Bongopete habmonalich 120 Mak, Eineiaummat 13 Pfg. Druck u. Venagvon C. Braus, Ichwerte(Aube), Posschackontea: Dortnund 2832 und Hannovet 21874. Geschöstestelle: Große Maristr. 3—3. Verantworlo füe die Schesspeatang H. Limer, Schwerte. Hernrus 2r1o Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Pnzeigerpreise für des achigspol. mmete 6 Plg, Answir. tige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., Reklameel. 49 Plz. Ju uicseon. ausoegedene Insercate ibenacdam oie keine Gewädr Bei unvorbergesehn. Beiriedestörungen, hervorgeusen durch böbere Gewalten, übernedmen vir beinerei Gewäde für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gmpd Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 123(Erstes Blatt) Sechante Chicht, Danaen ien 2. Vea de 63. Die Seaungers Cesthue Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung Balaoser der Feshesaleten? enb. Berlin, 27. Mai.(Eigene Radiomeldg.) Das Reichskabinett wird heute über die Deckung des neuentstandenen Fehlbetrages im Haushaltsplan beraten. Zu decken ist nach den Berechnungen des Finanzministeriums insgesamt ein Betrag von 737 Millionen. Im Vordergrund stehen, so berichtet die Voss. Ztg., folgende Deckungsvorschläge: 210 Millionen als Dreivierteljahresertrag aus einer 1 prozentigen Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung, 90 Millionen aus den in der Arbeitslosenversicherung geplanten Ersparnissen im Laufe von ¾ Jahr, 99 Millionen durch die Verlängerung des Kontingents bei der Zigarettensteuer auf fünf Jahre, etwa 100 Millionen durch die Erhöhung der Umsatzsteuer um ¼ v. H., etwa 100 Millionen durch ein Notopferder Festbesoldeten. Durch diese Vorschläge würde ein Betrag von etwa 590 Millionen aufgebracht werden können. Da man die Aufbringung des Restbetrages kaum durch eine weitere Belastung der Wirtschaft versuchen kann, soll eotl. ein Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahngesellschaft im Betrage von etwa 150 Millionen stattfinden. Das Notopfer der Festbesoldeten ist geplant in Form eines zehnprozentigen Zuschlags zur Lohnsteuer unter Freilassung aller Lohnsteuerpflichtigen, die der Arbeitslosenversicherung unterliegen. Die Erhebung würde gleichzeitig mit dem Abzug der Lohnsteuer erfolgen. Bei den Steuerpflichtigen, die ein kombiniertes Einkommen aus Lohn und anderen Arbeitseinkommen haben, würde nur der lohnsteuerpflichtige Teil des Einkommens dem Notopfer unterliegen. Ein Teil der Deckungsvorlagen soll die Form des Ermächtigungsgesetzes erhalten, das der Regierung die Vollmacht gibt, Steuererhöhungen in dem ihr zweckmäßig erscheinenden Zeitpunkt vorzunehmen. Sobald die Vorschläge des Reichsfinanzministers vom Kabinett genehmigt sind, wird eine Fühlungnahme mit den Regierungsparteien stattfinden. Im Kabinett sollen die zur Deckung des Defizits erforderlichen Gesetzentwürfe noch vor Pfingsten verabschiedet werden. Im Reichstag werden sie nach der Pfingstpause zur Beratung kommen. Das Ermächtigungsgesetz zur Krediterleichterung im Reichstag inn einfücher Mehrhent unnbenonnttenl odz. Berlin, 26. Mai. Auf der Tagesordnung der Montagssitzung stand die zweite Beratung der Vorlage eines Ermächtigungsgesetzes zur Erleichterung der Kreditversorgung und der Vorlage über die Liquidierung der Bank für deutsche Industrieobligationen. Verbunden damit ist die Beratung der Anträge des Zentrums und der Sozialdemokraten auf Aufhebung der sog. Warenhaussteuer und des demokratischen Antrags auf Aussetzung der Erhebung dieser Steuer. Abg. Dr. Hilferding(Soz.) begründet einen Antrag, die beabsichtigten Maßnahmen zur Krediterleichterungen nicht auf dem Wege des Ermächtigungsgesetzes, sondern der ordentlichen Gesetzgebung vorzunehmen.— Der Redner wendet sich scharf gegen die letzte Rede des Reichsfinanzministers Moldenhauer in Köln. Dr. Moldenhauer, so erklärt der Redner, hat in dieser merkwürdigen Rede das Budgetrecht des Reichstags angegriffen und dessen Beschränkung auf ein Maß gefordert, das noch hinter dem Zustand im Kaiserreich zurückbleibt. Er hat über das Recht des Parlaments mit Worten gesprochen, die wir von Hitler oder Hugenberg erwarten konnten, nicht aber von dem Minister einer parlamentarischen Regierung. Abg. Dr. Fischer=Köln(Dem.) weist darauf hin, daß die Vorlage von der früheren Regierung Hermann Müller stammt. Diese Regierung würde doch eine solche Vorlage nicht eingebracht haben, wenn sie nicht von ihrer verfassungsrechtlichen Zulässigkeit überzeugt gewesen wäre. Wenn die verfassungsrechtlichen Bedenken des sozialdemokratischen Redners nicht zutreffen, so sollte die Regierung doch überlegen, ob für die vorgesehenen Maßnahmen nicht der Weg der ordentlichen Gesetzgebung besser wäre. Ist verstehe nicht, warum der Minister nicht wenigstens versucht hat, diesen Weg zu beschreiten. Unser Eintritt in die Regierung war wesentlich von der Absicht diktiert, ein Regieren mit dem Artikel 48 der Reichsverfassung zu verhindern. Wir beantragen, daß bei der Aufhebung der Kapitalertragssteuer die Verzugsder Umsatzsteuer wieder beseitigt und auch die Mineralwassersteuer aufgehoben werden(Heiterkeit) Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer erklärt, der Bericht der Kölnischen Zeitung über seine Kölner Rede könne bei flüchtigem Ueberlesen zu Mißdeutungen führen. Er habe gesagt, die Regierung wolle ihr Programm mit allen Mitteln durchsetzen, und erst, wenn der Reichstag versage, werde sie an die Wählerschaft appellieren. Der Demokratie, so fährt der Minister fort, droht allerdings eine ganz große Gefahr dann, wenn sie sich als unfähig erweist, in kritischen Zeiten die Dinge zu meistern. Es muß gezeigt werden, daß auch die Demokratie die Möglichkeit hat zu schnellem und energischem Handeln, wenn die Gefahren so groß sind wie in der Gegenwart. Wir müssen allerdings— das habe ich in meiner Kölner Rede gesagt— zu einer schärferen Trennung der Aufgaben der Regierung und des Reichstages kommen. Der Reichstag hat die Aufgabe der Gesetzgebung und der Kontrolle der Regierung. Er ist aber nicht berufen, zu regieren. Das ist die Aufgabe der Regierung. Der Minister weist dann, wie schon im Ausschuß, die verfassungsrechtlichen Bedenken des Abg. Dr. Hilferding wegen des Ermächtigungsgesetzes zurück. Er verweist auf eine Reichsgerichtsentscheidung, wonach eine Delegation der Gesetzgebungsrechte des Reichstags auf die Regierung dann nicht verfassungswidrig sei, wenn sie sachlich so eng begrenzt sei, wie im vorliegenden Falle. Die Aufhebung der Kapitalertragssteuer solle sich nach dem Willen der Regierung auch auf die Vorzugsaktien der Reichsbahn erstrecken. Die Aufhebung könne aber nicht schon am 1. Oktober erfolgen, weil die Regierung in diesem Etatsjahre einen solchen Einnahmeausfall nicht ertragen könnte. Aus demselben Grunde könne auch die Regierung nicht der Wiederaufhebung einzelner Steuern aus dem Deckungsprogramm zustimmen. Darüber werde man sich im Ausschuß weiter unterhalten müssen. Abg. Emde(K.) bezeichnet die Vorlage als eine Herausforderung der werktätigen Bevölkerung. Abg. von Sybel(Chr.=Nat.) widerspricht der Auffassung, daß das vorliegende Ermächtigungsgesetz verfassungsändernd sei. Der schlechte Stand der Reichsfinanzen sei letzten Endes zurückzuführen auf die ganz verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten Jahre.(Abg. Dr. Hilferding(Soz.):„Meinen Sie Herrn Curtius?“). Ja, ich habe immer offen ausgesprochen, daß die Wirtschaftspolitik des Herrn Dr. Curtius für Deutschland ein Verhängnis gewesen ist. Abg. Dr. Pfleger(Bayr. Vp.) spricht seine Freude darüber aus, daß durch die heutigen Ausführungen des Ministers das Bild verändert worden sei, das die Kölnische Zeitung von seiner Kölner Rede gegeben habe. In der Fassung des Berichts dieser Zeitung hätte die Rede starke Bedenken hervorrufen müssen. Bei dem vorliegenden Ermächtigungsgesetz halte die Bayerische Volkspartei eine verfassungsändernde Mehrheit nicht für nötig. Die Erklärung des Ministers, daß die Kapitalertragssteuer erst am 1. Januar 1931 für festverzinsliche Werte wegfallen kann, werde starke Enttäuschung in der Wirtschaft hervorrufen. Abg. Dr. Hertz(Soz.): Wie wenig diese Regierung führt, hat sich gerade bei der gestaffelten Umsatzsteuer gezeigt. Auch im Lager der Regierungsparteien zeigt sich jetzt das Bedürfnis, diese Steuer wieder aufzuheben, weil sie gar nicht die Großbetriebe, sondern gerade den Mittelstand belastet. Abg. Dr. Reinhold(Dem.): Die Annahme der Sonderumsatzsteuer war wirtschaftspolitisch und steuerpolitisch ein Fehler. Der leidende Teil bei dieser Steuer sind nicht die Großbetriebe, sondern gerade die Kreise des Mittelstandes. Auf die Dauer ist es kein erfreulicher Zustand, daß der Reichsfinanzminister im Lande herumreist und immer wieder mit Worten eine starke Regierung fordert. Sie haben, Herr Minister, ja Gelegenheit, diesen Willen durch die Tat zu beweisen. Auch ohne die Drohung mit Art. 48 werden wir jeder starken Führung willig Gefolgschaft leisten, denn wir haben alle den Willen, daß wir recht bald zur endgültigen Stabilisierung unserer Finanzen kommen. Nach weiterer Beratung wurde der sozialdemokratische Antrag, der sich gegen die Form der Ermächtigungsgesetzgebung richtet, im Hammelsprung mit 174 gegen 156 Stimmen abgelehnt. Abgelehnt wurden auch die übrigen Aenderungsanträge der Sozialdemokraten, angenommen ein demokratischer Antrag, wonach die Kapitalertragssteuer auch für Reichsbahnobligationen wegfallen soll. Mit dieser Aenderung wird die Krediterleichterungsvorlage und darauf auch die Vorlage zur Liquidation der IndustrieObligationsbank in zweiter und dritter Beratung angenommen. Präsident Löbe stellte ausdrücklich fest, daß die Krediterleichterungsvorlage nur mit einfacher Mehrheit angenommen worden sei. Die Anträge zur Sonderumsatzsteuer wurden dem Steuerausschuß überwiesen. Gegen 7 Uhr vertagte sich das Haus auf Dienstag drei Uhr. Auf der Tagesordnung steht der Haushalt des Wirtschaftsministeriums. Wenere Gestündnisse des Basserderser Verders Auch der Fälle Maria Hahn und Gertrud Albermann so gut wie überführt Kapitalertragssteuer schon am 1. Oktober aufzuheben und die einzelnen Maßnahmen auf dem Wege der ordentlichen Gesetzgebung zu erledigen. Präsident Löbe teilt mit, daß von der Wirtschaftspartei ein Aenderungsantrag eingegangen sei zu den Anträgen des Zentrums und der Sozialdemokraten auf Aufhebung der Warenhaussteuer. Nach dem Antrag der Wirtschaftspartei soll ganz allgemein die Erhöhung wp. Düsseldorf, 26. Mai. Trotzdem die Kriminalpolizei sich am Samstagabend in ihrem offiziellen Bericht außerordentlich vorsichtig und, wenn man so sagen darf, sich selbst gezwungenermaßen einer zwangsläufigen Skepsis befleißigte, so gewinnt immer mehr die Nachricht Bestätigung, daß Kürten auch die bis jetzt dem auf Lebenszeit internierten Psychopathen Johann Stausberg zur Last gelegten Mordtat gestanden hat. Bekanntlich fing die Serie der Düsseldorfer Mordtaten im vergangenen Jahre im Februar mit der Ermordung der neunjährigen Rosa Ohliger an. In der Frühe des 8. Februar wurde an der Vinzenzkirche im Stadtteil Flingern das kleine Mädchen, die Tochter eines in der Nähe wohnenden Bäckermeisters mit furchtbaren Schnittwunden ermordet aufgefunden. Ihr Körper war mit Petroleum übergossen, mit Zweigen bedeckt und dann angezündet worden. Genau fünf Tage später wurde gar nicht weit don derselben Stelle entfernt die Leiche des lermordeten Scheer aufgefunden. Kurz danach geschah der Messerüberfall auf eine Frau Kühn und verschiedene Ueberfälle mit einem Lasso, die letzten in einem ganz entgegengesetzten Stadtteil. Merkwürdig ist nun, daß Kürten die Morde und den einen Messerüberfall im Februar 1929 zugibt, aber die Ueberfälle mit einem Lasso bestreitet. Hierdurch ergibt sich, daß die Schuld, die man im letzten Jahre Stausberg zuschrieb, sich lediglich auf die Lassoüberfälle erstrecken kann, während die Morde und der Messerüberfall für Stausberg ausscheiden müssen. Es sei daran erinnert, daß die Kriminalbeamten nach der Vernehmung Stausbergs im letzten Jahre selbst sagen mußten: Und wenn wir dem Stausberg sagen, er hätte den Kaiser von China ermordet, so gesteht er es ein. So baute sich damals das Geständnis Stausbergs bezw. seine Vernehmung auf. Es wurden ihm Dinge und Worte in den Mund gelegt, die er in idiotenhafter Weise und, wie man es auch schließlich von ihm nicht anders erwarten konnte, einfach wiederholte, weil man ihm gut zuredete. Als schließlich der Verteidiger Stausbergs eingriff, widerrief Stausberg die Morde und den Messerüberfall und beschränkte sich schließlich lediglich darauf, die Lasso=Ueberfälle zuzugeben. Da man weiter weiß, daß die Wohnung Kürtens an der Mettmanner Straße mitten im Stadtteil Flingern liegt und daß von ihr aus es gar nicht weit zu den Wohnungen der Rosa Ohliger und des Scheer und damit zu den Mordstellen der beiden ist und sich immer wieder die typischen Eigenschaften Kürtens, der als Schürzenjäger und außerordentlicher Rohling galt, der vor keiner Gewalttat zurückschrecken soll, vorhält, wird man zugeben müssen, daß die, wir wir aus sicherer Quelle erfahren, wirklich erfolgten Zugeständnisse Kürtens hinsichtlich der Ermordung der Ohliger und des Scheer sehr viel für sich haben. Allerdings waren Selbstbezichtigungen im letzten Jahre in Düsseldorf am Platze und vielleicht ist auch aus diesem Grunde die Vorsicht der offiziellen Verlautbarungen der Polizei zu verstehen. Kürten hat gestanden, daß er sein erstes Opfer, die neunjährige Gertrud Ohliger, von der Straße, wo sie an dem Abend spielte, in seine Dachstube gelockt hat. Dort hat er sie vergewaltigt und erstochen. Er nahm dann später die Leiche und trug sie zu der Fundstelle, um sie dort nach seinem Geständnis mit Petroleum zu übergießen und anzuzünden. Auch die Ermordung des Scheer findet nach dem Geständnis den ursächlichen Zusammenhang mit der Rosa Ohliger. Scheer, der 2. Ermordete, hatte Kürten beobachten können. Aus Furcht, Scheer könnte ihn anzeigen, stach ihn schließlich Kürten 5 Tage später nieder. Der im Augenblick noch umstrittene und Hauptpunkt der ganzen Angelegenheit ist die große Frage: Wenn Kürten alle seine bisherigen Opfer, mitAusnahme derjenigen durch Zufall mit dem Leben Davongekommenen, niedergestochen hat, warum hat er jenes Mädchen, daß er jetzt zuletzt vergewaltigte und das schließlich seine Wohnung der Polizei angeben konnte, nicht ermordet? Hierauf gibt Kriminalrat Momberg eine sehr interessante Deutung; indem er sagt: Kürten war des Glaubens, daß er das Mädchen, das an und für sich fremd in Düsseldorf war, so in die Irre geführt habe, daß sie seine Wohnung nicht mehr finden konnte. Vor der Vergewaltigung befragte er sie noch mit den Worten: Weißt Du überhaupt, wo ich wohne? Darauf antwortete ihm das Mädchen: Nein, denn Du hast mich ja so furchtbar hin und her in die Irre geführt. Eine Dummheit, so folgert Momberg weiter, macht ja schließlich jeder Verbrecher und hier ist der einzige, vielleicht für den Fernstehenden anfänglich unbedeutende Anhaltspunkt. der den Anlaß zur endgültigen Verfolgung der Spur Anlaß gab. Die Kriminalpolizei durchsuchte am Samstag den einfach ausgestatteten Wohnraum Kürtens. Hierbei wurden verschiedene Schriftstücke und eine Aktentasche mit zwei spitzenlangen Scheren zutage gefördert. Unter der Matratze des Bettes fand man ein Sparkassenbuch über ungefähr 5000 RM. Ferner wurden in einer Kiste 12 bis 15 sehr abgenutzte Windjacken vorgesun„ den und in einer Ecke eine große Grabschaufel, die bei der Vergrabung der Leiche der Maria Hahn in Papendell nach seiner Angabe benutzt worden ist. wtb. Düsseldorf, 26. Mai. Kürten war der Polizei als ehemaliger Zuchthäusler bekannt. Er war 12mal vorbestraft, besonders wegen Be Der Räumungsplan für das besetzte Gebiet wtb Mainz, 26. Mai. Bei dem französischen Oberkommando liegt folgender Plan für die Räumung der besetzten Gebiete bis 30. Juni vor: In der ersten Etappe vom 20. bis 30. Mai findet eine Verminderung der Garnisonen von Landau, Trier, Neustadt und Mainz statt. Geräumt werden in dieser Zeit die Orte Bingen, Worms, Germersheim und Speyer.— In der zweiten Etappe vom 1. bis 20. Juni soll das noch im besetzten Gebiet verbliebene Gros der französischen Truppen in Kehl, Landau, Mainz und Trier zurückgezogen werden. Kaiserslautern wird in dieser Zeit völlig geräumt. In der letzten Etappe vom 20. bis 30. Juni wird der Rest der Truppen und die Abwicklungsstellen zurückgeführt. Man glaubt nicht, daß es notwendig wird, über den 30. Juni hinaus noch die Abwicklungsstellen für die Abwicklung von Rechtsgeschäften beibehalten zu müssen, andernfalls sollen die Abwicklungsstellen einen zivilen Charakter erhalten. Germersheim zum größten Teil geräumt. wtb Germersheim, 26. Mai. Ein großer Teil der hiesigen starken Besatzung hat Germersheim heute im Morgengrauen in Richtung Frankreich verlassen. Der Rest wird morgen heimkehren und nur eine kleine Abwicklungsmannschaft wird vorläufig noch zurückbleiben. Worms. wtb. Worms, 27. Mai.(Funkspruch.) Die letzten französischen Truppen haben heute abend Worms verlassen. In der Stadt halten sich nur noch etwa 20 bis 30 Mann einschließlich Gendarmerie auf, die das Abwicklungskommando bilden. Der letzte Abtransport vollzog sich ebenfalls ohne Zwischenfall. Um 10 Uhr vormittags wurde von der Straßenbrücke die Trikolore eingeholt und im Laufe des Tages auch die Fahnen von den sonstigen militärischen besetzten Gebäuden. Die Kaserne und das Garnisonlazarett sind geschlossen worden. Das zurückbleibende Kommando wird am 31. Mai abrücken, so daß an diesem Tage Worms endgültig geräumt ist. Zweibrücken. wtb. Paris, 27. Mai.(Funkspruch.) In Brivela=Gaillarde ist ein Betaillon des 156. bisher in Zweibrücken gelegenen Infanterieregiments eingetroffen, um dort Garnison zu beziehen. Ein weiteres Bataillon mit dem Obersten und Stab des Regiments wird am nächsten Mittwoch folgen. Deutsch-polnischer Grenzzwischenfall drohung, Einbruchs und Sittlichkeitsverbrechens. Im Jahre 1928 verbüßte er eine längere Freiheitsstrafe wegen Bedrohung eines jungen Mädchens, das er zwingen wollte, ihm zu Willen zu sein. Im Gefängnis führte er sich ordentlich und wurde als Kalfaktor beschäftigt. Hierdurch kam er mit Gefangenen zusammen. Besonderen Gefallen fand er darin die tollsten erotischen Erlebnisse zu erzählen. Er gab seinen Mitgefangenen Ratschläge in der Behandlung der Mädchen in seinem Sinne. Kurz vor seiner Entlassung sprach Kürten mit einem Gefangenen wieder über seine Erlebnisse im Umgang mit Frauen. Plötzlich rief er ganz unmotiviert aus:„Wenn ich herauskomme, dann wird Düsseldorf eine Sensation erleben.“ Diesen Worten ist leider die Tat gefolgt. „Ich habe Sie verfolgt, um Sie zu ermorden.“ Dramatische Vernehmung des Mörders. wtb. Düsseldorf, 26. Mai. Im Verlauf der Vernehmungen des Arbeiters Peter Kürten fand die Gegenüberstellung Kürtens mit der Frau Meurer statt, die von ihm niedergestochen und schwer verwundet wurde. Die Gegenüberstellung gestaltete sich äußerst dramatisch. Es waren in einem Dienstzimmer des Polizeipräsidiums etwa 12 Kriminalbeamte versammelt, unter denen sich Kürten befand. Frau Meurer, die infolge der Dunkelheit nur eine oberflächliche Personenbeschreibung des Täters geben konnte, sich aber deutlich der Stimme erinnerte, mußte an alle im Zimmer Anwesenden belanglose Fragen richten, auf die geantwortet wurde. Nachdem sie mit einigen Beamten gesprochen hatte, kam Kürten an die Reihe. Nachdem dieser nur einige Worte gesprochen hatte, rief Frau Meurer aus:„Dieser Mann ist der Täter. Sein Tonfall in der Stimme und seine Gestalt sind die gleichen, wie die des Mannes, der mich verfolgte und niederstach.“ Auf die Frage der Frau Meurer:„Weshalb haben Sie mich eigentlich verfolgt?“, erklärte Kürten ohne Zögern:„Ich habe Sie verfolgt, um Sie zu ermorden.“ In diesem Augenblick hätte man eine Stecknadel zu Boden fallen hören können. Die Gegenüberstellung mit der Gertrud Schulte nahm einen ähnlichen Verlauf. Als die Schulte in das Zimmer eintrat, sah sie sich einer Reihe von Kriminalbeamten gegenüber, unter denen sich wiederum Kürten befand. Mit schnellem Blick überflog die Schulte die Anwesenden, dann hob sie den Arm und zeigte mit der Hand auf Kürten:„Das ist der Mann, der mich unter den Namen Baumgarten angesprochen hat, begleitete und schließlich niederstach.“ wtb. Düsseldors, 26. Mai.(Tel.) Das Polizeipräsidium teilt mit: Das Ergebnis der umfangreichen Arbeiten, die die Schriftvergleichung der Mörderbriefe erforderte, kann noch nicht als abgeschlossen bezeichnet werden. Es ist bekannt, daß Peter Kürten eine Anzahl Briefe geschrieben hat, in denen er auf seine Taten aufmerksam machte. Er selbst hat angegeben, daß er diese Briefe geschrieben hat in der Erwartung, dadurch große Beunruhigung in das Düsseldorser Publikum hineinzutragen. Es ist bemerkenswert, daß Kürten seinen ersten Brief angeblich Ende September 1929 an den Düsseldorfer Stadtanzeiger geschrieben und selbst in den Hausbriefkasten der Redaktion geworfen hat. Es handelt sich hier um den Brief, den er in dem nächsten, an die Polizeiverwaltung adressierten Brief erwähnte. Jener erstgenannte, an den Stadtanzeiger gerichtete Brief ist niemals zur Kenntnis der Polizei gekommen. Ehe in die eigentliche Schriftvergleichung eingetreten wurde, legte heute der Schriftsachverständige Dr. Schneickert auf Grund seines genauen Studiums der Briefe dem Peter Kürten ganz bestimmte Fragen vor über besondere Merkmale dieser Briefe, die nur dem Schreiber der Briefe bekannt sein konnten. Diese Fragen hat Kürten in einer Weise beantwortet, die seine Urheberschaft an den Briefen zweifelsfrei erscheinen läßt. Kürten wurde dann durch den Sachverständigen veranlaßt, den Text seiner Briefe unter gleichen Bedingungen, d. h. auf ähnlichem Einwickelpapier mit Blaustift niederzuschreiben. Die dann vorgenommene Vergleichung der Original= briese mit den von Kürten neu hergestellten Schrifiproben ergas völlige Uebereinstimmung und bestätigte in jeder Hinsicht den vorerwähnten objektiven Befund. Da der Schreiber der bekannten Mörderbriefe nach dem Inhalt der Briefe nur der wirkliche Mörder im Falle der Maria Hahn und der Gertrud Albermann sein kann, so erscheint er auch durch das Ergebnis der Arbeiten des Schriftsachverständigen Dr. Schneickert, neben dem sonstigen durch die Vernehmungen geführten Beweis, als Täter in diesen beiden Fällen einwandfrei überführt. Kein neuer Kindermord in Busseldorf Eigenartiger Unfall. wtb. Düsseldorf, 26. Mai.(Tel.) Die wurde heute nachmittag davon verständigt, daß in der Hildener Straße ein Kindermord vorgefallen sei. Nach den ersten Feststellungen der Mordkommission gelangte man aber zu der Ueberzeugung, daß nicht Mord, sondern höchstwahrscheinlich ein tragischer Unfall vorliegt. Ein zehnjähriges Mädchen hatte aus bisher unbekannten Gründen ein Handtuch derart fest um den Hals gezogen, daß es erstickte, ohne daß ihm jemand hätte Hilfe bringen können, da es allein in der Wohnung war. Die von der Feuerwehr sofort angestellten Wiederbelebungsversuche blieben leider ohne Erfolg. 80000 Stimmen für einen enb. Berlin, 27. Mai.(Funkspruch.) Wie der Demokratische Zeitungdienst erfährt, ist im Reichsfinanzministerium ein vorläufiger Referentenentwurf für das Ausgabensenkungsgesetz fertiggestellt. Der Entwurf wird in der nächsten Zeit vom Kabinett beraten werden. Er sieht sehr einschneidende Maßnahmen im Hinblick auf den Behördenabbau und auf beamtenrechtlichem Gebiet vor. Weiter wird in dem Gesetz auch der Vorschlag gemacht, die Zahl der Reichstagsabgeordneten zu vermindern, und zwar soll das geschehen durch eine Aenderung des Wahlgesetzes. Das bisherige Wahlgesetz bestimmt, daß auf 60 000 Stimmen ein Abgeordneter entfällt. Nach dem Vorschlage des Reichsfinanzministeriums soll erst auf 80000 Stimmen ein Abgeordneter entfallen. Das würde bedeuten, daß enb. Warschau, 26. Mai.(Eigene Meldung. Das polnische Regierungsblatt Gazetta Polski veröffentlicht mit einem gereizten Kommentar eine Sensationsmeldung aus Thorn, in der behauptet wird, an der ostpreußischen Grenze bei Münsterwalde sei in der Nacht zum Sonntag gegen 11 Uhr eine polnische Streifwache von einer deutschen Patrouille über die Grenze hinweg beschossen worden. Damit noch nicht genug, behauptet die Meldung weiter, zwei polnische Offiziere der Grenztruppe, die mit Namen genannt werden, seien über die Grenze nach Marienwerder verschleppt worden. wtb. Marienwerder, 26. Mai.(Tel.) Zu dem Zwischenfall an der deutsch=polnischen Grenze wird weiter gemeldet, daß auf deutschem Boden polnische Patronenhülsen gefunden worden sind. Eine deutsche Erklärung. enb. Marienwerder, 26. Mai.(Eig. Meldung.) Die Weichselzeitung erhält von der deutschen Grenzwache zu der bereits berichteten polnischen Meldung über einen Zwischenfall bei Marien= werder folgnde Darstellung der Ereignisse: Zwei polnische Polizeibeamte haben am Samstagabend unbefugterweise die Grenze am Grenzgebäude in Neuhöfen überschritten. Bei der Festnahme haben die Polen von der Waffe Gebrauch gemacht, wobei ein deutscher Beamter verwundet wurde. Unmittelbar darauf unternahmen andere polnische Beamte unter Ueberschreitung der Grenze einen Befreiungsversuch, indem sie eine große Anzahl von Schüssen auf das Grenzgebäude und die deutschen Beamten abgaben. Die Verletzungen des deutschen Beamten sind leichter Natur. Die weiteren Ermittlungen über den Vorfall sind im Gange. Der verletzte polnische Beamte gestorben. enb. Berlin, 26. Mai.(Eigene Meldung.) Zu dem deutsch=polnischen Grenzzwischenfall erfahren wir von unterrichteter Reichsseite, es sei festgestellt worden, daß es sich auf deutscher Seite nicht um Reichszollbeamte handelt, sondern um preußische Grenzpolizeibeamte. Von maßgebender preußischer Seite wird ergänzend noch mitgeteilt: Am 24. Mai, abends 21 Uhr, sind zwei polnische Grenzpolizeibeamte, die unbefugterweise die Grenze überschritten und in das deutsche Grenzpolizeiamt in Neuhöfen, Kreis Marienwerder, eingedrungen waren, festgenommen worden Sie widersetzten sich ihrer Verhaftung und schossen auf die deutschen Beamten, wobei sie einen von diesen verletzten. Die deutschen Beamten machten nun auch von der Schußwaffe Gebrauch und verwundeten einen der beiden Polen schwer. Andere polnische Beamte kamen den beiden Verhafteten zu Hilfe ur“ unternahmen einen Befreiungsversuch. Sie eröffneten auf das Grenzpolizeiamt ein starkes Feuer, mußten aber dann unverrichteter Sache wieder abziehen. Die Verletzungen des deutschen Beamten, der vier Mal getroffen wurde, sind ungefährlich. Der eine festgenommene polnische Beamte hat einen Bauchschuß erhalten. Wie heute um ¾12 Uhr fernmündlich mitgeteilt wurde, ist er dieser schweren Verletzung in Marienwerder, wohin man ihn gebracht hatte, erlegen. Die Sache wird im einzelnen noch von Reichs wegen geprüft. Polnischer Schritt in Berlin. enb. Warschau, 27. Mai.(Eig. Radiomeldg.) Dem Vernehmen nach hat die polnische Regierung ihren Berliner Gesandten angewiesen, wegen des Zusammenstoßes zwischen deutschen und polnischen Grenzwächtern bei der deutschen Regierung zu intervenieren. Ein gemischter deutsch=polnischer Ausschuß soll eingesetzt werden, um die Vorfälle zu untersuchen. Weiter verlangt die polnische Regierung die Befreiung der beiden verhafteten polnischen Kommissare, die Bezahlung einer Entschädigung und die Bestrafung der Schuldigen. nach den Ziffern der Reichstagswahl vom 20. Mai 1928 der Reichstag nicht 490, sondern, wenn die zersplitterten Parteien mitgerechnet werden, nur 384 Abgeordnete zählen würde. Es würde also eine Ersparnis von mehr als 100 Abgeordneten bringen. Die Fahrt des„Graf Zeppelin“ „Graf Zeppelin“ wieder in Pernambuko. wtb. Pernambuko, 26. Mai. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ ist auf der Rückfahrt von Rio de Janeiro heute früh um 8.25 Uhr Ortszeit hier wieder eingetroffen. Das Luftschiff war um 9.10 Uhr wieder am Mast verankert. Wie die Fahrt weitergeht. wtb. Neuyork, 26. Mai. Wie Associated Preß aus Pernambuco berichtet, wird der„Graf Zeppelin“ morgen zum Weiterflug nach Havanna starten. Die genaue Stunde des Abfluges wurde noch nicht bekanntgegeben. Das Luftschiff wird in Havanna nur kurzen Aufenthalt zum Zwecke der Proviantaufnahme nehmen Von Havanna aus wird der„Graf Zeppelin“ über die Bahamas nach Lakehurst fliegen. Eckener gedenkt, am 9. Juni wieder in Deutschland zu sein. Hanussen löst sämtliche ihm gestellten Aufgaben enb. Berlin, 27. Mai.(Eig. Radiomeldung.) In dem Leitmeritzer Prozeß gegen den Telepathen Hanussen wurde gestern diesem im Gerichtssaal Gelegenheit gegeben, Proben seines Könnens zu geben. Wie das Berl. Tagebl. beBur Auswurtige An dor dem Ausschuß vdz. Berlin, 26. Mai. Der Haushaltsausschuß des Reichstages begann heute die Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes. Der Berichterstatter, Abg. Dr. von FreytagLoringhoven(DN.), erklärte, bei einem Vergleich der Ausgaben des deutschen Auswärtigen Amtes mit den entsprechenden Etats des Auslandes ergebe sich das Mißverhältnis, daß der deutsche Etat die Ausgaben einzelner entsprechender ausländischer Etats übersteige. Das habe seinen Grund in dem starken Anwachsen des Personals in den Auslandsvertretungen. Abg. Dr. Breitscheid(Soz.) wünschte als Mitberichterstatter nähere Aufklarung über die geplante Ausgestaltung der Berichterstattung über den deutschen Außenhandel. Reichsaußenminister Dr. Curtius führte aus, von einer Stabilisierung der Ausgaben könne vorläufig nicht gesprochen werden. Dazu befinden sich die Außenpolitik und ihre Aufgaben noch zu sehr im Fluß. Unter Ersparnissen dürfen nicht wichtige dienstliche Aufgaben leiden. Auch könne man nicht die Höhe der Etats für den auswärtigen Dienst in Deutschland mit denen anderer Staaten vergleichen, denn in jedem Lande vollziehe sich die Etatisierung nach anderen Grundsätzen Das Auswärtige Amt werde aber in einer Denkschrift eingehend prüfen, wie im Vergleich zum deutschen Etat die Ausgaben anderer Staaten sich stellen. Es sei klar, daß für Deutschland besondere Verhältnisse vorlägen, die bei einzelnen Auslandsvertretungen eine stärkere Besetzung erfordern. In seiner Organisation habe das Auswärtige Amt als solches einen gewissen Beharrungszustand erreicht. Von 1924 bis 1929 seien rund 500 Beamte abgebaut worden. Bei der großen Bedeutung welche unsere Wirtschaftsinteressen haben, werde an einen Ausbau der Wirtschaftsabteilung zu denken sein. Bei den Auslandsvertretungen seien die Dinge so im Fluß, daß der Zeitpunkt zu einer Stabilisierung des Stellenplanes jetzt noch nicht gekommen sei. Die Balanzierung des Etats sei nur möglich gewesen, weil man im letzten Jahre die größte Sparsamkeit geübt habe. An die Ausführungen des Ministers schloß sich eine längere Aussprache an, die bei Beginn der Plenarsitzung unterbrochen wurde. In einer Abendsitzung wurde die Beratung fortgesetzt. Reichsaußenminister Dr. Curtius erklärte, daß er alles daransetzen werde, um den Nahmen des Etats und des Haushaltsrechts einzuhalten. Im Interesse der Politik und der wirtschaftlichen Interessen sei es unerläßlich, den auswärtigen Dienst als ein schlagfertiges Instrument der Außenpolitik zu erhalten. In Zukunft würden die Beamten des auswärtigen Dienstes wirtschaftlich so ausgebildet, daß die Heranziehung besonderer Handelssachverstandiger immer entbehrlicher werde. Der Personalbestand des Auswärtigen Amtes sei gegenüber 1914 um 100 Köpfe hoher, davon seien nur 35 Herren planmäßige Beamte. Zu der Frage des Revirements erklärte der Minister, daß er diese Frage infolge zu großer Ueberlastung mit vordringlichen Arbeiten, z. B. der Verabschiedung des Youngplanes, habe zurückstellen müssen, und daß er erst in der Parlamentspause dazu kommen könne, sich eingehend mit ihr zu befassen. Zunächst habe er sich darauf beschränkt, den Wechsel in der Londoner Botschaft zu vollziehen und die Veränderungen vorzunehmen, die damit in Zusammenhang stehen. In den nächsten Tagen werden die amtlichen Mitteilungen darüber der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. richtet, löste Hanussen die ihm gestellten Aufgaben mit einer verblüffenden Sicherheit. Es waren ihm fünf Aufgaben gestellt worden, von denen er aber nur vier zu lösen brauchte, da auf die fünfte verzichtet wurde. Hanussen hatte einen versteckten Gegenstand zu suchen, aus Schriftproben eine Charakterisierung des Schreibers zu geben, ferner aus der Angabe von Datum, Ort und Zeit eines Ereignisses dieses zu schildern, schließlich sollte er aus einem ihm in die Hand gedrückten Gegenstand das Schicksal des Besitzers schildern. Die Lösung sämtlicher Aufgaben rief stürmische Ovationen hervor, so daß der Vorsitzende mit der Räumung des Saales drohte. Da Hanussen von dem Experiment völlig erschöpft war, wurde die weitere Verhandlung auf Dienstag vertagt. Die Lübecker Aerzte sollen zur Disposition gestellt werden wtb. Lübeck, 27. Mai.(Funkspruch.) In der Lübecker Bürgerschaft wurde gestern über einen sozialdemokratischen Antrag zu dem Säuglingssterben in Lübeck beraten. Nach längerer Debatte wurde ein während der Sitzung gestellter sozialdemokratischer Antrag, die leitenden Fachärzte zur Disposition zu stellen, mit einfacher Mehrheit angenommen. Der Antrag geht an den Bürgerausschuß und kommt dann zur nochmaligen Abstimmung in die Bürgerschaft. Aus Rah und dern Elberfelder Viehmarkt. * Elberfeld, 26. Mai. Auf dem heutigen Viehmarkt betrug der Auftrieb: 805 Stück Großvieh, davon 384 Ochsen, 64 Bullen, 209 Kühe, 91 Färsen (Kalbinnen), 57 Fresser, 521 Kälber, 6 Schafe, 2598 Schweine. Dem Schlachthof im Laufe der Woche unmittelbar zugeführt: 10 Ochsen, 10 Bullen, 17 Kühe, 19 Kälber, 358 Schweine.— Preise: Ochsen 60—63,—, 55—59,—, 48—54,—; Bullen 56—58, 50—55,——; Kühe 53—55, 46—52, 35—45, 30—34; Färsen 58—60, 54—57,—; Fresser 45—50; Kälber—, 75—82, 60—74, 50—59; Schafe—; Schweine 62—64, 64—66 64—66, 64—66, 60—63,—; Sauen 52—55. Marktverlauf: In allen Gattungen mittel, Fettschweine schlecht. Aushebung einer Falschmünzerwerkstätte. wtb. Braunschweig, 26. Mai. Der Graphiker Ernst Witte wurde hier wegen Falschmünzerei festgenommen. Er hatte Anfang d. Is. in seiner hiesigen Wohnung mehrere falsche Fünfmarkstücke hergestellt und einige davon auch in den Verkehr gebracht. Die zur Herstellung verwendeten Formen und einige falsche Fünfmarkstücke wurden in seiner Wohnung vorgefunden und sichergestellt. Das Urteil im Prozeß Kunert. enb. Berlin, 27. Mai.(Eigene Radiomeldg.) Das Schöffengericht Berlin=Mitte verurteilte den Bankier Max Kunert wegen versuchten Betruges in zwei Fällen an Stelle von zwei Monaten Gefängnis zu 30000 Mark Geldstrafe und den Kaufmann Salomon Dunkelblum wegen Beihilfe an Stelle von einem Monat Gefängnis zu.6000 Mark Geldstrafe. Ein Monat Gefängnis für die Gebrüder Saß. enb. Berlin, 26. Mai.(Eig. Meld.) Das Schöffengericht Berlin=Mitte verurteilte heute nachmittag die Brüder Franz und Erich Saß wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches und gemeinschaftlicher Sachbeschädigung zu einem Monat Gefängnis. Die Untersuchungshaft wurde ihnen angerechnet und der Haftbefehl aufgeboben. den 25. Mai hatte der Vorstand des Provinzialverbandes Westfalen die Delegierten aller in der Provinz Westfalen bestehenden Ortsgr. im Reichsbund der Kinderreichen zu ernsten Beratungen eingeladen. Schon früh am Samstag eilten die einzelnen Vertreter dem als Tagungsort gewählten Grenzstädtchen Gronau zu. Die Stadt Gronau als Endstation von fünf Eisenbahnlinien liegt hart an der holländischen Grenze, hierdurch wird auch das ganze Wesen der Stadt stark beeinflußt. Weltruf genießt die Stadt durch die in ihr betriebene InLustrie. Tausende von Webstühlen geben der strebsamen Bevölkerung ihr tägliches Brot. Die größte Spinnerei des europäischen FestlanLes(Firma Gerrit van Delden u. Comp.) ist innerhalb der Stadt gelegen und ist ein weltberühmtes Denkmal für deutsche Textilindustrie. Im Westen und Norden wird die Stadt von großen Moor und Heideflächen umsäumt, welche Lis in das benachbarte Holland hineinreichen. Texxtilindustrie, Heide, Moor und die nahe holländische Grenze geben der Stadt und ihrer Umgebung ein eigenartiges Gepräge. Nicht vergessen werden darf die herzliche Gastfreundschaft der Einwohner dieser schönen, jetzt im vollen Blumenschmuck prangenden Stadt. All diese vorerwähnten Eigenschaften der Stadt hatten auch den Bundesvorstand mit veranlaßt, die für die Kinderreichen der Provinz Westfalen so wichtige Tagung dahin einzuberufen. Aus dem Verlauf der Tagung sei nachstehendes entnommen: Am Samstag, 9 Uhr früh, wurde der geschäftsführende Vorstand durch den Herrn Bürgermeister der Stadt Gronau empfangen, und ihm die Gastfreundschaft der Stadt angeboten. Anschließend folgte eine engere Vorstandssitzung im Rathaussitzungssaal. Die erste Zusammenkunft der inzwischen von allen Gauen Westfalens und am Bahnhof herzlich begrüßten Teilnehmer an der Tagung fand nachmittags im großen Konkordiasaale statt. Der Vorsitzende des Prov.=Verbandes, Professor Thomsen(Münster), eröffnete die Sitzung und gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß diese wichtige Tagung als weiterer Baustein im Gefüge unseres Volksaufbaues nur das Beste bezwecken wolle. Eine Unmenge von höchst wichtigen Anträgen, aus denen immer wieder unser großes Volkselend hervorleuchtete, wurde durchberaten, und auf Grund dieser Beratungen soll nun der Haupt=Bundes=Vorstand in Berlin die weitere Verfolgung der angeregten Wünsche in die Hand nehmen. Während der Verhandlungen lief ein Begrüßungstelegramm des BundesVorsitzenden Konrad ein, worin derselbe den apferen Westfalen Glück und Segen zu der Tagung wünschte. Als Vertreter des rheinischen Nachbarverbandes begrüßte Herr Otten(Köln) die westfälischen Bundesschwestern und=Brüder. Als weiteren Gast konnte man den Vertreter der Provinz Hannover, sowie zwei Vertreter der Kinderreichen des benachbarten Hollands begrüßen. Nach der angestrengten Tätigkeit der Verhandlungsstunden des Nachmittags folgte am Abend ein gemeinsames Essen aller Teilnehmer an der Tagung. Bei dem echten Nationalessen der Westfalen(Pfefferpotthast) wurde dem Geiste die nötige Entspannung zuteil. Eine vorzügliche Hauskapelle sorgte unermüdlich für die nötige Unterhaltung. Einige besondere Einlagen sowie Tafelreden halsen den Abend würzen. Während dieser im trauten Kreise der Bundesschwestern und Brüder verlebten Stunden wurde durch die Delegierten manche für den einzelnen wertvolle Anregung ausgetauscht. Nur zu früh nahte die Feierabendstunde, aber es mußte um für den kommenden Sonntag gestärkt zu sein, für den ersten Tag Schluß gemacht werden. Am Sonntagvormittag schon in aller Frühe sah man die Delegierten wieder auf der Straße, um sich die Schönheit der gastlichen Stadt etwas näher anzusehen. Der Wettergott hatte ein Einsehen gehabt und in der Nacht den Staub von den Straßen gespült. Die Hauptveranstaltung am Sonntag war die Kundgebung des Prov. Verbandes in der Tonhalle, dem größten Saale der Stadt. Schon lange vor Beginn war der Saal mit Gästen und Delegierten gefüllt. Im Auftrage des Prov. Vorstandes eröffnete der Geschäftsführer Schröder (Münster) die Tagung und ließ zur Eröffnung dem Männergesangverein Gronau den Vortritt. Mit einer Schar von 160 Sängern konnte der tüchtige Dirigent das Sanktus von Lechner einer mit Andacht lauschenden Zuhörerschaft zu Gehör bringen. Starker Beifall bezeugte die Dankbarkeit der Anwesenden. Hierauf konnte der Tagungsleiter in seiner Begrüßungsansprache ganz besonders als Gäste Herrn Otten als Vertreter des durch Krankheit verhinderten Bundespräsidenten und gleichzeitig als Vertreter der rheinischen Kinderreichen begrüßen. Seine weitere Begrüßung galt dem anwesenden Landrat des Kreises Ahaus, dem 1. Bürgermeister der Stadt Gronau, den Mitgliedern des Magistrats und Stadtverordnetenkollegiums von Gronau, den Vertretern der katholischen sowie der evangelischen Geistlichkeit. Als weitere Gäste konnten auch hier die Vertreter aus dem Landesbezirk NiedersachsenHannover sowie der Geschäftsführer und Kassenführer des holländischen Bundes der Kinderreichen begrüßt werden. Ganz besonders begrüßte Herr Schröder die Vertreter der Presse und betonte hierbei, daß gerade die Presse durch ihre tatkräftige Mitarbeit die Bestrebungen des Reichsbundes am besten fördern könne. Ein Begrüßungstelegramm des abwesenden Oberpräsidenten der Provinz Westfalen wurde zur Kenntnis gegeben. Hieran anschließend erteilte Herr Schröder dem Universitätsprofessor Herrn Thomsen(Münster) das Wort zu seinem Referat über die Belange der Kinderreichen, als Hauptreferat des Tages erhielt anschließend Herr Dr. D. Harmsen(Berlin) das Wort zu einem fast einstündigen Vortrage. An die in der Reichsverfassung festgelegten Punkte der Artikel zum Schutze der Familie anknüpfend, beleuchtete der als Verfasser vieler weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Redner die Ursachen des Niederganges unseres Volkes. Das Hrroizialtagung der ninderreichen Weitfulene Am Samstag, den 24. und Sonntag, (Zum 25. Jahrestag der Seeschlacht.) Von Hans Soltau. Mit berechtigtem Stolz feiert am 27. Mai das japanische Volk den 25. Jahrestag der Seeschlacht von Tsuschima, einer Schlacht, die in mehr als einer Beziehung nicht nur für das Inselvolk im Fernen Osten von höchster Bedeuung geworden ist. Ihren überwältigenden Sieg— innerhalb weniger Stunden wurden sieben russische Panzerschiffe versenkt, während vier weitere am nächsten Tage die Flagge strichen— verdankten die Japaner, die selbst kein größeres Schiff verloren, sowohl den eigenen Vorzügen als auch den Fehlern des Gegners. Zahlenmäßig waren beide Flotten etwa gleich, die Russen vermochten sogar den 27 japanischen Geschützen über 25 Zentimeter 41 der gleichen Art entgegenzustellen; aber in Wahrheit welch ein Unterschied! Das russische Geschwader aus den verschiedensten Einheiten zusammengeworfen, zum Teil kaum noch kampffähige Schiffe enthaltend, die Geschwindigkeit durch fünf Monate langen Anmarsch herabgesetzt, dazu nur notdürftig eingefahren, die Besatzungen wenig kriegslustig und schlecht ausgebildet, der Führer Rodjeswenski an sich zwar tatkräftig, aber den Anforderungen der modernen Seeschlacht in keiner Weise gewachsen. Demgegenüber die japanische Flotte, die der russischen um mindestens fünf Seemeilen an Geschwindigkeit überlegen war, jedes Fahrzeug erst vor kurzem überholt, mit ausgewechselten Geschützrohren, die Mannschaften vorzüglich ausgebildet, im Besitz wertvoller Kriegserfahrungen, für ihre Sache begeistert und unter einem Admiral, der alles das an seemännischen und militärischen Eigenschaften besaß, was seinem Gegner abging. Neben dieser qualitativen Ueberlegenheit der Japaner trugen schwerwiegende taktische Fehler der russischen Führung zu dem Ausgang der Schlacht bei. Rodjeswenski war am Mittag des 27. Mai aus völlig ungeklärten Gründen aus der bisher eingehaltenen Kiellinie zur Doppelkolonne übergegangen, obgleich japanische Kreuzer mit seinem Troß, den er unbegreiflicherweise bei der Kampfflotte behalten hatte, bereits in Fühlung standen und daher die Begegnung mit dem Feinde jeden Augenblick zu erwarten war. Es stellte sich dies als ein Fehler heraus, der die Russen von Anfang an in eine fast hoffnungslose Lage versetzte. Als fast noch verhängnisvoller erwies sich ein zweiter Fehler des russischen Führers, der in dem Bestreben, das ihm angewiesene Ziel Wladiwostock zu erreichen, hartnäckig an dem nach dort führenden Nord=Ostkurs festhielt, statt beim Sichten der nordöstlich von ihm stehenden Japaner sofort zum Passiergefecht abzudrehen. Der sich daraus für die Russen ergebende Nachteil hat sich im ganzen Verlauf der Schlacht nicht ausgleichen lassen. Denn Togo kam so in die Lage, vermöge seiner überlegenen Geschwindigkeit das seitdem berühmt gewordene Manöver des„crossing the 1“ durchzuführen, bei dem durch Schwenken um die russische Spitze die Japaner ihr Feuer auf deren Schiffe konzentrieren konnten, während diese in der Ausnützung ihre Artillerie stark gehemmt waren. Es war dies dieselbe Lage, in der sich Admiral Scheer befand, als am Abend des 31. Mai 1916 plötzlich Jellicoes Geschwader vor ihm in weitem Halbkreis aus dem Dunst und Qualm der Skagerrak=Schlacht auftauchten. Aber während sich die deutsche Flotte dank der Entschlußkraft ihres Führers und der unvergleichlichen Fahrkunst ihrer Schiffe durch eine Kehrtwendung von 180 Grad dem feindlichen Feuer zu entziehen vermochte, wurden die Russen am 27. Mai 1905 zu einem wirren Knäuel zusammengetrieben, den die Japaner mit einem überwältigenden Feuer überschütteten. So war binnen kurzem das Schicksal der unglücklichen Flotte besiegelt. straffe, zielbewußte Vorgehen der Regierungen in Frankreich sowohl wie in Italien muß unserer Regierung auch Anlaß geben, das Beste hieraus zu folgern. Während es Frankreich gelungen sei, den größten Feind alles Volksbestehens den gefürchteten Geburtenrückgang zum Stillstand zu bringen, ist in Italien schon die Ansicht laut geworden, mit dem als Folge der einschneidenden Maßnahmen des Politikers Mussolini erzielten Geburtenüberschuß Ansiedlungs= und Ausbreitungs=Absichten weiter zu betreiben. Als besondere Punkte der Mussolinischen Politik erwähnte der Redner das für die Erhaltung des Volkes bedeutsame Verbot der Landflucht sowie die in Italien eingeführte Junggesellensteuer. In seinen weiteren Ausführungen gab der Redner einen Ueberblick über die von der Textil=Industrie Englands eingeführten Ausgleichskassen. Diesen Kassen fließen Beiträge der Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer zu. Im Aufbau sind diese Kassen unseren auf sozialer Grundlage aufgebauten Krankenkassen ähnlich. Da die Löhne der Textilarbeiter gleich hoch sind, erhalten die kinderreichen Arbeitnehmer aus diesen Kassen Zuschüsse zu ihrem Lohn. Dem Arbeitgeber ist es deshalb gleich, ob er kinderlose oder kinderreiche Arbeiter beschäftigt. Anschließend erhob der Redner gegen die ihrem eigentlichen Zwecke entgegenstehende Verwendung der aus der Hauszinssteuer aufkommenden Mittel flammenden Protest. Ein großer Teil dieser Mittel wird jetzt noch zum Ausgleich des fehlerhaft aufgestellten Reichshaushaltes benutzt. Für unsere Regierung darf kein Mittel zu scharf sein, welches geeignet ist, dem Verfall unseres Volkes Einhalt zu gebieten. Als weiteres Mittel, den Niedergang unseres Staates aufzuhalten und der großen Not, der Arbeitslosigkeit, zu steuern, empfahl der Redner unserer Regierung, Siedlungsmöglichkeiten in verstärktem Maße zu schaffen und vor allem das Wohnungsbau=Problem im ganz besonderen, der kinderreichen Familie Rechnung tragenden Sinne beschleunigt weiter durchzuführen. Aus den Ausführungen des Redners ging die Unhaltbarkeit unserer jetzigen Steuer= und Wohnungsgesetze klar hervor. Mit der berechtigten Forderung eines gerechten Ausgleichs der Lasten konnte Herr Dr. Dr. Harmsen seine von einem überaus starken Beifall begleiteten Ausführungen beenden. Im Anschluß hieran sprach Herr Otten=Köln als Vertreter des Bundespräsidenten. Auch er betonte, daß gerade der Besitz eines Eigenheimes auf eigener Scholle der beste Weg zur sittlichen und moralischen Erhaltung unseres Staates sei. Als Vertreter der Kinderreichen des benachbarten Hollands überbrachte Herr Studienrat van Megeren die Grüße unserer holländischen Bundesschwestern und =Brüder. Seine Ansprache gipfelte in den Worten, alle Kinderreichen möchten sich zusammenschließen, um dem Erbfeind aller Völker, dem Geburtenrückgang wirksam entgegentreten zu können. Der Landrat des Kreises Ahaus überbrachte die Grüße der Kreisverwaltung. An das Wort Kundgebung anknüpfend, betonte er, daß Kundgebung gleichbedeutend mit Appell sei, also eine Aufmunterung des Gewissens bedeute. Das Gewissen unserer gesamten Volksvertreter müsse aufgerüttelt werden, alle Kreise unseres Staates müßten ihr Bestes einsetzen, um die ethische Bedeutung dieser Kundgebung mit zu verwirklichen. In ernsten Worten ermahnte der Vertreter der evgl. Geistlichkeit, im Sinne des GottesDie Folgen der Schlacht am 27. Mai 1905 waren ungeheuer und bedeutend weitreichender, als es auf den ersten Blick den Anchsein hatte. In militärischer Hinsicht begründete die Vernichtung der russischen Flotte die unbestrittene Seeherrschaft der Japaner im Fernen Osten. Das entschied auch der Landkrieg. Hier war die Lage des Reiches der aufgehenden Sonne keineswegs rosig. Das Land sah sich am Ende seiner Kräste und wohl kaum noch in der Lage, den überwältigenden Machtmitteln des russische Kollosses auf die Dauer zu widerstehen. Der Schlag von Tschuschima machte jedoch Rußland zum Frieden geneigt, der dann 1906 zu Portsmouth zustande kam. In politischer Beziehung hat Tschuschima den Grundstein zu der Stellung Japans als Weltmacht gelegt. Und auch das Geschick unseres deutschen Volkes hat sie entscheidend mit beeinflußt. Durch den unglücklichen Ausgang des japanischen Krieges vom Stillen Ozean abgedrängt, wandte Rußland sein Gesicht wieder dem Westen zu und faßte alsbald sein altes Ziel, Konstantinopel, von neuem ins Auge. Wie aus diesem Streben nach dem Besitz der Meerengen unter Mitwirkung gewissenloser Kriegstreiber in Petersburg und Paris der Weltkrieg entbrannte, ist nur zu gut bekannt. Wenn wir daher heute unter dem Druck des Versailler Friedens seufzen, so hat dazu letzten Endes der japanische Sieg in der Koreastraße in nicht geringem Maße beigetragen. Die Schlacht bei Tsuschima hat sowohl dem Marineossizier als auch dem Schiffsbauingenieur wertvolle Lehren gegeben. Ersterem zeigte sie die verhängnisvolle Folge falscher taktischer Gefechtsstellung und=formation, sowie den ausschlaggebenden Vorteil höherer Geschwindigkeit eines Geschwaderverbandes. Dieser dagegen erkannte aus ihr die Ueberlegenheit des schweren Schnellfeuergeschützes und die Notwendigkeit, den Schiffskörper gegen Unterwassertreffer zu schützen. In der Tat waren die russischen Schiffsverluste fast ausnahmlos wortes tatkräftig an den Zielen des Bundes mitzuarbeiten. Die Worte des Vertreters der kath. Geistlichkeit wurzelten in dem Wunsche, am Glauben festzuhalten. Ohne Unterschied der Konsession solle sich ein jeder an die göttlichen Gebote halten, vor allem auf das fünfte und sechste Gebot hinweisend, betonte der Redner, daß gerade in der Bekämpfung des Unglaubens die beste Bekämpsung der Unmoral liege. In Anschluß hieran dankte der Tagungsleiter nochmals allen Rednern im Namen der Versammelten für die aufmunternden und erbauenden Worte. Die stillen sowie lauten Wünsche der Versammlung wurden kurz in der nachsteheuden Entschließung zusammengefaßt: „Der Provinzialverband Westfalen im Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands stellt mit Bedauern fest, daß trotz fortschreitender Erkenntnis des bedrohlichen Geburtenrückganges, die in den Artikeln 119, 145, 151 und 155 der Reichsversassung den Kinderreichen zugesicherte Fürsorge im großen und ganzen bislang nur auf eine Unterstützung, wie sie jedem Bedürftigen zuteil wird, hinausgelaufen ist, und alle darüber hinaus getroffenen Maßnahmen unzulänglich waren. Ein Vortrag des Herrn Universitätsprofessors Thomsen(Münster) auf dem diesjährigen Verbandstage zeigte die Notwendigkeit des Zusammenstehens aller abendländischen Kuiturvölker gegen den gemeinsamen Feind„Geburtenrückgang“. Ein Vortrag des Herrn Dr. Dr. Harmsen(Berlin) zeigte, um wieviel die Nachbarländer dem Deutschen Reich in den Leistungen für die Kinderreichen voraus sind. Die Kinderreichen Westfalens ersuchen die Regierung, alsbald in eine ernste Prüfung einzutreten, welche von den Maßnahmen des Auslandes auch für unser Volk geeignet sind, und erwarten baldige, stärkere Fürsorge, die in der Einführung von Erziehungsbeihilfen für alle Stände, wie sie heute schon die Beamtenschaft bezieht, zu gipfeln haben. Elternschaftsversicherung. Zum Abschluß der eindrucksvollen Kundgebung trug der Männergesangverein Gronau noch einen Chor vor und zwar in einer solchen Schönheit, daß der Beifall kein Ende nehmen wollte. Nur mit Mühe konnte sich der Versammlungsleiter durchsetzen, um die so imposant verlaufene Kundgebung mit herzlichen Dankesworten an die Mitwirkenden und vor allem an die gastfreundliche Stadt Gronau zu schließen. Huber. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolétik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Haarwäsche ohne Wasser mit Schwarzkopf=Trocken= Schaumpon. Das Gegebene, wenn Sie ganz rasch lockeres, dustiges Haar haben wollen. Der Puder wird sofort vom Haar aufgenommen, saugt im gleichen Augenblick Schmutz und Fettbestandteile auf, mit denen zusammen er durch kräftiges Ausbürsten wieder aus dem Haar entfernt wird. Dieses glänzt nun wie frisch gewaschen. Die grune Achteckdose mit dem praktischen Puderbeutel— Sorte„hell“ für Blondinen, Sorte„dunkel" für Brünette und Schwarze, kostet nur RM. 1.— und hält lange Zeit vor. darauf zurückzuführen, das Treffer unterhalb der Meeresfläche zu Wassereinbrüchen führten, worauf die Schisse volliefen und kenterten. ha. Rücksicht auf den Vermieter. Die Zustimmung zum Wohnungstausch kann u. U. vom Wohnungsamt ersetzt werden. Kann der Vermieter ohne den Wohnungstausch den Ertrag seines Hauses durch Vermietung der Wohnung zu einer freien, dem Reichsmietengesetz unterliegenden Miete erhöhen, so ist nach einem Rechtsentscheid des Kammergerichts diese Möglichkeit bei der Prüfung zu berücksichtigen, ob die Zustimmung zu ersetzen ist. ha. Flaggenzwang. Zur Beschaffung der Reichs= und Landesflaggen mußten die Schulverbände bisher nach den Bestimmungen des Gesetzes über die Feststellung von Anforderungen für Volksschulen angehalten werden. Seit der Geltung des Gesetzes über das Flaggen durch Körperschaften des öffentlichen Rechts und der Verordnung über das öffentliche Flaggen von 1929 genügen die Vorschriften des Gesetzes über die Zuständigkeit der Verwaltungs= und Verwaltungsgerichtsbehörden von 1883. Der Volksbildungsminister macht jetzt die Regierungen usw. darauf aufmerksam. Die Bestimmung des letzteren Gesetzes kann aber nur auf Gesamtschulverbände im Geltungsbereiche des Volksunterhaltungsgesetzes und auf Schulsozietäten im Restgebiete der früheren Provinz Posen angewandt werden. Bei Weigerungen der Schulverbände Reichs= und Landesflaggen zu beschaffen, kann ein disziplinarisches Einschreiten gegen den Gemeindevorstand, den Bürgermeister, Gemeindevorsteher oder Schulverbandsvorsteher in Frage kommen. Die beteiligten Stellen werden ersucht, sich in diesem Falle mit dem zuständigen Regierungspräsidenten in Verbindung zu setzen. Aus den Aus Groß=Dortmund — Selbstmord. Gestern um 6 Uhr wurde der Arbeiter Christian Sch. Papengarten 24 wohnhaft auf einer 8 Meter hohen Bühne einer Hochofenanlage des Eisen= und Stahlwerks Hoesch von Arbeitskollegen tot aufgesunden. Sch. hatte ein Gasventil geöffnet und Kohlenoxydgase eingeatmet. Lebensüberdruß soll der Grund zu diesem Freitod gewesen sein. Die Leiche wurde zum Hauptfriedhof transportiert. — Das Uebersallkommando muß eingreifen. In der Nacht zum Montag gegen 1,15 Uhr waren 4 Männer in das Haus Hohestraße 79 eingedrungen und hatten den Hausbesitzer überfallen. Das Ueberfallkommando wurde alarmiert und stellte die Personalien an Ort und Stelle fest. Mehrere Fensterscheiben des Hauses waren eingeschlagen worden; bei einem der Beteiligten wurde ein Messer gefunden, welches polizeilich sichergestellt wurde. h Werl. Notlandung im Kornfeld. Ein Postflugzeug, das mit mehreren Passagieren besetzt war, sah sich zwischen Lüttringen und Hünningen gezwungen, infolge Motordefektes eine Notlandung in einem Kornfelde vorzunehmen. Dabei wurde ein Insasse verletzt. Die Maschine wurde schwer beschädigt. h Hamm. Selbsthilfe der westfälischen Landwirtschaft: Die Verwertungsgesellschaft westfälischer Herdbuchzüchter veranstaltet am kommenden Dienstag hier in den städtischen Zuchtviehhallen vormittags um 11 Uhr ihre 14 Versteigerung von Zucht= und Ackerkühen. Es ist mit dem Auftrieb von etwa 30 hochtragenden und frischmelken Kühen zu rechnen, die durch die Verwertungsgemeinschaft von Landwirt zu Landwirt umgesetzt werden. Diese Art der Selbsthilfe der Landwirtschaft erfreut sich in Rheinland und Westfalen eines stets steigenden Besuches. h Wuppertal. 240 Küken verbrannt. Ein Arbeitsloser hatte sich in der Fleute eine Hühnerfarta mit 240 Külen eingerichtet. Durch Ueberhitzung eines Ofens brach ein Brand aus, dem sämtliche Tiere zum Opfer fielen. h Wiedenbrück. Ein Radfahrer mit brennendem Paletot. Passanten machten einen Radfahrer, der mit brennendem Paletot die Straße Enninger=Enningerloh befuhr, auf diese schwere Gefahr ausmerksam. Der Mann hatte auf dem Rade geraucht. Dabei muß wohl ein Funke auf den Mantel gefallen sein und diesen entzündet haben. Von dem Vorfall hatte er jedoch nichts gemerkt. Der Paletot war vollständig vernichtet, während die darunter befindliche Jacke ein kleines Loch aufzuweisen hatte. h Borghorst. Im Springbrunnenbecken ertrunken. Das eineinhalbjährige Kindchen des Mühlenbesitzers Spinne stürzte im väterlichen Garten beim Spiel kopfüber in das Springbrunnenbecken und ertrank. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg. l. Minden. Selbstmord beim Angeln. Der Architekt K. hatte sich zum Angeln an die Weser begeben. Plötzlich zog er eine Waffe aus der Tasche und machte seinem Leben durch Erschießen ein Ende. Was den allerseits in Minden beliebten Mann zu diesem Schritt veranlaßt hat, ist bisher noch unbekannt. I. Petershagen. Ein fünfbeiniges Schwein. Verschiedentlich hat man schon von Tieren mit annormalen Formen gehört, die aber meistens bald nach der Geburt eingegangen sind. Der Landwirt K. in Holzhausen besitzt jedoch en Schwein mit fünf völlig ausgebildeten Beinen. Das Tier soll jetzt gemästet werden, da es sich bester Gesundheit erfreut. a. Lüneburg. Eine Postkarte ist 24 Jahre unterwegs und kostet Strafporto. Am 30. September 1906 wurde nach dem„Hannoverschen Kurier“ in Bardowiek bei Lüneburg eine Ansichtskarte an eine Einwohnerin in Husum aufgegeben. Jetzt hat nach 24 Jahren die Karte zusammen mit einer an die gleiche Adressatin im Jahre 1927 in Hamburg aufgegebene Postkarte ihren Bestimmungsort erreicht. Die Karte aus dem Jahre 1906 kostete sogar noch 10 Pfennig Strafporto, weil sie selbst, verständlich die alte Germania=Freimarke zu 5 Pfg. trug. a Dülmen. Wildpferdefang in Westfalen. Das traditionelle Schauspiel des Einfangens der wilden Pferde in der über 500 Morgen großen Wildbahnanlage des Herzogs von Croy hatte trotz der nicht allzu guten Witterungsverhältnisse etwa 10000 Besucher aus dem ganzen Industriegebiet nach Dülmen gebracht. Das Einkesseln der wilden Tiere begann pünktlich um 15 Uhr und ca. 20 Minuten später konnte der Einfang, in dem hergerichteten Kral erfolgen, ein schwieriges und sehr gefährliches Werk, bei dem sich die wilden Pferde schnaufend, hinten und vorn austretend, gegen das Joch der Zivilisation stemmten und die Häscher seltsame Purzelbäume beim Einfangen schießen ließen. Schließlich mußten sie aber sich doch der Uebermacht ergeben. 15 kleine wilde Ponys wurden eingefangen, die bei der anschließenden Versteigerung 170 Mark pro Tier erbrachten. Drei Pferde wurden an die Besucher verlost. Das gute, echte ärztlich empfohlen für Zuckerkranke erhält man bei 902 Tilo Bäckerei und Konditorel Maselackstraße 1 Auf vorzügliche Weide werden noch einige Ainder angenommen. s Geb. Haver Ein Glas Wein als billigster Haustrunk mit Flasche 95 Pfg. Zuverlässiges, sauberes Morgen* Mädchen sucht M. Braus, Könlgstr. 12 nachm. zw. 3 u. 4 Uhr Ein kräftiger Junge angekommen! Dr. med. 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Mts., 10 Uhr vormittags, werde ich hier, Westenstraße 15, 1 Chevrolet(4=Sitzer) 1 Hobelmaschine 1 Flurgarderobe 1 Nähmaschine 1 Registrierkasse 1 Bild 4 Meter Seide 1 Plüschsofa 1 Klavier öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. 2067 Schwerte, 27. Mai 1930. Trausch, Obergerichtsvollzieher. Zwangsversteigerung Im Wege der Zwangsvollstreckung werde ich am Mittwoch, den 28. Mai 1930, vorm. 10 Uhr im Verst.=Lokal Möller, hier(Westenstraße), 1 Parlophon mit 50 Platten, 2 Küchenschränke, 1 Kleiderschrank, 4 Wandbretter mit 40 Stück antiken Sachen(Gefäßen pp.) 1 Waschmaschine, 1 Radioapparat, 1 Schreibmaschine(Merz), 1 Schreibtisch 2067 öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Schwerte, 27. Mai 1930. Kubon, Gerichtsvollzieher kr. A. WerkstattRäume evtl. mit Wohnung, sofort zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsst. dies. Zeitg. Ergl. Männer-Verein unternimmt nebst Angehörigen am Himmelfahrtstag eine Frühwanderung ins Elsebachtal, verbunden m. Waldgottesdienst. Gesangbücher mitbringen. Abmarsch 7 Uhr vom Marktplatz. Mittwoch, den 28. ds. Mts., vorm. 8 Uhr, wird auf der Freibank das Fleisch eines Schweines verkauft. 2063 Schlachthofverwaltung. Einige Sehifminen stellt sofort ein Frau Nordmann, Werkstatt für feine Damenkleidung, Mülmkestraße 9. Telummachung Die Arbeiten zum Bau eines VierfamilienWohnhauses für den Gemeinnützigen Spar= und Bauverein in Ergste sollen geteilt oder in schlüsselfertiger Herstellung vergeben werden. Angebotsvordrucke sind gegen Erstattung der Schreibgebühren im Amtsbauamt des Amtes Ergste in Iserlohn, Wolfsgasse, zu haben. Angebote sind verschlossen und mit Aufschrift versehen, bis Dienstag, den 3. Juni 1930, mittags 12 Uhr, dem Amtsbaurat einzureichen. Iserlohn, den 26. Mai 1930. 2069 Amtsbauamt des Amtes Ergste. Sie erhalten den schönsten KUCHENT•• Wenn Sie Ihn herstellen nach den Rezepten aus den Kochbüchern unserer BUCHHANDLUNG CARL BRAUS BARAROFSTRASSE a. Technikum Lemgo i. Lippe Moch-, Tief- u. Eisenbeionb au Maschinenbau. Elektrotechnik Zwungeeersteigerung Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuch von Schwerte, Band IV, Art. Nr. 192 eingetragenen, nachstehend beschriebenen Grundstücke am 26. Juni 1930, vormittags 11 Uhr, an der Gerichtsstelle, Hagenerstraße Nr. 40, Zimmer Nr. 14, versteigert werden. Nr. 195 Gemarkung Schwerte, Flurbuch Nr. 38, Parzelle Nr. 63/7, Grundsteuermutterrolle Nr. 248, Kampstraße, Größe 7 a 44 qm, Gebäudesteuernutzungswert 2970.—; Nr. 24 Gemarkung Schwerte, Flurbuch Nr. 38, Parzelle Nr. 62/6, Gebäudesteuerrolle Nr. 749, bebauter Hofraum, Größe 09 qm. Der Versteigerungsvermerk ist am 26. Febr. 1930 in das Grundbuch eingetragen. Als Eigentümer war damals der Kaufmann Fritz Hagemann zu Schwerte eingetragen. Schwerte, den 10. März 1930. 2065 Das Amtsgericht. Lademstarmi sochausenstern am besten für Lebensmittel-Verkauf oder Friseurgeschäft geeignet, mit Nebenzimmer auf sofort zu vermiet. Näheres Hagenerstraße 34.[2019 Himmelfahrt im„Freischütz“ morgens 7 Uhr, nachmittags 4 Uhr, abends 8 Uhr Militär-Konzerte des Musikkorps I. Bati.-Inftr.-Reg. 18 Paderborn Leitung: Obermusikmeister Plaschke Morg. 7 Uhr: Choral mit Glockengeläut vom Freischützturm. Abends: Histor. Konzert ant. Mitwirk. d. Spielleute. Eintritt 6O Pfg., Inkl. Steuer. Nachm. gelöste Karten gelten auch abends. 2046 Bäder Bad Königsborn bei Unna. Am Himmelfahrtstage, Donnerstag, den 29. Mai 1930, findet in dem prächtigen Königsborner Kurgarten ein großes Sonderkonzert der Kurkapelle statt, das von 4 bis etwa 8 Uhr dauert. Es gelangen die auserlesensten Musikstücke zum Vortrag. Der 60 Morgen große Kurgarten prangt im schönsten Frühlingsschmuck. Küche und Keller sen und Getränke. Wer daher einen lohnenden der Kurgarten=Restauration bieten gute: SpeiAusflug unternehmen will, besuche das Himmelfahrtskonzert im Königsborner Kurgarten. 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Freischütz Jeden Mittwoch KONZENT Abends Tanz Eintritt frei Nr. 132(3weites Blatt) „chwerter henlung Dienstag, 27. Mai 1930 Glatlens Kriegederberenungen Von General Pietro Gozerra, italienischen Kriegsminister. Angesichts der Aufsehen erweckenden Kriegsrede Mussolinis, die sich hauptsächlich gegen Frankreich richtete, erhält der nachfolgende Artikel erhöhte Bedeutung. Im Kriege der Zukunft werden Land=, Seeund Luftstreitkräfte auf das engste zusammenwirken müssen, in besonderem Maße die Landund die Luftwafse, und zwar nicht nur hinsichtlich der Operationen in ihren Hauptzügen, sondern auch bezüglich der Verwendung kleinerer Einheiten. Den Geist dieser Grundsätze atmen sowohl die„Allgemeinen Vorschriften für die Verwendung großer Einheiten“ als auch die„Richtlinien für die Verwendung der Division“. In beiden wurden die Erfahrungen des Schützengrabenkrieges verwertet, aber auch den Bewegungskrieg im offenen Felde verlor man nicht aus den Augen. Um den für diese Art der Kriegsführung nötigen Raum und die erforderliche Betätigungsfreiheit zu erhalten, muß man wieder das alte System anwenden, also den Hauptteil der Streitkräfte gerade dort zusammenziehen, wo die Entscheidung im Durchbruch durch die feindlichen Linien gesucht werden soll. Wenn Italien an seinen Landgrenzen kämpfen muß, so bestimmt das gebirgige Gelände in erster Linie die Art seiner Kriegsführung. Daher werden bei uns Offiziere und Mannschaften nicht nur für diese besonders schwierige Kampfesart ausgebildet, sondern auch mit dem für den Gebirgskrieg geeigneten Kriegsgerät und Ausrüstungsgegenständen versehen. Auf den ersten Blick könnte es scheinen, daß die Notwendigkeit, in gebirgigem Gelände zu fechten, mit dem Bestehen von Kavallerieverbänden in der italienischen Armee nicht in Einklang zu bringen ist. Wir verfügen in der Tat über 12 Kavallerieregimenter, zu denen noch, wegen ihres Charakters als schnell bewegliche Truppe, die 12 Bersagliere=Regimenter zu Rad treten. Auf diese Weise erreichen wir das größte Verhältnis von Kavallerie zu den übrigen Waffengattungen von allen europäischen Heeren. Diese leicht beweglichen Kräfte werden auf der vorgeschobenen Front der Armeen während der Versammlung und des Aufmarsches wertvolle Dienste leisten können durch Fernaufklärung und Deckung marschierender Truppen, die unbedingt gegen Ueberraschungen zu schützen sind. Daher haben wir, ohne jenen Einheiten die Beweglichkeit zu nehmen, sie so ausgerüstet und ausgebildet, daß sie schnell zum Gefecht zu Fuß bei starker Feuerkonzentration übergehen können. Verbände, doch dürfte diese Waffe in Zukunft wohl vermehrt werden, sobald die leichten Kampfwagen eingeführt sind. Allerdings hat auch der heute gebräuchliche Wagen durchaus befriedigt. Besondere Bedeutung mißt man dem Artillerie=Schlepper für die Beförderung von Geschützen bei. Die schwere Artillerie hat die Type P. 4 eingeführt, einen bestimmt sehr leistungsfähigen Schlepper; ein ähnlicher ist für die Feldartillerie in Aussicht genommen. Aber ungeachtet der erheblichen Leistungen unserer Motor=Industrie auf diesem Gebiete sind wir noch in großem Umfange auf Maultiere beim Transport angewiesen, sowohl für die fechtende Truppe als auch für den Nachschub dicht hinter der Front. Und zwar weniger wegen der Steigungen der Gebirgsstraßen, die der Schlepper P. 4 leicht bewältigt, als wegen der geringen Breite dieser Wege, die in Italien heute noch die Verwendung mechanischer Schlepper in größerem Umfange verbietet. Trotz aller Fortschritte der Industrie und Technik dürfen wir schließlich den menschlichen Faktor nicht vergessen. Denn der Soldat trägt doch die Hauptlast des Kampfes, von ihm hängt der Erfolg in erster Linie ab. Die italienische Infanterie verfügt über die modernste Bewaffnung; diese umsaßt neben dem Gewehr leichte und schwere Maschinengewehre, die, einander ergänzend, ihre verschiedenen Aufgaben gut zu erfüllen mögen. Der italienische Infanterist ist außerdem reichlich mit Handgranaten ausgerüstet und wird von sehr wirksamen Infanteriegeschützen unterstützt. Entscheidend bleibt aber in jeder Schlacht für den Wert des Mannes, der die Waffen führt und— sei es auch nur in bescheidenem Maße — an der Durchführung des Schlachtplanes mitwirkt, das moralische Element. Die genialsten Ideen des Führers und die noch sorgfältig aufgestellten Pläne können nicht zum Erfolge führen, wenn Offizier und Truppe nicht im höchsten Grade von Begeisterung und Vertrauen zu sich selbst, ihren Vorgesetzten und ihren Waffen erfüllt und von einer Selbstverleugnung beseelt sind, die sie befähigt, das Leben zu opfern. Deshalb hat der militärische Organisator wie überhaupt jeder Führer keine edlere und wichtigere Aufgabe als die, den Soldaten seelisch zu bilden. Der italienische Soldat reagiert mit bewunderungswürdiger Bereitwilligkeit auf die ständige Sorge seiner Offiziere um ihn, die ihrerseits voller Leidenschaften dem anfeuernden Beispiel des Königs und des Duce selbst nacheifern. Neuwahten in Englank Am 30. Mai jährt sich der Wahlsieg der englischen Arbeiterpartei zum ersten Male, und am 5. Juni könnte Macdonald, falls es nicht inzwischen zum Sturz des Arbeiterkabinetts kommt, sein einjähriges Premierministerjubiläum feiern. Die Londoner Presse aller Richtungen ist jedoch wenig zuversichtlich und prophezeit nahezu einmütig, daß die Labourregierung ihren ersten Geburtstag zu begehen nicht imstande sein wird. Tatsächlich sieht die Lage für die Regierung überaus ernst aus. Nicht nur, daß der Freiheitskampf des indischen Nationalisten Gandhi der Arbeiterregierung recht große Sorgen macht und sie zur Anwendung starker militärischer Machtmittel gegen die Gandhileute zwingt, hat sie auch auf innerpolitischem Gebiete mit erheblichen, wenn nicht sogar unüberwindlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die unter Umständen zum Sturze der Arbeiterregierung führen können. Die Lage Macdonalds ist um so ernster, als die Angriffe gegen die Regierung gleich von drei Seiten ausgehen, und zwar bezeichnenderweise auch aus dem eigenen Lager. Die unabhängige Arbeiterpartei, der linke Flügel der Arbeiterpartei, hat durch seine radikalen Forderungen der Partejführung bekanntlich schon immer Schwierigkeiten gemacht, diesmal jedoch scheinen die Meinungsverschiedenheiten ziemlich ernster Natur gewesen zu sein. Der Führer der Mißvergnügten ist der vor einigen Tagen zurückgetretene Minister Sir Oswald Mosley, der Schwiegersohn des vor einigen Jahren verstorbenen konservativen Außenministers Lord Curzon. Mosley hatte dem Kabinett Vorschläge zur Bekämpfung der auch in England ständig wachsenden Arbeitslosigkeit überreicht, ohne aber die Zustimmung der übrigen Kabinettsmitglieder zu finden. Er stellte darauf sein Ministeramt zur Verfügung und unterbreitete der Arbeiterfraktion eine Entschließung, in der die Fraktion aufgefordert wurde, sich für die von ihm entwickelten Gedankengänge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auszusprechen. Macdonald bezeichnete darauf diese Entscheidung als ein Mißtrauensvotum gegen das Kabinett und forderte die Fraktion auf, die Entschließung Mosleys abzulehnen und der Regierung damit ihr Vertrauen zu bekunden. Die Mosley=Resolution wurde hierauf mit 210 gegen 29 Stimmen verworfen. Damit war die Rebillion im eigenen Lager niedergeschlagen. Bedeutend ernstere Gefahren drohen dem Kabinett durch die Opposition. Die Konservativen bekämpften besonders die Flottenpolitik Macdonalds und haben einen von Baldwin, Sir Austen Chamberlain, Churchill und anderen Mitgliedern unterzeichneten Antrag eingebracht, der die Bildung eines Ausschusses von 11 Parlamentsmitgliedern zur Prüfung der Bestimmungen des Londoner Flottenvertrages verlangt. Die Regierung wird der konservativen Forderung auf erneute Erörterung des Flottenvertrages im Unterhaus zustimmen, jedoch voraussichtlich gegen die Einsetzung des Elferausschusses Stellung nehmen. Eine Ablehnung der konservativen Forderung würde mit einer verschärften Opposition beantwortet, die sich bei dem Vorstoß der Liberalen in der Wahlrechtsfrage schon in den nächsten Wochen auswirken könnte. Macdonald hat nämlich seit einigen Tagen mit Lloyd George über ein etwaiges Zusammengehen in der Arbeitslosenfrage verhandelt. Dabei wurde ihm von dem Führer der Liberalen die Gegenforderung auf Herbeiführung einer Wahlrechtsreform präsentiert. Macdonald hat Lloyd George andeuten lassen, daß er sich auf eine„politische: Erpressung", nicht einlassen und keinerlei Versprechungen über die Einführung des Verhältniswahlrechts machen könne. Hierauf hat Lloyd George den Kampf angesagt und für Dienstag nachmittag eine Sitzung der liberalen Unterhausfraktion einberufen, auf der die Entscheidung fallen wird, ob bei der Arbeitslosenaussprache am Mittwoch die Regierung unterstützt oder gestürzt werden soll. In liberalen Kreisen wird von einer sehr starken Möglichkeit für baldige Neuwahlen gesprochen. Tatsächlich liegen die Dinge etwa so, daß Konservative und Liberale eine Mehrheit gegen die Regierung im Parlament zusammenbringen könnten. Das Regierungsblatt„Daily Herald“ gibt in einem Leitartikel die Gefahren für den Bestand der Regierung offen zu. Von verschiedenen politischen Seiten wird übereinstimmend darauf hingewiesen, daß Macdonald entschlossen ist, für den Fall einer Abstimmungsniederlage am kommenden Mittwoch das Parlament auf zulösen. Eine Rettung des Kabinetts ist nur möglich, wenn die konservative Partei sich weigert, sich das Marschtempo von den Liberalen vorschreiben zu lassen, und— wie schon einmal beim Kohlengesetz— durch Abkommandierung von genügend Kranken und Säumigen mittelbar die Regierung zu retten. Zu einem solchen Kurs dürften die Konservativen um so eher bereit sein, als sie kaum Neigung haben dürften, sich gegenwärtig mit der Regelung des indischen Problems zu belasten. Die Fortschritte in der Mechanisierung fremder Heere werden genau verfolgt. England findet wegen seiner jüngsten raschen Fortschritte auf diesem Gebiete besondere Bewunderung. Wir dagegen sind nicht in der Lage, die Mechanisierung des Zug= und Beförderungswesens in großem Umfange durchzuführen. Italien verfügt z. Zt. nur über einige KampfwagenDr. Hella Welling auf der Anklagebank Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle Roman von P. Wild. 30. Fortsetzung.(Nachdruck verbo „Dieser Doktor Lumtowski lügt, aus Haß, verschmähter Liebe. Weil ich ihn abgew habe, hat er gedroht, mich zu verderben.“ „Ist Doktor Lumtowsky Ihr Liebhaber? „Um Gottes willen, nein. Wofür halten mich? Ich hätte ihn längst entlassen sollen, hat er mir bei der Flucht einen großen D geleistet; ich konnte ihm dieses nicht verge Meinen Dank habe ich an einen Unwürdigen schwendet.“ „Wann haben Sie Indien verlassen?“ „Vor fünf Jahren.“ „Seit jener Zeit sind Sie ständig in Di Lumtowskys Begleitung gewesen?" „Ja. Später verfolgte er mich mit s Liebe, was mir überaus lästig war, doch lie sich nicht abschütteln. Wenn ich Ernst ma verchschieten wollte, bat er immer wit bis ich ihn behlett. Er tat mir leid, denn er pekuntär vollkommen von mir abhängig.“ Lumtowskys Gesicht war tiefernst. amsehsläiren Sie uns das, Herr Doktor 8 „Kennen Sie Wedekinds„Erdgeist“, Vorsitzender? Diese Frau ist eine Lullu. S# wie die Sünde und innerlich faul— phos reszierender Sumpf. Alle verlockt sie und stöß fort, wenn sie ihrer überdrüssig wird, eine Te lin, ein Vampyr, der alles Gute aus den# schen heraussangt. Wer ihr verfällt, ist verlo Suuy ny bin es— rettungslos. Sie scheut nichts zurück, und ein Mord ist ihr ein Geringes, wenn es ihren Vorteil gilt.“ Awad Hera begehrte auf, doch ließ er sie nicht zu Worte kommen. „Auch Baron Malward geriet in ihre Netze; sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, ihn zu heiraten. Warum? Wer erkennt das Wesen der Sphinx?!“ „Heiraten? Sie behaupteten doch soeben, daß die Prinzessin Ihre Gattin sei, da wäre eine Heirat doch....“ „Bigamie", bestätigte Doktor Lumtowsky unbewegt.„Was fragt diese Frau danach?“ „Und Sie?“ „Ich bin ebenso schuldig, das sagte ich schon. Von mir später.“ Seine Stimme wurde leiser, tief und schwingend.„Ich werde nichts verschweigen noch beschönigen. Bleiben wir zunächst beim Fall Malward. Marion hat den Baron moralisch vernichtet, wie sie mich vernichtet hat; es geht eine dämonische Macht von diesem Weibe aus. Vor dem Mord an Frau von Malward stand sie vor der Verehelichung mit dem Baron.“ „Und Sie? Mir scheint es wenig glaubhaft, daß Sie als Gatte unbeteiligt waren und gleichgültig zuschauen wollten.“ „Es war so. Ich hoffte, durch diese Heirat von jeder Gemeinschaft der unseligen Verbindung mit dieser Frau befreit zu werden. Unsere Ehe war keine Ehe mehr; sie warf mich beiseite, nachdem sie mich pekuniär bis zum Letzten ausgebeutet hatte. Dann machte sie mir den Vorschlag, als indische Prinzessin aufzutreten, da ein solcher Titel der beste Kreditbrief sei, wenn sich ein dazu passendes Auftreten mit ihm verbinde. Es war ein teuflischer Kontrakt. Wir lebten vom Glücksspiel, nein, vom Falschspiel. Auch Malward wurde ihr Opfer. Da wir seinerzeit sehr unter Geldmangel litten— man war uns auf die Spur gekommen, und wir mußten eine Zeitlang sehr vorsichtig sein—, so kam der Tod des Geheimrats Lisenius und die Erbschaft seiner Tochter uns allen sehr gelegen. Mit Einwilligung Marions gingen die Versöhnungsversuche vor sich. Sie arbeitete einen verbrecherischen Plan aus; Hanny von Malward wäre ihr Opfer geworden heute oder morgen. Ein Entrinnen gab es nicht. Als die Versöhnung scheiterte— durch einen verlorenen Brief Malwards erfuhr Frau von Malward von seinen Beziehungen zu Marion=Awed Hera, verneinte sie jede weitere Beziehung zu ihm—, wurde die Frage des Beiseiteschaffens akut, weil der Ehekontrakt noch Geltung hatte, der Malward zum Erben seiner Frau einsetzte. So spielte sich das Drama ab. Malward, meine Frau und ich waren Mitspieler. Er ist am Abend auf Capri gewesen und hat die Baronin in den Abgrund gestoßen; das Alibi wur falsch. Die Französin, Madame Sulpice, war niemand anders als sie selbst, meine Frau. Die Bestätigungen waren falsch. Niemals hätte diese Frau eine andere neben sich geduldet; ihre Eifersucht ist maßlos.“ Awad Hera lachte drohend auf. „Eifersüchtig, ich? Stecken Sie den Wahnsinnigen in eine Anstalt; ich fürchte mich vor ihm!“ „Warten Sie noch ein wenig,“ meinte Lumtowsky im gleichen Tonfall.„Marion, weißt du, daß Malward ein Verhältnis mit der indischen Tänzerin Sarinya Udiana hat?“ Sie lachte überlegen und zuckte mit den Schultern.„Der Herr hätte Romanschreiber werden sollen; seine Phantasie ist verblüffend. Geben Sie sich keine Mühe, Doktor; meine Eifersucht extstiert nur in Ihrer Einbildung, wie die Tänzerin.“ Eine fremde Stimme unterbrach sie in gebrochenem Deutsch: „Doktor Lumtowsky sagt die Wahrheit.“ Wie der Blitz schnellte die Inderin herum, fuhr zurück. Das war ja....“ „Blackfield, Prinzessin," verbeugte er sich grotesk.„Entsinnen Sie sich jenes Abends bei Ihnen, wo ich Baron Malwards Handschrift deutete? Niemals war mir eine so prägnant ausgesprochene verbrecherische Schrift vorgekommen, bei der ich das Geschehen eines Verbrechens direkt verfolgen konnte. Selbstverständlich zweifelte ich an mir selbst. Doch war mir der Fall so wichtig, daß ich mit meinem Freund, dem Detektiv Boothwell, die Sache durchsprach. Ich mußte erfahren, ob die Schrift die Wahrheit sagte oder trog. Er teilte mir bald alle Einzelheiten von Malwards Tun und Lassen mit. So erfuhr ich, daß Baron Malward sehr häufig mit Sarinya Udiana, der Tänzerin mit der Halbmaske, in der berüchtigten Morphiumhöhle„Nirwana“ in London verkehrte." Entsetzt starrte Awad Hera Chutteryee ihn an; auch Malward fuhr zurück. Nur der Russe bewahrte beim Auftreten dieses unverhofften Helfers vollkommene Ruhe. „Es ist nicht wahr,“ zischte die Prinzessin. „Ich kann meine Aussagen belegen. Baron, Sie interessierten mich, und ich habe Sie beobachten lassen. Entsinnen Sie sich Mister Palmbrokes?“ „Mister Palmbroke war der Verräter?“ schrie Awad Hera auf. „Allerdings, sein richtiger Name ist Detektiv Boothwell. Prinzessin, Sie können sich übrigens von der Wahrheit selbst überzeugen. Denn auf Veranlassung des Barons hat die Inderin ein Engagement im„National“ bekommen, und er ist abend...“ Ein Schrei— wild, wütend. „Ist das wahr?“ wandte sie sich an Malward. „Ja,“ beteuerte an seiner Stelle der Engländer.— Nun vermochte sie ihre Leidenschaftlichkeit nicht mehr zu zügeln: die elegante Dame wurde zur Mänade, zur Medusa. Sie sah entsetzlich aus, zum Fürchten; ihre Eifersucht durchbrach alle Schranken. Blaß vor Wut, zitterte sie am ganzen Körper. Es schüttelte sie vom Kopfe bis zu den Füßen. Sie vermochte nicht zu sprechen. (Fortsetzung folgt.) Schwerte, den 27. Mai 1930. Die Pfingstnelke erschließt in diesem Jahre mit seinem warmen Lenzwetter ihre schönen hellroten Blüten früher als sonst. Sandboden, Oedland, Felsengelände sind ihr bevorzugter Standort. Leider war sie jahrelang der Verfolgung unverständiger Menschen ausgesetzt, so daß sie sich heute schon in fast unzugängliche Einsamkeiten zurückgezogen hat. In der Volksheilkunde hat sie niemals eine Rolle gespielt, und dennoch hat man sie sast ausgerottet— nur deshalb, weil sie so schön ist. Wie erbärmlich muß es doch mit der Naturliebe vieler Menschen bestellt sein, wenn sie sich in der Vernichtung gerade der schönsten Kinder unserer einheimischen Flora kundtut! Die Pfingstnelke genießt wie manche andere Pflanze behördlichen Schutz. Unkenntnis der Gesetze und Verordnungen schützt nicht vor Strafe. Man lasse deshalb die Pflanzen und vor allem die Blütenpflanzen ungeschoren. Es genügt, daß man sich an ihrer Schönheit erfreuen kann und anderen Menschen die gleiche Freude gönnt. Gedenktage: 27. Mai: 1564 Johannes Calvin in Genf gestorben(geboren 1509)— 1676 Der protestantische Liederdichter Paul Gerhardt in Lübben gestorben(geboren 1607)— 1703 Gründung von St. Petersburg durch Peter d. Gr. — 1840 Der Geigenkünstler Niccolo Paganini in Nizza gestorben(geboren 1782)— 1874 Der Schriftsteller Richard v. Schaukal in Brünn geboren— 1910 Der Bakteriologe Robert Koch in Baden=Baden gestorben(geboren 1843). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 26. Mai 1930. Ueber Europa ist der Luftdruck weiter gesunken, da das Tiefdruckgebiet sich von Norddeutschland weiter nordwärts mit seinem Kern nach Jüttland verlagert hat. Bei Island ist ein neues Tiefdruckgebiet herangezogen. Verhältnismäßig hoher Luftdruck erstreckt sich von Südwesteuropa her über Frankreich und Süddeutschland nach Südosteuropa. Heute früh war es in Deutschland im Nordwesten trübe und vereinzelt regnerisch, sonst trocken und ziemlich heiter. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 11 und 17 Grad. Der Kahle Asten hatte mäßigen Südostwind, Nebel und 7 Grad Aussichten bis Mittwoch: Wolkig sowie zeitweise leichte Regenfälle bei wenig veränderten Temperaturen. Verkehr an den Postschaltern. Damit der Verkehr an den Postschaltern sich möglichst glatt abwickelt, empsiehlt es sich, für die Erledigung der Postgeschäfte möglichst eine Zeit außerhalb der Hauptverkehrsstunden zu wählen, auf alle freizumachenden Sendungen die Marken vor der Einlieferung aufzukleben. Bei Briessendungen, Postanweisungen, und Zahlkarten ist der Absender hierzu verpflichtet. Vorheriges Auftleben der Marken verkürzt die Wartezeit am Schalter. Zu Wert= und Einschreibesendungen einen Einlieferungsschein— mit Tinte— vorher auszuschreiben, das Geld abgezählt bereitzuhalten und größere Mengen Papiergeld stets geordnet zu übergeben. : Zum 1. Preußischen Feuerwehrtag in Münster in Westfalen. Der Preußische Landes=Feuerwehr=Verband hält— wie wir bereits mitteilten— in den Tagen des 15. bis 18. August 1930 in Westfalens Hauptstadt, als dem Sitz des Verbandes, nach 47jährigem Bestehen den ersten preußischen Landesfeuerwehrtag ab. Die sehr reichhaltige Tagesordnung ist jetzt noch ergänzt worden durch eine Reihe von Fachvorträgen bekannter Persönlichkeiten über die einheitlichen Vorschriften für die Feuersicherheit in Garagen, Warenhäusern usw., über Gasschutz bei den Freiwilligen Feuerwehren, über Feuerverhütung und Feuerbekämpfung auf dem Lande, über Bau und Betrieb neuzeitlicher Kleinkraftmotorspritzen und über Brandschau und Feuerschutz. Außerdem sind noch Lichtbildervorträge über Feuerverhütung und Feuerbekämpfung und die Vorführung eines Exerzierfilms für freiwillige Feuerwehren, sowie Musterübungen von kleineren und mittleren, insbesondere auch von ländlichen Wehren in Aussicht genommen. Die Vorträge werden in der Stadthalle und im Vortragssaal der neuen städtischen Feuerwache zu einer noch bekanntzugebenden Zeit gehalten. Organisierte Mütterlichkeit. Jahresfest der Bielefelder Frauenhülfen. Etwa 3200 evangelische Frauen sind in den vereinigten Frauenhülfen von Bielefeld organisatorisch zusammengefaßt.„Organisierte Mütterlichkeit“ kann dieser Frauendienst genannt werden, weil, wie aus dem Bericht der Vorsitzenden, Frau Halbrock, hervorging, Hilfsdienst an der Frauen= und Kinderwelt der Gemeinden erstes Ziel der Arbeit ist. Erholungsbedürftigen Kindern ist ein Seeaufenthalt ermöglicht, erholungsbedürftige Mütter finden Unterkunft und Pflege in dem Mütter=Erholungsheim Waterbör. Frau Pastor Schütz aus Münster zeichnete ein Lebensbild von Margarete Behm, als dem Urbild einer christlich=sozialen mütterlichen Frau, die als Begründerin der Gewerkschäft der Heimarbeiterinnen die Parlamentarierin und die Christin in sich vereinigte. In ihrer charaktervollen Persönlichkeit liegen treibende Kräfte für den christlich sozialen Frauendienst. Porta Bezirkstagung der Mindener Frauenhülfe. In Extra=Zügen, in Gesellschaftsautos, zu Fuß und zu Wagen strömten zahlreich die Frauen nach Barkhausen zusammen, um ein Bezirksfest, diesmal im Naturtheater an der Porta, zu feiern. Das ungünstige Wetter hat durch diesen Plan zwar einen Strich gemacht, aber nichtsdestoweniger drängten sich die Besucherinnen in einem gewaltigen Festsaal in Barkhaus zusammen, um zunächst am festlichen Gottesdienst teilzunehmen, der durch Posaunen=, Frauen= und Jungmädchenchöre verschönt wurde. Das Thema: „Frauendienst ist Mutterhilfe an unserem Volk“ wurde in der Predigt behandelt. Der Ortspfarrer Meyer aus Barkhausen leitete dann das fröhliche Beisammensein bei einer Tasse Kaffee. Der inzwischen aufstrahlende Sonnenschein ermöglichte eine Nachfeier im Freien bei der Superintendent Tummes sprach. Auch hier ist die bedeutsame Bewegung der Frauenhülfen unter Führung der Bezirksleiterin, Frau Pfarrer Schumacher, in einem freudigen Fortschreiten und Aufblühen begriffen. Landkreis Iserlohn Iserlohn. Ein Unwetter, wie man es seit Jahrzehnten in unserer Gegend nicht gekannt, setzte am Sonnabend mittag plötzlich ein. Wolkenbruchartiger Regen und Hagelschauer richteten allerwärts, vor allen Dingen in Feldern und Gärten, großen Schaden an. Aber auch in den Häusern macht sich das Unwetter bemerkbar. Die voll Wasser stehenden Keller erinnerten an Hochwasserzeiten.— Auf dem Bahnhof Letmathe mußte die Unterführung wegen des Grundwassers gesperrt werden.— Die Straßenbahn wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Auf der Strecke Hohenlimburg—Letmathe war eine Aufrechterhaltung des Verkehrs infolge der verschlammten Gleise nicht möglich. Es mußten vorübergehend Autobusse eingesetzt werden.— Auch in Oestrich richtete das Unwetter großen Schaden an. Stellenweise schwammen die Kartoffeln und die frisch gelegten Bohnen mit ab. Einigen Hausbesitzern drangen die Wassermassen in die Keller ein. Die Straßen sind stellenweise stark ausgeflossen. In den Feldern ist insbesondere der Roggen arg mitJusseldorfer Morder endlich gefaßl. * hör mit mir. Die neue Funkzeitschrift sei nochmals all' unseren Leserinnen und Lesern warm empfohlen. Der monatliche Abonnementspreis von 40 Pfennig ist im Verhältnis zu anderen gleichartigen Zeitschriften äußerst niedrig gehalten worden und kommt nur für unsere Abonnenten in Frage. Den Beziehern unserer Zeitung wird dieser Vorzugspreis gewährt und zwar wird der Betrag jeweils mit der Abonnementsquittung einkassiert, also halbmonatlich 20 Pfennig. + Abgestürzt. Unweit des Ostentores wollte gestern nachmittag ein jugendlicher Radfahrer, der Arbeiter Weber aus der Beckestraße, einer älteren Frau ausweichen. Er nahm jedoch die Kurve zu knapp, verlor die Herrschaft über seine Maschine und kam so unglücklich zu Fall, daß er mit einer stark blutenden Wunde an der Stirn einen Arzt aufsuchen mußte. : Festgenommen wurde in einer Scheune in der vergangenen Nacht der Maurer Franz R., gegen den Haftbefehl vorlag. . Ein Diebstahl wurde bei Rügge, Schwerterheide ausgeführt. U. a. hießen die Diebe ein Fahrrad und Lebensmittel mitgehen. Die Polizei beschäftigt sich noch mit dieser Angelegenheit. Vaterländischer Frauenverein. Mittwoch, den 28. d. M., nachmittags 2,30 Uhr, findet Mutterberatung in Schwerte(Sparkasse) statt. In Schwerte=Ost fällt die Beratung des Himmelfahrtsfestes wegen aus und wird auf Donnerstag, den 5. Juni verlegt. Nachdem man schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, den Düsseldorfer Massenmörder überhaupt noch zu fassen, und all die Tausende von Spuren, die im Laufe der zwei Jahre. eingegangen waren, immer wieder im Sande verlaufen waren, ist jetzt der Düsseldorfer Kriminalpolizei nun doch der große Schlag geglückt. Sie hat den 47jährigen stellungslosen Arbeiter Peter Kürten verhaftet, der bereits eine Anzahl der Das ist der Mörder: Peter Kürten. in Düsseldorf begangenen Lustmorde eingestanden hat. Wohl müssen seine Angaben noch auf ihre Richtigkeit geprüft werden, doch wächst die Wahrscheinlichkeit mit jeder Stunde, daß man hier tatsächlich jenen Unhold gefaßt hat, der jahrelang über ganz Düsseldorf Furcht und Schrecken verbreitete. Unsere Bilder zeigen: Der ihn zur Strecke brachte: Kriminalrat H. Momberg, der Chef der Düsseldorfer Mordinspektion. Evgl. Männerverein. Der Evgl. Männerverein unternimmt nebst Angehörigen am Himmelfahrtstage eine Frühwanderung ins Elsebachtal.(Näheres siehe Inserat!) + Aus den kath. Vereinen. Für heute, Dienstag, nachmittag 3 Uhr ist eine Versammlung des Marien= und des Elisabeth=Vereins in das Vereinshaus einberufen. Es soll über eine außerordentlich wichtige, die ganze Gemeinde berührende Frage beraten und Beschluß gefaßt werden, weshalb kein Mitglied obiger Vereine fehlen darf. Es sei noch verraten, daß auch eine gemeinsame Kaffeetafel vorgesehen ist.— Am Sonntag abend veranstaltet die Jugendgruppe der JungfrauenKongregation einen frohen Abend im Vereinshause. Das reichhaltige Programm sieht Musik und Gesang, Aufführungen usw. vor, so daß die Veranstaltung sehr interessant zu werden verspricht. Das ist die Mörderhöhle: Kürtens Wohnung in der Mettmannerstraße in Düsseldorf. Eins seiner Opfer: Maria Hahn. Monat Mai Der Wonnemonat geht zu Ende, Noch ein paar Tage sind es nur— Und wo sich regten fleiß'ge Hände, Sieht man das Walten der Natur. In Feld und Garten kann man merken Der Sonne Wunderkräfte schon— Und deren glückliche Besitzer Erfreuen sich der Arbeit Lohn. Die Frucht steht gut— und allerorten, Wohin das Menschenauge blickt, Ist es von diesem Wunderwerke Der Güte Gottes hochentzückt. Der einst die Jünger lehrte beten: Heut' gib uns unser täglich Brot, Erfüllt auch jetzt was lebt, mit Segen, Daß keines leide Hungersnot. Drum wollen wir auf Gott vertrauen, Der selbst die Vögel all' ernährt, Und wenn wir ihn um etwas bitten, Nach Christi Wort es auch gewährt. Und niemals denken an das Morgen, Denn Gott verläßt die Seinen nicht. Er schickt zur rechten Zeit die Sonne Und auch den Regen, wenn's gebricht. Alb. Knülle, Schwerte. genommen worden und stellenweise vollständig vernichtet. I. Westhofen. Verlegung des Wochenmarktes. Wegen des Himmelfahrtstages findet der Wochenmarkt in dieser Woche am Mittwoch statt. I. Westhofen. Veranstaltung der Frauenhilfe. Die am Sonntag, den 1. Juni, im Gemeindehause stattfindende Wohltätigkeits=Verlosung soll mit einer Feier der Frauenhilfe verbunden werden. Der Jungmädchenverein wirkt durch einige Darbietungen mit. Der Beginn der Feier ist auf nachmittags 3,45 Uhr festgesetzt. Kaffeekarten zum Preise von 80 Pfg. werden durch Mitglieder der Frauenhilfe angeboten. Für den guten Zweck wird um Bereitstellung von Verlosungsgegenständen und Abgabe derselben im Pfarrhaus oder bei den Bezirksfrauen gebeten. Börsen und Märkte Dortmund, 26. Mai. Bericht über die Preisfeststellung des heutigen Schlachtviehmarktes. Dem heutigen Schlachtviehmarkte waren zugeführt: 941 Stück Großvieh, 559 Kälber, 12 Schafe, 4 Ziegen und 3330 Schweine. Der Marktverlauf war bei Großvieh mittel, Bullen schlecht, bei Kälbern mittel, bei Schweinen schlecht. Es wurden gezahlt für 50 Kilo Lebendgewicht: Ochsen: a) 60—62, b) 56—58, c) 50 bis 54. Bullen: a) 55—57, b) 50—54, c) 47—50. Kühe: a) 52—55, b) 47—51, c) 42 bis 46, d) 30—40. Färsen: a) 57—59, b) 52—56, c) 48—51. Kälber: b) 80—83, c) 65—79, d) 50—64. Schweine: a) 60—63, b) 63—65, c) 64—66, d) 61—63, e) 60—62, g) 50—56. hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 28. Mai. 07,00: Wetterdienst. 07,05: Morgenkonzert(Schallplatten). 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Pyrmont. 08,30: Mutter und Kind. 10,15—11,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 11,20: Schulfunk für die Mittelstufe höherer Lehranstalten. 12,10: Mechanische Musik. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Für die jungen Mädchen. 15,30: Wirtschaftsdienst. 15,55: Lebende Dichter. 16,25: Regierungsrat Eckhardt:„Die Erneuerung der Landschule". 16,45: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Volks=, Reform= und Versuchsschulen: Eine Stunde Fehlerberichtigung. 17,30: Kammermusik des Berber=Quartetts. 18,30: Zeitfragen der Rationalisierung. Walter Stern:„Die Rationalisierung im Wohnungsbau“. 18,50: Vom Tage. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Wirtschaft und Gesellschaft im Buch. 19,40: Der junge Mensch. 20,00: Uebertragung v. Berlin: Berliner Kunstwochen 1930. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Danach bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Wenn wir in letzter Zeit die körperliche Erziehung stark gefördert haben, so wurden meist nur die Jugendlichen und Erwachsenen zur Ausbildung herangezogen. Die kleinen Kinder im vorschul- und schulpflichtigen Alter wurden dabei meist übersehen, weil man die Wirkung einer körperlichen Erziehung bei diesen Kleinen noch Die großen schweren Bäume werden gefällt. nicht erprobt hatte und daher auch nicht kannte. Nachdem nun die ersten Erfahrungen äußerst günstig sind, haben jetzt viele Vereine und Verbände das Kleinkinderturnen eingeführt. Erfreulicherweise hat man sich hierbei von der alten Schablone frei gemacht und gibt den Kindern einen Unterricht, der ganz auf ihr kindliches und phantasiereiches Gemüt eingestellt ist. Es gibt nur eine Gesundheit und tausend Krankheiten! Dieses Wort steht drohend vor uns und mahnt uns an unsere Pflicht, all unser Sorgen und Streben unsern Kindern zuteil werden zu lassen, damit sie den Kampf ums Dasein dereinst auch erfolgreich bestehen können. Wer wollte in seinen verkrüppelten Kindern den Fluch der Pflichtvergessenheit sehen? Leider genügen die zwei Turnstunden während der Schulzeit noch nicht, so daß es wünschenswert wäre, daß die Kinder noch an einem Vereins= oder Privatunterricht teilnehmen. In manchen privaten Schulen wird nicht einmal eine einzige Turnstunde erteilt. Ist es nicht ein erschreckendes Zeichen, daß durchschnittlich alle Lehrlinge der Nachkriegszeit um zehn Zentimeter kleiner sind als die vor dem Kriege und bei einigen Pfund Gewichtsverlust noch einen um sechs Zentimeter geringeren Brustumfang aufweisen? Ferner: In einem Großstadtbezirk mußten jüngst 50 Prozent der schulpflichtigen Kinder wegen Untergewichtes vom Schulbesuch zurückgestellt werden! Solche Zahlen müssen uns überzeugen, uß wir uns nicht nur mit der Heilung solcher Schäden abgeben, sondern frühzeitig Vorbeugungsmaßnahmen treffen müssen. Hierzu gehört das Kleinkinderturnen. Weil das Wachstum des kleinen Körpers bis zum 6. Jahre am ergiebigsten ist, ist es unsere unbedingte Pflicht, den Kindern gerade in diesen Jahren eine vielseitige körperliche Ausbildung zu geben, die sie zu körperlich vollwertigen Menschen macht. Da fernerhin die Kinder in diesem Alter viel Rückgratverkrümmungen, Haltungsfehler usw. aufweisen, muß der Unterricht dementsprechend auch körperformend und ausgleichend sein. Es wäre nun falsch, hier mit langweiligen korrigierenden übungen zu beginnen, denn die Kinder wollen einen belebenden und anregenden Unterricht. Ja, es ist noch richtiger, wenn die Kinder den Unterricht gar nicht merken. Und das läßt sich am besten in der Spielform erreichen. Der Spieltrieb ist bei dem Kinde bekanntermaßen am stärksten ausgeprägt, so daß es eigentlich ein Leichtes ist, hier auf das kindliche Gemüt in entsprechender Weise einzuwirken. Ich selbst habe seit einigen Jahren die Turnstunden der 4—14jährigen geleitet und kann nur immer wieder sagen, daß dieses„Spielen“ mit den Kleinen mehr Freude und Erfolg mit sich bringt, als dies bei den Erwachsenen der Fall ist. Wer die glücklichen Gesichter und leuchtenden Augen der Kleinen während der Stunde zu beobachten vermag, wer sieht, wie sie eifrig und geschäftig bei der Sache sind, wenn sie eine neue übung„erfinden" und auch vormachen dürfen, wer sich auch mit der Seele der Kleinen und Kleinsten beschäftigt, der wird erkannt haben, daß der Unterricht bei diesen kleinen und unschuldigen Geschöpfen zu den dankbarsten Aufgaben für Eltern und Erzieher gehört. Wenn wir nun im folgenden näher auf den eigentlichen Unterricht eingehen wollen, so ist es uns von Beginn an klar, daß eine Einteilung im Alter nicht zu umgehen ist. So habe ich denn vier Stufen geschaffen, die 3—5jährigen, die 5—7jährigen, die 8—12jährigen und die 13= und 14jährigen Kinder. Bis zur Reifezeit lasse ich Jungen und Mädel die gleiche körperliche Ausbildung zuteil werden, denn auch die Mädel wollen in diesem Alter wie die Jungen laufen und raufen, Purzelbaum schlagen, klettern und springen. Und ich kann nur sagen, daß ich damit die besten Erfolge zeitigen konnte. Die Art der Ausbildung in den verschiedenen Stufen ist natürlich auch verschieden. Bei der untersten Stufe wird der Unterricht in Spielform abgehalten und hat besonders vorbeugende Bedeutung, damit der Körper, wenn das Kind schulpflichtig geworden ist, nicht in seiner Entwicklung zurückbleibt. Die zweite Stufe der 5—7jährigen berücksichtigt den Eintritt in die Schule und die damit verbundenen körperlichen Nachteile in noch stärkerem Maße und versucht hier schon die notwendigen Ausgleiche zu schaffen. Eine Steigerung der allgemeinen Anforderungen erfährt die dritte Stufe, die u. a. auch eine Nachhilfe für die im Schulunterricht schwachen Kinder ist. Die letzte Stufe verwertet schon etwas die Fähigkeiten der einzelnen, nimmt aber besonders auf die verschiedenen VeränderunDie schwere Last wird nach hause gezogen. Nach diesen Ausführungen dürfte es wohl interessieren, über die Abwicklung des Unterrichtes Näheres zu erfahren. Wenn man sich über den übungsstoff im Klaren ist, dürfte eine Auswahl geeigneter übungen nicht mehr schwierig sein. Da an erster Stelle die Ausbildung von Herz und Lunge steht, so spielt der Lauf bei den Kleinen eine große Rolle, um so mehr, als die Kleinen oft noch schwach und ungeschickt auf den Füßen sind. Hier haben wir die verschiedensten Formen des Laufes, die alle den Kindern ungeheure Freude bereiten, auch wenn sie kaum die Füße richtig voreinander setzen können. Ein Lauf im Kreis, in Schlangenlinie, über kleine Hindernisse, unter Böcke, Tische bringt reiche Abwechslung für das zunächst noch anspruchslose Gemüt der Kleinen. Dem Ausbau der Phantasie dagegen sind keine Schranken gesetzt. Wir können den begeistert lauschenden Kleinen einen Wald, einen Fluß, einen Baum, Vogel, Pferde, Schmetterlinge usw. andeuten, alles wird richtig verstanden und glaubhaft mit größtem Eifer nachgemacht. Nachdem also jede übungsstunde mit einem Lauf begonnen wurde, wird zur Gymnastik angetreten. Die verschiedenen übungen sind möglichst einfach, Rumpf vor=, seit= und rückwärts beugen, Arm- und Beinkreisen, Rückenlage und Bauchlageübungen, also fast alles übungen, die wir aus dem Betrieb der Erwachsenen kennen. Nur geben wir den übungen für ie Kinder einen anderen Namen, z.B.Holzhackerübung, Sägeübung, Hampelmann, Maikäfer, Schmetterling und Pferdchen. Später werden dann diese übungen nach bestimmten Gesichtspunkten geordnet, so daß eine einheitliche Handlung entsteht. Ein Beispiel möge hier besonders angeführt werden, das sich beliebig erweitern oder umändern läßt: Man sagt den Kindern, heute wollen wir einmal in den Wald fahren, Pferdchen und Wagen spielen, Holz hacken und sägen und den schweren Wagen wieder nach Hause fahren usw. Eine Abteilung der Kinder spielt also den Kutscher, die andere macht die Pferdchen. Die Kutscher müssen erst die Pferde aus dem Stall holen. Weil sie die Nacht über lange gestanden haben und ausgeruht sind, sind sie wild geworden und ausgerissen. Die Kutscher müssen also hinterher laufen und sie einfangen.(Lauf der Kinder in den verschiedensten Formen, auch über Hindernisse.) Danach wird angespannt und abgefahren, indem ein Kind das andere mit beiden Händen zieht. Da der Wagen noch nicht vollgeladen ist, konnen wir Galopp fahren. Im nahen Wald müssen wir durch die Bäume(Lauf in Schlangenlinie) und kommen dann zu unserm Arbeitsplatz, wo abgespannt wird. Nun gehen alle an die Arbeit, die großen schweren Bäume werden abgesägt, dann durch Holzhacken gefällt(Bild 1). Beim Holzhacken fallen die Maikäfer von den Bäumen(Bild 2: auf dem Rücken liegen und mit allen vieren strampeln). Die angehackten Bäume werden umgezogen, wobei ein Kind das andere umzieht. Die untenliegenden Bäume werden dann kleingesägt und auf den Schubkarren(Schubkarrenfahren machen) geladen und zum Wagen gefahren. Die großen und schweren Stücke müssen durch zwei Arbeiter aufgeladen werden(zwei Kinder tragen ein drittes an Armen und Beinen umher, abwechselnd). Nach dem Anspannen geht es heimwärts. Da der Wagen schwer ist, muß das Pferdchen sich tüchtig anstrengen(Bild 3: das hintere Kind, oder auch zwei, muß der Zugbewegung Widerstand entgegensetzen). Unterwegs begegnen wir einigen Reitern(Bild 4: zwei oder drei Kinder tragen sich abwechselnd), die uns ein Stück begleiten. Wir müssen dann durch einen Tunnel (Bild 5: zwei Kinder bilden durch Anfassen; an den Händen einen Tunnel, durch den die andern durchlaufen müssen). Zu Hause angekommen, laden wir das Holz ab. Dann bringen wir die Pferde in den Stall, sie freuen sich darüber, hopsen hin und her und schlagen hinten heftig aus(Bild 6: auf den Händen stützend, die Beine in die Luft stoßend, ähnlich einem Handstand). Die Kutscher aber treffen sich mit ihren Frauen und gehen tanzen(Tanz in verschiedener Ausführung). Dann ist es spät geworden, alles faßt sich an und geht, ein fröhliches Lied singend, nach Hause. Ja, es ist wirklich ein Erleben für die Kinder, wenn sie sich in dieser Spielform richtig austoben können. Es steckt in diesem kindlichen Spiel ein tiefer Ernst, der nur uns Großen bekannt ist. Für die Kinder sind solche Stunden überreich an herrlichen, unvergeßlichen Erinnerungen. Nach Möglichkeit wird natürlich die übungsstunde im Freien abgehalten. Wenn dann die Sonne wärmend und kräftigend scheint, wenn dann die Kinder nur mit ihrem kurzen Spielhöschen bekleidet in der freien und gesunden Luft nach Herzenslust tollen, wenn sie im raschen Lauf oder beim Weitsprung ihre Kräfte messen und dem Lehrer glückselig ihre Leistung verkünden, dann geben solche Stunde auch dem Erwachsenen Höhepunkte und Erlebnisse, deren wir wirklich in dieser freudelosen Zeit benötigen. Darum wollen wir unseren Kindern jedenfalls, so weit es in unserer Macht steht, eine freudige und ewig lachende Jugend bereiten, und ihnen durch den geeigneten Turn=, Spiel und Gymnastikunterricht die Grundlagen für einen gesunden, ausdauernden und lebensfähigen Körper mitgeben. Und wenn dann die Kinder am Schluß des Unterrichts bedauern, daß die Stunde so—o—o schnell schon zu Ende ging, wenn sie aber mit leuchtenden und blitzenden Augen und einer jubelnden Seele den Heimweg antreten, und sich vorher beim Lehrer dankend verabschiedet haben, dann wissen und fühlen wir es jedesmal von neuem, daß wir auf dem rechten Wege sind. Diese kurzen Stunden sind uns für unsere Mühen und Arbeiten der schönste Lohn. Die munteren Dferdchen schlagen kräftig aus. Unterwegs treffen wir einige Reiter. Roman von Liesbet Dill Unser Leben gehört nicht uns Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Deswegen bin ich ja hergekommen“, sagte Albius. „Ich kann es nicht kaufen, aber in unserem Interesse möchte ich dir den Vorschlag machen, es für uns zu kaufen. Lasse ich es, so nimmt es der Maier aus Ginsterstadt, denn die Praxis ist gut. Zwei Advokaten können hier nur bestehen, wenn der eine jung ist und der andere alt. Aber zwei junge, eifrige Anfänger in Meinau— das geht nicht. Da verdrängt einer den anderen. Habe ich aber die Praxis des Justizrates in Händen, so können ja meinetwegen Webers und Söllners und ihre Anhänger die ersten Jahre nach Ginsterstadt zu den dortigen Koryphäen hinüberfahren. Das halte ich gern aus, kann es auch abwarten; die kommen doch noch eines Tages zu mir. Aber ich stehe vor einer Lebensfrage, ich muß sein Haus kaufen.“ Herr Bier legte die Pfeife auf den Tisch. „Kaafe! Kaafe!“ rief er.„Als ob mr das nur so kennt! Wer kaast mir danne Haus? Kaafe? Seidene Kläder, Plischmöwel un Bilder un e Bifett— un was das alles koscht! Soe Hochzeit un noch e groß Reis’ hinnedrahn! Mir han, wie wir uns verheiratet han, e Kich une Schlafstub kritt, un sin zu Fuß in die Kirch gang, un e Bifett hawer aach keens gebraucht. Kaafe und Geld verbutze! Ich han grad genung gekaaft. Ich kaaf kei Haus for annere Leit, un erscht recht nit dem Möller seins“, schloß er und ließ Albius im Zimmer stehen, denn es klingelte im Laden. Albius sah ein, daß er der Hilfe seiner Frau bedurfte, und er ging. Seine Frau hatte sich dann hinter ihre Mutter gesteckt, diese wieder hinter den Vetter Denzel; und alle drei machten ihren Angriff auf Bier, als er eines Sonntagmorgens gerade zum Frühschoppen in die„Post“ gehen wollte. Sie saßen um ihn herum und hatten ihn mit ihren Reden eingesponnen. „Ich han kei Geld!“ schrie Bier in das erregte Trio hinein und schlug mit der Hand auf den Tisch.„Wer sei Lebdag geschafft hat un gespart, weeß, was es heißt, bis hunderttausend zusamme sin! Awer wer sei Lebdag kei Penning im Sack gehatt hat, awer de Kopp voll große Rosine un dohrtige Plän...“ „Bier— jetzt hör emohl“, mischte sich der Vetter ein und legte seine breite Hand vor Bier auf den Tisch.„Du hascht doch das Salzmagazin un die Wiese drum erum, wo dir die Bahn abkaafe will. Wenn du jetzt vernünftig wärscht un dich mit der filzig' Eltze einige dätscht, une Preis fordere, wo dir e vernünftiger Mensch bezahle kann, das wäre besser, anstatt dich zu verbohre, un das Doppelt von dem zu verlange, was die Bahn dir gebot hat! Dann krätscht du hunderttausend uff de Disch. Dann sei froh, daß du das alt Magazin los wirscht, un kaauf deinem Lottche das Haus.“ „Jetzt fangt der aach noch an, de Weibsleit zu Gefalle zu rede!“ rief Bier.„Wie dei Louis awer uffs Chimnasium gewollt hat un studiere, da hascht du ihn nit gelaßt, weil dich das Studiere zuviel gekoscht hätt!" „Mei Buwe han das Handwerk vom Badder zu lehre, un damit gutt", erwiderte Denzel.„Wann ich awer mei Dochter hätt emohle Studierter heirate lasse, un hätt nur ealtes Salzmagazin un e paar sumpige Wiese zu verkaafe, for dem Kind zu seiner Exischtenz zu verhelfe, dann dät ich mich nit uffiehre wie ihr! Ich dät's'm kaase. Das Geld is gutt angelegt. E Mietshaus in der Bahnhofstraß, was so leit, daß die Leit vom Bahnhof grad in die Dier eninfalle! For hunnertdausend Mark!! Halb geschenkt!" Die beiden Frauen stimmten ihm lebhaft bei. Aber Bier grollte.„Hättschte nur e Kaufmann geheirat'. Dann dätschte vergnigt hinner der Ladethek stehn, un mr hätt all die Umständ un Koschte nit gehatt!“ Lottchen brach in Tränen aus und ging weinend in die elterliche Schlafstube. „Das arm Kind! Jetzt horch emohl, wie's kreischt.“ Und die Mutter begann auch zu weinen. „Ich han kei Geld“, wiederholte Bier eigensinnig.„Ich gäb nix her, kei Magazin und kei Wiese. Was ich von meinen Badder han, behalt ich aach.“ „Grad wie sei Badder!“ sagte Denzel verächtlich.„Geld wie Hei, un alles uff die Sparkass'. For vier Prozent! Un niemand wisse lasse, wieviel mr hat. Awer nur nix riskiert. Sich druffgehuckt un gedahn, als hätt mr nix.“ „Jo, jo“, schloß sich Frau Bier an.„Un jed Jahr geiziger. For jed nei Pelerin kriehn ich Skandal mit'm.“ „Ich dät mich schoame an seiner Stell!“ sagte Denzel und nahm seinen Hut. Aber es half weder Weinen noch Zureden. Bier blieb dabei:„Ich han kei Geld.“ Am Tage darauf war der Justizrat gestorben, und die Erben aus Ginsterstadt boten das Haus für den benannten Preis an. Nach acht Tagen war es Albius, seiner Frau und seinen Verwandten endlich gelungen, den Widerstand Biers zu besiegen. Es stellte sich heraus, daß es nicht einmal nötig war, das Magazin und die Wiesen zu verda die Erben nur den dritten Teil der Kaufsumme als Anzahlung verlangten, die Bier nach vielen Ausreden zeiner liek. sich von keinem Menschen, am wenigsten von selner Hrau, in die Karten sehen— von der Sparkasse holte, wo er sein Kapital zu niedrigem Zinsfuß, aber sicher angelegt hatte. Am Tage, als der Kaufakt zwischen Albius und den Erden Mouers abgeschlossen, wurde dem Anwalt ein Sohn geboren.—4 Von dem Möllerschen ausgeräumten Hause nahmen nun Tapezierer, Anstreicher, Bödenleger, Ofensetzer und Scheuerfrauen Besitz, und unter der Leitung des neuen Herrn begann eine völlige Erneuerung des inneren und kußeren Hauses. „Der räumt awer uff!“ sagten die Stammgäste, die vom„Schwan“ aus die Veränderungen beobachteten, die Albius vornehmen ließ. Das Haus wurde weiß gestrichen, mit grünen Läden versehen, so daß es wie ein blanker weißer Vogel inmitten der verrußten Geschäftshäuser stand. Die schmiedeeiserne Tür wurde neu lackiert und mit goldenen Spitzen versehen, der Hausgang in pompejanischen Rot gestrichen, und der Anstreichermeister ließ es sich nicht nehmen, Rosengirlanden und Engelsköpfe der Wand entlang zu malen. Ein blitzendes Messingschild prangte vorn am Eingang. Parkettböden ließ er legen; Damasttapeten aus München kamen an. War der Mann wahnsinnig geworden? Die„Gesellschaft“ war sich nicht ganz im klaren, wie sie sich zu verhalten gedachte. Albius hatte keine Beziehungen zu ihnen, schien sie auch nicht zu suchen. Söllner hatte geäußert, die Anstrengungen Albius' nützten seiner Praxis wenig, er ließe seine Sachen in Ginsterstadt weiterführen. Weber fand das Benehmen Albius'„parvenühaft", und die kleinen Leute ärgerten sich. Der alte Bier wurde über das selbständige Treiben seines Schwiegersohnes immer aufgebrachter. Er rechnete seiner Frau Tag und Nacht vor, was das Legen von Parkettböden kostete, und entwarf lange Auszüge über das Weißen von Häusern. „Der kritt de Größewahn!“ sagte er und schob sein Käppchen zurück.„Wann er nit bald uffhert, sin mr bankrott. Awer ich han dir's ja gesaht, wann enner e Bifett mit eme Muschelaufsatz han muß, un is von daheem nix gewohnt wie Danneschränk' un Strohstiehl', dann will er aach noch meh! Mit dem Bifett hat's ahngefang, jetzt macht er Parkettböde un Spichelglas in die Finschtere. Ei, da kann mr ja nit emohl ruhig sterwe; der macht ja alles druff! Un nachher huckt ees do mit dem Kind, un kann wiedere Lädche ahnfange! Das han ihr davon! Weibsleit’, dohrtige, mit eirem Hochmut. E Studierter hat's sin misse! Eltzes Joseph wär' mr am kläne Finger liewer gewehn mit seinem gute Wirtshaus, mit der alt Poscht...“ „Jo, un mit seine krumme Been un seinem Buckel!“ warf Frau Bier ein und zog ihren grauen Knäuel zornig durch das Zimmer.„'s is doch nit die Hauptsach', wieviel Geld eener im Jahr innimmt.“ „Nee“, rief Bier,„die Hauptsach' is, wieviel eener's Jahr durch ausgäbt! Wann Eltzes Joseph in der Poscht im Jahr sei zehndausend iwrig macht, dann steckt er sie in de Sack.“ „Un huckt sich druff.“ „Da huckt er gutt. Besser wie uff'm seidene Kanapee, das er nit bezahle kann, un uff eme Ledderstuhl, wo'm sei Schwiegervadder hat schenke misse. Eltzes Joseph—“ „Ach, hör’ uff mit dem! Scheen Geschäft, so e Wirtschaft“, sagte sie verächtlich,„wo sie jed' Nacht Radau mache un Lieder singe, daß e ahnständiger Mensche Boge mache muß, wer weeß wie weit.“ Frau Bier war es gerade recht, daß Frau Denzel in den Laden kam, da hatte sie doch jemanden, mit dem sie ihre großen Sorgen besprechen konnte. „Er hat wiedere Rage gehatt", bedeutete sie der Denzel, bei deren Eintritt Bier grußlos aus dem Zimmer verschwand, denn er konnte die dicke Denzel nicht leiden. „Kommt sie schun widder ahngewalzt“, knurrte er. Er brummte unhöfliche Dinge, zog knarrend die Schubladen im Laden auf und schürte geräuschvoll das Feuer. Aber die gemütliche Denzel war nicht übelnehmisch; sie kam, um vor allem zu hören, ob es denn wahr sei, daß der Albius so unmenschlich viel Geld in das alte Haus steckte und ob das Lottchen schon eine Amme gefunden hätte. Frau Bier hob beide Hände in die Höhe und flüsterte: „E Waartfraa, e Butzfraa, e Mädche hat's schun, un jetzt muß es sich noch e Schenkamm hole for dene Bub! Das is e Zuversicht. Sie kumme bald zum Dach heraus.“ „Jo, jo, die junge Mädcher“, sagte die Denzel und drehte die Daumen umeinander.„Z'erscht kinne sie nit früh genung heirate, nachher wäre sie froh, wann sie wieder dahem wäre. Ich han's aach nit erwarte kinne, un was han ich dann nachher gehatt? Kleene Kinner, jed Jahr ens, un die Arweit und die Lascht davon. Davon wisse die Mannsleit nix.“ „Die!“ sagte Frau Bier und begann wieder zu stricken. „Ahnsprich mache. Umständ in der Haushaltung. Wann se beemkumme, muß's Esse paradstehn, wann se pläsiersin, soll die Fraa aach luschtig sin. Wann se awer ihr schlecht Laun han, derf mr nit ahn se riehre, sonscht gäbt's e Explosion. Ich han in meiner Eh' aach ebbes gelernt: Wann er friher sei Wut krieht hat, han ich Dag un Naacht gekrisch, un han mr Koppweh gemacht un dicke Aue un han in die Mein gehn wolle. Jetzt lasse ich'n schwätze un stricke an meinem Strumpf.“ Frau Denzel nickte dazu.„Ja, ja, der een is so un der anner so. Bequem sin se all nit, die Mannsleit.“ *„* Albius und seine Frau waren jetzt im zweiten Jahr verheiratet und wohnten in dem Eckhaus der Bahnhofstraße, aber seine Beziehungen zu den Schwiegereltern blieben kühl. Er ging nicht gern in den dunklen Laden, der nach Heringen und Petroleum roch, besonders da sein Schwiegervater ihm gegenüber die Miene des stummen Leidtragenden aufsetzte. Er wollte ihm das Geld auszahlen, und zwar sobald als möglich. Vorläufig aber reichten seine Einnahmen kaum hin, seinen Haushalt zu bestreiten. Solange Bankier Söllner und der reiche Weber ihre Angelegenheiten bei dem Ginsterstädter Justizrat schlichteten, folgten ihnen auch die übrigen dorthin als eine Herde, die des Leithammels bedarf. Die alten Familien, die zum Kasino gehörten und mit den Beamten einen festen, geschlossenen, gesellschaftlichen Kreis bildeten, standen ihm, solange er keine Besuche bei ihnen machte, ablehnend und fremd gegenüber. au onung“ selbs zu dieser Verkehrs. „Die Besuche misse gemacht sin, Vadder. Wir han ja kei Verkehr. Davon verstehst du nix“, sagte die Tochter bestimmt. „Ja“, unterstützte Frau Bier,„dät er sich nur nit um alles kimmere, wo ihn nix ahngeht.“ Und sie strickte, das die Nadeln flogen. „Vom Besuche mache bei de vornehme Leit verstehn ich nix“, knurrte Bier.„Awer ich weeß, daß es ahnfangt mit weiße Glacéhändsche un mit Kratzfieß un Komblimenter, un daß es uffhert mit feine Denees und daß das alles Koschte macht.“ „Oh, hör uff mit dem Gespräch!“ sagte seine Frau. „Der Heinrich wäs ganz gutt, was er will.“ „Jo, das wäs er. Vom Bifett ahn bis zum Möller seinem Haus“, knurrte Bier. „Ich will dir emohl ebbes sahn, Badder.“ Und Frau Albius sah stolz zu ihrem Vater hinüber.„Wann mir im Kasino verkehre, kritt er die groß Praxis, un wann er die hat, krischt du dei Geld.“ „O Jesses“, sagte Bier und erhob sich und ging die Treppe hinunter in den Laden.„Geschwätz, große Rosine, neimodische Plän, un nix dahinner.“ Herr Bier war nicht zu bewegen, in das Haus seines Schwiegersohnes zu gehen. „Du muscht dir doch emohl die Wohnung ansiehn", sagte seine Frau, die gern einen Verkehr angebahnt hätte. „Die kenn ich jo, vom Mäller seinem verpuschte Prozeß her.“ „Un die nei Inrichtung.“ „Die kenn ich aach“, antwortete Bier.„Ich han se ja gekaaft.“ Das Büfett hatte sechshundert Mark gekostet. Er bekam Alpdrücken, wenn er daran dachte, was bei der Aussteuer an Geld verbraucht worden war. „Du wirscht's noch siehn, der macht mei ganz Vermeege druff! Reiche Leit hale ihr Geld fein zusamme“, beharrte Bier.„Von dene kann mr's Spare lerne, awer wer nix gehatt hat un kritt von heit uff morge Geld in de Sack, der weeß nit, wie's verdient is, und straut's in die Welt enaus.“* Rechtsanwalt Albius und seine Frau hatten trotzdem ihre Besuche bei den Familien des Kasinos gemacht. Man hatte sie ihnen erwidert, nach und nach waren sie überall eingeladen worden, und sie waren damit in die Gesellschaft ausgenommen. Das stattliche Haus sah jetzt weiß gestrichen viel größer aus als vorher und trat unter den grauen Nachbarhäusern stolz hervor. Statt des Metzgers war ein Photograph in den Parterreladen eingezogen, der sich mit weniger Raum begnügte. Albius hatte seine Büros im Erdgeschoß einrichten lassen, wo er ungestört war von dem Geräusch des Haushalts. Im ersten Stock lagen Wohnräume und Schlafzimmer. Der kleine Adolf war ein unruhiger Junge, der des Nachts sehr viel schrie, Zähne bekam und hin und her getragen zu werden verlangte, und auch am Tage die ganze Aufmerksamkeit seiner Mutter beanspruchte, so daß sie es ihrem Manne allein überließ, sich an den neuen Räumen zu erfreuen. In diesem Winter gaben Albius' ihre erste Gesellschaft. Kein Abendessen„bitte im Ueberrock“, sondern ein Sechsuhrdiner. Es gelang ihm, die beiden ersten Stützen für derartige Unternehmungen zu gewinnen: den Koch Baum und den Servierlouis, die beide nur zu den Familien des Kasinos gingen. Die Gesellschaft gelang. Etwas zu feierlich zwar und sehr steif, aber das Essen war raffiniert üppig, die Weine auserlesen, und die Gäste kamen nach und nach aus der frostigen Neugier in wohlwollendere Stimmung. Gegen Ende des Diners fragte Frau Söllner sogar über den Tisch hinüber: „Haben Sie oder Ihre Frau das beneidenswerte Talent, solche exquisiten Menüs zusammenzustellen?" Und als der Sekt gereicht wurde, rief Weber Albius wohlwollend zu:„Darf ich mir noch ein Glas von Ihrem ausgezeichneten„Jesuitengarten“ ausbitten?“ Beim Abschied hatten sämtliche Damen der Hausfrau freundlich die Hand gedrückt und zu ihr gesagt: „Ich hoffe, Sie bald bei mir zum Kaffee zu sehen.“ Mit diesem Sechsuhrdiner hatto sich Albius in die ersten Kreise der Stadt vortrefflich eingeführt. Auch bei den Verwandten am Markt war diese Gesellschaft nicht ohne Wirkung geblieben. „Das Lottche hat e Denee gehatt", erzählte Tante Linchen.„Die feinschte Weine und Schampanjer. Vornedrahn e exquisit Ragout mit'ere Soße, un hinnedrahn e Mokka so dick, daß mr die ganz Naacht nit hat schloose kinne. Un nach dem Esse han se sich all in de Foteele gehuckt in die gutt Stub, un um zwelf sin se erscht hem.“ „Jo, jo“, sagten sie am Markt,„Biere Lottche wird stolz.“ „Wann ich so ebbes here“, sagte Bier und stülpte sich das Hauskäppchen nach hinten,„wird's mir grad annerscht. Unsereens hat sei Lebdag geschafft, daß mr zu lewe hat, un so eener geht hin un macht an eenem Awend hunnert Dahler druff wie nix. Mr kinnt sich ja grad verhaue. Awer ich han's ja immer gesaht: mir kumme noch emohl all mitenanner ins Armenhaus.“ Die Winterzeit mit ihren Gesellschaften war zu Ende. Sommersonne stand über Meinau, in den engen Gassen lagerte dumpfe, staubige Luft. Die Geräusche der Lastwagen und des Orchestrions im„Schwan“ klangen grell herüber in die Wohnung, in der man die Fenster geöffnet und die grünen Läden geschlossen hatte. Die Straße vor dem Hause wurde gepflastert, und das Hämmern und Klopfen der Arbeitenden drang unaufhörlich in die von warmer Schwüle erfüllten Zimmer.(Korts kolg