Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Pazianpreis fiü die achtzespolt mmete 6 Pig, Ausoir. üge, inanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., Reklamezeile 40 Pf, Fin teleson, aufgegebene Inserate üdemehmen wir kaine Gewädr. Bei unoorbergesehn. Velriedestbrungen, bervorgernsendurch bodere Gevolant, sberadnenolrkeinentei Gensbe füir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlel Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboden werden De„Schnerter Jalung“ ascham. Pechontlichsche nal. Bezugeprens Leldmonatlich 1.20 Maik, Einzeiumuer 15 Pfg. Drutk u. Verlagvon C. Braus, Ichwerte(Rube), Posschacktkoaug: Vortmund 2652 und Honnover 21674. Geschäststells. Hroße Marktstr. 3—3. Verantworlico für die Schrigtusta, H. Eimer, Schwerte. Hernns 2rto Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gmp; Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 129(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Mittwoch, den 4. Juni 1930 63. Jahrgang „Gruf hepbelln über dem Szeun Standortmeldungen des„Graf Zeppelin". wtb. Hamburg, 3. Juni.(Tel.) Nach einem bei der Hamburg=Amerika=Linie eingegangenen Funkspruch befand sich das Luftschiff„Graf Zeppelin" um 15 Uhr MEZ. auf 40,18 Grad Nord und 57.30 Grad West. wtb. Friedrichshafen, 4. Juni.(Funkspruch.) Beim Luftschiffbau Zeppelin ging um 1 Uhr früh folgendes Telegramm von Bord des„Graf Zeppelin“ ein: 38 Grad Nord und 44.30 Grad West. Wetter und Fahrt gut. Danktelegramm Dr. Eckeners an Amerika. wtb Newyork, 3. Juni. Dr. Eckener hat in Washington und in Lakehurst durch Funksprüche seinen Dank für die dem Luftschiff vom Marinedepartement geleistete Hilfe ausgesprochen. In dem nach Washington gesandten Funkspruch Dr. Eckeners heißt es, die Fahrt des Luftschiffes sei erst durch diese wirksame Zusammenarbeit ermöglicht worden. Eine derartige Mitwirkung sei dazu angetan, den beschleunigten Verkehr zwischen den Nationen in freundschaftlicher Weise zu entwickeln. Dr. Eckeners Zukunftspläne. wtb. Lakehurst, 3. Juni. Kurz vor dem Abflug des„Graf Zeppelin“ erklärte Dr. Eckener Pressevertretern, er hoffe, daß im Herbst 1931 ein fünftägiger Dienst von beiden Seiten des Atlantischen Ozeans mit drei Zeppelinluftschiffen für je 24 Passagiere und 20 Tonnen Fracht und Post eröffnet werden könne. Drei Luftschiffe seien für einen solchen Dienst unerläßlich.— Der jetzige Rückflug des„Graf Zeppelin“, so teilte Dr. Eckener mit, gehe über Newyork, dann nordöstlich über Long Island zum Atlantischen Ozean. Bei Verfolgung des mittleren Kurses und möglichster Ausnutzung des Windes rechne er damit, in 50 Stunden Sevilla zu erreichen. Zu der von der hiesigen Presse als wichtig betrachteten Frage der Ergänzung des Alkoholvorrats des Luftschiffes bemerkte Dr. Eckener, mit Hilfe der Bundesregierung sei eine kleine Ergänzung des Alkoholvorrats für medizinische Zwecke vorgenommen worden. Der englische Luftfahrtminister über Dr. Eckener. wtb London, 4. Juni.(Funkspruch.) Der Luftfahrtminister Lord Thomson führte gestern im Oberhaus im Laufe einer Rede, die sich mit der Kritik an den beiden britischen Luftschiffen beschäftigte, u. a. aus: „Es wird gleich gefragt werden, wieso denn der„Graf Zeppelin" um die Welt fahren und andere Fernfahrten ausführen könne, während unsere beiden Schiffe ihre Zeit hauptsächlich in ihren Hallen verbringen. Die Antwort ist sehr einfach: Die Deutschen haben 30 Jahre Erfahrung im Bau von Luftschiffen. Sie hatten schon vor dem Kriege Verkehrsluftschiffe im Bau. Ich wünsche die guten Eigenschaften unserer eigenen Landsleute nicht herabzusetzen, aber angesichts solcher Erfahrung müssen wir uns damit abfinden, daß es sehr wenige Dr. Eckener in der Weltgibt. Wir haben noch nicht die Zeit gehabt, unseren eigenen Dr. Eckener hervorzubringen, der einer der bemerkenswertesten Männer ist, mit denen ich je zusammengekommen bin. Solche Männer sind nicht in jeder Generation zu finden.“ 100 Millionen RM für die B33. Millionen mehr, als die Reichsregierung vorgesehen hatte enb Frankfurt a. M., 3. Juni.(Eig. Meld.) Die Einlage, die die Reichsregierung laut der Anlage 3 des Haager Abkommens an die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich zu entrichten hat, ist, wie die Frankfurter Zeitung erfährt, heute bei der B33. geleistet worden. Die Einlage soll(unverzinslich) 50 v. H. des Durchschnittsguthabens der Reparationsgläubiger betragen, 100 Millionen RM. aber nicht übersteigen. Da die Mindesteinlage, welche die Gläubiger zu entrichten haben, auf der Anlage 8 des Haager Abkommens 125 Millionen RM. beträgt, hatte man in Berlin mit einer Einlagepflicht von etwa 60—65 Millionen gerechnet und dementsprechend im neuen Etat einen Betrag von 65 Millionen reserviert, allerdings mit dem Vorbehalt, daß er je nach den tatsächlichen Erfordernissen auch erhöht werden könne. Da der Generalagent, wie sich aus seinen Abrechnungen ergab, im Monat Mai offenbar auf einen besonders hohen Saldo Gewicht legte, hat der nonatliche Durchschnittsbetrag rund 205 Millionen RM. erreicht. Infolgedessen hatte die Reichsregierung heute nicht 65 Millionen, sondern volle 100 Millionen RM. als Einlage an die B33. zu zahlen. In den kommenden Monaten wird die deutsche Einlage auf den halben Durchschnittsbetrag der Gläubigerguthaben in den vorausgehenden Monaten abgestimmt, und man erwartet, daß dann ein Teil der heute gezahlten Einlage wieder an das Reich zurückgehen werde, weil sich die Treuhänderguthaben senken werden, sobald die B33. ihre volle Tätigkeit aufgenommen hat. Immerhin war es für die Reichsregierung keine angenehme Ueberraschung, daß sie statt der erwarteten 65 Millionen nunmehr einen Betrag von 100 Millionen zu zahlen hatte, dies um so mehr, als der Rest des Reservefonds des Kommissars, 35 Millionen RM., ursprünglich als Deckung für andere Ausgaben des außerordentlichen Haushalts in den Etat eingesetzt worden war. Die Wirtschaftslage Deutschlands wtb Genf. 3. Juni.(Tel.) Auf der vom Weltverband der Völkerbundsgesellschaften veranstalteten, heute eröffneten Wirtschaftskonferenz, auf der Deutschland durch die Reichstagsabgg. Frau Dr. Lüders und Dr. Dernburg vertreten ist, sprach Dr. Dernburg über die wirtschaftliche Lage Deutschlands, insbesondere über die von der deutschen Regierung zum Schutze der deutschen Landwirtschaft eingeleiteten Hilfsmaßnahmen. Der Redner erklärte, daß entgegen den protektionistischen Strömungen in anderen Ländern Deutschland vor wenigen Jahren eine Senkung der Zölle vorgenommen habe, bis die katastrophale Lage der Landwirtschaft die deutsche Regierung gezwungen habe, zeitlich begrenzte und auf eine Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion hinzielende Maßnahmen zum Schutze der Landwirtschaft zu ergreifen. Die deutsche Landwirtschaft sei dem sicheren Ruin preisgegeben, wenn jetzt nicht die Krise, in der sie sich schon seit Jahren befindet, durch wirksame Maßnahmen beseitigt werde. Deutschland befinde sich bei seinen enormen Auslandsverpflichtungen gegenüber den anderen Ländern in einer besonderen Lage, und das Ausland müsse es in seinen Anstrengungen, aus der gegenwärtigen Krise herauszukommen, unterstützen. Das gelte namentlich von den Ländern, die von Deutschland Revarationszahlungen beanspruchen. Die gegen Deutschland sich auswirkenden handelspolitischen Maßnahmen seien mit den reparationspolitischen Verpflichtungen Deutschlands unvereinbar. Die deutsche Regierung habe peinlichst die bestehenden Handelsverträge respektiert, obwohl ihr für ihre Wirtschaftspolitik durch diese Verträge schwere Fesseln angelegt seien. Die Erleichterungen, die der deutschen Ausfuhr in diesen Handelsverträgen eingeräumt worden seien, würden zum Teil illusorisch gemacht durch einen indirekten Protektionismus, der in Form von administrativen Maßnahmen den deutschen Außenhandel belaste. Bezugnehmend auf das Memorandum Briands bezeichnete Dr. Dernburg die Beseitigung der Schwierigkeiten im internationalen Wirtschaftsverkehr als ein wichtiges Mittel zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens, der allerdings in erster Linie durch die Ausmaße der militärischen Rüstungen bestimmt sei. Die wirtschaftliche Befriedung werde leichter erfolgen, wenn dem unaufhörlichen Waffengerassel ein Ende gemacht würde. Es sei Aufgabe des Völkerbundes und der verwandten Organisationen, in diesem Sinne unausgesetzt zu wirken. Internationale Kreditversicherungsbereinigung wtb. Berlin, 4. Juni.(Tel.) Unter starker Beteiligung aus dem In= und Auslande wurde gestern die Hauptversammlung der Internationalen Kreditversicherungsvereinigung eröffnet. Geheimrat Kißkalt, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hermes=Kreditversicherungsbank=A.=G., Berlin, sprach als erster Redner. H. S. Spain, Direktor der Trade Indemnity, London, sprach über die Ausfuhrkreditversicherung, wobei er, bezugnehmend auf die Regierungsmaßnahmen der einzelnen Länder, erklärte, das englische System sei nicht nur unwirtschaftlich, sondern unzweifelhaft unlauterer Wettbewerb mit einer auf langjähriger Erfahrung aufgebauten Organisation. Es werde schließlich dazu führen, den Handel zu hemmen, anstatt ihn zu mehren. Das deutsche Ausfuhrförderungssystem sei zwar gleichfalls nicht ideal, entspräche aber in weitem Maße einer gesunden Unterstützungsfethode. Ueber die Grenzen der Kreditversicherung sprach Dr. Wilhelm Berliner, Direktor der „Kompaß“ Allgemeine Kredit= und Garantiebank, Wien, und der Lebensversicherungsgesellschaft„Phönix“, Wien. Er betonte, die Kreditversicherung dürfe nicht dazu dienen, den Geschäftsbetrieb des Versicherungsnehmers über die natürlichen Grenzen der Entwicklung hinaus auf dem Rücken der Versicherungsgesellschaft auszudehnen. Die Arbeitgeber beraten enb. Berlin, 3. Juni.(Eig. Meldung.) Laut Berliner Tageblatt sind auf telegraphische Einberufung Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie und der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände heute vormittag um 9 Uhr in Berlin zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten, in der zu dem Thema„Reichshaushalt und Arbeitslosenversicherung“ Stellung genommen werden soll. Es handelt sich hierbei, wie das Blatt mitteilt, um Besprechungen von außergewöhnlich großer Bedeutung, bei denen die Frage des „Notopfers“ der Festbesoldeten zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung im Rahmen grundsätzlicher Erwägungen über Maßnahmen zur „Ankurbelung der Wirtschaft“ die Hauptrolle spielen. enb. Berlin, 4. Juni.(Funkspruch.) Die gestrige gemeinsame Sitzung des ReichsverGeheimnisvolle Geldgeschäfte in Köln wtb. Köln, 4. Juni.(Funkspruch.) Der 28jährige Kaufmann Glowinka hat sich am Sonntag hier in seiner Wohnung erschossen. Glowinka hatte zuletzt mit der inzwischen festgenommenen Frau eines hiesigen Friseurgehilfen, die ihn als Reisebegleiter engagiert hatte, geheimnisvolle Geldgeschäfte gemacht, die noch der Aufklärung harren. Das Paar war am Samstag nach Aachen gefahren, wo es angeblich 400 000 Mark in Empfang nehmen wollte. Das Geld blieb aber aus. Von Aachen fuhr das Paar nachmittags nach Bonn weiter, wo gleichfalls Geld einkassiert werden sollte. Auch hier blieb das Bemühen des Paares nutzlos. Bei der Rückkehr nach Köln beging dann Glowinka Selbstmord. Zu den Geldgeschäften steht bisher nach den polizeilichen Ermittelungen folgendes fest: Der inzwischen festgenommene Friseur hat von seinen Kunden Gelder im Gesamtbetrag von etwa 400 000 bis 500000 Mark bekommen, die von seiner Frau infolge ihrer angeblich guten Beziehungen zum Ausland sehr nutzbar angelegt werden sollten. Ein mit 60000 Mark beteiligter Geldgeber erhielt z. B. in einem Falle vor Ablauf eines Monats 100 000 Mark zurück. Die Frau unternahm in letzter Zeit in Begleitung Glowinkas regelmäßige Reisen nach Aachen. Anscheinend ist dort Schmuggelware— man vermutet Rauschgifte— in Empfang genommen worden, die dann in Frankfurt, Bonn, Köln und in anderen größeren Städten abgesetzt wurden. Da die Geldgeber in der letzten Zeit kein Geld mehr zurückerhielten, mutmaßt man, daß die 400 000 bis 500 000 Mark verloren sind, sei es, weil die Quellen versiegten oder das Paar die Gelder sonst durchgebracht hat. Das Friseur=Ehepaar und die Geldgeber hüllen sich bisher noch über die Art der Geschäfte in Schweigen. Köpenickiade auf der Kölner Landwirtschafts=Ausstellung wtb. Köln, 3. Juni.(Tel.) Die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Köln ist durch eine Köpenickiade um eine ganze Tageseinnahme geschädigt worden. Die Ausstellungsleitung wurde vorige Woche von einem Manne angerufen, der sich als der Regierungspräsident ausgab und bat, dem Hauptmann a. D. Hans Werner Beschäftigung zu gewähren. Kurze Zeit darauf stellte sich dann der angebliche Hauptmann vor, der sofort als Kassierer angestellt wurde. An den beiden ersten Tagen lieferte er die Kasse ordnungsmäßig ab, am Abend des dritten Tages— es war der Himmelfahrtstag — verschwand er spurlos mit der gesamten Tageseinnahme, deren Höhe unbekannt ist. Die Ermittlungen ergaben, daß Werner den Anruf des Regierungspräsidenten, dem der„Hauptmann“ völlig unbekannt ist, fingiert hat. Werner ist leicht daran zu erkennen, daß er hinkt. Bereits vor einigen Jahren wurde der Kölner Rennverein durch einen ebenfalls hinkenden Schwindler um seine Tageseinnahme gebracht. Man vermutet, daß beide identisch sind. Furchtbare Folgen eiaes Lummeniungenstreiches wtb. Amsterdam, 3. Juni.(Tel.) Durch einen Dummenjungenstreich ereignete sich heute bei der Ortschaft Ytens in der Provinz Friesland ein folgenschweres Unglück. Ein Autobus, der den Verkehr zwischen den Städten Franeker und Sneek unterhält, näherte sich dem Kanal bei Dtens zu einem Zeitpunkt, wo die Kanalbrücke für die Schiffahrt geöffnet war. Ein Knabe hatte aber den Schlagbaum, der den Zugang bei geöffneter Brücke sperrt, in die Höhe gezogen. Der Fahrer des Autobusses glaubte infolgedessen, daß der Uebergang frei sei, gab Gas und sauste mit dem Omnibus in den Kanal. Von dessen Insassen fanden drei, darunter zwei Familienväter mit sieben und sechs Kindern, sofort den Tod durch Ertrinken. Der Fahrer und die übrigen zehn Fargäste wurden gerettet, zwei von ihnen schwerverletzt. bandes der Deutschen Industrie und der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat sich bis in die Nachmittagsstunden hingezogen und wurde alsdann, ohne zu Beschlüssen zu kommen, vertagt. Gegenstand der Erörterung war in erster Linie die Frage, wie man zu einer wirksamen Entlastung des Etats kommen könne. Die allgemeine Auffassung geht, so berichtet die Germania, dahin, daß wir durch Ermäßigung aller Produktionsfaktoren zu einem Preisabbau kommen müssen. Es dürften Bestrebungen im Gange sein, angesichts der allgemeinen Notlage zu einer Verständigung mit den anderen Faktoren der Wirtschaft zu kommen. Das Reichskabinett wurde sich dann in Fortsetzung seiner Beratungen über die Deckungsvorschläge zum Reichshaushalt einig. Den Ressorts wurde aufgegeben, die detaillierte gesetzgeberische Ausarbeitung der Beschlüsse des Kabinetts für die abschließende Kabinettssitzung am Donnerstag vorzulegen. Direktoren=Konferenz der hauptversorgungsämter wtb. Berlin, 4. Juni.(Tel.) Am 3. Juni 1930 fand im Reichsarbeitsministerium eine Zusammenkunft der Direktoren der Hauptversorgungsämter statt. Minister Dr. Stegerwald führte in seiner Begrüßungsrede aus, daß die Zusammenkunft vor allem den Zweck habe, die Erschienenen mit den geplanten Aengerungen des Versorgungsrechtes in formeller und materieller Hinsicht vertraut zu machen. Dabei handele es sich nicht um eine Verbreiterung, sondern um eine Vertiefung der Ansprüche der Versorgungsberechtigten. Angesichts der bedrängten Lage der Reichsfinanzen sei es nicht möglich, alle an sich berechtigten Wünsche, die aus den Kreisen der Versorgungsberechtigten laut geworden sind, zu erfüllen. Was die in der Tagespresse erschienenen Mitteilungen über die Auflösung der Reichsversorgungsverwaltung und ihre Eingliederung in eine andere Organisation anlange, so deckten sich diese Vorschläge nicht mit der Auffassung des Reichsarbeitsministeriums und eilten den Tatsache voraus. Auch wurde darauf hingewiesen, daß die Verwaltungskosten der Versorgungsberechtigten im Vergleich zu anderen Behörden gering seien. Die Räumung von Mainz wtb. Paris, 3. Juni. Temps berichtet aus Mainz, daß der Hauptabtransport der französischen Truppen aus Mainz am 30. Juni erfolgen werde. Bis dahin würden kleinere Truppenabteilungen und das Personal der verschiedenen Verwaltungsstellen abrücken. Ebenso werde bis dahin das Material abtransportiert werden. Die Bekleidungsverkaufsgenossenschaften hätten bereits ihren Betrieb eingestellt und die nicht verkauften Läger zum zum Abtransport vorbereitet. Die Lebensmittelkonsumgeschäfte würden noch einige Tage den Verkauf fortsetzen, aber am 25. Juni würden auch sie Mainz verlassen haben. Die endgültige Liquidierung werde in Paris erfolgen und durfte drei Monate in Anspruch nehmen. Inslation und Kapitalflucht odz. Berlin, 3. Juni. Der Rechtsausschuß des Preußischen Landtags nahm am Dienstag einen Antrag Graf Posadowsky(Volksrechtspartei) an, daß der Staatsgerichtshof die Frage untersucht, durch welche Elemente und Persönlichkeiten die Inflation hervorgerufen worden ist, durch die so ungeheure Vermögenswerte vernichtet worden sind. Ferner fand ein Antrag Dr. Deerberg(Dnat.) Annahme, beim Reiche dahin zu wirken, daß unverzüglich gesetzgeberische Maßnahmen ergriffen werden, um die immer mehr zunehmende Kapitalflucht in das Ausland zu verhindern. Der Rechtsweg bei Enteignungen V03. Berlin, 4. Juni.(Tel.) Der Rechtsausschuß des Preußischen Landtags nahm am Dienstag einen Antrag Hestermann(WP.) an, der das Staatsministerium ersucht, auf die Reichsregierung einzuwirken, eine Regelung zu treffen, daß bei Enteignungen auf Grund der Verordnung vom 9. Dezember 1919 hinsichtlich der Entschädigung der ordetnliche Rechtsweg zugelassen werde. Anahme fand auch ein Antrag Eichhoff(DVp.), wonach für die Vergangenheit der ordentliche Rechtsweg zur Erlangung einer vollen oder einer auf den nicht zu Bauten benutzten Teil des Grundstücks beschränkten Entschädigung der ordentliche Rechtsweg zugelassen wird. Kundgebung des beutschen Beamtenbundes enb. Berlin, 3. Juni.(Eigene Meldung.) Der Gesamtvorstand des Deutschen Beamtenbundes beschäftigte sich heute in einer Sitzung im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates mit der gesamten beamtenpolitischen Lage. Er nahm Stellung hierzu durch eine Kundgebung, in der es heißt: „Der Gesamtvorstand des Deutschen Beamtenbundes hat Kenntnis genommen von dem Bericht über ein„Ausgabensenkungsgesetz“, das den Nahmen bilden soll für eine Reihe von Bestimmungen, die eine Verschlechterung der rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Beamten darstellen. Er wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen Maßnahmen der angekündigten Art. Die Beamten finden ein solches Beginnen unerträglich und machen mit Ernst auf die darin liegende Gefahr aufmerksam. Der Gesamtvorstand verkennt keineswegs die schwierige Lage des Reiches und die große Not vieler Volksgenossen. Er ist darum der Auffassung, daß dieser außergewöhnlichen Notlage durch Heranziehung aller Volksschichten nach dem Grade ihrer Leistungsfähigkeit begegnet werden sollte, wobei unter eine nach sozialen Gesichtspunkten bestimmte Grenze nicht heruntergegangen werden dürfte. Er erwartet von Reichsregierung und Reichstag, daß eine Sonderbelastung der Beamten abgelehnt wird.“ Der Mittelstand demonstriert anb. Berlin, 3. Juni.(Eig. Meldung.) Das Reichskartell des selbständigen Mittelstandes veranstaltete heute vormittag im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses eine geschlossene Kundgebung gegen die Bestrebungen zur Beseitigung der Großumsatzsteuer, zu der Vertreter sämtlicher bürgerlicher Fraktionen des Reichstags und des Landtags außer vom Zentrum und den Demokraten erschienen waren. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurden folgende Forderungen aufgestellt:„Als oberster Grundsatz der kommenden Finanzreform ist die Drosselung der Ausgaben das Allernotwendigste. Der steuerlichen Bevorzugung öffentlicher und gemeinnütziger Betriebe ist ein Ende zu machen. Die Steuerlasten müssen in gerechter Weise nach der Leistungsfähigkeit der Einzelnen verteilt werden. Die Großbetriebe müssen für den durch ihr Bestehen verursachten Steuerausfall herangezogen werden. Reichsjustizminister Dr. Bredt betonte in kurzen Ausführungen, daß das Kabinett mit dem Reichskartell des selbständigen Mittelstandes einer Meinung sei und unbedingt an der Beibehaltung der Umsatzsteuer festhalten werde. Gleichzeitig betonte er, daß in diesen Tagen ein Gesetz über das Zugabewesen fertiggestellt worden sei, das allen Forderungen entspreche. Das selbständige erwerbstätige Bürgertum sei nach Meinung des Kabinetts der Ttäger des gewaltigen Beamtenstabes, nicht aber die Warenhäuser und Konsumvereine. DesTi wegen werde man alles daransetzen müssen, um den selbständigen Mittelstand nicht von den Warenhäusern erdrosseln zu lassen. Nach dem Reichsjustizminister ergriffen auch Abgeordnete verschiedener Fraktionen das Wort und versprachen, die Forderungen des selbständigen Mittelstandes sich zu eiigen zu machen. Der Kampf un den Buschschen Nachlaß enb. Berlin, 4. Juni.(Eig. Radiomeldung.) Im Zusammenhang mit den vor den Erben Busch eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherstellung der von dem früheren Stadtrat hinterlassenen Vermögenswerten war von einer Berliner Blatt verbreitet worden, daß der Sohn des Verstorbenen mit seinem Rechtsbeistand gestern vormittag der Berliner Staatsanwaltschaft zugegeben hätte, daß die auf den Namen„Lutki“ laufenden Gelder in Wirklichkeit dem Stadtrat gehört hätten. Demgegenüber hat Rechtsanwalt Dr. Heinrich Werthauer eine hiesige Korrespondenz zu der Mitteilung ermächtigt, daß weder er noch Busch junior der Staatsanwaltschaft irgend welche Erklärungen abgegeben hätte. Der Anwalt sei gestern vormittag im Büro des Staatsanwaltschaftsrates Dr. Weißenberg erschienen, um ihm die Sterbeurkunde zu überreichen und formell die Einstellung des Verfahrens gegen Busch zu beantragen. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenburg sei aber nicht in seinem Büro gewesen, da er zu jener Zeit vor dem Untersuchungsausschuß des preußischen Landtages vernommen worden sei. Schon aus diesem außeren Grunde sei irgend eine Besprechung, geschweige denn die Abgabe einer Erklärung unmöglich gewesen. Das Vorgehen gegen„Lutki“ erfolge auf Grund einer zivilprozessualen Vollmacht, die dem Rechtsanwalt Dr. Werthauer erteilt worden sei und die den Anwalt verpflichte, unverzüglich alle notwendigen Schritte zur Sicherung der hinterlassenen Vermögenswerte zu tun. Ein bezahlter Abgeordneter * Bochum, 3. Juni.(Tel.) Gegen den Reichstagsabgeordneten Nientimp wird schon länger der Vorwurf erhoben, daß er als kaufmännischer Berater der Großeinkaufsgenossenschaft westfälischer Bäckereigenossenschaften(Gebewa), von Mühlenwerken, Hefefabriken usw. Schmiergelder angenommen habe, die in die Hunderttausende gehen sollen, und daß er für seine großen Einkünfte keine Steuern bezahlte. Nientimp hat jetzt wegen der Vorwürfe den Vorsitz in der Partei, sein Stadtverordnetenmandat und damit auch das Amt als Stadtverordnetenvorsteher, niedergelegt. Sein Rechtsanwalt Dörpinghaus wird mit einem Beauftragten der Bochumer Stadtverordnetenfraktion nach Süddeutschland reisen, wo Nientimp jetzt zur Kur weilt, um dort mit ihm zu verhandeln, und zwar gegebenenfalls unter Hinzuziehung eines der Reichstagsfraktion des Zentrums angehörenden Anwalts. Diese Verhandlungen haben offenbar das Ziel, Nientinp auch zur Niederlegung seines Abgeordnetenmandats zu bewegen. Der Vorsitzende des Westfälischen Bäckerinnungsverbandes, Obermeister Grobe(Dortmund), sagt über den Fall Nientimp: Die Bücher der Gebewa seien in tadelloser Ordnung. Nientimp sei im August 1928 aus den Diensten des Verbandes ausgeschieden. Festgestellt sei, daß Nientimp von einer Reihe Firmen und Vereinigungen Gelder erhalten habe. Er gebe das zu, versichere an Eidesstatt und auf Ehrenwort, nie in seinem Leben irgendwelche Schmiergelder angenommen und erhalten zu haben, sondern die gezahlten Gelder seien ihm von den Firmen für seine parlamentarische Tätigkei die er im Interesse der Firmen geleistet habe, gegeben worden. Nachdem inzwischen die Gebewa gegen Nientimp und ihren ehemaligen Geschäftsführer Hundertmark Strafantrag gestellt hat, hat sich jetzt auch die Staatsanwaltschaft des Falles angenommen. Nachwehen des Frenzel=Prozesses cnb. Potsdam, 3. Juni.(Eng. Meldung.) Das hiesige Vormundschaftsgericht beschäftigte sich heute mit den Anträgen der Verteidiger des wegen Blutschande kürzlich zu 1½ Jahren Zuchthaus verurteilten Amtsvorstehers Frenzel, dem aus dem Prozeß bekannten Pfarrer Schenk die Vormundschaft über Gertrud Frenzel zu entziehen. Die Verteidigung halte den Geistlichen objektiv zwar für einen tüchtigen und brauchbaren Vormund, doch sei festgestellt worden, daß die Schwärmerei der jungen Gertrud für ihren Vormund ein Ausmaß angenommen habe, daß es besser sei, wenn das junge Mädchen mindestens für längere Zeit keine Gelegenheit erhalte, sich im Pfarrhaus aufzuhalten. Die Verhandlung wurde auf den 5. Juni vertagt, da der zu dem Termin geladene Pfarrer Schenk nicht erschienen war. enb. Berlin, 3. Juni.(Eig. Meldung.) Das Landgericht Potsdam hat heute vormittag den vom Verteidiger des verurteilten Amtsvorstehers Frenzel gestellten Haftentlassungsantrag abgelehnt. Thomas Sekretär für die Dominions wtb. London, 3. Juni.(Tel.) Das Mitglied des Kabinett MacDonald, Thomas, dessen Arbeitslosenpolitik so scharfe Kritiken hervorgerufen hat, erhielt das neugeschaffene Sekretariat für die Dominions. MacDonald teilte bei den ironischen Bemerkungen der Opposition im Unterhaus mit, Thomas nehme diesen Posten an. Er fügte hinzu, daß diese Maßnahmen eine neue Organisation zur Behandlung der Arbeitslosenfrage nach sich ziehen werde. Neue Vergarbeiterentlassungen im Westen wtb. Dortmund, 3. Juni.(Tel.) Die Gelsenkirchener Gruben der Vereinigten Stahlwerke haben Entlassungsanzeigen für insgesamt 1050 Arbeiter erstattet, die auf den Zechen Nordstern, Pluto, Rhein=Elbe, Alma, Holland 1 und 2, Holland 3, 4 und 6, Bonifazius und Zollverein 4 und 5 beschäftigt sind. Ferner will dieselbe Gesellschaft auf der Zeche Viktoria=Matthias 100 Arbeiter zur Entlassung bringen. Auf der Zeche Friedrich der Große sollen 201 Mann zur Entlassung kommen. Die Anzeigefrist läuft bis Ende Juni d. I. Ueber die Entlassungsabsicht der Zeche Dorstfeld, die 1052 Arbeitern gekündigt hat, fanden heute vormittag Verhandlungen vor dem Oberbergamt Dortmund statt. Die Entlassungen werden ab Mitte Juni gruppenweise vorgenommen werden und zum Abschluß kommen, wenn die Wirtschaftslage sich im Laufe der Zeit nicht bessern sollte. Großfeuer im Städtischen Elektrizitätswerk Krefeld wtb. Krefeld=Uerdingen, 3. Juni. Gegen 12 Uhr nachts brach im Städtischen Elektrizitätswerk Krefeld in einem Schuppen ein Feuer aus, das sehr schnell bedrohliche Formen annahm. Ein in der Nähe befindlicher Gasbehälter stand zuerst in großer Gefahr. Sämtliche drei Löschzüge der hiesigen Feuerwehr waren an der Brandstelle. Zerstört wurden die Dachkonstruktion sowie der Inhalt des Lagers, das durch Holzunterschläge in verschiedene Teile geteilt war. Das darin befindliche Material bestand zum größten Teil aus Gasuhren, Glasglocken und Kopfhauben für Laternen. Weiter ist ein erheblicher Bestand an Packmaterial verbrannt. Auch das Dach eines angrenzenden Lagergebäudes ist durch den Brand stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Im Schatten des Schicksals“ wtb. Berlin, 4. Juni.(Tel.) Um den Jugendpreis deutscher Erzähler, der dem Verbandes deutscher Erzähler von der Deutschen Buchgemeinschaft, Berlin, alljährlich in Höhe von 10000 RM gestiftet und der im Einvernehmen mit dem preußischen Kultusministerium erteilt wird, haben sich für das letzte Ausschreiben 150 Schriftsteller unter dem 40. Lebensjahr beworben. Das Preisgericht, bestehend aus den Herren Hanns Martin Elster, Georg Engel, Oskar Loerke, Julius Petersen, Jakob Schaffner, Hermann Stehr, Wilhelm Waetzold hat den Preis an Anton Gabde in Koblenz=Oberwerth für seinen Roman„Im Schatten des Schicksals" erteilt. Massenmörder und Brandstifter enb. Berlin, 3. Juni.(Eigene Meldung.) Die Vernehmungen Kürtens fördern, wie das Acht=Uhr=Abendblatt aus Düsseldorf meldet, immer neue Verbrechen zutage. Außer 20 Morden, Ueberfällen und Vergewaltigungen hat der Unhold bisher 20 Brandstiftungen gestanden. Er hat nicht nur in Papendell, wo er gemordet und die Leiche seines Opfers vergraben hat, eine Scheune angezündet, sondern, wie er jetzt angibt, wahllos Strohschober, Erntewagen und Scheunen in Brand gesteckt. Niemals ist er hierbei gesehen worden oder auch nur in Verdacht gekommen. Jetzt gibt er all diese Verbrechen zu, und, wie bei den Morden und Ueberfällen, sollen die Ermittlungen seine Angaben bestätigen. Dreifacher Mord und Vrandstiftung wtb. Paris, 4. Juni.(Funkspruch.) In einer Ortschaft zwischen Arras und Doulois ist gestern früh ein grausiges Verbrechen begangen worden. Ein Briefträger, seine Frau und sein Töchterchen wurden ermordet und in halbverkohltem Zustand aufgefunden. Das Wohnhaus der Ermordeten war in Brand gesteckt worden. Es scheint sich um einen Raubmord zu handeln. Hoher belgischer Finanzbeamter verhaftet wtb. Brüssel, 4. Juni.(Funkspruch.) Wie die Blätter melden, wurde ein hoher Beamter des Finanzministeriums, der im Reparationsreferat beschäftigt war, unter dem Verdacht der Bestechung durch ausländische Organisationen verhaftet. Die Untersuchung wird in einem Nachbarlande geführt. Gasexplosion auf Kaliwerk Volkenroda Drei Personen vermißt. wtb. Volkenroda, 3. Juni. Aus noch nicht aufgeklärter Ursache ereignete sich auf dem Kaliwerk Volkenroda in dem Abbaugelände zwischen der achten und zehnten Vorrichtungsstrecke auf der 1000=Metersohle eine Gasexplosion. Während alle Bergleute sich retten konnten, wurden drei Beamte, die sich auf einem Revisionsgange befanden, vermißt. Es sind dies Bergassessor Loew, Betriebsführer Stein und Chemiker Sander. Ueber ihr Verbleiben konnten die Rettungskolonnen, welche mit Sauerstoffapparaten vordrangen, bisher noch keine Klarheit schaffen. Die Rettungsarbeiten werden fortgesetzt. Keine Betriebsstörung. wtb. Berlin, 3. Juni. Entgegen Meldungen in verschiedenen Morgenzeitungen wird zu dem Grubenunglück auf Volkenroda ergänzend mitgeteilt, daß alle drei Schächte und sämtliche Grubenbaue mit Ausnahme weniger Friste in unmittelbarer Nähe des Explosionsherdes völlig unversehrt geblieben seien. Auch die Tätigkeit des Werkes erleide keine Unterbrechung, da der Betrieb ohnehin wegen des der Belegschaft zustehenden rechtmäßigen Lohnurlaubs auf 14 Tage seit gestern stillgelegen habe. Nah und Fern Unglücksfall beim Reinigen der Dienstpistole. wp. Krefeld, 3. Juni. Heute morgen nahm in der Polizeiunterkunft ein Polizeiwachtmeister seine Pistole zum Reinigen auseinander. Dabei übersah er, daß noch eine scharfe Patrone im Laufe war. Durch einen unglücklichen Zufall entlud sich die Waffe und verletzte den Beamten durch einen Schuß in den Unterleib lebensgefährlich. Statt Freudenschuß— Todesschuß. wp. Gelsenkirchen, 3. Juni. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich im benachbarten Altscheinbeck. Der Landwirt Brüggemann wollte aus Anlaß einer bevorstehenden Hochzeit die traditionellen Freudenschüsse abgeben. Er hatte gerade im Wohnzimmer ein Gewehr aus dem Schrank genommen, als sich ein Schuß löste und durch die geöffnete Zimmertür in die Küche drang. Die 23jährige Tochter, die in der Küche zu tun hatte, wurde von der Kugel getroffen und sank tot zu Boden. Schwere Unwetter an der oberen Mosel. wp. Trier, 3. Juni. In der oberen Moselgegend entlud sich ein schweres Unwetter, das von Wolkenbrüchen und Hagelschlag begleitet war. Straßen wurden überschwemmt, und in den Weinbergen und an elektrischen Anlagen sind große Schäden angerichtet worden. Die Telephonleitung nach Cahren wurde zerstört. Postautos erlitten erhebliche Verspätungen. Eigenartiger Selbstmord. wp. Mainz, 3. Juni. Infolge geistiger Depression, verursacht durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, nahm ein hiesiger gut angesehener Handwerker Arsenik, um aus dem Leben zu scheiden. Er setzte sich dann auf ein Fahrrad und fuhr nach dem Friedhof zum Grabe seines einzigen Sohnes, um dort zu sterben. Das Gift wirkte auch so, daß der Lebensmüde über dem Grabe tot zusammenbrach. Der Kommissar des Fascio aus Nizza ausgewiesen. wtb. Paris, 3. Juni. Wie dem Petit Parisien aus Nizza berichtet wird, habe der Kommissat des Fascio in Nizza, Denotari, vom französischen Innenministerium die Aufforderung erhalten, das französische Gebiet innerhalb von acht Tagen zu verlassen, weil er zwei Italienerinnen aus Nizza zur Teilnahme an dem Festzug der italienischen Provinzen anläßlich der Heirat des Prinzen von Piemont als Nizzer kostumiert nach Rom gesandt hatte. Die Schiffskatastrophe auf dem MagdalenenStrom. wtb. Newyork, 3. Juni.(Tel.) Wie Associated Preß aus Bogota meldet, sind bisher 40 Leichen der Passagiere und Besatzungsmitglieder des nach einer Kesselexplosion auf dem Magdalenen=Strom gesunkenen Passagier= dampfers„Gonaga“ geborgen worden, darunter die Leiche des Kapitans. 35 Mitglieder der Mannschaft wurden gerettet, von denen 11 schwere Brandwunden erlitten haben. Der Dampfer sank fast unmittelbar nach der Explosion. Schweres Einsturzunglück in einem Auswandererheim in Genua wtb Genua, 3. Juni.(Tel.) In den gestrigen Abendstunden ereignete sich in einem dreistöckigen Auswandererheim ein schwerer Deckeninsturz. Als die Feuerwehr herbeieilte, um die Stützungsarbeiten vorzunehmen, stürzte der ganze mittlere Teil bis zum zweiten Stockwerk ein und begrub zahlreiche Personen. Die Rettungsarbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden und mußten dann wegen einer weiteren Einsturzgefahr eingestellt werden. Geborgen wurden bisher ein Toter, fünf Schwerund 15 leichter Verletzte. Die umliegenden Häuser wurden auf Anordnung der Behörden geräumt. Funkmeldungen Die Aenderung der Arbeitslosenversicherung. wtb Berlin, 4. Juni.(Funkspruch.) Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zunächst sehr eingehend mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Das Kabinett billigte grundsätzlich die vom Reichsarbeitsminister vorgeschlagenen Aenderungen, deren definitive redaktionelle Festlegung am kommenden Donnerstag erfolgen soll. Hoover gegen Verschleppung der Flottendebatte. wtb Washington, 4. Juni.(Funkspruch.) Präsident Hoover hat es— so meldet Reuter— abgelehnt, den Vorschlag auf Vertagung der Senatsdebatte über den Londoner Pakt auf Dezember in Betracht zu ziehen, und hat den Führern des Senats mitgeteilt, daß er sogleich nach der Vertagung des Kongresses eine außerordentliche Tagung zur Erörterung des Flottenvertrages einberufen werde. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Verkehrsunfälle. In den Abendstunden des Montag, etwa gegen 20,10 Uhr, ging die Ehefrau N. aus der Hüttemannstraße mit ihrem 4jährigen Sohn auf der Rathenauallee spazieren. Die Mutter hatte eben den Fahrdamm überquert, während das Kind noch etwas zurückgeblieben war. Aus der Ardeystraße bog plötzlich der Personenkraftwagen IX 38487 in die rechte Fahrbahn der Rathenauallee ein, und zwar in dem Augenblick, als das Kind sich auf der Fahrbahn befand. Es wurde zu Fall gebracht. Der Kraftwagen ging dem Jungen über den linken Arm, ohne ihn zu verletzen. Mit leichteren Hautabschürfungen kam das Kind davon. Die Mutter konnte mit ihm ohne ärztliche Hilfe nach Hause gehen.— Auf der gefährlichen Evinger Straße spielte der 6jährige Bernhard St. vor dem Hause Nr. 268. Von dem daherkommenden Personenkraftwagen IX 64 486 aus Uelzen bei Hannover wurde der Junge angefahren und an Kopf und Beinen erheblich verletzt. Der Kraftwagenführer nahm sich des verletzten Kindes an und brachte es ins Krankenhaus. Die Schuld an dem Unfall soll den Jungen selbst treffen. — Schnelle Selbstjustiz. Gestern vormittag wurde bei einer Firma am Schwanenwall eine von einem Schreinermeister gelieferte komplette Büroeinrichtung abgeladen. Gleichzeitig erschienen in einem anderen Lastauto mehrere Arbeiter und nahmen im Auftrage ihres Herrn, der ein Gläubiger des Möbelempfängers war, die teils eben im Büro aufgestellte, teils noch vor dem Hause stehenden Möbel binnen einiger Minuten dem Angestellten der Firma, der in Abwesenheit des Chefs die Lieferung annehmen sollte, sozusagen vor der Nase weg, luden sie auf und fuhren davon. Protestieren nützte nichts; der junge Mann wurde von mehreren Leuten festgehalten, sogar geschlagen. Der hinzukommende Polizeibeamte erklärte, nicht einschreiten zu können; der angeblich Geschädigte solle das Gericht in Anspruch nehmen. a Holzwickede. Kündigungen.— Feierschichten. Auf der Zeche Minister Achenbach wurde den auswärtigen Bergleuten gekündigt, wovon auch eine größere Anzahl hiesiger Bergleute betroffen wurde. Die Folge ist, daß das Zechenauto nach Achenbach und anderen Zechen nicht mehr fährt. Wie verlautet, soll die Tatsache, daß in erster Linie auswärtige Bergleute entlassen worden sind, mit der Abführung der Lohnsummensteuer im Zusammenhang stehen.— Die Zeche Karoline begnügte sich in der vergangenen Woche mit einer Feierschicht. Hier wurde ebenfalls 49 Mann die Kündigung ausgesprochen. h Gevelsberg. Der Bürgermeister verzichtet auf einen Teilseines Gehalts. Wie wir erfahren, hat Bürgermeister Rappold von hier auf einen großen Teil seines Gehaltes zugunsten der Wohlfahrtspflege verzichtet. Ferner hat der Bürgermeister äußerst scharfe Sparmaßnahmen angeordnet, zahlreiche Angestellte entlassen, die Gehälter einer Reihe von Beamten abgebaut, die Instandsetzung von Schulhöfen hinausgeschoben usw. Der entschiedene Sparsamkeitswille geht daraus hervor, daß er jetzt auch plant, das Realgymnasium und das Lyzeum abzubauen. Er soll wegen der letzteren Maßnahmen bereits mit der Regierung in Unterhandlungen getreten sein. Die Beamten, die von dem Gehaltsabbau des Bürgermeisters betrossen wurden, werden wahrscheinlich im Prozeßwege gegen die Maßnahmen des Bürgermeisters angehen. aHalver. Taube gegen Motorradfahrer. Auf der Strecke Radevormwald— Halver, beim Wirtshause, flog eine Taube vom Hausdach direkt gegen einen Motorradfahrer. Sie taumelte zurück, während der Motorradfahrer die Herrschaft über sein Rad verlor und nur mit Anstrengung einen Sturz in den Straßengraben verhütete. Dieses dürfte wohl ein sehr seltenes Vorkommnis sein, da in den meisten Fällen Tauben nicht so niedrig an Menschen vorbeifliegen und auch recht geschickt ausweichen. o Halver. Uebereifer im Spiel. Ein Verkehrsunfall trug sich an der Carlshöhe zu. Ein hiesiger Schüler wollte einen Ball wiederholen, de vom Sportplatz auf die Straße flog, als gerade ein Personenkraftwagen aus der Richtung Halver vorbeifuhr. Trotz der Zurufe der Spieler vom Platze und der Signale, die der Wagenführer gab, sprang der Junge dem Ball nach und wurde vom linken Kotflügel des Autos gefaßt und zu Boden geschleudert. Der Wagenführer hatte den Wagen noch so stark gebremst, daß derselbe quer zur Straße stand. Der Junge hatte eine Kopfverletzung davongetragen, er erholte sich aber recht bald wieder von seiner Betäubung. o Kierspe. Hühner im Möbelwagen erstickt. Eine Geflügelfarm wollte ein Herr aus Wesel auf dem Terrain des Gutes Büchen, das er zu diesem Zwecke gepachtet hatte, errichten. Der Pächter traf am Samstag abend hier ein, und brachte seine Hühner im Möbelwagen mit. Beim Oeffnen des Wagens stellte sich nun heraus, daß etwa 170 Tiere tot waren. Der Tod war durch Erstickung eingetreten. Turnen, Spiel, Sport Handball 1. M. Gevelsberg— 1. M. DJK. Schwerte 4:2. Am Sonntag trug Schwerte gegen Gevelsberg das fällige Rückspiel aus. Schwerte trat nur mit 9 Mann und ohne ihren bewährten Torwart an. Auf diesen Grund ist auch die Niederlage zurück zu führen. Das Resultat ist dem Spielverlauf entsprechend etwas zu hoch ausgefallen. 2. M. DJK. Schwerte— 2. M. Oventrop 2:0 Die 2. Mannschaft konnte auch ihr zweites Spiel siegreich für sich gestalten Es wurden auf beiden Seiten gute Chancen ausgelassen. Schwerte zeigte ein einheitliches Spiel und konnte verdient gewinnen. 1. Jgd. DJK. Schwerte— 1. Jgd. Ev. Verein ig. Männer 2:3. 2. Jgd. DJK. Schwerte— 2. Jgd. Ev. Verein ig. Männer 0:2. 1. Knabenmannschaft D3K. Schwerte— 1. Knabenmannschaft Holzen 1:0. Turnen Turn= und Sportverein e. V., Villigst. Mit recht gutem Erfolg konnte der Turn= und Sportverein e. V., Villigst, Mitglied der Deutschen Turnerschaft, von dem in Leckingsen stattgefundenen Bezirksturnfest heimkehren. Es errangen folgende Turner einen Preis: Sechskampf f. Aeltere: Otto Kruse 11. Kranz mit 86 Punkten. Zwölskampf 2. Gruppe: Paul Danschewitz 15. Kranz mit 169 Punkten. Zehnkampf für Jugend(12—13): Wilh. Heinecke 12. Kranz mit 147 Punkten; Karl Peukmann 14. Kranz mit 144 Punkten. Zehnkampf für Jugend(14—15): Heinrich Theiß 15. Kranz mit 148 Punkten. Siebenkampf für Schüler: Otto Arndt 28. Kranz mit 101 Punkten; Heinrich Kruse 38. Kranz mit 91 Punkten. Deutsche Turnerschaft 4. Westfalenstaffel (Hohensyburg—Herdecke.) Sieger der A=Klasse: Tv. Eintracht, Dortmund; B=Klasse: Tv. Deutsche Eiche, Kückelhausen; C=Klasse: Evgl. Gesellenverein, Bochum; F=Klasse: V. f. L. Hagen; D=Klasse(Jugend): Tv. Eintracht, Dortmund; E=Klasse(Jugend): Jahn, Heven; G=Klasse(Knaben): V. f. L. Hagen. Bei schönstem Wetter fand am Sonntag der vierte Westfalen=Staffellauf Hohensyburg—Her= decke statt. Die starke Besetzung in allen Klassen brachte bis zum Ziel sehr spannende Kämpfe. Das Hauptinteresse lag bei der A=Klasse. Sie hatte die längste Strecke und zwar vom KaiserWilhelm=Denkmal auf der Hohensyburg bis zum Bismarck=Denkmal in Herdecke, 7,6 Kilometer, zu durchlaufen. Gleich im Anfang setzte sich die 1. Mannschaft von Tv. Eintracht Dortmund an die Spitze und hielt die Führung bis zum Ziel, wo sie etwa 100 Meter Vorsprung hatte. Die anderen Mannschaften lieferten sich auf der langen Strecke sehr wechselvolle Kämpfe. 1. Tv. Eintracht Dortmund 18:20,2; 2. Hagen 1860 18:33,2; 3. Turngemeinde Witten 18:38,4; 4. PfL. Hagen 18:47,3; 5. T. u. Sp. V. Vorhalle 18:52,3. In der B.=Klasse konnte der vorjährige Sieger Deutsche Eiche, Kückelhausen sich wiederum behaupten. Sie durchliefen die Strecke Wittbräucke(Wirtschaft zur schönen Aussicht) bis Herdecke(5,8 Kilometer) in 14,42 Minuten. 2. Haspe 09 14:17,6; 3. Jahn Menden 14: 24,4; 4. Tus. Herdecke 14:34,9; 5. Tv. Eintracht Wehringhausen; 6. Tus. Eilpe; 7. Tv. Teutonia Westhofen; 8. Tv. Altenhagen 1874; 9. Tv. Hohenlimburg=Oege. C=Klasse(3,3 Kilometer): 1. Evgl. Gesellenverein Bochum 7:51,4; 2. Realgymnasium=Tv. Iserlohn 7:54,4; 3. Tv. Germania Eilpe 7:60,5. F=Klasse: Diese Staffel war für ältere Turner über 32 Jahre. Nachdem VfL. als erster durchs Ziel lief, folgte Haspe 09 und Brustweite zurück Westhofen und dann Herdecke. Nur durch einen unglücklichen Zufall blieb der sichere Sieg der Westhofener Mannschaft aus. D=Klasse(Jugend): 1. Tv. Eintracht Dortmund, 2. Hagen 1860, 3. Haspe 1860. Die Jugend von Tv. Teutonia Westhofen konnte von 16 Mannschaften den 8. Platz belegen. Der Staffellauf wurde durch einen schönen Stillauf aller Läufer eingeleitet, der von der Volksschule bis zum Bismarck=Denkmal führte und der den zahlreichen Zuschauern ein prächtiges Bild jugendlicher Schönheit und Krast gab. Der Abtransport der über 1000 Menschen auf den Laufstrecken vollzog sich programmäßig. Die jedesmaligen Sieger wurden nicht nur von ihren Vereinsgenossen, sondern auch von der nach Tausenden zählenden Zuschauermenge begeistert begrüßt. Eine erhebende Siegerfeier bildete den würdigen Abschluß der vierten Westfalenstaffel Hohensyburg—Herdecke. A. W. hören wir im Rundfunk? Donnerstag, den 5. Juni 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Wettervorhersage. 07,05: Morgenkonzert(Schallplatten). 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Pyrmont. 10,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 11,20: Schulfunk. 12,10: Mechanische Musik. 12,50: Wetterbericht. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. 15,50: Aus dem Leben der Volksschule. 16,10: Die Welt im Buch. 16,30: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Berufsschulen. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Theateroriginale. 18.50: Vom Tage. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Spanisch. 19,40: Der Westdeutschen Wirtschaftsraum. 20,00: Abendmusik. 21,00:„Götterdämmerung“(3). Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Konzert auf dem Cafe Wien am Ring. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolstik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Zur Neugestaltung der Schützenfeste Dieser Aussatz wird uns vom Westf. Heimatbund zur Verfügung gestellt. Bezieht sich ein Teil der Ausführungen auch auf das kurkölnische Sauerland, ein in sich kulturell geschlossenes Gebiet, so dürsten die wertvollen Grundgedanken, gerade jetzt, wo für die Schützenfeste gerüstet wird, überall da Beachtung finden, wo man auf die Gesundung unserer Volksfeste Wert legt. Die Schriftleitg. Rund 25000 Schützenbrüder des kurkölnischen Sauerlandes haben sich im vergangenen Jahre auf Anregung des Sauerländer Heimatbundes zusammengeschlossen, um Seite an Seite mit diesem im„Sauerländischen Schützenbunde“ für die Güter der Heimat im„westfälischen Tyrol", im Sauerlande, jeder Schütze ein Andreas Hofer im Kleinen, zu arbeiten, die Schützenfeste von allem Morschen, Wertlosen und Schadhaften zu befreien und zu vorbildlichen Volksfesten auszugestalten. Nur ein vorläufiges Ziel ist dieser Zusammenschluß. Der Schützenbund ist erst die Plattform, auf der gesammelt ist, was Heimatkultur schützen und schaffen und Schützenfeste zu heimatlichen Volksfesten machen will. Mancherlei Anfragen aus anderen westfälischen Landesteilen zeigen das Interesse für die Vorgänge im sauerländischen Schützenwesen, weshalb hier darüber berichtet sei. Die Satzungen des sauerländischen Schützenbundes sagen im 1. Punkt:„Der sauerländische Schützenbund will die Zusammenfassung aller Schützenbruderschaften, Schützengesellschaften und Schützenvereine sein, die auf dem Boden dieser Satzungen stehen. Die in ihm zusammengeschlossenen Vereine fühlen sich als wichtige Glieder des sauerländischen Volkslebens wegen der Zweckbestimmung bei ihrer Gründung, ihrer geschichtlichen Vergangenheit und ihrer zahlenmäßigen Stärke und ihres gesellschaftlichen Aufbaues, weil sie Mitglieder aller Stände in ihren Reihen vereinen. Sie fühlen sich vor Gott und der Kirche, vor dem Vaterlande und der Heimat mit verantwortlich für einen gesunden und heimattreuen Geist und für edle, aus diesem Geist geborene Formen des sauerländischen Volkslebens. Die Vereine des Sauerländischen Schützenbundes stellen daher als ihre Ziele auf: 1. Schutz und Pflege der Werte der sauerländischen Heimat, der langschaftlichen Schönheiten, der plattdeutschen Sprache, der sauerländischen Sitten und Gebräuche, des Volksliedes, des heimatlichen Volkstanzes und Volksspieles; „ 2. Förderung der Liebe zur Heimat bei allen Schützen und damit Stärkung echter Vaterlandsliebe; ., 3.Abwehr alles Fremden, das dem heimatlich Guten widerspricht: Unterstützung des Neuen, das sich den Werten der Heimat organisch an: „## Pflege der Eintracht und des Bürgersinner, des Geistes der Karitas, Erstreben einer wahren Volksgemeinschaft des Sauerlandes als Glied einer deutschen Volksgemeinschaft; 5. Pflege und Ausbau der überlieferten Anlehnung an die Kirche, nach Möglichkeit im Sinne der Erzbruderschaft rheinisch=westfäl, Schützengesellschaften vom hl. Sebastianus; 6. Stützung der Staatsautorität durch Verfassungstreue; 7. Beratung und Betreuung der angeschlossenen Vereine zur Ausgestaltung und Veredelung der Schützenfeste zu vorbildlichen Volksfesten, die den Schützen und Festbesuchern nach Monaten der Berufsarbeit wohltuende Erholung und Freude in edlen Formen vermitteln und auch die Feste anderer Vereine in gutem Sinne beeinflussen sollen; 8. Entschiedener Kampf gegen alle Auswüchse der Schützenfeste, Aufstellen gemeinsamer Richtlinien hierfür; 9. Pflege des Schießsportes: 10. Wirtschaftliche Unterstützung der angeschlossenen Vereine durch Abschluß einer Haftpflichtversicherung, Beratung bei Steuerangelegenheiten und beim Bau von Festhallen, gemeinsamen Bezug von Waffen, Uniformen, Festschmuck usw.“ Vielleicht erscheint es auffallend, wie sehr die Heimatliebe und die Pflege der Heimatkultur in den Vordergrund geschoben ist. Aber hat nicht Heimatliebe schon an der Wiege der Schützengesellschaften Pate gestanden? Gleichviel ob die Gründung zur Verteidigung äußerer Heimatgüter, wie Jagd= und Wasserrechte erfolgte, ob das Streben, den Bruderschaftsgedanken der Pfarrgemeinde zu verkörpern, eine Schützenbruderschaft entstehen ließ, ob der gemeinsame Wille zum Fahnenschmuck des Gotteshauses und der Prozessionen eine Fahnengesellschaft brachte oder der Verein sich zur würdigen Feier des Tages der Neueinweihung der in bitteren Kriegszeiten geschändeten Kirche, des Kirmestages, bildete?— Heimatliebe hat die waffenfähige Mannschaft den Schützengesellschaften zugeführt. Heimatliebe ist der Inhalt der Schützengesellschaften in Jahrhundert gewesen. Heute dagegen könnte wohl einer auf den Gedanken kommen, Schützenvereine seien nur dazu da, die Leute an einigen Tagen des Jahres zum Tanzen und Trinken zu bringen und die Festhalle zu unterhalten. Aber ist denn überhaupt ein Fest, das nur aus Tanzen und Trinken besteht, ein rechtes Fest? Wie nebensächlich wurden vielfach zwischen Tanzen und Trinken, was oft genug zu einer Huldigung an Bachus und Venus wird, die übrigen Punkte: Vogel= und Scheibenschießen, Festzug. Festrede, Schützenmesse, Parade, behandelt! Die Blüte eines Schützenvereins aber kann doch nicht in der langen Ausdehnung des Festes bestehen oder in der Zahl der veranstalteten Bälle, doch auch wohl nicht in der Fülle der verzehrten Hektoliter, sondern nur in dem guten Geist, der seine Mitglieder beseelt, sie zu rechten Schützen macht und sich in allen Teilen des Festes wiederspiegelt. Schütze sein soll nicht heißen Tänzer oder Trinker zu sein, sondern Schützer sein, Schützer der Heimat und ihrer Werte. Diese Auffassung muß der Inhalt sein der neben dem Bruderschaftsgedanken unseren Schützengesellschaften Daseinsrecht und Daseinsnotwendigkeit gibt. Die äußere Wehrhaftigkeit zum Schutze der Feldmarken und Jagdrechte hat ihren Sinn dank der staatlichen Ordnung verloren; eine Militärschule brauchen sie uns auch nicht mehr zu sein. Aber die geistige Wehrhaftigkeit gegenüber all dem, was die Werte der Heimat bedroht, muß um so stärker hervortreten. Schützenvereine sollen Schützenvereine der Heimat sein! Der Zusammenschluß der mannbaren Glieder eines Ortes soll der Ausdruck des Willens sein, in Einheit das Erbe der Väter zu schützen gegen alles Heimatfremde und Heimatfeindliche, der Schützenfestzug sei ein imponierendes Zeichen des Willens zum Kampf gegen alle Feinde der Heimat und zur Pflege und Bereicherung der Heimatgüter. Der Jungschütze soll es bei seiner Aufnahme einsehen und hören, daß er mit dem Schützenband eine heilige treue Pflicht übernimmt gegenüber seiner Heimat, daß er nunmehr als Schütze seiner Heimat den Dank abzustatten hat für ihre Gaben an sein Jugendreich. Wenn Frauen und Mädchen die Parade der Schützen in ihren überlieferten Trachten sehen, soll ihnen klar werden: die fordern auch von uns westfälische Art, heimatlichen Sinn, heimischen Tanz, anständige Kleidun.— Die Kinder sollen sich an Festtagen nicht des betrunkenen Vaters schämen müssen, sondern in Ehrfurcht zu ihm aufschauen als zu dem, der ihnen Heim und Heimat unversehr erhalten will. Und was als Pöbel von irgendwoher kommt, um sich auf Kosten der Gemütlichkeit unserer Feste, der Unverdorbenheit unserer Jugend und der Reinheit unserer Mädchen auszuleben, soll von den blanken Stirnen und den entschlossenen Augen der Schützen lesen können, daß auf ihrem Feste für Fremde nur Platz ist, wenn sie sich als Gäste führen, die auf den Heimatsinn der Gemeinde gebührende Rücksicht zu nehmen gewillt sind. Mag es auch schwer sein, jedem Schützen das Bewußtsein des Heimatschützlertums klar ins Herz zu hämmern, noch schwerer vielleicht, in unserer gleichmacherischen. veramerikanisierten Welt, der Heimat nicht bloß mit Worten, sondern in seiner ganzen Lebensführung treu zu sein:„Es donnern die Höhen, es zittert der Stea, nicht grauet dem Schützen auf schwindlichtem Weg.“ Wenn die Schützenvereine unserer westfälischen Heimatprovinz in dieser Art ihre Form mit Geist füllen, dann wird den Schützen das Festbier gewiß nicht weniger gut munden, jedenfalls werden sie es dann besser verdient haben, und dann wird man es nicht als rücksichtslose Zumutung empfinden, daß am Schützenfest die Begeisterung für die Heimatarbeit und Heimattreue durch eine Rede neu entzündet werden soll; dann werden sich Volkstänze in der Halle ebenso dazugehörig ansehen wie Salontänze; dann wird man auch für die Kinder Zeit und Mühe übrig haben und ihnen ein— vielleicht plattdeutsches — Kasperletheater bieten: dann wird man statt der gröhlenden Gassenhauer auch einmal ein seines westfälisches Volkslied, vielleicht gar ein Schützenlied, singen; dann wird man in allem Jubel und Trubel auch einmal 5 Minuten ganz still sein können zum Gedenken der Toten, die in Feindesland als Schützer der großen Heimat, des Vaterlandes, fielen: dann wird man auch von selber fühlen, daß alles Unanständige— und sei es selber mit Gewalt— fernzuhalten ist. Dann muß das ganze Fest sich in einer Art bewegen, die eben alles Unanständige, Maßlose, Verführende, Zotenhafte unmöglich macht; dann muß der Krämer wissen, daß dieses Fest gerade von den schärfsten Gegnern seiner unanständigen Waren oder Darbietungen veranstaltet ist; dann muß am Schützenfesttage der Ausgewanderte seine Heimat wieder so sehen, wie er in der Fremde sich das Wiedersehen in seinen besten Stunden ersehnt hat. Und mit heiligem Stolze muß dann ein Schützenvorstand immer weiter unverdrossen an der rechten Hebung des Festes arbeiten, um es jedem, der es sehen will, zeigen zu können:„Sehet, so heimattreu ist unser Ort, so einwandfrei und erhebend ist unser Fest, so nüchtern und doch so fröhlich sind unsere Jun gens, so gut und rein unsere Mädchen!" Gewiß, es geht nicht mit einem Schlage, daß niemand, auch der strengste Pfarrer nicht, an unseren Schützenfesten etwas auszusetzen hat und daß sich nicht mehr, wie es jetzt mancherorts ist, die Besten von den Schützen zurückziehen, sondern die Schlechtesten. Und leicht ist es auch nicht. Eher könnte man glauben, daß es den einzelnen Vereinen ganz unmöglich sei. Selbst der„Sauerländische Schützenbund“ (Bundesoberst Gottfried Beule, Förde=Grevenbrück, Kr. Olpe), dessen Kreisabteilung Olpe nun bereits 8 Jahre in geschildertem Sinne an der Arbeit ist, kann bis jetzt kaum Feste ausweisen, die in allem mustergültig sind. Er wird in diesem Sommer versuchen, seine Erfahrungen zur Neugestaltung der Schützenfeste zu bereichern und seine Vorschläge in praktischer Anwendung auf Brauchbarkeit und Wirksamkeit hin zu prüfen, um dann im kommenden Winter eingehende Richtlinien für die Festgestaltung herauszugeben. Jedenfalls können die westfälischen Schützengesellschaften, als Heimatschützer zu einem idealen heimatlichen Wollen geeint, für echte Heimatkultur und rechten Gemeinschaftssinn, für reine Freude und Geselligkeit von größter Bedeutung sein, besonders auf dem Lande. Für den, der uns hier der Uebertreibung bezichtigt, stellen wir vor unsere kleine Person die Persönlichkeit des Papstes Pius XI. Sein Wort an die Vertreter der rheinischen Schützengesellschaften:„Es ist notwendig, Schützen, aber gute Schützen zu haben,“ gilt auch für Westfalen. Ihre Verlobung geben bekannt Magdalene Externbrink Fritz Römer Schwerte(Ruhr), den 4. Juni 1930 Klusenweg 65 2188 Aloiorradtr Bequeme Teilzahlung. 5. Achienbagen Hagenerstr. 17. anschens enr. Ehepaar leeres Zimmer(mit Keller) Gell. Angebote unter E. E. an die Geschäftsstelle d. Zeit. erbeten. Ihre Vermählung zeigen an Rudolf Scherff und Frau Margarete geb. Kohlmann Schwerte, 4. Juni 1930 2185 Freischütz Jeden Mittwach KONZERT Abends Tanz Eintritt frei Pfingsten: Plaschke Sieht Dein Schuh nicht gut mehr aus, Sind durchlöchert seine Sohlen, Bring ihn Brutkuhl schnell ins Haus, „Wie neu“ kannst Du zurück ihn holen. Einheitspreise, genäht, geklebt oder gepinnt. Schu So Lei Fritz Brutkuhl Schuhmachermeister. Gegenüber vom alten Rathaus. Harrom. Sohlen Nk. 2.80 Herren- Absätze„ 1.20 Damen-Kcsz.: 5.95 Schuhfärben in allen Modefarben R.-M. 1.50 441 Zur Leitung einer kleinen Mähmaschiben-Fildle tüchtiger, eingeführter VERTRETER sofort gesucht. Nur Leute mit gutem Verkaufstalent wollen vertrauliche Angeb. senden unt. Nr. 2187 an d. Gesch. ds. Zig. Um vor Stoffe Regentecken und Einlaufen zu schützen empfiehlt sich zum Dekatieren Färberei Galluschke Vergessen Sie bitte nicht Inre Antenne Zu erden so erinnert der Ansager die Rundfunkhörer.——— Wir sagen: Vergessen Sie bitte nicht PPAT Wäscherei Hüsingstr. 5 Gegr. 1873 s Zum einlegen in Schränke und Schubladen empfehle Tischinbieum, Grall, Conn Spezialhaus für Tapeten, Glas u. Farben Carl Trog zu bestellen. Nur wenn Sie heute noch bestellen, können Sie damit rechnen, ab Freitag prompt beliefert zu werden. Bestellungen bei dem Boten und in der Geschäftsstelle. Bis heute erwarb sich hör mit mir“ ca. 100 Abonnenten Diese Zahl beweist die Preiswürdigkeit und Beliebtheit der Funkzeitschrift wir uns im Hochsommer in der Sonnenglut am Strande erholen, dann ist unsere Kleidung bie auf das Notwendigste eingeschränkt, denn erstens wollen wir schnell ausgekleidet sein, um durch ein Seebad Abkühlung zu suchen, und zweitens macht uns die Hite nur wenig leichte Kleidung enräglich. Oeshalb tn auch die moderne Strandkleidung in erster Linie=wechentsprechend und die Mode entsaltet dabei, um recht viel Abwechslung zu schaffen, sehr originelle Ideen. In hellen Farben und modernen Mustern sellt man aus Trovistselde, Indauhrenstossen, Leinen und Waschsamt Strandcomplets zusammen mit langen oder kurgen Beinkleidern, leicht umknöpfbaren Röckchen und praktischen Jacken verschiedenster Form. Schpimmrikot wird bein Somnenbad durch ein apartes Aberkleid oder eine halblange Jacke verhüllt. Moderne Kleidung für Sonne, Strand und Sport Ein hübsches Beispiel für ein Giranbermnien geigen wir mit teren Rande mit einer Vordüre verziert ist, die man in Stoffmalerei oder Stickerei ausführen kann. Erforderlich 90 cm Stof, 100 em breit. Beyer=Schnitt für 3 Jahre zu 70 Pfg. erhältlich. Beyer=Abplättmuster Nr. 050186sI zu 20 Pfg. Das Muster am Kinderkleid NR 43333 wird in Schablonenmalerei ausgeführt. Erforderlich 80 cm Stoff, 100 cm breit. Beyer=Schnitt für 6 Jahre zu 70 Pfg., Originalschablone 242/V zu 70 Pfg. oder Beyer=Abplättmuster Nr. 050242/1 zu 20 Pfg. erhältlich. u Wo keine Verkaufestelle am Ort, beziehe man alle Schnitte u. Muster durch den Beyer=Verlag, Leipzig, Weststraße 72 K• SerLLCK Oeper=Schuite EE. Sucn Sacers EC Beyer=Schaitt E LCETS Geger-Schell A Beter eche SaAeTS Dayer=Schalt GW 24683, das aus weißer und fardig gestreifter Kunstseide zusammengestellt ist. Eine Formblende aus dem gestreiften Jachenstoff garniert die ärmellose Schoßbluse. Erforderlich 3.60 m einfarbiger, 2.20 m gestreister Stoff, se 90 am breit. Bener=Schnitte für 92 und 104 cm Oberweite zu je 1 Mark. Ein weiß wollener Schwimmtrikot GW 24613 mit farbigen Randblenden und breitem Gürtel wird durch eine Armellose Jacke aus gleichem Matertal ergänzt. Erforderlich 2,50 m weißer, 40 cm farbiger Stoff, je 140 cm breit. Beyer=Schnitte 98, 96 und 104 em Oberweite zu je 1 Mark. KK v33S1 Der praktische Anzug für den Wassersport K 24652 besteht aus Beinkleid mit Bluse aus weitzem Wolltrikot und einem seitlich offenen Faltenrochk, dessen Hüftpasse mit Knöpfen schließt, und wird durch eine Armellose Sportsacke B 24653 aus blauem Lindener Samt ergünzt. Erforderlich 1.30 m Wolltrikot, 140 am brett, 3.25 m RochKof, 100 am breit, 1.50 m. Samt, 70 cm breit, 40 cm Garniturstosf zur Jache, 90 cm breit. Beyer=Schnitte für 92, 100 und 104 cm Oberweite zu K 24652 zu 1 Mark, zn B 24603 zu 20 Pfennig. Unser Modell GW 24611 zeigt sein Aberkleid aus blauer Fortaseide, das durch eine Applikation in zwei helleren Tönen apart garniert ist. Darunter trägt man den Schwimmtrikot. Ersorderlich 2 m Kleiderstoff, 30 cm heller, 15 em dunkler Garniturstoff, se 100 cm breit, 35 cm Trikot, 140 cm breit. Beyer=Schnitte für 92 und 100 cm Oberwette zu je 1 Mllard. S Beger=Schnitt Für den Sport schreibt die Mode den Trainingsanzug GW 24690 aus bunkeiblauem Wolltrikot vor. Das lange Beinkleid mit glatter Hüftpasse wird der Armellosen Bluse aufgeknöpft. Erforderlich 1.85 m Stoff, 140 cm breit. Beger=Schnitte für #. 96 und 100 cm Oberwelte zu je 1 Mllarh. Sehr kleidsam ist der elegante Strandanzug GW 24679 aus harierter Seide. Die Hüftpasse des Beinkleides is seitlich geknöpft. Dazu Armellose Bluse aus weißer Waschselde. Erforderlich 4 m karierter, 1.30 m einfardiger Stoff, je 100 am brett. BeyerSchnitte für 38, 96, 100 em Oberweite zu se 1 Mark. 4030242 mK 93333 Beger=Schnitt Ein niedlicher Spielanzug am Strande ist der Russenkittel KK 43331, der am umSever-Schnitte sind zu haben in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerte. Bahnhotstr. 3 Nr. 129 Im Kams die Verbraue ausschlaggebe ten ihren K dem Einkauf Gemeinschaft Verminderun deut hohem Maße aller Art, die ader durch d könnten. Di zeugnisse ges standenem P samkeit, nicht und Großtue einen Hang Mangel an trägt viel zu bei. Er mu und überall Verminderun senssache ein dermann mu helfen. 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Wenn alle Volksschichten ihren Konsum richtig orientieren und bei dem Einkauf ihres Bedarfs von entschlossenem Gemeinschaftswillen ausgehen, kann vieles zur Verminderung der Arbeitslosigkeit geschehen. Das deutsche Volk verbraucht gegenwärtig in hohem Maße noch Lebensmittel und Fabrikate aller Art, die vom Auslande bezogen, ebensogut .der durch deutsche Arbeiter hergestellt werden könnten. Die Bevorzugung ausländischer Erzeugnisse geschieht größtenteils aus falsch verstandenem Profitinteresse, viel aus Unbedachtsamkeit, nicht selten aus einer gewissen Eitelkeit und Großtnerei. Der Deutsche hat nun einmal einen Hang zum Fernen, Fremden. Dieser Mangel an nationalem Verantwortungsgefühl trägt viel zur Verschärsung der Arbeitslosigkeit bei. Er muß daher bekämpft werden immer und überall wo er auftritt. Die Sorge um die Verminderung der Arbeitslosigkeit muß Gewissenssache eines jeden Deutschen werden. Jedermann muß mithelfen, jedermann kann mithelfen. Ausgangspunkt und Motiv unseres Handelns muß sein: Deutsche, kauft deutsche Erzeugnisse! Wer Auslandsware kauft, macht deutsche Arbeiter beschäftigungslos, schädigt sich selbst und die Volksgesamtheit. Wer deutsche Waren kauft, ist immer im Vorteil, selbst wenn der Einkauf von Auslandsware auf den ersten Blick profitabler erscheint. Wer deutschen Volksgenossen Arbeit gibt, macht aus Unterstützungsind Wohlfahrtsempfängern Steuerzahler. Er entlastet sich selbst, da er Arbeitslosenversicherung und Wohlfahrtsetats entlastet. Er fördert die moralischen Qualitäten unseres Volkes, wenn er die demoralisierenden Wirkungen des Nichtstuns aufhebt. Unendlich viele Kräfte aus dem Volke sind berufen, erfolgreich an der Erziehung der Verbraucher, an der Stärkung des Gemeinschaftswillens und der Verbesserung der Käufermoral mitzuarbeiten. Der Grundsatz ist unansechtbar, der ausspricht: Der Verbraucher bestimmt wesentlich den Gang der Wirtschaft. Unsere Hausfrauen können im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit enorm viel helfen. Die rund 15 Millionen Einzelhaushaltungen innerhalb unseres Volkes bedeuten da alles. Die Haussrau ist es, die Lebensmittel, Schuhe, Bekleider egenstände einkauft. Wenn wir uns im nieder gegenwärtig halten, daß Deutschland im Jahre 1929 noch eine Ausfuhr hatte an Vutter im Werte von 457,7, Käse von 106,2, Eier von 280,1, Gemüse von 142,8, Obst von 211,9, Kunstseide von 97,3 und Schuhen von 43,8 Millionen Reichsmark, dann wird uns klar, wie vielen deutschen Arbeitern Arbeit und Brot vorenthalten wird dadurch, daß wir in diesem ungeheuren Maße Auslandsware kaufen. Aber nicht nur die Hausfrau und der Haushalt des kleinen Mannes können mithelfen, vor allem auch das große Heer der Verbraucher industrieller und gewerblicher Erzeugnisse. Die Einfuhr industrieller und gewerblicher Erzeugnisse halbfertiger und fertiger Waren ist so groß und erschwert die Lage des deutschen Arbeitsmarktes so stark, daß das Problem der Einfuhrgestaltung unbedingt ausgerollt werden muß. Für die Belebung und Stärkung unserer Wirtschaft müssen alle Mittel herangezogen werden. Wir dürfen zwar nicht daran denken, uns zu isolieren. Deutschland ist stärkstens mit der Weltwirtschaft verstrickt. Wir wollen uns aus der wirtschaftlichen Verbundenheit mit der übrigen Welt nicht lösen, aber alle Welt, zumal die, die große und schwere Reparationsleistungen von uns verlangt, müßte uns zubilligen, daß wir die Pflicht haben, wirtschaftlich so zu erstarken, daß wir übernommene Verpflichtungen tatsächlich auch erfüllen können. Es wäre auch falsch, unseren Konsum an jenen ausländischen Erzeugnissen einzuschränken, die für lebenswichtig und kulturfördernd sind und die wir im Inlande nicht haben können. Die beste Orientierung wird uns zuteil, wenn wir uns die Warengattungen der Einfuhr und ihren Wert vorstellen. Deutschland hatte im Jahre 1929 ein Gesamt, einfuhr im Werte von 13,4 Milliarden Reichsmark. Daran waren beteiligt die landwirtschaftlichen Produkte in einem Werte von 5,3 Milliarden, industrielle und gewerbliche Produkte im Werte von 7,3 Milliarden und Genußmittel und Kolonialwaren im Werte von 770 Millionen Reichsmark. Im besonderen führten wir ein: Rohstoffe und halbfertige Waren landwirtschaftlicher Erzeugung, wie Wolle, Flachs, Hanf, Jute, Felle, Pelzwerk, Tierfett, Därme, Hopfen, Rohtabak, Oelfrüchte u. a. m. im Werte von 2,9 Milliarden Reichsmark. Rohstoffe und halbfertige Waren, industrieller und gewerblicher Erzeugnisse, wie Baumwolle, Rohseide, Futtermittel, Bau= und Nutzholz, Kautschuk, Gummi, Guttapercha, Eisenerze, Kupsererze, Zinkerze, Kupfer, Blei, Zink, Zinn, Aluminium usw. im Werte von 3,3 Milliarden Reichsmark. Die Einfuhr fertiger Waren hatte 1929 einen Wert von rund 2,2 Milliarden Reichsmark. Die Erkenntnisse, die aus der Außenhandelsbezw. Einfuhrstatistik zu gewinnen sind, liegen noch lange nicht auf einer einheitlichen Linie. Die Idee:„Weckt die Selbsthilfe des Volkes, pflegt den Gemeinschaftswillen, diszipliniert den Verbrauch, um der Arbeitslosigkeit Herr zu werden, verschleudert durch den Verbrauch ausländischer Erzeugnisse nicht unnütz deutsches Volksvermögen und deutsche Arbeitskraft.“ wird noch lange in allen Kreisen ohne weiteres als richtig anerkannt. Einwände gibt es auch hier. Gewiß, jedes Ding hat zwei Seiten. Da sagt man:„Der Güteraustausch von Land zu Land ist gesund, und— das Ausland nimmt doch auch unsere deutschen Erzeugnisse in hohem Maße ab; der Wert unserer Ausfuhr entspricht doch wieder dem Werte der Einfuhr". Richtig, jedoch auch hier gibt es Besonderheiten. Es ist da noch lange nicht alles, wie es sein sollte. Es gibt doch auch Länder, die große Warenmengen nach Deutschland einführen, ohne entsprechende deutsche Gegenwerteauf zunehmen. Beispielsweise führte im Jahre 1929 Kanada nach Deutschland Waren im Werte von 302 Millionen Reichsmark ein, während die deutsche Ausfuhr nach Kanada nur einen Wert von 85 Millionen Reichsmark hatte. Die Vereinigten Staaten von Anerika(USA.) führten nach Deutschland ein für 1788 Millionen Reichsmark sie nahmen aber nur deutsche Erzeugnisse ab im Werte von 991 Millionen Reichsmark. Nach Argentinien betrug die deutsche Ausfuhr nur 371 Millionen, während Argentinien nach Deutschland für 748 Millionen Reichsmark lieferte. Die deutsche Ausfuhr nach Australien hatte einen Wert von 85 Millionen Reichsmark, Australien lieferte uns Waren im Werte von 313 Millionen Reichsmark. Von Britisch=Indien bezogen wir für 624 Millionen, während dieses Land uns nur für 230 Millionen Reichsmark abnahm. Selbst China lieferte uns für 371 Millionen, während wir nach China nur um 185 Millionen Reichsmark ausführten. Es liegt auf der Hand, daß neben den Verbrauchern namentlich auch der Handel außerordentlich vieles tun kann in der Hinanhaltung ausländischer Waren, die Konsumvereine nicht zuletzt. Es ist doch eine schwere Anklage, wenn festgestellt werden muß, daß z. B. die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine von einem wöchentlichen Bedarf von 3000 Zentnern Butter 2700 Zentner aus dem Auslande bezieht. Die Anklage richtet sich sicherlich nicht minder auch gegen die unzulängliche Buttererzeugung in Deutschland. Allein, wenn die deutsche Erzeugung in Qualität Fortschritte macht und im Preise dem Auslande die Wage hält, muß mehr geschehen, um den Absatz deutscher Butter zu Wenn ein Verkauf auf andere Weise oder burch andere einen besseren Erlös oder die Ersparung von Unkosten verspricht, so sollen die Beteiligten rechtzeitig hierauf hingewiesen werden. Im einzelnen Falle sollen einzelne geeignete Personen oder Berufskreise auf die Versteigerung aufmerksam gemacht werden, u. U. auch die amtlichen Berufsvertretung gehört werden. Auch die öffentliche Bekanntmachung ist den Umständen anzupassen. Rauch, kein Rußt, Zeine Schlocken Roman von Pankraz Schuk Ein Frühlingsnachmittag stand über dem Park des Sanatoriums. Durch das zarte Gitterwerk, das das junge Laub der Baumkronen in die Azurbläue des Himmels wob, fielen Sonnenstrahlen in reicher Fülle und drängten sich durch ein hohes Bogenfenster in eine knallweiß getünchte Krankenstube, darinnen ein Gewirr von goldenen Linien und leuchtenden Bändern gegen die Wände und die Decke werfend. Alles in dem Raume schimmerte in einer peinlichen Reinheit. Ja, selbst der junge Mann, der, halb aufgerichtet, die Kissen im Rücken gestellt, im Bett saß, versank schier in der blendenden Reine des Bettzeuges, über das die Sonnenkringeln tanzten und wirrten. Fritz Grössing hatte in einem Buch gelesen; nun lag es zur Seite und seine schmalen Hände ruhten auf der Bettdecke, während seine Blicke dem unermüdlichen Spiel der schimmernden Linien und Bänder folgten. Hin und wieder griff seine Hand behutsam nach der schwarzen Binde, die sich breit um seine Stirn wand und eine schmerzhafte Wunde verbarg. Schwester!“ Lautlos huschte die junge Wärterin an das Bett des Kranken. „Haben Sie einen Wunsch, Herr Doktor?“ =Schieben Sie, bitte, den Vorhang vom Fenster ganz zurück. Es tut einem wahrhaftig wohl, dem jungen Frühling in das Gesicht zu schauen.“ Die Wärterin tat, wie der Wunsch des jungen Mannes war, den sie schon seit zehn Tagen Breit und voll strömte das matte Sonnengold durch die glatten Fensterscheiben und erfüllte die Stube mit einer freudigen Helle. „Nun wollen wir sehen, ob unser Patient auch heute fieberfrei ist,“ meinte die Wärterin und entnahm einem Blechetui das schmale Fieberthermometer. „Wir wollen es hoffen, obwohl mich die Kopfwunde heute etwas mehr schmerzt als gestern,“ wandte Fritz Grössing ein. Das junge Wesen im sauberen Waschkleide steckte dem Kranken das Thermometer in die Achselhöhle. „Ja, wir wollen es hoffen. Hat arg genug ausgeschaut, die Wunde, mit der man Sie, Herr Doktor, hierhergebracht hat.“ „Ich weiß nur, daß sie sehr schmerzhaft war.“ „Der Herr Sanitätsrat war ganz entsetzt, als er den Notverband abgewickelt hat, den Ihnen der Arzt der Rettungskolonne umgegeben. Armer Kerl, hat er gemeint. Nicht wahr, Herr Doktor, der Herr Sanitätsrat ist ein Verwandter von Ihnen?“ „Ein Verwandter zwar nicht, aber ein guter Freund meines verstorbenen Vaters von der Jugend auf. Apropos, er kommt wohl heute noch?“ „Selbstverständlich wird er nachschauen, wie es Ihnen geht.“ Sie zog den Fiebermesser aus der Achselhöhle des Kranken.„36,7“ las sie ab,„also heute wieder fieberfrei.“ Sie schrieb das Resultat der Messung an eine Tafel, die zu Häupten Grössings an der Wand hing.„Die Wunde nimmt einen normalen Heilungsverlauf, Herr Doktor. In zwei Wochen können Sie unser Haus geheilt verlassen.“ Ueber die Lippen des jungen Mannes ging ein dünnes Lächeln. Es belustigte ihn augenscheinlich, die Wärterin sprechen zu hören, als ob sie weiß Gott welche medizinischen Kenntnisse besäßze und nicht wüßte, daß er selbst Arzt sei und Schlüsse auf eine rasche Heilung der Wunde durch die gestrige und heutige Fieberfreiheit ziehen könne. „Ich werde mich freuen, wenn ich dieses Haus recht bald wieder verlassen darf. Als Kranker nämlich,“ fügte er rasch bei, als er den verwunderten Ernst merkte, der ob seiner Worte über das Gesicht der Wärterin ging.„Ich war hier, das möchte ich ganz besonders festgestellt haben, in jeder Hinsicht gut aufgehoben, aber lieber ist es mir schon, ich behandle Patienten, als daß ich selbst Patient bin.“ „Ja“, meinte die Wärterin, wie sich jäh auf etwas besinnend,„da hätte ich bald vergessen". Und sie eilte aus der Stube in den Vorraum und kam nach einer Weile mit einem Strauß blühender Rosen zurück.„Das hat eine Dame abgegeben, die hier war, als Sie schliefen, Herr Doktor.“ „Eine Dame?“ fragte Grössing verwundert. „Und ihr Name?“ „Einen Namen hat sie nicht genannt, aber eine Karte zwischen die Blumen gelegt, als ich ihr sagte, daß Sie schlafen und niemand zu Ihnen dürfe. Hier“, und sie legte ihm die Rosen auf die Bettdecke. Grössing schien sich für den Namen der Spenderin mehr zu interessieren als für die Blumen selbst: Er nahm das Kärtchen aus dem Innern des Straußes und sein Blick ging hastig darüber. „Else Weiter kam er nicht. Verächtlich schleuderte er die Blumen von sich, zerknüllte die Karte und warf sie ihnen nach. „Aber, Herr Doktor! So schöne Blumen!“ Und die Wärterin suchte die duftigen Dinger, die sich im Fortwerfen gelöst hatten und zerstreut auf dem Boden herumlagen, wieder zusammen.„Was können denn die Blumen dafür, wenn vielleicht ihre Spenderin.. „Wenn die Blumen Ihnen eine Freude bereiten, so mögen Sie ste behalten". unterbrach sie Grössing und seine Stimme verriet nicht im mindeste: die Erregung, die in seinem Innern toühlen mochte. „Tanke; ich werde sie in mein Zimmer bringen und bin gleich wieder da, Herr Dokter.“ Doktor Grössing war allein. Er streifte die blühweiße Bettdecke zurecht, lehnte sich in die gesteilten Kissen wieder zurück und schloß die Augen. Und wie er so dalag, die stillen Hände vor sich auf der Decke, die Lippen leise umkrampft, die Augenlider zuckend und das Gesicht etwas blässer als vordem, gingen seine Gedanken in den Abend hinein, an dem sich das zugetragen, was ihn zum Schluß in dieses Haus gebracht und auf das Lager geworfen hatte. Es waren fürwahr keine freudigen Gedanken, die durch seine Seele gingen und sie beschwerten. Und die Bilder, die er dabei sah, waren schon gar nicht dazu angetan, ein wenig Helle in sein durch die Krankheit ohnedem umdüstertes Gemüt zu bringen. Im Gegenteil: Ueber diesen Gedanken und Bildern kam ein tiefer Ekel über ihn und riß eine heiße Scham in ihm wach. Daß er sich auch soweit vergessen konnte! Wes ging ihn das Frauenzimmer eigentlich an, von dem er, obwohl er schon seit einigen Wochen mit ihm bekannt war, nichts, rein gar nichts weiter wußte, als daß es Else Kollin hieß? Und das Ende? Daß ihm der andere mit der Sektflasche eine so schwere Wunde an Kopfe beibrachte, daß er besinnungslos zusammenbrach und von der Rettungskolonne weggeführt werden mußte. „Nun, Fritz, wie geht es Dir heute?“ Die Worte rissen Fritz Grössing aus seinen Gedanken. Er schlug die Augen auf und sah dem Sanitätsrat in das gutmütige Gesicht. „Ich danke, Onkel“— Fritz Grössing nannte ihn so, obwohl er in keinem Verwandschaftsverhältnis zu ihm stand—„ich kann zufrieden sein.“ (Fortsetzung folgt.) MSSHMEN Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 3. Juni 1930. Das Hochdruckgebiet über Skandinavien besteht fort, während flache Tiefdruckgebiete über Süddeutschland, Frankreich und Spanien liegen. Ein neues kräftiges Tiefdruckgebiet ist bei Island herangezogen. In Deutschland war es heute früh im Nordosten heiter, sonst ziemlich trübe, aber meist trocken. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 11 und 17 Grad. Der Kahle Asten hatte schwachen Nordostwind, Regen und 11 Grad. Aussichten bis Donnerstag: Wolkig mit Regenschauern und im allgemeinen kühler. Hohes Alter. Am heutigen Tage vollendet die Ww. Heinr. Vennewald, Holzenerstraße 8, in körperlicher und geistiger Frische ihr 77. Lebensjahr. Frau V. ist langjährige Bezieherin der„Schwerter Zeitung" und liest diese täglich mit regem Interesse.— Zu ihrem Geburtstage unseren herzlichsten Glückwunsch. Schwerer Unfall auf dem Schwerter Bahnhof. Beim Einlaufen des Personenzuges von Dortmund am gestrigen Abend um 22,50 Uhr ereignete sich auf dem Bahnsteig 3 ein schwerer Unglücksfall. Der an der Bahn beschäftigte Josef Thiel, Westenstraße, fuhr mit einem Gepäckkarren den Bahnsteig entlang und geriet der einlausenden Maschine zu nahe. Die Lokomotive erfaßte den Gepäckwagen von hinten und schleuderte ihn gegen das Gelände des Treppenaufgangs, so daß dieses stark ausgebogen wurde. Hierbei wurde Thiel an den Beinen schwer verletzt, so daß er dem Krankenhause zugeführt werden mußte, wo ihm im Laufe der Nacht das rechte Bein abgenommen wurde. X Zusammenstoß. Von einem bösen Mißgeschick betroffen wurden gestern abend auf der Hohenzollernstraße zwei Radfahrer. Unweit der Besitzung Möller wollte der eine den anderen überholen, er verlor dabei die Gewalt über sein Stahlrößlein und im nächsten Augenblick lagen beide am Boden. Glücklicherweise ist der Unfall für beide Fahrer ohne ernstere Folgen geblieben; die beiden Räder mußten jedoch in Reparatur gegeben werden. Dem Krankenhause zugeführt wurde eine männliche Person, die in einer am gestrigen Abend stattgefundenen Schlägerei erheblich verletzt wurde. : Was die Polizei berichtet: In der Zeit vom 12. bis 25. Mai 1930 kamen zur Anzeige: 1 Fall wegen Körperverletzung; 1 Fall wegen Bedrohung; 1 Fall wegen Betrugs; 1 Fall wegen Diebstahls; 2 Fälle wegen groben Unsugs; 2 Fälle wegen Fahrraddiebstahls; 2 Fälle wegen Sachbeschädigung; 2 Fälle wegen Verbreitung von Falschgeld; 8 Fälle wegen Uebertretung der Polizeistunde. Polizeilich bestraft wurden: 1 Person wegen groben Unfugs; 1 Person wegen Unterlassung der Straßenreinigung; 1 Person wegen Abstellens eines unbeleuchteten Personenkraftwagens nach eingetretener Dunkelheit auf öffentlicher Straße; 1 Person wegen Nichtbeseitigung der bei der Feuerschau festgestellten Mängel; 2 Personen wegen Nichtan= bezw. Nichtabmeldung; 1 Person wegen Verdachts der Landstreicherei bezw. Bettelei wurde dem Richter vorgeführt. Verletzt wurden in hiesigen Betrieben 7 Personen, Kleiderstoff und Granatbrosche wurden als gefunden abgegeben. Obdachlos meldeten sich 28 Personen. X Aus der katholischen Gemeinde. In der letzten Sitzung des Kirchenvorstandes die in Westhofen abgehalten wurde, beschäftigte man sich eingehend mit dem schon so lange beabsichtigten Kirchenbau in Westhofen. Die vorgelegten Zeichnungen und Pläne wurden eingehend besprochen und ist das ganze Werk ein gutes Stück voran gekommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde dann noch eine aus sechs Mitgliedern bestehende Wohlfahrtskommission gewählt. Zum ersten Preußischen Feuerwehrtage in Münster in Westfalen. Für den in der Zeit vom 15. bis 18. August 1930 in Münster in Westfalen angesetzten 1. Preußischen Feuerwehrtag sind die Vorbereitungen hier im vollen Gange. Vor allen wird größter Wert darauf gelegt, daß die aus allen eilen Preußens, namentlich aber Westfalens, i großen Massen herbeikommenden Feuerwehr= eute gut untergebracht und bestens zu mäßigen Freisen verpflegt werden. Wir erfahren von uständiger Seite, daß für jeden ein Bett bereitjestellt wird, sei es in den Hotels oder in Gasthöfen der Stadt, sei es in Massenquartieren mit Betten oder in den zur Verfügung stehenden 4000 Privatquartieren.— Ferner ist geplant, an verschiedenen Stellen der Stadt große Zelte ufzuschlagen, damit die freiwilligen Feuervehrleute nicht auf die Bedienung in den Wirtchaften angewiesen sind, da auch mit einem großen Fremdenzustrom von Nichtfeuerwehrleuten gerechnet werden muß. Ferner ist mit den zuständigen Wirtekreisen vereinbart worden, die Verpflegung zu besonders mäßigen Preisen zu bewerkstelligen. ha. Patzmauern fallen. Der Sichtvermerkszwang ist gefallen im Verkehr mit Ungarn, Estland, Salvador und Tanganyika. Er fällt am 1. Juli mit Siam. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen ! Westhofen. Die Arbeiten am Bau des Ruhrwanderweges haben in letzter Zeit gute Fortschritte gemacht. Viele Erwerbslose werden dort beschäftigt. Die im Zuge des Weges nötigen Bodenaushebungen und Anschüttungen sind beendet. Erdbewegungsarbeiten größeren Umfanges konnten dadurch erspart werden, daß der Weg unweit Haus Husen über den Viadukt der früheren Straßenbahnlinie geführt wird. Auf der größten Strecke des Weges ist auch die Packlage bereits gesetzt. Bei weiterem guten Fortschritt der Arbeiten wird der Weg in einigen Wochen seiner Bestimmung als Wanderweg für Erholungssuchende übergeben werden können. ! Westhofen. Auch in diesem Jahre Hengsteysee=Regatta. Am Sonntag, den 15. Juni, veranstaltet der Rheinisch=Westfälische Regattaverband die zweite HengsteyseeRegatta. Bis jetzt sind 18 Rennen vorgesehen. Die vorjährige Regattaveranstaltung hatte aus der engeren und weiteren Umgebung einen sehr großen Besuch aufzuweisen. Der Verlauf der diesjährigen Regatta wird, nach den Vorbereitungen zu urteilen, der vorjährigen nichts nachstehen. Da sich die Wasserverhältnisse im oberen flachen Teile des Sees nicht als besonders günstig erwiesen haben, wird die Regatta diesmal im unteren tiefen Teile in der Nähe des Stauwehres ausgetragen. Die Rennstrecke, vom Start bis Ziel beträgt zwei Kilometer. ! Geisecke. Mutterberatungsstunde. Im Gemeindehause in Geisecke findet heute nachmittag 3 Uhr unter Leitung des Kreiskommunalarztes Dr. Marx eine Beratungsstunde für Mütter mit ihren Säuglingen statt. Amt Ergste Erste. Turnverein„Grüne Eiche“ Bürenbruch. In seinem Vereinsheim„Zur Jun. Stl „Ich habe eine Idee“ erzählt ihm jemand, und ganz naiv fragt Grock zurück:„Wo?“„Natürlich hier, im Kopf.“„Oh, tut das sehr weh?“ „Aber nein, eine Idee tut doch nicht weh!". Da kommt es, voller Staunen über die Wunder dieser Welt, sein berühmtes:„Nit mö—ö—öglich!“ Grock beherrscht ein Dutzend Instrumente meisterhaft. Doch das ist es nicht. Es gibt Clowns, die noch musikalischer, noch virtuoser sind. Er ist ein Excentrik von besonderer Vielseitigkeit— aber all das machen andere Artisten ebensogut. Das Geheimnis seiner Wirkung liegt tiefer: Wir sind es selbst, die dieser lächelnde Melancholiker verkörpert, mit all den Verrenkungen unseres Herzens und unserer Glieder, mit allem, was lächerlich und verwundbar an uns ist. Sein Bruder heißt Charlie Chaplin. Ob er wohl ahnt, aus welchen Quellen er schöpft? Ich glaube es kaum, dazu ist er zu sehr Artist.„Haben Sie gelacht, haben Sie gut gelacht?“ fragt er den Besucher. Und er hat Recht. Grock ist kein Philosoph, er ist ein Clown. Aber was für ein herrlicher Clown! Nicht daß wir wissen, wie wir sind, daß wir uns lachend erkennen dürfen, befreit. Und er sorgt schon dafür, daß wir aus dem Lachen nicht herauskommen. Crock verschmäht kein Mittel, auch das abgedroschenste nicht. Auch ihm springt der widerspenstige Fidelbogen ins Gesicht, auch er stolpert auf die Finger eigenen Füße, oder der Klavierdeckel fällt ihm krachend auf die Finger. Aber wie er dieses Mißgeschick, das Tausenden von Exzentriks vor ihm genau so widerfahren, aufnimmt! Wie naiv, wie wahrhaft kindlich verwundert ist er über diese Schlechtigkeit der Welt und aller Dinge in ihr. Nie tut er das Nächstliegende, um all das Unheil abzuwehren, das über ihn hereinbricht. Wenn der Klavierstuhl so weit vom Flügel entfernt steht, daß er auch mit der größten Anstrengung die Tasten nicht erreichen kann, schiebt er nicht etwa den Stuhl heran, nein, er krempelt die AAermel hoch und versucht mühsam, den schweren Flügel von der Stelle zu bringen. Wir lachen bis zu Tränen, aber wir könnten ebenso gut vor Rührung heulen, so erschütternd, so menschlich ist er. Es macht ihm nicht nur Freude, gut Violine spielen zu können, er will auch mit dem Bogen jonglieren. Aber es mißglückt ihm. Immer wieder fällt der Bogen auf die Erde. Da geht er hinter einen Paravent und übt. Und siehe da, es klappt herrlich, man sieht, wie er den Bogen durch die Luft wirbelt, wie er ihn auffängt. Vergnügt kommt er an die Rampe: jetzt muß es gelingen. Aber er ist wie verhext. Jetzt, da er zeigen soll, was er kann, rutscht ihm selbstverständlich alles aus den Fingern. Also noch einmal zurück hinter die spanische Wand. Und wieder geht es wundervoll. Jetzt resigniert er aber schon. Das ganze Ueben hat ja doch keinen Zweck. Mißmutig schlurft er in seinen riesigen Schuhen, die so selbständig Pier Ereu in err Westsatenhälte am 7., 3. und 3. Juni sind, daß sie ihr eigenes Leben führen, und nur noch mit Gewalt zur Raison gebracht werden können, nach vorn. Er ist ganz uninteressiert, er weiß ja, was kommen muß. Mißmutig fängt er zu jonglieren an— und diesmal glückt es wirklich. Er spielt schon weiter. Erst jetzt— plötzlich — fällt es ihm ein. Und ganz glücklich, wie ein Kind, streichelt er zur Belohnung den Fidelbogen. Wie Chaplin ist Grock Textdichter, Schauspieler und Regisseur in einem. Was er sagt, hat die verblüffende, unüberwindliche Logik des Kindes. Er kann es nicht begreifen, daß wir mit unserem ach so erwachsenen Verstand all das, was für ihn doch ganz selbstverständlich ist, so lächerlich finden.„Wa—a—a—a—rum?“ fragt er verwundert. Und wenn man es ihm erklärt, so schüttelt er still lächelnd den Kopf:„Nit mö—5—öglich!“ Er hat es doch nicht erfaßt: er denkt nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Und er hat das Herz eines Kindes. Was für ein großer Schauspieler ist dieser Clown! Ganz leise, ganz sparsam— denn er kommt auch ohne die Menschen des Exzentriks aus— deutet er mit einem leichten Herabziehen des Mundwinkels, mit einem Heben der Brauen an, was in ihm vorgeht. Sein Alltagsgewand ist überdimensional: ungeheure schlappende Hosen mit riesigen Taschen, Aermel, in denen man einen ganzen Zoo unterbringen könnte. Dann muß er sich umziehen, Konzerte kann man doch nur im Frack geben. Dieser Frack— nun, der ist einfach nicht zu beschreiben. Es ist nicht anders möglich, er kann ihn sich nur von einem Schlangenmenschen geliehen haben. Freudestrahlend erscheint er in seinem eleganten Aufzug. Doch nur zu schnell machen sich seine Mängel bemerkbar. Wo soll man nur mit den Händen hin? Die Aermel reichen kaum bis zum Ellenbogen, da kann man beim besten Willen keine Hand mehr verschwinden lassen, Taschen gibts nicht, auch nicht in der Hose, und wenn es welche gäbe, sie wären doch unbenutzbar, so eng liegt der Stoff an. Nun steht er da, hilflos lächelnd, man sieht, wie ihm das Weinen im Halse steckt, was soll er auch anfangen, alle Glieder seines Körpers sind ihm plötzlich fremde Gegenstände geworden. Man kann sie nirgends unterbringen, man kann nur noch mit einem Kopfsprung im brausenden Gelächter untertauchen. Und bei alle dem ist dieser törichte Weise ein Regisseur, vor dem sich ohne Spaß die meisten Bühnenleiter verstecken könnten. Jede Bewegung, jeder Effekt ist bis ins Letzte durchdacht und errechnet. Aber wir merken nichts davon, alles erfolgt ganz selbstverständlich, ganz unaufdringlich, fast unbeabsichtigt. Grock hat das Varieté in eine Sphäre gehoben, in der uns wieder bewußt wird, daß das Wort„Artist“ auch von„Ars“ stammen kann. Er ist in Wahrheit ein großer Künstler. B. Meisel. Kreuzschlenke“ hielt am letzten Samstag abend der Turnverein„Grüne Eiche" Bürenbruch 1896 (M. d. ADT.) eine außerordentliche Versammlung ab, die sich eines guten Besuches seitens der Mitglieder erfreuen konnte. Nach einleitenden Begrüßungsworten durch den 1. Vorsitzenden, Lehrer Eichert, wurde gleich in die Beratung der Tagesordnung eingetreten. Das Protokoll der letzten Versammlung fand ohne Widerspruch Genehmigung. Unter Punkt„Neuaufnahmen“ konnten dem Verein weitere 3 Turnfreunde zugeführt werden. Der 2. Vorsitzende, Fritz Keppmann, ergriff dann im weiteren Verlauf der Versammlung zunächst das Wort und erstattete als Vereinsdelegierter über eine kürzlich in Ergste stattgefundene Sitzung der Arbeitsgemeinschaft sporttreibender Vereine von Ergste eingehenden Bericht, welch letzterer in verschiedenen Punkten eine lebhafte Aussprache herbeiführte. Turnfreund Keppmann betonte, daß die Arbeitsgemeinschaft der sporttreibenden Vereine besonders interessiert sei für die in diesem Jahre in Bürenbruch in Aussicht genommene Sportplatzeinweihung und daß von der Arbeitsgemeinschaft bereits vorgesehen sei, die Einweihung des Sportplatzes evtl. mit Abhaltung von Schüler= und Jugendvereinswettkämpfen, Schauturnen der Ortsriege pp., zu verbinden. Die Versammlung war sich schlüssig darüber, daß gegen die Akzeptierung der von der Arbeitsgemeinschaft unterbreiteten Vorschläge nichts einzuwenden sei und alles aufgeboten werden soll, um die Fertigstellung des Sportplatzes zu beschleunigen. Eine vom Kreis III Ruhr=Mittelmark am 30. Mai 1930 in Hagen stattgefundene Kreistagung war von den Turnfreunden Heinrich Heine und Wilhelm Wiedenbruch besucht, die in ausführlicher Weise über den Verlauf der Versammlung berichteten. Ferner wurde bekanntgegeben, daß am 28. und 29. Juni ds. Is. in Schwerte das Bezirksfest stattfindet, und zwar habe der Turnverein„Jahn“ Schwerterheide hierzu bereits eingeladen. Einstimmig wurde der Beschluß gefaßt, daß der Verein an dieser Veranstaltung geschlossen teilnimmt. Verschiedene interne Angelegenheiten waren noch Gegenstand der Besprechungen und konnte hiernach der 1. Vorsitzende mit einem kräftigen„Gut Heil“ die in jeder Weise gut verlaufene und von echtem Turnergeist getragene Versammlung schließen. Wer tauscht eine S-X oimer Aogne 2186 gegen eine 5 Zimmerwohnung (evtl. auch geteilt) oder aber gegen 4 Räume Zu erfr. in der Gesch. Hausverkauf Beabsichtige, mein Haus in Westhofen, Niederstraße 28, sofort billig zu verkaufen od. zu vermieten. Wohnung wird am 1. Juli frei und kann sofort bezogen werden. Kassa=Käufer bevorzugt. Besichtigung an Ort und Stelle.— Off. unter Nr. 2171 a. d. Geschst. d. Ztg. GrasschnittVerkauf 4 Morgen la. Futterbau am Halm(eotl. in Heu gemacht), auch in Teilmengen abzugeben. Ad. Borggräfe, Westhofen i. Westf., Friedenstraße 12. Zwangsversteigerung Am Donnerstag, den 5. ds. Mts., 10 Uhr vormittags, werde ich in Holzen, Restaurant Schneider, 1 Faß Wagenfett, ferner um 11½ Uhr in Westhofen, Restaurant Fritzenkötter, Niederstraße, 1 Schreibtisch, 1 Sessel, 1 Büfettschrank und 1 Sofa öffentlich meistbietend gegen Barzahlung zwangsweise versteigern. 2190 Schwerte, d. 4. 6. 1930. Trausch, Obergerichtsvollzieher. u. Programme ia moderneter Ausfihrueg Buchdruckerei Carl Braus. Schwerte Ein gut rechnender Kaufmann— muß und wird inserieren! 2192 Drei Morgen Gras an der Dammstraße hat abzugeben Ostermann, Nordwall 2 Und das freut einem denn= a auch wenn die Fußböden, gestrichen mit aus dem Spezialgeschäft z101 zu Pfingsten sauber und glänzend sind „Die Sonne bringt es an den Als man in Smyrna den Schutthaufen eines vom Erdbeben verwüsteten Hauses wegräumte, fand man im Keller ein am Boden festgebundenes Skelett eines Menschen. Daneben entdeckte man einen Zettel, auf dem folgendes zu lesen war:„Ich bin der Kaufmann Ibrahim Sphahem, meine Familie wohnt in Konstantinopel. Auf der Rückkehr von Indien, im Besitze eines wertvollen Schatzes von Gold und Edelsteinen, bin ich durch meinen Diener Saidi Hassan in dieses Haus gelockt worden. Ohne mich befreien zu können, muß ich verhungern. Ich fühle mein Ende nahen. Gelobt sei Allah! 7. März 1878.“ 50 Jahre mußten vergehen, bis das Verbrechen durch einen Zufall entdeckt wurde. Vor einem halben Jahrhundert kaufte Saidi Hassan das betreffende Haus und zog nach ein paar Monaten wieder fort. In Konstantinopel ging er zur Gemahlin seines früheren Herrn und erzählte ihr, daß Ibrahim Sphahem in Persien von Räubern überfallen, ermordet und ausgeplündert worden sei. Es wäre ihm selbst unter großen Schwierigkeiten und unter eigener Lebensgefahr endlich gelungen, Konstantinopel zu erreichen. Nachdem die Frau des Ermordeten die schreckliche Nachricht über ihren Mann vernommen hatte, wurde sie krank und starb. Sie hinterließ ihr kleines Töchterchen, das Saidi Hassan, der verheiratet und einen kleinen Sohn hatte, bei sich aufnahm. So wuchsen die beiden Kinder heran, und als sie groß geworden, vermählten sie sich. Der Vater, Saidi Hassan, beging einige Jahre danach Selbstmord. Wahrscheinlich ließ ihn beim Anblick des glücklichen Paares das begangene Verbrechen keine Ruhe. Während des Krieges starb dann seine Frau. Als die Entdeckung des gräßlichen Leichenfundes in Smyrna mehr bekannt wurde, drang auch die Nachricht in alle Welt und auch nach Konstantinopel. So kam es, daß Saidis Sohn und dessen Frau davon hörten. Die schreckliche Tat, die der Vater des Mannes an dem Vater der jungen Frau begangen hatte, nahmen sie sich so zu Herzen, daß sie gemeinsam aus dem Leben schieden. Katharina Schratt kämpft um ihre Erinnerungen Viele Memoirenbücher sind in den letzten Jahren erschienen, unzählige Geheimnisse wurden enthüllt, Intimitäten preisgegeben, offen über Dinge gesprochen, über die unsere Großeltern flüsterten. Nur eine hat niemand vermocht, über ihr Leben zu erzählen, Katharina Schratt. Sie ist stumm geblieben, die verstehende Freundin Kaiser Franz Josephs, die Frau, die dem Monarchen Beraterin war und über die soviel geflüstert wurde, blieb gegen alle die hohen amerikanischen Angebote standhaft. Und jetzt führt sie einen erbitterten Kampf gegen eines der größten Blätter der Welt, führt einen Prozeß in Chikago, weil die Zeitung Artikel veröffentlichte, die von ihr stammen sollten. Und die sie nicht ease erze— Zurläkgezagen lebt sie in ihrer Bile, enzfängt niemand mehr. Und sie will sich auch nicht in die „atlichkeit zerren lassen, kämpft um ihre Erinnerungen. unser Bild zeigt Katharina Schratt in ihrer Glanzzeit. Am Finger trägt sie den Ring, den ihr die Kaiserin Elisabeth geschenkt hatte. Wochenfilm Dies und Die Posträuber von Triebel hatten sich vor dem Schöffengericht in Sorau zu verantworten. Nach langer Verhandlung wurde das Urteil gefällt. Es lautete für den Haupttäter Albert Schmidt wegen Straßenraubes auf 6 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Die anderen Angeklagten, darunter 5 Frauen, wurden zu Gefängnisstrafen von 2 Jahren, 6 Monaten bis herab zu 2 Wochen verurteilt. Einige erhielten sogar Bewährungsfrist. * „## Ein erschütterndes Blutbad spielte sich unlängst in dem kleinen Grenzdorfe Steenderen ab. Dort erschlug der 53 Jahre alte Mühlenbesitzer Becker seine Frau und Tochter und machte danach seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Der Grund zu dieser furchtbaren Tat sollen„wirtschaftliche Sorgen“ sein. Der seinerzeit in Haft genommene Landwirt Koppe aus Zwabitz bei Kahla hat nun endlich ein umfassendes GeständSchriftleitung: Bert Oehlmann, Berlin SW. 68, Alte Jakobstr. 24. nis abgelegt. Er gestand, seine Frau erwürgt zu haben und im Jahre 1917 seine frühere Wirtschafterin Antermann in die Saale gestoßen und im Jahre 1924 eine Scheune in Brand gesteckt zu haben. * Der 56 Jahre alte Rechtsanwalt und Notar Hartwig Neumond aus Berlin, Potsdamer Str. 134, beging Selbstmord, nachdem er durch große Spielverluste in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, aus denen er nicht aus noch ein wußte. * Der Erbschaftsprozeß Neumann gegen die Erben des ermordeten Professors Rosen geht weiter. Nachdem der Wirtschafterin 6300 Mark zugesprochen wurden, klagt sie nunmehr auf Auszahlung der gesamten Forderung von 20000 Mark. * Wohin oft Aberglauben führt, kann man aus folgender Meldung ersehen. In Reggio di Calabria hat ein Landarbeiter, der sich behext glaubte, seine Frau, deren Eltern und seine Schwester ermordet. Die 25jährige Frau Maria Herkt sand man in ihrer Wohnung in Tempelhof, Friedrich=Wilhelmstr. 64, tot auf. Schwager Weiske, dessen Firma in Konkurs ging, große Kredite gegeben. Es befinden sich ungefähr 100000 Mark wertlose Wechsel im Umlauf. Der Gesamtverlust der Girokasse Grimma wird auf 160000 Mark geschätzt. * Der 10 Jahre alte Schüler Czysolek aus der Lortzingstraße in Lichterfelde=West geriet unter die Räder eines Treckers, wobei er auf schreckliche Weise zerstümmelt wurde.“ * Die bekannten Verfehlungen des Rendanten Albrecht und des Gemeindevorstehers Steffen bei der Schöneicher Gemeindeverwaltung sollen schon elf Jahre zurückliegen. Die veruntreute Summe soll sich insgesamt auf 500000 Mark, belaufen. Die Preußische Landespfandbriefanstalt und die Mitteldeutsche Bodenkreditanstalt sind durch die Unterschlagungen am meisten geschädigt. * Der 45 Jahre alte Rentner Gustav Högener sprang in einem Anfall von Verfolgungswahn aus seiner im dritten Stockwerk des Hauses Arndtstraße 5 zu Berlin gelegenen Wohnung auf den Hof hinab und zog sich schwere Verletzungen zu, denen er bald erlag. Die Brandkatastrophe im Gefängnis zu Columbus 310 Tote Oben: Hilfsmannschaften bei der Bergung von einigen der 310 Gefangenen, die bei dem Brande im Staatsgefängnis zu Columbus(Ohio) am 21. April umkamen.— Unten: Der Flügel des Staatsgefängnisses in Columbus vor dem Brande. Ihr Mann, der Friseur Herkt, war spurlos verschwunden. Aus einigen Zetteln, die in der Wohnung umherlagen, geht hervor, daß gemeinsamer Selbstmord verübt wurde. Da aber der Mann nicht zu finden ist, nimmt die Kriminalpolizei an, daß er seine Frau getötet und dann die Flucht ergriffen hat. * Nach Unterschlagungen von siebenhundert Mark Kindergeldern ist der Unterwachtmeister Gätzschmann von der 6. Eskadron des Reiterregiments Nr. 4 in Potsdam geflüchtet. * Eine sensationelle Meineidsangelegenheit wurde von der Kriminalpolizei in Danzig aufgedeckt. Es sind bisher mehr als 30 Fälle von Falscheiden festgestellt. Bei der Verhaftung des Steuerinspektors und der Frau Fleischermeister Fillbrandt sammelte sich eine große Anzahl von Menschen an, so daß die Polizei einschreiten mußte. Im Prozeß Zeileis gegen den Berliner Universitätsprofessor Dr. Lazarus hat das Gericht den Verkündigungstermin auf den 2. Juni festgesetzt. * a Im Staatsgefängnis von Ohio in Columbus ereignen sich dauernd Revolten. Zur Bewachung bleibt die Nationalgarde dort. Kürzlich tötete ein Wärter aus Versehen zwei schlafende Gefangene. Zitate aus Gerichtssälen und Kriminalakten „Der Wagen mit dem gestohlenen Käse wurde zuerst von Herrn Petersen entdeckt. Derselbe ging noch am gleichen Tage in Fäulnis über und roch so penetrant, daß er von der städtischen Feuerwehr fortgebracht werden mußte.“ „Mein Freund Paul hat sich über den neuen Hut seiner Frau dermaßen geärgert, daß er ihn mit einem Hammer an die Wand nagelte. Dabei ist ihm rein zufällig das Dings aus der Hand gerutscht und seiner Frau ins Auge geflogen. Schlimm kann's aber nicht gewesen sein, denn an dem Hammer war so gut wie nichts zu sehen. * „Wenn K. behauptet, ich hätte ihm nach der Prügelei das Gebiß gestohlen, so ist das eine Lüge. Als ich von K. wegging, hatte er gar keine Zähne mehr!“ * „Det Weibstücke hat mir auf det Iröbste beleidigt. Konjak=Eule hat se mir genannt. So wat brauch ick mir von die alte Schnapsdrossel nich sagen lassen. mancher nicht Nach§ 66 B.G.B. kann das Dienstverhältnis, falls nicht durch Vertrag eine kürzere oder längere Kündigungsfrist vereinbart worden ist, von jedem Teile für den Schluß eines Kalendervierteljahres unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Wochen gekündigt werden. Wenn die Ehefrau von dem Ehebruch wußte und ihn stillschweigend duldete, hat sie ihrem Manne verziehen und kann den Ehebruch als Scheidungsgrund nicht mehr auswerten. Nach§ 172 des Reichsstrafgesetzbuches wird der Ehebruch, wenn wegen desselben die Ehe geschieden ist, an dem schuldigen Ehegatten sowie dessen Mitschuldigen mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Die Strafverfolgung tritt nur auf Antrag ein. * Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch erben bei gesetzlicher Erbfolge der überlebende Gatte ¼ und die Kinder 4 des Nachlasses des Verstorbenen. Zum Nachlaß gehört alles, was dem Verstorbenen zur Zeit seines Todes gehört hat. Durch Testament kann der Erblasser eine andere Verteilung des Erbes anordnen, jedoch behalten der überlebende Ehegatte(Ehegattin) als auch die Kinder den Anspruch auf den Pflichtteil. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteiles. Für den Ehegatten daher ein Achtel und für die Kinder drei Achtel. Ist nach dem Mietvertrage die Benutzung des Waschhauses vereinbart worden, hat der Vermieter nicht das Recht, einem Mieter jegliche Benutzung des Waschhauses zu untersagen. Bekommt die Witwe eines Schwerverletzten keine Rente aus der Gewerbeunfallversicherung, weil der Tod des Verletzten nicht Folge eines Unfalles war, so hat sie doch Anspruch auf eine einmalige Witwenbeihilfe(§ 595a der RVO.) in Höhe von zwei Fünftel des Jahresarbeitsverdienstes ihres verstorbenen Ehemannes. Ein Kassenbote der Regierungshauptkasse zu Düsseldorf wurde am Hofgartenweg von einem unbekannten Täter niedergeschlagen und beraubt. Es gelangten 8000 Mark in seine Hände, mit denen er in einem Auto entkam. Aus einer großen Fleischwarenhandlung zu Berlin in der Gontardstraße sind nachts mehrere Zentner Fleisch und Wurstwaren und etwa 1000 Mk. Bargeld gestohlen worden. * In Grimma wurde der Girokassenbeamte Oechsner wegen Kreditbetrügereien festgenommen. Er hat seinem Die Heilsarmee will ihre Tätigkeit auf die französische Strafkolonie Guiana ausdehnen. Zunächst soll auf der berühmten Teufelsinsel ein Gebäude errichtet werden. Hauptsächlich will sich die Heilsarmee den Sträflingen widmen, die sich nach Ablauf ihrer Zwangsarbeitsstrafe in der Kolonie dann frei bewegen dürfen. * Lotteriegewinne und andere Spielgewinne unterliegen auf Grund des Einkommensteuergesetzes vom 10. August 1925 nicht mehr der Einkommensteuer. Jedoch sind sie vermögenssteuerpflichtig, wenn sie noch am Stichtage vorhanden sind. Unser Leben gehört nicht uns Sorseh dr Marin keuchtwanger, kale Gate) 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Auf vergoldeter Staffelei prangte das Bild eines Herrn in Lebensgröße. Ein stattlicher, etwas kurzbeiniger Mann mit gepflegtem melierten Spitzbart, gutgeschnittenem großen Profil. Er stand vor einem Tisch, der mit einer persischen Decke belegt war. Die Haltung hatte etwas Selbstzufriedenes, wie es große Männer kleiner Städte haben. Aber gleichzeitig fiel ihr der widersprechende Gesichtsausdruck auf, ein nachdenklich trauriger Ausdruck, der sie sympathisch berührte. Es war kein Ritterstuhl, keine Palme in der Nähe und keine Ruine. Den Hintergrund. bildeten weiche Falten eines dunklen Tuchvorhanges, und die persische Decke war echt. Augenscheinlich ein Mann, der Geschmacklosigkeiten aus seiner Nähe verbannte. Das Bild wirkte hier, wie wenn ein Mensch neben Wachsfiguren tritt. Wer mochte das sein? Eine wichtige Persönlichkeit jedenfalls, ein sogenannter schöner Mann, das Glanzstück des Photographen. Sie sah in diese Augen, die klug und gütig blickten; aber es war etwas Bitteres in diesem Blick. Sie nickte dem Bilde zu, das sie nicht kannte.„Resigniert.“ So leicht gesprochen, aber die Geschichte eines Verzichtes, wie lang, wie bitter. Ihre Augen streiften das Schild:„Albius.“ Es fiel ihr die Tortenschachtel ein, die dicke Botenfrau, die sie begleitet hatte, und das„Denee“, der beschneite Landauer, die großen Gummischuhe des Herrn Söllner und der Meinerzag, der„sonst hinter dem Bahnhof hielt". Wie hübsch das war, eine Gesellschaft in einer kleinen Stadt, wenn es schneite und einer nach dem andern in das festlich erleuchtete Haus ging, wo einem der bekannte Lohndiener mit feierlichem Gesicht empfing, und der Bratenduft einem schon auf der Treppe entgegendrang. Sie hätte noch länger zugesehen, wie sich die„Gesellschaft“ entrollte, aber der Photograph kam, um den Laden zu schließen. Ein hagerer, bleicher Mann mit einem großen braunlockigen Polkakopf, wodurch sich Künstler in kleinen Städten vor dem Publikum auszeichnen. Der Laden rollte herab, und es wurde dunkel in der stillen Straße. Nur aus den zwei oberen Stockwerken strahlten die Fenster in Winternacht und Schneegestöber hinaus. Im ersten Stockwerk des„Schwan“ waren jetzt aber auch zwei Fenster erleuchtet. Johann wartete schon im Hausflur und geleitete die Fremde mit einem silbernen Armleuchter voll frischer Kerzen die Treppe hinauf durch einen endlos langen, eiskalten Gang in ein großes, behaglich erwärmtes Zimmer. Ein weißer Porzellanofen glühte neben dem altmodischen Himmelbett. Die weißen Dielen bedeckte ein grüner Teppich; grüne Plüschmöbel, ein goldener Spiegel, Waschtisch und Schrank vervollständigten die Einrichtung des Saales. Hinter den grünen verblichenen Ripsvorhängen des Himmelbettes schneeweiße Federkissen, ein aufgedecktes Bett, eine warme Federdecke. Die Kerzen brannten knisternd und geheimnisvoll. Draußen ging der Wind und sank der Schnee. Es überkam sie eine starke Müdigkeit; sie ließ sich in dem Sessel vor dem Ofen nieder. „Die letzten Tage“, sagte sie leise,„die sind es gewesen. Die Reise, die Kälte und die Aufregungen. Der Termin vor Gericht. Jetzt kommt der Rückschlag. Wenn ich hier krank werde?“ Sie sah sich angstvoll in dem niedrigen, großen Zimmer um.„Was dann?“ *„* Die Köchin hatte bei Frau Albius gekündigt. Sie schlug die Küchentür hinter sich ins Schloß und machte ihrem Zorn Luft. „Die Putzerei de ganze Dag im Haus, dees paßt mer nit mehr. Alles macht mr ihr nit recht. Söllnersch Luwis' wär schon um drei mit ihrer Kich fertig, saht se. Da han ich gesaht, dann soll se sich Söllnersch Luwis' nehme. Ich gehn am Erschte. Jetzt is sie so wietig wie der Deiwel. Der Herr hat zur vorige gesaht, wie sie gang is: Ihr han's gut, Marri, Ihr kinne gehn, awer ich muß bleiwe.“ Ein fröhliches Gelächter erhob sich in der Küche. Aber es wich eisigem Schweigen, denn die Küchentür ging mit einem Ruck weit auf und Frau Albius trat herein. Auch die dicke Köchin verstummte. „Was haben Sie soeben gesagt, Minna?“ sagte Frau Albius sehr ruhig, mit zitternden Händen an ihrer schwarzen Spitzentaille nestelnd. Sie waren alle still. Minna schob gleichmütig das Geschirr auf dem Tisch zusammen, der Servierlouis, ein kaltblütiger Grande, aß ruhig weiter, die Spülfrau streifte die Aermel auf und goß dampfend=heißes Wasser aus dem Messingkessel in die Spülbütten, das Zimmermädchen stand verlegen da und sah Minna an. „Was Sie gesagt haben, frage ich!“ wiederholte Frau Albius mit lauter Stimme. „Was der Herr gesagt hat“, antwortete die Köchin gelassen. Da ergriff eine Hand ihren Arm. „Packen Sie Ihre Sachen, und zwar sofort. Ich will Sie, wenn die Gäste kommen, nicht mehr im Hause haben!" Es war still in der warmen Küche. Leise tickte die Kuckucksuhr. Frau Albius öffnete die Tür zum Gange weit, um Minna hinauszulassen. Minnas Erwiderung verklang, eine Tür fiel ins Schloß, und Frau Albius ging in das Eßzimmer hinüber. Ihr Gatte, in tadellosem Abendanzug, war eben dabei, auf dem weißgedeckten Tisch, der mit Schalen roter Rosen verschwenderisch geschmückt war, einer Gesellschaft von zwölf Personen die Plätze zu belegen. „Meine Tischkarten sind äußerst originell“, sagte er und schob ihr eine der Karten hin, auf deren goldgerändertem Papier kleine Photographien seines Hauses sichtbar waren. „Ist der Sekt kaltgestellt? Wir müssen also zuerst geben: Malaga, dann Maximin=Grünhäuser...“ „Ich habe Minna hiaausgeworfen“, sagte Frau Albius und setzte sich auf einen der gepreßten Lederstühle. „Na, und...?“ fragte Albius entsetzt. „Es ging nicht anders. Ich kam in die Küche und hörte, wie sie von uns in höchst unehrerbietiger—“ „Herrgott des Himmels! Was geht es uns an, was ein Küchenmädel von dir und von mir spricht? Wer wird uns denn das Essen kochen? Sie ist hoffentlich fertig damit!? Das ist doch das Wichtigste.“ Er warf die Karten auf die gedeckte Tafel und riß seine Uhr aus der Tasche. „Ein Viertel nach sieben Uhr. Um halb acht Uhr kommen die Gäste, und wir sitzen wieder da und haben niemanden.“ „Ich konnte nicht anders", wiederholte Frau Albius bestimmt, aber verzweifelt, und sie begann zu weinen. „Jetzt bleibt nichts anderes übrig, als den Servierlouis in die Klappergasse zum Koch Baum zu jagen, daß er uns aushilft. Die Gäste werden schon auf der Treppe sein", sagte Albius ergrimmt, während sich seine Frau weinend erhob, um nach der Küche zu gehen. *„* Es stimmte mal wieder etwas nicht im Hause Albius! Amtsrichter Wehrmanns unterhielten sich mit Doktor Mauls darüber auf der Treppe. Die Haustür unten hatte weit offen gestanden, so daß der Wind den Schnee hereinwehte. Auf der Treppe war das Licht noch nicht angezündet; man hatte sich die gewundene, alte Treppe hinauftasten müssen, auf der die Stufen so glatt waren, daß Doktor Maul ausgerutscht war und sich in den Hausgang gesetzt hatte. Die Glastür im ersten Stock war weit aufgerissen, in dem hellerleuchteten, engen Gange stand ein vermummtes, großes Paar: Bankier Söllner und seine Gattin, ratlos und unschlüssig; denn es kam niemand, den Gästen ihre Mäntel abzunehmen. Aus der Küche drangen Töne, denen alle mit Bedauern lauschten: es weinte dort jemand. Die kleine Gesellschaft stand betreten und unentschlossen da. Vielleicht wurden sie gar nicht erwartet? Hatte sich Albius etwa im Datum geirrt? Oder war irgend etwas zwischen ihm und seiner Frau vorgefallen? Frau Albius weinte— das stand fest. In dieser Ehe waren ähnliche Verwirrungen schon öfters vorgekommen: zum Beispiel, daß Frau Albius eine halbe Stunde später als die übrigen Geladenen erschien und fragte, ob ihr Gatte schon da sei, daß sie dann wieder fortlief, um ihn im Hause zu suchen. Oder daß er kam und seine Frau wegen Kopfweh entschuldigte, und sie dann doch kurz vor dem Beginn des Soupers erschien. Oft hatte er auch Gäste zu sich gebeten, denen er im letzten Moment wieder absagte, „da seine Frau plötzlich erkrankt sei“. „Da ist ja ein Kleiderständer“, meinte Bankier Söllner und ging auf die leere Garderobe zu.„Mehr kann man nicht verlangen.“ Und er entledigte sich seines schweren Pelzmantels. Doktor Maul, der jung verheiratet war, half seiner sehr erheiterten Frau aus den Gummischuhen. „Nein, das ist ja amüsant. Kein Mensch läßt sich blicken. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben—“ „Adda, so halte wenigstens hier den Mund“, gebot ihr Gatte, der bemüht war, Hausarzt bei allen guten Familien der Stadt zu werden. In diesem Augenblick klang ein schweres Poltern die Treppe herab; man sah zwei Mädchen, die an einem großen Reisekorb rissen und schleppten. „Sie wollen uns verlassen, Minna?“ rief Söllner hinauf. Seine Frau hielt ihn am Aermel fest.„Laß doch, Alfred! Du weißt ja nicht, weshalb sie geht.“ „Nein, so was!“ Frau Doktor Maul verfolgte interessiert die Expedition des Reisekorbs. „Verkehrte Wirtschaft", sagte Söllner zu Maul und knöpfte seine braunen Glacéhandschuhe zu. „Die Köchin zieht aus“, flüsterte Frau Wehrmann.„Da ist irgend etwas passiert.“ „Ach, meine liebe Frau Doktor, hier passieren noch ganz andere Sachen.“ „Was? Ich habe auch schon gehört: die Malerin—“ „Heute abend werden Sie sie sehen." „Ich freue mich ja diebisch darauf.“ „Klatscherei!" Doktor Maul zwinkerte seiner Frau energisch mit den Augen zu. „Da kommen auch Meiers“, rief Frau Doktor Maul. Die Treppe herauf keuchte ein Ehepaar in Gummischuhen, mit Regenschirmen und Pelzkragen über den Wintermänteln, und vor Schals kaum zu erkennen. Es waren Meiers: der alte, hagere Steuerrat mit seiner stattlichen Frau. Nun entstand in dem engen Gange ein leises Stimmendurcheinander, und Meiers erfuhren, es stimmte mal wieder etwas nicht im Hause Albius. Unter Kopfschütteln begaben sie sich alle in den Salon, mit der Vorfreude, ein interessantes Schauspiel zu erleben, das einem, Gott sei Dank, nichts anging. „Entschuldigen Sie tausendmal“, sagte Albius, erregt und eilig aus dem Eßzimmer in den Salon eintretend, wo seine Gäste alle versammelt dastanden.„Ich dachte, meine Frau sei schon hier.“ Die Geladenen schwiegen, nur Frau Doktor Maul gab Albius die Hand und sagte: „Das dachten wir auch.“ Doktor Maul fügte eilig hinzu, da er stets hinter den Reden seiner Frau her war wie der Feldhüter hinter den unartigen Buben:„Wir haben uns vielleicht in der Stunde geirrt?“ „Aber bewahre. Auf halb acht Uhr sind Sie gebeten. Uns ist nur etwas Dummes passiert. Denken Sie sich, unsere Köchin Male oder Minna, wie sie heißt— wer kann auch all die Namen behalten—, also diese Person kriegt von Zeit zu Zeit Magenkrämpfe. Ob sie echt sind, weiß ich nicht, glaub' es auch nicht. Na also, heute abend um sieben Uhr kriegt sie ihren„Magenkrampf'. Nun aber das Essen! Wir jagten gleich den Servierlouis nach dem Koch Baum; der mußte in aller Eile retten, was noch da war. Also, wenn heute abend das Essen schlecht wird— ich bin unschuldig daran.“ „Was einem nicht alles passieren kann, wenn man verheiratet ist, nicht wahr, Albius?“ Söllner klopfte Albius auf die Schulter. Man nahm nun um den Sofatisch herum auf den Plüschsesseln Platz, und der Hausherr versuchte, seine Gäste vorläufig so gut es ging zu unterhalten. Frau Albius wurde nie„fertig". Sie kam immer erst, wenn ihre Gäste alle da waren, und es war nicht üblich, nach ihr zu fragen, ehe sie erschien. Auch heute ignorierte man taktvoll ihre vorläufige Abwesenheit. Die Beobachtung, daß es wieder„etwas“ gegeben habe zwischen Albius und seiner Frau, stimmte die Gäste heiter und erwartungsvoll; an die Magenkrämpfe der Köchin glaubte niemand. Man warf sich bedeutungsvolle Blicke zu, während Albius von Zeit zu Zeit die Zähne zusammenbiß und nervös nach der Tür blickte oder auf den Gang hinaushorchte, wo alles immer noch still blieb. Nur ein dumpfes Kofferpoltern verriet, daß Minna eben das Haus verließ. Als die große Wanduhr im Eßzimmer acht Uhr verkündete, erschien Mila Eltze. Man hatte eben von ihr gesprochen, denn ihre Amorettengruppe, die über dem Plüschsofa hing, hatte Albius„einen bedeutenden Fortschritt“ genannt, was Frau Doktor Maul„etwas übertrieben“ fand. Mila hatte sich festlich geschmückt; das himmelblaue Atlaskleid, das eine zu kurze Tullsche Taille hatte, war funkelnagelneu. Sie hatte sich eine Wespentaille geschnürt; das zu enge Kleid prallte fest um ihre breite, aber flache Gestalt. Da sie Anstoß daran nahm, mit bloßem Hals zu erscheinen wie die anderen Damen, so hatte sie einen gestärkten Spitzenkragen um den Hals gelegt, über den eine dreifache Granatkette hing. Sie trug goldene Armbänder und eine große Gemme als Brosche. Ihre Begrüßung fiel steif und unliebenswürdig aus, und sie war froh, einen tiefen grünen Plüschsessel zu finden, der sie aufnahm. Sie saßen nun alle da und warteten. Es war kalt in dem Zimmer, und der Fußboden roch nach Terpentin und Wachs. Söllner hatte ein Gespräch mit dem verdrießlichen Meier begonnen über den Neubau des Schlachthauses, das Söllner nötig und Meier überflüssig fand, und jeder suchte den anderen von der Unrichtigkeit seiner Meinung zu überzeugen. Frau Wehrmann erzählte, daß ihr Jüngster zwei Zähne habe und schon„Baba“ und„Mama“ sagen könnte; Frau Meier und Frau Maul teilten einander mit, wieviel Lohn sie ihren Waschfrauen gaben. Doktor Maul, der in dem Benehmen Albius' eine immer größer werdende Unruhe wahrnahm, nahm sich höflichst Fräulein Eltzes an; er fragte sie, was sie jetzt male, ob Stilleben schwer seien und Landschaften leicht und ob die Amoretten nach Modellen gemalt seien. Fräulein Eltze sagte ihm, sie male nie nach Modellen, und blieb einsilbig. Sie behielt Albius im Auge und quälte sich mit der Frage, weshalb seine Frau nicht erschien. Es schlug bereits nenn Uhr; aber draußen blieb immer noch alles still. Herr Söllner begann zu gähnen und entschuldigte dies bei seinem Nachbar. Dieser gähnte etenfalls, und Frau Maul öffnete ihren kleinen Mund zu einem ausgiebigen Gähnen; auch Frau Meier gähnte, und die übrigen enthielten sich dessen nur mit verzweifelter Anstrengung. Es wurde still in dem Salon— und in dieser schwülen Stille sprang Albius plötzlich auf, entschuldigte sich kurz und ging mit großen Schritten hinaus. Die Gesellschaft brach in ein Lachen aus. Fräulein Eltze saß unbeweglich da. Sie dachte an die Nerven ihres Freundes, an seine nicht zu ihm passende Frau. Sie konnte nicht lachen. Ihrem einsamen Leben waren diese Einladungen seltene Freuden... Sie gab keine Gesellschaften und um ihrer Person willen lud sie niemanden ein; auf diesen Abend hatte sie sich seit einer Woche gefreut. „Wir kriegen heute, glaub' ich, überhaupt nichts mehr“, fing Söllner an und faltete die Hände ergeben über seiner weißen Weste. Es fing ihnen allen an unbehaglich zu werden; denn diese intimen Diners waren die auserlesensten der Stadt. Die Damen schüttelten ihre Häupter, und die entlassene Minna spukte in allen Köpfen. Da erhob sich draußen plötzlich ein Quirlen und Topfklappern. Es erklangen eilige Küchengeräusche, wie Schaben, Messerwetzen, Brozeln, Zischen und Feuerschüren. „Na, Gott sei Dank“, sagte Albius, eintretend.„Der Koch ist da.“ Mit dem Gastgeber war ein Duft von Braten und kräftigem Gewürz in das Zimmer gekommen; man ahnte Trüffelragouts und Gänseleberpasteten. Der alte Baum verstand zu kochen; er hatte es in Paris gelernt. Der Servierlouis hatte ihn noch zu später Stunde aus seiner Wohnung geholt. Um zehn Uhr war er mit dem Essen fertig, und so konnte sich nun auch Frau Albius ihren Gästen endlich beruhigt widmen. Es gab eine Reihe schwedischer Vorspeisen, dann folgte eine Gänseleberpastete, eine Platte köstlicher Beefsteaks mit Pilzen und Trüffeln, geschlagene Sahne mit frischem Ananas. Dazu spritzige, vorzügliche Moselweine, schwere, duftreiche Saarweine; dann folgte in schlanken, blaßgrünen Römern ein Pfalzwein, bei dessen Herumreichen der Servierlouis hochachtungsvoll flüsterte:„Forster Ungeheuer!" Die Gäste kamen in heitere Stimmung, die Herren erzählten Anekdoten, man trank sich zu, toastete; Söllner hielt eine witzige Damenrede, Frau Doktor Maul legte ihre gesellschaftlichen Formen ab, stützte die Ellbogen auf den Tisch und lachte so laut, daß ihr Gatte das Augenzwinkern schließlich aufgab und seinen Unwillen in dem Duft des schweren Pfalzweines ertränkte. Als der zweite Gang vorüber war und Söllner sich überzeugt hatte, daß Koch Baum trotz der späten Stunde alle Künste spielen ließ, so daß auch noch Weiteres zu erwarten war, erzählte er von einer„schönen Unbekannten“, die mit ihm gefahren war und im„Schwan“ abgestiegen sei, wie er von Meinerzag wußte, der sie hierhergefahren hatte.(Fortsetzung folgt.)