ZCIUT! ihe e echte uichenich iche nd Bougepuia dabnenalich 1.20 Maik, Einaummn 13 Pfg. Druck u. Venag von C. Braus, Schwerte(Rubr), Posschaetktenten: Vorwmund 2332 und Hanover 2174. Geschäftstels: Große Markstr. 3—3. Verantworlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Ppate te de chutnat. um de. Ba, Thmee üige, fnamzamtliche u. gerichtliche Znzeigen 10 Osg., Liekamtzelle 40 Pf, Lur teleson. aufgegedene Onserate üdernehmen wit kamne Gewöbt Bei unvordergjevv. Veriedestdrungen, veroorgerusen durck boder: Gewalten, übernetmen oir heinerei Gewädr sir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. konn auch keinerlei Ansoruch auf Schadenersad oder Nachlieserung erboden werden Psscuur Ge eurzn. Septt Setehien G#. e Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Sp Kreisbilkt für den nordiichen Ten des Lanbkreises Iserlohn 63. Jahrgang Nr. 109(Erstes Blat.) Schwerte(Ruhr), Samstag, den 10. Mai 1930 Neglerung und Purkumtenl. wtb. Breslau, 10. Mai.(Funkspruch.) In einer Vertrauensmännerversammlung der Zentrumspartei sprach gestern Reichskanzler Dr. Brüning. Er führte in seiner Rede u. k. aus: Wir waren uns darüber klar, daß mit der Annahme des Youngplanes ein Einschnitt in die Geschichte des deutschen Volkes nach der außenund innenpolitischen Seite hin geschaffen wurde, ein Einschnitt, der deswegen ganz besonders hart sein mußte, weil wir uns darüber klar werden mußten, daß— umgekehrt wie beim Dawesplan— in Zukunft die großen Lasten dieses Vertrages allein vom deutschen Volk getragen werden müssen. Wir haben Prosperität bis zu einem gewissen Grade in der deutschen Wirtschaft herbeiführen können durch die Herzunahme der Auslandsanleihen, die das deutsche Volk über die Schwere der Reparationen, über den Ernst und über die Wirklichkeit in stärkstem Maße hinweggetäuscht haben. Jetzt stehen wir vor der nüchternen Wirklichkeit, der wir ohne Illusion klar ins Auge sehen müssen und das ist der Unterschied gerade nach der innenpolitischen Seite. Die Zentrumspartei hatte das Verlangen gestellt, daß man nicht einfach den Youngplan annehmen solle, der so viele Bedenken in sich schlösse, sondern daß man gleichzeitig wenigstens einen Teil der innenpolitischen Konsequenzen ziehen solle. Ich glaube, die Entwicklung hat gezeigt, däß wir mit unserer Befürchtung nur allzusehr recht hatten. Weshalb ist das Kompromiß von den Sozialdemokraten im letzten Augenblick abgelehnt worden? Angeblich wegen der Befürchtungen in Bezug auf die Arbeitslosenversicherung. Es kam zunächst einmal darauf an, die Kassen=Sanierung durchzuführen und dann die Entscheidung über die Arbeitslosenversicherung einzuleiten, denn sie war ja ine der ersten Aufgaben, die nach dieser Sanierung vorgenommen werden mußten. Erst die nächsten Monate werden darüber Aufklärung bringen, was die Sozialdemokraten veranlaßt hat, damals aus der Regierung zu gehen. Sicher ist das eine, daß der Schritt, den die Reichstagsfraktion gemacht hat, von der SPD=Partei nicht gebilligt wurde. Es mehren sich jetzt noch die Stimmen. die zwar vorsichtig, aber noch deutlich genug diese Kritik aus dem SüD=Lager an dem Verhalten der SPO=Fraktion aussprechen. Es war das Bemühen der Zentrumsfraktion, ein Kompromiß mit der Deutschen Volkspartei und den Sozialisten zu finden, und es war auch eine nicht sehr dan khare Aufgabe, e das Lontrum gemeinsam mit den Demokraten zu erfüllen hatte. Nachdem die Sozialisten versagt hatten, blieb nichts anderes übrig, als zu versuchen, ohne Bindungen an die Parteien ein Kabinett zu bilden, das entschlossen in seinen Zielen war und Mut zum Handeln hatte. Es ist mir nicht leicht geworden, die Führung zu übernehmen, denn ich wußte, welch ein schwieriger Weg für die Zukunft zu gehen ist. Wir haben immer geglaubt, es komme die Revision des Dawesplanes; wir sind in schwierigen Kassenverhältnissen, in schwieriger Situation nach allen Richtungen hin, in die Pariser Verhandlungen gegangen. Wir sind in außenpolitische Verhandlungen eingetreten, mit einem gewaltigen Kassendefizit und kurzfristigen Krediten, die sich auf sechs Milliarden Mark beliefen, von denen man nicht wußte, ob sie täglich gekündigt werden könnten und dadurch eine neue Wirtschaftskatastrophe hereinbrechen würde. Wir müssen jetzt, da wir nun frei sind von ausländischer, Kontrolle, alle Kraft daransetzen, unsere Finanzwirtschaft in Ordnung zu bringen, damit uns nicht der Vorwurf böswilliger Zahlungsrückstände gemacht werden kann. Es geht nicht mehr so weiter, daß die Regierung aus mancherlei Schwierigkeiten heraus nicht mehr die Politik macht, sondern die Politik in den Frakti—sverhandlungen gemacht wird. Ich habe den Eindruck, daß es an dem deutschen Volke vielfach mit Bleischwere gehangen hat, daß man vermißte, daß die Regierung tatlich führte. Dadurch hat sich eine gewisse Reichskanzler Dr. Brüning lehnt ab, daß die Polilik in den Fraktionsverhandlungen gemacht wird.- Das Parlament muß die Verantwortung übernehmen. Mißstimmung und ein Pessimismus breit gemacht, deren politische Auswirkungen an dem ungeheuren Anwachsen radikaler Gruppen rechts und links zu verspüren war. Der Blick des deutschen Volkes, der vorher nach dem Westen gerichtet war, muß sich nunmehr nach dem Osten zuwenden; wir haben zunächst den Wiederaufbau der schwer darniederliegenden Landwirtschaft im deutschen Osten im Auge. Das Agrarprogramm ist der neuen Regierung von den Deutschnationalen nicht aufgezwungen worden, sondern vom ersten Augenblick an war es der Regierung klar, daß man angesichts der Gafahren dig sich gue dem Ueberschuß von aus Nun kommt das große Problem der Erwerbslosenversicherung. Es muß eine sparsame Finanzpolitik gemacht werden, damit das Vertrauen zurückkehrt und infolgedessen auch Geld für langfristig. Anleihen angelegt wird. Wir sind gezwungen, für die Erwerbslosenversicherung in diesem Jahre erheblich höhere Mittel aufzubringen. Es hilft nichts anderes, als durchzuhalten. Wenn der Artikel 48 der Reichsverfassung zur Anwendung gekommen wäre, dann wäre dies nur die Schuld der Sozialdemokraten gewesen. Entscheidend ist, dem Parlament nicht zu gestatten, der Verantwortung auszuweichen, sondern es zu zwingen, die Verantwortung zu übernehmen. Die verwerfliche Agitation von rechts und links kann man am besten dadurch beseitigen, daß man ganz tlare parlamentarische Verhältnisse herbeiführt und die Parteien zur Verantwortung zwingt. Es geht nicht an, daß immer die Mittelparteien gezwungen sind, allein einzuspringen. Ohne parlamentarische Verantwortrug ist es nicht öglich, zu einer Gesundung der Verhältnisse zu kommen. Vor der Grundsteuererhöhung in Preußen. Gefahren, die sich aus dem Ueberschuß von ausländischem Getreide in den großen Exportländern ergaben und von denen man befürchten mußte, daß sie eines Tages schlagartig auf den Markt geworfen würden, Abwehrmaßnahmen erwägen müßte, die es der Regierung ermöglichten, in jedem Augenblick geeignete Maßnahmen auf dem Gebiet der Agrarzölle durchzuführen. Es kommt darauf an, daß wir im Osten die Bevölkerung nicht nur erhalten, sondern vergrößern und vermehren, damit gleichzeitig der nötige Absatzmarkt für die östliche Industrie geschaffen werden kann. Halten wir nicht die Masse von Landarbeitern auf einer stabilen erträglichen Grundlage, dann wächst das Problem der Arbeitslosigkeit zu einer solchen Krise, daß wir seiner überhaupt nicht mehr Herr werden können. Wir müssen auch zu einer Gesundung der kommunalen Finanzen kommen. Wir werden eine Reihe von Maßnahmen treffen, um den Arbeitsmarkt, vor alle i den Baumarkt in Gang zu bringen. Dazu gehört vor allem die Aufhebung der Kapital= ertragssteuer für die festverzinslichen Papiere. odz. Berlin, 10. Mai.(Funkspruch.) Nachmittags versammelte sich im preußischen Landtag das Zentrum zu einer Fraktionssitzung, in welcher die ablehnende Haltung gegenüber einer allgemeinen Grundnsteuer=Erhöhung bestätigt wurde. Den Vertretern der Partei im interfraktionellen Ausschuß wurde jedoch zu weiteren Verhandlungen Vollmacht gegeben mit der Maßgabe, daß zumindestens der Hausbesitz nicht neue Lasten zu tragen hat. Nach Beendigung der mehrstündigen Zentrumsfraktionssitzung trat der interfraktionelle Ausschuß gemeinsam mit dem Finanzminister Dr. Höpker=Aschoff erneut zusammen. Hierbei wurden die Zentrumswünsche erörtert, die, wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hört, dahin gehen, daß die Grundsteuer nur insoweit erhöht werden soll, als sie auf Mietsräume abgewälzt werden kann. Von der Steuererhöhung freibleiben sollen also etwa Wohn= und Werksräume, die der Hausbesitzer selbst benutzt, und Eigenheime bis zu einem bestimmten Wert. Die Beratungen des interfraktionellen Ausschusses dauerten von 6½ bis gegen 8 Uhr abends. Die Beratungen über den Vorschlag des Finanzministers, der zugleich mit der Deckung des Fehlbetrages im Etat einen angemessenen Schullastenausgleich ermöglichen soll, und über die Aenderungswünsche des Zentrums, die allerWirtschaftspelnnt. odz. Berlin, 9. Mai.(Tel.) Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde heute der Haushalt des Reichswirtschaftsministeriums beraten. Der Berichterstatter Abg. von Raumer (DV) schlug vor, für die Förderung der Leipziger Messe 400 000 RM, für das übrige Messewesen 100 000 RM einzusetzen(der Reichsrat hatte 80 000 RM für die Leipziger Messe beantragt). Die Beihilfe für die Amerika=Studenten solle dagegen von 50000 RM auf 100000 RM erhöht werden. Für die fremdsprachliche Ausbildung der Beamten des Ministeriums beantragte der Berichterstatter die Einsetzung von 10000 RM. Bei der Annahme dieser Vorschläge werde eine Ersparnis von 536 000 RM eintreten. Abg. Dr. Köhler(Ztr.) stellte mit Bedauern fest, daß die Saarverhandlungen nicht den erhofften schnellen Fortgang genommen hätten. Abg. Dr. Reichart(DN) trat für Ersparnisse in der Stellenbesetzung ein. Die Subventionierung von Wirtschaftsbetrieben dürfe keine Verschärfung der Konkurrenz seitens unterstützter Betriebe gegen die übrigen Betriebe bringen. Reichswirtschaftsminister Dietrich: An unserem heutigen Zollsystem werden wir momentan nichts ändern können, denn unser Vertrag mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika bindet uns bis zum 1. Oktober 1935 an das Meistbegünstigungssystem. Nach diesem Zeitpunkt aber werden wir zu einem anderen System kommen müssen. Wir werden mit den Randstaaten Rußlands und den Nachfolgestaaten Oesterreichs in engere Wirtschaftsbeziehungen kommen müssen, besonders mit Polen und Rumänien. Auf dem Wege des Maismonopols können wir die Wirtschaftsbeziehungen zu den Donaustaaten verbessern, ohne mit irgendjemand in Konflikt zu kommen. Die Verträge mit Oesterreich und Polen werden demnächst dem Reichstag zugehen. Gewisse Sorgen macht uns noch der Vertrag mit Finnland. Die Reallohnpolitik wird ganz von selbst gefördert werden durch die Wirkungen, die der Zusammenbruch der Rohstoffpreise naturgemäß auf die übrigen Preise haben muß. Die Subventionspolitik korrumpiert auf die Dauer die Wirtschaft. Bei der Osthilfe soll die Lastensenkung für die Landwirtschaft auch auf Gewerbe, Handel und Industrie ausgedehnt werden. Das Kernproblem unserer Wirtschaft ist die Arbeitslosenfrage. Es ist unerträglich, wenn wir Jahr für Jahr über eine Milliarde ausgeben ohne jeden Wert mit der Wirkung, daß die Empfänger dieser Gelder noch korrumpiert werden. Die Ausgabe nützt, diese unglücklichen Menschen produktiv zu beschäftigen. Doktrinär ist freilig dies Problem nicht zu lösen. Nach längerer Debatte wurde Bei den Abstimmungen eine sozialdemokratische Entschließung, nach der der Zuschuß von 500000 Reichsmark an das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit mit der Maßgabe bewilligt wird, daß das Reichskuratorium in seinem Vorstand und seinen Ausschüssen eine stärkere Beteiligung von Arbeitnehmervertretern herbeiführt, angenommen. Hierauf wurden 400000 Mark für die Leipziger Messe als einmalige Ausgabe bewilligt unter Fortfall der sonstigen Zuwendungen für Messen und Ausstellungen. Angenommen wurde eine deutschnationale Entschließung, die die Regierung auffordert, dem Reichstag in einer Denkschrift vollen Einblick in die Vorgänge beim Zusammenbruch der Frankfurter Gesellschaft zu geben. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Köhler(3) wurde mitgeteilt, daß von den 500000 Mark zur Förderung des deutschen Außenhandels durch Zinsverbilligung für Darlehen an deutsche Exporteure im verflossenen Jahre nur 13.000 Mark verbraucht worden sind. Daraufhin wurde der in dem diesjährigen Etat eingesetzte Betrag von 500 000 Mark auf 13.000 Mark vermindert. Der Haushalt des Reichswirtschaftsministeriums und des Reichswirtschaftsrats wurde mit vom Berichterstatter beantragten Aenderungen bewilligt. Am Samstag kommt der Haushalt des Reichsjustizministeriums zur Beratung. dings dasselbe Nebenziel verfolgen, konnten noch nicht zu Ende geführt werden, doch wurde bereits eine Annäherung der Meinungen zwischen den drei Parteien erzielt.— Am Samstag nachmittag um 2 Uhr findet erneut eine interfraktionelle Beratung statt. Ausgabensenkungsgesetz ud Samnienschoft. odz. Berlin, 9. Mai.(Tel.) Reichsfinanz= minister Dr. Moldenhauer empfing am Freitag die Vertreter der Beamtenspitzenorganisationen und nahm, nach einem Bericht des Deutschen Beamtenbundes, eingehend zu seinen Ankündigungen über das Ausgabensenkungsgesetz Stellung... g 4 emmie Dabei erklärte der Reichsfinanzminister, daß er keinen Beamtenabbau nach dem alten Muster von 1924 beabsichtige, daß aber eine gewisse Rationalisierung eintreten müsse; die beabsichtigten Maßnahmen sollten ohne unnötige Schärfen und Härten auf dem Wege des natürlichen Abganges durchgeführt werden in einer Form, die auch für die Beamtenschaft tragbar sei. Der Reichsfinanzminister erklsirte weiter, daß die Rechte der Beamtenschaft nicht geschmälert werden dürfen und die materiellen Grundlagen der Beamten erhalten bleiben müssen. Gewisse Ersparnisse auf organisatorischem Gebiet ließen sich aber nicht vermeiden. Dr. Moldenhauer sagte zu, daß er und das Reichsfinanzministerium die Einzelheiten des Ausgabensenkungsgesetzes, soweit sie die Beamtenschaft betreffen, mit den Spitzenorganisationen besprechen wollten, bevor der Entwurf im Reichskabinett endgültig verabschiedet und dem Reichsrat zugeleitet wird. Die Bombenleger=Affäre. wtb. Altona, 9. Mai.(Tel.) Die Staatsanwaltschaft hat in Sachen der Untersuchung wegen der in den Jahren 1928=29 in SchleswigHolstein, Hannover und Oldenburg begangenen Bombenanschläge die umfangreiche Anklageschrift fertiggestellt und der Strafkammer mit dem Antrag auf Eröffnung des Hauptverfahrens eingereicht. Die Anklageschrift legt den Angeschuldigten Verbrechen und Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz, einigen auch Diebstahl von Sprengstoff und einem Angeschuldigten Meineid zur Last. Sie bezieht sich auf die Attentate bzw. Attentatsversuche von Hollingstedt, Niebuell, Schleswig und Lüneburg. Sieben Angeschuldigte befinden sich noch in Untersuchungshaft. Konflikt im Saarbergbau. Feierschichten und Entlassungen. wtb. Saarbrücken, 10. Mai.(Funkspruch.) Gestern vormittag fand auf der Bergwerksdirektion eine Besprechung zwischen der Bergwerksdirektion und den Vertretern der Vertragsorganisationen statt. Der Vertreter der Bergwerksdirektion erklärte dabei, daß sich die Lage im Saarbergbau weiter verschlechtert habe und im Juni und Juli sich noch weiter verschlechtern werde. Es lägen bereits jetzt etwa 300 000 To. Kohle auf den Halden, und es sei nicht möglich, noch weitere Vorräte untrezubringen, so daß man dazu übergehen müsse, zunächst im Mai noch zwei Feierschichten einzulegen, dann aber am 1. Juni 1400 Bergarbeiter zu entlassen. Obwohl sich die Vertreter der Organisationen mit aller Entschiedenheit gegen diese Maßnahmen wandten und vorschlugen, lieber alle 40 Tage eine weitere Feierschicht einzurichten und sofort mit den Urlauben zu beginnen, blieb die Bergverwaltung bei ihrem Entschluß. Die Vertreter der Organisationen beschlossen darauf, bei der Regierungskommission und beim französischen Arbeitsministerium vorstellig zu werden. Genehmigung des neuen Syndikatsvertrages im Bergbau. wtb. Berlin, 9. Mai.(Tel.) Der Große Ausschuß des Reichskohlenrates beschäftigte sich heute mit dem von der Mehrheit der Bergwerksbesitzer an der Ruhr geschlossenen neuen Syndikatsvertrag. Nach eingehender Aussprache, an der sich die Vertreter der Gewerkschaften, der Bergwerksbesitzer und der Verbraucher beteiligten, wurde oer Vertrag einstimmig genehmigt. Ein Geisteskranker im Reichsprasisentenpalats. enb. Berlin, 9. Mai.(Eigene Meldung.) Ein Unbekannter, der in einer Droschke vorgefahren war, hat heute morgen kurz nach 9 Uhr versucht, in das Büro des Reichspräsidenten einzudringen. Es handelt sich um einen Geisteskranken. Er wurde festgenommen und dem zuständigen Polizeirevier zugeführt, das eine Untersuchung durch den Kreisarzt veranlaßte. Die Personalien des Verhafteten sind bis jetzt noch nicht festgestellt. anb Berlin, 9. Mai.(Eigene Meldung.) Ueber den durch einen Geisteskranken verursachten Vorfall im Palais des Reichspräsidenten wird noch folgendes bekannt: Heute morgen gegen ¼10 Uhr fuhr ein etwa 30jähriger, anscheinend dem Handwerkerstande angehörender Mann in einer Kraftdroschke an dem Mittelportal des Reichspräsidentenpalais vor und setzte die Hausglocke in Bewegung. Als der Bürodiener nach seinem Begehren fragte, erklärte er, den Reichspräsidenten sprechen zu wollen. Der Bürodiener wies ihn nach der Botenmeisterei, durch welche die vorsprechenden Personen geleitet werden. Der Mann versuchte jedoch mit Gewalt einzudringen und schlug auf den Bürodiener mit den Fäusten ein. Es entstand eine regelrechte Schlägerei, die durch das Dazwischentreten eines Kriminalbeamten, von Schutzpolizei und der Reichswehrwache beendet wurde. enb. Berlin, 9. Mai.(Eigene Meldung.) Der Mann, der heute morgen in das Haus des Reichspräsidenten einzudringen versuchte, ist, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, als der 42jährige, in Berlin wohnhafte Händler Otto Bemfeld festgestellt worden. Er wurde auf Anordnung des zuständigen Kreisarztes in eine Irrenanstalt übergeführt. Spionage der GPA gegen Londoner Sowvjetamter. wtb. London, 9. Mai.(Tel.) Daily Mail veröffentlicht in großer Aufmachung einen Bericht, wonach Spione der GPl in London eingetroffen seien. Nicht nur eine beträchtliche Anzahl von Mitgliedern des Stabes der Sowjetbotschaft und anderer Sowjetstellen in London werde vielleicht abberufen werden, sondern der Botschafter Sokolnikoff selbst stehe in Gefahr, dazu gezwungen zu werden, die Abordnung der GPU nach Moskau zu begleiten. Anscheinend werde ihm Opportunismus vorgeworfen. Sokolnikoff soll vor einigen Tagen die Sowjetjournalisten in London gebeten haben, davon abzusehen, die britische Regierung und insbesondere einzelne Minister anzugreifen, bis die jetzt erörterten Verträge ratifiziert worden seien. Der Botschafter habe dieses Ersuchen bei einer Zusammenkunft der Botschafts=„Zelle“ gestellt, und die Korrespondenten hätten dagegen laut Einspruch erhoben, ebenso wie gegen das Ersuchen des Botschafters, in Berichten über den Streit in der Bradforder Textilindustrie und über die Lage in Indien gemäßigt zu sein Laut Daily Mail scheine kein Zweifel zu bestehen, daß wenigstens ein halbes Dutzend Beamter einschließlich zweier Botschaftersekretäre entschlossen seien, sich jedem Abberufungsbefehl zu widersetzen und entsprechend dem Vorgehen des vormaligen Geschäftsträgers in Paris, Bessedowski, in England zu bleiben. Amtliche Erklärung über die Lage in Indien. wtb. London, 9. Mai.(Tel.) Im Unterhaus teilte der Staatssekretär für Indien Wedgwood Benn mit, von der indischen Regierung sei die Mitteilung eingelaufen, daß sie trotz der vereinzelten Tumulte, die der Verhaftung Gandhis folgten, durchaus Herr der Lage sei. Sie sei auf solche Zusammenstöße durchaus gefaßt gewesen. Der Geist, der die Polizei und die Armee beseelt, sei ausgezeichnet. In Peschawar herrsche jetzt Ruhe. Veranlaßt durch die Frage eines Abgeordneten erklärte Wedgewood Benn ganz ausdrücklich: Die Regierung wird ihre Versöhnungspolitik nach wie vor beibehalten. indischen Mohamedaner gegen die Widerstandsbewegung. wtb. Bombay, 9. Mai.(Tel.) Der Rat des indischen mohammedanischen Verbandes nahm eine Entschließung an, in der die passive Widerstandsbewegung als schädlich für die wahren Interessen der mohammedanischen Gemeinwesen bezeichnet und ferner erklärt wird, daß sie das Land in eine chaotische Lage bringen und den Fortschritt behindern werde. Die Entschließung rät den Mohammedanern, sich von der Bewegung Sliskhng. weiter eine Ent. Jung an, in der die Besorgnis der Mohammedaner in ganz Indien wegen der kürzlichen Unruhen in Peschawar und der damit verbundenen Verluste an Menschenleben ausgedrückt and gesordert wird, daß dem Verbande, um das Die penihase Bromts un vdz. Berlin, 9. Mai.(Tel.) Am Freitag begann der Preußische Landtag seine Sitzung schon sehr zeitig, um die große politische Aussprache bei der zweiten Beratung des Etats des Staatsministeriums zu Ende führen zu können. Zunächst hörte man den Demokraten Falk, der sich als Rheinländer besonders scharf gegen die hannoversche Loslösungsbestrebungen wandte, weil diese eine Barriere zwischen das von außen gefährdete Rheinland und das Reich legen könnten. Neben dem Ostprogramm forderte Falk auch Hilfe für die anderen Grenzgebiete. Opfer für die vorzeitige Rückgabe des Saargebiets lehnte er auch im Namen der betroffenen Bevölkerung ab. Abg. Kube von den Nationalsozialisten richtete heftige Ausfälle gegen Reichswehrminister Groener, der nach seiner Meinung das Bismarcksche Reich zerstört hat, weil er dem letzten Kaiser zur Flucht riet und daher kein Recht habe, sich gegen nationalsozialistische Zersetzung der Reichswehr zu wenden. Bei den Sozialdemokraten entstand große Erregung; einer von ihnen bezeichnete die Nationalsozialisten in einem Zwischenruf sogar als„politische Strolche“ und zog sich dadurch einen Ordnungsruf zu. Ministerpräsident Dr. Braun: Der Abg. Kube hat es für gut befunden, den Reichswehrminister Gröner hier in der unglaublichsten Weise anzugreifen und zu verunglimpfen, ohne Mißtrauen und den Argwohn zu beschwichtigen, gestattet werden müsse, eine Abordnung nach Peschawar zu senden, um die Tatsachen festzustellen. Eine neue Verhaftung in Indien. wtb. Lahore, 9. Mai.(Tel.) Der Generalsekretär des Verbandes der indischen Nationalisten, Bopichand, ist wegen Aufwiegelung verhaftet worden. Die Verluste der Polizei bei den Unruhen in Scholapur. wtb. London, 9. Mai.(Tel.) Nach einer Meldung aus Bombay sind bei den schweren Unruhen in Scholapur noch sechs Polizisten von der Menge ermordet worden. Ihre Leichen sollen mit Petroleum begossen und verbrannt worden sein. Mordanschlag aus Eifersucht. wp. Anholt(Kr. Rees), 9. Mai.(Tel.) Auf der Straße von Ulft nach Gendringen wurde der Fabrikarbeiter R. Frazer aus Gendringen, der sich mit dem Rade auf dem Heimwege von seiner Arbeitsstätte befand, am hellen Tage von dem in Gendringen pensioniert lebenden F. plötzlich angefallen und durch einen Stich mit einem Dolchmesser verletzt, so daß er vom Rade stürzte. Den am Boden Liegenden brachte F. dann noch sechs weitere Stich= und Hiebwunden bei. Erst jetzt gelang es zwei an dem Ueberfall unbeteiligten Begleitern Fs., diesem das Messer zu entreißen. Der Messerheld stürzte sich wiederum auf den Verwundeten, und es entstand ein Ring= kampf, bei dem Frazer seinem Gegner ein Stück aus der Lippe biß. Schließlich konnte der Wüterich überwältigt und in Polizeigewahrsam gebracht werden, während Frazer in das Terborger Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er ernst darniederliegt. Das Motiv der Tat ist Eifersucht. F. hatte bereits vor Jahresfrist Frazer überfallen und verletzt, und war deshalb vom Gericht bestraft worden. Nach seinen eigenen Aeußerungen hatte er diesmal die Absicht, Frazer zu töten. Erdversackungen bei Vienenburg Kaliwerk ersoffen. wtb Braunschweig, 9. Mai.(Tel.) Das Ersaufen des Kaliwerks Vienenburg durch das Hereinbrechen großer Laugenmassen hat die darüber liegende, dem Güterverkehr dienende Eisenbahnstrecke Vienenburg—Grauhof in Mitleidenschaft gezogen. Der Bahndamm ist infolge einer Trichterbildung heute nacht eingestürzt. Auch die Strecke Goslar—Halberstadt ist zwischen dem Personenbahnhof und dem Verschiebebahnhof Vienenburg gefährdet. Durchgehende Personenzüge werden über Heudeber=Danstedt=Bad Harzburg, Güterzüge über Börßum umgeleitet. Die Bildung neuer Erdtrichter dauert immer noch an. Nach neueren Meldungen hat sich die Erdbewegung noch nicht beruhigt. Die Lage hat sich eher verschlechtert als gebessert. Die Absperrungen haben, wie die Braunschw. Landeszeitung meldet, bedeutend erweitert werden müssen, und schon auf der Braunschweiger Chaussee sieht man an mehreren Stellen Risse im Pflaster. In einer Halde des Harly=Werks hat sich ein Trichter von 30 Meter Durchmesser gebildet. Er liegt ungefähr über Schacht 1 und ist erst gestern nacht gegen ½12 Uhr bemerkt worden. Der Führer eines Benzwagens der Bezirksinspektion, der von Schacht 2 kam und zum Direktionsgebäude wollte, sah plötzlich vor sich inmitten der Straße einen Abgrund und konnte gerade noch auf dem Schienenstrang der Bergbahn halten, mit seinen vier Fahrgästen aussteigen und sich auf festen Boden retten. Jetzt liegt der Wagen tief im Schlund des dauernd einrutschenden Trichters. Die Schienen der Güterstrecke nach Grauhof schweben in der Luft. An vielen anderen Stellen ist der Bahnkörper ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Direktionsgebäude des Werkes werden jetzt geräumt, da mit einer weiteren Ausdehnung des Erdrutsches gerechnet werden muß. In später Landtag beendet. daran gehindert zu werden. Ich muß daher von dieser Stelle aus die Anwürfe auf den Reichswehrminister, der hier nicht anwesend ist und infolgedessen nicht antworten kann, mit allem Nachdruck zurückweisen. In der zweiten Rednergarnitur kamen noch zwei Vertreter der besetzten Gebiete zu Worte, der Deutschnationale Bachem. der gegen das Stahlhelmverbot protestierte, und der Zentrumsmann Hillenbrand, der davor warnte, daß man Frankreich mit der Räumung der Saar noch ein Geschäft machen lasse. Ein Schlußantrag machte der 2tägigen Debatte ein Ende. Die Abstimmungen über den wichtigsten Etat des Haushaltsplans finden erst am 20. Mai statt. Ausführlich wurde dann noch das Ergebnis des Untersuchungsausschusses über die Raiffeisenkredite der Preußenkasse erörtert. Das Gutachten des Ausschusses wurde mit den Stimmen der Koalitionsparteien und der Deutschen Volkspartei genehmigt. Man war sich darin einig, daß die persönliche Unantastbarkeit deren, die an den verlorenen Krediten die Schuld tragen, auch nach dem Untersuchungsergebnis feststehe, daß aber ihr Geschäftsgebaren selbstverständlich nicht gebilligt werden kann. Montag, 19. Mai, 13 Uhr: Haushalt der allgemeinen Finanzverwaltung.— Schluß gegen 17 Uhr. Abendstunde haben die Untersuchungen der Schächte ergeben, daß in Schacht 2 noch in Höhe der zweiten Sohle kein Wasser zu finden war, aber in Schacht 3 sind schlechte Gase entstanden, die ein weiteres Eindringen in den Schacht verhindern. Das Schicksal der Werke ist bisher vollkommen unsicher, und es ist zu befürchten, daß weitere Störungen des Gesamtverkehrs eintreten werden. Auf jeden Fall befinden sich die Erdrutsche noch in voller Bewegung. Aus Nah und Fern. Der Raubüberfall in Düsseldorf. wp. Düsseldorf, 9. Mai.(Tel.) Für die Ermittlung der Täter, die gestern den Regierungskassenboten niederschlugen und ihn seiner Aktentasche mit 8500 Mark beraubten, hat der Regierungspräsident eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Die inzwischen eifrig fortgesetzten Ermittlungen der Kriminalpolizei haben ergeben, daß der von den vier Verbrechern benutzte Wagen am 4. Mai in der Hohenzollernstraße in Berlin gestohlen worden ist. Er ist inzwischen seinem rechtmäßigen Besitzer wieder übergeben worden. Die Bemühungen der Kriminalpolizei richten sich nunmehr darauf, zu erfahren, wo der Wagen in der Zeit vom 4. Mai bis zum Tage des Ueberfalls getankt hat und in welchen Garagen er in jener Zeit eingestellt gewesen ist. Lohnvereinbarungen in der rheinisch=westfälischen Marmorindustrie. wp. Dortmund, 9. Mai.(Tel.) In dem Lohnstreit in der Marmorindustrie des rheinisch=westf. Industriegebietes trafen die Parteien heute unter Vorsitz des stellvertretenden Schlichters folgende Vereinbarung: Das zuletzt gültige Lohnabkommen wird über den 30. April 1930 hinaus bis zum 31. März 1931 verlängert. Es kann mit zweimonatiger Frist zu diesem Termin gekündigt werden. Erfolgt keine Kündigung, so läuft das alte Abkommen mit der gleichen Kündigungsfrist ein Jahr weiter. Wenn der Reichsindex innerhalb dieser Zeit auf 159 steigt, so haben die Gewerkschaften das Recht, eine Aenderung des Abkommens zu beantragen. Disziplinarverfahren gegen Katz. enb. Berlin, 9. Mai.(Eigene Meldung.) Auf Grund der letzten Vernehmungen, die bereits am Freitag einen gewissen Abschluß erreichten, hat laut Deutscher Zeitung der Oberpräsident gegen Stadtrat Katz das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung eröffnet. Ueberschwemmungen in Italien. wtb Rom, 9. Mai.(Tel.) Aus ganz Italien werden große Ueberschwemmungen gemeldet. Durch die starken Regengüsse der letzten zwei Tage traten zwei kleinere Flüsse bei Brescia über die Ufer. Mehrere Häuser mußten geräumt werden. Die auf den Feldern angerichteten Verwüstungen sind erheblich. Auch aus Mailand wird gemeldet, daß in den tiefer gelegenen Teilen der Stadt eine Anzahl von Häusern überschwemmt wurden, ohne daß dadurch viel Schaden angerichtet wurde.— Aus Parma wird berichtet, daß die Weinberge von einem heftigen Hagelwetter heimgesucht wurden. Auch hier mußten Häuser geräumt werden, da die Keller überschwemmt waren. In der Nähe von Avellino stürzte unterwaschenes Erdreich von 509 chm Umfang auf die Straße, so daß der Verkehr unterbunden wurde. Durch den Erdrutsch wurden zwei Häuser bedeckt; sie mußten geräumt werden. Elf Familien sind dadurch obdachlos geworden. Juwelenbetrug aufgedeckt. enb. Berlin, 9. Mai.(Eigene Meldung.) Die Berliner Kriminalpolizei ist mit Ermittlungen in einer umfangreichen Juwelenbetrugsangelegenheit beschäftigt. Etwa 10 angesehene Berliner und auswärtige Juweliere und Edelsteinhändler sind im Laufe der letzten sechs Monate von dem 70jährigen Juwelter W. Lamy, der sowohl in Waidmannslust bei Berlin, als auch in Hanau Geschäfte besitzt, um Juwelen im Wert von etwa 500000 Mark geschädigt worden. Lamy hat die Schmuckgegenstände als Kommissionsware bezogen, aber unmittelbar nach Empfang entweder verpfändet oder in Zahlung gegeben. Von einer Verhaftung des so schwer Beschuldigten wurde vorläufig abgesehen, da der 70jährige einen Nervenzusammenbruch erlitten hat. Der Fall Rosen. wtb. Breslau, 9. Mai.(Tel.) Vor dem 10. Zivilsenat des Breslauer Oberlandesgerichts wurde heute vormittag über die Aussetzung des Zivilprozesses der Wirtschafterin Neumann gegen die Erben des Professors Rosen verhandelt. Nach einstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende des Senats, daß die Aussetzung des Zivilprozesses aufgehoben werde, da innerhalb sechs Monaten seit der Aussetzung des Prozesses keinerlei Antrag auf Eröffnung der Hauptverhandlung im Strafprozeß gestellt worden sei, und es ferner den Erben des Professors Rosen nicht möglich gewesen sei, in der Berufungsinstanz die Erbunwürdigkeit Frau Neumanns nachzuweisen. Im Anschluß an diesen Entscheid wurde dann in die weitere Verhandlung über die Höhe des Erbanspruchs verhandelt. Die Berufung der Erben des Professors Rosen wurde zurückgewiesen und der Wirtschafterin Neumann ein Betrag von 6300 RM einschließlich Zinsen ab 1. Januar 1926 zuerkannt. Windhose im Tokayer Weingebiet Schwere Schäden. wtb Budapest, 9. Mai.(Tel.) Eine Windhose hat gestern in den im Tokayer Weinberggebiet liegenden Gemeinden Tallya und Ratka große Verheerungen angerichtet. Zunächst erschien eine schlauchartig herabhängende Wolke, um die sich mit großer Geschwindigkeit dichte Wolkenmassen bildeten. Das untere Ende dieses Wolkengebildes begann sich dann auszudehnen, bis es den Boden streifte. Alles, was die Windhose erfaßte, Bäume, Hausdächer usw. wurde mitgerissen. Sämtliche Telephon= und Telegraphenverbindungen, sowie die elektrischen Leitungen wurden zerstört. Der Durchzug des Zyklons dauerte zwei Minuten. Der Sachschaden ist sehr bedeutend. Aus mehreren Provinzstädten wird Hagelschlag gemeldet, der in den.#1= und Weinanlagen großen Schaden anrichtete. Drei Millionen Verhungerte in MittelHonau. wtb. Paris, 9. Mai.(Tel.) Die Agentur Havas meldet aus Schanghai, daß die Bevölkerung von Mittel=Honan Ende des vergangenen Monats unter dem Terror von 4000 sengenden und mordenden Banditen zu leiden hatte. Mehrere tausend Bewohner sollen ihnen zum Opfer gefallen sein. In dieser Gegend herrsche große Hungersnot. Südlich von Wu=Tal sollen Hunderttausende den Hungertod erlitten haben. Man nennt sogar die Ziffer von mehr als drei Millionen. Explosion in einer Fleischwarenfabrik. wtb. St. Joseph(Missouri), 8. Mai(Tel.) Das fünfstöckige Lagerhaus der Fleischkonservenfabrik Armour wurde heute nachmittag durch eine Explosion zerstört. Bisher sind unter den Trümmern des Lagerhauses acht Tote und 12 Verletzte geborgen worden. Man nimmt an, daß im ganzen 20 Personen getötet wurden. Ueber die Explosion werden noch nähere Einzelheiten berichtet: Die Katastrophe wurde offenbar durch die Entzündung eines großen Ammoniaktanks herbeigeführt. Die Explosion schien das ganze Gebäude hochzuheben, das dann zu einem großen Trümmerhaufen zusammenstürzte. Teilweise liegen die Trümmer von drei Stockwerken übereinander, sodaß die Bergung der ums Leben Gekommenen voraussichtlich zwei Tage in Anspruch nehmen wird. Da die Ruinen von Ammoniakgasen angefüllt sind, so vermutet man, daß diejenigen, die nicht von den Trümmern erschlagen sind, den Erstickungstod erlitten haben. Der Körper eines jungen Mädchens konnte nach mehrstündiger Rettungsarbeit unter den Trümmern hervorgezogen werden. Juntielbungen. Reichskabinett und Tariferhöhung. enb. Berlin, 10. Mai.(Eig. Nadiomeldung.) Das Reichskabinett wird sich heute, wie der Lokalanzeiger meldet, mit der vorgeschlagenen Tariferhöhung bei der Reichsbahn beschäftigen. Drahtlose Sprechversuche Holland—Australien. wtb. Amsterdam, 10. Mai.(Funkspruch.) Wie die Postverwaltung mitteilt, werden in den nächsten Tagen Proben mit einer drahtlosen Telephonverbindung Holland—Australien vorgenommen werden. Wenn diese Versuche erfolgreich verlaufen, steht die Eröffnung des drahtlosen Telephonverkehrs Holland—Australien in Kürze bevor. Schwerer Autozusammenstoß auf der Rennbahn Brookland. wtb.(Brookland(England). 10. Mai.(Funkspruch.) Auf der Rennbahn von Brookland stießen zwei Automobile zusammen, nachdem das eine einen Zaun durchbrochen hatte. Ein Zuschauer wurde getötet, acht wurden schwer verletzt. Auch der Beifahrer des einen Autos wurde####ötet, der Chausseur schwer verwundet. Die kommalms=Snung 1983 m Schwerte I. Stadtgebiet, Bevölkerung, Personenstand. Die Größe des Stadtgebiets beträgt 1091 Hektar. Hiervon entfallen auf Wald 173 ha, auf Grünflächen 382 ha, auf Wege und Eisenbahnlinien 93 ha, auf Bäche und Flüsse 4 ha, auf Industrieanlagen der Großindustrie 64 ha. Die Einwohnerzahl betrug: am 31. März 1929 17 921, am 31. März 1930: 18 443, Zuwachs 522. Unter den Einwohnern befinden sich 105 Ausländer. Die Zahlder Haushaltungen betrug am 31. 3. 1929 am 31. 3. 1930 4407 4620 Die Zahl der Wohnhäuser betrug am 31. 3. 1929 am 31. 3. 1930 1520 1588 Der Viehstand betrug am 1. 12. 1928 am 1. 12. 1929 Bei den am 17. November 1929 stattgesundenen Wahlen zum Provinziallandtag, zum Kreistag und zur Stadtverordnetenversammlung wurden bei Vorhandensein von 11 568 Wahlberechtigten gültige Stimmzettel abgegeben: für den Provinziallandtag 7353, für den Kreistag 7348, für die: Stadtverordnetenversammlung 7256. Die Zahl der Eheschließungen betrug im Rechnungsjahr 1928: 137, im Rechnungsjahr 1929: 171. Die Zahl der Geburten betrug im Rechn.=Jahr 1928 im Rechn.=Jahr 1929 1929: 89 Geburten. II. Allgemeine Verwaltung. Der Magistrat setzt sich wie folgt zusammen: Schlegtendal, Bürgermeister, Burgemeister, 1. Beigeordneter, Küster, 2. Beigeordneter, Hoffmann, Stadtrat, Luck, Stadtrat, Schluck, Stadtrat, Weber, Stadtbaurat. Die Stadtverordnetenversammlung setzt sich wie folgt zusammen: Zentrum: Gerharts, Stadtverordnetenvorsteher, Bozetti, Bergmann, Wommelsdorf, auf der Beck, Ludwig, Fräulein; Sozialdemokratische Partei Deutschlands: Henning, Warstat, Frau, Buchholz, Rosier, Warstat, Görtz; Kommunistische Partei: Jochim, Engel, Frau, Herbig, Zeuch; Christlich=Soziale Reichspartei: Becker; Kommunale Wahlgemeinschaft: Honsalek, Bonner; Neutrale Wirtschaftsgruppe Schwerte(Ruhr): Küper; Gruppe„Für Handwerk und Gewerbe“: Kogelheide, Frank; Bürgerliche Einheitsliste: Althoff, Hohenschwert, Färber, Recke, Göckmann. In 33 Magistratssitzungen wurden 485 Beschlüsse und in 9 Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung 67 Beschlüsse in öffentlicher und 40 Beschlüsse in geheimer Sitzung gefaßt. Insbesondere wurden folgende Ortsgesetze beschlossen: 1. Verordnung über Betriebskosten in der gesetzlichen Miete vom 27. 7. 1929; 2. Satzung für das städtische Mieteinigungsamt vom 3. 10. 1929; 3. Ortssatzung betreffend Zahl der Mitglieder zur Stadtverordnetenversammlung vom 5.11. 1929; 4. Nachtrag zu der Satzung für das Jugendamt als Teil des städtischen Wohlfahrtsamtes Schwerte vom 6. 11. 1929; 5. Hundesteuerordnung der Stadt Schwerte vom 21. 1. 1930; 6. Gebührenordnung für Ausführung von Entseuchungen durch den städtischen Desinfekor vom 28. 2. 1930; 7. Nachtrag zur Ortssatzung für die Berufsschule in Schwerte vom 28. 2. 1930; 8. Nachtrag zur Ordnung betreffend die Vergnügungssteuer im Bezirke der Stadt Schwerte vom 3. 3. 1930; 9. Nachtrag zum Ortsgesetz über die Dienstbezüge der Beamten und der pensionsberechtigten Dauerangestellten der Stadt Schwerte vom 14. 3. 1930. An Konzessionen wurden erteilt: 6 für Gast= und Schankwirtschaft, 5 für Schankwirtschaften, 1 für Kleinverkauf von Spirituosen, 4 für alkoholfreien Ausschank, 1 für Pfandleihgewerbe. In 13 Fällen handelt es sich um Uebertragungen bei Besitzwechsel und in 4 Fällen um neue Konzessionen. Der Personalbestand der Stadtverwaltung(außer Magistratsmitgliedern) war: Beamte Angestellte Lehrlinge am 31. 3. 1929: zusammen: 66; am 31. 3. 1930: zusammen: 65; 41 41 25 23 Dr. Hella Welling auf der Anklagebank Wouan un u. Ad. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S.). 16. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) „Keine Ausrede, Baron! Wir wollen ihr Charakterbild; es gibt kein Entweichen.“ Malward empfand eine unbewußte Furcht, witterte Unheil Seine Bitte blieb ungehört; ohne Aufsehen zu erregen, konnte er die Ablehnung nicht begründen. „Keine Schüchternheit vorgeschützt, Baron. Wenn's gefährlich wird, bleibt Mister Blackfield diskret, wird Sie nicht kompromittieren.“ „Wenn er es nicht selbst tut; Mister Blackfield ist ein Gentleman.“ Mister Blackfield lachte laut auf. „Ich verspreche, feierlich zu schweigen, wenn es gefährlich wird. Genügt Ihnen das, Baron?* „Danke, das ist nicht nötig; ich verzichte auf das Schweigen.“ „Um so besser“, warnte ein Dritter. Prinzessin Chutteryee klingelte, befahl dem eintretenden Diener, Papier und Feder zu holen. Malward beugte sich tief über den Tisch. „Was soll ich schreiben?“ „Das ist egal.“ „Prinzessin diktieren Sie, bitte.“ Awad Hera nahm ein Magazin vom Nebentisch und diktierte. Malward hörte die Worte, schrieb mechanisch. Als er zu schreiben begann, kam das Gespenst wieder; wie dunkle Schatten huschte es über das Papier vor ihm hin— die Frau am Abgrund— der Stoß— Unwillkürlich wiederholte sich die Bewegung im Schreiben; die Buchstaben sahen merkwürdig genug aus. Worte wurden hörbar. „Danke, Baron, die Probe genügt!“ Mister Blackfield streckte seine Hand nach dem Bogen aus. Aller Augen ruhten gespannt auf ihm, in lächelnder Erwartung: Was würde er sagen? Schon beim Anblick der ersten Worte stutzte der Engländer; eine starke Spannung kam in seine Züge. Er vergaß die Umgebung; seine Augen wurzelten sich fest in diese Schrift. Vor ihm wurden die Buchstaben lebendig. Wildheit, Gier, Haß, Verbrechen verbargen sich hinter ihnen. Er verfolgte Zug um Zug; der sonderbare Punkt schien den Abschluß eines Dramas zu bedeuten, die wellenförmige Verdickung am oberen Ende der Buchstaben Gewissensnot unter dem Druck weiterer Verbrechen. Wie die Abstriche sich durcheinander wirbelten! Der Mann war zwiespältig, ein Schwächling. Verwundert sahen die anderen auf Blackfield. Neugier wurde wach, ob seines Schweigens. War das Wichtigtuerei? „Nun, Mister Blackfield?“ Er besann sich. Natürlich mußte er sprechen, irgend etwas Belangloses Was er erschaute, durfte er nicht laut werden lassen, noch nicht; es war zu entsetzlich. Auch rechnete er mit der Möglichkeit des Fehlschlusses; vielleicht irrte er sich oder die Schrift trog. So erzählte er von belanglosen Dingen. „Intelligent, sprachgewandt, kunftfertig, ein geschickter Tänzer, genießerisch, dem Spiel nicht abgeneigt, leicht beeinflußbar, besonders von Frauenseite, zwiespältig und sprunghaft in seinen Entschlüssen und von schwerer Nervosität befangen.“ Er schloß mit den Worten:„Ich denke, das genügt“. „Vollkommen, Mister Blackfield", versicherte Malward höflich.„Ich bewundere Ihren Scharfsinn, der mich beschämt; denn es ist außerdem bei der Sparkasse: Beamte Angestellte Lehrlinge am 31. 3. 1929: 4 6— zusammen: 10; am 31. 3. 1930: 4*— zusammen: 11; Arbeiter: Bauamt Forstverw. Gas= u. Wasserw. Schlachth. am 31. 3. 1929: 14 1 12 2 zusammen: 29; am 31. 3. 1930: 16 3 12 2 zusammen: 33. Am 29. Juni.1929 verstarb der Angestellte Holsiepe. III. Steuerverwaltung. Es betrug die Zahl der gewerbesteuerpflichtigen Personen und Betriebe: am 31. 3. 1929: 557; am 31. 3. 1930: 637; der in der Zeit vom 1. April 1929 bis 31. März 1930 abgemeldeten Gewerbebetriebe 34; der im gleichen Zeitraum angemeldeten Betriebe 114: der Einsprüche gegen die Veranlagung zur Gewerbesteuer 75; der Anträge auf Erteilung eines Wandergewerbescheines 89; der Anträge auf Erteilung einer Gewerbelegitimationskarte 30; der Stundungs= und Niederschlagungsanträge für Hauszins= und Grundvermögenssteuer: 1245. IV Schulwesen. 1. Städtisches Realgymnasium: Anstelle des ausgeschiedenen Studienrats Schmidtmann wurde Studienassessor Dr. Kintrup als Studienrat angestellt. Für erkrankte Lehrpersonen war vertretungsweise der Schulamtsbewerber Kötter tätig. Oberschullehrer Banse ist infolge Erreichung der Altersgrenze ausgeschieden. Der Lehrkörper bestand am Schlusse des Schuljahres aus 1 Studiendirektor als Leiter, 10 Studienräten, 4 Oberschullehrern, 1 Studienassessor und 1 nebenamtlichen Religionslehrer. Die Zahl der Schüler betrug: Ostern 1929(Versetzungstermin): Ol 19, UI 20, Olla 24, Ollb—, Ulla 21, Ullb 24; Ostern 1930(Versetzungstermin): O1 13, U1 27, Olla 18, Ollb 17, Ulla 22, Ullb 23; Ostern 1929(Versetzungstermin): Ollla 24, Olllb 27 UIlla 28, Ulllb 28, IV 45; Ostern 1930(Versetzungstermin): Ollla 23, Olllb 25, Ullla 38, Ulllb—, IV 28; Ostern 1929(Versetzungstermin): V 28, VI 35, zusammen 323; Ostern 1930(Versetzungstermin): V 35, VI 36, zusammen 305. 36% der Schüler waren auswärtige. Bei der am Schluß des Jahres stattfindenden Reifeprüfung bestanden sämtliche 12 Oberprimaner. An Freistellen wurden gewährt: 16 ganze Freistellen, 11 ¾ Freistellen, 15% Freistellen, 2 ½ Freistellen. 2. Städtisches Lyzeum. Für erkrankte und ausgeschiedene Lehrpersonen waren vertretungsweise der Schulamtsbewerber Haarmann und die Schulamtsbewerberin Nötzel tätig. Der Lehrkörper bestand am Schlusse des Schuljahres aus 1. Studiendirektor als Leiter, 1 Studienrat, 2 Studieneinigermaßen peinlich, vor den Augen der Gesellschaft entkleidet zu werden.“ „Pfui, Baron.“ „Ich meine seelische Entkleidung, Prinzessin.“ Lachen. Nur Mister Blackfield blieb unbewegt, ernst. In Gedanken verloren, sann er vor sich hin, steckte mechanisch die Schriftprobe ein, die ihn über die Maßen interessierte. Malward merkte es. Gern hätte er ihn daran gehindert; noch sürchtete er, durch die Bitte um Rückgabe unnötige Ausmerksamkeit zu erregen. So zeigte er eine heitere Miene, war von geradezu mitreißender Lebhaftigkeit, witzig, geistsprühend und voll galanter Huldigungen gegen Awad Hera. Diese eigentümliche Handschrift hatte Blackfield aus seinem gewohnten Gleichmaß herausgerissen; die Einzelheiten bewegten ihn in gesteigertem Maße. War dieser Baron Malward ein Verbrecher? Vielleicht nur ein Schwächling, der sich als Werkzeug anderer benutzen ließ, aus irgendwelchem Grunde auf die schiefe Bahn geraten. Gutes und Böses schienen bei ihm gleichmäßig verteilt. In seiner Vorstellung sah er die Schrift vor sich, zergliederte sie. Unleugbar: Malward war ein Egoist, kraß, brutal, wo es um seinen Vorteil ging, und gleichzeitig weich, empfindsam. Sicherlich war sein Gemüt seelisch stark bedrückt. Eine Frage: Wer war dieser Baron Malward? Mit der ganzen Zähigkeit seiner Rasse saßte Blackfield den Entschluß, seinem Leben nachzuspüren. Trog diese Schrift, dann taugte die ganze Grophologie nichts, und er würde sie über Bord werfen. Mister Blackfields Benehmen beeinflußte unwillkürlich die Stimmung; jeder sann seinem merkwürdigen Gebaren nach und den Zusammenhängen von Schein und Wirklichkeit. rätinnen, 1 Studienassessorin, 4 Oberschullehrerinnen, 1 Musiklehrerin und 3 nebenamtlich tätigen Religionslehrern. Die Zahl der Schülerinnen betrug: Ostern 1929(Versetzungstermin): Ull 13, 03—. Oill 15, U3 23, UIII 29, IVa 14; Ostern 1930(Versetzungstermin): Ul 13, 03 21, Oin 25, U3—, UIII 27, IVa 26; Ostern 1929(Versetzungstermin): Vlb 14, V 28, Vla 33, Vlb—, zusammen 169; Ostern 1930(Versetzungstermin): IVb—, V 28, Vla 20, Vlb 19, zusammen 179. 35% der Schülerinnen waren auswärtige. An Freistellen wurden gewährt: 6 ganze Freistellen, 4 ¾ Freistellen, 3 ½ Freistellen, 1 ¼ Freistelle. Die Agnes Tütel=Stiftung weist einen Bestand von 3028,71 RMk. auf. 3. Volksschulen. Die Schulen waren wie folgt besucht: a) evangelische Schulen: 1. Alte Marktschule, 2. Neue Sedanschule: 8 Klassen mit 360 Schulkindern, 3. Sedanschule: 9 Klassen mit 396 Schulkindern, 4. Bismarckschule: 8 Klassen mit 379 Schulkindern, 5. Schule auf der Schwerterheide: 1 Klasse mit 38 Schulkindern; zusammen: 26 Klassen mit 1173 Schulkindern(im Vorjahre 1118); b) katholische Schulen: 1. Alte Kirchschule, 2. Neue Kirchschule, 3. Feldschule: 18 Klassen mit 755 Schulkindern(im Vorjahre 714); c)paritätische Hilfsschule: 1 Klasse mit 32 Schulkindern(im Vorjahre 30); beide Schulsysteme zusammen: 45 Klassen mit insgesamt 1960 Schulkindern(im Vorjahre 1862). An den evangelischen Schulen waren tätig: 3 Rektoren, 3 Konrektoren, 18 Lehrer, 4 Lehrerinnen. An den katholischen Schulen: 1 Rektor, 1 Konrektor, 1 Konrektorin, 8 Lehrer, 7 Lehrerinnen. An der Hilfsschule war tätig: 1 Lehrer. Am 1. Februar 1930 entfiel auf eine Schulstelle eine durchschnittliche Schulkinderzahl von 43. Am 7. September 1929 wurde der neue Rektor der Bismarckschule, Schulte, in sein Amt eingeführt. An neuen Lehrkräften traten in den Schuldienst der Stadt Schwerte ein: An der evgl. Volksschule der Lehrer Heistermann und an der kath. Volksschule der Lehrer Hinz. Vertretungsweise waren die Schulamtsbewerber bezw. Schulamtsbewerberinnen Brencken, Fischer und Mohr tätig. 4. Berufsschule. Die Zahl der Klassen und Schüler betrug: a) Gewerbliche Abteilung: für Metallgewerbe 3 Klassen 89 Schüler Nahrungsmittel= u. Be= kleidungsgewerbe 3 Klassen 90 Schüler Baugewerbe 3 Klassen 97 Schüler ungelernte Arbeiter 4 Klassen 109 Schüler außerdem Hilfsschule 1 Klasse 19 Schüler zusammen: 14 Klassen 404 Schüler (im Vorjahre 441 Schüler); bei 14 Lehrkräften. b) Kaufmänn. Abtlg. 2 Klassen 46 Schüler (im Vorjahre 45 Schüler) bei 4 Lehrkräften. In den 9 Zeichenklassen wurden 200 Schüler von 5 Lehrkräften unterrichtet. (Fortsetzung folgt.) „Meine Herren, im Nebenzimmer wartet der Spieltisch“, bat die Prinzessin. Alle erhoben sich. Malward trat zu ihr und sagte: „Prinzessin, ich kann heute nicht spielen.“ „Warum nicht?“ In drohender Warnung sah sie ihn an. Deutlich stand in ihren Augen der Befehl:„Reiß dich zusammen!" „Ich habe eine elende Migräne, noch vom Morgen her; mein Hirn ist zerhämmert, denkunfähig.“ „Davon habe ich bis jetzt wenig gemerkt, Baron. Sie wollen nicht bleiben.“ „Ich kann nicht! Glauben Sie mir, Prinzessin.“ Sein Gesicht zeigte wieder das aschfarbene Grau, das sie am Vormittag erschreckt hatte. „Doktor Lumtowsky“, wandte sie sich an den Russen,„helfen Sie dem Baron doch mit einem Ihrer Tränklein oder Pülverchen. Er hat Migräne.“ „Gern. Aspirin, Pyramidon?“ Malward lachte gezwungen. „Danke, ich kuriere mich nach eigener Methode.“ „Darf ich wissen, wie?“ „Warum nicht? Eine gute Dosis Whisky..“ „Keinen Alkohol, Baron; der regt noch mehr auf!“ „Also kaltes Wasser, eine Dusche.“ „Einverstanden." „Und dann zu Bett.“ „Vorzüglich Baron, wenn Sie das Rezept ausführen. In der Beziehung habe ich mein Bedenken.“ „Aber Doktor.“ „Nehmen Sie der Sicherheit halber eins von diesen Migränepulvern! Ich benutze sie auch; bis jetzt haben sie mir stets geholfen.“ „Danke!" Malward schüttelte den Herren zum Abschied die Hand. Als er vor Blackfields Platz stand, war dieser leer. (Fortsetzung folgt.) TAPETEN FARBEN BALATUM der TEPPICH für JEDERMANN 150/200 200/250" 200/300 Mk. 6,30 Fik. 10,50 Mk. 12,60 Heimann-Koftkamp engros SCHWERTE an detall Hörderstr. 15 DORTWUND Rheinischestr. 47 **•—. Vestenhellneg 73 Hansastr. 84 GELSENKIRCHEN Kreuzstr. 8 (Alter Markt) HERNE Bahnhofstr. 44 Zür Sängerkläuse Hörderstraße 99 Mit dem heutigen Tage übergebe ich meinen neu erbauten Saal mit meinen verehrten Freunden und Gönnern, sowie den Vereinen zur gefl. Benutzung. Neu angelegte Bundes-Kegelbahn steht Anhängern des edlen Kegelsports zur Verfügung.— Für beste Verpflegung, gute musikalische Unterhaltung und stets freundl. Bedienung werde ich Sorge tragen. Hochachtend! Otto Sprawe. Jeden Sonntag Konzert! (Gelegenheitstanz) 1856 Restaurani zum Sportter Schwerte, Mährstraße 11 Täglich Konzert und neueste Sportberichte- Heute nachm. 18.30 Uhr: FußballLänderspiel Deutschland- England. Heute abend 29.30 Uhr: Monats-Versammlung des TheaterVereins„Rumer“. Vollz. 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Mai findet d. Muttertagteler d. Ortsgruppe Schwerte statt. Vormittags 10¾ Uhr: auf dem Postplatz. Nachmittags 3½ Uhr: im Eisenbahnkasino Schwerte-Ost Es ladet herzlich ein: 1859 DER VORSTAND. Autobusverkehr zwischen Schwerte H. B. u. Bahnhof Schwerte-Ost ab 13.30 Uhr Cärl Düllberg, Schwerte-Kunr Bahnhoftr. 24 Ruf 298•3 Hoch7 TiefEisenbetonbau Uebernahme schlüsselfertiger Bauten, Umbauten, Reparaturen Kanalisationsarbeiten Innere und äußere Stuck- u. Putzarbeiten Grabdenkmäler, in Natur- und Kunststeine Prüfung sfragen mit Antworten für Kraltfährei 106 Dir. A. Wilhelm mit 96 Hbbildungen Für nur 90 P1g. Zu haben dei. Sart Sraue, Schwerte Bahnhofstraße 3 Anmmmt.Miimmmmmimmmmtimmimmm. R. mimmm. Mmmmmm. immmmmm. Miimmmm Die Zeiten sind vorüber, wo nur ein neuer Anzug elegant erschien. Wie neu reinigt Hygienisch chemische Reinigung B. 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Mai, nachm. 1½ Uhr: Antreten der Mitglieder in ihren Vereinslokalen zur Teilnahme an der Weihe des Ehrenmals auf Hohensyburg. 1872 Abfahrt nach Westhofen mit dem Zuge 2.32 Uhr. Zahlr. Beteiligung erbittet: Der Vorstand. Wegen Krankheit wird für ruhig. Haushalt(2 Pers.) ehrliches Nädchen mit gut. Zeugnissen gesucht Näheres in der Geschäftsstelle dieser Zeitung. 1873 Ein gut rechnender Kaufmann— muß und wird Inserieten 6 gebrauchte Herren= u. DamenFahrräder billig zu verkaufen A. Tondok Fahrradhandig. Kuhstr. 2 EIIU- Eneh. Betten Schlafzim., Kinderbet., Stahlmatr, Polst., Chaiselong., an jeden, Tellz. Kalal ir Eisenmöbelfabrik Suhl(Th.) Sie erhalten den schünsten KUCHEN!• Venn Sie ihn herstellen nach den Rezepten aus den Kochbüchern unserer BUCHHANDLUNG CARL BRAUS BOrerass S. Leupin-Creme lausendlach bewährt des Krätze. Juchen, Ausschleg. H#morrholden, Beinschöden esw. 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Außer dem Kassenbericht und den üblichen Wahlen wird die Tagesordnung diesmal wichtige Punkte umfassen, u. a. die Frage, wie in diesem Jahre das Reformationsfest gefeiert wer##en soll. Die Vereinsstunden des Evangl. Vereins junger Mädchen in Schwerte sind jetzt wieder regelmäßig Sonntags abends 6 Uhr in der Jägerstraße u. Dienstags abends 8 Uhr für Abteilung 1, Mittwochs abends 7,30 Uhr für Abteilung 2 im Gemeindehause. Handarbeitsschule. Am Montag, 12.Mai, wird die Handarbeitsschule im Gemeindehaus wieder eröffnet. Da die bisherige Leiterin erkrankt st, übernimmt Frl. Erika Wolf vorläufig die heitung; sie ist in der hauswirtschaftlichen Forttildungsschule in Hagen vorgebildet und hat ihr Examen in Weißnähen und Schneidern bestaiden. Die Unterrichtsstunden finden täglich(außer Samstag) nachmittags von 2—6 Uhr statt. Das Schulgeld, das im Voraus zu entrichten ist, beträgt 6 Mark. Aus der katholischen Gemeinde. Jünglings==Sodalität. 7,30 Uhr gem. hl. Komnlunion. Die Monatsversammlung muß verschoben werden wegen des stattfindenden Frühjahrsdelegiertentages. Dieser beginnt um 4 Uhr im Kolpinghause Hörde. Alle Vorstandsmitglieder mögen daran teilnehmen. Katholischer Gesellen Verein. Montag abend 8 Uhr: Deutsch—Kursus. Mittwoch abend 8 Uhr: Versammlung im Vereinshause. M.=G.=V.„Cäcilia". Dienstag abend 8 Uhr: Gesangstunde. Jungfrauen=Kongregation. Mittwoch abend 8 Uhr: Gesangstunde in der alten Schule „Cäcilia"— Frauen=Chor. Donnerstag abend 8 Uhr: Gesangstunde im Casino= saal. Vinzenz=Verein. Freitag abend 9 Uhr Versammlung, nachher Lesung aus den vier Büchern der Könige. Deutsche Jugendkraft. Freitag abend 8 Uhr: Spielabend. Marien=Verein. Dienstag, 13. Mai, nachmittags 3 Uhr Vorstandssitzung im Vereinshause. Aus dem E Amtsgericht Ein diebisches Ehepaar, der Arbeiter Gustav K. und seine Ehefrau hatten sich in der gestrigen Sitzung vor dem Strafrichter zu verantworten. Die Frau war als Putzfrau bei dem Händler H. im Klusenweg tätig und hätte diese Stellung dazu benutzt, aus den Lagerbeständen des H. mehrere hundert Zigaretten zu entwenden. Der Ehemann vertrieb dieselben, um den Erlös dann allerdings zu einem gewissen Teil in Alkohol umzusetzen. Zu den Abkehmern gehörte in zwei Fällen auch der jetzige Wirt O., der allerdings in Unkenntnis gehandelt haben wollte, was ihm vom Gericht auch geglaubt wurde, so daß er Freisprechung erzielte. Das in vollem Umfange geständige Diebespaar traf eine Gefängnisstrafe von je 10 Tagen, die allerdings in Geldstrafe von je 40 Mark umgewandelt wurde. Als Speiseeis=Verkäufer gab der Arbeiter H. M. zu Syburg im Sommer 1928 eine kurze Gastrolle. Er war für einen Händler in Hagen tätig, der ihm das Eis und den Wagen lieferte und mit dem er täglich abrechnen mußte. Auch im August 28 war er wieder mit einem gefüllten Wagen losgefahren, angeblich zur Kirmes nach Volmarstein. Er ließ aber nichts von sich hören, lieferte auch kein Geld ab und erst nach drei Tagen konnte er mit Hilfe der Polizei in Ende ermittelt werden. Der Wagen wurde untergestellt, an Geld hatte er jedoch nur noch 1,16 Mark bei sich, so daß seinem Auftraggeber ein Schaden von ca. 25 Mark entstanden ist. Die Folge war eine Anklage wegen Unterschlagung und die weitere Folge die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 40 Mark; eine Strafe in gleicher Höhe traf ihn außerdem noch, da er für sein„Geschäft“ keinen Wandergewerbeschein besaß. Eine Schlägerei entwickelte sich an einem Sonntag abend während des Karnevals auf dem Marktplatz zwischen mehreren jungen Leuten, von denen A. S., A. P. und E. D. mit einem polizeilichen Strafbefehl in Höhe von je 30 Mark bedacht wurden. Während S. die Strafe bezahlte, hatten P. und D. Einspruch gegen dieselbe erhoben mit dem Erfolge, daß P. freigesprochen und bei D. die Strafe auf 10 Mark herabgesetzt wurde. Schiverte Rückfallsdiebstahl ist dem aus der Haft vorgeführten Arbeiter H. H. sehr verhängnisvoll geworden. Derselbe besand sich im September 29 zusammen mit dem Bergmann M. im hiesigen evangl. Krankenhause. Am 22. September borgte er sich von M. eine Hose, um ausgehen zu können. Er nahm jedoch nicht nur diese, sondern den ganzen Anzug des M. im Werte von ca. 70 Mark an sich, machte sich „fein“ und kam nicht wieder. Erst Anfang April konnte er in Dortmund gefaßt werden; den Anzug trägt er heute noch. Trotz Zubilligung mildernder Umstände, eine Notlage des Angeklagten wurde anerkannt, mußte ihn, da er bereits wegen Diebstahls mehrmals vorbestraft, die ganze Strenge des Gesetzes tressen; er wurde zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt. Als iogelsteller betätigte sich am 25. August der Arbeiter L. aus Hörde, der schon lange in den Verdacht stand, den verbotenen Fang von Singvögeln zu betreiben. Er wurde am genannten Tage von verschiedenen Personen unweit des„Wellenbades“ in sehr verdächtiger Weise beobachtet und später fand man an der betreffenden Stelle eine Unmenge von Schlingen, in einer derselben einen kleinen Finken. L. leugnete zwar mit größter Entschiedenheit, doch war das Gericht von seiner Schuld überzeugt und nahm ihn in eine Geldstrafe von 50 Mark. Selbstverständlich spielte L. nun die gekränkte Leberwurst und will sein vermeidliches Recht jetzt bis zur höchsten Instanz verfechten. Landkreis Iserlohn ! Westhofen. Bestrafung einer Milchfälscherin. Die Landwirtin Witwe L. aus dem benachbarten Garenfeld hatte sich vor dem Schöffengericht in Hagen wegen Milchpantscherei zu verantworten. Derselben wurde zur Last gelegt, die von ihr in den Handel gebrachte Milch fortlaufend durch Wasser verdünnt zu haben. Sie übergab diese Milch täglich der Händlerin Witwe H. zu Garenfeld, die die Milch nach Westhofen zu ihrer Kundschaft brachte. Frau H. siel es auf, daß die Beschuldigte eine Zeit immer mehr lieferte. Weiter siel es aber auch gleichzeitig auf, daß die Milch immer„blauer“ wurde. Da auch in der Kundschaft klagen laut wurden, nahm die Polizei unvermutete Milchproben. Die Proben wurden dem Chemischen Untersuchungsamt in Dortmund zugeleitet, wo festgestellt wurde, daß die Milch bis zu 56 Prozent Wasser enthielt. Bis zu dieser Zeit lieserte die Witwe L. täglich ca. 30 Liter Milch an die Händlerin. Als die Polizei dann plötzlich Stallproben während des Melkens von der Milch nahm, war die Milch wieder einwandfrei. Es wurden auch keine 30 Liter sondern insgesamt nur 16 Liter täglich abgeliefert. Es war nur noch festzustellen, wer die Verwässerung der Milch vorgenommen hatte. Hierfür kam entweder die L. selbst, oder deren Dienstmädchen in Frage. Da letztere dieses eidlich bestritt, hielt das Gericht es als erwiesen, daß tatsächlich dil jählige Landwirtin L. selbst die Milchpantscherei vorgenommen hatte, was auch von vornherein angenommen worden war. Sie kann es ihrem hohen Alter verdanken, daß sie nur in eine Geldstrafe von 300 M, an deren Stelle im Nichtzahlungsfalle 30 Tage Gefängnis treten, genommen worden ist. Außerdem wurde ihr noch gestattet, den Betrag in monatlichen Raten von 50 Mark abzutragen. Hoffentlich wirkt die gerechte Bestrafung als ein wirksames Beispiel für„Nachahmer“. 1 Westhofen. Silberhochzeit. Am Montag, den 12. Mai feiern die Eheleute Dreher Wilhelm Schulz und Anna geb. Götte das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Dem allseits beliebten Paare auch unseren herzlichsten Glückwunsch. Möge sich das Silber dereinst in Gold verwandeln. Holzen. Einen schweren Unfall zog sich die Ehefrau Landwirt Elisabeth Kersting, Sommerberg 75 wohnhaft, zu. Sie hielt für kurze Zeit ein Pferd fest, welches plötzlich ausschlug und durchging. Von dem Schlage wurde die Verletzte am linken Oberarm getroffen, welcher zerschmettert wurde. Ebenfalls erlitt sie eine Quetschung der linken Brustseite. Frau K. ist 80 Jahre alt. Turnen, Spiel, Sport Fußball Platzweihe des S. C. Alemannia. In mühevoller Arbeit haben fleißige Hände den Platz der Alemannen zu dem gemacht, was er heute ist. Besonderer Dank gebührt dem Vereinswirt H. Schäfer, der in großzügiger Weise Mittel und Grundstück zur Verfügung stellte. Die Nordseite des Platzes hat ca. 20 Meter hinzubekommen und ist auch nach Süden erbreitert worden. Ein Liegezaun trennt die gesamte Sportanlage(das Spielfeld und die neuangelegte Laufbahn) von dem Stand der Zuschauer, es ist hier einem großen Uebel abgeholfen, denn früher stand das Publikum stets im Spielfeld. Heute soll nun diese verbesserte Anlage ihrer Bestimmung durch Fußballkämpfe übergeben werden. Um 16,30 Uhr stehen sich die beiden Jugendmannschaften im Vorrundenkampf der Werbewoche für Leibesübungen Union Schwerte— Geisecke gegenüber. Hier wird Union, diesjähr. Diplomsieger, gegen den nicht zu unterschützenden Letzteren einen knappen Sieg davontragen. Anschließend stehen sich die„Alten Herren“ von Alemannia und SSV. 06 gegenüber. Es ist schwer, den Sieger vorauszusagen, der Kampf verspricht der schönste des Tages zu werden. Anschließend erfolgt die Platzweihe durch die Vertreter der Kommunal= und Gaubehörde. Dann steigt der Kampf Alemannia 1.— Hagen 72(Res.) Es ist bekannt, daß die Hagen 72er einen guten Fußball spielen, aber die Hiesigen sind auch nicht zu unterschätzen, das beweisen die letzten guten Ergebnisse, daß sie augenblicklich im Fußball wieder auf der Höhe sind. Die bekannten Sp. u. Sp.ler aus Hörde konnten sie im letzten Spiel mit hoher Niederlage nach Hause schicken. Keiner sollte versäumen, diese Veranstaltung zu besuchen. Eine anschließende Feier im Vereinsheim ist mit der Platzweihe verbunden, zu der die Mitglieder, Freunde und Gönner des Vereins nochmals herzlich eingeladen sind. Pferdesport Schwerte wird Turnierstadt. Am 17. nd 18. Mai findet auf dem neu hergerichteten und ganz in Sand gebetteten Turnierplatz am„Freischütz“ ein großes Turnier des Ruhr=Lenne=Reiterverbandes e. V. statt. Die Tribüne, die 600 Personen Sitzgelegenheiten bietet, ist fertiggestellt, ebenfalls die Stallungen für 50 Pferde mit den nötigen Nebenräumen unter der Tribüne. Zahlreiche Nennungen für dieses Turnier sind bereits eingegangen. Außer den ländlichen Reitern aus dem Bezirk Ruhr=Lenne, Dortmund und Hamm werden sich die städtischen Reitervereine Dortmund, Hagen und Elberfeld sowie die Schutzpolizei Dortmund und vor allem die Kavallerie=Rcitschule Hannover beteiligen. Es sind folgende Prüfungen vorgesehen: 1. Materialsprüsung für 3—6jähr. Reitpferde (21 Nennungen); 2. Dressur=Prüfung für Reitpferde Kl. A. (16 Nennungen); 3. Dressur=Prüsung für Reitpferde Kl. I. (5 Nennungen); 4. Jagdspringen Kl. A.(17 Nennungen); 5. Dressur=Prüsung für Reitpferde Kl. A. (26 Nennungen); 6. Jagdspringen Kl. A.(22 Nennungen); 7. Eignungs=Prüfung für Reitpferde(m. M.) (18 Nennungen); 8. Zwei=Pferde=Springen; 9. Geländeritt(12 Nennungen); 10. Eignungs=Prüfung für Reitpferde(m. M.) 12 Nennungen); 11. Dressur=Prüfung für Reitpferde Kl. I.. (8 Nennungen); 12. Eignungsprüsung für Wagenpferde(m. M.) Einspänner(14 Nennungen); 13. Dressur=Prüfung für Reitpferde Kl. A. (5 Nennungen); 14. Dressur=Prüfung für Reitpferde Kl. I., (14 Nennungen); 15. Eignungs=Prüfung für Wagenpferde(Zweispänner)(5 Nennungen); 16. Dressur=Prüfung für Reitpferde Kl. M. (6 Nennungen); 17. Paarspringen; 18. Materials=Prüfung für Reitpferde (7 Nennungen); 19. Jagdspringen Kl. L.(20 Nennungen); 20. Dreierklasse(27 Nennungen); 21. Jagdspringen Kl. M.(6 Nennungen). Wir kommen auf diese bedeutsame Veranstaltung noch näher zurück. Das augenblicklich in den„Lichtspielen zur Reichskrone“ gezeigte Filmprogramm schließt sich seinen Vorgängern hinsichtlich Qualität würdig an. Die Geschichte einer großen Liebe mit Wilhelm Dieterle und Lien Deyers in den Hauptrollen des Films„Ichlebe für Dich“ konnte nicht herrlicher wiedergegeben werden. Hier werden alle Register einer künstlerischen und vollendeten Darstellung gezogen. Die Handlung in ihrer Einfachheit und doch Belebtheit muß jeden Zuschauer fesseln, sie ist von starker Anziehungskraft und enthält geradezu prächtige Szenen.— Eddie Polo, ein hier nicht unbeliebter Filmdarsteller, ist der rechte Mann für die in dem Sensationsfilm„Geheimpolizisten" vorgesehene Hauptrolle. Spannung und nochmals Spannung ist es, die vom ersten bis zum letzten Bilde anhält und sich steigert. Wochenschau und Lustspiel sind willkommene Beifilme. Man sollte es nicht versäumen, die Lichtspiele zur Reichskrone mit seinem Besuch zu beehren, zumal wenn ein solch großes Programm gezeigt wird. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Wo 0 im Hause ist, herrscht funkeinde, blitzende Pracht — der wohlige Zauber gepflegter Sauberkeit! Alle Geschirre und Geräte in Küche und Haus— ob aus Porzellan, Glas, Kristall, Steingut, Holz, Marnor, Stein— spielend rasch macht sie 00 hochglänzend und appetitlich rein. Wie neu sehen alle Sachen wieder aus! G duldet keine Verunreinigungen! Zähester Schmutz, härteste Verkrustungen— Fett, Ol, Sauce, Schmiere— sie müssen O weichen. Es hat erstaunliche Energien! Wagen Sie einmal einen Versuch. OD wird durch wunderbare Leistungen rasch Ihr Herz gewinnen. Millionen von Hausfrauen erfreut AAAT schon WHHE WH Mee Aumg Mehr Glanz in Hüche und Kaus! Jede Veränderung, die in der Welt vor geht, ist eine Wirkung von Ursachen; diese sind wiederum Wirkungen anderer Ursachen, die in unendlicher, ununterbrochener Verkettung auf frühere beruhen.. Jeder Vorgang in der Welt ist mithin die unausbleibliche Folge der Gesamtheit aller vorangehenden Bedingungen. Wenn daher auch nur eine dieser Bedingungen gefehlt hätte oder eine anders gewesen wäre, so hätte auch der Erfolg anders ausfallen müssen. Es könne also, so schließt man, keinen Zufall geben, weil es nichts Ursachloses gibt. Wenn wir vom„Zufall“ reden, so kennzeichnen wir nur die Unzulänglichkeit und die Schranken unseres Willens. Zufällig nennen wir also nur Vorgänge, deren Ursachen uns unbekannt sind. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts setzte ein unvergleichlicher SiegesJe ungünstiger die allgemeine Lage ist, desto mehr Zulauf finden die Lotterien. Die Statistik der Loskäufe spiegelt getreulich wieder, wie stark in solchen Zeiten die Hoffnung auf einen glücklichen„Zutall“ wächst, ein Begriff, der im Wörterbuch des Mathematikers völlig fehlt, in unserem Leben aber keine geringe Rolle spielt. Glaube, daß gewisse Gegenden von der Glücksgöttin der Lotterie bevorzugt werden. Es gibt auch Menschen, die sich oft ihr Leben lang einbilden,„Pechvögel“ zu sein. Es ist hier nicht der Ort auseinanderzusetzen, wie oft Pech mit UntüchtigEin beglückender Craum: Das Große Los. Nach einer in den siebziger Jahren weitverbreiteten Lithographie.) zug der Naturwissenschaften ein. Ihre kühnsten und erfolgreichsten Vertreter suchten alle Vorgänge auf eine Mechanik der Atome zurückzuführen. Da bemühte sich einer ihrer größten, der geistreiche Berliner Physiologe Emil du Bois=Reymond, die überschäumende Siegeszuversicht ein wenig einzudämmen und„die Grenzen des Naturerkennens“, festzustellen. Er knüpfte an einen Ausspruch des großen Astronomen Laplace an. Dieser französische Forscher lehrte, daß ein Geist, der für einen gegebenen sehr kleinen Zeitabschnitt die Lage und Bewegung eines Atoms im Universum wüßte, auch imstande sein müßte nach den Regeln der Mechanik die ganze Vergangenheit und Zukunft abzuleiten. Er könnte— so meinte du Bois=Reymond, weiter— durch geeignete Auslegung seiner Weltformel uns sagen, wer die„Eiserne Maske“ war, oder wer Caspar Hauser. Wie der Astronom den Tag vorhersagt, an dem nach Jahren ein Komet aus den Tiefen des Weltraumes am Himmelsgewölbe wieder auftaucht, so läse jener Geist in seiner Gleichung den Tag, da das griechische Kreuz von der Sophien=Moschee in Konstantinopel blitzen oder da England seine letzte Steinkohle verbrennen wird. Setzte er in der Weltformel die mathematische Größe für die Zeit gleich minus unendlich, ginge er also in die älteste Vorzeit zurück, so enthüllte sich ihm der rätselhafte Urzustand der Dinge. Er sähe in unendlichem Raume die Materie entweder bewegt oder ungleich verteilt. Ließe er die mathematische Größe für die Zeit in positivem Sinne wachsen, so erführe er, ob dem Weltall erst nach unendlicher oder schon nach endlicher Zeit ein eisiger Stillstand droht. Man sieht, dieser glückliche Besitzer der Laplaceschen Weltformel würde— nach du Bois=Reymond— alle rückwärts= und vorwärtsschauenden Propheten weit in den Schatten stellen. Aber dieser gewaltige, von Laplace gedachte Geist müßte an zwei Stellen Halt machen. Wir sind— so führte der Berliner Gelehrte aus— nicht imstande, die Atome zu begii#n und vermögen nicht aus ihnen und ihrer Bewegung auch nur die geringste Erscheinung des Bewußtseins zu erklären. Aber vielleicht müßte sich dieser Geist noch mehr Einschränkung gefallen lassen. Würde er wirklich die geschichtlichen Erscheinungen mit seiner Weltformel ermitteln und die Zusammenhänge menschlicher Handlungen entwirren können? Man kann das unbedingt verneinen, ohne die Gesetzmäßigkeit der menschlichen Handlungen zu leugnen. Ja, diese Gesetzmäßigkeit geht viel weiter, als man gewöhnlich denkt. Der Vertreter der Statistik an der Berliner Universität in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts Meitzen, ein unterhaltsamer Professor,— es gibt auch diese Spezies, ohne daß ihre tiefe Wissenschaftlichkeit darunter leidet— pflegte sein Kolleg über Statistik damit zu eröffnen, daß er an die Tafel eine schematische Zeichnung heftete. Hier waren Kurven gezeichnet aus denen man den Stand der Getreidepreise, der Eheschließungen und Geburten in den verschiedenen Jahren ersehen konnte. Es zeigte sich, daß mit sinkenden Getreidepreisen die Zahl der Eheschließungen im gleichen Jahre stieg, die Zahl der Geburten im nächsten Jahre zunahm. Ja sogar soziologische Erscheinungen, bei denen man noch weniger an innere Gesetzmäßigkeiten denkt, zeigen oft überraschende Regelmäßigkeiten. Nicht nur die Zahl der Selbstmorde, auch die zu ihrer Ausführung gewählten Mittel, die Verteilungauf die einzelMonate scheinen einem unerbittlichen Gesetz zu folgen. Man muß nur die Beobachtungen über längere Zeiträume und größere Bezirke ausdehnen. Was soll man nun erst dazu sagen, daß die Post trotz der Mahnung an den Briefkästen„Bitte die Aufschrift nicht vergessen“ alljährlich fast die gleiche Zahl solcher Vergeßlichkeiten feststellen muß. Daß auch die Sterblichkeit gewissen Gesetzen gehorcht, das wissen die Versicherungs=Gesellschaften ganz genau. So scheint, je mehr wir die Ergebnisse der Statistik betrachten und in ihrer Ausbeutung behutsam vorgehen, auch in den sogenannten menschlichen Handlungen das Reich des Zufalls immer mehr eingeengt zu werden. Die Mathematiker haben eine besondere Rechnungsart ausgebildet, die sogenannte Wahrscheinlichkeitsrechnung, die feststellen soll, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, daß ein bestimmtes Ereignis eintritt. Wenn sich in einer Urne eine Million Kugeln befindet, und ich greife hinein, um eine herauszuziehen so ist die Wahrscheinlichkeit für jede bestimmte einzelne Kugel, gezogen zu werden, nur ein sein gebracht. Dieser hatte dem Philosophen des Pessimismus ein Los eingesandt mit der Bemerkung, daß es „sicher“ mit einem Gewinn herauskommen werde. Er bat selbstverständlich um die Übersendung des Lospreises. Schopenhauer schrieb, er möge diesen von dem so sicher in Aussicht gestellten Gewinn in Abzug bringen. Inzwischen fand die Ziehung statt, und siehe da, das Los, für das Schopenhauer keine Zahlung geleistet hatte, kam mit einem stattlichen Treffer heraus. Der Philosoph strich den Gewinn ein, und der Lotterie=Kollekteur rief vergeblich die Gerichte an, da sein Schweigen auf Schopenhauers Brief als Einverständnis mit dessen Vorschlag ausgelegt wurde. Seitdem sind die Losverkäufer etwas gewitzter geworden. Hat einer von ihnen das Glück, daß einer seiner Kunden mit einem ansehnlichen Gewinn, wenn nicht gar mit dem„Großen Los“ herauskommt, so pflegt ihm das erfahrungsgemäß einen sehr großen Zulauf zu verschaffen. Wo das Glück einkehrt, läßt es sich häuslich nieder— so glauben wenigstens viele. Logisch könnte man ganz entgegengesetzt folgern. Man könnte sagen, da dieser Losverkäufer diesmal vom Schicksal begünstigt worden ist, spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß er die nächsten Male leer ausgehen wird. Solche Logik wird aber durch die Tatsache nicht selten Lügen gestraft, denn es hat sich schon manchmal ereignet, daß der gleiche Losverkäufer mehrmals hintereinander die größten Gewinne verteilen konnte. So fiel in ein= und dieselbe Breslauer Kollekte der Preußischen Staatslotterie zweimal hintereinander das Große Los und ein drittes Mal in dieselbe Kollekte die Prämie. Viele glauben, daß bestimmte Nummern, so die von 1 bis 100, nur selten mit großen Gewinnen herauskommen. Aber man darf nicht vergessen, daß fast alle Lotterien Hunderttausende von Losen haben, von denen die Nummern 1 bis 100 nur einen verschwindenden Bruchteil bilden. Beobachtet man die Ziehungslisten während eines längeren Zeitraumes und vergleicht man die Resultate, so findet man, daß diese kleinen Nummern im Verhältnis zu ihrer Zahl ebenso oft gezogen werden wie die großen Nummern. Im Gegensatz Drei berühmte Freunde der Lotterie: Schopenhauer, Kant und Lessing. keit verwechselt wird oder andere entscheidende Ursachen mitwirken. Daß es keine „geborenen Pechvögel“ gibt, mag folgendes Beispiel veranschaulichen: Nehmen wir an, ein Wohltäter der Menschheit käme auf den Gedanken, alle Pechvögel der Erde zu versammeln und deren Zahl betrüge mehrere Hunderttausend. Nun würden sie in zwei Gruppen geteilt, die gegeneinander zu würfele hätten. Die Verlierenden scheiden aus, die Gewinnenden wverden erneut in zw. Gruppen geteilt usw. Schließlich müßre auf diese Weise ein Sieger übrigbleiben, der also das unerhörte Glück hätte, in sämtlichen Spielen gewonnen zu haben. Würde er nicht von Stunde an glauben, ein „geborener Glückspilz“ zu sein? Wie bereits einleitend bemerkt, wächst in Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs die Beteiligung an allen Lotterien sehr erheblich. So stieg die Zahl der Losabnehmer nie mehr als kurz nach dem Kriege. Es sind auch nicht die reichen Leute, die die Hauptabnehmer sind. Sechzig Prozent von ihnen werden, wie statistisch nachgewiesen, von sogenannten„kleinen Leuten“ gespielt. Soll man nun dem Einzelnen abraten, Lotterie zu spielen? Wenn er sich vom Lotterieteufel beherrschen läßt und in bescheidenen Grenzen sein Glück versucht, wird sich wohl im allgemeinen nichts dagegen einwenden lassen. Denn Hoffnung und Vorfreude haben auch ihren Wert. Hat doch kein Geringerer als Kant für das Lotteriespiel wohlwollendes Verständnis gehabt. Und Lessing erinnerte noch auf dem Totenbett seine Frau an die Erneuerung der Lose... Reinhold Ruediger. Wenn man alle„Dechvögel“ würfeln ließe, fände sich auch unter ihnen ein ausgesprochener„Glückspilz“. Millionstel; und doch wird nur eine, und zwar eine bestimmte einzelne, mit Notwendigkeit gezogen werden. Der Wahrscheinlichkeitsbruch bedeutet hier gar nichts als den Grad unserer subjektiven Ungewißheit über das, was geschehen wird. Ganz ungewiß für uns ist das Ziehungsergebnis der Lotterie. Sehr witzig hat das der Philosoph Schopenhauer einem Hamburger Lotteriekollekteur zu dessen schmerzendem Bewußtdazu erfreuen sich gewisse Zahlen einer besonderen Bevorzugung, nämlich solche, in denen eine 7 oder 13 vorkommen, ferner 33 und 77. Das wissen auch alle Losverkäufer und Losdirektionen aus eigener Erfahrung. Selbstverständlich wäre es völlig verfehlt, wollte man sich auf Grund von Ziehungsergebnissen eine besondere Liste von Glücksnummern anlegen. Dennoch hat es oft Käuze gegeben, die solche „Systeme“ für unfehlbar hielten. Sie verpulverten ihr Geld und landeten nicht selten im Irrenhaus. Ebenso unberechtigt ist der Aufschrift und Parke K. nicht vergessen! Der Zufall läßt sich nicht beeinflussen! Crotzdem die Deutsche Reichspost vor einiger Seit an ihren Briefkästen Cafeln anbringen ließ, die vor Vergeßlichkeit warnen, hat sich die Sahl derjenigen, die„zusähllig“ Briefe ohne Anschrift oder Marks aufgeben, nicht im geringsten vermindert. Nr. 109(Drittes Blatt) SSchioih im K Samstag, 10. Mai 1930 0 * S•5.4 MEEISSagtisger v,.... L.un#stchant Aubeginn der Weltgeschichte gee Tegteiöchar #oh Moorhur Wieder einmal begeht am morgigen Sonntag, den 11. Mai, das deutsche seinen Muttertag, jene, Stunden, die angefüllt sein sollen mit herzlicher Liebe und Zuneigung gegenüber den deutschen Frauen und Müttern, die für alle Zeiten einen Ehrenplatz erhalten sollten. Viel ist schon über den Muttertag gesagt und geschrieben worden, so daß es sich eigentlich erübrigt, noch in Einzelheiten auf seinen Zweck und seine Bedeutung näher einzugehen. Dennoch müssen und wollen wir immer wieder dankbar anerkennen, daß mit der Festlegung eines besonderen Muttertages einem dringenden Wunsche s. Zt. Rechnung getragen wurde, der nicht länger hätte unerfüllt bleiben dürfen und weiter, daß mit diesen den Müttern feierlich gewidmeten Stunden ein heiligstes Ideal des deutschen Volkstums ins hellste Licht gerückt wird. Deutscher Muttertag! Millionen von treuen und empfindenden Herzen halten sich dir geöffnet, damit dein herrliches Licht hineinleuchte und alles licht und klar mache, daß ein neues seelisches Auferstehen alle die erleben möchten, denen dieser Tag in erhöhtem Maße angeht und die jetzt für eine Sache mit Wegbereiter sein wollen, die zu den pflichtverlangendsten in unserem Volke gehört. Am deutschen Muttertag mögen alle Härten sich mildern und alle trennenden Schranken fallen, die sich zwischen die Familieneinheit—, um allgemein zu sprechen—, gestellt haben. Alles Belastende und Abstoßende, alle Bitternisse und Unzufriedenheiten sollten einer besseren Einsicht weitesten Raum geben und Charaktereigenschaften wachrufen, die zu den edelsten in einer Nation zu zählen sind. Es ist ein Ehrentag, der deutschen Mutter gewidmet, den wir morgen begehen wollen und es sind Stunden, die uns zur Mutter zurückführen, zum Born der Liebe und des Lebens. Könnte es etwas Gesegneteres geben, als Halt zu machen auf dem breiten Wege unseres ErdenFilgerns und zurückschauen zu den Plätzen, wo der Mütter Gebete um uns, um der Kinder willen, stündlich sich erneuern, und wo sie uns, ob leid oder freudvoll, immer wieder erwartet? Als im Weltkriege die Blüte der deutschen Jugend unter der Sense des Todes dahinsank und deutsche Kraft und Größe nur noch ein Trümmerhaufen zu sein schien, da war es wohl jedem Denkenden klar, daß ein Wiederaufstieg nur aus der Familie gewonnen werden müsse, und daß die Mütter Deutschlands Hoffnung tragen. Wie sagt uns doch der Dichter: Und Frauen tun uns not, die tief im Wesen steh'n der schönen, reinen, deutschen Fraulichkeit, die wie die Königinnen geh'n, fern dem Getändel und der niedern Zeit. „Die tief im Wesen steh'n“, solche Frauen tun uns not. Oder wie Bismarck einmal sagte: „Eine Frau, die ihren Kinderwagen vor sich herschiebt, hat das Recht, zum Sieger von Sedan oder zum Dichter des„Faust“ zu sagen:„Bitte, gehen Sie mir aus dem Wege!" Treffender und drastischer kann wohl die hohe und heilige Aufgabe der Mutter und die daraus entstehende Pflicht, sie zu ehren, nicht mehr gegeben werden. Der Weltkrieg und seine ihm folgenden unheilvollen Auswirkungen haben leider auch die Urund Keimzelle aller Kultur anzutasten versucht, die den Baustein eines Volkes darstellt. Verfallserscheinungen der Gegenwart, ein Schwinden der Ehrfurcht vor den Aelteren haben das Ihre hinzugetan, um alte, angestammte Kulturgüter zu zerstören und zu zerschlagen. Wenn auch hier und da manche Bresche in dieser Hinsicht geschaffen werden konnte, so hatte man aber doch nicht mit weitesten Volksschichten gerechnet, die sich mit allem Nachdruck gegen ein solches Beginnen zur Wehr setzten und denen es durch engsten Zusammenschluß aller Gleichgesinnten im Laufe der Jahre gelang, das wieder aufzurichten, was pietätlose Elemente seelisch vergifteten. Darum auch heute deutscher Muttertag, der uns in jedem Jahre wieder daran mahnen soll, der Mutter jenen Platz einzuräumen und zu sichern, der ihr von Anveginn der Weltgeschichte gehörte. „Die wie die Königinnen geh'n“ seien unsere Mütter, jetzt und für alle Zeiten. Das wollen wir am morgigen Muttertag wieder im Gelöbnis erneuern, durch das Wort und die bessere Tat. In Liebe und Dankbarkeit nähern wir uns dem Mutterherzen, das uns noch nie verschlossen blieb, nähern uns in treuer Ergebenheit jener gütigen Frau, die unseren Lebensweg so heiter und froh machen möchte, die unser Tun und Handeln lenken will in reine und edle Bahnen. Laßt uns darum den deutschen Muttertag einmütig und geschlossen begehen, denn er ist es wert, daß er weitgehendste Beachtung findet und einen Feiertag darstellt, der vom ganzen deutschen Volke freudig bejaht wird. Der Ehrentag der deutschen Mutter sei uns mit leuchtenden Buchstaben in die Seele geschrieben. Hans=Eberhard Lex. Wer möchte nicht am Muttertag Der Mutter kindlich danken, Die sich geopfert für das Wohl Der Kinder, ohne Schranken. Sie steht als erste morgens auf Und legt zuletzt sich nieder. Hat keine Zeit, um müd' zu sein, Wenn auch schon steif die Glieder. Der Kinder Bitten sie erfüllt, Wenn es sich nur läßt machen. Für alles sie Verständnis hat, Sei's Schmerz, sei's Kinderlachen. Verzeiht gern allen Uebermut, Und wenn ein Kind gefallen, Dann flüchtet es an's Mutterheiz, Hier findet's Trost vor allen. Wenn's Mütterlein gestorben ist, Dann geh' zu seinem Grabe Und pflanz Vergißmeinnicht darauf, Am Muttertag, als Gabe. Und spende gern dein Scherflein heut' Als Opfer, nach Vermögen. Die Schwerter Mütter danken's dir. Und Gott lohnt dich mit Segen. Alb. Knülle, Schwerte. Wues diesteireueln Tösthuln von Gerhard Steinhauer=Oberhausen. Ueber den aufgeweichten Feldweg kommt sie mir entgegen. Es ist ein kleines Bündel, das sie heute im Walde vor der Stadt gesammelt hat; ist halt auch keine Jahreszeit für reiche Fallholzernte. Aber die Jahre verdoppelten die Gewichte, es drückt schon schwer genug. Die Alte ist zu müde und zu schwach, die Pfützen zu umgehen. Ihre Schuhe stapfen durch Wasser und Lehm, so daß sich ein breiter Grad Schlamm an ihren Spitzen aufwirft. Jetzt kann ich ihr ins Gesicht sehen. Es ist von tausend Runzeln durchfurcht. Um die Augen sind viele kleine Fältchen strahlenförmig versammelt wie bei Müttern, wenn sie alle ihre Güte und Liebe in ihren Augen vereinigen und ihre Kinder anlächeln. Aber diese alten Augen mit ihrem Faltenkranz lächeln nicht mehr; sie sehen mit verschwommenen Pupillen ins Grenzenlose. Nur die Geste des Lächelns blieb und erstarrte, wie wenn plötzlich die Seele, die Liebe getötet worden sei. Sie muß vor vielen Jahren Furchtbares erlebt haben. Vielleicht ist ihr Kind, das sie lange aus der Fremde erwartet und dem sie nun endlich Arme und Lächeln entgegenstreckte, fremd an ihr vorüber gegangen. Denn so sieht es aus: wie ein stehengebliebenes, gelähmtes Lächeln. Der Anblick der alten Frau tut mir weh, daß ich es körperlich empfinde. Ich möchte ihr etwas Gutes tun, ihr die Last abnehnen und ein Stück Weges tragen. Nun ist sie neben mir. Aber sie sieht mich nicht an, sie sieht so weit, in eine trübe, uferlose Ferne. Und ich wage nicht, sie anzureden. Jetzt ist sie vorbei gegangen. Sie wird denselben Weg noch einige Jahre gehen, immer mühsamer, bis sie schließlich zu Hause bleiben und sich für immer schlafen legen wird. Ich bin noch einmal vor die Stadt gegangen. Ich wollte ihr einen„guten Tag“ wünschen und, wenn sie den Gruß hörte, ihr das Holzbündel abnehmen; vielleicht erinnert sie sich dann an einen lieben Menschen, und der Fältchenkranz um ihre Augen wird noch einmal lebendig, noch einmal vielleicht würde sie lächeln. Aber ich habe sie nicht wieder gesehen. (11. Mai 1930.) Es gibt für ein Frauenherz keinen tieferen Schmerz, als zu sühlen, daß sich die erwachsenen Kinder langsam von ihrem Herzen abtrennen. Darum umfassen Großmütter mit oft blinder Liebe ihre Enkel. Denn das echte Weib kann nicht leben, ohne den Drang nach Liebe zu betätigen. Otto v. Leixner. * Eine gute Mutter ist das Meisterwerk der Natur. Gretry. * In der mütterlichen Liebe gab die Natur dem Weibe die Anlage zur höchsten Vortrefflichkeit. Franz Ehrenberg. * Der Duft des Moschus bleibt jahrelang in einem Zimmer, auch wenn der Stoff selbst lange entfernt ist. Es gibt Frauen, die ähnlich wirken: wer mit ihnen verkehrt hat, trägt das unauslöschliche Gedächtnis an Herzensreinheit und Seelengröße mit sich in das Leben hinaus, und noch in späteren Jahren, wenn er an der Menschheit verzweifeln möchte, wird der Duft jener Seele in ihm lebendig und gibt ihm neue Kraft. Otto v. Leixner. * Mutterhände— so weich sie betten— durchstoßen Wände, ein Kind zu retten! Otto Promber. * Ein Einziges auf Erden— nur ist schöner und besser als das Weib— das ist die Mutter. L. Scheser. * Vor vierzig Jahren, als ich Mutters Todestag habe erleben müssen, sang ich ihr ein heißes, fast wildes Schmerzenslied. Seither ist jeder Erinnerungstag sanfter geworden und friedlicher und fröhlicher, und heute ist sie mir keine Gestorbene mehr. Peter Rosegger. Arm war die Heimat, aber reich durch unerschöpfliche Mutterliebe.— Die Mutter war in ihrer Mutterfürsorge bei unseren ärmlichen Verhältnissen eine der stillen Heldinnen, auf denen, wie besonders auch jetzt in der schweren Zeit Deutschlands, in bewußt treuem Tun das Wohl des Landes beruht. Hans Thoma. * Das Mutterherz ist der schönste und unverlierbarste Platz des Sohnes, selbst wenn er schon graue Haare trägt— und jeder hat im ganzen Weltall nur ein solches Herz. Adalbert Stifter. * Keine Weisheit, die auf Erden gelohnt werden kann, kann uns das geben, was ein Wort und ein Blick der Mutter gibt. Wilh. Raabe. Von Prof. Dr. Franz Häußler. icherlich ist kein anderes Wort so reich empfindungsdurchträncht, so elebnisvoll wahr wie das Wort Mutter— jedes Kinderstammeln, jedes Notgebet Erwachsener beweist es uns. Denn nicht nur das, was der Einzelne an seiner Mutter erlebt, sondern alles, was die Generationen bis auf ihn an innigster Verbundenheit erlebt haben, hat sich in das eine Wort ergossen. Und doch, fragt man nun etwa einen, was es denn eigentlich sei, Mutter, der Begriff das Erlebnis, der Sinn— dann macht ihm nicht nur eine Erklärung, sondern schon ein einfaches Beispielweisen die größten Schwierigkeiten. Merkwürdigerweise deckt sich nämlich die Vorstellung des einzelnen in den seltensten Fällen mit dem wirklichen Bild seiner Mutter, weil wir sie alle verklärt erleben, in sie unser Mutterideal hineinsehen, sie zur Mutter schlechthin hinaufsteigern. Scheinbar ist die Idealbildung notwendig und allgemein, weil niemand sich ihr entziehen kann. Nach welchen Idolen aber geht die Verklärung vor sich? Forschen wir danach in unserem humanistischen Bildungsgange, so scheint die erste Figur, die— abgesehen von gewissen Gestalten der griechischen Mythologie— uns vor allem als Mutter vorgestellt wird, eine Römerin die erste Frau, die überhaupt nicht unter dem Namen ihres Gatten, sondern eben unter dem Titel Mutter in die Geschichte und das Heroenmuseum des Abendlandes eingegangen ist: nämlich die Mutter der beiden Gracchen, Cornelia, die, mit einem Führer der Plebs verheiratet, diesen ihren Gatten früh verlor und sich von nun an ausschließlich der Erziehung ihrer Kinder widmete. Im allgemeinen war das für eine Frau ihres Volkes und ihrer Zeit freilich eine besondere Leistung. Bei Cornelia als einer Angehörigen des Scipionen= hauses ergab es sich als Selbstverständlichkeit. Scipio der Aeltere war ja einer der Bahnbrecher gewesen, der griechischem Wissen und griechischer Pädagogik in Rom die Wege geebnet hatte. So mochte Cornelia als höchst gebildete Frau des damaligen Rom überhaupt ihren Söhnen leicht eine unerhörte Summe von Wissen und entsprechend reich fundierte Grundsätze zu übermitteln. Ob die Taten der beiden Gracchen— reformatorische Bestrebungen sozialistischer Tendenz, aber auch mit deutlichen Diktaturgelüsten— diese Erziehung als richtig erwiesen haben, muß natürlich dem römischen Volke zur Beantwortung überlassen werden, und dieses hat die Frage ohne Zaudern bejaht, indem es das Verdienst der Mutter zuschrieb. Eine damenhafte und doch heroische Mütterlichkeit wird hier zum Ideale erhoben, die auf Salon und Nationalismus zugleich eingestellt, nicht ganz leicht nachzufühlen, aber jedenfalls Jahrhunderte lang Beispiel geblieben ist. Im engeren germanischen Entwicklungskreis finden wir nicht so früh eine ausgesprochene Muttergestaltung, schon gar kein Mutterideal, man wollte denn vielleicht jene heldische Suevin dafür gelten lassen, die ihr zartes Söhnchen eher tötete, bevor sie es in Römerhände fallen ließ. Es ist das auch bei aller bekannten Hochschätzung der Frau bei den Germanen nicht verwunderlich. Heldenzeit ist nicht Mutterzeit. Dazu braucht es verfeinerten Gefühls. So finden wir eine solche Gestaltung erst im höfischen Kreis des hohen Mittelalters, und zwar bezeichnender Weise in Deutschland— freilich noch nicht im Leben, sondern nur in literarischer Gestaltung: Es ist Herzeloyde, Parzivals Mutter. Vom Namen angefangen bis zur letzten Einzelheit ihres Geschicks hat Wolfram sie typisch gezeichnet. Nicht Frau, nicht Jungfrau ist sie, als sie Parzivals Vater kennen lernt. Kurz sind ihre jungen Brautfreuden— der Gatte fällt in fernen Landen—, nur eines bleibt, die uns längst selbstverständlich gewordene Ueberleitung des erotischen Erlebens zum Muttertum, das Kind, Parzival. Von Stund an gehört jeder ihrer Gedanken nur ihm, seinem teuren Leben, ihn zu schützen vor dem Verhängnis, das den geliebten Vater dahingerafft. Und ihr Schicksal ist notwendig, gerade in diesem Liebsten getroffen zu werden. Ihr Kind verläßt sie. Sterbend empfängt sie seinen letzten Kuß.— Die Tragik ist hier also aus dem Heroischen ins Intime, in das Mutterherz selbst hineinverlegt. Im weiteren dann wächst wohl langsam die Innigkeit der Muttervorstellung, sowie wir zum Wesentlicheren des Gefühls, um mit Goethe zu sprechen,„zu den Müttern“ hinuntergestiegen sind. Aber es kommt auf lange hinaus nicht zu einer allgemeinen Idealbildung, nicht im Leben und nicht in der Kunst. Erst Goethes Mutter kann in einem gewissen Sinne als solche angesprochen werden. Wieder Schicksale, die Mütterlichkeit zur höchsten Reife treiben. Sie hatte den Gatten zwar nicht verloren, aber ihn doch niemals ganz besessen: Der Altersunterschied war doch zu groß. Sie blieb ihm mehr das Kind. Es ergab sich für die junge Frau aber eine natürliche Richtung, in der sie Erfüllung sand: hin zu den Kindern. Freilich wurde es eine ganz andere Erziehung, als sie Cornelia oder Herzeloyde hätten geben mögen. Der Unterschied lag ja beinahe vollständig in den Händen des gestrengen Vaters. Es war mehr die Stimmung zu feiner Menschlichkeit und weltfroher Haltung, die„Frohnatur und Lust zu fabulieren", wie Goethe selbst es ausgesprochen, als ein bestimmter Inhalt. Seit diesem Bekenntnis und seit uns Bettina die seltene Harmonie dieser Mütterlichkeit in goldenen Farben gezeichnet hat, gewöhnte man sich daran, in ihr die Erfüllung zu sehen, obwohl der Einklang nicht im eigenen Wirken, sondern im längst losgelösten Werden des großen Sohnes lag. Und obwohl ihr eins fehlte, das notwendig zu unserer Muttervorstellung gehört, das Tragische. So ist es nicht zu verwundern, daß unsere letzte Idealverkörperung der Mutter— halb Leben, halb Kunst— gerade dieses Moment wieder auf das allerstärkste aufweist, dabei die Tragik nicht aus heroischem Schicksal, sondern aus ganzer bürgerlicher Bescheidenheit erwachsen läßt: die Mutter des Grünen Heinrich— die bekanntlich ja gerade in ihrem tragischen Ende nicht identisch ist mit der Mutter Gottfried Kellers. Es ist die Mutter, die still trägt und trägt, ohne zu fragen, die gibt und opfert, ohne bilden und fordern zu wollen, die nicht Probleme zu lösen weiß und doch zu trösten versteht, die nicht zweifelt und zagt, sondern ewig glaubt, die uns keine Helden zieht, aber Menschen, nicht stirbt an gebrochenem Herzen, sondern ihr Leid austrägt bis zum Ende. die Mutter bleibt ihr Lebtage, Mutter ohne Ende. Besuch auf Hohenasperg Skizze von Georg Wagener. 50. Wanberausstellung in Koln e Geflügelzucht auf der Wanderausstellung (27. Mai bis 1. Juni). Von Ludwigsburg zog sich der Weg hinauf zum Hohenasperg. Zwei junge Männer gingen ihn an einem Novembermorgen des Jahres 1781. Hoch ausgeschossen war der eine. Weiße Hosen umschlossen seine langen Beine, und die filzunterlegten Gamaschen verzerrten die natürliche L.. 2e zwischen Knie und Fuß zur Plumpheit. Die Schöße des dunkelblauen Rocks gen beim Gehen steif hin und her. Drei gerollte Locken drängten sich in militärischer Ebenmäßigkeit zu beiden Seiten des Gesichtes unter dem Hut hervor. Der lange Zopf baumelte über dem Rücken und vollendete im Verein mit der schwarzen steisen Roßhaarbinde die Uniform eines herzoglich württembergischen Regimentsmedikus. Doch die breite Stirn, die scharfgebogene Nase, die tiefliegenden dunkelgrauen Augen, über denen sich die rötlichen Brauen fast zu einem Strich verschmolzen, der ausdrucksvolle Mund und das starke Kinn verrieten Energie und Pathos, die beide gegen die steife Uniform und die Engstirnigkeit des repräsentierten Systems zu kämpfen schienen. Den anderen kannten die Ludwigsburger. Es war der jüngste Arzt der kleinen Residenz, Friedrich Wilhelm von Koven.„Was führt dich auf den Hohenasperg?“ fragte er den Kameraden.„Du sagst, dein Pate, der Festungskommandant Generalmajor Rieger wollte dich sehen, da er dich nur als Kind gekannt hat. Doch ich glaube nicht, daß der Wunsch dieses Mannes ollein genügt, um dich auf den Hohenasperg zu treiben. Dein Geist, der die Freiheit ersehnt und den Zwang so haßt, muß sich dagegen sträuben, die Stätte zu betreten, die uns als Hochburg unverständigen, despotischen Willens erscheint.“ Der Uniformierte warf einen Blick zur nahen Festung hinauf:„Du hast recht, Hoven. Der Wunsch des alten Rieger war nicht Grund genug. Doch er kam mir willkommen, denn er bietet mir Gelegenheit, einen Mann zu sehen, dem die Hand zu drücken schon immer mein Wunsch war, Schubart. Du weißt ja am besten was ich ihm verdanke, warst du es doch selbst, der mir das Heft des„Schwäbischen Magazins“ gab, worin ich Schubarts Aussatz zur Geschichte des menschlichen Herzens fand. Die einleitenden Worte zu seiner Erzählung klingen noch heute in mir wieder. Ich kenne sie auswendig: „Hier ist ein Geschichtchen, das sich mitten unter uns zutrug. Ich gebe es einem Genie preis, eine Komödie oder einen Noman daraus zu machen, wenn er nur nicht aus Zaghaftigkeit die Szene in Spanien oder Griechenland, sondern auf deutschem Grund und Boden eröffnet.“ Ich habe seine Mahnung beherzigt, und Ludwig Schubart, unser junger Kamerad von der Karlsschule, gab mir Aufklärung über Wesen und Art des Vaters, so daß ich den Mann dort oben auf dem Hohenasperg einen Freund nenneu kann, obwohl ich ihn kaum von Angesicht kenne."— Die jungen Aerzte standen vor dem Festungskommandanten. Der sah sein Patenkind von oben bis unten an. Dann meinte er mit der groben, gutmütigen Ehrlichkeit des alten Soldaten:„Na, Er sieht nicht übel aus, doch in die Breite gehen muß Er noch tüchtig, damit er in seine Uniform hineinpaßt. Aber jetzt zu etwas anderem! Ich will ihn zu Schubart führen, den er doch sehr gerne sehen wollte.“ Sie traten in das Zimmer des Gefangenen, der vor fünf Jahren auf württembergisches Gebiet gelockt und dort festgenommen worden war, weil er Kritik am Herzog zu üben gewagt hatte. Seitdem saß er ohne Prozeß auf dem Hohenasperg. Erwartungsvoll sah der Zweiundvierzigjährige den jungen Aerzten entgegen, denn selten unterbrach ein Besuch die Eintönigkeit seines Festungslebens. Die Gäste von heute waren ihm doppelt willkommen, hatte doch der General gesagt, sie seien Freunde des jungen Schiller. „Doktor Fischer", stellte der Festungskommandant den Langen im blauen Uniformrock vor.„Er kennt— so habe ich mir sagen lassen— persönlich den jungen Dichter, den Sie bewundern. Er kennt vor allem seine Komödie „Die Räuber“, denn beide haben die Köpfe zusammen gesteckt und manches Wort, manche Zeile mit einander besprochen.“ Der General runzelte einen Augenblick die Stirn, als er Hoven beim Namen Doktor Fischer erstaunt aufblicken sah.„Auch Herr von Hoven hier ist an dem Werk beteiligt, von dem die Leute erzählen, es sei wie ein Meteor am schwäbischen Himmel aufgeleuchtet. Ich freilich verstehe nicht viel davon. Doch lesen Sie den Herren die Kritik vor, die Sie über„Die Räuber“ geschrieben haben.“ Der Gefangene las. Ruhige Worte waren es erst. Doch rasch sprach begeisterte Anerkennung für den jungen Dichter aus Schubarts Zeilen, und das bleiche Gesicht Doktor Fischer rötete sich. Es schien die Genugtuung über das Verständnis zu sein, das der Gefangene dem Schauspiel seines Freundes widmete. Schweigend lauschten die beiden Aerzte. Doch der Generalmajor Rieger unterbrach den Vortrag:„Schubart, ich glaube Sie loben den Schiller zu sehr. Ich meine, es sei ein wenig rebellisch, was der herzoglich württembergische Regimentsmedikus da geschrieben hat!“ Der Gefangene fuhr auf:„Rebellisch? Sagen Sie nicht rebellisch, Herr General!Es ist nur der Schrei eines jungen, stürmischen Geistes, der Die Käsigausstellung, die je ein einzelnes Tier in engem Raum zeigt, ist auf den Wanderausstellungen der D. L. G. endgültig fallengelassen; hier ist nur Geflügel in ganzen Stämmen zugelassen, die je in besonderem Stall mit Auslauf untergebracht werden. Wenn die Beschickung dadurch naturgemäß auch etwas zurückging, so stellt sich diese Ausstellung als reine Nutzhuhn ausstellung dar, und zwar besonders in dem Teil, der die Leistungsstämme birgt, die vor der Ausstellung einige Monate lang einer amtlichen Prüfung auf Wettlegehösen unterzogen worden sind. Von diesen Leistungsstämmen sind 14 am Platze; hierzu kommen noch 23 andere Stämme. In beiden Abteilungen stehen Leghorns und Rhodeländer an der Spitze. Daneben zeigen sich Lachshühner, Plymouth Rocks und rebhuhnfarbige Italiener. das Unrecht nicht wortlos ertragen kann. Ich fühlte in ihm eine verwandte Seele, die aufschreien möchte wie ich, die sich wehrt gegen Knebelung und Zwang, die...“ Der Kommandant schnitt dem Erregten die Rede ab: „Schubart, besinnen Sie sich auf das, was ich Ihnen oft genug sagte. Sie können unserem Herzog danken, daß er Ihre Verworfenheit nicht strenger strafte.“ Peinvolles Schweigen lastete über den vier Menschen. Dem Regimentmedikus, den sie Doktor Fischer nannten, griff das Schicksal des Gefangenen ans Herz. Ein unsteter Geist, der sich nach Freiheit sehnte und Großes hätte vollbringen, wäre ihm das Schicksal günstiger gewesen und hätte er mehr Selbstzucht besessen, rang mit der niederdrückenden Zerknirschung, die lange Festungshaft und frömmelnde Strafreden des Kommandanten künstlich geschaffen hatten. Der junge Arzt wollte sprechen, die Hand des Gefangenen ergreifen. Doch Schubart wachte aus dem Grübeln, in das er versunken war, auf:„Sie mögen Recht haben, Herr General. Ich weiß, ich bin ein Sünder. Sie haben es mir im Auftrag des Herzogs oft genug gesagt. Und doch zieht es mich zu diesem Feuergeist hin, der aus meiner trockenen Erzählung ein Meisterwerk zu machen verstand, und eine glückliche Stunde würde ich erlelben, könnte ich den jungen Dichter persönlich sehen.“ Der alte Soldat lachte gutmütig:„Wenn das Ihr einziger Wunsch ist, so kann ich ihn sofort ersüllen. Hier steht er vor Ihnen, der Regimentsmedilus Schiller, alias Doktor Fischer.“ Dem Gefangenen schoß das Blut ins Gesicht. Er zögerte unschlüssig. Seine Augen hingen fragend am Gesicht des jungen Mannes im blauen Uniformrock:„Ist es möglich? Sie sind der Verfasser der„Räuber“! Sie? Der Regimentmedikus nickte stumm und bot dem Gefangenen die Hand, weil das Mitgefühl und die Dankbarkeit seines übervollen Herzens ihn dazu zwangen. Da fiel der politische Gefangene und Patriot Schubart, dem Dichter um den Hals und küßte ihn. Freudentränen glänzten in den Augen des bescheidenen Lehrers, der seinem unbekannten großen Schüler ins Gesicht sehen durfte, und selbst Rieger, der barsche Soldat, empfand die Weihe des Augenblicks. Das Jahr des Pferdes Fünfundzwanzigjähriges Jubiläum des Reichsverbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts. Der Reichsverband, die große Spitzenorganisation für die gesamte deutsche Zucht von Warmblutpferden und für jede Art der Verwendung dieser Pferde, tritt mit dem Jahre 1930 in das fünfundzwanzigste Jahr seines Bestehens. Er proklamiert sein Jubiläum als„Jahr des Pferdes" und will in dieser Jubiläumszeit durch eine ganze Reihe großangelegter Maßnahmen den Wert und die Bedeutung des Pferdes für die deutsche Wirtschaft besonders betonen, dem deutschen Pferde in allen Kreisen der Bevölkerung noch mehr Interesse und noch mehr Freunde erwerben. Es soll eine große Propaganda für das„Reiten alsVolkssport“ einsetzen. Die Tattersalls bezw. Reitinstitute sollen Reitkurse zu volkstümlichen Preisen veranstalten. Die Bildung weiterer städtischer Vereine, welche den Ankauf und die Haltung von Geeignete Geflügelstallungen, mit den neuesten Errungenschaften ausgestattet, sind in größerer Zahl angemeldet; aber auch Geräte und Hilfsmittel für den Geflügelzuchtbetrieb sind reichlich vertreten. Der Eierwettbewerb ist mit 35 Nummern, die besonders aus der Rheinprovinz, dann aber auch aus der Provinz Sachsen, Pommern, Bayern und Schlesien kommen, wiederum außerordentlich gut beschickt. Jede Nummer, die aus Stück besteht, ist mit Angaben über Rasse, Fütterung, Haltung und Auslauf der Hühner sowie über die Behandlung der Eier versehen. Ebenso ist der Legetag und das Eigewicht angegeben. Die Beurteilung erfolgt in rohem und weichgekochtem Zustande nach einem besonderen Punktverfahren. Pferden in eigene kaufmännische Regie übernehmen, soll mit besonderen Mitteln begünstigt werden, um das Reiten so billig wie nur möglich zu machen. Zur Beschaffung preiswerter, sofort gebrauchsfertiger Pferde richtet der Reichsverband an allen großen und kleinen Turnieren besondere Verkaufsmärkte für Pferde ein. An diesen Märkten soll das ganze verkaufsfertige Pferdematerial der Umgebung zusammenkommen, um Gelegenheit zu bieten, direkt aus Züchterhand zu kaufen. Um den Pferdeabsatz außerdem zu fördern, soll an einem besonders geeigneten Orte alljährlich die große deutsche Reitpferdeschau stattfinden, die als Gegenstück zu der weltberühmten Dubliner Pferdeschau dienen wird und ein neues Zentrum für den Weltmarkt werden soll.— Der Reichsverband schafft ein deutsches Reiterabzeichen in den drei Klassen: Bronze, Silber und Gold, dessen erste Klasse jeder erwerben kann, der die Pferdepflege, die Kenntnis des Pferdes und die ersten Grundlagen der Reiterei beherrscht. Die nächsten Klassen werden erhöhte Anforderungen stellen und die einzelne Reiterin, sowie den einzelnen Reiter anregen, sich mehr und mehr zu bilden und die Leistungen zu steigern. Man hofft durch dieses Abzeichen die große Gemeinde der Reiter mehr zusammenzuführen und einen zahlreichen Nachwuchs heranzubringen. Reiten soll durch besondere Maßnahmen auch, nachdem bereits auch ein schöner Anfang gemacht worden ist, bei den Kursen für Leibesübungen mehr eingeführt werden, wie auch für die höheren Schulen die Anregung zum Reiten auf dem Programm des Reichsverbandes steht. Der Reichsverband läßt für sein Jubiläumsjahr eine besondere„Jubiläumsplakette“ schlagen, die allen denen überreicht wird, welche sich im Interesse der Pferdezucht und Reiterei ausgezeichnet haben. Vor allem wird die Plakette bei den Prämiierungen des Reichsverbandes und bei den Turnieren als Ehrenpreis von besonderem Erinnerungswerte vergeben werden.— Der Reichsverband schreibt für sein Jubiläumsjahr einen großen„Jubiläums=Distanzritt“ und eine große Jubiläumsfahrt aus, um die Leistungsfähigkeit des deutschen Pferdes im schnellen Zurücklegen weiter Strecken zu beweisen. am Sonntag, 11. Mai Evangelische Gottesdienste. Große Kirche: Sonntag 9,30 Uhr Pastor Hagemann. 11 Uhr Kindergottesdienst. Kleine Kirche: Sonntag 8 Uhr Pastor Kleinemeyer. Ev. Krankenhaus: Sonntag 8,30 Uhr Pastor Hagemann. Geisecke=Lichtendorf: Sonntag 9,30 Uhr Pastor Kleinemeyer. Vereine und Versammlungen. Sonntag 8 Uhr Evangelischer Bund, Montag 8 Uhr Kirchenchor, Dienstag Gustav=AdolfFrauenverein, Donnerstag 8,15 Uhr Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Evangelischer Verein junger Männer. Sonntag 2 Uhr Jungschar, 4 Uhr Jugendabteilung, 8 Uhr Singabend, Dienstag 8 Uhr Turnen, Donnerstag 8,30 Uhr Posaunenchor, Freitag 8,30 Uhr Bibelbesprechstunde, Samstag 8 Uhr Unterhaltungsabend. Vereine der Frauenhülfe. Frauenhülfe Grüntal: Dienstag, den 13. Mai, 2,30 Uhr. Frauenhülfe II Stadtbezirk: Donnerstag 15. Mai, 3 Uhr. Frauenhülfe 1V. Stadtbezirk: Dienstag, 13. Mai, 2,30 Uhr. Evangelische Vereine junger Mädchen. a) Schwerte: Sonntag 6 Uhr Abt. 1 u. 2 (Jägerstraße). Dienstag 8 Uhr Abt 1. im Gemeindehause. Mittwoch 7,30 Uhr Abt. 2 im Gemeindehause. b) Schwerterheide: Sonntag 3 Uhr. d) Geisecke=Lichtendorf: Sonntag 2,30 Uhr. Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstalten. Mittwoch 5 Uhr Jüngere Abt. 6,30 Uhr Aeltere Abt. Mädchenbibelkreis. Dienstag 5 Uhr im Gemeindehaus. Evangl. Stadtmission Schwerte, Kuhstraße 7. Sonntag 8 Uhr früh Blaukreuzstunde. 11 Uhr Sonntagsschule. 4 Uhr Bibelstunde. 8 Uhr abends Jugendbund. Mittwoch 3 Uhr Missionsverein. 8,30 Uhr abends Gebetsstunde. Donnerstag 8,30 Uhr abends Gemischter Chor. Freitag 8 Uhr abends Blaukreuzverein. Katholische Gottesdienstordnung. 6 Uhr: Stille hl. Messe. Pfarrer Schnurbus. 7,30 Uhr: Frühmesse. Monatskommunion der Jünglinge und der schulpflichtigen Kommunikanten(Knaben). 8.45 Uhr: Schulmesse mit Predigt. Vikar Schleep. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2,30 Uhr: Maiandacht. An den Werktagen sind in der Pfarrkirche drei hl. Messen:— Uhr, 6,30 Uhr, 7,10 und 7,45 Uhr. Die Maiandacht ist an den Werktagen abends 7,30 Uhr. Geisecke. 7,15 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Vikar Winter. Westhofen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Holzen. Der Gottesdienst fällt aus. Lichtendorf. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jünglinge und Schulkinder. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2,30 Uhr: Mai=Andacht. Dienstag und Freitag 7,30 Uhr Mai=Andacht. Marianische Jünglings=Sodalität. Nach der Andacht fahren wir nach Hörde zur Teilnahme an der Bezirksdelegiertenkonferenz. Die Heimabende sind Freitags nach der Maiandacht. Was hören wir im Rundfunk? Sonntag, den 11. Mai 1930. 07,00: Morgenfeier. 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Neuenahr. 08,30: Esperanto. 09,00: Uebertragung des Glockengeläutes der Trinitatiskirche. 09,05: Evangelische Morgenfeier. 11,00:„Wert und Ehre deutscher Sprache.“ 11,30: Meister ihres Fachs. Richard Tauber singt(Schallplatten). 12,05: Lebende Dichter. 12,30: Aus dem Saal des Lutherhaufes, Düsseldorf: Orgelstunde. 13,00: Mittagskonzert. 14,50: Deutsche Einheitskurzschrift 15,15: Die Zeit im Buch. 15,45:„Von der Bedeutung der Landwirtschaft“ 16,05:„Mütter großer Söhne.“ 16,30: Uebertragung aus Stuttgart: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 17,30: Heiteres am Nachmittag. 18,00: Menschen im Beruf. 18,30: Eine Stunde Kurzweil. 19,30: Der rheinische Lebensraum. 19,50: Sportvorbericht. 20,00:„Hoheit tanzt Walzer.“ Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Montag, den 12. Mai 1930. 07,00: Wettervorhersage. 07,05: Morgenkonzert(Schallplatten). 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Bertrich. 10,15: Schallplattenkonzert 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 16,05: Ungedruckte Dichter. 16,25: Frauenstunde. 16,45: Jugendfunk. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Elternstunde. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Spanische Unterhaltung. 19,40: Technik für alle. 20,00: Abendmusik. 20,30: Drauß' ist alles so prächtig. Abendfeier im Mai. 21,30: Tanz um den Maienbaum. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Konzert aus dem Cafe Wien am Ring. Arstliche Beiträge für Mensch und Hausriel: K Gewiß ist Keuchhusten ansteckend und verschont kein Alter. Wer ihn in seiner Kindheit nicht durchgemacht hat, kann jedoch in späteren Jahren von ihm befallen werden. Der Erwachsene wird noch mehr darunter zu leiden haben als das Kind, da ihm die nicht unterdrückbaren Hustenanfälle in der Gesellschaft höchst lästig und unangenehm sind. Hauptsächlich tritt diese Krankheit bei Kindern in der Zeit zwischen der ersten und zweiten Zahnung auf und äußert sich in starkem anhaltenden Husten, verbunden mit Brechreiz und Erstickungsanfällen. Zur Vermeidung der Uebertragung empfiehlt es sich, die erkrankten Kinder, die im schulpflichtigen Alter aus der Schule fernzuhalten sind, bei gutem Wetter möglichst viel im Freien zu lassen, da die Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen weit größer ist. Luft und Sonne sind die wichtigsten Hilfsmittel gegen diese Krankheit. Daneben trägt aber der Wille sehr viel zur Behebung des Leidens bei. Man soll das Kind nicht hemmungslos husten lassen, sondern es dazu anhalten, den Husten zu unterdrücken. Um dieses zu erreichen, muß eine seelische Einwirkung auf das Kind erfolgen. Wenn ein krankes Kind bei Hustenanfällen sehr bemitleidet wird, so besteht die Gefahr, daß dadurch der Geltungstrieb des Kindes genährt wird, und das Kind sich durch den Hustenanfall in den Mittelpunkt der Betrachtung versetzen will.. 446 dur: S# Eine weitere Gefahr besteht darin, daß wurch vas hemmungslose Husten eine gewisse Gewöhnung eintritt, die dann bei geringfügigen Hustenreizen auch nach überstandener Krankheit keuchhustenartige Hustenanfälle hervorruft. Man lasse daher sein Mitleid die Kinder nicht merken, vielmehr veranlasse man sie, wenn nicht anders, durch scharfe Zurechtweisung, gegen den Husten anzukämpfen. Neben diesen psychischen Maßnahmen dürfen die anderen nicht vernachlässigt werden. Heiße Bäder(ungefähr 38 Grad) von 10—15 Minuten Dauer sind sehr zu empfehlen. Sie werden in leichteren Fällen einmal, in schwereren zweimal täglich gegeben. Man muß immer darauf achten, den Kopf des kranken Kindes kühl zu halten. Die Bäder bewirken eine wesentliche Abkürzung der Krankheitsdauer. Sehr gut haben sich die Bäder bewährt, denen man Sole, Fichtennadel, Kalmus zugesetzt hat. Auch hat man mit Höhensonnenbestrahlung gute Erfolge erzielt, da hierbei ein seelischer Akt vor sich geht, der durch das geheimnisvolle, gespensterhaft blaue Licht der Quarzlampe hervorgerufen wird. Wie man sieht, gibt es alle möglichen Mittel, das Leiden so schnell wie möglich auszuheilen, das gewöhnlich 4—6 Wochen währt. Schriftleitung: Bert Oehlmann, Berlin SW. 68, Alte Jakobstr. 24. gen(Expander usw.) den Balkon oder noch besser den Garten zu benutzen, lasse sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Je reiner und würziger die Luft, um so besser für den gesamten Organismus. Uebungen im Zimmer mit geschlossenen Fenstern sind wertlos, nein, mehr als das: gesundheitsschädlich, denn in diesem Falle würde der Lunge nur schlechte, bereits verbrauchte Luft zugeführt werden. Häusliche Gymnastik(sowie vernünftiger Sport überhaupt) fördern die Arbeitslust und stählen den Willen. Eltern und Erzieher sollten ihre Schutzbefohlenen in ganz besonderem Maße zu einer solchen Betätigung heranziehen. Die Jugend findet dabei nicht nur die vom Körper verlangte Ausarbeitung, sondern auch Ablenkung in bezug auf sexuelle Reizbarkeit. Tägliche Gymnastik setzt derartige Erscheinungen immer herab— ein Faktor, der nicht vergessen werden darf. Dreißig Minuten täglich...48 Was für ein Minimum an Zeit! Denke jeder daran, daß er sich mit diesen dreißig Minuten ein Ding erkauft, dessen Wert noch immer das Höchste darstellt, was die Welt zu vergeben hat— Jugend und Gesundheit! Dies Una Bas Für Nervenkranke wählt man einen Kurort in ruhiger, waldiger, nicht zu heißer Gegend. Empfehlenswerte Kurorte sind: Schwalbach, St. Moritz, Bad Elster, Dürkheim und die meisten Bäder im Schwarzwald. Ein ausgezeichnetes Heil= und Nahrungsmittel bei Bleichsucht, Blutarmut, Leber= und Herzkrankheiten ist Buttermilch. Ansteckende Windpocken benötigen zwei bis drei Wochen, um sich zu entwickeln. Das Auftreten der bekannten roten Flecke, in deren Mitte kleine Bläschen entstehen, vollzieht sich unter geringem Fieber. In jedem Falle von Windpocken ist die Heranziehung eines Arztes vonnöten. Gegen Wadenkrämpfe helfen am ersten Einreibungen mit Franzbranntwein, doch genügt oft ein straffes Strecken des Beines, den Krampf zum Stillstand zu bringen. Das Land, das die größte Zahl Rheumatismus=Kranker ausweist, ist England. Die Hauptursachen der vielen Erkrankungen sind die fortwährenden Nebel, die feuchte Luft und die große Zahl der Niederschläge. Zum Erweichen von Geschwüren dienen Kamillensäckchen. Danach muß eine gute Zugsalbe angewandt werden, die den erweichten Eiter herauszieht. Auf keinen Fall darf das Geschwür mit Stecknadeln oder dergl. geöffnet werden, da dadurch Verunreinigungen entstehen können und somit schwere Entzündungsprozesse oder gar eine Blutvergiftung die Folgen sind. Gegen Magenkrämpfe helfen 5 Tropfen Wacholderöl auf 1 Stück Zucker. Ein anderes gutes Mittel ist Melisse und Betonie. Man rechnet auf ½ Liter Wasser je 15 Gr. von jeder Sorte. Ein gutes Hausmittel bei Brandwunden ist Hafermehl. Man streut auf die schmerzende Stelle sofort etwas Hafermehl und macht darauf einen kühlen Umschlag. Dadurch wird die Wunde gekühlt und gleichzeitig geheilt. * Ein dreißigjähriger Mann wiegt normal etwa 130 Pfd. Täglich nimmt er ungefähr 5 Pfund an Speisen zu sich. Wenn er siebzig Jahre alt geworden ist, hat er insgesamt sein eigenes Gewicht 166 mal verzehrt. Bei schweißigen und wundgelaufenen Füßen und Schweiß in den Achselhöhlen wendet man am besten Salicyltalg an. Gleichfalls leistet er bei Insektenstichen und kleinen Verbrennungen schmerzlindernde Dienste. Das bekannte Salicylstreupulver gibt es in allen Drogerien. Tägliches Körpertraining— und sei es auch nur in beschränktem Zeitmaß geübt— gehört zur Gesundheitspflege wie Zähneputzen und Reinigungsbad. Gymnastik muß sein, wenn der Körper sich bis in ein hohes Alter hinein jung und kräftig erhalten soll. Gymnastik erhält jung, fördert die Verdauung, verhindert Stockungen des Blutkreislaufes, regt den Appetit an und trägt Soyge dafür, daß der Körper kein der Gesundheit und dem Allgemeinbefinden schadendes Fett ansetzt. Wer seinem Körper täglich morgens und abends eine winzige Viertelstunde widmet, darf diese geringe Mühe mit einer Lebensverlängerung von Jahren quittieren. Es lohnt sich also wahrhaftig, dem eigenen Körper etwas Zeit zu schenken. Wer für Theaterbesuche, Konversation, Lektüre oder sonstige Zerstreuung Stunden opfert, sollte auch für seine Gesundheit täglich einige Minuten übrig haben. Es ist ja so einfach, Haus=Gymnastik zu treiben. Morgens nach dem Aufstehen ein paar Freiübungen am geöffneten Fenster. Oder kurze Uebungen mit dem Expander. Gleichfalls anzuraten sind(zur Kräftigung der Lunge) Tiefatemübungen, die stets mit der Ausatmung beginnen. Ein paar kurzgefaßte Anleitungen mögen hierzu folgen:„.g Emist#. Ausatmung: Gerabe Haltung, Brust heraus, Kopf hoch, Knie durchgedrückt, Arme locker herabhängen lassen. Dann mit geschlossenem Mund ausatmen, und zwar so gründlich wie möglich. Daran anschließend folgt sofort die Einatmung: Langsam, ganz langsam, aber so lange es irgend geht, frische Luft einatmen. Unterstützung des Atemtrainings durch sanftes Heben der Fersen. Dann wieder langsam ausatmen. Bei gesunden Menschen währt diese Ausatmung doppelt so lange wie die Einatmung. Mit zweimaliger Atemübung beginnt man und steigert sie dann allmählich bis zu achtmaliger Wiederholung. Wem es möglich ist, zu diesen sowie auch den körperlichen UebunAbhärtung und Abhärtung sind zwei verschiedene Der Mensch, der täglich sein kühles Bad nimmt, in leichter Bekleidung wandert, ein Sonnenbad von zehn Minuten nimmt und bei geöffnetem Fenster schläft, dieser Mensch ist gesund, frisch, elastisch, arbeitsfreudig und widerstandsfähig. Wir haben es in ihm mit einer Vertretung vernünftiger Abhärtungsmethoden zu tun. Man kennt jedoch auch noch andere. Dem Arzt sind sie ein wohlbekannte Erscheinung. Das sind Leute, die Abhärtung treiben um jeden Preis. Auch um den Preis ihrer Gesundheit. Sie bilden eine große Gemeinde und tragen, da sie immer Nachahmer finden, Krankheit und Sorge in die Reihen ihrer Mitmenschen. Sie kummeln sich stundenlang im Wasser, aalen sich ebenso lange am Strand in der prallen Sonne und haben für die, die sich nach einem kurzen Bade gründlich abfrottieren und sich darauf nur wenige Minuten den Sonnenstrahlen aussetzen, ein spöttisches Lächeln übrig. Setzt ein Regen ein, werden sie nicht weichen, sondern sich ruhig durchnässen lassen. Wer wird denn vor ein paar Regentropfen ausreißen? Sie bleiben, wo sie sind. Der Sand wird feucht. Sie bleiben. Am nächsten Tage stöhnen sie. Rheumatische Schmerzen peinigen ihren Körper. Ist das Abhärtung“ iuugnagg sich dim 9u Abhärtung ist es auch keineswegs, sich dem Zug auszusetzen. Kerngesunde Menschen erkälten sich, wenn es zieht. Daß gefährliche Lungenentzündungen häufig genug als Folge auftreten, wird jeder Arzt bestätigen. Genau so verkehrt ist es, seine Nerven abhärten zu wollen. Es mag dem vernünftig denkenden Menschen höchst kurios erscheinen, daß es Leute gibt, die absichtlich Stätten aufsuchen, wo kreischende Maschinen toben. Die Zahl dieser Abhärtungsfanatiker ist jedoch größer als man glaubt. Immer und immer wieder sei auch mit Rücksicht auf die bald einsetzende Badesaison davor gewarnt, unabgekühlt ins kalte Wasser zu gehen. Wer sich auf vernünftige Weise abhärtete, mag es riskieren. Die anderen aber seien auf die alljährlichen Unglücksfälle hingewiesen. Kein Jahr ohne Hunderte von Todesfällen, die infolge Herzschlags beim Baden eintreten. Muß das alles sein? Man sei ehrlich: 90 Prozent aller mit Krankheit oder Tod endenden„Abhärtungsfälle" entspringen einem törichten Ehrgeiz. Man kann gesund sein, man kann sich aber nicht gesund zwingen. Wen es absolut nach außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet der Abhärtung gelüstet, mag seinen Körper darauf trainieren. Aber wie kein Boxer ohne Training in den Ring steigen kann, so wird es auch kein Mensch vermögen, ohne die nun einmal notwendigen Vorbedingungen von heute auf morgen abgehärtet zu sein. Wer in praller Sonne ohne Hut geht, schadet sich nur selbst. Auch hier, gegen die Sonne, gibt es keine Abhärtung. Alles zusammengefaßt, soll Abhärtung mit der Vernunft Hand in Hand gehen. Falscher Ehrgeiz oder ein überspitzter Gesundheitsdrang helfen nicht, sondern schaden nur. Maß in allen Dingen!“ Auch in dem der Abhärtung. Dem menschlichen Organismus sind Grenzen gestellt. Werden sie überschritten, folgt die Reaktion. Warum also mit seiner Gesundheit, mit seinem Leben spielen? Ist das Leben nicht auch ohne— Rekorde schön? 3 Gerkrud Sch. Seitenstechen kann herrühren von Leberleiden, Brustfellentzündung, Rheumatismus, Erkältung und dergl. Kinder bekommen * 2 die Schmerzen von zu schnellem Laufen. In diesen und anderen leichten Fällen macht man warme Umschläge, während bei Leberleiden, Brustfellentzündung usw. der Arzt aufgesucht werden muß. 3. St. Hornhautentzündungen kennzeichnen sich durch glashelle und durchsichtige harte Bläschen. Im entzündeten Zustand werden sie durch rote Blutgefäße durchzogen und oft mit weißgrauen Geschwürchen besetzt. Die Behandlung kann nur von einem Arzt geleitet werden. J. H. Geben Sie Ihrem kranken Kinde, wenn es Lebertran nur mit Widerwillen nimmt, andere und sogar bessere Blutbildner, z. B. Milch, Obst, Gemüse und FruchtFrau H. Bei Quetschungen macht man kühle Aufschläge, da diese die Zerteilung des ausgetretenen Blutes unterstützen. Die Verfärbung und die Beule vergehen nach Zeit. Ist aber durch Druck oder Schlag eine offene Wunde entstanden, so ist vor allen Dingen auf größte Sauberkeit zu achten. Statt kühler Aufschläge müssen in diesem Falle feuchtwarme gemacht werden. St. N. Leider ist von hier aus nicht festzusteuen, auf was das Leiden zurückzuführen ist. Die Schmezgen, ug der Magen= und Lebergegend lassen oft auf ein zuu: leiden schließen. Sie befragen am besten Ihren “ Roman von Fritz Gantzer * Der Narr Copyrighi by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) P 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ehe Frau Voßberg etwas erwidern konnte, sprach Peter, der mit einer stürmischen Bewegung neben Tina getreten war: „Ich verstehe, daß du überrascht bist, Mutter. Es ist ja gar nicht anders zu erwarten, nicht anders möglich.“ Er suchte nach Worten. Eine hohe Erregung brannte auf seiner Stirn. Sein Blick irrte ins Leere, fand die Rehgehörne und Hirschgeweihe an den Wänden. Die Erinnerung an die Rückkehr von seinem Jagdgang wurde in ihm lebendig. „Ich erlebte heute morgen noch mehr als eine Ueberraschung, als mich Fräulein Arnebrinks Hilferuf erreichte. Und wenn du erst Näheres weißt— ich werde dir sofort die Erklärung geben—, wirst du es verstehen, daß ich Fräulein Arnebrink eine vorläufige Zuflucht in unserem Hause angeboten habe.“ Frau Marianne dachte: O Gott, wie redet er nur daher! Er sucht nach einem Mäntelchen, um das Unerhörte zu verdecken. Und er findet keins, weil er weiß, daß es keins gibt... Eine elend machende Niedergeschlagenheit bemächtigte sich ihrer. Die Unerbittlichkeit eines dunklen Schicksals fühlte sie zu sich herankriechen, dem sie widerstandslos ausgeliefert war. Sie quälte ein Lächeln in ihr Gesicht. „Ich werde Ihnen das, was Ihnen mein Sohn anbot, natürlich nicht verweigern, Fräukein Arnebrink. Kommen Sie, bitte!“ Sie übersah die in einer Aufwallung von Dankbarkeit sich ihr entgegenstreckende Hand Tinas und schritt nach dem Zimmer zu voraus. Sie öffnete die Tür und machte eine einladende Handbewegung. Immer noch ihren Hut in der Hand haltend, folgte Tina Niemand schien darauf zu achten, daß sie ihn noch nicht beiseite gelegt hatte. Erst Brigitte, die mitten im Zimmer stand, trat nach der kurzen, förmlichen Vorstellung durch Frau Marianne zu Tina heran und bat darum, ihn hinaustragen zu dürfen. „Ach so, ja...“. sagte Peter stolpernd, Brigittes Gesicht suchend... Sinnlos!, dachte er. Sinnlos, wie alles heute. Er trat zur Seite, als Brigitte zur Tür ging, wartend, daß sie irgend etwas zu ihm sagen möchte. Und wenn es auch das Allergleichgültigste gewesen wäre. Aber sie ging stumm an ihm vorüber, hielt den Blick gesenkt und trug, als habe sie nur dafür Sinn, Tina Arnebrinks Hut hinaus „Symbol!" durchzuckte es Peter Voßbergs aufgewühlten Sinn schlaglichtartig.— Wie war doch der junge Tag so gut gewesen!— Und nun? *„* „Eine reichlich unwahrscheinlich anmutende Geschichte, mein Sohn. Ich für meine Person versage ihr unbedingte Glaubwürdigkeit. Bitte, fahre nicht auf, errege dich nicht von neuem. Wir hatten beim Beginn unserer Unterredung ausdrücklich vereinbart, sachlich zu sein... Es bleibt dir unbenommen, alles für wahr zu nehmen; du wirst aber nicht verlangen wollen, daß ich mich deiner Ansicht anschließe... Uebrigens“— und nun fand Frau Boßberg einen ins Spöttische gleitenden Ton und lächelte mokant— „kann es sowohl dir wie mir höchst gleichgültig sein, ob Fräulein Arnebrink nach Tula oder sonst wohin verschleppt werden sollte und ob man sie während der Bahnfahrt erschießen oder vergiften wollte. Ich hätte zu diesen Dingen mit sehr romanhaftem Beigeschmack höchstens zu sagen, daß man so schläft, wie man sich bettet.“ Hier unterbrach Peter mit einer harten Handbewegung. „Verzeih! Du willst damit sagen, daß Fräulein Arnebrink ihr Schicksal selbst verschuldete? Denkst du dabei an eine Ungeschicklichkeit in ihrer Handlungsweise, vielleicht auch, daß sie zu vertrauensselig gewesen sein könnte? Oder möchtest du dich so verstanden wissen, daß du sie moralisch für nicht einwandfrei hältst?“ Sie überhörte seinen zuletzt ziemlich erregt gewordenen Ton und beachtete nicht das pfeilschnelle Vorbeugen seines Oberkörpers. „Wie ich verstanden sein möchte, ist ebenso unwesentlich, wie alles andere Herumreden über Dinge, die— wie ich schon sagte— für uns nur Nebensächlichkeiten sein können.“ Sie hielt im Sprechen inne und suchte Peters Gesicht mit einem ernsten, eindringlichen Blick. „Mich bewegt vor allen Dingen die Frage, wie es möglich sein konnte, daß du in diese Affäre mit hineingezogen wurdest, nachdem du mir damals die Versicherung gegeben hattest, von diesem Mädchen völlig gelöst zu sein, keinerlei Beziehungen mehr zu ihm zu haben. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als anzunehmen— oder ich will sagen: zu vermuten, daß du mir, um es gelinde auszudrücken, etwas verheimlichtest.“ „Allerdings“ gestand er dann nach einem verlegenen Räuspern, seine Fingerspitzen gegeneinander stoßend und dem Fußboden Aufmerksamkeit schenkend.„Ich habe dir nicht gesagt, daß ich sie bei jenem Begegnen bat, sich meiner zu erinnern, wenn sie einmal in Not kommen sollte. Und das habe ich dir deshalb verschwiegen, weil ich es für ausgeschlossen hielt, daß sie jemals von meinem Anerbieten Gebrauch machen würde.“ „Schön, ich will deine Begründung gelten lassen, wenngleich ich nicht verstehe, daß du mich im Wissen einer doch an sich recht großen Harmlosigkeit beiseite stelltest. Aber gerade deshalb wirst du nun gelten lassen müssen, wenn ich erwarte, daß dein Schützling nach möglichst kurzem Aufenthalt bei uns wieder abreist, jedenfalls— und das möchte ich dir als eine Art Ultimatum stellen— nicht während des Festes in unserem Hause weilt. Vor allen Dingen aus dem Grunde nicht, der dein Vorhaben mit Gitt betrifft. Aber das brauche ich dir ja wohl gar nicht zu sagen, weil du ganz allein wünschen wirst, einer fatalen Peinlichkeit nicht ausgeliefert zu sein.“ Peter Voßberg hatte den blöden Einfall, sich zu entfernen und seine Mutter mit ihrem— es war lächerlich!—. mit ihrem„Ultimatum“ allein zu lassen, um einer Antwort enthoben zu sein. Er erhob sich auch wirklich aus der Sofaecke und ging ein paar Schritte seitwärts zur Tür. Er bewegte sich eigentlich taumelnd, wie trunken oder von einem wüsten Schlag gegen den Schädel betäubt. Dann änderte er, jäh herumfahrend, die Richtung und ging auf dem Läufer zwischen Sofa und Bücherschrank ein paarmal hin und her. Wie damals, als er in eben diesem Raum die Unterredung über Tina mit seiner Mutter gehabt und gemeint hatte, den entschiedenen Strich, der einen Abschluß bedeutete, ziehen zu können. Er erinnerte sich jener Stunde plötzlich mit eindringlicher Schärfe und dachte verbissen: Nun ja, damals— damals! Dieses Damals war doch nicht heute! Heute hatten die Dinge ein wesentlich anderes Gesicht, waren nicht von Laschheit oder Resignation umhüllt, sondern standen unter der Beeinflussung einer starken, neu erwachten Leidenschaft. Tat man klug daran, sie schon jetzt zu enthüllen— oder verschob man die Mitteilung über die gänzlich veränderte Sachlage bis zu einem günstigeren Zeitpunkt? Was hieß übrigens„günstig"? Es würde immer gleich ungünstig sein, weil immer dieselben Widerstände vorhanden waren. Also ehrlicher gesagt: brachte man augenblicklich den nötigen Mut auf oder fand man ihn noch nicht zusammen, um die Wahrheit zu sagen? Vielleicht versuchte man es, sich vorläufig an den Dingen vorbeizuwinden, um Zeit zu gewinnen. Mit merkwürdig trockener, fast heiser klingender Stimme appellierte er an die Gastfreundschaft seiner Mutter. Redete davon, daß man Tina unmöglich so kurzerhand auf die Straße setzen könne. Noch dazu so kurz vor dem Fest, das doch Liebe und Barmherzigkeit predige. Jedenfalls müsse vor allen Dingen festgestellt werden, ob eine andere Zufluchtsmöglichkeit für sie vorhanden sei. Eine leise Schärfe war zuletzt in seine Stimme gekommen. Er fühlte sich plötzlich gereizt, meinte, seine Mutter der Unduldsamkeit beschuldigen zu müssen. Frau Marianne hatte dem vielen, was er zu sagen gewußt, mit starrer Ruhe zugehört. „Was du Gastfreundschaft nennst, habe ich bewiesen. Deine pastoralen Hinweise lehne ich ab. Und was du von den erforderlichen Feststellungen sagtest, überlasse ich in der Ausführung dir. Denn du kommst als der, der den Anfang veranlaßte, als einziger dafür in Frage, ein möglichst schnelles Ende herbeizuführen. Es dürfte dir ja auch nur daran gelegen sein, deinen Schützling am Weihnachtsabend nicht mehr im Hause zu wissen. Ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, woher du, nun, sagen wir einmal: den Mut hernehmen wolltest, dich in Gegenwart eines Mädchens, dem einmal deine Neigung gehörte, mit Gitt... zu verloben.“ Es überkam Peter Voßberg in diesem Augenblick etwas, was über einen völlig in die Enge Getriebenen kommt: sinnlose Wut, mit vorgestrecktem Kopfe und zustoßenden Fäusten sich den Gegner vom Halse zu schaffen. Ganz gleich, mit welchem Ausgang— ohne zu überlegen, ob er oder der andere der Vernichtete sein könnte Eben sinnlos. Peter unterbrach sein unruhvolles Aufundabwandern; ruckartig stehenbleibend, warf er den Kopf zurück und sagte: „Wenn ich mich mit Brigitte überhaupt verloben werde.“ Seine Mutter starrte ihn sekundenlang mit weit geöffneten Augen voller Bestürzung an Dann kam eine wehe Traurigkeit in ihren Blick Sie erhob sich langsam, schwerfällig von ihrem Sitz im Korbsessel, sich mit beiden Händen auf die Nähtischkante stützend, und sagte mit verschleierter Stimme: „Ja, allerdings... dann... Bisher hörte ich es anders." Sie schickte sich an, das Zimmer zu verlassen. Er vertrat ihr den Weg. sah bleich und verstört aus. „Bitte, Mutter, bleib' hier!... Verstehe mich nicht falsch.. Wir wollen, in Ruhe.. ich meine" Sie gebot ihm mit einer Handbewegung Einhalt. „Ich verstehe dich sehr gut und weiß nun, wohin die Fahrt geht. Und wozu noch reden? Nur eins sage ich dir noch: Narr! Du elend verblendeter Narr!“ *„* In der Dämmerung, die ein mit Schneewolken dicht verhangener Himmel früh brachte, fragte ein Mann beim Oberinspektor um Arbeit an. Krusemark, an sich nicht der Feinste, lieber etwas mehr grob, als zu wenig, und heute durch das widersetzliche Verhalten eines Knechts besonders schlecht gelaunt, sagte kurz nein und bedeutete dem Nachfragenden, er solle sich vom Hofe scheren. Der Abgewiesene hob ein bewegliches Klagelied an. Wie schlecht es ihm ginge, wüßte selbst der Herrgott nicht. Ueberall würde er trotz seiner guten Papiere abgewiesen Seit vierzehn Tagen treibe er sich schon auf der Landstraße herum. Keinen Löffel warmes Essen und so fort. Dazu Schnee in der Luft, der Winter vor der Tür. Und er wolle doch gern arbeiten, und es würde niemanden gereuen, wer ihn einstelle. Krusemark, schon im Abgehen begriffen, blieb stehen und wandte sich um. Der Kerl machte eigentlich keinen schlechten Eindruck. Ein stämmiger Bursche. In der Kleidung sauber. Etwas wehleidig und weibisch in seinen vielen Reden allerdings— aber freilich: der Hunger macht nicht vergnügt. „Mal her mit den Papieren!“ kommandierte Krusemark und trat näher zu ihm heran. „Hm!“ grunzte er nicht unzufrieden, als er Einsicht genommen hatte.„Landarbeiter? Mit Pferden wissen Sie Bescheid?“ Während der Landarbeiter Philipp Brennecke, in Hamborn in Westfalen beheimatet, ledig, 36 Jahre alt, katholischer Konfession und so weiter, von seiner Fähigkeit, mit Pferden umzugehen, weitschweifig berichtete, überlegte Krusemark, daß er den aufsässigen Mahnke morgen rauswerfen und diesen Brennecke für ihn einstellen könne. Es würde ganz gut sein, mit diesem Hinauswerfen ein abschreckendes Exempel zu statuieren. „Na, schön“, sagte er, sich entschließend.„Wir wollen's versuchen. Aber wenn's nicht klappt, gibt's die Papiere wieder. Also mal vorläufig Probedienstzeit.“ Brennecke wollte noch viel reden und seine Vorzüglichkeit eingehend beleuchten. Aber Krusemark machte schnell Schluß. Er rief den gerade vorübergehenden Hofverwalter heran und übergab ihm den Hamborner zur weiteren Veranlassung. Brennecke gewann schnell Fühlung. Besonders mit Mahnke, der sich am Abend in der Gesindestube durch eine Schimpfkanonade, die dem Oberinspektor galt, hervorragend bemerkbar machte. Während zwei Parteien den Abend mit Kartenspiel herumbrachten, saß der Neue mit Mahnke in der Ofenecke und fragte ihn aus. Besonders lebhaft interessierte er sich für das Pächterhaus und seine Bewohner. Er schien übrigens auch ein rechter Schürzenjäger zu sein. Denn schon am nächsten Vormittag verstand er es, dem Hausmädchen in den Weg zu laufen, mit dem er im Schutze einer Holzmiete ein angeregtes Gespräch hatte, das das überraschende Ergebnis zeitigte, sich am Abend wiederzutreffen. Gegen Mittag kam ein Fremder auf den Hof, der nach Philipp Brennecke fragte. Er sei sein Arbeitskollege und er wisse, daß er gestern in Georgenwalde hätte nach Arbeit fragen wollen. Er möchte gern wissen, ob er angenommen sei. Indem schlängelte sich Brennecke schon von den Pferdeställen heran. Es gab eine erfreute Begrüßung und eine sich daran anschließende lange Unterhaltung, der der Hofverwalter mit dem Hinweise, daß es hier in Georgenwalde keinen Fischweiberstand gäbe, und einem kernigen Donnerwetter ein Ende machte. *„ Ja, wohin ging die Fahrt? Seine Mutter hatte vorgegeben, es zu wissen. Ach, sie konnte nur ahnen, vermuten. Es wissen? Nein! Er selber wußte es ja noch nicht. Noch nicht! Und wann nun endlich? Nach der Unterredung mit seiner Mutter, zu der er sie bald nach dem Mittagessen gebeten hatte— etwas Entsetzliches übrigens diese Gemeinschaft zu vieren in ihrer kältenden Steifheit und nahezu völligen Schweigsamkeit, eine Qual, ein Hohn auf alle Geselligkeit—, war er ziellos durch die Felder gewandert, besser: geirrt. Wie ein Fremder, der hier nicht daheim, der sich nicht auskennt in Weg und Gemarkung. Treff, der Hühnerhund, der ihm trotz mehrmaligen Zurückjagens gefolgt, war scheu hinter seinem Herrn hergetrottet, sein Hundehirn voller Rätsel wissend, warum es heute so sei und nicht wie sonst. So jammerhaft trostlos ohne irgendwelchen frischen Zuruf und ohne jede lobende Anerkennung. Da hätte man wahrhaftig lieber daheim bei Gitt bleiben sollen, die immer zu krauen und zu tätscheln wußte, wenn man ihr Gesellschaft leistete. Erst als die Dämmerung hereinbrach, etwa zur selben Zeit, als Krusemark die Sache mit Brennecke erledigte, kehrte Peter heim Zerschlagen, zum Umsinken müde, einer Klarheit darüber, wohin die Fahrt gehen würde, um nichts nähergekommen. Voller Unsicherheit, ängstlich bemüht, niemand zu begegnen, sich heimlich in sein Zimmer zu schleichen, traf er Brigitte im Flur. „Guten Abend, Gitt!“ sagte er, nachdem er sich törichterweise gefragt hatte, wie er sich ihr gegenüber verhalten müsse. Ihre Erwiderung schien ihm, obwohl es ihr an Freundlichkeit nicht gefehlt hatte, kühl und gemessen. Er meinte sogar, den Gegengruß als abweisend bezeichnen zu müssen. In dem Bewußtsein des vagen Gedankens, daß er versuchen müsse, in Fühlung mit ihr zu bleiben, ein Sichvoneinander=entfernen auf alle Fälle vermeiden müsse, fragte er, schon während des Sprechens die Frage bereuend: „Ich möchte gern mit dir etwas besprechen, Gitt. Hättest du wohl Zeit?“ „Eigentlich nicht. Wenigstens jetzt gleich nicht. Muß es sofort sein?“ Sie stand ein paar Schritte von ihm entfernt, trug über den Arm gelegt Wäschestücke, Bettwäsche schien es, und läutete wie in Eile mit einem Schlüsselbunde. Und ein kleines Lächeln hastete um ihren feinen, schmalen Mund. Peter atmete tief, erlöst auf, daß seine blöde, ohne Ueberlegung gestellte Frage keine Folgen zeitigte, denn er hätte ja gar nicht gewußt, was er eigentlich mit ihr besprechen gewollt. Daß er sie gern habe und sie zu heiraten wünsche? Oder daß er sie wohl gern habe, aber eine andere leidenschaftlich liebe und sie daher nicht zu seiner Frau machen könne? Oder was denn eigentlich? „Nein, es muß natürlich nicht sofort sein, Gitt“— unbewußt legte er eine dankbare Zärtlichkeit in die Koseform ihres Namens, weil er froh war, daß sie keine Zeit hatte—, „später, vielleicht heute abend. Oder morgen, wie es dir paßt... Ich will dich daran erinnern. Nicht wahr, wenn es dir recht ist?“ Gitt dachte: Er hat etwas Fremdes in seiner Art. Und er sieht im Gesicht fremd aus. Und zwischen ihm und mir ist auch ein kaltes Fremdsein; ich fühle es. Wie glücklich war ich gestern noch! Und nun heute, seitdem er mit der schönen anderen kam, ist es in mir wie in einem vertrockneten Garten. Gitts kleines zärtliches Herz, das ihre heimliche süße Liebe wie eine köstliche reine Perle scheu in sich verwahrte, schlug hämmernden Takt. Und ein ganz wenig bebte ihre Stimme— trotzdem sie bemüht war, dies Beben zurückzudrängen—. als sie entgegnete, daß es ihr recht sei, wenn er sie daran erinnern würde Und vielleicht hatte das leise Beben darin seinen Grund, daß sie unbewußt fühlte: Er wird mich nicht daran erinnern...(Fortsetzung e“#