De Sdondn Zohug achein uichanich ohe ue! Bougepreis habmonatich 1.20 Maik, Einzelaumwer 13 Pfg. Druck u. Verlagvon C. Braus, Schwerte(Rube), Posscheckonten: Dortmund 2632 und Hannover 21874. die die Schrstaltug H. emer, Schpert. Samnns arto Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter: Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung . er Retione. Vur Peodun Achade gerichlsche Losigen s9 Voe. Ratienr. salle 40 P], Eit leieson ausgegedene Inserate ldernedmen wir kaime Gewähr Beiunoorbergesehn. Verscbesbrugen, Lrgz: Sesceschc Lagehlatt für die Stadt Schwerte und das um Woest. S ben Kreisblatt für den nördlichen Leil des Landtreises Iserlohn K Nr. 184(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Freitag, den 8. August 1930 63. Jahrgang Reins Eirseee.d Höpfer=Aschoff- Auch kein hemenisanckt arne eue Auden u Aenden Guden-Buriaur in Sadung Piosde, Soe, nde, ung, ed, sahghch ase ait ach on lise rein erschaiche Feuichentesis esitgese die Leonta u un. wtb. Berlin, 7. Aug.(Eig. Rundf.=Meld.) Die Besprechung zwischen dem Abg. Scholz der Deutschen Volkspartei und dem preußischen eineinhalb Stunden und führte, wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hört, zu keinem positiven Ergebnis. In politischen Kreisen werden damit die Einigungsbestrebungen für eine bürgerliche Mitte als gescheitert angesehen. wtb. Berlin, 7. Aug.(Eig. Rundf.=Meld.) Die Verhandlungen, die heute nachmittag in Reichstage zwischen den Vertretern der Deutschen Volkspartei, der Konservativen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und der Landvolkpartei stattfanden, haben, wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeituggspezieger Ausdruck in einem gemeinsamen Wahlaufeuf ie heis herisze, die Ltaechuig dias 3e. Bastf garse Die Aischastergse gaesecst Parcet. Nach disen ergebnigs ebe, hestel, lung gemeinsamer Listen hinfäutg geworden. us Kaun Gardhn die Z. halgansh. 6 Entgegenkommen als die Aufgabe der Führung esens enbeien ine aus en ae Scholz, daß er diese Unterredung für unnötig halte. Seine Partei warte darauf, daß nunmehr die Parole zu selbständigem Vorgehen ausgegeben werde und er werde diese Parole jetzt ausgeben. nisse nicht mehr herauskommen können. nisse nicht mehr herauskommen können. Vergebliche Versuche enb Berlin, 7. Aug.(Eig. Rundf.=Meldung.) Wie wir erfahren, werden Kommerzienrat Röchling und Abgeordneter Schmelzer morgen früh aus dem Saargebiet in Berlin erwartet. Die Aufgabe, die die Herren sich gestellt haben: die ehrlichen Makler zwichen, der Deutschen Volkspartei und der„Deutschen überholt, da die Verhandlungen, die Die Ausführung der Osthilfe Verdsandursan, Boischer Zeitung, soweit ge. ash eo se esese ee Peashente gaicde de Kaecdehguses der Sithise shsesen in Ponmer und Rieberschesen gler, dings nur einzelne Bezirke, von der Osthilse erfaßt werden können. Siedlungsbank=Abtom. zwischen Reich und Preußen wtb. Berlin, 8. Aug.(Eig. Rundf.=Meldung.) Wie der„Vossischen Zeitung“ zufolge verlautet, stehen die Verhandlungen zwischen der Reich regieruing und erFgente geg r#pe über ein gemeinsames Vorgeyen bei der Finanzierung der Siedlung dicht vor dem Abschluß. Es handelt sich darum, daß die bisher vom Reich und von Preußen,„gegebegeg, sch se sece 20 Mrnige de Ladang der Kant lalk se ein Reichskommssiar und ein preußischer Staatskommissar berufen werden. Die Unterredung Dr. Scholz- Dr. Höpker=Aschoff wtb Berlin, 7. Aug.(Eig. Rundf.=Meld.) Der Demokratische Zeitungsdienst gibt in einem Communiqué folgende Darstellung der Unterredung zwischen dem Reichsminister a. D. Dr. Scholz und Minister Dr. Höpker=Aschoff im Reichstage: Dr. Höpker=Aschoff wies einleitend darauf hin, daß es das Gebot der Stunde sei, eine Partei der staatsbürgerlichen Mitte zu schaffen und daß dabei die Grenzen sowohl nach rechts wie nach links gewahrt werden müßten, daß insbesondere nach seiner Aukhnseung, gag der Trennungsstrich geger., die###,#varipe Gruppen der Landvolkparrei und der Konservativen Volkspartei gezogen werden müsse, daß lae bezschesehscde eaicl euscnst gurcde müsse, unbeschadet dessen, daß guan gu. hevorBrüning, eintrete. Minister Höpter=Aschoff machte dann im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzminister Dietrich Herrn Scholz folgendes Die Staatspartei und die Volkspartei sich auf gleichberechtigter Grundlage zu Partei zusammen. Herr Geheimrat,= Hagt epa per sowohl das Vertrauen der in der Stuutspartei vereinigten Elemente wie der Volkspartei besitzt, übernimmt bis zur endgültigen Konstituierung der neuen Partei, die nach den Wahlen erfolgen sol, die Führung...., Ergahat as 1nd Dr. Scholz lehnte dieses Angebot ab und Falle die Führung ab. Minister Höpker=Aschoff erwiderte, daß dieses Angebot dem Grundgedanken aller bisherigen Bemühungen, aus dem Gehäuse der eigenen Parteien herauszukommen, und die für die Gründung einer neuen Partei der sta bürgerlichen Mitte in Betracht kommenden freiheitlichen Kräfte auf einer neuen Grundlage heäse eie eore Uneaensanes eisgeiet der den. Ein Aufgehen der Staatspartei in der Volkspartei bedeute lediglich eine Sammlgug auf dem Boden der Volkspartei und könne der Staatenartei nicht uungemutet werden. dir bentschset. Wbtnss egngmmen uith Verlin. 7. Aug. Die roszuigchg,.Fhesteichen lungen wegen ver begerbeize P9 gie pegtähen wtb Verlin, 7. Aug,„Die volnischge, Phellgeigen erhöhungen für landwirschaftliche Produkte. Hiernach erklärt sich die Reichsregierung nicht bereit, mit Polen Verhandlungen über einen Ausgleich zu beginnen, um das Gleichgewicht wieder herzustellerz, das angeblich purch die letzten deutschen Zouerhöhungen auf landwirtschaftliche Artikel erschüttert Wezeg,#e. Die polnische Presse bemerkt dazu, die regierung habe die polnischen Anstrengungen, den Wert des Genfer Handelsgbkommens nicht herabmindern zu lassen und gütliche Ausgleichsverhandlungen du hihie Heutiche prohihitiw einsei somit klar, daß die beursche, proyvgtz, gi gestellte Politik den Grundsätzen einer sierung des Zollniveaus, auf die sich das Bestreben nach Normalisierung des internationalen Güteraustausches stütze, zuwiderlgufe, Wie wir hierzu erfahren, hat die deuts lungen,wegen der deurschen. Apg###ntiche g abgelehnt worden ist. Die deutsche Note weist darauf hin, daß die deutschen landwirtschaftlichen Zollerhöhungen als eine unabweisbare Notwendigkeit sich aus der Krise der Landwirtschaft ergeben hätten, die wegen einer Reihe von Gründen in Deutschland einen noch bedrohlicheren Umfang angenommen hat, als in anderen Ländern, dier gahen, eignloheni(genfer erhöhungen,„genötigt saher,„on dem Gense Handelsabrommen vom 24. vertragschließenden Teilen ausdrücklich das Recht vorbehalten, in dringenden Fällen Zollerhöhungen vorzunehmen, auch ohne daß die dadurch betroffenen anderen Vertragsstaaten deswegen Verhandlungen verlangen könnten. Es ist deshalb unrichtig, daß die deutschen Zollmaßnahmen und die deutsche Ablehnung des polnischen Verlangens nach Ausgleichsverhandlungen den Grundsätzen des Genfer Handelsabkommens zuwiderlaufen. Im übrigen ist Aenderung der Reichsversorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen. wtb. Berlin, 7. Aug. Nach der Verkündung der Verordnung des Reichspräsidenten zur Behebung finanzieller, wirtschaftlicher und sozigler Notstände vom 26. Juli 1930(Reichsgesetzbl. 1 Seite 311) hatten sich verschiedene Presseguße rungen mit der Frage ihrer Rechtsgülti###### beschäftigt. Soweit es sich um die im dritten Titel des vierten Abschnitts, Art. 1—3, veröffentlichten Aenderungen der Reichsversorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen handelt, hat das oberste Gericht bereits entschieden. Der 14. Senatz bes,„Gggichzpezingge für rechtsgültig ertlärt. Das Reichsehrenmal Berlin, 7. Aug. Mit der Entscheidung Preußens, die Schinkel=Wache in Berlin Unter den Linden zum Ehrenmal für die Toten des Weltkrieges auszugestalten, ist, wie wir von den an dem Ehrenmalgedanken interessierten Verbänden hören, die Reichsehrenmalsangelegenheit noch keineswegs entschieden. Isiese wird auch weiterhin von den Frontkampferorganisationen betrieben, die sich bekanntlich für einen Ehrenhain in Mitteldeutschland ausgesprochen haben, und ihren Standpunkt in keiner Richtung hin geändert haben. So hat das Ordensamt des Jungdeutschen Ordens soeben eine Erklärung veröffentlicht, in der es auf die zahlreichen Presseäußerungen in der Frage der Berliner Hauptwache bezug nimmt, und bekannt gibt, daß diese Frage mit den Bestrebungen für ein allgemeines deutsches Reichsehrenmal nicht verknüpft werden soll. Nach der Erklärung des jungdeutschen Ordensamtes wird nach gungen im Büro des Herrn Reichspräsidenten und auch beim Reichswehrministerium an Bad Berka als Ort für das Reichsehrenmal festgehalten. Wie wir übrigens zur Reichsehrenmalsfrage ergänzend hören. haben in den letzten Piaschasft in Wor ighen De, mit Wirktung en 3. 32.3930 unsengreiche das wolnische Ersuchen um Ausalescheverhand. nen hat. 9enom halten. Wie waisstuge erpggzend hören, haben in den etzt, Tagen Verhandlungen zwischen dem Reichsinnenministerium und den Frontzämpferver; bänden nicht stattgefunden. Es steht aber zu erwarten, daß in Kürze die Angelegenheit erneut zur Diskussion gestellt wird. Furastenter Malirrr.r. 7 Ang. Auf dem Polizeixevier die ersten Dolchstiche v erstelte sich heute früh der 25 Jahre und gab an, gestern Nacht gegen 11 Uhr seine 47 Jahre alte Mutter Camilla Tzschoeckel mit die Tote in Badelaten und andere Wäschestücke men, daß der Toteat zu verhergen nicht der Wah: Pelt,eusgreser. De 1. tersuchung der Leiche im Schaubause ergab, daß die ersten Dolchstiche unzweifelhaft nach dem Rücken der in der Badewanne sitzenden Frau Zahlreiche Blutspritzer in der Badestube nd e Haite ale reihe elhelteae war der junge Mann, der sich Journalist nennt, Zimmer gegangen sein und dort bis 5 Uhr früh geschlafen haben. Ueberschwemmungs= Katastrophe in Arizona wtb. Neuyork, 7. Aug. Durch den gestrigen Wolkenbruch im Süden des Staates Arizona ist in der an der mexikanischen Grenze liegenden Stadt Nogales eine Ueberschwemmung aufgetreten, durch die die Straßen bis zu zwei Meter unter Wasser gesetzt wurden. Nach den bisherigen Berichten fanden etwa 20 Personen den Tod, ebensoviele werden vermißt. wtb. Neuyork, 7. Aug.(Eig, Rundf.=Meld.) Zu der durch einen Wolkenbruch hervorgerufenen Ueberschwemmung in Nougales(Arizonas) wir weiter berichtet, daß bisher vier gerchen geborgen worden sind. Vierzig Perso#en werden vermißt. Die tiefer gelegenen Straßen sind überflutet, zahlreiche Häuser wurden weggespült, darunter ein mexikanisches Hotel, in dem 16 Mexikaner übernachteten. Rückkehr König Ferdinands nach Bulgarten! enb. Paris, 7. Aug.(Eig. Meldung.) Dem Petit Parisien wird aus Belgrad berichtet: Nach Nachrichten aus Sofia rechnen die dortigen gutunterrichteten politischen Kreise mit der bevorstehenden Rückkehr des ehemaligen Königs Ferdinand. Die bulgarische Regierung habe von einigen der Staaten der Kleinen Entente die Versicherung erhalten, daß Rumänien und Südslavien sich dem nicht widersetzen würden. Andererseits ist auch das Gerücht im Umlauf, daß der ehemalige König von Griechenland auf Grund von Verhandlungen, die Veniselos in London geführt habe, nach Athen zurückkehren und den griechischen Thron wieder besteigen werde. Spert und Der stolze Mussolini wtb. Paris, 7. Aug. Die Agentur Indopacisique meldet aus Schanghai, Mussoloni habe sich geweigert, die vom japanischen Roten Kreuz für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Italien gesammelten Beträge anzunehmen. Er erkläre, daß das Unglück, daß das italienische Volk betroffen habe, durch die italienische Regierung selbst wettgemacht werden könne. Die Wirren in China Die Ausländer in Hankau gefährdet. wtb. Paris, 7. Aug. Wie die Agentur Indopacifique aus Schanghai berichtet, hat die Nankingregierung in Beantwortung einer amerikanischen Anfrage erklärt, daß sie außerstande sei, die Sicherheit der Ausländer zu gewährleisten und daher Washington anheimstelle, die Räumung der Stadt Hankau durch die Ausländer anzuordnen. Schutzmaßnahmen für Hankau. wtb. Paris, 7. Aug. Nach einer Havasmeldung aus Hankau ist dem Konsularkorps eine Erklärung des Kriegsministers der Nanking= regierung zugegangen, derzufolge zehn Regimenter zur Verstärkung der dortigen Garnison und zum Schutze der Ausländer eingetroffen seien. China und die Mächte. wtb. Peiping, 7. Aug.(Reuter.) Die Nankingregierung ist, den hiesigen Blättern zufolge, darüber verstimmt, daß britische und amerikanische Kanonenboote gemeinsam mit chinesischen Kanonenbooten auf die Kommunisten in Tschangscha gefeuert haben. Es wird gemeldet, daß das chinesische Außenministerium die chinesischen Gesandten in London und Washington angewiesen hat, gegen diese„Einmischung in Chinas souveräne Rechte“. Einspruch zu erheben. 9 1826 aufgefunden Die Bemannung wahrscheinlich ertrunken. wtb. Stockholm, 7. Aug. Das Flugzeug der Deutschen Lufthansa, das gestern um 22.50 Uhr Stockholm verlassen hatte, ist heute mittag bei Askö in der Nähe von Valdemarsvik in sinkendem Zustande ausgefunden worden. Die beiden Insassen, Flugkapitän W. Lanoanke und der Funktelegraphist Lindemann, sind wahrscheinlich während eines Landungsversuches auf hoher See ums Leben gekommen. Nähere Einzelheiten fehlen noch. wtb Stockholm, 7. Aug.(Drahtber.) Der Führer des schwedischen Flugzeuges L. Dack. das an der Unglücksstelle des deutschen Postflugzeuges D. 1826 um 14,30 Uhr zwischen Häratkär und Storkleppah, 30 Kilometer nördlich Westerwik, aufs Wasser gegangen war und über eine Stunde bei dem Wrack verweilt hatte, meldet, daß ein Schwimmer senkrecht aus dem Wasser geragt habe, das an dieser Stelle ungefähr 10 Meter tief sei. Insolgeoessen müßten Taucher angesetzt werden. Von der Besatzung habe man nichts entdecken können, da das schwedische Suchflugzeug nicht in der Lage gewesen sei, das Wrack zu heben. Den anderen Schwimmer fanden Lotsen in der Nähe mit eingedrückter Spitze auf. Herabsetzung des Strafmaßes im Lilsen=Prozet wtb Kiel, 7. Aug.(Drahtbericht.) Im Berufungsprozeß des früheren Vorsitzenden der Holsten=Bank AG., Wilhelm Tilsen sen., vor der Großen Ferienstrafkammer hatte der Angeklagte insofern Erfolg, als er eine Herabsetzung der in erster Instanz gegen ihn verhangten Strafe erreichte. Das Gericht konnte die Schuldfrage ganz unerörtert lassen, da der Angeklagte seine Berufung auf das Strafmaß beschränkt hatte. Eine Reihe von Zeugen sagte sämtlich günstig für den Angeklagten aus, dessen Lebensführung sehr einfach gewesen sei. Der Staatsanwalt beantragte schließlich selbst, im Einklang mit den Darlegungen der Verteidigung, eine Herabsetzung der in dem Urteil erster Instanz verhängten Strafe von drei Jahren Gefängnis. Nach zweistündiger Beratung verkündete der Vorsitzende, daß die Strafe auf zwei Jahre Gefängnis und 200 Mark Geldstrafe herabgesetzt werde. Vier Monate der erlittenen Untersuchungshaft werden angerechnet. Die Kosten des Verfahrens erster Instanz trägt der Angeklagte, die der zweiten Instanz die Staatskasse. Angeklagter und Staatsanwalt nahmen das Urteil an. Der französische Schwimmerverband hat nach eingehenden Beratungen doch den Beschluß gefaßt, am Nürnberger Schwimmfest teilzunehmen, da der Fall Cuvellier als ein außersportliches Ereignis zu werten sei. Er hat vor der Veröffentlichung seines Beschlusses mit dem französischen Außenminister Briand Fühlung genommen und man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß dieser, der sich zuvor mit dem deutschen Botschafter in Paris ins Benehmen setzte, den französischen Sportlern anriet, aus dem Weißenfelser Urteil keine politische Aktion zu machen, da sie mit den sportlichen Aufgaben nicht in Einklang zu bringen sei. Es ist zurzeit noch nicht möglich, zu der Verurteilung von Cuvellier im einzelnen Stellung zu nehmen, da dieses Urteil noch nicht rechtskräftig geworden ist. Aber das eine kann man wohl annehmen, daß das Gericht immerhin genugsam Anhaltspunkte haben mußte, um zu einer Verurteilung des Franzosen zu kommen. Etwas anderes ist es, ob es nicht ratsam gewesen wäre, diese Verurteilung in einem Rahmen durchzuführen, der nach außen hin hätte keine so große Verstimmung hervorgerufen können. Das läßt sich aber von hier aus kaum feststellen, da man hierfür doch Kenntnis vom genauen Gang der Verhandlung haben müßte. Denn es besteht doch die große Gefahr, daß man sich in dieser Hinsicht nur allzu leicht von Gefühlen leiten läßt, die eine objektive Beurteilung unmöglich machen. Immerhin ist auffällig, daß die Staatsanwaltschaft nicht sofort auch eine Untersuchung gegen die Nationalsozialisten eingeleitet hat, die doch zumindesten die Voraussetzungen zur Tat des Franzosen geschaffen haben. Da diese Voruntersuchung aber nunmehr eingeleitet wurde, muß man abwarten, zu welchen Ergebnis sie gelangt. In diesem Zusammenhange ist dies aber kaum von Bedeutung. Viel wichtiger ist doch die Tatsache, daß der französische Schwimmerverband genügend Sportsgeist besaß, um sich nicht in eine politische Aktion hineindrängen zu lassen, die von gewissen Kreisen wahrscheinlich sehr gern gesehen worden wäre. Der Sport hat schon mehrfach bewiesen, daß er die internationalen Beziehungen fördern kann. Die großen transatlantischen Flüge, der Weltrundflug des„Graf Zeppelin“ und nicht zuletzt die Amsterdamer Olympiade haben immer wieder gezeigt, wie intensiv die Anteilnahme aller Staaten an diesen Leistungen des Sports ist und wie wenig dabei politische Gesichtspunkte, die leider in anderer Hinsicht nur allzu stark gewertet werden, mitsprechen. Und so soll es auch in Zukunft sein. Gewiß ist der Sport in vieler Hinsicht mit der Politik verwandt, insofern, als auch er die nationalen Fähigkeiten bis zum äußersten anspannen läßt, um im Wettkampfe siegreich hervorgehen zu können. Die Politik könnte aber gerade in diesem Zusammenhange sehr viel vom Sport lernen, der seine Anstrengungen macht, um damit positive, für die Allgemeinheit gültige Werte zu schaffen. Schließlich sollte dies auch die Aufgabe der Politik sein, nachdem wir im jetzigen Jahrhundert chauvinistischen und hegemonistischen Gedankengängen vollkommen ablehnend gegenüberstehen, weil die gesamte Entwicklung auf die Schaffung größerer internationaler Zusammenhänge drangt, um damit die einzelnen nationalen Existenzen zu sichern. Die französischen Schwimmer sollen gewiß sein, daß man ihre Geste in Deutschland mit Genugtuung aufnimmt. Sie werden in Nürnberg mit der sportlichen Achtung begrüßt werden, die jedem Sportsgegner im internationalen Wettkampfe geziemt. Der Fall Cuvellier 5. Berlin, 7. Aug. Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat im preußischen Justizministerium eine eingehende Besprechung mit dem Verteidiger des französischen Sportsmanns Cuvellier, Rechtsanwalt Dr. Blume=Leipzig, stattgefunden. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft in dem gegen die beteiligten Nationalsozialisten wegen Landfriedensbruches, gemeinschaftlicher Körperverletzung und Bedrohung eingeleiteten Verfahren die gerichtrichte Vernehmung der Beschuldigten und der Zeugen beantragt, und ferner gegen den nationalsozialistischen Führer, Wolzkersdorfer, Ermittlungen wegen des Versuches unerlaubter Zeugenbeeinflussung ausgenommen. Bei der Staatsanwaltschaft sind ferner Strafanträge wegen Beleidigung seitens der von Nationalsozialisten beschimpften deutschen Mädchen eingegangen. Dem Oberstaatsanwalt ist zur Unterstützung seiner Ermittlungen ein Beamter der Landeskriminalpolizei zur Verfügung gestellt worden. Gegen den zur Zeit vom Dienst beurlaubten Justizobersekretär Hauck hat der Generalstaatsanwalt die Einleitung des förmlichen Disziplinarverfahrens beim Oberlandesgericht in Naumburg beantragt. Mordsache Frieda Guttmann wp. Recklinghausen, 7. Aug. Die Kriminalpolizei ist Tag und Nacht damit beschäftigt, das Dunkel, das noch immer über der Mordsache Guttmann liegt, zu lüften. Alle Angaben des Publikums werden genau geprüft. Es ist inzwischen gelungen, einen 18jährigen Sittlichkeitsverbrecher bei Datteln festzunehmen. Nach stundenlangem Kreuzverhör des Burschen gestand er, ein Sittlichkeitsverbrechen ausgeführt und zwei versucht zu haben. Da er auch auf dem Kuniberg, wo die ermordete Guttmann gefunden wurde, gesehen worden ist, wurde er hierher geführt, doch bestreitet er entschieden, jemals an der Stelle gewesen zu sein. Die polizeilichen Ermittlungen werden fortgesetzt. Reichtum in Lumpen wp. Kassel, 7. Aug. Eine hier wohnende 65 Jahre alte Frau erregte durch ihr ärmliches Dasein allgemeines Mitleid. Sie ernährte sich fast ausschließlich von Brotrinden und Kartoffeln, und ihre Kleidung war Lumpen nicht unähnlich. In der letzten Zeit zeigte die Frau ein seltsames Verhalten, und ihre Umgebung befürchtete den Ausbruch einer Geisteskrankheit. Man veranlaßte die Ueberführung der Frau in das Krankenhaus, wo man bei ihrer körperlichen Untersuchung in den zerlumpten Kleidern den Betrag von 3700 RM fand. Die Frau hatte in dem ständigen Wahn gelebt, das Geld könnte ihr gestohlen werden, und diese Furcht hat schließlich ihren Geist verwirrt. Aus Nah und Fern Politische Zusammenstöße in Köln. wp. Köln, 7. Aug. Nach einer gestern abend hier abgehaltenen Kundgebung der Deutschen Staatspartei, der ersten im Wahlkreise KölnAachen, kam es, nachdem schon in der Versammlung mehrere rechtsradikale Elemente durch die Polizei mit Gummiknüppeln entfernt worden waren, zu Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der Staatspartei, Angehörigen des Jungdeutschen Ordens, Nationalsozialisten und Mitgliedern des Jungstahlhelms. Vier Personen wurden festgenommen, darunter drei Mitglieder des Jungstahlhelms. Ein 15jähriger Sittlichkeitsverbrecher. wp. Recklinghausen, 7. Aug. Vor einigen Tagen wurde im Volksgarten in Recklinghausen an einem fünfjährigen Mädchen ein schändliches Sittlichkeitsverbrechen verübt. Die Kriminalpolizei ermittelte nunmehr als Täter einen 15jährigen Bäckerlehrling aus Hüls, der nach längerem Leugnen das Verbrechen zugegeben hat. Grubenunglück in Westfalen.— Zwei wtb. Recklinghausen, 7. Aug. Auf der Zeche Ewald=Fortsetzung im Erkenschwick erfolgte heute vormittag gegen 10 Uhr bei Schießarbeiten ein Einsturz des Hangenden. Dabei wurden mehrere Bergleute verschüttet. Nach den bisherigen Feststellungen fanden zwei Steiger den Tod, während ein Schachtmeister schwer verletzt wurde. Ein Kreisoberinspektor zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. wp. Hamborn, 7. Aug. Das Hamborner Schöffengericht verurteilte den Kreisoberinspektor K. von der Kreisverwaltung Dinslaken wegen Amtsunterschlagung zu 8 Monaten Gefängnis. K. hatte nach 37jähriger einwandfreier Amtstätigkeit aus der Kreiskasse nach und nach Gelder in Höhe von 5900 Mark entnommen und entsprechende Eintragungen in den Büchern unterlassen. Die Verfehlungen wurden bei einer Revision entdeckt. K., der danach in einem Hotel in Wesel einen Selbstmordversuch durch Oeffnen der Pulsadern unternommen hatte, gab die Verfehlungen unumwunden zu, deren Ursache in schlechten häuslichen Verhältnissen zu suchen ist. Die unterschlagene Summe wurde voll gedeckt. Das Gericht billigte dem Angeklagten, dem von seinen Vorgesetzten das beste Zeugnis ausgestellt wurde, weitgehendste mildernde Umstände zu und will ihm eventl. Strafaufschub gewähren. Ausgesteuert...! wp. Montabaur, 6. Aug. Ein 60jähriger Maschinenbauer hatte mit seiner Frau seine in Weitefeld gelegene Wohnung aufgegeben und sich nach Frankfurt abgemeldet. Das Ehepaar entfernte sich in den ersten Julitagen und ist seit dieser Zeit nicht mehr aufgetaucht. Jetzt fand ein Kuhhirt in einem Walde bei Weitefeld die Leiche des Mannes. Er hatte sich die Pulsadern geöffnet und war verblutet. Die Gründe des Selbstmordes sind darin zu suchen, daß der alte Mann keine Beschäftigung fand und bereits ausgesteuert war, sodaß er der Armenfürsorge anheimfallen mußte. Von der Frau fehlt bisher jede Spur. Das Geständnis des Wohlfahrtspflegers Surek. wtb Frankfurt a. M., 7. Aug.(Drahtbericht.) Der Wohlfahrtspfleger Richard Surek, der, wie gemeldet, am 29. Juli überfallen und beraubt sein wollte, hat nunmehr der Kriminalpolizei gegenüber ein Geständnis abgelegt. Er hat zugegeben, den Raubüberfall wegen der Veruntreuung der durch die Post erhaltenen Summe von 5200 Mark vorgetäuscht zu haben. Ferner hat er eingestanden, auch noch 344 Mark von früher erhaltenen Wohlfahrtsgeldern für sich verbraucht zu haben. Von der Kriminalpolizei sind 5000 Mark herbeigeschafft worden. Die Verhandlungen in der mitteldeutschen Metallindustrie. wtb. Berlin, 7. Aug. Im Reichsarbeitsministerium fanden abermals Verhandlungen vor dem Sonderschlichter für die mitteldeutsche Metallindustrie(Halle=Magdeburg=Anhalt) statt. Sie führten zur Fällung eines Schiedsspruches, wonach, wenn der gleiche wirtschaftliche Nutzeffekt nicht mit der Mehreinstellung von Arbeitern erreicht werden kann, bis zu 50 Stunden in der Woche gearbeitet werden darf. Das alte Ueberarbeitsabkommen sah die 52= stündige Arbeitswoche vor. Wie verlautet, wird der Metallarbeiterverband auch diesen Schiedsspruch ablehnen. Die Erklärungsfrist läuft bis 12. August abends 6 Uhr. Die Stellungnahme der Arbeitgeber ist noch nicht bekannt. Verhaftung eines ungetreuen Kassenboten. wtb Leipzig, 7. Aug. Ein Kassenbote, der bereits mehr als 30 Jahre bei einer hiesigen Großbank angestellt war, hatte gestern von der Hauptkasse des Hauses 70000 Mark abzuholen und war mit dem Gelde verschwunden. Er konnte jedoch an demselben Tage festgenommen werden. Das Geld fand man noch vollständig in seinem Besitz. Verhaftung eines Direklors in Breinen wtb Bremen, 7. Aug.(Drahtber.) Bei dem städtischen Elektrizitätswerk sind umfangreiche Durchstechereien des zweiten Direktors Laue aufgedeckt worden, auf die hin zunächst das gesamte Vermögen Laues gerichtlich beschlagnahmt wurde. Laue hat auf sehr großem Fuße gelebt und sich dann rechtzeitig, als er die Enthüllung der Unterschlagungen befürchten mußte, angeblich aus Gesundheitsrücksichten in ein Sanatorium begeben. Er soll, wie es heißt, persönlich an dem Ankauf elektrischer Apparate aller Art, die er als Amtsperson des Elektrizitätswerkes vornahm, und zugleich auch als Verkäufer finanziell beteiligt gewesen sein. Dabei soll es sich um große Summen handeln. Auch der Inhaber der Altmetallfirma Prieß u. Wessel, ein gewisser Nöhricht, ist in Untersuchungshaft genommen worden. Morzik wieder Sieger im Europasiug enb. Berlin, 7. Aug.(Eig. Meldung.) Der heute beendete Start und Länderwettbewerb im Europaflug ergab, daß der vorjährige Sieger Morzik wieder an die Spitze rückte. Er hat zwar nur die gleiche Punktzahl wie der als Zweiter folgende Poß, jedoch entschied die bessere Wertung im Start und Landewettbewerb. Die dritte Stelle konnte Miß Spooner für England belegen. Schüsse auf Kraftwagen wtb Friedrichshafen, 7. Aug. Als gestern vormittag zwei Kraftwagen, von denen der erste von einem Vorstandsmitglied des Agrippinakonzerns Köln und der zweite von seinem Chauffeur gelenkt wurde, den Oberdorfer Wald passierten, wurde auf den zweiten Wagen ein Schußabgegeben. Das Geschoß pfiff haarscharf am Kopfe des Chauffeurs vorbei. Das Stationskommando in Tettnang durchsuchte sofort den Wald, ohne eine Spur zu finden.— Bereits am Montag wurde an derselben Strecke bei Wasserburg ein fahrendes Auto beschossen, wobei die Kugel im Kühler des Wagens stecken blieb. Hunesprauft Goethepreis für Siegmund Freud. enb. Berlin, 8. Aug.(Eig. Rundf.=Meld.) Wie die Vossische Zeitung aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat sich das Kuratoium der Goethepreisstiftung in Frankfurt am Main auf Professor Siegmund Freud als Preisträger dieses Jahres geeinigt. Der Goethepreis, der am 28. August jedes Jahres verliehen wird, beträgt 10000 Reichsmark und ist bisher an Stephan George, an den bekannten Theologen, Mediziner und Afrikaforscher Albert Schweitzer und den Kulturphilosophen Leopold Ziegler verliehen worden. Riesenbrand in Liegnitz. wtb Liegnitz, 8. Aug.(Funkspruch.) In dem großen Holzlager des Dampfsägewerks Oswald Hartmann brach am Donnerstagabend ein Brand aus, der sofort nach dem Entstehen einen ungeheuren Umfang annahm. Das Feuer setzte einen Holzstapel nach dem anderen in Brand. Durch den viele Kilometer weit sichtbaren Feuerschein alarmiert, eilten alsbald zahlreiche Feuerwehren aus der Umgegend zur Hilfeleistung herbei. Zur Stunde läßt sich noch nicht übersehen, wie weit es gelingen wird, die bedrohten weiteren Holzlager und die benachbarten Fabrikgebäude zu retten. Der Schaden ist außerordentlich groß. Da der Lagerplatz sofort an allen Ecken und Kanten brannte, wird Brandstiftung vermutet. Sprengstoffanschlag auf eine tschechoslowakische Fabrik. wtb Prag, 7. Aug.(Funkspr.) Vier kommunistische Arbeiter der Heinekschen Fabrik in Prerau, die seit mehreren Wochen bestreikt wird, beabsichtigten, die Fabrik in die Luft zu sprengen. Die Tat sollte ein Nacheakt dafur sein, daß die Arbeitgeber eine Verhandlung mit den Vertretern der kommunistischen Organisation abgelehnt hatten. Die Arbeiter hatten bereits ein 1½ Meter langes Eisenrohr mit Pulver und Dynamit gefüllt und mit einer langen Zündschnur versehen. Der Plan wurde indessen der Gendarmerie verraten und gelangte daher nicht zur Ausführung. Zwei Rädelsführer wurden verbaftet. 2 Bekanntmachung Wegen Ausbauarbeiten wird die Hagener= straße zwischen Westwall und Beckestraße für den Durchgangsverkehr bis auf weiteres gesperrt. Umleitung erfolgt durch die Wilhelmstraße und Beckestraße. Schwerte, den 5. August 1930. Die Polizeiverwaltung. Die Schwerter Turnerschaft beim Kreisturnfest in Hamm Das am 1. bis 3. August in Hamm abgehaltene Kreisfest der Deutschen Turnerschaft, von deren Ergebnissen am Montag kurz berichtet wurde, hat gezeigt, daß auch in dieser wi. schaftlich schweren Zeit schöne, echte Vousfeste gefeiert werden können. Wohl jeder Teilnehmer hat das Bewußtsein mit nach Hause genommen, daß hier Sinn für Ordnung, Entschlossenheit zur Mitarbeit am Wiederaufbau und die Freude am Schönen mitgewirkt haben. Trotz der Vielfältigkeit der Arbeiten, die zu erledigen waren, konnten die im Fesiverlauf angegebenen. Zeiten auf die Minute eingehalten werden. Mit Hie von Lautsprechern leitete(zum letzten Male leider) Oberturnwart Regener von seinem Stand die nebeneinander herlaufenden Kämpfe. Der Zuschauer konnte sich mit immer neuen Bildern erfreuen. Auf dem gutgepflegten Rasen des Stadions wickelten sich an 2 langen Reihen von Barren und Pferden die Mannschaftsübungen ab. Auf der anderen Seite zeigten mehrere Vereine zugleich ihre Freiübungen. Dazwischen bewiesen die Ringer, daß auch ihre Kunst noch nicht ausgestorben ist. Ein Schuß— und die Ausmerksamkeit wird für kurze Zeit von den Wettläusern in Anspruch genommen. Die Körperschule zeigte dann zum Teil erstaunliche Leistungen und den Beweis, daß der Humor auch hier seine Stätte finden kann. So vergingen dem Zuschauer die Stunden bis zum Mittag bei ständigem Wechsel der Bilder im Fluge. Der Festzug von 1—3 Uhr war das Ereignis des Tages für Hamms Einwohner und bewies ihre innere Verbundenheit mit den Turnern. Dem Einmarsch des Zuges ins Stadion folgte eine solchen Menschenmende, daß hier auch nicht ein Platz frei blieb. Es gab ja jetzt auch was Schönes zu sehen: Neben den Stabhochsprüngen die Entscheidungsläufe. Etwa 20 Paare Florettfechter zeigten unterdes, daß die D. T. neben dem bewährten Alten das Neue nicht versäumt. Am Morgen hatten die Kanufahrer auf dem Kanal und die Tennisspieler im Kurgarten viele Zuschauer angelockt. Eine rechte Augenweide gewährten die Tänze der Turnerinnen in ihren weißen Kleidern. Auf den beiden Hälften des Rasenplatzes drehten sich langsam die 4 Kreise nach den Klängen der Musik und dem Gesang der Mädchen. Ein vielleicht in seinem Farbezusammnklang noch schöneres Bild bot sich dem Auge der Menge bei Freiübungen der Turnerinnen. Das kräftige Blau der Turnkleider anstelle des bisherigen Schwarz zeigte gute Farbwirkung. Auf dem Grün des Rasens boten die 800 blauen Pilze nach der Rumpfbeuge aus dem Kniestand einen Anblick, der viele Photoapparate in Bewegung setzte. Nach den Darbietungen der Kunstturnvereinigung und den Freiübungen der Männer überreichte eine Schar kleiner Mädchen die Siegerkränze. Auch die Schwerter Turners haft hat ihren Anteil davon heimgebracht:„pfs Geoig Klinger im Zwolstamp, der Mänmer mit 205 Punkten den 4. Sieg; Erwin Schmulz im Zehnkampf der Männer mit 146 Punkten den 24. Sieg; Georg Rümer im Fünfkampf der Männer mit 91 Punkten den 12. Sieg; Gustav Beyha, im Fünfkampf der Männer mit 74 Punkten den 29. Sieg; Willi Heidbreder im Sechskampf der Männer mit 95 Punkten den 24. Sieg; Arthur Bischoff im Sechskampf der Männer mit 92 Punkten den 27. Sieg; Fritz Reters im Sechskampf der Männer mit 80 Punkten den 39. Sieg; Grete Kuchhäuser im Siebenkampf der Turnerinnen mit 110 Punkten den 16. Sieg; Ruth Woop im Siebenkampf der Turnerinnen mit 106 Punkten den 20. Sieg;. Auch die Vereinsriege hat mit 75 Punkten einen guten Durchschnitt erreicht. Vom Film Wiederum ein erstklassiges Programm!„Ja, ja, so sind die Frauen“ ist ein Film, der helles Entzücken auslöst. Echte Wiener Musik, Wiener Weisen und Wiener Mädels werden in diesem herrlichen Filmwerk wieder wach. Wiener Leben und Wiener Freude erquicken noch einmal unser Gemüt. Eine reizende Liebesgeschichte mit prickelnden Szenen voll schäumender Natürlichkeit und eine herrliche Musik geben diesem schönsten aller Wiener Filme die Stimmung, die man nur miterleben konnte in Wien, der Stadt des Frohsinns, in Wien, der Stadt der Träume. An bekannten Darstellern nennen wir Igo Sym, Hans Junkermann, Betty Astor u. a.— Zur Vervollständigung des Programms wird ein fesselnder Wildwest=Film gezeigt. Wir empfehlen den Besuch der Lichtspiele„Zur Reichskrone“. Christus ist mein Leben Sterben ist mein Gewinn. Gott über Leben und Tod hat es in seinem unerforschlichen Ratschluß gefallen, Mittwoch abend 7 Umn, meinen innigstgeliebten Mann, den treusorgenden Vater meiner Kinder, unsern lieben Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, den Schmelzer Thomas Haßler im Alter von 54 Jahren und 4 Mionaten, nach langem schweren Leiden zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen Schwerte, den 7. August 1930. Die Beerdigung findet am Sonntag, 10. August 1930, nachm. 4 Uhr vom ergl. Krankenhaus, aus stat..., Bachscht er, Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nuchich halten, so diene diese als solche. Kam. Verein Meitinacht Die Beerdigung des Kameraden Thomas Haßler findet statt, Sonntag den 10. Aug. nachm. 4 Uhr, vom evgl. Krankenhaus. Antreten der Kam. 3½ Uhr im Vereinslokal Soir“ Zahlreiches Erscheinen erbittet: Der Vorstand 4 Wie sorge ich für Küche und Keller Vor Praktische Anleitungen für die wirtschaftliche Hausfrau: Einmachen d. Gemüse. Mit 66 Abb.(Nr. 343/4) 80 Pfg. Einmachen der Früchte. Mit 24 Abb.(Nr. 3) 40 Pfg. Dörren des Obstes u. der Gemüse.(Nr. 367) 40 Pfg. Ernte, Aufbewahrung u. Versand des Obstes. Von J. Schneider. Mit 60 Abb.(Nr. 55/6) 80 Pfg. Marmeladen- und Musbereitung. Mit 11 Abb. Lichtspiele zur Reichskrone Heute bis Montag 3 hervorragende Filmwerke Ja, ja, so sind die Frauen Ein entzückendes Lustspiel in 6 Akten. Betty Astor und Haus Junkermann in den Hauptrollen. Im gelben Viertei von New=Hort Sensationsfilm in 6 Akten Richard Talmadge in der Hauptrolle Qualität, Preis, Gewicht G thnr. 5 lich die drei die Sie beim Einkauf von Waren unbedingt prüten müssen! Ueberzeugen Sie sich doch einmal von unseren gümstigen Angebefen. Sie werden erstaunt sein über die billigen Preise. Heute besonders preiswert! Neues Sauerkraut 3 Plund 0.40 Neue Kartoffeln gesund, 10 Pd. 0.55 Matjes Heringe Neue Zwiebeln schöne Ware Rot- und Weißkohl .. Stück 0.12 3 Plund 0.25 feste Köpfe 3 Pfund 0.25 Elswaffeln..... ¼ Pfund 0.25 Erfrischungsbonbons ¼ Pfund O. 17 Schokolade 4Tafein je 100 Gr. nur 0.95 gr.80 Kandierte Früchte u. Konfitüren. Mit 15 Abb. (Nr. 169) 40 Goeignete Kost und Getränke für heißen Sommermonate: Eßt viel Gemüse. Erprobte Gerichte.(Nr. Gurken-, Melonen- und Kürbisgerichte.(Nr. Tomatenbüchlein.(Nr. 233) Vegetarisches Gesundheitskochbuch.(Nr. 187) Pilzküche für den einfachen und feinen Tisch. 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Wenn die Entente von Deutschland noch mehr Geld als Kriegsentschädigung einzuziehen begehrt, so soll sie auch ehrlich genug sein, um zu erklären, daß Deutschland zahlen muß, weil es besiegt wurde, und daß die Reparationen nicht auf einer moralischen Schuld beruhen, sondern eine Kriegsei schädigung wie in früheren Zeiten darstellen". Diesen benertenzwerten, uot Prggtezeßer bekannte amertlanische pistoriker. ggg Harry Elmer Barnes, der die## schung der Kriegsursachen zu seiner Lebensausgemacht hat, auf dem Befreiungsfest, das die Rheinpfälzer=Vereine in New York kürzlich veranstalteten. Der Satz ist doppelt bemerkenswert. Einmal deshalb, weil er gerade in der Stunde ausgesprochen wurde, da der deutsche Reichspräsident seinen Triumphzug durch die freigewordene Pfalz hielt. Zum anderen deshalb, weil er von einem Manne stammt, der keineswegs immer dieser Auffassung war, die er heute vertritt. Barnes ist vielmehr erst nach dem Kriege durch das Aktenstudium von einem Saulus zu einem Paulus geworden. Während des Krieges glaubte er, daß Amerika recht geAls ihn seine Studiepg, aller belehrten, war er Manns genug, sich vor aller Welt zu der neugewonnenen Erkenntnis z1 bekennen und sie in Wort und Schrift Professor Barnes wandte sich in seinen Ausführungen gegen die Verträge von Versailles, St. Germain und Trianon im allgemeinen und forderte ihre Revision. Die Rheinlandbesetzung sei nach dem eigenen Geständnis der EntentePolitiker unter der Voraussetzung von Deutschlands alleiniger Schuld am Krieg erfolgt. Diese These vertrete indessen heute kein ernst zu nehmender Geschichtsforscher mehr— auch in dei ehemaligen Feinbundländern nicht. Den besten Beweis dafür, daß sich alle Staaten gleich schulfühlen, sieht Barnes in dem Umstande, daß die Rheinlande fünf Jahre vor der festgesetzten Frist geräumt wurden. Das stehe nur in Uebereinstimmung der Forderung Poincarés, die er 1920 im Pariser„Temps“ aufstellte, wonach in einem solchen Falle auch die Kosten unter die Beteiligten aufgeteilt werden müßten. Allerdings falle diese Aeußerung Poincarés in eine Zeit, da er noch nicht mit der Oeffnung der Geheimarchive zu rechnen hatte. Ausdrücklich betonte dann Professor Barnes u. a.:„Wenn sich also die Behauptung von Deutschlands alleiniger Schuld am Kriege heute nicht mehr aufrechterhalten läßt, dann kann die Frage auch nicht mehr wie zur Zeit der Festlegung des Dawes= und Youngplanes dahin, lauten, wie viel Deutschland imstande ist zu zahlen. Dann kann es nur noch die eine Frage geben: Warum soll Deutschland überhaupt noch einen Pfennig weiter bezahlen? Die haben nie ihre Verpflichtung zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete in Frankreich und Belgien bestritten und weit mehr bezahlt, als für diesen Zweck erforderlich war. Ihr Anteil an der Begleichung der Kriegskosten ist damit vollauf gedeckt". * Auch der Eintritt der Vereinigten Staaten in das Weltringen wurde von Barnes kritisch beleuchtet. Er sprach von der Unfähigkeit Woodrow Wilsons, England zur strikten Wahrung des internationalen Seerechts anzuhalten. Er betonte, daß, fast ein Jahr vor dem deutschen Unterseebootskriege, den Amerika dann nach außen hin zumm Anlaß seiner Beteiligung am Kriege nahm, Wilson heimlich seine Bereitwilligkeit mitteilte, auf Seiten der Entente in den Krieg einzutreten, falls Deutschland nicht die Friedensbedingungen annehmen wolle, die man ihm gestellt habe. Aber diese Friedensbedingungen hätte man, meinte Professor Barnes, nur einem besiegten Lande zumuten können. Im Verlaufe seiner Rede entwickelte Professor Barnes seine bereits bekannten Ansichten über die Verantwortlichkeit am Kriege, wie sie sich ihm auf Grund des Aktenstudiums aufdrängten. Die unmittelbare Verantwortung falle auf Serbien, Frankreich und Rußland, un zwar zu gleichen Teilen. Weit hinter Frankreich und Rußland folge Oesterreich, obwohl es niemals einen allgemeinen europäischen Krieg wünschte, sondern nur eine lokale Strafexpedition. Zuletzt müsse man England und Deutschland belasten, obgleich beide im Jahre 1914 gegen einen Krieg waren. Die amerikanischen Zeitungen bringen die Rede Professor Barnes' in großer Auf und spaltenlangen Artikeln. Es wird nicht möglich sein, an dieser öffentlichen Auslassung des bedeutenden Geschichtsforschers vorüberzugehen, auch wenn heute die Politiker in den Vereinigten Staaten und anderwärts zu der Rede Barnes' keine Stellung nehmen. Man muß doch die New Yorker Rede immerhin als einen ersten Vorstoß in der Richtung würdigen, das Schuldenproblem auf Grund des Schuldproblems zu bereinigen. Wer Barnes kennt, weiß, daß er mit diesem ersten Auftreten gegen die Reparationslasten sich nicht begnügen wird. Und wer die Geschichte#n, weiß, daß immer einer den Anstoß geben muß, um eine Bewegung in Gang zu bringen. So berechtigt diese Rede zu neuen Hoffnungen. Iin Anfung wur eis Lal Die Not der Gegenwart, die so viele Hoffnungen auf baldige Ueberwindung der Kriegsfolgen und auf einen neuen Aufstieg lands zertrümmerte, bedrückt und gefährde unser ganzes Volk. Alle Berufsschichten stehen unter dem Eindruck dieses Niedergangs, dessen Tragweite auch denen zu denken gibt, die in mancher Hinsicht noch vom Glück begünstigt erMit der wachsenden Erkenntnis unserer Gesamtlage entsteht die notwendige Frage: Haben wir im letzten Jahrzehnt immer so gehandelt wie es einem Volke in Not zukommt? Nach dem Taumel der Inflationsjahre, da uns das Geld unter den Fingern zerrann, blieb uns als böse Erbschaft eine Verachtung der kleinen Zahl, die sich jetzt bitter rächt.„Großzügigkeit war das Wort, dessem Zauber fast alle verfielen. In den Städten besonders ward der Pfennig nicht mehr geehrt; nicht mehr wurde die Notwendigkeit einer Ausgabe immer wieder un. Zweifel gezogen. Anleihen wurden ausgenommen zu Bedingungen, deren schwere Erfüllbarkeit nur wenigen klar war. Viel war die 9 davon, daß sich die Ansprüche der Lebenshaltung gehoben hätten. Luxus machte sich breit, der einem mit Kriegslasten überbürdeten Volke schlecht anstand. Haben nicht gerade das unsere „Besieger" benutzt und zum Grund genommen, ihre Forderungen an uns zu erhöhen? Nur Verantwortungsbewußtsein und Tatbereitschaft können uns retten! Je mehr Volksschichten sich finden in dem geeinten Willen, einer für den anderen einzustehen und zur Ueberwindung der Not beizutragen, um so eher und Von Dr. Adolf Buchholz. gründlicher bietet sich eine Aufstiegmöglichkeit. Wir sitzen alle in einem Boot, das nicht in den Abgrund hineingezogen werden darf. Bauer und Handwerker, Arbeiter und Beamte, Handel und Industrie— der eine lebt nicht ohne den anderen. Hin und her ziehen sich die Fäden, die das lebende Gewebe Volk und Nation bilden. Ein Beispiel von vielen: Ißt der Städter kein Roggenbrot, zieht er den ausländischen Weizen vor, dann leidet der Nährstand. Der Boden unseres Landes ist nicht geeignet, Weizen in genügender Menge hervorzubringen. Für eine halbe Milliarde Reichsmark jährlich wird Weizen aus dem Auslande hereingeholt. Dieser Betrag muß im Inlande aufgebracht werden durch Lasten, die jeden Einzelnen treffen. Das landwirtschaftliche Hilfsprogramm erfordert den Ersatz des größtenteils nur gewohnheitsmäßig genossenen Weizenbrotes durch Roggenbrot. Die Mitropa, jenes Unternehmen, das als größter Restaurationsbetrieb Europas die Speisewagen unserer Züge unterhält, ist mutig vorangeschritten: sie gibt im Interesse- unserer Landwirtschaft, in jedes Einzelnen Interesse nur noch Roggenbrot aus. Unverständige haben sie deswegen angegriffen, von Vergewaltigung geschrien und unzulässiger Einmischung in die Politik, so einen Akt guten Willens verlästernd. Kenntnis der Zusammenhänge, wie sie hierin von der Mitropa bewiesen wurde, zeugt jedenfalls von tiefer politischer Einsicht als der Vorwurf, einseitige Interessen zu fördern. Denn das Wohl des Bauers ist auch unser Wohl, die wirtschaftlichen Verpflichtungen lassen sich nicht leugnen, weil einer sie nicht sieht. Wie Deutsche mag es nicht geben, die durch Abstammung oder Verwandtschaft mit dem Lande verbunden sind? Müßten sie nicht alle aufstehen und wie die Mitropa handeln? Außer dem wirtschaftlichen Gewinn, den die Umstellung eines so bedeutenden Betriebes auf Roggenbrot bedeutet, ist der ideelle Gewinn zu berücksichtigen. Der Anschauungsunterricht, wie er in den Speisewagen betrieben wird, hauptgreiflich im wörtlichen Sinne, dient dem, was uns allen not tut: der Mobilisierung der Gewissen. Denn das ist die Forderung der Stunde. Eine wahre Volksgemeinschaft kann nur bestehen, wenn man sich ihrer auch bewußt ist. „Im Anfang war die Tat!“ läßt Goethe seinen Faust sagen, und Kants kategorischer Imperativ fordert vernunftgemäß Handlungen zum Wohl der Gesamtheit. Erweisen wir uns der großen Lehrer würdig, denken wir einmal nicht nur an uns, sondern auch an die anderen, mit denen wir schicksalsmäßig verbunden sind. des ganzen Körpers ist auch Krankheit der Glieder. Tragen wir alle dazu bei, wachen Gewissens und freudiger Bereitwilligkeit voll, daß Deutschland die neue Krise übersteht. mus stehe ebenso beiseite wie Optimismus. Klat sehe jeder, was ist, und richte sein Handeln darnach ein. Warum wir Deutsche bleiben? Auf einer Kalendersendung ist dem Deutschen Auslands=Institut in Stuttgart dieser Tage aus Südafrika ein Brief zugegangen, den wir seines inneren Gehaltes wegen unseren Lesern zur Kenntnis geben möchten: Die vorige Europapost hat uns unter anderen lieben Briefen und Paketen noch eine ganz besondere Freude gebracht, nämlich den Kalender der Deutschen Reichspost. Wenn ich nun sagen soll, was mir an dem Kalender am besten gefallen hat, so muß ich zunächst sagen: Die Aufmerksamkeit, die uns zeigt, daß wir hier draußen in diesem abgelegenen Erdenzipfel nicht von unseren deutschen Brüdern daheim vergessen Gar leicht wuchert die Idee des Verlassenseins hier im fremden Lande. Die Eltern der Kinder sind nun schon hier geboren und meistens auch schon deren Eltern. Rings um unsere Gemeinden spricht alles Englisch oder Afrikaans, die Landessprachen, die auch unsere Kinder perfekt erlernen müssen, um vorwärts zu kommen. Ja, wie häufig hört man da wohl von eigenen Landsleuten:„Wozu quält ihr denn die Kinder mit der Erlernung von drei Sprachen? Wir sind doch gar keine Deutschen mehr. Was habt ihr denn von Deutschland?“ Und leider wird da so manches Haus nach und nach englisch oder burisch, das früher ganz rein deutsch war; nur der Name verrät häufig die Abstammung. Aber es sind doch nicht alle so. Es sind die meisten die besten unter uns, die nicht so fragen. Natürlich wissen auch sie keine rechte Antwort auf solche Fragen zu geben. Deutscher sein und bleiben ist heute nicht eine Sache des Vorteils, des Nutzens im englisch=sprechenden Teile der Welt Es ist eine Sache des inneren Anstandes, den man fühlen und von dem man nicht spricht, weil Uhr abends februar Roman von Paul Giemos ∆ Copricht br blartin Feuchtwanger Kalle 5) 16. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Als er das beleuchtete Schild„Sophienstraße“ las, erinnerte er sich daran, daß Lilly Behrens hier wohnte. Eigentlich könnte ich sie besuchen und ihr Bescheid über meine Konferenz geben, sagte ihm eine innere Stimme. Aber eine andere Stimme erwiderte ihm: Benimm dich nicht wie ein Primaner, du hast keinen Anlaß, sie zu besuchen.— Der Primaner in ihm aber meinte: Sie ist ja gar nicht allein zu Hause, die ist bei ihr. Und da bist du doch verpflichtet, deiner Mandantin sofort Rechenschaft über die Ergebnisse deines Tuns abzulegen.— der Jurist zwar erwiderte: Unsinn, deine Rücksprache mit dem Staatsanwalt ist zunächst überhaupt noch kein positives Ergebnis.— Aber der Primaner in ihm ließ nicht locker: Selbst wenn diese Rücksprache mit dem Staatsanwalt kein positives Ergebnis wäre, so könntest du doch durch einen Bericht deine Mandantin Und zum Schluß siegte doch der Primaner über den Juristen. Die Wirtin der Schauspielerin öffnete ihm. Isenbeil war nicht zum ersten Male an diesem Nachmittag reichlich verlegen, und fühlte das Bedürfnis, sich zu entschuldigen. Er setzte der Wirtin auseinander, daß sie die Liebeswürdigkeit haben möchte, Fräulein Andersen— wie klug doch Verliebte sind; er verlangte nicht die Behrens, sondern die — einen Augenblick herauszurufen, er habe einas Verussiches wit Uhr zu besprachen.. Aber die Wirtin, die vor seiner hohen Gestalt und noch mehr vor seinem Titel in Ehrfurcht erstarrte, wagte es gar nicht, ihn im Korridor auch nur einen Augenblick warten zu lassen, sondern erklärte: die Damen seien im Zimmer von Fräulein Lilly. Sie wies auf eine Tür: „Bitte, dort; da können Sie sie selbst spreAuf sein Klopfen erhielt er keine Antwort. Die Wirtin kam ihm zu Hilfe. Sie steckte den Kopf vorsichtig durch den Türspalt, fand aber zu ihrem Erstaunen, daß das Zimmer leer war. Die Damen können noch nicht lange fort sein; und sie müssen auch bald wiederkommen, Herr Rechtsanwalt. Vor einer halben Stunde oder vor drei Viertelstunden war Fräulein Lilly erst in der Küche. Sie sagte mir, ich soll das Abendessen für zwei zurecht machen, weil sie heute zu Sie warten wollen— die Damen werden sicher gleich wieder zurückkommen; sonst hätten sie etwas hinterlassen.“ Der Jurist Isenbeil hatte sich in der Situation vielleicht darauf beschränken können, der Wirtin mitzuteilen, wo er diesen Abend zu erreichen sei, und es den beiden Damen überlassen, ihn anzurufen, sobald sie zurückkommen würden. Dem Primaner Isenbeil aber war die Aufforderung der Wirtin, Platz zu nehmen und auf die Damen zu warten, nicht unwillkommen. Er nahm die Einladung an. Die Wirtin ließ ihn allein. Er hatte Muse, sich im Zimmer umzusehen. Es war ein nettes, freundliches, aber in seiner Ausstattung bescheidenes Zimmer. Es verriet, daß vie sehr junge Behrens am Stadttheater noch nicht sehr weit über die Anfängergage hinausgerückt sein Einiges in diesem Zimmer atmete dualität: die bunten Kissen im Sofa, die Sche tenrisse an der Wand, die paar Dutzend Bücher die auf dem Schreibtische aufgestellt waren, Werke über Literatur und Bühne in sogar die Toilettengegenstände auf dem Waschtische, kleine nette Kristallsachen, in denen sie ihre Toilettensachen bewahrte. Zunächst beschränkte sich Isenbeil darauf, sich aufs Sosa zu setzen und Umschau zu halten. Als es ihm aber zu langweilig wurde, stand er auf und besah sich die Dinge, die ihn interessierten, aus nächster Nähe. Er amüsierte sich, als er unter den Büchern eine Broschüre fand:„Was ein Laie vom Prozeß wissen muß". „Schau, schau,“ dachte er,„die kleine Lilly will am Ende Konzipientin bei mir werden.“ Auf dem Waschtische fiel ihm eine kleine Parfümflasche auf:„Houbigant Jasmin“ las er. Er hob den Stöpsel hoch und zog den Duft ein. Der Duft kam ihm bekannt vor. Es war der Duft, den Lilly Behrens ausgestrahlt hatte, als er sie am Nachmittag in seine Arme geschlossen hatte. Ein weicher, süßer, diskreter Duft, wie ihn die Männer an zarten Frauen lieben. Als die Wirtin klopfte, stellte er das Fläschchen verlegen an seinen Platz und versuchte unbefangen zu sein. Frau Niedermaier bat ihn, sich nicht stören zu lassen. Sie wollte ihm nur sagen, daß er natürlich so lange bleiben könne, wie er wolle. Sie selbst müsse ja weg. Fräulein Lilly habe ihr einen Platz fürs Stadttheater geschenkt, und sie wolle nicht zu spät kommen; aber der Herr Rechtsanwalt könne ruhig bleiben. Wenn die Damen zurückkämen, möge er ihnen sagen, daß das Essen in der Küche vorbereitet sei; wenn er weggehe, möge er die Tür gut verschließen. Isenbeil sah auf seine Uhr. Es war fast sieben. Ueber eine halbe Stunde hatte er gewartet. Er fand, daß es auch für ihn Zeit sei, sich zu entfernen. Aergerlich darüber, daß sein Besuch erfolglos geblieben war, nahm er seinen Weg zu seiner Junggesellenwohnung. Aber bevor er das Zimmer verließ, konnte er der Versuchung nicht widerstehen, noch einmal an dem Fläschchen, mit dem Houbigant Jasmin zu riechen. * Es war längst sieben Uhr vorbei. Hell brannten auf den Straßen schon die Lichter, als Seiden noch immer bei Hede Lammont saß, um auf den Regierungsrat zu warten. Die Unterhaltung zwischen beiden ging nur langsam vonstatten, aber sie empfanden das nicht als Stockung. Sie saßen einander gegenüber wie Vertraute, die es sich erlauben dürfen, sich gegenseitig nur stumm zu unterhalten. Zwischen grauen Rauchwolken sah er ihr Gesicht nur unbestimmt: die Konturen verschwommen, weicher, als es in Wirklichkeit war; denn bei Tageslicht betrachtet, hatte Hede Lammont energische Züge, energischer als ihr Bruder. Und erst wenn sie zu sprechen anfing, löste sich die Starre ihres Antlitzes in Anmut und Güte. Wäre er Hede Lammont irgendwo im Café oder in der Eisenbahn begegnet, sie wäre mit ihren kurz geschnittenen, nach Herrenart, geschef, telten Haaren und ihren kühlen Augen siche..c nicht sein Typ gewesen; aber er hatte hier ir dämmerlicher Abendstunde mit ihr gesprochen hatte einen Hauch zu fühlen bekommen von der zarten Liebe, die sie für ihren Bruder empfand, und fühlte sich als ihr Freund und Bextzguter. Hede Lammont fand natürlich auch Gesurren an ihm; sie verglich ihn im Geist mit Dagmann. Sie wußte, daß Dagmann sie heimlich verehrte. Und wie sie ihren Bruder in Verdacht hatte, der Andersen zugetan zu sein, hatte sie das Empfinden, daß ihr Bruder sie gern an Dagmann verheiratet hätte. Bis heute hatte sie zwar überhaupt noch keine Lust zu heiraten. Aber das Ergebnis ihrer Betrachtungen war doch, daß sie lieber Seiden als Dagmann geAls die Standuhr darauf im Zimmer halb acht Uhr schlug, schreckte Seiden im Brüten auf. Er fand, daß er lange genug auf Lammont gewartet habe und vaß es nun Zeit sei,## „Bleiben Sie wenigstens noch einen Augen blick“, bat sie.„Ich werde noch einmal den Theresienbau anrufen. Vielleicht ist er jetz draußen im Gefängnis“. (Fortletzung folgt.) er sich bei denen, die ihn besitzen, von selbst versteht. Wie aber bei solchen Stillen, oft als dumm Verachteten das Herz sich freut, wenn sie dann doch den Beweis sehen, daß sie nicht vergessen sind von ihren Brüdern daheim, auch wenn sie nie Deutschland gesehen, das kann nur der ermessen, der sich selbst vereinsamt und verlassen gefühlt hat. Kinder erzählen es ihren Eltern und diese wieder ihren Kleinsten:„Ja, es hat wirklich auf dem Umschlag gestanden. An unsere Schule hat da gestanden. Direkt aus Deutschland kommt der Brief. Ein Geschenk, das nur wir deutschen Kinder bekommen haben von unserem Vaterlande.“ Und da stehen auch die englischen Kinder und die Buren und reißen die Mäulchen auf. So etwas ist doch noch nie dagewesen. Sonst waren sie doch immer die mit Geschenken Bedachten. Auf einmal bekommen die Deutschen auch etwas. Wie geht denn so etwas zu? Nun, da sind kleine Plappermäulchen genug, die das, so gut es geht, ihren nichtdeutschen Mitschülern erklären. Der Kleingärtner im August Schwerte, den 8. August 1930. * Im Nutzgarten führt der August alles der Reife zu, und es gibt für den Hausbesitzer jetzt eine Menge Arbeit, ebenso für die Haufrau, die für die Verwendung aller Früchte verantwortlich ist. I Besondere Beachtung vervienen der Obstgarten und die Ernte des Kernobstes. Alles Steinobst für den Sofortverbrauch muß vollkommen ausreifen. Frühes Kernobst pflückt man ein paar Tage vor der Reife, um dem Obst Würze und Wohlgeschmack zu erhalten. Starktragende Aeste müssen gestützt werden. Nach der Ernte muß das Land unter den Bäumen wieder gelockert und gedüngt werden, damit die Entwicklung der Tragknospen besser forschreiten kann. Von Johannisbeeren und Stathelbeeren kann man jetzt Stecklinge machen, Erdbeeren haben ihre beste Pflanzzeit bei feuchtem Wetter auf gut gedüngtes Land. Auch im Gemüsegarten hält die Ernte und damit die Arbeit weiter an. Kohlpflanzen vertragen bei trockenem Wetter einen kräftigen Guß(ohne Düngung!), auch muß der Boden des öfteren gelockert werden. Aussaaten und Pflanzungen sind auf gut vorbereiteten Beeten voreunehmen. Gesät wird: Spinat, Kopfsalat, Rübchen und Rüben. Gepflanzt werden: Anfang August Krauskohl, Kohlrabi, Endivien, Küchengewürze. Bei Tomaten muß man jetzt freihängende Triebe anheften und die Triebe köpfen, damit die Früchte gut ausreifen. Im Blumengarten zeigt sich am deutlichsten der herannahende Herbst: Die Prachtentfaltung der Farben wird geringer. Bei trockenem Wetter müssen alle Blumen tüchtig Wasser haben. Von Fuchsien, Pelargonien, Zimmerlinden und Efeu können jetzt Stecklinge geschnitten werden. Gedenktage. 8. August: 1833 Der Afrikareisende Karl Klaus Frhr. von der Decken auf Kotzen in Brandenburg geboren(gestorben 1865).— 1845 Der Komponist Thomas Koschat in Viktring geboren (gestorben 1914).— 1867 Die Radiererin Käthe Kollwitz in Königsberg geboren.— 1915 Die Deutschen besetzen Praga.— 1916 Die Italiener besetzen Görz. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 7. August 1930. Das Tiefdruckgebiet über der Nordsee hat sich bei wenig veränderter Lage verflacht; sonst zeigt die Wetterlage wenig Aenderung. Wetteraussichten bis Samstag: Wechselnde Bewölkung mit nur vereinzelten Regenschauern bei wenig veränderten Temperaturen. : Zugunglück im Schwerter Bahnhof. Gestern abend 11,50 Uhr fuhr der Iserlohner Personenzug 894 bei der Ausfahrt in die eingleisige Strecke nach Ergste auf eine im Gleis stehende Rangierabteilung auf. Bei dem Zusammenprall wurden ein Wagen sowie eine Lokomotive beschädigt. 3 Personen vom Zugpersonal und 5 Reisende erlitten leichte, nicht erhebliche Verletzungen. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt. Bereits gegen 3 Uhr früh ist die Strecke wieder fahrbar gewesen. X Radler=Unfall. Auf der Ostbergerstraße unweit der Unterführung kam heute morgen ein jugendlicher Radfahrer— offenbar ein Neuling im Lenken des Stahlrosses— so unglücklich zu Fall, daß er eine stark blutende Wunde an der Stirn davontrug und sein Rad nach Hause führen mußte. Straßensperrung. Wegen Ausbauarbeiten wird die Hagenerstraße zwischen Westwall und Beckestraße für den Durchgangsverkehr bis auf Weiteres gesperrt. Umleitung durch Wilhlem= und Beckestraße.(s. Bekanntmachung.) X Neue Rohrleitung. Eine umfangreiche Arbeit hat das Dortmunder Wasserwerk in den letzten Wochen ausführen lassen. Von der Pumpstation Hengsen aus ist eine neue Hauptrohrleitung durch die Gemarkung von Geisecke, Lichtendorf und Schwerte nach dem Hochbehälter von Berghofen verlegt worden. Die großen Arbeiten— es handelt sich um Rohre von fast 1 Meter im Durchmesser— haben vielen fleißigen Händen Beschäftigung gegeben und gehen jetzt ihrer Vollendung entgegen. X Straßenbau. Zurzeit ist die Stadt dabei, den ersten Teil der Römerstraße, die bekanntlich an der Schule auf der Schwerterheide beginnt, tiefer zu legen und auf die Höhenlage der Ostbergerstraße zu bringen. Für den Verkehr auf beiden Straßen sind diese Arbeiten von größter Bedeutung. -- Sonntagskarten am Verfassungstage. Wie von der Reichsbahn mitgeteilt wird, sind die Reichsbahndirektionen ermächtigt worden, zum Verfassungstage(11. August) Sonntagsrückfahrkarten auf den Stationen derjenigen Länder ausgeben zu lassen, in denen dieser Tag als gesetzlicher Feiertag landesrechtlich anerkannt ist. Da der Verfassungstag in diesem Jahre auf den Montag fällt, gelten die Sonntagsrückfahrkarten zur Hinfahrt am Sonnabend, den 9. 8. von mittags 12 Uhr an, am Sonntag, den 10. 8. und am Monntag, den 11. 8., und zur Rückfahrt am Sonntag und Montag sowie am Dienstag, den 12. 8. bis 9 Uhr vormittags. :„Graf Zeppelin" im Rundfunk. Am 10. August ist das Luftschiff„Graf Zeppelin“ im Ruhrgebiet. Der Westdeutsche Rundfunk veranstaltet von Dortmund aus eine Uebertragung, die in der Zeit von 13,45 bis 16,45 Uhr über die westdeutschen Sender ausgestrahlt wird. : Autozusammenstoß. Gestern nachmittag ereignete sich in Berghofen bei der Wirtschaft Gockel ein schweres Autounglück. Ein in Richtung Schwerte fahrendes Auto stieß mit einem von Aplerbeck kommenden heftig zusammen, sodaß beide abgeschleppt werden mußten. Die Insassen kamen glücklicherweise mit geringen Verletzungen davon. Die Unübersichtlichkeit dieser Stelle sollte doch jeden Autofahrer veranlassen, dieselbe in langsamem Tempo zu passieren. ha. Vom Arbeitsgericht ausgeschlossen. Von der Vertretung vor dem Arbeitsgericht ist ein Rechtanwalt nach einer Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts auch dann augeschlossen, wenn er als angestellter Justitiar Firmensyndikus ist und seine Tätigkeit als Anwalt nicht ausübt, vielmehr nur in die Liste der Rechtsanwälte eingetragen ist. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen ! Westhofen. Wochenmarkt. Nach langer Zeit konnte der gestrige Wochenmarkt mal wieder bei etwas günstigerer Witterung abgehalten werden. Die Händler waren vollzählig erschienen, Gemüse, Obst usw. wurde reichlich angeboten. Ein merkliches Heruntergehen der Preise konnte nicht festgestelt werden, es bleibt anscheinend bei stabilen Preisen. Die Kauflust der Hausfrauen, war trotz der schlechten Verhältnisse einigermaßen zufriedenstellend. Folgende Preise wurden notiert: Wirsing 10—15, Weißkohl 8—10, Rotkohl 20, Blumenkohl 30—60, Möhren 10, grüne Bohnen 2 Pfund 30, Wachsbohnen 15—20, Kohlrabi Stück 5, Einmachzwiebeln 25, Tomaten 15—45, Rhabarber 20, Schlangengurken 20—30, Einmachgurken 10 Pfund 1,50—4,00, Kartoffeln 10 Pfund 60. Obst: Birnen 15—20, Aepfel 30, Pflaumen 30 bis 35, Weintrauben 70, Bananen 35—40, Zitronen Stück 5, Stachelbeeren 20, Waldbeeren 30 und 35, Pfirsiche 45—60, Kopfsalat 15, Eier gab es 9 und 10 Stück für 1 M, Landbutter 1,60, Molkereibutter 1,70—1,80, Salz= Wie komme ich am Sonntag zum Flughafen Dort mund-Brackel? An-und Abfahrt zum Fughafen Dortmund Leppelin fandung am 10 Aug1930 5 S 1858— 88 586 S 985 S• ∆ ohne Eintrittskarte verboten Sessee EEREEEEEEEE 11E T1 Panmsteg 935 Westfdlische: sce Die Veranstalter des Zeppelintages haben in engster Zusammenarbeit mit der Polizei und den Verkehrsunternehmungen umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um eine möglichst schnelle und reibungslose Beförderung der Besucher des Zeppelintages sicherzustellen. Der Flughafen Dortmund=Brackel ist am Sonntag, den 10. Aug., mit folgenden Verkehrsmitteln zu erreichen: a) Eisenbahn. Von 13,12 Uhr bis 20,56 Uhr verkehren zwischen Dortmund=Hbf. und Dortmund=Flughafen in Abständen von etwa 12 Minuten Pendelzüge 3. Klasse. Ebenfalls werden zwischen den Stationen Dortmund=Süd und Dortmund=Brackel Sonderzüge in Abständen von 15 Minuten gefahren. Von Station Dortmund=Brackel aus geht der Fußgängerverkehr über die Schimmelstraße zum Hellweg, Richthofenstraße zum Flughafen. Der Brackeler Hellweg ist von der Reichshofstraße bis zur Oesterstraße für jeden Fahrverkehr mit Ausnahme der Straßenbahn gesperrt, die Richthofenstraße ist allein dem Fußgängerverkehr vorbehalten. Die fahrplanmäßigen Züge aus allen Richtungen nach Dortmund werden verstärkt. Alle von 13—22 Uhr zwischen Dortmund=Hbf. und Hamm i. W. verkehrenden planmäßigen Personenzüge(keine Eil- und D=Züge) halten zum Aus= bezw. Einsteigen in Dortmund=Flughafen. Den Besuchern des Zeppelintages wird dringend nahegelegt, möglichst die ersten Sonderzüge zu benutzen, um eine Ueberfüllung der kurz vor Beginn der Veranstaltung fahrenden Züge zu vermeiden. Weiter wird die Bitte ausgesprochen, bei Lösung der Sonntagsfahrkarten zur Station Dortmund=Flughafen unter allen Umständen gleichzeitig die Eintrittskarte zu kaufen. Sonntagsrückfahrkarten und Eintrittskarten zum Flughafen sind ab Samstagvormittag an den Bahnhofsschaltern folgender Reichsbahn=Stationeu erhältlich: Wastfalendam heringe 12 und 16 Stück 1 M. Bei den Fleischwaren waren die Preise gegenüber der Vorwoche unverändert. Geisecke=Lichtendorf. Ev. Kirchen steuertermine. Zur Erhebung der evangelischen Kirchensteuern werden folgende Termine abgehalten: am Dienstag, den 12. August nachmittags von 2,30—3 Uhr in der Bahnhofswirtschaft in Geisecke, und am gleichen Tage nachmittags von 4—4,30 Uhr in der Wirtschaft Wiemhoff auf dem Eichholz. Geisecke. Betriebsunfall erlitt die Arbeiterin Paula W. von hier. W. ist in Iserlohn beschäftigt und zog sich auf ihrer Arbeitsstelle eine Arm- und Handquetschung zu. Da es sich um Quetschungen ernsterer Art handelte, mußte sie einem Krankenhause zugeführt werden. Garenfeld. 75 Jahre. Am heutigen Tage vollendet die Witwe Alwine Tönis genannt Schmidt zu Garenfeld Nr. 17 ihr 75. Lebensjahr. Auch unseren Glückwunsch! Garenfeld. Wo bleibt die Wasserleitung? Schon seit Jahren schweben die Verhandlungen zwecks Anschluß unserer Ortschaft an das Leitungsnetz der Dortmunder Wasserwerksgesellschaft, aber anscheinend zerschlagen sich diese immer wieder. Garenfeld liegt nur wenige Minuten von der Pumpstation und doch kann es keine Wasserleitung und damit das sehnlichst erwartete Trinkwasser erhalten. Die Kostenfrage scheint die Verhandlungen zu stören, denn die arme Landgemeinde Garenfeld ist finanzielle nicht in der Lage, aus eigenen Mitteln die Kosten zu bestreiten. Letzten Endes darf es aber hieran nicht scheitern, denn die Bevölkerung hat ein Recht auf einwandfreies Trinkwasser. Sehr beunruhigend ist es auch, wenn man an den Ausbruch eines Brandes denkt und das nötige Löschwasser fehlt. Die wenigen vorhandenen Löschteiche, die noch ungenügend gefüllt sind, liefern nur wenig Wasser, was man beim letzten Brande feststellen konnte. Die Folgen sind ja gar nicht auszudenken, wenn man an einen Brand bei längerer Trockenheit denkt; die ganze Ortschaft könnte eingeäschert werden. Wegen Fehlens der Wasserleitung hat sich auch die von amtlicherseite geplante Gründung einer freiwilligen Feuerwehr zerschlagen. In der fragl. Versammlung hieß es, was nützt uns eine Feuerwehr, wenn wir keine Wasserleitung haben. Die Hoffnungen auf Anschluß an das Leitungsnetz werden allerdings immer geringer, denn das Wasserwerk hat den Wasserpreis von 13 auf 18 Pfennig pro ebm. erhöht. Trotzdem mögen die verantwortlichen Stellen die zeitige Lage der Gemeinde bezgl. der Wasserversorgung richtig erkennen und die Verhandlungen so fördern, evtl. mit einem größeren Staatszuschuß, daß mit den Arbeiten im kommenden Jahre begonnen werden kann. Dortmund=Hbf., Dortmund=Süd, DortmundBrackel, Kamen, Hamm, Unna=Königsborn, Mengede, Essen=Hbf., Castrop, Rauxel, Herne, WanneEickel=Hbf., Langendreer, Bochum, Lünen=Hbf., Barop, Witten=West, Hagen. Außerdem richtet der Verkehrs=Verein Dortmund e. V. in der Kongreßstelle am Hauptbahnhof ab Samstagvormittag einen Vorverkauf von Sonntagsfahrkarten und Eintrittskarten ein, von dem im Interesse einer möglichst weitgehenden Entlastung der Reichsbahn in recht großem Umfange Gebrauch gemacht werden möge. Die Sonderzüge für die Rückfahrt verkehren ab 17,45 Uhr von Station Dortmund=Flughafen und ab 18,30 von Station Dortmund=Brackel aus in kurzen Abständen bis 22 Uhr. b) Straßenbahn. Die Straßenbahn wird den Verkehr zum Flughafen auf Höchstleistung verstärken. Es fahren Sonderwagen der Linie 12 ab DortmundHbf. über Burgtor=Ostentor bis Brackel=Kirche (von hier aus müssen die Straßenbahnfahrgäste die Richthofenstraße benutzen). Die Linie 4 verkehrt ebenfalls mit erheblichen Verstärkungen vom südwestlichen Friedhof aus über Grafenhof, Hansastraße, Burgtor, Hoesch nach Scharnhorst, von hier aus ist der Flughafen zu Fuß zu erreichen. c) Autobusverkehr. Von der Reichspost und verschiedenen Kraftverkehrsgesellschaften wird ein Autobus=Pendelverkehr zum Flughasen Dortmund=Brackel eingerichtet. Der Fahrpreis beträgt für die einfache Fahrt 60 Pfg. Die Autobusse gehen ab 1 Uhr mittags vom Hansaplatz und vom Hauptbahnhof ab über Kaiserstraße, Hellweg, Reichshofstraße, Am Westheck bis zum Kreuzweg. Von hier aus ist der Flughafen in einigen Minuten zu erreichen. Die Rückfahrt der Autobusse erfolgt ebenfalls von der Ecke Kreuzweg=Am Westheck über Rüschebrinkstraße im Zuge des großen Rundverkehrs. Von dem Kreisstraßenumbau in Westhofen Wir berichteten bereits gestern und vorgestern über einen erforderlichen und nicht mehr hinauszuschiebenden Kreisstraßenumbau innerhalb der Stadt Westhofen, da hier äußerst bedenkliche Gefahrenpunkte für den umfangreichen Verkehr bestehen. In dieser Angelegenheit sind schon wiederholt Klagen geführt worden und es ist nunmehr höchste Zeit, daß hier hier schnellstens Abhilfe geschafsen wird. Nachstehendes Schreiben ist zwecks Abstellung der Uebelstände an den Vorsitzenden des Kreisausschusses des Landkreises Iserlohn, Herrn Landrat Dr. Loos, gerichtet worden, das wir wortgetreu wiedergeben. Es wäre nur zu wünschen, daß man in Kürze von einer Beseitigung der Gefahrenpunkte, denen schon manches Unheil zuzuschreiben ist, berichten kann. Verkehrs=Verein des S. G. V., Westhofen i. Wests. (Geschäftsstelle) am 7. August 1930. An den Vorsitzenden des Kreisausschusses des Landkreises Iserlohn, Herrn Landrat Dr. Loos, Iserlohn i. Westf. Die Kreisstraße hat in ihrem Zuge innerhalb der Stadt Westhofen zwei bedenkliche Gefahrenpunkte. Die Beseitigung derselben in aller Kürze ist ein verkehrstechnisches Erfordernis, wenn Unglücksfällen vorgebeugt werden soll. Die Kreisstraße ist Durchgangsstraße für den Verkehr Dortmund—Lennetal, Schwerte—Hagen—Wuppertal—Düsseldorf—Köln und umgekehrt. Die Zubringerstraßen sind breite und infolge ihres guten baulichen Zustandes gern befahrene Linien, die sich aber leider innerhalb des Stadtgebietes trichterähnlich und sehr gefahrvoll verengen. Die Gefahrenzone wird, besonders bei der Wirtschaft Walter(Carl Schulte), noch durch einen Knick in der Straßenrichtung erhöht. Auf Grund mehrerer Zusammenstöße, Anfahren von Häusern und Eindrücken von Haustürpfosten durch verantwortungslose Fahrzeuglenker besteht innerhalb der Einwohnerschaft von Westhofen große Besorgnis; denn die Straßen dienen ja auch noch dem lokalen Fuhr- und Fußgängerverkehr. Wir richten die ergebene Bitte nach dort, die Mißstände baldigst abzustellen. Abschrift dieses Schreibens haben wir an die Polizeiverwaltung in Westhofen gegeben, ebense hat der Herr Stadtvorsteher eine solche erhalten. Verkehrs=Verein des E. G. V., Westhofen i. Westt. gez. Ebeling, gez. Gentrup, Vorsitzender. Geschäftsführer. 2 Aus dem Verwaltungsbericht der Landes Versicherungeunsun=Westfuten ####lich erschienenen umfangreichen gen versehenes,„Tuberkulose dem kurzusch ersueu. zspersicherungsanvorzuheben: Pflichtleistungen. ersolgt. Der veränderliche Teil der Niente, der soMale erhöht worden. Für die vor der Inflagen des Bezuges von Hinterbliebeperggr PHoznzfe stigen Bedingungen erfüllt sind. 1923cgpirlign 4550000 NMbr., 1PeMkrgusgezahlt wopon die RMk. allein zu tragen hatte. Diese LeistungserPantenhestandes, Welche wirkung beig ggzuge gen versehenes Tuberkulose=Krankenhaus; dort ist eine besondere Abteilung für tuberkulöse schwangere Frauen vorgesehen, wo durch eine gegen den bisherigen Zustand bessere Versorgung von Mutter und Kind die Ansteckung des Kindes und die Weiterverbreitung der Seuche vermieden werden soll. Aehnlichen Zwecken dient die vom Direktor der medizinischen Universitätsklinik in Münster, Herrn Geh.=Rat Dr. Krause, unter tätiger Mithilfe der Lanneuzeitliche Einrichtung und schöne, ruhige und sonnige Lage. Den weiteren Ausbau der chirurgischen Tuberkulosebehandlung, insbesondere auch des Gasbrustverfahrens(Pneumothorax) ließ man sich in besonderer Weise angelegen sein. lit tuberkulösen und tuberBad Lippspringe sowie mehrere Genesungsheime — insbesondere das der Landesversicheruugggn. e aiche egechese benshtsiss, sils Außerdem wurden 2.1 Millionen RMk. Darlehen an gemeinnützige Einrichtungen auseseden. Beitragseinnahmen. o. Perschlechterung der Wirtschaftslage 29 nur 64.3 Millionen RMk. verein er Rückgang ist zurückzuführen auf die d Haraus entstandene erhöhte ArbeitslosigRemtenbennner.. willigt; es ist dabei zu berücksichtigen, daß sehr viele Witwenrent=matztenz, weile hen Witwen B. Reichsversicherungsamts mit Wirkung vom 1. Oktober 1929 entsprochen worden. Insgesamt sind bisher in Westfalen allein 6188 Witwen auf Grund der genannten Entscheidung in den Geweil die Antpaichtberzstlwar: Bie Zahl der — Tso ulsten ewa aut ebden 88., Algeneiu, er Tatzetliese und zur Veitezug Vervreitung hygienischer Volksbelehrung. geblieben wie 1928. Tinzeliggzgenur trug am 1. 1. 1530 140 020, gwa auf seren, 95. versicherungsanstalt. Die Landesversicherungsanstalt Westfalen zal 150000 RMk. an Renten aus; diese Bild von den Leistungen einer größeren Landesversicherungsanstalt. Der durchschnittliche Jahresbetrag, der festgesetzten Invalidenxente, ist von 50.23 RMk. 1925 auf 471,67 RMk. 1929 gestiegen. Die höchste 1929 bewilligte Invalidenrente betrug 63,35 RMk. monatlich, die niedrigste 21.— RMk. monatlich(ohne Kinderzuschuß). Freiwillige Leistungen. Neben den Pflichtleistungen wurden auch die Leistungen der Lanoesversicherungsendem, großem Umfang in Anspruch genommen. Eizgsgitggtggsen„ie Kosten dafür betrugen rund 5 gegenüber 4 600000 RMk. im Jahre 1928. Besonderer Wert wurde wiederum auf die Durchführung von Kuren mit Tuberkulösen gelegt und dafür unter Anwendung neuester Behandlungsmethoden allein die hohe Summe von 2 Mullinen RMlk. ausgegeben..7,11. J.hr segen Für die seit Jahren eingefuhrte##g###rg Ehsefkauen unds tzür tinderreiche Mütter wurden 150000 RMk. verausgabt. In Anschluß an die Lungenheilstätte Johannesstift in Brilon=Wald errichtet die Landesversicherungsanstalt ein mit den neuesten Einrichtunken wurden in besonders ausgewählten Krankenhäusern mit guten Erfolgen durchgeführt. In der Bekämpfung anderer Krankheitsarten, besonders der Rheumabekämpfung, wurden erhebliche Forzanstalt, sgelungen Ffür ihre baden, Nauheim, Ems, Pyrmont, Driburg usw.) 135 Felsikhait einen Auspand von 182.20 krankbeiten verausgabte die Landesversicheder Behandlung erreich gz, Figsee daß die notwendige Sanierung erreicht wird. ürsorge ghauptzjächlich ih diese Summe für nahme von 64.3 Millionen R Ml. erreicht worden ist, so ist das eine Folge eines weiteren liegenden Wochenverdienst in Frage kommt, an #r., Fesamtbeitragsleistung mit 56.55 Proze von 64.3 Millionen 3 Mizionen B Hße, Fir geite sprucht, während der Reichsdurchschnitt 5 So zeigt die Tätigleit der Landesversiche: nen und angefochtenen sozialen Fürsorge Deutschland abgibt. rge, Gemeindekrankei ur Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs ur Verbreitung hygienischer Volksber###lung. Die Bestrebungen auf Verbesserung der Wohnungsverbältmiss, Herzer Are##p# Opneu ngs. baues denen die Landesversicherungsanstalt bisher fast alle, für langfristige Anlagen ihre ver0 Jahres 1928 fortgesetzt, sondern hierfür nur 6,7 auch die da bas Reich in größerem Maße Geldmitel der Jahre 1929 nicht unwesentlischersiegzezngsggt den sein, wenn die Landesbes## ohne den Zugriff des Reichs auf ihre Einnaymen 1929 mit Hilfe der. hnungen erbaut worden. lehen etwa 1600 Wohnungen erbaul worden. Auto=Sonderverkehr zum Zeppelintag Die Veranstalter des Zeppelin=Tagers, heßen bei ihren Vorbereitungsarbeiten alsrigung Wert auf eine reibungslose Verkehrsabsonnian zum Flughafen gelegt. Wie bereits mitgeteilt wurde, legt die Reichsbahn in großem Umfange Sonderzüge auf der Strecke Dortmund=Flughafen u. Dortmund=Süd—Dortmund=Brackel ein. Die Straßenbahn wird den Verkehr nach Dortmund=Brackel ebenfalls auf das höchstzulässige Maß verstärken. Darüber hinaus wird ein Autobus=Sonderverkehr eingerichtet. Hierfür hat die Reichspost eine Anzahl von Autobussen zur Verfügung gestellt, die am Sonntag, den 10. August, ab mittags 1 Uhr, vom Hansaplatz und vom Hauptbahnhof in Dortmund einen ständigen Verkehr zum Flughafen und zurück unterhalten. Der Fahrpreis für eine Autobus= fahrt zum Flughafen ist von der Reichspost auf 60 Pfg. festgesetzt worden. Bei dem sicherlich zu erwartenden starken Andrang auf die Sonderzüge der Reichsbahn dürfte es sich empfehlen, bereits Autobussen Gebrauch zu machen. Zeppelinpost Nach einer Mitteilung des Postamts 1 in Dortmund wird das Luftschif„Graf Zeppelin:“, das am 10. August gegen 4 Uhr nachmittag, auf dem Dortmunder Flughafen landen wird, Po von Dortmund nach Friedrichshafen mitnehmen. Aus diesem Anlaß werden die gelben Luftpostkasten in Dortmund am Hiltropwall und am Markt(Krone) am genannten Tage außergewöhnlich um 2 Uhr nachmittags geleert werden. Letzte Auflieferungsmöglichkeit für Zeppelinpost im Stadtinnern durch die Hausbriefkasten des Postamts 1 am Burgtor bis 2,30 Uhr. Auf dem Flughafen ist von 1 Uhr an mehrfach Gelegenheit zum Kauf von Flugpostmarken und zur Auflieferung von Zeppelinpost vorhanden. Für Beförderung kommen nur gewöhnliche Briefe bis 20 Gramm zu einer Gesamtbeförderungs bühr von 2.— RMk. und gewöhnliche Postkarten zu einer Gesamtbeförderungsgebühr von 1.RMk. in Frage. „hör mit mir“ Frau und Technik. Ein Begriff, den man vielleicht mit dem Wesen der Frau nicht immer ganz vereinbaren kann. Und doch sieht man, daß auch in außergewöhnlichen Berusen die Frau von heute zielbewußt ihren Weg geht. Der Westdeutsche Rundfunk versucht durch seine Vorträge Verständnis für die Veränderung der sozialen Stellung der Frau in die weitesten Kreise zu tragen. Die neue Ausgabe unserer kritischen Funkwoche — hör mit mir— bringt zu diesem Thema typische Bilder aus außergewöhnlichen Berufen. Daneben findet der Leser eine schöne Bilderseite im Rahmen eines Vortrages über„Westf. Kunst im Mittelalter". Hervorragende Bilder westfälischer Kunstwerke dürften das Verständnis für dieses Thema weitgehend vertiesen. Ebenso ein Vortrag über das Kunsthandwerk wird durch zahlreiche künstlerisch außerordentlich feine Aufnahmen ergänzt. Für den technisch interessierenden Hörer zeigt— hör mit mir— Bilder von der Erdoelgewinnung, die in drei Vorträgen im Westd. Rundfunk behandelt wird. Bilder aus dem Sportpalast Berlin, aus dem die Verfassungsfeier der Staatsregierung übertragen wird, schöne Aufnahmen aus Belgien, über das ein Reisevortrag stattfindet, dürsten in vieler Hinsicht für den Hörer ergänzend Die Kritischen Streiflichter ermöglichen einen anregenden Gedankenaustausch über die tungen der letzten Woche. Der Funkdoktor erzählt diesmal vom sachgemäßen Anlegen der Erdleitung. Sicherlich wird— hör mit mir— auch durch diese vielseitige Nummer seinen Leser=Hörern wiederum viel Freude machen. Bestellen Sie noch heute beim Boten oder in der Geschäftsstelle der„Schwerter Zeitung“ die Zeitschrift— hör mit mir— zum monatl. Abonnementspreise von nur 40 Pfennig bei wöchentlichem Erscheinen. Was hören wir im Rundfunk? Samstag, den 9. August 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Wettervorhersage. 07,05: Morgenkonzert. 07,00: Brunnenkonzert aus Bad Oeynhausen. 10,15: Schallplattenkonzert. 12,10: Mechanische Musik. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. 15,40: Uebertragung aus Darmstadt: Akadem. Weltmeisterschaften=Leichtathletik. 16,05: Frauenstunde. 16,25: Wirtschaftspolitische Umschau. 16,45: Wandern und Reisen. 17,05: Englisch. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Das Luftschutzproblem. 19,15: Die Stunde des Arbeiters. 19,40: Der rheinische Lebensraum. 20,00: Lustiger Abend. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 24,00: Nachtmusik. 24,00: Meister des Jazz. Werft kein Papier, keine Obstschalen, keine Abfälle auf die Straße! schwarze Schaf Skizze von Otto Mayr=Arnold. „Du hast wieder Spielschulden! Wieviel? „4000 Pfund.“ „Dies ist das letzte Mal, daß ich sie bezahle. Hörst Du?“ „Ja. Ich weiß, Vater, daß ich dir wenig Freude bereite; aber ich habe mich nun schon damit abgefunden, das schwarze Schaf in der Familie des ehrenwerten Bankiers Howuns zu sein.“ Der alte Howkins paffte erst eine dicke Rauchwolke über seinen Schreibtisch, ehe er mit einem schrägen Blick zu seinem Sohne empor fragte: „Was willst Du damit sagen?“ „Daß es der Teusel holen soll, als Sohn eines der reichsten Männer von London leben zu müssen. Diese ganze verdammte Spielerei ist mir nichts anderes, als ein Zeitvertreib, um die fürchterliche terliche Langeweile totzuschlagen. Ich aber möchte arbeiten, mit beiden Fäusten schuften — nicht die Tage mit Nichtstun vertrödeln, nur weil das so Sitte der vornehmen Gesellschaft ist. Da macht man natürlich Dummheiten...“ „Nimm Dir ein Beispiel an Deinen Geschwiterni.. allerdings,— 5t Bill Howkins lachtt.„Auelr#sg.,— die arfeiten. Gerade deshalb fühle ich mich ja als das schwarze Schaf der Familie. Nehmen wir nur meinen älteren Herrn Bruder in Augenschein! Er ist ein blasierter Modegeck, Liebling in allen Salons, schreibt Theaterstücke, deren Aufführung ein Heidengeld kostet, nur um sie vor dem Durchfall zu bewahren, faselt etwas von Byronschem Weltschmerz, der auf seiner zartbesaiteten Seele lastet, und arbeitet augenblicklich an einem mit großer Reklame angekündigten Roman über den Krieg, den er nie gesehen, noch verspürt hat... Oder meine Schwester Florence! Sie hat den Ehrgeiz, Tennisweltmeisterin zu werden, und die Befriedigung, durch Lord Asthon, ihren zukünftigen Ehegemahl und Herrn zweier Schlösser, zum Empfang des Königs geladen worden zu sein... Ich besitze leider keinerlei Talente noch Ehrgeiz, höchstens einen Wunsch— einmal richtige Arbeit unter die Hände zu bekommen, sei es mit der Schaufel oder der Axt.“ Der alte Howlins hatte während der Rede seines Sohnes die Augen geschlossen. Bilder aus der Vergangenheit stoben vor ihm gufz. Er sah sich wieder jung— wie Bill jetzt in Kalisornien nach Gold suchen. Unwilstürlich zuckten seine starken Hände, als griffen sie zur Hacke. Er sah sich in der glühend heißen Wellblechschenke, wie er den langen Irländer niederschlug, der des Schankwirts Töochter überfallen hatte, seine spätere Frau... Bald darauf lächelte das Glück— die große Goldader! Stufe um Stufe rang er sich mit eiserner Zähigkeit empor, häufte immer mehr Reichtum aufeinander, empfing Ehrungen und Orden, schuf einen Turm des Erfolges. Nur ein Riß klaffte darin: Bill. Der machte Dummheiten. Trieb Dinge, darüber man die Köpfe schüttelte. Zum Beispiel diese neue Geschichte mit Cilly. Der alte Mann raffte sich auf. Blickte seinem Sohn vorbei zum Fenster hinaus in den lichtfunkelnden Garten,u„Deine Srzgeser n## mir berichtet, daß man in der Gesells##, über Dich spricht. Du sollst eine Bekanntschaft mit einer Wäscherin in Bromley haben. Du weißt, wie verrufen dieses Vorstadtviertel von London ist; ich rate dir deshalb dringend, die Sache so rasch wie möglich abzubrechen.“ „Das wird nicht möglich sein, Vater. I. seit brei Tagen mit Cilly— verheiratet. Der alte Howkins fuhr überrascht aus seinem Sessel empor. Er mußte sich erst fassen, Worte zu suchen.„Verheiratet?“— Und mit einer Wäscherin?— Bist Du verrückt geworden? schrie er zornbebend Bill an, verstummte aber jäh und wanderte mit großen Schritten durch das Gemach. War Bills Mutter nicht eine Schankwirtstochter?„Allein, die Familie in der Gesellschaft wurde erschüttert, wenn er diese Ehe billigte.1 „Sie drängte wohl sehr auf Heirar: „Du irst, Vater“ Bills Stimme flang plötzlich messerscharf.„Sie wußte nicht, daß ich der Sohn des reichen Bankiers Howkin bin. Ja, sie weigerte sich sogra, mich zu heiraten. Erst als ich ihr versprochen, daß ich arbeiten wolle, gab sie nach. Wir lieben einander und sind Howins bielt in seiner Wanderung inne. Seine Augen umfaßten die kräftige GestatBills, blieben lange an dessen Händen haften, die so sehr seinen eigenen an Derbheit ähnelten, und verloren sich dann in fremde Fernen. Er fühlte, daß ihn etwas mit diesem Sohne verband, obgleich er das schwarze Schaf der FamiEr schwieg lange. Endlich gab er Gedanken Worte.„Da ich annehme, daß du diese Ehe weiterhin aufrecht erhalten willst, dadurch aber Deine Mutter und Geschwister in ihrer gesellschaftlichen Stellung nur Schaden erleiden würden, so wird es gut sein, Du verläßt dieses Haus und gehst Deine eigenen Wege. Gehe nach Amerika, nach Kalifornien und arbeite, wie ich es vor 40 Jahren getan habe, id suche Dein Glück dort drüben. Morgen Summe übergeben, die für die Ueberfahrt die erste Zeit in Amerika berechnet ist. Dann mußt Du Dich selbst durchs Leben schlagen.“ „Ich danke Dir, Vater! Offen gestanden ich bin froh, wenn ich hier herauskomme. Ich passe nicht in diese prunküberladenen Räume. Ich bin eben nun einmal aus der Art geschlagen“, fügte er lächelnd hinzu, als er bemerkte, daß sein Vater die Schultern zuckte. Der alte Howkins stand am Fenster, nachdem sein Sohn gegangen war, und starrte in den mit mächtigen Marmorskulpturen geschmückten Garten hinaus. Seine Frau hatte die Kolosse ausgewählt und hier aufgestellt.— Ein Museum! dachte er unwillig und drehte sich seinem Arbeitszimmer zu. Die Wände waren mit riesigen Gemälden behangen, Möbe zwängten sich ineinander... Da wur# er sich in seinen Sessel und stützte das Haupt in seine faltenreichen Hände. Er dachte an Bill, nun in ein freies, ungebundenes Leben ging, der alles lächelnd hinter sich ließ, glücklich zufrieden mit dem Besitz eines jungen Weibes und der Lust an der Arbeit Wohl wgx, ge,gg. schwarze Schaf— oder doch nicht? Spiegene sich in dem Jungen nicht seine eigene Jugend wider? Eine Sehnsucht nach jenen kalisornischen Tagen überrafte ihn, ein ungestümes Verlangen. nochmal von vorn zu beginnen... Und da fühlte der alte Mann plötzlich der jähen Schmerz der Einsamkeit. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Blitzeinschlag. Bei dem über Groß=Dortmund niedergegangenen Gewitter, das an verschiedenen Stellen Hagel brachte, schlug der Blitz in das Haus Karrenberg 70 ein. Es handelte sich bei dem Einschlag um einen sogenanten kalten Schlag. Trotzdem waren die Folgen verheerend. Fast das ganze Dach des Hauses wurde abgedeckt. Die Ziegel flogen in hohem Bogen auf die Straße, wo sie nachher als Trummer die Fahrbahn bedeckten. Der Blitz zerstörte auch die Wasserleitung. Der Sachschaden ist bedeutend. — Schaufenstereinbruch. Die Schaufensterscheibe eines Schuhgeschäftes in der Wißstraße wurde in der Nacht zum Donnerstag von unbekannten Tätern zertrümmert. Von den Auslagen wurde eine beträchtliche Anzahl Schuhe gestohlen. Die Diebe hatten jedoch Pech, sie haben nur linke Schuhe mitgenommen. Mit diesen werden sie wohl schwerlich etwas anfangen können. Die Kriminalpolizei ist mit der Aufklärung dieses Diebstahls beschäftigt. Sie nimmt Mitteilungen, die zur Aufklärung dieses schweren Diebstahls beitragen können, im Polizeipräsidium, Rathenauallee, Zimmer 114, mündlich und auch schriftlich gern entgegen. Vertraulichkeit wird zugesichert. — Ueberfallen und schwer verletzt wurde in der Nacht zum Donnerstag der 23jährige Arbeiter Joh. Sydowski aus Dortmund=Marten. Als S. um 1,35 Uhr durch die Martener Straße ging, fiel der 37jährige Arbeiter Wilh. H., der ebenfalls aus Dortmund=Marten stammt, über den S. her, wobei er zum Messer griff. Durch mehrere Messerstiche in den Unterleib wurde Sydowski schwer verletzt. Er mußte sofort in die städtischen Krankenanstalten in Dortmund überführt werden. Nach Auskunft des Krankenhauses schwebt S. nicht in Lebensgefahr. Der Täter H., der stark angetrunken war, wurde von der Schutzpolizei festgenommen und der Kriminalpolizei zugeführt. Schwerer Zwischenfall mit Zigeunern. In einer Wirtschaft an der Kurfürstenstraße kam es gestern kurz nach 22 Uhr zu einem folgenschweren Zusammenstoß mit Zigennern. Drei Zigeuner betraten die Wirtschaft und verlangten vom Wirt drei Glas Bier, die er ihnen ohne Entgelt geben sollte. Das gleiche Ansinnen stellten jie an einen im Lokal anwesenden Gast. Sowohl der Wirt als auch der Gast lehnten die Hergabe dieser drei Glas Freibier ab. Die Zigeuner waren darüber so erbost, daß sie einige Gläser zertrümmerten und auch Stühle und Tische der Wirtschaftseinrichtung demolierten. Die tobenden Zigeuner ließen sich nicht beruhigen und dem Wirt blieb in seiner Not nichts anderes mehr übrig, als das Ueberfallkommando anzurufen. Die Zigeuner hatten inzwischen das Feld geräumt und sich zu ihrem Wagen zurückbegeben. Die Polizei nahm sie aus dem Wagen heraus und lud die nach Alkohol riechenden Täter auf den Ueberfallwagen auf. Bei der Feftnahme stießen die Zigeuner Verwünschungen gegen den Wirt aus, dahingehend, daß sie sich an ihn noch rächen wollten. — Tödlicher Ausgang einer Messerstecherei. Vor einigen Tagen wurde über eine Schlägerei berichtet, die am Freitag der letzten Woche in der Herberge zur Heimat am Königshof stattfand. Im Verlaufe dieser Schlägerei wurde der Schlosser Hugo Hertgen aus der Lessing= straße in Dortmund durch einen wuchtigen Messerstich in den Leib schwer verletzt. An den Folgen dieser schweren Verletzung ist er in der Nacht zum Mittwoch im Brüderkrankenhause gestorben. w Hagen. Ein Lebensmüder. In selbstner mußte später den Verlust seiner Brieftasche Münster. Besinnungslos im Tankwaggon. Auf dem benachbarten Güterbahnhof Telgte war der Arbeiter Lenkerhoff damit beschäftigt, einen Tankwaggon von innen mit einer Farbe anzustreichen. Dem Chef fiel plötzlich auf, daß der Arbeiter nicht wieder herauskam und begab sich ebenfalls in den Behälter. Ein junger Mann, der den Waggon von außen anstrich, sah nun auch nach, wo die beiden blieben und fand beide bewußtlos auf dem Boden des Tankwaggons liegen. Sie waren durch giftige Gase bewußtlos geworden. Während der Chef sich bald erholte, mußte der Arbeiter mit einer schweren Vergiftung dem Hospital zugeführt werden. b Vechta. Todesfahrt gegen ein Gespann. Bei Alfhausen rafte ein Motorradfahrer mit seiner unbeleuchteten Maschine in der Dunkelheit gegen ein Pferdefuhrwerk, wobei er so schwere Verletzungen erlitt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Das Motorrad wurde vollkommen zertrümmert. w Paderborn. Mit einem Knüppel totgeschlagen. In einer Wirtschaft im benachbarten Delbrück gerieten die Arbeiter Brockmann und Molitor in einen Wortwechsel. Der Wirt wies die beiden Leute endlich aus dem Lokal. Auf der Straße bewaffnete sich B. mit einem Knüppel und fiel in einer dunklen Ecke plötzlich über M. her und schlug ihn zu Boden. Kurze Zeit später trat der Tod ein. Der Täter wurde dem Amtsgericht Paderborn zugeführt 4 w. Balve. Sie haltenes nicht rleiner... Bei dem großen Andrang zur 1000Jahrfeier— es dürften ca. 20000 Fremde in Balve gewesen sein—, erschienen Affeler Bauernjungens an der Kasse u. legten jeder 100 Kupferpfennige als Eintrittsgeld vor. Der Kassierer der 1. Kasse weigerte die Annahme, weil er keine Zeit hatte, bei dem Andrang das Geld nachzuzählen. Geschlossen gingen die 15 Affeler zur zweiten Kasse und hier zeigte jeder 100 Kupferpfennige vor. Als auch dort die Annahme verweigert wurde, weil man darin eine Schikane erblickte, rief man einen Landjäger herbei, der die Annahmeverpflichtung entschied weil es sich um gesetzliche Zahlungsmittel handelte. So mußte der arme Kassierer 1500 Pfennige für 15 Eintrittskarten nach Balve aufzählen. Eine beneidenswerte Arbeit! h Ahlen. Energische Stadtverordnete. Einen beachtenswerten Beschluß faßten die Ahlener Stadtverordneten. Sie nahmen einen Antrag an, der besagt, daß in Zukunft für jede Etatsüberschreitung der zuständige Abteilungsleiter beziehungsweise verantwortliche Beamte haftbar gemacht wird. Die in Frage kommenden Beträge hat er aus eigener Tasche wieder zu beschaffen. h Osnabrück. Eine Photographie als Adresse. Ein neues Beispiel von der Findigkeit der Post hat man jetzt in Osnabrück erlebt. Kam da auf dem Postamt eine Karte ohne richtige Adresse an und hat nur folgende Anschrift:„An den umstehend abgebildeten Herrn in Osnabrück, der Post wohlbekannt.“ Das war alles. Ferner war eine Anrede zu lesen:„Lieber Onkel Fritz!...“ Die Rückseite trug eine Amateurphotographie. Die findige Post setzte gleich die Wohnung des betreffenden Herrn auf die Adresse, nämlich„Schloßwall 8 II.“ Volksleben und Wirtschaft ha. Staatlich geprüfter Klavierlehrer. Zur Erlangung der Lehrbefähigung für den Privatunterricht in der Musik sind bei der Hochschule für Musik in Berlin=Charlottenburg alle Einrichtungen vorhanden, um die nötige musikpädagogische Ausbildung zu vermitteln. Das Recht sich als staatlich geprüfter Klavierlehrer usw. zu bezeichnen, erhalten nach einer Verfügung des Volksbildungsministers Studierende der Hochschule, die sich der Reiseprüfung unterziehen. Diese bleibt als besonders rein künstlerische Prüfung unverändert bestehen. Die Hochschule kann aber jetzt den reichsdeutschen Studierenden zugleich mit der Erteilung des Reifezeugnisses ohne besondere Prüfung die Lehrbefähigung verleihen und dies durch einen Zusatz auf dem Reifeprüfungszeugnis zu vermerken. Voraussetzung ist eine erfolgreichemindestens zweijährige musikpädagogische Ausbildung, die in der Regel an der Hochschule zurückzulegen ist. Dieses Recht kann von der Hochschule auf den Reifezeugnissen von Studierenden vermerkt werden, die die Hochschule schon verlassen haben. ha. Die Familienermäßigung zugesprochen. Bei der Einkommensteuer hat der Reichsfinanzhof die Familienermäßigung dem Steuerpflichtigen in einem bemerkenswerten Urteil zugesprochen. Die Ermäßigung muß ihm auch für das Einkommen aus außerordentlicher Waldnutzung zugute kommen, soweit sie ihm zugekommen wäre, wenn keine getrennte Steuerberechnung für das ordentliche Einkommen aus Landwirtschaft und Gewerbebetrieb einerseits und für das außerordentliche Einkommen aus Kalamitätsnutzung andererseits vorgenommen würde. mörderischer Absicht sprang am Hauptbahnhof ein junger Mann vor ein Personenauto und wurde überfahren. Mit schweren Verletzungen wurde er dem Allgemeinen Krankenhaus zugeführt. b Meppen. Gegen den eigenmächtigen Magistrat. In Meppen hat der Magistrat einen Sparkassenrendanten von auswärts angestellt, ohne das Bürgervorsteherkollegium vorher davon in Kenntnis zu setzen. Die Bürgervorsteher, die sich diese Eigenmächtigkeit des Magistrats nicht gefallen lassen wollten, beschlossen, zunächst noch einmal mit dem Magistrat zu verhandeln und dann evtl. eine Kommission an den Regierungspräsidenten zu entsenden. Schlimmstenfalls soll gegen den Magistrat im Klagewege vorgegangen werden. o Haßlinghausen. Beim Karussellfahrenverunglückt. Sonntag ereignete sich auf dem Kirmesplatz an der Glashütte ein Unglücksfall, der verhältnismäßig schlimme Folgen hatte. Ein Gevelsberger Einwohner fiel während der Fahrt aus der Schaukel eines Kettenkarussells und erlitt dabei einen Oberschenkelbruch und mehrere Kopfverletzungen. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er dem Krankenhaus zugeführt. h Herne. Sie werden nicht alle. In den späten Abendstunden lernte ein Schiffskellner aus Duisburg=Ruhrort in einem Lokal in Herne ein Mädchen kennen, mit dem er bis gegen 1 Uhr in einer Wirtschaft verweilte. Nachdem er seiner Begleiterin zehn, Mark geschenkt hatte, verschwand sie unauffällig und der SchiffstellNachschulungslehrgang für Wohlfahrtspfleger zur Erlangung der staatlichen Anerkennung. Unter dem Vorsitz des Oberregierungs= und Medizinalrats Dr. Engels fand in der evgl. Frauenschule Gelsenkirchen die Abschlußprüfung des zweiten Nachschulungslehrganges des evgl. Männersdienstes für Wohlfahrtspfleger statt. Von 23 Prüflingen bestanden 18 die Prüfung mit dem Prädikat„Gut“, 2 mit„Sehr gut" und 3 mit„Genügend". Die Prüfung war das Ergebnis eines intensiven dreimonatigen Unterrichts durch das bewährte Dozenten=Kollegium des Evgl. Männerdienstes, welches hier ein Meisterwerk der Erwachsenenpädagogik vollbracht hat. Der Unterricht wurde von folgenden Dozenten erteilt: Der Direktor des Wohlfahrtsamtes Hamm, Löffler, über Allgemeine Wohlfahrtspflege und Jugendwohlfahrt; Dr. rer. pol. Fraenkel über Volkswirtschaft, Staats= und Rechtskunde, Verwaltungskunde, Arbeitsmarkt; Pfarrer Dr. lic. Beckmann=Soest über Psychologie und Pädagogik; Professor Dr. med. Fromme=Witten über Gesundheitslehre und Sozialhygiene; Direktorin Dr. Cor demannGelsenkirchen über fürsorgerische Praxis; Pfarrer Lic. Przybylski=Dortmund über Jugendpflege; Pfarrer Schirmacher=Münster über die Geschichte der Wohlfahrtspflege und Wohlfahrtsethik; Pfarrer Niemöller=Münster über Innere Mission. Der Lehrgang stand unter der Leitung des evangelischen Männerdienstpfarrers Schirmacher=Münster. Zu der Prüfung hatte das Evgl. Konsistorium als Vertreter Herrn Konsistorialrat Jäkel und das Provinzialschulkollegium Frau Oberschulrätin Pfennings entsandt. In einer besonderen Ansprache gab der preußische Regierungskommissar seiner vollsten Anerkennung für das Geleistete Ausdruck. Der nächste und letzte Lehrgang sol von Jan. bis April 1931 in Gelsenkirchen stattfinden. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an die Prüfungskommission des Evgl. Männerdienstes z. H. Pfarrer Schirmacher, Münster(Westf.), Kirchstraße 56. Die Aeichdlaglauh. Arer! ist heute schon die Hälfte der in sauberster Ausführung und preiswert liefert Bacherauerei=Eurt Traut Verlag der Schwerter Zeitung Der Ruf nach offenen Kirchen In Nürnberg hat man beschlossen, die kürzlich eingeweihte Gustav=Adolf=Gedächtniskirche tagsüber offenzuhalten. Es ist dadurch nicht nur Gelegenheit gegeben, diese neue, schöne und bei aller Einfachheit des Innern doch majestätische Kirche genau zu besichtigen, sondern vor allem auch, fern vom Alltag in stiller Andacht sich zu sammeln. Freiwillige Kräfte aus der Gemeinde, meist solche Männer, die im Ruhestand leben, haben sich bereit gefunden, den Anwesenheitsdienst zu übernehmen und gegebenenfalls Auskunft zu erteilen.— Im Zusammenhang damit mag die Frage erneut aufgeworfen werden, ob es nicht auch im übrigen Deutschland möglich wäre, evangelische Kirchen wenigstens zu bestimmten Stunden am Tage offenzuhalten. Die„Pressa=Kirche“ wird wieder aufgebaut Die bekannte Stahlkirche von Professor Bartning wird von der evangelischen Gemeinde Essen=West auf einem von der Stadt Essen zur Verfügung gestellten öffentlichen Platz wieder aufgebaut. Sie besteht bekanntlich lediglich aus Stahl, Kupfer und Glas, stellt also eine durchals neuartige Lösung auf dem Gebiete des Kirchenbaues dar. An anderer Stelle ist in Essen eine zweite Kirche von Professor Bartning die sogenannte Rundkirche, ebenfalls aus den Bauelementen der Landschaft, Stahl und Beton, entstanden. Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 7. August. Es notierte: westf. Weizen 26,75(bei sofortiger Lieferung), westf. Roggen 16,75, inl. Gerste 20,25—20,50, ausl. Gerste 22—22,50, Bäckermehl 42,25—42,50, Roggenmehl(60 Prozent) 29,70—30, ostd. Roggenmehl(70 Prozent) 27,50 bis 27,75, Weizenkleie 9,50—10, Trockenschnitzel 9—9,50, Zuckerschnitzel 11—11,75. Diese Preise sind Großhandels=Verkaufspreise und verstehen sich per 100 Kilo waggonfrei Dortmund in Ladungen von 15 Tonnen, bei Mehl zu den Mühlenkonventionsbedingungen. Tendenz: fest. Zeitschriftenschau Ratgeber für Frachtersparnisse. Der Eisen= und Stahlwaren=Industriebund gibt am 1. September einen Ratgeber zur Erreichung der billigsten Fracht und zur Vermeidung von Nachteilen bei der Eisenbahnbeförderung von Eisen und Stahl und Eisen= und Stahlwaren heraus. Dieser erstreckt sich außer auf Eisen= und Stahlwaren auf Maschinen=, Eisen= und Apparatebau, Automobil= und Fahrzeugbau, Elektrotechnik, soweik Eisen in Betracht kommt und ferner auf fast alle Metallwaren. Der Ratgeber entspricht vollkommen dem heutigen Stand der Bestimmungen und Tarife der Deutschen Reichsbahn. Für jeden Industriellen der oben genannten Erzeugnisse, nicht zuletzt auch für den Handel in diesen Waren, ist der Besitz dieses Merkblattes von der allergrößten Wichtigkeit, denn hier wird den mit der Beförderung in den Betrieben der Industrie und des Handels beschäftigten Personen an Hand von systematisch geordneten Bestimmungen mit Erläuterungen und zugleich durch reiche Zahlennachweise die Arbeit bei der Berechnung und Nachprüfung von Frachten außerordentlich erleichtert. Das Gleiche gilt hinsichtlich der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen bei Beschädigung von Waren bei dem Transport auf der Reichsbahn. Besonders wird betont, daß in diesem Ratgeber auch die Neuordnung der Stückguttarife Berücksichtigung gefunden hat. Der Ratgeber enthält ferner 6 Nachweisungen der Grenzgewichte und zwar bezüglich folgender Tarife: 1. Normalfrachten; 2. Ausnahmetarif 18 für den Wagenladungsversand gewisser grober Eisenund Stahlwaren nach Ostpreußen; 3. Ausnahmetarif 20 für den Wagenladungsversand gewisser Eisen= und Stahlwaren nach den deutschen Binnen= und Seewerften(Schiffsbaueisen); 4. Ausnahmetarif 35 für den Wagenladungsversand und Ausnahmetarif 39 für den Stückgutversand von Eisen= und Stahl= sowie sonstigen Metallwaren zur überseeischen Ausfuhr über die deutschen Seehäfen nach außerdeutschen Ländern; 5. Ausnahmetarif 35a für den Wagenladungsversand von Eisen= und Stahl= sowie sonstigen Metallwaren zur Ausfuhr über die trockene Grenze; 6. Donauumschlagtarif für den Wagenladungs= und Stückgutversand von Eisen= und Stahl= sowie sonstigen Metallwaren nach Regensburg, Deggendorf und Passau zur Weiterbeförderung auf der Donau. Der Preis des„Ratgebers“ stellt sich einschl. Versandkosten auf 3.10 Mk. Firmen, welche den Ratgeber zu beziehen wünschen, werden gebeten, sich an den Eisen= und Stahlwaren=Industrie= bund, Wuppertal=Elberfeld, Hofaue 95 II, Postfach 365, zu wenden. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolstik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Haus Eberhard Lex, Schwerte. Nr. 184(Drittes Blatt) „Schwerter Feitunlis Freitag, 8. August 1930 Freitag, vel C. Hegust 8 Ein Posten Damen=Strümpfe mit Seide plattiert, Ferse, Sohle und Spitze 4fach, in neuen Farben... Paar Ein Posten Damen=Strümpfe Küttner=Waschseide, ganz feinmaschig, in neuesten Farben, außergewöhnlich billig .. Paar Die Gelegenheit zu ungewöhnlich billigem Einkauf Hier unsere Preise! Vergleichen Sie diese mit den Qualitäten, es sind fast durchweg unsere prima Standardmarken und Sie werden schnell herausfinden, daßs jetzt Geld zu sparen ist. 1.25 1.65 Ein Posten Damen=Strümpfe Flor m. Seide platt., 2 unserer besten Fabrikate, m. kleinem Schönheitsfehler, regulärer Preis 3.75 3.90 Paar Ein Posten Damen=Strümpfe feinste Dauerseide, elegantes dichtes Gewebe.. Paar 1.95 1.95 Ein Posten Damen=Strümpfe B.wolle, prima Qualität, im modernen Farbsortiment. 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Nicht unangefeindet von seinem dienstälteren Diakonus, aber von der ganzen Gemeinde geliebt und geachtet. Sieht sie doch in ihm ersüllt, was das Berliner geistliche Ministerium dem Rate ihrer Stadt gegenüber rühmte, daß der ehrenfeste, wohlachtbare und wohlgelehrte Herr Paulus Gerhardt wegen Fleiß und Erudition gar hoch zu preisen, auch eines guten Geistes und ungefälschter Lehre, dabei eines friedliebenden Gemüts und christlich untadelhaften Lebens sei. Der also Geehrte steht am offenen Fenster seines Studierstübleins und schickt die klaren, wenn auch immer ein wenig schwermütigen Augen in den Garten, der voll Bienensummens ist. Manchmal fliegt ein Immlein zu ihm ins Zimmer, wo es dann, erschrocken über die toten Dinge, t. ieder in das grüne Leben treibt, bis es endlich im Korbe an der Hecke des Schulmeisters verschwindet. Mitten im Garten stehen im blauen Rittersport und roter Akelei hohe weiße Lilien, die beinahe bis zu den Aesten des niedrigen Kirschbaums aufsteigen, in dem die Sperlinge ihr Gelärm haben. Paul Gerhardt lächelt und denkt nicht daran, sie zu verscheuchen. Hat der Herrgott nicht auch sie geschaffen, und ist es nicht ein fröhlicher Anblick, wie sie munter durch die Aeste stieben und sich lustig an den dünnen Zweigen schaukeln? Und wer könnte an solchem Tage, da alles sich der lieben Sonne freut, selbst in diesen vorwitzigen und unnützen Geschöpsen, wie Jungfer Lisabeth schilt, Angst und Todesgefahr erwecken? Das Psörtlein zum Kirchhofe knarrt mißtönend in den rostigen Angeln. Eine junge, blasse Frau hebt es mühsam wieder ein und geht müde auf die blühende Ligusterlaube zu, um ein paar Herzschläge zu rasten, ehe sie ins Haus tritt. Es ist Herrn Gerhardts Eheliebste, des kurfürstlichen Kammergerichts=Advokaten Andreas Barthold zu Berlin älteste Tochter, die er im Februar des vergangenen Jahres in seine Gemeinde heimgeholt. Leise tritt er hinter den blaugestrichenen Laden, und ein Schatten geht über sein Gesicht, und er hört mit einem Male der Bienen harfenfeines Getön nicht mehr. Sie kommt aus der Kirche, in der seit fünf Monden ihr einziges Kind unter den kalten Steinplatten den letzten Schlummer schläft, und fast tut es ihm leid um ihretwillen, daß er die dunklen Worte des greisen Jakob an Pharao auf das Täflein über dieser traurigen Stätte schreiben ließ:„Wenig und böse ist die Zeit meines Lebens". Dann aber geht er nach unten und schließt sein Weib in die Arme, bis ganz langsam ihre Tränen versiegen und sie beide ihren Weg in die Gemeinde machen, wie sie oft zusammen tun. Ueberall sind heute die Augen blank, und selbst der alte Pählmann, der noch immer um seinen Jungen trauert, der vor Wittstock blieb, gibt lächelnd der Frau Pastor die grobe Hand und setzt erst die Mütze wieder auf, als die beiden schon hinter den Trümmern des Grafenkruges verschwunden sind, den die Schweden in Asche legten und den noch keine Hand wieder aus Nesseln und Schierling hochzog. Dann ladet das Feld freundlich zu einem Gange. Stundenlang wandern sie unter dem lichten Gewoge der grünen Halme, schreiten durch Wiesen, die lieblich duften, lauschen dem Bächlein, das sich durch den Sand plaudert, rasten dann in einem kleinen Kiefernhaine und schauen in die sonnenwarme, heitere Gotteserde. Die Lerchen singen immerzu; manchmal ruft aus den wilden Rosenbüschen am Rande eine Goldammer, pocht ferne ein Specht, und hin und wieder kommt das fröhliche Geschrei der Hirten aus den Bruchwiesen wie ein silbernes Schifflein durch die blaue Luft geschwommen, die sich bauscht wie ein kurfürstliches Seidenbanner. Der Propst der Mittenwalder Gemeinde hat seine Arme um ein junges Birkenbäumlein geschlungen, das schmiegsam hin und her schwankt, und spricht aus jubelvollem Herzen die mächtigen Worte des hundertundvierten Psalms, die sich ihm heiß auf die Lippen drängen. Anna Maria hat die Hände gefaltet, und ein tönender Segen gehen die Verse über sie hin. Ihr ist mit einem Male so überselig zumute, und sie spürt kaum, daß dieser braune, glänzende Waldhoden sie trägt.„Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, so lange ich bin. Meine Rede müsse ihm wohlgefallen; ich freue mich des Herrn. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!“ Paul Gerhardt beugt sich zu seinem Weib und küßt ihm die Hand. Vom Roggenfeld stäubt feierlich der Blütendunst. Und die Lerchen loben immerfort. Sie gehen dem Städtlein zu, indessen die Sonne tiefer sinkt und die Fluren, rosig erleuchtet, aufglänzen wie Gileads Gefilde. Als sie die Schulzenwiesen erreichen, schallt schon der Abendsegen über die Felder. Es ist eine große Ruhe um sie her. Sie schreiten langsam heim, und bald wachsen die Gassen, die sich müde in das Abendrot legen, das leise die Giebel und Dächer streichelt. Paul Gerhardt sitzt bald in seinem Zimmerlein, während sie das Mahl rüstet. Der Kiel zieht Reim auf Reim aus dem ungefügen Tintensaß, bis froh und freudig sich die Strophen sügen: Geh' aus, mein Herz, und suche Freud' In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben! Immer schneller fliegt die Feder, und alle Engel, die um die Tagletze durch die stille Erde gehen, sitzen auf der Fensterbank und den Läden und geigen eine eitel holdselige Weise, schöner noch, als sie jemals Herr Crüger, der Kantor von St. Nikolai zu Berlin, für seine Praxis pietatis melica sang. Anna Maria, die lange schon vergeblich anpochte, dieweil die Hirse fast kalt wird, und endlich eintritt, steht mitten in diesem Himmelsreigen, und wie Honig aus goldenen Waben tropften die Worte ihres Herrn in den heiligen Frieden dieser Stunde, da der Jordan mit tausend Wundern durchs aufgetane deutsche Land rinnt und die uralten Bibelworte sich innig um märkische Roggen= und Weizenfelder legen. Dann wird es langsam Nacht. Vom Schulhaus her glimmt noch ein Lämplein. Draußen unter dem Fenster duftet der Pfeisenstrauch. Ein Wort will ihr gar nicht aus dem Sinn, und sie spricht es nach dem Tischgebet lächelnd und halbvergessen vor sich hin: Des süßen Weinstocks starker Saft Bringt täglich neue Stärk' und Kraft In seinem schwachen Reise. Paul Gerhardt sieht sie an und mag nicht fragen. Da fällt sie ihm um den Hals und sagt ganz heimelig die Verse, die er einst zur Hochzeit ihrer Schwester Sabine gedichtet: Es geht ein Englein vorne an, Und wo es geht, bestreut's die Bahn Mit Rosen und Violen. Es stehen tausend Sterne über dem Mittenwalder Pfarrhaus in dieser Sommernacht, und der holdesten Englein eines singt Herrn Gerhardts Weib in seligen Traum, indessen er über seinem Papier sitzt und das frömmste aller Sommerlieder für die Berliner Freunde ins Reine schreibt. Der abendliche Gast Skizze von Wolfgang Federau. Der Industrielle Jonas Johnsen las sehr interessiert in dem Geschäftsbericht des Holzsyndikats, als er plötzlich mit der Hand nach dem Herzen griff, das mit einem Male ganz ungebärdig zu klopfen begann. Nanu? wunderte sich Johnsen und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Ist ja nichts, tröstete er sich gleich wieder. Wirklich legte sich das Herzklopfen nach wenigen Sekunden, aber eine leichte Unruhe blieb noch. Johnsen sah nach seiner Uhr. Erst vier? Ich werde trotzdem nach Hause gehen, entschloß er sich. Die Angestellten steckten flüsternd die Köpfe zusammen. Wirklich, das war seit fünf Jahren nicht mehr passiert, daß der Direktor zwei Stunden vor Büroschluß das Geschäft verließ. Als Jonas Johnsen die Tür seines Hauses öffnete, prallte er beinahe mit einem anderen Herrn zusammen, der das Haus gerade verlassen wollte. Dieser andere war ein junger, schlanker Mensch mit dunklen Augen, dunklem Haar, olivfarbenem Teint. Italiener, dachte Johnsen. Thea, seine Frau, stieß einen kleinen, erschrockenen Schrei aus, als Jonas so unerwartet vor ihr stand. Sie sah rot und verwirrt aus. „Um Himmelswillen, was ist Dir, fragte sie und blickte ihn angstvoll an. „Mir? Nichts von Belang... Irgend etwas ist vielleicht nicht in Ordnung. Sag' mal — wie heißt der Mann?“ „Welcher Mann?“. Er sah, daß sie die Farbe wechselte. „Nun, den ich eben unten im Hausflur traf. Er kam doch von Dir?" Thea wollte sich aufs Leugnen legen; aber dann blickte sie auf die Augen ihres Gatten, die hinter den scharfen Gläsern Blitze schossen, sah diese Augen, die kalt und grausam und unerbittlich aussahen, und sie erkannte, daß ihr hier keine Lüge helfen würde und kein noch so kümmerlicher Versuch einer Ausrede. „Luigi Pabloni,“ sagte sie flüsternd, und Scham, Angst, ja Entsetzen erfüllten sie ganz. „Was ist er?“ „Legationssekretär.“ „Wohnt?“ „Theater=Boulevard 9.“ Sie hauchte diese Worte nur noch so leise wie ein Sterbender— aber Johnsen hatte verstanden. Drehte sich auf dem Absatz herum und verließ den Raum, ohne auch nur einen Blick nach der Frau zurückzuwerfen, die, halb ohnmächtig, mit flehender, Vergebung heischender Miene in die Knie gesunken war. * Fünf Minuten später stand der Direktor in dem Zimmer Pablonis. „Herr Pabloni,“ sagte Johnsen kurz und schneidend, ohne den aufgeregten Fragen des andern Beachtung zu schenken,„Sie unterhalten seit längerer Zeit Beziehungen zu meinem Hause. Meine Frau hat mir alles gestanden.“ „Ich...“ „Seien Sie still, wenn ich rede.— Sie geben das zu, was ich sagte? Gut! Ich könnte Sie sordern; aber es ist lächerlich, sein Leben in Gesahr zu bringen um der Beleidigung willen, die irgendein Schuft uns zugesügt hat.“ Pabloni fuhr empor, sein Gesicht verzerrte sich. „Seien Sie ruhig, Herr... Ich könnte Sie töten— das tue ich auch nicht, falls Sie mich nicht dazu zwingen. Aber etwas anderes will ich tun... Sie verpflichten sich, vier Wochen lang jeden Abend um 7 Uhr in meiner Wohnung mit meiner Frau und mir gemeinsam zu Abend zu essen. Sie verpflichten sich des weiteren, während dieser vier Wochen außerhalb des angegebenen Zeitpunktes meine Wohnung nicht zu betreten, ja, auch auf keine andere Art und an keiner anderen Stelle mit meiner Frau zusammenzutreffen, auch nicht zu schreiben. Versprechen Sie das!“ „Herr...“, fuhr Pablori blaß und verstört auf. Da sah er in den dunklen Lauf einer Pistole „Schwören Sie!" Der Italiener hob die Hand:„Ich schwöre!“ Johnsen kehrte zurück, als sei nichts vorgefallen. Vergrub sich hinter seinen Zeitungen und rauchte, während Thea mit gequälter Miene planlos von einem Zimmer zum andern ging und sich nicht getraute, eine Frage an ihren Gatten zu richten. Kurz vor sieben kam er ins Speisezimmer, betrachtete die gedeckte Tafel und sagte ruhig zu seiner Frau:„Laß bitte noch ein drittes Gedeck auflegen, ich erwarte einen Gast.“ Pünktlich um sieben tönte die Glocke, wenige inuten später betrat der Italiener das Zimmer. Er blieb mit einer hilflosen Bewegung an der Tür stehen, verbeugte sich. Sein Gesicht war aschgrau. Thea stieß einen leisen, klagenden Schrei aus: sie versuchte zu lächeln— diese Bemühung versteinte im Entstehen zu einer gräßlichen Grimasse. „Aber bitte, treten Sie näher, Herr Pabloni,“ sagte Johnsen freundlich.„Meine Frau kennen Sie doch— ich brauche Sie also nicht erst vorzustellen..“ Man setzte sich zu Tisch. Johnsen aß bedächtig. Thea ließ fast jeden Gang unberührt vorübergehen. Pabloni stocherte mit verzweifelter Miene in seinen Speisen herum. „Meine Frau ist heute eine schlechte Wirtin,“ sagte Johnsen nach einer Weile, den Italiener fest anblickend.„Vielleicht, weil wir nicht gewöhnt sind, zu nötigen. Uns sind diejenigen Gäste die liebsten, die sich keine törichte Zurückhaltung auserlegen, sondern ganz— und in allen Dingen, Herr Pabloni!— so tun, als ob sie hier zu Hause wären.“ Pabloni blieb die Antwort schuldig, Thea stierte auf ihren Teller. Als der Mokka gereicht wurde, stürzte der Italiener seine Tasse herunter, als wäre es Wasser. Sprang dann auf.„Nicht noch eine Zigarre gefällig?“ fragte Johnson einladend.„Ich bin Nichtraucher,“ stammelte Pabloni. Verbeugte sich knapp; er sah Thea an mit dem Ausdruck eines wunden Tieres oder geprügelten Hundes. Sie machte nicht die geringste Anstrengung, ihr schönes, blasses Haupt zu heben. Aber Johnsen begleitete seinen Gast höflich bis zur Tür.„Auf Wiedersehen also,“ sagte er ruhig, während sich Thea wie eine halb Gelähmte nach ihrem Schlafzimmer schleppte.— Der Vorgang wiederholte sich am nächsten Tage. Und am übernächsten. Und am vierten. Jedesmal um sieben Uhr erschien Pabloni, und das grauenhafte gemeinsame Abendessen nahm seinen Verlauf. Einmal, nach acht oder zehn Tagen, als Johnsen wieder sein stereotypes„Bitte, lege noch ein Gedeck auf!“ äußerte, begann Thea ganz übergangslos zu schreien, wild, durchdringend, wie eine Wahnsinnige. Die Tränen rannen über ihr zuckendes Gesicht wie Ströme. Unbewegt sah Johnsen sie an. „Was ist Dir nur?“ fragte er kurz und herrisch. „Ein Ende— um Himmels willen, mach' ein Ende!“ schrie sie. „Pabloni? Ich verstehe Dich nicht ganz; ich finde, er ist ein netter Mensch. Und Du hast, glaube ich, bislang dasselbe gesunden. Ich lade ihn doch ein, um Dir eine Freude zu machen.“ Sie gab es auf, etwas zu entgegnen.„Du bist grausamer als eine wilde Bestie,“ flüsterte sie.— Eine Woche noch hielt sie es aus. Dann blieb sie im Bett liegen, in zähneklappernder Angst. Ihre Glieder gehorchten ihr nicht mehr. Johnsen ließ einen der berühmtesten Aerzte an ihr Krankenbett rufen. Der Arzt schüttelte den Kopf.„Es ist eine psychische Sache,“ meinte er,„ein kaum erklärlicher Vorgang. Irgend etwas muß in ihr Dasein getreten sein, das ihre Seele mitten entzwei gerissen hat.“ Johnsen lächelte dünn.„Sie müssen sich irren in Ihrer Diagnose, Herr Prosessor,“ sagte er.„Mir ist von einem solchen Ereignis nichts bekannt.“ Thea war von blühender Gesundheit gewesen. vorher. Jetz: schwanden ihre Kräfte rasch. Die beiden letzten Tage saß Johnsen an ihrem Bett. Er aß nicht, er schlief nicht— er beobachtete die Kranke mit regungslosem Antlitz. Sie stöhnte gequält, wenn sie seinen Blick auf sich ruhen fühlte. Und verging schließlich, erlosch ohne Kampf, wie ein Licht. Als ihr Körper sich streckte, als Johnsen sah, daß sie tot war, erhob er sich und verriegelte die Tür des Krankenzimmers. Dann näherte er sich aufs neue ihrem Lager, riß ihren blassen, leblosen Kopf an seine Lippen und küßte ihn, während Tränen über seine Wangen strömten und ein wildes Schluchzen seine Brust zermarterte. Eine 10 000 Jahre alte Siedlung in Dänemark entdeckt. Bei Ausgrabungen in Lundwy Moor auf Seeland, der größten und wichtigsten Insel des Königreiches Dänemark, entdeckte der dänische Archäologe Walther eine prähistorische Siedlung, die aus den Jahren 8000 bis 10 000 vor Chr. stammt. Er fand große Meugen von Knochen verschiedener Säugetiere und Vögel sowie Fischstelette, daneben aus Hirschgeweihen hergestellte Aexte, Harpunen und Messer aus Knochen, und Aexte, Speere und Bogen aus Stein. Die Siedlung liegt auf einem kleinen Eiland in einem prähistorischen See, der aus der Zeit stammt, als Seeland mit dem Festland durch Südschweden und Norddeutschland in Verbindung stand. * Der sichere Furadaysche Käfig. Vor einiger Zeit wurde von amerikanischen Versuchen bezüglich des Verhaltens von Flugzeugen in Gewittergefahr berichtet. Die Versuche wurden— mit beneidenswert reichen Mitteln — in Laboratorien an Flugzeugmodellen durchgeführt. Es hieß dabei, sogar Ganzmetallflugzeuge hätten sich als blitzsicher erwiesen. Hier handelt es sich um eine ganz abwegige Ansicht. Dr. Heinrich Koppe, Dozent an der Technischen Hochschule in Berlin, kam jüngst in einer Untersuchung„Von den Gefahren des Luftmeeres" zu völlig entgegengesetzter Anschauung. Am wenigsten gefährdet, schreibt dieser Forscher, wird ein Flugzeug sein, bei dem alle Metallteile gut leitend miteinander verbunden sind, das also eine Art Furadyischen Käfig bildet, wie das bei einem Ganzmetallflugzeug der Fall ist.— Erwähnt sei in diesem Zusammenhang, daß z. B. verschiedene Luftschiffe sichtbare Spuren von Blitzschlägen aufwiesen, die aber ungefährlich blieben, da die Metallgerippe einen vorzüglich geschlossenen Blitzableiter gegenüber dem Gasraum darstellte. * Drahtverhau vom Pazifik zum Atlantik. Das amerikanische Schatzamt beabsichtigt, längs der kanadischen Grenze einen über zwei Meter hohen Zaun aus starkem Stacheldraht anzulegen, der vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean laufen soll. Die Befestigung, deren Kosten auf 40 000 Millionen Doklar veranschlagt werden, soll dazu dienen, den kanadischen Alkoholschmuggel unmöglich zu machen. Eine solche Verteidigung hat sich bei der Absperrung der mexikanischen Grenze gut bewährt. Wenn die darüber angestellten Untersuchungen den Erfolg einer derartigen Verteidigung über weite Länderstrecken bestätigen, so will man beim Kongreß den Antrag stellen, die notwendigen Mittel zu bewilligen. Die„Nassen“ machen sich über diese Rüstung nicht wenig lustig. Sie weisen darauf hin, daß auch der stärkste Stacheldraht gegen die Findigkeit der Schmuggler nichts ausrichten werde. Wenn es wirklich gelingen sollte, die kanadische Quelle zu verstopfen, so würden dafür andere Quellen erschlossen werden. Unglück. „Herr Wachtmeister, schnell, von dieser Hose sind noch fünf Raten zu bezahlen!“ Autdentisch. „Na, Max, habt ihr in der Schule schon Aufärungsunterricht gehabt?" „Ja, Vater; was willste denn wissen?" Bei den heute so beliebten ärmellosen Kleidern wird man öfters zu Haarentfernungspulvern und dergl. greifen müssen. Diese Mittel sind nicht immer billig, daher werden sie nicht von allen angewendet. Ein sehr einfaches und sicheres Verfahren mit Wasserstoffsuperossyd tut dieselben Dienste. Abends und morgens leicht mit der angefeuchteten Handfläche nach dem Waschen über die Arme gestrichen entfärben sich die Haare mit der Zeit und werden ganz farblos. Gurkenwasser gehört zu den besten Gesichtspflegemitteln. Eine Gurke schneidet man in Scheiben wie zum Salat und legt sie auf einen flachen Teller. Einen zweiten flachen Teller stellt man darauf und beschwert ihn mit einem Stein oder Plätteisen. Die Gurkenscheiben dürfen aber nicht gesalzen werden. Nach ein paar Stunden ist der Saft ausgeflossen. Den Rest drückt man mit den Händen aus. Da dies hervorragende Mittel für den Teint stets frisch bereitet werden muß, nimmt man nur eine kleine Gurke oder man kauft das fertig präparierte Elixier in der Drogerie. * Die Kamille ist ein unentbehrliches hygienisches und kosmetisches Mittel. Sie sollte in keiner Hausapotheke fehlen. Kamillentee als Zusatz zu Kinderbädern, zum Fußbad und zur Kompresse auf Gesicht und Augenlider verwandt, kühlt und heilt. Auch ist Kamillentee ein gutes Haarwaschmittel für Blondinen. Man setzt ihn kalt an und läßt ihn ungefähr 10 Minuten gut durchkochen. Blonde Haare behalten durch Kamillentee ihre schöne Farve. dem Kranken zu helfen. Daneben darf aber gessen werden, Verhaltungsmaßnahmen zu treffen, die ein Uebertragung der Krankheit auf Gesunde ausschließt. Am besten und sichersten ist der Patient in einem Krankenhause aufgehoben, wo er zudem geschultes Pflegepersonal und Gründen im Hause, dann muß er unter allen Umständen isoliert werden. Außer dem Krankenpfleger(in) darf niemand das Krankzimmer betreten. Der Kranke muß sein eigerge u haben. Dieses reinige man gesondert. Ferner H. auf 4.. lichste Desinfektion zu achten. 1—„ Im Zimmer des Typhuskranken gehort baher ein Waschbecken mit einer desinfektionierenden Lösung, in der Arzt und das Pflegepersonal seine Hände zu waschen hat. Die Ausscheidungen des Typhuskranken müssen ebendesinfiziert werden, damit eine Uebertragung der Weise behandelt, müßten mit der Beit an,ggrechen. Dach ausgestorden sein und keine Epidemien au....n——49 hat die Erfahrung gelehrt, daß der Typhus immer wieder auftritt und viele Opfer fordert. Es müssen also noch andere Ursachen bestehen,. Wie schon erwähnt, gibt es Menschen, die aufnehmen und doch nicht erkranken. Sie sind immun gegen bestimmte ansteckende Krankheiten und werden zu„Bseit und veris Hief, Menschen eine große Gesahr für ihre darum nicht schützen kann. Der Seuche kann nur dann Einhalt geboten werden, haus so lange beobachtet und behandelt, bis er typhusepidemiearige Auftreien aller Insektegesgat: heiten ist auf die eben geschilderte Erscheinung der En—#träger zurückzuführen. ∆ 9 ähnlich wie den Wahnsinn, bis e sich dieser Unglücklichen annahm. Im Jahre 1750 Grenzen— sprechen zu lehren. day,Paul Ponet einen Versuch, seine Methode zu klären, indem er ein Buch rez de Carion und Juan Rodriguez Pereira, werden als stellerisch befaßt. Erst Ende des Jahrhunderts ging die Sache nun aus der Theorie mehr in die Praxis über, bei der Dr. Amman, ein in Holland lebender Schweizer, sich besonders hervortat. Aber noch ein halbe Jahrhundert verging, bevor der Taubstummenunterricht in weitere Kreise griff, zumal in die Kreise der Armen. Und dies geschah erst, als der würdige Abbé d I'Epée zwei taubstumme Schwestern erzog, später in Paris eine Anstalt(fast aus eigenen MitDie erste Taubstummenanstalt in Deutschland wurde in Leipzig im Jahre 1778 von Samuel Heinicke, der zuvor Schullehrer in Eppendorf bei Hamburg Taubstumme unterwiesen und eine Schrift darüber veröffentlicht hatte, errichtet. Bald folgten nun Anstalten in Wien(1779), zu Karlsruhe in Baden(1783), zu Berlin(im Todesjahr l’Epées später die Anstalten zu Kopenhagen, Zönigsherg, Kiel, Ham, burg, Linz, Prag und an anderen Lrien. E.. Bahre 181: entstand die erste Anstalt in Nordamerika zu Hartford, und in neuester Zeit hat sich die Zahl derselben beträchtlich verB— Ueber den Verlauf der Infektionskrankheiten wollen wir im folgenden nicht näher eingehen, das würde sonst zu Wen gehen. Auch würde die Aufzählung der einzelnen KrankDir ade visen heue, doh ene Intentensgergiet. durch Eindringen gewisser. Bakterien entsteht, anicgh aum diese Annahme ist zutreffend, denn jeder.. lmet Bakterien ein, demnach müßten wir alle krank sein.. Das nicht der Fall, sondern nur, wenn der Körper durch irgendeinen Umstand sehr angegriffen wird oder großer Kälte= oder Nässeeinwirkung sich aussetzt, greifen die Bak esc P brhagen. Ausbrechen einer Krankheit. Wie verhält es sich zum bei Ausbrechen einer Krankheit. Wil verhält es sich zum einem plötzlich Erkrankten die Diagnose Typhus festgestellt, so wird unsere erste Sorge sein, Trotz aller Errungenschaften modernster einer neuen Denkungsweise, die den größten Teil der heit von heute beseelt, stößt man hier und da noch auf Anin einer Weise über Irrenanstalten und Irrenpflege halten, die alen Tatsochen Gezgngnig, tzein Zachthaus, die in ihr untergebrachten Kranken sin d Feigegegentheggrang befonders neuere Irrenanstalten mit ihren gefälligen Einzelüberrascht sein von einer liebevollen Fürsorge, Kranken zuteil wird. Es ist auch keineswegs die Regel, daß den Kranken zur Untersuchung einer Anstalt zuführen, um so würde den Rahmen dieser knappen würden wir auf die Entstehungsursachen einer Geisteskranknur zeitweilig geisteskrank sind... Menschen, die plötzlich ihren Verstand verlieren, sich aber dann wieder erholen, ohne daß ärztliche Hilfe nötig geweden ware. Die Großstadtpolizei weiß ein Liedchen von Leuten zu singen, die irgendwo auf der Straße herumirrend aufgegriffen werden und die sich auf nichts— weder auf ihren bald gelingen, die Identität des Kranken festzustellen und ihn ote, de teige längere Zeit hindurch währende Behandlung Betreffenden vielleicht sehr bald als gänzsich gesend den Angebhrigen zurückgegeben ein Zeichen dafür, daß die Krancheit weiterschleicht Weiter st du vberüchichtgeigen. Der geringste Umstand inn der noch keinen Anfall erlitten hat. Vorbeugen ist besser als heilen! Manch' Unglück, von geisteskranken Personen gerichtet, hätte verhütet werden können, wenn sich recht zeitig Menschen gefunden und den Mut besessen hätten, die Scheu vor Arzt und Irrenanstalt abzulegen! B. O. A. B. Fußschweiß kann man nur beseitigen durch häufige Fußbäder und Pudern. Eine wohlriechende Salbe, die kühlt, unterstützt noch S die wahltuende Wirkung. Zehnlichkeit mit M. P. Das Hagelkorn hat eine große..... M644 dem Gerstenkorn, kommt aber seltener vor als dieses, und befindet sich ebenfalls am Augenlid. Es handelt sich h bei um eine Drüsenentzündung, die das ganze Augez. unter auch beide Augen, in Mitleidenschaft zieht. M## das Hagelkorn auch nicht gefshrich, istza ist voch wiederholte Auftreten desselben augee## lastig. Diese kleine Geschwulst kann nur vom Arzt entfernt werkernr B. W. Mückenstiche verhütet man durch Ernrgpezze er schmerzhaft sind und tagelang nicht vergehen eo.# oder Mentholspiri tupft man mit Salmiakgeist oder Ainncholspiritus. be boy v Die Addifonsche Krankheit ist eine Erkrankung der Nebenniere und soll tuberkulöser Natur sein. Sie äußert sich in Blutarmut, Schwäche, in eigenartiger schmutzigverfärbter Haut und anderen kleineren Nebensoe##v., gi. Die Erhebungen und Bläschen auf der Haut sind Badefrieseln. Dieser Ausschlag schwindet bald wieder, wenn das Baden eine Zeitlang eingestellt wird. E Rertr. Bei dieser schwerwiegenden Krankheit kann Ihnen nur geraten werden, schnell einen Arzt aufzusuchen, vorsichtig zu Werke Mit einem Höllensteinstift, den man in jeder Apotheke 5gaggr pe, chrpzph, an des österen Lewan. Die sogenannte Klumphand ist immer angeboren. Ihre Entstehung führt man auf eine haltung als Embryo zurück. Befreiung ist böchstens im ein Der spe Vei Wassersucht und Fettsucht wird Während und nach solcher Kur steigt die Harnmenge von 400 ccm auf etwa 2000 ccm. Die Blätter werden im Frühd Frau Sc. Der Ausschlag wird bald wieder verschwinden und hat weiter keine Bedeutung. Die kleinen roten Erhebungen und Bläschen auf der Haut sind nach dem Baden entstanden. Ihre Haut ist wahrscheinlich sehr trocken und empfindlich, deshalb ist sie des öfteren einzufetten. Der Liebe Sieg 4 Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 20. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Jetzt war alles vorüber, die letzten Gäste der Trauergesellschaft waren abgefahren; das dunkle Schloß lag tot da und ausgestorben. Im Salon des Schlosses, dem kalten und unwohnlichsten Raum, waren alle Mitglieder der engeren Familie versammelt. Obwohl es schon dunkel war, scheute man sich, Licht zu machen; niemand wollte die vielen blassen und verweinten Gesichter sehen. An einem der Bogenfenster stand Ruth— allein. Brennenden Auges starrte sie in das Spiel der Flocken, die weißen Hände waren fest ineinander verkrampft. Ein bitteres Lächeln lag um den jungen Mund. Sie hatte noch keine Träne vergossen seit dem Augenblick, da ihr Vater, mitten in heiterem Gespräch, vom Stuhl gesunken war. Erstorben war alles in ihr, kalt, tot. Eine einzige Frage raste immer wieder durch ihren Kopf, durch ihr Herz:„Warum? Warum hatte das alles so kommen müssen? Warum gerade jetzt, gerade einen Tag vor dem Augenblick, da sie hätte Hochzeit halten, da sie ihrem Hans hatte gehören sollen. Warum?“ Ruth, die ergebene, ruhige Ruth, sie wollte nichts mehr wissen von Ergebung, sie war innerlich aufgelöst. Sie hatte sich um nichts gekümmert in diesen Tagen, und die anderen waren ihr fast scheu aus dem Wege gegangen. Selbst Hans Ungahr kannte seine Braut nicht wieder; er sah sie heimlich immer wieder von der Seite an. Was war nur mit Ruth los? Auch jetzt stand er abseits von Ruth, an den großen Kamin gelehnt, und sah unentwegt auf die regungslose Gestalt am Fenster. Plötzlich bemerkte er, daß ein leichtes Zucken durch den gestrafften Körper ging, dann ein heftiges Zittern, und er kam gerade zurecht, um die Fallende in seinen Armen aufzufangen. Schneeweiß leuchtete das Gesicht des Mädchens, wie feurige Kohlen glänzten die Augen, und irr kam es von den blassen Lippen:„Hochzeit unsere Hochzeit... haha... es ist schön... drunten liegt Papa... ich tanz' auf seinem Sarge... Komm, Hans... unser Hochzeitstag ist schön...“ Entsetzt starrten sie alle auf das Mädchen. Hatte Ruth vor Entsetzen den Verstand verloren? Man brachte sie, die niemand erkannte und die auf alle Fragen irres Zeug redete, in ihr Bett. Der schnell herbeigerufene Arzt konstatierte ein heftiges Nervenfieber.„ Zwei Tage nach dem Begräbnis kamen Sylphe und Heiner von ihrer Hochzeitsreise zurück. Beide konnten den plötzlichen Tod ihres Vaters immer noch nicht fassen; da überfiel man sie schon mit der Nachricht von der schweren Erkrankung Ruths. Aufweinend sank Sylphe am Lager der Kranken nieder. War das Ruth, die als Schönste auf ihrer Hochzeit gestrahlt hatte? Von der man geschwärmt und die man vergöttert hatte! War dieses fiebergerötete, abgemagerte Gesicht noch dasselbe, das weich und liebevoll zu dem schönen Verlobten aufgesehen hatte? War das das reiche, wundervolle Haar, das jetzt dünn und schweißdurchdrängt auf dem Kissen lag! „Nein, nein!“ schrie Sylphe auf, dann wurde sie von der stillen Pflegerin hinausgeführt. Viktoria setzte sich zu Sylphe und erzählte ihr mit leiser Stimme, daß die herbeigerufenen berühmten Aerzte Hoffnung auf Genesung der Schwester hätten. Sobald die Krankheit überstanden wäre, würde sich auch das Gesicht, das Haar Ruths zurückverwandeln, würde sie wieder werden wie ehedem. Ruth habe die Ansätze zu der Krankheit schon lange in sich getragen und durch die Erregung über den plötzlichen Tod des Vaters und über die hinausgeschobene Hochzeit sei sie dann so furchtbar zum Ausbruch gekommen. Aber wenn sie die Krankheit überstanden hätte, würde alles wieder gut werden. Ja, wenn sie es überstanden hätte! Es kamen bange, fast hoffnungslose Tage. Die Baronin Adelgunde, Sylphe, Tante Ida, oft auch Viktoria hielten abwechselnd mit der Krankenschwester die Wache bei der Kranken. So oft es sein Dienst irgend zuließ, kam Hans Ungahr nach Felseneck, und trostlos mußte er zurückkehren, wenn Ruth noch immer bewußtlos in ihren Kissen lag. Marline von Dorne war auch öfters gekommen; jetzt hatte sie sich ganz auf Felseneck einquartiert. Aus Liebe zu Ruth, wie sie sagte, und in der Erwartung, daß man sie hier gut brauchen konnte, um überall da zu helfen, wo zwei gesunde Arme notwendig waren. Gerührt hatte die Baronin die Nichte in die Arme geschlossen und ihr warm die Hände gedrückt; so viel Mitgefühl hatte sie ihr nicht zugetraut. Aber es waren nicht Mitgefühl und nicht Sorge, die Marline von Dorne nach Felseneck geführt hatten. Es war Heiner, der ihr im Kopfe lag und der oft allein und unschlüssig durch die schneebedeckten Wälder schritt! Sylphe hatte keinen Sinn und keine Zeit für ihn; sie mußte sich um Ruth bekümmern und um die untröstliche Schwiegermutter— und sie war nicht aufgelegt zu Liebesgetändel, so oft Heiner auch nach ihr verlangte. Heiner begann sich zu langweilen; er nahm es Sylphe innerlich übel, daß sie sich so wenig um ihn kümmerte; so viel mußte sie sich mit Ruth und der Mutter nicht abgeben, fand er. Er war deshalb ganz froh, als Marline da war und sich ihm auf seinen Spazierwegen anschloß. Da war er doch nicht so allein, und mit Marline konnte man sich eigentlich recht gut unterhalten. Heiter und unbefangen schritt er mit ihr durch die Winterlandschaft; ab und zu fuhren sie mit dem Schlitten und besuchten eine Försterei oder eine kleine Gastwirtschaft. Einmal hatte sie eine der Wirtinnen als Heiners junge Frau angesprochen, und beide waren über und über rot geworden. Die Rückfahrt war schweigend verlaufen. Heiner hatte sich während der ganzen Fahrt immer wieder an den Kragen gefaßt, als ob es ihm zu heiß werden würde. Marline frohlockte triumphierend: er war doch noch empfänglich für sie und ihre Reize. Sylphe ahnte nichts von alledem. Sie sah ihren Gatten nur noch bei den Mahlzeiten. Sie sah ihn immer mit ihrem innigen Blick an, fast, als ob sie ihn um Vergebung bitten wollte. Ihr Sinnen und Denken indes galt nur noch der Kranken. Es stand sehr schlecht. Man hatte Hans Ungahr kommen lassen, weil man das Schlimmste befürchten mußte. Wie Todesrauschen heulte der Schneesturm um das Haus. Sylphe und die Baronin saßen im Krankenzimmer, die Schwester lehnte an Ruths Bett. Im Nebenzimmer lag Hans Ungahr in einem Sessel, beide Hände vor das Gesicht geschlagen. Es war eine qualvolle Nacht, niemand im Schlosse konnte ein Auge zutun. Die Kranke warf sich hin und her, ihr Gesicht glühte. Gellend schrie sie nach dem Vater, nach dem Verlobten; sie verwechselte beide, sie meinte, der Liebste sei begraben, und sie bat den Vater, ihr zu helfen. Der Geheimrat stand am Bett und konnte nichts tun. Man konnte nur warten und hoffen. Gegen Morgen ließ auf einmal das verzehrende Fieber nach. Der Geheimrat schickte die Mutter fort, auch Hans mußte sich in seinem Zimmer zur Ruhe legen. Nur Sylphe durfte bleiben; sie mußte dem Geheimrat und der Schwester helfen. Mittags erst konnte sie todmüde ihr Zimmer aufsuchen. Ehe sie sich hinlegte, wollte sie Heiner aufsuchen. Sie hatten sich am frühen Morgen nur für einen kurzen Augenblick gesehen, seitdem nicht mehr. Wie würde er sich freuen, wenn sie so unerwartet bei ihm auftauchen würde! Ob er wohl gerade an sie dachte? Vielleicht saß er an seinem Schreibtische, vor ihrem Bilde? Sie hatte ihn schon so oft dabei ertappt. Sie wollte ganz leise gehen, damit sie ihn überraschen konnte. Vorsichtig betrat sie das Nebenzimmer; der dicke Teppich fing jeden Schritt auf. Da klang Frauenlachen an ihr Ohr. Erstarrt blieb Sylphe stehen. Das war Marline; sie kannte das Lachen. Nein, sie wollte nicht die Horcherin spielen. Sie wollte lieber offen mit Heiner sprechen. Mein Gott, sie brauchte doch nicht eifersüchtig zu sein, daß sie hier stand, mit klopfendem Herzen! Schon wollte sie umkehren und gehen, als sie Marline sagen hörte:„Du, Heiner, aber sag' es mir doch, nur das eine Mal. Bloß wissen möcht' ich's!“ Eine Pause. Dann wieder herrisch und leidenschaftlich zugleich:„Sag' es nur ruhig. Ihr geht ja nichts dabei verloren. Sie hat dich ja ganz... ganz erkauft mit ihrem vielen Geld. Aber leugnen wirst du es doch nicht, daß du mich einst lieb gehabt hast. Denke doch... damals... bei Tante Bärbel... erinnerst du dich? Heiner! Ja, siehst du, Heiner, nun hast du dein Versprechen nicht gehalten! Hast doch nach Geld geheiratet— und unsere Liebe...“ „Ach, Marline, das sind doch längst vergessene Geschichten. „Vergessen! Nein, Heiner, ich habe sie nicht vergessen. Ich nicht! Sie hat dich mir entfremdet, dich betört mit ihren goldblonden Haaren und ihrem vielen Geld. Sonst stünde ich jetzt hier, an ihrer Stelle. Ich liebe dich, Heiner! Hörst du?“ Dann schmeichelte die Stimme weiter: „Heiner, nur ein bißchen sei gut zu mir! Hat dich denn ihr Geld so gefangen genommen, du Böser?" „Marline, ich bitte dich, geh jetzt. Ich muß arbeiten.“ „Du, aber die Schlittenfahrt bleibt bestimmt? Und noch eines: Toria fährt nicht mit uns.“ „Ich fahre heute nicht, Marline. Geh jetzt.“ „Heiner...“ Mehr hörte Sylphe nicht mehr. Sie befand sich auf einmal in ihrem Zimmer. Schnell schloß sie ab. Was hatte sie da hören müssen! Es war alles so wirr, so ohne Zusammenhang. Aber ein Stachel war da. Marline liebte Heiner und erinnerte ihn an ein Versprechen, das er ihr gegeben hatte, bei Tante Barbara. Davon hatte ihr Heiner nie etwas erzählt, hatte nur von einer völlig belanglosen Jugendgeschichte gesprochen. Und nun? Sylphe stöhnte auf. Sie liebte ihren Mann und glaubte auch seiner Liebe sicher zu sein. Und doch! Hatte Heiner sie vergessen können, in diesen Tagen, wo auf ihnen allen so viel Schweres gelastet hatte? Oder sollte alle seine Liebe nur Verstellung und Komödie gewesen sein? Sie hatte ihn sicher damals überrascht mit der Verlobung; sie hatte ihn überrumpelt, und er hatte freudig den Ausweg ergriffen, der sich ihm geboten hatte! Aber, lieber Gott, so konnte er doch nicht geheuchelt haben. Solche Liebe konnte man doch nicht zeigen, wenn man sie nicht wirklich fühlte. Sie dachte an das unendliche Glück ihrer Brautzeit, ihrer Hochzeitsreise. Diese ersten Stunden des Alleinseins. das konnte keine Lüge gewesen sein. Wenn sie noch hätte zweifeln können, die ersten Tage ihrer jungen Ehe mußten alle Bedenken zum Schweigen bringen. Auf seinen Armen hatte er sie herumgetragen, immer wieder; er hatte nichts sehen wollen von den herrlichen Orten, durch die sie gekommen waren. Er wollte nichts als sie; er wollte sie nicht aus seinen Armen lassen! Er hatte ihr immer von neuem gesagt, daß er der glücklichste Mensch war, den es auf der Erde gab! Aber da kamen sie schon wieder, diese dunklen Gedanken. Ihr Geld! Hätte er sie auch so geliebt, wenn sie arm gewesen wäre? Wer konnte ihr darauf Antwort geben? Sollte sie hinuntergehen, ihn fragen? Ihm sagen, daß sie ihn belauscht hatte? Rein, er sollte nichts erfahren. Halt! Die Schlittenfahrt! Heiner allein mit ihr! Wie lange machten sie schon solche gemeinschaftliche Fahrten? Oh, das tat weh! Das fraß sich in ihr Herz hinein. Was sollte sie tun? Sollte sie stolz sein, ihn freigeben? Ach, das konnte sie nicht. Sie liebte diesen Mann zu sehr. Sollte sie allein, ohne ihn nach Amerika zurückkehren? Ihr Herz würde hierbleiben, sie würde ohne ihn nicht mehr weiterleben können. Aufschluchzend sank sie in die seidenen Kissen, die das Ruhebett bedeckten. Oh, wenn sie nur nicht den Gedanken gehabt hätte, ihn sehen zu wollen, wenn sie nur von alledem nichts gehört hätte! Die kleine Uhr auf dem Tische schlug Drei. Verstört richtete Sylphe sich auf, knipste das Licht an. Wie zerschlagen trat sie vor den Spiegel. Geschlafen hatte sie nicht... nur gegrübelt. Wie schlank und blaß sie geworden war! Sie besah sich prüfend. Sie mußte sich gestehen, daß sie es noch mit jeder aufnehmen konnte. Wenn sie auch furchtbar müde und abgespannt aussah. Aber die verschleierten Augen, der blasse Teint gaben ihr fast einen pikanteren Reiz als sonst ihre blühenden Farben. Und wenn es mit Ruth besser ging, wollte sie auch wieder an sich denken. Mein Gott, wie abscheulich! Drüben lag die todkranke Ruth, und sie dachte an nichts als an sich selbst. Und überhaupt, wie häßlich war es, dieses Mißtrauen gegen den eigenen Mann. Mechanisch strich Sylphe das lose Hauskleid herunter, es in Ordnung bringend. Als sie an ihren Toilettentisch trat, machte sie große Augen. Da stand ein großer Strauß Veilchen, herrlich duftender Veilchen— von ihm! Eine heiße Welle ging über sie hin. Wie hatte sie ihm unrecht getan! War das nicht ein sicheres Zeichen seiner Liebe, nicht ein Beweis, daß er an sie dachte? Heiner wußte, wie sehr sie die kleinen, bescheidenen Blumenkinder liebte, mit ihrem erfrischenden, süßen Duft; und jetzt hatte er sie damit überrascht. Er war hier in ihrem Zimmer gewesen, hatte sie aufgesucht, wenigstens ihr Reich. Oh! Mit beiden Händen hob sie die Schale empor und sog tief, mit geschlossenen Augen, den Duft der Veilchen ein. Plötzlich sah sie etwas Weißes aus dem Blumengewirr hervorleuchten. Sie griff danach, es war ein kleines, weißes Kuvert. Sie öffnete den Umschlag und nahm die kleine Karte heraus. Sie las, mit halb geöffnetem Mund und glücklichen Augen:„Meinem Herzlieb einen Gruß nach bangen Stunden. Heiner.“ Jubelnd preßte die junge Frau das schmale Kärtchen an die Lippen. Er liebte sie! Da war kein Zweifel mehr! Was sie für eine Törin gewesen war! Rasch kleidete Sylphe sich um, ohne die Zofe in Anspruch zu nehmen. Dann ging sie zu Ruth zurück. Später dann, wenn es besser ging, wollte sie Heiner aufsuchen. Als sie das Krankenzimmer betrat, nahm sie der alte Geheimrat gleich am Arm, sie aus dem Zimmer ziehend. „Gnädige Frau, wir brauchen Ihre Hilfe nicht mehr. Unsere Patientin ist gerettet. Jetzt schläft sie den tiefen und ruhigen Schlaf, der sie der Genesung näherbringen wird. Es wird wohl noch eine lange Zeit vergehen, ehe Fräulein Ruth ganz gesund ist. Wir müssen Geduld haben. Aber über das Schlimmste sind wir hinweg. Aber nun müssen Sie auch an sich selbst denken, liebe, gnädige Frau. Auch Sie müssen sich jetzt schonen, sonst werden Sie uns auch noch krank. Sie brauchen nicht zu lächeln, und Sie dürfen auch nicht widersprechen. Sie müssen jetzt sofort umkehren und einige Stunden fest schlafen. Sie sehen so blaß und müde aus, der Schlaf wird Ihnen gut tun. „Herr Geheimrat, ich bin ja so glücklich über das, was Sie mir über unsere Ruth berichtet haben. Und ich will mich jetzt nicht niederlegen, sondern ich will einen tüchtigen Spaziergang machen durch den festen Schnee; das wird mir sicher ganz besonders gut bekommen.“ „Ein prächtiger Gedanke, gnädige Frau. Ich möchte mich aber zuvor von Ihnen verabschieden und Sie bitten, mich auch Ihrem Gatten zu empfehlen. Mein hiesiger Kollege wird mich einstweilen bei unserer Kranken vertreten; ich muß für zwei Tage nach Eggenheim zurück.“ Sylphe verabschiedete sich herzlich von dem liebenswürdigen alten Herrn, dann holte sie sich ihren dicken, weißen Flauschmantel und ging in den Park hinaus. Sie ging durch die verschneite Winterlandschaft. Nirgendwo ein Laut, Schweigen ringsumher. In tiefe Gedanken versunken schritt Sylphe dahin. Sie dachte an Heiner, der nach den Berichten der Dienerschaft schon seit einer Stunde unterwegs war. Wieder waren die quälenden Gedanken da: Wo mochten die beiden jetzt sein, Marline und Heiner, allein, ohne Toria oder eine andere Begleitung? Und wer konnte es wissen, ob es Marline nicht doch gelingen würde, Heiner schwach zu machen, zu ihren Füßen zu zwingen, ihn seiner Gattin zu entreißen? Aber diese dummen Zweifel waren abscheulich. Sylphe hob stolz den Kopf. Heiner würde sie nicht um einer Marline von Dorne willen verraten. Sylphe schalt sich eine Närrin, aber sie fuhr doch heftig zusammen, als es im selben Moment irgendwo in den Zweigen laut tnackte. Spähend sah sie sich um; es war nichts zu sehen. Sie war in diesen bangen Tagen doch fürchterlich nervös geworden. Der Geheimrat hatte recht, es war Zeit, daß sie mehr auf sich achtete. Sylphe ging weiter. Eine Bank auf einer Anhöhe lud sie ein, sich für einen Augenblick auszuruhen. Merkwürdig, der Schnee war ganz weggefegt worden; außerdem waren Fußspuren im Schnee zu sehen. Es mußten zwei Menschen hiergewesen sein. Sinnend, mit zusammengezogenen Brauen, saß Sylphe da. Diese Fußtapfen konnten ihr vielleicht den Weg zeigen. Ja, wie denn? Wollten die beiden nicht den Schlitten nehmen? Was hatten sie dann hier oben zu suchen, zu Fuß? (Fortsetzung folgt.)