und die lustigen Badebilder von Tieren. Erklärlich.„ „Na, Fritzchen, du bist ja heute so still?!“ „Na, Mutti hat mir doch Schokolade versprochen, wenn ich nichts über deine ulkige Warze sage.“ 766 Millionen Reichsmark für Rahrungs mitteleinfuhr in 7 Monaten. Nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamts betrug die Einfuhr von Getreide, Butter, Käse und Eiern in das deutsche Zollgebiet(Spezialhandel) im Juli 104 Millionen Reichsmark und im Zeitraum Januar bis Juli 1930, 766 Millionen Reichsmark. Warenbezeichnung Juli 1930 Jan. b. Juli 1930 Weizen.... 16817 165 391 Roggenmet... Roggen.... 179 6 790 Weizenmehl. 482 6242 Geate ur Bich fütterung 14 850 150 Andere Gerste.. 34„ 1 857 Haser 121 1 857 Milchbutter, Butterschmalz... 42723 817017 Die Gefahr. „Gratuliere, lieber Meyer, wieder auf?— Ganz außer Gefahr?“ „Noch nicht ganz. Morgen kommt der Dobder noch moi. 200 beladene Eisenbahnwagen brennen. Der Riesenbrand auf dem Güte der Westhalle des Güterbahnhofs Hannover=Nord brach in einem Oelwagen Feuer aus, das in wenigen Minuten den ganzen 300 Meter langen Schuppen ergriff, in dem täglich die Oelzüge beladen werden. In ununterbrochener Folge explodierten Spiritus=, Oel= und Benzinbehälter und flogen mit lautem Knall in die Luft. Auch auf zwei weitere Häuser griff das Feuer über und bedrohte bereits die Fabrikrbahnhof Hannover=Nord. gebäude der Continental=Gummifabrik, die nur mit Mühe geschützt werden konnten. Der Schaden ist außerordentlich hoch, sind doch mit der Halle etwa 200 mit den verschiedensten Gütern beladene Waggons niedergebrannt. Ein Arbeiter wird vermißt. Unser Bild zeigt die in Brand stehende Westhalle. Aus der Wanderegung Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Mitgliederversammlung der Deutschen Volkspartei. Gestern abend fand im Lokale Rettstadt(zur Helle) eine Mitgliederversammlung der Deutschen Volkspartei, Ortsgruppe Schwerte, statt, die sich eines guten Besuches erfreuen konnte. Der 2. Vorsitzende, Rechtsanwalt Strahtmann, eröffnete mit Begrüßungsworten die Versammlung. Dann richtete Frau WeidekampIserlohn einige beherzigende Worte an die Frauen. Rednerin sagte, daß dieser Wahlkampf auf allgemeine politische Dinge abgestellt sei. Sie erinnerte an die große Frauentagung in Iserlohn und erwähnte, daß die Ehe und Familie als die Keimzelle des Staates heute bedroht sei. Die Familie müsse gegen alle Angriffe geschützt und das Verantwortungsgefühl wieder geweckt werden. In der kommenden Zeit stehe die Wahrung der christlichen Belange mit im Vordergrunde; die D. V. P. habe sich hierfür stets eingesetzt. Rednerin erinnerte u. a. an die Stellungnahme der Partei beim Konkordat in Preußen. In die Religion dürfe keine Politik hineingetragen werden. Dr. Scholz wolle eine durchgreifende Reform(Reichsreform). Bei der Schaffung eines nationalen Staates mit einer mustergültigen Verwaltung dürften die Frauen nicht zurückstehen. Frau Weidekamp kam dann näher auf die Außenpolitik zu sprechen, auf die durch Stresemann veranlaßte Rheinlandbefreiung. Der Kriegsschuldlügen=Artikel müsse weiter bekämpft und das Versailler Diktat aufgehoben werden. Die D. V. P. rufe dazu auf, das Werk Bismarcks zu vollenden, sie wolle dem Einheitsstaat zustreben. Diese Partei vertrete ein national christlich gesinntes Bürgertum. Nach dem lebhaften Beifall der Zuhörer ergriff dann Dr. Bisplinghoff das Wort und sprach über die politische Lage. Redner machte kurze sachliche Erläuterungen. In den letzten Jahren sei die allgemeine Verworrenheit noch nie so groß gewesen, wie vor diesen Wahlen. Redner wandte sich gegen eine deutschnationale Politik. Entweder man bekenne sich zu einem Handlungs= und Reformprogramm oder stelle sich radikal ein. Die große Zahl der Nichtwähler müsse an die Urne gebracht werden. eit gefährlicher als diese sei jedoch der Typ des unzufriedenen Bürgers, der radikal wählen wolle. Es gäbe Leute, die nationalsozialistisch wählen wollten, was man nie vermutet hätte. die Natiolnalsozialistische Partei fordere Verstaatlichungsmaßmahnen, die auch die kleinen Existenzen bedrohe und alle Werte zerstöre. Redner wandte sich dann gegen den Vorwurf, daß die D. V. P. bisher versagt habe. Soweit wie möglich habe diese Partei praktische Arbeit geleistet und sich in die Regierung eingeschaltet. Wohl sei in den letzten zehn Jahren sozialistische Politik getrieben worden. Die D. V. P. habe bisher ihre wichtigeren Aufgaben in der Außenpolitik gesehen und auf Stresemann könne die Partei stolz sein.(Rheinlandbefreiung usw.) Es sei nunmehr die Möglichkeit gegeben, die endgültige Befreiung Deutschlands anzubahnen. In der Innenpolitik habe die D. V. P. stets bestimmte Grundsätze vertreten. Eine Reform an Haupt und Gliedern im Reich sei ein Gebot der Stunde. Nur eine große Politik mit dem Blick aufs Ganze komme heute infrage. Dr. Bisplinghoff sprach überdie Notverordnung, bei deren Beschlußfassung die Partei mit Bedenken zurückgehalten habe. Eine Reform müsse auf den verschiedensten Gebieten durchgeführt werden. Die D. V. P. stehe auf dem Boden der Verfassung, sie müsse diese aber da anRedaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung. greifen, wo sie etwas Falsches erblicke, um eine Aenderung herbeizuführen. Redner wandte sich ferner gegen den großen Beamtenapparat. Eine Reichsreform mit dem Ziel auf den Einheitsstaat sei zu erstreben. Mit einer gewissen Verwaltungsreform sei zu beginnen. Das Parteibeamtentum könne nicht gebilligt werden, eine sachliche Vorbildung und Leistung bei Besetzung der Stellen sei ausschlaggebend. Ferner sei eine Reform der finanziellen Verhältnisse notwendig. Sparsamkeit und Ordnung müßten wieder einkehren. Weil die D. V. P. die Not der Zeit früh genug erkannt habe, habe sich der Gedanke und das Ziel ergeben, alle staatsbewußten bürgerlichen Parteien zu einer großen Einheitsfront zusammenzufassen, die stets angestrebt worden sei. Eine einseitige Sammlung komme nicht in Frage. Redner appellierte an die Treue gegenüber dem Reichspräsidenten, dem deutschen Volk und Vaterland und schloß im Hinblick auf den 14. September seine Ausführungen mit den Worten:„Deutscher Michel, wache auf, ziehe die Schlafmütze herunter, deutscher Michel, wache auf, der Hahn hat gekräht.“ In der Aussprache gab es dann noch mancherlei Anregungen. Bücher= und Zeitschriftenschau Wer schreibt am meisten? Von Zeit zu Zeit ertönt die Klage, daß viel zu viel geschrieben(und gedruckt) würde und daß die Schwierigkeiten von Autor, Verleger und Buchhändler einfach aus dem zu großen Angebot an Büchern zu erklären seien. Dabei denkt man natürlich vor allem an die sogenannte„Schöne Literatur“, die Bücher der Schriftsteller, die „nichts weiter tun, als schreiben". Tatsächlich stehen ihre Werke in der Gesamtheit des deutschen Büchermarktes an erster Stelle: die Statistik für 1929, die im„Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" veröffentlicht wurde, nennt unter den 27002 Neuerscheinungen und Neuauflagen 4172 Werke der„Schönen Literatur“. Wer aber folgt dann? Zunächst die große Gruppe der Wirtschafts= und Sozialwissenschaft, zu der auch Politik und Statistik rechnet, mit 2106 Werken, dann aber gleich die Theologen mit 2078 Nummern. Freilich sind darunter viele kleine Broschüren und Traktätchen. An vierter Stelle stehen die Schulbücher(1875), an fünfter die technische Literatur, dann kommen die Juristen(1583) und die Jugendschriftsteller(1496). Wollte jemand, ehe er ein Buch schreibt, darauf achten, auf welchem Gebiete er die geringste Konkurrenz hat, so würde er hier die Gruppe„Allgemeine Sprachwissenschaft und Literaturen“ mit nur 93 Werken finden. Aber dem geringen Angebot entspricht hier gewiß auch eine geringe Nachfrage, sodaß es aussichtsreicher bleibt, sich unter die Belletristen zu mischen, die 15,45 Prozent der Gesamtpohscton betsten. Oeffentliche der Hollserranven-Temorur“ am Mittwoch, den 3. September, abends 8 Uhr im„Westfälischen Hof“. Redmer Dr. Neinz Bahnharat Spandan Rettet das Reich-ordnet den Staat! Wählt Männer der Tat! Wählt Liste 1 6- Treviranus-Dähnhardt Zwangsversleigerung Am Mittwoch, den 3. September 1930, 10 Uhr. werde ich in Schwerte. Westenstr.(bei Möller), bezw. an Ort u. Stelle: 1 Klavier, 1 Ausziehtisch, 6 Stühle m. Ledersitz, 1 Dauerbrenner, 1 Schreibtisch, 1 Schreibmaschine(Carmen), 1 Zither, 1 Sofa, 1 Radio=App.(3 Röhren), 1 Eß=Service, 1 Kaffeeservice, 1 Kamin, Vertikow u. a. m. öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. 3216 Schwerte, d. 2. 9. 1930. Kubon, Gerichtsvollzieher kr. A. Mittwoch, den 3. ds. Mts., vorm. 8 Uhr, wird auf der Freibank Schweinefleisch verkauft. 3215 Schlachthofverwaltung. Gewecktes, ordentliches Tehemädchen per 15. Sept. gesucht. Brühmann, Ostenstraße 20. Ein gr. 3210 AA in guter Lage zu pachten gesucht. Angebote unt. O. G. W. an d. Geschst. dieser Zeitung. Unser Roman „Glauben sollst au und vertrauen!“ von Gert Rothberg ist in Buchform erschienen und kostet in Ganzleinen Mk. 4.—- in Halbleinen Mk. 3.— Zu haben in der Buchhandlung Carl Braus, Bahnhofstr. 3 Sintrittskarten u. Programme In modernster Ausführung Buchdruckerei Carl Braus. Schwerte Ein großes Einier zu vermieten. 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Keiner könnte von uns auf den Einfall kommen, daß die saubere Stadt zwischen dem sächsischen Vogtlande und der bayerischen Grenze etwa nicht zu Deutschland gehören könnte. Man will daran nicht einmal glauben, wenn man dem tschechischen Zollbeamten in Oberreuth— er grüßt übrigens mit den keineswegs tschechischen Worten„Hab' die Ehr'!“ und macht dabei den weltberühmten Franz=JosefKnick— den Paß gezeigt hat und weiter in das Ausland eindringen darf, weil man als Salzschmuggler nicht in Verdacht geraten ist. Asch gehört zu den deutschen Städten, die vor allem einmal einen wuchtigen Bismarckturm aufzuweisen haben. Er ist das Markzeichen der ganzen Landschaft. Wenn man auf seiner Höhe steht, kann man nicht auf den Gedanken kommen, im Auslande und gar in einem unfreundlichen Auslande zu sein, spricht doch hier alle Welt deutsch, und gehören doch gerade die Vogtlanddeutschen und Egerländer zu dem liebenswürdigsten deutschen Volksstamm. Aber im„Deutschen Haus“ von Asch hatten sie an diesem Tage ihre Liebenswürdigkeit ganz vergessen. Und doch war ich so vertrauensvoll die Kellertreppe hinunter gestiegen, die Augen und das Herz noch voll von einem Schillergedenkstein, einer Büste des Turnvaters Jahn und einem Denkmal Theodor Körner3, das den kämpfenden Freiheitshelden zeigt, wie er— getroffen vom tödlichen Blei— vom Pferde sinkt. Als sich meine Augen an das Halbdunkel des Gastraumes im„Deutschen Haus“ gewöhnt hatten, erkannte ich umher die Gesichter freundlicher Männer, die behaglich aus ihren Tabakpfeifen schmauchten und sich an Zigarren und Bier labten. Sie hatten Lust zu erzählen.„Wir müssen durch die Tschechen viel leiden, aber wir sind und bleiben deutsch!“ ist eine der ersten Auskünfte, die ich bekomme. Ich habe aber auch welche zu geben und werde freundlich aber bestimmt gedrängt zu verraten, wie ich denn in Deutschland mein Brot verdiene. Als ich mich dann so ganz beiläufig als Zeitungsmann bekannte,— da gingen allmählig alle Zigarren aus, und alle Pfeifen wurden kalt. Inzwischen bekam ich aber eine Stunde deutsche Wahlpolitik verabreicht, die ich zeitlebens nicht vergessen werde. Da hieß es unter vielem anderen:„Wir hören von Euch in jeder Zeitung und von jedem Menschen, der aus Euren Kurorten zu uns nach Asch herein kommt, immer wieder die Worte wachsende Not, steigendes Elend, Arbeitslosigkeit, außenpolitische Schwierigkeiten, Kriegstribute' und vieles Aehnliche. Wer aber sollte das den Deutschen glauben, wenn er nichts anderes wüßte, als daß sie jetzt wieder mit zwanzig und mehr Parteien zum Wahlkampf antreten!“ So sprang einer frisch in die Sache hinein. Und da wurden auch den anderen die Köpfe heiß und die Zungen sehr lebendig. Hier fehlte wirklich ein Rundfunk=Reporter mit seinem Mikrophon; denn was hier gesagt wurde, hätte in den Ohren aller Deutschen widerklingen müssen, obwohl hier keine Minister, keine Wirtschaftsführer, keine Gelehrten und keine Künstler das Wort nahmen, sondern schlichte Handwerker und Ackerbürger ihrem deutschen Herzen Luft machten mit Selbstverständlichkeiten, die doch im Deutschen Reich selbst so gar keine Beachtung finden, Selbstverständlichkeiten wie diese: Es kann keinen Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft und des deutschen Landes geben, wenn man nicht den Marxismus paktiert. Deutschland wird niemals seiner drückenden Lasten und zermürbenden Sorgen ledig, wenn an zwanzig Parteien, die sich bürgerlich nennen, für zum Teil sehr kleinliche Interessen gegeneinander zu Felde ziehen. Es dürfe überhaupt nur eine Wahlparole in Zeiten wie diese; geben, mußte ich mir in der Tschechoslowakei von Deutschen sagen lassen, die im Kampfe um ihr Deutschtum stehen und Tag für Tag dafür ihren Zoll an Unannehmlichkeiten bis zu schwersten persönlichen und wirtschaftlichen Schädigungen zu zahlen haben, nur die Parole:„Seid einig und seid Deutsche!" Ob wir denn überhaupt kein Gefühl dafür hätten, im entscheidenden Ringen um die Gegenwart und um die Zukunft zu stehen? Ob jetzt überhaupt die Zeit sei, die besonderen Wünsche der Industrie, der Landwirtschaft, des Haus= und Grundbesitzes, des Handels und Gewerbes zum Gegenstand von Parteiprogrammmen zu machen? Ob es jemals dringlicher gewesen sei, das Trennende beiseite zu stellen und sich im Ringen für Deutschlands Freiheit, für die Erhaltung deutscher Wirtschaft, deutschen Lebens, deutschen Geistes zusammen zu finden? Ob kein Mensch bei uns daran denke, wie gewissenlos es sei, der Jugend, die vielleicht noch vor härteren Aufgaben stehen würde als wir selbst, dies unerhörte Beispiel der Zerrissenheit zu geben und sie der Heimsuchung eines unerbittlichen Schicksals für unsere Sünden auszusetzen? Was soll man verständigen Männern auf solche Fragen anders entgegnen, als daß man ernstlich bemüht sein will, ihre guten Lehren in Deutschland verbreiten zu helfen. Diese Wahlparole von Asch in der Tschechoslowakei ist die wichtigste, die für den 14. September dieses Jahres überhaupt ausgegeben werden kann. Die Führer der bürgerlichen Parteien könnten ihr noch in diesem Augenblick gerecht werden, die gegen den verantwortungslosen, gedankenarmen, wirklichkeitsfremden, überalterten Marxismus niemals so dringlich gewesen ist, wie in diesem Augenblick. Befolgen wir die phrasenärmste und inhaltsreichste Parole:„Seid Deutsche! Treviranus auf der hohenshoutg Hohensyburg. Sinn des Aufstiegs aus den Niederungen unseres Vaterlandes wurden in Reden aus Anlaß einer Feier dargelegt, die die Ortsgruppe Hagen im Deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verband auf den sagenumwobenen Höhen der Hohensyburg beging. Auf dem weiten Platz vor dem Denkmal hatte sich eine großer Menschenmenge angesammelt. Nach dem gemeinsam gesungenen Lied„Ich hab mich ergeben“, erfolgten von den Fahrenden Gesellen am Fußsockel des Denkmals für die Gefallenen Kranzniederlegungen unter den stillen Klängen vom guten KameraDann betrat der Verbandsvorsteher H. Bechli das Rednerpult, um etwa folgendes auszuführen: Die deutschen Rheinlande sind frei, aber das deutsche Volk ist unfrei. Es harrt, um frei zu werden, der inneren Befreiung; es harrt der Besiegung der Zwietracht durch den gemeinsamen Willen zur Opfertat für Deutschland; es harrt der Not des großen nationalen Gedankens, die die sozialen Gegensätze überbrücken soll. Wir kämpfen um die Wiederkehr deutscher Treue. Wir wollen ein deutsches Volk, einen deutschen Staat; wir wollen eine Jugend, die wieder schwört aufs deutsche Wort, auf deutsches Schwert, deutschem Stahl und deutschen Gott. Wir wollen zu der Jugend stehen. Es gilt zu schmieden ein neues Volk im alten deutschen Geist, es gilt zu schmieden ein neues, hartes Geschlecht, das den Willen und die Kraft hat, das, was ihm die Geschichte zeigt, als Aufgabe einstens zu vollenden. Deutsche Jugend, werde stark! Langanhaltender Beifall folgte der Rede. Stürmische Begrüßung setzte ein, als Reichsminister Treviranus am Rednerpult erschien, um folgende Gedänkengänge zu entwickeln: Sie sollen ihn nicht haben und sie haben ihn nicht erhalten den deutschen Rhein. Viele werden es kaum noch wissen, wie es war, als fremde Bajonette an jeder Sperre Wacht hielten, als deutsche Frauen und Männer immer wieder aufs neue Schmach erfuhren. Was wir seit 16 Jahren erlebt haben und seitdem unser Leben mit gedämpften Trommelklang geht, seitdem wir zäher als je, zäher als unsere Väter an unserer Heimat hingen, die uns gefehlt hat, seitdem wir das Leben in seinem tiefsten Ernst erkannt haben, als die Brüder neben uns fühlen, seitdem gilt um so fester unser Schwur: Was deutschwar, soll deutsch bleiben, und keine Macht der Welt wird und kann uns hindern, zu sagen, daß wir gleiches Recht haben und fordern wie die Völker auf dieser Erde, daß wir nicht vergessen, wofür wir geopfert und geblutet haben. Wenn die Tage vergehen und die Kinder groß werden, die selbst den Krieg nur noch vom Hörensagen kennen, um so ernster wird unser Sinn, um so treuer der Gedanke an diejenigen, deren Leiber auf der Tiefe der See oder in fremder Erde irgendwo unbekannt oder unter stummen Kreuzen ruhen. Als wir hinauszogen, da ist unser Herz fröhlich gewesen, weil wir in deutschen Gauen eine behütete, glückliche Kindheit hatten, und als das Gesicht des Krieges uns offenbar wurde in alle dem Heldentum, aber auch in all der Schwernis, da sind, wir eins geworden. Mit dem stillen und stummen Schwur kommen wir heim: Dann soll diese Heimat ein freies Geschlecht sehen, frei von Kastengeist, frei von der Ich=Sucht, frei von dem Bruderstreit, frei aber auch in dem inneren Frohsinn, daß Gottes Odem weiterhin über das Land wehe. Wer im Fluge von Zeit zu Zeit die Heimat sieht, in der die Väter schon vor 600 Jahren saßen, wer diese Heimat mit ihren Bergen und Buchten ins Auge faßt und in die Seele senkt, dem wissen die Geschlechter zu sagen, wessen Erbe wir sind und was unser Vermächtnis sein soll an unseren Kindern. Wenn der Wanderer zwischen beiden Welten, unser unvergeßlicher Walter Flex, seiner Kompagnie zum Heiligabend 1915 das unvergängliche Gedicht von dem Abendmahl im tiefsten Sinne gab, so wissen auch wir, daß die, die für uns fielen, starben, nur damit wir leben. Aber das Leben verlangt Einsicht und Erkenntnis, zu welchem Zweck und zu welchem Gebot wir auf dieser Erde sind. Wenn wir die Freiheit nur dem Namen nach kennen, froh und dankbar sind, daß sichtbare Zeichen sremder Hoheit unser deutsches Land verlassen haben, so wissen wir, daß Kampf um unser Recht, Kampf um den Frieden in der Welt nicht nur für unser Volk, sondern für unseren ganzen Erdteil von uns verlangt eine eiserne Selbsucht, kein Spiel mit leeren Worten, kein Klirren nit Schwertern. Die Welt hat aber die unerschütterliche Gewißheit, daß unser Ringen um das Recht auch der Sieg der Freiheit in der Welt sein wird. Das gibt diesem unseren Kampf, das gibt diesem unseren Gedanken an die gefallenen Brüder den tieferen Sinn, die Freiheit von dem eigenen Ich und die Sendung für ein größeres Ziel. Wenn wir unsere Blicke hinausrichten über unsere engere Heimat und die Grenzen unseres Reiches, dann erst wird die Welt erstehen in einem neuen Geist. So wollen wir heimgehen von dem Berg in die Täler und in unsere Heimstätten mit dem Schwur: Unser Reich, unser Volk, unser Vaterlaid heute und immerdar! Ziel unseres Lebens— Sieg unseres Sterbens! Das walte Gott! Dann folgte das gemeinsam gesungene Deutschlandlied. Im großen Ulmerschen Festsaal schwang sich um die Feiernden das Band starker Einigkeit. Kreisgeschäftsführer Max Lohs, Hagen, richtete Worte an die deutschen Frauen. Gemeinsam gesungene Lieder, Konzertstücke. und Ehrungen von Jubilaren süllten den Abend aus. FürSag Ein Roman von Benzin und Liebe von Fritz Lange Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Nun trat Hans rasch näher, grüßte korrekt, ohne besondere Wärme. „Ich kann mir nicht denken, was Sie zu so später Stunde zu mir führt, Fräulein Rita! Und etwas leiser, fast schüchtern fügte er hinzu: wäre mir peinlich, wenn Robert von Ihrem Besuch Kenntnis erlangte. Rita Belmont ließ sich mit einem hellen Lachen wieder auf den Stuhl nieder. „Ach Robert, machen Sie sich um den keine Sorgen. Der hat mich ja hergeschickt.“ Ihre Worte schleuderten den Ahnungslosen auf einen Stuhl. In seinem unkomplizierten, geraden Wesen richteten die folgenden Enthüllungen Ritas Verheerungen an.„Ich verstehe nicht—— was können Sie von mir wollen —— wie sind Sie hereingekommen?" Rita rückte näher an ihn heran. Sie war nun sehr ernst, als sie sagte:„Das ist doch alles furchtbar einfach und durchsichtig. Ich habe um neun Uhr bei Ihnen angerufen. Ihre Mutter sagte mir, daß Sie mit Robert weggefahren seien. Dann bin ich eine halbe Stunde später selber gekommen.“ „Und meine Mutter hat Sie hereingelassen?“ fragte Hans ungläubig. „Gewiß! Nachdem ich ihr gesagt hatte, daß Sie mich für diese Zeit bestellt hätten. Das müsse ein Irrtum sein, hat zwar die Dame des Hauses eingewendet, aber ich beharrte darauf, zu warten, bis Sie zurückkämen“. Die dunklen Augen der Aehrenblonden lieken den Staunenden keine Sekunde aus dem Blickfeld. Die Wirkung ihrer verblüffenden Worte war für diese Circe eine Sensation ersten Ranges. Rita Belmont, die vierundzwanzigjährige, reife Schönheit, mußte in diesem Moment an Roderts kühle Haltung denken:„Gib dir keine Mühe. Hans ist harmlos. Er geht dir nicht ins Garn.“ Um ihren Mund erschien wieder der spöttische Zug.— Oh, wenn jetzt Robert Braun gewußt hätte, daß diese unbedachte Aeußerung zum Anreiz für dieses Weib wurde, zu einem Leitsatz, der entscheidend für sein ganzes Leben „und was soll das nun alles?“ Ungeduld zitterte in der Frage Bachs. Da drehte sich die Abenteuerin halb nach dem Schreibtisch des Ingenieurs um, wo die gerollten Zeichnungen in wirrem Durcheinander lagen. Rita wies mit gestrecktem Arm nach den „Um diese Sachen geht es, mein lieber Herr Bach!“ Ihre Worte betont wie ein Trumpf. Mit vorgestrecktem Oberkörper starrte der Mann nach den Plänen. „Der Vergaser—— ich begreife nicht, in welchem Zusammenhang Sie——“ Er faßte sich stöhnend an den Kopf. Zum Teufel! Träumte er oder setzten ihm die Geister des Berncastlers nachträglich doch mehr zu, als er sich eingestehen wollte? ja— Ihre Erfindung hat mich hergelockt! Ich wollte die Zeichnungen stehlen— Aber sie hatte sich vorgebeugt. Ihr schimmerndes Haar berührte fast die Stirn des Vorveh.. aen S ugs Der sah nun endlich Kar. Keinen Angenon zweiselte er an der Wahrheit dieses Geständnisses. Er sah sogar den Anstifter. Sie mühsam zund weshalb haben Sie Ihr Vorhaben nicht ausgeführt? Es wäre Ihnen doch ein leichtes gewesen die Pläne an sich zu nehmen, nachdem meine Mutter die Stube verlassen hatte.“ gm Diese Frage schien nita Beimom nicht erwartet zu haben, wenigstens jetzt noch nicht. Doch mit der ihr eigenen Anpassungsfähigkeit fand sie den Anschluß an die Situation. „Weil ich Sie liebe Hans——“ Wie sie so vor ihm saß, vorgekauert, ganz in zarter, weißer Seide, die Hände wie hilflos im Schoß gefaltet, mit einem hübschen Gesicht, den leuchtenden Augen nur einen schmalen Spalt zwischen den lang und dunkel bewimperten Lidern gewährend, mußte Hans Bach an die Echtheit ihrer Offenbarung glauben. Er war kein Frauenkenner, aber so viel sagte ihm sein Gefühl: Aus Rita Belmont spricht die Wahrund diese Wahrheit machte ihn bestürzt und unsicher. Die Situation war ihm ganz neu: Eine Frau, ein schönes, angebetetes Mädchen, warb um ihn! Er sah die Perlenschnur, die sich in den Blusenausschnitt der Blondine verlor, er sah den roten Mund mit dem Schwung seiner nachgezeichneten Linien, er sah die gleißende, lokkende Kontur des Haarschnitts. Und doch vermochte die Fülle der Verführungsseligkeit dieses Geschöpfes nicht voll auf den naiven Beschauer zu wirken, weil er in dieser Sekunde wie durch geheimen Zwang an Elsbeth Reimer denken mußte. Das liebe Mädel wirkte im Verhältnis„u dieser kapriziösen Dame so einfach und unkompliziert wie ein C=Dur=Akkord. Mit dieser Feststellung wurde Hans Bach der Wirklichkeit zurückgeschenkt und Rita Belmonts Schicksal entschieden. „Sie geben vor, mich zu lieben— und standen doch im Begriff, mich zu bestehlen!?" Seine Besucherin duckte sich wie unter einem „Es lag nie in meiner Ansicht, Ihr Eigentum anzurühren.“ Der Blick Bachs wurde stahlhart. „Sie wollen mich glauben machen, daß Sie zu so unpassender Stunde nur zu mir gekommen sind, um mir— wie soll ich mich ausdrükken— um mir Mitteilung von Ihrer Liebe zu Run ritz ihr die Geduld. Mit dem Fuße aufstampfend, verteidigte sie sich: „Ich wußte keinen anderen Weg, der zu Ihnen führt, und— ich wollte Sie warnen. Hans schloß flüchtig die Augen. Er wußtc, was nun kam.—„Robert?“ Dieser eine Name genügte. Rita Belmont wagte nicht aufzusehen. Sie nickte bejahend. „Sie kamen in seinem Auftrage?" a. „Und was wollen Sie ihm sagen, wenn Sie mit leeren Händen vor ihn hintreten? Keine Sekunde war sie um die Antwort verlegen. „Daß ich statt der Pläne Sie selbst gesunden hobe. In ihren Augen war wieder jenes undeherrschte Funkeln, das Hans, Bach schon bei seinem Besuch in ihrem Heim anläßlich des Tanzfestes aufgefallen war. Hans überlegte. Robert war ein Schuft, das stand fest. Wie man dieses Rasseweib betrügen konnte, begriff er nicht. Aber weil Robert diesem Luxusgeschöpf die Treue nicht hielt, wurde er selbst betrogen. Ob die Sache mit dem Vergaser stimmte, ob Robert wirklich angeregt hatte, die Pläne zu stehlen— das wagte Hans im Moment nicht zu entscheiden. Nicht Robert hieß die Gefahr, Während er sich fast brüsk erhob, fragte er, mehr aus inneren Triebe als aus Neugierde: „Warum schließen Sie keine Ehe mit Robert aun?“ Rita wurde durch diese Worte fast vernichtet. Sie sank förmlich in sich zusammen. Ihre Lider hatten sich über diese lebensgierigen Augen Einen Augenblick schien sie angestrengt nachzudenken. Dann schüttelte sie verneinend mit dem Kopfe und blieb stumm. Die Wahrheit Sie hatte an diese von Hans angeregte Möglich keit selbst noch nicht gedacht oder besser, nicht zu denken gewagt. Nun erhob sie sich unter dem Blia des Ingenieurs etwas unsicher. Sie wußte: Di Weg war ein Kanossagang für sie. Verg und verloren. Ihr Herz, das im Sturmschritt zu siegen gedachte, ging leer Luf. u Vergessen Sie diese Stunde, HunSie sprach des, ohne den Schritt zu verhalten. (Fortsetzung folgt.) Das Fahr neigt sich Schwerte, den 2. September 1930. Nach einem August, der uns nur allzu viel von seinen hochsommerlichen Eigenschaften vorenthalten hat, kommt nun der September, der Herbstmonat Noch hat sich das Jahr nicht verausgabt. Der September kann uns, wenn er will, noch einen schönen Nachsommer bescheeren, jene wahrhaft goldenen Tage, über denen ein tiefblauer Himmel steht, eine milde Sonne mit einem vergoldenden Schein verklärt und eine Stimmung von seltsam beglückender Erfülltheit durch die Natur geht. Und auch der Herbst mit seinem Farbenspiel hat uns noch manche Freude zu schenken, ehe die Armut und Dürftigkeit des Spätjahres das Naturbild in Nebel und Kahlheit hüllt. Freilich, in jedem Fall ist des Jahres hohe Zeit vorüber. Schon stehen viele Felder kahl, schon ebbt der Strom der Ferienreisenden mählich ab, schon fällt der Abend allzufrüh herein, und der September wird uns abermals mehr denn anderthalb Stunden des Tageslichtes rauben.„An Mariae Geburt, fliegen die Schwalben wieder fort“, heißt's seit altersher vom 8. September, und damit ist angedeutet, daß schon lange vor dem Eintritt des kalendermäßigen Herbstes die Naturvorgänge sich auf den Herbst einzurichten beginnen. Mit dem Herbst naht auch wieder die Zeit, die die Familie näher und enger zusammenführt Es wird so viel über die Lockerung und Auflösung des Familienlebens, über das Schwinden der Familienbarmonie und Familienpoesie geklagt. Und doch könnte die Zeit der längerwerdenden Abende gerade in der Wiedererwekkung eines echten Familiengeistes wahre Wunder tun. Welches Glück für das deutsche Volk, wenn es gerade jetzt in den wirtschaftlich so schweren Zeiten die Kraft und den Willen zu solchem Familiengeiste fänden. Gedenktage. 2. September: 1851 Der Dichter Richard Voß in Neugrape geboren(gestorben 1918).— 1853 Der Chemiker Wilhelm Ostwald in Riga geboren.— 1870 Gefangennahme Napoleons III. und Kapitulation von Sedan. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 1. September 1930. Der gestern vom Norden her nach Dänemark reichende flache Tiefdruckausläufer ist ostwärts abgezogen, während sich das nordwestliche Hochdruckgebiet mit seinem Kern nach Großbritannien verlagert hat. In Deutschland war es heute früh wolkig, teilweise auch trübe und regnerisch und kühler. Die heutegen Morgentemperaturen lagen zwischen 12 und 19 Grad. Der Kahle Asten hatte mäßigen Nordwestwind, Nebel und 11 Grad. Aussichten bis Mittwoch: Zunächst wolkig, aber keine erheblichen Regenfälle, später aufklärend bei wieder ansteigenden Temperaturen. Hohes Alter. Am letzten Samstag, den 30. August, konnte der Invalide Bernhard Spenner, Neumarkt 6, im Kreise seiner Angehörigen seinen 83. Geburtstag begehen. Der alte Herr, der Teilnehmer des Krieges 1870=71 gewesen ist und der von seiner Militärzeit noch gern und humorvoll zu plaudern pflegt, ist körperlich und geistig noch rüstig. Nachträglich entbieten wir ihm unsere herzlichsten Geburtstagswünsche, verbunden mit der Hoffnung, daß ihm noch ein schöner und sonniger Lebensabend beschieden sein möge. : Bestandene Prüfung. Fritz Goßmann und Karl Wagener, beide aus dem Gartenbaubetrieb H. Greve, bestanden die Gehilfenprüfung vor dem Prüfungsausschuß der Landwirtschaftskammer in Münster. Beförderung. Der Werkmeister Küper im Ausbesserungswerk wurde am 1. 9. 30 zum Werkobersekretär befördert. Ehrenvolle Auszeichnung. Dem Kellner Josef Stirnberg wurde für eine 6jährige Tätigkeit im Hotel=Restaurant Kaiserhof vom Deutschen Gastwirte=Verband e. V. Berlin eine Ehrenurkunde sowie ein silbernes Ehrenzeichen verliehen. — Vaterländischer Frauenverein. Mittwoch, den 3. September, nachmittags 2,30 Uhr, Mutterberatung in der Schwerter Sparkasse.— Donnerstag, den 4. September, 3 Uhr nachmittags, Mutterberatung in SchwerteOst bei Dieckmann. Zu geringer Wasserdruck. Die Bewohner der Hörderstraße in dem Stück von Tiemesmann bis etwa nach Schäfer(Wirtschaft„Zu den drei Linden")klagen, wie wir hören, über einen zu geringen Wasserdruck in den Leitungen. Die Wasserentnahme aus den Kräneu kann nur langsam erfolgen und erfordert eine gewisse Zeit, da der Wasserstrahl nur sehr dünn und schwach ist. Für baldige Abstellung dieses Uebelstandes wären die in Frage kommenden Familien der zuständigen Stelle sehr dankbar. - Selbstmordversuch. In der letzten Nacht unternahm ein etwa 20 Jahre alter Mann von auswärts im Schwerterwalde einen Selbstmordversuch, indem er sich mit einer Pistole durch die Brust schoß. Der Verletzte schleppte sich noch bis zur Wirtschaft Venghaus, wo ihm ärztliche Hilfe zuteil und er ins Krankenhaus nach Hörde transportiert wurde. Was der Grund zu dieser Tat gewesen ist, blieb noch unbekannt. Ferienwanderung. Dienstag, den 2. September, nachmittags 3 Uhr Halbtagswanderung der Knaben und Mädchen des 1., 2., 3. und 4. Jahrgangs. Führerinnen Frau Enste, Frl. Böven, Frau Kölsch, Herr Krömann. Treffpunkt Kirchplatz.— Mittwoch, den 3. September Ganztagswanderung zu den Iserlohner Bergen. Führer: Herr Enste und Herr Rotkamp. Abmarsch 9 Uhr vom Kirchplatz. Knaben des 2. bis 8. Jahrganges.— Donnerstag, den 4. September Vormittagswanderung in die Schwerter Umgebung. Führerin: Frl. Sommer. Abmarsch 8,30 Uhr vom Kirchplatz. Mädchen des 1. bis 6. Jahrganges. : Neueröffnung des Hotel=Restaurants „Kaiserhof“. Am gestrigen Abend fand die Neueröffnung des von dem bisherigen Eisenbahnkasinowirt August Fischer übernommenen Hotel=Restaurants Kaiserhof verbunden mit Frühstücksstube statt. Dem Ernste der Zeit entsprechend war von einer offiziellen Feier Abstand genommen worden. Die durch die hiesigen Malermeister Torbeck und Hellwig, sowie den Dekorationsmeister Mester mit einem erlesenen Geschmack ausgeschmückten Räume in einem herrlichen Blumenschmuck sind so recht dazu angetan, nicht nur den Schwerter Bürgern, sondern auch den unsere Heimatstadt besuchenden Fremden den Aufenthalt in ihnen so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Durch ein Künstlerorchester wird dem Ohr das Beste geboten. Für das leibliche Wohl ist durch den Ausschank des weit über die Grenzen Deutschlands hinaus wohlbekannten Dortmunder Union=Bieres gesorgt. Die als vorzüglich bekannte gute Küche der Frau Wirtin wird in Verbindung mit gutgepflegten Weinen auch das ihrige zur Zufriedenheit der Gäste beitragen. Wir wünschen dem Unternehmen den besten Erfolg. Die Treviranus=Partei in Schwerte. Die Konservative Volkspartei, die vom Reichsminister Treviranus geführt wird, hält am kommenden Mittwoch, den 3. September in Schwerte— Westfälischer Hof— abends 8 Uhr ihre erste öffentliche Wahlversammlung ab: Als Redner des Abends wurde der 2. Spitzenkandidat aus dem Wahlkreis Westfalen=Süd, Dr. Heinz Dähnhardt, Spandau, gewonnen, der den politischen Willen der Konservativen Volkspartei in seiner Rede erläutern und herausstellen wird. Stahlhelm. Die am vergangenen Samstag stattgefundene Versammlung war stark besucht. Es konnten wiederum neue Kameraden verpflichtet und dem Bunde zugeführt werden. Auch in der letzten Versammlung haben sich wieder Personen zur Aufnahme gemeldet. Der geschäftliche Teil nahm den ganzen Abend in Anspruch. Ueber die Einweihung des Stahlhelm=Heimes Mengede wurde eingehender Bericht erstattet. Das Stahlhelm=Heim ist aus eigenen Mitteln der Kameraden während der Verbotszeit errichtet und hat eine Größe mit den Anlagen von 15 000 gm. Diese kameradschaftliche Arbeit hat die Anerkennung der ganzen Bevölkerung in Mengede gefunden. Der Reichsfrontsoldatentag findet am 4. und 5. Oktober 1930 in Koblenz statt. Die Hunderttausende müssen wegen der jetzt schon vorliegenden zahlreichen Anmeldungen zwischen Andernach und Bingen verteilt werden. Besondere Veranstaltungen sind am 5. 10. in Koblenz vorgesehen. Auch die Ortsgruppe Schwerte wird sich selbstverständlich diesmal wieder beteiligen. Für die notleidenden und arbeitslosen Kameraden wurde eine Stahlhelm=Selbsthilfe in Vorschlag gebracht, die im kommenden Herbst zur Durchführung kommt. Nach dem gemeinsam gesungenen Bundeslied konnte die Versammlung geschlossen werden. Die nächste Versammlung soll am 13. September stattfinden. Die Kameraden blieben noch lange anregend beisammen. + Christliche Arbeitsinvaliden. Im Lokale Meyer hielt gestern abend die hiesige Ortsgruppe des Bundes christlicher Arbeitsinvaliden und Witwen eine Versammlung ab, die sich eines außerordentlich guten Besuches zu erfreuen hatte. Der Geschäftsführer des Bundes, Stadtv. Bozetti, gab einen ausführlichen Tätigkeitsbericht, aus dem zu ersehen war, daß auch im vergangenen Monat ersprießliche Arbeit für die Mitglieder geleistet wurde. Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Vortrag des Beigeordneten Beierle=Menden, Mitglied des Kreisausschusses des Landkreises Iserlohn, der sich in leichtverständlicher Form über den großen Aufgabenkreis der Fürsorgeverbände bezw. der Wohlfahrtsämter verbreitete. Oberstes Gesetz aller Wohlfahrtsämter müsse sein, für den notwendigen Lebensunterhalt der von ihnen Betreuten zu sorgen, dabei müsse verlangt werden, das bie von den Bezirksfursorgeverbänden heraus gegebenen Richtlinien nicht engherzig ausgelegt würden. Bei begründeten Beschwerden möge man sich vertrauensvoll an den Kreisausschuß Iserlohn=Land wenden, der durchaus nicht kleinlich verfahre. Er belegte dann mit Ziffern das gewaltige Anwachsen der sozialen Lasten des Landkreises Iserlohn und forderte zum Schluß zu straffer Organisation aller Sozialrentner auf; nur auf diesem Wege könnten berechtigte Wünsche und Hoffnungen auf gesetzlichem Wege ihrer Erfüllung zugeführt werden. Die lichtvollen Ausführungen des Redners, die in einzelnen Punkten von dem Stadtv. Bozetti noch ergänzt und unterstrichen wurden, fanden starken Beifall. In der nachfolgenden Aussprache beschäftigten sich der als Gast anwesende Lehrer Kraas, der Obmann der Ortsgruppe Hemer, und der Redner des Abends mit einem Wahlflugblatt des„freien“ Zentralverbandes und wiesen die in demselben der Regierung Brüning hinsichtlich der Notverordnung gemachten Anwürfe unter dem lebhaften Beisall der Versammlung zurück. Der ganze Abend nahm einen sehr anregenden Verlauf und dürfte auf die Entwicklung der hiesigen Ortsgruppe, die gegenwärtig ca. 180 Mitglieder zählt, von größter Bedeutung. - Verlosung des Vaterländischen Frauenvereins. Zu der mit dem heutigen Tage beginnenden Ausstellung eines Teiles der Gewinne ist noch folgendes zu ergänzen: Außer den drei vorhergenannten Firmen hat sich auch die Firma Braus in entgegenkommender Weise bereit erklärt, Gewinne auszustellen. Es gelangen also Gewinne zur Ausstellung in den Schaufenstern folgender Firmen: O. Klein, Hüsingstraße, D. Strauß Hüsingstraße, C. Brühmann, Ostenstraße, C. Braus, Bahnhofstraße. Die drei erstgenannten Firmen haben je ein Fenster zur Verfügung gestellt, die Firma C. Braus drei Fenster. Also in diesen sechs, durch rote Kreuze kenntlich gemachten Schaufenstern ausgestellten Gegenstände sind Gewinne der Verlosung des Vaterländischen Frauenvereins. Lose sind in den genannten Geschäften und bei den Vorstandsdamen noch zu haben. —: Monatsversammlung der K. B. und K. H. im R. K. B.„Kyffhäuser“. Am Sonnabend, den 30. August, abends, fand im Lokal Kordeck die ordnungsgemäß einberufene Versammlung der K. B. und K. H. R. K. B.„Kyffhäuser“ statt. Die Versammlung war durch Karte einberufen worden und waren laut Anwesenheitsliste 28 Kameradinnen und Kameraden der Einladung gefolgt. Um 9 Uhr eröffnete der 1. Vorsitzende, Kam. Scherff, die Versammlung, hieß alle herzlich willkommen und gab die Tagesordnung bekannt: 1. Aufnahme neuer Mitglieder, 2. Zahlung der Beiträge, 3. Bericht über die Tagung in Hagen, 4. Verschiedenes. Zu 1. hatte sich schriftlich der Kam. Schildwächter gemeldet. Punkt 2 fand entsprechende Erledigung. Zu 3. erhielt der Sachberater Kam. Hesse das Wort. Kam. Hesse schilderte den Verlauf der Tagung und machte hierauf Mitteilung über einzelne Punkte. Er führte u. a. auch den Artikel 1§ 53 RVG. an, ferner Artikel 2§ 57 Abs. 1 RVG. u.a. m., woraus die Anwesenden ersahen, wie einschneidend die Notverordnungen für uns sind. Nachdem Kam. Hesse seine Ausführungen beendet hatte, stellte der Vorsitzende diese zur allgem. Besprechung. In dieser Besprechung konnte man feststellen, daß wohl alle diese Notverordnungen lieber nicht gesehen hätten. Kam. Neuert brachte dann einen Antrag ein, welcher besagt, daß den Mitgliedern des XVI. Ausschusses das ärgste Mißtrauen entgegen gebracht wird. Eine Protestnote soll zum Prov.=Verband und von dort weiter zum Kyffhäuserbund geleitet werden. Es folgte dann der Bericht über die Sitzung der Fürsorgestelle. Nachdem auch hiervon Kenntnis genommen worden war, daß auch in diesem Jahre keine Winterbeihilfe für Kriegsbeschädigte gewährt würde, der Kredit für Kohlen und Kartoffeln auch nur bis zum 1. April ginge, wurde Beschluß gefaßt, daß ein Schreiben zur Fürsorgestelle, eine Abschrift davon an den Stadtverordneten=Vorsteher geleitet werden soll, worin der Wunsch geäußert wird, den Kredit mindestens für 12 Monate einzuräumen. Um 10,45 Uhr konnte der Vorsitzende die Versammlung schließen. Nächste Versammlung: Letzter Samstag im September! chen der Wage und des Herbstgestirns tritt und damit Tag und Nacht einander gleich macht. Der Untergang unseres Tagesgestirns findet zu Anfang d. M. 6.48, zu Ende d. M. 5.42 statt. Mondwechsel finden im September statt am 8. (Vollmond), am 15.(letztes Viertel), am 22. (Neumond) und am 29.(erstes Viertel). Ueber die Planeten=Erscheinungen sind folgende Zeitangaben zu machen: Der Merkur geht zu Beginn d. M. knapp ½ Stunde nach der Sonne unter, steht am 21. in unterer Konjunktion zu ihr und geht Ende d. M. 1¼ Stunden vor der Sonne auf. Um ½6 Uhr morgens steht er am letzten d. M. wenige Grad hoch im Osten im Sternbild des Löwen.— Die Venus strahlt als Abendstern zu Beginn d. M. bis reichlich 1 Stunde nach Sonnenuntergang. Ende d. M. beträgt ihre Sichtbarkeitsdauer nur noch 25 Minuten.— Der Mars geht zu Beginn d. M. 6 Stunden, Ende d. M. 7¼ Stunden vor der Sonne auf.— Der Jupiter geht am 1. d. M. schon kurz nach Mittemnacht auf. Die Dauer der Sichtbarkeit nimmt im Laufe d. M. bis zu 6½ Stunden zu. Mitte d. M. steht er 1 Uhr nachts reichlich 10 Grad hoch im Nordosten im Sternbild der Zwillinge.— Dagegen ist der Saturn zu Beginn d. M. noch 3½ Stunden, Ende d. M. knapp 3 Stunden nach Sonnenaufgang sichtbar. *- Der Himmel im September. Wenn die Blätter fallen und schottische Muster, helles Gelb oder fahles Braun auf den Weg malen, darf man von unserem großen Lichtspender„Sonne“ nicht mehr allzu viel fordern, sondern muß das Gebotene mit dem Gefühle der Dankbarkeit für einen langen Sommer entgegennehmen. Freilich, manchem will es gar nicht in den Kopf, warum er frühmorgens gar nicht mehr pünktlich aufwacht, obwohl die Sonne kalendermäßig in der sechsten Stunde (am 1. September= 5,11, am 30. September= 5.58) erscheint; das mag auch daher kommen, weil die kühlere Zeit eine Art Schlafsucht bei manchem Menschen auslöst. Soll man doch am vorzüglichsten in den Frühjahrs= und Herbstmonaten schlafen, zu welcher Zeit weder Sommerhitze noch Winterkälte den Schlafenden beeinflussen. Doch nicht nur das Aufstehen fällt vielen Menschen schwer, sondern auch das lange Aufbleiben am Abend; viele gehen auch zeitiger schlafen, um Licht zu sparen. Finster wird es jetzt schon recht zeitig, obwohl erst am 23. September 7.37 nachmittags die Sonne in das ZeiIserlohn l. Holzen. Rentenauszahlung. Die Auszahlung der Krankengelder, Invaliden=, Alters= und Witwenrenten der Ruhrknappschaft für den Monat September findet am Freitag, den 5. September, nachmittags 2,30 Uhr, im Lokale Hosang in Mittelholzen statt. I. Wandhofen. Frauenhilfe. Am Donnerstag, den 4. September, nachmittags 3 Uhr, hält die Frauenhilfe von Wandhofen ihre nächste Versammlung ab. I. Westhofen. Achtung! Falschgeld! Im Zahlungsverkehr wurde hier ein falsches 2 Reichsmarkstück angehalten. Das Falschstück trägt die Jahreszahl 1927 und das Prägungszeichen A. An dem schlecht geriffelten Rande, an der bleiernen Färbung und dem Klange ist das Falschgeld leicht zu erkennen. Auch derjenige macht sich strafbar, der falsches Geld als echtes empfängt und nach erkannter Unechtheit wieder in Verkehr bringt oder solches versucht. I. Westhofen. Der Wahlkampf beginnt nun auch in unserer Stadt nach außen in die Erscheinung zu treten. Eine öffentliche Wählerversammlung findet heute abend im Saale des Wirtes Asbeck statt. Von den verschiedenen Parteien sind weitere Versammlungen für nächste Woche vorgesehen. I. Westhofen. Ohne Führerschein. Bei einer Autokontrolle wurden einige Personen angehalten, die Kraftfahrzeuge steuerten, ohne im Besitze der erforderlichen Papiere zu sein. In einem Falle, in dem ein junger Mann ohne Führerschein einen Kraftwagen führte, ereignete sich ein Unfall, der eine starke Beschädigung des Wagens zur Folge. Im Interesse der Verkehrssicherheit sollen jetzt häufiger Autokontrollen abgehalten werden. I. Westhofen. Ausflug der Sängervereinigung. Einer Einladung folgend, unternahm die hiesige Sängervereinigung einen Ausflug zur Dortmunder Union=Brauerei, der mit einer Besichtigung der umfangreichen Brauereianlagen verbunden war. Unter der freundlichen Führung des Herrn Schürmann lernten die Mitglieder die Herstellung des Bieres in allen Einzelheiten kennen. Nicht weniger als 370000 Hektoliter Bier werden in den großen Lagern dauernd vorrätig gehalten. Besonderes Erstaunen riefen die modernen technischen und maschinellen Einrichtungen des Betriebes hervor. Erst spät wurde die Heimfahrt angetreten, nachdem man noch einen gemütlichen Abend im „Union=Keller" verlebt hatte. ! Westhofen. Ein rabiater Mensch. Nachdem er sich schon tagelang dem Trunke hingegeben hatte, kam der Arbeiter M. wieder einmal stark betrunken nach Hause. Trotzdem er seit einigen Wochen erwerbslos ist, hatte er für Alkohol immer noch Geld übrig. Die Familie mußte darunter leiden, besonders die kurz vor der Niederkunft stehende Ehefrau. Mit einer Sense drang er auf seine Schwiegereltern ein, die sich aus Angst vor ihm eingeschlossen hatten. Eine Fensterscheibe schlug der rohe Mensch entzwei. Seine Frau mußte in den Wald flüchten. Schließlich wurde der zuständige Polizeibeamte zum Schutze herbeigerufen, der die nötigen Maßnahmen traf. Vom Film Bei ermäßigten Eintrittspreisen wird in den Lichtspielen„Zur Reichskrone“ ab heute ein ansprechendes Programm gezeigt. Der Film„Vater vergib mir“ ist ein erschütterndes Lebensbild nach dem berühmten Werk „Blanchette“ von M. Brieux und weist eine inhaltsreiche Handlung auf. Lux, der König der Abenteurer stellt sich in dem Film„Die grüne Laterne“ vor und weiß die Zuschauer bis zum letzten Bilde zu fesseln. In beiden Filmen wirken erstklassige Filmschauspieler mit, wie auch das Nebenprogramm seine altbekannte Güte aufweist. Den Lichtspielen„Zur Reichskrone“ ist ein volles Haus zu wünschen. Turnen Ezich Exrtt Deutschland gewinnt den 11. Leichtathletik Länderkampf und schlägt Frankreich zum 3. Male. Das Ergebnis 84:67 viel besser als erwartet! Engelhard— Dredivivus! (Sonderbericht.) Deutschland konnte seiner ununterbrochenen Siegesserie in den Leichtathletik=Länderkämpfen einen weiteren Erfolg anreihen. Dieser Sieg ist wertvoller, als die meisten vorhergegangenen, denn Frankreich, das von uns zum fünften Male im leichtathletischen Kräftemessen bezwungen wurde, hat durch seine Siege über England, Italien und Japan bewiesen, daß es z. Zt. zu den stärksten Ländern des Erdballs in der Leichtathletik gerechnet werden muß. Hannover hatte die Ehre, Austragsort der bedeutsamen Entscheidung am Sonntagnachmittag zu sein. Das Stadion, normal 18000 Zuschauer fassend, war zum Platzen gefüllt. Man hatte noch für 2—3000 Zuschauer Plätze hinzugeschaffen. Weitere 1000 hielten hinter den Zuschauermauern Stand, ohne etwas zu sehen; sie wollten aber in etwa den Reiz der großen Entscheidungen wenigstens aus nächster Nähe miterleben und in die Begeisterung einstimmen, wenn die Flaggen am Mast„Sieg der Deutschen“ meldeten. Vor den Toren des Stadions warteten Menschenmassen, die keinen Einlaß mehr bekommen hatten. Ein blauer Himmel strahlte auf den Kampsplatz herab und ein leicht sächelnder Wind brachte in etwa Erfrischung, als die Mannschaften einmarschierten, die die beiden Länder aufgeboten hatten. Noel führte die Franzosen, Troßbach war die Ehre bei den Deutschen zugefallen. Blumen wurden überreicht. Kurze Begrüßungsworte, ein gegenseitiges 3faches„Hipp, Hurrah!“, die beiden Nationalhymnen, stehend angehört und mitgesungen. Dann erfolgte der Aufruf zu den beiden ersten Kämpfen: 100=MeterLauf und Stabhochsprung. Körnig und Jonath kämpfen über 100 Meter für Deutschland, Auvergne und Mourlon für Frankreich. Nach 2 Fehlstarts glatter Ablauf. Körnig ist schnell vorn, aber Jonath spurtet an ihm vorbei und gewinnt mit Brustbreite in 10,7 Sek. Mit 2 Meter Abstand folgen die Franzosen in 10,9 Sek. Deutschland bucht 8, Frankreich 3 Punkte. Ein guter Anfang! Kaum sind die Wogen der Begeisterung verebbt, als sie neuen Auftrieb bekommen. Im 800=Meter=Lauf traten Martin und Keller für Frankreich, Danz und Müller für Deutschland in die Schranken. Nur ganz wenige Optimisten im weiten Rund werden mit einem deutschen Siege gerechnet haben, weil die Klasse der Franzosen zu überragend schien. Aber das schier Unmögliche, hier wurde es Ereignis! Danz drang aus letzter Position kurz vor dem Einlauf machtvoll nach vorn und erreichte das Ziel 4 Meter vor Martin in der Zeit von 1 Min. 53,3 Sek. Martin folgte in 1 Min. 53,7 Sek., vor Keller in 1 Min. 53,9 Sek. und Müller in 1,55,1 Min. 6 Punkte fallen an Deutschland, 5 an Frankreich. Für den verletzten Deutschen Körnig wurde Gillmeister im 200=Meterlauf eingesetzt und erwies sich als vollgültiger Ersatz. In der Reihenfolge: Gillmeister(Deutschland) 22 Sek., Borchmeyer(Deutschl.) 22,1 Sek., Auvergne (Frankreich) 22,1 Sek., Beigbeder(Frankr.) 22.5 Sek. gingen die Teilnehmer durchs Ziel. 8 Pkt. für Deutschland, 3 Punkte für Frankreich. Das Speerwerfen ergab wiederum überlegenen Sieg der Deutschen. Mäser(Deutschl.) war in einer bisher noch nicht erreichten glänzenden Form. Alle seine 6 Würfe lagen um die 65=Meter=Grenze. Ein Wurf wurde sogar mit 68.05 Meter(!) gemessen, konnte aber wegen knappen Uebertretens nicht gewertet werden. Der beste gültige Wurf maß 65,06 Meter. Weimann (Deutschl.), der deutsche Rekordmann, brachte es diesmal nur auf 58,56 Meter, Gassner(Frankr.) irzielte 56 Meter, Noel blieb unter 50 Meter. Wiederum 8 Punkte für Deutschland, 3 Punkte für Frankreich. Weiteste Kreise bezweifelten, ob Engelhardt(Deutschl.) soviel von seinem früheren Können nach seiner schweren, im Boxtraining erlittenen Verletzung wiedergewonnen habe, um in Ehren gegen die Franzosen zu bestehen. Aber der sympathische Sportsmann rechtfertigte das Vertrauen der DSB. aufs beste! In einem heroiKampf im 400=Meter=Lauf verwies er den vorzüglichen Franzosen Moulines auf den 2. Platz vor dem Düsseldorfer Kisters u. dem Franzosen Dickely. Zeiten: 49,4 Sek., 49,6 Sek., 49,6 Sek. und 49,8 Sek. 7 Punkte für Deutschland, 4 Punkte für Frankreich. Eine Niederlage mußte Deutschland aber im Stabhochsprung einstecken. Wegener(D.) war nicht in Vollform und mußte Ramadier Frankreich) mit 3,99 Meter(neuer französiischer Rekord!) den Vortritt lassen. Seine Leistung von 3,90 Meter genügte zum 2. Platz vor Vintousky(Frankr.) und Stechmesser(Deutschl.), der sich mit 3,60 Meter begnügte. Frankreich 7 Pkt., Deutschland 4 Punkte. Im Weitsprung aber konnte Deutschland durch Köchermann(7,37 Meter) und Möller (7,18 Meter) wieder mal 8 Punkte einstecken, weil die Franzosen Barlier(6,81 Meter) und Heim(6,59 Meter) an das Können der Deutschen in dieser Sportart noch nicht heranreichen. Eine ganz große Leistung sah man dann von dem berühmten französischen Mittelstreckler im 1500=Meter=Lauf. Ladumeque(Fr.) beendete das Rennen unangefochten in 3 Min. 54,6 Sek. vor seinem Landsmann Leduc, der 4 Min. 1,1 Sek. benötigte. Wichmann(Deutschl.) und Krause folgten in 4 Min. 1,3 Sek, bezw. in nicht gemessener Zeit(Krause). 8 Punkte für Frankreich, 3 Punkte für Deutschland. Das Kugelstoßen wurde dafür eine deutsche Angelegenheit. Uebler(Deutschl.) erzielte 14,90 Meter, der noch ziemlich junge und entwicklungsfähige Sievert(Deutschland) 14,69 Meter, Noel(Frankr.) kam auf 14,62 Meter und Winter(Frankr.) begnügte sich mit 13,82 Meter. 8 Punkte für Deutschland, 3 Punkte für Frankreich. 6 W Im Hochspringen orehten die Franzosen den Spieß um. Menard(Frankreich) sprang 1,91 Meter, Phillipoe(Frankr.) erzielte 1,88 M., Ladewig(Deutschl.) war um 2 Zentimer schlechter und Rosenthal begnügte sich mit 1,84 Meter. 8 Punkte für Frankreich, 3 Punkte für Deutscheve. MM Auch im Diskuswersen mußten wir die Ueberlegenheit der Franzosen anerkennen. Winter(Frankr.) wartete mit der feinen Leistung von 47,92 Meter auf, Noel(Frankr.) folgte mit 46,01 Meter, Hofsmeister(Deutschl.) warf 45,81 Meter, während Paulus(Deutschl.) 44,31 Meter erreichte. 8 Punkte für Frankreich, 3 Punkte für Deutschland. Im 110=Meter=Hürden=Lauf waren Welscher(Deutschl.) und Troßbach(Deutschl.) mit 15,6 bezw. 15,7 Sek. die Besseren. Roth (Frankr.) und Adelheim(Frankr.) erzielten 16 bezw. 16,1 Sek. 8 Punkte für Deutschland, 3 Pkt. für Frankreich. Das 5000=Meter=Laufen suh Voitard(Frankr.) als knappen Sieger vor Petri (Deutschl.), der lange geführt hatte, sich aber kurz vor dem Ziel von dem über eine bessere Endgeschwindigkeit verfügenden Franzosen überspurten lassen mußte. Zeiten 15 Min. 1 Sek. bezw. 15. Min. 1,5 Sek. Mit größerem Abstand folgten Cuignot(Frankr.) 15 Min. 48,7 Sek. und Halber(Deutschl.) 16 Min. 18,3 Sek. 7 Punkte für Frankreich, 4 Punkte für Deutschland. Beide Staffeln wurden von Deutschland gewonnen. Die 4X100 Meter durch Jonath, Borgmeyer, Gillmeister und Körnig in 41,4 Sek., vor der französischen Vertretung Finat, Auvergne, Beigbeder und Mourloe in 41,7 Sek. 3 Punkte für Deutschland, 1 Punkt für Frankreich. Ganz groß lief dann nochmals Engelhard(Deutschland) in der 4X100= MeterStaffel als Schlußmann. Schmidt, Kisters und Danz verhalfen mit ihm Deutschland zu 3 weiteren Punkten. Zeit: 3 Min. 17,8 Sekunden. Frankreichs Vertretung Dickely, Martin, Galthier und Moulines liefen dieses Rennen in 3 Min. 19,7 Sek. Frankreich 1 Punkt. Eine Zusammenstellung ergibt: Deutschland 84, Frankreich 67 Punkte. Der Sieg ist also so überragend wie 1928 und vorher. Hannover hatte seinen großen Tag.— Tausende von Sportlern warben zugleich am Sonntag durch einen Werbeumzug.—„Graf Zeppelin“ zog seine Luftbahn über der schönen Großstadt und seiner sportbegeisterten, sportfrohen Bevölkerung! Fußbeet! S. S. C. Union e. V. Reserve SSC. Union— Reserve Westfalia Gevelsberg 1:0. Unions Reserve gelang wieder ein Sieg gegen die beachtenswerte Gevelsberger Mannschaft. Die Elf des Platzvereins zeigt in letzter Zeit eine gute Formverbesserung und hat nach der Fußballsperre noch kein Spiel verloren. Union 2.— Sp. u. Sp. Cl. Ergste 2. 1:5. Unions 2. Mannschaft mußte im Rückspiel gegen die gleiche von Ergste eine empfindliche Niederlage einstecken. Ergste hatte verschiedene Spieler der ersten Mannschaft eingestellt und ist somit die Niederlage in etwa erklärlich. Die 2. Mannschaft absolvierte ihr zweites Spiel und zeigte trotzdem gute Leistungen. SSC. Union 1. Jgd.— Westfalia Gevelsberg 1. Jgd. 12:0!! Die Unioner Jugend setzte ihren Siegeszug fort und gewann gegen die gleiche Jugendmannschaft der Gevelsberger glatt mit 12:0. Die Mannschaft spielte mit 3 Ersatzleuten, welche sich sehr gut einführten. SSC. Union 2. Jgd.— VfB. Westhofen 1. Igd. 6:0(4:0). Auch die 2. Jugend war sehr erfolgreich und ließ der 1. Jugend des VfB. Westhosen keine Siegesaussichten. Hoch mit 6:0 geschlagen schickten sie die Gäste aus Westhofen wieder auf den Heimweg. SSC. Union 3. Jgd.— Westfalia Gevelsberg 2. Jgd. 0:2. Die Jüngsten der Unioner mußten sich der körperlich stärkeren 2. Jugendmannschaft aus Gevelsberg beugen. * Wandhofen 1.— Merkur 07 Dortmund 1. 2:5. Pünktlich stellten sich beide Mannschaften dem Schiedsrichter. Es entwickelte sich sofort ein flottes Spiel. Wandhosen spielte zwar ehrgeizig, konnte aber nicht verhüten, von der technisch besseren Mannschaft von Merkur 07 Dortmund eine Niederlage einstecken zu müssen. Die Dortmunder konnten durch ihre Technik und Körperlichkeit einen 2:5=Sieg mit nach Hause nehmen. Wandhofen 1. Igd.— Langschede 1. Igd. 2:3. Auch die 1. Jugend von Wandhofen mußte eine unerwartete Niederlage einstecken. Jeutsche Turnerschaft Handball Holzen 07 1.— Eintracht Lütgendortmund 1. 6•4(2:1). Nach dem am Vorsonntag gegen den Kreisgruppenmeister„Jahn" Brechten errungenen 3:0Sieg sah man der Begegnung gegen den Gaumeister„Eintracht" Lütgendortmund mit Interesse entgegen. Entgegen jeder Voraussage gelang es den 07ern, einen sehr sicheren Sieg zu erringen. Die Holzener enttäuschten nach der angenehmen Seite und zeigten ein Spiel, das zu großen Hoffnungen berechtigt. Alle Posten vom Torwart bis zum Stürmer waren gut besetzt. Einen Spieler hervorheben, hieße den anderen zurücksetzen. Der Schiedsrichter WeinbergWellinghofen zeigte sich dem Spiele als ein aufmerksamer Leiter. Holzen 07 2.— Westfalia Hombruch 1. 2:3(0:2). Vor dem Spiel der 1. Mannschaft hatte Holzens 2. Garnitur die Westfalen aus Hombruch zum Meisterschaftsspiel als Gast. Leider stand das Spiel für den Platzverein unter einem ungünstigen Stern. Die Holzener verloren durch Verletzung zwei Spieler, so daß sie dem Endspurt der Gäste erlagen und eine knappe Niederlage einstecken mußten. Holzen 07 alte Herren— DJK. Schwerte alte Herren 5:5(1:3). 80U=Meter=Lauf: 2. Verbands= und 2. Bundesmeister Fritz Breune 2,07,3 Lin. 1500=Meter=Lauf: 2. Verbands= und 4. Bundesmeister Fritz Brenne 4,26,6 Min. 3X100=Meter=Staffel: 2. Verbands= und 2. Bundesmeister Turnverein Jahn 8.40 Min. 1500=Meter=Staffel: 2. Verbandsund 2. Bundesmeister Turnverein Jahn 3,46,2 Min. Allgemeiner Deutscher Turnerbund Turnverein„Jahn“ Schwerterheide A. D. T. Am Samstag und Sonntag wurden in Remscheid die Verbands= und Bundesmeisterschaften des A. D. T. ausgetragen. Zu diesem Treffen sandte obiger Verein vier seiner Leichtathleten, welche trotz starker Konkurrenz preisgekrönt zurückkehrten. Souer Reichsbahn gegen Hagen 6:12. In mustergültiger Ordnung verlief die von der Hagener Box=Vereinigung 1921 aufgezogene Werbe=Veranstaltung in Boele. Daß der Gesamtsieg den Hagenern gehört, sah schon von Kampfbeginn an jeder Fachkundige ein, zumal auf Seiten der Reichsbahner 4 Anfänger in der Mannschaft aufgestellt waren. Nach der üblichen Ansprache überreichte der Hagener Vorsitzende der Schwerter Boxabteilung einen Blumenstrauß als äußerlichen Beweis der gegenseitigen Freundschaft. Die Dankesrede hielt der Geschäftsführer Trein, Schwerte, welche mit Beifall ausgenommen wurde. Der erste Kampf Groll II— KrämerHagen sah den taktisch richtig boxenden Schwerter in jeder Runde im Vorteil. Groll ll ist unbedingt eine Zukunft. Müller kämpfte gegen Klotz=Hagen unentschieden und muß diesmal gesagt werden, daß der Reichsbahner unter seiner früheren Form gekämpft hat, allerdings war der Gegner 1 Klasse schwerer. Forth hielt sich tapfer gegen Dombrowski und ist es nur seine geringere Ringerfahrung, daß er in der dritten Runde die Punkte an den Hagener abgeben mußte. Kinkel gegen Schmale=Hagen im Igd.= Leichtgewicht wurde disqualifiziert nach 3 Verwarnungen wegen Schlagen mit offener Hand. Sieger: Schmale. Im Schwergewichtskampf, der kaum 10 Sekunden dauerte, wurde Elmerhaus ein Opfer der Ueberraschung des Britisch=Afrikaners Meky Williamson. Sofort bei Gongschlag überraschte der Afrikaner den Reichsbahner mit einem kurzen rechten Kinnhaken, bei dem Elmerhaus den Boden aufsuchte. Letzterer bei 3 wieder mobil, ließ sich aber infolge Versehens auszählen und als Sieger wurde Williamson durch technischen K. o. erklärt. Mit dem Retourkampf dürfte es anders ausfallen. Der Kampf Minuth gegen Knöpfel fiel aus, da ersterer ernst erkrankt ist und letzterer nicht anwesend war. Reichmann überraschte durch sein großes Können gegen den Altmeister RuhwedelHagen. Letzterer gewann nur durch seine große Ringerfahrung durch einen kleinen Punktevorsprung in der 3. Runde. Uebrigens soll der Hagener Welter= statt Leichtgewicht haben. ErdtI kämpfte gegen Funke=Hagen unentschieden. Nachdem Erdt in der dritten Runde seinen guten Kampfstil verließ, konnte er seinen Punktevorsprung nicht mehr halten. Die große Kampfmaschine Halbschwergewicht Disselhorst=Hagen wurde von dem Mittelgewichtler Hermann Elksnat in der 1. Runde durch k. o. erledigt. Nachdem der Hagener sofort einige Male die Bretter aufsuchen mußte, stand es fest, daß auch hier der Reichsbahn=K. o.=König ganze Arbeit leisten würde. Jungkunst im Mittelgewicht hatte gegen den ringerfahrenen K. o.=Boxer und prima Techniker Creida=Hagen einen schweren Gegner. Die ersten 2 Runden waren ausgeglichen und erst in der 3. Runde wurde Jungkunst durch einen Magentreffer gehandicapt und mußte dem Hagener dadurch den Sieg überlassen. Vor 27 Jahren Auf der Suche nach Andrées Leiche. Wen I 73 R R ch W AO Nach 33jähriger Ruhe in der Eiswüste des Franz=Joseph=Landes kehren jetzt die sterblichen Ueberreste des kühnen Polfliegers Andrée und seiner Gefährten in ihre Heimat zurück. Ein Zufall hat die Leichen finden lassen, und ihm gelang, was Menschen seinerzeit vergeblich versuchten. Es ist jetzt 27 Jahre her, daß in Amerika eine aus den beiden Forschern Russel W. Por ter und Anton Vedoe bestehende Expedition ausgerüstet wurde, die nach dem Verbleib der Andrée=Expedition forschen sollte. Alles Suchen blieb jedoch erfolglos. Unser Bild zeigt die beiden Forscher auf ihrer damaligen Suche im Franz=Joseph=Lande. Mitnahme von Kinderwagen in die Abteile für Reisende mit Traglasten Ueber die Mitnahme von Kinderwagen in die Abteile für Reisende mit Traglasten bestehen noch vielfach Unklarheiten. Es wird daher nochmals darauf hingewiesen, daß die Mitnahme nicht zusammengeklappter Kinderwagen in die erwähnten Wagenabteile nicht zugelassen ist. Es genügt also nicht, daß der Handgriff oder das Wagenoberteil oder beide Teile zusammenklappbar sind, sondern auch das Rädergestell muß sich zusammenlegen lassen. Nur teilweise zusammenklappbare Wagen sind von der Mitnahme ausgeschlossen und müssen als Gepäck aufgegeben werden. Lustige Anekdsten Lessing lebte und starb in bedrängten Verhältnissen. Kurze Zeit vor dem Tode saß er einmal in Wolfenbüttel, wo er für 600 Taler im Jahr als Bibliothekar des Erbprinzen von Braunschweig angestellt war, in einem Bekanntenkreis. Man unterhielt sich über Testamente von reichen Leuten. Plötzlich sagte Lessing: „Wissen Sie, meine Herren, wie mein ment lauten dürfte?“—„Und?“ fragten alle neugierig. Lessing sagte:„Ich besitze gar nichts. Davon sollen nach meinem Tode meine Schulden bezahlt werden; mit Zinsen natürlich. Den Rest vermache ich den Armen aller deutschen Länder“. Roman von Robert 1. Fortsetzung. Nachdruck Der Oekonomierat machte einen schüchternen Versuch, seiner Tochter väterlich übers Haar zu streichen; aber sie entzog sich ihm mit einer schnellen Bewegung und ordnete noch einige zur Hand gestellte Toilettengegenstände in ihren Reisekorb ein. Auch der Versuch, den der Alte machte, das Gelo von ihr herauszulocken, das sie ihrer Milchkasse entnommen, schlug gänzlich fehl. Lisbeth erklärte kategorisch, ohne etwas eigenes Geld reise sie nicht zu ihren Verwandten. 9c Es sei wenig genug, und die genaue Verreihnung würde er im Buche finden, das sie auf seinen Schreibtisch gelegt. Es kam ja nicht oft vor, daß Lisbeth, die sonst so Fügsame, Sanfte, einen so drohenden, energischen Ton in der Stimme hatte. Aber die Erfahrung hatte den Gutsbesitzer gelehrt, daß es dann besser sei, besagten Gegenstand nicht weiter zu erörtern... Seiszegalsesch. Als sie in die schon etwas gebrechliche Fanttientalesche stieg— den großen Korb und den kleinen Handsack hatte August schon neben sich auf den Bock gestellt—, da drängten sich alle Hofleute zum Abschiednehmen um den Wagen. Sie drückte die roten, schwieligen Arbeitsfäuste; und die leuchtenden Augen, der warme Ton der Stimmen, mit denen sie ihr„Adjüs ook, gnäd'ges Frölen!" zuriefen, verrieten Lisbeth, daß sie herzliche Zuneigung hinter sich zurückließ. „Es ist gut, Leute, das gnäd'ge Frölen kommt ja in ein paar Wochen wieder zurück... Geht nur an eure Arbeit!“ schnitt der Oekonomierat, der eben aus dem Hause trat, weitere Herzensergießungen ab. Er war kein Freund von Gemütsbewegungen, besonders wenn dabei die Arbeit versäumt wurde. Nach einer etwas holprigen Fahrt— die Federn des Wagens waren, wie das ganze Gestell, am Ende einer langen, treuen Dienstzeit— kamen sie in Klützow an und fuhren ohne Aufenthalt nach dem Bahnhof weiter. Roloff holte selbst die Fahrkarte, expedierte mit Augusts Hilfe das Gepäck, und dann lief auch schon der Zug ein. Lisbeth machte ein etwas verblüfftes Gesicht, als der Vater mit ihr auf die dritte Klasse zusteuerte. „Ja, hast du denn nicht zweiter—?“ „Das wäre doch Luxus, Kind... für die paar Stunden! Dritter fährt es sich überhaupt viel angenehmer...“ Das „im Winter“, das er hatte hinzufügen wollen, blieb ihm doch in der Kehle stecken. Da das Damenabteil überfüllt war, der Zugführer und der Schaffner ungeduldig auf ihr Einsteigen warteten, so wurde sie schnell in ein ziemlich volles Abteil hineingeschoben, aus dem ihr eine wahre Wolke von Pfeifen= und Zigarrenrauch entgegenschlug. „Aber Papa, ist das denn auch der Schnellzug?“ fragte Lisbeth entsetzt. „Der Schnellzug— nein! Das bleibt sich ja auch ganz gleich, ob du zwei Stunden früher oder später ankommst. — Na, auf Wiedersehen! Grüß mir Onkel und Tante schön, und bleib’ gesund und schreibe mal! Und länger als vier Wochen darfst du mir nicht fortbleiben.“ „„* Müde, hungrig, fröstelnd langte Lisbeth in Berlin an. Beim ersten Blick auf das Lichtermeer war sie aufgesprungen, hatte ihr Gepäck zusammengelegt und harrte gespannt und etwas bange der Ankunft. Sie suchte sich das Bild der Verwandten in ihr Gedächtnis zurückzurufen und grübelte darüber nach, welch Wesen, welche Art sie wohl hätten. Aber da war alles verschwommen. : Nur daß die Tante damals eine sehr hübsche, lebhafte Dame gewesen sei, war ihr in Erinnerung geblieben. Sie war ihr damals wie aus einer anderen Welt vorgekommen, so sonnig und heiter, wie eine Lichtgestalt. Aber das war ja nun schon so viele Jahre her, und die Tante mochte seitdem eine behäbige, ältere und ernste Frau geworden sein. Ihre Briefe waren freilich immer recht munter, so daß Lisbeth sich jedesmal im stillen fragte, ob es denn wirklich so glückliche und zufriedene Menschen gäbe. Ihre eigenen Briefe waren freilich anders ausgefallen; denn die rechte Heiterkeit war ihr von den Schuljahren an, seit dem Tode der Mutter, abhanden gekommen. Manchmal, ja sogar recht oft erschien ihr das Leben in ihrem freudlosen Heim, das sich von der Jugend und Fröhlichkeit abschloß, trübe und wertlos. Als der Zug hielt, wartete sie, bis die Reisegenossen ausgestiegen waren; aber kaum hatte sie den Fuß auf das Trittbrett gesetzt, so hörte sie schon eine laute Stimme, die nach Berliner Art in schrillen Tönen rief: „Lieschen, Lieschen! Na also, da bist du ja! Na, weißt du, Karl, da hat er das arme Wurm dritter Klasse fahren lassen? Wir hatten dich überhaupt mit dem Schnellzug erwartet, und wäre dein Telegramm nicht gekommen... Nein, Karl, sieh bloß, wie hübsch das Mädel geworden ist! Die ganze Mutter! Viel hübscher als auf den häßlichen, kleinstädtischen Bildern!" Die Tante sagte noch einiges, was Lisbeth in der Aufregung gar nicht verstand, küßte sie herzlich ab und überflutete sie mit einem Strom von Liebenswürdigkeiten, so daß der Onkel Professor gar nicht zu Worte kommen konnte. Der Onkel begnügte sich damit, ihr die Hand kräftig zu schütteln, ihren Handkoffer zu nehmen und das Gepäck mit Hilfe eines Trägers zu besorgen. Endlich saßen sie im Auto und fuhren los. Ringsumher tobte die riesige Stadt. Lisbeth war anfangs ganz bestürzt und betäubt von dem Höllenlärm, von den nie gehörten Geräuschen, dem Rattern und Tuten der Autos und Motorräder; dem Geklingel, Schreien, Rufen, dem Menschengewimmel und der taghellen Beleuchtung— von dem ganzen weltstädtischen Getriebe, das dem Berliner so Der neue Inspektor selbstverständlich und kaum mehr beachtenswert erscheint, den Neuling aber im Anfang überwältigt, bis auch er sich daran gewöhnt bat., Femstsiag ich. Onkel und Tante schienen ihren Gemalszustand nich. zu bemerken und überschrien den Lärm mit ihren lauten Berliner Stimmen. Und sie sprachen beide so fröhlich und großstädtisch lebhaft; sie sahen so lebensfreudig aus, daß es Lisbeth zuletzt ansteckte und wie ein Fieber, ein Rausch überkam. Sie selbst lachte und erzählte nun so lebhaft, wie sie es kurz vorher gar nicht für möglich gehalten. Dabei schaute sie immer wieder zum Fenster hinaus auf die Straße, bewunderte die hohen Häuser, die vielen taghellen Lichter, die eiligen, rastlosen Menschen. Als Kind war sie einmal in Berlin gewesen; aber die Erinnerung daran war nur schattenhaft. Es war alles untergegangen in ihren häuslichen Pflichten und dem ganzen Bauernmilien.„ 66 Sie konnte sich im stillen nicht genug wundern über ihre Verwandten. War denn die Zeit, die sie so alt— wenigstens innerlich— gemacht hatte, spurlos an ihnen vorübergegangen?! Die Tante, die doch nicht mehr jung sein konnte, sah dennoch so frisch, so elastisch, so elegant und modern aus, so ganz anders als die Gutsnachbarinnen und die Klützower Damen mit den Kleinstadtallüren, den scheußlichen Kapotthüten, den Zwirnhandschuhen und der Mode von vorgestern. Und der Onkel erst. Er mußte beinah so alt sein wie der Papa; aber das konnte niemand ahnen. Haar noch dunkelbraun, sehr sorgfältig und elegant gekleidet, ein liebenswürdiger Kavalier. Als sie nach einer endlosen Fahrt, die zuletzt durch stille, vornehme Straßen und ein Stück Tiergarten führte, vor einem stattlichen, hohen Hause hielten und durch das buntbemalte Vestibül, über die rotbelegten Treppen mit geschnitzten Geländern in den sehr hohen dritten Stock hinaufstiegen, wurde es Lisbeth wieder bang ums Herz. Es war doch offenbar alles furchtbar nobel da; und wenn sie nun jetzt mit Onkel und Tante speisen und sich bei Beleuchtung als interessante, geistreiche Nichte präsentieren sollte... Sie war so an die Einsamkeit gewöhnt, und jetzt kam auch plötzlich die ganze Reisemüdigkeit über sie... Fast bereute sie es, ihre heimischen vier Pfähle verlassen zu haben, wo niemand besondere geistige und gesellschaftliche Ansprüche an sie stellte. Aber sie hatte den Takt und die Feinfühligkeit der Verwandten doch unterschätzt. Die Tante führte sie in ein reizendes, kleines Zimmerchen und bat sie, es sich nach der langen Reise bequem zu machen, Pantoffeln und Schlafanzug anzuziehen und es ungeniert zu sagen, wenn sie vielleicht lieber in ihrem Bett, behaglich ausgestreckt, das Abendbrot verzehren möchte. Wenn die Tante und der Onkel es nicht übel nähmen, würde sie das in der Tat vorziehen; denn sie sei wirklich sehr abgespannt, sagte Lisbeth errötend und schüchtern. „Weshalb denn übelnehmen? Wir Großstädter machen nicht soviel Umstände wie ihr. Erst komme ich, dann kommen erst die anderen— natürlich soweit es Takt und Anstand erlauben. Uebrigens wird der Onkel nicht weiter unangenehm berührt sein. Am Mittwoch fühlt er einen inneren Drang zum Skatspielen— es ist sein Tag. Also marsch, marsch ins Bett!" Nachdem sie fort war, fand Lisbeth endlich Zeit, sich in ihrem neuen Heim umzusehen; und sie tat dies beim Auskleiden mit der ganzen, gründlichen Neugier der noch nie aus ihren vier Wänden herausgekommenen Landbewohnerin. 44 Lmssich Ach, war das nett hier, unveschreiblich gemutlich: Sie hatte daheim ihr eigenes Stübchen mit ihrer Hände Arbeit ausgeschmückt, mit Deckchen und Kissen, mit Bildchen und Blumen. Aber was war das gegen hier, wo man bloß auf einen Knopf zu drücken brauchte und plötzlich ein strahlendes Licht aus einer blauweißen Lilie an der Decke das ganze Zimmer überflutete! Und die hübsche Chaiselonque, mitten ins Zimmer hineingeschoben, so mollig mit einem großen, weißen Fell und kostbaren Seidenkissen! Und der hübsche Spiegelschrank, in dem man sich in ganzer Figur sehen konnte, und ein Teppich über den ganzen Boden! Wenn das der Fritz sähe! Das war so etwas für seinen künstlerischen Geschmack. Der arme Junge, der jetzt so ganz allein mit dem Vater hauste, tat ihr plötzlich furchtbar leid. Wenn er nur nicht wieder in schlechte Gesellschaft geriet, während sie fort war. Erst als ihr einfiel, daß sie ja in spätestens vier Wochen, denn mehr würde der Vater nie erlauben, auch wieder in der heimatlichen Misere ihr Leben verbringen würde, wurde sie wieder heiter. Es war ja doch nun mal ihr Los, dort alt und grau zu werden. Darum durfte sie jetzt doch einmal das Leben ein wenig genießen. Sie machte von der Erlaubnis, gleich zu Bett gehen zu dürfen, behaglich Gebrauch. Von der langen Fahrt auf der harten Holzbank waren ihr die Glieder wie zerschlagen. Vorher räumte sie ihre Sachen ein und stellte das geöffnete Geschenkkistchen für die Tante zurecht, wobei sie mit unsagbarem Erstaunen das Fehlen der schönsten Wurst bemerkte. Da war natürlich Papas Hand dabei im Spiel. Trotz ihrer Entrüstung mußte sie doch laut auflachen. Der Triumph darüber hatte ihn gewiß über ihre Abreise vollständig getröstet. Lachend schlüpfte sie in das herrliche Bett und streckte sich mit wohligem Seufzen aus. Ach, wie gemütlich war dies alles! Gleich darauf kam die Tante mit einer reichgefüllten„kalten Platte“, das Mädchen brachte ein Glas Madeira und Tee und sogar eine illustrierte Zeitung. Sie plauderte noch ein Weilchen mit der Tante, die ihr mit einem liebevollen Kuß Gute Nacht sagte. Bald darauf schlief sie zum ersten Male seit langen Jahren unter einem fremden Dache ein. *„* Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) Die Tante, der es großen Spaß machte, ihre hübsche und noch so naive Nichte überall herumzuführen, entwickelte eine unglaubliche Genußfähigkeit und Spannkraft, was das Vergnügen betraf, wozu sie wie jede Dame auch das Einkaufen rechnete. Gleich am ersten Tage nahm sie eine fürchterliche Musterung unter Lisbeths Toiletten vor. Bei jedem dritten Stück hieß es: „Das kannst du aber hier nicht tragen... Das ist unmodern... Das ist kleinstädtisch...“ Der Professor hatte für die Damen ein nach seiner Meinung ausgezeichnetes und lehrreiches Programm zusammengestellt, in dem die verschiedenen wissenschaftlichen und Kunstmuseen, die Bibliothek und so weiter die Hauptrolle spielten. Am anderen Morgen beim Frühstück schrieb er es ihnen auf. In zwei Wochen würden sie wohl das Wichtigste, wenn auch nur oberflächlich, sehen können. Leider verhinderten ihn seine Berufsgeschäfte, die Damen zu begleiten. Seine Frau lächelte schelmisch, nahm Lisbeth, als er gegangen war, unter den Arm und marschierte mit ihr ab. „Weißt du, Kind, die Museen, das hat ja noch Zeit“. meinte die Tante.„Ich denke, erst sehen wir uns mal Berlin an, bummeln in den Straßen, gehen zu dem einen oder anderen Fünfuhrtee, begucken uns die Schaufenster, kaufen ein bißchen ein— nicht mal ein paar anständige Handschuhe hast du—, dann frühstücken wir Pastetchen und machen zuletzt bei der herrlichen Sonne eine Spazierfahrt durch den Tiergarten.— Na, was sagst du dazu?“ Lisbeth fand dieses Programm amüsant, und die Damen führten es mit riesigem Eifer aus. Lisbeth glühte vor Lust und sah sich förmlich die Augen aus dem Kopf. Diese Läden, diese Toiletten, diese raffinierte Eleganz! Sie kam sich noch nie so„ländlich=klützowisch=tressinisch“ vor wie jetzt, und abgerissene Ausdrücke des höchsten Entzückens und Erstaunens entschlüpften ihr von Zeit zu Zeit. Es war ihr, als ob sie erst heute zu leben anfing, als ob sie aus einem Traum erwachte, der sie solange umfangen gehalten. Und Fritz, ihr lieber Bruder, fiel ihr immer wieder ein, der sich nach allen diesen Herrlichkeiten sehnte, sie mit seiner lebhaften Phantasie im Geiste vorshrie. Die Tante genoß die Wonne und oas naive Entzücken der Nichte mit. Das war etwas für sie, dies Landgänschen einzuweihen und aufzuklären. Uebrigens, das Mädel war sonst hübsch und frisch... Wenn man sie zurechtstutzte, konnte man Ehre mit ihr einlegen. Und so kaufte sie denn lustig drauflos, so daß Lisbeth mehrere Male verlegen stotterte, das könne sie unmöglich annehmen. „Mein liebes Kind, du bist meiner einzigen Schwester einzige Tochter, und ich habe keine Kinder. Die Freude mußt du mir schon lassen, noch dazu wo dein Vater so ein Geiz.... so sparsam ist.“ Dann gingen sie zu Kranzler, aßen Pastetchen und tranken Portwein dazu. Und jetzt taute Lisbeth auch ganz auf und erzählte der Tante alles, was diese nur wissen wollte. Während sie bei herrlichstem Sonnenschein— es war ein ungewöhnlich schöner Tag für die Jahreszeit in einem offenen Auto den Tiergarten durchfuhren, schüttete sie der Tante ihr ganzes Herz aus. Die beiden Damen kamen ziemlich spät zu Tisch heim, und der Professor lachte herzlich, als sie ihm erzählten, noch rot vor Eifer und Kälte, wie nützlich sie den Vormittag ausgefüllt hätten. Die Museen liefen ihnen ja nicht fort, und es sei einfach reizend gewesen, versicherte Lisbeth mit glänzenden Augen. Uebrigens wunderte sich Lisbeth, wie schnell sie sich an das Vergnügen gewöhnte. Sie hatte ordentlich Gewissensbisse, wenn sie an ihren Bruder Fritz in seiner Einsamkeit und täglichen Tretmühle dachte. Um ihn zu entschädigen, schrieb sie ihm glänzende, entzückte Briefe mit der genauen Schilderung der genossenen Herrlichkeiten. Als sich Lisbeth nach einigen Tagen etwas akklimatisiert hatte, und auch die Toilettenfrage gelöst war, beschloß die gute Frau Professor, die hübsche Nichte in ihre „Gesellschaft“ einzuführen, was am besten durch ein kleines Abendessen geschah. Sie hatte ihr heimliches Plänchen dabei. Wie die meisten wohlhabenden, gutmütigen und unbeschäftigten Damen eines gewissen Alters machte ihr das Ehestiften großes Vergnügen, und sie hatte bereits bei mehreren Verlobungen die Hand im Spiele gehabt. Etwas Derartiges hatte ihr ja von vornherein bei der Einladung vorgeschwebt. Daß die Nichte aber so hübsch und lieb und klug sei— sie gefiel der Tante wirklich sehr gut und imponierte ihr im stillen durch vielseitige Kenntnisse und eine scharfe Auffassungsgabe, die sie anfangs nicht hinter ihr vermutet—, daß Lisbeth gar so zurückgezogen und ohne jeden Verkehr auf Tressin lebte, daß der Schwager sein eigenes Kind sogar zur alten Jungfer machen wollte: das alles hatte sie noch nicht gewußt. Sie nahm sich vor, wenn es irgendwie anging in der kurzen Zeit, eine Verlobung oder wenigstens einen heimlichen Verspruch zustande zu bringen. Mit dem alten „Tyrannen von Mottenburg“, wie sie ihn ihrem Manne gegenüber nannte, wollte sie dann später schon fertig werden. So wurden denn Einladungen erlassen. Sonst waren ihre Gäste meistens verheiratete Leute, Ehepaare mit oder ohne Kinder, Kollegen und Bekannte. Diesmal, da die Einladung zu Lisbeths Ehren stattfand, lud die Tante sämtliche Junggesellen und Witwer ein, die in ihren Kreisen zu finden waren. So den Oberlehrer Franke, der schon eine Glatze hatte, aber sonst recht gut aussah. Dann den Doktor Menk, der alle vier Wochen seine Haushälterin wechselte, sich nach einer Frau sehnte, aber zu beschäftigt dazu und auch etwas damenscheu war. Schon lange standen diese Herren auf ihrer Kandidatenliste. Das weitere mußte man eben vertrauensvoll dem Himmel überlassen. Fortsetzung folgt.