2 —— Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Zeitung . OPt, Valuseohoungstpe. Vunictaldbungen, breontAsgrnch aul Schodeutsah oder Lechistrug ertoben unden Nr. 150(Ertes Dus Schilsul=des Neicheluge ii unheir! weichstagsauflösung wird für unvermeidlich gehalten- Spaltung vdz. Berlin, 17. Juli.(Tel.) Die Abgg. Dr. Hugenberg und Dr. Oberfohren(Dnat.) haben heute nachmittag, wie das Nachrichtenbüro des V93. erfährt, folgendes Schreiben an den Reichskanzler Dr. Brüning gerichtet: „Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Angesichts der Gefahren, vor denen sich Land und Volk befinden, erlauben wir uns, Ihnen aus unserer Vergutwertlichkeit, als Oppositionspartei heraus die Frage voczulegen, ob Sie zu sofortigen Verhandlungen mit den Unterzeichneten über die politische Gesamtlage bereit sind. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Dr. Hugenberg gez. Dr. Oberfohren.“ Gescheitert! enb. Berlin, 17. Juli.(Eigene Meldung) Wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, sind die Verhandlungen der Deutschnationalen Volkspartei mit dem Reichskanzler Brüning als gescheitert zu betrachten. Die Forderungen der Deutschnationalen, die von den Abgeordneten Hugenberg und Oberfohren vorgetragen wurden, bezogen sich, wie es zu erwarten war, zum Teil auf Preußen; es ist jedoch bekannt, daß der Reichskanzler schon immer jegliche Beeinflusung der rregßischen Zentrumsfraktion von vornherein abgeleyn hat. Wenn der Reichskanzler zu der Besprechung, deren zweiter Teil nur von kurzer Dauer war, den demokratischen Reichsfinggsminister, etrich hinzugezogen hat, so geschah das, um jever späteren Mißdeutung von vornherein vorzubeugen. Die Entscheidung über Fortbestand oder Auflösung des Reichstages wird für Freitag vormittag bereits gegen ½11 Uhr erwartet. Wenn es gelingen sollte, über den Mißtrauensantrag der Sozialdemokratischen Partei zuerst abstimmen zu lassen, dann wird man bereits über die Haltung der Deutschnationalen untegrichtet sein. Natürlich ist, wie vor allen entscheivenven Abstimmungen, das Zahlenspiel bereits wieder im Gange. So hört man, daß etwa 28 deutschnationale Abgeordnete, die die bäuerliche Bevölkerung vertreten, anders als ihre Partei stimmen werden. Es bleibt dabei, daß es auf die Besetzung des Hauses und auf jede Stimme ankommen wird. Rrichiagranstesante Perre fEic unvermeidlich gehalten- Spaltung bei den Deutschnationalen- Die Verhandlungen mit ihnen gescheitert Vuffassung dahin gehe, daß eine sofortige Ent= wird sogar davon gesproche Auffassung bahin gehe, baß eine sofortige Entscheidung zweckmäßig sei. Demgemäß wurde unmittelbar darauf unter Zustimmung der Regierungsparteien der sozialdemorrarische Antrag auf Aufhebung der Notverordnungen als erster Punkt auf die Tagesordnung der Reichstagssitzung am Freitag gesetzt.„. amach. Der von der nationalen Opposition gemachte Versuch, die Grundlage für eine Zusammenarbeit zu finden, hat sich damit erledigt. Was wiro! wtb. Berlin, 18. Juli.(Funkspruch.) Erst nach 12 Uhr nachts war die Fraktionssitzung der Deutschnationalen Volkspartei beendet. Wenn auch kein direkter Beschluß zustande gekommen ist, so stellt sich doch heraus, daß die Mehrheit der Fraktion für den sozialdemokratischen Aufhebungsantrag stimmen will. Ungefähr 20 bis 25 Abgeordnete der deutschnationalen Fraktion hielten daraushin in einem besonderen Zimmer eine Besprechung ab, in der jedoch auch kein endgültiger Beschluß gefaßt wurde. Es steht jedoch zu erwarten, daß diese Gruppe, der u. a. Graf Westarp, Dryander, Lettow=Vorbeck und die agrarischen Abgeord“ zegen die Aufhebungsanträge wird sogar davon gesprochen, daß diese Gruppe eventuell am Freitag fruh sich von der Fraktion löst und eine eigene Fraktion aufstellt. Die vier württembergischen Abgeordneten, die schon gestern für die Regierung gestimmt haben, sollen aus der Partei ausgeschlossen werden. Für den Fall der Auflösung wird, wie das Nachrichtenbüro de Vereins Deutscher Zeitungsverleger hört, gegen die Westarp=Gruppe schon deshalb kein Ausschlußverfahren mehr beantragt werden können, da ja nach der Auflösung die Fraktion als solche aufhört. Es wird aber damit gerechnet, daß diese Abgeordneten, mit Ausnahme des Grafen Westarp, bei der nächsten Reichstagswahl nicht mehr als Kandidaten aufgestellt werden würden. Bei dieser Lage wird in parlamentarischen Kreisen die Auflösung für unvermeidlichgehalten, wenn nicht am Freitag früh noch ganz unvorhergesehene Umstände eintreten sollten. Jedenfalls wird das Resultat der Abstimmung von einigen wenigen Stimmen und auch von der Besetzung des Hauses abhängen. Als völlig irrig wird es ebenfalls bezeichnet, daß etwa von den Sozialdemokraten ein größerer Teil der Abgeordneten der Abstimmung nicht teilnehmen würde, um Verkündigung, die Vorschriften des Abschnitts 3 am 4. August d. Is. in Kraft treten. In der zweiten Verordnung wird über die Zulassung einer Gemeindegetränkesteuer bestimmt, daß die Gemeinden und Gemeindeverbände auf Bier, Wein, weinähnliche und künstliche Getränke, wie Tee, Kaffee, Kakao, sowie auf Trinkbranntwein und Mineralwässer für den Verzehr an Ort und Stelle Steuern erheben können, die nach den Kleinhandelspreisen zu bemessen sind. An Stelle der Steuer auf Bier dürfen Steuern auf den örtlichen Verbrauch von Bier nach Maßgabe des Finanzausgleichsgesetzes erhoben werden. Diese Verordnung tritt mit dem auf die Verkündigung folgenven Tage in Kraft. ktimmen wird. In parlamentarischen Der Fithan der Reidererenungen 14h Berlin 17 Juli Das Reichsgesetzblatts Bürgersteuer. Die Gemeinder Die Der deutschnationale Bericht vdz. Berlin, 17. Juli.(Funkspruch.) deutschnationale Pressestelle teilt mit: In Verfolg der deutschnationalen Anfrage, ob der Reichskanzler zu sofortigen Verhandlungen über die politische Gesamtlage bereit wäre, fand in den Nachmittagsstunden eine längere Aussprache zwischen Dr. Hugenberg und Dr. Oberfohren einerseits und Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsfinanzminister Dierrich andererseits statt. Von den deutschnationalen Führern wurden die Verhandlungen auf folgender Grundlage und mit folgenden Zielen Das Abgleiten Deutschlands in neue schwere Zuckungen kann nur durch Stärkung des rechten Flügels und durch eine— zwar auf der ganzen Linie arbeitnehmerfreundliche— aber klar antimarxistische deutsche Freiheits= und Friedenspolitik vermieden werden, die Kultur, Wirtschaft und Finanzen rettet. Zur Erreichung dieses sachlichen Zieles müßte außer einer Umbildung des Reichskabinetts im Sinne der Bildung einer wirklichen Rechtsregierung die Gewähr für eine entsprechende Parteigruppierung und Umgestaltung der Regierung in Am eine ruhige Verhandlung über die sich hieraus ergebenden Fragen zu ermöglichen, würde die Deutschnationale Volkspartei bereit sein, gemeinsam mit den Regierungsparteien zu beantragen und zu beschließen, daß die Verhandlung und Abstimmung über den Auttag Aufhebung der erlassenen Verordnungen auf einen der letzten Septembertage vertagt wird. Nach einer Aussprache üver diese Anregungen wurde vereinbart, daß der Reichskanzler Mitteilung über seine endgütige, lungnahme machen würde Diese Mi.zzilung erfolgte durch den Staatssekretär der Reichsin dem Sinne, daß eine Vertagung der P O4f. Hune übar den sozialdemokratischen vielmehr die wtb. Berlin, 17. Juli. Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht heute die Verordnungen des Reichspräsidenten auf Grund des Art. 48 der Reichsverfassung über Deckungsmaßnahmen in dem Reichshaushalt 1930 und über die Zulassung einer Gemeindegetränkesteuer. Im ersten Abschnitt derersten Versordnung sind die Bestimmungen über die Reichshilfe der Personen des öffentlichen Dienstes und über die einmaligen außerordentlichen Zuschläge zur Einkommensteuer im Rechnungsjahr 1930 enthalten. Nach einer Einleitung im § 1 wird in den§§ 2—9 die Reichshilfe der Personen des öffentlichen Dienstes festgesetzt. Beitragspflichtig sind die Beamten und Angestellten des Reiches, der Länder, der Gemeinden, der Reichsbank und der Körperschaften, sowie der Verbände der Körperschaften des öffentlichen Rechts, dazu die Soldaten der Wehrmacht, die Empfänger von Warte= und Ruhegeld, Personen, denen aus Mitteln der genannten Körverschaften und Verbände Einnahmen von mehr als 8400 Mark jährlich zufließen, und Mit der von Aufsichtsräten. Befreit von der Beitragspflicht sind Personen, deren Einkommen 2000 Mark jährlich nicht sühersteigt, oder die für I der Arheitslosigkeit pflichtversichert sind. 100 Mark jährlich nicht übersteigt,# 5 den Fau ver Arbeitslosigkeit pflichtversichert sind. Bei Berechnung der Einnahmen für die Reichshilfe, die 2½ Prozent beträgt, bleiben für jedes minderjährige Kind 240 Mark jährlich außer Ansatz. Die Bemessungsgrundlagen sind die Einnahmen, die für die Zeit vom 31. Juli 1930 bis zum 1. April 1931 gewährt werden. Die Reichshilfe fließt ausschließlich dem Reiche zu. In den§§ 10—12 wird der Zuschlag zur [Einkommensteuer für die Einkommen von mehr als 8000 Mark in Höhe von 5 Prozent festgesetzt. Der Zuschlag ist am 10. Ortover d. J. und am 10. Januar 1931 zu §§ 13—18 behandeln sodann den Zuschlag zur Einkommensteuer der Ledigen, der in Höhe ven 10 Prozent der Einkommensteuer bei denen erhoben wird, deren Einkommen 2640 Mark jährlich überschreitet. Als ledig gelten unverheiratete sowie verwitwete oder geschiedene Personen, vorausgesetzt, daß aus nicht gerrrrzegangen.„ind. Unverheiratete *gen benon Kindere Bürgersteuer. Die Gemeinden dürfen von allen im Gemeindebezirk wohnenden Personen über 20 Jahre eine Bürgersteuer erheben, deren Höhe von den Ländern bestimmt wird, die aber mindestens 6 RM. für das Jahr betragen muß. Befreit von der Steuer sind Persoxezz tg mindestens seit einem Monat vor dem Krisenunterstützung empfangen oder am Stichtag laufend öffentliche Fürsorge genießen. Maßgebend für die Steuerpflicht sind die Verhältnisse am 10. Oktober eines jeden Jahres. Der Landessatz ermäßigt sich auf die Hälfte bei Personen, die einkommensteuerfrei sind. Wenn im Jahre 1930 bei einer Gemeinde die Gemeindegrundsteuer oder die Gemeindegewerbesteuer über den bis zum 1. Juli beschlossenen Satz erhöht wird, ist die Gemeinde zur Erhebung der Bürgersteuer verpflichtet. Im dritten Abschnitt der Verordnung wird für die Erhebung der Tabaksteuer die Verkürzung der Steuerfälligkeitstermine im einzelnen festgesetzt- und werden die übrigen notwendigen Aenderungen für das Tabaksteuergesetz beIn dem nur einen Paragraphen enthaltenden vierten Abschnitt wird festgesetzt, daß die Vorschriften des Abschnitts 1 und 2 mit der nden Tage in Kre Der sozialdemottatiche Aushebungsund Mißtruuensuntrug Berlin, 17. Juli.(Tel.) Im Reichstag sind am Donnerstag früh die beiden Anträge der Sozialdemokratischen Partei eingebracht worden, die die Aufhebung der Verordnungen des Reichspräsidenten verlangen und der Reaierung das Mißtrauen aussprechen. Der Aufhebungsantrag hat folgenden Wort„Der Reichstag wolle beschließen: Der Reichstag verlangt bengi, Verordnung des der Reichsverfassung, vie Berotonung des Reichspräsidenten vom 16. Juli 1930 über Deckungsmaßnahmen für den Reichshaushalt 1930 und die Verordnung des Reichspräsider ten vom 16. Juli 1930 über die Zulassung einer Gemeindegetränkesteuer außer Kraft zu Der Mißtrauensantrag lautet: „Die Reichsregierung Dr. Prüning besitzt nicht das Vertrauen des Reichsluges. Gegen die Gemeindegetränkesteuer vdz. Berlin, 17. Juli. Wie das Nachrichtenbüro des B0Z. hört, wird die Wirtschaftspartei für die Aufhebung der Notverordnung über die Gemeinde=Getränkesteuer stimmen. Die Bayrische Volkspartei, die gleichfalls von der GemeindeGetränkesteuer überrascht worden ist, hat bishe noch keine Stellung genommen, doch ist anzunehmen, daß mindestens ein großer Teiigder Bayrischen Volkspartei ebenfalls für hebung stimmen wird. Da auch in Reindegeräiniestener fnd, nuß rignen, wie meindegetränkesteuer keinen Gebrauch von der ihr erteilten Ermächtigung zur Auflösung des Reichstags machen. Vollmacht des Reichskanzlers enb. Berlin, 17. Juli.(Eig. Meldung.) Wie wir erfahren, ist die dem Reichskanzler vom Reichspräsidenten erteilte Vollmacht zur Auflösung des Reichstages in keiner Weise beschränkt. Die Reichsregierung ist also in der Lage, je nach der Entwicklung der Situation ihre Nelcheeminn i Tcleilkug Pssachung 18 Poal.(eiaene Rahdlostoibt das Ehgenntetgt.) ug Beschraßfagung über den Antrag nicht möglich erscheine. nicht hervorgegangen sind. Unverheiratete Frauen, denen Kinverermäßigung zustehr, sowie Steuerpflichtige, die zum Unterhalt ihrer geschiedenen Ehefrau oder eines bedürftigen Elternteils mindestens 10 v. H. aufwenden, bleiben von den Zuschlägen befreit. Bei der veranlagten Einkommensteuer der Ledigen sind die Zuschläge nach der Einkommensteuer zu berechnen, die für den im Kalenderjahr 1929 endenden Steuerabschnitt endgültig verDer zweite Abschnitt der ersten ordnung enthält die Bestimmungen über die enb. Mugorvurg, 18. Juli.(Eigene Radiomedung.) Da die Frage aufgeworfen war, ob der beigelegte Konflikt zwischen dem Reichspräsidenten und der preußischen Staatsregierung doch noch Shmarz, ot, Hofz eilnagne Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold an ven Befreiungsfeiern im Rheintano, insbesondere in Mainz haben würde, wird vom Bundesführer Höring erklärt, eine solche Fragegegntpgrlgt und eindeutig mit einem Nein werden. Das Reichsbanner habe ein Recht, den großen Erfolg zu feiern, den die von Joseph Wirth, Gustav Stresemann und Hermann Müller geführte und von den rerughliggrschen Parteien und nicht zuletzt auch vom Reichs####sldenten von Hindenburg geforderte Außenpolitik erzielt habe. Ob diejenige ein Recht haben, so führte Hörsing u. a. dazu noch aus, so laut wie sie es tun, mitzufeiern, die mit allen Mitteln gegen alles angingen, was diese Erfolge herbeiführten, die der Stahlhelm Zuchthaus für die Befreiungspolitiker forderten, ist Geschmackssache. Das Reichsbanner habe die Befreiungspolitik ermöglicht und gefordert. Deshalb hat es alle Ursache, stolz und froh am Sonntag in Mainz aufzumarschieren und im Kreise der befreiten Bevölkerung sich des Erfolges zu erfreuen. Wir begrüßen in Hindenburg, der zu den Befreiungsfeiern erscheint, nicht das Ehrerrptgsige, des Stahligen=B dern den Reichsprasiventen, der den ungsakt unterschrieb und dafür auf, das schmachlichste beschimpft wurde.— Das Reichsbanner überlasse bei den Befreiungsfeiern, die von den republikanischen Regierungen Preußens und Hessens veranstaltet werden, das Feld nicht dem Gegner der Republik. Brüning und Braun beim Reichspräsidenten. wtb. Berlin, 17. Juli. Der Herr Reichspräsident empfing heute den Herrn Reichskanzler und den Herrn preußischen Ministerpräsidenten zu einer längeren Aussprache, deren Ergebnis die völlige Beseitigung der durch das Stahlhelmverbot in Rheinland und und die Absage des Herrn Reichspräsidenten entstandenen Schwierigkeiten war. Der Herr Reichspräsident hat demgemäß die Absage seiner Reise in die Rheinprovinz zurückgezogen und die beteiligten Städte und Behörden hiervon telegraphisch verständigt. Reichspräsident, Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident haben bei ihrer Besprechung ven gemeinsamen Wunsch zum Ausdruck gebracht, nunmehr die Feiern im befreiten Gebiet unter alleitiger Beteiligung aller Sgeberder Versagz rung stattfinden und einen erhebenden Verlauf nehmen mögen. Entschlüsse zu fassen. Welche Entscheidung die Reichsregierung treffen will, wenn der Reichstag nur einen Teil der Notverordnung ablehnen sollte, kann im Augenblick noch nicht gesagt werden. Eine Erörterung der Frage, ob die Notverordnung 2(Gemeindegetränkesteuer) von der Regierung zum Anlaß der Auflösung des Parlaments genommen werden wird, ist daher zum mindesten verfrüht. 100 Millionen Mindestersparnisse vdz. Berlin, 17. Juli. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde bei der Beratung des Haushaltsgesetzes die Reichsregierung ermächtigt, im Etat 1930 Ersparnisse von mindestens 100 Millionen RM. von sich aus vorzunehmen. Gegen diese Ermächtigung stimmten die Sozialdemokraten und Kommunisten. Angenommen wurde auch ein sozialdemokratischer Antrag, der verlangt, daß die ReichsregieOsthilfegesetz im Reichstag angenommen heute Abstimmung über den sozialdemokratischen Aushebungsantrag (T 1° 0i heutige geführt Dos Gesetz wurde in zweiter Beratun vdz. Berlin, 17. Juli.(Tel.) Die heutige Reichstagssitzung wurde mit der Mitteilung eröffnet, daß von den Sozialdemokraten die Aufhebung der inzwischen aufgrund des Artikels 48 erlassenen Notverordnungen zur Deckungsfrage beantragt worden ist, und daß gleichzeitig die Sozialdemokraten einen Mißtrauensantrag gegen den Reichskanzler eingebracht haben. Die Unterhaltungen der Abgeordneten drehten sich um die große Frage, ob die Deutschnationalen den sozialdemokratischen Aufhebunsanträgen zur Mehrheit verhelfen und damit die Reichstagsauflösung herbeiführen werden. Die deutschnationalen Mitglieder hüllten sich über ihre Absichten in tiefes Schweigen, bis bekannt wurde, daß vor der letzten Entscheidung der deutschnationalen Fraktion Verhandlungen zwischen den deutschnationalen Fraktionsführern und dem Reichskanzler stattfinden. Bei dieser gespannten politischen Lage wurde den Verhandlungen im Plenum nur von den nommen hat. Heltzeitenstirt=Tharnhen=Nlelch der den Die Entscheidung soll Freitagmittag verkündet werden wtb. Leipzig, 17. Juli. Der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich verhandelte heute unter dem Vorsitz des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Bumke in der verfassungsrechtlichen Streitsache des Landes Thüringen gegen das Deutsche Reich über den Erlaß einer einstweiligen Verfügung in der Frage der Weitergewährung der vom Reich an Thüringen zu leistenden Polizeizuschüsse. Als Vertreter Thüringens waren Ministerialrat Guyet und der Staatsrechtlehrer an der Universität Jena, Oberverwaltungsgerichtsrat Prof. Dr. Koellenreuther, erschienen, während das Reich durch Staatssekretär Dr. Zweigert und Ministerialdirigent Häntzschel vertreten wurde. Thüringen beantragte zur Sache, festzustellen, daß die Sperrung der Polizeizuschüsse an Thüringen unzulässig und das setzung der Schutzpolizei eine Gefährdung erblickt, so müsse er dafür den Beweis erbringen. Gerade das Reich habe seine Verpflichtungen immer selbst betont. Thüringen wolle heute nur die Anerkennung haben, daß es während des Rechtsstreites nicht schlechter behandelt werden dürfe, als die andern Länder. Das Reich sei deshalb verpflichtet, bis zur Entscheidung den Rechtsfrieden und den normalen Zustand aufrechtzuerhalten und habe deshalb die Zuschüsse Im weiteren Verlauf der Verhandlung nahm für das Reich zunächst Staatssekretär Dr. Zweigert das Wort. Er bestritt die Berechtigung des Staatsgerichtshofes, eine einstweilige Verfügung zu erlassen. Für die Reichsregierung sei es untragbar, jetzt ihre Politik auf eine provisorische Entscheidung des Sperrung der Polizeizuschüsse sei ein politischer Akt, der sich gegen staatsfeindliche Bestrebungen richte. antragte Thüringen, durch einstweilige Verfügung festzustellen, das Reich habe bis zur endgültigen Entscheidung des Staatsgerichtshofes in das Land Thüringen wie bisher monatlich 255 463 RM. zur Bestreitung der Ausgaben zum Zwecke des polizeilichen Schutzes zu gewähren. Da zunächst nur eine vorläufige Regelung angestrebt ist, regte der Vorsitzende Dr. Bumke an, eine solche vorläufige Regelung durch ein Einvernehmen zwischen den Parteien herbeizuführen. Staatssekretär Zweigert sah jedoch politisch keine Möglichkeit hierzu, solange die gegenwärtigen Verhaltnisse in Thüringen bestehen..,„ k 4932 4 4 Ministeriatrat Guyer errlatte, vaß nach dem Eine einstweilige Verfügung über einen solchen politischen Akt würde zunächst eine provisorische Vorentscheidung darstellen, ohne den Rechtsstreit endgültig zu entscheiden. Es sei nicht Aufgabe des Staatsgerichtshofes, im Wege einer einstweiligen Verfügung die politischen Maßnahmen, die die hierfür verantwortliche Reichsregierung zur Wahrung der Sicherheit und Ordnung getroffen habe, zu durchkreuzen. Das würde eine Verschiebung der Verantwortlichkeit bedeuten, die für den Reichsminister des gefühel. Das Geseg walde in zweiler Lelalung angenommen mit einige Aenderungsantragen, die vor allem eine stärkere Berücksichtigung des Gewerbes im Hilfsbereich der Osthilfe verNach kurzer Aussprache wurde auch das Milchgesetz in 2. und 3. Beratung angenommen. Die Novelle zum Versorgungsgesetz, die gegen die Anmeldung neuer Rentenansprüche von Kriegsbeschädigten oder Kriegshinterbliebenen eine Sperre aufrichtet, wurde gegen die Opposition der Sozialdemokraten und Kommunisten in 2. Lesung angenommen, dazu eine Entschließung des Ausschusses, die sich gegen einen weiteren Abbau der Kriegsbeschädigten= und Kriegshinterbliebenenfürsorge wendet. Mit der erforderlichen qualifizierten Mehrheit wurde der Einspruch des Reichsrats gegen eine vom Reichstag beschlossene Vermehrung der Sitze des Postverwaltungsrates zurückgewiesen. Das Handelsklassengesetz wurde dem volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Damit war gegen 7 Uhr die Tagesordnung der Sitzung erledigt. Es wurde jedoch eine Abendsitzung anberaumt. In der Abendsitzung wurden das Fischereiabkommen mit den Ostseestaaten, die Verträge mit dem Königreich der Hedschas, mit Persien, Oesterreich, Portugal, Holland, Aegypten, Norwegen, der Türkei und Finnland sowie das deutsch=französische Abkommen über den kleinen Grenzverkehr, sowie das deutsch=schweizerische Rechtsabkommen in zweiter und oritter Beratung angenommen, dazu die Vorlage über die Erteilung von Einfuhrscheinen bei der Schweineausfuhr und der Antrag des Verkehrsausschusses, der die Regierung ersucht, auf die Beseitigung der letzten Beschränkungen der deutschen Luftfahrt hinzuwirken. Das Gesetz über die Verwendung von Inlandsfett bei der Margarineherstellung wurde dem volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Gegen 20 Uhr vertagte sich das Haus auf Freitag vormittag 10 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen u. a. der sozialdemokratische Antrag auf Aufhebung der Notverordnungen sowie der Mißtrauensantrag gegen die Regierung Brüning, das deutsch=polnische Wirtschaftsabkommen, das Pensionskürzungsgesetz, sowie der Amnestieantrag. 8 Präsident Loebe hat außeroem noch Vorlagen mit dringlichem Arbeitsstoff des Parlaments auf die Tagesordnung gesetzt und den Abgeordneten als Belohnung versprochen, daß sie bei Bewältigung dieses großen Arbeitspensums in einer langen Freitagssitzung damit rechnnen könnten, daß nach der Samstagssitzung die Ferien beginnen können. Nationalsozialisten Horst Wessel geführt. Auch bei den verschiedenen Haussuchungen in den Räumen der inzwischen verbotenen antifaszistischen Jungen Garde und deren Zweigbüros war man auf Spuren gestoßen, die darauf hinweisen, daß sich in Berlin eine geheime Paßfälscherzentrale befinden muß. Dadurch, daß es nunmehr gelungen ist, den Geldgebern dieser Fälscherzentrale auf die Spur zu kommen, dürste es möglich sein, die Zentrale bald unschädlich zu machen. ie Iuloge=,hzsere gemacht werden könne. untragbar sei. Wenn der Staatsgerichtshof sich tigen Verhältnisse gemacht werden könne. Reichsgerichtsrat Schmitz ging als Berichterstatter in längeren Ausführungen auf die Vorgeschichte des Streitfalles ein. Die Berufung von Nationalsozialisten, insbesondere in höchste Stellen der Polizei, ist nach Ansicht des Reiches mit den Grundsätzen über die Gewährung von Zuschüssen für Polizeizwecke nicht in Einklang zu bringen. Thüringen stellte sich demgegenüber untragbar sei. Wenn der Staatsgerichtshof nicht zu der grundsätzlichen Feststeuung entschließen könne, daß eine einstweilige Verfügung unzulässig sei, wenn der Streitgegenstand ein politischer Akt ist, so bitte er wenigstens, von der bisherigen Praxis der Zurückhaltung nicht abzugehen. Ministerialdirigent Dr. Häntzschel führte aus: Voraussetzung für den Erlaß einer einstbringen. Thüringen stellte sich demgegenüber aus: Voraussetzung für;„inig auf den Standpunkt, daß es sich vei Potizeizu= weiligen Verjugung sei ein 12, gggte eptacgz schüssen um vertragliche Verpflichtungen beider Antrag und ein materiell glaushaft Teile in grundsätzlicher Gleichberechtigung han=Klagegrund. Beides liege nicht vor. Nirgends dele. Wenn die Polizeizuschüsse nicht weiter ge= sei die Urkunde, daß Thuringen einen Anspruch währt würden, so würde Thüringen unter Um= auf 255 000 Mark monatlich habe. Das Deutsche ständen gezwungen sein, auf die Unterhaltung Reich habe in den Vereinbarungen überhaupt Pensionskürzung auch in zweiter Lesung genehiig. vdz. Berlin, 17. Juli. Im Haushaltsausschuß des Reichstags wurde heute mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialvemokraten und Kommunisten das von sozialdemokratischer Seite eingebrachte Gesetz über die Kürzung der Pensionen nach dem Beschluß der ersten Lesung auch in zweiter Lesung angenommen. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich klärte, daß innerhalb des Kabinetts zuerst Bedenken dagegen bestanden, eine dieser schwierigen Angelegenheiten überstürzt zu behandeln. Die Pensionskürzung auf 12000 Mark würde die besten Kräfte, die Reich, Länder und Gemeinden für die leitenden Stellen brauchen, abhalten, in den amtlichen Dienst zu Die Reichsregierung erklärt sich bereit, auf dem ordentlichen Gesetzgebungswege im Herhst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Mißsranve beseitigt, die auf dem Gebiete des Pensionswesens bestehen. Major Pabst geht nach München enb. München, 18. Juli.(Eig. Radiomeldg.) Der kürzlich aus Oesterreich ausgewiesene frühere Stabschef der Heimwehren, Major Pabst, wird, wie der Bayrische Kurier aus Innsbruck meldet, demnächst Italien verlassen. Pabst, der sich zur Zeit in Venedig aufhält, wird sich nach München begeben, um dort dauernden Wohnsitz zu men.— Im übrigen hört das Blatt, daß auch Oberstleutnant von Kriebel China wegen seiner Differenzen mit chinesischen Kreisen verlassen und sich nach München zurückbegeben will. Versöhnungsversuche in Indien wtb Simla, 18. Juli.(Funkspruch.) Sir Tej Dahadur Sapru und Mr. Jayakar hatten an den Vizekönig von Indien ein Schreiben gerichtet, in dem sie um die Erlaubnis baten, Ghandi und die beiden Nehrus im Gefängnis aufsuchen zu dürfen, um sie zur Einstellung der Bewegung des passiven Widerstandes zu veranlassen. Sie gaben gleichzeitig ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß in diesem Falle auch die Regressivmaßnahmen der Regierung eingestellt werden würden. Wird Gandhi die Bewegung einstellen? wtb. London, 17. Juli. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph“ will von einem maßgebenden britischen Sachverständigen für indische Fragen erfahren haben, daß ziemlich allgemein die Erwartung gehegt wird, Ganohi werde seine Bewegung in absehbarer Zeit einDer Korrespondent sagt: Auf diese Geste wartet die sozialistische Regierung in London mit Ungeduld, um sie als Vorwand benutzen zu können, den Mahatma zur Teilnahme an der Londoner Konferenz am runden Tisch einzuladen. Geheime und inoffizielle Besprechungen, die der Erreichung dieses Zieles gelten, sind zwischen Agenten beider Seiten ständig im Vevss.. et ch Ein entgegenkommender Schritt des Vizelbnigs von Indien. wtb Simla, 17. Juli.(Tel.) Der Vizekönig hat seine Zustimmung dazu erteilt, daß zwei indische Führer der gemäßigten Richtung Ghandi und zwei andere Führer der Kongreßpartei, die ebenfalls im Gefangnis sind, aufsuchen. Er hofft, daß sie die drei Gefangenen bestimmen werden, sich für einen Friedensschluß einzusetzen. einer bewaffneten staatlichen Polizeimacht zu verzichten und eine Miliz einzuführen. Im Anschluß an die Ausführungen In. Enschlag an die Ausfühlungen des Berichterstatters wies der Vorsitzende, Reichsgerichtspräsident Dr. Bumke, darauf hin, daß der Staatsgerichtshof sich in seinem Beschluß vom 23. 10. 29 zum Erlaß von einstweiligen Verfügungen für berechtigt erklärt habe. Für die Behandlung der Streitfrage schlage der Vorsitzende vor, zunächst die Zulässigkeit der einstweiligen Verfügung überhaupt zu erörtern und dann zu prüfen, ob die Voraussetzungen für den Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegeben seien...„2##g Thüri. Der Vertreter des Landes Thüringen, Ministerialrat Guyet, betonte dann, daß die beiden Beamten, deren Beförderung in höhere Polizeistellen vom Reich beanstandet worden sei, weder in sachlicher noch in sonst irgend einer Weise Anlaß zu irgendwelchen Beanstandungen gegeben hätten. Der Redner wies auf einen bisher unbekannten vertraulichen Befehl des Parteiführers Adolf Hitler hin, peinlich darauf zu achten, daß jegliche Gesetzwidrigkeit vermieden werde. Der Redner ging dann auf die finanzielle Lage Thüringens ein. Die Sperrung der Polizeizuschüsse sei geeignet, die finanziellen Verhältnisse des Landes zu erschüttern, vielleicht sogar zu vernichten. 1 44 Prof. Dr. Koeltreuther, der betonte, daß er nicht der nationalsozialistischen Partei angehöre, führte aus, es handele sich bei vem Antrag Thüringens um die vorläufige Sicherung des Rechtsfriedens zwischen dem Reich und dem Lande und um die Sicherung der Finanzen des Reiches. Wenn das Reich in der Zusammenkeine Verpflichtung zu bestimmten Leistungen an die Länder übernommen, sondern nur die Verpflichtung, 195 Millionen für den polizeilichen Schutz in den Ländern in den Haushalt einzustellen. Das Reich habe die Pflicht, im Falle des Art. 48 dem Reichspräsidenten die Schutzpolizei als ein einheitliches geschlossenes Machtmittel zur Verfügung zu stellen. Deshalb habe die Reichsregierung den Ländern unverzüglich unter gewissen politischen Bindungen die Polizeizuschüsse gegeben, um sich den notwendigen Einfluß zu verschaffen. Niemals aber könne dem Reich zugemutet werden, revolutionäre Umtriebe in einem Lande zu finanzieren. Es handle sich nicht um die Besetzung von zwei höheren Lolizeistellen, sondern um die planmäßige Durchsetzung der thüringischen Polizei mit Nationalsozialisten. Die Reichsregierung befüchrtet, daß sich in Thüringen in den nächsten Monaten Dinge ereignen werden, die das Reich unter allen Umständen unterdrücken müßte. Ministerialrat Guyent replizierte, daß nach Ansicht der thüringischen Regierung das Reichsministerium des Innern an einer natioDie große Rot nalsozialistischen Gespensterfurcht leide. Wenn behauptet werde, in den nächsten Monaten würden sich in Thüringen ganz besondere politische Dinge ereignen, so müsse das die thüringische Regierung auf das entschiedenste zuri weis die Mittel für seinen polizeilichen Schutz abzuDie Entscheidung des Staatsgerichtshoses soll am Freitag 13 Uhr verkündet werden. Wiederum starkes Ansteigen der Wohlfahrtserwerbslosen in den kleinen u. mittleren Städten wtb. Berlin, 17. Juli. Nach der amtlichen Statistik des Reichsstädtebundes sind in rund 1200 kleinen und mittleren Städten am 30. Juni rund 70000 Wohlfahrtserwerbslose ermittelt worden, d. h. neun Unterstützte(ohne Zuschlagsempfänger) auf 1000 Einwohner, so daß im Juni eine Steigerung von treten ist. Seit dem 30. September 1929 hat sich die Zahl der laufend unterstützten Wohlfahrtserwerbslosen in den kleinen und mittleren Städten mehr als verdreifacht. Kommunistische Paßfälscherzentrale in Berlin enb. Berlin, 17. Juli.(Eig. Meldung.) Seit einiger Zeit sind die Behörden mit Ermittlungen, die mit der Tätigkeit bisher unbekannter kommunistischer Geheimbüros in Zusammenhang stehen, beschäftigt. Es handelt sich, wie der Lokalanzeiger meldet, vor allem um das Vorhandensein, einer politischen Paßfälscherzentrale, die es darauf abgesehen hat, Kommunisten, die wegen verschiedener Delikte aus dem Auslande oder aus der Provinz ohne Einreiseerlaubnis nach Berlin gekommen waren, mit falschen Pässen über die Grenze abzuschieben. Im Laufe der Ermittlungen kam man auch einer Organisation auf die Spur, die Kommunisten nach Amerika transportierte. Bech hat! 9“ Aus Rah und Fern. Brudermord. wp. Gelsenkirchen, 17. Juli. In der Wohnung seiner Mutter in der Bismarckstraße geriet der 30jährige Anstreicher Franz Zink mit seinem 22 Jahre alten Bruder Otto beim Kartenspielen in Streitigkeiten, die zuerst beigelegt werden konnten, später aber aufs Neue auflebten. Franz Zink entfernte sich dann und suchte eine nahegelegene Wirtschaft auf. Als Otto Zink erfuhr, daß sein Bruder sich in der Wirtschaft befinde, nahm er ein Brotmesser und begab sich gleichfalls dorthin. Er zerrte seinen Bruder auf die Straße und stieß ihm mit den Worten„jetzt habe ich dich“, das Brotmesser bis zum Heft in die Brust. Franz Zink starb nach wenigen Minuten infolge Verblutung. Der Täter flüchtete, stellte sich aber nach wenigen Stunden der Polizei. Der Erstochene war verheiratet und Vater von zwei Kindern. Fortuna ist nicht blind. wp. Mayen, 17. Juli. Eine hiesige Familie, deren Mitglieder sämtlich, seit längerer Zeit kanntlich hu. das Vorhandensein echten Paßformularen auch im Laufe mittlungen zur Aufklärung des Mordes oas Vorhandensein von gestohlenen der Eran den deren Mitgliedex, sämtlich, leit. Hängggg Zeit arbeitslos sino, hal in der Lotterie 100 000 Mi. gewonnen. Textilarbeiterstreik in Frankreich. wtb. Lille, 17. Juli.(Tel.) 10000 Textilarbeiter der hiesigen Gegend haben heute die Arbeit niedergelegt, da sich die Arbeitgeber weigern entsprechend der Einführung der Sozialversicherung eine Lohnerhöhung zu bewilligen. Zugzusammenstoß in Italien.— 30 Verletzte. wtb Mailand, 17. Juli. Ein folgenschwerer Eisenbahnunfall ereignete sich heute früh auf der Strecke bei Medegno. Ein Güterzug fuhr auf einen vor einem Gleisübergang haltenden Fernzug auf. Infolge des Zusammenstoßes wurden 30 Personen verletzt. Neue Zusammenstöße in Aegypten. wtb. Kairo, 18. Juli.(Funkspruch.) Eine Anzahl von Mitgliedern des Wafd=Ausschusses in Alexandrien sind, wie jetzt endgültig bekannt wird, verhaftet worden. Zwei davon sind Abgeordnete. Die Konsuln der fremden Machte in Alexandria haben dem Gouverneur gegenüber ihrer Besorgnis Ausdruck gegeben, für den Fall, daß die augenblicklich in Alexandria befindlichen Truppen vermindert würden. Furchtbare Gasexplosion. wtb. San Franzisko, 17. Juli.(Tel.) In einem Tunnel der Het=Hetschy Anlagen, die San Franzisko mit Wasser versorgen, ereignete ich eine Gasexplosion, durch die 12 Mann der Belegschaft getötet wurden. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Verkehrsunsall. Am Mittwoch gegen 19,55 Uhr stieß das Kraftrad mit Beiwagen mit dem Verkehrszeichen HH 1041 auf dem Wambeler Hellweg im Stadtteil Wambel mit einem ihm entgegenkommenden Radfahrer zusammen. Der Radfahrer kam zu Fall und trug Verletzungen davon. Sein Rad wurde beschädigt. Holzwickede. 40jähriges Dienstjubiläum. Wohlverdiente Ehrungen wurden dem Lokführer Heinrich Hering in Holzwickede, der am 14. Juli 1930 eine vierzigjährige Eisenbahndienstzeit vollendet hat, zuteil. Der Herr Reichspräsident, der Herr Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn=Gesellschaft und der Herr Reichsbahndirektionspräsident ließen dem Jubilar Glückwunsch= und Anerkennungsschreiben überreichen. Soest. Vater und Sohn verunglückt. Auf der Chaussee Soest—Paderborn stieß das Auto eines hiesigen Hauderers mit einem Motorrad zusammen, auf dem Vater und Sohn sich befanden. Der Vater trug einen schweren Schädelbruch davon und war noch am Abend besinnungslos. Der Sohn kam mit leichteren Verletzungen davon. Warstein. Durch glühendes Eisen tödlich verletzt. Dem Schmied Johannes Schenuit in Belecke flog während der Arbeit ein Stück glühendes Eisen von einer Stange ab und setzte sich in der Leistenbeuge fest, wo es die Hauptschlagader so schwer verletzte, daß der Tod wenige Minuten später infolge starken Blutverlustes eintrat. Herne. Aufregender Vorfall in der Straßenbahn. In einem von Wanne nach Herne fahrenden Straßenbahnwagen sah der Schlosser Franz K. seine Braut, die vor kurzem das Verlöbnis gelöst hatte, mit einer Dame und einem Herrn. K. sprang in den Straßenbahnwagen, wo es zwischen den beiden zu einer schweren Auseinandersetzung kam. Plötzlich zog er die Pistole und drückte ab. Glücklicherweise versagte sie jedoch. In voller Fahrt sprang K. ab und versuchte sich vor den Wagen zu werfen. Passanten hinderten ihn jedoch daran und übergaben ihn der Polizei. ha. Die Gemeinnützigkeit muß auch in der Satzung stehen. Gemeinnützige Gesellschaften sind von der Kapitalverkehrssteuer befreit. Für die Befreiung genügt es aber nach einem Urteil des Reichsfinanzhofes nicht, daß die Gesellschaft gemeinnützig ist. Es muß auch aus der Satzung zu erkennen sein, daß in ihr der Begriff der ausschließlichen Gemeinnützigkeit nicht verkannt ist. Ueberhaupt ist die Pflege eines einzelnen Zweiges der Volkswirtschaft, wie das landwirtschaftliche Kreditwesen, kein außschließlich gemeinnütztger Zweck. Nach der Reichsverfassung beruht die Volkswirtschaft auf dem freien Wettbewerbe edr erwerbstätigen Kreise. Von einer ausschließlichen Gemeinnützicseit kann deshalb erst dann die Rede sein, wenn die wirtschaftliche Befriedigung von Bebürfnissen aus irgendwelchen Notständen im freien Wettbewerbe nicht möglich ist. „hör mit mi „Der Herr Sprecher vom Diens.“ tieren. Der Funkdoktor behandelt diesmal ein Gebiet, das wohl als eins der aktuellsten anzusprechen ist:„Flach= und Kaltröhren“, die letzten Ergebnisse experimenteller Arbeit im radiotechnischen Laboratorium. Die kleinen Rundfunknachrichten erzählen Neues aus dem Rundfunkleben. Alles in allem wird„hör mit mir“ wiederum ganz das Gefallen seiner Leser finden. Das Heft der konkurrenzlos dastehenden kritischen Rundfunkwoche„hör mit mir" kostet für die Abonnenten der„Schwerter Zeitung“ monatlich 40 Pfg. bei wöchentlichem Erscheinen. Bestellungen nehmen die Geschäftsstelle sowie die Zeitungsboten der„Schwerter Zeitung" entvves. Das Dortmunder Juli=Meeting „Achtung, Achtung!“ Gewiß, der Beruf ist interessant, vielseitig und angenehm, so erzählt ein bekannter Rundfunksprecher. Ja, man verliebt sich auch in meine Stimme, schickt mir Briefe von schöner Hand. Aber es hat auch seine Schattenseiten. Was das Schlimmste ist? Der Schulfunk—, und dabei macht der Mann ein Gesicht, als wenn,— ja— dieses Gesicht werden unsere Leser in der neuesten Nummer der kritischen Funkwoche„hör mit mir“ finden, die wiederum ihren Lesern in vielseitiger Form dienen will. Der Reichspräsident von Hindenburg berührt auf seiner Rheinreise Mainz und wird an den Befreiungsfeiern dort teilnehmen, die vom Westdeutschen Rundfunk übertragen werden. Zum ersten Male wird dem Hörer Gelegenheit gegeben, den Reichskanzler Brüning zu hören. Ebenfalls werden Ministerpräsident Adelung und Oberbürgermeister Külz sprechen. Auch die interessante kritische Funkwoche„hör mit mir“ wird Bilder dieser Ereignisse bringen und wird durch Bild und Wort ihre Leser=Hörer an den befreiten Rhein führen. Die Idee des Fordismus in der Praxis dürfte vielen Leser=Hörern interessant sein. Originalaufnahmen von den Werken in Detroit lassen einen Blick in die Fordsche Autoproduktion tun, formen ein Bild der genialen Organisationsgabe Henry Fords. Die so beliebten kurzen Einführungen fehlen selbstverständlich nicht und geben dem„hör mit mir"=Leser Gelegenheit, sich schon vor der Rundfunk=Darbietung kurz über das Thema zu orienDie Rennergebnisse vom letzten Mittwoch. Hohenstein=Rennen. 100 Meter. 1. Vespasian(Pinter), 2. Seelsorge(Zimmermann), 3. Mauser(Sauer) und Campo Santo(Narr), ferner Caprice, Losung, Ahnherr, Saufeder, Sifaro, Beryll, Babette, Nab. Toto 232:10, Platz 53, 16, 19, 8:10. Blankenstein=Jagdrennen. 3000 Meter. 1. Fafnirs Bruder(L, Broda), 2. Timgard(Kleine) 3. Ordinaria(Heitmann), 4. Ingham(Broda). Ferner: Lotteken, Euphrat, Jaroom, Marcion, Ajax, Comtesse Isola, Giralda, Pazmanvar(angehalten), Mysidor, Segey. Toto 93:10, Platz 21, 35, 38, 38:10. Harkort=Rennen. 1200 Meter. 1. Cressida(Lammatzsch), 2. Mazedonier (H. Schmidt), 3. Brunftzeit(Rastenberger). Ferner: Sturmnixe, Diadem, Bundschuh. Toto 20:10, Platz 13, 14:10. Hohensyburg=Rennen. 1600 Meter. 1. Adiantum(H. Schmidt), 2. Goldwert (Narr), 3. Schwarzwaldfürst(Buge). Ferner: Schneemann, Cordelia, Jubilate, Pilgerin, Phönix. Toto 18:10, Platz 11, 13, 14:10. Königsborn=Jagdrennen. 3800 Meter. 1. Geestländerin(Mäßig), 2. Fechtmeister(Glitsch), 3. Legion(Heitner). Ferner: Stattliche, Mistral, Creta, Fuchsmajor, Hofnarr. Toto 58:10, Platz 17, 14, 62:10. Aug. Klönne=Erinnerungsrennen. 1800 Meter. 1. Numea(Buge) und Jungmanne(Pinter), 3. Linz(Narr). Ferner: Putz, Gutenberg, Avitus, Volumnius, Orion. Toto 70, 70:10, Platz 31, 54, 24:10. Fredenbaum=Rennen. 2400 Meter. 1. Lucca(Sauer), 2. Altenhof(H. Schmidt), 3. Halde(Zimmermann). Ferner: Bandola, Canio, Nemrod, Bayard, Sirokko, Stilicho, Clauswalde, Norge, Pollyduch. Toto 47:10, Platz 17, 15, 16:10. Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 17. Juli. Es notierte: Westf. Roggen 16,75—17, Inl. Gerste 19—19,5, Bäckermehl 43—43,25, Roggenmehl 28,5—28,75, Ostdsch. Roggenmehl 27, Weizenkleie 9,50—11, Trockenschnitzel 9,50—10, Zuckerschnitzel 10,50—11. Diese Preise sind Großhandelsverkaufspreise und verstehen sich per 100 Kg. waggonfrei Dortmund in Ladungen von 10 bis 15 Tonnen. Tendenz: fest. Der Wildwestfilm„Die Mädchenräuber von Kansas“ mit Boy Williams in der Hauptrolle ist von durchschlagender Wirkung. Dieses Programm, das noch vervollständigt wird, können wir nur warm empfehlen. Was hören wir im Rundfunk? Samstag, den 19. Juli 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Wettervorhersage. 07,00: Morgenkonzert. 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Oeynhausen. 10,15: Schallplattenkonzert. 11,20: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. 15,45: Grundlagen der Funktechnik. 16,05: Frauenstunde. 16,25: Moderne Verkehrsfragen. 16,45: Wandern und Reisen. 17,05: Deutsches Bundesschießen, Köln. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Wirtschaftspolitische Umschau. 18,50: Mitteilungen. 19,15: Die Stunde des Arbeiters. 19,40: Der rheinische Lebensraum. 20,00: Lustiger Abend. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 24,00: Nachtmusik. Geschäftliches Wichtiges für das Einkochen. Besorge nur soviel Früchte, wie an einem Tage eingekocht werden können. Nimm lieber ein paar Pfund weniger, aber verwende nur beste Sorten, die nicht überreif Gläser, Flaschen und Töpfe sind tadellos sauber zu halten, am besten spült man sie vor dem Gebrauch nochmals in heißem iMi=Wasser, das gleichzeitig desinfizierend wirkt. Der Gummiring muß vollkommen trocken auf den trockenen, unbeschädigten Glasrand aufgelegt werden, und auch der Deckel muß ganz trocken und glatt sein. Wird im Weck=Apparat eingekocht, so ist der Stand des Thermometers immer zu beobachten und die vorgeschriebenen Kochzeiten sind genau einzuhalten. Zum Abkühlen der Gläser nehme man den Deckel des Behälters ab, damit die Dämpfe entweichen, kasse aber die Gläser selbst in den Metallklammern fest sitzen. Sind die Gläser vollständig kalt geworden, probiert man an dem Deckel, ob das Glas richtig geschlossen ist und läßt die Gläser ein paar Tage in unmittelbarer Nähe stehen, damit man die sich evtl. öffnenden Gläser nochmals kochen kann. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Lästiger Schweißgeruch e iu gem Pehgerg ssene bebsonderung an Händen, Fühen In allen Sescn ech Vom Film Wie immer in den Lichtspielen„Zur Reichskrone“ ein ausgezeichnetes Programm.„Hingabe“(Weib am Kreuz) ist ein Film von außerordentlich starker Wirkung. Dieser Film hat Blut und Nerven... Schicksal im Dreieck wird hier gespielt.... aber nicht etwa von den üblichen gegebenen Konflikten einer Ehe, sondern von einem tragischen Einzelfall hergeleitet; das Resultat ist kein gewöhnlicher Unterhaltungsfilm, sondern eine Sache, die oft verdammt die Nieren angreift, manchmal gewaltig mitreißt. Herbert Juttke und Georg C. Klaren... haben hier etwas Gutes, etwas sehr gutes geschrieben nach einem Vorwurf des Guido Brignone, der selber Regie führt mit einem seltenen Stilgefühl, mit einem seltenen Blick für die Landschaft, auch für die seelische. Seine dem Detail geschenkte Sorgfalt, seine dem Ganzen eingehauchte Leidenschaft beweist, daß hier einer mit Liebe am Werke war. Hans Adalbert Schlettow ist„der Mann"; kräftiger Kerl, daseinverwurzelt, hell und aufrecht, arbeitsversessener Bildhauer, der vom Unglück gewollte Mittelpunkt eines unbarmherzigen Geschicks. Der andere ist Stuart Rome, am eigenen Egoismus krankend, leidend, innerlich verblutend. Marcella Albani die Frau, die bereit ist, sich für das Wohl ihres Mannes zu opfern, sich dem anderen hinzugeben, kreuzigen zu lassen, wenn's darauf ankäme. Wie schön sie ist, vergißt man bei ihrem ergreisenden Spiel, für das ihr zum Schluß stürmisch gedankt wird A 9 * S 6. 9 X Fo 6 8 0 :* ## 7 TTT 9 9§ L 5 4% 9% 87 ###. S Let., * 5 ### 14 * ** 1 75 O. * 0 * A F ur 21. Juli mit ungeheurer Preisherabseizung Diesmal hat der Ausverkauf durch die wirtschaftlichen besondere Bedeutung. seine din Peenä#n, znr 2 Herten G. Milaben Benleidung, Hate, Sperheinden, Opertheinden Kawdlien, Inaben Waschänzage u. Biasen, sowie Soierwareh nur reguläre Ware(keine Ramschware) zu wirklichen Ausverkaufs-reisen! S PETGT Eilt! Eilt! Nur noch wenige Tage dauert mein Ausverkauf! jede praktisch denkende Hausfrau muß diese äußerst günstige Einkaufsgelegenheit wahrnehmen. Brühmann nemland- Nummer der„Woche“. mit wertvollen Beiträgen und BilderMaterial anläßlich der Befreiungsfeiern vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerte-Ruhr Preis pro Heft Nik. 0.50 Radiogeräte werden bei uns billig und fachmännisch repariert Schwarzpunkt- Hill □ Sedanstraße 7 Ruf 2606 Untersuchung der Anlage auch an Ort und Stelle kostenlot Ostenstr. 20 Zwangsversteigerung Ein under dummer an das Fernsprechamt Schwerte angeschlossen. Bierverlag, Verlag des Gerolsteiner Florabrunnens, Kohlensäure Clemens Mölders, Schwerte, Königsplatz 1 Billige Autofahrten durch Lieferwagen. Am Sonnabend, d. 19. ds. Mts., vorm. 10 Uhr, werde ich in Schwerte, Westenstraße 15: 39 Paar Herren= und Knabenschuhe öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. 2746 Schwerte, d. 18. 7. 1930. FotoApbarate Auen Steinweg, Schwerte Friedrichstr. 5 Trausch, Obergerichtsvollzieher. Zeiß-Ikon und andere bewährte Fabrikate. Sämtliche Foto=Bedarfsartikel Fachgeschäft für Optik und Foto H. Kayser staatt. geprülter Optikter Posteinte Alle Artikel zum Einmachen in bester Qualität Opekta, der natürliche Geleestoff für Früchte mit Rezept. Zwangsversteigerung Am Samstag, den 19. Juli 1930, 10 werde ich im Versteigerungslokal Möller, hier (Westenstraße) bezw. an Ort und Stelle: 1 Geldschrank, 30 Fl. div. Liköre u. 3 Kippwagen, Sofa, Teppich, Wohnzimmertisch öffentlich meistbietend gegen Barzahlung zwangsweise versteigern. Schwerte, d. 18. 7.1930. Kubon, Gerichtsvollzieher kr. A. Hamburger Fischhalle Schwerte Hagenerstr. 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Kansas sind zum Preise von 2 Pig. das Stück zu haben in der Buchhandlung Carl Braus Bahnhofstraße 3 Große Marktstraße 3—3 Spannender Wild=WestFilm mit Big Boy Williams in der Klauptralle Lustspieleinlage Samstag nachm. 4 Uhr Kinder=Vorstellung Aeteß Tacher 1930 En ant uchnaden Hald mann— mus und wird inserieren! un zu haben in der Buchhandlung E. Braus 2 Nr. 166(Zweites Blatt) „Schwerter Zeitung“ K Don Semnen und Sraußen Berlin, dritte Juliwoche 1930. Es ist mir eine Freude— daß sei vorausgeschickt— nach den vielen glattrasierten Boxern mit Bizeps und ohne Bizeps, mit dicke Backe auch einmal wieder einen alten Herrn von den Zeitungen abgebildet zu sehen, der eine Art schwarzen Blumentopf auf dem Haupt hat und vom Kinn niederwallend einen langen schönen, wirklich langen schönen Prophetenbart. Ich gehöre zu den schrecklichen Menschen, die— nach Lektüre einiger seiner Werke— den Herrn Rabindranath Tagore für beträchtlich überschätzt halten. Ich habe einmal von einem berühmten Deutschen mir zu sagen erlaubt: Warum der Mann so hoch geschätzt— und aller Weisheit Zier ist?— Er hat aus dem Sanskrit übersetzt: — daß zwei mal zwei gleich vier ist... Vieles, was man Rabindranath Tagore übersetzt hat, ist auch an ewiger Wahrheit dieser arithmetischen Weisheit nicht unähnlich. Wir schwärmen leicht für Ausländer mit und ohne Blumentopf. Ein Deutscher hat's nicht ganz so leicht bei uns wie ein Inder. Und dann— die Inder gehen in friedlicher Revolution gegen die Engländer vor. Denn die Engländer... Wem sagen wir das? Wir wissen, daß die Engländer allerlei Völker unterdrücken. Aber es wird Zeit, daß ein bißchen zu vergessen— nicht deshalb, weil wir so glühend überzeugt vom nahenden„ewigen Frieden“ sind, sondern weil wir Freunde brauchen, die gelegentlich auch uns wieder brauchen können. Immerhin, es soll mich nicht hindern, den alten würdigen Herrn, der uns gar so gern besucht, mit sanfter Ode zu begrüßen: Kunde dringt zu meinem Ohre, Die mein dunkles Herz erhellt, Wieder mal geht Herr Tagore, Weisheit spendend, durch die Welt. Weisheit, die wir nie besessen, Weisheit, dieses selt'ne Ding— Und er wird im P=E=N. Club essen Und beim Grafen Keyserling. Etwas muß uns schon erwärmen, Zieht der Sommer nächstens fort; Und für Indien heiß zu schwärmen, Ist ein schöner Seelen=Sport. Fremde Menschen und Kulturen, Hei!— schon sind wir alarmiert; Wie wir damals mit den Buren Uns geschädigt und blamiert. Unterm Druck, dem ungeheuern, Während Sorge uns umkroch, Holen wir aus fremden Feuern Immer die Kastanien noch, Melden uns als zähe Ringer, Wo nicht Glück und Ruhm gedeiht, Und— verbrennen uns die Finger Stolz ob uns'rer Blödigkeit. Denkt ein wenig ans Profitchen, Denkt an jenes Buren=Jahr! Gandhi sitzt im brit'schen Kittchen (Und das Salz bleibt wo es war). Laßt den Kühnen sich vermessen— Wenn er auch im P=E=N. Club essen Und beim Grafen Keyserling. Es ist übrigens schade, daß keine Weisheits=Konkurrenzen abgehalten werden, wie es Schönheits=Konkurrenzen gibt. Die Schönheits=Konkurrenzen müssen nämlich jetzt sozusagen in Permanenz erklärt werden, seitdem die großen amerikanischen Städte alle— jede einzeln— ihre besondere internationale SchönheitsKonkurrenz haben wollen. Mit dieser Anregung spreche ich nicht pro domo. Ich will nicht mit konkurrieren. Obschon ich glühend gern „weise“ wäre, wenigstens nach der Devise Leibnizens, der in der Weisheit die Wissenschaft des Glücks oder der Mittel sah, zu einer dauernden Zufriedenheit zu gelangen. Von solcher dauernden Zufriedenheit bin ich— wie wohl die meisten Deutschen, solange noch die widerlichen Steuergesetze noch nicht erledigt sind— recht weit entfernt. So viel weiß ich, wenn sie den Mut hätten, nach„Selbsteinschätzung“ die Weisheit und die Schönheit zu besteuern, würden sie bessere Geschäfte machen, als mit der SchankVerzehr=Steuer(in einer Zeitung, die begreiflicher Weise sehr dagegen war, las ich„SchankVerzehr=Steuer". Guten Appetit!) und mit einer obligatorischen Kopfsteuer. Oder wie wär's, wenn wir einmal den Dilettantismus besteuerten! Unter zweitausend Theaterstücken ist jüngst von einem Preisgericht(ich sprach schon davon, keins der Aufführung für würdig befunden worden. Da hätten wir schon zweitausend Steuerzahler, die nicht zu Unrecht bluten müßten. Das gäbe ein Heidengeld! Aber warum ist überhaupt die Regierung, als Summe der klügsten Köpfe, nicht so gescheit im Geldmachen wie ein einzelner. Da wurde dieser Tage ein„Architekt“ in Berlin— der Titel stammt von ihm selbst— wegen schwindelhaften Beginnens durch Begründung eines Siedlervereins verurteilt. Der Mann— der Marquis von Keith ist nicht viel, mit ihm verglichen— verdient wahrhaft Verse. Ganz kürzlich in einem Gerichts=Berichte Las ich diese simple Geschichte. Ging da ein Mann— Herbert geheißen— Ein wenig bummeln, ein wenig auf Reisen; Weil er in seiner Vaterstadt, Durch die des Spree=Flusses Wellen„schäumen“ Kein Amt, kein Geschäft, keine Pflichten hat, Und nischt zu versäumen. Freilich auch, was noch schlimmer bestellt— Er hat kein Geld. Bleibt er, so im planlosen Gehen Plötzlich, bloß von Zufalles Gnaden, Auf einer fremden Straße stehen Vor einem bunten Spielzeug=Laden. Ueber Schaukelpferde, Murmeln und Reifen, Püppchen— nackend und bunt geputzt Läßt er gelangweilt das Auge schweifen Und stutzt. Stehen da zwischen Wollschafen und Mäuschen, Zwischen Soldaten und Puppen=Gewirr Lauter puppige Weeckend=Häuschen, Villen und Schuppen, ein wahres Gewirr. Kiefern und ein paar Birken dazwischen Kleiner Gärten lauschiges Reich, Und von Glas, mit gemalten Fischen, Mitten darin ein spiegelnder Teich, Recht für die kindliche Phantasie, Eine moderne„Kolonie". Herbert— als stürme er Barrikaden— Fröhlich, als ob ihm ein Wunder geschah, Eilt hinein in den Puppenladen: „Sie, was kosten die Häuserchen da?“ Von einem ehrlich erschreckten Dämchen, Die ihn nicht ernst nimmt(sie kann nicht dafür), Kauft er das bunte Villenkrämchen Und zahlt seinen letzten Taler dafür... Ein Monat später. Im Straßentreiben Der Weltstadt— aller Bummel Ziel— Sieht man hinter Fensterscheiben. An belebtester Ecke das Kinder=Spiel. Häuschen und Teich und Gärtchen und Villen— Meine Siedlung“ prangt's über dem Tor. Damen mit Lorgnons und Herren mit Brillen, Pärchen und Hagestolze davor. Zu erfahren das„wie" und„wo“, Klingt so mancher die Laden=Türe, Daß er in Herberts, des Gründers Büro Näheres von der Siedlung erführe. Alles was Schwindel. Kein Haus wär gebaut, Nicht mal der Platz für die Siedlung erkoren, Und die Dümmlinge, die ihm vertraut, Haben bei Herbert ihr Geld verloren. Der Richter straft ihn nach Recht und Pflicht. Also besagt's der Gerichts=Bericht. Schön und in Ordnung. Bloß— als ich's gelesen, Sprach ich zu mir: Wie oft, wie oft Bin ich mein eigener„Herbert“ gewesen, Habe geplant und habe gehofft. Ohne Betrug und ohne zu schieben, Foppt ich nur mich(nicht der Gläubiger Schar), Und das Ganze ist Spielzeug geblieben, Was es von allem Anfang war. Diogenes. Vom rheinisch=westfälischen Wertpapiermartt Mitteilungen des Bankhauses Gebrüder Stern, Dortmund. (Vor der Börse). Dortmund, den 16. Juli 1930. Solange die innerpolitische Lage(Deckungsprogramm der Regierung) noch nicht geklärt ist, — 884/7-4e Freitag, 18. Juli 1930 und somit die Möglichkeit von Ueberraschungen gegeben ist, kann an den Börsen keine Unternehmungslust aufkommen. Die Umsätze am rheinisch=westfälischen Wertpapiermarkt beschränkten sich daher in der Berichtswoche auf ein Mindestmaß. Bis auf einige Ausnahmen gleicht sich der Preisstand dem der Vorwoche an. Am Kalikuxenmarkt fielen Hugo (10000 M) durch schwache Haltung auf. Nachdem zunächst einige Abschlüsse zu 500 A niedrigerem Preise zustande kamen, blieben die Kuxe weiter angeboten, so daß der Gesamtverlust in dieser Woche 1000 A beträgt. Für Hohenfels (9600 M) wurden letzte Preise bezahlt. Burbach=Kuxe, die auf 6925 M zurückgegangen waren, konnten ihren Kurs auf 7025 A verbessern. Beienrode wechselten auf letzter Preisgrundlage mehrfach ihre Besitzer. Für Einigkeit und Siegfried bestand bei 13 400 M unverändert Nachfrage. Die Werte des Aschersleben=Konzerns lagen ruhig und umsatzlos, nur Mariaglück erfuhren bei kleinen Umsätzen eine erhebliche Kurserholung(8400— 8250— 8950 M). Für elsässische Werte bestand weiter Interesse. Marie erreichten einen Stand von 1750 M nach 1625 M, Marie=Luise von 1625 nach 1550 M und Max von 1750 nach 1580 M. Später drückte einiges herauskommendes Material auf die Kurse, so daß der Höchststand nicht behauptet werden konnte. Reichsland blieben unbeachtet und wurden 100 M niedriger genannt. Von Kaliaktien wurden Burbach(165 Prozent) zu unverändertem Kurse in kleineren Beträgen ausgenommen. Hallesche Salz und Adler=Kali liegen etwa 3 Prozent niedriger. Am Kohlenkuxenmarkt war die Geschäftstätigkeit noch ruhiger als am Markte der Kaliwerte. Schwere Werte blieben umsatzlos. Von mittleren Werten wurden Heinrich (10 450 M) nur vorübergehend einige hundert Mark höher bezahlt. Carolus Magnus(7500) halten bei ihrem letzten Kurse, während Constantin der Große um etwa 200 M anzogen. Für Diergardt=Mevissen(3200 M) und Graf Schwerin(3350 J) wurden die letzten Preise weiter bewilligt. Lothringen Bergbau=Aktien, in denen die Käufe zum Stillstand gekommen waren, gingen von 45½ auf 40 Prozent zurück. Als im Verlauf der Woche wieder Material aus dem Markte genommen wurde, konnte sich der Kurs schnell um mehrere Prozent erholen. Dahlbusch gaben von 82 auf 79½ Prozent nach. Der Braunkohlenmarkt blieb bis auf einige Umsätze in Bruckdorf=Nietleben völlig geschäftslos. Bruckdorf=Nietleben konnten ihren letzten Preis von 3000 M nicht behaupten und verloren bei einigen Verkäufen 200 Am Terminmarkt erholten sich Kaliwerte von ihren letzten großen Kursverlusten. So zogen Salzdetfurth von 353 auf 366 Prozent, Kaliwerke Aschersleben von 197 auf207 Prozent an. Wintershall folgten dieser Bewegung nur zögernd(174½ nach 172¾ Prozent). Von den übrigen Werten sind größere Veränderungen nicht zu melden. Roman von Pankraz Schuk 37. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wenn du neben mir in Wildeneichen deine ärztliche Praxis ausüben würdest. Dir kann ich es ja sagen: es wird mir schon ein wenig viel. Die Jahre sind da, von denen man sagt, daß sie sich nichts nehmen lassen. Ich bin auch mit bescheideneren Einnahmen zufrieden, um so mehr, als ich ja außer meiner Frau niemanden habe, dem ich etwas zu hinterlassen habe. Ich habe dich in der kurzen Zeit, die ich kenne, schätzen gelernt, und es täte mir leid, wenn vielleicht ein anderer, erkennend, daß in Wildeneichen auch Platz für einen zweiten Arzt sei, sich hierher setzen würde. Du hast mir zwar einmal erzählt, daß der Gedanke besteht. aus deinem Besitz, dem Schlössel, ein Sanatorium oder Erholungsheim zu machen, an dessen Spitze du treten sollst. Ich möchte dir den Rat geben: Tu das nicht, Fritz, tu es nicht im Interesse des Ortes, den ich liebe und den auch du liebgewinnen wirst, wenn du eine längere Zeit in ihm verweilst.“ „Ob ich hier bleiben werde können,“ meinte Fritz Grössing,„das hängt von der Entwicklung einer mir nahegehenden Sache ab. Ich für meinen Teil tausche gern meinen Aufenthalt in der Hauptstadt mit einem in der hiesigen Gegend. Bezüglich meines Besitzes habe ich noch keine Entscheidung getroffen. Sie bedarf einer gründlichen Ueberlegung. Zudem hat Fräulein Reimann wegen Wegschaffung der inneren Einrichtung noch nichts veranlaßt, die doch nach dem Tode ihres Vaters ihr Eigentum geworden ist. Ueberhaupt finde ich das Gebaren des Fräuleins in mehr als einer Hinsicht sonderbar. Geht zwei Tage nach dem Begräbnis ihres Vaters fort und läßt bis zum heutigen Tage nichts von sich hören.“ „Aufrichtig gestanden, mir tut es um Hilde Reimann sehr leid. Sie hatte in den letzten Jahren nur wenige gute Stunden. Erst das mit ihrer Mutter, der die Sorge um den im Felde stehenden Gatten und Sohn die Nerven zerriß. Dann das mit ihrem Vater, der von der fixen Idee befallen war, daß er durch die Hingabe seines Besitzes heimatlos geworden wäre. Schließlich das Hinabgleiten ihres Bruders und dessen tiefer Fall. Ist es verwunderlich, daß sie darüber den Kopf verlor?" „Als ob ihr ein vernünftiger Mensch die Schuld beimessen würde, daß sich ihr Bruder so verlor!“ „Hilde hätte ein anderes Los verdient, als sich bei fremden Leuten herumzuschlagen", meinte Doktor Hellmer warm und aufrichtig. „Nicht nur ihre äußeren Schönheiten, sondern auch die ihrer Seele wären dazu bestimmt gewesen, einen Mann zu beglücken. Schade um sie!“ Sie waren im Gespräch weitergegangen. Hellmers Worte weckten in Grössing ein tiefes Fühlen für Hilde wach. Was er ihm da sagte, das hatte er ja schon längst erkannt, und diese Erkenntnis hatte ihn auch zu Hilde geführt. Plötzlich blieb Hellmer stehen und meinte: „Weißt du, Fritz, was meine Frau unlängst zu mir meinte? Die Hilde wäre eine prächtige Frau für dich!“ „Und wenn ich auch derselben Ansicht wäre, wie Frau Malvine, und ich aus diesem Grunde schon längst Hildens Herz gesucht hätte... Ich konnte sie ja doch nicht zwingen, sich zu mir zu bekennen.“ Hart lösten sich diese Worte von den Lippen des jungen Arztes. Und dann erzählte er, wie er sie zweimal gesucht und beidemal von ihr abgewiesen wurde. „Ich will mich in deine Herzenangelegenheiten durchaus nicht einmischen, Fritz“, bekannte Dr. Hellmer.„Es muß deine eigene Sache sein, zu wählen, mit wem du gemeinsam durchs Leben gehen willst. Es freut mich, daß du mich einen Blick in dein Herz tun ließest. Nun will ich dir einen Rat geben: Gib' Hilde nicht auf. Behalte sie lieb und wahre ihr deine Treue. Ich schätze dich hoch, Fritz, und deshalb wünsche auch ich diese Frau für dich. Vielleicht führt ihr guter Schutzgeist sie dir doch zu. Ob ihre Abneigung wider dich ihr nicht etwa von ihrem Vater aufgezwungen war? Ob sie heute nicht schon anders denkt und bereut, daß sie dein Herz verletzt hat?“ Fritz Grössing zuckte die Achsel. „Ich kenne mich, offen gestanden, bei Hilde Reimann nicht aus.“ Sie waren auf ihrem Spaziergang an einer Stelle angelangt, von der aus sich ihnen eine wunderliebe Sicht in das Tal darbot. Vom matten Herbstsonnengold umleuchtet, lag Wildeneichen vor ihren Blicken. Wie eine Nadel stach der Turm der Pfarrkirche in die tiefe Bläue des Himmels. Wie Kücken um eine Henne, so huschelten und kuschelten sich die Häuser um das Gotteshaus; dort das Doktorhaus ... dort den„Schwarzen Adler", stattlich und alle überragend... und dort im Hintergrunde, wohlabseits vom Ort, aber doch zu ihm gehörig, das Schlössel. Und rings um ein Wald= und Hügelgewirre, in brennenden Herbstfarben stehend. Doktor Hellmer nahm den Hut vom Kopfe. Er legte seinen Arm um den Nacken seines jungen Kameraden und meinte ehrlich: „Bleib bei uns, Fritz... Nimm die Hilde zur Frau und bleib bei uns.“ Und dann zerriß der Faden des Gespräches. auf eine Weile, stumm gingen sie nebeneinander her, ein jeder mit eigenen Gedanken beschäftigt, und ließen sich von den Schönheiten in die Arme nehmen; die der Herbst mit vollen Händen vor ihren Blicken verstreute. „Was glaubst du, Fritz, wenn wir den Förster besuchten?“ Fritz Grössing erklärte sich einverstanden und schon bogen sie den Weg ein, der zur Försterei führte. Sie brauchten nicht lange zu wandern. Nach einem Viertelstünderl waren sie an das Forsthaus angekommen, sein weißes Gemäuer schimmerte durch das müde Gelaube ihnen entgegen. Nun hemmten sie ihre Schritte. Ein Bild bot sich ihnen dar, das sie nicht zerstören wollten. Vor dem Hause saß der Förster und hielt um seine Arme einen dicken Strähn Wolle und vor ihm stand Frau Agathe und wickelte ihn geschäftig zu einem Knäuel um. „Wer hätte denn das einmal gedacht?" flüsterte Hellmer seinem Freunde zu, und um seine Lippen ging ein Lächeln. „Ja, wer hätte das gedacht!“ gab Grössing zurück. G g 4„* „Wir wollen das Idyll durch unser Kommen nicht zerstören“. Und unseren Besuch auf ein andermal verschieben.“ Und sie gingen den Weg, den sie gekommen waren, wieder zurück.—— Und nun war Fritz Grössing wieder daheim. Die wundersame Stimmung, mit der die letzten Stunden ihn umwoben, wirkte noch tief in ihm nach. War es ein Zufall, daß der Doktor auf Hilde zu sprechen gekommen war? Oder war es von seinem Schicksal beabsichtigt, um ihm das Mädchen, das er zwar liebte, um dessen Bild in seinem Herzen aber die abgelaufenen Wochen einen Schleier gewoben, wieder ganz nahe zu bringen? Nimm Hilde zur Frau und bleib bei uns. Fritz Grössing strich um seine Stirn. „Ja, ich will kierlleiben", flüsterte er# sich hin,„aber nur mit ihr.“ (Schluß folgt.) Schwerte, den 18. Juli 1930. Gedenktage. 18. Juli:1100: Gottstied von Bouillon in Jerusalem gestorben(geboren 1061).— 1864: Die Dichterin Ricarda Huch in Braunschweig geboren.— 1870: Verkündigung des päpstlichen Unsehlbarkeitsdogmas auf dem Vatikanischen Konzil in Rom.— 1915: Beginn der zweiten italienischen Isonzo=Offensive(bis 27.). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 17. Juli 1930. Das mit seinem Kern unverändert über Croßbritannien liegende Tiesdruckgebiet hat sich ostwärts über die Nordsee und Nordwestdeutschland ausgebreitet. Sonst zeigt die Wetterlage nur wenig Aenderung. Heute früh war es in Deutschland meist wolkig und im Nordwesten regnerisch bei 13 bis 19 Grad Wärme. Der Kahle Asten hatte frischen Südwestwind, Nebel und 10 Grad. Aussichten bis Samstag: Veränderlich mit Regenschauern und später kühler. : Bestandene Prüfung. Der auf dem Eisenbahn=Ausbesserungswerk beschäftigte Kalkulator Aug. Menne, wohnhast Kampstraße 29, bestand nach einem achtsemestrigen Abendkursus an der Maschinenbauschule in Dortmund seine staatliche Wertmeisterprüsung mit gutem Erfolge.— Wir gratulieren! Feierschichten im Reichsbahn=Ausbesserungswerk werden am kommenden Sonnabend, den 19. Juli, und am Montag, den 21. Juli eingelegt. Seit dem 1. Juli hat man bereits die 48stündige statt bisher 51stündige Arbeitswoche eingeführt. Diese Bestimmungen gelten jedoch nur bis zum 1. Oktober ds. Is. Westfälischer Bauernverein, Bezirksverband„Industriegebiet". Der Sprechtag des Westf. Bauernvereins, Bezirksverband„Industriegebiet“ findet in Schwerte am Freitag, den 25. Juli 1930, von 10—12 Uhr in der Wirtschaft Potthoff statt. : Das Schulsest auf dem„Freischütz“ des Realgymnasiums nahm am gestrigen Tage einen durchaus harmonischen Verlauf. Die Beteiligung war eine außerordentlich gute. Auf den näheren Verlauf kommen wir in unserer morgigen Ausgabe zurück. Freischütz. Kommt zum Schwerter Wald, denn Waldlust ist gesund und am Sonntag findet im„Freischütz“ ein großes Militärkonzert, ausgeführt vom Musikkorps des 10. Inf.=Regts. Bautzen unter Leitung des Musikmeisters Ellbogen statt. Es ist ein erstklassiges Programm aufgestellt und enthält dasselbe als Neuheit den großen Zapfenstreich mit Fanfaren=Trompeten. Nach dem Konzert ist Tanz. X Vierzig Jahre kath. Arbeiterverein. Im Juli des Jahres 1890 wurde in unserer Stadt ein dritter kath. Männerverein ins Leben gerufen, der Arbeiterverein„St. Stephanus“. Von den damaligen Gründern weilen heute noch der jetzige Ehrenvorsitzende Bozetti, Rendant Kraas, der Invalide Adam Beermann und der Lokomotivführer Schlep in Schwerte. Unter der umsichtigen Leitung entwickelte sich der Verein, der in den ersten Jahren große Schwierigkeiten zu überwinden hatte, aus kleinsten Anfängen zu einem der größten Standesvereine des Bezirks Hörde und die Mitgliederzahl war bis zum Ausbruch des Krieges auf über 500 angewachsen. An der Spitze des Vereins stand in den ersten Jahren Herr Berang, auf ihn folgten die Herren Joh. Berkenkopf, Math. Becker, Heinrich Schlep, Heinrich Richter, Klemens Kebekus sen., Th. Bozetti(jetzt Ehrenvorsitzender), gegenwärtig leitet Herr Klemens Kebekus mit großer Umsicht und Erfolg den Verein. Geistlicher Beirat ist schon über 28 Jahre Herr Pfarrer Schnurbus. Das erste Vereinslokal war bei Halstenbach(jetzt„Zum scharfen Eck“), dann Carl Feit, jetzt Peters,„Westf. Hof“, während der Verein jetzt im Vereinshause sein Heim aufgeschlagen hat. Nicht weniger als 179 Vereinsmitglieder wurden zu den Fahnen einberufen; viele von ihnen haben die Heimat nicht wiedergesehen und ihr Leben auf dem Felde der Ehre gelassen. Im Jahre 1915 feierte der Verein in einfacher, würdiger Weise das Fest seines Silberjubiläums, bei welcher Gelegenheit die jetzige prächtige Vereinsfahne geweiht wurde. Nach dem Kriege lähmte die allerorts einsetzende Vereinsmüdigkeit auch die Tätigkeit des Arbeitervereins, aber diese Krise wurde bald überwunden und jetzt pulsiert wieder neues Leben in den Reihen des Vereins und die Mitgliederzahl ist in ständigem Anwachsen begriffen. Möge dem Verein auch in dem neuen Abschnitt seiner Geschichte eine gedeihliche Entwicklung beschieden sein zum Wohle seiner Mitglieder und der kath. Pfarrgemeinde. Folgende Mitglieder gehören dem Verein bereits 25 Jahre und länger an Adam Beermann, 40 Jahre, Karl Wallmann, 39 Jahre, Fr. Kayser, 37 Jahre, Carl Feit, 37 Jahre, Joh. Pierschke, 37 Jahre, August Pawlowski gen. Butzke, 34 Jahre, Anton Köchling, 33 Jahre, Karl Homberg sen., 33 Jahre, Peter Beßlich 30 Jahre, Jos. Mesters, 30 Jahre, Wilhelm Hagemann, 30 Jahre, Wilhelm Hamer, 29 Jahre, Thomas Schmidt, 29 Jahre, Paul Liese 29 Jahre, Jos. Enste, 29 Jahre, Wirt Heinrich Fröhling, 27 Jahre, H. Hitzegrad, 27 Jahre, Jos. Wiesweg, 26 Jahre, Fr. Schulte=Höppe, 25 Jahre. Zu Ehrenmitgliedern wurden im Laufe der Jahre ernannt: Berang in Aus(Mosel), Pfr. Leifert=Ostwig, Pfr. Röseler=Helbra, Stud.= Rat Bette=Gladbeck, Lehrer Mattenklodt, Kaufmann Paul Liese=Dortmund, Adam Beermann und Th. Bozetti, Ehrenvorsitzender. Saison= und Inventurausverkäufe beginnen am kommenden Montag in unserer Stadt. Nach den Bestimmungen dürsen diese zwei Wochen dauern, also bis einschließlich 2. August. Die Post während der Reisezeit. Für die Zeit des Urlaubs und der Sommerreisen erscheint es angebracht, auf die Postreiseschecke hinzuweisen, die die Deutsche Reichspost eingeführt hat. Durch Ausstellung eines Postreiseschecks kann jeder Reisende unterwegs bei jede Postanstalt des Inlands Barbeträge ab16bes. g I Es gibt zwei Arten von Postreisescheaen: a) bis 2500 Mk. für Personen, die bei den Abhebungen einen behördlichen Ausweis mit Lichtbild und eigenhändiger Unterschrift vorzeigen wollen, b) bis 1000 Mk. für Personen, die sich bei den Abhebungen nur durch ihre eigenhändige Unterschrift auszuweisen wünschen. Die Beträge der Reiseschecke müssen auf volle Reichsmark lauten und durch 25 teilbar sein. Die Gebühr für den Postreisescheck beträgt ohne Rücksicht auf die Höhe des Betrages einheitlich 1.— Mk. Postscheckkunden beantragen die Ausstellung eines Postreiseschecks mit Postüberweisung bei ihrem zuständigen Postscheckamt, das den Betrag des Reiseschecks von ihrem Konto abbucht. Wer kein Postscheckkonto hat, beantragt die Ausstellung ebenfalls beim zuständigen Postscheckamt unter gleichzeitiger Einzahlung des Betrages mit Zahlkarte. Auf Postreiseschecke können an einem Tage beliebige durch 25 teilbare Beträge abgehoben werden. Neuerdings werden Postreiseschecke auch bei den Bahnhofswechselstuben ausgezahlt, die die deutsche Verkehrs=Kredit=Bank Aktiengesellschaft auf den Bahnhöfen zahlreicher Großstädte eingerichtet hat. Die Gültigkeitsdauer der Postreiseschecke beträgt 3 Monate. Ueber weitere Einzelheiten der Einrichtung erkundigt man sich zweckmäßig bei seinem Postamt. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen l. Holzen. Ein böses Tier. Als der Händler Kl. am Rosenweg seinen Ziegen Futter reichen wollte, drang plötzlich eines der Tiere auf den schon älteren Mann ein und versetzte ihm so heftige Stöße, daß er zu Boden fiel. Der Mann mußte sich bei einem Arzte, der Rippenquetschungen feststellte, in Behandlung begeben.“ I. Westhofen. Zur Schöffen= und Geschworenenwahl. Die Urlisten derjenigen Personen des hiesigen Amtsbezirks, die zum Amt eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, liegen vom 21. bis einschl. 28. Juli in den Wohnungen der Gemeindevorsteher zur Einsichtnahme auf. I. Westhofen. Wochenmarkt. Die Händler warteten auf dem Wochenmarkte mit einem unvermindert großen Warenangebot auf. Besonders galt dies an den Obst= und Gemüseständen. Erstmalig in diesem Jahre— reichlich spät— waren auch Waldbeeren zu haben. Die Kauflust dürfte im allgemeinen zufriedenstellend gewesen sein. Beerenobst fand besonders reichen Absatz. Auch wurden neue Kartoffeln viel gekauft. Bei den Fleisch= und Wurstwarenhändlern ging es wieder etwas lebhafter zu. I. Westhofen. Aus der Freiwilligen Sanitätskolonne. Die Mitglieder der hiesigen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz haben in der Ruhrbadeanstalt einen Kursus im Schwimmen und Tauchen begonnen. Das Bestreben der Fortbildung der Sanitäter kann nur als anerkennenswert bezeichnet werden, denn es kommt des öfteren vor, daß des Schwimmens unkundige Paddler oder auch andere Personen beim Baden in der Ruhr in Gefahr geraten. Ein gut ausgebildeter Sanitäter kann hier leicht zum Retter werden. In dankenswerter Weise sind der Kolonne von der Firma Stahlwerke Brüninghaus kürzlich Sauerstoffgeräte zur Rettung bei Gasvergiftungen zur Verfügung gestellt worden. I. Westhofen. Ein eigenartiges Erlebnis hatte der Spediteur D. von hier. Wie uns versichert wird, ist es kein Jägerlatein(?), sondern eine wahre Begebenheit. D. passierte nachts gegen 1 Uhr die Straße Syburg=Westhofen, als aus altem Mauerwerk zwei alte und vier junge Marder hervorkamen und ohne jegliche Veranlassung den D. angriffen. Zunächst setzte sich der so Angegriffene zur Wehr und brachte eines der Tierchen zur Strecke. Als er es aufhob, wurden die anderen aber derart wütend und gefährlich, daß er es vorzog, zu flüchten. Das getötete Tier legte er in der Nähe seiner Wohnung an einen Baum, von wo es 7 Uhr abends Auch die Ergster Amtsvertreter mit der GrenzLegatterung hennen Eindst einerestanden! Schwerte, den 18. Juli 1930. * Wie am vorgestrigen Tage die Gemeindevertretung in Hennen, so beschäftigten sich gestern die Amtsvertreter des Amtes Ergste mit der neuen Grenzregulierung zwischen den Gemeinden Hennen und Villigst. Erfreulich ist es, daß man auch hier schnell zu einer Einigung kam und der vorgesehenen Grenzziehung zustimmte. Wir können im Großen und Ganzen auf unseren gestrigen ausführlichen Bericht bezgl. der Einigung in der Grenzregulierung zwischen Hennen und Villigst verweisen, in dem bereits alles gesagt ist. In Kürze werden nun auch die Amtsvertreter des Amtes Westhofen zusammentreten, um zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Wünschenswert wäre es, wenn man auch hier zu einem zustimmenden Beschlusse käme, denn die Grenzregulierung zwischen den beiden Ortschaften ist, wie wir bereits gestern betonten, eine zwingende Notwendigkeit, die sich für die Gemeinden Hennen und Villigst nur zum Vorteil auswirken kann. Bürgermeister Overbeck eröffnete gegen 5,45 Uhr die von 10 Amtsvertretern besuchte Sitzung. Punkt 1 der Tagesordnung betraf die Vorlage der Sparkassenrechnungsführung für 1929. Diese Rechnung ist vom rhein.=westf. Sparkassenverband geprüft worden, der Entlastung des Rendanten empfiehlt. Die Versammlung erklärte sich mit der Entlastung einverstanden. Punkt 2: Neubegrenzung der Gemeinden Hennen und Villigst. Bürgermeister Overbeck teilte mit, daß in dieser Angelegenheit Vorbereitungen stattgefunden und die Gemeinden bereits Beschlüsse gefaßt haben. Es sei erfreulich, daß eine Einigung erzielt worden wäre und die Beschlußbehörde diese Grenzregulierung nur noch zu sanktionieren hätte. Die Amtsvertretung habe jetzt den gefaßten Gemeindevertreterbeschlüssen zuzustimmen. Amtsvertreter Spaeing verwies auf den gestrigen Bericht der„Schwerter Zeitung", aus dem alles hervorgehe. Redner sprach erneut und in eingehender Weise über die vorgesehene Grenzregulierung. An Hand eines Kartenplanes konnten sich die Amtsvertreter von der notwendigen Grenzbereinigung überzeugen. U. a. betonte Herr Spaeing, daß die Gemeinden ennen und Villigst durch die Umgemeindung deelle Vorteile hätten. Bei der Einigung auf die vorgesehene Grenzziehung seien die ideellen Werte ausschlaggebend gewesen. Es setzte eine lebhafte Aussprache ein, an der sich fast alle Amtsvertreter beteiligten. Auch die geplante Zusammenlegung der Aemter Westhofen und Ergste kam zur Sprache, jedoch soll erst diese Angelegenheit erledigt werden, bevor man über diese Frage in Verhandlungen tritt. Bürgermeister Overbeck verlas das Protokoll der letzten Gemeindevertretung in Hennen, wonach die vorgesehenen Grenzen anerkannt werden.— Die Amtsvertretung stimmte dann der neuen Grenzregulierung z u. Der nächste Punkt beschäftigte sich mit der Umgemeindungssache Ergste=Garenfeld. Es handelt sich um kleinere Splißteile an der Ergster und Garenfelder Grenze. Vor Jahren hat hier eine Verkoppelung stattgefunden, die geringe Grenzänderungen hervorrief. Einige Parzellen fallen dadurch von Ergste an Garenfeld und umgekehrt. Die Vorlage wurde von den Amtsvertretern gebilligt. Der Reichsverband der deutschen Taubstummen in der Tschechoslowakei hatte sich an das Amt gewandt mit der Bitte um Geldspenden zur Linderung der Not. Die Amtsvertreter waren jedoch der Ansicht daß im eigenen Bezirk die Not sehr groß und zunächst zu lindern sei. Der Antrag verfiel der Ablehnung. Desggl. hatte der Saarverein zwecks Unterstützung um Abnahme einer Halbmonatsschrift gebeten. Auch hiermit konnten sich die Amtsvertreter nicht einverstanden erklären. Die Unterbringung Obdachloser war ein weiterer Punkt, mit dem sich die Amtsvertretung beschäftigte. Auch hier setzte eine längere Aussprache ein. Man kam zu dem Ergebninis, daß man einen Kostenanschlag machen will zwecks Schaffung von Obdachlosenbaracken in den Gemeinden Berchum und Hennen. In Ergste selbst bestehen bereits Möglichlichkeiten, Obdachlose unterzubringen. Nach einer Verfügung des Regierungspräsidenten dürfen Räume von Privaten nicht mehr zu solchen Zwecken in Anspruch genommen werden. Zum Schluß lud Amtsvertreter Knoop die anwesenden Herren zu den am Donnerstag in Hennen stattfindenden Reichsjugendwettkämpfen ein. Für die Wettkampspreise werden in diesem Jahre vom Amt 120 Mk. gezahlt. Gegen 7,15 Uhr konnte dann die Amtsvertretersitzung geschlossen werden.. Lex. Februar g Roman von Paul Ciemos Copyright by Martin Feuchtwanger, Hialle(S.) Paul Giemos ist der Deckname für einen anerkannten deutschen Juristen. Mit seinem Roman„5. Februar, 7 Uhr abends“ beweist er, daß er ein ebenso guter Schriftsteller wie Jurist ist. Richter, Statsanwälte, Rechtsanwälte, Dichter beliebige Leser sind begeistert von diesem Roman. Paul Giemos stellt die Romane von Wallace in den Schatten. Nach wenigen Fortsetzungen schon wird man hier allgemein von diesem Roman sprechen. Alle werden sich den Kopf zerbrechen, aber niemand kommt hinter das Geheimnis; nistt der schlaueste Kopf, nicht der gewiegteste Kriminalist. An der Aufklärung des Geheimnisses vom 5. Februar, 7 Uhr abends, ist jeder Leser brennend interessiert, denn die beiden Gegner, der Gefängnisdirektor Lammont und die schöne Schauspielerin Viola Andersen, schmeicheln sich von Anfang an in unsere Herzen... Wir beginnen mit dem Abdruck dieses spannenden Romans am kommenden Montag. nach kurzer Zeit, wie D. von seinem Fenster aus beobachtete, von den alten Mardern fortgeschleppt wurde. l. Westhofen. Gemeine Handlungsweise. Der Arbeiter Fr. von hier, der in Schwerte in einem Krankenhause war, erschwindelte sich von einem Kranken, der mit ihm auf demselben Zimmer lag, eine neue Hose und verschwand damit. Wegen dieser gemeinen Tat wird er von der Polizei gesucht. Ergste. Versammlung. Der hiesige Krieger= und Landwehrverein hielt am vergangenen Sonntag im Lokale Schneider eine gut besuchte Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Kamerad Hidding, eröffnete sie mit einer kernigen Ansprache. Er wies insbesondere auf die endliche Befreiung des Rheinlandes von fremdem Joh hin. Wirtschaftlich sei der Ausblick nicht rosig und nur innere Einigkeit könnten uns über die Nöte der Zeit hinweghelfen.— Alsdann erstattete Kamerad Moritz Beckhaus einen eingehenden Bericht über die Provinzialdelegiertentagung in Schwerte. Er erklärte, daß es geradezu eine erhebende Veranstaltung gewesen sei, auf die er gern zurückblicken würde.— Der Kamerad Albert Liesenhoff erstattete dann ausführlichen Bericht über die Kreisdelegiertentagung in Gerlingsen. Aus dieser Veranstaltung ist besonders die Bildung der Jugendgruppen hervorzuheben. Die Versammlung stand der Bildung sehr sympathisch gegenüber und beschloß, die Angelegenheit im Auge zu behalten.— Kamerad Julius Viebahn gab dann einen eingehenden Bericht der Schießkommission für die stattgefundenen und demnächst stattfindenden Schießen. Seine Ausführungen legten Zeugnis davon ab, mit welcher Arbeit die Schießkommission die Schießen in vorzüglicher Weise vorbereitet hat.— Der Einladung der Kriegervereins Bürenbruch zu einem gemeinsamen Preisschießen am 17. August ds. Is. soll Folge geleistet werden.— Die nächste Versammlung soll am 19. Oktober ds. Is. im Vereinslokal stattfinden. Das nächste Schießen des Vereins findet am 5. Oktober auf dem Schießstand statt.— Nachdem der offizielle Teil beendet war, blieben die Kameraden noch in alter Kameradschaft einige Stunden beisammen. Ergste. Auszeichnung. Vom Turnverein Ergste 1884 MdDT. errangen die beiden Turner Fritz Pütter und Erich Stellpflug das Turnund Sportabzeichen aus Bronze. Außerdem erhielt der jugendliche Turner Alex Holzrichter das Reichsjugendabzeichen. Sämtliche Abzeichen wurden mit gutem Erfolge erkämpft. Der 1. Vorsitzende, Richard Stellpflug, konnte den Siegern die Ehrenzeichen persönlich überreichen mit dem herzlichen Glückwunsche, anknüpfend die Mahnung, nicht stille zu stehen, sondern weiter zu arbeiten in der Stählung des Körpers und an der deutschen Turnsache. Der Turnverein D. T. Ergste ist stolz auf seine Sieger, zumal diese Abzeichen die ersten ihrer Art in unserer Gemeinde sind. Hoffentlich spornt das gute Beispiel zur Nachahmung an und läßt in anderen Turnern auch den Wunsch und den Willen erstehen, es den Ausgezeichneten nachzutun. Hennen. Schulvorstandssitzung. Im Gasthof Wilhelm Albrecht fand vorgestern eine Sitzung des Schulvorstandes des Gesamtschulverbandes Hennen statt. Den Vorsitz führte Bürgermeister Overbeck. Als Protokollführer war der Gemeindesekretär Hülscher anwesend. Zunächst wurde die Verfügung der Regierung Arnsberg in Sachen Ruhenlassen einer Lehrstelle bekannt gegeben. Mit Rücksicht darauf. daß in nächster Zeit eine Neubegrenzung der Gemeinden Hennen und Villigst erfolgt, wurde die Stellungnahme des Schulvorstandes vertagt. Durch Bildung einer größeren Gemeinde würden aus dem Gesamtschulverband Hennen sowieso zwei Schulstellen ausscheiden.— Alsdann wurden die Protokolle über die Besichtigung der Schulgebäude vorgelesen. Die vorgefundenen Mängel sollen durch die örtlichen Schulvorsteher beseitigt werden.— Von einer Neufestsetzung des Anrechnungswertes der Naturalbezüge wurde Abstand genommen.— Nach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen wurde die Sitzung geschlossen. Sieg Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 2. Fortsetzung Nachdruck verboten. Mitten in den Jubel über meine Befreiung überfiel mich die Angst vor der Aussprache, die mir mit meinem Vater bevorstand. Ich hatte ihm geschrieben, daß ich meine Entlassung genommen habe, und ich hatte ihn inständig gebeten, Verständnis zu haben für das, was mich ganz erfüllte, und meinen Entschluß zu billigen. Ich hatte ihm meine Adresse gegeben und wartete nun in dem Hotel, in dem ich Wohnung genommen hatte, auf die Antwort meines Vaters. Ich war auf einen schweren Kampf vorbereitet. Es verging ein Tag um den anderen, ohne oaß ein Brief meines Vaters kam. Am fünften Tage endlich wurde mir der Besuch meiner Schwester Ida gemeldet. Ich ging ihr freudig entgegen; mein Fuß stockte, als ich in das Gesicht meiner Schwester sah. Sie stand vor mir, mit kalten und harten Augen; sie musterte mich, und dann legte sie ein Päckchen auf den Tisch. Ich riß es eilig auf: Banknoten fielen heraus. Ich taumelte zurück.„Ida, Ida..., stammelte ich. Mit einer eisigen Gebärde schnitt sie mir das Wort ab; dann sagte sie tonlos:„Eine Kleinigkeit für die erste Zeit, damit du nicht ganz ohne Mittel dastehst. Meine kleine Erbschaft von Tante Trude habe ich dir geopfert, da du sonst von keiner Seite Hilfe zu erwarten hast. Vater weiß nicht, daß ich hier bin. Für ihn bist du... tot... Hier schwankte ihre Stimme, sie beherrschte sich und fuhr fort:„Auch Mutter will nichts mehr von dir wissen; sie kann es nicht begreifen, wie ein Kind sich gegen seinen Vater auflehnen und wie ein Felseneck keinen Stolz besitzen kann und nicht weiß, was es heißt, Soldat zu sein. Ich selbst schäme mich für dich und darüber, daß du mir das alles antun konntest— mir, die ich dir in meiner Gutmütigkeit stets geholfen hatte. Ich konnte ja nicht ahnen, daß du mir dies so danken würdest!“ „Ida, du kennst mich doch gut, du darfst so nicht zu mir sprechen. Du weißt doch, daß ich nicht Soldat sein kann— du weißt, wohin meine Ziele gehen. Als Gutsherr hätte ich meine kaufmännischen Fähigkeiten „Schweig! Ich will davon nichts mehr hören. Ein Felseneck und nichts weiter im Kopfe als Berechnungen und Zahlen. Hätte ich ahnen können, wohin dein Streben dich führen mußte, ich hätte dir nie geholfen. Nun mußt du ertragen, was du dir selbst eingebrockt hast. Hier, nimm das Geld; ich hoffe, daß es dir Segen bringt. Aber laß zu Hause keinen Menschen ahnen, daß ich bei dir war und daß ich dir geholfen habe“, schloß die Baronin Warnstein änostlich...4 Hnm Aum m4 Idaz ist es denn so schrealich, sich einen Beruf zu suchen, in dem man glücklich und zufrieden sein kann? Ist es ein Verbrechen, wenn man seine Fähigkeiten ausnutzen will? Ist es besser, gezwungen Soldat zu sein Ida wollte gehen, ich ging ihr nach:„Ida, hast du kein gutes Wort für mich?“ Da schluchzte sie laut auf, umarmte und küßte mich: Noch ist es Zeit, noch kannst du reumütig zurückkehren und Vater Abbitte leisten. Wenn du dich seinem Willen beugst, kann noch alles gut werden. Ich habe dich lieb, Erich; höre auf mich und auf meine Bitte. Gib deine fixen Kaufmannsideen auf, kehre zu uns zurück und nimm das Los auf dich, das dir beschieden und das doch wahrlich erträglich ist und das alle Felsenecks bisher ertragen haben.“ Nein. Inimart und Laut und deutlich gab ich diese Antworlt, und ich löste mich aus ihrer Umarmung. „Nein und abermals nein. Ich kann nicht zuruck. Valer hat gar keinen Versuch gemacht, mich zu verstehen. Gut! Möge alles seinen Gang gehen. Mein Weg ist anders als der eure. Vielleicht werdet ihr später einsehen, daß ich recht gehandelt habe. Es tut mir leid, Ida, daß alles so gekommen ist, und ich danke dir für alle deine schwesterliche Liebe und für deine Hilfe. Das Geld nimm wieder mit. Ich selbst habe ja von Tante Trude einige tausend Mark geerbt, sie liegen noch unangetastet auf der Bank. Du wirst verstehen, wenn ich aus eigener Kraft mein neues Leben beginnen will. Du mußt jetzt gehen. Grüße die Eltern noch einmal und sage ihnen, daß sie mir verzeihen mögen; ich kann nicht anders... „Erich, was willst du tun? Das Geld werde ich keines. falls wieder mitnehmen, du wirst es brauchen können. Schau' mich nicht so finster an, nimm es als ein Geschenk von mir und lasse mir wenigstens die Gewißheit, daß du vorderhand vor Not geschützt bist. Gottes Segen mit mir. Die Eltern kann ich nicht grüßen. Keiner darf wissen, daß ich bei dir war. Es ist feige, ich weiß es; aber ich fürchte mich vor Vaters Zorn, und du weißt, wie furchtbar er sein kann, wenn sein Wille nicht geschieht. Erich, leb wohl... und ich bitte dich, schreibe mir... später... Wir küßten uns, und dann war sie verschwunden. Ich stand am Fenster des Hotelzimmers und sah ihr nach. Sie drehte sich nicht um und ging schnell fort. Mit zusammengepreßten Lippen sah ich der hohen Gestalt nach, bis sie verschwunden war. Dann setzte ich mich an den Tisch und weinte bitterlich. Vierzehn Tage später landete ich in Neuyork. Ich hatte mit allem dem abgeschlossen, was früher gewesen war. Ein neues Leben mußte anfangen. Ein neues Leben als Erik Hätton. Der Freiherr Erich=Ottmar von FelseneckDahle war tot. Ich hatte Glück, Kind. Ich kam zu einem Industriellen, der ins Ausland exportierte, hauptsächlich nach Deutschland, und ich war mit meinen Kenntnissen hier in der richtigen Stelle. Nach einigen Jahren kam ich zu deinem Großvater. Und damit kam das große, unerwartete Glück. Meiner Schwester hatte ich ab und zu geschrieben, von meiner ersten Stellung, von dem Sekretärposten bei Tobias Jefferson, von meiner Heirat; aber ich hatte ihr verschwiegen, wen ich geheiratet hatte; ich wollte mit deiner Mutter und mit dir nach Deutschland fahren, und deine Mutter selbst mit ihrem sonnigen Wesen und mit ihrem Reiz sollte sich die Herzen meiner Familie erobern; sie sollten nichts von ihrem Reichtum wissen. Es kam anders. Ida weiß auch, daß ich ein Kind habe und meine Frau tot ist. Ich habe nie eine Antwort von ihr erhalten; aber ich habe erfahren, daß meine Briefe alle angekommen sind. Mein Berliner Rechtsanwalt, Doktor Lindner, hat sich vergewissert. Durch ihn habe ich auch erfahren, daß meine Eltern gestorben sind, und daß sie mir auch in ihrer Sterbestunde nicht verziehen haben, daß sie und meine Geschwister mich für einen Abenteurer halten und für ein verkommenes Glied ihres alten Geschlechts... Nun weißt du alles, Kind. Begreifst du nun meine Sehnsucht, die nie gestillt werden kann? Sie wollen alle nichts mit mir zu tun haben, obwohl sie wissen, daß ich noch sun Vater und Tochter saßen sich lange Zeit schweigens gegenüber. Sylphe war erschüttert von dem, was sie gehört. Es wuchs in ihr ein Haßgefühl auf gegen diese Menschen, die ihrem Vater Böses zugefügt hatten, gegen die Geschwister, die nicht einen Funken Liebe für den Vater erübrigten, für diesen prächtigen und seltsamen Menschen. Leise nahm sie die Hand des Vaters und legte ihre Wange hinein. „Pa, lieber Pa, was mußt du gelitten haben! Aber ich bin ja nun da und reise mit dir nach Deutschland. Oh, ich will ihnen zeigen, daß wir keine Abenteurer sind und daß sie sich unserer nicht zu schämen brauchen. Ja, Pa, wir wollen reisen, bald.“ „Kind, das geht nicht mehr. Ich bin alt und müde. Sylphe, wer weiß, ob ich solch eine Reise noch überstehen „Bist du so krank, Pa?“ fragte das Mädchen erschreckt. „Nein, Kind, krank bin ich nicht. Aber ich bin nicht mehr der Rüstigste mit meinen achtundfünfzig Jahren.“ Lächelnd strich er über die Augen, die ihn ängstlich und besorgt ansahen. 812„f4* 8 Und Sylphe hatte plotzlich gesehen, wie alt und verallen der Vater aussah. Es wurde nichts mit der Autofahrt nach Javannah. Erik Hätton war krank. Ob ihn die Erinnerungen zu sehr angegriffen hatten, ob die jahrelang unterdrückte Qual ihn zermürbt hatte— der hinzugezogene Arzt mußte ein starkes Herzleiden konstatieren. Die Krankheit verschlimmerte sich, und acht Wochen später, acht Wochen nach dem ernsten Gespräch mit seiner Tochter, schloß Erik Hätton die Augen für immer. Er wurde neben seiner Frau in der Familiengruft beigesetzt. Sylphe war todtraurig; sie hatte mit inniger Liebe an dem Vater gehangen. Sie war nun ganz verwaist. Aber sie ließ sich nicht gehen und hatte sich äußerlich ganz in der Betools. m 5 Sylphe Hätton war die Eroin uno die Besitzelln des väterlichen Riesenvermögens. Die Firma Tobias Jefferson wurde aufgelöst, das große Haus in Neuyork verkauft; Sylphe behielt nur ihre Besitzungen in Charleston und in Javannah. Ihr Onkel Ferrie de Este übernahm die Verwaltung ihres großen Vermögens; er stand ihr mit seinem erfahrenen Rat getreulich zur Seite. Die Trauerzeit verlebte Sylphe zuerst still und zurückgezogen auf den Plantagen ihres Onkels. Später kehrte sie nach Javannah zurück, und die alten Freunde scharten sich um ve. Hanh 929 Tönin int Man riß sich naturlich um die Hand des schonen und reichen Mädchens. Sylphe schlug alle Bewerber aus; man munkelte, daß Sylphe und José de Este ein Paar werden würden. 3 Man 65. Die Verwunderung war um so großer, als mun holle, daß Sylphe Hätton Amerika verlassen und nach Deutschland übersiedeln wollte. Sylphe hatte sich alles reiflich uberlegt; sie hatte iorem Onkel mitgeteilt, daß sie nach Deutschland fahren und ihre Verwandten besuchen wollte. Sie wollte Abrechnung mit ihnen halten für das, was sie ihrem Vater angetan hatten. José de Este sah lächelnd auf den glühenden Eifer der Nichte; aber er mußte ihrem Drängen nachgeben und ordnete alles, was zu der großen Reise nötig war. Er setzte sich mit dem Rechtsanwalt Doktor Lindner in Berlin in Verbindung. S. E.22 a Dieser teilte ihm mit, daß Baron Justus Felsenen=Dähle, der jetzige Erbherr, nicht auf seinen Gütern lebte, sondern in der Stadt Eggenheim. Es ging ein Schreiben ab an den Baron Justus Felseneck mit der Nachricht von dem Ableben des Barons Erich=Ottmar von Felseneck=Dahle, genannt Erik Hätton, und nach einigen weiteren Wochen teilte ein amerikanischer Bevollmächtigter dem Freiherrn mit, daß seine Nichte, die Tochter des verstorbenen Erik Hätton, nach Deutschland zurückkomme und hoffe, Aufnahme in der Familie ihres Vaters zu finden. Der Dampfer sei noch nicht bestimmt, die Familie würde telegraphisch von dem Eintreffen Sylphe Hättons benachrichtigt werden. Ende Mai fuhr Sylphe Hätton, die Tochter des bekannten verstorbenen Millionärs Erik Hätton, in Begleitung ihrer Gesellschafterin und Freundin Isabella Doods, der Hausdame Hanna Smith, ihrer schwarzen Dienerschaft und ihres russischen Windhundes Snob nach Deutschland. Eggenheim war eine mittelgroße Stadt. Sie sah gut aus mit ihren breiten und sauberen Geschäftsstraßen, ihren Museen, Denkmälern, Promenaden, Schmuckplätzen und Villenvierteln und mit dem imposanten Stadttheater. Eine elektrische Bahn verband die Innenstadt mit den Außenbezirken. Im Zentrum herrschte reges Leben; man ging in den Geschäften ein und aus, man traf sich in den hübschen Kaffeehäusern. Den Mittelpunkt des Lebens und des Interesses bildete ein merkwürdiges altes Gebäude mit vielen Türmen und Erkern. Der romantische Bau stand in einem großen Park. Vor dem breiten, portalähnlichen Eingang lag ein breiter Vorgarten mit einem Springbrunnen; das Ganze machte einen schloßähnlichen Eindruck. Vo langer Zeit war das kleine Schloß von einem reichen Bau meister gebaut und später an einen Prinzen verkauft wor den; der Prinz hatte das große Haus einem wunderliche: alten Herrn weiterverkauft. Nach dessen Tode fiel das Ge bäude an die Stadt, die für die Beerdigungskosten und di Schulden des alleinstehenden Mannes aufkommen mußte Seit jener Zeit stand es zum Verkauf, ohne daß sich bis her ein Liebhaber gefunden hätte. Das Haus stand leer unt verlassen; dichter Efeu umwucherte den Bau. Man wun derte sich nicht, daß es den Beinamen„Verwunschenei Schloß“ führte. 614 Ein heirlicher Junitag war angebrochen, die Sonnschien heiß und unbarmherzig über Eggenheim. Man fühltsich nur wohl unter den schattigen Bäumen der Promenade Das fanden auch die drei jungen Damen, die geraddie Promenade entlang wandelten. Die zwei älterer Damen gingen wohlerzogen und gesittet und unterhielter sich ruhig und gewandt, die jüngere hatte lebhafte und etwas unruhige Bewegungen, und mußte hier und da vor ihrer älteren Schwester zur Ruhe gemahnt werden Zwischen den Schwestern ging die dritte, eine etwas üppige schwarzhaarige und ziemlich kokette Erscheinung mit ebenmäßigem, stets gleichmäßig lächelndem Gesicht. Sie hatte fleischige Hände, die nervös mit dem roten Sonnenschirn spielten.4.59; ihrmm Viktoria von Felsenea war gerabe dabei, ihren großer Florentinerhut in die Luft zu schwenken, als ihre Schweste: mahnend sagte: „Aber Toria, du benimmst dich wie irgendein alberne: Backsisch, aber nicht wie eine Freiin von Felseneck; ich wundere mich, daß du deine Kinderstube immer wieder „Ach, Ruth, ich bin so froh, wenn ich mich unterwegs in Gottes freier Natur mal austoben kann; zu Hause muß man ja ohnehin immer still sein.“ Trotzig kam es von den jungen Lippen; Viktoria von Felseneck streifte dabei mit einem verächtlichen Seitenblick ihre zweite Begleiterin, die geziert und etwas hochtrabend einherstolzierte. „Du weißt, Toria“, fuhr Ruth von Felseneck fort,„daß wir jeden Augenblick eine von Mamas Freundinnen treffen können, und daß Mama dann erfährt, wenn du dich unangemessen aufführst.“ „Ach Gott, du hast recht, Ruth; das ist jetzt bei uns schrecklich. Es ist wie auf einem Pulverfaß, das jeden Augenblick in die Luft gehen kann.“ „Toria, ich muß dich jetzt ernstlich bitten, ruhig zu sein; es wäre schrecklich, wenn jemand deine Worte hören „Nein, es ist ja niemand in der Nähe als du, Ruth, und Marline. Ihr beide müßt zugeben, daß es bei uns nicht mehr auszuhalten ist, seitdem die Mitteilungen aus Amerika gekommen sind; seitdem wir auf die Ankunft dieser Sylphe Hätton warten, kann man mit Papa kaum mehr auskommen. Er geht einher wie ein feuerspeiender Vesuv.. „Aber Toria...!“ Das junge Mädchen hörte nicht auf die Mahnung dir Schwester, sondern fuhr unbeirrt fort: „Mama hat ewig Migräne, und Tante Ida und Tante Fränze zucken bei jedem Klingeln zusammen aus lauter Angst vor der„Wilden“, die da kommen wird. Mich wundert nur, Marline, daß deine Mama so ruhig ist. Ich meine, sie geht das alles doch auch etwas an!“ „Nun, Mama weiß sich zu beherrschen“, gab Marline von Dorne, die Kusine der beiden Schwestern, eitel und selbstbewußt zurück. „Ach“, sagte Viktoria,„ich bin nur gespannt, wie die neue Kusine aus Amerika aussieht. Ob sie noch jung ist und schön oder ältlich und häßlich, ob sie dick ist oder dünn.“ „Ich würde dir raten, Toria, dir nicht allzuviel vorzustellen und deiner Phantasie nicht die Zügel schießen zu lassen. Du brauchst dich nicht zu wundern, wenn eines Tages plötzlich eine Schwarze mit dicken, wulstigen Lippen vor dir steht und dir einen Kuß geben will. Es ist überhaupt eine Zumutung, eine solche Wilde bei sich aufnehmen zu müssen. Ich werde mich jedenfalls gar nicht mit ihr abgeben und ihr fühlen lassen, daß sie in meinen Augen nicht mehr ist als eine unserer Dienstboten.“ „Pui, Marline! Wie kannst du nur so reden von deiner Kusine, die zur Waise geworden ist?“ Empört wandte sich die kleine Viktoria ab. Sie begriff nicht, wie ein Mensch so herzlos sein konnte. Es war der unbekannten Kusine sicher nicht leicht geworden, so einfach nach Deutschland zu fahren und den Verwandten zur Last fallen. Aber wo sollte das arme Mädchen hin, wenn sie keinen Menschen da drüben hatte und wenn sie allein war unter all diesem wilden Volk? Viktoria von Felseneck=Dahle hatte tiefes Mitleid mit diesem armen Geschöpf, das ihre kindliche Phantasie als verwildertes, dunkelfarbiges, verschüchtertes Mädchen sah, dem sie sicher bald gut sein würde. Die beiden Großen waren längst zu einem anderen Thema übergegangen. Jetzt kam ihnen ein Mann entgegen, ein schöner, dunkelhaariger Mensch mit einem sympathischen Gesicht. Er grüßte ehrerbietig; seine Blicke galten sichtlich nur einer von ihnen. Ruth war ein wenig rot geworden bei dieser plötzlichen Begegnung; sie atmele schnell. Bald jedoch hatte sie ihre Erregung bezwungen. Marline war das alles nicht entgangen und boshaft meinte sie:„„ 66ns „Ein eingebildeter Mensch, dieser Flieger. Lans Ungahr tut, als ob keiner mit ihm konkurrieren könnte. Und dabei steckt er bis über den Kopf in Schulden!" „Das ist nicht wahr, Marline“, sagte Ruth von Felseneck fest.„Hans Ungahr ist nicht reich, aber er hat sicher keine Schulden. Er lebt sehr zurückgezogen, um mit dem auszukommen, was ihm zur Verfügung steht.“ (Fortsetzung folgt.) K e, eeiete tehg Eigel=vor##rn Naun, ortzten#### c ei eth. Ansebaiet#sm## Rinkeny Prgisang vermioten. Moheenstg Hauptbahn Hübsch möblierte 11er, 2 Betien. gehend, zu perTechinagttate lung. Ang. p1 Stadtgelezene atzin#str, I Hinierhaus, (2 Etuge, Hartness. Lod Telefon, engetenenben seet. #cngergasse##—901. 1 Alt=A9n. er e #isportrre übet=thalber vill Vorneh möbliertes Doppetz### lengent, TrnRudensstraße 7, 1. N# Zimmer Zimmer Limme AbezugstoffHälfte## martt 14. an 8 „Hetrn N 66 imasch. 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