BUIPVVUF! e Die„Schwerter Jeitung“ erscheiat wöchentlich sechs mal. Bezugepreis haldmonatlich 1.30 Maik, Einzelaummer 13 Pfg. Druck u. Venagvon C. Braus, Schwerte(Ruhr), Petschetkonten: Dortmund 2632 und Hamover 21674. Geschästestelle: Große Markstr. 3—3, Verantworlich für die Schrifteitung H. Linner, Schwerte. Herarus 2r1o Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Ar Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung perta f1 de chzsoal mm u: e Pla, Ananik. üge, fina amtiche u. gericktliche Inzeigen ie Pig., Rck amezeile 40 Pf; Ju teleson, aufgegedene Inserate üdernehmen wir keime Gewade Bet inooderzesedu. Velrebestbrungen, berorgerusen durch bodere Gewalten, übernebmen wir keinertei Gewäbr str pünktliches Erscheinen der Jeitunz u, kann auch keinerlei Ansoruch auf Schadenersahz oder Nachlieserung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Sd; Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 104(Erstes Blat.) Neues in Kürze. Held in Berlin. enb. Berlin, 4. Mai.(Eig. Meldung.) Der bayrische Ministerpräsident Dr. Held hat sich einige Tage in Berlin aufgehalten. Seine Anwesenheit galt, dem Berliner Tageblatt zufolge, in erster Linie dem Versuche, in das Programm für die Osthilfe auch die„notleidenden östlichen Grenzgebiete Bayerns“, also vornehmlich die Oberpfalz, einzuschalten. Eröffnung der Weltausstellung in Lüttich. wtb Lüttich, 4. Mai.(Tel.) Am Samstag nachmittag wurde in Anwesenheit des Königs die internationale Ausstellung der Großindustrie und der angewandten Wissenschaften eröffnet. Schießereien in Edingen. wtb. Warschau, 4. Mai.(Tel.) Wie die Polnische Telegraphen=Agentur aus Gdingen meldet, kam es dort gestern bei einer Tagung des „Lager des großen Polen“, einere rechtsradikalen Organisation, zu Zusammenstößen und Schießereien zwischen den etwa 800 Teilnehmern der Tagung und der Bevölkerung. Die Arbeiterschaft wollte die Versammlung sprengen, wurde jedoch daran von der Polizei gehindert. Mehrere Personen erlitten Verletzungen. Die amerikanische Tarifnovelle. wtb Washington, 4. Mai.(Tel.) Das Repräsentantenhaus lehnte mit 232 gegen 161 Stimmen einen Zusatz des Senats zur Tarifnovelle ab, in dem eine Ausfuhrprämie für die Erzeugnisse der Farmer vorgeschlagen wurde. Der deutsche Flottenbesuch in Sizilien. wtb Syrakus, 4. Mai.(Tel.) Die deutschen Schiffe„Schleswig=Holstein“ und„Hessen“, sind hier gestern eingetroffen. Die Vertreter der städtischen Behörden begaben sich an Bord zur Begrüßung des Admirals Oldekop. Dieser dankte für den herzlichen Empfang und erklärte, er werde sich an Bord eines deutschen Torpedojägers nach Catania begeben, um dem italienischen König, der dort eingetroffen ist, einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Schwerte(uhad, Montag,den b. Blol. 1990 u8. Johrggng Reichereseri und drutsche Wierschaft Ein Vortrag des Reichssinanzministers Prof. Dr. Moldenhauer. Beleidigungsklage gegen den Reichswehrminister. Nachspiel zum Kieler Munitionsprozeß. wtb. Berlin, 3. Mai.(Tel.) Die 40. Zivilkammer des Landgerichts 1 hatte sich heute vormittag mit einem Nachspiel zu dem Kieler Munitionsprozeß zu beschäftigen, der bekanntlich nach zweijähriger Voruntersuchung mit einer Freisprechung der Angeklagten von dem Vorwurf der Waffenschiebung endete. Die Freigesprochenen haben jetzt eine Zivilklage gegen den Reichswehrminister Gröner angestrengt, der seinerzeit im Reichstag bei der Behandlung dieser Angelegenheit geäußert hatte, daß es sich um eine ganz gemeine Schiebung der Betreffenden handele. Nachdem sich das Kieler Gericht in dem Urteil auf den Standpunkt gestellt hatte, daß die Angeklagten keine Schuld treffe, verlangten sie jetzt auf dem Klagewege vom Reichswehrminister Gröner den Widerruf der beleidigenden Aeußerungen. Gleich nach Beginn der Verhandlung wurde die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatssicherheit für längere Zeit ausgeschlossen. Unruhen in Südafrika. wtb Worcester, 5. Mai.(Funkspruch.) Zwischen einer Abteilung von 14 Polizisten und Eingeborenen kam es hier zu furchtbaren Zusammenstößen. Ein Polizeihauptmann wurde durch Axthiebe zu Boden geschlagen, zwei Polizisten wurden verletzt. Die Polizei war schließlich gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Sieben Eingeborene wurden getötet und mehrere andere verletzt. Die Unruhen dauern an. Von Kapstadt sind Verstärkungen angefordert worden. In Worcester haben sich bereits am 5. April Unruhen ereignet. Die Ursache war damals das Einschreiten der Polizei gegen gesetzwidrigen Verkaufs von Alkohol. wtb Worcester, 5. Mai.(Funkspruch.) Die hiesigen Unruhen sind von betrunkenen Farbigen, die nicht zu der eingeborenen Negerbevölkerung gehören, hervorgerufen worden. Das Befinden des verwundeten Polizeihauptmanns ist äußerst kritisch. Er ist nicht nur durch Axthiebe niedergestreckt worden, sondern es sind ihm auch von einer Frau Schnittwunden am Hals beigebracht worden. Von Kapstadt sind in Autobussen 50 Polizisten nach Worcester entsandt worden. wtb. Bad Eilsen, 4. Mai.(Tel.) Auf der, gestrigen Jahreshauptversammlung des Westfälisch=Lippischen Wirtschaftsbundes sprach im Anschluß an einen Vortrag des Vorsitzenden des Verbandes, Müller=Aerlingshausen, über„10 Jahre im Kampf für die Heimatswirtschaft“, Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer über das Thema:„Reichsreform und deutsche Wirtschaft“. Der Minister beschäftigte sich zunächst mit den Ursachen der Arbeitslosigkeit, die das äußere Zeichen der überaus schwierigen Lage der deutschen Wirtschaft sei. Alle Absatzmärkte seien während des Krieges verloren gegangen und hätten nicht wiedererobert werden können. Die Krise in der Landwirtschaft sei mit verursacht durch eine Ueberproduktion in der Welt. Eine weitere Ursache für die Wirtschaftskrise liege in dem Kapitalmangel. Die mangelnde Kapitalbildung sei verursacht vornehmlich durch den übertrieben hohen Steuerdruck, der nicht zum geringsten Teil auf die Reparationslasten zurückzuführen sei. Aufgabe der Finanzpolitik müsse es sein, den Steuerdruck zu mildern, um damit die Kapitalbildung zu ermöglichen, den Kredit zu fördern und die Zinsen zu senken. Erstes Erfordernis sei es, die schwebende Schuld soweit abzudecken, daß sie die Finanzgebahrung nicht mehr ernstlich bedrohe. Möglich sei dies nur durch eine sofortige starke Erhöhung der Steuern. Für diesen Zweck hätten die bereits überspannten direkten Steuern nicht herangezogen werden können, sondern nur die indirekten. Diese Steuererhöhung im Betrage von insgesamt 5500000 Mark sei unmittelbar vor Ostern nach harten Kämpfen bewilligt worden. Der Etat für 1930 sei ausgeglichen. Sache des Reichstages sei es, sich dem Vorgehen der Regierung anzuschließen. Die Sanierung der Kassenlage sei die erste und notwendigste Etappe auf dem Wege zur Lastensenkung. Er wolle nicht verschweigen, daß dem Etat eine große Gefahr von seiten der Arbeitslosigkeit drohe. Nach den letzten Berichten liege die Zahl der Arbeitslosen um 500 000 über der des vergangenen Jahres. Wir werden, so fuhr der Minister fort, in den nächsten Monaten sehr ernste Maßnahmen ergreifen müssen, um diese Gefahr für den Etat. die unter allen Umständen gebannt werden muß, abzuwehren. Ebenso wichtig ist die Durchführung eines großen Agrarprogramms und eine wirkliche Hilfe für den Osten. Wir sind uns bewußt, damit auch produktive Arbeit zu schaffen und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beizutragen. Dem Reichstag ist ein Ermächtigungsgesetz zugegangen, das die Möglichkeit gewähren soll, die Kapitalertragsteuer für festverzinsliche Werte aufzuheben. Die Steuersenkung soll sich nicht nur auf die Kapitalertragssteuer beschränken, es sollen schon jetzt die Gesetze in Angriff genommen werden, die im kommenden Jahre die Steuersenkung bringen. Hier steht in erster Linie die Senkung der Realsteuern, der Grundvermögensund Gewerbesteuer. Auch auf die Frage der Finanzpolitik der Gemeinden muß sich die Finanzreform erstrecken. Wir denken einmal daran, die Kreditgewährung der Gemeinden einheitlich zu regeln, damit nicht durch das gleichzeitige, ungeregelte Angehen des Kapitalmarktes von allen Seiten der öffentlichen Hand der Markt wieder verdorben wird. Wir denken an den Zwang der Gemeinden zur Rechnungslegung gegenüber einer von den Gemeinden unabhängigen Stelle und schließlich daran, eine Bürgerabgabe oder einen ähnlichen beweglichen Steuersaktor einzuführen und diesen in eine Relation zur Gewerbesteuer zu bringen. Aber ernstlich werden wir hier nur weiter kommen, wenn in den Ländern und Gemeinden der starke Wille zur Senkung der Ausgaben vorhanden ist. Ein systematisches Sparen setzt gesetzgeberische Eingriffe voraus. Dazu soll ein Ausgabensenkungsgesetz, für das die Vorarbeiten in meinem Amt abgeschlossen sind, die Voraussetzungen liefern. Ohne harte Eingriffe wird es dabei nicht abgehen. Ich bin mir bewußt, daß eine volle Auswirkung nur dann eintreten kann, wenn wir das große Problem der Reichsreform ernsthaft anfassen. Wenn wir uns auf uns selbst besinnen, so etwa schloß der Minister, dem großen Beispiel unseres hochverehrten Reichspräsidenten von Hindenburg folgend, und uns zu gemeinsamer Arbeit die Hände reichen, dann können und müssen die Schwierigkeiten überwunden werden. Dann wird Deutschland wirklich seinem Aufstieg engegengehen. Nach Professor Moldenhauer, dessen Ausführungen reichen Beifall ernteten, sprach MinisteRaubüberfall im Personenzug. wtb. Köln, 3. Mai.(Tel.) Der Buchhalter Hans Schäfer, der bei einer Malzfabrik in Kalscheuren angestellt ist, wurde vormittags gegen 11 Uhr im Personenzug Köln—Euskirchen in einem Abteil dritter Klasse vor der Einfahrt in den Bahnhof Köln=West von zwei maskierten Männern überfallen, unter Vorhaltung des Revolvers in die Toilette des Wagens geschleift und geknebelt, und dann eines Lohngeldbetrages in Höhe von 18000 Mark beraubt. Er wurde erst kurz vor dem Bahnhof Kalscheuren von Mitreisenden ausgefunden. Für die Ermittlung der Täter setzte die Kölner Neichsbahndirektion eine Belohnung von 500 Reichsmark aus. Die Täter haben vermutlich den Zug auf freier Strecke zwischen Köln=Hauptbahnhof und Köln=West verlassen. Nach Angabe des Ueberfallenen handelt es sich um zwei Männer von 24 bis 30 Jahren. rialrat Dr. Frielinghaus vom preußischen Handelsministerium über die Auswirkungen der Revolution, die insbesondere den Arbeitnehmern durch Tarifverträge und Arbeitslosenversicherung Vorteile gebracht habe. Bad Kreuznach wtb. Bad Kreuznach, 5. Mai.(Funkspruch.) Am Sonntag vormittag verabschiedete sich der letzte Adjutant als Vertreter der französischen Besatzungsbehörde von der Stadt, nachdem der Abzug der Besatzung in den letzten Wochen stillschweigend und ohne irgendwelche offizielle militärische Form stattgefunden hatte. Zugleich wurde am Sonntag das letzte militärische Gebäude an die zuständige deutsche Behörde zurückgegeben. Alle Kasernen sind jetzt geräumt und nur noch einige Gendarmen und Beauftragte der Sicherheitspolizei verbleiben noch einige Wochen bis zum offiziellen Räumungsschluß in der Stadt. Auch die Einholung der Flagge vor dem Garnisonkommando erfolgte ohne jede militärische Form. Neichslugspause bis 18. Mal. Etat 1930 dem Haushaltausschuß überwiesen. odz. Berlin, 3. Mai.(Tel.) Die erste Beratung des Etats für 1930 wurde heute mit der Ueberweisung des Etats an den Haushaltsausschuß abgeschlossen. Auch heute beteiligten sich die Deutschnationalen nicht an der Aussprache, ebensowenig wie die Nationalsozialisten. Der demokratische Redner lehnte ebenso wie gestern der Zentrumsvertreter die Einstellung der ersten Baurate für den Panzerkreuzer B in den Etat ab, während sich die Redner der Deutschen Wussensunde in Slossenser. wtb Berlin, 4. Mai.(Tel.) Die an den Bootsstegen des Jachtklubs am Stössensee liegenden Boote des Deutschen Marinesportklubsund die Wohnung des in Berlin=Dahlem wohnenden Leiters dieses Sportklubs, des Regierungsrats beim Reichspatentamt Dr. Lübben, wurden heute früh einer Durchsuchung nach Waffen und Munition unterzogen. Es wurde eine beträchtliche Menge Waffen und Munition gefunden. So u. a. ein Gewehr(Modell 98), sieben schwere Pistolen, drei Trommelrevolver, fünf Handgranaten, 416 SPatronen und eine erhebliche Menge sonstiger Munition. Ferner wurden zahlreiche Zubehörteile für Waffen, darunter Zubehörteile für Maschinenpistolen, außerdem 600 Ehrhardt=Abzeichen gefunden. Dr. Lübben war früher Mitglied des Wikingbundes. Verschiedene Mitglieder des Deutschen Marinesportklubs haben sich ebenfalls mit der Beschaffung von Waffen befaßt. Gegen sämtliche Beteiligte ist ein Strafverfahren eingeleitet. Waffen zu Instruktionszwecken? enb. Berlin, 4. Mai. Eig. Meldung.) Zu dem Waffenfund in den Booten des Deutschen Marinesportklubs und in der Wohnung seines Leiters, des Regierungsrats Dr. Lübben, wird bekannt, daß bisher sowohl Dr. Lübben wie die beiden anderen Vereinsmitglieder, die mit ihm festgenommen wurden, bei den Vernehmungen bestritten haben, daß die gefundenen Waffen mit welchen der dazu gehörigen Munition irgend hochverräterischen Zwecken dienen sollten. Die Polizei vertritt vorläufig den Standpunkt, daß es sich um Uebungswaffen handelt, zumal die Gewehre und Revolver sich in ausgezeichnetem Zustande befanden, fachmännisch gereinigt und eingefettet waren. Da der Marinesportklub in der Hauptsache jüngere Mitglieder, z. T. sogar Jugendliche, hatte, liegt der Verdacht nahe, daß die in dem Verein tätigen ehemaligen Offiziere mit diesen Waffen und dem übrigen Heeresgerät die jungen Klubmitglieder ausgebildet haben. Es verlautet auch weiter, daß dem Sportverein militärische Disziplin innegehalten und sogar Uebungen durchgeführt wurden. Die Polizei ist zur Zeit bemüht, noch näher festzustellen, zu welchem Zweck die Instruktion im Waffengebrauch dienen sollte. Uebrigens waren die gefundenen Eierhandgranaten durchweg mit Zünder versehen, also scharf gemacht. Ob sich der Kreis der Beteiligten über die drei festgenommenen Personen hinaus noch vergrößern wird, steht noch nicht fest. Insbesondere bemüht man sich, zu ermitteln, ob es sich bei dem Deutschen Marinesportklub um eine geheime Fortsetzung des zunächst in Preußen verbotenen und dann von seinem Führer aufgelösten Bundes„Wiking“ handelt, worauf die Auffindung von ca. 600 Abzeichen dieses Bundes hindeutet. Volkspartei und der Wirtschaftspartei für die Bewilligung einsetzten. Danach ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß in der zweiten Beratung die Panzerkreuzerrate abgelehnt wird. Daraus würden sich aber, wie wir erfahren, ernste politische Schwierigkeiten nicht ergeben, denn hier handelt es sich ja nicht um eine eigentliche Regierungsvorlage, sondern um die Uebernahme eines Reichsratsantrages und die Ablehnung der Rate bei diesem Etat würde nur eine Vertagung bis zum nächsten Jahre bedeuten. Reichsminister Dr. Wirth erklärte sich bereit, im Haushaltsausschuß das gesamte Material über die Verhandlungen mit der thüringischen Regierung vorzutragen. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer setzte sich am Schluß der Aussprache mit den Einwendungen der Parteiredner auseinander. Die Regierung wolle keineswegs einen Abbau der Leistungen der Arbeitslosenversicherung, weil dadurch die Wohlfahrtsetats der Gemeinden stärker belastet würden. Ueberflüssige und entbehrliche Ausgaben müßten aber vermieden werden. Dem Reichswirtschaftsrat werde die Frage unterbreitet, ob die in Oesterreich eingeführte Phasenpauschalierung der Umsatzsteuer auch bei uns durchführbar wäre. Der Minister wünschte in irgendeiner Form eine Festlegung dahin, daß die im Etat vorgesehenen Ausgaben nicht durch die Annahme weitergehender Anträge im Reichstag überschritten werden. Er regte eine dahingehende Vereinbarung der Regierungsparteien an. Zum Osthilfeprogramm bemerkte Dr. Moldenhauer, daß damit nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch das Gewerbe entlastet werden solle. Die für das ganze Reich im Jahre 1931 vorgesehene Senkung der Realteuern sollte in den notleidenden Ostbezirken vorweggenommen werden. Schließlich erklärte der Minister, daß das Ausgabensenkungsgesetz noch vor der Sommerpause verabschiedet werden solle. Die nächste Sitzung des Reichstages wird erst am 15. Mai, 3 Uhr, stattfinden. Dann soll die zweite Lesung des Etats beginnen. Inzwischen wird Etat beraten. der Haushaltsausschuß den Das Roggenproblem. Der preußische Landwirtschaftsminister berät mit den Vorsitzenden der Landwirtschaftskammern. wtb. Berlin, 4. Mai.(Tel.) Wie der Amtliche dreußische Pressedienst mitteilt, hat der Landwirtschaftsminister am 2. Mai mit den Vorsitzenden der Landwirtschaftskammern das Roggenproblem erörtert. Hierbei ergab sich übereinstimmend, daß zur Ergänzung der handelspolitischen und sonstigen Maßnahmen zur Hebung des Roggenpreises eine Einschränkung des Roggenbaues erforderlich ist, um die Roggenernten, soweit möglich, dem Roggenbedarf anzupassen. Es ist notwendig, daß die Roggenanbaufläche, soweit die mit Roggen bestellten Böden auch für andere Fruchtarten, insbesondere für Weizen oder gutterpflanzen, geeignet sind, zugunsten dieser Fruchtarten eingeschränkt wird. Hierbei werden sich westlich der Elbe größere Umstellungsmöglichkeiten als im Osten ergeben. Im Interesse dieser Umstellung soll im Einvernehmen mit dem Reiche eine Reihe von einzelnen Maßnahmen durchgeführt werden, die eingehend besprochen worden sind. Die Rückwälzung der erhöhten umsatzsteuer. Eine Entschließung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. wtb. Berlin, 4. Mai.(Tel.) Zur Frage der Rückwälzung der erhöhten Umsatzsteuer hat das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie in seiner letzten Sitzung folgende Entschließung gefaßt: „Das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie hat mit größtem Befremden festgestellt, daß einzelne Wirtschaftsgruppen, insbesondere die Großbetriebe des Einzelhandels,entgegen den klaren Bestimmungen des Gesetzes über die erhöhte Umsatzsteuer diese Steuer auf die Lieferer zurückzuwälzen versuchen, und zwar unter ausdrücklicher Androhung des Boykotts. Sogar auf festgeschlossene Verträge soll sich dies Verlangen in vielen Fällen erstrecken, obwohl hierfür jede juristische Stütze fehlt. Das Präsidium erblickt in diesen Versuchen einen Uebergriff, der über die im Kampf um die Selbstbehauptung statthafte Abwehr weit hinausgeht, und dem die Industrie mit allen Mitteln entgegentreten wird. Der Reichsverband der deutschen Industrie als solcher hat die Erhöhung der Umsatzsteuer in Form der Sondersteuer stets scharf bekämpft. Nachdem aber das Gesetz erlassen ist, mit dem klaren Willen, eine Sonderbelastung gewisser Großbetriebe des Einzelhandels vorzuiehmen, ist es als unzulässig und dem Sinne des Gesetzes direkt widersprechend anzusehen, wenn Rückwälzungsversuche dieser Art gemacht werden. Das Präsidium rät allen angeschlossenen Verbänden, sich diesen Versuchen mit allen gebotenen Mitteln zu widersetzen, und hat die Geschäftsführung des Reichsverbandes beauftragt, sofort alle Schritte zu unternehmen, um der eingerissenen Unsicherheit zu steuern.“ Die Lage in Indien. Verhaftung eines indischen Nationalistenführers. wtb Amritsar, 4. Mai.(Tel.) Der Vorsitzende eines Ausschusses des Lahore=Kongresses, Dr. Kitchlew, wurde gestern unter der Beschuldigung aufrührerischer Betätigung verhaftet. Daraufhin wurden die Geschäfte in der Stadt zum Zeichen der Trauer geschlossen. Polizei= und Militärpatrouillen durchzogen die Stadt, doch kam es zu keinen Zwischenfällen. Ein Zusammenstoß in Kalkutta. wtb Kalkutta, 4. Mai.(Tel.) Als die Polizei am Samstagabend eine Versammlung, die sich aus einer Volksmenge gebildet hatte, zum Auseinandergehen aufsorderte, da sie ungesetzlich sei, wurde ihrer Anordnung nicht Folge geleistet. Die Polizei machte darauf von der Waffe Gebrauch, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Fünf Personen wurden verhaftet. Straßenkämpfe in Peschawar. Meutern der Sithtruppen. wtb. Moskau, 5. Mai.(Funkspruch.) Die Tel.=Ag. der Sowjetunion meldet aus Kabul, daß nach dort aus Indien eingelaufenen Berichten indische Aufständische das die Stadt Peschawar beherrschende Fort erobert hätten. Peschawar sei zwar noch in den Händen der englischen Kommandantur. In der Stadt seien jedoch heftige Straßenkämpfe entbrannt. Die Eingeborenen=Polizei und die Sikhtruppen weigerten sich, die Bewegung zu unterdrücken und schlossen sich den Aufständischen an. Weitere Entlassungen. Zu den Kündigungen auf Consolidation und Königin Elisabeth. wtb Dortmund, 3. Mai.(Tel.) Zu der gestrigen Meldung von weiteren Entlassungen auf den Zechen Consolidation und Königin Elisabeth ist nachzutragen, daß von der Belegschaft von 3000 Mann jeweils nach der Arbeitslage Teilentlassungen stattfinden sollen. Die Verhandlungen haben ergeben, daß auch diese Teilentlassungen nur vollzogen werden sollen, wenn die Arheitsmöglichkeit sich in dem Maße verschlechtert, wie befürchtet wird. Aus diesem Grunde sind die vorläufigen Anträge auf Kündigung beim Stillegungskommissar gestellt worden, so daß ihnen zum größten Teil nur formale Bedeutung zukommt und bei tatsächlicher Verschlechterung der Lage nur ein geringer Prozentsatz Kündigungen wirksam wird Frehspran, in Fulle Prezeß. wtb Hamburg, 4. Mai.(Tel.) Gestern nachmittag wurde in dem seit dem 9. April vor dem Hamburger Schwurgericht verhandelten Falke=Prozeß das Urteil gesprochen. Kurz nach 1 Uhr betrat der Gerichtshof den bis auf den letzten Platz besetzten und mit begreiflicher Spannung erfüllten Schwurgerichtssaal. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Steinike, verkündete folgendes Urteil: Die Angeklagten werden freigesprochen; die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. In der Begründung des Urteils, die außerordentlich umfangreich ist, wird u. a. ausgeführt: Das Gericht ist zu einem Freispruch gekommen; aber die Angeklagten dürfen sich nicht etwa einbilden, daß sie nun mit weißer Weste und hocherhobenen Hauptes aus dem Saale gehen können. Das Gericht stellt ausdrücklich fest, daß der Erwerbssinn der Angeklagten so stark ausgeprägt ist, daß sie auch vor anrüchigen Geschäften nicht zurückschreckten. Festgestellt ist weiter, daß sich die Angeklagten zu einem hochverräterischen Unternehmen gegen das uns befreundete Venezuela zusammengetan haben. Verhaftung eines Millionenschwindiers in Mexiko. enb. Neuyork, 4. Mai.(Eig. Meldung.) Wie Associated Preß aus Mexiko meldet, ist in Zacatecas ein Deutscher namens Ernst RiAber da kein diesbezüglicher Strafantrag vor= chard Saber auf Ersuchen der deutschen kann deswegen auch keine Strafverfolaungg„... g49t warden Mig liegt, kann deswegen auch keine Strafverfolgung eintreten. Die Angeklagten haben das Leben der Schiffsmannschaft in höchste Gefahr gebracht. Die Begründung erörtert dann in längeren Ausführungen, warum eine Verurteilung wegen Menschenraubs nicht möglich gewesen sei. Im Verlaufe dieser Darlegungen wird u. a. auch erklärt, daß die Mannschaft ungefähr gewußt haben mußte, worum es sich handelte. Koch habe das Schiff verlassen, die anderen hätten das auch gekonnt. Zum Schluß heißt es dann noch einmal ausdrücklich: Juristisch müssen die Angeklagten zwar freigesprochen werden, moralisch sind sie jedoch schwer zu verurteilen. Waffenlieferungen dieser Art sind immer vom Uebel, ganz besonders wenn sie zur Vorbereitung einer Revolution dienen; denn dann sind sie ein schweres Verbrechen. Hier waren Gewinnsucht und Habgier die Triebfeder. Moralisch sind die Angeklagten gar nicht schwer genug zu brandmarken. Das Gericht hat den denkbar schlechtesten Eindruck von den Angeklagten. Die Inderziffer der Großhandelspreise vom 30. April 1930. wtb. Berlin, 3. Mai.(Tel.) Die auf den Stichtag des 30. April berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist mit 126,4 gegenüber der Vorwoche(126,7) um 0,2 v. H. zurückgegangen. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 0,7 v. H. auf 112,0(112,8) gesunken. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren hat sich von 124,2 auf 124,3 erhöht, während diejenige für industrielle Fertigwaren von 151,9 auf 151,8 nachgegeben hat. Pensionskassenverschmelzung im Baugewerbe beschlossen. wtb. Berlin, 5. Mai.(Tel.) Die Generalversammlungen der neutralen Pensionskassen im Bankgewerbe und der Hauspensionskassen der früheren Deutschen Bank haben beschlossen, die Fusion der beiden Kassen durchzuführen. In beiden Versammlungen wurden die für die Verschmelzung notwendigen Satzungsänderungen und der Fusionsvertrag selbst einstimmig angenommen. Die Kassenverschmelzung bedarf nunmehr noch der Zustimmung des Reichsaussichtsamtes für Privatversicherung und des Reichsarbeitsministeriums. Es werden dann rund 80 Prozent der Deutschen Bank=Angestellten eine einheitliche Pensionsversicherung haben. Tödlicher Fallschirmabsturz beim Gelderner Fiugtag. wtb. Geldern, 4. Mai.(Tel.) Am heutigen Sonntagnachmittag fand in der Nähe der Stadt ein Flugtag statt, der trotz des diesigen Wetters gut besucht war. Leider nahm die Veranstaltung einen sehr bedauerlichen Ausgang. Die Haupt= und Schlußnummer des Programms war ein Fallschirmabsprung des 35jährigen Fallschirmpiloten A. Langer aus Darmstadt, der seinen 78. Absprung unternahm. Kurz nach Verlassen des Flugzeuges entsaltete sich programmmäßig der Fallschirm. Plötzlich jedoch, als sich der Schirm völlig entfaltet hatte, bemerkten die Zuschauer, daß der Pilot keine Verbindung mehr mit dem Fallschirm hatte und den Fallschirm hinter sich lassend zu Boden stürzte, wo er in unmittelbarer Nähe der Zuschauer aufschlug. Er war sofort tot. Seine Leiche wurde nach der Leichenhalle gebracht. Die luftpolizeiliche Untersuchung ergab, daß der Fallschirmpilot vergessen hatte, die Karabinerhaken des Fallschirms an den Tragring seines Körpers zu befestigen. sich auch schon länger in Berlin aufhält. Alle Verhafteten werden wegen Rauschgifthandel dem Untersuchungsrichter zugeführt werden. Aus Nah und Fern. In selbstmörderischer Absicht vor die Lokomotive geworfen. wp. Attendorn(Sauerland), 3. Mai.(Tel.) Gestern abend kurz nach 8 Uhr sprang auf der Strecke Finnentrop—Attendorn der Fabrikarbeiter Joseph Groß aus Heggen in selbstmörderischer Absicht vor die Lokomotive des von Attendorn abfahrenden Personenzuges. Der Kopf wurde dem Unglücklichen fast abgefahren, so daß der Tod sofort eintrat. Internationaler Heiratsschwindler festgenommen wp Bad Kreuznach, 3. Mai.(Tel.) Der von der Kriminalpolizei verschiedener Länder gesuchte Heiratsschwindler Schneider konnte in der Nähe von Bad Kreuznach ermittelt und ins Gefängnis eingeliefert werden. Schneider ist Tscheche und trieb sein unsauberes Geschäft, ohne daß es bisher gelang, seiner habhaft zu werden. Brand im Auswärtigen Amt. enb. Berlin, 3. Mai.(Tel.) Im Auswärtigen Amt, Wilhelmstraße 74, entstand heute nachmittag 2.05 Uhr durch Kurzschluß ein Kabelbrand, der aber durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr in zehn Minuten gelöscht werden konnte; der Schaden ist unbedeutend. Haftbefehl gegen die Gebrüder Saß. wtb. Berlin, 4. Mai.(Tel.) Der Vernehmungsrichter beim Polizeipräsidium hat gegen Franz Saß wegen schweren versuchten Einbruchs im strafverschärfenden Rückfall und gegen Erich Saß wegen schweren versuchten Einbruchs Haftbefehl erlassen. Die Brüder wurden gestern dem Untersuchungsrichter in Moabit zugeführt. Ein Lehrer unter dem Verdacht des Sittlichkeitsverbrechens verhaftet. wp. Mainz, 3. Mai.(Tel.) Der Lehrer Ernst August Welsch aus Speyer, der zuletzt als Volksschullehrer in Heimersheim bei Alzey tätig war, wurde dort auf Grund der Aussagen mehrerer Schülerinnen wegen Sittlichkeitsverbrechens an den ihm anvertrauten Kindern verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis nach Mainz gebracht. DZug fährt in eine Kolonne. Drei Arbeiter getötet. wtb. Hannover, 3. Mai. Der D=Zug 141 fuhr gestern mittag 1,15 Uhr bei Block 132 zwischen dem Bahnhof Rheda und Gütersloh in eine am Gleise arbeitende Rotte, wobei die Arbeiter Roland, Polklas und Wilmstrok getötet wurden. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. 7 Rauschgiftschieber verhaftet. enb. Berlin, 5. Mai.(Eigene Radiomeldung.) Die Polizei hat hier in den letzten Tagen sieben Rauschgiftschieber festgenommen. Es handelt sich um den Buchhalter Walter Berndt, einen Martin Simon, einen russischen Emigranten Baron Basil von K., einen gewissen Ruckenstein, der seit 1920 in Deutschland lebt, obwohl er bereits dreimal ausgewiesen wurde, und der als internationaler Hoteldieb bekannt ist, einen ebenfalls ausgewiesenen Polen namens Ilik, einen bekannten Wohnungseinbrecher und einen türkischen Arzt, der auch mit Teppichen handelt. An diesen sollte ein Kilo reines Kokain, das aus der Tschechoslowakei über die Grenze eingeschmuggelt worden war, für den Preis von 10000 Mark verkauft werden. Das Kokain, das beschlagnahmt wurde, ist nachweislich von einer Prager Firma geliefert worden, die früher schon dreimal von den Berliner Kriminalbehörden gewarnt worden war. Die Prager Behörden sind von der neuen Lieferung verständigt worden. Gesucht wird noch der Führer der Schiebergesellschaft, ein gewisser aus Galizien stammender Fleischmann, der Beyoroen verhafter worden. Wie es heißt, hat Saber verschiedene deutsche Banken durch Fälschermanöver um mehrere Millionen Mark betrogen. Explosion in einer amerikanischen Flughalle. wtb Hasbrouk Heights(New Jersey), 3. Mai. (Tel.) In der Flughalle der Fokker Aircraft Company erfolgte eine Explosion, durch die ein Mechaniker getötet und acht schwer verletzt wurden. Die Arbeiter, die durch den Luftdruck fortgeschleudert wurden, erlitten bei dem durch die Explosion entstandenen Feuer schwere Brandwunden. An dem Aufkommen von vier der Verletzten wird gezweifelt. Zwei Fluggäste vom Propeller getötet. wtb Berlin, 4. Mai.(Tel.) Durch eigene Unvorsichtigkeit kamen am Samstagabend zwei Flugzeuggäste, und zwar ein Herr Walter Bartelnes auf dem Flugplatz Chemnitz und eine Frau Hartnack auf dem Flugplatz Tempelhof ums Leben. Im ersteren Falle sprang der erwähnte Fluggast nach Abschluß eines Rundfluges, als das Flugzeug bereits wieder vor dem Chemnitzer Flughafengebäude anhielt, unvorsichtigerweise beim Aussteigen nach vorn und wurde dabei von dem im Leerlauf befindlichen Propeller getroffen und getötet. Im weiten Falle lief die genannte Dame, nachdem sie mit einem Schulflugzeug, von Dessau kommend, in Tempelhof gelandet war, anstatt hinten um die Maschine herumzugehen, nach vorn und kam infolge ihrer Unachtsamkeit in den Bereich des leerlaufenden Propellers. Sie wurde getroffen und war sofort tot. Flugzeugunglück in der Schweiz. wtb Basel, 4. Mai.(Tel.) Am Samstag nachmittag unternahm der Verleger der Zeitschrift„Individualität“, Wilhelm Storrer aus Dornach, mit einem Stuttgarter und einem Baseler Bekannten vom Flugplatz Sternenfeld einen Flug in die Jura=Berge. In der Nähe des Aussichtsturmes beim Gempen=Stollen kam die Maschine in dem Augenblick, als Storrer Bekannten zuwinken wollte, anscheinend mit den Baumkronen in Berührung und stürzte ab. Storrer und sein Stuttgarter Begleiter waren sofort tot, während der Baseler Fluggast mit ernsten Verletzungen ins Krankenhaus nach Basel eingeliefert wurde. Todessturz auf der Rennbahn. wtb London, 4. Mai.(Tel.) Ein von dem Rennfahrer Hisatt auf der Bahn von Brookland gesteuertes Motorrad mit Beiwagen glitt, als es mit einer Stundengeschwindigkeit von 150 km die letzten Etappen eines Rennens über zweihundert Meilen zurücklegte, auf dem feuchten Boden aus, überschlug sich und zerschmetterte an der Wand der Bahn. Hisatt wurde getötet, sein Begleiter blieb unverletzt. Hisatt hatte kurz vorher zwei Rekorde geschlagen. Die anderen Rennen wurden abgesagt. Schlagwetterunglück in Spanien 10 Tote. wtb. Madrid, 4. Mai.(Tel.) In einem Bergwerk in Barcelona, Provinz Asturien, ereignete sich eine Schlagwetterkatastrophe, bei der zehn Bergleute ums Leben kamen. Nüchrichtendienst durch Funtspracht Schweres Automobilunglück. enb. Berlin, 5. Mai.(Eigene Radiomeldung.) Ein schweres Automobilunglück hat eine hiesige Familie betroffen. Beim Ueberholen eines anderen Autos geriet das Auto auf den Sommerweg und stürzte eine zwei Meter tiefe Böschung hinunter. Die am Steuer sitzende Zahnärztin Erna Schragenheim war sofort tot. Albert Schragenheim und die beiden anderen Insassen des Autos, der Zahnarzt Dr. Silberstein und dessen Frau aus Moabit erlitten schwere Schädelbrüche. Zusammenstoß zwischen Eisenbahnzug und Lastauto. Bundespräsident Miklas im Zuge. wtb. Wien, 5. Mai.(Funkspruch.) Der Zug der Südbahn, mit dem Bundespräsident Miklas am Sonntag um 20,50 Uhr von Wiener=Neustadt abgefahren war, stieß an der Abzweigung der Possendorfer Linie mit einem schweren Lastauto zusammen, das die Lokomotive beschädigte und unbrauchbar machte. Der Zug erhielt eine neue Lokomotive und traf um 23,20 Uhr in Wien ein. Die 3 Insassen des Lastautos wurden leicht verletzt. Doumergues Empfang in Algier. wtb. Paris, 5. Mai.(Funkspruch.) Der Präsident der Republik, Doumergue, ist am Sonntag in Algier eingetroffen. Im Verlaufe der Begrüßungsfeierlichkeiten machte ein Abgesandter der Stammesführer, der Tradition gemäß, dem Präsidenten als Zeichen der Unterwerfung und des Gehorsams ein Pferd zum Geschenk. Im Laufe des Vormittags hat der Präsident die Huldigungen der Stammesführer entgegengenommen. Am Nachmittag wurde in seiner Gegenwart das Denkmal für den früheren Ministerpräsidenten Viviani, der in Algier geboren war, eingeweiht, wobei Handelsminister Dumesnil die Festrede hielt. Die angeblichen Newyorker Kommunistendokumente. wtb. Newyork, 5. Mai.(Funkspruch.) Der Polizeipräsident Whalen verweigerte die vom Vorsitzenden der Sowjethandelsgesellschaft, Amtorg, in Newyork verlangte Einsicht in die angeblichen Kommunistendokumente mit der Begründung, daß die Polizei eine Untersuchung über die kommunistische Tätigkeit eingeleitet habe. Herald und Tribune veröffentlichen eine längere Erklärung der kommunistischen Parteileitung, die alle Beziehungen zu den in den Dokumenten genannten Persönlichkeiten abstreitet und erklärt, daß die genannten Persönlichkeiten überhaupt nicht existieren. Krawall bei einem Vortrag Unamunos. wtb. Perpignan, 5. Mai.(Funkspruch.) Hier eingetroffene Meldungen aus Madrid besagen, daß zu Beginn eines Vortrages, den Prof. Unamuno in einem Kino hielt, trotz eines umfassenden polizeilichen Ordnungsdienstes etwa 20 junge Leute, die offenbar Anhänger eines Dr. Albinana waren, mit Gummiknüppeln gegen die Bühne vordrangen und auf den in der ersten Reihe sitzenden Sozialistenführer Pieto einschlugen. Die Ruhestörer wurden aus dem Saal gewiesen und Prof. Unamuno konnte seinen Vortrag halten. Nach Schluß der Versammlung wurden die Versammlungsteilnehmer wiederum von Anhängern des Dr. Albinana überfallen. Die Polizei griff ein, um die Straßen freizumachen Abschluß der Feuerschutzwoche in Schwerte Starke Anteilnahme der Bürgerschaft am gestrigen Sonntag.— Platzkonzert auf dem Postplatz.— Das neue Rathaus als Brandobjekt. Einwandfrei durchgeführte Uebungen der freiw. Feuerwehr Schwerte und der freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, Schwerte.— Eine: günstige Kritik. Schwerte, den 5. Mai 1930. unserer letzten Samstag* Wie wir in unse Ausgabe mitteilten, fand mit dem gestrigen Tage die Feuerschutzwoche ihren offiziellen Abschluß und dieser Sonntag war von einem günstigen Wettergott beherrscht. Schon in den frühen Morgenstunden, als unsere Feuerwehr zum allgemeinen Wecken rüstete, stand ein blauer Himmel über Schwerte und Frau Sonne ließ darüber keinen Zweifel offen, daß sie an diesem Tage mit viel Licht und Wärme aufwarten würde. Die Wünsche und Hoffnungen der Schwerter Bürgerschaft in dieser Hinsicht wurden darum auch keineswegs geschmälert und so machte sich schon in den Vormittagsstunden in unserer Stadt ein reges Leben und Treiben bemerkbar, was nicht zuletzt auf die angekündigten Veranstaltungen unserer freiw. Feuerwehr zum Abschluß der Feuerschutzwoche zurückzuführen ist, ist es doch auch neben anderen Vereinen und sozialen Einrichtungen die brave und jederzeit hilfsbereite freiw. Feuerwehr, die sich einer besonderen Wertschätzung und Beliebtheit erfreuen kann. Es nahm darum auch kein Wunder, wenn ein solch' reges Interesse ihr am gestrigen Sonntag entgegengebracht wurde, wollte doch jeder einmal selbst feststellen, was unsere Wehr, im Falle, den lieben Nächsten aus drohender Gefahr zu helfen oder diese abzuwenden, überhaupt zu leisten imstande ist. Und daß es ihr an Nächstenliebe nicht mangelt, an Mut, Beherztheit und Entschlossenheit, hat der gestrige Tag voll und ganz unter Beweis gestellt, sodaß man mit Ueberzeugung getrost sagen kann, daß die freiw. Feuerwehr auf dem Posten ist, wenn es gilt, Gefahren zu bekämpfen und zu verhüten. Der gestrige Sonntag bedeutete für die Wehrleute eine Generalprobe auf Herz und Nieren vor aller Oeffentlichkeit und für das Bestehen der „Examen“ kann man jedem Mitglied nur gratulieren, ebenfalls dem Oberbrandmeister Hudeck, der als Verantwortlicher des Ganzen bewiesen hat, daß unter seiner Leitung alles wie am Schnürchen klappt. Nach einer Geräteausstellung im Gerätehaus der Bismarckschule, die sich eines guten Besuches erfreuen konnte, fanden die eigentlichen offiziellen Veranstaltungen in den Mittagsstunden des gestrigen Sonntags auf dem Postplatz und vor dem neuen Rathause statt. Auf dem Postplatz war es die FeuerwehrWerkskapelle Schwerte=Ost, die viele sonntäglichen Spaziergänger durch ein Platzkonzert herbeigelockt hatte. Es wurde dort eifrig und durchaus ansprechend musiziert und den Klängen einer gut geschulten Kapelle lauschte man gern. Hinzu kam das prächtige Wetter, das besonders unsere Damenwelt veranlaßt hatte, ihre duftigen und leichten Frühjahrstoiletten zur Schau zu tragen. Ueberall sah man frohe Gesichter und Frau Sonne sorgte selbst dasür, daß auch die Griesgrämigsten mit einem heiteren Mienenspiel erschienen waren. So war die erforderliche Sonntagsstimmung in bester Weise gegeben. Gegen 11,45 Uhr ertönten dann die ersten Alarmsignale der sreiw. Feuerwehr. Als Brandobjekt war das neue Rathaus ausersehen, dem eine Explosion im Innern des Gebäudes zugrunde lag. Vom Postplatz eilte Jung und Alt zum neuen Rathaus, um diesem außergewöhnlichen Schauspiel beizuwohnen. Wenige Minuten nach den Alarmsignalen erschien dann in eiliger Fahrt die Freiw. Feuerwehr mit Gerätewagen, Magirusleiter, Steigerwagen und Schlauchwagen, sodaß die Uebung in verhältnismäßig kurzer Zeit beginnen konnte, bei der Vertreter der Behörden zugegen waren. Der Rathausvorplatz war entsprechend abgegrenzt und der Verkehr von der Hörderstraße und umgekehrt wurde umgeleitet, sodaß die Uebung einen störungsfreien Verlauf nehmen konnte. Schnell waren die einzelnen Schlauchleitungen gelegt, die Magirusleiter wurde aufgerichtet und dann entströmten fünf Schlauchleitungen helle Wasserstrahlen die sich gegen das Rathaus richteten, das„in Brand“ geraten war. Personen, die sich im Innern des Gebäudes aufhielten, befanden sich in Lebensgefahr, sodaß für die Wehrleute die Aufgabe bestand, diese zu retten. Die Gänge und Zimmer des Rathauses waren jedoch angefüllt mit Rauch und es war erforderlich, daß ein Wehrmann mit einem Rauchhelm vordringen mußte. Das Zerspringen von Fensterscheiben usw. im Rathausgebäude wurde durch hervorgerufenen Geräusche naturgetreu wiedergegeben, sodaß der Zuschauer bestimmt die Annahme haben konnte, daß ein Brand ausgebrochen sei. Die Uebung mit dem Rauchhelm, der eine Luftzufuhr von draußen benötigt, erwies sich ebenfalls als einwandfrei. An zwei Feuerwehrleuten, die aus dem Rathaus gerettet werden konnten, wurden Wiederbelebungsversuche angestellt, die von Erfolg gekrönt waren. Hervorzuheben ist, daß sich an diesen Wiederbelebungsversuchen die freiw. Sanitätskolonne v. Roten Kreuz intensiv beteiligte und dadurch gleichzeitig ihre soziale Aufgabe öffentlich bekundete. Auch ihr ist das Zeugnis auszustellen, daß sie im Bedarfsfalle da schnell zur Stelle ist, wo sie benötigt wird. Die ihr gestellten Aufgaben löste sie in einwandfreier und geschickter Weise. Das neue Krankenauto, daß der Stadt von Iserlohn aus zur Verfügung gestellt wurde und dessen Einrichtung durchaus den Ansorderungen der Jetzzeit entspricht, war ebenfalls am Rathaus erschienen, und die bei dem Brande verunglückten Personen, von denen eine eine Beinverletzung davongetragen hatte, aufzunehmen. Alles wickelte sich in kürzester Frist ab, sodaß die Uebung bereits nach 20 Minuten als beendet angesehen werden konnte. Bevor die Wehr wieder abrückte, sprach Bürgermeister Schlegtendal ihr sowie der freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz seinen Dank für die guten Leistungen aus, die hier voll und ganz zur Geltung gekommen seien, den Zweck unterstreichend, den die Einrichtungen zum Wohle der Allgemeinheit verfolgen. Damit war die öffentl. Veranstaltung beendet. Anschließend fanden sich die Mitglieder der freiw. Feuerwehr und der freiw. Sanitätskollone vom Roten Kreuz im Lokale Kordeck zu einem gemütlichen Zusammensein ein. Oberbrandmeister Hudeck sagte, daß der heutige Tag den Abschluß der Feuerschutzwoche bedeute. Die am neuen Rathaus ausgeführte Uebung sei an und für sich noch leicht gewesen, sie sei aber durchaus zu seiner Zufriedenheit ausgefallen. Besonders, dankte der Redner der freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, die durch ihre Unterstützung zum Gelingen der Uebung beigetragen habe und sprach die Hoffnung auf ein weiteres Einvernehmen zwischen beiden Einrichtungen aus. Herr Sedler von der Sanitätskolonne fand, ebenfalls herzliche Dankesworte und hob ebenfalls das Kameradschaftsgesühl hervor, das auch künftig andauern möge. Mit diesem gemeinsamen Zusammensein fand die Feuerschutzwoche in Schwerte einen schönen Abschluß. Immerhin ist durch die Veranstaltung einer Feuerschutzwoche bei der Bürgerschaft viel erreicht worden; die Aufklärungsarbeit konnte nicht eindringlicher sein und es wäre nur zu wünschen, daß die ausgestreute Saat auf fruchtbaren Boden gefallen ist.„Helft Feuer verhüten!“ ist eine Parole, die nicht nur für den gestrigen Sonntag und die voraufgegangene Woche bestimmt war, sondern die an jedem Tage immer wieder aufs Neue laut wird. Erst dann ist der Zweck der Feuerschutzwoche ganz erreicht, wenn man den diesbezgl. Mahnungen und Warnungen, das Feuer und Licht recht zu wahren, anhaltende und ständige Aufmerksamkeit entgegenbringt. Dieses zu beherzigen, sei eine unserer vornehmsten und edelsten Aufgaben mit. 2—2 Fahnenweihe und J7jährige Bestehensfeier des Krieger= und Landwehrvereins Garenfeld l. Garenfeld. Der gestrige Sonntag war nicht nur für den Krieger= und Landwehrverein, sondern auch für die gesamte Gemeinde ein besonderes Erlebnis. Die glänzende Beteiligung sowie der Verlauf des Festes legen beredtes Zeugnis davon ab, daß der Verein, welcher über ein halbes Jahrhundert sich und seinen hohen Idealen treu geblieben ist, tief im Gemeinschaftsleben von Garenfeld wurzelt.— Ab. 15 Uhr erfolgte der Empfang der auswärtigen Brudervereine und eine halbe Stunde später setzte sich mit klingendem Spiel ein imposanter Festzug durch die Gemeinde in Bewegung. Derselbe endete auf der großen Weide hinter der Wirtschaft Soeding, woselbst der eigentliche Weihealt stattfand. Nach dem Musikstück:„Wir treten zum Beten“ ergriff zunächst Lehrer Vogt=Garenfeld das Wort zur Begrüßungsansprache. Herzlichst begrüßte er die erschienenen Brudervereine Westhofen, Syburg und Berchum sowie die gesamte Festversammlung. Sein besonderer Gruß galt dem Vorsitzenden des Kreiskriegerverbandes Hörde, Kamerad Blomberg=Kirchhörde. Er sprach seine Freude darüber aus, daß die Brudervereine trotz der wirtschaftlich ernsten Zeit erschienen seien, um Zeuge der Enthüllung und Weihe des Banners zu sein, unter dem der festgebende Verein in Zukunft weiter blühen und gedeihen soll. Der alten, scheidenden Fahne aber sprach er(sie als ältesten Kameraden bezeichnend) Dank aus für die Treue, die sie dem Verein 57 Jahre bewiesen habe. Allzeit habe sie über dem Vereinsleben geweht, sei es in schweren oder auch ernsten Zeiten gewesen. Für die reichen Spenden, die die Beschaffung der neuen Fahne ermöglichten, sprach der Redner auch an dieser Stelle nochmals tiefen Dank aus. Von dem Kameraden SchrammGarenfeld wurde dann in wirkungsvoller Weise ein Prolog vorgetragen, den wir morgen veröffentlichen. Vom Männergesangverein„Niegedacht“ wurde dann das Westfalenlied zum Vortrag gebracht. Hierauf erstieg Kamerad Blomberg, Kirchhörde, das Rednerpult und hielt in ergreifender Weise die Weiherede. Seine Ausführungen wurzelten in dem Gedanken der Gottessurcht, Kameradschaft und der Treue. Herr Blomberg schilderte die hohe Bedeutung der Kriegervereine über die als Symbol die Treue und Kameradschaft ständen. Seine tiefdurchdachten Worte fanden Eingang in die Herzen der Zuhörer und manch altem Veteranen sah man eine tiefe Bewegung an. Nach den Worten:„In Treue fest in der Vaterlandsliebe und in Treue fest in der Kameradschaft" nahm er die Enthüllung und die Weihe der neuen Fahne vor. Diese zeigt in wundervoller Ausführung auf der Vorderseite das Bild der Germania mit der Inschrift: Kriegerund Landwehrverein Garenfeld, sowie die Jahreszahlen 1873(Gründungsjahr) und 1930(Einweihung). Die Rückseite ist mit dem Eisernen Kreuz versehen und enthält den Spruch:„Einigkeit und Recht und Freiheit". Weiter ist das Banner mit dem Westfalen=Wappen(springendes Roß) geschmückt. Nach dem Weiheakt übergab Kamerad Blomberg das Banner dem Vereinsvorsitzenden Eickelberg. Nachdem dieser ein paar passende Worte gesprochen hatte, gab er das Banner dem Träger in Obhut, welcher versprach, dasselbe zu hüten und zu schützen als das köstlichste Kleinod des Vereins. Durch den Kameraden Ebeling wurden die herzlichsten Glückwünsche für den Westhofener Verein ausgesprochen. Er griff das Wort des Vorredners„Kameradschaft“ auf und erklärte die Bedeutung dieses Wortes. Nicht allein in Krieger= und Landwehrvereinen sondern überall und vor allen Dingen auch im Gemeindeleben müsse ein Kameradschaftsgefühl vorhanden sein. Zum Schlusse seiner beifällig aufgenommenen Ausführungen übergab er den ersten Fahnennagel mit den Worten: In Kameradschaft fest! Der Männergesangverein„Sängerbund“ sang dann das Weihelied„Die Fahne rollt". Zum Schlusse ergriff nochmals Kamerad Blomberg das Wort, welches in einem dreifachen Hoch auf das Vaterland ausklang. Entblößten Hauptes wurde hiernach gemeinsam das Deutschlandlied gesungen, womit der eigentliche Weiheakt sein Ende nahm. Das anschließend im Saale Soeding stattfindende Konzert wurde von der Kapelle Musikverein Schwerte=Ost und den beiden Gesangvereinen„Niegedacht" und„Sängerbund" bestritten. Selbstverständlich kam auch noch das junge Volk zu seinem Recht, denn ab 20 Uhr fand ein großer Festball statt. Zum Schlusse sei gesagt, daß der Krieger= und Landwehrverein Garenfeld mit Stolz auf die Veranstaltung zurückblicken kann, und daß der Weiheakt und die dabei gesprochenen Worte einen tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Möge der Verein auch unter dem neuen Banner blühen und gedeihen und als ein Verein dastehen: In Treue fest in der Vaterlandsliebe und in Treue fest in der Kameradschaftsliebe! Holzen. Autounfall. Gestern abend gegen 6 Uhr ereignete sich oberhalb der Wirtschaft Hohlsiepe ein Autounfall. Bei dem mit 8 Personen besetzten Wagen versagte die Bremsvorrichtung in einer Kurve. Das Auto fuhr in den Chausseegraben und stürzte um. Die Insassen kamen hierbei unter dem Wagen zu liegen. Drei Personen, die verletzt wurden, mußten mit dem Krankenwagen einem Schwerter Krankenhause zugeführt werden. ! Westhofen. Steuerhebetermine. Für die Gemeinden des Amtsbezirks Westhofen werden an folgenden Tagen Steuerhebetermine abgehalten: für die Gemeinden Westhofen, Garenfeld und Wandhofen am Mittwoch, den 7. Mai, vormittags, im Amtskassenlokal; für die Gemeinde Lichtendorf am Donnerstag, den 8. Mai vormittags 9—9,30 Uhr, in der Wirtschaft Wiemhoff auf dem Eichholz; für die Gemeinde Geisecke am selben Tage, vormittags 10—10,30 Uhr, in der Wirtschaft Schulte=Höppe daselbst; für die Gemeinde Holzen am Freitag, den 9. Mai, und zwar vormittags 9—9,30 Uhr in der Wirtschaft Prein auf dem Höchsten, 10—10,30 Uhr in der Wirtschaft Eisenberg auf dem Sommerberg und 11—11,30 Uhr in der Wirtschaft Schneider in den Rosen. ! Westhofen. Ermittelter Dieb. Einem landwirtschaftlichen Gehilfen war vor einigen Tagen in Ellinghausen bei Arnsberg ein neuer Anzug entwendet worden. Man schöpfte Verdacht auf den Melker Leo Stroschke, welcher nach dem Diebstahl verschwunden war. Auf Grund der Nachforschungen der Landjäverei gelang es, Str. in Lichtendorf ausfindig zu machen. Bei einer Durchsuchung wurde der gestohlene Anzug vorgefunden. ! Westhofen. Eine Sitzung der Baukommission findet am Donnerstag, den 8. Mai statt. Zur Verhandlung stehen u. a. folgende Punkte: Bauliche Veränderungen und Verbesserungen an der Ruhrbadeanstalt, Erbreiterung des Eingangs der Friedensstraße, Erbreiterung des Bürgersteigs an der Bahnhofstraße vor der Besitzung Sieberg. 1 Lichtendorf. Silberhochzeit. Die Eheleute Gutsbesitzer Comberg und Mathilde geb. Reuter in Ostberge Nr. 1 wohnhaft, begingen am Sonnabend das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Herzlichen Glückwunsch. Turnen, Spiel, Sport Fußbel? Läuderkampf Deutschland— Schweiz 5:0 (4:01) (Näherer Bericht folgt morgen!) * Alemannia 1.— Berghofen 1. 3:3. Samstag abend standen sich in der Alemannenkampfbahn oben genannte Gegner gegenüber Das Spiel wurde von den Alemannen überlegen geführt. Bis 10 Minuten vor Schluß stand die Partie 3:1 für die Hiesigen. Die Berghofener, die auf einen Sieg kämpften, gingen zum Endspurt über, bei welchem sie vor ihrer Körperkraft viel Gebrauch machten. Zu bemerken ist noch, daß die Alemannen mit drei Ersatzleuten spielten. Alemannia 1.— Spiel und Sport Hörde 6:0. Alemannia 2.— Spiel und Sport Hörde 2. 4:1 Am Sonntag war in der Alemannenkampfbahn wieder Hochbetrieb. Die Kämpfe standen ganz im Zeichen der Alemannen; denn mit nicht weniger als 6:0 mußten die Hörder die Segel streichen. Für die Alemannen ein gutes Zeichen für die kommenden großen Kämpfe in der Werbewoche. Schon in den ersten zwei Minuten stand die Partie 1:0 für die Hiesigen. Bis zur Halbzeit folgte ein weiterer Treffer. Nach Wiederanstoß zogen die Hörder stark an, aber zu einem Tor langte es nicht mehr; denn die Hintermannschaft war in guter Verfassung. Wenn die Verteidiger auch nicht klärten, so war doch der Ball die sichere Beute des Torwartes. In gleichen Abständen wurden dann von den Hiesigen noch vier weitere Tore getreten. Die zweite Mannschaft gab der zweiten von Hörde mit 4:3 das Nachsehen. SSV. 06 1.— Sp. u. Sp. Ergste 1. 2:2. Das obige Spiel wurde am letzten Samstag abend in freundschaftlicher Weise ausgetragen. Den gastgebenden Verein wäre zu empfehlen, künftig mehr darauf zu achten, daß die Kinder das Spiel, vornehmlich an den Toren, nicht stören. Boxen Elksnat=Schwerte unterliegt Mengelkoch=Iserlohn nach Punkten. Uns wird mitgeteilt: Am letzten Samstag fand in Iserlohn ein Großkampftag im Boxen statt, an dem Elksnat=Schwerte den Iserlohner Mengelkoch zum Gegner hatte. Der Kampf ging über drei Runden. Während Elksnat in der ersten Runde einen kleinen Vorsprung durch seine Linke erreichen konnte, versiel er in der zweiten Runde in einen Fehler, indem er sich in einen heftigen Schlagwechsel mit seinem Gegner einließ und den Mahnungen seines Trainers nicht Folge leistete. Wegen zu tiefen Abduckens mußte er eine Verwarnung einstecken. Das gleiche machte sich in der dritten Runde bemerkbar, eine zweite Verwarnung war die Folge, und somit wurde der Kampf für ihn aussichtslos; er verlor nach Punkten. Leichtatlethik Neuer Schritt der DT. Den guten Willen, den Einigungsgedanken zwischen Turnen und Sport gerade durch gemeinsame Austragung der Meisterschaften besonders zu dokumentieren, bezeugt erneut ein Schreiben des ersten Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft, Staatsminister a. D. Dominicus, an die Deutsche Sportbehörde für Leichtath= letik. Bekanntlich scheiterten die Verhandlungen über die Durchführung der gemeinsamen Meisterschaften in diesem Jahre an dem zeitlichen Zusammentreffen der DSB=Meisterschaften und des Tannenbergtreffens der DT. vom 2. bis 3. August. Nunmehr hat die DT. durch ihren Vorsitzenden die DSB. nochmals gebeten, im Interesse des Einigungsgedankens sich auf einen neuen Termin zu einigen, an dem dann beide Verbände ihre Meisterschaften gemeinsam austragen können. Die DT. bringt hierfür den 17. August in Vorschlag. * Zehn Jahre Deutsche Jugendkraft. Der Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen, die Deutsche Jugendkraft, kann in diesem Jahre auf ein zehnjähriges Bestehen und ein großartige Entwicklung als Verband für Leibesübungen zurückblicken. Am 7. September 1930 werden in ganz Deutschland von den Vereinen der Deutschen Jugendkraft die „Carl Mosterts=Spiele" zum Gedenken an den Gründer der Deutschen Jugendkraft veranstaltet werden. Eine Woche vorher wird in Düsseldorf, dem Sitz der Verbandsleitung, eine große Festtagung stattfinden. vg#k gefüllertn wenn eie sich zu gesunden Legehennen mit hohem Eler-Ertrag entwickeln sollen. Dae Putter macht’e! Es entscheidet über die Oewinne des Geflügellofs. Drum nimm OPPRPVaTOR Es isl und bleibt des MUSAATUN bine Kraflfutter. Bin 10 Pid. Probepaket Muskator für Kühen koetet frei Haus nur RM. 3—. für Hühner RM. 2.30 Berg. Kraftfutterwerk O. m. b. H. „Osseldorl-klofe Stets einfach war dein Leben! Du dachtest nie an Dich, Nur für die Deinen streben, War deine höchste Pflicht. Heute abend 8 Uhr entschlief nach kurzer, aber schwerer Krankheit, mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Haumann Im Alter von 51 Jahren. Dieses zeigen tielbetrübt an mit der Bitte um stille Tellnahme Die trauernden Hinterbliebenen: Lichtendorf, Holzwickede, Hörde und Massen, den 2. Mai 1930. Die Beerdigung findet am Dienstag, 6. Mai, nachm. 5 Uhr, vom Trauerhause nach dem neuen evgl. Friedhof in Lichtendorf, statt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. Anzeigen für unsere Miltwochausgabe (KIRMES) Eine 17374 6 ZimmerWohnung abgeschlossene 2. 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Lassen Sie sich von uns kostenlos und unverbindlich beraten, 979 Dorfkino auf der Wanderausstellung Auch auf der diesjährigen Wanderausstellung, die vom 27. Mai bis 1. Juni in Köln stattfindet, errichtet die Deutsche LandwirtschaftsGesellschaft in Verbindung mit dem Zentralausschuß für Landlichtspiele, Berlin SW. 11, Bernburgerstraße 13, ein Dorftino. Es ist bemerkenswert, daß die Filme in einem halbverdunkelten Zelt vorgeführt werden, so daß die Besucher jederzeit aus= und eingehen können. Utner anderen neuen Filmen wird auch der Landarbeitsfilm der Betriebs=Abteilung der DLG. gezeigt, der in den drei Abschnitten: Heuernte, Getreideernte, Hachfruchternte zweckmäßige Arbeitsverfahren, Geräte und Maschinen unter dem Gesichtspunkt der Ersparnis an menschlichem Arbeitsaufwand behandelt. Der Inhalt des Films gründet sich zum erheblichen Teil auf die von den Landarbeitsringen der Betriebs=Abteilung durchgeführten. Arbeiten. Unter den Filmen aus dem Gebiete der Tier= und Saatzucht sei z. B. der neue Film des Westdeutschen Verbandes für Pelztierzucht e. V. in Köln erwähnt. Auch der Film des Reichsverbandes landwirtschaftlicher Hausfrauenvereine.„Die deutsche Landfrau“, die in spannender Weise auf die Hausfrauenorganisation hinweist,läuft im Dorfkino. Ebenso dürste der Film„Unfallschutz in der Landwirtschaft" überall große Beachtung finden, um so mehr weil durch die Technisierung und Motorisierung der Landwirtschaft Unfälle häusiger vorkommen als früher. Der Film ist herausgegeben von der Zentralstelle für Unfallverhütung des Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften, Kassel. Mit besonders schönen neuen Filmen tritt diesmal die Düngerindustrie auf. Von diesen Filmen, die durch Belehrung unterhalten, sei der Film„Die Ernte“ vom Kalisyndikat mit seinen prächtigen Landschaftsaufnahmen aus der Schwalm erwähnt, ebenso der„Pflanzen doktor“, der Bayerischen Stickstofswerke A.=G., der in Bayern aufgenommen ist. Die Bedeutung des Kalks für den Boden zeigt der neue Film „Ohne Kalk— kein Leben“. Er führt die Schäden des Kallmangels klar vor Augen. Die J. G. Farbenindustrie A.=G., Ludwigshafen am Rhein tritt mit zwei neuen Filmen auf.„Der Gutsbetrieb auf dem Limburgre= hof“ sowie„Der Badische Schwarzwald und seine Weiden.“ Herrliche Aufnahmen aus dem Schwarzwald bis Bodensee sind in den belehrenden Inhalt über Weidetechnik und Weidegang eingeflochten. Das Komitee für Chilesalpeter in Berlin bringt zwei neue Filme heraus:„Tote Erde— Das Brot der Welt“ und „Das Jod und seine Bedeutung für Volksgesundheit und Wirtschaft.“ Moderne Kleidgarnituren Handstickerei in geschmackvoller Anordnung und Farbenstellung ist ein sehr beliebter, reizvoller Schmuck am Sommerkleide und wird in verschiedenster Technik ausgeführt. Ganz besonders begünstigt die Mode die Smoknäherei, die dem bulgarischen Stil entlehnt wurde. Schon jetzt ist der Handarbeit für das Sommerkleid aus Baumwollvoile, Bast oder Rohseide zu beginnen. Auf eine aparte Garnierung des Bster und Lieidigne Schaisgenien nende Fichükragen mit schmaler Spitze, Kragen aus dem so sehe beliebten i#####m Frugrnituren erdacht, die den leichten Sommerkleidern ihre moderne Rote verleihen. Mit dem Kragen stimmt der Abschluß der langen oder der neuen halblangen Armel stets überein. enfosche Gaectersaltelg engeiehegen den Bichstragen Unks oben aus weihen Oeorgate mit vomn verschlungenen Enden. Len Halbärmein sud picherholt sch die Hreischiareg. drei Farbstusen zusammengestellt ist. An den Ermelauschlägen —. Einen, häbschen Halsabschlußz büldet ein Fichükragen, wenn er, wie an der Abb, rechts oben, vorn durch zwei Einschritte gefühet ist und als Jabot Neu ist die Idee, einen schalähnlichen Seidentragen, wie rechts unten, Inten durch eine übergeknöpfte Patte zu halten, se daß sich die kurzen Kragenenden kreuzen. Die Handstickerei an dem Kleide K 34214 is an Hüftpasse und Leibchen in gleicher Linie angebracht. Der Roch fällt weit glochig aus. Die Armelaufschläge in Dreiechksform hält man mit Doppelknöpfen zusammen. Erf. 4, 10 m Stoff, 90 cm breit. Beyer=Schnitte f. 92 u. 100 cm Oberw. zu se M. Beyer=Abplättm. Nr. 010889/VII zu 1.20 M. Das einfache Kleid K 34213 erhält einen hübschen Schmuchk durch die in Strich= und Kreuzsich ausgeführte Handstlicherei an der vorn gehnöpsten Bluse. Erf. 3,50 m Stoff, 90 cm breit. Beyer=Schniete . 97 u. 100 em Oderweite zu se 1 Mark. BeyerAdpläutm. Nr. 610390/ V on 40 Pfg. # 7088 9 Beyer=Schnitt K34215 à 04089OT Beyer=Schnitt K 34110 C1094 Beyer=Schnitt Mit vorn durchgehendem Knopfschluß ist unser Modell K 34216 aus Rohselde gearbeitet und an Glochkenroch und Armeln mit farbiger Handsticherei verziert. Kreuzstichreihen markieren eine Achselpasse. Ers. 3,.90 m Stoff, 30 cm breit. Veyer=Schnitte f. 88 u. 96 cm Oberw. zu je 1 Mark. Beyer=Abplättm. 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Mai 1930. *„Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“, sagt man wohl bei besonderen Gelegenheiten, und wenn man diese Worte einem solchen Bericht, der über etwas Außergewöhnliches aussogen soll, vorausschickt, hat das nur seine volle Berechtigung, zumal es sich um eine Veranstaltung hier handelt, die den üblichen und angemessenen Rahmen weit übersteigt und wenig gemein hat mit den Feierstunden, wie wir sie so oft erleben. Man kann es getrost als ein besonderes Ereignis bezeichnen, das der Schwerter Turnerschaft von 1868 am letzten Samstag abend im Saale„Im Reiche des Wassers beschieden war, waren es doch keine geringeren als die Angehörigen der viel genannten und weitbekannten Westfalenriege der Deutschen Turnerschaft, die hier in Schwerte ein leider nur zu kurzes, aber desto eindrucksvolleres Gastspiel gaben. Namen wie Kargol, Soenneken, Klingenberg, Trostheim und Platzek besagten eigentlich schon im voraus genug, um den Saal bis auf den letzten Platz bei dieser Veranstaltung zu füllen. Daß dieses der Fall war, bewies voll und ganz der letzte Samstagabend, ja, man könnte sogar von einer Ueberfüllung des Saales sprechen, denn gar mancher an dem Kunstturnen interessierte Besucher mußte mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Es herrschte„Hochbetrieb" vor und die Turninteressenten aus der Umgebung waren zahlreich herbeigeeilt, um sich diese einzigartigen turnerischen Darbietungen nicht entgehen zu lassen. Man staunte und war begeistert, Enttäuschungen gab es in keinem Falle. Der Saal selbst hatte eine schlichte aber durchaus ansprechende Ausschmückung erfahren. Besonders wirkungsvoll war das über der Bühne hergerichtete Transparent, das durch eine rote Beleuchtung den Turnergruß„Gut Heil“ wiedergab. Der Bühnenhintergrund war dunkel abgekleidet. Während zu beiden Seiten das Zeichen „D. T.“ angebracht worden war, hatte in der Mitte das Schwerter Stadtwappen einen eindrucksvollen Platz gefunden. Pünktlich um 8 Uhr eröffnete das heimische Salonorchester Königrör die Vorfühuungsfolge mit einem flotten Marsch. Auf der änken Seite der Bühne nahmen dann die Schwerter Turnerinnen, auf der rechten Seite die Schwerter Turner und in der Mitte im Hintergrund die Westfalenriege Aufstellung, während sich der M. G. V.„Sängerbund“ Schwerte vor der Bühne gruppierte. Nach der famosen gesanglichen Wiedergabe des Westfalenliedes,(Dirigent: Tönsmann, Hagen) nahm der Vorsitzende der Schwerter Turnerschaft, Poetzsch, das Wort zu einer kurzen inhaltsreichen Begrüßungsansprache. Er hieß besonders die Mitglieder der Westfalenriege, die Sieger des letzten Düsseldorfer Wettkampfes, in diesem Kreise willkommen, das anwesende Magistratsmitglied Stadtrat Burgemeister, die erschienenen Stadtverordneten, der Gauvertreter Panitz, die Presse, sowie den Sängerbund. Ferner galt sein Gruß den Ehrenmitgliedern W. Stricker sen., K. Saatmannn und Hübental, ferner allen Erschienenen. Sein„Gut Heil“ galt der deutschen Turnerschaft. Die Damenabteilung der Schwerter Turnerschaft bewies dann auf der Bühne durch ausgeführte Freiübungen unter der Leitung des Turnwarts Kayser, daß sie dem gymnastischen Turnen ihre ganze Liebe entgegenbringt. Hier zeigte sich durchweg ein gutes Einzelkönnen in der Gesamtheit, das Anmut und Grazie offenbarte. Auch die Grundgymnastik der Knabenabteilung unter der Leitung von Oberturnwart Kost ließ erstaunliche Leistungen feststellen, die Kraft und Energie erforderten. Dann trat die Westfalenriege am Pferd zum ersten Mal in Aktion, vom Publikum durch anhaltendes Händeklatschen lebhaft begrüßt. Kernige und echte Westfalenjungen sind es, die auf dem weißen Turnerhemd das springende westfälische Pferd tragen. Die Mannschaft trat in folgender Reihenfolge an: Kargol II, Bochum, Oft, Kaan=Marienborn, Soenneken, Lüdenscheid, Grüdelbach, Klafeld, Klingenberg, Münster, Klinger, Schwerte, Neuhaus, Bochum, Trostheim und Platzek, Dortmund. Kargol I mußte leider wegen eines Unglücksfalles dieser Veranstaltung fernbleiben. Die einzelnen Leistungen dieser Mannschaft am Pferd wiederzugeben und in Einzelheiten zu zergliedern wäre verfehlt und liegt auch nicht im Sinne der Veranstaltung. Wir wollen uns darum in unserem Gesamturteil kurz und bündig fassen: Was hier an turnerischem Können, Mut, Beherztheit und Entschlossenheit gezeigt wurde, überstieg selbst die kühnsten Erwartungen. Jeder Turner sympathisierte durch seine nicht minder exakten Uebungen, so auch der Schwerter Klinger, ohne hierbei einem Lokalpatriotismus den Vorrang zu geben. Das aufmerksame Publikum war voll des Lobes über diese Turner und man war sich in dem Punkte darin einig, daß man solche Darbietungen nur selten zu sehen bekommt. Der Sängerbund sang dann in anerkannt vollendeter Weise„Frei ist der Rhein“ von Wild. Nach Volkstänzen der Damenabteilung, denen Dr. Hella Welling auf der Anklagebann Roman von P. Wild. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S.). 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Auffallend war es immerhin, daß Hanny von Malward diesen Nachtrag in Capri geschrieben hatte. Vielleicht war Hella Welling dabei nicht unbeteiligt. Das Wichtigste war jedoch, daß Wend von Malward Erbe der Lisenius=Werke war. Diese überraschende Tatsache ergab gleichzeitig auch die Möglichkeit seines Interesses an der Beseitigung seiner Frau. Ein weiteres, sehr wesentliches Verdachtsmoment war die Anmöglichkeit, sein Alibi am Mordtage nachzuweisen. Während er zunächst angegeben hatte, in Neapel gewesen zu sein, mußte er später zugeben, daß er in Sorrent geweilt hatte. Doch auch hier konnte er für den Tag keinerlei Beweise seiner Anwesenheit erbringen, sondern behauptete, einen Ausflug in die Umgebung von Amalfi und Sorrent unternommen zu haben, was sehr unwahrscheinlich klang. Malward verwickelte sich in Widersprüche die schließlich zu seiner Verhaftung führten. Ein Bootsinhaber meldete sich. Er hätte amMorgen des Mordtages seine kleine Jacht in Sorrent an einen Engländer vermietet; sie hätten Kurs nach Capri genommen und waren erst am Spätabend zurückgekehrt. Bei einer Gegenüberstellung verneinte er, daß es Malward gewesen sei, der das Boot gepachtet hatte. Der geheimnisvolle Engländer, der am anderen Morgen aus Sorrent verschwunden war, wurde als ein Mister Lipton erkannt, der eine Französin, Madame Sulpice, die dort in einer kleinen Pension lebte, besucht hatte. Die Französin war ebenfalls abgereist. Malwards mangelndes Alibi brachte für Hella Welling eine glückliche Wendung; sie nahm: den Verdacht von ihr. Die Leiche Hanny von Malward wurde gefunden und an der Seite ihres Vaters bestattet. Der Baron wurde, auf Veranlassung der deutschen Behörden, ausgeliefert. Die Verhöre begannen. Hella Welling führte an, daß Frau von Malward ihr davon gesprochen hatte, daß der Gatte sich über die Testamentsfrage unterrichtet habe. Sie, Hella Welling, führte die Annäherungsversuche zur Wiederherstellung der Ehe ausschließlich auf finanzielle Gründe zurück. Da Malwards Geldverhältnisse undurchsichtig und nicht glänzend schienen, war die Annahme nicht unberechtigt. Unendlich peinlich die Verhöre, dies Eindringen in die Intimitäten des ehelichen Lebens. Hella mußte zugeben, daß Frau von Malward der Annäherung des Gatten in der damaligen Erregung und dem Einsamkeitsgefühl, das durch den Tod ihres Vater über sie gekommen war, nicht ablehnend gegenübergestanden habe. Doch müsse irgend etwas bei der persönlichen Aussprache der Eheleute vorgefallen sein, was ihre Meinung änderte. Malward war abgereist und Frau von Malward sprach von der Unmöglichkeit der Wiederherstellung ihrer Ehe, ohne die Freundin über den Grund ihres plötzlichen Entschlußwechsels zu unterrichten. Malward bestritt ganz entschieden, daß irgedein besonderer Grund vorgelegen habe. Im Gegenteil, er sei es gewesen, der seiner Frau schriftlich mitgeteilt habe, daß er in eine Trennung einwillige, weil er eingesehen habe, daß das Zusammenleben zu keinem Glück führen könne. Dieser Brief, der Frau Malward am Todesmorgen erhalten hatte, wurde bei ihren Papieman gern zuschaute und dem Barrenturnen der Westfalenriege, das ebenfalls wieder großes Erstaunen und starken, anhaltenden Beifall auslöste und das an Waghalsigkeit und Kühnheit, aber auch an turnerischen Feinheiten und Gewandtheit kaum mehr zu überbieten ist, hielt Gauvertreter Panitz eine kurze Ansprache. Er sagte, daß er hier um der Schwerter Turnerschaft willen erschienen sei, um die Grüße des Hellweg=Märkischen Gaues zu übermitteln. Es handele sich bei dieser Veranstaltung um einen Werbeabend für das deutsche Turnen. Es sei darum auch natürlich, wenn Turner und Turnfreunde der Einladung gefolgt seien, um wieder zu zeigen, daß wir eines Geistes sind und ein Ziel haben, daß wir eine einzige große Familie bilden und fest zusammenhalten. Die Bezeichnungen Turnschwester und Turnbrüder seien Ehrentitel, die das gute Verhältnis unter den Turnern treffend kennzeichnen. Von den hohen Idealen, die in der Turnerschaft zu Hause sind, seien alle überzeugt und es sei die vornehmste Aufgabe, alle jene, die noch kalt am Wege stehen, für die deutsche Turnsache zu erwärmen. Volk in Not sei ein Weckruf, der heute wieder durch das deutsche Vaterland schalle und unter allen Gütern des Lebenbs sei Gesundheit das Höchste. Wie könne man aber Gesundheit und Körperkraft am besten rechtzeitig pflegen und erhalten? Nur durch ein Tummeln auf dem Felde der Jugendlust und Schöpfen aus dem Borne der Kraft, eben des deutschen Turnens. Die deutsche Turnerschaft schaffe Lebensmut und Lebensfreudigkeit, sie sei nicht einseitig, sondern ein Sammelbegriff, der vielseitige Formen deutscher Körperkultur in sich einschließe. Turnen sei das Sonnenland, in dem alle Quellen der Lebensfreudigkeit vorhanden seien. Nach einem Appell an die noch Fernstehenden, der Deutschen Turnerschaft beizutreten, sagte der Redner weiter, daß solche Feierstunden wie an diesem Abend Marksteine in der Geschichte der Vereine bedeuten, so auch in Schwerte. Nur wenigen Vereinen seien solche Abende vergönnt. Die Schwerter Turnerschaft, die vor Jahren aus D.=T.=Vereinen entstanden sei, habe sich weit über die Grenzen hinaus in Bezirk, Gau und Kreis eine achtungsgebietende Stellung erworben. Turner sein hieße treu und deutsch sein. Zu diesen Treuesten gehöre in der Schwerter Turnerschaft das langjährige Mitglied A. Kohlmann. Wenn man ihn auch als einen Stillen im Lande bezeichne, sei er doch eine feste Säule in diesem Verein. Das habe der Kreisausschuß des Kreises 8a Westfalen=Lippe erkannt und er(Redner) sei beauftragt, Kohlmann für langjährige Vorstandsmitgliedschaft den Kreisehrenbrief zu überreichen. Da Kohlmann wegen Erkrankung selbst nicht anwesend war, wird ihm der Kreisehrenbrief durch den Vorsitzenden der Schwerter Turnerschaft überreicht werden. Redner wünschte dem so Geehrten ein baldiges Wohlergehen und brachte auf den jüngsten Besitzer des Kreisehrenbriefes ein dreifaches„Gut Heil“ aus. Das Stab= und Keulenschwingen der Männerabteilung hinterließ bei allen Teilnehmern ren gefunden. Er war geöffnet, also hatte sie ihn gelesen. In der Gerichtsverhandlung wurde er ein wichtiges Argument. zu seinen Gunsten, ebenso die protokollarischen Aussagen des italienischen Ehepaars und der kleinen Marietta. Während Malwards Verteidiger geschickt die Möglichkeit eines Selbstmordes betonte, stellte Hella Welling das unbedingt in Abrede, während Doktor Lumtowsky, der sie behandelt hatte, von einer schweren Gemütsdepression sprach, die unter Ausschaltung der freien Willensbestimmung solche Tat nicht für möglich hielt, wenn sie ihm gegenüber auch nie eine solche Absicht geäußert habe. Hella Welling widersprach und betonte nochmals die Unmöglichkeit, da Frau von Malward mit ihr schon Zukunftspläne geschmiedet hatte. Sie wollte eine längere Amerikareise machen, bei der Doktor Welling sie begleiten sollte, um als Sachverständige Einblick in befreundete Werke zu nehmen. Einer der Direktoren war angewiesen worden, vorbereitende Schritte zu unternehmen, was vom Werk bestätigt wurde. Fragen, Aussagen, Zeugen und Gegenzeugen, Widersprüche— das war der Weg zum Prozeß. Erst an jenem Gerichtstage löste sich das Rätsel über Malwards Aufenthalt am Mordtage. Er, nicht der Engländer, war an jenem Tage bei Madame Sulpice in Sorrent gewesen. Die Dame hatte verspätet von dem Prozeß gehört und sofort vor einem französischen Konsul eine Aussage gemacht, die sie, amtlich beglaubigt, dem deutschen Gericht überwies. Sie bedauerte dabei, daß der Baron als Opfer seiner Ritterlichkeit durch sein Schweigen den furchtbaren Verdacht gegen sich gerichtet hatte. Das ergab die eine Sensation des Prozesses, den Freispruch Malwards, der nunmehr Herr der Lisenius=Werke geworden war. Gleichzeitig lagen verschiedene Gründe vor, die den Verdacht gegen Doktor Helling verdichstarke Eindrücke, zumal die Uebungen mit einer besonderen Beleuchtung, die an den Stab= und Keulenenden angebracht war, durchgeführt wurden und bei verdunkeltem Saal nahezu märchenhaft wirkten. Der Sängerbund erfreute noch durch die beiden Lieder„Treue Liebe" und„Wies daheim war“, während die Westfalenriege am Reck alles bisher Gezeigte noch in den Schatten stellte. Hier war u. a. Klinger, der durch seine tollkühnen Uebungen Aufsehen erregte, während Platzek durch seine meisterliche und strenglinige Körperhaltung den unübertrefflichen Meister im Kunstturnen verriet. Jeder einzelne war in seiner Art ein Künstler, der die Westfalenriege würdig zu vertreten weiß. Man kam eben aus dem Staunen nicht heraus, und immer wieder gab es Ueberraschungen. In den Kunst=Freiübungen zeigten ebenfalls einige Mitglieder dieser Riege ein großes Können.. Hier blieb Exaktheit Trumpf und Körpergelenkigkeit und Gewandtheit, eine zähe Energie, konnten sich nicht schöner und besser entfalten. Rauschender Beifall war es, der dieser Mannschaft immer wieder entgegengebracht wurde und der nicht verstummen wollte. Man war des Lobes voll und es ist sicher, daß die Kunstwerbeveranstaltung der Schwerter Turnerschaft noch lange Zeit in aller Munde ist und überhaupt nicht vergessen werden kann. Eine Veranstaltung, die den Wert und die Bedeutung des deutschen Turnens wieder ins hellste Licht gerückt hat. Ein gemütliches Beisammensein mit Tanz hielt die Teilnehmer noch mehrere Stunden im besten Einvernehmen zusammen. Der Westfalenriege rufen wir ein herzliches„Auf Wiedersehen" zu. L=x. Was hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 6. Mai 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Wettervorhersage. 07,05: Morgenkonzert(Schallplatten). 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Kreuznach. 10,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstände. 12,20: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Funkwerbung. 15,00: Kinderspielstunde. 15,45: Zum Gedächtnis Charles de Costers. 16,00: Die Welt im Buch. 16,20:„Die moderne Stadt und das soziale Werk der Frau.“ 16,45: Mitteilungen aus dem Schulfunk. 17,00: Aus dem Leben der höheren Schule. 17,30: Heiteres aus Opern(Schallplatten). 18.30: Zeitfragen der Rationalisierung. 18,50: Vom Tage. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Französische Unterhaltung. 20,00: Abendmusik. 21,00: Symphoniekonzert. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. K teten. Malwards Anwalt hatte auf die verschiedenen Seiten festgestellte merkwürdige Wirkung der an jenem Abend gegebenen Schlafpulver hingewiesen. Es handelte sich um ein vollständig harmloses Produkt, was auch Lumtowsky bezeugte. Lag da eine Mystifikation des Gerichts vor, ein verschleierter Giftmord? Man hatte die Leiche exhumieren und untersuchen lassen; dabei wurden einwandfrei Giftspuren festgestellt. Seltsamerweise war es dasselbe Gift, mit dem sich Doktor Welling seit einiger Zeit bei Laboratoriumsversuchen beschäftigt hatte. Hatte sie die Freundin vergiftet, um sich das beträchtliche Kapital der Erbsumme aus irgendeinem Grunde baldigst zu sichern? Sie hatte das Gift so vorsichtig dosiert, daß es erst nach geraumer Zeit wirksam wurde und sie nicht verraten konnte. Durch den sonderbaren Spaziergang, über dessen Ziel nach Angabe der Zofe eine lebhafte Auseinandersetzung stattgefunden hatte, wollte sie den Giftmord verdecken. Vielleicht hätte sie auch einen Selbstmord der Baronin angegeben, wenn das italienische Ehepaar durch sein plötzliches Erscheinen ihre Vorstöße nicht umgeändert hätte. Da sich bei der Durchsuchung ihrer Wohnung Gift in ihrem Schreibtisch fand, wurde der Verdacht begründet, daß das Gericht die Verhaftung im Gerichtssaal beschloß. * Im dunklen Osten Londons. Eine unheimlich belebte Nacht. Tüstere Schatten tauchten auf, glitten aneinander vorüber, stumm oder mit geheimnisvollem Flüstern, hatten sonderbare Gesten und Winke. Messer blitzten auf— Geschrei— taktmäßige Schritte— Polizei— das dichte Menscheugewühl war vom Dunkel verschluckt. So ging es Nacht für Nacht. Ort und Menschen zeigten nicht jene britische Wohlanständigkeit, auf die jene Nation so stolz ist, sondern waren gezeichnet von Laster und Verbrechern Fortsetzung folgt. * Die Natur im Blütenschmuck Schwerte, den 5. Mai 1930. Der Wonnemonat Mai, die Zeit der Blüten und Düfte, hält jetzt seinen Einzug. Garten, Wiesen und Felder prangen zu seinem Empfang im Schmuck der Blüten. Flieder und Goldregen entfalten ihre Schönheit. Es beginnt ein förmlicher Wettlauf im Aufblühen: die Anemonen, der Waldmeister, die Erdbeeren und die Gänsefingerkräuter, die Maiglöckchen, Goldnesseln, Rarnunkeln, Glockenblumen, Wasserprimeln, Wolfsmilch und die vielen anderen Blumen und Kräuter, deren Zahl Legionen ist. Birken und Buchen strecken ihre glänzenden Blattspreiten aus, die Esche belaubt sich, von den Sträuchern blühen Hollunder, Weißdorn und Jasmin. In der Vogelwelt regt sich junges Leben. Die meisten Vögel sind mit ihrer Brut beschäftigt, die jungen Finken, Kohlmeisen und Sperlinge werden bereits flügge. Ueberall wird gesungen, gezirpt und gerufen. Unter den Säugetieren ist nur noch der Igel ohne Nachwuchs, bei Edelhirsch und Reh ist Kleinzeug angekommen, und die jungen Füchse tummeln sich. Im Wasser entsteht eine neue Generation von Hechten, Grundeln, Barschen, Karpfen, Schleien; auch die Krebse legen Eier. Von den schädlichen Insekten melden sich Maikäser und die Rapsund Obstrüsselkäser, die verschiedenen Borkenund Blattkäfer, die sich über die schönen grünen Blätter hermachen. Es gibt aber auch nützliche Käfer, z. B. die Herrgottstierchen, die Blattläuse fressen. Für Schmetterlingsfänger ist gute Zeit. Schädliche Raupen, vor allem die der bösartigen, gefürchteten Nonnen, erfordern die Aufmerksamkeit des Landmannes und Baumpflegers. Der Fischer kann schon manchen guten Fang verzeichnen, besonders gern die Forelle auf die künstliche Fliege und den Regenwurmköder, ebenso wie auch der Lachs, während der Hecht den lebenden Köderfisch vorzieht. Der Bauer verlangt von dem Mai viel Regen, um so schöner soll dann der Juni sein;„übermäßig warmer Mai will, daß der Juni voll Nässe sei“. Auch Gewitter sind viel erwünscht, ebenso Winde, die der werdenden Frucht Regen bringen sollen. Gedenktage. 5. Mai: 1762 Peter III. von Rußland schließt Frieden mit Preußen.— 1818 Der Sozialist Karl Marx in Trier geboren(gestorben 1883).— 1821 Napoleon I. auf St. Helena gestorben(geboren 1769).— 1826 Kaiserin Eugenie von Frankreich geboren(gestorben 1920).— 1869 Der Komponist Hans Pfitzner in Moskau geboren.— 1925 Gründung der Deutschen Akademie in München. Wetterbericht der Wetterdienststelle Essen vom 4. Mai 1930. Ein flaches Tief ist von Westen herangezogen und bringt in Westdeutschland Bewölkung oder Nebel. Von Südwesten dringt zunächst wieder ein flaches Hochdruckgebiet vor. Die Neigung zur Trockenheit wird daher anhalten. Wetteraussichten bis Dienstag: Wechselnd bewölkt, Temperaturen etwas normal, vorwiegend trocken. : Der gestrige erste Maisonntag zeigte sich von einer heiteren und sonnigen Seite, wie es schöner und besser nicht hätte sein können. Es war eben ein Tag, der die Bürger mit Ungestüm hinauslockte ins Freie, in die blütenselige Natur. Die Sonne war im Spenden güldener und wärmender Strahlen außerordentlich freigebig und im Verein mit der neuerwachten Mutter Erde veranlaßte sie, daß die Menschenkinder Wald und Feld in Scharen aussuchten und stark belebten. Für die Besitzerinnen von Frühjahrstoiletten kam dieser Maisonnentag besonders gelegen, ermöglichte er es ihnen doch, die neuesten Modeschöpfungen spazieren zu führen. Aber auch die Herrenwelt und vornehmlich die jüngere Generation, stand in dieser Hinsicht nicht nach und wartete mit der Zeit entsprechenden Garderoben auf.— Den Ausflugslokalen war dieser Sonntag günstig gesinnt; hier und dort gab es viel„Betrieb" und bei Kaffee und Kuchen unter neubegrünten Bäumen und umringt von duftenden Blüten ließ man sich den Aufenthalt bis in die späte Dämmerung hinein gern gefallen. Der Ausflugsverkehr war äußerst rege und oft zogen frohe Wandervereine singend durch die Stadt, um unserer schönen Umgebung zuzustreben. Straßenbahnen und Eisenbahnen dürften auf ihre Kosten gekommen sein, denn auch hier machte sich der Verkehr in erhöhtem Maße bemerkbar. Es war ein Sonntag, hell und klar, wie er im Wonnemonat sein muß und hoffentlich weisen seine Nachfolger die gleiche liebliche Art auf, die ihm so überreichlich zuteil war. r. Geschäftsjubiläum. Der Schneider Wilh. Niebaum, Schwerte, Liethstraße 30, kann heute auf ein 25jähriges Geschäftsjubiläum zurückblicken.— Wir gratulieren! . Eisenbahn=Frauenverein. Unsere Monatsversammlung findet am Mittwoch, den 7. Mai, um 15,30 Uhr im Kasino des Reichsbahn=Ausbesserungswerkes Schwerte=Ost statt. Es wird gebeten, recht zahlreich zu der Versammlung zu erscheinen, da der Ausflug des Frauenvereins nach Düsseldorf am 28. Mai zur Besprechung steht. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein unter Mitwirkung der Hauskappelle des Eisenbahnvereins Abmarsch pünktlich um 15 Uhr ab Gymnasium. Evgl. Männerverein. Auf die morgen abend 8 Uhr im Gemeindehause stattfindende Versammlung, in der über wichtige Gemeindefragen gesprochen werden soll, sei aufmerksam gemacht.(Siehe Inserat!) Reichsbund der Kinderreichen. Die hiesige Ortsgruppe hatte gestern ihre Mitglieder zu einer Versammlung eingeladen. Aus den Verhandlungen ist zu entnehmen, daß die Vorbereitungen zur Feier des deutschen Muttertages in Schwerte soweit vorgeschritten sind, daß gesagt werden kann, der deutsche Muttertag 1930 in Schwerte wird zu einem rechten Ehrentag für die Mutter. Ein reichhaltiges Programm ist zusammengestellt und verspricht einige genußreiche Stunden. Die eigentliche Feier beginnt am Sonntag, den 11. Mai, vormittags 10,45 Uhr, auf dem Postplatz mit einem Platzkonzert, anschließend findet auf dem Rathausplatz die Eröffnung der Werbewoche für Leibesübungen durch den Bürgermeister statt. Nachmittags findet eine öffentliche Feier mit Mutterehrung im Kasino des Reichsbahn=Ausbesserungswerkes statt. Alles weitere ist aus den hat einen überaus günstigen Verlauf genommen. Die große Beteiligung aus Nah und Fern und die festlich gehobene Stimmung aller Festteilnehmer waren wohl der beste Gradmesser für die große Beliebtheit und Wertschätzung, die sich der Jubelverein weit über die Grenzen unserer Heimat hinaus erworben hat. Der Feier am Samstag abend am„Freischütz" war ein überaus reichliches, abwechslungsreiches Programm zugrunde gelegt. Nach Worten herzlicher Begrüßung durch den Vorsitzenden Mailänder, einigen Musikvorträgen, einem Chorlied des Jubelvereins und einem von Frl. Brünninghaus wirkungsvoll vorgetragenem Prolog hielt Bürgermeister i. R. Rohrmann eine kurze, inhaltsreiche Ansprache. Er warf einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins,dankte ihm vor allem für seine hingebende Arbeit im Dienste der Nächstenliebe während der schweren Notzeit des Krieges und der Nachkriegszeit, fand warme Worte für die vorbildliche Tätigkeit des leider viel zu früh verstorbenen verdienten Vorsitzenden Kuhlen und feierte dann in beredten Worten den Gesang im allgemeinen und das deutsche Volkslied im besonderen. Mit den besten Wünschen für das weitere Wachsen und Blühen der Ruhrtaler und mit einem Hoch auf den Jubelverein schloß er seine wirkungsvolle Ansprache. Eine kurze Pause und dann folgte die feierliche Weihe einer Ehrentafel für die im Weltkriege gefallenen Mitglieder des Vereins durch den Redner. Wiederum fand Bürgermeister Rohrmann warme Worte des Dankes für alle diejenigen deutschen Männer, die ihr Leben für die Verteidigung von Heimat und Vaterland gelassen haben; allein aus unserer Stadt sind es 388 und aus den Kreisen der Ruhrtaler acht, deren Namen für alle Zeiten auf einer von Bildhauer Look angefertigten schlichten Tafel in Eichenrahmen verewigt sind. Jos. Berkenkopf, Ernst Schnapp, Th. Lenze, Jos. Lenze, Fr. Nork, H. Brenne, Fr. Rump und Fr. Buschhaus sind es, deren Andenken in der Geschichte des Vereins nie erlöschen wird. Es war ein überaus feierlicher Moment, als der Redner die Tafel enthüllte und der Obhut des Vereins übergab. Die ganze Festversammlung erhob sich spontan von den Plätzen und ehrte dadurch das Andenken der Gefallenen, als die machtvollen Akkorde„Dir möcht ich diese Lieder weihn, geliebtes deutsches Vaterland" durch den Saal brausten, eine Ehrung für die gefallenen Sangesbrüder, wie sie eindrucksvoller nicht sein konnte. Sangesbruder Denniger ehrte dann in kurzen Worten die Jubilare des Vereins, fand warme Worte der Anerkennung für den verstorbenen Vorsitzenden Kuhlen und überreichte dann dem einzigen, noch aktiven Gründer des Vereins, Heinr. Brenscheidt, ein prächtiges Diplom u. eine Ehrennadel. Weiter wurden durch Ueberreichung einer Nadel geehrt: Ehrendirigent Haselhoff, Chorleiter auf der Horst und die Sangesbrüder Wilhelm Balster, Heinr. Fröhling, M. Mosbach, Fr. Mailän= der, Karl Klempt, Jean Schnapp und Heinr. Paul. Frau Heimann überreichte im Namen der Damen des Vereins einen Silberkranz für die Fahne und Bürgermeister Schlegtendal überbrachte die Wünsche der Stadt für das weitere Blühen und Gedeihen der Ruhrtaler. Im übrigen wurde die reichhaltige Vortragsfolge des Abend außer dem Jubelverein bestritten durch den Gemischten Chor„Harmonie“ Schwerte und die Vereine„Lyra“. SomProgrammen, die zum Verkauf angeboten werden, zu ersehen. Zur weiteren Unterstützung der Bundesbestrebungen wird der Erlös aus dem Verkauf von Festabzeichen und Programmen zur Werbewoche für Leibesübungen der vereinigten Turn= und Sportvereine von Schwerte und Umgegend dienen. Hoffentlich beschert der Wettergott den Veranstaltungen schöne Maientage. Wegen der Reichhaltigkeit der Tagesordnung kommen wir später noch einmal auf die Versammlung zu sprechen. Was die Polizei berichtet. In der Zeit vom 20. April bis 27. April 1930 kamen zur Anzeige 1 Fall wegen Diebstahls, 1 Fall wegen Zechprellerei, 1 Fall wegen Unterschlagung, 2 Fälle wegen Körperverletzung, 5 Fälle wegen Uebertretung der Polizeistunde, 1 Fall wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen des Kraftfahrzeuggesetzes. Polizeilich bestraft wurden: 1 Person wegen groben Unfugs, 1 Person wegen Nichtummeldens, 1 Person wurde wegen Trunkenheit in Schutzhaft genommen. 1 Person wurde wegen Verdacht der Landstreicherei bezw. Bettelei dem Gericht vorgeführt; obdachlos meldeten sich 25 Personen, verletzt wurden in hiesigen Betrieben 3 Personen, als gefunden wurde 1 Fahrrad abgegeben. Reichsschulungswoche des HindenburgBundes. Aus allen Gegenden des Reiches— des waren 26 Landesverbände vertreten— hatten sich 95 Jugendführer des Hindenburgbundes, Jugendgruppen der Deutschen Volkspartei, in der Woche nach Ostern zu einer Schulungswoche in Braunlage im Oberharz eingefunden. Vertreten war auch die Jugend„Deutsche Sar“. merberg,„Gemütlichkeit" Berghofen, Männergesangverein Hörde und„Liederkranz“ Hörde, die alle ihr Bestes gaben und köstliche Perlen aus dem reichen Schatz des deutschen Liedes darboten. Prächtige und dankbar ausgenommene künstlerische Tänze der Tanzgruppe Hannah Spohr aus Dortmund leiteten über zu der Fidelitas, die durch gemeinschaftliche Lieder und Opfergaben an die Göttin Terpsichore reiche Abwechslung erhielt. Wie lange dieser Teil des Programms angedauert hat, darüber wollen. wir lieber nichts verraten. ***# Die Jubelfeier am gestrigen Sonnung nahm ebenfalls einen würdigen Verlauf. Am. Vormittag marschierten die Mitglieder des Ruhrtaler Sängervereins vom Vereinslokale Spix geschlossen zu den beiden Friedhöfen, um in einer schlichten Trauerfeier ihrer gefallenen und an Kriegsverletzungen gestorbenen Kameraden zu gedenken. Auf dem evangelischen Kirchhofe wurde an den Gräbern von Heinrich Kuhlen (früherer Ehrenvorsitzende und Vorsitzende) und Heinrich Winkelmann und auf dem katholischen Friedhofe an den Ruhestätten von Fritz Nork und Theodor Lenze je eine silberne Lyra niedergelegt. Das Weihelied sowie der schottische Bardenchor wurden hier gesungen. Anschließend fand man sich im Hotel zur Post ein, in dessen Gartenanlagen eine photographische Aufnahme des Vereins zum Andenken an den Jubeltag gemacht wurde. Der Nachmittag war einem Jubel=Konzert im„Freischütz" vorbehalten, bei dem die Vereine des Ruhrtaler Sängergaues und andere befreundete Brudervereine mitwirkten. Das Orchester A. Maise=Hörde bestritt den musikalischen Teil. An Gastvereinen waren erschienen: „Sangeslust“ Schwerterheide,„Germania“ Geisecke, Schwerter Doppelquartett,„Liederkranz“ Drüpplingsen, Quartettverein Schwerte=Ost, „Einigkeit" Villigst,„Sängerbund“ Holzen und „Liedertafel“. Schwerterheide. Außer diesen Ruhrgauvereinen wirkten noch der Gemischte Chor„Froh Volk“ Hennen und„Eintracht“ Ergste mit. Nach einer herzlich gehaltenen Begrüßungsansprache durch den Vorsitzenden des Ruhrtaler Sängervereins, Mailänder, sprach der Gauvorsitzende Karl SchulteFröndenberg und übermittelte die Glückwünsche des Gaues. Er überreichte dem Vereine einen wertvollen Fahnennagel. Dann nahm das Konzert vor einem vollbesetzten Saale seinen Anfang.„Singe wem Gesang gegeben“. Sämtliche Vereine gaben gesanglich ihr Bestes her und man mußte hier feststellen, daß in den Ruhrgauvereinen Kräfte vorhanden sind, die ein großes gesangliches Können ihr eigen nennen dürfen. Famose Darbietungen waren es, die aus den einzelnen geschickt gewählten Liedern in einwandfreier Wiedergabe sprachen und allen Vereinen muß gesagt werden, daß sie ihre Aufgaben gut bestahden. Immer wieder war es starker Beifall, der nach den einzelnen Vorträgen einsetzte und der Gemischte Chor„Froh Volk“ Hennen bekam nicht eher Ruhe, bis er sich zu einer Zugabe bequemte. Allgemein gesprochen, waren es Glanzleistungen, die hier voll und ganz zur Geltung kamen. Dem Konzert, das gegen 8 Uhr beendet wurde, schloß sich im gemütlichen Teile ein Festball an, der ebenfalls einen schönen Verlauf nahm. Der Ruhrtaler Sängerverein hat seine Jubelfeier in würdiger Weise begangen und wir rufen dem Verein für das neubegonnene Jahrhundert ein herzliches„Gllück Auf“ zu. Frank Glatzel sprach einleitend über die Deutsche Volkspartei als Partei der Volksgemeinschaft, Frau Dr. Else Beökelschen=Kemper behandelte die Kulturpolitik, Dr. von Hansemann das Thema Volk und Staat, Generaldirektor Dr. Albrecht, M. d. R., sprach über Wirtschaftsfragen und im besonderen über den sozialen Einbau der deutschen Arbeitnehmerschaft. Reichsjugendführer Hintzmann gab einen historisch und geopolitsch begründeten Ueberblick über die Außenpolitik. Ueber die besonderen Aufgaben der politischbündischen Jugend und die Wege der Bundesarbeit sprach Reichsjugendwart Husen. Sämtliche Themen wurden in lebendiger Aussprache durchgearbeitet, wobei stets der Wille und die Hoffnung der Jugend zum Ausdruck kam, innerhalb der Deutschen Volkspartei an allen diesen Fragen im Sinne echter Volksgemeinschaft mitzuwirken. Grundgedanke und praktische Alltagsarbeit der Partei wurden freudig bejaht. Leibesübungen am Morgen und eine ageswanderung verbanden sich mit der geistigen Pflege des deutschen Volkstums und trugen zu dem vorzüglichen Verlauf der Tagung bei. DenAbschluß bildete ein Fest, bei dem die Gruppen in Ernst Scherz zeigten, wie vielseitiges Leben sich unter einen einheitlichen Gedanken des Jugendbundes stellen läßt. Sehr beachtet wurde auch eine übersichtlich gegliederte reichhaltige Schriftenausstellung, die Material über Politik, Grenzlandarbeit und Volkstumspflege enthielt. # Am letzten Samstag nachmittag hatte der Presseausschuß der Werbewoche für Leibesübungen die einheimischen und auswärtigen Pressevertreter der näheren Umgebung zu einer Pressesitzung in das Hotel„Kaiserhof“, Bahnhofstraße, eingeladen, um wichtige diesbezügliche Fragen zu besprechen. In Vertretung des Bürgermeisters und im Namen der Stadt begrüßte Herr Bergmann die erschienenen Gäste. U. a. führte er aus, daß der Gedanke, eine Werbewoche für Leibesübungen in Schwerte zu veranstalten, von dem Vorsitzenden des S. C. Alemannia herrühre und diesen Gedanken habe der Unterausschuß I aufgegriffen und in die Tat umgesetzt. Hinter der geplanten Veranstaltung stehe die Stadt Schwerte, die gleichzeitig zwei Ehrenpreise gestiftet und eine evtl. Regenversicherung übernommen habe. Die Stadt Schwerte lege aber den größten Wert auf die Zusammenarbeit mit der Presse und auf ein gutes Verhältnis mit ihr und sie wolle die Werbewoche nicht veranstalten ohne vorher mit ihr gesprochen zu haben. Herr Bergmann dankte nochmals für das Erscheinen der Pressevertreter und gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß eine eingehende und dem Zweck angepaßte Berichterstattung demnächst erfolgen möge. Namens des Presseausschusses der Werbewoche für Leibesübungen begrüßte Herr Homel alle Erschienenen und unterstrich die Ausführungen seines Vorredners. Der Gesamtausschuß der Werbewoche für Leibesübungen habe ein umfangreiches Programm aufgestellt und dieses auch in seiner letzten Sitzung genehmigt. Herr Homel erläuterte das vorgesehene Programm in eingehender Weise, wie er auch auf die einzelnen wertvollen Siegerpreise näher zu sprechen kam, die künstlerische Qualitäten und z. T. etwas ganz Neuartiges ausweisen. Zu bemerken ist, daß die Ausführung der Preisgegenstände, deren Entwürfe größtenteils von Herrn O. Honsalek stammen, der heimischen Industrie übertragen wurde. Die Gegner in den einzelnen Wettspielen sind bereits durch Los entschieden worden und werden noch veröffentlicht. Ueber das von uns bereits erwähnte Werbeplakat gab man allgemein seiner Befriedigung und Zustimmung Ausdruck. Zu erwähnen ist noch, daß an den Einnahmen alle Vereine nach einer besonderen Schlüsselung beteiligt sind. Soweit bekannt, ist diese Maßnahme die erste in der Geschichte des Sports. Die Sitzung nahm im harmonischen Zusamensein einen guten Verlauf, wie sie auch zur Klärung noch mancher offenstehender Fragen viel beigetragen hat. Humor Die Wette gewonnen. Soeben hatte man die Fahrprüfung bestanden und saß nun zusammen, um dieses Ereignis feucht=fröhlich zu begehen. „Tja“, sagte Noll,„fahren kann ja schließlich jeder, aber mit einer Geschwindigkeit von zwanzig Kilometer auf einer geraden Straße zu fahren, ohne nach rechts oder links auszuweichen, das ist Kunst". Tinsch sah Roll drohend an. „Das ist ausgemachter Kohl“, sagte er.„Du kannst nicht mit 20=Kilometer=Geschwindigkeit so fahren, daß du weder nach rechts, noch nach links einen Zentimeter auszuweichen hast.“ „Wetten?“ Man überlegte. Schließlich wettete man um einen Korb Allasch. Tinsch wurde bestimmt, dem feierlichen Akt des Austrags der Wette beizuwohnen.—— Am anderen Tage erschien Tinsch. „Nun?“ „Er hat gewonnen.“ „Wie hat er denn das gemacht?“ „Er ist mit der Straßenbahn gefahren.“ Oerr MocurOok Zahtreiche Spirtarschiaff: umn ersten Mal=Sonntag. Die Auslese am gestrigen Sonntag war im südwestfälischen Sportlager recht zahlenmäßig. Man merkt, daß es allmählig der großen Fußball= und Handballsperre entgegengeht, deshalb wollen die Vereine nicht mäßig sein, sondern machen noch kurz vor Toresschluß Spiesabschlüsse, um junge neue Kräfte für die kommende Meisterschaftsserie auszuprobieren und im gro Ringen um Meisterehren wieder„fit" zu sein. Der Sportbetrieb nahm bereits am Samstag seinen Anfang. Es standen sich folgende Vereine gegenüber: Fußball. Gesellschaftsspiele. * Sp. u. Sp. Gevelsberg 08— FC. Schwelm 1:3 Der FC. Schwelm 06 machte seine auf eigenem Platze erlittene Niederlage im Rückspiel in Gevelsberg wieder wett und schlug die dortigen 08er mit einem überzeugenden Resultat von 1:3. Die Gäste führten ein schön durchdachtes Spiel vor, während der Platzverein nur mit schwachen Leistungen aufwarten kennte und sich dadurch auch sein Spielsystem selbst verscherzte. Der Sieg war für den Gast immer verdient. SC. Westig— Letmathe 98 1:0 In Westig trafen sich zwei gleichwertige Gegner. Auf beiden Seiten wurden recht gute Torgelegenheiten herausgearbeitet, die aber nicht ihr Ziel erreichten. Der Sieg war für den Platzverein wohl verdient, doch hätte es dem Spielverlauf nach auch umgekehrt lauten können. SC. Barmen— Sppag. Wetter 10 2:0 In Barmen mußte die Spielvag. Wetter den Sieg auf dem Jelde lassen. Hier traf man auf einen gleichwertigen Gegner. Jedoch boten die Wetteraner nicht die üblichen guten Leistungen. Nachdem der Platzverein bereits bis zur Pause den Sieg an sich gebracht batte versucht der Gast in der zweiten Hälfte einige gute Angriffe, läuft auch zu etwas besserer Form auf, zwingt den Platzverein sogar zur Aufgabe seines ganzen Könnens, aber an dem Resultat kann nichts geändert werden, weil man im Sturm nicht zu schießen versteht. So fuhren die Wetteraner mit einer überraschenden Niederlage nach Hause. Lüdenscheid=Höh— Milspe 11 1:3 Der Rasensportverein Lüdenscheid=Höh, der am vergangenen Samstag sein 20. Stiftungsfest feierte, lud sich zu einem Freundschaftskampf die 1. Mannschaft vom Sportv. Milspe ein. Dank besserer Stürmerleistungen erfocht Milspe einen verdienten Sieg. Die Leistungen der Lüdenscheider waren allerings auch recht beachtenswert, doch konnte man sich vor dem ore nicht zu einheitlichen Aktionen aufraffen. Spygg. Hagen 11(Reisem.)— Sp. u. Sp. Elberfeld 3:: BV. Iserlohn 11— SC. Hagen 05 ausgefallen Vorhalle 09— Spy Herdecke 11 ausgefallen Sonntag. Am Sonntag wurden die angesetzten Gesellschaftsspiele fast restlos durchgeführt und brachten auch eine Anzahl Ueberraschungen. Sportfreunde Siegen— Alemannia Dortmund 08 0:9 Bei den Siegener Sportfreunden weilte Alemannia Dortmund. Die Dortmunder lieferten hier ein etwas besseres Spiel als am Vorsonntag in Werdohl. Das Spiel litt allerdings auch etwas unter der starken Hitze, sodaß die gebotenen Leistungen im Sturm nur als mäßig anzusprechen sind. Schon in den ersten 300 Minuten gingen die Gäste in kurzen Abständen mit 2:0 in Führung. Siegen versucht dann bis zur Pause und auch nachher noch ein Tor zu erzielen, aber die Dortmunder schlugen eden Angriff ab und blieben am Ende verdienter Sieger. VB. Weidenan— Teutonia Lippstadt 4:2 Nachdem die Lippstädter Teutonia nunmehr gegen Jahn Werdohi 4: 1 und gegen Hagen 11 2:0 das Nachsehen bekommen hatte, stellten sie sich gestern der spielstarken Mannschaft von VfB. Weidenau zu einem Freundschaftsspiel. Auch hier traf man auf einen schwerlich erreichbaren Gegner. Schon die ersten 45 Minuten bringen dem Platzverein die 3:1= Führung ein. Dann verlegt sich Weidenau nur noch auf Feldspiel, während die Teutonen unbedingt noch ein Tor aufholen wollen, was ihnen schließlich auch noch gelingt, aber der Sieg blieb ihnen infolge der besseren Stürmerleistungen der Südwestfalen versagt und die Weidenauer zeigten auch diesmal wieder ihre Beständigkeit. Germania Mudersbach— BfB. Gießen 7:3 Ein Vertreter aus dem Hessen=Hannover=Bezirk weilte bei den Mudersbacher Germanen Die Leute aus der Universitätsstadt Gießen hatten hier schwer zu ringen. Bereits beim Pausenpfiff stand der Sieg mit dem 4:1=Ergebnis fest. Nachdem die Mudersbacher dann noch dreimal zu Wort kommen, mäßigen sie ihr Tempo und geben ihrem Gaste noch zwei weitere Ehrentore zu. Jugend Betzdorf 06— Sp. u. Sp. Niederschelden 2:0 Jugend Betzdorf 06 hatte den zweiten Vertreter aus der Gruppe Siegen der 2. Bezirksklasse zu Gast. Die Niederscheldener lieferten anfangs ebenbürtige Leistungen. Allmählich machte sich aber die bessere Ballbehandlung und das Schußvermögen des Platzvereins bemerkbar, sodaß Niederschelden kaum noch für einen Sieg in Frage kam. Vorussia Rheine— Sp. u. Sp. Hüsten 09 2:5 In Rheine enttäuschte uns unser Vertreter mal wieder von der angenehmen Seite. Borussia mußte einsehen, daß der Meister des Südwestfalenbezirks in der Spielkultur immer noch weiter fortschreitet und selbst dem schwersten Gegner gewachsen sein kann. Vorzüglich arbeitete der Sturm und sein Spiel war qualitativ weit besser als das des Gastgebers. Auch die Hintermannschaft bot gute Abwehrarbeit und der Torwart ragte sogar verschiebentlich über den Durchschnitt hinaus. Der Gastgeber kam für einen Sieg sogar kaum in Frage. Gevelsberg 08— Solingen=Gräfrath 2: 4 Auch am Sonntag war Gevelsberg 08 Fortuna nicht hold. Der Gast aus dem Bergisch=Märkischen Bezirk, Sportklub Solingen=Gräfrath entpuppte sich als ein großer Gegner, gegen den der Platzverein schwer anzukämpfen hatte. Besonders im Sturm war das Kombinationsspiel der Gäste bestechend und Gevelsberg ließ solches dagegen vermissen. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf und ist für den Gast verdient. NSV. Oberhausen— TRV. Hagen 72 2:3 In Oberhausen weilte Hagen 72. Beide Mannschaften lieferten sich ein schönes und faires Spiel. Der Platzverein machte die in Hagen erlittene Niederlage in etwa wieder wett, wenn auch der Sieg dem Gaste verblieb. Bis zur Halbzeit geht Hagen 72 durch den Rechtsaußen mit zwei Toren in Führung. Dann kommen die Oberhausener mächtig auf, zielen den Gleichstand, müssen sich aber später wieder geschlagen bekennen und Hagen kann einen verdienten Sieg mit nach Hause nehmen. V/B. Remscheid— Sppag. Hagen 11 S:1 Schifsbruch erlitt die Spielvgg. Hagen 11 in gegen den dortigen VfB. Der Platzverein bewies, daß er den Südwestfalen im Können um ein Weites voraus war, sodaß Hagen auch schon von Anfang an für einen Sieg kaum noch in Frage kam. Ueber das Spiel braucht man wohl nicht viel zu sagen, denn das Ergebnis besagt genug. Spygg. Neheim— SC. Lichtenplatz 3:2 Nn Neheim gab es ein Spiel von wenigen interessanten Momenten. Neheim zeigte nicht das gewohnte Können. Lichtenplatz gab in der ersten Hälfte den Ton an und dominierte zuerst mit 2:0. Dann kommen die Neheimer einmal gut durch, holen ein Tor auf und durch zwei weitere Elfmeter wird der Sieg hergestellt. Ein Unentschieden oder ein knapper Sieg der Gäste wäre dem Spielverlauf nach eher gerecht gewesen. B8. Iserlohn 11— B/R. Siegen?:! Der Rasensportverein Siegen bewies seine aufsteigende Form in Iserlohn gegen den dortigen Ballspielverein. Ihr gebotenes Können war hier erfolgversprechend, wenn auch Iserlohn im Gesamtbild eher imponieren konnte und für sie der Sieg auch verdient war. Letmathe 98— Spp. Hemer 08 4:2 Hemer 08 weilte beim Sportverein Letmathe 98. Die Letmather sind gerade auf eigenem Gelände kaum zu schlagen; doch auch ihre Spielstärke ist so, daß man zu der Mannschaft für die nächstjährige Saison unbedingt Vertrauen haben kann. Hemer spielte allerdings unter einem unglücklichen Stern, doch soll hierdurch der verdiente Sieg und das gute Können der Letmather um ein Nichts geschmälert werden. SV. Iserlohn 05— Spp. Lüttringhausen 3:3 Einen gleichwertigen Gegner erwartete der Sportverein Iserlohn 05. Man konnte sich hier nicht die Spitze bieten und nach wechselseitigen Erfolgen trennten sich beide Parteien mit einem dem Spielverlauf nach für beide Parteien gerechten Unentschieden. Sppgg. Wetter 10— Spp. Langendreer 5:3 Am Sonntag erfreute die Spielvag. Wetter ihre Anhänger wieder mit einem sicheren Sieg über Langendreer und verwischte damit die am Vortag erlittene Niederlage. Langendreer hatte schon gleich zu Anfang schwer zu ringen, um dem Tempo der Ruhrleute standzuhalten. Später sind aber beide Mannschaften fast abgekämpft. Wetter schlägt den Gast noch einmal, jedoch wird das 5:2 durch ein weiteres Tor der Gäste noch einmal korrigiert. Der Sieg blieb verdient auf der Strecke. BfR. Altenhundem— BC. Eintracht Siegen 1:3 Ein schönes Spiel gab es in Altenhundem zwischen BfR. und Eintracht Siegen. Die Siegener Gäste erzielten dank besserer Leistungen einen verdienten 3:1=Sieg. RSV. Eiserfeld=Eisern— BC. 07 Siegen 2:1 Einen glücklichen, aber auch verdienten Sieg erfocht der Rasensportverein Eiserfeld gegen Ballspielklub 07 Siegen. Das Spiel nahm einen interessanten Verlauf; hierst anden sich zwei Gegner gegenüber, die sich im Feldspiel gleichwertig waren und beide wurden zur Aufgabe ihres ganzen Könnens gezwungen. Der Platzverein als solcher blieb glücklicher, aber verdienter Sieger. BV. Nachrodt— FC. Haspe=Harkorten 2:2 In Lennetal unternahm der Fußballklub Haspe=Harkorten eine Reise. Auch hier waren die Leistungen ebenbürtig, jedoch spricht das Unentschieden wohl etwas für Haspe, als es beweist, daß die Hasper wieder in Schwung gekommen sind; ist doch Nochrodt besonders auf eigenem Platze ein schwer zu überwindender Gegner. Sp. u. Spp. Halver— Postsportverein Hagen 5:1 Der Spiel und Sport Halver erhielt Besuch vom Postsportverein Hagen. Die Gäste vermochten dem Gegner kaum etwas entgegenzusetzen, sodaß der Platzverein einen sicheren Sieg auf dem Felde behielt Westfalia Gevelsbera— Sppag. Fröndenberg 6:1 In Gevelsberg drehte die dortige Westfalia diesmal den Spieß um und revanchierte sich für die haushohe Niederlage in Fröndenberg. Das Päckchen, welches die Fröndenberger mit nach Hause nehmen mußten, war sehr deutlich und bewies, daß die Gerelsberger mit besseren Leistungen aufwarten können, wenn nur die Mannschaft komplett antritt. Lüdenscheid 08— Tura Barmen 0:2 Die Lüdenscheider Sportfreunde hatten mit der Verpflichtung des Bergisch=Märkischen Vertreters Tura Barmen keinen schlechten Griff getan. Nach einem glatt überlegen durchgeführten Spiel errangen die Barmer einen verdienten Sieg, der eigentlich sogar hätte höher lauten können. Die Barmer zeigten besonders im Sturm ein ganz vorzügliches Spiel und waren in der Ballaufnahme den Südwestfalen um eine Klasse besser. FC. Voele 19— Sportfreund. Kabel 6:0 Die Kabeler Sportfreunde erfüllten gestern nicht die in sie gesetzten Erwartungen. Bis zur Pause ist das Spiel zunächst noch verteilt und Boele kann in dieser Zeit aber schon 2 Tore buchen. Damit ist der Sieg aber noch nicht sichergestellt. Nach dem Wechsel läuft der Platzverein aber zur großen Form auf, die technische Ueberlegenheit macht sich immer stärker bemerkbar, Kabel kann dem Tempo nicht mehr standhalten und wird sast gänzlich in seine Hälfte verdrängt, sodaß Boele auf Grund besserer Technik das Spiel mit 6:0 für sich entscheiden konnte. Spp. Vorhalle 09— FC. Wengern S: 1 Der FC. Wengern weilte bei Vorhalle 09 und mußte hier erkennen, daß die Vorhaller in der nächstjährigen Meisterschaft ein ernsteres Wort mitsprechen werden. Die Gäste leisteten energischen Widerstand, jedoch Vorhalles Schußfreudigkeit im Sturm stellte den verdienten Sieg sicher. Spp. Attendorn— Spp. Bärenstein 4:2 Der Meister der Gruppe Siegen=Nord(Gauklasse erhielt Besuch vom Sportverein Bärenstein. Nach ansänglichem ebenbürtigen Spiel läuft Attendorn später zur größeren Form auf und erzielt einen glatten 4:2=Sieg. Betzdorf=Bruche— VfB. Wissen 1:3 Betzdorf=Bruche hatte auf eigenem Platze gegen VfB. Wissen nicht viel zu bestellen und überließ nach einem vom Gaste leicht überlegenen Sieg ihm auch den Sieg. BC. Brachbach— Borussia Kirchen 5:0 Klafeld=Geisweid— BfB. Meggen 3: 9 Urania Lütgendortmund— FC. Vogelsang 2: 5 VfB. Grüne— Spygg. Hagen 11(Res.) 2: 1 Vorhalle 09(Res.)— FC. Voßkuhle 3:1 Schwarz=Weiß Oberrahmede— Jahn Werdohl(Res.) 0: 4 Sppgg. Plettenberg— Sportunion Hagen ausgefallen RSV. Altenvoerde— SC. Hagen 05 3:3 Meisterschaftsspiele. FC. Volmarstein— Schwarz=Weiß Silschebe 3:2 Spp. Neuenrade— Spv. Grünewald 7:2 Tv. Oestrich—. VfL. Iserlohn 1:0 Handball. Jahn Werdohl— Klafeld=Geisweid 10: 4 Jahn Werdohl brachte den Gast Plafeld=Geisweid ebenfalls hoch zum Stolpern. Schon bis zur Pause stand der Sieg durch Werdohl mit 5:2 sicher. Dieses Ergebnis wurde dann in der zweiten Hälfte noch verdoppelt. An den Toren ist, der Halbrechte allein mit 8 Toren beteiligt. Dieses Ergebnis zeigt, daß die Werdohler den Siegener Vertretern, mit Ausnahme von Sportfreunde Siegen glatt ebenbürtig sind. Sp u. Spp. Halver— Hagen 11(Res.) 1:2. Die neue und aus nur jugendlichen Leuten bestehende Handballmannschaft vom Spiel und Sport Halver erfocht auch gestern mal wieder ein schmeichelhaftes Ergebnis. Man darf damit rechnen, daß die Halveraner in den nächstjährigen Meisterschaftsspielen mit von der Partie sein werden. BfR. Altenhundem— Spp. Eiringhausen 8:6. Der BfR. Altenhundem hatte Besuch vom Sportv. Eiringhausen und bewies seine Ueberlegenheit durch einen achtbaren 8: 6=Erfolg. WSV.=Stadtm. Hagen— DIK.=Stadtm. Hagen 4:: Die gestrige Begegnung der Städtemannschaften Hagen WSV. gegen DIK. hatte mehr als 1500 Zuschauer auf den Platz von Hagen 72 gebracht. Wir betonten in unserer Vorschau, daß die DIK.=Elf den Vorzug der größeren Geschlossenheit habe gegenüber der aus vier Vereinen gewählten WSV.=Vertretung. Unsere Vermutung erwies sich als richtig. Während die aus zwei Vereinen gut eingespielte DIs.=Esf aufeinander eingestimmt war, hatte die WSV.=Mannschaft mehrere schwache Punkte in ihren Reihen aufzuweisen. Am die deutsche Handballmeisterschaft. Die Zwischenrunde am kommenden Sonntag in Hagen. Der WSV.=Meister Sportfreunde Siegen im Kampfe mit der Spielvereinigung Fürth. Die endgültige Bestätigung für den großen Handballkampf in Hagen auf dem O5er=Platze am kommenden Sonntag zwischen dem WSV=Meister Sportfreunde Siegen und der berühmten Spielvereinigung Fürth ist jetzt endgültig gesichert. Die Begegnung wird um 3 Uhr ihren Anfang nehmen; auch vorher steigen mehrere interessante Begegnungen. Da der Platzverein bekanntlich im Mai seine große Jubiläumssportwoche hat, ist die Platzanlage durch sorgfältigen Ausbau entsprechend instand gesetzt und bietet jetzt für 15000 Zuschauer belueme Sichtmöglichkeiten. Da mit einem gewaltigen Zustrom zu rechnen ist wird ab Mittwoch, mit einem Vorverkauf in noch näher bekannt zu gebenden Stellen begonnen. Handballsubiläumsturnier des H. S. C. o5. Der Hagener Sportklub läßt seine Jubiläumssportwoche, die vom 17. bis 25. Mai vorgesehen ist, mit einem großen Handballturnier beginnen. Veranstaltungen solcher Art sind in Berlin, Aachen, Halle. Hamburg und anderen großen Städten schon oft mit bestem Erfolge durchgeführt worden, und nun wird man auch dem Hagener Sportpublikum Gelegenheit geben, mehrere Handball=Großkämpfe mitzuerleben. Als Gegner sind zwei erstklassige auswärtige Vereine(Sportfreunde Siegen und Tura Barmen) mit den beiden besten Hagener Mannschaften(Hagen 72 und Hagen 05) zusammengestellt. Das Programm hat die Kämpfe wie folgt festgesetzt: Samstag, den 17. Mai, Vorrunde: 6—7 Uhr Tura gegen Hagen 72, 7—8 Uhr Sportfreunde gegen Hagen 05. Sonntag, den 18. Mai, Trostrunde: 11—12 Uhr die beiden Unterlegenen des Vortages. Sollten dies die beiden Hagener Vereine sein, findet das Trostspiel an einem Wochentagabend in der Jubiläumswoche statt. Das Endspiel steigt am Sonntagnachmittag anschließend an die nationalen, leichtathletischen Wettkämpfe, also etwa gegen 5 Uhr. Die beiden Hagener Vereine haben die schwere Aufgabe, gegen die überaus spielstarken, auswärtigen Gegner möglichst ehrenvoll zu bestehen. Trotzdem werden sie es nicht verhindern können, daß sich am Sonntag im Endkampf Sportfreunde Siegen und Tura Barmen gegenüberstehen. Damit wäre eine Wiederauflage des Endspiels um die Westdeutsche Handballmeisterschaft gegeben, das erst vor einiger Zeit in Hagens Mauern stattfand. Wer erinnert sich nicht des rassigen Kampfes vor etwa 10.000 Zuschauern? Beide Mannschaften werden bestrebt sein, ihr überragendes Können erneut unter Beweis zu stellen. Während Siegen versuchen wird, seinen damaligen Sieg zu wiederholen, wird sich Tura ernstlich bemühen, gebührende Revanche zu nehmen. Für den Sieger ist eine sehr wertvolle, versilberte Plakette bereitgestellt, die der bekannte Kunstgewerbler Ernst Erbe entworfen hat und die in den nächsten Tagen im Fenster des Sporthauses„Stadion“ ausgestellt wird * 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Peter Voßberg atmete tief auf. In unaufdringlicher Gegensätzlichkeit kamen ihm die gestern erlebten Eindrücke in die Erinnerung. Das wilde Verkehrsgewühl auf dem von irrsinnig machenden, grellen Lichtbündeln überfluteten Potsdamer Platz. Die wie in einen Pferch zusammengetriebenen Menschen, einen schlechtdurchlüfteten Raum mit Schwatzen, Lachen und Gelärm erfüllend. Er selbst einer unter ihnen— und mit ihm Tina. Ja, und mit ihm Tina... Er sah sie, unter der leise bewegten Hängekrone einer Birke am Rande der Bruchstücken mit seinem Bleßfuchs haltend, in starker Rückkehr der Erinnerung wieder vor sich. Aber ihr Bild schien ihm heute merkwürdig verblaßt. Es war ohne Farbe. Es blieb ohne Eindruck. Und obwohl er sich Mühe gab, eine Beeinflussung herbeizuführen, zu erzwiagen, entglitt es immer mehr ins Schemenhafte. Peter Voßberg warf noch einen Blick über das Feld zu seinen Pflügern, einen gedankenschweren, träumerischen Blick, und ritt dann weiter. Narr!, dachte er, ein Insekt mit der einen Hand verscheuchend, die andere krampfhaft um die Zügel schließend. Ein Narr gestern! Und heute? Nicht minder ein Narr. Wozu diese unliebsame Szene mit seiner Mutter? Warum seine Unehrlichkeit? Was hatte ihn veranlaßt, nicht einfach und selbstverständlich von einem belanglosen Zusammentreffen zu sprechen? Belanglos? Oho! Ein Aufbegehren gegen dieses Wort sprang in ihm auf, um im nächsten Augenblick zurückgewiesen zu werden, zusammenzubrechen. Denn das eben unter der einsamen Birke Bedachte gesellte sich hinzu... Georgenwalde und Tina Arnebrink! Ewig Gegensätzliches. Peter Voßberg spornte den Fuchs zum Trab an. Der Sattel jankte und das Riemenzeug knarrte. Es war ein gutes, frisches Bild, diesen heimwärtstrabenden Reiter zu sehen. Man gewann bei seinem Anblick den Eindruck des Ungebundenen, Befreiten. Und Peter Voßberg fühlte sich selbst befreit. Denn er ritt mit dem Vorsatz heim, seiner Mutter von dem Zusammensein mit Tina Arnebrink zu erzählen— gleich, wenn er aus dem Sattel gestiegen sein würde. Aber er zögerte die Aussprache dann doch hinaus. Oder vielmehr— wie er sich vorzureden für erforderlich hielt— wurde sie hinausgeschoben, weil er zunächst noch durch die Ställe gehen mußte. Der Oberinspektor lief ihm in den Weg— in Wirklichkeit hatte er nach ihm gesucht—, mit dem er dies und jenes zu besprechen hatte. Schließlich war es nicht möglich gewesen, ein Zusammentreffen mit Brigitte zu vermeiden. Uebrigens war es ganz gut, daß er ihr im Flur begegnete. Nun konnte er ein paar herzliche Worte mit ihr sprechen und sie seine gestern ihr entgegenbrachte steif=kühle Art vergessen machen lassen. Er hatte allerdings keinen rechten Erfolg. Da ihn Brigitte in dem Wechsel seiner Stimmung, die innerhalb eines noch nicht vollen Tages zwischen verletzender Gleichgültigkeit und— wie sie zu empfinden meinte— halb übertriebener, halb gemachter Herzlichkeit schwankte, nicht verstand, verharrte sie in ablehnender Kühle und schützte eine eilige Arbeit vor, um schnell davonzukommen. Bedrückt und unsicher geworden, suchte er seine Mutter auf. Sie hatte gewußt, daß er kommen würde. Denn es war ja undenkbar, eine Unstimmigkeit zwischen ihnen bestehen zu lassen. Da sie ihre Genugtuung hinter einem schweigsamen Abwarten verbarg und seinen etwas gepreßt klingenden Gruß mit kühler Gemessenheit erwiderte, fühlte er sich in eine peinvolle Verlegenheit gestoßen. Er nahm ihr gegenüber Platz, schwieg eine Weile und begann dann von der Wintersaatbestellung auf den Bruchenden zu sprechen, wo er gewesen sei und wo das Pflügen morgen beendet sein würde. In der nächsten Woche könnte man dann... Ihr auffällig fragender Blick und ihr nachhaltiges Sichräuspern ließ ihn verstummen. „Ja, natürlich, Mutter“, sagte er dann,„du hast recht. Und deshalb war ich ja auch nicht zu dir gekommen, um dir etwas von Ackerbestellung zu erzählen.“ Er brach ab und sah durch das Fenster, hinter dem der hereinbrechende Abend mit Regengewölk am Westhimmel stand. Und an dieses dunkle Gewölk seinen Blick heftend, fuhr er nun fort: „Sondern ich wollte dich wegen meiner Heftigkeit heute mittag um Verzeihung bitten.“ Sie ließ die Häkelarbeit in den Schoß sinken und suchte sein Gesicht. „Nun, eigentlich warst du mehr als heftig, Peter. Aber ich will davon nicht mehr reden... Und natürlich verzeihe ich dir.“ „Ich danke dir.“ Wieder suchte sein Blick das dunkle Gewölk, das drohender geworden zu sein schien und schon einen gewissen Schatten in den Raum warf.„Und eigentlich... nun allerdings, um dich zu bitten, mir zu verzeihen — ja. Aber doch nicht eigentlich; denn in der Hauptsache wollte ich dir etwas anderes sagen.“ Er war wie in raschem Entschluß aufgestanden und begann zwischen einem Bücherspind und einem an der gegenüberliegenden Wand stehenden Sofa mit aufgeregten Schritten hin und her zu laufen, hielt den Kopf etwas gesenkt und hatte die Hände auf den Rücken gelegt. Frau Marianne verharrte in nervöser Spannung und wußte sich von einem peinigenden Druck belastet. Nun blieb er stehen und sah an ihr vorbei. „Ich wollte dir nämlich das von... Tina Arnebrink sagen.“ „Von ihr— von... „Ja, von ihr..., daß ich ihr nämlich gestern in Berlin ganz zufällig begegnet bin. Auf dem Potsdamer Platz. Ich war mit meinen Zug... Aber Mutter, es ist wirklich nicht nötig, daß du... ja, wie soll ich sagen: wie versteinert bist... Er versuchte ein kleines Lachen, das gequält klang.„Ich bin völlig unberührt geblieben. Ich meine, das Wiedersehen hat mir nichts ausgemacht. Nur geärgert habe ich mich nachher, daß ich ihretwegen nicht nur einen Zug, sondern dann auch noch den nächsten versäumte und so spät nach Hause kam. Deswegen bin ich dann wohl auch gestern abend etwas merkwürdig gewesen und du hast dir deswegen unnütze Sorgen gemacht.“ „Er hält für sich selbst so etwas wie eine Verteidigungsrede", dachte Frau Marianne,„und macht es ganz geschickt und spricht sich frei. Und man möchte ja auch alles gern gelten lassen, wenn es sich nicht eben um eine Verteidigungsrede handeln würde, bei der man nie alles glauben darf.“ Ja, gerade daß er soviel sprach und seine Entschuldigungen so wohlfeil waren wie Brombeeren, machte sie stutzig. Herr Gott, da hatte man nun geglaubt, daß die unliebsame Episode mit dieser Arnebrink für immer erledigt sein würde, und mußte nun das Gegenteil erfahren! Denn daß er, wie er sich ausdrückte,„völlig unberührt“ geblieben sein könnte, glaubte sie nicht. Ja, sogar das„zufällige" Begegnen wollte ihr nicht in den Sinn. Mancherlei, dem sie vor seiner Fahrt keinerlei Bedeutung zugemessen hatte, glaubte sie nun als belastendes Zeugnis für eine zwischen ihnen bestandene Verabredung bewerten zu müssen. Brigittes Mitnahme, um die sie, Frau Voßberg, ihn gebeten, hatte er abgelehnt, da er ihr infolge seiner zahlreichen Geschäfte nichts bieten könne. Welcher Art diese zahlreichen Geschäfte seien, war nur andeutungsweise von ihm zu erfahren gewesen. Sogar einer wichtigen Kreistagssitzung, die er sonst nie versäumte, war er der Fahrt wegen, die er unmöglich aufschieben könne, ferngeblieben. Zu seinem Gunsten sprach eigentlich nur, daß er von dem Zusammensein erzählte; denn das würde er ja, wenn es sich um ein Geheimnis gehandelt, nicht getan haben. Jedenfalls war er— und das würde er trotz aller gegenteiligen Versicherungen nicht ableugnen können— von dem Wiedersehen stark beeinflußt worden. Er wußte vielleicht selbst noch nicht, wie stark. „Nun ja“, sagte Frau Marianne endlich, als er sein Plädoyer längst beendet und abwartend gegen den runden Eichentisch gelehnt stand,„es gibt allerhand merkwürdige Zufälle. Und der deine ist besonders merkwürdig.“ Er beugte sich schroff vor und erhob die Hand. „Es ist trotzdem wahr!" „Ich würde dich verletzen, wenn ich dir nicht glauben wollte.“ Er lächelte bitter. „Das klingt nicht nach Ueberzeugung, Mutter.“ „Wir wollen es nicht zu Wortfechtereien kommen lassen, mein Junge“, sagte sie mit vieler Herzlichkeit und erhob sich.„Vielleicht haben wir überhaupt schon viel zu viel über eine Belanglosigkeit geredet. Das soll man nicht. Denn viele Worte machen aus unbedeutenden Dingen wichtige Angelegenheiten. Es kommt ja schließlich in der Hauptsache nur darauf an, daß dir dieses Fräulein Arnebrink eine vollständig gleichgültige Person sein muß. Weshalb, das brauche ich dir ja wohl nicht zu sagen.“ Er antwortete nicht. Nur ein mattes Kopfschütteln fand er als Entgegnung. „Nun ja. Und ich denke: Ein Mann, der einmal betrogen wurde...“ „Betrogen?“ fiel er ein.„Das darf man wohl nicht sagen. Mutter. Enttäuscht vielleicht.“ „Schön, meinetwegen enttäuscht. Tatsache bleibt doch, daß du damals von Verachtung sprachst. Und damit würden wir ja wohl nun unsere Unterhaltung beenden können. Oder hättest du mir noch etwas zu sagen?“ Er überlegte zaudernd. Voll eindringlicher Schärfe erinnerte er sich der Zusicherung, die er Tina gemacht, daß er ihr in bedrängter Lebenslage freundwilliger Helfer sein wolle. Aber da sie kaum je davon Gebrauch machen würde und es mithin nicht nötig war, das auch noch auszukramen und daran herumzureden, war es am vernünftigsten, nun wirklich endlich den entschiedenen Strich, der einen Abschluß bedeutete, zu ziehen. Frau Marianne glaubte eine ihn peinigende Unentschlossenheit in seinem Gesicht zu lesen. „Wenn du aber noch etwas hättest, dann solltest du es mir nicht verschweigen. Ich wünsche, daß keinerlei Unklarheit zwischen uns besteht. Und du wirst es nicht anders wollen.“ Er raffte sich auf.„Natürlich nicht, Mutter.“ Ein mattes, gequältes Lächeln lief zitternd über sein Gesicht. „Nein, ich wüßte nichts mehr.“ Im nächsten Augenblick gereute ihn das Wort— aber er würde es nicht widerrufen. Denn er war kein Narr! Wie? Wohin wollte er sie mitnehmen? Nach Tula? Wo das läge? Ein Stück hinter Moskau noch? Er war wohl verrückt geworden! „So weit?“ sagte sie in den Hörer hinein und fügte ein silbernes Lachen an.„Und jetzt mitten im Winter? Mein Gott, muß das sein?— So?“— Ja, es wäre doch wohl in diesem Falle eine persönliche Aussprache am Platze. Und sie würde ihn zu diesem Zweck zu gewohnter Zeit in ihrer Wohnung erwarten.—„Also auf Wiedersehen um fünf Uhr!“ Tina Arnebrink hängte den Hörer mit einer harten, zornigen Bewegung an und lachte laut und mißtönend. Nein, für solch eine ausgewachsene Kuriosität war sie nicht zu haben. Die mochte er nur allein erledigen. Und sie würde hübsch in Berlin bleiben. Obwohl es schon später Vormittag war, lag Tina noch im Bett. Sie dachte auch jetzt noch nicht daran, aufzustehen, sondern klingelte dem Mädchen und beauftragte das gleich und Schürze glänzten wie frischgefallener Schnee—, das Frühstück zu bringen. Während der wenigen Minuten, die bis zur Rückkehr Nellys vergingen, dehnte sich Tina wohlig in den seidenen Kissen, lauschte, die Augen träumerisch halbgeschlossen, auf das nur verschwommen an ihr Ohr dringende Verkehrsgeräusch des Kurfürstendammes und lachte dann plötzlich hell auf. Tula! Irgendwo hinter Moskau. Einfach lächerlich! Nein, sie hatte wirklich keine Lust, die Bolschewiken in ihrem Lande kennenzulernen, sich mit den Genossen auf du und du zu stellen und vielleicht, weil als Angehörige westlicher Kultur antibolschewistischer Umtriebe verdächtig, bald an einem Galgen der Sowjetbrüder zu enden oder Land und Leute in Sibirien kennenzulernen. So nett es war, einen mit Sowjetrubeln gesegneten Vertreter dieses sagenhaft unsicheren Landes hier in Berlin als Freund zu besitzen, so wenig verlockend war die Aussicht, ihn nach dorthin zu begleiten. Nein, verehrter Herr Iwan Adrianoffka, da mußt du schon allein reisen! Nelly, die Frühstück und Morgenzeitungen brachte, plauderte auf sie ein. Umsorgte und verhätschelte ihre Herrin wie eine verwöhnte und gefeierte Diva. „Weißt du, wo Tula liegt, Nelly?“ „Tula? Auch nicht die geringste Vorstellung, gnädige Frau.“ „Also in Rußland. Irgendwo da weit hinten herum. Und du mußt packen. Ich reise nach Tula.“ „Gnädige Frau scherzen“, sagte Nelly ungläubig, das freche Näschen von Neugierde gebläht. „Nein, völliger Ernst. Die Bolschewiken wollen sich umstellen und zaristisch werden und mich wollen sie zu ihrer Zarin machen.“ „Eine bessere könnten die Leutchen nicht finden, als es gnädige Frau sein würden“, schmeichelte Nelly und lachte belustigt.„Also es war wirklich nur ein Scherz. „Leider, Nelly!“ bedauerte Trina mit komischem Ernst. „Und ich wäre doch so gern Kaiserin geworden...“— Der Besuch Adrianoffkas belehrte Tina dann allerdings, daß sie mit trivialen Scherzen an der Sache nicht vorüberkommen würde. Sie empfing ihren Freund in dem elegant eingerichteten Salon, auf dem Diwan liegend, versuchte sich in einem Schmollen und streckte ihm lässig die Hand hin.„Du findest mich in schlechter Laune, mein Freund. Dein Tula=Alarm ist mir an die Nerven gegangen. „Das tut mir leid, meine Taube“, sagte der Russe, der in seiner ganzen Erscheinung unschwer den früheren kaiserlichen Offizier erkennen ließ und in dem wohl niemand den fanatischen Anhänger bolschewistischer Beglückungstheorie vermutet hätte, zu dem er sich umzustellen verstanden. Ein eigenes Lächeln stand in seinem bartlosen, von Energien durchfurchten Gesicht, und über die hoh:, kantige Stirn lief ein flüchtiger Schatten.„Du wirst dih wohl oder übel damit abfinden müssen.“ Tina richtete sich, hastig aufschnellend, in die Höhe.„Il, aber du wirst doch wohl damit nicht sagen wollen, daß da allen Ernstes die Absicht hast, mich nach deinem Tula zu verschleppen?“ „Allen Ernstes. Allerdings. Oder glaubtest du, daß ic beabsichtigen könnte, dich aufzugeben, um dich einem anderen zu überlassen? Ich hätte dich für weniger törich gehalten, Genossin Tina.“ Er hatte sich auf die Kante des Diwans gesetzt und sich ihrer leise widerstrebenden Hände bemächtigt, die er nun fest umschlossen hielt. „Sieh, weiße Taube, so sicher ich jetzt deine Hände in den meinen habe, so fest und sicher habe ich dich überhaupt. Unentrinnbar sicher bist du mir.“ „Ich will dir ja auch nicht entrinnen“, sagte sie, ihr Lächeln vertiefend.„Es kommt mir nur so überraschend mit deinem Vorhaben.“ Sie entzog ihm ihre Hände in kosendem Spiel und verschränkte sie im Nacken.„Wenn du mir erst Einzelheiten mitgeteilt hast, werde ich mich schon beruhigen. „Es handelt sich zunächst überhaupt um kein Vorhaben meinerseits. Die Regierung ruft mich zurück, und ich habe diesem Ruf zu folgen. Sie will mir die Leitung der Tulaer Werke übertragen, in denen in der Hauptsache Giftgase hergestellt werden— Giftgase zur Vernichtung des kapitalistischen Europas, wenn die Stunde der Abrechnung gekommen ist, der letzte Kampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Man belohnt mit diesem Ruf meine Verdienste um die Verbreitung der kommunistischen Idee in Deutschland, und entzieht mich gleichzeitig der politischen Polizei, die mich seit geraumer Zeit argwöhnisch bespitzeln läßt und eines schönen Tages zugreifen würde. Der Boden unter meinen Füßen ist heiß geworden. Ich werde daher: meine Abreise nicht unnötig hinauszögern.“ Tina war während seines Sprechens ganz in sich zusammengesunken. Die im Nacken verschlungenen Hände hatten sich in einer Art Willenlosigkeit gelöst und lagen nun lasch, wie nicht zu ihr gehörend, auf dem über den Diwan gebreiteten Bärenfell— Adrianoffkas letztem Geschenk. Sie hatte bis jetzt geglaubt, daß es sich nur um einen vorübergehenden Aufenthalt handle und nicht im entferntesten an eine ständige Uebersiedlung gedacht. Sie überlegte in schneller Aufeinanderfolge: Mein bequemes Leben wird vorläufig, solange ich für den Scheidenden keinen Ersatz gefunden habe, zu Ende sein, falls ich mich nicht zum Mitgehen entschließe. Und das vermag ich nicht, weil ich mich vor diesem entsetzlichen Lande mit seinen grausamen Menschen fürchte. Vielleicht auch, als Gedanke im Unterbewußtsein entspringend, weil sie dieses Mannes, der sie mit seiner Eifersucht quälte und sie in ein Hörigkeitsverhältnis zu ihm zwingen wollte, überdrüssig war und nun eine gute Gelegenheit finden würde, sich seiner zu entledigen. (Fortsetzung folgt.)