Die„Schwerter Jeitung“ erscheint wöchentlich seche mal. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelummer 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Rubr), Postscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874. Geischstasale: Grotze Marist. 3—3., Veranworlich für die Schriftleitung H. Limer, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Nastan graote die de chlutoet mum ue r. üige, sinanzamtiche u. gerichtliche Tuzeigen 10 Ple, Lekomtzelle 40 Pf;, Eiu ieleson, ausgegebene Iaserote üdemedmen wir keine Gewähr. Bei unvorberzesehn. Verriedsstörungen, bervorgerusen duchdbsen Geoolon, Hheruteneneieteiunte Gn. ster püakrliches Erschelnen der Saitunz u. kam auch keinerei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen G Kreisbiatt für den nördlichen Leil des Wd er er un aua.. o o un Sehnung Nr. 194(ites Ban) Schwerte(Ruhr), Mittwoch, den 20. August 1930 Beratungen des Reichskabinetts Der Reichstag soll kleiner werden- Beschleunigte Vernbschiedung der Wahlresort wtb. Berlin, 19. Aug.(Eig. Rundf.=Meld). Das Reichskabinett trat heute unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zur Beratung der den gesetzgebenden Körperschaften im Herbst vorzulegenden Vorschläge zusammen. Zunächst wurde der Entwurf zur Schaffung eines Reichsverwaltungsgerichts verabschiedet. Sodann nahm das Kabinett einen eingehenden Vortrag des Reichsministers des Innern zur Wahlrechtsreform entgegen, worüber die Beratungen in den Landvolkpartei)“ mit der bisherigen Bezeichnung„Christlich=Nationale Bauern= und Landvolkpartei“; bei Nummer 11 die neue Bezeichnung„Volksrechtpartei(Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung) und Christlich=Soziale Reichspartei“, mit der bisherigen Bezeichnung „Volksrechtpartei(Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung)“; bei Nummer 16, die neue nächsten Tagen fortgesetzt werden. Im Mittel= einigung". TAM#tmn das Reichskabinetts, die puntr der Erörterungen des Reichskabinetts, die bis in die Nachtstunden andauerten, stand die erste grundlegende Erörterung der finanz=, wirtschafts= und sozialpolitischen Probleme. wtb. Berlin, 19. Aug.(Drahtb.) Das kabinett hat den ganzen Tag über die WahlEin Burgfrieden=Beschluß wtb. Berlin, 19. Aug.(Drahtb.) Die Parteiführer Treviranus(Kons.), Dr. Scholz(BIp.) und Sachsenberg(WP.) Heraten. Wie wir ersahen, beseht die haben sich in einer genezietzieg zre kergnuene De sace Keschelice lsh eaie ais chnsie ige iae sechcheschäche Wahlkampfes damit zu rechnen ist, daß die zum Ausdruck zu bringen, daß die drei Reichsminister nicht immer vollzählig in Berlin in sozialen, außen= und innenpolitischen Fragen anwesend sind. Die Beratungen des Kabinetts zusammenarbeiten. Ueber die Form dieser Zudürften deshalb auch über die heutige Abend= sammenarbeit wurde noch kein Beschluß gefaßt, sitzung hinaus in den allernächsten Tagen wei= man denkt aber etwa an einem interfraktergeführt werden, da bekanntlich auch das Fietionellen Ausschuß, nicht aber an eine nanzprogramm des Reichsministers Dietrich auf Fraktionsgemeinschaft. der Tagesordnung steht. enb. Berlin, 19. Aug.,(Eig., Meld.) Zu der#### heutigen Beratung der Wahlreform im kabinett meldet die„Voss. Ztg.“ noch weitere Einzelheiten aus den Reformvorschlägen, die dem Kabinett vorliegen. So soll die Zahl der Abgeordneten weseztlh, perringerr werden. Man will die Jahl der Stim„ die z“ einem Mandat erforderlich sind, von eVessece h Einigungsverharte rgregr enb. Berlin, 19. Aug.(Eig. Meld.) Die Besprechungen der Konservativen Volkspartei, der Fert werden. Man will die Zayi per Stim= Deutscheg, Volkspartez, und der Wirtschaftemen, die zu einem Mandat exforderlich sind, von partei, oie den Zwea hatten, ein einheitWahlkreise sollen in 32 Wahlverbände zusam. Blatt berichtet, daß in der gestrigen auf einer Neu ist auch die Bestimmung, daß nicht nur auf einen gemeinsamen Wahlseldzzg, der nicht Parteien, sondern auch Einzelpersonen nur die Zusage des gemeinschaftugen Vorsich um ein Mandat bewerben können. Da die gehens im Wahlkampf enthalte, sondern darVerfassung das Verhältniswahlrecht vorschreibt, über hinaus auch für später ein enges Zulamerfolgt an Stelle der Reichsliste die Verrechnung menarbeiten verspreche, geeinigt. Die der Reststimmen zunächst innerhalb der händler hätten gestern nur für ihre eigene PerWahlkreisverbände und dann inner= son ihr Einverständnis erklären können. Nach halb der geplanten 12 Ländergruppen. Der bis= Fühlungnahme mit ihren herige amtliche Stimmzettel soll wegfallen. morgen der Wahlaufruf unterzeichnet werden. enb. Verlin, 20. Agez i„Efig, Hauepf.= Fe l.) Der Ausschan von Branntwein Die Sitzung des Reichsraoinertg, dauerte in der ge e g elften Abendstunde noch an. Die Beratungen am Wuhl zur Wahlreform wurden für heute abge gnb. Berlin, 19. Aug.(Eigene Meldung.) Wie schlossen. Es ist nicht anzunehmen, daß damit der Amtsiche preußische Pressedienst mitteilt, soll der Ausschank von Branntwein und der Kleinhandel mit Trinkbranntwein für Sonntag, den 14. September 1930, verboten wird. Das Verbot des Kleinhandels mit Trinkbranntwein trifft auch den Fall, daß dieser in verschlossenen oder versiegelten Flaschen abgegeben wird. Sofern an einzelnen Orten Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß durch den Ausschank von sonstigen geistigen Getränken am Sonntag, den 14. September 1930, in den Abendstunden eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung eintritt, bleibt es den Ortspolizeibehörden unbenommen, einen früheren Beginn der Polizeistunde festzusetzen. Berlin ohne Polizeistunde enb. Berlin, 20. Aug.(Eig. Meldung.) Ein Zufall hat den merkwürdigen Zustand zu Tage treten lassen, daß Berlin eigentlich seit dem 1. Juli d. J. ohne Polizeistunde ist. An diesem Termin ist nämlich das neue Schankstättengesetz in Kraft getreten, in dem die Bestimmung enthalten ist, daß die Festsetzung der Polizeistunde von den Landesbehörden, in Berlin vom Polizeipräsidenten, im Wege einer besonderen Verordnung zu erfolgen hat. Im Berliner Polizeipräsidium hat man anscheinend übersehen, daß durch diese neue gesetzliche Regelung die alten Bestimmungen für die Polizeistunde antomatisch erloschen sind, und hat bisher die Neuregelung nicht vorgenommen. Einige wenige Lokalbesitzer haben sich auch dieses Interregnum auf diesem Gebiete zunutze gemacht und ihre Lokale die Nacht über offengelassen, ohne allerdings daß der Grund dafür allgemein bekannt wurde. Bereits am heutigen Tage soll eine neue Polizeistundenverordnung veröffentlicht werden und so der polizeistundenlosen Zeit ein schnelles Ende bereitet werden. Drahtlose Fernsehversuche wtb. Berlin, 20. Aug.(Tel.) Die Telefunken=Gesellschaft hat heute drahtlose Fernsehversuche auf der Strecke Nauen—Geltow durchgeführt. Es wurde auf eine Entfernung von rund 40 Kilometer vom Sender in Nauen mit Kurzwellen, und zwar mit 70=Meterwellen, ein Filmstreifen mit zwei Damen, die sich miteinander unterhielten, nach Geltow übertragen und dort dentlich sichtbar vorgeführt. Durch intensive Laboratoriumsarbeit ist es gelungen, die Kosten für die Fabrikation von Fernsehempfangsappaxaten außexordentlich herabzudrücken. Es wird aber noch geraume Zeit dauern, bis das Fernsehen im Rundfunk eingeführt werden kann. Deshalb stellt die Telefunken=Gesellschaft auf der diesjährigen Funkausstellung keine Fernsehgeräte aus, da sie der Meinung ist, daß nur solche Apparate auf die Funkausstellung gehören, die technisch absolut vervollkommnet sind und sofort preiswert gekauft werden können. 3 Minuten bayerischer Landtag wtb. München, 19. Aug. Das Plenum des Landtages trat heute nachmittag zusammen, um zu den sozialdemokratischen, bauernbündlerischen und kommunistischen Anträgen auf Aufhebung der Schlachtsteuernotvexord= nung Stellung zu nehmen. Dazu war ein weiterer sozialdemokratischer Antrag eingegangen, der den Ausfall eines Betrages von etwa acht Millionen Mark, den die Schlachtsteuernotverordnung erbringen sollte, dadurch gedeckt sehen will, daß im Wege von Verhandlungen mit den Religionsgesellschaften die Leistungen des Staates an die Religionsgemeinschaften gekürzt werden sollen. Bei außerordentlich stark besetzten Tribünen gab der Präsident des Landtags bekannt, daß die Staatsregierung die Vorbereitung sämtlicher Gegenstände der Tagesordnung außer dem sozialdemokratischen Antrag wünsche. Nach drei Minuten schloß die Sitzung. Unmittelbar darauf trat der Haushaltsausschuß zusammen. Aufhebung der Notverordnung beschlossen. wtb. München, 19. Aug. Der Staatshaushaltsausschuß des bayerischen Landtages hat im Anschluß an die kurze Vollsitzung die Anträge auf Aufhebung der Notverordnung und die Vorschläge zur Deckung des Defizits beraten. In der Abstimmung wurde der Antrag der Sozialdemokraten, die durch Verordnung des Geamtministeriums eingeführte Schlachtsteuer nicht zu erheben, mit 15 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, der Deutschen Volkspartei, des Bauernbundes und der Nationalsozialisten gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Bayerischen Volkspartei angenommen. Die Notverordnung der Regierung ist damit im Ausschuß gefallen und die Aufhebung der Schlachtsteuer erneut beschlossen. chlossen. Esist nichtanzunehnen, daß damit der Amtliche preußische Pressedienst miteilt, sol diese Materie schon erledigt ist, vielmehr dürften in der nächsten Nummer der preußischen Gesetzesdie Verhandlungen über dieses Problem Ip iter sammlung eine vom preußischen Minister des nächsten Tagen fortgeführt werden. In später Abendstunde beschäftigte sich das Kabinett mit dem Finanzprogramm des Reichsministers Dietrich. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß die Beratungen heute abend noch längere Zeit dauern könnten. Zur Benummerung der Reichsoahoerschläge wtb. Berlin, 20. Aug.(Tel.) Der Reichsminister des Innern hat nach Ausschreibung der Reichstagswahl für die Parteien, die im letzten Reichstag vertreten waren, die Nummer ihres Reichswahlvorschlages festgesetzt. haben mehrere Parteien Aenderungen erfahren oder die Bezeichnungen für ihre Reichswahlvorschläge geändert oder erweitert. Der Reichsminister des Innern hat sich damit einverstanden erklärt, daß für die Benummerung der Reichswahlvorschläge dieser Parteien die geänderte oder erweiterte Bezeichnung als identisch mit der bisherigen Bezeichnung behandelt wird. Es wurden als identisch erklärt:„ Bei Nummer 6 die neue „Deutsche Staatspartei(Deutsche Demokratische Partei, Volksnationale Reichsvereinigung und verwandte Gruppen)“ mit der bisherigen BeEichnung„Deutsche Demokratische, Partei“; bei Rummer 10 die neue Bezeichnung„Deutsche Landvolk(Christlich=Nationale Wauern= und zemmlung ege vom pleußischen minzser des Innern erlassene Bekanntmachung veröffentlicht werden, durch die für den Bereich des Landes Preußen anläßlich der Wahlen zum Reichstag Vertauf der Verhandlungen in Berlin. Vor einem wichtigen politischen Ereignis * o0 g=(Wie Pundfunk=Mold.) drängen. Sie hatten unter dem Vorwande, daß enb. Berlin, 20. Aug.(Eig. Rundfunk=Meld.) Wie die„Germania“ meldet, sind in Berlin Verhandlungen zwischen einer nordamerikanischen Finanzgruppe, der Sowjetregierung und einem Vertreter der Russisch=Asiatischen Bank über den Verkauf der ostchinesischen Eisenbahn eröffnet worden. In Vertretung der Chinesischen Bank ist nun General Kenugowski aus Paris in Berlin eingetroffen. Vor wenigen Monaten hatten die Chinesen den Versuch gemacht, Sowjetrußland Deutschholländ. Handelsbeziehungen Hoffnung auf Beseitigung der Schwierigkeiten wtb. Rotterdam, 19. Aug. Die Vertreter des Zweckverbandes der niederrheinischen Industrieund Handelskammern und der Industrie= und Handelskammer Notterdam haben die Besprechungen über die Schwierigkeiten der deutsch=niederländischen Handelsbeziehungen in Notterdam fortgesetzt. Die Vertreter der Notterdamer Handelskammer äußerten ihre Befriedigung darüber, daß die deutsch=finnischen privaten Verhandlungen, die sie vernommen hätten, gescheitert Informationen von deutscher Seite sei nicht zu erwarten, daß diese oder ähnliche Besprechungen fortgesetzt oder wieder aufgenommen würden. Die deutschen Handelskammern sprachen die Erwartung aus, daß Deutschland bald die Ratifizierung des Zusatzvertrages mit Finnland vom 29. Mai 1929 vornehmen werde. Sollte entgegen dieser Erwartung der deutsch=finnische Handelsvertrag doch gekündigt werden, so hoffen die deutschen Handelskammern, daß der Einfuhrzoll für Butter unter kein Umständen höher angesetzt werde, als in dem Zusatzvertrage vorgesehen. An den gegenwärtig in Deutschland geltenden Einfuhrzöllen auf Käse wird nach der Meinung der deutschen Vertreter sicherlich nichts geändert werden. Die Vertreter der deutschen Industrieund Handelskammern sprachen ihre Meinung dahin aus, daß, wenn die Veranlassung für die niederländische Boykottbewegung beseitigt sei, die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern wieder wie früher gutnachbarliche werden würden. Auf niederländischer Seite teilt man diese Hoffnung; man hat das beste Vertrauen, aß die Veranlassung, die ren sich dahin einig, daß auf die Erleitigen Regierungen ein Druck ausgeülbt en müsse, beiderseitigen Regier werden musse, um den interessen der beiden gen gegenwärtigen Handelssölker Rechnung zu trabrangen. Sie hatten unter dem Vorwäsde, baß aus den russischen Verwaltungsgebäuden und Konzessionen an der ostchinesischen Bahn die kommunistische Propaganda in China geleitet werde, Haussuchungen in den russischen Konsulaten vorgenommen, die Beamten verhaftet, in Konzentrationslager verbannt und unter Außerachtlassung der russischen Besitztitel selbst die gewaltsam aus der Mandschurei zu veralleinige Verwaltung der Bahn übernommen. Die Chinesen unterlagen im bewaffneten Konflikt und mußten sich in einem Vorvertrage dazu verstehen, den Sowjetrussen ihre Rechte an der ostchinesischen Bahn wieder einzuräumen. Die chinesische Zentralregierung beanstandete den Vorvertrag. In Moskau sollten neue Verhandlungen eröffnet werden. Ein Bevollmächtigter der Nankingregierung traf auch in Moskau ein, aber bis zum heutigen Tage ist ken unter allerlei Vorwänden die Unterschrift unter ein endgültiges Abkommen verzögert worden. Die in Berlin geführten Verhandlungen über den Verkauf des russischen Anteiles am Besitze der Bahn geben jetzt der Frage eine neue und unerwartete Wendung. Der Bahnbau wurde mit französischem Kapital, das das Bankhaus Rothschild unter russischer Staatsgarantie vorschoß, im Jahre 1897 beendet. Die Chinesen behielten sich das Recht vor, den Bahnkörper im Jahre 1933 wieder zurückzukaufen; da die Chinesen aber kaum die Mittel aufbringen können, um alle die mit der Bahn verbundenen Auslagen zu bezahlen, so ist es sehr leicht möglich, daß sie die Hilfe amerikanischer Finanzkreise beansprucht haben. Es darf nicht übersehen werden, daß die Hauptbedeutung der Bahn nicht eine finanzielle, sondern eine politische ist. Ziemlich unveränderte preußische Erntevorschätzung wtb. Berlin, 19. Aug. Gegenüber der preußischen Erntevorschätzung vom 20. Juli hat sich nach dem preußischen Statistischen Landesamt in der Zwischenzeit nichts Wesentliches geändert, sodaß Abweichungen nur in geringem Umfange zu verzeichnen sind. Betont wird, daß die genannten Zahlen nur dann dem endgültigen Ernteergebnis entsprechen werden, wenn die Witterungsverhältnisse seit Anfang August nicht abermals starke Veränderungen hervorrufen. Bei Winterweizen ist der Hektarertrag von 20,6 Doppelzentnern von Mitte Juli auf 20,2 Doppelzentner Anfang August gesunken. Trotz= dem bleibt gegenüber der endgültigen Ernte von 1929 noch ein Mehrbetrag von 96.800 Tonnen festzustellen. Für Winterroggen wird der Hektarertrag wieder auf 15,8 Doppelzentner geschätzt und die Gesamternte wiederum auf 5,56 Millionen Tonnen, rund ½ Millionen Tonnen weniger als 1929. Für Wintergerste beträgt die Hektarschätzung 21,8 gegen 21,9 Doppelzentner. Bei Hafer beträgt die Hektarschätzung 15,9 gegen 16,1 Dopelzentner. Bei Frühkartoffeln wird mit einem Hektarertrag von 95,8 gegen 123,6 Doppelzentner im Vorjahre gerechnet und einer Gesamternte von 1586 gegen 2048 Millionen Tonnen im Vorjahre. Wankt Karols Thron? Königinmutter Maria soll zwischen König Karol und Prinzessin Helene vermitteln. wtb. Graz, 20. Aug.(Eig. Rundfunk=Meld.) Die„Tagespost“ meldet aus Veldes: Um 9 Uhr abends ist ganz unerwartet die Königinmutter Maria aus Veldes, wo sie einen Monat zu verbleiben gedachte, nach Bukarest abgereist. Wie aus rumänischen Hofkreisen verlautet, steht die unerwartete Abreise in Verbindung mit dem verschärften Konflikt zwischen dem König Karol und der Regierung zu dieser Maßnahme. König Karol habe der Regierung mitgeteilt, daß er sich so schnell wie möglich krönen lassen wolle, ohne Rücksicht darauf, ob es zu einer Versöhnung mit der Prinzessin Helene komme oder nicht. Während die Prinzessin Helene darauf beharre, daß die Scheidung in Geltung bleibe, sei Ministerpräsident Maniu dagegen aufgetreten und habe erklärt, daß die gesamte Regierung sofort zurücktreten werde, falls der König bei seinem Entschluß bleibe und die Krönung ohne die Königin Helene stattfinden sollte. Daraufhin hätten Hofund Regierungskreise die Königinmutter gebeten, sofort nach Bukarest zu kommen, um eine Versöhnung herbeizuführen. Falls dieser letzte Versöhnungsversuch keinen Erfolg haben sollte, werde die Krönung des Königs auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Revolte in Schiras wtb. Paris, 19. Aug. Wie der Matin berichtet, ist Nachrichten aus Teherau zusolge in Schiras eine Revolte ausgebrochen. Mehrere Offiziere und 120 Mann Regierungstruppen sollen getötet worden sein. Persien lehnt gemeinsames Vorgehen mit der Türkei ab. wib. Konstantinopel, 19. Aug.(Tel.) Reuter meldet: Bezüglich der Lage an der türkischpersischen Grenze aufgrund des kurdischen Aufstandes hat der persische Geschäftsträger dem türkischen Außenminister eine Note überreicht, in der gesagt wird, die persische Negierung könne unter keinen Umständen sich zu einem gemeinsamen militärischen Vorgehen gegen die Kurden auf persischem Gebiet bereit erklären. Der Papst bei bester Gesundheit wtb. Stadt des Vatikans, 19. Aug.(Tel.) Entgegen den im Ausland verbreiteten Meldungen erfreut sich der Papst der besten Gesundheit. Pius XI. gewährt auch, wie immer, private und allgemeine Audienzen. Verhandlungen im Ruhrbergbau am 25. September wp. Essen, 19. Aug. Die erste Verhandlung über die neue Lohnordnung im Ruhrbergbau zwischen den Bergarbeitergewerkschaften und dem Zechenverband findet am Montag, dem 25. August, beim Zechenverband in Essen statt. Stillegungen und Entlassungen wtb. Dortmund, 19. Aug.(Tel.) Die Klöckner= werke haben beim Stillegungskommissar die gänzliche Stillegung des Schachtes III ihrer Zeche Werne beantragt. Dadurch kommen auf dieser Zeche etwa 850 Arbeiter und Angestellte zur Entlassung. Begründet wird der Antrag auf Stillegung mit der außerordentlich schlechten Marktlage für Gasflammkohle, die die Zeche fördert. Die Schachtanlage befindet sich zwischen Lünen und Hamm. Die Entlassung von 1200 Arbeitern hat die Deutsche Erdöl A.=G. aus dem gleichen Grunde für ihre Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen beantragt. nuch die Zeche Prosper bringt auf ihrem Schacht III in Bottrop zum 1. September 300 Arbeiter zur Entlassung, die auch hier mit der Verschlechterung der Absatzlage begründet wird. Massenentlassungen bei den Klöckner=Werken. wp. Castrop=Rauxel, 19. Aug. Die KlöcknerWerke haben zum 31. August rund 400 ArbeiFwrschenfall auf der Einbentematung euh Berlin, 19 Aug.(Eig. Meldung.) In sdeutsche Frage, die jetzt wieder aufgerollt end. Betlin, m.—(Eig. Meldung.) In der gestrigen Vollsitzung des Internationalen Studentenverbandes kam es, wie dem Lokalanzeiger aus Brüssel gemeldet wird, durch die Behauptung eines polnischen Vertreters, die deutsche Studentenschaft sei ein nationalistischer Klub, der keine sachliche Arbeit auf internationalem Gebiet leiste, zu einem neuen Zwischenfall, der dadurch verschärft wurde, daß der deutschen Abordnung, die diese Behauptung zurückweisen wollte und das Wort zur sofortigen Erwiderung verlangte, von dem französischen Präsidenten Paul Saurin das Wort entzogen wurde. Die deutsche Abordnung verließ unter Protest die Versammlung. Ob sie weiter dem Kongreß beiwohnen wird, hängt von den gen Verhandlungen ab. Deutsche Protestkundgebung. wtb. Brüssel, 19. Aug.(Eig. Rundf=Meld.) Der erste Ausschuß des vom Internationalen Studentenbundes veranstalteten Kongresse: deutsche Frage, die jetzt wiedir,#### worden ist, weil der Breslauer beutsche Stubentenkongreß im vorigen Jahr die in Budapest beschlossene Zusammenarbeit zwischen dem Internationalen Studentenbund und der Deutschen Studentenschaft abgelehnt hatte. Görlitz begründete die deutsche Auffassung. Nachdem die Polen darauf geantwortet hatten, wollte der deutsche Delegierte noch einmal sprechen. Da aber der erste Ausschuß beschlossen hatte, diese drei Darlegungen anzuhören und dann einen Unterausschuß mit der Lösung der Frage zu beauftragen, so lehnte Saurint es ab, den deutschen Delegierten das Wort zu erteilen. Diese verließen darauf den Sitzungssaal und reichten ein Protestschreiben ein. Der erste Ausschuß gelangte zu der Auffassung, daß Saurints Haltung unparteiisch gewesen sei und lehnte den deutschen Protest mit 12 gegen 8 Stimmen bei 4 Enthaltungen ab. Im Anschluß daran wurde der Unterausschuß eingesetzt. Dieser wird seine prüft heute unter dem Vorsitz von Saurint die Arbeiten am Donnerstag aufnehmen. tern und Angestellten gekündigt. Davon entfallen auf die Viktor= und Johann=Schächte in Castrop=Rauxel 150 Mann, auf die Zeche Werne 150 und auf Zeche Königsborn 90 Mann. Die Entlassungen werden am 15. September erfolgen. Gescheiterte Einigungsverhandlungen in Schleswig=Holstein. enb. Kiel, 19. Aug.(Eig. Meld.) Die hier gefährten Verhandlungen zwischen der Deutschen Volkspartei und der Deutschen Staatspartei über die Bildung einer gemeinsamen Front der bürgerlichen Parteien SchleswigHolsteins sind abgebrochen worden, ohne zu einem Ergebnis geführt zu haben, da. wie verlautet, die Deutsche Staatspartei erklärte, daß ihr eine Zusammenarbeit mit den rechts von der Deutschen Volkspartei stehenden Parteien unmöglich sei. Zur Arbeitsmarktlage der. Angestellten in Wesiscllen wp. Dortmund, 19. Aug. Der fortschreitende Beschäftigungsrückgang in der westfälischen Industrie, insbesondere der Hütten=, Eisen= und Metallindustrie sowie des Bergbaues, hat in den Monaten Juni und Juli eine weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage für die Angestellten bewirkt. Auch der unverändert ungünstige Beschäftigungsgrad in den Außenberufen trug hierzu wesentlich bei. Zudem ist durch die starke allgemeine Arbeitslosigkeit im Bezirk des Landesarbeitsamtes Westfalen die, gemessen an der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger, um 250 Prozent höher liegt als in der gleichen Zeit des Vorjahres sowie die ausgedehnte Kurzarbeit, die Kaufkraft der Bevölkerung so stark geschwächt, daß auch der Einzelhandel aufs empfindlichste in Mitleidenschaft gezogen ist. Nach den Berichten der einzelnen Arbeitsämter stellte sich samtzahl der arbeitsuchenden Angestellten Ende Juli auf 12 027(7656 männlich und 4371 weiblich) gegenüber 10 683(6752 männlich und 3931 weiblich) Ende Mai 1930. Die Zunahme beträgt also insgesamt 1344 Personen— 12,58 Prozent. Bei den männlichen Angestellten stieg die Zahl um 904= 13,38 Prozent, bei den weiblichen Angestellten 440— 11,19 Prozent. Bei den technischen Angestellten macht die Zunahme rund 16 Prozent aus. Der steigenden Zahl der Arbeitsuchenden steht eine völlig unzulängliche Nachfrage gegenüber. Auffallend groß ist die Zahl des arbeitslosen Verkaufspersonals. Der Streik in Nordfrankreich wtb. Paris, 19. Aug. Zur Streiklage in Nordfrankreich wird berichtet, daß in Tourcoing die Zahl derjenigen Arbeiter, die die Arbeit in den Fabriken wieder ausgenommen haben, gestern vormittag 3600 und am Nachmittag mehr als 6000 betragen habe. Ernstliche Zwischenfälle hätten sich nicht ereignet, jedoch seien 20 Verhaftungen wegen Behinderung Arbeitswilliger vorgenommen worden. In Noubaix ist die Wiederaufnahme der Arbeit gestern vormittag nur schwach gewesen. In Halluin sind 50 Autobusse, 500 Radfahrer und ein Zug mit belgischen Arbeitern ohne Zwischenfall über die Grenze nach Tourcoing gegangen. Beilegungsverhandlungen. wtb. Paris, 19. Aug. Arbeitsminister Lavalle empfing heute morgen Abordnungen der sozialistischen und der katholischen Gewerkschaft des Norddepartements und verhandelte am Nachmittag mit Vertretern der Arbeitgeber über die Beilegung des Streiks. Rah und Fern Bedeutungsvoller Fund im Altbachtal. wp. Trier, 19. Aug. Bei den Nachforschungen, die mit Hilfe städtischer und privater Mittel unternommen worden sind, um den Kopf des Marmor=Torsos der Diana ausfindig zu machen, wurde ein prachtvoller Marmor=Torso eines jugendlichen Gottes mit zwei auf die Schultern herabfallenden Haarlocken gefunden. Der zarte jugendliche Körper ist ganz vortrefflich gearbeitet und weist auf ein gutes griechisches Vorbild hin, das wohl Bacchus oder Apollo darstellte. Der Torso reicht vom Hals bis annähernd zu den Knien und ist 78 Zentimeter hoch. Da sich außer dem Rumpf auch noch ein Fuß, ein Stück des Oberschenkels und ein Stück des Unterschenkels gefunden haben, besteht gewisse Hoffnung, daß auch noch weitere Bruchstücke der Statue zutage kommen können. Die Fundstelle bietet ein höchst sehenswertes Bild, da auch große Stücke marmorner Säulen, ein Altarstück u. a., noch am Ort der Auffindung liegen. Die Flutwelle im Hannoverschen. wtb. Stade, 19. Aug. Die Wassermengen, die sich bei den enormen Regengüssen in den Mooren und auf der Geest angesammelt haben, beginnen jetzt nach der Elbe abzufließen. Im südlichen Kehdinger Moor ist die Lage schon bedenklich geworden. Einige Schleusenverbandsgebiete gleichen riesigen Seen. Im Stader Moor stehen die Fluten bereits über die Schutzdeiche. Fuhrwerke schaffen dauernd Sandsäcke heran. Das Vieh wird in die Ställe gebracht. Der Abfluß steht in keinem Verhältnis zu dem Zufluß aus den Mooren. Von Stade aus bis zum Horizont im Norden sieht man eine einzige Wasserfläche. Tod in den Bergen. wtb. Paris, 19. Aug. Kürzlich war berichtet worden, daß zwei in Erfurt wohnhafte Deutsche bei der Besteigung des Mont Blanc verunglückt seien. Einer dieser angeblichen Deutschen, ein Herr von Havas, ist jedoch Oesterreicher und lebt zur Zeit in Paris. Er befindet sich in schwerverletztem Zustande im Krankenhause von Chamonix. Sein Begleiter namens Müller aus Erfurt hat den Tod gefunden. Volksjustiz in Karolina. wtb. Tarbaro(Nordkarolina), 19. Aug. 200 maskierte bewaffnete Männer machten einen Angriff auf das hiesige Gefängnis und bemächtigten sich eines jungen Negers, der beschuldigt war, sich an zwei weißen Mädchen vergangen zu haben. Sie banden ihn an einen Baum am Wege und schossen ihn tot. Drama im Gemeindebüro Jahren, jedermann Geld in feder Höhe schnell und diskret zu verschaffen. 1400 Vertreter arbeiteten im ganzen Reich, um Darlehenssucher an diese Firma zu weisen. Gegen eine Gebühr von 30—50 RM wurde den Leuten, die Kredit in Anspruch nehmen wollten, die Adresse von angeblichen Geldgebern gegeben, die in Wahrheit aber nichts anderes als Angestellte und Beteiligte der Firma Görs und Karsten waren. Keiner dieser Kaufleute besaß einen Pfennig Geld. Auch sie verlangten zuerst von den Interessenten eine Gebühr für die Gewährung des Darlehns, das dann niemals ausgezahlt wurde. Nachdem die Firma auf diese Weise mehrere hunderttausend RM durch Gebühren„verdient“ hatte, schritt die Staatsanwaltschaft auf die sich häufenden Betrugsanzeigen ein und strengte gegen die Firma ein Strafverfahren an. Für den Prozeß, in dem mehr als 100 Geschädigte als Zeugen vernommen werden sollen, ist eine mehrwöchentliche Verhandlungsdauer vorgesehen. im Mar enbader Postamt Der Postdirektor als Dieb entlarvt. enb. Marienbad, 20. Aug.(Eigene Meldung.) Seit einer Reihe von Jahren gingen im Marienbader Hauptpostamt, insbesondere von reichsdeutschen Kurgästen, Beschwerden über verlorengegangene Briefsendungen ein, die Geld enthielten. Alle Reklamationen blieben erfolglos, da sie überhaupt nicht erledigt wurden. Schließlich entschlossen sich die Angestellten des Postamtes, selbst den Dieb ausfindig zu machen, indem sie ihm eine Falle stellten. Das Ergebnis war, daß der Leiter des Postamtes, Postdirektor Sinka, als Täter entlarvt wurde. Die Prager Postdirektion, die verständigt wurde, entsandte sofort einen höheren Beamten nach Marienbad, der die Angelegenheit untersuchte. Das führte dazu, daß Sinka schon am nächsten Tage nach Prag abberufen wurde und sofort seinen Urlaub antreten mußte. Der Schaden, der durch diese Diebstähle verursacht wurde, beträgt mehrere 100000 Kronen. Sinka, der Tscheche ist, war vor neun Jahren an Stelle des früheren deutschen Postmeisters nach Marienbad berufen worden. Riesenskandal in Chicago * Chikago, 19. Aug. United Preß meldet laut Köln. Ztg.: Ein Skandal größten Umfanges ist im Zusammenhang mit der kürzlichen Ermordung des bekannten Verbrecherhäuptlings Jack Zuta aufgedeckt worden, der von Mitgliedern einer feindlichen Bande erschossen wurde. In der Brieftasche des Ermordeten, sowie in seinem Bankfach wurden Briefe, Schecks und anderes Beweismaterial gefunden, aus dem hervorgeht, daß eine ganze Reihe von städtischen Beamten und Politikern in enger „geschäftlicher“ Verbindung mit ihm standen. Die Staatsanwaltschaft hat die Angelegenheit in die Hand genommen und zunächst den Polizeichef der Stadt Evanston, eines Nachbarortes von Chikago, mit Namen Williamson Freeman, verhört, dessen Beziehungen zu Zuta aus einem Schreiben hervorgingen, in dem er von dem Verbrecherhäuptling die Summe von 400 Dollar verlangt. Das Schreiben trug die Unterschrift: Ihr Kamerad Bill Freeman und ist in Zutas Bankfach gefunden worden. Freeman hat nach Erklärung der Staatsanwaltschaft bereits zugegeben, von Zuta Schmiergelder erhalten zu haben. Eine ganze Anzahl angesehener Politiker und leitender Magistratspersonen von Chikago und den benachbarten Ortschaften ist gleichfalls vorgeladen worden, um sich über ihr Verhältnis zu Zuta zu äußern, und es steht zu erwarten, daß die Angelegenheit weite Kreise ziehen und erstaunliche Dinge an den Tag bringen wird. be Fährten des„Braf Zeppeim Start des„Graf Zeppelin" zur Schweizerfahrt. wtb. Friedrichshafen, 19. Aug. Nach allgemeiner Besserung der Wetterlage ist das Luftschiff„Graf Zeppelin“ heute früh 5,15 Uhr unter Führung von Kapitän Lehmann wieder zu einer Schweizerfahrt aufgestiegen. An Bord befinden sich 30 Passagiere. Rückkehr des„Graf Zeppelin“. wtb. Friedrichshafen, 19. Aug. Das Luftschiff„Graf Zeppelin", das heute nachmittag seine zweite Schweizer Fahrt unternommen hatte, ist um 16,55 Uhr glatt gelandet. enb. Berlin, 20. Aug.(Eig. Rundf.=Meld.) Im Dorfe Hundirsburg bei Magdeburg ereignete sich, wie der„Voss. Ztg.“ aus Magdeburg gemeldet wird, am Dienstagnachmittag eine schwere Bluttat. Um Unstimmigkeiten in der Kassenführung des Gemeindesekretärs Kosick zu untersuchen, begab sich der Gemeindevorsteher Jung zusammen mit einem Mitglied des Gemeinderates namens Sabei in das Gemeindebüro. Im Laufe der Unterhaltung schoß Kosick den Gemeindevorsteher nieder. Jung war auf der Stelle tot. Sabei flüchtete zum Fenster hinaus, wurde aber von Kosick verfolgt und durch einen nachgefeuerten Schuß schwer verletzt. Kosick hielt sich darauf die Pistole selbst an die Stirn und tötete sich durch einen Schuß. Der Zustand des Gemeinderatsmitgliedes gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Großer Dahrlehnsschwindelprozeß in Berlin enb. Berlin, 19. Aug.(Eig. Meld.) Ein großer Darlehnsschwindelprozeß hat heute vor dem Schöffengericht Schöneberg seinen Anfang genommen. Angeklagt sind der Kaufmann Bruno Görs, der Lehrer Bause, der Bankkommissionär Paul Zech, der Kaufmann Riefenstahl und der Kaufmann Hinrich wegen fortgesetzten Betruges und Urkundenfälschung. Sämtliche Angeklagte sind bereits vorbestraft. Riefenstahl bereits wegen Betruges zu zwei Jahren Zuchthaus und vier Jahren Ehrverlust. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zugrunde. Die Firma Görs und Karsten versprach durch große Zeitungsinserate vor drei Junrnteirungen Von dem Sohn erschlagen. wtb. Friedeberg(Neumark), 19. Aug.(Eig. Rundf.=Meld.) In Neuhaferwiese entstand zwischen dem Besitzer Gundermann und seinen zwei Söhnen, die dem Vater Vorwürfe darüber machten, daß er die Wirtschaft vernachlässige, ein Streit, aus dem sich eine Schlägerei entwickelte. Einer der beiden Söhne schlug den Vater mit einem harten Gegenstand an den Kopf, sodaß er tot zusammenbrach. Die Söhne stellten sich der Polizei. Notlandung eines deutschen Postflugzeuges. wtb. Wien, 20. Aug.(Funkspruch.) Ein Postflugzeug der deutschen Lufthansa mußte gestern, wie das„Extrablatt“ meldet, auf dem Fluge von München nach Wien wegen Motorstörungen auf dem Exerzierfeld von Weld landen. Der aus Wien angeforderte Motor ist bereits eingetroffen, sodaß das Flugzeug zum Weiterflug starten kann. Attentat auf den Kownoer Polizeichef. wtb. Kowno, 19. Aug.(Eig. Rundf.=Meld.) Der Polizeichef Oberst Gusteita hatte heute nachmittag gegen 5 Uhr in einem Zimmer des Hotels Continental eine vertrauliche Unterredung mit einem gewissen Julius Vaitkevicius. Bald nach Beginn der Unterredung betrat eine zweite Person das Zimmer und beide stürzten sich auf den Polizeichef, knebelten ihn und brachten ihm vier Dolchstiche bei. Es handelt sich um einen politischen Nacheakt. Der Verletzte befindet sich nicht in Lebensgefahr. Die beiden Täter wurden verhaftet. Bestimmungen der Landwirtschaftskammer deik. die westfalische Markensperserartesfer Der Landwirtschaftliche Kreisverein Recklinghausen schreibt uns folgendes: um den Absatz einheitlicher deutscher Speisetartoffel westfälischer Herkunft für den westdeutschen Markt sowie für die Ausfuhr zu fördern, gibt die Landwirtschaftskammer für die ProWestfalen für Speisekartosseln von besonderer innerer und äußerer Güte eine eigene mit der Bezeichnung„Westfälische Markenspeisekartoffel“ gesetzlich geschützte Kartoffelmarkte herDie Landwirtschaftskammer Westfalen verleiht das Recht, die Kartoffelmarke zu führen und Speisekartoffeln unter dieser Marke in den Handel zu bringen, ausschließlich den Mitgliedern des„Verbandes der Erzeuger westfälischer Markenspeisekartoffel e. V.“ zu Münster. „Als„Westfälische Markenspeiskartoffel“ dürfen ausschließlich Kartoffeln, die in der Wirtschaft des betr. Verbandsmitgliedes gewachsen sind, in den Verkehr gebracht werden. Die Mitglieder des Verbandes der Erzeuger Westfälischer Markenspeisekartoffeln haben ihre Feldbestände bis zu einem jeweils festzusetzenden Zeitpunkt bei der Landwirtschaftskammer anzumelden.. 8 Eine Besichtigung und Prufung der für die Lieferung als Markenspeisekartoffeln angemeldeten Feldbestände wird während der Vegetationszeit durch Beaustragte der Landwirtschaftskammer vorgenommen(Feldkörung). Die Bestände müssen sortenrein, von normaler Gesundheit und normaler Ausgeglichenheit im Knollenertrage sein. Als Markenspeisekartoffeln können Kartoffeln bestimmter Sorten in den Handel gebracht werden. Die Sorte muß in jedem Einzelfalle mit vollem Namen genannt sein. Die Auswahl der auf Grund ihrer guten Koch= und Geschmackseigenschaften zuzulassenden Sorten trifft der Verband der Erzeuger westfälischer Markenspeisekartoffel im Einvernehmen mit der Landwirtschaftskammer. Eine Liste dieser Sorten wird jeweils im Frühjahr und Herbst besonders herausgegeben. Die westfälische Markenspeisekartoffel soll vorzugsweise waggonweise(schiffsweise) u. zwar vornehmlich gedeckt in den Handel kommen. Die Ware muß handverlesen, gesund, trocken und rein sein. Bei Lieferung von dunklen Boden ist dies ausdrücklich zu bemerken. Die Kartoffel soll ferner folgenden Anforderungen entsprechen: Die runden Sorten sind in einer Größe von 5 bis 8 cm. Durchmesser zu liefern. Die Größe wird nicht nach dem Längsdurchmesser(Nabel bis Krone) sondern nach dem größten Querdurchmesser bestimmt. Abweichungen von diesen Größen bis zu 4 Prozent des Gewichtes sind zulässig, jedoch unter 4 cm. Die langen Sorten sind in einem Längemaß von 6 bis 10 cm. zu liefern. Abweichungen von diesen Größen bis zu 4 Prozent des Gewichtes sind zulässig, jedoch keine unter 5 cm. Besondere Abmachungen hinsichtlich der Größensortierung sind gestattet. Die Mängel dürfen im einzelnen nachstehende Prozentsätze nicht übersteigen. a) Beimengungen fremder Sorten von anderem Knollentyp: 1 Prozent, b) Erdbesatz: 1 Prozent, c) Leichtverletzte und=beschädigte: 2 Prozent, Stark beschädigte 1 Prozent, d) Trockenfaule: 1 Prozent, e) Schorfige: 3 Prozent(Tiefschorfige dürfen nicht mitgeliesert werden). f) Sonstige äußerlich oder bei Schnittprobe als krank oder fehlerhaft erkennbare Kartoffeln: 2 Prozent, g) Naßfaule Kartoffeln dürfen nicht mitgeliefert werden. Krebsbesatz ist ausgeschlossen. Falls die Mängel der unter a bisg bezeichneten Art insgesamt 10 Prozent des Gewichtes übersteigen, kann in jedem Falle die Annahme verweigert werden. Derartige Kartoffeln dürfen dann nicht mehr als Markenspeisekartoffeln in den Handel kommen. Werden sie von dem Empfänger oder einem anderen Käufer übernommen, so sind die Plomben und Beklebezettel unverzüglich von dem Sachverständigen zu entfernen, sowie sonstige Bescheinungen vom Käufer einzuziehen und der Verband der Erzeuger westfälischer Markenspeisekartoffel(für die Landwirtschaft Münster) zurückzuschicken. Die Ueberwachung der westfälischen Markenspeisekartossel wird durch Beauftragte des Verbandes(Kontrollstellen) laut besonderer Anweisung ausgeübt. Der Landwirtschaftskammer steht das Kontrollrecht über die Durchführung der Ueberwachung zu. Ueber jede Ladung westfälischer Markenspeisekartoffel ist eine Bescheinigung in vierfacher Ausführung auf vorgeschriebenem Formular auszustellen. Ein Stück geht sofort dem Empfänger zu, das zweite verbleibt dem Erzeuger während die übrigen dem Verband der Erzeuger westfälischer Markenspeisekartoffeln einzusenden sind. Jeder Waggon bezw. die einzelnen Säcke sind mit der gesetzlich geschützten Marke der Landwirtsschaftskammer vorschriftsmäßig zu verschließen. Als Beiladung sind Markenspeisekartoffeln nur gesackt zulässig. Die Mitglieder des Verbandes westfälischer Markenspeisekartoffel sind verpflichtet, die Bestände an Markenspeisekartofseln der„Betriebsstelle für Markenspeisekartoffeln", welche den Alleinvertrieb der westsälischen Markenspeisekartoffeln hat, zum Verkauf anzubieten. Für den Verkauf und die Lieferung gelten besondere Lieferungsbedingungen. Bei Verstößen gegen vorstehende Bestimmungen entzieht die Landwirtschaftskammer dem Betreffenden das Recht auf Führung der Marke. Jeder Mißbrauch der westfälischen Kartoffelmarke führt zu ihrer sofortigen Entziehung und wird gerichtlich verfolgt. Volksparteiliche Entschließung Bei einer am Sonntag, den 17. August, stattgefundenen Kundgebung der Arbeiter=Ausschüsse der Deutschen Volkspartei von Westfalen=Nord und Süd wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Die heute in Bochum versammelten Vertrauensmänner der Arbeiterausschüsse der Deutschen Volkspartei aus den Reichstagswahlkreisen Westfalen=Nord u.=Süd sprechen dem Parteiführer Dr. Scholz für seine Haltung in der Sammlungsfrage ihren ganz besonderen Dank aus und versichern den bisherigen Abgeordneten Winneseld, Hueck und Dr. Hugo ihres uneingeschränkten Vertrauens. Die Versammelten sind der Ueberzeugung, daß die Fraktion im verflossenen Reichstage sich für eine Wirtschaftspolitik eingesetzt hat, die die Produktionsstätten vor dem Untergang hätte bewahren und Not= und Arbeitslosigkeit von den Arbeitern und ihren Familien fernhalten können. Wenn heute trotzdem eine trostlose Arbeitslosigkeit herrscht, so tragen daran die Parteien die Schuld, die in der höchsten Not des Vaterlandes sich der Rettungsaktion der Reichsregierung versagt und die Auflösung des Reichstages herbeigeführt haben. Die in der Versammlung vertretenen Ausschüsse richten daher an ihre Arbeitskollegen die ernste und dringende Aufforderung, dafür einzutreten, daß die Deutsche Volkspartei aus diesen Wahlen gestärkt hervorgehe, damit wir endlich wieder zu einer Besserung der Wirtschaftslage kommen und eine gesunde Sozialpolitik sichergestellt werden kann. Insbesondere ist Wert darauf zu legen, diejenigen Freunde zurückzugewinnen, die in völliger Verkennung der Ziele der Nationalsozialisten diesen ihre Stimme gaben, wie auch die wieder heimzuführen zur Volkspartei, die bei den Provinzial= und Stadtverordnetenwahlen im Jahre 1929 sich dem Evangelischen Volksdienst zur Verfügung gestellt haben, zumal dieser Volksdienst als Partei nicht mehr besteht, sondern in der christlich=sozialen Partei aufgegangen ist. Hierauf besonders hinzuweisen, halten die Ausschüsse für ihre besondere Pflicht. Ablehnende Stellungnähzme Die großen deutschen Auskunfteien, Schimmelpfeng, Deutsche Auskunftei, Creditreform und Bürgel lehnen jede Beteiligung am sogenannten„Weltkongreß der Auskunfteien" ab. Zwei bedeutungslose Wiener Unternehmen, der Verein„Confidentia“ und der sogenannte „Zentralverband der Auskunfteien" in Wien, machen auch in Deutschland Propaganda für einen im Dezember ds. Is. von ihnen zu veranstaltenden„Weltkongreß der Auskunftteien". Aus ihrer Kenntnis dieser Unternehmen und der hinter ihnen stehenden Persönlichkeit, die in keiner Beziehung legitimiert erscheinen, einen solchen Kongreß einzuberufen, lehnen alle Spitzenorganisationen der deutschen Wirtschaft, die großen deutschen Auskunfteien, die deutschen Kreditversicherungsaktiengesellschaften und alle namhaften deutschen Wirtschaftspersönlichkeiten jede Beteiligung an diesem sogenannten Weltkongreß ab und müssen es als Zumutung betrachten, in Verbindung mit dieser Veranstaltung genannt zu werden. Die in Frage kommenden deutschen und österreichischen Behörden sind an Hand authentischen Materials über den nicht erst zu nehmenden „Weltkongreß“ informiert worden, mit dem nach Mitteilung der Wiener Handelskammer„weder die österreichischen Handelskammern, noch die Spitzenkorporationen von Industrie, Handel und Gewerbe, noch die zuständigen österreichischen Fachorganisationen in irgendwelchem Zusammenhang stehen.“ hören wir im Rundfunk? Donnerstag, den 21. August 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Wettervorhersage. 07,05: Morgenkonzert. 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Pyrmont. 10,15: Schallplattenkonzert. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderturnen. 16,00: Die Welt im Buch. 16,20:„Abendröthe", Erzählung. 16,40: Begegnung mit den Buschmännern. 17,05: Sportstudenten. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Der westfälische Kulturkreis. 19,15: Deutschland und der Osten. 19,40: Der westdeutsche Wirtschaftsraum. 20,10: Eröffnung der Funkausstellung. 20,45: Richard Wagner=Abend. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Anschließend bis 24,00: Konzertübertragung aus dem Luftkurhaus Toelleturm, Wuppertal. Befehl ausgeführt. Der neu ernannte Hauptmann gibt seiner Kompagnie ein kleines Fest und fordert die Leute gemütlich auf:„Greift das Essen und Trinken ohne Erbarmen an! Behandelt es wie einen Feind.“ Als er fortgehen will, bemerkt er seinen Sergeanten, der sich einige Flaschen Bier einsteckt. „Was machen Sie da?“ fragt er. „Führe Befehl aus,“ lautet die Antwort. „Wenn man den Feind nicht tötet, soll man ihn gefangen nehmen.“ Is Der Stizze von Marie Gerbrandt. „Die Gewitter hängen lose in diesem Jahr,“ bemerkte Bauer Marquardt, im Hoftor stehend, zu seinem Knecht, der mit einer Karre voll Grünfutter an ihm vorüber kam. Der alte Lorenz setzte die Karre nieder und schaute gleich seinem Herrn den abziehenden Wetterwollen nach, die ein Blitzen und Funkeln ringsum auf Gräsern und Baumkronen hinterlassen hatten. „Wenn's man immer vorüber geht!" erwiderte er und wollte die Karre wieder aufnehmen, aber Marquardt sprach, und trotz des verdrießlichen Tones kam etwas Flackerndes in seinen Blick: „Schließlich— wenn's mal einschlagen sollte, wär's noch kein großes Uchherrjeh. Die Kabake“ — er wies nachlässig aus das bäuerliche Anwesen —„ist alt genug, daß man mal neue Gebäude brauchen könnte.“ Lorenz ließ den Blick an dem noch gut erhaltenen, von einer großen Kastanie überschatteten Wohnhause, den strohgedeckten Wirtschaftsgebäuden hinschweifen und dachte:„Ach du gütiger Vater, wenn das meines wäre!" Doch suchte sein schwerfälliger Geist nach einer beistimmenden Antwort. Ehe er sie fand, sagte der Herr auf einmal so ganz leicht und obenhin:„Wenn bei'nem tüchtigen Gewitter der Blitz reinfahren sollt' und ich bekäme das schöne Brandgeld ausgezahlt, das wär'ne Sache. Dann baute ich gleich massiv, und dann sollt' hier ein anderes Leben losgehen.“ Auf diese Bemerkung sogleich zu antworten, konnte niemand von Lorenz verlangen. Denn was fiel nicht alles an Gedanken über ihn her: „Du und noch ein anderes Leben ansangen! Du wirtschaftest wohl nicht jetzt schon wild genug mit der Frau ihrem Gut.— Daß sie den bloß genommen hat! Da ging es denn schon besser, wie ich nach dem Tod des ersten Herrn mit der Frau die zwei Jahre allein gewirtschaftet hab'.“ Eine neue Bemerkung des Bauern ließ diese Gedankenwogen plötzlich erstarren: „Ihr selber, Lorenz, Ihr quält immer um höheren Lohn,— ja, wie kann ich hohen Lohn zahlen, wenn's nicht einmal für die eigene Familie langt? Mit dem Brandgeld— da wäre es was anderes, da sollt's mir nicht darauf ankommen. Das wär’ne Sache, was? Statt fünszig Mark hundert, das könnte Euch passen, was?“ Lorenz schaute zu dem heiter Sprechenden auf. O, er sah das Funkeln, das Forschen, das Teuflische in seinen Augen! O ja. Und es war ihm, als würde er weit, weit von Heim und Gewohnheiten fortgetragen, als er heiser erwiderte: „Wenn's einschlägt.“ „Na ja.“ Marquardt zuckte die Achseln und ging davon. Lorenz nahm seine Karre wieder auf. Hundert Mark. Der Junge hatte einen so guten Kopf, der Lehrer wollte ihn für das Seminar vorbereiten; aber wie konnte ihn Lorenz jahrelang kleiden bei fünfzig Mark Monatsverdienst? Und auch Johanne könnte sich mal was Besseres antun, sie wurde doch auch schon alt. Erfahren durfte sie aber von der Schändlichkeit nichts. Die kam doch allein vom Herrn, der also nicht nur liderlich und hochmütig, sondern, wie er jetzt merken ließ, auch noch ein Betrüger war. Er, Lorenz, war ja nur der Knecht, der auszuführen hatte, was ihm besohlen war. Nein, er wäre nie auf solche Schändlichkeit verfallen. Sein Leben lang hatte er das Rechte getan, soweit er's verstand, bisher waren Recht und Unrecht sehr leicht für ihn zu unterscheiden gewesen.“—„Na, nun haben wir ja schön Wetter.“ Damit schob er das Beängstigende von sich und arbeitete weiter. Aber die Gewitter saßen wirklich lose in diesem Jahre. Schon um die Vesperzeit zog ein neues herauf, schwarz und schnell.„Wie bestellt," dachte Marquardt und griff nach dem Hut. „Willst Du hinaus?“ fragte die Frau ängstlich.„Das kommt sicher über uns.“ „Dann zieht es auch wieder weg, Du weißt, daß ich es in der stickigen Stubenluft bei Gewitter nicht aushalten kann. Lorenz, der im Hof die Sielen putzte, sah ihn fortgehen. Er hatte es nicht anders erwartet. Ihm schenkte der Herr keinen Blick. Aber einen Nachbarn, der eben vorüber ging, rief er an. „Will mal nach dem Flugplatz drüben, da soll ja heute mittag was passiert sein.“ „So?— Na, ich mache, daß ich nach Hause komme.“— „Der kann ihm bezeugen, daß er nicht zu Hause war, als hier das Feuer auskam," stellte Lorenz bei sich fest.„So klug ist er schon, daß er's auf mir allein sitzen läßt.“ Und gramvoll dachte er, wie nötig er doch Geld brauche, und daß es für seinen Jungen wäre, wenn er des Bauern Schändlichkeit ausführte. Bei jedem Aufflammen zuckte er zusammen. Der Donner rollte nicht mehr, er schlug kurz und krachend drein. Lorenz betrachtete düsteren Blickes die Scheune. Die mußte es sein— da kam wenigstens kein Vieh zu Schaden.„Ich will doch den Hund losmachen,“ sprach Lorenz bebend vor sich hin und wankte auf die Scheune zu, an welcher der treue Wächter schon winselnd um seine Freiheit bat.„Weißt Du, daß es hier gleich brennen wird?" fragte Lorenz, dessen Kiefer flatterten. „Geh' ins Haus, Phylax, ins Haus!“ Schwarz drohte der Himmel, zu dem er aufblickte. Ein Streichholz durch das Astloch da ins Stroh zu wersen, das war doch nicht so schwer. Eine atemberaubende Stille trat ein, als wolle die Natur abwarten, ob Lorenz wirklich das Verbrechen begehen werde— da... ein Feuerstrom mit einem Lustzuge niederstürzend, daß der alte Mann auf die Knie gerissen wurde, ein betäubendes Krachen, als falle die Welt zusammen: Lorenz lag mit dem Gesicht auf der Erde und hatte die Empfindung: Das Schicksal straft mich und rettet mich!— „Dem Himmel sei Dank!“ rief in seiner Nähe eine Frauenstimme. Es war die Bäuerin.„Ich dachte schon, Ihr wäret auch getroffen. Ein paar Schritte von Euch hat es eingeschlagen, da in die Nesseln. Seht, wie die Erde aufgewühlt und weit und breit umher geworfen ist." Lorenz' Blick irrte über die Scheune, den Stall. Alles stand noch wie vorher, so fest, so freundlich. Er lachte die Frau an, die ihm gütig zunickte.„Ja, diesmal hat uns der Himmel noch verschont. Wenn bloß erst auch mein Mann unter Dach wäre!“ Ein krachender Donner riß ihr das Wort vom Munde.—— Marquardt hatte bis zu diesem Augenblick noch nicht den Wunsch verspürt, unter Dach zu kommen. Der Aufruhr der Natur schuf ihm einen Rausch, ein Lustgefühl, dessen Kern eine wilde Schadenfreude war. Er sah ängstlich zusammengeduckte oder in Todesnot fliehende Menschen, über die er in seiner Unerschrockenheit triumphierte. Er hatte das Dorf verlassen und schritt auf das Holzbrückchen eines Baches zu, der durch die Wiese floß. Jenseits lag der Flugplatz, unter dessen Schuppen er allenfalls treten konnte, wenn Regen und Hagel einsetzten. Vorläufig herrschte nach jedem Schlag eine Totenstille, die in ihm die Spannung erhöhte. Der Himmel glich einem schwarzen Tor, hinter dem Feuerschlangen lauerten, um tückisch hervorzuschießen. Ha! Das war ein ganzes Bündel sprühender Schlangen gewesen! Ein Geschmetter, als stürze eine Ladung schwerer Steine nach, machte den Boden erzittern.„So kann's was werden,“ murmelte der Bauer und betrat das Brückchen, das nur ein Brettersteg mit einer Stange als Geländer war. Er wollte sich eine Zigarre anzünden, um das Fieber der Erwartung zu dämpfen. Wenn das Gehöft drüben, das immer noch in unleidlichem Dunkel lag, endlich von Flammen vertilgt war, sollte man ihn nicht lange mehr in der Gegend sehen. Die Versicherungssumme eingestrichen und nach Amerika, ehe allerlei an den Tag kam: die abzufindende Magd— der gefälschte Wechsel—— Die Zigarre war nicht angebrannt. Er warf das Hölzchen fort. Da— was war das? Feuer flog durch die Luft, loderte den Bach entlang— hatte er den Donner überhört? Eine unerträgliche Glut brannte um ihn, fraß sein Haar, seine Augen— stand er mitten in einem Blitz, der kein Ende nahm? Fort, nur fort!— Er suchte die Wiese zu erreichen, taumelte, sinnlos vor Schmerz — griff nach dem Geländer, das verkohlt in Stücke brach, und stürzte rücklings in den flammenden Bach. Im Dorf wurden alle Fenster rot. Die Leute stürmten auf die Straße. Wie ein glühendes Gebirge stand das Feuer über dem Bach. „Himmel, was ist das? Was ist das?“— „Auf dem Flugplatz ist mittags ein Benzintank ausgelaufen. Das Benzin hat auf dem Wasser geschwommen, und der Blitz hat hineingeschlagen,“ erklärte einer. „Merkwürdig, wenu's brennen soll, breunt sogar das Wasser,“ hieß es, und niemand ahnte, daß der freventlich gerusene Blitz an dem Rufer Nache genommen hatte, Aus den Nachbar-Städten am 25. August des Nachmittags und des Abends statt und für die Nachtschicht am 26. August des Murgens. Letmathe. Bürgersteuer. Der Haushaltsausschuß beschloß die Einführung der Bürgersteuer und erhöhte die Biersteuer von 1 auf 5 Mark. Infolgedessen ermäßigen sich die früder vorgesehenen Steuersäve, u6 Jepg rg Grundvermögenssteuer von 1800 auf 1020 zent. Auch die Berufsschulbeiträge erfahren eine kleine Ermäßigung. Altlüinen. Blehdiebe PPlogzgger, enee auf der Weide des Gutsbesitzers Uebber einen 6 Zentner schweren Bullen ab und nahmen von dem Tier die Hinterviertel und den Kopf mit. Als Täter dürften diejenigen Burschen in Frage kommen, die vor einigen Tagen dem Landwirt Möllmann in Wethmer, ein Rind auf der Weide abgeschlachtet haben. Von den Viehdieben hat man jedoch noch keine Spur. Bochum. Diebische Kinder. In den letzten Tagen wurden einer Gemüsehändlerin in Langenbochum wiederholt kleinere Geldbeträge im Gesamtwerte von 31,40 Mark gestohlen. Als Täter wurden zwei Jungen im Alter von und 14(!) Jahren festgestellt, die herausbekommen hatten, wo die Händlerin bei ihrem Fortgang den Hausschlüssel aufbewahrte. Bochum.„In einer kleinen Konn festgenommen, ditorei“ da saß Karl Sch. im Frühjahr 1926 Herr auf dem Nachhausewege die Chemnitzer Straße entlang ging, wurde er von zwei MänGroß=Dortmund — Bau von Einfamilienhäusern. Die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft will am Nußbaumweg gegenüber der Rennbahn 80 Einfamilienhäuser errichten. Die verfügbaren Mittel gestatteten für dieses B-Bgiehzsch uug die Jnaz; griffnahme des ersten Bauar#chnuts von 34 Häusern, die in Gruppen von 4 bis 5 Reihenhäusern zusammengesetzt werden sollen. — Eisenbahndiebe erwischt. Der 22 Jahre alte Schreiner W. und der 21jährige Knecht E. aus der Schützenstraße wurden in der beobachtet, wie sie von der Eisenbahnüberführung am Burgtor Pakete herabwarsen. Eine Streife der Schutzpolizei kletterte schnell auf den Bahnkörper und nahm die beiden nach heftiger Gegenwehr fest. Auf dem Bahnkörper wurde von Postbeamten noch ein Paket gefunden, das aus einem Postwagen gestohlen worden war und noch nicht hatte beiseite geschafft werden können. — Unverbesserlich. Der 37 Jahre alte Bergmann Wilhelm N. wurde nach Verbüßung einer zweimonatigen Gefängnisstrafe aus dem hiesigen Gerichtsgefängnis entlassen. In der Nacht darauf wurde er kurz vor 1 Uhr dabei ertappt, als er mit einem Taschenmesser die Eingangstür zum Geschäftshaus der Firma Gebr. Engel auf dem Westenhellweg gewaltsam zu öffnen versuchte. Er wurde wiederun.#m nern, die aus einer dunklen Ecke plötzlich hervorsprangen überfallen und zu Boden geschlagen. Durch hestige Schläge auf den Kopf und ins Gesicht wurde er besinnungslos. Als er nach kurzer Zeit wieder zu sich lam, mußte er feststellen, daß die schon in der Ferne davonlausenden Räuber ihn seiner Barschast und Kleinodien beraubt hatten. Eine goldene Taschenuhr mit grobgliedriger massiv goldener Kette im Werte von 250 Mark hatten die Räuber ihm entrissen, einen Brillantring in Krabbenfassung im Werte von 250 Mark vom Finger gezogen, eine in süßen Gedanken, ihren Liebling Kravattennadel(Perle) im Werte von 50 Mark, Bahnmeister zu sehen und dann in eine Ehe die Briestasche und die Geldbörse mit Inhalt einzutreten. Oft riet man Lenchen davon ab, zählt jetzt 20 Jahre, tat seit der Bekanntschaft keinen Strich mehr und ließ sich von Helene bis zum vergangenen Winter durchfüttern und finanziell versorgen. 20 Mark gab sie ihm monatlich von ihrem Verdienst ab. Sie hegte dabei, offen gesagt, wie viele andere Mädchen die stille Hoffnung von Karlchen geheiratet zu werden. Eines Tages lieh sich Karl von Helene 15 Mark, die er für einen Smoking hinterlegen sollte, weil er am folgenden Tage sich dem Reichsbahnpräsidenten in Essen für evtl. Stellungnahme vorstellen konnte. Das war natürlich Schwindel. Leni wiegte sich natürlich schon in süßen Gedanken, ihren Liebling bald als Gladbeck. Jagd auf einen Schwerverbrecher. Aus dem Auto einer Textilfirma aus Elberfeld wurden kürzlich 25 Musteranzüge gestohlen. Die Polizei konnte alsbald zwei Täter festnehmen, während der Haupttäter Bavelack entkam. Er wollte sich noch das nötige Geld besorgen und dann nach Holland flüchten. Er brach in die Bahnhofswirtschaft Gladbeck=West ein und raubte 30 Mark. Kurz vor Abfahrt des Zuges erhielt die Polizei hiervon Kenntnis, raste mit einem Kraftwagen zum Bahnhof Gladbeck=Ost und benachrichtigte durch Fernsprecher die benachbarten Bahnstationen. Auf Grund der Beschreibung erkannte der Fahrkartenkontrolleur in Feldhausen den Schwerverbrecher, hielt ihn fest und übergab ihn der Polizei. Allem Anscheine nach hat Bavelack noch zahlreiche andere Einbrüche auf dem Gewissen. Bielefeld. Rückgang der Einwohnerzahl. Nicht weniger als 830 Personen haben der Stadt Bielefeld im Monat Juli den Rücken gewandt. Die Bevölkerungszahl ist von 89 243 (Stand vom 1. Juli) auf 89034(1. August), also um 209 Seelen gesunken. Zugezogen sind 614 Personen. An Geburten waren 66 zu verzeichnen. Nordhorn. Notlandung. Bei Clausheide mußte das Flugzeug„D 1124“, das auf den Namen„Schneekoppe“ getauft ist, infolge Motordefekts notlanden. An Bord waren drei Mann Besatzung und zwei englische Passagiere, die sich auf dem Fluge Berlin—London befanden. Sie haben ihre Reise mit einem Auto nach Rotterdam fortgesetzt, um dort Anschluß an das nächste Flugzeug zu erhalten. Gütersloh.„Ehepaar Müller" festgenomen. Johanna Brinkmann von hier und ein junger Mann namens Langeke taten sich zusammen und gaben sich den Namen„Ehepaar Müller“. Unter diesem Pseudonym reisten sie in Westfalen, Lippe usw. herum, sprachen bei Gemeindeschwestern, Pastoren und Bahnhofsmissionen vor und schilderten in herzzerbrechender Weise ihre Notlage. Fast immer erreichten die beiden ihr Ziel. Jetzt ist der Zauber zu Ende. Ehepaar Müller sitzt hinter eisernen Gittern und harrt der Aburteilung. Augenblicklich werden alle die Leute ausfindig gemacht, die betrogen worden sind. gutem Zustande ist, birgt eine elektrische Anlage keinerlei Gefahr. Bei einer ordentlich ausgeführten Anlage hat auch die Höhe der Betriebsspannung und die Stromart keinen Einfluß auf das Maß der Gefährdung. Erst wenn in einer Anlage Isolationsdefekte in den Leitungen, Fassungen oder Geräten eintreten, kann der elektrische Strom beim Berühren defekter Anlageteile auf den menschlichen Körper übertreten und dann je nach Spannung, Stromart und Bodenverhältnissen verschieden auf diesen einwirken. Ist nämlich die Isolation einer Leitung beschädigt, so nimmt beim Berühren ungeschützter spannungführender Teile der Strom seinen Rückweg nicht in normaler Weise durch die dafür vorgesehene Leitung, sondern über den Körper des Menschen zur Erde. Steht nun ein Mensch auf trockenem, gut isolierendem Boden, also etwa auf Holzboden oder auf einem Teppich, so geht nur ein Bruchteil des Stromes durch den Körper hindurch; das Berühren bleibt also in diesem Falle harmlos und ohne nachteilige Folgen. Steht man jedoch auf Steinboden oder auf einem anderen Boden, der gut leitet(besonders wenn er feucht ist), so geht ein viel stärkerer Strom durch den Körper hindurch, der unter Umständen zur Folge hat, daß der Mensch den spannungführenden Teil nicht mehr loslassen kann und daß durch die Wirkungen des Stromes auf Herz und Atmung Körperschädigungen, in besonders schlimmen Fällen sogar der Tod, hervorgerufen werden. Daher halte man stets die elektrischen Anlagen instand und lasse vor allem Isolationsfehler sofort beseitigen. entwendet. Der Ausgeplünderte wurde von einem Bekannten ausgesunden und nach Hause gebracht. Von den frechen Straßenräubern hat man noch keine Spur.— Einen weiteren Raubüberfall meldete eine Frau H. aus dem nördlichen Stadtviertel der Polizei. Sie gab an, daß ihr abends am Partplatz vor der Reinoldikirche von einem Manne die Handtasche und der Schirm entrissen worden seien. Der Mann wurde alsbald gestellt und zur Wache gebracht. Es war ein Dortmunder Kaufmann, der erklärte, daß die Frau ihm vor einiger Zeit einen Geldbetrag gestohlen habe und er sich durch Wegnahme der Handtasche und des Schirmes schadlos halten wollte. Dortm.=Aplerbeck. Aus Anlaß des 50jährigen Ehejubiläums des Kameraden Invaliden Gustav Pfeiffer und seiner Gemahlin veranstalteten der Krieger= und Landwehrverein und der Verein ehem. 16er (Hacketäuer) am Sonnabend im Westermannschen Saale einen Familien= und Ehrenabend. Der überaus starke Besuch der Veranstaltung beweist die große Beliebtheit, welche das greise Jubelpaar genießt. Zahlreiche Blumenspenden und Glückwünsche waren eingegangen. Die Vorsitzenden der obengenannten Vereine überreichten dem Jubilar u. a. das Ehrenkreuz 2. Klasse, eine persönliche Widmung des Herrn Reichspräsidenten, eine Ehrung des HacketäerVerbandes, sowie andere sinnige und praktische Geschenke. Auch waren Vorstände anderer Spezialvereine erschienen, um ihre Glückwünsche darzubringen. Dortm.=Hörde. Das Stadterweiterungsamt hat für das gegenwärtig noch unbebaute Hörder Stadtgebiet, welches sich zwischen der Hochofenstraße und der Wellinghofer Straße bis zur Hacheneyer Gemarkung hinzieht, einen neuen Bebauungsplan ausgearbeitet. Die Hacheneyer Grenze kreuzt etwa in der Mitte zwischen Hörde und Brünninghausen die Hochofenstraße ziemlich rechtwinklig und erreicht die Wellinghofer Straße dort, wo diese mit der Verbandsstraße VIII zusammentrifft. Geht man an Rombergs Park vorbei durch das Hacheneyer Wiesental, so schließt sich an dieses zunächst eine größere Verbandsgrünfläche und dann eine städtische Grünfläche(KleingartenDaueranlage) an. Dieser Grünstreifen zieht sich bis zur Wellinghofer Straße hin. Beiderseits dieses Grünstreifens ist, nun die Erschließung des Geländes durch die Festlegung zahlreicher Straßen in Aussicht genommen. Unter Aufhebung von früher festgesetzten Baufluchtlinien sind hierbei neue Baufluchtlinien festgelegt worden. Dortm.=Hörde. Auf dem Hörder Verein hat man heute morgen an der Fein= und Mittelblechstraße den Betrieb wieder ausgenommen. Wie in der Vorwoche, so mußte auch gestern und vorgestern in diesem Betrieb wegen Auftragsmangels gefeiert werden. Dortm.=Hörde. Abschlagszahlung. Die Abschlagszahlung auf den Verdienst vom Monat August findet für die Arbeiter des Hörder Vereins und des Hörder Hochosenwerks die Ehe sei eine Festung, wer davor stehe, wolle hinein und die Darinsitzenden zermürbten sich den Kopf mit Befreiungsgedanken.— Karlchen gab sich in Wanne=Eickel eines Tages als Diplomingenieur aus und hatte auch dort schnell eine Braut, in deren elterlichem Haus er auch verkehrte. Ein Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht. Die Polizei zeigte für den zwanzigjährigen Neppbruder mit den beiden Bräuten plötzlich Interesse und lochte ihn ein, nachdem er zuvor noch der zweiten Angebeteten vorgetäuscht hatte, Student zu sein. Mit einem Rasiermesser hatte er sich Schnitte in sein Antlitz gekratzt. Also kam Karl auf die Anklagebank und Helene wurde geladen. Na, was die eine Wut auf„ihre Hoffnung“ hatte, kann man nicht wiedergeben. 2750 Mark hatte sie ihm Alle Kuriessein zu kaufen gesucht. Zu erfragen in d. Geschäftsstelle dieser Zeitg. außer voller Pension im Laufe der Zeit gegeben. Unter Tränen erklärte sie, daß die ganze Liebe nun aus sei und sie Karl nicht mehr sehen möge. Vorerst sitzt er nun drei Monate hinter Gefängnismauern. Bottrop. Stuben brände durch Fahrlässigkeit. In der Wohnung des Berg= manns Wohlgemut entstand dadurch ein Stubenbrand, daß eine brennende Kerze in einem Papierbehälter stürzte.— Nach dem Bügeln hatte man in der Wohnung des Bergmanns Merthen in Buer=Scholven vergessen, das elektrische Bügeleisen abzuschalten. Infolge Ueberhitzung kam es zum Brand, der jedoch mit Hilfe einer Polizeistreife erstickt werden konnte. Recklinghaufen. Wirtschaftseinbrüche Nach Zerstörung einer Türfüllung drangen Diebe in einer an der Haltener Straße gelegene Wirtschaft ein und raubten außer einem Tischtuch 2000 Zigaretten und 550 Zigarren.— Ferner wurden einem Hausburschen aus einer Wirtschaft an der Dortmunder Straße 40 Mk. Bargeld und ein Herrenpaletot gestohlen. Recklinghausen. Ein hoffnungsvoller Sprößling. Ein hiesiger 15jähriger Schüler ist seit dem 4. August von Hause verschwunden. Wie festgestellt wurde, ist der vom Wandertrieb erfaßte Bursche mit einem gestohlenen Rade nach Bremen und Hamburg gefahren, um auf einem Schiffe Stellung zu suchen. Die polizeilichen Nachforschungen nach dem Jungen sind im Gange. Düsseldorf. Ein Schlageter=Denkmal. In der jüngsten Zeit haben sich im Zusammenhang mit der endgültigen Räumung des Rheinlandes weitere Gruppen und Persönlichkeiten dem Ausschuß angeschlossen, dem die Aufgabe der Denkmalserrichtung übertragen ist. Der Denkmalsplan, nach einem Entwurf von Professor Holzmeister=Düsseldorf liegt bereits seit längerer Zeit vor. Der Bauauftrag ist in diesen Tagen einer Düsseldorfer Baufirma, der Firma Rudolf Ohl, übertragen worden. Es ist in Aussicht genommen, im November dieses Jahres im Ausschuß an die Gefallenenehrung die Grundsteinlegung des Denkmals vorzunehmen. Die feierliche Unbernahme und Einweihung des Denkmals soll bei der nächstjährigen Wiederkehr des Todestages Schlageters, am 26. Mai, erfolgen. Aenderung in der Lohnsteuer ab 1. September Nach der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 26. Juli 1930 treten ab 1. 9. 1930 bei ledigen Arbeitnehmern Zuschläge zur Lohnsteuer in Kraft. Das Nähere hierüber ergibt sich aus einem amtlichen Merkblatt, das bei den Finanzämtern unentgeltlich abgeholt werden kann. Um den Arbeitgebern die Lohnsteuererhebung nach den neuen Vorschriften zu erleichtern, werden in den nächsten Tagen neue amtliche Tabellen herausgegeben, aus denen der einzubehaltende Lohnsteuerbetrag für alle Lohnsteuerpflichtigen ohne weiteres abgelesen werden kann. Die Tabellen vertreibt die Reichsdruckerei, Abt. Verlag, Berlin SW. 68, Alte Jakobstraße 106. Der Preis beträgt für je Tabelle Mk.—,20(1. Zweistündliche und tägliche Entlohnung, 2. wöchentliche Entlohnung, 3. 14tägige Ertlohnung und 4. monatliche Entlohnung) alle 4 Tabellen zusammen Mk.—,60 bei freier Zusendung.(Postscheckkonto Berlin Nw. 7 Nr. 4). Büastebe: ### von C. Rohde zwei Semester. Progr. frei. 24 Jahre, evgl., 2 Jahre Haushalt erlernt, sucht Stellung als 3084 Köchin am liebsten bei einer älteren Dame. Gute Behandlung Bedingung. Zuschriften unt. Nr. 21 A. B. an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Technikum Lemgo I. Liope Moch-, Tlef- u. Sisenbetonbau Maschinenbeu. Elektrotechnik Wann wird elektrischer Strom gefährlich? Es herrscht vielfach Unklarheit darüber, unter welchen Verhältnissen der elektrische Strom als gefährlich zu betrachten ist. Wenn die Isolation einer elektrischen Leitungsanlage und der daran angeschlossenen Geräte, Fassungen usw. in jeden Mlittwoch KONZER 31. August: Geschicklichkeitsfahrt des A. D. A. C. und Militärkonzert 6. September: Grüner Abend 21. September: Reit- und Fahrturnier O6 Fin uu 4ui, Teunsr, güt##### in Win Veise To Einheitspreise, genäht, geklebt oder gepinnt. Schu So Lei Fritz Brutkuhl Schuhmachermeister. Gegenüber vom alten Rathaus. Wappam. Sohlen Nk. 2.80 Herreil“ Absätze" 1.20 Damen-Schlen Schuhfärben in Absätze allen Modefarben 0.80 R.-M. 1.50 Am morgigen Donnerstag erhält jede Dame, die das Café Blumenhain besucht, einen Blumenstrauß gratis. M K Margarina-Vertretung Führendes Werk der Margarinebranche sucht zum Besuch der Kolonialwarengeschäfte und Bäckereien einen gut eingeführten, tüchtigen VERTRETER für Schwerte und Umgegend. Bewerber, die mit dem Verkauf des Artikels Margarine bereits vertraut sind, werden bevorzugt. Angebote mit Angabe von Referenzen an die Geschäftsstelle ds. Bl. unter K. b. U. 4428 erbeten. Dr. med. Keimes M prakt. Arzt Zardeh! Nattermüllers neue Lohn- u. GehaltssteuerTabellen mit Ledigensteuer gältig ab 1. September 1930, erhältlich in der Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstr. 3 Freiwillige Feuerwehr Schwerte Donnerstag, den 21. August, abends 7.30 Uhr Abung Der Aberbrandmeisten. „Schwerter hentuns Nr. 194(Zweites Blatt) Die Lage un der molschen Nerdwesigrenze länder herzufallen, aber ihre Raubzüge erstreckten sich eben so oft auch auf den Besitz muslimischer Glaubensgenossen. on Generalkonsul Seitdem England während des Siebenjährigen Krieges den Franzosen endgültig in Indien den Rang abgelaufen hat, bildet die Bewahrung der britischen Herrschaft über den Subkontinent südlich des Himalaya den Angelpunkt der britischen Politik. Frankreichs Seemacht brach unter den Schlägen Nelsons zusammen. Von anderer Seite konnte bis zum Aufkommen der Japauer und Amerikaner, deren Flotten der gewaltige Stützpunkt Singapur im Schach zu halten bestimmt ist, das englische Regime in Indien vom Meere her nicht mehr gefährdet werden. Um so größere Aufmerksamkeit widmete England der indischen Landgrenze, die nur im Nordwesten ernstlich bedroht werden kann. Dort lauert hinter den Wällen des Pamir Rußland, das im Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts seinen Einfluß in Mittelasten auszubreiten verstand. Durch ein fein ausgeklügeltes Schutzsystem, in das Aegypten, Mesopotamien, Persien und Afghanistan einbezogen wurden, hat England seine Stellung an der Nordwestgrenze Indiens zu sichern getrachtet. Ein gewaltiges diplomatisches Ringen zielte darauf hin, die Russen in Aslen matt zu setzen. Inwieweit dies gelang und der russische Expansionsdrang nach Westen, nach dem Balkan und gegen Oesterreich=Ungarn, abgelenkt wurde, hat sich im Weltkrieg gezeigt. Der kluge Emir Abdurrahman von Afghanistan, der den englisch=russischen Wettbewerb im Interesse seines Landes auszuwerten verstand, hat die Briten seinerzeit davor gewarnt, sich allzuweit in die unwegsamen Gebirge vorzuwagen, die das Industal umsäumen, sondern sich auf eine Verteidigungslinie zu beschränken, wie sie nach der Festsetzung im Pandschab als genügend angesehen wurde. Das Bemühen, Afghanistan selber unmittelbar zu kontrollieren, haben die Engländer nach bitteren kriegerischen Erfahrungen selber aufgegeben, bei den zwischen dem Emirat und der Induebene hausenden unbotmäßigen Stämmen haben sie Einfluß zu erringen gesucht, ohne freilich zu dem gewünschten Ergebnis zu gelangen. Das im achtzehnten Jahrhundert entstandene afghanische Reich hat zwar nach dem Siege von Panipat über die Mahratten(1761) weite Strecken Nordwestindiens beherrscht, bis es von den Engländern auf sein heutiges Gebiet beschränkt wurde, mit den Völkern in den mächtig emporragenden und unübersichtlichen Gebirgsketten zwischen dem Indus und dem Kabultale vermochten jedoch die Afghanen nicht fertig zu werden. Dort hausen kühne, kriegsgeübte Stämme, die keinen Herrn über sich anerkennen und nur zu gern bereit sind, sich auf räuberische Unternehmen einzulassen. Diesen Afridi, Mohmand, Waziri, Orakzai und wie sonst noch heißen mögen, ist in ihren Schlupfwinkeln kaum beizukommen. Sogar das Flugzeug hat in den wilden Gebirgslandschaften nur eine beschränkte Wirkungsmöglichkeit. Die ärmlichen Bergdörfer der freien Stämme O. G. von Wesendonk. bieten nämlich kein Angriffsziel, und die Operationen sind im kahlen Hochgebirge für die Flugzeuggeschwader überhaupt sehr schwierig durchzuführen. Für andere Truppengattungen wie Flieger sind die Grenzvölker so gut wie unangreifbar. Deshalb war das Augenmerk der angloindischen Stellen immer darauf gerichtet, durch politische Mittel bei den Bergstämmen Anhänger zu gewinnen. Subsidien werden den Führern gezahlt, die gegenseitige Eifersucht der Stämme untereinander und ihre Uneinigkeit boten den gewandten Engländern Gelegenheit, um auch ohne Ausübung von militärischer Gewalt wenigstens einigermaßen und zeitweilig den allerdings dauernd brüchigen Frieden zu gewährleisten. Dazu bildeten die Gebiete der unabhängigen Völkerschaften ein ergiebiges Reservoir für die Werbung zum indischen Heer. Die aus solchem Ersatz aufgestellten Pathanregimenter, namentlich die Afridis, genießen einen guten Ruf und haben im Weltkrieg auch in Europa mitgekämpft. Die militärische Ausbildung, die ihnen im indischen Heer zuteil wurde und wird, hat die angeborenen kriegerischen Vorzüge der Afridis und der verwandten Stämme erheblich verstärkt. Aber aller noch so geschickten Anstrengungen ungeachtet blieben die Bergvölker eine unruhige und nie recht zuverlässige Nachbarschaft für das Industal. Als fanatische Mohammedaner waren sie stets dafür zu haben, über Hindus, Sikhs oder Engden Patrioten Poincaré als Retter des Vaterlandes gebührend zu preisen. Vom französischen Standpunkt ist dagegen auch kaum etwas einzuwenden; denn zweifellos ist Poincaré nicht nur ein glühender Patriot, sondern auch ein Staatsmann, der weiß, was er will und unbeirrt seinen Weg geht. Vor allem aber: der Erfolg hat ihm recht gegeben, und so ist man in Frankreich heute geneigt, all das ungeheure Elend zu vergessen, das Poincaré durch die Entfesselung des Weltkrieges auch über weite Gebiete Frankreichs gebracht hat. Für uns Deutsche ist Poincaré allerdings kein Gegenstand der Verehrung. Er ist und bleibt für uns einer der Hauptanstifter des Weltkrieges, der zu diesem Verbrechen an der Menschheit noch das zweite hinzufügte, uns Deutsche vor der Welt als die Schuldigen hinzustellen und uns für die Dauer von drei Generationen für das von ihm begangene Verbrechen büßen zu lassen. Die politische Laufbahn Poincarés begann schon früh. Am 20. August 1860 in Bar=le=Duc im alten Herzogtum Lothringen geboren, wurde So stellten die Afridi mit ihren Nachbarn einen dauernden Herd von Besorgnissen dar. Bei der Beschaffenheit des Geländes ist es diesen Stämmen schon östers geglückt, eine Stadt wie Peschawar mit ihrer starken Garnison zu bedrohen. Wirklich gefährlich können sie der englischen Herrschaft in Indien freilich nicht werden, so unbequem es auch gerade in kritischen Augenblicken ist, wenn die Afridi sich auf den Kriegspfad begeben. Nur dann wäre Grund zu einer pessimistischen Beurteilung der Lage vorhanden, wenn hinter den Bergvölkern eine andere Macht stünde, die deren Vormarsch verwenden wollte, um selbst auf der Straße aller Eroberer des Induslandes hinter den Schwärmen der Afridi un dWaziri vorzustoßen, oder wenn diese muslimischen Krieger aus dem Hochgebirge an den Mohammedanern Indiens Rückhalt fänden. An beides ist gegenwärtig nicht zu denken. Die indischen Muslime stehen in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht in der Opposition gegen England. Fremde Sendboten mögen bei den Afridis wühlen, eine Heeresmacht stellen sie ihnen sicher nicht zur Verfügung. Afghanistan ist von eigenen Sorgen in Anspruch genommen und kann von sich aus auch nichts ausrichten, selbst wenn der Wille dazu vorhanden wäre. Daher wird der Vorstoß der Afridi gegen Peschawar eine lästige und empfindliche Episode bleiben, die den Engländern in Nordwestindien jedoch keinen wirklichen Schaden zu bereiten imstande ist. scheidender Ausstieg erfolgte aber erst 1912, als er nach dem Sturze Caillaux' zum ersten Male selbst ein Kabinett bildete, in dem er das Aeußere übernahm, während Delcassé die Marine erhielt. Nach seiner Wahl zum Präsidenten der Republik trat er im Januar 1913 zurück, um am 18. Febr. sein neues Amt zu übernehmen. Es ist bezeichnend, daß der bei Kriegsausbruch ermordete französische Sozialistenführer Jaures am Tage der Wahl Poincarés zum Präsidenten den Ausspruch tat:„Poincaré, das ist der Krieg!" Die erste Tat Poincarés war denn auch die Ernennung des Kriegshetzers Delcassé zum Botschafter in Petersburg. Dieser und der russische Botschafter in Paris, Iswolski, arbeiteten dann mit vereinten Kräften an den diplomatischen Vorbereitungen des Krieges. Die Hoankbeiche Am heutigen Mittwoch feiert Raimund Poincaré seinen 70. Geburtstag. Die französische Presse wird nicht verfehlen, aus diesem Anlaß er zunächst Advokat. 1887 wurde er zum Deputierten des Maas=Departements gewählt, 1893 wurde er zum erstenmal Minister, und zwar zunächst Unterrichtsminister. In der Folge war er dann mehrmals Finanzminister. Sein ent5 17 Uhr abends Februar# Roman von Paul Giemos Copyright by Martin Feuchtwanger, Helle(S.) 26. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Doktor Carsten antwortete mit einer Gegenfrage.„Wissen Sie, daß der Herr, der Vera Reese gestern nachmittag per Auto nach dem Hause brachte, einen graublauen Belourhut trug, wie dieser da?“ Nun wurde es Hede Lammont zu bunt: „Sind Sie gekommen, um Unverschämtheiten zu sagen?“ zischte sie empört. Loktor Carsten schüttelte ruhig den Kopf. „Der zweite Punkt, den ich gern klären würde, ist die Angelegenheit des Briefes. Sie wissen, daß ein Brief der Vera Reese an Sie, Herr Regierungsrart, in diesem Papierkorb gefunden wurde.“ „Von Staatsanwalt Seiden.“ „Er hat spioniert?“ rief sie, und die Tränen kamen ihr, ohne daß sie wußte, warum. Auch diese Frage ignorierte Doktor Carsten. „Es ist wesentlich", erklärte er,„festzustellen, wieso dieser Brief in den Papierkorb kam. Wer von Ihnen hat den Brief in Empfang genommen?“ „Ich habe von dem Briefe erst Kenntnis bekommen, als Herr Kommissar Gambichler ihn mir vorhielt und behauptete, er sei in meiner Wohnung gefunden worden. Durch meine Hände ging er nicht.“ „Und durch meine ebenfalls nicht", versicherte Hede Lammont. „Wer war gestern nachmittag nach drei Uhr in Ihrer Wohnung?“ Hede Lammont errötete:„Staatsanwalt Seiden.“ „Das weiß ich. Er kam erst nach sechs Uhr. Wer sonst noch?“ „Sonst niemand.“ „Stand die Wohnung zwischen drei und sechs Uihr beständig unter Ihrer Aufsicht? Oder war sie eine Zeitlang verschlossen?“ Hede Lammont bekam wieder Vertrauen zu: Doktor Carsten. Sie wurde lebhaft.„Mindestens zwischen sünf und sechs Uhr war sie verschlossen. Denn als ich um sechs Uhr nach Hause kam, war mein Bruder nicht zur Stelle. Sie wissen ja, daß er durch ein merkwürdiges Telephongespräch davongelockt wurde.“ „Haben Sie ein Sicherheitsschloß an der Korridortür“, fragte Doktor Carsten. „Nein“, erklärte Hede Lammont.„Vor Einbrechern fürchten wir uns nichts.“ „Es gibt Fälle, wo Türen mit einem Nachschlüssel geöffnet werden,“ erklärte Doktor Carsten bedeutsam;„nicht, um dem Wohnungsinhaber etwas wegzuholen, sondern, um ihm ein Kuckusei in seine Wohnung zu legen.“ Diese Bemerkung wäre geeignet gewesen, die Geschwister Lammont für Doktor Carsten umzustimmen; denn diese Bemerkung deutete darauf hin, den Brief in die Wohnung eingeschmuggelt zu haben. Aber es schien Doktor Carsten gar nicht darauf anzukommen, sich die Sympathie der Lammonts zu erobern. Denn unvermittelt stellte er ein Verlangen, das sonst nur in der daktyloskopischen Abteilung der Kriminalpolizei an die Verbrecher gestellt wird. Er erklärte: „Bevor ich weggehe, brauche ich noch Ihre Fingerabdrücke." Und als Lammont in einem Gemisch von Entrüstung und Staunen fragte:„Was haben denn meine meine Fingerabdrücke in der Angelegenheit zu tun?", erklärte Doktor Carsten stoisch:„In jedem anständigen Kriminalfalle müssen Fingerabdrücke eine Rolle spielen.“ Er zog ein gelbweißes, anscheinend fettgetränktes oder sonstwie präpariertes Papier aus seiner Tasche und lud Regierungsrat Lammont ein, seine Rechte und seine Linke auf dem Papier abzudrücken. Als Lammont fertig war, wandte sich Doktor Carsten an Hede Lammont: „Auch Ihre Fingerabdrücke, bitte. Es gibt nichts Schöneres, als den Abdruck eines schlanken, geschmeidigen Frauenfingers.“ Hede Lammont widersetzte sich nicht, aber sie dachte sich, un wieviel taktvoller und zartfühlender gestern abend Seiden mit ihr umgegangen war, als dieser unverschämte Polizist. Doktor Carsten verabschiedete sich.„Ich werde Sie vermutlich zwischen neun und zehn Uhr anrufen, Herr Regierungsrat. Wenn mein Kollege Gambichler die erwünschten Resultate beibringt, werde ich noch an diesem Vormittag den Täter verhaften. Es gibt dann für Sie eine Ueberraschung; ich würde Ihnen sehr empfehlen, heute den allerbesten Hut aufzusetzen.“ Seiden saß blaß und übernächtigt in seinem Arbeitszimmer, als sich Carsten bei ihm meldete. „Es ist mir sehr lieb, daß Sie kommen, Herr Kommissar“, erklärte er.„Meinen Sie nicht auch, daß es sich empsiehlt, die Verhandlung gegen die Andersen so lange auszusetzen, bis der Fall Reese geklärt ist?“ „Es wird genügen, denke ich, wenn Sie die Verhandlung gegen die Andersen auf heute nachmittag vertagen lassen", erwiderte Doktor Carsten.„Bis dahin hoffe ich den Fall Reese geklärt zu haben.“ „Sind Sie zu mir gekommen, um mich in der Angelegenheit Reese zu sprechen?" fragte Seiden. Doktor Carsten bestätigte das. „Dann tut es mir leid, daß ich Sie an meinen Kollegen Editzer verweisen muß. Ich selbst werde den Fall Reese nicht weiterbehandeln.“ „So?“ fragte Doktor Carsten gedehnt.„Darf ich fragen, warum?“ Seiden wich dem Blick der klaren Augen Carstens aus. „Ich fühle mich in der Angelegenheit Reese befangen“, sagte er zögernd. Doktor Carsten dachte sich:„Aba. Auch Staatsanwälte sind nicht aus dem männlichen Geschlecht ausgetreten.“ Mittwoch, 20. August 1930 Reise Poincarés nach Petersburg im Juli 1914 brachte dann das Komplott zum Abschluß. Wenige Wochen darauf brach der Weltkrieg aus, durch den das Kriegsziel Poincarés, die Wiedergewinnung Elsaß=Lothringens, erfüllt wurde. Poincaré war gleichwohl noch nicht zufrieden. Er wollte die völlige Vernichtung Deutschlands, und im April 1919 hieß es, er habe die Absicht, die Präsidentschaft niederzulegen, weil er weder mit den Waffenstillstandsbedingungen, noch mit den Friedensbedingungen einverstanden sei. Er hielt dann aber doch noch bis zum Ablauf seiner Amtsperiode im Februar 1920 aus, um dann den Vorsitz in der Reparationskommission zu übernehmen. Er trat dann aber bald von diesem Posten zurück, da er Anzeichen zu einer geplanten Aenderung des Versailler Vertrages zu sehen glaubte. Auch später versäumte er keine Gelegenheit, als Gegner jeglicher Milderung der Friedensbedingungen hervorzutreten. Als dann im Januar 1922 Poincaré wieder Ministerpräsident wurde, konnte er rücksichtslos sein Ziel der Vernichtung Deutschlands weiter betreiben. Die Ruhrbesetzung war für ihn ein Mittel zu diesem Zweck. Auch nach dem menbruch des passiven Widerstandes blieb Poincaré unerbittlich. Die Maiwahlen vom Jahre 1924 brachen ihm dann aber das Genick. Er mußte zurücktreten. Für die Franzosen, auch für die Linke, blieb er aber gleichwohl der„starke Mann“ und als das Finanzchaos in Frankreich den Höhepunkt erreichte, wurde er 1926 erneut an die Spitze des Kabinetts berufen, in dem er zugleich das Finanzministerium übernahm. Es gelang ihm dann auch zunächst die Finanzsanierung im Innern, und gleichzeitig bahnte er auch die Regelung der Kriegsschulden an. Wenn er in seinen letzten Kabinetten auch zu einer gewissen Annäherung gegenüber Deutschland genötigt war, so hat er doch bis in die jüngste Zeit hinein oft genug in Wort und Schrift bekundet, daß er innerlich derselbe geblieben ist, und daß für ihn Deutschland gegenüber das Wort des alten Cato gilt, mit dem dieser alle seine Reden zu beenden pflegte: Im übrigen meine ich, daß Carthago zerstört werden müsse. 9. K. V. im Aufsichtsrat der Vereinigten Stahliverke In der nach dem Betriebsrätegesetz in Verbindung mit dem Betriebsratsaufsichtsratsgesetz notwendigen Wahl eines Vertreters der Angestelltenschaft in den Aufsichtsrat der Vereinigte Stahlwerke A.=G. entfielen auf den Kandidaten des unter Führung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes stehenden Gesamtverband deutscher Angestellten=Gewerkschaften, Heinrich Hützen=Düsseldorf, 88 Stimmen der wahlberechtigten Angestelltenmitglieder der Einzelbetriebsräte des Konzerns. Der Kandidat des Gewerkschaftsbundes der Angestellten erhielt 46 Stimmen, derjenige aller Verbände der freien Angestellten 30 Stimmen. Gewählt ist demnach das Mitglied des Deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes, Heinrich Hützen, Düsseldorf. Aber er unterdrückte aus Ehrerbietung diese Bosheit und fragte kurz:„Warum?“" „Ich bin nicht der Geeignete, die Sache Reese weiter zu bearbeiten", gestand Seiden. „Ich bin durch die Behandlung des Falles Andersen sozusagen präjudiziert. Ich habe mich in der Oefsentlichkeit zu sehr auf die Unschuld Lammonts festgelegt.“ „Wenn Sie die Sache Reese nicht als Staatsanwalt weiterbearbeiten wollen, so kann ich auf Ihre Mitwirkung als Zeuge nicht verzichten. Ich brauche Ihren Fingerabdruck, Herr Staatsanwalt.“ „Meinen Fingerabdruck? Halten Sie mich für einen Verbrecher?" „Glauben Sie, daß nur Verbrecher Fingerabdrücke hinterlassen,“ entgegnete Doktor Carsten. Seiden verstand ihn.„Ach so, Sie wollen vergleichen?“ Und er gab ihm den Fingerabdruck. „Wollen Sie mir nicht wenigstens sagen, was Sie bis jetzt ermittelt haben?" Doktor Carsten lächelte.„Wir wollen ein Geschäft miteinander machen. Sie erzählen mir den Inhalt der Unterhaltung, die Sie gestern mit Hede Lammont führten, und ich erzähle Ihnen, was ich weiß.“ Es war ein Geschäft, auf das Seiden nicht eingehen konnte. Er erinnerte sich daran, daß ihn Hede Lammont vertraulich gebeichtet hatte. welcher Art die Gefühle Lammonts für die Andersen waren, und er hatte kein Recht, wie er glaubte, das Geheimnis preiszugeben. „Schade“, sagte Doktor Carsten.„Ich hätte das Geschäft gern mit Ihnen gemacht. Aber Geschäfte, bei denen ich darauflege, schließe ich nicht ab. Merken Sie wohl, wenn Sie heute morgen Rechtsanwalt Isenbeil sehen, sagen sie ihm, daß er ein ekelhafter Kerl sei und daß er meine Ratschläge absolut falsch befolge. Ich erwarte ihn heute früh um zehn Uhr vor dem Theresiengesängnis. Wenn Sie sich nicht gar zu sehr befangen fühlen, kommen Sie auf Ihre Kosten, wenn Eie sich ihm anschließen.“ (Fortsetzung folgt.) im Spätsommer Schwerte, den 20. August 1930. Im Obstgarten muß jetzt beim Formobst der Grünschnitt vorgenommen werden. Dabei werden alle Holztriebe mit Ausnahme der Leittriebe auf 4—5 Blätter eingetürzt. Fruchtruten, das sind Kurztriebe von 10—15 Zentimeter Länge, sind dabei zu schonen. Man schneidet sie nur dann zurück, wenn sie zu weit vom alten Holz stehen oder länger sind als 10 bis 15 Zentimeter. In manchen Gärten kann man jetzt die mit einem schwarzen Schleier überzogene Larve der Kirschblattwespe antreffen, die die Blätter der Kirschen, und Birnenbäume stelettiert. Ihre Bekämpfung erfolgt durch Bespritzung mit Arsenmitteln oder durch Bestäuben mit Aetzkalk. Im Gemüsegarten sind bei den Tomaten die Geiztriebe zu entfernen und die Pflanzen, soweit erforderlich, an den Pfählen anzubinden. Gewürzkräuter werden jetzt zum letztenmal geschnitten, damit sie sich noch während des Herbstes wieder erholen können und gut durch den Winter kommen. Erwähnt sei noch, daß das Entblättern der verschiedenen Gemüsearten, wie z. B. Kohl, Tomaten und Sellerie, nachteilig für die normale Entwicklung der betreffenden Pflanzen ist, und daß es daher unbedingt vermieden werden muß. Im Blumengarten werden abgeblühte Blumen entfernt, um die Blühwilligkeit der einzelnen Pflanzen immer wieder zu beleben. Abgeblühte Blütenstanden werden geteilt und verpflanzt. Astern können auch während der Blüte verpflanzt werden, um leer gewordene Blumenbeete noch einmal farbenreich auszuschmücken. : Gedenktage. 20. August: 1153 Der Kirchenlehrer Bernhard von Clairvaux in Clairvaux gestorben (geboren 1090).— 1528: Der Landsknechtführer Georg von Frundsberg in Mindelheim gestorben(geboren 1473).— 1639 Der Dichter Martin Opitz von Boberseld in Danzig gestorben(geboren 1597).— 1914 Brüssel wird von den Deutschen besetzt.— 1917 Der Chemiker Adolf von Bayer in München gestorben(geboren 1835). " Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 19. August 1930. Das gestrige Teiltief über Irland ist unter Vertiefung nordostwärts nach Schottland und der Nordsee fortgeschritten, während sich das südwestliche Hochdruckgebiet wieder über Frankreich ausgebreitet hat. In Deutschland war es heute früh wolkig, im Westen meist trübe und vereinzelt regnerisch. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 13 und 19 Grad. Wetteraussichten bis Donnerstag: Wolkig, sowie zeitweise leichte Regenfälle bei wenig veränderten Temperaturen. X Kath. Beamtenverein. In der letzten Vorstandssitzung ist die Teilnahme des Vereins am Katholikentag in Münster beschlossen worden. Die Vereinsmitglieder werden gebeten, sich bis zum 31. August in eine im Vereinshaus ausliegende Liste eintragen zu wollen. Bei genügender Beteiligung soll die Fahrt mit Auto gemacht werden. Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei), Ortsgruppe Schwerte. Im Lokale des Parteifreundes A. Meier, Sedanstraße, fand vor einigen Tagen eine ordentliche Mitgliederversammlung statt, die verhältnismäßig gut besucht war. Der bisherige Vorstand war satzungsgemäß neu zu wählen. Nachdem diese Aufgabe erledigt war, wandte man sich Organisationsfragen zu. Es wurde beschlossen, für die Zwecke des Wahlkampfes ein Komitee zu bilden, das alle einschlägigen Arbeiten übernimmt. Am Samstag, den 23. ds. Mts., soll ein Werbeabend veranstaltet werden, zu dem der gesamte Mittelstand der Stadt brieflich eingeladen werden wird. Namhafte Redner sind für diesen Zweck gewonnen, sodaß der Besuch dieser Veranstaltung jedem Mittelständler nicht dringend genug empfohlen werden kann. Artillerie in Mainz. Am 30. und 31. August ds. Is. treffen sich in der alten Garnisonstadt Mainz die ehemaligen Angehörigen der Feldartillerie=Regimenter 27 und 63, Fußartillerie=Regimenter 3 Gfz. und 18, sowie deren Kriegsformationen bei einem großen Wiedersehenstag. Anfragen an folgende Kameraden: F. A. R. 27: Martin Meyer, Mainz, Stahlbergstraße 33; F. A. R. 63: Obertelegr.=Sekretär Bigalke, Mainz=Kastel, Friedenstraße; Fuß.=Art.= Regt. 3: Naffin, Mainz, Langenbeckstr. 28; FußArt.=Regt. 18: Gustav Metzke, Mainz, Ludwigstraße(Annoncenexpedition Frenz). Deutscher Rechtspflegetag 1930 in Danzig. Die im Bunde Deutscher Justizamtmänner (Sitz Berlin) zusammengeschlossenen Rechtspfleger und Urkundsbeamten aller deutschen Länder halten vom 5.—7. September 1930 in der alten Hansastadt Danzig ihren Bundestag ab. In einer öffentlichen Kundgebung wird der Bundesvorsitzende Schlegel=Berlin in einem Vortrage„Große Justizreform und Rechtspflegertum“, die Brücke schlagen von der in zehnjähriger Erprobung bewährten„Kleinen Justizreform"(d. i. der Entlastung des Richters durch den Rechtspfleger) zur„Großen Justizreform“, d. h. zu der grundlegenden Veränderung der Gesetzesvorschriften über die Gerichtsverfassung und das Verfahren. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen ferner die Betätigung der Rechtspfleger, die künftige Gestaltung ihres Amtes und die zur Stabilisierung dieser Einrichtung, durch die wesentliche Ersparnisse in den Justizverwaltungen erzielt werden konnten, notwendigen gesetzlichen Maßnahmen. ha. Bei der Untermiete. Keine Rücksicht auf den Zweck. Bei der Berechnung der gesetzlichen Untermiete ist nach einem Rechtsentscheid des Kammergerichts nicht zu berücksichtigen, daß die gesamten Mieträume zu gewerblichen und Wohnzwecken oder nur zu gewerblichen Zwecken, die Untermieträume aber nur zu Wohnzwecken vermietet sind. ha. Was der Arbeitgeber nicht tragen darf. Die Lohnsteuer darf der Arbeitgeber nicht tragen. Uebernimmt er die Steuer, so bedeutet dies nach einem Urteil des Reichssinanzhofs eine ihrerseits steuerpflichtige Lohnzulage. Wenn der Arbeitgeber die Lohnsteuer übernommen und der Arbeitnehmer die Nichtablieferung des Steuerabzugs alsbald dem Finanzamt angezeigt hat, kann der Arbeitnehmer nicht für die Lohnsteuer hastbar gemacht werden. ha. Musiker und Angestellte für den Betriebsrat. Musiker sind nach einem Urteil des Reichsarbeitsgerichts Angestellte im Sinne des Betriebsrätegesetzes. Nach derselben Entscheidung macht die Nichtzuziehung des ältesten Arbeitnehmers eines Betriebes als Leiters der Wahl eines Betriebsobmannes eine Betriebsobmannswahl nicht nichtig. Endlich ist eine dreiwöchige Erkrankung eines Arbeitnehmers, der 3½ Jahre in einem Betrieb tätig war, keine verhältnismäßig erhebliche Zeit, die etwa den Lohnanspruch für diese Zeit ausschalten würde. ha. Der Musterbetrieb. Die Reichsbahn. Die Reichsbahn wird als größtes Bahnunternehmen in einer Hand nach wie vor eifrig von den Ausländern studiert und besichtigt. So waren in der ersten Hälfte dieses Jahres wieder 755 Ausländer aus 42 Ländern bei der Reichsbahn zu Gast, die meisten aus dem ältesten Eisenbahnland England mit 125, dann Ungarn 97, Rußland 77, Frankreich 71, der Schweiz 57, der Tschechoslowakei 45 usw., einzelne aus China Indien, Nigeria und Siam. Besichtigt wurde insbesondere der elektrische Betrieb, die Ausbesserungswerke, die Rangiereinrichtungen, die neueren Lokomotiven, der Oberbau, die Desinfektion und die psychotechnischen Versuchsstellen. Von der Deutschen Reichsbahngesellschaft befinden sich zur Zeit 4 Beamte im Ausland, 1 in Argentinien und Rußland, 2 in England. Die Reichsbahn beschäftigt gegenwärtig 2 brasilianische, 2 englische und 1 schwedischen Beamten. Außerdem werden bei ihr 1 Siamese und 2 Chinesen ausgebildet. ha. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung Für die Einziehung der Beiträge zur Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat der Reichsarbeitsminister eine besondere Verordnung erlassen. Einzugssstellen sind nach wie vor die Krankenkassen. Die Reichsknappschaft führt ihre Aufgaben als Einzugsstelle durch die Bezirksknappschaften durch Die Beiträge sind an denselben Tagen einzuzahlen, an denen die Beiträge zur Krankenversicherung zu zahlen sind. Dies gilt auch für Beiträge zur Reichsanstalt, die nicht als Zuschläge zur Krankenversicherungsbeiträgen zu entrichten sind. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, bei der Zahlung der Beiträge zur Reichsanstalt ausdrücklich als solche kenntlich zu machen Unterbleibt die Angabe und schuldet der Arbeitgeber der Einzugsstelle für den gleichen Zeitraum Beiträge zur Krankenversicherung, so gilt als Beitrag zur Reichsanstalt der Teil der eingezahlten Summe, der zu dem Rest in dem Verhältnis steht, in dem die geschuldeten Beiträge zur Reichsanstalt zu den geschuldeten Krankenversicherungsbeiträgen stehen. 10 Westhofen, den 19. August 1930. Zur heutigen Sitzung der Stadtvertretung waren sännliche Vertreter erschienen. Den Vorsitz führte in Abwesenheit des Bürgermeisters Arndt der Stadtvorsteher Krämer, welcher pünktlich um 5 Uhr mit der Erledigung der vorliegenden, reichhaltigen Tagesordnung begann. Der Punkt 1 der Tagesordnung betraf die Erweiterung der Kanalisation in der Amtsstraße. Vertretung konnte ein dringendes Bedürfnis in dieser Angelegenheit nicht anerkennen und lehnte die Erweiterung der Kanalisation ab. Dieser Beschluß ist nur zu begrüßen, denn wenn das Wort Kanalisation auf der Tagesordnung der Stadtvertretung erscheinen sollte, dann soll man zunächst an eine Verbesserung dieser Anlage in der Niederstraße denken, damit die Anwohner dieser Straße nicht bei jedem stärkeren Regenfalle in Angst und Unruhe versetzt werden brauchen. Punkt 2: Anbringung von Straßenlampen am Schliggenstück. Die Notwendigkeit der Anlage von Straßenlampen wurde anerlannt, eine Beschlußsassung aber einstweilen zurückgestellt, da vorerst noch die Baukommission gehört werden soll. Punkt 3: Antrag Hamann auf Zahlung einer Anerkennungsgebühr für eine auf seinem Wiesengrundstück im Eickhof errichtete Schachtanlage. Es wurde beschlossen, über das bestehende Rechtsverhältnis einen Vertrag zu schließen und an Hamann eine jährliche Anerkennungsgebühr von 1 Mark zu zahlen. Punkt 4: Kenntnisnahme von der Entscheidung des Kreisausschusses auf den Antrag betreffend Erbreiterung der Kreisstraße Bahnhof Westhofen— Husen. Die Entscheidung wurde durch den Bürgermeister der Vertretung mitgeteilt und hierauf beschlossen, an den Kreis eine erneute Eingabe in dieser Angelegenheit gelangen zu lassen. Erfreulicherweise ist die an der Husener=Mühle befindliche, auf Dortmunder Gebiet liegende gefährliche Kurve inzwischen ausgebaut und gut übersichtlich gemacht worden. Trotzdem ist aber noch ein unbedingtes Bedürfnis, die Wegstrecke vom Bahnhof Westhofen bis zu dieser Stelle um ein Bedeutendes zu erbreitern, da sich vornehmlich an an den Sonn= und Feiertagen ein gewaltiger Verkehr dort abspielt. An diesen Tagen bewegen sich bekanntlich gewaltige Menschenmassen vom Bahnhof Westhosen kommend, zur schönen Hohensyburg und kehren in der Regel auch auf dem gleichen Wege zurück. Dieser große Verkehr wird sich naturgemäß noch weiterhin steigern und zwar ganz erheblich, wenn der neue Ruhrwanderweg zum Hengsteysee fertiggestellt sein wird, womit schon in den nächsten Wochen zu rechnen ist. Auch ist noch darauf hinzuweisen, daß, seitdem die Straßen nach Hohensyburg wieder für den Kraftfahrzeugverkehr freigegeben worden sind, das Begehen dieser Straße mit erhöhter Gefahr verbunden ist. Die Anlage eines breiteren Bürgersteiges würde auch schon in etwa die Gefährlichkeit herabmindern und ist der Kreis auch bereit, den für den Ausbau der Bürgersteige ersorderlichen Grund und Boden, soweit es die Verhältnisse gestatten, zur Verfügung zu stellen. Die erneute Eingabe an den Kreis bezweckt die Frage der durch die Anlage entstehenden Kosten. Punkt 5: Tilgung eines von der Feuersozietät im Jahre 1927 gewährten Darlehens zum Gerätehausbau: Die Vertretung beschließt, für die nächsten 3 Jahre eine jährliche Tilgung von 1500 Mark in den Haushaltsplan aufzunehmen, sodaß auf diese Weise eine allmähliche Tilgung des Darlehns erfolgen kann. Die weitere Abdeckung der Anleihe bleibt späterer Beschlußfassung vorbehalten. Punkt 6: Verbesserungen am Bürgersteig in der Bahnhofstr.: Diese Angelegenheit wurde der Baukommission zur Vorbereitung überwiesen. Punkt 7: Erweiterung der Wasserleitungsanlage auf dem Buchholz: Vom Haus= und Grundbesitzerverein Westhofen lag hierzu folgender Antrag vor:„Durch öffentliche Aufforderung sind alle Grundstücks= und Hauseigentümer einschließl. des Ortsteiles Buchholz zu ermitteln, die ein Interesse daran haben, an das Rohrnetz des Wasserwerkes noch angeschlossen zu werden, ebenso ist festzustellen, wer dann noch ohne Leitungsanschluß übrig bleibt. In einem geschlossenen Vorgehen erwarten wir Ermäßigung der jetzt unverhältnismäßig hoch erscheinenden Anteilskosten, die das Wasserwerk verlangt." Dieser Antrag wurde mit einem Zusatzantrag angenommen, der dahin zielt, an die Wasserwerks=Gesellschaft zwecks Erlangung einer Ermäßigung der Anlagekosten heranzutreten und eine Abschrift dieses Antrages an die Vertreter Schildmann und Baltes als Mitglieder des Aufsichtsrates der Wasserwerks=Gesellschaft zur Befürwortung gelangen zu lassen. Punkt 8: Stellung eines Antrages an den Kreis Iserlohn auf Uebernahme des Wanneweges: Der von dem Bürgermeister zur Kenntnis mitgeteilte Antrag wurde gutgeheißen und die Vorlage desselben an den Kreis beschlossen. Punkt 9: Verlegung des alten Feuerwehrgerätehauses nach Buchholz: Eine Beschlußfassung in dieser Angelegenheit kam nicht zustande und verfiel der Punkt der Vertagung. Zum Schlusse besaßte sich die Vertretung noch mit den gefährlichen Straßenecken bei der Wirtschaft Walter(Schulte) und Asbeck. In dieser Angelegenheit ist von uns schon eingehend berichtet worden und beschloß die Vertretung nunmehr, zwecks Beseitigung dieser bestehenden Gefahrenpunkte eine Eingabe durch die Amtsverwaltung an den Kreisausschuß zu richten. Die Sitzung nahm einen durchaus harmonischen Verlauf. Sämtliche Punkte wurden fast einstimmig verabschiedet und nur in einer sachlichen Weise beraten. Erfreulicherweise konnte auch zur allgemeinen Befriedigung festgestellt werden, daß die kommunistischen Vertreter ihre sonst wenig parlamentarisch üblichen Reden anschetnend nicht mehr zu führen gedenken. ha. Wohlfahrtsrücklagen sind Betriebsver. mögen. Wohlfahrtsrücklagen oder Pensionsfonds, die nur als buch= und bilanzmäßige Schuld geführt werden, sind nach einem Urteil des Reichsfinanzhofs nicht als Vermögensbeträge anzusehen, die für Wohlfahrtszwecke zurückgelegt sind. Sie sind daher noch als zum Betriebsvermögen gehörig zu behandeln. Nach derselben Entscheidung sind nichtverwirktlichte Pensionsverpflichtungen nicht als abzugsfähige Schulden aufzufassen. 4. Ziel= und Geschicklichkeitsfahrt des Motorfahrer=Clubs Schwerte(Ruhr) A. 9. A. C. Zum 4. Male wird der Kampf um den Besitz des von der„Schwerter Zeitung" dem Club gestifteten Wander=Preises„Das goldene Schwert der Ruhr“ ausgetragen. Auch in diesem Jahre verspricht die Austragung um den endgültigen Besitz dieser Trophäe recht interessant zu werden, da bereits jetzt schon eine große Anzahl von Nennungen von Nah und Fern vorliegen. Selbstverständlich werden auch in diesem Jahre die einstweiligen Gewinner der Vorjahre, die Herren Kriening=Dortmund, Freudenberg= Hagen und Buschmann=Herne in den Wettbewerb um den endgültigen Besitz eintreten. Da die beiden Letztgenannten Größen auf diesem Gebiet des Sportes sind, wird die Austragung einen erbitterten Kampf geben. Bekanntlich muß der endgültige Besitzer 2 Mal hintereinander oder 3 Mal zu verschiedenen Zeiten als Sieger hervorgehen. Für die besten Fahrer sind außerdem wertvolle Ehrenpreise vorgesehen. Anläßlich der 4. Geschicklichkeitsprüfung findet eine Zielfahrt nach Schwerte(Ruhr) statt. Jeder Teilnehmer an der Zielfahrt erhält eine wirklich schöne Erinnerungsplakette in GanzEmaille mit der Ansicht des Freischütz. Während der Veranstaltung konzertiert die Reichswehrkapelle des Inf.=Regts. Nr. 13 aus Ludwigsburg(Württemberg). Der Club hat also dafür gesorgt, daß Freunden des Motorsports und Freunden einer schönen, flotten Militärmusik ein genußreicher Nachmittag am Freischütz geboten wird. So wird Schwerte am 31. August wie in den Vorjahren im Zeichen des Motorsports stehen. Wir wünschen der hiesigen Ortsgruppe des A. D. A. C., dem Motorfahrer=Club Schwerte (Ruhr) e. V., einen vollen Erfolg. Zeitschriftenschau „Die Gartenlaube“ Heft 33. Höllische Fahrt, den Kampf um den Rekord, die Sensationen eines Autorennens schildert Hans von Riesen in einem packenden Aufsatz im neuen Heft der„Gartenlaube"; Erhard Erdmann hat dazu die atemraubenden Szenen eines Rennens im Bild festgehalten. Immer mehr drängt die Großstadt die Natur in ihren Mauern zurück, ein reichillustrierter Aufsatz schärft den Großstädtern das Gewissen für die Erhaltung der Oasen in der Steinwüste. Jetzt geht die Hausfrau ans Einkochen, da gibt Annie Juliane Richart gute Ratschläge. Etwas für Naturfreunde: Hermann Radestock plaudert über die„Freiheitsgrenzen wilder Tiere." Dazu noch schöne und interessante Beiträge und viele Bilder: Das neue Heft der„Gartenlaube“ ist wirklich lesenswert. Fruchtmark, auf neue Art. Man kann auch Fruchtmark in gewöhnlichen Flaschen haltbar machen, indem man die kochenden Früchte möglichst ohne Wasserzusatz auf Feuer zu gleichmäßigem Muß zerfallen läßt. Ein Zehntel des Gewichts in Zucker hat man zugesetzt, und die Hauptsache bei der Einkocherei ist das Einsüllen in die heißen, vorbereiteten Flaschen. Man braucht zu der Arbeit einen Trichter mit Rinne, der ein zwei Zentimeter langes Rohr hat und auf die Flaschen paßt. Das Einsüllen darf von keinem Luftzug getroffen werden. Die Flaschen sind in Wasser vorgewärmt, die Korke warten in heißem Wasser. Ein kochendheißes Handtuch liegt in einem Topf auf dem Küchenstuhl neben dem Herden. Die vorgewärmte Flasche stellt man auf das Handtuch, setzt den heißen Trichter auf, füllt das Obstmark kochendheiß bis drei Zentimeter unter die Flaschenöffnung ein und treibt sofort den Korken ein, um die Flasche köpflings in einen tuchbelegten Korb zu stellen. Man deckt über die Flaschen dann noch ein dickes Tuch, und nach etwa einer Stunde schneidet man die Korken glatt und überzieht sie mit Paraffin. Liegend harren die Flaschen mit Fruchtmark ihrer Bestimmung. Tempo! Tempol ist das Hauptmerkmal dieser neuen Einkochweise, während das Ideal unserer Großmütter war, stundenlang, für ihre Mitmenschen unsichtbar, sich mit der Hingabe einer geruhsamen Zeit dem Einkochgeschäft zu widmen. (Aus der„Gartenlaube“). Lästiger Schweißgeruch Bei übermäßiger Schweißabsonderung an Händen, Füßen und in den Achselhöhlen, sowie Geruchsbelästigung, besonders bewährt Leoform-Creme. Tube 1 Mark. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich, Arzblichte Beitrage für sttensch und Hausrier vum Der Verlaus des Fiebers ist von der Ursache abhängig. Wir unterscheiden das einfache und das komplizierte Fieber, letzteres auch Insektionsfieber genannt. Das einfache Fieber erkennt man hauptsächlich an der Erhöhung der Körpertemperatur, wobei im übrigen das Wohlbefinden des Betreffenden nicht allzu sehr gestört wird. Es ruft zwar eine große Körperschwäche hervor, doch ohne besondere Beschwerden. Aber auch das einfache Fieber hat seine Ursache. Zum Beispiel können nach Quetschungen, Knochenbrüchen, Verstauchungen bei unverletzter Haut, nervösen, heftigen Erschütterungen (Erschrecken), Gallen= und Nierensteinkoliken und Entzündungen, die nicht durch Krankheitskeime hervorgerufen werden(Verbrennungen, Aetzungen), solche Fieberbewegungen auftreten. Gefährlicher und schlimmer ist das komplizierte Fieber. Die Krankheit beginnt meistens mit Schüttelfrost, zu dem sich Kopf= und Gliederschmerzen, Appetitmangel, quälender Durst, Trockenheit der Haut usw. gesellen. Steigt das Fieber bis 42,5 Grad Celsius, stellen sich nicht selten Dilirien ein, der Kranke wird völlig apathisch, und das Denkvermögen schwindet oft völlig. Natürlich gleicht nicht eine Fiebererscheinung der anderen. Bei der einen treten diese, bei der anderen jene Symptome mehr oder weniger stark in den Vordergrund. Die Atmung erscheint oberflächlich und beschleunigt, der Puls pocht immer schneller, und man hat bei manchen Kranken bis zu 180 Pulsschläge in der Minute gezählt. Da die Ursache des komplizierten Fiebers von Schädlichkeiten(Bakterien), die von außen in den Körper eingedrungen sind, zu suchen ist, wird der Verlauf des Fiebers von der jeweiligen Erkrankung abhängig sein. Geht die Erkrankung in Genesung über, dann tritt unter heftigem Schweißausbruch die Entfieberung ein, und man spricht dann von der„Krisis“, vollzieht sie sich langsam, mehrere Tage, dann nennt man dies eine„Lysis"(Lösung). Da Fiebererkrankungen stets zu Bedenken Anlaß geben, ist es unbedingt erforderlich, schon bei Fieber bis zu 40 Grad den Arzt in Anspruch zu nehmen, der die notwendigen Maßnahmen sofort anordnet. Bei wochenlangem Fieber können die Körperkräfte so stark herabgemindert werden, daß der Patient nach der Genesung monatelang zu tun hat, um sein normales Körpergewicht wiederzuerhalten.— Schwere Infektionskrankheiten werden dauernd unter geringen Schwankungen von Fieber begleitet. Des Morgens ist gewöhnlich das Fieber schwach, und gegen Abend nimmt es zu bis zur höchsten Temperatur. Auf dieser Höhe hält das Fieber mehr oder weniger lange an. Steigt es bei Pocken über 41 Grad, Masern und Scharlach über 40,6 Grad, Unterleibstyphus über 40 Grad, Lungenentzündung, Rose über 41 Grad, liegt eine schwere Erkrankung vor. Kontinuierliches(dauerndes) Fieber geht meistens kritisch zur Entfieberung über, der sich dann die Genesung anschließt. Ein unglücklicher Ausgang des Fiebers wird gewöhnlich durch Ansteigen bis zu 42 Grad und darüber eingeleitet. Plötzliche Herzschwäche, Temperaturabfall folgt, und fast immer tritt in diesem Falle der Tod ein. Schrileltlung Wer# Tchmarn, Kerin e#it#b. Alte Jolobir. 18. sonders schwer auswirken können, tritt nicht eine rechtzeitige Behandlung der betroffenen Patienten ein. Besonders Kinder sind gegen Sonnenstich gefährdet, deshalb muß man recht vorsichtig mit ihnen umgehen. Die Behandlung überläßt man am besten einem Arzte, falls dieser schnell herbeigeholt werden kann; im anderen Falle entfernt man dem sogleich an einen kühlen Ort gebrachten Patienten die Kleider und wäscht ihn vorsichtig mit kaltem Wasser ab. Auf Kopf= und Herzgegend macht man kalte Kompressen, die jede Minute erneut werden müssen. Hat sich der Patient etwas erholt, flößt man ihm ein wenig kaltes Wasser ein. Erholt er sich nicht so schnell trotz guter Auskühlung, gibt man ihm starken Bohnenkaffee zu trinken, der die Herztätigkeit wieder mehr anregt. Versäumt man, dem Kranken durch Trinken kalten Wassers oder durch ein kaltes Bad schnell zu Hilfe zu kommen, so kann die Ueberhitzung zu den allerschwersten Folgen führen. Kleine Winke Das beste Mittel gegen Neuralgien ist Sonnenlicht. Auch Asthmatikern und Rheumatikern sind Sonnen= und Luftbäder zu empfehlen. Feuchte Kompressen macht man bei chronischen, schmerzhaften Verdauungsleiden. Im allgemeinen wirken Kompressen immer schmerzstillend. * Bei Schlaganfall macht man warme Fußpackungen, damit das Blut vom Kopf nach unten zieht. Der Kopf muß kühl gehalten werden. Gegen rheumatische Schmerzen helfen Heißluftbäder mit darauffolgender Abreibung. * Gegen Kopfschmerzen hilft ein Spaziergang im Freien oder Einreiben der Schläfen mit Zitronensaft und ruhiges, gleichmäßiges Atmen am geöffneten Fenster. Etwas Gymnastik dazu, und die Kopfschmerzen sind verschwunden. * Schweißtreibende Mittel sind: kräftige Zitronenlimonade(naturell), recht heiß getrunken, ferner gut gezuckerter Grog(aber nicht zuviel davon), starker Kaffee, und wer letzteren nicht vertragen kann, nehme schweißtreibende Tees, die stets von guter Wirkung sind, ein. * Bei schmerzhafter Menstruation helfen warme Einpackungen und Fußbäder bis zu 50 Grad Celsius. Fsfauachke Leider wird der Ausbruch der Tollwut nicht immer rechtzeitig genug erkannt, weil sich diese oft in einer sogenannten stillen Wut austobt. Die Hunde neigen zu Ungehorsam, jagen in auffälliger Weise und ohne jeden Grund hin und her und stürzen sich oft auf irgendwelche Gegenstände, um sie zu zerreißen; ein derartiger Zustand währt unter Umständen 2—8 Tage. Wurde die Tollwut des Tieres bisher nicht erkannt, so bricht die Krankheit ungehindert aus. Der Hund wird von einer rasenden Wut befallen, stürzt sich auf jedes Lebewesen, auch auf die ihm anvertrauten Personen und beißt sie. Wenn es ihm gelingt, nach einem solchen Biß zu entkommen, wird er sich meistens unter heiserem Knurren in dem Drang, neue Opfer zu suchen, herumtreiben. Ein solches Tier muß auf die schnellste Weise unschädlich gemacht werden. Ist das Unglück nun einmal geschehen, muß alles daran gesetzt werden, den Betroffenen zu retten. Sofortige Abschnurung des gebissenen Gliedes und schleunigste Herbeirufung des nächsten Arztes sind Grundbedingungen. Ist ein Arzt nicht zu haben, muß Selbsthilfe eintreten; man brenne die Wunde sofort mit dem sogenannten Thermokauter aus. Verfügt man über einen solchen nicht, nehme man schleunigst eine Aetzung der Wunde mit rauchender Salpetersäure vor. Auch Schutzimpfungen sind) zu empfehlen. Wenn derartige Maßnahmen nicht sofort erfolgen, nimmt die Krankheit unweigerlich den üblichen, oben geschilderten gefährlichen Verlauf. Stark vernachlässigte Fälle führen in der Mehrzahl den Tod des vom Hundebiß Betroffenen herbei, weil man vorläufig nur Mittel besitzt, die den Krankheitskeim, nicht aber die blühende Tollwut heilen können. Gn Hitzschlag entsteht durch Wärmestauung im Körper. Solange eine Ueberhitzung durch Schwitzen und Ausstrahlen der Wärme vermieden wird, kann Hitzschlag nicht eintreten. Wenn aber die Hitze, hauptsächlich bei schwerer körperlicher Arbeit, nicht ausstrahlen kann, eine allzu dichte Kleidung die Wärmeabgabe noch erschwert und die Luft mit Wasserdämpfen durchdrungen ist, bleibt die Wärme im Körper zurück und kann dadurch einen Hitzschlag hervorrufen. In der heißen Jahreszeit sind die Menschen besonders gefährdet, namentlich, wenn der Himmel bedeckt ist und die Wärme sich nicht in dem Weltenraum verteilen kann. Man verhütet einen solchen Krankheitsfall, indem man vor allen Dingen seine Kleidung aus leichten Stoffen wählt, damit der Körper genügend ausdünsten kann. Unternimmt man bei solchem Wetter längere Spaziergänge, soll man ab und zu einen Schluck kalten Tee oder Kaffee trinken; das verhutet Hitzschlag und stärkt die Herzkraft. Auf keinen Fall nehme man alkoholische Getränke mit, wie Bier, Wein usw., denn das erhöht bekanntlich innerlich die Wärme und macht die Gefahr eines Hitzschlages um so größer. Anders verhält es sich mit dem„Sonnenstich“. Hierbei handelt es sich nicht um eine Wärmestauung, sondern um eine übermäßige Einwirkung des Sonnenlichtes auf den Kopf. Dadurch werden die Hirnhäute beschädigt, und die Folgen sind ähnlich wie bei Hitzschlag. Herzbeschwerden, Ohnmachtsanwandlungen und allgemeine Schwachheit treten plötzlich auf. die sich beWer verbringt nicht gern seine Ferienzeit an einem einsamen Ort, fern vom Weltgetriebe der Großstadt? Oder wen zieht es nicht mit aller Macht hinaus aus dem engen Städtchen in eine andere Umgebung? Vielleicht an die See? Doch überall, wo wir auch hinkommen, umlauern uns Gefahren, als wären sie extra für uns bestellt. Viele glauben ja an eine Schicksalsbestimmung. Da gäbe es kein Entrinnen— zur bestimmten Zeit hat unser „Stündlein geschlagen", und daran können wir nichts ändern.— An diese Weissagung soll man sich jedoch nicht klammern. Als Beispiel falscher Schicksalsbestimmung soll folgendes kleines Geschichtchen gelten: Ein junges Mädchen hatte wochenlang, monatelang gespart, bis sie das Geld zur Urlaubsreise zusammenhatte. Dann nahm sie auf einige Tage von den Eltern Abschied und lief freudig bewegt zum Bahnhof. Die Mutter sah ihr noch lange wehmutsvoll nach.— Nicht lange darauf erhielten die erschrockenen Eltern die traurige Nachricht, daß ihr Töchterlein wegen eines Unfalls auf der Eisenbahn in ein Krankenhaus überführt werden mußte.— Der Unfall ist nämlich dadurch entstanden, daß sich das Mädchen an die Wagentür lehnte, die nicht„zu“ war, und dabei hinausstürzte.— Ein Unfall ist nie vorherzusehen, wird man sagen. Und doch, in diesem Falle hätte man etwas mehr Vorsicht walten lassen. Will man sich aus dem geöffneten Wagenfenster der Tür hinauslehnen, muß man sich erst überzeugen, ob sie fest verschlossen ist! Warum so unvorsichtig sein, zumal unterwegs, und sein Leben so wenig schätzen? Hat uns das„Schicksal“ einmal auf Reisen eingestellt, soll man unbedingt Dinge, die unserem Leben und unserer Gesundheit Schaden zufügen können, mehr beachten. Nie genug kann man auf Bahnhöfen seine Hände waschen. Bakterien, in Staub und Dunst gehüllt, umlauern uns auf Schritt und Tritt. Trinkwasser entnehme man auf Bahnhöfen nach Möglichkeit nicht. An seine Stelle möge ein Mineralwasser treten, das uns vor schädlichen Infektionen schützt. Obst verzehre man nur, nachdem man es tüchtig abgerieben hat. Man weiß nie, wer es pflückte und durch wieviel Hände es ging.„„. 8 Man vermeide vor allen Dingen unterwegs start alkoholische Getränke. Die Herztätigkeit ist ohnedies durch langes Fahren stark angeregt. Dem„Stärkungsschluck“ aus dem beliebten Reise=Kognakfläschchen ziehe man lieber ein Glas Milch(in abgekochtem Zustande) vor. Es leistet dieselben Dienste und löscht überdies den Durst. Handtücher, die uns im Schnellzug oder auf Bahnhofstoiletten begegnen, erfreuen sich nicht immer einer blendenden Weiße. Man umgehe ihre Benutzung nach Möglichkeit. Ein paar Taschentücher, wohlweislich vorher eingepackt, bewahren uns vor Ansteckung. Man setze sich niemals der Zugluft aus. Frische Luft muß sein, auch im Eisenbahnabteil, doch achte man darauf, daß die Fenster nur auf einer Seite geöffnet sind. Zugluft ist sehr schädlich. Wenn man auf Reisen ist, möchte man doch nicht mit Augen= und Ohrenentzündungen oder einem häßlichen Schnupfen behaftet sein. Für alle Fälle ist eine kleine Reiseapotheke mitzunehmen, die ja im kleinsten Köfferchen ihren Platz finden kann. Eine Reiseapotheke muß alles das enthalten, was unbedingt notwendig ist, wenn man einen kleinen Unfall erlitten hat oder von einer leichten Krankheit ergriffen wird. Von den allerersten Maßnahmen hängt oft alles ab. Vor allen Dingen sind Watte, blutstillende und andere, Gaze, Lanolin und Puder, Sicherheitsnadeln, Mullbinden, Gummibänder usw. mitzunehmen. An Pflastern können genannt werden: Senfpflaster, Leukoplast, engl. Heftpflaster. Weiter sind wichtig: Essigsaure Tonerde, Wasserstoffsuperoxyd, Jodtinktur, Natron, Rizinusöl, Baldriantropfen, Hoffmannstropfen, Aspirin und vielleicht etwas Brom. Die Fläschchen versehe man stets mit einem deutlich geschriebenen, den Inhalt angebenden Zettel, damit Verwechslungen, die mitunter tragisch enden können, vermieden werden. Nach Belieben kann noch die Reiseapotheke durch Einverleibung gewisser Teesorten, Einreibepräparate, Salben und dergl. erweitert werden. Vor allen angegebenen Sorten nehme man sich etwas mit auf Reisen, man kann nie wissen, wie nötig man eventuell davon Gebrauch machen muß. Wenn einem auch selbst kein Leid zustößt, kann doch der Mitreisende davon heimgesucht werden. Darum ist es gut, wenn man eine kleine Reiseapotheke bei der Hand hat, um die„erste Hilfe“ daraus zu entnehmen. „Glauben sollst du und vertrauen!“ Roman von Gert Rothberg Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Danielas hartes, schmerzliches Lachen erklang. Dann sagte sie:„Hör' auf! Ich weiß jetzt, was seine Liebe und sein Wort wert sind. Und ich werde handeln! Rudolf Brünneck soll sich wundern. Er soll nicht glauben, daß er mich noch einmal beugt.“ „Sei ruhig, Danie! Es geschieht manches in der Aufregung, was man dann hinterher schwer bereut“, sagte Hanna Elten beschwörend. „Ich glaube ihm nicht mehr, und nun höre auf davon! Wie dumm wir waren, Hanna, daß wir die Einladung des Herrn von Keller nicht annahmen. Man könnte sich jetzt amüsieren. Nun, morgen wollte er ja seinen Freund mitbringen. Auf den bin ich neugierig, Hanna.“ „Belüge dich doch nicht, Danie; dir ist Keller mit seinem Freunde ganz gleichgültig. Du willst dich nur betäuben!“ „Und wenn? Hast du denn ein Wohlgefallen daran, wenn ich die Qual meiner verratenen Liebe ganz und gar auskoste?“ „Nein, Danie! Ich möchte dich nur darauf aufmerksam machen, daß Rudolf Brünneck es dir nie verzeiht, wenn du seine Ehre irgendwie preisgibst. Laß dich warnen! Dein Glück steht auf dem Spiel!" „Mein Glück liegt zertrümmert am Boden. Wie mag er über die leichtgläubige Törin lachen, mit der anderen zusammen lachen!“ „Danie!" „Und deine Freundschaft kenne ich nun auch! Du bist mir noch immer die Antwort schuldig. Du willst mich nicht mitnehmen?“ „Rein, weil ich nicht den Anschein erwecken möchte, daß ich die Schuld trage an dem Zerwürfnis deiner Ehe. Oder glaubst du, daß dein Mann einwilligen wird, daß du mich begleitest?“ „Ich werde ihn nicht fragen!“ Hanna Elten sagte nichts mehr. Doch sie war entschlossen, die Freundin nicht mitzunehmen um Brünnecks willen „Holst du mich morgen früh ab?“ Daniela fragte es hastig, als sie schon im Garten ihrer Villa standen. Hanna nickte. „Ich hole dich ab. Führe eine Aussprache noch heute herbei, Danie; du weißt ja nicht, wie oft schon ein Irrtum das Glück zweier Menschen zerschlug.“ Daniela lachte schmerzlich auf. Dann sagte sie: „Und wie lange ist es denn her, daß du sagtest, kein Mann sei treu? Triumphiere doch nun, weil du recht gehabt hasti. Hanna sagte nichts mehr. Sie say die Freundin nur lange und bittend an; aber Daniela schüttelte den Kopf. Da ging Hanna, doch das Herz war ihr schwer wie seit langem nicht. „ Mit schmerzlichem Erstaunen bemerkte Brünneck, wie seine Frau sich von ihm zurückzog, und zwar tat sie es so auffällig, daß die alte Selma schon etwas merkte und mit traurigem Gesicht umherging. Daniela hatte auch schon ein paarmal das Mittagessen verpaßt, war viel später heimgekommen. Er hatte kein Wort darüber verloren; aber er beobachtete sie schärfer. Als aber Daniela sich ihm beharrlich entzog, nahm er sie eines Abends fest in seine Arme und sagte: „Jetzt wirst du mir sagen, Danie, was du hast!? Du sollst mit deinem Vertrauen jederzeit zu mir kommen— du weißt es, und ich bitte dich jetzt darum.“ Die junge Frau wandte den Kopf gequält zur Seite. Es war ihr unmöglich, sein schönes, braunes Gesicht so dicht über sich zu fühlen. Sie fürchtete, wieder schwach zu werden, und das durfte doch nicht sein; denn er lachte doch nur über sie. Diese fixe Idee ließ sie nicht mehr los. „Ich— ich bin nicht mehr die leichtgläubige Törin, als die du mich immer gekannt hast. Das mag sein, daß ich erst bequemer war; aber du hättest dir doch sagen müssen, daß es nicht immer so weitergehen konnte, daß ich einmal erwachen mußte. Lange genug war ich ja ein dummes Kind. das dir glaubte, ja sogar deinem Wort vertraute.“ Er ließ sie so hastig aus seinen Armen, daß sie taumelte „Danie, ich warne dich! Ich will nichts gehört haben. Es sind Einbildungen eines verzogenen, gelangweilten Kindes. Ich bin nicht in der Verfassung, nach meinem anstrengenden Dienst deine Launen zu ertragen. Beenden wir also dieses Beisammensein, das für keinen von uns erfreulich ist, wie es scheint.“ Ohne noch ein weiteres Wort an sie zu richten oder von ihr zu erwarten, ging er hinaus. Daniela aber brach im Sessel zusammen. Ein wahnsinniger Schmerz zerriß ihr das Herz. Ein haltloses Schluchzen schüttelte sie. Mit aller Macht zog es sie zu ihm hin Sollte sie ihm nacheilen? „Nein, nein, das darf ich nicht! Daß sie von neuem über ich lachen!“ Das war jedesmal der Schluß ihres qualvollen Nachdenkens „Wenn er nicht treuer sein kann, dann hat er mich nie geliebt“, marterte sie sich weiter.„Aber warum hat er mich gebeiratet?“ „Weil du reich warst, weil es ihm schmeichelte, gerade dich, die viel umschwärmte Daniela von Lorring, zur Frau zu bekommen.“ Die junge Frau sah sich entsetzt um. Wer hatte soeben diese furchtbaren Worte gesprochen? Niemand war da. Und sie hatte diese Worte doch ganz deutlich gehört. Zusammengekauert saß sie im Sessel. Wie lange, sie wußte es nicht. Sie schrak empor, als die Uhr der russischen Kirch: laut und deutlich die Mitternachtsstunde verkündete. Daniela erhob sich, doch sie fühlte sich an allen Gliedern wie zerschlagen Mühsam ging sie den Weg zum Schlafzimmer. Noch einmal flammte ihr Trotz auf. Sah es nicht aus, als ob sie ihr Verhalten bereue? Aber sie konnte doch der Dienstboten wegen nicht auf irgendeinem Sofa oder im Zimmer der Tante schlafen; man hätte doch sofort gewußt, daß zwischen ihr und ihrem Gatten ein Riß klaffte. Leise öffnete Daniela die Tür des Schlafzimmers. Angestrengt lauschte sie, ob sie die Atemzüge ihres Mannes hörte, der doch gewiß schon schlief. Doch nichts rührte sich in dem dunklen Zimmer. Zaghaft machte Daniela Licht. Da blieb sie in jähem Schreck stehen. Rudolf war nicht hier! Das Bett war unberührt! Es dauerte eine ganze Weile, bis Daniela es fassen konnte, daß er ihr diese Schande angetan und den Dienstboten offen zeigte, daß er seine Frau mied. Mit zitternden Knien ging sie zum Fenster, öffnete es weit. Es war ihr zum Ersticken heiß. Wo war Rudolf? War er überhaupt fortgegangen? Hatte er diese Gelegenheit vielleicht begrüßt? Die warme, duftende Sommernachtsluft strömte herein zu ihr. Und die junge Frau dachte an die Abende, die sie die letzte Zeit über mit ihrem Gatten verbracht hatte. Im Garten, auf dem Balkon, bei Regenwetter im Zimmer, die Fenster weit geöffnet. Und das sollte nun alles vorüber sein? Wenn Rudolf nicht wiederkam? Wenn er.. Daniela sah in den Garten hinunter. Ganz weit hinten sah sie ein Streichholz aufflammen. Er war also im Garten. Daniela stand regungslos da. Und immer sah sie in kurzen Zwischenräumen das Licht aufflammen. Gegen Morgen schleppte sie sich endlich todmüde auf ihr Bett. Sie erwachte dann erst gegen Mittag. Als sie dann, durch ein Bad erfrischt, nach dem Mädchen klingelte, erklärte Miennie, daß Frau Elten dagewesen, davon aber, daß man Frau Doktor haben wecken wollen, nichts wissen mochte und wieder gegangen sei. Herr Doktor sei auch schon sehr früh von zu Hause fort. Es war etwas Lauerndes in des Mädchens Augen, etwas wie Schadenfreude. Daniela wurde ihr wissender Blick unerträglich. „Es ist gut, Miennie!" Das Mädchen ging. Eine Weile blieb Daniela regungslos sitzen; dann versuchte sie, ein paar Bissen von dem gebrachten Frühstück zu essen— doch jeder Bissen würgte ihr im Munde. Sie erhob sich und ging in die unteren Räume hinunter. Von der Küche her kam Selma, deren gute Augen traurig an der jungen Herrin hingen. „Selma, die Pastete heute nicht vergessen! Mein Mann hat sich schon daran gewöhnt, daß er sie am heutigen Tage erhält.“ „Ach Gott, gnädige Frau, Herr Doktor kommt heute nicht zum Essen heim; er sagte es mir heute früh, ehe er fortging.“ Selma versuchte vergeblich, ihrer Stimme Festigkeit zu geben. Daniela aber lachte auf. Nur sie allein wußte, was sie dieses Lachen kostete. „Richtig, das habe ich alles verschlafen. Mein Mann hat mir das gestern abend bereits gesagt“, sagte sie dann leichthin. Die Alte nickte und glättete mit zitternden Fingern die weiße, große Schürze, die ihre stattliche Figur umschloß. Ihr konnte das gnädige Frauchen doch nichts vormachen. Der Herr Doktor hatte die ganze Nacht im Garten gesessen und hatte sich nur heute früh eine Tasse starken, schwarzen Kaffee von ihr erbeten. Was mochte nur vorgefallen sein? Ach Gott, sie durfte sich aber doch nicht hineinmischen, durfte nicht einmal fragen. Und das Glück der zwei schönen, jungen Menschen lag ihr doch so sehr am Herzen, und nun mußte ausgerechnet die gnädige Frau Baronin nicht daheim sein. Sie hätte es doch wahrscheinlich wieder einrenken können. Selma hing mit ganzer Seele an der jungen Frau; aber merkwürdig, es kam ihr nicht einen Augenblick in den Sinn, daß der Herr Doktor daran schuld sein könnte. Nein, sicher nicht— das stand bei Selma fest—, der hatte keine Schuld. Entweder ein Mißverständnis, oder die Kleine da hatte etwas angestellt! Daniela sagte oberflächlich: „Dann brauchen Sie das nicht erst vorzurichten. Selma. Oder noch besser: für mich brauchen Sie auch nicht zu kochen. Ich werde bei meiner Freundin und deren Eltern speisen.“ „Jawohl, gnädige Frau.“ *„* Daniela zog sich dann auch wirklich an und verfuhr dabei mit ganz besonderer Sorgfalt. Sie sah sehr schön aus in dem mattgelben Kleide und dem kleinen, schwarzen Hut. Bei der Freundin war nur die Mutter anwesend, die mit einer feinen Stickerei auf dem Balkon saß und das Leben und Treiben von hier aus in beschaulicher Ruhe betrachtete. Daniela setzte sich zu ihr, worüber sich die alte Dame sehr freute. Daniela erfuhr, daß Major Forster mit seiner Tochter unterwegs sei nach der Adlerwiese, wo heute die große Pferdeschau sei. Bei so etwas hielte ihn nichts daheim und Hanna sei ganz nach ihm in dieser Beziehung geraten. Leider! Die alte Dame seufzte. Dann sagte sie versonnen: „Ich hatte mir Hannas Ehe anders gedacht, ganz, ganz anders. Ich habe immer geglaubt, sie wird einmal ein Kindchen bekommen, damit sie Pflichten hat Stau dessen rast sie von einem Vergnügen zum anderen. In solch einer modernen Ehe finde ich mich nicht zurecht.“ „Gnädige Frau, geben Sie nur Hanna die Schuld, daß diese Ehe so geworden ist?“ Die Hände Frau von Forsters zitterten. Dann sagte sie leise: „Nein. liebe Danie! Das wäre gewiß unrecht, nachdem mein Mann und ich genau wissen, daß unser Schwiegersohn ein Lebemann erster Klasse ist. Und doch trägt Hanna Schuld. Sie durfte sich nicht ohne weiteres von ihm zurückziehen, als ihr etwas davon zur Kenntnis kam. Wir Frauen sind doch nun einmal zum Verzeihen auf der Welt.“ „Wir Frauen? Wieso nur wir? Haben denn die Männer die Untreue auf Lebenszeit als ihr gutes Recht gepachtet?“ fragte Daniela erregt. Frau von Forster nahm die Hände des jungen Weibes in die ihren. „Liebe Danie, einer muß doch in der Ehe das richtige Wort finden; es gäbe doch sonst überhaupt keine glückliche Ehe mehr. Und glauben Sie mir, mein Kind, mit dem Kopfe durch die Wand kann man nicht. Man fügt sich dadurch nur immer mehr Schaden zu.“ „Ja, aber— man kann sich doch nicht alles gefallen lassen! Der Mann verlangt doch von uns auch die Treue!" „Gewiß, Kindchen! Und glauben Sie mir, er wird sich doch zuletzt immer wieder in sein Heim zurücksehnen, wo er eine reine Frau weiß.“ Danielas Lippen zuckten. „Dann..?“ „Ja, dann! Dann ist der Augenblick da, wo die reine Frau den Sieg davonträgt.“ Daniela blickte ratlos vor sich hin. Rudolf bei anderen Frauen? Und sie sollte geduldig warten, bis er sich auf sie besann, nachdem er ihr jahrelang die Treue gebrochen hatte? „Nein, niemals!“ Ganz laut hatte sie es geschrien, daß der Kanarienvogel in seinem weißen Bauer erschrocken mit seinen schwarzen Perlaugen zu ihr herübersah. Er hatte gerade so schön geträumt inmitten der vielen Fuchsien und Monatsrosen, zwischen denen sein Häuschen mitten auf der Balkonbrüstung stand. Langsam stand Daniela auf. „Gnädige Frau, wir wollen nicht mehr davon sprechen. Ich sollte viele Grüße von Tante überbringen. Entschuldigen Sie gütigst, daß ich das beinahe vergessen hätte. Tante Maria kommt am sechsten September zurück. Der Arzt hat ihr noch dringend eine Nachkur empfohlen, wovon sie Gebrauch machen will.“ Es ging wie ein leises Erschrecken über Frau von Forsters Gesicht. „Ich dachte, Ihre Tante käme bald zurück. Um Ihretwillen hätte ich es von ganzem Herzen gewünscht, kleine Danie“, sagte sie, da Daniela nun die Handschuhe anzog. Sie wollte es sich nicht merken lassen, wie sehr die Worte der alten Dame innerlich an ihr zerrten. Sie verabschiedete sich jetzt herzlich, bat noch, Hanna zu bestellen, daß sie morgen pünktlich fertig sei zum Tennisantritt. und ging dann mit leichten, graziösen Schritten davon. Frau von Forster stand auf dem Balkon und sah ihr nach. Daniela winkte noch einmal von drüben zu ihr herüber; dann war sie um die Straßenecke verschwunden. Frau von Forster legte die feinen Hände im Schoß zusammen und murmelte: „Auch Brünneck? Unfaßlich! Aber nach dem, was Hanna mir erzählte, muß doch etwas Wahres daran sein. Und für ihn hätte ich meine Hände ins Feuer gelegt. Aber wer trägt hier die größte Schuld? Ist es nicht unser Geschlecht selbst, die Frauen, die nur ihren wilden Begierden leben? Die sich lossagen von Pflicht und Gewissen? Wer also hat die größere Schuld?" *„* Daniela saß am Abend im Wohnzimmer und wartete. Wartete auf ihren Mann. Die Worte Frau von Forsters waren tatsächlich auf fruchtbaren Boden gefallen. Daniela wollte das erste Wort sprechen. Sie hielt es nicht aus, dieses Schweigen. Sie mußte Gewißheit haben, daß er sie noch liebte. Da schrillte das Telephon. Daniela sprang auf, ging hinüber und nahm den Hörer von der Gabel. „Frau Doktor Brünneck— wer dort?“ „Guten Abend, Danie! Ich wollte dir nur sagen, daß ich nicht nach Hause komme. Ein mir sehr lieber Freund aus dem Korps hat mich eingeladen. Es wird spät werden. Ich bleibe lieber dann gleich hier. Wozu soll ich dich erst stören? Meinen Frackanzug und alles, was dazu gehört, habe ich mir schon holen lassen. Auf Wiedersehen morgen beim Mittagessen!— Darf ich dir meinen Freund mitbringen?“ „Ja—a!“ „Dann auf Wiedersehen morgen!“ „Rudolf?“ Im Apparat war es still. Rudolf hatte also angehängt. Fassungslos legte auch Daniela den Hörer zurück. Rudolf blieb die Nacht über fort? Mit irgendeinem Freund? Oder... Daniela schlug beide Hände vor das Gesicht Was war in kurzer Zeit aus ihrem Glück geworden? Und wohin sollte der jetzige Zustand führen? Es war eine sehr qualvolle Nacht, die Frau Doktor Brünneck allein in ihrem Heim verbrachte. Am anderen Morgen kam Hanna, um die Freundin zum Tennie abzuholen Dantela war bereits fertig angezogen, sab aber entsetzlich blaß aus „Ee ist nichts Hanna“ sagte sie auf veren besorgte Frage Zu bliet abei auch dann recht wortkarg, so daß Hanna sie ern paarmal prüsend von dei Seite ansah Auf dem Tennieplatz wai Daniela aber seht lustig und ausgelassen, und sie wai bald genug der Mittelpunkt. Frau Baronin Heitenheim zog etwas erstaunt die feingezeichneten Brauen zusammen: sie sagte jedoch nichts Sie beobachtete Daniela nut verstohlen, und die kluge Friu wußte bald genug, daß Daniela Brünneck irgendeinen tiefen Kummer betäuben wollte.(Fortsetzung folgt.)