Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung e uuch ud! Bongeprels hadnonalich 1.20 Mak, Emeiaumme 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Rubr), Pesschackenten: Vortmund 2832 und Hannover 21672. Geschststele: Große Mactitst. 3.—3 Veranworlich süe die Schriftseitung H. Einner, Schwerte. Hernrus 2rro Pnzeign preis i de ochigeslval. mm ei: 6 Pia, Aalmit. üige, sinanzamtiche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., Reklom zeile 40 P Für teleson, ausgegedene Inserate üdernehmen wir kame Gegch Bel vioodrgseon. Veliebeibrungen, derorgerusen durck bödere Gewalten, übernehmen wir heinertei Gewähr sir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schodenersatz oder Nachlieserung erboben werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gp; Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 115(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Samstag, den 17. Mai 1930 63. Jahrgang Verberenung der Niuuntung Unterredung bei Tardien wtb. Paris, 16. Mai.(Tel.) Wie der „Temps“ berichtet, hatte Ministerpräsident Tardien heute eine Unterredung mit Kriegsminister Maginot, dem Generalsekretär im Außenministerium Philippe Berthelot, dem Chef des französischen Generalstabes, General Weygand und dem Besehlshaber der Besetzungstruppen, General Guillaumat. Im Laufe dieser Besprechung wurden die Vorkehrungen geprüft, die im Hinblick auf die Räumung der dritten Zone durch die französischen Truppen nach der offiziellen Inkraftsetzung des Youngplanes getroffen werden müssen. Die technische Durchführung der Rheinlandräumung anb. Paris, 17. Mai.(Eig. Meld.) Ueber die technische Durchführung der Rheinlandräumung schreibt das Journal des Débats, die vorbereitenden Pläne zur Zurückziehung der französischen Truppen sähen einen Zeitraum von 50 Tagen vor. Um diese Frist innezuhalten, hätte der Räumungsbefehl mindestens am 11. Mai gegeben werden müssen. Aus wohlbekannten Gründen sei das nicht geschehen, der Plan könne also nicht normal abgewickelt werden. Jeder Tag, der vergehe, erhöhe die Schwierigkeiten. Die Eisenbahnwagen zum Abtransport müßten von der Reichsbahn gestellt werden, die auch das Ablaufen der Züge zu regeln hätte. Diese Züge müßten in den normalen Eisenbahnverkehr eingefügt werden. Die Deutschen seien von dem ausgearbeiteten Programm in Kenntnis gesetzt worden. Eine etwaige Beschleunigung hänge von ihnen ab. Im ganzen genommen könne man wohl annehmen, daß sie alles tun würden, um den möglichst raschen Abtransport zu erleichtern. Das Blatt kann, seiner Tendenz entsprechend, es nicht unterlassen, in diesem Zusammenhang eine Verdächtigung auszusprechen, um für den Fall einer Verzögerung nicht die französischen Besetzungsbehörden, sondern von vornherein die deutschen Eisenbahnbeamten verantwortlich zu machen. Es ist keineswegs gesagt, so erklärt das Blatt nämlich, daß es nicht da und dort Eisenbahnbeamte geben wird, die Zwischenfälle hervorrufen würden dadurch, daß sie die Ankunft der Eisenbahnwagen verzögern oder sich der Abfertigung zahlreicherer Züge widersetzten. * Wenn die Räumung am 30. Juni nicht beendet sein sollte, so würde die Schuld dafür auf die Männer fallen, die die Durchführung der vor dem Räumungsbefehl ausgearbeiteten Bestimmungen verzögert hätten. Das seien also nicht die französischen Offiziere. Viele von diesen bezweifelten sehr stark den politischen Wert der Räumung; alle nähmen sie jedoch hin und wollten weiter nichts. als damit zum Abschluß kommen, aber unter der Bedingung, daß die Abreise nicht eine Flucht sei, sondern in Ordnung und Würde vonstatten gehe. Das Osthilfegesetz der Reichsregierung Neues in Kürze Ueberreichung des Briandschen Fragebogens in Berlin. anb. Berlin, 17. Mai.(Eig. Meldung.) Der französische Botschafter de Margerie hat sich für Samstag mittag ½12 Uhr im Auswärtigen Amt angesagt, um der deutschen Regierung den Fragebogen Briands für den engeren europäischen Zusammenschluß zu überreichen. Im geschlossenen Zug zum Kirchenaustritt. bb. Berlin, 16. Mai.(Tel.) Vor das Amtsgericht Berlin=Mitte zogen heute mittag, der Köln. Ztg. zufolge, etwa 300 Arbeitslose in geschlossenem Zug mit roten Fahnen und Transparenten, die die Inschrift trugen:„Arbeitslose des Bezirks Friedrichshain treten beim Amtsgericht Mitte aus der Kirche aus.“ Als die Kundgeber mit ihren Fahnen in das Gerichtsgebäude einziehen wollten, wurde ihnen bedeutet, daß Derartiges im Gerichtsgebäude nicht geduldet werden könne. Sie rollten darauf ihre Fahnen ein, und man wies diejenigen, die austreten wollten, an die zuständige Stelle, wo 117 Personen in eineinhalb Stunden ihren Austritt aus der Kirche erklärten. Zu Tumulten ist es nicht gekommen. Rückkehr des Junkersgroßflugzeugs nach Dessau wtb. Berlin, 16. Mai.(Tel.) Das Großflugzeug G 38 der Junkerswerke ist heute nachmittag um ½5 Uhr auf dem Flugplatz Tempelhof gestartet, um nach Dessau zurückzukehren. Strafmaßnahmen wegen des Pariser Poststreiks. wtb. Paris, 16. Mai.(Tel.) Postminister Mallarme ergriff gegen eine Anzahl von Beamten, deren Verantwortung für den Streik erwiesen ist, Strafmaßnahmen, so Entlassungen, Außerdienststellungen und Einleitung von Disziplinarverfahren. Stillegungen und Kündigungen wtb. Essen, 17. Mai.(Funkspruch.) Infolge des Ablaufs der Kündigungsfrist kommen bei den August Thyssen=Hütten in Hamborn am heutigen Samstag die am 3. Mai d. I. gekündigten 750 Arbeiter zur Entlassung, nachdem der Antrag auf Herabsetzung der Sperrfrist genehmigt wurde.— Es ist auch in Aussicht genommen worden, die seit drei Monaten stilliegende Schlackenmühle wieder in Betrieb zu nehmen. 42 Mann werden dadurch Beschäftigung erhalten. Das Oberbergamt Dortmund teilt mit: Die Zeche Seesen in Heessen bei Hamm hat vorsorglich Antrag gestellt auf Entlassung von 500 Arbeitern. Die Zeche Fürst Leopold in Dorsten hat zum 15. Juni 50 Bergarbeitern gekündigt, nachdem schon 50 Bergarbeiter zur Entlassung gekommen waren. Die Grube Füsseberg bei Daaden im Siegkreis hat ihren Arbeitern durch Aushang bekanntgegeben, daß mit dem letzten d. M. die Arbeiten eingestellt werden. Als Grund wird Absatzmangel angegeben. Von der Maßnahme werden nahezu 300 Arbeiter betroffen. Stillegung der Krefelder Baumwollspinnerei. wtb. Krefeld, 17. Mai.(Tel.) Die Direktion der Krefelder Baumwollspinnerei hatte angekündigt, daß sie ab 16. Mai eine Kürzung der Löhne für Akkordarbeiter, die über Tarif lagen, um 10 bis 20 v. H. vornehmen würde. Die Belegschaft hat sich geweigert, diese Lohnkürzungen anzuerkennen. Daraufhin hat die Firma allen Arbeitern— es handelt sich um rund 400 Köpfe — gekündigt und sie für heute entlassen. Den Betrieb will die Firma erst wieder aufnehmen, wenn die Lohnverkürzung, die aus wirtschaftlichen Gründen erfolgte, von den Arbeitern angenommen wird. Gelbstmord eines 14jährigen wp. Hameln, 16. Mai.(Tel.) An der Straße nach Tündern kletterte ein etwa 14jähriger Junge an einem Mast der Hochspannungsleitung hoch, berührte die Leitung und fiel sofort brennend und tot zur Erde nieder. Der Tote ist der Sohn einer armen Witwe, die ihre drei Kinder in redlicher Arbeit schlecht und recht durchbrachte. Der Junge war zum Bäcker geschickt worden, um Brot zu holen, und hatte bei dieser Gelegenheit einen Geldbetrag entwendet. Der Bäckermeister, der dies bemerkte, drohte dem Jungen mit Anzeige bei der Polizei. Dies veranlaßte den sehr empfindlichen Jungen, in den Tod zu gehen. wtb. Berlin, 17. Mai.(Funkspruch.) Die Gesetze für die Osthilfe, die seit einigen Wochen die Reichsregierung beschäftigen, wurden am Freitag endgültig fertiggestellt und werden unverzüglich dem Reichsrat zugeleitet. An den Beratungen haben sich Vertreter Preußens beteiligt. Es ist im Reichskabinett volles Einvernehmen erzielt worden. Die Osthilfegesetze sollen, aufbauend auf der allgemeinen Agrarhilfe, den Krisengebieten des deutschen Ostens besondere Unterstützung zuteil werden lassen. Sie gehen dahinaus, daß die Gesamtpolitik der Reichs= und der preußischen Staatsregierung sich zum Ziele setzt, die Widerstandskraft des Ostens zu stärken und die Ostprovinzen in ihrer wirtschaftlichen Kraft und sozialen Lage auf gleicher Stufe mit anderen Landesteilen lebensfähig zu machen. Gleichzeitig soll der Bestand der Bevölkerung im Osten durch starken Ausbau der Siedlung in allen ihren Formen erhalten und erhöht werden. Hierzu sind Dauermaßnahmen notwendig, die den schwer ringenden Osten vor andern Gebietsteilen bevorzugen. Da jedoch die Einnahme= und Ausgabeseite der künftigen Haushaltsjahre nicht im voraus festgelegt werden kann, stellt die Osthilfe zunächst den Bedarf des Notjahres 1930 und die in diesem Jahre vordringlich durchzuführenden Maßnahmen sicher. Gleichzeitig wird aber der Rahmen für die umfassende Hilfe auf insgesamt fünf Jahre umschrieben. Die Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft liegen in der Betriebssicherung und Umschuldung der gefährdeten Betriebe in Verbindung mit Zinserleichterungen. Das Ziel ist, mit den vorhandenen Mitteln eine größtmögliche Sicherung der produktiven Werte zu erreichen. Um zu verhindern, daß im Einzelfall der Zugriff eines Gläubigers einen Niederbruch des Betriebes zum Nachteil des Schuldners und der anderen Gläubiger herbeiführt, und um eine ordnungsgemäße Durchführung der Schuldenregelung in den einzelnen Betrieben sicherzustellen, ist unter Vermeidung eines Moratoriums ein individueller Vollstreckungsschutz für eine Uebergangszeit bis zum 31. Dezember dieses Jahres vorgesehen. Danach kann eine Versteigerung beschlagnahmter Grundstücke und gepfändeter Inventarstücke hinausgeschoben werden, wenn die Landstelle dies beantragt. Durch die Umschuldung und Betriebssicherung in Verbindung mit dem Vollstreckungsschutz soll eine Lösung der eingefrorenen, bisher nicht realisierbaren Gläubigeransprüche ohne Schädigung der Produktionskraft der landwirtschaftlichen Betriebe erreicht werden, ohne daß diese durch ein übereiltes Zwangsverfahren gefährdet wird. Zur Entlastung der Wirtschaft sollen steuerliche Lastensenkungen, die bisher auf die Landwirtschaft in Ostpreußen beschränkt waren, auch dem übrigen Notstandsgebiete der Ostgrenze zugutekommen und auf die übrigen Realsteuern ausgedehnt werden. Die Frachtenerleichterung, die bisher nur für Ostpreußen galt, soll auch auf andere unmittelbar an den Korridor angrenzende Gebiete erstreckt werden. Die Wirtschaft des Ostens soll ferner durch den Bau von Eisenbahnen belebt werden. Dieses Verkehrsprogramm hat der Reichstag in einer früheren Entschließung bereits gebilligt. Es umfaßt Ostpreußen, Oberschlesien, Niederschlesien, Grenzmark Posen=Westpreußen und den östlichen Teil von Brandenburg, ferner zwei Bahnen des westlichen Grenzgebietes. Die vom Reichsministerium des Innern schon seit längerer Zeit vorbereitete Förderung sonstiger, insbesondere wirtschaftlicher, gesundheitlicher und sozialer Zwecke wird aufrechterhalten. Weil die landwirtschaftliche Kredithilfe vordringlich ist, können diese Maßnahmen erst in den kommenden Jahren voll verwirklicht werden. Hierbei handelt es sich um Meliorationen, um Landarbeiterwohnungsbau, um Umschulung von Arbeitskräften zu Landarbeitern, um enb. Berlin, 17. Mai.(Eig. Radiomeldung.) Das Reichskabinett wird voraussichtlich im Laufe des Samstags, nach einem Besuch des Reichskanzlers Dr. Brüning beim Reichspräsidenten, die politischen Fragen für die Durchführung des Ostprogramms regeln. Es handelt sich insbesondere darum, die gemeinsame Arbeit mit Preußen zu sichern. Zu diesem Zwecke ist, wie die DAZ wissen will, folgende Konstruktion vorgesehen: Die Leitung der ganzen Osthilfeaktion will Reichskanzler Dr. Brüning persönlich in der wtb. Berlin, 17. Mai.(Funkspruch.) Auf Grund eingehender Beratung der Industrieund Handelskammern des Ostens sind vom Deutschen Industrie= und Handelstag Leitsätze aufgestellt und der Reichsregierung unterbreitet worden, deren Berücksichtigung die gesetzlichen Berufsvertretungen von Handel und Industrie der in Frage kommenden Gebiete für erforderlich halten. Diese Leitsätze besagen u. a.: Die Industrie= und Handelskammern erkennen an, daß die Osthilfe in erster Linie bei der Landwirtschaft einsetzen muß. Unbedingt notwendig ist es, die Umschuldung auf erhaltungsGroßfeuer in Bergen wtb. Bergen, 16. Mai.(Tel.) In einem Speicher brach hier heute nachmittag ein Brand aus, der sich mit rasender Geschwindigkeit auf mehrere Blocks alter Holzhäuser ausbreitete. Zur Bekämpfung des Brandes wurde die gesamte Feuerwehr eingesetzt, die von freiwilligen Helfern unterstützt wurde. wtb. Oslo, 17. Mai.(Funkspruch.) Der große Brand in Bergen hat mehr als 50 Häuser, in der Hauptsache allerdings kleine Gebäude, eingeäschert. Der Schaden ist bisher nicht festgestellt, wird aber auf 4 Millionen Kronen geschätzt. Man glaubt, daß man jetzt des Feuers Herr geworden ist. Krediterleichterung für Gewerbe. Handel und Handwerk und um sonstige Hilfsmaßnahmen, bei denen auch an Beihilfen für den Bau von Krankenhäusern gedacht ist. Diese Maßnahmen werden unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsbeschaffung und der mittelbaren Entlastung der Gemeindehaushalte durchgeführt werden. Voraussetzung für diese Fürsorge wie auch für die Senkung der Realsteuern ist, daß es der kommunalen Aufsicht gelingt, dem von Jahr zu Jahr stärkeren Anschwellen der kommunalen Haushalte Einhalt zu tun. Zur Verkehrserschließung und Arbeitsbeschaffung sollen auch die durch Grenzzerreißung verstümmelten Verkehrswege, der Straßen= und Chausseebau, die Erhaltung des Kleinbahnnetzes im Osten sowie der Ausbau der Häfen gefördert werden. Zur Beschaffung der Mittel für die landwirtschaftliche Umschuldung dienen Reichsgarantien und die Einrichtung einer deutschen Ablösungsbank, die zur Herausgabe von Ablösungsscheinen berechtigt ist. Es ist vorgesehen, für die Amschuldung in diesem Jahre für 150 Millionen Reichsmark Schuldverschreibungen und für 100 Millionen Reichsmark Ablösungsscheine Reichsbürgschaft zu übernehmen, während die Bürgschaft für weitere Beträge von mindestens 150 Millionen Reichsmark Schuldverschreibungen und 450 Mill. Reichsmark Ablösungsscheine für die kommenden Jahre in Aussicht genommen ist. Die genannten Beträge von insgesamt 550 Millionen Reichsmark werden eine Erhöhung dadurch erfahren, daß Preußen sich an der Uebernahme der Bürgschaften beteiligt. Im übrigen werden ohne eine erhöhte Steuerbelastung für die Durchführung der Osthilfe durch den Reichshaushalt erhebliche Beträge aufgebracht werden, die im Rechnungsjahre 1930 unter teilweiser Heranziehung verfügbarer Mittel aus einzelnen Haushaltsplänen rund 126 Millionen betragen. Die Gesetze sind durch Bestimmungen über ihr Inkrafttreten miteinander so verbunden, daß eine gleichzeitige Durchführung gewährleistet ist. Selbstverständlich ist, daß die Durchführung der Maßnahmen, für welche die betreffenden Reichsressorts zuständig und verantwortlich sind, im engsten Zusammenarbeiten mit der Landesregierung erfolgt. Die Durchführung des Ostprogramms Aander urcknicher Aaeduns der Methsanen Deutsche Industrie= und Handelstag zum Ostprogramm fähige Betriebe zu beschränken. Soll die Umschuldung die erhoffte volkswirtschaftliche Wirkung zeitigen, so müssen in ihrer Durchführung auch die Erfordernisse der Aufrechterhaltung des gewerblichen Lebens beachtet werden. Daher erhebt der Deutsche Industrie= und Handelstag von neuem stärkste Bedenken gegen ein Moratorium irgendwelcher Art. Es wird für notwendig gehalten, dem ständigen Anwachsen der die Gläubiger durchweg außerordentlich benachteiligenden außergerichtlichen Vergleiche in landwirtschaftlichen Kreisen entgegenzuwirken. Weiter ist es notwendig, die Gläubiger Hand behalten. Beide Regierungen, sowohl die preußische wie das Reichskabinett sollen aus ihrem Kreise je einen Kommissar ernennen, dem die besondere Verbindung und Beobachtung obliegt. Für das Reichskabinett wird Minister Treviranus, für das preußische Kabinett Wohlfahrtsminister Hirtsiefer diese Funktion übernehmen. An den Aufbau einer besonderen Behörde zur Durchführung des Ostprogramms ist offenbar nicht gedacht. Vielmehr soll die Exekutive bei den beteiligten Ressorts, also in erster Linie bei dem Reichsernährungsministerium verbleiben. grundsätzlich und in weitestmöglichem Umfange durch Barleistungen zu befriedigen. Sollten an Stelle von Barleistungen Schuldtitel ausgegeben werden, so müßte dies auf Gläubiger großer Beträge beschränkt bleiben. Der Deutsche Industrie= und Handelstag hält es für geboten, daß den zur Entscheidung berufenen Stellen die Sachkenntnis erfahrener Vertreter der auch sachlich in hohem Maße beteiligten gewerblichen Kreise dadurch zur Verfügung gestellt wird, daß eine ausreichende Mitwirkung der Beauftragten der gesetzlichen Berufsvertretungen von Handel und Gewerbe vorgeschrieben wird. Die Leitsätze stellen schließlich fest, daß durch Lastensenkung und landwirtschaftliche Umschuldung allein der gewerblichen Wirtschaft des Ostens nicht die notwendige Kraftverstärkung zugeführt werden kann, und betonen insbesondere das dringende Erfordernis, auch für geeignete gewerbliche Betriebe die Kreditversorgung zu erweitern und zu erleichtern. Die politischen Veamten des einstweiligen Rühestandes wtb. Berlin, 17. Mai.(Tel.) Im preußischen Landtag ist auf die Kleine Anfrage des Abg. Mursch(DN) über die Zahl der politischen Beamten im Osten und Westen, die sich im einstweiligen Ruhestande befinden, vom preußischen Innenminister folgende Antwort erteilt worden: „Die Zahl der politischen Beamten aus der allgemeinen und inneren Verwaltung, die sich zurzeit im einstweiligen Ruhestande befinden, beträgt 60, darunter 8 Landräte, deren Kreise durch die Abtretung an Polen und durch die kommunale Neugliederung im Westen in Fortfall gekommen sind. Das Wartegeld der gesamten 60 Wartestandsbeamten beläuft sich auf 479 884 RM. Von diesen Beamten haben im übrigen 9 inzwischen bereits wieder im Staatsdienst vorübergehend Verwendung gefunden. Das Wartegeld dieser 9 Beamten beträgt insgesamt 60354 RM. Von den vorgenannten 60 Wartestandsbeamten sind 18 nicht aus der Laufbahn der Berufsbeamten hervorgegangen. Das Wartegeld dieser 18 Beamten, von denen 3 ihr bisheriges Amt durch die kommunale Neugliederung im Westen verloren haben, beläuft sich auf insgesamt 124 813 RM.“ Dr. Curtius über die Lollerbandide wtb. Genf, 16. Mai. Reichsaußenminister Dr. Curtius gab heute mittag in Einhaltung der von Dr. Stresemann geschaffenen Tradition den Vertretern der deutschen Presse und den Mitgliedern der deutschen Delegation ein Frühstück, zu dem auch Vertreter der deutschen Kolonie und der hier studierenden deutschen Jugend geladen waren. Unter Berufung auf die Tätigkeit seines Vorgängers betonte Dr. Curtius in seiner Tischrede die Notwendigkeit einer Gemeinschaftsorganisation der Völker unter voller Aufrechterhaltung der staatlichen Souveränität. Seine ersten Erfahrungen in Genf bestärkten in ihm den Glauben, daß sich die Völkerbundsidee schließlich durchsetzen werde. Der Senior der deutschen Journalisten in Genf, Dr. Ruppel (Berliner Tageblatt) und Professor Adolf Askanzy als Vertreter der deutschen Kolonie und der deutschen akademischen Jugend dankten dem Reichsaußenminister. Vor dem Frühstück hatte Dr. Curtius noch eine dritte Begegnung mit Briand gehabt und dem Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas einen Besuch abgestattet. Zur Verabschiedung am Bahnhof fanden sich ein der deutsche Gesandte in Bern Dr. Adolf Müller und der Generalsekretär Dufour=Feronce, Generalkonsul Dr. Völckers sowie die Mitglieder des Völkerbundssekretariats, des Internationalen Arbeitsamtes und deutsche Pressevertreter. Reichsminister Dr. Curtius, der sich zunächst zum Besuch seines kranken Bruders nach Badenweiler begibt, trifft am Montag wieder in Berlin ein, während die übrigen Mitglieder der deutschen Delegation, bereits am Samstag nachmittag in Berlin ankommen. Eine neue Verordnung des Ministers Frick wtb. Weimar, 16. Mai.(Tel.) Das thüringische Innenministerium erließ eine Verordnung an die Stadtverwaltungen, in der bestimmt wird, daß Gesuche fremdrassiger Ausländer um Naturalisierung grundsätzlich abgelehnt werden müssen. Nur in besonderen Ausnahmefällen sollen derartige Anträge dem Innenminister zur Begutachtung vorgelegt werden. Hierzu wird noch mitgeteilt, daß der Begriff „fremdrassig“ von Fall zu Fall in der Praxis entschieden werden soll. „Künftig wegfallend“.— Die Amnestiefrage 165. Sitzung des deutschen Reichstages. vdz. Berlin, 16. Mai.(Tel.) Der Reichstag begann heute mit der zweiten Beratung des Etats für 1930. Der Haushalt des Reichspräsidenten, des Reichsministeriums, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei wurden ohne große Debatten in der Ausschußfassung bewilligt. Gestrichen wurde nur der vom Ausschuß bei der Reichszentrale für Heimatdienst eingesetzte Vermerk„künftigwegfallend“. Ein Antrag der Bayerischen Volkspartei, diesen Vermerk auch bei der Reichsvertretung in München zu streichen, wurde abgelegt. Zu einer längeren Aussprache kam es bei dem dann folgenden Haushalt des Reichsjustizministeriums. Hier richteten der sozialdemokratische und der kommunistische Redner heftige Angriffe gegen die Rechtsprechung des Reichsgerichtes, wahrend Abg. Dr. Everling(DN.) die Urteile gegen die sog. Fememörder scharf kritisierte und die Einbeziehung dieser Verurteilten in die anläßlich der Rheinlandräumung durchzuführende Amnestie verlangte. Die Kommunisten haben auch einen Mißtrauensantrag gegen den Reichsjustizminister eingebracht. Reichsjustizminister Dr. Bredt wies die Angriffe gegen die Rechtsprechung des Reichsgerichtes zurück und hob die Verdienste hervor, die das Reichsgericht sich durch die Ueberleitung des alten Rechtszustandes in die Verhältnisse des neuen Reiches erworben habe. Zu einem Antrag der Regierungsparteien auf Ein= 10 Uhr vertagt. setzung einer Kommission zur Vorbereitung der allgemeinen Justizreform wollte der Minister sich erst äußern, wenn im Rechtsausschuß die Richtung dieser Reform festgelegt sei. Auch zur Amnestiefrage wollte der Minister erst die Stellungnahme des Rechtsausschusses abwarten. Er erklärte aber schon heute im Gegensatz zu den Ausführungen des preußischen Ministerpräsidenten, daß nach seiner Meinung die Räumungsamnestie nur dann einen Wert habe, wenn sie keinen Rest von Unruhe mehr zurücklasse. Darum müsse diese Amnestie auch die Fememörder umfassen, wenn sie überhaupt einen Sinn haben solle. Diese Ausführungen riefen auf der linken Seite des Hauses starken Widerspruch hervor. Zu einer Anfrage wegen des in zwei Urteilen der Begünstigung der Liebknechtmörder beschuldigten Reichsgerichtsrates Jorns erklärte der Minister, daß Jorns seit seiner Beurlaubung keinerlei Dienst im Reichsgericht getan habe. Als nächste Aufgaben seines Ressorts kündigte der Minister die Regelung für die Ablösung der aufgewerteten Hypotheken und die Reform des Urheberrechtes an. Der Zentrumsabg. Dr. Bell behielt sich die Stellungnahme seiner Fraktion zur Amnestiefrage vor, betonte aber die grundsätzliche Gegnerschaft des Zentrums gegen Generalamnestien. Er setzte sich für eine Förderung der Angleichungsbestrebungen im internationalen Recht und für eine Reform des Völkerrechtes ein. Die Weiterberatung wurde auf Samstag Reichstagspräsident Löbe hat aber den Gedanken für sich persönlich zur praktischen Verwirklichung gebracht, indem er seitdem allmonatlich von seinen Aufwandsgeldern 1000 RM zugunsten der Erwerbslosen abführt. Wie das Nachrichtenbüro des B03 hört, soll der in der Zentrumsfraktion neu angeregte Gedanke nunmehr weiter verfolgt werden. Haltlose Gerüchte enb. Essen, 17. Mai.(Eigene Radiomeld.) In Essen=Borbeck fand am Freitag vormittag eine Besichtigung eines neuen Hochofenwerkes der Firma Krupp statt, bei der ein neuer Dampfhammer vorgeführt wurde. Unmittelbar nach Abschluß der Besichtigung durchliefen zwei Gerüchte die Stadt Essen, wonach Exkaiser Wilhelm in unmittelbarer Nähe des Herrn Krupp von Bohlen und Halbach an der Besichtigung teilgenommen habe und in einer kleineren Gruppe von Herren bei der Besichtigung des Dampfhammers gesehen worden sei. Wie wir hierzu auf Erkundigung in Essen erfahren, sind diese Gerüchte vollständig unbegründet. * Essen, 16. Mai. In den rheinischen Städten geht zur Zeit, so schreibt die Köln. Ztg., das Gerücht um, daß der ehemalige Kaiser auf Villa Hügel weile. Selbstverstandlich ist an diesen Redereien nichts Wahres. Weil zunächst niemand wußte, wer hinter dem großen Schloßneubau bei Kettwig stehe, schrieben gewisse, auf Sensationen um jeden Preis erpichte Zeitungen, vielleicht baue sich der Kaiser das Haus, um näher bei seinem Freund Krupp zu sein". Seitdem wurde der ehem. Kaiser in der Phantasie sogar öffentlich in einem Werdener Kaffeehaus gesehen usw. Nachdem bei der Stadtverwaltung Essen von vier Kölner Stellen aus angefragt wurde, teilt die Verwaltung mit, daß, obwohl sie nichts davon hielt, sie doch noch Rückfrage bei Krupp gehalten und auch durch einen Vertrauensmann in Haus Doorn habe anfragen lassen. Dabei habe sie die erwartete verneinende Antwort bekommen. Reichstagspräsident Löbe wies auf die vielen Wechselbeziehungen hin, die zwischen dem Hygiene=Museum und dem Deutschen Reichstag als der gesetzgebenden Körperschaft auch auf dem Gebiete der Hygiene und sozialen Fürsorge beständen. Beleidigungsklage Orzeiisti=Jusierberg Urteil des Berufungsgerichts. wtb. Halle a. S., 16. Mai.(Tel.) Der zweite Bundesführer des Stahlhelms, Oberstleutnant a. D. Düsterberg, hatte während seiner Propagandakampagne für das Volksbegehren in einer Versammlung in Eisleben am 17. Oktober 1929 Ausführungen gemacht, die als Beleidigung des damaligen preuß. Innenministers Grzesinski aufgefaßt wurden. Der Minister stellte Strafantrag gegen Düsterberg, der vom Schöffengericht Eisleben wegen Beleidigung zu 500 Mk. Geldstrafe verurteilt wurde. Das Berufungsgericht in Halle hob heute dieses Urteil auf und verurteilte Düsterberg wegen formaler Beleidigung des Ministers zu 150 Mark Geldstrafe. Der gegen Grzesinski erhobene Vorwurf war. er habe sich als Ausführungsorgan des Feindbundes betätigt, indem er den Stahlhelm verbot. Die satirische Bemerkung, die Düsterberg daran knüpfte, der Minister verdiene dafür das Kreuz der Ehrenlegion; es sei nur schade, daß er es nicht tragen dürfe; er könnte sich sonst damit bei seinen Gelagen wenigstens vom Oberkellner unterscheiden, erkannte die Strafkammer als beleidigend an. Da das Vergehen aber gering sei, und fast noch an erlaubter Satire grenze, sei die Strafe zu ermäßigen. Eis behindert die deutsche Grenland=Expevition Diäten für Arbeitslosenunterstützung vdz. Berlin, 17. Mai.(Tel.) In der letzten Sitzung der Zentrumsfraktion des Reichstages ist die Anregung gegeben und mit Zustimmung aufgenommen worden, daß die Reichstagsabgeordneten ihre Anteilnahme für die Not der Erwerbslosen dadurch zu erkennen geben mögen, daß sie von ihren Diaten einen Betrag in einen Fonds zur Linderung der Notlage der Arbeitslosen abführen. Schon vor längerer Zeit war eine gleiche Anregung von dem Reichstagspräsidenten Löbe gegeben worden; der Gedanke wurde aber damals nicht weiter verfolgt, da die Abgeordneten schon bedeutendere Beträge von ihren Diäten für die Parteikasse abführen. Der Eröffnung des Hygiene=Museums wtb. Dresden, 16. Mai.(Tel.) Die Stadt Dresden war anläßlich der Eröffnung des Deutschen Hygienemuseums festlich mit Flaggen geschmückt. Der Festakt selbst ver= dringen zu können, hat sich nicht„aut. einigte eine große Jahl Gäste, wie sie Dresden Kilometer vor dem Ziel sah sich das seit langem nicht mehr in seinen Mauern beherbergt haben dürfte. U. a. sah man Reichsminister des Innern Dr. Wirth, die Mitglieder des sächsischen Kabinetts, viele Mitglieder des diplomatischen Korps, die Gesandten der Länder in Berlin und zahlreiche Vertreter von Behörden und öffentlichen Körperschaften. Oberbürgermeister Dr. Blüher sprach allen Freunden und Miatrbeitern, dem Schöpfer und Erbauer des Museums den wärmsten Dank aus. Das Museum sei zu einem Zentralinstitut für öffentliche Gesundheitspflege geworden, das eine führende Rolle im internationalen Leben beanspruchen und sich rühmen dürfe, ein hervoragendes Instrument deutscher Kulturpolitik zu sein. Reichsminister des Innern Dr. Wirth betonte die enge Verbundenheit des Reichsministeriums des Innern mit dem Hygienemuseum. Er verlas sodann ein Handschreiben des Reichspräsidenten an den Vorstand des Museums, in dem der Leitung des Deutschen Hygienemuseums und allen denen, die an der Vollendung des heute vor uns stehenden Werkes mitgewirkt haben, für ihre vaterländische Arbeit volle Anerkennung und herzlichster Dank ausgesprochen wird. Die Arbeit des Deutschen Hygiene=Museums sei eine Angelegenheit der ganzen deutschen Nation. Nach Dr. Wirth ergriff Staatssekretär Dr. Weismann das Wort, um die Glückwünsche des Reichsrates, der preußischen Staatsregierung und der anderen Länder zu überbringen. wtb. Hamburg, 16. Mai.(Tel.) Die Hamburger Nachrichten veröffentlichen eine Meldung von Bord des Expeditionsschiffes„Gustav Holm“ der deutschen Grönlandexpedition, in der es u. a. heißt: Die Hoffnung des Expeditionsleiters, Prof. Dr. Wegener, mit dem Expeditionsschiff„Gustav Holm“ bis zur Kamarujuk=Bucht, der vorläufigen Operationsbasis der Expedition, vorcht erfüllt. 35 Kilomerr.#o. ken Flrr jag sich, dus Schiff vor einer undurchdringlichen Eisdecke. Am Rand des Packeises wartet die Expedition, bis die Eisdecke aufbricht. Sehr schwierig und gefahrvoll war der Transport der Motorschlitten über das aufbechende Eis. Um die Eisdecke nicht zu sehr zu belasten, wurden die Motorschlitten zunächst ohne Motoren mit Hundevorspann über das Eis geschleppt. Ihr Gewicht war aber doch so schwer, daß die Eisdecke mehrfach riß und aufbrach. Die wertvollen Schlitten, die für die Expedition lebenswichtig sind, konnten nur mit Mühe in Sicherheit gebracht werden. Dr. Wegener hofft, daß sich die Eisdecke in zwei bis drei Wochen löst und daß die„Gustav Holm“ dann frei wird. Von der Gruppe Dr. Loewe, die vor zehn Tagen mit dem Motorboot„Krabbe“, in die DiskoBucht eingedrungen ist, um von dort über das Inlandeis nach Umanak vorzustoßen, ist noch keine Nachricht eingelaufen. nach dem Bilde, sodaß es in zwei Hälften herabfiel. Hierbei sollen beleidigende Ausrufe gegen den Reichspräsidenten gefallen sein. „Das Konzert der Engel“. bestohlen enb. Berlin, 16. Mai.(Eigene Meldung.) Die Kriminalpolizei ist von dem noch ungeklärten Diebstahl eines wertvollen Gemäldes in Kenntnis gesetzt worden. Es handelt sich um das Verschwinden des van Dyck=Gemäldes„Das Konzert der Engel“, das einen Wert von 30 000 englischen Pfund hat. Das Gemälde war im November und Dezember 1929 in einer Kunsthandlung in Berlin ausgestellt. Nach Schluß der Ausstellung ging es nach Brüssel zurück. Der Besitzer plante nun, es noch einmal in London auszustellen, und schickte das Gemälde in einer großen Kiste an seinen Vertreter in London. Beim Oeffnen der Kiste in London mußte man feststellen, daß nur noch der Rahmen da war, das Gemälde selbst war herausgeschnitten und ist seitdem nicht wiederzufinden gewesen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Leute, die den Wert des Gemäldes kannten und von dem Transport nach London erfahren hatten, den Diebstahl ins Werk setzten, um das Bild zu verkaufen. Nah und Fern Umfangreiche Steuerhinterziehungen entdeckt. pw. Köln, 16. Mai. Großzügige Steuerhinterziehungen verübten zwei Männer aus der Kölner Gegend, die dort zwei Geheimbrennereien betrieben, aus denen sie auf diese Weise erheblichen Profit schlugen. Wahrscheinlich ist man den Betrügereien bei einer Revision auf die Spur gekommen. Unter dringendem Verdacht wurden die beiden Männer verhaftet und dem Landesfinanzamt zugeführt. Bei der sofort aufgenommenen Untersuchung legten die Betrüger ein volles Geständnis ab. Die drei Leichen liegen noch in der Aggertalsperre. wp. Gummersbach, 16. Mai.(Tel.) Augenblicklich werden in der Aggertalsperre Nachforschungen nach den drei Toten angestellt, die mit dem am Ufer zurückgelassenen Auto die Nachricht hinterlassen haben, daß die dreiköpfige Familie in der Sperre den Tod gesucht habe. Die Polizei von Bergneustadt kreuzt mit einem Kahne auf der Sperre und sucht mit langen Stangen das Wasser ab. Es ist anzunehmen, daß die Leichen durch einen Strudel, der von der Rengee= und Aggerströmung gebildet wird, abgetrieben werden. Es ist beabsichtigt, einen Taucher in die Aggertalsperre zu schicken, um nach den Leichen zu suchen. 15000 Mark unterschlagen. wp. Bielefeld, 16. Mai.(Tel.) Nach Unterschlagung von 15000 Mark ist der Kassenbote einer hiesigen Bank spurlos verschwunden. Man nimmt an, daß er sich im Auslande aufhält. Der Ofen als Kassenschrank. wp. Idstein, 16. Mai.(Tel.) In einem nahen Dörfchen hatte ein Einwohner einen Geldbetrag von 1100 RM in einem Ofen aufbewahrt, der nicht mehr benutzt wurde, um das Geld vor fremdem Zugriff zu schützen. Das schlechte Wetter der letzten Tage veranlaßte die Frau des Betreffenden, die von dem seltsamen Aufbewahrungsort keine Ahnung hatte, den Ofen nochmals zu heizen. Das Feuer hat nun die Ersparnisse des Mannes vollständig verzehrt. Doppelter Selbstmord. wp. Mainz, 16. Mai.(Tel.) In der Nacht zum Donnerstag wurde auf dem Geleise Mainz= Wiesbaden ein junges Paar tot aufgefunden. Der junge Mann ist der 20jährige Metzger Friedrich Recker aus Wiesbaden=Bierstadt. Die Personalien des Mädchens konnten noch nicht festgestellt werden. Ein neuntes Opfer des Kindersterbens in Lübeck enb. Berlin, 16. Mai.(Eig. Meld.) Heute nacht ist zu den acht Opfern des Kindersterbens in Lübeck ein weiterer Todesfall hinzugekommen. Außerdem sind noch drei Erkrankungen eingetreten, so daß nunmehr, wie die„B3.“ berichtet, 25 Erkrankungen vorliegen. Alle diese Kinder schweben in Lebensgefahr. Ein Bubenstreich wtb. Berlin, 16. Mai.(Tel.) Nach einer Mitteilung des Polizeipräsidenten verübten am 4. Mai in einem Lokal in Mehrow(Kreis Niederbarnim) zwei Mitglieder der SchalmeienKapelle einer Berliner Abteilung der NSDAP. einen Bubenstreich. Sie schleppten ein im Saale hängendes Bild des Reichspräsidenten in den Garten und hängten es an einem Baume auf. Der eine Spielmann stach mit einem Stock dem Bilde die Augen aus und schlug mit dem Stock Jultkinrirungen Botschafter von Hoesch bei Tardien. wtb. Paris, 17. Mai.(Funkspruch.) Wie Havas berichtet, hatte der deutsche Botschafter am Freitag nachmittag eine Unterredung mit Ministerpräsident Tardieu. Prof. Mühsam im Auto verunglückt. wtb. Dresden, 17. Mai.(Funkspruch.) Unweit Hermsdorf bei Dresden ereignete sich schwerer Autounfall, bei dem der Direktor des Rudolf Virchow=Krankenhauses in Berlin, Prof. Dr. Richard Mühsam, seine Gattin und der Chauffeur erheblich verletzt wurden. Prof. Mühsam befand sich auf dem Wege nach Dresden, um an der Eröffnung der internationalen Hygiene=Ausstellung teilzunehmen. Der Wagen, den der Professor steuerte, stieß kurz vor Lausa gegen einen Baum. Die Geschwindigkeit soll höchstens 15 Kilometer betragen haben. Trotz= dem war der Anprall derart, daß der Wagen schwer beschädigt wurde. Prof. Mühsam erlitt einen linksseitigen Unterschenkelbruch, seine Gattin einen Oberschenkelbruch und der Chauffeur Verstauchungen und Hautabschürfungen. Die Verunglückten wurden nach Dresden ins Friedrichstädter Krankenhaus gebracht. Der Wagen mußte abgeschleppt werden. LINOLEUA BALATUM der TEPPICH für JEDERMANN 150/200„ 200/250 200/300 Mk. 6,30 Mk. 10,50 Mk. 12,60 Heimann-Kotikamp engros en detall SCHWERTE h Urderdr. 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Goethes poesievolle Verklärung des kraftstrotzenden Bildes von Reiter und Pferd empfinden wir noch heute mit stets neuer Anteilnahme, so oft uns der Mensch und das edelste Geschöpf der Tierwelt gemeinsam entgegentreten. In Freud und Leid in Sieg und Tod, in Krieg und Frieden hielten beide als unzertrennliche Freunde zusammen, beide rangen sie der deutschen Scholle in heißer Arbeit den vielfach nur kargen Lohn ab. Und wer je eine Stunde auf einem Vollblut oder edlen Halbblut saß, das völlig im Willen seines Reiters aufging, der erlebte ein Teilchen Erdenseligkeit und verstand in ihrer ganzen Tiefe die schlichten Worte:„Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Durch die Jahrhunderte, ja durch die Jahrtausende klingt das Lied vom edlen Pferd, und seitdem der Mensch das Pferd in seinen Dienst zu jagdlichen und militärischen Zwecken gestellt hat, kommt die Kunde von der Vorliebe für den Reitersport. Von den alten Persern, den Griechen und Römern wissen wir, daß sie das Reiten eifrig gepflegt haben, und bei den Germanen waren die reiterlichen Veranstaltungen eng mit den Gebräuchen ihrer hohen Festtage verknüpft. Im Mittelalter übten sich die Ritter hoch zu Roß im Waffenkampf, und bei den Festen des Volkes spielten Reiterkämpfe häufig eine bedeutende Rolle. Und noch heute gilt der Pferdesport als die ritterlichste Leibesübung. Heute und morgen wird der Turnierplatz am „Freischütz“ widerhallen von echtem reitersportlichem Leben und Treiben. Wenn sich Westfalens Reiter und Pferdezüchter dort versammeln, dann erfüllt unser Herz der Stolz auf die ruhmreiche Vergangenheit der Reiterei in unserer Stadt und deren näherer und weiterer Umgebung. Zugleich aber empfinden wir tiefen Dank gegenüber den Pionieren der westfälischen Pferdezucht, die unablässig im Dienst der großen Sache tätig sind. Das Aufblühen der Reiterei in den letzten Jahren hat eine Art Renaissance der sogenannten dassischen Reitkunst des 16. und 17. Jahrhunderts gebracht. Damals gehörte die gründliche Kenntnis der Abrichtung der Pferde einfach zur Bildung, und das Reiten wurde wie jede andere Wissenschaft an Universitäten und AkaWestfälische Reiter! Herzlich willkommen, Gäste von nah und fern, zu den Reitertagen in der alten Stadt Schwerte. Der unglückliche Ausgang des Weltkrieges hat der deutschen Pferdezucht und der deutschen Reiterei schweren Schaden zugefügt. Der alte deutsche Reitergeist aber ist geblieben! Ueberall zeigt sich wieder ein Aufschwung des deutschen Turniersports und gerade in Westfalen ist dieser schöne und edle Sport auf dem grünen Rasen von jeher mit besonderer Liebe gepflegt worden. Im Wiederaufbau der deutschen Reiterei liegt aber noch eine viel tiefere nationale Bedeutung. Die Pferdezucht zu fördern, sind die ländlichen Reitervereine die gegebensten Organisationen. Der Landwirt vor allem braucht ein Vielseitigkeitspferd, das auf dem Acker vor dem Pfluge geht, aber auch vor dem Wagen als Kutschpferd und unter dem Reiter zu gebrauchen ist. Förderung der Pferdezucht, Ertüchtigung der Jugend und kameradschaftliche Pflege des alten deutschen Reitergeistes— diese drei Endziele sind es, die in den ländlichen Reitervereinen ihre heiligste stätte finden. Ihre Arbeit wird zum Segen der demien gelehrt. Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht rai# deutschen Jungbauer die Möglichkeit, den Umgang mit Pferden im Heer zu erlernen. So entstand ein neues deutsches Reitertum. Gediente Kavalleristen nahmen sich der Landjugend an, und heute sind die jungen Reiter, die das Erbe unserer alten ruhmreichen KavallerieRegimenter angetreten haben, der Stolz der Landbevölkerung. Die Reitschüler bilden eine Elitetruppe deutscher Manneszucht, durchdrungen von wahrer Liebe zu Heimat und Vaterland. In Westfalen bestehen heute rund 150 Reitervereine, die sich unter Leitung des Provinzialverbandes westfälischer Zucht-, Reit= und Fahrvereine der Heranbildung tüchtiger Reiter unter der ländlichen Bevölkerung widmen. Der Zusammenschluß sämtl. Reitervereine Deutschlands erfolgte 1924 in Hamm gelegentlich des ersten Reiterkampfes um den Goldpokal. Man hat den Reitervereinen vorgeworfen, daß sie politische Ziele verfolgten. Gustav Rau=Berlin, der deutschen Pferdezucht, zum Segen der Landwirtschaft und zum Segen des ganzen deutschen Volkes sein! Die Reitertage am„Freischütz" werden besonderen Widerhall finden. Sie werden uns alle, Gäste und Bürger, wieder einmal erheben über die Not und Sorge dieser Zeit. Sie werden uns lehren, daß Idealismus und Hingabe an eine große edle Sache das beste Heilmittel sind gegen Kleinmut und Verzagtheit. Das Reiterturnier am„Freischütz“ hat eine sorgfältige und liebevolle Vorbereitung erfahren. Das ist nicht zuletzt dem Reiterverein Schwerte und seinem überaus rührigen Vorsitzenden zu verdanken, der sich in unermüdlicher und uneigennütziger Weise in den Dienst dieser schönen Sache gestellt hat. Wir sind davon überzeugt, daß dem Reit=, Fahr= und Springturnier des Ruhr=Lenne=Reiterverbandes e. V. hier in Schwerte ein voller Erfolg nicht versagt bleibt, sofern auch der Wettergott sich anschickt, ein recht fröhliches Gesicht zu zeigen. Mögen die Hoffnungen und die stolzen Erwartungen, die die westfälische Reiterei an diese Turniertage knüpft, in reichem Maße in Erfüllung gehen. Von ganzem Herzen rufen wir ihr zu: Glückauf zum friedlichen Kampf auf dem grünen Rasen! Schöpfer und Vorsitzende der ländlichen Reitervereine Deutschlands, hat darauf die treffende Antwort gegeben:„Wenn die Liebe zu einem Pferde, die Liebe zum Kampf auf Rosses Rücken, der heiße Wille, auf dem Pferde zu siegen, wenn die Erkenntnis, durch das Reiten Männer mit gestähltem Körper, eisernen Nerven und klaren Köpfen heranzubilden, Männer, die ihr Vaterland und die heimatliche Scholle, die Haus und Herd über alles lieben, Politik treiben heißt, dann sind die ländlichen Reitervereine allerdings politisch.“ Im Wiederaufbau der deutschen Reiterei liegt eine tiefe nationale Bedeutung. Es gilt, die Jugend, die noch nicht in den Wirrnissen unserer Zeit den Halt verloren hat, für eine große, hehre Sache zu begeistern, für alte deutsche Ritterlichkeit und Mannhaftigkeit, voll des Stolzes auf Deutschlands große Vergangenheit und den hoffnungsvoll aufwärts gerichte in ein neues Morgenrot. „Jungreiter, zu! Ohn' Rast, ohn Ruh. Helft alle mit, das Werk nun zu vollenden! Und das Geschick Wird einmal alles anders wenden!" Was weidest du Fohlen so blank und weiß Im Felde von Mohn so rot? Dein Reitersmann lehnt am Eichenbaum Und ißt sein trockenes Brot. Dein Reitersmann ist so stark und sein Seines Panzers Schuppen strahlen, Das muß wohl ein braver Rietersmann sein. Und es brennt ein Berg in Westfalen. Was wieherst du Fohlen so wild und laut Im Felde von Mohn so rot? Dir dräut die Nacht so finster und schwarz, Da reißen die Wölfe dich tot. Doch läßt dein Reiter dich nicht allein," Der wird dich schützend bewahren, Das muß wohl ein bravereReitersmnan sein Und es brennt ein Berg in Westfalen. Was weidest du Fohlen so blank und weiß Im Felde von Mohn so rot? Bald ist die finstere Nacht vorbei, Und vom Berge das Feuer loht. Dein Reitersmann ist so blank und fein, Seines Panzers Schuppen strahlen, Da müssen viel brave Reitersleut sein In dem alten Lande Westfalen. Heinrich Haslinde. Dr. Hella Welling auf der Anklagebank Raue unr A. A. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S.). 22. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) Zum soundsovielten Male studierte er sorgsam die Schriftprobe, und das Geschehen war ihm seltsam klar. Sicherlich war Malward der Täter, und doch gab es Lücken, die über Ungewißheiten klafften. Wie konnte Malward zur bestimmten Zeit an dem ungewöhnlichen Ort seine Gattin treffen? An dieser Klippe scheiterte jeder Vernunftgrund. Mißmutig schob er Brief und Papiere beiseite. Was ging ihm schließlich der Mord an! Mit harten Stößen klopfte er die Asche aus der leergebragnten Pfeise in den Aschenbecher, füllte umständlich in gewohnter Weise frischen Tabak nach, zündete sie von neuem an. Dann mischte er sich ein starkes Gebräu von Soda und Whisky und vertiefte sich in die Zeitung. Während seine Augen gewissenhaft von Buchstaben zu Buchstaben glitten, wanderten seine Gedanken mit eiserner Konsequenz ihren eigenen Weg. Aergerlich, daß er sich von dem Fall Malward nicht losreißen konnte, erhob er sich, gab dem Schaukelstuhl einen energischen Stoß, der ihn in heftige Schwingungen versetzte, betrachtete das Gependel abwesenden Blicks mit philosophischer Ruhe. Ihm war klar, daß er erst wieder Ruhe finden könnte, wenn er restlos hinter Malwards Charakter gekommen war. (Ein verfluchter Einsall, diese Schriftprobe. Und der Brief von heute mit seinen Eröffnungess war auch wenig geeignet, ihm die Ruhe wiederzugeben, denn sie kamen zum Teil seiner Annahme stark entgegen. Um sich selbst zu entweichen, gab es nur eins: Gesellschaft. Freund Botthwell, der Detektiv, mußte mit. Wohin? Am besten einmal wieder schöne Frauen sehen! Die Große Revue sollte geradezu fabelhaft sein. Dreihundert angezogene Frauen! Eine Sensation! Kleider bis zum Halse geschlossen. Das hatte man lange nicht mehr gesehen.—Er klingelte Boothwell. an. Nun passierte etwas Wunderliches. Statt der Frage nach der Revue, bat er den Freund dringend um seinen Besuch. „Ja, noch heute abend:.. dringend... ah, so... Ich vergaß, natürlich handelt es sich um eine graphologische Sache... ganz außerge“ wöhnlich... Lache nur, lache, aber komm...ich erwarte dich!“ Welche Gefahr solch fixe Idee brachte. Statt der zur Erholung winkenden dreihundert Tänzerinnen Beine, betrachteten sie gemeinsam die Handschrift und Prozeßberichte. Boothwell war über den aufsehenerregenden Prozeß gut orientiert und lachte den Freund aus, der steif und fest behauptete, aus der Schrift Malwards Schuld zu lesen. Eifrig erklärte er ihm Punkt für Punkt, was er bei der ersten Durchsicht darauf erkannt und aufgeschrieben hatte. Boothwell lächelte; dennoch sprach mancherlei in diesem Falle für die Möglichkeit seiner Mutmaßung, und er verfiel ins Grübeln. Dem kommenden Prozeß sah Boothwell mit größtem Interesse entgegen. Würde die Wahrheit ans Licht kommen? Würde es nur einen Indizienprozeß werden? Wie sah die Wahrheit aus! Sollte Blackfield recht haben? Es war eine lange und eingehende Unterhaltung, die die beiden führten, bis sie sich mit sestem Händedruck verabschiedeten. *** Am folgenden Tage führte Mister Blackfield seinen Freund Mister Palmbroke—„von Palmbroke und Sons, Limited", flüsterte: er beiläufig erklärend hinzu— der Prizessin Awad Hera Chutterhee zu. Dieser ständig Gummi kauende, meist schweigsame und phlegmatische Amerikaner mit der großen runden Brille und der widerborstigen Frisur war ein sonderbarer Kauz, der bald tagtäglich im Kreise um die Inderin verkehrte. Nicht nur seine Kleidung war außergewöhnlich, auch sein Benehmen war von fast grotesker Formlosigkeit. Vom Augenblick des Kennenlernens an zeigte er in naiver Offenherzigkeit seine Gefühle für Awad Hera, die er#anbetete, und die Prinzessin ließ sich die ungeschlachteten, plumpen Huldigungen dieses Naturburschen mit überlegener Hoheit und im stillen geschmeichelt gefallen. Der Amerikaner war ein leidenschaftlicher Spieler. Einmal am Spieltisch sitzend, blieb er vort stets bis zum Schluß nud schien blind und taub gegen alles zu sein, was um ihn vorging. Doch setzte er niemals hoch, sondern stets einen mäßigen, gleichbleibenden Einsatz. Gefragt, warum er überhaupt spiele, wenn nicht des Geldes wegen, meinte er nachlässig: „Für die Verdauung. Ich brauche eine gewisse Spannung, die meine Nerven intalt hält. Für Geld hat mein Vater zur Genüge gesorgt, good old chap“, klang es wohlwollend.„Ein selfmademan first class“, betonte er stolz,„handelte drüben zuerst mit Knochen, Lumpen und altem Eisen.“ Palmbroke ignorierte das Entsetzen um ihn ob solcher Eröffnung vollkommen, schob den Kaugummi nachdenklich im Munde von der rechten Seite auf die linke. Er fuhr dann, harmlos lächelnd, behaglich fort: „Gold liegt in Amerika auf der Straße." Dabei blinzelte er lustig im Kreise umher und sah sehr unschuldig aus. Ich habe keine Lumpen mehr, keine Unruhe, Ladies und Gentlemen“, beruhigte er sie,„jedes zu seiner Zeit! Ich habe ein anderes Geschäft. Einen fertig fabrizierten uf se8 age sel en er en se0 o n. n, ne a i ta rt ein t5 8,45 Uhr Schulmesse mit Predigt. Vikar 10 Uhr Hochamt mit Predigt. Kollette für das Clemenshaus Driburg. An den Werktagen sind in der Pfarrkirche drei hl. Messen:— Uhr, 6,30, 7,10 und 7,45 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe um 6,30 Uhr. Die Maiandacht ist an den Werktagen abends 7,30 Uhr. Geisecke. 7,15 Uhr Stille hl. Messe mit Predigt. Vikar Schleep. Westhofen 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Holzen. Vacat. Lichtendorf. 7,30 Uhr Frühmesse mit Predigt. Gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jungfrauen. 10 Uhr Hochamt mit Nachmittags 2,30 Uhr Mai=Andacht. Dienstag und Freitag 7,30 Uhr Mai=Andacht. Börsen und Märkte Dortmunder Pferdemarkt vom 16. Mai. Auftrieb 620 Pferde und 40 Wagen aller Art. Der Handel war langsam. Es kosteten: a) Kaltblüter: beste. Arbeitspferde und Stuten 800—950 Mark, zweite Arbeitspserde 400—650 dritte Arbeitspserde 300—500 Mark, zweijährige Pferde 350—550 Mark; b) Warmblüter: beste Arbeitspferde und Stuten 750 bis 850 Mark, zweite Arbeitspferde 400—650 Mark, dritte Arbeitspferde 300—400 Mark; c) Kreuzungen beste Arbeitspferde 300—500 Mark, dritte Arbeitspferde 200—400 Mark, zweijährige Pferde 300—500 Mark. Beste Tiere wurden über Notiz bezehlt. Der nächste Markt ist aut 5. Juni. „hör mit mir!“ Schwerte, den 17. Mai 1930. Unsere neue, billige Funkzeitschrift„hör mit mir“ dürfte bei den Funkhörern unter unseren Lesern großen Anklang finden. Die übersich liche Anordnung des Langenberger Programms, in das alle wichtigen europäischen Sendungen zu den jeweiligen Zeiten eingereiht sind, gestattet dem Hörer eine mühelose Orientierung über alle Sendungen europäischer Stationen. Da das Interesse am Rundfunk abends stärker ist als am Tage, so ist ab 7 Uhr abends eine größere Auswahl von Abendprogrammen, nach verschiedenen Gebieten geordnet, eingereiht. So findet der Musikfreund die Konzerte zusammen, der Theaterliebhaber überblickt schnell alle Sendungen der Funkbühne, wie denn auch die Vorträge, die und der jeweils zusamm kommt die Unterhaltung Tanz engesaßt sind. Vor allem aber Kritik der Sendungen ausgiebig zu Wort, denn„hör mit mir“ will ein kritisches Funkblatt sein, das den Interessen der Hörer dienen Die reiche dei genBebilderung Heites steht im engen Zusammenhang mit Laneenberger Sender, dessen Hauptsendunmit kurzen, allgemein verständlichen Einführnigen versehen werden. Liedertexte und Versonenzettel vervollständigen den Inil des Hestes. So glauben wir, mit der Einrung des„hör mit mir“ einem großen Teil unserer Leserschaft gedient zu haben. Wenn wir nun nochmals bitten, die Bestellungen sofort auszugeben, so geschieht dieses wiederum im Interesse unserer Bezieher; denn von dem Eingang der Bestellungen hängt es ab, ob das Erscheinen der Funkzeitschrift zu einer ständigen Einrichtung der„Schwerter Zeitung" werden wird. Der Andfunkhörer wird jedenfalls eine bessere und billigere Zeitschrift augenblicknicht auf dem Markt finden. Gedenktage. 17. Mai: 1749: Der Entdecker der Schutzpockenimpsung Edward Jenner in Berkeley geboren(gestorben 1823).— 1800: Der Bildhauer Ernst v. Bandel, der Schöpfer des HermannsDenimals im Teutoburger Walde, geboren(gestorben 1875).— 1821: Pfarrer Sebastian Kneipp, der Begründer der Wörishofener Wasserlur, in Stephansried in Bayern geboren(gestorben 1897).— 1840: Der Großindustrielle August Thyssen in Eschweiler geboren(gestorben 1926).— 1860: Die Schriftstellerin Nataly von Eschstruth in Hofgeismar geboren. anstaltung beginnt an beiden Tagen nachmittags 2 Uhr, jedoch sind die gesamten Vorprüsungen schon an beiden Tagen von morgens 8 Uhr ab. Besonderes Interesse dürfte auch der am Sonntag bereits um 8,30 Uhr stattfindende Geländeritt beanspruchen. XGesellenprüfungen. Vor dem Prüfungsausschuß der hiesigen Schneider=Innung unterzogen sich folgende Schneiderinnen ihrer Gehilfinnen=Prüfung mit dem besten Erfolge: Herta Westkämper(Lehrmeisterin Frau Nordmann), Alma Rüdding (Frau Nordmann), Maria Gruß(Frau Nordmann), Grete Weber(Frau Nordmann), Franziska Wegener(Frau Hecke), Gerda Theis(Frau Filthaus), Hildegard Fischer(Frau Kocea), Auguste Wewer, Westhofen(Frau Droste). - Sonntagszug nach Geisecke. Um allen Besuchern des Wellenbades in Geisecke Gelegenheit zu geben, dieses schnell und bequem zu erreichen, ist in dem neuen Fahrplan ein Sonntagszug ausgenommen worden, der Schwerte nachmittags 15,12 Uhr verläßt. Diese Einrichtung wird sicherlich gern und ausgiebig in Anspruch genommen werden. Festabend des Vaterländischen Frauenvereins. Wir verweisen noch einmal auf den morgigen Festabend des Vaterländischen Frauenvereins zum Besten des Ehrenmalsfonds. Das Programm ist mit großem Verständnis zusammengestellt, gediegen und abwechslungsreich. Besondere Beachtung verdienen die Lieder=Vorträge durch Frau Konzertsängerin Ruth Rüter und das Klempt=Terzett, die von Frl. Mertens auf dem von der Fa. Roth und Junius zur Versügung gestellten Flügel begleitet werden. Die Damen singen Kompositionen von Brahms, Schubert und Strauß. Rezitationen werden die Pausen ausfüllen. Auch für den zweiten Teil, der mehr heiteren Charakter ausweist, haben schätzenswerte Kräfte ihre Mitwirkung gütigst zugesagt. Alles in allem, dürfte die Veranstaltung über den alltäglichen Rahmen weit hinausgehen, und ein vollbesetztes Haus möge die ausgebrachte Mühe und Arbeit lohnen. Der Festabend findet im„Reiche des Wassers" statt und beginnt 7,30 Uhr. Der Evgl. Männerverein hält am Sonntag, den 18. Mai, abends 8 Uhr im Gemeindehause eine Versammlung ab. Redner ist Pastor Kleinemeyer(s. Inserat). + Katholischer Arbeiterverein. Am morgigen Sonntag wird im katholischen Vereinshause der Delegiertentag der katholischen Arbeitervereine des Dekanates Hörde abgehalten. Die Tagung beginnt gegen 10,30 Uhr morgens und soll um etwa 5 Uhr beendet sein. Gegen 3 Uhr wird Redakteur Fehnecke aus Duisburg einen Vortrag halten über das Thema:„Die Soziallehre der katholischen Kirche und die Arbeiterschaft". Zu diesem Vortrag sind auch die Damen der Mitglieder herzlich eingeladen.ten zum Zolltarif. Aus der kath. Gemeinde. Religiös= wissenschaftl. Vortrag am Sonntag, den 25. Mai 1930. Redner: P. Ludger Born S. J. Thema:„Christentum und Sozialismus". Ist der Sozialismus eine rein wirtschaftliche Angelegenheit? Hat er mit Weltanschauung gar nichts zu tun? Wenn ja, wie steht diese Weltanschauung dem Christentum gegenüber? Wie Wasser und Feuer? Oder ist die Behauptung richtig: der Sozialismus habe sich weltanschaulich so gewandelt, daß auch überzeugte Christen ruhigen Gewissens in seinen Reihen Platz finden können? Antwort auf diese Fragen will der angekündigte Vortrag geben. M. G. V.„Cäcilia“. Samstag, den 17. Mai, abends 6,30 Uhr, Vorstandssitzung bei Raulf.— Kath. Gesellenverein. Montag abend 8 Uhr: Deutsch=Kursus. Mittwoch abend 8 Uhr: Versammlung im Vereinshause. — M. G. V.„Cäcilia". Dienstag abend 8 Uhr: Gesangstunde.— Jungfrauen=Kongregation. Mittwoch) abend 8 Uhr: Gesangstunde in der alten Schule.—„Cäcilia"= Frauenchor. Donnerstag abend 8 Uhr: Gesangstunde im Kasinosaal. Kirchenchor. Die Chorprobe für Damen ist Dienstag abend, für Herren Freitag abend.— Vinzenz=Verein. Freitag abend 9 Uhr Versammlung, nachher Lesung aus den 4 Büchern der Könige.— Deutsche Jugendkraft. Freitag abend 8 Uhr Spielabend. Westhofen I Wandhofen. Die Schlackenhalde verschwindet. Die Abtragung der großen Schlackenhalde an der Grenze zwischen Schwerte und Wandhofen hat in den letzten Wochen einen schnellen Fortgang genommen. Täglich hat der große Bagger sich mehr und mehr in den Schlackenberg hineingefressen. Mit Eisenbahnwaggons, Lastautos und Pferdefuhrwerken wurde das Schlackengestein, das zum Teil für Wegebefestigungen Verwendung fand, abtransportiert. Durch die Abtragung der schmutzigen Halde wird das Bild der betreffenden Gegend sehr gefördert, was besonders die Anwohner der Bruchstraße begrüßen. ! Geisecke. Unfall. Auf dem Gutshofe Druffel hierselbst war die Antriebsmaschine der Dreschmaschine defekt. Bei den vorgenommenen Reparaturarbeiten leistete die 67jährige Witwe Dr. kleine Handreichungen. Unglücklicherweise geriet dieselbe mit 2 Fingern der linken Hand in das Getriebe der Maschine. Die Finger wurden sofort zerquetscht und ordnete der herbeigeeilte Arzt die Ueberführung der Verletzten in das Marienhospital Schwerte an. verschiedene hiesige Geschäftsleute die Geschädigten. Das Gericht gab F., der sich bereits einige Zeit in Untersuchungshaft befindet, Gelegenheit, zwei Monate lang über seine Heldentaten nachzudenken. Verschiedene Sachen wurden vertagt. Geschäftliches Gute Vorarbeit beim Waschen. Will man eine tadellose Leistung erzielen, so muß man gut vorarbeiten, ganz einerlei, auf welchem Gebiet es sei. Dies weiß auch jede Hausfrau. Ihr ist z. B. klar, daß das Waschen der Wäsche viel schneller und leichter geht, wenn die Wäsche vorher richtig eingeweicht wurde. In der Einweichlauge quillt die Faser und der Schmutz wird gelockert. Niemals soll sie heißes Wasser dazu nehmen, denn dadurch würde der Schmutz einbrennen und ein blendendes Weiß des Gewebes nur schwer zu erzielen sein. Am besten ist, man verwendet zum Einweichen die bekannte Henko=Bleichsoda, die durch ihre hervorragende schmutzlösende Wirkung die Reinigung der Wäsche bedeutend erleichtert. Man rechnet im allgemeinen 1 Paket Henko auf 4—5 Eimer kaltes Wasser. Das feierliche Seelenamt für den Verstorbenen Herrn Landwirt Josef Schulte-Göppe, Geisecke findet am Montag morgen 71 Uhr in der Pfarrkirche zu Schwerte statt. Wir liefern gut und preiswert alle Sorten * GUMMI-STENPEL in den modernsten Schriften CARL BRAUS: SCHWERTE ba. Neug Zührungsvorschristen zum Zolltarif Die Afach geändert und ergänzt worden. Die Ibllauskunft wird sünf Jahre bei den Akten der Zollstelle aufbewahrt. Der Einfuhr aus dem Ausland steht die Einfuhr aus Zollausschüssen, Freibezirken und von Zollägern oder Zollkonten gleich. Für die Handelsüblichkeit von Umschließungen gelten im einzelnen besondere Vorschriften. Ueber die Handelsüblichkeit anderer Umschließungen entscheiden die Zollabfertigungsstellen nach der Verkehrsanschauung. Aus der evgl. Gemeinde. Lichtbilder=Vortrag im Jungmännerverein. Am Sonntag abend 8 Uhr hält Pastor Millard im Jungmännerverein einen Vortrag mit Lichtbildern:„Eine Wanderung durch die Sternenwelt.“ Dazu versammeln sich die Teilnehmer in der neuen Marktschule. Gäste sind willkommen. Die Frauenhülfe Wandhofen macht am Donnerstag, den 22. Mai, einen Ausflug nach Schloß Romberg. Die Mitglieder treffen sich 12,30 Uhr am Markt. Kirchenchor. Anläßlich des Sonntags Cantate wird der Kirchenchor im Gottesdienst in der großen Kirche mitwirken. Die Frauenhülfe des 1. Stadtbezirks Pastor Ohlig versammelt sich Donnerstag, den 22. Mai, nachmittags 3 Uhr, im Gemeindehaus. Evgl. Sterbevorsorge. In den nächsten Tagen werden Vertreter der Evgl. Sterbevorsorge in den Häusern vorsprechen. Die Evgl. Sterbevorsorge ist von dem„Zentralausschuß für die Innere Mission der deutschen evgl. Kirche" ins Leben gerufen, um die geldlichen Sorgen zu beseitigen, wenn in einer Familie der Tod eintritt. Für Westfalen hat der Westfälische Provinzialverband für Innere Mission auf die Evgl. Sterbevorsorge mit besonders eindringlicher Empfehlung hingewiesen, der wir uns mit allem Nachdruck anschließen. Die schon vorhandene Begräbnishülfe wird hierdurch nicht berührt und gestört. Aus dem Gerichtssaal Der Händler Artur S. ist trotz seiner Jugend eine bei der Polizei sehr bekannte Persönlichkeit. Nacht zum halte er wier.? einen unliebsamen Auftritt mit zwei Hütern der Ordnung. Er kam johlend und laut singend über die Westenstraße und als er am Markt von den beiden Nachtbeamten zur Ruhe ermahnt wurde, kam er dieser Aufforderung nicht nur nicht nach, sondern er beleidigte und beschimpfte die Beamten in einer kaum wiederzugebenden Weise. Vor Gericht suchte er sein Verhalten mit seiner großen Erregung zu entschuldigen; er sei kurz vor dem Zusammenstoß mit den Beamten von einer Gruppe auswärtiger junger Leute überfallen und geschlagen worden. Einen Beweis für diese Behauptung konnte S. jedoch nicht erbringen. Das Urteil für den vielversprechenden jungen Mann lautete auf eine Gesängnisstrafe von 2 Wochen und 4 Tagen; außerdem wurde den beleidigten Beamten das Publikationsrecht in der„Schwerter Zeitung" zuerkannt. Im März gab der Landwirt F., bereits sechs Mal wegen Betrügereien vorbestraft, in Schwerte eine Gastrolle. Er gab sich hier als Sohn eines Gastwirts von Höchsten aus, machte Autofahrten, ohne zu bezahlen, machte in verschiedenen Wirtschaften größere Zechen, die er nicht bezahlen konnte, und ähnliche Schwindeleien. Da auch der Vater sich weigerte, für die Schulden seines Sprößlings aufzukommen, sind Rubelt sutter Wicken, glashart Perlmais Weizen Gerste Wibbelbohnen Dari, weiß empfiehlt Halbtagsmädchen nicht über 18 Jahre für kleinen Beamtenhaushalt gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dies. Ztg. 2-3 Zimmerwohnung von kinderlosem Ehepaar für sofort oder später zu mieten gesucht. Berechtigungsschein vorhanden.— Schriftliche Angebote unter 1950 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. A. Jakob- Dammhorst Landesprodukte Schwerte=Ruhr am Bahnhof Teleson 2937 Empfehle prima Erdnußmehl, Sojaschrot Leinmehl, Trockentreber Malzkeime, Zuckerschnitzel. g Lie Damanschneiderei. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dies. Ztg. 2 Zimmerwohnung gegen 4 Zimmerwohnung eventuell 3 große Zimmer zu tauschen gesucht. Zu erfragen in der Geschst. dieser Zeitung. 1957 Abitur Ob. Sekunda-Reite Schnellste Vorbereilung von Schülern und Schülerinnen. Paedagoglum Privatschule Schülerheim n. Bahnhofstr. 34. 1229 (Elage Technikun Lemgo I. Lipne Moch-, Tiel- u. Eisenbeiond au Maschinenb au, Elektrotechnik Köhhen-ze Bertiung Mittwoch, den 21. Mai— Sonntag, den 25. Mai Donnerstag(Himmelfahrt), den 29. Mai nachmittags 3½ Uhr 4 Ehrenpreise und 78500 RM. u. a. Preis von Westtalen, Ehrenpreis u. 15000 RM. VERLOSUNGSRENNEN 2 Herren oder 2 Damen finden im gut bürgerlichen Hause volle (Bad im Hause). Off. unter 1953 an die Geschäftsst. dieser Ztg. eimarbeit, schriftliche Vitalis-Verl., München K Weld- FrühjahrskurenHerz, Rheume, Nerven, Luftwege, Frauenleiden Konzerte, Theater-Prospekte frei Aus den Nachbar=Stabten — Präsident der Oberpostdirektion Dort mund*. Vorgestern abend gegen 6 Uhr erlag der Präsident der Oberpostdirektion Dortmund, Rothe, einem längeren Leiden, nachdem er am 1. Juli nach 40jähriger Dienstzeit in den Ruhestand treten wollte. Rothe war von 1898 bis 1901 in Togo und von 1907 bis zum Kriege in Deutsch=Ostafrika Leiter des Postwesens. Im Kriege lag ihm die Organisierung und Leitung des militärischen Nachrichtenwesens der Kolonie Deutsch=Ostafrika bis zur Aufgabe der Zentralbahn im Jahre 1916 ob. Nach dem Kriege war Rothe Postrat und Oberpostrat in Hannover und seit Ende 1924 bis zur Uebernahme der Oberpostdirektion in Dortmund als Ministerialrat im Reichspostministerium tätig. — Einbruchsdiebstahl. Vorvergangene Nacht wurde in das Pier= und Zigarrengeschäft im Hause Oestermärschstraße 41 eingebrochen. Der oder die Täter erbeuteten Zigaretten aller Art im Werte von etwa 150 Mk. Etwaige Wahrnehmungen erbittet das 2. Kriminalkommissariat, Zimmer 114, das Angaben auf Wunsch vertraulich behandelt. Witten. Einführung eines neuen Pfarrers. Am Sonntag, den 11. Mai, fand in der alten Johanniskirche zu Witten die Einführung des Pfarrers Busch statt. Superintendent Niederstein=Altenbochum nahm unter Assistenz von Pastor Deppe=Witten und von Pastor Wilhelm Busch aus Essen, dem Bruder des neuen Pfarrers die feierliche Handlung vor. Am Abend fand sich noch einmal eine zahl iche Festversammlung im Wittener Gemeindehause ein, um dem neuen Psarrer Grüße und Glückwünsche darzul ringen. A#i#e Wandhofen 1.— Hengsen 1. 2:5(2:1). Hengsen gewinnt überraschender Weise, aber überlegen gegen den in gleicher Gruppe spielenden Spitzenführer Wandhofen. Zur angesetzten Zeit stellten sich beide Mannschaften dem Schiedsrichter, Büttig=Hagen. Gleich im Anfang findet sich Wandhofen gut und bringt den Ball gut vor das gegnerische Tor. Der Schuß aufs Tor geht ins Aus und schon ist Hengsen im Angriff. Besser ist es für Hengsen, mehr mit dem Kopfe vor dem Tore zu arbeiten, durch Kopfspiel wären bestimmt im Ansang schon Tore gefallen. Nach verteiltem Feldspiel kommt Wandhofen zu ihrem ersten Treffer, und kann abermals nach einigem Hin und Her zu einem weiteren, aber letzten Treffer gelangen. Kurz vor Halbzeit holt Hengsen mit einem Tore auf. 2:1 für Wandhosen, so geht es in die Halbzeit. Nach der Pause legt Hengsen mächtig los und drängt Wandhofen gewaltig in ihre Hälfte zurück. Ihr Eifer wird mit Erfolg gekrönt. Nacheinander muß es sich der Wandhofer Torwart gefallen lassen, mehrere Bälle aus seinem Netz zu holen. Nun drängt Wandhofen, kann aber gegen Hengsen, die ihre gesamte Mannschaft zurückgezogen hat, nicht mehr auf. Bis zum Schlußpfiff ändert sich das Bild nicht mehr und Hengsen verläßt als verdienter Sieger den Platz. Wandhofen hat den alten Fehler wieder gemacht, nämlich ihren Gegner vom Anfang an zu leicht genommen. Hengsen hat sich nun den Platz zum Spiel um die Landmeisterschafts=Zwischenrunde erkämpft, welches am Dienstag, den 20. Mai, 18,45 Uhr ausgetragen wird. An genannten Tage stehen sich dann Hengsen und Langschede gegenüber. Der Sieger aus diesem Spiel steht dann am 25. Mai gegen die 1. Mannschaft von Ergste. Wer wird nun das Zwischenrundenspiel gewinnen und wer erkämpft sich den Wanderpreis in der Endrunde? Anschließend standen sich um den Wanderpreis der„Schwerter Zeitung", dem Jugendbanner, die beiden Jugenmannschaften Hengsen 1. Jgd.— SSV. 06 1. Jgd. gegenüber. Hengsen trat mit 8 Mann an und so konnten die 06er das Spiel für sich gestalten. Der Schiedsrichter brach das Spiel wegen allzugroßer Dunkelheit etwa 15 Minuten vor Schluß bei einem Stande von 3:0 für die 06er ab. In der anschließendeni Sitzung des Hauptausschusses der WfL. wurde die Neuansetzung des Spieles für heute(Samstag) nach Rücksprache mit den beiden Jugendführen festgesetzt. Nach Rücksprache des Hengsener Leiters mit seiner Jugendmannschaft sowie den Vertretern des Vereins wurde die Mannschaft von Hengsen zurückgezogen und ist nunmit die Jugend von SSV. 06 ohne Wiederholungsspiel Sieger dieses Treffens. Heute(Samstag) steigt das JugendbannerZwischenrundenspiel Union— Alemannia, derer Sieger im Endspiel gegen die Jugend von SSV. 06 antreten muß. Auch hier die Frage, wer bekommt das Jugendbanner im Jahre 1930? Fußbuf! Die Zwischenrunden der Stadtmeisterschaft. Kampf um das Jugendbauner. Im Fußball, wie auch in den anderen in der WfL. zur Geltung kommenden Sportarten nähern sich die Wettbewerbe mehr und mehr den Heute, Samstag nachmittag 17.30 Uhr steigt die Fußball=Stadtmeisterschafts=Vorrunde Alemannia 1.— Reichsb. TuSpL. Schwerte 1. Auch dieses Tressen wird seine Anziehungskraft nicht verfehlen. In stärkster Ausstellung antretend sollten die Alemannen infolge größerer Spielerfahrung und als eingespieltere Einheit zwar einen Sieg erzielen, aber die noch junge Reichsbahner=Mannschaft darf keineswegs leicht genommen werden, weil gute Kräfte darin mitwirken, die sich anderwärts schon bewährt haben, aber seit einiger Zeit nach hier versetzt sind. Man tappt bezüglich der Spielstärke der Reichsbahner im Dunkeln. Ein faires, gutes, spannendes Spiel ist zu erwarten, das zahlreiche Zuschauer anlocken wird. Der Sieger bestreitet die Endrunde aus dem Spiel Union —SSV. 06. Die Mannschaftsaufstellung: Alemannia: Neurath Böse Mitus Weber I Kirchhoff Weber II Repkow Duisberg I Bremshey Hosang Exnowsky Kordel Rohde Kennemund Leubold Kathol Lang Schäfer Scheidemann Hamm Kramer Biermann Reichsbahn: Anschließend 19.10 Uhr folgt die 1. JugendBanner=Zwischenrunde: Union 1. Jgd.— Alemannia 1. Jgd. Union gewann in der Vorrunde 4:1 gegen Geisecke. Alemannia schlug Langschede 5:1 aus dem Felde. Der Papierform nach müßte Alemannia gewinnen, aber vermutlich hat sich Union im Vorrundenspiel nicht voll ausgegeben Beide Mannschaften sind die stärksten der Gruppe. Dem Spiel kommt große Bedeutung zu, ein ganz knapper Ausgang für die eine oder andere Partei ist zu erwarten. Vereinszehnkampf. Leichtathletik. Um den wertvollen Wanderpreis der Stadt Schwerte, die große Bronze=Plakette, bewerben sich die Vereine Schw. Turnerschaft, Deutsche Jugendkr. st, Reichsbahn=TuSpV. Schwerte, Schwerter Sportvereinigung v. 1906 e. V., Sportklub Alemannia Schwerte. Die Kämpfe bestehen in Läufen über 100, 200, 400 und 800 Meter. Staffelläufen über 4 mal 400 Meter und 10 mal ½ Runde, Kugelstoßen, Speerwerfen, Weitsprung und Hochsprung. Jeder Verein stellt in jedem Wettbewerb, ausgenommen die Staffeln, drei Teilnehmer, in der 4 mal 400 Meter Staffel 4 Läufer, in den 10 mal ½=Runden=Staffel 10 Läufer. Jede einzelne Leistung wird nach Punkten gewertet und zwar nach der neuen DSB.=Mehrkampfwertung bis zu 1000 Sieger ist die Mannschaft mit der höchsten Punktzahl. Die drei besten Mannschafteu werden durch schöne Plaketten besonders ausgezeichnet. Die Wettlämpse beginnen mit dem 100Meter=Lauf und endigen mit den beiden Stafseln. Anfang der Kämpfe 14 Uhr. Die sämtlichen Kämpfer müssen dann Vereinsweise zur Startnummern=Ausgabe und Eintragung in die Wertungskarten und Teilnehmerlisten antreten. Die Reihenfolge der Wettkämpse wird beim Antreten angegeben, so daß sich die Teilnehmer dann etwas danach richten können. Eine Kampfrichtersitzung findet um 13 Uhr im Lokale Schäfer,„Zu den drei Linden“ statt, wozu sich von jedem Verein 3—4 geschulte Kampfrichter einfinden müssen. Eine Voraussage für diesen erstmalig in Schwerte stattfindenden interessanten Vereinswettkampf ist nicht möglich. Sämtliche Vereine versügen über vorzügliche Kräfte. Die goldene Ungewißheit entbehrt nicht eines gewissen Reizes. Vorrunde um die Stadtmeisterschaft. Und nochmals S. C. Union— S. S. V. 06. Wird nun die Entscheidung fallen? Zwei Stunden lang sahen am vergangenen Sonntag Hunderte von Sportenthusiasten trotz teilweise strömenden Regens unentwegt zwei Mannschaften im gigantischen Kampfe um die Palme des Sieges vergeblich kämpfen. Auch die einsetzende Spielverlängerung hatte nicht den Siegestreffer der einen oder anderen Mannschaft gebracht und der Schlußpfiff des Unparteiischen trennte zwei völlig erschöpfte und abgekämpfte Mannschaften mit dem unentschiedenen Ergebnis von 1:1. Union und Schwerte 06 von ihren Anhängern mächtig angefeuert, hatten vergeblich ihre Kampfkraft verpufft. Hüben wie drüben hatten harte Hintermannschaften mit zäher Verbissenheit ihr Heiligtum mit Erfolg verteidigt. Wie ist nun der Ausgang des Spieles am Sonntag zu erwarten? Wiederum fiebern die Gemüter und die Meinungen gehen stark auseinander. Warum auch nicht. Der stolze Titel eines Stadtmeisters und der wertvolle Wanderpreis des Herrn O. Homel haben den Mannschaften einen Willen geschaffen, Sieger unter allen Umständen werden zu wollen. Da ist es auch nicht verwunderlich, wenn fanatische Vereinsanhänger gar Wetten auf einen Sieg ihrer Mannschaften abschließen. Datz die Paarung der obigen Mannschaften eine überwältigende Zugkraft ausübt, das bewiesen die Scharen, die am vergangenen Sonntag in dem schlechten Wetter herbeigeeilt waren. Und sie wurden auch nicht enttäuscht. Denn beide Mannschaften boten trotz des schweren Bodens erstilassige Leisiungen. Erneut muß man die Frage aufrollen, ob man sich nun für die wuchtige, forsche nur auf Erfolg eingestellte Turchschlagskrast der Unioner Elf oder das technische Kombinations= spiel, den Flachpaß von Mann zu Mann der 06er, das Süddeutsche System, entscheiden soll. Wer wird den Erfolg davontragen? Eine Frage, die uns nur beiden Mannschaften am Sonntag beantworten können. Und wiederum ergeht ein besonders dringender Appell an die Spieler: spielt fair! Beherzigt die Worte des Stifters des Wanderpreises, Herrn Homel. Besser eine Niederlage in Ehren als ein Sieg in Schanden. Die Schwerter Bevölkerung wird gerecht sein und der besseren Elf ihre Sympathie entgegenbringen. Die Mannschaften spielen in der gleichen Aufstellung wie am vergangenen Sonntag, lediglich Schwerte 06 hat im Sturm eine Umstellung vorgenommen. Das Spiel beginnt gegen 5,30 Uhr, im Anschluß an die leichtathletischen Vereinszehnkämpfe. dem Aufstieg des„Graf Zeppelin“ : N AMERIKA:: Plymoott ordeaut! 8 935 Am Sonntag startet„Graf Zeppelin“ in Friedrichshafen zu seiner seit längerer Zeit angekündigten Südamerikafahrt. Sie führt, wie unsere Kartenskizze zeigt, über Frankreich und entlang der spanischen Küste zunächst nach Sevilla, wo ein eintägiger Aufenthalt vorgesehen ist. Dann geht es über Cadiz und die nordafrikanische Küste entlang über die Kanarischen und Kap Verdischen Inseln(Postabwurf) bis ungefähr zur Höhe von Dakar. Hier erfolgt der Sprung über den offenen Südatlantik. Das erste Land wird erst wieder bei der Brasilien vorgelagerten einsamen Verbrecherinsel San Fernando de Noronha gesichtet. Von dort ist es nur ein kleines Stück bis zur Nordostspitze Brasiliens bei Pernambuco. Doch ist hier zunächst keine Landung vorgesehen. Das Luftschiff wird die Küste entlang bis zur Hauptstadt Rio de Janeiro fliegen und hier, falls es die Wetterbedingungen erlauben, zu einem eintägigen Aufenthalt niedergehen. Erlaubt das Wetter eine Landung nicht, dann fliegt das Lustschiff nach Pernambuco zurück, wo es am Ankermast festmacht. Von Pernambuco geht die Fahrt dann entlang der nordbrasilianischen Küste über die Mündung des Amazonenstromes, über Teufelsinsel und Trinidad, quer über die Karibische See zu den großen Antillen, wo in Habana auf Kuba wieder für einen Tag am Mast festgemacht werden soll. Von Habana fliegt das Luftschiff über die Ostküste der Vereinigten Staaten nach Lakehurst, wo es mindestens drei Tage liegen bleibt und ein großer Passagierwechsel stattfindet. Dann erst kehrt es über die Azoren und Sevilla, wo wieder ein zwölfstündiger Aufenthalt vorgesehen ist, nach Friedrichshafen zurück. Die Gesamtstrecke, die das Luftschiff auf dieser Fahrt zurücklegen wird, dürfte rund 25 000 Kilometer betragen(Weltfahrt 34000 Kilometer). Sie dürfte etwa 20—23 Tage dauern. Sie wird von grundlegender Bedeutung sein, da auf ihr die technischen Verhältnisse für eine spätere Verkehrsverbindung zwischen Europa und Südamerika wie auch für den zukunftsreichen Verkehr zwischen Nord= und Südamerika praktisch erprobt werden sollen. Die Fahrt des„Graf Zeppelin“ ist auch noch dadurch bemerkenswert, daß damit zum erstenmal ein Luftschiff den Aequator kreuzen wird. Das Luftschiff wird den Nachweis zu führen haben, daß seine Steige= und Landungsfähigkeit durch die tropische Hitze nicht beeinträchtigt wird. am Sonntag, 18. Mai Evangelische Gottesdienste. Große Kirche: Sonntag 9,30 Uhr Pastor Ohlig. 11 Uhr Kindergottesdienst. Kleine Kirche: Sonntag 8 Uhr Pastor MilEv. Krankenhaus: Sonntag 8,30 Uhr Pastor Geisecke=Lichtendorf: Sonntag 9,30 Uhr Millard. Vereine und Versammlungen. Sonntag 8 Uhr Männerverein. Montag 8 Uhr Kirchenchor. Donnerstag 8,15 Uhr Vorbereitung zum Kindergottedienst. Evangelischer Verein junger Männer. Sonntag 2 Uhr Jungschar. 4 Uhr Jugendabteilung. 8 Uhr Lichtbildervortrag in der neuen Marktschule. Dienstag 8 Uhr Turnen. Donnerstag 8,30 Uhr Posaunenchor. Freitag 8,30 Uhr Vibelbesprechstunde. Samstag 8 Uhr Unterhaltungsabend. Vereine der Frauenhülfe. Frauenhilfe Wandhofen: Donnerstag ¼1 Uhr. Frauenhilfe Stadtbezirk Pastor Ohlig: Donnerstag 3 Uhr. Evangelische Vereine junger Mädchen. a) Schwerte: Sonntag 6 Uhr Abt. 1 und 2 (Jägerstraße). Dienstag 8 Uhr Abt. 1 im Gemeindehause. Mittwoch 7,30 Uhr Abt. 2 im Gemeindehause. c) Villigst: Sonntag 3 Uhr. d) Geisecke=Lichtendorf: Sonntag 2,30 Uhr. Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstalten. Mittwoch 5 Uhr Jüngere Abteilung. Donnerstag 6, 30 Uhr Aeltere Abteilung. Mädchenbibelkreis. Dienstag 4 Uhr Jüngere Abteilung. Dienstag 5 Uhr Aeltere Abteilung. Evangl. Stadtmission Schwerte, Kuhstraße 7. Sonntag 8 Uhr Früh Begzigzertingerezau. Uhr Sonntagsschule. 4 Uhr Biversianer aus. 8 Uhr abends Jugendbund. Mittwoch 8,30 Uhr abends Gebetsstunde. Donnerstag 3 Uhr Versammlung des Frauen=Missionsbundes. Freitag 8 Uhr abends Blaukreuzverein. Katholische Gottesdienste. 6 Uhr Stille hl. Messe. 7,30 Uhr Frühmesse. Monatskommunion der 8,45 Uhr Schulmesse mit Predigt. Vikar 10 Uhr Hochamt mit Predigt. Kollekte für das Clemenshaus Driburg... Marrtirche An den Werktagen sind in der Pfalkllich. drei hl. Messen:— Uhr, 6,30, 7,10 und 7,45 In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe ist an den Werktagen 7,15 Uhr Stille hl. Messe mit Predigt. Vikar Schleep. Westhofen 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Holzen. Vacat. Lichtenvorf. 7,30 Uhr Frühmesse mit Predigt. Gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jungfrauen. 10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2,30 Uhr Mai=Andacht. Dienstag und Freitag 7,30 Uhr Mai=Andacht. Börsen und Märkte Dortmunder Pferdemarkt vom 16. Mai. Auftrieb 620 Pferde und 40 Wagen aller Art. De Handel war langsam. Es kosteten: a) Kaltblüter: beste Arbeitspferde und Stuten 800—950 Mark, zweite Arbeitspserde 400—650 Mark, dritte Arbeitspserde 300—500 Mark, zweijährige Pferde 350—550 Mark; b) Waxmblüter; beste Arbeitspferde und Stuten 750 un 65 Mark, zweite Arbeitspferde 400—650 Mark, dritte Arbeitspferde 300—400 Mark; c) Kreuzungen beste Arbeitspferde 300—500 Mark, dritte Arbeitspferde 200—400 Mark, zweijährige Pferde 300—500 Mark. Beste Tiere wurden über Notiz bezehlt. Der nächste Markt ist ant 5. Juni. 9 „elr wie HUNE,, fKreik! DER KUNDPENR ALS LEHRTIENSTER achtung, daß fast jeder Hörer gerade 0 Rund sechs Jahre sind seit dem Toggeergugggg dem in Europa begonnen wurde, offizieue Vervreitung intygeve auch die, Einstellung derer, denen sroßen Hörerwasen, doch lein Zweisel daran bestehen, 0s dos Vertshtus der goderz, it ais vor mechteren so läßt sie doch keine nutzbringenden Folgerungen zu, wenn wir uns nicht zugleich darüber klar zu werden versuchen, worin diese Anderung eigentlich besteht. Ist lichteit geworden oder hat er, dank jahrelanger abung, zugleich auch besser hören gelernt? Ehe wir diese Frage näher erörtern, seien vuo, baß man bespielsweise die Schauspieler in den gleichen Rüstungen vor das Mikrophon treten ließ, sie in dem betreffenden Drama(es handelte sich um Wallensteins Lager) auf der Bühne zu tragen, ritegen, Glaubte man damals doch, das naturgetreue gegen den Harnische und Waffen würde den Hörern am besten den Eindruck einer„wirklichen Vorstellung“ vermitteln. Da das Ergebnis nicht ganz das gewünschte war, verfiel man, unmittelbar darauf, in das größte Extrem. Man bemühte sich, Geräuschmaschinen zu erfinden, die die benötigten Effekte möglichst gut imitierten. Eine prasselnden Regens, gedämpfter Hieutenpiebezereusten Donner, zwei Metallstücke ersetzten die getreuzten wver„ Hieser Bertrung 2— denn es war eine u. nicht lange. Dieser Serittung— denn es war eine folgte bald die reuige„Rückkehr zur Natur“, der es bis zum heutigen Tage geblieben ist. Je echter, desto besser, lautet nunmehr die Parole und dies geht so weit, daß man— um auch hier nur ein Beispiel he zugreifen— an Stellen, wo ein Sendespiel den Hörer auf die Straße führt, ein Mikrophon einschaltet, oaß an einem verkehrsreichen Punkt aufgestellt ist, so daß wirklicher Straßenlärm vernehmbar wird. Leider ist dies System nicht stets, sondern im Gegenteil nur höchst selten, in so einfacher Weise anwendbar. jeder weiß, in welch hohem Maße unser Auge durch das Kino geschalt worden ist. Wir haben sehen“ gelernt, wären sonst kaum imstande, den blitzschnellen Verwandlungen und Ueberblendungen zu folgen, die die moderne Filmtechnik jetzt bevorzugt. Die Frage, ob der Rundfunk, der zwar viel jüngeren Datums ist, sich an Beliebtheit aber durchaus mit dem Film vergleichen kann, einen ähnlichen Einfluß auf unser Ohr auszuüben beginn liegt daher sehr nahe. Ein Fachmann beantwortet sie hier und kommt dabei zu Ergebnissen, die allgemein lebhaft interessieren dürften. achlung, daß füst jeder Holel gerüde den Lautspi für den besten und klangreinsten hält, an den während längerer Zeit gewöhnt hat. Mit rechen er sich anderen 0 Dennoch sind wir uns alle darüber klar, daß die übertragung naturwahrer Geräusche ein Problem ist, das auch heute noch nicht reslos gelöst ist, obwohl viele, Nänner der Wissenschaft und der Rundfunktechnik sich oarum mühten und noch mühen. Immerhin ist im Laufe der Jahre, Hand in Hand mit den sonstigen technischen Fortschritten, auf dem Gebiet des Radiowesens auch die Geräuschtechnik erheblich vervollkommnet worden. Gerade deshalb mag es so überraschend klingen, daß der Hörer von einst viel weniger an ihr auszusetzen hatte als heute. Wir verstehen dies aber sogleich, wenn wir uns in seine L##e vor fünf bis sechs Jahren zurückversetzen. Damals erschien ihm das Radio noch als technisches Wunder. Er 3342 ∆ 5 Der sterbende Attighaus muß— nießen! Dieser tragikomische Zwischenfall, der dem Funkregisseur die die Haare zu Berge steigen ließ, ereignete sich während ei Wilhelm=Tell=Vorstellung eines großen norddeutschen Senders. Solche Swischenfälle sind besonders peinlich, da der Hörer unter der Störung leidet, ohne den Humor der Situation mitempfinden zu können. Denn„echten Straßenlärm“ gibt es zwar jederzeit, aber Regen und Sturm lassen sich nicht kommandieren und Katzen mianen nicht auf Besehl des Regiseurgz.De gag ein sindiger Kopf auf den Gedanker, u1a44eu ges. die echten Geräusche auf Schal.v. gage an. halten, um sie stets zur Verfügung zu haben.# regung hat sich außerordentlich bewährt und viese Einrichtung findet jetzt allgemein Verwendung. Um Hörspiele wirksamer zu machen, werden die Geräuscheffekte nach Möglichkeit der Wirklichkeit entnommen, so z. B. der typische Straßenlärm der Großstadt. war schon glücklich und stolz, wenn er die Klänge aus der Luft hörte, deren Herkunft er sich kaum zu deuten mochte. Sein Staunen über diese großartige Leistung der modernen Technik ließ alle anderen Empfindungen und jede kritische Einstellung zu dem, was geboten wurde, und wie es geboten wurde, schweigen. Niemand ahnte noch etwas von den Sorgen, mit denen die Männer vor dem Mikrophon zu kämpfen hatten, da ihnen zunächst noch jede Erfahrung fehlte. Das Ohr des Hörers war noch taub gegen die akustischen Verzerrungen, die dem damaligen Stand der Rundfunktechnik entsprachen, Jeder fand vorerst alles gut, wie es war und freute sich über das Die Fortschritte, die man seitdem machte, erstreckten sich aber nicht nur auf die Sendestellen. Arg,„die Empfangsapparate besserten sich von Monat zu an Stelle der Kopfhörer trat der Lautsprecher und die Hörerschaft war damit, ohne daß sie sich dessen klar bewußt wurde, vor ganz neue akustische Erscheinungen und Probleme gestellt. Gleichzeitig fing sie auch an, zu werden. Dies lag aber kaum daran, daß sich etwa durch das ständige Abhören der Rundfunkdarbietungen das Ohr geschärft hätte. Man hatte sich aber allmählich an das anfangs so bestaunte Wunder gewöhnt und fing an, auch diese gewaltige Leistung der modernen Technik als etwas selbstverständliches hinzunehmen. Damit waren aber die Voraussetzungen für eine kritischere Einstellung des Hörers im allgemeinen und des Gehörs im besonderen zum Rundfunk gegeben. Die Vorliebe für den Lautsprecher zeitigte auch sonst sehr eigenartige Folgen. So machte man bald die BeobI Das Gehörte erzeugt die deutlichste vorstellung, ! lwenn Erinnerung die Phantasie unterstützt. Darum wirkt beispielsweise die Radioübertragung einer Sirkusvorstellung be. sonders anschaulich. Worten: das Ohr paßt sich allmählich derart an den Klang dieses Lautsprechers an, daß ihm jeder andere fremd erscheint. Das Gehörwirdalso nicht geschärft, sondern in gewisser Beziehung sogar abgestumpft. Von denen abgesehen, die auf einen bestimmten Lautsprecher eingeschworen sind, lauten aber die Urteile über die verschiedenen Systeme so subjektiv, daß eine Feststellung, welcher eigentlich der beste ist, gar nicht getroffen werden kann. Der Geschmack ist hier durchaus individuell, so vor allem schon deshalb, weil der eine tiefere Laute angenehm empfindet, während ein anderer Mittellaute oder gar höhere Töne bevorzugt. Alle diese Einzelheiten sind aber letzten Endes unwichtig und unerheblich. Maßgeblich und ausschlaggebend ist allein die Tatsache, daß die große Mehrheit der Hörer im Laufe der Jahre ihre ursprükgliche Naivität völlig eingebüßt hat und zu einer kritischen Einstellung gelangt ist, die an jede Darbietung die denkbar höchsten Anforderungen stellt. Beigetragen haben dazu noch zwei wichtige Momente, die wenigstens kurz gestreift werden mögen. Der Hörer von heute vermag ganz genau zu unterscheiden, welche Verzerrungen auf atmosphärische und sonstige Störungen des Empfanges oder auf Mängel seines eigenen Apparates zurückzuführen sind. Infolgedessen ist er sich auch jederzeit darüber klar, welche Mängel der Regie in die Schuhe geschoben werden müssen. Andererseits haben die Besprechungen des Rundfunks in der Presse, die vor allem in den Städten, in denen sich Sender befinden, zu einer ständigen Einrichtung geworden sind, viel dazu beigetragen, sein künstlerisches Urteil erheblich zu vertiefen. So sehen wir eine Fülle von Erscheinungen der verschiedensten Art, die der Rundfunk während seines sechsjährigen Bestehens mit sich gebracht hat. Ein besseres Gehör hat er uns zwar nicht gegeben, wohl aber im Laufe der Zeit die objektive und zugleich anspruchsvolle kritische Beurteilung, ohne die nichts auf der Welt werden und gedeihen kann. Leopold Lehmann. Die neueste Einrichtung:„Geräuschkonserven“. Gerdusche, derer man erfahrungsgemäß häusig benötigt(Meeresrauschen, Sturm, Fauchen der Lokomotive usw.), werden auch mit hüfe von Grammophonplatten erzeugt, auf denen de naturgetreu festgehalten sind. Nr. 115(Drittes Blatt) Schwerter Zeitung“ Runs um eis helnische Tcche der veraysischen Vali. Youngsplanes werden. Man hofft, bis dahin Das Schwergewicht der europaischen Politik ruhte in der letzten Woche wieder einmal in der Völkerbundsstadt am Genfer See, wo sich die Außenminister der Ratsmächte zu der Frühjahrstagung des Völkerbundsrates versammelt hatten. Die Tagesordnung war wie üblich sehr reichhaltig, doch wies sie nur sehr wenige Punkte auf, und diese fielen fast durchweg noch der Vertagung anheim. Das gilt besonders von den oberschlesischen Minderheitsbeschwerden, mit denen die Völkerbundsbureaukratie offenbar nicht beteiligt sein möchte. Die deutsche Minderheit in Ostoberschlesien wird sich jedoch dadurch nicht zurückschrecken lassen und den Völkerbund immer wieder an seine Verpflichtungen gegenüber den nationalen Minderheiten erinnern. Gerade eben hat de Deutschtum in Ostoberschlesien bei den Seimwahlen seinen Selbstbehauptungswillen vor aller Welt dokumentiert und damit die Notwendigkeit einer Achtung der Minderheitsrechte wirkungsvoll unterstrichen. * Viel wichtiger als die öffentlichen und geheimen Ratssitzungen waren natürlich die Verhandlungen hinter den Kuliskgn,, deutsche Reichsaußenminister Dr. Cur der zum erstenmal das Genfer Parkett verreten hatte, hatte zunächst eine Aussprache mit dem polnischen Außenminister Zaleski, wohei man sich in der Hauptsache über die Ratisizierung des deutsch=polnischen Handelsvertrages unterhalten haben düfrte. In polnischen Kreisen ist gegenwärtig der Widerstand gegen den Handelsvertrag stark im Wachsen. Die neuen deutschen Zölle liegen den Polen im Magen und sollen offenbar den Vorwand bilden, um den Vertrag, das Ergebnis langwieriger Verhandlungen, zu Fall zu bringen oder zum mindesten seine Ratifizierung auf die lange Bank zu schieben. Der Dreierausschuß des bundsrates ist den Polen darin bereitswilligst entgegengekommen, indem er sie aufgefordert hat, zu der deutschen Antwort auf die polnische Beschwerde wegen der deutschen Zollerhöhungen erneut Stellung zu nehmen. * Neben den deutsch=polnischen Verhandlungen gingen die Besprechungen zwischen Dr. Curtius und Briand einher. Im Mittelpunkt dieser Erörterungen standen die Saarfrage und die Rheinlandräumung.— Bezüglich der ersten Angelegenheit hat man die Entscheidung bis auf den Herbst vertagt. Inzwischen sollen — so hofft man wenigstens— die nun schon monatelang andauernden deutsch=französischen Saarverhandlungen in Paris zum Abschluß gebracht werden. Uebereinstimmung scheint darüber erzielt worden zu sein, daß der zösische Bahnschutz, den die Pariser Rechtskreise gern als„Grubenschutz" im Saargebiet zurückgelassen hätten, gleichzeitig mit den übrigen Besatzungstruppen zurückgezogen wird. Ueber den Termin der Rheinlandräumung dürfte kein Zweifel mehr bestehen. Dem Vernehmen nach ist der Räumungsbefehl bereits an den Oberkommandierenden der Besatzungsarmee, Ceneral Guillaumat, abgegangen. Die Räumung selbst muß bis zum 30. Juni durchgeführt sein, so sehr sich die Militärs, die allerhand technische Schwierigkeiten vorschützen, dagegen wehren mögen. * Wie die französische Presse halbamtlich mitteilt, wird die Reparationskommission und der Präsident der Kriegslastenkommission nicht vor Sonnabend zusammentreten können, um gemeinsam die im Haager Schlußprotokoll vorgesehenen Bedingungen für die Ingangsetzung des Youngplanes als erfüllt zu erklären. Der 17. Mai würde also voraussichtlich der erste Tag der Ingangsetzung des Houngsplaner=Wereen. Man hefst, Eis Bahl.. auch über die Ausgabe der Younganleihe einig geworden zu sein. Hier haben sich bekanntlich einige Schwierigkeiten ergeben, da die Banken uns für den Anteil von 100 Millionen Dollar aus der 300=Millionen=Dollar=Anleihe eine Sonderbürgschaft zugemutet haben. Da die deutsche Reichsbahn als der hauptsächlichste Nutznießer der 100 Millionen angesehen wird, so verlangt man, daß auch sie außer den Abmachungen über die Verzinsung und Tilgung noch eine bestimmte Bürgschaft zu leisten habe. Zumutung, die darauf hinausläuft, die Reichsbahn wiederum in einem noch stärkeren Maße tributpflichtig zu machen, als dies seinerzeit im Haag vereinbart worden ist, muß befremden, zumal ihre Rolle als Garant für die Summen, für die die Youngsanleihe eine Bevorschussung darstellt, in den Youngabmachungen bereits hinlänglich festgelegt ist. Rheinisch=Westfälische Fleischertagung Recklinghausen. Der Bezirksverein Rheinland=Westfalen des Deutschen Fleischerverbandes hielt vorgestern hier im Städt. Saalbau seine Verbandstagung ab, zu der aus allen Teilen beider Provinzen rd. 600 Delegierte erschienen waren. Der Vorsitzende, Obermeister Multhaupt=Essen, begrüßte als Ehrengäste Stadtbaurat Sopp=Recklinghausen und den Vertreter des Regierungspräsidenten zu Münster, Oberregierungs= und Veterinärrat Dr. Voth In seinem Jahresbericht bezeichnete der Vorsitzende das verflossene Geschäftsjahr als eines der schlechtesten Jahre seit dem Kriege. Die traurigen Konjunkturverhältnisse, Arbeitslosigkeit, gesunkene Kaufkraft der Massen und der hohe Steuerdruck, hätten zahlreiche Fleischereien zur Angreifung der Substanz gezwungen. Dem Bezirksverein gehören zurzeit 121 Innungen mit 6892 Mitgliedern an. Der Bericht bezeichnet als erfreuliche Tatsache, daß bei den letzten Kommunalwahlen das Fleischergewerbe innerhalb des Bezirks 21 Parlamentsvertreter erhielt. Ter Kassenbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben mit insgesamt 29 864 Mark ab. Obermeister Classen=Aachen sprach über die für das Fleischergewerbe verhängnisvollen Auswirkungen des kleinen Grenzverkehrs. Die Versammlung faßte eine Entschließung, in der der Deutsche Fleischerverband ersucht wird, mit allen Mitteln dafür einzutreten, daß der kleine Grenzverkehr keine Ausdehnung erfahre und daß überall dort, wo er eingeführt sei, die zollfreie Einfuhr von Fleisch und Speck an höchstens zwei Tagen der Woche und in der Höchstmenge von 1 kg. zugelassen werde. Ueber das Thema: „Was hat das Handwerk von der Gesetzgebung zu erwarten?" sprach sodann Obermeister Donners=Krefeld. Er betonte vor allem die Notwendigkeit, daß sich das Handwerk in den Kommunen Einfluß verschaffe. In weiteren Referaten wurden interne Fachangelegenheiten, so u. a. die Durchführungsbestimmungen zum Lebensmittelgesetz, das Schlachthofgesetz usw. behandelt. von Pässen an anderen Ausweisen. Die Beschreibungen trefsen durch die unzulängliche Wahl des Ausdrucks auf eine so große Zahl von Personen zu, daß sie wertlos sind. Besondere Kennzeichen hat fast jeder Mensch. werden auch vom Antragsteller auf Befragen meist bereitwilligst gegeben. Bei der Aus= und der Fortbildung der Beamten der Kriminalwie der Schutzpolizei sowie der Landjägerei soll deshalb erhöhter Wert auf Schulung der Fähigkeit im Aufnehmen und Geben der Kennzeichnung, des gesprochenen Bildes, gelegt werden. Zu den Unterrichts= und Uebungsstunden werden auch Beamte im Verwaltungsdienst abgeordnet, denen die Aufnahme von Personalbeschreibungen auf Ausweispapieren obliegt. ha. Die Verkehrseinrichtungen. Die neuen Vorschriften über Verkehrseinrichtungen sind jetzt den Polizeibehörden mit zahlreichen Mustern der Richtungsschilder zugegangen. Näher bestimmt wird die Größe, Form und Einrichtung der Wegweiser an den Wegekreuzungen, der Ortstafeln, der Gefahren= und Warnungstafeln, der Gebots= und Verbotstaseln, der Signaleinrichtungen für die unmittelbare Regelung des Verkehrs sowie der sonstigen Einrichtungen, Anlagen und baulichen Maßnahmen, die der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs dienen. Endlich wird das Sperrzeug und Kennzeichnungsgerät bei Bauarbeiten auf öffentlichen Wegen dargestellt. Man sieht aus den Tafeln die Entfernung, die Kreuzungen mit der Bahn, die dauernden Sperrungen, die Beschränkungen der Höchstgeschwindigkeiten und der Richtung, die vorgeschriebenen Wege, die Parkplätze, den Ueberweg für Fußgänger, die Signale usw. ha. Rechtzeitige Zeitungsbestellung. Zu rechtzeitiger Bestellung der Zeitung mahnt die Post auf ihren Rechnungen. Wenn Sie Ihre Zeitung ohne Unterbrechung weiter beziehen wollen, sagt sie, bitten wir, für die neue Bezugszeit die Zeitungsgelder zu zahlen, sobald die Post mit ihrer Einziehung beginnt. Das Einziehungsgeschäft der Post wird spätestens am 23. des Monats vor Beginn der neuen Bezugszeit beendet. Für Bestellungen, die nach dem 25. aufgegeben werden, müssen wir einte Verspätungsgebühr von 20 J. und für die Nachlieferung bereits erschienener Nummern, falls sie gewünscht wird, eine weitere Gebühr von 10 J erheben. Samstag, 17. Mai 1930 bei schwierigen Strandungsfällen unentbehrliche Dienste zu leisten. Leine und Schwimmer werden auf Distanzen bis zu 200 Meter zielsicher geschossen. Der als rote Boje ausgebaute Schwimmkörper besitzt genügend Auftrieb und Festigkeit, Menschen über Wasser zu halten. Die Verwendung der Pistole auf den Stationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger kommt besonders dann in Frage, wenn es dem Rettungsboot nicht möglich ist, unmittelbar an das Wrak heranzukommen, oder wenn Schiffbrüchige von einer in der Nähe der Küste gelegenen Strandungsstelle durch die gefährliche Brandung direkt an Land geholt werden sollen. Die Pistole und die zur Verwendung kommende kleine Rakete sind gegen Eindringen von Wasser so gesichert, daß auch vom Rettungsboot aus bei schwerstem Wetter voller Erfolg verbürgt ist. Volksleben und Wirtschaft ha. Das gesprochene Bild. Eine Person nach ihren äußeren Merkmalen kurz und treffend zu beschreiben sind die Polizeibeamten nicht immer genügend geübt. Viele verstehen es auch nicht, sich nach einer solchen Beschreibung ein Bild zu machen, das sie zum Erkennen dieser Person befähigt. Diese Fähigkeit braucht man aber nicht nur für die Fahndung, sondern auch bei der Ausstellung ha. Die Bücherlast der Schüler. Ueber eine zu starke Belastung der Schüler und Schülerinnen auf den Schulwegen durch Schulbücher haben sich Eltern bei den vorgesetzten Behörden beschwert. Meist hat sich herausgestellt, daß von der Schule alles getan ist, die Belastung herabzumindern. Die Schulbehörden weisen aber trotzdem nochmals allgemein und ausdrücklich auf die möglichen gesundheitlichen Gefahren hin. In den Gesamtkonferenzen am Anfang der Schulhalbjahre soll die Frage besprochen werden. Empfohlen wird, daß die Fachlehrer den Schülern genaue Anweisungen über die in den einzelnen Stunden gebrauchten Bücher geben. Durch Umfrage soll die tägliche Bücherlast festgestellt werden. Für Tage, an denen die Bücherlast besonders groß zu werden droht, sollen die Fachlehrer das Mindestmaß der nötigen Bücher vereinbaren. Die Anschaffung nicht amtlich eingeführter Lehrbücher darf von den Schülern nicht gefordert noch auch nur empfohlen werden. Ein neues Gerät zur Rettung Schiffbrüchiger ist die Sander=Raketen=Leinenpistole. Infolge geringen Gewichts ist dies aus der Hand abzuschießende Wurfgerät, dessen Lauf je nach dem Kaliber der verwendeten Sanderakete ausgewechselt werden kann, hervorragend geeignet, Was hören wir im Rundfunk? Sonntag, den 18. Mai 1930. 06,40: Selbstverteidigungskursus. 07,00 Morgenkonzirt(Schallplatten). 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Neuenahr. 08,30: Esperanto. 09,00: Uebertragung des Glockengeläutes von St. Gereon. 09,05: Katholische Morgenfeier. 11,00:„Der Dichter als Abenteurer.“ 11,30:„Aus der Evangl. reformierten Friedhofskirche, Elberfeld: Zeitgenössische protestantische Kirchenmusik. 12,30: Meister ihres Fachs— Fritz Kreisler (Violine). 13,00: Mittagskonzert. 14,30: Schachfunk. 14,50: Fertigkeitsprüfungen für Kurzschriftler. 15,10: Für den Kleingärtner. 15,25:„Rundfunk und Landwirtschaft". 15,45:„Was jeder über Unfälle im Wasser wisse übte“. 16,05:„usikalische Arbeitsgemeinschaft. 16,30: Vesperkonzert. 18,00: Stunde des Arbeiters. 18,25: Eine Stunde Kurzweil. 19,50: Sportvorbericht. 20,00:„Der Vetter aus Dingsda“. Operette in drei Aufzügen. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Montag, den 19. Mai 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Wettervorhersage. 07,05: Morgenkonzert.(Schallplatten). 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Salzuflen. 10,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 12,10: Mechanische Musik. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Funkwerbung. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 16,05: Dr. Fischer:„Masuren". 16,25: Goodwill Day. 16,55: Aus dem Leben der Volksschule. 17,10: Jugendfunk. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Lebensfragen der westdeutschen Landwirtschaft. 18,50: Vom Tage. 19,15: Elternstunde. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,40: Technik für alle. 20,00: Internationales Konzert. Etwa 21,20: Meister der Operette: O. Strauß. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Uebertragung von London National. Gadisseeno Hen Eingetragenes Maraneichen# Einweichen der Wäsche mit Henko erspart Geld, Kraft und Zeit. Henko lockert den Schmutz in schonender Weise. Warum wollen Sie sich abmühen, wenn Henko ohne Ihr Zutun nachtsüber die Arbeit besorgt? Weichen Sie mit Henko ein, Sie werden schneller fertig! Auch zum Weichmachen des Wassers sowie zum Dutzen und Scheuern leistet Henko vortreffliche Dienste. WE K blor MA Kennen Sie schon das jüngste Erzeugn is der Rersilwerke: C Henkel's Aufwasch, Spül= und Wbaschunr den Oezimsee Gelte un u. uir betahe. d. GHanbrrmit Käuschhiften Die Vereinigten Staaten— Hauptabnehmer von Opium.— Vergebliche Kampfmaßnahmen.— Indiens Ausfuhr nach China: 3 Millionen Kilogramm! Aus dem Gerichtssaal „Geben Sie doch endlich das Leugnen auf!“ „Leugnen? Wer leugnet? Wenn ich die Wahrheit sage, leugne ich? Herr Rat, ich habe die Sache nur richtig beleuchtet. Aber nicht geleugnet. Ich——" „Es ist erwiesen, daß Sie das Etui gestohlen haben. Es lag auf dem Tischchen, an dem Sie mit dem Ihnen damals fremden Herrn saßen. Der Herr verließ für einen Augenblick seinen Platz. Diesen Augenblick benutzten Sie zum Diebstahl.“ „Nichts habe ich benutzt. Der Herr hat meine Ehre beschmutzt, wenn er jetzt die Gelegenheit nutzt und mich hier runterputzt.“ „Mann, machen Sie mich nicht nervös mit Ihren Reden.“ „Verzeihen Sie, Herr Rat, aber da kann ich auch nichts dafür. Ich war früher am Kabarett, ja. Als Schnelldichter. Und darum bin ich immer noch an die Stichwörter gewöhnt.“ „Was für Stichwörter?“ „Nun, die Leute mußten mir einzelne Wörter aufs Podium hinaufwerfen. Bildlich gesprochen natürlich, Herr Rat, bildlich gesprochen. Und die Wörter habe ich dann verreimt. Ja. Und deshalb...“ „Schön, wir schweifen ab. Die Anklage behauptet, Sie hätten das Etui zu sich gesteckt, rasch Ihre Tasse Kaffee bezahlt und sich dann davongemacht.“ „Ich— und davongemacht? Ha, das wäre gelacht. Ich habe gedacht, es wäre mein eigenes Etui. Sonst hätte ich das ja gar nicht fertiggebracht. Ich— gestohlen? Das habe ich noch nie gemacht, Herr Rat. Vierzig Jahre meines Lebens habe ich in Ehren verbracht. Und nun dieser Verdacht. Ich hätte mich lieber umgebracht, als daß ich mich——“ Maske statt Fingerabdrücke Einer der besten Detektive der Welt, Ferdinant Watzek aus Wien, befindet sich mit der„Europa“ unterwegs nach Amerika. Er hat einen Lehrstuhl an der Nordwestern Universität angenommen und soll gleichzeitig den Kampf gegen das Chikagoer Bandenwesen organisieren. Einem amerikanischen Pressevertreter machte er auf der Fahrt sensationelle Mitteilungen über die von ihm geplanten Neueinführungen bei der Ausgestaltung des Erkennungsdienstes. Das bisher übliche System des Fingerabdruckes soll durch die „Maske“ ersetzt werden. D. h., von dem Verbrecher wird ein Gesichtsabdruck genommen, ein Verfahren, das sehr bald international werden dürfte. Watzek, der lange Zeit im österreichischen Geheimdienst stand, hat im Laufe dieses Jahres den Polizeidienst in Angora und Schanghai organisiert. Unser Bild zeigt Ferdinant Watzek. „Sie wollen also alles auf einen Irrtum hinschieben? Das glaubt Ihnen aber niemand. Warum blieben Sie denn nicht stehen, als der Herr, als er den Diebstahl bemerkte, Ihnen nacheilte und Sie anrief? Warum liefen Sie denn wie verrückt davon, wenn Sie ein reines Gewissen hatten?“ „Sie müssen wissen, Herr Rat, daß ich ein Mensch bin, der schon von jeher alle Menschen missen konnte. Und nun noch Bekanntschaften im Kaffeehaus! Nein, davon wollte ich nichts wissen.“ „Das ist eine ganz faule Ausrede. Sie wollen uns also einreden. Sie hätten geglaubt, der Herr eile Ihnen nur nach, um Ihre geehrte Bekanntschaft zu machen! Sie hätten sich etwas Besseres ausdenken sollen. Dann wurden Sie eingeholt. Sie leugneten den Besitz des goldenen Etuis. Erst auf der Wache, kurz bevor man Sie durchsuchen wollte, Kokain, Morphium und Opium dürfen wegen ihrer körperzerstörenden Wirkung in den meisten Kulturstaaten nicht frei gehandelt werden. Daß jedoch trotz strengster Zollkontrollen und sonstiger Ueberwachungen alljährlich für Millionen an Rauschgiften über die deutschen Grenzen kommen und gehen, ist jedem Eingeweihten bekannt. Außerordentlich groß sind auch die Umsätze, die der illegitime Rauschgifthandel in den Vereinigten Staaten von Nordamerika— eine Folge des Alkoholverbots?— erzielt. Auf dem Wasserwege wie auch über Land(von Mexiko bzw. Kanada) bringen die gewerbsmäßigen Schmuggler die gefährlichen Gifte ins Land. Der Verbrauch an Opium ist in den Staaten besonders stark, und alle Maßnahmen der Regierung haben es bisher nicht vermocht, dem verbotenen Handel einen wirksamen Riegel vorzuschieben. Man nimmt Wußten Sie das schon? „Groß=Konzerne“. Die Tatsache, daß es in Berlin eine Bande von Autodieben gab, die sich den Namen„Audiag“(Autodiebstahls-A.-G.) nannte und als solche monatelang der Schrecken aller Berliner Autobesitzer war, ist bekannt. Die Sache hat prompt in Nem Vork Nachahmer gekunden. Dort handelte es sich um eine Vereinigung von Einbrechern, die nur Warenhäuser heimsuchte. Dieser Verein besaß sein eigenes Klublokal und arbeitete nur„en gros“. Habt ihr’s gelesen, was passiert? Der kleine Gauner— ruiniert! Es hat sich jetzt herumgesprochen: Nur per„en gros“ wird noch verbrochen! Wir werden es nun bald erleben: es wird eine„Gesellschaft“ geben, die sich(damit der Stand sich kräftigt) nur mit Vermittlung noch beschäftigt. Es wird vermittelt prompt und billig. Das Mitglied, wenn es arbeitswillig. kann plündern, rauben, stehlen, morden (für Doppelmord gibf's einen Orden!). das Mitglied kann auch Gifte mischen Und überhaupt im Trüben fischen. Ein solcher Mordbrennerverein wird eine Zier des Erdballs sein. Derartige Firmen gibt’s bald mehr: „A.-G. für Mord und Zubehör“. „A.-G. für Diebstahl schwerer Arten“. „A.-G. für Raub und derlei Sparten“. „A.-G. für Gitt“—„A.-G. für Brand“. „A.-G. für kugelsich're Hand“. „A.-G. für Wechselgroßbetrug“. „A.-G. für——“. Nein, zenug, genug! Die Firmen sind— wer wird erst fragen?— handelsgerichtlich eingetragen. Warum denn nicht? New Fork. Berlin beweisen: es sind auf dem Kien die Herr’n Verbrecher aller Zonen. Nur dort, wo Zulukaffern wohnen. dort weiß man nichts von derlei Sachen. Was kann der Zulukaffer lachen... B.O. rückten Sie damit heraus und spielten den Erstaunten. Wie soll sich das alles zusammenreimen?“ „Reimen, Herr Rat? Schmerzlich, sehr schmerzlich berührt mich dieses Wort. Wühlt es doch Erinnerungen an meine Reimzeit auf, die ich in Ehren verbrachte.“ „Na, na, so ganz in Ehren auch nicht, lieber Freund. Vor sieben Jahren haben Sie sechs Monate wegen Heiratsschwindeleien gesessen——“ „Unschuldig, Herr Rat!“ „Vor drei Jahren bekamen Sie acht Monate wegen des gleichen Deliktes.“ „Herr Rat——“ „Und nun stehen Sie schon wieder vor Gericht. Mann, wissen Sie nichts Besseres mit Ihren alten Tagen anzufangen, als sie im Gefängnis zu verbringen?" „Herr Rat, vor allen Dingen——“ Die Beweisführung nimmt ihren Fortgang. Der Bestohlene, der Kellner des Kaffeehauses, der Schutzmann marschieren auf. Ihre Aussage ist vernichtend. Sechs Wochen Gefängnis bilden die milde Strafe. Begeo. vielerseits an, China sei Haupterzeuger von Opium. Das ist ein Irrtum. Hauptproduzent ist Indien, von wo aus der größte Teil des erzeugten Giftes— etwa fünf Millionen Kilogramm!— erst nach China ausgeführt wird. Auch Europa kennt opiumproduzierende Staaten. So bringt zum Beispiel Südslawien alljährlich rund eine halbe Million Kilogramm Opium hervor. Wo bleiben nun diese gewaltigen Mengen eines der gefährlichsten Gifte? Die Wissenschaft benötigt kaum den Bruchteil der Welternte, kaum fünftausend Kilogramm. Der gesamte Ueberschuß wird heimlich vertrieben, soweit er nicht in geringen Quantitäten einigen Industriezweigen zugeführt wird. Millionen von Menschen huldigen dem Opiumgenuß. Wer die Wirkung dieses tückischen Rauschgiftes nicht kennt, ist auch nicht imstande, sich nur einigermaßen einen Begriff von dem Hunger nach Opium zu machen. Opium ruft angenehme, liebliche Träume hervor, nachdem es zuvor den wachen Menschen zu höchster Lebensfreude aufpeitschte. Dann freilich folgt die Reaktion. Opiumraucher altern frühzeitig, verlieren die Lust an der Arbeit, sinken von Stufe zu Stufe. Kein Wunder, wenn die Regierungen der meisten Länder die ernstesten Maßnahmen gegen den internationalen Rauschgifthandel ergreifen. Aber immer noch gelang es den interessierten Kreisen, neue Absatzmöglichkeiten und neue Tricks zu ersinnen. Ab und zu läuft durch die Tagespresse die Meldung von der Festnahme einer Rauschgiftbande. Meistens gelang es aber nur, die Akteure, nicht die hinter den Kulissen arbeitenden Drahtzieher, zu ergreifen. Erschwert werden die Kampfmaßnahmen der einzelnen Staaten noch dadurch, daß man in Südslawien und England die Ausfuhr, somit den Opiumhandel, gestattet. Solange derartige Zustände bestehen, wird es nie möglich sein, das Uebel mit der Wurzel auszurotten. Reduzierung des Opiumbaues— kein anderes Mittel wird hier helfen können. Reduzierung unter Staatsaufsicht. Bis dahin wird jedoch noch viel Wasser den Berg hinunterlaufen...—nn. Al Capone in Freiheit Al Capone, eine der berühmtesten Verbrecherfiguren der Unterwelt von Chicago, ist nach zehnmonatiger Strafverbüßung im Reformgefängnis von Philadelphia kürzlich wieder in Freiheit gesetzt worden, da man ihm einen Raubmord nicht nachweisen konnte. Während der ganzen Zeit, die Al Capone im Gefängnis verbrachte, machte er seinen Mitgefangenen sehr große Geldzuwendungen und stiftete auch sonst sehr viel für verschiedene Wohltätigkeitszwecke. Er selbst ist mehrfacher Millionär. Unser Bild zeigt den Bandenführer Al Capone. Lustige Ecke Was ist ein Mörder? Ein Bewaffneter läuft an Sokrates vorbei. Er verfolgt einen Mörder, der schnell davonrennt.„Haltet ihn, haltet ihn!“ Sokrates rührte sich nicht.„Warum hast du dem Mörder den Weg nicht versperrt?“ fragte der Bewaffnete. —„Mörder? Was versteht man darunter?“—„Welche Frage! Ein Mörder ist ein Mensch, der tötet.“—„Ein Schlächter also?“—„Alter Narr— ich meine, ein Mensch, der einen anderen Menschen tötet.“—„Ach so, ein Soldat.“ —„Dummkopf! Ein Mensch, der einen anderen Menschen im Frieden tötet.“—„Ein Henker also?“—„Du Esel! Ein Mensch, der einen anderen Menschen bei sich zu Hause tötet.“ —„Ach sooo! Ein Arzt!“— Da lief der Bewaffnete fluchend davon. Ja, sitze gerade, Junge! Wie oft hört man diese Mahnung im häuslichen Kreis. Wa auf die Haltung der Kinder geachtet wird, kann die immer wieder erneut ausgesprochene Warnung, keinen krummen Rücken zu machen, nicht ohne Wirkung verpuffen. Leider— und diese Fälle sind bei weitem in der Mehrzahl — läßt man die Kinder in bezug auf ihre Haltung gewähren. Nicht einmal aus Unüberlegtheit. Nein, Eltern sind tagsüber sehr beschäftigt, die Kinder dadurch sich selbst überlassen. So kommt es denn, daß man erst dann das Unglück gewahrt, wenn der Arzt zur Beseitigung der Verkrümmungen ernstliche Behandlung und Pflege, vielleicht gar orthopädische Heilung verlangt. Darum achtet auf eure Kinder! Rügt stets und ständig ihre schlechte Haltung! Laßt sie Kriechübungen machen, turnen, Gymnastik treiben! Verkrümmungen der Wirbelsäule dauern an, so lange das Kind im Wachstum begriffen ist. Ist die Verknöcherung vollendet, ist es mit der Heilung zu spät. Achtet auch darauf, wo die Kinder ihre häuslichen Schularbeiten verrichten. Ein zu hoher oder zu niedriger Tisch begünstigt die Verkrümmungen. Beim Schreiben soll das Kind niemals die linke Hand herunterhängen lassen. Klärt das junge Volk auch darüber auf, daß es für die Körperbildung nicht gut ist, Schulmappen und dergleichen steis auf einem Arm zu tragen. Leicht, unmerklich fast, senkt sich die Schulter. Sind die Kinder klein und noch nicht imstande, zu laufen, schränke man es ein, sie herumzutragen. Auch dadurch entstehen frühzeitig Verkrümmungen der weichen Knochenmasse. Trägt man es, so soll dies abwechselnd, einmal auf dem rechten, einmal auf dem linken Arm, geschehen, weil das Körperchen sonst ebenfalls Verkrümmungen ausgesetzt wird. Ebensowenig soll das Kind allzulange sitzen, sofern es noch im Babyalter ist. Zu frühes Laufen führt zu Verbiegungen der Beinknochen. Wer seine Kinder lieb hat, beachte auch diese Kleinigkeiten; sie tragen dazu bei, eine starke, schöne Jugend heranwachsen zu lassen, deren Glieder gerade und deren Organe gesund sind! Wie, bitte? Sie leiden an Erbrechungen? Die Verdauung funktioniert nicht recht? Das Herz macht Theater? Und es schmeckt nicht mehr wie früher? Ja, ja, lieber Freund, dann werden Sie wohl ein wenig zu viel geraucht haben! Aha, sehen Sie, da haben wir die Bescherung! Aber regen Sie sich nicht weiter auf. Die Geschichte kann nicht weiter schlimm werden, wenn Sie künftig etwas— nun, sagen wir— etwas vorsichtiger sind. Vor allen Dingen: nicht mehr rauchen! Ja, das hilft alles nichts. Wer seine Nikotinvergiftung los sein will, muß erst einmal das Nikotin selbst meiden. Sodann—— wie meinen Sie? Arznei? Nein, gegen Nikotinvergiftung helfen keine Arzneien, sondern ander Dinge. Sport, kalte Abreibungen, eine geregelte Lebensweise und die dazu gehörende vernünftige Ernährung. Später können Sie ja meinetwegen wieder rauchen. Aber mit Maßen, nicht in solchen Quantitäten. Sie bringen sich ja frühzeitig ins Grab, schwächen Ihren gesamten Organismus und werden überdies nervös dabei. Wer gesund ist, Keikkrauter Vor vielen Tausenden von Jahren, als es noch keine Aerzte gab, sondern die alten Kräuterweiber jedes Uebel mit einem Tränklein beseitigten oder— verschlimmerten!—, standen die Heilkräuter bei den Menschen in großem Ruf. Später befaßten sich Mönche, ja sogar Bischöfe, eingehend mit der Kräutermedizin. Die wunderwirkenden Pflänzchen wurden in Klostergärten angepflanzt und bei den verschiedensten Krankheiten ausprobiert. Bischof Milo, Bischof Eberhart, Kirchenlehrer Joh. Damascenus und viele andere Geistliche und Mönche des Mittelalters gaben Heilkräuterbücher heraus, und ihnen haben wir es sicher zu verdanken, daß noch heute manche Kräuter bei Krankheiten teils als Tee, teils als Beigabe zur Nahrung oder in Form von Auflagen, Bädern, Einreibemitteln usw. mit Erfolg angewendet werden. Die hauptsächlich wirksamsten und altbewährtesten Heilkräuter sind folgende: Bei Heiserkeit, Mandelentzündung, Rachenkatarrh, Kehlkopfkatarrh, Verschleimung usw. nimmt man Eichenblätter, Eibisch, Zinnkraut, Salbeiblätter, Beifußund Lungenkraut, Anis, Wollblumen, Holunderblumen, Bittersüß oder Eibischwurzeln. Gegen Bronchialkatarrh wird ferner Isländisch Moos, Schlüsselblumen, Wacholderbeeren, Eberraute, Huflattich oder die Wurzeln, Blätter und Blüten von Veilchen genommen. Bei Aufregung, Magenbeschwerden, Leibschmerzen, Herzklopfen und Alpdrücken kommt Baldrian in Betracht. Sennesblätter als Abführmittel. Heidelbeeren, getrocknet, gegen Durchfall. Als schweißtreibendes Mittel nimmt man Lindenblüten oder auch Holunderbeeren. Zum Gurgeln: Tymian oder Salbei. Gegen Verdauungsstörungen oder Blähungen eignet sich Fenchel sehr gut. Heiße Kamillensäckchen dienen zum Erweichen von Geschwüren. Der Tee von Kamillen wirkt schweißtreibend, lindert Magenschmerzen und ist zu Augenwaschungen und Umschlägen zu empfehlen. Zum Ableiten des Blutes macht man Breiumschläge von Seufmehl. Zum Beispiel muß bei Schlaganfall das Blu vom Kopf nach unten abgeleitet werden. Zu diesem Zweck macht man heiße Breiumschläge um die Waden. Bei einem Sturz oder Fall hat sich schon mancher eine Gehirnerschütterung zugezogen, aber auch durch einen Schlag, Stoß oder durch eine kräftige Ohrfeige kann sie entstehen. Meistens äußern sich die Folgen der Erschütterung sofort nach der Gewalteinwirkung, in vereinzelten Fällen aber erst nach einigen Stunden. Die Erscheinungen sind je nach der Schwere der Einwirkung verschieden. Der Betroffene bricht bewußtlos zusammen und wird von heftigen Kopfschmerzen, und Schwindelgefühl heimgesucht. In sehr liegt der Kranke in tiefer Ohnmacht, der Pulsschlag wird immer schwächer, bis er kaum mehr fühlbar ist. Nach einiger Zeit treten dann Lähmungserscheinungen und Krämpfe Da die meisten Gehirnerschütterungen bei einem Fall oder Sturz auf der Straße vorkommen, muß noch darauf hingewiesen werden, wie man den Transport bewerkstelligt. An der Unglücksstelle wird der Kranke behutsam auf Tücher gebettet, bis eine geeignete Bahre zur Stelle ist. Den Kopf legt man hoch und achtet darauf, ob sich der Verunglückte stark blutende Verletzungen zugezogen hat. Man flößt dem Kranken schluckweise Wasser ein und sorgt dafür, daß eine Bahre zur Stelle ist. Kundige Wärter, die den Transport begleiten, wissen natürlich sofort, was im Augenblick zu unternehmen ist. darf und kann mit seinem Körper machen, was er will. Er wird es ungestraft tun. Aber Sie, der Sie schwächlich sind, nicht Ihr volles Gewicht haben, nicht schlafen können, nicht über eine geregelte Lebensführung verfügen—— nein, lieber Freund, Sie lassen das Rauchen ein bißchen sein, es ist wirklich nur im ureigensten Interesse! Wollen Sie einmal hören, was für ein böses Gift das Nikotin in stärkeren Mengen ist? So passen Sie auf: Ein Tropfen Nikotin(rein) kann zu den schwersten Vergiftungen führen. 0,05 Gramm dieses reinen Nikokins genügen, Sie zu töten! Man soll also wirklich nicht übertreiben. Rauchen ist sehr nett. Es erheitert, regt an, verscheucht Mißstimmung. Alles zugegeben. Aber bedenken Sie, daß Sie sich all diese Genüsse verschaffen können, wenn Sie auf Ihre Gesundheit achten. Erst gesund werden, richtig gesund, dann rauchen — wenn Sie Lust dazu haben. Vergessen Sie Ihren Kummer beim Sport. Er, der Sport natürlich, ist dazu für manches andere gut. Die blassen Wangen verschwinden, das Gewicht nimmt zu wie der Appetit. Versuchen Sie es nur einmal! Und nach einem Jahre wollen wir uns nochmals über diesen Punkt unterhalten, ja? bis braune Färbung. Ist es hellrot, oft schäumig und blasig, so handelt es sich um Lungenblut. Bis der Arzt kommt, wirkt am besten blutstillend ein Teelöffel Kochsalz, das der Kranke mit Wasser einnimmt. Das sicherste Gegengift für verschiedene Giftstoffe ist Milch. Sie muß natürlich sofort nach der Vergiftung schluckweise hintereinander eingenommen werden. Setzt man der Milch 5 Prozent ungiftiges borsaures Natron zu, so hat man zweifellos das beste und allgemeinste Gegengift für alle Giftstoffe, mit Ausnahme des Phosphor. Phosphorvergiftete gehören sofort in die Hand des Arztes. Unter den Infektionskrankheiten ist Typhus eine der wichtigsten und gefährlichsten. Besonders wird Italien schwer von ihr befallen. Man rechnet alljährlich mit 120000 Typhusfällen und 12000 Toten, auch Spanien registriert fast jedes Jahr 180000 Fälle und 16—18000 Tote. Bei Vergiftungen durch Goldregen oder sonstige Blüten von Ziersträuchern leistet Tee gute Dienste. Er muß nur recht heiß und in großen Mengen getrunken werden. Natürlich ist bei derartigen Vergiftungserscheinungen der Arzt sofort herbeizuholen. Aufgabe der Eltern und Erzieher ist es, Kinder schon im frühesten Alter über giftige Pilze, Blüten, Früchte usw. zu unterrichten. * Gallensteinkolik ist ein sehr schmerzhaftes Leiden. Man kann es in folgender Weise mildern: zunächst ist ein heißer Umschlag auf den Leib zu machen, der viertelstündlich erneuert werden muß, außerdem nimmt man stündlich einen Eßlöffel Olivenöl ein und macht in schmerzfreien Zeiten kühle Waschungen. * Kochsalz ist ein wirksames Mittel gegen Blutbrechen. Kommt das Blut aus dem Magen, so hat es eine rotschwarze Pebe Poch Die Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit, die mit Ablagerungen von Salzen(Harnsäure) in den Gelenken, Sehnenscheiden und Knorpeln verbunden ist. Diese Ablagerungen bilden die schmerzenden Gichtknoten. Die eigentliche Ursache dieses schweren Leidens ist noch nicht genügend geklärt. Man weiß nur so viel, daß sie durch üppige und bequeme Lebensweise gefördert wird. Auch reichlicher Alkoholgenuß begünstigt das Leiden, aber die Gicht findet man auch bei Leuten, die kein Wohlleben führen. Gichtkranke dürfen Fleisch, Fische, Pilze, Hülsenfrüchte, Spinat, Kohl und sonstige Kerneiweißstoffe nur in geringen Mengen zu sich nehmen, wenn möglich, gänzlich meiden. Vor allen Dingen ist von dem Genusse tierischer Drüsen, wie Leber und Nieren, abzusehen. Außerdem sind stark gesalzene Speisen, starker Kaffee, Kakao, Tee und sämtliche alkoholischen Getränke zu vermeiden. Die Kur besteht hauptsächlich in vegetarischer Diät, Genuß von Zitronen und allerlei Obst. Sehr zu empfehlen sind Fußdampfbäder, warme Vollbäder und viel Bewegung in frischer, reiner Luft. Sind die Gelenke schon verdickt, übergieße man sie mit kalten Strahlenduschen. Hat das alles nicht geholfen, so versuche man mit Ganzpackungen, irisch=römischen Dampfbädern oder auch mit heißen Vollbädern die Schmerzen zu lindern. Am wirksamsten ist es, eine Kur im Frühjahr oder Herbst zu machen, und zwar unter Anleitung des Arztes. Nicht selten gesellen sich zur Gicht auch noch andere Krankheiten, wie zum Beispiel Herzvergrößerung, Gefäßverkalkung, Leberschrumpfung, Augenentzündung und Nierenkrampfung. Der Magen ist bei solchen Kranken meistens gesund. Die Gicht macht sich gewöhnlich nachts am stärksten bemerkbar. Bei Anfällen lindert man die Schmerzen dadurch, wenn man den Kranken in Schweiß bringt. Dies erreicht man am schnellsten durch ein viertelstündiges Vollbad bei 36 Grad Celsius; außerdem reicht man dem Patienten größere Mengen warmer Zitronenlimonade. Nach einigen Tagen kann der Kranke das Bett verlassen. Roman von Fritz Gantzer Der Narr 13. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie hatte ihm ihr Gesicht voll zugewandt und sah ihn mit ihren vor Erregung glänzenden, noch in Tränen schimmernden, dunklen Augen an. „Weil ich dachte, daß du tot seiest, als ich dich hier so still und stumm fand... Und weil ich vorher dachte, als ich dich nirgends sah, daß du fortgelaufen wärest, nie wiederkommen würdest.“ „Oh, Katja!“ sagte er nur. Eine plötzliche Erkenntnis kam über ihn. Sie verwirrte ihn. Er vermeinte, sich fürchten zu müssen. Unbewußt, von irgendeinem dunklen Gefühl veranlaßt, preßte er ihre Hände zusammen. „Aber nun lebe ich ja“, sagte er beruhigend zu ihr, „und bin da!“ Er wollte dann dem, was ihm wie gefahrdrohender Brand erschien, ein schnelles Erlöschen bereiten, ihre Hände freigeben und sich aus seiner sitzenden Stellung erheben... davongehen... zu den Pferden, zu seiner Arbeit zurückkehren. Ganz fest und entschieden wollte er das tun... Aber es war schon zu spät. Ueber Katjas Besinnen floß es wie ein brausender Strom. Sie hatte das Empfinden, in eine purpurn leuchtende Tiefe zu versinken, zu der sich die goldenen Flügel eines weiten Tores öffneten. Der Druck seiner Hände öfneie sie.,„. b6, M„Ja, du bist da!“ stromte es ihn wie eine heiße Welle an, die über ihre wie rote Blumen aufblühenden Lippen floß. Sie riß ihre Hände aus den seinen, schlang ihre Arme um seinen Nacken und küßte in stürmischer Hingabe seinen Mund. Er war wie betäubt, wußte sich willenlos. Eine Sekunde lang, zwei, drei. Dann machte er sich mit sanfter Gewalt frei. Ig M g6 a „Katja", sagte er nur, strich stin über iht Haut und stand auf. A—6 sm m Katja erschrak. Sie zitterte, oullle sich scheu und sah zu ihm in die Höhe. Weiß wie ein Leinentuch war ihr Ge9 E G E „Bist du mir bose: fragte sie iyn wie ein Kind, das in Torheit einen dummen Streich begangen hat.„Sieh, ich bin dir ja so gut!“ Er schüttelte ernst, wie in einer Unfaßbarkeit, mit dem „Rein, Katia“, sagte er leise,„ich bin dir nicht böse.“ Ueber Katjas Gesicht glitt ein Lächeln. Es war wie heimliche Wehmut— und wie Sehnsucht, die noch nicht sterben will.„ Peter Voßberg wußte sich nun von drei Seiten her getrieben, dem Aufenthalt in Sobrinoffs Kate ein schnelles Ende zu bereiten und seinen Stab weiterzusetzen. Da war das Alte: sein leidenschaftliches Begehren, Tina zu finden. Da hatte sich das Heimweh hinzugesellt und in ihm die Sehnsucht nach der verlassenen Scholle wachgerufen. Und nun war auch noch Katjas Liebe gekommen, wie ein Bergwasser im Frühling kommt, stürzend und brausend. Was hätte ihn auch noch zu längerem Bleiben veranlassen sollen? Er beherrschte die Sprache des Landes so weit, wie es für seine Zwecke erforderlich war. Schwielige, harte Hände, den Mann der Handarbeit vorzutäuschen, besaß er zwar noch nicht. Aber es würde auch ohne sie gehen, wenn er nur imstande war, den Leuten in Tula den überzeugten Anhänger ihrer Weltanschauung glaubhaft zu machen. Und um Katjas willen noch zu bleiben? Ach, zu welchem Zweck? Für sie würde es am besten sein, wenn der scharfe Schnitt, der ihr jede Hoffnung nahm, ohne langes Besinnen zur Ausführung kam. Es bedurfte gar keiner Frage, daß sie ihm leid tat. Er war auch davon überzeugt, ihr wehe zu tun, wenn er ging, und daß sie seinen Verlust lange nicht und nur schwer überwinden würde. Und ihm selbst würde es auch nicht leicht werden, von ihr zu gehen. Er hatte während der langen Wochen des Zusammenseins Gefallen an ihrer frischen, unverdorbenen Naturwüchsigkeit, an ihrer Geradheit und Offenheit gefunden. Ein freundliches, warmes Gefühl, wie es einer Schwester gilt, lebte in ihm für sie. Und er verdankte ihr viel als seiner unermüdlichen und erfolgreichen Lehrmeisterin. Aber was half das alles! Die Linie seines Schicksals, die zu einer Kurve nach Wladimir Sobrinoffs einsamen Anwesen abgebogen war, mußte wieder in die alte Richtung geführt werden, die zum Ziel wies. Während der nächsten beiden Tage, die dem Erlebnis mit Katja folgten, ging Peter der begonnenen Ackerarbeit in alter Weise nach, als habe er die Absicht, es nie mehr anders zu tun und als sei sein Leben für immer mit dem Hofe bei Pawloda verknüpft. Katja kam zu gewohnter Zeit und brachte Frühstück und Vesper. Aber ihre frohe Munterkeit war dahin, ihr erzählfreudiger Mund verstummt. Sie gab sich scheu und gedrückt. Mit ruhigem Gesicht saß sie neben Peter auf dem Rain, zupfte dürke Grashalme ab, zerpflückte sie mit unruhig bewegten Fingern, den getreuen Ebenbildern ihres unruhig arbeitenden Herzens, das den Gedanken: er wird mich eines Tages doch verlassen, nicht zu beseitigen vermochte. Er hatte sich in ihre Vorstellung verklammert und verbohrt und ließ sie auch während der Nacht keine Ruhe finden. Sie belauerte die Schlafkammer mit wachen Sinnen, befürchtete in jedem Geräusch, das ihr aufgeregtes Ohr vielfach nur als Einbildung vernahm, Anzeichen zu heimlicher Flucht und schlich häufiger als einmal zur Tür, um an dem fingerbreiten Spalt zu lauschen, ob sie noch die Atemzüge des Schlafenden vernehme. Erst in der dritten Nacht hatte sich ihre Unruhe einem friedvollen Schlaf in die Arme gegeben. Peter war wäh. rend der Vesperstunde von einer sie beglückenden Freundlichkeit gewesen, hatte ihre Hände gestreichelt und ihren Namen oft wie eine zärtliche Liebkosung genannt. Sie hatte nicht gewußt, nicht geahnt, daß er in dieser Stunde heimlich von ihr Abschied genommen und in seiner Tasche schon einen Zettel mit einem letzten Gruß für sie gehabt.. Am nächsten Morgen fand sie das Papier auf dem Stuhl vor seinem leeren Bett, als sie, umsonst auf Peters Kommen wartend, schließlich von einer wahnsinnigen Angst getrieben, die Kammertür geöffnet und in den schmalen, kahlen Raum getreten war. Das Weiß des Stückes Papier leuchtete ihr entgegen. Es deuchte sie wie das verzerrte Lächeln eines häßlichen Gesichts. Nimm und lies!, schien es zu fordern. Mit zitternden Knien, schlurrend und tastend im Schreiten, wie ein gebrechliches, altes Weib die Füße setzt, ging sie näher, hob den Zettel auf zu ihren in Angst schwimmenden Augen und buchstabierte mühsam und schwerfällig zusammen, alle ihr zu Gebote stehenden Fähigkeiten ihrer schmalen Lesekunst zur Entzifferung der Buchstabenansammlungen heranholend:„ Ec onmt „Sei mir nicht bose, liebe Katja! Ich konnte nicht länger bei Dir bleiben. Aber glaube mir, daß ich Dich immer sehr gern gehabt habe und Dich nie vergessen werde. Ich küsse Dich zum Abschied, wie Du mich auf dem Felde küßtest, als Du gedacht hattest, daß ich gestorben sei. Sieh, nun bin ich für Dich wirklich wie tot. Lebe wohl, liebe Katja!“ Ein schriller Schrei alarmierte Wladimir. Er stolperte in die Kammer, vermeinend, daß der Fremde seiner Tochter würgend an die Kehle wolle, und fand sie vor dem leeren Bett kauernd, das Gesicht in die kalten Kissen gewühlt. „Was ist, Katja? Du hast wie ein wundes Tier geschrien!“ 8248 boh Er bekam nicht sofort eine Antwort. Kulja bohrte ihren Kopf noch tiefer in das mit buntgewürfeltem Ueberzug bekleidete Pfühl, warf die Arme, eine Gebärde leidenschaftlicher Sehnsucht und wildem Verlangens zum Ausdruck bringend, über die mannesverlassene Leere der Lagerstatt, und ein Zittern ging durch ihren Körper. „Katja!“ rief Wladimir angstvoll. Furcht vor ihrem Gebaren stieg in ihm auf.„So rede doch!“ Sie richtete ihren Oberkörper ruckartig hoch, starrte mit einem gläsernen Blick nach dem entriegelten und nicht ganz geschlossenen Kammerfenster, dem die Morgensonne alle Blindheit nahm, und sagte schwerfällig: „Er ist fort— er kommt nicht wieder.“ Und dann im neuen Vornübersinken rief sie verzweifelt aus:„Sterben will ich!"„„„ * „Was hast du vor?“ forschte Wladimir mißtrauisch, als er Katja eine Viertelstunde später bei ihm merkwürdig erscheinenden Vorbereitungen, die auf ein Fortgehen zu deuten schienen, beobachtete. Sie hatte das Sonntagskleid übergeworfen und eine wetterfeste Tuchjacke angezogen, heimlich ihre paar Sparrubel aus der Truhe genommen und zu sich gesteckt und war nun damit beschäftigt, die derben Stiefel zuzuschnüren. Alles, was sie unternahm, geschah in einer merkwürdigen Gelassenheit, vollzog sich ohne treibende Hast, verriet aber unumstößlich festen Vorsatz. Ihr bleiches Gesicht wies starrgeformte Züge auf Sie ließ den Kopf über die Verrichtung des Schnurens gesenkt, als sie ohne Besinnen antwortete: „Nach Olschanka will ich. Zur wundertätigen Mutter Gottes beten, daß er wiederkommt.“ Wladimir verscheuchte eine Fliege, die es auf seine kantige, heute von Unwirklichkeiten überschattete Stirn abgesehen hatte. Sein breiter Mund lächelte in Blödheit über ihm nicht Verständliches. „Das könntest du auch bei der Mutter Gottes in Pawloda tun. Dazu brauchst du nicht zehn Werft Weg zu machen. „Die Mutter Gottes in Olschanka hat größere Kräfte als die unsere in Pawloda“, erklärte Katja, den letzten Knoten bindend. „Es kann sein... Indes, Katja— du bist verrückt! Warum willst du ihn zurückbeten? Laß ihn laufen. Wer so heimlich davongeht, ist nichts anderes wert, als daß ihn die Bolschewiken totschlagen. Undankbar ist er. Unser Speck ist dahingegangen, wie Schnee im Frühjahr schmilzt. Wir werden eine magere Kost haben den ganzen Sommer über. Seinetwegen nur.. Hätte Iwan Grusinska an unserem Tisch gesessen, würden wir noch einen vollen Rauchfang haben. Katja stand hoch aufgerichtet auf festen Füßen. Wladimirs vielen Worte waren wie sie nichts Angehendes an ihrem Ohr vorübergerauscht. Nur das Letzte griff sie auf. „Ich hätte nichts dagegen, wenn er wiederkäme“, sagte sie, einem glücklichen Einfall nachgehend.„Allerdings müßte er auf mich warten— ein Jahr lang.“ „Wie denn— ein Jahr?— Solange willst du fortbleiben?“ Katja versuchte zu lächeln. „Natürlich nicht. Morgen abend werde ich wieder daheim sein, vielleicht schon am Mittag. Ich meine, daß er darum auf mich warten müßte, weil ich auch ein Jahr warten will. Ob einer nicht wiederkommt... Ich denke also, daß du Iwan Grusinska getrost zu uns holen kannst.“ Wladimir achtete in der ihn erfüllenden Befriedigung nicht auf Katjas feuchtschimmernde Augen, als sie ihm die Hand zum Abschied reichte, und beobachtete nicht, daß sie heimlich über seinem Kopfe das Kreuz schlug. „Aller Heiligen Beistand sei mit dir“, murmelten ihre Lippen. Wladimir sah ihr, in der Tür stehend, eine Weile nach, wie sie den nach Olschanka führenden Weg mit rüstigem Ausschreiten unter ihre Füße nahm, und winkte zurück, als sie von einer Bodenwelle her noch einmal grüßend die Hand erhob. Und dann war sie gleich wie von einer Unendlichkeit verschluckt und aufgesogen. „Katja!“ sagte Wladimir leise und gepreßt. Katja blieb tief ausatmend stehen, als sie den Augen ihres Vaters entrückt war. Sie kam sich vor, als ob sie allein auf der Welt sei, niemand ihr mehr helfend zur Seite stehe und sie sich nun ganz auf sich verlassen müsse. Einen Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) flüchtigen Augenblick lang wollte etwas wie Mutlosigkeit an sie herantreten.66 Ggan Aber sie zwang das niederorndenbe Gefühl nieder, warf den Kopf herrisch in den Nacken und überlegte, wie sie am schnellsten und ungesehen auf den Weg nach Tula käme. Sie lebte in der großen, unbestreitbaren Selbstverständlichkeit, daß der heimlich Davongegangene nur Tula als Ziel haben könne. Und es war nichts anderes als eine große Selbstverständlichkeit, daß sie ihm folgen müsse. Darum so selbstverständlich, weil es ihr in ihrem ersten großen Jammer über sein Verschwinden, als sie von tausend Wirrnissen zerrissen in sein verlassenes Bett eingewühlt gelegen hatte, zur Gewißheit geworden, daß sie ihm seit ihrem Kuß verfallen war, mit Leib und Seele, daß sie ohne ihn nicht mehr leben konnte. Zweierlei war ihm zu tun möglich, wenn sie ihn einholte und fand: entweder nahm er sie mit, oder er jagte sie fort. Und würde er das letztere wählen— so gab es den Fluß. Es war alles so klar und einfach in Katjas Seele. So glaskühl und so nüchtern=schlicht. Es war nicht anders, als damit, daß die Sonne scheinen und der Wind wehen muß.. Wsg, u8 Während sie auf Umwegen, Feldstalle und Brachen überquerend, die Richtung nach Tula zu gewinnen suchte, was ihr schnell gelang, überlegte sie, daß der Geflohene einen Vorsprung von einer ganzen Anzahl Stunden hatte. Es würde nicht leicht sein, ihn einzuholen. Vielleicht vor Tula überhaupt nicht. Aber da sie entschlossen war, keine Ruhepausen einzulegen, was er sicher tun würde, sondern ohne Unterbrechung zu wandern, hoffte sie doch, ihn schon früher zu erreichen. Sorge machte ihr nur der Gedanke, daß sie einen anderen Weg einschlagen könne, als er ihn benutzt hatte. Sie war daher bemüht, auf der nur wenig begangenen Straße, die, wie die meisten Straßen des Landes, die Weiche des Sandweges auszeichnete, eine frische Fußspur zu entdecken. Mit heimlichen Frohlocken konnte sie auch bald den Abdruck eines mit Nägel beschlagenen Männerstiefels feststellen, der, auf dem festeren Grunde grasnarbigen Bodens wohl verschwindend, immer wieder sichtbar wurde, sobald lockerer Sand das Einsinken des Fußes möglich machte. Katja empfand es als unumstößliche Gewißheit, daß es sich nur um die Spuren des Geliebten handeln könne. Nach ein paar Stunden begegnete sie einem Bauerngefährt, bei dessen Lenker sie sich erkundigte, ob er nicht einen einsamen Wanderer beobachtet habe. Der verneinende Bescheid entmutigte sie nicht. Erst als sie dann am späten Nachmittag durch ein Dorf kam, wo auch keiner von denen, an die sie sich fragend wandte, von einem Fremden etwas wissen wollte, ebenfalls die Fußspuren schon seit längerer Zeit verschwunden waren, erlitt ihre Zuversicht eine nicht unbedeutende Einbuße. Sie tröstete sich aber mit dem Gedanken, daß er eine Gelegenheit, ein Stück mitzufahren, benutzt haben könnte. Dann brach der Abend herein. Er kam früher als sie ihn erwartet hatte. Ein kalter Wind hatte sich aufgemacht, der vereinzelte Schneeflocken durch die Luft trieb. Katja war müde und verzagt. Sie atmete erleichtert auf, als sie kurz vor Einbruch der Dunkelheit ein Dorf erreichte, in dessen Krughause sie, soforn ein solches überhaupt vorhanden war, in dem man sie behalten würde, zu übernachten beschloß. Es war wirklich so etwas wie ein Krug da. In den Abend geduckt, wie etwas unsäglich Elendes und wie ein dunkles Verhängnis berührend, stand das an Balkuschs Kramwinkel erinnernde Anwesen inmitten der übrigen Katen mit den tiefhängenden Strohdächern. Als Katja über die morsche Schwelle in das schmale, niedrige Geviert der Krugstube trat, in dessen Winkeln der Tag längst tot war, erhob sich von der Bank am Massiv des Backsteinofens mit jähem Ruck die ungewiß umrissene Gestalt eines Mannes. Einen unterdrückten Schrei vernahm sie, der ihr wie eine gewalttätige Faust gegen das Herz stieß und sie zurücktaumeln ließ. Und nach sekundenlanger Stille, die wie etwas Tötendes war und endlos schien, vernahm sie, stöhnend, einer Unfaßbarkeit gleich gesprochen: „Mein Gott, du, Katja?“ *„* Katja stand lange gegen die Tür gelehnt, als bedürfe sie eines Haltes, und starrte den wieder auf seine Bank zurückgesunkenen Mann an. Sie wußte kein Wort zu sagen. Sie sah nur: er freute sich nicht. Und, nun ja, sie hatte keineswegs erwartet, daß es anders sein würde. Und was mochte er vorhaben? Würde er ihr sofort die Tür weisen? Oder würde er sie wenigstens bis zum nächsten Morgen dabehalten? Sie sah plötzlich die Torheit ihres Beginnens ein und schalt sich eine Närrin, daß sie ihm nachgelaufen war. Peter dachte dasselbe Wort und mußte ironisch lächeln. Sie war wie er.„Genossin!“ konnte er zu ihr sagen. „Komm, Genossin, setze dich zu mir; denn wir beide gehören zusammen. Ich bin der Narr und du bist die Närrin. Wir wollen eine Gesellschaft auf Gegenseitigkeit gründen. Aber du mußt die Aktienmehrheit übernehmen; denn du hast das größere Glück. Einen Tag erst bist du unterwegs und schon hast du mich beim Kragen. Ich dagegen treibe mich bereits monatelang herum und besitze auch heute noch nicht die geringsten Garantien für einen endlichen Erfolg. Indes, daß ich es dir sage: du darfst dir auf den deinen nichts einbilden, den hast du einzig und allein mir zu danken. Ja, starre mich nur an— mir! Denn wäre ich hier in diesem elenden Loch nicht hängengeblieben, um meinen Gedanken über Narren im allgemeinen und dem Narren, der ich bin, als eines interessanten Einzelfalles Raum zu geben, sondern weitergewandert, dann hättest du bestimmt meinen Vorsprung nicht mehr einholen können, und es wäre mir möglich gewesen, in dem großen Tula unterzutauchen und mich dir für immer zu entwinden. Ja, meine liebe Katja, so ist es.“(Fortsetzung folgt.)