Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Aplerbecker Langscheder Holzwickeder Zeitung Zeitung Zeitung Zeitung Enzige preise fiü de ochgespot mavie 6 Pla, Aaapsr. üige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Ptg., Reklameels 40 P/, Hiu lzeieson ausgegedene Inserate üdemehnen wie kaine Gewödr. Bei unvorbergesehn. Beiriedestbrungen, dervorgerusen durch döbere Gewalien, ödernedmen wir beinertei Gewäde für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Ansoruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden Di.„Sourion Jatung“ aschem uh chaulih seche ual. Bonungepreis hadmonatlich 1.20 Maik, Einzelmumug 13 Pfg. Druck u. Verlagvon C. Brau, Schwerte(Rude), Poschacktkoaug; Dortmund 2632 und Hannover 21974. Geschäststsels. Broße Marist. 3—3. Verantworllig für die Schrifresang, H. Limner, Schwerte. Hernrus 2r70 Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen S Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 132(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Samstag, den 7. Juni 1930 63. Jahrgang Rotopfer und Junggesellensteuer Wer hat eine gesicherte Stellung? Erlauterungen des Rrichssmanzmunisters anb. Berlin, 7. Juni.(Eig. Meldung.) Reichs, finanzminister Dr. Moldenhauer empfing gestern abend Vertreter der Presse, um ihnen weitere Aufklärungen zu den gestern veröffentlichten Deckungsbeschlüssen des Reichskabinetts zu geben. Dabei machte er noch eine Reihe von Mitteilungen über den Inhaltder Gesetzentwürfe, die übrigens bereits heute dem Reichsrat zugeleitet werden. Aus diesen Ausführungen ist zu entnehmen, daß die„Reichshilfe“ folgende Kategorien umfaßt: 1. die Beamten, 2. die Dauerangestellten der öffentlichen Verwaltung, die sich ja in einem beamtenähnlichen Verhältnis befinden, 3. die Festangestellten der Privatwirtschaft. die nicht der Beitragspflicht für die Arbeitslosenversicherung unterliegen, deren Bruttoeinkommen also über der 8400=Markgrenze liegt. Für die Erhebung vom Beamteneinkommen gilt dieselbe Freigrenze wie bei der übrigen Einkommensteuer. Bei der Vorbereitung des Gesetzes hat man sich auch die Frage vorgelegt, wieder Begriff der gesicherten Stellung zu fassen sei, und es ist beschlossen worden, den Angestellten der Privatwirtschaft, die im Laufe des Jahres ihre Stellung verlieren, die Beiträge zurückzuerstatten. Es ist aber auch Vorsorge getroffen worden, daß nicht jemand zum Schein mit einer Abfindung von einem Monatsgehalt entlassen und am nächsten Monatsersten wieder eingestellt werden kann, um den Zuschlag zu umgehen. Die Erhebung erfolgt mit der Lohnsteuer. Nach den Berechnungen des Reichsfinanzministeriums erbringt jedes der vier Prozent der„Reichshilfe", abgerechnet die Dauerangestellten der öffentlichen Verwaltung, 90 Millionen Mark. Der Anteil der Beamtenschaft daran beträgt 78 Millionen, der der Angestellten der Privatwirtschaft 12 Millionen. Während die Reichshilfe der Festbesoldeten und der Zuschlag für die festbesoldeten Ledigen ab 1. Juli erhoben wird, sind in die Tantiemensteuer auch einmalige Einnahmen, Tantiemen, Gratisikationen einbezogen, die zwischen dem 1. April und dem 1. Juni zur Auszahlung gelangt sind. Sie werden, entsprechend den drei Quartalen des Vierteljahres, zu ¾ herangezogen. Ueber die zeitliche Begrenzung wird in den Entwürfen festgelegt, daß die Steuer für die festbesoldeten Ledigen bis zum 31. März nächsten Jahres befristet ist, während die Reichsregierung in dem Gesetz über die 4prozentige Reichshilfe ermächtigt wird, sie am 1. April 1931 zu mildern oder aufzuheben. Die Vorverlegung der Fristen bei der Zigarettensteuer erfolgt übrigens von zwei Monaten auf einen Monat. Wie Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer weiter betonte, ist das Kabinett der Auffassung, daß sofortige Maßnahmen nötig sind, eine Verschiebung der Vorlagen auf den Herbst also nicht in Frage kommt. Er wies darauf hin, daß der Etat unter allen Umständen in Ordnung sein müsse, schon mit Rücksicht auf eine Reihe großer Pläne, für die wir auch ausländische Kredite brauchen. Dazu gehört z. B. die Ankurbelung des Baumarktes durch zusätzliche Reichshilfe und das Ostprogramm. Wegen dieser Notwendigkeit, die Maßnahmen zu beschleunigen, habe das Reichsfinanzministerium sofort Anfang Mai, als das Defizit sich herausstellte, Fühlung mit dem Arbeitsministerium genommen. Dieses Vorgehen entspreche auch der Entschließung, in der der Reichstag im April ausdrücklich vorgesehen hat, daß ein Gesetz zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung vorgelegt werden soll, wenn die Arbeitslosigkeit schärfere Formen annimmt. Der Belastung durch einprozentige Erhöhung des Beitrages für die Arbeitslosenversicherung, die durchaus begrenzt ist, hält der Reichsfinanzminister die beabsichtigte dauernde Entlastung durch die Reform der Krankenversicherung entgegen. Die Berechnung der Reichsregierung für die Ausbalancierung berufen auf der Zugrundelegung einer durchschnittlichen Arbeitslosenziffer von 1,6 Millionen. Einen gewissen Mindereingang an indirekten Steuern durch Verminderung der Kaufkraft erwartet man eigentlich nur von der Amsatzsteuer. Das Reichsfinanzministerium rechnet damit, daß durch die Ankurbelung der Wirtschaft die Maßnahmen auf dem Baumarkt usw. ein Ausgleich geschaffen wird. Schließlich betonte Reichsminister Moldenhauer noch, daß die Herwtb. Paris, 6. Juni. Havas meldet aus Lyon: Das Luftschiff„Graf Zeppelin“, das zuletzt über Walence gemeldet war, ist wieder südwärts gegangen und befand sich nach den letzten Nachrichten über Montélimar. Wahrscheinlich haben die Nachrichten, daß in der Gegend von Lyon Gewitterstürme herrschen, den Graf Zeppelin zur Aenderung der Richtung veranlaßt. Der Lyoner Lufthafen Bron hat auf Funkanrufe keine Antwort erhalten. Die Funkstation von Le Bourget hat Nachricht erhalten, daß der Graf Zeppelin um 15,07 Uhr die Ortschaft Lons—Lesaunier(Jura) überflogen hat. Er hat also die Gewittergegend umgangen. „Graf Zeppelin“ gelandet wtb. Friedrichshafen, 6. Juni.(Tel.) Nachdem das Luftschiff„Graf Zeppelin“ um 6.15 Uhr nachmittags Zürich überflogen hatte, erschien es in strahlendem Abendsonnenglanz um 7,13 Uhr erstmals über Friedrichshafen. Das Luftschiff fuhr außerordentlich niedrig mit direktem Kurs auf das Werftgelände. Die Landungsflagge ist bereits ausgehängt, sodaß die Landung in kurzer Zeit erfolgen dürfte. Auf dem Werftgelände und um den Landungsplatz hat sich eine riesige Menschenmenge angesammelt, die mit dem Sichtbarwerden des Luftschiffes in begeisterte Hochrufe ausbrach. Der Landungsplatz selbst ist von einem starken Aufgebot von Schutzpolizei abgesperrt. Es herrscht ein ziemlich starker Ostwind. Der Vertreter der Stadtgemeinde und absetzung des Haushalts im ganzen 60 Millionen ausmachen wird. 35 Millionen davon ergeben sich daraus, daß das noch zu deckende Defizit des Vorjahres um 35 Millionen geringer war als angenommen. 25 Millionen werden am laufenden Haushalt gestrichen. Die Reichshilfe der Fesiesolbseten und Ledigen Vier und fünf Prozent vom Einkommen. enb. Berlin, 6. Juni.(Eigene Meldung.) Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald verbreitete sich heute mittag vor der Presse des Näheren über die gestrigen Beschlüsse des Reichskabinetts. Daraus ist von besonderer Bedeutung, daß das, was bisher über die vorübergehende Reichshilfe der Festbesoldeten und Ledigen bekannt geworden ist, nicht zutrifft. Der Zuschlag für die Festbesoldeten wird nicht auf die Einkommensteuer, sondern auf das Einkommen erhoben, und zwar beträgt er 4 Prozent. Der Einkommensteuersatz wird damit für die betrosfenen Kreise von 10 auf 14 Prozent erhöht; das bedeutet eine 40prozentige Erhöhung. Diese Erhöhung wird von allen Beamten erhoben, dagegen nur von den Angestellten der Privatwirtschaft, deren steuerpflichtiges Einkommen die Grenze von 8 000 RM überschreitet. Dazu kommt dann noch der bereits gemeldete Zuschlag für die Ledigen, so daß der Einkommensteuersatz für die festangestellten Ledigen 15 Prozent beträgt. Die vorübergehende Reichshilfe ist begrenzt vom 1. Juli d. J. bis 31. März 1931, also für die drei noch ausstehenden Quartale des Etatjahres. des Gaues Württemberg des ADAC haben sich bereits zur Begrüßung eingefunden. Langsam nähert sich der„Graf Zeppelin“ der Luftschiffhalle. Aus der Gondel winken die Passagiere. Die Glocken der Kirchen läuten dem heimkehrenden Luftschiff den Willkommensgruß. Nach und nach werden die Motoren abgestellt. Langsam senkt sich das Luftschiff. Die Haltemannschaften warten auf das Herabfallen der Haltetaue. Um 7,20 Uhr fallen die ersten Taue vom Luftschiff herab. Die Mannschaften ziehen das Schiff herunter. Um 7,21 Uhr abends ist„Graf Zeppelin“ glatt gelandet. Die Haltemannschaften ziehen das Luftschiff dann langsam dem Westtor der Halle zu. wtb. Friedrichshafen, 6. Juni.(Tel. Das Luftschiff Graf Zeppelin ist nach glücklicher Vollendung seiner ersten Südamerikafahrt heute abend um 19,21 Uhr hier wieder glatt gelandet. Begeisterter Empfang des Lustschiffes und seiner Besatzung in Friedrichshafen wtb. Friedrichshafen, 7. Juni.(Funkspruch.) Um 7,45 Uhr war das Luftschiff glücklich in der Halle festgemacht. Am Bug zeigte„Graf Zeppelin“ zum erstenmal die deutsche Handelsflagge und vor der Führergondel war als sichtbares Zeichen der Südamerikafahrt ein kleines präpariertes Krokodil aufgehängt. Die Gondel war mit Palmenzweigen reichgeschmückt. Um 7,50 Uhr entstiegen zuerst die Passagiere und dann die Mannschaft einzeln dem Luftschiff. Als Dr. Eckener erschien, wurde er von der begeisterten Menge mit brausenden Hoch= und Hurrahrufen begrüßt, Zur Begrüßung ergriff als erster Graf Brandenstein das Wort. Sodann gab Stadtschultheiß Schnitzler seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß diese Fahrt so wohl gelungen sei. Dem Führer und seinen Getreuen sei für diese große Leistung der Dank des Vaterlandes sicher. Er überreichte Dr. Eckener als Zeichen der Anerkennung seitens der Stadtgemeinde und des ganzen deutschen Volkes einen Lorbeerkranz und schloß mit einem Hoch auf das Luftschiff. Im Namen des ADAC fand der Vorstand Heuß ebenfalls für die Führung und die Mannschaft des Luftschiffes herzliche Willkommensworte. Auch er überreichte einen Lorbeerkranz. Die Offiziere und die Mannschaft wurden mit Blumensträußen reichbedacht. Dr. Eckener dankte im Namen der Besatzung für die überaus herzlichen Willkommengrüße. Die Fahrt, so sagte er, habe viele Fragen gelöst. Ihr Ergebnis müsse als günstig betrachtet werden. Darauf spielte die Kapelle das DeutschlandBlutige Tragödie enb. Berlin, 7. Juni.(Eig. Radiomeldung.) Gestern abend ereignete sich im Lunapark ein aufregender Vorfall. Der 27 Jahre alte Elektromonteur Fritz Besies gab in einem Kahn auf dem Halensee auf seinen Kameraden, den 28 Jahre alten Monteur Erwin Kotke, vier Schüsse ab, durch die Kotte lebensgefährlich verletzt wurde. Besies brachte sich darauf einen Kopfschuß bei und sprang, während er die Wasse noch abdrückte, in den Halensee. Kurze Zeit später wurde er als Leiche geborgen. Die grauenvolle Tat geschah, als der Betrieb im Lunapark auf dem Höhepunkt war. Das Publikum stob in panikartigem Schrecken auseinander. Die Motive für die Tat sollen in Eisersucht zu suchen sein. lied, das die Menge mitsang. Die Passagiere begaben sich dann in ihre Hotels. Die Mannschaft wurde in blumengeschmückten Wagen durch die Stadt geführt und von den auf den Straßen versammelten Menschenmassen mit stürmischen Hochrufen empfangen. Der Verkehr in der Stadt hat außerordentlich starke Ausmaße angenommen. Nicht weniger als 2000 Fahrzeuge des ADAC hatten sich zum Empfange eingefunden. Bis in die späten Abendstunden herrschte ein äußerst reges Leben und Treiben. Der Reichsverkehrsminister an Dr. Eckener wtb Berlin, 6. Juni.(Tel.) Reichsverkehrsminister v. Euérard hat an Dr. Eckener folgendes Telegramm gerichtet: „Wiederum kann ich Ihnen, Ihrer Besatzung und allen Ihren Mitarbeitern namens der Reichsregierung die herzlichen Glückwünsche zur Vollendung einer großen Luftverkehrsleistung aussprechen. Die jetzige Reise des„Graf Zeppelin“ hat zum erstenmal ein Luftschiff auf die südliche Halbkugel der Erde geführt und die Möglichkeit eines harmonischen Zusammenarbeitens von Luftschiff und Flugzeug im Transozeanverkehr praktisch verwirklicht. Sie haben damit dem Luftverkehrswesen einen neuen großen Dienst erwiesen. Das deutsche Volk, welches an der Entwicklung der Luftfahrt tatkräftigsten Anteil nimmt, wird Ihnen und Ihren Mitarbeitern voller Begeisterung Dank wissen.“ Dr. Eckener Ehrenbürger von Sevilla wtb. Sevilla, 6. Juni. Der hiesige Stadtrat hat Dr. Eckener zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Der Reichsarbeitsminister sder Krsenuntertlühung wtb. Berlin, 7. Juni.(Tel.) Der Reichsarbeitsminister hat gestern mit den Vertretern der Gewerkschaften Fragen der Krisenunterstützung besprochen. Er führte aus, daß er ständig bemüht sei, der Notlage auf dem Arbeitsmarkt auch auf dem Gebiete der Krisenunterstützung im Rahmen des Möglichen Rechnung zu tragen. Die Geldmittel, die das Reich für die Krisenunterstützung zur Verfügung stellen könne, seien bei der gegenwärtigen Gesamtlage aber begrenzt. Wenn den vielfachen Wünschen auf Ausdehnung der Krisenunterstützung in vollem Amfang entsprochen werden würde, so würde dies für das Reich gegenüber dem Haushaltsansatz von 150 Millionen Reichsmark eine Mehrbelastung von mehreren hundert Millionen Reichsmark ergeben. Er habe sich bereits mit Erfolg für eine nicht unbeträchtliche Erhöhung der Haushaltsmittel eingesetzt, um dadurch in der Lage zu sein, wenigstens den größten Not ständen zu begegnen. Demokraten zum Sanderungspreagramm enb. Berlin, 7. Juni.(Eig. Radiomeldung.) Wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, wird die demokratische Reichstagsfraktion zum Deckungsprogramm endgültig erst nach Zusammentritt des Reichstages Stellung nehmen. Schon jetzt läßt sich aber, so heißt es in der Korrespondenz, sagen, daß in demokratischen Kreisen die schwersten Bedenken bestehen. Es werde insbesondere bedauert, daß der Reichswirtschaftsminister Dietrich infolge seiner Krankheit verhindert war an den entscheidenden KaDoch Arbensgemenschuft! Die heutigen Verhandlungen zwischen Industrie und Gewerkschaften Fortsetzung in der Woche nach Pfingsten- Die Entwicklung enb. Berlin, 7. Juni.(Eigene Meldung.) Die Verhandlungen der Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Industrie und der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände mit den Führern der drei Gewerkschaftsrichtungen sind gestern fortgeführt worden. Die Arbeitgeberseite legte ihre neuen Vorschläge vor, die ste in ihren internen Verhandlungen vorgestern ausgearbeitet hatte. Von beiden Seiten wird uns versichert, daß die gestrige Besprechung einen durchaus günstigen Verlauf genommen habe. Sie werde in der Mitte oder zweiten Hälfte der nächsten Woche fortgesetzt werden, und es wird als durchaus wahrscheinlich bezeichnet, daß sie dann bereits zum Abschluß kommt. Das Verhandlungsgebiet umfaßt nicht nur das Problem der Preis= und Lohnsenkung, es wird vielmehr eine Einigung auch über alle Fragen erstrebt, die der Wiederankurbelung der Wirtschaft und damit der Ueberwindung der Arbeitslosigkeit im Wege stehen. Sobald die Verständigung erreicht ist, werden dann die Spitzenorganisationen der Industrie von ihren Unterverbänden die erforderlichen Maßnahmen verlangen. Unter Umständen dürften dann auch Einzelverhandlungen zwischen den Organisationen der verschiedenen Industriezweige und den Parallelgewerkschaften folgen, um die Senkungsaktion den besonderen Verhältnissen der verschiedenen Industrien anzupassen. „Eruf deppelin wieder bühenn Ergebnis der Fahrt ist günstig- sagt Dr. Eckener Zeppelin weicht Gewitterstürmen aus Der Orenzzwischeifan den=Neuhosen Vor Ueberreichung einer deutschen Protestnote binettsberatungen teilzunehmen. In demokratischen Kreisen werde auch auf die soziale Ungerechtigkeit des Notopfers hingewiesen. Bedauert werde, daß die Reichsregierung sich nicht zu den Reformen entschlossen habe, die die demokratische Reichstagsfraktion noch vor wenigen Tagen der Regierung vorgeschlagen hat und daß angesichts der riesigen Neuanforderungen die Reichsregierung auf einschneidende Sparmaßnahmen verzichtet habe. Wenn die jetzigen Sparvorschläge nur rund 50 Millionen Mark bringen, so stehe das in einem auffallenden Gegensatz zu dem Notopfer, das 350 Millionen bringen soll. Rteinlandbefreiungsmarke enb. Berlin, 7. Juni.(Eig. Radiomeldung.) Laut Voss. Ztg. wird im Reichspostministerium erwogen, aus Anlaß der Befreiung des Rheinland is eine besondere Marke herauszugeben. Kleine Meldungen. Auch die Kommunisten bauen ab. enb. Berlin, 6. Juni.(Eigene Meldung.) Dem Abend zufolge beabsichtigt die kommunistische Friedrichstadt=Druckerei am heutigen Zahltage der Hälfte des Personals zu kündigen. Die Maßnahme wird von der Druckereileitung damit begründet, daß die Welt am Abend die Verträge mit der Geschäftsleitung gekündigt hätte. Der Belegschaft hat sich wegen der Massenkündigung vor dem Pfingstfeste eine große Erregung bemächtigt. Verlustreicher Kampf mit Aufständischen in Brasilien. wtb. Neuyork, 6. Juni.(Tel.) Nach einer Meldung der Associated Preß aus Pernambuco kam es gestern bei Agua Branca im Staate Parahayba zu einem blutigen Kampf zwischen Polizei und Aufständischen. Die Polizei verlor dabei 25 Mann an Toten. Die Aufständischen erbeuteten große Mengen Waffen und Munition. Tschangscha und Tsinanfu von den Gegnern Nankings genommen. wtb Paris, 6. Juni.(Tel.) Nach einer Havasmeldung aus Schanghai haben die Gegner der Nankingregierung Tschangscha, die Hauptstadt der Provinz Schantung, eingenommen. Schwere Zusammenstöße in einer politischen Versammlung wtb. Wolfenbüttel, 6. Juni. In einer von der SPD. einberufenen öffentlichen Versammlung kam es gestern abend zu schweren Zusammenstoßen zwischen Reichsbannermitgliedern, Nationalsozialisten und Kommunisten, wobei mit Stühlen und Biergläsern aufeinander eingeschlagen wurde. Die Polizei mußte mit dem Gummiknüppel vorgehen, um den Saal zu räumen. Vier Nationalsozialisten und ein Reichsbannermann wurden erheblich verletzt und mußten vom Arzt verbunden werden. Ein weiterer Arbeiter, Vater von neun Kindern, erlitt vor Aufregung einen Herzschlag und starb alsbald. Etwa 25 Personen erlitten leichte Verletzungen. Im Saal wurden sechs Totschläger gefunden. Die Einrichtung wurde zum größten Teil zertrümmert. Polizeizuschüsse für Thüringen gesperri enb. Berlin, 6. Juni.(Eig. Meldung.) Das thüringische Staatsministerium hat sich, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, nach Mitteilung des Staatsministers Baum nicht entschließen können, dem förmlichen Ersuchen des Reichsinnenministers in bezug auf die Ernennung nationalsozialistischer Polizeidirektoren zu entsprechen. Damit sind die Voraussetzungen für eine Beteiligung des Reiches an den Polizeikosten des Landes fortgefallen. Der Reichsminister des Innern hat demgemäß angeordnet, daß weitere Zahlungen an Thüringen nicht mehr stattfinden. enb. Berlin, 6. Juni.(Eig. Meldung.) In dem Prozeß gegen die Gattin des Oberleutnants Warmuth, die unter der Anklage stand, eine Reihe von beleidigenden Drohbriefen an Reichswehrminister Groner geschrieben zu haben, kam das Große Schöffengericht Berlin=Mitte unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Masur zu einer Freisprechung der Angeklagten mangels Beweises auf Kosten der Staatskasse und folgte damit der Verteidigungsrede des Rechtsanwalts Dr. Kirchberg. Der Staatsanwalt hatte gegen die Angeklagte eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten wegen Beleidigung, Urkundenfälschung und Nötigung beantragt. Der Vorsitzende betonte, in der Begründung des freisprechenden Urteils, daß in der Tat gegen die Angeklagte eine ganze Reihe schwerwiegender Verdachtsgründe beständen, besonders infolge der Gutachten der drei Schreibmaschinensachverständi, gen. Der eine der Sachverständigen habe aber betont, daß sich trotz der merkwürdigen Eigentümlichkeiten in den inkriminierten Briefen und dem Schreiben der Angeklagten an ihre Freundin nicht feststellen lasse, ob alle Schriftstücke von der gleichen Person geschrieben seien. Es fehle also der letzte schlüssige Schuldbeweis. Das Gericht sei aber auch zu der Erkenntnis gekommen, daß bei der Angeklagten das richtige Motiv fehle. Einer der Zeugen, ein Kamerad des Gatten, wtb. Berlin, 7. Juni.(Funkspruch.) Der für die Untersuchung des Grenzzwischenfalles bei Neuhöfen eingesetzte deutsch=polnischen Kommission ist es nicht gelungen, sich über einen gemeinsamen und einheitlichen Bericht an die beiden Regierungen zu einigen. Die deutsche Regierung hat aber auch von den beiden Gutachten der deutschen und der polnischen Kommissionsmitglieder sowie von dem gesamten Beweismaterial Kenntnis erhalten. Sie hat dieses Material geprüft und ist dabei zu der Gewißheit gelangt, daß die Darstellung in dem deutschen Gutachten den Sachverhalt zutreffend wiedergibt. Danach haben seit dem Herbst vor. Jahres polnische Grenzschutzbeamte den Versuch gemacht, deutsche Grenzbeamte in Marienwerder zur Aushändigung von Geheimmaterial zu verleiten. Die Deutschen haben es zum Zwecke der wirksamen Bekämpfung solcher Versuche für ihre Pflicht gehalten, sich zum Teil darauf einzulassen. Infolgedessen ist es dazu gekommen, daß am 24. Mai abends zwei polnische Beamte die deutsche Grenze überschritten und sich zur Empfangnahme des Geheimmaterials in die PaßPfingstlagung des V. 9. A. 50 Jahre Schutzarbeit am deutschen Volke wtb. Salzburg, 6. Juni.(Tel.) Der Verein für das Deutschtum im Auslande, der das Verdienst für sich in Anspruch nehmen darf, nunmehr 50 Jahre für den Gedanken der Volksverbundenheit aller Deutschen über die Staatsgrenzen hinweg gewirkt zu haben, ist hier zu seiner Jahrestagung zusammengetreten. Im Zeichen des V.D.A. werden sich hier zur Besprechung der geleisteten und der künftigen Arbeit die Führer und viele tausend Anhänger der deutschen Volksschutzbewegung vereinen. Die Zahl der Teilnehmer, die zum großen Teil in vielen Sonderzügen bereits eingetroffen sind, wird sich auf weit über 20000 belaufen. Alle 26 Landesverbände entsenden stattliche Jungscharen, auch große Abordnungen des Grenzund Auslandsdeutschtums werden erwartet. Vom Hauptvorstand des V.D.A. ist der erste Vorsitzende Freiherr von dem Bussche=Haddenhausen und der geschäftsführende Vorsitzende, Konteradmiral Seebohm, bereits anwesend. Das preußische Staatsministerium wird durch Ministerialrat Dr. Wolff vom Ministerium des Innern und Ministerialdirektor Trendelenburg vom Kultusministerium vertreten. Die Universität Berlin hat Prof. von Ficker entsandt. Auch alle Vereine, die mit dem V.D.A. in Arbeitsgemeinschaft stehen, haben Delegierte entsandt. Die Tagung des BDA., zu dessen Ehren die Stadt im Flaggenschmuck prangt, wurde heute mit einer geschlossenen Sitzung des Hauptvorstandes eröffnet, in der zunächst das Programm der bis zum 9. Juni dauernden Arbeiten und festlichen Veranstaltungen besprochen wurde. Die Einigung in Nordwest Einigung über den Rahmentarifvertrag der technischen und kaufmännischen Angestellten in der rheinisch=westfälischen Eisen= und Stahlindustrie(Gruppe Nordwest). wtb Dortmund, 7. Juni.(Tel.) Nach zweitägiger Sitzung unter dem Vorsitz des Schlichters von Westfalen kam am 6. Juni zwischen den Parteien eine Einigung über den Rahmentarifvertrag der technischen und kaufmännischen Angestellten in der rheinisch=westfälischen Eisenund Stahlindustrie(Gruppe Nordwest) zustande, der für zwei Jahre gilt. Eine Reihe von Personen, die heute als Arbeiter gelten, werden den Angestellten zugezählt. Die Regelung der Ueberarbeit ist die gleiche geblieben, so daß die Werke die Möglichkeit haben, zeitweilig bis höchstens 54 Stunden je Woche arbeiten zu lassen, und zwar nicht nur für alle Abteilungen, sondern auch für einzelne Arbeitnehmer. Dagegen wurde die Bestimmung habe unter Eid bekundet, daß er bei der Angeklagten keinerlei Zeichen von Mißstimmung oder Traurigkeit bemerkt habe, als er ihr mitteilte, daß Oberleutnant W. nicht zu dem Brückenlehrkursus der zukünftigen Generalstabsoffiziere zugelassen, sondern wieder in die Garnison nach Deutsch=Eylau zurückversetzt worden sei. Auch die Ausdrucksweise in den Briefen lasse sich nicht mit der Tat einer Dame in Verbindung bringen. Das Gericht betonte, daß es, obwohl der Schein durchaus gegen die Angeklagte sprach, trotzdem mit Rücksicht auf die Persönlichkeit und den fehlenden Beweggrund zu einer Freisprechung gelangt sei. (Oberleutnant Warmuth aus Deutsch=Eylau war Teilnehmer an einem Führerkursus, dessen 1. und 2. Abteilung er absolvierte. Zum 3. Teil des Kursus wurde er nicht zugelassen. Es kamen nun anonyme mit der Schreibmaschine ausgefertigte Briefe ans Reichswehrministerium, die den Leiter des Kursus und schließlich den Reichswehrminister scharf angriffen. Die Frau des Oberleutnants Warmuth geriet in den Verdacht, diese anonymen Briefe geschrieben zu haben, man fand auch eine von ihr benutzte Schreibmaschine, die eine in den Briefen vorkommende besonders abweichende Stellung eines Buchstabens aufwies. Daraufhin war die Anklage gegen die Frau des Offiziers erhoben worden.) kontrollbaracke bei Neuhöfen begeben haben. Sie waren mit Revolvern und mit einer Handgranate bewaffnet und nahmen zu ihrem Schutz bewaffnete Grenzsoldaten bis an die deutsche Grenze mit. Als die deutschen Beamten in der Paßkontrollbaracke zur Verhaftung der beiden polnischen Beamten schreiten wollten, haben diese mit der Waffe in der Hand Widerstand geleistet und dabei einen deutschen Beamten verwundet, der seinerseits einen polnischen Beamten verwundet hat. Der polnische Beamte ist bedauerlicherweise später seiner Verwundung erlegen. Fast gleichzeitig mit den Vorgängen in der Baracke haben die erwähnten polnischen Grenzsoldaten die deutsche Grenze überschritten und in Richtung auf das deutsche Gebiet eine Anzahl von Schüssen abgegeben. Auf Grund dieses Tatbestandes ist der deutsche Gesandte in Warschau beauftragt worden, eine Note zu überreichen, in der gegen die Uebergriffe der polnischen Beamten Protest erhoben wird. Die Note wird alsbald nach ihrer Ueberreichung veröffentlicht werden. aufgehoben, nach der auch eine Ueberarbeit über 54 Stunden in der Woche über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus angeordnet werden kann. Der Urlaub der Lehrlinge wurde von bisher sechs Arbeitstagen im ersten Lehrjahre auf zehn, in den weiteren Lehrjahren auf acht Arbeitstage erhöht. Lehrlinge und Angestellte haben, statt wie bisher nach einem Jahre Tätigkeit, soweit sie vom 1. Juni an eingestellt waren, schon nach ½ jähriger Tätigkeit Anspruch auf Urlaub. Auch Angestellte, die gekündigt haben, haben jetzt einen Anspruch auf Urlaub. Entlassungen und Stillegungen Die Arbeiterkündigungen auf den StinnesZechen genehmigt. wtb Essen, 7. Juni.(Tel.) Der Demobilmachungskommissar hat den Abbau von 800 Arbeitern auf den Stinnes=Zechen zum 1. Juli genehmigt, und zwar von 250 Arbeitern auf den Zechen Matthias Stinnes 1, 2 und 5 in Karnap, von 300 Arbeitern auf den Zechen Matthias Stinnes 3/4 in Gladbeck und von 250 Arbeitern auf der Zeche Gerwelheim in Bottrop. wp. Dortmund, 6. Juni. Am Donnerstag wurden auf den Zechen Minister Stein und Fürst Hardenberg je eine Feierschicht eingelegt. Von dieser Maßnahme wurden auf der ersten Zeche 3700 Bergleute betroffen. Die Februar=Vorfälle in Neukölln enb. Berlin, 7. Juni.(Eig. Radiomeldung.) Die Vorfälle in der Neuköllner Bezirksversammlung am 19. Februar, bei denen es, wie erinnerlich zu einer Schlägerei zwischen kommunist. und sozialdemokr. Bezirksverordneten gekommen war, fanden gestern ihre gerichtliche Sühne. Das Gericht verurteilte den kommunist. Bezirksverordneten Lange wegen Beleidigung in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 300 Mark, die kommunistische Bezirksverordnete Frau Wolter zu einer Geldstrafe von 50 Mark und ihren Parteigenossen Sommer, der nach der Ansicht des Gerichts eine besondere Rohheit an den Tag gelegt hatte, zu 2 Monaten Gefängnis. Bei den Verhandlungen kam es zu scharfen Zusammenstößen zwischen dem Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Guhrauer und dem Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Löwenthal, die damit endigten, daß dem Anwalt angedroht wurde, aus dem Saal gewiesen zu werden, wenn er sich bei seinen Ausführungen nicht Mäßigung auferlegte. Außerdem wurde der Angeklagte Lange wegen Ungebühr vor Gericht zu 3 Tagen Haft verurteilt, die sofort zu verbüßen sind. Aus Nah und Fern Die Voruntersuchung gegen Kürten eröffnet. wp. Düsseldorf, 6. 8uni. In der Strafsache gegen den Arbeiter Peter Kürten aus Düsseldorf ist auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Voruntersuchung wegen Mordes eröffnet worden. Zum Untersuchungsrichter wurde Landgerichtsdirektor Dr. Hertel ernannt. 60 000 Mark unterschlagen. wp. Wiedenbruck, 6. Juni. Bei der Sparund Darlehnskasse in Herzebrock kam man großen Unterschlagungen auf die Spur. Die veruntreute Summe soll sich auf 60000 Mark belaufen. Vor einigen Wochen wurde bereits der Rendant Dreckhans seines Postens enthoben. Zum Tode verurteilt. wtb. Freiberg i. S., 6. Juni. Das Schwurgericht hat heute den ehemaligen Gärtnerlehrling Hennig wegen Mordes in zwei Fällen zum Tode verurteilt. Hennig hat im vorigen Jahre im Walde bei Wegefarth die Dienstknechte Zellmer und Simmak auf bestialische Weise ermordet und beraubt. Drei Todesurteile in Böhmen. wtb. Kuttenberg(Böhmen), 6. Juni. Das Schwurgericht verurteilte den Landwirt Zeman aus Drahobuditz, seinen Sohn und seine Schwiegertochter, die angeklagt waren, die alte Frau Zeman aus Habgier ermordet zu haben, zum Tode durch den Strang. Der ebenfalls angeklagte Knecht Schubert erhielt zehn Jahre schweren Kerker. Drohbriefe gegen Reichswehrminister Gröner Die angeklagte Explosion im Pariser Hauptpostamt. wtb. Paris, 6. Juni.(Tel.) Heute vormittag explodierte im Sortiersaal des Pariser Hauptpostamtes der Inhalt eines an Frau Baron von Rothschild gerichteten Paketes. Es soll sich um ein Attentat handeln. Man untersucht zur Zeit die Frage, ob es gegen die Empfängerin, Frau von Rothschild, oder gegen das Hauptpostamt geplant war. Verletzt wurde niemand. Absturz eines Passagierflugzeuges der Linie Wien—Bukarest. wtb. Bukarest, 6. Juni.(Tel.) Ein Passagier= flugzeug der Linie Wien—Bukarest sturzte gestern nachmittag bei Gurgiu ab. Der Flugzeugführer und ein rumänischer Passagier wurden verletzt. Verzweiflungstat einer Mutter wp. Dortmund, 6. Juni. Am Mittwoch ging die Witwe Schuler aus Dortmund=Brakel mit ihren drei Kindern, zwei Mädchen im Alter von 4 und 8 Jahren und einem Jungen im Alter von 3 Jahren, zum Dortmund=Ems=Kanal, um dort mit den Kindern den Tod zu suchen. In der Nähe der Holthauser Brücke stieß sie zunächst ihre drei Kinder in den Kanal und sprang dann selbst hinterher. Zwei Munner, die in der Nähe waren und den Vorfall beobachtet hatten, eilten herbei und begannen sofort das Rettungswerk. Die beiden Mädchen konnten noch lebend geborgen werden, während die Witwe und der dreijährige Junge ertranken. Vulkanausbruch in Niederlandisch=Indien wtb. Amsterdam, 6. Juni. Telegraphischen Meldungen aus Niederländisch=Indien zufolge befindet sich der Inselvulkan Krakatau nach einer vierwöchigen Ruhepause wieder in starker Erregung, die noch ständig im Wachsen begriffen ist. In den letzten 24 Stunden wurden nicht weniger als 16000 Ausbrüche gezählt, von denen die größten eine Höhe von 250 Meter erreichten. Die während der Ausbrüche vom Januar 1929 aus Lavamassen entstandene 38 Meter hohe und etwa 275 Meter lange Insel Amak=Krakatau, die am 5. Juli 1929 wieder unter dem Wasserspiegel verschwand, ist jetzt wieder aus dem Wasser emporgetaucht. Furchtbare Hungersnot in China wtb. London, 6. Juni. Daily Telegraph berichtet aus Peiping(Peking): In Tsinanfu, der Hauptstadt der Provinz Schantung, wo 1928 die Niedermetzelung der Japaner stattfand, herrscht Panik. Die Stadt wird jetzt von den Truppen der Nankinger Regierung gegen die Heere der Nordarmee gehalten. Die Verteidiger haben die Brücke über den gelben Fluß teilweise zerstört. Aber es ist den Angreifern gelungen, an einer anderen Stelle überzusetzen. Die auswärtigen Gesandtschaften in Peiping haben von beiden Parteien Schutz für ihre Landsleute in Tsinanfu gefordert. Die Japaner bringen ihre Staatsangehörigen in Tsinanfu zu ihrem Schutz in Konzentrationslager. Aus Brisbane meldet Daily Telegraph: Ein in Townsville eingetroffener Beamter der Heilsarmee teilte mit, daß in den chinesischen Nordprovinzen infolge Hungersnot über 200000 Kinder seit Januar d. J. gestorben seien. 80 000 Frauen und Mädchen würden für je zwei oder drei Dollar verkauft, um aus dem Erlös Lebensmittel für die übrigen Familienmitglieder zu kaufen. Fulirmewbungen Nationalsozialistische Umzüge in München. wtb München, 7. Juni.(Funkspruch.) Die Nationalsozialisten veranstalteten gestern, offenbar als Protest gegen die gestrigen Maßnahmen des Staatsministeriums, in verschiedenen Stadtteilen Fahrten mit Kraftwagen, die hierzu mit Fahnentüchern in den Parteifarben ausgeschlagen waren. Die Insassen, die zum Teil Par. teikleidung trugen, führten zahlreiche entfaltete Fahnen mit sich. Die Fahrten wurden durch die Polizeidirektion unterbunden und die Teilnehmer mit den Wagen zur Polizeidirektion gebracht. Nach Feststellung der Personalien wur. den sie wieder entlassen, die Fahnen und Fahnen tücher einbehalten. Eisenbahntariferhöhung in der Tschechoslowakei. wtb. Prag, 7. Juni.(Funkspruch.) Das Prager Tageblatt meldet, der Ministerrat habe gestern beschlossen, für Deckung des Aufwandes für eine vorläufige Aufbesserung der Bezüge der Staatsbeamten, sowie für die Aufbesserung der Invalidenrente eine 20prozentige Erhöhung der Eisenbahn=Personentarife zu bewilligen. Die Reparationsanleihe in Amerika zugelassen. wtb. Washington, 7. Juni.(Funkspruch.) Das Staatsdepartement teilte heute offiziell mit, daß es keine Bedenken gegen die Auflegung eines Drittels der deutschen Reparationsanleihe in Vereinigten Staaten habe. Hoover unterzeichnet das deutsch=amerikanische Schuldenabkommen. wtb. Walhington, 7. Juni.(Funkspr.) Präsident Hoover hat gestern das vor einigen Tagen vom Senat verabschiedete deutsch=amerikanischsche Schuldenabkommen unterzeichnet. Vier Todesurteile in Indien. wtb. Bombay, 7. Juni.(Funkspruch.) Vien Personen, die der Ermordung von Polizeiagenten während der Unruhen der letzten Wochen in Scholapur angeklagt waren, wurden zum Tode verurteilt. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Versuchtes Notzuchtverbrechen. Ein 32 Jahre alter verheirateter Bergmann aus Dortmund=Kirchlinde lud am Donnerstag abend eine 15 Jahre alte Hausangestellte ebenfalls aus Dortmund=Kirchlinde zu einer Motorradahrt ein, dem das junge Mädchen auch Folge leistete. Als die beiden in der Nähe des Ortsteils Vodelschwingh kamen, versuchte der Bergmann das Mädchen zu vergewaltigen. Dieses wehrte sich aber aus Leibeskräften und es gelang ihm auch, sich von dem Unhold loszureißen und zu entfliehen. Das Mädchen begab sich sofort zur Polizei und teilte dort den Vorfall mit. Der Täter flüchtete und konnte an demselben Abend noch nicht ergriffen werden. o Milspe. Beim Streit in ein Schaufenster geworfen. In der Voerderstraße entstanden nächtlicherweise zwischen mehreren Personen, die von einer Festlichkeit heimkehrten, Zwistigkeiten, wobei einer der Streitenden kurzerhand in ein Schaufenster der Handlung Draeger und Bastian geworfen wurde. Die große Schaufensterscheibe wurde hierbei zertrümmert. Der Uebeltäter konnte bisher nicht ermittelt werden. 0 Altenvoerde. Von einer Stichflammeerfaßt. Einen bedauerlichen Unglücksfall erlitt der W. G. von Milspe in einem hiesigen Fabrikbetrieb. Der Genannte war mit dem Heizen eines Schmiedeofens beschäftigt und wurde von einer Stichflamme, welche aus dem Ofen zurückschlug, erfaßt. Er erlitt schwere Verbrennungen über der linken Gesichtshälfte und am linken Arm. Dr. Gotthif=Voerde leistete die erste Hilfe. a Opherdicke. Schwer verletzt. In unserer Gegend herrscht teilweise noch die Sitte, daß der Brautwagen nach der Trauung aufgehalten wird. Zwei Kinder hatten sich einen Strick um den Leib gebunden und versuchten, den Wagen aufzuhalten. Dabei kam ein Kind zu Fall und schlug mit dem Kopf gegen ein Wagenrad, wobei es so schwer verletzt wurde, daß es zum Arzt gebracht werden mußte. h Paderborn. Eine Meisengeschichte Vor dem Hause des Kaufmanns Franz Speiker in Hövelriege ist einer der Briefkästen angebracht, die noch nach der Seite geöffnet werden und am Einwurf keine Haken besitzen. Li. „W. V.“ hat sich ein Kohlmeisenpaar diesen Platz zum Nisten ausgesucht. Beim Bau des Restes lagen Moos, Briefe und Meisen oft kreuz und quer durcheinander. Doch die Meisen zeigten eine große Beharrlichkeit und ließen sich nicht vertreiben. Da kam denn die Post auf den Gedanken,„Dienst am Kunden“ zu üben und sperrte den Kasten für den öffentlichen Verkehr. Jetzt hängt ein entsprechendes Schildchen davor, und ungestört begann das Brutgeschäft des Meisenpaares. Vor wenigen Tagen entschlüpften die jungen Tierchen den Eiern. Es ist interessant zu beobachten, wie das Paar ein und ausfliegt, um die hungrigen Schnäbelchen der Jungen zu befriedigen. 1 Detmold. Der Zinnlöffel in der Fleischsuppe. Die Ehefrau des Arbeiters K. in Klüt hatte zu Mittag eine Fleischsuppe vom vorhergenhenden Tage aufgewärmt. Bald nach dem Genuß erkrankten nach und nach die Frau und vier Kinder im Alter von zwei bis dreizehn Jahren, wobei sie das Bewußtsein verloren. Eine eingehende Untersuchung hat zu der Annahme geführt, daß in der Fleischsuppe ein Zinnlöffel vom vorigen Tage gelegen hat, wodurch die Suppe vergiftet worden ist. Pfingsten In das sonnengesättigte junge All Steigt der jubelnde Blütenschwall, Wachsen Liedergarben und senken sich Auf dürstende Flur und verschenken sich. Vor deiner Tür soll der Segen warten? Nimm den Pokal mit himmlischem Wein, Schlürfe die feurige Schöpfung ein: Oeffne dein Herz, sei pfingstlicher Garten! Max Bittrich. Pfingstliche Hoffnungen Von Börries, Frhrn. von Münchhausen. Pfingsten war ursprünglich ein Erntefest, dann wurde es ein Fest der mosaischen Gesetzgebung, und schließlich eines der christlichen Geistausgießung. Alles drei scheint in diesen dunklen Tagen sinnlos geworden. Ein Erntefest, wenn das Korn noch grün in Halmen steht, eine Freude über das Gesetz in einer Zeit wie der unsrigen, eine Feier des Heiligen Geistes, während der unheilige Geist wie ein Würgengel über die Völker geht? Und doch glaube ich, daß wir besonderen Grund zur Pfingstfeier haben, sogar zur Feier des Festes in seinen drei uralten Bedeutungen, wrenn wir nicht so sehr das Erreichte wie das Erhoffte in den Mittelpunkt stellen. Wirklich, nie war eine Zeit so sehr auf Hoffnungen gestellt wie die unsere— schon deshalb— weil wir so sehr wenig Erfüllung haben, um darüber jubeln zu können! Wir haben aber auch Grund zur Hoffnung, heute gewiß mehr als in den letztver1 Büren. Von einem Hunde übel zugerichtet. Als ein junger Zeitungsträger in Hegensdorf unter eine Haustür eine Zeitung schieben wollte, wurde er plötzlich von einem bösartigen Hunde angefallen und durch mehrere Bisse übel zugerichtet. Der Bote wurde von dem Tiere hin und her gestoßen und vermochte sich seines Gegners nicht zu entledigen. Eßt nicht zuviel Lebertran In der Norwegischen Chemischen Gesellschaft behandelte man kürzlich an einem Diskussionsabend die Bedeutung des Lebertrans als Nahrungs= und Heilmittel. Der Vortragende, Professor Dr. H. Isaachsen, kam zu dem Schluß, daß der Wert des Lebertrans überschätzt werde. Zwar stelle er wegen seines Vitamin= und Jodgehaltes ein ausgezeichnetes Kräftigungsmittel für schwächliche Kinder dar, aber bei gesunden übe er keinerlei sördernden Einfluß aus. Das wurde im Tierversuch festgestellt, wo Zugaben von Lebertran zu sonst richtig und normal zusemmengesetzten Futter keinerlei Wachstumssteigerung hervorriefen. Professor Dr. S. Torup stimmte diesen Ausführungen bei und warnte vor einer Uebertreibung der Verabreichung von Lebertran, da dieser, im Uebermaß genossen, sogar giftig wirken könnte. Professor Torup bezeichnete einen Teelöffel voll täglich für Menschen als hinreichende Dosis. Naturschutz Wir haben Naturschutzgebiete und=vereine, die in anerkennenswerter Weise der Allgemeinheit gangbare Wege zur Naturliebe und Naturerkenntnis weisen, und dennoch sind wir weit entfernt vom Endziel. Vielbesuchte Waldungen und Wiesenstreisen in unmittelbarer Nähe unserer Großstädte bieten im Sommer allwöchentlich nach den Feiertagen einen geradezu trostlosen Anblick. Morgensterns berüchtigtes„Butterbrotpapier im Wald“ liegt überall vervielfacht in wirren Haufen über dem Boden verstreut in trauter Gemeinschaft mit Eierschalen, Wurstpellen, Zigarrenstummeln(Rauchen im Walde verboten!) zerbrochenen Grammophonplatten und sonstigen Ueberresten sogenannter zivilisierter Sonntags= oder Wochendendausflügler. Wer die Natur liebt, ehrt ihre Gaben und Geschöpfe. Das garstige Wort des Volksmunds vom„Naturklaps“ als eines Spieens des unentwegten, menschenscheuen Naturfreundes hat seine innere Berechtigung längst verloren, seit mit der wachsenden Urbanisierung großer Volksteile die Flucht in die— mehr oder weniger unberührte— Natur zu einer selbstverständlichen Massenerscheinung geworden ist. Die Wanderer=, Wochenend= und Kleingärtnerbewegung tragen diesem Umstand gebührend Rechnung. Liebe zur Natur zwingt in gewissem Sinne zur Vereinzelung, zur Abkehr von Geflogenheiten der Masse, zur Absonderung von allem Herdenmäßigen, doch führt sie nicht schlechthin vom Menschen weg, sondern gliedert ihn ein in die erhabene Erdgebundenheit alles wahrhaft Natürlichen und ermöglicht auf diese Weise ein vertieftes Wissen um die Geheimnisse jeglicher Kreatur und damit auch eine bessere Menschenkenntnis. Armselige Menschen, die da glauben, sie könnten sich die Natur erobern, indem sie ihre seichten städtischen Amüsiermethoden in der Unberührtheit einer taufrischen Liegewiese öder dem majestätischen Schweigen eines Forstes angangenen Jahren, und nicht nur die Hoffnung der Verzweiflung, welche sagt:„Schlechter kann es uns ja nicht mehr gehen, und da sich die Welt immerzu ändert, muß es uns also allmählich auch wieder besser gehen!"— Ich sehe den Grund unserer Hoffnung darin, daß tatsächlich ein anderer, neuer Geist allerorts zu spüren ist. Nach den Zeiten der massenhaften Kirchenaustritte macht sich fast überall eine Zunahme der Kircheneintritte bemerkbar. Wenn ich auch wohl weiß, daß die Kirche nicht mit dem Glauben gleichzusetzen ist, ja, daß viele der Besten und Edelsten sich wohl gar aus Gläubigkeit von der Kirche abwenden, so dürfen wir doch wohl in dieser Tatsache mindestens einen Beweis dafür sehen, daß jetzt das metaphysische Bedürfnis der Menschen wieder stärker geworden ist als in den beiden letzten Jahrzehnten. Büchners Werk „Kraft und Stoff“, Haeckels„Welträtsel“ gelten nur noch in Proletarierversammlungen ganz entlegener Orte als Beweismittel, die Gebildeten haben sich längst vom weltanschaulichen Materialismus befreit und spötteln über diese früher so wirksamen Bücher. Es scheint sogar, als ob das Pendel nun nach der entgegengesetzten Seite ausschlagen will, denn die Neigung zur Mystik hat eine fabelhafte Zunahme erfahren. Mystik in jedem Sinne als Neigung zu kirchlichem Sektentum, zu weltanschaulichen, rassischen, biologischen, psychologischen, medizinischen, politischen Sonderbestrebungen, die in ihrer unbeweisbaren und beweisablehnenden Phantastik nur als Mystik gedeutet werden können. Die Zeit hat eine Wendung gemacht vom Bewiesenen fort zum Erahnten hin. Solche Zeiten sind immer Zeiten der Romantik, Zeiten der Jugend, der Zeugung von neuen Gedanken: Zeiten frischen Auslaufs. zuwenden versuchen. Mit„Betriebsamkeit" mit Grammophongedudel und Massenmeetings im Freien lassen sich die Reize der Natur nicht im entferntesten entschleiern. Wer die Natur mißachtet, es an der Ehrfurcht fehlen läßt, die er der Gastfreien schuldet, darf sich nicht wundern, wenn sie sich ihm versagt und ihn blind und unbefriedigt durch ihre Wunder tappen läßt. Ehrsurcht vor dem natürlich Gewordenen zwingt vonselbst zum Schutz der Natur. Bekämpfung alles Erwarteten und der zunehmenden seelischen Verrohung unseres materialistischen Zeitalters ist und bleibt jedoch die Vorbedingung zur Erfüllung dieser selbstverständlichen Menschenpflicht. Gottesdienste an den Pfingstfeiertagen Evangelische Kirchen. Große Kirche: 1. Pfingsttag 9,30 Uhr Pastor Ohlig. 11 Uhr Kindergottesdienst. 2. Pfingsttag 9,30 Uhr Pastor Millard. Kleine Kirche: 1. Pfingtag 9,30 Beichte. 10 Uhr Pastor Kleinemeyer(Abendmahl). 2. Pfingsttag 8 Uhr Pastor Hagemann. Ev. Krankenhaus: 1. Pfingsttag 8,30 Uhr Pastor Ohlig. Geisecke=Lichtendorf: 1. Pfingsttag 9,30 Uhr Pastor Millard. 2. Pfingsttag 9.30 Uhr Pastor Hagemann. Evangelischer Verein junger Männer. Sonntag und Montag: Pfingstwanderung. Dienstag 8 Uhr Turnen. Donnerstag 8,30 Uhr Posaunenchor. Freitag 8,30 Uhr Bibelbesprechstunde. Samstag 8 Uhr Unterhaltungsabend. Evangelische Vereine junger Mädchen. a) Schwerte: Dienstag 8 Uhr Abt. 1 im Gemeindehause. Mittwoch 7,30 Uhr Abt. 2 im Gemeindehause. Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstalten. Pfingstfahrt vom 10.—16. Juni. Evangl. Stadtmission Schwerte, Kuhstraße 7. Sonntag 8 Uhr früh Blaukreuzstunde. 11 Uhr Sonntagsschule. 4 Uhr Bibelstunde. 8 Uhr abends Jugendbund. Mittwoch 3 Uhr Missionsverein. 8,30 Uhr abends Gebetsstunde. Donnerstag 8,30 Uhr abends Gemischter Chor. Freitag 8 Uhr abends Blaukrezuverein. Katholische Kirchen. Sonntag, den 8. Juni(1. Pfingstfeiertag). 6 Uhr: Aussetzung des Allerheiligsten. 6,15: Stille hl. Messe. Pfarrer Schnurbus. 7,30 Uhr: Frühmesse. Monatskommunion der Jünglinge und der schulpflichtigen Kommunikanten(Knaben). 8,45 Uhr: Schulmesse mit Predigt. Vikar Winter. 10 Uhr: Hochamt. 11 Uhr: Armenseelenstunde. 12 Uhr: Betstunde für den 3. Orden. 1 Uhr: Bestunde für die Schulklassen 1a, 2a, 1b, 2b. 2 Uhr: Vesper. 3 Uhr: Betstunde für die Frauen. 4 Uhr: Betstunde für die Jungfrauen. 5 Uhr: Betstunde für die Jünglinge. 6 Uhr: Betstunde für die Männer. An den Werktagen sind in der Pfarrkirche die hl. Messen um 7, 7,45 und 8,15 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 6,30 Uhr. Geisecke. 7,15 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Vikar Winter. Kollekte für den Kirchenbau=Verein. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vikar Schleep. Kollekte für den Kirchenbau=Verein. Holzen. Der Gottesdienst fällt aus. Lichtendorf. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jünglinge und Kinder. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Kollekte für den Bonisatius=Verein. Nachmittags 2,30 Uhr: Feierliche Vesper. Anschließend bis 4 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. * Montag, den 9. Juni(2. Pfingstfeiertag). 6 Uhr: Aussetzung des Allerheiligsten. 6,15 Uhr: Stille hl. Messe. Pfarrer Schnurbus. 7,30 Uhr: Frühmesse. 8,45 Uhr: Schulmesse. Vikar Schleep. 10 Uhr: Hochamt. Vikar Schleep. Die übrige Gottesdienstordnung ist dieselbe wie am 1. Pfingsttage. Geisecke. 7,15 Uhr: Stille hl. Messe. Vikar Winter. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt. Vikar Winter. Holzen. Der Gottesdienst fällt aus. Lichtendorf. 7,30 Uhr: Frühmesse. 10 Uhr: Hochamt. 2,30 Uhr: Adacht zum hl. Geist. Mittwoch, Freitag, Samstag: Quatembertage. Während der Pfingstferien beginnt die hl. Messe Werktags um 7,30 Uhr. Börsen und Märkte Dortmunder Pferdemarkt vom 6. Juni. Auftrieb: 751 Pferde und 37 Wagen aller Art. Der Handel war langsam. Es kosteten: a) Kaltblüter beste Arbeitspferde und Stuten 800—950 Mark, zweite Arbeitspferde 400—650 Mark, dritte Arbeitspferde 300—500 Mark, zweijährige Pferde 250—550 Mark; b) Warmblüter: beste Arbeitspferde und Stuten 750—850 Mark, zweite Arbeitspferde 300—400 Mark; c) Kreuzungen: beste Arbeitspferde 600—800 Mark, zweite Arbeitspferde 300—500 Mark, dritte Arbeitspferde 200—400 Mark, zweijährige Pferde 300—500 Mark. Ausgesuchte Tiere wurden über Notiz bezahlt. Der nächste Markt findet am 20. Juni statt. Geschäftliches Alles aus Wolle. Man macht der Mode oft den Vorwurf, daß sie zu abwechslungsreich sei— in einem ist sie sich aber schon seit Jahren treu geblieben: in der Verwendung der Wolle zu allen erdenklichen Variationen der Bekleidung. Ein Baby kann man sich ohne ein weiches, molliges Jäckchen nicht denken, die Dame trägt Strickkleider in allen Farbtönen und in den verschiedensten Macharten, und beim Sport vermißt auch der Herr den Wollschal oder den gestrickten Pullover, die wollenen Handschuhe usw. nur ungern.— Nicht nur des angenehmen Tragens wegen hat Frau Mode dieses Feld behaupten können, sondern auch, weil die Zweckmäßigkeit durch die Möglichkeit des praktischen und bequemen Selbstwaschens unterstützt wird.— Wir haben z. B. in Persil ein Waschmittel, das auch alle waschechten, farbigen Wollsachen nicht nur vorzüglich reinigt, sondern auch vor einem Verfilzen, einem Engerwerden, bewahrt.— Wollsachen in kalter Persillauge gewaschen, gut gespült und schnell getrocknet, werden wie neu. Aller Schmutz wird entfernt, die Farben erhalten ihre alte Frische und Klarheit wieder und das Gewebe bleibt weich und elastisch. Auch die Politik scheint davon Nutzen zu ziehen. Wir haben zehn Jahre lang unsere Harfen an den Weiden hangen lassen und klagend an den Wassern Babylons gesessen. Nach diesen Zeiten eines oft fruchtlosen Klagens scheinen mir Zeiten neuer Tatkraft herauszudämmern. Zwar sehlt uns in der politischen Leitung ganz offensichtlich eine gewaltsam feste Hand, ebenso wie ein überragend kluger Kopf, aber es kann doch garnicht ausbleiben, daß die klare Erkenntnis dieser Tatsache auch einmal ihre Aenderung und eine Besserung herbeiführt. Seit zehn Jahren jammern wir um die Diagnose: Nun, die ist heute gestellt und ist im Begriff, Allgemeingut des Volksbewußtseins zu werden. Die richtige Diagnose aber ist nicht nur die Vorbedingung, sondern auch der erste Schritt auf dem Wege zur Heilung!— Mit starken Mitteln sucht die deutsche Regierung der Landwirtschaft zu helfen, schneidend senken sich überall wesentliche Sparmaßnahmen gleich chirurgischen Messern in den kranken Wirtschaftsleib des Staates. Ob alle Maßnahmen richtig sind, weiß ich nicht und wissen auch die nicht, welche die einen aus parteipolitischen Gründen heftig bejahen, die anderen aus parteipolitischen Gründen heftig verneinen. Es hat schon oft am Krankenbette sich der als der beste Arzt erwiesen, der das tat, was seine Kollegen verwarfen! Und auch die Gesundung einzelner Zweige der deutschen Wirtschaft ist ein Zeichen fern heranschwebender Gesundheit der gesamten Wirtschaft. Ich spreche hier nicht vom Stande der Aktien, aber das Aufblühen etwa der chemischen Industrie im letzten Jahrzehnt, die Zunahme der Handelstonnage auf allen Meeren, der Kraftwagen auf allen Straßen,— das sind doch Tatsachen, die garnicht wegzuleugnen sind und die zunächst beweisen, daß der Phönix des deutschen Geistes sich selbst aus der glühenden Asche des Weltbrandes lebendig wieder aufschwingen wird. Vielleicht geht es Deutschland so, wie es schon mehrfach gewaltsam unterdrückten Rassen, Völkern, Ländern, Religionen gegangen ist: Der Druck erzeugte erhöhten Gegendruck, die Beschränkung gebar neue Leistungen, das Niederhalten endete mit einem brausenden Aufstieg der Niedergehaltenen. Auch in der Kunst sind die Knospen vorm Aufbrechen. Nach dem Irrsinn des Expressionismus gabelt sich der Fluß künstlerischer Gesamthaltung deutlich in zwei Strömungen, von denen die eine als neue Sachlichkeit uns wieder die Freude am Ding und an der gewissenhaften künstlerischen Arbeit zu schenken verspricht, während die andere eine Art Neuromantik zu werden scheint. Ich finde die erstgenannte vorzugsweise in der Malerei, die andere in der Dichtung unserer Tage. Beide sind vielversprechend, beide sind gesund und echt. Neue Saaten sehe ich überall sprießen und glaube deshalb, daß wir dies Pfingsten wohl als ein Fest der Hoffnung auf Ernte seiern dürfen, neue Gesetze geben sich die Völker und die Staaten, und von ihnen wollen wir hoffen, daß sie uns aufwärts führen. Vor allem aber wollen wir hoffen, daß nach dieser furchtbaren Zeit, in der fast alle Klugen etwas verrannt und töricht, fast alle Guten etwas schlecht geworden sind, ein neuer Geist die Menschen wieder erleuchten und erwärmen möge. Herzenswärme und Herzensgüte, Hilfeleistung und die einfache menschliche Freundlichkeit,— das sollen unsere innigsten Pfingsthoffnungen sein! Hildegard Kramer August Nlenne Verlobte Pfingsten 1930 Schwerte, Haselackstr. 1 227e im Großes Tanz- Vergnügen Es ladet ein Fritz Lips Hotel zur Post Inh. H. Bitter, Schwerte Telefon 2213. Bahnhofstr. Pfingst- Konzuel an beiden Tagen Morgens ab 11 Uhr Matinée abends ab 7 Uhr Familien-Konzert der Kapelle Justus ff. D. A. B. u. Fürstenberger- la Weine Wohn- u. Geschäftshäuser, Industrieu. Baugrundstucke in Schwerte und Umgeg. sind stets zu kaufen durch Friedr. Heinr. Jacobs, Mitglied des Reichsverbandes Deutscher Makler Schwerte(Ruhr), Bahnhofstraße 10, Fernsprecher 2487. Pfingsten, das liebliche Fest ist gekommen! Inommmmmmmsmmmmmmmmmmmmmmmm Da habe ich Frau und Kind genommen.— Nach Westhofen zu gehen ist mein Begehr.— Weil dort bei Josef Schulte beste Einkehr.— Küche, Keller, Musik bieten das lill. Beste,— Wie es sein muß zu diesem schönen Feste. Auf zur Rettel-Mühle Samstag abend große Sressknunse= Feier der neuen Tanzdiele. Große neue Teichbeleuchtung, angenehmer Aufenthalt. Eintritt frei Weißenberg Gasthof zur Rettelmühle Ergste R Am 2. Pfingsttag -ANZ im Gasthof Pütter #Bad Königsborng bei Unna 2238 An beiden Pfingsttagen, nachm. von 4 bis 8 Uhr: Großes Sonderkonzert der Kurkapelle Eintritt für die Person Rm. O.80-Kinder Rm. 0.50 Die regelmäßigen Kur-Konzerte finden an jedem Sonntag nachmittag von 4 bis 8 Uhr, jeden Donnerstag, von 3½ bis 7 Uhr und jeden Dienstag abend von 8 bis 10½ Uhr statt. Das Badehaus ist wochentags von 7 bis 12 Uhr vorm. und von 2 bis 6 Uhr nachm. geöffnet. Die Badeverwaltung. Restaurant„Zum Sportler“ Schwerte, Mährstraße 11 Täglich Konzert und neueste Sportberichte- Großes Vereinszimmer, Gepflegte Kegelbahn. Nur la Dab-Bier im Anstich. Kein Aufschlag. Café Astoria An beiden Pfingsttagen der große Komiker Anton Linders S Pfingsten im Freischütz 7 Uhr 16 Uhr 20 Uhr Militär-Konzerte TIIm 16. Inft. Obermusikmeister Plaschke II. Pfingsttag 7 Uhr mitwirkend: Sängervereinigung, Hörde An beiden Abenden: Spielleute IntrItt 6O Pfg. Inki. Steuer hellt : Rheuma=, Herz.= Rasen= und Halskrankheiten, Skrofulose, Frauenleiden. : Starke Sol= und natürliche Kohlensäurebäder. Inhalatorien neuestem : Systems. Neu: Kurhaus mit erstlassig eingerichteten Logierzimmern und : Badezellen. Mäßige Preise. Auskunft erteilt: ! Badeverwaltung Bad Sassendorf, Kreis Soest i. Westf. ., Hernruf. Haust. Nr. 29. — Sol- und Thermalbad Konigsbor Eisenbahnstationen Unna u. Unna=Königsborn. Badezeit vom 1. Mai bis 15. Okt. Beste Heilerfolge bei Gicht, Rheumatismus, Ischias, Skrofeln, Drüsen, Rachitis, ErKrankungen der Atmungorgane, Herz-, Nerven= u. Frauenkrankheiten. Neuzeitl. Sole-Inhalat. Mäßige Preise für Unterkunft und Bäder. Badeschrift und Auskunft unentgeltlich durch die Badeverwaltung in Unna-Königsborn. An beiden Pfingsttagen und folgenden Sonntagen spielt das altbekannte Konzert- und Stimmungs- Trio Westfalla bei mir Hotel Jungesblut Ia Existenz Monopol-Massengebrauchs-Artikel D. R. P. außergewöhnl. Verdienstmöglichkeit Alleinvertretung für den Bezirk Schwerte günstig zu vergeben. Anfragen unter P. E. 1250 an Ala-Hasenstein& Vogler, Essen. Wellenbad Geisecke An beiden Pfingsttagen Konzert Nanz im Freien Eintritt freil 164 Eilenbahn-Fahrplan Schwerte ab: 1145 1353 1512 1730 Geisecke ab: 1657 1909 2029 2225 Hypothekengelder auf Wohn- u. Geschäftshäuser, Neubauten, Landwirtschaften, können zu günstigen Bedingungen für den Darlehnsnehmer provisionsfrei beschafft werden. Anträge sind einzureichen bei der Firma Friedrich Heinrich lacobs Schwerte-Ruhr Bahnhofstraße 10 7 Fernsprecher 2487 Annahmestelle der Westdeutschen Bodenkreditanstalt, Köln, Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken. 2235 Eilt Eilt Ziehung 7.-14. Juni 1930 der Volkswohl-Lotterie Doppellos Mk. 2.Einzellos„ 1.— noch vorrätig im Zigarrenhaus Künkler, Hüsingstraße Sampffarberti chemische Reinigung Modernst eingerichteter Fachbetrieb am Platze liefert in 2 Tagen bei billigst. Preisen sauberste Arbeit zurück B. CARTO Ladenlokal Hüsingstraße 37. Tel. 2095 Geschäftsbetrieb Vergische=Str. 19. Veranntmathung Die Listen für die Elternbeiratswahlen müssen bis zum 12. 6. 1930, abends 6 Uhr, bei den einzelnen Wahlvorstehern eingereicht sein. Bismarckschule: Heinrich Stein, Schwerte, Ostbergerstraße 43. Sedanschule: August Niekamp, Schwerte, Graf Dietrichstraße 2. Marktschulen: Karl Schmidt, Schwerte=Ost, Behnesstraße 12. Kath. Schulen: Karl Dickmann, Schwerte, Lohbachstraße 5. 2273 Der Wahlvorstand. Beschluß 962 In unser Handelsregister ist heute bei der Fa. A. Saatmann und Sohn in Schwerte(Handelsregister A. 134) folgendes eingetragen worden: „Die Firma ist von Amtswegen gelöscht.“ Schwerte, den 4. April 1930. Das Amtsgericht. Verdingung FESTESSEI anläßlich des westf. Kriegerabgeordnetentages am 14. Juni im Freischüitz Anmeldungen müssen bis zum 7. Juni beim Schwerter-Bankverein erfolgen der Dachdecker= und Klempnerarbeiten zum Neubau eines Kreisgesundheitsamtes in Schwerte soll in 2 Losen erfolgen. Angebotshefte sind vom Stadtbauamt, Zimmer 24, woselbst auch die Zeichnungen zur Einsicht ausliegen, soweit Vorrat reicht, gegen Erstattung von 1.— RMk. je Los zu beziehen. Einreichungstermin der verschlossenen und mit entsprechender Aufschrift versehenen Angebote bis zum 16. Juni, vormittags 10 Uhr, ebendaselbst. 2268 Schwerte, den 6. Juni 1930. Die Kreisverwaltung. J. A.: Das Stadtbauamt. M Wold Herz, Rheuma, Nerven Luftwege(Pneumat. Kammern) Frauenid. Prospekte durch Reisebüros u. Badeverwaltung LJeimarbeit, schriftliche AVitalis-Verl., München „Schwerter-Heitung Nr. 132(Zweites Blatt) Samstag, 7. Juni 1930 Runs un dis pelnrsche Deche Als man vor einigen Jahren die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung ins Leben rief, glaubte man vielfach den Stein der Weisen gefunden zu haben. Die Entwicklung hat jedoch gezeigt, daß wir von der wirklichen Lösung der Erwerbslosenfrage noch weit, ja sehr weit entfernt sind. Die Reichsanstalt hätte nur dann ihre Aufgabe erfüllen können, wenn es ihr möglich gewesen wäre, in Zeiten besserer Konjunktur soviel Reserven anzusammeln, daß sie in der Notzeit hinreichend Mittel zur Unterstützung der Arbeitslosen zur Verfügung gehabt hätte. Die Einrichtung war jedoch kaum geschaffen, da wurden alsbald so hohe Anforderungen an ihre Leistungsfähigkeit gestellt, daß sie unmöglich der Lage Herr werden konnte. Sie wurde notgedrungen zur Kostgängerin der Reichskasse, die der jungen Reichsanstalt zunächst mit„Darlehen“ auszuhelfen suchte, aber bald Millionen auf Millionen verlorener Zuschüsse hergeben mußte. Denn die Wirtschaftsnot nahm von Monat zu Monat schärfere Formen an, und zwar beschränkt sich diese Erscheinung nicht auf Deutschland, sondern erstreckt sich auf alle übrigen Länder, so daß man heute schon die Einberufung einer Weltkonferenz zur Behandlung der Arbeitslosenfrage in Erwägung zieht. Nichts kennzeichnet den Tiefstand der deutschen Wirtschaft deutlicher als die Tatsache, daß wir heute in der günstigsten Jahreszeit 2,5 Millionen Arbeitslose haben, zu deren Unterstützung in den nächsten Monaten 600 bis 700 Millionen Mark erforderlich sind. * Auch diesmal muß das Reich wieder helfend einspringen, und zwar in einem höchst ungünstigen Augenblick. Die Steuereinnahmen sind im letzten Jahre und auch in den ersten Monaten des Etatsjahres 1930 ständig hinter dem Voranschlag zurückgeblieben, mit einem weiteren Rückgang muß angesichts der trostlosen Wirtschaftslage gerechnet werden. Der Reichsfinanzminister zerbricht sich den Kopf darüber, woher er die neuen Steuern zur Deckung des Fehlbetrages im Haushalt und der Arbeitslosenversicherung nehmen soll. Der Wirtschaft kann er in dieser gegenwärtigen schlechten Konjunktur keine neuen öffentlichen Lasten aufbürden. In Gegenteil, es muß alles in Bewegung gesetzt werden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln und durch Arbeitsbeschaffung das Heer der Arbeitslosen zu vermindern. Die Regierung hofft ja, mit Hilfe der Younganleihen für Post und Bahn, mit Hilfe ausländischen Geldes für die produktive Erwerbslosenfürsorge und durch Vordatierung von öffentlichen Aufträgen 150 000 Arbeitslosen Beschäftigung geben zu können. Gewiß ein erfreulicher Anfang, aber immerhin doch nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. * Unabhängig von der Regierung hat die Wirtschaft eine Aktion zur Bekämpfung der Krise und der Arbeitslosigkeit eingeleitet. Unternehmer und Gewerkschaften haben sich zusammen an den Tisch gesetzt, um gemeinsam einen Ausweg aus der Arbeitslosenmisere ausfindig zu machen. Grundsätzlich ist man offenbar darüber einig, daß eine wesentliche Einschränkung der Arbeitslosigkeit nur durch einen Preisabbau erreicht werden kann, der den Verbrauch der deutschen Waren im Inland erhöht und uns bessere Konkurrenz= und Absatzmöglichkeiten im Auslande verschafft. Gleichzeitig mit dem Preisabbau soll eine Lohnsenkung einhergehen. Meinungsverschiedenheiten scheinen noch darüber zu bestehen, in welchem Ausmaße die Lohn= und Preissenkungen eintreten sollen. Die Gewerkschaften „Die Fliegenplage— eine Gesundheitsgefahr" war das Motto, unter dem im Sommer 1927 zum ersten Male ein Gesundheitsfeldzug auf dem Lande durchgeführt wurde. Natürlich ist mit diesem ersten Versuch nicht viel erreicht worden. Die fast überall herrschende Unkenntnis über die Lebensbedingungen der verschiedenen Fliegenarten und über die durch sie bedingten mannigfachen Krankheiten sind die Ursache, daß man diese Tiere bisher nicht als gefährliche Krankheitsvermittler, sondern nur als lästige Parasiten ansah und für eine regelrechte allgemeine Bekämpfung derselben nicht haben in eine Genkung der Akkordlöhne in denjenigen Industrien eingewilligt. in denen die Kartellpreise herabgesetzt werden. Die Unternehmer fordern darüber hinaus, daß Zug um Zug zu dem Preisabbau auch ein Abbau der Tariflöhne vor sich gehen soll, während die Gewerkschaften darauf dringen, daß die Tariflöhne vorläufig als Mindestlöhne erhalten bleiben und erst dann gesenkt werden sollen, wenn die ganze Aktion auf den Lebenshaltungsindex nachweislich einen Einfluß ausgeübt hat. Die Verhandlungen über diese Streitfrage werden fortgesetzt. Von ihrer baldigen zufriedenstellenden Lösung wird es wesentlich abhängen, ob der Kampf gegen die Krise zu einem Erfolg führen wird. das nötige Interesse aufbrachte. Am häufigsten und am bekanntesten sind zwei Arten, die gewöhnliche Stubenfliege und die gemeine Stechfliege. Erstere besitzt einen Saugrüssel, der sie befähigt, nur frei zugängliche Flüssigkeiten aufzusaugen; die Stechfliege dagegen kann mit ihrem spitz endigenden Stechrüssel durch ihren Stich Blut von Mensch und Tier als Nahrung aufnehmen. Beide Fliegenarten ähneln sich sehr. Die Hausfliege, Musca domestica L., kann aber von der Stechfliege, Stomoxys calcitrans L., leicht unterschieden werden durch die Haltung des Rüssels. Der Saugrüssel der Stubenfliege So flog„Graf Zeppelin“ um die Alle und die Neue Welt e Rario Die Schädigung der menschlichen und tierischen Gesundheit durch Fliegen Von Dr. Koßmag, Lage i. L. wird stets senkrecht der zur Längsachse des Körpers nach unten getragen, der Stechrüssel der Stechfliege dagegen nur beim Stechen, während er bei Untätigkeit der Fliege in der Längsrichtung des Körpers nach vorn getragen wird. Betrachtet man die Fliegen vom Rücken her, so kann man den Rüssel nur bei der Stechfliege sehen. Ferner sitzt die letztere in geschlossenen Räumen an senkrechten Flächen in der Regel mit nach oben gerichtetem Kopf. Im Dung der Haustiere, im in Kleintierställen befindlichen Kot, in Abortgruben, im häuslichen Müll und Abfall, der faulende pflanzliche Stoffe enthält, legen sie ihre Brut ab und machen ihre Entwicklung durch. Andere Arten, wie die Schmeißfliege, die Gold= und Fleischfliege setzen ihre Brut im Fleisch ab, die Käsefliege in fetthaltigen Stoffen, Käse, Schinkenspeck usw. und die Essigfliege in Material von saurer Gärung, wie Essig, Bier, Fruchtsäfte, Marmeladen, Wein u. a. Die Entwicklungsdauer beträgt bei der Stubenfliege nur wenige Tage, während das Fliegenweibchen während ihrer Lebensdauer mehrmals je 200 Eier ablegt Die Vermehrungsfähigkeit ist so groß, daß ein Fliegenpaar vom 1. Mai bis 30. September annähernd eine Nachkommenschaft von ungefähr 4000 Billionen haben kann. In Wirklichkeit sind es durch zufälliges Eingehen eines Teils der Nachkommen weniger; immerhin aber bleiben genug übrig, um ernste Schädigungen bei Mensch und Tier zu erzeugen. Während im Sommer die Zahl der Fliegen auf dem Lande Legion ist, nimmt sie zum Herbst hin ab; rauhe Witterung und besonders die Infektion mit Empusa muscae, einem Schimmelpilz, sind die Ursachen der Verminderung. Ein Ueberwintern findet meist nur in Larven= oder Puppenstadium statt, selten, daß besonders widerstandsfähig Fliegen den Winter überdauern. Wieso richtet nun die Fliege einen derartigen Schaden an, daß selbst der Staat für ihre Vernichtung sich einsetzt? Sehen wir uns einmal die Ernährungsweise der Hausfliege an. Ihre Nahrung sind auf der einen Seite recht appetitliche, auf der anderen geradezu widerliche, Ekel erregende Stoffe, z. B. menschliche Nahrungsmittel, soweit sie wasserlöslich sind, wozu ihr eigener Speichel im Bedarfsfalle benutzt wird, oder Kot von Mensch und Tier, Wundsekret, Eiter und der die menschliche Haut stets in feinster Schicht bedeckende Schweiß. Ist es schon im hohen Grade unappetitlich, geraerzielte Herr Kruse in Mettmann. Geniß eine Rekordleistung. Das Tier erhlelt aber auch— schon als Küken— nur MUSKATOR das beate Kraftfutter. Ja, des Futter machsf's! Versuche selbet. Ein 10 Pfd. Probepaket Muskater für Küken kostet frei Hans nur RN. 3.— für Höhner RM. 2.50. Berg. Kraftfutterwerk G. m. b. M. Büsseideri-hofer Roman von Pankraz Schuk 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Gewiß, Herr Doktor. Und ich selbst verwalte ihn.“ „Ah!“ Und ein großes Verwundern huschte in Grössings Gesicht auf.„Und Sie verwalten Wildeneichen? Da können Sie mir ja Auskunft über den Ort und meinen dortigen, mir noch unbekannten Besitz geben. Sanitätsrat Doktor Körner hat mir gestern den Vorschlag gemacht, den kommenden Sommer dort zu verbringen. Deshalb mein Interesse. Was raten Sie mir?“ „Ich persönlich wüßte zur Ausruhe für Körper und Geist auch keinen geeigneteren Ort. Es ist ein ganz verstecktes Oertel, mitten drinnen in dem Wald= und Hügellande, das seine Fühler bis zu den Grenzen dieser Stadt streckt. Wenn ich einen poetischen Namen gebrauchen darf: Wildeneichen ist eine Idylle.“ „Sie machen mich in der Tat neugierig, Herr Faber, meinen Besitz— es klingt wirklich grotesk— kennen zu lernen.“ „Ich wundere mich, Herr Doktor, daß Sie von der Existenz dieses schönen Besitztums scheinhar nichts wußten. Allerdings sind ja die Verlassenschaftsabhandlungen erst vor kurzer Zeit abgeschlossen worden.“ „Um so mehr will ich mich nunmehr um Wildeneichen kümmern und meinem Besitz meine ganze Freude schenken. Ich nehme den Vorschlag des Sanitätsrates, einen Sommer lang in Wildeneichen zu verweilen, an und werde mich gleich nach Verlassen dieser Anstalt, was ungefähr in zwei Wochen der Fall sein dü ste, dorthin begeben. Ich danke Ihnen, Herr Faber, daß Sie heute gekommen sind. Wenn ich Sie nochmals sprechen dürfte, ehe ich nach Wildeneichen fahre, so wird es mich freuen.“ „Ich stehe jederzeit zu Ihrer Verfügung, Herr Doktor.“ Der Beamte empfahl sich. Als Fritz Grössing wieder allein war, nahm er die Papiere vor, die ihm Faber übergeben hatte. Es bereitete ihm ein eigenartiges Interesse, die Zahlenreihen durchzugehen. Er hatte sich bisher um das, was nach dem Tode seines Vaters auf ihn gekommen war, herzlich wenig gekümmert, denn sonst hätte es gar nicht geschehen können, daß er von Wildeneichen nichts wußte. Er war einzig und allein darauf bedacht, mit vollen Händen aus dem reichen Segen zu schöpfen, den ihm sein Vater hinterlassen, und wie toll darauf los zu genießen. Die gestrigen Worte des Sanitätsrates aber waren wie Samenkörner in fruchtbares Erdreich in seine Seele gefallen und hatten darinnen eine Saite zum Klingen gebracht, von deren Vorhandensein er keine Ahnung gehabt. Eine seltsame Bewegtheit hatte an seinem inneren Menschen gerührt und vieles in ihm wieder ausgelöscht, was in den letzten Monaten aufgebrannt war. Er dachte heute an die tollen Begebnisse und Abenteuer, an das langsame Abgleiten in ein Milieu, das ihm bisher fremd war, wie auf einen bösen und wilden Traum zurück. Nach den Ausweisen, die er nun durchging, hatte er in ganz kurzer Zeit einen beträchtlichen Teil seines Vermögens vertan. Nun aber sollte es anders mit ihm werden, nun wollte er einen Weg gehen, der ihn zu reinen und stolzen Lebenszielen führte. „Onkel!" jubelte Fritz Grössing dem Sanitätsrat zu, als dieser nachmittags in seine Stube trat.„Onkel, ich gehe nach Wildeneichen. Und will wieder zurückkehren als einer, dem Du Deine Achtung nicht versagen wirst." Ueber das Gesicht des Sanitätsrates ging ein heißer Freudenschimmer. Daß seine Worte gestern in Fritz Grössings Seele gefallen und darinnen, als wäre in jedes mit einem Häfchen bewehrt gewesen, hangen geblieben waren, dessen war er sich ja sofort bewußt geworden. Daß sie aber so rasch und so gründlich wirken werden, das hatte er doch nicht erwartet. „Wenn Du mir noch nie in Deinem Leben eine Freude bereitest hättest, Fritz, es wäre Dein Entschluß, nach Wildeneichen zu gehen, die erste 9änach bis 24,00:“ Tanzmühst“(Gate.er. und 8 Dienstag, den 10. Juni 1930. 96,45: Leibesübungen. 5.27.00: Wettervorhersage. 227.05: Morgenkonzert(Schallplatten). Und gab den Brief am nächsten Tag zur Post. Zwei Tage später hielt Medizinalrat Hellmer in Wildeneichen Doktor Körners Brief in der Hand. Er las ihn einmal und dann noch einmal, aber er wußte sich beim besten Willen mit dem Schreiben nichts anzufangen. Doktor „Körner?.„987„„Name war ihm bekannt, der tenserne, inmitten einer vom Zauber Eichendorffscher Romantik erfüllten Berg= und Waldlandschaft. Was diese kurzen Zeilen nicht zu sagen vermögen, das vermag umso besser ein kleines Büchlein, das die Lippische Badeverwaltung verfaßt hat und gern versendet. dezu anekelnd, wenn die Fliege von derart widerlichen Stoffen, auf denen sie sich niedergelassen hat, nun auf die menschlichen Nahrungsmittel sich setzt, so wird die Sache noch übler, wenn sie auf die Speisen einen Teil ihres „Kropfinhaltes“ erbricht oder einen Kot absetzt, was sehr oft und besonders bei der Nahrungsaufnahme geschieht. Menschliche Nahrungsmittel dienen aber auch der Gold= und Fleischfliege, der Käse=, Essig= und der Schmeißfliege als Nährmaterial. Dagegen ernähren sich die gemeine und die kleine Stechfliege nur von menschlichem oder tierischem Blut. Nach Kenntnis dieser Lebensweise der gen wird wohl jedem auch die Gefahr klar geworden sein, die sie durch Verbreitung der Krankheiten für Mensch und Tier darstellt. An dem mit Haaren und Borsten besetzten Körper und den Extremitäten bleiben mit Leichtigkeit Teilchen des den Fliegen zur Nahrung dienenden Materials haften und können so auf menschliche Nahrungsmittel, auf den menschlichen oder tierischen Körper übertragen werden. Eine derartige mittelbare Uebertragung findet besonders leicht bei den infektiösen Darmerkrankungen, Typhus, Ruhr, Cholera usw. statt, wenn die Fliegen vorher auf den Exkrementen von solchen Kranken gesessen haben. Unbedeckte Speisen, vor allem Milch, werden so geradezu mit diesen Krankheitserregern beimpft. Auf diese Weise werden auch Tuberkelbazillen, Amöben(Ruhrerreger), die Eier der Darmparasiten(Spul=, Band=, Hakenwürmer, Kokzidien pp.) verbreitet. Durch Verschleppung von Eiter oder anderweitig infiziertem Wundsekret können frische Wunden in eiternde umgewandelt, Milzbrand oder Aussatz oder auch die gefürchtete ägyptische Augenkrankheit übertragen werden. Eine noch sichere Verbreitung wird für gewisse Infektionskrankheiten durch die blutsaugenden Stechfliegen gewährleistet. Beim Menschen kommt hier die Septichämie (Blutvergiftung) und das Rückfallfieber in Betracht, gegebenenfalls auch der Milzbrand, beim Tier Rotlauf und Pest der Schweine, Maul= und Klauenseuche, Pocken, Weideeuterentzündung und Pest der Rinder, die infektiöse Anämie, der Rotz, die Lymphangitis und die Sterbe der Pferde, die Geflügelpocken und bei allen Haustieren der Milzbrand und manche andere Krankheit. Außer diesen mannigfachen, vielfach mit dem Tode endenden, mindestens aber die Gesundheit von Mensch und Tier schädigenden und so guch materielle Verluste bedingenden Erkrankungen, erzeugt die Fliegenplage auch noch andere Störung allein schon durch die Anwesenheit der Fliegen. Sie beunruhigen Mensch und Tier, führen zur Beschmutzung von allerlei Gegenständen und bedingen bei den Tieren durch die stete Unruhe eine Verringerung der Leistung z. B. an Milch, in der Mast wie überhaupt einen Rückgang des Ernährungszustandes. Aus diesen kurzen Angaben geht hervor, wie wichtig die Bekämpfung dieser Plagegeister und wie angebracht ein Schutz, hauptsächlich der Speisen, vor ihnen ist. Schwerte, den 7. Juni 1930. *„Mit anderen Zungen fingen die Jünger an zu predigen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen,“ so heißt es in der heiligen Pfingstgeschichte. Die Mutlosigkeit war dahin, der Bann der Furcht war gebrochen, der Geist der Freudigkeit hatte die Jünger erfüllt. Nun konnten sie es nicht lassen, von dem zu reden, was sie erlebt hatten. Die großen Taten Gottes mußten sie preisen. Der lebendige, feurige Geist, der sie ergriffen, brach sich Bahn. Eine Neugeburt hatten sie erfahren, und neues Leben mußte die selbstverständliche Folge sein.„Wir hören sie mit unseren Zungen die großen Taten Gottes reden,“ das war der durchschlagende Eindruck bei denen, die Zeugen der ersten Pfingstpredigt waren. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Die erste Gemeinde hat sich an jenem Tage zusammengeschlossen, besser noch: Gottes Geist selber hat sie zusammengeführt. Wollen wir an diesem Geburtstage nur klagen und aus der Zeit, in der wir stehen, nur wehmütig zurückschauen mit dem Gebete: Wach auf, du Geist der ersten Zeugen? Trotz aller Schwächen wollen wir doch von der sichtbaren und unsichtbaren Kirche bekennen:„Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort da deine Ehre wohnet!“ Mögen viele sie als bedeutungslos verachten, andere sich von ihr abwenden, wir wissen, daß in ihren Mauern doch Leben und Geist aus Gott ist und immer wieder unserem staunenden Auge offenbar wird. Wir glauben an eine heilige christliche Kirche. Und diese Kirche wird um so schöner blühen und wachsen und um so spürbarer wirken mit allen ihren Lebenskräften, je mehr jeder einzelne ein Tempel des heiligen Geistes wird und alles Unheilige von sich abtut. Dazu laßt uns bitten um unser Pfingsten, ums deutsche Pfingsien:„O heil'ger Geist, kehr' bei uns ein!“ Neuer Abbau beim Reichsbahn. ausbesserungswerk Schwerte Kaum ist der letzte Abbau beim Reichsbahnausbesserungswerk beendet, da kommt eine neue Hiobspost. Die Werkstättendirektion Köln hat für Schwerte den Abbau von weiteren 270 Mann angeordnet. Wiederum werden hunderte von Familienvätern brotlos gemacht. Die Schwerter Geschäftswelt, die in dieser Krisenzeit außerordentlich zu leiden hat, wird durch diese Maßnahme aufs schwerste in Mitleidenschaft gezogen. Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands hatte gestern abend seine Mitglieder zu einer Protestversammlung in den Saal des Werkkasinos berufen. Bezirksleiter Johann Esser==Elberfeld referierte über die Abbaumaßnahmen der Reichsbahn. Zum Schluß der Protestkundgebung wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen, die allen infrage kommenden Stellen, dem Reichstag, der Reichsregierung, vor allem aber dem Zentrumsminister Stegerwald zugeleitet wird. Entschließung: Erst vor wenigen Wochen wurden über 100 Mitglieder der Belegschaft unseres Werkes abgebaut. Es sollte damit der Abbau für dieses Jahr vollständig beendigt sein. Jetzt hat die Reichsbahndirektion Köln bereits wiederum den Abbau von 270 Belegschaftsmitgliedern verfügt. Wir Mitglieder des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands erheben den allerschäfsten Protest gegen die Abbaumethode. Solange noch viele Millionen jährlich an Leistungszulage, Teno, Bahnschutz und derartige unproduktive Auslagen zum Fenster hinausgeworfen werden, erweist sich jede Abbaumaßnahme der Reichsbahn als eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit gegenüber der Eisenbahnarbeiterschaft. Wir fordern einmütig, daß jede Abbaumaßnahme aufgehoben und dafür gespart wird an den Stellen, wo es angebracht erscheint. Solange Millionen von Arbeitslosen auf der Straße liegen ist der Bann au8 Whimme wirkt außerdem ein Spielmannszug mit. Am 2. Pfingsttage morgens 7 Uhr wirkt die Hörder Sänger=Vereinigung(300 Sänger), Vorsitzender Herr Dr. Schmeck, zum Frühkonzert mit. Wer den ganzen Tag bleiben will, findet auch eine ausgezeichnete Küche im „Freischütz". Mittags von 12 Uhr ab Festdiners. Also Pfingsten auf zum„Freischütz“ im Schwerter Wald! Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß Schwerter Bürger, die sich als solche ausweisen können, zu allen 6 Pfingstkonzerten im„Freischütz" freien Eintritt haben! * Im Cafe Blumenhain finden an beiden Pfingsttagen, morgens 7 Uhr und nachmittags 3 Uhr Konzerte des allseits beliebten Salon=Orchesters Justus statt. Ein Besuch dieser aufs beste gepflegten Anlagen, die augenblicklich mit neuen Blumenbeeten bepflanzt sind, ist nur zu empfehlen. Die Wirtschaft„Zu den drei Linden“. ist von jeher ein beliebtes Ausflugsziel für den Schwerter Bürger gewesen. Neuerdings hat nun der Besitzer, Herr Schäfer, eine moderne Gartenanlage hinter dem Restaurationsgebäude geschaffen, die am morgigen Pfingsttage offiziell ihrer Bestimmung übergeben wird. Der Garten ist terrassenförmig hergerichtet und bietet, allein schon seiner prächtigen Umgebung wegen, einen angenehmen Aufenthalt. Geschützt von der Straße gelegen ist er staubfrei und liegt durchaus geschützt. Bei günstiger Witterung wird an beiden Pfingsttagen ab 9 Uhr vormittags das in Schwerte bestens bekannte„Westfalentrio“, das nach einem Holland= und Süddeutschlandtournee in die Heimat zurückgekehrt ist, mit einem auserlesenen Gartenkonzert auswarten. Ein Besuch der neuen Gartenwirtschaft können wir allen Pfingstspaziergängern nur bestens empfehlen. * Hoher Besuch. Gestern weilten in der hiesigen Herberge zur Heimat studienhalber 7 Herren, davon vier vom Ministerium des Innern und drei von der Provinzialverwaltung, um die Westfälischen Wandereinrichtungen kennen zu lernen. Die Gäste kamen von Bielefeld und fuhren nach 1½stündigem Aufenthalt nach Hagen weiter. Zweck der Besichtigung ist, eine Grundlage für das demnächst zu erlassende Reichswandergesetz zu erhalten. X Gefahren der Straße. Einen bedauerlichen Unfall erlitt gestern nachmittag der 8jährige Schüler Herbert Meier von der Hellpothstraße. Derselbe wollte unweit der Strangbrücke einem Lastwagen ausweichen, kam dabei aber so unglücklich zu Fall, daß er einen Bruch des linken Beines erlitt. Der arme Junge wurde ins Krankenhaus gebracht und mit dem geplanten Pfingstausflug ist es für dieses Jahr vorbei. - Bau eines Kreisgesundheitsamtes. Die Verdingung der Dachdecker= und Klempnerarbeiten zum Neubau eines Kreisgesundheitsamts in Schwerte soll in 2 Losen erfolgen. (Näheres s. Inserat). : Kraftpostverkehr nach Hohensyburg. An beiden Pfingsttagen verkehren die Kraftposten nach Hohensyburg in häufiger Folge. Frühfahrten ab Schwerte sind um 7 und 8 Uhr Vm. eingelegt. Von 11 Uhr besteht stündlicher Pendelverkehr mit zahlreichen Zwischenfahrten. Volkswohl= Lotterie. Doppel= und Einzellose sind noch im Zigarrengeschäft Künkler, Hüsingstraße, zu haben. Ziehung vom 7.—14. Juni.(s. Inserat). : Reichsjugendwettkämpfe. Am Freitag, den 13. Juni, abends 6,30 Uhr findet eine Sitzung des Unterausschusses 1 im Stadtverordnetensitzungssaale statt, in welcher über die Abhaltung der Reichsjugendwettkämpfe und der Verfassungskämpfe Beschluß gefaßt werden soll. Anschließend an diese Besprechung soll mit den Sportvereinen aus Schwerte und Land über den Verlauf der Werbewoche und Verteilung des Ueberschusses Beschluß gefaßt werden. X Deutsche Bau= und Siedlungsgemeinschaft. In Hamburg wurde die 5. Generalversammlung der Deutschen Bau= und Siedlungsgemeinschaft abgehalten. Der Geschäftsbericht für 1929 zeigt eine außerordentlich günstige Entwicklung der Gesellschaft, die bekanntlich zinslose Baugelder für Eigenheime beschaffen will. Die Zahl der Bausparer ist im Berichtsjahr um 2500 gestiegen, die Einlagen haben um rund 4 Millionen Mark zugenommen, der Monatsdurchschnitt hat eine Steigerung von 455000 Mark erfahren. Im Berichtsjahr konnten 339 Baudarlehn gegeben werden, darunter bekanntlich aus ein Darlehn nach Wandhofen. Auch für das Jahr 1930 sind die Aussichten für die Bausparer außerordentlich günstig; außer den bereits bewilligten 145 Darlehen konnten 139 weitere zur Vergebung kommen.— Auch die Ortsgruppe Schwerte, deren umsichtiger Leiter der Stadtv. Werkmeister Becker ist, befindet sich in steigender Entwicklung. Möge das Ziel jedes Mitgliedes auf den Besitz eines Eigenheims recht bald erreicht werden. Sam Mlthn, ihihn ciain ühen eihn hich th Allen Leserinnen, Lesern Inserenten und Geschäftsfreunden wünschen ein frohes gesegnetes Pfingstfest Verlag u. Schriftleitung der Schwerter Zeitung Büchs=Bhisde=Mahide=Bchise Bhse=Mhde=-chidse=Ahische Aus der evangelischen Gemeinde. Die Frauenhilfe des 2. Stadtbezirks unternimmt am Donnerstag, den 19. Juni einen Ausflug zu den Anstalten der Frauenhilfe in Wengern. Abfahrt von Schwerte 11,45 Uhr. Ankunft 1,28 Uhr in Wengern. Die Gesellschaftskarte kostet 1,80 Mark. Die Einzelkarte hin und zurück 2 Mark. Bis zum 10. Juni müssen sämtliche Teilnehmer durch die Bezirksfrauen angemeldet sein. Der Evgl. Verein junger Männer macht an den beiden Pfingsttagen eine große Wanderung. Diese Pfingstfahrt in die Sauerlichen Berge ist gut vorbereitet. Auch wird der Kostenpunkt nicht zu hoch. Es kostet die Fahrt(warmes Essen, Nachtlager und Morgenkaffe eingeschlossen) 4 Mark. Abfahrt nach Arnsberg Sonntagmorgen 8,39 Uhr, Ankunft in Schwerte Montagabend 9,19 Uhr. Die Wanderung ist reich an Schönheiten, nicht überanstrengend mit reichlicher Gelegenheit zum Lagern. In Eslohe wird übernachtet. Die Versammlung der Frauenhülfe Lichtendorf findet in diesem Monat erst am 19. Juni statt. Der Gustav=Adolf=Frauenverein kommt wieder am Dienstag, den 17. Juni zusammen. Blaukreuzfest. Schon jetzt sei darauf hingewiesen, daß das diesjährige Blaukreuzfest am Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird. Festredner ist Pastor Stollberg aus Fröndenberg. : Aus der kath. Gemeinde. Vinzenz=Verein: Freitag abend 9 Uhr Versammlung, nachher Lesung aus den vier Büchern der Könige. Deutsche Jugendkraft: Freitag abend 8 Uhr: Spielabend. Kath. Arbeiter=Verein St. Stephanus: Am 2. Pfingsttage findet nach der Schlußandacht eine Abendwanderung für Mitglieder mit Familien nach Holzen statt. Treffpunkt nach der Andacht vor der Kirche. MGV.„Cäcilia: Die Monatsversammlung am Sonntag war von seiten der Mitglieder gut besucht. Von einem großen Ausflug wurde wegen der großen Arbeitslosigkeit Abstand genommen. Neu im Verein ausgenommen wurden 28 Mitglieder. Vom Osterkonzert konnte wieder ein Ueberschuß verzeichnet werden. In die Sterbekasse wurden im vorigen Jahre 18 neue Mitglieder ausgenommen, gestorben 4 Mitglieder. Das Sterbegeld beträgt z. Zt. 220 Mk. Die Umlage beträgt pro Mitglied 50 Pfg. Mitglieder und deren Frauen, welche das 45. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, können der Kasse beitreten. Mit einem Appell an die Sänger, doch immer pünktlich die Gesangstunden zu besuchen, schloß der 1. Vorsitzende, Herr Ewald jun. die Versammlung. Kath. Gesellen=Verein: Montag abend 8 Uhr: Deutsch=Kursus. Mittwoch abend 8 Uhr: Versammlung im Vereinshause.— M. G. V.„Cäcilia": Dienstag abend 8 Uhr: Gesangstunde.— Jungfrauen=Kongregation: Mittwoch abend 8 Uhr: Gesangstunde in der alten Schule.—„Cäcilia"=FrauenChor: Donnerstag abend 8 Uhr: Gesangstunde im Kasinosaal.— Elisabeth=Verein: Freitag nachmittags 3 Uhr: Arbeitsstunde. — Kirchenchor: Die Chorprobe für Damen ist Dienstag abend, für Herren Freitag abend. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen ! Westhofen. Silberhochzeit. Die Eheleute Schreinermeister August Heidegott und Lina geb. Osthoff begehen am 2. Pfingsttage das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Dem allseits beliebten und geachteten Paare sprechen auch wir unsere herzlichsten Glückwünsche aus und geben der Hoffnung Ausdruck, daß sich das heutige Silber nach weiteren 25 Jahren in Gold verwandeln möge. ! Westhofen. Die Ruhrbadeanstalt wieder eröffnet. Nachdem die Verbesserungen und Wiederinstandsetzung der hiesigen Ruhrbadeanstalt erfolgt sind, wird der Badebetrieb an den Pfingsttagen wieder ausgenommen. Die herrliche Lage und die sauberen Wasserverhältnisse der Badeanstalt bieten Gewähr dafür, daß auch in diesem Jahre wieder viele Besucher von auswärts kommen, um hier dem gesunden Wassersport zu huldigen. ! Westhofen. Hohes Alter. Die Witwe Berta Althoff in Westhofen, Oststraße 2 wohnhaft, begeht am 1. Pfingsttage die Feier ihres 77jährigen Geburtstages. Dem geachteten Geburtstagskinde auch unseren herzlichsten Glückwunsch. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpol'tik. Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Eine Pfingstfahrt durchs schöne Sauerland Eine 2½=tätige Wanderung durchs östliche Sauerland. 907 * Es empfiehlt sich, die Fahrt bis BrilonWald, dem Ausgangspunkt, so einzurichten, daß man gegen 3 Uhr die Wanderung beginnen kann, weil die später zu benutzende Kleinbahn Sonntags nur abends fährt. Vom Bahnhof Brilon=Wald(450 Meter) aus wenden wir uns links auf der Landstraße zunächst ins Hoppecketal, nach 25 Minuten jedoch rechts ab auf der Waldfahrtstraße nach Bruchhausen, 15 Minuten später sehen wir das erste liegende Kreuz der Hauptwanderstrecke 2. An dieses halten wir uns nun weiter. Noch folgt ein kurzes Stück schattige Landstraße, dann gehts links durch Wald und Heide aufwärts zum Istenberg mit den Bruchhauser Steinen(620 Meter), einer der Hauptsehenswürdigkeiten des Sauerlandes. Die 4, Bornstein, Goldstein, Feldstein und Ravenstein genannten, steil emporragenden Porpyyrselsen bleiben linker Hand stehen. Bei genügender Zeit ist eine Besteigung des obersten, des Feldsteins(759 Meter) wegen der Ausschau sehr dankbar. Unser Hochwaldweg führt in 20 Minuten hinab zum Dorf Bruchhausen(460 Meter), darin links und jenseits des Medebaches langsam auf Feld=, später Waldwegen wieder aufwärts. Nach 65 Minuten ist das sogenannte Ochsenkreuz(661 Meter) und damit die Höhe erreicht. Auch der Abstieg verläuft wieder im schattigen Hochwald, erst am Schluß ein kurzes Stückchen auf der Landstraße. Nach ¾ Std. sind wir in Niedersfeld(520 Meter). Von hier benutzen wir den 18,45 Uhr fahrenden Kleinbahnzug bis Küstelberg (660 Meter), um dort zu übernachten. Während dieser Teil der Wanderung sich auf Blatt 4 Brilon der Sauerlandkarte 1:50000 vom Sauerland=Verlag, Iserlohn, verfolgen läßt, brauchen wir für die beiden nächsten Tage die Blätter 9 Winterberg und schließlich noch 13 Laasphe. Am Sonntag früh setzen wir unsere Wanderfahrt auf Hauptwanderstrecke 15 südwärts fort. Vor uns liegt wohl der einsamste und romantischste Teil des gesamten Sauerlandes. So recht etwas zur Erhöhung der echten Pfingststimmung. Immer herrlicher werden die Waldwege durch den Glindfelder Forst. Bis zum Hang des Reetsberges(780 Meter) brauchen wir 35 Minuten, dann gehts zwischen dem Alten und dem Jungen Grimme, 2 klotzigen Bergriesen, um die Giebel und hinab ins Deitmecketal(475 Meter; 50 Minuten), weiter dem Bächlein nach ins wildromantische Orketal, das hier„Vildischer Grund“, genannt wird(436 Meter; 10 Minuten). Talwärts schreitend, kommen wir nach 25 Minuten zum Forsthaus Kaltenscheid, wo wir das Orketal wieder verlassen müssen. Es geht gehörig bergan die nächsten ¾ Std. bis zur Rauhen Wiese(630 Meter), die rauschende kleine Dillmecke im Waldesschatten jedoch plaudert mit uns bis zur Höhe. Dann führt der Weg um den Westhang des aussichtsreichen Vollenberges her und stößt nach 25 Minuten am Knappsattel auf Hauptwanderstrecke 6. Mit dieser zusammen wandern wir 10 Minuten rechts ab ins Liesetal(480 Meter), dann wieder auf Hwstr. 15 der Liese nach talwärts bis Dorf Liesen(440 Meter; 20 Minuten), auf der Landstraße weiter zum Haltepunkt Liesen(20 Minuten) und endlich ins Städtchen Hallenberg(385 Meter; 25 Minuten), das sich malerisch am Berghang hochbaut. Hier rasten wir für den letzten Wandertag. Auch der folgende Tag sieht uns auf Hauptwanderstrecke 15. Nach 20 Minuten Landstraßenwanderung überschreiten, wir die Grenze zwischen Westfalen und Hessen=Nassau und weilen 10 Minuten, später im nächsten Dorf Bromskirchen(450 Meter). Am Lichtenberg entlang gehts auf Feldwegen weiter zum Linspherbach(20 Minuten), dann auf steilem Waldweg zur Försterei Neu=Ludwigs= dorf(560 Meter; ½ Std.) 20 Minuten gehts nun wieder abwärts, auch hier wieder prächtiger Hochwald, dann queren wir bei der Försterei Elbrighausen(405 Meter) die neue Hauptwanderstrecke 14, die uns ziemlich unbekanntes Gebiet ausschließt und über die wir im Kneebusch Sauerlandführer näheres erfahren. Jetzt steigen wir aus dem Elbrighauser Bachtal wieder empor, und zwar zwischen Heidenbachsrücken und Hülzenbachsrücken bis zur Försterei Karlsburg(609 Meter; 30 Minuten). Es ist der höchste Punkt unserer heutigen Wanderung. Weiter zum Dorf Fallgrube(35 Minuten) und zum Hof Binsenbach(10 Minuten) bietet der Waldweg mehrfach wunderschöne Fernsichten; wir halten uns dabei ziemlich oben. Hinter Finsenbach beginnt unser Weg sich zu senken, erreicht auf der Elsoffer Höhe 450 Meter(35 Minuten), steigt noch ein wenig zur Ziegenhecke(25 Minuten), um danach mehr und mehr zu fallen. Nach 35 Minuten sind wir an der Försterei Hatzfeld, endlich nach 15 Minuten im Städtchen Hatfeld an der Eder selbst(350 Meter). Ehe wir am Ende unserer schönen und namentlich stillen Wanderfahrt den auf der anderen Flußseite liegenden Bahnhof aufsuchen, klettern wir noch zu den Ruinen der Stammburg der Grafen von Hatfeld empor. Die Heimfahrt führt uns über Raumland—Birkelbach. Der letzte Tag mit gut 5=stündigem Marsche läßt Zeit genug zur Rückfahrt. Krankenzimmer, und so wollte es das Verhängnis, daß die Braven den Assistenzarzt in seinem weißen Kittel für den Toten hielten und auf die Bahre luden. Ahnungslos schlief der Mediziner weiter. Doch am Eingang zum Schauhaus stolperte einer der schwankenden Trägergestalten, und der„Tote“ polterte unsanft zu Boden. Er wachte auf, erfaßte die Situation mit einem Blick und brüllte die aus allen Wolken gefallenen Krankenträger fürchterlich an. Den Aermsten fuhr der Schreck über die gänzlich unerwartete Auferstehung des Toten so in die Glieder, daß sie ohne weitere Umstände ohnmächtig wurden, zu Boden fielen und mit Unterstützung einiger Kollegen auf der gleichen Bahre in ein Krankenzimmer geschafft werden mußten, um sich langsam gesund und nüchtern zu schlafen. Der unsichere Schritt der Krankenwärter Eigentlich soll ein Krankenwärter eine sichere Hand und einen sicheren Schritt haben; aber die jüngste Erfahrung lehrt, daß auch ein stolpernder Samariter von Nutzen sei kann. War in einem polnischen Hospital ein Assistenzart, von der Wache am Sterbelager eines Patienten ermüdet, auf einem Bett neben dem Toten eingeschlafen. Zwei Krankenwärter sollten die Leiche ins Schauhaus schaffen. Vielleicht waren es Neulinge, die geglaubt hatten, sich diesem traurigen Dienst ein wenig Mut antrinken zu müssen. Außerdem herrschte Dämmerdunkel im Was hören wir im Rundfunk? Sonntag, den 8. Juni 1930. 06,40: Selbstverteidigungskursus. 07,00: Uebertragung von der Norddeutschen Gruppe: Hafen=Frühkonzert. 08,00: Morgenkonzert(Schallplatten). 08,30: Esperanto. 09,00: Uebertragung des Geläutes von St. Gereon. 09,05: Katholische Morgenfeier. 11,00: Wert und Ehre deutscher Sprache. 11,25:„Die kleinsten Freuden sind die größten“ 12,00: Meister ihre Fachs. 12,30:„Hidalgo und Bolivar, zwei Freiheitskämpfer aus Latein=Amerika." 13,00: Mittagskonzert. 14,30: Mitteilungen der Interessengemeinschaft westdeutscher Funkvereine. 14,55: Kinderstunde. 15,20: Heiteres am Nachmittag. 15,50: Deutsche Einheitskurzschrift. 16,10:„Anständige und unanstände Berichterstattung.“ 16,30: Uebertragung aus dem„Freischütz“ in Schwerte: Vesperkonzert. 18,00: Stunde des Arbeiters. 18,35: Eine Stunde Kurzweil. 19,30: Der rheinische Lebensraum. 19,50: Sportvorbericht. 20,00:„Die Schöpfung". Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Montag, den 9. Juni 1930. 07,00: Uebertragung aus der Kaisermühle in Viersen: Konzert des MGV.„Liedertafel" Viersen. 08,00: Morgenkonzert(Schallplatten). 08,30: Esperanto. 09,00: Uebertragung des Geläutes der Trinitatiskirche. 09,05: Evangelische Morgenfeier. 10,15: Besuch am Krankenbett. 11,00:„Frühlingsmärchen und Pfingstgedicht.“ 11,25, Der Panamakanal.“ 11,45:„Quer durch Südharz und Kyffhäuser.“ 12,05: Meister ihres Fachs. 12,45:„Die Zeit im Buch.“ 13,00: Mittagskonzert. 14,30:„Ratschläge für Fahrradwanderer“ 14.50: 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Salzuflen. 10,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 12,10: Mechanische Musik. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Funkwerbung. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 16,20:„Von Villon bis Klabund.“ 16,40:„Nicolo Paganini.“ 17,00: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Berufsschulen. 17,30: Vesperkonzert. 18,30:„Die Europäisierung der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten.“ 18.50: Vom Tage. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19.15: Französische Unterhaltung. 19,40: Das neue Weltbild. 20,00: Abendkonzert. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Aus den Bädern Bad Königsborn bei Unna. Wenn in der Familie hin und her überlegt wird, wohin man Psingsten geht, möchten wir die Aufmerksamkeit auf das schöne Sol= und Thermalbad Königsborn lenken, das in heutiger Nummer dieser Zeitung zum Besuche seiner Pfingstkonzerte einladet. Der ganz im Grün liegende Ort mit seinen herrlichen KurgartenAnlagen ist einer der schönsten Ausflugspunkte der näheren und weiteren Umgebung. Es ist eine Freude, sich in dem 60 Morgen großen Kurpark mit seinen malerischen Baumgruppen, saftigen Rasenplätzen und schönen Teichen zu ergehen. Der Konzerplatz gibt mehreren tausend Personen Sitzgelegenheit. Die allseits beliebte Kurkapelle wird ihre herrlichen Weisen ertönen lassen. Wenn dann noch Küche und Keller der guten Kurgartenrestauration für die leiblichen Genüsse sorgen, wird jeder Konzertbesucher sicher zufrieden sein und spätern gern wieder nach Königsborn zurückkehren. Jugendfunk. 15,20:„Das Schwärmen der Bienen und die Behandlung der Vorschwärme." 15,45: Heiteres am Nachmittag. 16,05: Frauenstunde. 16,30: Musik aus Oberschlesien. 18,10: Menschen im Beruf. 18,40:„Kennen Sie Geheimsprachen? 19,10: Einführung in Verdis Oper„Macbeth“. 19,30: Ansage zur Opernübertragung. 19,30:„Macbeth“ Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Tanzmusik(Schallplatten). Dienstag, den 10. Juni 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Wettervorhersage. 07,05: Morgenkonzert(Schallplatten). Warum Erholungskuren aus Bad Salzuflen? „Den Wagen neu überholen“ heißt es in der Automobilsprache. Versäumt der Wagenbesitzer den rechten Zeitpunkt, alle Teile gründlich nachsehen und kleine Fehlerstellen beheben zu lassen, so geht's mit dem Verfall des Wagens rapide abwärts. Wenn nun schon das harte Metall bei dauernder Belastung, wie der Fachmann sagt,„ermüdet", wieviel mehr tun es die zarteren motorischen Organe des menschlichen Körpers, die bei der Hast des heutigen Lebens ständig mit voller Tourenzahl laufen müssen, wie das Herz, das„Schaltwerk" des Gehirns usw.! Darum ergeht an alle, die noch recht lange nicht„zum alten Eisen“ geworfen werden möchten, die Mahnung, ihre alljährliche Erholungszeit nicht nur in einer landschaftlich schönen Gegend, sondern in einem Kurort zu verleben, wo gleichzeitig Gelegenheit ist, den Körper mal gründlich„überholen" zu lassen. Ein solcher Ort könnte beispielsweise Bad Salzuflen am Teutoburger Wald sein. Wir nennen es gerade deshalb, weil es neben der Heilkraft seiner berühmten kohlensäurereichen naturwarmen Quellen und dem Reichtum seiner vielseitigen Kurmittel das bietet, was man sich für die jährliche Urlaubszeit wünscht: ruhig und behaglich dahinfließende Tage in einer gepflegten, harmonischen Umgebung, geistige Anregungen, kultivierte Geselligkeit, ohne zu viel lauten „Betrieb". Keine Melancholie bei schlechtem Wetter! Man glaubt garnicht, wieviel Freiheit, auch wenn man sein Kurpensum gewissenhaft erfüllt, man noch hat, die vielen übrigen Stunden des Tages in zwangloser Geselligkeit zu verbringen, oder in köstlicher Stille und Weltenferne, inmitten einer vom Zauber Eichendorffscher Romantik erfüllten Berg= und Waldlandschaft. Was diese kurzen Zeilen nicht zu sagen vermögen, das vermag umso besser ein kleines Büchlein, das die Lippische Badeverwaltung verfaßt hat und gern versendet. ist potäslich sie iß fue pud vimmt Persilt Aber das in Ruturiich, fe en Rug und nimmt Pernt. Beachten Sie stets einen wichtigen Punkt: die richtige Menge! Aufje 3 Eimer Wasser kommt 1 Paket Persil. Für jeden Kessel wird die Lauge neu in kaltem Wasser bereitet. Kennen Sie schon das jüngste Spiel und Sport un den Hingsnaden. 1. Jgd. Lintorf. aus Lintorf(Rhld.) Schwerte der GlückHandball 1. Jgd. D3K. Schwerte 2. Igd. DJK. Schwerte— 2. Igd. Lintorf. Schwerte hat sich für den Pfingsttag für beide Jugenden Besuch geholt. In Lintorf war lichere und konnte die Spiele mit 1:0 und 4:0 gewinnen. Ob Schwerte wieder einen Sieg über Lintorf erzielt, möchten wir bezweifeln. Die zweite Jugend wird wohl knapp Sieger bleiben. Es sind zwei interessante Spiele auf dem Schützenhof zu erwarten. Fußbaut! Lokaltreffen. Alemannia 1.— S. S. V. 06 1. Die rührigen Alemannen warten zu Pfingsten mit einem Programm auf, bei dem auch der Verwöhnteste auf seine Kosten kommen wird Schon am Samstag abend steigt das obengenannte Treffen. War es in der WfL. den Alemannen nicht vergönnt mit den 06ern die Kräfte zu messen, so werden sie diese Gelegenheit voll und ganz ausnutzen. Im letzten Spiel unterlagen die von der Heide. Wer wird nun Samstag siegen? Eine Voraussage ist schwer zu treffen; die Mannschaften sind sich gleichwertig. Jedenfalls wird es ein Spiel geben, welches von beiden Seiten mit vollem Einsatz der Kräfte durchgeführt wird. Auch ist es eine General=Probe für die kommenden Verbandsspiele. Denn die Alemannen haben sich ja mit Mühe und Not den Aufstieg errungen. Die Parole eines jeden Sportanhängers muß für Samstag abend lauten:„Auf zur Alemannen= Kampfbahn!" 1. Jugend Alemannia— 1. Jugend Cronen= berg. Der Nachwuchs der Hiesigen hat für den 1. Pfingsttag einen Gegner aus dem Bergischen verpflichtet. Die Gäste gelten in ihrem Bezirke als die Besten. Für die Alemannen also eine Nuß, die erst geknackt werden will. Alemannia 2.— V. f. L. Westhofen 2. Am 2. Pfingsttage stellt sich die zweite Mannschaft der Alemannen in neuer Aufstellung vor. Als Gegner hat man die zweite Mannschaft des V. f. L. Westhofen verpflichtet. Die Westhofener galten bis vor kurzem als die beste zweite Mannschaft in der Gruppe Iserlohn=Schwerte. Alemannia 1.— Teutonia Lippstadt 08 1. Die Alemannen haben weder Mühe noch Kosten gescheut, sich einen Verein der westfälischen Sonderklasse nach hier zu verpflichten. Den Gästen geht ein guter Ruf voraus. Die Mannschaft wird von dem bekannten Trainer Franz Zonbeck=Prag betreut. Gegen den Westfalenmeister VfB. Bielefeld unterlagen die Teutonen aus Lippstadt(auch im„Ful“ die Lippstädter Husaren genannt) nur 2:1, dagegen schlugen sie aber Arminia Bielefeld mit 1:0, Hessen 09 Kassel 2:0, Gevelsberg 08 7:1, Sportfreunde Essen 3:1, gegen B. V. Altenessen und Düsseldorf 04 holten sie jemals ein gutes Unentschieden heraus(3:3). Wie werden nun die Alemannen abschneiden? Sind auch die Lippstädter drei Klassen besser wie die Alemannen, so wird dies von den Hiesigen durch Eifer und unter Hergabe alles Können wieder ausgeglichen werden müssen. Zumal ist ja von den Alemannen bekannt, daß ihre Kraft mit der des Gegners wächst. Nur eines müssen sich die Stürmer der Gastgeber merken. Nicht sehen wo der Torwart steht, sondern den Ball da rein segen, wo eine Lücke erspäht wird. Werden auch die Alemannen keinen Sieg erringen, so werden sie aber aus diesem Spiel vieles lernen können.— Am ersten Pfingsttag spielen die Lippstädter gegen Schwarz=Weiß Essen in Lippstadt, werden aber gegen die Hiesigen durch schriftliche Versicherung in stärkster Aufstellung antreten. Die Hauptstützen der Gäste aus Lippstadt sind der Mittel= und rechter Läufer, letzterer spielt auch in der Westfalenelf, neben diesen ist der 33jährige Föhl nicht zu vergessen. Am zweiten Pfingsttage morgens 11,41 Uhr treffen die Gäste in Schwerte ein. S. S. V. 06 1. Jugend Pfingsten im Siegerland Am ersten Pfingsttage in aller Frühe treten die 06er Jugendlichen eine weite Reise in das schöne Siegerland an, um dort die beiden Pfingsttage zu verbringen. Mit vieler Mühe ist es gelungen, den Jugendlichen diese Reise zu ermöglichen. Am 1. Tage findet in DreisTiefenbach bei Siegen ein Fußballwettspiel der 06er Jugend gegen den dortigen F. C. statt. Der 2. Tag ist für Ausflüge in die nähere Umgebung von Siegen geplant. Hoffentlich ist der Wettergott den Jungens, die sich schon lange auf die Reise gefreut haben, gut gesinnt. Vergnügungsanzeigen zu Pfingsten Hotel zur Post: an beiden Tagen Pfingstkonzert(Kapelle Justus). Hotel Sternberg: am ersten Pfingsttag Konzert(Stimmungstrio Westfalia). reischütz": Pfingstkonzerte an beiden Tagen. Café Astoria: Kabaret. Restaurant„Zum Sportler“: Konzert. Wellenbad Geisecke: Pfingstkonzerte an beiden Tagen. Rettelmühle: Eröffnungsfeier der neuen Tanzdiele. Josef Schulte=Westhofen: Konzert Fritz Lips=Ergste: Tanzvergnügen am 2. Pfingsttage. Gasthof Pütter==Ergste: Tanzvergnügen am 2. Pfingfttage. Wilh. Lappe=Ergste: Neueröffnung der Gartenwirtschaft. Das Pfingstprogramm im Film Wie alljährlich, so werden auch dieses Mal die„Lichtspiele zur Reichskrone“ mit einem ausgesuchten Programm auswarten. In dem Film„Vorsicht! Zwangsjacke!" ist es kein geringerer als Richard Talmadge, der den in Bann gezogenen Zuschauer von Sensation zu Sensation führt. Es sind famose Bildwiedergaben und hierzu kommt eine durchaus fesselnde Handlung, die den Film besonders wertvoll erscheinen lassen.— Anny Ondra stellt sich in dem prachtvollen Film„Die Kaviarprinzessin“ den Kinobesuchern in einer Glanzrolle vor. Die äußerst anregende Handlung spielt in einer Kleinstadt am Rhein und in der Weltstadt Paris und greift in das wirtschaftspolitische Leben über.— Ab Pfingstmontag laufen die Filme„Indizienbeweis“ und„Das verschwundene Testament“ ebenfalls zwei Filme, die Aufsehen erregen werden und in künstlerischer Hinsicht keine Wünsche offen lassen. Zu jedem Programm wird ein Lustspiel sowie die beliebte Wochenschau gezeigt. Man versäume es nicht, an den Pfingsttagen den Lichtspielen zur Reichskrone einen Besuch abzustatten; denn es ist unbedingt lohnend, sich die vorerwähnten Filme anzusehen. Kriegerverein zu Schwerte e. B. II. Plingsttag nachmittags 3 Uhr Antreten im Vereinslokal Kordeck zur Tellnahme an der Beerdigung des Kameraden Karl Vaginer Zahlreiches Erscheinen erbittet DER VORSTAND. Grock in der Westfalenhalle am 7., 8. und 9. Juni. Krieg und Inflation haben uns das Lachen vertrieben. Wir haben Jahre verloren, in denen wir nicht gelacht haben. Diese verlorenen Jahre müssen wir nachholen. Grock, der König der Clowns, erfüllt uns diesen Wunsch. Er hat sich unter allen Künsten der Erde die* schwerste und schönste ausgesucht: Menschen aller Gattungen und Temperamente, zermürbt und verbittert, fett und lebenslustig, verarmt und vergrämt, Kinder und Greise, Schüler und Minister, Polizisten und Fußballspieler, Gouvernanten und Gouverneure, Bettler und Bardamen, Nichtstuer und Schwerarbeiter zum Lachen zu bringen. Und alle diese Menschen lachen im Takt. Grock ist der Kapellmeister und dirigiert dieses tausendfache Gelächter. Wie er will. Bald fortissimo, bald piano. * In der Garderobe, wenn der Clown Grock den Clown abgeschminkt hat, sitzt ein Mensch vor dem Spiegel. Sein Gesicht ist gut, seine Augen sind gütig. Sein ziviles, leises Lachen ähnelt seinem Lachen auf der Bühne: das Lachen eines Kindes, mit dem melancholischen Lächeln eines Großvaters vermischt. Zumeist sieht er aber traurig vor sich hin. Wie alle Clowns in Zivil. Auf der Bühne sind sie Zauberer, hinter der Bühne Entzauberte und Melancholiker. Auch Grock ist ein Zauberer und ein Entzauberter. Und wie Debureaut der große und letzte straßenclowns von Paris(aus Kolin in Böhmen) ein Melancholiker. * Grock kann alles. Er singt und spielt und springt. Er beherrscht die Mimik des Barocktheaters; er hat aber auch die Präzision der Varietéakrobatik und den Instinkt der Manege. Er turnt geradezu mit sich selbst, überwindet die Schwerkraft und springt über seinen eigenen Schatten hinweg. Redet und singt in sieben Sprachen. Und spricht sogar manchmal wie eine Baßgeige. Spielt Violine, Klarinette und Klavier. Und jongliert dabei mit Instrumenten, Fiedelbogen und Klavierdeckeln. Dazwischen ist sein gutes Gesicht. Grock ist Schauspieler, Musiker, Akrobat und Clown. Und Mensch. In seinem abwechslungsreichen Leben war Grock einmal in London mit Charlie Chaplin engagiert. Und plötzlich fällt uns ein, daß die beiden etwas Gemeinsames haben: Sie sind am größten in ihren tragischen Momenten, dann, wenn unten das Publikum vor Lachen brüllt. Denn die große Komit kommt aus der Ueberwindung der großen Tragik. Grock und Chaplin sind Zeugen dafür. Der Clown wird nicht geboren. Clown„wird“ man. Und dieses Werden wird umso heiterer und freier, je schmerzlicher das Leben war, das überwunden werden mußte. Jedes Kind hat einen Vater. Der Vater Chaplins ist Grock. Bestände die Welt aus lauter Clowns vom Schlage„Grock", es wäre eine Lust, auf der Erde zu leben. Alle Trübsal würde aus unserem Erdendasein verschwinden. Aber die Natur geizt mit diesen wunderbaren Menschenkindern. Denn fast jedes Jahr werden bedeutende Menschen geboren. Alle fünfzig Jahre einmal nur ein großer Clown. Selten günstiger Kauf Zwei moderne echt eich. Schlafzimmer mit groß. Itür. Schrank, schwere, solide Tischlerarbeit verkauft Möbelschreinerei wegen Hypotheken=Ablösung bedeutend unt. 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Heute morgen entschlief sanft nach langem Krankenlager mein guter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Onkel und Schwager SartVaghfer im 73. Lebensjahr. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen Schwerte, den 6. Juni 1930. Die Beerdigung findet Pfingstmontag, den 9. Juni, 15*, vom Trauerhause Moltkestraße 38, aus statt. Trauerfeier ½ Stunde vorher. 1251 l Heute morgen um 4 Uhr entschlief sanft nach kurzem schwerem Leiden, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, mein lieber Mann und guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel Pierr joser Zortt im Alter von 59 Jahren. Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Josef Zorn Schwerte, Hagenerstr. 34, den 6. Juni 1930. Die Beerdigung findet am Pfingstmontag, den 9. Juni, nachmittags 4¼ Uhr, vom Trauerhause aus statt. Das feierliche Hochamt ist am Mittwoch, den 11. Juni, morgens 7 Uhr, in der hies. Pfarrkirche. Derselbe war Mitglied des Eisenbahn-Vereins. Motorkabtt Bequeme Teilzahlung. J. Lichtenhagen Hagenerstr. 17. Kutsvermietung Verländer Nahund Fernfahrten Tag und Nacht GesellschaftsfahrtenGrasverkauf Der Grasverkauf in den Flößwiesen des Gutes Haus Ruhr findet Mittwoch, den 11. Juni ds. Is, nachm. 5 Uhr, statt. Zusammenkunft an der Rettelmühle. Haus Ruhr b. Schwerte, 2237 den 4. 6. 1930. Gräfl. v. Wedel'sche Rentei. Vermittliung bei billigster Berachunung Ab 7. Juni führen wir unsere Praxis getrennt u. zwar Herr Dr. Stahl an alter Stelle im Hause Fleyerstr. 38, Herr Dr. Reinecke im Hause Bahnhofstraße Nr. 20, gegen über dem Telegraphenamt. 2236 Justizrat Dr. Stahl & Dr. Reinecke, Rechtsanwälte u. Notare in Hagen. Grasverkauf Mittwoch, den 11. Juni ds. Is., nachmittags 5 Uhr, läßt Herr Gutspächter Wilhelm Bücker, Gut Baum b. Ergste ca. 30 Morgen vorzüglichen Graswuchs in den„Ruhrweiden“ an der Chaussee von Schwerte nach Ergste, in nächster Nähe der Kettenfabrik Theile, öffentlich meistbietend, nummerweise gegen bar und Kredit verkaufen. Zusammenkunft an Ort und Stelle. 2251 Carl Brinckmann, Kalthof. Grasverkauf Sonnabend, den 14. Juni ds. Is., nachmittags 6 Uhr, verkaufe ich für Herrn Gutspächter Karl Böhmer, Silbersiepenhof b. Ergste, ca. 4—5 Morgen sehr guten Graswuchs auf dem„Pfannenofen“ öffentlich, meistbietend, nummerweise gegen bar und Kredit. Zusammenkunft nachm. 5,30 Uhr bei der Wirtschaft Hiddemann, Spieck. Carl Brinckmann, Kalthof. Prima Keitter rutenweise abzugeben. Gartenstraße 80 Bekanntmachung Wegen Wegebauarbeiten wird die Ostbergerstraße von der Römerstraße ab bis zur Waldstraße für den Durchgangsverkehr vom Dienstag, dem 10. Juni ds. Is., ab bis auf weiteres gesperrt. 2257 Schwerte, den 6. Juni 1930. Die Polizeiverwaltung: Schlegtendal. „Schwerter Zeitung“ Samstag, 7. Juni 1930 Nr. 132(Drittes Blatt) 10 Wanderers Pfilgsten Von Hans=Eberhard Lex. Die kranke Zeit, Paneuropa und Pfingsten Von Hofprediger D. Doehring=Berlin. enn nicht mehr bestritten werden kann, daß wir in einer kranken Zeit leben, so ist nichts selbstverständlicher, als daß die Frage nach ihrer Heilung in den Vordergrund tritt. Nur daß eine Gefahr dabei übersehen werden sollte: es fühlt sich jeder, der einigermaßen von sich überzeugt ist, veranlaßt, an dem Patienten Zeit herumzukurieren! Infolgedessen häufen sich die Rezepte bergehoch. Wollte man nach ihrer Quantität urteilen, so müßte man zu dem Schluß kommen, daß gegenwärtig in der Welt eine außergewöhnlich große Zahl nicht nur kluger, sondern auch wohlhabender Menschen lebe. Diese Annahme erweist sich freilich in dem Augenblick als Täuschung, in dem man wahrnimmt, daß die Diagnose all der vielen Heilbeflissenen in höchstverdächtiger Weise übereinstimmt, wenngleich für die Therapie die verschiedensten Wege empfohlen werden. Sie stellen nämlich all mit der Miene des Weisen fest, daß die Schuld immer am anderen und zwar zanz selbstverständlich und nur am anderen läge. So wohlmeinend klingt das nicht. Und ob es klug ist, darf füglich auch bezweifelt werden. Denn die Erkenntnis von der Schuld des andeen ist nicht gerade neu. Im Gegenteil, die Weligeschichte schleppt sie als einen ihrer ältesten Ladenhüter durch die Jahrtausende. Eben daran ist die Menschheit gealtert und trotz aller sogenannten kulturellen Fortschritte ins Stavium des Greisenhaften hinabgesunken, sodaß sie zu einer neuen Erkenntnis, die jener hergebrachten überlegen wäre, nicht durchdringen konnte. Und wenn die Diagnose falsch ist, wird die Therapie schwerlich richtig sein. Indessen es hieße einen Irrtum lediglich durch einen anderen ersetzen, wollte man mechanisch folgern: wenn der andere nicht schuldig, wenigstens nicht allein schuldig ist, so muß ich wohl— sei es nun allein, sei es mit— schuldig sein. Derart einfach ist das Problem der Schuld leider nicht gelagert, daß es sich durch einen keineswegs beschwerlichen logischen Schluß, wie den soeben vollzogenen, lösen, ließe. Gesetzt selbst, eine derartige Lösung wäre möglich, was wäre durch sie erreicht? Nichts weiter als eine Verlagerung des Schuldkomplexes, sodaß lediglich der Kläger und der Angeklact: ihre Rollen getauscht hätten. Oder es käme gar jenes durch und durch sinnlose Ergebnis heraus, mit dem man wähnte, den Weltkrieg liquidieren zu können, als man von einem Frieden redete, bei dem es weder Sieger noch Besiegte geben sollte. Eine Verzweiflungsauskunft, ersonnen von engstirnigen Menschenhirnen, die fingerzählend am Boden der sumpfigen Meinung kauern, als seien Schicksale Handelsgeschäfte. Dieser Typ von Zeitgenossen ist gegenwärtig äußerst regsam. Er will durchaus den Beweis erbringen, daß Weltgeschichte an der Börse gemacht wird. Da er mit der Kategorie des Umsatzes zu arbeiten gewöhnt ist und den fettesten Profit dann einzuheimsen hofft, wenn er kecklich etwas riskiert, so nimmt er eben das Risiko auf sich, die allerdings peinliche, weil aus dem Gebiet des Ethos stammende Frage nach der Schuld kurzerhand ins Materielle umzusetzen. Wenn's erst was zu verdienen gibt— so kalkuliert er—, wird dies alberne Geschwätz von der Schuld, dies widerlich grüblerische Wühlen in der Wunde der Menschheit bald ganz von selbst aufhören, und die Wunde muß heilen, endlich einmal und endgültig heilen. Nun kennte man den Börsianer und seine Gesinnungsverwandten schlecht, wenn man annehmen wollte, daß sie bei blassen Theorien sich lange aufhalten. O nein, da wird ganz konkret — sie selbst nennen es sachlich— gedacht. Und das Produkt dieses sachlichen Denkens ist— Paneuropa. Großzügig raunt der Spießer, sabelhaft großzügig! Man muß schon sagen: es gibt doch Köpfe im zwanzigsten Jahrhundert! So mit einem Federstrich nicht bloß quälende Probleme innerer Art erledigen, sondern auch gleichzeitig eine umfassende äußere Möglichkeit aufzeigen, in deren Hintergrund für alle Beteiligten ausschließlich Gewinnchancen erheblichsten Ausmaß winken— allerhand, wirklich allerhand! Das soziologische Prinzip, das hier auftaucht, ist amerikanischen Ursprungs: die Vereinigten Staaten von Amerika stehen ihm Gevatter. Dollorien in Europa, darauf kommt's hinaus. Das soll die kranke Zeit heilen. Was geht uns das zu Pfingsten an? Nicht mehr und weniger, als daß damit der bewußte oder unbewußte Versuch gemacht wird, den Geist der Pfingsten auszutilgen. Denn der schuf Helden, wiedergeboren aus dem lebendigen Gott. Paneuropa aber ist eine Ausgeburt des Händlergeistes, dem Wiedergeburt völlig Hekuba is. Dort erstand eine Gemeinschaft des heiligen it dem Wanderer will ich schreiten über nächtlich dunkles Land, über Ostlands stummen Weiten und durch märk'schen Kiefernsand. Durch der Täler Blütenträume, hingestreut in Mondeslicht, und der Heimat heil'ge Räume, die der Liebe Kränze flicht. Dorthin, wo die Essen künden deutsches Werk und deutsche Kraft; wo sich rege Hände finden, eingedenk der Bruderschaft. Wo in roter Erde glühen silbern Erz und edles Gut, und wo blonde Mädchen blühen, deutscher Art und fromm und gut. Wandern will ich durch die Fluren hin zum Pfingsten klar und rein; will auf seinen gold'nen Spuren ihm ein treuer Jünger sein. Dort im Städtchen, Schloß und Haine, hier im grünen Waldesdom, bis mich grüßt im Frührotscheine ein geweihter deutscher Strom. Blick' hinein in all' das Schöne, wo der Fluß im Lichte winkt, und die Last der Schlepperkähne doppelt schwer in Wellen blinkt. Wo ein Volk, froh und zufrieden, einen würz'gen Trunk genießt, und ein Abendglockenfrieden betend unsre Hände schließt. Geistes, hier drohte eine solche des unheiligen Geldes. Eines ist dabei zweifellos richtig: Eine Schuldfrage gibt es dann nicht mehr. Eine Bußfrage freilich auch nicht. Das welterneuernde Metanoeite(Sinnt euch um!) ist außer Kurs gesetzt. Die Menschen= und Voltseele wird an den Karren des Mammons gebunden und zu Tode geschleift. In der Tat: dann und auf diese Manier macht die Börse Weltgeschichte. Allerdings Weltgeschichte in rasend absteigender Linie. Es wird alles käuflich.„Das Gewissen ist in der Garderobe abzugeben". Die händlerischen Instinkte lassen nichts Heldisches mehr aufkommen. Die Frage nach der tragischen Schuld, von der die edelsten aller Dramen widerhallen, wird erstickt. Der Mensch ist nur noch, was er ist. Der Aspekt des Untermenschlichen öffnet sich Weh dir, daß du ein Enkel bist!— Pfingsten ist Besinnung auf den lebendigen Gott. Pfingsten ist Geistesangelegenheit. Pfingsten ist der Geburtstag der Predigt von der Gnade Gottes, die größer ist als unsere Schuld. Wir sollten zu diesem Pfingsten mit vielfacher Inbrunst singen, was vor bald hundert Jahren aus einer frommen deutschen Kehle quoll: „O wahrlich, wir verdienen Solch strenges Strafgericht; Uns ist das Licht erschienen, Allein wir glauben nicht. Ach lasset uns gebeugter Um Gottes Gnade flehn, Daß er bei uns den Leuchter Des Wortes lasse stehn.“ Wenn zur der Ginster bluht Von Hans Gierden. elb, knallgelb leuchtet es zwischen den hohen Föhren, am Wiesenrain und am Wegesrand unter dem wiegenden Gezweig grünender Birken; knallgelb blinkt es im Bruch zwischen Erlenbüschen und Moorblüten, unter dem sattgrünen Dom der Buchen und zu den Füßen der sturmzersausten Eichen vorm Dorf. Gelb lockt überall auf der weiten Heide die Ginsterblüte die summenden Immen, und die Sonne jubelt und lacht darüber hin. Das ist die Zeit, wo die Birsch auf den Bock beginnt, wo das Herz des Jägers sich voller Sehnsucht in die grüne Weite spannt, ihn hinaustreibt vor dem ersten Licht und ihn erst heimkehren läßt, wenn die Nacht ihren Traummantel über die Mutter Erde deckt! Ginsterblüte! Wonnige Zeit der gelben Ginsterblüte, wie oft habe ich dir entgegen gejauchzt seit den Tagen der Jugend! Ein Jäger soll eigentlich nicht träumen und spinnen. Dennoch sind es immer die gleichen Wo der Reben Laubgewinde an den Hängen auswärts strebt, und im späten Frühlingswinde der Ruinen Sage lebt. Wo Gesang der Winzerinnen tönt von deutscher Berge Höh'n, und auf stolzen, kühnen Zinnen wieder deutsche Fahnen weh'n! Hier will ich die Knie beugen und mich all' der Wunder freu'n, will mich kindlich dankbar zeigen und ein stiller Beter sein. Will den Glauben aufwärts richten einem Pfingsten hell und licht, und im eigenen Verzichten sprechen voller Zuversicht: Kehre wieder, Fest der Ernte, neuer Geist der Heiligung einem Volk, das leiden lernte.— Mach' die Herzen wieder jung! Schenke deinen Himmelsfrieden einer notgeprüften Zeit;— daß wir wieder Liebe üben innig warmer Menschlichkeit. Solch' ein Pfingsten mög' auf Erden unserm deutschen Volk erblüh'n!— Wolle es im neuen Werden jubelnd ihm entgegenzieh'n! Ausgelöscht sind dann die Sorgen und zerstört der Zwietracht Band! Herrlich strahlt ein deutscher Morgen uns' rem deutschen Vaterland! Gedanken, die alljährlich die Sinne bezaubern, wenn ich draußen bin in der vom gelben Sonnengold der Ginsterblüte betupften, frühlingswebenden Heide, wie heute, wo ich seit drei Stunden in der Prallsonne liege und auf den Bock warte, der hier über die Blöße ziehen muß, vom jungen Holz zum Inkarnatklee mit seiner Blutfarbe Wie der Pieper dudelt und das Goldhähnchen hinter mir im Birkenhang klingelt, wie die Hasen am hellen Nachmittag Hochzeit feiern, wie alles Stille, Frieden und eine unendliche Steigerung der Lebenskräfte atmet! Warum kommt da nicht auch heute wie immer der alte, starke Bock zur Aesung auf das blutbespritzte Blütenfeld des Klees? Er kommt— dort hinten steht er zwischen den Krüppelkiefern und fegt, daß es nur eine Art hat. Dann zieht er geraden Weges der hochbeschlagenen Ricke und dem Schmalreh nach, die eben die schützende Deckung verlassen. Zweihundert Gänge, hundertfünfzig Gänge, hundertzwanzig; jetzt braucht er sich nicht mehr breit zu stellen. Da macht er eine Flucht und steht im Klee und äugt mir gerade ins braungebrannte Gesicht, zupft ein paar Kleeblätter und tut sich nieder. Nun kann ich liegen und liegen, bis ich schwarz werde, ehe er wieder auf die Läufe kommt. Eine Stunde schon warte ich. Da knarrt es hinter mir im Holz: ein Waggen klappert heran. Ein weißbunter Terrier, der den Wagen begleitet, knurrt und verbellt mich wie der beste Schweißhund. Ich könnte platzen vor Wut... Da steht der Bock schon auf den Läufen, die Ricken, die weit in den Klee hineingezogen sind und wohl dreihundert Meter vor mir im kniehohen Grün stehen, werfen auf, und als die alte Tante schwerfällig zur Dickung zurückstrebt, macht auch der Bock eine hohe Flucht und saust wie ein von der Sehne geschossener Pfeil davon. Schneller aber ist meine Kugel; nur faßt sie ihn schlecht, etwas weit hinten. So sitzt er mit zerschossenem Kreuz im Wundbett und klagt—! klagt— wie ich nie zuvor einen Bock klagen hörte. Tod im Frühling... Rot springt der Schweiß aus der noch fahlen Decke; mit wenig Freude über den Schuß erhält der Gelähmte den Genicksang, mitten im blutrot blühenden Inkarnatklee. Aber das treffende Bild gibt der Bock mir erst in seiner schäbigen Decke, als er im gelben Ginster am Wege liegt, der freie Sohn der Heide, den der Tod ereilt hat mitten im Hochgefühl des Frühlings, der Hoffnung und des Glücks. Wie seltsam blutet der Abendschein auf den knallgelben Ginsterblüten, wie ein rosenroter Bluthauch flimmert in ihnen der Widerschein der in brandroten Wolken verschwindenden Sonne. Längst sind der Käffer und der Wagen verschwunden, als der Bock im Rucksack ist, sauber aufgebrochen und mit grünem Kiefernreis zwischen den hohen Stangen. Ohne Perlung und Auslage, doch ein Ginsterbock, der erste— und das ist immer der beste im Jahr, den der stärkste Bock mit dem Ausstellungsgehörn nicht aufwiegt; denn mit dem ersten Bock verhält es sich wie mit der ersten Schnepfe, dem ersten Hirsch, dem ersten Krummen. Der Erste erfüllt die Sehnsucht, stillt die Begierde und gibt Raum dem Glühen in der Brust für die tieferen Werte der Jagd; Die Versenkung in die Daseinvollendung der Tierwelt. Im Erlenbusch am Bachufer schluchzt die Nachtigall, und durch das Dunkel leuchtet knallgelb die Ginsterblüte, als ich auf die Landstraße trete, die zum Dorfe führt. Lange noch steht mir das Bild vor Augen, vielleicht für immer: Der austretende Bock im gelben, blühenden Ginster, der zu Tode getroffne im roten Klee und der verendete, gebettet in die gelbe Sonnenfarbe im Graben. Gelb— mitten im Frühling, eine Sonnenfarbe und doch, verglichen mit dem Rot des Klees, mit dem feuerfarbenen Schweiß, eine Farbe des Todes. Gelbblühender Ginster, was bedeutest du für mich!— Gelbe Ginsterblüte, wieviel hast du mir noch zu sagen?!— „Zithern des Heiligen Geistes“. Pfingsthymnen in alter und neuer Zeit. Von Mathilde v. Leinburg=München. lle die heiligen und gelehrten Dichter, meist gleichzeitig auch Tonsetzer der alten kirchlichen Hymnen, wurden poetisch oft „Zithern des Heiligen Geistes“ genannt. Man darf bei dem Worte„Zither“ freilich nicht an das heutige, zum Aufspielen bei älplerischem Tanz und Gesang am besten geeignete heitere Volksinstrument denken, sondern eher an die griechischlateinische„Cythara“, ein mehr harfenähnliches, feierlich klingendes Saiteninstrument, das neben der Lyra zu den ersten im christlichen Gottesdienst verwendeten Instrumenten gehörte. Welchen schöneren Vergleich hätte man auch wählen können, für die mit ihrer Kunst die edelsten Saiten der Seele in Schwingung versetzenden frommen Töne=Poeten, als dieses Gleichnis aus dem Reich der Musik, und auf welche Weise ist das Lob Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes denn auch je herrlicher gepriesen worden als, mit oder ohne Worte, in Tönen? Wohl keine andere Mahnung des königlichen Sängers David ist so gern befolgt worden wie seine immer wiederholte Aufforderung, das Lob Gottes„vorzusingen auf Saitenspielen."— „Machet es gut auf Saitenspielen mit Schalle!", „Lobsinget Ihm auf dem Psalter!“ mahnt der Psalmendichter eindringlich, und so gibt es auch kaum einen ernst veranlagten Komponisten, der nicht einmal oder sogar mehrmals zu den Worten der Psalmen gegriffen hätte, um Gott den Vater in seiner eigenen Weise zu loben. Des Sohnes Auferstehung und Opfertod hat in den Meistern der Tonkunst das Tiefschmerzlichste und auch wieder das Hoffnungsfreudigste aufgewühlt, was Menschenseelen nur empfinden können; das mystische Geheimnis jedoch des Heiligen Geistes in Tönen auszudrücken, das haben verhältnismäßig nur wenige Große gewagt— unter ihnen aber schon der früheste christliche Tondichter, von dem uns überhaupt eine zu datieren mögliche Probe seines Könnens und Fühlens aufbehalten worden ist. Wir müssen da um etwas mehr als sechzehn Jahrhunderte zurückdenken: Zu jener Zeit lag unter dem im Laufe der Jahrhunderte alles begrabenden und in Vergessenheit versenkenden Wüstensand, den Forscher Ende des vorigen Jahrhunderts wegschaffen ließen, eine prächtige, ägyptische Stadt, Oxyrhynchos mit Namen. Zu der vielbewunderten ältesten, daher bereits müdesten Kultur jener Aegypter, bei denen ein ungemein tätiges Christentum herrschte, waren noch viele geistige Errungenschaften der Griechen und Römer herüber gewandert, so auch griechische Musik. Es muß wohl so gewesen sein, denn auf der griechischen Musik fußt jener christliche Hymnus, den man auf der Rückseite einer— Getreiderechnung entdeckt hat. Nur ein Fragment davon ist uns auf diesem Papyrusstreifen erhalten geblieben, die Lobpreisung Gottes enthaltend, aber bei ihren(griechischen) Worten„— und des Heiligen Geistes hatte der ägyptische Tondichter aus dem Ende des dritten Jahrhunderts— ebenso, wie es die Musikverkünder nach ihm zum Pfingstfeste empfanden — bereits damals Töne angeschlagen,„eine Ausdrucksgebung, die unmittelbar an eine der gregorianischen Choralmelodien erinnert, an den Kom munionsgesang Factus est repente am Pfingstsonntag“, wie einer der besten jetzt lebenden Kenner des Gesanges der Urkirche, Dr. Otto Ursprung, darüber urteilt. Den„gregorianischen“ Kichengesang hat bekanntlich erst der 590 auf den Papstthron gekommene Gregor der Große eingeführt. Der erste uns überlieferte Pfingsthymnus „Beata nobis gaudia“ des Kirchenlehrers und später heilig gesprochenen Bischofs von Poitiers Hilarius stammt aus dem vierten Jahrhundert. Von den für den gregorianischen Kirchengesang erdachten Pfingsthymnen—„De Sancto Spiritu“, „De Spiritu Sancto“— soll der schönste,„Veni Creator Spiritus“, von Kaiser Karl dem Großen geschaffen worden sein; so dürfte dieser vielseitige Mann zu allem andern— man gedenke nur seiner Anregungen auf dem Gebiete des Nutzpflanzenbaues und der Tierzucht!— auch noch eine „Zither des Heiligen Geistes“ genannt werden. Seine lateinische Hymne ist durch zahlreiche deutsche Uebersetzungen, am neisten durch jene von Karl Simrock und die aus unserer Gegenwart stammende von Josef Vernhart latholisch=deutsches Hausgut geworden. Aber auch das allererste evangelische Psingstlied, das Martin Luther 1524 dichtete und mit einer altdeutschen Melodie versah, weist auf die Tichtung Karls des G eßen zurück, denn die erste Strophe dieses Lutherschen Chocals„Komm', Heiliger Geist, Herre Gott!“ hat inhaltlich den gleichen Gedanken. Als pfingstfestliches Gegenstück zu Palestrinas gewaltigem, den Hörer erschüttern„ein Brausen vom Himmel wie das Brausen eines Wirbelsturmes“(wie es bei ihm im lateinischen Text heißt) vorzaubernden A capella=Chor„Cum complerentur dies Pentecoste“ besitzt die evangelische Kirche die tief an die Seele sprechenden Pfingstkantaten Johann Sebastian Bachs. Die nur einem Genius wie Bach mögliche unerschöpsliche Arbeitskraft hat ja neben allen anderen Musikschätzen, die er uns hinterlassen, auch für sünf Jahrgänge— jedes Kirchenjahr gänzlich voneinander verschieden— für jeden Sonn= und Feiertag Kantaten geschrieben, von denen leider viele verloren gegangen sind. Immerhin können wir uns auch heute noch an Vielem erbauen; zu Pfingsten namentlich an seinen Pfingstkantaten„Erschallet ihr Lieder“, an der mit Trompeten= und Paukenschall erdröhnenden Kantate„O eviges Feuer“ und an dem Liebling aller evangelischen Deutschen, der so sanft=lieblichen Sogran=Arie„Mein gläubiges Herze, frohlocke“. Und wie Hans v. Bülow einmal in höchster Benunderung ausrief:„Nicht Bach, Meer müßte er heißen!“ so scheint auch der Ausdruck„Zither des Heiligen Geistes“ für Bach zu gering gesagt. „Orgel des Heiligen Geistes“ müßte es bei Bach als Kirchenkomponist heißen. Die Schleuse Pfingstgeschichte von Paulrichard Heusel. 's war kein Zufall, wenn es auch den Anschein haben sollte, aber auch keine schlechte Absicht, die Horst Richter am Sonntag Marion in den Weg führte. Die noch vor einem Jahre Unzertrennlichen hatte in den letzten Monaten eine Reihe von Mißgeschicken getrennt. Während das junge Mädchen geduldig und mit dem Gedanken an eine bessere Zeit sich fügte, konnte Horst die Unruhe und Unlust, die über ihn kamen, nicht verbergen. Lauschte er früher mit Interesse, wenn Marion von dem bunten Ablauf ihrer Tage erzählte, so erfüllte ihn jetzt oft das Wenige, das er hörte, mit Neid, weil es mit anderen, Fernerstehenden, und ohne ihn erlebt war. Er übersah, daß auch das Erleben gering geworden war. Er wäre gern mit ihr fortgefahren. Aber Marion sagte:„Wir fahren am Sonntag nach R. Ich kann mich nicht ausschließen. Es ist schade.“ Eine andere Verabredung— es war ja eine so einfache Sache. Aber warum sagte sie nicht, mit wem sie fuhr? Wollte sie ihm nicht wehtun? Oder fuhr sie mit den Eltern, und schien ihr das so selbstverständlich, daß gar nichts weiter darüber zu sagen war? „Für uns bleiben ja noch andere Tage, nicht wahr?" Sie sand immer ein liebes Wort zum Abschied. Und nun war er mit seinem Boot auch hinausgefahren— was sollte er allein zu Hause?— dorthin, wo er mutlich Marion sehen würde. Nein, nicht um heimlich ihrem Weg zu folgen, sondern aus dem Wunsche nach innerlicher Beruhigung, einem Wunsch, den er sich selbst nicht erklären konnte. Es war noch früh am Tage. Richter fuhr gemächlich den schmalen Flußlauf herauf; hinter der Schleuse lag der große See und am Ende des Sees das Dorf mit den Restaurationsgärten. Horst sah von weitem die Tore der Schleuse offen und beeilte sich, um nicht warten zu müssen. Dicht hinter ihm schloß sich das schmale Geviert der Schleuse. Sie war angefüllt mit Fahrzeugen aller Art. Richters Boot stieß fast an das Heck einer weißen Motorjacht, aus deren Deckstühlen unbekümmertes Lachen kam. Und wie Horst aufsah, blickte er in Marions Gesicht. Sie nickte ihm mitten im Sprechen verwirrt zu, so, als könnten ihre Gedanken aus dem Kreis, der sie umgab, nicht zu ihm herüberspringen. Elegante, heitere Menschen umgaben sie. Und lagen die Boote auch zwischen den geschlossenen Toren mit den Bordwänden eng nebeneinander, es waren doch getrennte Welten. Das hereinströmende Wasser hob die Schiffe, aber Horst blieb immer der Kleinere, über den die Blicke der anderen hinweggingen. Dann öffnete sich die Ausfahrt in den See. Noch einmal traf Richter das flüchtige Lächeln. Die Schraube des Motorbootes arbeitete. Der Zufall— oder ist es Schicksal?— führt uns immer wieder zusammen, dachte Horst, aber Dich führen andere leicht und schnell mit sich fort, und ich muß mir allein weiter helfen. Im Kielwasser einer weißen Jacht blieb er müde liegen.— Er war fast verblüsst, als Marion am Telephon sagte:„Es war so schön. Du, nächsten Sonntag ist Pfingsten. Wollen wir nicht allein dorthin fahren? In deinem Boot?“ Aber gewiß— aber ja— er konnte ja kaum sprechen. Sie wollte mit ihm allein fahren. Sie hatte es gesagt, ohne daß er gebeten hatte.— Und nun fuhren sie wieder durch das stille Wasser des Flusses, über dem sich die Baumkronen schließen. Hinter einer Biegung kam jetzt die Schleuse. „Du, das Tor ist zu,“ sagte Horst. „Aber neben der Schleuse ist doch eine Bootsschleppe. Hast du die Schienen und den Wagen nicht gesehen?“ Rein, Horst wußte es nicht.„Ich habe nur dich gesehen.“ „Man muß die ganze Welt anschauen— und nicht wer weiß was denken.“ Sie blickte ihn plötzlich ernst an.„Siehst du denn heute wenigstens, daß ich mit dir allein bin?“ Horst drehte verlegen den Kopf beiseite.— Etwas in diesen Worten hatte ganz neue Gedanken in ihm aufgeweckt. Sein Herz, sein Empfinden verstand das Neue, das über ihn kam: Wenn Marion von anderen Menschen sprach, wenn sie ihn immer wieder erkennen ließ, daß auch zwei Menschen, die sich lieben, nicht für sich allein in der Welt bestehen können, sondern daß es viele andere Dinge daneben gibt, die sein müssen, die nicht ausgeschaltet werden können— wollte sie damit sagen: Verstehst du nun, wieviel ich dir gebe, wieviel du mir bist, daß ich dich liebe und immer wieder zu dir zurück komme, zu dir allein? „Ich will dir helfen,“ sagte sie, als sie das Boot auf den Schlitten gebracht hatten. Gemeinsam zogen sie an dem Seil. Am Scheitelpunkt der Böschung blieben sie stehen. Horst atmete tief auf und sah Marion ganz glücklich lächelnd an. „Jetzt sind wir überm Berg. Jetzt geht es leichter.“ Das Boot rollte fast von selbst die Rampe herab. Aber nach ein paar Ruderschlägen hielt Horst wieder inne, faßte Marions Hände und begann: „Du..“ Mehr konnte er nicht sagen. Marion neigte sich ihm entgegen.„Ich hatte so Angst. Ich bin so froh, daß Pfingsten gekommen ist und daß du mich verstehst—“ Wie von beschwingter Freude getragen strich das Boot über den See, in dem das junge Grün der Ufer und das Gold der Sonne sich spiegelten. Der Ruf nach Gottes Geist Ob du es Sehnsucht oder Andacht heißt, O Menschenseele, du, des Kampfes Beute,— Es ist der Ruf in dir nach Gottes Geist Daß er des Lebens tiefen Sinn dir deute Daß er dir künde, was die Welt verschwieg, Und daß sein heilig Feuer dich ergreife. Nur im Vertrauen auf des Geistes Sieg Wird dir Erfüllung, Herrlichkeit und Reise. Anna Enders=Dix. Oas schönste Fest im ganzen Jahr Ist Pfingsten. Es fällt just in die Frühlingszeit, Wenn Mutter Erde sich erneut. Zur rechten Zeit— ist Psingsten. Vi on Wanderlust ist man erfüllt Zu Pfingsten. Es grünt und blüht in Feld und Wald, Zum Wanderstab greift jung und alt Und zieht hinaus— zu Pfingsten. Der Vöglein Lied klingt nie so süß Als Pfingsten. Es stimmt so froh das Menschenherz, Daß er vergißt sein Weh und Schmerz Und sonst nichts wünscht— als Pfingsten. Die Sonne scheint uns selten hell Wie Pfingsten. Das Auge kann nicht satt sich seh'n, Denn nie ist die Natur so schön Im Jahreslauf,— wie Pfingsten. Drum danken wir dem lieben Gott Auf Pfingsten. Der reichen Segen gab dem Land Und uns den heil'gen Geist gesandt Als Tröster hier,— auf Pfingsten. Albert Knülle, Schwerte. Die Pfingstkönigin Stizze von Fedor v. Zobeltitz. C) iese kleine Pfingsterinnerung liegt ein ∆ p a a r J a h r z e h n t e z u r ü c k— d a w a r i c h z u Besuch aus dem märkischen Gut meines Vetters Hans v. Kähmen, Proppen genannt, weil er so kurz und rundlich war wie ein Sektflaschenstopfen. Proppen war Witwer, hatte aber seine liebe Mutter, die„Großi“, im Hause, die es als ihre Lebensaufgabe betrachtete, seine Kinder wie eine betuliche Klucke ihre Küten zu betreuen: drei reizende Mädchen, Tinka, Annemarie und Lore. Pfingsten stand vor der Tür, und so beratschlagte man denn eines Abends, wie man das Fest begehen könnte, und Proppen klagte darüber, daß man in dieser Gegend so gar nichts von den netten Pfingstgebräuchen kenne, wie das andernorts üblich sei. Nun war ich kürzlich in Holland gewesen und hatte dort das pfingstliche Kranzstechen gesehen, und das, meinte ich, könne man auch hierher verpflanzen. Bei diesem Vergnügen hänge man Kränze an Girlanden auf, und dann müßten die jungen Herren auf ungesattelten Gäulen die Kränze herunter zu stechen suchen. Der Sieger dürfte sich unter den anwesenden Damen eine als Pfingstkönigin wählen und ihr einen Kuß geben. Proppen machte bei der Erwähnung der Kußszene ein etwas bedenkliches Gesicht, aber seine Kinder bekamen helle Augen, und auch die Großi lächelte milde. So versandte man denn Einladungen an die Nachbargüter und traf inzwischen alle Vorbereitungen zu dem Fest. In der Ulmenallee wurden Laubgirlanden von einem Baum zum andern gezogen, die in der Mitte an dünnen Bindfäden die Kränze trugen. Nun geschah es, daß kurz vor Pfingstsonntag mich Tinka, das älteste Proppen=Mädel, heimlich beiseite nahm und mir zurannte, sie müsse mir etwas anvertrauen. Für so etwas war ich immer zu haben, ich nahm sie am Arm, ging mit ihr unter die Trauereschen und sagte ihr. den Orkel könne sie ruhig ihr kleines Herz ausschütten. Es war so, daß sie den jungen Fritz von Dalow liebgewonnen hatte und genau wußte, dieser Fritz liebte sie wieder. Er war jedoch so er##setzlich schüchtern, daß es bisher zu keinem regelrechten Geständnis gekommen. Dechalb hatte sie sich in ihrem romantische: Köpfchen eine niedliche kleine Intrige ausgedacht. Fritz war zweifellos der beste Reiter im ganzen Kreise, es konnte bei dem Kranz=Stechen sich höchstens um eine Konkurrenz mit dem Grasen Kuno Kramst handeln. Ginge es nun nicht an, daß der liebe gute Onkel sich auf eine seine schlaue Weise mit Kuno Kramst in Verbindung setzte, um ihn zu bitten, den Sieg dem Fritz Dalow zu überlassen? Natürlich müsse das ausgesucht diskret gedeichselt werden, man müsse einen einleuchtenden Grund erfinden, aber auf derlei verstehe sich ja der liebe Onkel... Ich schaute Tinka in die blanken Augen und versprach ihr alles, weil sie so reizend aussah in ihrer keuschen Verliebtheit. Es waren etwa Fünfundzwanzig aus der Nachbarschaft geladen. Die Damen kamen zu Wagen, die sechs Herren, die sich am Kampfe beteiligen wollten, gleich auf ihren Gäulen und ein Hallo entstand, als man unter den jungen Menschen auch den dicken Tuleveit=Pascha sah, einen alten Junggesellen, der lange in der Türkei gedient hatte. Zunächst wurden Kaffee und Tee auf der großen Parkwiese genommen, und dabei entführte ich Kuno Kramst auf einige Minuten.„Kramst“, sagte ich einfach, weil mir ein einleuchtender Grund nicht einfiel,„wir müssen Dalow den Sieg zuschanzen. Und zwar warum, weshalb? Weil die Tinka Pfingstkönigin werden soll...“ Der lange Kuno war nicht schwer begrifflich, er erfaßte sofort den Sinn der Notwendigkeit.„Verstehe", antwortete er, „aha, soso— na gut. Wird gemacht. Ich werde Tuleveit anrempeln, daß er runterfliegt, dann liegt er als Hindernis im Wege, die Gäule scheuen, Dalow kommt zuletzt, da hat er freie Bahn. All right...“ Nach dem Kaffee nahmen die Reiter, alle auf blanken Rossen, Aufstellung vor der Ulmenallee, Tuleveit vorn, mit forschem Burgundergesicht, die dicken Beine wie Klammern um die Wampen seines ebenso dicken Braunen gelegt. Dann kam Bruno Kramst auf seinem Falben, dann der kleine Kobell aus NiederGeraumen, hierauf Herr von Lieber und ein Volontär aus dem nahen Baumrode und zuletzt Fritz Dalow, ein ranker hübscher Junge mit verträumtem Primanergesicht. Die Herren zugelten mit der Linken und trugen in der rechten Hand einen langen, zugespitzten Stock. Seitwärts stand ich neben Proppen, der einen bronzenen Gong an die Brust drückte, um auf ihm das Zeichen zum Beginn des Rennens zu geben. Am Ausgang der Allee warteten die Damen das Kampfergebnis ab, in erster Linie die jungen Mädchen, allesamt sommerlich weiß, die Großi als Kolonnenführer auf Ordnung haltend. Nun war es so weit. Die Gäule waren schon unruhig, und als Proppen auf den Gong schlug, daß es gewaltsam dröhnte, schreckten sie zusammen— Tuleveit ballerte auch gleich los und schwank seinen Stock, als sei es das Schwert eines Propheten, und gleich hinterher saufte Kuno Kramst auf seinem schnittigen Falben. Der linke Schenkel zwang den Gaul zu einer Rechtswendung—„hoiho", rief Kuno, „Platz da!“— aber schon war der Falbe an der Seite des Braunen, noch ein Schenkeldruck Kunos— bums—„Schockschwer—“schrie Tuleveit, und sein linkes Bein flog in die Luft, der Stechstock fiel, der Braune schlug hinten aus, und der Pascha kullerte zu Boden. Jetzt kam das Kunststück Kunos. Er tat so, als scheue sein Gaul, riß den Falben auf der Hinterhand emvor und markierte dann ein Durchgehen in der Karriere, er raste unter den Girlanden fort und parierte erst vor den entsetzten Damen. Aber auch hinter ihm begann eine wilde Jagd. Dem kleinen Kobell war der dicke Tuleveit im Wege, er setzte über ihn weg, verlor im Sprunge das Gleichgewicht und kugelte neben ihn. Nun lagen schon zwei im Sande, Herr von Lieber konnte seine vervöse Stute kaum noch halten, sie steckte mit ihrer Unruhe auch den Schimmel des Volontärs aus Baumrode an, und dann preschten beide fast gleichzeitig los und hätten die gestürzten Reiter beinahe überritten, die sich fluchend zwischen die Ulmen retten mußten. Herr von Lieber suchtelte mit seinem Stock in der Luft umher, traf aber immer neben die Kränze und schlug beim Ausholen seine Lanze dem Schimmel auf die Ramsnase. Der Gaul stieg erschreckt in die Höhe, gerade unter der zweiten Girlande, und da ließ der Volontär in einem blitzähnlichen Einfall seinen Stock einfach fallen und riß mit den Händen den Kranz herunter. Den hatte er nun, aber inzwischen lief der Schimmel zwischen seinen locker gewordenen Beinen davon, der Volontär purzelte auch, kam indes gleich wieder auf die Füße und rannte mit seinem Kranz hinterher. Fritz Dalow hatte es jetzt wirklich bequem, in verhaltenem Galopp sprengte er an, fischte den ersten Kranz, stach den dritten ab und den vierten so geschickt, daß er ihm über den Kopf um den Hals fiel, und riß mit dem letzten die ganze Girlande um sich, so daß er, umhüllt mit grünem Laub, vor den sieggrüßenden Damen abspringen konnte. Sie jubelten ihm zu und winkten mit ihren winzigen Taschentüchern, nur Tinka stand mit glühenden Wangen und wartete— und wartete und sah mit großen ängstlichen Augen, daß ihr geliebter Held sich wieder in sichtlicher Verwirrung befand. Er wußte augenscheinlich nicht, was er machen sollte, er schaute nach rechts und links, um dann mit kurzem Entschluß vor die gute alte Großi zu treten und ehrfurchtsvoll die Lanze vor ihr zu senken. Die stutzte ein wenig, packte aber sofort die Situation an der Stirnlocke und Dalow an den Schultern, küßte ihn auf die Wange und sagte:„Da haben Sie Ihren Kuß, mein Junge, aber erst von der Königin=Mutter. Ihr Prinzeßchen müssen Sie sich noch suchen...“ Gottlob, daß ich schon am Platze war, denn jetzt mußte die Entscheidung fallen, sonst versuschte Fritz sich wieder den Augenblick des Glücks. So ergriff ich ihn denn fest unter den Arm, führte ihn bis vor die Mitte der Mädchenfront und rief ihm zu:„Dalow, nun los! Wer soll Ihre Pfingstbraut sein?“ Man sollte es nicht glauben, Dalow stand wie ein Pfahl neben mir, seine Blicke suchten zwinkernd umher, natürlich fanden sie unter den leise kichernden, verschämt tuenden Mädelchen auch die Erwählte, aber er hatte nicht den Mut der Herzensehrlichkeit, und als ich ihm einen kleinen Puff in die Seite gab, wurde er kirschrot, atmete ein paarmal tief auf— und hob endlich den rechten Fuß. Doch da war es weiß Gott schon zu spät. Plötzlich trat Tinka zurück aus der Reihe, sie hatte genug, sie kniff aus und verlor sich im Park.„Taperfritze, ihr nach!" flüsterte ich ihm zu— und jäh fuhr ein Donnerwetter in seine Beine, er stürmte heidi davon, brach wie ein wütender Eber durch die Kette der kleinen Lämmer= chen und verschwand gleichfalls hinter den Bosketts. Erregung, Aufstand, Geschnatter, kein Mensch wußte so recht Bescheid, Proppen machte ein dummes Gesicht und sagte nur:„Nanu—?“ Aber da kam Fritze Dalow schon wieder in Sich und hatte Tinka in seinen Armen, und sie strampelte nicht einmal, sondern hatte ihre Arme um seinen Hals geschlungen und küßte ihn vor aller Welt— und er tat desgleichen und genierte sich nicht mehr.... So wurde denn aus dem Abendessen ein unerwarteter Verlobungsschmaus, Proppen ließ Sekt auffahren, und als er schon einen freundlichen Schwipps hatte, stieß er mit mir an und sagte:„Du, das mit dem holländischen Pfingstbrauch war doch ein samoser Gedanke von Dir...“ Ich nickte, dachte aber, daß der beste Gedanke doch der kleinen Tinka zugeflogen war, weil sie innensichtig das Rechte getrossen hatte im Umgang mit einem verliebten Schüchterling. Heute hat sie schon ein Enkelkindchen. * Arstliche Beiträge für Mensch und Haustier: Von allen Organen des Körpers ist der Mund den meisten schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Außerdem sind fast sämtliche Infektionskrankheiten mit einer Erkrankung der Mundhöhle verbunden. Entzündungen sind hauptsächlich die Folgen ungenügender Mundpflege, aber auch durch Infektion kann sie herbeigeführt werden. Bei dieser Krankheit machen sich besonders übler Mundgeruch, schlechter Geschmack, Appetitlosigkeit und stechende Schmerzen beim Kauen und Sprechen bemerkbar. Eine ordentliche Mundpfiege kann manchem Leiden vorbeugen und auch die Mundschleimhautentzündung wieder beseitigen. Man macht täglich dreimal Spülungen mit lauwarmem Wasser, dem man einen Eßlöffel voll Wasserstoffsuperoxyd(auf ein Glas) hinzugefügt hat, und sorgt für richtige Zahnpflege. Bei Schwerkranken und Kindern, die nicht fähig sind, selbst zu spülen, wischt man mit einem weißen, sauberen Läppchen, das man zuvor in die Lösung getaucht hat, die Mundhöhle gut aus. Auch Zitronenspülungen tun gute Dienste. Viel schwieriger ist die Heilung der Mundfäule. Die Entstehungsursache dieser Krankheit ist noch nicht genügend bekannt; vielfach wird sie auf mangelhafte Mundpflege zurückgeführt. Meistens befällt diese Infektionskrankheit Kinder in der Zeit des Zahnens. Das erkrankte Kind muß sofort von den anderen wegen Ansteckungsgefahr getrennt werden. Es muß sein eigenes Trink= und Eßgeschirr haben, das auch extra gespült wird. Man erkennt das Leiden zuerst an der belegten Zunge, am üblen Mundgeruch und an den stecknadelgroßen weißlichen Flecken mit roter Umrandung. Nicht selten treten die Flecke auch auf der Wangenschleimhaut, Zunge und Mandeln auf. In schweren Fällen schwellen die Unterkieferdrüsen und die Lippen stark an, außerdem verbreiten sich die Flecke in der Mundhöhle zu einem ausgedehnten Belag. Vorsichtige Spülungen mit Kamillentee oder verdünnter Heidelbeerabkochung, die öfters am Tage vorgenommen werden müssen, verschaffen nach mehreren Wochen Heilung. In schwerwiegenden Fällen verwendet man zur Spülung fünfprozentige Borsäure mit Salbeiteeabkochung. Als Nahrung gibt man nur Breikost und Getränke. Gewöhnlich schwindet der Ausschlag aber schon nach 8—14 Tagen und das Wohlbefinden stellt sich von selbst wieder ein. Bei fieberhaften Erkrankungen wie Scharlach, Masern, Diphtherie wird der Rachen und die Mundhöhle besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Bei Masern entstehen auf der Wangenschleimhaut mehrere bläulichweiße, rotumrandete Stippchen(Kopliksche Die Diphtherie, auch Rachenbräune genannt, sitzt hauptsächlich in der Mundhöhle. Auf Rachen und Mandeln bildet sich ein grauweißer, schleierartiger Belag, der sich bei schwerer Krankheit bis in den Kehlkopf erstreckt. Dieser Belag läßt sich mit etwas Mühe abziehen. Es ist aber dabei größte Vorsicht geboten, weil er von Bazillen dicht übersät und somit selbstverständlich in hohem Maße ansteckend ist. Scharlach kennzeichnet sich durch geschwollene Mandeln und blaurot verfärbten Rachen. Die Unterkiefer und die vergrößern sich, die Zunge ist dick belegt, und gicht, kelter kommen eitriger Schnupfen, Anschwellungen der Huisiymphorüsen mit Eiterung derselben und Mittelohrkrankheiten als Begleiterscheinungen hinzu. Wie man aus alledem ersehen kann, ist Mundhöhle und Bungseeiscggndrer Spiegel für das körperliche Wohlergehen Beseitigung der häßlichen Hautsinnen Die Mitesser oder Hautfinnen, die sich besonders im Ge als madenartige Lebemesen doch, daß es verstanfte und usehalten. Heute weiß man uind, Ueberal.... zündliche Talgdrüsel ear amierau, wo sich diese befinden, können auch Mit esfer entslehen. Der durch irgendwelche Ursachen zurück Sekautgrsgengescte Tals berommt durch Verunreinigun Aussehen. 4“ den Hauptporenöffnungen ein schwarze Mitunter kann aber aus dem Mitesser infolge eine einiger Zeit aufbricht den Ser acheft Zeit auswtngt, ven eiter nach außen ergießt un kommen Stuhlverstopfung, Bleichsucht oder auch Störungen der Periode in Betracht. Ritunter liegen auch gewisse Speisen, wie zum Beispiel #####ng, Käse, sehr saure oder sehr fette Nahrungsmittel zu Srap ist darum gut, daß sich der Betreffende daraufhi. teit meidel Petgdee aie e, Speisen nach MöglichSteis muß in erster Linie das Grundübel beFichtet Rich dis Beie““. Magen= und Darmstörungen vor, s. vie Vehandlung zunächst auf diese. Nuchdem man die Mitesser selbst ausgedrückt hat, man mit heißem Wasser und Schmefelseife nach, reibt die Prondur am nichsten Morgen nogh Pregevur um näufieen Murgen nolh einmal. Statt SchwefelSchritietung, dert Sehtwann, Benin Sut. 2c. Aübe Zoloddtr. 18. seife kann man auch Glyzerinseife verwenden. Von großer Wichtigkeit sind die allabendlichen Waschungen, die die verstaubten Poren wieder frei und rein machen. In hochgradigen Fällen ist eine Hautschälkur angebracht. Es ist ratsam, diese nicht selbst vorzunehmen, sondern einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Bei den heutigen verschiedenen Anpreisungen von Hautschälpasten muß man sehr vorsichtig, am besten auf Anordnung des Arztes, die treffende wählen. Das Gesicht ist vorher mit heißem Seifenwasser zu waschen, damit die Finnen aufgeweicht werden. Danach legt man erst eine Schicht Paste auf. Nach einer halben Stunde oder noch etwas längerer Zeit wischt man die Paste mit einem in Benzin getauchten Büschel Watte ab. Zur Nacht bestreicht man die betreffenden Stellen mit 1—2prozentiger Salizylsalbe. Diese Behandlung nimmt mehrere Tage in Anspruch und verursacht eine heftige Hautreizung. Die Nachbehandlung besteht in Einfettung mit Vaseline oder Lanolin. Bei vielen wirkt aber Pudern günstiger. Wer hat nicht schon über Kopfschmerzen geklagt, über dieses Leiden, das sich durch bohrenden, stechenden Schmerz an Stirn, Schläfen und Augenhöhlen, oder durch Schwindelgefühl, Ohrensausen, Frösteln und Unbehagen oder durch heftigen Druck auf die Schädeldecke bemerkbar macht? Diese häufig auftretende Krankheit ist aber selten eine selbständige, sondern ein Zeichen, daß es irgendwo im menschlichen Organismus nicht stimmt. Will man also seine Kopfschmerzen los werden, so gehe man zunächst dem Grundübel zu Leibe. Magenstörungen, kalte Füße, Hunger sind sogar sehr oft die Urheber der heftigen Kopfschmerzen. Kein Einreiben mit Zitronensaft, keine Tabletten, nichts hilft, die Kopfschmerzen zu vertreiben, wenn man nicht die eigentliche Ursache feststellt und sie durch geeignete Mittel beseitigt. Wer sehr häufig an Kopfschmerzen leidet, sollte die Ursache nicht von der leichten Seite nehmen, sondern beizeiten einen Arzt aufsuchen, der durch sorgfältigste Untersuchung das Grundübel herausfindet. Kopfschmerzen können mitunter gefährlicher Natur sein. Zum Beispiel leiden Blutarme, Nieren= und Zuckerkranke sehr häufig daran. Kopfschmerz infolge Blutleere des Gehirns wird durch Tieflagerung des Kopfes, Bettruhe und kräftige Ernährung gelindert. Infolge lang andauernder Ohren= und Nasenleiden stellt sich häufig Kopfdruck ein. In diesem Falle wird man vergeblich mit irgendwelchen Mitteln gegen die drückenden Kopfschmerzen ankämpfen. Migräne, der einseitige Kopfschmerz bei Frauen, wird durch einen bohrenden Schmerz in den Augenhöhlen eingeleitet und dehnt sich von da auf die ganze Kopfseite aus. Wechsel in der Arbeit, Ruhe oder viel Bewegung in frischer Luft verschaffen Linderung. Kopfschmerzen, die von geistiger Ueberanstrengung herrühren oder nervöser Natur sind, können eher als selbständiges Leiden betrachtet und auch als solches behandelt werden. Am geöffneten Fenster mehrere Male tief ein= und ausatmen, ein halbes Stündchen in der Arbeit innehalten, eotl. die Stirn mit Zitronensaft einreiben und eine Tasse starken Bohnenkaffee trinken. Die Rtechte Die Flechte kennzeichnet sich durch kleine, juckende Bläschen, die an verschiedenen Körperstellen auftreten, durch Kratzen und Reiben auf immer weitere Körperstellen übertragen werden und oft größere Hauptpartien einnehmen. Ist der Hautausschlag trocken, so behandelt man ihn mit einer geeigneten Salbe und mit Körperpuder. In hartnäckigen Fällen ist es ratsam, den Arzt aufzusuchen. Weit unangenehmer und gefährlicher sind die nassen Flechten. Sie sondern aus den kleinen Bläschen eine Flüssigkeit ab, die auf der wunden Haut stark juckende Schmerzen verursacht. Der Geplagte sucht gewöhnlich Linderung durch Kratzen, obwohl er genau wissen müßte, daß dadurch der Zustand bedeutend verschlimmert wird. Die von der Flechte abgesonderte Flüssigkeit gelangt auf die Kratzwunden und bildet hier einen neuen Krankheitsherd. Die Entstehungsursache dieses unangenehmen Leidens ist auf unreines Blut, in manchen Fällen auch auf Uebertragung zurückzuführen. Dies ist besonders bei der Bartflechte der Fall. Man achte daher in Friseurgeschäften streng darauf, daß die vorgeschriebene Desinfizierung des Rasiermessers vorgenommen wird. Denn Verhütung der Krankheit ist stets besser als ihre Heilung. Da unreines Blut die Ursache dieses Leidens ist, empfiehlt es sich, durch geregelte Verdauung und Diätkost für Erneuerung der Säfte zu sorgen. Man meide gesalzene Speisen, Eier, Fleischgerichte, Nikotin und Alkohol. Neben dieser inneren Behandlung muß auch eine äußere erfolgen. Mit heißen Dampfbädern hat man schon gute Wirkung erzielt. Hat die Flechte schon größeren Umfang angenommen, so werden Dampfpackungen gute Dienste leisten. Doch ziehe man möglichst bald einen Arzt zu Rate, der entsprechende Salben zur Heilung verordnen wird. Die Behandlung muß vor allen Dingen eine peinlich saubere und sorgsame sein. Weitere Flechten sind die eitrige, fressende und juckende. Diese drei Arten sind die unangenehmsten. Ihre Entstehungsursache und Behandlung ist die gleiche wie bei der trockenen und nassen Flechte. Die schlimmste und gefährlichste Krankheit der Augen ist der Star in seinen drei Formen. Die Ursachen dieser Erkrankung können zweierlei Art sein. Der schwarze Star ruft eine Lähmung der Nervenhaut oder Netzhaut des Auges oder auch des Sehneros selbst hervor. Eine Behandlung ist im Anfangsstadium stets mit Erfolg ausgeführt worden. Der grüne Star äußert sich in der Abnahme der Sehkraft eines oder beider Augen. Der Verlauf dieser Krankheit kann schleichend, aber auch sehr schnell vor sich gehen. Sie äußert sich in vermehrter Absonderung der Augenflüssigkeit, die den Augapfel in einen gespannten und schließlich steinharten Zustand versetzt. Durch eine einfache Operation wird die Spannung des Augapfels sofort herabgesetzt und somit der hohe Druck auf die Sehnerven dauernd behoben. Bei der Operation wird ein Stückchen der Regenbogenhaut oder des Augensterns herausgeschnitten und somit die Krankheit vollkommen geheilt. Natürlich darf man mit der Behandlung nicht lange warten, sondern sofort zum Arzt gehen, sobald sich eine grüne Färbung der Pupille zeigt und die Bewegung derselben mit heftigen Kopfschmerzen verbunden ist. Ohne spezialärztliche Behandlung kann die Krankheit leicht zur völligen Blindheit führen. Das Erkennungszeichen bei dem grauen Star ist auch wie bei den anderen beiden Formen Trübung der Augenlinse. Die Pupille hat eine graue Farbe. Welches ist nun die Ursache dieser schrecklichen Krankheit? Nicht Luftzug, noch andauerndes Lesen, sondern der Verdunklungsvorgang ist darauf zurückzuführen, daß infolge schlechten Stoffwechsels das Blut dem Organe nicht die notwendigen Erneuerungsstoffe zuführt und die verbrauchten aufnimmt. Ein anderer Grund kann der sein, daß es wiederum infolge schlechten Stoffwechsels sehr viel Fremdkörper, die es an anderen Stellen des Körpers aufnimmt, auf der Linse ablagert. Um die bereits begonnene Verdunkelung der Linse allmählich abzuschwächen, ja gänzlich zu beseitigen, ist es erforderlich, daß der Haut sorgsamste Pflege zuteil wird, so daß sie ihre notwendigsten Funktionen ausführen kann. Außerdem ist für guten Stoffwechsel zu sorgen. Lotte K. Bei Morphiumvergiftungen erweist sich starker, unvermischter Bohnenkaffee als sehr guter Helfer. Auch der Genuß einiger roher Eier führen den gleichen Erfolg herbei. Brustkrebs ist nur operativ heilbar, wie jede andere Krebskrankheit. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, der die notwendigen Maßnahmen ergreifen wird. Irau Sch. Gegen Schnupfen hilft oft eine Messerspitze Kochsalz. Das in einem Glas voll Wasser aufgelöste Salz zieht man langsam durch die Nase und läßt es auch durch die Nase wieder auslaufen. St. Cl. Die Blutschwärenkrankheit ist außerordentlich schmerzhaft und peinigend. Sie entsteht durch Furunkel, die mitunter den ganzen Körper bedecken. Diese sind wiederum Entzündungen von Talgdrüsen der Haut. Durch warme Auflagen, Breiumschläge bringt man die Geschwüre zum Aufgehen und behandelt im Anschluß daran mit einer Heilsalbe. Diät beschleunigt die Heilung. Bei zahlreichen Schwären versuche man mit Bierhefe Heilung herbeizuschaffen. Täglich dreimal einen Teelöffel frische Hefe im Wasser. Fr. J. Wahrscheinlich hat sich das Kind irgendeinen Fremdkörper in die Nase gesteckt. Suchen Sie am besten beizeiten einen Arzt auf, ehe die Eiterung noch weiter fortschreitet. D. Herfurth. Bei Vergiftungen, entweder durch giftige Pflanzen, Beeren oder auch Arsenik entstanden, ist Milch ein ausgezeichnetes Gegenmittel. Zwei Gläser Milch hintereinander getrunken, führt das nötige Erbrechen schnell herbei— und der Patient ist gerettet! Frl. Sch. Warzen kann man auf verschiedene Weise beseitigen. Entweder durch scharfe, chemische Mittel, bei deren Anwendung man aber sehr vorsichtig sein muß, oder man begnügt sich mit Zitronensaft, den man auf die Warzen träufelt. Zwar dauert diese Behandlung länger, etwa drei bis vier Wochen, aber dafür um so sicherer. Sie können auch mit Borax etwas nachhelfen, das gleichfalls ungefährlich ist Unser Leben gehört nicht uns Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle(Saale) 11. Forisetzung. Nachdruck verboten. Die Liewergat versicherte, so gut wie ihre Oefen zögen keine, und so sauber wie hier fänd' man's nirgends, und sie käm' mit jedem aus, weil sie„ihr Ruh haben wollte auf ihre alte Dag". Sie schieden im besten Einverständnis. Sie fuhren— beobachtet von der ganzen Luisenstraße, deren stille Fenster plötzlich von Frauenköpfen belebt waren— im Omnibus nach der Stadt zu. Ueber die öden, weißen Felder flogen Schwärme von Raben; der vereiste Fluß trieb schwere, blauweiße Schollen, unter denen das. schwarze Wasser träge floß. Drüben tauchten die festen, schiefergedeckten Türme der Stadt auf. Eng aneinander gedrängt standen die Häuser der kleinen Stadt, von der Stadtmauer in festem Ring umschlossen, noch genau wie vor fünfhundert Jahren. Nur das eiserne Tor hing nicht mehr in den Angeln, und der Wagen fuhr ungehindert durch den schmalen Eingang in die Vorstadtstraße. Auf der leeren, beschneiten Straße trottete eine Schar weißer Gänse neben dem Wagen her, aufgeregt und neugierig. Dort, wo die Dächer sich schwer über Häuser und Gassen neigten und die Giebel sich beinahe berührten, lag violettes, geheimnisvolles Dunkel. Auf den Dächern leuchlete der Schnee, und das Licht, das von oben spärlich in die schmale Gasse fiel, glänzte in den gefrorenen Rinnen. Der Abend hatte sich über die Stadt gesenkt. Die kleinen Laternen brannten längs des Bürgersteigs. Hinter den herzförmigen Ausschnitten der Holzläden schimmerte schon Licht. Durch die schmalen, winkligen, lichtlosen Gassen, die sich dem Auge im Vorbeifahren boten, kamen schweigend dahinschreitende, vermummte Gestalten. Auf ihre Schirme sank der leise, flockende Schnee. Immer enger schoben sich die Häuser der Straße zusammen, und als es gerade schien, daß sie sich berühren mußten, öffnete sich die holprige Straße mit einer Biegung, und der kreisrunde Markt lag still und beschneit da. Von weitem schimmerte die hellerleuchtete Apotheke, gemütlich warm und blank von innen. Zierlich wand sich das schmiedeeiserne Rokokogeländer an der ausgetretenen Steinfliesentreppe hinauf. Der Schatten eines glattgescheitelten Provisors tauchte hinter beschlagenen Fensterscheiben auf, ein Bimmeln der Schelle — aus dem Laden trat eine dicke, vermummte Gestalt auf die Schwelle und spannte den Schirm auf. Die Hökerfrau vor der Apotheke unter dem grauen liesenschirm hatte ihr Licht angezündet, ein flackerndes, selbliches Licht, das einen unsicheren Schein auf die eiskalten, roten Aepfel warf, die in grünen Weidenkörben unter dem schützenden Schirm aufgestellt waren. Aepfel, so kalt, daß man Zahnschmerzen bekam, wenn man sie ansah. Während der Omnibus, schwerfällig sich in den Federn wiegend, langsam um den Markt herumfuhr, tauchte Bild auf Bild auf zwischen Dämmerung und hellem Licht und Schatten. Geschnitzte Eichentüren, ausgehauene Wappen und Zahlen über den Hoftoren, Sprüche über den Haustüren, kleine, niedrige Läden, schaukelnde Hängelampen unter blitzendem, flachem Blechschirm über altmodischen Ladentheken, Türen, unter denen man kaum aufrecht durchschreiten, Fenster, in die man ohne Anstrengung einsteigen konnte, Häuser mit spitzen Giebeln, die alle dasselbe Gesicht hatten, ehrbare, kleine Gesichter, auf die sie sicher stolz waren. Jetzt die evangelische Kirche. Schlank, hoch, gotisch, verschlossen. Um die Kirche herum tauchte im Halbdunkel ein alter Kirchhof auf mit Grabmalen und alten, schneebedeckten Trauereschen, die sich über die steinerne Mauer neigten. Die Schwanwirtin bemerkte das Interesse der jungen Frau mit Wohlwollen. „Ja“, sagte sie.„Wenn Sie am Dag ausgehn, weiß ich Ihne etwas Interessantes. Die Gemäldeausstellung von Eltzes Mila. Die misse Sie unbedingt siehn! Scheene, neimodische Bilder in breite Goldrahme. Sonneuffgang in Kapri, un die Tellskapell in Oel un Stillewe un Alpesee. Sie malt in einer Tour seit zehn Jahr, un das kann mr jetzt alles siehn. In Kopps Möwelgeschäft.“ „Das ist sicher sehr interessant“, meinte Frau Makensen, deren Blick an den steinernen Wappen und Pforten der alten Häuser hing. Auf der Geschäftsstraße hörten die Sehenswürdigkeiten auf. Bald darauf bogen sie in die Bahnhofsstraße ein und näherten sich dem„Gasthaus zum Schwan". Das Märchen von der verzauberten Stadt versank. *„* * Die drei Schwestern Eltze saßen beim Nachmittagskaffee unter der grünbeschirmten Hängelampe. Mila in der Malschürze, Nettchen im braunen Alpakakleid, über dem sie eine saubere, blaugestreifte Küchenschürze trug, und Mathild so, wie sie eben aus ihrem Hundeasyl gekommen war, in einem alten, grünen Samtkleid. Auf dem roten Sternenbanner, der Kaffeedecke, standen die Blechtassen, ein rotlackiertes Körbchen mit frischen Brötchen, ein Steintopf mit Apfelkraut und das Kaffeegeschirr. „Hau ihr schon gehört, im„Schwane“ is e Dahme ankomm!" berichtete Mathild, während sie sich Kaffee eingoß. „Die Spenglers hat ihr das Hotel gerate.“ „Auch e gut Stell, for sich Auskunft gewe zu lasse“, sagte Nettchen. „Neilich awends is die Lokomotiv auf der Station defelt gang, da is sie ausgestieg. Ich hab sie gesehe vorm Albius seinem Haus stehn.“ Dabei sah sie Mila an, die, ohne ein Wort zu sagen, in dem„Meinauer General= anzeiger" las.„Was die jetzt nur vorm Albius seinem Haus ze duhn hat, han ich gedenkt. Vielleicht hängt das mit der Köchin zusamme,'s is ja nit die erscht, dies Lottche vor die Dier hat setze misse.“ „Jesses! Wie kann die dohrtig Fraa awer aach die Köchin grad vorm Diner wegschicke." Nettchen ereiferte sich noch in Gedanken daran.„Ei, da könnt mr doch eins mache, was es wollt, erscht mißt emohl's Esse uff'm Disch. stehn. Dann enaus mit'r. Wo hascht du denn die Dahm gesiehn, Mathild?“ „Wie ich in der Stadt war, for mir de„Wagerkorso“ vorm Albius seinem Haus ahnzesiehn.“ „Wenn einer zwölf Personen bei sich sieht—“ Mila zuckte mit den Achseln. „Na, weil du doch das scheene himmelblaue Atlaskleid anjezoge hascht, hab ich jemeint, er gäb e großer Ball.“ „Den gibt er erscht, wenn der Adolf fertig gepreßt als Gentleman heimkommt“, sagte Netichen.„Dann kann unser Mila ja mit'm Adolf danze.“ Und darüber lachten die Schwestern. „Wie ich also am„Schwane“ vorbeikomm bin, seh ich aus'm Wirtszimmere Dahm komme in eme Nerzmantel, fein parfümiert nadierlich. Sie geht grad vor mir über die Straß' un bleibt vorm Albius sein Bild stehn. Es muß ihr arg gefall han. Der Schnee is auf ihr Schirm gefall. Ich han schon de Schnuppe kritt vom Zusiehn. Un e weiße Kamelie hat se am Pelz gehatt. Ich han gedacht, es wär e gute Freindin vom Weber junior, awer heit morge war der Schwanewirt bei mir wege seinem Dackl, der wehe Ohre hat, un hat mr erzählt, sie wär aus Hamburg un wär beim Albius uff'm Biro gewehn. Was se do gemacht hat weeß kei Mensch, awer so viel is gewiß: sie hat bei der Liewergats gemiet.“ Nettchen schlug die Hände zusammen. „Was is denn das widder for e Geschicht vom Albius?“ „Gott, wie ihr euch für fremde Leute interessiert!" Mila schob ihre Tasse zurück. „Ja, siehschte, Mila“, erwiderte Mathild.„Wann mir so e guter Freind hätte wie du, dann ginge mr aach nur mit selig geschlossene Auge durch die Welt. Awer so mache mir sie gut uff, un da sieht mr als manchmal ebbes, was einem Vergnige macht.“ „Es wär manchmal besser, wenn man nit soviel sehn würd", sagte Mila, erhob sich und stellte ihren Stuhl an den Ofen.„Und wenn man einen besseren Umgang hätt als den Hundefänger." Sie ging hinaus und schlug die Tür hinter sich ins Schloß, daß sie erzitterte wie alles in ihr. Sie stieg die dunkle, gewundene Treppe hinauf in den zweiten Stock, wo ihr Atelier lag. In dem dunklen Zimmer, dessen breites, gardinenloses Fenster nach den schneebedeckten Dächern der Hofbauten hinausging, leuchtete die Glut des Amerikaners, und die Umrisse einer Staffelei am Fenster waren noch zu sehen. Mila stellte sich an das Fenster und sah hinaus in den engen Hof. Was war es nur mit dieser Fremden? Schon damals, am ersten Abend, hatte es sie so eigentümlich berührt, als sie von ihr sprachen. Sie kam aus Hamburg? Vor seinem Hause— vor seinem Bilde hatte sie gestanden? Was wurde Albius nicht alles nachgesagt! Er sollte ein Verhältnis mit der hübschen Näherin gehabt haben, die fast täglich in seinem Hause gewesen war und von Frau Albius plötzlich eines Tages hinausgewiesen wurde. Davon hatte sie nie ein Wort geglaubt; sie kannte Albius. Sie wußte, ohne daß sie jemals mit ihm an solche Dinge gerührt hatte, daß er ehrenhaft geblieben war. Soviel man auch von der Geigenkünstlerin, der Schwedin, sprach, die bei Albius im Hause logiert hatte, von der Sarrade— Mila war nie schwankend geworden. Albius war ein Mann, der sein Unglück trug wie ein Märtyrer. Aber diese unbestimmte Nachricht von der„Frau im Schwan“, die hingeworfenen Worte ihrer Schwester ließen sie nicht mehr los. Wie war es bloß möglich, daß ihr das Blut in den Schläfen hämmernd schlug? Wegen einer Fremden, einer Durchreisenden?— Aber das Wort Hamburg hatte zu viel Erinnerungen heraufbeschworen. Hatte er nicht immer von Hamburg gesprochen? Er war an jenem Abend so still gewesen, als sie von der Fremden erzählten. Wußte er mehr von ihr? Ach, wenn jemand käme, um ihn ihr zu nehmen. Sie hatte ja sonst niemanden auf der Welt. Mila preßte die Hände auf das kalte Holz.„Niemanden als dich!“ sagte sie, und sie wiederholte es noch einmal:„Niemanden als— dich!“ Seit Albius erfahren hatte, daß Frau Makensen in der Luisenstraße gemietet hatte, war eine Wandlung mit ihm vorgegangen. Wünsche stiegen auf und regten sich. Als ob er jung geworden wäre an einem einzigen Tage! Er stand vor dem kostbaren, alten Stuhl und starrte auf seine Linien; seine Hand glitt über das weiche Kissen, als ob er sich ein Bild zurückrufen müsse, einen Duft, ihre Stimme Zwang er sich zur Arbeit, so drängten solche Gedanken um so stürmischer auf ihn ein. Er vermied es, seinen Bekannten zu begegnen, aus Furcht vor Frivolitäten, vor Witzen und Alltagsgeschichten. Auch Mila Eltze suchte er nicht auf. So packte er eines Mittags seinen photographischen Apparat ein und ging nach dem kleinen Tannenwald, der den„Schwarzen See“ umgrenzte. Wenn es ihm gelang, sie zu finden! Er wollte warten, bis sie käme. Und er wartete im Schnee, unter beschneiten Baumgruppen neben dem vereisten, einsamen Schwanhaus. Da knirschten leichte Schritte im Schnee, und auf dem Fahrweg, der rings um den Weiher lief, sah er wirklich die junge Frau auf sich zukommen. Sie schritt, in Gedanken verloren, durch den Wald. Nun blieb sie stehen, um die Totenstille, die verschneite Einsamkeit des Waldes zu genießen; sie atmete tief die frische Schneeluft ein und hielt, um sich schauend, voll Entzücken über den Winterwald, inne. Auf der kleinen Brücke stand sie still. Die Hand auf das beschneite, hölzerne Geländer gelegt, sah sie hinab auf den stillen, eisbedeckten Weiher. Er wartete in seinem Versteck, ohne daß sie ihn gewahrte. Mit klopfendem Herzen bereitete er seinen Apparat vor, den Blick fest auf sie gerichtet. Einen Augenblick— jetzt!— dann knackte ein Zweig unter seinem Fuße; die junge Frau sah sich um und schritt ahnungslos weiter in den Wald hinein. Er hatte ihr Bild ausgenommen— wie ein Dieb. Als das kleine Bild fertig war und er es aus dem Rahmen hervornahm, zitterte ihm die Hand... Es war ein mattbeleuchtetes, winterliches Genrebildchen geworden — er hatte sie gerade gefaßt, als sie sich ihm zuwandte. Nun hatte er sie immer bei sich. Das Bild war so klein wie die Fläche einer Hand; er konnte es bei sich tragen und es betrachten— wann er wollte. Anmutig stand sie da, die kleine Hand auf das bereifte Geländer gestützt. Wie selten traf man doch eine anmutige Frau. Schöne Frauen sah man oft. Frau Söllner galt für eine„schöne Frau". Die Frau des Landrats in Ginsterstadt war eine anerkannte„Beauté". Sie alle hatten ihn kalt gelassen. Von einer Frau mußte eine Macht ausgehen, die einen anzog, daß man sie kennenzulernen begehrte. Vergleiche stiegen in ihm auf: die Frauen seiner Umgebung— seine Frau! Wie hatte er sie geliebt, damals, als sie jung war und ihm biegsam genug erschien, um sich das ersehnte Weib aus ihr zu schaffen, eine Gefährtin, eine geliebte, verwöhnte, reizende Frau, die das Haus verschönte, die seinem Heim Festlichkeit verlieh. So hätte es sein können, wäre sie mit ihm gegangen. Aber sie hatte ihn nicht verstehen wollen. So war er einsam geblieben; er hatte seine Wünsche eingesargt. Er saß vor ihrem Bilde. Jede Linie ihrer Gestalt eine Wohltat für das Auge, jede Bewegung ein Genuß. Und ihre Stimme! Er schloß die Augen, um sie sich zurückzurufen. Wie im Rausch ging er umher— und seine Gedanken drehten sich um den einen einzigen Punkt: Wie kannst du ihr näherkommen? Hätte Albius noch die Gewohnheit gehabt, sich mit seiner Frau zu unterhalten, so hätte er erfahren,„wer die Fremde war". Bei den Kaffees hatte Frau Doktor Maul erzählt, daß diese Frau Makensen die Frau eines Hamburger Kaufherrn war, der nach jahrelangem Aufenthalt in Nervenheilanstalten und Sanatorien gestorben war. Statt nun darüber zu trauern, war die Witwe ins Ausland gegangen und lebte nun in allen möglichen Städten umher,„um sich zu amüsieren“. Die Damen waren selbstverständlich empört, daß sie sich dazu gerade Meinau ausgesucht hatte. Sie hatten von der Liewergat erfahren, daß sich Frau Makensen den Vormittag über mit Malen beschäftigte, Briefe aus England, Japan und Amerika empfing und besonders viele Briefe aus München bekam, daß sie jeden Tag im Tannenwald spazierenging und im Hause einen grünseidenen Pyjama trug. Man zerbrach sich den Kopf darüber, was sie hier festhielt. Frau Meier hatte zum Beispiel gehört, Frau Makensen sei Malerin und habe diesen Handelsherrn eingefangen, obwohl sie wußte, daß er krank war und trotzdem sie einen Maler in München hatte, der nur darauf wartete, in den Besitz des Geldes zu kommen. Die Familie aber hatte hier einen Riegel vorgeschoben, und es gab eine Klausel in dem Testament, daß das Geld des Mannes bei einer zweiten Heirat an die Familie zurückfiel. Seitdem lag sie mit ihren Verwandten im Prozeß. „Sie müßten es doch eigentlich wissen", sagten die Damen zu Frau Albius. Aber die wußte leider gar nichts, denn ihr Mann war ja„so lächerlich verschwiegen". Im Meinauer Stadttheater wurde„Hedda Gabler“ gegeben. Das kleine Theater im„Tivoli“, einem ehemaligen Hospital in der Klappergasse, die nur spärlich von Gaslaternen beleuchtet war, zeigte sich als langer, schmaler Saal mit niedrigen Fenstern, geweißten, verräucherten Wänden und vielen Reihen Wiener Rohrstühle, die von der Frau Spengler jeden Abend mit Bindfaden aneinander gebunden und in gerade Reihen geschoben wurden:„das Parkett.“ Rechts von der Bühne, an der Wand des Saales, befanden sich vier Logen, mit rotem Kattun bekleidet. Wenn es sehr kalt war, wurde in die Logen Stroh gestreut und in die„Proszeniumsloge“ ein kleines Fell gelegt. Diese Loge, ein Dreieck neben der Bühne, so klein, daß nur ein einziger Stuhl darin stehen konnte, besaß einen Eingang direkt zu den Bühnenräumlichkeiten. Sie war die einzige Loge, die man für die ganze Spielzeit mieten mußte, und sie hatte kleine rote Tuchvorhänge zum Zuziehen. Also eine Loge für die Lebemänner der Stadt. An den Saalwänden entlang brannten kleine Laternen, in denen dicke Wachskerzen standen. Diese hatten aber wieder ihr Gutes: wer keine Uhr hatte, konnte am Stand der Kerzen sehen, ob das Stück zu Ende ging, denn Punkt zehn Uhr erloschen die Kerzen. Für diese Saison hatte Albius den Direktor der Truppe, einen jungen, strebsamen Mann, der den ersten Liebhaber spielte und beim Publikum in hoher Gunst stand, durch eine Geldsumme aus seiner Tasche verpflichtet, einmal in der Woche einen„Literarischen Abend“ zu veranstalten, an dem auch einmal die modernen Autoren zu Wort kamen. Mit der„Wildente“ war die Spielzeit eröffnet worden,„Nachtasyl" und„Fuhrmann Heutschel" waren dann gefolgt, und als in letzter Woche sogar Strindbergs„Fräulein Julie“ aufgeführt worden war, und zwar mit ausverkauftem Haus, hatte sich der Direktor jetzt an„Hedda Gabler“ gewagt. Er hatte eine Schauspielerin, die zwischen zwei guten Engagements zufällig eine Spielzeit frei war, verpflichtet, und diese war sein Zugstück geworden. Ein noch besser wirkendes Mittel, die Besucher ins Theater zu locken, waren die Erzählungen der Spengler.(Fortsetzung folgt.)